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Text
1
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DEUTSCHES LESEBUCH
FÜR DIE 9. und 10. KLASSEN
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jiHTeparype.
A. A. Fepdr
Gotthold Ephraim Lessing
(1729—1781)
* Lessing, der größte deutsche Aufklärer des XVIII. Jahrhunderts,
wurde am 22. Januar 1729 in der sächsischen Stadt Kamenz geboren.
Lessings literarische Tätigkeit war vielseitig: er schrieb Gedichte,
Epigramme, Fabeln, Abhandlungen über Kunst und Literatur, drama-
tische, kritische, publizistische und philosophische Werke.
Zu Lessings bedeutendsten dramatischen Werken, die eine ganze
Epoche in der Entwicklung der deutschen Literatur bilden, gehören:
„Miß Sara Sampson“ (1755), „Minna von Barnhelm“ (1767), „Emilia
Galotti“ (1772) und „Nathan der Weise“ (1779)./
„Miß Sara Sampson“ ist das erste deutsche Trauerspiel, dessen
Haupthelden Vertreter des Bürgertums sind V
In „Minna von Barnhelm“ protestiert der Dichter gegen die
feudale Zerstückelung Deutschlands, gegen den Nationalhaß und
kämpft für die nationale Vereinigung des deutschen Volkes. Das macht
dieses Werk auch f jr unsere Zeit höchst aktuell.J
7
In „Emilia Galotti“ äußert Lessing einen leidenschaftlichen Protest
gegen den Despotismus der Fürsten; im Drama „Nathän der Weise“
tritt er gegen religiöse Vorurteile und für die Freiheit der Vernunft auf.
Lessing war ein unbestechlicher Demokrat, ein unbeugsamer
Kämpfer gegen den Feudalismus und dessen Ideologie, ein unver-
söhnlicher Gegner des pfäffischen Idealismus und des religiösen
Obskurantismus. In seinen kritischen Werken, besonders in seiner
„Hamburgischen Dramaturgie“ (1767—1769), tritt Lessing als Theore-
tiker des bürgerlichen Realismus des XVIII. Jahrhunderts auf.
Lessings ganzes Leben war der Erforschung der Wahrheit und
dem Kampfe gegen Heuchelei und Lüge gewidmet. Lessing war ein
furchtloser Kämpfer und ein Mann von der größten Unabhängigkeit
des Charakters.
Marx und Engels schätzten Lessing als kühnen und folgerichtigen
Kämpfer für eine fortschrittliche Literatur.
Eine äußerst hohe Einschätzung gaben Lessing auch die großen
russischen revolutionären Demokraten des XIX. Jahrhunderts —
Belinski und besonders Tschernyschewski.
Tschernyschewski hat dem großen deutschen Dichter eine umfang-
reiche Arbeit gewidmet — „Lessing, seine Zeit, sein Leben und
Wirken“ '.
Lessing starb am 15. Februar 1781 in Braunschweig.
Nachstehend bringen wir einige Fabeln von Lessing, in denen mit
scharfem Witz verschiedene Laster der Menschen verspottet werden:
Kriecherei („Der Tanzbär“), Nachäfferei („Der Affe und der Fuchs“),
Heuchelei („Der Wolf und der Schäfer“), Habgier („Der Hamster“),
Prahlerei und Hochmut.
FABELN
Der Tanzbär • U o)' cm.
Ein Tanzbär war der Kett’ entrissen 1 2
Kam wieder in den Wald zurück,
Und tanzte seiner Schar ein Meisterstück
Auf den gewohnten Hinterfüßen 3.
1 H. T. Hep h bi meacKH h, JleccHHr, ero upeMfl, ero >KH3Hb h
ÄeflTejibHocTb.
2 war der. Kett’ (= Kette) entrissen — copsajicn c uenw
3 auf den gewohnten Hinterfüßen = auf den Hinterfüßen, für die
das Tanzen eine gewohnte Sache war
6
1
„Seht“, schrie er, „Das ist Kunst! Das lernt man in der Welt.
Tut es mir flach !, wenn’s euch gefällt,
Und wenn ihr könnt!“ — „Geh“, brummt ein alter Bär,
„Dergleichen Kunst, sie sei so schwer,
Sie sei so rar sie sei1 2,
Zeigt deinen niedern Geist und deine Sklaverei!“
Ein großer Hofmann sein,
Ein Mann, dem Schmeichelei und List
Statt Witz und Tugend ist3;
Der durch Kabalen steigt, des Fürsten Gunst erstiehlt4
Mit Wort und Schwur als Komplimenten spielt,
Ein solcher Mann, ein großer Hofmann sein,
Schließt das Lob oder Tadel ein?
Der Hamster und die Ameise
„Ihr armseligen Ameisen“, sagte ein Hamster. „Verlohnt
es sich der Mühe 5, daß ihr den ganzen Sommer arbeitet, um
ein so weniges einzusammeln? 6 Wenn ihr meinen Vorrat
sehen solltet!“---
„Höre“, antwortete eine Ameise, „wenn er größer ist, als
du ihn brauchst, so ist es schon recht, daß die Menschen dir
nachgraben, deine Scheuern ausleeren und dich deinen
räuberischen Geiz mit dem Leben büßen lassen.“
Der Affe und der Fuchs
„Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nach-
ahmen könnte!“ So prahlte der Affe gegen den Fuchs 7. Der
Fuchs aber erwiderte: „Und du nenne mir ein so gering-
1 Tut es mir nach = macht es so, wie ich
2 sie sei so rar sie sei = sie mag noch so rar sein — i<aK 6h
CJIOJKHO OHO HH ÖHJIO
3 ein Mann, dem Schmeichelei und List statt Witz und Tugend
ist — qejiOBeK, y Koroporo bm-ccto ocTpoy.MHH h joöpojeTejiH JiecTb
H XHTpoCTb
4 der durch Kabalen..., des Fürsten Gunst erstiehlt der durch
unehrliche Handlungen die Gunst des Fürsten gewinnt
5 Verlohnt es sich der Mühe? — pa3Be ctoht Tpyaa?
0 um ein so weniges einzusammeln — iitoöh coöpaTb Tanne
nycTsiKM
7 gegen den Fuchs - nepej .incmicn
7
7
I
schätziges Tier, dem es einfallen könnte, tdir nachzu-
ahmen.“ 1
Schriftsteller meiner Nation! — Muß ich mich noch
deutlicher erklären? 1 2
Der Wolf und der Schäfer
Ein Schäfer hatte durch eine grausame Seuche seine
ganze Herde verloren. Das erfuhr der Wolf und kam, seine
Kondolenz abzustatten 3.
„Schäfer“, sprach er, „ist es wahr, daß dich ein so
grausames Unglück betroffen4? Du bist um deine ganze
Herde gekommen5? Die liebe, fromme, fette Herde! Du
dauerst mich 6, und ich möchte blutige Tränen weinen.“
„Habe Dank7, Meister Isegrim8“, versetzte der Schä-
' fer. „Ich sehe, du hast ein sehr mitleidiges Herz.“
„Das hat er auch wirklich“, fügte des Schäfers Hylax 9
I hinzu, „sooft er unter dem Unglück seines Nächsten selbst
leidet.“
Der Esel und der Wolf
Ein Esel begegnete einem hungrigen Wolfe.
„Habe Mitleid mit mir!“ 10 11 sagte der zitternde Esel. „Ich
i bin ein armes, krankes Tier; sieh’ nur, was für einen Dorn
ich mir in den Fuß getreten habe!“ 11
1 dem es einfallen könnte, dir nachzuahmen — KOTopoMy moijio
npHHTH b rojioßy JKejiaHwe nonpaxtaTb Teöe
2 Muß ich mich noch deutlicher erklären? — HyxtHo jih MHe eme
HCHee Bbipa3HTb CBOIO MbICJlb?
3 kam seine Kondolenz abzustatten — npHiueji Bbipaairrb co6ojic3-
HOBaHHe
4 ... daß dich ein so grausames Unglück betroffen (hat) — mto
tc6r nocTHrvio Tanoe CTpauiHoe öe^cTBHe P
5 Du bist um deine ganze Herde gekommen? = Du hast deine
ganze Herde verloren?
6 Du dauerst mich — Miie xtajib Teßa
7 Habe Da'nW — Cnacnöo TeÖe
8 Meister Isegrim = Herr Isegrim (Name des Wolfes in Fabeln
und Märchen).
9 Hylax — THJiaKc (der Name des Schäferhundes).
10 Habe Mitleid mit mir! — CjKajibca Hajio mhoio!
11 sieh’ nur, was für einen Dorn ich mir in den Fuß getreten
habe! — nocMOTpn, KaKyio aaiioay h aacajiHji ce6e b Hory!
8
„Wahrhaftig, du dauerst mich“, versetzte der Wolf. „Und
ich finde mich in meinem Gewissen verbunden ', dich von
diesen Schmerzen zu befreien.“
Kaum war das Wort gesagt, so war der Esel zerrissen.
Der Rabe
Der Rabe bemerkte, daß der Adler ganze dreißig Tage
über seinen Eiern brütete. „Und daher kommt es ohne
Zweifel“, sprach er, „daß die Jungen des Adlers so all-
sehend und stark werden. Gut, das will ich auch tun.“
Und seitdem brütet der Rabe wirklich ganze dreißig
Tage über seinen Eiern; aber noch hat er nichts als elende
Raben ausgebrütet.
Der Springer im Schach
Zwei Knaben wollten Schach ziehen1 2. Weil ihnen ein
Springer3 fehlte, so machten sie einen überflüssigen
Bauer 4 durch ein Merkzeichen dazu.
„Ei“, riefen die andern Springer, „woher, Herr
Schritt vor Schritt?“ 5
Die Knaben hörten die Spötterei und sprachen:
„Schweigt! Tut er uns nicht eben die Dienste, die ihr tut?“
Der Adler
Man fragte den Adler: „Warum erziehst du deine Jungen
so hoch in der Luft?“
Der Adler antwortete: „Würden sie sich, erwachsen, so
nahe zur Sonne wagen 6, wenn ich sie tief an der Erde
erzöge?“
1 ich finde mich in meinem Gewissen verbunden — moh coßecTt>
noGyjK/iaeT Menn
2 Schach ziehen = Schach spielen.
3 der Springer eine Schachfigur — ujaxMaTHbiü kohl.
4 der Bauer = hier: eine Schachfigur — neniKa.
5 Herr Schritt vor Schritt — toctiohhh LIIar-3a-iuaroM (HacMeiujiH-
BaH KjiHHKa neuiKH b Hrpe b iiiaxMaTbi).
6 Würden sie sich, erwachsen (= wenn sie erwachsen sind), so
nahe zur Sonne wagen? — Pa3Be ohh, 6yjiyiiH B3pocjibiMH, ocwejiHjiHCb
6bl HO/lHHTbCH T3K BbICOKO K COJlHliy?
9
Johann Wolfgang Goethe
(1749—1832)
Der größte deutsche Dichter Johann Wolfgang Goethe wurde
am 28. August 1749 in Frankfurt am Main in einer gebildeten und
wohlhabenden Familie geboren. Mit 8 Jahren 1 übersetzte Goethe schon
deutsche Dichter ins Lateinische, Griechische und Französische, selber
übte er sich im Dichten seit seinem 5. Lebensjahr.
Im Jahre 1765 ging Goethe auf die Leipziger Universität, wo er
auf Wunsch seines Vaters die Rechte studierte, sich aber mehr füi;*'
Literatur, Kunst, Sprachen, Philosophie, Geschichte und Naturkunde
interessierte.
Schon die ersten zwei größeren Werke, das Drama „Götz von
Berlichingen“ (1773) und der Roman in Briefform „Die Leiden des
1 Mit 8 Jahren — Bocbmh jict
10
1
jungen Werther“1 (1774), brachten Goethe Weltruhm und machten
ihn zum anerkannten Führer der Sturm- und Drangbewegung!1 2
Goethe, der aus der reichen Quelle der Volksdichtung schöpfte,
war ein großer Lyriker. Solche Gedichte wie „Heideröslein“3, „Mai-
lied“, „Auf dem See“, „Wanderers Nachtlied“ und andere Jugend-
gedichte sind als wahre Meisterwerke in die reiche Schatzkammer
der Weltliteratur eingegangen.
Im Jahre 1775 siedelte Goethe auf Einladung des jungen Herzogs
Karl August nach Weimar über. Hier blieb er bis an sein Lebensende.
Das Hofleben begünstigte durchaus nicht die literarische Tätigkeit des
Dichters. Da faßte Goethe im Jahre 1786 einen schnellen Entschluß und
reiste für zwei Jahre nach Italien. Von nun an veröffentlichte der
Dichter ein Werk nach dem andern, von denen die wichtigsten folgende
sind: „Iphigenie auf Tauris“ 4 (1787), „Römische Elegien“ (1788),
„Egmont“ (1788), „Torquato Tasso“ (1790), „Wilhelm Meisters
Lehrjahre“5 (1795—1796), „Die Wahlverwandtschaften“6 (1809),
„Dichtung und Wahrheit“ (1811 — 1832), „Italienische Reise“
(1816—1817), „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ (1821—1829) und
„Faust“ (1774—1831).
Das größte und bedeutendste Werk von Goethe ist die Tragödie
„Faust“, an der der Dichter fast 60 Jahre lang arbeitete. ^Der große
russische Dichter A. S. Puschkin sagte, daß „Faust“ (He größte
Schöpfung des poetischen Geistes sei, daß er den Inbegriff der
modernen Dichtung darstelle, ebenso wie die „Ilias“7 ein Denkmal des
klassischen Altertums sei. Der große russische Kritiker und revolutio-
näre Demokrat W. G. Belinski nannte Goethe einen Giganten der
Kunst, einen echten und großen Vertreter der deutschen Literatur und
betonte stets die enge Verbundenheit Goethes mit seiner Zeit und
seinem Volk.
Im Jahre 1794 befreundete sich Goethe mit dem andern großen
deutschen Dichter, Friedrich Schiller. Die innige Freundschaft und
jahrelange Zusammenarbeit dieser Dichter war für beide von größter
Bedeutung.
1 „Die Leiden des jungen Werther“ — „Crpa/iamm wojiojioro
BepTepa“.
2 Sturm- und Drangbewegung — ÄBUJKemie „6ypu h naTHCKa“,
jiHTeparypHoe Teqeuwe b TeoMaHMH b XVIII BeKe.
3 „Heideröslein“ — „FIojieBan poaoqKa“.
4 „Iphigenie auf Tauris“ — „W^HreHim b TaBpu/ie“.
5 „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ — „Toam yueiiMH BujibrejibMa
MewcTepa“.
6 „Die Wahlverwandtschaften“ — „HaOupaTeJibiioe cpoacTBo“ (b
hobom pyccKow nepeBOje „PoncTBenubie narypbi“).
7 „Ilias“ — „Wjinajia“ foMepa.
11
Goethes literarisches Erbe ist sehr reich: die Weimarer akademische
Ausgabe seiner Werke (die sogenannte Sophien-Ausgabe) umfaßt 143
Bücher. Goethe war ein genialer und vielseitig gebildeter Dichter und
Gelehrter. Er war ein großer Lyriker, Dramatiker und Romanschrift-
steller, ein hervorragender Philosoph, Kritiker, Sprachforscher, Maler,
Naturforscher und Staatsmann.
Marx und Engels nannten Goethe den größten Deutschen und
schätzten sein Schaffen sehr hoch. Marx, der Goethe zu seinen Lieb-
lingsdichtern und „Faust“ zu seinen Lieblingswerk^n zählte, wußte
viele Werke von Goethe auswendig und zitierte sie oft im Gespräche
und in seinen Schriften.
Marx und Engels hoben die progressive Bedeutung in Goethes
Schaffen hervor, deckten aber auch die Widersprüche in seinem Leben
und Schaffen auf.
Goethe starb am 22. März 1832.
Goethes Werken wurde in unserem Lande immer große Aufmerk-
samkeit geschenkt. Fast alle bedeutenden russischen Dichter des XIX.
Jahrhunderts haben , sich mit Übersetzungen von Werken Goethes
befaßt. Viele Gedichte Goethes wurden von russischen Komponisten in
Musik gesetzt. Besonders rege wurde das Interesse für Goethe nach
der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution.
Im Jahre 1949 wurde von der gesamten progressiven Menschheit
der 200. Geburtstag des genialen Dichters gefeiert. Besonders feierlich
verlief dieses Jubiläum in der Sowjetunion und in der Deutschen
Demokratischen Republik.
Nachstehend bringen wir neben einigen Gedichten von Goethe
Auszüge aus dem Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“.
Auf dem See
(1775)
Und frische Nahrung, neues Blut
Saug’ ich aus freier Welt:
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält!
Die Welle wieget unsern Kahn
Im Rudertakt hinauf,
Und Berge, wolkig himmelan,
Begegnen unserm Lauf.
12
Äug’, mein Äug’, was sinkst du nieder?
Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Weg, du Traum! so gold du bist:
Hier auch Lieb’ und Leben ist.
Auf der Welle blinken
Tausend schwebende Sterne,
Weiche Nebel trinken
Rings die türmende Ferne;
Morgenwind umflügelt
Die beschattete Bucht,
Und im See bespiegelt
Sich die reifende Frucht.
Nähe des Geliebten 1
Ich denke dein 1 2, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
In stillem Haine geh’ ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!
Die Freuden
Es flattert um die Quelle
Die wechselnde Libelle,
Mich freut sie lange schon;
1 Dieses Gedicht wurde von den russischen Komponisten Aljabjew,
Mjaskowski u. a. in Musik gesetzt.
2 ich denke dein ich denke an dich
13
Bald dunkel und bald helle,
Wie der Chamäleon ’,
Bald rot und blau,
Bald blau und grün.
O daß ich in der Nähe
Doch ihre Farben sähe!
Sie schwirrt und schwebet, rastet nie!
Doch still, sie setzt sich an die Weiden.
Da hab’ ich sie! Da hab’ ich sie!
Und nun betracht’ ich sie genau,
Und seh’ ein traurig dunkles Blau —
So geht es dir, Zergliedrer deiner Freuden!
!
>
Mailied1 2 V
Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig,
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch.
Und Freud’ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd’, o Sonne,
O Glück, o Lust!
O Lieb’, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!
Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.
O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb’ ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!
So liebt die Lerche
Gesang und Luft, 4
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,
Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud’ und Mut
Zu neuen Liedern
Und Tänzen "gibst. '*
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!
1 der Chamäleon — letzt gebräuchlich: das Chamäleon.
2 3to CTHXOTBopeHHe mhofo paa BcnoMHHaji H. T. MepHbimeBCKHÖ;
oh aaxe aanHcaji ero b cboü ahcbhmk h BOCXHmajica hm. IlecHH nepe-
Jioxeaa Ha MyatiKy KOMnoaHTopoM CepoBMM.
14
Blumengruß
Der Strauß, den ich gepflücket,.
Grüße dich viel tausendmal!
Ich habe mich oft gebücket,
Ach, wohl eintausendmal,
Und ihn ans Herz gedrücket
Wie hunderttausendmal!
Meeresstille 1
Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sicht der Schiffer
Glatte Fläche rings umher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todestille fürchterlich!
In der ungeheuren Weite
Reget keine Welle sich.
* *
Geh! gehorche meinen Winken,.
Nutze deine jungen Tage,
Lerne zeitig klüger sein:
Auf des Glückes großer Wage
Steht die Zunge selten ein 1 2.
Du mußt steigen oder sinken,
Du mußt herrschen und gewinnen
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboß oder Hammer sein.
1 Dieses Gedicht wurde von den Komponisten Ljapunow, Napraw-
nik, Rubinstein u. a. vertont.
2 steht die Zunge selten ein = bleibt die Zunge selten stehen
Auszüge aus dem Roman „Wilhelm Meisters
Lehrjahre“
Mignons Tanz 1
(aus dem 8. Kapitel des II. Buches)
Das zwölfjährige italienische Mädchen Mignon1 2 wurde
als kleines Kind von wandernden Seiltänzern geraubt und in
die Fremde entführt. Wilhelm Meister rettete das liebliche
Kind vor den grausamen Mißhandlungen eines groben
Mannes und nahm es später auf seinen Wanderungen mit
sich. Mignon liebte ihren Retter, der ihr den Vater ersetzte.
Eines Tages kam Wilhelm in schlechter Stimmung nach
Hause. Mignon erheiterte ihn durch einen wunderbaren Tanz.
Mignon hatte auf Wilhelm gewartet und leuchtete ihm
die Treppe hinauf. Als sie das Licht niedergesetzt hatte, bat
sie ihn, zu erlauben, daß sie ihm heute Abend ein Kunst-
stück zeigen dürfe. Er hätte es lieber verbeten 3, besonders
da er nicht wußte, was es werden sollte. Allein er konnte
diesem guten Geschöpfe nichts abschlagen. Nach einer kur-
zen Zeit trat sie wieder herein. Sie trug einen Teppich unter
dem Arme, den sie auf der Erde ausbreitete. Wilhelm ließ sie
gewähren4. Sie brachte darauf vier Lichter, stellte eins
auf jeden Zipfel des Teppichs. Ein Körbchen mit Eiern, das
sie darauf holte, machte die Absicht deutlicher. Künstlich
abgemessen schritt sie nunmehr auf dem Teppich hin und
her und legte in gewissen Maßen 5 die Eier auseinander;
dann rief sie einen Menschen herein, der im Hause auf-
wartete und die Violine spielte. Er trat mit seinem Instru-
ment in die Ecke; sie verband sich die Augen, gab das
Zeichen und fing zugleich mit der Musik, wie ein aufgezoge-
nes Räderwerk, ihre Bewegungen an, indem sie Takt und
Melodie mit dem Schlage der Kastagnetten begleitete.
Behende, leicht, rasch, genau führte sie den Tanz. Sie
trat so scharf und so sicher zwischen die Eier hinein, bei
1 FIoA3arojioBKH k orpbiBKaM M3 poMana Tere „Wilhelm Meisters
Lehrjahre“ jiaHbi cocTaBMTejieM.
2 Mignon. — sprich’, [minjom]
3 Er hätte es lieber verbeten — Oh oxotho otkjiohhji 6h 3ro
4 ließ sie gewähren = hinderte sie nicht bei ihren Vorbereitungen
5 in gewissen Maßen — in gewissen Abständen — na onpeAeJieH-
hom paccTOHHHH jipyr ot Apyra
16
den Eiern nieder, daß man jeden Augenblick dachte, sie
müsse eins zertreten oder bei schnellen Wendungen das
andere fortschleudern. Mit nichten! Sie berührte keines, ob
sie gleich mit allen Arten von Schritten, engen und weiten,
ja sogar mit Sprüngen und zuletzt halb kniend sich durch
die Reihen durchwand.
Unaufhaltsam, wie ein Uhrwerk, lief sie ihren Weg, und
die sonderbare Musik gab dem immer wieder von vorne
anfangenden und losrauschenden Tanze bei jeder Wieder-
holung einen neuen Stoß. Wilhelm war von dem sonderbaren
Schauspiele ganz hingerissen; er vergaß seine Sorgen,
folgte jeder Bewegung der geliebten Kreatur und war ver-
wundert, wie in diesem Tanze sich ihr Charakter vorzüglich
entwickelte L
Streng, scharf, trocken, heftig und in sanften Stellungen
mehr feierlich als angenehm zeigte sie sich. Er empfand,
was er schon für Mignon gefühlt, in diesem Augenblicke
auf einmal. Er sehnte sich, dieses verlassene Wesen an
Kindes Statt seinem Herzen einzuverleiben 1 2, es in seine
Arme zu nehmen und mit der Liebe eines Vaters Freude
des Lebens in ihm zu erwecken.
Der Tanz ging zu Ende; sie rollte die Eier mit den Füßen
sachte3 zusammen auf ein Häufchen, ließ keines zurück,
beschädigte keines und stellte sich dazu, indem sie die
Binde von den Augen nahm und ihr Kunststück mit einem
Bücklinge endigte. /
Wilhelm dankte ihr, daß sic ihm den Tanz, den er zu
sehen gewünscht, so artig und unvermutet vorgetragen
habe. Er streichelte sie und versprach ihr ein neues Kleid,
worauf sie heftig antwortete: „Deine Farbe!“ Auch das
versprach er ihr, obgleich er nicht deutlich wußte, was sie
darunter meine. Sie nahm die Eier zusammen, den Teppich
unter den Arm, fragte, ob er noch etwas zu befehlen habe,
und lief zur Tür hinaus.
Von dem Musikus 4 erfuhr er, daß sie sich seit einiger
Zeit viele Mühe gegeben, ihm den Tanz, welches der
1 sich entwickelte — hier-, sich zeigte, sich äußerte
2 an Kindes Statt seinem Herzen einzuverleiben = wie sein eige-
nes Kind in sein Herz zu schließen
3 sachte = langsam und vorsichtig
4 der Musikus = der Musikant
2 Ne 4172
17
bekannte Fandango 1 war, so lange vorzusingen, bis er ihn
habe spielen können. Auch habe sie ihm für seine Bemühun-
gen etwas Geld angeboten, das er aber nicht nehmen wollen.
Der Sänger
(aus dem 11. und 13. Kapitel des II. Buches)
Wilhelm Meister befand sich mit seinen Freunden in
einem Wirtshaus. Der Wirt trat herein und meldete einen
Harfenspieler an. „Sie werden“, sagte er/„gewiß Vergnügen
an der Musik und an den Gesängen dieses Mannes finden;
es kann sich niemand, der ihn hört, enthalten, ihn zu bewun-
dern.“ Es trat ein alter Mann mit einer Harfe herein. Die
Gestalt dieses seltsamen Gastes setzte die ganze Gesellschaft
in Erstaunen.
Sein kahler Scheitel war von wenig grauen Haaren um-
kränzt, große blaue Augen blickten sanft unter langen weißen
Augenbrauen hervor. An eine wohlgebildete Nase schloß
sich ein langer weißer Bart an, ohne die gefällige Lippe zu
bedecken, und ein langes dunkelbraunes Gewand umhüllte
den schlanken Körper vom Halse bis zu den Füßen; und so
fing er auf der Harfe, die er vor sich genommen hatte, zu
präludieren an.
Die angenehmen Töne, die er aus dem Instrumente her-
vorlockte, erheiterten gar bald die Gesellschaft.
„Singt uns etwas, das Herz und Geist zugleich mit den
Sinnen ergötzt“, sagte Wilhelm. „Das Instrument sollte nur
die Stimme begleiten; denn Melodien ohne Worte und Sinn
scheinen mir Schmetterlingen oder schönen bunten Vögeln
ähnlich zu sein, die in der Luft vor unsern Augen herum-
schweben, die wir allenfalls haschen und uns zueignen
möchten; da sich der Gesang dagegen wie ein Genius gen 1 2
Himmel hebt und das bessere Ich in uns ihn zu begleiten
anreizt.“
Der Alte sah Wilhelm an, alsdann in die Höhe, tat
einige Griffe auf der Harfe und begann sein Lied. Es
enthielt ein Lob auf den Gesang, pries das Glück der Sänger
und ermahnte die Menschen, sie zu ehren. Er trug das Lied
mit so viel Leben und Wahrheit vor, daß es schien, als hätte
1 Fandango — Oan/iaHro. Ein spanischer Nationaltanz, der
gewöhnlich von zwei Personen getanzt wird. Die anfangs mäßigen
Bewegungen werden beim Tanzen immer rascher und leidenschaft-
licher.
2 gen poet. = gegen
18
er es in diesem Augenblicke und bei diesem Anlasse
gedichtet. Wilhelm enthielt sich kaum, ihm um den Hals zu
fallen; nur die Furcht, ein lautes Gelächter zu erregen, zog
ihn auf seinen Stuhl zurück.
Als man nach dem Verfasser des Liedes fragte, gab der
Alte keine bestimmte Antwort; nur versicherte er, daß er
reich an Gesängen sei, und er wünsche nur, daß sie gefallen
möchten ...
Der Alte schwieg, ließ erst seine Finger über die Saiten
schleichen, dann griff er sie stärker an und sang:
„Was hör’ ich draußen vor dem Tor,
Was auf der Brücke schallen?
Laßt den Gesang zu unserm Ohr
Im Saale widerhallen!“
Der König sprach’s, der Page 1 lief;
Der Knabe kam, der König rief:
„Bring’ ihn herein, den Alten!“
„Gegrüßet seid, ihr hohen Herrn,
Gegrüßt ihr, schöne Damen!
Welch reicher Himmel! Stern bei Stern!
Wer kennet ihre Namen?
Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit
Schließt, Augen, euch; hier ist nicht Zeit,
Sich staunend zu ergötzen.“
Der Sänger drückt’ die Augen ein
Und schlug die vollen Töne;
Der Ritter schaute mutig drein
Und in den Schoß die Schöne.
Der König, dem das Lied gefiel,
Ließ ihm, zum Lohne für sein Spiel,
Eine goldne Kette holen.
„Die goldne Kette gib mir nicht,
Die Kette gib den Rittern,
Vor deren kühnem Angesicht
Der Feinde Lanzen splittern.
Gib sie dem Kanzler, den du hast,
Und laß ihn noch die goldne Last
Zu andern Lasten tragen.
1 Page sprich’. ['pa:;p] — naac B cpe^HHe BeKa lonouja na
ABOpHHCKOfi CeMbH, COCTOHBUJHH npH 3H3THbIX J1HU3X HJ1H KOpOJJHX.
2*
19
Ich singe, wie der Vogel singt,
Der in den Zweigen wohnet
Das Lied, das aus der Kehle dringt,
Ist Lohn, der reichlich lohnet;
Doch darf ich bitten, bitt’ ich eins:
Laß einen Trunk des besten Weins
In reinem Glase bringen.“
Er setzt es an, er trank es aus:
B „O Trank der süßen Labe!
O dreimal hochbeglücktes Haus,
Wo das ist kleine Gabe! 1
Ergeht’s euch wohl, so denkt an mich
Und danket Gott so warm, als ich
Für diesen Trunk euch danke.“ 1 2
Da der Sänger nach geendigtem Liede ein Glas Wein,
das für ihn eingeschenkt dastand, ergriff und es mit freund-
licher Miene, sich gegen seine Wohltäter wendend, austrank,
entstand eine allgemeine Freude in der Versammlung3.
Man klatschte und rief ihm zu, es möge dieses Glas zu
seiner Gesundheit, zur Stärkung seiner alten Glieder
gereichen. Er sang noch einige Romanzen und erregte
immer mehr Munterkeit in der Gesellschaft. . .
Wilhelm Meister befand sich in einer großen Unruhe.
Da beschloß er, den alten Sänger aufzusuchen, durch dessen
Harfe er die bösen Geister zu verscheuchen hoffte.
Man wies ihn, als er nach dem Manne fragte, an ein
schlechtes Wirtshaus in einem entfernten Winkel des
Städtchens und in demselben die Treppe hinauf bis auf den
Boden, wo ihm der süße Harfenklang aus einer Kammer
entgegenschallte. Es waren herzrührende, klagende Töne,
von einem traurigen, ängstlichen Gesänge begleitet. Wil-
helm schlich an die Tür, und da der gute Alte eine ^rt von
Phantasie vortrug und wenige Strophen teils singehd teils
rezitierend immer wiederholte, konnte der Horcher, nach
einer kurzen Aufmerksamkeit, ungefähr folgendes verstehen:
1 wo das ist kleine Gabe (Inversion) = wo das eine kleine
Gabe ist
2 In Goethes Gedichten zeigt der Text dieses Liedes Abweichun-
gen. Dieses Lied wurde von A. Rubinstein in Musik gesetzt.
3 in der Versammlung = in der versammelten Gesellschaft
20
Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr laßt den Armen schuldig werden,
Dann überlaßt ihr ihn der Pein;
Denn alle Schuld rächt sich auf Erden l.
Die wehmütige, herzliche Klage drang tief in die Seele
des Hörers. Es schien ihm, als ob der Alte manchmal von
Tränen gehindert würde, fortzufahren: dann klangen die
Saiten allein, bis sich wieder die Stimme leise in gebroche-
nen Lauten darein mischte. Wilhelm stand an dem Pfosten;
seine Seele war tief gerührt, die Trauer des Unbekannten
schloß sein beklommenes Herz auf; er widerstand nicht dem
Mitgefühl und konnte und wollte die Tränen nicht zurück-
halten, die des Alten herzliche Klage endlich auch aus
seinen Augen hervorlockte. Alle Schmerzen, die seine Seele
drückten, lösten sich zu gleicher Zeit auf; er überließ sich
ihnen ganz, stieß die Kammertür auf und stand vor dem
Alten, der ein schlechtes Bett, den einzigen Hausrat dieser
armseligen Wohnung, zu seinem Sitze zu nehmen genötigt
gewesen.
„Was hast du mir für Empfindungen rege gemacht, guter
Alter!“ rief Wilhelm aus. „Alles, was in meinem Herzen
stockte, hast du losgelöst; laß dich nicht stören, sondern
fahre fort, indem du deine Leiden linderst, einen Freund
glücklich zu machen.“
Mignons Lied
(aus dem 14. Kapitel des II. Buches und dem 1. Kapitel des III. Buches)
Eines Tages bemerkte Mignon, daß Wilhelm in großer Unruhe
war. Als sie ihn nach der Ursache fragte, erklärte er, daß er das
Städtchen verlassen müsse. Diese unerwartete Mitteilung bereitete
Mignon große Schmerzen. Sie sollte ihren treuen Beschützer
verlieren, den sie wie ihren Vater liebte! Als Wilhelm Mignons
großen Kummer sah, beschloß er, sie nicht zu verlassen.
Am Morgen des nächsten Tages sang Mignon für Wilhelm
ein schönes Lied, in dem sie ihre ganze Sehnsucht nach Italien,
ihrem Heimatland, zum Ausdruck brachte. .
1 Dieses Lied wurde von dem russischen Komponisten Rubinstein
in Musik gesetzt.
21
Als Wilhelm des Morgens sich nach Mignon im Hause
umsah, fand er sie nicht, hörte aber, daß sie früh ausge-
gangen sei.
Nach Verlauf einiger Stunden hörte Wilhelm Musik vor
seiner Tür. Er glaubte anfänglich, der Harfenspieler sei
schon wieder da; allein er unterschied bald die Töne einer
Zither, und die Stimme, welche zu singen anfing, war
Mignons Stimme. Wilhelm öffnete die Tür, das Kind trat
herein und sang folgendes Lied:
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen 1 glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
" Möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach,
, Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
; Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan? —
Kennst du es wohl?
, Dahin! Dahin
Möcht’ ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn!
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg,
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut,
Es stürzt der Fels 1 2 und über ihn die Flut.
Kennst du ihn wohl?
Dahin! Dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!3
Melodie und Ausdruck gefielen unserm Freunde b^on-
ders, obgleich er die Worte nicht alle verstehen konntfe. Er
ließ sich die Strophen wiederholen und erklären, schrieb sie
1 die Goldorangen sprich: "[o-'rä^an] = die goldenen Apfelsinen
2 es stürzt der Fels = der Fels hat einen jähen Absturz, ist steil
3 Dieses Lied Goethes wurde von zahlreichen Komponisten in
Musik gesetzt: vom deutschen Komponisten Beethoven, von den rus-
sischen Komponisten Tschaikowski und Rubinstein, vom polnischen
Komponisten Moniuszko (Mohkmuko) und vielen anderen.
22
auf und übersetzte sic ins Deutsche Aber die Originalität
der Wendungen konnte er nur von ferne nachahmen. Auch
konnte der Reiz der Melodie mit nichts verglichen werden.
Mignon fing jeden Vers feierlich und prächtig an, als ob
sie auf etwas Sonderbares aufmerksam machen, als ob sie
etwas Wichtiges vortragen wollte. Bei der dritten Zeile
ward der Gesang dumpfer und düsterer; das: Kennst du
es wohl? drückte sie geheimnisvoll und bedächtig aus;
in dem: Dahin! Dahin! lag eine unwiderstehliche
Sehnsucht, und ihr: Laß uns ziehn! wußte sie bei
jeder Wiederholung dergestalt zu modifizieren, daß es bald
bittend und dringend, bald treibend und vielversprechend
war.
Nachdem sie das Lied zum zweitenmal geendigt hatte,
hielt sie einen Augenblick inne, sah Wilhelm scharf an und
fragte:
,,Kennst du das Land?“
„Es muß wohl Italien gemeint sein“, versetzte Wilhelm;
„woher hast du das Liedchen?“
„Italien!“ sagte Mignon bedeutend; „gehst du nach
Italien, so nimm mich mit, es friert mich hier.“
„Bist du schon dort gewesen, liebe Kleine?“ fragte
Wilhelm.
Das Kind war still und nichts weiter war aus ihm zu
bringen 1 2.
1 Das Lied scheint in einem italienischen Dialekt gewesen
zu sein.
2 nichts weiter war aus ihm zu bringen — nichts weiter war von
ihm (dem Kinde) zu erfahren
Friedrich Schiller
(1759—1805)
*. Der große deutsche Dichter Friedrich Schiller wurde im Jahre
1759 im württembergischen Städtchen Marbach in der Familie eines
Regimentsfeldschers geboren. Mit 12 Jahren kam Schiller gegen seinen
Willen in eine Militärakademie in Stuttgart, die sogenannte Karls-
schule, wo er 8 Jahre Medizin studieren mußte, sich aber mehr für
Literatur, Philosophie und Geschichte interessierte.
Schiller begann schon in der frühen Jugend zu dichten. Sein erstes
größeres Werk ist das Drama „Die Räuber“, in dem der Dichter
leidenschaftlich gegen das absolutistische Regime protestiert. Zu den
weiteren bedeutendsten dramatischen Werken Schillers gehören: „Die
Verschwörung des Fiesco zu Genua“1 (1783), „Kabale und Liebe“
(1784), „Don Carlos“ (1787), die Trilogie „Wallenstein“ (1797—1799),
1 „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ — „3aroßop OwecKo
b TeHye“.
24
„Maria Stuart“ (1799—1880), „Die Jungfrau von Orleans“1 (1801),
„Die Braut von Messina“1 2 (1803), „Wilhelm Teil“ (1804) u. a.
Schiller ist nicht nur der größte deutsche Dramatiker, sondern
auch einer der größten deutschen Lyriker.
Sehr bekannt sind Schillers Balladen, wie „Der Taucher“3, „Der
Handschuh“, „Der Ring des Polykrates“4, „Die Kraniche des Ibykus" 5,
„Die Bürgschaft“ u. a., die der russische Dichter Shukowski vortrefflich
übersetzt hat.
Von 1789 bis 1791 war Schiller als Professor der Geschichte an
der Universität zu Jena tätig. Als Ergebnis seiner gründlichen
Geschichtsstudien erschienen so bedeutende geschichtliche Werke wie
..Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen
Regierung“6 (1788) und „Gesichte des Dreißigjährigen Krieges“
(1791 — 1793).
Eine große Bedeutung für Schillers Schaffen hatte die jahrelange
innige Freundschaft und enge Zusammenarbeit mit Goethe.
Nachstehend bringen wir einige Gedichte und Lieder von Schiller
und eine Szene aus dem Werke „Kabale und Liebe“, das Engels das
erste deutsche politische Tcndcnzdrama nannte und sehr hoch schätzte.
In „Kabale und Liebe“ tritt Schiller mit besonderer Leidenschaftlichkeit
gegen Despotismus, Willkür, Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Unter-
drückung und Menschenhandel auf. Darum nimmt dieses Trauerspiel
auch jetzt noch im Spielplan aller fortschrittlichen Bühnen der Welt
(‘inen Ehrenplatz ein.
An den Frühling
(1781)
Willkommen, schöner Jüngling,
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
1 „Die Jungfrau von Orleans“ — „Op-neaHCKaa jieBa“.
2 „Die Braut von Messina“ — „MeccHHCKaa Heßecra“.
3 „Der Taucher“ — aocjiobho „Boaojiaa“, b nepeßojie TKvkob-
cKoro „KyÖoK“.
4 „Der Ring des Polykrates“ — „IlojiHKpaTOB nepcieHb“.
5 „Die Kraniche des Ibykus“ — „Hbhkobbi >KypaBJiH“.
6 „Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der
spanischen Regierung“ — „HcTopua oina/ieHim HHAepjiaHAOB*
25
Ei! ei! da bist ja wieder! 1
Und bist so lieb und schön! 1
Und freun wir uns so herzlich,
Entgegen dir zu gehn.
Denkst auch noch an mein Mädchen? 1
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das Mädchen*
Und ’s Mädchen liebt mich noch!
Fürs Mädchen manches Blümchen
Erbat ich mir von dir —
Ich komm’ und bitte wieder,
Und du? — du gibst es mir.
Willkommen, schöner Jüngling,
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
Das Mädchen aus der Fremde 1 2 y
(1796)
’ In einem Tal bei armen Hirten
Erschien mit jedem jungen Jahr 3,
Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
Ein Mädchen, schön und wunderbar.
Sie war nicht in dem Tal geboren,
Man wußte nicht, woher sie kam,
Und schnell war ihre Spur verloren,
Sobald das Mädchen Abschied nahm.
Beseligend war ihre Nähe,
Und alle Herzen wurden weit,
Doch eine Würde, eine Höhe
Entfernte die Vertraulichkeit.
1 3Aecb nponymeHo noAJieacamee: da bist du ja wieder; und du
bist so lieb und schön; denkst du auch noch an mein Mädchen?
2 Das Mädchen aus der Fremde; gemeint ist der Frühling, den
das schöne blühende Mädchen verkörpert
> mit jedem jungen Jahr = mit jedem Frühling
26
Sie brachte Blumen mit und Früchte,
Gereift auf einer andern Flur,
In einem andern Sonnenlichte,
In einer glücklichem Natur.
Und teilte jedem eine Gabe,
Dem Früchte, jenem Blumen aus;
Der Jüngling und der Greis am Stabe,
Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
Willkommen waren alle Gäste,
Doch nahte sich ein liebend Paar,
Dem reichte sie der Gaben beste,
Der Blumen allerschönste dar.
Hoffnung
(1797)
Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.
Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling begeistert ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben;
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er — die Hoffnung auf.
Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es läut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren.
Und was die innere Stimme spricht.
Das täuscht die hoffende Seele nicht.
27
Rätsel
(1801—1804)
1
Von Perlen baut sich eine Brücke
Hoch über einen grauen See,
Sie baut sich auf im Augenblicke,
Und schwindelnd steigt sie in die Höh;
Der höchsten Schiffe höchste Masten
Ziehn unter ihrem Bogen hin,
Sie selber trug noch keine Lasten
Und scheint, wie du ihr nahst, zu fliehn.
Sie wird erst mit dem Strom', und schwindet,
Sowie des Wassers Flut versiegt.
So sprich, wo sich die Brücke findet,
Und wer sie künstlich hat gefügt?
Auflösung
Diese Brücke, die von Perlen sich erbaut,
Sich glänzend hebt und in die Lüfte gründet,
Die mit dem Strom erst wird und mit dem Strome schwindet,
Und über die kein Wandrer noch gezogen,
Am Himmel siehst du sie, sie heißt der Regenbogen.
2
Auf einer großen Weide gehen
Viel tausend Schafe silberweiß;
Wie wir sie heute wandeln sehen,
Sah sie der allerältste Greis.
Sie altern nie und trinken Leben »
Aus einem unerschöpften Born,
Ein Hirt ist ihnen zugegeben
Mit schön gebognem Silberhorn.
Er treibt sie aus zu goldnen Toren,
Er überzählt sie jede Nacht
1 Sie wird erst mit dem Strom = sie entsteht erst mit dem Regen
28
Und hat der Lämmer keins verloren,
So oft er auch den Weg vollbracht.
Ein treuer Hund hilft sie ihm leiten,
Ein muntrer Widder geht voran.
Die Herde1, kannst du sie mir deuten?
Und auch den Hirten1 2 zeig’ mir an!
3
Kennst du das Bild auf zartem Grunde?
Es gibt sich selber Licht und Glanz;
Ein andres ist’s zu jeder Stunde,
Und immer ist es frisch und ganz.
Im engsten Raum ist’s ausgeführet,
Der kleinste Rahmen faßt es ein.
Doch alle Größe, die dich rühret,
Kennst du durch dieses Bild allein.
Und kannst du den Kristall mir nennen?
Ihm gleicht an Wert kein Edelstein;
Er leuchtet, ohne je zu brennen,
Das ganze Weltall saugt er ein!3
Der Himmel selbst ist abgemalet
In seinem wundervollen Ring,
lind doch ist, was er von sich strahlet,
Noch schöner, als was er empfing.
Auflösung
Dies zarte Bild, das, in den kleinsten Rahmen
Gefaßt, das Unermeßliche uns zeigt,
Und der Kristall, in dem dies Bild sich malt,
Und der noch Schönres von sich strahlt.
Es ist das Äug’, in das die Welt sich drückt4,
Dein Auge ist’s, wenn es mit Liebe blickt.
1 Die Herde — gemeint sind die Sterne am Himmel
2 Der Hirt — d. h. der Mond
> Das ganze Weltall saugt er ein das ganze Weltall nimmt
er auf
4 in das die Welt sich druckt — b kotopom oTpaMcaercH MHp
29
Lieder aus „Wilhelm Teil“
(1804)
Lied des Fischerknaben
Es lächelt der See, er ladet zum Bade,
Der Knabe schlief ein am grünen Gestade *,
Da hört er ein Klingen
Wie Flöten so süß,
Wie Stimmen der Engel
Im Paradies.
Und wie er erwachet in seliger Lust,
Da spülen die Wasser ihm um die Brust,
Und es ruft aus den Tiefen:
„Lieb Knabe, bist mein!
Ich locke den Schläfer,
Ich zieh’ ihn herein.“
Lied des Hirten
Ihr Matten 1 2, lebt wohl,
Ihr sonnigen Weiden!
Der Senne3 muß scheiden,
Der Sommer ist hin 4.
Wir fahren zu Berg, wir kommen wieder,
Wenn der Kuckuck ruft, wenn erwachen die Lieder,
Wenn mit Blumen die Erde sich kleidet neu,
Wenn die Brünnlein 5 fließen im lieblichen Mai.
Ihr Matten, lebt wohl,
Ihr sonnigen Weiden!
Der Senne muß scheiden,
Der Sommer ist hin.
1 das Gestade = das Ufer
2 die Matte — ropHtifi jiyr
3 der Senne — ajibnHHCKHfi nacTyx
4 ist hin = ist zu Ende
5 die Brünnlein — hctohhhkh, pyqeftKH
30
Lied des Alpenjägers
Es donnern die Höhen, es zittert der Steg,
Nicht grauet dem Schützen auf schwindlichtem 1 Weg,
Er schreitet verwegen
Auf Feldern von Eis,
Da pranget kein Frühling,
Da grünet kein Reis.
Und unter den Füßen ein neblichtes1 2 Meer,
Erkennt er die Städte der Menschen nicht mehr,
Durch den Riß nur der Wolken
Erblickt er die Welt,
Tief unter den Wassern
Das grünende Feld.
Jägerliedchen
Mit dem Pfeil, dem Bogen
Durch Gebirg und Tal
Kommt der Schütz’ gezogen
Früh im Morgenstrahl.
Wie im Reich der Lüfte
König ist der Weih,
Durch Gebirg und Klüfte
Herrscht der Schütze frei.
Ihm gehört das Weite,
Was sein Pfeil erreicht,
Das ist seine Beute
Was da fleugt3 und kreucht4.
1 schwindlicht veraltet = schwindlich
2 neblicht veraltet = neblig
3 fleugt veraltet = fliegt
4 kreucht veraltet = kriecht
„Kabale und Liebe“
ZWEITER AKT. 2. SZENE
Ein alter Kammerdiener des Fürsten, der ein Schmuck-
kästchen trägt. Die Vorigen (Lady Milford, Favoritin des
Fürsten und Sophie, Kammerjungfer der Lady).
Kammerdiener: Seine Durchlaucht der Herzog
empfehlen sich Milady zu Gnaden 1 und schicken Ihnen diese
Brillanten zur Hochzeit. Sie kommen soeben erst aus
Venedig.
Lady (hat das Kästchen geöffnet und fährt erschrocken
zurück): Mensch! 1 2 Was* bezahlt dein Herzog für diese
Steine?
Kammerdiener (mit finsterm Gesicht): Sie kosten
ihn keinen Heller!
Lady: Was? Bist du rasend? Nichts? — und (indem
sie einen Schritt von ihm wegtritt) du wirfst mir ja einen
Blick zu, als wenn du mich durchbohren wolltest — Nichts
kosten ihn diese unermeßlich kostbaren Steine?
Kammerdiener: Gestern sind siebentausend
Landskinder nach Amerika fort3 — die zahlen alles.
Lady (setzt den Schmuck plötzlich nieder und geht
rasch durch den Saal, nach einer Pause zum Kammerdie-
ner): Mann, was ist dir? 4 Ich glaube, du weinst?
Kammerdiener (wischt sich die Augen, mit
schrecklicher Stimme, alle Glieder zitternd): Edelsteine,
wie diese da — ich hab’ auch ein paar Söhne drunter.
Lady (wendet sich bebend weg, seine Hand fassend):
Doch keinen gezwungenen? 5
Kammerdiener (lacht fürchterlich): O Gott! —
Nein — lauter Freiwillige! Es traten wohl so etliche vor-
laute Bursch’ vor die Front heraus6 und fragten den
1 Seine Durchlaucht der Herzog empfehlen sich Milady zu Gna-
den — ero BbicoMecTBO repuor npwKasaji KJiaHflTbca mhjigah *
2 Mensch — 3flecb cjiobo Mensch ynoTpeöJiaeTCfl KaK BbipaaceHHe
yjjHBJieHHH, KOTopoe nepeßojiHTca b 33bhchmocth ot kohtbkcts: Äpyr,
4py>KHme, CT3pHK, CJiyiliaH H T. 71.
3 B je BpeMeH3 HeMenKiie KH«3bn oqenb qacTo npoasBajm cbohx
no;uaHHblX HH03CMHbIM np3BHTejlflM H B0eHaM3JIbHHK3M.
4 Mann, was ist dir? — CrapHKl Mto c Toöofi?
5 Doch keinen gezwungenen? — Ho Bejib ne no npHHywaeHHio?
6 Es traten wohl so etliche vorlaute Bursch' vor die Front her-
aus — npaßfla, BbicrynnjiH HeKoropbie mojiohuh nocMejiee nepea (JjpoHTOM
32
Obersten, wie teuer der Fürst das Joch Menschen verkaufe ’.
— Aber unser gnädigster Landesherr ließ alle Regimenter
auf dem Paradeplatz aufmarschieren und die Maulaffen nie-
derschießen. Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr
Gehirn auf das Pflaster spritzen, und die ganze Armee
schrie: Juchhe!2 nach Amerika! —
Lady (fällt mit Entsetzen in das Sofa): Gott! Gott!
Und ich hörte nichts? Und ich merkte nichts?
Kammerdiener: Ja, gnädige Frau — warum
mußtet Ihr denn, mit unserm Herrn gerad’ auf die Bären-
hatz 3 reiten, als man den Lärm zum Aufbruch schlug? —
Die Herrlichkeit hättet Ihr doch nicht versäumen sollen, wie
uns die gellenden Trommeln verkündigten, es ist Zeit, und
heulende Waisen dort einen lebendigen Vater verfolgten,
und hier eine wütende Mutter lief, ihr saugendes Kind an
Bajonetten zu spießen, und wie man Bräutigam und Braut
mit Säbelhieben auscinanderriß und wir Graubärte verzweif-
lungsvoll dastanden und den Burschen auch zuletzt die
Krücken noch nachwarfen in die neue Welt. — Oh, und mit-
unter das polternde Wirbelschlagen *, damit der Allwis-
sende 5 uns nicht sollte beten hören. —
L a d y (steht auf, heftig bewegt) : Weg mit diesen Stei-
nen — sie blitzen Höllenflammen in mein Herz. (Sanfter
zum Kammerdiener.) Mäßige dich, armer alter Mann. Sie
werden wiederkommen. Sie werden ihr Vaterland wieder
sehen.
Kammerdiener (warm und voll): Das weiß der
Himmel! Das werden sie! — Noch am Stadttor drehten sie
sich um und schrien: „Gott mit euch, Weib und Kinder! —
Es leb’ unser Landesvater — Am jüngsten Gericht6 sind
wir wieder da!“ —
Lady (mit starkem Schritt auf und niedergehend):
Abscheulich! Fürchterlich! — Mich beredete man, ich habe
sie alle getrocknet, die Tränen des Landes — Schrecklich,
1 wie teuer der Fürst das Joch Menschen verkaufe — iiohcm np )-
aaeT KHH3b aiOÄHHy (doc.ioßHo: napy) .nioaeH
2 Juchhe! — ypa!
3 die Bärenhatz = die Bärenjagd
4 das polternde Wirbelschlagen = das laute Dröhnen der Trommeln
5 der Allwissende — roeno^b BceueaymHft, t. e. bcö 3HaiomHH (nep-
koohmü Miner 6oea)
6 am jüngsten Gericht — pe.i. na cTpaiuHOM cyje
3 -V? 4172
schrecklich gehen mir die Augen auf1 — Geh du — sag’
deinem Herrn — Ich werd’ ihm persönlich danken! (Kam-
merdiener will gehen, sie wirft ihm ihre Geldbörse in den
Hut.) Und das nimm,,weil du mir Wahrheit sagtest. —
Kammerdiener (wirft sie verächtlich auf den
Tisch zurück) -. Legt’s zu dem übrigen. (Er geht ab.)
Lady (sieht ihm erstaunt nach): Sophie, spring ihm
nach, frag’ ihn um seinen Namen! Er sqll seine Söhne wie-
der haben. (Sophie ab. Lady nachdenkend auf und nieder.
Pause. Zu Sophien, die wiederkommt.) Ging nicht jüngst
ein Gerücht, daß das Feuer eine Stadt an der Grenze ver-
wüstet und bei1 2 vierhundert Familien an den Bettelstab
gebracht3 habe? (Sie klingelt).
Sophie: Wie kommen Sie auf das? 4 Allerdings ist es
so und die meisten dieser Unglücklichen dienen jetzt ihren
Gläubigern als Sklaven, oder verderben in den Schachten
der fürstlichen Silberbergwerke.
Bedienter (kommt): Was befehlen Milady?
Lady (gibt ihm den Schmuck): Daß das ohne Verzug
in die Landschaft gebracht werde! — Man soll es sogleich
zu Geld machen, befehl’ ich, und den Gewinst davon unter
die Vierhundert verteilen, die der Brand ruiniert hat.
Sophie: Milady, bedenken Sie, daß Sie die höchste
Ungnade wagen.
Lady (mit Größe): Soll ich den Fluch seines Landes
in den Haaren tragen? (Sie winkt dem Bedienten; dieser
geht.) Oder willst du, daß ich unter dem schrecklichen
Geschirr5 solcher Tränen zu Boden sinke? — Geh, Sophie.
— Es ist besser, falsche Juwelen im Haar und das Bewußt-
sein dieser Tat im Herzen zu haben!
1 schrecklich gehen mir die Augen auf — ywacHO y mchh OTKpbi-
»aioTCH raaaa
- bei — 3decb: okojio
3 an den Bettelstab bringen — aejiarb hhiuhmh
A wie kommen Sie auf das? — noweMy bei o6 3tom bchomhhjih?
5 unter dem schrecklichen Geschirr •— non sthm CTpainHHM* 6pe-
MCHeM
Johann Gottfried Seume
(1763—1810)
Der hervorragende Dichter Johann Gottfried Seume wurde am
29. Januar 1763 im Dorf Poserna bei Weißenfels als Sohn eines armen
Bauern geboren. Sehr früh verlor er seinen Vater und hatte ein sehr
schweres Leben.
Seume begrüßte begeistert die französische Revolution von 1789.
l’nter ihrem Einfluß erwachte in ihm die Hoffnung auf eine Verände-
rung der sozialen Ordnung in Deutschland selbst. Seume möchte jenen
Tag erleben, „wo nur Brüdern Brüder Hände geben".
1792 erhielt Seume den Titel eines Doktors der Philosophie und
wurde Sekretär eines russischen Generals. Später arbeitete er als
Korrektor in einer Leipziger Druckerei. I
Im Jahre 1801 unternahm Seume eine Reise durch Deutschland.
Österreich, Italien, Sizilien, die Schweiz und Frankreich. Diese Reise
beschrieb er in seinem zweibändigen Werk „Spaziergang nach Syrakus“
(1802). Im Jahre 1805 machte Seume eine zweite große Reise, dies-
mal nach Petersburg und Moskau, zurück durch Finnland und Schwe-
den. Diese Reise beschrieb er in seinem Buch „Mein Sommer im Jahre
1805“.
Seume starb nach langen und schweren Leiden am 13. Juni 1810
in Teplitz L
Schon nach dem Tode erschienen seine „Apokryphen“ 1 2, in denen
Scmnes revolutionäre Gesinnung besonders klar zum Ausdruck
kommt 3.
Johann Gottfried Seume war von der größten Liebe zum einfachen
Volk und von dem glühendsten Haß gegen Tyrannei und Unter-
drückung durchdrungen. Seume war selber ein Opfer des feudalen
Despotismus und kämpfte mit Leidenschaft für die Befreiung des Vol-
kes von der feudalen Unterdrückung, für nationale Einheit und Unab-
hängigkeit seines Vaterlandes.
Nachstehend bringen wir ein Gedicht von Seume und einige
Fragmente aus seinen „Apokryphen“.
Das Privilegium
Die Fürstenknechte peitschten blutig4 5
Und sogen kühn und drückten mutig.
Bis zu dem tiefsten Unsinn dumm;
Und sammeln sich noch jetzt in Heeren,
Das Mark des Landes zu verzehren 3:
Das ist das Privilegium.
Sie müssen frei das Land besitzen;
Das Hundepack mag ziehn und schwitzen 6,
Sie kümmern wenig sich darum;
Sie sind geboren, flott zu leben,
Die andern büffeln nur und geben:
Das ist das Privilegium.
1 Teplitz — eine Stadt in der Tschechoslowakei. *
2 Apokryphen — anoKpH^H — npoH3Be;ieHHfl pejiHrHO3HOH jihtc-
parypu, oTcrynaioiuHe ot o^HUHajibH.oro gepKOBHoro yqeHHH. 3flecb
HMeiOTCH b BH/iy 3anpeiueHHbie npoH3Be.ueHHH nosra.
3 zum Ausdruck kommen — H3hth ce6e BbipaxeHHe
4 peitschten blutig — öhjih khytom jo KpoBH
5 das Mark des Landes zu verzehren — (mtoÖh) BbicocaTb Bee
COKH H3 CTpaHH
6 das Hundepack (so nannten die Adligen die werktätigen Bauern)
mag ziehn (= sich mfihen, arbeiten) und schwitzen
36
Der Dolch beschützt, was er sich raubet,
Und wehe dem, der anders glaubet',
Zieht er den Mund nur etwas krumm 1 2;
Der Dummkopf wird ein Mann im Staate;
Denn sein Herr Vater saß im Rate:
Das ist das Privilegium.
Der Städter und der Landmann fahren
Dem Feind den Fleiß von vielen Jahren 3;
Die fetten Hechte liegen stumm,
Steht im Ruin des Vaterlandes
Nur fest das Vorrecht ihres Standes:
Das ist das Privilegium.
Der Aberglaube hilft mit Lügen
Das Volk mit Fug und Recht4 5 betrügen
Und räuchert dem Palladium r-.
Und Skriblerbuben 6 stehn an Ecken,
Despotcnspeichel aufzulecken,
Und gröhlen: Privilegium!
Nun herrscht denn auch bei uns der Fremde,
Und fordert blitzend Rock und Hemde,
Und herrscht gebietrisch rund herum.
Daß man den Atem uns erlaube,
Flehn wir mit Demut in dem Staube:
Das macht das Privilegium.
1 und wehe dem, der anders glaubet — n rope TOMy, kto AyMaer
HHaqe
2 zieht er den Mund nur etwas krumm — ecjin oh tojibko CKpH-
bht poT
3 fahren dem Feind den Fleiß von vielen Jahren — BeayT Bpary
iukluh MHorojieiHHX ycepaHbix TpyaoB
4 mit Fug und Recht — c iiojihhm npaBOM
5 und räuchert dem Palladium (-= Götterbild) — h npeBO3HocHT
HAOJia
6 Skriblerbuben verächtlich'. Schreiber, Schriftsteller
Apokryphen
Die Edeln und der Adel stehen gewöhnlich im Gegen-
satz *.
*
Die schändlichste Erfindung der Halbbarbarei ist der
Adel mit seinen Privilegien.
*
Gleichheit ist immer der Probestein der Gerechtigkeit;
und beide machen das Wesen der Freiheit.
*
Wer den ersten Sklaven machte, war der erste Hochver-
räter an der Menschheit.
*
Predigt nur immer Geduld, so ist die Sklaverei fertig!
Die besten Apostel der Despotie und Sklaverei sind die
Mystiker.
*
Nicht wo einer regiert, ist Despotie, sondern wo einer
herrscht, das heißt, nach eigener Willkür schaltet und die
übrigen unbedingt als Instrumente zu seinem Zweck
braucht.
*
Die meisten Regenten fürchten sich mehr vor den Bür-
gern als vor den äußern Feinden; ein Beweis, daß die
meisten Staaten schlecht eingerichtet sind.
*
Der Despotismus ist ein gräßliches Ungeheuer, dnd
sein Gefolge ist scheußlich.
Mit der Furcht fängt die Sklaverei an, aber auch mit
Zutrauen und Sorglosigkeit.
1 Die Edeln und der Adel stehen gewöhnlich im Gegensatz —
HßOpHHCTBO H ÖJiarOpOflCTBO Haxo/IHTCH B IipOTHBOpeqHH
38
Heinrich Heine
(1797—1856)
Der große deutsche Dichter Heinrich Heine wurde am 13. Dezember
1797 in der Stadt Düsseldorf am Rhein in der Familie eines verarmten
Kaufmannes geboren. Sein Vater wollte aus ihm auch einen Kaufmann
machen, aber Heine zeigte dazu weder Fähigkeit noch Interesse. Nach
dem ungelungenen Experiment mit dem Kaufmannsberufe durfte
Heinrich Heine im Jahre 1819 auf die Universität gehen, wo er auf
Verlangen seines reichen Onkels die Rechte studieren mußte, sich
aber viel mehr für Literatur, Sprachen, Geschichte und Philosophie
interessierte. Heine studierte zuerst in Bonn, dann in Göttingen und
zuletzt in Berlin, wo er die Vorlesungen des bekannten Philologen
Bopp und des Philosophen Hegel hörte,
Im Jahre 1821 erschien die erste Sammlung der Gedichte Heines,
später vereinigte Heinrich Heine alle Gedichte, die er in den Jahren
1817—1826 geschrieben hat. in dem bekannten „Buch der Lieder“, das
:<9
aus folgenden Teilen besteht: .Junge Leiden“ ’, „Lyrisches Intermezzo“,
„Die Heimkehr“ 1 2 und „Die Nordsee" 3.
Heines „Buch der Lieder“ ist eines der besten poetischen' Denk-
mäler der deutschen Literatur.
In den Jahren 1826—1831 schrieb Heine seine berühmten „Rei-
sebilder“ („Die Harzreise“4, „Die Nordsee“, „Italien“, „Englische
Fragmente“). In diesen Werken tritt Heine schon mit einer schonungs-
losen Satire gegen die zahlreichen Mißstände des 'damaligen Deutsch-
land auf. Für diese scharfe Satire wurde der Dichter in seiner Heimat
verfolgt und sah sich 1831 gezwungen, Deutschland zu verlassen.
Bis zu seinem Tode lebte Heine in Paris. Die letzten Jahre seines
Lebens hatte Heine unter einer schweren Krankheit zu leiden, die
ihn ans Bett fesselte. Trotz dieser schweren Krankheit schrieb der
Dichter zahlreiche Gedichte und Prosawerke.
In Paris wurde Heinrich Heine mit Karl Marx bekannt, der auf
die weitere politische Entwicklung und das Schaffen des Dichters einen
großen Einfluß ausübte. Unter dem unmittelbaren Einfluß von Marx
schrieb Heine sein bestes politisches Poem „Deutschland. Ein
Wintermärchen“ und seine bekannten „Zeitgedichte“5. Heine war ein
leidenschaftlicher Kämpfer gegen Absolutismus und Reaktion. Er
glaubte an den unvermeidlichen Sieg des Proletariats über den Kapi-
talismus. Aber Heine war in seinen politischen Ansichten nicht immer
konsequent, wofür er von Marx und Engels scharf kritisiert wurde.
Nachstehend bringen wir einige lyrische und politische Gedichte
von Heine. Auszüge aus dem Poem „Deutschland. Ein Wintermärchen“
und einen kurzen Auszug aus den „Reisebildern“. Die Gedichte zeigen
Heine als großen Lyriker, dessen Sprache sehr reich, aber einfach und
klar ist. Das Poem „Deutschland. Ein Wintermärchen“ ist eine sehr
scharfe Satire auf alles Reaktionäre im damaligen Deutschland. Die
Auszüge, die wir bringen, zeigen die heiße Liebe des Dichters zu seiner
Heimat und seinen tiefen Haß gegen die Feinde des Volkes. Der
Auszug aus den „Reisebildern“ soll eine kleine Vorstellung, 'von
Heines Prosa geben.
1 „Junge Leiden“ — „lOHoujecKHe CTpa^aHHa“.
3 „Die Heimkehr“ — „Oohtb na poAHHe“.
3 „Die Nordsee“ — „CeBepnoe Mope“.
4 „Die Harzreise“ — „nyreujecTBHe no Tapuy“.
5 „Zeitgedichte“ — „CoBpeweuHbie CTHxoTBopeHHfl“.
40
*
Es stellen unbeweglich
Die Sterne in der Höh’
Viel tausend Jahr’, und schauen
Sich an mit Liebesweh.
Sie sprechen eine Sprache,
Die ist so reich, so schön;
Doch keiner der Philologen
Kann diese Sprache verstehn.
Ich aber hab’ sie gelernet,
Und ich vergesse sie nicht;
Mir diente als Grammatik
Der Herzallerliebsten Gesicht.
*
*
Auf Flügeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag’ ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges’,
Dort weiß ich den schönsten Ort.
Dort liegt ein rotblühender Garten
Im stillen Mondenschein;
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.
Die Veilchen kichern und kosen
Und schaun nach den Sternen empor;
Heimlich erzählen die Rosen
Sich duftende Märchen ins Ohr.
Es hüpfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen GazeH’n;
Und in der Ferne rauschen
Des heiligen Stromes Well’n 1 2.
Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Liebe und Ruhe trinken
Und träumen seligen Traum.
1 des Ganges — p. Fanr (b Whahh)
2 des heiligen Stromes Well’n - die Wellen des Ganges
4/
* *
*
Sie haben mich gequälet.
Geärgert blau und blaß,
Die einen mit ihrer Liebe,
Die andern mit ihrem Haß.
Sie haben das Brot mir vergiftet, •
Sie gossen mir Gift ins Glas,
Die einen mit ihrer Liebe,
Die andren mit ihrem Haß.
Doch sie, die mich am meisten
Gequält, geärgert, betrübt.
Die hat mich nie gehasset
Und hat mich nie geliebt.
* *
*
Du schönes Fischermädchen,
Treibe den Kahn ans Land;
Komm zu mir und setze dich nieder,
Wir kosen, Hand in Hand.
Leg an mein Herz dein Köpfchen,
Und fürchte dich nicht zu sehr;
Vertraust du dich doch sorglos
Täglich dem wilden Meer!
Mein Herz gleicht ganz dem Meere,
Hat Sturm und Ebb’ und Flut,
Und manche schöne Perle
In seiner Tiefe ruht.
*
Gekommen ist der Maie,
Die Blumen und Bäume blühn.
Und durch die Himmelsbläue
Die rosigen Wolken ziehn.
Die Nachtigallen singen
Herab aus der laubigen Höh’.
Die weißen Lämmer springen
Im weichen grünen Klee.
42
Ich kann nicht singen und springen,
Ich liege krank im Gras;
Ich höre fernes Klingen,
Mir träumt, ich weiß nicht was.
* *
*
Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite.
Kling hinaus bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine Rose schaust',
Sag, ich laß sie grüßen.
* ♦
*
Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber goldig zart
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.
Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt’ ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?
Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb’ euch all:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.
* *
*
Die blauen Frühlingsaugen
Schaun aus dem Gras hervor;
Das sind die lieben Veilchen,
Die .ich zum Strauß erkor.
' Wenn du eine Rose schaust Wenn du eine Rose siehst
Ich pflücke sie und denke,
Und die Gedanken all,
Die mir im Herzen seufzen,
Singt laut die Nachtigall.
Ja, was ich denke, singt sie
Lautschmetternd, daß es schallt;
Mein zärtliches Geheimnis
Weiß schon der ganze Wald.
* *
*
Ich glaub’ nicht an den Himmel,
Wovon das Pfäfflein spricht;
Ich glaub’ nur an dein Herze ',
’Nen 1 2 andern Gott hab’ ich nicht.
Ich glaub’ nicht an den Bösen,
An Höll’ und Höllenschmerz;
Ich glaub’ nur an dein Auge
Und an dein böses Herz.
Die Tendenz
Deutscher Sänger! Sing und preise
Deutsche Freiheit, daß dein Lied
Unsrer Seelen sich bemeistre
Und zu Taten uns begeistre,
In Marseillerhymnen Weise3.
Girre nicht mehr wie ein Werther 4,
Welcher nur für Lotten 5 glüht —
Was die Glocke hat geschlagen
Sollst du deinem Volke sagen,
Rede Dolche, rede Schwerter!
1 Herze veraltet = Herz
- ’nen ~ einen
3 In Marseillerhymnen Weise — B jiyxe Mapcejibe3bi
4 Werther — Held aus Goethes Roman in Briefform „Die Leiden
<!<•> jungen Werther“
3 Lotte — Heldin aus demselben Werk
44
Sei nicht mehr die weiche Flöte,
Das idyllische Gemüt —
Sei des Vaterlands Posaune,
Sei Kanone, sei Kartaune,
Blase, schmettre, donnre, töte!
Blase, schmettre, donnre täglich,
Bis der letzte Dränger flieht —
Singe nur in dieser Richtung,
Aber halte deine Dichtung
Nur so allgemein als möglich.
Hymnus
Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme.
Ich habe euch erleuchtet in der Dunkelheit, und als die
Schlacht begann, focht ich voran, in der ersten Reihe.
Rund um mich her liegen die Leichen meiner Freunde,
aber wir haben gesiegt. Wir haben gesiegt, aber rund umher
liegen die Leichen meiner Freunde. In die jauchzenden
Triumphgesänge tönen die Choräle der Totenfeier. Wir
haben aber weder Zeit zur Freude noch zur Trauer.
Aufs neue erklingen die Drommeten ’, es gilt neuen
Kampf. —
Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme.
Deutschland.
Ein Wintermärchen
(Ausz ü ge)
KAPUT - I
Im traurigen Monat November war’s.
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist’ ich nach Deutschland hinüber.
Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt’ ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar.
Die Augen begunnen 1 * 3 zu tropfen.
1 Drommeten veraltet = Trompeten
1 Kaput = Kapitel — rJiaBa
3 begunnen veraltet — begannen
45
Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward 1 mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.
Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.
Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopferung und Wiederfinden
Dort oben in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.
Sie sang vom irdischen Jammertal1 2,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits3, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew’gen Wonnen.
Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia 4 vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn’ auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.
vt Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.
Wir wollen auf Erden glücklich sein ,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.
1 ward veraltet = wurde
2 vom irdischen Jammertal — o kjäojih 3Cmhoh, t. e. cKopöu,
neqajiw
3 Jenseits peA. noTycTopoHHHH MHp
4 das Eiapopeia — 6aioiuKH-6aio; KOJibiÖejibHaa necHa
46
Es wächst hienieden 1 Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.
Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.
Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.
KAPUT III
Zu Aachen auf dem Posthausschild
Sah ich den Vogel2 wieder.
Der mir so tief verhaßt! Voll Gift
Schaute er auf mich nieder.
Du häßlicher Vogel, wirst du einst
Mir in die Hände fallen,
So rupfe ich dir die Federn aus
Und hacke dir ab die Krallen.
Du sollst mir dann in luft’ger Höh’
Auf einer Stange sitzen,
Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei
Die rheinischen Vogelschützen.
Wer mir den Vogel herunterschießt,
Mit Zepter und Krone belehn’ ich
Den wackern Mann! Wir blasen Tusch
Und rufen: „Es lebe der König!“
1 hienieden — hier auf der Erde
- Unter dem verhaßten Vogel meint Heine den Adler des preußi-
schen Wappens als Symbol des preußischen Absolutismus.
Auszug aus den „Reisebildern“
(Aus der „Nordsee“)
Einen eigentümlichen Reiz gewährt das Kreuzen um die
Insel. Das Wetter muß aber schön sein, die Wolken müssen
sich ungewöhnlich gestalten, und man muß rücklings 1 auf
dem Verdecke liegen und in den Himmel sehen und allen-
falls auch ein Stückchen Himmel im Herzen haben. Die
Wellen murmeln alsdann allerlei wunderliches Zeug, aller-
lei Worte, woran liebe Erinnerungen flattern, allerlei
Namen, die wie süße Ahnung in der Seele wiederklingen —
„Evelina!“ Dann kommen auch Schiffe vorbeigefahren, und
man grüßt, als ob man sich alle Tage wiedersehen könnte.
Nur des Nachts hat das Begegnen fremder Schiffe auf
dem Meere etwas Unheimliches; man will sich dann ein-
bilden, die besten Freunde, die wir seit Jahren nicht ge-
sehen, führen schweigend vorbei, und man verlöre sie auf
immer.
Ich liebe das Meer wie meine Seele.
Oft wird mir sogar zu Mute, als sei das Meer eigentlich
meine Seele selbst; und wie es im Meere verborgene Wasser-
pflanzen gibt, die nur im Augenblick des Aufblühens an
dessen Oberfläche heraufschwimmen und im Augenblick
des Verblühens wieder hinabtauchen, so kommen zuweilen
auch wunderbare Blumenbilder heraufgeschwommen aus
der Tiefe meiner Seele und duften und leuchten und ver-
schwinden wieder — „Evelina!“
Geht man am Strande spazieren, so gewähren die •
vorbeifahrenden Schiffe einen schönen Anblick. Haben sie
die blendend weißen Segel aufgespannt, so sehen sie aus
wie vorbeiziehende große Schwäne. Gar besonders schön
ist dieser Anblick, wenn die Sonne hinter dem vorbeisegeln-
den Schiffe untergeht und dieses wie von einer riesigen
Glorie umstrahlt wird.
Des Versuchs halber 1 2, denn ich muß mein Blut besser
gewöhnen, ging ich gestern auf die Jagd. Ich schoß nach
einigen Möwen, die gar zu sicher umherflatterten und doch
nicht bestimmt wissen konnten, daß ich schlecht schieße.
Ich wollte sie nicht treffen und sie nur warnen, sich ein
1 rücklings = auf dem Rücken
2 des Versuches halber — paan ontiTa
48
andermal vor Leuten mit Flinten in acht zu nehmen aber
mein Schuß ging fehl1 2, und ich hatte das Unglück, eine
junge Möwe totzuschießen. Es ist gut, daß es keine alte
war; denn was wäre dann aus den armen, kleinen Möwchen
geworden, die noch unbefiedert im Sandneste der großen
Düne liegen und ohne die Mutter verhungern müßten. Mir
ahndete3 4 schon vorher, daß mich auf der Jagd ein Miß-
geschick treffen würde; ein Hase war mir über den Weg
gelaufen.
1 sich in acht nehmen — ocreperaibcfl
3 mein Schuß ging fehl — n npoMaxHyjicn
3 mir ahndete veraltet = ich ahnte — h npeAnyBCTBOBaji
4 JA 4172
Heinrich Mann
(1871—1950)
Heinrich Mann, einer der größten deutschen Romanschriftsteller
des XX. Jahrhunderts, wurde am 27. März 1871 in einer wohlhabenden
Familie in Lübeck geboren. Nach dem Tod seines Vaters, der Senator,
Großkaufmann ‘und Reeder war, siedelte die Familie nach München
über. Heinrich Mann war Lehrling in einer Dresdener Buchhandlung,
arbeitete eine Zeitlang in einem Berliner Verlag und studierte dann
an der Universität in Berlin und München.
Sein erstes größeres literarisches Werk war der Roman „In einer
Familie“ (1893). Seit dieser Zeit veröffentlichte der Schriftsteller
zahlreiche Werke: Romane, Novellen, Dramen, Aufsätze und Publizi-
stik. Seine wichtigsten Romane sind: „Im Schlaraffenland“1 (1900),
die Trilogie „Die Göttinnen“ oder „Die drei Romane der Herzogin
1 „Im Schlaraffenland“ — b pyccKOM nepeßoae „KucejibHbie
öepcra".
50
von Assy“ (1903), „Die Jagd nach Liebe“ (1904), „Professor Unrat“1
(1905), „Zwischen den Rassen“ (1907), „Die kleine Stadt“ (1909),
„Die Armen“ (1917), „Der Untertan“ (1918), „Der Kopf“ (1925),
„Mutter Marie“ (1927), „Eugenie oder die Bürgerzeit“ (1928), „Die
große Sache“ (1931), „Ein ernstes Leben“ (1932), „Die Jugend des
Königs Henri Quatre“1 2 (1935), „Die Vollendung des Königs Henri
Quatre“ (1938), „Lidice“ (1943), „Der Atem“ (1949) und „Empfang
bei der Welt“ (1950).
Von seinen Novellen sind folgende zu nennen: „Das Wunderbare“
(1897), „Flöten und Dolche“ (1904—1905), „Schauspielerin“ (1905),
„Stürmische Morgen“ (1906), „Die Bösen“ (1908), „Das Herz“ (1910),
„Die Rückkehr vom Hades“3 (1911), „Bunte Gesellschaft“ (1917),
„Abrechnungen“ (1924), „Liane und Paul“ (1926), „Sie sind jung“
(1929) u. a.
Auf dem Gebiete des Dramas trat H. Mann im Jahre 1910 mit
drei Einaktern auf („Variete“, „Der Tyrann“ und „Die Unschuldige“).
Weiter folgten die Dramen: „Schauspielerin“ (1911), „Die große Liebe“
(1912), „Der Weg zur Macht“ (1918), „Das gastliche Haus“ (1923)
u. a.
Von H. Manns literaturwissenschaftlichen und publizistischen
Werken* heben wir folgende hervor: „Eine Freundschaft“ (Flaubert
und George Sand 4) (1905), „Voltaire5 — Goethe“ (1910), „Zola“6
(1915), „Macht und Mensch“ (1919), „Diktatur der Vernunft“ (1923),
„Sieben Jahre“ (1928), „Geist und Tat“ (1931), „Der Haß“ (1933) und
„Mut“ (1939). Während des zweiten Weltkrieges schrieb H. Mann sein
autobiographisches Buch „Ein Zeitalter wird besichtigt“7 (1944).
Schon aus dieser Aufzählung seiner wichtigsten Werke ist zu
ersehen, wie groß das literarische Erbe von Heinrich Mann ist. Aber
Heinrich Mann war nicht nur ein großer Schriftsteller. Dieser her-
vorragende bürgerliche Demokrat war auch ein leidenschaftlicher
1 „Professor Unrat“ — no3AHee stot poMan 6ha H3Aau TamKe
noA Ha3BäHHeM „Der blaue Engel“.
2 „Henri Quatre“ — nuraü: [ä'ri: 'katr] — <|)paHuy3CKHft KopoAb
TeHpHX IV.
3 der Hades — TaAec — cpen.\ b ApeBHerpeqecKoft MHtjjoAorHH —
noA3eMuoe uapcTBO, bä; 6or noA3eMHoro uapcißa.
4 Georges Sand — sprich', [sors zand] — >KopÄ 3aHA (hah
CaHA) — <|)paHiiy3CKaH nHcaTejibHHua (1804—1876).
5 Voltaire — sprich', [vol'teir] — BoAbTep (1694—1778) — 3Ha-
MeHHTbifl <|)paHiiy3CKHfi nHcareAb h (j)HAOCO(j), npocBeTHTeAb.
6 Zola — sprich', [zo-'lct:] — 3oah (1840—1902) — BHAatouiHHcH
(JjpaHuyacÄHfi nncaTeAb.
7 „Ein Zeitalter wird besichtigt“ — „OGaop BeKa“.
4*
51
Kämpfer gegen Krieg und Faschismus, gegen Unterdrückung und
jegliche Reaktion.
1933 wurde H. Mann von den Faschisten aus der Akademie der
Künste ausgeschlossen, seine Bücher wurden verbrannt, und der
Schriftsteller mußte fliehen.
Von 1933 bis 1940 lebte H. Mann in Frankreich. Im Jahre 1935
war er zusammen mit Johannes Becher Leiter der Delegation emigrier-
ter deutscher antifaschistischer Schriftsteller auf dem Internationalen
Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur in Paris. Zu diesem
Kongreß schrieb Heinrich Mann die bedeutenden Worte: „Ein ehrlicher
Demokrat muß sich darüber Rechenschaft ablegen, daß nur der
Marxismus die Voraussetzungen für die wirkliche Demokratie schafft“.
1940 zwang der Überfall Hitler-Deutschlands auf Frankreich den
Schriftsteller abermals zur Flucht. Heinrich Mann floh nach Amerika,
wo er bis zu seinem Tode bei San Franzisko lebte.
Heinrich Mann glaubte an eine helle und schöne Zukunft des
deutschen Volkes. 1939 schrieb er: „Ein deutscher Volksstaat der
Zukunft geht hervor aus einer einigen Arbeiterklasse Die große
Arbeiterklasse Deutschlands wird der innere Halt1 2 des ganzes Volkes
werden“. Für diese lichte Zukunft des deutschen Volkes kämpfte
Heinrich Mann bis zu seinem letzten Tag.
1949 wurde H. Mann der Nationalpreis I. Klasse verliehen. Man
wählte ihn zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste.
H. Mann wollte nach Deutschland zurückkehren, aber die amerika-
nischen Behörden legten ihm verschiedene Hindernisse in den Weg3.
Endlich schien alles zur Rückkehr in die DDR vorbereitet zu sein. Im
April 1950 sollte die Heimkehr stattfinden, aber am 12. März 1950 starb
er fern von der Heimat in Santa Monica (Kalifornien).
Heinrich Mann war ein großer Freund und Verehrer der Sowjet-
union. In zahlreichen Werken finden wir begeisterte Worte über unser
Land und unser großes Volk.
Nachstehend bringen wir einen Auszug aus H. Manns Artikel
„Der Weg der deutschen Arbeiter“ und eine Episode aus dem Roman
„Die Vollendung des Königs Henri Quatre“.
1 geht hervor aus einer einigen Arbeiterklasse — BO3HHKHeT H3
eAHHCTBa paöoqero Kjiacca
2 der innere Halt — BHyTpeHHHft CTepaceHb, BHyTpeHHsm onopa
* legten Ihm verschiedene Hindernisse in den Weg — bchhcckw
HpenRTCTBOBajm eMy
St
Heldentum
(Auszug aus dem Werk „Der Weg der deutschen Arbeiter“)
(1936)
„Wie du siehst, behalte ich meine Ruhe, was nicht gleich-
zusetzen ist mit Resignation... Soviel ist sicher daß ich
bis zum letzten Atemzuge für meine Freiheit kämpfen
werde. Ich habe nie den Tod gefürchtet, und auch heute bin
ich nicht bange davor 1 2. Der eine stirbt im Bett, der andere
auf dem Feld im Kampf, und es gehört nicht viel Philoso-
phie dazu, um würdig zu sterben“.
Der diesen Brief schrieb3, sprach vor Gericht: „Meine
Herren, wenn der Oberstaatsanwalt auch Ehrenverlust
beantragt hat4, so erkläre ich hier: Ihre Ehre ist nicht meine
Ehre, und meine Ehre ist nicht Ihre Ehre, denn uns trennen
Weltanschauungen, uns trennen Klassen, uns trennt eine
tiefe Kluft. Sollten sie trotzdem das Unmögliche hier
möglich machen, und einen Kämpfer zum Richtblock brin-
gen, so bin ich bereit, diesen schweren Gang zu gehen 5,
denn ich will keine Gnade. Als Kämpfer habe ich gelebt und
als Kämpfer werde ich sterben mit den letzten Worten: Es
lebe der Kommunismus!“
Edgar Andre, ein Hamburger Hafenarbeiter, ist in sei-
nem letzten Kampf und angesichts des Todes6 so
verehrungswürdig geworden, wie Deutsche seinesgleichen
es jetzt werden. Es ist der Deutsche in neuer, herrlicher
Gestalt. Das gibt es sonst nicht7, es mußte schwer erworben
werden: die Kraft der Gesinnung, mitsamt der Höhe und
Reinheit des Ausdrucks. Hier hat man den Tonfall des Hel-
1 Soviel ist sicher — oäho ßeccnopno; oäho ne no/uie>KHT coMHe-
hhio; b 3tom MOjKeuib ÖbiTb ysepeH
2 und auch heute bin ich nicht bange davor — h cerojiHH h ee
(t. e. cwepTH) ne Öoiocb
3 Der diesen Brief schrieb — tot, KOTOpbifi nanHcaji sto nHCbwo
(t. e. 3/irap AhjiPs)
4 wenn der Oberstaatsanwalt auch Ehrenverlust beantragt hat —
ecjiH BepxoBHbift npoKypop h noTpeßoßaji jihiuchmh rpaxcAancKHX npas
(öyKßaAbHo: qecTH). ripHMeHHH Taityio Mepy HaKaaaHHfl (paniHCTCKH#
cyji nbiTajicfl H3o6pa3HTb aHTH(j>auiHCTOB kbk jnoaeft, hko6h JiHiueH-
Hbix uecTH
5 so bin ich bereit, diesen schweren Gang zu ’ gehen — to »
rOTOB OTnpaBHTbCfl B 3TOT TpyAHblH IiyTb
• angesichts des Todes — nepea jihiiom cMepw
7 Das gibt es sonst nicht — 3ioro eine He ßbuio
53
den und Siegers über den Tod hinaus *. Die Worte sind auf-
bewahrt für Zeiten, in denen das siegreiche Volk zurück-
blicken wird auf seine großen Beispiele. Denn es ist wahr,
daß nur die echte Erkenntnis und eine aufopfernde Gesin-
nung in den Mund eines Menschen diesen Tonfall legen 1 2
und in sein Herz diesen Mut. Als Gegenprobe3 lese man
die ungenauen, schlechten Sätze des herrschenden Aben-
teurers4, der Andre in den Tod schicken kann/aber Deutsch
kann er nicht, ist auch kein Deutscher5. Wer sieht denn
nicht, daß der Nationalsozialist6 ein letzter Zustand ist,
Krampf und Sterben einer historischen Gattung7. Schreck-
lich in seinem wilden Umherschlagen8, will er mit seiner
verzweifelten Furchtbarkeit den Sieger die eine Stunde
noch aufhalten. Aber hundertmal hingerichtet, der Sieger
lebt.
Nicht nur einzelne, ganze Massen wagen täglich das
leibliche Verderben9 10; ihr Leben erhält sich nur noch neben
dem Abgrund. Jede Stunde kann bei jedem die Gestapo
anklopfen, das wäre der Anfang vom Ende — für jeden per-
sönlich, nicht aber für ihre Gesamtheit ’°, und für diese um so
1 des Helden und Siegers über den Tod hinaus — repoa, KOTOpbiü
HBJiflCTCH noßeaHieaeM aawc nocae CMepm
2 in den Mund legen — noacKa3biBaTb, BHymaib
3‘ als Gegenprobe — KOHTpacTa; b KaqecTBe npOTHBonoao»-
Horo npHMepa; a-'iw cpaBHeHiiH
4 die ungenauen, schlechten Sätze der herrschenden Abenteurers —
cöHBnHBbie, cKBcpHbie (j)pa3bi BJiacTByiomero aBaHTiopncTa (t. e. Tht-
jiepa). — ruT.iep roßopmi h nncaa aaaeKo He oöpaauoBtiM hcmcukhm
h3ukom; ero mioxofi caor nepeaKo cayatna MHnieHbio aaa aHTH(j)a-
HlHCTCKofi CaTHpbl.
5 aber Deutsch kann er nicht, ist auch kein Deutscher — ho
HeMeuKMM hli/kom ou ne BaaaeeT, aa oh Beab h He neweii. — THTaep
no HauHOHajibuocTH 6bia ne neMiieM, a aBCTpHÜueM.
6 Der Nationalsozialist — HaunoHaa-counaaHCT, naw (JjaniHCT. Tht-
jiepoBubi aeMarorHqecKH naabiBaan cbokj Kpafine peaKnnoHHyio hhth-
Hapoanyio napTHio Haunoiiaa-couHaaHCTCKOH paöoqeft napTHew Tep-
MHHHH.
7 Krampf und Sterben einer historischen Gattung — npeacwepr-
Hbie cyaopo>KHbie ycHaHfl oiHCHBiuero cboA bck miacca
8 schrecklich in seinem wilden Umherschlagen — crpaiuHbiH b
CBOeM aHKOM HQHCTOBCTBe
9 wagen täglich das leibliche Verderben — ejKeaneBHo pncKyioT
JKH3HBK)
10 für jeden persönlich, nicht aber für ihre Gesamtheit — ann
Ka>Kaoro jihmho, ho ne aJifl ßcex BMecTe (t. e. (paiuHCTCKne na-ianw
MorfT yÖHTb KaHcaoro b oraeabHocTH, ho ne Becb paÖOMHH miacc, He
Becb napoa)
64
weniger, je mehr einzelne als Opfer fallen. Das kämpfende
Proletariat Deutschlands durchmißt eine Strecke1, wo Ehre
dasselbe ist wie Standhaftigkeit im Leiden, und zum Volks-
helden wird der Märtyrer. Anders würde niemand das Bild
dieses Volkes begreifen können — in seinen Massen-Pro-
zessen: Hunderte Angeklagter, viele schon gefoltert, bevor
die Gerichtsverhandlung anfängt, lind andere werden
während der Verhandlung auf Befehl des Vorsitzenden in
den Keller abgeführt, „zur Vernehmung“. Und Lücken ent-
stehen. Wer die fehlenden Gesichter gekannt hat, erblickt
sie vor seinem Geist in Leichenfarben und voll geronnenen
Blutes. Das droht jedem. Aber nicht Furcht, ein anderer
Schauder durchläuft diese Volksmasse: ihr Abscheu gegen
dieses gefälschte „Volksgericht“ 1 2, ihr Haß für die Mörder
und die Schinder, die zusammen ein Staat sind. Da steigt
eine helle Knabenstimme. Der Junge „ruft den Richtern zu:
„IHR wollt UNS vier Jahre Zuchthaus geben? Mensch, in
vier Jahren sitzen WIR dort oben!“
Dies bei geöffnetem Folterkeller und angesichts eines
Gerichtshofes, der aus seinem Recht den Begriff „Mensch“
gestrichen hat. Er kennt nur die Verteidigung seines
Staates. Sogar die Verteidiger der Angeklagten sind nicht
für sie, sondern zur Rettung des Staates vor ihnen gestellt.
Die angeklagten Staatsfeinde sind ausgeliefert3 und ver-
lassen, rechtlos und dem Tod anheimgegeben 4. Dennoch die
helle Knabenstimme...
Hingerichtet sind Rudolf Claus, Fiete Schulze und viele
andere Vorbilder dieses Volkes.
Ein Handwerker bewirtet den König
(Eine Episode aus dein Roman „Die Vollendung
des Königs Henri Quatre“)
(1938)
Der Wecker schlug an, der König stand auf und rief
nach seinen Offizieren. An diesem Tag war viel zu tun und
lange zu reiten. Ein Wassergraben mußte trockengelegt
1 durchmißt eine Strecke — npoxoaHT thkoh 9t<iii
2 ihr Abscheu gegen dieses gefälschte „Volksgericht“ — hx oißpa-
meHHe k 3T0My nojuevibHOMy „napoanoMy cyjiy“
3 sind ausgeliefert — naxonHTCfl bo B/iacTii cbohx BparoB
4 dem Tod anheimgegeben — npeaocTaBJieHbi (npe^anbi) cMepiH
55
werden, damit die Belagerer bis unter die Mauer der Festung
vordrängen. Dies vollbracht, wurde hin und her geschossen,
bis der frühe Abend fiel. Henri 1 war zu Pferd schon
unterwegs wegen anderer Arbeiten im weiten Umkreis.
Sehr hungrig erreichte er um die Zeit des Nachtessens
die Stadt Alen^on 1 2 und begab sich mit wenig Begleitung
nach dem Hause eines ergebenen Hauptmannes, fand
ihn indessen nicht vor 3. Der Frau war der König unbekannt,
sie hielt ihn für 4 einen der königlichen Heerführer und emp-
fing ihn nach Gebühr 5, wenn auch mit merklicher Verlegen-
heit.
„Fall ich Ihnen lästig6, meine Dame? Reden sie frei
weg, ich will keine Umstände machen.“ 7
„Mein Herr, dann sag ich es lieber gleich. Heute ist
Donnerstag; ich hab in der ganzen Stadt umhergeschickt:
nichts aufzutreiben8, ich bin einfach verzweifelt. Nur ein
braver Handwerker hier nebenan sagt, er hab’ am Haken
eine fette Pute hängen; will sie aber durchaus nicht anders
hergeben, als wenn er mitessen darf.“
„Ist er denn in Gesellschaft zu brauchen?“9 10 11
„Ja, mein Herr, in unseren) Viertel macht keiner soviel
Witze ,0. Sonst11 ein anständiger Mann, Feuer und Flamme
für den König 12 und sein Geschäft geht ganz gut.“
„Dann lassen Sie ihn nur kommen, liebe Dame. Ich habe
wirklich Appetit; und wenn er auch langweilig wäre, lieber
ess’ ich mit ihm als gar nicht.“
1 Henri — sprich', [ä-'ris] (AnpH — TeHpHx)
2 Alen^on — sprich', [alä-'sa:] — Ajiancon — rJiaBHUH ropoji
c|)paniiy3CKoro aenapraMeHTa Opa.
3 fand ihn indessen nicht vor — ne 3acraji ero, onnaKo, iioMa
4 sie hielt Ihn für — ona npHHsuia ero 3a
5 nach Gebühr — no aocToiincTBy, kbk cJiejiyeT
6 Fall ich Ihnen lästig*? — Bac ne oqenb öecnoKoio? (fl BaM
He B THrOCTb?)
7 Reden sie frei weg, — ich will keine Umstände machen — tob(J-
pHTC OTKpOBeHHO, H He XOTCJI 6b! BHC ÖeCnOKOHTb
• ich hab in der ganzen Stadt umhergeschickt: nichts aufzutrei-
ben — h nocbuiajia bo Bee kohum ropojia; HHMero Hejib3H HaftTH
9 Ist er denn in Gesellschaft zu brauchen? — Pa3Be oh xopoaiHÄ
coöeceaHHK?
10 In unserem Viertel macht keiner soviel Witze — b HarneM KBap-
T3JI0 HHKTO CTOJlbKO HC OCTpHT
11 sonst — 3dect>: BnpoqeM
12 Feuer und Flamme für den König — oh ropHMHÜ iiokjiohhhk
KOpOJIH
56
Hierauf wurde der Handwerker geholt und erschien in
seinem Sonntagsrock mit der Pute. Während nun diese
briet, unterhielt er den König, schien ihn aber gleichfalls
nicht zu erkennen: sonst hätte er schwerlich mit dieser
Unbefangenheit dahergeredet ’, Nachbarsklatsch, Einfälle,
Scherze, alles so gut, daß Henri für die Weile 1 2 den Hunger
vergaß. Alsbald verfiel er selbst in den Ton seines Ge-
sellschafters — ohne Absicht, und merkte es nicht
einmal ...
In diesem Augenblick rief die Hausfrau ihre Gäste zu
Tisch. Selbdritt3 verzehrten sie das große Geflügel, aber
die Hausfrau und der Handwerker hielten sich zurück, der
Gast bekam das meiste, und so reichlich er aß, soviel lachte
er über die Geschichten seines Nachbarn, davon wurde
dieser immer besserer Laune. Daher war es erstaunlich
anzusehen, wie er nach dem letzten Glase, als man auf-
stehen sollte, das runde Gesicht ganz lang zog und furcht-
sam die Augen schloß. Der König hätte auch das für einen
Spaß gehalten, da lag ihm aber der Mann zu Füßen und bat:
„Verzeiht, o Herr, verzeiht! Dies ist der schönste Tag mei-
nes Lebens gewesen. Ich kannte Eure Majestät4, ich hab
gedient und bei Arques5 gekämpft für meinen König; hab
meine Lust gebüßt, an Ihrem Tisch zu sitzen. Vergebung
nochmals, Sire6, ich mußte mich dumm stellen7, damit sie
über meine Scherze ein bißchen lachten. Jetzt ist das
Unglück geschehen, ein Knecht wie ich hat mit Ihnen zu
Abend gegessen.“
„Was machen wir nur dabei?“ 8 fragte der König.
„Ich sehe ein einziges Mittel.“
„Nun?“
„Sie müssen mich in den Adelstand erheben.“ 9
1 sonst hätte er schwerlich mit dieser Unbefangenheit dahergere-
det — b npoTHBHOM cjiyuae oh bp«a jih Öqjjfa.i 6bi iaK HenpHHyjoeHHo
2 für die Weile — Ha HeKoropoe BpeMH
3 selbdritt veraltet — zu dritt
4 Eure Majestät — aaiue bcjihucctbo
5 Arques — sprich', [ark] — ropoji bo OpanuHH
6 Sire — CHp — ycrapeBinee oöpameHHe: Baiue BejiHnecTBo, rocy-
flapb, cyaapb
7 ich mußte mich dumm stellen — MHe npHiiLnocb npHKunyrbca
aypaMKOM
8 Was machen wir nur dabei? — Hto «e mbi Tenepb öyjieM
aejiaTb?
9 in den Adelstand erheben — BoasojiHTb b äbophhctbo
57
„Dich?“
„Warum nicht, Sire? Ich arbeite mit meinen Händen,
trag aber meine Gesinnung im Kopf und im Herzen mei-
nen König.“
„Ausgezeichnet, lieber Freund, und dein Wappen
wäre?“ 1
„Meine Pute. Ihr verdank ich alle Ehre.“
„Dein bester Witz. Steh auf als „Ritter von der Pute!“
1 und dein Wappen wäre? — h hto 6bi tu Bbiöpaji b KaqecTBe
repöa?
Bernhard Kellermann
(1879—1951)
Bernhard Kellermann wurde am 4. März 1879 in der Stadt Fürth 1
in einer Beamtenfamilie geboren. Mit 25 Jahren veröffentlichte er sei-
nen ersten Roman „Yester und Li“1 2. Weiter folgten zahlreiche
Romane: „Ingeborg“3 (1906), „Der Tor“4 (1909), „Der Tunnel“
(1913), „Der 9. November“ (1921), „Die Brüder Schellenberg“ (1924)
u./a.
/ Weltberühmt wurde Kellermann durch seinen wissenschaftlich-
phantastischen Roman „Der Tunnel“, in dem er den Bau eines Tunnels
unter dem Atlantischen Ozean zwischen Amerika und Europa schildert
und zum erstenmal in seinem Schaffen soziale Fragen behandelt.
Nach Hitlers Machtantritt blieb der 54-jährige Schriftsteller in
Deutschland, wo seine besten Werke von den nazistischen Vandalen
1 Furth — eine kleine deutsche Stadt in der Nähe von Nürnberg.
2 „Yester und Li“ — „Heerep h J1h“.
3 „Ingeborg“ — „HHreÖopr“.
4 „Der Tor“ — „Hähot“.
59
verboten und verbrannt wurden. Kellermann antwortete den
faschistischen Barbaren mit einem eigenartigen stummen Protest: er
schwieg beharrlich und veröffentlichte zur Zeit der Nazidiktatur kein
einziges Werk.
Sofort nach der Zerschmetterung der faschistischen Kriegsmaschine
durch die siegreiche Sowjetarmee stellte Kellermann sein großes lite-
rarisches Talent in den Dienst des demokratischen Deutschland und
erlebte als Schriftsteller eine’neue Blütezeit.
Kellermann war Ehrenmitglied des Kulturbundes zur demokra-
tischen Erneuerung Deutschlands, Mitglied der Deutschen Akademie
der Künste und Mitglied des Komitees für die Verleihung der Inter-
nationalen Stalin-Friedenspreise. 1949 erhielt Kellermann den Natio-
nalpreis I. Klasse, in demselben Jahr wurde ihm zu seinem 70. Geburts-
tag der Titel eines Professors verliehen.
Kellermann besuchte einigemal die Sowjetunion, die er als treuer
Freund schätzte und liebte.
Kellermanns letztes großes Werk ist der Roman „Totentanz“
(1948), aus dem wir nachstehend einen Auszug bringen. Obzwar
dieses Werk einige wesentliche Mängel hat, ist es ein bedeutender
Schritt vorwärts auf dem komplizierten Schaffenswege des Verfassers.
Bernhard Kellermann starb am 19. Oktober 1951 in. Potsdam.
Dorf Schullehrer Gleichen
(Auszug aus dem Roman „Totentanz“)
Wolfgang 1 hatte soeben das Licht in seinem Schlafzim-
mer ausgedreht, als er ein dreimaliges leichtes Klopfen am
Fenster vernahm. Er setzte sich aufrecht und lauschte. Wie-
der klopfte es ans Fenster, leise, wie wenn jemand mit dem
Fingernagel an die Scheibe pochte. Nun glitt er aus dem
Bett und ging näher.
„Ist jemand da?“ fragte er laut.
„Ich bin es, Gleichen 1 2“, antwortete eine leise Stimme'
draußen. „Öffnen Sie das Fenster, Professor."
„Wie?“ rief Wolfgang erstaunt aus. Dann lachte er.
„Kommen Sie doch zur Haustür, Gleichen.“
1 Wolfgang — Wolfgang Fabian, Professor, Bildhauer, einer der
Haupthelden des Romans „Totentanz“.
2 Gleichen — Lehrer Gleichen, ein aufrechter Antifaschist, gehört
zu den Haupthelden des Romans.
60
„Der Mond ist zu hell, öffnen Sie das Fenster, aber
machen Sie kein Licht ’. Ich habe meine Gründe“, erwiderte
Gleichens Stimme.
Wolfgang öffnete das Fenster, und sofort wurde ein
bestaubter Tornister auf das Fensterbrett geschoben, dann
kletterte ein Soldat, eine alte Feldmütze auf dem Kopf,
mühsam durchs Fenster ins Zimmer.
„Gott sei Dank, daß Sie zu Hause sind, Professor!“
keuchte Gleichen. Er lauschte in den Garten hinaus 1 2 und
zog die Vorhänge zu. „Und jetzt können Sie Licht machen“,
sagte er.
Gleichen legte die Mütze ab und wischte sich den
Schweiß aus der Stim. Sein Gesicht war dick mit Staub
bedeckt. Er war um vieles grauer geworden 3, fast ebenso
grau wie seine Augen. Die Schläfen aber waren völlig weiß.
Sein Gesicht war abgezehrt und hart, seine verstaubte Uni-
form abgerissen und beschmutzt.
„Weshalb diese Geheimnisse, Gleichen?“ fragte Wolf-
gang, nachdem er sich von der ersten Überraschung erholt
hatte. „Kommen Sie auf Urlaub?“
Gleichen lachte und warf den grauen Kopf herum. „Auf
Urlaub für immer, damit Sie es wissen, Professor!“ antwor-
tete er ruhig und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl fallen.
„Ich bin desertiert!“
„Desertiert?“
Gleichen nickte. Er wollte eine ausführliche Erklärung
beginnen, aber Wolfgang unterbrach ihn. „Später,
Gleichen!“ sagte er. „Zuerst müssen Sie etwas zu sich neh-
men 4 und sich den Staub aus der Kehle spülen. Ihre Lippen
sind ja ganz grau! Gehen Sie ins Atelier, die Laden sind
geschlossen, so daß niemand hereinblicken kann. Ich werde
Retta wecken, sie soll Ihnen etwas zurechtmachen. Erzählen
können Sie später.“
Wolfgang weckte seine Wirtschafterin Retta und gab
der Alten Anweisungen. „Gleichen ist plötzlich auf Urlaub
gekommen, Retta“, sagte er mit gedämpfter Stimme zu ihr.
„Er wird vorläufig bei uns bleiben. Niemand darf aber
wissen, daß er hier ist. Hören Sie, Retta, keine Seele!“
1 machen Sie kein Licht — He aajKurawTe cbct
2 er lauschte in den Garten hinaus — noBepHyßiiiHCb b CTopony
ca^a, oh npHCJiyiHHBajicfl
3 er war um vieles grauer geworden — oh oneHb noce/ieji
4 etwas zu sich nehmen = etwas essen
61
„Von mir wird niemand etwas erfahren“, antwortete
Retta. „Ich kann mir denken, daß Herr Gleichen ausgerückt
ist, der Krieg war nicht für ihn.“
Gleichen schlang gierig seine Mahlzeit herunter1, wie
ein Mensch, der tagelang keine Nahrung zu sich nahm.
Den Wein trank er wie Wasser. Wolfgang, in einen alten
Schlafrock eingehüllt, rauchte schweigend seine Zigarre.
Endlich hatte Gleichen seinen ersten Hunger und Durst
gestillt, er erhob sich und humpelte zu einem Sessel, in den
er sich niederließ.
„Sie hinken ja, Gleichen?“ fragte Wolfgang.
„Nichts von Bedeutung“, erwiderte Gleichen, „Ich bin
auf der Flucht gestürzt. Einige Tage Ruhe und das Knie
wird wieder in Ordnung sein.“
Er schwieg eine Weile, dann begann er langsam seinen
Bericht, den Wolfgang vorhin unterbrochen hatte.
Er konnte es nicht mehr ertragen, fing er zögernd an.
Er hatte wohl gewußt, daß Krieg keine Sache für Damen
und Kinder sei, aber das da draußen 1 2 war ja kein Krieg
mehr, es war Gemetzel und Mordbrennerei! Sie gehörten zu
einer Formation, deren Aufgabe es war, die Partisanen im
Raume von Leningrad3 zu bekämpfen. Die Hauptarbeit fiel
einem Regiment schwarzer Parteitruppen zu.
„Professor!“ schrie er. „Was haben sie aus unserer
Jugend gemacht in ihren Arbeitslagern und Ausbildungs-
schulen? Sie haben sie zu wilden Tieren dressiert, sie haben
sie in reißende Bestien verwandelt.“
Nein, nein, nicht einen Tag länger konnte er das mit
ansehen! Brennende Dörfer, brennende Scheunen, bren-
nende Frauen und Kinder, Gehenkte, Erschossene, Totge-
schlagene, Gefolterte, Verhungerte... Nein, nein, nein,
nicht einen Tag wollte er das miterleben. Er wollte auch
nicht mehr davon sprechen.
„Professor!“ schrie er. „Lieber will ich wie ein Tier in
einer Höhle unter der Erde leben, als diese Verruchtheiten
länger mit ansehen. Lieber sollen sie mich hängen, köpfen
oder in Stücke reißen!“
1 er schlang gierig seine Mahlzeit herunter — oh Hca/iHo norjio-
maji riHiuy
2 aber das da draußen — ho to, mto tsm (Ha (J)poHTe) npoHC-
xo4H.no
3 im Raume von Leningrad — b pafione JleHHHrpaaa
62
„Die Infamen!“ stieß Wolfgang hervor, dann schwiegen
sie beide lange Zeit.
„Und was wollen Sie jetzt anfangen?“ fragte Wolfgang
endlich. „Welche Pläne haben Sie?“
„Welche Pläne?“ Gleichen richtete sich langsam auf.
„In erster Linie will ich nach Amselwies 1 gehen und meine
Frau und meinen Jungen ans Herz drücken“, antwortete er.
„Dann will, ich meine Gesinnungsgenossen in der Stadt
besuchen und dann —“
„Und dann?“
„Dann fahre ich nach Berlin, wo eine starke, entschlos-
sene Kampfgruppe am Werke ist1 2. Sie haben mir ins Feld 3
Botschaft gesandt, daß sie mich brauchen. Sie besitzen jetzt
sogar einen Geheimsender. Der Krieg, lieber Freund, wird
nicht mehr ewig dauern. Die Russen haben ungeheure Heere
in Marsch gegen unsere Front gesetzt4 5, unvergleichlich
ausgerüstet, mit Geschwadern von vorzüglichen Tanks,
Scharen von Partisanen kämpfen im Rücken der Front,
ganze Armeen. Sie bemächtigen sich der Eisenbahnzüge,
zerstören die Lokomotiven und reißen kilometerlang die
Schienen auf.“
„Ihre Pläne, Gleichen“, sagte Wolfgang, „scheinen mir
ganz vernünftig zu sein. Vorläufig aber lasse ich sie hier
nicht fort, damit Sie es wissen! Sie sehen ja halbverhungert
aus und müssen erst wieder in einigen Wochen Kräfte sam-
meln. Vergessen Sie nicht, daß Sie in Berlin gute Nerven
brauchen werden, auch Ihr Knie muß erst wieder völlig aus-
geheilt sein.“
Gleichen sah all das ein \ Er nickte. „Besonders mein
Knie muß wieder in Ordnung kommen!“ rief er aus. „Sie
haben natürlich recht, daß ich in Berlin Kräfte brauchen
werde.“ Aber er hielt es für nötig, Wolfgang auf die
Gefahren aufmerksam zu machen, denen er sich selbst aus-
setzte.
„Sie können Gift darauf nehmen 6, Professor“, sagte er,
1 Amselwies — der Name eines Dorfes.
2 am Werke sein — aeficTBOBaTb
3 ins Feld = an die Front
4 in Marsch setzen — nocbiJiaTb Ha (ppoHT
5 sah all das ein = verstand all das
6 Sie können Gift darauf nehmen — b stom Bbi MOBteTe He
COMHeBaTbCfl
63
„daß die Gestapo früher oder später hierherkommen wird,
und dann werden wir beide gehängt.“
„Das wäre sicher äußerst unangenehm“, erwiderte Wolf-
gang, „besonders da ich Kerker und Mißhandlungen mehr
fürchte als den Tod. Aber was wollen Sie, in Zeiten wie
diesen muß man schließlich etwas wagen. Sie geben mir
Gelegenheit, auch meinerseits eine Kleinigkeit • für unsere
Sache zu tun, indem Sie sich einige Wochen bei mir
erholen.“
Gleichen schlief in dieser Nacht im Atelier wie ein Toter
und erwachte am nächsten Tag erfrischt und zuversichtlich.
Das erste, was er tat, war, Uniform, Mütze und Tornister
einen Meter tief in die Erde zu vergraben. Er arbeitete so
geschickt, daß selbst Retta die Stelle nicht wiederfinden
konnte. Dann begann er Maßnahmen für ihre allgemeine
Sicherheit zu treffen. Sehr geschickt in technischen Dingen,
legte er eine elektrische Klingel 1 von der Gartenpforte zum
Haus. Eine zweite Klingel brachte er an der Haustür an,
dazu einen kleinen Spiegel am Küchenfenster, so daß man
sie nicht einfach überrumpeln konnte.
Er selbst hauste im kleinen Speisezimmer, von dem aus
man durch das Fenster rasch in den Garten verschwinden
konnte. Im Garten aber arbeitete er geheimnisvoll eine
ganze Woche lang. Dicht am Haus schachtete er eine Grube
aus, breit und tief genug, um darin zu sitzen. Nachts ging
er mit einem Sack über die Äcker und verstreute die aus-
gehobene Erde irgendwohin. Er wollte ein Versteck haben,
in dem er sich einige Stunden aufhalten konnte, wenn es
nötig sein sollte. Den schmalen Eingang in sein unter-
irdisches Versteck verbarg ein altes Mistbeetfenster mit
halbzerbrochenen Blumentöpfen.
Gleichen hatte recht gehabt: eines Tages kam wirklich
die Gestapo in Wolfgangs Haus. Die Spitzel durchsuchten
das ganze Haus, Keller und Bodenräume, ohne etwas zu
finden. Sie durchstöberten alle Schränke und Betten, durch-
streiften den verwahrlosten kleinen Garten und durchwühl-
ten die Arbeitskammer und den Heizraum des Ofens.
Gleichen hörte ihre Schritte dicht an seinem unterirdischen
Versteck vorübergehen. Dann gingen sie wieder weg.
Gleichen saß vier Stunden in seiner Grube und wagte
1 eine elektrische Klingel legen — nposecTH ajieKrpHqecKHft
3BOHOK
64
sich erst wieder heraus ’, nachdem weit und breit nichts
mehr zu sehen wtir.
„Der Galgen ist noch einmal glücklich an uns vorüber-
gegangen, Professor!“ sagte er lachend, immer noch blaß
vor Erregung.
Acht Wochen lebte Gleichen bei Wolfgang, ohne daß
irgend jemand etwas ahnte. Er war wieder zu Kräften
gekommen 2 und sein Knie war völlig geheilt. Nun aber
kennte ihn keine Macht der Welt länger zurückhalten.
Einige Abende verbrachte er bei seinen Gesinnungs-
genossen in der Stadt und endlich konnte er es auch
wagen3, seine Familie in Amselwies heimlich zu besuchen.
Da er weder Tram noch Omnibus benutzen konnte,
brauchte er drei Stunden für den Weg und konnte bei seiner
Frau und seinem Jungen nur eine knappe Stunde bleiben.
Zu seiner großen Freude fand er seine Frau bei gebes-
serter Gesundheit vor. Sie war ruhig und gefaßt wie immer,
nur als er sie wieder verlassen mußte, weinte sie.
„Welch ein Land ist das“, rief sic aus, „wo man sich wie
ein Verbrecher verbergen muß, nur weil man nichts
Schlechtes tun will!*
„Du weißt, daß wir für die Freiheit und eine bessere
Zukunft kämpfen!“ ermutigte er sie..
Sein Junge durfte ihn in der Nacht bis nach Jakobsbühl ’
begleiten.
Am nächsten Tag brachte ihn ein Bauer in einer Fuhre
Heu nach der nächsten größeren Stadt, wo er verschwand.
Er war auf dem Wege nach Berlin.
Eines Tages trat Retta leise ins Atelier und überbrachte
Wolfgang einen Brief, der etwas verknittert war und nicht
ganz sauber aussah.
„Ich mußte mein Wort geben, Ihnen den Brief nur
persönlich zu übergeben, Herr Professor!“ sagte sie
geheimnisvoll.
1 wagte sich erst wieder heraus — jihujb Toraa ocMejiH.icn chob;i
BblilTH
2 zu Kräften kommen — HaöpaTbca chji
3 endlich konnte er es auch wagen — HaxoHeu oh Mor h
pHCKHyTb
4 Jakobsbfih! — der Name eines Dorfes.
5 N? 4172 £.7
Wolfgang war mitten in der Arbeit1 und hatte die
Hände voller Ton. Er nickte ihr zu. „Legen Sie den Brief
auf den Tisch, Retta. Wer hat ihn denn gebracht?“ fragte er.
Retta zögerte etwas mit der Antwort. „Es war ein alter,
hagerer Mann mit grauen Haaren“, erwiderte sie mit ihrer
heiseren Stimme. „Er hatte zwei kleine gelbe Dachshunde
mit sich.“ Und Retta ging hinaus.
Wolfgang kannte den alten, hageren Mann mit den
Dachshunden sehr gut. Eine Botschaft von Gleichen! schoß
es ihm durch den Kopf1 2, und sein Herz stockte vor Freude.
Trotz seiner beschmutzten Hände öffnete er den Brief ohne
Zögern. Es war eigentlich nur ein Zettel ohne Unterschrift,
der nur einige Zeilen enthielt.
„Mein verehrter Freund!“ lautete er. „Ein lächerlicher
Zufall hat uns der Gestapo in die Hände geliefert. Wir
waren unser achtundvierzig3, einer ist während der Folter
gestorben, aber niemand hat ein Wort verraten. Morgen
früh sollen wir alle gehängt werden.
Es ist nicht leicht, in Deutschland zu leben, und es ist
nicht leicht, darin zu sterben. Uns hält der Glaube aufrecht,
daß wir unser Leben für die Freiheit und die Wiedergeburt
Deutschlands hingeben. Leben Sie wohl, mein Freund!“
Ein Volk ohne Furcht
(Auszug aus der Broschüre von Kellermann
„Wir kommen aus Sowjetrußland“)
Obschon ich über das neue Rußland, wie ich glaubte,
recht gut unterrichtet war und keine Gelegenheit versäumt
hatte, meine Informationen zu vervollkommnen, war ich
aufs höchste und angenehmste überrascht, als ich meinen
Fuß auf russischen Boden setzte.
Schon der ungeheure Flugplatz mit den vielen imposan-
ten Passagierflugzeugen erfüllte mich mit hoher Achtung,
die mit dem letzten Komfort ausgestatteten Automobile, die
uns abholten 4, die breite asphaltierte Landstraße, die nach
Moskau führt, das großstädtische Leben auf den Straßen,
das makellose Hotel — all das mußte Achtung einflößen
1 mitten in der Arbeit — b caMbifi pasrap paÖoTH
2 schoß es ihm durch den Kopf — npoMejibKHyjio y uero b tojiobb
3 wir waren unser 48 — uac ßbijio 48
* die uns abholten — Koroptie npHexajiH 3a HaMH
66
für ein Land, das vor kurzer Zeit Millionen von Toten im
Kriege verloren hatte und von barbarischen Heeren ver-
wüstet und zerstampft wurde.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit hervorheben, daß wir
bei allen Russen, wo und wann wir sie auch trafen, stets
aufs liebenswürdigste aufgenommen wurden. Überall,
wohin wir kamen, war man gegen uns aufs äußerste
gefällig1, und viele, die uns als Deutsche erkannten,
begrüßten uns freudig als die ersten Boten einer neu
erstehenden Freundschaft zwischen dem russischen und
dem deutschen Volk.
Die Schriftsteller Moskaus bereiteten uns eine überaus
herzliche Aufnahme. Wir traten in freundschaftliche
Beziehung zu den bekanntesten in Moskau lebenden Auto-
ren, wie Fedin, Ehrenburg, Simonow, Fadejew, Gorbatow
und anderen.
Das russische Volk spricht heute nicht mehr vom Krieg.
Es will nur Frieden mit allen Völkern.
Selbst seine Gegner können das nicht leugnen, daß das
neue Rußland im Laufe einer Generation das vollbrachte,
wozu andere Völker Jahrhunderte brauchten. Es hat die
Masse seines Volkes, das heute 200 Millionen zählt, aus
dem Düster der Unwissenheit und des Aberglaubens in das
Licht der Bildung und der Kultur emporgehoben, eine
ungeheure Leistung, die einmalig in der Geschichte
dasteht1 2.
Das unermüdliche Sowjetvolk hat sein unermeßliches
Land mit Kraftstationen und Wasserkraftwerken überzogen.
Nicht nur am Dnjepr und Don hat es riesige Industrie-
zentren geschaffen, sondern auch südlich vom Ural, in
Magnitogorsk, wo die Fabriken und Hochöfen eine Fläche
von 45 Quadratkilometern bedecken, und im Herzen
Sibiriens, im Altaigebirge, bei Kusnezk und weiter im Osten.
Nicht ein Ölgebiet von Baku besitzt die Sowjetunion heute,
sondern unzählige, wie Grosny im Nordkaukasus, Emba im
Norden des Kaspischen Meeres, im Ural und im Petschora-
gebiet im Hohen Norden 3.
1 überall war man gegen uns aufs äußerste gefällig — bckuv
no OTHOUieHHIO K H3M ÖMJIH HCKJlIOMHTeJlbHO JIK)6e3HbI
2 die einmalig in der Geschichte dasteht — decnpHMepnafl b
HCTOpHH
3 im Hohen Norden — na KpafineM Ceaepe
67
— ——---------------------------y
1
Das Sowjetvolk ist ein fleißiges Volk der Arbeit und de>
Sozialismus.
Bei meinem Aufenthalt in Moskau und Leningrad sah
ich täglich Hunderte und Tausende von Menschen, im Hotel,
auf der Straße, in den Geschäften, in den Schulen, im Thea-
ter und in den Museen. Ich sah mir diese Menschen genau
an und beobachtete sie allerorts.
Diese Menschen hatten alle ein zufriedenes Aussehen.
Wenn sie auf den Straßen dahineilten, wie alle Großstädter,
so geschah es doch nicht in überstürzter Hast und Nervosi-
tät, sondern mit Gemessenheit. Niemals beobachtete ich zer-
mürbte Menschen, erschöpfte Wesen, die der Kampf um das
Leben zu Tode gehetzt hatte, wie man ihnen in allen Groß-
städten häufig begegnet. Viele promenierten sorglos durch
die Straßen, Männer, begleitet von Frau und Kindern, oder
ganz allein, ein Kind auf dem Arm. Freunde konnten sich
an einer Straßenecke endlos lange unterhalten. Sie plauder-
ten, waren heiter und lachten.
Die Arbeitsfreudigkeit aller Leute war unverkennbar, ob
sie die Straßen kehrten ’, was meist ältere Frauen verrich-
teten, oder mit schweren Hämmern die Asphaltdecke zer-
trümmerten oder auf Baugerüsten herumkletterten.
Millionen sowjetischer Frauen sind heute als Ärztinnen,
Chemikerinnen, Lehrerinnen, Ingenieure, Geologen, Jour-
nalistinnen tätig1 2, kurz, in allen Männerberufen. Viele
haben große Berühmtheit erreicht und nehmen leitende
Stellungen ein. In allen Berufen und Handwerken findet
man die Frau, die zu ihrer Ausbildung die gleiche Lehrzeit
zu durchlaufen hat wie ein Mann. Ich sah sie häufig als
Chauffeure von Omnibussen, als Fahrer riesiger Trolley-
busse, fand sie aber auch als Maurer auf den Gerüsten, und
oft sah ich sie Erdarbeiten verrichten. Die Frauen verrichten
diese Arbeiten völlig freiwillig. Viele widmen sich ihrem
Hauswesen und ihren Kindern, viele aber ziehen es vor, zu
arbeiten. Die Frau, die im alten Rußland nur Haushälterin
war, hat heute eine große Unabhängigkeit gewonnen, afich
sie hat den Kopf frei für andere Dinge, andere Gedanken,
für Sport, Theater, Lektüre.
Im Laufe der wenigen Wochen, die ich in Rußland
verbrachte, begriff ich auch, weshalb der sowjetische Mensch
1 ob sie die Straßen kehrten — noAMerajiH jih ohh yjimibi
2 sind... tätig = arbeiten
68
von heute zufrieden, sorglos und lebensfroh ist. Ich begriff
auch sein leidenschaftliches Interesse für Kunst, Theater
und Wissenschaften. Die neue Gesellschaftsform hatte in
einigen Jahrzehnten einen neuen Menschentypus erzogen.
Die Gedankenwelt des sowjetischen Volkes hat sich,
erstaunlich erweitert, seine Welt ist größer geworden. Es
verfolgt mit größter Spannung alle wissenschaftlichen
Forschungen und alle Errungenschaften seiner Gelehrten.
Man hat da und dort ein neues riesiges Kohlenbecken
erschlossen, man hat da und dort ungeheure Erdölvor-
kommen festgestellt. Das Volk genießt mit Genugtuung
jeden Erfolg. Es weiß, daß letzten Endes1 die Kohlen und
das Erdöl ihm gehören, und jeder Erfolg seiner Wissen-
schaftler erhöht sein Gefühl des Reichtums und der
Sicherheit, sein Glück.
Mit der größten Erregung verfolgt es den Neuaufbau
seines mächtigen Landes, dessen gewaltigen Aufstieg es
mit freudigem Triumph genießt. Nur auf diese Weise kann
man sich die ungeheure Freude erklären, mit der es jeden
neuen Fünfjahrplan erwartet, und seinen großen Wunsch,
an seiner .Erfüllung mitzuarbeiten. Jede neue Aufgabe
bedeutet ihm tiefste Freude, ihre Lösung frohe Genugtuung.
Kurz gesagt, ich sah ein zufriedenes, lebendiges, aktives
Volk, voller Zuversicht und Optimismus. Und alle schienen
stets guter Laune zu sein.
Man hatte diesem Volk die wirtschaftliche Bedrückung
genommen, man gab ihm die Gewißheit, daß die Zeiten der
Ausbeutung und des Frondienstes für immer vorbei seien,
und man zeigte ihm ein neues Ziel: das erhabene Ziel der
menschlichen Gemeinschaft und des Neuaufbaus seines
Landes. Man gab' seinem Leben neuen Sinn und Inhalt, und
das ist die Ursache, weshalb es zufrieden und stets guter
Dinge ist1 2.
1 letzten Endes — b KOHiie kohuob
2 guter Dinge sein - ÖbiTb b xopouieM nacrpoeHHH
Johannes R. Becher
(geboren 1891)
Johannes Robert Becher, der größte deutsche Dichter der Gegen-
wart, ist einer der hervorragendsten Vertreter der fortschrittlichen
Kultur der Deutschen Demokratischen Republik. Becher ist zweifacher
Nationalpreisträger, Präsident des Kulturbundes' zur demokratischen
Erneuerung Deutschlands ’, Präsident der Deutschen Akademie der
Künste, Mitglied des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheits-
partei Deutschlands und Minister für Kultur der DDR.
Johannes R. Becher wurde am 22. Mai 1891 in München geboren.
Am Vorabend des ersten Weltkrieges veröffentlichte Becher sein
erstes großes Werk „Verfall und Triumph“8 (2 Bände Gedichte und
Prosa). I
1 Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands —
eine demokratische Massenorganisation der deutschen Intellektuellen,
die eine große Rolle im Kampf gegen die Überreste des Faschismus
und für eine fortschrittliche demokratische deutsche Kultur spielt.
2 „Verfall und Triumph“ — „Pacnaa h TopjKecTBo“.
70
Als der imperialistische Krieg ausbrach, befand sich Becher vom
ersten Tag an unter den Protestierenden und schrieb mehrere Anti-
kriegsgedichte, in denen sein Protest gegen die kapitalistische Wirklich-
keit und gegen die bestehende Gesellschaftsordnung zum Ausdruck
kam.
Von entscheidender Bedeutung für Bechers weitere politische
Entwicklung war die Große Sozialistische Oktoberrevolution. Es muß
hier hervorgehoben werden ’, das Becher als einer der ersten auslän-
dischen Dichter 1917 das junge Sowjetrußland in begeisterten Worten
begrüßte. In den Reihen der KPD kämpfte Becher jahrzehntelang
unermüdlich für die Sache der Arbeiterklasse, gegen die Herrschaft
der Bourgeoisie und gegen den Faschismus.
Becher ist ein äußerst fruchtbarer Dichter. Viele Werke in Prosa
und Gedichtsform sind in den 40 Jahren des literarischen Schaffens
aus seiner Feder geflossen1 2 Bis 1933 veröffentlichte Becher einige
Dutzend 3 * Bücher, darunter die Gedichtsammlungen „An Europa“, „Das
neue Gedicht“, „Gedichte für ein Volk“, „Verbrüderung“, „Ein Mensch
unserer Zeit“, „Graue Kolonnen“, „Der Leichnam auf dem Thron“,
die Romane „Die Erde“ und „Lewisit oder Der einzig gerechte
Krieg“*, die Erzählung „Der Bankier reitet über das Schlachtfeld“5
und Übersetzungen sowjetischer Dichter wie Majakowski, D. Bedny u. a.
Nach Hitlers Machtantritt verließ Becher Deutschland und kam
für 10 Jahre in die Sowjetunion, die ihm nach seinem eigenen
Bekenntnis zur zweiten Heimat wurde. Hier im Lande des Sozialis-
mus gelangte der Dichter zur höchsten poetischen Reife. Solche
Gedichtsammlungen wie „Der Glücksucher und die sieben Lasten“6
(1938), „Gewißheit des Siegs und Sicht auf große Tage“7 (Sonette,
1939), „Wiedergeburt“ (1940), „Deutschland ruft“ (1942), „Dank an
Stalingrad“8 (1943) und der Roman „Abschied“ (1940) gehören zu
den besten Werken dieses großen Dichters.
1 es muß hervorgehoben werden — cAeAyer nojmepKHyrb
2 sind aus seiner Feder geflossen — HanucaHbi hm
3 einige Dutzend — hcckojibko accrtkob
* „Lewisit (sprich: lju'i'zit) oder Der einzig gerechte Krieg“ —
„J1I0H3HT, HAH EaHHCTBCHHO CIipaBeAAHBafl BOHHa“.
5 „Der Bankier (sprich: barj'kje:) reitet über das Schlachtfeld“ —
„BaHKHp o6i>e3HcaeT nojie €htbm“.
6 „Der Glficksucher und die sieben Lasten“ — „WcKaTeAb cqa-
CTbfl H CeMb TflrOT“.
7 „Gewißheit des Siegs und Sicht auf große Tage“ — „YBepeH-
HocTb b nodeAe h nepcneKTHBa bcahkhx AHeft“.
8 „Dank an Stalingrad“ — „CnacHÖo TeÖe, CraAHHrpaAl“
71
1945 kehrte Bocher in seine Heimat zurück, wu er seine viel-
seitige Tätigkeit als Kulturschaffender, Parteifunktionär und Organi-
sator mit verdoppelter Energie fortsetzte.
Nach 1945 veröffentlichte Becher mehrere Gedichtsammlungen,
wie „Heimkehr“ (1946), „Volk im DunkelrÄlvandelnd“ (1948), sein
großes Tagebuch des Jahres 1950 u. a. Eine Auswahl seiner besten
Werke erschien in 6 Bänden.
Außerordentlich groß sind Bechers Verdienste im Kampf für die
Festigung des Friedens zwischen den Völkern. Becher ist Mitglied des
Weltfriedensrates. Im Jahre 1952 wurde ihm der Internationale Stalin-
Friedenspreis verliehen.
Deutsche Nationalhymne 1
Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Laß uns dir zum Guten dienen 1 2,
Deutschland, einig Vaterland3.
Alle Not gilt es zu zwingen 4,
Und wir zwingen sie vereint,
Und es muß uns doch gelingen,
Daß die Sonne schön wie nie
Ober Deutschland scheint.
Glück und Friede sei beschieden 5
Deutschland, unsrem Vaterland,
Alle Welt sehnt sich nach Frieden6,
Reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen,
/ Schlagen wir des Volkes Feind.
Laßt das Licht des Friedens scheinen,
i Daß nie eine Mutter .mehr
Ihren Sohn bewein^J
Laßt uns pflügen, laßt uns bauen,
Lernt und schafft wie nie zuvor,
1 Cjioßa Bexepa, Myabixa npocj). T. Swc.iepa (H. Eisler); Ha pyc-
CKHH H3blK nepeBeACH D09T0M Be3bIMeHCKHM.
2 Laß uns dir zum Guten dienen — Aafi cnyjKHTb Teße Ha nojibay
3 einig (= einiges) Vaterland — eannoe otcmcctbo
4 Alle Not gilt es zu zwingen — uyxcHo npeojo.ieTb BCflKHe 6e.i-
CTBHH
5 sei beschieden — nycTb ßyjxyT yjiejioM
6 Alle Welt sehnt sich nach Frieden — Bee cTpacTHo »cejiaioT MHpa
72
Und der eignen Kraft vertrauend
Steigt ein frei Geschlecht empor *.
Deutsche Jugend, bestes Streben
Unsres Volks in dir vereint,
Wirst du Deutschlands neues Leben 1 2,
Und die Sonne, schön wie nie
Ober Deutschland scheint.
Dank an die Freunde in der UdSSR
Ihr aber habt mich brüderlich empfangen3,
Und alles gabt ihr mir, daß mein Gedicht
Soll weiterleben. Dunkle Mächte rangen
Mich damals nieder. Zwangen sie mich nicht,
Verdank ich’s euch. Und mehr noch habe ich
Euch zu verdanken: Werke mir gelangen 4 5,
Darin erhob und überstieg ich mich —
So seid ihr in mein Werk miteingegangen.
Wofür euch aber tiefster Dank gebührt:
Niemals hat falscher Stolz mir abverlangt,
Daß ich nicht leiden dürfe, was ich litt.
Ihr littet meines Volkes Leiden mit,
Dafür, ich weiß, wird reicher, euch gedankt,
Als ich vermag... Ein Volk dankt euch dafürr>.
Der Sieg
Du fragst nach meinem Werk, woran ich schaffe. —
Ich schaffe nur an einem: an dem Sieg.
Du fragst nach meinem Leben, wie ich lebe —
Ich lebe nur für eines: für den Sieg.
1 Steigt ein frei (= freies) Geschlecht empor — BbipacTaer (do-
CAOciHO-. noÄHMMaeTca) CBOÖOÄHoe noKOJieHMe
2 Wirst du Deutschlands neues Leben — tu craHenib hoboh
>KH3HbK) TepMaHHH
3 Ihr aber habt mich brüderlich empfangen. — Als Becher im
Jahre 1933 Deutschland verlassen mußte, erwies ihm das Sowjetvolk
Gastfreundschaft, und er fand in der Sowjetunion seine zweite Heimat.
4 Werke mir gelangen. — In der Sowjetunion schrieb Becher
M-ine besten Werke (siehe die Einleitung zu Becher).
5 Ein Volk dankt euch dafür. Dieser letzte Satz hieß früher:
Mein Volk dankt einst dafür.
73
Du fragst nach meinen Freunden, wen ich treffe —
Ich treffe nur Gefährten unseres Siegs.
Du fragst, was ich die nächste Zeit erwarte —
Ich warte nur auf eines: auf den Sieg.
Du fragst nach meinen Plänen in der Zukunft —
Ich träume nur von einem: von dem Sieg*.. .
Einsilbig, meinst du wohl, sei ich geworden '.
Einsilbig sag ich nichts als: „Sieg!“ und „Sieg!“
Die eine Silbe, sie umfaßt die ganze
Gewalt der Sprache, und der einen Silbe
Dien ich mit meinem Leben, meinem Schaffen,
Damit mein Leben und mein Werk im Zeichen
Des Sieges stehn, wenn er dereinst errungen.
Und ich, so mitbeteiligt an dem Sieg,
Mein Werk abschließe als ein Werk des Siegs.
Wenn sich ein freies deutsches Volk erhebt,
So ist dies Deutschlands schönster deutscher Sieg.
Für diesen Sieg hab ich gewirkt, gelebt.
In diesem Sieg ist auch mein Werk ein Sieg...
Der Wind
Hört her, ihr Leute, und laßt euch sagen:
Der Wind, der Wind hat umgeschlagen.1 2
Und morgen feiern wir ein Fest!
Es weht der Wind von Ost nach West.
Es weht ein großer Wind heran.
Die Herzen hat er aufgetan,
Als hätte er sie aufgetaut —
Und seht: Der graue Himmel blaut!
Es weht ein großer Wind herein,
Der fegt das Land vom Unrat rein,
Weht ein und aus in jedem Haus
Und kehrt das alte Unheil aus.
1 einsilbig, meinst du wohl, sei ich geworden — tu, HaaepHoe,
HaXOÄHIIlb, MTO H CT3JI CJIHUIKOM JiaKOHHHHUM
1 der Wind hat umgeschlagen — nepeH. BeTcp nepe.vieHHJi HanpaB-
ji ernte
74
Verjagt den letzten Wolkenrest —
Es weht der Wind von Ost nach West.
Es weht von Ost nach West der Wind.
Er singt, Millionen Stimmen sind.
Bald weht er leis, ein flüsternd Wehn,
Bald stürmt er wie ein Auferstehn.
Der Wind vertreibt die Dunkelheit
Und bringt uns eine neue Zeit.
Ein jeder spürt des Windes Kraft —
Das Wetter schön und dauerhaft.
Ein Wind, der frei uns atmen läßt:
Es weht der Wind von Ost nach West ...
Hört her, ihr Leute, und laßt euch sagen:
Der Wind hat endlich umgeschlagen:
Es weht der Wind von Ost nach West —
Und morgen feiern wir ein Fest!
Stimmt an ein neues Lied 1
Wir wollen wieder singen lernen.
Ein Lied des Friedens soll es sein.
Erhebe, Lied, dich zu den Sternen
Und reich bis in die fernsten Fernen
Und Friede kehr auf Erden ein!
Ein Lied der Freiheit laßt uns singen,
Das über alle Grenzen schwebt.
Es rührt uns auf mit seinen Schwingen,
Die Freiheit werden wir erringen.
Von solchem Lied wie neu belebt.
Das Neue gilt es zu verkünden,
Wie es auf Erden Einzug hält,
Und Lied wird sich dem Lied verbünden
Bis alle unsere Lieder münden
In einen Strom: Das Lied der Welt.
Der Sieg, der schönste, ist errungen,
Ein Sieg, wie er nur uns gelingt.
1 Stimmt an ein neues Lied! — 3anesafiTe Hoayio ueciuo!
73
Von Glück und Frieden wird gesungen.
Es hält ein Lied uns fest umschlungen,
Der Völker freie Jugend singt.
Gesang vom Lernen
Wir wollen lernen!
Wir wollen begreifen,
Die Welt erkennen
Und uns verstehn!
Wir wollen die Fernen
Des Weltraums durchstreifen.
Wir wollen die Dinge beim Namen nennen
Und auf den Grund der Dinge sehn.
Wir wollen das Schöne
Uns machen zu eigen 1
Und dienen dem Wahren
Mit ganzer Kraft!
Wir Deutschlands Töchter, wir Deutschlands Söhne:
Wir wollen den Völkern, den friedlichen, zeigen,
Daß willens wir sind 1 2, den Frieden zu wahren.
Wir lieben das Leben voll Leidenschaft.
Es gilt, nicht zu zagen!
Es gilt, zu beenden
Die Herrschaft des Alten,
Denn Friede muß sein.
Es gilt, das große Wagnis zu wagen!
Es gilt, den Traum durch die Tat zu vollenden!
Wir wollen das Bild des Menschen gestalten.
Wir wollen lernen und Vorbild sein.
Heimat, wir lassen dich nicht
Den Mainbauern gewidmet '
Heimat, wir lassen dich nicht,
Du, unser Traum, unser Sehnen,
Land du des Lachens, der Tränen,
Du, unser Lied, unser Licht!
1 Wir wollen... uns machen zu eigen — mbi xothm vchohtb
2 ...willens wir sind ...mbi HaMepesaeMCH
76
Brüder in Ost und in West 1
Widersteht den Gewalten!
Haltet, um standzuhalten,
Deutschland im Herzen fest!
Friede sammelt sein Heer
Unter den Fahnen, den blauen,
Und das drohende Grauen
Weicht vor dem Ruf: „Nie mehr!“
Nein, es wird nie mehr sein,
Daß wir dich, Heimat, verlieren
Und die Mutter die Ihren
Sucht unterm Trümmergestein.
Auch über Deutschland erglänzt
Himmel, der reich besternte.
Auch uns winkt eine Ernte:
Friede, vom Glück bekränzt.
Deutschland bist du und bin ich!
Laßt an den Händen uns fassen.
Daß wir dich nimmermehr lassen,
Heimat — alles für dich!
Philipp Müller 1 2
Erhebe dich, Gedicht, und klage an!
Erhebt euch alle, um mit anzuklagen!
Erhebt euch, Deutschlands Mütter, um zu fragen:
Wer hat ein solches Leid uns angetan? 3
Wer hat zum Krieg, zum neuen Krieg gehetzt?
Wer hat die Kugel zu dem Mord gegossen?
Ein Deutscher hat ein deutsches Herz zerfetzt.
Wer hat uns wiederum den Sohn erschossen —
1 Brüder in Ost und in West Bruder in Ostdeutschland und in
Westdeutschland
2 Philipp Müller — ein junger Friedenskämpfer, geboren am
4. April 1931 in München. Der junge Philipp Müller wurde
Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und war 1951
Delegierter auf dem Parteitage der KPD. 1952 nahm er an der
Jugendkarawane nach Essen teil. Am 11. Mai 1952 wurde der junge
Patriot in der Stadt Essen von der Polizei ermordet.
3 Wer hat ein solches Leid uns angetan? — Kto npuMHHHji hhm
Taxyio ÖoJib (Taxoe rope)?
77
Denn er war unser, war wie unser Sohn,
Da er für Deutschlands Frieden ist gefallen,
Wovon wir alle träumen und wovon
Wir wollen sprechen jetzt zu allen, allen:
„Die Mordtat bleibt den Mördern unvergessen!
Denkt stets an jenen elften Mai in Essen!“
Im Frühling
Wenn der Frühling läßt empor
hoch den Himmel steigen,
summt es in uns wie ein Chor
nach des Winters Schweigen:
Friede, Friede sei auf Erden!
Menschen wollen Menschen werden. —
Menschen wollen Menschen werden. —
O, du dunkler Chor, der summt!
In uns ist ein Ahnen:
Sie, die glaubten wir verstummt,
melden sich und mahnen:
Menschen sollen Menschen werden!
Friede, Friede sei auf Erden. —
Friede, Friede sei auf Erden. —
Und es ist ein solcher Schrei,
daß die Berge beben. —
Eine Flammenwüstenei,
Meere sich erheben, —
wenn nicht Friede wird auf Erden,
was soll aus uns allen werden? —
Was soll aus uns allen werden? —
Ihr, gezeichnet von dem Leid
derer, die gefallen, —
und ihr, die ihr jung noch seid,
laßt den Ruf erschallen; —
Friede, Friede, sei auf Erden!
Menschen, laßt uns Menschen werden! —
Menschen, laßt uns Menschen werden! —
78
Friede! — Forderung der Nation 1
Die Tagung des Weltfriedensrates hier in Berlin, der
Hauptstadt unseres Vaterlandes, unterstreicht die Bedeu-
tung, welche dem deutschen Problem im Kampf um die
Erhaltung des Friedens zukommt. Diese Bedeutung wurde
in der Grußbotschaft des Generalissimus Stalin an unseren
Präsidenten Wilhelm Pieck anläßlich der Gründung der
Deutschen Demokratischen Republik bereits mit den Worten
hervorgehoben:
„Die Erfahrung des letzten Krieges hat gezeigt, daß das
deutsche und das sowjetische Volk in diesem Kriege die
größten Opfer gebracht haben, daß diese beiden Völker die
größten Potenzen in Europa zur Vollbringung großer Aktio-
nen von Weltbedeutung besitzen. Wenn diese beiden Völker
die Entschlossenheit an den Tag legen werden, für den
Frieden mit der gleichen Anspannung ihrer Kräfte zu kämp-
fen, mit der sie den Krieg führten, so kann man den Frieden
in Europa für gesichert halten.“
Wenn wir heute davon sprechen, was unser Volk will,
so wollen wir Deutsche nichts so sehr als den Frieden. Frie-
den, Frieden, nichts als Frieden. Ein jeder empfindet, daß
nur unter friedlichen Bedingungen ein Wiederaufstieg
Deutschlands erfolgen kann, sowohl in materieller als auch
in kultureller Hinsicht, und daß nur ein friedliches Deutsch-
land seinen Bewohnern Arbeitsmöglichkeiten zu bieten ver-
mag und Aussicht auf Glück und Wohlstand.
Wer Deutschland wahrhaft liebt, kann nicht anders als
alles zu tun, um den Frieden seinem Volke zu erhalten. Es
ist absurd, anzunehmen, daß Deutschland aus einer dritten
~ Weltkriegskatastrophe irgendeine Art nationalen Gewinns
herausschlagen 1 2 könnte. In einem dritten Weltkrieg würde
Deutschland auch den letzten Rest seiner nationalen Exi-
stenz verlieren und würde nicht einmal mehr einen geogra-
phischen, sondern nur noch einen historischen Begriff dar-
stellen. Es kann keine andere Lösung des deutschen Pro-
blems geben als eine friedliche. Deutschland wird ein
friedliches Deutschland sein oder unser Deutschland wird
nicht mehr sein. Darum ist Frieden das oberste Gebot der
nationalen Existenz unseres Volkes, und kein Deutscher
1 Aus der Rede von Johannes R. Becher auf der Tagung des
Weltfriedensrates am 22. Februar 1951 in Berlin.
2 Gewinn herausschlagen — hmctb Btiro^y
79
kann sich dieser Forderung entziehen, welche die Nation ?
an ihn stellt, gleichgültig, wer er auch sein mag und wo Q
immer er auch beheimatet ist *. J
Der Friede als Forderung der deutschen Nation, das ist ’
es, wovon wir sprechen wollen.
Wie wurde diese Forderung der Nation hier bei uns in ’
der Deutschen Demokratischen Republik erfüllt?
Unsere Produktionsstätten dienen einzig und allein dem
friedlichen Wiederaufstieg des Landes, der -Stahl unserer
jungen Republik fließt für den Frieden. Den Umsiedlern in
unserer Deutschen Demokratischen Republik wurde eine ]
vollwertige Heimat geschaffen. Durch unsere Schulreform,
in unseren Lehrplänen, durch unsere ganze moralische Hal-
tung sind wir im Begriff1 2, eine grundlegende friedliche
Umstimmung unseres Volkes, eine Friedenserziehung
unserer Jugend durchzuführen. Nun sind Sie, Mitglieder
des Weltfriedensrates, die Sie hierher zu uns nach Berlin
gekommen sind, in der Lage3, unsere Jugend kennenzu-
lernen und sie singen zu hören, und Sie werden aus ihren
Gesängen keinen anderen Ton vernehmen als den der
Sehnsucht nach Frieden, als den Wunsch, in einer freien
Heimat als freie Menschen zu schaffen und in Freundschaft
mit allen Völkern ein glückliches Menschendasein leben zu
dürfen.
Das ganze Leben unserer Republik ist von dem
unerschütterlichen Willen nach Frieden durchdrungen. Die
Regierung der Deutschen Demokratischen Republik ist eine
Friedensregierung. Die Nationalhymne4, die sich unsere
Regierung geschaffen hat, ist eine Friedenshymne und als
Leitmotiv unseres Handelns dürfen wir ansehen die Worte
unserer Hymne, die lauten:
„Laßt das Licht des Friedens scheinen,
Daß nie eine Mutter mehr
Ihren Sohn beweint.“
Unsere Jugend müssen wir davon überzeugen, daß nur
derjenige einen Anspruch erheben 5 kann, als Held gefeierj
zu werden, der in seinem ganzen Tun und Trachten defn
1 wo immer er auch beheimatet ist — rae 6bi oh hh npoatHBaJi
2 im Begriff sein — HawepeBaibCH, coÖHpaibCH
3 in der Lage sein — öbiTb b coctohhhh
4 Die Nationalhymne — den Text (von Becher) siehe oben
(Seite 72)
5 Anspruch erheben — npereHAOBaTb
80
Frieden dient. Der Heroismus unseres Jahrhunderts besteht
darin, für die Erhaltung des Friedens zu kämpfen und der
Erhaltung des Friedens, wenn es sein muß, sich zum Opfer
zu bringen.
Friede! — Forderung der Nation.
Friede fordert unser Volk wie alle Völker der Erde.
In diesem gerechten Kampf um die Erhaltung des Frie-
dens steht alles Große und Unvergängliche der Menschheit
auf unserer Seite, und eine wunderbare Kraft strahlt aus
von allen denen, die ihr Leben und Werk dieser einzig
gerechten Sache, dem Kampf um die Erhaltung des Frie-
dens, geweiht haben.
6 X- 4172
Anna Seghers
(geboren 1900)
Die weltbekannte deutsche Schriftstellerin und aktive Friedens-
kämpferin Anna Seghers wurde am 19. November 1900 in einer bür-
gerlichen Familie geboren. Sehr früh widmete sie ihr Leben der revo-
lutionären Arbeiterbewegung. Schon in ihren ersten Werken schildert
sie mit tiefem Realismus die schweren Leiden und die harten Kämpfe
des Proletariats. Zu ihren bedeutendsten Erstlingswerken gehören:
„Der Aufstand der Fischer von St. Barbara“1 (1928), „Auf dem Weg
zur amerikanischen Botschaft“ (1931), „Die Gefährten“ (1932).
1933 mußte Anna Seghers Deutschland verlassen. In der Emi-
gration setzte A. Seghers ihren leidenschaftlichen Kampf gegen die
faschistische Barbarei fort.
Zu ihren wichtigsten Werken der Emigrationszeit gehören: „Der
Kopflohn“1 2 (1933), „Der Weg durch den Februar“3 (1935), „Die
Rettung“ (1937).
1 „Der Aufstand der Fischer von St. Barbara“ — sprich'. Sankt
Barbara — b pvcckom nepeBo;ie „BoccraHHe pwöaKOB“.
2 „Der Kopflohn“ — „OueHeHHa« tojiobb“.
3 „Der Weg durch den Februar“ — „IlyTb qepea (jjeßpajib“.
82
Weltbekannt wurde Anna Seghers durch ihren Roman „Das siebte
Kreuz“1 (1939).
Nach dem welthistorischen Sieg der ruhmreichen Sowjetarmee
über Hitlerdeutschland kehrte Anna Seghers in ihre Heimat zurück
und widmete sich mit jugendlichem Eifer dem Kampf für ein ein-
heitliches, demokratisches, friedliebendes Deutschland. Nach 1945
veröffentlichte Anna Seghers folgende Werke: den Novellenband
„Ausflug der toten Mädchen“ (1947), die Erzählung „Hochzeit auf
Haiti“, das Buch „Die Linie“ (1949), den großen Roman „Die Toten
bleiben jung“1 2 (begonnen in der Emigration, beendet 1949 in der
Heimat), „Der Bienenkorb“ (2 Bände Erzählungen, 1953), „Der erste
Schritt“ (1953), „Der Mann und sein Name“ (1954) u. a.
Im Frühling 1948 besuchte Anna Seghers die UdSSR. Als literari-
sches Ergebnis dieser Reise in die Sowjetunion erschien Seghers’
Buch „Sowjetmenschen“.
Anna Seghers schrieb zahlreiche Erzählungen, die dem Friedens-
kampf gewidmet sind.
Anna Seghers ist Mitglied des Weltfriedensrates, Präsidentin
des Deutschen Schriftstellerverbandes, Mitglied der Deutschen Aka-
demie der Künste.
Im Jahre 1951 wurde Dr. Anna Seghers der Nationalpreis I. Klasse
verliehen. In demselben Jahr wurde ihr der Internationale Stalin-
preis „Für die Festigung des Friedens zwischen den Völkern“ ver-
liehen.
Nachstehend bringen wir eine Skizze aus dem Buch von Anna
Seghers „Sowjetmenschen“ und Auszüge aus dem Roman „Das siebte
Kreuz“.
In einer Moskauer Blindenanstalt
Ich fuhr am Morgen hinaus in die Blindenanstalt. Der
Direktor war nicht sehr beglückt von dem Besuch; er stand
vor dem Umzug in ein neues Gebäude3. Er hatte wenig
Lust, dem Besucher die alte, für seinen Begriff ungenügende
Anstalt zu zeigen.
1 „Das siebte (= siebente) Kreuz“ — „CeflbMofi KpecT“.
2 „Die Toten bleiben jung“ — „Mepißbie oct31otch mojioahmh“.
3 er stand vor dem Umzug in ein neues Gebäude — oh KaK pa3
co6npajicfl nepee3>KaTb b HOBbift aom
6*
83
Die erste Klasse, in die wir gingen, hatte Naturge-
schichtsunterricht. Reptil-Modelle gingen von Hand zu
Hand 1 und wurden von allen befühlt. Die Finger krochen
um alle Windungen der Blindschleichen, über die Panzer
der Schildkröten. Es gab auch Tiere, bei denen das Abtasten
besonders lange dauerte, bis auf den Gesichtern der Schüler
ein Ausdruck von Erkennen entstand ...
Der kleinste Teil von ihnen ist blind geboren. Die meisten
sind durch Krankheit oder Unfall erblindet. Es gibt auch
einige, die ihr Augenlicht im Kriege verloren, bei Bombar-
dements 1 2 oder als ganz junge Soldaten, die hier die ältesten
Schüler sind.
Da nicht Bilder, sondern nur Plastiken ihnen zugänglich
sind, hängen sie an den Relief-Darstellungen und an den
Skulpturen der Menschen, die etwas für sie bedeuten. Die
Skulpturen Lenins und Stalins werden in dieser Schule
von den Händen der Kinder abgetastet, die wissen wollen,
wie die aussehen, denen sie Staat und Schule verdanken.
Der Direktor führt eine Kartothek über den Lebenslauf
seiner Schüler, die die Anstalt verlassen haben. „Für mich
und, wenn ich nicht mehr lebe, für meinen Nachfolger.“
Denn jedes Kind bleibt im Zusammenhang mit seiner
Schule. Sein Leben wird nach der Entlassung genau ver-
folgt. Die Schule bleibt auch in Verbindung mit seiner
Umgebung und seiner Familie.
Die im Vorjahr Entlassenen haben ganz verschiedene
Wege gewählt. Nur wenige blieben daheim und beschäftigen
sich im Haushalt. Andere gingen in die Fabrik (z. B. Webe-
rei, Feinmechanik), andere ins Handwerk.
Man hat einigen die speziellen Apparate überlassen, an
die sie durch den Werkunterricht der Schule gewöhnt
waren. Manche wurden Musiker. Ein paar gingen zur Uni-
versität. Der Lehrplan der Blindenschule in Moskau sieht
für das gleiche Pensum ein Jahr mehr vor als derjenige der
gewöhnlichen Schulen. Wer durch sein Examen zur Uni-
versität berechtigt ist, hat Anspruch auf einen persönliche^
Vorleser, den ihm der Professor für jedes Werk stellt, das
nicht in Blindenschrift übertragen ist.
Die alten und neuen Sowjetautoren werden ebenso wie
1 gingen von Hand zu Hand — nepeaaBa/iHCb H3 pyK b pyKH
2 bei Bombardements (sprich: bombarda'mäs) — bo BpeMH 6om-
CapAHpOBOK
84
viele Übersetzungen aus fremden Sprachen sofort in Blin-
denschrift herausgegeben. Der Lesesaal der Blindenschule
ist gestopft voll *.
Der Musikunterricht, der Soli und Chöre gerade zum
1. Mai vorbereitet, die Wandzeitung in Blindenschrift, der
Gymnastikunterricht, das alles macht die Kinder bereit zu
einem glücklichen Leben mit allen Menschen. Auch für sie
gilt die Inschrift: Ein jeder Mensch sei ein willkommener
Gast am Tische des Lebens!
Georgs Flucht
(Auszug aus dem Roman „Das siebte Kreuz“ in gekürzter Form)
Aus dem faschistischen Konzentrationslager Westhofen
flohen sieben Gefangene, unter ihnen die Kommunisten
Georg Heisler und Ernst Wallau. Der ganze nazistische
Polizeiapparat wird mobilisiert, um die Flüchtlinge wieder
zu fangen. Nur Georg Heisler, dem Haupthelden des Romans
„Das siebte Kreuz“, gelingt die Flucht bis zu Ende. Die
andern sechs geraten wieder in die Hände der faschistischen
Henker und finden einen qualvollen Tod.
Wie lange er auch über die Flucht gegrübelt hatte, allein
und mit Wallau, wie viele winzige Einzelheiten er auch
erwogen hatte und auch den gewaltigen Ablauf eines neuen
Daseins, in den ersten Minuten nach der Flucht war er nur
ein Tier, das in die Wildnis ausbricht, die sein Leben ist,
und Blut und Haare kleben noch an der Falle? Das Geheul
der Sirenen drang seit der Entdeckung der Flucnt kilometer-
weit über das Land und weckte ringsum die kleinen Dörfer,
die der dicke Herbstnebel einwickelte.
Georg duckte sich tiefer, obwohl der Boden unter ihm
nachgab. Er konnte versinken, bevor er von dieser Stelle
wegdurfte. Obwohl er geflohen war, um dem sichern Tod zu
entrinnen — kein Zweifel, daß sie1 2 ihn und die andern sechs
in den nächsten Tagen zugrunde gerichtet hätten —
erschien ihm der Tod im Sumpf ganz einfach und ohne
Schrecken. Als sei er ein andrer Tod als der, vor dem er
geflohen sei, ein Tod in der Wildnis, ganz frei, nicht von
Menschenhand.
1 ist gestopft voll — ÖHTKOM H3ÖHT
2 sie — die faschistischen Folterknechte im Konzentrationslager
Westhofen
85
Zwei Meter über ihm auf dem Weidendamm rannten die
Posten mit den Hunden. Hunde und Posten waren besessen
von dem Sirenengeheul und dem dicken nassen Nebel.
Georgs Haare sträubten sich und die Härchen auf seiner
Haut. Er hörte jemand so nahe fluchen, daß er sogar die
Stimme erkannte: Mannsfeld. Der Schlag mit dem Spaten,
den ihm vorhin Wallau über den Kopf gegeben hatte, tat
ihm also schon nicht mehr weh. Georg ließ das Gestrüpp
los. Er rutschte noch tiefer.
Plötzlich fing etwas Neues an. Erst einen Augenblick
später merkte er, daß gar nichts angefangen hatte, sondern
etwas aufgehört: die Sirene. Das war das Neue, die Stille,
in der man die Pfiffe hörte und die Kommandos vom Lager
her und von der Außenbaracke. Die Posten über ihm liefen
hinter den Hunden zum äußersten Ende des Weidendamms.
Von der Außenbaracke laufen die Hunde gegen den Wei-
dendamm, ein dünner Knall und dann noch einer, ein Auf-
klatschen und ein schrecklicher Aufschrei. Sicher Albert',
dachte Georg, wie man im Traum denkt, den hätten sie1 2.
Das konnte ja gar nicht wirklich sein, daß sie schon jetzt
nur noch sechs waren.
Der Nebel war noch immer zum Schneiden dick. Nach
und nach gingen die Lichter an in den Bauernstuben, die
Dörfer wachten auf.
Georg griff ins Gestrüpp. Er kroch langsam seitlich. Die
Sirene heulte zum zweitenmal los. Sie drang gewiß weit
über das rechte Rheinufer. Georg drückte sein Gesicht in
die Erde. Ruhig, ruhig, sagte ihm Wallau über die
Schulter3. Georg schnaufte mal, drehte den Kopf. Die
Lichter waren schon alle ausgegangen. Der Nebel war zart
geworden und durchsichtig, das reine Goldgespinst. Über
die Landstraße sausten drei Motorradlampen, raketenartig.
Georg drückte sein Gesicht wieder in die Erde, weil sie über
ihm auf dem Damm zurückliefen. Er schielte bloß aus den
Augenwinkeln. Die Scheinwerfer hatten nichts mehr zum
Greifen, sie wurden ganz matt im Tagesgrauen. Wenn nur'*
jetzt nicht der Nebel gleich stieg. Auf einmal kletterten drei
den äußern Abhang herunter. Sie waren keine zehn Meter
1 Albert Beutler — einer der sieben Flüchtlinge
2 den hätten sie = den haben sie also gefangen
3 Wallau war für Georg Heisler eine große Autorität, darum
hörte er auch in Gedanken stets Wallaus ruhige und kluge Rat-
schläge.
86
weit. Georg erkannte wieder Mannsfelds Stimme. Er
erkannte Ibst, an seinen Flüchen, nicht an der Stimme, die
war vor Wut ganz dünn, eine Weiberstimme. Die dritte
Stimme, erschreckend dicht — man konnte ihm, Georg, auf
den Kopf treten — war Meißners Stimme, die immer nachts
in die Baracke kam, die einzelnen aufrief, ihn, Georg, zuletzt
vor zwei Nächten. Auch jetzt schlug Meißner nach jedem
Wort die Luft mit etwas Scharfem. Georg spürte das feine
Windchen. „Hier unten rum 1 — gradaus — wird’s bald —
dalli.“1 2
Jetzt nur kein Mensch sein, jetzt Wurzel schlagen 3, ein
Weidenslamin unter Weidenstämmen, jetzt Rinde bekom-
men und Zweige statt Arme. Meißner stieg in das Gelände
hinunter und fing wie verrückt zu brüllen an. Plötzlich
brach er ab. Jet/i sieht er mich, dachte Georg. Er war auf
einmal vollständig ruhig, keine Spur von Angst mehr, das
ist das Ende, lebt alle wohl.
Meißner stieg tiefer hinunter zu den anderen. Sie wate-
ten jetzt in dem Gelände herum zwischen Damm und
Straße. Georg war für den Augenblick dadurch gerettet,
daß er viel näher war als sie glaubten. Wäre er einfach auf
und davon 4, sie hätten ihn jetzt im Gelände geschnappt.
Die Sirene stockte zum zweitenmal. Georg kroch seitlich,
rutschte mit einem Fuß aus. Eine Sumpfschwalbe erschrak
so heftig, daß Georg vor Schreck das Gestrüpp losließ. Die
Sumpfschwalbe zuckte in die Binsen hinein 5, das gab ein
hartes Rascheln. Georg horchte, gewiß horchten jetzt alle.
Warum muß man gerade ein Mensch sein, und wenn schon
einer, warum gerade ich, Georg. Alle Binsen hatten sich
wieder aufgestellt, niemand kam, schließlich war ja auch
nichts geschehen, als daß ein Vogel im Sumpf herum-
gezuckt hatte. Georg kam trotzdem nicht weiter, wund die
Knie, ausgeleiert die Arme. Plötzlich erblickte er im
Gestrüpp Wallaus kleines, bleiches, spitznasiges Gesicht...
Plötzlich war das Gestrüpp übersät mit Wallaugesichtern.
1 rum = herum — BOKpyr
2 dalli duaA. — >khbo!
3 jetzt Wurzel schlagen — Tenepb nycTHTb 6bi KOpHH
4 wäre er einfach auf und davon — wäre er einfach aufgestanden
und davongelaufen
5 die Sumpfschwalbe zuckte in die Binsen hinein = die Sumpf-
Schwalbe flog rasch in die Binsen hinein
87
/
Das ging vorbei. Er wurde fast ruhig. Er dachte kalt:
Wallau und Füllgrabe 1 und ich kommen durch. Wir drei
sind die stärksten. Beutler haben sie. Belloni 1 kommt viel-
leicht auch durch. Aldinger1 ist zu alt. Pelzer1 ist zu
weich. Als er sich jetzt auf den Rücken drehte, war es schon
Tag. Der Nebel war gestiegen. Goldnes kühles Herbstlicht
lag über dem Land, das man hätte friedlich nennen kön-
nen ...
Georg ging dicht an einer alten Frau, die ihr Enkelkind
führte, nach der Chaussee zu.
Sie gingen, ohne jemand zu treffen, zehn Meter auf der
Chaussee. Die alte Frau war verstummt. Rechts begann eine
lange, mit Scherben besetzte Mauer. Sie gingen ein paar
Schritte längs der Mauer, dicht hintereinander, Georg
zuletzt. Plötzlich, ohne Hupen, war ihnen ein Motorrad im
Rücken. Wenn sich die alte Frau jetzt umdrehte, mußte sie
glauben, Georg hätte die Erde verschluckt. Das Motorrad
sauste vorbei. „Ui, ui“, grunzte die alte Frau, aber sie trot-
tete weiter; Georg war nicht nur aus ihrem Weg, sondern
auch aus ihrem Gedächtnis verschwunden.
Georg lag jenseits der Mauer, seine Hände waren blutig
von den Scherben, die linke Hand war unter dem Daumen
eingerissen, und auch das Zeug war eingerissen bis auf das
Fleisch.
Vor der linken Schmalseite des roten Gebäudes, einer
landwirtschaftlichen Schule, lag ein Gewächshaus. Haupt-
tür und Treppe lagen auf dieser Seite, dem Gewächshaus
gegenüber. Zwischen der Straßenfront der Schule und der
Mauer lag ein Schuppen. Georg betrachtete den Schuppen,
der ihm die übrige Aussicht versperrte. Er kroch hinüber.
Drin war es still und dunkel. Es roch nach Bast. Seine
Augen konnten bald die dicken Bastwuschel unterscheiden,
die an der Wand hingen, allerlei Geräte, Körbe und Klei-
dungsstücke. Da jetzt nichts mehr von seinem Scharfsinn
abhing, sondern alles nur noch von dem, was man Glück,
nennt, wurde er kalt und ruhig. Er riß sich einen Fetzerf
herunter. Er verband sich die linke Hand, mit den Zähnen
und mit der rechten Hand. Er nahm sich Zeit zu wählen:
eine dicke braune Jacke aus Manchestersamt mit Reiß-
verschluß, er stülpte sie über das Zeug aus Blut und
1 Füllgrabe, Belloni, Aldinger, Pelzer — Gefangene, die zusam-
men mit Georg, Wallau und Beutler flohen.
88
Schweiß. Er guckte auch nach den Schuhnummern. Lauter
feine gute Stücke.
Georg kam ein guter Gedanke: er nahm ein Maschinen-
teil auf die Schulter und verließ den Schuppen. Dieses
Maschinenteil diente ihm als gute Tarnung. Es gelang ihm,
auf diese Weise unbemerkt seinen Weg fortzusetzen.
Auf seiner linken Schulter wippte er leicht das Maschi-
nenteil, an dem ein Firmenschild baumelte. Er wollte das
Ding gerade absetzen und sich verschnaufen, als er gestellt
wurde.
Wahrscheinlich war es eine der beiden Motorradstreifen,
die ihn von der Chaussee aus in der Lücke zwischen zwei
Häusern bemerkt hatte: die Umrisse eines unverdächtigen,
durch die Felder stapfenden Mannes, eine Last auf der
Schulter, vor dem stillen Mittagshimmel. Sie stellte ihn,
weil sie jeden stellte, ohne besonderen Argwohn. Sie winkte
ihm auch gleich ab ’, als Georg sich mit dem Firmenschild
auswies. . .
Nach einigen schweren und gefahrvollen Stunden lag
Georg draußen unter dem graublauen Himmel in einer
Ackerfurche. Ungefähr hundert Meter von ihm entfernt lief
die Chaussee nach Oppenheim. Nur jetzt nicht steckenblei-
ben. Zu Abend in der Stadt sein. Stadt, das war die Höhle
mit ihren Schlupfwinkeln, ihren gewundenen Gängen ...
1 winkte ihm auch gleich ab — h cenqac H<e khbkom OTny-
cthji ero
Erich Weinert
(1890—1953)
Erich Weinert, einer der populärsten den Ischen Dichter der Gegen-
wart, wurde am 4. August 1890 in Magdeburg als Sohn eines
Ingenieurs geboren. Sein Vater war Sozialdemokrat und ein auf-
geklärter, progressiv gestimmter Mann, der viel Verständnis für die
Leiden und Bedürfnisse der Arbeiter hatte Er erzog seinen Sohn
Erich im atheistischen Geiste und ließ ihn mit 14 Jahren als Schlosser-
lehrling unter einfachen Arbeitern im Werk arbeiten.
Nach dem ersten Weltkrieg arbeitete Weinert einige Jahre als
Zeichenlehrer an der Kunstgewerbeschule in Magdeburg, dann wid-
mete er sich voll und ganz 1 2 der Dichtkunst und dem politischen Kampf.
Erich Weincrts Weg als Dichter und Kämpfer war von Anfang**
an klar und bestimmt: von seinen ersten bis zu seinen letzten
Gedichten ist er ein proletarischer Dichter im wahrsten Sinne des
Wortes3, der die Leiden, Gefühle, Gedanken und Hoffnungen der
1 viel Verständnis für etwas haben — xopomo noHHMaTb mto-jih6o
2 voll und ganz — ucjihkom h nojinocTbio
3 im wahrsten Sinne des Wortes — b cbmom jiymueM cMbicJie
cjiOBa
90
werktätigen Millionenmassen zum leidenschaftlichen poetischen
Ausdruck bringt Weinert begann sehr früh Gedichte zu schreiben,
aber erst viel später (1919—1920) begann er seine Werke zu veröffent-
lichen. Seitdem hat Erich Weinert einige tausend Gedichte geschrieben
und ist ein wahrer Volksdichter geworden. Erich Weinert stand immer
in engem Kontakt mit den werktätigen Massen.
1933 mußte Weinert Deutschland verlassen. Nach zweijährigem
Aufenthalt in der Schweiz und in Frankreich kam Erich Weinert 1935
in die Sowjetunion, wo er seine zweite Heimat fand. Hier im Lande
des Sozialismus setzte er seine große Arbeit als antifaschistischer
Dichter und als meisterhafter Übersetzer aus vielen Sprachen der
Sowjetunion fort.
Erich Weinert kämpfte in den Reihen der spanischen Republikaner
gegen die faschistischen Horden; während des zweiten Weltkrieges
kämpfte er zusammen mit allen Sowjetmenschen gegen die faschisti-
schen Landräuber. Im Januar 1946 kehrte Weinert nach Berlin zurück
und widmete sich trotz schwerer Krankheit dem demokratischen Aufbau
Deutschlands. 1949 wurde Weinert zum erstenmal der Nationalpreis
verliehen, 1952 — zum zweitenmal.
Zum 60. Geburtstag von Erich Weinert im Jahre 1950 richteten
Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl im Namen des Zentralkomitees
der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands an den Dichter einen
Glückwunsch, in dem es heißt:
„Deine Verse sind den fortschrittlichen und friedliebenden Men-
schen in der ganzen Welt stets Signal und Aufruf zum Kampf bis
zum endgültigen Sieg über alle Kriegshetzer, Unterdrücker und Aus-
beuter“.
Zu Erich Weinerts wichtigsten Gedichtsammlungen gehören: „Der
' zerbrochene Zeitspiegel“ (1923), „Affentheater“ (1925), „Erich Weinert
spricht“ (1930), „Es kommt der Tag“ (1934), „Rot Front“ (1936),
„Dem Genius der Freiheit“, „Stalin im Herzen der Völker“ (Weinerts
Übersetzungen aus verschiedenen Sprachen), „Der wahre Feind“
(1944), „Kapitel zwei der Weltgeschichte“ (1947), „Rufe in die Nacht“
(1947) und andere.
Weinert hat auch zahlreiche Artikel, mehrere Erzählungen und
ein Frontnotizbuch „Erziehung vor Stalingrad“ (in einer anderen
Ausgabe „Memento Stalingrad“) 1 2 geschrieben.
Erich Weinert starb am 20. April 1953.
1 zum Ausdruck bringen = ausdrücken
2 „Memento Stalingrad“ — „IIomhh o CTajiHHrpaÄe“.
91
Nachstehend bringen wir einige Gedichte von Erich Weinert und
auszugsweise die beiden letzten Tageseintragungen aus seinem
Frontnotizbuch.
Proletariers Neujahr
365 Morgen
Die gleichen Sorgen!
, 365 Tage
Die gleiche Plage!
365 Nächte,
Aus denen man nicht erwachen möchte!
Und nun kommt wieder die alte Frage:
Noch einmal 365 Tage?
Ja, Genosse!
Vielleicht noch dreimal!
Vielleicht noch zehnmal!
Aber, Genosse, nicht verzagen!
In diesen 365 Tagen
Brechen wir aus dem morschen Haus
Wieder einen Grundstein heraus!
Das bedeutet, Genosse:
365 Morgen
Sollst du dein Herz mit Haß versorgen! 1
365 Nächte
Kräfte sammeln zum letzten Gefechte!
Denn cs gibt keinen Gott der Rache!
Die Rache, Genosse, ist deine Sache!
Einmal kommt doch ein Neujahrstag!
Es schlägt dein Herz einen freieren Schlag! 1 2
365 Morgen
Nicht mehr für die Herrschenden sorgen!
365 Tage
Nicht mehr die alte Zuchthausplage!
365 Nächte
Im Glück der erkämpften Rechte!
Dann reichen wir der Welt die Hände dar3,
Und über alle befreiten Länder
Funken die Sender:
Genossen, ein glückliches neues Jahr!
1 mit Haß versorgen — HanojniHTb HCHaBHCTbio
2 es schlägt einen freieren Schlag = es schlägt freier
3 die Hände darreichen — no.iaßaTb pyKH
92
An die Arbeit! Alle für alle! 1
(1931)
Die ihr 1 2 auf kalten Straßen lungert,
Die keiner mehr in Arbeit stellt3,
Die ihr bei vollen Scheunen hungert
Und betteln müßt um Gnadengeld,
Verzweifelt nicht! Schon geht ein Krachen
Durch alle Fugen! 4 Noch ein Schlag!
Wenn erst die Schlafenden erwachen,
Stürzt diese Welt mit einem Schlag.
Arbeiter, Bauern, singt nicht mehr
Das Lied der Hoffnungslosen!
Arbeiter, Bauern, gewaltiges Heer,
Soldaten und Matrosen!
Jeder auf seinen Posten!
Das Antlitz gegen Osten!5
In eure Millionen Herzen dringt
Das Mailied, das aus dem Osten klingt:
Wir bauen der Menschheit Vaterland.
An die Arbeit! Alle für alle!
In Karst und Steppe, in Sumpf und Sand,
An die Arbeit! Alle für alle!
Brüder, brecht eure Ketten entzwei!
Reißt auf das Tor! Und der Weg ist frei!
Der Reichen Herrschaft geht zu Ende.
Noch einen Schlag! Es kracht der Stein.
Schon regen sich Millionen Hände,
Der Durchbruch will erzwungen sein6.
Noch einen Schlag! Die Steine rollen.
1 An die Arbeit! Alle für alle! — 3a paÖory! Bee 3a Bcex!
2 die ihr — bw, KOTopwe
3 die keiner mehr in Arbeit stellt — KOTopwx hhkto He npHHH-
Maer Ha paöoiy
4 durch alle Fugen — no BCeM HiBaM
5 Das Antlitz gegen Osten! — FIoBepHHTecb jihuom k BOCTOKy!
(t. e. ÖepHTe npHMep c CoBeTCKoro Coioaa)
6 Der Durchbruch will erzwungen sein = den Durchbruch muß
man erzwingen
93
Was tausend Jahre stand, zerfällt,
Schlagt zu! 1 Wir wissen, was wir wollen.
Räumt aus den Schutt der alten Welt!
Arbeiter, Bauern, singt nicht mehr
Das Klagelied der Knechtschaft!
Alle für alle! Unendliches Heer,
Das Freiheit, Brot und Recht schafft!
Jeder auf seinen Posten!
Das Antlitz gegen Osten!
Im Sturm, der über die Erde zieht,
Klingt der befreiten Völker Lied!
Wir bauen der Menschheit Vaterland * 2.
An die Arbeit! Alle für alle!
In Karst und Steppe, in Sumpf und Sand.
An die Arbeit! Alle für alle!
Brüder, brecht eure Ketten entzwei!
Reißt auf das Tor! Und der Weg ist frei!
In seinem Geist
Dem Gedenken Ernst Thälmanns zu seinem 65. Geburtstag
(1941)
Die Henker hatten ihn uns entrissen,
Doch entrissen sie ihn unseren Herzen nicht.
Lebendig steht er vor unsrem Gewissen,
Lebendig wie sein treues Gesicht.
Er wußte: Deutschland geht nicht verloren 3,
Wenn die Arbeiterklasse zusammensteht.
Er hat sie mit warnender Stimme beschworen,
Die Einheit zu schaffen, bevor es zu spät4.
Es wurde zu spät. Als der Reichstag brannte,
Standen die Arbeiter jener Partei5,
Die das Wort vom Klassenkampf nicht mehr kannte,
Fassungslos und entwaffnet dabei.
’ Schlagt zu! — Beftie!
2 Der Menschheit Vaterland = das Vaterland der Menschheit
3 geht nicht verloren — ne nponaaeT, He norHÖHeT
4 bevor es zu spät (ist) — noKa He no3AHo
5 die Arbeiter jener Partei — hmciotch b bhäy paÖoqHe, qjienij
couHajijieMOKpaTHMecKOH napTHH TepMaHHH
94
Wie oftmals rief er: Freiheit und Frieden,
Genossen, sie liegen in unserer Hand!
Jetzt heißt es: die Front der Arbeiter schmieden!
Doch wurde sein Mahnruf verhöhnt und verkannt.
Er lebt nicht mehr. Doch es lebt der Gedanke,
Für den er gekämpft mit der ganzeh Kraft:
Die Klassenfront, die im Sturm nicht wanke,
Die große Partei der Arbeiterschaft!
Sein Ziel war, den Stolz seiner Klasse zu wecken,
Ihr Bewußtsein und ihre Zuversicht,
Sie zu härten gegen Enttäuschung und Schrecken,
Sie zu lehren, daß Lernen die vornehmste Pflicht.
Er paktierte nicht mit den Weisheitspächtern,
Die Lenins Lehre verfälscht und verdreht,
Auch nicht mit den linken Spiegelfechtern,
Mit denen der Feind sich so gut versteht
Er fiel im Kampf. Doch sein Traum blieb lebendig.
Und aus dem Traum wurde Wirklichkeit:
Die Partei der Schaffenden, einig, beständig,
Heut lebt sie und baut sie die neue Zeit.
Und erheben wir heut uns zu seinem Gedächtnis,
So grüßt ihn das Volk, so grüßt ihn das Land:
Die einige Arbeiterfront, Dein Vermächtnis,
Die große Partei, ist in guter Hand!
Fest schreitet, so wild ihre Feinde auch wüten1 2,
In Deinem Geist zum Sieg die Partei,
Für ein Deutschland, gesäubert von Parasiten,
Für ein Deutschland in Frieden, einig und frei!
Memento Stalingrad
Sawarygino, abends, 31. Januar3
Generalfeldmarschall Paulus und seine sämtlichen Gene-
rale haben in Stalingrad kampflos kapituliert. Sie hatten
1 mit denen der Feind sich so gut versteht — c kotophmh Bpar
T3K XOpOlUO J13AHT
2 so wild ihre Feinde auch wüten — khk 6h hh HeHCTOBCTBOsajiH
ee Bparw
3 am (den) 31. Januar 1943
95
keine Lust, für Hitler die Leonidasse zu spielen ’. Klägliches
Ende! Die 6. Armee ist ausgelöscht1 2.
Ich hörte, daß einer dieser Generale hier eingetroffen
sei.
Ich suchte ihn in seinem Quartier auf. Er sitzt, etwas
zusammengesackt, mit all seinem Generalsbrokat3, seinen
Orden und Ehrenzeichen am Tisch. Ich stellte mich ihm als
Deutscher vor.
Ich fragte ihn: „Warum hat der Feldmarschall Paulus
das Ultimatum der Roten Armee abgelehnt, obwohl er das
Unheil doch voraussehen mußte?“
„Von einem Ultimatum hat Paulus keinem seiner Gene-
rale Mitteilung gemacht. Ich habe erst vor kurzem durch
ein Flugblatt der Roten Armee davon Kenntnis erhalten 4.
Ich muß sagen, es enthält durchaus annehmbare Bedingun-
gen.“
„Was hätten Sie getan, wenn Ihnen das Ultimatum und
dessen Ablehnung rechtzeitig bekannt gewesen wäre?“
„Ohne Befehl hätte ich nichts tun können.“
„Aber Sie hatten doch eine Verantwortung gegenüber
dem Leben der Ihnen anvertrauten Mannschaften? Wenn
Ihr Gewissen Ihnen befohlen hätte, selbständig zu handeln,
wenn Sie gesehen hätten, welche verhängnisvollen Auswir-
kungen die Ablehnung durch Ihren Vorgesetzten haben
mußte, hätten Sie sich auch dann dem sinnlosen Befehl
gefügt?“ ___j
„Befehl ist Befehl!“
„War Ihnen nicht klar, daß die Widerstandskraft der
Soldaten nur durch einen Betrug aufrechterhalten wurde?
Obwohl Sie doch selbst wissen mußten, die Sache steht
schief 5, haben Sie Ihre Mannschaften mit der Versicherung
hingehalten, daß sie bald herausgehauen würden. Obwohl
Sie als General wissen mußten, daß alle Entsatzversuche
kläglich gescheitert waren und die Entfernung vom Kessel
zur Front schon dreihundert Kilometer betrug, haben Sie
1 die Leonidasse spielen — HrpaTb pojib JleoHHAOB. JleoHHji —
cnapTaHCKHft uapb (488—480 no h. 3.)» 3amnTHHK d>epMonHJi b bohhc
npoTHB nepcoB, rjie nornö BMecre co cbohm cnapiaHCKMM otph^om.
2 ist ausgelöscht = Ist vernichtet
3 mit all seinem Generalsbrokat = in seiner prunkvollen Generals-
uniform
4 von etwas Kenntnis erhalten — yanaTb o möm-jimÖo
5 die Sache steht schief = die Sache steht schlecht
96
den Soldaten bis zum letzten Tag eingeredet, der Entsatz
komme bestimmt. Daran haben Sie doch selbst schon lange
nicht mehr geglaubt.“
„In solcher Lage hofft man eben bis zuletzt.“
„Bis es zu spät war. Wir wissen, das Ihre Soldaten über
das Ultimatum diskutiert haben, weil sie beunruhigt waren.
Sie haben aber zugelassen, daß den Mannschaften weiterhin
ein lügnerisches Bild von der Lage gegeben und ihnen
eingeredet wurde, sie sollten ihrer Führung vertrauen;
es bestünde kein Anlaß zur Beunruhigung. Auch wurde
unter den Leuten die Behauptung ausgestreut, das Ultima-
tum der Roten Armee sei nur ein Zeichen der Schwäche, sie
habe gar nicht die Kraft zu einer Offensive. War das auch
Ihre Meinung?“
„Ich hielt die Rote Armee nach den Proben an Schlag-
kraft, die sie letzthin gegeben hatte, für durchaus fähig,
eine starke Offensive zu beginnen. Ich persönlich habe
übrigens in meinen Befehlen niemals solche beruhigenden
Versicherungen gegeben.“
„Um so mehr aber Ihre Offiziere *, und Sie haben nichts
dagegen unternommen.“
„Das gehört mit zu den Aufgaben der Propaganda, für
die ich nicht zuständig bin.“ 1 2
„Aber nicht nur damit wurde Ihren Mannschaften die
Neigung, ehrenvoll zu kapitulieren, ausgetrieben. Sie wur-
den noch mit einer anderen Lüge abgeschreckt, daß sie in
der Gefangenschaft alle erschossen würden.“
„Ja, das wurde überall gesagt. Ich selbst habe die Ver-
breitung dieser Auffassung nicht befohlen.“
„Aber auch nicht verhindert.“
„Nun, das gehört eben alles zur Propaganda. Und
unsere Propaganda ist ja in ihren Mitteln nicht imr^er
wählerisch.“
„Warum machen Sie wider besseres Wissen Ihren Sol-
daten täglich weis3, die Rote Armee kratze ihre letzten
Reserven zusammen? Daran glauben Sie doch selbst nicht.“
„Habe ich auch nie geglaubt. Im Gegenteil, die Zunahme
des Kriegspotentials der Russen ist überraschend.“
1 um so mehr aber ihre Offiziere = um so mehr aber haben das
Ihre Offiziere getan — tcm öojibme crapajiacb Baum otpuuepH
2 zuständig sein — Bewarb; 6t>iTb KOMnereHTHbiM; 6biTb otbct-
CTBCHHblM
3 jemandem etwas weismachen = jemandem etwas vorlügen
7 M 4172
97
„Also mit dem Schwindel von den letzten Reserven sol-
len die deutschen Soldaten bewußt irregeführt werden,
damit sie nicht auf den Gedanken kommen *, sich eines
Tages dagegen aufzulehnen, daß man sie in einem schon
verlorenen Krieg noch sinnlos hinopfert.“
„Das gehört wieder zur Propaganda, um den Wehr-
willen der Mannschaften aufrechtzuerhalten.“
„Hier vor Stalingrad liegen jetzt Hunderttausende von
Opfern dieser Propaganda. Wäre sie nicht gewesen, so wäre
hier nicht ein einziger Deutscher umgekommen.“
Sawarygino, 1. Februar
Auf der öden wüsten Landstraße von Wertjatschi nach
Norden schleichen endlose Züge von Gefangenen. Sie sind
auf dem Weg zur Bahnstation. Alle gehen vornübergebeugt
mit schleifenden Schritten1 2. In ihren struppigen Bärten
hängen Eiszapfen. Alles, was sie finden konnten an alten
Lumpen, Säcken und Woilachs, haben sie sich um Kopf und
Schultern gewickelt, um ihre Lederstiefel oder ihre nackten
Beine haben sie Stroh mit Draht festgeschnürt.
Ich rufe sie an: „Heda, Landsleute, ihr könnt froh sein,
daß ihr am Leben geblieben seid. Hitler und seine Befehls-
haber hatten euch zum Tode verurteilt, weil sie euch nun
doch nicht mehr brauchen können.“
„Mit denen werden wir schon abrechnen!“ schreien
einige und schütteln die Fäuste.
„Die Gelegenheit hättet ihr schon gehabt, ehe hundert-
tausend zum Teufel gehen3 mußten. Jetzt habt ihr kein
Recht mehr, euch zu beklagen.“
Sie sagten nichts mehr und wickelten ihre Lumpen wie-
der zurecht. Und der Elendstroß setzte sich langsam wieder
in Bewegung 4.
Ich mußte ihnen noch lange nachschauen, bis das trost-
lose Bild sich im Schneenebel auflöste.
1 damit sie nicht auf den Gedanken kommen — htoÖh hm b
rcuiOBy He npHxoaHjia Mbicjib
2 gehen... mit schleifenden Schritten — lujih c TpyaoM
3 zum Teufel gehen — hier: umkommen — norußarb
4 sich in Bewegung setzen — TpuraTbca /
Willi Bredel
(geboren 1901)
Der bekannte deutsche Schriftsteller Willi Bredel wurde
am 3. Mai 1901 als Sohn eines Arbeiters in Hamburg geboren.
Sehr früh mußte Bredel selber als Dreher in einer Metallfabrik arbei-
ten. Dort wurde er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend.
1918 trat er in den Spartakus-Bund 1 ein und in demselben Jahr wurde
er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. 1923 wurde
Bredel verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner
Freilassung arbeitete er ein Jahr als Seemann, dann wieder als Dreher
in Hamburg und wurde eifriger Arbeiterkorrespondent. An der Dreh-
1 der Spartakus-Bund — cok)3 „CnapraK“, cymecTBOBaßiuHH b Tep-
MaHHH c 1916 no 1918 r. h coctohbluhh H3 jicbbix couHaji-aeMOKpaTOB
(JlHÖKHexT, JliOKceMöypr, Hctkhh, MepHHr h ap.); cnapraKOBUH hmcjih
uejibiH paß sacjiyr b peBOJiiouHOHHOft 6opb6e, ho AonycKajiH h cept>e3-
Hbie OIUHÖKH, 3a MTO HX KpHTHKOB3JlH B. H. JleHHH H H. B. CT3JIHH.
B aeKäöpe 1918 r. C0103 „CnapTaK" npeoßpaaoBajiCH b KoMMyHHCTH-
secKyio napTHK) TepMaHUH.
7* 99
bank entwarf Bredel kleine Berichte, Skizzen, Reportagen 1 und Erzäh-
lungen/die in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht wurden. So wurde
Bredel ein echter Arbeiterschriftsteller.
1929 wurde Bredel wieder verhaftet und zu zwei Jahren Festung
verurteilt. In dieser Zeit schrieb Bredel seine ersten zwei Romane:
,»Maschinenfabrik N. u. K“, „Rosenhofstraße“.
Im Jahre 1933, nach Hitlers Machtantritt, wurde Bredel verhaftet
und ins Hamburger Konzentrationslager geworfen, wo er sich über ein
Jahr in Einzelhaft befand. Als es Bredel endlich gelang, seinen Hen-
kern zu entrinnen, verließ er sofort Deutschland und kam in die Sowjet-
union. Hier schrieb Bredel mehrere bedeutende Werke: „Die Prü-
fung“ (1935), „Dein unbekannter Bruder“ (1937), zahlreiche Novellen
und Erzählungen und den 1. Teil seiner Trilogie „Verwandte und
Bekannte“ („Die Väter“).
1945 kehrte Bredel als einer der ersten in seine Heimat zurück
und beteiligt sich aktiv an der demokratischen Umgestaltung Deutsch-
lands. Er schrieb mehrere Werke: „Fünfzig Tage“, „Das schweigende
Dorf“ u. a.
1948 veröffentlichte Bredel ein Buch über den großen Führer der
deutschen Arbeiterklasse Ernst Thälmann. 1949 beendete er den
2. Teil seiner Romantrilogie („Die Söhne“), 1954 — den 3. Teil („Die
Enkel“). Für sein Schaffen wurde Bredel zweimal der Nationalpreis
verliehen. Bredel ist Mitglied des ZK der SED.
Nachstehend bringen wir in etwas verkürzter Form Auszüge aus
dem Buch von Willi Bredel „Ernst Thälmann“, das auch in russischer
Übersetzung erschienen ist und in unserer Parteipresse sehr hoch ein-
geschätzt wurde.
Ernst Thälmanns Persönlichkeit
(aus dem 5. Kapitel)
Einfachheit, Gradheit, Ehrlichkeit
* Als Ernst Thälmann Vorsitzender der Kommunistischen
Partei Deutschlands wurde, stand er vor der Vollendung
seines vierzigsten Lebensjahres1 2. Auf fast fünfundzwanzig
Jahre politischer Tätigkeit in der Arbeiterbewegung konrfte
1 die Reportage (sprich: re'por'ta^o) — penopra»
2 vor der Vollendung seines vierzigsten Lebensjahres — Ha copo-
KOBOM rOAy CBOeH JKH3HH
100
er zurückblicken ’, eine Zeit, reich an Kämpfen, reich an
stolzen Erfolgen, überreich aber auch an schweren Rück-
schlägen und Niederlagen. Nicht in einem taumelnden Wir-
bel revolutionärer Siege 1 2 war Ernst Thälmann der Führer
der revolutionären Arbeiter geworden; sein Weg war
schwer, unendlich schwer, fer hat in Zeiten des ungeheuer-
lichsten Verrats an den Interessen und den politischen
Idealen der Arbeiterbewegung und nach einer Reihe bluti-
ger Niederlagen, die in der Arbeiterschaft tiefe Depres-
sionen hervorriefen, sich das Vertrauen und die Liebe der
Arbeitermassen erworben.
Einfachheit, Gradheit und Ehrlichkeit, diese hervor-
stechendsten Eigenschaften3 Ernst Thälmanns erkannte
jeder, der ihn sah und hörte; selbst seine verbissensten
politischen Gegner konnten sie nicht in Zweifel stellen 4.
Keine blind folgenden Anhänger wollte Thälmann, sondern
überzeugte Mitkämpfer. Er schmeichelte der Masse nicht,
wie so viele heuchlerische Politiker, die im Grunde das ein-
fache Volk tief verachten, sondern er sprach auch vor den
Volksmassen über Freund und Feind ungeschminkt5 die
Wahrheit aus. Dadurch erzog er die Werktätigen zum selb-
ständigen politischen Denken und zum politischen Handeln.
Er selber lernte mit Vorliebe6 von den Massen, horchte auf
das, was Betriebsarbeiter sagten und vorschlugen, und
studierte die Methoden, die das Volk im Kampf selbst-
schöpferisch entwickelte.
Ernst Thälmann war im Aussehen und Wesen ein unver-
kennbarer Sohn der Wasserkante7; übermittelgroß, stäm-
mig von athletischem Körperbau. Sein Gang war wiegend,
1 auf fast 25 Jahre politischer Tätigkeit konnte er zurückblik-
ken — 3a ero njieqaMH 6biJi homth 25-jicthhü nyTb nojiHTHnecKofl äch-
TejIbHOCTH
2 nicht in einem taumelnden Wirbel revolutionärer Siege — ne
b nepwoA rojioBOKpyjKHiejibHbix noöen peBOJiiouHH
3 diese hervorstechendsten Eigenschaften — 3th HanÖojiee otjih-
MHTejibHbie qepTH
4 in Zweifel stellen — noABepraib comhchhio; ocnapHBaTb
5 ungeschminkt — 6ea bchkhx npHKpac
6 mit Vorliebe — 3decb: ycepÄHO, ciapaiejibHo
7 E. Thälmann war im Aussehen und Wesen ein unverkennbarer
Sohn der Wasserkante — 3. TejibMan no bhcuihocth h no xapaKiepy
6bUl THUHqHblM CbIHOM CCBepHOfi TepMaHHH.
101
seine Bewegungen hatten etwas Schwerfälliges L Über sei-
nem vollen bartlosen Gesicht wölbte sich die mächtige Stirn
des kahlköpfigen Hauptes. Die ausgeprägte starke Nase, die
feste Rundung des Kinns1 2 und die Augen, glasklar von
leuchtendem Hell, gaben seinem männlichschönen Gesicht
das Charakteristische.
Die Menschen des deutschen Nordens tragen ihr Herz
nicht auf der Zunge3; Gefühle verbergen sie meist hinter
einer rauh anmutenden Derbheit4. Sie sind von bedächti-
ger, verschlossener, sehr oft auch schroffer Art5. Hinter der
rauhen Kruste schlägt vielfach ein mitfühlendes, hilfsberei-
tes Herz. In den verschlossenen Gemütern lebt ein starkes
Gefühl für Freiheit und Gerechtigkeit, und die schroffe
Unnahbarkeit weicht, so wie Prüfung und Bewährung Ver-
trauen geschaffen haben 6.
Ernst Thälmann, hart und streng gegen seine Mitkämpfer
und Freunde wie gegen sich selbst, war in der Tiefe seines
Herzens ein durchaus feinfühliger Mensch; sein großes Herz
war wärmster Anteilnahme und größter Aufgeschlossenheit
fähig. Ein unbeugsamer Sinn 7 und die Energie, mit der er
gewohnt war, jede als notwendig erkannte Aufgabe zu
lösen 8, standen in keinerlei Widerspruch zu seinen domi-
nierendsten Eigenschaften: Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit,
Großzügigkeit.
Revolutionär und politischer Führer dieser charakter-
lichen Prägung, hat er in der Kommunistischen Partei
Deutschlands Kämpfer erzogen, die, seinem Vorbild
1 sein Gang war wiegend, seine Bewegungen hatten etwas
Schwerfälliges — y Hero öbuia pacKaqHBaioinaHCH noxoAKa, abhjkchhh
erO ÖblJIH HeCKOJlbKO HeyKJllOJKHMH
2 die feste Rundung des Kinns — bojicboh noAÖopoAOK
3 die Menschen des deutschen Nordens tragen ihr Herz nicht
auf der Zunge — Ha cesepe TepMaHHH aioah He ouiHwaioTCfl OTKpo-
BeHHOCTbK)
4 hinter einer rauh anmutenden Derbheit — 3a Ka>Kymeftcfl cypo-
BOCTbK)
5 sie sind von bedächtiger, verschlossener, sehr oft auch schrof-
fer Art — OHH OCMOTpHTCJIbHbl, 33MKHyTbI, HepeAKO A3)Ke pe3KH
6 die schroffe Unnahbarkeit weicht, so wie Prüfung und Bewah-
rung Vertrauen geschaffen haben — nocjie TmaTejibHoft npoßepKH pe3-
Kaa HenpHCTynnocTb cmchhctch y hhx AOBepneM
7 ein unbeugsamer Sinn — HenpemiOHHocTb
8 jede als notwendig erkannte Aufgabe lösen — peinaTb KajKAyio
HeoöxoAHMyio 3aAaqy
102
1
nacheifernd *, sich seiner würdig erwiesen. Die kommu-
nistischen Arbeiter haben in der Republik 1 2 im Kampf gegen
die Reaktion ihre ganze Person eingesetzt3. Sie haben
Aussperrung und Erwerbslosigkeit, und das heißt Hunger
und Elend, auf sich genommen, sie sind für ihre politische
Überzeugung in die Zuchthäuser und in den Tod gegangen.
In den schwersten Zeiten für die deutsche Arbeiterbewe-
gung, gehetzt von den Mordbuben der SS und SA 4, stünd-
lich ausgesetzt den Zugriffen der Gestapo5, täglich gewär-
tig eines Endes unterm Henkerbeil6, haben die deutschen
Kommunisten in ihrem illegalen Kampf, in ihrer Haltung
vor den faschistischen Richtern und Henkern, in ihrem
Martyrium in den Konzentrationslagern Thälmannsche
Unbeugsamkeit und Treue, Selbstlosigkeit und Opferbereit-
schaft bewiesen.
Ein hervorragender Kenner der Theorie
des Marxismus-Leninismus
Ernst Thälmann hat die Intellektuellen stets geachtet und
für den Kampf der Arbeiter um den Sozialismus zu gewin-
nen gesucht. Solche Intellektuellen aber, die hochmütig auf
die Masse herabsahen, die innerhalb der Partei besondere
Privilegien beanspruchten und die vor den Arbeitern schul-
meisterlich auftraten7, die hat Ernst Thälmann weder
geschätzt noch geachtet.
Ernst Thälmann, der Arbeiter, der ein politischer Führer
von Millionen wurde, hätte dies nie zu erreichen vermocht
ohne überlegenen Intellekt8. Er hat als Autodidakt mit uner-
1 seinem Vorbild nacheifernd — CTapaacb ÖHTb aocTofiHHMH ero
npHMepa
2 in der Republik — gemeint ist die Weimarer Republik
3 haben ihre ganze Person eingesetzt — uejiHKOM OTaaßaJiHCb
6opb6e
4 gehetzt von den Mordbuben der SS und SA — aaTpaBJieHHbie
yÖHfiuaMH H3 OXpaHHblX H IIJTypMOBblX OTpH/IOB FepMaHCKHX (JjaWHCTOB
5 stündlich ausgesetzt den Zugriffen der Gestapo — OKeqacuo
pHCKya nonacTb b jianbi recTano
6 täglich gewärtig eines Endes unterm Henkerbeil — b jiioöoh
AeHb OJKH^aH CMepTH no/i TonopoM najiaqa
7 die vor den Arbeitern schulmeisterlich auftraten — KOTopbie
MeHTOpCKH, TJOKpOBHiejIbCTBeHHO BblCTynajlH nepefl paÖOMHMH
8 hätte dies nie zu erreichen vermocht ohne überlegenen Intel-
lekt — oh 6bi 3Toro HHKoraa ne äocthf, ecjiH 6h He o&naaaji oqeHb
BHCOKHM HHTeJIJieKTOM
10.3
müdlichem und zähem Fleiß an sich gearbeitet. Und er war
ein hervorragender Kenner des wissenschaftlichen Sozialis-
mus; seine Vorträge beispielsweise bei Eröffnung
marxistischer Arbeiterschulen zeugen davon.
Eins seiner Hauptstudien galt der Geschichte der rus-
sischen Arbeiterbewegung, der von Lenin geführten Partei,
und jede Rede, jeder Aufsatz von Ernst Thälmann zeigen,
wie gründlich er es verstand, in die Probleme der Großen
Sozialistischen Oktoberrevolution und des sozialistischen
Aufbaus einzudringen.
Mit besonderem Nachdruck1 hat Ernst Thälmann die
Arbeiter immer wieder ermahnt, die ideologische und theo-
retische Selbstschulung nicht zu vernachlässigen, sich nie
zufrieden zu geben mit der Aneignung und Anwendung der
Resultate der marxistisch-wissenschaftlichen Forschung,
sondern selbst zu den historischen Quellen der
marxistischen Philosophie vorzudringen und sich so das
ideologische Rüstzeug für den politischen Tageskampf zu
erarbeiten.
Redner und Agitator
Ernst Thälmann war im politischen Leben zur Zeit der
Weimarer Republik als Agitator und Redner eine der popu-
lärsten Persönlichkeiten. Auch im Deutschen Reichstag fand
er stets eine aufmerksame Zuhörerschaft, obwohl er nach
August Bebels Vorbild die Parlamentstribüne vor allem
benutzte, um zu den Massen draußen, zum Volk zu
sprechen. In Volksversammlungen, auf Demonstrationen,
öffentlichen Kundgebungen, überall, wo Ernst Thälmann
als Redner auftrat, jubelten die Arbeiter ihm zu.
Es ist erstaunlich, wie Ernst Thälmann trotz der auf-
reibenden politischen Arbeit immer noch Zeit und Kraft
fand, sein theoretisches Wissen zu bereichern. Und erstaun-
lich war auch, wie er von Jahr zu Jahr seine Rednergabe
entwickelte. Ausgehend von den kleinen Alltagssorgen1 2
jener Tausende, die gekommen waren, ihn zu hören, legte
Thälmann die kompliziertesten wirtschaftlichen und poli-
tischen Probleme sowie die Aufgaben und Ziele der kom-
munistischen Partei so anschaulich dar, daß es der ein-
fachste Mann verstand.
1 mit besonderem Nachdruck — ocoöeHHO HacroftqHBO
2 ausgehend von den kleinen Alltagssorgen — HauHHaa c mcjikhx
noßceAHeBHbix hjoka
104
Der Volksmann
Wer Ernst Thälmann persönlich kennenlernte, stand
bald im Bann 1 seiner starken, kraftvollen Persönlichkeit.
Sein klarer Verstand, die ihm eigene Schlagfertigkeit bei
unverwüstlichem Mutterwitz, seine urwüchsige, derbe
Offenheit, sein geselliges Wesen und vor allem seine
ungezierte, einfache, natürliche Art1 2 machten ihn so recht
zu einem Volksführer. Seine engeren Kampfgenossen
nannten ihn Teddy, und bald wurde er auch von den Arbei-
tern so genannt. Wie oft hörte man: „Teddy wird reden!“
Oder: „Unser Teddy hat es ihnen aber gegeben!“3 Die
Feinde der Arbeiter höhnten über dies Wort und diese
„unmögliche Vertraulichkeit“ zwischen einem Parteiführer
und der Masse. Sie begriffen nicht, daß in dem Wort
„Teddy“ sich die Liebe und Herzlichkeit und das Vertrauen
der Arbeiter ausdrückte. Zwischen Thälmann und den Män-
nern aus den Fabriken bestand keine Scheidewand; er blieb
ein Mann der Masse, ein Mann des Volkes.
Er liebte es, unter einfache Arbeiter zu gehen, unerkannt
sich mit ihnen zu unterhalten, ein Glas Bier mit ihnen zu
trinken oder Skat zu spielen und dabei ihre Auffassungen
und Stimmungen kennenzulernen. Er begab sich oft in völ-
lig abgelegene Dörfer und sammelte Tatsachenmaterial aus
dem Leben der Tagelöhner und kleinen Bauern. Er reiste
nie, ohne Gespräche mit seinen Mitfahrenden anzuknüpfen,
um dabei ihre Nöte und Sorgen und ihre politischen
Ansichten zu erfahren.
Ernst Thälmann besaß einen unerschrockenen Mut. In
den Revolutionskämpfen hat er mehr als einmal sein Leben
eingesetzt4, immer war er unter den Kämpfern anzutreffen,
die mit der Waffe in der Hand die Freiheit und das Recht
1 stand bald im Bann — CKopo nona^aji no.i BJiHHHHe
2 sein klarer Verstand, die ihm eigene Schlagfertigkeit bei unver-
wüstlichem Mutterwitz, seine urwüchsige, derbe Offenheit, sein gesel-
liges Wesen und vor allem seine ungezierte, einfache, natürliche Art —
ero hchbiü yM, cBoiicTBeHHaa esty Haxo/uiHBOCTb b coseiaHHH c HeH3-
MeuHtiM ocTpoyMHeM, ero npupoAHaH npaMOTa h oTKpoBeHHOcTb, ero
oöiunTejibHocTb h npejKae Bcero ero AociynnocTb, npocTora h ecTecr-
BCHHOCTb
3 „Unser Teddy hat es ihnen aber gegeben!“ — „Hy h aaopoßo
OTSMiaji hx Harn Ta/un!“
4 hat er mehr als einmal sein Leben eingesetzt — oh He paa
pHCKOBa/I CBOeft >KH3HblO
105
des Volkes verteidigten. Auch als Parteiführer hat er seine
Person nie geschont. Er marschierte an der Spitze der
großen Parteiaufmärsche und wiederholt hat er durch sein
entschlossenes Eingreifen Provokationen der Polizei
vereitelt.
Nach den Hamburger Oktoberkämpfen (die Partei war
verboten, die Polizei fahndete nach Thälmann, dem Führer
der Barrikadenkämpfer) veranstalteten die Arbeiter Ham-
burgs im Januar 1924 am Revolutionsdenkmal auf dem
Ohlsdorfer Friedhof eine Trauerkundgebung für die ermor-
deten Führer der deutschen Kommunisten, Karl Liebknecht
und Rosa Luxemburg, — und als Redner tauchte plötzlich
Ernst Thälmann auf. Die Arbeiter bildeten um ihn einen
dichten Kordon. Und als Thälmann seine Rede beendet hatte,
nahmen sie ihn in ihre Mitte und schützten ihn vor den zahl-
reichen Polizisten.
Ernst Thälmanns Mut war unter den Arbeitern sprich-
wörtlich. Es hieß schon damals von seinen Mitkämpfern
und Freunden Edgar Andre und Fiete Schulze, sie seien
„furchtlos und mutig wie Teddy.“
In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg hatte die
deutsche Arbeiterbewegung in August Bebel einen Führer
von außerordentlicher Popularität. Nach Bebels Tod hat die
deutsche Sozialdemokratie eine solche Persönlichkeit nicht
mehr hervorgebracht. Im Kriege und in der Revolution wur-
den Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch ihre Treue,
ihre Kühnheit und Entschlossenheit die Helden der vor-
wärtsdrängenden Arbeiter. Die Reaktion ermordete beide,
denn die junge Kommunistische Partei sollte enthauptet
werden.
In der Tat war die deutsche Arbeiterschaft jahrelang
ohne eine besonders hervortretende Führerpersönlichkeit.
Erst als Ernst Thälmann innerhalb der Kommunistischen
Partei und dann über den Rahmen der Partei hinaus in den
Massen der Arbeiter, der ärmeren Bauernschaft und des
städtischen Kleinbürgertums Vertrauen und Ansehen
gewann, von Millionen verehrt und geliebt, hatten die
Werktätigen Deutschlands wieder einen Führer. Ernst
Thälmann wurde der Erbe von August Bebel, von Karl Lieb-
knecht und Rosa Luxemburg.
Friedrich Wolf
(1888—1953)
Friedrich Wolf wurde am 23. Dezember 1888 in der kleinen Stadt
Neuwied (Bezirk Koblenz) in einer wohlhabenden Familie geboren.
Neben medizinischen Schriften schrieb Wolf viele literarische
Werke: bis 1926 veröffentlichte er 9 Theaterstücke, einen Roman, eine
Gedichtsammlung, eine Erzählung und Nachdichtungen.
Im Jahre 1928 trat Wolf in die Kommunistische Partei Deutsch-
lands ein, und von dieser Zeit an begann in seinem Schaffen eine neue
Periode: 1929 erscheint sein soziales Drama „Cyankali“, 1930 — das
soziale Trauerspiel „Die Matrosen von Cattaro" und das Schauspiel
„Tai Yang erwacht“ (über die Chinesische Revolution).
1933 mußte Wolf Deutschland verlassen, und er kam nach kurzem
Aufenthalt in Frankreich, Amerika und den skandinawischen Ländern
in die Sowjetunion/^ier schrieb er seine besten Werke: das bekannte
Trauerspiel „Professor Mamlock“ (1934), das soziale Drama über den
Aufstand des Wiener Proletariats im Februar 1934 „Floridsdorf“ (1935),
das Drama über den illegalen Kampf der deutschen antifaschistischen
107
Jugend „Das Trojanische Pferd“ (1936) und den Roman „Zwei an der
Grenze“ (1938) L
Während des zweiten Weltkrieges schrieb Wolf die Dramen „Die
Patrioten“ (über den Kampf der französischen Patrioten gegen die
faschistischen Okkupanten), „Doktor Wanner“, „Was der Mensch
sät“, die Novellen Heimkehr der Söhne“ und „Der Russenpelz“ und
mehrere kurze Erzählungen.
1945 kehrte Wolf in seine Heimat zurück und begann sofort uner-
müdlich für die demokratische Umgestaltung Deutschlands zu wirken.
Nach 1945 schrieb Wolf die Dramen „Die erste Probe“, „Wie Tiere
des Waldes“, „Bürgermeisterin Anna“, „Thomas Münzer“, das Dreh-
buch zum Film „Der Rat der Götter“. 1949 wurde Wolf der National-
preis II. Klasse verliehen, 1950 — der Nationalpreis I. Klasse. Prof.
Dr. Friedrich Wolf war Mitglied der Deutschen Akademie der Künste.
Wolf starb im Oktober 1953.
Nachstehend bringen wir die Schlußszene aus Wolfs Schauspiel
„Die Matrosen von Cattaro“, in etwas gekürzter Form die Erzählung
„Der Koffer aus Indochina“ und den Aufsatz „Deine eigenste Sache!“
„Das ist nicht das Ende ...“
(Schlußszene des Schauspiels „Die Matrosen von Cattaro“) 1 2
Im Jahre 1918 kam es in der österreichischen Kriegs-
marine zu einem Aufstand der Matrosen. Auf den Kriegs-
schiffen des Geschwaders von Cattaro wurde die rote Flagge
gehißt. Der Kriegshafen-Kommandant von Cattaro und der
Kommandant des Geschwaders von Pola (dem damaligen
Hauptkriegshafen Österreichs) übersandten den Aufstän-
dischen ein Ultimatum, in dem sie zur sofortigen Kapitulation
aufgefordert wurden. Im kritischen Augenblick fehlt bei den
Matrosen die Einheit. Wenn die Matrosen Franz, Mate, Jerko
und der etwas schwankende Toni der roten Flagge bis zum
Ende treu bleiben, sind solche Matrosen wie Alois, Trulec,
Kuddel und Sepp zur Kapitulation bereit. Die Offiziere, die
bestrebt sind, mit allen Mitteln den Aufstand zu unterdrücken,
benutzen geschickt diesen Umstand, verhaften Franz und
seine drei treuen Kampfgenossen und stellen sie vors Kriegs-
gericht.
1 „Zwei an der Grenze“ — „flßoe Ha rpaHHue“.
2 „Die Matrosen von Cattaro“ — „Marpocbi H3 KaTTapo“ —
couHajibHan TparejiHfl, BocnpoH3BO/iflmaH c ÄOKyMeHTajibHOH TOHHocTbio
HCTOpmo BoccTaHHfl MarpocOB b aBCTpHHCKOM (J)JioTe b 1918 roÄy.
108
Vorderdeck des „St. Georg“1. Morgendämmerung des 3. Februar1 2.
Franz (ruhig): Kameraden, wir haben riesige Fehler
begangen; aber diese letzte Waffe bleibt uns noch, unsere
stärkste Waffe! (Verhalten): Wir werden die Offiziere zwin-
gen, ihren Mannschaften zu befehlen, auf uns zu schießen!
Wir werden die Matrosen von Pola drüben an den
Geschützen vor die Entscheidung stellen, auf die Matrosen
von Cattaro zu schießen ... oder nicht!
Kuddel: Und wenn sie schießen werden? Und wenn
wir dann als Brei hundert Meter tief auf dem Boden der
Bucht liegen werden?!
Franz: Und wenn wir auf dem Boden der Bucht lie-
gen werden! Kameraden, die Schüsse von Cattaro werden
ebenso durch die Länder dröhnen wie 1917 die Schüsse von
Kronstadt... auch wenn von uns Matrosen längst kein
Fetzen mehr übrig ist! Darum, Kameraden, nicht die
Sache vernebeln und die Entscheidung verfälschen; die
Entscheidung verstärken!
Fregattenkapitän: Sehr richtig: die Entschei-
dung! Auf eure klare Entscheidung kommt es an!3 Zudem
ist — wenn ich recht verstehe — grade euer Matrosenrat ja
das System, bei dem auf die Entscheidung aller der
größte Wert gelegt4 wird, bei dem nicht einer das
Wort zu führen5 hat, sondern wo in wichtigen Fragen
jeder seine Meinung sagen kann. Stimmt das? 6
Alois: Absolut!
Fregattenkapitän: Nun seid ihr aber wegen des
Ultimatums, wie mir scheint, durchaus nicht einer Meinung.
Ich schlage also ganz im Sinne eures Systems — vor,
abzustimmen.
Mate: Quatsch!
Alois: Hör’ zu!
Fregattenkapitän: ... abzustimmen; und zwar
sehr einfach: wer für die Kriegsflagge ist, der trete nach
Steuerbord; wer für die rote Flagge ist, der trete Backbord!
1 „St. George“ = „Sankt Georg“ — der Name eines Kriegsschiffes
2 des 3. Februar = am 3. Februar 1918
3 Auf eure klare Entscheidung kommt es an — ot Baiuero acnoro
pemeHHH BCe 33BHCHT
4 auf etwas den größten Wert legen — npiuaBaTb HeMy-jiHÖo
öojibiuoe 3HaqeHHe
5 das Wort führen — 3decb: BepxoBOßHTb
• stimmt das? — He TaK jih?
109
(Schweigen.. — Die Matrosen reden leise und beklemmt mit-
einander. Franz, Mate und Jerko stehen schon die ganze
Zeit Backbord beim Mast. Der Fregattenkapitän und der
Offizier treten in die Mitte.)
Franz: Na, Kameraden, wir stehen schon lange!
Kuddel (mit Trulec, Alois und ein paar Matrosen,
zuletzt auch Sepp und Toni langsam nach Steuerbord
tretend) -. Kommt, Kameraden! Wer noch Verstand hat und
leben will, hierher!
Franz: Toni?!
Toni (hält sich die Ohren zu): Verdammt, hör auf,
Franz, laß mich... ich weiß, ich weiß, du hast recht, Franz!
Aber auch Marco hat recht, Söhnchen Marco; drei Jahre
habe ich ihn nicht gesehen, Franz ... Du hast keine Kinder!
Marco! Marco!
Fregattenkapitän: Die Abstimmung ist klar.
Wenn ihr euer eigenes System anerkennt...
Franz: Wir brauchen keine Belehrungen! — Kommt,
Kameraden! (Er tritt mit Mate und Jerko vom Mast weg
nach rechts vorn. Alois, Trulec, einige Matrosen, der Fre-
gattenkapitän und der Offizier des „Erzherzog Karl'11 ver-
schwinden nach rechts.)
Jerko (außer sich): Das ist doch Schweinerei!
Franz (zieht ihn zu sich): Still, Jerko, still! — (Er
hat unbemerkt seinen Revolver gezogen, ihn aber wieder
weggesteckt.)
Mate (zum Flaggenmast springend): Saubande!!
(Man sieht Kuddel und Sepp am Mast eine große' rote
Fahne niederholen ...)
Franz (macht einen Sprung, packt Kuddel und schleu-
dert ihn weg): Du nicht! Du rührst das nicht an, du nicht!!
— Toni!! Los, Toni... wenigstens Kerle sollen es sein!! 1 2
(Toni tritt heran und holt die rote Flagge langsam ganz
nieder.)
Franz (vor ihr salutierend): Kameraden! Das nächste
Mal besser!3 (Auch Mate und Jerko grüßen die rote Flagge.)
Sepp (hilflos): Kamerad, Franz ... wir haben getan,
was wir ...
1 „Erzherzog Karl“ — der Name eines Kriegsschiffes
2 wenigstens Kerle sollen es sein — nyers sto cnejiaioT xoTb
HacTOHUiHe peCma
3 Das nächste Mal besser! = Das nächste Mal macht es besser!
110
Franz: Schnauze *, Sepp! Es kann nicht alles auf ein-
mal gehn. Mach’s gut1 2, Sepp! (Gibt ihm die Hand.)
(Von rechts hinten kommen schnell der Leutnant vom
„St. Georg", der Offizier vom „Erzherzog Karl" — beide
jetzt bewaffnet — und eine Gruppe Matrosen, umgeschnallt,
mit auf gepflanztem Bajonett3.)
Leutnant (mit Revolver): Achtung!!4 Widerstand
ist zwecklos!
Franz: Wo denken Sie hin5, Leutnant? Wir haben
doch abgestimmt. Die Kameraden haben so entschieden
(auf ihn los, daß er zurückfährt6): nicht Sie!
Leutnant: Den Kerl binden!
J e r k o: Riskier’sü 7 8
Mate: Kameraden ...
Franz: Schnauze, Junge! Sie sollen sich alle ansehen,
was mit uns geschieht... mit uns und mit ihnen!
Da, Kameraden! (Er hält die Hände hin und bekommt mit
Jerko und Mate die Hände auf den Rücken gebunden H.)
Leutnant: Achtung! — Wegführen! (Die Matrosen
treten nach rechts herüber, um die Gefangenen in die Mitte
zu nehmen.)
Leutnant: Halt!! (Vor Franz): Bootsmannsmaat
Franz Rasch, wissen Sie zufällig noch den Paragraphen 157
des Militärstrafgesetzes?
Franz (sieht ihn an): Jawohl — „Empörung ist vor-
handen, wenn es bei einer... nach vorläufiger Verabredung
entstandenen Zusammenrottung ... dahin gekommen ist9,
daß eine bewaffnete Gegengewalt zur Herstellung der Ord-
nung und des Gehorsams notwendig wurde. Auf dieses Ver-
brechen steht, wenn Kriegsrecht verkündet istl0, der Tod
durch Erschießen“.
1 Schnauze! = halt deine Schnauze! = schweig!
2 Mach’s gut! — ein Abschiedsgruß
3 mit aufgepflanztem Bajonett — c npnMKHyTbiMn uiTbiKaMH
4 Achtung! — 6oeH. c-nymafil, cMHpuo!
5 Wo denken Sie hin? = was denken Sie? — mto Bh!
6 auf ihn los, daß er zurifckfährt — jieJiaeT necKOJibKO mar ob no
HanpaB/ieHHio k HeMy, TaK mto tot OTmaTHBaeTCfl
7 Riskier es! — Versuch es einmal! — nocMeft tojimco!
8 sie bekommen die Hände auf den Rucken gebunden = man
bindet ihnen die Hände auf den Rucken
9 wenn es dahin gekommen ist — ecjiH aofijieT 40
10 auf dieses Verbrechen steht, wenn Kriegsrecht verkündet ist —
noejie 06'bHBJieHHH BoeHHoro nojiojKeHHfl sto npecTyruieHHe KapaercH
111
Leutnant: Achtung! Präsentiert das Gewehr! 1 (Zu
Kuddel): Kriegsflagge hoch! (Die österreichische Kriegs-
flagge geht hoch. Der Leutnant, der Offizier des „Erzherzog
Karl“ und die Matrosen salutieren.)
Leutnant: Das Gewehr über!1 2 Gewehr ab!3 (Zu
Franz): Was habt ihr nun erreicht... mit eurer Flagge und
mit euren Soldatenräten?
Franz: Leutnant, wenn einer ’ne Maschine oder ein
Steuerruder nicht gleich anfangs richtig bedienen kann, ist
darum die Maschine oder das Ruder nichts wert? Eines aber
kann ich Ihnen sagen, Leutnant (vor ihm), die Kugeln, die
uns niederstrecken werden, ob das in ’ner finstern Kase-
matte oder auf ’nem einsamen Schindanger ist, diese
Kugeln, Leutnant, werden gehört werden, auf den Schiffen,
in den Fabriken und in den Straßen der Städte... von
denen, die es dann besser machen als wir!
Leutnant: Utopie!
Toni (der gespannt dagestanden, stürzt vor, greift die
rote Flagge und schwenkt sie hoch; außer sich): Unsere
Flagge... Marco! Marco! (er wird von der bewaffneten
Mannschaft überwältigt und in die Mitte genommen).
Leutnant: Noch einer; also vier! Das ist nun das
Ende!
Franz: Wenn Sie sich da nur nicht schneiden 4, Leut-
nant! Das ist nicht das Ende, Leutnant, das ist erst der
Anfang!
Der Koffer aus Indochina
(Erzählung)
Vor kurzem besuchte mich meine Jugendfreundin
Kettche, die Witwe des neben meinem Elternhause wohnen-
den Bäckermeisters Prietzel. Für Kettche hatte ich mit
12 Jahren wahre Heldentaten vollbracht, Rabeneier aus den
höchsten Wipfeln der alten Rheinpappeln geholt und im
Herbst Pfirsiche aus dem Garten eines Schokoladenfabri-
kanten trotz der Warnung: hier liegen Fußangeln! Ist das
nicht schon 100 Jahre her? Kettche hat inzwischen Kinder
und Enkelkinder. Wir sprechen über die längst vergangene
1 Präsentiert das Gewehr! — Ha Kapayji! (KOManda)
8 Das Gewehr fiber! — Ha ruieqo! (KOManda)
3 Gewehr ab! — k Hore!
4 sich schneiden — hier: sich irren
112
Zeit, über unsere Schulkameraden, den Schorsch Berger,
den Menne Schmitz, das Mariechen Frings. Die meisten
sind tot. Nur Mariechen, die den Schorsch geheiratet hatte,
lebt noch, allerdings in einer Irrenanstalt. Daran war der
Koffer aus Indochina schuld.
Das aber ist eine besondere Geschichte.
Vor mehr als einem Jahr erhielt das Mariechen, das auch
seine 60 Jahre auf dem Buckel hat ’, einen Brief aus dem
Militärhospital in Marseille1 2, ihr Sohn, der Fremdenlegio-
när Hans Berger, sei aus Indochina nach Frankreich zurück-
transportiert worden und in jenem Marseiller Hospital, wo
man ihm ein Bein amputiert habe, gestorben. Er habe nichts
hinterlassen als einen Koffer, der zu ihrer Verfügung
stehe3. Mutter Mariechen wandte sich nun an die Militär-
behörde und später an den französischen Konsul, um —
wenn der Sohn schon tot sei — wenigstens dessen Koffer
zu retten. Es begann ein umfangreicher Papierkrieg
zwischen den französischen und deutschen Behörden,
zwischen dem französischen Konsul am Rhein und dem
Militärhospital in Marseille. Die alte Frau nahm sich
schließlich einen Rechtsanwalt: der ließ in französischer
Sprache neue Schriftsätze anfertigen und an die verschiede-
nen Dienststellen senden. Mutter Mariechen wollte unbe-
dingt den Koffer ihres verstorbenen Sohnes haben; es war
ja das einzige, was von dem Sohn übriggeblieben. Oft
schien die Alte ganz nah an ihrem Ziel zu sein. Man schrieb
aus Marseille, der Koffer werde in der nächsten Woche
abgesandt. Aber es verging Woche um Woche. Der Koffer
kam nicht.
Mutter Mariechen war nicht der Mensch, der so schnell
den Besen in die Ecke stellte4. Als 16jähriges Mädchen
hatte sie einmal einen Jungen, der in den Rhein gefallen
und zwischen die Stahltrossen der Landungsbrücke gera-
ten war 5, gerettet. Sie hatte den Jungen unter Wasser in
den Trossen mit dem Kopf nach unten gesehen, war an dem
1 seine sechzig Jahre auf dem Buckel haben = 60 Jahre alt sein
2 Marseille (sprich: marsei) — eine französische Hafenstadt
3 der zu ihrer Verfügung stehe — KOTopbiw ona moxcct nojiyqHTb
4 den Besen in die Ecke stellen = eine begonnene Sache auf-
geben — 0TKa3biBaTbCfl ot HaqaToro aejia
5 der ... geraten war — KoropbiH nonaji
8 N? 4172
113
Stahlseil nachgerutscht und hatte, den Ertrinkenden an
einem Fuß hochgezogen. So eine war das Mariechen.
Und nun war ihr eigener Junge als Fremdenlegionär in
Marseille gestorben und hatte ihr nichts hinterlassen als
den Koffer. Darin mußten noch seine Sachen sein, seine
Uniform, Briefe, ein Bild oder ein Andenken für sie. Deshalb
setzte die alte Frau Himmel und Hölle in Bewegung1,
wenigstens den Koffer zu retten. Da wechselte das Konsu-
lat seinen Standort. Man mußte die ganze Sache von vorne
beginnen. Mutter Mariechen war wie besessen: sie schimpfte,
sie drohte, sie gab ihre ganzen Ersparnisse dem Rechts-
anwalt, der schrieb an das Generalkonsulat. Sie fuhr selber
hin, und da erfuhr sie, daß man diesen Koffer vor einer
Woche an ihre Adresse geschickt hatte.
Es war ein Koffer aus Aluminium. Mutter Mariechen
öffnete ihn und begann erregt verschiedene Sachen heraus-
zuziehen und nach Briefen und einem Andenken zu wühlen.
Jetzt hielt sie ein dickes Notizbuch mit Bildern und Briefen
in der Hand. Das war es, was sie suchte. Fiebernd machte
sie sich daran 1 2, es zu lesen. Aber da gab es ganz fremde
Namen und Adressen. Und der Empfänger der Briefe war
gar nicht Hans Berger, ihr Sohn, sondern ein Fremden-
legionär Hans Beyer. Auch das Gesicht auf dem Foto war
nicht das ihres Sohnes Hans, sondern das eines unbekannten
Soldaten.
Es dauerte eine Weile, bis Mutter Mariechen begriff, daß
man die Namen der gestorbenen Legionäre Hans Berger
und Hans Beyer verwechselt hatte. Auch die Koffer hatte
man vertauscht.
Am gleichen Nachmittag — es war ein heißer Julitag —
sahen die Nachbarn auf dem Luisenplatz, wie eine alte Frau
einen Aluminiumkoffer an einem Strick hinter sich her-
zog ... Dazu sang sie das alte Soldatenlied: „Die Vöglein
im Walde, die sangen, sangen so wunderwunderschön ...“
Als man sie festhielt, wollte sie unbedingt ihren Weg
fortsetzen, sie schlug um sich und begann zu toben: „Weg
da! Was wollt ihr denn? Ich fahre zu meinem Hans!“ Sie
1 Himmel und Hölle in Bewegung setzen — npnjiararb Bee ycH-
jihh; nycKBTb b xoä Bee cpe^cTBa
2 sie machte sich daran — ona npnctynnjia
114
klammerte sich mit aller Gewalt an den kleinen Koffer.
Es blieb nichts anderes übrig, man mußte sie in eine
Irrenanstalt bringen.
Deine eigenste Sache!1
Als ein Bühnenautor unserer Zeit sah ich stets die
Aufgabe des Schriftstellers darin, droben auf der Szene und
drunten im Zuschauerraum die Trägheit der Herzen, die
dumpfe Neutralität der Köpfe zu sprengen und Entscheidun-
gen herbeizuführen. Schiller erwähnt in seinem Aufsatz
über „Die Gesetzgebung des Lykurg und Solon“ 1 2, daß in
der vor über 2500 Jahren bestehenden Stadtdemokratie von
Athen jeder Bürger für ehrlos erklärt wurde, der bei einem
Aufstand und bei der Frage Krieg oder Frieden sich neutral
erklärte.
Heute, da nach fünf Jahren 3 bereits wieder das Schwert
über uns hängt, da im Oktober 4 unser Land zu entscheiden
hat, ob Aufbau oder Bombennächte, ob Krieg oder Frieden
— kann da auch nur einer von uns abseits stehen, sich der
Stimme enthalten 5, „neutral“ bleiben? Er wäre nicht bloß
ein Ehrloser; er wäre ein Selbstmörder.
Ich habe als Truppenarzt vier Jahre lang den ersten
Weltkrieg miterlebt; ich habe viele hundertmal das Todes-
stöhnen „Mutter“ gehört, den letzten Seufzer nach der
geliebten Frau, das letzte Röcheln: verflucht sei der Krieg!6
Am Kriegsende dachten wir, diesmal sind wir klüger
geworden. Viele waren nicht klüger geworden.
So wie wir im ersten Weltkrieg Belgien und die
flandrische Küste erobern wollten, so ging es im zweiten
1 Deine eigenste Sache! — Tsoe KpoBHoe äcjio!
2 „Die Gesetzgebung des Lykurg und Solon“ — BaKomviaTejib-
ctbo jiHKypra h Cojiona. JiHKypr — JiereH/iapHbiH aaKOHonaTejib
JlpeBHeH TpeiiHH (VIII—VII b. ao h. apu); Cojioh — rocy.iapcTBeH-
HbiH aeflrejib A(j)HH (594 r. jo h. apwj.
3 nach fünf Jahren — cnycra narb Aer. Wolf schrieb diese Worte
im Jahre 1950, das heißt fünf Jahre nach dem zweiten Weltkrieg.
4 im Oktober — Am 15. Oktober 1950 wählte das deutsche Volk
in der Deutschen Demokratischen Republik seine besten Vertreter in
die Volkskammer.
5 sich der Stimme enthalten — BO3AepxaTbCH npn roJlocoBaHHH
6 verflucht sei der Krieg! — ÖyAb npoKjiara Boftnal
8*
115
Weltkrieg zum „Ritt gen 1 Osten“. Und wieder hörte ich
aus dem Mund der Schwerverwundeten jenes bekannte
schreckliche Stöhnen „Mutter!“ und „Verflucht sei der
Krieg!“ Zu Zehntausenden sah ich deutsche Jungen und
Männer im gigantischen Ringen der Wintcrschlacht von
Stalingrad sterben und später im Donbass und am Dnjepr.
Aber ich sah auch, wie Soldaten der Sowjetarmee mit den
gefangenen Hitlersoldaten, die dem Sowjetland so furcht-
bares Unheil zugefügt hatten, ihre eiserne Ration1 2, ihr
letztes Brot teilten, wie sie mit ihren Verbandpäckchen die
deutschen Verwundeten verbanden. Das sah ich mit eigenen
Augen. Und ich hörte auch, wie jene Sowjetsoldaten zu mir
das altrussische Sprichwort sagten: „Einen am Boden
Liegenden tritt man nicht“ 3.
Und da wagen cs hirnverbrannte Verbrecher heute wie-
der, zum neuen „Ritt nach Osten“ und zur Schlacht an der
Weichsel4 aufzurufen? Sie wagen es, deutsche Jungen als
Landsknechte in eine westliche Söldnerarmee hineinzu-
locken? Sie wagen es, das polnische Volk, das unter Hitler
über sechs Millionen Tote und Ermordete zu verzeichnen
hatte, mit einer Hetze gegen die Friedensgrenze der Oder-
Neiße 5 zu provozieren ... jenes polnische Volk, das seit
1773 durch die dreimalige „Teilung Polens“, an der auch
das Ilohenzollernpreußcn6 teilnahm, sinnlos zerstückelt
wurde und von dem ganze Provinzen mit Millionen polni-
schen Bewohnern dem damaligen Preußen „einverleibt“
wurden!7 Nein, diese Provokateure sollen wissen, daß die
Oder-Neiße-Linie heute die unverbrüchliche Friedensgrenze
zwischen unsern beiden Völkern ist, daß diese Grenze von
beiden Völkern im gleichen Sinne einmütig verteidigt wird.
Unsere Wahl im Oktober stellt also jeden einzelnen von
uns vor die Entscheidung: planvolle gemeinnützige Arbeit
oder chaotische Krisenwirtschaft, leben von Schulden oder
1 gen gegen
2 die eiserne Ration — HenpHKocHOBeiiHbiw 3anac npoHOBOJibCTBMH
3 Einen am Boden Liegenden tritt man nicht — jie>Kaqero hc CbiOT
4 die Weichsel — Bwc.ua (peKd)
5 die Friedensgrenze der Oder-Neiße — rpaHHua MejKjiy FeptyaH-
ckoh JJeMOKpaTH’iccKow Pecnyö.uwKoft h nojibmeft, npoxojunuaw no
jihhhw pex O/iep w Heftce w HaaBaiiHaw naponoM rpanwuew Mwpa
6 das Hohenzollernpreußen — roreHuoJi.ucpHOBCKaw ElpyccKfl. Fo-
lemiojuiepHbi — AMHacTHfl, npaBHBinaw b Hpyccww w b FepMaHww
b 1871 — 1918 r.
7 einverleibt werden — ÖbiTb aHHeKcwpoBaHHUM (o reppuropuu)
116
leben von Arbeit, und vor allein: Krieg oder Frieden. Hier
kann die Entscheidung nicht schwer fallen. Hier kann keiner
„neutral“ bleiben.
Meinen Kollegen der Feder aber und allen Kulturschaf-
fenden möchte ich nach 35jähriger Arbeit als Arzt und
Schriftsteller heute zurufen: Tua res agitur! 1 Es geht um
deine eigenste Sache!
1 tua res agitur! — lateinisch’, es geht um deine eigenste Sache! —
peqb H7JCT 0 TBOe.M KpODHOM JICJIC!
Bertolt Brecht
(geboren 1898)
Der deutsche Dichter B. Brecht wurde in der Stadt Augsburg
als Sohn eines Fabrikbesitzers geboren. Nach dem ersten Weltkrieg
studierte er Medizin, fühlte sich aber zum Theater hingezogen, wurde
Dramaturg1 und Regisseur und begann bald eigene Gedichte und
Theaterstücke zu schreiben. Zu seinen Erstlingswerken gehören die
Theaterstücke: „Trommeln in der Nacht“ 1 2 (1922), „Im Dickicht der
Städte“ 3 (1924), „Mann ist Mann“4 (1927), „Maßnahme“ (1929), „Die
Mutter“ (1931, nach Maxim Gorkis berühmtem Roman), „Dreigroschen-
oper“ 5 (1932) u. a.
Nach Hitlers Machtantritt wurden Brechts Werke sofort verboten
und öffentlich verbrannt. Der Dichter mußte Deutschland verlassen
und verbrachte die Emigrationsjahre in Österreich, in der Schweiz, in
Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Persien und schließlich
1 Dramaturg — 3aBenyiomuH jiHTepaTypnon qacTtio npn T&rrpe
2 „Trommeln in der Nacht“ — „Bapaöaubi b hohh“.
3 „Ini Dickicht der Städte“ — „B qame ropoaoß“.
1 „Mann ist Mann“ — „Hcjiobck ecTb uejioBeK“
5 „Dreigroschenoper“ — „Oncpa hhujhx“.
118
in Amerika, wo er von der Reaktion verfolgt wurde. In der Emigration
schrieb Brecht scharfe satirische Gedichte, seinen „Drcigroschcn-
roman“ 1 und die dramatischen Werke „Galileo Galilei“, „Herr Puntila
und sein Knecht“ 2 u. a.
1948 kehrte Brecht nach Deutschland zurück, wo er sich aktiv
arn Aufbau eines neuen Lebens beteiligt. Brecht ist Mitglied des
Weltfriedensrates und Mitglied der Deutschen Akademie der Künste.
1951 wurde ihm der Nationalpreis 1. Klasse verliehen.
Nachstehend bringen wir zwei Gedichte von Brecht.
Einheitsfrontlied
(1930)
Und weil der Mensch ein Mensch ist,
Drum will er was zu essen, bitte sehr!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt,
Es schafft kein Essen her.
Drum links, zwei, drei!
Drum links, zwrci, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
Weil du auch ein Arbeiter bist.
Und weil der Mensch ein Mensch ist,
Hat er Stiefel im Gesicht nicht gern.
Er will unter sich keinen Sklaven sehn
Und über sich keinen Herrn.
Drum links, zwei, drei!
Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
Weil du auch ein Arbeiter bist.
Und weil der Prolet ein Prolet ist,
Drum wird ihn kein andrer befrein.
Es kann die Befreiung der Arbeiter nur
Das Werk der Arbeiter sein.
1 „Dreigroschenroman“ — „Powan hiijuiix“.
3 „Herr Puntila und sein Knecht“ — „Pochoahh FlyHTHJia h ero
öaTpaK“.
119
Drum links, zwei, drei!
Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
Weil du auch ein Arbeiter bist.
Die unbesiegliche Inschrift
(1927)
Zur Zeit des Weltkriegs
In einer Zelle des italienischen Gefängnisses San Carlo
Voll von verhafteten Soldaten, Betrunkenen'und Dieben
Kratzte ein sozialistischer Soldat mit Kopierstift in die
Wand:
Hoch Lenin!
Ganz oben, in der halbdunklen Zelle, kaum sichtbar, aber
Mit ungeheuren Buchstaben geschrieben.
Als die Wärter es sahen, schickten sie einen Maler mit
einem Eimer Kalk.
Und mit einem langstieligen Pinsel übertünchte er die
drohende Inschrift.
Da er aber mit seinem Kalk nur die Schriftzüge nachfuhr,
Stand oben in der Zelle nun in Kalk:
Hoch Lenin!
Erst ein zweiter Maler überstrich das Ganze mit breitem
Pinsel,
So daß es für Stunden weg war, aber gegen Morgen,
Als der Kalk trocknete, trat darunter die Inschrift wieder
hervor:
Hoch Lenin!
Da schickten die Wärter einen Maurer mit einem Messer
gegen die Inschrift vor.
Und er kratzte Buchstabe für Buchstabe aus, eine Stunde
lang.
Und als er fertig war, stand oben in der Zelle, jetzt farblos.
Aber tief in die Mauer geritzt, die unbesiegliche Inschrift:
Hoch Lenin!
Jetzt entfernt die Mauer! sagte der Soldat.
Hans Marchwitza
(geboren 1890)
Der bekannte antifaschistische Schriftsteller Hans Marchwitza
wurde am 24. Juni 1890 in einer kinderreichen Borgarbeiterfamilie in
Oberschlesien geboren. Marchwitza hatte eine äußerst schwere Kind-
heit und Jugend, die er in einigen Werken schildert.
Im Jahre 1930 veröffentlichte Hans Marchwitza sein erstes großes
Werk, den Roman über das Leben der Ruhrkumpel „Sturm auf Essen"
und seit dieser Zeit steht er in der vordersten Reihe der deutschen
proletarischen Literatur. Weiter folgten seine Romane „Das Walz-
werk“1 2 und „Schlacht vor Kohle"3.
1933 mußte Marchwitza Deutschland verlassen, und es begannen
für ihn schwere Jahre der Emigration in Frankreich, Spanien und
Amerika. In dieser kampfreichen Zeit schrieb Marchwitza die Romane
„Die Kumiaks", „Meine Jugend" und „In Frankreich“.
1 „Sturm auf Essen“ — „IflTypM Sccena" (Essen — eine große
Industriestadt in Westdeutschland).
2 „Das Walzwerk" — „FIpoKaTiibiH saBO/i".
3 „Schlacht vor Kohle“ — „EnTBa b yrojiwioM pafionc".
12t
Nach seiner Rückkehr in die Heimat im Jahre 1946 hat Hans
Marchwitza eine Fortsetzung- des Romans „Die Kumiaks“ unter dem
Titel „Die Heimkehr der Kumiaks“ veröffentlicht (1952). Sein letztes
Werk ist der Roman „Roheisen“.
Flüchtlinge 1
(1936)
Die Nacht war schwarz und kalt. Und der Wald, in
dem sie besseren Schutz zu finden hofften/ war ihnen zu
neuem Schrecken geworden. Auch der Mond hatte sie ver-
lassen, so daß sie die ursprüngliche Richtung gänzlich ver-
loren. Sie irrten ohne Ziel in dem Dickicht, der eine weh-
klagend, der andere unerbittlich drängend. Ein aufge-
scheuchtcs Tier entsetzt den Jüngeren so daß er seufzend
in die Knie sinkt1 2. Er hat lange Zeit alle möglichen
Quälereien im Lager ertragen müssen und ist bloß noch
Haut und Knochen 3.
Der Ältere sagt trotzdem rauh: „Weiter!“ Er muß hart
sein, denn nur Rücksichtslosigkeit gegen sich 4 5 kann sie
noch retten.
Die Brandwunden auf seiner Brust sind noch nicht
- verheilt. Brandwunden von glühenden Zigarren. Er hätte
diese Schurken einzeln, einen nach dem andern zerbrechen
können, gemeinsam zerbrachen sie ihn. Monatelang war er
ein stumpfer, stummer, lebensmüder Mensch und wehrte
sich nicht mehr. Er stand nach Komando stramm ;
marschierte, den Spaten geschultert6, sang, schuftete nach
Kommando in dem öden Moorland.
Nur manchmal folgte er der Sonne mit heißen Blicken,
wenn diese ihre lange Tagesreise vollendete und noch ein-
mal in voller Pracht erglühend und abschiednehmend hinter
1 „Flüchtlinge“ — „ßerJieubi“. Diese Erzählung von Hans March-
witza bringen wir in etwas gekürzter Form.
2 in die Knie sinken — onycTHTbcn na kojichh
3 er ist bloß noch Haut und Knochen — y Hero ocrajiwcb
KOJKa fla KOCTH
4 Rücksichtslosigkeit gegen sich — decnoma^HocTb uo otiioiiic-
hmk> k ce6e
5 stramm stehen — CTOHTb CMHpuo
c den Spaten geschultert — c Jionaroft ua mieqe
122
dem westlichen Wald zur Ruhe versank. Und wenn auch
selten jemand ein Wort darüber verlor1, so blickten doch
seine Leidensgenossen in heimlicher Hoffnung auch dort-
hin. Denn dort war die Grenze. Und eine Grenze mußte
dieses häßliche Leben haben.
Wenige hatten das Glück, die Freiheit aus diesem Lager
wiederzuerlangen.
Die Gefangenen hatten sich vereinigt, um einander zu
unterstützen, den Schwachen und Unglücklicheren zu hel-
fen, sich auf den neuen Kampf vorzuberciten. Sie hatten
auch Verbindung mit der Außenwelt gehabt. Seit einigen
Wochen aber drang keine Nachricht von außen mehr durch.
Das Leben im Lager wurde mit jedem Tag qualvoller und
unerträglicher.
,,Einer muß raus!“1 2 sagten die Gefangenen. ,,Einer
muß es wagen, um draußen die Wahrheit zu sagen!“
Er hatte es unternommen, aus dem mit Mauern und
Stacheldraht umschlossenen, von Maschinengewehren und
Bestien bewachten Lager auszubrechen.
Der Junge, den er aus Erbarmen mitgenommen, hat
sich hingeworfen und liegt wie tot.
Er stößt ihn an: „Komm!“
„Ein paar Minuten nur!“ bittet der Junge.
„Nicht eine Minute!“ sagt er hart. „Reiß dich zusam-
men 3, sonst laß ich dich liegen!“
Der Junge erhebt sich und taumelt seufzend mit. Er
bleibt aber bald wieder zurück. Er hat das Verlangen, sich
hinzuwerfen und sich seinem Unglück zu überlassen. Er
wird dem andern durch seine Kraftlosigkeit zu einer un-
bequemen Last, zu einer Kette, die ihn am Weiterkommen
hindert. Der Ältere bereut, haßt jetzt sein Mitleid, ermahnt,
treibt, droht und zerrt ihn erbarmungslos mit. Der Junge
bricht abermals den vergeblichen Kampf ab, wirft sich
wieder hin. „Ach Gott, meine Mutter, wenn die es ahnen
würde!“ Er wird wieder Kind und weint.
Der Ältere setzt sich ratlos auf einen Baumstumpf
nieder, seine Hand fährt dem fassungslosen Jungen
ängstlich über den Kopf. Er sagt:
1 ein Wort verlieren — npopomiTb cjiobo
2 einer muß raus — heraus — o^hh agjimcch BußpaTbc«
3 reiß dich zusammen — 6epu cefia b pyKH
123
„Sei doch vernünftig. Denk doch dran, wenn die ganze
Mühe umsonst sein sollte1. Es geht ja nicht anders,
Mensch 1 2. Wir müssen schon aushalten.“
Da hört er plötzlich einen langgezogenen Schrei. Er
stößt heraus: „Vom Lager! Alarm!“
Zornig, kostbare Zeit vergeudet zu haben3, treibt er
jetzt zur doppelten Eile an. Das Begehren nach Freiheit ist
erst jetzt, da er sie wieder verlieren kann, in ihm ganz
wachgeworden.
„Komm! Komm! Komm!“ sagt er hart und unerbittlich.
„Wozu bist du denn mitgegangen, w-enn du jetzt nicht
weiter kannst!“ gerät er in Wut, als der andere stöhnt.
Dann tut er ihm wieder leid und er sagt in milderem Ton:
„Komm nur, sei nicht so empfindlich, ich mein es ja nur gut
mit dir!“ 4 Er stützt ihn und redet ihm eindringlich zu:
„Denk dran, was dich erwartet, wenn du zurückbleibst.
Denk an deine Mutter. Es findet sich wohl endlich etwas,
w'o wir uns verbergen können, halt noch solange aus!“
Da kommt es wie ein Gewitter heran.
SA und SS auf Schnellwagen und Motorrädern. Der
Wald flammt vom weißen Licht der Scheinw'erfcr. Es gellen
Hupen. Hundertfaches Echo dröhnt zurück. Kommandorufe:
„Abgesessen und gesucht!5 6“
Wie auf der Hetzjagd: — „Sucht!“
Die beiden Flüchtlinge kauern und zittern.
Der Junge wirft sich hin und sagt: „Ich kann nicht
mehr. Es hat keinen Zweck mehr für mich. Renn’ allein
weiter, du hast Kinder!“
„Dann leb wohl!“ seufzt der andere, als kein Zureden
mehr hilft. „Einer muß weg!Er jagt gebückt davon,
kriecht, rennt dann in anderer Richtung. Freudenschreie
gellen hinter ihm her, Schüsse erschüttern den Wald. Ein
träges, schwarzes Wasser hemmt ihn,7. Kurz entschlossen 8
geht er hinein. „Egal, so oder so Schluß!“ Er versinkt in
1 wenn die ganze Mühe umsonst sein sollte — ecjm 6bi bcc ycu-
JIHH OK33ajIHCb HanpaciibiMH
2 Mensch — 3decb\ moh jipyr, jipy^KHiue
3 zornig, kostbare Zeit vergeudet zu haben — HeAOBOJibHbifi tcm,
hto noTepnjiH aparoueHiioe BpeMfl /
4 ich mein es ja nur gut mit dir — h xcejiaio Teöe tojibko .aoöpa
5 abgesessen und gesucht! — cjieaaä h huih! (KOManda)
6 einer muß weg! — ozihh hojdkch yÖTH!
7 hemmt ihn — aa^epÄHDat’T ero
8 kurz entschlossen — ne^ojiro aywaa
124
Schlamm, watet, dicht über dem Kopf das blendende Licht
der Scheinwerfer. Er kriecht mit dem Kopf unter ein
Ufergebüsch und muß bis ans Knie im Wasser bleiben. In
dieser Stellung verharrt er und denkt an den Jungen. —
„Die Schüsse galten bestimmt ihm '. Umsonst die ganze
Mühe!“
Das Wasser ist eiskalt. „Hier hol ich mir den Tod!1 2“
denkt, er besorgt.
Das Geschrei der SA tönt immer ferner. Die Schnell-
wagen und Motorräder rasen weiter. Das erschrockene Wild
und die aufgescheuchten Vögel begeben sich allmählich
wieder zur Ruhe.
Er wagt sich endlich aus dem Wasser3, schleppt sich
aufs Trockene und setzt sich hin. Zweifel befallen ihn:
„Hat es noch Zweck? Hat cs noch wirklich Sinn?“
Da knarrt ein Wagen heran4. Ein Pferd stampft und
schnaubt, ein Mensch hustet und spornt das Tier an.
Der Flüchtling denkt: „Egal, was geschieht!“ und ruft.
Der Bauer hält, starrt mißtrauisch und nachdenklich auf
den am Wegrand hockenden Fremden, wirft einen Blick
zurück.
„Steig hinten auf!“ sagt er.
Er ist jung, stark, schwerfällig und immer noch voll
Argwohn. Mürrisch treibt er das Pferd an und wendet
während der Fahrt öfter den Kopf, ohne etwas zu sagen.
Dann wirft er dem anderen eine Decke zu. „Siehst aus,
wie’n Hund, den man ins Wasser geworfen hat!“ brummt er
und schüttelt den Kopf.
Die Decke ist dick und warm. Der Flüchtling zieht sie
sich über den Kopf und seufzt schwer. Er weiß nicht, wem
er sich anvertraut hat. Vielleicht geht es schnurstracks in
die Fänge der SA zurück.
Der Wald liegt längst hinter ihnen. Der Mond überflutet
jetzt mit grünem Licht Wiesen und Felder. Jetzt erst faßt er
sich ein Herz5 und fragt: „Wo befinden wir uns denn?“
1 tlie Schüsse galten bestimmt ihm — sto onpe/ieJieHHo CTpcjioH
b Hero
2 hier hol ich mir den Tod — ajiecb si cxBaqy onacnyio öojießiib
(sto moh ciwepTb)
3 er wagt sich endlich aus dem Wasser — naKOHen oh ocmcjih-
BaeTCfl BblÜTH H3 BOUbl
4 da knarrt ein Wagen heran — Tyi co ckphiiom no/rLearcaeT
Tejiera
5 sich ein Herz fassen — ocucjiHBaTbCH
125
Der Bauer dreht halb den Kopf und nennt eine Ortschaft.
Der Flüchtling kennt die Ortschaft nicht, sie muß aber in
der Richtung der Grenze liegen, denn der Mond scheint
noch in ihren Rücken.
Die Wärme erinnert ihn an das gerettete Leben. Jetzt
möchte er es um jeden Preis 1 behalten. Er bereitet sich vor,
es mit aller Verzweiflung zu verteidigen, wenn der Bauer
es wagen sollte1 2, ihn der SA wieder auszuliefern. So über-
wacht er argwöhnisch dessen Bewegungen, denn diese
verraten oft die Gedanken. Er liegt auf der Lauer 3, ver-
sucht nach dem Stand des Mondes die Richtung zu be-
stimmen und hält den Atem an bei jeder 'hastigen Bewe-
gung des Bauern. Er paßt auf den Moment auf, wenn sich
der Bauer umdreht, uni rasch den Blick seiner Augen zu
prüfen, denn sie sind zumeist der Spiegel aller guten und
bösen Vorgänge in der Seele des Menschen. Die Blicke des
Bauern zeugen aber nur von Argwohn und zuweilen von
Sorge. Das ist ein stiller, aber unheimlicher Kampf um das
schwer zurückerkämpfte Leben.
Da fährt der Bauer auf ein Dorf zu und hält vor einer
der paar Dutzend verstreuter Hütten. Er gibt dem Flücht-
ling einen Wink, abzusteigen, und schiebt ihn hastig ins
Haus.
„Gib ihm zu essen“, sagt der Bauer zu der Frau, die
erschrocken in der kleinfenstrigen, niedrigen Stube auf-
taucht. Sie hat sichtlich viele Fragen auf dem Herzen, der
Bauer winkt ihr aber ungeduldig mit dem Kopf und sie
bleibt still.
„Setz dich näher am Ofen!“ sagt der Bauer zu seinem
Gast, der in der Stube rasch Umschau hält4. Plötzlich
bemerkt er ein Bild an der Wand, und das Blut stockt in
den Ad,ern — es ist Hitler. Steif läßt er sich am Ofen nieder,
steif nimmt er die Milch und da^ Brot an und grübelt:
„Hier bin ich wieder so gut wie gefangen!“5.
Der Bauer flüstert inzwischen mit der Frau nebenan in
der andern Kammer. Die Frau macht ängstliche Einwände.
Sie schauen dabei über die Schwelle zu ihm herüber. Und
1 um jeden Preis — jiioÖoh ueHofi /
2 wenn der Bauer es wagen sollte — ecJiH 6h KpecTbHHHH B3AyMa;i
3 er liegt auf der Lauer — oh naciopoxce
4 Umschau hält — ocMaTpHBaeicn
5 hier bin ich wieder so gut wie gefangen — 3/iecb h, coöctbchho,
non cTpa>xeÄ
126
der Flüchtling sagt sich nochmal: „Jetzt wird sich’s
entscheiden, oder es müßte wirklich ein Wunder geschehen!“
Da kamen die beide herein. Der Bauer sagte:
„Ich halte cs für besser, du gehst noch heute nacht über
die Grenze!“
Die Bäuerin suchte einige Sachen zusammen und warf
sie dem Gast mit einem Seufzer zu.
Der Bauer holte eine braune Uniform 1 vom Haken und
begann sich sogleich umzuziehen. „So gehen wir sicherer!“
sagte er und sein derbes Gesicht zeigte zum erstenmal ein.
gutmütiges Lächeln.
Die Bäuerin sagte noch: „Dann ein glückliches Gelin-
gen!“ und seufzte nochmal, als die beiden Männer hin-
ausgingen.
Sie begaben sich ums Dorf herum, gingen über Felder,
durchschritten einsame Wiesen und nebclbedeckte Sümpfe.
..Bist du allein weg?“ fragt plötzlich der Bauer.
Der andere starrt ihn an.
„Nun, lassen wir das“, sagt der Bauer. „Ich kann’s
begreifen!“
„Zu zweit!“ antwortet der andere endlich. „Dor eine-
konnte nicht mehr weiter gehen und blieb zurück.“
Der Bauer sieht ihn düster an, schüttelt den Kopf und
fragt nicht weiter.
Ihr Weg führt durch Waldstriche und unwirtliches-
Gelände, das der Mond in seltsame Schatten teilt. Der
Bauer nimmt noch einmal das Wort.
„Gott ja, wir haben es ja auch nicht so leicht!“ 1 2 sagt er,
wird noch düsterer und spricht nicht mehr.
Dafür schaut er sich besorgter um, während der andere
ihm in quälender Ungewißheit folgt.
Sie halten endlich an einem Weidengebüsch. Einige hun-
dert Meter gradaus erheben sich die kleinen Häuser eines
Dorfes. Der Bauer zeigt hin: „Das da, die Bauernbuden, die
liegen schon hinter der Grenze!“
Er schiebt den zaudernden Mann vorwärts und sagt:
„Na lauf jetzt und wart nicht, bis womöglich noch die
Grenzkontrolle kommt!“
1 eine braune Uniform — KopanHeBoro iiBeTa (J)opMy (tpopMa zep-
mqhckux (patuueroe)
2 wir haben es ja auch nicht so leicht — hsm Beab Toxe ne
CJiajIKO XHBeTCH
127
Der Flüchtling geht rasch auf das Dorf zu und denkt:
„Jetzt braucht er nur die Pistole zu ziehen . ..“ 1
Er dreht den Kopf. Der Bauer geht bereits vorgebeugt
zurück.
Da befällt den Geretteten eine seltsame Einsamkeit.
Nicht eine A4enschcnseele ringsum. Die Todesnot ist über-
standen. Er muß nicht mehr zurück in das fürchterliche
Lager. Erfüllt ist der sehnliche Wunsch, dem winkenden
Leuchten der Sonne zu folgen, die Grenze zu suchen, sie
kämpfend zu überschreiten.
Er überschreitet sie.
Er dreht sich nochmal um. Der Bauer ist weg. Im Nebel
sieht er noch seinen großen Schatten.
„Ich lebe“ — sagt der einsame Flüchtling und wundert
sich, daß er wirklich all diese Schrecknisse durchgemacht
hat.
„Ich lebe“-----
Und zum erstenmal nach der unmenschlichen Hetze
erzittert seine Brust — und er weint.
1 jetzt braucht er nur die Pistole zu ziehen = jetzt braucht er
nur zu schießen
Hedda Zinner
(geboren 1905)
Hedda Zinner wurde, im Jahre 1905 in Wien geboren. In ihrer
Jugend wurde Zinner Schauspielerin und wirkte mit großem Erfolg
an mehreren Theatern Deutschlands. Im Jahre 1928 schloß sich Hedda
Zinner der revolutionären Arbeiterbewegung an und trat in die Kom-
munistische Partei Deutschlands ein.
Im Jahre 1929 kam Hedda Zinner nach Berlin, wo sie für die
Zeitung „Rote Fahne“, das Zentralorgan der KPD, zu schreiben
begann.
Ihre zahlreichen Zeitungsberichte und politischen Gedichte wurden
von den Werktätigen mit dem größten Interesse gelesen und machten
ihren Namen sehr populär.
Nach Hitlers Machtantritt war Hedda Zinner gezwungen, Deutsch-
land zu verlassen. Etwa ein Jahr verbrachte sie in Prag, 1934 kam
sie in die Sowjetunion. Hier im Lande des Sozialismus erreichte
Hedda Zinners Dichtkunst eine neue Blüte. Neben ihrem fruchtbaren
dichterischen Schaffen schrieb Zinner zahlreiche Skizzen und Hörspiele
für den Moskauer Rundfunk in deutscher Sprache. Auf diesem Gebiet
hat sie es zu hoher Meisterschaft gebracht.
9 N? 4172
129
Dank dem historischen Sieg der ruhmreichen Sowjetarmee über
die faschistische Kriegsmaschine konnte Hedda Zinner im Jahre.
1945 in ihre Heimat zurückkehren. Sie steht in den ersten Reihen
der Kämpfer für Frieden, Demokratie und Sozialismus. In ihrem zwei-
bändigen Buch „Alltag eines nicht alltäglichen Landes" (1953)
schildert Hedda Zinner das heldenhafte Leben und die schöpferische
Arbeit einfacher Sowjetmenschen. Für ihr Theaterstück „Der
Teufelskreis" (über Georgi Dimitroff, 1954) erhielt Hedda Zinner den
Nationalpreis.
Nachstehend bringen wir zwei Gedichte von Hedda Zinner.
Wir sprechen verschiedene Sprächen
Wir sprechen verschiedene Sprachen:
Ich „Friede“, du „Paix“ und du „Peace“ 1 —
Doch meinen wir alle das gleiche,
In allen Sprachen nur dies:
Wir haben das Leben geboren
Für Wärme und Sonne und Licht,
Wir wollen das Leben behüten,
Daß keiner es uns zerbricht!
Wie haben wir nicht, wir Mütter,
Den Schlaf unsrer Kinder bewachtl2
Das Lächeln, das erste Lallen 3,
Wie hat es uns glücklich gemacht!
Wie hat uns ein Husten, ein Fieber,
Wie hat, was oft Krankheit nur schien 4,
Uns nachts nicht schlafen lassen
In London, Paris und Berlin.
Wie haben wir Pläne gesponnen 5
Und eilten der Zeit voran 6.
Mit farbfrohen Zukunftsbildern 7
Ein jeder Traum begann.
1 Paix (französisch; sprich; pc:), Peace (englisch; sprich:
piis) — MHp
2 Wie haben wir nicht, wir Mütter, den Schlaf unsrer Kinder
bewacht! — Kan mm, MaTepu, tojibko hh oxpawjuiH coh naninx aeiefil
3 das erste Lallen — nepBbiii jieneT
4 was oft Krankheit nur schien — to, mto uacTo tojilko Kaaajigcb
ÖOJie3HblO
5 Pläne spinnen = Pläne schmieden = Pläne machen — cTponTb
njiaubi
6 und eilten der Zeit voran — h onepex<ajiM BpeMH
7 mit farbfrohen Zukunftsbildern — pajipKHbiMK KapTHiiaMH 6y-
Äymero
130
Die Träume für unsere Kinder —
Sie können Wirklichkeit sein;
Das eine Wort nur; Friede!
Schließt ihre Erfüllung ein.
Wir sprechen verschiedene Sprachen:
Ich „Friede“, du „Paix“ ,und du „Peace“ —
Doch meinen wir alle das gleiche,
In allen Sprachen nur dies:
Wir haben das Leben geboren
Für Wärme und Sonne und Licht;
Laßt uns das Leben behüten ’,
Daß keiner es uns zerbricht!
Nachklang 2
Vergiß es nicht. Vergiß es nie:
Dies Klatschen der Hände im gleichen Takt,
Dies Jauchzen — und wie es uns alle gepackt!3
Wir wurden zum Ton in der Sinfonie
Und klangen zusammen zur Melodie:
Freundschaft!
Vergiß das nie. Vergiß sie nicht:
Woher du auch kamst aus Stadt und Land 4 —
Die Einheit, die aus uns allen erstand!
Aus knisternden Funken wurde ein Licht,
Aus Wort und aus Ruf das große Gedicht:
Freundschaft!
Vergiß es nicht. Bewahr es dir fest 5:
Das Bild dieser Jugend, von Kraft beschwingt6,
Die wissend7 das Lied des Friedens singt
Und deren Singen in Ost und in West
Ein tausendfach Echo erklingen läßt:
Freundschaft!
1 Laßt uns das Leben behüten! — JJaBaÜTe >xe oÖeperaTb >KH3Hb!
2 Nachklang. — Dieses Gedicht ist dem ‘Jugendtreffen in Berlin
gewidmet.
3 und wie es uns alle gepackt — KaK sto Bcex nac 3axBaiHJio
4 aus Stadt und Land = aus Stadt und Dorf
5 bewahr es dir fest = behalte es gut — sanoMiin sto xopomo
6 von Kraft beschwingt — oKphuieinibie chjioö
7 wissend — hier: bewußt — coaHarejibHO
9*
Kuba (Kurt Barthel)
(geboren 1914)
Der junge Dichter Kurt Barthel, der in die deutsche Literatur
unter dem Pseudonym Kuba eingegangen ist, wurde am 8. Juni 1914
als Sohn eines Eisenhahnarbeilers in Gornsdorf ' bei Chemnitz (jetzt
Karl-Marx-Stadt) geboren. In der Jugend ging er zuerst bei einem
Zimmermann, dann bei einem Dekorateur in die Lehre. Schon früh
hatte er sich der Jugendbewegung angeschlossen und war noch in der
Jugend Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gewor-
den. Er trennte sich aber bald wieder von dieser Partei, als er erkannt
hatte, daß sie einen falschen Weg beschritt und die rechte SPD-Füh-
rung die deutsche Arbeiterklasse verriet. •>
1933 war der neunzehnjährige Kuba gezwungen, Deutschland zu
verlassen. Er ging in die Tschechoslowakei, wo er den Kampf gegen
den Faschismus fortsetzte. Während seiner Arbeit in den politischen
Laiengruppen „Das neue Leben“ und „Echo von links“ befreundete er
132
sich eng mit dem tschechischen Widerstandskämpfer und Dichter Louis
Fürnberg, der sein dichterisches Talent erkannte und förderte.
Der Überfall der faschistischen Truppen auf die Tschechoslowakei
im Jahre 1938 zwang Kuba abermals zur Flucht. Er ging über Polen
nach England. Das hieß aber nahezu aus dem Regen in die Traufe
kommen denn die englischen. Behörden zeigten ihre ,.Gastfreund-
schaft“ dadurch, daß sie den Antifaschisten Kuba zunächst in einem
Lager internierten. Als Kuba endlich freigelassen wurde, mußte er
als Maurer und Landarbeiter sein Brot verdienen. In den wenigen
Stunden, die ihm nach seiner schweren Arbeit blieben, schrieb er jene
Gedichte, die später den Kern des Lyrikbandes „Gedicht vom
Menschen“ bildeten.
1946 konnte Kuba endlich nach Deutschland zurückkehren. Er
arbeitete ein Jahr als Redakteur im Dietz-Verlag1 2, dann leitete er die
Kulturarbeit in einem Großbetrieb (Max-Hütte).
1948 erschien sein Buch „Gedicht vom Menschen“, das ihn in die
vorderste Reihe der neuzeitlichen fortschrittlichen deutschen Lyriker
rückte3 und für das er 1949 den Nationalpreis erhielt.
Im Frühjahr 1949 besuchte Kuba zusammen mit einer deutschen
Delegation die Sowjetunion. Er weilte in Moskau, Leningrad, Tbilissi,
Gori und anderen Städten, und als literarisches Ergebnis der zahl-
reichen tiefen Eindrücke von dieser Reise entstand sein Buch „Gedan-
ken im Fluge“, wo wir viele begeisterte Worte über daß große Sowjet-
volk und über die mächtige sozialistische Sowjetunion finden.
Im Jahre 1952 unternahm Kuba eine große Reise in die Volks-
republik China. Seine Erlebnisse und Eindrücke während dieser Reise
schildert er in dem Buch „Osten erglüht“. In demselben Jahr veröffent-
lichte Kuba eine Auswahl seiner Gedichte.
Kuba ist Kandidat des ZK der SED, Abgeordneter der Volkskam-
mer der DDR, Mitglied des Zentralrats der Freien Deutschen Jugend,
Sekretär des Deutschen Schriftstellerverbandes und Kandidat der
Deutschen Akademie der Künste. Er beteiligt sich aktiv am demokra-
tischen Aufbau in der Deutschen Demokratischen Republik.
Nachstehend bringen wir einige Gedichte von Kuba und einen
etwas verkürzten Auszug aus der Reportage „Gedanken im Fluge“.
1 Aus dem Regen in die Traufe kommen —- nozoe. nonacTb H3
ornsi na b nojibiMsi
2 Dietz-Verlag — goHTpajibHoe nsHaiejibCTBO CouuajiHCTHHecKon
eanHOH napiMH TepMaHuw; m/iaer npoH3Be4eHHH KjiaccmcoB Mapi<cn3Ma-
.ieHHHH3wa n nojiHTmiecKvio n xyuojKecTBenHyio jnrepaTypy.
3 in die vorderste Reihe rücken — BbWßHraTb b nepßbiü psm
(aßatfrap/i)
133
Erster
Quer durch des Himmels Blau
glühende Bahnen,
mächtigen Faltern gleich
ziehn unsre Fahnen.
Küssen die Augen wach,
wecken die müden —
blaue und samtene
schwarze im Süden.
Mai
Blicke und Fahnentuch
fest sich verbünden,
mag sich die Sonne dran
doppelt entzünden.
Schmilzt selbst das
Sonnenrund,
soll sich’s ergießen,
über den Brüdern in
. Kerkerverliesen.
Richtet’s die Brüder auf
in ihrem Sehnen.
Sagt’s wie die Fahnen sich
recken und dehnen.
< Aufruf 1936
Es rosten die starken Maschinen,
gelähmt liegt das fruchtbare Land —
Und möchte doch blühen und dienen
und wartet der bauenden Hand ’.
Das Land ruft seiner Jugend zu:
Komm, nimm mich hin.
Damit ich wieder Heimatland
des frohen Volkes bin.
Das Land sind die rauschenden Wälder.
Das Land ist der blühende Hafn,
Fabriken und fruchtschwere Felder
und blitzendes Felsengestein.
Das Land ruft seiner Jugend zu:
Komm, nimm mich hin.
Damit ich wieder Heimatland
des frohen Volkes bin.
Hart schlugen vor Zeiten die Ahnen
den Reichen ans goldene Tor.
Die Jugend im Marsch hebt die Fahnen
der Alten zur Sonne empor.
* wartet der bauenden Hand = wartet auf die bauende Hand
134
Das Land ruft seiner Jugend zu:
Komm, nimm mich hin.
Damit ich wieder Heimatland
des freien Volkes bin.
Die Jugend der Heimat ergeben,
Tyrannen ergibt sie sich nicht —
Erkämpft sich und meistert das Leben
und gibt ihm ein frohes Gesicht.
Das Land ruft seiner Jugend zu:
Komm, nimm mich hin.
Damit ich wieder Heimatland
des frohen Volkes bin.
Dem 7. Oktober 1949 1
Viel Blut ward hingegeben
seit Münzers 1 2 kühner Tat.
Das deutsche Volk will leben
und prächtig wächst die Saat.
Von Mutterhand von Vaterhand
behütet und bestellt,
ein ganzes deutsches Heimatland
am heißen Herz der Welt.
Am großen Glück zu schmieden,
am weltenweiten Lied,
am guten großen Frieden,
Glückauf, du deutscher Schmied.
Und über uns im Reinen
die Fahne wie Musik.
Viel Menschenglück im Kleinen
die deutsche Republik.
Von Mutterhand von Vaterhand
behütet und bestellt,
ein ganzes deutsches Heimatland
am heißen Herz der Welt.
1 7 oKTHÖpsi 1949 r. öu.na npoBoar.iauicHa FepMaHCKa« JleMOKpa-
THqccKaa PecnyöjiHaa.
2 Thomas Münzer (1490—1525) — bojkab KpecTbancKoro Boccra-
hhh 1525 r. b nepnoa KpecTtaHCKOH bohhm b repiuaHHH.
135
Gedanken im Fluge
(Au s zü gc)
(1949)
Die Moskauer U-Bahn
„Die schönste U-Bahn der Welt“, das gibt keinen
Begriff. Superlative geben keinen Begriff. Einen Begriff
gibt es vielleicht, wenn man sagt, daß in der ganzen Welt
in der neueren Zeit über der Erde nicht solche kostbaren
und weitläufigen Paläste gebaut worden sind wie in
Moskau unter der Erde. Man fährt auf den schnellen
Rolltreppen in die Tiefe und hat das weite Gefühl, als
erreiche man eben den höchsten Gipfel eines Berges. So rein
ist die Atmosphäre, so licht sind die Hallen, und jeder
Bahnhof hat sein eigenes Gepräge; Statuen und Mosaike
und echte Steine und Gold und alle Wunder des großen
Landes in Einklang gebracht1 mit allen technischen Wun-
dern des Abendlandes — das ist die Metro von Moskau.
Zahlen nennt man und vergißt man, aber dies: Alle zwei-
einhalb Minuten fährt ein Zug, die Verkehrsdichte kann auf
eineinviertel Minuten gesteigert werden. Die Züge sind
immer voll besetzt, ohne daß es je Gedränge gibt1 2. Die Aus-
gänge von den Bahnsteigen sind zu viele, die Hallen sind
zu weit, die Rolltreppen sind zu schnell, wo aber der Mensch
nicht gedrückt und gedrängt wird, erlangt er ein Gefühl der
Selbstsicherheit3 und der Würde. Dies ist ein gutes Gefühl,
und Moskaus Pläne sind so groß, so weit, daß sehr viel
Selbstsicherheit und Würde darin Platz haben.
Eine Maifeier in Moskau
Erster Mai, frühmorgens; ein Leben wie in einem Glas
voll frischen Sodawassers, kribbelnd, frisch. Fern und nah
Musik, Gesang, Farben, aber keine bunten Kleckse, auf ge-
lockert — die Straßen sind so weit4. .. Der Himmel über
Moskau ist wolkenlos, aber nicht tiefblau ist der Moskauer
Himmel, licht ist er, ein nördlicher Himmel. Ich sehe n^ch
1 in Einklang gebracht — d rapMOHww, b co3BynHH
2 ohne daß es je Gedränge gibt ho hm Kor.ua Her HHKaKoft jaBKH
3 ein Gefühl der Selbstsicherheit «ivbctbo yßepeHHOCTH
4 Die Straßen sind so weit — yjnmbi TaKHe mnpoKHe
136
den Bäumen und — glaub’s oder glaub’s nicht: die Blätter
sind raus! Überall grüne Spitzen! Das sind die gleichen
Bäume, die sie vor wenigen Tagen erst gepflanzt haben.
Der Rote Platz ist um diese Stunde sehr still und sehr
feierlich. Die Tribünen füllen sich mit Ehrengästen, Eis und
Limonade werden angeboten, Äpfel aus Grusien, Orangen.
Nur der Marschtritt der anrückenden militärischen Forma-
tionen unterbricht die Stille. Sie nehmen die ganze Länge
des Roten Platzes ein; ich weiß nicht, wie tief. Der goldene
Zeiger am Spasskiturm steht eine Minute vor zehn. Als
könnten die Straßen die Freude nicht mehr halten, steigt
hier und da ein kleiner Kinderluftballon in den hellen Him-
mel, ein blauer — ein roter, und steigt und segelt...
Die Uhr des Spasskiturms schlägt bedächtig zehn. Ein
einzelner Reiter reitet über den Platz. Marschall der Sowjet-
union Wassilewski. „Genossen Matrosen, ich gratuliere
euch zum Ersten Mai“. Die Antwort ist ein dreifaches
Hurra, welches eine Truppe von der anderen aufnimmt, das
hcranrollt und in der Ferne wieder vergeht, und weiter rei-
tet Wassilewski. „Genossen Tankisten, ich gratuliere...“
Eine AAilitärkapellc von zweitausend Mann Stärke nimmt
Aufstellung1. Wassilewski begibt sich zusammen mit dem
Kommandeur von Moskau auf die Treppe zum Mausoleum,
während ein Soldat die beide Pferde vom Platze führt.
Und dann der Armeebefehl vom ersten Mai. Dreißig
Geschützsalven leiten die große Parade ein; sie beginnen
und enden genau mit dem Abspielen der sowjetischen
Hymne. Und dann marschiert cs heran. Sind das aber
Reihen! Lang und gerade, und eine hinter der anderen.
Pferdehufe klappern über den Platz — motorisierte
Abteilungen, und zu Häupten 1 2 schwere, viermotorige Bom-
benflugzeuge. Jede motorisierte Einheit hat ihre eigene
Luftabwehr. Lautlos stürmen die Düsenjäger heran, erst
wenn sie vorbeigeflogen sind, hört man sie kommen, ohren-
betäubend, pfeifend. Die Menschen halten schützend die
Hände über die Augen und prüfen ernsthaft und kon-
trollieren ihre Streitkräfte. Dies ist kein Schauspiel, dies ist
eine Volksarmee, die sich den besten Vertretern des Volkes
vorstellt zur öffentlichen Kritik.
1 nimmt Aufstellung — BbiCTpaHBaoTcn
2 zu Häupten — Han ronouaMw
137
Die Tanks sind an den Tribünen vorbei und öffnen ihre
stählernen Hauben. Der Rote Platz und der Himmel darüber
sind ins Gleiten gekommen.
Noch einen Augenblick vollkommene Ruhe, dann rollt
eine feuerrote Woge heran.
Die samtenen Fahnen der Gewerkschaften werden vor-
übergetragen. Danach ein bunter Blumengarten: die Sport-
ler von Moskau in ihrem bunten Dreß ', sie heben die Hände
über den Kopf und klatschen den Tribünen Beifall1 2, und
Beifall klatschen die Tribünen, Beifall klatscht die
Regierung, Beifall klatscht Genosse Stalin. Über ihnen
segeln leicht seiden und bunt ihre riesigen Fahnen. Kein
Lüftchen über dem Roten Platz, nur das Rauschen des Bei-
falls scheint die schönen Tücher3 zu tragen. Vorbei4.
Rayons, Parteikomitecs, Betriebe, Betriebe. Und noch
immer rückt Moskau an. Alle Straßen sind voll Tanz,
Gesang und Musik. Großvater und Großmutter haben sich'
Stühle vor die Häuser gestellt, auch sic nehmen die Parade
ab. Von den Fenstern zur Straße, von der Straße zu den
Fenstern, Rede und Gegenrede5, Grüßen und Wieder-
grüßen. Und die Sonne drückt, und die neuen Bäume stecken
ihre Blätter immer weiter heraus.
Es wird Abend, ganz Moskau ist ein einziger jubelnder ’
Festplatz. Jeder tanzt mit jedem, Gruppen von jungen Leu-
ten bilden Schlangen6, um sich nicht zu verlieren, aber
andere sind auch so klug, und die Schlangen verwickeln
sich, und schon wieder wird es ein Tanz. Musik überall!
Die berühmtesten Volkssängcr singen auf öffentlichen
Plätzen. Hunderte blauer Scheinwerfer tanzen Kasatschok
am Himmel. Vorsichtig tasten sich Straßenbahnen und
Omnibusse durch die Menschenmassen. Klubs und Cafe’s —
beleuchtet bis unters Dach. Sterne und Lichtornamente
drehen, bewegen und verändern sich. Lichtflutcn laufen
über neue Fassaden.
1 in ihrem bunten Dreß — b cbohx KpacoqHbix ciiopTHBHbix
KOCTIOMaX
2 Beifall klatschen — anjioAnpoBaTh
3 die schönen Tücher — KpacwBbic iiojiuTHHma
4 Vorbei — ohh nponuiH
5 Rede und Gegenrede — ojKWBJieHHafl öeceaa
6 bilden Schlangen — oÖpaayioT uenn
Stephan Hermlin
(geboren 1915)
Der bekannte deutsche Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer
Stephan Hermlin wurde am 13. April 1915 in Chemnitz (jetzt Karl-
Marx-Stadt) geboren. Mit 16 Jahren trat er in Berlin dem Kom-
munistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) bei, und seit
dieser Zeit beteiligt er sich aktiv an der revolutionären Bewegung.
Nach Hitlers Machtantritt setzte Hermlin den Kampf gegen die
faschistische Herrschaft einige Jahre illegal fort, wobei er den stän-
digen Verfolgungen durch die Gestapo ausgesetzt war. Im Jahre 1936
war Hermlin gezwungen, Deutschland zu verlassen. ; Seine Emigra-
tionsjahre verbrachte er in Palästina, Ägypten, England, Spanien,
Frankreich und in der Schweiz. Hier im Exil schrieb Hermlin seine
ersten Gedichte und Balladen, die noch stark von Symbolik durch-
drungen sind. 1944 veröffentlichte Hermlin seine „Zwölf Balladen von
den großen Städten" und im folgenden Jahr eine Gedichtsammlung
„Wir verstummen nicht".
139
Im Jahre 1945 konnte Hermlin endlich nach Deutschland zurück-
kehren, wo er sich zunächst in Frankfurt a. M. niederließ h dann aber
im Jahre 1947 nach Berlin übersiedelte. Hier im demokratischen Teil
Deutschlands entfaltete Ilermlin eine rege literarische Tätigkeit und
veröffentlichte ein Buch nach dem andern: „Zweiundzwanzig Balla-
den“ (1947), „Zwei Erzählungen“ („Reise eines Malers nach Paris“
und „Leutnant York von Wartenburg", 1947), „Auch ich bin Amerika.
Dichtung amerikanischer Neger“ (in Hermlins Übersetzung, 1948),
„Russische Eindrücke" (ein Band Prosa, 1948), „Stalin“ (ein großes
Gedicht zu Stalins 70.'Geburtstag, 1949). „Die Zeit der Gemeinsam-
keit“ (vier realistische Erzählungen, 1949), „Mansfelder Oratorium“
(1950), „Die erste Reihe“ (dreißig kurze Erzählungen über junge
deutsche Menschen, die heldenhaft gegen den Hitlerfaschismus
kämpften und in diesem ungleichen Kampf ihr junges Leben lassen
mußten, 1951), „Die Sache des Friedens“ (ein Sammelband von Auf-
sätzen, Reportagen und Reden aus den Jahren 1948 bis 1953) und
andere.
Von großer Bedeutung für Hermlins Wachsen als Schriftsteller
war seine Reise in die Sowjetunion, die er zusammen mit Anna
Seghers, Bernhard Kcllermann und einigen andern deutschen Schrift-
stellern im Frühling 1948 unternahm. Hier trat er in engen Kontakt mit
sowjetischen Schriftstellern, verkehrte mit zahlreichen werktätigen
Menschen der Sowjetunion, und so entstand sein Buch „Russische
Eindrücke“, aus dem wir in etwas verkürzter Form eine Kurzgeschichte
bringen.
Stephan Hermlin ist auch mit zahlreichen Nachdichtungen auf-
getreten. So veröffentlichte er in seiner Übersetzung neben dem schon
genannten Buch „Auch ich bin Amerika“ zwei Bände der poetischen
Werke des fortschrittlichen französischen Dichters und anti-
faschistischen Kämpfers Paul Eluard1 2: „Gedichte“ (1945) und „Poli-
tische Gedichte“ (1949). Auch der chilenische Volksdichter Pablo
Neruda wurde von Hermlin ins Deutsche übersetzt, so z. B. sein
„Beleidigtes Land“ (1949).
Im Jahre 1948 wurde Hermlin mit dem Heinrich Heine-Preis aus-
gezeichnet, zwei Jahre später — mit dem Nationalpreis. Im Oktober
1954 wurde Stephan Hermlin zum zweitenmal der Nationalpreis ver-
liehen für die Teilnahme an der Gestaltung des Dokumentarfilms
„Ludwig van Beethoven“, der die Persönlichkeit und das musikalische
Schaffen dieses großen deutschen Komponisten dem A^olk nahebringt.
1 wo er sich zunächst in Frankfurt a. M. niederließ — rae oh
cwanajia nocejiHJica bo <X>paHK(j)ypTe-Ha-MawHe
2 Paul Eluard (sprich: pol edu-'air) — Flojib 3;noap
140
Stephan Hermlin ist Vizepräsident des Deutschen Schriftsteller-
verbandes und ordentliches Mitglied1 der Deutschen Akademie der
Künste. Er ist Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
und beteiligt sich aktiv an der Friedensbewegung und am Aufbau der
Deutschen Demokratischen Republik.
Eine Familie 1 2
(1948)
Den Ersten Mai hatten wir bis in die frühen Nachmit-
tagsstunden hinein auf dem Roten Platz verbracht, über den
eine sonnenerhitzte Wolke aus Gesängen, Rufen, Blüten-
zweigen, Transparenten, roten, blauen, grünen Fahnen,
graphischen Tabellen brausend dahinzog. Ein jäher Som-
mer flammte aus dem Moskauer Himmel. Auf weiten
Umwegen3 waren wir wieder zu unserem Hotel gelangt,
mit irgendeinem abmarschierenden Demonstrationszug, im
Getriebe von lachenden, Limonade trinkenden, Eis essen-
den 4 Menschen. Die Kundgebung stand nahe vor ihrem
Ende5.
Wir hatten beschlossen, den Abend bei irgendeiner unbe-
kannten Familie zu verbringen, mit russischen Arbeitern
zusammenzusitzen, wie man sonst an diesem Tage mit Ber-
liner, Londoner, Pariser Arbeitern zusammengewesen war.
Ein wenig später fuhren Anna Seghers und ich mit unserer
russischen Freundin Tamara zu den Durniaschows. Straßen-
bahnen lärmten zwischen den feiernden Betrieben. Von den
Bauzäunen her leuchtete ein Doppclplakat „Wie im Kampf
— so bei der Arbeit“ -- zweimal der gleiche Männerkopf,
links im Stahlhelm über die Maschinenpistole hinweg den
Feind mit den Augen suchend, rechts, mit dem Bergmanns-
helm, und an die Stelle der Waffe ist der mechanische
Bohrer getreten: das Gestern und das Heute.
Überall spielen Scharen von Kindern zwischen den
Wohnblocks, die die Arbeiter der Textilfabrik Trechgornaja
1 ordentliches Mitglied — AcücTBHTejibiibift hjich
2 Diese Skizze wurde von Hennlin auch in den Sammelband
„Die Sache des Friedens“ (1953) aufgenommen.
3 auf Umwegen — oKOJibHbiMH nyTflMH
4 Eis essenden — Kyuiaiomwx Mopoxcenoe
5 Die Kundgebung stand nahe vor ihrem Ende — aeMOHCTpauwa
(5jIH3HJiaCb K KOimy
141
beherbergen. Wir müssen lange suchen bis wir das richtige
Haus gefunden haben, ein kahles und sehr sauberes Haus,
in dem es kühl und still ist. Wir läuten an einer Tür im
Erdgeschoß ', eine ältere Frau 1 2 öffnet, stutzt einen Moment,
lächelt: „Seien Sie willkommen!“ 3 Ja, man hat gestern in
ihrer Abteilung gefragt, w'er zwei deutsche Schriftsteller für
diesen einen Abend aufnehmen wolle. Sie hat sich gemeldet.
In einem Zimmer begrüßen uns vier, fünf Menschen,
alte und junge, man hilft uns gemeinsam aus den Mänteln 4,
es gibt einen Moment Verlegenheit, alle reden durchein-
ander, entschuldigen sich, obwohl es gar nichts gibt, was
man entschuldigen müßte, ein Mädchen errö’tet. Drüben im
Eßzimmer ist schon der Tisch gedeckt, man geht hinüber,
setzt sich, wird gebeten, keine Umstände zu machen 5. Noch
einige sind hinzugekommen. Die ganze Familie ist jetzt ver-
sammelt. Neben mir sitzt der Hausherr, der Schlosser Was-
sili Andrejewitsch Durniaschow, am anderen Ende des
Tisches seine Frau, die Textilarbeiterin Agafia Karpowna.
Dann sind da die drei Töchter Anna, Alexandra und Elisa-
beth, der Schwiegersohn Alexander A'Iaximowitsch Woltsch-
kow, drei Enkel. Am eiligsten hat es6 Elisabeth. Ihre
Komsomolgruppe gibt gleich auf einem nahegelegenen
Platz eine Vorstellung, und Elisabeth ist eine glänzende
Tänzerin. Wir scherzen mit ihr, während sie ein paar Bis-
sen ißt: sie ist hoch aufgeschossen 7, sieht aus wie achtzehn, a
ist aber erst vierzehn. Und schon ist sie davon. ’
Am meisten spricht Agafia Karpowna, eine dunkle,
unscheinbare Frau, mit knochigem Gesicht und wachen,
gütigen Augen. Sie sind beide keine Moskauer, weder sie
noch Wassili Andrejewitsch, sondern stammen aus einem
Dorf bei Rjasan. „Wir waren Landarbeiter, schufteten beim
Kulaken. Das war noch in der alten Zeit. Damals kam man
zu nichts, man konnte sich anstrengen, soviel man wollte.“ <
Der Krieg kam. Der Landarbeiter Durniaschow zog für den (
Zaren hinaus, ob er wollte oder nicht, und kam mit einer
1 im Erdgeschoß — Ha nepBOM 3Ta>Ke
2 eine ältere Frau — no>KHJiafl jKeiimima
3 Seien Sie willkommen! — JJoßpo nowaJioBaTb! /
4 man hilft uns aus den Mänteln — hhm noMoraiOT CHHTb najibTO
5 keine Umstände machen — qyBCTBOBaTb ceön KaK ßOMa, 3a*
npocio
6 Am eiligsten hat es — öojibiue Bcex cncuiHT
7 sie ist hoch aufgeschossen — ona ohchb BbicoKaa
142
schweren Verwundung davon Dann brach die Revolution
aus. und die weißen Generäle griffen das Volk an. Das war
eine andere Sache. Wassili Andrejewitsch trat in die Rote
Armee ein, kämpfte Jahr um Jahr. Dann zogen sie beide
nach Äloskau.
Durniaschow überläßt das Erzählen seiner Frau, nur sel-
ten fügt er ein paar Sätze hinzu. Dafür achtet er darauf, daß
mein Teller immer voll ist, schiebt mir den Eierkuchen hin,
überhäuft meinen Teller trotz aller Proteste immer wieder
mit Wurst und Käse, schenkt mir Wodka ein. Agafia Kar-
powna erzählt, wie sie bis zum sechsundzwanzigsten
Lebensjahr noch Analphabetin wrar. Die Sowjetmacht lehrte
sie lesen und schreiben und ließ sie das Textiltechnikum
absolvieren 1 2. „Heute bin ich eine qualifizierte Arbeiterin
und verdiene tausendachthundert Rubel im Monat.“ Ihr
Mann sagt: „Sie hatte es immer mit dem Lernen 3. Es
macht ihr Spaß 4 und fällt ihr leicht. Ich habe natürlich
auch gelernt. Aber sie hat den helleren Kopf.“
„Ich glaube, daß Lernen das Wichtigste ist“, sagt Agafia
Karpowna ein wenig geschmeichelt, „wenn die Familie
nicht wäre, würde ich richtig weitermachen5, Kurse
besuchen und so weiter. Aber Wassili Andrejewitsch ist einer
der besten Schlosser im Betrieb und hat im Monat zweitau-
sendzweihundert Rubel.“
„Damit haben Sie doch kein schlechtes Einkommen, Ihr
Schwiegersohn verdient auch noch“, werfe i.ch ein. Der
Schwiegersohn ist Chauffeur. „Warum arbeiten Sie selbst
noch, Agafia Karpowma?“ Sie lächelt. „Ich hänge am
Betrieb 6. Seit so vielen Jahren habe ich alles mitgemacht,
sehen Sie. Warum sollte ich die Hände in den Schoß
legen? 7 Ich bin keine alte Frau, wenn ich auch schon Groß-
mutter bin.“
1 kam mit einer schweren Verwundung davon — OTAejia/ica thjkg-
JlblM paHSHHeM
2 ließ sie das Textiltechnikum absolvieren — ßajia eä bosmojk-
HOCTb OKOHHHTb TeKCTMJIbHblH TeXHHKyM
3 Sie hatte es immer mit dem Lernen — y Hee Bcer^a öhjio
Hojihuioe npncTpacrae k yneöe
4 Es macht ihr Spaß — eft 3T0 -UocTaBjmeT yAOBOJibCTBHe
5 würde ich richtig weitermachen — h 6ij no-HacToameMy npo-
jojDKajia (yHHTbcn)
6 Ich hänge am Betrieb — h cujibHO npHBflaana k aaßo^y
7 die Hände in den Schoß legen — cHjerb cjioxa pyKw
143
Alexander Maximowitsch, der Schwiegersohn, ist ein
demobilisierter Offizier. An seinem sauberen Waffenrock,
von dem die Achselstücke abgetrennt sind, trägt er fast ein
Dutzend Auszeichnungen, die Zeugen von Stalingrad, der
Ukraine, die Zeugen von Bukarest, Belgrad, Budapest,
Prag. Übrigens tragen auch Vater und Mutter heute, am
Ersten Mai, ihre Kriegs- und Arbeitsauszeichnungen, wie
viele Millionen einfacher Sowjetbürger. Alexander Maxi-
mowitsch sagt: „Der Vater war auch Soldat, Freiwilliger.“
In das saubere einfache Zimmer ist auf einmal die Ver-
gangenheit eingetreten, die schrecklichste, der Schatten des
Krieges liegt einen Augenblick über dem weißen Tischtuch.
Der einzige Sohn ist aus dem Kriege nicht heimgekehrt.
Der Vater wurde bei Smolensk gelangen genommen und
von den Deutschen in ein Lager bei Bobruisk gebracht.
Wassili Andrejewitsch antwortet kurz, beinahe unwillig, auf
meine Fragen. „Sie schlugen uns täglich bei der Arbeit.
Täglich. Und vier Monate lang gaben sie uns kein Stück
Brot. Nichts als ein bißchen Mehl in Wasser verrührt“. Er
hatte die Wassersucht und mußte am Stock gehen, als er
aus der Gefangenschaft kam. Wie das zuging? „Die Unse-
ren hatten Bobruisk gestürmt. Nachts kamen sie plötzlich
ins Lager. Die Nazis rannten in Unterwäsche davon.“ Er
war drei Monate im Lazarett und meldete sich dann gleich
wieder an die Frontwo er — es war in Polen — noch ein-
mal verwundet wurde.
Er sieht mich auf einmal an, aus kleinen hellen Augen
über den breiten Backenknochen: „Sie dürfen nicht glau-
ben 1 2, daß wir die Deutschen hassen. Das waren die
deutschen Faschisten. Es gibt aber auch andere Deutsche.“
Alexander Maximowitsch streckt mir sein Glas entgegen:
„Wir wollen auf die deutschen Arbeiter trinken.“
Agafia Karpowna deutet auf die Zimmerecke, wo ein
Stalinbild und die Familienfotos hängen. „Sehen Sie, bis
in den Krieg hinein hing dort auch ein Bild von Thälmann,
aber in der Aufregung3 kam es mit anderen Bildern weg.
Wir haben es bis jetzt nicht wiederfinden können.“
Wir sprechen noch lange, über Krieg und Frieden und
über die Menschen, die das eine oder das andere wollen, und
1 meldete sich gleich wieder an die Front — cefiqac »e cHoaa
npOCHJICfl H3 (J)pOHT
2 Sie dürfen nicht glauben — bei we aoji>KHbi jiywaTb
3 in der Aufregung — b cyMaioxe
144
sehr viel über Deutschland. Alexander Maximowitsch kennt
sich erstaunlich gut aus l. Dieser Moskauer Chauffeur weiß
von den Zuständen in Berlin, er weiß von Bodenreform und
volkseigenen Betrieben, er weiß von Bi- und Trizonc1 2. Ich
sehe lange in diese einfachen, guten, klaren Gesichter, in die
zutraulichen Gesichter der Jungen, die geprüften, wissen-
den Gesichter der Alteren. In Wassili Andrejewitschs Leib
stecken deutsche und andere Kugeln aus zwei Weltkriegen
und einem Bürgerkrieg. Agafia Karpowna, deren alte, ver-
arbeitete Hand jetzt das Glas auf das deutsche Volk erhebt,
weint immer noch manchmal nachts um ihren Sohn, dessen
Gesicht sie nicht vergessen will.
Ich sehe auf den reichlich gedeckten Tisch, auf die neue
Nähmaschine in der Ecke, auf das neue Kleid, das
Alexandra sich in den letzten Monaten erspart hat... Sie
haben sich alles selbst erarbeitet — das hier und ihre schöne
Untergrundbahn und die herrlichen neuen Wohnhäuser und
die Mähdrescher auf ihren Feldern und die vollen Läden.
Schaut her: dies sind die wirklichen Helden des Lebens.
Es gibt viele, viele dieser Helden — in Deutschland, in
Amerika, in China, überall. Die sogenannten kleinen Leute.
Hier, in der Sowjetunion sind sie an der Macht. Und sind
Riesen geworden, sie, die Arbeiter des Sowjetlandes, die seit
dreißig Jahren bewußt an einer neuen Existenz bauen3.. .
Wir gehen. Die Frauen umarmen und küssen Anna
Seghers nach gutem russischen Brauch. Draußen ist es
dunkel geworden. Moskau strahlt im Licht von Raketen,
Bogenlampen, unzähligen Leuchtschriften. Blaue Schein-
werfer lassen die Stadt tanzen. Hunderttausende erfüllen
wieder die Straßen. Das Volk tanzt, singt, feiert seine
eigene Größe. Das große Fest des Lebens hat von neuem
begonnen.
1 kennt sich erstaunlich gut aus — y/uiBMieabHo xopomo opHen-
THpyeTc«
2 Bi- und Trizone — Bhso-hmh ii TpiisoniiJi. Biibohhch nasbisaioT
cenapaTHoe oßTsejiHweHHe aM.ep)iKaHCKoü ii npWTaHCKOH 3on oKKvnaumi
FcpMaHitH, ocymcc'iBjieHHne npaBKTejibCTBaMM CUIA h BejinKoöpuTaHHH
b 1946 r. TpM3OHHH — ipK 3OHbi oKKynaiuni TepMaHiiH: CUIA, Be.iHKO-
öpi-naHHH h <J>paHunn.
10 Xh 4172
ALPHABETISCHES WÖRTERVERZEICHNIS
npH nepeBOAc cjiob Aanbi Te aiiaucHHH hx, b KOTopwx oiih
ynoTpeöJisiioTCH b TOKcrax HacTonmefi kiiihh.
YCJIOBIIblE COKPAIUEHHfl
adj — Adjektiv hmh npiuiararejibiioe
adv — Adverb napeuHc
f — Femininum jkchckmh poA
tn — Maskulinum MyjKCKofi poA
n — Neutrum cpeAHHii poA
vi — Verbum intransitivum Henepexo/iHwü rjiaroji
vt — Verbum transitivum nepexoAHUH iviajoji
~ THJibaa — 3Hai< 3amchbi onycKaeworo cjiußa
- 3H3K 33MeHbi onycKacMoü qaciH cjiob3
pl — Plural MHoxcecTBeHHoe umcjio
ohne pl — ohne Plural MHowecTBeHHoe HHc.no orcyTCTByer
hjih HeynoTpeöHTCJibHo.
A
abbrechen (brach ab, abgebro-
chen) vt npepbißaTb
Abendblatt n -(e)s, Abendblätter
BeqepHHH raaeTa
Abendland n -(e)s = der Westen
Aberglaube(n) m -ns, ohne pl cye-
BepHe
abermals adv btophuho, onnib,
CH0B3
Abgeordnete m, j -n, -n Aeny-
Tar(Ka)
abgerissen adj hshouichheih, 1130-
Äpannbiü
abgezehrt adj HCTomeHHbiH
Abhandlung f -en commeHHe,
CTaTbH
ablebend adj OTJKHBaiouuiü
ablehnen vt otkjiohhtb
ableugnen vt oTpnuaTb, oTpeKaTb-
CH
abrechnen vi paccuiiTaTbca
abschrecken vt OTnyrnBaTb, naiiy-
raTb
abschütteln vt oTpnxHyrb
146
Absolvent m -en, -en BbinycKHHK,
yqamuftcH, aaKanuHBamiuHH
UI KOJI y (TeXIIHKyM, HIICTH'iyT
w T. A.)
abstimmen vi rojiocosaTb
abtasten vt oniynwBaTb
Abteilung f -en uex
abverlangen vt (Bbi)TpeöoBaTb y
Koro-jmöo uto-jih6o
abziehen (zog ab, abgezogen) vi
yxoAHTb
Achselstück n -(e)s, -e noroH
ächzen vi oxaTb, CTOHaTb
Acker m -s. Äcker naniHH
Ackerbau m -s, ohne pl 3CMjie-
Aejiwe
Adler m -s, - opeji
Ahnen (pl) npe^KH
ahnen vt npeijqyBCTBOBaTb, aora-
AblBaThCH
Ähre j -, -n kojioc
Akademiemitglied n -(e)s, -er
aKaAeMiiK. q/ieu aKa/ieMHH
Aktion f -en 3kuhh; AeÄCTBHe
Alarm ni -(e)s, -e TpeBora
. *
allerdings adv kohchho, b caMOM
aejie, npaBfla
allerorts adv scio/iy
Alltag m -(e)s, -e ßyaiiHÜ .ueiib,
dymiH
alltäglich adj oöbiAeHiibni, 6yÄ-
HHMHblft
Altertum n -s, Altertümer ÄpeB-
HOCTb
Amboß tn -sses, -sse naKOBajibiisi
Amselschlag tn -(e)s nenne jpos-
aa
Analphabetin / -nen nerpaMOT-
H3H
Anbau tn -(e)s BO3ne,ibiBaiiHe,
pasmyiCHH?, Kyjibrypa
anbieten (bot an, angeboten) vt
npejiJiaraTb
andächtig adv djiaroroBefino
andrängen vt HannpaTb
aneignen, sich ycBanBaTb, npn-
CBaHBan>
Aneignung / - ycßoeHHe, OBJia/je-
nne
anerkennen (erkannte an, aner-
kannt) vt npH3iiaBaTb, yBa>KaTb,
IieHHTb
anfallen (fiel an, angefallen) vt
nanaaaib
anfassen vt cxsaTbiBaTb, aoTparH-
B3TbC5I
anfertigen vt H3roTOBji5iTb, cociaB-
JlflTb
angeblich adv 6yATO 6bi, hkoöh
Angeklagte m -n, -n oÖBWHHeMbifi
Angestellte m -n, -n c^yxcamHÜ
angestrengt adj nanpHH<eHHbin
ängstlich adv HcpcniHTejibHo, po6-
KO, 6OH3JIHBO
anhaltend adj npoao-iJKHTejibHbift
Anhänger m -s, - ctopohiihk, npn-
BepjKeneu
Anklagebank f -, Anklagebänke
CKaMbH H04Cy4HMbIX
anklagen vt oöbwhhtij
anknüpfen vt 32BH3biBaTb
Anlaß tn -sses, Anlässe iiobo,h
anläßlich adv no c/iynaio
anlegen vt aaKJia^MBaTb, coopy-
/KaTb, CTpOKTb
anmaßen, sich npiicBaMBaTb ceöe
»ito-jhiöo
Anmut f ohne pl rpauHH, npe-
JieCTb, IipHBJieKaTeJlbHOCTb
annähernd adv npHÖJiwaHTe^bHo
annehmbar adj npneM/ieMbifi
annehmen (nahm an, angenom-
men) vt npCAnojiaraTb, npHHH-
MaTb
Anregung f -, -en CTHMyji, hhh-
HiiaTHBa
anrichten vt yuHHATb, HaTBOpHTb
anrücken vi npudjiHHcaTbca, noa-
XO^HTb
anschaulich adv narjiauHO
Anschauung f -, -en b3fjiha
anschließen, sich (schloß sich an,
sich angeschlossen) npiiMbiKaTb,
npHCOe/IHHJITbCH
Ansehen n -s, ohne pl yßajKeHHe,
noqcT, 3HauenHe, bcc
Anspannung f - uanpHJKCHHe
anspornen vt noaroHHTb, nony-
K3Tb
Ansprache f -n pc<n>, oßpame-
nne c penbio
Anspruch tn -(e)s, Ansprüche
npaso, npereH3HH
Anstalt j -, -en aaBejieiiHe
anständig adj nopaaonnbift, npw-
.'IHtiHblft
Anteil tn -(e)s, -e qacTb, äojih,
nafi
Anteilnahme / -, ohne pl yqacTHe
Antrag m -(e)s, Anträge xona-
TaflcTBO, npomoHHc, npeA.noÄe-
nue
anvertrauen vt AOBepflTb
anvertraut adj BBepeniibifl, jioBe-
POHH MM
Anwalt tn -(e)s, Anwälte aauiHT-
HWK, 3AB0K3T
Anweisung f -, -en yKaaaHHe
anwenden (wandte an, ange-
wandt) vt npiiMeHHTb
Anzeichen n -s, - npH3HaK, npn-
MeTa. CMMÜTOM
Arbeiterfunktionär tn -s, -e »lea-
rejib paöouero /iBwateiiKH
Arbeitersiedlung f -, -en pa6o»nifi
nocejioK
Arbeiterviertel n -s, - paöoHHH
KBapraji
Arbeitsfreudigkeit / - paAocib
Tpyaa
icr
147
Arbeitslager n -s, - jiarepb Boe-
HM3HpOBaHHOÄ npHHyAHTeJIbHOH
Tpy/IOBOH nOBHIIHOCTH B (j)a‘
UIHCTCKOH TepMaHHH
Arbeitsproduktivität f - npoH3BO-
AHTe<nbHOCTb Tpyjia
Argwohn m -(e)s, ohne pl 11040-
apenne, He/iOBepne
armselig adj xca.iKHft
Artikel m -s, - craTbfl
Arzneimittel n -s, - Me/iHKaMeHT
Asphaltdecke f -, -n noKpoß ac-
(pajibTa
Ast m -es, Äste cyK
Atelier (sprich', ateljei) n -s, -s
aTGJibe, MacTepcxafl
Atemzug m -(e)s, Atemzüge buh-
xaime, B3aox
Athen n -s Ä(J)hhlt
auf atmen vi B3^oxHyTb
Aufbruch m -(e)s, Aufbrüche Bbi-
CTyiLienHo; Hauajio; npnroTOB-
jieHiie
auferstehen vi BOCKpecaTb
Aufenthalt tn -(e)s, -e npeöbisa-
Hwe
Auffassung f -en B3rjiHn, iiohsi-
Twe
aufführen vt craBHTb, Hcno/iHBTb
Aufführung f -en nocTanoBKa
aufgeben (gab auf, aufgegeben)
vt OTKasbiBaTbcw ot uero-jinfio
aufgeklärt adj nDOCBeiueHHbiii
aufgescheucht adj Bcnyrnyrbifi
aufgeschlagen adj OTKphiTbiü, pac-
KpblTblft
Aufgeschlossenheit f - OTKposeH-
HOCTb; OT3bFBqHBOCTb
aufglimmen (glomm auf, aufge-
glommen) vi npoßyHuaTbCH
Aufklärer m -s, - npocßeTHTejib
Aufklärung f - npocBomeHne
auflecken vt noMH3biBaTb
auflehnen, sich npoTPCTOBaTb
auflösen, sich pacTBopHTbcn
Auflösung f paapeineHHe (paead-
ku)
aufmuntern vt oöo/ipflTb
Aufnahme f -, -n npiieM
aufrecht adj npsiMOÄ
aufrechtcrhalten vt nonjiep>KHBaTb
aufreibend adj H3HypnTejibHhiH;
HanpH>KeHHbiÄ
aufreißen (riß auf, aufgerissen)
vt pa 3611p 3tl; pasphiBaib
aufrichtig adj ncKpeHHHÄ
Aufruf rn -(e)s, -e npH3biB
aufrütteln vt BCTpaxHBaTb, 33CTa-
BHTb OnOMHMTbCH
aufschütten vt nacbinaTb
Aufschwung m -(e)s, -e noxbÖM
aufsteigend adj BoexoAflmnä, nc,a-
HHMaiOBlMWCH
Aufstieg m -(e)s, -e nojvbeM
auftauchen vi nojiBJiaTbcn
auftauen vi pacraiiTb
Auftrag m -(e)s, Aufträge nopy-
•roHiie
Auftreten n -s, ohne pl Bbicrynjie-
IIHC
auftun (tat auf, aufgetan) vt ot-
KpblBaTb, paCKpblBMTb
aufwarten vi npiicJiyjEnBaib
aufziehen (zog auf, aufgezogen)
Vt 33BO?UiTb (MCXaHU3M)
Augenzeuge m -n, -n cBii.neTejib
ausarten vi BbipoHCAaTbca, nop-
rilTbCH
ausbilden vt oöyqaTb, coBepinen-
CTBOBaTb
Ausbildung f - oöyqeHHe, o6paso-
BaHne
ausbrechen (brach aus, ausgebro-
chen) vi pa3pa3HTbCH; y6eraTb
ausdrehen vt BbiKjnonaTb
Ausdruck m -(c)s, Ausdrücke bli-
pa>KeHne; zum kommen
HaÜTH Bbipa>KeHHe: geben,
zum bringen Bbrpa>xaTb
Außenwelt f - BHeiiiHHÖ MHp
außergesetzlich adv BHe 33KOHa;
He33KOHHO
außergewöhnlich adj neoöbniafi-
UblÖ
äußern vt BbipawaTb, H3'bHBJi5iTb
außerordentlich adv 'ipc.3Bbiqanno
äußerst adv Kpawne
Äußerste n -n, ohne pl KpaHHOCTb;
bis zum ~n 40 KOima
Äußerung f -, -en BbicKa3biQ£Hne
ausführlich adj nojjpoÖHLHi *
Ausführung f -, -en BbinoJiHenne,
HcnojiHenne
Ausgabe f -, -en Ha/tanne
ausgeleiert adj CTepTbin; H3iiouien-
iibifi
148
ausgeprägt adj BbipajKCHHbiu; xo-
pomo oqepqeHHbifi, orqeKaiieH-
nbin
ausgerüstet adj BoopyjKcHHbifi
ausgesprochen adj peaxo Bbipa-
JKCHHblH
ausgraben (grub aus, ausgegra-
ben) vt BNKailblBaTb
aushalten (hielt aus, ausgehal-
ten) vt Bbi;iep>KHBaTb
ausheben (hob aus, ausgehoben)
vt BbuiHMaib, Konaib
auskehren vt BbiMeraTb
Ausland n -(e)s, ohne pl 3arpa-
HKixa, 3apy6e?KHbie cTpaubi
ausliefern vt Bbiaaßarb
Ausmaß n -es, -c pa3Mep
auspumpen vt BbiKaquBarb
ausrücken vi y^upaTb
ausrupfen vt BbiimuihiBaTb
Ausrüstung j -, -en (jöopy.aoBaHue
ausschachten vf pbiTb
ausschließlich adv ncKjuoMHTC.nbiio
Aussehen n -s, ohne pl bim, na-
pyjKIIOCTb
aussetzen, sich noyiBepraTbcn
Aussicht f -, -en nepcneKTHBa; na-
JiejKixa
Aussperrung f -en jioKayr,
ycTpaneHiie or paöoibi
ausstatten vt oöopyjoBaTb, ocua-
maTb
Ausstattung f -en o^opMJieHne,
oöopyjoBaHue
Austausch tn -es, ohne pl o6.Men
ausweisen, sich (wies sich aus,
sich ausgewiesen) y/’ocTOBopflTb
CBOIO ,lHqHOCTb
Auswirkung j -, -en uocjiejiCTBHe,
peSVJIbTAT
auszeichnen vt uarpajK^a rb
Auszeichnung j -, -en iiarpazia
Auszug m -(e)s, Auszüge OTpbi-
bok, mBJieqeiiiie
auszugsweise adv b BiMe bbi-
aep>KKH
Autodidakt tn -en, -en caiwoyqKa
B
Bächlein n -s, - pynecK
Backbord n -(e)s, -e GaKÖopr (ac-
6biü öopr cydHa)
Backenknochen tn -s, - cKyjia
Bäckermeister m -s, - ßyjioqHHK
Bahndamm tn -(e)s, Bahndämme
TKe/iesHo/iopcDKiiafl uacbinb
Bahnhof m -(e)s, Bahnhöfe cran-
uhh; BoK3aji
Bahnsteig tn -(e)s, -e neppon
bändigen vt yKpomaTb
bang(e) adv öohsjihbo, TpeBosaio
Bann tn -(e)s qapbi, nyrbi
Bart tn -(e)s, Bärte öopo/ia
6ast m -(e)s, -c jihko, Mouajio
Baugerüst n -es, -e CTpowTejibHHe
jieca
baumeln vi öojiraTbCM
Baumschule f -, -en jrpeBecHUW
HHTOMHHK
Baumstumpf tn -(e)s, Baum-
stümpfe neiib
Bauwesen n -s, ohne pl crpon-
TeJIbCTBO
Beamtenfamilie f -n ceMbfl qw-
II0BHHK3
beanspruchen vt npercH/ioBaTb
beben vi ;ipo>KaTb, TpcneraTb
bedacht Partizip II ot marojia
bedenken oH^yMauHbift, paccy-
AHTCJlbHhlÖ
Bedingung f -en yc-JiOBHe •
bedingungslos adj ßeaoroBopoq-
HblH
bedrohen vt yrpojKaTb
Bedrückung f npHTecHeune, nieT
Bedürfnis n -sses, -sse norpeö-
HOCTb
befähigen vt cnocoöcrBOBaTb, jje-
jiaib cnocoöübiM; /lanarb BO3-
MOJKHOCTb
Befehlshaber m -s, - KOMaiiayio-
miift
befleckt adj sanaTuauHbift
begabt adj oAapcHHbiu
Begabung f oaapönnocTb, jxap, ,na-
poBaHue
begeben, sich OTnpaBJiHTbCH, hath
Begehren n -s, - xcejiaHiie
begleiten vt npoBO>KaTb, conpo-
BO>KAaTb, aKKOMnanupoBaTb
Begleitung f -, -en cbht3, kohbdö
beglückwünschen vt nos/ipaBJiHTb
Begriff tn -(e)s, -e noHHiuc
Begrüßungsansprache f -, -n npu-
BCTCTBeniiafl peqb
149
begünstigen vt öjaronpHHTCTBO-
B3Tb, CnOCOÖCTBOBaTb
behandeln vt H3JiaraTb
beharrlich adv nacToftqHBO
Behauptung / -, -en yTBepjKAeiiHe
behend adj ömctphih
Behörde f -, -n opran BJiacTH; na-
HaJIbCTBO; BHCTailUHH
behüten vt oxpannib
Beifall m -(e)s, ohne pl anjioaHC-
MeHTu; OAOöpeHHe
Beilschlag m -(e)s, Beilschläge
yaap Tonopa
beispielsweise adv k npHMepy, na-
npwMep
beistehen (stand bei, bei gestan-
den) vi noMoraib; aauinniaTb
Beitrag in -(c)s, Beiträge BKJian
beitragen (trug bei, beigetragen)
vi h vt co/ieäcTBOßaTb, cnocoß-
CTBOBflTb, BHOCHTb BKJI3/I
bekennen (bekannte, bekannt) vt
npH3HaBaTbc$i, co3HaB3TbCH
Bekenntnis n -sses, -sse npH3Ha-
HHC, CO3H3HHe
bekleiden vt aaiiHMaTb (öoam-
HOCTb)
bekränzen vt yBenqaTb
Belagerer tn -s, - ocajK/iaiomHft
belehnen vt jK«jiOB3Tb, ^apirrb
Belehrung f -en noyqcHne, na-
CTaBJieHHC
beleidigt adj oöh wenn bin
bemächtigen, sich saBJianeßaTb,
OBJia^eBaTb
bemerkenswert adj (,’iocTO)npMMe-
qaiejibHbiff
Bemühung / -, -en ycHJine
benachbart adj coce/iHHH
berauben vt orpadjiHTb
berechtigt adj HMeioiUHÜ npano
Beredsamkeit f -, ohne pl Kpacno-
peqne, pmopHKa
bereisen vt oßbCSHtaTb; nocemaib;
nyTeuiecTBOBaTb
Bereitschaft f -, ohne pl totob-
HOCTb
bereitstellen vt noaroTOBHTb
bereuen vt co>KaJieTb o qeM-jinöo
Bergarbeiter m -s, - roptiHK
bergen (barg, geborgen) vt cKpbi-
BaTb, npflTaTb
berichten vt paccKasbiBaib, no-
KJia/ibiBaTb
berufen (berief, berufen) vt na-
ßiiaqaTb; HsöwpaTb
Berufswahl / -, ohne pl Bbiöop
npO(j)OCCHH
Berührung f -, -en 3decv: oöme-
HHe
beschatten vt saTeHHTb
bescheiden (beschied, beschieden)
Vt aapWTb, Ha/JCJIHTb
beschimpfen vt (o6)pyraTb, nono-
CHTb
beschirmen vt pxpanHTb
beschleunigen vt ycKopHTb
beschließen (beschloß, beschlos-
sen) vt nocTanoHjiBTb, pemaTb
beschmutzt adj 3arpH3HeHnwü, 3a-
naqKaHHbifi
beschwören (beschwor, beschwo-
ren) vt 3aK;iMH0Tb
besessen adj ojiepjKHMHÄ
besetzen vl 33HWMaTb
besitzen (besaß, besessen) vt B.na-
jieTb
bessern vt yjiyqniaTb
bessernswert adv jiocTofino yjiyq-
ineiiMH
besorgt adv oaaöoqeHHO
Bestarbeiter tn -s, - nepcjiOBHK,
OTJIIPIHHK npOH3BO/lCTBa
bestaubt adj 3anbuieHHbift
bestehen (bestand, bestanden) vi
HacTanBaTb; cocTosTb
bestehend adj cyniecTByiomml
bestellen vt Boa^ejibiBaTb (noAe)
besternt adj 3Be3AHbifi, yceaHHbiH
3BC3JiaMH
bestialisch adj 3BcpcKnii
Bestie f -, -n 3Bepb
Bestrebung f -, -en cTpeMJTCHHe
betonen vt noAqepKWBaTb
beträchtlich adv anaqHTejibHO
Betreuung f - o6c,ny>KHBaHHe
Betrug m -(e)s, ohne pl oöMan
betrügerisch adv oöMaHHbiM ny-
TCM
betteln vi BbinpaniHBaTb, bhme\jih-
B3Tb, HHIIieUCTBOBaTb
beugen vt crHÖaib
Beunruhigung f -, -en öecnoKofi-
CTBO
Bevölkerung f - nacejieHHe
150
bevollmächtigt adj noji ho m Qmmn
bewachen vt oxpaHHTb
bewahren vt oöcperaTb, coxpa-
HHTb
bewähren, sich onpaB^biBaTb ceosi
bewährt adj HcnbiTaniibiii
beweisen (bewies, bewiesen) vt
aOKa3L>IBaTb
bewirten vt yromaTb
bewußt adv coanarejibHo
bezeichnen vt o6o3HaqaTb, onpc-
jejuiTb
Beziehung f -en cHomoHHe,
CBH3b; 3HHKOMCTBO
Bezirk m -(e)s, -e oxpyr, pafton
Bier n -(e)s, ohne pl dhho
bieten (bot, geboten) vt npcjjia-
raTb, npejiocTaBJiflTb
Bildhauerei f - cKyjibnrypa
Bildungsniveau [-ni-'voi] n -s 06-
pasoßaHHe; ypoßeub oöpaaoßa-
HH5I
Bildwerk n -(e)s, -e CKyjibnrypa;
npoHSBejeiiHe ncicyccTBa
Binde f -, -n noB5i3Ka
Binse f -, -n tpocthhk
bitter adj ropbKHÜ
blendend adj oc^ennrejibHhiH
Blindenanstalt f -, -en saBCAenne
jijih c/ieiibix
Blindenschrift f - neqaTb juin cjie-
nbix
Blindschleiche f -ri Me^niiKa
blinken vi MepuaTb, cBepKars
blitzblank adj apKo BbimimeHHbift
blitzen vi CBepxaTb
Blüte f -, -n pacuBeT
blutig adj KpoBaBbifi, Tawejibifi
Bodenraum m -(e)s, Bodenräume
nepAaqnoe noiviemeHHe
Bogen m -s, - jivk
Bogenlampe j -, -n ^yroBaa jiaM-
na. (J)OHapb
Bootsmannsmaat m -(e)s, -e crap-
IIIHHa ÖOUMaHCKOÜ KOMail^bl
Bordschwelle j -, -n öopiOBon
Kawenb (iiopor) Tporyapa
Born m -(e)s, -e hctomhjik
Bösewicht m -(e)s, -e.3Jio.aeH
Bote m -n, -n bccthmk
Botschaft f -, -en Beerb, H3BccTne;
MOCOJIbCTBO
Botschafter m -s, - iiocoji
Bourgeoisie (sprich: burgo'azii) f
6yp>xya3H5i
Brandwunde f -n oxcor
Brandung f -, -en npHfiofi
Brauch m -(e)s, Bräuche oßbiqaft
brechen (brach, gebrochen) vt jio-
MaTb; cpWBaTb, npepbiBarb, Bbi-
pbiBaTb: npoöHBaTbCJi
Brett n -(e)s, -er aocKa
brüten vi pa3MbimjiHTb; saMbim-
JlflTb
Buchhandlung f -, -en khhähmh
MaraaHii
buchstäblich adv öyKBajibHo
Büchse f -n pyxtbe
bücken, sich HarnöaTbCH
Bückling m -s, -e dokjioh
büffeln vt 3y6pHTb, ;iojj6htb
Bühnenautor m -s. -en .apaMaTypr
Bündel n -s, - ny<ioK, CB5i3Ka
bürgerlich adj dypjKyaanbifi
Bürgermeister tn -s, - öyproMHcrp
Bürgertum n -s, ohne pl öioprep-
ctbo, 6yp>Kya3H$i.
Bürgschaft j - nopyKa
Busen m -s, - rpy/ib
C
chilenisch adj. {sprich: tJb'leinif)
ilHJIHflCKHH
chinesisch adj KUTaficKuft
D
Dachshund m -(e)s, -e Taxca (co-
6a.Ka)
dahineilen vi xmaTbca
dahinschmelzen vi paciaaTb
dalli! OuaJt. CKopeü! >khbo!
damalig adj TorjauiHWH
Damm m -(e)s, Dämme miOTHHa
Dämmer m -s, ohne pl cywepKH;
sdeeb: Mpai<
Dämm(e)rung f -, ohne pl cywep-
kh; paccßer
darlegen vt paai.aciiHTb
darstellen vt npeacTaBJiHTb, H30-
öpajxaTb
Dasein n -s, ohne pl ömthc, cyme-
CTBOBaHHe, >KH3Hb
Dauer / -, ohne pl npo/iojiJKHTejib-
HOCTb
151
dauerhaft adj npoqubiü, UJiWTCJib-
HblÜ, yCTOßqHBblH
davonspringen (sprang davon,
davongesprungen) vi yöerarb
Demut f -, ohne pl cMiipeHne
Denken n -s, ohne pl MhmiJieinie
Denkmal n -(e)s, Denkmäler na-
MHTHIIK
derb adj KpoiiKiifi, rpyöbiu
dereinst adv Koraa-HHÖyjib
dergestalt adv tskhm oöpaanM
Dickicht n -(e)s, -e qama
dichterisch adj noaiiiqecKHH, jinie-
paiypHbiH
Dichtung / - no93Hsi
Dienst tn -es, -e cjyn<6a
dienstbar adv noKopiio
Dienststelle f -n HncTanmin
Dimension f -, -en paawep
Dolch m -(e)s, -e KinuKaji
dominierend adj npeoöJia/iaioiiXHft
donnernd adj rpeMamufi, rpoMo-
Boii
doppelt adj y/iBoeunbiii, äboühoh
Draht tn -es, Drähte npoBOJioua
Dränger m -s, - npiiTeciiHTC/ib,
yrneiaTejib
drängen vt TOponiiTb
Dreck tn -(e)s, ohne pl rp$i3b
Drehbank f -, Drehbänke Toxap-
IlblH CT3HOK
Drehbuch n -(e)s, Drehbücher
cuenapHfi
Dreher m -s, - TOKapb
dreimalig adj rpoeKpaTHbifi
drohen vi yrpo>KaTb
dröhnen vi rpe.MCTb, ry;ieTb
drollig adj jKajiKHü; CMeimiofi, 3a-
ßaBHbiii, noTeniHbiH
Druck tn -(e)s, -e nenaib
Druckerei f -, -en THnorpa(j)Mfl
Dudelsack tn -(e)s, Dudelsäcke
BOJINHKa
dulden vt Tepneib
Dummkopf tn -(e*)s, Dummköpfe
iv!yneu, uypai<
dumpf adj Tynofi, r.’iyxofi
durchbohren vt nponaiiTb
durchdringen (durchdrang, durch-
drungen) vt npoioaib
durchgängig adv ece 6ea hck.ho-
•ICHHSI
152
durcheilen vt npoßeraib, npoie-
Kaib
durchqueren vt nepoceKaib
durchstöbern vt oöinapiiTb, nepe-
pblTb
durchstreifen vt ÖpoauTb no ...
durchsuchen vt oöbicKWBaib
durchwühlen vt nepepbiTb, nepe-
UiapHTb
Durst m -es, ohne pl xaTKZia
dürsten vi >Ka>KuaTb
Düsenjäger m -s, - peaKTHBUNH
HCTpeönTCJib
düster adj MphqHbift, yrpioMHÖ
Düster n -s, ohne pl MpaK
Dutzend n -s, -e jnoxfiina
E
Ebbe j -, -n OTJIHB
edel adv 6jiaropo;iuo
egal adv bce paBHo
Egge f “» CopoHa
ehren vt qeciBOBaTb; yßa>KaTb
Ehrenmitglied n -(e)s, -er noueT-
Hhlß UJieH
Ehrgeiz m -es, ohne pl qeCTonio-
6 ne
Ehrlichkeit f - qecTiiocTb
ehrlos adj ßecqecTHbin
Eierkuchen tn -s, - omjiot
Eifer tn -s, oh ne pl yccpAwe
eigen adj coficTBOHHbin
eigenartig adj CBoeoöpaaHbiii
Eigenschaft f -, -en cbobctbo
Eimer tn -s, - Beupo
Einakter m -s, - ojmoaKTiiaH
nseca
cinberufeii (berief ein, einberu-
fen) vt npH3blBaTb
eindringen (drang ein, eingedrun-
gen) Vi BHIIKaTh
Eindringen n -s. ohne pl BTOpHce-
HHC
eindringlich adv yöejHTOjibHo; Ha-
CTOÜqHBO
Eindruck in -(e)s, Eindrücke Bne-
qarjieuHc »
einerlei adv bcc paBHo, fieapaa-
JIH’IHO
Einfachheit / -, ohne pl npocTOTa
Einfall m -(e)s, Einfälle BHesan-
uax Mbicjii»
einflößen vt BHyiuaTb
Einfluß m -sses, Einflüsse bjuih-
einfügen vi BiwouaTb
Eingang rn -(c)s, Eingänge bxcui
einhalten (hielt ein, eingehalten)
vi oc.TaHaBJiHßaTbcn
Einheit f -, -en cahhctbo; bohcko-
Ban nacTb
einheitlich adj eaHHbifi
einhüllen vt yKyTbiBaTb, 33BcpTbi-
BflTb
Einigkeit f - ejiHncTBo
einkerkern vt ÖpocaTh b TiopbMy
Einkommen n -s, Einkünfte uo-
xon
einladen (lud ein, eingeladen) vt
npHi'JiainaTb
Einleitung f -, -en BBeaeHiic
einlullen vt yßaioKHBaTb
einmischen, sich BMeuiHBaTbcw
einmütig adv ejuiHoayinno
einreden vt BHynraTb
Einrichtung f -, -en oöciaiiOBKa,
ofiopyaoBainie
einschätzen vt ouennBaib
einschenken vt naaiiBaTb
eintragen (trug ein, eingetragen)
vt biiochtb; 3anncbiBaTb, waqep-
TaTb
eintreffen (traf ein, eingetroffen)
vi npnöbiBaTb
eintreten (trat ein, eingetreten)
vi HacTynaTb: hxoahtb
Einwand m -(e)s, Einwände bo3-
pa»<eHHe
einwiegen vt yoaiOKUBaib
Einwohner tti -s, - wiuejib
Einzelhaft / - oamhomho? 3aKJiio-
qemie
Einzelheit f -, -en noapoönocTb,
aoTajib
einzeln adv OTaeabHC, b oiaeab-
HOCTM
einziehen (zog ein, eingezogen)
Vi BXOAMTb
Einzug tn -(e)s, Einzüge HcryiiJie-
Htie, BTjeaa
Eisenbau m -(e)s, -ten xceaeanoe
cipoeniic, >Kejie3Han KoncTpyK-
UHH
Eisenbahnarbeiter m -s, - jKeaes-
IIOaOpOJKHblH paÖOHHIi
eisern adj jKeaeäHbiü
Eiszapfen m-s, - jieABHafl cocyjib-
Ka
Elektrokraftwerk n -(e)s, -e ajieK-
Tpociaimnn
elend adj acajiKHfi; yßorMÜ; hm-
HTOJKHblH
Elcndstroß tn -sses, -sse >KajiKHÖ
0603
empfangen (empfing, empfan-
gen) vt npHHHMaTb
Empfänger tn -s, - noayqaTeab,
aapecaT
empfehlen (empfahl, empfohlen)
vt pcKOMen.aoBaTh
empfindlich adj qyBCTBHTeabHbiH
Empfindung f -, -en qyBCTBo
Empörung f -, -en BOsMymeHne,
MflTe^K
emsig adv ycepano
endgültig adj OKOiniaTejibHbiH
Entbehrung f -en amncHHC
Entdeckung f -, -en otkpi,ithc
entfalten vt pasBepTbiBaib
entfernt adj oTaajieHHbiii
Entfernung f -, -en paccTOBHHe
entgegenträumen vi O/KHaaTb b
rpesax
entgehen (entging, entgangen)
vi H36eiaTi>, ycKOJibsaTb
enthalten (enthielt, enthalten) vt
coaepjKaTb
enthaupten vt ooear.naBHTb
entlarven vt paaoöaaqaTb
Entlassung f -en yBOJibiienne;
BbinycK
entmenscht adj 03BCpe;ibiH, nore-
pWBIHHH qcjiOBeqccKHH 06aHK
entnehmen (entnahm, entnom-
men) vt fipaib, saiiMCiBOBaTb
entreißen (entriß, entrissen) vt
BbipBaTb
entrüstet adv B03MymeHH0
Entsagungslied n -(e)s, -er neewb
oTpeaeHHA
Entsatz tn -es, ohne pl eoeH. ocbo-
öoxcaeHne ot ÖJioKajiH; Bbipyq-
Ka
Entsatzversuch m -(e)s, -e no-
ribiTKa ocBodowacHHa ot 6.io-
Kaai>i
entscheiden (entschied, entschie-
den) vt pernaTb
entschlossen adj peniHTejibiibiii
153
Entschluß tn -sses, Entschlüsse
penieHMe
entsetzen vt yxcacaTb
Entsetzen n -s, ohne pl yacac
entsetzlich adv yxcacno
entsprechen (entsprach, entspro-
chen) vi cooTBeTCTBOBarb
entstehen (entstand, entstanden)
vi’ B03HHKaTb; DOHBJIflTbCfl
Enttäuschung f -en paaonapo-
Banne
entwaffnet adj oöeaopyHteHHbift
entwerfen (entwarf, entworfen)
vt npoeKTHpOBaib, HaöpacbiBaib
(njian)
Entwurf tn -(e)s, Entwürfe njiaH,
npoeKT
Entzücken n -s, ohne pl bocxhiuc-
Hne
erarbeiten vi BbipaöaTbiBBTb
Erbarmen n -s, ohne pl xta.iocTb
erbarmungslos adv deaxcajiocTHo
Erbe tn -n, -n iiacjie/iHHK
erbleichen (erblich, erblichen) vi
ö.’ieziHeTb
erblinden vi ocJiennyTb
erblühen vi pacuBeiarb
Erdball m -(e)s, ohne pl seMHoii
map
Erdeiischatz tn -es, Erdenschätze
6orarcTBo aeMJiH
Erdkunde f -, ohne pl reorpacjnin
Erdölvorkommen n -s, - Mecio-
po>KÄeHiie ne(j)TH
erdröhnen vi aarpcMeTb
Ereignis n -sses, -sse coÖmtho
erfahren (erfuhr, erfahren) vt
V3HaB3Tb
erfahren adj onbiTHbift
Erfahrung f -, -en onbiT
Erfindung f -, -en HsoßpeieHne
erflehen vt BbiMa.uiBaTb
erfolgreich adj ycnemiibifi, npeyc-
neBatomufi
erforschen vt nccjie^oBaTb
Erforschung f -, -en HCCJie/ioBa-
Hiie, noHCKH
Erfüllung f -, -cn BbtnojiHenne
ergeben adj iipeAaHiibift, noKop-,
Ergebnis n -sses, -sse pesyjibTaT
erglänzen vi aacHHTb
ergreifen (ergriff, ergriffen) vt
yXB3TMTbC5I, CXB3THTb, aaxBaibi-
B3Tb
erhaben adj BO3BbimeHHbiö, bcjih-
qecTBeHHbifi
erhalten (erhielt, erhalten) vt co-
XpaHflTb
erheben, sich (erhob sich, sich er-
hoben) nO^HJITbCW, BCTaBBTb
erhellen vt ocBcmaTb
erhöhen vt yBCJimiHTb
Erholungsheim n -(e)s, -e ju>m
OT/ibixa
erkämpfen vt 33BoeBbiB3Tb
Erkennen n -s, ohne pl y3H3Ba-
HBe
Erkenntnis f -, ohne pl no3Haiine
erkiesen (erkor, erkoren) vt m-
6wp3Tb, BblÖnpaTb
Erlebnis n -sses, -sse nepeMHBa-
HHe; coöbiTire; npnoioHeiiHc
erleichtern vt oöJiernaTb
ermahnen vt yBemeßaTb, noynaTb
ermorden vt yöHBaib
ermutigen vt oöo/ipwTb
Erneuerung f -, -en oÖHOBJienne
Ernst tn -es, ohne pl ccpbeanocTb
erobern vt 3aBoeBbiBaTb
erregt udv BoaÖy^/ienno
erreichen vt AocTHraib
erringen (errang, errungen) vt
Jia6HB3TbC5I, OAepJKHTb
Errungenschaft f -, -en .nocTHXte-
nne
Erscheinung f -, -en ab/ichhc
erschießen (erschoß, erschossen)
vt paCCTpCJIBTb
erschließen (erschloß, erschlos-
sen) Vt OTKpHBaTb
erschöpft adj oöeccwjieHiibiM, H3-
iiypeHHbifi
Erschossene tn -n, -n paccTpejiflH-
HblH
erschüttern vt noTpacaTb
erschüttert adj pacmaTaHHbift
Erschütterung j -, -en noTpHcenne
Ersparnis f -, -sse cßepeJKCHMH;
3X0H0MHH
erstaunlich adv y/iHBHTejibno
Erstlingswerk n -(e)s, -e nepßoe
npon3Beaenne, nepBCHOi;
erteilen vt (oT)aaB3Tb
154
ertragen (ertrug, ertragen) vt bli-
HOCMTb
Ertrinkende m -n, -n yTonaiomnö
erwachen vi npoöyjK.aaTbcn
Erwachsene m -n, -n Bspoonbiii
qejioßeK
erwägen (erwog, erwogen) vt
B3BeiDHDaTb
erwähnen vt ynoMHHaTb
Erwartung f -, -en oxciuaHHe
erwecken vt BM3biBaTb; paaöyAHTb
erweitern, sich pacinwpHTbCfl
erwerben (erwarb, erworben) vt
npHoßpcTaib, AoöbiBarb
Erwerbslosigkeit f - öcapaöoTHiia
erwidern vt OTBeqaTb
erzielen vt ^oßHBaTbca
erzwingen (erzwang, erzwungen)
vt npnnyjKAaTb
Exil n -(e)s, -e HsrnaHne, ccbijiKa
Existenz f - cymecTBOBanne
F
Fabel f -, -n öacHn
Faden tn -s, Fäden HHTKa
fähig adj cnocoÖHbiü
fahnden vt npec.nc.aoBa Tb, oxo-
THTbCH 33 KeM-JI.
Fahrer m -s, - BojiHTejib
fallen (fiel, gefallen) vi nacTb
(ö Goto), norHÖHyTb
Fallgrube f -n sanaana, BOJiqbH
MM3
Falter m -s, - fiaßoqKa, mothjick
Faser j -, -n c|)H6pa
fassen vt npiiHHMaTb
fassungslos adj pacTepHBimiftcfl,
BHe ceösi
Faust f -, Fäuste Kyjiax
fechten (focht, gefochten) vi epa-
JKaTbCW, ÖOpOTbCfl
feierlich adv TopxcecTBeinio
fein adj hcjehmh, mhjihh, tohkhü,
H3JimnbiM, qncTbiH
feindselig adv Bpa?K,ae6Ho
feinfühlig adv qyTKHH
Feinmechanik f -, ohne pl Toqnan
MexaHHKa
Feldmütze f -, -n muioTKa (y cy-
XOnyTHblX 60ÜCK)
Felsengestein n -(e)s, -e ropHaa
nopoaa
Fensterbrett n -(e)s, -er no^/koH-
HHK
Fernsehwesen n -s, ohne pl Tejie-
BH^eilHC
Fernstudium n -s saomioe oöyqe-
nne
Fertigstellung f - saBepinemie
Fessel f -n okobh
fesseln vt npHBJieKaTb
festhalten (hielt fest, festgehal-
ten) vt 3ajiep}KnBaTb, ocTanaB-
JIHB3Tb
festigen vt ynpoqHTb
Festigung f - yxpeiuieunc
festschnüren vt aaiuiivpoßbiBaTb
feststellen vt yciaHaBJiHBaTb, koh-
CTaTHpOB3Tb
Festung j -, -en KpenocTb
fett adj JKHpHblH
Fetzen rn -s, - jiockvt, Tpnnxa
Fieber n -s, ohne pl jinxopaaKa
Filmwesen n -s, ohne pl KHHeMa-
TOrpa(j)Hfl, KHHO
Fingernagel tn -s, Fingernägel
HoroTb (na najibt^e py^u)
finster adj MpaqHMÜ, yrpiOMiJK
flach adj poBHbiii, iihskhh, imo-
ckmh
Fläche f -n miomaÄb
Flaggenmast tn -es, -e(n) (j)jiar-
IDTOK
flammen vi njiaMencTb, iibuiaTb
flehen vi yMOJism»
flicken vt qniiHTb, unonaTb
fliehen (floh, geflohen) vi 6e-
HcaTb, yöeraTb
Flimmer tn -s, - MepuaiomiiH cbct
flott adj Becejibiü, 6ecuia6aiiiHbiM
Flöz n -cs, -e ropHbiü ruiacT
Fluch m -(e)s, Flüche npoKJiHTHe
Flucht f -, ohne pl öercTBO
flüchten vi yöeraTb, cnacaTbca
tfercTBOM
Flugblatt n -(e)s, Flugblätter jih-
CTOBKa
Flügel tn -s, - KpbiJK^,
Flugplatz tn -es, Flugplätze aapo-
APOM
flüstern vi uierrraTb
Flut f -, -en bojihh, noTO«; npn-
JIHB
fluten vi tcub
155
folgendermaßen adv oaeflyioiuHM
oöpasoM
folgerichtig adj noaieAOuaTCJib-
HblH
Folgerung f -, -en blibo/i
Folter / —, -n iibiTKa
Folterknecht m -(c)s, -e najiau
foltern vi nbiTaTb, My^urb
fordern vt TpeöoBflTb
fördern vt cnocoöciBOBaTb, coaefi-
CTBOBaTb
Forderung j -, -en TpeßoBaHHe
Formation f -, -en BoiicKOBaa
qacTb; <j)opMnpoBaHHe
formen, sich (JiopMupoBaTbcw
forschend adj iibiwiRhift
Forschung f -, -en nccjiejiOBaHMe
Forst m -(e)s, -e jjec, 6op
Fortschritt m -(e)s, -e nporpecc
Fragment n -(e)s, -e (pparMCHT,
OTDblBOK
Freilassung f - ocBOÖo>KneHne
Fremdenlegionär m -s, -e cojijiaT
KHocTpaHHoro jicrMoiia
Freudenfest r? -es, -e TopxtecTBO
freundlich adj npHBeTJiHBbiü
Friedenserziehung f ohne pl
MMDHoe HocnHianne
Friedensgrenze f -, -n rpamma
Mupa
Friedcnsveriangen n -s, ohne pl
jKOJianue Miipa
Friedhof tn -(e)s, Friedhöfe kjkui-
6mue
friedliebend adj MnpojiioÖHBbiu
Frist f -, -en cpOK
fristlos adv öeccpoquo, na ueonpe-
aeJieiiHbiM cpoK
fromm adj öjiaroqecTHBbiii, na-
6ox<ih>im
Fron f - ucTop. tfapiuHHa
Frondienst m -es noAiieBOJiBHbiH
Tpya
Fruchtbarkeit j -, ohne pl njioao-
po/uie, njio.^opomioc-i b
fügen, sich noBHHOBaibCH
Fuhre / -, bo3
Führung f w KOManaoBaHiie
füllen vi nanojiHHTb
funken vt nepc,q.aBaTb 110 paano
Funken tn -s, - ucKpa
Funktionär m -s, -e aeHTcvib; ax-
TMBIICT
fürchterlich adj CTpauiHbifi, yacac-
Hbift
Furchtsamkeit / - poöocTb, Tpyc-
JIIIBOCTb, 6O5I3JHBOCTL
Fürst tn -en, -en KHH3b
Fürstenknecht tn -(e)s, -e khh-
jkcckhh cjiyra
Fußangel f -, -n xaiiKaH
Fußreise f -n nyreniecTBne
IICIIIKOM
Futter n -s, ohne pl KopM
G
gähnend adj seßaiomHÜ
Galgen tn -s, - BHccjwu,a
gänzlich adv iiojiHOCTbio, oKonqa-
TeJIbHO
gastfreundlich adv rocTenpHMMHO
Gau m -(e)s, -e oßjiacTb, Kpaft
Gaunerei j -en MomeHiiHqecTBO,
IIJiyTOBCTBO
Gebärde f -n jkcct, Mima
Gebiet n -(e)s, -e odnacTb
gebieten (gebot, geboten) vi no-
BCJICBaTb
gebieterisch adv BJiacTiio
Gebot n -(e)s, -e TpeöoBaHHe; 3a-
noB-ejib
gebückt adj cornyBUuiHCH
gebühren vi H34Jie>KaTb; cjic/io-
BaTb
Gedächtnis n -sses, -ssc naMHTb
gedämpft adj npHrjiynie.HHbiH
gedankenlos adj HeoCyiywaHiibiÄ,
MaiiiHHajibiihiH
Gedankentiefe f - FJiyÖHHa mbicjih
Gedankenwelt f - Mnp H.aeü
gedeihen (gedieh, gediehen) vi
HpoiiBe-raTb, yjaBaTbcsi, (npe-)
ycneoaTb, pa3BHBaTbc$i
gedenken (gedachte, gedacht) vi
IIOMHHTb, BCHOMHIiaTb
Gedichtsammlung f -, -en cöop-
IIHK CTIIXOB
Geduld f ohne pl TepneHHe
Gefahr / -, -en yrpoaa, onacnocTb
Gefährte m -n, -n TOBapum, cnyT-
hhk
Gefangene tn -n, -n nneHHbifi
Gefangenschaft f -. ohne pl njien
Gefängnis 11 -sses, -sse Tiopbua
Gefängniszelle f -, -n TiopeMHasi
xawepa
156
gefaßt adj cnoKOÜHbiii
Gefecht n -(e)s, -c cpajKcnne
Gefolge n -s, - cbutb
Gegend f -en mccthoctl, Kpaii
gegenseitig adj BsamviHbiH
Gegenteil n -s npoTHBonojicoK-
HOCTb, oßpaTHoe
Gegenwart f -, ohne pl npiicyr-
ctbhc; coBpeiweiiiiocTb, nacTOfl-
IIJOC BpOMfl
gegenüberstellen (stand gegen-
über, gegenübergestanden) vi
TipOTHBOCTOflTb
Gegner m -s, - iipotmbhhk
Geheimnis n -sses, -sse rafina
geheimnisvoll adv TaHHCTBeiiHO
Geheimsender tn -s, - Tawnbiä ne-
penaTMHK, Tannaa paanocTaH-
iihh
Gehenkte m -n, -n noBcincHiiwü
Gehirn n -(e)s, -e MO3r
Gehorsam tn -(e)s, ohne pl no-
cnymaHHe, noBiiHOBCune
Geist tn -es, -er vm, 4yx, iipn-
3pai<
Geiz tn -es, ohne pl CKynocTb
Gelände n -s, - MecmocTb
gelangen vi jioöiiTbCfl, AOCTHrHVTb
gelegen adj pacnojio>KeHHbiii
Gelegenheit f -, -en (ydoöHbtü)
cjiynaü
geleiten vt npoBOJKaTh
gelingen (gelang, gelungen) vi
yaaBaTbcsi
Gelingen n -s, ohne pl y^aqa
gellen vi peaKO 3ByqaTb
geloben vt Top>i<ecTBeHHo oöemai b
Gelüste n -es, -e npnxoTb, H<ejia-
HHO
gemein adj oöiijhä, oßbiKHOBeii-
Hblft
Gemeinschaft f - oöihhoctl, co-
o6iuecTBo
Gemessenheit f -, ohne pl cienen-
HOCTb
Gemetzel n -s, - pcaiisi
Gemüt n -(e)s, -er naiypa; avx;
xapaKTcp, npaß
Generation f -, -en noKOJienne
Genesung f - BbT3,aopoBJieHHe
genießen (genoß, genossen) vt
nojib3OBaTbCH, Hacjiaxc’iaTbCfl
genügsam adj HeTpc6oBaTCJibHbiii
Genugtuung f - y^OB.neTBOpeHHe
Gepräge n -s, ohne pl OTnenaTOK,
(xapaKTepnan) ocoöeHHocib
gepriesener adj xBajieHbiä
geraten (geriet, geraten) vi nona-
TiaTb
Gerechte m -n, -n npaßc/iHbiH
Gerechtigkeit / - ciipaBejuiHBOCib
Gerichtsbeamte m -n, -n cyjieß-
Hblft qilHOBHHK
Gerichtssaal m -(e)s, Gerichts-
säle saji cyja
Gerichtsverhandlung f -, -en cy-
jieöHbift npouecc
Gerichtsvorsitzende m -n, -n npen-
cejaTejib cy^a
geringschätzig adj HmiTOJKiibiH
gerötet adj pacKpacneBiiiHHCH
Gerücht n -(e)s, -e cjiyx, MOJiBa
Gerüst n -es, -e (crpouTeAbnbie)
jieca
gesamt adj Becb, iieJibifi; oöiiihä
Geschäft n -(e)s, -e warasnH
Geschehen n -s, ohne pl coöbiTwe
geschehen (geschah, geschehen)
vi cjiynaTbcsi
geschickt adj jiobkhh, yMCjibifi,
MCKVCHblfi, COO6pa3HTeJIbHbIH
Geschlecht n -(c)s, -er noKojicnne,
po4
Geschöpf n -(e)s, -e coajanne
geschmeichelt adj nojibmcHHbiH
Geschütz n -es, -e opyjuie
geschwächt adj ocjiaßjieHHbiii
Geschwader n -s, - acicaapa
Geschwätz n -es, -e 6ojitobhh
geschwind adv Öbicipo
gesegnet adj 6;iaro;iaTHbiH, ÖJia-
rOCJIOBeilHMH
gesellig adj oöuiHTejibHbift
gesellschaftlich adj oömecTBeHHbift
Gesellschaftsordnung f - o6me-
CTBeHHblM CTpOH
Gesetz n -es, -e 3ükoh
Gesetzgebung f - 3aK0Ho;iarejib-
ctbo
gesetzt adj noqTeHHbiH
Gesinnung f -en y6ex<AeHHe,
D3rnflAbi, oöpa3 Mbicjiefi
Gesinnunggenosse m -n, -n ean-
HOMbHJUJlCHHHK
gespannt adv nanpsDKeHHo
157
Gestalt f -, -en oöpa3, bha, cjniry-
pa, cTan
gestalten vt nsoöpa^aTb; ~ sich
npUHMMÜTb BH4
gestatten vt paapeniaTb
gesteigert adj noBbimeHHEiH
gestickt adj BbnuiiTbift
gestimmt adj nacTpoeHiibiii
Gestrüpp n -s, -e rycTofi Kyc/rap-
hhk; MPJiKaw ßapocjib
Gesundheitsfürsorgestelle f -, -n
AHcnaiicep
Gesundheitswesen n -s, ohne pl
3ApaBooxpaHCHHe
Getreide n -s, ohne pl 3epno, xjieö
Getriebe n -s, ohne pl cyrojioKa,
ÄBHJKeHwe, cyera
getrost adv ciiokomho, cMe.no
Gewächshaus n -s, Gewächshäu-
ser opaHJKopew
gewähren vt paspeiuaib, npejio-
craBJiHTb; ziaBaTb
gewährleisten vt oßecneuHTb
Gewalt j -, -en cnjia; Hacujine
gewaltig adj cmHijft, Moryme-
CTBCHHblH
Gewand n -(e)s, Gewänder
njiaTbe, o,ae>KAa
Gewehr n -(e)s, -e py>Kbe
Gewerkschaftler m -s, - npocj)-
coio3HHfi /lenTCJib
gewinnen (gewann, gewonnen)
vt npMBJieKaTb, cigiohsith; ^oöh-
BflTb; BbIHrpblBaTb
Gewissen n -s, ohne pl conecTb
gewissenhaft adv noßpocosecTHo
Gewißheit f - ysepeHHoCTb
Gewitter n -s, - rpoaa
gierig adv xcaano
girren vi BopKOBaTb
Glanzstück n -(e)s, -e ayijina«
>iacTi>
Glaube m -ns, ohne pl Bepa
glauben vt /[ywaib, nojiaraTt; Be-
pHTb
Gleichberechtigung f -, ohne pl
paßHonpaBwe
gleichen (glich, geglichen) vi no-
XOJIHTb, ÖblTb nOXOJKHM
gleichgültig adv 6e3pa3.riiiHHo
Gleichheit f - paßencTBO
gleichmäßig adj paDHOMepHbifi,
pOBHblft
gleichzeitig adv BMecre c ieM, oä-
HOBpeMeHHO
gleiten (glitt, geglitten) vi ci<ojib-
3HTb
Glied n -(e)s, -er qjien
Glorie f -n chhhhc
Glückwunsch m -(e)s, Glück-
wünsche no3/ipaBjienne
glühend adj ropaquii, pacKajjen-
HblÜ, 3H0ÖHbIH, xcrynHH, njia-
MeHHblft
Gnade j -en mhaoctb
Gnadengeld n -es, -er mhjiocthhh
gold = golden. adj 3ojiotoü
Goldgespinst n -es, -e sojioTafl
TKaiib
Gönner ni -s, - noKpoBHieJib
Gradheit f ohne pl npHMOTa
Grauen n -s, ohne pl yntac
grausam adj xcecTOKHß, cipain-
HblM
grausen: ihm graust es ewy
CTpaiUHO
gräßlich adj yxcacHbiß; oTBpaTH-
TCVIbllhlH, OMepßWTeJIbHblÄ
greinen njiaKaib
Greis m -es, -e CTapeii
grenzenlos adj öesrpaHHMiibift,
ftccnpeÄcyibiibiH
Greuel ni -s, - yjKac
gröhlen vi opaib, ropjiaHHTb
Großartigkeit j - rpaHAH03H0CTb
Großbetrieb tn -(e)s, -e KpynHoe
npeHnpnHTiie
Großstädter m -s, - jKHTejib öojib-
Luoro ropo.aa
Großzügigkeit f ohne pl uinpo-
Ta ua Typ bi
Grube f -, -n »Ma, uiaxia
grübeln vi pa3ÄyMbiBaTb, jioMaTb
ceöe rojioßy
Grund m -(e)s, Gründe aho, ocho-
Bauwe
Grundbesitzer m -s, -n noMemHK,
3eMJieBJiaAejieu
Grundlage f -, -n ochobb
grundlegend adj ocHOBaTe.nb^HH
gründlich adv ocwoBaTejibHO, rjiy-
6oko
Grundstein tn -(e)s, -e khmchb
cjwnAaMeHTa
Gründung f -, -en o6pa30Banne
158
Grundwasser n -s no/moHBeHHasi
BOAa
Grundzug m -(e)s, Grundzüge
ocHOBHaa qepTa
Grußbotschaft / -en npwBer-
CTBeHHoe otfpaiueHHe, npHBCT-
CTBennoc nocjiaHHc
gülden = golden adj sojiotoh
Gut n -(e)s, Güter TOBap; rpys;
Maiepnaji; hmchhc
Güterzug m -(e)s, Güterzüge ro-
BapHHH noe3A
gutmütig adj AoöpoayunibiH
Gutsbesitzer m -s, - noMemuK
H
Habgier f ohne pl HiamrocTb
Hafen m -s, Häfen raBaHb, nopT
Haff n -(e)s, -c ra(j) (saAue, ot-
deAeHHbtü kocoü ot Mop#)
Hagel tn -s, ohne pl rpa/i
hager adj xyaoü, xyaomaBbiii
Hain m -(e)s, -e poma
Haken tn -s, - KptoqoK
halbzerbrochen adj ncuiypasöH-
TblÖ
Halle f -, -n (öoAbtuou) 3a.n
Haltung f - biu, ocaiiKa; noße-
aeniie, Manepa jepHtaibcq
Hammer m -s, Hämmer mojiot
Hamster m -s, - xomhk
handeln vi aeäcTBOBaib
Händeklatschen n pyKoruiecKanne
Handwerk n -(e)s, -c peMec.no
Handwerker tn -s, - peMecjieHHHK
harmlos adj öeaoöH^HMH, 6e3-
Bpe/uihiä
hart adj cipornfi, cypOBbrii, TBep-
4bIH
härten vt 3ai<ajiHTb
haschen vt jiobhtij, x-BaTaTj»,
raaTbCH 3a qeM-JiHÖo
Haß m -sses, ohne pl nenaBWCTb
häßlich adj 6e3o6pa3Hbift
Hast j -, ohne pl cneiiiKa, Topon-
JlHBOCTb
hastig adj nöcneuiHbiH, öbicipbiH
Hauch m -(e)s, -e /lynoBeHHe
hauchen vi thxo ÄhiiiiaTb
häufen vt HarpoMo>K;iaTb
Hauptereignis n -sses, -sse caMoc
rjiaBHoe, cawoe Bawiioe coßbi-
Twe
hausen vi oÖHiaTb, xosflÜHHqaTb,
KJTMTbCH
Häuserblock tn -(e)s, Häuser-
blöcke KBapTaji, rpynna Kupny-
COB
Haushälterin f -, -nen skohomka
Hausrat tn -(e)s oßCTanoBKa, nwy-
mecTBO
Hebung f - noÄi>eM, pocT
Hecht m -(e)s, -e myKa
Heer n -(e)s, -e boöcko; TOJina;
Macca
Heerführer m -s, - nojiKOBoaeii
hegen vi nuTHTb
Heilbehandlung / - jieqoHMP
heilen vt jicqHTb; HCixcjiBTh
heimisch adj aoManiHHÜ; poanoft;
sich fühlen qyBCTBOBaTb ceßq
KüK £0Ma
Heimkehr f ohne pl Bosspame-
H»e na poawny
heimlich adj TaiiHbiö
heiter adj Becejibifi, pa/iocTHbift
Heizraum tn -(e)s, Heizräume
ToriKa
Heldentat f -, -en no/iBHr, repon-
qccKHii nocTyuoK
Helfer tn -s, - noMomiiHK
Helfershelfer m -s, - nocoßiiHK,
COOßllXHHK
Hellebarde / -n ajicßap/ia
Heller tn rcjuiep (MoneTa), rporn
Hemd(e) n -es, -en pyöauiKa, co-
poqKa
hemmen vt TopMO3HTb, 3aaep>KM-
B3Tb
Henker n -s, - najiaq
herabkommen (kam herab, herab-
gekommen) vi cnycKaTbcn
heranschaffen vt ^ocTaBJinTb, nofl-
B03HTb
herausgeben (gab heraus, heraus-
gegeben) Vt H343BaTb
herausgreifen (griff heraus, her-
ausgegriffen) vt BbIXBaTblBaTb
heraushauen vt BbipyqaTb c 6oeM
herb adj ropbKHft, TepnKiift, cypo-
Bblft
herbeiführen vt npWBO/iHTb, ycKO-
pflTb
Herde f -, -n ctsao
hereinblicken vi aarJiHAMBaTb
Herrlichkeit f -, -en BejiHKOJienne
159
Herrscher m -s, - B/iaciejiHH
Herstellung f - ycTaHOB/ieHiie,
HSrOTOBJieHHG
herumklettern vi naauTb KpyroM
hervorbringen (brachte hervor,
hervorgebracht) vt npoii3BO-
/IHTb, BbL’lBMraTh
hervorheben (hob hervor, hervor-
gehoben) nOHMÖpKHBaTb, OTMC-
qaib
hervorragend adj BbiuaiomHUCH
hervorstoßen (stieß hervor, her-
vorgestoßen) Vt BOCKJIHUaTb
hervortretend adj Bbuiaioiunftcfl
Herzallerliebste f=das Herzlieb-
chen BO3Jiio(uieHHafl
herzig adj mwjihh
Herzlichkeit f -, ohne pl cepaeq-
HOCTb
Hetze f - TpaBJIH
hetzen vt TpaBMrb, uaTpaBJiHBaTb,
aaroiiHTb
Hetzjagd f -, -en Tpasjia, ncoua«
oxoTa
Heu n -(e)s, ohne pl ceno
Heuchelei f -, -cn jinueMcpue
heuchlerisch adj jiHiieMepHbifi
hilfreich adj roTOBbift noMoqb,
oönßaTejbiibifi
himmelan adv k HeöccaM
hinaussenden (sandte hinaus, hin-
ausgesandt) vt nocbuiaTb
hineinlocken vt aaMaiiHBaTb
hineinziehen (zog hinein, hinein-
gezogen) vt BTHniBaTb
hinhalten (hielt hin, hingehalten)
vt oÖMaHbiBaib, o6naAÖ>KHBaTb
hinken vi xpoxiaTb
hinopfern vt nojKepTBOBaTi»
hinrichten vt K33HHTb
hinsegeln vi nonJibiTb na napycax
Hinsicht f -, -en OTHOiueHue
Hintergrund m -(e)s, Hintergrün-
de aaaHHH miau, (Jioh
hinterlassen (hinterließ, hinter-
lassen) vt ocTaßjiHTb not'vie
eeßn
hinweisen (wies hin, fiingewie-
sen) vt vKaabiHaib
hinziehen (zog hin, hingezogen)
vt \BJieKaTb, npiiB.iei<aTb
hinzufügen vt aoöaBjiHTb
Hirn n -(e)s, -e MO3r
hirnverbrannt adj cyMacme;uinni:
cyMacöpoAHbin
Hitze f ohne pl jKapa, 3Jiom
Hochmut m -(e)s, ohne pl bbico-
KOMepne
hochmütig adv BbicoKOMcpno, cbi>i-
co«a
Hochofen m -s, Hochöfen ^omgh-
Han iieqb
Hochofenwerk n -(e)s, -e qyryii-
HOJIHTCÜHblli 3HB04
Hochverräter tn -s, - . rccyaap-
CTBeHIIblÜ H3MCHHHK
hochwertig adj BbicoKOKaqeciBen-
in >iii
Hochzeit f -, -en CBaai>6a
Hoffnungslose m -n, -n 6e3Ha/ie>K-
Hbiit noTepHBimiH HaaoK/iy
hofieren vt yxa>KHHaTb
Hofleben n -s, ohne pl iipujiBOp-
nasi >KH3irb
höflich adj bc>kjihbi>ih
Höhepunkt tn -(e)s, -e Bepunma.
KyjibMiinauhoiihbin uy hkt
hohl adj nvcTofi; adv rjivxo
Höhle f -, -n neiuepa
höhnen vi BbicMCMBaTb, Bbiuiyqu-
Baib
Hohngelächter n -s, ohne pl 3Jiou,
H3BHTejlbHbIH CMCX
hold adj MHJihiü, npejiecTHbüi
Hölle f -, ohne pl a;i
Holzfäller tn -s, - ApoBOceK, ,ie-
copyö
Honig ni -s, ohne pl Meji
Horde f -, -n opja, 6anua, uiafina
Hörspiel n -(e)s, -e paawuiibeca
Hotel n -s, -s oTejib, rocTiiHHua
hübsch adj KpacHBbiä, npcjiecT-
III>IÜ
humpeln vi KOBbuinib
hundertfach adj cTOKpaTHbiö
Hupe / -, -n aBTOMoßn/ibHbift ry-
Aok, cnpeua
Hurraruf tn -(e)s, -e kduk ,?ypa“
husten vi Karu.iHTb
Hüttenkombinat n -(e)s, -e mc-
Tanji ypruqeckhft kom6iiii at
1
ihrerseits adv b cboio oqepe/ib, co
CBOeÜ CTOpOIIW
160
illegal adj HejierajibHbift, no/mojib-
HblH
imposant adj BiiymHTejibHbiH, hm-
nosaiiTHHH
Inbegriff m -(e)s, ohne pl boiijio-
menne
Industrieanlage f -, -n iipo.Mbim-
jieHHoe npc/uipHHTHe
infam adj jioajiwm, niycHbiü
Inschrift f -, -en naanncb
insgesamt f -, -en ucero, htoto,
B COBOKynilOCTM
Insolenz f -, -en ;iep30CTb, iiaxajjb-
CTBO
Intellektuelle tn -n, -n paöorHHK
yMCTBenHoro Tpy^a, HHiejuni-
I'CHT
irreführen vt bboahtb b 3a6ay>K-
Äenne
irren vi öayataaTb
Irrenanstalt / -en ncuxnaTpHne-
CK3H ÖOJlbHima
Irrenhaus n -es, Irrenhäuser cywa-
cuieaniHH 40M
Irrtum m -(e)s, Irrtümer omnöKa,
3a6jiy»acHHe
J
Jacke f -n KypTKa
Jagd f -, -en oxoia, noroHfl
jäh adj HcojKH/iaHHbiK, BHeaannbift
Jahrhundert n -s, -e cToaeTHe
jährlich adv e>Kero^Ho, b roa
Jahrzehnt n -(e)s, -e «necsiTHJieTHe
jauchzen vi jiwKOBaib
jegliche (neonpedeAeuHoe mccto-
tiMeHue) Jiioöan, Kanaan
Jenseits n noTycTopowHHH MHp
Joch n -es, -e niÖT, HpMo, nro
jubeln vi anKOBaTb
Jugendfreundin f -, -nnen noapy-
ra iohocth
jugendlich adj loiibift, mnoiuecKHfi
Jugendstreich n -(e)s, -e iohoujc-
c^afl (dercxafi) uiaaocTb
Juwel n, m aparouemibift KaweHb
K
kahl adj rojnjfi, jibicuh
Kahn tn -(e)s, Kähne hcjih, aoatfa
kämpferisch adj BOHHCTBeHHbitf,
ßoeßoö
Kampfgruppe f -, -n öoeaan rpyn-
na
kampflos adv 6e3 6on
Kapazität f -, -en npon3BoacTBeH-
naa MomaocTb
Karst m -es, -e iiBBecTKOBaa ropa
Karst m -es, -e KHpKa, MOTbira
Karrieremacher tn -s, - KapbepucT
Kartaune f -, -n {veraltet) = das
Geschütz opyaue
Kastagnette — sprich-, [kastan'je-
U] f -, -n KaciaHbOTa
kauern vi npiiTaHTbc«; cHaeTb rra
KOpTOHKaX
Kehle / -, -n ropjio, ropTanb
keineswegs adv othioab ne, hw-
MVTh
Keller tn -s, - norpeö
Kenner m -s, - 3Hbtok
Kerker m -s, - Tiopbwa, TeMHMna
Kerkerhaft f -, ohne pl TiopeMHoe
33K.HKHieHHe
Kerkerverlies n -es, -e TiopeMHoe
noA3CMe;ibe
Kerl m -s, -e napenb
Kern m -(e)s, -e 3epno; aapo;
cymnocTb
Kessel m -s, - kotcji; ooen. „ko-
Teji", „mciiiok“ {oKpiptcenue)
keuchen vi iibiXTeTb, aa/ibixaTbCfl
Kette f -, -n uenb
Kiefer f -, -n cocHa
Kies m -es, -e rpaBKH
kläglich adv ’neMajibHo, ruiaqeBHo
klammern, sich uenjiHTbCfl
klatschen vi xjionaTb, pyKonjiec-
K3Tb
Klaue f -, -n jana, kofotb
Klee m -s, ohne pl KJießep
Kleinbürgertum n -s wejiKa« 6yp-
>Kya3Kfl
kleinlich adv Me.ioq.HbiH
klettern vi BsönpaTbCH
Kluft f -, Klüfte ymejibc, 6e3AHa
Klumpen tn -s, - kom, crycTOK ’
knapp adj w cKyAHhift; KopoTKHÜ;
CH<aTblfi
Knapp m = der Knappe opyace-
Hoceii, na>K
Knecht tn -(e)s, -e daipax
Knechtschaft f - paöcTBO, KaÖajia
Knie n -s, Knie KOJieno
knistern vi ipeiuaTb
11 Na 4172
161
knochig adj KocTJiBBbiä
knospen vi nycxaTb noqKH, pacny-
cKaibcn
Koffer m -s, - qeMOAau
Kohlenbecken n -s, - yrojibHbiä
öacceiiH
Kommandoruf tn -(e)s, -e komhh-
Aa
kompliziert adj cjiojkiilih
Komponist tn -en, -en KCMno3HTop
konsequent adj nocjiejioBaTejibHbift
köpfen vt oöesr.naBHTb
Körperbau m -(e)s, -e rejiocJiOÄe-
Hue
kosen vt jiacKaTb
kosten vi ctohtb
Kraft f -, Kräfte cujia
Kraftstation f -, -en ajieKTpociaH-
HHfl
krähen vi neib (o neryxe), KyKa-
pCKaTb
Kralle f -, -n Koroib
Kranz tn -es, Kränze BenoK
krampfig adj cyAOpo>KHo
Kreatur f -, -en cymccTBo; co3jia-
HHe
Kreis tn -es, -e Kpyr
kreisen vi KpyjKHTbcn
Kreuzen n -s, ohne pl Kpeöcnpo-
Bamie
kribbeln vi KHneTb, ÖypjiHTb
kriechen (kroch, gekrochen) vi
nOJI33Tb
Kriecherei f - paßojienne, hhsko-
nOKJIOHCTBO
kriegerisch adj BOHHCTBennbiH
Kricgsflagge f -, -n BoeHHbift (j)Jiar
Kriegsdienstverweigerung f - ot-
K33 OT BOeHHOft CJiyJKÖbl
Kriegsgericht m -(e)s, -e boch-
HblH TpHÖyHaJI
Kriegstreiber tn -s, - no^ÄHrareJib
BOHHbI
Kruste f -n Kopa, o6ojiohk3
Kugel f -, -n nyjin; map
Kühle f -, ohne pl npoxjiaAa
Kühnheit f -, -en orBara
Kunde f -n HsßecTHe
Kulturschaffende m -n, -n flearejib
Kyjibiypbi
kümmern, sich saßoTHTbca
Kundgebung f -, -en ^eMOHCTpa-
UHH, MaHH(f)eCTaiIHfl
Kunstgewerbeschule f -, -n iuko-
Jia npHKJia;iHoro HCKyccTBa
Künstler m -s, - xy40>KHHK
Kunststück n -(e)s, -e (jiOKyc
kunstvoll adj ucKycsbiö
Kurzgeschichte f -n kopotkhh
pacCK33, HOBCJIJia
Küste f -n MopcKOÖ 6eper, no-
6epe«be
L
Labe f, ohne pl 0Tpa.ua
Lächeln n -s, ohne pl yjibiÖKa
Laden tn -s, .Läden CTaBesb
Laiengruppe f -n rpynna cawo-
AeHTeJIbHOCTH
Ländereien pl seMJiH, yro/ibfl
Landmann tn -(e)s, -leute KpecrbH-
HHH
Landräuber m -s, - 3axB3T<iHK
Landsmann m -(e)s, -leute 3ßM-
JlflK
Landsknecht m -(e)s, -e JiaH^c-
KIieXT, HaeMHHK
Landstraße f -, - dojibmaa, npoea-
»an Aopora
langgezogen adj npoTsiÄHbiH
langjährig adj MHorojieTHHH
langweilig adj cKynHbifi
Lanze f -n Konbe
Larve f -, -n nyAOBHme
Last f -en rpya
Laster n -s, - nopoK
Laube f -n ßece^Ka
Läufer m -s, - ÖeryH
lauschen vi npHCJiyuiHBaTbCsi
lebensfroh adj »H3Hepa.aocTHbifi
Lebenslauf m -(e)S MH3Hb, 6ho-
rpa<j)HH
Lederstiefel m -s, - KoacaHbifi ca-
nor
leeren vt onopoxnflTb, onycro-
maTb
lehnen vt npncjiOHHTb
Lehrplan tn-(e)s, Lehrpläne yqeö-
Hbiö njian
Lehrzeit f - BpeMH yneHHfl
Leib m -(e)s, -er tcjio
Leiche f -n Tpyn
Leichnam m -(e)s, -e Tpyn
Leid n -(e)s, ohne pl rope, ne-
qajib; 3jjo; o6hä3
162
leiden (litt, gelitten) vi TepneTb
ymep6; cipa/iaTb
Leidenschaft f -, -en crpacTb
Leidensgenosse m -n, -n TOBapum
no Hecqacrbio
leihen (lieh, geliehen) vt 33HM-
CTBOBaTb, Oaa/IJKHBaTb
Leistung f -, -en Tpya; ycnexn,
ÄOCTJDKeHHH
leiten vt pyKOBOjjHTb
Lektüre f -n menne
Lerche f jKasoponoK
Lerchenjubel m -s, ohne pl jihko-
Banwe »aßopoHKa
Lerneifer m -s, ohne pl npHJieHca-
.HHe, ycepjjHe b ynennH
letzthin adv ne/iaBHD
leuchtend adv chjuohihä, CBep-
KatOUIHÄ, CBeTHIIIHÄCfl
leugnen vt oTpHixaTb
Libelle f -n CTpeKoaa
licht adj cseTJibift
Licht n -(e)s, ohne pl cbgt
liebenswürdig adj jiio6e3Hbiß
lockig adj Kynpaßbifl, KypqaBbifi
lohen vi njiaMeneTb, ribuiaTb
lohnen vt BO3Harpa»jiaTb
Lorbeer m -s, -en jiaßp
Losung f -en pemenHe
Lücke f -, -n npocßeT
Luftabwehr f - npoTHBOBO3jiyin-
H35I OÖOpOHa
Lümmel m -s, - o/iyx
Lumpen m -s, - TpaiiKa
Lungenentzündung f -en Bocna-
jicnne jierKHX
lungern vi 6e3ÄejibHnqaTb, rna-
TaTbCH 6c3 flejia
M
Macht f -, Mächte cmia, moihb;
BJiacTb; TocynapcTBO, aepHcaßa
Machtantritt m -(e)s, -e npaxoa
K BJ13CTH
mächtig adj MorymecTBeanbiÄ
Mächtigkeit f - Mohihoctb
Mähdrescher m -s, - KOMÖaiiH
mahnen vt nanoMHnaTb; yßeme-
B3Tb, npH3bIB3Tb
Mahner m -s, - tot, kto npH3bi-
BaeT; rjiainaTafi
Mahnruf m -(e)s, -e npe/iocTepe-
«eHHe
makellos adj ÖeaynpeqHbift
Maler tn -s, - xyaojKHHK, >khbo-
nnceu
Manchestersamt [mantfestor-] tn
-s xjiormaTOÖVMa/KHbiM öapxaT
Mangel in -s, Mängel HejiocTaTOK
Männerberuf m -(e)s, -e My>KCKafl
npo(J)eccn5i
Mannschaft j -, -en jiioah; poo-
BOH C0CT3B, KOMailJia, SKHIiaX
Manuskript n -(e)st -e pyKonwcb
Marine j -, -n MopcKofi 4,J10T
Mark n -(e)s, ohne pl kocthhü
mo3t; nepeH. caMoe rjiaBHoe,
caMoe ncHHoe
Marmorbild n -(e)s, -er MpaMop-
H3H CTaTyfl
Marschland n -(e)s, Marschlän-
der Tonb
Märtyrer m -s, - MyqennK
Martyrium n -s, -rien Mynennqe-
CKaa CM-epTb, MyqeHHqecTBO
Maschinenpistole f -n aBTOMaT
mäßig adj Heöojibiiiow, ywepeH-
HblH
Maßnahme f -, -n Mepa, Mepo-
npwHTHe; treffen npeanpHHM-
M3Tb Mepbi
Mast m -es, -e(n) MaqTa
matt adj MaTOBbift, TycKJiufi; cjia-
6biö
Maulaffe m -n, -n adecb: KpwKyH
Maultier n -(e)s, -e Myji
Mauer f -, -n cTcna
Maurer m -s, - KaMemnuK
Meereswoge f -n MopcKaa boji-
na
meisterhaft adv MacTcpcKH, c Ma-
CTepCTBOM
Meisterwerk n -(e)s, -e mejeßp
melden, sich BbißBaTbCH floöpo-
BOJIbHO; BBJIHTbCfl
Melkerin f -nen jioapKa
Menge f -, -n TOJina
Menschenalter n -s, ohne pl no-
KOJieHiie; bck
Menschen(s)kind n -(e)s, -er
npHHTejib, Apyr
Menschentypus tn -, -pen Tun jiio-
aefi
menschenwürdig adj aocTofittbifi
qejioBexa
11
163
Menschlichkeit f -, -en qe.ioßeq-
HOCTb
messen (maß, gemessen) vt we-
pHTb, M3MepflTb
meutern vi dymoBaTb
mieten vt HanuMaTb
mild adj mhckhm, ne>KHbiH
Militärbehörde f -, -n BOCHHbie
BJiaCTH
Militärstrafgesetz n -es, -e Boen-
HO-yrojroBHbift KoneKC
mißbrauchen vt 3JioynoTpe6ji5iTb
Mißerfolg m -(e)s, -e Hey/iaqa
Mißgeschick n -(e)s, -e weyaana
Mißhandlung f -, -en jkoctokoc
oöpameHwc
Mißstand m -cs, Mißstände ne.no-
ct3tok; 6ecnopfl/ioK
mißtrauisch adv HejioBepqnBO
Mistbeetfenster n -s, - napnuKo-
Boe okho, napHHKOBaH pawa
mitarbeiten vi coTpyAHuqaTb, yqa-
CTBORaTb
mitbeteiligt adj npHHHMajoiuHfi
yqacTHO, cobmcctho c ApyrnMK
miterleben vt ncnbiTbiBaTb, nepe-
JKHBaTb
Mitkämpfer m -s, - copaTHHK
Mitleid n -(e)s, ohne pl cocTpa-
.aaHHe, >xaJiocTb
Mitteilung f -, -en coofimeHHe
Mittel n -s, - cpencTBO
Mittelpunkt m -(e)s, -e ueHTp
mitwirken vi yqacTBOBaTb, noMP-
raTb
mitzerren vt Tauiwrb c coßou
monatelang adv MecanaMW
Monteur [sprich-. mon't0:r] m -s,
-e MOHTÖp
Moorland n -(e)s (SojiOTHCTaji
MeCTHOCTb
Mord m -(e)s, -e vöhöctbo
Mordbrennerei f - 3JiOACHHMn
yönHU-ncvpKnraTejieii
mörderisch adj yöwficTBeiniww
Morgendämmerung f - paccBOT,
nacTynjieHne yrpa
Morgenröte f -, ohne pl yipennwu
3a pq
morsch adj rnnjiow, TpyxJiflBhiw.
BPTXHft
Motorrad n -(e)s, Motorräder mo-
TOHWKJT
164
Motorradstreife f -, -n narpy.’in-
pyiomnfi MOTOiiWKJincT
Muhe f -, -n rpy/i; cTapawMe; ycn-
jjue
münden vi RjiiiBaTbcn, BnaaaTb
munter adj öojpbiü
murmeln vi /Kypnaib, ÖopMOTaru
Murren n -s, ohne pl ponor, BOp-
qanwe
mürrisch adv yrpioMo
Muster n -s, - oöpaaou
Mutterwitz tn -cs, ohne pl npu-
poAiibrii yM,f ocTpoyMne
Mystiker m -s, - mwcthk
N
Nachäfferei f -, -en tJienoe no^-
pajKanwe, ofiesbfnniHqaHbe
nachahmen vt und vi nojipa>KaTb
Nachbarsklatsch m -(e)s cruieTHH
coceaeü
Nachbarland n -(e)s, Nachbar-
länder cocc/(H5i5i CTpana
nachdenklich adv aa^yMUHBo
Nachdichtung j -, -en (ceoöod-
. Hbtu) nepeBoa b CTHxax
Nachfolger m -s, - noc.aejoßa-
Te/ib, npeeMHHK
nachgeben (gab nach, nachgege-
ben) vi nojuaBaTbcsi, ycrynaTb
nachgraben (grub , nach, nachge-
graben) vi pacKanbißaTb Hopbi
Nachklang m -(e)s, Nachklänge
3X0, OT3ByK, pesoHanc
Nachricht / -, -en HSBecnic, Becib
nachrutschen vi ckojibshtb BCJie/i
nachschauen vi CMorpeTb bojic,»!
Nächste m -n, -n Cjimtkuhm
nachstehend adv hwjkc
Nachtessen n -s, - v>khh
nackt adj rojibiü
Nadel f -, -n nro./iKa
nahen, sich npn6jiH>KaTbCH
Nahrung f -en nnipa
namentlich adv ocoöchho
Narr m -en, -en rjiyncu; iityT
Nationalpreisträger m -s, - jray-
peaT HaiutoHajibJioü iipeMiiii
Naturforscher m -s, - ecTecTBn-
ncnbiTareji'b
naturgemäß adv eciecTBeHHo
Naturgeschichtsunterricht m -(e)s,
ohne pl saHHTHe no ecrecTBo-
3113111110
Naturkunde f -, ohne pl ecTecTBo-
3HaHiie
natürlich adv Koneqno
Nebel m -s, - Ty Mau
nebelbedeckt adj noKpbiTbiü Tywa-
HOM
Nebelstreif m -(e)s, -e(n) nojioca
TyMana
neigen, sich CKJioHsiTbcsi
Neigung f -, -en CKJioiinocTb
Netz n -cs, -e ce.Tb
Neuaufbau tn -(e)s, ohne pl boc-
CTaHOBJieHHC
Neuerer m -s, - noBarop, nepe/io-
BHK npOH3BOHCTBa
neuzeitlich adj coBpeweHHbiü
nicken vi KUBaTb
niederholen vt ciiKMaTb
Niederlage f -, -n nopax<eHwe
niederlegen vt BO3.no>KWTh
niederringen (rang nieder, nie-
dergerungen) vt o/iojTCBaTb, no-
fiopoib
niederschreiben (schrieb nieder,
niedergeschrieben) vt aanHCbi-
BaTb
niederträchtig adv hwbko
Nieter tn -s. - KJienajibiiiHK
Niveau [sprich-, ni-'vo:] n -s, ohne
pl ypoBeiib
Not f Nöte ny>i<na
nötig adj HyjKHbifi, HeofixoawMWH
Notiz f -, -en 3amctka
notwendig adj Heoß^omiMbiii
Novellenband tn -(e)s, Novellen-
bände CÖOpHIIK HOBCJTJ1
nützlich adj nojieäHbifi
O
Oberschlcslen n -s, ohne pl Bepx-
HflR CHJIP3HH
Obskurantismus m -, ohne pl Mpa-
KoßpCUP
Obst n -cs, ohne pl cbpyKTbi
öde </<// nycTLinnbiü
offenbar odj bbiibim
offenbaren, sich OTKpbiBaTbcn. 06-
napv>KHB3Ti,cn. npnnBJiflTbcn
Offenheit f -, -en oTKpoBeHHocTb
Offensive f -, -n HacTynnewwe
öffentlich adj nyÖJiwqHbifi
Öffentlichkeit f ohne pl oßnie-
CTBPHHOCTb
ohrenbetäubend adu orJiyniHTejib-
hd
Opfer n -s, - »epTBa
Opferbereitschaft f -, ohne pl ca-
MOOTBepÄCHHOCTb
opfern, sich npwnocHTb ceßa b
jKepißy
Ordnung f -en erpofi, yerpoft-
ctbo, nopjuiOK
Ortschaft f -, -en wecTHOCTb, na-
cejieHHbiu nyiiKT
Ozeandampfer m -s, - OKeaHCKHft
napoxem
P
paaren, sich coqeTaTbCfl, coean-
HHTbCB
Pack n -(e)s, ohne pl cöpoA
packen vt cxßaTHTb, XBaraib
paktieren vi aaKjnoqHTb naKT
Palast m -es, Paläste /mopen
Panzer tn -s, - nanubipb; TaiiK
Papierkrieg m -(e)s, -e ßyMaw-
H3H BOJIOKHT3
Parabel f -, -n napaßojra
Paradies n -es paw
Parteifunktionär tn -s, -e napTHfi-
Ilblfi paÖOTHKK
Parteitag m -(e)s, -e CT>e3A nap-
THH
Parteitruppen pl ad.: BoftcKa, co-
CT05IB1BH0 H3 HailHCTOB
Passagierflugzeug n -(e)s, -e nac-
CaJKWpCKWM C3M0JICT
Peiniger m -s, - MvqwTeJib
peitschen vt conb, ßjirb khytom
Peitschenschlag tn -(e)s, Peit-
schenschläge vnap njieibio
Pensum n -s oßteM npor.paMMH
Perle f -, -en weMqyaaiHa
Pest / ohne pl qyMa
Pfeife f -, -n cbwctok, Tiy/ixa,
(bvi^ftra
pfeifen (pfiff, gepfiffen) vi CBW-
CTPTb
Pfeil m -(e)s, -e cipejia
Pferdehuf m -(e)s, -e Jioma/imioe
K'OHMTO
Pfirsich m -s, -e nepciiK
pflanzen vt caataTb
16»
Pflaster n -s, - MOCTOBaa
pflücken vt omnnbißaTb
Pflug tn -(e)s, Pflüge nnyr
pflügen vt naxaTb, Bcnaxwßarb
phantasievoll adj c ßoraroft $aH-
Taaneft
Pinsel m -s, - khctb
Plage f -n MyqeHHe
Planjahrfünft n -s, -e nHTHJieTKa
plaudern vi und vt ßojiraTb
pochen vi cryqaTb
Posaune f -, -n tpomÖoh, Tpyöa
Pracht f -en (Prächte) ßejiH-
KOJienwe, ÖJiecK
Prägung f -en aaKajiKa
prahlen vi xBacraibcfl
Prahlerei f -, -en XBacTOBCTBO
predigen vt nponoBeAOBarb
Preissenkung f -, -en chhjköhhc
ueH
Probestein m -(e)s, -e npoÖHbifl
KaMewb
Produktionsberatung f -, -en npo-
H3BOACTBeHHoe coBemaune
Produktionsstätte f -, -n npoH3-
bojictbo, npennpwHTwe
Produktivität f -, ohne pl npon3-
BOUWTeJIbHOCTb, npOJiyKTHBIIOCTb
promenieren vi nporyjiWBaTbCfl
prügeln vt 6htb, HaßnBarb, kojio-
THTb
Pute f -, -n wH^eftKa, HHAioiiiKa
Q
quälend adj MyqiiTejibHbift
Quälerei f -en MyqeHHe
Qualität f -, -en KaqecTBO
Quatsch tn -(e)s, ohne pl B3/iop,
qenyxa ((paM.)
Quelle f -, -n hctohhhk, pojiHHK
R
Rabenei n -(e)s, -er Bopoiibe bhuo
Rache f ohne pl moctb
Rädelsführer m -s, - 3aqnHuiHK
Räderwerk n -(e)s, -e MexaHH3M
ragen vi B03BbiinaTbCH
Rat tn -(e)s, Räte cobct
ratlos adv ßecnoMonino, pacTe-
pnHHo; ue 3Haa, qTO npejmpH-
HBTb
rauben vt rpaßHTb
Räuberin f -nen paaßofinmia
räuberisch adj paaÖoftwwqHÖ, xhiii-
HHqeCKHH
Raubkrieg m -(e)s, -e rpaÖHTejib-
cican Boüna
rauchen vi und vt awMHTbcn, Ky-
pnib
rauh adj cypoßbiw, qepcrßbiö
rauschen vi luyueTb, nyjibCHpo-
BSTb
rebellieren vi BoecTasaTb
rebellisch adj MHTex<Hbift, ßyHTap-
CKHÜ
recht adv cnpasejuiHBO
Recht n -(e)s, -e npaBO
rechtfertigen vt onpaBAbiBaTb
Rechtsanwalt tn -(e)s, Rechtsan-
wälte 3amwTHiiK; aABOKar
Rede f -, -n pcqb
Redner m -s, - opaiop
Rednergabe f - nap cjiOBa, Kpac-
wopeqrie
Reeder tn -s, - cyAOBJianejieu
regelmäßig adv peryjiHpHO
regen, sich meBe^WTbCH
regieren vt ynpaßjiyiTb
Regierungsamt n -(e)s, Regie-
rungsämtcr npaBiiTpjibCTBCHHan
flOJl?KHOCTb
Regiment n -(e)s, -er bojik
Regimentsfeldscher m -s, - noji-
koboh (Jjejibmnep
reichlich adv öojiee qeM aoctm-
TO’IHO
Reichtum tn -es, Reichtümer 60-
raTCTBO «
reif adj spejibiü, cnejibift
reifen vi 3peTb
Reih(e)n tn = Reigen tn -s, - xo-
pOBOÄ
reinfegen vt BbiMOTaTb jxoqwcTa
Reis n -es, -er otpoctok, noßer
reißend adj xmuHbifi
Reißverschluß m -sses, Reißver-
schlüsse 3acre>KKa „mojihhb“
Reiz m -es, -e npHBJiCKHTeJib^ocTb
reizen vt npHBjieKaTb, mähmtb,
pa3Äpax<aTb
Relief-Darstellung f -, -en pejibet})-
Hoe H3oßpa>KeHHe
Reptil n -s, -e [-icn] npecMH-
Kaiomeecfl
166
Resignation f - noKopHocrb cyai>-
6e, CMMpcHMe
Rest m -es, -e octhtok
retten, sich cnacaTbca
Rheinbrücke f -, -n peÜHCKHH
MOCT, MOCT <iep03 Pp.HH
Rheinpappel f -, -n peftHCKHfi to-
nojrb
richten vt cyAHTb, HanpaßjiHTb
Richtung f -, -en HanpaßjieHHC
riesig adj moihhmä; rnraHTCKHÜ,
HCnOJIHHCKMÖ
Rinde f -, -n Kopa
ringen (rang, gerungen) vi 60-
pOTbCfl
Ringen n -s, ohne pl 6opb6a
Röcheln n -s, ohne pl xpnn
Rock m -(e)s, Röcke nHAJKaK,
ciopTyK
roden vt K-opqeBaTb; pacMRiuaTb
roh adj chipoü, HeoÖpaöoTannbiH
Roheisen n -s, ohne pl qyryH
rollen vi KaTHTbca
Rolltreppe j -, -n scKa/iarop
Romanschriftsteller tn -s, - nwca-
TeJIb-pOMaHHCT
Rost m -es, ohne pl p>KaBqnHa
rosten vi pjxaBeTb
Rückschlag m -(e)s, Rückschläge
Heyjjaqa, neycnex
rücksichtsvoll adj sdecbt ocwpoxf-
HblH
Rudel n -s, - CTajjo
Ruder n -s, - Becjio
Ruhm tn -(e)s, ohne pl cjiasa
rühmlich adj cjiaBHbifl
ruhmreich adj cJiaBHbift
Ruhrkumpel tn -s, - pypCKHfi max-
Tep
Ruin tn -s, ohne pl paaopenHe,
THÖejib
Rundfunk m -(e)s, ohne pl pa-
AHOBeniaHHe
Runzel f -, -n Mopmima
Russenpelz m -es, -e pyccKan my-
6a
Rüstzeug n -(e)s, ohne pl opy-
>KHe
S
Saat f -, -en nooeB
Sache f -, -n acao
sächsisch adj caKCOHCKHfi
Sack tn -(e)s, Säcke MeuiOK
säen vt ceaTb
salutieren vi cajnoroBaTb, npHBeT-
CTBOBarb, OT^aBaTb qecTb
Salzkruste f - coAOHqaKOBaa Kopa
Sämling tn -(e)s, -e c.-x. cennen
sammeln, sich ooönpaTbcsi
samten adj Öapxanibifi
Sand m -(e)s, -e necoK
sanft adv iicäho, abckobo
Saubande j -, -n npoicnsiTa« öan-
Aa
säubern vt oqmuaTb
sauer adj khcjimü; nepen.\ yrpw-
Mbift, Mpaqnbiö
saugen (sog, gesogen) vt cocarb
säugen vt KOpMHTb rpyAbK)
Säule f -, -n koaohh3
säuseln vi menecTeib
schaden vi BpeAHTb
Schäfer tn -s, - nacTyx
Schaffen n -s, ohne pl TBopqecrßo
Schaffensweg tn -(e)'s, -e TBopne-
ckhh nyrb
Schafott n -(e)s, -e amaijjOT
Schall tn -(e)s, -e 3ByK
schalten vi paciiopsnKaTbCfl, xo-
3HHHH4aTb
Scham f -, ohne pl ctbia
Schande f -, ohne pl ctha, nosop
schändlich adj nocTbumbiii, nosop-
HblÄ, Mep3KMft
Schar f -, -en OTpflA
Schatz tn -es, Schätze coKpoBimje,
öoraTCTBO
schätzen vt oueHUBaTb, ueHHTb
Schatzkammer f -, -n coKpoBHm-
HHiia
Schauder m -s, - crpax
Schauspiel n -(e)s, -e ApaMa; ape-
AHine
Schauspieler m -s, - apTHCT, aK-
Tep
Scheibe f -, -n okohhoc ctckjio
Scheidewand f -, Scheidewände
neperopoAKa
Schein m -(e)s, -e ÖiOAAeTeHb, ah-
ctok, ÖMJieT
Schein m -(e)s, ohne pl cnanae,
cb er
scheinen vi KaaaTbCH
Scheinwerfer m -s, - npoaceKTop
Scheitel m -s, - tcmh, MaKyuiKa;
npoöop
167
scheitern vi Tepneib Kpynieniie
scheppern =~- klappern, klirren vi
rpeiweTb, ApeöesjKaTb, CTyqaTb
Scherbe f -, -n üöjiomok, qepenoK
Scherge m -n, -n najiaw; no.iHiiefi-
CKHfi CblinjdK
Scheuer f -, -n aMöap, capaii
scheußlich adv OTBpaniTejibHO
Schicht f -en cjioii; cmchh
Schicksal n -(e)s, -e cyjiböa
schieben (schob, geschoben) vi
cyHyTb, TOJixaTb, ABiiraTb
Schiene f -, -n pejibc
schier adv noq-rn
Schiff n -(e)s, -e cyjiHO, KOpaÖJib
schildern vt n3o6paa<aTb
Schildkröte / -, -n qepenaxa
Schilfhütte f -, -n XH/KMHa, Kpbl-
Taa KaMbimoM
Schimmer m -s, - Mcpuamie
schimpfen vi pyraTL, öpaHKTb
Schindanger tn -s, - hvHboacphb
schinden, sich Ha^pbiBaTbCR
Schinder m -s, - HCHBoaep, MyuH-
TCJlb
Schlacht f -, -en öhtrs
Schlachtfeld n -(e)s, -er nojie
ÖHTBbI
Schläfe f -, -n bhcok
Schlafrock tn -(e)s, Schlafröcke
AOManiHHfi xajiar
Schlagfertigkeit f -, ohne pl na-
XOjiqHBO’CTb
Schlagkraft f -, ohne pl cH,ia yaa-
pa
Schlamm m -(e)s, ohne pl hji,
TMH3
schließen (schloß, geschlossen)
vt AejiaTb 3aKjnoqeHHe, bbiboj
Schlosser m -es, - cjiecapb
Schlosserlehrling m -(e)s, -e yqe-
hhk cjiecapR
Schlummer m -s, ohne pl ApeMora
Schlund tn -(e)s, Schlünde nacTb;
nponacTb
Schlupfwinkel tn -s, - aaKoyjioK
Schluß tn -sses, Schlüsse bhboa,
3aKJiioqeHne
Schmach f -, ohne pl noaop, cthä
schmachten vi tommtbch
Schmeichelei f -, -en jiecTb
Schmerz tn -es, -en öojib
schmerzlich adv öojibHo
Schmied tn -(e)s, -e Kyaneu
schmieden vt KOBaTb
schmunzeln vi yxMbijiflTbCfl
schnauben vi (j)bipKaib, xpanerb
Schnellwagen tn -s, - öbicTpoxoA-
nafi MauiHHa
schnurstracks adv npwMo; neMca-
JICHHO
schonungslos adj ÖecnomaAHbiii
schöpfen vt qepnaTb
Schöpfer m -s, - TBopeii
schöpferisch adj tbopmcckhh, co-
3H^aTejibHbiü
Schornstein tn -(e)s, -e Abi m ob an
rpyöa
Schote f -n crpyqoK
Schrecken m -s, ohne pl yntac,
Hciiyr, erpax
Schrift /' -en comineHHe
Schriftsatz m -es, Schriftsätze 6y-
Mara, AOKyMCHT
Schriftstellerverband tn -(e)s,
Schriftstcllerverbände cokj3 rin-
caTCjieü
Schuften n -s, ohne pl TRJKÖJibiH
TpyA
schuften vi thjkcjio paöoraTb,
HaapbiBaThcji
Schuld f -, -en buhü
Schuldigkeit f ohne pl 06^33»-
UOCTb;
seine tun ncnojiHHTb cboü
AOJir
Schulter f -, -n njicqo
Schulung f -, -en yqeöa
Schurke m -n, -n neroAHfi, mo-
IIieHIIHK
Schurze j -, -n (f’apTyK, nepenwuK
Schuß tn -sses, Schüsse BHCTpeji
schütteln vt tphcth, norpacaTb
Schutz m -es, ohne pl aanjirra,
yöejKHiue
Schützengraben m -s, Schützen-
gräben oKon
Schwäche f -, -n cJiaöocTb
Schwalbe f -, -n jiacToqKa
Schwarm m -(e)s, Schwärme poft,
CT3H
schwärmen vi MeqraTb, yBflCKaTb-
C5I, BOCTOpraTbCfl
schweben vi napHTb
schweifen vi ’ÖJiyÄAaTb, öpo/iHTb
Schweinerei f -en cbhhctbo
Schweiß tn -es, ohne pl hot
168
Schweißtropfen tn -s, - Kanjia
noia
schwelgen vi nacjia>KaaTbCH
Schwelle f -, -n nopor
schwemmen vt cHocHib
schwenken vt MaxaTb, pa3Maxn-
B3Tb
schwerfällig adj neyicjnoxcMfi, th-
JKeJIOBeCHblM
Schwert n -(e)s, -er Meq
Schwerverwundete m -n, -n th-
jKejio paneHbiö
Schwierigkeit f -, -en TpyanocTb
Schwiegersohn tn -(e)s, Schwie-
gersöhne 351Tb
Schwindel tn -s, - oÖMaii
Schwinge f -n KpHJio
schwingen, sich (schwang sich,
sich geschwungen) no^HHMaTb-
C5I
schwirren vi jieTeTb, x<y>K>KaTb
schwitzen vi noreTb
Schwung tn -(c)s. Schwünge pa3-
Max, BOOjxyineBJCHHe
Seelensgüte j -, ohne pl ii-excnocTb
jyinii
Seemann tn -(e)s, -leute MopaK
Segen tn -s, - Gjiaro^aTb
segnen vt 6jiarocjioBJi5iTb
sehnen, sich TOCKOBaTb
Sehnsucht f - cTpacTHoe jKejia-
Hne, TOCKa, cTpeMJiQHHe
Seiltänzer tn -s, - KanaTOxo/ien,
aKpoöaT
seitens präp co cropoHbi
selbständig adj cawocTOHTCJibiibiH
Selbstlosigkeit f ohne pl 6ec-
KOphlCTHC
Selbstmörder tn -s, - caMoyÖHHiia
Selbstschulung f - caMOo6pa3OB3-
Hue
selbstverständlich adv caMo co-
6oä paayMeeTCH
senden (sandte, gesandt) vt npn-
cbiJiaTb, nocbuiaTb
Sender m -s, - ' paAHOCTannHH
senken vt ciiH3HTb
Senkung f -, -en cHExenne
Sessel tn -s, - KpecJio
Seuche f -, -n noBajibna5i öojiesHb,
MOp
Sicherheit f -, -en öcsonacnocTb
sicherlich adv naßcpHoe
sichern vt ooeciiemiBaTb
sicherstellen vt o6ecneqKB3Tb
Sicht f -, ohne pl bhu
Sieg m -es, -e noße^na
Sieger tn -s, - noöe/iHTeJib
Silbe j -, -n cjiot
Sinfonie f = Symphonie / -, -n
CHM(J)OHH5I
sinken (sank, gesunken) vi na-
yiaTb, onycKaibCH
Sinn tn -(e)s, -e qyBCTBO, cmwcji,
naMepcHHe
sinnlos adv ßeccMbic^ieHHO
Sitte f -n oobiqaä, HpaBbi
Skizze j -, -n onepK
Sklaverei f -, -en paöcTBO
sogenannt adj TaK H33biBaeMWM
Sold tn -es, -c >KajioBaHbe, njiara
Söldner tn -s, - iiacMHWK
Solidaritätsaktion f -en Bbipa-
* senile cojiruapHocTH
sonnen, sich rpeTbca Ha cojiniie;
nojib3UBaTbC5i ÖjiaraMH
Sorglosigkeit f - öeaaaöoTHoerb
sorgsam adv TinaiejibHo
Spalt tn -(e)s, -e Tpemnna
spalten vt pacKOJiOTb
sparen vt und vi >Ka^eTb, öepenb,
3K0H0MHTB
spärlich adj ckvjihbim, pe^KMä,
öeAHbiH
Spaß tn -es, Späße niyTKa, 3a-
öasa
Spatz tn -en, -en Bopoöeü
Spaten m -s, - jionaTa
Speer m -(e)s, -e Konbe
Speichel m -s, - cjuohh
speien (spie, gespien) vi nneBaTb
speisen vt niiTaTb, cHa6?KaTb
Spiegelfechter m -es, - oÖMan-
JU.MK, npHTBOpiHHK
Spielplan tn -(e)s, Spielpläne pc-
nepTyap
Spitzel m -s, - innnon, mnuK
Spott tn -(e)s, ohne pl HacMeuiKa
Sprachforscher tn -s, - H3WKOBe.ii,
JIHHFBHCT
sprengen vt BapwßaTb, npoKJiaaw-
BaTb
Sprengstoff tn -(e)s, -e B3pbiBqa-
Toe BemecTBo
Sprichwort n -(e)s, Sprichwörter
nocJiOBHiia, noroBopKa
12 4172
169
Spruch m -(e)s, Sprüche H3pene-
HHe, ceHTenmifl
spülen vt (npo)nojiocKaTb
Spur f -, -en c^ieA
spüren vt onjymaTb, nyBCTBOBaTb
Staatsanwalt m -(e)s, Staatsan-
wälte npoKypop
Staatsmann m -(e)s, Staatsmän-
ner rocyjiapcTBCHHbiH jieflTejib
Stab m -(e)s, Stäbe x<e3Ji
Stachel draht m -(e)s, Stachel-
drähte Kojnonasi npoBOjioKa
stachlig adj KOJiioqHÄ
Städter tn -s, - ropoxcaiiHH
stählern adj CTajibHofi
Stahlhelm m -(e)s, -e crajibHofi
LLijieM, cTa.TTbHaH KacKa
Stahlseil n -(e)s, -e CTajibHofi
Tpöc
Stall tn -(e)s, Ställe xjieB, ctoh-
JIO, K0HI0UIHH
Stamm m -(e)s, Stämme mieMH,
po;i; CTBOJI
stämmig adj KopenacTbiö
stampfen vi Tonaib
Stand tn -(e)s, Stände Meciono-
cocjioBHe
standhaft adj ctohkhh
standhalten (hielt stand, stand-
gehalten) vi ycioHTb
ständig adj HenpepbiBiibifi, no-
CTOniiHblM
Standort m -(e)s, -e MCCTonaxoJK-
jieHiie
stärken vt yKpenJiHTb
starren vi upHCTajiwio cMoipeTb
Staub m -es, ohne pl nmib
staunen vi y;iHBJiflTbC5i
staunend adj nopajKeHHbifi, vamb-
jieHHhift
Stausee tn -s, -n (npynnoe) bo.ho-
xpaHHjiHiue
steckenbleiben vi aacTpeBarb
Steg tn -(e)s, -e TponmiKa
steif adv HeyKjnojKe, naTJinyTO
steigen (stieg, gestiegen) vi noa-
HHMaTbCH
Steigerung f -, -en noBbimeHHe,
• no/rbcM, yBejiimenne, poci
Stellung f -, -en nocT, äojdkhoctb,
nO3HHHfl
Steuerbord n -(e)s, ohne pl npa-
Bbiii 6opT
Stich in -(e)s, -e ctcjkok
stillen vt yionnTb
Stimmung f -, -en HacTpoenne
Stirn f -, -en jio6
stocken vi ocTaHaBjiHBaTbCH, 3a-
AcpxcHBaTbCH; das Blut stockt
in den Adern KpoBb ctbihct b
JKMJiaX
Stockwerk n -(e)s, -e aiaxc
stöhnen vi cronaTb
störrisch adj ynpflMHÄ
Strand tn -(e)s, -e Mopcxofi öeper
Streben n -s, ohne pl cipcMJiCHHe
Streit tn -fe)s, -e cpax<eHHe,
cxßaTKa
Streitkräfte pl BOOpyxceHHbie CHJibi
Strick m -(e)s, -e BepeBKa
Stroh n -(e)s, ohne pl cojiowa
Strom m -(e)s, Ströme iiotok
struppig adj pacTpenaHHbi.fi, Ba^e-
pOIIJCHHblfi
Stück n -(e)s, -e nbcca
Stufe f -n cTyneub
stumm adj 6e3MOjiBHHfi, iicmoh
stumpf adj Tynoü
stürmisch adj ßypHbijfi
stutzen vi cMymaTbca, sarinyrbcsi,
ßbiTb osa^aneuHbiM
südwärts adv k lory
summen vi ^yxoKaTb
Sumpf tn -es, Sümpfe öojioto
Superlativ ni -(e)s, -e npeBOcxo/i-
na$i CTenoHb
Symbol n -s, -e cmmboji
Syrakus n CnpaKysbi (noproabiü
eopod Ha toso-aocroKe Cuqu-
auu)
T
Tagelöhner m -s, - noaciniiHK
Tageseintragung f -en OKe^HeB-
nan aanHCb
Tagung f -, -en ceccnn; cwa/i; 3a-
ceAaime
Tarnung f - MacKHpoBKa
Tat f -, -en nejio, ^cficTBHe, no-
CTynoK
tätig adj aeHiejibiibift, Aöfi^TByio-
iijhh; sein paöoTaib
Tätigkeit f -en AeaTejibHocTb
Tatsache f -, -n (JjaKT
taub adj myxofi
Taube f -, -n rojiydb
170
taumeln vi inaTaTbCfl, njioxo nep-
>KaTbCH na norax
Taurolle f -, -n cBcpHyTbiii Kanar,
Tpoc
tausendfach adj TbiCHHCKpaTHufi
Testament n -(e)s, -e saßemaHHe
Tierheit j -, ohne pl 3nepcTBO, »e-
CTOKOCTb
Titel m -s, - THTyji, sama-BHe
toben vi öecHOBaTbCJi, neiicTOB-
CTROBaTb
Todesnot f - cMcpiejibHaH onac-
IIOCTb
Todesstöhnen n -s, ohne pl npeji-
CMeDTHblH CTOH
Todesstrafe f - CMepiHa« xaaHb
Todesstreich m -(e)s, -e cMep-
Tejibiibifi yaap
Ton m -(e)s, ohne pl rjniHa
Tonfall tn -(e)s, ohne pl mhtoh3-
hhh
Tonnenweise adv uejibiMH TOHHa-
MH
Tor tn -en, -en rjiyneu
Tornister ni -s, - pancij
tortur f -, -en nbirxa, My^eiine
Tosen n -s, ohne pl öymeBaHHe,
HiyM, pÖB
Tote m -n, -n dokoähhk, yMcpuiHH
Totenfeier f iiomhhkm
Trägheit f -, ohne pl kochoctb,
BOOCTb, JieilOCTb
tränken vt HanoHTb
Trauerkundgebung f -en Tpayp-
HblH MHIHHr
Trauerspiel n -(e)s, -e TparejiHH
Traum tn -(e)s, Träume Menra;
coh; ciiOBM/TOHne
treffend adj mctkhh
treiben (trieb, getrieben) vt rnaTb
trennen vt OTAejiHTb, paaaeJiHTb;
sind nicht zu trennen iieoi/ie-
JIHMhl
treu adj sepfibifi
triefen (troff, getroffen) vi
CTpynTbCH, Kanarb, tchb
triumphieren vi Top>KecTBOBaTb
Trockene n -n, ohne pl cyxoe Me-
cto, cyiiib
trockenlegen vt ocyniHTb
Trommel / -, -n öapaöaii
Tropfen m -s, - Kamin
trostlos adj 6c3OTpa£Hbifi
trotzen vi conpoTHBJurrbcn, npoTH-
BHTbCfl, ynOpCTBOBaib
trotzig adj nenoKOpHbiö, esoe-
HpaBHbiä, ynpHMuft, ynopHbifi
trügen (trog, getrogen) vl oÖMa-
H bl BH Tb
Trümmer pl paanajiHHH, oöjiomkh
Trümmergasse f -, -n yjinua pa3-
BaJlHH
Trümmergestein n -s pa3BajiiiHbi
trunken adj onbHHeHHbiö
türmen vt rpoMOs/iHTb, B03.BbiniaTb
U
Übereinstimmung f -, -en ccotbct-
CTBH0
Überfall tn -(e)s, Überfälle na-
na/ich we
überfluten vt sajiHBaTb, 3aTon-
JIHTb
Übergang tn -(e)s, Übergänge
nepexoji
überhäufen vt ncpenojinsiTb, nepe-
rpyjKaTb
überlassen (überließ, überlassen)
vt ocTaBJiHTb; npeAocTaBJiHTb
Überlegenheit f -, ohne pl npe-
HMymecTBo
übermittelgroß adv Bbiine cpeAHe-
ro pocTa
Übermut tn -(e)s, ohne pl 3350p,
manocTb
überraschen vt nopa^KaTb, 3axßa-
THTb Bpacmiox
Überraschung f -, -en HeojKHjaH-
HOCTb, CIOpnpH3
überreich adj oÖHJibHbiM
überrumpeln vt 3axB3TMTb Bpac-
ITJIOX
übersäen vt ycenTb
überschreiten (überschritt, über-
schritten) vt nepexo/iHTb
Übersetzungskunst f - HCKyccTBO
ncpeBOAa
überstehen (Überstand, überstan-
den) vt nepeiiocHTb, nepe./KH-
BaTb; BbinepjKHBaTh
überstrahlen vt osapflTb
überstürzt adj cjihiiikom Topojwi-
Bblß
übertreffen (übertraf, übertroffen)
vt npeBOcxo5HTb
12*
171
übertreiben (übertrieb, übertrie-
ben) vt npeyBejinqHBaTb
überwachen vt cne^HTb, na6jno-
AaTb 3a KeM-Ji.
überwältigen vt (npe)oAOJieBaTb
überwiegen (überwog, überwo-
gen) vt npcoßjiaAaib, ßpaib
Bepx
überwinden (überwand, überwun-
den) vt npeojiojießaTb
überzeugt adj y6e>K/ieHHbiM
überziehen (überzog, überzogen)
vt noKpbiBarb
übrigens adv BnpoqeM
übriglassen (ließ übrig, übrigge-
lassen) Vi OCTHBJIflTb
Ufergebüsch n -es, -c npnöpexc-
HblH KyciapHHK
Umfang tn -(e)s, Umfänge oö'beM
umfangreich adj oß'beMHCTbiH
umformen vt npcotfpaaoßbiBaTb,
nepejiejibiBaTb
Umgebung f -, -en epeja, OKpy-
JKCHHe
umgekehrt adv HaoöopoT
Umgestaltung f -, -en npeoßpa-
soBauHe
umkippen vi ynacTb, onpoKH/ibi-
B3TbCH
umkommen (kam um, umgekom-
men) vi norwfiaTb
Umkreis tn -cs, ohne pl OKpyxc-
HOCTb
Umriß m -sses, -sse oqepiaHHe,
CHJiy^T
umsäumen vt OKaÜMjiHTb, oKpy-
»<aTb
umschlingen (umschlang, um-
schlungen) vt OÖBHBMTb, OÖHH-
MaTb, OKpyxcaTb
umschnallen vt aacTeruBaTb (nosic,
nopTtfneto)
Umsiedler m -s, - nepeceneneu
umsonst adv Hanpacno, TmeiHo
Umstand in -(e)s, Umstände 06-
CTOHTO.HbCTBO
umstehen (umstand, umstanden)
vt oKpyxtaTb, CTOHTb BOKpyr
Umstimmung f - nepeyöeHtjieHHe
Umwälzung f -, -en nepeßopoT
umwandeln vt npeepamaib
umziehen, sich (zog sich um, sich
umgezogen) ncpeoneBaTbca
Unabhängigkeit f -, ohne pl neaa-
BHCHMOCTb
unausgesetzt adv HeupepbiBHo
unbedingt adv öcsycjiOBHo, aöco-
JIIOTHO, BO MTO 6bl TO HM CTBJIO
unbefiedert adj HeoncpuBinnncH
unbehaglich adi HenpnaTHbiM; ne-
yiOTHblfi
unbeirrbar adv iieyicnonna
unbequem adj neyjioßnbin
unbestechlich adj nenoÄKyniibifi
unbestritten adv öeccnopno
unbeugsam adj HenoKOJieöHMbin,
neci'HfiacMHÄ
uneigennützig adj öecKopbicTHbiM
unerbittlich adv HcywojiMMo
unermeßlich adj Heoö’bHTHbiä; ne-
H3MepHMblÖ
unerschöpflich adj iieHC’iepnaeMbifi
unerschütterlich adj nenoKOjicßn-
Mblfl
unerträglich adj HeBbiHoenMbiÄ
Unfall m -(e)s, Unfälle Hecnacr-
iibift cjiy'iaw
unfroh adv fieaoTpa/iHo
Unfug tn -(e)s, ohne pl öeaoöpa-
3«e; ~ treiben 6eao6pa3HnqaTb,
öecqnHCTBOBüTb
ungeahnt adj HenpeaBHAeuBbrii,
HCOJKHAaHHblH
ungebeten adj HesBaHbifi. Henpo-
MJCHHblft
Ungeheuer n -s, - qyaoBJime
ungeheuerlich adj qyAOBMiuHbifi
ungehindert adv öocnperiHTCTBeHHO
Ungestalt j - 6ec(|)opMenHaH tv-
lua
Ungewißheit f -, ohne pl HeyBe-
pCHHOCTb
ungewohnt adj HenpHBbimibifi
ungeziert adj npocTon, ecTecToen-
Hblfi
ungläubig adv cKenniqecKH
ungleich adj nepaBHbiä
Unheil n -(e)s, ohne pl 6cja, ne-
cqacTbe
unheimlich adj xcvtkhä
Uniform j -, -en ijjopMeHHad oac-
jK.aa, (popivia, MyH/iHp
unmittelbar adv nenocponcTBOHHo
Unrat m -(e)s, ohne pl Mycop,
COp, OTÖpOCbl, Iie’lHCTOThl
unsagbar adv HeBbipaswMO
172
Unschuld / -, ohne pl HeBHHHocTb
unscheinbar adj neBapaunhiH; npo-
CTOM
Unsicherheit f - HeynepeiiHOCTb
Unsinn m -(e)s, ohne pl öeccMbic-
JIMUa, B3flOp
unterbrechen (unterbrach, unter-
brochen) vt ncpeÖMBaib
Unterdrückung f - yrneTeHHe
untergehen (ging unter, unterge-
gangen) vi norHÖaTb; Mcqesaib
unterhalten, sich öeceaonaTb
unterirdisch adj naj3CMiibifi
unternehmen (unternahm, unter-
nommen) vt npe^npHHMMaTb,
6paTb na ce6n
unterscheiden (unterschied, unter-
schieden) vt paßJiHqaTb, otjih-
MHTb
Unterschrift f -, -en ncvmHCb
unterstehen (unterstand, unter-
standen) Vi nCrZUJHHHTbCH
unterstreichen (unterstrich, unter-
strichen) vt noAnepKHDaTb
unterstützen vt onaabiBaTb non-
;iep>KKy, no;uep>KHBaTb
Unterstützung f -, -en no/iaeojKKa
Untersuchung f -, -en paspaöOTKa
Untertan m -s, (-en), -en noiuiaH-
Hhlft
Untertasse j -n öjiioaiie
Unterwäsche f -n HHHtnee 6e?ibe
unverbrüchlich adj HepyuiHMbift
Unvergängliche n -n, ohne pl seq-
Hoe
unvergleichlich adv HecpaBHeHHb,
rtccncvioÖHO
unverkennbar adj oqeBOHbin, hc-
COMHCHHblH
unvermeidlich adj Heii36e>KHbiH
unversöhnlich adj HenpHMiipHMhiA
unverwüstlich adj HeH3Meniibiü,
npoqHbiü
unvorstellbar adj HeBoo6pa3HMHfi
unwillig adv nexoT«
unwirtlich adj iierocTcnpMHMHhiH
Unwissenheit f -, ohne pl Hesna-
nne; neBOKecTBO
unzählig adj öecHHCJieniibifi, ne-
CMeTIIblfi
uralt adj yipcBHiui, MHoroBeKOBoft
ureigen adj wcKoHHbiü, KopeHHoä
Urlaub m -(e)s, -e otuvck
ursprünglich adj nepBOHaqajibHbifl
Urteil n -(e)s, -e npnroBop
Urteilsverkündung f - orjiamenne
npwroBopa
urwüchsig adj cawoöbiTiibifi, ecre-
CTBC'HHblH
V
Verabredung f -, -en yroßop
verachten vt npeanpaTb
veranlassen vt no6y>KÄaTb
veranstalten vt ycipanBaTb
Veranstaltung f -, -en Meponpnfl-
thc (oeuep, coöpaHue u t. d.)
verantworten vt oTBeqarb 3a qTO-
JIHÖO
Verbandpäckchen n -s, - hh^h-
BH/iyajibHbiH nepeBHSouHbiM na-
KQT
verbannen vt ccbuiaTb, H3roiiHTb
verbergen (verbarg, verborgen)
Vt CKpbIB3Tb
verbeugen, sich noKJiOHHTbcsi
verbieten (verbot, verboten) vt
sanpemaTb
Verbindung f -, -en cbhbb
verbissen adj ojKecroncHHbiÄ, sjioh
verbluten vi HCiei<aTb KpoBbio
Verbrechen n -s, - npecTyruieHHe
verbringen (verbrachte, verbracht)
vt npOBO/’lHTb
verbrühen vt oößapHBaTb
verbünden, sich ofrbC/iHHHTbCH
Verbundenheit f -, ohne pl Tecnan
CB5I3B
verdammt adj npoicnflTbiü;
verdammt! qopT noöepn!
verdanken vt ßbiTb oösiaaniibiM
qieM-JiHÖo
Verdeck n -(e)s, -e najiyßa
verderben (verdarb, verdorben)
vt und vi noprHTb; nopTHTbca;
yMepeTb, rHÖnyTb
Verderben n -s, ohne pl rnöejib
verdienen vt sacjiyatHBaTb, sapa-
öaTbißaTb
Verdienst n -es, -e aaejiyra
verdoppelt adj yĮoeHHHii
verdrehen vt HCKaacaTb
Verdruß m -sses, -sse Jiocaaa
Verdunstung f -, -en HcnapeHHe
vereinen, sich oÖ'bejiHnflTbCfl
vereiteln vt paccTpaHBaib, cpbi-
BaTb, npe^oTBpamaTb
173
Verelendung f -, ohne pl oöHHiua-
HMC
verfälschen vt cfjajibcii^HUMpoBaTb
Verfasser m -s, - amop
verflucht adj npoKJisrrbiii
verfolgen vt npccjieaoBaTb
Vergangenheit / -, -en npouiJioe
vergeblich adj HanpacHbrii, TiueT-
Hbiii
vergeuden vt npoMaTHBaTb
Vergleich m -(e)s, -e cpaBHenne
vergraben (vergrub, vergraben)
vt aaKHJIbDBaTb, 3apbIB3Tb
Vergrößerung j -en yBcjiHM?Hwe
verhaften vt apecTOBbmaTb
Verhältnis n -sses, -sse cootho-
meime; im ~ zu no cpaßiie-
hjiio c ...
verhängnisvoll adj poKOBon
verharren vi ocTaBaihCR
verheeren vt onycTomaTb
verhehlen vt CKpbiBarb, yraHBaTb
verheilen vi 3a>KHBaTb
verheißen (verhieß, verheißen) vt
oficinaTb
verheißungsvoll adj MHorooöe-
maioimifi
verhindern vt (Boc)npennTCTBO-
BaTb, (no)MeinaTb, npcyuiTBpa-
inaTb
verhöhnen vt HacMexaTbc«
verhungern vi ywnpaTb c ro.’io.'iy
Verkehr m -(e)s, ohne pl ;ibjvko-
uwe, cooömcHne
Verkehrsdichte f npowejicyiOK Bpc-
Memi M-ejKJiy noosaaMH
verkehren vi oßmaTbcn
Verkehrsmittel n -e, - cpe;iCTBO
cuodmemin
Verkehrswesen n -s, - TpaiiencpT
verkennen (verkannte, verkannt)
vt iiejiooucHHBaTb; HenpaBJUibno
noHHMaTb
verkleistern vt aaMasbiBarb
verknittern vt cmbth, CKOMKaib
verkörpern vt ojinncTBopHTb, bo-
njiomaTb
verkünden vt npoBO3rjiamaTb
Verlag m -(e)s, -e HsaaiejibciBo
Verlangen n -s, ohne pl we/iaHHe,
noTpeßnocTh
verlassen (verließ, verlassen) vt
OCTaBJlflTb
verlassen adj oannoKHfi, noKWHy-
Tbiii
Verlegenheit f - cMymenne
verleihen (verlieh, verliehen) vt
npiuanaTb; narpaac/iaTb. npn-
cyjKaaTb
Verleihung j - npncyameHHe
vermachen vt saBoniaib
Vermächtnis n -sses, -sse 3aseT,
saBemaniie
vermeiden (vermied, vermieden)
vt Hsöeraib
vermischen vt cMeniiiBaTb
vermögen (vcftnochte, vermocht)
Vt ÖblTb B COCTOflHHH, MO^b
vernachlässigen vt aanycKaib,
npeneoperaTb
vernebeln vt aa.nbiM.'iHTb, saiyme-
BblBaTb
vernehmen (vernahm, vernom-
men) vt cjibinjaib, aonpaiiiM-
BBTb
Vernichtungskrieg tn -(c)s, -e
HCTpeöMrejibHaH Boima
Vernunft f -, ohne pl pasyivi
vernünftig adj paayMHbiii
veröffentlichen vt oiiyö.nHKOBbi-
BaTb
verpflichten vt o6$J3biBaTb
Verrat tn -(e)s, ohne pl ii3Mena
verraten (verriet, verraten) vi Bbi-
AaBaTb, npo.aa.'BaTb
verrichten vt ncnojiH«Tb
Verruchtheit / ohne pl ruye-
HOCTb
Versäumen vt nponyci<aTb
verschaffen vt ^oÖbißaTb, «ziocTa-
BflTb
verscheuchen vt cnyniBaTb, npo-
rOHBTb
verschlossen aaMKHyTbiH
verschlemmen vt pacTmiaTb
verschmelzen (verschmolz, ver-
schmolzen) vi cjiHBaTbc«
verschnaufen, sich nepeoecTH ayx
verschwinden (verschwand, ver-
schwunden) vi nc^eaaTb
Versicherung j -, -en yBcpeHno
versinken (versank, versunken)
vi onycKaiucH
verspotten vt BbiciweHBaTi»
versprechen (versprach, verspro-
chen) vt oöenjaTb
174
Verstand tn -(e)s„ ohne pl paay.M,
pa.ccyaoK; der gemeine ~ 3/ipa-
Bblfi CMbICJI
verständigen, sich oö'bHCHflTbCH
Verständnis n -sses, -s$c nouHMa-
Hne
Versteck n -(e)s, -e yfioKHme
verstreut adj paccbinaHHbin
verstummen vi ywojiKarb
vertauschen vt odMeiiflib
vertragen (vertrug, vertragen) vt
DbrnocHTb, nepenocHTb
vertrauen vi «aoBepaib
Vertraulichkeit f -, -en HCKpcu-
HOCTb; (J)aMlLlbHpHOCTb, HHTHM-
HOCTb
vertreiben (vertrieb, vertrieben)
vt nporoHHTb
Vertreter tn -s, - npencraBUTejib
verurteilen vt ocy>KjaTb
vervollkommnen vt ycoßepmeHcr-
BOBQTb
verwahrlost adj sanymeHHbiif
verwaist adj ocnpOTOjiHfl
verwandt adj poACTBomibifi
verwechseln vt nepenyraTb
verweilen vi ocTaiiaBJinBaTbCfl
verweisen (verwies, verwiesen)
vt jjejiaTb ccbijiKy, yKasbißaib
verwenden (verwandte, verwandt)
vt npHMeHHTb, MCnoJIb30BaTb
verwunden vt paHHTh
verwüsten vt onycroiuaTb
verzagen vi OTuaHBaTbcw
verzehren vt c^e^aTb, norziomaTb
Verzweiflung f -, -en OTwasiHiie
Volksführer tn -s, - napOAHbiü
BOJK.Hb
Volkskammer f - HapoanaH na-
naia (b FflP)
volkstümlich adj wapoaHbiä
vollbringen (vollbrachte, voll-
bracht) vt coBepiiiencTBOBaTb,
CBepUIHTb
Vollendung f -, -en 3aBepmeHne
vollpumpen vt HaKanuBaTb, iia-
riOJIHJITb
vollstrecken vt ncnojiHHTb, npiiBO-
ÄHTb B HCnOJIHeHHe
vollwertig adj ikvih^ucuhhä
vollziehen (vollzog, vollzogen) vt
3aB0piiiHTh, coBepinaTb, ocyme-
CTB.HHTh
Vorabend tn -s, -e Kanya
voraussehen (sah voraus, voraus-
gesehen) vt npeABM/iCTb
Voraussetzung / -, -en npe/inojio-
jKenue; npeAiiocbuiKa, jionyme-
iiue
Vorbild n -(e)s, -er odpaaeir, npu-
Mep
Vorderdeck n -(e)s, -e nepeAHBH
najiyöa
vordringen (drang vor, vorge-
drungen) vi npoHWKaTb, npo-
aBnraTbeji
vorenthalten (enthielt vor, vor-
enthalten) vt yTanßarb, yAep-
JKUBHTb, CKpblBaTb
vorfinden (fand vor, vorgefun-
• den) vi aacTaßarb
Vorgang tn -(e)s, Vorgänge npo-
uecc
Vorgefühl n -(e)s, -e iipe/myB-
CTBIie
Vorgesetzte tn -n, -n naMajibiiHK
Vorhang m -(e)s, Vorhänge sana-
Bec
Vorkämpfer tn -s, - nepe^oßofi do-
pen, noßopHHK
vorläufig adj npeaBapHTcvibHbiM,
npe/uuecTByionnni
Vorleser m -s, - wTeij
vornehm adj djiaropo/tHbiü
vornübergebeugt adv HaKJioHHB-
IIIHCb BFICpea
Vorort m -(e)s, -e iipeAMOcTbc
Vorrecht tn -(e)s, -e npHBHJiernfl,
npeuMymecTBO
Vorschlägen (schlug vor, vorge-
schlagen) vt nperyiaraTb
vorsehen (sah vor, vorgesehen)
vt npcAycMarpHBarb, HaMeuaTb
Vorsitzende tn -n, -n npejccna-
rejib, npe^ceaaTenbCTByiomHft
vorsorglich adv npenycMOTpHTejib-
HO
Vorstand tn -(e)s, Vorstände npa-
BJieiiHe: npeaceßarejib
Vorstandsmitglied n -(e)s, -er
qjien npaBJieHww
vorstellen, sich upeÄCTaBJisiTbcn
Vorstellung j -, -en npejcraßne-
Hwe
Vorstoß m -es, Vorstöße yaap,
araKa, HacTymienne
175
Vorteil m -s, -e .Bbirona
vortragen (trug vor, vorgetra-
gen) vt ACKJiaMHpOBaTb, HCnOJI-
HHTb
vortrefflich adv 3aMcuaTeJibHO,
npeKpacHo
Vortrupp tn -s, -s OTpsm aBan-
rapa
Vorurteil n -s, -e npeupaccyAOK
vorzeichnen vt naMenaTb, craBHTb
(oadauy)
vorzüglich adj npeßocxojiHbifi
W
Wache f -, -n cTpaxa
Wachstum n -s, ohne pl poe.T
wach werden (wurde wach, wach-
geworden) vi npoöyjKjiaTbCfl
Waffenrock tn -(e)s, Waffenröcke
BOeilHhlii MyH/lHp
wagen vt pHCKOBaib, aepsaTb, ot-
Ba?KHBaTbCH
wägen vt B3BeuiHBaTb
Wagnis n -sses, -sse pHCK, ot-
Ba>KH0C npemipHATwe
wählerisch adj paaßopuiiBbin
Wahnsinn m -(e)s, ohne pl 6e3-
yMHe, iiOMciiiarejibCTBo, cyMa-
CIUeCTBHC
wahr adj hcthhubiü, BepHbiu;
IipaBAHBUfl
wahren vt coxpannib
Waldrand tn -(e)s, Waldränder
onyiBKa Jieca
Walzwerk n -(e)s, -e npoKaTiibift
saBoa
Walzwerkzeugnis n -sses, -sse
npoKaT, npoKaTHaa npo/iyKuHfl
Wams tn -es, Wämser KypTKa,
(j)y(|)aftKa
wandeln vt und vi npeBpaiuarb,
XO/IHTb, ÖpOAHTb
wandern vi dpaHCTBOBaib
Wandlung j -, -en nepeiweiia, npe-
oöpaäOBaHjie
wanken vi niararbCH, KOJicöaTbcw
Wappen n -s, - repö
warnend adj npeaynpejKAatoiunß,
npejiocieperaiomHft
Warnung f -, -en npeaynpe>KÄe-
IIHC
warten vt yxa>KHBaTb (sa peöen-
KOM, 3a ÖOAbHbLM), XOJIHTb 3Ü
KeM-Ji.
Wärter tn -s, - na^awparejjb, cto-
pOÄ
Wassersucht f -, ohne pl Med. bo-
ÄHHKa
waten vi ncpexo/iHTb BÖpoj
Weberei f -, -en TKaiiKan cfiaßpH-
ica, TKanKoc acjio, TKanecTBO
wegführen vt vbcctii
Wegrand tn -(e)s, Wegränder
oßoqnHa
wegschleudern* vt OTUiBbipHVTb
wegstccken vt (c)npsrraTb
wehklagen vi ceTOßaTb, xtajio-
BaTbCfl
Wehrwillen m -s, ohne pl bojia
K OÖOpOHC, öoeeofi Ayx
weichen (wich, gewichen) vi ot-
CTynajb, yxo/uiib
Weide / -, -n HBa; nacTÖwme
Weideland n -(e)s, Weideländer
nacTonme, blifoii
Weidendamm tn -(e)s, Weiden-
dämme HBOBan raTb
Weidengebüsch n -es, -e kbhhk,
HBDBblH KyCTapHHK
weigern, sich 0TKa3biRaTbC5i
Weih tn -(e)s, -e KopiuyH
weihen vt uocBHinarb
Weiher tn -s, - npya
Weihrauch tn -(e)s, ohne pl cf>n-
MH3M
Weilchen n -s, - MHiiyTOMKa,
OHCHb KopOTKüe BpeMfl
weilen vi HaxojufTbCH
Weise tn -n, -n Mynpeii
Weisheitspächter m -s, - jiHccyue-
iibin (docAOQHo: apendaTop Myd-
POCTU)
weit und breit adv noBciony
weiterkommen (kam weiter, wei-
tergekommen) vi npojiBHraTbcsi
weiterschlagen (schlug weiter,
wcitergeschlagen) vi npoaoji-
JKaTb ÖHTbCfl
weitläufig adj npocTpaHHbifi/npo-
CTOpHblft
weitsichtig adj jiajrbHOBWjiHbin
Weizen tn -s, ohne pl niiicHniia
Welken n -s, ohne pl yBA/unne
Welle f -, -n BOvTiia
176
Weltanschauung f -n MHpoBO3-
3peHHe, B3FJIH4
Weltbild n -(e)s, -er MHpOBO33pe-
Hue
Weltenreise / -, -n KpyrocBeTHoe
nyTemeciBne
Weltfriedensrat m -(e)s BceMHp-
Hbifi Cobct Mapa
Werkplatz tn -es, Werkplätze pa-
6onee Mecro
Werkunterricht m -s, ohne pl 3a-
HHTHO B MaC'iepCKOÖ
Wert tn -(e)s, -e iieHHOCTb
wertvoll adv uenno
Wesen f -n cymnocib, cyme-
CTBO
Wette f -n aaicnaji, napn
wickeln vt MoiaTb, HaMaTWBaTb
Widder tn -s, - 6apan; Ösen (co-
seesdue)
Widerhall tn -(e)s, -e otkjihk
Widerschein m -(e)s, ohne pl ot-
öjiecK, OTCBeqHBaHHe, oipa^e-
niie
widerspiegeln vt oipa>KaTb
widersprechen (widersprach, wi-
dersprochen) vi npOTHBOpeUHTb
Widerspruch m -(e)s, Widersprä-
che npoTHBopemie
Widerstand tn -(e)s, Widerstände
conpoTHBJieHne
Widerstandskämpfer m -s, - ax-
TKBHblft ynaCTHHK ^BIWeHHfl co-
npOTHBJieHHfl
Widerstandskraft f - cujia conpo-
THBJICHHH
widerstehen (widerstand, wider-
standen) vi npOTHBOCTOflTb
widerwärtig adj npoiHBHbift, ot-
BpaTHTejibiibiii
widmen vt nocßjimaTb
Wiederaufstieg m -(c)s, ohne pl
BO3pO>KAeHHe, HOBblH DO/CbeM
wiedererlangen vt no.nyqurb 06-
paTHo
Wiedergeburt f - BO3po>xjieHHe
wiegen vt KaqaTb
Wild n -(e)s, ohne pl ahii±>
wild adj
Wille tn -ns, ohne pl b-ojih
willig adv oxotho, corjiacHO
willkommen adj »ejiannbiö
Willkür f -, ohne pl nppHSBcxn, Ha-
CHJIHe
winden (wand, gewunden) vt
BiiTb, njiecTH
Windung f -, -en H3m6
Wink m -(e)s, -e 3H3K, H3mck
Winterschlacht f -, -en 3HMHsifl
6htb3
Wipfel m -s, - Bepxyuixa (aepe-
Ba)
wippen vt KaqaTb, pacKaxHBaTb
Wirbel m -s, - BHxpb
wirken vi AeficTBOBaib
Wirken n -s, ohne pl aeaTeJib-
HOCTb
Wirklichkeit f -r ohne pl neficTBH-
TeJIbHOCTb
wirksam adj «neficTBeHHbiii
Wirkung f -en aeöcTBue
Wirtschafterin f -, -nen 3kohomk3
wischen vt BbrrnpaTb
wissenschaftlich-phantastisch adj
nayqno-$aHTacTHqecKMH
Witwe f -, -n baob3
Witz m -cs, -e ocTpoyMHe
Woge f -, -n BOJina
Wohl n -(e)s, ohne pl ÖJiaro
wohlhabend adj aajKHTOHHbiH
Wohltäter tn -(e)s. -s ÖJiaroAeTejib
wohltätig adj ÖJiaroTBopHbift, ÖJia-
TO/lCTeJIbHblfi
Wohnblock tn -(e)s, -s ähjioü
KBapraji, rpynna äwjihx äomob
Woilach (= Woilok) tn -s, -e Boft-
JIOK
wolkig adv oöjraqno
wühlen vi Konarbca
Wunder n -s, - qy^o
Wunderhand f Wunderhände
qy/ioTBopnaa pyxa
Wunsch m -es, Wünsche nojxejia-
Hne, »ejiaime
Würde f -, -n ÄOCTOHHCTBO
würdigen vt y/iociaHBaTb
Wurst f -, Würste KOJiöaca
Wurzel f -n xopenb
Wüste f -, -n nycTbiHfl
Wut f -, ohne pl rneB, npoerb, 6e-
UieHCTBO
wüten vi nencTOBCTBOBaTb
Z
zagen vi poöerb, KOJieÖaTbcsi
zähe adj ynopHbift
zahllos adj ÖecnHcjieHHbiH
177
zahlreich adj MiioroqucjieHHbiä
Zähneknirschen n -s, ohne pl
cKpe?KeT syöoBHbift
Zauber tn -s, ohne pl Be,iHKOJie-
nue, onapoBaHHe
zaudern vi McjumTb
Zeche f -n py^HMK
Zeichen n -s, - 3HaK, npnsnaK
zeichnen vt mcthtb, noanncbiBaTb
Zeile f -n crpoKa
Zeitalter n -s, - bck
zeitig* adv saßjiarüupeMCHHO
Zeitschrift f -, -en «ypnaji
Zeitungsbericht tn -(e)s, -e (ea-
SeTHOfl) KoppecnoHAeuuHH
Zelle f -, -n TiopeMiiaH KaMepa
Zepter n -s, - CKnneTp
zerbrechen (zerbrach, zerbrochen)
vt pa3pymaTb, iicuioMaTb
zerfetzen vt (paaoJpBaTb na Ky-
ckh, pas/ipoöHTh
zerfressen (zerfraß, zerfressen) vt
pa3-be;iaTb
zergliedern vt pacqjieHHTb, anajiH-
SWpOBaTb
zermürbt adj U3HypeHiibiir
zerplatzen vi jionnyTb
zerreißen (zerriß, zerrissen) vt
pacTcpaaib, pasopßaTb
zerren vt TamuTb, AepraTb
zerschmettern vt paarpoMUTb
Zerschmetterung f - paarpOM
zersplittert adj pasApoßjiöHHbiH
zerstampfen vt pacToniaTb
Zerstörung f -, -en paapyuienne
zerstückeln vt ncKpoMcaTb, paao-
pBaTb H.'l KyCKH
zertrümmern vt paaßMBarb
Zettel tn -s, - jihctok, aanHCKa
Zeuge tn -n, -n cBwaeTeJib
Ziege f -, -n K03a
Ziegelstein tn -(e)s, -e KHpnuq
Ziegenbock tn -(e)s, Ziegenböcke
KO3ÖJI
zielbewußt adj uejieycipeMjieH-
Hblfi
Zierat m, f yKpaiueHHe, yöpancTBo
Zimmermann tn -(e)s, Zimmer-
männer u. -leute nnüTHHK
Zipfel tn -s, - KpaeiueK, koibihk,
yroji
Zitrone f -, -n jimmoh
Zögern n -s, ohne pl npoMe/uieHiie
Zucht j -, ohne pl paßBeaeHHe
Zuchthaus n -es, Zuchthäuser i<a-
TOp>KHaH TIOpbMa
Zuchthausplage f -, -n KaropiKHoe
MVMenRe
zucken vi B3AparHB3Tb
Zuckererbse / -, -n caxapHHfi ro-
pomeK
Zufall tn -(e)s, Zufälle cjiyqaü,
cjyqaiinocTb
zufallen (fiel zu, zugefallen) vi
Bbinacib na jiojiio
zufällig adv cjiy<iaÜHo
zufrieden adj aoBOjibHbiii
zufügen vt npnqiiHHTb
Zug m -(e)s, Züge qepra; npo-
ueccHH, UieCTBHC
zugänglich adj AOCTymibiü
zugestehen (gestand zu, zugestan-
den) vt npiißHaBaTb
Zugvogel m -s, Zugvögel nepe-
jieTHaa. iinma
Zuhörerin f -nen cjivinaiejib-
Hima
Zuhörerschaft f -, ohne pl cjiyma-
TejiH, ay^HTopusi
zunächst adv npexme bccio
Zunahme f - yBejiuqeHHe
zurechtmachen vt npHroTOBJiflTb
Zureden n -s, ohne pl yroBopbi
zurückhalten (hielt zurück, zu-
rückgehalten) vt yyjepauiBaTb
Zusammenarbeit f - coipyAHHqe-
ctbo, coBMeciHafl paöoTa
Zusammenbruch tn -(e)s, Zusam-
menbrüche KpyLueHiie
zusammengenagdt adj cKojioqen-
UblM TBO3JI5IMH
Zusammenhang tn -(e)s, Zusam-
menhänge CB5I3L
zusammenklingen (klang zusam-
men, zusammengeklungen) vi
öbiib ’ co3By4HbiM, rapMOHiipo-
BHTb
zusammenkratzen vt nacKpecTii
Zusammenrottung f -en cKoiuie-
nne Hapoja /
zusammenstehen (stand zusam-
men, zusammengestanden) vi
jepataTbCH BMecie
Zuschauerraum m -(e)s, Zu-
schauerräume 3pHTeJIbHbIH 33JI
178
zusichern vt rapaHTHpoßaib
zusprechen (sprach zu, zugespro-
chen) vt iipucyHcaaTb
Zustand m -(e)s, Zustände nojio-
JKOHife, cocTOflHire.
Zutrauen n -s, ohne pl jiOBepiic
Zuversicht f ohne pl yBcpcH-
HOCTb
Zweck m -(e)s, -e ucjib
zweibändig adj ^bvxtomhlih
Zweifel m -s, - coMHenne
Zweifler in -s, - ckciithk, comhc-
BaiomnncH
Zweig m -(e)s, -e oTpacvis; botk3
Zwietracht j paajiop
zwingen (zwang, gezwungen) vt
npHHyjKaaTb, aacTaBfisiTb, oao-
JIOBaTI»
INHALTSVERZEICHNIS — OTJIABJIEHHE
Seile
Seite
flpeAHCJioBHe .............. 3
Gotthold Ephraim Lessing 5
Fabeln 6
Der Tanzbär................. —
Der Hamster und die Ameise 7
Der Affe und der Fuchs . .
Der Wolf und der Schäfer . 8
Der Esel und der Wolf ... —
Der Rabe.................... 9
Der Springer im Schach —
Der Adler................... —
Johann Wolfgang Goethe 10
Auf dem See................ 12
Nähe des Geliebten 13
Die Freuden................. —
Mailied................... 14
Blumengruß................. 15
Meeresstille................ —
Geh! gehorche meinen Win-
ken ................\ . . .
Auszüge aus dem Ro-
man „Wilhelm Meisters
Lehrjahre“
Mignons Tanz . 16
Der Sänger............. 18
Mignons Lied 21
Friedrich Schiller 24
An den Frühling.......... 25
Das Mädchen aus der Fremde 26
Hoffnung.................. 27
Rätsel ................... 28
(Der Regenbogen) ... —
(Die Sterne und der
Mond) ............... 29
(Das Ange)............ 29
Lieder aus „Wilhelm Teil“
Lied des Fischerknaben . 30
Lied des Hirlen .... —
Lied des Alpenjägers . . 31
Jägerliedchon.......... —
„Kabale und Liebe“ (11. Akt,
2. Szene)............... 32
Johann Gottfried Seume 35
Das Privilegium........... 36
Apokryphen................ 38
Heinrich Heine 39
Es stehen unbeweglich ... 41
Auf Flügeln des Gesanges . —
Sie haben mich gequält ... 42
Du schönes Fischermädchen —
Gekommen ist der Maie . . —
Leise zieht durch mein Ge-
müt .................... 43
Der Schmetterling ist in die
Rose verliebt................. —
Die blauen Frühlingsaugen . —
Ich glaub’ nicht an den Him-
mel ......................... 44
181
Kuwra ja« »ireHH« Ha HeueuKOM A3. ajih 9—10 kji. cpejHeft LUKoau.
PcaaK-rop M PL EdAUuo.
riepeimeT xyjiojKHHKa C. M. Mejtbu,epa. XyAO>KecTucHHwfl pejiaKTop />. M. Kucuh.
TexHHMecKHft pejiaKTop M. JZ. riemposa. Koppercrop M. 0. IlocenHUKoea.
* * *
Casho b naöop 3'XII 1954 r. rioAnncaHO k ncnaTH 25/JV 1955 r. 84X10841'39.
11,3(9,3) n. .1. y«i.-n3A. -i. 9,96. Tnpa>K 25 tmc. 310. A 01879.
* *
yqneArna. MocKBa, Hhcthc iipyA«, 6.
3aK33 4172.
T»norpa(t)Hfl hmchh Xanca XetiAewaHHa, r. Tapry, y.T. Ba.n.iHKpaaBH, 4. 3CCP.
UeHa 6e3 nepenjiöra 2 p. 50 k., nepenAer KOJiHHKOpOHHfi 1 p. 50 k.
KSEZWSMnS