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                    Uniform und Ausrüstung 1939-1945


Der Infanterist des deutschen Heeres Agustfn Säiz ZEUGHAUS V ERLAG g lA N D R E A ÜPRESS
Autor: Agustfn Säiz Martfnez Redaktioneller Direktor: lavier Huerta Herausgeber der Originalausgabe: Andrea PR E SS C/Talleres, 21 Pol. Ind de Alpedrete 28430 Alpedrete (Madrid) Tel: 91 857 00 08 Fax: 91 857 00 48 www.andrea-miniatures.com andrea@andrea-miniatures.com Layout: lavier Huerta W ir danken Olaf leworrek für seine freundliche und fachlich kompetente Unterstützung. Deutsche Übersetzung: Karl-Peter Veltze und Bernd Retzlaff Lektorat der deutschen Ausgabe: Stefan Müller Herausgeber der deutschen Ausgabe: Zeughaus Verlag bei Berliner Zinnfiguren Hans-Günther Scholtz Knesebeckstr. 88, 10623 Berlin Telefon: 030/315 700 0 Fax: 030/315 700 77 Email: info@zinnfigur.com Internet: www.zinnfigur.com Printed in China Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt, lede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes, insbesondere die Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und Einspeicherung in elektronische Systeme, ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und wird strafrechtlich verfolgt. © 2008 Berliner Zinnfiguren ISBN: 978-3-938447-38-3
I n h a lt s v e r ze ic h n is • Vorwort ............................................................................ 5 • Einführung .......................................................................7 • Stahlhelme ..................................................................... 15 • U n ifo rm .......................................................................... 27 • Koppel und Koppelschlösser ......................................... 89 • Gasmasken .....................................................................95 • Feldausrüstung..............................................................121 • Orientierung im G elän d e............................................... 155 • Bew affnung................................................................... 173 • Persönliche Ausrüstung.................................................201 • Dokumente ................................................................... 231 • Orden und Auszeichnungen ......................................... 239 • Gesundheit und H ygiene...............................................245 • Verpflegung................................................................... 265 • Propaganda-Medien...................................................... 279 • M u s ik ............................................................................ 285 • Tabakwaren................................................................... 291 • Freizeit.......................................................................... 299 • Epilog .......................................................................... 309 • Bibliografie ................................................................... 312
Aquarellgemälde von Obergefreiter Fritz Brauner (101. Flak-Regiment) aus einer Sammlung mit 24 Bildern, welche unter dem Titel „Soldaten in Eis und Schnee" erschienen war.
M H Vorwort „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln." (Vom Kriege I, 1, 24). Carl von Clausewitz (1780 - 1831). begonnen hatte, endete sechs fahre später mit der Zerstörung und dem Der berühmte preußische General und Militärtheoretiker zur Zeit der Verlust großer Teile der eigenen Heimat. Befreiungskriege wurde später Direktor der Allgemeinen Kriegsschule in Letztlich ist das oben Geschriebene der eigentliche Beweggrund für Berlin, an der er bis 1830 blieb. E r verfasste in dieser Zeit sein acht dieses Buch. Ich möchte Sie durch die große kleine Welt eines einzelnen Bücher umfassendes Hauptwerk yom Kriege", das bis heute als eine der der Millionen von Infanteristen führen, die aus Pflichtgefühl oder aus bedeutendsten Schriften zu diesem Thema gilt. Tatsächlich hat dieses einflussreichste europäische Werk über die Theorie der Strategie das militärische Denken in Deutschland entschei­ Überzeugung in den wohl größten Flächenbrand der Weltgeschichte ver­ strickt wurden. Sie erhalten in den verschiedenen Kapiteln die Gelegenheit in eine bis hin zur Machtübernahme durch die erschütternde und aufregende Zeit einzutauchen und werden den militä­ Nationalsozialisten. Es wurde auch im H erbst 1939 noch gelesen, als rischen Ausrüstungsgegenständen begegnen - und sie erläutert bekom­ dend mitbestimmt, die Wehrmacht in Polen einfiel und Frankreich und Großbritannien men -, die den Soldatenalltag begleiteten. Sie lernen eine Welt kennen, infolge des Beistandspaktes mit Polen dem Deutschen Reich den Krieg deren durchdachte Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung alte erklärten. Traditionen eines Heeres widerspiegelten, welches sich von seinen Seit 1933 war die deutsche Armee ständig angewachsen: von den ursprünglichen 100.000 Mann des Reichsheeres (und 15.000 Mann Anfängen im 17. lahrhundert bis zum Ende von Hitlers Herrschaft im lahr 1945 beständig weiterentwickelt hatte. der Reichsmarine), welche der Weimarer Republik nach dem Versailler Dieser faszinierende Abschnitt der deutschen Geschichte ist über die Vertrag zugestanden wurden, bis auf eine Stärke von 280.000 Mann im Iahre von vielen namhaften Autoren behandelt worden, die sich haupt­ lahr 1935 (vor der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht). Etwas sächlich mit den Feldzügen, der Taktik und Strategie, Gliederungen, mehr als ein lahr nach dem Tod des Reichspräsidenten von Hindenburg Truppengeschichten, Abzeichen, Uniformen, Waffen usw. im Zweiten am 1. August 1934 hatte Adolf Hitler, der am 30. Ianuar zum Weltkrieg befassten. Allerdings wage ich zu behaupten, dass sich unter Reichskanzler ernannt worden war, das Heer bereits fast verdreifacht - dieser Flut an Büchern und Artikeln nur ganz wenige dem deutschen unter dem Beifall der deutschen Bevölkerung und vor den Augen eines Soldaten selber genähert haben, also das Individuum in den Mittelpunkt unschlüssigen Europas. gestellt haben, bis hin zu ganz privaten Details. Clausewitz hätte sich nicht träumen lassen, welche Rolle seine Über­ Dieses Buch soll letztendlich ein übersichtliches und verlässliches legungen etwas mehr als 100 fahre später noch spielen würden, dass das Referenzwerk für jene Sammler und Geschichtsinteressierte sein, die „Mittel", welches bereits die Reichsgründung mitbewirkt hatte, auch im etwas mehr über all die Gegenstände und Utensilien erfahren möchten, Zweiten Weltkrieg wieder die Hauptlast tragen würde - die Rede ist mit denen der einfache Soldat des deutschen Heeres im Dritten Reich in natürlich vom Infanteristen selber, dem Protagonisten und roten Faden Berührung kam. W ir werden seine Welt betrachten und all die in diesem Werk. Gerätschaften, die sich darin fanden, wobei unser besonderes Augenmerk Nur wenige Deutsche ahnten, welcher Albtraum mit jenem 1. natürlich der dienstlich gelieferten Bekleidung und Ausrüstung gilt. September 1939 seinen Anfang genommen hatte und auf welche Weise Diese Stücke waren speziell entwickelt und hergestellt worden, um die er über 78 Millionen ihrer Landsleute während der nächsten gut sechs Einsatzfähigkeit des Soldaten zu garantieren, mit allem, was dazu gehör- Jahre heimsuchen würde - von den Menschen in anderen Ländern ganz te: Kämpfen, Essen, Waschen, Wundversorgung oderauch nurTriviales zu schweigen. wie Unterhaltung. Den 58 leichten, motorisierten, Panzer- und Infanteriedivisionen der Um diesen Ausflug in eine gewalttätige Epoche für uns Menschen deutschen Wehrmacht gelang es, in gerade einmal 18 Tagen die 39 von heute etwas zu erleichtern, werden wir an der Seite eines tatsächli­ Infanteriedivisionen und 13 Brigaden der polnischen Seite zu schlagen. chen Mannes reisen - unseres Titelhelden gewissermaßen -, der stellver­ Die Deutschen waren nicht nur personell und materiell überlegen son­ tretend für die Millionen von Soldaten der Wehrmacht stehen soll. dern auch in organisatorischer H insicht. Gerade letzteres und die als ln diesem Buch möchte ich möglichst viele alltägliche Gegenstände „Blitzkrieg" bezeichnete Taktik, mit ihren schnellen und plötzlichen präsentieren, ohne sie jedoch umfassend zu dokumentieren, da ich mir Vorstößen, würden auch im Westfeldzug 1940 viele militärische Erfolge bewusst bin, dass es genügend andere Publikationen gibt, die diese Lücke zeitigen. Diese frühen, teils recht überraschenden Siege wurden von schließen können. Meine Herangehensweise ist vielmehr die, durch den Goebbels' Propagandaministerium und dem O K W (Oberkommando Blick auf die diversen dienstlichen und privaten Besitztümer des der Wehrmacht) nach allen Regeln der Kunst ausgeschlachtet und begei­ Frontsoldaten einen lebendigen, spannenden und anschaulichen sterten viele junge Männer, die früher oder später ihren Dienst in den drei Einblick in dessen Alltag zu ermöglichen. Wehrmachtsteilen - Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe - antreten wür­ Abschließend hoffe ich aufrichtig, dass meine Themen übergreifende den. Sie wollten ein neues, gerechtes Europa schaffen, in dem das Vision, die ganz unterschiedliche Sammelbereiche umfasst, etwas dazu Deutsche Reich natürlich eine vorherrschende Rolle einnehmen sollte. Die beitragen kann, das Leben eines einfachen deutschen Landsers in jener entsprechende deutsche Politik, welche mit der Forderung nach einer bewegten Zeit begreiflich zu machen. exterritorialen Verkehrsverbindung durch den polnischen Korridor Agustm Säiz 5
Anton Imgrund. 6
Einführung Einer von Millionen ... Anton Imgrund kommt am 23. M ai 1906 in Hösbach zur Vorherrschaft. Das Königreich Bayern, in dem die\mgrunds leben, Welt, einem kleinen unterfränkischen Städtchen, ganz in der Nähe ist der zweitgrößte Staat des Deutschen Reiches, das wiederum mit von Aschaffenburg und etwa 70 km von Würzburg entfernt. Anton seiner Reichsgründung 1871 als eines der letzten europäischen und seine ältere Schwester Helga wachsen in einer ziemlich typi­ Länder zur nationalen Einheit fand. schen Arbeiterfamilie jener Zeit auf. Ihr Vater ist Facharbeiter in Anton ist gerade mal acht fahre alt, als am 28. I uni 1914 der einer Ziegelfabrik, während sich die Mutter um die Kinder und den österreichisch-ungarische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand Haushalt kümmert. von Österreich-Este und seine Frau in Sarajewo bei einem Attentat Sie leben zusammen in einem kleinen Häuschen am Rande der ums Leben kommen, ermordet von einem serbischen Nationalisten. Stadt, weit gehend unberührt von den Errungenschaften der so Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt wirklich ermessen, zu welcher genannten „Belle tpoque", die sich damals in ganz Europa ereig­ internationalen Tragödie diese beiden Schüsse führen sollten - tat­ net - eine Epoche, die eine beachtliche kulturelle Entwicklung sächlich bildeten sie jedoch den Beginn des Ersten Weltkrieges. bewirkt. Allerdings ist dieses lebensvolle Dasein im Großen und Kurz nach diesen turbulenten Ereignissen meldet sich ein jun­ Ganzen auf die bemittelte und wachsende Mittelschicht beschränkt, ger Österreicher als Kriegsfreiwilliger beim Königlich Bayerischen die in den Jahren vordem Krieg dank der industriellen Entwicklung Reserve-Xnfanterie-Regiment Nr. 18 (später nach seinem ersten immer stärker wird. Die Arbeitskämpfe und sozialen Unruhen, die Kommandeur auch Regiment „ L ist" genannt) - es ist der erfolglo­ noch nicht so lange zurückliegen, sind bereits vergessen und man se Kunstmaler Adolf Hitler, der sich auf diese Weise der konzentriert sich lieber auf den Wohlstandserwerb, der nicht allzu Wehrpflicht in dem von ihm abgelehnten Vielvölkerstaat Öster­ reich-Ungarn entziehen will. M it 25 fahren wird er verwundet, lange währen sollte. Das Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Völkern und zum Gefreiten befördert und zudem mit dem begehrten Eisernen Volksgruppen, die in Europa bei- und nebeneinander leben, ist seit Kreuz 1. K lasse ausgezeichnet. Seine militärische Karriere sollte jeher recht fragil, und die europäische Geschichte ist geprägt von nicht viel weiter gehen, doch würde man noch einmal von ihm dem hören ... beständigen Ringen der einzelnen Länder um die Anton als Kind (mit Laute) im Kreis seiner Familie bei einem typischen Sonntagsausflug. 7
Einführung Ein Teil von Antons Kindheit spielt sich also vordem Hintergrund ] des Weltkrieges ab, dessen Materialschlachten eine stetig steigende ^ Zahl von Verwandten und Nachbarn verschlingen. Am 7. M ai 1915 wird der britische Passagierdampfer „R M S Lusitania" vor der irischen Küste von dem deutschen U-Boot „U-20" *« i unter Kapitänleutnant Walter Schwieger versenkt. Dabei ist es erwähnenswert, dass der Dampfer - entgegen geltenden Seerechts - j Kriegsmunition an Bord hatte. Da sich unter den Opfern auch US- | Staatsbürger befinden, verschlechtern sich die Beziehungen zwischen [ Deutschland und den U SA . Allerdings haben die neutralen U S A | schon zuvor den Mächten der Entente (alliiertes Militärbündnis) J Wirtschaftshilfe geleistet und Kriegsmaterial geliefert. Nach seiner '1 Wiederwahl betreibt U S-Präsident W oodrow Wilson verstärkt den | Eintritt der U S A in den Krieg und im April des Iahres 1917 wird { schließlich dem Deutschen Reich der Krieg erklärt. Kaum zwei Monate < später landet das U S - E xpeditionskorps in Europa - gerade rechtzei- i tig, denn im M ai dieses Jahres kommt es zu zahlreichen Meutereien ^ unter den französischen Truppen an der Westfront, die es satt haben , von ihren Vorgesetzten in den Materialschlachten sinnlos verheizt zu 1 werden. Als Facharbeiter ist Antons Vater nicht zum bayerischen Heer ( eingezogen worden, doch auch er ist kriegsmüde. Die Entbehrungen ’v in der Heimat und all das Erlebte und Gehörte haben bei ihm das i politische Interesse geweckt und mittlerweile befürwortet er umfassen- ’ de soziale Änderungen und radikalsozialistische Ideen. Für ihn und (■ etliche seiner Kollegen hat die russische Oktoberrevolution Vorbildfunktion. Der 9. November 1918 ist für sie ein Freudentag, I der Anfang vom Ende des Leidens für das deutsche Volk-, Der Kaiser I hat abgedankt und ist in die Niederlande geflohen, während in Berlin ß die Republik ausgerufen wird. Die neue provisorische Regierung unterzeichnet zwei Tage später den Waffenstillstand und der Weltkrieg ist zu Ende. Die Kirche von Hösbach kurz vor dem Kriegsausbruch. Allerdings will der von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht geführte kommunistische „Spartakusbund" die neue Regierung stür­ zen und ruft Anfang Januar 1919 zum Aufstand auf, der freilich von U rkatastrophe Regierungstruppen niedergeschlagen wird. Die beiden Anführer wer­ Siegermächten diktierten Vertragsbedingungen sehen unter anderem des 20. Jahrhunderts gelegt. Die von den den ermordet. die Anerkennung der Kriegsschuld durch die deutsche Seite vor und Mit der Unterzeichnung des so genannten Friedensvertrages von damit verbundene Reparationszahlungen in vorerst nicht festgelegter Versailles am 28. Juni 1919 wird der Erste Weltkrieg endlich auch Höhe. Zudem muss das Reich zahlreiche Gebiete abtreten, insgesamt formell beendet - doch gleichzeitig wird damit ein Grundstein für die rund 13% seines Territoriums. Dieser Vertrag sollte sich für die noch junge Weimarer Republik in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht als äußerst schwere Bürde erweisen. (Im Januar 1921 lassen die Alliierten endlich ihre finanziellen Forderungen an Deutschland verlauten: 226 Milliarden Goldmark, zahlbar in 42 Jahresraten.) Bei den ersten Reichstagswahlen im Juni 1920 müssen die Parteien der Weimarer Koalition, allen voran die Sozialdemokraten, schwere Verluste hinnehmen. Radikalere Parteien von rechts und links gewinnen immer mehr an Bedeutung, zwar noch nicht im Parlament, dafür auf den Straßen umso mehr. Das sind vor allem die Kommunistische Partei Deutschlands (K P D ) und die neu gegründete N S D A P (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei). Letztere verfügt in der S A (Sturmabteilung) über eine paramilitärische Kampforganisation, die auch zur Einschüchterung der politischen Gegner eingesetzt werden kann. Die S A zieht viele ehemalige Weltkriegssoldaten, Freikorpsleute und desillusionierte Männer an, Vorder- und Rückseite eines Parteiabzeichens der NSDAP. Das emaillierte Abzeichen wurde von „Parteigenossen" meist am Kragenaufschlag getragen. 8
Der Infanterist des deutschen Heeres Anstecker der „Nationalsozialistischen Frauenschaft", der Frauenorganisation der N SD AP Die hier gezeigte Ausführung mit blauem Rand wurde 1934-38 von Orts-Frauenschaftsleiterinnen getragen. welche die Republik ablehnen, die ihrer Meinung nach all das Übel zu verantworten hat, mit dem das deutsche Volk zu kämpfen hat. Unser Protagonist ist mittlerweile 14 Jahre alt. Zu Hause ist das Geld knapp und für eine weiterführende Schule reicht es sowieso nicht, und so fängt Anton nach der Volksschule als Lehrling in einer kleinen örtlichen Wurstfabrik an. Sein Chef, der zu den Honoratioren in Hösbach gehört, liest den Völkischen Beobachter, das neu-gegründete Parteiorgan der N SD A P, in dem Hitler und Konsorten jede Woche ihre Sicht der Dinge verbreiten. Das national­ sozialistische Parteiprogramm spricht viele Menschen an, die sich mit dem erzwungenen und kostspieligen Frieden nicht abfinden wollen, darunter auch viele orientierungslose jugendliche. Gerade sie lassen sich leicht verführen von den extremistischen Parteien beider Seiten mit ihren einfachen Parolen und Lösungen, die in der harten Realität des Nachkriegsdeutschlands auf fruchtbaren Boden fallen. daraufzu massiven Wirtschafts- und Ernährungsproblemen sowie einer Zu dieser Realität zählen die Reparationslieferungen. Als rasenden Inflation : Im jahr 1914 kostete 1 $ etwas weniger als 5 Mark, Deutschland Ende 1922 damit in Verzug gerät, besetzen belgische Mitte November 1923 hingegen 4,2 Billionen Papiermark! Nicht nur und französische Truppen das Ruhrgebiet, das Zentrum der deut­ die ländliche Bevölkerung und die Arbeiter werden in die Armut getrie­ schen Schwerindustrie, vorgeblich als Faustpfand für die ausstehen­ ben, auch die städtische Mittelschicht bleibt davon nicht verschont. Erst den Lieferungen, tatsächlich aber, um den Versailler Vertrag zu mit der Einführung der neuen Reichsmark im August 1924 gelingt es Gunsten Frankreichs zu revidieren und die deutsche Westgrenze nach die Hyperinflation zu stoppen. Im November 1923 kommt es unterdessen zum so genannten Osten zu verschieben. Die Ruhrbesetzung zieht Streiks, die wirtschaftliche Absperrung Hitler-Ludendorff-Putsch (der allerdings reichlich dilettantisch vonstat­ des Ruhrgebiets und Produktionsausfälle nach sich und führt bald ten geht), bei dem Hitler im Münchener Bürgerbräukeller die „nationa­ Anton und seine Kameraden sind während der Ausbildung angetreten. 9
Einführung Treudienst-Ehrenzeichen für Beamte, Angestellte und Arbeiter des öffentlichen Dienstes, hier die Stufe für 25 Jahre. Es gab auch noch die Stufe in Gold für 40-jährige treue Dienste. Beide wurden an einem blauen Band getragen. le Revolution" verkündet und die nationalen Kräfte zum „Marsch auf wird vor allem von US-amerikanischen Krediten gestützt, die jetzt Berlin" aufruft, ganz nach dem Vorbild des von ihm bewunderten wegfallen. Wie Millionen anderer Deutscher verliert Antons Vater Benito Mussolini. Der Putsch wird aber von der Landespolizei nach über 20 Dienstjahren seine Arbeit in der Ziegelfabrik und so gewaltsam niedergeschlagen und Hitler kommt in Haft; die N S D A P müssen seine Schwester und seine Mutter das Land für eine örtliche wird reichsweit verboten. Obwohl wegen Hochverrats ursprünglich zu Brauerei bestellen, die jedoch nur Hungerlöhne zahlt. fünf Jahren Festungshaft verurteilt, kommt Hitler nach etwas über Angesichts der neuerlichen Krise stellt Anton seine Heiratspläne einem lahr wieder frei: E r nutzt die Zeit, um die Arbeit an seinem erst einmal hintan. Die Familie versucht gemeinsam so gut über die Buch „Mein Kam pf zu beginnen, in dem er die Grundzüge seiner Runden zu kommen, wie es eben geht. Massenarbeitslosigkeit, weltanschaulichen Überzeugung und seines Programms darlegt. Hunger und Elend führen nicht nur bei Anton zu einem wieder Mit den Verträgen von Locarno (v. a. mit Frankreich, Belgien) erstarkenden Interesse an dem, was die N S D A P zu sagen hat. Diese und Berlin (mit der Sowjetunion) schafft es die Weimarer Republik, bekommt seit einiger Zeit richtig Zulauf (wie auch die KPD , die 1930 die bis dahin bestehende außenpolitische Isolierung zu durchbrechen, nach der N S D A P und der S P D die drittstärkste deutsche Partei ist), und im H erbst 1926 wird Deutschland endlich auch in den denn in Anbetracht der erneuten wirtschaftliche Krise verlieren Völkerbund aufgenommen. immer mehr Menschen das Vertrauen in die gemäßigten Parteien. Anton ist mittlerweile auch für die Auslieferung der Würste Nach dem Scheitern der Großen Koalition im März 1930 gibt es zuständig. Dank dieser verantwortungsvollen Position in der einen deutlichen Rechtsruck in der Politik. Die konservativen Wurstfabrik verdient er ganz ordentlich Geld und kann zum ersten Politiker beschließen, alsbald das Ende der Republik herbeizuführen, Mal in seinem Leben etwas hoffnungsvoller und freudiger in die mit Hilfe von Hitlers Partei. Doch ihre Rechnung, den N SD AP- Zukunft blicken. Ermuntert von seinem Chef hat er zudem angefan­ Führer in einer konservativen Kabinettsmehrheit „einzurahmen" und gen an Versammlungen der N S D A P teilzunehmen. Eigentlich ist er dadurch als Träger der Regierungsgewalt zu neutralisieren, geht vor allem daran interessiert mit der neuen Zeit zu gehen, aber es ist nicht auf. auch eine Gelegenheit sich gegenüber dem Vater abzugrenzen, dessen wurde der Held des Ersten Weltkrieges, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, zum Reichspräsidenten Zwischenzeit eher mit den Sozialdemokraten hält. Zusammen mit gewählt, und am 30. Januar 1933 beruft dieser Hitler zum seiner Verlobten fährt Anton hin und wieder nach Frankfurt oder Reichskanzler. Der neue Kanzler zögert nicht lange-. Am nächsten München, um Adolf Hitler sprechen zu hören, der nach seiner ver­ Tag wird der Reichstag aufgelöst, weitere vier Tage später tritt die kürzten Haft die N S D A P neu gegründet hat. „Verordnung zum Schutz des Deutschen Volkes" in Kraft, mit der die Die deutsche Kultur erlebt in den 20er fahren einen rasanten 10 1925 revolutionärer Eifer etwas abgekühlt ist und der es in der Presse- und die Versammlungsfreiheit beschränkt werden. Der Aufschwung. Das von Walter Gropius gegründete Staatliche Reichstagsbrand liefert den Nazis einen Vorwand, die wesentlichen Bauhaus Weim ar revolutioniert mit seinen funktionsbetonten Grundrechte auszusetzen und ihre politischen Gegner quasi-legal zu Entwürfen industrielles Design und Architektur. Die Künste blühen verfolgen. Gleichzeitig werden die konservativen Kräfte und die auf -iund bringen N amen hervor wie Schlemmer, Kandinsky, D ix, Großindustrie im Land umworben, natürlich auch die Reichswehr. Lang, Ophüls, Brecht, Murnau, Mann, Remarque und viele ande­ Unmittelbar nach dem Tod von Hindenburg im Jahr 1934 ordnet die re. Alles scheint möglich und die Menschen blicken wieder hoffnungs­ Reichswehrführung dann von sich aus die Vereidigung der voll auf die Zukunft, nicht zuletzt dank technischer Neuerungen und Reichswehr auf die Person des „Führers und Reichskanzlers" an. industriell gefertigter Konsumgüter. Doch dann bricht im Oktober Die NS-Führung ist sich durchaus bewusst, dass die Sicherung 1929 die N » Yorker Börse zusammen und markiert den Beginn der ihrer Macht entscheidend von der Reduzierung der Arbeitslosigkeit Weltwirtschaftskrise, die Deutschland besonders schwer trifft. Denn und der wirtschaftlichen Stabilisierung Deutschlands abhängt. die von Krieg und Reparationen geschwächte deutsche Wirtschaft Es gelingt den neuen Machthabern tatsächlich durch
Der Infanterist des deutschen Heeres Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Rüstungsprogramme die „Anschluss" Österreichs an das Dritte Reich, Arbeitslosenzahlen kontinuierlich zu verringern, was ihnen weit Wehrmacht einmarschiert ist und das Land faktisch annektiert wird. gehende Zustimmung in der deutschen Bevölkerung einbringt. Die Familie Imgrund kann die Aufbruchsstimmung allerdings Die westlichen Demokratien halten bis nachdem die auf diplomatische Protestnoten still. Um einen drohenden Krieg zu verhindern, stim­ nicht teilen, die sich in Reich ausbreitet: Antons Mutter stirbt an men Großbritannien und Frankreich Ende September 1938 im einer Tuberkulose, die sie sich während der Hungerjahre bei der Münchner Abkommen auch den deutschen Forderungen nach Arbeit auf dem Lande zugezogen hatte. Abtretung des Sudetenlandes zu, dem deutschsprachigen Gebiet in Der erste militärische Einsatz der neuen Wehrmacht findet der damaligen Tschechoslowakei. Doch schon im März 1939 wird das Anfang 1936 statt, als deutsche Truppen in das entmilitarisierte übrige Tschechien ebenfalls besetzt und daraus das Reichsprotektorat Rheinland einmarschieren und ab Spätsommer des gleichen Jahres Böhmen und Mähren gebildet. unterstützen deutsche „Freiwilligenverbände" F rancos Truppen im Am 14. April 1939 meldet sich Anton Imgrund als Freiwilliger Spanischen Bürgerkrieg. Im März 1938 kommt es dann zum beim Wehrbezirkskommando in Aschaffenburg. Was mag ihn wohl mit fast 33 Jahren zu diesem Schritt bewogen? Denn eigentlich gehört er zu den „weißen Jahrgängen", die nach den Bestimmungen von Versailles während der Weimarer Zeit keinen Wehrdienst leisten durf­ ten-, und der Wehrpflicht in der Wehrmacht unterliegt er ebenfalls (noch) nicht. W ir wissen es nicht und könnten also höchstens speku­ lieren. ln der Zwischenzeit hat Hitler seine Aufmerksamkeit auf Polen gerichtet. E r ist sich sicher, dass die Westmächte sich ihm auch hier nicht in den Weg stellen würden, obwohl sowohl Frankreich als auch Großbritannien im Frühjahr einen Beistandspakt mit Polen unter- Anton Imgrunds Wehrpass - er dokumentiert die militärische Laufbahn seines Besitzers. KWaifsBtoUrj $(>/*+§/z f s n : "1:Ifelgs&pp;JO* . ' 8.ÄIW$$ '< &&.fiaslÄssg ö ^ j-IJ-IväiiülswsiSsstsäte’i!? . . . WsJÄä®*tÖJsäwifao^. V. *«i Ih-iawS t Ü S / lt* i ‘ . SSiaTpiiMS H 4,;M* , Öen ... Oh«rta.K* ,/ II *»>*■“ 1 a . j n ia f t e r t in g D ie n s t p t u c i.k .ia r Wehrbezirkskommando Aschaflenburg ii . III| haffenburg • f it t f ^VVVvv ,./ BMttr Ol (ty&ty ‘ tau g lich E rsa tz - R e se rv e I tÄMi 3 # *^ ' .................. / « inj...----------- — ..... l — 11
Einführung Nach Dienstschluss haben sich Anton und einige seiner Kameraden auf ihrer Stube fotografieren lassen, ihrem Alter nach könnten sie zu einer der Ergänzungseinheiten gehören. 12
Der Infanterist des deutschen Heeres Postkarten mit dem Porträt von Anton. Solche Karten wurden gern an die Familie, Freunde und Freundinnen verschickt. zeichnet haben. Hitler befiehlt am 1. September 1939 den Angriff der Wehrmacht auf den östlichen Nachbarn. Zwei Tage nach dem deutschen Angriff erklären die beiden pol­ nischen Bündnispartner ihrerseits dem Dritten Reich den Krieg. Der Zweite Weltkrieg hat begonnen ... Unser fränkischer Protagonist bekommt seinen Gestellungsbefehl und tritt seinen Dienst in der frisch gebauten Hermann-Löns-Kaserne in Cottbus (ca. 130 km südlich von Berlin, im Spreewald) an. Mit den übrigen Rekruten zusammen durchläuft Anton hier, im Herzen des alten Preußen, seine dreimonatige Grundausbildung, die j / aus all den Zivilisten Soldaten machen wird. Sie durchlaufen Formalausbildung, Sportausbildung, Waffen- und Schießausbildung an den leichten Infanteriewaffen, Grundtätigkeiten im Gefechtsdienst, Wachausbildung und lernen das richtige Verhalten beim Einsatz chemischer Kampfstoffe. Doch so hart diese Grund- und die anschließende Vollausbildung auch sein Als es endlich an die Front geht, sind Anton und seine mögen, sie sind nichts verglichen mit dem, was die M änner spä­ Kameraden von der Richtigkeit ihres Tuns ebenso überzeugt wie ter während des Krieges erdulden müssen. Manches wird jedoch davon, dass Hitler sie zum Sieg führen wird. Sie glauben an etwas durch die Kameradschaft der M änner untereinander leichter Größeres, ohne zu ahnen, wohin ihr Marsch sie führen würde. Das erträglich, die trotz unterschiedlicher Hintergründe echte Freundschaften entwickeln. Dritte Reich würde ihnen keine Rettung bringen oder Ruhm oder Ehre ... nur unendliches Leid, Elend und Zerstörung. Rast und Essenfassen auf dem langen Eisenbahnmarsch in Richtung Front. Gewöhnlich wurden die Truppen in Güterwagons transportiert, die über keinerlei Komfort verfügten, abgesehen von einem Heizofen und etwas Stroh zum Schlafen. Je nach den Kapazitäten der Reichsbahn und der Lage im Zielgebiet konnten diese Fahrten mitunter Wochen dauern. 13
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Stahlhelme Der moderne Bundeswehr-Gefechtshelm geht (nahezu) direkt auf weitere Helmmodelle eingeführt, u. a. eine Weiterentwicklung, den deutschen Stahlhelm zurück, der während der Grabenkämpfe des die sich in der Innenausstattung unterschied und durch eine 1. Weltkrieges eingeführt worden war, um den exponiertesten verbesserte Kinnriemenaufnahme auszeichnete. Es folgte der „M 18". Außerdem gab es noch ein Modell mit Ohrenausschnitt, das Körperteil des Soldaten zu schützen, sprich: den Kopf. Schon immer hatten Krieger ein besonderes Interesse daran, die­ heute als „Kavalleriehelm" bezeichnet wird. sen im Einsatz besonders zu schützen, wofür im Lauf der Geschichte Im lahr 1934 begann die Reichswehr mit der Entwicklung eines die unterschiedlichsten Kopfbedeckungen von mehr oder weniger neuen Modells, das auf dem bewährten „M 18" aufbaute. Die in großer Schutzwirkung verwendet wurden. Nicht nur in der Antike Thale ansässige Firma Eisenhüttenwerke entwickelte den ersten spielten noch andere Aspekte eine Rolle. So diente der Helm oft Prototypen, der schließlich mit Verfügung vom 25. J uni 1935 unter genug zur Einschüchterung des Gegners oder auch reinen der Bezeichnung Stahlhelm 35 eingeführt wurde, kurz nach der Repräsentationszwecken. Letzteres um so mehr, als es sich mit der Umbenennung der Reichswehr in „Wehrmacht". Dass die Helmform Verbreitung der Feuerwaffen schnell zeigte, dass Helme zwar auch des alten Stahlschutzhelmes beibehalten wurde, lag nicht nur an weiterhin im Nahkampf einen gewissen Schutz gegen Degen- und ihren unbestreitbaren Vorzügen, sondern hatte auch damit zu tun, Säbelhiebe boten, nicht aber gegen Kugeln oder Schrapnelle. dass die Nationalsozialisten um die große Symbolkraft dieses Helmes 1914 schickten alle Nationen ihre Soldaten mit wussten. Allerdings stand das neue Helmmodell der Truppe erst ab Kopfbedeckungen in den 1. Weltkrieg, welche den Bedingungen des 1938 in ausreichender Zahl zur Verfügung, was zum einen an der 19. Iahrhunderts genügt haben mochten, aber für den bald einset­ Verdreifachung des Friedensheeres auf 300.000 Mann lag, zum zenden Stellungskrieg mit seinem mörderischen Artilleriefeuer völlig anderen aber daran, dass zuerst größere Mengen des Helmes ins untauglich waren. Als Erste reagierten die Franzosen auf diese tödli­ Ausland geliefert werden mussten, allen voran an die nationalchine­ che Bedrohung, indem sie zunächst eine Stahlkappe einführten, die sische Regierung und an F rancos Truppen - E rstere in einem verbis­ unter dem traditionellen Kepi getragen werden konnte, bevor sie ihre senen Kampf gegen das kaiserliche Japan, während Zweiter einen Truppen Ende 1915 mit dem unverwechselbaren „Adrian!'-Helm blutigen Bürgerkrieg ausfochten. Der Stahlhelm 35 wurde bis zum ausstatteten. Beim deutschen Heer dauerte es noch bis \anuar 1916, lahr 1940, als man zu einer etwas vereinfachten Produktion über­ ehe anstelle der prächtigen, aber leider nutzlosen Pickelhaube aus ging, nahezu unverändert hergestellt. Im lahr 1942 gab es eine Leder (und anderer Kopfbedeckungen) erste ‘Stahlschutzhelme' an weitere Änderung, welche der Materialknappheit und einer die Fronttruppenteile ausgegeben werden konnten. Dieses Stahlhelm- Fertigungsvereinfachung geschuldet war. Dieses letzte Helmmodell Modell „M 16" war zwar recht schwer, hatte aber - insbesonde­ ließ einiges von der akkuraten Verarbeitung seiner Vorgänger vermis­ re im Vergleich mit dem französischen „A d rian" - eine erheblich sen. (AdÜ: Die Modellbezeichnungen „M 16", „M 18", „M 35" und höhere Schutzwirkung gegen Schrapnelle, Sp litter und Handfeuerwaffen. Neben diesem ersten Modell wurden noch „M 42" sind erst lange nach dem Krieg aufgekommen - zeitgenös­ sisch ist nur die Bezeichnung Stahlhelm 35.]
S tahlhelm e 01. Zwischen 1935 und 1945 wurden im Deutschen Reich über 25 Millionen Stahlhelme produziert, wobei das Ausgangsmodell im Verlauf des Krieges zwei kleinere Veränderungen erfuhr, welche der Rationalisierung geschuldet waren. Von links nach rechts: Stahlhelm 35, „M 35/40" und „M 42" in gängigen Farbanstrichen. Die beiden letzteren wurden 1940 bzw. 1942 eingeführt und neben ihren jeweiligen Vorgängern getragen. 02 . Die Innenausstattung erfuhr kaum Änderungen, allerdings verschlechterte sich die Qualität zunehmend. Wieder von links nach rechts: Stahlhelm 35, „M 35/40" und „M 42". 03. 16 Die Innenausstattung 31 war eine ausgeklügelte Konstruktion von hohem Tragekomfort. Sie wurde 1931 eingeführt und sollte die bisherigen Muster von 1916, 1918 und 1927 ablösen, welche sich als sehr unbequem erwiesen hatten. Sie bestand aus dem Aluminiumbund (Außenring), an den zwei bewegliche Hängebleche mit Ösen für den Kinnriemen festgenietet waren. Ein zweiter Aluminiumbund (Innenring) war mittels fünf Stahlfedern federnd mit diesem Außenring verbunden. Am Innenring wurde zudem das Schweißleder mit Filzstreifen (zwecks Komfort) mit 10 bis 14 Splinten befestigt. Die Innenausstattung wurde in fünf Größen hergestellt (wie die Helmglocke auch). Auf dem Außenring waren zwei Stempel angebracht, einmal Lieferfirma und -jahr und dann Helmgröße und Kopfweite. Die Stempelung in diesem Helm '64 n.A. 57' bezeichnet die Helmgröße (64) und die Kopfweite (57 cm), während die Buchstaben 'n.A.' für „neue Art" |der Innenausstattung! stehen.
Der Infanterist des deutschen Heeres 04. Befestigung des Außenrings. 05. Das Kürzel 'ET' und die Zahl 64 bezeichnen die Lieferfirma (Eisenhüttenwerke in Thale - der wichtigste Helmhersteller) sowie die Helmgröße dieses Stahlhelms 35. Man beachte die Bördelung des Helmrandes. 06. Die Verbindungsnaht zwischen Schweißleder und Filzstreifen ist in diesem Bild gut zu sehen, wie auch die Befestigung am Innenring aus Aluminium. Stahlhelm 35. 07. Typisch für den Stahlhelm 35 waren die seitlich eingenieteten Lüftungsbolzen. Hier ist auch einer der drei Helmsplinte (aus verzinntem Messing) zu erkennen, mit denen die Innenausstattung mit der Helmglocke verbunden ist. 08. Typische Innenausstattung der ersten Serie. Dieses Stück wurde 1936 in der Berliner Kofferfabrik (Inhaber: Max Densow) gefertigt. Die Öse für den Kinnriemen und das Hängeblech sind aus mattiertem Aluminium. 08 09. Detailansicht von Hängeblech und rechteckiger Öse zum Einknöpfen des Kinnriemens. Stahlhelm 35. 17
S tahlhelm e 10. Im Nackenschirm der Helmglocke ist die Seriennummer eingeschlagen. Die untere Nummer verrät, dass dieser Helm zwischen 1936 und 1937 gefertigt wurde. 11 . Die rechteckigen Kinnriemen-Ösen der ersten Innenausstattungen 31 wurden mit der Zeit brüchig. Stahlhelm 35. 12. Ab dem „Modell 35/40" wurde die Innenausstattung 31 aus verzinktem Stahl gefertigt und für das Innenleder wurde neben dem teureren Schafs- oder Ziegenleder zunehmend auch das preiswertere, weil weniger reißfeste Schweinsleder verwendet. Die in dieser Aufnahme gezeigte Ausstattung wurde 1943 von der Schuberth-Werk KG in Braunschweig geliefert. Die eingeprägten Buchstaben 'D.R.P.' stehen für Deutsches Reichspatent. 13. Die in diesem „M 35/40"-Helm aufgemalte Zahl 58 bezeichnet die Kopfweite. Der Herstellercode 'Q66' verrät, dass er von der Firma F.W. Quist aus Esslingen stammt, deren Helme aus dickerem Metall gefertigt waren als die der übrigen Hersteller (bis zu 1.300 g). Seit dem „Modell 35/40" war ausdrücklich ein nickel-, chromund molybdänfreier Stahl für die Produktion vorgeschrieben. 14. Diese handgemalte Nummer gibt die Einheit des Trägers an (7./IR 97). 15. Innenleder aus minderwertigem Schweinsleder sind typisch für nach 1943 gefertigte Innenausstattungen. Diese hier ist in einem „M 35/40"-Helm befestigt. 18
Der Infanterist des deutschen Heeres 16. Auf diesem Bild ist der unter dem Innenleder sitzende Filzstreifen gut zu sehen. Man beachte auch den Herstellerstempel. Helm „M 35/40". 17. Rolldornschnallen aus unlackiertem Stanzstahl waren wirtschaftlicher als ihre Vorgänger. „M 35/40". 18. Auf dem Innenleder ist die Kopfweite (hier: 58) aufgestempelt. Stahlhelm „M 35/40" 19. Auf diesem Bild der Innenausstattung eines „M 42" Helmes ist einer der Leichtmetallsplinte zu erkennen, mit denen das Innenleder am Innenring befestigt wurde. Ferner ist einer der drei Helmsplinte zu sehen, mit denen das Helmfutter mit der Helmglocke verbunden ist, sowie eine der in den Außenring geschobenen Stahlblattfedern. 20. Die Innenausstattung dieses „M 35/40" ist von schlechterer Qualität als die Vorkriegsausführungen. Für diese hier wurden wohl diverse Teile zusammengestückelt. Die offene Herstellerbezeichnung auf Wehrmaterial wurde ab 1942 aus Gründen der Geheimhaltung verboten. An ihre Stelle traten die sogenannten RB-Nr. (Reichsbetriebsnummer und Buchstabencodes), wie sie hier zu sehen ist. 19
S tah lh elm e 21. Gestanzte und grau lackierte Rolldornschnalle. 22. Gestempelte Innenausstattung der Größe 58 mit Zugschnur aus Baumwolle. 23. Stempel mit der Kopfweite bei einem „M 42"Helm. 24. Typische Stempelung bei einem SpätkriegsModell (1944); 'ckl' steht für die Eisenhüttenwerke in Thale. Die Ziffer 4077 bezeichnet das Herstellungslos. 24 25. Für die Beschaffung, Preisfestsetzung, Kontrolle usw. war das Wehrmachtsbeschaffungsamt Kleidung und Ausrüstung zuständig. Dessen Prüfer wählten aus dem laufenden Herstellungslos eine bestimmte Anzahl von Stahlhelmen (gewöhnlich 101 Stück) aus, und versahen sie anschließend wenn sie sämtliche Prüfungen bestanden hatten - mit einem Abnahmestempel oben in der Helmglocke. Auf dem Foto ist ein solcher Stempel zu sehen, der neben Quartal und fahr der Abnahme auch den Vermerk 'Beschaffungsamt für Heer und Marine’ zeigt. 26. Abnahmestempel in einem Stahlhelm „M 42" aus dem Jahr 1944. 20
Der Infanterist des deutschen Heeres 27. Der zweiteilige Kinnriemen wurde mittels Doppelstegknöpfen an den entsprechenden Ösen der Innenausstattung eingeknöpft. Er war aus etwa 1,5 cm breitem Blankleder, das auf der Fleischseite schwarz gefärbt war. Der kurze Schnallriemen hatte an einem Ende eine eingenähte Doppelstegschnalle und war rund 10 cm lang. Der lange Riemen war etwa 44 cm lang und wies 13 Schnalllöcher auf. 28. Detailansicht des Kinnriemens. 29. Die Stahlhelme der Reichswehr trugen seit den 1920ern das jeweilige Landeswappen in Schildform unter dem linken Lüftungsbolzen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden diese Wappen allesamt durch ein Wappenschild in den neuen Reichsfarben SchwarzWeiß-Rot ersetzt. Ein Jahr darauf befahl der Reichswehrminister, General Werner von Blomberg, die Einführung des neuen Hoheitsabzeichens für die verschiedenen Bekleidungsstücke der Reichswehr. Natürlich unterlag auch der Stahlhelm dieser neuen Vorschrift: an die Stelle des schwarz-weiß-roten Reichswappens, welches auf die rechte Helmseite wanderte, kam das neue Hoheitsabzeichen - ein auf einem Hakenkreuz stehender Adler (vom Typ „Heeresadler", d.h. silberweiß und mit nach unten gerichteten Flügeln) in schwarzem Wappenschild. Bei beiden Schildern handelte es sich um Abziehbilder mit den Maßen 40 x 33 mm. Sie wurden im Normalfall mit einem speziellen Lack auf den Stahlhelm übertragen und nach dem Trocknen mit einem Schutzlack überzogen. Die Aufbringung erfolgte, zumindest in der Friedenszeit, in der jeweiligen Einheit. Da die farbigen Abzeichen im Feld zu auffällig waren, fiel im Jahr 1940 das Wappenschild weg und ab Ende 1943 dann auch der Adler. Hier sind zwei Abziehbilder mit dem Wappenschild und dem Hoheitsabzeichen abgebildet, beide noch auf ihrer Trägerfolie. 29 5 ^ .9 9 / 1 2 3 8 Huber Jordan « Koemeat-, N ü r n b e rg - 0 — e h b . Id & r fa b r ik . 30. Vor- und Rückseite eines Abziehbildes von einer bekannten Nürnberger Abziehbilderfabrik. 31. Detailansicht eines auf dem Helm aufgebrachten Hoheitsabzeichens. 21
S tahlhelm e Stahlhelm 35 Der Stahlhelm 35 wurde mit Verfügung vom 25. Juni 1935 für das Heer eingeführt. Nur zwei Jahre später waren schon fast 1,4 Millionen Stück davon hergestellt worden. Die Herstellung war relativ zeit- und arbeitsaufwändig. Das Ausgangsmaterial war 1,1- 1,2 mm starkes Molybdän-Stahlblech (später durch Mangan-Silizium-Stahl ersetzt), aus dem der Helm in einem Stück kaltgezogen wurde, bis er nach mehreren Arbeitsschritten seine endgültige Form hatte. Als nächstes wurde der Helmrand nach innen gebördelt, dann die Helmglocke mit fünf Löchern versehen, zwei für die seitlichen Entlüftungsbuchsen und drei weiter für die Splinte zur Befestigung der Innenausstattung. Zum Schluß wurde der Helm gehärtet. Danach ging es ans Sandstrahlen der Oberfläche, bevor der Helm mit einem eingebranntem Lacküberzug versehen wurde. Das Gewicht der Helme lag zwischen 810 und 1.170 g (ohne Innenausstattung); das waren 150 g weniger als beim Vorgängermodell. Die Innenausstattungen stammten von anderen, darauf spezialisierten Lieferanten und wurden in Handarbeit zusammengebaut. Der Gesamtpreis eines Helmes lag 1936 bei 7,26 Reichsmark. Stahlhelm 40 33. 22 Im lahr 1940 wurde die Herstellung vereinfacht, indem das Lüftungsloch künftig geprägt wurde. Außerdem erhielten die Helme fortan einen schiefergraumatten Anstrich, der außenseitig leicht angeraut wurde.
Stahlhelm 42 Das mit einer Verfügung vom 20. April 1942 eingeführte Stahlhelmmodell „M 42" spiegelt die Auswirkungen des Krieges auf das Reich deutlich wieder. Die Rohstofflage war angespannt und daher bemühte man sich, die Fertigung möglichst zu rationalisieren: Es gab eine Verminderung der Ziehstadien und das Bördeln des Stahlhelmrandes fiel weg, wodurch dieses Modell insgesamt etwas schärfere Konturen bekam. Außerdem wurde eine vereinfachte Innenausstattung, eingeführt, u. a. mit verkleinertem Innenleder. Dank dieser Fertigungsvereinfachungen konnte der Bedarf bis Kriegsende weitgehend gedeckt werden, trotz der angespanten Rohstoff- und Arbeitskräftesituation.
S tah lh elm e 35. Zwar wurden die Helme im Krieg mit einem angerauten matten Tarnanstrich ausgegeben, doch half dies nicht, die charakteristischen Konturen zu verwischen. Um also weniger „sichtbar" zu sein, setzten die Landser im Verlauf des Krieges alle möglichen Behelfsmittel ein. Dazu gehörten das Bestreichen des Helms mit Erde oder Lehm, der Einsatz von Gummiringen oder feinem Maschendraht zum Einstecken von Tarnmaterial (Zweige, Gras, usw.) und alle möglichen mehr oder minder provisorischen Stoffüberzüge. Je nach Kriegsschauplatz wurden die Helme aber auch mit Fahrzeugfarben ein- oder mehrfarbig gestrichen, bei Schnee etwa weiß (mitunter soll hier sogar Zahnpasta als Notbehelf verwendet worden sein). Wie hier zu sehen, konnte auch ein kreuzweise um den Helm gelegter Brotbeutelriemen zum Befestigen von Tarnmaterial eingesetzt werden. 36. 24 Beispiel für einen im Feld mit FahrzeugTarnfarbe gespritzten Stahlhelm. Die raue Oberflächenstruktur wurde durch Beimischung von feinem Sand erzielt.
Der Infanterist des deutschen Heeres 37. Schon vor der offiziellen Einführung von Helmüberzügen für das Heer im ]ahr 1942 wurden unterschiedlichste improvisierte Helmüberzüge von den Soldaten im Felde verwendet. Die verbreiteste Variante waren aus Zeltbahnmaterial gefertigte Helmüberzüge, welche häufig vom Kompanieschneider angefertigt wurden. Von den offiziell ausgegebenen Helmüberzügen gab es verschiedene Ausführungen: aus „Splittertarn"- oder „Sumpftarn"-Material (hier abgebildet), mit und ohne Stofflaschen, teilweise wendbar mit einer weißen Innenseite. Helmüberzüge wurden nur an Kampftruppen ausgegeben (aber auch nicht an alle) und gehörten nicht zur persönlichen Ausrüstung. Daneben gab es das 1942 eingeführte „Stahlhelmtarnnetz", welches mittels zweier Haken und einer Schnur am Stahlhelm gehalten wurde. 38. Innenseite des „Sumpftarn'-Überzuges.. 25
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Uniform Preußen nicht mehr als Montierung bezeichnet, sondern mit einem Wort, das wetteiferte förmlich um Farbenfreudigkeit der Abzeichen und Uniformen. Damit kam man natürlich auch weit gehend dem Bedürfnis des Soldaten, sich ursprünglich aus dem Französischen stammt: „Uniform“ . zu schmücken und aufzufallen, entgegen. Dieser Aspekt war in einer Zeit, als Etwa ab der Zeit König Friedrichs II . wurde die Heeresbekleidung in An dieser Stelle lohnt es, sich einmal mit den Vorläufern unserer stehen­ man noch auf Söldnerwerbung angewiesen war, umso wichtiger. Wie sollte auch den Heere zu befassen. Da waren zunächst die Landsknechte, deren sonst dem armen Handwerksburschen im zerlumpten Rock der Eintritt in die Kampfweise das Zeitalter Maximilians beherrschte. Sie waren überwiegend Armee schmackhaft gemacht werden? Nicht nur Kleider, erst recht Uniformen Abenteurer, die den Kampf aus Lust am Raufen und in der Erwartung loh­ nender Beute suchten. Sie kamen so zur Fahne, wie man sie angeworben hatte. machen Leute! Bis zum Ersten Weltkrieg wiesen die Uniformen der deutschen Regimenter Und so boten diese ziemlich regellosen Haufen nicht gerade das Bild einer ein­ noch eine außerordentliche Farbenfreudigkeit auf, was ohne nachteilige heitlichen Kampftruppe. Wenn hin und wieder von einem „blauen" oder „roten" Bedeutung war, denn schließlich verschwanden sie ohnehin in dem Regiment die Rede ist, dann leitete sich diese Bezeichnung manchmal von den Pulverdampf der Schlachten. Das änderte sich erst, als man weittragende Hosen oder Strümpfen her, in den meisten Fällen jedoch von der Fahne. Gewehre mit fast rauchlosem Pulver erfand. jetzt bestand für die Truppe die Notwendigkeit der Tarnung, wenn allzu Allmählich führte man zur besseren Kennzeichnung der Zusammengehörigkeit so genannte Feldzeichen ein. Diese bestanden aus Armbinden, Hutabzeichen oder Degentroddeln und sollten vor allem der große Verluste vermieden werden sollten. ]e nach Klima, Licht- und Bodenverhältnissen wurden die Schutzfarben für die Feldheere festgelegt: das Feststellung dienen, ob man es im Kampfgetümmel mit Freund oder Feind zu Feldgrau für Deutschland, das Graublau für Frankreich, Khakitöne für tun hatte. Von Wallenstein wird berichtet, dass er seine Leibwachen schon Großbritannien und Russland, Sandbraun für Tropenregimenter. Und so zogen die deutschen Regimenter in feldgrauen Uniformen in den gleichmäßig kleiden ließ, so dass man wohl annehmen kann, dass in seinem Heer bereits eine gewisse Gleichmäßigkeit der Bekleidung erreicht war. Lange Ersten Weltkrieg. war das Hauptbekleidungsstück das aus Tuch oder Leder gefertigte Wams, das Materialschlachten und den Grabenkämpfen der Westfront sehr gut. Auch die Uniform des Reichsheeres, das der Weimarer Republik nach dem verlorenen erst später durch den Rocfe verdrängt wurde. Während das Wams wenig far­ bige Unterscheidungsmerkmale bot, hatte man beim Rock durch die Verwendung eines andersfarbigen Futters an Ärmel, Schoß oder Brust ver­ Die Farbe bewährte sich im Trommelfeuer der Krieg zugestanden wurde, warfeidgrau, und sie übernahm zahlreiche bewähr­ te Elemente der Kriegsjahre. Die Uniform der Wehrmacht schließlich spiegelte den hohen Stellenwert wieder, den die neuen Machthaber dem M ilitär beima­ schiedene Möglichkeiten der Kennzeichnung. Eine bevorzugte Farbkomposition war Blau und Rot, und für die bran- ßen. Zumindest im Friedensheer war die Qualität und Verarbeitung der ein­ denburgischen Regimenter wurde Blau bereits 1629 als Grundfarbe eingeführt zelnen UniformstUcke ungewöhnlich hoch, von den privat beschafften Stücken (wie übrigens auch bei etlichen anderen protestantischen Staaten). Zu den ganz zu schweigen, die auch der gemeine Soldat zum Ausgehanzug tragen Gründen der Zweckmäßigkeit bei derWahl einer einheitlichen Farbe war inzwi­ durfte. schen die Erkenntnis vom hohen ideellen Wert einer gleichmäßigen Bekleidung Als Anton 1939 seinen Dienst antrat, zogen er und seine Kameraden noch in hochwertigen Friedensuniformen in den Krieg. Doch im Verlauf des Krieges gekommen. Von ihr ging das Gefühl der Verbundenheit aus, sie vermittelte den „corps d'esprit", dem Friedrich der Große so überragende Bedeutung zumaß. mussten sie miterleben, wie ihre Uniformen infolge Mangels an Rohstoffen Der Korpsgeist gibt den Soldaten das notwenige Selbstbewusstsein - sie müs­ immer schlechter wurden. sen ihre Truppe für die Beste der Welt halten. Die Uniform wird dabei zum fast nur noch aus Reißwolle - von einer strapazierfähigen Bekleidung konnte festen Bindeglied der Zusammengehörigkeit, während der Korpsgeist viele mili­ jedenfalls nicht mehr die Rede sein. Von dieser Verschlechterung waren tatsäch­ tärische Erfolge erst ermöglicht. I m den folgenden Jahrhunderten war es der Ehrgeiz vieler Landesfürsten, lich alle hier vorgestellten Bekleidungsstücke betroffen. Im den letzten beiden Kriegsjahren bestanden sie oft sich gegenseitig durch die Wertigkeit der Ausstattungen zu übertreffen, man nadirotis Ob» Behle Hunas- a tlf SüfHti&unßS* ttitb Slu«rü^ung«flc(»fuiidnbc ritfitifl gcRcmpU n t mit btm «am en bcs Solbatcn ocrfeljcn icin (ofll. $)• S o . 121, «nlage jum 5l,i. fang 9). Se c Sicmc ift an bet »orgejdjtie&eneu Stelle etnjuitfiften, bei Seoctjfxfcg eiHAiifle&en (jtefie SSeijpicIe!). unD flustültungsHü.** *» »» tU fr Rnmrrkung: StüAt, 61t *— « M t Ä t t l B S a S rtÄ ä S tf ourfi b«wni8t 3-8. 0»« -Totl femnli n 1Y J G ii» J ’i r * fomister Die Soldbuch-Seiten 6 und 7 enthielten den „Nachweis über Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke", die der Inhaber erhalten hatte. Das Heftchen „Deutsche Uniformen" stellte die Uniformen der drei Wehrmachtsteile und der uniformierten NS-Organisationen farbig vor. 27
Uniform Feldmützen Feldmütze für Unteroffiziere und Mannschaften (1935-42) Als Österreich im März 1938 an das Deutsche Reich „angeschlossen" wurde, trugen die einmarschierenden Wehrmachtssoldaten zur Felduniform eine relativ neue Mütze. Sie sah schmissiger aus als das verhasste „Krätzchen“ des Ersten Weltkrieges und ließ sich leichter im Brotbeutel verstauen als die Feldmütze der Reichswehr. Das erste Muster der neuen Feldmütze, ihrer Form wegen auch „Schiffchen" genannt, war bereits 1934 eingeführt worden, wurde aber schon im fahr darauf gegen die bis 1943 ausgegebene Form ausgetauscht. Das „Schiffchen" wurde aus Grundtuch gefertigt, d. h. dem gleichen Tuch, das auch für die Feldbluse verwendet wurde. Auf der Stirnseite saß ein gewebtes Hoheitsabzeichen, zunächst weiß bzw. silbergrau auf bläulich-dunkelgrünem, später mausgrau auf feldgrauem Grund. Die Kokarde, auf einem quadratischen Grund, wurde auf dem Umschlag darunter aufgenäht. 01 Die Kokarde wurde von der so genannten Soutache eingerahmt, einem Winkel aus flacher Baumwollschnur in der Waffenfarbe. Mit einer Verfügung des jahres 1942 Stlb 2. S i t btt Sfftmiifct, fiel dieser Winkel weg und war zu entfernen, was aber oft genug unterblieb. Das „Schiffchen" verfügte übereinen Umschlag, Klappe genannt, der bei kaltem Wetter über die Ohren gezogen werden konnte. Auf beiden Seitenteilen war je eine Metallöse als Lüftungsloch angebracht. Bei großer Kälte konnte die Feldmütze auch unter dem Stahlhelm getragen werden, was zumindest ein wenig Wärme gab. 02 1 c m übet r. Hugt. 1 c m n6et t. 0 § t . 9t i d) 11 g! 3 c m iibcc I D&r. § al j dj! 01. Vorschriftsmäßiger Sitz der Feldmütze. 02: Frühe Ausführung (1939/40) mit Baumwollfutter. Dem Soldaten stand alle zwei Jahre eine neue Mütze zu. 03. Detail der Vorderseite mit Hoheitsabzeichen, Reichskokarde und Soutache in der Waffenfarbe (hier: Infanterie). *tertsatier 'V ju d e n x H iu E R i | 06. Späte Ausführung (1943) mit Futter aus Kunstseide. Welche Auswirkungen der hohe Anteil an „Ersatzspinnstoffen" auf die Stoffqualität hatte, wird hier deutlich. 28 04. Herstellerstempel im Futter. 05. Detailaufnahme einer der beiden als Lüftungsloch dienenden Metallösen.
Der Infanterist des deutschen Heeres Feldmütze 42 für Unteroffiziere und Mannschaften Gegen die bittere Kälte des ersten Russland-Winters 1941/42 hatte sich die ursprüngliche Feldmütze als weitgehend nutzlos erwiesen. Deshalb gelangte an ihrer Stelle ein neues Muster zur Einführung, das über einen vergrößerten, mit zwei Knöpfen knöpfbaren Umschlag verfügte - nach Vorbild der Bergmütze -, der nunmehr dem ganzen Gesicht Schutz bot. Auch diese Feldmütze wurde aus Grundtuch gefertigt, doch fiel die Soutache weg und Hoheitsabzeichen und Kokarde waren bei diesem Modell gewöhnlich in einem Stück gewebt. 07, Eine Feldmütze 42 - sie wurde auch nur in diesem lahr hergestellt. 08. Im Mützenfutter aus Kunstseide finden sich Größen- und Herstellerstempel sowie der Abnahmestempel des Bekleidungsamtes: 'F.42' (H BA Frankfurt, Beschaffungsjahr 1942). 09. Auf diesem Foto ist die als Lüftungsloch dienende Metallöse zu erkennen, aber auch die bereits recht grobe Qualität des Grundtuches. Einheitsfeldmütze Einheitsfeldmütze (1943 -1945) Mit Verfügung vom Jum 1943 wurde die Einheitsfeldmütze eingeführt, die das „Schiffchen" ablösen sollte. Ihr Schnitt war dem der Bergmütze der Gebirgstruppen recht ähnlich, die ihrerseits aus der Kopfbedeckung der kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstandenen k. k. Gebirgstruppe hervorgegangen war. Diese neue Feldmütze war bei den Soldaten sehr beliebt und war dann bis zum Kriegsende 1945 die gebräuchlichste Kopfbedeckung. Die Einheitsfeldmütze hatte einen längeren Schirm als die Bergmütze und, anders als diese, kein ledernes Schweißband. Einige Hersteller behielten die metallgefassten Ventilationslöcher in den Seitenteilen bei, obwohl sie aus Gründen der Materialersparnis eigentlich wegfallen sollten. Wie alle Feldmützen war auch diese aus Grundtuch gearbeitet, das mittlerweile einen noch höheren Anteil an Kunstfasern und anderen Ersatzspinnstoffen aufwies. Gewöhnlich wurde an dieser Kopfbedeckung ein mausgraues Hoheitsabzeichen getragen, das mit der Kokarde zusammen auf feldgrauem, dreieckigem oder T-förmigem Untergrund gewebt war. Der Umschlag ließ sich, wie bei der Bergmütze und der Feldmütze 42, herabklappen und wurde vorne unter dem Kinn mit zwei Knöpfen geschlossen, gewöhnlich gekörnte und feldgrau lackierte Exemplare aus Leichtmetall. Gegen Ende des Krieges wurden aber auch zunehmend Knöpfe aus Kunststoff, Glas, Bakelit, Pappe oder Holz verwendet. Zur Versteifung des Schirms wurde eine Einlage aus Pappe oder Kunststoff verwendet, die aber durch Nässe oder Knicken des Schirmes, etwa wenn die M ütze in die Tasche gesteckt wurde, leicht verbog oder brach. 10. Ein ziemlich typisches und gut verarbeitetes Kammerstück, das die Merkmale dieses Modells erkennen lässt. Wahrscheinlich 1943 oder 1944 hergestellt. 29
Uniform Einheitsfeldmütze von der Seite und von oben. 12. Vorderansicht mit den Abzeichen, dem Umschlag und den beiden Knöpfen. 13. Kunstseidenfutter mit Größenstempel (56) Detail des Umschlagsaumes und des daran angenähten Stoffstreifens, der zum Fixieren von Ohrenschützern gedacht war. 15. Ein Exemplar aus dem Jahr 1944. 16. Auf der Vorderseite sind Hoheitsabzeichen und Kokarde auf T-förmigem Grund aufgenäht. Von der ursprünglichen Farbe der gekörnten Mützenknöpfe ist hier nichts mehr zu sehen. 16 17 o # % 30 % 17. Detailaufnahme des Futters mit einem Lüftungsloch - diese waren eigentlich bei dieser Mütze unüblich.
Der Infanterist des deutschen Heeres 18. Beispiel für eine gegen Kriegsende produzierte Mütze. 19. Man beachte die hier verwendeten Knöpfe aus Leichtmetall! 20. Stempel mit RB-Nr. und Größe (58). 21. Einheitsfeldmütze mit herabgeklapptem Umschlag. Die Aufnahmen zeigen, wie die Ohrenschützer innen am Umschlag fixiert wurden.
Uniform 22. Nachdem die Einheitsfeldmütze für alle Soldaten der Wehrmacht eingeführt worden war, mussten auch die Jager" ihre traditionelle Bergmütze durch die neue Kopfbedeckung ersetzen. Das Foto zeigt eine Feldmütze mit dem charakteristischen Edelweißabzeichen auf der linken Seite. 23. Das Gebirgsjäger-Edelweiß aus Leichtmetall ist auf dem Umschlag festgenäht. Drillichfeldmütze Drillichfeldmiitie (1943-1945) Soldaten, die im südlichen Europa und in Südrussland standen, trugen während der heißen Som m erm onate gerne solche Mützen aus schilfgrünem Drillichstoff zum als Sommerfeldanzug getragenen leichten Drilliclianzug Anders als dieser irar diese S H H B H H Feldmütze aber kein ..dienstliches" Bekleidungsstück, sondern dürfte wohl a u f eigene Initiative der verschiedenen Truppenteile angefertigt worden sein. Ihr Schnitt orientierte sich an dem der Feldmütze mit Schirm, die die deutschen Truppen in Nordafrika trugen. 24. Eine frühe Ausführung der Mütze. 25. Das auf der Vorderseite aufgenähte Hoheitsabzeichen und die Kokarde sind hier getrennt gewebt. 32 26. Innenansicht einer Drillichfeldmütze mit Kunstseidenfutter. 27. Diese, mit einem falschen Umschlag versehene Mütze, dürfte später entstanden sein. Das Futter ist auch hier aus Kunstseide. 28. Man kann davon ausgehen, dass diese Mützen mit den Abzeichen versehen wurden, die der Kompanieschneider gerade greifbar hatte. Hier ein zusammen mit der Kokarde in einem Stück gewebtes Hoheitsabzeichen.
Der Infanterist des deutschen Heeres Feldblusen und -hosen Feldbluse (1933-1944) Die Feldbluse war „das“ Uniformstück des deutschen Heeressoldaten schlechthin, durchlief aber dennoch die größten äußerlichen Veränderungen von allen Bekleidungsstücken. Die Briten hatten eine ähnliche Erfahrung gemacht, als sie ab 1938 peu ä peu ihren „Battle Dress“ einführten, der den Realitäten der neuen Zeit eher entsprach als ihre alte Uniform, die bereits seit 1902 nahezu unverändert im Einsatz gewesen war. Der Schnitt des britischen „Battle Dress" sollte alsbald nicht nur die militärische Mode der verbündeten USAmerikaner beeinflussen - in Form der „lke"-Bluse -, sondern 1944 nahmen selbst die Deutschen mit ihrer Felduniform 44 Elemente des britischen Entwurfs auf, wenn auch weniger aus modischen Gründen sondern wegen des eklatanten Rohstoffmangels. Im fanuar 1933 kamen die Nationalsozialisten an die M acht und im April des gleichen lahres wurde dann auch das Bekleidungsstück eingeführt, welches die Felduniform des neuen Heeres für die nächsten elf fahre prägen sollte: die Feldbluse. Es handelte sich um eine hervorragend verarbeitete, fesche Bluse, die teilweise gefüttert war und aus feldgrauem Grundtuch (90% Schurwolle, 10% Zellwolle) geschneidert wurde. Kragen und Schulterklappen der Feldbluse waren aus feinem feldgrauem Abzeichentuch gefertigt, auf dem Kragen waren ebenfalls feldgraue Kragenpatten mit Doppellitzen aufgenäht (das Hoheitsabzeichen an der rechten Brust wurde erst 1934 eingeführt). Der feldgraue Farbton konnte übrigens je nach Hersteller bzw. Produktionsjahr teils erhebliche Abweichungen aufweisen. Die sich im Verlauf des Krieges verschlechternde Stoffqualität wurde weiter oben ja bereits angesprochen, doch gab es darüber hinaus eine Reihe von mehr oder weniger sichtbaren Änderungen, die nicht zuletzt der sich stetig verschlechternden Rohstofflage geschuldet waren. (Anm. d. Ü.: Mit Ausnahme der Feldbluse 1944 wurden alle übrigen Muster im offiziellen Sprachgebrauch unterschiedslos als „Feldbluse“ bezeichnet. Die nachstehend verwendeten Musterbezeichnungen sind modernen Ursprungs, die heutigen Uniformkundlern und -Sammlern das Leben erleichtern sollen.) Das mit Abstand stattlichste Muster war die Feldbluse (1936), die mit ihrem bläulich-dunkelgrünen Kragen und Schulterklappen, den geschweiften Taschenpatten und zahlreichen durchdachten Details bis kurz vor Kriegsende stilweisend blieb. Die Feldbluse (1940) verlor die bisher üblichen grünen Kragen und Schulterklappen aus Abzeichentuch. Zukünftig sollten diese ebenfalls aus dem feldgrauen Grundtuch gefertigt werden. Das 1934 eingeführte, innen liegende Tragegestell aus Gurtband erfuhr ebenfalls erste Änderungen. Etwa ab 1941 begann sich die Rohstofflage langsam auch auf die Qualität der Bluse auszuwirken, sowurde dasFutter aus Baumwolle oder Baumwollköper durch Baumwollsatin oder Kunstseide ersetzt und auch beim Grundtuch wurde der Wolle gut35% Reiß-oder Zellwolle beigemischt. Bei der Feldbluse (1941) kommt ein sechster Knopf an der Vorderfront dazu, der möglicherweise aufgrund der verschlechterten Stoffqualität eingeführt wurde. Im lahr 1942 wurde eine neue Verfügung erlassen, mit der auf die Verknappung von Tuch reagiert wurde: Sämtliche aufgesetzten Taschen verloren damit ihre Quetschfalten. Die Feldbluse (1943) war nur noch ein trauriger Abklatsch derVorkriegs-Bluse. Sie wurde mittlerweile aus dem recht unansehnlichen Nesseltuch gefertigt, das Feldgrau oft genug mit einem schäbigen Braunstich. Die Taschenpatten waren bei diesem Muster nicht mehr geschweift sondern gerade geschnitten. Bei diesem Muster fielen die inneren Tragegurte vollständig weg und an ihrer Stelle wurden kurze, doppelt gelegte Stoffbänder mit fünf oder sechs Schnürlöchern festgenäht. Sämtliche Blusenknöpfe waren aus Leichtmetall und feldgrau gespritzt, wobei der Farbton im Lauf der fahre zusehends dunkler wurde. Die Hornknöpfe im Kragen, den Ärmelschlitzen usw. wurden bald schon durch solche aus Kunststoff ersetzt. Der Infanterist auf dem zeitgenössischen Foto trägt eine Feldbluse mit bläulich-dunkelgrünem Kragen, wobei sich nicht sagen lässt, ob es sich dabei vielleicht um ein abgeändertes Muster handelt. Bei seinem „Schiffchen" fehlt die waffenfarbene Soutache, was diese Aufnahme auf einen Zeitpunkt nach 1942 datieren lässt. Feldbluse (1936) 29. Feldbluse (1936) mit Kragen, Schulterklappen und Hoheitsabzeichen aus bläulich-dunkelgrünem Abzeichentuch. Das hier gezeigte Exemplar wurde vom Schneider abgeändert, mehr auf Taille gearbeitet und gekürzt - eine unter den Soldaten sehr beliebte Änderung. 33
Uniform 30. Ärmelschlitz mit Hornknopf. 31. Typische Stempelung einer frühen Feldbluse. Die beiden obersten Zahlen verraten für welche Körpergrößen (43 bis 43 cm) diese Bluse geeignet ist, die mittlere Zahl (96) gibt die Brustweite an, die beiden unteren (71 und 64) benennen die Kragenweite bzw. Ärmellänge. Die letzte Angabe ('M41') verrät, welches Bekleidungsamt das Stück abgenommen hat (B = Berlin, M = München, P = Posen ...) und in welchem Jahr. 32. Rückansicht. Feldbluse (1941) 35. Eine Feldbluse (1941) aus dem Jahr 1941, mit dem zusätzlichen Knopf an der Vorderfront, der mit Verfügung vom Mai eingeführt worden war. Der einstige Besitzer dieser Bluse hat sich vom Kompanieschneider anstelle des vorschriftsmäßigen feldgrauen Kragens einen aus dem alten, grünen Abzeichentuch einsetzen lassen. Diese Änderung war so verbreitet, dass man heute kaum mehr eine Bluse dieses Musters im Originalzustand findet. 34 33. Feldbluse (1936) ohne irgendwelche Änderungen. 34. Das Band zum EK II ist hier vorschriftsmäßig durch das zweite Knopfloch vernäht.
Der Infanterist des deutschen Heeres 36. Blick auf die Unterärmel mit den Hornknöpfen zum Verengen der Ärmel. 37. Abnahme- und Größenstempel. 38. Vergleich der Seitentaschen der Muster von 1936 bzw. 1941. Zwecks Materialeinsparung fielen die Einsatzstreifen an den Seiten und unten weg. Allerdings wurde diese Änderung auch zuvor schon eigenmächtig durchgeführt, da die Taschen dadurch eleganter aussahen. 39. Feldbluse (1943) 40. Vorder- und Rückansicht der Feldbluse. Diese Innenansicht zeigt u. a. das Innenfutter (noch aus Baumwolle) und die eingeknöpfte Kragenbinde. Die beiden Brüder in der zeitgenössischen Aufnahme tragen genau dieses Muster.
Uniform Für das Futter wurde bei dieser Bluse Kunstseide verwendet. Die vier kurzen, 8 x 3 cm messenden Stoffbänder für die Koppelhaken sind hier gut zu erkennen. 42. Alle Krägen verfügten über eine Einlage aus Steifleinen, die mittels Zickzacknähten mit dem Unterkragen zusammengesteppt wurde. 43. Hier sind der vorschriftsmäßige Kragen und die Schulterklappe aus feldgrauem Tuch dieses Musters zu sehen. Die Einheitslitze am Kragen und das Hoheitsabzeichen sind aus mausgrauem Garn gewebt. 44. Dieses stark vereinfachte Tragesystem für Seitenhaken wurde 1943 eingeführt und ersetzte das bisher bei allen Feldblusen-Mustern seit 1934 vorhandene Tragegestell aus Gurtband. Das neue Muster bestand nur noch aus vier 10 cm langen Stoffbändern, die an der Innenseite festgenäht waren und mehrere umsäumte Schnürlöcher aufwiesen. Der Blick auf einen Seitenhaken von außen, der hier aus einem der drei Schnürlöcher ragt. 46. Der Haken wurde in die entsprechenden Löcher des Stoffbandes eingehakt... 47. ... und dann von innen durch die Schnürlöcher in der Feldbluse gesteckt. 48. Drei unterschiedliche Ausführungen des Seitenhakens aus Leichtmetall bzw. aus Eisendraht. Sie sind in verschiedenen Farben lackiert. 49. Der Kragen der Feldbluse - und anderer Uniformröcke der Wehrmacht - wurde mittels eines Haken-ÖsenVerschlusses geschlossen, der auch schon in der Alten Armee verwendet worden war. 50. Die Ärmel- und Kragenknöpfe bestehen hier aus Kunstfasern. Auf dem Foto ist links ein eingefärbter und rechts ein naturfarbener Knopf zu sehen. 50 O 36
Der Infanterist des deutschen Heeres 51. Im rechten unteren Vorderteil jeder Feldbluse war eine kleine, für zwei Verbandpäckchen bestimmte Tasche angebracht. Das größere wurde hochkant darin untergebracht, das kleinere quer darüber. Für Notverbände sollten immer zuerst die Verbandpäckchen des Verwundeten benutzt werden. 52. Nach 1943 wurden die teils ausführlichen Herstellerstempel durch rein numerische Reichsbetriebs-Nummern ersetzt, die sämtliche Angaben zum Hersteller verschlüsselt Wiedergaben. Aus dem Kammerstempel lassen sich folgende Informationen ablesen: Die beiden obersten Zahlen verraten für welche Körpergrößen (164 bis 168 cm) diese Bluse geeignet ist, die mittlere Zahl (96) gibt die Brustweite an, die beiden unteren (41 und 61) benennen die Kragenweite bzw. Ärmellänge. Die letzte Angabe (’P 44 ) verrät, welches Bekleidungsamt das Stück abgenommen hat (B = Berlin, M = München, P = Posen ...) und in welchem lahr. 53. ► Bei vorschriftsmäßigem Haarschnitt durften diese nicht auf dem Kragen der Bluse aufliegen. Aus dem „Reibert". tt, SK i d) 11 g ! fa ste ijiigtlegt. g- a l f d ) ! §uor|d)iiitt, griju r, $nate nlc&t jejtgtltg». öaacjdjttitt bc<8 <B o ! b a t e n. Hoheitsabzeichen 54. Entwicklung des gewebten Hoheitsabzeichens an der Feldbluse. Das erste Muster, eingeführt 1934, war weiß auf feldgrauem Grund. Das mit Verfügung vom 19. [uni 1937 eingeführte Hoheitsabzeichen war silbergrau auf bläulich­ dunkelgrünem Grund. Es findet sich vorwiegend auf Feldblusen des Musters von 1936. Im Februar 1939 wurde dann ein silbergraues Hoheitsabzeichen auf bläulich-dunkelgrünem Grund eingeführt. Dieses Muster wurde auf der Feldbluse (1936) und (1940) viel getragen, findet sich aber auch auf abgeänderten Blusen der späteren Muster. Am 4. [uni 1940 wurde das mausgraue Hoheitsabzeichen auf feldgrauem Grund eingeführt. Eine weitere Variante dieses Musters wird an fünfter Stelle gezeigt. Das sechste Abzeichen wurde speziell für die Feldbluse 44 eingeführt, findet sich aber auch an anderen Feldblusen. Der dreieckige Grund erleichterte das Annähen des Hoheitsabzeichens. Bei Kriegsende wurden Hoheitsabzeichen komplett aus Kunstfasern gefertigt, wie dieses Exemplar hier. 55. Die sichtbaren Nähte auf dem Innenfutter verraten, dass dieses Hoheitsabzeichen (rechts) nachträglich angebracht wurde - normalerweise wurde es nämlich bereits beim Hersteller angenäht. Unten: typische Vorder- und Rückseiten gewebter Stücke. r } jy 55 37
Uniform Kragenpatten 56. Die Doppellitzen wiesen bis 1938 einen Litzenspiegel in der Waffenfarbe auf. Bis zum Krieg wurden sie mit Patten auf die Bluse aufgenäht (rechts), seit 1940 dann gewöhnlich ohne (links). 57. Rückansicht einer frühen Kragenpatte aus grünem Abzeichentuch. 58. Dieselbe Kragenpatte von vorn, hier in der weißen Waffenfarbe der Infanterie. 58 59. Die so genannte Einheitslitze war mausgrau auf feldgrauem Untergrund und gab keinen Hinweis mehr auf die Waffengattung Diese letzte Ausführung der Kragenpatte wurde bereits 1940 eingeführt. 60. Besser verarbeitete Kragenpatten (hier: hellblau für Kraftfahrund Fahrabteilungen) konnten auch in der Kantine gekauft werden. Dieses Paar stammt von einer Wiener Effektenfabrik. 61. Kragenpatte und Schulterklappe eines Feldwebels der Artillerie. Schulterklappen Nicht nur die Feldbluse veränderte sich im Lauf der Iahre, sondern auch die dazugehörigen Schulterklappen [Anm. d. Ü.: „Schulterklappen" nur für Mannschaften und Unteroffiziere, Offiziere trugen „Schulterstücke"]. Sie verrieten zum einen die Waffengattung des Soldaten (über die Vorstöße in der jeweiligen Waffenfarbe) und bei Unteroffizieren auch noch den Dienstgrad. Außerdem wurde auf ihnen eine verwirrende Vielfalt an Truppenkennzeichen getragen, auf die hierüber nicht eingegangen werden soll. Die Schulterklappen der Feldbluse waren normalerweise abnehmbar angebracht. Dafür war am Oberteil eine Stoffzunge angenäht, die durch eine Schlaufe an der Armlochnaht gesteckt und dann am Schulterknopf eingeknöpft wurde. Sie waren stets aus dem gleichen Material wie die Krägen, d. h. anfangs aus feldgrauem Abzeichentuch, ab 1935 aus bläulich-dunkelgrünem Abzeichentuch und ab 1940 dann aus feldgrauem Grundtuch. Für die Vorstöße wurde Gewebelitze in der jeweiligen Waffenfarbe verwendet. 62. Uniformen und Dienstgradabzeichen des Heeres (aus dem „Reibert"). 63. Schulterklappe von unten, vor dem Einknöpfen. 64. Unter- und Oberseiten mehrerer Mannschafts-Schulterklappen. Ganz oben eine Schulterklappe der Panzertruppe. 65. Hier ist die Zunge bereits eingeknöpft worden. 66. Abzeichen der Mannschaftsdienstgrade auf dem linken Oberärmel (aus dem „Reibert"). 66o ▼ OfcetfdTfifcen ufttt. 38 ® e frn lp
Der Infanterist des deutschen Heeres Kragenbinde Die Kragenbinde wurde nicht nur zur Feldbluse getragen, sondern auch zum Waffenrock und zum Drillich. Sie wurde im Frühjahr 1933 eingeführt und war erforderlich, da das dienstlich ausgegebene weiße Hemd kragenlos war. Die Kragenbinde verhinderte zum einen, dass sich der Soldat den H als am Uniformkragen aufscheuerte und zum anderen, dass dieser durch ungewaschene Hälse speckig wurde. Zw ar wurden in der zweiten Kriegshälfte Hemden mit Kragen eingeführt, doch die Kragenbinde wurde noch bis 1944 ausgegeben - schließlich lagen noch genügend alte, kragenlose Hemden in den Kleiderkammern. Sie war aus zwei Stücken zusammengesetzt, außen aus feiner Baumwolle in der Farbe des Kragens und innen aus weißem Köper (so benannt nach der Köperwebart für das Gewebe), hatte fünf Knopflöcher und einen kleinen Knopf rechts außen, aus Horn oder Kunststoff, zum Zusammenknöpfen. Die Feldbluse 44 hatte allerdings keine Knöpfe zum Einknöpfen der Kragenbinde mehr. 69 67. Eine frühe Kragenbinde, die zu bläulich­ dunkelgrünen Kragen getragen wurde. 68. So kam die Kragenbinde im Innern zu liegen. 69. Außen- und Innenseiten dreier Kragenbinden unterschiedlicher Hersteller. Die Erste ist ein relativ frühes Stück, während die Dritte in der zweiten Hälfte des Krieges gefertigt wurde. 70. Auf diese Weise wurde die Kragenbinde gelegt, wenn die Bluse mit geschlossenem Kragen getragen wurde. Das Einknöpfen in den Kragen war mitunter ein rechtes Gefriemel. 71. Die Kragenbinde ist hier in eine Drillichbluse eingeknöpft worden. 39
Uniform Feldhosen Während die Form der Feldbluse bis 1944 weitgehend unverändert beibehalten wurde, gab es bei den dazugehörigen Hosen hinsichtlich Schnitt und Machart eine sichtbare und willkommene Änderung - obgleich die Stoffqualität auch bei diesem Bekleidungsstück zunehmend schlechter wurde. Anton trug bei Kriegsausbruch noch gerade geschnittene Tuchhosen mit hinten hochgezogenem Leibteil, die mit Hosenträgern getragen werden mussten. Sie entsprachen vom Aussehen her weitgehend der zivilen Mode jener Zeit. Die ursprünglich steingrauen Hosen wurden ab 1940 aus dem gleichen feldgrauen Grundtuch gefertigt wie die Feldblusen auch. Mit Verfügung vom 28. luni 1943 wurde dann schließlich die so genannte Rundbundhose eingeführt, die alle bisherigen Hosen ersetzen sollte. Der namensgebende Rundbund des neuen Modells war mit vier bis sechs Tuchschlaufen versehen, so dass diese Hosen nun auch mit einem Gürtel getragen werden konnten. Zum Engerstellen der Hose gab es zu beiden Seiten kurze Stoffriegel aus Webband, die mit einer rechteckigen Schnalle geschlossen wurden. Die Hosenbeine der Rundbundhose waren zudem keilförmig geschnitten, ähnlich wie zuvor schon die Berghose der Gebirgsjäger. Alle Modelle und Muster konnten bis zum Kriegsende auch mit Hosenträgern getragen werden. lange Tuchhose (1936-43) 72. Vorder- und Rückansicht einer langen Tuchhose. Der Leibteil ist recht weit hochgezogen, auf der Rückseite sogar noch etwas mehr. Hier ist auch ein kurzer Schnallgurt zum Anpassen der Hose angenäht. Die lange Hose wurde gewöhnlich in den Marschstiefeln getragen, zum Ausgehanzug hingegen über den Schnürschuhen. 73. Bei diesem Modell sind die Metallknöpfe zum Einknöpfen des Hosenträgers auf der Außenseite angenäht. Der hier sichtbare kleine Ring dient zum Einhaken der Kette einer Taschenuhr, die in der kleinen Uhrtasche darunter verstaut werden kann. 74. Früher Größenstempel ohne Angabe des betreffenden Bekleidungsamtes oder Beschaffungsjahres. Die erste Zahl bezeichnet die Schrittlänge (82), die zweite die Leibweite (92), die dritte die Seitenlänge (110) und die letzte schließlich die Gesäßweite (110). Diese Größenstempel variierten im Verlauf des Krieges ein wenig. 75. Der Leibteil ist mit weißem Köper gefüttert.
Der Infanterist des deutschen Heeres Rundbundhose, auch Keilhose genannt (1943-44) 76. Vorder- und Rückansicht der 1943 eingeführten Rundbundhose. Man beachte den Besatz an der unteren Gesäßhälfte. 77. Der Leibteil ist bei dieser Hose allgemein niedriger, am Bund sind mehrere knöpfbare Gürtelschlaufen für das Koppel angebracht, so dass sie im Sommer auch ohne die Bluse getragen werden konnte. Allerdings konnte sie auch weiterhin mit Hosenträgern getragen werden. Dieser Schnitt wirkte insgesamt modischer. Man beachte die Klappe der Uhrentasche. 78. Wurde die Hose mit Hosenträgern getragen, so konnten diese an den hinteren, nach oben verlängerten Gürtelschlaufen befestigt werden; vorne wurden sie dann in zwei innen am Bund angebrachte Knopfpaare eingeknöpft. 79. Detailansicht des seitlichen Stoffriegels, der hier mit einer Zweidornschnalle geschlossen wird. 80. Die seitlichen Schlitze in den Beinenden wurden, wie auch schon bei der Berghose, mit Leinenbändern zugebunden. 41
Uniform 81. Als Futterstoff wurde in diesem Fall weiße Baumwolle eingesetzt. Die verlängerten Gürtelschlaufen hinten und die Knöpfe zum Einknöpfen der Hosenträger sind auf diesem Bild gut zu sehen. 82. Diese Hose wurde 1943 vom Bekleidungsamt Frankfurt abgenommen, wie der unterste Stempel verrät. Die vier Zahlenangaben des Größenstempels darüber entsprechen denen in Abb. 74. 83. Um zu verhindern, dass sich der Stoff an den Hosenbeinen zu schnell durchscheuerte, wenn sie mit Gamaschen getragen wurden, mussten sie nach vorne gefaltet werden, wie es hier auf dieser Abbildung aus einer Dienstvorschrift zu sehen ist. Hosenträger Die Hosenträger wurden gewöhnlich aus elastischem Baumwollband hergestellt, die auf der Außenseite grau oder graugrün waren und innen weiß. Die diversen Schlaufen waren meist aus braunem Leder. Zum Einstellen der Länge dienten metallene Schnallen auf der Vorderseite. Es gab allerdings unzählige Variationen dieses Crundmusters, außerdem wurden auch zivile Hosenträger verwendet. Wie bereits erwähnt, waren sämtliche Hosen der Wehrmacht mit Knöpfen für die Hosenträger ausgestattet. 42 84. Vorder- und Rückansicht von dienstlich gelieferten Hosenträgern mit Baumwollschlaufen. 85. Typische Stempelung aus der frühen Kriegszeit (1940).
Der Infanterist des deutschen Heeres 87. Detailaufnahme mit den vernickelten Schnallen und einem 'D.R.P.'-Stempel auf der Schlaufenrückseite. 88. Nahaufnahme der charakteristischen ledernen Schlaufen. 86. Wehrmacht-Hosenträger aus der zweiten Kriegshälfte. Felduniform 44 Nac(i ausgedehnten Truppenversuchen im Sommer 1943, u. a. bei der Ersatzbrigade „Großdeutschland", fiel schließlich die Entscheidung für eine recht radikale Reform in der Uniformierung der deutschen Truppen. Diese Reform hatte zwar vorwiegend mit der allgemeinen Rohstofflage zu tun, doch dürften auch gewisse modische Aspekte eine Rolle gespielt haben, hm 8. ]uli 1944 genehmigte Hitler die Einführung der neuen „Felduniform 44", die schließlich mit Verfügung vom 25. September 1944 erfolgte. Diese neue Uniform bedeutete einen optischen Bruch mit dem bisherigen Erscheinungsbild des deutschen Soldaten, hin zu einem zeitgemäßeren Äußeren, das zivile Modeströmungen aufgriff. Der Schnitt vereinfachte die Fertigung, so dass sich die neue Uniform schneller und in größeren Stückzahlen hersteilen ließ (obwohl sie nie die Verbreitung ihrer Vorgängerinnen erreichte). Sie sollte aus einem als „Feldgrau 44" bezeichneten olivbraunen Tuch gefertigt werden, tatsächlich wurden aber alle verfügbaren Stoffe dafür verwendet, einschließlich sowjetischer und italienischer Beutebestände. Feldbluse 44 89. Vorderansicht der Feldbluse 44 mit sechs Knöpfen. 90. ln der Rückansicht sind die in dem breiten Bund eingenähten Falten gut zu erkennen. 43
Uniform 91. Innenansicht der Feldbluse 44. Das Futter ist auf das absolute Minimum reduziert, dafür weist dieses Modell aber zwei knöpfbare Innentaschen auf. 92. Blick auf Doppellitze, Hoheitsabzeichen und Schulterklappe der Spätkriegszeit. 93. Bei hochgeschlagenem Kragen wurde dieser mit einer knöpfbaren Stofflasche festgehalten. 94. Zum Knöpfen der Ärmel gab es nur noch einen einzelnen Knopf aus Kunststoff bzw. Vulkanfiber und zwei Knopflöcher im Unterärmel. 44 95. Das Modell 44 hatte nur noch zwei Seitenhaken für das Koppel, die seitlich am Bund saßen. Die Schnürlöcher waren auf der Innenseite mit Futterstoff verstärkt. 96. Detailaufnahme des Stempels. Überraschenderweise handelt es sich hier um keine RB-Nr., die man um diese Zeit erwarten würde, sondern um einen Herstellerstempel im „Klartext". In diesem Falle handelt es sich um eine lacke, welche in einem Zwangsarbeiterlager hergestellt wurde.
Der Infanterist des deutschen Heeres 97. Die beiden Innentaschen (hier die linke) traten bei der Feldbluse 44 an die Stelle der Seitentaschen der alten Feldblusen-Modelle. Für das recht spärlich ausfallende Futter wurde Baumwolle verwendet oder Kunstfasern (wie hier), die gegen Ende des Krieges ziemlich verbreitet waren. Man beachte den Seitenhakenhalter aus Futterstoff ganz links. 98. Hier noch einmal der Seitenhakenhalter, einer der beiden Seitenhaken und das Schnürloch. 99. Detailaufnahme der Einheitslitzen. 100. Vorder- und Rückansicht eines Obergefreiten-Winkels. Dieser hier ist auf keine Unterlage aufgenäht worden. 101. Zur Anlieferung an die Bekleidungsämter wurden solche Papieretiketten mit Herstellercode und Größenangaben am Blusenärmel angeheftet. Nach erfolgter Abnahme wurden die Stücke dann dort mit den entsprechenden Stempeln versehen. 101 Feldhose 44 102. Vorder-und Rückansicht des letzten Hosenmodells, das zur Felduniform 44 gehörte. Sie war wieder gerade geschnitten, hatte im Beinsaum Zugschnüre zum Verengen der Hosenbeine und alle Taschen waren mit Klappen versehen. Verglichen mit den übrigen Hosenmodellen war der Bund, auf dem sechs Gürtelschlaufen verteilt waren, recht niedrig angesetzt. 45
Uniform 103. Der zur Feldhose 44 eingeführte Hosengürtel aus Gurtband hatte lederne Endstücke. Es wurden Kunststoff­ und napfförmige Leichtmetallknöpfe verwendet. 104. W ie man hier sieht, ließen sich auch diese Hosen noch mit Hosenträgern tragen. Das Futter ist aus weißem Leinen. 105. Anstelle einer Taschenuhr konnte man in der Uhrtasche der Feldhose 44 natürlich auch ein Verbandpäckchen unterbringen. Üblicherweise kamen diese in die linke, hintere Gesäßtasche, da in der Feldbluse 44 keine Verbandspäckchentasche mehr dafür vorgesehen war. 106. Das im unteren Hosensaum eingezogene Band diente zum Zubinden, wenn die Hose in Gamaschen getragen wurde. Wenn es nicht gebraucht wurde, knöpfte man es an dem innen angebrachten Knopf fest. 107. Der Größenstempel ist kaum noch zu entziffern. Die Schrittlänge ist verschwunden. Die oberste, kaum lesbare Zahl könnte die Seitenlänge sein. Die mittlere Zahl (78) gibt die Bundweite an und die untere (92) die Gesäßweite. Neben den Größenangaben ist eine Stoffschlaufe zu erkennen. Sie dient als „Unterhosenhalter". Drillichanzug Gleichzeitig mit der Feldbluse wurde im April 1933 auch ein neuer Drillichanzug eingeführt, der den Moleskinanzug des Reichheeres ablösen sollte. Der neue Anzug, bestehend aus Drillichjacke und Drillichhose, war aus roh grauem Leinenstoff gefertigt, der durch häufiges Waschen ausblich und schnell eine fast weiße Farbe annahm. Der Drillich wurde von den Mannschaften zum kleinen Dienst auf dem Kasernenhof getragen, aber auch im Arbeits- und im inneren Dienst. Die lacke, die entlang der Vorderfront mit fünf Knöpfen geschlossen wurde, hatte einen Klappkragen und zwei offene Seitentaschen ohne Klappen. Zum Verengen der lacke war innen auf dem Rücken eine Zugvorrichtung aufgenäht. Mannschaften trugen ihre Dienstgradabzeichen (auf Drillichunterlage) am linken Oberarm. Der Schnitt der Drillichhose entsprach dem der langen feldgrauen Tuchhose, und natürlich wurde sie ebenfalls mit Hosenträgern getragen. Es zeigte sich bald, dass die helle Farbe des Drillichanzuges nicht wirklich geeignet war und schon gar nicht für den Kriegseinsatz. Daher war vom Februar 1940 an diese Uniform künftig aus schilfgrünem Drillichstoff zu fertigen. Während der heißen Monate wurde der neue Drillichanzug vermehrt auch als Sommeranzug getragen und mit Dienstgrad- und Hoheitsabzeichen, ja selbst mit Schulterklappen versehen, was eigentlich vorschriftswidrig war. Schließlich wurde Anfang 1942 eine neue schilfgrüne Drillichbluse im Schnitt der Feldbluse eingeführt, die ausdrücklich auch als SommerFeldbluse gedacht war. Die Einführung der Rundbundhose im fahr 1943 schloss natürlich auch die Drillichhose ein. Gleichzeitig mit der Felduniform 44 sollte eigentlich auch ein Drillich im gleichen Schnitt eingeführt werden, doch ist es recht unwahrscheinlich, dass dieser tatsächlich produziert wurde. 46 108. Vorderansicht der Drillichjacke. Sie wurde vereinzelt als Wintertarnung über der Feldbluse getragen.
Der Infanterist des deutschen Heeres 110 109. Rück- und Innenansicht der Jacke. Die Zugbänder im Taillenbereich sind gut zu erkennen. Auch zu dieser lacke wurde die Kragenbinde getra­ gen - deswegen auch die Knöpfe innen am Kragen. 110. Nach einer Verfügung vom 12. Februar 1940 war die Drillichjacke zukünftig aus schilfgrünem Material zu fertigen. Dieses neue Muster wurde an der Front gerne auch als Sommerjacke verwendet, anstelle der doch recht warmen Feldbluse aus Wolle. 47
Uniform M M - .* $ \hr&-£iüf; - ' -is&S&i' >/ güi ' lir « w i« ln iiM it lii Die Größen- und Abnahmestempel entsprachen denen in der Feldbluse. Bei der schilfgrünen Jacke ist ein etwas verschwom­ mener lahresstempel zu erkennen. 112 . Da die Knöpfe mit S-förmigen Sprengringen befe­ stigt waren, ließen sie sich zum Waschen leicht abnehmen. Dazwischen ist ein Herstellerstempel angebracht. o 48 113. Dienstgradabzeichen für einen Oberschützen auf Drillichunterlage. Vorder- und Rückansicht. 114. Abbildung aus dem „Reibert", auf der die unter­ schiedlichen Anzugarten dargestellt sind. ««»*•
Der Infanterist des deutschen Heeres Drillichbluse (1. Muster) Die Drillichbluse war erstmals gleichermaßen für den Einsatz als Drillich wie als Sommerbluse geeignet. Schnitt und Ausstattung entsprachen weitgehend der Feldbluse, jedoch hatte sie nach dem Vorbild der Tropenfeldbluse nur zwei Seitenhaken. 115. 116. 117. Sommer-Feldbluse aus schilfgrünem Leinenstoff. Der Anteil an Kunstfasern und anderen Ersatzspinnstoffen nahm auch bei diesem Drillichstoff immer mehr zu, je länger der Krieg dauerte. Innenansicht einer gut verarbeiteten Drillichbluse des 1 Musters. Man beachte die Haltelaschen für die beiden Seitenhaken und die Verbandpäckchentasche. Blick auf einen der beiden Seitenhaken in der dazugehörigen Stofflasche. 118. Die Schulterklappen - hier mit dem rosa Vorstoß der Panzertruppe sind noch aus bläulich-dunkelgrünem Abzeichentuch. Später wurden für diese Bluse solche aus Drillichstoff eingeführt. Interessant sind auch die Litzen mit waffenfarbenen Spiegeln. 49
Uniform 119. Ein früher Gefreitenwinkel (1936-40) auf bläulich-dunkelgrünem Abzeichentuch, hier auf einer Drillichbluse. 120. Der Kammerstempel in waschfester blauer oder schwarzer Stempelfarbe kam bei Drillichjacken und -blusen auf die Mitte der rechten Innenkante. Sie enthielten die glei­ chen Angaben wie die Feldbluse. 121. Die Knöpfe waren auch bei diesem Modell dank Sprengringen abnehmbar. Am linken Bildrand sind die Kante der Verbandpäckchentasche und der Vulkanfiberknopf zu erken­ nen. 122. Der verwischte Herstellerstempel. 123. Der Ärmelschlitz mit zwei Kunststoffknöpfen zum Engerstellen. Drillichbluse (2. Muster) 50 124. Vorder- und Rückansicht des 2. Musters der schilfgrünen Drillichbluse. Durch den erhöhten Kunstfaseranteil im Stoff wirkt sie etwas schäbiger. 125. Einheitslitzen und Hoheitsabzeichen sind aus Kunstseide gewebt. Die Schulterklappe ist hier schon aus Drillichstoff.
Oer Infanterist des deutschen Heeres 127 M \ \ /Mi/Mi /M r/M 126. Die Lasche aus Kunstseide diente zum Festhalten der Seitenhaken 127. Spätere Ausführung eines Obergefreitenwinkels für die Drillichbluse. Bei dieser Bluse wird der Ärmelschlitz mittels zweier Napfknöpfe aus Leichtmetall geschlossen. Die Verstärkungen sind aus Viskose bzw. Kunstseide. Anders als die Feldbluse war die Drillichbluse nicht gefüttert, wodurch sie leichter zu reinf gen und im Sommer angenehmer zu tragen war. Drillichhose im gleichen Schnitt wie die lange Tuchhose, aber ungefüttert und aus rohgrauem Leinenstoff. Ab 1940 wurden diese Hosen aus schilfgrünem Drillich gefertigt. Hersteller-, Größen- und Abnahmestempel (hier: Bekleidungsamt München) aus dem Jahr 1940. 51
Uniform Die Schnalle des Schnallgurtes auf der Rückseite konnte zum Waschen abgeknöpft werden. Drillichhose (2. Muster) 133. Die ab 1943 ausgegebene Drillichhose folgte in Schnitt und Machart weitgehend der feldgrauen Rundbundhose. Allerdings waren die Hosenbeine gerade geschnitten und wurden unten durch einen knöpfbaren Stoffriegel gerafft. Sie wurde aus Drillichstoff gefer­ tigt und war nur an einigen Nähten und im Schrittbereich mit Drillichstoff bzw. Köper ver­ stärkt. 134. 135. Papieretikett des Herstellers mit Lieferdatum. Blick auf den Knopfverschluss am Beinende der Drillichhose. 136. Größen- und Abnahmestempel innen im Hosenbund. 137. Die Hose ist innen über­ haupt nicht gefüttert. Seltsamerweise weist dieses Stück hinten im Bund Knöpfe für Hosenträger auf, vorne jedoch nicht! Wahrscheinlich war dies nur ein Versehen des Herstellers. 138. Seitliches Gürtelstück mit Schnalle zum Anpassen der Weite. 139. Die Knöpfe konnten aus Zink oder Leichtmetall sein oder wie hier aus Kunststoff, meist braun oder grau. 138 139 VJ 52
Der Infanterist des deutschen Heeres Hemden Bis zur Einführung des Stoffhemdes im \uni 1943 standen dem deutschen Landser zwei dienstlich gelieferte Hemdenmodelle zur Verfügung. Zunächst war da das im April 1933 eingeführte kragenlose Trikothemd aus rohweißem Baumwollgarn, dessen verstärkter Brustschlitz mit vier Knöpfen aus Kunststoff oder stoffbezogener P resspappe geschlossen wurde. Dieses Hemd war ausschließlich als Unterbekleidung gedacht gewesen, doch aufgrund seiner weißen Farbe konnte es bei großer Hitze nicht ohne Bluse getragen werden, da die Soldaten sonst weithin sichtbar wurden. Deshalb wurde das weiße Hemd oft auf Kompanieebene grün o. ä. eingefärbt. Dies war auch der Hauptgrund, warum im fahr 1941 ein neues, praktischeres Modell aus schilfgrünem Trikotstoff eingeführt wurde. Es hatte den annähernd gleichen Schnitt wie sein Vorgänger, war aber mit einem Kragen ausgestattet. Allerdings verbrauch dieses Modell nach mehrmaligem Waschen seine Form und wurde schnell „schlauchartig" und reichlich unansehnlich. Im Folgejahr wurde das schilfgrüne Hemd erstmals mit Brusttaschen hergestellt, die über knöpfbare Taschenpatten verfügten. Schließlich kam mit Verfügung vom 23. juni 1943 ein neues Stoffhemd mit Kragen zur Einführung, das ebenfalls über zwei Brusttaschen verfügte, aber aus graugrüner Baumwolle mit ständig steigendem Zellwollanteil gefertigt wurde. Zu diesem Hemd konnten auch Schulterklappen getragen werden. Alle diese Hemden hatten einen bis über die Brustmitte reichenden Brustschlitz und reichten bis zu den Oberschenkeln herab. 140. Weißes Trikothemd. Zu die­ sen Hemden musste eine Kragenbinde getragen wer­ den. Das kleine Bild zeigt den verstärkten Brustschlitz und den Ärmelbund sowie die weißen Kunststoffknöpfe. 141. Schilfgrünes Trikothemd. Vorder- und Rückansicht. 142. Etikett im Kragen mit Größe (II), Beschaffungsjahr (1942) und RB-Nr. 143. Blick auf die Knöpfe aus Presspappe und das Trikotgewebe. 53
Uniform 144. Schilfgrünes Trikothemd mit Brusttaschen und Schulterklappen. An diesen Hemden wurden oft auch Dienstgradabzeichen und das Hoheitsabzeichen getragen. 145. Knöpfe am Trikothemd. 146. Das Stoffhemd mit Kragen, hier aus einem graugrünen Baumwollstoff mit Leichtmetallknöpfen. Die Größenangabe (1 bis III) wurde innen auf Höhe des untersten Knopfes aufge­ stempelt, die RB-Nr. befand sich gewöhnlich hinten im Nacken. 147. Beim Stoffhemd waren die Knöpfe aus Leichtmetall. 148. Der gesäumte lange Schlitz an beiden Seiten war allen Modellen gemeinsam 147 54 145 m
Der Infanterist des deutschen Heeres Unterwäsche 149. Für „tropische" bzw. sehr warme Einsatzgebiete wur­ den kurze Unterhosen und Unterhemden ausgegeben. Der netzartige Stoff ist eine Mischung aus Baumwolle und Viskose. 150. Dienstliche lange Unterhose für die kühleren Tage aus rohweißem Trikot mit 50% Viskose. Der Bund konnte hinten durch ein Zugband enger gestellt wer­ den. Der Hosenschlitz wurde mittels drei stoffbe­ zogener Knöpfe aus Kunststoff oder Presspappe geschlossen. Ein kleines Stoffetikett zeigte die Größenangabe (1-3) in roter Farbe. 151. Die langen Unterhosen wur­ den auch aus Köperstoff hergestellt, mit unveränder­ tem Schnitt. Es gibt außer­ dem Exemplare, die nachträglich Grau gefärbt wurden. 55
Uniform Schlupfjacke 36 Nach einigen Truppenversuchen führte das Heer im Jahr 1936 die so genannte Schlupfjacke 36 ein, welche die beiden bisher verwendeten Pullovermodelle der Reichswehr ersetzte. Diese Schlupfjacke wurde sowohl mit rundem wie mit V-Ausschnitt hergestellt. Sie wurde aus grauweißem Kammgarn (Wolle) mit einem Viskoseanteil von 10% gestrickt, wobei sich dieses Verhältnis mehr und mehr zu Gunsten der Viskose verschob. Der Farbton der Wolle konnte je nach Hersteller ein wenig variieren und wurde im Lauf des Krieges zunehmend dunkler. Die frühen Schlupfjacken wiesen am Halsausschnitt und beiden Ärmelbunden eingestrickte grüne Streifen auf, die später aber verschwanden, zuerst von den Ärmeln, dann auch vom Kragen. Das Kleidungsstück war gegen Mottenbefall imprägniert. Die graue Schlupfjacke 42 hatte einen breiten Rollkragen, der sehr gut Wärme spendete.; Sie wurde in geringeren Stückzahlen ausgegeben als das Modell 36. Die Tragezeit betrug bei Beiden zwei fahre. Da sie normalerweise unter der Feldbluse getragen wurden, sind Pullover nur auf relativ wenigen zeitgenössischen Fotos zu sehen. Dennoch waren sie bei den Soldaten recht beliebt, weil sie trotz ihres geringen Gewichtes recht warm hielten. Beide Pullover waren in drei Größen verfügbar, die in arabischen oder römischen Ziffern auf einem kleinen Etikett vermerkt waren, das innen am Kragen angenäht war. 56
Der Infanterist des deutschen Heeres 152. Der Schnitt und die Verarbeitung der bei­ den Exemplare sind zwar gleich, doch hin­ sichtlich Farbe und W ollqualität gibt es deutliche Unterschiede. Das dunklere Stück stammt aus der späten Kriegszeit. 153. Direkter Vergleich der Kragen der beiden Pullover. Die Etiketten mit den Größenangaben sind gut sichtbar. 154. Der runde Halsausschnitt war bei strenger Kälte wärmer als ein V-Ausschnitt. Bei die­ sem Exemplar ist der Streifen entlang des Kragens noch vorhanden. 155. Die in der zweiten Kriegshälfte gefertigten Schlupfjacken waren oft von dunklerer Farbe. Die Ärmel waren so bemessen, dass sie auch langarmigen Soldaten genügten. Kleinere Soldaten schlugen einfach den Bund um. Vergleich der Verstärkungen innen im Schulterbereich. Die eine ist aus Stoff, typisch für Spätkriegsfertigungen, während die andere aus W olle besteht. Schlupfjacke 36 mit rundem Halsausschnitt aus dem lahr 1944. Etikett im Kragen mit Größe (1) und Beschaffungsjahr (1944). In manchen Fällen findet sich noch ein zweites Etikett mit dem Namen des Besitzers im Pullover. Schal, Kopf- und Ohrenschützer und Taschentuch Dienstlich ausgegebener Schal aus grauer Wolle. Man beachte den grünen Streifen am Rand. 161. Kopfschützer. Dieses Bekleidungsstück - das bereits wäh­ rend des Ersten Weltkrieges verwendet wurde - war eigentlich nichts anderes als ein langer, nahtlos gearbei­ teter Wollschlauch, der über den Kopf gezogen wurde und nur das Gesicht freiließ. Seine Farbe reichte von einem hellen Feldgrau bis Grau. 162. Es gab etliche Ausführungen des Ohrenschützers. Das hier gezeigte Exemplar aus Reißwolle war recht verbreitet. 163. Dienstlich geliefertes Taschentuch. Es gab sie zwar mit diversen Streifenmustern, doch allen gemein war die blaue Grundfarbe und dass sie aus Baumwolle waren. Stempel 'Wehrmachteigentum’ auf einem dienstlich gelieferten Taschentuch. 57
Uniform Handschuhe Die gestrickten Handschuhe der Mannschaften waren für kalte Witterungen vorgesehen und wurden nur zum Feldanzug getragen. Diese Fingerhandschuhe waren aus feldgrauem oder grauen Kammgarn gestrickt und wiesen einen angesetzten Pulswärmer auf, der außen bzw. innen mit weißen Ringen versehen war, die die Größe angaben (von 1 Ring = klein bis 4 Ringe = sehr groß). Ihr Aussehen veränderte sich während des gesamten Krieges nur wenig. Daneben gab es noch Tuchhandschuhe aus Manteltuch, die ursprünglich für deutsche Winter gedacht waren. Sie waren mit Wolle gefüttert und wurden mittels kurzer Lederstrippen gegen Verlust gesichert. 165. Gestrickte Handschuhe von unterschiedli­ chen Herstellern. Alle weisen innen auf dem weißen Pulswärmer graue „Größenringe" auf. 166 Innen auf dem Pulswärmer ist ein Etikett mit dem Besitzernamen angebracht. 167. Handschuhe aus Filz, die als zusätzlicher Wärmeschutz unter die wattierten Winterhandschuhe gezogen werden konn­ ten. 168. 58 Zum Wärmen der Hände wurden aber auch solche privat beschafften Taschenwärmer eingesetzt. Vor allem für den Postendienst waren sie sehr praktisch. Man musste nur Wasser zugeben und die chemische Reaktion im Inneren sorgte für zwei bis drei Stunden Wärme. Sie waren so bemessen, dass sie im Handschuh oder der Manteltasche Platz hat­ ten. Das Herstellungsdatum (21.08.43) ist noch gut zu erkennen.
Der Infanterist des deutschen Heeres Socken Für einen Infanteristen ist nicht nur gutes Schuhzeug entscheidend, sondern auch die darin getragenen Soeben oder Strümpfe - denn mit B lasen lässt sich's schwer marschieren, ln der Wehrmacht wurden lange Socken aus einer WollViskose-Mischung getragen. Sie waren von grauer Farbe und wurden, wie die gestrickten Handschuhe, in vier Größen produziert, die ebenfalls durch am oberen R and eingestrickte weiße oder grüne Streifen gekennzeichnet wurden. Mitte 1944 wurden zudem Finnensocken eingeführt. Sie waren rundgestrickt, ohne Ferse und kamen in einer Einheitsgröße. Daneben wurde aber auch die althergebrachten Fußlappen verwendet, 40 x 40 cm große weiße Flanellstücke, die um die Füße gelegt wurden, entweder über den Socken oder an deren Stelle. Es war allerdings nicht ganz einfach sie faltenfrei anzulegen. 169 170. Mehrere Socken in verschiedenen Größen. Bei späteren Exemplaren findet man anstelle der einge­ strickten Streifen auch aufge­ stempelte Größenangaben (in römischen Ziffern), wie bei dem rechten Paar. Privat beschaffte Socken mit der Originalbanderole, auf der die Vorzüge dieser Marke angepriesen wer­ den. Solche Ware wurde u. a. in den Kantinen verkauft. Sport- und Badehosen 171. Sporthose (Muster von 1933). Die Sporthose aus Baumwolle war Teil des Sportanzugs, ebenso das weiße Sporthemd mit dem daran getragenen Hoheitsabzeichen und die Laufschuhe aus braunem Leder. Vor allem in den ersten acht bis zwölf Wochen seiner Grundausbildung hatte der frisch gebackene Soldat viel Gelegenheit seine Sportbekleidung zu tragen. Die Sporthosen waren mit einer kleinen, knöpfbaren Gesäßtasche versehen, in der etwa der Spindschlüssel verstaut werden konnte. Ab 1935 wurden schwarze Hosen ausgegeben. I» 172. Die dienstlich gelieferte Badehose aus schwarzem Nesseltuch wurde 1934 eingeführt und kam in drei Größen. Der Name des Soldaten steht auf einem weißen Stoffetikett. 173. Dieses Hoheitsabzeichen wurde auf das ärmellose weiße Sporthemd auf­ genäht. 59
Uniform Mäntel Die Wehrmacht wurde 1941/42 vom eiskalten Winter in Russland ziemlich überrascht, denn für Temperaturen von -30“ C war ihre Winterbekleidung nie ausgelegt gewesen. Eilig wurde eine Kleidersammlung unter der deutschen Bevölkerung organisiert, die nur zu gerne bereit waren, Winterbekleidung für ihre Brüder, Söhne und Männer herzugeben, die vor den Toren Moskaus oder bei Leningrad elendig froren. Doch neben diesen freiwilligen Spenden gelangten auch wesentlich beschämendere „Gaben" an die Front: Im januar 1942 mussten die luden im deutschen Machtbereich all ihre Pelz- und Wollsachen abgeben (sowie Skiausrüstungen), die ebenfalls der Wehrmacht zugeführt wurden, luden und Zwangsarbeiter mussten bald auch in Konzentrationslagern und Ghettos Bekleidung und Ausrüstung für die deutschen Truppen produzieren. Als Kälteschutz war der Tuchmantel für mitteleuropäische Verhältnisse noch ausreichend, für den Winterkrieg gegen die U dSSR aber gleichermaßen ungeeignet wie die übrige Ausrüstung. Da der Wollanteil im Grundtuch ab 1942 immer weiter absank, zuletzt bis auf 30%, ging auch die wärmende Wirkung immer mehr verloren. Das Material nahm schneller Feuchtigkeit auf und trocknete dafür wesentlich langsamer. 174. Ein Tuchmantel in der zwi­ schen 1940 und 1942 vorge­ schriebenen Ausführung. Die augenfälligsten Änderungen gegenüber dem VorgängerMuster betreffen den Kragen und die Schulterklappen, die beide jetzt aus feldgrauem Grundtuch sind. 175. Rückansicht des Tuchmantels. 176. Der Kragen konnte hochge­ schlagen oder offen getragen werden.
Der Infanterist des deutschen Heeres 177. Der Mantelschlitz hinten wurde mit vier Knöpfen geschlossen. Zum Reiten oder Marschieren konnten die beiden unteren Mantelschöße hochgehakt werden. 178. Innenansicht des Tuchmantels (1940-42). Er ist mit dikkem Baumwollköper gefüttert und man erkennt sowohl die Taschenbeutel der beiden Seitentaschen als auch die Innentasche. Auch die Schlitze auf beiden Seiten, durch welche die Koppelhaken der Bluse durchgesteckt werden konnten, sind hier auszumachen. 179. Die Größenstempel entsprachen denen der Feldbluse. 180. Der Übermantel wurde bereits 1934 eingeführt und war in erster Linie für Posten gedacht, die bei großer Kälte Wache stehen mussten. E r machte dieselben Veränderungen mit wie der Tuchmantel auch und entsprechend weist dieses Exemplar den seit 1940 vorgeschriebenen feldgrauen Kragen und Schulterklappen auf. Bei die­ sem Modell war allerdings der Kragen etwas größer, es war durchgehend mit Wollstoff oder auch Pelz gefüttert und hatte oberhalb der Seitentaschen noch zwei Mufftaschen. 61
Uniform 181. Innenansicht eines Obermantels, der vollständig mit dickem Wollstoff gefüttert ist. 182. Innen am Futter ist eine Kapuze angenäht. Sie lässt sich in einem Schlitz verstauen, der mit einem Knopf geschlossen wird. 183. Der breite Kragen lässt sich bis über die Nase hochschlagen und wird mit­ tels eines knöpfbaren Stoffriegels gehalten. Vorne wird der Mantel mit den gleichen gekörnten Knöpfen geschlossen, die sich auch an der Feldbluse finden. 184 F .m :+ - ■, $ . Pelzlacke aus Kaninchenfell 186. Die Truppe behalf sich gegen die extreme Kälte mit allem, was an Winterbekleidung greifbar war. Dazu zählten Pelzmäntel und -jacken aller Art, die teilweise umgeschneidert wurden, um sie fronttauglich zu machen. Ein Beispiel dafür ist diese Kaninchenfelljacke, die zum Unterziehen unter den Mantel gedacht war (weshalb sie auch recht eng ausfällt). 187. Die RB-Nr. verrät, dass diese nach 1943 gefertigte lacke im Auftrag der Wehrmacht hergestellt wurde. Die Ziffer '2' zeigt an, dass es sich um eine mittlere Größe handelt (insgesamt gab es drei Größen) und der Stempel 'Wehrmachteigentum' darunter ist selbsterklärend. Es wurden einfach die Knöpfe verwen­ det, die gerade greifbar waren, hier solche aus Kunststoff. 188. 62 Blick auf das Pelzfutter. 184. Kammerstempel und RB-Nr. auf der Innenseite. 185. Hier ist die Schlaufe zum Festknöpfen des linken Vorderteils ebenso zu sehen wie die Innentasche.
Der Infanterist des deutschen Heeres Tarnbekleidung Zwar wurden bereits im 18. und 19. Jahrhundert verschiedentlich Uniformfarben ihrer Tarnwirkung wegen verwendet (z. B. bei den preußischen Jägerkorps Friedrichs des Großen), doch im Großen und Ganzen zogen europäische Heere noch fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in farbenprächtigen Uniformen mit funkelnden Knöpfen und Tressen in den Kampf, begleitet von klingendem Spiel und wehenden Fahnen. Da die Reichweite der damaligen Waffen nicht besonders groß war und im Pulverdampf der Schlacht der einzelne Soldat ohnehin kaum auszumachen war, bestand keinerlei Notwendigkeit für irgendeine tarnende Uniform. Das änderte sich jedoch mit dem Aufkommen neuer, weitreichender Waffen, neuer Einsatzgebiete und neuer Gegner. Die zahlreichen Kolonialkriege bewirkten ein erstes Umdenken. Britische Einheiten in Indien trugen 1848 erstmals Bekleidung in einem Braunton, der als „Khaki“ (persisch für „staubfärben") bezeichnet wurde, anstelle ihrer traditionellen roten Röcke. Im Jahr 1902, nach dem 2. Burenkrieg, wurden im gesamten Heerseiner Britischen Majestät Khakiuniformen eingeführt, auch für die in der Heimat stationierten Truppen. Fünf Jahre später wurde im preußischen Heer ein feldgrauer Feldanzug allgemein eingeführt [Anm. d. Ü.: Die preußischen Iägerzu Pferde hatten allerdings bereits 1897 graugrüne Koller {Uniformröcke) bekommen!] und in den deutschen Schutzgebieten waren seit 1889 Uniformen in unterschiedlichen Sand-, Braun- und Grautönen im Einsatz. Gegen Ende des 19.1ahrhunderts hatte der US-amerikanische Maler Abbott Handerson Thager nach ausführlichen Naturstudien damit begonnen, Phänomene der Tarnung und des optischen Verschwindens bei Tieren zu erforschen. Daraus entwickelte er sodann Vorschläge zum „Unsichtbarmachen" von Kriegsschiffen durch ausgeklügelte Tarnanstriche. N ach denselben Prinzipien erarbeitete er während des Ersten Weltkrieges auch erste militärische Tarnuniformen - die allerdings nicht übernommen wurden. Denn obschon Gebäude, Großgerät, Flugzeuge und Schiffe zwischen 1914 und 1918 zunehmend mit den unterschiedlichsten Tarnmustern versehen wurden - die mitunter von expressionistischen und kubistischen Künstlern ihrer Zeit entwickelt worden waren, etwa dem Franzosen Lucien-Victor Guirand de S cevola oder dem Deutschen Franz Marc, wurden vergleichbare Tarnmuster bei der Bekleidung nicht verwendet. Von einigen Eigeninitiativen einmal abgesehen. Erst Anfang 1918 begannen die Deutschen die Stahlschutzhelme ihrer Fronttruppen an der Westfront mit einem so genannten Buntfarbenanstrich zu versehen, der auch für Panzer und Geschütze eingesetzt wurde. Es waren dann die Italiener, die in der Zwischenkriegszeit mit ihrem „telo mimetico" (Tarntuch) als erste ein spezielles Tarnmuster für Uniformen entwickelten, das 1929 zunächst bei Zeltbahnen verwendet wurde. Die Reichswehr wurde rasch auf diese Neuerung aufmerksam und führte schon 1931 ebenfalls eine Zeltbahn mit Buntfarbenaufdruck ein, der heute als „Splittertarnmuster'1bekannt ist. Daraus entwickelte die Wehrmacht noch mehrere Mustervarianten für Heer und Luftwaffe, die während des Krieges für verschiedene Uniformen und Helmüberzüge zum Einsatz kamen. Die Vielfalt der ab 1935 von Prof. lohann Georg Otto Schick für die Waffen-SS entwickelten Flecktarnmuster sollten die Wehrmachtsmuster allerdings nie erreichen. Wendbarer Winteranzug 189. Nach den entsetzlichen Verlusten, wel­ che die deutschen Truppen im Winter 1941/42 in Russland aufgrund der völlig unzureichenden Winterbekleidung erlit­ ten hatten, wurde fieberhaft an der Entwicklung einer geeigneten Ausstattung gearbeitet. Nach einem Truppenversuch im Frühjahr konnten schon im Herbst des Jahres 1942 die ersten Truppenteile mit der neuen Winterbekleidung ausgestattet werden, gerade rechtzeitig vor dem neuerlichen Hereinbrechen des strengen russischen Winters. Es war ein gut durchdachter, wendbarer zweiteiliger Anzug (lacke und Hose). Die frühen Versionen hatten eine weiße Seite zur Schneetarnung und eine mausgraue. Vorderansicht einer frühen Winterjacke, mit der grauen Seite nach außen. Der Außenstoff beider Seiten bestand bei dieser Version noch aus Baumwollköper, für die Füllung wurde Watte oder Ähnli­ ches verwendet. Es gibt diesen Anzug auch in einer abgesteppten Ausführung, bei sonst weitgehend gleicher Machart.
Uniform 190. Rückansicht derselben Jacke (graue Seite nach außen). 191. Dasselbe Kleidungsstück mit der weißen Seite nach außen. Da Weiß natürlich recht schnell verschmutzt, vor allem unter Feldbedingungen, gingen die Tarneigenschaften leider recht schnell verloren. Bedingt durch seine Füllung brauchte der Anzug nach dem Waschen auch noch ewig zum Trocknen, wodurch die darauf angewiesenen Soldaten in der Kälte vor einem ziemlichen Dilemma standen. 192. 64 193. W eißer Kunststoffknopf und einer der braunen Ersatzknöpfe. 194. Blick auf den Stoffriegel am Kragenschluss. Da beide Seiten der lacke gleich gearbeitet waren, konnte sie gewendet getragen werden. Auf der mausgrauen Seite waren graue und auf der weißen Seite - anders als bei diesem Exemplar - weiß­ gespritzte Knöpfe angebracht. Vermutlich wurden sie in diesem Fall nachträglich ausgetauscht.
Der Infanterist des deutschen Heeres 195. Einer der Knöpfe zum Engerstellen der Ärmel und knöpfbare Seitentasche. 196. Bei der frühen Winterjacke wurden noch keine Gurtbänder zum Engerstellen der Kapuze, der Taille und des unteren lackenrandes verwendet, sondern solche Kordeln. 197. Auf der Innenseite der Taschenpatte sind der Hersteller- und der Größenstempel zu sehen. 198. Wohl ab Winter 1943 wurden Winteranzüge ausgegeben, die anstelle der mausgrauen Färbung ein Heeres-Tarnmuster auf­ wiesen, zunächst das „Splittertarnmuster" und wohl noch ein Jahr darauf das „Sumpftarnmuster" (Anm. d. Ü.: Auch diese Bezeichnungen sind neuzeitlich!), die beide eine bessere Tarnwirkung versprachen. Beide Ausführungen wiesen die gleichen Fertigungsmerkmale auf, die sich nur unwesentlich von denen der mausgrauen Anzüge unterschieden. Dazu gab es passende Kopfhauben und Winterhandschuhe. Es gibt daneben auch nicht-wendbare Winter-Tarnanzüge, da man erkannt hatte, dass es wesentlich sinnvoller war, wenn die Soldaten als Schneetarnung dünne, leicht waschbare Tarnhemden über dem Winteranzug trugen. Hier ist eine wendbare Jacke im „Sumpftarnmuster" abgebil­ det, bei der der Außenstoff aus Kunstfaser besteht, die Füllung hingegen aus Reißwolle. Die angenähte Kapuze ist ungefüttert und groß genug, um über dem Stahlhelm getra­ gen zu werden. / \ 65
Uniform 199. RB-Nr. des Herstellers und Größenangabe ('1', d. h. klein). 200. Aus dem Stofftunnel ragt das Gurtband zum Engerstellen. 201. Auf beiden Seiten und an jedem Oberarm saß einer dieser kleinen Kunststoffknöpfe, die zum Anknöpfen von farbigen Armbinden gedacht waren, welche der Freund-FeindKennung dienten. Da beide Seiten recht ähnliche Schneetarnanzüge trugen, konnte es schnell zu fatalen Irrtümern kommen. Die Armbinden wurden auf Befehl angelegt bzw. gegen Andersfarbige gewechselt. 202. Ärmelabschluss. Die Uniformknöpfe sind, wie gehabt, feldgrau bzw. weiß gespritzt. Wendbare Fausthandschuhe im „Splittertarnmuster" aus der Zeit nach 1943. Der abgeteilte Zeigefinger erlaubte das Schießen mit Handschuhen. Stempel mit der seit 1943 üblichen RB-Nummer. m W - Q JQ S 66
Der Infanterist des deutschen Heeres Nicht wendbarer Winteranzug 206. Wattierte Winterjacke im „Sumpftarnmuster". 207. Auf diesem Bild sind die breiten, sich überlappenden Abdeckleisten gut zu erkennen. Die Knöpfe sind aus Kunststoff. 208. In dieser Innenansicht ist das graue Kunstseidenfutter ebenso sichtbar wie das Gurtband in Hüfthöhe, mit dem die lacke engergestellt werden konnte. 209 Die Seitentaschen waren mit Patten versehen und die Ärmel ließen sich mittels knöpfbarer Riegel engerstellen. 209 B r a t ' fl 67
Uniform 68 210. Hose mit den dazugehörigen Hosenträgern. 211. Die Hosenträger wurden vorne und hinten mittels Kunststoffknöpfen angeknöpft. 212. Futter aus Kunstseide. 213. RB-Nr. und die Größenangabe (II) in römischen Ziffern auf dem Hosenschlitz. 214. Band zum Engerstellen der Hosenbeine.
Der Infanterist des deutschen Heeres Schuhzeug Der Marschstiefel geht noch auf die Zeit vor der Reichsgründung 1871 zurück. Bereits die im preußischen Heer 1866 eingeführten halbhohen Stiefel wurden scherzhaft als „Knobelbecher“ bezeichnet und dieser Name ist bis heute geblieben. Zusammen mit dem Stahlhelm und der Feldbluse prägte dieses Uniformstück das Bild des deutschen Soldaten schon im Ersten Weltkrieg. Für das Schuhzeug gilt dasselbe wie schon für die Bekleidung, d. h. es spiegelte die Auswirkungen der zunehmenden Rohstoffverknappung wider. Parallel zum allmählichen Niedergang des nationalsozialistischen Staates schien sich auch im Schuhzeug seiner Armee ein ähnlicher Rückschritt abzuzeichnen. Die Wehrmacht, die in ihren schmucken, martialischen Marschstiefeln halb Europa überrannt hatte, trug auf ihren Rückzugsgefechten an allen Fronten nur noch ganz gewöhnliche, halbhohe Schnürschuhe mit hässlichen Gamaschen ... 215. Worauf der Soldat beim Verpassen sei­ nes Schuhwerks achten musste (aus dem „Reibert".) Marschstiefel („Knobelbecher“) 216. Marschstiefel wurden aus naturbraunem Rindsleder gefertigt (wel­ ches von den Soldaten selber geschwärzt werden musste) und hat­ ten eine Schafthöhe von 35-41 cm. Das Leder des Stiefelblattes war immer mit der rauen Seite nach außen. Die Halbsohlen waren mit 35-45 Sohlennägeln benagelt, die Absätze durch ein u-förmiges Absatzeisen geschützt. Jedem Soldaten des Friedensheeres standen alle 1,5 Jahre zwei neue Paar Stiefel zu. 69
Uniform 217. Dieses 1941 abgenommene Stiefelpaar trägt nicht nur Eisenplatten an den Spitzen, sondern ist zudem noch mit jeweils 44 Sohlennägeln beschlagen: ganz schön viele für eine mittlere Schuhgröße! 218. Anziehstrippe und darauf ein Etikett mit Hersteller- und Größenangabe. 219. Bei früheren Stücken - wie diesem aus dem Jahr 1939 waren die Spitzen teilweise mit Eisenplatten versehen. 220. W ie hier zu erkennen ist, wurde die Laufsohle im Bereich des Gelenkstücks mit Stiften aus Buchenholz fixiert, ein charakteristisches Merkmal bei allen deutschen Stiefeln jener Zeit. Die Holzstifte quollen auf, wenn sie nass wur­ den, wodurch sie der Sohle noch besseren Halt gaben. 221. Ein erster Schritt zur Ledereinsparung war die Verfügung vom 9. November 1939, die eine Kürzung des Schaftes um 6 cm vorschrieb. Allerdings griff diese Maßnahme wohl erst ab dem Frühjahr 1940. Am 24. Juli 1941 wurde zudem verfügt, dass nur noch bestimmte Waffengattungen des Feldheeres mit Marschstiefeln auszustatten waren: Infanterie, Kradschützen, Radfahrereinheiten, Pioniere, Brückenbaupioniere und Kradfahrer.
Der Infanterist des deutschen Heeres 222. Die erste Zahl (26) gibt die Fußlänge in cm an, die zweite (7) steht für die Breite. '43' ist das Beschaffungsjahr und '229' der Herstellercode. 223 223. Bei diesem späteren Muster sind auch die Halbsohlen mit Holzstiften fixiert worden. Die Anzahl der Sohlennägel konnte inner­ halb eines Paares unterschiedlich sein, ln diesem Fall ist der linke Stiefel mit 40 Nägeln beschlagen, der rechte hingegen nur mit 38. 224. Stiefellänge- und breite waren auf dem Gelenk eingeprägt. Hin und wieder fand sich hier auch der Namen des Herstellers. 224 225. Zur Versteifung des Schaftes war das Leder auf der Rückseite gedoppelt. Auf der Innenseite wurde diese Naht durch einen 2,5 cm breiten Lederstreifen abgedeckt. Auf diesem Bild sieht man auch die 4 x 13 cm großen Anziehstrippen aus Gurtband. 226. Im direkten Vergleich der beiden Ausführungen sind die angesprochenen Ände­ rungen zu erkennen. • • * \ * 71
Uniform Schnürschuhe (1937) Die im März 1937 eingeführten Schnürschuhe sollten ursprünglich zum Ausgehanzug oder dem Drillichzeug getragen werden. Zum Ausgehanzug konnten auch eigene Schuhe getragen werden, die dann oftmals keine genagelte Sohle aufwiesen, ln den ersten beiden Kriegsjahren wurde der Schnürschuh so gut wie nie im Feld getragen und bis 1944 wurden diese Schuhe ab Fabrik geschwärzt. Vom Äußeren erinnerte der Schnürschuh der Wehrmacht sehr an das Modell, das schon die 1901 aufgestellten preußischen Maschinengewehr-Abteilungen getragen hatten. Bereits im Ersten Weltkrieg wurde der Marschstiefel zusehends durch den für alle Waffengattungen eingeführten Schnürschuh ersetzt, und Anfang 1944 war es dann auch bei der Wehrmacht soweit: Der althergebrachte Stiefel musste endgültig seinem „armen Verwandten" weichen. Das erste Modell aus dem Jahr 1937, hier bereits geschwärzt. Es weist fünf Paar Schnürlöcher und vier Paar Schnürhaken auf, die alle aus dünnem Eisenblech mit einem schwarzen Zelluloseüberzug bestehen, um der Korrosion vorzubeugen. Die 95 cm langen Schnürsenkel waren die erste Zeit über noch aus schwarzem Eisengarn mit Blechhülsen an den Enden, später dann aus Leder. Die Zunge aus weichem Leder ist bis hoch zum ersten Haken an den Seitenteilen angenäht, wobei sämtliche Schuhnähte mit Pechfaden aus festem Hanf genäht sind. Die Schafthöhe konnte zwischen 14 und 16 cm betragen, je nach Schuhgröße. Frühe Ausführungen hatten innen an der Hinterkappe einen Rutschriemen, der das Anziehen erleichterte. 72 228. Das Gelenkstück weist die üblichen Schlagstempel auf. Dieses Schuhpaar wurde in W ien gefertigt. 229. Der Aufbau der Laufsohlen war genau der gleiche wie schon beim Stiefel, bis hin zu unterschiedlich vielen Sohlennägeln bei beiden Schuhen (hier: 35 und 38). 230. Hier ist der (vermutlich ausgebesserte) Hinterriemen zu erkennen.
Der Infanterist des deutschen Heeres 231. Detail der Halbsohle, mit Größen- und Abnahmestempel. 232. Frühe Stiefel und Schuhe hatten meist keine innen liegende Zehenkappe, was ihnen eine elegante spitze Form gab. 233. Späte Ausführung aus naturfarbenem Rindsleder, wobei auch hier beim Schuhblatt die raue Lederseite nach außen schaut. 234. Übergangsmodell aus der Zeit um 1944/45. Es weist die gleichen Merkmale auf wie das Modell 1937, hat jedoch keine Schnürhaken mehr, sondern nur noch fünf bis sieben Paar Schnürlöcher mit geschwärzten Ösen. Diese Schuhe muss­ ten selber geschwärzt werden. 237. 235. Die Halbsohlen dieses Exemplars sind ebenfalls mit unterschiedlich vielen Sohlennägeln beschlagen worden. 236. In diesem Fall wird anstatt der Fußlänge die Schuhgröße angegeben ('41'). Die beiden übrigen Zahlen betreffen wieder die Fußbreite ('8 _') und den Hersteller ('313'). Gewöhnlich kam bei den Schuhen die gerade Schnürung zum Einsatz, die nicht nur einen festen und sicheren Halt ver­ sprach, sondern sich auch im Notfall, etwa einer Verwundung, schnell auf­ schneiden ließ. 73
Uniform Absatzeisen 238. Die schmiedeeisernen Absatzeisen wurden paarweise gelie­ fert, passend zur entsprechenden Schuhgröße. Sie waren deutlich mit 'L' und 'R' für den linken bzw. rechten Fuß markiert, wie auf dem Foto zu sehen ist: 'L I 9' und 'R 19' für eine Fußlänge von 27 cm. Sie wurden mit fünf kleinen Nägeln am Oberfleck aus Leder oder dem synthetischen Kautschuk „Buna" (auch als StyrolButadien-Kautschuk bekannt) befestigt. Man beachte den zeitgenössischen Zeitungsausschnitt über dieses Produkt. 451 19*0 - Friedrich J a c o b s lfmf |1|| Wuppe/tal-Kohlfurterbrücke BR Getenluchmiede ""Sil Gegründet 18T0 Üif Spe z ia1fa br ik für Stiefeleisen - TU. II sfZsäpK II& m GEBR. VO G EL SOUSGEJ5 mt*MeiUbnrmtaMk Oi GcfcnhfdimicDctcilc Sic nroffen fflr »II« Xn<i n»triei *eig* öaueraö andin»Iler,QacliUtenliefert an? öera RL'KDE A 8TFJXBECK Fabrik blanker Waffen laufendenjein GEBKSKBCHMIIDI Paul Weyersberg &Co. tnUitiraSetj.rLETTBIBEftfi 1.Wettl. SalU««» •%»uBXm.KU 3bt Umfalj ffelfll twä>.in* Im HHt*31s»». *«D aniel K a y s e r O sk ar Treiber Zieh-, Stanz-undPreBwerk Solingen-Kohlfurth | B affil SOLINGEN Bnta, öötort mH fioppci ? Ü \__g .:-$ääSv Dmt' ih,n,pfM uf®- ijjflf « Im ma 3peziaifab»ikfürAbsätze!«« S tie fe le ise n Sohlennägel 239. Bei der Wehrmacht kamen zwei Muster von Schuhnägeln zum Einsatz: frühe (siebenschlägige) und späte (sechsschlägige, die leichter zu fertigen waren). Die Nagellänge richtete sich nach der Sohlendicke. Daneben wurden auch andere Nägel verwendet, etwa aus ziviler Fertigung. 240. Detaillierter Blick auf späte, heiß geprägte Sohlennägel. 241. Vergleich beider Nagelmuster: rechts ein Stiefel mit sechsschlägigen Sohlennägeln, links einer mit siebenschlägigen. 242. Diese Sohle ist unbenagelt, wodurch Aufbau und Befestigung der Halbsohle besser zu erken­ nen sind. Es handelt sich hierbei um ein privat beschafftes Stiefelpaar. 239 243. *■ 74 Inmitten des Gelenkstücks prangt der Firmenname: Salamander. |j|| K i
Der Infanterist des deutschen Heeres Gamaschen 244. Zwecks Ledereinsparung wurden im August 1940 Stoffgamaschen eingeführt, zunächst nur für bestimm­ te Truppenteile und das Ersatzheer. Spätestens ab 1943 waren sie aber schon an allen Fronten weit verbreitet Sie waren bei den Soldaten äußerst unbeliebt, was sich in allerlei abfälli­ gen Bezeichnungen wie „Timoschenko-Socken", „Rückzugs-Gamaschen" oder „Hundedeckchen" widerspiegelt. Auf zeitgenössischen Aufnahmen sind immer wieder Soldaten zu sehen, die zu ihren Schnürschuhen keine Gamaschen tragen, sondern ihre Socken über die Schuhe heruntergerollt haben. Eigentlich streng verboten! Die Stoffgamaschen waren aus starkem Segeltuch gefertigt und wurden mittels zweier Schnallriemen und Schnallen geschlossen. Bei der frühen Ausführung waren die Unterkanten der Gamaschen mit einem schmalen Lederstreifen eingefasst und die Schnallen waren als Rollschnallen gear­ beitet. Die später gefertigten Gamaschen hatten hingegen einfache Schnallen und vorne und hinten je ein halbmondförmiges Lederstück angenäht, das den Stoff vor Durchscheuern schützen sollte. 245. Stoffgamaschen mit unterschiedlichen Abnahmestempeln. 246. Die Rollschnallen konnten grau, schwarz, grün oder vernickelt sein. Späte Ausführungen, hier rechts, hatten vereinfachte Schnallen ohne Lackierung und meist naturfarbene Riemen. 245 W . . V V > 75
Uniform Schnürschuhe (1944) 76 247. Das 1944 eingeführte Schnürschuh-Modell. Die Qualität dieses 1944 gestempelten Paares ist herausragend. Innen im Schaft verläuft hier ein schmaler Tuchstreifen um den oberen Rand, was nicht bei allen Schuhen dieses Modells so war. 248. In der Rückansicht sind die Absatzeisen und der verkürzte Hinterriemen zu sehen. 249. Dieses Paar ist mit innen liegenden Zehenkappen ausgestattet wor­ den, welche den Schuhspitzen eine rundere Form verleihen, sie aber auch widerstandsfähiger machen. 250. Auch hier findet sich auf den Halbsohlen wieder eine ungleiche Anzahl von Sohlennägeln (39 bzw. 42). 251. Absatzeisen mit der Größenangabe 'R-21' (sie gehören zu einer Fußlänge von 29 cm, was der heutigen Schuhgröße 43 entspricht). 252. Schlagstempel mit Fußlänge und -breite. Frühe (siebenschlägige) Sohlennägel. 253. Der Kammerstempel findet sich an der üblichen Stelle, am Innenknöchel oben am Schaft. Die Schnürsenkel sind hier nach aus Eisengarn. 254. Hier ist der graue Tuchstreifen am Schaftrand gut zu erken­ nen.
Der Infanterist des deutschen Heeres 255. Die Veränderungen bei den Schuhsohlen. Von unten nach oben: Schnürschuh aus denn Jahr 1939 mit Eisenplatte an der Spitze, Halbsohle und 44 Sohlennägeln. Darunter ein Schuh aus der Zeit 1940/41 mit Halbsohle und 39 Sohlennägeln, gefolgt von einem Exemplar von 1943, dessen Halbsohle mit 38 Nägeln beschla­ gen ist und schließlich einen um 1944/45 mit nur 32 Sohlennägeln (sechsschlägig) und ohne Halbsohle. Bergschuhe 256. Ein Paar dienstlich ausgegebener Bergschuhe aus naturbraunem Leder. Daneben durften die Gebirgsjäger aber auch zivile Modelle verwenden, soweit sie den Vorgaben der Wehrmacht entsprachen. Es waren äußerst robuste Schuhe, deren Obersohle am Rand mit Durchziehnägeln beschlagen war, seitlich waren je zwei Skibacken für die Skibindung befestigt und im Ballenbereich waren so genannte Jägerstifte rautenförmig angeordnet. Blatt und Schaft waren mit feinem Leder gefüttert und die Schuhspitze wurde innen durch eine Vorderkappe verstärkt. Das frühe Muster wurde noch mittels Schnürhaken und -Ösen geschnürt, doch etwa ab Mitte 1943 wurden Erstere durch Ösen ersetzt, wie beim Schnürschuh dann auch. Die Gebirgstruppe trug diese Schuhe nicht nur zum Klettern und Skifahren, sondern sie waren ihre Standard-Fußbekleidung. Dazu wurden gewöhnlich elastische Wickelgamaschen aus grauer Wolle getragen, aber man sieht auf Fotos Bergschuhe auch immer wieder in Kombination mit Stoffgamaschen oder herabgerollten Socken. Das abgebildete Exemplar ist eine Spätkriegsfertigung mit sieben Paar metallver­ stärkter Schnürlöcher. 77
Uniform 78 257. In der Seiten- und Rückansicht sind die Aushöhlungen für die Skibindung in den Absätzen gut zu sehen. 258. Zum Schnüren werden etwa 1 m lange Schnürsenkel aus Leder verwendet. 259. Diese Schuhe weisen 25 bzw. 30 lägerstifte im Ballenbereich auf und jeweils 12 weitere auf dem Absatz, einheitlich in Rautenform angeordnet. 260. Der Unterschied zwischen den Kappennägeln auf dem Absatz und den Durchziehnägeln auf der Sohle wird hier deutlich. Man beachte außerdem den Größenstempel (Fußlänge 28, Fußbreite 4). 261. Diese Bild zeigt Durchziehnägel, die beiden Skibacken und schließlich die lägerstifte auf der Sohlenfläche. 262. Am oberen Rand des Schaftes war ein schmaler Filzstreifen angenäht, der das Tragen angenehmer machte. Zu sehen ist der Abnahmestempel des Bekleidungsamtes München mit Größenangabe, Abnahmejahr (1944) und Hersteller ('383').
Der Infanterist des deutschen Heeres Filzstiefel Die Härte des russischen Winters zwang die Truppe dazu, sich so rasch wie möglich geeignetes Schuhwerk zu beschaffen, um die enorme Zahl an Frostopfern zu verringern. Dabei nahm sich die deutsche Seite den traditionellen russischen Filzstiefel „W alenki" als Vorlage für ihre eigenen Stiefel. Das russische Original war meist ganz aus Filz gefertigt, der den Fuß hervorragend gegen Kälte isoliert. Um die deutsche Version unempfindlicher gegen Nässe und insgesamt robuster zu machen, wurde der Filzstiefel im unteren Drittel außen mit Leder besetzt und bekam zudem eine Ledersohle. Es gab viele Variationen hinsichtlich Farbe, Verstärkungen, Details in der Machart, doch allen war die Kombination aus Filz und Leder gemein. 263. Der deutsche Filzstiefel war, anders als das russische Original, gewöhn­ lich im unteren Drittel mit braunem oder schwarzem Leder besetzt und verfügte über lederne Sohlen und Absätze. Je nach Machart des Filzes konnte dieser bräunlich oder grau sein, es kommen aber auch gefärbte Exemplare vor. 264. Der rückwärtige Schlitz, der das Anziehen der Stiefel erleichtert, wird durch einen Schnallriemen geschlossen. Der Einsatz zeigt diesen ledernen Schnallriemen und die Lederabdeckung der Rücknaht. 265. Die Sohle ist mit ledernen „Noppen" versehen, die auf Eis und Schnee einen etwas besseren Halt geben als glatte Sohlen. Eine der kurzen Stiefelstrippen aus Viskose trägt den Stempel mit der RBNummer, Fußlänge und -brei­ te (28 bzw. 8) und Herstellernummer (4812). 267. Ober- und Unterseite der Einlegesohlen aus Pappe und Filz. 268. Blick auf die Hinterkappe mit Hersteller- und Abnahmestempel. 269. Blick auf den Größenstempel (28 cm) und zwei Ledernoppen.
Uniform .Postenstiefel“ (Filzüberschuhei Diese Überschuhe aus Filz dienten ebenfalls als Kälteschutz im Russlandfeldzug, allerdings waren sie vorwiegend für Posten, Wachen oder Fahrer gedacht, da man sich mit ihnen nicht besonders gut bewegen konn­ te. Sie waren mit Holzsohlen versehen, auf denen Halbsohlen aus Buna (synthetischer Kautschuk) aufgenagelt waren, zur erhöhten Wärmeisolierung und Beständigkeit, le nach Hersteller konnten sie sich in einigen Details unterscheiden. Daneben wurden als Notlösung, etwa in Stalingrad, auch Überschuhe aus geflochtenem Stroh getragen. Hersteller (3-Buchstaben-Code), Abnahmejahr (1943) und Größe (30) in Zentimetern. Auf dieser Aufnahme sind die Buna-Sohlen und der Größenstempel zu sehen. 80
Der Infanterist des deutschen Heeres Stiefelpflege und -reinigung € c f t a f l u n i » . ' t a p p e gepupL Ö l a r t l m ö ( S c l e n l ßcfdjffliert. sBiib ia Stiefelpflege. 274 273. Militärisches Fußbekleidungs-Stillleben. 274. Der vorschriftsmäßige Stiefelputz, laut einer Unterichtsfibel. 275. Einlegesohlen isolierten und dämpften den Fuß. Sie wurden nicht dienstlich geliefert, konnten aber in der Kantine gekauft werden. 276. Wehrmacht-Packung mit schwarzem Lederfett, das bis 1943 verwendet wurde. Danach wurde farbloses Fett ausgegeben, da das Schuhzeug nicht mehr geschwärzt werden musste. 277. Drei verschiedene Lederfette und ein spätes, farbloses Fett in einer runden PresspappeDose. 81
Uniform Die Gebrauchsanleitung ist jeweils auf der Rückseite aufgebracht. Viele Soldaten hatten solche kleinen Pappschachteln mit Schuhputzzeug im Spind stehen. ffRISCHUN6Sa ois EG-GO w d s r -p a c k u n G ÖNTHÄtTpAUHtEDERSTtfT PUOERVERTEItEt IS E IN IG U N G S ’ GUMMI, RAUHM«El, WOMIT £9« VOLLKOMMENE S*%<lEDERPFt£Ge S M E IC H T W ilS In h a lt : P u d e r s t if t F i tzk iss e n Rauhpapier Wachstablette zum Imprägnieren von Sohle und Schuhblatt. Für die besten Resultate musste das Mittel erhitzt aufgetragen werden. Sie war ebenfalls in der Kantine erhältlich. ^c h u h w e r k ? ReiseWichsgarnitur -A.- SKI C o e'd p a c ^ Sch>Ne Kleiner Werbespiegel des Stiefelhersteller Rubo und daneben einige Zeitungsinserate von weiteren Herstellern, die sich an die Selbsteinkleider richteten W - V e r k a u fs s te lle für R eitstiefel Z u g stiefel Josef Weindorf orth. Schuhm acherm eister A achcn W allstraße 4 6 R u f: 2 1 9 6 4 1 1 G e g r . 1870 und 281 U niform * Schnürstiefel j Vorzügliche Paßformen 'Roland H e r r e n s c h u h G. m. b. H. Bonn, Remigiusstr. 9 Erstklassige Reit« u. Uniform* Stiefel naoh Maß in je d e r A u sfü h ru n g ^ U n if o r m - u . I H it - S t i e f t l Je & e r 9 trt grögt« 2Ju»n>al)l fa&männifd)« Sctatun g Im « ( S h a o a t & i '* -Schuhhaus OGauß Düsseldorf • S c h a d o w s t r a B e 54
Der Infanterist des deutschen Heeres Unterrichtsmaterial 282. Diese Seite aus dem „Reibert" zeigt, wo die Bekleidung und Ausrüstung gestempelt bzw. mit dem Namensschild versehen werden sollte. 283. Den „Reibert" gab es damals auch schon unter dem Haupttitel: „Der Dienst-Unterricht im Heere". Hier die Ausgabe für den Schützen der Schützenkompanie aus dem (ahr 1943, mit über 500 Abbildungen. REIBERT -®.y ü H H « I Sj ü U n te r r ic h t im k e r e Ausgabe für Öen öec ^ ü t^ e n fo m p a n tß 3 u{oraratngtfltlft un6 J t o t S r i f t t oon D r. ju r. IP. K eitel ffictpltulnniü D e u tfc tie o rm c n ÜTit äftet 5 c o 2J66tf6un8en im ?etf üöüig ncu 6 tac6 «ite»t auflog* ^a fjrg an s 1943 tE.-S.ttliület5;tfoftn,Berlin 283 U n ifo rm e n u n d A b z e ic h e n d e s H e e re s U n ifo rm e n u n d A b z e ic h e n d es H e e r e * □ L_J W a ffe n fa rb e n K ra(l(ah r _____ 1 Kampftruppen B i In'onterle Kavallerie J *9« r Artillerie [ ~ Pioniere I I 1 H E H L S I K raftfahr.-u jl Fahrtruppon S° ""d tto b te.lu n g Beam,c C3«qJ Generalitabtoffuicre Ober. kom m an do d. H e e m ’s u.O K.W . Fahnentrogerabzeichen Offizieridolch Tragevor- A b z e i c h e n b e s o n d e r e r D i e n s t s t e llu n g e n © San.tatsunterpenonal © Bneftoubenmeiner © © Truppentattier- Anwärter T d Heereibcmeateramten (t.nhe.t) Anwärter Laufbahn @ Feuer werker ® Feitungipiomerfeldwebel © Schirrme.Uer @ Geprüfte! Hufbeichlagpertonal 0 © f-tHwJhel feldwebel ® , Unteroffizier © ® Ä > =11 Schießauszeichnungen d. Infanterie. Artillerie und der Panzer-Einheiten je 12 Stofen. Richtabzeichcn „ ___ . . Rlchtabzeichen Artillerie Nebeltruppen Musiker Ko> (* 0’ ' Fe(d, Feldbinde für Offiziere ..nA f E r in n e r u n g s a b z e i c h e n I u 2 Reiter-Rat. 5 (lr»h«r Hwtor«»-** m«loM gctwnil)
Uniform 84
Der Infanterist des deutschen Heeres Nähzeug 284. Schon in der Wehrmacht war jeder Soldat für die Pflege und Instandhaltung der ihm anvertrauten Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung verantwortlich. Er musste also seine Uniform bis zu einem gewissen Grad selber in Schuss halten, sprich Knöpfe annähen, kleinere Risse flicken, Socken stopfen usw. Zahlreiche Anbieter von Näh- und Handarbeitsartikeln jener Zeit hatten Nähzeug im Sortiment, das sich eigens an die Landser richtete, oft unter der Bezeichnung ’Kameradenhilfe'. Diese kleinen Etuis enthielten Nadeln, Faden, Knöpfe, Sicherheitsnadeln, Fingerhüte usw., mit denen sich die anfallenden Näharbeiten durchführen ließen. 285. Alles, was man zum Stopfen der Socken braucht, ist in diesem kleinen Nähzeug vorhanden. 286. Ein weiteres Nähzeug mit diversem Zubehör, diesmal ohne Beschriftung. 85
Uniform 287. Zwei Beispiele für Nähnadel-Packungen, wie sie in den Kantinen vertrieben wurden. Das kleinere stammt von der bekannten Firma Prym, das größere trägt die Aufschrift 'NAD ELN für den deutschen Soldaten!'. Nadeln wurden gewöhnlich in verschließbaren Kunststoff- oder Metalldöschen aufbewahrt. 288. Schachtel mit Sicherheitsnadeln - ideal für schnelle Reparaturen im Feld. 289. Alle Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände mussten mit dem Namen des Soldaten versehen werden, was gerade bei den Stücken sehr sinnvoll war, die regelmäßig in die Wäscherei gingen. Dabei wurden entweder solche gestickten Initialen verwendet, aber es kamen auch Etiketten zum Einsatz, die den vollen Namen und den Truppenteil des Soldaten nannten. 290. Rollen und Hefte mit unterschiedlichen Fäden und Garnen aus Leinen, Baumwolle oder W olle für die Industrie und die Truppe. A N L E IT U N G : Zieh e nur d as tatsäch lich b en ö tigte Q uantum h eraus u nd sc h n e id e e s a b l Der Rest des Päckchens bleib stets in Ordnung und suuht 291. Namensetiketten mit aufgesticktem Dienstgrad, Namen und Truppenteil des betreffenden Landsers konnten auf eigene Kosten über Kantinen oder Uniformschneidereien erstanden werden. Diese Schildchen aus Baumwolle wurden an der vorgeschriebenen Stelle in die Bekleidung eingenäht, bei Ledersachen auch eingeklebt. In Stahlhelme, Gasmaskenbüchsen und andere metallene Ausrüstungstücke wurden die Namen häufig auch aufgemalt oder eingeritzt. 292. 292 PR II Zwei Rollen mit feldgrauem Zwirn für die Wehrmacht, die beide für das Nähen von Hand oder mit der Maschine geeignet sind, wie es darauf heißt. LEINENZWIRI Unterfaden und %W L f ür di e H E E R E S W E R K S T ä Jü 50 g «A m J GRUSCHWi ! ISXmWERKE A. O.» 86 293. Auf den Papphülsen im Innern der Garnrollen war oft der Herstellername vermerkt.
Der Infanterist des deutschen Heeres 294 294. Typische Knopfkarte der damaligen Zeit. Die hier gezeigten Lochknöpfe aus weißem Kunststoff fanden sich vor allem am weißen Trikothemd und an der Unterwäsche. Der gleiche Knopftyp, aber in Grau, wurde an der Feldbluse für die Ärmel und zum Einknöpfen der Kragenbinde verwendet. 295. Rückseite der Knopfkarte mit Herstellerhinweisen. Die Verkaufseinheit für die Soldaten waren zwölf Knöpfe auf einem Pappstreifen. 296. An der Dienst- und Feldbluse, dem Mantel und dem Drillich wurden Ösenknöpfe aus feldgrau gespritztem Leichtmetall getragen. Sie wurden auf solchen Karten an die Herstellerfirmen geliefert. 297. Die Vorderseite dieser Uniformknöpfe war gewöhnlich gekörnt, um Reflexionen zu mindern. W ie bereits angesprochen wurden sie feldgrau gespritzt, in den Anfangsjahren noch in einem hellen Farbton, der aber zunehmend dunkler wurde. Die Farbe rieb sich auch recht bald wieder ab. Zum Ausgehanzug, dem Waffenrock usw. wurden allerdings hell-aluminiumfarbene Knöpfe getragen. 298. Die Rückseiten waren entweder hohl oder mit Metallfüllung versehen. Hier sind unterschiedliche Knöpfe aus diversen Abschnitten des Krieges in teils recht unterschiedlicher Qualität versammelt. 299. Schneiderwerkstätten und Uniformfabriken verwendeten Knöpfe aller Formen und Materialien: aus Bakelit, Horn, Glas, Kunststoff, Metall, Holz usw. Auf dem Foto sind mehrere Schachteln mit Kunststoffknöpfen (Bakelit) einer solchen Uniformfabrik zu sehen. O s k a r T o v o te Uniformfabrik H e r f o r d i. W e s t f . Goebenstr. 15 300. Hier noch eine weitere Verpackungsmöglichkeit. Es handelt sich um Uniformknöpfe, die womöglich noch aus der Vorkriegszeit stammen, denn sie sind hervorragend verarbeitet und zudem in einem helleren Feldgrau gespritzt als spätere Muster. 87
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Koppel und Koppelschlösser „GOTT M IT U N S ", so lautete seit 1701 der Wahlspruch der stand die alte Devise G O T T M IT U N S ' und unten fanden sich zwei preußischen Könige, der ab 1847 auch auf den Koppeln der preußi­ Lorbeerzweige. Die Reichswehrschlösser waren aus Neusilber, einer schen Soldaten zu finden war und den die Reichswehr im fahr 1925 Kupfer-Zink-Nickel-Legierung, gefertigt. Mit Verfügung vom 17. für das wieder eingeführte Koppel übernahm. Angesichts der eher Februar 1934 wurde das neue Hoheitsabzeichen - ein Adler mit antikirchlichen Einstellung der NS-Füftrung ist es reichlich erstaun­ einem Hakenkreuz in den Fängen - für die bisher schon getragenen lich, dass diese Devise für die Koppelschlösser des Heeres (und der Bekleidungsstücke der Armee eingeführt. Doch erst am 24. Januar Marine) beibehalten wurde - die Luftwaffe und die S S hingegen ver­ 1936 wurde dann ein neues Koppelschloss für Heer und Marine ein­ zichteten, als eher „politische" Organisationen, darauf. geführt und der W eim arer Adler auch hier von dem neuen Das Kastenschloss der Reichswehr zeigte auf dem Mittelschild den Hoheitsabzeichen verdrängt. nach links blickenden Adler der Republik, in der Umrandung oben Koppelschloss des Reichsheeres (aus Neusilberblech). Hinten auf der kurzen Schnallzunge ist der Stempel mit dem Herstellungsjahr 1929 zu erkennen. Die Kastenschlösser der Weimarer Republik wurden noch bis Mitte der 1930er lahre aufgetragen. 89
Koppel und Koppelschlösser 01. Die Entwicklung des Koppelschlosses seit 1935. Das sandfarben lackierte Stück unten ist eine recht seltene Ausführung aus der späteren Kriegszeit. In der letzten Phase des Krieges wurden sogar Kastenschlösser aus rötlich­ braunem Bakelit gefertigt. 02. Für die Herstellung eines Koppelschlosses waren mehrere Arbeitsschritte erforderlich. Zunächst wurde es in einer Pressform durchgeprägt, dann lackiert und zum Schluss wurde der Rollsteg eingesetzt. 03. Übliche Stelle für den Herstellerstempel. Bei den Stahlblechschlössern war die Hakenöse angelötet, bei den Aluminiumschlössern hingegen angegossen. 04. Seitenansichten der Rollstege (bis auf den unteren mit Schnallzungen), mit denen das Kastenschloss in das Koppel eingeschnallt wurde. 90
Der Infanterist des deutschen Heeres 05. Diese Rückansicht des Schlosses zeigt noch einmal die Hakenöse und die Dornen des Rollsteges. 06. Koppelschloss, eingeschnallt in einem Koppel des 1. Modells. 07. Schloss aus Aluminium. Die Schlösser wurden gewöhnlich grau oder feldgrau lackiert ausgegeben, doch rieb sich die Farbe im Lauf der Zeit oft wieder ab. Mitunter halfen die Soldaten (verbotenerweise) auch nach, um im Ausgehanzug etwas eleganter auszusehen. Zu diesem durften aber auch Eigentumsstücke aus Aluminium oder hellem Neusilber getragen werden, bei denen das Hoheitsabzeichen teilweise extra aufgesetzt ist. 08 08. Gutes Beispiel für ein frühes, feldgrau gespritztes Koppelschloss aus Stahlblech. Hergestellt von der Firma C.T. Dicke ('CTD') in Lüdenscheid im lahr 1940. 09 09. Mattgrau lackierte Spätkriegsausführung. Man beachte das Fehlen der bisher üblichen ledernen Schnallzunge. Die Herstellerbezeichnung ’RODO’ ist gut zu erkennen. 91
Koppel und Koppelschlösser 10 . Auf der Schnallzunge war mitunter ein Stempel mit Angaben zum Hersteller und dem Fertigungsjahr eingeschlagen, wie auf dem Schloss selber auch. Allerdings fiel diese Zunge ab März 1942 zwecks Ledereinsparung weg. 11 . Für das 1. Modell des Koppelriemens (oben) wurde gutes, 4 -5 mm dickes Leder verwendet: es war 4,5 cm breit und auf der Außenseite geschwärzt. Eine ca. 20 cm lange, auf der Innenseite angenähte Lederzunge mit sieben Paar Schnalllöchern diente zum Einschnallen des Schlosses. Für den Einsatz in Nordafrika wurden Koppel aus u steifem Gurtband ausgegeben (unten), welche dann auch im übrigen Mittelmeerraum verwendet wurden. Wegen der Lederverknappung wurden sie später zunehmend auch auf den übrigen Kriegsschauplätzen getragen - diese Verknappung führte kurz vor Kriegsende sogar zur Einführung von Koppelriemen aus gepresster Pappe. \ 11 12 12. Die jeweilige Koppellänge, in 5-cm-Abstufungen (90, 95, 100, 105 ...) verfügbar, war innen auf dem abgerundeten Ende aufgestempelt. 13 92 13. Gurtbandkoppel mit olivfarben lackiertem Koppelschloss - sie wurden bald im ganzen Mittelmeerraum getragen.
Der Infanterist des deutschen Heeres 14. Die übliche Stelle für den Hersteller- und lahresstempel lag innen auf der Hakenseite. Drei unterschiedliche Stempelungen sind hier zu erkennen. Von links nach rechts: Herstellercode 'bmc 41', Stempel mit Hersteller und lahreszahl (1941) auf der Innenseite, aber fast in Riemenmitte (was eher ungewöhnlich war) und schließlich ein späteres Exemplar mit verschlüsselter RB-Nr. 15. Die Nähte bei einem Gurtbandkoppel. 16 16. Beim 2. Koppelriemenmodell fiel die lange Lederzunge weg und die Lochpaare zum Einschnallen des Schlosses wurden direkt in den Riemen eingestanzt. 17. Koppelschloss auf einem Lederriemen des 2. Modells. 18. Rückansicht einer aufgeschlauften Patronentasche. Die am Koppel zu befestigende Ausrüstung verfügte über entsprechende Trageschlaufen, welche über den Riemen gezogen wurden. 19. Auf diesem Foto sind die beiden, für Koppelriemen des 1. Modells typischen, weißen Doppelnähte gut zu erkennen - links für die Lederzunge und die abgerundete Naht rechts für den Schließhaken. 18 17
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Gasmasken Einer der ungewöhnlichsten Ausrüstungsgegenstände, welche setzen, sollte die deutsche „Operation Seelöwe" (die geplante Invasion man Anton ausgehändigt hatte, war dieser seltsame Metallzylinder, Englands durch die deutsche Wehrmacht 1940, Anm. d. Ü.) durch­ welcher die schrecklich aussehende Gasmaske enthielt. Anton erinner­ geführt werden. Der einzige nachgewiesene gefechtsmäßige Einsatz te sich an die vielen Erzählungen der älteren Männer in seiner von Kampfgas im 2. Weltkrieg erfolgte durch die Deutschen in Heimatstadt über die furchtbare W irkung des Giftgases im 1. Warschau. Sie entschuldigten sich sofort bei der Weltöffentlichkeit Weltkrieg. Auch wenn Giftgas nur für vier Prozent der Kriegsverluste dafür und erklärten, es hätte sich um ein unglückliches Versehen verantwortlich war, gehörte es doch zu den innovativsten Waffen die­ gehandelt. Die lapaner jedoch setzen unbarmherzig Giftgas in der ses Konflikts. Mandschurei ein. Frankreich war das erste Land, welches eine A rt von Reizgas ein­ Die logische Gegenmaßnahme gegen die schreckliche Bedrohung setzte. Dies spornte Deutschland im ]ahre 1915 an, wesentlich wei­ war die Gasmaske, welche zu Millionen an Soldaten und Zivilisten terentwickelte und gefährlichere Gase, wie z. B. den T-Stoff oder verteilt wurden, um einer möglichen Verletzung der Genfer Tränengas einzusetzen. Diese Gase bestanden aus hochkonzentrier­ Konvention vorzubeugen. tem Chlorin und zerstörten die Lungen. Bald ergriffen jedoch die Der große preußische Naturforscher Alexander von Humboldt Franzosen wieder die Initiative und ersetzten das Chlorin durch hatte bereits 1799 eine Maske für die Verwendung im Kohlebergbau Phosgen, ein noch höher entwickeltes Gemisch, dessen vernichtende erfunden. Die erste militärische Schutzmaske ist das Produkt eines Wirkung sie bald selbst bei Ypern erleiden mussten, als die Deutschen Russen, Nikolai Dmitrijewitsch S elinski, der 1915 eine mit einem ihrerseits Phosgen und Chlorin mischten Filter versehene Maske zum Schutz der zaristischen Armee entwickel­ und die französische Armee 10 000 Mann Verluste hatte, davon 7000 Tote. Gas war mit Sicherheit eine grauenhafte Waffe, aber zu diesem te. In der Zeit zwischen den Weltkriegen entwickelten viele Firmen noch nicht auf dem Höhepunkt seiner tödlichen Gasschutzgerät und schon bald standen zuverlässige Masken zur Effektivität. Die W irkung von Kampfgas wurde noch verheerender, Verfügung, welche sich kaum von unseren heutigen Modellen unter­ als die Wissenschaftler begannen, ätzende Substanzen wie Yperit, im scheiden. Zeitpunkt deutschen Sprachgebrauch Senfgas oder Lost genannt, beizumen­ Die deutsche Wehrmacht des 3. Reichs besaß zu ihrer Zeit die gen. Dieses deutsche Gas wurde von den Engländer „Yellow S ta r" modernste und effektivste Ausrüstung auf diesem Gebiet. Die beiden (Gelber Stern) genannt, abgeleitet von dem Stempel auf den wichtigsten Modelle von Gasmasken waren: Die seit 1924 entwickel­ Granathülsen (später setzte sich auch der Name Gelbkreuz durch, te und ab 1930 produzierte „Gasmaske 30" und die „Gasmaske 38", Anm. d. Ü.). I« „normalen" Mengen verwendet, war dieser Stoff ein Patent von 1938 besser bekannt als „S-M aske". Beide wurden in nicht tödlich. E r legte sich als schmierig-brauner Film auf alles und einem Metallzylinder getragen, der Gasmaskenbüchse. erzielte seinen größten Effekt nach Stunden, brannte in den Augen und auf der H aut und blieb für Wochen aktiv. Dieser Kampfstoff wurde zur endgültigen Formel, die von allen kriegsteilnehmenden Staaten verwendet wurde. Auch wenn andere Reizgase in vielen Versionen in größeren Mengen (133.000 Tonnen) verwendet wur­ den, Senfgas war zweifellos das tödlichste Gas. Trotz der außerordentlich schrecklichen Auswirkungen dieser Waffe sollte das Gas noch bis weit in die 1920er fahre verwendet werden und Russen, Araber, Chinesen und Äthiopier mussten unter den verheerenden Folgen leiden. Im Genfer Protokoll von 1925 wurde unter dem Druck der aufgeschreckten öffentli­ chen Meinung ein völkerrechtlicher Vertrag unterzeichnet, wel­ cher den Gebrauch chemischer und biologischer Waffen verbot. Das Verbot des Einsatzes chemischer Waffen beinhaltete den Verzicht der Großmächte auf den Einsatz von Senfgas, \apan und die U S A ratifizierten den Vertrag allerdings nicht. Das Protokoll konnte damit den Schrecken nicht vollständig verbannen und so besaßen die Großmächte zu Beginn des 2. Weltkrieges noch gewal­ tige Mengen an Senfgas (Großbritannien 40.000 Tonnen, Russland 77.000, die U.S.A. 87.000 und das Deutsche Reich mehr als 27.000). Die Briten waren entschlossen, Giftgas einzu- Gas-Schutz-Ausrüstung für die Zivilverteidigung 1 (Luftschutz) "F" 95, hergestellt bei der Firma Dräger in Lübeck. Sie beinhaltet einen speziellen Filter für den Einsatz von Werksfeuerwehren in Fabriken, in diesem Fall in der chemischen Industrie. 95
G asm asken Ähnlich wie viele andere in der Nazizeit hergestellte Gegenstände (wie z. B. der Volkswagen) wurde diese Maske die „Volksgasmaske" genannt. Zu Millionen hergestellt wurde die Maske an die Zivilbevölkerung (Männer, Frauen und Kinder) ausgegeben. Das Foto zeigt sie in ihrer typischen Ausführung. Dieses spezielle Exemplar wurde von der Firma A U ER 1943 gefertigt und gehörte einer Frau namens Marianne Weiss. Das „F" auf der Maskenhülle besagt, dass es sich um eine Maske für Frauen handelt. 02. Anweisungen zum Gebrauch der „Volksmaske' 03. Werbeanzeige in einer Zeitung für eine Gasmaske mit dem Produktnamen Degea. 04. Publikation über den Effekt von Giftgas auf die Bevölkerung, Gasschutzausrüstung und wie sie in Städten zu verwenden ist. 05. Eine weitere Werbeannonce, diesmal für den Hersteller von Gasmasken AUER. *.VV££& V om/ ' Jrl Ein f ü h r u n g ' U N D A N L E IT U K > I3 G A S KUNDE GASSCHUTZ B E f t l l N - S T E G L IT Z G ASM A SK EN G ASSE KLEIDUNG SAUER STOFFSCHUTZ GERÄTE (HEERE SATMER; SAUERSTOFFBEHANDLUNGSGERÄTE SBG 38! LUFTSCHUTZR AUMBELUFTER * HÖHENATMER V IN TIID ICH TPRUFER M ASKENDICHTPRUFER L EU C H TFA R BEN FÜ R LU FT SC H U T ZR A U M E
Der Infanterist des deutschen Heeres b et ©oSmaSfe, ***** £ Q » 06. 8i» 1 * r« ^ W **r Komplette GasSchutzausrüstung eines Soldaten, zusammen mit zusätzlichem Ausrüstungsgegenstän den, wie Maskenbrille, Anleitung, etc. 07. Die richtige Trageweise der Maske. Truppenhandbuch von 1943. 08. Eine Seite des Handbuchs, welche verschiedene Körpersignale während eines Gasalarms im Felde zeigt. 09. Der Empfang von Gasmasken, deren Größen und Maskennummern laut SoldatenHandbuch. 10. Die persönliche Gas-Schutzausrüstung eines Soldaten: Eine Gasmake und deren Tranportbüchse. 97
G asm asken Bild 13: Vrrftacken der Maske. „ so wie die Bänder f a l­ len. Dann ergreift die rechte Hand das Tragband.“ B ild 4 : A u fse tze n . T e m p o I: „Schließlich e m a n m it be id e n H ä n d e n d ie K o p fb ä n d e r *tre ck t d a s K in n leicht v o r . . . . “ B i l d 7 : A u fs e tz e n . T e m p o I I : „ . . . a ls o nicht, w e n n m a n s ie ü b e r d e n K o p f h e b t.“ B ild JO: A u fs e tz e n . T e m p o I I I : „ S ie e t u a so lie g e n la sse n , w ie s ie sich se lb st h in g e le g t h a b e n . . . . w ü rd e d ie b e q u e m e T r a g w e is e a u ß e r o r d e n t­ lich b e e in tr ä c h tig e n .“ B ild 14: Verpacken der Matke. „ . . . to daß die Augenfe n tte r aufeinander liegen, und die rechte Hand drückt den Kinnteil ein.“ B ild 5 : A u fs e tz e n . T e m p o l: S tir n b ä n d e r m it zu e rfa sse n “ B ild 8 : A u fs e tz e n . T e m p o I I : „ D as tie fe H in e in z ie h e n i n d e n N a c k e n ist n o t w e n d i g . Bild IS: Verpacken der Matke. „Die M atke braucht dabei weder geitaucht zu werden, noch . . . “ 11 B i l d 6 : A u fs e tz e n . T e m p o I : ric h tig , w e n n . . . . “ „ D ie H ä n d e lie g e n B i l d 1 2 : A b s e tz e n . T e m p o I I : ..G e n a u w ie b e i d e r A b s e tz p r o b e w e r d e n d ii K o p fb ä n d e r . . . “ ____________________ B i l d 9 : A u f s e tz e n T e m p o I I : . w e i l so n s t in v ie le n F ä lle n d a s m ittle r e S t i r n b a n d lo se b le ib t.“________________________________________________ Einjcllcilc Der 5-TTIashe 3 u r 5 'l l l a s l u n - ß u s r ü ß u n g g e b ä ie n b e r m a s h e n h ä r p e r m it e in g e le g t™ f t la tf d |f ib m . D a s S - f ilte t. ein „ M t £ t( a n h ia tfdj eib en , e in e T ra g b ü d rfe m itf in o p f b a n b m itD o p p e ih n o p f u n b e in T lla s h c n lp o n n e c . D er U lM b rn h ö rp n : b e fie h l a u s b e m G e fid itste il, b e n B o p fb ä n b e rn u n b bem T r a g b a n b . Tragbüdifc flusroedifeln Der ftlatfdieiben Die Itagbürfifc bietet piatj für THashenhörper unb Jilter. Sie barf nicht 5ur pufberuatirung ber S-TTlashe oerroenbet roerben, fonbern nur jum Tragen berfelben in Bereitfehaft. für bas Einlegen in bie Tragbüdjfe legt man bie pugenfenfter mit ben linnenfeiten aufeinanber, roichelt bie Bänber um ben mashenhörper unb brücht bie 5 -TTlashe bas eingefriiraubtefilter nact] unten - in bie Tragbüdife, roorauf ber Dethel mit leiditemüruch gefdilo ffen \ roirb. Jn einem Sonberbehälter an ber linnenfeite bes Dechels befinben fidi bie Erfatjhlarfdieiben. Gebraudi Der 5-ttlashe fjerausnefimen ber fiiarfdieiben: m it bem Daumen gegen Einherbung bes Spreng­ rings nach außen unb oben brüchen. Bing abheben, ßlarfcheibe herausnehmen. jn £infef|cn ber filatfdiei- -■yf*r ben: pugenfenfter fäu* ((v. J itfw \ bern. — ß(arfd|dbe am ( / ) flufienranb faffen unb fo auf bie pugenfeheibe legen, bafj ber pufbruch Ttagbiichfe, geöffnet pnlegen bet pnlegen: Tragbanb um ben fjals legen, mit beiben fiänben S-TTlasne bie fiopfbänöet faffen. fiinn in ben TTlasheninnenraum gegen fjetausnehmen öcr filarfdieiben „linnenfeite" 3U lefen ^ \ i tf Einlegen Der filarfdieiben ift. — Enbe bes Sprengrings mit bem Duumen ber linhen fianb auf bie Raffung ber pugenfdieibe brüchen unb mit bem Deumen bet rechten fianb an bem Spreng­ ring entlanggleiten bis 3um Einfchnappen. 15
Der Infanterist des deutschen Heeres 13 m »« 11. Schritte zum richtigen Anlegen der Maske in einer zeitgenössischen Anleitung. » » “w 5 „ » * c n|pm n „ « n » « *"‘ „f* ™ , 6<t R n fo rü tiu n g m 5-to* ju r Ö ffn u n g oon S -H la a h tn finb auafdilie^lidnu ndjtrn an „V E S M A " £i" ^ ‘»»..tataw,. ^WllTOM, , „UJläM J* » ? “ *» « « P W .J « M m rttt SlQRgtn. Dnttilungsfrtüf fac S-THaahtn Brtlln DJ . Potfbam n tt. 35 5 188 12. Einband und verschiedene Seiten einer kleinen Anleitung, welche zusammen mit der Gasmaske von der Firma „Vesma" ausgegeben wurde und die richtige Anwendung und Pflege der Maske erläuterte. 13. Rückseite der Anleitung mit der Adresse des Herstellers für Rückfragen. 14 14. Teile einer Gasmaske Modell 1930. 15. Die Gasmaske Modell GM-30 war die erste SMaske, welche als persönliches Ausrüstungsstück an Soldaten der Wehrmacht ausgegeben wurde. Sie ist leicht erkennbar durch die Verwendung von gummiertem Segeltuch und der Rahmeneinfassung aus Leder. Die Celluloidlinsen der Augenfenster waren auswechselbar. Erste Modelle der Gläser hatten eine Messingeinfassung, später waren die Einfassungen aus Eisen. Die elastischen Riemen zum Befestigen der Maske am Kopf waren in Baumwolltuch eingefasste Federn. Die Maske konnte umgehängt getragen werden zur sofortigen Verwendung. Dafür hatte jede Maske einen langen Trageriemen.
G asm asken 100
Der Infanterist des deutschen Heeres /P^jufadnA* [der, Rückansidil pblegen öet TTlashe 16. Das Anschlußstück einer GM-30 der ersten Produktionsreihe mit eingeschraubtem Filter FE-37. 17. Riemen und Trageband des ersten Modells der Gasmaske 30. Die Gasmaske 30 und Helm Die Gasmaske 30 der zweiten Baureihe hatte vorne ein verändertes Anschlußstück für den Maskenfilter. Es ist eine AUERMaske von 1941. Die Rückansicht zeigt die Beriemung des zweiten Modells der GM-30. Zweites Modell der GM-30 mit Filter FE-41. 101
G asm asken 22 22. Innenansicht der Gasmaske Modell 30 mit der „halbmondförmigen'' Öffnung zum Einatmen und dem Schlitz zum Ausatmen, welcher mit einem schwarzen Schutznetz versehen war. Klar erkennbar ist auch die Ledereinfassung des Rahmens. 23. Stempel des WaffenabnahmeAmtes (WaA) mit der Genehmigungsnummer. 24. Herstellerkennzeichen und Qualitätskontrollstempel auf dem Rahmen der GM-30. "bwz" (AuerGesellschaft AG, Werk, Oranienburg) bei diesem Exemplar. 25. Es gab die Masken in drei Größen, Nr. 3 war die Kleinste. Der Tintenstempel zwischen den Augenfenstern mit der Nummer 2 besagt, dass es sich um eine mittlere Größe handelt. Die kleine Lasche mit dem Knopfloch hielt die Maske vertikal und nahe am Träger. Man findet sie nicht bei Masken der ersten Produktionsreihen. 102
Der Infanterist des deutschen Heeres 26. Die Detailaufnahme zeigt, wie die Lasche am Trageband angebracht wurde, um die Maske näher am Körper zu halten. 27. Augenfenster für das Modell 30. Man konnte sie mit Hilfe eines Spezialschlüssels auswechseln. 28. Die wichtigste Neuerung bei der Gasmaske war das Anschlußstück zum Einatmen gefilterter Luft. Beachten Sie die feine Membran aus Naturkautschuk zum Durchlass von Luft beim Modell 30. 29. Gasmaske 30, 2. Modell mit Stahlhelm.

Der Infanterist des deutschen Heeres 30. Der Hauptunterschied zwischen den Gasmasken GM-38 und GM-30 bestand darin, dass die zweite Variante in einem Stück aus synthetischem Gummi hergestellt wurde. Die ersten Modelle waren Grün, später wurden sie in Schwarz hergestellt. Die Halteriemen wurden nicht mehr angenäht und -geklebt sondern nun durch ein Metallzwischenstück mit dem Maskenkörper verbunden. 31. Das Foto zeigt eine Gasmaske vom Typ GM-38, erstes Modell in grünem Gummi. 32. Die Lasche besteht aus Kautschuk. Die Augenscheiben (Linsen) sind fest eingesetzt und können nur in der Werkstatt gewechselt werden. Beachten Sie das Zeichen für eine Maske der Größe 2. 33. Die Detailaufnahme zeigt die vereinfachte Kopfbefestigung der Gasmaske 38. 34. GM-38 mit Helm, 35. M-38 1. Modell mit Filter FE-41 36. Ansicht der Größennummer in einer GM-38 der 2. Version. GM-38 Modell 2, hergestellt aus synthetischem Gummi. 38. Die vereinfachte Kopfbefestigung einer GM-38 der 2. Modellreihe.
G asm asken 39 39. Ein Blick in das Innere der GM-38 zeigt das Fehlen des Lederrahmens des früheren Modells. 40. GM-38 2. Modell mit Stahlhelm. 41. Vorderansicht einer GM-38 der 2. Version. Die blaue Farbe ist kein Anzeichen für eine zivile Verwendung der Maske. Es handelt sich um einen speziellen antimagnetischen Schutzanstrich, welcher Interferenzen bei Funk- und Radargeräten vermeiden sollte. Diese Grundierung wurde auch beim Modell 30 verwendet.
Der Infanterist des deutschen Heeres 42 Befestigungen der GM-38. 43. Hier sieht man den Unterschied zur ersten Version deutlich: Riemenbefestigung mit Metallschnallen und unbemalte Schnallen und Ösen der Beriemung. 44. Augenfenster im Detail. Der rötliche Farbton entstand im Laufe der lahre durch Oxidation des Celluloids. 45. Eine Detailansicht des Atem-Ventil-Schutzes in der GM-38. Dieses Exemplar wurde um 1942 von "aqd" (Radium Gummiwerke mbH, Köln) hergestellt. 46. Das H innerhalb des Kreises steht für „Heer". 47. Ventildetail einer GM-38 der 1 Version 48. "Waffen-Amt” (WaA) und Kontrollnummern im Inneren eines 1. Modells einer M-38. 10 7
G asm asken 54. 49. Herstellerkennzeichen angebracht im inneren einer Gasmaske. 50. Herstellerzeichen "htj" (Wetzell Gummiwerke AG, Hildesheim) gestempelt unterhalb des Ventils im Maskeninnern. 51. "byd” (Dräegerwerk, Hein & Bernhy Dräger, Lübeck). 52. Herstellerkennzeichen im Metallteil eines Anschlussstückes für die Gasmaske 38 von 1941. “bxv"(AEG - Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlfn-Oberspree). 53. Innenansicht einer GM-38 1. Modell mit einer neuen vereinfachten Kinnbefestigung. Da alle Masken im Inneren durch die Atmung des Trägers kondensieren und dadurch die Scheiben beschlagen, wurden die Masken mit Acetat-Scheiben (Klarscheiben) versehen. Diese Scheiben waren mit einem Mittel behandelt, welches das Beschlagen der Sichtgläser verhindern sollte und wurden im inneren Rahmen der Augenfenster befestigt.
Der Infanterist des deutschen Heeres 55. Eine Zusammenstellung von Klarsichtscheiben verschiedener Produzenten mit der auf der Rückseite angebrachten Aufschrift: „Klarscheiben. Vor Feuchtigkeit schützen, nicht wischen, nur am Rand anfassen!". Auf der anderen Seite der Tüte kann man lesen: ''Klarscheiben so einlegen, dass der Aufdruck „Innenseite" vom Innern der Maske aus lesbar ist". K ia rsc h e ib e n s o ein leg en , daß d er A u fd ruck „In n en ­ seite " v o m !n ie rn d e r M a s k e aus lesbar ist. S c h n itt d u rch das A nschlu fistiic k 56. Anleitung zum Wechseln der Linsen der GM-38. 57. Zeitgenössisches Diagramm zur Arbeitsweise der Ventile der GM-30. 58. Ventil zum Ausstoß gefilterter Luft und seine Bestandteile, GM-38.
G asm asken 59. E o g e ru n g pufjiehen auf TTlashenlpanner. Urahtbügel bes TTIashenfpanners 3U[ammenbrüchen. Erft Stirn­ teil, bann fiinnteil ein[ehen. Der mashenfpannet bient gleichzeitig als Stänber 3ur Cagerung bec S-TTlashe. Gefchütjt oot Sonnenlicht, Staub unb Im Quartier wurde die Gasmaske außerhalb des Maskenbehälters aufbewahrt. Ein angebrachter Aluminiumrahmen mit Stahlfeder sollte die Verformung der Maske außerhalb der Büchse verhindern. 60. Beschreibung des „Gasmasken-Spanners" in einer zeitgenössischen Publikation. ftrahlenber IDätme aufbemahren. Einlesen »es maShen|pann«5 61. Empfehlend«' «' aud' S e n SaS « f t ben W r f b M « an Ein Bild aus demselben Handbuch: Die richtige Anbringung des „GasmaskenSpanners". juoei fiahen abet Stangen. « Ä E B S S T 1378. TU. 38. s - s - 110 62. So wird die Gasmaske richtig gelagert. 63. Anleitung zur richtigen Befestigung des Rahmens.
Der Infanterist des deutschen Heeres S -F ilte r , a n g e s c h n itte n 64. Originalverpackung der Filter, welche in größeren Kisten an die Armee geliefert wurden. 65. Unterschiede in Design und Kapazität der Filter: Von links nach rechts die Modelle FE-37, -41 und -42, alle mit aufgeschraubten Verschlüssen. Der Verschluss von Modell 42 ist aus Bakelit. 66. Unter Kampfbedingungen war der Filter FE-37 weniger effizient als die folgenden Filtermodelle FE-41 und -42. Die beiden letzteren Modelle hatte man mit hermetisch abschließenden Metall- oder Gummikappen versehen, welche das Eindringen von Schmutz und Wasser verhindern und die Wirksamkeit der Maske gewährleisten sollten. 67. Eine Detailstudie des Gummipfropfens für das Modell FE-41. Hergestellt von der Firma AUER. 111
G asm asken 68 . Draufsicht auf einen Filter Modell 42. Die graue Farbe zeigt, dass es sich um ein spätes Modell handelt. 69. Die verschiedenen Stempel in den Filtern bezeichnen das Herstellungsjahr, den Hersteller, Typ und "Waffen Amt". 70. Das Übergangsmodell CO FE-39 war bis zur Einführung des Filters FE-42 in Gebrauch. Der Stempel "Waffen Amt" gut zu erkennen. 71. Modell FE-41 hergestellt von "byd” (Drägerwerk, Lübeck). 72. Die Buchstaben FE bedeuten "Filter Einsatz", die Kennzeichnung "Fe" hinter dem Hersteller-Code steht für "Ferrum" (Eisen), „AL" für .Aluminium". 112
Der Infanterist des deutschen Heeres 73. Detail-Innenansicht einer aus Cellulose hergestellten Tasche. Besonders beim Filter-Modell FE-37 sollte das Eindringen von Schmutz in den Lufteinlass und das Entstehen von Geräuschen (Klappern) verhindert werden. 74. Tragebeutel mit Ersatzfilter. 75. Die Gasmaskenbüchse bestand aus Stahlblech. Sie wurde in verschiedenen Farbtönen gespritzt, angefangen von Grau bis Grün und auch in allen möglichen Tarnfarben. Das meistverbreitete Modell war 27cm hoch, während frühere Versionen eine Höhe von etwa 25 cm hatten. Das Bild zeigt eine Zusammenstellung verschiedener Modelle von späten bis zu frühen Varianten. 1 13
G asm asken 79 *Se*S» •• -y * . 76. Untere und obere Befestigungslaschen an der Tragebüchse. 77. 1 14 Detail des angeschweißten Scharniers Beachten Sie den Verschluss des Metallbehälters.
Der Infanterist des deutschen Heeres 85 86 s. •_ ' . *. *%»•.(*' . •*• —rTs-t-'-^ ,flii>ffarv-•- 78. Federzüge wie dieser waren bei vielen Ausrüstungsgegenständen gebräuchlich, wie z. B. auch an Fernglasköchern. 79. Ein Vorkriegsverschluss, 1937. 80. Ein Vorkriegsverschluss, 1938. 81. 82. Das richtige Anbringen der Trageriemen an der Gasmaskenbüchse. Unterer Koppelhakenriemen, typisch für das Kriegsende, aus Gummi und Segeltuch hergestellt. 83. Eine frühe Variante des Riemens, ohne Gummi- oder Lederverstärkungen. 84. Die Enden des langen Tragegurtes. Hier wurde die Spitze in Gummi eingefasst. Hersteller ist die Marke "ebd" (Fatra AG) Diese Verstärkung zur Vermeidung von Abnutzung der Trageriemen ist typisch für die Kriegsjahre 1943-1945. 85. Mit Leder verstärkte Trageriemen, 1942. 86. Lederstücke zur Vermeidung von Abnutzung bei den Trageriemen. Sie waren nicht häufig anzutreffen und gingen schnell kaputt. 87. Verschiedene Schulterriemen. Gewöhnlich wurden sie aus lute oder anderen Naturfasern fabriziert. Die Schnallen waren aus Messing, Aluminium oder Eisen. Die Riemen waren etwa 160 cm lang. 115
G asm asken 88. Typischer Riemen aus den frühen und mittleren Kriegsjahren mit Lederende. Hersteller: „bmo"Hans Deuter, Hamburg. 89. Riemen vom Anfang des Krieges eines unbekannten Herstellers. 90. Detail zur Anbringung eines Trageriemens. Das Herstellerkennzeichen "ebd" ist deutlich zu erkennen. 91. Unterer Koppelhakenriemen. Sie hatten eine Länge von ca. 18 bis 20 cm. 92. Drei Koppelhakenriemen mit verschiedenen Metallhaken in Messing, Aluminium und verzinktem Eisen. Meist waren die Metallteile in Grün oder Grau bemalt. 116
Der Infanterist des deutschen Heeres 93. Klappe des Klarscheiben-Behälters. Auf dieser Klappe waren gewöhnlich das Herstellerkennzeichen, das Produktionsjahr und das zuständige Waffen-Amt vermerkt. Büchsen mit einem „D" hatten einen wasserdichten Boden. Es gab auch einige wenige Büchsen mit einer Gummidichtung im Deckel. 94. Gasmaskenbüchse von G L & Co. 1940. Der Stempel „Waffen Amt" ist auch gut zu erkennen. 95. Das Bild zeigt eine Innenansicht des kleinen Behälters, welcher die Ersatz-Klarscheiben enthielt. 96. Eine Feder hielt alle Teile im Behälter fest, um ein verräterisches Klappern zu vermeiden. Besonders wichtig im Gefecht! 97. Zwei der häufig anzutreffenden Gasplanen-Taschen. Die linke Gasplane besteht aus einem gummierten Baumwollstoff. Die rechte Plane ist nicht wasserdicht und ein typisches Erzeugnis der letzten Kriegsjahre. 98. Rückansicht beider Modelle mit den beiden Schlaufen für den Tragegurt. 99. Nach der Vorschrift von 1940 sollte die Plane mithilfe des Trageriemens auf der Brust des Soldaten getragen werden, was ziemlich hinderlich und unbequem war. r L i
G asm asken 118 100. Gasplanen-Tasche und Gasplane. Die Plane sollte den Soldaten vor dem direkten Kontakt mit dem Gas schützen. Sie sollte nur einmalig benutzt werden und nach Ende des Alarms vernichtet oder vergraben werden. 101. Dieses Exemplar ist aus Cellulose hergestellt und mit Wachs imprägniert. Es gab viele andere Modelle aus Viskose oder gummierten Naturfasern. Die Farbtöne variierten von Schwarz und Grün bis Dunkelbraun. 102. Das weiße Label zeigte nicht nur Hersteller und Produktionsjahr der Plane an, sondern auch in welchem Grade sie dem Gas ausgesetzt gewesen ist. 103. Die Druckknöpfe waren gewöhnlich von "PRYM", dem Hauptlieferanten für solche Artikel. 104. Eine Detailaufnahme des Herstellungsjahres auf der Tasche (1942) und der Herstellermarke "gea" sowie dem Namen des Soldaten. 105. Die gebräuchlichere Trageweise der Plane, eingeführt im Dezember 1942.
Der Infanterist des deutschen Heeres Qm' Anleitung für das Anlegen der leichten Gasbekleidung 39 106. Anleitung tür das Anlegen der leichten Gasbekleidung 39 Wie tiah« ichmich*n? Drei Elemente zur Verminderung der Gaswirkung. Die beiden BakelitBehälter auf der unteren Ecke des Fotos enthielten zehn Tabletten des Wirkstoffs Losantin, welcher mit Wasser vermischt das Gas neutralisieren und dekontaminieren sollte. Die farbigen Siegel zeigen das Produktionsjahr an (rot bis 1940, schwarz für 1941, grün für 1942 und gelb für 1943). Die Einführung des Dekontaminations-Sets im Jahre 1941 beendete die Verwendung der Tabletten. Es bestand aus einer beschichteten Pappdose (obere Hälfte des Bildes) und einer orangefarbenen Flasche, welche die Hautentgiftungssalbe enthielt. Der Sanitäts-Papp-Anhänger auf der rechten Seite des Sets wurde zur Kennzeichnung von Gasopfern beim Abtransport von der Front verwendet. Wie ziehe ich mich aus? 107. Inhalt des Dekontaminations-Sets mit Baumwollbinden, Hautentgiftungssalbe und einem kleinen Heft über das Aufspüren von Gas. Es wurde in der Brusttasche der Feldbluse getragen. 108. Zur Gasschutzausrüstung des Heeres gehörte auch ein besonderer Gas-Schutz-Anzug ("Leichte Gasbekleidung''), entwickelt im Jahre 1937. 1939 wurde die verbesserte und leichtere Version standardmäßig eingeführt. Bis zum Jahre 1941 wurde er nicht in großem Umfang von der Wehrmacht angeschafft. Sein Gebrauch beschränkte sich auf rückwärtige Truppen, denen mehr Zeit zum Anlegen dieses monströsen Kleidungsstücks verblieb. Fronttruppen mussten mit dem Schutz der Gasschutzplane vorlieb nehmen. Die Fotos zeigen den Begleittext, welcher zusammen mit dem Anzug geliefert wurde. Der Anzug bestand aus Baumwolle und war mit einer grünlichen Gummischicht imprägniert, ähnlich wie die Gasmaske 30. Es wurden auch Modelle in Tarnfarben produziert. Das Ganze wurde in einer Schultertasche getragen und nach Gebrauch weggeworfen. 119
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■■■ Feldausrüstung Ein Kettenhemd, ein Helm, ein Schild, Waffen, Ersatzwäsche, ein Mantel, Lebensmittel und eine Feldflasche - so sah das führend und mussten stets zuerst das Pferd pflegen und versorgen, bevor sie an sich selbst denken konnten. Anm. d. Ü.) Marschgepäck von Cäsars Legionären aus, die mit diesen rund 25 Die zwei Millionen deutschen Infanteristen, welche ihre gesamte kg Gewicht in fünf Stunden über 30 Kilometer zurücklegen konnten. Ausrüstung und ihre Habseligkeiten wie die alten Römer auf dem Mit wenigen Ausnahmen und der logischen Entwicklung in Design eigenen Rücken trugen, durchquerten auf diese Weise fast ganz und Material hatte sich die Ausrüstung des deutschen Soldaten im Europa zu Fuß. Aber wir brauchen nicht bis in die Antike zurückzu­ 20. Jahrhundert im Vergleich zum antiken römischen Legionär nicht schauen um ähnliche Beispiele zu finden. N ur etwas über zwanzig Iahre früher machte Antons Onkel dieselben Erfahrungen in den wesentlich geändert. Anton Imgrund beklagte die arme Infanterie! Im Vergleich zu schlammigen Gräben von Verdun. anderen Teilstreitkräften mussten die Fuß-Soldaten im Durchschnitt Man unterschied die Ausrüstung eines deutschen Infanteristen 60 Kilometer am Tag über steinige und schlammige Wege und durch im Zweiten Weltkrieg in das „Marschgepäck“ und das „Gefechts- bzw. Wolken aus Staub mit fast 25 kg Marschgepäck marschieren. Dazu Sturmgepäck". Während des Gefechts wurde das Marschgepäck im und rückwärtigen Raum gelassen, während das Sturmgepäck am Mann Zusatzrationen an Verpflegung und Munition. Der Unterschied zwi­ zu bleiben hatte. Der Inhalt des Sturmgepäcks war wichtig für die schen einem von „Marius' Mauleseln" (römische Legionäre unter Aufrechterhaltung von Antons Kampffähigkeit. kam noch das Extragewicht von Handfeuerwaffen Marius) und einem von Hitlers Landsern war nicht groß, wenn man von den vergangenen zwei \ahrtausenden absieht. (Allerdings fühlten sich Kavalleristen noch mehr benachteiligt. Sie vollbrachten täglich Marschleistungen von 90 bis 100 Kilometern im Sattel und zu Fuß Die Feldflasche war eines der wirklich unerlässlichen Ausrüstungsstücke jedes Soldaten. Hier sind mehrere Muster zu sehen, die zwischen 1933 und 1945 gefertigt wurden. 121
Feldau srü stu n g Sturmgepäck 01. Das Gefechtsgepäck für Infanterie-Schützenkompanien, eingeführt im fahre 1939, bestand aus einem Gurtbandrahmen und einem Beutel. Der Rahmen war 28 x 26 cm groß und war mit zwei 35 cm langen Riemen aus Leder oder einem Webmaterial versehen. Auf Grund seiner Form wird er heute als „A-Rahmen" bezeichnet. 02. Die Befestigung des A-Rahmens am Koppeltragegestell (auch „YRiemen" genannt). Er wurde oben an den zwei D-Ringen und unten an den Hilfstrageriemen eingehangen. 03. Oben auf dem A-Rahmen wurde das Kochgeschirr 31 mit einem besonderen Riemen befestigt, welcher eine Länge von 50cm hatte. Er war aus Leder oder einem Webmaterial und wurde durch den ARahmen durchgezogen. 04. Darunter wurde der Beutel zum Gefechtsgepäck angeknöpft. Er hatte eine Größe von 28 x 13 x 8,5 cm und war aus Baumwolle. Über dem Beutel wurde eine gerollte Zeltbahn 31 aufgeschnallt, welche auch die Zeltstangen enthielt. Diese Kombination hieß Zeltbahnrolle. 06. Um das Sturmgepäck fertig zu stellen, befestigte der Soldat mit drei Mantelriemen die Deckenrolle und manchmal auch seinen Mantel an den oben und an den Seiten angebrachten DRingen des ARahmens.
Der Infanterist des deutschen Heeres Marschgepäck 07. Im Gegensatz zum Sturmgepäck, leicht aber effektiv, mussten die Männer beim Marsch alle möglichen Ausrüstungsteile mitschleppen. Die Trageweise des Marschgepäcks war ein Vermächtnis der preußischen Armee von 1885. Ein zentrales Stück dieser Ausrüstung ist der Kuhfell-Rucksack bzw. -Tornister („Fell-Affe"). Er wurde 1934 verbessert als Tornister 34 und 1939 mit neuen Riemen versehen als Tornister 39 bezeichnet. Während des Krieges wurde er vereinfacht und aus ökonomischen Gründen wurde das Kalbs- oder Rindsfell weggelassen. Mithilfe von drei verstellbaren Riemen konnten der Mantel, die Decke und die Zeltbahn in Hufeisenform um den Tornister befestigt werden. Gewöhnlich wurde die Zeltbahn bei schlechtem Wetter als Wetterschutz um den Mantel und die Decke gewickelt. Obwohl der Tornister bis 1944 produziert wurde, ersetzte ihn der praktischere und leichtere Rucksack doch weitgehend. ~ 07 123
Feldau srü stu n g 08. Der Inhalt und seine korrekte Anordnung in einem nach Vorschrift gepackten Tornister um 1939. Im Innern der Frontklappe findet man Waschzeug, ein Handtuch, Nähzeug und ein Hemd. In der Mitte das Kochgeschirr mit einer Brotration und Essbesteck, an der Seite sieht man Schuhe und Schuhputzzeug. Die Zwischenräume stopfte Anton mit Socken aus. Zwischen der Klappe und dem Korpus des Tornisters konnte noch eine Drillichhose verstaut werden, falls vorhanden. t e*«t Sföle« 09. Innenansicht eines Rucksacks. Die dicken Lederteile verliehen dem Ganzen Stabilität. 10. Spätes Modell eines Tornister Modell 39, ohne Kuhfell. Mit dem kleinen Riemen vorne wurde das Sturmgepäck fixiert (siehe Bild 7). 11. Befestigung am Koppeltragegestell. Bei Vorkriegsmodellen waren die Trageriemen Bestandteil des Rucksacks. 124
Der Infanterist des deutschen Heeres 12. ln diese D-förmigen Ringe wurde das Sturmgepäck eingehakt. 13. Koppeltragegestell (Y-Riemen) mit eingehängtem Rucksack. 14. Auf der Rückseite lassen sich der Hersteller und das Produktionsjahr ablesen. 12 14 Beutel zum Gefechtsgepäck Ergänzt wurde das Gepäck durch den Beutel zum Gefechtsgepäck. W ie das Sturmgepäck wurde er im Jahre 1939 eingeführt. Man sieht ihn selten auf Fotos, da er meist unter der Zeltplane verborgen ist. Diese Tasche enthielt die Zeltspannschnur, das Reinigungsset für den Karabiner 98k, einen Pullover und die „Eiserne Ration" aus Büchsenfleisch und Trockenbrot. Zuweilen enthielt der Beutel auch alles, was sonst keinen Platz mehr fand, wie Essbesteck oder Lebensmittel, Streichhölzer etc. So sah der geöffnete Beutel mit seinem Inhalt aus. Im Deckel das Fach für das Reinigungsgerät M34. Der Beutel wurde mit Hilfe der beiden mit Knöpfen versehenen Laschen am A-Rahmen befestigt. Der kurze Rückenriemen des Koppeltragegestells konnte durch die beiden Lederschlaufen geschoben werden und so zusätzlichen Halt geben.
Feld au srü stu n g Rucksack 19 19. Der Rucksack sollte den Tornister in tropischen Zonen ablösen. E r wurde aus dem Modell 1931 für die Gebirgstruppe entwickelt, war außerordentlich praktisch. So wurde der Rucksack in der zweiten Kriegshälfte zum Standardmarschgepäck der Wehrmacht. W ie der Tornister enthielt er das Kochgeschirr, Nähzeug, Reinigungs- und Waschzeug etc. in Innentaschen. Das Bild zeigt das bekannteste Modell mit Lederteilen. 20. E r wurde ebenfalls in das Koppelgestell eingehangen. 21. Details der Befestigung am Y-Riemen. 20 22. Alles ist fertig gepackt und gesichert. 12 6
Der Infanterist des deutschen Heeres Innenansicht mit den Taschen und der Schnur zum Verschließen. Modell für Tropenregionen mit Web-Verschlüssen. Der Ring auf der Oberseite dienten zum Anhängen z. B. in Fahrzeugen. Befestigung an einem Koppeltragegestell aus Web-Material gegen Kriegsende. Rucksack für Artillerie 26. Im Jahre 1940 wurde ein Rucksack-Modell für Artilleristen eingeführt. Ziel war es, das Infanterie-Sturmgepäck Modell 1939 bei der Artillerie zu ersetzen. Von diesem mehr kompakten Rucksack existierten mehrere Versionen. Einige Autoren interpretieren diesen Rucksack als eine generelle späte Ablösung des Sturmgepäcks bei Kriegsende, auch für die Infanterie. 27. Herstellerzeichen und Produktionsjahr. 28. Mit den äußeren Riemen sollte die Zeltplane befestigt werden. 127
Feldau srü stu n g Bekleidungssack 31 29. Der Bekleidungssack 31 sollte sowohl den Tornister als auch den Rucksack ergänzen. Er wurde nicht an der Front benutzt. Normalerweise enthielt der Bekleidungssack alle Uniformstücke des Soldaten, welche er nicht unmittelbar brauchte oder im Rucksack transportierte und wurde im Tross (in LKW oder Pferdewagen etc.) aufbewahrt und mitgeführt. 30. Gewöhnlicher Inhalt des Bekleidungssacks. Neben vielen anderen Dingen wurden hier der Drillich-ArbeitsAnzug, Uniformen zum Wechseln inklusive Socken und Halstücher verstaut. 31. Detailansicht der eingestempelten RB.Nr. Zeltbahn 31 Die Zeltbahn 31 wurde im lahre 1931 entwickelt. Man fertigte sie aus einem wasserdichten Baumwollstoff, welcher Makostoff genannt wurde, und bedruckte beide Seiten mit Tarn-Mustern (auch bekannt als Heeres-Splittertarnmuster 31). Ihre Form war dreieckig mit einer Grundseite von 250 cm und einer Höhe von 190cm. Auf jeder kurzen Schenkelseite waren zwölf Knopflöcher und Knöpfe aus Zink, Aluminium oder Eisen vorgesehen, sowie sechs weitere entlang der Grundseite. Die Zeltbahn 31 ersetzte das graue rechteckige Modell der Reichswehr. Sie hatte zwei Aufgaben: Regenschutz und Tarnung. Zusätzlich konnte man aus vier zusammen geknöpften Zeltbahnen ein Pyramiden-Zelt bauen. Soldaten konnten sie als Regenschutz tragen, im Sattel eines Pferdes oder auf dem Gepäckträger des Fahrrades oder Krads transportieren. Diese Bilder wurden aus dem Instruktionsbuch für die Zeltbahn reproduziert. Sie zeigen die multifunktionale Rolle der Zeltbahn: als Kleidungsstück, als Wetterschutz und sogar als Hilfsmittel zum Transport von Verwundeten. 128
Der Infanterist des deutschen Heeres * .v ■ ^ \ \ V \ V , \ \ \ \ . w . .Orrieckis fmUlon Unschhg ym dmmtdmsa&mSM. Zeltbahn3t. On rtm* LHWk. eiib Itod ) äuffnopfen «inet mittleren 3‘ ltbal)ii unb Bi fcen.mitteUeinet4teiligen*,3e**f,0<*e* ,m&**ntl 3*W« gegen ©runblime liefet (Bitb 18). 3n bet SRitlelnabt njetben bie Bahnen nunmefjt gefallet, bie B 'P f'i jurtogefdjfagen utlb bie babei aneinanberfaflenben «Beiten Sdjenfelfeiten glcictjfaui ge(näpft. Stabutd) entfielt rin Rtdjteif oui jroei Sagen 3eltbahn, btjjen 24ng«(eiten bie ®ütte!näl|te finb. §iet roerben bie Itageljolme burdigeftetft (Bilb 19 u. 20). eiib 17. werben übet bie 6tange glei^faM mitemanbet eet- holet. (Bilb 17.) e)3>oppel|<Itb*^nttt|tmii|Bti(«I> eia ie men. ein 18. 12 9
F eld au srü stu n g 34 HL 33. Zunächst wurden die Metallteile aus Zink oder Aluminium hergestellt, später aus unbehandeltem Eisen. 34. Öffnung für den Kopf. 35. Ein Vergleich der vielen Farbtöne des Tarnmusters. 36. Die Feldausrüstung wurde vervollständigt mit einer Zeltschnur (Modell 1898), Zeltstangen (Modell 1901) und zwei Zeltheringen (Model 1929), zunächst aus Eisen oder Aluminium und später auch aus Kunststoff hergestellt. Alles wurde in dem gezeigten kleinen Beutel verstaut. 37: Ein weiteres wichtiges Utensil zum Schlafen im Freien, z. B. in sumpfigen Gegenden wie an der Leningrad-Front, war das Mosquitozelt. Man konnte es mit Hilfe von Stäben (Zeltstäbe oder Äste/Zweige) aufstellen und positionieren.
Mannschaftsdecken 38. Für den Soldaten war die Decke unverzichtbar. Zusammen mit der Zeltbahn konnte sie als Schlafsack dienen. Es gab verschiedene Modelle in vielen Farben: Weiß, Feld-Grau, Braun und Elfenbeintöne. Normalerweise hatten die Decken zwei horizontale Streifen in anderen Farbtönen oder sie trugen die Aufschriften „Heereseigentum'' oder 'Wehrmachteigentum'. Das abgebildete Modell ist vielleicht das Typischste, ein Vermächtnis der Reichswehr mit der Markierung 'H. U.' (Heeres-Unterkunft) aus den Garnisonen des Heeres und mit dem Vorkriegsadler versehen, ln einem aufgestempelten Quadrat, nicht leicht zu erkennen, erscheint der Adler des Dritten Reiches mit seinen gespreizten Schwingen und auch erneut die Abkürzung H. U.. 39. Die Markierung im Detail. Koppeltragegestell / Tragegestell 40. Im lahre 1939 wurden zusammen mit dem Sturmgepäck das Koppeltragegestell mit Hilfstrageriemen eingeführt. Dieser Y-Riemen stellt zusammen mit den folgenden Teilen das zentrale Elem ent jeder Marschausrüstung dar: Koppel, Koppeltragegestell und Sturmgepäck. Damit wurde das Gesamtgewicht der Ausrüstung gleichmässig verteilt. Vor der Einführung des Gestells wurde die Ausrüstung durch Riemen und Haken an der Uniform gestützt. Das Aussehen veränderte sich während des Krieges kaum, allerdings wurde beim Material vom ursprünglichen Leder verstärkt auf Baumwolle ausgewichen. Hier ein Y-Riemen vom Beginn des Krieges aus bestem Leder. 41. Detailansicht eines hochwertigen Produkts der ersten Kriegsjahre. Man kann leicht das Produktionsjahr 1941 erkennen. Das Stück wurde von der Firma Lohmann-Werke in Bielefeld produziert. Diese Firma lieferte große Mengen an Schließen, Schnallen, Riemen und Gurten aller Art. 131
Feld au srü stu n g 42. Im Allgemeinen verwendete man hochwertiges Rindsleder und spritze alle Metallteile grau. Der Hauptriemen, welcher die Last des Koppels mit den Patronentaschen aufnahm, hatte acht Löcher. Der Hilfsriemen, welcher mit den unteren Haken von Rucksack oder Sturmgepäck verbunden wurde, besaß zwölf Löcher. Er konnte mit einer Schnalle verstellt werden. 43. Hier eine späte, vereinfachte Version. Die Verbindung zwischen Haupt- und Hilfsriemen besteht aus einer einfachen, verzinkten Niete. Diese wurde von einem durchgenähten Stück Leder abgedeckt. Das war schneller und einfacher in der Herstellung. Die Herstellermarkierung wurde einfach mit Tinte aufgestempelt. Dieser Trageriemen wurde vermutlich um 1943 hergestellt. 44. Im lahre 1940 erschien ein völlig aus Baumwolle bestehendes Modell. Es war zunächst für das Afrika-Korps und andere Truppen in tropischen Zonen bestimmt, wurde dann aber aus wirtschaftlichen Gründen an alle Truppengattungen ausgegeben. Abgesehen vom Material unterschied es sich vom Ledermodell nicht sonderlich. 45. Detailstudie des Ringes, welcher die drei Trageriemen vereinte. Der Ring konnte aus Aluminium oder Eisen sein, lackiert oder unbehandelt. Auf dem Lederstück sind das Firmenzeichen und das Produktionsjahr 1941 zu erkennen. Eine sehr späte Version aus unbehandeltem Eisen. Dieser Hilfsriemen ist mit einer simplen Schnalle versehen. 132
Der Infanterist des deutschen Heeres 47. Firmencode auf einem späten Modell. 48. Eine Auswahl zum Vergleich unterschiedlicher Modelle und Ausführungen des Koppeltragegestel ls mit Hilfstrageriemen. 49. So wurden die YRiemen an ein Sturmgepäck oder einen Rucksack angebracht. Ein einfaches und sicheres System. 50. Verschiedene Hersteller von Koppelhaken mit Stempeln und Firmenlogos. 51. Zeitgenössische Werbung eines Herstellers von Effekten. 13 3
Feldausrüstung Brotbeutel 31 52. Ein Reisebegleiter des Landsers, so alt wie die Stiefel oder der Rucksack, war der Brotbeutel. Man kann seine Herkunft zurück verfolgen bis zur Armee des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg. Seine endgültige Form erhielt er 193!. Mit seiner einfachen Form und simpler Handwerksarbeit tauchte er in allen Armeen und politischen Organisationen auf. Im Brotbeutel wurde die tägliche Verpflegungsration verstaut, inklusive des Namensgebers Brot. Der Soldat stopfte nicht selten auch sein Besteck und seine Feldmütze in die Tasche hinein. Tatsächlich konnte man im Brotbeutel eines Soldaten fast alles finden, auch das Reinigungsset seiner Waffe. 1944 wurde der Brotbeutel stark vereinfacht und mit einer innen aufgenähten Tasche für das Reinigungszeug versehen. An den äußeren Laschen hing Anton sein Kochgeschirr und die Feldflasche an. 53. Anbringung des Trageriemens. 54. Eine Version komplett aus Segeltuch und Webriemen, ursprünglich für das Afrika-Korps gedacht aber später aus Mangel an Leder weit verbreitet. Detailansicht der Koppelschlaufen und DRinge. Gegen Mitte und Ende des Krieges fielen die Lederverstärkungen weg. 13 4
Der Infanterist des deutschen Heeres — 56. Verschiedene D-Ringe zum Befestigen des Brotbeutelriemens. 57. k RB-Nr. Markierung eines späten Brotbeutels. 58. Die üblichen Stellen, an denen man die Zeichen für das Produktionsjahr und den Hersteller finden konnte, war der mittlere Koppelhaken. 59. So hing der Brotbeutel am Koppel. 60. Ein Brotbeutel und ein Koppel in Tropenausführung. 61. Es gab sehr viele Varianten und Hersteller von Brotbeuteln. Das Bild zeigt eine kleine Auswahl der verschiedenen Möglichkeiten. 13 5
Feldausrüstung Feldflaschen und Trinkbecher 62. Die Feldflasche ist möglicherweise eines der wichtigsten und elegantesten Ausrüstungsstücke der deutschen Wehrmacht. Mit Respekt vor dem Vorgängermodell aus dem Ersten Weltkrieg möchten wir doch den Ursprung der Feldflasche auf das Jahr 1931 legen. In diesem Jahr erhielt die Flasche einen Becher aus Metall oder Bakelit. W ie bei allen Wehrmachtsgegenständen üblich wurde das Design im Laufe des Krieges aus bekannten Gründen vereinfacht. Das Aluminium der ersten Versionen machte Platz für bemaltes Eisen, die Lederteile ersetzte man durch Gurtband aus Baumwolle. Der Filzmantel um die Flasche half angefeuchtet den Inhalt kühl zuhalten und gegen Klappern zu sichern. Später wurde der Bezug aus minderwertiger Reißwolle hergestellt. Das Bild zeigt eine Feldflasche aus dem Jahre 1939. Teile einer Feldflasche mit Becher, beides aus Aluminium. Der Becher wurde in seidenmattem Schwarz gespritzt. Die Flasche hat einen Filzüberzug und Trageriemen aus hochwertigem Material. Der Inhalt der Feldflasche betrug ca. 0,8 Liter. Ab April 1941 wurden die schwarze Farbe durch oliv-grüne Farbe ersetzt. Das Innere des Filzüberzuges mit Verstärkungsstreifen inm braunen Farbton Durch die Verwendung von Druckknöpfen lag der Filz fest an der Flasche an. Korrekte Befestigung des Aluminiumbechers 67. 13 6 Das Herstellerzeichen verrät, dass diese Feldflasche 1939 produziert wurde.
Der Infanterist des deutschen Heeres 68. Feldflasche mit einem Inhalt von einem Liter aus dem lahre 1941. 69. Einzelteile einer Feldflasche aus Aluminium mit einem Bakelitbecher und Lederriemen. 70. Hersteller-Kennzeichen (cfl) und Fertigungsjahr. 71. Muster der Druckknöpfe. 72. Verstärkungen an der Rückseite und am Hals gab es nur bei den großen 1-LiterFeldflaschen. 73. Karabinerhaken wurden in Grau oder Grün-Grau gespritzt. 74. Bakelitverschluss mit einer drehbaren Niete und den entsprechenden Firmenzeichen. 75. Detailbild der roten Gummischeibe im Inneren des Verschlusses. 76. So hing die Feldflasche oben am Brotbeutel. 13 7
Feldausrüstung 1943-1945 77. Ab 1943 gab es Veränderungen bei der Beriemung der Feldflaschen aus ökonomischen Gründen. Es wurden Lederriemen durch solche aus Baumwolle ersetzt. Das Bild zeigt ein Exemplar aus diesem Jahr. 78. Lederverstärkung am Schraubverschluss. 79. Becher aus gestanztem Blech in oliv-grüner Farbe. Die Verbindungen sind nun nicht länger genietet, sondern punktgeschweißt. 80. Detailansicht eines Webriemens aus Baumwolle mit der charakteristischen Metallspitze der Marke LUX. 81. Modell aus dem lahre 1943 auf dem Brotbeutel. 82. Im September 1944 wurde das Aluminium bei der Produktion von Feldflaschen durch gepresstes Blech ersetzt. Der Flaschenkörper bestand aus drei gestanzten und geschweißten Teilen. Trotz des offiziellen Einführungstermins 1944 existieren schon solche Stücke aus dem lahre 1943. 83. Vergleich von Feldflaschen aus Aluminium mit solchen aus Blech mit roter Einbrennlackierung. 13 8
Der Infanterist des deutschen Heeres 84. Das späte Modell der Feldflasche mit all seinen Einzelteilen. 85. Das minderwertige Leder ist charakteristisch für die mittleren Kriegsjahre. Der Verschluss ist aus gestanztem und bemaltem Blech. 86. Schwarz bemalte Mitteldornschnalle, aus wirtschaftlichen Gründen vereinfacht. 87. Die Befestigung der Henkel am Blechbecher. 88. Die berühmte „Kokosnuss", eine Feldflasche, die ursprünglich für die Tropen gedacht war, wurde zunächst aus Aluminium geformt. Anschließend wurden mittels Hitze und Druck Holz und Kunstharz aufgetragen. Dadurch erzielte man ein kompaktes und stabiles Produkt, mit guten thermischen Eigenschaften. 89. Die Bestandteile der „Kokosnuss-Feldflasche”. 90. Befestigung des Bechers auf der Feldflasche. 91. Befestigung der Webriemen an der Feldflasche. 92. Hersteller und Herstellungsjahr sowie die Anmeldung zum Reichspatent. 93. Metallspitze des Riemens mit dem Herstellerzeichen SHB. 92 .
Feld au srü stu n g iVfciiii H H 94. Patent-Stempel (D.R.G.M. und D.R.P. 34), Herstellerabkürzung und Produktionsjahr. 95. Befestigen des Bakelitverschlusses mit einer Eisenspitze. 96. So wurde die „Kokosnuss" auf dem Brotbeutel befestigt. 97. Detailansicht der Lasche zum Befestigen der Flasche am Brotbeutel. 98. 1944 sparte man den Doppelriemen ein. Das Bild zeigt eine Feldflasche aus diesem lahr und eine weitere von 1943. 97 99. Ansicht einer Feldflasche von 1944. 100. Detailansicht eines späten Bakelitverschlusses. 101. Eingestempelte Reichs-Betriebs-Nummer, kurz R. B. N. In diesem Fall handelt es sich um Schweineleder, ein Hinweis auf ein Ersatzmaterial. 102. Herstellerzeichen ('M N ') und Herstellungsjahr (1944). 103. Innenansicht einer innen grün gespritzten Feldflasche. Möglicherweise erwies sich die rote Farbe als schädlich. 140 JO 3
Der Infanterist des deutschen Heeres 104. Der Code ’gfc' auf einem Bakelitbecher. 105. Feldflasche auf dem Brotbeutel. 106. Ein Modell zum Ende des Krieges. Das verwendete Material unterscheidet sich stark in der Qualität von dem, welches zu Beginn des Krieges benutzt wurde. Das Leder der Riemen ist nicht mehr geschwärzt. Herstellerkennzeichen und Produktionsjahr auf dem Blechbecher. 108. Der Originalfilz wurde durch Wollstoff ersetzt. Nur noch drei Druckknöpfe anstatt der bisherigen vier bei den Vorgängermodellen. 110 . Ein Blick auf die nicht geschwärzten Lederriemen in minderer Qualität. 111. Brotbeutel mit Feldflasche gegen Kriegsende. 14 1
Feldausrüstung Feldflasche 14 2 114. Verschluss aus Aluminium. Diese Art der Verschlüsse ist charakteristisch für Modelle, welche vor 1939 produziert wurden. 115. Detailansicht der Markierungen auf den Riemen. 116. Das Tragegeschirr für die frühe Labeflasche. 117. Spätes Modell einer Feldflasche für Gebirgsjäger und medizinisches Personal, man trug sie an einem Schulterriemen. Die Unterschiede zu dem früheren Modell sind auffällig. Labeflaschen hatten generell eine Kapazität von einem Liter. Ihre Produktion endete 1944. 112. Erstes Modell für Gebirgsjäger, Sanitäter und Krankenschwestern. Die Qualität ist herausragend. Die Flasche hat eine Kapazität von einem Liter. 113. Initialen des Herstellers und das lahr der Produktion (JSD 1940). Der Aluminiumbecher wurde schwarz bemalt und fasste ca. 0,15 Liter. Es gab sie nur bei Labeflaschen.
Der Infanterist des deutschen Heeres Kochgeschirr 31 118. Im Grunde genommen hatte das Kochgeschirr die gleiche Entwicklung wie die Feldflasche. Zuerst aus Aluminium und matt grau bemalt, war das Kochgeschirr später oliv-grün und noch später aus bemalten Eisen. Im Jahre 1931 modifizierte man die Modelle aus dem Ersten Weltkrieg und der Reichswehr, welche noch eine Kapazität von 2,5 Litern hatten. Das neue Modell fasste nur noch 1,7 Liter, behielt aber das alte Design bei. Das Bild zeigt die Entwicklung des Kochgeschirrs, von links nach rechts und von oben nach unten. 119. Der Deckel mit Handgriff, welchen man auch als Bratpfanne verwenden konnte, hatte einen Inhalt von 0,5 Litern. 120. Exemplar aus der Mitte des Krieges aus Aluminium. Es ist in einem mittleren oliv-grün bemalt. 121. Kochgeschirr zu Kriegsende aus Eisenblech, innen rot und aussen oliv-grün gespritzt. 122. Typische Herstellerkürzel und Angaben zum Produktionsjahr. 123. Üblicherweise gravierten Soldaten ihren Namen in das Kochgeschirr ein. Jeder Frontsoldat wollte sein eigenes Kochgeschirr wieder haben. . / I m ' r > ! _ jU upp? L 143
Feldau srü stu n g 124. Markierung am Scharnier eines Handgriffs, vereinfacht im lahre 1944. 125. Anbringung eines Riemens, um Verrutschen oder Geräusche zu vermeiden. 126. So wurde das Kochgeschirr zusammen mit der Feldflasche am Brotbeutel getragen. 127. Die charakteristische Form des Henkels sollte das Aufhängen des Kochgeschirrs über ein Lagerfeuer erleichtern und sichern. 128. Detailstudie eines Handbuchs, in welchem die richtige Trageweise des Kochgeschirrs gezeigt wird. 124 äd)yi (9ftit()5raDparate). Ser beutjdje @olbat gibt niemals feilt &$renn>o ten S-lud)tDer(ud) 311 madjen. SUbfod)CH unb »erroenimng bet 3elfaustüffung. ® a S S C blodjen a u i o fle u e m R e u e t im g r e i e i t ift a u ä I n t m m g l g r f n t b e n m e ib e n . 3 f t b ic * m S g lt« ^ , fo r o i t b . i u S o ^ I ö ^ e t n ( » i l b 1) ob »ilb 1. Slodjfoci). »Hb 2. >4a t i &en (»Hb 2) a&gefodjt. SBotfombeiie <StbI6($er unb Staben p äAunuben. 5)ie SBinbrtdjtung ift ju ueaqjten. S m o e n b u r tg b e t S eilb ah n «Io Segenm onleL n ■■ h p r i 11 t n e._________________ _____________________________________ i 14 4
Der Infanterist des deutschen Heeres Schanzzeug 129. Das Schanzzeug des deutschen Landsers war ein direktes Erbe von seinem Kameraden aus dem Ersten Weltkrieg. Es wurde ausgestanzt, war etwa 55 cm lang, am Verbindungsstück geschweißt und an den hölzernen Handgriff genietet. So wurde es bis zum Kriegsende fast unverändert produziert. Es existierten auch andere Modelle aus besetzten Gebieten oder Beutestücke von den Alliierten. Das Bild zeigt ein frühes Modell zu Kriegsbeginn in einer Tragetasche aus Leder. Ansicht eines Modells vom Kriegsende, praktisch identisch mit dem vorher gezeigten Modell. Tragetasche jedoch aus „Ersatzstoff". Anbringung eines Bajonetts an den Feldspaten. Zwei verschiedene Modelle von Feldspaten. 145
Feldau srü stu n g 133. Zwei Schäfte in seiden-mattem Schwarz. 134. Verschiedene Formen von Handgriffen. 135. Zwei Futterale aus Ersatzstoff. Zuerst waren die Tragetaschen aus Leder, später wurden sie jedoch aus mit Phenolharz getränktem Papier produziert. Die Riemen blieben weiterhin aus Leder. 136. Bei Kriegsbeginn wurde Ausrüstung häufig noch mit dem Namen seines „Besitzers" versehen. Ab ca. 1942 änderte sich diese Praxis, da sich die Truppen häufiger bewegten und die Ausrüstung immer öfter den Eigentümer wechselte. 137. Herstellerkennungaufeinem Spatenblatt. Das ’H' steht für „Heer". Klappspaten 138. 14 6 Etwa um 1938 erschien der Klappspaten. Praktisch ist er der Vorläufer aller modernen Spaten dieser Art. Die Amerikaner produzierten 1943 sogar eine Kopie des Spatens.
Der Infanterist des deutschen Heeres 140. 141. Schlaufe zum Knöpfen für das Koppel. Spaten im ausgeklappten Zustand. 142. Eine Bakelitschraube arretierte die Position des Spatenblattes. 143. Der Spaten konnte auch als Hacke oder Picke verwendet werden, wenn er in einem 90-Grad-Winkel festgestellt wurde. 144. Frühe Tragetasche komplett aus Leder gefertigt. Spätere Versionen hatten keinen oberen Deckel mehr Deckel mehr und unten eine gebogene Führung aus Metall angenietet. Sie bestanden aus gepresster Pappe ("Press-Stoff"). 145. Herstellerzeichen und Herstellungsjahr auf der ledernen Hülle. Patronen- und Nagazintaschen In der deutschen Wehrmacht wurde eine Vielzahl an Schusswaffen verwendet und im Allgemeinen besaß jede Art von Waffe ihre eigene dazu passende Munitionstasche oder Patronengurt. Eine ausführliche Studie dieses Themas würde selbst den Rahmen dieses Buches sprengen, deshalb beschränken wir uns hier auf die gängigen Taschen eines Infanteristen. Patronentaschen 146. Diese Patronentaschen mit einer Kapazität von sechzig Patronen stellen die prinzipielle Munitionsversorgung des Landsers dar. Hergestellt aus Leder, bestand jede Tasche aus etwa zweiundzwanzig Teilen, je nach Produktionsprozess (genäht oder genietet). Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1911 zurück, als die Kavallerie ein kompakteres Modell als jenes aus dem lahr 1909 einführte. Das Modell 1911 hatte nur noch die Hälfte der Patronen des Modells 1909 als Inhalt. 147
F eldau srü stu n g 147. Bildansichten von der Befestigung der Patronentaschen mit Koppel und Riemen. Bei den ersten Versionen konnte man die Patronentaschen leicht vom Koppel abknöpfen, ohne alle Ausrüstungsteile abnehmen zu müssen. Dies fiel ab 1943 wieder weg. 147 148. Eine Übersicht über die Entwicklung deutscher Patronentaschen. Betrachtet von unten nach oben sieht man deutlich die Reihe der Vereinfachungen an den Produkten. Nähte wurden durch Nieten ersetzt und das Leder verlor seinen genoppten Charakter. Die Metallteile waren zunächst aus Zink und grau oder schwarz bemalt, später aus rohem unbehandeltem Eisen. 148 14 8
Der Infanterist des deutschen Heeres 149. Anordnung der zehn Patronen in einem Fach der Patronentasche. Jeder Infanterist erhielt zwei Patronentaschen mit je drei Fächern, Fahrer und rückwärtiges Personal nur eine. 150. Ein Streifen aus Leder, welcher in jedes der drei Taschensegmente genietet wurde, verhinderte den Verlust von Patronen im Felde. Einige Soldaten entfernten das Leder jedoch, um mehr Platz in den Taschen zu haben. Diese schlechte Angewohnheit griff soweit um sich, dass es im lahre 1942 notwendig wurde, solche Praktiken per Befehl generell zu verbieten. 151. Markierungen verschiedener Produktionsreihen von Patronentaschen, die ersten beiden sind von 1942 und die letzten beiden vom Ende des Krieges. 152. Stempel aus der Zeit kurz vor Kriegsende. 153. Patronentaschen aus ungeschwärztem Leder waren zunächst für tropische Zonen bestimmt, wurden gegen Kriegsende aber möglicherweise an allen Fronten verwendet. Man sollte sie nicht mit den Patronentaschen der Luftwaffe verwechseln, dunkler in der Farbe und mit den Initialen LBA gestempelt. 154. Detailstudie der Stempelung durch den Hersteller und das Waffenamt. 14 9
Feldausrüstung Magazintaschen für MP 38 und 40 155. Diese Magazintaschen für die Maschinenpistole M P 38/40 wurden extra für diese Waffen im lahre 1938 entwickelt und in verschiedenen Farbtönen gefertigt. Sie bestanden gewöhnlich aus Segeltuch. Die Farben variierten von grau­ grün, braun, grün, dunkelgrau bis sandfarben. Es gab auch frühe Modelle aus Leder. 156. Typische Markierung auf solchen Magazintaschen mit dem Waffen-Typ (M P 38 und 40), dem Hersteller-Code "clg" (Ernst Melzig aus Liegnitz, Schlesien), dem Stempel des Waffenamts und dem Herstellungsjahr. 156 150
Der Infanterist des deutschen Heeres Seitengewehr 84/98 und Seitengewehrtasche 157. Als Nachfolger eines Modells von 1915 und aus dem berühmten Solingen-Stahl gefertigt, war das Seitengewehr (Bajonett) des Landsers kürzer und praktischer als sein Vorgänger. Einfach im Design und nur aus zehn Bauteilen bestehend, begann es seine Reise über die Schlachtfelder zunächst mit einem Holzgriff. Später machte man die Griffe aus schwarzem oder rötlichem Bakelit. Die hauptsächliche Vereinfachung in der handwerklichen Verarbeitung war das Ersetzen der Schrauben durch Nieten im Handgriff. Das Handbuch zeigt die Teile des Bajonetts. 158. Vier der gebräuchlichsten Bajonette. Das Letzte stammt aus tschechischer Produktion und wurde für eine deutsche Waffe adaptiert. 159. Anbringung des Bajonetts am Karabiner K 98k. 160. Eine schmale rechteckige Kante diente zum Einrasten des Bajonetts am Karabiner. 165. 162. Abnahmestempel eines Waffeninspektors. 163. Ein weiteres Beispiel für einen Hersteller. In diesem Fall bedeutet der Code 'cul' Firma Ernst Pack & Söhne, ebenfalls aus Solingen. 164. Paul Weyersberg & Co. war einer der bekanntesten Produzenten von Messern in Solingen. Detailansicht einer tschechischen Version, hergestellt bei den Waffenwerken Brünn AG (im heutigen Brno, Tschechien). Auf der Klinge sieht man den HerstellerCode 'dot'; auf dem Heft der Waffe das Siegel des Waffenamtsinspektors. 15 1
Feldau srü stu n g 166. Vier Kombinationen von Bajonetten und dazu passenden Koppelschuhen. Die Segeltuchversion war wie andere ähnliche Ausrüstungsteile ursprünglich für das Deutsche Afrika-Korps vorgesehen. Ab 1944 wurde es an allen Fronten an die Truppe ausgegeben. 167. Verschiedene Herstellermarkierungen auf der Bajonettscheide. Gewöhnlich wurden diese Zeichen auf der Rückseite angebracht. 168. Vorder- und Rückseite einer Bajonettscheide, die mit Datum vom 25. lanuar 1939 per Befehl genehmigt wurde. Man legte Wert auf den oberen Halteriemen im Stil der Kavallerie. 169. Kurzes Modell aus späterer Produktion, ca. 1942. Es weist Einsparungen im Material und eine Vereinfachung in der Verarbeitung auf. 170. So wurde das Bajonett ohne den Spaten getragen. Nahkampfmesser 171. Regulär ausgegebenes Nahkampfmesser mit Bakelitgriffen. Es gab viele verschiedene Modelle, manche stammten noch aus dem Ersten Weltkrieg. Das Bild zeigt ein Exemplar der Firma PUM A mit Stahlscheide und Befestigungsklipp. 172. 152 Gewöhnlich wurden solche Messer im Stiefelschaft oder im Brustbereich der Uniformbluse getragen.
Der Infanterist des deutschen Heeres 173. Schutzhülle (Bezug) für den Verschluss eines Karabiners K 98k gegen Staub und Wasser. 174. Diese Siegel wurden in die Schutzbezüge gestempelt, sie zeigen Produktionsdaten wie lahr und Hersteller etc. an. 175. Schutzbezug für den Verschluss des Maschinengewehrs MG 34. Pioniere 176. Der Auftrag der Pioniere lautete: Das Gefechtsfeld für die eigene Truppe zu ebnen und für den Feind mit Hindernissen zu versehen. Um Ihre Aufgaben zu erfüllen, benötigten sie eine komplette Ausstattung mit Werkzeugen, wie Schaufeln, Spaten, Picken, Hacken, Zollstock, Sprengstoff etc. Für das Bild haben wir die folgenden beiden Beispiele ausgewählt: eine kleine Drahtschere und ein Maßband. Auf der kleinen Kurbel sieht man das Produktionsjahr, das Waffenamt und die Länge des Bandes (20 Meter). 15 3
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Orientierung im Gelände ln den Taschen seiner Uniform bewahrte Anton zwei kleine Offiziere und Unteroffiziere (!) mit allen möglichen technischen und Gegenstände auf, welche zu den wertvollsten Besitztümern in seinem optischen Instrumenten zu diesem Zweck ausstattete, wären sie doch kurzen Leben gehörten. Eines war die Uhr, welche ihm sein Vater zu alle ohne genaue Landkarten nur von beschränktem Nutzen gewe­ seinem 19. Geburtstag gekauft hatte. Das andere war ein Geschenk sen. In den Jahren vordem Krieg hatte der militärische Geheimdienst seiner Schwester. Sie gab ihm einen Kompass, als er an die Front ein ausgewähltes Team von Kartografen in weite Teile der Welt musste. Beide Instrumente stellten für Anton eine Verbindung mit geschickt, verkleidet als harmlose Touristen oder seltsame Künstler. der Heimat her, jetzt mehr denn je. ]ede gelebte Stunde war ein per­ Diese Spezialisten fertigten heimlich Fotografien und Zeichnungen sönlicher Sieg über den Tod. Für Anton waren diese kleinen Erfolge wichtiger Orte an, welche von der Wehrmacht später angegriffen wur­ sehr wichtig, um sich in dieser bizarren Welt zu orientieren. Etwas so den. Diese Detailinformationen wurden in komplexen Karten verar­ kleines und unscheinbares wie ein Kompass kann für einen Soldaten beitet. So entstand eine komplette kartografische Sammlung Sicherheit bedeuten, wenn ersieh einer gigantischen Landschaft wie nützlicher in Russland gegenübersieht: Endlose Steppen, Wälder, Berge, Kommunikationslinien, ja sogar demografische Rückschlüsse über Ströme und Flüsse. Die eigene Position zu kennen ist lebenswichtig, die Bevölkerung und die wirtschaftlichen Möglichkeiten eines Landes. die Vorstellung sich hierzu verirren ein Albtraum. Alle diese Probleme Das waren die Grundlagen für den „Blitzkrieg"! Informationen, wie z. B. Straßen und löste für Anton sein geliebter kleiner Kompass. Die eigene Orientierung und das korrekte Melden von feindlichen Positionen waren sehr wichtig. Obwohl die deutsche Armee ihre Kartentasche mit verschieden Leseinstrumenten auf einer Armeekarte. 155
O rientierung im G elän d e Meldekartentasche 01. Das Kartentaschenmodell 1935 wurde 1936 in die Deutsche Wehrmacht eingeführt. Normalerweise war sie aus schwarzem gekörntem Leder und sehr hochwertig verarbeitet, um ein Glänzen des Leders zu vermeiden. Es wurden aber auch zivile Modelle und oft auch Beutestücke verwendet. 02. Im Inneren der Frontklappe sieht man einen Stempel des Herstellers und das Fertigungsdatum. 03. Typischer Inhalt einer Kartentasche Modell 35, sie enthielt alles, was im Feld notwendig war. Normalerweise wurde sie auf der linken Seite getragen, je nach sonstiger Ausrüstung des Soldaten oder Offiziers. 04. Detailstudie einer frühen Version einer Kartentasche Modell 35 in naturbelassenen, ungeschwärztem Leder. Die Luftwaffe benutzte solche Taschen u. a. in tropischen Zonen. Ausrüstungsstücke der Luftwaffe wurden gewöhnlich mit den Buchstaben 'L. B. A .’ markiert. 05. Korrekte Trageweise und Anbringung der Tasche am Koppel sowie die richtige Längeneinstellung der Riemen. Die Kartentasche sollte mit der Trageweise der Munitionstaschen harmonieren. 06. 156 Herstellermarke und -datum. Q fxLsiian @ ^Ducjcoirtee 9 Jo iW £ u ij o. d . < S£e.
Der Infanterist des deutschen Heeres Kartenwinkelmesser. Ein Mess- und Orientierungs-Instrument für Kartografen mit Vergrößerungsglas und Bedienungsanleitung. Es wurde privat gekauft und von der Firma GKS hergestellt. GKS p la n je ig e i Drei Exemplare von Kilometermessern. Diese einfachen Werkzeuge zeigten die lineare Entfernung auf Karten mit verschiedenen Maßstäben an. Sie bestehen aus Plastik, blankem Aluminium und bemaltem Metall. esero F A S E R « - T A K T IK 09. Behälter für Fettstifte, mit denen man auf allen Materialien schreiben oder zeichnen konnte, wie z. B. Acetat-Hüllen oder Celluloid-Ordnern und Linealen, etc. Sie wurden von der bekannten Fabrik Eberhard Faber für die Wehrmacht hergestellt, ihr Markenname ist bezeichnend: "Taktik”. 10. Markierungen auf den Fettstiften aus Aluminium 11. Ein Beispiel für den Gebrauch solcher Stifte.
O rientierung im G elän d e 12. Ein früher Behälter aus braunem Leder. 13. Ein Knopfloch an der Rückseite zum Anknöpfen an lackenknöpfe und eine Lasche zum Aufschlaufen auf das Koppel. 14. Um die Karten zu schützen, besaß jede Kartentasche eine Schutzhülle aus Acetat und Leder. Mit den Fettstiften konnte man diese Hülle beschreiben und feindliche Stellungen oder Truppenbewegungen einzeichnen, ohne dabei die Karte selbst zu beschreiben um sie später den veränderten Gegebenheiten anzu­ passen. Ir n P P 15. Um die winzigen Namen und Symbole auf den Karten schneller zu entziffern, konnten Ver-größerungs-gläser benutzt werden. 16. Dieses Instrument dient zum M' des Deckungswinkels beim indirek­ ten Schießen. Zu sehen ist die Gebrauchsanweisung auf dem Instrument, welche die korrekte Anwendung beschreibt. Es ist für den Transport in der Kartentasche in die­ sem Fall zusammengeklappt. 17. Der Code H/6400 ist auch auf Ferngläsern 6 x 30 zu finden. Das abgebildete Handbuch erläutert den Gebrauch des Deckungswinkelmessers, hier <BE zum Gebrauch aufgeklappt dar­ IKefcltei* brftnben «d»: gestellt. .ifllllc'nimlduanU' tut 2rägcr, amdtlaflntjiuube, ioifiiltbeUr, MAitbel- Inopf für Seitenroinfd, au«(djal!ri?rf>cl für Seitenroinlel, Widitfrcisteiiimg (100 )u 100/8400) unb Teiltrommel (1 ju I iltOO) mit äblefemarfen. 18. Herstellerzeichen uncodiert aufgestempelt. 19. Durch diese kleine Linse konn­ te der Betrachter hindurchse­ hen und so den Winkel auf einer innen angebrachten Skala ablesen. 0 c r 3)ed»uitflSn>inbdtne|jcr 416 ®rob (2)to. 921. 4 16 ). (SHaftgeienbe «orfdjrift $>.'Sd. itsii.i t itduiiflämiiilflmciffr bient junt äSeffen6« ^rtunn«! mintel«. (Sr beftelji a«ä einem Wrlwnn-, in beffen ebeiew Jeil eine Sificrlupe mit Ieilung#platfe «IngefeSI ijt, Dit Jeilnngwlaite bai fine leilntui »on ( Hi-! j» 1 Ui . Tjit muiieit ®rabe Mafien längere SltldK unb jinb bejiffert. Dir leifung reid)t »oh ■! 30 ‘ iifccr <1 bis :t(l (*66.133). äm obfitn Seil bea Olfijäiiiw bc< Anbei fidi ein <*üatl jum öalsen. Wuj ber breiten 51ä*e be* « f. faule-) ift auf ber einen Seite ein? SAtet&platte unb auf bet «nberen Seite eine iSrffingplatte befeftigt. ber itfeifingplaue *6». 132. fteljt (olflfitbe ®e> braudj&inraeifung: .^alte Inienb ®erfuiig«oiii(elinefier not ein Suge, bofi Ttctmijj unb fflrabjal}! glciiftjeitig ju Iefen finb. Öie4 Wrabjalrf ob. Slritfiabftanb: 1/10 4 Seile im Remroljt bf* Si^tfr. gi'Iba.’ ■Jurn S ie ffen be* 'B e tfu n g S w in fe l* fä r t id ieiitro e rfe r lMem ift ber „ft«l>en*" ,11: am unteren teil bei Weftäitfe-} ift bo* 1!cnbel befeftigt, längeren 2<t)fu!e!n unb einem ÄkftftnH'rungiiftüd liefteftt. 't um bie bfibcn 2d>rauben bre&bnr unb fc^ütjt iw« (^ffySuje «i lupe »or Üefiljäbigungen. 1>urd) bas i-enbrl mit bem Sefi wirb beim tKebrnnrij be« 'fm. §8. eine ruhigere Sxiltung 20. Am Deckungswinkelmesser ist seitlich eine Zentimetereinteilung angebracht.. 158 I 1 1
Der Infanterist des deutschen Heeres 21. Die Bestandteile des Kartenwinkelmessers 27 (K.W. 27). Er diente der Artillerie zur Berechnung der Flugbahnen von Granaten. Hier die Einzelteile, wie sie in der speziellen Schutztasche aufbewahrt wurden. Diese wie­ derum fand ihren Platz in der Kartentasche. 22. Die Aufbewahrungstasche für den Kartenwinkelmesser 27, die Buchstaben "hap” stehen für einen codierten Hersteller. Die Schutztaschen sollten die empfindlichen Messinstrumente vor Zerkratzen und sonsti­ gen Beschädigungen bewahren. Sie waren aus Stoff oder später aus Papierleder. 25 E — s i :20 OuO W a M ih su C c X e .' Berlin i 94 1 . H:80000 km 9 8 5 km 7 4 limluuli 26 ÖVU19 A •'i 19 20 21 l l l 22 2i5 24 i 27 h r -— M SI 24. Die Einzelteile des K.W. 27 zum Gebrauch aus­ gebreitet: Zielgeviertafel, Planzeiger, Kartenwinkelmesser 27. 25. Markierungen auf Linealen vor 1941. 26. Waffenamts- und Herstellerstempel. Letzterer stammt von der Firma Franz Kuhlmann, Wilhelmshaven. 27. Armee-Handbuch zur richtigen Verwendung des K.W. 27. 159
Orientierung im Gelände W IF A B E R EHE] C J IS T E H L 2206 A.W.PABEK 28. Kurvenmesser: ein Hilfsmittel zur Entfernungsmessung in Kurven. Ein Klassiker in jeder Kartentasche. 31 -ifp fSr? W A S » V III. i U L T a k fis ch e Zeichen c ) « S o n s t i g e s a)5tebe ...Truppen R, Rgt5-StaD J.P 10 Pu* SraD des I l J . ß 10 h l» Kp.Führer J.lJ.R.10 o S c h ü rze n k o m p Posten.Spähtrupp » Beobachtungsstelle © R a d fa h rk o m p . Schützennest 1' M .G .'K o m p a n i e Hauptkampflinie Jn f.-G e s c ltü tz k o m p . x Granatwerterzug —•* S t o lp e r d r a h t Z u r Z e rstö ru n g v o r b e r e it e t JnfrPanzerjägerkomp. 6 Jnf-Reiterzug N a c h r ic h r e n z u g rh Jnf.-Pionierzug t > ) W a f f e n le ic h te s M.GS. s c h w e re s M .G . S.M.6. in Stellung I.G ran atw e rfe r s .G r a n a tw e r fe r ?#•*« ob« J Ä * " ßeifetposfen 1' O A. V a s Genfer S n t e t n a t L , . ift bem IK f iii.. c . l0nal« ^rototoli * I0ii(<M.nb &|onb iit ffieufer •6. 1925 bciflctrcfcn, öns bf en «V''al*on«ien „ iHaeit ober äfjnlidjen (Dafen Y tn?t'* u'’9'o J ? tot,0,011 »om S . f t r i e n e »erbiet«,.0' ’ iou,it M n ba?t,'rt"!<*‘ »be„ m©ti|4rfiiifuii0eTi, bie U0I1 anb ,,#»<>eU*en einzeln er Schütze ► i l r t . n S t a l e n |l„b D J ‘ «>4,Nif,'' S ? l W « > Eie 64>wiut«0 ber Iruppe j„ ber « b m V Ä n,4« W o SrJ?? liüil ift bnber imcrlnfilid). cl,r *‘£5; D rah rz au n -&■ ■ f t St **8«bfnbfn *u»fat»un8en iänneii m t » .rf.Kf.cn If. bi« Unlchimfl tn WS„n z e rs tö rt B. Ä o m p ffto ffe unb jf,re <un m n i i. F. H.-Batterie m m i f t t e n Ser glnwcnbung Burrt. b e*tr * . . . . , , * , ^ ^ 7 - ^ J 82 Batterie lO tm -K a n o n e n fcU ® Batlr. schwerefeidhaubitz« <p ßlmkverbindung schweres Jnf.-Geschiitz' £— 4 P a n z e rb ü c h s e Panzerjagerkanone WM9WugtB Panzerspähwagen Ä Panzerkampfwagen da Truppenverbandplatz m * Verwunderen nesr ö leichtveiwundefensammelpla» leichtes M Geschütz W ?*ÄU» feldkaDeieinfachleilung Funklinie ----- RgtS.-Grenze ----- ßtls. -Grenze W g U A m,mm 29. Der Gebrauch von zivilen Federtaschen war weit ver­ breitet. ln der hier gezeigten Tasche konnte man alles Notwendige zur Arbeit mit Karten unterbringen. Normalerweise wurden sie von Studenten gekauft, aber so elegante Typen wie diese, hergestellt von A. W. Faber Castell, konnte man zu Hunderten an der Front finden. ^ Inippe fc Mt bfljtnbern. Bbrtantn ulib» 3 , ,a"" <"'!)r<tfcnb« bf! ®frlfIblflcr«. ff.nihel(t]i!|| aeaen lein« (Stanlt) &#pl«tbict bc» ®clfinb»(cmp(ffi.SSS (Brtunflen (unter eignem S*uet talien» » mT nette. Mnroetibtma jflubborei Hamnli.„W!Li!l ' ll" l,' n'. floüiih,. «rtfllerte unb ®a»t»crfer cetfibiefeif®elfoibefoJüinüS" Swi” '’Jwllum ber Sperren nfro. unb unmllltl^r ! « P,,l0,f Unter. « , s . ( jä s s s s s t t « « .t ü s 8. gegen ’BtretKitlimifl«räume iito. Wo fhi ?!, ,! 0"®«nb. i, bft oud) ®eianbcoor,Tt(fuii|jt|i niöglM) ^ n Ju er« 30. Auch solche einfachen Taschen aus geprägtem Leder waren für den Soldaten von Wert. •» vSSSS äSiJÄ fliegerabwehrgeschütz ------------------ Komp-Grenze V 31. Truppenbuch, in dem die verschiedenen Zeichen auf Karten und ihre Bedeutungen erklärt werden.
Der Infanterist des deutschen Heeres Karten n a h i .r 32. Die Wehrmacht verwendete nicht nur ihre eigenen Karten. Eine sehr verlässliche Quelle für Informationen waren zivile Straßenkarten. Besonders berühmt war damals der Michelin-Guide (Reiseführer). Diese Karten besaßen neben Straßen- und Ortsnamen auch ständig aktualisierte und präzise Informationen über Verkehrsnetze. o s t e n 6 dilnci nach über i>ic 0 otü|ctunion 33. Einige Beispiele für militärische Karten. NORMANDIE C a r t e au 2 0 0 0 0 0 * ^ SIcHE»-'*4 G(,AND«ROUnS LE H A V R E -A M I EN S Ukraine IS BaUenVand DELLA CONSOClAZlONE TURISTICA ITALIANA - M ILANO-1941 XIX *k S tra ß e n k a rte Guide Michelin für die Normandie und angrenzende Gebiete. Militärkarte für den Kaukasus. Detailansicht einer Straßenkarte von 1941, in Italien gedruckt Karten für den „touristischen" Gebrauch von Soldaten im Urlaub oder in der Freizeit. Mehr Propaganda als Realität. 16 1
Orientierung im Gelände Kompass 38. Frühes Modell aus den 1930er lahren aus Messing, geöffnet und mit dem dazugehörigen Handbuch. Zusätzlich zu diesen militärischen Kompassen, welche an Zug- und Gruppenführer ausgegeben wurden, konnte man auch viele verschiedene zivile Kompasse kaufen, die im Handel als „Militär-Typ" bezeichnet wurden. Viele Landser besaßen einen Kompass. 39. Der Kompass in geschlossenem Zustand. 40. Rückansicht mit der angeklappten „Anlagekante". 41. Ein später produzierter Kompass aus Bakelit, auch als „Einheitskompass" bezeichnet. Gewöhnlich wurde er in der Kartentasche oder in einer Uniformtasche transportiert. Er wurde mit einer Kordel versehen und konnte um den Hals getragen und so gegen Verlust gesichert werden. Die Codierung ’cxn' bezeichnete die Firma Em il Busch AG aus dem brandenburgischen Rathenow. 16 2 42. Handbuch mit Gebrauchsanleitung. 43. Detailansicht des Modells aus Bakelit mit den typischen Markierungen in einem Kreis.
Der Infanterist des deutschen Heeres 44 44, Das gleiche Modell mit dem Herstellercode ’clk', der für den Hersteller F. W. Breithaupt & Sohn aus Kassel stand. Das aufgedruckte „A" diente zur Orientierung bei schlechten Lichtverhältnissen. 45. Seiten einer Anleitung, welche den Kompass im Detail zeigen. 46 Detailansicht der Markierungen auf der Rückseite. 47. Dieses Modell konnte zum schnellen Zugriff um den Hals getragen oder an der Uniform angeknöpft werden. Es wurde aus schwarzem Bakelit von der Firma Em il Busch, Rathenow produziert, möglicherweise zwischen 1939 und 1941. 16 3
O rientierung im G elän d e 48. Truppen-Handbuch zum korrekten Gebrauch des Kompasses, der Stil war eher gegen Ende des Krieges (ca. 1944) gebräuchlich. TlJ"~*r. 49. Eine einfachere Version, ohne Spiegel oder Anlagekante, dafür aber mit einer Lasche für Uniformknöpfe. Der Hersteller ist die Firma P. Goerz in Berlin. ?■*• Ein Modell russischer Herkunft aus Bakelit 1941. Solche Souvenirs waren bei den deutschen Soldaten begehrt. Das Handbuch erklärt, wie man sich auch ohne Kompass, nur mithilfe einer Armband- oder Taschenuhr orientieren kann. Oft 12 Cf8 Hiäetbioit*» „ t ' llfmtn u.to *®31 °® «otmiuofl nadj öilb 1. ftinbcu bcö $olarftrrn3. twreät!« und ooi 9?adjmiltaa tu* tfulniiirtS aeUkn 2 ). 3. fiiliarauiri: ?)ie Jütme ft« fl tdjfn utift «opfBfn fteljtn im aU. pfineineu nadj SBfften, bit «Uchte >ia,ä) Ofifti, ©tiufft, edjuppen. SB-iume, gellen u|n>. finb oft oon btt bin « ilb 2. Uljt Q is Gtanbp ä s i "' 6 OTarWIompafe „„b flat,e: jjmlä \ irf>. unfjvjfiger unb ba« „N v b at* Sreh.nl i mm Ift ber SfomDafc fo ouf bie Jfotle *u leorf tc an bie 9f0tb.6üb.Sinic), b a k ber « * 'Mtieiiüorbranbl jeijl. fforle mit ffomtai »jflnelnaM l unb Ki&mei|una (ä&meitfcuiij) be 51 Ferngläser Das Universal-Fernglas für die Infanterie und andere Truppenteile war das 6 x 3 0 Dienstglas, jeder Infanterie-Gruppenführer erhielt ein Exemplar, unabhängig von seinem Rang. Im Allgemeinen gab es einen passenden Köcher dazu. 1. jSernroijrförpet. 2. 3u*f>iidftu§£n. 3. Äusblid ober D&jcftio. für bte augcntoi 13. (siii&Iid ober Dfular. irmeiiftejeidjiiung^^i^). 15. 16. 17. iE Cptijdje Wnga&en $riäm c!i. SusWidUnie. © nblid ltnjen. ___ 16 4 52. Zeichnung eines Teils des 6 x 30 Fernglases in einer zeitgenössischen Beschreibung, in welcher die wichtigsten Teile dargestellt werden.
Der Infanterist des deutschen Heeres 53. 54. Im Verlauf des Krieges wurden Ferngläser komplett aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung gefertigt. Sie waren dadurch leichter als die früher aus Messing gefertigten Dienstgläser. Der Okularschutz wurde aus schwarzem Bakelit hergestellt. 55. Darstellung eines späten 6 x 30 Dienstglases in der „Einheitsfarbe 43" und dessen Unterbringung in einem Köcher. Das Dienstglas ist komplett mit Okularschutz, Anknöpflasche und Lederriemen zum Umhängen ausgestattet. 56. Ein schwarzer Bakelitbehälter mit Schulterriemen. Es gab drei Versionen für die Köcher: Naturleder, schwarzes oder braunes Bakelit oder „Press-Stoff" (nur dem Namen nach Stoff, tatsächlich aus imprägniertem Papier). Normalerweise besaßen die Dienstgläser rechts eine Strichplatte. Damit konnten Entfernungen kalkuliert werden, ln diesem Handbuch steht, wie man sich richtig verwendet.
O rientierung im G elän d e 57 57. Eine spätere Variante aus braunem Bakelit. 58. Frühes Modell aus bestem Kernleder. 59. Der Behälter besaß zwei Laschen auf der Rückseite zum Durchschlaufen des Koppels. Zusätzlich gab es einen abnehmbaren Schulterriemen. 60. Im späteren Verlauf des Krieges wurden auch Monokulare verwendet. Grund hierfür waren Rohstoffknappheit und Zeitersparnis bei der Fertigung. (Anm. d. Ü.: Das hier abgebildete Glas stammte nicht von der Wehrmacht, sondern wurde für die schwedische Armee hergestellt.) 61. Detailansicht des Herstellerkennzeichens.
Der Infanterist des deutschen Heeres 62. Typische Markierungen rechts auf einem Dienstglas. Nach dem Wort „Dienstglas" steht die optische Leistung (6 x 30) und die Seriennummer. Die Bezeichnung H/6400 weist auf die im Heer verwendete Einheits-Strichplatte hin. 63. Andere Symbole, wie z. B. hier eine blaue Pyramide, zeigen an, dass das Glas mit einem Spezialfett für niedrige Temperaturen behandelt wurde. Man hat die Gläser auch mit Wachs versiegelt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. In der Regel waren links die Hersteller-Codes erkennbar. Es gab u. a.: Em il Busch (cxn), Carl Zeiss (blc), Swarovski (cag), Voigtländer (ddx), Goerz (bpd), Hensoldt (bmj), Rodenstock (eso) aber auch zahlreiche andere. Ab 1943 wurden die Ferngläser sandfarben oder dunkelgelb ausgeliefert, da dieser als „Einheitsfarbe 43" bezeichnete Farbton generell ab 1943 für Material der Wehrmacht vorgeschrieben war. Heut wird gelegentlich noch irrtümlich behauptet, die Gläser wären für Wüsten- oder Tropenregionen hergestellt worden. 64. Verschiedene Okularschutz-Deckel aus Bakelit, Gummi oder Leder. 65. Befestigung des Halsriemens und des Okularschutzes an verschiedenen Dienstgläsern. 65 16 7
O rientierung im G elän d e 66 66. Abdeckung für die Okulare aus Leder. Eine frühe Produktion für das Reichsheer aus der Zeit zwischen den Weltkriegen. 67. Methode zur Befestigung des Fernglases mit Hilfe der Anknöpflasche an der Uniform. So konnte das Glas nicht bei schnellen Bewegungen oder beim Vorbeugen hochschla­ gen und den Träger verletzen. 68. Verschiedene Ansichten eines seltenen Dienstglases aus Bakelit. Die Metallteile waren sandfarben gespritzt. Hersteller war wieder die Firma Em il Busch (cnx) in Rathenow. Für dieses Dienstglas gab es einen speziellen Köcher aus „Press-Stoff", da die herkömmlichen Köcher aus Bakelit zu klein für dieses Glas waren. 16 8
Der Infanterist des deutschen Heeres 69. Leuchtpistole mit passender Pistolentasche, Putzstock und Bakelitdose für fünf Leuchtpatronen. Sie ist von dem Waffenhersteller Carl W alter in ZellaMehlis (Thüringen) 1928 entwickelt worden. Das bekannte Modell besaß ein Rohr von 27 mm Durchmesser und bestand aus einer Aluminiumlegierung. Die hier gezeigte Pistole ist wesentlich vielseitiger. Die so genannte „Kampfpistole" ist mit einem 'Z' markiert, ein Hinweis auf einen gezogenen Lauf der Waffe. Neben Leuchtmunition vom Typ HE, konnte sie auch Projektile aller Art verschießen (z. B. Rauchpatronen, Sprenggranaten, Holladungen, etc.). Die vom Zug- oder Gruppenführer getragene Leuchtpistole war ein wichtiges Instrument zur Kommunikation und Koordinierung an der Front. Ein bestimmter Farben-Code ermöglichte viel­ seitige Kommandos. Es gab auch andere Modelle, wie die später produzierte LP 42, hergem aus gepressten V Stahlblechteilen. Eine Pistolentasche aus schwarzem Leder. Später im Krieg wurden sie auch aus Press-Stoff hergestellt. Die LP 42 hatte gar keine Tasche. Große Tasche für Signalmunition aus Schweineleder (späte Produktion) für 18 lange Farb- und Signalpatronen. Man konnte sie an einem Schulterriemen tragen oder wie eine Munitionstasche am Koppel. Beschreibung der Einzelteile der Leuchtpistole in einem TruppenHandbuch. 5. 2)ie £eud)fpiffole. Su r Seudjtpiftole gehören: Safdje mit Tragriemen, SBijdjftod unb Patronen» tajtfje mit Tragriemen. öefdjreümng ber Seudjtpiftole: fielje Silb l Sfucfytpiflole im fiängSjdjitiü. 16 9
Orientierung im Gelände Trillerpfeifen 73. Trillerpfeifen für Offiziere und Unteroffiziere, ca. 1943. Sie wurden an Kompaniechefs, Zug- und Gruppenführer der Infanterie verteilt. Man knöpfte sie mit der Kordel an den dritten Knopf der Feldbluse und verwahrte sie in der Brusttasche. Die Pfeifen bestanden aus Celluloid oder Bakelit und waren wichtige Führungsmittel zur unmittelbaren Gefechtsführung. Feldfernsprecher 33 Eine ständige Verbindung zwischen den einzelnen Stellungen und der Kommandozentrale war selbstverständlich wichtig. Zu diesem Zweck besaß die deutsche Armee schon im 1. Weltkrieg Feldtelefone. Die Verbesserungen in den zwanziger fahren an den Geräten gipfelten schließlich im Feldfernsprecher 1933, welcher komplett aus Bakelit war (damals auch bei zivilen Telefonen üblich, A.d.Ü.). Diese Geräte arbeiteten mit einer 1,5 Volt Batterie und einem magnetischen Rufsystem. Das Verlegen, Tarnen und Instandhalten der Telefonkabel gehörte zu den schwierigsten und gefährlichsten Aufgaben der Fernmeldetruppe. Diese Soldaten kämpften ständig gegen Sabotage und Hinterhalte. 74. Telefon bereit zum Telefonieren. An der Vorderseite sind die Verbindungsbuchsen zu anderen Geräten sichtbar. 75. Die Anbringung des Tragegurtes an den Seiten; das Telefon ist bereit für den Transport. 17 0
Der Infanterist des deutschen Heeres 76. Detailstudie der Anschlussbuchsen, des Rufknopfs und der Markierung des Waffenamts. 77. Die Batterie in ihrem Gehäuse links unter einer Klappe. 78. Der Code ist oben auf dem Deckel angenietet, ebenso ein kleines Feld zum Vermerken von Apparatnummern. 79. Innerhalb des Deckels waren zwei Diagramme des Teilnehmerkreises. 80. Ansicht eines Gebrauchshandbuches, in dem die wesentlichen Teile des Feldfernsprechers 33 beschrieben sind. S c h a ltb ild le itu n g s klemmen Jndukfvr - kurte! 171

Bewaffnung Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges konnte die Deutsche Wehrmacht auf ein großes Arsenal an Waffen zurück greifen. Diese 1 9.1ahrhundert. Die Massenproduktion war die Geburt einer neuen industriellen Ära der schnellen Produktion zu niedrigen Kosten. Waffen waren von der deutschen Industrie, welche berühmt für ihre Die Besetzung der Tschechoslowakei im ]ahre 1939 und die deut­ lange Tradition und Qualität in der Waffenproduktion war, im sche Kontrolle über die beachtliche tschechische Waffen- und Geheimen während der 20er und 30er lahre entwickelt und produziert Fahrzeugproduktion sowie die vorhandene Bewaffnung der tschechi­ worden. Tatsächlich betrachtet man einige deutsche Waffen heute als schen Armee ermöglichten es den Deutschen, ihre Armee mit ergän­ wahre Stücke der Handwerkskunst und sie sind bei Sammlern heiß zender Bewaffnung zu versorgen. Auch wenn diese Waffen nicht begehrt. immer den Ansprüchen der Fronttruppe genügten, konnte man doch Es ist schwer zu sagen, ob sich Anton dessen bewusst war, Teil der am besten bewaffneten Armee der Welt zu sein. rückwärtige Dienste und Ausbildungseinheiten damit ausrüsten Diese (auch die noch junge Waffen-SS wurde teilweise damit bewaffnet, „Handwerkszeuge des Krieges" (im Englischen "tools of the trade" Anm. d. Ü.). Erst im lahre 1941 und dank der Umrüstung auf einen genannt) hatte man bereits während des Spanischen Bürgerkrieges „Totalen Krieg", gelang es der Industrie in Deutschland und den (1936-1939) ausgiebig im Ernstfall getestet und erprobt. Die besetzten Gebieten die Fronttruppe mit einer Vielzahl an verbesserten Erfahrungen der deutschen Legion Condor im spanischen Krieg und gleichzeitig in der Produktion vereinfachten Waffen zu versorgen. erlaubten und letzte Darunter befinden sich auch neue, geradezu revolutionäre Artefakte, Verbesserungen an ihren tödlichen Produkten. In der Überlegenheit welche in vielen Fällen den Weg zur Bewaffnung des heutigen moder­ der deutschen Waffen lag aber gleichzeitig auch eine versteckte nen „Infanteristen der Zukunft" aller Armeen der Welt aufzeigten. den Herstellern einen „Feinschliff" Schwäche, ein schwerer Rückschlag in den Kriegsanstrengungen der Eine detaillierte Betrachtung aller Handfeuerwaffen, welche von Nazis. Die deutsche Regierung hatte nicht mit einem jahrelangen deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkrieges benutzt wurden, Krieg gerechnet und auch keinen Weltkrieg erwartet, sie brauchte reicht weit über den Rahmen dieses Buches hinaus. Der speziell an die­ daher, für sie selbst unerwartet, einen ungeheuren Nachschub an sem Thema interessierte Leser findet leicht ausführliche Werke hierzu. Waffen und Munition. Die Qualität der deutschen Waffen war beein­ Trotzdem wäre das Portrait vom Leben eines deutschen Infanteristen druckend hoch. Deutsche Gewehre, Pistolen und Granaten gelten als im Zweiten Weltkrieg unvollständig ohne einige Bemerkungen zu fantastisch verarbeitet. Aber sie verlangten meistens weit komplizierte­ Anton Imgrunds Bewaffnung. Die hier gezeigten Waffen gehörten re Produktionsverfahren und mehr Einzelteile als jene der Alliierten. zum Alltag im Leben an der Front. Die Waffen der Alliierten waren leichter herzustellen und unterlagen schon der neuen Philosophie der Massenproduktion, welche die Zukunft bestimmen und eine der großen Veränderungen des Zweiten Weltkrieges werden sollte. Für viele Menschen stellt der Zweite Weltkrieg das Ende der „Qualitäts-Produktion" dar, so typisch für das Unzweifelhaft ist der Karabiner K 98k die prägende Waffe des deutschen Landsers im Zweiten Weltkrieg. Er genießt bis heute einen beinahe legendären Ruf. 173
Bewaffnung Karabiner 98k Der deutsche Soldat des Ersten Weltkriegs kämpfte mit dem Gewehr 98. Es wurde zu Millionen produziert und von 26 Staaten verwendet. Das Gewehr war 125 cm lang und gut geeignet für einen Krieg, bei dem der Bajonettkampf noch eine große Rolle spielte. Für den vom Dritten Reich geplanten „Blitzkrieg" benötig­ te man mobilere Waffen. Als Adolf Hitler im Jahre 1933 Reichskanzler wurde, genehmigte er große finan­ zielle Summen für die Entwicklung und Erneuerung von Waffen. 1934 wurde das Heereswaffenamt (HW A) errichtet. Eine der ersten Entscheidungen dieser neuen Behörde war es, die Truppe mit einem neuen zuverlässigen, robusten und wirtschaftlichen Gewehr für alle Teilstreitkräfte auszustatten. Die bekannten Firmen S aber und Mauser wurden 1934 vom HW A mit dem Projekt Karabiner beauftragt. Das Ergebnis war die Einführung des legendären Karabiner 98 kurz, auch abgekürzt K 98k. E r basierte auf dem verbesserten Modell aus dem Ersten Weltkrieg, welches man auf eine Länge von 110 cm gekürzt hatte. Der Karabiner 98k war ein Repetiergewehr, welches man für geeignet hielt, die Standardwaffe der reorgani­ sierten Armee nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht im Jahre 1935 zu sein. Andere europäische Heere besaßen kein ebenbürtiges Gewehr. Der Karabiner wog vier Kilogramm, hatte eine Visiereinrichtung für Entfernungen zwischen 100 bis 2000 Metern (die effektive Reichweite betrug etwa 800 Meter) sowie einen Sicherungshebel am Ende des Verschluss. Geladen wurde die Waffe mit einem Ladestreifen mit fünf Patronen des Standard-Kalibers 7,92. Wie viele andere Ausrüstungsstücke auch litt der K 98k ebenfalls unter den öko­ nomischen Einschränkungen der Kriegszeit. Mehrere Varianten wurden produ­ ziert bis zur Einführung des Karabiner 98k spätes Modell, vielen Sammlern heute besser bekannt als „Kriegsmodell". E r ist eine vereinfachte Version, bei der viele Metallteile ausgestanzt wurden, eine Bajonetthalterung fehlt und viele Verarbeitungsschritte haben auf der Oberfläche ihre Spuren hinterlassen. Bis April 1945 hatte die Firma Mauser Millionen dieser Karabiner produziert. Mit der Einstellung der Produktion war auch dieser Karabiner Geschichte. 01. Ein fabrikneuer Karabiner 98k aus dem Jahr 1941. 1 74 02. Das Detailfoto zeigt das Produktionsjahr eines Karabiners, welcher für die portugiesische Armee produziert wurde. 03. Seriennummer, Waffenamtsstempel und Herstellerzeichen.
Der Infanterist des deutschen Heeres 04. Der K 98k war ein Einzellader, welcher nach jedem Schuss von Hand neu nachgeladen werden musste. Hier sieht man die geöffnete Kammer mit zurückgezogenem Verschluss, um den Ladestreifen mit fünf Patronen einzuführen. 05. Ein Handbuch zeigt die verschiedenen Teile des Schlosses. 06. Viele Teile der Waffe sind mit der Seriennummer markiert. 07. Der Sicherungshebels am Ende des Schlosses. Hier ist er nach links gestellt bereit zum Schießen, zum Zerlegen der Waffe befand sich der Hebel in der mittleren Position. War der Hebel nach rechts gelegt, war die Waffe gesichert. 08. Das Foto zeigt die Nähte auf dem ledernen Gewehrriemen. 09. Eine Detailansicht der Anbringung des Gewehrriemens am Kolben. Die Metallplatte auf dem Gewehrkolben diente zum Zerlegen des Schlosses beim Reinigen der Waffe, ohne dabei den Schlagbolzen zu beschädigen. Ursprünglich war sie um Anbringen der Truppenstempel vorgesehen. Diese Seiten aus dem Handbuch erklären das richtige Zerlegen des Schlosses. 10 11. Der Karabiner K 98k war eine akkurate, zuverlässige und vielseitige Langwaffe, allerdings im Vergleich zu späteren alliierten Gewehren, wie z. B. dem amerikanischen M l Garand, langsam in der Schussfolge. Um diesen Nachteil auszugleichen, produzierten die Deutschen das halbautomatische Selbstladegewehr, kurz GW 41, und anschließend den verbesserten K 43. Einige Soldaten waren jedoch mit den neuen halbautomatischen Gewehren nicht zufrieden. Besonders Scharfschützen zogen es häufig vor, ihre alten Karabiner 98k zu behalten. Sie schätzten die Treffgenauigkeit und Zuverlässigkeit des Karabiners. Neben einem Zielfernrohr konnte man am K 98k auch einen Schießbecher für Gewehrgranaten anbringen. 12. Das HWA gab für das Gewehrgranatgerät ein spezielles Set in einem Lederköcher aus, welcher die nötigen Teile aufnahm. Hier der Schießbecher zerlegt dargestellt sowie die Visiereinrichtung und-der Löseschlüssel für das Drallrohr.
Bew affnung 13. Der fertig montierte Schießbecher auf dem Karabiner 98k sowie die spezielle Visiereinrichtung, welche seitlich auf den Karabiner geklemmt und mit einer Schraube fixiert wurde. 14. Seiten- und Rückansicht des Lederköchers für die Bestandteile des Schießbechers. Man konnte ihn am Koppel oder an einem Riemen über der Schulter tragen. Er wurde auch aus Segeltuch hergestellt. 15. Auf der Tasche aufgestempelt das Jahr der Herstellung, der Waffenamtstempel und der Herstellercode ’dkk'. Es steht für Friedrich Offermann und Söhne, Lederwarenfabrik aus dem westfälischen Bensberg bei Bergisch Gladbach. 16. Wirtschaftliche Notwendigkeiten führten auch zu Einsparungen bei den Waffen der Fronttruppe. Das Foto zeigt einen Vergleich zwischen einem Modell 1941 (oben), mit einem soliden Holzschaft aus Vollholz sowie einem Modell 1943 mit einem Schaft aus verleimten Schichtholz (unten). 17. Der Korntunnel zum Schutz des Korns ging manchmal verloren und wurde dann nicht ersetzt. 1 76
Der Infanterist des deutschen Heeres 18. Ansichten eines Karabiners, hergestellt im lahre 1943. Die Qualität des verwendeten Materials ist bereits schlechter, hat aber noch nicht den absoluten Tiefpunkt von 1945 erreicht. 19. Draufsicht auf den geschlossenen Verschluss mit dem Ladehebel und dem Sicherungshebel in Feuerposition. 20. Produktionsjahr und Herstellercode 'dou’ (Waffenwerke Brünn, heute Bystrica, Tschechien) sind klar erkennbar. 21. Ein Detailfoto der rechten Seite des Gewehrkolbens, des Gewehrriemens mit Frosch und der durchbohrten Stempelplatte zum Zerlegen des Verschlusses. 22. Unter dem gebogenen Kammerstengel war im Schaft eine Vertiefung, um ihn besser greifen zu können. Durch die gebogene Form konnte er sich nicht an der Uniform des Soldaten verhaken. 177
Bew affnung Unterseite eines späten Karabiners. Nicht alle Teile haben die gleiche Seriennummer. Die Modelle, welche nach 1941 produziert wurden, erhielten gestanzte Metallteile, um eine einfachere und schnellere Fertigung zu erreichen. Die kleine Metalldose enthielt das Putzzeug für den Karabiner. Mit der Kette zog man Bürsten und kleine Lappen durch den Lauf, um die Waffe von Pulverrückständen zu säubern. Hier alle Bestandteile des Reinigungsgerätes 34. Im Set war auch ein Mündungsschoner enthalten welcher das Eindringen von Schmutz in den Lauf verhindern sollte. Herstellerkennzeichnung und Produktionsjahr. Die Dose hatte zwei Deckel und war in zwei Fächer aufgeteilt. Eines für die Putzwerkzeuge, das andere für Dochte und ölige Putzlappen. Zeichen des Waffenamts auf dem Deckel Fast immer trugen die Einzelteile des Sets Herstellerkennzeichen. 30 178
Der Infanterist des deutschen Heeres © rläu teru n gen fielje S tf lö r u n g ju m ® ilb 50. Öilf. I. »cfe!ti<jung bcS 3*c&lcS an ber Sicmiguiifläfctlc. » ilb 2. Ginffl&ren ber ÄeiniflunflJfettc. Silb 3. Seim $urcbjic!jcn mu& »ieberfait natfjflciast werben. S te in ig u n g b e i Staufs m it JR cin igu ngsge rnt 34. Verschiedene Seiten des Handbuches erklären wie das Putzzeug verwendet wird. Reinigungsset aus Bakelit, hergestellt gegen Ende des Krieges. (Anm. d. Ü.: Bei dieser Abbildung handelt es sich nicht um ein Putzzeug aus dem 2. Weltkrieg, sondern um ein in der späteren DDR hergestelltes Reinigungsgerät.) 33. Die Munition wurde in Pappschachteln mit jeweils 15 Patronen Inhalt verpackt. Diese Schachteln lieferte man wiederum in großen Kartons aus, wie auf der Abbildung zu sehen ist. Die Kartons trugen Etiketten mit verschiedenen Daten, wie z. B. das Produktionsjahr, Patronentyp etc. Es gab beispielsweise „lackierte Hülsen", speziell behandelte Munition zum Einsatz in sehr kalten Gegenden usw. Patronen s. S P. 25 6. L , 40* 1 9 3 9 /1 1 '■'trh.: S (Stahl) P. 2 5 ( 3 0 . > 2.L .40 - Zdh.88 L. 4 )
Bew affnung 34. Beispiele verschiedener Ladestreifen für den K 98k. Auf dem linken Bild sieht man Ladestreifen der Berliner Firma Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken (DWM). 35. Munitionstreifen fertig zum Laden eines K 98k . 36. Das Laden des Karabiners war einfach. Der Ladestreifen wurde senkrecht in die Kammer eingesetzt und mit dem Daumen nach unten gedrückt. Befanden sich die Patronen im Magazin, wurde der Ladestreifen entfernt. Nun musste man nur noch den Verschluss nach vorne schieben und die Waffe war feuerbereit. 37. Handbuchseiten zum Thema Munition. 38. Zwei weitere Beispiele für Ladestreifen. Der erste wurde 1943 von der Firma Jan Hubalek ('nxc') aus Prag geliefert und der zweite 1944 von der Firma Heintze und Blankertz ('flp'), Werk Oranienburg bei Berlin. 39. Der Ladevorgang wurde im WaffenHandbuch erläutert. 40. Im Soldbuch des Soldaten wurde die Seriennummer seines Karabiners registriert. Das Foto zeigt ein Soldbuch, in welchem am 6. ]uni 1942 die Karabinernummer 7421 und die Bajonettnummer 9192 eingetragen wurden. j- s a s 38 R 37 «iß» ä. ä f t t p t ip u t in t t « . öü& 8. f$. SifMnspatrest ® , Befonöere Behl ei öungsoetmerke Beßänadiams über CDcffen unb 6erQt: — H. JH. 1SW0 nt. 205 — (3 . 8 . Antrag öer Selöeinheit auf Umtoufdj oan Sodien ufm.) Radi Erledigung aocfeitige Eintragungen in rot änöern / 39 EOaffenjö « Setö to rt & ■ _ . .......................................... '■j P ijto lf Seitengwoehr Sabel ITlarfd)konipo^ j Doppdfcmrohr filappho^.f Spaten 40 18 0 num la g öes Empfangs Oamentjeiifjen bes 6erät- 3 k M * =i . 4 A J fe S fa fe - t f.Jh **# *!'?, / '...f&k ................ %**■ / £ » }, Sertigungs- 3 eidjen
Der Infanterist des deutschen Heeres 41. Das Instruktions-Handbuch für den K 98k enthielt auch Fotos, auf denen der Gebrauch und die Pflege der Waffe erklärt wurden. Auf den Fotos sehen wir die verschiedenen Teile der Waffe, z. B. den Schlagbolzen und das Visier. Das Buch erklärt, wie das Bajonett aufgepflanzt wurde, verschiedene Schießpositionen oder wie die Karabiner im Felde zu Gewehr-Pyramiden zusammensetzten bzw. in der Kaserne in den Gewehrständer der Kompanie gestellt werden sollten. 9 3 i l b 1 5 . rt a ra iin e rrie m rn . 41 £>Ct B tt R orafan« öS f. Ifurj) und fn n t fjonöhabung unb ftmc (9!eu!) $ i e r SRicmen lang, ba ©djäffe frifd) gefirnißt! 18 1
Bew affnung Maschinenpistole 40 Während des Ersten Weltkrieges entwickelten deutsche Techniker die erste wirkliche Maschinenpistole M P 18. Das Heer benötigte eine Schusswaffe mit hoher Feuergeschwindigkeit für den Grabenkrieg. Die M P sollte spätere Infanterietaktiken massiv beeinflussen. Während der Jahre zwischen den Weltkriegen war Deutschland die Entwicklung von Maschinenpistolen von den Alliierten durch den Wertrag von Versailles verboten worden. Heimlich deckte und unterstützte die Reichswehr jedoch private Firmen bei der Produktion verschiedener MPi-Modelle, welche auch an die spätere Wehrmacht geliefert wurden. Darunter war auch die M P 38 der Erma-Werke in Erfurt aus dem Jahre 1938, der Vorläufer der weltberühmten Maschinenpistole MP-40. Die MP-40 hatte eine relativ geringe Feuergeschwindigkeit und einen vergleichsweise geringen Rückstoß. Das machte sie wesentlich handlicher und leichter zu bedienen als andere Maschinenpistolen jener Zeit. Sie wurde mit 9-mmParabellum-Patronen in einem herausnehmbaren Magazin geladen. Man schätzt, dass etwa eine Million MP-40 pro­ duziert wurden. Von den Alliierten wurde die MP-40 gewöhnlich die 'Schmeisser' genannt, nach ihrem Designer H Y P E R L IN K "httpJ/en.wikipedia.org/wiki/Hugo_Schmeisser"Hugo Schmeisser, obwohl Schmeisser tatsächlich die MP-41 ent­ wickelt hatte, eine MP-40 mit einem Holzschaft und einem Wahlhebel für Einzel- und Dauerfeuer. Ein Schwachpunkt der MP-40 war ihr Magazin mit nur 32 Patronen Fassungsvermögen. Zunächst sollten nur Fallschirmjäger sowie Zug- und Gruppenführer der Infanterie eine MP-40 erhalten. An der Ostfront bemerkte man jedoch, dass ganze russische Bataillone mit Maschinenpistolen ausgerüstet und damit den Deutschen im Nah- und Straßenkampf überlegen waren. Im Verlauf des Krieges wurden bei der Wehrmacht deshalb ebenfalls ganze Einheiten der Sturmpioniere in Zugstärke komplett mit Maschinenpistolen ausgestattet. Wegen der Materialknappheit und eingeschränkter Produktionskapazitäten gab es an der Front aber niemals genug MP-40. 42. Verschiedene Ansichten der MP-40 mit ein- und ausgeklappter Schulterstütze. 43. 18 2 Detailansicht der eingeklappten Schulterstütze.
Der Infanterist des deutschen Heeres 44. Fertigungskennzeichen mit dem Herstellercode und dem Fertigungsjahr. Beachten Sie die Seriennummer und das Zeichen des Waffenamts. 45. Das Foto zeigt das herausnehmbare Magazin für 32 Patronen mit gut erkennbaren Fertigungskennzeichen. Die Zahl 32 zeigt die Kapazität des Magazins an. £ i* 3Hfl|(J)in«nplSloIt. 46. Diese zwei Seiten des Handbuchs für die MP-40 erklären das korrekte Einsetzen des Magazins in die Waffe und die verschiedenen Einzelteile der MPi. Sturmgewehr 44 (bzw. Maschinenkarabiner 431 Das StG 44 (Sturmgewehr 44 ), auch unter den Bezeichnungen MP43 und MP44 (Maschinenpistole 43, Maschinenpistole 44) M an n t, war das erste automatische Sturmgewehr in der Waffengeschichte und wurde auch sofort in großen Stückzahlen produziert. Diese revolutionäre Waffe verschoss die Patrone 7,92 mm kurz-, eine verkürzte Version der deutschen Standard-Gewehr-Patrone. Im Zusammenhang mit der selektiven Auswahl des Feuermodus zwischen Einzel- und Dauerfeuer beim Sturmgewehr 44 stellte die Wahl der Munition einen 47. Kompromiss zwischen Feuerstärke und Treffergenauigkeit dar. Studien der Wehrmacht hat­ ten ergeben, dass die meisten Feuergefechte auf einer 48. Distanz von 300 Metern ausgetragen wurden. Für diese Entfernungen waren die meisten zeitgenössischen Patronen viel zu stark geladen. Bis zum Kriegsende sind etwa 400.000 StG 44s hergestellt worden. Das Sturmgewehr erwies sich als eine sehr wirkungsvolle Waffe, besonders im Nahkampf. Ein gut ausgebildeter Soldat konnte mit dem StG 44 auf weitere Entfernungen effektiver schießen als mit einer MP-40, im Nafi- und Straßenkampf wesentlich kampfkräftiger sein als mit einem K 98k und sogar wie mit einem leichten Maschinengewehr Deckungsfeuer geben. (Besonders die Volksgrenadier-Divisionen der beiden letzten Kriegsjahre sollten mit dieser Waffe ausgerüstet werden, um Defizite in der Feuerkraft auszugleichen. Anm. d. 0.) Das StG 44 hatte eine Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses von 647 m/s (Metern pro Sekunde) sowie eine größere Reichweite bei einer vergleichbaren Feuerrate wie die russischen Maschinenpistolen. Es schoss genau und war bei einer hohen Feuerrate auch im vollautomatischen Modus außerordentlich hand­ lich. Es wurde mit sechs Magazinen ausgeliefert, welche in speziellen Segeltuchtaschen am Koppel getragen wurden. Das StG 44 und seine Munition. Ein Blick auf die Waffe und das daneben liegende Magazin. 183
Bew affnung 49. Ein Detailbild der Visiereinrichtung. 50. Der Verschluss und Gasgestänge. 51. Die zerlegte Waffe. ■■MI Maschinengewehr 34 Das 7,92 mm Maschinengewehr 34 wurde vom führenden Konstrukteur der Firma Rheinmetall, Louis Stange, entwickelt. E r kreierte ein außergewöhnliches AllzweckMaschinengewehr. Obwohl es bereits 1934 für den Einsatz in der Truppe genehmigt wurde, begann effektiv die Auslieferung erst ab 1936. Es war eine luftgekühlte Waffe und verschoss die H Y P E R L IN K "http://en.wikipedia.org/wikiH.92x57 mm_M auser'l,92 x 57mm Mauser Patronen. Das M C besaß einen Zweibein und konnte mit einem Trommelmagazin, welches fünfzig Patronen enthielt, als leichtes Maschinengewehr benutzt werden. Häufig verwendete die Infanterie das M G auch mit einem Patronengurt als mittleres MG. In der Rolle als schweres Maschinengewehr wurde das M G 34 auf ein großes Dreibein mon­ tiert und mit einem Patronengurt geladen. Es wog 11,5 kg und hatte eine Feuerrate von 900 Schuss pro Minute. Die neue Waffe wurde mit ihrer Einführung sofort bei der Truppe sehr geschätzt. Das M G 34 bewährte sich im Spanischen Bürgerkrieg. Diese Waffe ist ein gutes Beispiel für die raffinierte deutsche Waffentechnik: Obwohl es in der Qualität seinerzeit unübertroffen war, verursachte es doch große Fertigungsprobleme auf Grund der Vielzahl an Einzelteilen und intensiver Herstellungsprozesse. Es stellte sich auch als recht pflegebedürftig heraus, da bei Verschmutzungen leicht Ladehemmungen auftraten.. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, begann bereits 1937 die Entwicklung eines verbesserten Maschinengewehres mit höherer Leistung und geringerem Produktionsaufwand. Das Ergebnis der Anstrengungen der Konstrukteure war das Maschinengewehr M G 42. Die neue Waffe hatte eine Feuerrate von 1500 Schuss pro Minute, was beim Schießen ein charak­ teristisches Geräusch erzeugte. Es war bei den Soldaten sehr beliebt, nicht zuletzt weil man den Lauf der Waffe schnell auswechseln konnte. 184
Der Infanterist des deutschen Heeres 18 5
Bew affnung 53. Detailstudie der Schraube zum Lösen der Schulterstütze. 54. Bei diesem Exemplar wurde der Firmennamen nicht besonders vermerkt, wie sonst eigentlich üblich. 55. Seriennummer und Fertigungskennzeichen. 56. Das MG 34 war eine selektive Schusswaffe mit einem Doppelabzug. Wenn man den oberen Abzug (E) betätigte, feuerte die Waffe Einzelschüsse ab. Feuerstöße wurden abgegeben, indem man den unteren Abzug (D) durchzog. . K o n s t r u k t io n tthwinm otall-tiorsi* 57. Ansicht des verstellbaren Visiers für Reichweiten bis zu 800 Metern. 58. 186 Der abgeschraubte Mündungsfeuerdämpfer.
Der Infanterist des deutschen Heeres 59. Detailansicht der Verschlussfeder. 60. Munitionszuführung auf der linken Seite der Waffe unmittelbar vor dem Abzugsschutz. 61. Eine Ansicht des abgenommenen Zweibeins. 62. Das Zweibein in geschlossener Position. Beachtenswert die Anbringung des ledernen Tragegurtes. 63. Kennzeichen des Waffenamts auf dem Tragegurt. 64. Das MG 34 wurde mit einem Patronengurt geladen, welcher zusammen gerollt in einem trommelförmigen Magazin steckte oder direkt aus dem Munitionskasten in das MG geladen wurde. Die Bilder zeigen jeweils zwei Trommelmagazine zusammen mit ihren Transportrahmen. 64 187
Bew affnung 67. Ein Trommelmagazin mit seinem Patronengurt. 68. Der Gurt sollte wie abgebildet in das Magazin eingelegt werden, um Ladehemmungen zu vermeiden. 69. Fertigungskennzeichen und lahr der Herstellung auf dem Magazin. 70. Munitionskasten. 71. Beachten Sie die Zeichen des Waffenamts und des Produktionsjahres auf der Oberseite (in diesem Fall 1941). 72. Der kleine Ölkanister war so konstruiert, dass er leicht in den Munitionskasten passte. 188
Der Infanterist des deutschen Heeres 73. Das Bild zeigt, wie der Patronengurt in die Waffe eingelegt wurde. 74. Ein Ersatzlauf wurde in diesem Metallbehälter transportiert. Es gab später für das MG 42 auch Doppelrohrbehälter. 75. Fertigungskennzeichen auf dem Ersatzlaufbehälter und seinem Trageriemen. 76. Wartungs- und Reinigungs-Werkzeug befanden sich in dieser MG-Zubehörtasche aus Leder. Mit Ausnahme des Öls, welches im Muni-Kasten aufbewahrt wurde, befanden sich alle notwendigen Utensilien in dieser Tasche am Koppel des MG-Schützen (Schütze 1). 77. Der Inhalt der Tasche zusammen mit einer Anleitung. Beachtenswert das Flieger-Visier zur Bekämpfung von Zielen in der Luft. 189
Bew affnung 78. W ie bei allem Ausrüstungsgegenständen der Wehrmacht sind auch hier der Hersteller und der Stempel des Waffenamts präsent. 79. Auch das Werkzeug war durch das Waffenamt abgenommen. ü ' •'■ V- \v\.» ‘ -. 80. Eine Auswahl an Seiten aus dem Bedienungshandbuch des MG 34. Nicht entspannt Entspannt »!«. 34 aufgcttclK (»r 3luflol>lPtl)r Steinigen (mMinaHtergtnoumitti — 107 — i 19 0 n S3ifh 2. Xroflemeijc beg k . Mi. (9. 83ilb 10. Slnftfjlag auf $rci6cin 34. öil& 11. itnjdjlaq non ber Sdjulter eines Sdjiigett,
Der Infanterist des deutschen Heeres Pistolen Im Ersten Weltkrieg lösten kompakte Selbstlade-Pistolen die bisher gebräuchlichen Armee-Revolver langsam ab. Die deutschen Streitkräfte zeigten aber bereits um 1900 ihre Vorliebe für Pistolen gegenüber den früher verwendeten Revolvern. Automatikpistolen waren leicht, konnten mit mehr als den üblichen sechs Patronen eines Revolvers geladen und schneller abgefeuert werden. Theoretisch wurden Pistolen hauptsächlich nur von Offizieren und Unteroffizieren (auch Sanitätern und MG-Schützen. Anm. d. Ü.) getra­ gen, tatsächlich versuchten viele „Grabenkämpfer" in den Besitz einer solchen Waffe zu gelangen. Die deutsche Waffenindustrie konnte den Bedarf an Pistolen noch nicht voll erfüllen. Deshalb verwendete die Wehrmacht auch viele von anderen Ländern erbeutete oder gekaufte Pistolen (und Revolver). Browning HP35 Die Browning High Power Pistole wird so wegen ihres Magazins mit drei­ zehn Patronen genannt, sie verfügt damit über fast doppelt so viel Munition wie die Pistolen Mauser oder L uger. Weil sie im fahre 1935 auf den Markt kam, wird sie auch oft als H P 35 bezeichnet. Sie basiert auf dem Design des großen Waffenentwicklers lohn Browning, welcher von der belgischen Firma FN beauftragt wurde, eine neue Handfeuerwaffe nach bestimmten Vorgaben zu entwickeln. Browning hatte die Rechte an seiner erfolgreichen Pistole Modell 1911 an die Firma Colt verkauft und war nun gezwungen eine völlig neue Pistole zu erarbeiten, wenn auch abgeleitet vom Design der 1911. E r starb im lahre 1926 ohne sein Werk zu vollenden. Die Firma FN führte die Entwicklung weiter und produzierte schließlich ab 1935 die neue Pistole für die belgische Armee. Die Pistole wurde von FN seit ihrer Einführung kontinu­ ierlich verbessert. Sie verschoss eine 9-mm-Patrone und war eine Single-Action-Pistole, was bedeutet, dass der Abzug der Waffe nicht mit dem H ahn verbunden ist. Eine Double-Action-Waffe dagegen trägt man mit entspanntem H ahn und einer Patrone in der Kammer, so das der Schütze die Pistole einfach abfeuern kann, in dem er den Abzug durchzieht. Bei einer Single-Action-Pistole muss der Hahn vordem Schuss manuell gespannt werden. Interessanterweise wurden die Hi-Power-Pistolen während des Zweiten Weltkriegs sowohl von den Deutschen als auch von den Alliierten eingesetzt, nachdem die Wehrmacht 1940 Belgien besetzt und die FN-Werke erbeutet hatte, ln der Wehrmacht wurde die Waffe als „Pistole 640 (b)" ('b' für bel­ gisch) bezeichnet. Die Hi-Power ist eine Handfeuerwaffe, welche einen großen Einfluss auf die Entwicklung späterer Generationen von Pistolen hatte, sie wurde oft kopiert. 81. Seitenansichten, Magazin und Hersteller-Schriftzug (Belgian FN) auf dem Schlitten. 82. Verschiedene Ansichten einer Browning und der dazugehörigen Pistolentasche, man sieht deutlich den Stempel des Waffenamts und das Produktionsjahr auf dem Holster. 19 1
Bewaffnung Pistole 08 Die Luger (Pistole 08) fiat eine einzigartige Stellung in der Geschichte der Handfeuerwaffen inne. in der ganzen Welt wird diese Pistole als eine unnach­ ahmliche Ikone betrachtet. Sie wurde ab dem Ende des 19. Jahrhunderts entwikkelt und zur Standardwaffe der deutschen Armee. Trotz ihres respektablen Alters wurden im Zweiten Weltkrieg viele Luger-Pistolen verwendet und bei Mauser und Krieghoff bis 1945 produziert. Während des Ersten Weltkrieges hatte man erkannt, dass die mechanische Komplexität der Pistole 08 eine Massenproduktion verhinderte. Bereits 1927 hatte das Waffenamt des Heereswaffenamtes verkündet, das zur Herstellung einer 08 etwa 1.180 Produktionsschritte notwendig waren, davon allein 156 für den Griff. Zum Vergleich: Die viel einfachere und effektive H P 35 benötigte hier­ für nur 55 Schritte. Zusätzlich neigte die Pistole 08 zur Ladehemmung, wenn sie nicht richtig gereinigt oder schlechte Munition benutzt wurde. Trotzdem war die Luger die Standard-Dienst-Pistole der deutschen Armee bis zur Einführung der Pistole P 38 im lahre 1940. Man schätzt, dass 1938 etwa 100.000 Luger und 1939 weitere 130.000 die Werke verlassen hatten. Doch auch diese Liefermengen waren nicht ausreichend für den Bedarf einer Armee, welche von 2,75 Millionen Mann im lahre 1939 auf mehr als 7 Millionen Soldaten 1941 anwuchs. 83. 2IEQHQFI SUHL Seitenansichten und Detail einer exzellenten P-08 von der Firma Krieghoff. Beachten Sie das Abnahmezeichen, typisch für Waffen von Krieghoff aus den 30er lahren. 84. Das Herstellerzeichen auf dem Knickgelenk. Krieghoff-Suhl-Versionen der Luger wurden im Vergleich zu denen von Mauser nur in kleinen Stückzahlen produziert. 85. Der Sicherungshebel ist eingerastet, die Pistole kann nicht abgefeuert werden. Die Pistole mit dem originalen Aluminiummagazin Beachten Sie die übereinstimmenden Nummern. Die P-08 aus verschiedenen Perspektiven. Eine typische Patronenschachtel 192
Der Infanterist des deutschen Heeres 89. Lederholster für die P-08 sind auf ihre Art ein eigenes Stück Handwerkskunst. Sie wurden sorgfältig gefertigt, um die Pistole vor Schmutz und Witterungseinflüssen zu schützen. Auf dem Foto sehen wir ein Exemplar einer Pistolentasche von 1941. Beachtenswert sind die üblichen Stempel auf dem gekörnten Leder und die schräg angesetzte Schlaufe. Die auf das Koppel aufgeschlaufte Pistolentasche erleichterte in dieser leicht schrägen Position auf der linken Seite des Trägers den Zugriff zur Waffe. > Pistole 38 Das deutsche Armee-Oberkommando beauftragte kurz nach der Machtübernahme Hitlers das Waffenamt damit, einen Ersatz für die komplexe und teure Pistole 08 zu finden. Von allen gete­ steten Pistolen blieb nur dieWaltherArmee-Pistole übrig. Nacft ein paar Modifikationen am Original-Modell wurde die neue Seitenwaffe als "Pistole 38" im lahr 1940 in der Wehrmacht eingeführt, obwohl manche Lieferungen auch schon ab 1939 erfolgten. Fritz Walther und Fritz Barthelmes hatten eine Pistole entwickelt, welche eine höhere Zuverlässigkeit besass, mit besseren Leistungen unter schlechten Bedingungen von Schlamm und Schnee aufwartete und leichter in der Massenproduktion herzustel­ len war. Der Double-Action-Abzug war mit Sicherheit ein großer Vorteil und die Munitionszuführung war besser gelöst als bei der P-08. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass auch die Produktion der P 38 sehr aufwändig war, allerdings doch unzweifelhaft einfacher als jene der Luger mit ihren vielen Einzelteilen und geringen Toleranzen. Konsequenterweise waren mehrere Hersteller in die Produktion der P 38 involviert. Gegen Ende 1942 dominierte die P 38 an der Front. Sie war ein will­ kommenes Beutestück bei den alliierten Truppen, welche ihren DoubleAction-Abzug schätzten. Doch blieb die Luger immer das begehrtere Souvenir. 90. Seitenansicht und Fertigungskennzeichen einer Walther P 38 91. Seiten aus dem Bedienungshandbuch der P 38. ü !•« K p r 1 19 3
Bew affnung Pistole Astra 600/43 Ein gutes Beispiel für die Praxis der Wehrmacht, den steigenden Bedarf an bestimmten Waffen durch Aufstocken aus fremden Beständen zu erfüllen, ist die spanische Automatik-Pistole Astra. Die Waffe gehörte zum Arsenal der französischen Armee und konntevon der Wehrmacht 1940 in beträchtli­ chen Stückzahlen erbeutet werden. 1941 beauftragte das O K W die spanische Firma Astra ein spezielles Modell mit dem Kaliber 9mm unter der Bezeichnung „Pistole Astra 600/43" zu entwickeln. Das Ergebnis war eine ordentliche, gut ausbalancierte, starke und durchschlagskräftige Waffe. 10.450 Astra-Pistolen sind bis Juli 1944 ausgeliefert worden. Anschließend führte die alliierte Landung in der Normandie zur Schließung der Grenzen zwischen Spanien und Frankreich, deshalb verblieb ein großer Teil der Produktion in Spanien, obwohl die Waffen bereits bezahlt waren. Einige überzählige Pistolen wurden von Astra an andere Länder verkauft, die Mehrzahl der gelagerten Pistolen (31.350 Stück) wurde nach dem Krieg an die Polizei der Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. 92. Seitenansicht einer 9-mmPistole (Astra) 43. 93. Eine Nahaufnahme des Schlittens der Astra 600/43 zeigt das Fertigungskennzeichen. 94. Der charakteristische runde Lauf der Astra. Handgranaten Vom Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 an, verwendete der deutsche Soldat zwei Typen von Handgranaten, welche eher Verteidigungs- als Angriffswaffen sein sollten. Es waren die Stielhandgranate 24 und die Eierhandgranate 39. Beide bestanden aus einem dünnen Metallgehäuse und ihr Effekt lag eher in der Wucht der Explosion als in der Splitterwirkung. Stielhandgranate 24 \ rdfinfr , Sprtngkaps«f«3 Zertsteiyti ütäjthppt I1 95. Ein Überblick über die Stielhandgranate 24 und ihre Bestandteile, entnommen einem Truppenhandbuch zu diesem Thema. 96. Sprvgbpx! Sprtngtipsei'tMM öilb 8. Stifllinnöflionou 24 rail »rtniijüttber 24 unb Sprcngfapjti, Die Stielhandgranate 24 und ihre Anwendung in 37 Bildern aus einem Handbuch. Daneben die Stielhandgranate 43.
Der Infanterist des deutschen Heeres 97. Auf diesen Bildern sieht man die Einzelteile der Stielgranate, besonders die TNT-Ladung und die aufgedruckte Anweisung „Vor Gebrauch Sprengkapsel einsetzen”. Die Ladung wurde durch die Sprengkapsel und den Brennzünder 24 mit einer Verzögerung von viereinhalb Sekunden gezündet. Das Ganze wog etwa 600 Gramm. Gehäuse für den Auslösemechanismus, welcher neben der Sprengkapsel aus einer Schnur mit einer Porzellanperle am Ende bestand und durch Zug ausgelöst wurde. Der komplette Mechanismus befand sich im Stiel der Granate. Er war am unteren Ende durch eine Kappe und Feder verschlossen, welche vor Gebrauch abgeschraubt werden musste. 99. Fertigungskennzeichen und Produktionsjahr (1940) zusammen mit dem WaA-Stempel. Stielhandgranate 43 100. Das für die Massenproduktion vereinfachte Modell 24. Im Prinzip handelte es sich um eine auf einen hölzernen Stiel geschraubte Eierhandgranate. 101. Der Aufbau der Granate. 102. Draufsicht auf einen Sprengkopf mit dem Produktionsjahr und dem Herstellerkennzeichen 'evy' (Metallwarenfabrik von Hagen in Iserlohn). Es gab auch sandfarbene Modelle. 103. Ein Splitterring, welcher auf beide Stielhandgranaten aufgeschoben werden konnte, erhöhte ihren Zerstörungseffekt von Druck- auf Splitter-Wirkung. Es gab zwei Versionen: glatte und geriffelte Splitterringe. 104. Ein Vergleich der beiden Zündsysteme: (M24 - 43). 19 5
Bewaffnung 105. Tragebeutel für Handgranaten. Das kleine Detailbild zeigt die Fertigungskennzeichen von Hersteller und Waffenamt. Sturmpioniere verwendeten diesen Beutel oft. 106. Truppenhandbuch mit Anweisungen zum Anbringen von Sprengladungen. 105 Eierhandgranate 39 107. Diese eierförmige Handgranate aus dünnem Metall enthielt 100 Gramm TNT-Sprengstoff. Sie war grau und später sandfarben lackiert. An früheren Modellen war noch kein Tragering befestigt, bei späteren Versionen wurde dieser zum besseren und sicheren Transport unten angebracht. Das Foto zeigt drei Modelle von Eierhandgranaten neben einem Handbuch. 108. Eine Granate und der einschraubbare Zünder. 109. So konnte man Eierhandgranaten unten an den Patronentaschen befestigen. 110. Wegen ihrer geringen Größe konnten die Soldaten auch viele Eierhandgranaten im Brotbeutel oder in den Uniformtaschen unterbringen.
Der Infanterist des deutschen Heeres Gewehrsprenggranate 111 111. Diese Granate wurde vom K 98 k mit Hilfe des speziellen Aufsatzes, dem Gewehrgranatgerät, abgefeuert. Es gab viele verschiedene Ausführungen: z. B. Spreng-, Leucht- oder Panzerabwehrgranaten etc. Das Bild zeigt eine Sprenggranate in Einzelteilen, welche gegen Soldaten eingesetzt wurde 112. So passte die Granate in den Schießbecher. 113. Die Bestandteile des Zündmechanismus. Minen Glasmine 43 114. Da sie aus Glas war, konnte man sie nicht mit Minensuchgeräten orten. Diese Minen verursachten in der Normandie 1944 schwere Verluste unter den alliierten Truppen. 115. TNT-Ladung der Mine. 19 7
Bew affnung 116. Verschiedene Zünder für eine Vielzahl an Tretminen. Der hier gezeigte Z42 (Zünder 42) wurde im lahre 1940 aus Messing hergestellt. Schützenmine 42 117. Die Schützenmine 42 bestand aus einfachem Sperrholz. Auch diese Mine war nur schwer aufzuspüren. Sie wurde als Sprengfalle gegen menschliche Ziele verwendet, war aber in der Wirkung nicht so verheerend wie die Glasmine. 118. Detailansicht des Aufbaus und der TNT-Ladung. Sonstige Waffen Zusätzlich zu den vorgestellten Waffen kämpfte der deutsche Infanterist auch mit vielen anderen Waffen, wie z. B. Granatwerfern, Panzerfäusten oder Beutewaffen. Besonders im Hinterland war der Anblick eines deutschen Landsers mit einem tschechischen, französischen oder italienischen Gewehr nicht ungewöhnlich. Russische Waffen wurden häufig direkt an der Front benutzt. Besonders beliebt bei Anton und seinen Kameraden war die sowjetische Maschinenpistole PPSft-41; denn der K 98 k konnte trotz seiner erwiesenen Genauigkeit nicht die benötigte Feuerkraft im Nahkampf liefern. U, t c r Idriitf tfn-mtntmcrtu 3» (5 » in) (II IW ISftS.)») 1. VIlliKnuuu'fr t,r uwtt *»«»•"« Im *• 45 119. 11 Hukt* *#«*« »*.%, hi «M«K \ »«« I. «Mt. Mt *W#W* W» Diese Seiten eines Handbuches erklären, wie der Granatwerfer 35 funktioniert, wie er zu laden ist und wie die einzelnen Tragelasten auf die Bedienungsmannschaft zu verteilen sind. i— ---- srns trt »'« I.Ät.W. 88(8m) 1 Tifrl T* nffithT1! 198 ***** — mti mUlteicm ffltrftt
Der Infanterist des deutschen Heeres Die Panzerfaust war eine „Einweg"-Waffe. Einmal abgefeuert wurde das Rohr weggeworfen. Im Grunde genommen war es nur ein Rohr, von dem man eine panzerbrechende Hohlladung abfeuern konnte. Abgebildet eine Bedienungsanleitung für die Panzerfaust. p e f p jf f f f je « N u ',d-&vbittan,2;r/t ® js s HAST DU t o m r m t c r H » '* Beispielhaft nur eine der vielen Beutewaffen, welche von deutschen Soldaten verwendet wurden: Die legendäre sowjetische Maschinenpistole PPSh-41 mit Magazin und Magazintasche, auch “Balaleika" genannt. 19 9
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Persönliche Ausrüstung Das 19. und 20. Jahrhundert waren über weite Strecken durch nach hinten los - zumindest im Fall des „Made in Germany", welches Konflikte und Rivalitäten zwischen den europäischen Großmächten nämlich bald schon als Qualitätssiegel empfunden wurde. Die Käufer gekennzeichnet. suchten nun gezielt nach deutschen Waren, welche den britischen oft Deren Hunger nach Land, Rohstoffen und Handelswegen, gepaart mit unterschiedlichsten Ideologien und natio­ genug überlegen waren. nalistischen Auswüchsen, führten zu immer tieferen Gräben im inter­ Nachdem die verheerenden Folgen der Weltwirtschaftskrise des nationalen Beziehungsgeflecht. England hatte seit dem Sieg in der Jahres 1929 überwunden waren, konnte in allen Industrienationen Seeschlacht von Trafalgar im lahr 1805, und erst recht nach dem bis in die 40er Jahre hinein ein starker Zuwachs bei massenhaft gefer­ Ende der N apoleonischen Kriege, die Meere ziemlich unangefochten tigten Konsumgütern beobachtet werden, welche das Leben auch der beherrscht, und konnte dank seiner maritimen und kolonialen einfachen Dominanz die Weltmärkte mit britischen Waren „beglücken". Doch Deutschland ließ die tiefen Depressionen der Weimarer Republik Bürger in den westlichen Ländern erleichterten. gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde ihm seine Vormachtstellung langsam hinter sich, nicht zuletzt durch das Erstarken des streitig gemacht, nicht etwa von Frankreich oder dem zaristischen Nationalsozialismus, der nicht nur die territoriale sondern auch eine Russland, sondern von dem noch jungen Deutschen Reich. Dank industrielle Expansion anstrebte und den Marktanteil der berühm­ ihrer sprichwörtlichen Disziplin und des Fleißes ihrer Arbeiter konn­ ten Qualitätsprodukte unter dem Siegel „ Made in Germany" weiter ten deutsche Firmen bald schon zahlreiche hervorragend gefertigte ausbauen wollte. Dabei etliche namhafte Firmen eine Rolle: darunter Produkte exportieren, die für den britischen Handel eine ernsthafte Siemens, Bayer, Pelikan, A E G , Bosch, Leitz, Zeiss, AGFA, Faber, Konkurrenz darstellten. Aus diesem Grund wurde im Jahr 1887 ein Diamond oder Montblanc. Gesetz in Großbritannien erlassen, das die Kennzeichnung aller importierten Waren mit dem Ursprungsland forderte. Freilich ging die beabsichtigte protektionistische Wirkung dieses Gesetzes ziemlich Kleine Fotoausrüstung, die sich relativ problemlos im Brotbeutel des Soldaten verstauen ließ. Die abgebildete Kamera ist eine Leica, stellvertretend für die vielen damals verbreiteten Fotoapparate. Kaweko-Füllfederhalter, mit der dazugehörigen Originalschachtel. Feder dari- man statt der Tinte Einzelteile zu zerlegen. Repavorgenommen werden, den Halter durch kräftiges Auf- Verwendung für dauerndes Tinte ist die beste Voraussetzung Arbeiten Ihres Füllhalters. 201
Persönliche Ausrüstung Schreibwaren 01 01. Der Zweite Weltkrieg wirkte sich auch auf die Fertigung von Füllfederhaltern aus, nicht nur vom Design her, sondern auch was den Einsatz neuartiger Materialien anbelangte, die angesichts der Verknappung kriegswichtiger Rohstoffe ein willkommener Ersatz waren. Hartgummi und Celluloid wichen moderneren Kunststoffen, was sich auch auf den Preis der Füllfederhalter auswirkte, die zunehmend billiger und funktionaler wurden. Auf dem deutschen Markt waren einheimische Marken wie Montblanc oder Pelikan vorherrschend, welche über ein ausgeklügeltes Kolbensystem und durchsichtige Tintensichtfenster verfügten. Die frühen Kolben wurden vorwiegend aus Kork produziert, vereinzelt auch aus Hartgummi. Die Füller waren üblicherweise aus schwarzem Celluloid oder Bakelit und hatten verchromte oder goldfarbige Metallbeschläge. 02. Pelikan wurde 1838 in Hannover gegründet und 1871 von Günther Wagner, dem bisherigen Werksleiter der Firma, übernommen. Von der Gründung bis zur 100-|ahr-Feier im lahr 1938 hatte die Firma äußerst erfolgreich gearbeitet und weltweites Ansehen erlangt. Pelikan hatte Niederlassungen in zehn Länder. Ebenfalls im Jahr 1938 brachte Pelikan einen wahren Meilenstein auf den Markt: das Modell 100 N (N steht für „neu"), welches vom berühmten Bauhaus-Stil beeinflusst war (nach der 1919 von Walter Gropius in W eim ar gegründeten Kunst-, Design- und Architekturschule). Das angesprochene Modell (im Bild links) war ein sehr zuverlässiger Füllfederhalter mit klaren Formen, welcher über einen großen Tintenvorrat und einen ausgeklügelten Kolbenmechanismus verfügte. Letzterer war 1923 von einem ungarischen Ingenieur zum Patent angemeldet worden, der seine verfeinerte Erfindung 1927 an Pelikan verkaufte. Dieses kleine Schreibwunder wurde durch einen passenden Druckbleistift ergänzt (rechts im Bild), der ebenfalls aus Celluloid gefertigt war. Beide Schreibgeräte stammen noch aus der Vorkriegszeit. 1942 wurde der Kolben überarbeitet und der Kork durch ein zeitgemäßeres und leistungsfähigeres Synthetikmaterial ersetzt. Im Verlauf des Krieges wurde die Produktpalette zunehmend verkleinert und die Produktion stark gedrosselt, was vor allem an der Rohstoffverknappung lag. Füllfederhalter gehörten neben Fotoapparaten und Uhren zu den beliebtesten „Kriegs-Souvenirs" der alliierten Soldaten. 03. Zeitgenössische Zeitungsanzeige der deutschen Marke Kaweco, die 1883 gegründet wurde. Beworben wird das Modell Dia, aus Celluloid mit Hartgummi-Teilen (die sich mit der Zeit brau verfärbten). Die Schreibfeder selbst ist von Degussa, mit einer Iridiumspitze, die während des Krieges produziert wurde. 04. Stahlfeder der Firma Kaweco aus der Kriegszeit. Die NS-Führung nahm auch auf die Produktion von Füllfederhaltern Einfluss. So wurde etwa ab 1938 der Einsatz von Gold und anderen Edelmetallen zur Federnherstellung verboten, zumindest für den heimischen Markt. Allerdings gab es im ganzen Reich nur vier Firmen, die Füller für den Export herstellen durften. 202
Der Infanterist des deutschen Heeres 05. Ein im Reich gefertigter Osmia-Füllfederhalter, mit der dazugehörigen Originalschachtel - genauso konnten die Soldaten ihn in ihren Kantinen erstehen. 06. Anders als etwa die US Army sah sich die Wehrmacht nicht dazu veranlasst eine eigene Dienstvorschrift zur Trageweise von Füllern an der Uniform herauszubringen. Deutsche Federhalter aus den 1930ern und 40ern waren meist mit Clips ausgestattet, mit denen sie sich in den Taschen gegen Herausfallen sichern ließen. „cl! d»he, dringend empfoffll ~ "tu leises Knirschen 'flü halm Zwei zeitgenössische Tintenfässer. Das eine stammt von einem unbekannten Hersteller, das andere mit der Ablagemulde für den Federhalter kommt von der Firma Pelikan. Der Deckel aus geprägtem Blech bei Letzterem ist typisch für Stücke aus Kriegsfertigung. 08. Tintenfass von Pelikan. Um die Herstellungskosten möglichst niedrig zu halten, wurden während des Krieges vereinfachte Deckel gefertigt, ohne das Markenzeichen. 09. Zeitgenössische Werbung für das gleiche Tintenfass, jedoch mit dem Markenzeichen auf dem Deckel. Natürlich verwendete kaum jemand im Einsatz die gleiche Schreibausrüstung wie in der Heimat. Abgebildet sind hier ein Reise-Tintenfass aus Bakelit und ein Tinten-Radiergummi. Die Tinte kam in Pulver- oder Tablettenform und wurde mit Wasser vermischt. 203
P ersö n lich e A usrüstung Ein paar Beispiele für Bleistifte und Notizbücher, die von der Wehrmacht verwendet wurden, aber 'Nur für Dienstgebrauch' Sie waren z. T. mit dem Wort 'Heereseigentum1oder dem Abnahmestempel des Beschaffungsamtes gekennzeichnet. K R E S JB IO K N T U HfERESEINGENTUM Nur für Djeutgebnucli! fX-VN»»1* ß A D f l 'I C Eine Auswahl von Bleistiftschachteln diverser, damals bekannter Marken: Faber-Castell, Van Dyke, Staedtler und ]ohan Faber. VAN D Y K E EBERH A RD FA BER EBERHARD FABER <£> U A N I Besuch der Allen Kämpfer des Gaues Bayerische Ostmark am 22. Juni 1939 in der D ie trich Eckart-Stadt N e u m a r k t i. d. O P f . 14. Erinnerungs-Blechdose (1939) der Marke Van Dyke nebst kleinem Beiheft. Auf der Rückseite finden sich Hinweise auf Radiergummis für Bleistift und Tinte. 204 Gewidmet von EBERH ARD FABER. ^ Neumarkt i
Der Infanterist des deutschen Heeres k o p ie r u. FA R BT IN T EN ST IFT E k ü n s t l e r s t if t e i *’ 9 'o fl Ausschnitt aus dem Van-Dyke-Sortiment. Zeitgenössische Anzeige für die beliebte Marke. No. 704 MAGENTA Eine ganze Schachtel mit EXQU1SITBleistiften, welche an die Wehrmacht geliefert worden war und auf der Rückseite den entsprechenden Vermerk 'Wehrmacht-Eigentum' trägt. No. 7 0 9 BRAUNE MINE No. 710 •/* R O T - % B L A U ohne Kappe -rtrt/bi»u poliert Kuppe Kleine Bakelitdose für Schreibmaschinenband, die gern zur Aufbewahrung von Radiergummis, Anspitzern, Briefmarken, Schreibfedern und anderem Schreibzubehör zweckentfremdet wurden. Hier zusammen mit dem übrigen Schreibzubehör abgebildet, welches der Landser für seinen Brief aus dem Feld brauchte. Bleistiftspitzmaschine aus Bakelit von A. W. Faber. Diese Maschine durfte in keinem Geschäftszimmer und keiner Schreibstube fehlen und wurde von allen dort Dienst tuenden Soldaten und Offizieren verwendet.
Persönliche Ausrüstung ■■■ Eine Auswahl von diversen zeitgenössischen Radiergummis (Pelikan, Hansa und Eberhard Faber). In derartigen Gläsern wurden in den Kantinen Radiergummis angeboten - hier solche von Pelikan. ledern Mann standen pro Woche zwei unentgeltliche Feldpostkarten zu, die beidseitig beschrieben werden konnten. In den Soldatenkantinen gab es zudem die unterschiedlichsten Postkarten zu kaufen, meist mit Propagandamotiven. Diese über die Kantinen verkaufte „Soldatenpost" umfasste eine Anzahl normierter Briefumschläge und -bögen. Feldpostkarten und -briefe waren bis 100 g gebührenfrei und mussten nicht freigemacht werden, wie man bei den hier gezeigten Exemplaren sieht. 20 6
Der Infanterist des deutschen Heeres I J-“- ' Sclö p o H 25. Hier ein paar Beispiele für die Art von Postkarten, die in den Kantinen verkauft wurden. Die letzte singt ein Loblied auf die Soldatenmütter: „Gute Nacht, Mutter." 26. s 1 UND H IHR HABTl Briefmarken des Deutschen Reiches, wie sie im privaten Briefverkehr und für Feldpostsendungen aus der Heimat verwendet wurden. Wehrmachtangehörige mussten eigentlich nur Päckchen in die Heimat über 200 g freimachen. Zum Versand von Feldpostpäckchen aus der Heimat ins Feld erhielt jeder Angehörige der Wehrmacht monatlich zunächst je eine Zulassungsmarke, dann zwei Stück. Diese konnte er seinen Angehörigen in der Heimat übermitteln, von denen er ein Päckchen erwartete. Im Herbst 1944 wurde der Feldpostpäckchenverkehr allerdings kriegsbedingt eingestellt. GESIEGT | 27. Zulassungsmarken für Feldpostpäckchen waren gewöhnlich rotbraun. Dieses im Oktober 1944 ausgegebene Muster - das letzte seiner Art war für Weihnachtspäckchen aus der Heimat an die Front gedacht. Es war grün und etwas kleiner im Format als die gewöhnlichen Zulassungsmarken. 28. 27 28 29 Diese Briefmarke mit der Darstellung einer ]u 52 stammt aus dem Jahr 1942 und war für Luftfeldpostbriefe gedacht, aus dem Osten, vom Balkan und aus Skandinavien. Anfangs bekam jeder Soldat an diesen Frontabschnitten vier solcher Marken im Monat zugeteilt, ab Mai 1943 sogar acht Stück. 30 30 29. Diese Briefmarke für Feldpostpäckchen bis 2 kg war für Winterbekleidung von der Heimat an die Front gedacht. Sie wurde einmalig im lahr 1944 ausgegeben. V 7>0 ■ 30 ^ ftUnftmarkc 30. Ein Bogen mit Dienstmarken der Behörden. 30 ■ 30 . * Ji„ 30 I V M :numan\c . üicnftmarkc frtiesKcich H ö ie n ftm a r k c wuiimnuim DcutfchcsWcich
P ersö n lich e A usrüstung Uhren Einsatz und Herstellung von Militäruhren erreichten im Verlauf des Zweiten Weltkrieges einen neuen Höhepunkt. In den Streitkräften kam zunehmend komplexere Technik zum Einsatz und auch der „Blitzkrieg", der den Westfeldzug kennzeichnete, erforderte eine präzise zeitliche Koordinierung. Im Heer wurden Armband- und Taschenuhren an Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ausgegeben, die aufgrund ihrer militärischen Tätigkeiten übergenaue Zeitangaben verfügen mussten, wie zum Beispiel Funker oder Artilleriebeobachter. Die schnelle Ausweitung des Krieges führte allerdings schon bald dazu, dass die deut­ schen Uhrenmanufakturen wie Hanhart, junghans oder Kienzle die vom Beschaffungsamt geforderten Stückzahlen nicht mehr produzieren konnten. Also ging im ]ahr 1942 beim Schweizer Uhrenhersteller L ongines eine erste Bestellung der Wehrmacht ein, der bald weitere Aufträge folgten. Auch andere eidgenössische Firmen wie Alpina, M ulco, Titus, Minerva, Record, Zenith Silvana profitierten von den Aufträgen der Wehrmacht. Aufgrund der steigenden Nachfrage beider Krieg führenden Parteien nach Militäruhren befassten sich zuneh­ mend mehr Schweizer Uhrenherstellern mit deren Produktion. Das führte dazu, dass in deutschen wie in alliier­ ten Uhren die gleichen Werke zu finden waren, nur eben in unterschiedlichen Gehäusen - die Stunde schlug jedem gleich ... 31. Die Spezifikationen für Taschen- und Armbanduhren des Heeres waren klar: „Metallgehäuse in mattiertem Weißmetall mit verschraubtem Rückdeckel mit drei oder sechs Kerben für die Wartung. Schwarzes 12-Stunden-Zifferblatt mit arabischen Ziffern und Sekundenzifferblatt auf 6 Uhr". Die Leuchtziffern und -zeiger waren radiumbelegt und das Armband meist aus braunem Leder mit einer vernickelten Schnalle. Soldaten hatten die Möglichkeit ihre Dienstuhr auch käuflich zu erwerben; der Preis betrug dann 22 Reichsmark, unabhängig vom Hersteller. 32. Auf dem Rückdeckel sind die Buchstaben ‘D. H.' (für „Dienstuhr Heer") eingraviert, zusammen mit der Gehäusenummer und den Eigenschaften 'Stahlboden' und 'wasserdicht'. 33. Dienstuhr von Silvana in typischen Stil der 1930er, hier mit einem privat beschafften Lederarmband versehen. 34. Die Federsteg-Anstöße für das Armband wurden gegen feststehende aus Draht ausgetauscht, um einen Verlust der Uhr zu verhindern. 208
Der Infanterist des deutschen Heeres 35. Zivile Taschenuhr von junghans mit weißem Zifferblatt und schwarzen Ziffern. Ähnliche Modelle wurden auch für die Kriegsmarine produziert, die allerdings auf dem Rückdeckel mit dem Hoheitsadler und dem Buchstaben 'M' gekennzeichnet waren. 36. Der geöffnete Rückdeckel gibt den Blick auf das Werk und die Weckfunktion frei. 37. Dienstlich gelieferter Taschenchronometer von Junghans mit Sprungdeckel-Gehäuse und Uhrenkette: sehr nützlich für die Ermittlung der Entfernung von gegnerischen Stellungen. Eine einfache Taschenuhr von der Firma Kienzle. Diese preiswerte Uhr war bei den Soldaten sehr beliebt. Dienst-Taschenuhr der berühmten Uhrenmanufaktur Zenith (Gehäusenummer 8413348). Es handelt sich um ein recht verbreitetes Modell mit stabilem Nickelgehäuse, einer Stoßsicherung und schwarzem Zifferblatt mit „kleiner Sekunde". Der abgenommene Rückdeckel verfügt über die vorgeschriebenen drei Kerben. Ein Blick ins Werk zeigt die hervorragende Verarbeitung dieser Uhren. Die Gebrauchsanweisung für die Uhr umfasste auch diesen Hinweis, wie sie als Behelfskompass eingesetzt werden konnte. Die Uniformhosen der Wehrmacht verfügten vorne rechts unterhalb des Hosenbundes über eine kleine Uhrtasche und einen kleinen Metallring darüber, in dem die Uhrenkette eingehakt werden konnte, wie hier im Bild gezeigt. Nachm ittags 209
Persönliche Ausrüstung Brillen 43. Dienstbrillen hatten ein vernickeltes Drahtgestell und Ohrenbügel aus dünnem Draht, die einen festen Halt gewährleisteten. Sämtliche Angaben zur Brille wurden bei Brillenträgern auf den Seiten 10 und 11 des Soldbuches eingetragen. 44. Wehrmachtssoldaten, die Brillenträger waren, erhielten eine Dienstbrille gestellt, die in solchen grau lackierten Metallbehältern geliefert wurde. 45. Dienstbrille im Etui, darunter ein blankes Einlegeblatt. 46. Dieses Einlegeblatt, auf dem der Name und das Brillenrezept des Besitzers festgehalten wurden, lag unter dem mit Kunstfilz bezogenen Pappstreifen, der auf der Unterseite meist den Brillenhersteller nennt. ß ri U lü s k m -B r iL lc 1. 2. 3. 4. 5. 6. 2 10 47 E in f ü h r e n d u r c h S c h l i t z 2 W eilerfü h re n d u rc h Schlitz 3 E in stellen auf rich tig e L änge W eiterfü h re n d u rc h Sch litz 4 B efestig en in K i e m m s d d ^ t 1 A b sch n e id e n d e s ü b erm fasig . B a n d e n d e s b is a u f S m m " • 47. Bis 1944 erhielten Brillenträger noch eine zusätzliche Brille, welche unter der Gasmaske getragen werden konnte. Bei ihr wurden die Drahtbügel durch ein Halteband ersetzt, damit der Dichtrahmen der Gasmaske auch gasdicht anlag.
Der Infanterist des deutschen Heeres ■ 49 50 48. Der Brillenbehälter der Gasmaskenbrille trug die Aufschrift 'Masken-Brille'. 49. Der Blick in den geöffneten Behälter zeigt ein weiteres Einlegeblatt. 50. Nämlich eine Anleitung zum Einschlaufen des Haltebandes. 51. Es wurden die unterschiedlichsten Windschutzbrillen (auch „Kradbrillen" genannt) ausgegeben, welche die Augen vor allem gegen Staub und den Fahrtwind schützen sollten. Recht verbreitet waren diese Auer-Schutzbrillen mit schwarzer oder grüner Gummiauflage, die insbesondere für Kradfahrer und Fahrer bzw. Beifahrer von Kraftfahrzeugen gedacht waren. 52. Markierung mit Hersteller- (Auer) und Modellbezeichnung (Neofan). 53. Auer-Brille in dem dienstlich gelieferten Stoffetui. 2 11
P ersö n lich e A usrüstung Den 1942 eingeführten Augenschützer 42 mit Scheiben aus Perspex (Polymethylmethacrylat) gab es in zwei Ausführungen: als Staub- und als Sonnenschutzbrille (mit dunkel gefärbten Scheiben). 55 Herstellerkürzel ('bwz') der Auergesellschaft AG in Oranienburg und Fertigungsjahr ('1944') - die Firma stellt heute noch Arbeitsschutzgeräte und Zubehör her. Der Augenschützer 42 wurde als Satz geliefert und zwar zusammengefaltet im dazugehörigen Täschchen. Die Ränder der Brillen waren mit Band besetzt, damit der Kunststoff nicht das Gesicht aufscheuerte. 57. Diese britische Schutzbrille wurde auch in der Wehrmacht häufig verwendet, nachdem sie in Frankreich, Griechenland und Nordafrika große Mengen davon erbeutet hatte. 58. Dienstlich gelieferte Schneeschutzbrille, welche vor allem an die Gebirgstruppe ausgegeben wurde, aber auch im Russland-Feldzug zum Einsatz kam. Die in das Blech geschnittenen schmalen Sehschlitze dienen als Schutz vor Schneeblindheit. 59. Die Rückansicht derselben Brille zeigt die Lederdichtung und die schwarz lackierte Innenseite der Blechscheiben (gegen Reflexionen). 2 12
Der Infanterist des deutschen Heeres 60. Ein weiteres Schutzbrillen-Modell für Gebirgstruppen und Besatzungen in offenen Kraftfahrzeugen, hier mit einer grauen Lederauflage. Diese Auflagen gab es auch in anderen Farben, aus Kunstleder oder Gummi. Brillen mit getönten Gläsern waren speziell als Blend- und Sonnenschutz gedacht und diese hier stammen von einer der angesehensten Firmen der optischen Industrie, nämlich von Carl Zeiss in Jena, die auch das hier verwendete Umbralglas als Schutz gegen UV-Strahlen entwickelt hatte. 61 61. Kunstlederetui mit der Modellbezeichnung innen auf dem Deckel. Der Brille liegt auch ein Merkblatt des Herstellers bei. Bei dem Druckknopf handelt es sich um einen Prym Nr. 4. 62. Innenansicht der Brille. Man beachte die kleinen Ventilationslöcher. 63. Sonnenbrille mit dazugehörigem Etui aus Blech. Neben unzähligen privat-beschafften Modellen gab es auch dienstlich gelieferte Blendschutzbrillen. 64. Zivile Brillen. Die Soldaten durften auch eigene Brillen tragen. Da die Dienstbrille nun wirklich nicht besonders schick aussah, wurde diese Möglichkeit gerne genutzt. 2 13
Persönliche Ausrüstung Kameras Im den 1930er fahren kam es auf beiden Seiten des Atlantiks zu einem unerhörten Boom im Bereich der Fotografie. In Europa war es vor allem das Deutsche Reich, seit jeher führend in der Herstellung optischer Gerätschaften, das kleine und handliche Kameras auf den Markt brachte, welche mit kompakten 35-mm-Filmen geladen werden konnten und selbst für Normalbürger erschwinglich waren. Letztendlich ist es diesen günstigen Voraussetzungen zu verdanken, dass Soldaten aller kriegführender Mächte ihre Privatkameras mit in den Einsatz nehmen konnten und den fast sechs ]ahre währenden Krieg in Millionen von Aufnahmen festgehalten haben- für uns heute ein unglaubliches historisches Bildzeugnis. 65. In der Geschichte der Fotografie gehört der Name „Leica" - von „Leitz’ Camera" - zu den angesehensten und ist für viele Profis und Amateure ein Symbol für Qualität und Purismus, und dennoch ist diese Kamera eher zufällig entstanden. Ernst Leitz sen. gründete 1869 die Ernst-Leitz-Werke und machte sich zunächst einen Namen mit der Herstellung von Mikroskopen. Sein Sohn, Ernst Leitz II, weitete die Produktpalette aus und warb zahlreiche begabte Ingenieure für die Firma an. Sein Entwicklungsleiter, der Feinmechaniker Oskar Barnack, entwickelte 1914 aus einem Gerät für Belichtungsproben für Kinofilme schließlich die erste Kleinbildkamera der Welt, Im lahr 1925, mehr als ein lahrzehnt darauf, wurde die aus dieser „Ur-Leica” entwickelte Leica I auf den Markt gebracht, wo sie einen unvorhersehbaren Erfolg feierte mit fast 1.000 verkauften Kameras im ersten lahr. Die Idee hinter der Leica I lautete: „Kleine Negative - Große Bilder". Sämtliche Modelle, die nach ihr kamen, sollten sich an dieser einfachen Formel orientieren. Tatsächlich steht der Name Leica heute noch für herausragende Kameras. 66. Typische Markierung auf der Gehäuseoberseite einer Leica mit Seriennummer und 'D.R.P.'(Deutsches Reichspatent)-Stempelung. 67. Prospekt eines Händlers aus Nürnberg. 6 8 . Ausschnitt aus dem gleichen Prospekt. 2 14
Der Infanterist des deutschen Heeres 69. Als im fahr 1940 die Leica III c auf den Markt kam (mit der Seriennummer 360.101), unterschied sie sich auf den ersten Blick kaum von den Vorgängermodellen der III-Reihe. Dabei verfügte sie über ein neues, im Spritzgussverfahren hergestelltes Gehäuse, wodurch sie robuster wurde und einfacher herzustellen, aber auch gut 3 mm größer war. Von diesem beliebtesten Leica-Modell wurden zwischen 1940 und 1945 rund 28.000 Exemplare gefertigt; das letzte trug die Seriennummer 397.607. Auf dem Foto ist die rote Originalschachtel mit aufgedruckter Belichtungstabelle zu sehen, in der die Kamera während der 1940er verkauft wurde. Auch die Wehrmacht setzte gerne Leica-Kameras ein, darunter das Modell III c. Obj.Nr. 69 Modell III c Loa 70. Auf der Rückseite der Schachtel finden sich die Modellbezeichnung, die Gehäuse- und die Objektivnummer. Man beachte das rote Verschlusstuch, das bei vielen Schraubleicas aus Kriegsproduktion anstelle des sonst üblichen schwarzen Tuches verbaut wurde, von dem es aber nicht genug gab. 71. Detailansicht des ausgezeichneten Summitar 50mm/l:2 - extrem lichtstark für seine Zeit - mit OriginalObjektivdeckel. 72. Zeitgenössische Anzeige für die populäre deutsche Kamera. 73. 1933 hob man bei Zeiss Ikon in Dresden die berühmte Modellreihe Nettar 515 aus der Taufe: eine kompakte und zuverlässige Kamera in den Formaten 4,5 x 6 cm, 6 x 6 cm und 6 x 9 cm, wenn auch das Einlegen des Rollfilmes etwas umständlich war. Das abgebildete Modell 515/16 (auf dem Bild in auf- und zugeklapptem Zustand) hat eine Zeitenreihe, die von B bis zu 1/125 sec reicht und ist hier mit einem Telma-Verschluss und NettarAnastigmat-Objektiv 75mm/l:6,3 ausgestattet. Die 515/16 wurde zwischen 1937 und 1941 gebaut und war sehr populär, nicht zuletzt wegen ihres günstigen Preises. Zusammengeklappt ließen sich diese Kameratypen problemlos in der Feldbluse unterbringen.
P ersö n lich e A usrüstung 75. Innenleben der Kamera. Der gezeigte Rollfilm musste bei völliger Dunkelheit eingelegt werden. 76. Blick auf Balgen, Auslöser und Nettar-Objektiv. 77. Vorkriegs-Klappkamera Billy Record im Format 6 x 9 von Agfa. Auf Grund des günstigen Preises war dieses Modell bei Zivilisten wie Soldaten gleichermaßen beliebt. Diese Version verfügt über ein kleines 1:8,8 lgestar-Objektiv. 78. Agfas Billy Record aus dem lahr 1938 mit der dazugehörigen braunen Ledertasche. 79. Innenleben der Kamera. 2 16
Der Infanterist des deutschen Heeres 80. Agfas erste Kleinbildkamera war das Modell Karat 6,3 aus dem lahr 1936, das für die berühmte 35-mm-Karat-Filmpatrone ausgelegt war, welche 12 Aufnahmen im Format 24 x 36 mm ermöglichte. Die Karat war ein überaus unkomplizierter Apparat, ziemlich klein für ihre Zeit und mit einem Preis von 42,- RM auch erschwinglich. Die Produktion für den zivilen Markt wurde 1941 eingestellt, denn alle Betriebe mussten sich auf die Fertigung kriegswichtiger Erzeugnisse konzentrieren. Agfa baute auch nach dem Krieg wieder Kameras, bis 1982. 81 Die Oberseite der Kamera mit ausgefahrenem Balgen. Man erkennt den Transporthebel, den Fernrohrsucher und den Auslöseknopf. 82. Die Frontplatte wies anfangs noch starke Art-Deco-Anklänge auf. Die Kamera war mit unterschiedlichen Objektiven erhältlich, z. B. einem Igestar 50mm/l:6,3 (links) dem Xenar 50mm/l:2,8 oder dem Oppar 55mm/l:4,5. 83. Innenansicht einer Karat. Das Einlegen des Filmes war ausgeklügelt aber einfach. Links wurde eine Vorratspatrone aus Blech eingelegt, welche den fertig konfektionierten Film enthielt, der dann am Verschluss vorbei nach rechts in die Aufwickelpatrone eingeführt wurde (hier mit der Aufschrift ‘Leer’). Der Film schob sich selbsttätig in die Aufwickelpatrone, die man später nur noch aus der Kamera nehmen musste, so dass ein Zurückspulen überflüssig wurde. 84. Die Kamera in der dazugehörigen „Bereitschaftstasche". 217
P ersö n lich e A usrüstung 85. Die Kodak Retina stellte einen Sonderfall in der damaligen deutschen Kameralandschaft dar: Um ihre neue 35-mm-Tageslichtpatrone besser vermarkten zu können, hatte die amerikanische Eastman Kodak Co. - größter Hersteller von Filmmaterial - nach einem deutschen Kamerahersteller gesucht, der dazu passende, preiswerte Kleinbildkameras bauen könnte. 1931 kaufte Kodak kurzerhand das Dr. August Nagel Kamerawerk in Stuttgart-Wangen, das bereits hervorragende Kompaktkameras fertigte. Ab 1934 wurden dort die verschiedenen Modelle der Kodak Retina produziert, die sich zu den beliebtesten und meistverkauftesten Kleinbildkameras weltweit entwickelten. Und mit ihrem Erfolg machten sie erst den Siegeszug des 35-mm-Filmes und der Kleinbildpatrone möglich. Der günstige Preis der Retinas, insbesondere verglichen mit den Leicas oder Exaktas der Konkurrenz, führte dazu, dass Nagel-Kameras auch unter den deutschen Landsern sehr stark verbreitet waren. Im lahr 1940 wurde die Produktion eingestellt, doch schon 1946 ging die Fertigung von Retina Kameras in Stuttgart wieder los. Oben links eine Retina I, Typ 141 (1937-40), rechts eine Retina II, Typ 142 (1937-40) und darunter eine Retina I, Typ 119 (1936-38). 85 87 86 . Auf den Unterseiten der drei Retinas befinden sich Blendenrechner und Stativgewinde. 87. Dieselben Kameras mit eingeklappten Objektiven. Rückwände von Retina II (oben) und Retina I (unten). 2 18 r 1 | f *
Der Infanterist des deutschen Heeres Blick auf die Oberseiten der drei Retinas: Filmtransportknöpfe, Bildzählwerke und die unterschiedlichen Auslöser sind gut zu erkennen. 90. Retina I (Typ 119) mit der Seriennummer 799.903. Die geöffnete Rückwand gibt den Blick auf die polierte Filmführungsbahn und die mehrfach geschlitzte Aufwickelspule zum leichteren Filmeinlegen frei. 91. Retina 11 mit ausgeklapptem Objektiv und diversem Zubehör, von oben und von schräg vorne. 92. Kameratasche und Trageriemen für eine Retina I (Typ 141). 93. Innen auf der Tasche findet sich ein Stempel mit der Adresse des Geschäftes, in dem diese Kamera einst gekauft wurde. 94. Kodak Retina in der geschlossenen Bereitschaftstasche. Das Tragen von Kameras quer vor der Brust war zwar weit verbreitet, aber verboten! Laut Vorschrift mussten sie am langen Riemen über die linke Schulter gehängt werden. 2 19
P ersö n lich e A usrüstung Der aus Holland stammende Industrielle Johan Steenbergen gründete 1912 in Dresden die Firma Ihagee (nach dem Akronym 'IHG' für „Industrie- und Handelsgesellschaft m.b.H."), die fortan Fotoapparate und Zubehör herstellte. Die Firma entwickelte etliche Modelle, bis sie schließlich 1936 mit ihrer Kine-Exakta ein bahnbrechendes Produkt auf den Markt brachte: die erste einäugige Spiegelreflexkamera für das 35-mm-Kleinbildform mit Wechselobjektiven (1936) und später dann die erste Kamera überhaupt mit einem elektronischen TTL-Belichtungsmesser (1942). Im lahr 1941 beschlagnahmten die Nazis das niederländische Betriebskapital und wandelten bald danach die Ihagee in eine Aktiengesellschaft um. 1942 beschloss Steenbergen, der mit einer amerikanischen Jüdin verheiratet war, angesichts der immer bedrohlicheren Umstände, mit seiner Familie in die USA zu emigrieren. Die Ihagee in Dresden produzierte seit 1940/41 nur noch Kameras für „Sonderbedarf", z. B. die Kriegsberichterstattung. Im Februar 1945 wurde die Stadt an der Elbe von alliierten Bombern schwer heimgesucht, wobei auch das Stammwerk völlig zerstört wurde. Abgebildet sind zwei zeitgenössische Werbeanzeigen für die revolutionäre Kamera aus dem Hause Ihagee. 96. Kine-Exakta, die für den Kinefilm 24 x 36 mm konstruierte Kleinbild-Spiegelreflexkamera. Sie war ihrer Zeit voraus und gehört zu den direkten Vorläufern aller heutigen Spiegelreflexkameras. Dieses Exemplar der 4. Modellreihe aus dem lahr 1938, das hier mit hochgeklapptem Lichtschachtsucher gezeigt wird, trägt die Seriennummer 531.724. Daneben liegt die Original-Tasche aus Leder. Hier die Kine-Exakta mit eingeklapptem Lichtschacht. Man beachte den mit dem Verschluss gekoppelten Filmtransport. Die Belichtungszeiten von bis zu 1/1000 sec und das Bildzählwerk für 36 Aufnahmen sind ziemlich beeindruckend für eine Kamera aus den 1930ern. 98. Rückansicht der Exakta. Die beiden Filmkammern (für belichteten bzw. unbelichteten 35-mm-Rollfilm) und das Bildfenster mit Schlitzverschluss sind gut zu erkennen, wie auch die Filmdruckplatte in der Rückwand 99. Das Wechselobjektiv Primoplan 58mm/l:l,9 von der Firma Meyer-Optik aus Görlitz verfügte über ein Bajonettgewinde. Die Exakta war die erste Kamera, die dieses System verwendete, während Leica immer noch auf Schraubobjektive setzte. 100 . 220 Ausziehbares Kamerastativ mitsamt der ledernen Tragetasche. Dieses Zubehör war gerade bei längeren Belichtungszeiten sehr nützlich. Die Filme jener Zeit waren noch nicht so hoch empfindlich wie heute. Kine EXAKTA
Der Infanterist des deutschen Heeres 101. 102. Auswahl verschiedener Filme der Zeit: rechts 35-mm-Filme von Agfa, Kodak und Leica. Obwohl Farbnegativfilme schon seit 1936 im Handel waren, waren sie aufgrund ihres Preises und der aufwändigeren Entwicklung nicht besonders verbreitet. 102 Blick auf die Haltbarkeitsdaten zweier Schwarz-Weiß-Filme von Agfa I R «H «B N im m AD O X zu m 103 103. Zeitgenössische Werbung für Adox-Filme. 104. Fotoalben wie dieses waren unter den Soldaten ziemlich verbreitet. Ihre Seiten verraten uns etwas über die persönlichen Schicksale ihrer Besitzer und gewähren einen Einblick in den Soldatenalltag mit all seinen Freuden und Leiden. Neben den losen Aufnahmen liegt eine kleine Schachtel mit durchsichtigen Fotoecken zum Einkleben. FO TO
Persönliche Ausrüstung lampen ln den 1940er fahren waren die Städte und Straßen nicht annähernd so gut beleuchtet, wie wir es heute kennen, so dass sich die Menschen damals oft genug in der Dunkelheit zurechtfinden mussten. Dabei halfen ihnen natürlich Lampen aller Art. Die für den Einsatz in der Armee bestimmten Taschenlampen waren gewöhnlich mit zwei oder drei Farbfiltern in Rot, Grün und B lau ausgestattet sowie mit einer Morsetaste. Einige Modelle, so wie das auf dem Foto, verfügten zudem über eine Verdunklungsklappe, mit der sich der Lichtstrahl auf den Boden lenken ließ. Alle waren sie mit Lederlaschen ausgestattet, mit denen die Lampe an Blusenund Mantelknöpfe eingeknöpft werden konnte. 222 105. Eines der verbreitetsten dienstlich gelieferten Modelle von der Firma Daimon. Zum Lichtmorsen wird der obere Knopf gedrückt. Es gibt auch eine Vorrichtung an der Unterseite, um den Lichtstrahl auf den Boden zu richten. 106. Die übliche Trageweise für Taschenlampen. 107. Ein weiteres Modell von Daimon, das ebenfalls Verwendung in der Wehrmacht fand. 108. Pertrix war eine weitere Firma, die Taschenlampen an die Wehrmacht lieferte.
Der Infanterist des deutschen Heeres 111. 109. Eine weitere Lampe, die vom Militär eingesetzt wurde. Sie ist, wie die Modelle von Daimon und Pertrix, nach Vorgaben der Wehrmacht gefertigt worden. 110. Detailansicht des Firmenzeichens mit Herstellungsjahr. Solche Kennzeichnungen kamen bei Taschenlampen eher selten vor. Seiten- und Rückansichten der vier Taschenlampen. Sie stehen stellvertretend für Hunderte von teils recht unterschiedlichen Modellen, die in den 30ern und 40ern für die Wehrmacht hergestellt oder von ihr genützt wurden. 112. Dienstlich gelieferte 4,5-Volt-Flachbatterie von VDE. 113. Modell einer zivilen Stablampe. 223
P ersö n lich e A usrüstung 114. Zur Beleuchtung von Räumen, Bunkern, Unterständen usw. standen jeder Gruppe Handlampen zur Verfügung. Diese Lampen wurden mit diversem Zubehör geliefert, mit dem sich unter anderem der Lichtstrahl regulieren ließ. Allen gemeinsam sind die abnehmbaren Seitenblenden, das rundum gehende Gehäuse und ein Tragebügel oder griff. Sie wurden gewöhnlich mit Petroleum oder Karbid betrieben. Die hier gezeigte Lampe mit ihrem sandfarben lackierten Blechgehäuse stammt aus der späten Kriegszeit. Das Herstellerkürzel ist ‘Ltf. 115. Rückansicht der Lampe. Man erkennt den Haken, mit dem sie sich etwa an einer Latte einhängen lässt. 116. Hier mit abgenommenen Seitenblenden und dem Brennstofftank. w 224
Der Infanterist des deutschen Heeres Karbidlampe aus Bakelit. Wie das vorherige Modell weist auch diese Lampe metallene Seitenblenden zum Regulieren des Lichtstrahls auf; zusätzlich dazu hat es noch zwei Vorsteckblenden. Sie hat zudem zwei Tanks: Einen für Wasser und darunter einen für die Karbidbröckchen - diese wandeln sich durch Zugabe von Wasser in das gasförmige Acetylen um, das unter Hinzugabe von Sauerstoff aus der Luft mit einer hellweißen Flamme brennt. 120. 118. Die Lampe mit abgenommenen Seitenblenden. 119. Ein guter Blick auf Tragegriff, Wassertank und Regulierschrauben. Die einzelnen Bestandteile der Lampe. 225
P ersö n lich e A usrüstung Eine Karbidlaterne mit Blechgehäuse. Sie weist nicht nur einen Tragegriff auf, sondern verfügt auch über einen Haken zum Aufhängen der Laterne. Karbidtank aus der späten Kriegszeit mit Beschaffungsamt- und Herstellerstempel. Auch im Unterstand brauchte man mal Licht, etwa zum Schreiben. Für derartige Zwecke wurden diese, Hindenburglicht genannten, kleinen Kerzen ausgegeben. Auf der Papierbanderole ist eine Anleitung zum Ausrichten des Dochtes abgedruckt. Achtung *nzünden Docirthaft® Ausrichten- 124. tieh-üodifhoi Ausrichten 226 Zündhölzerund Hindenburglichter. Diese Lichter gab es in allen möglichen Varianten, die Ausführung rechts umfasst eine flache Schale aus Pappe, die mit einem wachsähnlichen Fett gefüllt ist.
Der Infanterist des deutschen Heeres 125. Eine Packung Kerzen aus dem Jahr 1944. Derartige Bunkerkerzen dienten zusammen mit Hindenburglichtern und vereinzelten Handlampen als Lichtquelle im Feld. 126. Detailaufnahme des Herstellungsjahres der gezeigten Kerzen. 127. Eine Packung Bunkerkerzen mit anderer Verpackung und Stempelung. S 'c u t f c ^ c 'itkljrmnefftf F ü n f e r fe rn e n 128. H Rauchlose und gut heizende Öfen waren bei der Truppe sehr willkommen. Sie fanden an der Front vielfache Verwendung in Bunkern, Fahrzeugen und kleinen Räumen. Der Gebrauch solcher Geräte wurde in militärischen Handbüchern genau erklärt. j EH ZW KFJ 3EHZW flA FTSTO Ff ?ä N!)GEFAHP e n z iv h I lt ^ n kräftst# VERüW ä, ?ÄN!)GEFA«P 227
P ersö n lich e A usrüstung Geld Der Krieg brachte besondere Anforderungen an die Geldversorgung mit sich, und während man im Reichsgebiet die alten Reichsmarkscheine und -münzen beibehielt wurden für die besetzten Gebiete und für die Wehrmacht spezielle Geldscheine ausgegeben. Im Frühjahr 1945, kurz vor Kriegsende, gaben einige Bezirke des Reiches, nämlich Graz, Linz, Salzburg, Sachsen, das Sudetenland und Oberschlesien sowie Schleswig-Holstein, regional gültige Notausgaben heraus. J M u f f t a m einet U n ge h ö rige n u nd 5 » u n & e Da» Ort Stra»« \ 129. Soldbuch-Hüllen wie diese, mit Fächern für Geldscheine usw., konnten in den Kantinen gekauft werden. 130. Typische Herren-Geldbörse aus jener Zeit. Eine ganz ähnliche ist übrigens in dem SoldatenLiederbuch darunter zu sehen. 131. 228 Die Reichsmark war nur im Reichsgebiet gültig. Wollte der Soldat also im besetzten Ausland etwas kaufen, so musste er in der jeweiligen nationalen Währung oder eben mit Besatzungsgeld bezahlen. ■ ■ ■ ■ ■
Der Infanterist des deutschen Heeres 132. Behelfszahlungsmittel der Deutschen Wehrmacht über 50 Reichspfennig, ausgegeben von der Reichskreditkasse in Berlin. Dieses Geld war für die Gebiete bestimmt, in denen die Benutzung der nationalen Währungen eingeschränkt worden war. J 32 133 133. Diese einseitig bedruckten Scheine wurden 1942 eingeführt und zwar ausschließlich für den Geldverkehr innerhalb der Wehrmacht. Um dies zu gewährleisten, betrug ihr Nennwert nur ein Zehntel ihres tatsächlichen Wertes. Die 1942 eingeführten Behelfszahlungsmittel wurden ab 1944 durch Verrechnungsscheine für die Deutsche Wehrmacht abgelöst. Bei ihnen stimmten der Nennwert und der tatsächliche Kaufwert überein, und auch sie wurden von der Reichskreditkasse ausgegeben. 10 “ 134 ■ V E R R E C H N U N G S S C H E IN w F O R DJ E D E U T S C H E k ZEH N 10 * W E H R M A C H T MARK ’ M A ü K V tR W A tT U N O D tK 9 t 5CM*KÄC Ö JT K A i 9tM io 0 , V E R R E C H N W — — 135. 136. Rückseite eines Verrechnungsscheins. FEINF R E 1C H SM A l I <Vt! Erwähnenswert ist auch dieses Lagergeld, welches die Wehrmacht an die Gefangenen in ihren Kriegsgefangenenlagern ausgab (allerdings nur an Offiziere). Um eine Flucht zu erschweren, durften Kriegsgefangene nämlich keine deutsche Währung besitzen. »i °crf l B H L *»OW0üO<>Ow...~ ’ z*'czcrd,nkr,,tak O rt t ü rh r m o tf,, 1 - 0 2 2 3 9 1 7 1 f f l y faniy | ■fc-Ätssr-«» • I H R ou «er U rt,tm ai,t «fl«. Wb 3 n * '* ? S V« * 9 l» '- • »«SPSS; «SSSS» B*»’ Bjeh T 22 9
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Dokumente ■■■ jeder Soldat eines jeden Landes ist verpflichtet, Papiere bei sich zu Anders als der gleich große Wehrpass hatte das Soldbuch einen tragen, mit denen er sich ausweisen und seinen Kombattantenstatus hellbraunen Umschlag, darauf den „Wehrmachtadler'' und darunter nachweisen kann. Auch die Millionen deutscher Soldaten des Zweiten den Aufdruck 'Soldbuch zugleich Personalausweis'. Es enthielt alle Weltkrieges - unter ihnen Anton Imgrund - führten entsprechende möglichen persönlichen und dienstlichen Angaben, und ab 1943 Ausweispapiere mit sich. sollte auch ein Foto des Besitzers in Uniform auf Seite 1 fixiert wer­ Seit ihrer Einführung im lahr 1935 begann die Wehrpflicht für jeden deutschen Mann mit dem vollendeten 18. Lebensjahr. E r den. Es wurde in der linken Brusttasche getragen, allerdings vor Spähtrupp- und Stoßtrupp unternehmen beim „Spieß“ abgegeben. musste sich bei den Wehrersatzbehörden zur Musterung melden, und Seit August 1939 bekam der neu-einberufene Soldat zusammen wenn er tauglich war, wurde dem zukünftigen Soldaten der Wehrpass mit seinem Soldbuch auch seine Erkennungsmarke aus Zink oder ausgehändigt, ein 10,5 x 14,5 cm großer, 52 Seiten umfassender Leichtmetall ausgehändigt. Beide Hälften waren gleich lautend Ausweis, mit einem Umschlag aus fester grauer Pappe, auf dessen beschriftet, üblicherweise mit der Stammrollennummer des Soldaten Vorderseite der „Wehrmachtadler'' prangte (Wehrpässe wurden übri­ und der abgekürzten Bezeichnung des Ersatztruppenteils, zu dem er gens ausschließlich von der Berliner Druckerei Metten & Co. gehörte. Ab 1941 wurde auf der „Hundemarke" auch die Blutgruppe gedruckt). 1n diesem Dokument wurden die wichtigsten persönlichen des Besitzers eingeschlagen. Die ovale Marke wies oben zwei Löcher Daten des jungen Mannes vermerkt und auf Seite 1 war ein Foto des für die Trageschnur auf, an der sie um den Hals zu tragen war, sowie Besitzers in Zivil eingeklebt. Trennschlitze in der Mitte. Im Todesfall wurde die Marke hier ausein­ Nach seiner Einberufung zum Wehrdienst gab der Soldat seinen ander gebrochen - die obere Hälfte verblieb bei dem Gefallenen, wäh­ Wehrpass bei der Einheit ab und erhielt dafür das Soldbuch. A ll seine rend die untere Hälfte, mit nur einem L och, zunächst an die Einheit Versetzungen, Kommandierungen, Lehrgänge, Verwundungen usw. geschickt wurde und von dort aus an die Wehrverwaltung. wurden in den Wehrpass eingetragen, der während des aktiven Dienstes bei der Einheit des Soldaten verblieb. Dieser erhielt den Pass erst nach Ausscheiden aus dem aktiven Dienst wieder zurück. Eine zeitgenössische Schutzhülle für das Soldbuch, in der aber auch andere Dokumente, dazu Fotos, Briefe und sonstige persönliche Papiere Platz fanden. 231
D okum ente Wehrpass Wehrpass nebst privat beschaffter Schutzhülle. Gewöhnlich wurde der Pass in einem Pappschuber verwahrt. Die „Tasche" im hinteren Umschlag des Wehrpasses diente zur Aufnahme weiterer Papiere. Im Wehrpass wurde die militärische Laufbahn des Besitzers genauestens dokumentiert. Natürlich nahm der Bereich „Aktiver Wehrdienst" dabei den größten Raum ein. no.it) I V . Beföröerungen unb Ern en n un g en *) fih tio n. ßefötöetungen uni) Ernennungen*) Ejüupfoyjnn u. fiamponir-njef 4. Per WehrpaB i*t eine offenlli*«. n«i>, ü b e „„.k.,. kund- Wer .einen Wehrpaß f« <du »de, " rDr ^ madit »i* «trafhar. Pfand«, Eintragungen ^ürfen nnr du,* di, Dlt Bestim m ungen 1. Der *>hrp»ß i.i der Au.weia de» WchrpfliAhgrn während J rr ganaen Daner der Wehrpfli*t ein»*l. der Rei*,. arbeil»dien»tpßi*t- nochträge iradrtn«Mi m>e*f8«t» S«!rn »n6 ti«i ml! DalumunOSettenjaMj» WMw***) C c ^ r t nber C?:-n 23 ß. Sabotace, Sptonaaaahmnfo. X o n E s o c c c a t 12c:;r^n3 titsn fy s h e lm iffe s ' Saufen unD Stta foo iiß red w ng Im firlega 2. Der Wehrpaß ist »orgfiiitig anfaubewahren. Er darf mit Krieg.beorderuwg. Bereilatellunj:.»*. i„ QJ tr Vehrpaßnotia auf Verlangen nur den DwnatalvUen der Wehr­ macht. der Vt8tn-ff, de» Hei*aarbeitadien.te», den Behörden de» Rei*ea «nd der t.inder und dem Be Iriebaführer. ohne Krieg»beordenmg. Bereit.teilung.schcin oderWehrpaßnotia nur den Dien.talellen der Partei und deren Gliederungen »»wie den Dien.t.teilen der Techniken Nolhilfe vorgenigt oder vorübergehend übrrlns.en werden. ...... 19....... 3. fjou p ttn o n n u . fioagjonjz-Cijtf 232 1 *•*» £. **■»“ “ ■ «- , . ...... . v„. burt*t*S «nd -ur« und deraeitige An»*,ifi er.iditliA * Wird der Wehrpaß ni*, binnen t W o * « d gefunden. *o i»t eine Zwrit«*rif, hei dem m V ' V * Wehrbeairkakommaiidn oder Wehrmeld-,m, i * *n **" "" “ *«*««5 5 : J-.™l .A.,„114 vri. . r. Verlu.t erfolgt gebührenfrei Ausheilung. « I.. Er » i d .h .. ...p B ,* ,,,. [n da» Ausland darf der Wehrpaß aowie Krieg», beorderung. Bereiu«ellung».*ein oder WehrpaBnoti» nid» mitgenommen werden. Bei Aulland.rei»en über 60 Tage Ul der Wehrpaß an die an.tiindtge Webrer.aj,dien.t.telle abaugeben. de» W«fcrheairh.homniando ba«. »ehrmeld.—.. dauernden A.fenth „„„d u * ■teiden a) jeden We*»el der Wohnung oder dr. .1... j Der WehrpaB i»l au jedem dien»lli*en Era*ein« bei der aualindigen Wehrer«a||dieu»t.teile, bei der Einteilung, an Einberufungen, Wehrveraammlungen und Übungen mittubringen. Schriftlichen An- ond Abmeldungen ist er beiaufiigkn. Übersendung in eingeniriebenem Brief wird bl den Antritt und die Beendigung d ■ . Wander«*aft, wenn die Abwe.enhei, von, i Z r n Z AotaUhaluort voran.«*,lirf, li ng„ , U UTtge ^ im K r i.s « U e T a ^ ',. in n e r h a lb % 48 S t , „ d e n ' baw. \ rl t.
Der Infanterist des deutschen Heeres Soldbuch 04. Einband eines Soldbuches und die Seite 1 mit Stammrollennummer, Dienstgrad, Namen, Erkennungsmarkennummer, Blutgruppe und Gasmaskengröße des Besitzers. 05. Auf Seite 2 finden sich die Personalbeschreibung und andere persönliche Angaben und auf Seite 3 die Bescheinigungen hinsichtlich weiterer Einträge auf den vorangegangenen Seiten. Solöbudi pecfonolausmeis 06. Auf der folgenden Doppelseite war u. a. abzulesen, bei welcher Wehrdienststelle der Besitzer eingezogen worden war und wer mittlerweile für ihn zuständig war (Seite 4) sowie Angaben über seine nächsten lebenden Angehörigen (Seite 5). 04 Sotbbuch ^ ^«ääm t 07. Die Seiten 8 bis 8d enthalten besondere Bekleidungsvermerke sowie Besitznachweise für Waffen und Gerät, die an den Soldbuchbesitzer ausgegeben wurden. ti • *(■> . ff •4. ’ Auf Seite 9 finden sich alle Impfungen, die der Soldat erhalten hat. Bffifictftung uni) Dummtc b ftKennungsmatlie p t . . $*1 St! Blutgruppe ........- 0 . 0 .................. 6asnHKkMgt«ft* .. 9 f . A ......................... DJehtnummet .^ ** 05 ^ om/ f:, hi.... Reltghm. JUff' StanM B. 3um Selbheer abgefflfibt oon:') « t Ehefrau.-Dot-unbTTlbbitiennom e------ --- | ' i .... . . | ® j? ............................................ I ■| SAuhjWMWtt#...... £.....,...... 1 tt]ohnott(Actis)................— --------------- ------------------Straffe,Raus-Dt. —i ..... .......-2.eitern: besDatns, Dot-unb3unaM_!L ... ...... j t d ''y Perfonalb * eftt)teibung: Mf. J L li Biftall tm «fc„............... nw f r t* / Befonbetefi*nn3eldien(5.8.Brlllentrtget): .......... _ Sd|tth)>ut^nge i Dl* betnl**um tonbetenAngabenaufSatten1unb2unb«# btteigenMnbljenUntwfditlfttwsJnhobttsbereinigt G ö ttin g e n * , . ’ » « « . , ............ ................ CDohnott (fiteis) ..^ Strafefious-llt. //Vf 3.DettnanMeoberBraut:*)...................... .. Dot-unbJunom* ... .. ............ ...... StonboberBetoetbe....... ,...... .... tDohnott(fiteis) ...................... Strafe,fious-nt....... ...... ............. . •)Ausfüllung o«mm ttutt.no*S.oi«o«fUUl(tob. I. I L/Inf. Ers. Btl. 82 i—niiüinw «TOHrom. ih m rii) .. j ( \ ......... p . Stonbobtt 6etoetbe........... ... .... ....... bet[Q^tt^Oot-u.rnöbdW nnom e S* f& n / S L s „ närfiftentejjenöenflngehBcigen etfaSöienRflelle. I I 1a (TTWtun. tonMM n*A RuiMrti *m Sttihjrt otmCosamt, juftunti» fc, oh Bofcltituno unä Ausraßnna) *' trfatiiupowl»H «njumtfltn. oon her- «H tot tw olit"llnijaltn n u ttan*iftrÄ Bntn Oettern Raumftli flnltoaimoen ouf Sette1». 08 07 BefonD cre B e k le lfiu n g so e rm e c h e (5.8. AntragbetSdbeinhettaufUm touftfi oonSodienuftn.) HadiEtleblgungootfelligeEintragungenlnratttnbetn /*>» 1 DJaffensbet6etälotl ,_ it.. fr * am nv SettlgungsTagbe» nje liteie nersuß pfangs b m et Em jelthen num oe ifellttäett-s 1 J BeHönadimeis Obet CDoffen unb Gerät: —H. M. 1940Hr. JOS — tDoffenobet 6etQtatt J L Sertlgungs3efd)en j nummw f - ....... ............ f.....*?#***' t.. X+y$, \. '1 / f 7, / Hamens!«dien i Empfangs b«s 6erbtoettualietj a) Podien e tfo io 6em «ht , I l Z I i I Plffole II 3 m p fu n g c ..... £>) Typhus f paratuphus % y %*f % n H - /!( T 9// v Stliengem eht Säbel c) Ruht 4 . 4v / A ^ / l. t r ' m - ? ',£ ■ 4 i. ■ <y y * /< r n 1 ........ .............. filapphadie Spaten Klauenbel! ... d) Choleta ° X ' i t) Sonltlg« SdiuB- unb i 8d 9 233
Dokumente StanDoct-, Selb-, Kriegs ober Referoelajocett Jlodimeifung übet etmoige Aufnahme in ein B 3um Selbtim obgefonUt oon:') + SfWerüe 3ähn» . o 3«»* flusbfUcrangpn am: in bet 3otinf!otton: fltsbefferungen om: In btt jahnjtation: flusbefjecungen um: in b« 3aftnIiolion: eigenes 3«linerfa«(lü* mitgegebene CDertfadien unb Papiere Rehe folgenfl» SettenI Nachweise über Aufnahmen in Standort-, Feld-, Kriegs- und Reservelazarette wurden auf den Seiten 12/13 eingetragen. Die Seite 16 enthält Angaben zum Zahnstatus des Soldaten. Der hintere Umschlag lief in eine Klappe aus, auf welcher die das Soldbuch betreffenden Bestimmungen abgedruckt waren. Unter dieser Klappe ließen sich alle möglichen militärischen Papiere verstauen. Auf dem Foto etwa steckt ein 'Merkblatt für den Gruppenführer’ unter der Klappe, wo es laut Aufdruck ja auch hingehört. G S IH " 8 Sch n e lle s „ „ G .» W * Gninö. $)ittri(un$cn für fcie Iruppe Diese Merkblätter enthielten allerlei nützliche Informationen, wie man hier sieht. Mütze, ohno Koppel und Schulterklappen Kr,,gen offen. Schnürjthuhc mit Gamaschen. Uhr, Verband, irug, Marschkompaß. Ferngläser. ~ In Taschen: re. Rocktascho Pistole (11. Leuchtpisinie). 30 Scbufl Gowehrmunltion. I Handgranate. Im Brotbeutel am Band- Dolch oder Messer. Hand­ granaten. Magazinlaschen für MPiTrAger, i Pai,. Tasche mit 30 SchuB. Oft statt MG weitere MPi-. Selbsllador, Schieilliochet. Im Winter Frostsclmtzsalbe, Esbitkocher, Stielhand­ granaten mil Pappring Auf besondere Anordnung Koppel, Stahlhelm. Gasschuumittel, 2. Patronentasche. Seitengewehr. Schanizeug. 3. P a p ie r e z u rä c k |a » * e n . 4. O b e r p r ü fu n g der gesamten Ausrüstung 3, Tarnung (z-B. Zeltbahn omhängen. Koppel daruhet i. Einte ile n d er Gru pp e S t e llv e r t r e t e n d e r S p * h t r u p p f ü h r .•t S ic h e r e r (vor dem vorangehenden Führer). Beobachter nach j l l e n Seiten . Baumsclmi.-wi> 2 D a s V o rg e h e n besprechen G r u p p e das G elSn .d e » eig e n . Beispiel der Besprechung „Unser Vorgehen bis wird durch schw, Wati.-n überwacht Die 2 Sicherer 10 Schritt vor mit Rest <0 Schritt Abstand Schützenrelhe. Halte Ich. alle* m die eingeteilte Richtung „Stellung und beobachten bald wir . . . . erreicht, gehen wir abschnittsweiv Ich mit den Sicherem voraus. Alle« andere »Ich.:lolgt auf Zeichen.'' F e in d b e rü h ru n g n ich t w a h rsch ein lich 234 ! i Vo r d e r s t e S i c h e r u n g e n befr agen 3. Dberprulcn der Zeichen- und «etchenlote» v « standigung. y 4. Nachts ganze Gruppen Reihe' Abschnitt»»** v„. gehen, halten und horchen Mellon llinlei„ ^ ; W ; Mondschein meiden, Feind gegot, Wind « S m S l Feindberührung möglich S ic h e r u n g s a u f t r a g z. B M G h l« , S t . l la n g t Unser Votgehen sichern. Aul ? ^ Z L folgen!" % Splhtrupplilbr« mit i Sicherem rasch votw4,t» 3. Baob.-Stelle: raschut Dberblirk, Grupp. winken. mH Fernglas weiteib hi, n. Erneute» Sicterungsaultraq 4 Nachts Schützenrelhe. 1 Schutt Alntand. i I -stellvertrs xSpAhlrupplUhror ä :: t r w s s Feindberührung wahrscheinlich 1. T a rn u n g dauernd verbcv : |gegen»*Uta mahnenll Seharungsabschnltto k u r z e r 3. N a c h ts Vorpirschen mit v» Flüsterton. An dunklen Stellen an1, ,. .i«-,,. Führer mit •4-k ■ 1 Mann (Handgranaten) längs.,:,, Vorarbeit«* und horchen Masse rückwärts -ilboreiL Nahk a m p lw a ff e g r l f l b e r . i t larnung dureb UnM Vor»chieben >4>lohen von Stroh- nnit 1 "'hundeln, ein«] Busches. 4. PMUllcher Zusammenstoß Aul I . ind stürzen. Ein«elnc lautlos niedermachen Weg ,,n dieser Stelle! Der R ückw eg ir, Pelndnihe abschnittweise Reihenfolge Stellv. SpJhtiu).;.: .• MG. Spihtruppluhrer. . ,.inem Zun*. >-w Schatten ^-einigen. /V o rric h tu n g e n h e rste lle n . \ lten für die S i c h e r u n g der Elnzulegen ln das Soldbuchl D IE G R U P P E I M A N Kampfauftrag: a) wo steckt' Feind ( <iM Zugb) Angriffsziel der Gruppe! fuhrers .c) nähere» Zwlschenziel G R IF F I . : des GruppenI ‘öhrers V orm og eln Im-Schritt, solange Du noch nicht erkannt. Schützenreihe. Gelinde ausnuteen, Deckung gegen Sicht. V o rarb eiten Von Deckung w. Deckung, sobald Du erkannt bist. u V K Fcll}d,«uV „"-»chstes Zwischen*!..'! (Deckung) vorbefehlen. In leindl. Feuerpause vorwärts* Sie ausnutzon bis zur Erschöpfung oder Deckung. Munition sparen, solange Dit andere vorwärtsbellen. V o rs ch ie ß en sobald in Schußentfernung und Ziel erkannt. Langsam in Stellung, wenn Du noch nicht erkannt, schnell, wenn erkannt. Der Feuerbelehl: a) Z I c la n s p r a c h .: Deine Waffe anrufen „SchleßbecherT Richtung „Halblinks Watdecko. Hand­ breite rechts davon" Entfernung „auf 180". (,as Ziel .'in MG-Nest' (Hilfsziel!) b) F e u o r b e f c h l „Vis. 200, 5 Schuß Feuer frei!" * ' ,.MG> 4 FeiiorstrtBe' Stellung. ' Feuer frei!” Feuerüberlegenheit erzwingen! Je nÄher am Feind, desto starker Dein Feuer -Steigern bis zum Fcuerorkanl Jede Wirkung durcli Vorwärtsstürzen ausnutzen. M e rk b la tt fü r d en G ru pp e nfü hre r. L ie b er ju n ge r Kam erad ! Von Dir wird‘jetzt draußen vieles verlangt. Du hast noch keine Erfahrung. Nachstehendes sei Dir Helfer. Behalte in schwierigen Lagen die Ruhe, überlege ur.d handle dann schnell! B e u r t e i l e Deine Lage etwa so: 1. Ich habe den Auftrag........ 2. Welche F e in d waffe hindert mich (voraussichtlich f 3. Wo kann Ich mich gedeckt vormogeln oder 4. Kann ich sie ausschalten? 5. Brauche ich Feuerunterstützung? Beantwortung einer Frage erledigt die nächste. Du mußt Dich nun zum E n t s c h lu ß durchringen. Deinen Grenadieren teilst Du ihn im TelcgrammsUl. kurz erd energisch mit. Das nennt man B e fe h l: 1. Wo der Feind steckt. 2. Angriffsziel oder Kampfaultrag. 3. Wie Du die Ausführung haben willst. Hast Du morgen einen Spähtrupp zu gehen, nimm Dir ruhig dieses Blatt'vor. damit Du nichts vergißt. Was Du nicht brauchst, lasse weg. D IE G R U P P E A L S S P Ä H T R U P P S c h n e lle s Fe rtigm ach e n 1. A u f t r a g an Gruppe bekanntgeben. 2. A u s rü s tu n g . venig brauche ich?
Oer Infanterist des deutschen Heeres Erkennungsmarken 13. Die obere Hälfte der umgangssprachlich als „Hundemarke" bezeichneten Erkennungsmarke wies zwei Löcher für die Trageschnur auf, an der die Marke um den Hals zu tragen war. Damit das kalte Metall nicht direkt auf der Haut auflag, trugen viele Soldaten ihre Marke in einem kleinen ledernen Brustbeutel. Obwohl es streng verboten war, wurde die Erkennungsmarke mitunter auch in einer Tasche der Felduniform verstaut. Schießbuch 14. Mit dem Soldbuch zusammen wurde - zumindest in der Heimat - oft auch das Schießbuch getragen. Darin wurden die Ergebnisse in den verschiedenen Schießklassen und Schulschießübungen festgehalten. 14 15 TcefferbilÖ Jeithcnoothchr beim 5chulfd>ief?on. 1. 18 11c. Des Gcioehcs 9S 6«r fthieflentten Abteilung. sf fiacübinecs 98 f E 5chießbudi 11c. I '■s ' I 5 di. fi. Ilamt Dlenftgiab Truppenteil ; 15. Tafel über den Zeichenverkehr beim Schulschießen und daneben das Trefferbild des Besitzers mit dem Karabiner 98k. % Sdi I9.v? ödW&lS fljahe (rflonat> Weßhlaffe I 6eu ehe \\t.&U Mult» foll «&h«&Kn. P. /. . 3 C. m. 6. nt. . PiP i<h.i9un8 tot fcfilcfteoben »bttllung. ti) Jttdien jut mnodttlttrllsung JtlltWO IS> oic nc. 2 Gcu). 98 /fiacob. Doc Beginn ber S*tftt IM i p.tt, i V* | Btbingungen a !! m > iKi; HO «'!«« AM» lt. IM 1W 1 h'," ä IMllatftl. ’ > • „ i il«gwb '» j M * » *.»flingWi. 3 j 1, Übung. »■.)»>= B. «* I. U M - IM . blofl. Mhlag IM ftriLbl* & ; - 1 Brbingungtn «.in Mllf unttc ) •btt 3 Tnffrf. 3-1Bin* , ««In S M imltc ! «btt 3ttfff«. H Ri»*« Übungen l.«Mt|IMafte< IHbri.m.», PoKoorntt»«. «taMMm. • tiattb.a«« > w• l|lb Reihenfolge unb 3aM»tt Bcjeidinung ber Sdiöffe 5*on- Bemerhungen u i.U j i f i i »diUi.tm.-ltn rkaa«: h btibtn «lall« kW« J Pol» C M m ". Pair3aW M- X I. Bemerhungen MÄ« «Wm • > p*1" " ” -‘"w * 1" Ut*. II. . 9 8 /S o to b . ____ Schuifchiffp- '• . Reihenfolge unb 3.Min tag bet Übung ; Beteidinung bet Sthüffe SihlMt b i 3t ////!!!■ fi»«» 1 6 10 Sthülfdiltflübuogtn Bebingungtn «.1» «Aufl ant« 6 ob« 3 T«n«. Sl Müs» ««in 5*0(1 unter t i»tt 3Tttfltt. nK -f, tag btr Übung Reihenfolge unb Johl 6« Be}cidinung ber öAüffe 4 -H.f =: Bemechungen flnmcrh.: Cönge bor Weinen Quaöcatfeite = 5 cm. Bel • *Rnfchufifitieibe -• .............. Bei C DdtujcnbuiiQ oon Stahlhütten -Ift bie mit einem ^weiten Ureis «i oerlehen, ber um 3 im gegenüber bembitliecigen QnrrfiuHhr.>ia «ttan II) [D 6<<Aaa«ihn, n.aivief.o jj| 56» SAU»Mol!» Situif! gtfalltn. «njslssn. 11, Jleidicii ous ö«r flnjeigcibedumg. Hnfth 16. Ergebnisse der Schießübungen mit dem Karabiner 98k in verschiedenen Anschlagarten, die hier an drei Tagen geschossen wurden. Die Schliffe finb mit folgenden Bezeichnungen einjutragen: 1—12 (bjio. I -241 treffet inntrhalb ber Ringe, + treffet außerhalb ber Ringt (befKing- und figurtingftfitiben). F: ttefftr in »er Tigur (bei figutftheiben ober In ben ?iqucenq«abraten beim £lnielfeuer mit bem i. m. e.). O fehler ober QutrfAläger, ber bit Sdieibe getroffen j 0nidit gefeuert (bei Übungen mit 3eitb»grenjung). 17. Belehrung über den richtigen Eintrag der Schießergebnisse auf dem hinteren Umschlag. Der genaue 5it| ben SAuffe» i|l butdi einen Punkt ju bejeirtinen. j, B.t +. 9- .9 6- ). Alte an tintm Sdiiefltage jut Erfüllung eintt Übung abgegebenen ödiüffe uierben auf tint £inie gefetjt. Dit SdiüfIt. mit benen bie Übung «füllt uiurbt, «erben unterftriditn. ; ! i 16 17 235
D okum ente Wehrmacht-Führerschein — lim S«f4| f s i dir D m i t •*» tti (Bn vr ir«brmüd)^übrer$ein 18. Ein weiteres Dokument, das man häufig antraf, war der Wehrmacht-Führerschein, der aber nur „für die Dauer des Dienstverhältnisses bei der Wehrmacht" gültig war. Er war auf grauem Leinenpapier gedruckt und enthielt die dienstlichen Angaben zur Person des Besitzers, die Führerscheinklasse(n) und ein Foto in Uniform. \ is t . 8 w lt © Hj 19. „Verkehr im Bild", eine Straßenverkehrsordnung für Militär-Kraftfahrer, das ö«s Se^wr«ässi§<n lü „Taschenbuch für den Kraftfahrer im Winter" aus dem lahr 1943 und ein Kraftfahrbewährungsabzeichen (hier in Bronze), das auf dem linken Unterärmel getragen wurde. 20. Diese Beispielseiten aus „Verkehr im Bild" zeigen unterschiedliche Armzeichen, Verkehrsregeln und -Zeichen. 21. Herausgeber des Handbuches war hier das OKH, das Oberkommando des Heeres. V e r k e h r s r e ic h e n ^ ’ 3. Nov. 1937 W a r n « * » c h « n (B.id i -'Q. ÄAÄ B«chr.nkter Els«nbahnüb«r9»"9 BlldS Unb.schrwkl.r Eis»nb»hnub«B»"fl Bi'at B » c h r .n k » r Bahnübergang Ji- v"* Rntfitu/iVüiiUteiO eitm.Watnxei<ficn bau fa U „ omro, no mvor tnomroi somvor w»mi«lch«n ^ -«f 236 «frpptaj
Der Infanterist des deutschen Heeres Schutzhülle 22. „Für unsere Soldaten" - derartige Schutzhüllen waren gewöhnlich ein Geschenk von Angehörigen und bei den Landsern recht beliebt. Dieses Exemplar aus festem Pergamentpapier verfügt außer dem Einsteckfach für das Soldbuch noch über ein Sichtfenster für ein Foto, einen Notizblock, eine Adressliste und einen Kalender. X D e u tsch e R e ic h sp o st PottidMck- und Poitspa'kauendienit fa ijto f ireiten l\eißh: doppelte*, fcuüfi! Raite bargeldlos mit 'po^eifcsäyeik 23 Innen im Stempel des Schreibwarenhändlers steht auch der Preis: 0,75 Reichsmark. b eq ue m und vorteilhaft Auskunft erteilen olle Postämter 24 Es wurden alle möglichen Drucksachen von den Soldaten als Notizblock „missbraucht", darunter auch die hier im Foto gezeigten. 237
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Orden und Auszeichnungen Bei den altägyptischen Pharaonen konnten es Halsketten oder Das ursprüngliche Eiserne Kreuz wareine Arbeit des preußischen Armreifen sein, in den Legionen des alten Rom reichte ihre Baumeisters Karl Friedrich Schinkel, welche auf dem ersten Entwurf Bandbreite vom Armreifen bis zur Krone. Seit jeher wurden unter­ des Königs beruhte und als Symbol für den Kampf um Freiheit schiedlichste Auszeichnungen als Belohnung für besonders tapfere gedacht war. Das mit Silber eingefasste, geschwärzte, gusseiserne Soldaten eingesetzt. Auch das 3. Reich folgte natürlich dieser Tatzenkreuz sollte ritterliche Pflichterfüllung symbolisieren. Es war Tradition. der erste europäische Kriegsverdienstorden, der nicht nur für Offiziere Orden und Ehrenzeichen stellten eine sichtbare Anerkennung für bestimmt war, sondern den auch einfache Soldaten für militärische über das Normalmaß hinausgehende Pflichterfüllung des B eliehenen Tapferkeit verliehen bekamen, ohne Ansehen von Stand und Rang. dar - sei er Zivilist oder Soldat. Für Anton waren seine Orden die Neben seiner schlichten, einfachen und fast modernen Form trug nach außen hin sichtbaren Beweise, dass er seine soldatische Pflicht genau dies viel zu seinem einzigartigen Ruf bei. mehr als erfüllt hatte. Sie sollten auch für die anderen ein Anreiz sein, es ihm gleichzutun im Kampf für „Volk, Führer und Vaterland!" Da das Eiserne Kreuz eine reine Kriegsauszeichnung ist, wurde es seit 1945 auch nicht mehr verliehen. Allerdings flammen in der Die Nazis stifteten und/oder erneuerten zwischen 1936 und 1945 BR D , gerade angesichts der zunehmenden Zahl der Auslandseinsätze zahlreiche Orden und Ehrenzeichen, die-anders all in vielen ande­ der Bundeswehr, immer wieder Diskussionen übereine Neu-Stiftung ren Armeen jener Zeit - zu allen Anzugarten ständig getragen wur­ dieses egalitären Ordens auf. Doch selbst wenn sich der Widerstand gegen seine Wiedereinführung als zu stark erweisen sollte, so den. Die Auszeichnung, welche für viele Menschen heute noch das Sinnbild des 3. Reiches darstellt, ist das Eiserne Kreuz. Es ist aber schmückt dieses Symbol der Tapferkeit auch weiterhin die Fahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge der Bundeswehr. beileibe keine Neuschöpfung der Nazis, sondern war bereits am 10. März 1813, während der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte, vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestiftet worden. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) und dann wieder im Jahr 1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, war das Eiserne Kreuz vom jeweiligen preußischen König neu gestif­ tet worden. Adolf Hitler folgte dieser Tradition, als er den Orden am 1. September 1939 erneuerte. Allerdings musste die Königskrone auf der Vorderseite dem Hakenkreuz weichen, dem Symbol der neuen Herrscher. © t fc r n c s $ r e u j 2. Älcrffe 1939 Fabrikneues Eisernes Kreuz 2. Klasse mitsamt Verleihungstüte und Ordensband. Es konnte auch in einem Etui ausgegeben werden, obwohl diese Praxis im Verlauf des Krieges zunehmend seltener wurde. Es wurden ungefähr 300.000 EK 1und 2,3 Millionen EK II verliehen, die meisten an Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS, aber auch an Angehörige der Polizei, des Reichsarbeitsdienstes (RAD), der Organisation Todt und der Technischen Nothilfe sowie an Soldaten der Verbündeten. .
Orden und Auszeichnungen 01. Eisernes Kreuz 2. Klasse mit dazugehöriger Verleihungstüte, in der es ausgegeben wurde. 02. Das Eiserne Kreuz hat die Form eines gleichschenkligen Tatzenkreuzes. Seine Abmessungen betragen 44 x 44 mm (womit es 4 mm kleiner ist als das Ritterkreuz). Beide Stufen wurden aus drei Einzelteilen zusammengesetzt, nämlich den beiden ausgeprägten Teilen des Rahmens und dem geschwärzten Kern. Dieser war gewöhnlich aus Eisen, es gibt aber auch welche aus nicht­ magnetischem Material. Der zweiteilige Rahmen ist gewöhnlich aus silberweiß glänzendem Neusilber gefertigt, einer Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel, die jedoch kein wirkliches Silber enthält. Neusilber dunkelt im Lauf der Zeit nach, n die Umrahmung wurde der Tragring bzw. das Nadelsystem angelötet und der Eisenkern eingefügt. Danach wurden die beiden Rahmenteile zusammengesetzt, verlötet, abgeschliffen und anschließend weiß gesiedet und poliert. Der Schlagstempel des Herstellers wurde entweder auf dem Ring eingeschlagen (bei der 2. Klasse), auf der Nadel oder auf der Rückseite; die '21' bei diesem Stück verweist auf die Gebr. Godet & Co., Berlin. Es sind über 160 dieser Herstellerzeichen bekannt, auch wenn es viele nicht gekennzeichnete EKs gibt. 03. Das auf diesen Fotos abgebildete Eiserne Kreuz 1. Klasse ist ebenfalls aus drei Einzelteilen zusammengesetzt, zu denen noch die Bestandteile des Nadelsystems kommen. Es wurde in einem mit schwarzem Lederimitat bezogenen Holzetui geliefert, dessen Oberseite ein silberner Kreuz-Aufdruck zierte. 240
Der Infanterist des deutschen Heeres 04. Innenleben eines mit Seriennummer und dem Herstellerkürzel ‘D & B' gekennzeichneten Etuis - Pappeinlage mit Stoffüberzug. ORDEN F r ie d r ic h Miniaturen _________ Frackketten Dekorationen Dienstauszeichnungen der NSDAP. S e d la t z e k der bekannte O rden-Spenalitt n u r F rie d rich str. 2 0 5 , E ck e M a u e rstr. — — B erlin S W 6 8 — K e in e F ilia le n Verlangen Sie kostenlos meinen Katalog 05. Typische Anzeige eines Ordensherstellers. 06. Die meisten EK I waren flach, doch einige Hersteller stellten leicht gewölbte Ausführungen her, wie das hier gezeigte Stück. 07. Das Kriegsverdienstkreuz wurde im Oktober 1939 gestiftet, fü r.... besondere Verdienste bei Einsatz unter feindlicher Waffeneinwirkung oder für besondere Verdienste in der militärischen Kriegführung" mit Schwertern, bzw ohne Schwerter für besondere Verdienste bei der Durchführung von sonstigen Kriegsaufgaben, bei denen ein Einsatz unter feindlicher Waffeneinwirkung nicht vorlag." Die 1. Klasse der Auszeichnung wurde an der Brust angesteckt, während bei der 2. Klasse (hier abgebildet) gewöhnlich nur das Band im Knopfloch getragen wurde. 241
O rden und A uszeichnungen 08. Die Medaille „Winterschlacht im Osten 1941/42" oder kurz: Ostmedaille. Sie wurde am 26. Mai 1942 a ls Anerkennung für Bewährung im Kampf gegen den bolschewistischen Feind und den russischen Winter innerhalb des Zeitraums vom 15. November 1941 bis 15. April 1942 ..." gestiftet. Im Landserdeutsch wurde sie auch als „Gefrierfleischorden" bezeichnet, da die Beliehenen in jenem Winter Temperaturen von bis zu - 50° C ertragen mussten. Die Medaille ist hier mit dem dazugehörigen Besitzzeugnis und Verleihungstüte zu sehen. IM N A M E N D E S F Ü H R E R S UND O BERSTEN BEFEH LSH A BERS DER W EHRM ACHT IST DEM S a n .ü b e r q e f r . W am il l i f u h 2b. 8. 13 Hl D IE M E D A IL L E W IN T E R S C H L A C H T IM O S T E N 1941/42 (O S T M E D A IL L E ) VERLIEHEN WORDEN. FC« U lE RICIITICKEIT Stabsarzt u. Chefarzt 09. Kleine Ordensschnalle. Von links nach rechts: Eisernes Kreuz 2. Klasse, Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern und Ostmedaille. 10. Diese Ordensschnallen wurden mittels Anstecknadel oberhalb der rechten Brusttasche festgesteckt. 10 11. 12. Rückansicht der drei Auszeichnungen. Man erkennt unterschiedliche Ausführungen: hohlgeprägt oder massiv, aus Buntmetall bzw. Feinzink. 242 Drei Beispiele für das InfanterieSturmabzeichen, das am 20. September 1939 gestiftet wurde. Es wurde an Soldaten verliehen, die „(...) an 3 Sturmangriffen (...) in vorderster Linie (...) mit der Waffe in der Hand einbrechend (...) an 3 verschiedenen Kampftagen beteiligt gewesen sind." Die Ausführung in Silber wurde an Schützen nicht motorisierter Infanteriedivisionen und Gebirgsjäger verliehen, die in Bronze dagegen an Angehörige von Infanterie-Regimentern (mot.), MG-, Infanteriegeschützund Panzerabwehr-Kompanien.
Der Infanterist des deutschen Heeres 13. Verwundetenabzeichen in Schwarz, gestiftet am 1. September 1939. Die hier gezeigte 1. Form des Abzeichens war hohlgeprägt (aus Messing- oder Eisenblech) und wurde anschließend schwarz lackiert. Die schwarze Stufe wurde für ein- und zweimalige Verwundungen oder Beschädigungen verliehen. 14. Rückansicht des Verwundetenabzeichens in Schwarz. 15. Verwundetenabzeichen in Silber. Ebenfalls meist aus Messing- oder Eisenblech, hier aber aus versilbertem Zink. Es wurde für drei- und viermalige Verwundungen oder Verletzungen verliehen. Für mehr als viermalige Verwundungen wurde das Verwundetenabzeichen in Gold verliehen. Es durfte nur die zuletzt verliehene Stufe getragen werden. 16. Rückansicht des Verwundetenabzeichens in Silber mit Herstellerzeichen. 17 17. Krimschild. Im Verlauf des Krieges wurde eine Reihe von Ärmelschildern gestiftet, mit denen jene Soldaten ausgezeichnet wurden, die ehrenvoll an bestimmten Feldzügen oder Kämpfen teilgenommen hatten. Diese Kampfabzeichen wurden aus Eisenblech bzw. Feinzink gefertigt und anschließend bronziert, vermessingt oder versilbert. Auf der Rückseite weisen sie mehrere Metallsplinte auf, die eine Stoffunterlage und die Gegenplatte festhalten. Diese Stoffunterlage wurde anschließend am linken Oberarm festgenäht. Neben dem hier abgebildeten Krimschild gab es auch noch Ärmelschilder, die an die Kämpfe um Narvik (1940), Cholm (1942), Demjansk (1942) und den Kubanbrückenkopf (1943) erinnerten. 18. Mehrere Stationen des deutschen VorkriegsExpansionismus wurden durch eigene Erinnerungsmedaillen gefeiert. Es waren dies der „Anschluss" Österreichs am 13. März 1938, der „Anschluss" Böhmen und Mährens und des Sudetenlandes am 1. Oktober desselben Jahres (siehe Foto) sowie die „Heimkehr" des Memellandes am 23. März 1939. Rechts: Eine Gedenkmedaille der spanischen „Blauen Division". Diese FreiwilligenEinheit war an der Ostfront eingesetzt. 243
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Gesundheit und Hygiene Während des gesamten 19. und 20. ]ahrhunderts wurden besonders bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen für die Menschheit gemacht. Einige von ihnen, wie das Penicillin (1928), hatten gewaltige positive Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dagegen veränderten sich andere, eigent­ lich positive Erfindungen wie etwa das Dynamit (1867) in eine Hölle der Zerstörung. Vielleicht ist der Krieg selbst in dieser Hinsicht das größte Paradoxon in seiner perfekten Vereinigung der schrecklichsten und gleichzeitig auch besten Erfindungen und Charakterzüge des Menschen, in einem enor­ men Strom aus Zerstörung und Rettung. Anton kämpfte, um nicht selbst getötet oder verwundet zu werden. Eine Verwundung wurde von Manchen als vorteilhaft angesehen, um der Hölle des Krieges zu entrinnen. Tatsächlich war sie in vielen Fällen ebenso schrecklich wie der Tod selbst oder sogar noch schlim­ mer. Im rationalen Denken der Preußischen Armee war der Soldat „das teuer­ ste Stück der Ausrüstung" und besonders schwierig und langwierig zu ersetzen. Die „Produktion" dieser wertvollen „Waffe" dauerte zwei Dekaden, während ein Gewehr beispielsweise in moderner Massenproduktion in wenigen Stunden und in großen Mengen hergestellt werden konnte. Daher stammt das Interesse der Wehrmacht und seines Hauptsanitätsparks, sich mit großem Aufwand und wissenschaftlicher Akribie dem einzelnen Infanteristen zu widmen und ihm die bestmöglichen Voraussetzungen zum Kampf mitzugeben. Wunden, auch kleinste Verletzungen, konnten häufig erst nach einer Verzögerung von Stunden oder sogar Tagen in nichtsteriler Umgebung ärztlich versorgt werden. Unter solchen Bedingungen bedeuteten bereits ein schlichter Verband oder etwas Sulfonamid-Pulver, so behelfsmäßig diese Behandlung auch sein moch­ te, möglicherweise den Unterschied zwischen Leben und Tod durch septischen Schock oder Ausbluten. Männer starben häufiger beim Verwundetentransport und durch mangelhafte Erstversorgung als direkt durch Kampfeinwirkung auf dem Schlachtfeld. Inmitten des Chaos an der Front waren Medikamente und Verbandszeug Mangelware und der Nachschub ein gefährliches Unterfangen. Überlebte ein verwundeter Soldat den Transport auf einer Trage aus dem Kampfraum, die Fahrt in einem Sanitätswagen und die weitere Reise in einem Eisenbahnzug zu einem rückwärtigen Lazarett, gab es für ihn Hoffnung auf Heilung und Wiederherstellung seiner Gesundheit, es sei denn, es traten Komplikationen oder weitere Verwundungen auf. Unser Protagonist Anton konnte wie viele Millionen anderer dieser schrecklichen und bedauerlichen Situation nicht ent­ kommen. Es war nicht nur das Ausharren in ungesunden Bunkern, sondern auch die ständigen Detonationen von Granaten aller Art und der Mangel an Hygiene, welche das Soldatsein noch erschwerten. Zusätzlich zu den Angriffen des Feindes und den Kampfhandlungen lebten die Soldaten auch in der Gesellschaft von Läusen, Flöhen, Fliegen und Ratten, welche eine „Zweite Einige Gegenstände zur Körperpflege des Soldaten. Front" von Ungeziefer bildeten und nicht selten schwerer zu besiegen waren als der militärische Gegner. Das Leben des einfachen deutschen Soldaten ("Landser” ) an der Front war extrem ungesund. Trotz der Tatsache, dass der Mangel an Hygiene auf den Propagandafotos der PK (Propagandakompanien) völlig übersehen wurde, welche den Landser häufig in sehr dekorativer Erscheinung während der Kämpfe zeigten, bleibt die Wahrheit bestehen, dass die Soldaten oft kein Wasser zur Körperpflege oder zum Waschen der Wäsche bekommen konnten. 1« Russland, wie an allen Fronten jenseits der Zivilisation zu jener Zeit, stand frisches Wasser selten in ausreichenden Mengen während der langen Märsche unter extremen Temperaturbedingungen durch Staub, Schlamm und Schnee zur Verfügung. Konnte Anton endlich etwas von dem kostbaren Element bekommen, war es häufig verschmutzt oder sogar gefroren. Als Konsequenz daraus mussten die Soldaten lange Zeitabschnitte ertragen, in denen es unmöglich oder sogar gefährlich war sich zu waschen. Gemäß den Wehrmachtsvorschriften hatten die Soldaten aber selber dafür Sorge zu tragen ihre Ausrüstung in Ordnung zu halten, dies beinhaltete auch sie selbst! Im Allgemeinen wurden Toilettenartikel in der Kantine gekauft oder von den Angehörigen in einem der sehnsüchtig erwarteten Pakete geschickt. Unter schwierigen Umständen konnten sie auch von der Armee selbst aus­ gegeben werden. So werden Armeen nicht nur durch Gewehrkugeln und Granaten dezimiert, sondern auch durch mangelhaftes Essen und Getränke, Parasiten oder einfach Erschöpfung. Es war besonders gefährlich, krank zu werden, da sich die Ärzte zuerst um die schweren Fälle der Verwundeten kümmern mussten und fast immer unter größtem Zeitdruck standen. Sie hatten nur wenig Zeit für Leichtverwundete und Kranke. Kranke Soldaten erhielten auch keine Orden, ja Krankheit wurde sogarfast als Schande betrachtet. Aus Scham verheimlichten kranke Soldaten nicht selten sogar die Symptome, bis ihre Gesundheit unwiederbringlich ange­ griffen war. Typhus und Cholera, welche das mittelalterliche Europa entvölkert hatten, schienen sich wieder zu erheben und einen neuen Siegeszug anzutreten. Es gab nie genug Insektizide, M osguitonetze, chemische Produkte und Wasseraufbereitungsmittel, um dieser Plagen in einer so lebensfeindlichen Umwelt Herr zu werden. Anton hat all dies am eigenem Leib gespürt oder hautnah bei seinen Kameraden miterlebt. Deshalb versuchte er sich so sauber und gesund wie möglich zu halten.
Gesundheit und Hygiene Gesundheit 01. Im Jahre 1879 gelang es dem Chemiker Felix Hoffman die Hauptbestandteile von Acetylsalicylic-Acid zu synthetisieren. Zwei Jahre später wurde eines der nützlichsten und beliebtesten Medikamente, nämlich das .Aspirin", von der Firma Bayer zum Patent angemeldet. Bayer wurde später ein Teil der I.G.-Farbenindustrie AG Leverkusen. Diese Firma begann mit der Produktion von Wäschefärbemitteln für die Textilindustrie im Jahre 1863 und entwickelte sich zum führenden Industriekomplex aller Produktionsstätten am Nieder-Rhein um 1924. Bis zum heutigen Tag hat sich das weltweit beliebte Aspirin, hergestellt aus dem Acetylsalicylic-Acid der Weidenrinde, nicht wesentlich verändert. Diese kleinen Schachteln beinhalteten 20 Tabletten und waren zum exklusiven Verkauf nur auf deutschem Territorium bestimmt. Wegen ihrer analgetischen und fiebersenkenden Wirkung wurden sie in großem Umfang von der Wehrmacht an die Truppe verteilt. Um extremer Erschöpfung und den daraus resultierenden Folgen vorzubeugen, hatte der "Landser" gewöhnlich einige dieser Pillen und Aufputschmittel wie das berühmte und bei der Wehrmacht sehr beliebte Pervitin in seinen Taschen. Einige dieser Medikamente und zwei Werbeannoncen aus der Presse, eine von Bayer und die andere für das bekannte Mittel Dextro-Energen. •lnV rrtim k Iw» int **«■ *“■ rtoaaM " R4" ' * ™ » ». »»im»m »Mm, „„ g#t,rTO" “*'*•***«a ®»n t,' ,r/ “ **" *"'»1 * n»™ «rateta.M » f* X'“ ' “*»* * » «■ M r n t t , *#*N eiM irT Ei m„ H s 2 T a b le t t « 1 l n lit t ' Ws ” , , , , , „ » 508 ' = ' * " “ . - mnnehmen teicm __ Anwendung zur Behandlung aller Hiutschidan, wie Brand-. Schnitt-. Quetsch-, Stich- und Schußwunden. Schürfung«". 0,' " <h“ ! ' n U Frostbeulen, zur Matsage t>«' Olfht. Rute*'**1* " " * “ n<* ® tundangm. Zerrungen um) Verjauchungen all Spezifik*«" bei Ulcus ci r Hautrelnffi T H IO SE P T -SE IF E Man verwendet diese Seife auch bei stark fettender Haut. d«ren typisches Kennzeichen das Auftreten von Pickeln. Pusteln und Mit­ essern Ist, ferner zur Reimgun* der Kopfhaut bei Neigung zur Schuppen- und SchlnncnblldUng und Kopf/ucken. Die milde Wirkung der Seife läßt sie ferner zur allgemeinen Haut­ pflege und ganz besonders zur Hege des Kleinkindes geeignet erscheinen. L I N G N E R -W E R KE D R E S D E N “ 246 ............ 02. Nicht standardmäßiges, privates Antiseptikum zur Wundbehandlung, ein anderes pharmazeutisches Erzeugnis, welches häufig zur privaten Ausstattung des Soldaten gehörte. Die Gebrauchsanleitung findet sich auf der Rückseite des Prospekts. * m
Der Infanterist des deutschen Heeres Hirr oftjsen: DeutschePackung Q Ausfuhr untersagt Einige typische ErsteHilfe-Antiseptika. Den Preis des Produkts Fissan kann man auf dem Deckel der Schachtel lesen. Preis rm f* - ' Wsm. Kinf Erz. ■Jn^snuminer Jahrzeoten reio5i ein?efii 04. Drei Beispiele für Fußpuder: eines von der zivilen Marke Vasenol und die beiden anderen ausgegeben von Organisationen der öffentlichen Gesundheit. Die militärischen Behörden waren besonders besorgt um den Zustand der Füße und Hände ihrer Soldaten. Deshalb waren solche Produkte unverzichtbar und wurden an alle Soldaten verteilt. (Vasenoloform - fetthalti9er Puder zur P«6 der Beachten Sie den Puderspender eines standardmäßigen Behälters und den Deckel mit dem Acronym HSP (Hauptsanitätspark). Füß« Spezielle Armee-Packung' von der Firma Vasenol. Rechts ein Zeitungsinserat für den berühmten Leipziger Betrieb. Vasenol Fass-Puder ^rnee-Packuf W e rk e D p . A rth u r Leipzig ituoö 247
Gesundheit und Hygiene 07. Tube mit Creme gegen Gefrierbrand für einen Soldaten, geliefert vom Wehrmacht-Sanitätspark. « c o ffh e U fo tb o 07 lOghrhc. tsfanitfitspach HI Berlin 08. Blechschachtel mit Tupfern für Hautentgiftung und Riechmittel (in Form von Brechampullen), ausgegeben vom Hauptsanitätspark. Tupfer für .ftaufenlgiftnng 1. ftamphM auf 6er Saat, au* Irtäi« abtupfen (ni<# Ber&ifdjoi). 2. Jür jtbe wrgiftete n e u e n ln p ftr nehmen. 3. Xupfer nad? ©tbraud? wmid?ten wrftbarrtn). 4. Vergiftete £autfltfle mit ^wutenfgiftun^mitttl b^n&ttn. Jtttdimiffe! (BrtdiampulUn) 2Jei Äflferu unb flodjenreij (burdj 23lau!mjjfam#offt| 1. 3W|re in ber Witte jcrbredjen, iJ er Wehrmacht' 09 09. Wehrmachts-Thermometer mit Metallhülse und roter Papphülse. 10. Injektionsnadel und -spritze. 11. Eine kleine Dose mit Brandsalbe. 12. Werbung für Hustenmittel. 11 13. Die Marke Hansaplast entwickelte die ersten Heftpflaster (LeukoplastSchnellverband), wie sie auch heute noch unverzichtbar sind. Hier sehen wir eine Schachtel mit Pflastern in verschiedenen Größen und eine zeitgenössische Werbung. | T'/wr e in 12 Zum Nochföllen sind d iePockunfl« Nr. 2664 1m ; *cm Sonit6t»fl«*d>ö^*n •rbäMkh, > - r W. - 9 0 u. in 4 pothekcH u. D rogerien 248 verbrannt, ober auch dos kann schon recht schmerzhaft sein; Darum noch Aufstreichen einer kühlenden Brand­ salbe die Verletzung durch „Hansoplost elastisch" sauber obschließen und vor schmerzender Berührung schützen. Sie erholten diesen Schnellverband in Apo­ theken, Drogerien und Somtätsgeschäften. Achten Sie auf den Nomen „Hantaplosl" denn „Hansoplost elastisch" ist querelostiwh, und darauf kommt es onl 13
Der Infanterist des deutschen Heeres 14. Verbandspäckchen, leder Soldat trug zwei dieser Verbandspäckchen am Mann (ein großes und ein kleines) in der Feldbluse, die dafür eine spezielle Tasche auf der Innenseite hatte. Sie besaßen eine Markierung mit dem lahr der Herstellung und eine Temperaturangabe für den Sterilisationsprozess (120° C). Normalerweise wurden sie in BaumwoilLeinwand verpackt, mit einer vulkanisierten Innenseite versehen und heiß versiegelt. Andere Päckchen wurden einfach in Segeltuch eingewickelt sowie mit einer gestempelten Anleitung auf der Innenseite versehen und mit Band eingebunden oder mit der Maschine an den Seiten eingenäht. 15. Erste-Hilfe-Tasche eines Sanitäters. Sie wurden wie normale Munitionstaschen getragen. Gewöhnlich trug der „Sani" zwei Taschen am Koppel, welche Verbandspäckchen, Arznei und medizinische Instrumente enthielten. Es gab sie auch in schwarzem Leder. 16. Innenseite der Sanitätstasche mit Inhaltsangabe. Hier ist die linke Tasche abgebildet.
Gesundheit und Hygiene 17. Mittel zur medizinischen Erstversorgung. Hier ein abgepacktes „kombiniertes Pressstück" 18. Lotionfläschchen mit Desinfektionsmittel für Hände und Körper. 19. Fahrzeug-Verbandskasten: hier befüllt mit Medikamenten, Verbandsmaterial, einer Abschnürbinde zur Versorgung von Schuss- und Splitterwunden in einer extra Tasche. Darunter verschiedene Sonden und Pinzetten um Kugeln oder Granatfragmente zu entfernen. 250
Der Infanterist des deutschen Heeres 20. Verbandskasten, wie er in vielen Kraftfahrzeugen und Panzern der Wehrmacht zu finden war. Diese Verbandskästen gab es auch aus einfachem Holz gefertigt. Die Bestandteile und ihre Anwendung sind auf einem Hinweisblatt im Inneren des Kastens beschrieben. Bandagen zur Behandlung von Finger- und Augenverletzungen. ^d'NaV'e 22. Die Malaria begleitet den Menschen nachweislich seit über 3.000 Jahren, doch erst in jüngster Zeit ist sie ernsthaft bekannt und erforscht. In früheren Zeiten glaubte man ihren Ursprung in einer sumpfigen, feuchten, schmutzigen und ungesunden Umgebung zu finden. Der Name der Krankheit kommt aus dem Italienischen „mararia" (schlechte Luft). 1895 brachte Sir Ronald Ross die Krankheit in Verbindung mit dem Stich der Mosquito-Anopheles (der Anopheles-Mücke), wofür er schließlich 1902 den Nobel-Preis erhielt. Zunächst bekämpfte man die Malaria mit Chinin, doch in ihrem langen Kampf gegen die Krankheit entwickelte die Firma Bayer ein wirksameres Medikament namens Mepacrin-Atebrin (1930 von Mietzsch und Mauss entdeckt) und vermarktete es seit 1932. Hier sehen wir eine Packung mit 1000 Einheiten, wie sie täglich an der Leningrad-Front verteilt wurde. Mückenschleier wurden ebenso im Kampf gegen die Malaria verwendet wie Insektizide. Das Bild zeigt ein Merkblatt zum Einlegen in das Soldbuch. Diese Blättchen wurden in gefährdeten Teilen Russlands an deutsche Soldaten verteilt. Sie geben Hinweise zur Einnahme von Medikamenten und Ratschläge zur Vorsorge gegen Mücken. Das Ziel war es, die Ausbreitung der Malaria einzudämmen oder zu verhindern. SW S M alaria-M erkblatt 23. ATEBRIN-Malariatabletten von Bayer Leverkusen Mückenschleier. Diese Netze waren sehr nützlich in den feuchtwarmen russischen Sommern, in denen Myriaden von Stechmücken und kleinen Blutsaugern über alle Lebewesen herfielen. Netze konnten auf wirksame Weise vor dem Stich von malariainfizierten Insekten schützen. Sie wurden praktisch während des gesamten Krieges nicht modifiziert und bestanden aus grün gefärbter Baumwolle. 251
Gesundheit und Hygiene 25 Diese Verwundetenzettel wurden in den VerwundetenSammelstellen an den verwundeten Soldaten befestigt, bevor man sie zu rückwärtigen Lazaretten transportierte. Ein Farb-Code gab Aufschluss über den Schweregrad der Verwundung und auf dem Pappanhänger wurden wichtige Informationen über den Verwundeten notiert, wie z. B. die Art der Verletzung und der Behandlung sowie bereits verabreichte Medikamente. ^ 7 / 8 -) 26. Ein Anhänger für einen Verwundeten. 27. Ein Anhänger für einen Gefallenen. 28. Ein Anhänger für Gasvergiftungen. Jr* V erw und ete u. «usdere chirurgisch zu Rchandctnde. NiAttreneportHhig m r l rote Stu fl— Timtuppftlfchif: ein rote: S kein roter Stnlfaj, ,ri Verletzung; Knochenwerietrung? Erhielt an starkwirkenden Arzneien Gebe tn&erUcfe? Zeit Einge»prtttt 7 Wundrtaxikrampiierum 1 s 27 28 B e gie itxe tte l "*« K ra n k e KdniplsiolluerHe Sonstige Hilfeleistung: 29. Ein Telegramm an Angehörige eines verwundeten Landsers, in welchem ihnen der Zustand des Patienten und der Schauplatz seiner Verwundung mitgeteilt wurde. Telegramme wurden auch versendet, wenn ein Soldat im Lazarett verstarb. Eine unbeliebte Aufgabe für das Sanitätspersonal und eine Nachricht, welche niemand erhalten mochte. Feldpost die Diciutsieüc Fcldpost-Nr.' n lth t o n stetk on d: g rün er Streifen Nichste Versorgung » w . ^ H l i c h (Art, Zeit) N am e : Dienstgrad: Truppenteil. Meldung über Lazarett A b g a n g (Verlegung, Entlassung z. Truppe u. Todesfälle) <DW|r«0 (V— «,1 Krankheit (latelnlsdil obgekürzt I) Ab«.«»« Besonders zu um H u f : Beginn der Krankheit: Körperwärme am.-! [ Morgen* Abends .) Um« (cli-Tr.-Tdl b) ZujUihU^; En.-Tr.- Wird ( s it ^ H ■gend) entsendet nach Ridphtz J i jMr b) Genaue Heimat•ntduift < •) el b) ett Nr. • Erhielt an ito rkw irkende n Arzneien: innerlich ? Gabe Zeit UtUub wurde eneili a) Urlaubun b) *00 | bl. f) wohin; b) Sei. wann m Ul.ßehandiunf *> ! .....j N ,imo ^ ^ ^ ^ z t e s D ie n si^ ^ ^ V eingcsprittfV T,ul’f l V Au^Vam 252 n’ichm 29
Der Infanterist des deutschen Heeres Typischer gestreifter Lazarettanzug aus Baumwolle. Herstellungsdatum und Herstellermarke verrät uns ein Etikett im Innern der lacke. Die Uniformen eingelieferter Verwundeter befanden sich in der Regel in einem desolaten Zustand, entweder durch Schmutz und Dreck, die Verwundung selbst oder die Erstversorgung durch Sanitäter, die nicht selten die Uniform auftrennen mussten. Deshalb wurden sie meistens vernichtet. Nach ihrer Genesung empfingen die Soldaten eine neue Uniform und Ausrüstung. ) Eine der größten Sorgen der Militärärzte aller Armeen zu allen Zeiten galt den Geschlechtskrankheiten. Vorbeugen sollte eine großzügige Gratisverteilung von Kondomen „zum Wohle des Soldaten", wie man der beiliegenden Gebrauchsanweisung entnehmen konnte. Diese enthielt auch Ratschläge zur Reinigung des Präservativs nach Gebrauch: eine gängige Praxis in der Deutschen Wehrmacht. Odilei und Vulkan waren zwei der Marken, welche die Armee offiziell mit ihren Produkten belieferten. Die hier gezeigten Exemplare wurden von Soldaten privat gekauft und hatten eine garantierte Haltbarkeitsdauer von drei bis fünf lahren. ttut für i»* » t u # * » « * " 0** benimmt. n a * e«»*au* fofctt 5« o « n '* Kn Militärische Version einer bekannten Marke von Präservativen. Auf der Rückseite besagt ein Aufdruck, dass die Produkte nur zum Gebrauch von Wehrmachtspersonal bestimmt sind und jeder gewerbliche Handel damit verboten ist. 3 JA H R E LAGERFÄH IG p a cV.unq DOPPELT G EP R Ü FT VULKAN SANEX Zur**< ,:8e*^w 253
Gesundheit und Hygiene Kämme hat man damals gewöhnlich aus Celluloid oder Aluminium hergestellt. Sie wurden von der Wehrmacht ausgegeben oder von Soldaten privat in Kantinen gekauft. Das Celluloid-Modell wurde von der Firma "Reingold-Kamm" produziert. Dieses Exemplar besitzt noch seine Originalverpackung. Ein solcher Kamm kostete etwa drei Pfennige. Aluminium-Kämme waren bei den Soldaten beliebter. Ein Detail eines Celluloid-Kamms zeigt eine goldene Aufschrift die besagt, dass dieses Stück Eigentum der Wehrmacht ist. Zwei Versionen von Feldspiegeln von zwei verschiedenen Produzenten. Es gab auch sandfarbene Versionen. Sie wurden meist nur in festen Quartieren benutzt, da sie leicht zerbrechlich waren. Kleine Spiegel wurden gelegentlich auch zum Signalisieren verwendet. Propaganda-Taschen-Spiegel „Vorsicht bei xxx. Feind hört mit! EIGENTUM DER W E H R M A C H T Feind hört mit! SOLIDQX Z A H N S E IF E Zahnbürstenbehälter aus Celluloid. Auch wenn es Zahnbürsten schon seit lahrhunderten gab, so waren sie doch zu Beginn des 20. lahrhunderts noch immer teure Gegenstände. Sie wurden oft aus Hirschhorn fabriziert und sollten lange halten. Die ersten preiswerten Exemplare erschienen in den 30er fahren und hatten einen langen Bürstenkopf wie ihre Vorgänger, ln den 40ern entwickelten Amerikaner das Patent „Dupont” und ersetzten Naturwerkstoffe durch Nylon. 254
Der Infanterist des deutschen Heeres 39. Behälter aus Celluloid oder Glas waren populär um Zahnbürsten sauber und geschützt zu verstauen. 40. Eine Zahnbürste der Marke "Kaliklora". Ein sehr verbreitetes Produkt aus Holz und natürlichen Borsten. Sie wurden von der Armee ausgegeben, waren aber auch käuflich in Kantinen zu erwerben. Sie trägt den Stempel "DRP" (Deutsches Reichspatent). 41. Zwei Beispiele für Nylonbürsten für den zivilen Markt. 42. Zahnpulver und Tablettenschachtel zusammen mit einer Militärzahnbürste, besetzt mit natürlichen Borsten. Nylon kam erst etwas später. Gebrauchsanweisung V c rb ro u d ia r " M al Deo Zohnselfenblodi o * be­ sten auf einen kleinen Teller, Glotvnienotz od. dgl. legen. Zahnbürste zwei- W* dreimol kräftig Ober den Blod strei­ ken und dann die Zähne diesem angenehm sdtmekkenden. schäumenden Zohnpulzminel in der gewohnte« An reinigen und pflegen. 118«» Erfahrungen, Beobachtungen und k l i n i s c h e Erkenntnisse boten die Mög­ lichkeit, die Putzwirkung des Präparates besonders stark zu erhöhen, Blutungen sowie pathologische Veränderungen des Zahnfleisches und damit die Lockerung der Zähne durch D E N T &'m> zu hemmen. Kein gutes Erwachen ohne abendliche Zahnpflege! Auch bei tä g lic h e r , sorg­ fältig betriebener Pflege der Zähne gehe wenigstens zweimal im Jahr zum Zahnarzt! N O V A - S IT T S G .m .b .H . DAHLEN i.Sc. «U l Verbraucher- 43. Rückseite der Schachtel mit Hinweis auf die Bestandteile und den Gesundheitseffekt des Inhalts. Solidox produzierte eine „Zahn-Seife“ in Form einer rosafarbenen Tablette aus Perborat. Andere Marken wie Dent oder Nivea verkauften ihr Produkt in Form von Pulver. 44. Tatsächlich wurden alle Artikel für das Militär von der Regierung überwacht. F 4. Co Füllgewicht: G ra m m Mai 1943 44 255
Gesundheit und Hygiene 45. Ein Behälter mit 70 Gramm Zahnpulver, welcher im Mai 1943 an die Armee geliefert wurde. 45 46. Zahncreme "ROSODONT", eine der bekanntesten Marken. H öchstp re is: 7 0 ü r a m in Mai 1943 47. Zeitgenössische Publikation der Firma "ROSODONT”. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man Zahnpasta in Tuben herzustellen. Zahnpasta war natürlich wesentlich praktischer, allerdings auch teurer. Während des Krieges gab man eine leere Tube beim Kauf einer neuen zurück, zum Zwecke der Wiederverwendung. Normalerweise preisten Aufdrucke auf den Tuben den „ungeheuren Vorteil" dieser Darreichungsform des Produkts an. Heute erscheinen dem Verwender einige Eigenschaften solcher Zahnpasten eher ungesund, wie im Fall der Marke Doramad, welche eine radioaktive (!) Komponente zur Bekämpfung von bakteriellem Zahnbelag enthielt. 47 Wat ist j Hot&j i sdu .“ WicUuuQ? 48 Z u cB e a e iU ü *^ .! 49. Im Gegensatz zu Doramad, empfahl sich eine andere Marke namens Peri mit einer so neutralen Substanz wie Eukalyptus. '« Putucw « ZaHn» oltnamtd M* ä«n fj! Dash i JL I m u m . (rU athitoty iMtUt a lt * / ..■ . ä».. Zk»# , - u h &fz 6 * U c ld u Z o U h u t W a a w t ■ 'f jC'f’ . UiMM<M*uuc dUVeiwleJfoerjätoe! 50. Odol produzierte eine der bekanntesten Mundspülungen dieser Ära. Das Bild zeigt ein Odolfläschchen aus Ton. Die Reklame gibt Aufschluss darüber, wie dieses noch heute bekannte Pflegemittel damals aussah. N a c h dem heutig«" ■ d e r W issenschaft i5 ^ v e r h in d e r t Gäruags- u n d F iu lQlSvorgänge im M un d e, Odol betei- peinlichen M u n d geru ch , Odol ®rfaicht und belebt, Odol wirk» V9rWugend gegen In fe k tio n e n ,*1»0 ^8*0 Schn u p fen , H a lssch m erte“ ^ppe und 50 ei*D ä h nliche Gefahren. — J e nac.h Getchmack — Spritzer Odol mit lauwarmem r' Man denMu«<*r«8e,‘ 'gmorg»,UB und abends, m»glich»t hjHt?®hd*mE,>en-In Zeit*“ er' % L ng8' und Grippe*«* »«nutze man Odol recht faänßg- Hi *u “" Li oQ n e 256 " *uch di' e r fr U c l.» » * ' «• «Mol bei Hitze, ‘«od b .iktlrp .rBckerE.m iiJi.o«'
Der Infanterist des deutschen Heeres 51. Auch wenn viele Militärangehörige traditionelle Rasiermesser verwendeten, war der Sicherheits-Rasierer eine revolutionäre Neuerung. Er funktionierte mit einer scharfen und auswechselbaren zweiseitigen Klinge, welche normalerweise nicht geschärft werden musste und war viel sicherer im Gebrauch, da er nicht so tiefe Schnitte verursachen konnte. Das erste Patent für so einen Rasierapparat reichte 1895 die Firma King Camp Gillette in den USA ein. Bald produzierte die Konkurrenz weltweit solche Apparate und auch die Firmen aus Solingen, bekannt für ihre scharfen Klingen, konnten der Herausforderung nicht widerstehen. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts tauchten viele Marken und Patente in dieser Gegend auf: Merkur, Fasan, Rogerit, Woolco, Rotbart, Apollo, Puma, Mulcuto, Olinda, etc. Hier sehen Sie den Mulcuto-Rasier-Apparat mit seiner Verpackung und der Gebrauchsanweisung sowie ein paar Klingen derselben Marke. 52. Eine Detailansicht der Verpackung weist die Patentnummer und den gestempelten Preis auf: RM 2.00 (Zwei Reichsmark). 53. Der Sicherheits-Rasier-Apparat Fasan war besonders beliebt wegen seines niedrigen Preises. 54. Regulärer Behälter aus lackierter Leinwand. Er enthielt den Rasierer aus Bakelit und Ersatzklingen. 55. Eine Ansicht der geschlossenen Schachtel. 55 56. Rotbart war ebenfalls eine damals gern gekaufte Marke. 57. Valentino-Klingen. Der Verkauf dieser Klingen sollte durch einen Hauch von Männlichkeit gefördert werden. Sie wurden in Solingen gefertigt. 257
Gesundheit und Hygiene 58. Dieses Werkzeug zum Schärfen von Klingen von "SIEGER" war in den schweren 30er und 40er lahren ein sehr nützliches Gerät, als Dinge wirklich bis zur totalen Abnutzung verwendet wurden. Für die Truppe waren Läden oder Kantinen zum Erwerb von Ersatzklingen nicht immer zu erreichen. Dieses kleine Werkzeug bestand aus Bakelit und passte leicht in jede Tasche oder den Brotbeutel. Eine Schnur betätigte ein internes, asymmetrisch rotierendes System. 59. Trotz der wachsenden Nachfrage nach Rasierapparaten wurde auch das gute alte Rasiermesser noch viel benutzt. Die Abbildung stellt ein Exemplar aus Solingen dar, gemeinsam mit seiner Box und zwei Gegenständen zum Schärfen der Klinge unterwegs: Stein und Leder. 60. Eine der größten Firmen welche die Wehrmacht mit Toilettenartikeln aus Aluminium belieferte war Fema in Ludwigsburg. Hier zeigen wir einige Behälter zur Aufbewahrung von Seife und Rasierpinseln. 61. Trockene Rasiercreme, hergestellt von "BIOLABOR" in Bremen zum Preis von fast einer Reichsmark. Für die damalige Zeit war es ein sehr modernes Produkt und besonders gut geeignet für die Verwendung im Felde. 62. Kleiner Behälter mit einer Höhe von etwa fünf Zentimetern der Firma Kaloderme in Baden. 63. Rasierpinsel in einem Bakelitbehälter, in welchem auch die Rasierseife Platz hatte. 64. Ordonanzmäßiger Rasierpinsel der Armee. B a s ie r 258
Der Infanterist des deutschen Heeres 65. Im Jahre 1911 wurde die berühmte „Nivea-Creme so weiß wie Schnee” (nach dem Lateinischen Nix-Nivis) geboren. Sie war eine Mixtur aus Wasser, Öl, Citric-Acid und einem neuen Bestandteil mit dem Namen „Eucerit", einem Emulgator, entwickelt von dem Chemiker Dr. Isaac Lifschütz. Mithilfe dieser Komponente war man in der Lage, Wasser und Öl zu einer haltbaren Pomade zu verbinden. Nivea war die erste verbreitete AftershaveLotion und wurde in großen Stückzahlen gegen Ende der 30er Jahre verkauft. Für die deutschen Soldaten war es besonders geeignet zur Pflege und zum Schutz von Gesicht und Händen bei extrem kaltem oder heißem Wetter. FÜR'HAUS UNP SPORT ' NIVEA ' VCREME’ Z y R H A U T PF LEG E 66. Nivea-Dose mit einem anderen Produkt derselben Marke, einem Zahnpulver. Dieses Pulver wurde von einer Tochterfirma in Riga produziert. Das Baltikum gehörte zu diesem Zeitpunkt zum Dritten Reich. 67. Eine weitere NiveaDose. Sie wurde aus ökonomischen Gründen aus minderwertigem Metall gefertigt. 68. Eine Zusammenstellung von Nivea-CremeDosen. Die Aluminiumdosen sind Vorkriegsware, die Stahlblechdosen sind Kriegsproduktion. Aluminium galt als strategisch wichtiges Material und wurde zu Beginn des Krieges rationiert. 69. Bakelitdose für eine Feuchtigkeitscreme. Diese Cremes wurden häufig benutzt, da Gesicht und Hände ständig den rauen Witterungsbedingungen ausgesetzt waren. Die Creme half Entzündungen vorzubeugen. 70. Die an die Truppe ausgegebene Seife kam allgemein in Stücken oder Riegeln. Die Seife wurde so geschnitten, dass sie in verschiedene Behälter passte. 71. Eine Detailansicht eines Seifenbehälters. Ein Stempel zeigt an, dass es sich um Wehrmachtseigentum handelt. 259
Gesundheit und Hygiene 72. Fünf Beispiele für Seifenbehälter. Solche Dosen gab es aus Bakelit, Celluloid und Aluminium. 73. Eine Auswahl an Seifen für die persönliche Körperhygiene. Das Design ist typisch für die 20er und 30er [ahre. 72 74. Seifenstück mit der Aufschrift RIF' für Reichsstelle für Industrielle Fettversorgung. Man konnte die Nummer einem bestimmten Produkt zuordnen. 75. Diese Nagelbürste wurde im besetzten belgischen Malmedy gefertigt. 76. Es war üblich, die Rückseiten von Behältern mit einem Datum zu versehen. Die Preise für Produkte des Grundbedarfs orientierten sich im nationalsozialistischen Deutschland an fest vorgegebenen Richtlinien. 77. Verschiedene Marken und Sorten von Waschmittel für Kleidung. Diese sind alle zivilen Ursprungs, da die Armee solche Artikel nicht ausgab. Trotzdem empfahl die Wehrmacht ihren Soldaten, das Waschen von Unterwäsche in einer Seifenlauge während der Nacht, falls die Situation dies erlaubte! H Jin d e r e in ig u n g s m itte l iersiellungsgenehmigung erieili durch tii unter Nr. 12/336 am 8. August 1941 M ä r k is c h * 221 °m 24.4 .4 2 N i + H - l .-1 l***tn v « r k a u h p re i,) 260 * * if UrOowerQ»hf S o if e r > - Ir » d v js tr ie W i t t e n
Der Infanterist des deutschen Heeres 78 Die Firma Henkel aus Düsseldorf brachte verschiedene Marken von Waschpulvern auf den deutschen Markt, wie z. B ATA und SIL. Der Packungsaufschrift ist zu entnehmen, dass der Kunde beim Kauf einer neuen Packung eine alte leere Verpackung zurückbringen möge. Vor und während des Krieges gab es strenge Vorschriften zur Wiederverwertung von Rohstoffen. 79. Waschanleitung und Empfehlungen sowie der Preis in Reichspfennig. 80. Normal-Paket reicht :ur Bereitung oon 80 Liter Wafdilöfung für Feinroäfche ln W erkshätten und B e trie b e n äst A T A b e so n d e rs b e w ä h r t; se lb s i hartnoC kigs Beschm utzungen au s ö l » F e t t u n d S c h m i e r lö st e s leich t und sc h o n e n d . Feinwaschmittel, welches besonders für das Waschen von Uniformen, W olle und Seide empfohlen wurde. K ie'n vericau fs- Waschmittel / Feinwäsche «0 » e-r Verbrcudierpreis 4 0 Mg. W olle, Seide, Zellwolle oder Kunstsei­ de, z. B. Strümpfe, Trikotogen, Stricksachen, feine Unterwasche, Kleider, Uniformen usw. Vtfkwrf bw g t g « tütkgab* einer leert« hxkw»g Id •rt « u•• 81. Zu den schlimmsten Plagen im Soldatenleben gehörten zweifellos Läuse. Als Waffe gegen diese Plage gab es Pulver, die man mit Wasser vermischt zum Waschen verwendete. Eines dieser Pulver trug den kuriosen Namen „Delicia" und enthielt vielerlei Erklärungen zum richtigen Gebrauch (hauptsächlich sollte man das Mittel in Wasser auflösen und die Wäsche trocknen lassen ohne sie zu sehr auszuwringen). Das Bild zeigt die Läuse-Schachtel mit Hinweisen auf beiden Seiten. 26 1
Gesundheit und Hygiene 82. Ein anderes Produkt gegen Parasiten hatte ebenfalls einen makaberen Namen: „Russland". Es funktionierte nach demselben Prinzip, war jedoch sparsamer im Gebrauch. Es wurde sorgfältig für das Heer abgepackt ("Heerespackung"). Zu den seltsamen Aspekten von Verpackungen chemischer Produkte damals wie heute gehört die fast obligatorische Unterschrift eines „Doktors" oder „Professors" auf der Schachtel, in diesem Fall „Morell". Wegen der Dringlichkeit des Läuseproblems gab es zu Kriegsende sogar Uniformen, welche man mit Anti-ParasitenMitteln getränkt hatte. Heute greift die US-Army diese Technik wieder auf! 83. Ein beinahe unverzichtbares Utensil für Soldaten war der Läusekamm aus Celluloid. 84. Die „Mica"-Dose. Solche privat beschafften Aluminiumbehälter für Toilettenartikel waren weit verbreitet bei der Truppe. Dieses Set verwahrte auf sichere Weise die persönliche Hygieneartikel eines Soldaten und passte genau in ein Kochgeschirr. Man konnte den Behälter auf zwei Seiten öffnen und so schneller an den gesuchten Gegenstand kommen. 86 . Eine Detailstudie des DeutschenReichs-Patents (DRP) für fremde Länder. Eine besondere Kuriosität ist das kleine Fragment eines Schrapnellsplitters auf der rechten Seite des Stückes. Eine „Mica"-Dose mit einem individuell gestalteten Inhalt zum Gebrauch im Felde. 262 to i " u 82
Der Infanterist des deutschen Heeres 88. Diese Behälter wurden von der Truppe zum Aufbewahren von Hygiene-Artikeln verwendet. Dieser hier könnte eine ReserveRation enthalten. 89. Ordonnanzmäßige Handtücher bestanden wegen der Baumwoll-Knappheit aus Leinen. Sie waren rechteckig, weiß oder weiß mit kreuzenden roten Streifen und besaßen zwei Schlaufen zum Anhängen. 90. Rekonstruktion eines typischen Kulturbeutels eines Infanteristen. 91. Ein anderes Beispiel eines Kulturbeutels und seines Inhaltes. 263
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Verpflegung Die Verpflegung - oder besser gesagt: der Hunger - war eine der Tages ab. Das Gewicht des Kommissbrotes - einem Vollkornbrot aus Hauptsorgen im Leben eines Soldaten. Trotz der unbestreitbaren takti­ Weizen und Roggen mit Sauerteig und Hefe (obwohl auch andere schen Vorteile bescherte der Blitzkrieg den deutschen Nachschubdiensten Getreidesorten vermahlen wurden und bei Mangel mitunter sogar eine Reihe ernsthafter Probleme. Die unterschiedlichen Versorgungsgüter Sägemehl zum Strecken verwendet wurde) - lag bei 1,5 kg. mussten über teils schlechte Straßen und Schienenwege, immer wieder Zum Mittagessen gab es die einzige warme Mahlzeit des Tages. Es unter Beschuss und bei jedem Wetter nach vorne gebracht werden. Die wurde versucht, aus den vorhandenen Lebensmitteln ein möglichst nahr­ Versorgung mit Munition hatte dabei natürlich absoluten Vorrang, haftes Essen zuzubereiten. Dazu gehörten u. a. Frischfleisch (von den gefolgt von Betriebsstoff, da ohne diese beiden ein moderner Krieg nicht Schlächtereikompanien) oder konserviertes Fleisch, Kartoffeln und möglich war. Wenn die Situation wirklich ernst war, musste die Gemüse, das oft genug als Eintopf unter die hungrigen Soldaten verteilt Verpflegung erst einmal warten. Für diese Fälle mussten sich die wurde. Wenn vorhanden gab es dazu noch Obst, Schokolade und Soldaten mit der Notverpflegung - als eiserne oder halb-eiserne Ration - Süßigkeiten. In ruhigeren Zeiten holten sich die Angehörigen der begnügen, bis die Feldküchen ihren Betrieb hinter der Front aufnehmen Kompanien zugweise ihren Schlag direkt bei der Feldküche ab, doch wenn konnten. Ein Teil der Verpflegung, vor allem die haltbaren Lebensmittel, die Männer im Kampfeinsatz waren, mussten Essenholer in speziellen, wurde aus der Heimat bzw. den besetzten Gebieten zu den Divisionen auf den Rücken geschnallten Kanistern das warme Essen und Kaffee befördert, doch Frischverpflegung, insbesondere Fleisch, Gemüse, Obst, nach vorne zu den Stellungen bringen. aber auch Mehl, wurde nach Möglichkeit direkt im Operationsgebiet Das Abendessen war gewöhnlich kalt. Dazu gab es Wurst, Käse, Fleisch- oder Fischkonserven, dann Butter oder Margarine und dazu durch die Verpflegungsämter angekauft oder beschlagnahmt. Das bei den Soldaten beliebteste „Geschütz" war ohne Zweifel die Kaffee, Tee oder Kakao. Dazu wurde ein Teil der Brotration verspeist. „Gulaschkanone", wie die Feldküche allgemein genannt wurde, die im Übrigens rückwärtigen Bereich der Kompanie, zu der sie gehörte, aufgebaut wurde. Kaltverpflegung für das Frühstück des nächsten Tages gefasst. Hier wurde die tägliche Warmverpflegung von den Feldköchen und dem wurde zusammen mit dem Abendessen auch die Die Qualität der Truppenverpflegung hing natürlich auch von den Kochkünsten der „Küchenbullen" und ihrer „Küchenfeen" ab sowie vom Hilfspersonal zubereitet. den Stationierungsort der Soldaten und von der Jahreszeit. An dieser Stelle Bäckereikompanien jeden Tag frisch gebacken wurde, Margarine oder sollte vielleicht erwähnt werden, dass es - anders als bei den meisten Butter, Marmelade oder Kunsthonig und etwas Dosenwurst sowie Kaffee Armeen des Zweiten Weltkrieges - bei der Wehrmacht und bei der Roten (im Verlauf des Krieges immer seltener aus Kaffeebohnen sondern v. a. Armee eine Einheitsverpflegung für Soldaten und Offiziere gab. Das Frühstück umfasste gewöhnlich Brot, das von Zichorien- oder Malzkaffee). Manchmal rundeten Speck oder Schinken Nichtsdestotrotz freute sich jeder Soldat an der Front, wenn das oder auch vor Ort gekaufte oder getauschte Eier die erste Mahlzeit des Einerlei der Kriegsverpflegung durch die Ankunft eines „Fresspaketes“ aus der Heimat unterbrochen wurde. Für mehr Abwechslung konnte man außerdem noch Marketenderware zu erschwinglichen Preisen kau­ fen, Konserven, Gewürze und Süßigkeiten, oder bei der einheimischen Bevölkerung sein kulinarisches Glück versuchen. Brotbeutel eines Frontkämpfers: Darin finden sich u. a. eine Packung Knäckebrot, eine Fettdose mit Butter oder Magarine, ein Esbitkocher und ein Briefchen mit Gewürzen, mit denen sich fix eine Suppe etwas aufpeppen ließ. 265
Verpflegung 01. Verschiedene Ausführungen der an die Soldaten ausgegebenen Löffel-Gabel-Kombination („Göffel"), die in dieser Form bereits im Ersten Weltkrieg verwendet wurde. Sie wurden aus Aluminium und aus rostfreiem Stahl gefertigt. Speisen, die mundgerecht zerkleinert werden mussten, wurden mit dem Taschenmesser zurechtgeschnitten, das jeder Soldat einstecken hatte. Neben dem hier gezeigten Modell gab es noch ein weiteres Essbesteck, welches aus Löffel, Gabel und Messer bestand, die in eine rechteckige Hülse gesteckt wurden. Die Hülse umfasste zusätzlich einen Dosen- und einen Flaschenöffner - sie wird heute noch von der Bundeswehr verwendet! Privat beschafftes Essbesteck mit Messer, Löffel und Dosenöffner, das wohl etwas mehr Komfort beim Essen versprach. 03. Überraschenderweise gab es in der Wehrmacht kein dienstlich geliefertes Taschenmesser, so dass dieses äußerst nützliche Werkzeug von den Landsern privat beschafft werden musste. Die meisten Exemplare hatten Griffschalen aus Holz, Celluloid oder Hirschhorn. 04. Taschenmesser waren in der damaligen Zeit wesentlich weiter verbreitet als heute und dem Kaufwilligen standen zahllose Hersteller und Modelle zur Auswahl. Besonders beliebt waren Ausführungen mit ein oder zwei Klingen einem Dosenöffner und einem Korkenzieher.
Der Infanterist des deutschen Heeres HAhMSMMR G0TTUE8 SOllNGtN-ftCHl 05. Unter der schier unüberschaubaren Vielzahl von Taschenmesser-Herstellern finden sich Namen wie A. Wingen Jr., Ruprix, Chistians, Omega, Grade, Romi, Hauptner, Kaufmann, Robert Klass, Aug. Müller & Söhne, Mercator und noch viele andere. Das linke Messer ist von lulanco, einer der zahlreichen Hersteller aus der der „Klingenstadt" Solingen. Es gehört zu den Modellen, die speziell auf die Bedürfnisse von Soldaten abgestimmt waren. 06. Taschenmesser waren ein gängiges Geschenk für Soldaten. Die Inschrift 'Kriegs-Weihnachten 1939' im Hirschhorngriff dieses Exemplars verrät, zu welcher Gelegenheit es verschenkt worden war. Auf der anderen Seite ist die Einheit des Besitzers eingraviert worden: '2./I.R. 61’ (2. Kompanie des Infanterie-Regiments 61; Friedensstandort München). Das Messer stammt von Gottlieb Hammesfahr, einem Solinger Hersteller der 1930er lahre. 07. Zwei weitere Taschenmesser von jowika aus Solingen und von Ehrreich. 267
Verpflegung 08. Der Esbit-Kocher musste privat beschafft werden. Mit dieser raffinierten kleinen Vorrichtung (kaum größer als eine Zigarettenpackung) ließ sich eine Portion Suppe oder Ähnliches in wenigen Minuten zubereiten. Der schwäbische Tüftler und Erfinder Erich Schumm hatte aber nicht nur diesen Kocher entwickelt, sondern auch die nach ihm benannten Brennstofftabletten (Erich Schumm Brennstoff In Tablettenform), die rauch- und geruchfrei verbrannten - ideal für den Fronteinsatz also. 09. Die Produktionsstätte des EsbitKochers lag während des Krieges in Stuttgart-West. Auf dem Foto ist der Kocher - hier das beliebteste Modell Nr. 9 - im geschlossenen, halb geöffneten und aufgeklappten Zustand zu sehen. Die Brennstoffpackung enthielt zu jener Zeit immer 20 einzelne, unverpackte Tabletten (Packungen aus der Nachkriegszeit hingegen enthielten sechs große Brennstofftabletten). 10. Ober- und Unterseite einer Brennstoffpackung mit Hinweisen auf weitere Modelle des Esbit-Kochers, etwa die einfacheren Modelle Nr. 3 und 18. 11. So kann man sich die Zubereitung eines kleinen Happens mittels Esbit vorstellen. 12. Es gab neben dem Esbit-Kocher natürlich noch andere Kleinkocher, welche etwas größer und wirkungsvoller waren. Zu den bekannteren Modellen gehörten die Benzinkocher Arara 37 und luwel 33, die beide nahezu baugleich waren. Sie basierten auf dem zivilen schwedischen Kocher Svea 123, der vor dem Krieg gerne zum Zelten mitgenommen wurde. Außerdem waren noch Gruppenkocher im Einsatz, auf denen sich nicht nur das Essen der ganzen Gruppe zubereiten ließ, sondern die sich auch zum Beheizen von Unterständen eigneten. Bestandteile des Kochers. Man beachte die Ermahnung 'Nur für Benzin'. 268
Der Infanterist des deutschen Heeres 14. Der Arara 37 im Einsatz, hier beim Erhitzen einer Fleischkonserve aus der „halb-eisernen Ration". 15. Blick auf Regulierspindel, Tank und Brennerkopf des Arara 37. 16. Ein weiteres unverzichtbares Werkzeug für den Soldaten: der Dosenöffner. Auf dem Bild sind zwei Ansichten des dienstlich ausgegebenen Musters zu sehen. 17. Solche Dosenöffner mit Schneiddorn, die es in den Kantinen zu kaufen gab, waren im Feld ebenfalls oft zu finden. Interessant ist es, dass die beiliegende Gebrauchsanleitung mehrsprachig verfasst war. 18. Die Fettbüchse diente zum Aufbewahren von Margarine, Butter oder Schmalz als Brotaufstrich. Auf dem Foto sind drei Exemplare aus Bakelit zu sehen, eine Margarinepackung und ein Fettstreicher. (Die weiße Dose ist eine Nachkriegsausführung, Anm. d. Ü.) 269
Verpflegung 19. Neben einem nagelneuen Essgeschirr steht eine Pappgussflasche mit dem bekannten Scheuerpulver „ATA", das seit 1920 auf dem deutschen Markt ist. Solche Reinigungsmittel nahm der Landser natürlich ins Feld nicht mit. 20 . Kleine Thermoskanne, die von Soldaten verschiedentlich genutzt wurde. 21 . Die zerlegte Thermoskanne mit ihren Bestandteilen. 22 . Blick auf den Deckel mit Herstellerbezeichnung. 23. Derartige extra Trinkbecher aus Aluminium (sie ähneln den Bechern auf den Feldflaschen) waren in den ersten Kriegsjahren noch recht weit verbreitet. Auf der Henkelseite sind das Herstellerzeichen und das Abnahmejahr eingeschlagen, auf der anderen Seite ist das Fassungsvermögen eingeprägt (1/4 1) und man erkennt zudem die recht grob eingeritzten Initialen des Soldaten. 24. Für den Fall, dass die Verpflegung nicht bis zu den kämpfenden Einheiten durchkommen sollte, gab es als Notverpflegung eiserne und halb-eiserne Rationen, die jedoch nur auf ausdrücklichen Befehl des Kommandeurs verzehrt werden durften. Die eiserne Ration bestand aus 250 g Zwieback, 200 g Fleischkonserven, 150 g Suppenkonserve und 20 g Kaffee und wurde gewöhnlich bei den Feldküchen oder dem Tross mitgeführt. Die halb-eiserne Ration umfasste nur den Zwieback und die Fleischkonserve und wurde im Gefechtsgepäck getragen. 2 70 19
Der Infanterist des deutschen Heeres 25. Die Stempel auf dieser Fleischkonserve verraten neben dem Fertigungsjahr (1942) auch die Losnummer (2206 6). Daneben ist hier die Stempelung 'ALU DIN 50' zu sehen - die Deutsche Industrie Norm (DIN) zur Normierung von Industriegütern wurde in Deutschland bereits 1917 eingeführt. 26. Zwei Büchsen mit Fleischkonserven, eine davon mit Büchsenöffner. Leider gab das Äußere der Büchse keinen Hinweis auf ihren tatsächlichen Inhalt, doch gewöhnlich enthielten sie Rind- oder Schweinefleisch, etwa Labskaus, Schinkenwurst, Pökelfleisch etc. 27. Ein weiteres Beispiel für eine WehrmachtFleischkonserve, die einen Teil der eisernen Ration ausmachte. 28. Fischkonserven gehörten zur Kaltverpflegung und machten einen wichtigen Teil der Feldration aus. Hier eine Dose mit Ölsardinen, die aus Norwegen oder Portugal stammen konnten. Auf der Unterseite ist ein ’B' eingeprägt. 29. Dose mit marinierten Heringen der Firma Katzner, die oft ausgegeben und sehr beliebt waren. Sie wurden gerne zum Abendessen gegessen. 30. Zwei Packungen Käse, darunter ein Camembert. Käse in der Verpflegung wurde zunehmend seltener, vielleicht mit Ausnahme des besetzten Frankreichs.
Verpflegung „Scho-ka-kola", auch „Flieger-Schokolade" genannt, war nicht nur als süße Zwischenmahlzeit beliebt, sondern dank eines Anteils von 0,2 % Koffein zudem auch noch „anregend und leistungssteigernd" (Eigenwerbung) und wurde daher oft kurz vor Einsätzen gegessen; damit ließ sich Müdigkeit gut bekämpfen. Hier eine Blechdose vom Schokoladenwerk Mauxion aus Thüringen, doch daneben gab es auch noch andere Hersteller. Auf den Dosen ist in der Mitte oft das Fertigungsjahr vermerkt Gegen Kriegsende wurde das Blech zusehends durch einfache Pappe ersetzt. 33. Etwa ab 1944 führte die Wehrmacht nach dem Vorbild USamerikanischer „K-Rations" ihre eigene Version der Einmannpackung unter der Bezeichnung „Nahkampfpäckchen" ein. Daraus stammt auch dieser Cellophanbeutel (Plastiktüten kamen nämlich erst 1953 auf) mit dem Aufdruck 'Zusatzverpflegung für Frontkämpfer im Infanterieverband'. Darin konnten diverse kleinere Energieriegel oder Ähnliches verpackt sein. 34. Heeresverpflegungssack aus dem Jahr 1944 für den Transport von Kartoffeln, Brot, Äpfeln, Getreide usw. 5 ° t th o rir 34 2 72 32. Die Schweizer Firma Maggi hatte schon seit Ende des 19. Jahrhunderts Fertigsuppen vertrieben, die sich innerhalb von 20 Minuten bereiten ließen. Hier nun zwei unterschiedliche Geschmacksrichtungen, jeweils für zwei Teller Suppe. Oben 'Reis mit Tomaten', noch aus der Vorkriegszeit, während die untere Packung eine Tomatensuppe aus Kriegszeiten ist. Solche Lebensmittel waren auch als Marketenderware zu bekommen.
Der Infanterist des deutschen Heeres 35. Nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was in den Kantinen an Lebens­ und Genussmitteln verkauft wurde: Suppen, Schokolade, Süßstoff, Nüsse, Gewürze. 36. Außer dem frischen Kommissbrot der Bäckereikompanien gab es noch weitere Brotarten für die Notverpflegung: Zwieback, Hartkeks oder Knäckebrot sowie Dauerbrot in der Dose. Auf dem Foto sind eine solche Dauerbrotdose und eine Zwiebackschachtel zu sehen, zusammen mit weiterem Zubehör. 37 37. Packung mit 125 g Knäckebrot. Der Aufdruck verrät das Jahr der Fertigung und die Tatsache, dass es von der Firma Batschaiter aus München für die Wehrmacht hergestellt wurde. 2 73
Verpflegung 38. Vorder- und Rückseite von „Heinis Knäckebrot", welches in PotsdamBabelsberg produziert wurde. ■ 38 KAM6BAD1 K E N N S T QU K N & C K E B R Q T ? J $ e t n lS > Q u t ä c k e S v o l I»«Vollkornbrot u. enthalt K«rp*r*wtii,3U«nsl« Q,unOMOtt*. •«»Ol* du nicht »*nl<ht«m knnn u. o»««. KnSckaom t «tih« K.5rpef und macht dich widerst»nd*f«hig gegen Krankholten! KnSckabrot vermindert d*» OurelgetUht und ßeht-t daher bet WSfschcn. Übungen und Kompfhandtur.-j*n In dein« T**Ch«. Knäckebrot bilde« «Ins wertvoll« Ergänzung ü« BÄCKEREI POTSDAM- BA6 EIS8 ERG D a r u m , K a m e r a d , 18 K n ä c k e b r o t ; v e r t e i l e 125 9 K n ä ck e b ro t k HM iesCrolM. e s g le ic h m ä ß ig 39. Zum Frischhalten ihrer Tagesration Kommissbrot legten sich viele Soldaten solche Brotdosen zu. Diese Dosen bestanden entweder aus Bakelit - wie hier - oder aus Aluminium. a u f a lle Tage, && IM Vorder- und Rückseiten zweier Gewürztütchen. Das Essen aus der Feldküche ließ sich mit verschiedenen Gewürzen nachträglich noch etwas aufpeppen. s*a rt« s D eutsch < Küd >iiVtu’rr,>'1 3 a r. Jt ä güa ram m e e n tie rt re in . — £ ■* /. ^ _ 6RGW Gebrauchsanweisung zu m I Beu’el B ocken u n d K o c h e n Napfkuchen. fe r n e r ] 111fiiu m n ) Gebrauchsanweisung zum Kochen. ^Beutel N^uthro-Douerhe^wird in louworrnem Ausreichend für 1 Kilo Mehl Pikante Sofie. ) 0 Mehl läßt man in 15g Fett etwas bräunen, ihr! gut durch und gießt die wie oben aufgeloste o(e dazu. Mon füll! mit etwos Wasjer oder Brühe uf, lööl gut durchkoeben und schmeckt die Soße onn mit etwo, Essig oder Rotwein, ein wenig Z u m Backen verwendbar b is 1. J u l i 1944 41. Ein Päckchen mit Eintopfgewürz. Ebenso wie mit den vorangegangenen Gewürzen wurde es genutzt, um selber schmackhafte Gerichte aus Zutaten zu bereiten, die man bei der einheimischen Bevölkerung gekauft oder eingetauscht hatte. 42. Ein Päckchen Trockenhefe, haltbar bis Juli 1944. Auf der Rückseite sind die Gebrauchsanweisung und ein paar Rezepte abgedruckt. 43. Diese speziellen Behälter für 5 Liter Trinkwasser wurden in den Feldküchen oft eingesetzt. Eine Kassette für Weinsäure, die sich auch zum Konservieren von Lebensmitteln eignet. Auf der Unterseite ist der Name der Berliner Herstellerfirma Bach & Riedel zu sehen. 274
Der Infanterist des deutschen Heeres F K I T Z «- K V ' Ein t (üitüjeJ'aMHiCuMcj 45. Auch als Buchtitel war „Die Gulaschkanone" präsent. Sie enthielt eine Mischung aus Schnurren und lustigen Anekdoten rund um die Feldküche. 46. 47. In zahlreichen Ländern Mitteleuropas hatte sich vor dem Krieg eine rege Kaffeekultur etabliert. Doch schon bald nach Ausbruch der Feindseligkeiten wurde die wertvolle Bohne rarer und rarer. Aus diesem Grund stellte man zunehmend Ersatzkaffee her, für den Zichorien, Malz und selbst Eicheln und Bucheckern herhalten mussten. 1. Recht fein und immer er»t kurz vor dem Aufguß mehlen. 2. Steh frisch«, einmal schnell zum Ko­ chen gebrachte« Wauer verwenden. 3. Nur Pofzellankonnen benutzen. 4. Etwa 8 Minuten ziehen lasten. 5. Kaffeegewüa in nur ganz kleinen Mengen betgeben. 6. Beste Vollmilch oder Sahne ver- F. P. W E 1D A C H E R K A F fE E - K O S T E R E l P R IE N A / C H IE M S E E 47 Q u ie ta Grün Kaffee-Ersatz-Mischung (vor allem mit Zichorien) der Firma Quieta. 48. Kaffee wurde zu einem Luxusgut, das immer weniger Deutschen vergönnt war. Immerhin gab es ihn bei der Wehrmacht noch länger, als für den gewöhnlichen „Volksgenossen". Wie bereite ich Kaffee? 46 Kaffee-Ersatz =M ischung= 49. Tragbare Kaffeemühle aus Bakelit - ein unerlässliches Gerät für einen anständigen Kaffee im Feld. 50. Hier ist alles versammelt, was der Landser brauchte, um sich im Feld einen anständigen Kaffee zu brühen. 51. Typische Werbung für Flaschenmilch, die in vielen zeitgenössischen Zeitungen zu finden war. 51 Wehrmacht* Packung Sa tte m ulch / Y oghurt Butter / K ä se 2 75
Verpflegung 52 52. Dieses Päckchen mit Pfefferminztee wurde 1943 unter der deutschen Besatzung in Prag hergestellt. Die Beschreibung auf der Rückseite ist deutsch und tschechisch gehalten, der Preis betrug RM 0,25. B r ü d e r fl'Mn P r a g X1L 53. Teebeutel mit „Deutschem" Tee - wo der wohl wuchs? /PFEFFERMIMZE 54. 10-Gramm-Beutel mit Süßstoff, der für die Wehrmacht gefertigt wurde. W d 54 IO 9 M ÄTA PEPR N Ä Kristall- SfiffTBl R ihoue Pu bh b X«. SÜßstoff 55 S a c c h a r in i W e h rm a c h ts- I Packung 2 2 2 3 g Km *o H -S ä ß s» o if e flisp re d M M d e « Svövuert v o n 1 k g Z « d e r.- Mithin bot d e r lith oü d ie s e r P o d w g d fe Se ftkrafl von 4 5 k g 2 * d * r VEREINIGTE CHEMISCHE FABRIKEN W IE N F lO R iD S D O R F MtaHser, R O . KAR GtASS W ien, 141.. Sekxnlion Kohtgotse 3-9 56 S."* '»im- 1 T a b le tt* entspricht d e r S ü ß ­ k ra ft v o n 250§[ Z u c k er HO» Ifie n e h ^ ig i« In t o n c s p c d o n j Vertriebsstelle: Deutsche Süßstoff- 6es.m b.H Berlin W35 8!KL*2Sr55. % K ° 2 s t o " ~ e ° * Dieser Süßstoff wurde von der Deutschen SüßstoffGesellschaft in Berlin produziert, die einer der wichtigsten Saccharin-Hersteller im Reich war. Die 20 Tabletten in der Dose entsprachen gut 5 kg Weißzucker. 56. Auf der Rückseite der Dose ist u. a. der Hersteller angegeben. Man beachte den zusätzlichen Stempel. 57. 58. Auch Zucker war im Reichsgebiet ab 1939 rationiert. Um die zivile und militärische Nachfrage nach Süßstoffen zu befriedigen, setzte man verstärkt auf synthetisch hergestellte Ersatzstoffe für Zucker, vorrangig das bereits 1885 auf dem Markt erschienene Saccharin. Hier ist eine Packung mit 100 Saccharin-Tabletten abgebildet, die für das Reichsgebiet bestimmt war. Der streichholzschachtelgroße Süßstoff-Behälter hat hier in einem Zuckerdöschen Platz gefunden. 2 76 Der Beipackzettel enthält verschiedene Information, darunter auch, wie viel Geld sich durch den Einsatz von Süßstoff gegenüber „echtem" Zucker sparen ließ.
Der Infanterist des deutschen Heeres 59. Bier erfreut sich seit jeher großer Beliebtheit in Deutschland - natürlich auch unter den Landsern. Hier nun einige zeitgenössische Werbeanzeigen, darunter auch eine für Malzbier. 60. Zwei Bierflaschen, die so auch an die Wehrmacht geliefert wurden, einmal mit Kronkorken und mit Bügelverschluss (mit einem Porzellanzapfen). 61. Biermarke einer Brauerei aus der pommerschen Stadt Thorn. 62. Man kann hier Füllmenge, Brauerei und Abfüllungsjahr (1940) erkennen. 63. 1930 wurde im Deutschen Reich mit dem Vertrieb von Coca-Cola begonnen, dem US-Erfrischungsgetränk schlechthin. Während der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin zählte die Firma zu den drei Getränkeherstellern, die als offizielle Sponsoren auftraten. Tatsächlich wurde Coca-Cola im Reichsgebiet zusehends beliebter, nicht zuletzt weil Max Keith, der deutsche Geschäftsführer der CocaCola GmbH, mit den NS-Machthabern recht eng zusammenarbeitete. Als es nach Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Deutschland und den USA immer schwieriger wurde, die für die Herstellung der Brause notwendigen Rohstoffe zu bekommen, beschloss Keith, anstelle Cola ein deutsches Erfrischungsgetränk auf den Markt zu bringen, nicht zuletzt um seine Firma am Leben zu erhalten. Dieses neue, auf Molkebasis hergestellte Getränk wurde anfangs noch mit Saccharin gesüßt, später dann mit Zuckerrübensirup. Es wurde auf den Namen „Fanta" getauft, abgeleitet von dem Wort „Fantasie". Bis 1943 waren mehr als drei Millionen Kisten davon verkauft worden. Flaschen für die beliebten Erfrischungsgetränke Coca-Cola und Fanta. Die erste Flasche links entspricht den amerikanischen Cola-Flaschen der 30er lahre. Die beiden folgenden Flaschen sind deutsche Coca-Cola-Flaschen aus der Zeit des Dritten Reiches (links ein Vorkriegsmodell des lahres 1937, daneben eine von 1940). Beide Flaschen tragen die Aufschrift 'Schutzmarke' und die von 1940 zusätzlich noch Brauselimonade mit nat. Frucht- und Kräuteraroma - Koffeinhaltig'. Die vorderste Flasche enthielt einmal Fanta. 64. Auf den Flaschenböden sind die Herstellernamen, Produktionsjahre und Füllmengen angegeben. Von links nach rechts: Fanta (MG, 1940, 0,25 1.), Coca-Cola (F, 1940, 0,20 1) und Coca-Cola (RUHRGLAS, 1937, 0,20 1). Gegen Ende des Krieges waren diese Firmen auch an der Produktion der Glasmine 43 beteiligt. 65. Fanta-Werbung aus den 40er lahren. 277

Propaganda-Medien Die grundlegende Bedeutung der Propaganda bei der Vermittlung Hä!/te kostete. Im JaAr 1939 gab es gut 12 Millionen Hörer im Reich, ihrer Weltanschauung war den Nationalsozialisten von Anfang an womit das von Goebbels angestrebte Ziel nahezu erreicht war. Das war bewusst. Schon vor 1933 hatten sie erkannt, wie sehr sich vor allem der dem niedrigen Preis der diversen Volksempfänger-Modelle ebenso zu ver­ Rundfunk eignete, um in dieser Richtung auf das Volk einzuwirken und danken wie dem Erlass der Rundfunkgebühren und einer massiven die Masse« zu begeistern. Aus diesem Grund arbeitete Joseph Goebbels Bewerbung von Radiogeräten. Das frühere Luxusgut war zu einem später darauf hin, dass möglichst bald in jedem deutschen Haushalt ein Alltagsgegenstand geworden. Allerdings war der Erwerb und Betrieb eines Rundfunkgerätes, wie Rundfunkgerät stehen sollte. Schon kurz nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 schon in der Weimarer Republik, an eine amtliche Genehmigung gebun­ wurde die bisherige Senderlandschaft „gleichgeschaltet" und der den. Damit sollte auch gewährleistet werden, dass niemand unerwünsch­ des Reichsministers für te Sender hörte. Dennoch konnten die damaligen Machthaber nicht Volksaufklärung und Propaganda Goebbels gestellt. Damit wurde ein verhindern, dass zahlreiche Menschen während des Krieges heimlich Rundfunk selber unter die Führung neues Kapitel in der Propaganda aufgeschlagen! Bereits ab April 1933 „Feindsender" abhörten (was seit September 1939 förmlich unter Strafe strahlte der Deutschlandsender zunächst täglich, später dann nur noch gestellt wurde), allen voran die britische BBC. Dies war jedoch nicht mit wöchentlich die „Stunde der Nation" aus, in der zwischen 19.00 bis den billigen Volksempfängern, sondern nur mit leistungsfähigen und 20.00 Uhr die nationalsozialistische Sicht der Dinge verbreitet wurde. teuren Geräten möglich, welche auch Kurzwelle empfangen konnten. Auf der 10. Großen Deutschen Funk-Ausstellung in Berlin im Während des Krieges sollte der Rundfunk die Bevölkerung von der August 1933 wurde der Volksempfänger 301 (diese Modellbezeichnung Schwere und den Anstrengungen des Alltags ablenken und durch leich­ warein Verweis auf den 30.1., den „Tag der Machtergreifung") erstmals te und gefällige Unterhaltung ein Gegengewicht zu den harten der Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits am ersten Tag wurden fast 100.000 Anforderungen jener Zeit bieten. Geräte verkauft, zu einem Preis von 76,- Reichsmark. Diesem Modell Doch natürlich blieb die Propaganda nicht auf dieses Medium folgte 1938 der kompaktere Deutsche Kleinempfänger - im Volksmund beschränkt, sondern erstreckte sich genauso auf sämtliche Printmedien, „Goebbels-Schnauze“ genannt -, welcher mit 35,- R M weniger als die mit denen entweder die eigene Bevölkerung erreicht werden sollte oder das befreundete Ausland. Außerdem sollte in diesem Zusammenhang der Film zumindest noch erwähnt werden ... ^ D S 4 IE R E C H N U N r Die nationalsozialistische Propaganda wurde mittels Rundfunk, dem Medium Film und unzähligen Druckerzeugnissen unter die Bevölkerung und die Armee R E ° E R e g eh t " i c h ' .... N IC H T A U F „ c A D O l* H IT L E R S r e tc n, c anderes Jf*"«»Wu»,„ gebracht. Auf dem Foto ist eines der Volksempfänger-Modelle zu sehen sowie ein Abdruck der Rede, die Hitler 1940 zum „Tag der Machtergreifung" im Berliner Sportpalast hielt und eine Ausgabe der Wochenzeitung „Das Reich" vom 12. April 1942. 2 79
Propaganda-M edien 01. Der Deutsche Kleinempfänger 38 war recht einfach aufgebaut, aber dennoch ungemein leistungsfähig. Dies lag maßgeblich an der technisch hohen Qualität seiner Einzelteile. 02. 02 xqfliiiq unitf Ben BBlcBtlcftcnftcn griwqmum unb folanqc frif PkMihr an yofltaffc cniridtiti i|l etommhartc 9Tr.:. : W all: A r. 35 ;Run Df unhgenel)!tiic)ung Um überhaupt ein Rundfunkgerät aufstellen und betreiben zu dürfen, war eine solche Synn li'tr »SS faiGkm |tVtaf| - i„ ---------------- ---------- ..............................« g i » r hiß? trirb hiermit um« beit iMdtflrfttnba« Qtbinflunftcn b it W d ic b m if liin fl j u r l i r r i d i i u fcit'if jum »< eirieb e in e r t t u n fc fu u frm p ffln flS .a n lu fle ober ju m an eine S f u n iif u iif t m p f a n f l S f l^ a g t erfcitt 11«) 'Dir iWnnfrfuHffltbiWir ift für ' " V ’. l . mit * • J t . H erstmalig tnmduet ; bir lceileren Gebühren iifbl bie nM u i1 , g af, (j,,f?!inra Sorgfältig auf.yibcroal)rcn! D e u t f d j e 3 t e id )s p o ft Öa$Ht)l auf 6ir «(ocftiniijiinij mir fdiriftiid) unö fpäteflcn* bi* «um Ic eine* «alewi*rrftonal» für i*n 6«bluft iw JHwial* julaffi«. iirhnnbr na* Ablauf £>er Menet)miguna «n öte äufteUpoftanflall jiirüdnuactKii (Oet. § 4, 12,1« u»P H* btt nadintlwnt™ 1VNb.job(hii| I "tiAlpitrrfinit'C» ift ni ftmdun. « e ö i n g u n g e n f ü r Die ( S r r i d j t u n g fo r o ie D e n « B e trie b v o n iR u n D f u n i ie m p f a n q s a n l a g e n b) fcft SlnfAIo^ an He jidjgf tintr anb*t«n ^'rhmin3«Jm«in. ©it «mrtmijHnj i-ttfrf'iijt tea Jinbaltt (NunbfaafttilartnMri Mafi; jm ftnidjhmj fc-icit jam iVirub riMi «n*ia*n (5mi>fana*anla$(. Cr batf r) tu Snid)Is<j an «im SWunbfunftennitthuigJMiUjje (§ 3 Sti. 3). (4t ftin» iSnipfaniii'anl.ijf nitnn tlnlfaatn nnb iSiNtilun^n tiü*Kn; | 3. 5>oShinMunfl«liKiun« tari aaftintCml'fant<»anIafwßÄtromd)tungtu aud' ift ihm ilftorul, mthmr Cincfon;(«a|>!Jataif ft* fdbft b<i:uüt!!<n rt*r <anjsifd>ufffn; jtbc* bürfcn aef iSrnnb find '"fnthinijuna mnnalo mrttf« fär fcif niit ihn in »cfcnor^äjtmnoidjafl UUv, anftMiei«, «n* fimpimgoJptMiatc j t<tri(bm iBtrbtn. xeian bitft jrfb« (int «fciubimgung ni<bl btjifcm. ©as Sirfdilicjen Mn $i«< »nidilunjcn für <p<:f«UH *:n« anb<t«n ilklmumiijumrmiAaf' ift ihm i 2. 'S!4 (SmpfaiigSanlasen .«!»« a| all( Ciarirfiiun^tn, mit bc.nn tu Tc-a rincni !Siinbfun(!>nt<i jo»^c nur «tftaSifi, m a nrinbfjioie rint 'Tkrion ta anbtun '»cJinnna»gnnimirtiaft tim Sunfiuntonw^nujunj jüt t*n lut. 2»t ftraMlcn tMloi unmnirtfcai aaf^nemmen w«rb«a Icaarii; 11 Oti.SS) 280 A C278» Mo A4
Der Infanterist des deutschen Heeres 03. „Wahrheiten und Siege der Alliierten?" lautet der ironische Titel dieser deutschen Propagandabroschüre. Auf ihren Seiten sind Auszüge aus ausländischen Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt, welche der deutschen Sichtweise gegenübergestellt und entsprechend „widerlegt" wurden. Die Autoren schrecken selbst vor der „Richtigstellung" von Karikaturen nicht zurück. 04. Das Thema wird mit einem Churchill-Zitat auf der ersten Seite eingeleitet. lind Chunibcriain Und so kehrten sic heim: „H itler hat den Autobus verpaßt“ 05. In diesem Bild sind mehrere Dienstvorschriften und Ausbildungsanleitungen zu sehen, welche bei der Wehrmacht Verwendung fanden. Die meisten davon mussten privat beschafft werden und unterschieden sich nicht besonders von den heute bei der Bundeswehr verwendeten Schriften. Der hier gezeigte „Reibert" enthielt allerdings einen mit „Vaterländischer Teil" überschriebenen Abschnitt, welcher den Soldaten auf 20 Seiten die deutsche Geschichte aus Sicht der NSDAP nahe brachte und also auch den Tatbestand der Propaganda erfüllte. A lc n fc Untemdjt Im iyjtcc 6« j3dlUtvCU?QtTSpOTUt Bet Rntnliincc öS t. unö ferne fjonOhobunB 281
Propaganda-M edien •W H O U SC H SS fc lö g e f a n q b Obwohl das NS-Regime selber eher säkular ausgerichtet war, gab es in der Wehrmacht weiterhin Militärgeistliche, die den Soldaten der beiden christlichen Glaubensrichtungen seelsorgerisch zur Seite standen. Man war sich der Rolle der Religion als emotionale und moralische Stütze für die Wehrmachtangehörigen durchaus bewusst. Auf dem Bild sind das evangelische (links) und das katholische (rechts) Feldgesangsbuch zu sehen. Im Innern der katholischen Ausgabe ist zu sehen, dass sie vom obersten katholischen Heeresgeistlichen abgesegnet war. ' Bit eentfjmigung öto SaHiolitdien jtlübitdjofo ötr Dom 24. Auguft 1939. Es gab im Dritten Reich etliche Soldatenzeitungen und Propagandazeitschriften, in denen die Erfolge der Wehrmacht hervorgehoben wurden, die aber auch unterhalten sollten. Einen besonderen Platz nimmt dabei die Illustrierte Zeitschrift „Signal" ein, welche zu den erfolgreichsten NSPresseerzeugnissen gehörte. Allerdings war sie ausschließlich für das deutsch besetzte bzw. verbündete Ausland bestimmt, wo sie für den anti-bolschewistischen Kampf unter deutscher Führung werben sollte. Dieser Artikel aus der Wochenzeitung „Das Reich" über die Feindfahrt eines deutschen U-Bootes vor der US-Küste stammt aus der Feder des damaligen PK-Mannes LotharGünther Buchheim. Nach dem Krieg schrieb er über seine Erlebnisse an Bord das Buch „Das Boot", welches 1981 unter dem gleichnamigen Titel in die Kinos kam. 282
Der Infanterist des deutschen Heeres 10. Zwei kleine Kalenderchen für die Jahre 1941 und 1943. Sie waren auch unter den Soldaten ziemlich verbreitet. Auf den Rückseiten finden sich sinnige Zitate „großer Staatsmänner", Musiker, Dichter und Denker, Philosophen usw. abgedruckt. «ta 11. Neben der deutschen Propaganda gab es natürlich die feindliche Propaganda, vor allem in Form von Flugblättern, die über dem Reichsgebiet oder den deutschen Stellungen abgeworfen wurden. Letztere forderten die Landser gewöhnlich auf, den nach Ansicht der Alliierten sinnlosen Kampf aufzugeben, nicht zuletzt um die totale Zerstörung der Heimat und den Tod von Angehörigen zu verhindern. Einige dieser Flugblätter trugen die Unterschriften alliierter Befehlshaber und fungierten gleichzeitig als Passierscheine. Flugblätter wurden aus Flugzeugen abgeworfen oder mit speziellen Artilleriegeschossen in die feindlichen Städte und Stellungen gebracht. Hier sind die Vorder- und Rückseiten von zwei solchen Flugblättern abgebildet. Das Erste, mit der Überschrift „Das ist das Ende", dient gleichzeitig als Passierschein. Das zweite Exemplar versucht bei den Landsern Zweifel an der NSFührung zu wecken. FREITAG 10 12. Das Zerknittern des Papiers für alliierte Propaganda-Flugblätter sollte bewirken, dass sich die einzelnen Blätter nach dem Abwerfen schneller voneinander trennten. ' 13. Passierschein der Westalliierten, mit dem deutsche Soldaten zum Desertieren aufgefordert wurden. Dieses wie ein Wertpapier gestaltete und mit der Unterschrift des US-Generals Eisenhowers (Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Nordwesteuropa) versehene Flugblatt sichert dem Überläufer gute Behandlung und Verpflegung zu. Auf der Rückseite sind einige „Grundsätze des Kriegsgefangenenrechts" abgedruckt. WER HAT DAS SCHLACHTEN GEWOLLT? d asg x a& f AllllorlM» u«i MM..I.I D« OER DEUTSCHE LANDSER. \ I uH® n" ici' <’ Um bei G e fa n g e n n a h m e t e rn a t io n a le n R o t e n K r e u z e s in G e n i z u g e w ä h rle is te n , ist n a c h s t e h e n d e r F r a g e b o g e n g e n a u s t e n s a u sz u t ü lle n ^ u n d u n t e r s c h r ie b e n b e i G e f a n g e n n a h ­ m e abzugeben. ™ D E U T L IC H .o*d«. sc h n e llste B e n a c h r ic h t ig u n g d e r A n g e h ö r i g e n d u r c h d a s In f o r m a t io n s b ü r o d e s In ­ 11 Oder DER NATIONALSOZIALISMUS, ^ \ y*i 9 S C H R E IB E N P A S S IE R S C H E IN ceftuRtci u» ■urtimt.iTvr OU WWtST WIE (IN SCXDAT BtHANOeiT «JNO UBfcNO UNO GISUND HJ OEM DtlNtH ZURUtCKUHRM. W ER W E1TERKAM PFT, K Ä M P F T G EG EN DEU TSCH LAN D S ZU KU N FT 12 tmuHsniHirr. 13 W tiin 6 iril< e b e i ■Htieg6geionqcnentect)l6 ul yoitietftftein Ranatnlloo 1907, S>
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Der Infanterist des deutschen Heeres Musik Musife und Gesang sind seit jeher eng mit dem Soldatentum ver­ geht allerdings auf das fahr 1825 und verschiedene Wiener bunden. Auch in der Wehrmacht war dies nicht anders. Auf dem Werkstätten zurück - Harsch wurden Marschlieder gesungen, in den Unterkünften oderim Instrument aber erst durch Matthias H ohner, der im lahr 1857 mit Biwak neben allen möglichen Soldatenliedern auch Volksweisen, zeit­ seiner Produktion begann und das Instrument in den Folgejahren für genössische diesen die breitere Öffentlichkeit erschwinglich machte. E r wird daher von Gelegenheiten gerne auch populäre Begleitinstrumente, insbesondere vielen als der Vater der Mundharmonika angesehen und sein Schlager oder Gassenhauer, wobei bei richtig populär wurde das handliche die Mundharmonika und das Akkordeon hervorgeholt wurden. Eines Heimatort, das schwäbische Trossingen, entwickelte sich zum der beliebtesten Lieder des Z weiten Weltkrieges war mit Sicherheit Zentrum für dieses Instrument. 1935 gründete Matthias H ohners Laie Andersens allgegenwärtige „Lili M arleen", das nicht nur die Sohn mit der Hohner-Handharmonika-Fachschule eine fachlich fun­ deutschen Soldatenherzen erfreute sondern (in einer übersetzten dierte Ausbildungsstätte, Fassung natürlich) auch die der Westalliierten. Dank der Musik Musikschule hervorging. Letztendlich führten die Aktivitäten der konnten an der Front das Sentimentale und das Martialische ein­ Firma auch dazu, dass Trossingen seinen heutigen Ruf als trächtig nebeneinander bestehen. „Musikstadt" erringen konnte. aus der schließlich die Städtische Die Ursprünge aller Harmonikainstrumente liegen gut 6.000 Die unterschiedlichen Spielarten von Handzuginstrumenten, wie Iahre zurück, als der mythische chinesische Kaiser Hudng-Di eine aus z. B. das Akkordeon, die Konzertina oder das Bandonion, waren bei mehreren Bambuspfeifen bestehende Mundorgel namens „Sheng" den Soldaten der Wehrmacht ebenfalls ziemlich beliebt und wurden entwickelt haben soll. Die Mundharmonika, wie wir sie heute kennen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit gerne hervorgeholt. Eine deutsche „Quetschkommode" der Gebrüder Ludwig aus dem frühen 20. Jahrhundert, die schon in den Gräben des Ersten Weltkrieges zum Einsatz gekommen sein mag und dann wieder im Zweiten Weltkrieg. Darunter eine Mundharmonika und mehrere der Pappschachteln, in denen diese vertrieben wurden, sowie das Hohner-Handbuch „Du und Deine Harmonika. Soldatenlieder mit einer Spielanleitung für die Mundharmonika." 285
Musik Akkordeon 01. 286 Dieses Bandonion ist ein echtes „Arnold", nach der Familie aus dem Erzgebirge, die Ernst Louis Arnold (1828-1910) Mitte des 19. Jahrhunderts begründete. Da sich das Instrument auch ohne Beherrschung der Notenschrift spielen lässt, fanden die Instrumente der Firma guten Absatz und gelangten mit deutschen Seeleuten sogar bis Südamerika, wo sie den argentinischen Tango prägten. Nach dem Tod des Firmengründers übernahm dessen ältester Sohn die Leitung der Fabrik, während sein jüngster Sohn Alfred (1878-1933) im lahr 1911 die Alfred Arnold Bandonion- und Konzertina-Fabrik Carlsfeld gründete. Er produzierte zwei Modelle des Bandonions, eines für den deutschen und ein zweites für den südamerikanischen Markt, der rund 90% der Instrumente abnahm. Während der NS-Zeit führten Alfreds Söhne die Geschäfte weiter so gut es ging, da ihr Vater im gleichen Jahr starb, in dem auch die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Nach dem Krieg, im Jahr 1948, wurde die auf dem Staatsgebiet der DDR gelegene Firma enteignet und verstaatlicht und zu einem V E B (Volkseigenen Betrieb) umgebaut. Allerdings fanden die Bandonions unter der neuen Führung keinen Absatz mehr und wurden zunehmend vom Akkordeon verdrängt, das leichter zu spielen ist. 1964 wurde schließlich die Produktion von Bandonions in Carlsfeld eingestellt.
Der Infanterist des deutschen Heeres 02. Das Akkordeon in seinem Koffer. 03. Detailaufnahme des Stempels 'Wehrmacht-Eigentum' Harmonika 04. Die Harmonikaserie „Der gute Kamerad" aus dem Hause Hohner war unter den Landsern ungemein weit verbreitet. 287
M usik H o h n e r Ha r m o n ik a s R h n n U t Jafttaprcdclrtrcn aber ri SK»OOOOStBclt MxtacMrbcimBCsBi 05. 06. Hohner brachte aber auch einfachere Modelle heraus, so wie dieses mit einem Soldatenmotiv auf der Schachtel, das in den Kantinen zum Verkauf angeboten wurde. 07. Daneben gab es noch verschiedene andere Harmonikahersteller, die diverse „Sparmodelle" im Programm hatten, wie dieses hier mit dem unvergleichlichen Namen „Siegesglocken". 08. Die in diesen Liederbüchern enthaltenen Marsch- und Soldatenlieder konnten auch auf der Mundharmonika gespielt werden. 09. Werbeanzeige für unterschiedliche Mundharmonika-Modelle auf der letzten Seite des Liederbuches „Du und Deine Harmonika". 288 Die „Unsere Lieblinge"-Serie aus dem Hause Hohner war von besserer Qualität und entsprechend teurer als die vorangegangene Mundharmonika. Die Instrumente dieser Serie kamen in einer Schachtel, auf der zwei hübsche Frauengesichter dargestellt waren, stellvertretend für die Soldatenbräute oder frauen, nach denen die Serie benannt worden war.
Der Infanterist des deutschen Heeres Liederbücher tn o n m y e u n a t l a n b f' R e g im e n t , ! üoottin im Walöc 10. In den Soldatenliedern werden neben dem Kriegerleben auch die Heimat und die Familie besungen. Hier sind auch die Noten für mehrere Instrumente mit abgedruckt. 11. Typische Doppelseite aus dem Liederbuch „Du und Deine Harmonika". - i ' -r. > k.«' ri*. “ M 'tn ' * '* ,4 ■• W I 11 ' i ■ ■ •■ 1 {A , ’ ■!>»«(«w ' ir;— v "- 1 «* - - - - •• irr:;, rf» 10 12. „Das Neue Soldaten-Liederbuch" war damals ziemlich verbreitet und wohl auch beliebt - es kamen drei Hefte mit Dutzenden von Liedern samt dazugehöriger Noten heraus. 13. Mehrere Ansichten von Heft 3 des „Neuen SoldatenLiederbuches". Auf dem hinteren Umschlag wird der Inhalt des vorangegangenen Heftes aufgelistet, der halbwegs typisch für alle drei Hefte ist. Neben den üblichen Soldaten- und Volksweisen finden sich auch zeitgenössische Gassenhauer wie „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern". Der Preis von 30 Reichspfennig war recht moderat. JnSrtjritrmiiiHritt fiaroma komm m it" 3« ©Amt unb Itiii, Somtmb, lrmm mit, hin Winten ift »i*l kii. 'Sfruvtm ftn <8li4, (*aut nii)i )utwf, tu went Äcmfami. 3»» S«!*1 tu Itlofctn, unt ruft ju 3oltn. Xm» «?*nn m<» Intl. lu n « , Im hu, Nin I# m*t Mt. «“ “<» 6nb Mt fyrita twit, gilt’» teuti tiidsl, jitl «•* . «firti' fit» »all, «rrfe« tltn >Ml *« TMfftc« 3m S«ten uitf im eierten W« fttium tu (rmtrten, 3"1 Sr“"** *u* •» »■< bam Mil, «■!!*• brat m*I, (ill rt wk. tu lubt Sr*n, Dell nun auf um |0»u, tttb jnmi« t» *«• N M..»« t>*M, M m.« t iu « M. mm JtMMMMt. 289
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Tabakwaren Der Tabak gelangte mit den spanischen Konquistadoren nach Handelsembargo ein, so dass die deutsche Zigarettenindustrie Europa, welche ihn bei den Ureinwohnern Südamerikas kennen gezwungen war, anstelle von „American Blends" auf stärkere Tabake gelernt hatten - allerdings verwendeten ihn diese nicht in erster Linie aus dem Orient auszuweichen, die vor allem aus der Türkei geliefert als Genussmittel sondern in diversen religiösen Zeremonien und als wurden. Die zunehmende Verknappung von Rohstoffen aller Art Medizin. In der Alten Welt stellte Tabak anfangs noch ein Luxusgut führte schließlich auch dazu, dass die Zigarettenpackungen selber dar, doch trotz etlicher Anfeindungen breitete sich insbesondere das immer einfacher und funktionaler gestaltet wurden, da u. a. auch Pfeiferauchen auf dem gesamten Kontinent und in allen Schichten Druckfarben von Handelsbeschränkungen betroffen waren. immer weiter aus, wobei in Deutschland der Dreißigjährige Krieg Die an den unterschiedlichen Frontabschnitten kämpfenden Soldaten verlangten nach „Nervennahrung“ . Rauchwaren, insbeson­ maßgeblich zu dessen Popularisierung beitrug. Zu den bekannteren deutschen Rauchern gehörte der preußische dere Zigaretten, waren dabei besonders gefragt. Starke Raucher König Friedrich Wilhelm I. (1688-1740), der „Soldatenkönig", der kamen mit der täglich zugestandenen Tabakration der Wehrmacht in seinem Tabakskollegium mit ausgewählten Offizieren, Diplomaten nicht weit und waren auf „Liebesgaben" aus der Heimat angewiesen, und Gelehrten das Pfeiferauchen zelebrierte. Sein Sohn und von der Familie, Verwandten oder Freunden, oder mussten ihre Nachfolger hingegen, Friedrich II., konnte dem Pfeiferauchen nichts „Kippen" auf dem freien Markt erwerben oder eintauschen. abgewinnen und bevorzugte Schnupftabak - eine andere, seit dem 16. Jahrhundert verbreitete Form des Tabakkonsums. Neben einer schier unüberschaubaren Vielzahl von reichsdeutschen und ausländischen Zigaretten- und Tabakmarken, die für Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde das Rauchen von jeden Geschmack etwas zu bieten hatten, gab es natürlich auch noch Zigaretten zunehmend beliebter, was schließlich dazu führte, dass das alles Mögliche an Raucherzubehör, das an den Soldaten gebracht Deutsche Reich in den 1930ern der weltweit größte Tabakimporteur werden wollte. In der Gestaltung der Verpackungen von Zigaretten wurde. Angesichts dieser Tatsache ist es vielleicht umso erstaunlicher, und Pfeifentabak wurden häufig plakative Art-Deco-Elemente ver­ dass die Nazis nach der Machtergreifung leidenschaftlich gegen das wendet order exotische Darstellungen aufgedruckt, welche im weite­ Rauchen sten Sinne mit den Herkunftsländern der Tabake zu tun hatten. ins Feld zogen und die zu ihrer Zeit schärfsten Verordnungen zum Nichtraucher-Schutz erließen. Dazu gehörte, dass auch den Soldaten der Tabakgenuss verleidet werden sollte. Der Zweite Weltkrieg wirkte sich auf alle Bereiche des Lebens aus und so blieben auch die Raucher nicht davon verschont. Rund zwei lahre nach Kriegsausbruch setzte das US-amerikanische Pfeifentabak unterschiedlicher Hersteller auf einer Ausgabe der Soldatenzeitung „Der Durchbruch" vom August 1940. Lesen und Rauchen waren eine willkommene Ablenkung vom harten Frontalltag - zumindest für kurze Zeit. Soldatenzeitung an der Westfront Herausgeber: Prop.-Komp. G e n e ra lfe ld m a rsch a ll von B ra u ch itsch bei un serer A rm ee Von Kriegsberichter Kurt G ü n t h e r 291
Tabakwaren 01. Während des Krieges wurden die unterschiedlichsten Tabakmarken geraucht. Hier ist eine kleine Auswahl damaliger Päckchen zu sehen sowie zwei Zeitungsannoncen für Pfeifentabak und Zigaretten bekannterer Hersteller, die u. a. „Tradition und Entspannung" versprechen. 1 S C l!aA R EtT EN FEINSTER QUALITÄT eei»o*> öen — ............ 'fandkinder Die Gestaltung der meisten Packungen lässt einen gewissen Hang zu Exotischem erkennen. Blick auf eine geöffnete Packung mit 20 Zigaretten aus der Kriegszeit Aluminiumpapier wurde nicht mehr verwendet. Filterzigaretten waren zur damaligen Zeit nicht sehr verbreitet. M IL D E S O R T E Xi*)« 2 0 Z IG A R E T T E N S O N D E R M IS C H U N G 04. Vorder- und Rückseiten einiger bei der Truppe beliebter Zigarettenmarken. Jedem Frontsoldaten standen täglich sechs Zigaretten zu (Nichtraucher erhielten stattdessen zusätzliche Nahrung oder Süßigkeiten). 292 Orienttabake m it einem durch die Kustöndige Bemrtsdi&dungssUUe vargexkriebetuen Zusatz nkittorisntaiischer Tabake verschiedener AnhaubeaUrke. Europas OVAL Vtriuwf itl eine hochfeine und lehr leichte Zigarette Naturreine, ma»edoni»che und lüdbulgarische Edeltabake verleihen ihr den beson der« milden Charakter and da«
Der Infanterist des deutschen Heeres 07 o - *». 05. Zum Schutz der Zigaretten in I feuchtwarmen Gebieten wurden sie in solchen Blechdosen geliefert. 06 06. Rückseite einer derartigen Dose mit dem Aufdruck 'Tropenpackung'. i 07. Werbeschild für einen Pfeifentabak der Firma Crüwell-Tabak. Ob damals jemand Anstoß daran genommen hat, dass darauf ein „roter Bruder" dargestellt ist, der eine Friedenspfeife raucht? N a t u r r e in e r Feinschnitt G E B R . C R O W E IL S P E Z I A L F A B R iK F O R R A U C H T A B A K G E G R . 08. Jeder Hersteller beteuerte, nur beste Tabake zu verwenden, gerade bei den so genannten Orientmischungen. Es dürfte niemanden überraschen, dass diese Qualität im Verlauf des Krieges zunehmend nachließ. 09. Geöffnete Packung mit Pfeifen- und Zigarettentabak der Marke „Mekka". Auch dieser Tabak wurde vom Crüwell Tabakhaus gefertigt, das bereits 1705 gegründet wurde. 10. Eine Auswahl an Pfeifentabaken, die gewöhnlich etwas größer waren als Zigarettenpäckchen. Interessant ist der amerikanische Pfeifentabak der Marke „Blue Bird" von der österreichischen Tabakfirma Regie. Diese VorkriegsPackung (datiert 1938) stammt noch aus der Zeit vor dem .Anschluss" Österreichs ans Reich. Man beachte das Aluminiumpapier, welches als kriegswichtiges Material alsbald nicht mehr für solch profane Zwecke verwendet werden durfte. li Ein zeitgenössischer Werbeaufsteller aus Pappe für das bekannte Tabakhaus aus Bielefeld, einer Stadt, die sonst eher für ihre Metallindustrie bekannt war. «usgcsucnte. fwfiwenige Orient-TaOake nur besier Proven)mammengeslellm Mitctmg Vewentiung und prägen den Cfwakter diese» ««i/cne<gern cevorjugt w. --- 08 B1 E I£ F E 1 D
Tabakwaren 12. In den meisten Kantinen konnten die pfeiferauchenden Soldaten aus einem kleinen Pfeifensortiment wählen, wie dem hier gezeigten. Man beachte das „vaterländische" Motiv auf dem Karton. 13. Drei einfache Tabakspfeifen, wie sie bei den Landsern üblich waren. Sie waren gewöhnlich aus Holz oder aus Bakelit, bei dem die Rauchkammer oft mit Ton ausgekleidet war. Eine Pfeifenfüllung entsprach einer Zigarette. Die oberste Pfeife ist aus Bruyereholz gefertigt und gehörte einem Stalingrad-Uberlebenden. 14. Zigarettendrehmaschine von Efka. Auf der Gebrauchsanweisung und den Blättchen selber ist zu lesen, dass diese in den Wehrmachtskantinen zu reduzierten Preisen abgegeben werden konnten. Das b e s te Z ig a re tte n p a p ie r tum Wickeln von Zigar«H«n U l gerade gut genügt I Vorzüqlich b rennend Efka-Pyrarniaen Falzpackung F V lr d W G it o u .W V : V V * v Ist auf Grund eines p a to n t M ^ miart, roln weiß, kohlt n lo h w ^ welflon Brand und keinen Cioqk. ... , W» jitm- Empfehlen Sie das gut» S fU a . - Z ig a retien p a p ier das dar allgemeinen. Geschmacksrichtung und dan ver­ wendeten Tabaken angepaBt ist = E s g i b t k e l n i - f 's s e r e s ! === m r den »T E N |1 py ■ - W ic k le r J | t. Wickler a '■ Jpptü, , schließen, ftech vorne nach 15. Diverse Zigarettenpapiere zum Seiberdrehen, teils gummiert. Efka-Blättchen sind heute noch verbreitet. 16. Beispiel für eine Taschendrehmaschine aus Bakelit, hier mit dem Stempel 'DRGM' (Deutsches Reichsgebrauchsmuster). _ L J geeign et
Der Infanterist des deutschen Heeres 17. Solche kleinen Zigarren konnten zu besonderen Anlässen an die Truppe ausgegeben werden oder kamen als „Liebesgaben" aus der Heimat. 18. Filterzigaretten waren damals nicht üblich, stattdessen wurden Zigarettenspitzen verwendet. Diese Schachtel enthält zehn wattegefüllte Glasfilter und die dazugehörige Zigarettenspitze aus Bakelit - eine elegantere Art dem Laster zu frönen. E l e g a n t e s h a n d lic h e s F o r m a t der Spitze von vorb ild licher Formgebung. a u e r r l l l - B i ß in Verbindung mit w eiter B o h ru n g verhindert Ansammlung von Rück­ ständen und Feuchtigkeit. (D.R.G .M . an­ gem eldet.) — . Außerordentlich hohe E n t g i f t u n g s ­ w i r k u n g ohne B eeinträchtigung d e s Tabakarom as durch Verw endung d es hyg ien ischen G lasf ilters mit der V ls t r a f ü llu n g l 19. Zigarettenetuis waren weit verbreitet, da sie die empfindlichen „Kippen" besser schützten als die dünne Papierpackung. Viele davon trugen auch Gravuren mit „patriotischen" Motiven, Namenszügen, Widmungen, Datierungen usw. X ' i 19 295
Tabakwaren Auswahl zeitgenössischer Feuerzeuge aus Aluminium und Bakelit. Bestandteile der Sturmfeuerzeuge: Kappe, Reibrad, Zündstein und mit Watte gefüllter Benzintank. 22. In solchen Schächtelchen wurden die Feuerzeuge geliefert. Benzinfeuerzeug aus Bakelit und Messing. 24. Taschenfeuerzeug aus verchromtem Messing. Ein weiterer Feuerzeug-Typ war das so genannte galvanische Feuerzeug, bei dem ein Platindraht zu Glühen begann. Da man für diese Feuerzeuge keinen Zündstein benötigte, waren sie langlebiger, aber gleichzeitig auch empfindlicher. Das hier gezeigte Taschenfeuerzeug aus vernickeltem Messing trägt die Bezeichnung „Janus" und daneben das ‘D.R.P.'-Kürzel. Streichhölzer waren, wie Feuerzeuge auch, im Felde unverzichtbar. Hier eine typische Streichholzschachtel aus Sperrholz und Pappe eines bekannten Herstellers jener Zeit sowie ein Bakelitdöschen, in dem so genannte Sturmhölzer aufbewahrt wurden, die unempfindlich gegen Wind und Feuchtigkeit waren. 296
Der Infanterist des deutschen Heeres 27. Details einiger Steuerbanderolen, die auf allen Tabakwaren zu finden waren. Seit 1903 wurde Tabaksteuer im Deutschen Reich auf Tabakwaren aller Art erhoben. 28. Die Höhe der Steuern hing von der Anzahl der Zigaretten bzw. dem Verkaufspreis der Packung ab. 29. Ober- und Rückseiten einiger Päckchen und der Steuerbanderolen. 297
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Freizeit Die M oral der Soldaten während des Zweiten Weltkrieges musste an Verwundung genesen war. Trotzdem wurde ein Heimaturlaub gelegent­ vielen Fronten aufrecht erhalten und gestärkt werden. N eben der lich zur Realität. Wenn der Fronturlauber in die ihm bekannte Feldpost mit ihren Karten, Büchern, Zeitungen und Zivilisation der Heimat eintauchte und sie mit der Situation an der Front Zeitschriften, welche in einem militärisch-patriotischem Stil und Inhalt verglich, konnte es zu Erscheinungen von Demoralisierung kommen. Die Briefen, die Erfolge der Regierung und der Streitkräfte an allen Fronten feierten, Soldaten kamen auch oft genug in ein völlig zerbombtes Heim zurück, brauchte der Landser auch seichtere Unterhaltung und einfachere wie es auch Anton bei seinem Heimaturlaub erlebte. Ganze Innenstädte Vergnügungen für den banaleren Zeitvertreib in den freien Stunden an in der Umgebung von Industrieanlagen, aber auch abseits auf dem der Front. Der Sinn war es, die emotionale Ausgeglichenheit und Land, waren in Schutt und Asche gelegt worden. Manchmal verwandel­ Stabilität des Soldaten zu erhalten, te sich der ersehnte Heimaturlaub in eine verzweifelte Suche nach gelieb­ indem man ihnen eine Fluchtmöglichkeit und Ablenkung verschaffte von der sichtbaren ten Angehörigen. Nicht selten wuchs in dem Urlauber langsam das Realität, die ihn umgab und in welcher er leben musste. Die Trennung Gefühl, dass sein eigentliches Zuhause, alles was ihm noch verblieb, vorne von den geliebten Menschen in der Heimat über Wochen und Monate an der Front bei den Kameraden war. Diese Horrorszenarien an der hinweg, vor allem von Freundinnen oder Frauen, konnte nur schlecht Heimatfront, ausgelöst durch den konstanten Bombenkrieg der wettgemacht werden durch ein Foto, welches er in seinem Soldbuch mit Alliierten, beeinflussten die Frontkämpfer immer stärker. Allerdings seinen Papieren in der Brusttasche der Feldbluse bei sich trug. erreichte die anglo-amerikanische Luft-Offensive in den meisten Fällen Postkarten mit erotischen Abbildungen sollten die mit der Trennung ver­ nicht ihr Ziel, die Moral der Fronttruppe zu untergraben. Stattdessen bundenen Gefühle dämpfen helfen, hatten aber nur geringen Erfolg. brachte sie die Landser in Wut und steigerte noch ihre Bereitschaft, bis Während der kurzen Aufenthalte im Rücken der Front konnten die zur letzten Patrone zu kämpfen. Soldaten Feldkinos der Wehrmacht besuchen. Außerdem rekrutierte die Im besten Falle, wenn die Wohnung oder das H aus des Soldaten Armee aus der einheimischen weiblichen Bevölkerung „Frauen, welche die nicht zerstört war, war sein Heimataufenthalt auch nicht ganz einfach. Truppe unterhalten möchten", oder eher in den Wirren des Krieges über­ Die häufigen Luftalarme und die allgegenwärtige Rationierung sorgten leben wollten. Nach gründlichen medizinischen Untersuchungen arbei­ nicht gerade für Erholung. teten diese Frauen in Häusern, in denen die Soldaten nicht länger als Die Propaganda des Staates, wirksam auf allen Ebenen des tägli­ eine halbe Stunde mit ihnen zusammen sein konnten. Für viele junge chen Lebens, erzeugte einen dichten Schleier, um die Desaster dieses Soldaten war es die erste erotische Begegnung mit einer Frau und für Konfliktes manchen auch schon die Letzte. Man betrachtete den Bordellbesuch als Schwierigkeiten immer schlechter. eine andere Art von „Feuertaufe", bei der die jungen Männer die Reichsminister für Bildung und Propaganda, war allerdings unbestrit­ Unschuld der }ugendzeit hinter sich lassen sollten. Die langen Zeiten von einem Postempfang zum nächsten überbrück­ zu verbergen. Dies gelang ihr mit zunehmenden Joseph Goebbels, seit 1933 ten ein virtuoser Meister im Inszenieren von Massenveranstaltungen und der Beeinflussung des deutschen Volkes und Heeres durch politische ten sie mit allen Arten von Spielen, wie Schach oder Skat, und mit Reden. Goebbels sah als sein wirksamstes Instrument das Radio an, in Musik. Im damaligen Europa wurden häufig noch Akkordeon und seinen eigenen Worten wollte er damit „das Volk mit dem Geist des Mundharmonika gespielt und den Kameraden mit ihren Instrumenten Nationalsozialismus durchtränken". Dieser Geist sollte Ansporn sein für gelang es fast immer, die Moral der eigenen Truppe zu heben. All diese ein ganzes Volk, blindlings dem Führer bis zum Ende des Krieges zu fol­ Arten von Zeitvertreib halfen die langen Stunden in Zügen, Quartieren gen, und in vielen Fällen auch bis in den eigenen Tod. „Der totale Krieg!" und auf Märschen zu überstehen. Durch den entmutigenden Verlauf des Krieges konnte den Frontkämpfern immer weniger Urlaub gewährt werden. Es war leichter einen Urlaubsschein zu bekommen, nachdem der Soldat von einer Diese Art von Geschenken oder Andenken war üblich zu besonderen Anlässen, z. B. bei Beförderungen oder Versetzungen von Offizieren und Armeeangehörigen. Gewöhnlich handelte es sich um Geschenke von Kameraden des betreffenden Offiziers oder der von ihm befehligten Einheit. 299
Freizeit 01. Kartenspiele aller Art waren ein üblicher Zeitvertreib, wobei viele Soldaten ihren Sold einsetzten. Die geringe Größe eines Kartenspiels erleichterte seine Verwendung bei jeder Gelegenheit. Das gezeigte Spiel wurde zum Whist-Spielen verwendet, einem Spiel ganz ähnlich wie Bridge, aber ohne das Bieten. 02. Karten eines Skat-Spiels. Im Gegensatz zu anderen Kulturen und zu heute war die Zahl 13 eine Glückszahl und der Hersteller ermutigte den Käufer diese Karte ständig bei sich zu haben. 03. „Altenburger und Stralsunder Spielkarten" von der im thüringischen Altenburg beheimateten Firma. Sie war einer der wichtigsten Hersteller auf dem Gebiet der Spielkarten. 04. Eine andere Präsentation von Spielkarten in einem eleganten Reiseset, die freundliche Aufmerksamkeit einer Maschinenfabrik und häufig von Soldaten benutzt. Ein Kartenspiel fiel im Dritten Reich unter die Kategorie Luxusgüter und unterlag deshalb der Besteuerung. Man bezahlte die Steuer zusammen mit dem Kaufpreis, jedes Spiel trug das Siegel des Deutschen Reiches auf einer der Karten. 05. Quartett-Karten. Sie hatten eine doppelte Funktion. Zum einen sollte das Spiel den Soldaten unterhalten, indem er Gruppen von Waffen-Karten zusammenstellte, zum anderen sollte er sich mit ihren Spezifikationen vertraut machen und etwas lernen. 300
Der Infanterist des deutschen Heeres 06. Schach-, Dame- und Mühle-Spiel, verkauft in militärischen Kantinen von Kasernen, Flugplätzen und Schiffen oder an der Front. Wegen der geringen Größe und des minimalen Gewichtes fanden diese Spiele leicht im Tornister Platz. 07. Die Divisionen (und Lazarette) verfügten über Leihbüchereien für die Truppe. Hier konnten sich Rekruten während der Ausbildung sowie Frontsoldaten und Genesende Bücher für die freie Zeit ausleihen. Der Inhalt dieser Bücher war oft humoristisch oder patriotisch und behandelte meist militärische Themen. DERGROSSE BEFEHL 8ILDSH VOM F ilD IU G IM O STIN H £ R A U S C £ C S B IN VO M O B U K O M M A N D O OKU W EH RM A CH T
Freizeit 08. Kleine Büchlein in diesem Format mit lustigen Geschichten über den Alltag der Soldaten waren in den Kantinen von Kasernen erhältlich und wurden an die Angehörigen daheim verschickt. Das Format war absichtlich so gewählt, damit die Hefte in die Standard-Feldpost-Briefumschläge und -Päckchen passten. 1% F u » GöriswixEgieil ist keine Hexerei! «li v. ineaKX L«s«« «*, au«i » A t o s 4^. SlT.;*-' Surf» tom Ä rnam S iJt a r GtomOtKrr Xis» £ ü-Sd* Wqr »an. 1» atüMÖJra ABjm&SÄ « f *» fern ,-| M. «iS«! »»i u» .%axcai>E<k !?raaä54. täte Aras aj*-» > ■fr-v irz Darüber lache ich heute noch Soldaten erzählen heitere Erlebnisse mübb ÜßterB-i'&iärt 7K«j9c«t 08 E in wackeliges Q uartiererlebnis Gefr. D.. fin lasiiyr Funker meiner Einheit, cnähltc ZgcTüt ging auf ^ watete ich n urtr/e, denn mT" gUftfS. Meine Zimmer o etwa; anhebel Angeln quietw war. Dann & f*. Ein »enig klopfte aß ich meine Tas ■tat- Na — es wird * a,tewoö<e Mariezimm „ 4er Wand enüang. gifte ich roicli vorwä rechlrn A r gab es t / * r - s D i e P a r o le h er 09. Witze und Karikaturen machten die Zeitschrift „Die Woche" beliebt. 10. Eine Sammlung von Kriegsromanen für junge Deutsche. Sie sollten die patriotische und kämpferische Einstellung der Jugend fördern. Der allgemeine Bildungsstand der durchschnittlichen Bevölkerung erlaubte kaum wertvollere Literatur. W in te r. N’cuschnee. Sos« Utr 3 »optn «oiSlos„Schöne Sc» jicr so, daß « «>>«: Ka" :n jach die Par Ti-nnt dem Ge „Herr Hau {allen - - •“ „Na. unri meldong an. „S c h a rn Posten. .Der muß haben!", brai 09 HUMOR DER WOCHE 11. Die Rückseiten zeigten andere Titel dieser Buchreihen. 302
Der Infanterist des deutschen Heeres ■ 12. Die militärische Expansion des Deutschen Reiches ermutigte die Verlage zum Druck verschiedener Wörterbücher in vielen Sprachen. Manche davon waren sehr ambitioniert wie das Beispiel „Europa in 23 Sprachen. 1000 Wörter bildhaft dargestellt" zeigt. I 13. Editorische Details des Wörterbuchs (1943) [ 1 ! 13 Ü b e rse tzu n g e n : K l is c h e e s : i A k a d e m isc h e * C b e rse tz u n g sb ü ro des Stu d e n ten w e rks — A k iid o — M ü n c h e n . Z e ic h n u n g e n : B r u n o It u t t e u s t o c k . M ü n c h e n . S t r a ß b u r g e r K l is c h e e a n s t a l t F r i t z R ie g g e r , S t r a ß b u r « u n d G ra p h K u n s t a u s t a lt H c in lo t h & C o . M ü n c h e n . S a t z h e r s t e l l u a g a n d D r u c k d e r B u c h - a n d K u n s t d r u c k e r e i 4 . M . R e in d l, B a m b e rg. E in b a n d : J . M . R e in d l. B a m b e rg . N a c h d r u c k o d e r N a c h b ild u n g d e r t e x t lic h e n u n d illu s t r a t iv e n V e rö ffe n t­ l i c h u n g e n v e r s t ö ß t g e g e n d a s R e ic h s g e a e t z d e s u n la u t e r e n W e t tb e w e rb , b z w . g i l t a l s V e r l e t z u n g d e s U r h e b e r re c h t e s . A n o r d n u n g v o n W o r t u n d B ild ist d u r c h D R G M . 1531347 g e sc h ü tzt. C o p y . 1M 3 by S e b a st ia n L u x , M ü n c h e n . 14 14. Zur deutschen Wehrmacht gehörten auch viele Divisionen mit Freiwilligen aus anderen Ländern. Leicht verständliche Bücher wie dieses hier, wurden an diese Soldaten verkauft und verteilt um ihnen beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen. Es gehörte zur Methode dieser Schriften, Verbindungen zwischen Abbildungen und Worten sowie deren Aussprache herzustellen. Auf der gezeigten Doppelseite wird „eine Straße in Berlin" vorgestellt. B r u t s r lj fü r 3 u s la n iU T L e h r b u c h d e r d e u ts c h e n S p rach e fü r -V uslärider v.« W a lte r W e b e r 10. arubearbaHele Auflage | H ECK N ERS VERLAG - W O LFEN B l l T L L “ PU T S C H - R U SS IS C H E S tOülumoditI ö p r a d if ü lit e t DtutI <ti-T t a i n ä l j j ^ 15. Wörterbücher für Französisch, Russisch oder Spanisch wurden auch speziell für Soldaten herausgebracht und waren z. B. in den besetzten Gebieten unverzichtbar für ausländische Staatsangehörige, welche in der deutschen Wehrmacht kämpften (z. B. in der spanischen „Blauen Division", A.d.Ü.). s OLDATENWÖRTERBUC 3000 W s „ „ ..d Ub] A ° VON E s m it t l e r & SO H N b e s l in
Freizeit 16. Modellbau war ein recht weit verbreiteter Zeitvertreib unter den jungen Soldaten. Pläne wie die hier gezeigten konnten in deutschen Buchhandlungen gekauft werden und sollten den Modellbauer stolz auf die Errungenschaften der Wehrmacht machen. (Sie dienten auch als Unterrichtsmaterial an Kriegsschulen, A.d.Ü.) Im Bild sieht man Modelle eines Torpedobootes und eines U-Bootes, „geprüft und genehmigt von der deutschen Kriegsmarine". ■ iw « Torpedoboot jjHaupt- ReserveSehrohr Kurt Miculcy imocfeJ/- .«5 b is m : K o m m a n d o t u rm ---- Mittefla-ng A bb. 3 1 : M a ß s tä b e 17. Feldradio, Modell RT4. Für gewöhnlich wurden diese Radios an Fahrzeugbatterien angeschlossen, lede Kompanie besaß so ein Radio und ließ ihre Männer bei Gelegenheit Musik und Kriegsberichte hören, vorausgesetzt sie waren positiv. Wahrscheinlich hat sich fast jeder Soldat einmal in Uniform fotografieren lassen. Ihre Frauen und Freundinnen sollten diese Bilder daheim einrahmen lassen, um „ihren Soldaten" immer bei sich zu haben, ihren Stolz auf den Uniformträger zu zeigen und ihre Unterstützung und ihr Opfer für das Vaterland zu demonstrieren. 304
Der Infanterist des deutschen Heeres 19. Zeitungsanzeige eines Fotostudios in Darmstadt (Hessen). 20. Das Wiedersehen mit der Freundin, Verlobten oder Ehefrau war wohl der schönste Moment, um auf einem Foto festgehalten zu werden. Diese Bilder wurden sorgfältig in der Brieftasche aufbewahrt und halfen den Soldaten einsame und schwere Momente zu überstehen. Gerne ging man auch zu zweit mal wieder ins Kino oder Theater, Restaurant oder Cafe. Meister-Fotografin C h a r l o t t Föhre Darmstadt, Elisabethenstr. 26 Ruf 2596 21. Werbung für das Berliner „Cafe Wien". 22. Diese Nacktfotos sollten der erwachsenen Bevölkerung zeigen, wie eine arische Frau gemäß der nationalsozialistischen Doktrin aussehen sollte. tevoriüS Di« tat»»00 gibe und K u r f ü r s t e n d a m m 26 U SER UND KRÜGER 23. ln vielen Spinden und lackentaschen von Soldaten konnte man Postkarten mit erotischen Bildern finden. 305
Freizeit Ein n e u e r Film Prof. K a rl R it te r 24. In den Filmtheatern des Reiches und den besetzten Gebieten, selbst nahe der Front, konnte man Filme mit propagandistischem Inhalt sehen. Das Foto zeigt sowohl ein Plakat für den Propagandafilm „Sieg im Westen", welcher den Frankreich-Feldzug 1940 verherrlichte, als auch den Kommentar zum Film „Stukas" in der Propagandazeitschrift der Luftwaffe „Der Adler". Dieser Film war ein sehr modernes und ambitioniertes Projekt der UFA-Studios in Babelsberg. 25. Eintrittskarte aus dem ]ahr 1939 für das berühmte Variete „Wintergarten" in Berlin-Mitte. Auf der Rückseite wird für weitere Etablissements im Hause geworben. Winter * Gemen> Tribüne II link« ZttlZW. 8 8-13a 21,5. 3» 8 Uhr 15 Tribüne II links Zugang Sonntag Bitte Rückseite beachten! 25 E in Film des O b e r k o m m a n d o s des H i e r im H a u s « : H e e r e s Einleitung: D e r E n tsc h e id u n g e n t g e g e n Hergestelit von dar Deutschen f itmherstetlungi- und Verwertungsgesellschaf» m. b. H. M u s ik v o n H o r s t H a n n * S i e b e r D er neue H e id e lb e r g e r Hauptteil: D e r F e ld z u g >Haus der deutschen Heimat« C a fe W in t e r g a r t e n E ö e Friedrichstr. D o s interessante K onzert-C afö Dcrotheenstraßo C a fe Zu gan g v o n Foyer G« orgenstraße Das gemütliche Lesecafe 306 Z u gän ge Gfcfr Terrasse um! vom Foyer Do'otheenstraße An der front oufgenommen v. d. Filmberichtern der Berichterstaffel des Oberbefehlshabers des Heeres, der Propaganda-Kompanien und Trupps der Heeresfilmsteile. Hergestellt von der Noldan-Produktlon M u s ik v o n H e r b e r » W i n d t Stootspoiitisth wertvoll / X lin Dokument von bleibenden» W ert« k «...stier!* ch wertvoll Im / f lilK Iw *m y .* . voi«,bildend Verlort» der \ M J* V M Bauer 13a 21. Mai 8 Ulir 15
Der Infanterist des deutschen Heeres 26. Jeder Soldat auf Urlaub brauchte diese Marken um seine Essensrationen in Geschäften, Cafes und Restaurants zu erhalten. Die hier gezeigten Beispiele trugen ein Prüfsiegel und waren 7 Tage gültig. Die Rationierung betraf jeden Aspekt im Leben von Soldaten und Zivilisten bei der Beschaffung von notwendigen Dingen des täglichen Bedarfs. *$?■!» Ü *:■tf *!» S? * * U ; »V ; u : t, Ä *!»*3 ^ ^ * ® «i i: «i* «i» i £»;* t: * «*!«;■ vf *■:* »;*$ *1»T , ®« w. • u . u i id. :; H- * ; ! u »5? R U. * ® tt a 1 i »* % ■• ■ ■ ■ ■ » -s ; sc« : M 8 'j* u. Q \ l « i» 27. Die Wehrmacht war sehr erfindungsreich um den einzelnen Soldaten durch Urlaub, Vergünstigungen und Krankenpflege im Reich und in den besetzten Gebieten immer wieder zum Kampf zu motivieren. Sie bot den Urlaubern beispielsweise Touristenbesuche von Städten und Sehenswürdigkeiten an. Auf dem Bild sieht man einen Stadtplan von Dresden mit einer Wehrmachtsfahrkarte für die Reichsbahn. j Ciilt’n iia äeirt*Atm dis* ■'-bie! R e ic h s k a r t e f ~ F ö fc lM a u b e r .________ ______________ * % —- f Üfii ftjMCTWtt«- 20'* IS»®«'■Ä* ■ tt " /« Irr »* »* •H*. X njJaiiii- Ü» lsä>' »tt tcuffdHn Sroftfohtitupc “. M SÄ. «M *« ___ * * irodpr« n > VfaU JSBff“ 1 " a s & * *«fiem liia)Hridicn für Mtaftfaftcjtnse e enmln L M DRESDN ER BA N K I 307

Epilog W ir schreiben den Dezember 1943. Für das Deutsche Reich welches als „Panzerschlacht um Kursk" in die Geschichte einge- hat auf allen Kriegsschauplätzen die große W ende begonnen hen sollte (insgesam t standen sich auf deutscher und sow jeti­ und die schlim m sten Befürchtungen des O berkom m andos der scher Seite rund 6.000 Panzer und Sturmgeschütze gegenüber), W ehrm acht (O K W ) haben sich erfüllt - die Rote Arm ee setzt zur Gegenoffensive an. Das angeblich vor Feindangriffen so sichere hat der deutschen Seite nicht den gewünschten Erfolg gebracht. R eich sgebiet w ird bei Tag und N a ch t von den Bom bergeschwadern der 8. US-Luftflotte und der britischen RAF erschienen waren, nichts mehr drehen. (Royal A ir Force) heim gesucht. Die d eu tschen Kräfte sind die sowjetischen Truppen in den südlichen Frontabschnitten mit erschöpft und haben durch den Zw eifronten krieg keine Daran konnten selbst die 90 Tiger 1, die rechtzeitig an der Front Unm ittelbar nach dem Scheitern von „Zitadelle" beginnen ihrer So m m ero ffen sive gegen die angeschlagene deutsche Gelegenheit mehr sich zu erholen. Front. Von Stalin g ra d bis zum D njepr geht das gesam te Am 2. Februar 1943 endet die Schlacht um Stalingrad mit dem Untergang der 6. Arm ee (230.000 M ann). Der unm ittelbar fallen auf die Halbinsel Krim zurück, wo sie zunächst isoliert und zuvor zum Generalfeldm arschall beförderte Oberbefehlshaber im M ai 1944 schließlich vernichtet werden. Donezbecken an die Sow jets verloren, Teile der Heeresgruppe A der 6. Armee, Friedrich Paulus, kapituliert vor der erdrückenden Die deutsche Ostfront w eicht um 200 km zurück, bis zur Linie sowjetischen Überm acht. M it ihm gehen über 100.000 M ann in Asowsches M eer - Saporoshje - Dnjepropetrowsk - Kiew - Gom el Gefangenschaft, in die sibirischen Lager - gerade einm al 6000 - W itebsk. D ie Heeresgruppe M itte m uss im m er w eiter in von ihnen werden, lahre später, lebend nach H ause zurückkeh­ ren. Stalingrad markiert eine W ende für Hitlers Krieg im Osten, Richtung W esten verlegt werden, von den ursprünglich 214 w eil die W eh rm ach t d am it ihre Fähigkeit zur strategischen ben und diese sind ziem lich ausgebrannt. Inm itten dieser chao­ Initiative verliert. tischen Rückzugsgefechte, in denen die deutschen Verbände Im Juli schlägt auch die letzte G roßo ffen sive der Heeresgruppe M itte fehl, denn das Unternehm en „Zitadelle", chen Divisionen der Roten A rm ee Ein h alt zu gebieten, inm itten D ivisionen am Anfang des Jahres sind ihr nur noch 190 geblie­ im m er w ieder versuchen, dem Vordringen der schier unendli­ Der Krieg erreicht auch Hösbach - Antons Heimatstadt. 309
Epilog Oben: Der letzte Eintrag in Antons Wehrpass: 1.12.43 - gefallen bei Sofiewka ca. 65 km südwestl. Dnjepropetrowsk. Rechts: Eine weitere Aufnahme von den Zerstörungen in Hösbach und darunter die Rückseite von Antons Sterbebild. all des Qualm s, der D etonationen, des Leids treffen w ir unseren Protagonisten wieder. Seitdem er Sold at geworden ist, dam als vor gut vier Jahren, hat er A bertausende von Kilom etern zurückgelegt, Kämpfe erlebt, hatte hin und w ieder die Gelegenheit, während der Heim aturlaube seine Lieben zu sehen, dafür aber an der Front teils schreckliche B ild er der Zerstörung und grauen­ volle Erlebnisse zu verarbeiten gehabt. Viele seiner Kam eraden D u b is ja d ie M u tt e r / D e in JGnd will kf* sein Im Leb en u nd S te rb e n D ir e in zig a lle in ! sind gefallen, in einem erbarm ungslos geführten Kampf in die­ sem riesigen Land m it seinen extremen Temperaturen und gew altigen Entfernungen. E in fach e Holzkreuze säum en die M arschw ege seines R egim ents: „G efalle n für Führer und Vaterland". Der Kam pf ums schiere Überleben hat begonnen, der Rückzug gleicht streckenweise einer w ilden Flucht. Die M änner schleppen sich pausenlos dahin, bei Tag und Nacht, mit jedem Schritt noch müder, noch mutloser. Es ist nicht mehr der Anton, dem wir bei Kriegsausbruch begegnet sind, sondern ein seelisch und körperlich erschöpfter 37-jähriger M ann. E r hat mit seinem „Haufen" Gom el erreicht, nördlich von Kiew in der östlichen Ukraine. Die Straßen sind nahezu unpassierbar, der unentwegte Beschuss hat alle Spuren vorm aliger Schönheit vernichtet, die Die sowjetische Erinnerungsmedaille „Für die Verteidigung von Stalingrad" (oben) und der Orden des Roten Sterns, der 1930 gestiftet worden war fü r herausragenden Dienst im Zuge der Verteidigung der Sowjetunion in Frieden und Krieg". Die Verleihungsnummer ist auf der Rückseite eingraviert. 3 10
Der Infanterist des deutschen Heeres Stadt ist ein einziges Trümmerfeld. Der beißende Rauch und W iderstandsnester werden aufgegeben. Der Blutzoll, den Anton Stau b erschweren das Atm en nicht m inder als die ständigen und seine Kam eraden zahlen, ist gewaltig. Detonationen schwerer Granaten ringsherum. A nton ist wie Die Heeresgruppe M itte ist am Ende, ihre wenigen Reste betäubt von dem, was um ihn herum geschieht. E r muss mit ansehen, wie im m er mehr seiner Kameraden im feindlichen sind über die unendliche russische Steppe verteilt. Die Rote Arm ee beginnt ihren langen Marsch auf Berlin, welchen die Feuer fallen oder von G ran ateinschläg en zerrissen werden. deutschen Kräfte nicht mehr aufhalten können, höchstens hin Unablässig feuern die sowjetischen „Stalinorgeln" (Spitznam e und w ieder etwas verzögern. Anton Imgrund ist sich m ittlerw ei­ für Mehrfachraketenwerfer) und lassen jedes Lebenszeichen le sicher, dass dieses Ringen wohl nicht mehr zu gewinnen sein ersterben. Kein Stein steht m ehr auf dem anderen, das Gelände wird. Das En d e selber, die totale Niederlage Deutschlands im wird von Granaten w ieder und w ieder umgepflügt. Gom el kann Anschluss an den „totalen Krieg", sollte er allerdings nicht mehr sich erleben ... nicht länger halten, die letzten deutschen Du rtarbTt Co jung, To früh, Du wirrt fo fehr v e r m iß t; Du warPt To lieb und gut, Daß man dich nie vergißt. 3ut frommen Erinnerung im Bebele an meinen lieben her3 ensguten Gatten, unfeten guten Sohn, Srinmiegerfohn Btubet, Sctiroager unb Onfcel R n to n Bm gcunb Obergefreiter in einem 3nf.-Regiment geboten am 23. ITlai 1906 in fjösbach gefallen am 1. De3 embet 1943 im Often fflöge ihm ber Ib. Gott alles nergelten, mas et m it unö alten feinen Ci eben getan unb m at unb feinem Datetlanbe geopfert hat. Bei allen, bie ihn bannten mitö et unoergefilich [ein. Dater unfet. Roe R la tia 0 Fjert gib ihm bie einige Ruhe! Unb bas emige Cicht leuchte ih m ! Ü fjetr lafi ihn ruhen in Jrieb e n ! Druck. G e se le , Afchaffenburg Antons Sterbebild. Er war einer von über 3,2 Millionen deutschen Soldaten, die während des Zweiten Weltkrieges fielen. 3 11
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