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Text
Stadtführer
Hliik über den Rhein zum Deutsi hen Eck, zur Liebfrauenkirche, zu St. Florin, dem Mittelrhein-Museum
und der Halduinbnk ke über die Mosel
Portal iw, 1754/1967
des urn 1230 gegrün-
deten und 1944
zerstörten und nicht
wieder aufgchiuten
Domii likanerklosters
Geschichte
Kohlen/ 1632 (wäh-
rend der Belagerung
der SJrweden im
Dreifigjährigi'n Krieg),
Merian-Ansicht, 1646
Koblenz wurde kurz nach Christi
Geburt als Kastell zur Sicherung
des Mosel Übergangs der Straße von
Mainz nach Köln erbaut. Die Pfahl-
brücke über die Mosel befand sich
50 m stromabwärts von der heutigen
Baidu in brücke. Das Kastell lag, wie
neue Ausgrabungen belegen, iin Be-
reich von St. Kastor, d. h. am Zusam-
menfluss von Rhein und Mosel. Das
Römcrkastell maß ca. 100 x 100 m und
besaß einen Graben von 4 m Breite
und 2,5 m I iefe. Im Kastell waren etwa
1000 Soldaten stationiert, die die
Rheingrenze zu sichern hatten. West-
lich des Kastells entwickelte sich an
der Mosel eine florierende römische
Handelsstadt, für die neben der be-
reits erwähnten Brücke über die Mosel
wenig später auch eine Holzbrücke
über den Rhein errichtet wurde. Nach
Gcrmancnübcrfällen erhielt die Stadl
um 300 einen festen Mauerring. Die-
se spätröniische Befestigung, die 19
Rundtürme mit jeweils 10 m Durch-
messer besaß, ist an verschiedenen
Stellen erhalten und wurde in spätere
Bauten einbezogen.
Auch nachdem das Römische Reich
zusammengcbrochen war, behielt
Koblenz seine überregionale Bedeu-
tung durch einen Königshof, der ab
dem 5. Jahrhundert bestand. Im
Mittelalter war das 836 geweihte Stift
St. Kastor ein bedeutendes kulturelles
Zentrum. Hier fanden 842 die Ver-
handlungen zwischen den drei En-
keln Karls des Großen statt, die zur
Teilung des Fränkischen Reichs im
Vertrag von Verdun 843 führten.
1018 schenkte Kaiser I leinrich II. den
Fiskus Koblenz dem Erzbischof von
Trier. Mit dem Übergang dieses wirt-
schaftlich wie strategisch bedeutsa-
Portal von 1754/1967
des um 1230gegrün-
deten und 1944
zerstörten und nicht
wieder aufgebauten
Dominikanerklosters
Geschichte
Koblenz 1632 (wäh-
rend der Belagerung
der Schweden im
Drei ßigjährigen Krieg),
Merian-Ansicht, 1646
Koblenz wurde kurz nach Christi
Geburt als Kastell zur Sicherung
des Moselübergangs der Straße von
Mainz nach Köln erbaut. Die Pfahl-
brücke über die Mosel befand sich
50 m stromabwärts von der heutigen
Balduinbrücke. Das Kastell lag, wie
neue Ausgrabungen belegen, im Be-
reich von St. Kastor, d. h. am Zusam-
menfluss von Rhein und Mosel. Das
Römerkastell maß ca. 100 x 100 m und
besaß einen Graben von 4 m Breite
und 2,5 m liefe. Im Kastell waren etwa
1000 Soldaten stationiert, die die
Rheingrenze zu sichern hatten. West-
lich des Kastells entwickelte sich an
der Mosel eine florierende römische
Handelsstadt, für die neben der be-
reits erwähnten Brücke über die Mosel
wenig später auch eine Holzbrücke
über den Rhein errichtet wurde. Nach
Germanenüberfällen erhielt die Stadt
um 300 einen festen Mauerung. Die-
se spätrömische Befestigung, die 19
Rundtürme mit jeweils 10 m Durch-
messer besaß, ist an verschiedenen
Stellen erhalten und wurde in spätere
Bauten einbezogen.
Auch nachdem das Römische Reich
zusammengebrochen war, behielt
Koblenz seine überregionale Bedeu-
tung durch einen Königshof, der ab
dem 5. Jahrhundert bestand. Im
Mittelalter war das 836 geweihte Stift
St. Kastor ein bedeutendes kulturelles
Zentrum. Hier fanden 842 die Ver-
handlungen zwischen den drei En-
keln Karls des Großen statt, die zur
Teilung des Fränkischen Reichs im
Vertrag von Verdun 843 führten.
1018 schenkte Kaiser Heinrich II. den
Fiskus Koblenz dem Erzbischof von
Trier. Mit dein Übergang dieses wirt-
schaftlich wie strategisch bedeutsa-
ÄS»
men Platzes in das Trierer Herr-
schaftsgebiet begann die Herrschaft
der Trierer Erzbischöfe am Rhein, die
bis zur Französischen Revolution an-
dauern sollte. Um 1000 errichtete
man die Burg auf dem Ehrenbreit-
siein, die über Jahrhunderte konse-
quent zur Festung ausgebaut wurde.
Hier bewahrten die Herrscher in unsi-
cheren Zeilen wichtige Heiligtümer
auf. Als Zollburg errichteten die kur-
I tierischen Erzbischöfe im 13. Jahr-
hundert zudem die südlich von Ko-
blenz gelegene Burg Stolzenfels und
als eine Zwingburg gegen das nach
mehr Unabhängigkeit strebende Bür-
gertum die Alte Burg. Im frühen 13.
Jahrhundert ließen sich der Deutsche
Orden (1216), die Dominikaner turn
1230) und die Franziskaner (1236) in
der Stadt nieder. Erst im 14. Jahrhun-
dert wurde mit dem Bau der Balduin-
briieke erstmals seil der Römcrzeit er-
neut ein fester Übergang über die
Mosel geschaffen.
Im 15. Jahrhundert ging von den Stif-
ten St. Kastor und St. Florin eine her-
ausragende geistige Ausstrahlungs-
kraft aus, als mit Winand von Steeg
und Nikolaus von Kues Gelehrte von
europäischer Bedeutung tätig waren.
Während der Reformationszeit blieb
Koblenz katholisch.
Während des Dreißigjährigen Kriegs
verlegte Kurfürst Philipp Christoph
Koblenz mit seinen
Grofsfestiui^cn 1840
(nach H. Fischer/
A. Müller 2002)
Fort Astei stein in
Lluenbreitstein iw;
1818-28
men Platzes in das Trierer Herr-
schaftsgebiet begann die Herrschaft
der Trierer Erzbischöfe am Rhein, die
bis zur Französischen Revolution an-
dauern sollte. Um 1000 errichtete
man die Burg auf dem Ehrenbreit-
stein, die über Jahrhunderte konse-
quent zur Festung ausgebaut wurde.
Hier bewahrten die Herrscher in unsi-
cheren Zeiten wichtige Heiligtümer
auf. Als Zollburg errichteten die kur-
trierischen Erzbischöfe im 13. Jahr-
hundert zudem die südlich von Ko-
blenz gelegene Burg Stolzenfels und
als eine Zwingburg gegen das nach
mehr Unabhängigkeit strebende Bür-
gertum die Alte Burg. Im frühen 13.
Jahrhundert ließen sich der Deutsche
Orden (1216), die Dominikaner (um
1230) und die Franziskaner (1236) in
der Stadt nieder. Erst im 14. Jahrhun-
dert wurde mit dem Bau der Balduin-
brücke erstmals seit der Römerzeit er-
neut ein fester Übergang über die
Mosel geschaffen.
Im 15. Jahrhundert ging von den Stif-
ten St. Kastor und St. Florin eine her-
ausragende geistige Ausstrahlungs-
kraft aus, als mit Winand von Steeg
und Nikolaus von Kues Gelehrte von
europäischer Bedeutung tätig waren.
Während der Reformationszeit blieb
Koblenz katholisch.
Während des Dreißigjährigen Kriegs
verlegte Kurfürst Philipp Christoph
liiick von Ehrcu-
breitäein auf
Koblenz
von Sötern seinen Amtssitz von Trier
nach Koblenz in das neu erbaute
Schluss Philippsburg unterhalb der
Festung Ehrenbreitstein.
Seit dein 17. Jahrhundert wirkte sich
die günstige Verkehrslage von Ko-
blenz in Kriegszeiten verheerend aus.
So wurde die Stadt immer wieder
befestigt, teilzerstört, entfestigt und
wieder aufgebaut, besonders im Drei-
ßigjährigen Krieg (1618-48), im Pfäl-
zischen F.rbfolgekrieg (1688-97), wäh-
rend der Franzosenzeit (1794-1814)
und im 2. Weltkrieg, als die Kernstadt
zu ca. 85 % zerstört wurde.
Ein wichtiger Finschnitt war die Er-
oberung der Stadt durch die französi-
sche Revolutionsarmee 1794. Lm Zu-
ge der Säkularisation wurden die Klös-
ter und Stifte 1803 aufgelöst.
Infolge der Vereinbarungen auf dem
Wiener Kongress fiel Koblenz 1815 an
das Königreich Preußen. Ms Sitz des
Oberpräsidiums der Provinz Grußher-
zogtum Niederrhein und als spätere
Hauptstadt der preußischen Rhein-
6
von Sötern seinen Amtssitz von Trier
nach Koblenz in das neu erbaute
Schloss Philippsburg unterhalb der
Festung Ehrenbreitstein.
Seit dem 17. Jahrhundert wirkte sich
die günstige Verkehrslage von Ko-
blenz in Kriegszeiten verheerend aus.
So wurde die Stadt immer wieder
befestigt, teilzerstört, entfestigt und
wieder aufgebaut, besonders im Drei-
ßigjährigen Krieg (1618-48), im Pfäl-
zischen Erbfolgekrieg (1688-97), wäh-
rend der Franzosenzeit (1794-1814)
und im 2. Weltkrieg, als die Kernstadt
zu ca. 85 % zerstört wurde.
Ein wichtiger Einschnitt war die Er-
oberung der Stadt durch die französi-
sche Revolutionsarmee 1794. Im Zu-
ge der Säkularisation wurden die Klös-
ter und Stifte 1803 aufgelöst.
Infolge der Vereinbarungen auf dem
Wiener Kongress fiel Koblenz 1815 an
das Königreich Preußen. Als Sitz des
Oberpräsidiums der Provinz Großher-
zogtum Niederrhein und als spätere
Hauptstadt der preußischen Rhein-
provinz bauten die l’reußcn Koblenz
zur Festung und zu einem der stärks-
ten Festungssysteme Europas mit
zahlreichen Festungswerken aus.
Die erste Eisenbahn fuhr 1858 durch
Koblenz. Seitdem entstanden weitere
Brücken über den Rhein und die Mo-
sel. Zugleich verloren die Befestigun-
gen durch die fortschreitende Kriegs-
technik an Bedeutung. Als Folge brach
man ab 1890 die Stadtbefestigung ab.
Kaiser Wilhelm I. lebte lange mit sei-
ner Gattin Augusta in Koblenz. Sein
Denkmal wurde 1897 am Deutschen
Eck errichtet. Um 1900 erfolgten um-
fassende Stadterweiterungen vor al-
lem nach Süden mit herausragenden
Bauten, darunter bemerkenswerte Kir-
chen und der Hauptbahnhof.
Nach Ende des 1. Weltkriegs besetzten
erst amerikanische und dann französi-
sche Truppen die Stadt. Die schweren
Schaden des 2. Weltkriegs haben das
Stadtbild maßgeblich verändert. Die
wichtigen Baudenkmäler wurden zu-
meist wiederhergestellt.
7
provinz bauten die Preußen Koblenz
zur Festung und zu einem der stärks-
ten Festungssysteme Europas mit
zahlreichen Festungswerken aus.
Die erste Eisenbahn fuhr 1858 durch
Koblenz. Seitdem entstanden weitere
Brücken über den Rhein und die Mo-
sel. Zugleich verloren die Befestigun-
gen durch die fortschreitende Kriegs-
technik an Bedeutung. Als Folge brach
man ab 1890 die Stadtbefestigung ab.
Kaiser Wilhelm 1. lebte lange mit sei-
ner Gattin Augusta in Koblenz. Sein
Denkmal wurde 1897 am Deutschen
Eck errichtet. Um 1900 erfolgten um-
fassende Stadterweiterungen vor al-
lem nach Süden mit herausragenden
Bauten, darunter bemerkenswerte Kir-
chen und der Hauptbahnhof.
Nach Ende des 1. Weltkriegs besetzten
erst amerikanische und dann französi-
sche Truppen die Stadt. Die schweren
Schäden des 2. Weltkriegs haben das
Stadtbild maßgeblich verändert. Die
wichtigen Baudenkmäler wurden zu-
meist wiederhergestellt.
links: „Le Pouce“
(Der Daumen) iw
Cesar, Skulptur
vor dem Ludwig
Museum
rechts: Deutsc h-
ordenskommende
mit Rheinbau und
Resten der ehemali-
gen Kirche links im
Vordergrund
Torbau undAtrhiv-
dienerhaus mit
(jlasneubau von
2002
DEUTSCHHERRENHAUS
(Ludwig Museum)
Bereits 1216 berief Erzbischof Thcodc-
rieh II. von Wied die Ritter des Deut-
schen Ordens nach Koblenz und über-
ließ ihnen das nach ihnen „Deutsches
Eck" benannte Gelände an der Mosel-
mündung einschließlich des beste-
henden St.-Nikolaus-Krankenhauses.
Damit ist die Deutschordcnskommcn-
de der älteste Sitz des Ritterordens im
Rheinland. Die Niederlassung unter-
stand unmittelbar dem Hochmeister
und verwaltete zahlreiche Besitzun-
gen von Mecheln bis Mainz. Nach den
Zerstörungen im 2. Weltkrieg stellte
man von der ehemaligen Anlage nur
das gotische I lauplgebäudc - den
Rheinbau - von 1279 und den Keller
des Moselbaus mit Kreuzgratgewölbe
(14. Jh.) wieder her. Von der 1306 ge-
weihten und 1811 zerstörten Kirche
sind Reste der Südwand und einer
1354/55 an der Südseite des Chors er-
richteten Kapelle als Ruine erhalten.
Zudem bestehen die Befestigungs-
mauern zum Rhein und zur Mosel so-
wie der Torbau und das Archivdiener-
haus von 1895/96 (im Zuge der Um-
wandlung zum Staatsarchiv errichtet).
Seit 1992 beherbergt das Gebäude das
Ludwig Museum für zeitgenössische
französische Kunst, die fünfte vom
Sammlerehepaar Peter und Irene
Ludwig initiierte Kunstsammlung
in Deutschland. Der Aachener Scho-
koladenfabrikant Peter Ludwig (1925-
96) ist in Koblenz geboren.
links: „Le Police"
(Der Damnen) vo
Cesar, Skulptur
vor dem Ludwig
Museum
rechts: Deutsch-
ordenskommende
mit Rheinbau und
Resten der ehemah
gen Kirche links in
Vordergrund
DEUTSCHHERRENHAUS
(Ludwig Museum)
Bereits 1216 berief Erzbischof Theode-
rich II. von Wied die Ritter des Deut-
schen Ordens nach Koblenz und über-
ließ ihnen das nach ihnen „Deutsches
Eck" benannte Gelände an der Mosel-
mündung einschließlich des beste-
henden St.-Nikolaus-Krankenhauses.
Damit ist die Deutschordenskommen-
de der älteste Sitz des Ritterordens im
Rheinland. Die Niederlassung unter-
stand unmittelbar dem Hochmeister
und verwaltete zahlreiche Besitzun-
gen von Mecheln bis Mainz. Nach den
Zerstörungen im 2. Weltkrieg stellte
man von der ehemaligen Anlage nur
das gotische Hauptgebäude - den
Rheinbau - von 1279 und den Keller
des Moselbaus mit Kreuzgratgewölbe
(14. Jh.) wieder her. Von der 1306 ge-
weihten und 1811 zerstörten Kirche
sind Reste der Südwand und einer
1354/55 an der Südseite des Chors er-
richteten Kapelle als Ruine erhalten.
Zudem bestehen die Befestigungs-
mauern zum Rhein und zur Mosel so-
wie der Torbau und das Archivdiener-
haus von 1895/96 (im Zuge der Um-
wandlung zum Staatsarchiv errichtet).
Seit 1992 beherbergt das Gebäude das
Ludwig Museum für zeitgenössische
französische Kunst, die fünfte vom
Sammlerehepaar Peter und Irene
Ludwig initiierte Kunstsammlung
in Deutschland. Der Aachener Scho-
koladenfabrikant Peter Ludwig (1925-
96) ist in Koblenz geboren.
DEUTSCHES ECK
Die verkehrsgünstige Lage der Stadt
Koblenz wird vor allem am „Deut-
schen Eck“ offenkundig, der Mün-
dung der Mosel in den Rhein. Seinen
Namen erhielt der Ort durch den
Deutschen Orden, der hier 1216 aus
dem Besitz des Stiftes St. Kastor
Grund und Boden erhielt. Auf der
Landzunge des „Deutschen Ecks"
steht das Reiteidenkmal für Kaiser
Wilhelm I. von 1897. Das kupferge-
triebene Reiterstandbild (1945 zer-
stört, 1993 als Nachbildung wiederer-
richtet) entwarf Emil Hundrieser. Den
Entwurf für die Anlage und die Sockel-
architektur lieferte Bruno Schmitz, der
auch das Völkcrschlachtdcnkmal in
Leipzig entwarf.
Reitcnienkmai
Kaiser Wilhelms /.
am Deutschen Eck
DEUTSCHES ECK
Die verkehrsgünstige Lage der Stadt
Koblenz wird vor allem am „Deut-
schen Eck" offenkundig; der Mün-
dung der Mosel in den Rhein. Seinen
Namen erhielt der Ort durch den
Deutschen Orden, der hier 1216 aus
dem Besitz des Stiftes St. Kastor
Grund und Boden erhielt. Auf der
Landzunge des „Deutschen Ecks"
steht das Reiterdenkmal für Kaiser
Wilhelm I. von 1897. Das kupferge-
triebene Reiterstandbild (1945 zer-
stört, 1993 als Nachbildung wiederer-
richtet) entwarf Emil Hundrieser. Den
Entwurf für die Anlage und die Sockel-
architektur lieferte Bruno Schmitz, der
auch das Völkerschlachtdenkmal in
Leipzig entwarf.
Reiterdenkmal
Kaiser Wilhelms I.
am Deutschen Eck
Blick auf St. Kastor,
im Hintergrund die
Liebfrauen- (links)
und die Florins-
kirche (rechts).
Seit Juli 2010 ver-
kehrt die Rheinseil-
Mm - mit 890 m
Länge die grüßte
Seilbahn Deutsch-
lands - vom Rhein-
ufer neben St. Kas-
tor rum Plateau vor
der Festung Ehren-
breitstein. Um den
UNESCO-Welterbe-
Status nicht ru ge-
fährden, soll die
Seilbahn Ende
2013 wieder abge-
baut werden.
ST. KASTOR
St. Kastor bildete im frühen und ho-
hen Mittelalter das kulturelle und re-
ligiöse Zentrum von Koblenz, ob-
gleich die Kirche bis Ende des 13.
Jahrhunderts noch vor den Toren der
Stadt lag. Der Gründungsbau ist in
geringen Teilen im heutigen Bau er-
hallen. Er wurde über einem römi-
schen Umgangstempel erbaut und
836 durch Erzbischof lletti im Bei-
sein von König Ludwig dem From-
men geweiht, nachdem ein lag zuvor
die Gebeine des hl. Kastor von Kar-
den an der Mosel in die Kirche ge-
kommen waren. Wohl schon zur
Gründungsphasc bestand das Stift,
das 1802 aufgelöst wurde.
Die karolingische einschiffige Kirche
(vor 836) mit Querhaus, Apsis, Apsis-
umgang und Chorscheitelrotunde
prägt bis heute die Ausmaße der Kir-
che. Die karolingische Bausubstanz
ist in den Fundamenten, vom Quer-
haus bis zu den Kämpfern des Chor
bogens und wohl auch im Westbau
erhalten. Der Westbau erhielt seine
Gestalt als Doppelturmfassade in der
1. Hälfte des 11. Jahrhunderts. Um
1150/60 wurde der Chor mit den bei-
den Flankcnlürmen erbaut. Nach grö
ßeren Zerstörungen 1198 im Krieg
zwischen Philipp von Schwaben und
König Otto IV. entstand bis 1208
(Weihe) das breite und niedrige ro-
manische Langhaus mit gewölbten
Seitenschiffen und flachgedecktem
ST. KASTOR
St. Kastor bildete im frühen und ho-
hen Mittelalter das kulturelle und re-
ligiöse Zentrum von Koblenz, ob-
gleich die Kirche bis Ende des 13.
Jahrhunderts noch vor den Toren der
Stadt lag. Der Gründungsbau ist in
geringen Teilen im heutigen Bau er-
halten. Er wurde über einem römi-
schen Umgangstempel erbaut und
836 durch Erzbischof Hetti im Bei-
sein von König Ludwig dem From-
men geweiht, nachdem ein Tag zuvor
die Gebeine des hl. Kastor von Kar-
den an der Mosel in die Kirche ge-
kommen waren. Wohl schon zur
Gründungsphase bestand das Stift,
das 1802 aufgelöst wurde.
Die karolingische einschiffige Kirche
(vor 836) mit Querhaus, Apsis, Apsis-
umgang und Chorscheitelrotunde
prägt bis heute die Ausmaße der Kir-
che. Die karolingische Bausubstanz
ist in den Fundamenten, vom Quer-
haus bis zu den Kämpfern des Chor-
bogens und wohl auch im Westbau
erhalten. Der Westbau erhielt seine
Gestalt als Doppelturmfassade in der
1. Hälfte des 11. Jahrhunderts. Um
1150/60 wurde der Chor mit den bei-
den Flankentürmen erbaut. Nach grö-
ßeren Zerstörungen 1198 im Krieg
zwischen Philipp von Schwaben und
König Otto IV. entstand bis 1208
(Weihe) das breite und niedrige ro-
manische Langhaus mit gewölbten
Seitenschiffen und flachgedecktem
oben: Grabmal des
Erzbischofs Kuno II,
vor» Falkenstein
(t 1388) in gotischer
Spitzbogenblcnde
im Chor
unten: Grabmal für
Erzbischof Werner
von Königstein
(t 1418) in nasen-
besetztem Kielbogen
im Chor
oben links:
St. Kastor, Fassade
Mittelschiff. Wenig später erhielten
die Westtürme ein zusätzliches Ge-
schoss und die beiden verhältnismä-
ßig steilen Rautcnhelme. Im späten
15. Jahrhundert erfolgte die Einwöl-
bung des Langhauses und die Ncu-
einwölbung der Vierung mit einem
Netzrlppengewölbe.
Kurz nach 1802 brach man die Stifts-
gebäude und den romanischen Tor-
11
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Mittelschiff. Wenig später erhielten
die Westtürme ein zusätzliches Ge-
schoss und die beiden verhältnismä-
ßig steilen Rautenhelme. Im späten
15. Jahrhundert erfolgte die Einwöl-
bung des Langhauses und die Neu-
einwölbung der Vierung mit einem
Netzrippengewölbe.
Kurz nach 1802 brach man die Stifts-
gebäude und den romanischen Tor-
-
bau zum Friedhof ab. 1848/49 wur-
den im Rahmen einer Instandset-
zung unter Johann Claudius von I.as-
saulx die barocke Ausstattung und die
Chorschranke entfernt. Joseph A. Set-
tegast malte Anfang der 1850er Jahre
die Kirche aus. Von den großflächigen
Wandmalereien ist seit 1928 nur noch
das Apsisgemälde erhalten. Im Rah-
men der Außenrestaurierung erneuer-
te Stadtbaumeister I. W. Maeckier
1890-95 das rechte Seitenschiff und
die südliche Sakristei. Im 2. Weltkrieg
wurden die Dächer und die Orgel zer-
stört.
Grundriss nmh Krause W20
si hwar/ = vor 8 16 ( hör = um 1150/60
Landhaus = vor 1208
oben: St. Kastor,
Ansicht von Süden
links: Das 1835 als
Mädchenschule für
die Pfarrei St. Kastor
nach Entwürfen des
bedeutenden Archi-
tekten Johann Clau-
dius von Lassaulx im
Rundbogenstil errich-
tet und im Dachge-
schoss 1912/13 ver-
änderte Gebäude
diente zwischen 1911
und 1944 als Rhein-
museutn
links: Pfairhaus von
St. Kastor, erbaut
1830 irn Rundbogen-
stil nach Entwürfen
von Johann Claudius
von Lassaulx
13
Kastor-Brunnen,
Denkmal für Na-
poleons Russland-
Feldzug 1812, ur-
sprünglich von den
Statuen von Vater
Rhein und Mutter
Mosel bekrönt
Denkmal für Peter
Altmeier (1899-
1977), erster ge-
wählter Minister-
präsident von
Rheinland-Pfalz
1947-69
JAKOBUSKAPELLE/VON-
DER-LEYENSCHER-HOF
Im Bereich des 1944 zerstörten Von-
der-Leyenschen-Hofs (Kastorstraße 2,
heute Landesamt für Straßen- und
Verkehrswesen) steht auf dem dama-
ligen Friedhof der Deutschordenska-
pelle die 1355 erbaute gotische Jako-
buskirche. Ihr Äußeres wurde um
1725 nach Entwürfen des kurtrieri-
schen Hofbaumeisters Johannes Seiz
mit dem Nachbargebäude zu einer
barocken Schaufront (ursprünglich
war dies die Gartenansicht) umge-
staltet. Dieser Bauteil bildet den Rest
des Von-der-Leyenschen-Hofs, den
Erzbischof Johann von der Leyen
(1556-67) als Stadthof für seine Fa-
milie erbauen ließ und der mehrfach
ergänzt und umgebaut wurde. Der
Neubau stammt von 1967.
GÖRRESHAUS
Das ursprünglich freistehende neu-
gotische Görreshaus (heute im Hin-
terhof Eltzerhofstraße 6 von 1892/
93) ist das Fest- und Versammlungs-
haus des 1863 gegründeten katholi-
schen Lesevereins, das nach dem ka-
tholischen Publizisten Josef Görres
(1776-1848) benannt ist. Der neugo-
tische Kernbau von 1865 mit großem
Festsaal dient heute als Stammhaus
des Staatsorchesters Rheinische Phil-
harmonie.
Görreshaus (Eltzerhofstraße 6, Hinterhaus)
„DEUTSCHER KAISER"
Das spätere Gasthaus „Deutscher Kai-
ser" (Kastorstraße 3) gehört zu den
wenigen mittelalterlichen Häusern in
Koblenz, die unversehrt die Beschie-
ßung der Stadt durch die Franzosen
1688 überstanden. Das markante
turmartige Gebäude mit Zinnen-
kranz ließ sich der Koblenzer Schöffe
und erzbischöfliche Münzmeistcr
Konrad von Lengenfeld (t 1520) um
1490 erbauen. Das Wappen der Fami-
lie Lengenfeld zeigen der Schlussstein
des Sterngewölbes im F.rgeschoss und
der Bogenfries der Nordfassade.
PFARRHOF LIEBFRAUEN
Das Anwesen Florinspfaffengasse 14
könnte auf den merowingischen Kö-
nigshof zurückgehen - eindeutige
Belege fehlen jedoch. Bei den zwei
Türmen mit barocken Helmen von
Jakob iiskapel le
Kastor-Rrunnen,
Denkmal fiir Na-
poleons Russland-
Feldzug 1H12, ur-
sprünglich von den
Statuen von Vater
Rhein und Mutter
Mosel bekrönt
l tenkmal für Peter
Altmeier (1899-
1977), erster ge-
wählter Minister-
präsident von
Rheinland-Pfalz
1947-69
JAKOBUSKAPELLE/VON-
DER-LEYENSCHER-HOF
Im Bereich des 1944 zerstörten Von-
der-l.eyenschen-Hofs (Kastorstraße 2,
heute Landesamt für Straßen- und
Verkehrswesen) sieht auf dem dama-
ligen Friedhof der Deutschordenska-
pelle die 1355 erbaute gotische Jako-
buskirche. Ihr Äußeres wurde um
1725 nach Entwürfen des kurtrieri-
schen Hofbaumeisters Johannes Seiz
mit dem Nachbargebäude zu einer
barocken Schautront (ursprünglich
war dies die Gartenansicht) umge-
staltel. Dieser Bauteil bildet den Rest
des Von-der-Leyenschen-Hofs, den
Erzbischof Johann von der Leyen
(1556-67) als Stadthof für seine Fa-
milie erbauen ließ und der mehrfach
ergänzt und umgebaut wurde. Der
Neubau stammt von 1967.
GÖRRESHAUS
Das ursprünglich freistehende neu-
gotische Görreshaus (heute im Hin-
terhof EltzerhofStraße 6 von 1892/
93) ist das Fest- und Versammlungs-
haus des 1863 gegründeten katholi-
schen Lesevereins, das nach dem ka-
tholischen Publizisten Josef Görres
(1776-1848) benannt ist. Der ncugo-
tische Kernbau von 1865 mit großem
Festsaal dient heute als Stammhaus
des Staatsorchesters Rheinische Phil-
harmonie.
Görreshaus (Ellzerhofslraße 6, Hinterhaus)
„DEUTSCHER KAISER"
Das spätere Gasthaus „Deutscher Kai-
ser" (Kastorstraße 3) gehört zu den
wenigen mittelalterlichen Häusern in
Koblenz, die unversehrt die Beschie-
ßung der Stadt durch die Franzosen
1688 überstanden. Das markante
turmartige Gebäude mit Zinnen-
kranz ließ sich der Koblenzer Schöffe
und erzbischöfliche Münzmeister
Konrad von Lengenfeld (f 1520) um
1490 erbauen. Das Wappen der Fami-
lie Lengenfeld zeigen der Schlussstein
des Sterngewölbes im trgeschoss und
der Bogenfries der Nordfassade.
PFARRHOF LIEBFRAUEN
Das Anwesen Florinspfaffcngasse 14
könnte auf den merowingischen Kö-
nigshof zurückgehen - eindeutige
Belege fehlen jedoch. Bei den zwei
Türmen mit barocken Helmen von
<>t>en links: „Deutscher Kaiser"
oben rechts: Kräiner/untlhaus, Kornpfort-
strafte 17, 1708 10
1701/02 (1987 rekonstruiert) handelt
es sich um Türme der spätrömischen
Stadtmauer. Im Mittelalter diente der
Hof als erzbischöfliche Wohnung und
als Hofgericht. Seine heutige Gestalt
erhielt die Anlage 1680-82 und 1701/
02 durch Johann Christoph Sabastia-
ni. Das Tor von 1745 stammt vom
1944 zerstörten Basscnhcimcr Hof an
der Balduinbrucke.
Weinhaus Hubertus ant Florinsmarkt,
Fachwerkbau um 1695
oben. Eltz-Kübcnachcr Huf. Kornpfurtstraße 15, heute Sladlhihlio-
thek, Aiißciigestattung um 1701 von Johann Christoph Sebastiani
unten: Pfarrhof Liebfrauen, Florinspfaffcngassc 14
ST. FLORIN
oben: St. Florin,
Fassade lind Grund-
riss
rechts: Glasferislcr,
Rundscheiheit mit
der Dimtcllunx aus
der Kindheit und
Passion Christi, um
1330, sonst 1899
Die ehern. Stiftskirche Sl. Florin geht
auf die Kapelle des benachbarten
fränkischen Königshofs zurück. Die
heutige Kirche wurde um 1100 als ro-
manische Basilika errichtet, der Chor
in der Mitte des 14. Jahrhunderts go-
tisch erneuert. Die Kirche war zu-
nächst in allen Teilen flach gedeckt.
Erst in den Jahren zwischen 1582
und 1614 erfolgte durch Meister Diet-
rich der Einbau des Langhausgewöl-
bes, das nach der Beschießung 1688
durch die Franzosen 1708-11 erneuert
wurde. Die Franzosen lösten 1803
während ihrer Besatzungszeit das Stift
auf. verkauften die Ausstattung und
brachten 1807-11 die angrenzenden
Sliftsgebäude ab, so dass nur das ro-
manische Kapitelhaus und geringe
Teile des Kreuzgangs tbeide um 1200)
erhalten sind. Nach der Franzosenz.oii
wurde die Kirche als evangl Ische Pfarr-
kirche (ab 1818) wiederhergcstcllt. Die
Turmheline wurden 1899 erneuert.
Die historische Ausstattung ist fast
vollständig verloren gegangen. Bemer-
kenswert sind jedoch die vermutlich
aus der Kirche in Dausenau stammen-
16
oben: St. Flo-
rin, Blick durch
das Langhaus
zum Chor
links und
unten Mitte:
Kapitelhaus,
Ansicht und
Schnitt
rechts außen:
Denkmal für
Nikolaus von
Kues (1401-
64) vor der Kir-
che - berühm-
ter Philosoph,
Theologe und
Mathematiker,
ab 1430 De-
kan am Stift
St. Florin,
später auch
Kardinal
den mittelalterlichen Glasscheiben,
die 1899 zu großen Fenstern zusam-
mengesetzt wurden. Sie zeigen Dar-
stellungen aus der Kindheit und der
Passion Christi (um 1330), der Kreuzi-
gung und I limmelfahrt Christi (wohl
aus dem Kloster Arnstein stammend,
2. Drittel 14. Jahrhundert).
Rümsheimer Hof,
Kaul- und Danz-
huu.\ sowie Schotten-
haus
Moselansicht mit
„Deutschem Kai-
ser", Schöffenhaus
(mit Erker und Wap-
pen des ’ltierer
Kurfürsten Richard
von Greiffcnklau
(reg. 1511-31)),
den 1 linnen von
St. Florin, dem
Kaufhaus und dem
Uihresheimerhof
mit (Jalcriebau
ALTES KAUFHAUS
(Mittelrhein-Muscum)
Das 1419-25 als städtisches Kauf- und
Danzhaus am Florinsmarkt errichtete
Gebäude diente von 1674 bis 1794 als
Rathaus. Nach Beschädigungen im
l'täl/ischen Krbfolgckricg 1688 erhielt
cs durch Johann Georg Judas das ba-
rocke Mansarddach und den Uhrtunn
mit dem Fratzen köpf des „Augcnrol-
Icrs". 1944 zerstört und 1961/62 wie-
derhergestellt, beherbergt das Gebäu-
de das Mittelrhein-Museum, eine
Sammlung mittclrhcinischer Kunst
(bemerkenswerte gotische Skulpturen
und Gemälde der Rheinromantik). Bis
zum I ndc der Generalsaniening 2013
präsentiert das Museum Sonderaus-
stellungen. Ein Teil des Museums ist
auch im gotischen Schöffen haus
von 1528-30 (J965 rekonstruiert) mit
den filigranen Ecktunnchen unterge-
bracht. Hier tagten die 14 Schöffen,
die das Stadtgericht bildeten.
F>er Hürreshcimcr Hof von 1659/60
mit markantem geschweiften Giebel
beherbergt u. a. die Musik- und Ju-
gendbibliothek. Von 1847 bis 1938
war der Bau Synagoge. Zur Mosel
schließt der barocke Galeriebau
(1771-74) von Nikolaus lauxen an.
ohen: Münzplatz, Jugendstil-Wandgemälde vwj William Straube
(1911} mit der Darstellung des Paradieses (links), Meltemicher Hol
(Mitte), Marktfrau & S< hulzmwrn sowie „Resche Hennerich" (Htnnze-
figuren wn Fritz Herltn, oben rechts), Münzmeisterhaus (rechts)
MÜNZPLATZ
Der Münzplatz entstand durch den
Abriss der Gebäude der kurfürstüch-
trierischen Münze, die 1773 geschlos-
sen wurde. Während die Werkstätten
(Öfen, Prägerei, .Schlosserei usw.) nach
1806 verschwanden, blieb das heute
frei stehende Münzmcistcrhaus von
1761/63 (von Johann Seiz erbaut) er-
halten, das einstige Wohnhaus des
Münzmeisters Meydingcr.
Dem Platz gegenüber steht der Met-
ternicher Hot, Stadthof der Freiher-
ren von Metternich-Winneburg. Das
im Kern mittelalterliche Gebäude er-
hielt seine heutige Fassade 1674. Hier
wurde Clemens Wenzeslaus von Met-
ternich (1773-1859) geboren, der
1814/15 den Wiener Kongress leitete.
links: Straßenkreuzung Markt straße/Am
Plan - vier Häuser von 1608 mit kunstvollen
Erkertünnen, 1689 92 von loh. Christoph
Sebasliani (nach Zerstörung 1688) erneuert,
Marktstr. 2 und Am Plan 2 1862/63 erhöht,
Letzteres 1944 zerstört, 1950 rekonstruiert
Lkbfraucnkin he.
Doppelt! trmfassade
(oben), Grundriss
(unten rechts),
Innenansicht rum
Chor (S. 23),
Grabsteine des
Reinhard von Burg-
torn (t IS 17) und
seiner Frau Guta (t
1553) in der Vor-
halle (unten links)
LIEBFRAUENKIRCHE
Im Zentrum der Altstadt gelegen, war
die Kirche vom späten Mittelalter bis
um 1794 die Hauptpfarrkirche von
Koblenz. Der heutige Bau besaß meh-
rere Vorgänger, darunter einen römi-
schen Saalbau, der im 5,/6. Jahrhun-
dert zu einer Kirche mit Ambo und
Chorsch ranke um gestaltet wurde.
Mit dem Bau der heutigen spätroina-
nischcn Liebfrauenkirche wurde 1180
begonnen. 1205 war die dreischiffige
Gewölbebasilika vollendet. Den Chor
verlängerte man 1404-30 nach Plä-
nen von Johann von Spay ff 1420)
mit dem heutigen spätgotischen Iang-
eljor. Um 1470 modernisierte inan das
Mittelschiff durch den Einbau des
pninkvollen Netzrippengewölbes. Die
1688 zerstörten Turmhclme erneuerte
1693/94 der kurtrierische llofbau-
meister Johann Christoph Sebastian!.
Weitere barocke Veränderungen folg-
ten, die jedoch der Kölner Donibau-
meister Vinzenz Statz 1852 zugunsten
neuromanisch bzw. -gotischer Bau-
formen und Ausstattungsstücke aus-
tauschte. Wichtigste Sehenswürdig-
keit im Kirchenraum ist heute der Flü-
gelaltar eines flämischen Meisters mit
der Anbetung der I ledigen Drei Köni-
ge von 1584 (im Chor).
Die spätroman ischc Pfeilerbasilika
wirkt durch die Emporen und den ho-
hen Obergaden ungewöhnlich. Durch
das Emporengeschoss entsteht ein in
den Proportionen außergewöhnlich
steil wirkendes Mittelschiff. Der Chor
der romanischen Kirche ist heute der
Vorchor des dreischiffigen, gegenüber
dem Langhaus etwas breiteren spätgo-
tischen Chors.
22
<fiV V,‘ >
maa
Jesuiteitkirche, Fas-
sade - Portal mit
Johannes dem Täu-
fer (Kitchenpalron),
Ignatius von Loyola
(Ordensgründer)
Franz Xaver (Jesui-
tenheiliger) und Erz-
engel Michael -
und Innenratan
JESUITENKOLLEG IUM/
RATHAUS
Der Jesuitenplatz mit dem Standbild
des in Koblenz geborenen Anatomie-
professors Johannes Müller (1H01—
58), der u. a. die Blutgerinnung er-
forschte, wird von zwei Barockhäusem
mit Zwerchgiebeln von 1773 des Stadt-
baumeisters Nikolaus lauxcn und dem
ehern. Jcsuitcnkollcgium geprägt, das
heute als Rathaus genutzt wird. Nach-
dem sich im Zuge der Gegenreforma-
tion auf Wunsch des Trierer Erzbi-
schofs Jakob 111. von Eltz der Jesuiten-
orden 1580 in Koblenz in den Gebäu-
den der zuvor umgcsiedelten Zis-
terzienserinnen niedergelassen halte,
entstanden ab 1588/89 die ersten Klos-
tcrncubautcn (zunächst der Süd-, dann
der Westflügel unter der Leitung von
Georg Monreal) und 1613-17 die re-
präsentative Kirche mit Seitenschiff-
emporen im nachgotischen Stil mit
Renaissancczierformcn. 1944 zerstört,
wurde nur die Fassade von 1617 mit
der prächtigen Fensterrose und dem
Portal wiederhergestellt, während man
das Kirchenschiff 1958/59 nach Plä-
nen von Dominikus Böhm neu er-
richtete. Die Glasbilder schuf Jakob
Schwarzkopf (1962). Das Gnadenbild
stammt aus dem 15. Jh. Den Gebäude-
teil des Kollegs zum Jesuitenplatz schuf
Joh. Christoph Sebastian! 1694-1701,
die Turmhauben Joh. Georg Judas.
links: Schängelbnmnen vrwr Carl Burger,
1940. Der Lausbub „Schlingel“ spuckt alle
zwei Minuten Wasstr. ,Schang'ist eine Ab-
leitung vom franz. Jean’- Bezeichnung eines
Franzosen wahrend der Franzosenzeit hzw.
mundartliche Bezeichnung (Ortsneckname)
für die in der Stadt Koblenz geborenen Jun-
gen (heute auch Mädchen)
rechts: Jesuitenkolleg
unten: Jesuitenplatz mit dem Denkmal für
Johannes Muller
RHEINUPER
Das Rheinufer dominieren die Mo-
numentalbauten des Hotels „Coblen-
zer :911-13 von G. Müllcr-Er-
kvknz) und das neuromanische, an
stautische Pfalzen angelehnte Regie-
rungsgebäude (1902-06 von Paul
Kiese hke), der ehern. Sitz der König-
lichen Regierung des preußischen Rc-
tungshezirks Koblenz.
n i hts: Hisloriensäule (1992) von Jürgen
Ui her auf dein Josef-Görres-Plalz.. Über dem
n mi* heu Weinschiff'ist die Geschichte von
Koblenz dargestellt: römische Stadt, fränki-
sdier Konigshof, Zerstörung 1199, Kreuz-
zogt. Blütezeit im Mittelalter, Dreißigjähriger
Kmg, Französische Revolution 1789,
1 u Jahrhundert, 2. Weltkrieg und heute
unten: W'eindorf geht auf die Reic hsausstel-
lung .Deutscher Wein“ von 1925 zurück
oben: Rheinufcr mit
ehern. Regierungsge-
häude (heule Bundes-
amt für Wehrleduiik
und Beschaffung)
van 1902-06 und
Hotel „('oblenzer
Hof von 1911-13,
davor Rheinkran,
1609-11 nach Plä-
nen von Peler Werner
unter Mitwirkung des
ftil'ulter Festungsbau-
meisters Johann
Pasqualini
Mitte: Rtgienings-
straße 7, eheni.
Huuptzollamt und
Dienstwohnung des
Regia tutgspriis i deu-
ten, heute Oherian-
desgericht Koblenz
und AnwallsgerichLs-
hof Rhcinland-Pfdlz,
um 1906 von Paul
Kiese hke erbaut
25
n FK. |
’
oben und unten
links: Kurfürstliches
Schluss, 1776-92
unten rechts: Görres-
Deitktnal, 1928 von
Richard Langer. Der
5 m hohe Jüngling
mit Buch und Adler
streckt sich zur rech-
ten Rheinseite - der
Verweis auf die
Wiedervereinigung
mit dem Deutschen
Reich als Koblenz
französisch war. Der
Koblenzer Josef Gör-
res (1776 1848)
förderte Pressefrei-
heit, Vierfassung und
Volksrecht.
KURFÜRSTLICHES
SCHLOSS
Das kurfürstliche Schloss (1776-92)
der Architekten Pierre Michel d'lxnard
und A. Francois Peyre d. J. am Rhein -
ufer gilt als einer der letzten monu-
mentalen Schlossbauten des 18. Jahr-
hunderts und zugleich als erster und
bedeutendster frühklassizistischer Bau
im Rheinland. Die Rheinfront besitzt
eine beachtliche Länge von 160 m.
Auftraggeber des Schlosses war Kur-
fürst Clemens Wenzeslaus von Sach-
sen. Er entschloss sich für den Resi-
denzneubau südlich der Stadt, um
den Ausbau einer vorgelagerten Neu-
stadt voranzutreiben und die Phi-
lippsburg in F.hrcnbreitstein als Resi-
denz abzulösen. Da der Kurfürst
1792/93 und endgültig 1794 vor dem
französischen Revolutionsheer flie-
hen musste, blieb die Innenausstat-
tung unvollendet. Das Schloss erlebte
seitdem unterschiedliche Nutzungen.
1842-45 erhielten einige Innenräu-
me nach Entwürfen von Friedrich
August Stüler durch Johann Claudius
von Lassaulx eine klassizistische Um-
gestaltung. 1845-1914/18 diente das
Obergeschoss als Wohnort des preußi-
schen Königshauses, während im Erd-
geschoss 1846-1911 der Sitz des Ober-
präsidiums der Rheinprovinz unter-
gebracht war. 1944 zerstört, wurden
Ausstattungsteile wiederhergestcllt.
26
Stnscmannstra/ie 3/5 (neben dem Schloss),
t hem. Oberpräsidium der Rheinprovinz,
heult Struktur- und Genehmtgungsdirek-
riun Kord, 170 m langer Repräseniulions-
hau um 1907-10 (Architekten Saran und
Rt rhnstedt) nai h Vorbildern fränkischer
und rheinischer Barockschlösser
SL losef, 189S-98 nach Plänen von losef
Kl, < sattel, sehr qualitätvoller neugotischer
Kuu als Zentrum der südlichen Vorstadt mit
90 tu hohem Turm und Originalausstattung
(0 B E 5! I
BOJE
DEINHARDPLATZ
Zentnirn der spätbarocken Stadtcr-
weiterung bildet der Dcinhardplatz,
benannt nach dem 1786 errichteten
Stammhaus Deinhard - dem ehe-
maligen Zentrum des Wcinhandels
und der Sektproduktion (seit 1969
Deinhard-Kellcrmuseumt.
Der Brunnenobelisk von 1791 nimmt
die Platzmitte ein. Repräsentativster
Bau ist das Stadtthcater, 1786/86
von Johann Andreas Gärtner erbaut.
Im Innern ist der klassizistische Zu-
schauerraum zu bestaunen. Neben
dem Theater steht das Hotel „Trierer
Hof", 1786 von Christian Trosson er-
baut.
Deinhardpiatz mit dem
Stammhaus Deinhard
(Deinhard-Kellermu-
seum, links), dem
Stadttheater (Milte),
dem Hotel „lYicrer
Hof (rechts) sowie
dem Bnmnenohelisken
von 1791
Herz-fesu-Kirche,
1900-03 von Ludwig
Becker, malerisc he
repräsentative Kirche
im Stil rheinischer Spät-
rumunik in städtebau-
lich exponierter Lage
am Friedrich-Ebert-
Ring, Aussiedlung
1944 zerstört
27
KOBLENZ-EHRENBREITSTEIN
FESTUNG
EHRENBREITSTEIN
Die rechte Rheinseite (Koblenz-Ehren*
breitstein) wird von der mächtigen
Festung Ehrenbreitstein geprägt, die
sich gegenüber der Moselmündung in
118 in Höhe über dem Strom auf steil
ansteigendem Felsen erhebt. Es han-
delt sich um eine der stärksten in Euro-
pa errichteten Festungsanlagen.
Das Vorgeländc der Festung auf der
Hochfläche ist die Austragungsfläche
der Bundesgartenschau 2011. Die
Rheinseilbahn, die größte Luftseil-
bahn Deutschlands, verbindet die
Festung Ehrenbreit-
stein, Grundriss
linksrheinische Seite bei St. Kastor mit
dem Plateau vor der Festung. Dabei
können bis zu 7600 Menschen pro
Stunde befördert werden.
Die Festung Ehrenbreitstein beheima-
tet unter anderem das Landesmu-
seum Koblenz (Hohe Ostfront), eine
Archäologische Ausstellung (Contre-
garde rechts), zwei Restaurants und
die Jugendherberge.
Eine erste Burg soll um 1000 von dem
Konradiner Erenbert angelegt worden
sein. Wenig später gelangte sie an die
Erzbischöfe von Trier, die die Anlage
stetig ausbauen ließen. Als besonders
sicherer Ort im Erzbistum verwahrte
man hier 1.380-1422 die Kopfreliquie
des hl. Apostels Matthias.
Um 1500 begann der Ausbau zur Fes-
tung durch die Errichtung der ersten
bastionierten Anlage, indem die Burg
auf die im Norden gelegene Hochflä-
che ausgedehnt wurde. Im 17. Jahr-
hundert erreichte die Festung ihre
heutige Ausdehnung. Dennoch ge-
lang es den französischen Truppen
1799, nachdem die kurtrierische Be-
satzung mehr als drei Jahre belagert
und daher ausgehungert worden war.
die bis dahin unbezwungene Festung
zu erobern und 1801 restlos zu zerstö-
ren. 1815-32 erfolgte die Neubefesti-
gung in Anlehnung an die barocke
Anlage, jedoch in moderner Formen-
sprache und Technik, und damit die
Erschaffung des heutigen Zustands.
Landesmuseum Koblenz
Das Landesmuseum Koblenz versteht
sich als technisches Museum und be-
handelt Aspekte der Wirtschafts- und
Sozialgeschichte der Region vom
Automobilbauer August Horch und
der Bimsindustrie bis hin zu Wein-
bau, Sektherstellung, Tabakverarbei-
tung und Archäologie.
28
A'ur.< hnnhnitstein, Ansicht it»i dir tfaffcndorfcr Hnttke (Khebibnicke)
Festung Ehrenbreitstcin
2$
oben und unten:
Dikasleriulbau und
Mars lull
Pagerie
KURFÜRSTLICHE
GEBÄUDE
Unterhalb der Festung Ehrenbreit-
stein stand ursprünglich die kurfürstli-
che Residenz, die sich der Trierer Erz-
bischof Philipp Christoph von Sötern
1626-29 nach Plänen Georg Ridingers
erbauen ließ und die dieser - nach sich
selbst - Philippsburg nannte. Seit der
Vollendung des kurfürstlichen Schlos-
ses in Koblenz (s. S. 28»1786 stand die
Philippsburg leer. 1801 von den Fran-
zosen gesprengt, wurden die Reste we-
nig später abgebrochen. Erhalten blie-
ben die stattlichen Nebengebäude, die
für sich bereits den Eindruck größter
Repräsentation vermitteln: im Nor-
den die Pagerie (Festungspfortenbau,
1690-92 von Johann Christoph Sebas-
tians), der langgestreckte, parallel
zu in Rhein verlautende, schlossartige
Dikasterialbau für die kurfürstliche
Verwaltung <1739—19 nach Plänen des
berühmten Architekten Balthasar
Neumann», dahinter der Krummstall
(gleichfalls von Neumann 1744-47,
Wirtschafts- und Stallgcbäudc) und
im Süden der Marstall (1762 von Jo-
hannes Selz, Rokoko-Portaldekor mit
Maskenkartusche und aufbäumen-
dem Pferd mit Knecht, 1762/63 von
Joseph Fehl).
ORTSZENTRUM
Fhrcnbrcitstcin besitzt noch Reste
des historischen Stadtkerns mit eini-
gen interessanten Wohnhäusern zu-
meist aus der Barockzeit, darunter
das Palais Coenen von 1713, die sich
anschließenden I läuser „Weißes Ross"
von 1723 in der Hofstraße und die Al-
te Mühle (Obertal) von 1726.
Die Mutter Ludwig van Beethovens,
Maria Magdalena Keverich (1746-87),
wurde im Mutter-Beethoven-Haus
(Wambachstr. 204) geboren. Das Ge-
burtshaus ist seit 1975 Museum. Die
größte Beethovensammlung in Pri-
vatbcsilz zeigt Notenhandschriften.
Briefe, Erinnerungen an Sophie von
La Roche und Clemens Brentano usw.
Die Kapuzinerkirche (1657 geweiht)
besitzt qualitätvolle Altäre des Hofar-
chitekten Johannes Seiz von 1753
und eine Kanzel von 1755. In der
seitlichen Loretoka pelle befinden
sich ein Altaraufsatz von 1739 und ei-
ne reich stuckierte Altamische mit
Vesperbild und Rükokostuck (1747).
Das Rheinmuseum Koblenz schil-
dert anschaulich das Leben am Rhein
vom Neandertaler über die Rheinro-
mantik bis zum Rheinausbau und die
Entwicklung der Rheinschifffahrt.
üben: Kapuzinerkir-
che und Kulturzen-
trum Konradhaus,
IX7H von dem be-
rühmten Berliner
Architekten Marlin
Gropius erbaut
links: Mutter-Reetho-
ven-Haus
links: Rheirirnuseum, Gebäude 2. Hälfte
19. Jahrhundert
unten: Rhvinnniseum, Schiffsfund wn
Ehrenbreitstein aus dem 17. Jahrhundert
Palais (oeneti, 17 IS
wn dem Hofhau-
meister Philipp
Honorius Ravensleyn
für den Hofkammer-
rat Heinrich Ludwig
Coeneti erbaut
unten: Haus Kapuzi-
ners! ruße 1.15, Fach-
werk von 1672,
ursprünglich vorn
ehern. Rathaus stam-
mend und ttS44 in
das heutige Gebäude
eingebaut
31
Koblenz ist eine römische Grün-
dung und daher eine der ältesten
Städte in Deutschland. Einzigartig ist
die Lage von Koblenz an der Mün-
dung der Mosel in den Rhein. Dies
spiegelt sich auch im lateinischen
Ortsnamen „Confluentes" (= die Zu-
sammenfließenden) wider, der sich
im Namen „Coblenz" - die bis 1926
offizielle Schreibweise - erhalten hat.
Große Teile der Stadt gehören zum
UNESCO-Welterbe Mittelrheintal.
Hier hat sich eine außergewöhnliche
Kulturlandschaft mit Burgenanlagen
und Kirchen in einer bezaubernden
Landschaft erhalten.
Mit mehr als 100000 Einwohnern ist
Koblenz heute überregionales Zen-
trum, Universitätsstadt und unter
anderem der Sitz des Bundesarchivs
und der Bundesoberbehörden Bun-
desamt für Wehrtechnik und Be-
schaffung sowie Bundesamt für In-
formationsmanagement und Infor-
mationstechnik der Bundeswehr.
Burg Stolzenfels,
eine der bekanntesten
Burgen des Rheins,
liegt nur wenige Kilo-
meter südlich von
Koblenz