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-~'**t* c ^; I n h a 1 t Binleitung Seite: & I) Die chronikaliache (Jberlieferung der preuBisohen i\ Geachichte bie zur Mitte dea 16. Jahrhunderta II) Die Danziger Chronik dea Oberlandeagerichta Celle 1) Beschreibung der Handachrift 2) Die Bildauaatattung A) Die Wappen a) Hochmeisterwappen b) Andere Wappen von Institutionenoder Л X Peraonen rf [| c) Landea- und Stadtewappen •i B) Die Dar8tellungen a) Politiachea Geachehen in Polen und im Ordensland im Bild b) Politiachea Geachehen in Danzig im Bild o) Die Bauten j d) PortrSta e) MUnzen f) Berufe im Bild v., g) Mord, Gericht und Tod || h) Sagen und Schw&nke ;il) Die Chronik Heinricha von Reden und ihr Verh&ltnis v zur Celler Handachrift 1) Beachreibung der Handachrift 2) Die Bildauaatattung A) Die Wappen a) Hochmeisterwappen b) Andere Peraonalwappen c) Landes- und Stadtewappen 9 11 36 36 41 41 41 47 50 53 54 57 59 60 61 61 62 63 66 66 69 70 70 72 72
- 6 - В) Bie Darstellungen 73 3) Вег Text 74 IV) Verfasser und EntBtehungszeit der Handeohrlftan Reden, X und Celle 81 V) Inhalt und Wesen der Celler Chronik 87 1) Ber Inhalt 87 2) Originalitat und Glaubwttrdigkeit 94 3) Chronik Celle ale Entwicklungsstufe stftdtischer Geschichtsschreibung in Banzig 104 VI) Bie Quellen der Celler Chronik 111 1) Bie zitierten Chroniken und ihre Benutzung in den Kapiteln der Landbeschreibung 111 A) Ber Reisebericht des Biwonie 112 B) Bie Chronik Bischof Chriatiane 114 C) Aeneas Sylvius 116 B) Erasmus Stella 118 E) Johannes Boemus 120 F) Sebastian Prank 121 G) Matthias von Miechbw 125 2) Bie nichtzitierten Quellen und die Stellung der Celler Handschrift innerhalb der Banziger Chronistik 127 VII) Ber Einflufi Polens auf die Banziger historiogra- phische Tradition 151 „ VIII) Bie Celler Chronik im Rahmen der preuflischen Historiographie des 16. Jahrhunderts 167 Zur Zitierweise 194 AbkUrzungsverzeichnis 195
7 jimerkungen 196 luellen und Literatur 236 egister der Chronisten und Handachriften 247 bbildungen 250
Einleitung Бег preuBischen Hietoriographie des 16. Jahrhunderts ist die orliegende Arbeit gewidmet. So abseits und isoliert das PreuBen- and gelegen zu haben scheint, der Pulsschlag der europaischen Ge- chichte ist deutlich bis dorthin zu spUren. Nur scheinbar provin- iell ist die Themenstellung. Pie Entwicklung, das G&ren und Vor- ftrtsgreifen jener Zeit der grdBten geistigen Erschlitterung eutschlands ist in PreuBen genausogut zu bemerken wie in jeder nderen Landschaft, nur daB es manchmal in sanfteren Tbnen geschah nd nicht unbedingt der laut klingenden Fanfare bedurfte. So ge- innt der scheinbar provinzielle Ansatz ein gesamthistorisches In- eresse. Pie preufli8che Historiographie hat jeden bertthrt, der sich fiher mit preuflischer Geschichte befaflte. Erst seit der Jahrhun- ertwende ist das Interesse zurtlckgegangen, urn vor wenigen Jahren eu zu entflammen. Paher steht noch immer unUbertroffen da das er- te zusammenfassende Werk, Toeppens Geschichte der preufiischen Hi- toriographie vom Jahre 1853, das er schrieb, bevor die systemati- che Erforschung und Edition der Quellen Uberhaupt begonnen hatte. ringend notwendig ware die Neubearbeitung jenes Gebietes, im leichen Umfang wie Toeppen es seinerzeit tat. Pazu bedurfte und edarf es einiger Vorarbeiten, besonders fUr die Panziger Ge- chichtsschreibung. Per Anfang ist gemacht durch W. Hubatsch sowie . Pworzaczkowa, deren Arbeit das auch auf polnischer Seite er- achte Interesse an jener Thematik representiert, und die vorlie- ende Arbeit. Aus dieser Zielrichtung ergab sich die Art meiner arstellung und Untersuchung. Es gait zunachst, die Entwicklung der preuBischen Historic- raphie bis ins 16. Jahrhundert aufzuzeigen als Grundlage fUr die aitere Betrachtung. Sodann ging es darum, die Fragen, die J. tforzaczkowa im allgemeineren Rahmen aufgezeigt hatte, durch das n Peutschland vorhandene, ihr nicht zug&ngliche Material zu be- ?ichern und an einigen Stellen zu vertiefen. Ausgangspunkt dazu 3t die PreuBische Chronik aus dem Besitz des Oberlandesgerichtes
10 Celle, auf die ich stets Bezug nehme. Zu diesen quellenkritischen Fragen habe ich neben dem Text auch die Abbildungen herangezogen, in der Hoffnung, durch diesen methodisch neuen Ansatz der Forschu zur preuBischen Geschichtsschreibung aus einer Sackgasse herauszu helfen. Ein weiterer Ansatzpunkt war, den so viel zitierten, jedo' nie genauer untersuchten EinfluB polmscher Geschichtsschreiber ai p die preuBischen Darstellungen zu untersuchen. AbschlieBend forder- das Material es geradezu heraus, sich - wie zu Beginn - mit der geistigen Entwicklung der spateren Chronisten auseinanderzusetzen die weniger durch die poiitische Lage wie in den frUheren Jahrhun- derten, eondern jetzt vor allem von langsam erwachenden methodi- schen Uberlegungen geleitet war. So entstand mehr als nur die mo- nographische Behandlung einer Chronik, mehr auch als ein StUck ^ HeimatgeschichtsschreiDung. DaB mir dies gelang, verdanke ich in erster Linie Herrn Pror, Hubatsch, der mir die Ceiier Chronik zur Bearbeitung UberlieB und die Arbeit wahrend ihres Entstehens fbrderte und lenkte. AuBerdem mochte ich nicht versaumen, all denen zu danken, die wesentliche^ c Material mir zuganglich machten und mir ratend zur Seite standen, oesonders Herm Prof. Jablonowski, Bonn, Herrn Prof. Llilfing vonv1 der Deutschen Staatsbibliothek Berlin, den Herren Oberlandesge- > richtsraten Dr. Figge und Glaser vom Oberlandesgericht Celle, Herrn StaatsarchivdirektorDr. Koeppen vom ehem. PreuBischen Staati archiv Kbnigsberg in Goxtingen sowie Herrn P. Dr. Wieser vom ^ ueutechoraeiiszentralarchiv in Wien, ebenso der Universitatsbiolio- thek Bonn, die sich nach Kiaften bemUhte, die Literatur zu einer^ Thematik heranzuschaffen, die dem Aufbau einer rheinischen Biolio- thek nicht unbedingt entspricht. ^ Sodann erwahne ich dankbar die Untersttitzung, die mir nicht1^1 nur fUr die Dissertation liber langere Zeit von der Fritz Thyssen- Stiftung zuteil wurde. Sie ermoglichte mir die fUr das Forschungs- gebiet notige freizligige Arbeitsweise. rt •j Moge nun diese Arbeit in ihrem Rahmen ein Beitrag sein zu de: Erfilllung der historisch-politischen Verpflichtung, die uns heut^ die Zerrissenheit des deutschen Vaterlandee auferlegt. S'
11 I) Lie chronikalische tJberlieferung der altpreuflischen Geschichte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts 5 Eins der groBten Phanomene der mittelalterlichen Geschichte t der Aufbau des Deutschordensstaates PreuBenЛnnerhalb von etwa Jahren nach seiner Ankunft hatte der Ritterorden die Starr.i: der v uBen, die bereits zwei Jahrhunderte den Polen standhaft trotzten, terworfen, christianisiert und zu Kittragern eines Staates ge- cht, wie er seinesgleichen suchte. In groben ZUgen waren die enzen des Gebietes festgelegt, die Miseionierung durchgeflihrt d die innere Verwaltung aufgeoaut. Mit der tlbersiedlung des Hoch- isters in die Marienburg wurde das PreuBenland Mittelpunkt der utschordensbesitzungen und - nach dem Pall der Templer - Zentrale s Ordensgedankens. Geboren aus einer Ara groBer geistiger Bewe- ng ging mit der Epoche der Kolonisation und des inneren Aufbaus r Orden enier Zeit uer Selbstbesinnung entgegen. Danul begannen Anfang des 14. Jahrhunuerts in PreuBen aucn Dichtung una de- hichtoschreibung, zwei literanscue Ausdrucksiигшеп, die wit dem echiuA exnes btaaies aul's engste verkniipit sind. Wie sehr Gluck d hnglUck eines Staates die Akzente der Geschichtsschreibung ver- hieben, sowohl geistig als auch geographisch, zeigt sich gerade PreuBen. Lem gilt es nachzugehen, flir mehr als zwei Jahrhunderte e vielgestaiten Variationen des einen Themas aufzuzeigen, Ge- hehenes mitzuteilen.^ Vorerst lagen Macht und Kunst allein in der Hand des Ordens. nimuit es nicht Wunder, von dieser Seite die ersxe histon&che rstellung seiner Geschicke zu erhalten, allerdings erst fast 140 hre nach seiner GrUndung als Ritter orden, von dem im Ko- gsberger SchloB lebenden rheinischen Ordensbruder Petrus von 2) aburg. ' Sem "Chronicon terrae Prussiae" war nicht das erste atonsche Werk, das der Orden hervorbrachte. So stutzte sich be- Ъ) its Lusburg auf die MNarratio de primordiis ordinis Theutonici" i den Prolog der Ordensstatuten^ mit dem Bericht Uber die GrUn- ig des Ordens, sowie einen dem Hochmeister Hartmann von Heldrun- l zugeschriebenen Bericht Uber die Vereinigung des SchwertbrUder- iens mit dem Deutschen Orden. Ebenso benutzte er die groBe Dar-
12 stellung der alteren liviandischen Reimchronik.^^ Livlanda Erobe- rung und Missionierung hatte dreiBig Jahre vor derjemgen PreuBer begonnen, dreiBig Jahre vor Dusburg wurde die Reimchronik fertig- gestellt, unter ahnlichen Vorauasetzungen entstanden, wie aie ftii PreuBen geschildert worden sind. Das erste groBe Werk innerhalb dea Ordens war jedoch das 1326 fertiggestellte Chronicon Dus- burgs,^ Es umfaBt die altpreuBiache Ordensgeschichte sowie das erete Jahrhundert und damit die Zeit dea Staatsaufbaues im Preu- Benland. Peter widmete seine Chronik Werner von Orselen, "dem Mei ster des Hospitals der HI. Maria vom Deutschen Hause in Jerusa¬ lem". Seinem Naraen nach stammte er wahrscheinlich aus dem rheini- schen Duisburg; gelebt hat er im Ordenshaus Kdnigsberg ala Prie- sterbruder (sacerdos), was kaum Schllisae auf seine Tatigkeit er- laubt. Mehr wissen wir von ihm nicht. Doch bereits dies macht kla mit welcher Art von Geschichtsschreibung wir es zu tun haben: es ist offiziose Historiographie. Nichts anderes ist auch fUr diese Zeit in PreuBen zu erwarten. Dementsprechend finden sich Beispiel einer zwar nicht falschen, jedoch vorsichtig verschweigenden oder betonenden Darstellung der Verhaltnisse zu Polen; hatte doch 1320 der erste ProzeB zwischen Polen und dem Deutschen Orden an der Ku rie stattgefunden. Unter einem weiteren Aspekt steht Dusburgs Schilderung. Preu¬ Ben war ein Land des Heidenkampfes, seit dem Pall Akkons 1291 ne- ben Spanien das Land der Kreuzfahrten. Nach PreuBen zogen aie ,,Gasten, vom niederen Adel bis zum gekronten Herrscher. Dies be- stimmt Peters Darstellung. Im Mittelpunkt steht der Schutz der Kirche, das heiBt in jener Zeit, aktiver Kampf gegen die Unglau- bigen. Dieser Kampi wird geflihrt zur Ehre Gottes und zum GlUck de Heiden, zu lhrer Errettung aus den Klauen des Bbsen. So sind die PruBen 1'Ur Peter die Sohne Belials, der Kampf gegen sie ist ein Kampf gegen die dunklen Gewalten der Holle zur Verherrlichung Got tes und der Jungfrau Maria, zur Ausbreitung des Glaubens und Un- terweriung unter die Kirche. Der Ordensritter ist nur Mittelsper- son in aiesem Krieg. Er kampft flir den Willen Gottes, leidet und etirbt fur ihn. Das Ziel ist die Bekehrung der Heiden, ansonsten ihre Ausrottung. Der PruBe ist m dem Sinne flir Dusburg kein Mensch, sein Wiaerstand nur ein Aufbaumen des Bosen. So trifft cLe
13 - Tod von Mann, Weib und Kind auf pruliischer Seite immer nur das B5- 86, aessen Verkorperung jene sind. Auf der Seite des Oraens Oder der wenig erwahnten Koionisten ist dasselbe Geschehen jedoch ein Leiuen ilir Gott und die Kirche. Von hier ist die Beurteiiung der Vorgange durch Dusburg ge- Kennzeichnet, aus dieser Sicht heraus ist sie zu verstehen. Auch seine Auswahi aes Berichceten wird nun deutlich. Der Auibau des Staates durch Kolomsation, Verwaltung und Handel ist unwesent- lich; wir erfahren fast nichts dariiber oder nur so sehr am Rande, da В diese Notizen sich oftmals mit Erfolg einer Auswertung entzie- hen. Wichtig ist dagegen jeder Kriegszug, jedes Kampi'geschehen, da ale der Ausbreitung des Glaubens dienen. Daher rtihrt die aui die Dauer so eintonig wirkencte Auizahiung der Kriegerischen Vorgange; doch konnen wir andererseits wieder gewib sein, daB von diesen wohl kauui einer vergessen wurae, oesonders nicht seit etwa 1290, also der Zeit, die Dusburg DewuBt miteriebt haben durite, wie ai- l6in schon die Breite seiner Schiiderung zeigt. Noch einen anderen Zweck verfoigte Peter. Seme Chromk soilte eroauen und anfeuern. Wir mlissen daran denken, dab wahx'end der echweigend eingenommenen Mahlzeit der Bruder vorgelesen wurde, un- ter anderem aus historischen Werken, wie die Bibliotheksverzeich- nisse einzelner Hauser vermuten lessen. Daher sind die eingestreu- ten Mahnungen und Gedanken Uber die Wunder wirkende Gnade und Weis- heit Gottes unmittelbarer Aufruf an die Bruder, die den Kampf oft nicht mehr aus eigenem Erleben kannten. So diirfen wir Dusburgs Chronik durchaus einen Auslaufer der Kreuzzugsliteratur nennen, zugleich jedoch den ersten Ansatz zu einer Landesgeschichtsschrei- bung, so weit der Verfasser auch liber das PreuBenland hinausgriff in Reichs- und Kirchengeschichte. Dabeistlitzte er sich auf die be- eonders bei den Bettelorden beliebten Kompilationen, von denen nur Tolomeo von Luccas "Annales" und Martin von Troppaus "Chronicon pontificum et imperatorum" genannt werden sollen. Diese nplatteste Art von Geschichtsschreibung"^ fand durch Dusburg ihren Eingang in PreuBen. Die 1326 abgeschlossene und dem Hochmeister zur Prlifung vor- gelegte Chronik setzte Dusburg noch bis 1330 fort. In dieser Form fand das Werk eine Neubearbeicung, den sprachlichen Schwierigkei-
14 ten der Brilder, die durchaus nicht alle Latein veratanden, Rech- nung tragend. Ein anderer Konigsberger Priesterbruder, Nikolaus von J eroschin Ubertrug Dusburgs Chronik in deutsche Verse, damit nicht nur eine Ubersetzung, sondern ein dichterisches 8) Kunstwerk schaifend. ' Per Ordenspriester und spatere Hochmeister- kaplan erhielt den Auftrag hierzu vom Hochmeister Luther von Braunschweig (1331 - 1335). Duch wurde - wohi durch Neid uud MiS- gunst der Brilder - der erste Teil der tlbertragung vernichtet, so daB erst auf neuerliche Bitte Dietrichs von Altenburg (1335 - 1341 das Werk in seiner jetzigen Form begonnen und unter jenem auch be- endet worden ist. Dabei hielt sich Jeroschin recht eng an seine Vorlage, verwandte jedoch zusatzlich noch andere Queilen, wie das verlorene Gedicht ernes Ordensritters Gerstenberg liber einen tap- xeren Kneger namens Otter und dessen Erlebnisse, des Hochmeisters Luther von Braunschweig in Reimen gefaBte (verlorene) Legende von der HI. Barbara und emige andere. Ab 1311 scheint er mehr aus eigenem Erleben und starker mUndlicher Tradition geschopft zu ha- oen, so daB dieser Teil einen nicht zu unterschatzenden Eigenwert besitzt. Auch seine dichtenschen Qualitaten steigen von dort an. ' "Gerade hier, wo er von den Fesseln der Vorlage nicht gehemmt ist, 4) bewegt er sich mit erfrischender Freiheit." ' Allerdings nahert er sich in seiner gesamten Konzeption, die sich unter anderem in Aus- lassungen der bei Dusburg hauligen Refiexionen religiosen Inhaits zeigt, recht stark schon der Iaeenweit aes ausgenenaen 14. Janr- hunderts, wie sie sich bei wigana von Marburg darbietet. Jeroschin war flir die iolgende Zeit der Hauptvermittler der Geschicke des Ordens im ersten Jahrhundert in PreuBen. Allerdings ist seine und Dusburgs Nachwirkung auf die spatere Chronistik noch nicht genau gegeneinander abgegrenzt. Doch scheint Jeroschin in zahlreicheren Handschriften Uberliefert worden zu sein als Dusburg was auch die Auffindung neuer BruchstUcke bis in unsere Tage be- weist.^^ MaBgeblich beteiligt ist Jeroschin an der Tradierung der preuBischen Geschichte in die polnische Historiographie, wenn auch nur mittelbar. Im Jahre 1464 Ubersetzte Konrad Gesselen seine Chro nik ins Lateinische, ohne von der Existenz der Chronik Dusburgs zu wissen. In dieser Form wurde sie Vorlage flir die groBe Darstellung der polnischen Geschichte durch Johannes D^ugosz. Wie weit D^ugosz
15 aus Dusburg schbpfte Oder aber aus Gesselens Jeroschin-Uberset- eung, iet noch nicht endgtiltig gekl&rt. Interessant ist auch die Prage, ob D^ugosz an einigen Stellen nicht gar den deutschen Text dee Jeroschin einsah, obwohl man ihm nachsagt, dafl er der deut- echen Sprache nicht m&chtig gewesen sei. Ein gleiches gilt auch ftir das Verh&ltnis D^ugoszs zu der Ubersetzung der Reimchromk dee Wigand yon Marburg und dem Original.^ ^ Jeroschin war in seiner Zeit der grbflte Dichter, den das PreuBenland aufzuweisen hatte. Er steht in enger Verbindung zu Heelers Apokalypse, dem Passional und der Judithdarstellung. 8tricker, der Willehalm und die Werke des Rudolf von Ems dUrften ihm nicht unbekannt geblieben sein. Doch auch dichterische Dar- etellungen der Ordensgeschichte in kleinen Episoden gab es zu sei¬ ner Zeit. Gerstenbergs Otter-Gedicht vrurde bereits erwahnt. Es ist mir noch in etwa aus Jeroschin zu erschlieBen. Bekannter ist be- reits die Barbara-Legende des Hochmeisters Luther von Braunschweig Zvar liegt auch sie neute nur in einer lateinischen Ubersetzung yor, doch konnte Jeroschin sie noch im Original benutzen, Bei dem dichterischen Bemlihen jenes Hochmeisters ist es nur alizu ver- etandlich, daB Jeroschin mit der Ubersetzung der Dusburgschen Chronik beauitragt wurde. Nahm doch m dieser Zeit die Kunst in Preutfen auch aux anderen Gebieten einen groBen Aufschwung, wenn man auch die Bestrebungen des Hochmeisters nicht als Versuch wer- ten капп, die Marienburg zu einem Musensitz ahnlich der Wartburg ip) jmechen zu wollen. 1 | Auch die nachste geschichtliche Darstellung stammt aus den |Reihen des Ordens, die "Epitome gestorum Prussiae” eines samian- tdischen Kanonikers, dessen Name noch nicht ganz gekl&rt ist. Er jbietet eine annalistische Zusammensteilung aus der allgemeinen so- wie aer Ordensgeschicnte von der Geourt Christi bis 1338. Somit etellt sein Wei-к eiue gute Erganzung von Dusburgs und Jeroschins Chroniken dar, benutzte er doch auch oenen unbekannte Quelien. |Allerdings ist sowohl die Stellung zu den Queiien als aucn den Inachfolgenaen werken, wie etwa Bluinenau, noch nicnt eindeutig ge- klttrt. Neoen aen Aufzeichnungen des Kanonixers gab es noch eine gan- ze Keihe von Annalen - teilweise verloren und spater erschlossen -
16 wie die Konneoerger, die Pelpuner, die kurzen preubischen Annalei sowie die Annaies Oder Chronica terrae Prussiae. Die Peipiiner Annalen fUftren uns m einen Bezirx, der lm uorigen christlichen Gebiet aer literanscn produKtivste war, in den inonastischen Le- oensbereich. Der Deutscne Orden zog anaere, besonders Bextelorden zur Mission heran, aocn spieiten sie immer eine untergeordnete Roue. Das Leben des Lanaes iana semen MitteipunKt zu jener Zeit m der OrdensDurg, nichx lm Kioster. Dies gilt auch iur Peipim und aementsprechena iur jene Annalen. Eme Ausnahme nur gao es vo; aieser Regel, das Kioster Oliva; war aocn seine Grundung oereixs Enae aes 1^. Jahrnunderxs vor aer Ankunit des Ordens erioigt. Dor linden wir iixerariscne Betatigung, die zur Aoiassung einer Chro¬ nic um die Mixxe aes 14. Janrhunderts luhrte. Neben Dusburgs und Jeroscnins Aroeiten sowie aer Epitome des Canonicus Sambiensis is diese "Altere Chronik von Oliva" das bedeutendste historiographi- sche Denkmal jener Zeix. Zwar ist der teilweise xn scharfster For gefiihrte Streit um die quellenkritische Einordnung jenes Werkes langst verstummt, doch ist eine endgliltige Klarung der Quellenlag noch nicht herbeigeflihrt. Ist nicht mit Hilfe der Alteren Chronik von Oliva die umstrittene Frage nach der Existenz einer Chronik des ersten PreuBenbischofs Christian, die gleich viel Anhanger wi Ablehner gelunden hat, zu losen? Haben wir jene in der Olivaer Chronik verarbeitet zu sehen? Wie ist letztlich das Verhaltnis zu Dusburg und Jeroschin? Dies sind Fragen, die in einer Literatur- auswertung Oder einer Zusammenfassung sich normalerweise nicht stellen, die hier ebenl'alls nicht untersucht werden khnnen. Doch zeigen sie, wie wenig kritische Beachtung die chronikalische Uber lieferung der preuBischen und Ordensgeschichte bisher fand. Jene Altere Chronik von Oliva, viel- leicht vom Prior Gerhard von Braunswalde verfaBx, Derichtet Uber die Zeit von der Grundung des Klosters bis 1350. Sie zeigt in ihrer Anlage ziemiiche Unterschiede zu Dusburgs Werk. Der Verfas- ser will zwar auch lehrhaft wirken, jedoch nicht im Hinblick aul einen zu fUhrenden Heidenkampf. Ihm geht es darum, Gottes Walten in der Geschichte zu zeigen, um dem Menschen seme wachsende Bos- heit und Verderbnis vorzuhalten. Wir sehen deutlich den Unter- schied zwischen dem Werk Peters, der - wenn auch ale Priesterbru-
17 dar - einem Ritterorden angehdrte, und demjenigen des Olivaer Zi- ate rziensers. Auch an anderen Stellen tntt uns dies entgegen. Bei Dueburg sahen wir die Schilderung der Kriegsziige ais das wesentli- Obe Element. Zwar finden wir diese bier ebenfalls, doch berichtet UXietre Chronik emiges mehr liber Bauten und Tatigkeiten, die nicht in engeter Verbindung mit dem Kriegshandwerk stehen. Auch hierin Beigt eich zisterziensicher Geist. Diese Chronik ist nicht mehr Offizlttse Historiographie, wie wir sie bisher kennenlernten. Sie Mgt durchaue ein Wort der Kritik am Oraen und wahrt die besondere feteilung des Klosters Oliva. Gerade die Schilderung der Kampfe des prdene gegen Swantopoik von Pommerellen lessen diesen Zug sehr deutlich zu Tage treten. Noch finden wir keme Gegnerschait gegen jden Landesherrn. Dies blieb einer spateren Zeit vorbehalten. Die tradition dieser kntischen Historiographie konnte sich aber m i Dliva iortsetzen. Sie zeigt sich unter anderem im 1b. Jahrhundert behr deutlich in der Mittieren Chronik von Oliva, die zwar starke BinfltlBse der st&dtischen Danziger Geschichtsschreibung erfahren hat, jedoch noch eine gewisse Eigenstandigkeit aufweisen kann. FUr pommerellen jedenfalls ist jene Altere Chronik von Oliva die wich- tlgete Quelle, ohne weiteres neben Dusburg Oder der Alteren liv- Ifindischen Reimchronik zu nennen. Sie ist "trotz der besonderen Bchwierigkeiten des Gegenstandes doch Ubersichtlich und gefallig" Und zeichnet sich "durch ihre Abrundung zu einem Ganzen und durch 1 Sen natlirlichen FluB der Darstellung aus" , 1 Bereits bei der Epitome des Canonicus Sambiensis sahen wir Jie etarken livlelndischen EinflUsse. In Livland hatte sich die jlietoriographie seit der alteren Reimchronik ebenfalls nur in an- balistischen Zusammenstellungen geSuflert. Jetzt, um die Mitte des u. Jahrhunderts, schrieb der Priesterbruder Bartholomhus Hoeneke Iub OsnabrUck seine Jlingere livlandische Reimchronik, dem Voroiid Jener alteren nacheifernd. Dieses Werk ist nicht mehr erhalten, Ironnle aber von HbhlDaum aus der sp£Ueren Chronik des Bremer Jo¬ hannes Renner erschlossen werden.^^ Ев schiiderte Ereignisse der Livlandischen Geschichte aus den Jahren 1315 bis 1348. Diese Reim- )hronik ist Quelle geworden fUr eine ganze Reihe sphterer Zusam- ^eneteilungen, wie die Altere und JUngere Hochmeisterchronik, die
18 Chroniken Wigands von Marburg, Detmars von Lllbeck und Hermanns v< Wartberge• Hermann von Wartberge, der Kaplan der Landmeister von Liviand, echneb Kurz nach 1378 sein "Chromcon livoniae". Aus seiner Stellung heraus ergab eich zweieriei: als Oraensangehoriger una dessen offizieller Vertieter schrieb er im Interesse des Ordens und aus dem Blickwinkel der livlandischen Meister; er konnte aber aeswegen, una aas macht seine ChroniK so wertvoil, samtiiche Aufzeichnungen Denutzen, aie dem Orden in se ner Kanzlei zur Veritigung stanaen. So linden wir neben aer Ver- wenaung aer iriiheren Chroniken wie aer Alteren una JUngeren liv¬ landischen Reimchronik, Heinncns vcn Lettland1*^ und anderer, auch die Benutzung von Urkunaen und sonstigen Kanzleiaufzeichnun gen, Zwar stellte Hermann diese Vorlagen ganz in den Dienst sein Tendenz, mdern er deutlich Partei des Ordens besonders gegen den rigischen Bischof ergnfl, aoch lUr seine eigene Zeit bietet er einen sehr zuverl&ssigen Benchi. Bei Hermann sehen wir bereits deutlich aen Unterschied zu Dusourg m aer gexstigen Grunahaltud aer spater bei Wigana noch zu erwahnen sein wird. Im Bericht zei, sich nicht mehr aer von starker Religiositat oestiramte, lehrhaft wirKen woliende Priester, sondern der poiiLische Benchterstatte Die Zeit aes eigenblichen Auibaues una Kampfes war voroei. Zwar i'anaen janriicn noch die Reisen gegen die heidnischen Litauer statt, doch mcnt mehr im Geist aer Kreuzzlige. £s war, zummdest in den Augen aer Gaste, eine ritterliche Versammiung zu Kuhn; una Ehre des emzelnen tapleren Knegers, aen aer Hochmeister am En- rentisch zum Ritter schlug. Der Kampl iUr die Kirche trat nmter aen noiiscn-ritteriichen Kampi zurUck.^0^ Wenn wir hier aul aie pontische Geschichte schauen wollen, wira aiese Entwickiung aeutlich. Noch zur Zeit DusDurgs war der Kampf um aen Besitz aes Lanaes in inscher Ennnerung. Die Prui^e waren erst vor kurzer Zeit oelriedet worden. Noch wurde der Kamp gegen aie Litauer lortgeiiihrt, aer Geist aer Kreuzzuge war in 8cnwachem Abgianz weiterhin leoenaig. Doch nachaem der Oraen sei Lana in Besitz genommen hatte, wurde eine Verwaitung auigeoaut, aer Boaen kolomsiert mit Hilie aer aus aem Reichsgeoiet heroei- stromenaen Bauern, una Hanael und Wirtschal't gepllegt. Der Orden
- 19 - fritter wurae zum Verwaltungsiachmann; er Xegte aas Bcnwert ao zu- gunsten aer Feder. In dieser Zeit erfolgte die Reaction auf das Geschaft des Kampfes, die Reflexion. Sie schlug sich nieder in den 1 7) Chroniken, aber auch in der geistlichen Literatur ;sowie der 18) frachprosa. ' Der Ordensstaat stand gesichert da: sein Blick ging Iftlt in alle Richtungen. Livland war fast eine Kronkolonie. Seine Geschicke schlugen sich stets in PreuBen nieder, so auch in der Geechichtsschreibung. Doch eine andere Verbindung wurde ebenfalls laser starker, die zur Hanse. Das zeigt sich deutlich in der Hi- Storiographie, wenn wir an Detmar von Llibeck denken. Die Zeit Winrichs von Kniprode hinterliefl keine groBeren er- Sdhlenden Quellen, obwohl - Oder weil? - sie die Zeit der hochsten irlrtsohaftlichen und politischen BlUte des Ordensstaates war. Erst ШЛ Ende des Jahrhunderts haben wir wieder eine Darstellung der Or- densgeschichte, in Form einer Reimchronik zusammengetragen. Ihr Verfasser war Wigand von Marburg, Wappenherold dee Hochmeisters und bezeichnenderweise kem Angehbriger des Or- A#ne» Seine ChroniK atmet somit einen ganz anaeren Geist. Leider lit auch dieses Werk nur in einer recht flttchtigen Prosaliuertra- gttng ins Lateinische aus der Mitte des 1b. Jahrhunderts tiberlie- fert worden, die Ereignisse der Jahre 1311 bis 1394 umfassena. Nur lfenige BruchstUcke des Onginaxtextes besitzen wir, doch reichen 8le aus, urn die kraftvolle, reiche Darstellungsgabe Wigands erken- nen und somit den Verlust des Werkes erst recht deutlich werden zu lessen. Diese Chronik drilckt klar den bereits bei Wartoeige er- 19) w&hnten geistigen Wandel aus. *' Zwar steht auch bei Wigand wie bei Dusourg im Mittelpunkt des Berichteten Kampi' und Krieg, doch Stark durcn seinen Berui gepragt. Er schiidert das Heer m seiner Aufetellung und Bewafmung sowie den eigentlichen Kampfvorgang. Das vermitteite Bila ist lebendig, buntsehulerna una in gespann- tsr Bewegung, vergxeichbar den ebenfalls geschilderten Turnieren. Der Kampf ist nicht mehr Mittel zum Zweck aer Glauoensausbreitung, sondern dient aer ritterlichen Ertuchtigung axl der Gaste, die von feme her gekommen sma, weniger des Kneges, sondern aes "gesexl- •chaftlichen Ereigmsses" wegen. Wigand "hat weder fur die hmter- grundige Deutung aer histonschen Vorgange Smn, noch weitreichen- Aeres poiitisches Verstandnis. Die Ereignisse seibst, aie bunte
- 20 Fuile des histonschen Geschehens, die jedem sichtbar war, der zii jener Zeit lm Oraensiana lebte, machen den Gegenstand seines Inte 20) esses aus." Der Orden steht naturiich im Mitteipunxt, aoch me in der oiiiziosen, last tenaenziosen Beieuchtung, wie wir es oe^ Dusburg una wanoerge sahen. Das politische Geschehen Oder gar ei politische Erziehung liegen Wigand fern. Er liebte als Herold den Kampi und schilderte ihn, wobei er rUhmende Worte fand fllr den mu tigen Krieger, sei er Ordensntter, Pole oder gar Litauer. Gerade der Litauer war zwar Heide und Feind, doch vor allem mit ntterli chen Augen betrachteter Gegner, dessen Tapferkeit und Erfolg gese- hen und mit lobenden Worten bedacht wurden, sogar auf Kosten des Ordens. Deutiich spiegelt sich hier das politische Wohlergehen des Ordens. Einen machtvollen Staat hatte er errichtet, in unumstrit- tenem Besitz des Landes, nach dem die Brlider bereits "die Herren von PreuBen" hieBen. Aufgrund der blUhenden Wirtschafts- und Han- delsbeziehungen war der Tressel des Ordens so wobl geflilh wie in keinem anderen Staate. Die Erwerbung der Insel Gotland kurz darau solite den Orden auf die Hohe seiner auBeren Macht flihren. Wenig war gebiieoen vom Geist aer Brlider, die dieses Land vor eineinhal' Jahrhunderten zu erobern begonnen hatten. Aus der gleichen, wenn nicht etwas frliheren Zeit stammt das Gedicht Schondochs liber den "Litauer". Es bietet einen kurzen Be- richt liber Bekehrung und Taufe des litauischen Flirsten Butawt im Jahre 136b. Wohi auf mlindlicher Tradierung beruhend wurde es ge- gen Ende des Jahrhunderts im alemannischen Spracnbereich aufge- zeichnet und ist ein Beispiel aafiir, wie starkes Interesse das Ge 21) schehen im Ordensstaat auch auBerhalb seiner Grenzen erwecKte. ' Dieses Interesse wird auch deutiich im Niederschlag der bald darauf erfolgten Katastrcphe von Tannenberg in den Chromken, die auberhalb PreuBens geschrieben wurden. Doch vorher entstand noch eine groBe Chromk aes Ordens, am Vorabend der Tannenberger Schlacht die Grbfle dieses Staates splirbar machend, die "cronike aes iandes von Pruszin" des Johann von Posilge Johann war Pfarrer von Deutsch-Eylau und spacer Ofi'izial m Hiesenourg. Er hmterlieB eine Chronik in lateinischer Prosa, wo- von jedoch nur die deutsche Ubersetzung erhalten ist. Hinzu kom-
- 21 !доп etliche Fortsetzungen, die wichtigete bis 1419, damit fUr die 22) Vorgfelnge bei Tannenberg eine nicht zu unterschatzende Quelle. ' Posilge eelber schildert das Geschehen der Jahre 1360 bis etwa 1404/05; sein Todesjahr ist nicht gesichert. Da er wohl flir die gasamte Chronik ale Zeitgenosse anzusehen ist, gewinnt sein Werk tine auQerordentliche Bedeutung. Hinzu kommt, daB er sich politisch bet&tigte. 1372 war er Beisitzer eines Schiedsgerichtes zwischen dem Orden und dem Bischof von Ermland. Als solcher und spater als Offizial des Bistums Pomesanien hatte er durchaus Beriihrung mit hbheren Ordensbeamten. Nicht verwianderlich ist daher die Einschal- (tung von Urkunden in den Text. Weit Uber seinen eigenen Arbeitsbe- 'jpeich hinaus ging Posilges Interesse, sei es in der Kirchenpolitik, Vie den Streitigkeiten zwischen dem Orden und dem Rigischen Bi- achof Oder der verwickelten papstlichen Politik, sei es in der BuBeren Politik des Ordensstaates und seinen Bertihrungspunkten mit alien anderen europaischen Staaten. Vor allem widmete er seine Auf- ■erksamkeit den fiir den Orden besonders wichtigen Gebieten Litauen, Polen, Bohmen und Ungarn. Gepragt ist diese Schilderung durch die ;8tellung, die der Ordensstaat in jener Zeit einnahm und die wir ►baraits kurz skizzierten. "Es ist geradezu erstaunlich, wie une Posilge ein Bild des reinen Verwaltungs- und Machtstaates ent- ifirft, wo die politischen Entscheidungen, Pragen und Kampfe die •Igentlich bewegenden und allein intere6sierenden Triebfedern Dabei steht er jedoch langst nicht so sehr auf der Seite das Ordens wie etwa Dusburg Oder Wartberge. Man kann eine starke Hinwendung des Schreibers zu seinem Lande spUren. Er ist nicht Or- danebruder, sondern PreuBe. Das bedeutet noch nicht eine Gegner- achaft zum Orden, jedoch eine kritische Betrachtung. Bei Posilge kann man den tlbergang von der Ordenschronik zur Landeschronik ver- folgen. Noch ist er starker der Ordenschronistik verhaftet. Daran Jtndern auch nichts die Mitteilungen liber Verwaltung, Rechtspre- chung und wirtschaftliche Entwicklung, die meist in annalistischer Vaise sehr knapp gegeben werden; zeigen diese doch den Orden auf dar Hohe seiner Macht. Aber Johann ist in Posilge bei Marienburg geboren worden, er ist PreuBe im ganz anderen Sinne als die bisher nur dem Orden verbundenen Schriftsteller. Wir finden bei ihm die neuen Tone einer Liebe zu seinem Lande, eines Stolzes auf die Hei-
22 mat, die Toeppen sogar von einer patriotischen Gesinnung sprechen lieBen.^^Hier sehen wir den Ansatz zu jener Haltung, die sich urn die Mitte des 15. Jahrhunderts vbllig lbste von der Ordenstraditi¬ on, politisch wie auch historiographisch. Nicht umsonst wurde Po- silge von der spateren Hiatoriographie stark herangezogen, so von den Hochmeisterchroniken, Grunau, der Thorner Chronik und auch D%wg03z, Er selbst stUtzte sich neben Dusburg und Jeroschin beson- ders auf die Thorner Annalen. Die Thorner Annalen entstanden im dortigen Pranziskanerkloster, mithin einem Ort, der geeignet war flir die Wahrung einer historiographischen Tradition. Diese wird recht deutlich in dem Werk, welches heute als das des Annalista Thoru- nensis vorliegt. Es beginnt nach einigen vorgeschobenen Notizen mit der Eroberung PreuBens durch den Orden und flihrt bis zur Tan- nenberger Schlacht. Vorlage dazu waren altere Thorner Annalen, die dem Ltfbecker Minoriten Detmar ebenfalls als Quelle dienten. Welche Redaktion let&Lich Posilge benutzte, laBt sich nicht genau sagen. Der Thorner Annalist schrieb noch Ordensgeschichte und ergriff Partei gegen Polen und Litauen. Doch hat er durchaus Worte der Kritik oder des Tadels am Deutschen Orden bereit. 2war 1st der Or¬ den fUr ihn Landesherr, doch bedeutet das nicht sehr viel. Ebenso- wenig ist der Annalist als PreuBe anzusehen. Er identifiziert sich ganz mit зешеш eigenen Orden, dem der fratres minores. ' Diese Chroniken, geschrieben zu einer Zeit, in der der Orden auBerlich auf dem Gipfel seiner Macht stand, sind Auslaufer der eigentlichen Ordenschronistik. Der Geist des ritterlichen Ordens weht uns kaum noch entgegen aus diesen letzten Werken. Die ge- schichtsschreibung des Landes beginnt. So sind denn die folgenden Chroniken Landes- und Stadtechroniken oder Darstellungen der Lan- desherrschaft. Der eigentliche Ordensgedanke ist zurlickgetreten hinter dem Staatsgedanken, oder besser gesagt, eine andere Kompo- nente des Ordensgedankens tritt uns nunmehr entgegen. Hatte der Deutsche Orden im Heiligen Lande zuerst die Aufgabe der Kranken- pflege, sodann den Auftrag des ritterlichen Heidenkampfes gehabt, so war bald eine dritte Richtung hinzugekommen, das Bestreben nach einer Staatsbildung.War diese Tendenz vorerst noch unterstUtzt worden, um die Tatigkeit des Ordens auf den beiden angesprochenen
- 23 - ■abletan zu ermoglichen, so schob sie sich nach und nach immer pthr in den Vordergrund. Zwar wurde der preuQische Staat gegrtlndet 'tie Ergebnis dee ritterlichen Heidenkampfes; doch rUckte er all- •Bhlich in den Mittelpunkt dee Denkens innerhalb des Ordens. Der Deutsche Orden in seiner Gesamtheit war zum Landesherrn geworden, Urns о sthrker, je weniger der Heidenkampf Erfolge zeitigte, beson- dare nach der "Christianisierung" Litauens; war ihm doch dadurch nach Ansicht der Zeitgenossen seine Daseinsberechtigung genom- Ben.^^ Diese Stellung des Ordens als Landesherr begegnet in der nun folgenden Chronistik immer deutlicher, wobei es gleich ist, ob •it ordensfreundlich Oder -feindlich in ihrer Grundstimmung ange- JLegt 1st. Der Gegensatz des Landesherrn zu seinen Sthnden und 28) Btttdten wuchs, ' der Ton des Chronisten wurde sch&rfer, und zwar nicht nur im politischen Bereich. So geiflelte in huflerst scharfen Tflnen die Ermahnung eines Karthauser-Mbnches von 1427/28 den Ver- fall des inneren religidsen Lebens und der Sitte des Ordens und forderte eine durchgreifende Reform. Daneben wirkt die Fortsetzung dar Dusburg-Chronik durch den Kulmer Stadtschreiber Konrad Bit- •chin vom Jahre 1435 ziemlich neutral. Seine Starke lag auch gewifl nicht auf historischem Gebiet. Zumindest ist seine Schrift "De vi¬ ta coniugali" wesentlich bedeutender. Er gibt, anknlipfend an Dus- burg, Notizen fUr die Jahre 1332 bis 1435, ab 1420 ausfUhrlicher. Baina Nachwirkungen lassen sich nur im Bereich der Thorner Stadt- ehronistik feststellen. Anders ist es bei der Alteren Hochineister- 0 h г о n i к , frliher Zamehlsche Chronik genannt, etwa um 1440 YerfaBt. Sie wurde wohl von einem Ordensangehdrigen geschrieben und berichtet Ereignisse der Jahre 1190 bis 1433. Zwar beginnt sie Bit der Neugrttndung des Ordens vor Akkon, doch bereits vom dritten lapitel an rttckt das Land PreuBen in den Vordergrund der Betrach- Zfcung. Dem Orden wurde der Verfasser gerecht, indem er rein huBer- lich seine Chronik nach den Regierungszeiten der Hochmeister ein- ^tailte* Doch sah er ihn nur noch als Landesherrn, als "Regenten •inee Territorialstaates".2^ Der Geist, der uns aus Dusburg, Vartberge und teilweise noch Posilge anmutet, ist vergangen. Dies BpUrte der Schreiber selber, indem er die Zeiten Winrichs von Eniprode als die bedeutendsten herausstellte und Uber seine eigene
- 24 - Epoche den Stab brach; jedoch wuGte er, weshalb das Ungltlck Uber den Orden kam: uSy irkanten nicht noch leider irkennen, wie ire vorfarn mildiclich vorgussen ir blut und in den tod gingen kegen die heiden um des globen und der gerechtikeit willen, und wie das got en gegeben hat Prewserlant und ouch Leifland wunderlich zu be- sitzen bas uf diszen tag, und die inwoner diszer beiden lande en zu gebote mussen steen.Wie eehr der Chronist die MiBstande seiner Zeit erkannte, zeigt uns die als didaktischer Gegensatz aufzufassende Schilderung der Zeit Winrichs, die in der Fes.tstel- lung gipfelt: "so das in den gezeiten was kein convend, in deme man nicht vunden hette einen bruder adir zwene, di wol zu homeistei an weisheit und an redelicheit dem orden getucht hetten."'^ PUr einen Chronisten, der dem Orden angehdrt, kbnnen wir uns kaum eine bewegtere Klage Uber seine Zeit vorstellen. Doch zeigt uns auch ge« rade der Verfasser der Alteren Hochmeisterchronik in seiner Be- trachtung der Geschichte als Landesgeschichte, wie stark er selbst bereits diesem beklagten geistigen Wandel unterlegen ist. Das glei- che Bild bietet die erste Fortsetzung der Chronik fiir die Jahre %o) 1433 bis 1455, nach 1455 verfaBt von Georg von Egloffstein. ' Die Darstellung in der Art der Landesgeschichte lieB diese Chronik Quelle flir eine groBe Zahl spaterer Werke werden, die noch starker das Land oder gar die Stadt als Hintergrund ihrer Ge- schichtsschreibung faBten, wie die JUngere Hochmeisterchronik, das Ferber-Buch, die Chroniken Grunaus, Poles, Falks und Hoppes, die alteste Thorner Stadtchronik und andere. Am sch&rfsten als Regen- ten eines Territorialstaates wird der Orden gesehen von Laurentius Blumenau. Blumenau , der als Jurist und Rat in den Diensten des Hochmeisters stand, hinterlieG eine Chronik, die bis in den Stan- dekrieg reicht.-^ Ihr Aufbau zeigt zum ersten Mai die deutliche Beziehung auf das Territorium PreuGen* Blumenau begann in der Vbl- kerwanderungszeit und fUhrte diese Urgeschichte bis zur Ankunft des Deutschen Ordens, Den zweiten Abschnitt bildet die Eroberung des Landes unter Hermann von Salza, wahrend der dritte Teil, an der Folge der Hochmeister orientiert, die Geschichte bis 1449 be- richtet. Das zweite Buch, das Blumenaus eigener Zeit gewidmet sein sollte, bricht nach der Einleitung ab. Diese Einleitung zeigt am
- 25 - Виге ten seine Stellung. Es gait, tiber die Streitigkeiten zwischen Btftnden und Orden zu berichten. Dabei Bind die Stande die gegen Itn princeps aufsassige plebs, die die gottgewollte Ordnung in ^tufliecher Verblendung umstUrzt. Deutlicher kann die Position 9* 0rden8 als Regent tiberhaupt nicht ausgesprochen werden. Diese #indeutige Stellungnahme Blumenaus gab auch den Ausschlag fUr die •pitere Benutzung seiner Chronik; nur bei Aeneas Sylvius und in der Jllngeren Hochmeisterchronik findet eich eine Nachwirkung. Bei Blumenau sehen wir nur allzu deutlich die Beziehung zwischen hi- itoriecher Gegenwartswirklichkeit und Historiographie. Nach Tan- Jtonberg hatte das standische und stfidtische Selbstbewufltsein auf- grnnd der stetig steigenden Macht jener Gruppen einerseits und des pBaufhalteamen Verfalls des Ordens andererseits immer starker zu- Panommen und schliefllich zur Bildung des preuflischen Bundes und deesen Kriegserklarung an den Hochmeister geftlhrt. Die St&dte wa- Ten es, die nun den Ton angaben, in der Politik wie in der Histo¬ riographie. Zwar fehlte noch die Spannkraft, urn eine preuflische Ceechichte aus jener Sicht heraus zu schreiben; die Darstellungen Wtfaflten anfangs nur ktirzere Zeitraume. Doch das Gewicht der Chro- Bletik verlagerte sich fast ausschlieBlich auf den stadtischen Be- ;reich, urn dort im 16. Jahrhundert seine Hdhepunkte zu finden. Die Wenlgen Darstellungen universalen Geprages entstammen einem ande- Гвп Geist; so die Schriften des Aeneas Sylvius Jiccolomini , des spelteren Papstes Pius II. Ihm ging es goeh etttrker als Blumenau, um ’’die Riickverbindung der preuflischen Ceechichte mit der Antike".^^ Hier sehen wir die klare Auspragung tiner neuen Epoche, des Humanismus. Er begegnet uns auch am Anfang dee 16, Jahrhunderts in dem Werk des Erasmus Stella Zu seiner Zeit waren die Chronisten fUr diesen Geist bereits auf- geechlossen, was die starke Benutzung in spateren Chroniken zeigt. Stella wies unter Heranziehung einer groflen Zahl antiker Quellen die deutsche Vergangenheit des Landes nach. "In diesem aber artete dae Wissen des Humanisten zu den ktihnsten historischen Hypothesen due, so dafl es kaum als historische Quelle, wohl aber als gUltiges Dokument humanistiecher Geechichtsauffassung in Preuflen angesehen warden darf."^
26 Aus dem Kampf des Ordens gegen die Stfinde erwuchs urn 1460 eine Schrift, die Geschichten von wegen einee Bundes, die die Vorgange von 1440 bis zum Jahre 1462 verfolgt. Der Verfasser bemUht sich um eine objektive Darste] lung, leugnete jedoch die Parteinahme fUr den Orden nicht. Sein Werk war Quelle flir die um 1500 entstandene kleine lateinische Hochmeisterchronik, die ausschlieSlich auf der vom Orden ausgehen* den Chronistik fuBte, Der Verfasser war ein "leidenschaftlicher I 35) Anhanger des Ordens", 1 zu verstehen aus dem Gegensatz zwischen Polen und dem Orden um die Jahrhundertwende. Zur selben Zeit entstanden auch in den Balleien Ordensgeschic ten, verst&ndlich nicht nur aus den Streitigkeiten der BrUder untt einander, sondern auch dem Bestreben, in den immer starker werdem den Auseinanderaetzungen der einzelnen Stande und innerhalb der Stadte ihre Position zu wahren*^^ Meist waren es nur Abschriften fellterer Werke, doch zwei neue Kompilationen verdienen hervorgeho- ben zu werden. Da ist einmal die Chronik der vier 37) Orden von Jerusalem. 1 Der Verfasser, der in Pranken schrieb, stellte den Deutschen Orden in den Zusammenhang der Geschichte des Heiligen Landes. Das verbindende Element flir eine Darstellung auch des Ordens vom Heiligen Grabe sowie der Jo- hanniter und Templer war fttr ihn die Grlindung aller vier Orden in Jerusalem,Dabei orientierte er sich an guten Quellen und bieti eine brauchbare Ubersicht, Sein eigentliches Anliegen war verstam licherweise die Schilderung der Geschichte des eigenen Ordens. Da bei verfuhr er als recht kritisch wertender Kompilator. Leider fehlt der SchluB des Werkes, da die Handschrift im Jahr 1455 mit¬ ten im Satz abbricht und die weiteren Blatter verloren sind. Dies Chronik blieb in der Historiographie ohne jeglichen EinfluB; ande die gleichzeitig - wohl in den neunziger Jahren des 15. Jahrhun- derts - in der Ballei Utrecht entstandene J ti n g e г e Hochmeisterchronik Sie ist der letzte Auslau- fer einer offizibsen Chronistik des Ordens, obwohl von einer Or- denschronik in dem bereits erlauterten Sinne nicht mehr die Rede sein kann, Ihr Verfasser stellte die Geschichte seiner Kongregati on in den Zusammenhang einer Heilsgeschichte, beginnend mit Noah. Es ging ihm darum, den Orden als Streiter Gottes im Heiligen Land
- 27 dursuetellen, ihn in einen moglichst unantastbaren Status zu ver- aatzan. Bazu wird das ritterliche Wesen der Bruderschaft stark be- tont. Pementsprechend finden wir hier zum ersten Male die Beigabe fib Wappen ftlr den Orden und die Hochmeister, die in faBt alien 4jindechriften vorhanden sind und auch in die stadtische Historio- graphie Eingang fanden, dort jedoch unter anderen Aspekten. Wappen ralhen der Hochmeister gab es zwar schon urn die Mitte des Jahrhun- derte in einigen Handschriften im Gebiet der deutschen Balleien, doch fanden sie erst durch die JUngere Hochmeisterchronik Eingang In die Historiographie und nach PreuBen.^^ Sthrker denn je wird hiar die Rittermafliglceit und deutsche Abstammung des Ordena betont |И*в ist verstandlich aus der Situation der Zeit. Der Standekampf in PreuBen hatte zu einer Teilung des Ordensstaates geftthrt. In dan deutschen Balleien wurde die Stellung der einzelnen Kommenden tmd Hauser immer schwieriger. Per Adel sah den Orden als Versor- gongsstation an. Der BUrgerliche war von der Aufnahme ausgeschlos- aan, ebenso wie der nicht Peutschbllitige. Per Orden hielt starr an dan Weeen einer Hitterschaft fest, die den Zeitgegebenheiten nicht aahr entsprechen konnte. Pies tat er gewiB nicht wider bessere Binsicht. Sein Penkschema, bestimmt durch Statuten, Regeln und Ge- aatze, die ihre Formung wahrend der Kreuzzlige erfahren hatter., war ▼eraltet. Zwar entsprach die geistige Haltung nicht mehr dem Ge- Mtz, unter dem der Orden einst angetreten war; doch gelang es ihm auch nicht, genausowenig wie der weltlichen Hitterschaft ein Jahr- hUndert frtiher, sich ganz davon zu losen und eine innere Reform «fatorzunehmen. Pieser Gordische Knoten muBte zerhauen werden, um zu- Bindest den Rest des einst so glanzenden Ordensstaates funktnons- und lebensfahig zu erhalten. Pas Verdienst, dies unter dem Bruck dar Situation eingesehen zu haben, gebUhrt Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Poch verhalf ihm dazu - neben der Lehre Lu¬ thers - seine Abstammung aus einem bereits damals bedeutenden FUr- •tenhause. Pie aus dem Orden hervorgegangenen Hochmeister gegen Bnde des Jahrhunderts waren noch nicht in der Page, jene Situation -SU erkennen. Erst recht fehlte dem Verfasser der JUngeren Hochmei- •terchronik das Verstandnis fUr diese Probleme und die Schicksal- taftigkeit der Ereignisse von 1466, womit er seine Chronik been-
28 Dies Werk bildet den SchluBstein im Gebaude der offizibsen Historiographie des Ordens, das in steter Formentwicklung inner- halb von drei Jahrhunderten erbaut wurde. Seine Berichte vmrden tradiert als Nachrichten ttber die Geschicke eines Landes, seine Wappen, beigegeben zur Verdeutlichung dee geistigen Anspruches dee Ordens, wurden zu reiner Illustration, am deutlichsten splirbar in der Danziger Geschichtsschreibung um die Mitte des 16. Jahrhun- derts; der Orden selbst war kein lebensformendes Element mehr, er war nicht mehr Gegenwart, sondern bereits Geschichte. Als Gegenwart empfunden wurde der Orden jedoch sehr intensiv von Standen und Stadten in der zweiten H&lfte des 15. Jahrhunderte Die Macht verschob sich zugunsten der Stadte. Aufgrund eines welt- weiten Handels, der dem Kaufmann und Ratsherrn den Weg zu eigen- standigem politischen Denken und Handeln eroffnete, wurde der gei- stige Gegensatz zwischen den Schichten der Bevolkerung, die nun "PreuBen" waren, und dem Landesherrn mit seinem Verwaltungsapparat immer deutlicher. Es muBte zu Auseinandersetzungen zwischen einem selbstbewuBten Magistrat der Stadt und dem Komtur der Burg kommen, Diese Streitigkeiten, die bereits in der ersten Halfte des 15. Jahrhunderts zu beobachten sind, ftlhrten zum schriftlichen Nieder- schlag in der Chronik. Hinzu kam, daB das Btlrgertum auch in Bezug auf die Geschichte Uber den eigenen Lebensbereich hinaussah, an- ders gesagt: der BUrger wurde sich bewuBt, daB er und seine Stadt historisch gewordene Wesenheiten waren, daB seine Stadt und das Land Geschichte hatten, Geschichte erlebten und pragten. Dies kam nicht schlagartig. Es dauerte Jahrzehnte bis zur Abfassung der er¬ sten Landeschronik von stadtischer Seite. Doch die Entwicklung bahnte sich an. Noch waren es annalistische Aufzeichnungen, Auf- stellungen von Ratslisten Oder Schilderungen einzelner Episoden, die man erlebt hatte. GrbBere Darstellungen entstanden erst in del zweiten Halfte des 15. Jahrhunderts, w&hrend und nach der kriege- rischen Auseinandersetzung mit dem Orden. Zuerst finden wir eine solche Beschreibung in Danzig, verstandlich aus der FUhrerstellunj dieser Stadt. Es ist die Danziger Ordenschro- n i к , einem Heinrich Caper zugeschrieben.Im Abdruck der Scriptores rerum Prussicarum prasentiert sie sich als Chronik des Ordens von 1190 bis zum Jahre 1439, mit unliberhbrbaren Tonen
- 29 - Btftdtischen Geistes, angelehnt an die Altere Hochmeisterchronik. Ihr folgt die Danziger Chronik vom Bunde frtiher Peter Brambeck zugeschrieben. Sie schildert die Gegensatze zwischen den Stadten und dem Orden von 1440 bis 1466 und atmet eindeutig den Parteigeist jener Zeit. Einen ahnlichen Zeitraum, den des 13jahri- gen Krieges, umfaBt die Daretellung des Danziger Stadtsekretares Johannes Lindau Sie stellt sich ala recht umfang- reiche, wohl gleichzeitig geftlhrte Niederschrift der Ereignisse dar, scharf Partei gegen den Orden ergreifend, jedoch ebenfalls dem polnischen Bundesgenossen auBerst skeptiach gegenUberstehend. Solch kritisch-tendenziose Einstellung ist ebenfalls der Danziger Chronik vom Pfaffenkrieg zu eigen. Es wurde bereits auf das erwachende historische BewuBtsein dee BUrgers hingewiesen. Dies tritt uns besonders in den Chroniken entgegen, die nicht nur dem bffentlichen Bereich entstammen, vor allem in der Familienchronik des Danziger Kramers Martin L u b b e Er fUtrte sie gleichzeitig fUr die Jahre 1465 bis 1489* Sie ermbglicht ala einzige einen Blick in das private wie bffent- liche Leben eines kleineren BUrgers und seine Stellung im Zeitge- echehen sowie in das "groBe" politische Geschehen um ihn herum. Dem ahneln die Aufzeichnungen des Thorner Pfarrers Hie¬ ronymus Waldau Auf die freien Rander und leeren Seiten eines Buches machte er Notizen verschiedenen Inhaltes, be- eonders jedoch historischer Art. Er berUhrte personliche Dinge, Kreignisse in Thorn, im Bistum Kulm sowie - weniger exakt - allge- 9tin preuBische Geschehniesse. Da er als Schreiber des Christburger Koaturs, spater des Gubernators Johann von Baysen geschult war, ging eein Blick weit Uber die Grenzen PreuBens hinaus. Wir sehen in ihm, ahnlich wie bei Lubbe, den Menschen, der bewuBt seine Zeit erlebte* In einem anderen Lebensbereich stellen wir das fest bei Kaepar Weinreich, einem Danziger Reeder und Kauf- ьагш. Er schilderte den Zeitraum von 1461 bis 1496, seinem Stande gem&B mit einem Blick nicht nur filr den stadtischen Bezirk, son- dem ebenfalls stark flir die hansischen Belange im westlichen luropa. Mit wachem Auge konstatierte er die Geschehnisse jener Jrecht bewegten Zeit, um sie zu einer streng chronologisch geordne-
30 - ten Schrift zusammenzufassen. Dabei stUtzte er sich wohl auch auf schriftliche Quellen, doch sind diese noch nicht recht klar. Ein ahnliches Bild zeigen fUr Danzig Christoph Beyer und Bernt Stegmann sowie das sogenannte Ebert-Ferber-Buch. Sie bieten alle rnehr oder weniger umfangreiche, mit einigen Originalnotizen vermischte Kompilationen, zu denen wir erst allmahlich quellenkri- tisch Zugang finden.^^ Noch ist keine dieser Kompilationen in ihrer Gesamtheit gedruckt, was jede Untersuchung sehr erschwert. Die Danziger Chronik des Oberlandesgerichtes Celle, geschrieben nach 1553, soil die erste sein, die verbffentlicht wird und somit als Anhaltspunkt fUr weitere Arbeiten dienen kann.^^ Nur eine Chronik lag bisher als Ganzes gedruckt vor, die gro- Be Zusammenstellung des Dominikanermonches Simon Gru- n a u Sie gait, besonders im vorigen Jahrhundert, als Angelpunkt der Danziger Chronistik. Sollte das "chronikalische Material we- nigstens in seinen hauptsachlichen Vertretern zu einem umfangrei- chen Werke zusammengefaBt und verarbeitet (sein) in der preuBi- schen Chronik des Simon Grunau,"^^ so sollte diese auch Quelle gewesen sein fur eine Unzahl anderer Chroniken jener Zeit, wie die von Bornbach, Melmann, Runau, Wartzmann, Ranis, Daubmann und viele andere. Erst allmahlich setzt sich die Erkenntnis durch, daS diese Ansicht nicht mehr vertretbar ist, sondern Grunau nur unter ande- ren Aspekten betrachtet werden kann. Noch mtissen wir vorsichtig sein, eine Kompilation als die "Mutterchronik" fUr die Danziger Geschichtsschreibung des 16. Jahrhunderts zu bezeichnen. Lieber sprechen wir vorerst noch von einer Danziger Tradition, in der je- ne Handschriften alle stehen. Maschke drlickte dies vor 35 Jahren bereits in einem vielzitierten Satz aus: "Der Stoff verbindet und verfilzt sich, daB vielleicht noch die Traditionslinien innerhalb der einzelnen Stadte, aber nicht mehr die Arbeit der einzelnen Hi- 4.5) storiker einwandfrei zu scheiden ist." 1 Zwei solcher Traditions¬ linien treffen sich in Grunaus Werk: die der Danziger Chronistik und die der tlberlieferung der Elbinger Dominikaner. Damit kommen wir bereits aus dem Danziger stadtischen Bereich heraus. Nicht nur dort entwickelte sich eine historiographische Tradition, sondern in alien Ballungszentren der wirtechaftlichen
- 31 and politischen Macht. So kennen wir aus Thorn im 16. Jahrhundert ▼erschiedene Redaktionen einer Stadtchronik.Peter Himmelreich rerfaBte die Geschichte Elbings,^^ in Heilsberg Merten Osterreich die seiner Stadt und des Bistums Ermland,^^ gestUtzt auf die ^Chronik der ermiandischen Bischofe des um 1465/64 schreibenden ^Pomdechanten Johann yon Plastwig. Die starkste Auspragung fand die stadtische Chronistik jedoch neben Danzig in Konigsberg. Seit 1457 lag dort der Sitz des Hoch- ■eisters. Eigentliche Residenz wurde die Stadt aber erst unter Al¬ brecht von Brandenburg-Ansbach, vor allem ab 1525. Aus jener Zeit besitzen wir die ersten eigenstandigen Quellen Kbnigsbergs in der Chronistik. Der Altstadter Ratssekretar Johann Beler fUhrte von 1519 bis 1523 ein Memorialbuch, das von seinem Nachfol- ger Kaspar Platner bis 1528 fortgesetzt wurde. Lei- der besitzen wir von dem Teil Platners nur ganz wenige BruchstUk- ke.^^ In diesem amtlichen Buche wurde eingetragen, was der Sekre- tdr besonderer Beachtung fUr wert hielt, vor allem Verhandlungen, Urkunden, Bauten, Brande und dergleichen. So werden andere Chroni- ken jener Zeit durch sonst unbekannte Details ersetzt. Wir sehen auch hier den Beginn der stadtischen Historiogra- phie im kleinen, miterlebten Ausschnitt aus dem Geschehen. Ahnlich verhfilt es sich bei der Historie von dem Aufruhr der samlandischen Bauern des altstadtischen BUrgermeisters Nikolaus Ri¬ ch a u , der etwa gleichzeitig die Ereignisse niederschrieb, die er als maBgeblicher Reprasentant seiner Stadt sah und in die er •handelnd eingreifen muBte. Diese Darstellung hat einen sehr hohen Vert fUr die Beurteilung jener Unruhen, die damals nicht nur Ko¬ nigsberg Oder PreuBen, sondern das gesamte Deutschland ergriffen. "Zwar war auch der altstadtische BUrgermeister-Chronist an einen Standort gebunden, namlich an das Interesse des Patriziats von K<5- nigsberg, daB der Bauernaufstand nicht vom Land auf die Stadte iibergreife und hier die niederen Stande zu Aktionen gegen die obe- ren (patrizischen) Stande verleite. Aber gerade diese Position verlieh ihm eine fUr sein chronistisches Anliegen forderliche Di- etanz gegenUber Landesherrschaft, Bauern, Adel und niederen stadti- 51) echen Standen..." Eine Gesamtdarstellung der preuBischen Landesgeschichte aus
- 32 - Kbnigsberger Sicht besitzen wir von Johannes Frei¬ berg Seine Person ist nicht naher bekannt, doch gehdrte er nicht dem Rat an* Aufgrund seiner Stellungnahme gegen den Kneiphof und die herzoglichen Beamten darf er als Altstadter gelten. Vor 1550 verfaBte er seine Chronik, die den Zeitraum von 1190 bis 1548 umfaBt. FUr die altere Zeit stUtzte er sich auf die Hochmeister- chroniken sowie Auslslufer der Danziger Tradition* Diese frtihen Teile fehlen heute; es liegt vor die Darstellung ab 1511, also ftir die Epoche, fUr die wir in etwa Freiberg als Zeitgenossen ansehen durfen. Als solcher liefert er den wichtigsten Beitrag zur Ge- schichte Kbnigsbergs in der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts, da er wesentliche Details aus seiner Umgebung berichtet, die zwar nicht immer hohe Politik betreffen, deshalb aber nicht minder wichtig sind; sehen wir doch hierin den Geist des BUrgers, der sich der historischen Gegebenheiten bewuBt wird und sich in den Ablauf der Geschichte hineinstellt.^^ Bereits bei Freiberg beraerkten wir, wie sich die Danziger hi- storiographische Tradition in Konigsberg wiederfand. Am deutlich- sten spiirbar ist dies in der Chronik des Altstadters Paul Pole Der Kaplan und spatere lutherische Handelsherr widmete sich wahrend einer langen Krankheit dem Studium der Geschichte seines Yaterlandes. Dabei bekam er im Laufe mehrerer Jahre Ein- blick in eine kaum Ubersehbare Zahl von Handschriften. In seiner Vorrede berichtet Pole sehr anschaulich von seiner Arbeitsweise und urteilte tlber das Ergebnis: "Uber das alles ein acheamer und fleissiger leser von im selbst in dissem buch wol spuren wird und befinden, wie es nach forderung der zeit hat mussen ane wahl rips raps in einander geworfen werden, also dafi mir auch selbs hernach- mals, do ich weil und zeit ubirkam, solchs zu ubirsehen, dafur eckelt . Allerdings dUrfen wir den SchluB wohl nicht ganz wortlich nehmen, hat Pole doch das Verdienst, durch die Abschrif- ten, die er anfertigen lieB, eine ganze Reihe von Chroniken erhal- ten zu haben. Hinzu kommt, dafl er die Traditionsstrbme der Ordens- geschichtsschreibung sowie der Danziger und polnischen Historio- graphie zusammenfaBte und in das Herzogtum lenkte, dort eine Basis errichtend fttr die spateren Chronisten. Die Grundidee zu seiner Arbeit lag jedoch in der bereits mehrfach erwahnten Stellung des
33 - 3Qrgers zur Geschichte seines Landes, Diese spricht er in der Vor- rade aus: "Auch dienen die historien dazu, das sie denjenigen, der ale list, lernt und weis, dieselbigen zu seiner und bequemen zeit htrfurzubringen, dise achtbarkeit geben von wegen irer kuntschaft, ЙМ mans dafur belt, er hab nicht allein zu seiner Zeit gelebt, sunder auch in ehezeiten mit alien alten umgangen und ir thun und iMean aufs fleissigst gesehen und behalten ein gut regiment ела historien ader geschicht der forfaren fassen und erhalten (ist) eben so vill, als ein gut wol gebauet und gebutzet schiff ane ru¬ der und siegel zur sehewarts schicken," ^ ^ Ein solch offenes Hinwenden zur Geschichte stand zu jener Sait nicht vereinzelt da, von den Anf&ngen einer gelehrten For- echung, wie wir sie bei Lucas David, Kaspar Schlitz und Kaspar Hen- nanberger finden, ganz abgesehen. Eine solch kritische Tatigkeit ervuche erst allmahlich. Vorerst wurde nur gesammelt. Dabei flos- •an die verschiedenen Traditionsstrbme ineinander, die sich vorher getrennt entwickelt hatten. Das tlbergreifen der Danziger Tradition mch Kbnigsberg sahen wir bereits. Dasselbe gilt fUr Thorn. Doch aine neue Linie trat hinzu, die polnische Geschichtsschreibung. DeB jene teilweise in PreuBen ihre Quellen fand, bemerkten wir be¬ reits. Im 16. Jahrhundert setzte nun der RUckfluB ein. Das groBe Verk des Jan D^ugosz, 1480 abgeschlossen, wurde im Auszug in Druck gegeben als "Polonorum Chronicon'1 von Matthias von Kiechbwim Jahre 1521, fortgesetzt bis zum Jahre 1506. Der Druck sicherte eine weite Verbreitung. So wurde Matthias Quelle fttr eine ganze Anzahl preuflischer Chroniken, sowohl in Danzig als Mch in Konigsberg und Elbing. Deutlich erkennbar ist das bei der Caller Chronik, die im folgenden auch daraufhin untersucht werden soil. Neben Matthias von Miechbw waren es jedoch noch eine ganze Baihe anderer Chronisten, wie Jodocus Ludovicus Decius und Andreas Critiue.*^ Die Tradition der Ordenshistoriographie kehrte auf dem Uaweg Uber Polen zurtick in ihre eigentliche Heimat, dabei jedoch grundlegend gewandelt und nur durch Erg&nzung aller Zwischenglie- der noch als solche zu erkennen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts Bind diese Strange noch entflechtbar, spater ist auch dies nicht nahr mbglich.
34 Ein letztes Werk haben wir noch zu betrachten, die Chronik des Balthasar Gans In den Zentren der politischen, wirtschaftlichen und geistigen Macht sahen wir die Geschichts- schreibung sich entwickeln. Diese Zentren wechselten. Lagen sie i anfangs beim Orden, so gingen sie spater in die Hand besonders der, Stadte iiber. Doch bildete sich im 16, Jahrhundert in Preufien ein neuer Mittelpunkt im Hofe Herzog Albrechts, Nicht nur konzentrierl sich dort wieder eine Landesmacht, auch die KUnste hielten ihren 56) > Einzug. Dazu gehorte ebenfalls die Geschichtsschreibung. Zeit- lebens interessierte sich Herzog Albrecht lebhaft flir die Ge- schichte. So liefl er seit dem Ende der dreiBiger Jahre eifrig Quellen zusammentragen und manchen Brief mit der Bitte um Ubersen* dung einer Chronik schreiben, Mit der endgtiltigen Zusammenstellunj einer geplanten Chronik beauftragte Albrecht seinen Sekret&r Bal¬ thasar Gans. Die Hauptquelle fUr Gans bildete eine (verlorene) kneiphofische Chronik, die wohl die Jahre 1519 bis 1525 umfaBte. Der weiterftlhrende recht knappe Teil stammt von Gans selber. Die Einleitung, 1490 mit der Geburt Albrechts beginnend, bietet eine J Reihe solch genauer Details aus dem Leben des Herzogs, die jener eigentlich nur selber wissen konnte. So ist es anzunehmen, daB dieser erste Teil der Chronik auf Mitteilungen Albrechts zurUck- geht, wenn nicht gar von ihm diktiert wurde. Hier 3chlieSt sich der Ring, dessen Anfang wir bei Peter von Dusburg sahen. Die offiziose Historiographie des Ordens wich der Darstellung der Geschichte eines Landesregenten, um in die Hand des Burgertums zu gleiten, genau wie Macht und Glanz des preuBi- schen Staates. Am herzoglichen Hofe erfuhren die weit auseinander- gelaufenen Strange eine neue Verflechtung, wie wir es auch spater in der Chronik des Lucas David sehen. Balthasar Gans lieferte kurz vor 1550 das erste Werk einer offiziellen Hofgeschichtsschreibung, eine neue Tradition grttndend, auf einer alten aufbauend. Doch tie- fer noch lag der Grund. Flir Albrecht war Geschichte etwas Fortdau- erndes. "Die bewegte Vergangenheit des Landes sollte flir die Nach- welt festgehalten werden, die eigene Staatsschopfung in den Zusam- menhang des historischen Ablaufs gestellt und damit seinem Lebens- werk Dauer verliehen werden Immer aber bezog sich die Ge-
35 ichichtsschreibung auf das ganze Land und seine ganze Geschichte, der Grdensstaat gehorte selbstveratandlich dazu und ist in einem richtigen GefUhl fUr die Fortwirkung alles groBen geschichtlichen Lebens auch zur Grundlage des Hohenzollernschen FUrstentums genom- 57) sen worden.” 7 Die Traditionsstrbme der Historiographie im Preu- fienland waren in ein neues Becken zusammengefaBt worden, urn einen Deuen, wachsenden Strom preuBischer Geschichtsschreibung zu spei-
36 - II) Die Danziger Chronik des Oberlandesgerichtes Celle Bereits einige Male wxirde die Handschrift einer Danziger Chro« nik erwahnt, die heute in der Bibliothek des Oberlandesgerichtes Celle verwahrt wird.^ Ihre Einordnung in den aufgezeigten Rahmen der preuBischen Chronistik mag spater folgen. Zuerst betrachten wir den Kodex und seine Ausstattung. 1935 gab Walther Hubatsch 2) eine knappe Beschreibung; ' ebenso findet sich eine solche im 7. Band der Scriptores rerum Prussicarum;^ sie soli hier, noch wei- ter ins Detail gehend, an den Anfang der Untersuchung gestellt j werden. ! 1) Beschreibung der Handschrift Der Foliant miflt 198 x 298 mm und ist in braunes, inzwischen stark nachgedunkeltes Leder eingebunden. Die Ecken sind bereits durchgestoBen. Als Einbandschmuck lauft etwa 5 mm vom Rand entfernt eine gepragte Goldrille urn Vorder- und Ruckdeckel, zum BuchrUcken hin doppelt. Aus jeder Ecke sprieBt ein 18 mm langer beblatterter Zweig. Past in der Mitte sitzt ein ovaler Goldpragestempel von 18 x 22 mm GroBe. Er zeigt einen nach links schauenden Adler, eine Krone um den Hals und ein S auf der Brust tragend, also das Preu- Bische Wappen. das Konig Sigismund I. 1525 Herzog Albrecht in Kra¬ kau verlieh.^' Der 55 mm breite BuchrUcken ist durch sechs WUlste in fUnf Felder unterteilt; die oberen vier Felder haben eine Hohe von 48 mm, das untere von nur 40 mm. Jedes Feld weist eine fiinf- blattrige Rosette von 6 mm Durchmesser als Schmuck auf. Insgesamt ist die Einbandausstattung recht einfach, wenn nicht dtirftig zu 5) nennen, gemessen an manchem Renaissanceeinband. Die Innenseite des Vorderdeckels zeigt einige Eintragungen, die uns aber Uber den Schreiber oder frUheren Besitzer keinerlei Auskunft geben. Oben steht mit Bleistift eingetragen "Nro. 5Mt un- ten mit Tinte "PreuBische Chronik./Katalog В.II.Nro: 820”. Beide Eintrage stammen von derselben Hand; beim zweiten handelt es sich um die Signierung, die das Oberlandesgericht Celle vornahm.^ Zwi- schen diesen Eintragungen finden sich Pederlibungen einer frUheren Zeit, wohl des 17. Jahrhunderts, die vielleicht als "Johannes
37 Adolphus a Nirvenna" und "Franciscus a Wyloga NummersuBe" zu lesen 7) Sind. Ob diesen Eintragen eine Bedeutung zuzumessen ist, kann ich nicht sagen. Der Band enthalt neben der Danziger Chronik noch einige wei¬ tere Mitteilungen. Am Anfang stehen 10 unpaginierte Blatt Register, darauf folgen in einer Foliierung des 16. Jahrhunderts 227 Blatt der Chronik. Es schlieBen sich auf 11 1/2 Seiten - auf anderem Pa¬ pier in anderer Schrift, ohne Zahlung - Nachrichten aus Konigsberg an, beginnend mit einer knappen Schilderung des Bauernkrieges in PreuBen 1525, endend mit einer Nachricht Uber die Pest in Konigs- berg 1564/65.^^ Es folgen weitere Konigsberger Mitteilungen auf 16 8eiten, beginnend mit zwei Notizen zu den Jahren 1263 und 1375, d«nn die Jahre 1511 bis 1598 umfassend.^ Die nachsten acht Blat¬ ter f wiederum unpaginiert, enthalten auf anderem Papier und von anderer Hand die Abschrift einer Strafandrohung mit der Aufforde- rung, der Union beizutreten, von dem koniglich-schwedischen gehei- aen Rat und Bevollmachtigten fiir Polen, Jacob Roussel, an die pol- nischen und livlandischen Stadte, ausgestellt am 1. Januar 1632 in Higa.^^ Weitere Blatter, die beim Einbinden noch vorhanden gewe- een sind, fehlen. Insgesamt enthalt der Kodex heute 257 Blatt. Der Beschreibstoff ist Papier, das fUr Register und Chronik noch ЫШег zu betrachten ist. Der Chronik vorangesetzt ist das "Register der Namen" von 10 Blatt. Die angegebenen Folio-Verweise des Registers sind im allge- aelnen richtig.11^ Darauf folgt unmittelbar der Text. Die Blatt- grdBe betragt durchweg 187 x 287 mm; vor dem Binden und Beschnei- den des Buchblockes durfte sie noch etwas mehr betragen haben, da 1 2) einige Blattzahlen angeschnitten sind. ' Gezahlt wird jedes Blatt Von 1 bis 227, wobei fol. 21 und 22 in der Zahlung fehlen, dafllr fol. 25 und 26 sich doppelt finden. Die Schrift weist - ausgenom- Швп fol. 123 bis 158 - eine Einfassung an alien vier Seiten auf. Dttdurch ergibt sich ein Schriftspiegel, der nicht immer dieselbe, Jedoch eine durchschnittliche GroBe von 135 x 240 mm hat. Er wird ▼on der Schrift so gut wie immer eingehalten, wahrend die Illu- atrationen^ ^ of ters bis zum Blattrand gefUhrt worden sind,1^ Oder sich nur am Rande befinden.^^ Beim Vergleich der Schrift sowohl n&ch Gesamteindruck als auch an Hand einzelner Schriftzeichen las-
- 58 - sen sich insgesamt vier Schreiberhande feststellen:1^ in der Hauptsache handelt es sich jedoch um zwei Hande. Ubersicht wird das verdeutlichen. 'Die folgende fol. 1s etwa 35 Zeilen je Seite Schreiber I - fol. 2-12a: 32 - 36 Zeilen fol. 12b: fol. 13-147: fol. 148-151: fol. 152-158: fol. 159-227: Register: 35 Zeilen + Kustos 26 - 31 Zeilen 29 oder 30 Zei¬ len, fol. 151b 37(!) Zeilen + Kustos Tinte schwarz, klare Schrift, Buchstaben abgesetzt18) Tinte braun, klare Schrift, jedoch nicht so gestochen wirkend wie vorher, Buchstaben miteinander verbunden, Schrift flieSender Tinte schwarz, ahnlich Schreiber wie Schreiber I, jedoch andere Buchstabenformen Tinte braunlich, sehr klare Schrift, flUssig in der Buchstabenrei- hung Schreiber II III II IV Schreiber Schreiber Schreiber Schreiber Schreiber II IV II Grob gerechnet entfallen somit zwei Drittel der Schreibarbeit auf den Schreiber II, ein Drittel auf Schreiber IV. Kustoden sind gegeben bei den tlbergangen von einem Schreiber zum anderen nur dort, wo es sich um durchlaufenden Text handelt, also von fol. 12b auf fol. 13a. von fol. 147b auf fol. 148a und IQ von fol. 151b auf fol. 152a. } Die Anzahl der Zeilen ist interes- sant beim ersten Auftauchen von Schreiber IV, der auf fol. 151b statt 29 oder 30 Zeilen plotzlich 37 unterbringt. Das spricht, ebenso wie das Auftreten von mehreren Schreiberhanden, fUr eine Abschrift von einer Vorlage, woran vielleicht gleichzeitig gear- beitet wurde. Die Foliierung ist ebenfalls von mehreren Handen durchgefUhrt worden: fol. 2 110 fol. 111 - 122 fol. 123 - 155 fol. 136 - 146 fol. 147 - 157 Schreiber II Schreiber III Schreiber II Schreiber IIV Schreiber II
fol. 158 - 227: Register: Schreiber IV Schreiber III В Im Vergleich mit der vorigen Tabelle ergibt sich, daG nicht Ejtder Schreiber auch das gezahlt hat, was er schrieb. Somit ist tiine recht enge Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Schreibern • anzusetzen. ^ Zum Lobe der Schreiber sei gesagt, dafi sie ihre Vorlage sehr aorgfaltig Ubertrugen, da sich fast keinerlei Verschreibungen, Durchstreichungen und dergleichen finden. Auch Randbemerkungen •ind selten. Fol, 25b (in der zweiten Zhhlung) ist im Text unter- etrichen "Conrad von Lanssberg"; dazu steht am Rande: ”der erste Bitter / in Preussen / ein Westphalinger / von AdelM. Fol. 26a (in der zweiten Zahlung) ist unterstrichen ’’Herman Balcken”; dazu steht •n Rande: "der erste Landmei/ster in Preussen / Herman Balcke / let ein Dortmun/der gewesen, aus / Roden Oder vormahls Balcken/ho- fe, davon die / Balcken-strasse / noch heute den / nahmen fUh- 20) ret". Beide Bemerkungen stammen von einer Hand, die jedoch kaum andere Tinte aufweist als der Text und wohl auch dem 16. Jahrhun- dert angehdrt. Hier zeigt sich die Hand eines Dortmunders, der die ihn interessierenden sachlichen Bemerkungen machte. Das lafit al- lerdings kaum auf einen Besitzer schliefien, noch nicht einrr.al dar- auf, ob die Chronik bereits im 16. Jahrhundert auBerhalb Danzigs 21) .war Oder nicht. Sonst finden sich am Rande nur FederUbungen. ' Es fehlt, was besonders schmerzlich ist, das Titelblatt. DaB tine vorhanden war, laBt sich an Hand der Blattzahl der Papierla- gen beweisen. Bis auf drei Ausnahmen haben wir Papierlagen zu eechs DoppelblattSo dlirfen wir das auch fUr die erste Lage annehmen, die dann das Register zu ftinf Doppelblatt sowie Titel- und Gegenblatt enthielt. Der Titel mag ahnlich wie in der Berliner Handschrift gewesen sein.2^ Das Gegenblatt wies vielleicht, wie in der Berliner Handschrift, eine Zeichnung mit dem Wappen des Be- eitzere auf; das ware ein Grund gewesen, dieses Blatt zu entfer- nen. Wenn wir weiter die Papierlagen betrachten und berUcksichti- gen, welche Blatter fehlen, stellen wir fest: fol. 85, 218 und 228 •ind herausgerissen; die RiBreste sind einwandfrei zu erkennen. fol. 85 enthielt als Illustration neben dem Wappen Konrad von Wal- lenrodes eine Darstellung Konig Kasimirs und Witolds, fol. 218
40 zeigte Konig Sigismund August bei seinem Einzug in Danzig 1552. Ein Gesichtspunkt, der das HerausreiSen dieser Blatter verstand- lich machte, ergibt sich nicht, Fol. 228 ist wahrscheinlich ein Leerblatt gewesen, da der Text Mitte fol. 227a endet. Interessant ist der Sprung in der Blattzahlung von fol. 20 auf fol. 25. Der Papierlage nach fehlen keine zwei Folios, obwohl der Textsprung vorhanden ist.^^ Hier war wohl, nach winzigen Spu- ren zu urteilen, ein Doppelblatt eingeklebt, was aber - vielleicht durch die Einwirkung von Wasser, die in der ganzen Chronik festzu- stellen ist, ohne aber Farben Oder Tinte zum Verlaufen gebracht zu haben - sich gelost hat und verloren ging. Zu betrachten bleibt noch die Art des Papiers. Dies ist in Form der Wasserzeichenanalyse moglich. Insgesamt lassen sich drei Wasserzeichen feststellen: Wz. 1: doppelkopfiger Adler mit Krone, rechts und links der oberen FlUgelenden je ein H; groBer herzfbrmiger Brustschild. Wz. 2: zwei TUrme mit dreizackiger Krone und breitem Wulst darunter, im Turm je ein Fenster; dazwischen Torhaus mit Ttir und Spitzgiebel; Fundament umgekehrt helmartig zu einer Spitze hin abgetreppt, darin der Buchstabe E. Wz. 3: Zeichnung wie Wz. 1 mit geringen Unterschieden; Buch- staben P - H, im Brustschild K. Das letzte Wasserzeichen ist am einfachsten zu bestimmen. Das К im Brustschild verweist auf Kempten als Herstellungsort. Von dort stammt auch das Papier mit dem ersten Wasserzeichen, wahr- scheinlich aus der Miihle von Hans Hurrenbein. ' Das zweite Was¬ serzeichen fUhrt das Wappen von Ravensburg, das seit 1544 zur Qua- litatsbezeichnung von den Papierherstellern der Stadt offiziell 27') verwandt werden durfte. ' Damit ist eindeutig die sliddeutsche Herkunft des Papiers erwiesen. RUckschllisse auf unsere Handschrift laBt dieses Faktum allerdings nicht zu. Nachdem wir das AuBere der Handschrift kennen, wenden wir uns der Beigabe zum Text zu, den Bildern.
-Г* - 41 $ 2) Die Bildausstattung Die Celler Chronik ist mit einer Vielzahl farbiger Bilder ge- Ichmlickt, die sich durch den gesamten Bericht ziehen. Immer stehen ile in Verbindung zum Text. Die insgesamt 114 erhaltenen Illustra- iionen kann man in zwei Gruppen einteilen: Wappen und Darstellun- gen. Bei den Wappen tiberwiegen die der Hochmeister; unter Darstel- lungen sei hier einmal alles Ubrige zusammengefaBt. Zuerst werden О Q \ lie Wappen untersucht, } A) Die Wappen a) Hochmeisterwappen Die Celler Chronik ist bei weitem nicht die erste Handschrift, der sich Wappen finden. Die altestenZusammenstellungen der Hoch- listerwappen in Handschriften, um die es in der Hauptsache geht, Ifeichen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zurlick. Dies sind Wap- ^penbticher aus St. Gallen, Nurnberg und Berlin, die sich sehr glei- Chen. "Es liegt aber die Vermutung nahe, daB sie alle drei in der Hauptsache eine irgendwo gefundene fertige Zusammenstellung mehr Oder minder genau wiedergeben.Diese Ansicht unterstlitzt eben- .*•11 s der Fund einer weiteren Reihe von Hochmeisterwappen in einer 30) Wo und wann diese Zusamir.enstellung er- •Innsbrucker Handschrif t. ■ jjfolgte, ist nicht bekannt. FUr PreuBen und die preuBische Chronistik finden wir die er- iten Wappenzeichnungen nach Meinung Max Toeppens in der PreuBischen £hronik Paul Poles,die 1532 fertiggestellt wurde.*^ Von der Oelsnitz glaubt,^^ daB die Wappen einer alteren Chronik nachge- .bildet seien. Bei dieser alteren Chronik handelt es sich wahr- icheinlich um die Jiingere Hochmeisterchronik. Theodor Hirsch stell- te bei deren Edition kurz fest, daB die gezeichneten oder gemalten Wappen der Hochmeister in keiner Handschrift der Chro¬ nik fehlen."^^ Pole benutzte die Jiingere Hochmeisterchronik sehr ausfUhrlich, deren alteste Handschrift kurz nach 1492 entstanden let;55) frUher laBt sich in der Ordenschronistik keine Zusammen- etellung der Hochmeisterwappen nachweisen. Im 16. Jahrhundert besitzen die meisten preuBischen Chroni- kenhandschriften diesen Schmuck. Allerdings diirfte dafUr nicht al-
42 lein Pole die Quelle sein, wie wir sahen, entgegen der so lauten-? den Meinung Toeppens.-^ Auch in den Drucken der Zeit sind die Wappen vorhanden, so bei Ranis, Daubmann, Hennenberger, SchUtz und 37) Waissel, urn nur einmal das 16. Jahrhundert zu berticksichtigen. • Diese ftinf verschiedenen Chronisten haben sich allerdings nicht die Miihe gemacht, jeweils neue Wappenzeichnungen anzufertlgen. Ra¬ nis Ubernahm aus einer handschriftlichen Chronik die Wappen; er brachte sie als geviertelten Schild unkoloriert. Daubmann setzte zu der gleichen Ausfuhrung jeweils zwei Schildwachter, Figuren, die neben dem Wappenschild stehen, ihn jedoch nicht unbedingt hal-< ten. Aus der Offizin von Daubmanns Nachfolger Georg Osterberger - wahrscheinlich unter Obernahme seines Inventars stammt Hennen- bergers Verzeichnis. Daher ist verstandlich, daB dieselben Druck- stocke wiederverwandt wurden, mit Ausnahme des Stockes fUr das Wappen Gottfrieds von Hohenlohe; anscheinend war dieser verloren Oder zerbrochen. So wurde fiir Hohenlohe das Wappen Luthers von j Braunschweig verwandt. Der Unterschied beruht nur darauf, daB Ho- ; henlohe schwarze Lowen auf weiBem Grund, Luther jedoch weiBe Lowen auf weiBem Grund fiihrte.'' J Das war ein verbaltnismaflig einfach zu j losendes Problem. Schutz, der seine Chronik in Zebst drucken lieB, verwandte andere Druckstocke. ^' Die Chronik Waissels, die bei Osterberger in Konigsberg gedruckt wurde, zeigt wieder die Druck- stocke, die bereits Daubmann und Hennenberger benutzten.^^ Nur Hohenlohe hat einen neuen Stock bekommen, der sich sogar in der Zeichnung des Personalwappens unterscheidet: er hat drei statt 41) zwei schreitende Lowen tibereinander, weiB auf weiBem Grund. Bei den gedruckten Wappendarstellungen gibt es also nur drei verschiedene Ausfuhrungen, die jedoch in der Zeichnung fast alle Ubereinstimmen. Die Unterschiede interessieren uns im Zusammenhang mit der Celler Chronik. Zuvor noch einiges allgemeine liber den Schild mit dem Hoch- meisterwappen. Wir finden in fast alien Chroniken, die in PreuBen oder sonstigen Ordensbesitzungen geschrieben sind, bei Wappenzeich- nungen den geviertelten Schild, der in der Verschrankung das Per¬ sonal- und Ordenswappen zeigt. Das ist jedoch keineswegs die Ori- ginalform. MSie wurde allgemein erst im Laufe des 14. Jahrhunderta A 0\ liblich und beim Deutschorden nachweislich noch spater." ' Von der
- 43 - Oelenitz hat sie Mvor dem 16. Jahrhundert beim Peutschorden tiber- haupt nicht gefunden. % Ahnlich verhalt es sich mit dem Ordenskreuz im Wappen. Das tinfache schwarze Balkenkreuz auf weiBem Grund blieb, nach anfang- Xichen Streitigkeiten mit den Templern, das Zeichen des Deutschen Ordens. Die Verleihung des goldenen Auflagekreuzes unter Heinrich Bart, das unter Konrad von Thiiringen durch Privileg Ludwigs von Frankreich zum Lilienkreuz geworden sei, sowie ein Privileg Frie¬ drichs II., darauf den Heichsadler zu filhren, lassen sich nicht 44) nachweisen. 7 Alteste Quelle dafiir ist wohl die JUngere Hochmei- 45) iterchronik, 7 eben jene Deutschordenschronik, die als erste Hochmeisterwappen aufweist. Ihre Handschriften fuhren dieses Merk- sal auch konsequent durch.^) Daher ist es verstandlich, daB alle Chroniken, denen jene direkt Oder indirekt vorlag, in der Wappen- leichnung diese Merkmale beriicksichtigen, oftmals sogar besonders ait einem Merkvers unter dem Wappen oder am SchluB des Kapitels |arauf aufmerksam machen.^^ t Jedenfalls stammen weder die Form des Gesamtwappens noch die dee Personalwappens aus gesicherter alter tjberlieferung. "Aus al- ledem ergibt sich, daB die gedruckten Wappenreihen samt und sen¬ ders von zweifelhaftern Werte sind und nur mit groBer Vorsicht be- nutzt werden dlirfen."^8^ Diese Aussage lafit sich ohne weiteres auf die Handschriften ausdehnen, somit auch auf die Celler Chronik. Doch geht es hier nicht darum, eine Untersuchung auf heraldische Bichtigkeit anzustellen, sondern im Rahmen der Handschriftenbe- ichreibung verschiedene Chroniken gegenliberzustellen. Es werden miteinander verglichen Ranis und Daubmann und jene viederum mit der Celler Chronik. Statt Daubmann wird dort, wo es auf die Kolorierung ankommt, Hennenberger herangezogen, der die- eelben Druckstocke aufweist; dabei gehe ich von der Annahme aus, daB die Kolorierung kurz nach dem Druck vorgenommen wurde. Nach der Uberall in der Chronistik verwandten Zahlung gibt es 34 Hoch- neister und also ebensoviele Wappen, von denen jedoch nur die be- 49) eprochen werden, die sich unterscheiden. 7 1) Heinrich Walpot: Die Celler Chronik hat dieses Wappen nicht, da die entsprechende Seite fehlt.^^
44 2) Otto von Kerpen: Alle drei Darstellungen entsprechen sich, mit der Abweichung, dafl die Celler Chronik im oberen Personalfeld richtig den gebrochenen Balken in rot und den Si) Turnierkragen in blau hat, 1 wahrend die Parben im unteren Personalfeld vertauscht sind. 3) "Herman" Bart: Ranis hat in den Personalfeldern einen schreitenden Lowen, Daubmann zwei Lowen Ubereinander. Die al*. tere Form jedoch, wie sie unsere Chronik zeigt, hat ein ge- vierteltes Personalfeld in weiB und rot. Unsere Chronik weiet blau und rot auf, und im blauen Feld, links oben jeweils, einen wachsenden goldenen Lowen. In der Farbgebung ist eine S2) Parallele unbekannt, die Aufteilung entspricht Pole. 5) Konrad von ThUringen: Die Zeichnung entspricht sich in alien drei Chroniken. Unsere Chronik hat allerdings nicht, wie richtig ware, nur die Kronung in gold, sondern ebenfalle • SS) einen goldenen Lowen. ' 6) Poppo von Osterna: Es finden sich sehr verschiedene Formen, doch ist die verbreitetste ein geteiltes Feld, das 'i oben nochmals gespalten ist; die obere Spaltung wurde aller¬ dings in den meisten Fallen erst bei der Kolorierung durchge- ftihrt. Die Farben sind rot - weiB - blau, wobei unsere Chro¬ nik wieder die Farben vertauscht hat: das obere Feld zeigt weiB-rot-blau, das untere ist richtig, hat allerdings unten eine weitere Spaltung, so daB sich genaugenommen das farbli- che Bild rot-weiB-blau-weiB ergibt. Diese Farbvertauschungen, wie sie bereits das Wappen von Otto von Kerpen aufweist, konnen ein Versehen des Zeichners sein, kon- nen ;jedoch ebenso auf eine Vorlage hinweisen. Da wir die direkte Vorlage unserer Handschrift noch nicht kennen, sollen diese auf den ersten Blick unwesentlich erscheinenden Angaben auf jeden Fall gemacht werden, da die Illustrationen der preuflischen Chroniken bisher noch gar nicht von der Wissenschaft herangezogen wurden, uo Handschriftenverwandtschaften aufzuspviren. 7) Anno von Sangershausen: Ranis zeigt drei Ubereinander 54) schreitende Lowen, wie Pole. Daubmann und die Celler Chro-
- 45 - nik haben drei Lowen, zwei zu eins gestellt. Die Farben gold auf rot der Celler Chronik stiminen mit der Kolorierung bei Hennenberger Uberein. 8) Hartmann von Heldrungen: Ranis und Daubmann weisen den Lbwen im schwarzen Feld auf, Hennenberger in gold auf schwarz Die Celler Chronik hat ebenfalls den goldenen Lowen, jedoch auf silbernem Feld. Ebenso ist dort der Schragbalken nicht rot-weiB geschacht, sondern trotz Ausfiihrung der Schachtung einheitlich golden. 9) Burkhard von Schwanden: Die Wappenzeichnung stimmt in ■ 55) alien Chroniken Uberein. ' Nur zeigt die Celler Chronik die Leiter in gold auf silbernem Feld, wahrend sie sonst rot dar- gestellt wird, wie bei Hennenberger. 11) Gottfried von Hohenlohe: Die bereits erwahnte Zeich- nung ist immer dieselbe. Die Celler Chronik zeigt jedoch die schwarzen Lowen im goldenen statt im silbernen Feld, wie es Hennenberger richtig hat.-^ 12) Siegfried von Feuchtwangen: Unsere Chronik hat nicht, wie alle anderen, die tlbereinstimmung mit dem Wappen Konrads von Feuchtwangen. Die Ubereinanderliegenden goldenen Turnier- kragen mit zwei Latzen auf rot bei Konrad sind bei Siegfried diagonal im Spalt gekreuzt. 15) Karl von Trier: Dbereinstimmend zeigen alle Chroniken den goldenen steigenden Mond auf rot; die Celler Chronik hat im oberen Personalfeld einen steigenden, im unteren einen fallenden Mond. 16) Dietrich von Altenburg: Wahrend Daubmann und Hennen¬ berger. ebenso Pole, das richtige Altenburger Wappen aufwei- sen, 1 zeigt Ranis das Oldenburger Stammwappen, wie es aus dem 14. Jahrhundert Uberliefert ist: zwei waagerechte Balken. Die Celler Chronik hat zwar ebenso diese Oldenburger Balken, 58) richtig rot auf gold, fUhrt jedoch drei Balken. 18) Heinrich Dusemer: Die Zeichnung des Personalfeldes ist Uberall gleich. Normalerweise ist das Feld geteilt in gold
- 46 und schwarz. Pole hat, ebenso wie Hennenberger, die Teilung CQ ) . in gold und blau. ' Die Celler Chronik zeigt die Teilung im J oberen Peld in hellgold - gold, im unteren Feld in gold silber. 19) Winrich von Kniprode: Die Wappenzeichnung ist Uberall gleich, einmal abgesehen von den Vogeln, die das Geschick der Zeichner sehr verschieden ausfallen lieB; so scheinen es bei Ranis Krahen, bei Daubmann Raben und bei der Celler Chronik friedlich schwimmende Enten zu sein. Vielleicht rUhrt von dieser Entenvorsteilung auch die Farbgebung des Feldes her: die Celler Chronik weist ein blaues Feld mit rotem Balken auf, wahrend die anderen preuBischen Chroniken, wie Pole und Hen¬ nenberger, ein rotes Feld mit Silberbalken zeigen.^0^ 21) Konrad von Wallenrod: Das Wappen fehlt der Celler 611 Chronik, da die entsprechende Seite herausgerissen ist. ' 24) Heinrich von Plauen: Die Zeichnung ist Uberall die gleiche, doch unterscheidet sich die Farbgebung. Pole und Hennenberger zeigen richtig einen goldenen Lbwen auf schwarz, 62) ' die Celler Chronik einen silbernen Lowen auf schwarz auf goldenem StandhUgel. Ranis und Daubmann sind unkoloriert und fuhren somit einen weiBen Lowen auf schwarz und einen weiBen Lowen auf weiB. 25) Michael Kuchmeister: Abweichend von alien anderen Chroniken hat die Celler Chronik die Sterne statt in silber in gold auf blau. 27) Konrad von Erlichshausen: Abgesehen von Hennenberger, ^■^der im oberen Personalfeld nur zwei rote Schragbalken in silber aufweist, stimmen alle Chroniken Uberein. 28) Ludwig von Erlichshausen: Er fUhrt dasselbe Wappen wie sein Vorganger. Die Celler Chronik hat jedoch die Balken senkrecht gestellt. 33) Friedrich von Sachsen: Bei Daubmann schaut der pfalzi- sche Adler falschlich nach innen. Die Celler Chronik hat den 64) Rautenkranz irrtumlich golden statt grUn.
- 47 b) Andere Wappen von Institutionen Oder Personen Aufier den 32 heute noch vorhandenen Hochmeisterwappen weist Chronik Celle 20 weitere Wappen auf, von denen zuerst die betrach- rtet werden, die in den uns gedruckt vorliegenden Chroniken eben- v falls vorkommen. 1) Wappen des Deutschen Ordens: das einfache %Balkenkreuz im ungeteilten Schild. Es findet sich bei Ranis, Daub- *®ann, Hennenberger und Waissel jeweils dort, wo von der Ordens- griindung berichtet wird. Man kannte es als das Zeichen des Ordens, das schon 1221 )*rkundlich Uberliefert ist.6^ Die Ulteste bildli- che Darstellung des einfachen Ordenskreuzes des Deutschordenszen- tralarchivs ist vorhanden am Kopf eines Visitationsberichtes aus der Mitte des 15. Jahrhunderts aus Palermo.Alter sind Wandma- lereien im Dom zu Konigsberg (2. Halfte des 14. Jahrhunderts), in der Ordensburg Lochstedt (etwa 1380-1400), im Winterremter der Ma- brienburg (Anfang des 15. Jahrhunderts) und in anderen Ordensbau- Len.66^ Щ 2) Wappen des SchwertbrUderordens: ein auf der PSiitze etehendes rotes Schwert mit sechszackigem Stern und kugel- fp fdrmigem Knauf auf weifiem Feld. Ranis und Daubmann haben es, je- * veils unkoloriert.Im Original bestand das Wappen aus einem Schwert mit darUbergesetztem griechischen Kreuz. Bereits Heinrich von Lettland schildert es so. } Die Chroniken schalten es dort ein, wo vom Schwertbrtiderorden berichtet wird, so Ranis anschlie- Bend an den Bericht Uber Heinrich Bart, wohl angeregt durch die Brzahlung - wie sie in der Celler Chronik ausgefUhrt ist -, dafl die SchwertbrUder nach Dobrin kamen und dort einen Orden bildeten eur UnterstUtzung Konrads von Masowien gegen die Prufien. Weniger einnvoll ist die Stelle, an der Daubmann Uber den Orden berichtet. Br schaltet seine Darstellung mit Wappen in den Bericht Uber Al¬ brecht von Brandenburg-Ansbach ein, wo er vdllig ohne Beziehung eteht. Als Aufhanger fUr die Erzahlung an dieser Stelle dient die nicht nachweisbare Behauptung, die auch die Celler Chronik an- fUhrt,^) daS Albrecht 151'3 gegen eine grbBere Summe Geldes die Oberherrschaft Uber den livlandischen Ordenszweig aufgegeben habe.
48 3) Wappen ’’Konrads von ThUringen": Auf fol. 26a der zweiten Zahlung berichtet die Celler Chronik kurz liber die Regierungszeit Konrads im Zusammenhang mit der Darstellung des er- sten ZusammenstoBes zwischen Ordensbrlidern und PruBen. Konrad wird dabei folgendes Wappen zugeordnet: zwei goldene offene Blatterkro- nen, mit dem Reif einander zugewandt, in geteiltem Feld auf blau und rot. Dieses Wappen stirnmt durchaus nicht Uberein mit demjeni- gen, das auf fol. 36b dem Hochmeister beigegeben ist.^^^ Wir fin- den dieses Wappen noch bei Daubmann, Waissel und Ranis. Daubmann bringt auf dem ersten Blatt nach dem Titelblatt dieses Wappen, un- koloriert mit Schildwachtern. Ebenso hat es Waissel zu Anfang sei¬ ner Chronik, falls jedoch koloriert: auf weiBem geteilten Feld die Krone, deren Stirnreif innen blau, auBen rot mit grliner Einfassung und ebensolchen Steinen, der Aufsatz in gold mit grlinen Steinen dargestellt ist. Die Beschriftung bei Daubmann lautet: ”Der Preus- sen Wapen”. Von Konrad von ThUringen ist dort nicht die Rede. Ver- standlich wird das ganze, wenn wir Ranis betrachten. Er berichtet fol. Fib von der Schenkung Herzog Konrads von Masowien an den Or- den, anschlieBend von der ersten Kreuzfahrt gegen die PruBen, und bringt dann das uns schon bekannte Wappen, allerdings ohne Teilung und unkoloriert, mit der tlberschrift: ’’Wappen der Alten Preussen. Anno MCCXXXIIIJ.” Weiter berichtet Ranis von der Schenkung des Do- briner und Kulmer Landes sowie der Wahl Poppos von Osterna zum preuBischen Landmeister. Dann folgt das richtige Wappen Konrads von ThUringen und der Bericht Uber ihn. Nun wird das MiBverstand- nis unserer Chronik klar: der Bericht, wie wir ihn in Ranis fin- 71) den, ist in der Celler Chronik etwas gekUrzt Oder umgestellt, wobei das Wappen falschlicherweise nicht dem Bericht Uber die Pru¬ Ben, sondern der Erwahnung Konrads von ThUringen beigegeben wurde. Ahnlich verhalt es sich mit dem folgenden Wappen Poppos von Oster¬ na. Doch mag hier noch gesagt sein, daB dieses Wappen der PruBen eine Erfindung der Chronistik ist. Von der Oelsnitz glaubt, wohl mit Recht, daB Wappen erst nach der Ankunft des Ordens den PruBen bekannt geworden seien und kommt zu dem SchluB, ”daB es vor 700 72) Jahren ein preuflisches Landeswappen nicht gegeben haben kann”. Wann dieses Phantasiewappen zuerst auftauchte, laBt sich nicht ge- nau feststellen. In den Handschriften der JUngeren Hochmeister-
- 49 - . ±if -и*.* Chronik habe ich es nicht gefunden. So sind die Celler Chronik, der Druck von Ranis und Ms, 1285 der Danziger Stadtbibliothek (geschrie- ben vor 1558) die ersten Chroniken, in denen mir dieses Wappen auf- gefallen ist. Loch dUrfte wohl eine altere Vorlage vorhanden gewe- Ben sein, was noch naher zu erortern ware.^^ 4) Wappen "Poppos von Osterna": Auf fol. 28a berichtet die Celler Chronik Uber die Landmeisterzeit Poppos. Ihm vird folgendes Wappen zugeordnet: drei rote, wellenfbrmige Quer- balken auf silbernem Grund. Auf fol. 38b wird ihm als Hochmeister jedoch ©in vbllig anderes Wappen beigegeben.7^ Wie bei dem zuletzt besprochenen Wappen b^ruht diese Zuordnung auf einem Irrtum. Unsere Chronik bringt auf fol. 27b und 28a den Bericht Uber die Schenkung des Kulmerlandes an den Orden; zu jenem Bericht gehbrt das Wappen. So finden wir es richtig bei Ranis fol. FIHa; dort bringt er das Wappen und auf der folgenden Seite den Bericht Uber das Kulmerland. Im selben Zusammenhang zeigt auch Daubmann fol. Alllb jenes Wappen, allerdings wie Ranis unkoloriert. In anderen Chroniken habe ich es bisher nicht gefunden. Nun hat dieses Wappen im Gegensatz zum vorigen einen richti- gen Bezug. Das Kulmer Wappen namlich sah im 15. Jahrhundert fol- gendermaflen aus: ein Ritter im Helm mit aufgeschlagenem Visier, un- ter einem Baldachin, auf schreitendem Pferd, in der Rechten ein 75) Banner mit dreimaliger weiB-roter Wellenteilung fUhrend. ' Ein "SECRETUM CiViTATiS COLMEN." des 16. Jahrhunderts zeigt nur diese drei Wellenbalken.7^ Doch noch frUher lfiBt sich dieses Wappen nachweisen. Der polnische Chronist Jan D^ugosz zeigt in den "Eande- naria Prutenorum", dem Werk, in dem er die bei Tannenberg 1410 von den Polen erbeuteten preuBischen Pahnen darstellt, fUr Kulm ein dreifach wellenfbrmig weiB-rot geteiltes Banner mit schwarzem obe- ren AbschluBbalken, der ein kleines schwarzes Kreuz herabhangen im.77) Endlich berichtet bereits 1339 whhrend des Prozesses ge- gen den Orden ein polnischer Zeuge von den Pahnen, unter denen der Orden nach Kujawien eingefallen war: in aliquibus vexillis H Q \ ▼idit crucem nigram in albo, et in aliquibus inundationem aque.” ' Kit jener "inundatio aque" dUrfte wohl das Kulmische Banner gemeint eein, worin wir den frUhesten Nachweis hfiLtten. Wir sehen also, daB
- 50 - die Wappenzeichnung, die falschlicherweise Poppo von Osterna zuge«; ordnet wurde, in Wirklichkeit das schon im 14. Jahrhundert bekann-' te Kulmer Wappen darstellt. * 5) Wappen "Heinrichs von Weida": Auf fol. 35b zeigt die Celler Chronik im Zusammenhang mit den Nachrichten Uber Weida folgendes Wappen: auf silbernem Schild ein schwarzer senk- rechter Mittelbalken, darUber ein V-fbrmiger Balken in rot, in urn- gekehrter Stellung. Dieses Wappen babe ich bisher in keiner ande- ren Chronik gefunden. Heinrich von Weida entstaramte dem Hause Reuss von Weida.Auf seinem Grabstein findet sich nur das Deutschordenskreuz mit dem Nimbus. Von einem Wappen ist keine Spur vorhanden.®^ Die Gemmen und Wappensiegel derer von Weida,seit 1224 nachweisbar, weisen bis ins 16. Jahrhundert hinein nicht die geringste Ahnlichkeit mit dem Heinrich in der Celler Chronik zu- 81 ^ geordneten Wappen auf. ' Heinrich selber fUhrte als Wappen eine antike Gemme mit dem Bild eines Lbwen, der ein Pferd niederreiBt, dahinter ein schiefstehender Baum; nachgewiesen ist dieses Siegel op \ 1224 bis 1236. ' Vielleicht beruht auch die Zuordnung in der Cel¬ ler Chronik auf einem Irrtum infolge Textkontraktion; wohin es al- lerdings gehbren konnte, ist unklar. c) Landes- und StUdtewappen Die weiteren Wappen sind Landes- und Sthdtewappen. Dabei Uberwiegt die Darstellung des polnischen Zeichens. Wir finden sie sechsmal und einmal in der Zusammenziehung mit dem litauischen Wappen, das ebenfalls alleine vorkommt. Allerdings unterscheiden sich die Zeichnungen ziemlich. Pol. 12a sehen wir auf silbernem Feld einen roten Adler mit goldenen Fangen. Der Schild tragt eine goldene, rot ausgeschlagene BUgelkrone, dahinter Szepter und Reichsapfel. Diesen roten Adler auf silbernem Grund finden wir wieder auf fol. 84a bei der Kontraktion mit dem litauischen Wap¬ pen, Uber das noch zu sprechen sein wird. Bei diesen Darstellungen sind jedoch die Farben vertauscht. Richtig finden sie sich fol. 16b, 129a, 157b, 192a und 204a. Die Zeichnung auf fol. 16b ahnelt stark einer Taube, mit goldenen Fangen auf grUnem StandhUgel; doch
- 51 Fdttrfte dies ein MiBgeschick des Illustrators sein. Бег Adler auf fol. 129a tragt eine goldene Blatterkrone und blickt falschlicher- veiee nach links# Auf fol. 157b tragt der Adler ebenfalls die gol¬ dene Blatterkrone, wahrend der Wappenschild auch mit einer solchen geechmiickt ist; zusatzlich schlingt sich um die Brust des Adlers ein goldenes S. Diese Darstellung tritt genau im richtigen Augen- blick auf, da dort von der Kronung Konig Sigismunds im Jahre 1507 berichtet wird.8^ Bei der Nachricht von der Kronung Sigismunds August im Jahre 1530 auf fol. 192a ist das Wappen fast genauso ge- eeichnet, nur tragt der Adler keine Krone, wofllr die Krone Uber dem Schild zu eine^/BUgelkrone geworden ist. Fol. 204a anlaBlich des Konigsbesuches in Danzig 1552 wird das groBe polnische Wappen tbgebildet: der geviertelte Schild ist mit einer SchildfuBteilung und einem Herzschild versehen. Links oben und rechts unten findet eich der schwarze, rotgezungte westpreuBische Adler mit goldenen Pdngen und "Kleestengeln", gerecktem Schwertarm und goldener Blat¬ terkrone um den Hals;8^ in den anderen Feldern ist das litauische Wappen dargestellt. SchildfuB und Herzschild tragen den weiBen polnischen Adler auf rotem Grund, im Herzschild noch mit dem gol¬ denen S versehen. Das ganze Wappen tragt eine goldene BUgelkrone ale Aufsatz.8"^ Das litauische Wappen, das wir in Kontraktion bereits auf fol. 84a und 204a kennenlernten, hat dort und fol. 82a folgende Peichnung: Ritter in Rustung mit blankem erhobenen Schwert und goldenem Schild, belegt mit rotem Balkenkreuz, sowie golden wehen- dem Helmbusch auf schreitendem Schimmel; das Feld ist rot, der SchildfuB grim. Beim groflen polnischen Wappen fol. 204a ist der Grund allerdings silbern, der Schild rot mit silbernem Kreuz.8^ Das westpreuBische Wappen, das wir ebenfalls in Kontraktion bereits fol. 204a sahen, ist fol. 9b etwas anders, jedoch falsch dargestellt: der Adler in rot auf silbernem Feld, mit ebenfalls roter Wehr; zusatzlich der Schwertarm an der linken statt an der rechten Seite emporgereckt. Ebenso ist die Zeichnung auf fol. 146a nicht ganz richtig. Zwar tragt der schwarze Adler goldene Wehr und ebensolche Krone auf silbernem Feld, jedoch keine Kleestengel (goldene Spangen auf den FlUgeln) und den Schwertarm links auf dem PlUgel.87^
- 52 - Auf fol. 15b sehen wir einen Hitter in voller RUstung, der wohl Swantopolk von Pommerellen darstellen soli, als SchildwUchter neben einem Wappen. Dasjenige Swantopolks ist es jedoch nicht. Nach den Siegeln zeigt das pommerellische Wappen durchweg eine Li- : 88) lie. ' Doch hier haben wir folgende Zeichnung: der Schild ist ge- viertelt; links oben sehen wir im quergeteilten Schild einen wach- senden goldenen Greif auf silber, darunter rot in rot geschacht;®^! rechts oben der rote Greif auf silber, ebenso links unten; rechts j unten in rosa ein goldenes Schacherkreuz mit vier silbernen Bill- I 90) 1 ten. ' Wir haben hier eine Wappenform Pommerns, nicht Pommerel- < lens vor uns, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Gebrauch ge- 91T wesen sein diirfte. 1 Wieder einmal wird klar, daВ die heraldischen Quellen in PreuBen nur bis zum Ende des 15. Jahrhunderts zurlickrei- chen. Das bestarkt uns in der Annahme, daB es vor der Jtingeren \ Hochmeisterchronik keine Ordenschronik mit Wappenzusammenstellun- 1 gen gegeben haben dUrfte. vj Nun bietet die Celler Chronik noch - wie zu erwarten war - < das Danziger Wappen, auf fol. 129b und fol. 225b; Ubereinander zwei silberne griechische Kreuze auf rotem Feld, auf fol. 225b zu- satzlich mit einer goldenen Krone versehen. Die Wappenform ist an beiden Stellen richtig; beim er3ten Mai bezieht sie sich auf Er- eignisse von 1455, beim zweiten Mai von 1490. Die Vermehrung des Danziger Wappens um die Krone fand zu einem zwischen diesen Daten 92) liegenden Zeitpunkt statt: 1457. Das Wappen von K5nigsberg-Kneiphof, das der Chronist auf fol, 130a darstellen wollte, ist nicht ausgefiihrt. Wahrscheinlich wuBte der Illustrator nicht, welche Zeichnung es aufwies, mochte aber auch keine Fantasiezeichnung anfertigen. So sehen wir nur einen * leicht schraffierten Wappenschild. Die letzte zu besprechende Wappenzeichnung haben wir auf fol.' 22bs "Die 4. Comptors ihre Wapen." Vier Wappenschilde weisen fol¬ gende Zeichnung auf: 1) gespaltener Schild, darin links halber Ad¬ ler in gold auf schwarz, rechts die gleiche Zeichnung farbver- tauscht (MBrug in FlandernM); 2) gespaltener Schild, darin links silberner SchlUssel auf blau, Bart nach innen gekehrt, rechts hal¬ ber Adler in schwarz auf gold, wie es bei 1) der Fall ist ("Naw- gardt in Ruflland1*); 3) im weiB-rot geteilten Feld schwarzer gold-
- 53 - bewehrter Doppeladler mit goldener Blatterkrone urn den Hals ("Lun- den in Engelandt"); 4) gespaltener Schild, darin links silberner •ufrechter Fisch, dartiber goldene Blatterkrone, auf rot, rechts halber Adler in schwarz auf gold, wie bei 1) und 2) zu finden ist ("Bergen in Norwegen"). Neben diesen Wappen steht ein Deutschor- densangehoriger. ' Die Zeichnung ist vollkommen richtig ausge- fUhrt. Das dominierende Element, der ganze Oder halbe Doppeladler, entstammt dem LUbecker Wappen, von wo aus es auf die Wappen der Hansekontore Uberging.^^ Vergleichen wir die Siegel der Hansekon- tore Brligge aus dem 15. Jahrhundert und London aus dem Ende des 15, Jahrhunderts,^^ so stellen wir dieselbe Zeichnung fest. Zeit- genossisch unserer Chronik und ebenfalls vollkommen Ubereinstim- aend ist das Wappen des Kontors von Bergen, wie wir es aus dem Buch der LUbecker Bergenfahrer von 1533 kennen.^^ Das Nowgoroder Vappen stimmt ebenfalls.^^ Wir sahen also, da3 unsere Chronik in den Personalwappen der Hochmeister im allgemeinen die in der Chronistik Ublichen Zeich- nungen und Farben fUhrte, jedoch einige Abweichungen zeigte, die bei einer Einordnung der Handschrift vielleicht von Nutzen sein kdnnen, Hinzu kamen einige Wappen, wie das Kulmer, die auf der nicht ganz glUcklichen Auswertung einer Vorlage beruhen, Die wei- teren Wappen, im allgemeinen richtig dargestellt, lielBen uns doch merken, da8 die heraldische Tradition der Ordenschronistik um die Kitte des 16. Jahrhunderts noch sehr jung war und keinesfalls Uber das Ende des 15. Jahrhunderts zurUckreichte. B) Die Darstellungen Alle Bilder, die keine Wappen zeigen,. haben wir zusammenfas- send Darstellungen genannt. Diese sind nun genauer zu betrachten. Bereits bei sehr flUchtigem Hinsehen fallt ein wichtiger Umstand sofort auf: wir haben es mit zwei Illustratoren zu tun. Der zweite eetzt fol. 98b mit der Darstellung der Tannenberger Schlacht des Jahres 1410 ein. Wahrend der erste Illustrator kleine Darstellun¬ gen liebte in einfacher, fast plumper AusfUhrung mit unkomplizier-
- 54 - ter Farbgebung, werden nun die Bilder groBer und im ganzen ge- schickter, sowohl in der Betailzeichnung als auch in der Farbge- bung; vor allem bei den Wappen wird viel starker mit Tinten- oder Tuschenschraffierung gearbeitet, so daB damit die Federzeichnung nicht nur als Rahmen, sondern als Stilmittel verwandt wird. Babei wird jedoch die gesamte Farbgebung wesentlich unaufdringlicher. Von dem hier entworfenen Bild gibt es auch einige Ausnahmen. So haben wir groBere Barstellungen des ersten Illustartors unter anderem bei der Banziger Stadtansicht,der Bergwerkszeichnung,^ den Gerichtsszenen1 oder den Schwanken der Lichtenauer Bau- ern;^^ doch ist es interessant, daB viele der gerade erwahnten groBeren Barstellungen Zusammensetzungen aus zwei oder mehr klei- nen Bildern sind, wie die Mordszene in Litauen,1^2^ die Gerichts- szenen1^^ oder die Schwanke der Lichtenauer Bauern.101^ Fast hat man den Eindruck, als sei es dem ersten Illustrator schwergefal- len, den Raum zu fullen, wahrend der zweite auBerst geschickt war in Flacheneinteilung und -ausnutzung. Interessant ist ferner, daB sich Illustrationen zu Sagen und Schwanken - mit einer Ausnahme - nur beim ersten Zeichner finden; ebenso verhalt es sich mit den Miinzdarstellungen. Portrats und Szenen der Banziger Innenpolitik hat dagegen nur der zweite Illu¬ strator. Ganz allgemein kann man sagen, daB die schwierigeren Bar¬ stellungen vom zweiten Illustrator angefertigt wurden; das heiBt andererseits, daB die Illustrationen ab fol. 98b - eben der Tan- nenberger Schlacht - schwierigere Situationen in komplizierterer Technik zeigen und somit wesentlich anziehender sind als die vor- herigen. Nun sollen diese Barstellungen, der besseren Ubersicht wegen zu thematischen Gruppen zusammengestellt, kurz besprochen werden. a) Politisches Geschehen in Polen und im Ordens- land im Bild Bie eigentlich polnische Geschichte wird - allein schon auf- grund der Quellenlage - besonders am Anfang der Celler Chronik be- tont. So finden sich bildliche Barstellungen dazu nur fUr die vor der Ankunft des Ordens liegende Zeit: Kasimir Restaurator als Monch mit Herrschaf tszeichen^^ und Tod Mas^aws von Masowien nach
- 55 - eeinem Krieg gegen Kasirair;1^^ die Zeichnung von Bolesfaw III. let aus uneerer Chronik herausgerissen worden.10^ Mit dem Kampf dee Ordens gegen die PruBen und der allmahlichen Entstehung des Ordensstaates nehmen auch die Zeichnungen zu, wobei wir anfangs ttberwiegend Wappen finden und erst spater mehr Darstellungen. Den Kampf des Ordens beriihren die nachsten Bilder: die PruBen- ftlhrer Glappe und Monte wurden gehangt;10^ Taufe litauischer Ed- ler im Jahre 1365.^^ Interessant ist, dafl gerade dieses Ereignis, n&nlich der Ubergang Butawts, eines Sohnes Kinstuts, zum Orden zum AnlaB genommen wurde, eine solche Taufdarstellung zu zeigen. Dem- nach ist diese Taufe im 16. Jahrhundert doch wohl als ein bedeu- tender Schritt des Ordens zur Missionierung und Unterwerfung bi- tauens gewertet worden, obwohl er dem Orden auBer moralischen kei- nerlei Vorteile einbrachte, da er gegen Litauen zu der Zeit nicht ■it Geist und Propaganda zu Felde ziehen konnte, sondern nur mit Waffengewalt.108^ Die nachste Darstellung zeigt eine Schicksalsstunde des Deut- echen Ordens und ein erschUtterndes Ereignis fiir die gesamte Ge- echichte des bstlichen Europa: "Die Schlacht auf dem Tannenberge Anno 1410".Es ist das erste Bild des zweiten Illustrators und gleichzeitig eins der besten, die er gemalt hat. Auf der rechten Seite sehen wir in bester Ordnung Fufivolk, dahinter Berittene in die Schlacht rticken; links hinten ist ein ahnliches Bild zu beob- achten, w&hrend sich vorne ein verzweifeltes Kampfgeschehen Mann gegen Mann abspielt: das einhSndig geflihrte Schwert ist drohend -Eum Streich erhoben und fallt hernieder auf den noch stehenden Oder bereits fallenden Feind, das Rohr der Kanone ist zerbrochen, Gefal- lene und zerstorte Waffen liegen am Boden. tlber dem Ganzen stehen die schrag gegeneinandergestellten Lanzen, von denen Wimpel und Pahnen flattern. In vorsichtigen Braun-, Rot- und Grautbnen gehal- ten geht das Bild liebevoll bis in kleinste Details, etwa die Zeichnung eines Gesichts, einer Riistung Oder der Bundschleife an einer Kniehose. Diese Darstellung, geschickt mit Raumaufteilung und Perspektive arbeitend, gefiillt bis zum Rande, doch nicht tiber- laden, vermittelt einen Eindruck der geballten Kraft, die in einem verzweifelten Ringen in dieser Schlacht aufeinandertraf. Die Aus- eagekraft dieses Bildes Ubertrifft bei weitem die Textschilderung;
- 56 - das Bild wird an dieser Stelle deutlich "Trager der Handlung". Ев ist eine der ganz wenigen Darstellungen, die Uber den Rahmen eir.er Illustration weit hinausgehen. Sie ist gewiB nicht nur aus der Freude an der malerischen Darstellung entstanden, sondern zeigt, daB der Maler des 16. Jahrhunderts die grofle Bedeutung dieses Er- eignisses erkannte und versucht hat, sie darzustellen und zu ver- mitteln, in einer Zeit, als die Buchmalerei infolge der Buchdruk- kerkunst allmahlich ein Ende nahm.^1^ Auch die beiden nachsten Bilder bertlhren eine bedeutende Wen- de im politischen Geschehen des Ordenslandes. Sie ftihren uns in die Zeit um 1440, die Zeit der Entstehung des preuflischen Bundes. Das erste zeigt eine Abordnung der Stande von sechs Mann vor eben- soviel Ordensangehorigen, die an einem runden Tische sitzen.11^ Es ist eine Ahnlichkeit zur Darstellung des Jtlngsten Gerichtes in Schedels Weltchronik vorhanden, die jedoch mehr fUr die Richtig- keit der Gerichtsdarstellung als solcher spricht denn flir eine Ab- 112^ hangigkeit. ' Die Detailzeichnung ist liebevoll bis ins kleinste durchgefuhrt bei einer sehr dezenten Farbgebung. Dasselbe gilt fUr die nachste Darstellung, die den Titel tragt: "Der Bund wird gele- sen, 1440". Im Text geht es zwar eindeutig um die Abfassung der 11'^') Bundesakte 1440, 1 doch stellt das Bild das kaiserliche Urteil von 1453 dar. Rechts auf dem Thron, uns anschauend, sitzt mit Szepter und Krone der Kaiser, wahrend sein Beauftragter einer gro- Beren Zahl von Abgesandten das Urteil verliest. Die beiden letzten Bilder dieser Gruppe flihren uns an das En¬ de des Ordensstaates in PreuBen, den AbschluS des Krakauer Ver- trages*^^ und die Huldigung Albrechts von Brandenburg-Ansbach vor Konig Sigismund von Polen.^^ Das erste Bild zeigt Albrecht und Sigismund: "in moderner spanischer Hoftracht steht der friihe- re Hochmeister, der die Ordenszeichen abgelegt hat. vor dem Polen- konig, der ihm den Friedensvertrag Uberreicht."^Das zweite Bild stellt die Huldigung dar. Sigismund sitzt auf dem Thron, Reichsapfel und das Schwert haltend, mit dem er Albrecht zum Rit¬ ter schlug. Albrecht legt knieend den Eid auf das von einem Geist- lichen ihm vorgehaltene Evangelium ab, wahrend sein neues Banner Uber ihn gehalten wird; es ist eine Szene von eindrucksvoller Klar- heit und Schlichtheit, sowohl in Bildaufbau als auch der auf wenige
57 Farben beschrankten Kolorierung. Damit ist die Epoche des Orders- Btaates abgeschlossen, PreuBen v/ird zu einem Territorium von an- fangs untergeordneter Bedeutung. Das macht sich im Text bemerkbar* der nun wesentlich starker die Danziger Stadtsicht spUren laflt, wie auch in den Darstellungen. Illustrationen zur Mhohen Politic" die Danzig nicht betrifft, fehlen von nun an. £ b) Politiscj^es Geschehen in Danzig im Bild Ein starkes Interesse auch in der Ausmalung finden wir in der Celler Chronik fUr Danziger Ereignisse. Dabei handelt es sich bei den Bildern fast immer um Geschehnisse von hochster politischer Bedeutung, selten um reine Lokalereignisse. Abgesehen von der Dar- 117) etellung des Mordes an Konrad Letzkau im Jahre 1416 7 setzen die Bilder allerdings erst 1525 ein, zu einer Zeit also, die Schreiber wie Maler vielleicht selber erlebt haben und die deshalb fUr sie won besonderem Interesse war. « Es beginnt mit einer Illustration zu dem Spottgedicht Uber Bberhard Ferber und den Danziger Aufruhr.11^ AnlaBlich der Ladung dee Konigs an Danzig, sich zu verantworten, vom Dezember 1525, vird ein koniglicher Herold gezeigt, mit Wappenschild und einge- legter, wimpelgeschmUckter Lanze auf einem Schimmel heranspren- 119) gend. 7 Das nachste Bild stellt dar, anlaBlich ihrer Anweser- heit in Danzig 1526, von rechts nach links: Herzog Albrecht in voller Rlistung mit Banner, Herzog Georg von Pommern in hofischer Kleidung, beide auf galoppierendem Pferde, und Konig Sigismund im Wollen Ornat mit Szepter auf ruhig schreitendem Schimmel.1 tfber die Darstellung eines mit Silberwerk beladenen Monches und 121) eines bUBenden Bauern 7 kommen wir zu einer auBerst blutigen 122) Szene, der Enthauptung der 1526 verurteilten BUrger. Kopfe rollen, Blut stromt, wahrend der Henker zum nUchsten Streich gegen einen betend knieenden BUrger ausholt. Die Detailzeichnung ist eingehend wie immer beim zweiten Illustrator; beruhigend ist nur die dezente Farbanwendung, wodurch das Bild nicht zu grausig er- echeint. Die drei letzten Bilder dieser Gruppe, die in engem themati- schem Zusammenhang stehen, zeigen wieder deutlich die StUrke des
- 58 - Malers in der Darstellung groBer Gruppenbilder. Sie illustrieren i den Konigsbesuch in Danzig von 1552, ein Ereignis, das Schreiber 1 und Maler der Chronik sicherlich miterlebt haben und das den Maler з unter anderem zu seinem groBten Bild anregte. Zuerst stellt er den.; Konflikt zwischen Polen und der Danziger Wache dar, wobei er sich dem Text eng anschlieBt.1^^ Es folgt das zwei Zeilen fUllende Bild, das sicherlich, vom Maler aus eigenem Erleben geschopft, den zeichnerischen Hbhepunkt darstellen sollte: der Einzug des Kdnigs Sigismund August in die Stadt.1^^ Umso bedauerlicher ist es, daB gerade die Konigsdarstellung aus unserer Chronik entfernt worden ist. Trotzdem erhalt man einen Eindruck, wenn man den verbliebenen Rest betrachtet. Pauken und Pfeifen ziehen vorweg, ihnen folgt dae gepanzerte berittene Geleit. liber allem stehen die SpieBe und Lan- zen, von denen die Wimpel im Winde flattern. Die Pomphaftigkeit tritt einem entgegen in der groBzllgigen und doch wohlliberlegten Raumaufteilung des Bildes, wahrend die Farbgebung wie immer dezent ist. Die Liebe zum Detail ist auch hier wieder deutlich sichtbar, ob es sich nun urn das Zaumzeug eines Pferdes handelt oder den dunk* leren Fleck an der Stelle des Trommelfells, auf die der Schlegel zu treffen pflegt. Hier haben wir es wieder mit einer Darstellung zu tun, die Eigenwert beansprucht, die den Text vollkommen zurtick- treten laBt und ohne ihn ein kilnstlerisches Eigenleben zu fUhren vermag. Selten genug begegnet uns dies in der Celler Chronik, doch dann umso Uberzeugender. AbschlieBend in dieserGruppe folgt die Darstellung des Ge- 12 4) richts des Konigs Uber Danzig, in Raumaufteilung und Detail- zeichnung ahnlich der Darstellung der Beschwerden Uber den Orden um 1440.126) Die Illustrationen zur Geschichte Danzigs finden ihren Hbhe- 127') punkt in der "Gegenwartschronistik" des Malers, in den Situa- tionen, die er, wenn auch nicht unbedingt als Beteiligter, erlebt hat. Sie zeigen uns das Danziger Leben des 16. Jahrhunderts oder auch das Leben frUherer Jahrhunderte, wie der Maler des 16. Jahr¬ hunderts es sah. Diese Feststellung trifft gerade auch flir die nachste Gruppe von Darstellungen zu, die Bauten.
- 59 - c) Die Bauten In unserer Chronik haben wir einige Bilder, die verschiedene Gebfiude darstellen. So erwtlnscht uns friihe Ansichten sind, so vor- •ichtig miissen wir bei ihrer Auswertung vorgehen. Sehr deutlich Mgt dies an einer Stelle Forstreuter, zwar auf Landkarten bezo- gen, was wir aber auch auf Chroniken ausdehnen kbnnen: "Solche Bilder sind oft freilich reine Fantasie, Bilder von Burgen «nd Kirchen an sich, nichty/bestimmter Bauten,Unter dieser flberlegung wollen wir die Darstellungen betrachten. Grleich das erste Bild wirft entsprechende Probleme auf. Es teigt eine teils auf gewachsenem Felsen stehende Burg mit Vorhof, 1 pQ Vohnbauten und zwei TUrmen. Zugeordnet ist es dem Bericht Uber den Bau Konigsbergs im Jahre 1255.^^ Charakteristisch und unver- kennbar ist die Zeichnung des groflen SchloSturms, doch alles ande- re ist so stark abweichend, daB ich zumindest keine sehr genaue lenntnis des Schlosses annehme. Wahrscheinlich handelt es sich urn ■eine Burg", der der SchloBturm als charakteristisches Merkmal 131) aufgesetzt ist. ^ ' So zeigt sich hier bereits die groBe Gefahr der Auswertung des Bildes, die wir an dieser Stelle durch Ver- gleich mit anderen Darstellungen priifen konnten. Anders liegt der Fall bei der folgenden Darstellung Danzigs; war der Illustrator doch hochstwahrscheinlich Danziger, so da!3 wir ihm nun weit mehr Vertrauen entgegenbringen dlirfen. Es handelt eich um die Ansicht Danzigs, dem Bericht Uber die Belagerung der Stadt im Jahre 1308 beigegeben. * Verstandlicherweise entspricht die Zeichnung nicht dem Zustand des 14., sondern des 16. Janrhun- derts. Dadurch bekommt das Bild fUr uns einen sehr konkreten Wert, 1 irie bereits Otto GUnther festgestellt hat. } Es zeigt namlich Koggentor und KoggenbrUcke vor ihrem Abbruch 1563 und den Rathaus- turm vor dem Brand 1556. Anhand der Zeichnung der Marienkirche, die im ganzen richtig dargestellt ist - wobei wir berUcksichtigen atissen, daB es sich um den nicht so geschickten ersten Illustra¬ tor handelt - dlirfen wir annehmen, daB der Charakter der nicht nehr erhaltenen Bauwerke in etwa richtig wiedergegeben wurde. So let dieses Bild die einzige Darstellung Danzigs vor jenen ein- echneidenden baulichen Veranderungen und besitzt dadurch erhebli-
- 60 chen Quellenwert. Genau das Gegenteil ergibt sich bei der nachsten Darstellung, in der der Brand einer Burg Oder Stadt gezeigt wird.^^ Beigege- ben ist das Bild dem Bericht liber die Belagerung der litauischen Burg Pilenai im Jahre 1336, Datum und Ort machen bereits die Kennt* nis der Burg fur den Verfa3ser unmoglich. Auch fiir die nachste Zeichnung ist wohl keine genaue Wieder- gabe anzunehmen. Es handelt sich um die Darstellung einer brennen- den romanischen Kirche, zugeordnet dem Bericht liber den Turmbrand 1 der Danziger Johanniskirche im Jahre 1543. Eine Ahnlichkeit wurde auch schon von Gunther mit Recht abgelehnt.1^^ d) Portrats Die Celler Chronik weist eine groBe Zahl von Personenbildern auf. Bei den Bauten sahen wir, daB zu einem weit zurlickliegenden Vorgang ein Bild aus der Gegenwart des Malers gegeben werden konn- te. Anders ist es mit den Personendarstellungen. Dabei dlirfen wir grundsatzlich nur die Bilder betrachten, deren Personen der Maler gekannt haben konnte. Selbst darin miissen wir einschranken. Wir lernten bereits kennen die Darstellungen des kaiserlichen Urteils von 1453» des Treffens von Sigismund I. und Albrecht sowie Al¬ brechts Belehnung und seinen Ritt nach Danzig mit dem Konig und 137) Georg von Pommern. 7 Der Herrscher im Ornat bleibt sich dabei imnier gleich. Er ist nur als "gekronter Monarch" gezeichnet, nicht portratiert. Schwieriger wird das bei den flinf Brustbildern, die die Celler Chronik aufweist. Zugeordnet sind diese Bilder Ereignissen, die liber den Danzi¬ ger stadtischen Rahmen weit hinausgehen und oftmals auf das Leben in dieser Stadt gar keinen EinfluB gehabt haben. Gemalt wurden Martin Luther, Johann von Leyden, ^9) jo^ann von Sachsen, *^0) Sigismund I. von Polen1^1^ und Moritz von Sachsen.Es ist kaum anzunehmen, daB der Maler als Danziger eine dieser Personen gese- hen hat, hochstens Konig Sigismund, als er 1526 in Danzig weilte. Gerade dessen Bild entspricht in den Gesichtsziigen aber durchaus keiner der bekannten Darstellungen, wie wir sie etwa in dem Werk 143) von Decius finden. 7
61 Die ganze Aufmachung der Bilder erinnert stark an die Technik des Holzschnittes, wenn man von der Kolorierung einmal absieht. Damit sind wir vermutlich auch bei den Vorlagen angelangt. Darstel- lungen beruhmter Personen im Gemalde, in Stein Oder als Holzschnitt in einem Buch Oder auch als Einzeldruck gab es zur damaligen Zeit viele. Auch in Preuflen waren diese Darstellungen zu finden, wie ein etwa zeitgenossisches Inventar des Konigsberger Schlosses von 1568 beweist;1infolge de^ Vielzahl der Fliegenden-Blatt-Drucke der Reformationszeit, die heute zum groflten Teil noch gar nicht eyetematisch erfaflt sind, erscheint es ein aussichtsloses Unter- fangen, die genaue Yorlage fur unsere Portrats zu suchen. Festzu- halten bleibt nur, daB sie eine Vorlage jener Art gehabt haben konnen, dann jedoch zum Aussehen jener Personlichkeiten keinen neuen Anhalt liefern. e) Miinzen In dem Abschnitt, den der erste Zeichner illustriert hat, finden wir vier MUnzdarstellungen.1^^ Man hat von einigen sofort den Eindruck, als seien sie nicht nach einem Original gezeichnet vorden, sondern nur nach den Angaben im Text. Unklar scheint das nur bei dem preuBischen Schilling Dietrichs von Altenburg, der auch nach Vorlage gezeichnet sein konnte. Doch kennen wir im Ori¬ ginal bisher kein StUck der Altenburgischen Schillinge. Die Nach- ;richten dariiber entstammen nur der Danziger Chronistik. Auch die Ausfiihrung in Bild und Umschrift durfte "mehr als verdachtig" eein.1 f) Berufe im Bild Interessant sind auch die Bilder, die den Menschen des 16. Jahrhunderts bei der Arbeit zeigen. Bergarbeiter, Totengraber, Priester und Bauer stammen vom ersten Illustrator. Ihre Darstel- lung ist grob und erweckt nicht den Eindruck genauer Kenntnis des Gezeichneten.^^^ Anders ist es beim Buchsenmeister und den MUnzschlagern;^ besonders fiir die letzteren besitzen wir eine fast gleichzeitige Paralleldarstellung in Jost Ammans Standebuch von 1568.14-<^ Zwar
- 62 - j 1st der Rahmen des Bildes ein anderer, doch die Tatigkeit die j gleiche. So besitzen wir vor Amman, dessen Bilder wiederum von Hans Holbeins Totentanz und den dort gezeigten Standevertretern beeinfluBt sind, bereits in unserer Chronik eine typische Handwer- kerdarstellung, unbeeinfluBt von jener nachhaltig wirkenden Zusam- menstellung Jost Ammans. Nur ein Bild mag hier noch besprochen werden, das neben der Tannenberger Schlacht und dem Konigseinzug in Danzig wohl zu den besten der Chronik zahlt. Es zeigt eine Kogge des 16. Jahrhunderts auf See.1'^ Das Schiff liegt voll vor dem Winde, die Segel stehen, die Wimpel flattern. Ein Teil der Besatzung ist zu sehen, sogar der Mann im Ausguck. Aus den StUckpforten blicken drohend die Geschlitze hervor. Das ganze Bild ist voller Leben und mit groBer Liebe zum Detail gezeichnet, die sicher auf eine gute Anschauung von der Schiffahrt schlieBen laBt. Zumindest hat der Illustrator von der Moglichkeit Gebrauch gemacht, im Danziger Hafen ein solches Schiff genau nachzuzeichnen. g) Mord, Gericht und Tod Sehr haufig vertreten sind in unserer Chronik Bilder, auf de- nen Blut flieBt und den Beschauer das Gruseln ankommen kann. Be¬ reits im 16. Jahrhundert war das Verlangen nach diesen Darstellun- gen vorhanden, das noch heute von vielen Tages- und Wochenzeitun- gen erfilllt wird. Schon bei Zeichnungenzu Danziger Ereignissen sa- 1 C 1 \ hen wir dies, J ' erst recht dann dort, wo der Text eine solche Darstellung geradezu fordert, wie etwa bei der Belagerung von Schwetz,*^^ der Ermordung einer Nonne durch einen Litauer^^ Oder einer Begebenheit, die bereitsden Titel tragt: MGroB Mord in Litauen".Auch die Strafarten werden klar und unmiBverstand- 1CC) lich gezeigt, wie Vierteilen und Schleifen, ' Enthaupten und Ra- dern,^^^ Brandmalen^^^ Oder die Darstellung eines Morders kurz vor dem Radern am Pfahl.1^8^ Auch der Tod, der nicht durch Gewalt Oder einen irdischen Richter verursacht ist, findet seine Darstellung, wie im Selbst- mord mit Pistole.Geradezu liebevoll ist der Tod Martin Luthers gezeichnet.Luther liegt auf hohem Stufenbett, die betreuende
- 63 - Person anblickend. Sowohl das Bett als auch der Tisch und all die kleinen Binge, die in einer Krankenstube zu sein pflegen, sind mit groBer Genauigkeit gezeichnet; trotzdem wirkt das Bild etwas leer. Von guter Anatomiekenntnis zeugen zwei Totenschadel ohne Un- terkiefer, der Erzahlung Uber die Pest des Jahres 1427 beigegeben. Das letzte Bild dieser Gruppe entstamint offensichtlich der Vorliebe des 16. Jahrhunderts fUr Totentanz- und Todesdarstellun- gen, deren groBter Vertreter Rand Holbein d.J. war. Es zeigt zwi- schen einem Kornfeld und einem Baum auf einem Pferd den Tod als А С О \ Gerippe, die Sense in der Hand. } Diese Art der Barstellung des Todes als Schnitter geht bis in die romanische Zeit zurUck. Sie 1st immer wiederkehrendes Motiv, nicht auf eine Urdarstellung rUck- ftihrbar. Im 16. Jahrhundert erfuhr sie einige Hohepunkte, wie DU- rers Handzeichnung von 1505, den Tod mit Krone und Sense auf mage- rem Klepper zeigend. h) Sagen und Schwanke Im ganzen gibt es wenig Bilder zu diesem Thema, wenn man von den Illustrationen zu den Erzahlungen Uber die GroBlichtenauer Bauern absieht. Es handelt sich um eine sehr sinnfallige Darstel- lung der Entstehung des Bernsteins1^^ sowie um die Illustration zu der Schauergeschichte, daB ein Monch seinen Abt um eines Raben willen tUtet.*^^ Beide Zeichnungen sind sehr einfach und bieten nichts besonderes. Einen breiten Raum nehmen, wie die Erzahlungen, die Illustra¬ tionen zu den Schwanken der Lichtenauer Bauern ein. Jede Erzahlung hat ihr eigenes Bild erhalten, ob es sich um die Schatzfasser, den Monch im Hopfensack, den Monch am SpieB gebraten, den Kesselflik- ker im toten Pferd Oder die Sau im Bett handelt, die die Absolution erhalten soll.^^ Zwar sind die Bilder einfach, doch geben sie die jeweilige Situation sehr klar wieder. Ben AbschluB dieser Gruppe bildet die Barstellung eines Trink- 1 67) gelages mit all seinen wenig schonen Begleiterscheinungen. ' Bei¬ gegeben ist diese der Erzahlung Uber die Bierecheppen, bei der man, wie bei unserem Bild, den Eindruck hat, als habe dies dem Schreiber doch recht viel SpaB bereitet und sei die Verurteilung dieses Ge-
- 64 1 schehens eigentlich nicht so recht zum Ausdruck gekommen. Gerade bei diesem Bild zeigen sich interessante Parallelen zu den beiden Kolzschnitten der ’’Spieler" und "Saufer" im Totentanz von Hans 168) Holbein d.J. ' Man konnte vermuten, daB diese beiden Holzschnit- te aufgrund ihrer weiten Verbreitung dem Zeichner bekannt waren, wenn auch nicht als direkte Vorlage dienten. Er dllrfte dann ver- sucht haben, jene Schnitte in eine Komposition zusammenzufassen, der Textstelle entsprechend, wo es vor allem auf die Saufer ankam, Allerdings gab es wohl eine ganze Reihe von Barstellungen dieser Thematik; bereits Н90 ist eine solche im Druck nachweisbar. Holbein selbst verwandte sie auBer im groBen Totentanz auch schon in seinem Totentanzalphabet. ^0) y/ir haben es also wieder mit einem Bild einer recht verbreiteten Thematik zu tun, dessen direk¬ te Vorlage zu finden schwerfallt. Wenn wir nun die Darstellungen Ubersehen, konnen wir sagen, daB ihr kunstlerischer Wert nicht allzu groB ist. Fast immer han- delt es sich um Illustrationen zum Text. Kaum kann das Bild einen Wert beanspruchen, der es liber den Text hinaushobe und zu eigener Aussage kommen lieBe. Nur bei der Darstellung der Tannenberger Schlacht, der Kogge und des Konigseinzuges in Danzig konnten wir dies beobachten. Wir haben es also hier nicht mit einem KUnstler zu tun, dessen Spuren nachzugehen sich lohnte, wie den Illustra- toren des Gebetbtichleins der Herzogin Dorothea, sondern mit guten "Handwerkern". Jedoch auch jene werden in der Mitte des 16. Jahrhunderts bereits selten, da sie zum Holzschnitzen flir den Buchdruck Ubergehen. Es ist auch dies eine Spatform, ein Auslaufer in unserer Chronik. Wie groB ist nun der historische Wert der Darstellungen? Ha¬ ben die Illustratoren an einigen Stellen uns einen Eindruck ver- mittelt, wie Personen, Vorgange Oder Dinge ihrer Zeit aussahen? Bejahen konnen wir diese Frage teilweise ftlr die gezeichneten Be- rufe, auf jeden Fall flir die Kleidung der dargestellten Personen. Die Portrats gaben uns allerdings keinen neuen Beitrag. Sehr wert- voll dagegen ist die Darstellung der Danziger Stadtansicht, die wir als einziges Zeugnis ftlr das Aussehen Danzigs um 1550 besit- zen, Einen guten Beitrag liefern die Bilder zur geistigen Geschich-
- 65 - t* des 16. Jahrhunderts, zeigen sie uns doch - neben der geistigen Terbindung PreuBens mit den alten deutschen Kulturlandschaften via der damalige Mensch die Vergangenheit sah, welche Ereignisse tr fUr besonders bemerkenswert hielt, wie er erlebte und wie er dachte.171^ Nun stellt sich die Frage nach dem Wert der ZeichnungenfUr die kritische Untersuchung der Chronistik. Da die gesamte Forschung auf diese3 Problem noch nie n&her eingegangen ist, kann hier kein endgUltiges Urteil abgegeben werden. Wie die Wappenzeichnungen bei der quellenkritischen Analyse helfen konnen, wird noch gezeigt werden; denn auf diesem Gebiet liegen bereits Materialsammlungen Tor, die eine Auswertung ermoglichen. Diese Materialsammlungen fehlen aber auf dem Gebiet der Illustrationen. Deshalb muBte hier fine solche erst erstellt werden. Bearbeitung und Wertung bleibt dementsprechend bis zu dem Zeitpunkt vorbehalten, an dem weitere Vergleichsmoglichkeiten sich ergeben. Doch dtlrfen wir durchaus ichon jetzt feststellen, daB wir das pauschale Urteil Paul Gehr- kes, das er liber die Berliner Parallelhandschrift und deren Bilder 172) f&llte, die den unseren entsprechen, etwas begrlindet haben. Der Ansatz, der hierin liegt, flihrt im Grunde zu der Forde- rung,eine Chronik nicht nur, wie es bishep geschah, vom Text her, eondern unter Einbeziehung aller, moglicherweise anfangs neben- etichlich erscheinenden Details zu betrachten, urn die Kritik an diesen Quellen noch fundierter gestalten zu konnen, damit wir die Gruppe der erzahlenden Quellen starker als bisher ausschopfen kon- nen.17^ Niemals jedoch sollte die Betrachtung der Quelle und kri¬ tische Auswertung auf die Dauer zum Selbstzweck werden; sie soil Vorstufe bleiben zur kritisch-darstellenden Erfassung einer Zeit und ihrer Ereignisse.
Ill) Die Chronik Heinrichs von Reden und ihr Verhaltnie zur Celler Handschrift Die engste Verwandtachaft mit der Celler Chronik weist die schon ofter erwahnte Handschrift der Staatsbibliothek Berlin auf, Ms. boruss. fol. 176.^ Gehrke konnte sie aufgrund verschiedener 2) Indizien einera Heinrich von Reden zuweisen. ' Betrachten wir zu- nachst den Kodex und seine Ausstattung.^ 1) Beschreibung der Handschrift Der Foliant mifit 310 x 210 mm. Der Holzdeckeleinband ist mit ehemals hellbraunem Leder Uberzogen. Die beiden Schlieflen fehlen. Der Einbandschmuck gehort der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts an. Der Vorderdeckel ist schwacher gepragt als der RUckdeckel und starker beschabt, doch weisen beide denselben Schmuck auf. Den Rand bildet eine Leiste mit biblischen Figuren, mit einem Rollen- stempel angefertigt; Kbnig David mit der Harfe kehrt immer wieder. Der verbliebene Raum wird in zwei Felder geteilt, die durch ein Rosettenband begrenzt sind. Darin finden wir wieder figtirliche Darstellung in Rollenstempelpragung. Im Mittelfeld stehen je drei Fantasieblumen. Der 75 mm starke RUcken weist 6 BindewUlste im Ab- stand von 50 mm auf, ist sonst aber schmucklos. Er tragt aufgeklebt ein weiBes Papierschild MPreussische Chronik” und die Signatur auf rotem Lederstuck "Ms. boruss. Fol. 176.” Der Einband entspricht also dem Ublichen Rollenstempeleinband der Zeit, ohne aber kunst- lerisch wertvoll zu sein.^ Auf der Innenseite des Vorderdeckels befindet sich eine Be- sitzeintragung, von der jedoch selbst unter der Quarzlampe der Ra- sur wegen nur noch das Wort zugehbrig" zu lesen ist. Nach einem Leerblatt folgt das als fol. 1 gezahlte Titelblatt. Unter der bereits von Gehrke mitgeteilten Hausmarke^ folgt der Titel: "Kronica der preusen / Wie das Landt Erfunden und / gebaut ist. / Vom Glauben Sitten und Ge/brauch der einwoner / Von Anfang des Or- dens, und / seiner Regirung, und wie / sie das Lanth vorloren / Anno 1553.” Von der Ubermalten Besitzeintragung unten rechts ist
- 67 - Г. (L fj water der Quarzlampe zu lesen: "Wilhelm bergk"(?). Die RUck- eeite des Blattes tragt den Berliner Bibliotheksstempel. Fol. 2a ble За folgt die Zusammenstellung "Von messung des Landes".Fol. 3b eowie zwei ungezahlte Blatter sind frei. Es schliefien sich an fol. 4a-b das Hochmeisterverzeichnis und fol. 5а-21Ь das Register der Namen. Die beiden nachsten nicht gezahlten Leerblatter sind noch mit senkrechten Strichen fur das Register versehen. Fol. 22a tragt die Wappen von Kaiser und KurfUrsten, fol. 23a die Arma Bru- tenorum mit zwei Hausmarken, der des Heinrich von Reden und wahr- echeinlich des Illustrators.8^ Die RUckseite hat einen Quellenein- trag von der Hand, die bisher paginierte und aus spaterer Zeit Q ) etammt; aufgezahlt werden Bischof Christian, Aeneas Sylvius, Jo¬ hannes Boemus, Mathias Mecnoviensis, Erasmus Stella und Sebastia¬ ns Franck. Nun folgt auf 227 Blatt, von der Hand des Schreibers paginiert, der eigentliche Text der Chronik. Die Schriftzuge bleiben sich gleich und gehoren der Hand des Heinrich von Reden an, wie Gehrke durch Vergleich mit Redenschen Briefen feststellte. Die beiden Eintrage aus den Jahren 1663 und 16901^ warden fol. 227a dem Text angehangt. Fol. 227b-228b sind frei. Fol. 229a-231b folgt das ■Privilegium und Gerechtigkeit des Hoffes zu Dantzigk. A? 1300 be- etetiget." Hier haben wir die alteste bekannte Abschrift der Ar- tushofordnung, deren urspriingliche Fassung Simson in das Jahr 1400 legt.^^ Beim Abdruck der Ordnung benutzte er Handschriften des 17. Jahrhunderts; keine der dort benutzten ist Abschrift unseres Eiemplares, das sich in mancherlei Lesarten unterscheidet. Mit fol. 230 bricht die alte Paginierung ab; fol. 231 stamrnt void Paginierer des Vorspanns. Die folgenden Blatter bis 269 sind von moderner Hand in Blei gezahlt. Nach den Leerblattern setzt je- doch die Zahlung 232-245 von der Hand des Vorspanns wieder ein; fol. 257 neuer Zahlung ist fol. 232 alterer Zahlung. Dort beginnt die "Fewers Ordnung der Koniglichen Stadt Dantzigk, durch einen Erbarn Rath daselbst, den Gemeinen Einwohnern zum besten, Berahmet und auBesetzt. Anno 1587.” Der Text endet fol. 245b (=269) Mitte. Es folgt der Berliner Bibliotheksstempel; das heifit, dafi die her- auegerissenen Blatter am SchluB des Bandes wohl schon vor dem Er- verb durch die Staatsbibliothek fehlten.
- 68 - Das Privilegium und die Feuersordnung haben verschiedene Schreiberhande, die jeweils nicht identisch sind mit der Hand Heinrichs von Reden. Der gesamte Band weist auf jeder Seite zwei rote seitliche Begrenzungslinien auf. Dadurch ergibt sich bei einer BlattgroBe von 290 x 200 mm ein Schriftspiegel von durchschnittlich 210 x 155 mm. Rindbemerkungen finden sich nicht, es sei denn, als i?) Texthinweise. 1 Die Blattlagen, bis auf wenige Ausnahmen zu je drei Doppelblatt, sind nicht bedeutsam, da die Handschrift voll- standig erhalten ist. Das Papier weist vier verschiedene Wasserzeichen auf: Wz. 1: Anfang bis ausschlieBlich Kaiserwappen sowie fol. 47 des Chroniktextes bis fol. 258 (Bleistiftzahlung): bekronter Wappenschild mit aufgesetzter VierpaBblume, im Wappen Hausmarke, Unterschriftenleiste "P PRICARD". Wz# 2t Kaiserwappen bis fol. 46 des Chroniktextes: Henkelkrug mit FuB und aufgesetzter Krone, darauf Vier- paBblume. Wz# 3s fol. 259 (Bleistiftzahlung) bis zum Ende, ausgenommen fol. 242: gotisches P mit KrebsscherenfuB, aufgesetzte VierpaB- blume. Wz# 4s fol. 242: Doppelturmanlage mit starkem Helmwulst und Dreizinnenbekronung; im Turm je ein aufrechtes Recht- eckfenster, durch einen Steg mit der Turminnenseite verbunden; dazwischen ein Spitzgiebeltorhaus; FuB um- gekehrt helmartig abgetreppt; im FuB Buchstaben H S(?). Wz. 1 stammt aus der MUhle des sonst unbekannten Papierers Pricard (Perricard), der vielleicht im nordostlichen Frankreich beheimatet war. Nachgewiesen ist sein Papier 1547 bis 1559, unter anderem im Staatsarchiv Bremen im Titel "Rhedenrechnungen";der Titel rtihrt von der Bremer Patrizierfamilie Rheden, mit der unser 14) Heinrich von Reden verwandt war. ' Das Papier mit dem Wasserzeichen 2, ab 1542 nachgewiesen, 15) stammt wohl aus der Champagne. ' Die Herkunft des Papieres mit dem Wasserzeichen 5 ist nicht eindeutig bestimmbar, da die Familie zu groB ist. Nachweisbar wurde es in Nordfrankreich und in den
- 69 - Hiederlanden verwandt von den dreiBiger Jahren des 16. Jahrhunderte an.1^ Wahrscheinlich iat die Muhle in Nordfrankreich zu suchen. Pol. 241/242 wurde ala Doppelblatt spater eingeklebt, wie an den verbliebenen Stegen dea friiheren Doppelblattes zu aehen ist. Ahn- 17) liche Wasserzeichen sind nachgewiesen, ' doch liegt hier wahr- echeinlich ein nicht naher bekannter JPapiermacher vor. Das Papier der Chronik Redens scheint somit aus Frankreich zu stammen. FUr die Entstehung der Handschrift lafit dieses Faktum keine RuckschlUsse zu. Interessant ist allerdings, daB die Bremer Ratsfamilie von Rheden dasselbe Papier verwandte wie Heinrich von Reden in Danzig fUr den groBten Teil seiner Chronik. Das kann je- doch hochstens ein Indiz fUr verwandtschaftliche Handelsbeziehun- gen sein, wenn es nicht ganz auf Zufall beruht. Leider fehlen Un- tersuchungen uber daa in Danzig verwandte Papier, во daB eine na- here Aussage nicht moglich ist. Nachdem wir nun die Handschrift kennen, gilt es, ihr Verhalt- nie zur Celler Chronik naher zu bestimmen. Text und Illustrationen etehen sich so nahe, daB man die Handschriften fUr Abschriften voneinander Oder von einer gemeinsamen Vorlage halten muB. Um das zu klaren, soil zuerst die Bildausstattung, anschlieBend der Text untersucht werden. 2) Die Bildausstattung Die Reden-Chronik ist in ihrer gesamten Aufmachung wesentlich bunter als die Celler Handschrift. Sie bietet jede Uberschrift als Spruchband. Die Bander sind nach dem Beschriften gemalt worden, da die Tinte am Buchstabenrand leicht verlaufen und besonders von Grtin ofter etwae Uberdeckt ist. Die Farben wurden intensiv aufge- tragen, wobei die groBere Farbintensitat bis zur Ubertriebenen Buntheit geht. Im Text hebensich Namen, Titel und wichtige Sub- stantiva in roter Schrift vom Ubrigen Schriftbild ab. Die Bilder, alle von derselben Hand gemalt, sind sehr exakt und liebevoll im Detail, jedoch recht statisch bei den Darstellungen und insgesamt wesentlich einfacher. Die zeichnerische AusfUhrung ist selbst dort voller Ruhe, wo eie Bewegung wiedergeben soli. Der Illustrator in
- 70 - der Chronik Redena 1st dem ersten in der Cellar Handschrift eben- bUrtig, dem zweiten jedoch weit unterlegen, allerdings ist derje- nige bei Reden nicht auch gleichzeitig der erste der Celler Chro¬ nik. Insgesamt haben wir es also mit drei verschiedenen Malern zu tun. Dabei gehe ich von der Annahme aus, daB Schreiber und Maler nicht identisch sind. PUr die Redenchronik scheint diese Annahme durch die Existenz zweier Hausmarken neben den Arma Brutenorum ge- stUtzt zu werden, wobei die eine Hausmarke Heinrich von Reden zu- gehort, die zweite dem Maler beizuordnen ware. Urn das Handschrif- tenverhaltnis zu klaren, folgt eine Zusammenstellung der Abweichun- gen von Reden gegenilber C bei den Illustrationen. A) Die Wappen Yon folgender Uberlegung sei ausgegangen: ein Illustrator mufl sich nicht ganz eng an seine Vorlage halten. Er kann sie in Zeich- nung und Parbgebung variieren. Davon ausgenommen sind nur die Bil- der, die eine unveranderliche Vorlage haben, also die Bauten, Por- trats und Munzen - sofern sie nach einem wirklich existenten Vor- wurf entstanden sind - und in besonderem MaBe die Wappen. Gerade bei den Wappen kommt es auf die Detailzeichnung sowie die Parbge¬ bung an. Bei der geringsten Veranderung ist das Wappen "falsch". Das gewuBt zu haben durfen wir auch fUr den Illustrator ansetzen und somit annehmen - von Ausnahmen immer wieder abgesehen dafl er bei den Wappen seiner Vorlage am treuesten folgte. Somit ist deren Betrachtung fUr uns ausschlaggebend. Die Darstellungen wer- den nur zur Erganzung des Urteils herangezogen. л q\ a) Hochmeisterwappen 1 2) Otto von Kerpen: Reden hat die richtige Parbgebung im ro- 19) ten Balken und blauen Turnierkragen; C weicht ab. 3) Heinrich Bart: Die Aufteilung ist dieselbe; der Lowe ist bei Reden weifi und rot gezungt, bei C golden. Die Farbge- 19a) bung beider Handschriften hat keine Parallele. 5) Konrad von ThUringen: Die Parbgebung entspricht C und ist somit ebenfalls falsch; zusatzlich sind bei Reden die Lo- 20) wen rot gezungt. 1
- 71 6) Poppo von Osterna: Reden hat nicht die zweimalige Spaltung im unteren Feld. Die Farbgebung entspricht C und ist somit ebenfalls falsch.20^ 8) Hartmann von Heldrungen: Reden entspricht Hennenberger2^ und Pole; die ursprUngliche^Farbgebung dtirfte jedoch umge¬ kehrt sein: Lowe schwarz auf gold.21^ 9) Burkhard von Schwanden: Reden entspricht richtig Hennenber- ger.20^ 11) Gottfried von Hohenlohe: Reden entspricht richtig Hennen- 22) berger. 7 17) Ludolf Konig: Wahrend C wie Pole den Ring mit den drei Lindenblattern in rot auf silber zeigt, hat Reden silber auf rot.2^ 18) Heinrich Dusemer: Reden verwendet die wohl richtige Farb¬ gebung, in der Teilung gold-schwarz, abweichend von Pole?^ 19) Winrich von Kniprode: Reden entspricht Pole und Hennenber- ger. Die Vdgel scheinen hier Tauben zu ahneln. 22) Konrad von Jungingen: Die Farbverteilung ist bei Reden falschlicherweise weiB-blau-blau-weiB, also umgekehrt wie in C und ebenfalls umgekehrt wie bei Ulrich von Jungin- se„.25> 24) Heinrich von Plauen: Reden entspricht richtig Pole und Hen- nenberger, hat jedoch zusatzlich - wie C - einen StandhU- gel, allerdings in grtin.2^ 25) Michael KUchmeister: Reden entspricht in der Farbgebung C, hat jedoch die Stellung der Sterne 1:2 und 2:1, damit von alien anderen Chroniken abweichend.2(^ 33) Friedrich von Sachsen: Reden zeigt den Rautenkranz richtig in grtin; zusatzlich ist bei ihm der obere Lbwe golden ge- kront.26) Aus dem Vergleich ergibt sich folgendes Bild: In vierzehn Wappen unterscheiden sich Reden und C; bei sechs ist C falsch und Reden richtig,2^ bei zwei Reden falsch und C richtig,2®^ bei sechs sind beide falsch.2^ Das liegt mit Ausnahme des KUchmeister-Wap- pens 7 in der Farbgebung. Da nun einmal c> ein andermal Reden die richtigen Farben aufweist, ist es nicht moglich, da!3 die eine
- 72 - Handschrift von der anderen abgemalt und abgeschrieben wurde, son- dern es ist anzunehmen, daB beide dieselbe Vorlage benutzten; denn wir kbnnen es als im hochsten MaBe unwahrscheinlich ansehen, daB die Maler beider Handschriften die Wappen anhand einer jeweils an¬ deren Handschrift korrigierten, da sich davon auch an anderen Stel- len etwas hatte niederschlagen mtissen. Wir haben also davon auszu- gehen, daB C und Reden eine dritte Chronik, die uns unbekannt ist, zur Vorlage hatten. Es gilt zu untersuchen, ob diese Feststellung von anderen Indizien bestatigt wird. b) Andere Personalwappen 1) Wappen ’’Konrads von ThUringen”: Wahrend C die Kronen in gold auf blau und rot zeigt, hat Reden blau auf gold und gold auf blau. Da wir nur die sehr fantasievoll-bunte Parallele bei Wiissel ) kennen, hilft dieser Unterschied nicht weiter. ' 2) Wappen ’’Heinrichs von Weida”: Reden hat die auBeren Balken rot, den mittleren weiB, das umgekehrte V blau.Auch dieses Wappen hilft nicht weiter, da in der Zeichnung die einzige Parallele in C 12) vorhanden ist, in der Farbgebung auch dort nicht. c) Landes- und Stfidtewappen Reden hat die bei C vorgenommene Farbvertauschung im polni- schen Wappen fol. 12a und 84a nicht; ebenso ist die Krone nicht 11) ausgeschlagen und ohne BUgel. J Beim litauischen Wappen in der Kontraktion mit dem polnischen fol. 204a ist der Grund bei ihm 7 И blau statt silbern wie in C; beides ist falsch. ' Beim westpreu- 11) Bischen Wappen fol. 9b hat Reden den Adler richtig in schwarz. Im Gegensatz zu den Fantasiewappen, die sich einer Nachprti- fung entzogen, stellen wir hier fest, daB Reden die besseren Wap- penfarben angibt. Allerdings sind auch bei ihm Fehler und in den Fehlern wieder Differenzen zu C vorhanden. Das spricht nicht da- fUr, daB Reden und C voneinander abzeichneten, sondern wiederum ^Ur eine gemeinsame Vorlage, die sie jeweils falsch Ubertrugen.
- 73 - В) Me Darstellungen Die Darstellungen entsprechen sich im allgemeinen, wenn auch nicht so "wortlich", daB man von Kopien reden kann. Das sollen eini- ge ausgewahlte Beispiele zeigen. Das Kreuz Christi weist bei Reden Zor{. 10a eindeutig die Na- gellbcher an der linken Hand, den FUBen und am Kreuzungspunkt der Balken auf; da9 ist bei C ebenfalle vorhanden, geht jedoch in der angedeuteten Holzstruktur unter. Dem MBnch-Kasimir-Bilde bei Reden fol. 12b fehlt der am Boden liegende Hut. Dagegen hat Reden fol. 14b zusatzlich bei der Erzahlung von der Belagerung Nakels durch BolesXaw einen geharnischten Ritter mit Krone, Reichsapfel und Schlachtenwimpel, also eine Darstellung des polnischen Herrschera. Bei der Taufe Butawts und seines Gefolges hat Reden fol. 79a noch einen Hund gemalt, der die Szene weit weniger erhaben wirken laBt vie in C. "Die Schlacht auf dem Tannenberge" ist in C das erste Bild des zweiten Illustrators; es unterscheidet sich sehr stark ▼on der AusfUhrung bei Reden. Dort wirkt es wesentlich tiefer, je- doch auch statischer.Reden vermittelt mehr den groBen Aufmarsch der Krafte, wahrend C darliber hinaus das erbitterte Ringen zu ver- anschaulichen sucht. Die Reihe dieser Beispiele lieBe sich ohne Schwierigkeiten erweitern. Doch der Unterschied der Darstellungen in beiden Chro- Diken ist zur Gentige erhellt. Nun geht es darum, das Bildraaterial tuszuwerten im Hinblick auf eine eventuelle Abhangigkeit der Hand- echriften voneinander. Dazu konnen - wie bereits ausgefUhrt - nur Bauten, Portr&ts und MUnzen herangezogen werden. Von den Bauten ktime, da alle anderen Darstellungen als Fantasiebilder erkannt vurden, nur die Danziger Stadtansicht in Frage. Da jedoch aus die- sem Bild ein nicht mehr vorhandener baulicher Befund erschlossen vurde,^^ kann es nicht zur Klarung der Handschriftenabhangigkeit herangezogen werden, weil eventuelle Fehlzeichnungen sich nicht nachweisen lassen. Eine Shnliche Schwierigkeit ergibt sich bei den Portrats. Die Gesichtsztige entsprechen sich in den beiden Handschriften nicht. Da wir bereits annahmen - und diese Annahme wird hier bestarkt -,
- 74 - а daS es sich nicht um echte Portr&ts handele, sondern um Abzeich- t nungen einer Vorlage,^®^ kbnnen wir die Portrats nicht heranziehen zur Aufhellung des Handschriftenverhaltnisses, weil die Vorlagen wieder unbekannt sind. Es bleiben also nur die MUnzdarstellungen, neben den Wappen am zuverlassigsten, da auch hierbei vom Zeichner nicht mutwillig geandert werden darf. Bei der Darstellung des preuBischen Schil- lings5^) hat C die Ahktlrzung "MONET", Reden dagegen "MONT". Beim Groschen5^) ist in C die Umschrift nicht ausgefUhrt.40^ Pfennig und Schotter sind in beiden Handschriften gleich flUchtig gezeich- net.^^ Dem Gulden in C fehlt wieder die Umschrift.Reden bie- tet also die bessere AusfUhrung, abgesehen von der Lesart der er- sten Umschrift. Daraus AbhangigkeitsschlUsse zu ziehen, ware eehr gewagt. Es kann jedoch ohne Bedenken festgestellt werden, daB die MUnzdarstellungen die bei den Wappen ausgesprochene Wahrscheinlich- keit, daB Reden und C eine gemeinsame Vorlage hatten, zwar nicht unterstUtzen, aber auch nicht widerlegen kbnnen. Es bleibt nun zu klaren, wie sich die Texte zueinander ver- halten. 3) Per Text Die Analyse des Textes soil so vorgenommen werden, daB mehre- re Textstellen, die in den Handschriften voneinander abweichen, gegenUbergestellt werden. Um dem Vorwurf zu begegnen, mit vorge- faBter Meinung die oben bereits ausgesprochene Art der Verwandt- schaft der Handschriften durch entsprechende Auswahl stUtzen zu wollen, wird im ersten Beispiel der ganze Abschnitt ungekUrzt dar- geboten, auch wenn die BeweisfUhrung dadurch etwas langatmiger er-> scheint. Herangezogen sind die Anfangskapitel, da sie sehr oft von anderen Chroniken in der Literatur zitiert werden; sodann folgt ein Abschnitt mit vielen Faktenangaben. Auf die GegenUberstellung von Mitteilungen nach 1525 wird verzichtet, da vielleicht die Mbg- lichkeit besteht, daB Abweichungen auf bewufite Anderungen des Schreibers zurUckgehen, der den jeweils geschilderten Vorgang aus eigener Erinnerung "verbessert"
a) Der Bericht der Landfindung nach der Be- 43) schreibung des Divonis ' Handschrift Celle Handschrift Reden ■Die Beschreibung des landes "Die Beslchreibung des landes Preussen von dem gelerten Preussen von dem w о 1 g e - Diwone, der zum ersten lerten Diwone, der d i s dis landt hat hel - landt zum ersten fen ausforschen hat helfen a u f s u - und finden. chenund finden. Diwonis, als er wieder zu den Diwonis, als er wieder zu den eeinen kam, hat er a n g e - seinen kam, hat er ange- teiget und gespro-zeiget: das landt, chen: die lande, das ich durchwandert bin, die ich durchwandert bin, s i n d groBe und wuste lande, 6 i n d groBe und wuste lande, und das volk darinnen und das volk, das da- ist sehr unverstandig, leben rinnen ist, sehr unver- nach der art und weise etendig, leben nach art der Hunen. Darnach bin ich gekom- und weise der Hunen. Darnach bin men i n ein ander land, da ich gekommen d u r c h ein an- die schone flies ist I s - der land, da das schone flies 1 a aus Sarmacia in die С г о - I e 1 a aus Sarmacia in die n a , das ist in das в a 1 - Crone , das ist in das ge-czene meer fleust. D-» s land в a 1 z e n meer fleust. Dis hat keinen standhaftigen Namen, land hat keinen standhaftigen na- etliche nennen das land S a r - men, etliche nennen das land g a r i a m , etliche G e 1 i - Sargogum , etliche G e - d a m , etliche Vacuni- 1 i d e n , etliche V a t i - am, darnach dafl ein volk dar- n i a m , darnach daB ein volk da-ein kompt. Dis ist allenthalben rein kompt. Dis ist allenthalben ein schlecht land ein schlecht offen mit vielen schonen w a s s e г n, land mit vielen schonen f 1 u s s e n und seen. Dis land vaBerflussen und seen.hat schon volk, mit Dis land hat viel schon iren reden sehr beschei- volk, mit reden sehr den, essen und trinken meBig, ha- bescheiden, essen und trinken me- ben keine heusser, dorfer noch Big, haben keine heusser, dorfer stedte, wohnen zwischen noch stedte, wohnen a n den den flussen unter den salweiden, flussen unter den salweiden, da-daruber sie ein ruber sie ein rohr gezelt machen von von gezelt machen, Rore, und wen es sehr kalter und wen es sehr kalter winter ist,winter ist, so machen sie feuer so machen sie feuer von dem holze,von dem holze, alB d a г wech- als e s wechset. Dis volk brin- set. Dis volk bringet die meiste get die meiste zeit des zeit im winter mit winters mit schlafen zu. schlafen zu. Ire Klei- Jedes, man und weityler sinth von tragen kleider vonschilfe. Ein jeglicher 8 c h i 1 f . Ein jeglicher man man hat drei weiber und haben hat drei weiber und haben keinen keinen besonderen gott. Sie
besonderen gott. So ehren wirdigen und be- 1 und beten sie son ten an die Sonne J und m о n d an. Die menner und den Mon. Die men- '■ haben ihre geschefte mit den wei- ner haben ihre geschefte mit den bern, wenn und wo sie wollen weibern, wenn und wo sie wollen, und schonen keinesscheuen niemand kegenwertigkeit, kegenwertigen und sind in den dingen ohn alien sind in den dingen ohn alien scham, gebrauchen der drei weiber scham, gebrauchen der drei wei- umbzech. Und alzeit, wo der man ber umbzech. Und alzeit, wo der ist, da m u В alle zei tman ist, so muB eine eine von seinen von den weibern weibern um ihn her bei im sein, und wie- sein, und wiewoll sie woll sie weiber haben, viel weiber haben, so so zeugen sie doch g a n t z zeugen sie doch w e n i g kin- w e n i g kinder. Ihr oberherr der. Ihr oberherr h i e В Maso, h e i з s e t Maso, wen der zu wen der zu ihnen kam, fie- ihnen kam, so fielen 1 e n sie auf ihr angesicht, und sie auf ihr angesicht, und so so sie ihm j a nichts an- sie ihm n i c h t s andres zu dres zu verehren und ehren Oder zu geben zu geben hatten, so gaben sie ihme hatten, so gaben sie ihme ihre ihre seuberlichste kinder und seuberlichste kinder die ihresohne sohne Um die Unterschiede zu verdeutlichen, habe ich die entschei- denden Stellen gesperrt. Bei Betrachtung dieses Abschnittes ergibt sich folgendes: C hat gegenUber Reden die gewandtere, moderner klingende Sprachform. Umstellungen im Satzbau konnen darauf zurilckgefUhrt werden und sind kein Abhangigkeitskriterium. C hat Zusatze, die nicht bei Re¬ den stehen: nhat er angezeiget und gesprochen nhat viel schon volk"; "so sie ihm 3 a nichts andres zu verehren hatten". Ebenso hat Reden Zusatze, die nicht bei C ste¬ hen: "mit i г e n reden sehr bescheiden"; "zeugen sie doch g a n t z wenig kinder". Einige Satze sind vbllig anders: "die lande, die ich durchwandert bin, sind..."(bei C); "daruber ein gezelt machen von Rore" (bei Reden); "ire kleider sint von schil- fe" (bei Reden); "so muB eine von den weibern bei ihm sein" (bei Reden), Falls C und Reden voneinander abhangig sind, mUflte der Ab- schreiber sehr eigenwillig verandert haben; das ist jedoch unwahr- scheinlich. An folgenden Stellen sehen wir diese Unwahrscheinlich- keit deutlich:
b) Айз der Beschreibung dea Aeneas Sylvius 44) "Die Romer waren dem Konig PruGia Die Rbmer waren dem Kbnig PruGia zu mechtig und vertrieben zu geweldig und vertrie- i h n mit allem seinem volks, ben den Kbnig Pru- aleo daJ3 er sein Land Bithiniam В i a mit allem seinem volks, muste verlaBen und kam i n also dasher sein Land Bithiniam das land Ulmigania muste verlaBen und kam i n P г u В i a nach dem konige ge- das land Ulmigani- nennet. am. Also wardt dis land Prufiia nach dem konige genennet." \ 45) c) Aus dem ersten Bericht Sebastian Francks 1 "Diese (die Ulmigeri} haben an der Weissel in Preusen gewohnet, aber sie sind in der Ulmiganer stadt ge- setzt. Diese haben an der Weissel in PreuBen gewohnet, aber sie sind von den goten aldor vertrieben, und die Goeter ha¬ ben sich in der Ul¬ miganer stadt gesetzt." d) Aus der Schilderung der Religion der PruGe ft6) "...Patollo, und seine Ehrerbie- tung war ein kleinoth, darinnen war eines todten menschen heupt gehalten. Diese Brute- n i hatten viel mehr abgotter.. ....Patollo, und seine Ehrerbie- tung war ein kleinoth, darinnen war eines todten menschen heupt gehalten. Und als Bro- t e n о u n d Wide w i t о s 0 a ilt waren, d a s s i e n i c h t s me h r n u t z e w a r e n , 0 P - f e r ten sie si c h s e 1 b s t У г e n g 0 t - t e г nun d verb r a n n- t e n sic h z u p 1 u 1 v e г V 0 r der e i c h e n У n d e r S t e lie R о m a . D i e s e В r u t e n i hat- ten viel mehr abgotter. и Sahen wir oben die Unwahrscheinlichkeit, daB C und Reden von- einander abhangen, so wird dies in einem Detailpunkt zur GewiB- heit. Die Auslassungen, die C gegeniiber Reden hat, sind typische Augenspriinge beim Abschreiben. Reden kann also, wie die Beispiele b - d verdeutlichen, unmoglich C zur Vorlage gehabt haben. 1st das umgekehrte Verhaltnis moglich? Immerhin bietet C die jlingere Sprachform und ist vielleicht etwas spater als Reden entstanden, wenn wir dieses Kriterium in der sprachlichen Umbruchszeit des
- 78 - 1 16, Jahrhunderts, in dem die verschiedenaten Sprachformen am ael- ben Ort nebeneinander vorkommen, auch nicht zu hoch anschlagen diirf en. e) Aus dem Schandianer-Bericht^^ "Und dieae volker kamen nach langer Und diese volker kamen nach zeit aus Schandia, vorloffener zeit aus das ist aus Norwe- Norwegen in Cymbriam." gen in Cymbriam. f) Aus der Schilderung der Religion der PruBeft8^ MUnd die gemeinen Stellen, do sie Und die stellen, do sie die die Abgotter ehreten, die wurden Ry gott ehreten, die wurden Riko- Koyoth genennet. Aber yoth genennet. Das die s t e d t e , da die volk aber..." groBe eiche s t u n d t , da die drei abgotter in waren, und da die Hohenpriester woh- neten,die hieBen sie Romowa nach der stadt Rom Das volk aber g) Aus dem Bericht liber die Regierungzeit des.QX Herzogs von Kleinpolen Kasimirs II* Justus4’"' "...und zog mit grossem ....und zog m i t tri- triumpf mit groBer urapf in Polen." herrligkeit und mit freuden wider in Po- len. Diese drei Beispiele lassen keinen Zweifel, daB auch C nicht von Reden abgeschrieben haben kann. Die folgenden Beispiele aus den Angaben Uber die Grlindung der Stadt Oder Burg mogen das er- 50) ganzend veranschaulichen. ' Handschrift Celle Handschrift Reden richtiges Datum Pischhausen 1269 1259 1268, Grunau 1269 Georgenburg (Litauen) 1259 1291 1259 It- Dusburg Ritterswerder 1396 1546 1591 PreuB.-Eylau 1338 1588 1338 bereits Aus- stellungsort einer Urkunde Allenstein 1367 1347 1348 Ausgewahlt wurden nur die eindeutigen Angaben, die nicht auf einfache Verschreibung - wie Ziffervertauschung - zuriickzufUhren
Bind. Dabei bestatigt sich die Beobachtung, daB einmal C, zum an- dern Male Reden die richtige Desert bietet. Weitere Beispiele auch &U8 Schilderungen spaterer Zeiten kbnnten angefllhrt werden, doch vUrden sie nur zur weiteren Erhartung des bereits erkannten Fak- turns dienen: Die Celler Handschrift und dip/Chronik Redens sind nicht voneinander abgeschrieben. Beiden hat eine andere Chronik vorgelegen, die wir ale Kodex X bezeichnen. Es ergibt sich also dae Verhaitniss X Ев besteht die MBglichkeit, daB zwischen X und Reden Oder zwiechen X und C ein weiteres Zwischenglied einzuschieben ist; doch sollte man die lectio difficilior nicht zum Prinzip erheben. Zumindest hier ist es nicht angebracht, da kein Indiz zwingend da- fUr spricht. Das Verwandtschaftsverhaitnis von Reden und C, das wir anhand dee Textes feststellen konnten, war nach der im vorigen Abschnitt angestellten Untersuchung nicht anders zu erwarten, wurde doch an¬ hand der Wap-pen bereits gesagt: "Wir haben also davon auszugehen, daB C und Reden eine dritte Chronik, die uns unbekannt ist, zur Vorlage hatten."'^ Beide Ergebnisse sind unanhhngig voneinander gewonnen, was die Erkenntnis dee Verh&ltnisses von C zu Reden dop- pelt erhartet. Darliber hinaus ist hiermit aber auch ein methodi- scher Ansatz zu erneuter Untersuchung von Handschriftenfamilien ermbglicht worden. Zur Analyse von Chroniken - sofern sie illu- etriert sind - kann in vblliger Gleichberechtigung neben die Text- analyse die Bildanalyse gestellt werden. Das betrifft in erster Linie sachlich nachprlifbare Darstellungen, wie Wappen, Bauten, MUnzen und ahnliche; doch auch einfache, von der Pantasie bestimm- te Zeichnungen kbnnen mit entsprechender Vorsicht herangezogen wer-
- 80 - den. Damit ist der Forschung Uber die preuBische Hiatoriographie ein vollig neuer Weg gewiesen. Da aber aufler auf heraldischem Ge- biet Vorarbeiten fehlen, ist ea noch schwierig, diesen Weg zu be- echreiten. Immerhin zeigt sich hier die Berechtigung der in dieser Arbeit aufgestellten methodischen Forderung, "eine Chronik nicht nur vom Text her, sondern unter Einbeziehung aller, moglicherweise anfangs nebensachlich erscheinenden Details zu betrachten, um die Kritik an diesen Quellen noch fundierter gestalten zu kbnnen/’^^ Die festgefahrene Betrachtung vor allem der reichen Danziger Chro- nistik, von der Maschke resignierend sagte: "Der Stoff verbindet und verfilzt sich, daB vielleicht noch die Traditionslinien inner- halb der einzelnen Stadte, aber nicht mehr die Arbeit der einzel- nen Historiker einwandfrei zu scheiden ist. Der Sinn dieser Ge- schichtsschreibung wird nur deutlich, wenn man sie als einheitli- 54) che, unloslich zu einem Knftuel verschlungene Masse nimmt.” , diese Betrachtung, die auch Jolanta Dworzaczkowa nicht befriedi- gend fortfUhren konnte, mag durch den methodischen Ansatz, dessen DurchfUhrbarkeit hier erwiesen wurde, neue Impulse empfangen. Noch bedarf es etlicher Untersuchungen, um das Кпёлде1 zu entwir- ren. Vailig wird das wahrscheinlich nicht gelingen, da zu viele Zwischenglieder fehlen. Es wird eine undankbare, doch stets reiz- voile Aufgabe sein.
- 81 IV) Verfasser und Entstehungszeit der Handschriften Reden, X und Celle tfber die Redenchronik und ihren Verfasser ist am meisten be- kannt.1^ Die Handschrift weist die Initialen H.v.R. und eine Haus- вагке auf, die Gehrke anhand eines Schriftvergleiches und einer anderen Hausmarke als die Heinrichs von Reden identifizierte.^ Redcn wird in seiner eigenen Chronik anlaBlich des Kdnigsbe- euches vom Jahre 1552 zweimal namentlich erwahnt. Die meisten Polen aus der Gefolgschaft Sigismund Augusts waren bei ihm in der Heilige-Geist-Gasse einquartiert; dort muB er demnach ein ansehn- liches Besitztum sein eigen genannt haben. Bereits 1531 ist er in der Korrespondenz zwischen dem Rat der Stadt Danzig und Herzog Al¬ brecht als Bttrger erwfthnt. Er wird damals zumindest 21 Jahre alt gewesen sein.^' Sein Sohn Heinrich wurde 1542 geboren. Es kann al¬ so angenommen werden, dafl er selber vor 1510 geboren ist. Er beta- tigte sich als Kaufmann, dessen Handel weit Uber Danzig hinaus- griff.*^ Am 19. September 1558 belehnte ihn der Rat der Stadt zu- sammen mit Cort Olden mit der Schefferei, die Reden bis zu seinem Tode gewissenhaft verwaltete. Er starb nach dem 6. Mai 1569. Heinrich von Redens verwandtschaftliche Beziehungen waren weit verzweigt. Etwas £lter als Heinrich diirften der herzogliche Rat Hermann von Reden und der Prokurator an der Kurie, ermlandi- echer Domherr und spaterer Bischof von Lllbeck, Dietrich von Reden gewesen sein.^ Nicht sicher ist, wie Gehrke annimmt, dafi es sich' um Briider Heinrichs handelt. Es konnen ebensogut Vettern gewesen sein. Als Vater Heinrichs nimmt Gehrke Johann von Reden an, 1477/78 als EigentUmer eines Besitztums in der Heilige-Geist-Gasse nachgewiesen. DaB dieser identisch ist mit dem 1518 als Freibruder in Buch der LUbischen Bank des Artushofes eingetragenen Johann von Reden, mdchte ich im Gegensatz zu Gehrke nicht behaupten. Ober- haupt scheint die von Gehrke aufgestellte Genealogie nicht ganz echllissig zu sein. Ich beginne mit Nikolaus von Reden. 1427 ist er als Stiefel- schuster in den BUrgerlisten aufgefUhrt. Demnach mUBte er etwa 1405 geboren sein. Es ist nicht eindeutig auszumachen, wer sein
Vater war. In den BUrgerlisten finden sich drei aus der Familie: Petrus de Redyn 1381, Nikolaus (I.) vam Redzin 1394, Jacob (I.) apotecarius de Reden 1403. Dem Alter nach kg.me wohl am ehesten Jacob (I.) in Frage, obwohl man zu jener Zeit nicht unbedingt mit dem Erwerb des BUrgerrechtes heiraten muBte; bis gegen Ende des 15* Jahrhunderts durfte man auch als Junggeselle BUrger sein.^ ^ FUr Jacob (I.) als Vater spricht aber auch, daB Nikolaus (II.) eei-'^: nen altesten Sohn wieder Jacob (II.) nannte, erst den dritten je- doch Nikolaus (III.). Dasselbe Argument kann somit ebenfalls gegen Nikolaus (I.) als Vater von Nikolaus (II.) gelten. 1433 wird im rechtstadtischen Schoppenbuch ein Niclas vam Re¬ de erwahnt, wahrscheinlich jener um 1405 geborene (II.). 1436 er- scheint er als Vormund der unmUndigen Kinder des Lorenz Blumenau. Er starb wahrscheinlich 1466. Er hinterlieB vier Kinder: Jacob (II.) Hans, Barbara und Nikolaus (III.). In der nun folgenden Erbschafts- regelung vertraten Jakob und Hans sich selber, Barbara und Nikolaus wurden durch einen Vormund vertreten, Demnach waren Jakob und Hans bereits BUrger, also 1445 Oder frUher geboren. Das ist ohne weite- res moglich, da ihr Vater Nikolaus (II.) schon vor Erwerb seines BUrgerrechtes 1427 heiraten durfte; erst nach 1479 kam die Bestim- mung auf, daB der Mann vor der Heirat BUrger sein muBte.Barbara und Nikolaus (III.) scheinen erst nach 1450 geboren zu sein, da der ProzeB, in dem sie durch einen Vormund vertreten wurden, erst 1471 endete. Gehrke setzt Hans und den 1477/78 erwahnten Johann gleich. Der Chronist Heinrich wurde spatestens 1510 geboren, zu einer Zeit, als Hans bereits etwa 60 Jahre zahlte; das ist unwahrscheinlich. Gegen die Gleichsetzung von Hans und Johann von Reden spricht auBerdem der Umstand, daB Hans bei der 1466-71 erfolgten Erbtei- lung ein Besitztum in der BUttelgasse erhielt, Johann aber in der Heilige-Geist-Gasse ansassig war. Es bestUnde die Mdglichkeit, daB Hans nach VerauBerung seines Besitzes sich dort ankaufte, doch wahrscheinlicher ist, dafl es sich um zwei verschiedene Personen handelt. Somit dUrfen zwei StUmme der Familie von Reden engenommen werden:
- 83 - 1) Jacob I. (*um 1380) mit dem Sohn Nikolaus II. (etwa 1405 - 1466) und dessen Kinder Jacob II. (*vor 1455), Hans (Чог 1445), Barbara (*nach 1450) und Nikolaus III. (*nach 1450). 2) Johann mit dem Sohn Heinrich (etwa 1510-1569) und dem En- kel Heinrich (1542-1601). Wie diese beiden Stamme zusammenhangen, ist unklar. Jedenfalls erscheint Hans (I.), der Sohn des Nikolaus (II.), nicht identisch mit Johann (II.) zu sein, da jener dann bei der Geburt des Sohnes Heinrich etwa 65 Jahre zahlte. Die Ubersicht wird noch komplizierter durch den Eintrag in das BrUderbuch 1518, in dem ein Johann von Heden erscheint. Identisch mit Hans (I.) kann er nicht sein, da jener wohl kaum noch lebte. Ob er mit Johann (II.) identisch ist, bleibt unklar. Wenn Johann (II.) 1477/78 bereits im Steuerbuch erscheint, mlifite er etwa 1455 geboren sein. Dann ware er aber als etwa 60j&hriger noch der Liibi- flchen Bank beigetreten, was nicht glaubhaft erscheint. Jener Johann (III.) mliBte dann ein anderer Verwandter gewesen sein. Aufgrund der Geburtsdaten ergabe sich somit folgendes Bild, unter allem Vorbe- halt aufgestellt: Jakob von Reden (*umj1380) I i Nikolaus (II.) (ca. 1405-1466) l Jakob (II.) Hans (I.) Barbara Nikolaus (III.) (*ca. 1430) (*vor 1445) (*nach 1450) (*nach 1450) i i Johann1(II.) (*ca. 1455) i 1 Heinrich (T.) Luder Frieschen {vor 1510-1Ьо9) (Schwester in Bremen) Heinrich (II.) (1542 - 1601)
- 84 -и In welche Generation und welchen Familienzweig nun Johann (III.) sowie Hermann und Dietrich gehbren, ist vollkommen unklar, Johann (III.) kann ein alterer Bruder Heinrichs sein, jedoch eben- sogut ein Vetter Oder gar Onkel. Das ganze Bild wird sich erst klaren - und vielleicht grundlegend andern wenn andere Mitglie- der der Familie Reden bekannt werden, von denen es sicher noch eine ganze Reihe gegeben hat. Die Verwandtschaft mit dem Bremer Stamm der Familie von Rhe- den betont Heinrich selber, als er sich in einer Erbschaftsangele- genheit an den Danziger Rat um UnterstUtzung wendet. Erstaunlich ist, daB Heinrich solche ErbansprUche in Bremen noch besaB, die er nach dem Tode eines Vetters gegen seine Schwester in Bremen geltend machen konnte. Das zeugt fUr eine sehr enge Verbindung mit Bremen, woraufhin sich die Frage stellt, ob Johann (II.) nicht gar aus Bremen zugewandert ist und sich in der Heilige-Geist-Gasse an- kaufte. Doch betreten wir damit den Boden von Hypothesen. Mogen die aufgezeigten Fragen als Anregung fUr die Bremer und Danziger genealogischen Forschungen dienen, hier jedoch nicht weitergetrie- ben werden, da das nbtige Material zur Zeit noch fehlt. Erwglhnt soil nur noch werden, daB der Bremer Zweig der Familie Reden eng verwandt war mit der aus Bremen nach Danzig eingewanderten Familie q 1 Zierenberg. 1 Ob sich auch in Danzig verwandtschaftliche Beziehun- gen zwischen beiden Familien ergaben, ist unbekannt. Der Chronist Heinrich von Reden stand also im Kreise einer groBen und einfluBreichen Verwandtschaft, selbst ein vermogender und angesehener Danziger Burger. Im Alter von liber 40 Jahren griff er zur Feder, um eigenhandig eine Danziger Chronik abzuschreiben. Da die Schrift des Kodex die gleiche ist wie die einer personli- chen Petition an den Rat der Stadt vom Jahre 1551,scheidet die Moglichkeit aus, daB Reden nur die Abschrift der Chronik veranlaflt habe. Die Entstehungszeit dieser Handschrift gilt es zu bestimmen. Sie kann, nach der Aufschrift des Titels, friihestens 1553,*^ spa- testens jedoch 1569 geschrieben sein, da in diesem Jahr Heinrich starb. Das Datum des Titels muB nicht das der wirklichen Entste- hung sein, da es von der Vorlage Ubernommen sein kann. Der Einband gibt keinen zeitlichen Hinweis.*^ Ebenso laBt das Papier keine
- 85 - genaue zeitliche Abgrenzung zu, es sei denn, man wollte das Jahr dee letzten Vorkommens von gleichem Papier mit dem Wasserzeichen 1 in den Rhedenrechnungen in Bremen - 1559 - auch hier als Grenze ansetzen. Aus dem Text laBt sich nur sagen, daB die Handschrift veiterhin in Danzig blieb, auf jeden Fall bis 1587, da die Feuer- ordnung jenes Jahres dort eingetragen ist. Zu einem genaueren Da¬ tum verhilft die Abbildung der Danziger Stadtansicht.Der Illu¬ strator schien - im Rahmen seiner technischen Moglichkeiten - recht zuverlassig zu sein. Gerade bei der Ansicht Danzigs hat er wohl kaum aus der Chronik X bedenkenlos abgezeichnet, wenn sich der bau- liche Befund inzwischen geandert hatte. Das heiBt aber, daB die Zeichnung, und damit die gesamte Handschrift, spatestens 1556 ent- stand, da in jenem Jahre der Rathausturm abbrannte, den die Zeich¬ nung noch darstellt. Die Handschrift wurde also zwischen dem 19. Februar 1553, dem letzten Eintrag, und dem 3. Oktober 1556 geschrie- ben, dem Tag des Turmbrandes.1^ Wenden wir uns der Vorlage der Reden-Handschrift zu, der Chro¬ nik X. Es finden sich bei Reden und Celle keinerlei Hinweise auf einen andefen Schreiber. Man kann nur annehmen, daB er Danziger war. Die Abfassungszeit laBt sich genauer bestimmen. Gegen Ende der Chronik nimmt der Bericht an Einzelheiten mit genauer Datenan- gabe zu. Der etwas unmotivierte Abbruch unter dem Datum des 19. Fe¬ bruar 1553 laBt darauf schlieBen, daB die Handschrift zu diesem Zeitpunkt etwa beendet wurde, da sich sonst sicher weitere Notizen gefunden hfttten. Jedenfalls darf sie mit GewiBheit in das Jahr 1553 gesetzt werden - falls sie nicht ihrerseits eine genaue Abschrift eines anderen Kodex ist wofur auch die bei Reden Uberlieferte Datierung im Titel spricht, die wahrscheinlich auf Kodex X zurtlck- geht. Zum AbschluB soil wieder Chronik Celle betrachtet werden. Ihr Schreiber ist nicht bekannt. Allerdings darf man annehmen, daB er Danziger war. Seine Vorlage X war in Danzig beheimatet und wurde dort von Heinrich von Reden abgeschrieben. In etwa demselben Zeit- raum wie Reden arbeitete auch dieser Schreiber, so daB es unwahr- scheinlich sein dtirfte, daB X nach der Anfertigung der Reden-Ab-
schrift Danzig verlasaen hat und der Schreiber von Kodex Celle so-л mit kein Danziger ware. Die Abfassungszeit der Handachrift Celle laBt aich genauer bestimmen. Der Einband scheint eher dem 17. ala dem 16. Jahrhun- dert anzugehoren. Dagegen apricht nicht die Verwendung des Wappen- stempels mit dem Wappen, das Herzog Albrecht 1525 in Krakau verlie- hen wurde. Das ”S" auf der Brust des Adlers iat nicht auf die Re- gierungszeit Konig Sigismunds beschrankt, sondern bleibt in Preu- i c \ Ben auch unter den spateren Konigen. ' Dem widerspricht nicht, daB Sigismund August seinem Wappenadler das Monogramm "SAM in Ver- schrankung geben lieB;**^ handelt es sich doch einmal um daa pol- nische, noch dazu ein Personalwappen, auf dem Einband der Chronik Celle aber um das preuBische Landeswappen. Hinzu kommt, daB sich Einbandstempel oftmals sehr lange in Gebrauch gehalten haben. Da in der Chronik sich auch die - nicht spater zugebundene - Auffor- 17 \ derung von 1652 findet, der Union beizutreten, ' dllrfte erwiesen sein, daB der Einband ins zweite Drittel des 17. Jahrhunderts ge- hort. Das Papier gibt keinerlei zeitlichen Hinweis, da gleiche Oder ahnliche Wasserzeichen sich bis ins 17. Jahrhundert hinein nach- weisen lassen. Der Text hilft diesmal etwas weiter. Der erste Ко- nigsberger Anhang endet im Jahre 1564; zu dieser Zeit war die Handschrift wahrscheinlich bereits dort. Noch genauer kann man ihre Entstehung datieren anhand der Danziger Stadtansicht. Es gilt wie- der das schon bei Redens Kodex Gesagte, daB der Illustrator wohl kaum Handschrift X abgemalt, wenn sich das Stadtbild inzwischen ge- andert hatte. Dafllr sprechen auch die geringen Abweichungen in der Darstellung in Reden und Celle, die jedoch den Gesamteindruck der Stadtsilhouette nicht verandern, wie das deutlich auf beiden Sei- ten gezeichnete Ufer Oder die etwas geringere, wohl durch den vom Schreiber fUr den Illustrator freigelassenen Raum bedingte Hohe der Tiirme. Handschrift Celle ist also ebenfalls auf die Zeit vom 19. Pebruar 1553 bis zum 3. Oktober 1556 zu datieren. Sorait sind alle drei Handschriften innerhalb von drei Jahren entstanden. Ob dabei die Abschriften Redens und des Kodex Celle in einem ursachlichen Zusammenhang stehen, laBt sich nicht erkennen.
87 - Щ Inhalt und Weeen der Cellar Chronik 1) Der Inhalt Im Celler Kodex liegt eine der weit verbreiteten Chroniken vor, die die Geschichte des PreuBenlandes von den mythiachen Ur- eeiten bis in die Gegenwart des Schreibera hinein darstellen. Die- ee Handschrift endet mit dem Jahre 1553, nicht in einer SchluBapo- theose, sondern mit der zweiten Ladung des polnischen Konigs an die Rottmeister, die an den Unruhen von 1552 beteiligt waren.1^ Pie Notiz bietet kein Ende; jederzeit konnten der weitere Verlauf jenes Streites Oder andere Tagesereignisse eingetragen werden. Es war damit kein pragmatiaches Geschichtswerk zum AbschluB gebracht, eondern nur eine gegen Ende annalenhafte Darstellung bia zum Augen blick der Gleichzeitigkeit von Ereignis und Niederschrift fortge- fUhrt. Mit dieser Art, Geschichte zu schreiben, steht die Celler Chronik nicht alleine da; eine ganze Reihe von Handschriften der "zweiten Wartzmann-Redaktion" schlieBt zum Beispiel mit der Angabe 2) des Hopfenpreises im Jahre 1549* Auch die Chronik Ms. 1285 der Danziger Stadtbibliothek bricht unvermittelt ab nach der Schilde- 3) rung der Wahl des Abtea Adrian von Oliva 1545. Anders dagegen der stark engagierte Simon Grunau, der sein Werk mit dem Traktat abschloB und rundete: "Folgender tractatt sagett von alien uraa- chen des gemeinen vorterbens des landes zu Preusen, welche ursa- chen man heute mit augen im lande siehet, und wird je lenger, je 4^ erger.’^^ Die Celler Chronik beginnt mit der "Findung” des Landes Preu- Ben. Sie steht damit im Kreise der huraanistischen Landbeschreibun- gen, wie sie in jener Zeit in reicher Zahl zu finden sind; fUr Deutschland seien nur Cochlaeus, Boemus, Frank und MUnster genannt Diese Beschreibung dient als Grundlage einer geschichtlichen Dar- etellung der Geschicke jenes Landes. Dadurch war ein Problem ge- lbstr das sich fllr Preuflen stellte, fllr andere Staaten nicht: In PreuBen hatte der Deutsche Orden die Herrschaft ausgelibt. Er kam nachweislich aus dem Heiligen Lande und unterwarf eine Bevolkerung
88 von der man fast nichts wuBte. Ез fehlte auf jeden Fall das die Zeiten verbindende dynastische Element. So hatte sich ein Bruch in der Darstellung ergeben mussen, wenn nicht das Land Gegenstand der Beschreibung wurde. Lie Beziehung auf das dynastische Element als Leitfaden einer Chronik ist deutlich bei Matthias von Miechbw zu spliren, der sein Werk auf dem Titelblatt "Chronica Polonorum" nennt, spater jedoch deutlicher "Chronicon regniPoloniae Die preuBische Landeschronistik, ihren ersten Ansatz bei Johann von Posilge nehmend, ' konnte besonders nach dem Ende des Deutschen Ordens in PreuBen einzige Darstellungsart sein. Nach der "Landfindung" folgen Beschreibungen des Gebietes von Enea Silvio, Johannes Boemus, Matthias von Miechow, Erasmus Stella und Sebastian Frank.^ in diesem Neben- und Zueinander der ver- schiedenen Darstellungen desselben Themas darf man - neben einem Bestreben, die Nachrichten mbglichst vollstandig aufzuzeigen, die dem Schreiber aus anderen Arbeiten bekannt vrurden - vielleicht schon den ersten Versuch einer Kritik sehen; noch setzte keine Wertung ein wie etwa bei Lucas David, der seine Quellen kritisch 7) beurteilte, ' doch vrurde der erste Schritt getan durch das Neben- einanderstellen verschiedener Versionen desselben Yorganges. Die- ser Schritt geschah noch zaghaft nur bei der geographischen und volkerkundlichen Schilderung, doch bald wurde er auch in der hi- storischen Darstellung vollzogen, wie eine Stuttgarter Handschrift zeigt.8^ Weiter berichtet die Celler Chronik Uber das Volk der Schan- dianer, das aus Norwegen Uber die Zwischenstation Gotland nach PreuBen gekommen sei, ihre Ebnige Bruteno und Weidewut und die Aufteilung des Konigreiches in zwolf - die bekannten preuBischen - Q ) Landschaften. ; Mit diesem Bericht lieBen sich verbinden eine Schilderung der Naturreligion der PruBen sowie die Aufzahlung der Stadte und ihrer Grtindungsdaten. Bei Galindien ist die aus Dusburg bekannte Sage eingeschoben.1Der zwdlfte Sohn Litwo erh&lt im tibrigen kein Land. Deutlich ist die Diskrepanz zwischen der mythi- schen Landteilung und den damit verbundenen Angaben liber die Stad- tegrlindungen zu spliren, besonders zum SchluB der Aufzahlung ftir die Michelau und Pommerellen.1^ Vollends wird die etwas gewaltsame Verbindung zweier tjberlieferungen deutlich in den Mitteilungen Uber
- 89 - Lttnge und Breite des Landes sowie die Zahl der Seen und FlUsse.12^ Es schlieBen sich die "Geschichten von den rechten alten 1 3) Preussen” an, auf sagenhafte Vorzeit zurUckgreifend. In die Epo- che genau nachprlifbarer Geschichtlichkeit tritt die Chronik erst nit der ErwahnungBoles^aw Chrobrys; von da an laBt sie die polnisch- preuBischen Beziehungen bis zur Ankunft des Ordens vorbeigleiten.^^ Nach einem Einschub Uber die Kloster Oliva, St. Nikolai in \ c \ Danzig und das Zisterzienserkloster zu Pelplin 7 folgt die Ge- echichte des Deutschen Ordens im Heiligen Lande von 1190 bis zum Pall Akkons im Jahre 1291. Damit sind die die Zukunft des Preu- Benlandes bestimmenden Komponenten aufgezeichnet: das Land mit den heidnischen Bewohnern einerseits, der Ritterorden andererseits. Hun wird ihr Geschick miteinander verbunden, es folgen die Preu- 17^ Benkampfe des Ordens bis zum Jahre 1283. 7 Zwei EinschUbe finden eich, jeweils an der vermeintlich chronologisch richtigen Stelle: die Aufsegelung und Christianisierung Livlands sowie die Inkorpo- rierung des SchwertbrUderordens zu 1234 (!) und die Taufe Mindowes -|й\ zu 1252 (!)• 7 Damit sind die weiteren Wirkungsgebiete des Ordens umrissen: Livland und Litauen. Die Schwenkung auf den litauischen Kriegsschauplatz im Jahre 1283 zeigt sich in der Celler Chronik eehr deutlich, zwar nicht in der fast klassisch zu nennenden For- mulierung Dusburgs: ’’Explicit bellum Prussie. Incipit bellum Le- thowinorum."doch ebenfalls einen deutlichen AbschluB darstel- lend. In der Erz&hlung eingeschaltet sind jeweils Namen und Regie- rungsdaten der Hoch- und Landmeister, doch nicht in enger Symbiose mit den geschilderten Vorgangen, sondern in sehr lockerer oder auch ohne eine Verbindung. Man gewinnt den Eindruck, als sei ein Hoch- und Landmeisterverzeichnis auseinandergeschnitten und an der chronologisch richtigen Stelle vom Chronisten in den Text einge- fUgt worden. Der nun folgende Teil ist scheinbar orientiert an den Litau- erzUgen, doch nehmen die EinschUbe immer mehr zu. So sieht man die ’’Bernsteinfindung”, die GrUndung der BistUmer2^ und bald darauf die erste Mitteilung zur Kolonisation des Landes (”Die Nogat wird getemmet, anno 1294”) und eines Wunders.2*^ Nach den Vorg&ngen um 22) die Besetzung Pommerellens durch den Orden 1308-11, der Landes- ordnung Siegfrieds von Feuchtwangen2^ und einer Mitteilung Uber
- 90 - О А \ Unwetter und Sturm1 kommt der Chronist wieder auf die Litauer- ~ kriege zurlick. Loch die Zahl der geschilderten Ereignisse nimmt zuf || der bisherige sachliche Faden, der sich durch die Darstellung zog, |j geht verloren. Es bleibt das Gerlist der Chronologie, an dem aufge- % hangt die Nachrichten in bunter Reihenfolge sich abwechseln: die j! Pest von 1312, das Orselnsche Kapitel von 1323» eine Mar Uber eine ^ Nonne, Kriegszlige gegen Litauen und Polen, Hochmeisterdaten, eine l Gerichtsgeschichte, wieder Polenkriege, EinfUhrung von MUnzen und \ Gilden, eine Kleiderordnung Kniprodes und vieles mehr. Es tiberwiegen die Schilderungen der Kriegszlige gegen Litauen und Polen, doch sind die eingeschobenen innenpolitischen Oder kul- turhistorischen Notizen von groBer Mannigfaltigkeit und lassen kaum einen Lebensbereich aus; zu der strengen Geschichtserzahlung politischer Ereignisse treten Berichte liber den damaligen Menschen unmittelbar berlihrende Geschehnisse: Krankheit, Not, Ungewitter und Tod. Hinzu kommt die Lust zur Mitteilung von Schauergeschich- ten (MYon einem Morder") erregenden Ereignissen ("Gold ward ge- stohlen anno 1361")^) und erheiternden Schwanken ("Von einem rei- chen pauren in Nigklauswalde").^^ Gerade die letzte Gattung ist sehr breit vertreten in den Erz&hlungen liber die Lichtenauer Bau- ern, die in oftmals derber Form recht lustig auf den Leser gewirkt haben dlirften. Baneben stehen immer wieder an erster Stelle die auBenpolitischen Nachrichten: "Ursprung der fursten aus Litauen"^ pq) die polnisch-litauische Union von 1386 Oder die Litauerzlige. Der Gesichtskreis geht weit liber PreuBen hinaus nach Polen, Litau¬ en, Bohmen, der Neumark, Pom und weiter, ohne verwaltungstechnische MaBnahmen wie die Statuten von 1408 Oder die Steuern auf einzelne Waren und Gliter zu vergessen. Die Palette ist auBerst farbenreich, doch leidet darunter der Zusammenhang der Erz&hlung. Der Leser folgt dem Chronisten auf samtliche Lebensgebiete des Staates und des Individuums, ohne jedoch eine einheitliche, fesselnde Gesamt- darstellung zu erhalten; Leitfaden ist einzig die Chronologie. Man konnte fast den Vergleich zur "Neuen Zeitung" wagen, diese jedoch ins GroBe gesteigert; dabei darf allerdings weniger vom Begriff der "aktuellen Nachricht" ausgegangen werden als vom Inhalt. Inzwischen ist in der Darstellung der Celler Chronik das Ge- wicht immer mehr zur Seite einer Ordenschronik verschoben worden
- 91 eufgrund der vorhandenen Quellen. Das zeigt sich deutlich bei den Vorgangen um 1410, die trotz der Kiirse der eigentlichen Schlacht- echilderung breiten Raum einnehmen. 7 Dabei flicht der Chronist in reichem MaBe Urkunden und Akten ein, wie es bereits in der Land- ordnung Feuchtwangens zu sehen war. So stoBt man neben der Landes- und Ordensgeschichte und dera Hochmeisterverzeichnis auf einen wei- teren Bestandteil der Celler Chronik: Urkunden, Briefe und Rezesse. Je groBer die tiberlief erung solcher Stticke wird, also im 15. und 16. Jahrhundert, desto groBer wird auch die in die Chronik aufge- nommene Zahl derselben. Nach der Tannenberger Schlacht finden sich die ersten ausfUhr- lichen Nachrichten Uber Danziger Ereignisse: die Unruhen um Letz- 32) kau 1411 und van der Becke 1416. 7 Dies sind die Vorkommnisse, an denen sich wahrscheinlich der erste Versuch schriftlicher Darstel- lung Danziger G-eschichte entztindete.Sodann zeigen sich die Re- ste eines weiteren Bestandteiles der Celler Chronik, die ich mit dem Begriff eines Danziger Diariums bezeichnen mochte: kurze anna- listische Notizen zu Branden, Unwettern, Krankheiten, Lebenshal- 34) tungskosten und ahnlichem. 7 Sie stehen unmittelbar neben hochpo- litischen Begebenheiten, wie dem Versuch Witolds, die Konigskrone zu erlangen,^^ oder dem Hussitenzug durch PreuBen im Jahre 1433.^^^ Gleichzeitig fallt der Blick nicht nur auf die innerstadtischen Danziger Verhaltnisse, sondern auch auf die inzwischen weit ausge- 37) dehnten Handelsverbindungen der Stadt. 7 Anhand der zugrunde ge- legten Quellen ist damit die Celler Handschrift von einer preuBi- echen Landeschronik mit starker Betonung ordensgeschichtlicher Komponenten zu einer stadtischen Geschichtsdarstellung geworden. Vttllig deutlich wird das bei der nun folgenden ausfiihrlichen Schil- derung des PreuBischen Bundes und des 13jahrigen Krieges. ; Ein- geschoben sind Akten und Urkunden der BUndnerseite, deren Haupt- partner - vor allem im Kriege - Danzig war. Die Ordensgeschichte- achreibung Uber jene Zeit sieht vollig anders aus. 7 So eindeutig die Danziger Historiographie zu den Vorgangen jener Zeit Stellung nimmt, darf man sie doch nicht boswilliger Fblschungen oder der Tradierung solcher zeihen. Das zeigen zum Beispiel die Artikel, die 1457 in der Marienburg gefunden sein sollen. Sie sind keine Falschung des Bundes, sondern entstammen wirklich Ordenskreisen.
- 92 In dieser groBen zusammenhangenden Darstellung nehmen sich alle anderen Nachrichten wie Fremdkorper aua: die Bierscheppen,^^ der GuB der Glocke flir die Marienkirche 1453,die Gesandtschaft des Ordens zum Papet 1456,4^der harte Winter 1460;44^ vbllig pas- send dagegen wirken die ausfUhrlichen Nachrichten Uber die inner- stadtischen Danziger Vorgange: der Koggesche Aufruhr,^^ die Dan- ziger Kriegserklarung an Danemark,^6^ der Aufruhr 1463. Nun folgt ein Zwischenteil, der durch ein MiBgeschick des Chronisten beim Abschreiben verschoben worden sein muB: der Turm- brand von St. Peter 1521, die Pragung der MLutter schilling'* 1522, der Versatz der Neumark 1524 (statt 1454 wie Reden!), das Privileg Sigismunds I. von 1521.^®^ AnschlieBend greift er wieder auf die Ergebnisse des 13jahrigen Krieges zurUck,^^ urn dann ziemlich ge- rafft die Geschichte der nachsten zwanzig Jahre bis zum Tode Tief- fens darzustellen, stark von kurzen Danziger Lokalnachrichten durch- 50) setzt. ' Sodann bringt der Chronist eine genealogische Analyse dee polnischen Herrscherhauses und seiner Verbindung zum Kaiserhause,*^ um gleich auf die Posener Tagfahrt Uberzugehen. Er greift zwar nochmals zuruck auf Danziger Lokalereignisse und die Landesordnung Priedrichs von Sachsen, doch gelangt er sehr rasch Uber eine neuer- liche ausfUhrlichere Behandlung der Posener Tagfahrt des Jahres 52) 1510 zum Regierungsantritt Albrechts von Brandenburg-Ansbach. ' Damit hat die Celler Chronik die gesamte Zeit vom Zweiten Thorner Prieden bis zum Tode Friedrichs von Sachsen auf sechs Blatt behandelt, die genealogischen Nachrichten noch inbegriffen. Fast ist man versucht zu sagen, sie sei darin Vorbild gewesen flir die moderne Geschichtsschreibung Uber jene Zeit. VerhaltnismaBig knapp wird liber die Tagfahrten zu Peterkau und Wien berichtet, unterbrochen von einer Darstellung des Krieges Sigismunds gegen Smolensk.Nach einigen Praeliminarien folgt die Darstellung des Reiterkrieges,^^ um nach kurzen Schilderungen der d&nischen Streitigkeiten und dem Auftreten Luthers ausflihrlich / 55) von den Danziger Unruhen 1525/26 zu berichten. } Diesem Teil sind unverhaltnismaBig viele Schriftstlicke beigegeben. Nach der ausfUhrlichen Behandlung der Krakauer Belehnung vom 57) Jahre 1525 und der Wiedergabe des Vertrages geschieht eine vdl- lige Wandlung im Berichtstil: zusammenhangende Schilderungen treten
- 93 - zurUck zugunsten knapper, annalistischer Mitteilungen, die nicht nur das Jahr, sondern auch den Tag angeben. Dabei ist interessant zu beobachten, daB eine neue Datierung aufkommt. Zwar werden viele Angaben noch nach dem Heiligenkalender geraacht, doch tragen eine ganze Reihe die Monatsdatierung, dabei den lateinischen Monatsna- men Oder gar den deutschen verwendend.^ Sin System herauszulesen ist nicht moglich. Zu untersuchen bliebe, ob sich RUckschlUsse auf eventuelle Quellen ziehen lassen. Bei diesen annalistischen Notizen steht alles ohne nahere Un- terscheidung nach Wichtigkeit nebeneinander. Die Buntheit de^ Pa¬ lette der Mitteilungen scheint noch grbBer zu sein als vorher auf- grund der KUrze der jeweiligen Notiz. Einen langeren Bericht bietet Chronik Celle erst wieder zum Jahre 1547 anlaBlich des Todes von Jakob Kampe und zu 1548 beim Tode Hans GlockengieBers.Diese beiden Vorfalle gehoren in den unmittelbaren Erlebnisbereich des Chronisten, was ihre AusfUhrlichkeit eindeutig beweist. Nach Mit- teilungen fttr die Jahre 1544-49 - deren letzte der Hopfenpreis des Jahres 1549 ist, an welcher Stelle eine Reihe von Handschriften der sogenannten zweiten Redaktion der Wartzmannchronik schlieBt - folgt eine auBerst ausfUhrliche Barstellung des Konigsbesuches in Danzig vom Jahre 1552 mit einer angehangten tibersicht Uber die Privilegien Danzigs im Laufe der letzten hundert Jahre.Bieser Bericht ist eben vergangene Gegenwart, weshalb er vom Chronisten nur mit leichten KUrzungen aus einer zeitgenossischen Vorlage Uber- nommen wurde. Geradezu spannend wirkt diese ausfUhrliche Detail- echilderung samtlicher wichtiger Vorgange des Besuches und man ist fast enttauscht, daB anschlieBend noch weitere Mitteilungen folgen, die die Chronik beenden: der Einzug des Konigs in Konigsberg, der Streit der Hanse mit England 1552, ein Radauneausbruch im Jahre 1553 und zuletzt die Ladung der Rottmeister vor das konigliche Ge- richt. Damit bricht die Erzahlung in der Celler Chronik plotzlich ab, ohne zu einem wirklichen AbschluB gekommen zu sein. Eine Fort- eetzung konnte jederzeit angehangt werden, wie es bei manchen Hand- schriften auch zu beobachten ist. Die Celler Chronik bietet eine Geschichtsdarstellung in rei- cher Vielfalt der Ereignisse. Ihre Hauptkomponenten sind: eine landesgeschichte von sagenhafter Vorzeit bis zum Auftreten des
- 94 - Beutschen Ordens, eine st£ldtische Geschichte PreuBens Ъ1а 1525» eine Stadtgeschichte Banzigs von 1411 bis 1553» dabei aus breite- ren Berichten und einem Banziger Biarium zusammengesetzt, einer Sammlung von Urkunden, Rezessen und Briefen und nicht zuletzt einem Hoch- und Landmeisterverzeichnis. Biese Teile sind oft sehr geschickt miteinander verbunden, w&hrend man an einigen Stellen einen Bruch recht deutlich BpUrt. So nehmen sich beispielsweise Notizen zur Stadtgeschichte Banzigs mitten in der stadtischen Ge¬ schichte des PreuBischen Bundes fast als fehl am Platz aus; ver- bindend wirkt nur die Uberall als MaBstab angelegte Chronologie. Sie ist das GerUst, das die einzelnen Komponenten, so unterschied- lich sie jeweils sein mogen, schlieBlich doch zu einer Einheit zu- sammenfUgt, zu einer Barstellung der Geschichte des PreuBenlandes aus stadtisch-Banziger Sicht. 2) Originalitat und Glaubwtlrdigkeit Bei der geschilderten Vielfalt der Ereignisse in der Chronik Celle ist die Frage interessant, wie groB Originalitat und Glaub- wtirdigkeit der Erzahlungen sind. Ba bis zu Gehrkes Zeit die Banzi¬ ger Chronistik groBtenteils als von Grunau abhangig betrachtet, jener aber als "monstroser Geschichtsfalscher” angesehen wurde»^^^ stellte sich jene Frage nicht. Ba die Quellenlage aber seit Gehrke und J. Bworzaczkowa nachgewiesenermaBen anders ist, muB dieses Problem betrachtet werden. Jeder Chronist ist auf seine Glaubwtlrdigkeit vor allem dort zu untersuchen, wo er Selbsterlebtes berichtet, also original ist^ Berichte, die er aus einer Vorlage Ubernahm, spielen nur insofern eine Rolle, als sie versehentlich - bei Yerschreibungen von Baten beispielsweise - Oder willentlich zugunsten einer Tendenz vom Schreiber geandert wurden. Es ist nicht moglich, jede Einzelheit der Celler Chronik un- ter diesem Gesichtspunkt zu UberprUfen, abgesehen davon, daB dies bereits in der Edition der Handschrift vorgenommen wurde. Bas dort gewonnene Urteil soil anhand von Stichproben hier begrUndet werden. Bazu wird zuerst der Zeitraum der chronikalischen Berichterstattung
betrachtet, also vom Beginn der Handschrift bis zum Jahre 1525. Versehentliche Anderungen fjnden sich verhaltnismaBig haufig, vor allem bei Daten; das zeigen die Lesarten von Chronik Celle zu Reden recht deutlich. Nun 1st die Handschrift X, Vorlage der Chroniken Celle und Redens, nicht bekannt, so daB sich gerade bei Daten die Frage er- gibt, ob Celle Oder Reden die originale Lesart bewahrt hat. Eindeu- tig ist das nicht immer zu entscheiden, doch kann man annehmen, daB das jeweils richtigere Datum in der Vorlage stand, da Celle und Re¬ den neben X keine andere Quelle benutzten, es aber unwahrscheinlich ist, daB aufgrund einer Verschreibung zufallig sich das richtige Datum ergeben hat. Zur Untersuchung bieten sich die Stadtedaten bei Aufzahlung der einzelnen Landschaften geradezu an. Dabei stellt sich heraus: Die sechs Angaben fUr Samland sind samtlich falsch; nur Fischhau- sen ist mit 1269 statt 1268 fast richtig angegeben.^^ Fur Nathan- gen sind die Angaben wesentlich genauer: von zehn Daten sind acht richtig; dabei kann allerdings nicht unterschieden werden zwischen Burggriindung, StadtgrUndung, Stadtrechtsverleihung Oder Griindung einer Neustadt, kennt die Chronik dieseUnterscheidung doch eben- falls nicht. Die Jahreszahlen fUr Schalauen sind in vier von funf- zehn Fallen richtig, in zweien fast richtig. Fur Barthen stimmen von sieben Daten eins vollig, zwei beinahe und ein weiteres ist zwar richtig, beruht jedoch auf der Verwechslung mit der litaui- schen Georgenburg. Bei Galindien ergibt sich: eine Angabe von sie¬ ben ist vollig, eine weitere fast richtig. FUr Ermland sieht es folgendermaflen aus: von neun Daten sind vier richtig, ein weiteres (Allenstein) bei Reden fast richtig. Interessant sind dabei die Angaben ftir Seeburg: Celle 1525, Reden 1548, Grunau 1548, Hand¬ schrift A jedoch zuerst 1558, Ms. 1285 hat 1548. In der ersten Zu- sammenstellung stand demnach 1548; das in der Grunauhandschrift A richtige Datum 1558 beruhte wohl auf einer Verschreibung, da es in rbmischen Zahlen angegeben war. So weist also bereits die Quelle fUr die spatere Chronistik falsche Jahresangaben auf. Bei den Stadten in Pogesanien sind von acht Zahlen zwei vbl- lig, eine in Chronik Celle fast richtig. Sehr groBe Fehler finden sich ftir Pomesanien: von zweiundzwanzig Angaben sind nur drei vol-
- 96 - lig, eine beinahe richtig. Nicht viel besser sieht es bei Kulm aus: von dreiundzwanzig Daten stimmen sieben, ein weiteres beinahe. Die Aufstellung fur Pommerellen schlieBlich bietet von sechs Angaben nur zwei richtige. Insgesamt sind von 107 angegebenen Jahreszahlen 33 richtig und 9 beinahe richtig, die Ubrigen 65 jedoch samtlich falsch; zwei Drittel der Angaben entsprechen also nicht den Tatsa- chen. Die besten Daten finden sich fur Nathangen, Ermland und Bar- then. Palls die Zusamirens tellung bereits der Elbinger Monchschro- nik als Vorlage dieser Tradition angehort hat, lage es nahe, die Genauigkeit auf die enge geographische Verbindung jener Stadt mit den drei Landschaften zuriickzufuhren; genauere tiberlief erungsge- schichtliche Schliisse lassen sich aber wohl nicht daraus ziehen. 6S1 In diesem ersten Teil ' der Chronik Celle ist die Glaubwttr- digkeit sehr gering, doch muB das ihrer Quelle zur Last gelegt werden, wie sich aus einer Vergleichsprobe ergab. Der nachste Ab- schnitt ist nicht nachprUfbar, da sein Bericht vor Einsetzen einer schriftlichen Tradition liegt; ebenso kann der aus Matthias von Miechow stammende Teil nicht herangezogen werden. Dagegen zeigen die Nachrichten liber Oliva und das Nikolaikloster in Danzig^' vol- lige Richtigkeit. Die geraffte Darstellung der Ordensgeschichte gehort bis auf geringe Ausstellungen einer guten tiberlieferung an. Die nun folgende Schilderung der PruBenkampfe steht in der Dusburg- Tradition; auf jenen stiitzt sich hauptsachlich unsere Kenntnis des ersten Jahrhunderts der Ordensherrschaft in PreuBen. Die Celler Chronik bietet einen bis auf Kleinigkeiten richtigen Bericht der Epoche. Sagenhafte Erzahlungen wie von der Auffindung des Bern - steins Oder den Neunlingen der Grafin von Querenfurt, spater der Nonnenehre, dem "Judicium Cambisis” Oder gar den Lichtenauer Bau- ernschwanken entziehen sich von vornherein der Beurteilung auf Wahrhaftigkeit. Auch Originalitat ist der Celler Chronik dafiir ab- zusprechen, finden sich doch diese Berichte auch bei Grunau. Einige Stellen lassen einen bewuBten Eingriff in die Geschichtsliberliefe- rung spiiren; zu welchem Zeitpunkt dieser Eingriff vorgenommen wur- de, ist fraglich. Die erste Stelle bietet die Siegfried von Feucht- wangen zugeschriebene Landesordnung. } Perlbach glaubt, sie sei an der Ordnung Friedrichs von Sachsen orientiert; alle in iener nicht vorhandenen Artikel waren freie Erfindung Grunaus. } Diese
Auseage muB insofern abgeschwacht werden, als die Ordnung der Vor- lage Grunaus angehort, da Chronik Celle sie ebenfalls anfUhrt. LaB die Landesordnung diejenige Friedrichs zur Vorlage gehabt habe, kann nicht unbedingt behauptet werden, da sich eine neue Landesord- nung jeweils an der frUheren orientierte; deshalb sind Ubereinstim- nungen selostverstandlich. Allerdings steht fest, daB sie nicht zur Zeit Feuchtwangens entstand, da Vierchen erst unter Winrich von Kniprode ab 1360 gepragt wurden.^-^ An diesem Punkt folgt Celle also einer wissentlich falschen tlberlieferung, wenn auch der Schrei- ber dieser Chronik die Falschung nicht selber vornahm. Lieselbe Situation liegt vor bei dem Hilfegesuch des Landmei- eters um 1320 an den Pfalzgrafen zu Rhein,das Grunau ebenfalls tiberliefert• Abgesehen davon, daB nach 1309 das Landmeisteramt ab- geschafft wurde, gehbrt der Wortlaut der Ablehnung des Hilfegesuchs nicht ins 14. Jahrhundert; solch ordensfeindliche Tone schlug man erst im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert an. Auf die mogliche Entstehungszeit solcher "Berichte” weist eine andere Erzahlung hin: "Capitel wird zu Marienburg gehalten. Anno 1323м. Lie dort angefUhrte Rede beklagt den Zerfall des Ordens und zitiert die Weissagungen der Heiligen Birgitta von Schweden. Bir- gitta wurde 1302 Oder 1303 geboren, ihre Weissagungen werden be- reits auf dem Kapitel von 1323 angefiihrt! Bei Grunau wird deutlich, daB dieser Abschnitt erst nach 1492 Oder gar 1500 geschrieben sein kann, beruft er sich doch in seiner Einleitung auf den Lruck der 71) Hevelationes der Birgitta, 1 der vollstandig erst in jenen Jahren erfolgte. Von den ersten drei Ausgaben der Revelationes Sanctae Birgittae - Florenz vor 1478, ebenda im selben Jahr, Rom 1488 - ist kein Exemplar nachweisbar. Lie niederdeutschen Auszugsdrucke - LUbeck um 1485, ebenda 1496 - enthalten die zitierte Stelle nicht. Die erste erhaltene Gesamtausgabe - LUbeck: Bartholomaus Ghotan 1492. 2° - war weit verbreitet im Ostseeraum, unter anderem in Danzig und Pelplin. Ebenso ist der folgende Druck - NUrnberg: An¬ ton Koberger 1500, September 21. 2° - nachgewiesen fUr Konigsberg und Pelplin.Einen dieser Lrucke benutzte die Chronik, die fUr Grunau und Handschrift Celle als Traditionstrager diente. Ganz in die Zeit jener Drucke passen die auBerst ordensfeindlichen Ten- denzen, den Zerfall der BrUderschaft bereits fUr den Beginn des
- 98 - 14. Jahrhunderts nachzuweisen; widerspricht die Celler Chronik doch anhand anderer Quellen sich selber, wenn sie fUr die Zeit urn 1350 sagt: "Zu diser Zeit was der Orden im land Preussen in ihrer besten tucht un hochsten floren."^^ Noch mehr wird deutlich: Die bisher angeflihrten Stellen fin- den sich alle auch bei Grunau; das bedeutet, dafl sie einer gemein- samen Quelle von Grunau und Handschrift Celle angehbren. Ob diese Quelle direkt Oder liber eine vermittelnde Handschrift ausgebeutet wurde, mag dahingestellt bleiben. Wichtig ist, daB sie frlihestens urn 1500 verfaBt worden sein kann. Demnach stammt der grdflte Teil der Celler Chronik aus einer im 16. Jahrhundert "angefertjgten" Uberlieferung; sie weist sich also in ihrem Hauptbestandteil als sekundfire Quelle aus. Da die manchmal falschende Tendenz zur GenU- ge erlautert wurde, kann sich die weitere Untersuchung auf die Teile beschranken, die einzig aus jener zu Beginn des 16. Jahrhun¬ derts verfertigten Tradition bekannt sind; sie hat zu prlifen, ob die auf altere Zeiten bezogenen Nachrichten Erfindungen sind Oder ein wirkliches Ereignis zum Vorwurf haben. Solche Nachrichten finden sich ofter eingestreut. Die erste Miinze in Preufien wird beispielsweise von einem Thorner Blirger na- mens Schilling abgeleitet; der Ansatz entspringt dem bereits im Kapitel liber die Landteilung beobachteten Versuch, in verstandli- chen Etymologien Sachnamen von (erfundenen) Personen herzuleiten. Der Ordensschilling ist zwar richtig beschrieben, doch weist die Relation 1 Schilling = 6 Pfennige in die Zeit nach der KUchmeister- schen Pinanzreform.Richtig dagegen scheint die Mitteilung iiber die Gildenbildung um 1340 zu sein, da sich bereits zu 1349 eine Verordnung flir Wollweber findet; ' ob sie allerdings void Hochmei- ster befohlen wurde, ist nicht feststellbar. Unklar bleibt die Kleiderordnung Winrichs von Kniprode;^^ nur die Danziger Tradi¬ tion kennt sie. Allerdings berichten die Thorner Annalen zu 1387 ’ll) von einer Kleiderordnung, jedoch anderen Inhaltes. Das Faktum einer solchen stimmt also, wahrend die weitere Ausformung Zutat spaterer Zeit zu sein scheint. Richtig dlirfte auch folgende Notiz sein: "Bergwerk wird gefunden, anno 1348.”^®^ Verbunden ist sie mit Angaben Uber Metallpreise, an erster Stelle Silber. VoBberg kam dadurch zu der Auffassung, es sei ein Silberbergwerk gemeint
und lehnte die Existenz eines solchen flir PreuBen ab."^ Bei ge- nauer Betrachtung stellt sich aber heraus, daB es sich uni ein nicht nhher gekennzeichnetes Werk handelt. Nun sind aber aus dieser Zeit Yerechreibungen flir Eisenhammer in der Gegend von Wormditt be- kannt,®^ die eine Eisenforderung in der Nahe wahrscheinlich ma- chen* Ein anderer Bericht ergibt ein ahnliches Bild: "Von pauren im Q1 \ verder anno 1383*" Er stellt einen hnndgreiflichen Streit zwi- echen Bauern und Priestern dar, entbrannt wegen der Scharwerkslei- etung. Perlbach lehnt den Bericht mit dem knappen Hinweis ab, daB eich in Posilge, der Quelle flir die vorausgesetzte libers chwemmung, 82) eolches nicht finde. ' Interessant ist aber, daB in jener Zeit der Hochmeister Konrad Zollner in einem Streit zwischen Pfarrern und Deichgeschworenen im Marienburger Werder liber die Unterhaltung der Damme vermittelte; darin dlirfte der Kern der Darstellung der Celler Chronik zu suchen sein. Die Nachricht liber die "Ketzerei im Lande Preussen 1392"^^ trifft ebenfalls im Kern zu.®*^ Weitere Beispiele konnten folgen, doch ist bereits zur Geniige deutlich geworden: Die Celler Chronik bringt eine insgesamt zutreffende Darstel¬ lung, soweit sie auf anderen heute allgemein bekannten Chroniken beruht; an manchen Stellen wird allerdings der Bericht in ordens- feindlicher Tendenz mit erfundenen Beigaben ausgeschmlickt. Als be- eonderes Indiz dafiir darf die wortliche Rede gelten.®^ AuBerdem hat die humanistische Sucht nach Etymologien ihre Spuren hinter- lassen, Neben solch negativen Ztigen weist die Chronik jedoch Posi¬ tive auf, die man nicht vermutet hatte. Sie zeigt, daB in den nur ihrer Tradition - die frlihestens um 1500 entstanden sein kann - eigenen Berichten meist ein Wahrheitskern steckt, mag die Einklei- dung auch noch so sehr der Pabulierlust ent^ungen sein. Wie die- вег Wahrheitskern tiberliefert wurde, ist vollig ungewifl; es ist wahrscheinlich, daB eine schriftliche Tradition angenommen werden darf, doch kann sie nicht sicher nachgewiesen werden. Dies alles flihrt zu einer anderen Wertung der Danziger chro- nistischen tlberlieferung. DaB sie auch Richtiges berichte, ist als selbstverst&ndlich angenommen worden; angeprangert wurden stets nur die "Fabeleien", Es war flir die Beurteilung der Tradition un-
100 glinstig, daB seit dem 16. Jahrhundert als Hauptvertreter etets Si¬ mon Grunau angesehen wurde, dessen Chronik wirklich recht konfus ist und sehr viel Beiwerk und Hetze enthalt. Wenn man ihm die Cel- ler Chronik entgegenstellt, muB man zu dem SchluB kommen, dafl jene Chronistik zwar tendenzios ist, manchmal auch dieser Tendenz die Berichterstattung unterordnet, im groBen und ganzen jedoch eine richtige Darstellung bietet und darUber hinaua eine ganze Reihe von Details mitteilt, die, aus ihrem Gewand vorsichtig herausge- schalt, unser Wissen um die Geschichte des PreuBenlandes an man- chen Stellen erweitert. Es ist eine Frage der sachlich unvoreinge- nommenen Quellenkritik, jene Stellen recht zu bewerten. Dazu sind samtliche Zweige der historischen Uberlieferung heranzuziehen; es ist nicht moglich, die Chronistik aus sich heraus sprechen zu les¬ sen. Genauso darf sie aber auch nicht aus der historischen Darstel- lung ausgeschlossen oder nur als schmuckendes Beiwerk verwandt wer- den. Es wurde bereits gesagt, daB die Glaubwtlrdigkeit eines Chro- nisten vor allem in den Berichten der von ihm miterlebten Zeit sich wiederspiegele. Bisher konnte nur liber die Glaubwlirdigkeit einer Tradition etwas gesagt werden, da die Celler Chronik sich bis 1500 offensichtlich auf Vorlagen stlitzt. Nun finden aber die Yorgange auch nach 1500 weitere Parallelen bei Grunau und der von fl7 1 Hirsch edierten "Ferber-Chronik". ' Von Grunau ist die Celler Chronik erwiesenermaBen unabhangig; ob sie das Ferber-Buch zu ihren Quellen zahlt, ist hier unerheblich. Es wird nur wieder deutlich, daB der Chronist noch immer keinen Bericht aus eigenem Erleben schreibt. Auch die zitierten Urkunden mlissen auBer acht gelassen werden, da es sich bei ihrer Wiedergabe stets um Abschriften, nie um freie Darstellung handelt. Es bleiben also zur Prlifung nur noch die annalistischen Noti- zen nach 1525, da mit diesem Jahr der Abdruck der Danziger Chroni- ken in den Scriptores endet. Zum Vergleich liegen im Druck nur spatere, zu knapp gefaBte Werke vor. wie ein Teil von Spatte und Q Q \ das Annalenblichlein Jakob Rhodes. ' Deshalb ziehe ich hier die Handschrift der Danziger Stadtbibliothek Ms. 1285 als Vertreter 89) einer alteren Form der Danziger Chronistik heran. Im Vergleich ergibt sich, was als Eigenbericht der Chronik Celle anzusprechen
1st Ms* 1285 berichtet ab fol. 382a von der Citation des Rates vor den Konig, ausfUhrlicher als Chronik Celle; weiter folgen alle Nachrichten, die auch Celle mitteilt: "Grosser schnee anno 1526", der Weichselausbruch, der Besuch des Kbnigs in der Stadt und die 90) Anwesenheit Georgs von Pommern und Herzog Albrechts* ' Dabei un- terscheiden sich Ms. 1285 und Handschrift Celle nicht nur in der Stellung, sondern auch in der Form der Einzelnachrichten. Ms. 1285 bietet weit starker den zusammenhangenden Bericht* Deutlich ist 8plirbar, daB die Tradition sich eine Anderung hat gefallen lassen miissen. Per Einzug Herzog Albrechts nach Danzig mag als Beispiel dienen. Ms. 1285 schreibt: "Der Fiirst aus preusen kam auch ken Dantzke montags der erfindunge des heilig Creutzes auf einen don- 91) nerstag mit 150 pferden..."7 ' Handschrift Celle berichtet: "Den 13* may kam der furst aus preussen mit 150 roB." Hier wird ersicht- lich, wie Handschrift Celle um eine Ktirzung zur Annalistik hin be- mUht ist. Dabei unterlaufen allerdings bfters Fehler in der Daten- auflosung; die Kreuzfindung bezeichnet den 3., nicht den 13. Mai. Der 3. Mai 1526, das richtige Datum von Albrechts Einzug, fiel auf einen Donnerstag. Ms. 1285 bietet also die teilweise korrektere und altere tJberlieferung. Die Auflosung der Daten kommt jedoch auch an einigen Stellen bereits in Ms. 1285 vor. Jedenfalls, das war im Rahmen der Fragestellung wichtig, erv/eist sich Handschrift Celle wieder nicht als original. Auch die wenigen Notizen, die Celle mehr hat als Ms. 1285 - wie Uber den Gewolbeeinsturz der St. Johann-Kirche in Marienburg und den Brand Lobaus*^ - konnen diesen Eindruck nicht andern. Anders wird dies ab 1535. Die Berichte in der Celler Hand¬ schrift Bind gegenliber Ms. 1285 wesentlich ausfUhrlicher Oder bie- ten gar in Ms. 1285 nicht mitgeteilte Nachrichten: "Ameral aus 93) 94.) 95) Schweden", ' Johann von Leiden in Munster, ' "Cometen", ' "Je- 96) 97) 98) ronimus Meslandt", ' ein Mordbrenner, 1 "Georg Wegner", ' Weich- selausbruch 1544,^) Ernennung Joachims von Brandenburg zum FUhrer gegen die Turken,1*^ "Putzker sachen"f1^1^ Mordbrenner1^^ und schlieBlich die Vollmachterteilung des Rates fUr Johann von Werden und Johann Brandt in Sachen Putzig im Jahre 1545.1<^ Hier zeigt die Celler Chronik eine tJberlieferung von wesentlich ausfUhrliche-
102 ren und exakteren Mitteilungen. Die Handschrift gibt zusammenfas- sende Darstellungen, die einen sicheren Uberblick fiber die Vorgange verraten. Liegt das an einer verklirzten und schlechteren Tradie- rung in Ms. 1285 Oder dlirfen diese wertvollen Nachrichten als Ei- genleistung des Celler Chronisten angesehen werden? Eine andere Handschrift der Danziger Stadtbibliothek, Ms. 1290, soil diese Frage klaren helfen.1(^ Die Bedeutung, die Gehr- ke ihr beimaB, wurde von J. Dworzaczkowa mit Recht eingeschrankt]^ doch ist das hier nicht weiter wesentlich. Ms. 1290 stellt aufgrund der fehlenden Boemus- und Frank-Zitate wie Ms. 1285 eine frlihere Bearbeitungsstufe dar als Chronik Celle, ist somit von ihr unab- hangig und zum Vergleich geeignet. Ms. 1290 fiihrt samtliche oben genannten Nachrichten, die Ms. 1285 fehlen, mit Celle gleichlautend auf.^^ Die Unterschiede sind recht gering, Verschiebungen in Tagesdaten Oder Jahresanga- ben. Interessant ist jedoch, daB sich die zusammenfassenden Dar¬ stellungen der Celler Handschrift nur deshalb als solch guter Uber- blick ausnehmen, weil samtliche Zwischennotizen, wie sie Ms. 1290 bietet, fortgelassen sind; auch hat Chronik Celle den Text ein we- nig geklirzt. Wieder weist sich also die Celler Chronik als sekundare Quel¬ le aus. Das gilt auch ftir die folgenden Jahre. Fast alle Notizen finden sich ebenfalls in Ms. 1290, ausgenommen drei Nachrichten iiber Preise und Bauten.^^ Hervorzuheben sind die ausftihrlichen Erzahlungen liber Kampe zu 154-7 und GlockengieBer zu 154-8.^^ Ms. 1290 erwahnt nur kurz deren Tod, wahrend Handschrift Celle beson- ders liber GlockengieBer sich sehr weitschweifig - auf liber drei Seiten! - auBert. Man gewinnt den Eindruck, als habe der Schrei- ber GlockengieBer personlich gekannt. AnschlieBend berichtet der Chronist liber die Kommission der Bischofe in Danzig vom Jahre 154-4-;^^ zwar ist er ausftihrlicher, doch bietet Ms. 1290 diese Schilderung ebenso wie die folgenden bis zum Preis des Hopfens im Jahre 1549•^ Die sehr breit angelegte Erzahlung vom Konigsbesuch in Danzig im Jahre 1552 stammt ebenfalls nicht vom Chronisten der Celler Handschrift, wie bereits GUnther nachwies.^^ Abgesehen von den wenigen folgenden Notizen ist damit das Ende der Handschrift er-
- 103 reicht. Dieser ttberblick ergab somit folgendes: Chronik Celle berichtet in ihrer gesamten Darstellung fast nichts, das nicht auch in anderen, meist ungedruckten Danziger Chroniken zu finden wslre; die wenigen nicht anderweitig nachgewiesenen Noti- zen sprechen nicht dafUr, daB der Schreiber eigene Nachrichten einschob, die nur ihm bekannt waren. Einzig die ausfUhrliche Dar- etellung des Todes von Hans GlockengieBer ist bisher nur aus der Celler Chronik bekannt, doch ist es unwahrscheinlich, daB hier ein originaler Bericht vorliegt. Mit wesentlich groBerer Wahrschein- lichkeit darf angenommen werden, daB Ms, 1290 ebenso wie Spatte, die beide den Tod GlockengieBers mitteilen, eine Dorstellung klirz- ten, die die Celler Chronik in voller Lange Ubernahm. Originalitat kann demnach diese Handschrift nicht aufweisen. Ihr groBer Vorteil ist jedoch, daB sie bei weitem die ausflihrlichs te Darstellung un- ter den Danziger Chroniken bietet.AuBerdem zeigt sie die hochste Entwicklungsstufe, die diese Chronistik erreicht hat in der kompi- latorischen, unkritischen Zusammenstellung einer Vielzahl verschie- dener QuellenstUcke, Ubertroffen hbchstens von Bornbach, dessen Werk zwar viel zitiert, aber bis heute nicht genau untersucht wor- den ist. Alle spateren Chronisten wie Melmann oder Spatte erheben sich darin nicht liber die Celler Chronik. Es ist in der Literatur nur deshalb immer wieder auf jene zurlickgegriffen worden, weil sie epater entstanden und somit einen groBeren Berichtszeitraum umfas- sen - so besonders Spatte - und am Ort der Porschung greifbar wa¬ ren. Eine neue Zeit brach erst an, als die vorsichtigen Versuche einer Kritik zur regelrechten Wertung der Quellen fUhrten, zuerst also bei Lucas David. Wie wenig Originalitat der Celler Chronik bescheinigt werden konnte, so groB ist jedoch ihre Glaubwiirdigkeit. Der Standort des Berichterstatters ist deutlich zu spliren, einmal an der durch- schlagenden Tendenzfalschung, die sich aber in auBerst bescheide- nen Grenzen halt, vor allem jedoch an den mitgeteilten Nachrichten. Diesen Eindruck vermittelt besonders die Danziger Stadtgeschichte von 1411 bis 1553* Eine in Konigsberg Oder Thorn entstandene Quelle unterscheidet sich allein darin recht deutlich, auch wenn sie die
104 - Danziger Tradition zur Vorlage hatte. Die mitgeteilten Vorgange hat die Forschung zum groBten Teil bestatigt. Viele Einzelheiten, die bisher al9 Falschungen, entsprungen einer Ublen Fabulierlust, abgetan wurden, haben sich gerade in jtingster Zeit ala vollig Oder zumindest im Kern wahr und richtig dargestellt erwiesen. Somit kann die Uberlieferung, von der die Celler Chronik eins der beaten Beispiele iat, verstarkt herangezogen werden, unsere Kenntnis der preuGischen Geschichte zu vertiefen, auch dort, wo sie nicht an- derweitig nachgewiesene Details berichtet, Das Vertrauen in diese Tradition, durch Grunaus Werk stark erschUttert und oft vdllig 112) zerstort, darf damit ala wesentlich gestarkt aua dieaer Unter- suchung hervorgehen. 3) Chronik Celle ala Entwicklungaatufe stadtischer Geschichtsschreibung in Danzig Die Celler Handschrift bietet die am htfchsten entwickelte Form der kompilatorischen Geschichtsschreibung Danziga. Sie ist deshalb geeignet, fUr eine Untersuchung des Wesens stadtischer Chronistik zu dienen. Es kann hier keine erschopfende Analyse ge- boten werden, steckt die Forschung auf dieaem Gebiet doch noch in 113) den Anfangen. Es sollen nur einzelne Punkte aufgezeigt werden, die das Verstandnis der Chronistik jener Zeit beleuchten.11^ Bereits einleitend wurde der tlbergang von der Ordensgeschichts schreibung zur Landeschronistik und ihrer stadtischen Auspragung er wahnt. Dieser Vorgang findet sich nicht nur in Danzig; andere preu- Gische Stadte zeigen ihn ebenso, wie auch die Stadte des Reiches eine eigene Chronistik entwickelten. Den Grund dazu bot die politi- sche Erstarkung des stadtischen Gemeinwesens, verursacht durch den wirtschaftlichen Aufschwung, den die groGeren Handelsstadte im 15. Jahrhundert erlebten, Dieser Aufschwung ist besonders bei den Han- sestadten zu beobachten, Es sei nur daran erinnert, daG der drei- zehnjahrige Krieg in PreuBen nicht durch bessere Organisation und Schlagkraft der BUndner, sondern in erster Linie mit dem Geld Dan- zigs gewonnen wurde! Der Rat der Stadt, damit die einzelnen Ge- schlechter, der Reeder und GroBkaufmann griffen somit handelnd in
- 105 - eine Geschichte ein, deren Objekte sie bisher gewesen waren. Gerade cu Beginn des 15. Jahrhunderts setzte diese Wandlung in Preuflen ein. Es geschah nicht in einem plotzlichen Aufbegehren, sondern in einein zuerst langsamen, dann sich stets beschleunigenden ProzeB von unaufhaltsamer Kraft. Man kann jene Entwicklung nicht als Re¬ bellion der Untertanen gegen eine von Gott gesetzte Herrschaft be- trachten, sondern nur als Versuch, den aufgrund des Anteils am Le- ben des Staates berechtigt scheinenden Platz einzunehmen. Pas ist auch der Tenor in den juristischen AusfUhrungen wahrend des Pro¬ cesses der BUndner gegen den Orden am kaiserlichen Hofe 1453. Es wurde nicht der Orden als Landesherrschaft abgelehnt, sondern ein groBeres Mitspracherecht in der Leitung der eigenen Geschicke ge- 115) fordert. '1 Erst als es urn die Existenz der BUndner zu gehen schien, griffen sie zum Mittel des Krieges. Lieser erwachende politische Geist sah sich mit den verschie- densten Erscheinungsformen politischen Geschehens konfrontiert, nicht nur im eigenen Land, sondern vor allem auch auf den Reisen, die der BUrger, wie ich ihn hier vorerst nennen will, entweder als Kaufherr Uber Meer unternahm Oder als Abgeordneter seiner Stadt etwa auf den Hansetagen. Er war gezwungen, Stellung zum Geschehen zu nehmen, das gerade den Kaufherrn oft recht konkret berUhrte, da es sich auf den Verkauf Oder sogar schon den Transport seiner Wa¬ ren auswirkte. Label mufite er notgedrungen marches Mai zu den Pri- vilegien greifen, die dem Geraeinwesen, dem er angehdrte, einmal verliehen worden waren; er muBte sich mit frUheren Geschehnissen auseinandersetzen, um den zu seiner Zeit zu beschreitenden Weg zu erkennen. Las wurde noch bestarkt auf dem Gebiet des Rechtes, das erst im 15. Jahrhundert in Deutschland eine langsame Lurchdringung des Uberkommenen durch das Romische Recht erfuhr, durch den Satz, daB altes Recht wahres Recht sei. So ist beispielsweise die Anlage von SeerechtsbUchern in den Hansestadten zu verstehen, wie sie fUr Danzig Konrad Bitschin Anfang des 15. Jahrhunderts vornahm.11^ Da„ mit war der Blick, noch rein zweckgebunden, auf die Vergangenheit gelenkt, jedoch um als Leitfaden fUr gegenwartiges oder gar zukUnf- 117) tiges Handeln zu dienen. ' Starker in das Leben des Einzelnen griff die Gegenwart in un- ruhigen Zeiten ein. Eine Form der Bewaltigung des Gegenwartsgesche-
106 hens ist es, die Ereignisse schriftlich niederzulegen. So darf man wohl ftir Danzig die frUheste Aufzeichnung historischer Vorgange in den Anfang des 15* Jahrhunderts setzen, als es 1411 und 1416 etli- che Unruhen in der Stadt gab, Zu diesen Jahren finder, sich auch die frtihesten Mitteilungen zur Danziger Stadtgeschichte in der Cel- ler Chronik. Auch in der Mitte des Jahrhunderts gait dies noch. So hat bei- spielsweise Lindau ein "Kriegstagebuch" gefUhrt Uber die Vorgange des 13jahrigen Krieges. Noch fehlte das vbllig bewuBte Sichhinein- stellen in die Tradition einer Ubergeordneten Wesenheit, sei es die Stadt, das Land oder eine andere Ausdrucksform; festgehalten wurde, was als denkwtlrdig erschien. Nicht die Beunruhigung allein, sondern zusatzlich das Geftihl, der Vorgang sei denkwtlrdig, veran- 11 q) laBten die ersten Aufzeichnungen. *' Solche Aufzeichnungen wurden dann aber nicht weitergeftihrt; mit dem Ende des denkwUrdigen Vor- ganges und der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung endeten auch sie. Es bedurfte eines neuen AnstoBes, um weitereAufzeichnungen entstehen zu lassen. Das zeigt deutlich die Liicke der stadtischen Uberlieferung, die in der Celler Chronik zwischen den Ereignissen von 1416 und der Geschichte des Bundes besteht* So komint auch Men- ke zu der Uberzeugung, die Geschichtsschreibung laufe in diesem friihen Stadium nicht "von alleine" weiter aus bloBem historisch- literarischen Interesse, sondern vollziehe sich in Schtiben im po- litischen Zusamraenhang, Das kennzeichnet deutlich den Unterschied zur gleichzeitigen Ordenschronistik, wie sie sich etwa in der Alteren Hochmeister- chronik bietet. Ihr Verfasser ist Angehbriger eines Orders, dessen Geschichte von seiner GrUndung an den Rahmen abgibt, auch wenn das Werk stark auf das Land PreuBen bezogen ist. Er sieht sich als Teil jenes Orders hineingestellt in dessen historische Entwicklung. Dieser Gesichtspunkt ist dem stadtischen Chronisten noch unbekannt, er erlebt vor allera die Gegenwart. Die Darstellungsform des anstoB- gebundenen Gegenwartsberichtes existiert in Danzig noch in der Mit¬ te des 16. Jahrhunderts in der Relation Uber den Konigsbesuch, wie sie die Celler Chronik bietet. Jene aufgezeigte Entwicklung fUllt in PreuBen das 15. Jahr- hundert. Im Vergleich etwa zu Koln, Magdeburg Oder LUbeck zeigt
- 107 - Danzig, Wegbereiter der stadtischen Chronistik in PreuBen, eine ziemliche Verspatung. Wahrend sich fur Koln bereits in der zweiten Halfte des 14. Jahrhunderts der Ansatz stadtischer tlberlieferung 121) findet, ' fallt er fUr Danzig erst in die erste Halfte des 15. Jahrhunderts, erklarlich aus der Situation PreuBens als eines ,lKolonial,,-landes. Deshalb ist die von Nenke angesetzte Zwischene- poche des literarischen Interesses zwischen der Zeit der anstoBge- bundenen Relation und der Stadtischen Chronik fUr Danzig im 15. Jahrhundert kaum vorhanden. Die Abschriften alterer Werke, vornehm- lich historischer, gehoren samtlich dem 16. und 17. Jahrhundert an und entspringen weniger literarischem Interesse als kompilatori- echem Sammeleifer der inzwischen tatigen Chronisten. 1 Literari- eches Interesse ist im Deutschen Orden Oder den Klostern anderer Orden weit starker zu beobachten, stUtzen sie sich doch auf eine alte Tradition. In den anderen Kongregationen ist vor allem die Gattung der Weltchronik vertreten; es seien nur Tolomeo von Lucca und Martin von Troppau genannt. Der Geistliche, ob nun Ritter oder Monch, hatte von vornherein ein anderes Verhaltnis zum Buch als der BUrger. AuBerdem stand er nicht so sehr in einem begrenzten Gemein- wesen der Gegenwart wie jener, sondern vnaBte sich als Einzelner Oder auch als Angehoriger einer Bruderschaft in die Tradition zu- mindest jener, wenn nicht gar einer Heilsgeschichte gestellt. Das^ bedeutete nicht, daB er der Vergangenheit gelebt hatte; alleih die Art der Staatsbildung des Deutschen Ordens widerspricht dem. Doch man sah sich als Glied einer Kette, die weit in die Vergangenheit zurlickreichte. Das bewiesen auch die Hochmeisterverzeichnisse, die unabhangig von der eigentlichen Chronistik seit Posilge immer wie- der zusaramengestellt wurden. Diese Wendung nach rUckwarts, dort im Rahmen einer geistlichen Bruderschaft, zeigt sich im stadtischen Bereich in Danzig erst im 16. Jahrhundert, auf den Kreis der erweiterten Familie bezogen in der Anlage groBer Genealogien, zu einer Zeit, als im selben Lebens- bereich die Chronistik bereits kraftig erblUht war. Vorlaufer die- ser Genealogien mogen die Rats- und Schoppenlisten sein, die in Danzig seit der Mitte des 15. Jahrhunderts gefUhrt wurden. Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in den zwanziger Jahren, wurde fUr Danzig die Form der zusammenhhngenden Chronik stadtischer
Pragung geboren. Vorher finden sich nur Einzelrelationen oder ta- gebuch- und annalenahnliche Aufzeichnungen, die entweder zusamrnen- stellungen des Rates sind wie bei Lindau Oder aber Memorabilia dee weitgereisten Kaufmanns, gesammelt wahrend seiner Handelstatigkeit, wie bei Weinreich. Sogar die engere Form der Familienberichte, ver* mischt mit den Darstellungen Uber Tatigkeit und Funktion des Haus- herrn im stadtischen Gemeinwesen, ist durch die Mitteilungen Jakob Lubbes vertreten. Sie wurden aufgezeichnet ,Tzu Nutz und Frommen 1 2Ъ) der nachfolgenden Geschlechter sowie zu eigenem Ruhm.M Pen endgiiltigen AnstoB, all diese Ansatze zu vereinigen zu einer Parstellung nicht nur des Selbsterlebten, sondern auch der Vergangenheit, gab der Humanismus. Er griff zurUck und entdeckte aus neue die lange verschUttete Literatur der Antike. Aus dieser Literatur bezog der Humanist Kenntnis tlber die Verhaltnisse seiner Heimat - sei es Italien, sei es das Reich - in vergangener Zeit und verglich sie mit den Gegebenheiten seiner Epoche, wie etwa Jo¬ hannes Boemus. Das flihrte zu einer Parstellung auch der preuBischen Vorzeit, wie man sie bei Enea Silvio Oder Erasmus Stella findet. Hinzu trat volks- und volkerkundliches Interesse, wie es sich im Werk des Boemus offenbart. Nur noch ein kleiner Schritt war es, diese Parstellungen mit dem zu verbinden, was in einzelnen Relatio- nen bereits vorlag, und ein ebenso kleiner Schritt, die fehlenden Zwischenpartien zu rekonstruieren Oder schlimmstenfalls zusammenzu- fabulieren. Dieser Schritt wurde vollzogen von weltlichen Humani- sten ebenso wie von geistig hochstehenden Klerikern. Hinzu kam, daB der Humanismus eine nationale Erscheinung war.^^ Er regte nicht nur zur Schaffung von Weltchroniken an wie bei Schedel und Nauklerus, sondern auch zu historischen Darstellun- gen des eigenen Volkes, wie sie im Osten Johannes D/ugosz und nach ihm im Pruck Matthias von Miechbw vertreten. Damit sind die Komponenten aufgezeigt, die den AnstoB zur er- sten preuBischen Geschichte aus stadtischer Sicht gaben: die Schil- derung der Vorzeit durch Silvio und Stella sowie das parallele Bei- spiel fUr das benachbarte Polen in der Chronik Matthias von Mie- chows. Noch griffen sie nicht in eine stadtische Panziger Historio- graphie ein; das erste Werk unter jenen Vorzeichen entstand im El- binger Dominikanerkloster. Doch in KUrze war es in Danzig bekannt.
109 - Daneben blieb jener humanistische AnstoS auch in den hoher ge- bildeten Danziger Fiihrungskreisen nicht ohne Erfolg, stammt doch aus derselben Zeit, eben den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts, die sogenannte Ferber-Chronik. Die Existenz beider Werke ist nicht anzuzweifeln, wenn auch Form und Inhalt noch nicht eindeutig ge- klart werden konnten. DaB der Danziger BUrger fur diese geistige Entwicklung vorbereitet war, zeigen die mannigfachen Beziehungen zu den Mittelpunkten humanistischen Lebens, den Universitaten im Reich und in Italien. Bereits um die Mitte des 15* Jahrhunderts finden wir Danziger an Universitaten, um die Jahrhundertwende besetzen sie 125) die offentlichen Amter, ; etwas spater auch die Kontore groBerer Handelsunternehmen. Damit ist der Kreis aufgezeigt, der in Danzig tragend wurde fUr die stadtische Geschichtsschreibung. War im 15. Jahrhundert die anstoBgebundene Relation Angelegenheit des Rates und seiner Schreibstube - wie etwa der Bericht Lindaus und wur¬ de er dort aufbewahrt und nicht weiter verbreitet, so gait im 16. Jahrhundert die Chronik als Ausdrucksform kaufm&nnisch-bUrgerlichen SelbstbewuBtseins, getragen von der geistigen Entwicklung des Ein- zelnen, der keinen anderen Zweck verfolgte als den der tieferen historischen Erkenntnis und deren Vermittlung an gleich ihm Inter- essierte. In diesem Zusammenhang ist auch die Chronik des Kaufmanns Bartholomaus Wartzmann zu sehen. Allerdings blieb die Verbindung zum Rat und den fUhrenden Geschlechtern wichtig, besonders im An- fangsstadium, da sie im Besitz der alteren Quellen waren. Go ist 1 ? 6) diese Verbindung auch flir Wartzmann wahrscheinlich. ' War die erste zusammenfassende Darstellung erarbeitet, konnte die stadti¬ sche Chronistik erbluhen. Das heiBt allerdings nicht, daB e i n e Chronik die Vorlage fur die gesamte spatere Historiographie bilde- 1 27) te, wie Gehrke es mit dem Ferber-Buch nachzuweisen versuchte. Wie rege das Interesse in Danzig war, zeigen die vielen Handschrif- ten des 16. Jahrhunderts, die wir heute noch kennen, in deren Kreis auch die Celler Chronik gehort. Die Entwicklung der Historiographie in Danzig habe ich ver- sucht aufzuzeigen. Dabei wurde zwar stets der Begriff nStadtische Chronistik1’ verwandt, jedoch nicht naher gekennzeichnet. Um ihn zu verdeutlichen, soil auf Chronik Celle zurtickgegriffen werden, die als Endpunkt jener Entwicklung Uberliefert ist.Ihr Inhalt wurde
110 - bereits aufgezeigt, ihr Horizont ist daher zur GenUge bekannt. Der Blick des Chronisten geht Uber die Mauern seiner Stadt welt hin- aus. Er schreibt keine Geschichte seiner Stadt, keine "Stadt- Chronik", wie sie etwa im "Boich van der stede Colne’1 des Gotfrid Hagen vom Ende des 13. Jahrhunderts,^ wie sie aus dem 15. Jahr- hundert in der NUrnberger Chronik Sigismund Meisterlins vorliegtl^ Auch Danzig kennt ein solch begrenztes Werk: die Aufzeichnungen Christoph Beyers. Sie dUrften in der Hauptsache aus Mitteilungen zu innerstadtischen Vorgangen bestanden haben; allerdings umfassen sie nur etwa dreiBig Jahre. Eine "Stadtchronik" von der Urzeit bis zur Gegenwart kennt Danzig nicht. Deutlich spUrbar ist in der Dan- ziger Historiographie die Stadt als Abfassungsort, doch ebenso of- fenkundig ist die eindeutige Mittelpunktstellung dee Landes Preu- Ben. Sie war bedingt durch die als Quelle dienende Ordensgeschicht- schreibung, wenn auch, wie gezeigt wurde, die Danziger Historio¬ graphie in ihrer Entwicklung nicht unmittelbar von jener abhangig ist. Es muB aber als besonderes Verdienst der Danziger Chronisten angesehen werden, daB der ftir eine Stadt sehr weite Horizont der Ordenschronistik nicht eingeschrankt wurde, auch nicht von dem Zeitpunkt an, wo jene nicht mehr als Vorlage diente. Deutlich sind zu unterscheiden die - in Danzig nicht vertretene - Stadtchronistik und die - in der Celler Chronik vorliegende - stadtische Chroni- stik.1^0^ Die stadtische Chronistik war in Danzig gleichzeitig Landeschronistik. Das sicherte ihr die weite Verbreitung im gesam- ten Preuflenland. Daher sind ihre maBgebenden EinflUsse genauso in Konigsberg wie auch in Thorn deutlich erkennbar. Nur deshalb war es moglich, sie im Verein mit der Uberlieferten Ordenschronistik zusammenzufassen zu einer neuen Form der Landesgeschichtsschrei- bung, wie sie sich am Hofe Herzog Albrechts in der zweiten Hallfte des 16. Jahrhunderts zu bilden begann.
111 VI) Die Quellen der Celler Chronik Die Hand9chrift Celle, die neben Grunau als einzige jener Zeit vollstandig in einer wissenschaftlichen Ausgabe vorliegt, soli auf ihre Quellen genau untersucht werden. Die Ergebnisse gelten weni- ger fUr Handschrift C als fUr die gleichlautende Vorlage X; der Einfachheit halber und der besseren NachprUfbarkeit im Druck wegen wird C in den Mittelpunkt der Untersuchungen gestellt. Es sind zwei verschiedene Arten von Quellen zu berUcksichti- gen: die zitierten und die nichtzitierten. Die Erwahnung einer Chronik im Text bedeutet noch nicht, daB der Schreiber sie in Han- den hatte und benutzte; es sagt nicht einmal etwas Uber ihre Exi- stenz aus. Wir wissen, "daB ofter Zitate vorgetauscht werden, wo solche in Wahrheit nicht vorliegen, der Dichter vielmehr nur Dek- kungen ftlr eigene Erfindungen sucht. Es ist bekannt genug, daB dem Mittelalter das Verstandnis fUr eine hohere dichterische Wahrheit noch nicht aufgegangen war, daB Horer- und Leserschaft auBere, wo moglich durch diu buoch bestatigte, geschichtliche Wahrheit ver- langte. Das hat ja hundertfaltig zur Vorspiegelung erfundener Quel¬ len gefUhrt, ein Brauch, der aus der Spatantike ins Mittelalter Ubergegangen ist und in geistlichen wie weltlichen Literaturwerken oft genug begegnet."*^ Als Paradebeispiel dafUr in der preuBischen Historiographie gilt Simon Grunau, der in dem Zusammenhang gleich herangezogen werden mufl. PUr die Celler Chronik bedeutet das, daB man im Abschnitt Uber die zitierten Quellen wahrscheinlich gar nicht auf die wirklichen Vorlagen stoBen wird, sondern jene erst im nachsten Teil kennen lernt. 1) Die zitierten Chroniken und ihre Benutzung in den Kapiteln der Landbeschreibung Handschrift Celle zitiert auf den ersten Seiten gleich sieben Chroniken, und zwar: Diwonis, Bischof Christian, Aeneas Sylvius, Johannes Bohemus, Matthias Mechoniensis, Erasmus Sterne und Seba- stianus Franck. Das Verhaltnis von C zu diesen Chroniken gilt es zu klaren.
112 Я A) Der Reisebericht des Diwonis r Diwonis, ein Gelehrter in der Astronomie, wurde zur Zeit des romischen Kaisers Octavius Augustus aus Salura in Bitinia ausge- sandt, шп festzustellen, ob im Norden ebenfalls Menschen wohnten. Dazu durchreiste er die Tatarei, Noskau und Livland und gelangte nach PreuBen. All seine Begleiter starben unterwegs, wahrend er als Einziger zur Berichterstattung zurtlckkehrte.^' Soweit Chronik Celle; weitere Nachrichten liber ihn findet man in Kaspar Bbttchers Chronik um 1569, der das Geschehen ins Jahr 47 v, Chr. legt,^ und bei Hans Radewald 1565, der die Reisenden tiberwintern laBt und die Krankheitsursache angibt: die ungewohnte Luft.^ ^ Die ausfuhrlichsten, aber auch verwirrendsten Nachrichten liber Diwonis bringt Grunau. Er berichtet, daB Bischof Christian vom Domprobst Jaroslaus von Plotzka in der Kasau anno 110 ein Buch geliehen worden sei, in russischer Sprache doch mit griechischen Buchstaben, in dem eben jener Diwonis seine Reisebeobachtungen eingetragen habe; auf der RUckreise sei er in Polock gestorben und habe das Buch hinterlassen. ' An diesem Eericht haben sich die Gemliter entzlindet; unter an- derem sind zu nennen Hartknoch, Kotzebue, Voigt, Toeppen, ZeiBberg, Perlbach, und zuletzt J. Dworzaczkowa. Es ginge zu weit, das Wider- spiel der Arguraente anzufiihren; nur ab und an soli darauf verwie- sen werden. Grunau ist der erste, der vom Buch des Diwonis berichtet; das sagt noch nichts aus. Zwar ist bekannt, daB er seine Quellen oft recht frei behandelte, doch ist es nicht angangig zu argumentie- ren, daB ihm als "LUgenmonch" von vornherein nicht zu trauen sei; hat sich doch im Laufe der Zeit mancher Bericht im Kern als wahr erwiesen, den die Herausgeber verwarfen.^ Das Buch des Diwonis soli Bischof Christian benutzt haben fUr seine Chronik; er bekam es vom Domprobst Jaroslaus von Polock. Nun existierte jedoch Polock in romischer Zeit noch nicht.^ Vie soil sich aber ein Buch - in russischer Sprache und griechischer Schrift! - in jener Gegend fast 1300 Jahre lang erhalten haben? Das klingt sehr unglaubvdirdig.
113 - Woher kann dieses Buch aber gekommen sein? Glaubwtirdige Erklarun- gen gibt es nicht. Grunau zitiert es als Vorlage ftir -Christian. Abgesehen von der Frage, ob Christians Chronik existierte Oder nicht, sieht das ganze nach einer Quellenfiktion aus, urn die Chro¬ nik Christians zu stutzen; diese Fiktion entspricht jedoch nicht dem 13., eondern dem beginnenden 16. Jahrhundert. Somit konnte man Grunau die Erfindung der Quelle ankreiden, wie es am hartesten bei Tettau geschieht, der ihm eine regelrechte Namen- und Quellen- "Fabrik" zuschreibtDoch damit ist Uber das Ziel hinausgeschos- sen. Die Chronik Christians und somit das Buch des Diwonis erschei nen nicht nur bei Grunau, sondern auch in anderen von Grunau unab- a) hangigen * Berichten, wie der Handschrift Celle. Also muB eine ge- meinsame Quelle vorgelegen haben, in der jene Chroniken verzeich- net waren; dafUr sprechen auch die verschiedenen Lesarten des Be- richtes bei Grunau und Celle. Bereits Gehrke nahm einen Auszug aus einer verlorenen Elbinger Dominikanerchronik als Vorlage an.1^ Ihm folgte in etwa J. Dworzaczkowa.1^ Sie diff erenziarte das Bild: ein Auszug gelangte nach Danzig in den Besitz von Georg Schbffke, eine andere Redaktion Oder Umarbeitung "versehen mit dem Namen Si- 12) mon Grunau, wurde im Ermland aufbewahrt." ' Die Handschrift Schoffkes, die er aus dem Danziger Dominikanerkloster erhielt, i9t 13) bekannt. *// Sie ist wahrscheinlich indirekt Vorlage gewesen fUr Handschrift Celle. Den Nachweis fUr die ermlandische Redaktion bleibt J. Dworzaczkowa jedoch schuldig. Dafi Grunau jene Monchschro nik benutzte, scheint ohne Zweifel; dafi sie den Hinweis auf Diwoni enthielt, ist wahrscheinlich. Doch konnte Grunau, selber terminie- render Dominikaner, nicht im Elbinger Kloster das Original einge- sehen haben? Dadurch wurde sich auch der Unterschied im Bericht- stil bei Grunau einerseits und alien anderen Danziger Chronisten 1 4) andererseits erklaren, auf den bereits Gehrke verweist. Anders gesagt, die Vorwtlrfe, die fUr diesen Teil gegen Grunau erhoben wurden, sind vielleicht weiterzuleiten an seine Quelle, die Elbin¬ ger Dominikanerchronik, die er am ausfUhrlichsten benutzte. Jene, 15) zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden, 1 hatte dann das Buch des Diwonis erfunden. Das scheint durchaus vorstellbar, darf man doch den Einzug traditionsfalschender Tendenzen viel eher fUr den geistlichen BeieLch ansetzen als fUr den bUrgerlichen, noch dazu in
114 einem Zeitpunkt, in dem es um die monchische Existenz ging, wie die Danziger Vorgange 1525/26 deutlich beweisen. Zudem entspricht das Unternehmen des Diwonis vollig humanistischem Gedankengut,^^ wie es ebenfalls bei Stella zu finden ist. Die Ablehnung der Be- schreibung des Diwonis wirft aber auch ein bedenkliches Licht auf die Chronik Christians, der sie benutzt haben soil. B) Die Chronik Bischof Christians Christian, unter dem Namen Gottfried Abt des polnischen Zi- sterzienserklosters Lekno, wurde 1215 zum Bischof von PreuBen ge- weiht, Wahrend seiner Anwesenheit in PreuBen hatte er Gelegenheit, das Land und eine etwa vorhandene mlindliche historische Uberliefe- rung kennenzulernen. Er hatte wohl auch wahrend seiner Kulmer Jah- re oder in der Gefangenschaft der PruBen Zeit gehabt, jenes zu no- tieren und eine "Chronik" zusammenzustellen, wie sie die Celler Handschrift erwahnt. Wie sollte sie aber ausgesehen haben? Chronik Celle zufolge hatte sie nur aus dem Bericht des Diwonis bestanden. Ausfiihrlicher berichtet wieder Grunau: "Dominus Christianus, bi- schoff von Preussen, ein buch von in schreibt, und dis hebet sich so an: liber filiorum Belial cum suis superstitionibus Bruticae 1 7) factionis incipit cum moestitia cordis." ' Dann setzte er die Be- richte des Aeneas Sylvius und Erasmus Stella gegen Christian ab; zusatzlich fabuliert er unter Christians Namen liber die Goten so- wie Bruteno und Weidewut, also die sagenhafte Urzeit PreuBens.1^ Es ist wieder anzunehmen, daB Grunau diese Abschnitte aus der El- binger Dominikanerchronik Ubernahm, da die Celler Chronik ahnli- ches mitteilt. Wie kamen aber die Elbinger Dominikaner an die Chro nik Christians? So alt war das Kloster nicht, um das Buch von Chri stian selbst empfangen zu haben; auBerdem hatte er es doch wohl eher, selber.Zisterzienser, dem Kloster Oliva Ubergeben. In der Tradition von Oliva findet sich jedoch kein Hinv'eis auf diese Chro nik. Sollte der Verfasser der alteren Chronik von Oliva sich diese Autoritat haben entgehen lessen, dies Ruhmesblatt in der Geschich- te seines Ordens im PreuBenlande? Doch er berichtet nur ganz bei- 19) laufig von dem Bischof an einer einzigen Stelle, so daB mit Si- cherheit anzunehmen ist, daB in Oliva keine Christian-Tradition
- 115 - bestand. AuBerdem scheint nach den Untersuchungen Perlbachs auch der altere Teil, der in die Chronik eingeschaltet wurde, nicht mit der Chronik Christians identisch zu sein, da er erst nach 1341 20) entstand, ganz abgesehen davon, dafl die altere Chronik von Oliva die Urgeschichte PreuBens gar nicht umfafit. Woher also stammte die Christian-Uberlieferung in der Elbinger Monchschronik? Vielleicht hilft dazu Lucas David weiter, der das 21) Manuskript auch eingesehen haben soil. ' Voigt druckt sogar ein 22) Bruchstlick jener Chronik ab. ' Doch alle Belege, die Voigt aus David anfiihrt, finden sich auch in Grunau; nur verarbeitet Da¬ vid die Mitteilungen geschickter. Was von alien Argumenten Ubrig bleibt, ist das der genauen Arbeitsweise Davids. Er mifltraute Gru- nau, doch begegnete ihm in den Partien, die bei jenem unter dem Namen Christians liefen, die willkoramene Schilderung der preuBi- echen Urgeschichte. Ist es nicht wahrscheinlich, daB David zu dem Mittel griff, im Zitat auf jene Quelle Grunaus zurlickzugehen, an- etatt auf den Chronieten selber, von dem er sagt: "Hab funden im Grunau, wie er durcheinander geworfen und nicht allein viel Irrtums in rechnunge der zeit begangen, sonder auch oft sich sel- ben zuwider geschrieben, fleiBig ist der man gewesen, aber alles on bedacht und vorstandt zusammen gerafft.Es war in den Augen der Zeit ublich zu zitieren, ohne das Werk selber gesehen 25) zu haben. ' So ist auch die Form, in der er Christian zitiert, nichts als eine geschickte klare Verarbeitung des bei Grunau ver- worrenen Zitates; er bietet eine Schilderung der Landfindung genau wie Chronik Celle. Ein dritter Autor ware noch zu prlifen. Gorski weist darauf bin, daB Hosius dem Chronisten Cromer eine "alte Chronik” gezeigt habe, und halt dieseChronik fUr diejenige Christians. Doch sein nachster Hinweis, dafl die Chronik bereits von Lucas David, dem Se- kretar von dem Vorganger des Hosius, Tiedemann Giese, benutzt wor- 27) den sei, zerstort Gbrskis These. ' Dafl Lucas David sie nicht be- nutzte, wurde herausgestellt. Welche "alte Chronik” Cromer bei Ho¬ sius einsah, ist weiterhin unklar, Christian war es jedenfalls nicht. Noch immer stellt sich die Frage, woher die Elbinger Domini- kanerchronik die Christian-Handschrift kannte. Verdachtig ist, daB
116 I < die Monchschronik die einzige Quelle ist, die Christians Bericht eingesehen haben kann. Wenn man weiter daran denkt, daB der der Christianchronik einverleibte Bericht des Diwonis sich als wahr- scheinliche Palschung herausstellte, liegt der SchluB nahe, auch diese Chronik ftlr eine Erfindung des Schreibers zu halten. Diese Erfindung ware gar nicht ungeschickt. Die Nachrichten, die Stella 1518 im Druck mitteilte,wurden von ihm recht frei verarbeitet, urn eine breite Urgeschichte PreuBens aufzuzeigen. Wer ware als be- statigende Autoritat geeigneter gewesen als der erste Bischof im PreuBenland, Christian? War er doch als erster intensiv mit den PruBen in Beriihrung gekommen. Allerdings tat der Schreiber dann des Guten zu viel, indem er der fiktiven Chronik Christians eine weitere fiktive Quelle zuschrieb, den Bericht des Diwonis, Bedenkt man jedoch diese recht geschickte Art, eine Urgeschichte PreuBens aus der Fantasie zu schreiben und mit solch glaubwtirdigen Zeugen wie Christian zu versehen, dann dUrfte die Elbinger Monchschronik doch nicht so konfus gewesen sein, wie man nach der LektUre Gru- naus zuerst denkt. Jedenfalls scheint es wohl sicher, daB die Chronik Christians nicht existiert hat. Auch die Celler Chronik folgte nur dem Brauch der Zeit, ein Zitat glaubig aus einer Vorlage zu Ubernehmen, denn es herrschte sicher in weiten Kreisen die Ansicht, die Grunau aus- sprach: M... die worheit is, noch der weise, wie alle cronicken war sein.’1^^ Auch solch kritische Schreiber wie Lucas David waren nicht ganz frei von jenem Glauben. Es nimmt also gar nicht Wunder, in der Celler Chronik Christian und Diwonis zitiert zu finden, zwei 30) teils recht geschickte Falschungen der Elbinger Monchschronik. C) Aeneas Sylvius Aeneas Sylvius Piccolomini war als kaiserlicher Rat und papst- licher Legat in Deutschland mit den Verhaltnissen in PreuBen in enge Beruhrung gekommen, besonders intensiv wahrend des Prozesses, den der Orden wider den Preufiischen Bund vor dem Gericht des Kai¬ sers 1453 in Wien flihrte. Er, der dem Orden sehr freundlich gesinnt war, Mhat dem ProzeB mit bemerkenswert klugem politischen Urteil gegenUbergestanden."^1^ Seine Stellungnahmen waren zwar fUr den Or-
117 - den gtinstig, jedoch samtlich von politischer Weitsicht bestimmt. Das Interesse fur PreuBen zeigte sich auch 1 457/58 im Bemuhen, das ermlandische Bistum 2u erhalten. Seine Wahl zum Papst - als solcher nannteer sich Pius II. - setzte dem ein Ende. Doch blieb er weiter- hin dem Orden geneigt.^2^ Auch als Schriftsteller war Sylvius auBerst vielseitig. Noch kurz vor seiner Priesterweihe schrieb er die vielgelesenen recht lockeren Liebesgeschichten "Euryalus und Lucrezia" sowie "De Chry- side". Er betatigte sich auf alien Gebieten humanistischer Wissen- schaft,so daB er als "der glanzendste Reprasentant des Humanismus *5*5 \ unter den Papsten" gilt. ' Die Celler Handschrift schreibt Sylvius eine Chronik zu, die die Urzeit PreuBens behandelt. Im Gegensatz zum Diwonis- Oder Christian-Zitat existiert eine solche Schrift unter dem Titel: "De 8itu et origine Pruthenorum.M Hirsch setzt ihre Entstehung in die Zeit von 1450 bis 1456 und weist mehrere Handschriften und Drucke des 15. Jahrhunderts nach.^^ Der einzige in Chronik Celle zitier- te Satz: das diB land PreuBen recht soil genennet werden Ul- migania, denn dise volker, die dis land zum ersten bese/3en haben, 55) eind Ulmigeri genennet worden." ' findet sich allerdings bei Syl¬ vius in keiner seiner Schriften. Die Namensform "Ulmigania", "Ul- migeri" kommt auBerdem bei ihm nicht vor; er hat, nach seiner Quel¬ le Jordanis, "Ulmerigi", иUlmerigia,,. Stella dagegen fu'nrt die Form '•Ulmigeri", oft noch mit vorgesetztem H. Ein Lesefehler der Hand¬ schrift Celle liegt nicht vor, da Reden nicht abweicht. Also sind die auch bei Stella verwandten Formen bereits in der Vorlage X vor- handen. Ebenfalls hat Grunau die Form "Ulmiganea”. ' Auffallend ist, daB sowohl Grunau als auch Chronik Celle nur diesen einen kur zen Betreff aus Sylvius zitieren. Das scheint dafur zu sprechen, daB die Schreiber beider Chroniken ihn nicht im Original einsahen. Sie ubernahmen ihre Notiz wohl wieder aus der Elbinger Dominikaner- chronik. Ob deren Verfasser Sylvius selbst einsah Oder den kurzen Hinweis auf die "Ulmigani" aus Stella ubernahm, ist ungewiB. Der Quellenhinweis bei Grunau"^ spricht daftir, daB die Schrift des Sylvius zwar bekannt war, jedoch nicht fur die Urgeschichte be- nutzt wurde. Anders ist Grunau nicht zu verstehen, da in dem V/erk "De situ ..." Sylvius sowohl iiber die Verhandlungen vor dem kai-
118 - aerlichen Gericht als auch einleitend Uber die Urgeschichte spricht, Wahrscheinlich hat das seinen Grund darin, daB der gerade erschie- nene Druck des Erasmus Stella wesentlich mehr Uber die Urgeschichte bot als Sylvius; dieser muBte zugunsten des neueren Werkes zuruck- treten. Eine andere Vermittlung, etwa liber Boemus Oder Matthias von Miechow, die ebenfalls die Schrift des Sylvius benutzten, kommt nicht in Frage. Somit laBt sich feststellen, daB der Schreiber der Celler Handschrift auch dise zitierte "cronica" nicht benutzte, sondern das Zitat aus seiner Vorlage Ubernahm. B) Erasmus Stella Stella stammte aus Leipzig. Wahrend seiner Studien dort und vor allem in Bologna war er in innige Bertihrung mit dem aufstreben- den Geist des Humanismus gekonmen. Gestarkt wurde diese humanisti- sche Keigung durch seinen Aufenthalt in PreuBen als Arzt des Hoch- neisters Friedrich von Sachsen, wahrend dessen er wohl eine engere Verbindung zu Hiob von Dobeneck aufnahm, dem pomesanischen Bi - schof.-^ Auf Anregung Hioba schrieb er seine "De Borussiae anti- quitatibus libri duo" und widmete sie dem Hochmeister Friedrich 4Q ) von Sachsen. ' Sie miissen also vor 15Ю, dem Todesjahr Friedrichs entstanden sein. Ihre weite Verbreitung fanden sie dann durch den 1518 erfolgten Druck. Die "Antiquitates" waren nicht die erste Schrift, die sich in humanistischer Manier mit der Vorgeschichte PreuBens beschaftigte, doch die am meisten gelesene.^^^ Ihre Quellen aufzuzahlen, ganz 41) gleich ob Stella sie benutzte Oder nicht, wiirde zu weit fiihren. ' Von preuBischen Chroniken scheint ihm nur Dusburg bekannt gewesen zu sein. Sein direkter Vorlaufer war Aeneas Sylvius, den er eifrig zu Rate zog. Sylvius ging es um die Riickverbindung mit der Antike, woher er seine Kenntnisse Uber PreuBen bezog. Stella aber "folgte hemmungsloser der Freude an der Formung eines interessanten Stof- fes."^2^ Er kann nicht unter den Aspekten der treuen FaktenUbermitt lung betrachtet werden, sondern als Phanomen seiner Zeit. Die Celler Chronik zitiert einen kurzen Abschnitt aus seinen "Antiquitates": "Erasmus Sterne schreibet, das auch in diesem lan- de Ulmigania ein mechtiger hauffen volks zu wohnen komme sey, nem-
119 - lich die Sargatiani, Gelidani, Alauni (Heden: Silbani Alauni), Ve- nedes, wie sie in der zeit ihre nauien genennet haben. Diese haben alle in Ulmigania gewohnet, aber doch nicht lang."^^ Ausftihrli- cher berichtet dartiber Grunau, sich grundlegend nur in den Namens- formen unterscheidend: "... Sargaciani, Gelidani, Gillani, Alani, Vacynney und Carioni .In dieser Zusammenstellung hat Stella die Volker nicht. Er berichtet zu Beginn von Buch I, daG er bei Ptolemaus als Bewohner PreuGens gefunden habe "Gotthones, Venedos, Stagnanos et Sargatios Sudinosque Gelidanos simulque Gillones, Vacinos et Charinos, quos ipse Charionas nominat."^^ Beim Vergleich ergibt sich: C fehlen die "GillonesM, die Grunau als "Gillani", Re¬ den in einer Verlesung als "Silbani" fUhren; die "Alauni" hat Stel¬ la erst als "Alani" zu Beginn des zweiten Buches; "Vacinos" und "Charionas", bei Grunau leicht entstellt vorhanden, fehlen in Cel¬ le; die "Venedes" sind vom Beginn der Aufzahlung Stellas genommen. Diese Unterschiede zu Stella sowie die Gleichheit in der Reihen- folge mit Grunau lassen annehmen, daG der Schreiber der Celler Chronik die "Antiquitates" des Erasmus Stella nicht im Original einsah, sondern daG sowohl er als auch Grunau ihre Weisheit aus der gemeinsamen Quelle, der Elbinger Monchschronik bezogen. Dafur epricht auch die beiden gemeinsame Namensform "Sterne" statt "Stel¬ la". Allerdings ist Stella von den Elbinger Mbnchen nicht sehr in- tensiv benutzt worden, wahrscheinlich, urn der "eigenen" Quelle, der Chronik Christians, den ihr "geblihrenden" Vorrang einzuraumen. Jedenfalls ist festzuhalten, daG die Celler Chronik auch die "An¬ tiquitates" des Erasmus Stella zwar zitiert, aber nicht eingesehen und benutzt hat. Dasselbe gilt fur Grunau. Zu priifen ware einmal, ob Bornbach, Falk, Bretke, Waissel und Hennenberger, die sich alle auf Stella berufen, jenen wirklich gekannt haben, oder ihn nur aus zweiter Hand benutzten wie die Celler Chronik. Falk dUrfte Stellas Schrift gekannt haben, da er daraus Exzerpte anfertigte.^^ Ob Hen¬ nenberger, der den Falk-NachlaG besaG, dartiber hinaus nochmals zum Druck griff, ist fraglich. Bornbach zitiert Stella in der Vorrede seiner "Cronica des preuBenlands": "Erasmus Stella Lybanothanus hat alleine geschrieben vom Herkommen der Preussen und von gelegen- heit ires landes."4 ' Die genaue Namensangabe scheint es sicher zu machen, daG er einen Druck einsah und nicht, wie die Celler Chro-
120 - nik, das Zitat einfach Ubernahm. Ob sich das bei Bornbach auch im Text niederschlug, ware gesondert zu untersuchen; das sprengt den Rahmen dieser Arbeit. E) Johannes Boemus Der Deutschordenspriester Johann Bohm aus Aub in Franken, in der lateinischen Namensform Joannes Boemus Aubanus, war nicht der erste, der sich fur eine volkskundliche Betrachtung Deutschlands interessierte;doch gilt sein Werk "als das erste Kompendium der Volkerkunde" in "ausfuhrlicher, systematischer Darstellung" Besondere Bedeutung haben die Deutschlandkapitel.Er stUtzte sich unter anderem recht stark auf Sylvius. 1 Seine in der Celler Chronik als "cronies" zitierte Schrift tragt den Titel: "Omnium gentium mores, leges et ritus ex multis clarissimis rerum scripto- ribus, a Joanne Boemo Aubano sacerdote Teutonicae Militiae devoto nuper collectos Augsburg 1520. Handschrift Celle weist ihm die Nachricht zu, das von aufgang der sonnen ein mechtig volk in dis land PreuBen gekonmen sei, nemlich Amexobi (Amoxoby), Alau- 5 21 ni, Venedes und Getones (Gitones)."э } Den Vordersatz hat Boemus nicht, doch zitiert er den Volkerkatalog aus Ptolemaus: Pto- lemaeus Amaxobios, Alaunos, Venedes et Githones penes Vistulam ha- 53 ) bitasse author est." ' Die Erwahnung dieser Quelle ist auBerst interessant, ermog- licht sie doch eine ganze Reihe weiterer Schltisse. Grunau fUhrt sie nicht an; das heiBt, daS die gemeinsame Vorlage von Grunau und - indirekt - Handschrift Celle, die Elbinger Dominikanerchronik, Boemus nicht kannte. Das bezeugt auch die erste Redaktion der Wartzmannchronik, die laut J. Dworzaczkowa einen Auszug jener Monchschronik darstellt; ^ keine Handschrift dieser Gruppe erwahnt ihn. Das zeigt, daB Boemus nicht so rasch in PreuBen bekannt wur- de. Auch Wartzmann selber scheint das V/erk nicht gekannt zu haben, wenn man dies daraus schlieBen darf, daB sich im sonst reichlich von ihm mit Randnotizen versehen Kodex Ms. 1285 der-Danziger Stadt- 55) bibliothek kein Hinweis auf Boemus findet. ' Nur zwei Handschrif- ten haben diesen Quellenhinweis, beide von Gehrke nicht behandelt: Handschrift 1335 und 1331 der Bibliothek Czartoryski, ehemals Pa-
- 121 rief heute Krakau.Ihr Verh&ltnis zur Celler Handschrift soli epftter untersucht werden. Jedenfalls scheinen sie wie Celle und Reden eine weiterentwickelte Form darzustellen als Ms. 1285. Diese ttltere Form lautet an der Stelle, an der Celle das Boemus-Zitat einschiebt; Sylvius, der meldet in seiner Cronica, das die Land itzt preusen genant, solt von rechts Ulmigania heiBen, und meldet weiter das von aufgangs ist her komen ein volk von Stagna- ny (!) und Maxony (!), und haben das volk in Ulmigania ein teil ermordet und die anderen dienstbar gemacht Weiter folgt ein Hinweis auf Matthias von Miechbw.^' Diese Stelle ist nichts ande- res als ein Extrakt aus dem etwas konfusen Anfang des ersten Bu- 58) ches von Stella. ' Das bedeutet fiir das Sylvius-Zitat, daB jenes durch den Einschub aus Boemus, der nur aus dem Yolkerkatalog be- eteht, auseinandergezogen wurde. In der Form ohne den Boemus-Ein- echub wird aber ersichtlich, daB es sich gar nicht um ein Sylvius- Zitat handelt. Die oben aufgestellte Vermutung, daB Sylvius nur ttber die Tradition Stellas Eingang in die Elbinger Dominikanerchro- nik gefunden habe, wird also bestatigt. Stammt nun der Volkerkatalog unmittelbar aus Boemus Oder han¬ delt es sich wieder um ein libernommenes Zitat? Auch Sebastian Frank, eine weitere Quelle der Celler Chronik, fiihrt in seinem Weltbuch diese Volker auf: etwan haben an der Weichsel Oder Viatel gewonet die Ulmigeri, Alani, Venedes, Amaxobii, Githones, wie Ptolemaeus anzeygt.Die in Kodex C und Boemus Ubereinstim- mende Reihenfolge sowie die beiden eigene Schreibweise "Alauni” acheinen dafUr zu sprechen, daB der Schreiber von C die "Mores" des Boemus als direkte Vorlage benutzte. Welche der verschiedenen Ausgaben er kannte, laBt sich nicht feststellen, da bei dieser Textstelle keine Abweichungen in den Drucken zu verzeichnen sind. F) Sebastian Frank Bisher wurden die von Chronik Celle zitierten Quellen in der Reihenfolge ihrer angeblichen Oder wirklichen Entstehungszeit be- handelt. Der engen Verbindung von Frank und Boemus wegen soli der erste vor Matthias von Miechbw besprochen werden, dem die abschlie- flende Untersuchung dieses Abschnittes gewidmet ist. Frank, Zeitge-
122 nosse Luthers und in enger Berlihrung mit Bucer und Schwenckfeld, entwickelte eine spiritualistisch-rationalistische Denkweise, die sich in seinen Schriften ausdrtlckte und ihn in stete Auseinander- setzungen mit dem jeweiljgen Rat der Stadt brachte, in der er ge- rade wohnte. Dies fiihrte zur Ausweisung aus StraBburg - auf eine Anzeige des Erasmus hin - und spater aus Ulm. Sein Leben beschloB er in Basel, nicht ohne vorher noch vom Schmalkaldener Theologen- konvent seiner radikalen Art wegen aufs scharfste gerligt worden zu sein.^^ Gollwitzer sieht in ihm keinen eigentlichen Historiker, sondern vor allem den Popularisator humanistischen Wissens; insge- samt betrachtet er ihn als AuBenseiter. Sein Werk spiegele die "irdische Heimatlosigkeit des Spiritualisten wie die eozial-revolu- tionare Garung eines bis in die Tiefe aufgewtihlten Volkes".^1^ Frank hat mehrere Chroniken verfaBt; hier sind interessant die sogenannte Geschichtsbibel, das Weltbuch und das Chronicon Ger¬ manise.^^ Chronik Celle zitiert Frank gleich zweimal, zuerst unter dem Titel: "Sebastianus Frank, der schreibt in seiner deutschen cronica (Reden: Cronica der deutschen). AnschlieBend an diese Notiz widmet sie ihm ein ganzes Kapitel: "Beschreibung des landes Preussen und ihrer einwohner, sitten und glauben durch Sebastianum Franck. "63) раз ers-te zitat stammt aus dem Germanise Chronicon; ^^ dort geht Frank auf die Stadt Ulm ein, die er etymologisch von den Ulmigeri ableitet. Vie eng sich Celle an ihn anlehnt, mag das Zi¬ tat zeigen: Sebastian Frank, Germanise Chronicon Handschrift Celle "Nun von dem namen der statt Ulm ist auch doben etwas, wie es in siimpfi- gem land ligend von den Ulmis den felbern und weiden, den namen hab, so wollen doch etlich iren namen weiter haben, die sagen ein volck genant Ulmiger Oder Hulmigeri, seind Preussen, die man sonst Bructeros, Celtes, Prussios. Eneas Silvius Ul- migeros. Plinius lib. 4. cap. 17 Ul- manetes nent. Disse sund an der Vi- stel Oder Weixel in Preussen gesessen, aber durch die Gotthen alda vertrie- ben, und sich an ir statt gesetzt, da sei diB volck an die Thonaw kommen, und den ursprung suchend, daran hin- auffzogen, ob sie ein wuest und unbe- "Sebastianus Franck, der schreibet in seiner deut¬ schen Cronica, daB etliche wollen, daB ein volck ge- wesen ist, die genant we- ren Ulmigeri oder Hulmige¬ ri, und sind PreuBen gewe- sen, die sonst Brutones, Celtes, PreuBen Ulmigeros nennet. Diese haben an der Weissel in PreuBen gewoh- net, aber sie seindt (folgt Reden: von den gotten aldor vortrieben. und die Goetter haben sich) in der Ulmiga- ner stadt gesetzt. Da sind die Ulmiganer an daB wasser
- 123 - wont gegent ftinden darin sie wonten, da haben sie sich umb Ulm biB in das gebirg da die Thonaw entspringet ernieder ge- lassen Ulm gebawen, und nach in Ulm ge- nant. Das thut auch darzu, das man in alten briefen Hulma findt, das nit von Ulmis her deriviert kan sein, sonder von den Hulmigeris." Donaw gezogen und sind die Donaw ferner aufge- zogen bis an das gebirge da die Donaw entspringet und haben sich alda gela gert und Ulma die stadt gebauet und werden nun Schwaben genennet." Beim Vergleich ist sofort ersichtlich, daB Pranks Chronicon vorgelegen hat; es kann sich nicht um ein Zitat aus zweiter Hand handeln. Recht geschickt wurde all das fortgelassen, was nicht nc>- tig war: der Hinweis auf Sylvius, denn jener war bereits erwahnt; der Beleg aus Plinius, da er nicht in den Rahmen paBte mit der Form "Ulmanetes"; der letzte Satz, der sich nur auf Ulm, nicht fiber auf PreuBen bezog. Hinzugeftigt wurde die Bemerkung, daB die Bewohner Ulms nun Schwaben hieBen, eine allgemein bekannte Tatsa- che. Diese Quellenstelle ist also vom Verfasser der Celler Chronic recht gut ausgebeutet worden. Sie lafit uns einen Blick auf die Ar- beitsweise des Schreibers werfen. Den Betreff fand er bei Frank im Register und gab sich damit zufrieden; die eigentliche PreuBenbe- echreibung sah er nicht ein, sonst ware ihm aufgefallen, daB der Name "Celtes" nicht eine Volkerbezeichnung gleichberechtigt neben den ”Brutonesn und MUlmigeros" ist, sondern der Name des Kumani- eten Conrad Celtis. In jenem Kapitel heiBt es namlich: Ulmi- geri seind die Preussen. Celtes heiBt die PreuBen Prussios. Eneas 6b) Silvius Ulmigeros ..." ' Bei Sylvius fiel es ihm auf, weshalb er ihn fortlieB, bei Celtis jedoch nicht. Das zweite Zitat hat das Weltbuch zur Vorlage. Dort findet sich ebenfalls ein PreuBenkapitel, ; das von der Celler Chronik, abgesehen von ganz wenigen sprachlichen Glattungen, wortlich Uber- nommen wurde. Ein Schreibfehler hat sich eingeschlichen: ,,clittag,, statt umitternachtM; daraus resultiert die im folgenden Satz bei Celle vorgenommene Richtungsumstellung. Eine wesentliche Auslas- sung nahm allerdings der Schreiber des Celler Kodex vor, den Hin¬ weis: "... daher sy noch ein hochmeister in Preussen haben." Das war 1553 fttr den Danziger Schreiber falsch. Ob Frank dies bei der Drucklegung des Weltbuches 1534 noch nicht wuBte? Vielleicht liber- nahm er diese Notiz aus einer alteren Schrift? Hier ist nicht der Ort, dem nachzugehen. Pestzuhalten bleibt, daB der von Frank stam-
- 124 - mende Abschnitt in der Celler Chronik so getreu im Wortlaut ist, daB eine Zwischenvermittlung wohl ausscheidet. Auch das Weltbuch dUrfte also dem Danziger Chronisten vorgelegen haben, Interessant ist noch der Verweis auf das dritte Werk Franks im letzten Satz des Danziger Berichtes: uDavon mag man des Bapstee cronica lesen und von dem Teutschen Orden und seiner ankunft."^ Bei Frank lautetdiese Stelle, am SchluB des oben besprochenen Ka- pitels im Weltbuch: davon besihe der Baepst Chronik, von dem TeUtschen orden un seiner ankunfft." Damit verweist er auf das Ka- pitel "Telitsches Ordens herkummen ..." aus der "Chronica der Baepst" in seiner Geschichtsbibel.Das kannte der Verfasser der Celler Chronik nicht, doch er wuBte, daB Sylvius eine Chronik ge- schrieben hatte; wenn er sie auch nicht im Original benutzte, so hatte er sie doch zitiert. Aus dem Plural "Baepst" bei Frank wurde der Singular "Bapstes" in der Celler Chronik, da in dieser Form die Aussage fur unseren Schreiber einen Sinn bekam. Hinzuweisen ist noch auf eine Lesart bei Reden. Er bringt den zweiten Abschnitt aus Franks Weltbuch unter dem Namen des Sebasti¬ an Brandt. Dies ist gar nicht so falsch, wie es auf den ersten Blick scheint, verfaBte doch der Autor des "Narrenschiffes" eine "Beschreibung etlicher gelegenheyt Teutsches lands", in dem auch 70) ein PreuBenkapitel enthalten ist. ' Dieses Kapitel zeigt Anklange an die Schilderung bei Frank; woher sie rlihren, braucht hier nicht geklart zu werden. Interessant ist diese Lesart bei Reden insofern, als sie wieder ein Indiz fUr seine reine Abschreibertatigkeit dar- stellt. Er kannte Frank nicht, wahrscheinlich aber den Verfasser des "Narrenschiffs", so daB ihm die Verschreibung gar nicht bewuBt wurde. An dieser Stelle unterlag auch J. Dworzaczkowa einem Irrtum. Das erste Frank-Zitat wies sie richtig nach, ebenso die Notiz Uber 71) die "Chronica der Baepst". ' Das zweite Frank-Zitat wies sie je- doch falschlicherweise Brandt zu. Allerdings lag ihr die Chronik Hedios mit dem Brandt-Anhang nicht vor.^^ Bei genauer LektUre des Aufsatzes von Hubatsch hatte sie diesen Irrtum berichtigen kon- nen.^) Festzuhalten bleibt, daB Sebastian Frank, nicht Sebastian Brandt Kodex Celle als Vorlage diente, und zwar mit dem Weltbuch von 1534 und dem Chronicon Germaniae von 1538. Damit benutzte der
- 125 - 'лЗ? Verfasser der Celler Chronik die neueste gedruckte Literatur, die es zu jener Zeit Uber die Geschichte PreuBens gab. Es ist bemerkenswert, daB die Handschrift Celle als erste preuBische Chronik Sebastian Prank heranzog. Bornbach, Falk, David und Hennenberger schrieben alle spater. Noch ungeklart ist, ob sie Prank direkt benutzten Oder ihn aus einer anderen Chronik im Zitat Ubernahmen. G) Matthias von Miechbw Bisher wurden sechs zitierte Chroniken untersucht mit dem Er- gebnis, daB die antike und die mittelalterliche Quelle gefalscht waren; Sylvius und Stella wurden aus zweiter Hand zitiert, Boemus eehr knapp benutzt und nur Prank ausfUhrlich herangezogen. Die einzige polnische Quelle ist Matthias von Miechbw. Seine Chronik stellt das Bindeglied zwischen der preuBischen, vor allem Danziger Chronistik und der polnischen Geschichtsschreibung da^bie Danzi¬ ger Chronistik benutzte Matthias von Miechbws ’’Chronica Polonorum” recht ausgiebig. Der ’’Doctor artium et medicinis" erfreute sich als Leibarzt des Konigs hoher Gunst und Gdnner; seinem Werk, das er Konig Sigismund widmete, geht ein Gedicht des Andreas Cricius 75) voraus. 'Die Hohe seiner Bildung veranschaulicht deutlich seine 76} Bibliothek. ' Er war der geeignete Mann, die umfangreiche, als Handschrift vorliegende Chronik des Jan D^ugosz zu bearbeiten und unter Hinzuziehung weiterer Quellen in handlicher Form zu verof- fentlichen.'^ Die Chronik des Matthias, im Jahre 1521 bei Hiero¬ nymus Vietor in Krakau gedruckt,^^ flihrte auf die Hohe humanisti- scher Geschichtsschreibung in Polen. Zu Unrecht hat Matthias stets im Schatten D/ugoszs gestanden, war er es doch, der die polnische Geschichte durch den Druck seines Werkes in die Historiographie der Nachbarlander trug. Sehr deutlich zu spUren ist das in der Celler Chronik. Bei der Quellenaufzahlung zitiert sie ausfUhrlich Matthias von Mie- ch6w8 Buch II, Kapitel 8. Der Hinweis ist vollig richtig.^ Zwar bringt Chronik C jenes Kapitel nicht ganz und behandelt es freier als Prank; doch ist alles Wesentliche, das vorher noch nicht ge- sagt war, enthalten. Dieser Abschnitt fehlt bei Grunau. Das heiflt,
126 die Elbinger Dominikanerchronik ftlhrte diesen Passus nicht an. Mb. 1285, das eine altere Stufe als Chronik Celle darstelltbringt, ohne den Namen Matthias von Miechbws zu nennen, nur einen ganz knappen Hinweis auf dessen Chronik. ' DaB dieser Hinweis und die ausfuhrliche Schilderung der Celler Chronik auf eine ahnliche Vor- lage zuruckgehen, die Celle wortlich ausschrieb, Ms. 1285 aber sehr stark kiirzte, scheint zweifelhaft. Ms. 1285 ftihrt Sylvius und Stella jeweils in einem eigenen Kapitel an. Warum hatte es das mit Matthias von Miechow nicht ebenfalls tun kbnnen, wenn dessen Kapi¬ tel ausfuhrlich in der Vorlage vorhanden war? Es ist aber nur ein Hinweis im Abschnitt liber Sylvius. Woher kommt auBerdem der Zusatz, daB Hannibal die Volker aus Afrika mit sich brachte? Bei Matthias von Miechow steht er nicht; Celle hat ihn ebenfalls nicht. Falls Celle und Ms. 1285 jedoch auf eine ahnliche Vorlage zurUckgehen, mtlBte der Schreiber von Ms. 1285 diesen Zusatz aus eigenen StUcken gemacht haben. Jenem Schreiber dtirfte aber das Wissen nicht zuzu- trauen sein, daB Hannibal aus Afrika kam, schreibt er doch bereits den Namen des ihm viel naher stehenden Enea Silvio falsch (“Enosyl- op \ vy"). ' Das spricht dafilr, daB der Schreiber der Celler Chronik hier Matthias vor sich hatte. Darauf laBt auch die gleich zweifa- che Namensnennung in diesem Kapitel schlieBen, wahrend er an ande- 0-2 \ rer Stelle nur einfach von der "polnischen cronica" spricht. ; Ebenfalls ist die genaue Angabe der Fundstelle, die sich bei Mat- 84 ) thias nach Buch- und Kapitelangabe so gut nachweisen lieB, em Indiz daftir. Zusammenfassend laBt sich nun Uber die in der Landbeschrei- bung auf fol. 1 und 2 der Celler Chronik zitierten Quellen sagen: Der Heisebericht des Diwonis ist eine Erfindung der Elbinger Monchschronik; er sollte die Chronik Bischof Christians stUtzen. Die Christian-Chronik erweist sich ebenfalls als Erfindung der Do- rainikanerchronik, entstanden als Frucht eines beginnenden Humanis- mus. Die Celler Handschrift Ubernahm den Hinweis auf sie aus ihrer Vorlage, die ihrerseils auf die Monchschronik zurUckgeht. Enea Sil¬ vios Bericht lag nicht unmittelbar vor, sondern wurde durch Eras¬ mus Stella vermittelt. Stella aber fand auch erst Uber die Zwischen- stufe jener Monchschronik Eingang in die Tradition der Handschrift
- 127 - Celle. Unmittelbar vorgelegen hat wahrscheinlich Boemus, mit Sicher- heit Frank. Auch die "Chronica Polonorum" des Matthias von Miechbw dUrfte an dieser Stelle direkte Vorlage gewesen sein. Bamit ware die Zahl der wirklich benutzten zitierten Quellen in diesem Abschnitt wesentlich geringer, als es den Anschein hatte. Wie sah nun die Vorlage der Celler Chronik aus, die aus der Danziger Tradition stammte? Sie begann mit der Schilderung aus der "Chronik Christians"; dann folgte das Biwonis-Kapitel. Ben nachsten Abschnitt bildeten die Auszlige aus Sylvius und "Sterne". Bamit war die Landesbeschreibung abgeschlossen. Es begann der nachste Absatz liber die Wanderung jener alten Volker, bezeichnenderweise mit dem Textanfang: "Man lieset in sehr alten cronicken . .."®^ Barin ent- epricht die Vorlage im Aufbau vdllig der Art, wie sie Ms. 1285 bietet, damit also der zweiten Wartzmannfassung.®^ Als Vorlagen fUr die weitere Barstellung der Chronik Celle fallen Boemus und Frank aus, da sie nichts mehr liber die preufli- ache Geschichte zu berichten wissen. Ubrig bleiben Sylvius, Stella und vor allem Matthias von Miechow. Bie beiden ersten wurden liber die Elbinger Bominikanerchronik tradiert. So ist es nicht wahr- echeinlich, dafl sie fUr spatere Partien direkt benutzt sind. Nur bei Matthias von Miechbw konnte das der Fall gewesen sein. Ba sein Anteil an der preufiischen Historiographie auQer in FuBnotenverwei- sen noch nicht herausgestellt wurde, soil im nachsten Kapitel eine Untersuchung der Celler Chronik unter dem Gesichtspunkt folgen, welche Nachrichten auf Matthias von Miechbw zurlickzufUhren sind. Babei ist es gleich, ob dies im direkten Verhaltnis, wie bei der Landbeschreibung, geschah oder nicht. 2) Bie nichtzitierten Quellen und die Stellung der Celler Handschrift innerhalb der Danziger Chroni- stik Wie verwickelt die Quellenlage der Banziger Chronistik ist, wird jedem klar, der sich damit zu beschaftigen hat. Beutlich zeigt das die Arbeit von J. Bworzaczkowa, in der die Verfasserin sich im Gegensatz zu Gehrke hUtet, feste Filiationen aufzustellen.
128 - Sicher ist es noch nicht moglich, diesen "Mangel” ihrer Arbeit zu ' beheben; allerdings soil versucht werden, ob sich das Maschkesche "Knauel" der Danziger Historiographie nicht doch ftir ein kurzes Sttickchen Faden entwirren laflt. Sehr eng verwandt mit den Handschriften Celle und Reden sind zwei der Bibliothek Czartoryski, vormals Paris, jetzt Krakau. Gehr- ke kannte sie nicht, obwohl K^trzyfiski bereits 1872 auf sie hinge- wiesen hatte.8^ Nr. 1331 fUhrt den Titel: "Cronica der Preuflen. Wie das Landt PreuBen erfunden und erbauet ist. Vom Glauben Sitten und gebrauch der einwohner. Von anfang des Ordens und seiner Re- gierung und wie sie das Land verloren. Lurch Johanni Liebbrueder dem Eltern, Schulhaltern in Konigsberg geschrieben." Es folgt die Ledikation an "Vladislaus den Siebenten"; gemeint ist W^adys^aw IV. (1632 - 1648), in dessen Bibliothek die Handschrift sich auch be- funden hat. Sie entstand also um 1640 in Konigsberg. Nach den Mitteilungen, die K^trzyfiski und J. Dworzaczkowa88^ machen, entspricht der Text der Handschrift vbllig den Chroniken Reden und Celle. Ebenfall3 ist sie bebildert, wieder mit jenen Chro¬ niken Ubereinstimmend. Abweichend ist nur der Vorspann: "S. 1 u. 2 enthalten auf schwarzem Grund mit goldenen Buchstaben zwei Abschnit- te, die !Von Messung des Landes, wie man in Maidenburgischen Recht findet* etc. und von verschiedenen MaBen - von der Palm bis zur Hube - handeln; aufierdem befindet sich daselbst ein Bild, das einen Messer darstellt. Auf S. 3 finden wir den habsburgischen Adler mit Krone und die Wappen der sieben KurfUrsten. S. 5 handelt *Von der KriegsrUstungk und weise zu kriegen*. S. 6 enthalt ein einen Preu- Ben darstellendes Bild. Auf S. 7 Fortsetzung von S. 5. S. 8 u. 9 sind leer. S. 10 u. 12 behandeln 'Das Feld Panier und Wappen des Koniges Widowuti1 und S. 11 enthalt die dazu gehorigen Bilder. S. 13 ist leer. S. 14 und 15 befindet sich das Bild des habsburgischen Adlers; jeder Kopf tragt eine Krone; auf dem Leibe desselben be¬ findet sich das Bild des gekreuzigten Heilandes und auf den FlUgeln 55 Wappen. S. 17 enthalt in Farben arma Brutenorum. Auf S. 19 be- 89) ginnt die Chronik selbst." Da auBer dem eigentlichen Chronikentext in der Celler Hand¬ schrift nur das "Register der Namen" am Anfang des Bandes existiert, muB zum Vergleich die Handschrift Redens herangezogen werden. Sie
let wahrscheinlich noch Ende des 16. Jahrhunderts gebunden worden und hat, wie die Papierlagen beweisen, keine Einbufle durch Heraus- reiSen von Bl&ttern erfahren.^0^ Die Landmessung findet sich dort auch, eben8o die Wappen von Kaiser und KurfUrsten; auch die arma Brutenorum weist Reden auf. Es fehlen ihm der Abschnitt Uber die IriegfUhrung, der PruBe, das Wappen Weidewuts und der nochmalige Habsburgische Adler. DafUr hat Liebbrllder weder das Register noch daa Hochmeisterverzeichnis. Das Fehlen des Registers und Hochmeisterverzeichnisses besagt fiber ein eventuelles Abhangigkeitsverhaltnis nichts. Interessanter Bind die ZusUtze. Konnte sie LiebbrUder aus anderen Quellen hinzu- gefUgt haben, so daB eine der bekannten Handschriften Reden Oder Celle als Vorlage diente, Oder benutzte er einen anderen Kodex, der all das bereits enthielt? Die erwahnten Zusatze, mit Ausnahme des groBen habsburgischen Adlers finden sich samtlich in Hennenbergers kurzer Beschreibung des Landes zu PreuBen unter den Uberschriften: "Von der KriegsrU- atung und weise zu kriegen" und "Das Feldpanier und Wappen des Ko- qi) niges Widowuti". 1 Die Raumaufteilung bei Hennenberger und Lieb¬ brUder ist dieselbe. Es ware moglich, daB LiebbrUder sich auf Hen¬ nenberger sttitzte. Genauso moglich ware es aber auch, dafl bereits in einer Vorlage Hennenbergers diese Zusatze Liebbrtiders vorhanden Bind und Hennenberger als Zwischenglied fortfiele. Das laBt sich eehr gut nachprtifen, gibt doch Hennenberger seine Quellen am Rande an. Er beruft sich auf eine Hochmeisterchronik, Freiberg und Jero- echin, vor allem immer wieder auf Simon Grunau. Jener bildete die qp) eigentliche Grundlage dieser Abschnitte. 1 Abbildungen weisen alle Bitierten Chroniken nicht auf, nur hat Grunau die Ausflihrung jener eagenhaften Schrift# Der erste und einzige mir bekannte Chronist, der die zwei Bilder aufweist, ist Hennenberger. Demnach dllrfte LiebbrUder seine "Beschreibung" gekannt haben. Die Art, wie er sie benutzte, zeigt deutlich, worauf es ihm ankam: Er wahlte die Bil¬ der. Da sie ohne den Text unklar geblieben wUren, Ubernahm er ihn ebenfalls, wobei er sich in der Raumaufteilung genau an Hennenber¬ ger hielt. Der Vorspann war der geeignete Ort fUr diese Zusatze, da ein organisches Einpassen in die eigentliche Chronik schwieri- ger gewesen ware.
- I - Л • Unklar ist nur noch die Herkunft des groBen habsburgischen Adlers; doch da es als sicher gelten darf, dafi LiebbrUder mehrere Quellen benutzte, wenn auch mit unterschiedlicher IntensitUt, ist es nicht notig, jene Vorlage weiter zu suchen. Es genUgt festzu- stellen, daB es nicht unbedingt die Kandschrift gewesen sein muB, die den Chroniktext bot. Lamit aber haben sich als Quellen heraua- gestellt: 1) eine Handschrift, eine gedruckte Chronik Oder gar ein Lose-Blatt-Lruck mit dem habsburgischen Wappen, 2) Hennenbergers "Kurze Beschreibung des Landes zu PreuBen" von 1584 und 3) eine Chronik, die den Handschriften X, Reden und Celle gleich Oder gar mit einer der drei identisch ist. J. Dworzaczkowa, die dieses Pro¬ blem wesentlich kiirzer untersuchte, und die die Frage nach den ersten beiden Quellen gar nicht stellte, hegte keinerlei Zweifel, \ dafi Redens Handschrift die Vorlage ftlr LiebbrUder gewesen sei. ' Loch sie kannte die Celler Chronik nicht und damit auch nicht die notwendige Existenz der verlorenen Handschrift X. Kann eine die- ser drei Handschrif ten als Vorlage flir LiebbrUder in Frage kommen? Alle drei Handschriften entstanden zwischen 1553 und 1556 in Lanzig. liber den Verbleib des Kodex X kann nichts gesagt werden. Das Celler Exemplar muB sich urn 1600 in Kbnigsberg befunden haben, da die sich auf jene Stadt beziehenden Eintrage bis 1598 reichen?^ Ob das folgende Schreiben Roussels von 1632 ebenfails in ner Stadt abgeschrieben wurde, laBt sich nicht mit Sicherheit nachwei- sen. Lie Handschrift Redens scheint ab 1663 ebenfails in Ko.nigs- berg gewesen zu sein; die Nachtrage Uber die Huldigungen legen die- sen SchluB nahe.^^ Wann die Handschrift dorthin gekommen ist, laBt sich nicht feststellen; nichts spricht dafUr, daB sie bereits um 1640 dort war. Nur die Celler Chronik ist zur fraglichen Zeit wohl in Kdnigs- berg gewesen. Las macht folgende Dberlegung wahrscheinlich: Lie Handschrift wurde im zweiten Lrittel des 17. Jahrhunderts gebunden, Ler Pragestempel mit dem Wappen des Herzogtums laBt darauf schlie- Ben, da3 dies im herzoglichen РгеиЗеп geschah. Um jene Zeit gab ea in PreuBen recht wenige Buchbinder. Zwar hatte fUr den Konigsber- ger Hof Samuel Walter seit 1628 gebunden, doch nur recht selten; nedenfalls sind aus den Jahren 1631 und 1633 Notizen bekannt, die 07S das Fehlen eines Hofbuchbinders bezeugen. 1 Erst ab 1634 trat $
Welter diese Stelle an. Wenn schon der berzogliche Hof MUhe hatte, einen Buchbinder zu bekommen, dtirfte der SchluB erlaubt sein, dafl 98 auBerhalb Konigsbergs wohl noch weniger Angehorige dieser Zunft gab. Demnach ist die Celler Chronik wahrscheinlich in Konigsberg gebunden worden. Das konnte jedoch frtihestens 1632 geschehen, in eben dem Jahre, das auch das frtihest mogliche der Entstehung der Chronik Liebbrtiders sein kann, bestieg doch in jenem Jahre W/adys- /aw, der Empf£nger der Handschrift, den polnischen Thron. Die Celler Handschrift war zur Entstehungszeit der Chronik Liebbrtiders aller Wahrscheinlichkeit nach in Konigsberg. Liebbrii- der dtirfte also jenen Kodex, der dainals die heute fehlenden und Bur aus Redens Handschrift bekannten Seiten des Vorspanns demnach noch besaB, als Vorlage ftir sein eigenes Werk benutzt haben. Wann das geschah, laBt sich schwer sagen, ist der Schreiber doch nicht QQ) n&her bekannt. 1 Aus der Widmung ist es nur mit aller Vorsicht zu erschlieBen. Sie lautet: Dem Allerdurchlauchtigsten GroBmechtig- eten FUrsten und Herrn, Herrn Vlad-islao dem Siebenten, Konig in Pohlen, GroBfUrst in Littauen, in Reussen, Preussen, Masaw, Samai- ten, Lieflandt, SmolenBko, Sewerien und Cernihoff, wie auch der Schweden, Gothen und Wenden Erbkonige, Seinem Allergnedigsten Ko- nige und Herrn zu bezeugung underthenigsten und schuldigem gehor- earns dediciret und offeriret Johannes Liebbrueder der Eltere."^^ Den schwedischen Titel besaB W/adys/aw durch seinen Vater, der seit 1587 als Sigismund III. Konig von Polen und seit 1594 zusatzlich Konig von Schweden war; or ging erst 1660 im Frieden von Oliva verloren. Smolensk, Sewerien und Cernigov besaB Polen seit dem Waf- fenstillstand von Deulino vom 24. Dezember 1618/3* Januar 1619; dieser Besitzstand anderte sich erst nach den Tode Yf/adys/aws• Der einzige wahrend W/adys/aws Re-gierungszeit sich verschiebende Be- eitztitel ist der des Zaren von Moskau. Im Jahre 1610 wahrend des polnischen Eingriffes in die Moskauer Wirren zum Zaren gewahlt, verzichtete W/adys/aw 1634 im Frieden an der Poljanovka auf jenen Titel. Es ist nicht wahrscheinlich, dafi Liebbrtider in seiner Dedi- kation die sen Besitztitel noch nach der Abtretung an Moskau aufge- fUhrt haben wird. Demnach fiele die Abfassungszeit seiner Chronik in die Jahre 1632 bis 1634. Die zweite Handschrift der Bibliothek Czartoryski tragt die
- 132 - Nummer 1335. Sie wurde von einer Hand in der zweiten HSlfte des 16. ' Jahrhunderts geschrieben und ist mit den vorigen Chroniken eng ver- wandt, wie die Zitate aus Boemus und Frank zeigen;^^ allerdings fehlen ihr die Illustrationen. Nur fUr die Hochmeisterwappen wurde Platz gelassen und dasjenige Kniprodes in Federzeichnung ausgefUhrt# Einen Titel tragt der Kodex nicht, jedoch enthalt das erste Blatt drei Verse mit Namensangabe, die hier folgen sollen. "Zu got dem Herrn der mich erhelt habe ich Michell Schuliz alle meine Hoffnung und (trohst?) gestellt. /Zu Gott dem Allmachtigen, der mich erh&lt, Habe ich meine Hoffnung und Trost gestellt. 1574л7^^ Zu gott dem Almagtigen der mich erhelt Habe ich (B. Wartzmann)1meine Hoffnung und trost gestellt. 1 5.. n Vers 1 ist durchgestrichen, doch noch leserlich; Vers 2 wurde ebenfalls durchgestrichen, der Name unleserlich gemacht; in Vers 3 ist nur der Name gestrichen. Die Handschrift hat demnach mindestens vier Besitzer gehabt. Die Art der Streichung laBt auf den ersten Blick vermuten, daB Vers 3 der letzte sei. Dem widerspricht jedoch die sprachliche Form, die jenen eindeutig als den alteren auszeich- net. Demnach ging die Reihenfolge der Texteintragung von unten nach oben, war also Wartzmann der erste Besitzer der Handschrift. Ge¬ schrieben hat er sie jedoch nicht selber, sondern ihr nur mehrere Randbemerkungen zugeftigt. Bereits 1574 war sie nicht mehr in sei¬ ner Hand. Gleich zu Beginn, in den Zitatkapiteln, weist diese Handschrift eine wichtige Eigenart auf: sie zitiert Sebastian Brandt! Damit rlickt sie naher zur Chronik Redens als zum Kodex Celle. Ein Ver- gleich anhand der von K^trzyfiski mitgeteilten Uberschriften ergibt folgendes Bild: Die sprachliche Formulierung steht der Chronik Re¬ dens recht nahe, ist aber teilweise etwas ausfUhrlicher. Einen deutlichen Unterschied zeigt die Schilderung der Vorgange von 1525 in Danzig; wahrend Reden offensichtlich die Darstellung von luthe-
- 133 - ranischer Seite bietet, steht Nr* 1335 deren Gegnern nahe.1<^ Auf veitere Einzelheiten soli gar nicht eingegangen sein, echlieflt doch bereits dieser Umstand eine direkte Abhangigkeit aus. Vorlage fUr X kann diese Handschrift nicht gewesen sein, da eonet auch Kodex Celle Brandt statt Frank zitieren mUflte; daB die AnfUhrung Franks in Celle nicht auf besserer Kenntnis dieser Quel¬ le beruht, zeigt das oben erwahnte Zitat aus Franks "Chronica der paebst".^^ Demnach kann nur die Handschrift Redens Vorlage jenes Kodex Nr. 1335 gewesen sein. Doch machen die Abweichungen deutlich, daB eine weitere Handschrift als Quelle vorlag. Klar scheint zu eein, daB die Verwandtschaft zu Reden recht eng ist, diese Chronik aber erst nach 1553 bis 1556, der Entstehungszeit der Reden-Hand- echrift, verfaBt wurde. Ihr Besitzer wurde dann Bartholomaus Wartz- nann. Nun endet diese Handschrift mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549. Warum wurde sie nicht bis 1553 fortgesetzt, wenn Redens Wer1< Torlage war? Diese Frage klart sich nur, wenn man die Handschrif- ten X, Reden und Celle als Kompilationsstufe betrachtet. Sie be- etehen aus einer Reihe von Teilen. Den auBeren Rahmen bilden der Vorepann und der Bericht vom Konigsbesuch 1552. DaB dieser Bericht auf eigenstandiger Tradition beruht, ist bereits gesagt. Streicht man ihn und die wenigen folgenden Notizen fort, enden die Hand- echriften mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549! Betrachtet man den Vorspann, dann fallt auf, daB sich ebenfalls in der einst Kas- ;par Schiitz zugehbrigen Handschrift des Danziger Archivs Nr. 300, R/Ll 5 Teile befinden, die auch unsere drei Handschriften aufwei- een: ein Verzeichnis der LandmaBe und bunte Wappen von Kaiser und Kurfursten sowie der vier Hansekontore. Nach diesen fUr den Ver- gleich wichtigen StUcken folgen fol. 15 der Titel,1^^^ eine Liste der polnischen Konige bis auf Sigismund I., ein Kapitel "Ursprung der Konige czu Polen" bis zum Jahre 1505 sowie Mitteilungen liber die Kajnpfe zwischen Polen, PruBen und den Hochmeistern. Es schlie- flen sich an die Kulmer Handfeste und die Inkorporationsurkunde im Transsumpt Sigismund I. sowie ein Abschnitt "Principal Ursach wo- rumme der Deutsche Orden sich nicht mag unterwinden der Land Pome- rellen, Culmerlandt, Michelerlandt". Dies ist ein Verzeichnis von Privilegien, die von Pommern und Polen fUr kirchliche Institutionen
134 - in Pommerellen ausgestellt wurden und eine entsprechende Zusammen- fassung fUr die Michelau. BegrUndet 1st die Sammlung damit, daB alle Urkunden und Privilegien im Jahre 1423 dem Legaten Anton von Siena vorgelegen hatten, jene Lande den Peterspfennig zahlten und dies ein Beweis fiir ihre Zugehorigkeit zur Krone Polen sei. Ein Hinweis auf die Abfassungszeit des Vorspanns steht vor dem nun fol- genden Beginn des eigentlichen Chroniktextes fol. 72: Нес ex la¬ tino sermone in nostrum vulgarem interpretata sunt. Anno 1540."^®^ Auf dem nachsten Blatt fol. 73 beginnt der Text der Chronik: "Wo das lanth zu Preussen eraten gefunden ist." Die Handschrift 7 endet mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549. Wahrscheinlich ist sie nicht viel spater, aber wohl vor X abgefaBt, da die Boemus- und J Frank-Zitate fehlen.10*^ Der Text jener Handschrift gleichtdem der Handschrift Czarto- ryski Nr. 1335 in Lesarten und Umfang, ausgenommen die fehlenden Zitate aus Boemus, Prank und "Brandt"• Jene Zitate kamen aber in Nr. 1335 aus Redens Chronik. Es ist also wahrscheinlich, daB Nr. { 1335 der Bibliothek Czartoryski Ms. 300, R/Ll 5 des Danziger Ar- chivs zur Vorlage hatte, den dortigen sehr ausfUhrlichen Vorspann 1 jedoch fortliefi und nur den eigentlichen Text Ubertrug. Am Anfang wurde zusatzlich die Reden-Handschrift zu Rate gezogen, aber bald beiseite gelegt, da sich ihr Text mit dem der anderen Vorlage deck- te. Warum Redens Anhang vom Kdnigsbesuch fortgelassen ist, laBt sich nicht feststellen. Denkbar ware aber, daB Wartzmann, der wahr¬ scheinlich die Abschrift anfertigen lieB, jenen Bericht aus ande- rer Quelle in ausflihrlicherer Form kannte und ihn deshalb nicht benotigte. Nun liegt in der Handschrift aus dem Besitz von SchUtz, Ms. 300 R/Ll 5, bereits ein der Chronik X sehr verwandter Text vor; es fehlen nur die Anfangszitate. Diese Zitate sind aber spatere Zufti- gungen, das Verdienst des Kompilators von X, das sich auch hier deutlich herauskristallisiert. Er benutzte als Vorlage eine Chro¬ nik, beginnend mit der Landfindung PreuBens durch Diwonis, wahr¬ scheinlich endend mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549. Eine solche Chronik bietet die Handschrift 300 R/Ll 5. Die Wappenzeichnungen in ihrem Vorspann machen es sogar wahrscheinlich, daB sie selber dem Schreiber von X als Quelle diente, kenne ich doch keine andere
135 Handschrift, die solche vor 1553 aufwiese. DafUr epricht auch die MaBzusammenstellung, ebenfalls aus anderen Kandschriften nicht be- kannt.^1^ Dies aber sind die Komponenten, die in der Hauptsache den Vorspann ausmachen, wie er sich in der Handschrift Redens dar- bietet und in den Handschriften X und Celle ebenfalls vorhanden gewesen sein dUrfte. DarUber hinaus hat Reden noch ein Hochmeister- verzeichnis, dessen Zusammenstellung,aus der Handschrift aber eben- eo leicht war wie die des Namensregisters, also nicht unbedingt auf eine Vorlage zurUckgehen mufl. Einzig die Arma Brutenorum lassen sich vor 1553 nicht nach- 111) veisen, sondern erst bei Bornbach 1558. 7 Bornbach sttttzte sich 112) aber auf Reden. 7 So scheint diese Illustration dem Schreiber von X eigen zu sein. Ihm sind wohl auch die anderen Illustrationen ai danken, die die Handschriften Reden und Celle aufweisen. Die An- regung dazu gewann er wahrscheinlich aus Drucken der ersten Halfte dee 16. Jahrhunderts, auf dem Boden des Reiches erstellt. DafUr epricht auch die Verwandtschaft mit Themen wie dem Holbeinschen Totentanz. Aus welcher Handschrift er die Hochmeisterwappen entnahm, ist recht unklar. Beider geht aus der Beschreibung der Handschrift 300 R/Ll 5 nicht hervor, ob sie Wappendarstellungen auBer im Vorspann 113) enthalt; 1 daran zeigt sich wieder die Erfordernis genauerer Handschriftenbeschreibung. Ich vermute allerdings, daB die Hand- echrift Wappen enthalt Oder doch zumindest Platz dafUr, da der Ko- dex Czartoryski Nr. 1335 ebenfalls Raum fUr entsprechende Zeich- nungen aufweist, nicht jedoch fUr die Darstellungen der Chronik Redens. Wie dem auch sei, klar ist jedenfalls, dafi wohl die Hand¬ echrif t 300 R/Ll 5 des Danziger Archive Vorlage fUr Chronik X war. Das beweist der Vorspann. PUhrt sie Wappen, hat X diese dort ent- lehnt; fUhrt sie keine, stammen sie aus einer reinen Wappenzusam- menstellung Oder einer Zwischenhandschrift. Solange ich aber kei- nen zwingenden Grund habe, eine solche Handschrift annehmen zu mUs- 114) sen, gehe ich von der direkten Abhangigkeit aus. Dieses bisher erkannte Abh&ngigkeitsverhaltnis wird auch be- etatigt durch den Titel der Chroniken. Zwar wendet sich J. Dworzacz- kowa mit Recht gegen die alleinige Anwendung solch auBerer Krite- rien bei Gehrke,1^*^ doch dUrfen eie zusatzlich ohne weiteree her-
- 136 - angezogen werden. Der Titel der Handschrift des Danziger Archive 300 И/Ll 5 lautet: "Eine Prusche Kronicke, wie Preuser Lant erst erfunden ist und was vor folck in den landen erst gewonet hot und von herkomen der Preussen etc."116) Eine deutlich gekUrzte Entwick- lungsstufe dieses im Original sicher noch weiterfUhrenden Titels bietet Redens Chronik, die stellvertretend fUr X und Celle herange- zogen wird: "Kronica der Preusen. Wie das Landt gefunden und ge- baut ist. Vom Glauben, Sitten und Gebrauch der einwoner. Von An- fang des Ordens und seiner Regierung und wie sie das Lanth vorlo- ren."1 11^ Past vollig gleichlautend betitelt Liebbrtlder, nur mit dem Unterschied: Wie das Landt PreuBen er funden und e г bauet ist." Einen £hnlichen Titel flihrt noch die Handechrift der Danziger Stadtbibliothek Ив. 1289 (lEf. 27): "Cronica des lan- des tzu Preussen", die jetzt verloren scheint.11®) Sie bricht eben- falls mit dem Hopfenpreis des Jahres 1549 ab. Hochmeisterwappen weist sie nicht auf, laBt jedoch Platz daflir.11^) Die weiteren Ein- trage interessieren hier nicht. Diese Handschrift gleicht sehr der Nr. 1335 der Bibliothek Czartoryski. Da keine genauere Beschrei- bung vorliegt, ist ihre Einordnung nicht moglich. Zugeordnet sei sie vorerst den Handschriften 300 R/Ll 5 und Nr. 1335# Einen ahnlichen Titel tragt auch eine Handschrift der "groBen Melmann-Chronik", im Danziger Archiv 300 R/Ll 1 ("Chronica des Landes Preussen Anno 1548"). An manchen Stellen erinnert sie durch- aus an Chronik CHLle, doch bei genauerer Betrachtung muB eine enge- re Verwandtschaft Melmanns mit dem bisher behandelten Handschrif- tenkomplex ausgeschlossen werden.^CO ware nicht unmdglich, dafi diese Handschrift mittelbar oder unmittelbar Nachrichten aus einer Chronik dieses Komplexes entlehnt hat, doch diente sie selber auf keinen Fall etwa der Handschrift 300 R/Ll 5 ale Quelle oder weist auf eine solche hin. Der engen Verwandtschaft zur "groBen Melmann- Chronik" wegen sei gleich das Verhaltnis jener Handschriftengruppe zur "kleinen Melmann-Chronik" untersucht. Bereits Hirsch kannte diese Handschrift und benutzte sie bei der Zusammenstellung der 1 ? 11 Notizen Christph Beyers. } In ihr fand er als Quellenzitat unter 1 22) anderem "HvR", was er als Heinrich von Rhesen auflbste. Dage- gen wandte sich recht scharf Gehrke aufgrund seiner Kenntnis der Handschrift Heinrichs von Reden, den er mit dem Zitat "HvR" iden-
137 tifizierte*Ihm folgte J. Dworzaczkowa.Bei genauer Unter- •uchung der von ihr gemachten Mitteilungen Uber jene "HvR"-Hinwei- •e aus der "kleinen Melmann-Chronik" stellt man fest, daft zu den Torg&ngen des Jahres 1410 - der Belagerung Marienburgs - sich ein ferweis findet, der Abschreibearbeit sparen sollte: "Bis alles in H.V.R. Chronicke fol. 41, 43." Nun stehen aber diese Ereignisse bei Reden fol* 98b und folgend; fol. 41 - 43 berichten Uber Vor- ffinge der Jahre 1260 - 1262! Wer irrte sich nun? Es scheint anhand Jenes Hinweises die "kleine Melmann-Chronik" wohl nicht die Hand- echrift Heinrichs von Reden benutzt zu haben. Aufler der Tatsache, дав er keinen Heinrich von Rhesen als Chronisten kennt, wohl aber Heinrich von Reden, bringt Gehrke auch kein Argument, was fUr diese Auflosung des Hinweises "HvR" spricht, Ohne einen oeuen Auflosungsversuch zu machen, mochte ich abschliefiend nur Gehr- kes Vorwurf gegen Hirsch zitieren: "Die Moglichkeit, daft aufter ihm auch einem anderen Banziger die Anfangsbuchstaben H.v.R. im Namen •igenttlmlich sein konnten, lieJB er ganzlich unberticksichtigt." ' Jedenfalls zeigt auch die "kleine Melmann-Chronik", was im Rahmen der Fragestellung wichtig ist, keine enge Verwandtschaft mit der Handschriftengruppe, die durch die Handschriften 300 R/Ll 5 Oder Celle reprasentiert wird. Nach dieser Abschweifung aufgrund von Titelahnlichkeit zur ■groBen Melmann-Chronik" .und des besseren thematischen Zusammen- hangs wegen zur "kleinen Melmann-Chronik" ist zu dem bisher zusarn- aengestellten Handschriftenkomplex zurtlckzukehren. Ba sich keine eehr eng verwandten Handschriften zu dieser Cruppe mehr finden, sei die Darstellung des bisherigen Ergebnisses in Form eines Stemmas gewagt: (в. S. 138) 12 61 Von dem Stemma, das J. Bworzaczkowa gibt, ' muB ich somit abweichen. Richtig ist allerdings ihre Einordnung all dieser Hand- echriften unter den Oberbegriff der Wartzmann-Chroniken, worauf im folgenden einzugehen ist*
138 - 300 R/Ll 5 M.v. Miechbw Prank Boemus Liebbrllder - - - = enge Verwandtschaft, Abhangigkeit nicht nachgewiesen# Bartholom&us Wartzmann, dessen Name in den Handschriften wie in der Literatur immer wieder erw&hnt wird, werden zwei verachiede- 1 27 'I ne Chroniken zugeschrieben. ' Die erste entstand 1542 r die zwei- te 1550/51# Es interessiert hier die zweite Fassung# J. Dworzacz- kowa unterschied dabei zwei Redaktionen, A und B. Zur Redaktion A z&hlt eie die Handschriften 300 R/Ll 5f Reden, Czartoryski Nr# 1335 und Liebbrllder, wobei X, Celle und wohl Ms. 1289 hinzuzufUgen Bind, sowie die Handschriftengruppe, die am beaten durch den Namen Kaspar Bottichera gekennzeichnet ist und zu der ersten G-ruppe man- che Ubereinetimmung zeigt.128^ Der Redaktion В weist eie Hand-
- 139 - fcchriften zu weniger aufgrund einer Zusammengehorigkeit als ihrer (Jnterschiede zur Redaktion A wegen, Die wichtigste der dort aufge- flihrten ist die Chronik der Danziger Stadtbibliothek Ms. 1285 (lEf. 33),^^ da sie aus dem Besitz Wartzmanns stammt und seine Hand in Randbemerkungen zeigt. Nur die wichtigsten seien bier an- geftihrt: 1) AnlaBlich der Wanderung der Cimbern nach Gotland: uWer hie von lesen will oder lust dazu hat, der lese Olaum Mangnus Gothus oder Albertum Krantzium di beschreibung von den gotten und wenden, des geleichen die Historia von den Longobar- den Nortmenner, Schweden, Denen und Cimbern, der wirts vil an- ders befinden, als hie gefabulieret. Wer disse Bucher nit hat der such sie bei Barto: Wartzmann." 2) AnlaBlich der Karthauserpredigt des Jahres 1427: "Disser Cartheuser MUnch hies Joannes Wartzmann. Er war MUnch im kloster zu Paradies marie 4 meil von dantzig. Er wart ver- trieben um disser schrift willen, daz er must weichen zu Marien Ehr ein Cartheuser kloster in Pomern. Alda vertrieb er sein Le- ben bis Anno 1455, ist 27 Yar. Da wollt er im christlichen gleidt von dem Orden gegeben wider in sein alte Wonunge zihen gen Marien Paradies. Da ward er von den Ordenschen gefangen. Nimant weis auf heutigen tag, wo er hinkommen se." Dies steht unter dem Text, daneben am rechten Rand von derselben Hand: "B. Wartzman", am linken wohl vom spateren Besitzer Valentin Schlieff: "Waisselius nennt loco allegato diesen Cartheuser Heinrich Beringer."1^^ 5) Bei den Danziger Vorgangen der Jahre 1525/26 am Rande eines an- tilutherischen Liedes: "Item lieber Leser, der dis erstmals beschrieben hat, nemlich von dem Affrur etc. das ist ein grunt Bosewicht gewest, welcher die Warheit sparet, den dem Handel ist viel anders, wie er hie aus seinem eigenen kopfe dreumet, dichtet und hinzu tut flicken, ев mus ein Pfaffen hurenkint gewest etc. der do ein schentli- chen zusatz disser historien zugeflickt. Let mir got ein 10 jar leben, во wil ich, wils gott diaem schentlichen Lester Buben 1321 dae maul stopffen etc. Bartolt Wartzmann." ' ' 4) Bei der Genealogie des Hauses Swantopolks:
140 - "Wenn ich meine Chronica zum ende bringe, wirt man vil solchs dinges sehen. Bartholomeus Wartzmann. M: zu Ehren Anno 1558 den 1. May." ^3) Daraus geht eindeutig hervor, daB V/artzmann zeitweilig Bosit- zer dieser Handschrift war. Bekommen hat er sie wohl im Jahre 155Qt , zu welcher Zeit er sich anscheinend mit der Zusammenstellung einer .1 groBeren Chronik trug, wie sie etwa im Werk Bornbachs vorliegt. ] Die Korrekturen und Erganzungen sind insofern interessant, als er sie nicht in der von ihm selbst geschriebenen Chronik anbrachte, \ sondern in einer Handschrift, die auf jene zuriickzugehen scheint. 1 Das spricht dafUr, daB das Original seines Werkes 1558 noch immer 1 im Hause Hans von Werdens verwahrt Oder inzwischen vernichtet war, I woruber auch eine Bemerkung Bornbachs aufklart: "Bartholomeus Wartzmann hatte auch eine Cronike mit allem vleisz geschrieben und aus vielen alten schriften zusammen gelesen gehapt. Aber wie er sie einmal einem herren leihet (am Rande: dem h. hans von Werden) ist sie ime abhendig geworden, dasz er sie nie hernoch hot konen widerbekommen."^ Diese Bemerkung, im selben Jahr geschrieben wie Wartzmanns Zusatze zum Ms. 1285, gibt die Erklarung dafUr, daB das Original Wartzmanns vollig unbekannt ist. Abschriften davon konnen nur zwischen 1551 - dem Jahr der Pertigstellung - und spa- testens 1554 - dem Todesjahr Hans von Werdens - genommen sein. Nur in diesem Zeitraum angefertigte Handschriften konnen also Wartz¬ mann wirklich benutzt haben. Nun ist aber interesaant, daB keine der uns iiberlieferten Handschriften mit dem Jahr 1551 endet. Bis zum Jahre 1549, der Mitteilung des Hopfenpreises, gleichen sich die Handschriften. Danach erst setzen grbBere Unterschiede ein. So wird beispielsweise die Pest von 1549 in mehreren Handschriften ausflihrlich besprochen, wahrend sie in anderen vollig fehlt. Pur die Jahre 1550/51, fur die man in den Handschriften X, Reden, Cel¬ le und Liebbrtider jegliche Notiz vermiBt, gab es aber durchaus einiges zu berichten, wie Spatte und Rhode zeigen, vor allem den Brand des Jahres 1550.1^ Entweder endete das Original Wartzmanns mit dem Jahre 1549, oder aber ein Abschreiber machte an dieser Stelle willkiirlich SchluB und alle anderen stiitzten sich auf die- sen, nicht auf Wartzmann. Um diese Prage zu klaren, sollen die Handschriften herangezogen werden, die J. Dworzaczkowa in die zwei-
141 te Gruppe der Redaktion A einordnet. Die wichtigste dafiir ist eine Stockholmer Handschrift. eie mehrfach gebunden worden ist, wie die Schnittverluste am Rande «eigen, fiihrt sie keinen Titel mehr. Sie weist drei verschiedene 8chreiberhande auf. Die erste Hand hinterlieB den Chronikentext ble zum Hopfenpreis dee Jahres 1549» die dritte endete mit dem Tod Moritz von Sachsens 1553. Eine wortliche Abschrift in recht fliich- tiger AusfUhrung bietet Ms. 1290 der Danziger Stadtbibliothek.1 Die Handschrift reicht bis zum Jahre 1554 und endet mit dem Tode 1 7Q) Нале von Wardens. Ihr Titel lautet: "Cronica des landes Bruthenia yzundt Preusserland: welchs auch etwan Pruthenia, Brusseria, Prussia, Winulia, Vlungania Oder / Vlungeria, Gelidania, Alania, Carienia und auch Cymeria genent ist worden. Von den Volkern, die im lande gewohnet, und einer den andern vortriben, auch etzliche das land gut- willig vorlassen, und der hoffnung bessere wohnunge zu suchen: Als die Gotthy, Cimbri, Ostrogotti, Vestrogothi, Gepidi, Schwedi, Schwizerii, Heruli, Carpi, Caibi, Cimerii und viel andere mehr; die aus den mitnachtigen Landern durch Preussen mit grossem Hauffen wie die Bienen geschweift; Wie viel be- riimbte Manner das anzeigen: Als Methodus Martyr, Jordanus Go- thus, Christianus Bischof, Paulus Diaconus, Erasmus Sterne und Albertus Crantz. Auch findestu hirin beschrieben der al- ten heiden Thaten, abgotter, Krige, Niderlage und Siege: Auch wie das land ersten zum Christen glauben bracht, durch die Creuzherren, und wie das gebauet ist worden, und von den Chri¬ sten bestritten und besessen bis auf den heutigen tag: Auch findestu die namhaftigsten geschichten der Creuzhern und ver- enderung des landes. Item glauben, brauch, Ordnung, Sitten, hantirungen, vblker etc. und herrschaften etc. Batholom. Warzmans. Anno 1553." Davon ist wieder eine Abschrift der Kodex 300 R/Ll 75 des 141) Danziger Archive. ' Wie der Titel der Stockholmer Handschrift aussah, mag noch dahingestellt bleiben. Eins jedenfalls ist vollig eindeutig: das Datum uAnno 1553" dlirfte ihr im Original nicht zu eigen gewesen eein. Das ergibt sich aus einer Bemerkung unter dem Titel eines
- 142 - Chroniken-Auszuges, den der Danziger Ratsherr Georg Schroder anfer- tigte: "Chronica des landes Prutenica beschriben durch Bartho- lomeuin Wartzmann A. nach Christi geburth 1542. Da ich diese Chro¬ nica schrieb war ich noch ein junger Loffel macher, besiehe aber die, so ich Anno 1550 und 1551 beschrieben, so findestu einen schatz der Alten."^^ Da Schroder im 17. Jahrhundert lebte, be- steht kein Grund zu der Annahme, daB diese Beraerkung auf Schroder und nicht auf Wartzmann selbst zuriickgeht. Dementsprechend hat sie auch zur Datierung seiner Chroniken den erwiinschten Anhalt geboten, Schroder benutzte also das Handexemplar Wartzmanns der ersten Pas- sung der Chronik, das auch einige Jahre nach 1551 noch in dessen Besitz gewesen Bein' dUrfte. Das bedeutet aber fUr Watzmanns zweite Chronik, daB er selber wohl nicht das Jahr 1553 auf das Titelblatt setzte. Ganz gleich, ob die Stockholmer Handschrift unmittelbar Oder mittelbar auf Wartzmann zurtickgeht, das Jahr 1553 stammt nicht dorther; so setzte ihr erster Schreiber es wohl auch nicht auf den Titel, da er und seine Vorlage 1549 endeten. Sehr gut passen wttrde die Datierung allerdings, wenn sie vom dritten Schreiber der Stock¬ holmer Handschrift zugefUgt worden ware, schlieJBt er doch mit je- nem Jahre, DaB 1553 auf dem Titelblatt stand, beweist eindeutig die Abschrift Ms, 1290, die es Uberlieferte, selber jedoch mit dem Tode Hans von Werdens 1554 schlieflt, Damit ware das Problem gelost, mit dem sich Gehrke plagte, ohne zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen zu sein, und das J. Dworzaczkowa ebenfalls sehr zu denken gab.1^) Nun ist Ms. 1290 die einzige Handschrift der zweiten Wartz- mannredaktion, die den Ramen des Kompilators tragt. Daher bewerte- te sie Gehrke sehr hoch und setzte sie als Prototyp jener Redaktion an.^^ Dagegen wendet sich J. Dworzaczkowa: "Als Kopie ist sie je- doch wenig wertvoll, voll Schreibfehler und MiBgestaltung von Orts- und Personennamen; wahrscheinlich wurde sie vbllig gedankenlos ab- geschrieben." Gerade diese Gedankenlosigkeit hilft aber weiter, Erkennbar war das bei der Datierung, die Ubernommen wurde, ohne zu beachten, daB die eigenen Eintrage noch ein Jahr weiter reichten. So ist zu vermuten, daB die Vorlage, also Kodex Stockholm, auch den Namen Wartzmanns im Titel trug; denn eher ist es denkbar, daB ein solcher Autorenname von dem Abschreiber getilgt als daB er hin-
143 - augeftigt wurde. Damit geht der Wert, den Gehrke dem Ms* 1290 bei- B&8, auf Kodex Stockholm Uber. Diese Handschrift entstand nach 1549# da Schreiber I in jenem Jahr schlieBt, und sp&testens 1553, da in dem Jahre Schreiber III aufhort. Weil aber der Name Wartz- nanns im Titel auftaucht, kann sie frlihestens 1551 verfaBt sein, da jener erst in diesem Jahr seine Chronik abschloB. DaB sie nicht das Original ist, zeigen einige Lesarten (z.B. "schipte der erste Bischof in Preussen Christianus,f statt f,schreibt . ..,rdoch ateht sie ihm recht nahe, wie der noch vorhandene Name Wartzmanns in Titel verdeutlicht. DafUr spricht auBerdem der Titel, den Ms. 1290 ftihrt und den wir bei der Art der Abschrift auch auf den Btockholmer Kodex Ubertragen dtirfen. An diesen Titel erinnern aber mm zwei Randbemerkungen in Ms. 1285# die oben nicht angeflihrt vurden, da sie nicht ausdrtlcklich auf Wartzmann verweisen, jedoch eindeutig von seiner Hand stammen. Ms. 1285 berichtet fol. 2b fol- gendes:"Wi die Cimbri von Gotland in preusen gekomen seint." ' Dazu setzte Wartzmann fol. 2b die Bemerkung, oben unter 1) zitiert fol# 3a am rechten Rande eine Autorenliste: nDis seind die autho- res, so disse volker wi auch vorzeichnet beschreiben: Olauus M. Gothus, Albertus Kranntz, Jordanes, Paulus Diaconus, historia his Method. Bartholomeus Aug. 1 Hieronimus, Beda, Ireneus, Otto Fri- eingensis, Eutropius, Saxo Grammaticus, Historia Dania, Agatius, Platina, Sabellicus# Herodotus, Bilibaldus, Blondus, Christianus, Brassmus Sterne, Eneas silvius."^ Auf derselben Seite am unte- ren Rand steht folgende Bemerkung: hNamen der Volker so aus den Mittnechtigen Lenderen entsprossen, herkummen und ausgezogen und achir die ganze Welt unruig gemahht. Wie solche die Histori mel- den, sunderlich Olauus Mangnus Gothus, Bischof zu Upsal etwan etc. ale volget: Gothi, Ostrogothi, Vestrogothi, Gepide, Samogethi, Massogety, Huni, amazones, Perthi, Suedi, Longobardi, turilingi (?), Avares, Heruli, Sului, Suitzeri, techixali (?), Dani, Daci, Slavi, Lugi, alani, Burgundi, Sembi, Livoni, Sciri, Nortmanni, Pic ti, Carpi, Caisi, Cimeri, Cimbri, Bulgari, Pruteni, Bructeri, Ul- nigeri, Sambini, Obotriti, Vandali." Im Vergleich hiermit ergibt sich der Titel, den Ms. 1290 auf- weiet und den Kodex Stockholm wohl ebenfalls fUhrte, nur als Ver- ktirzung der Aufz&hlung der Anmerkungen, vrie ев dem Titel ja auch
144 ■1 nottat. In dieser ttbereinstimmung zwischen den persdnlichen Rand- notizen Wartzmanns und jenem Titel kann man wohl auch einen Beweis dafUr sehen, daB Ms. 1290 als Abschrift vom Kodex Stockholm den originalen Wartzmann-Titel der zweiten Fassung Uberliefert. Wenn sich aber so vi^le Ubereinstimmungen zu Wartzmanns Ori¬ ginal ergeben, darf angenommen werden, daB Kodex Stockholm ohne die Nachtrage auch den zeitlichen Umfang jener verlorenen Hand- schrift Uberliefert. Das heiSt, daB die Wartzmann-Chronik der zwei¬ ten Fassung, geschrieben in den Jahren 1550/51, mit dem Preis des Hopfens 1549 abschloJB. DaB diese Notiz aufgenommen wurde, war fUr den Sohn eines Brauers recht natUrlich, zeigt auf der anderen Sei- te aber auch, daB ein eventuell geplanter SchluB damit nicht er- reicht war. Nun schreibt Gehrke auch spatere Mitteilungen noch Wartzmann zu, vor allem die Schilderung der Pest des Jahres 1549: "Das wes also erbermlich anzueehen, dass alle reichen aus der Stadt flohen und die stadt halb derzwehe, den es starb mechtig viel armes fol- kes, und ich habes selbest den 25. September 63 lacken sehen aus- hencken und gezehlet mit einem studenten, der his Johannes Hacke. Welcher am 4. tage hernach auch von godt gerufen."1^^ Gehrke meint, diesen Gang durch die Stadt habe Wartzmann als Ratsbeauftragter un- ternommen. Nun steht die Schilderung aber in Kodex Stockholm, wo sie Ms. 1290 abschrieb, als Nachtrag der zweiten Hand. Unwahrschein- lich ist es also, daB dieser Bericht von Wartzmann stammt, da kaum anzunehmen ist, daB der erste Schreiber des Kodex so kurz vor SchluB der Yorlage aufhorte und die Vollendung der Abschrift, die nur noch 5-6 Seiten umfassen konnte bis zum spatest moglichen Ende 1551, einem Nachfolger Ubertrug. Deshalb glaube ich annehmen zu dUrfen - besonders da Gehrke kein weiteres Argument fUr die Autorschaft Wartzmanns ftlr diesen Bericht anfUhrt, als daB ein sol- cher Gang durch die verseuchte Stadt der Jugend Wartzmanns angemes- sen sei daB der Hopfenpreis des Jahres 1549 die letzte Eintra- gung im Original der zweiten Fassung der Wartzmann-Chronik bildete. Alle Handschriften, die mit jener Notiz enden, haben den Original- umfang der zweiten Fassung bewahrt und schlieBen sich somit eng an das verlorene Exemplar an. Kodex Stockholm scheint eine direkte Abschrift zu sein, wie sich aus verschiedenen GrUnden ergeben hat.
- 145 Davon eine Abschrift ist Ms. 1290, das seinerseits Vorlage ftir Ms. 300 R/Ll 75 war. Eng verwandt mit diesen Handschriften ist auch die erwhhnte Ghronik Kaspar Bottchers. Gehrke kannte sechs Exemplare aus Berlin, Petersburg, Danzig (drei) und Upsala.*^0^ Aufgrund der Datierung 1569 im Titel und eines Eintrages auf der Rtickseite des Titelblat- tee: ’’Diese Cronica hab ich angefangen zu schreiben den 7. Octob. und gevolendet im Namen gottes den 17. Novemb. Ehr sei Gott in der 1 (51) flohe frjede auf erden und den menschen ein wohlgefallen." ' halt er diese Handschrift Ms. Diez C. fol. 35 der Deutschen Staatsbi- bliothek Berlin fttr das Original Bbttchers. Da alle anderen Exem- 152^ plare jtlnger zu sein scheinen, ' spricht nichts gegen diese An- nahme. Ihr Titel lautet: ’’Cronica des Landes Bruthenia, ietzundt Preuserlantt, welches auch etwan Brusenia, Prusia, Winulia, Ulmigania Oder Ulmige- ria Gelidania Alania Carienia und auch Cymeria genant ist worden, von den Volckern, die im Lande gewonet und einer den andern vertrieben, auch etliche das Landt gutwillig verlassen, und der hoffnung bessere wohnung zu suchen als di Gotti Cim- bri Ostrogotti Westrogotti Gepidi Schwedi Schwicery Heruly Kerpy Caiby Cimery, und viel andre mehr, die aufl den mitter- nachtligen landern durch Preusen mit grossen Hauffen wie die bienen geschweifft, wie viel berumbten mennern anzeigen, als Methodius, Martir, Jordanus Gothus, Christianus Bischof, Pau- luB Diaconus, Erasmus Sterne und Albertus Krantz. auch finde- stu hierin beschrieben der alten Heiden thaten, abgotter, krige, niderlage und Siege auch wie das Landt zum ersten zum christenglauben gebracht durch die Creutz-Herren und wie das Land gebauet ist worden und von der christen bestriten und besessen biB auf den heutigen tag auch findestu die namhaf- tigsten geschichten der Creutz-Hern und verendrung des lar.des glauben, brauch, ordnung, Sitten, Hanttierung, Volcker und herschaften. geschrieben durch Casper Bottcher den jungen Anno 1569."153^ Dieser Titel stimmt bis auf kleine Abweichungen besserer Les- arten vbllig mit dem in Ms. 1290 tlberein, nur ersetzte Bdttcher den Namen Wartzmanns durch seinen eigenen und fUgte das Jahr der
146 - Abschrift bei. Da diese Abschrift aber erst 1569 angefertigt wur- de, kann sie nicht auf das Original der Wartzmann-Chronik zurUck- gehen. Б1е vorhandene enge Verwandtschaft der Bdttcher-Chronik mit der Handschriftengruppe, die auf Kodex Stockholm zurttckgeht, er- kannte bereits im 18. Jahrhundert Valentin Schlieff; am SchluB von Ms. 1290 schrieb er: "In einer von dem George Reinhold Curicken Reinholdi Filio eigenhandig geschriebenen Chronica, so zwar auf den Titel Caspar Bdttchern, den Jungen zum Autore angiebet, in der tat aber diese Chronicke ist und mit ihr so wie im Titel also auch im Texte verbotenus tlber einkomt, habe ich noch nachfolgende Note- bilia angemercket gefunden: .Diese von Curicke angefertig- te Bottcher-Chronik scheint zwar verloren, doch zeigt die Bemer- kung, wie aufmerksam Schlieff die Handschriften verglich. Von Ms. 1290 und damit vom Kodex Stockholm ist Bdttcher allerdings unab- 155) hangig, wie seine besseren Lesarten einerseits ' und seine Fort- setzung bis 1556 andererseits annehmen lessen. Beiden Handschriften gemeinsam sind aber die Hochmeisterwap- pen. Bas spricht dafUr, dafl auch die Chronik Wartzraanns mit jenen ausgestattet war. In dem Zusammenhang wird wieder die Frage inter- essant, ob Ms. 300 R/Ll 5 Wappen fiihrte,^^ diese dann an Hand- schrift X weitergab. Auch darin n&mlich besteht eine Verwandtschaft swischen Bottcher als dem Reprasentanten des einen Stranges und 157) Handschrift X beziehungsweise Reden, bereits von Kletke erkannt. Die Unterschiede, die er fUr beide Handschriften anfUhrt, werden besonders auffallig ftir die Jahre des Glaubensstreites in Danzig. Bottcher hat fur die Nachrichten der Jahre 1522 - 1525 eine andere Reihenfolge und eine Schilderung in scharfer antilutherischer Form ("Verdeckte Schalckheit der Lutterschen Secten in des Heiligen wortes und Evangelii Gottes; Der Bose geist des Satan rechtet Bo¬ ses pil an; Hiernach folget kurtzlichen beschrieben das teuflische und aufruhrische wesen der Lutherschen unter dem schein des Heil. Evangelij und wort Gottes."), X jedoch eine recht reformfreudige Darstellung.1^ Aus Wartzmanns Randbemerkung in Ms. 1285159^ geht wohl hervor, daB er Lutheraner war. So stellt sich die Frage, ob Bottchers Schilderung auf Wartzmann zurUckgreift oder aus anderer Quelle stammt. Ein Vergleich mit Ms. 300 R/Ll 5 und Kodex Stock¬
- 147 - i holm kbnnte Klarheit schaffen. Einen Hinweis bringt Kftrzyfiski bei Besprechung der Handechrift Czartoryski Nr, 1335: "fol. 246 - 248: Verdecte Schalckheit der Lutterschen Secten um des heiligen Wortea und Evangelii Gottes, 1524. fol. 249b: Бег Bdse geist der Sathan richtet bose Spiel an 1525* fol. 282: Hiernach folget korczlichen beachrieben das Teu- ffeliche und Aufrurische wesen der Lutterschen, unter dem Schein, dee heiligen Evangelij und worte gottes. 1524. Verse.Баз entspricht vbllig der Darstellung in den Bbttcherchroniken. Quelle dafUr kann nicht Reden sein, sondern nur Ms. 300 R/Ll 5. Wenn aber Me. 300 R/Ll 5 und Bottcher diese antilutherische Darstellung ent- halten, ist es wahrscheinlich, daB sie bereits in der Wartzmann- chronik vorhanden war. Demnach hatte man in der Handbemerkung Wartzmanns vom Jahre 1558 in Ms. 1285 die Frucht seiner histori- -jchen Beschaftigung zu sehen, die ein anderes Ergebnis in der Er- /cenntnis jener Vorgange zeitigte als er noch 1551 niedergeschrie- oen hatte. Баз bedeutet nun aber fUr Chronik Celle und X, dafi die Darstellung zur Prage der religiosen Unruhen wieder selbstandig geetaltet wurde. Beispielhaft ist die Erzahlung "Martinus Luther, ein munch anno 1524"^^, flir die mir keine Parallels bekannt ist. Nach all diesen Erwagungen sind sich die Ausgangspunkte zwei- er Gruppen der Hedaktion A der zweiten Wartzmannchronik recht nahe gerlickt. Dieses enge Verhaltnis v/ird noch dadurch betont, daB Ms. 1290 Wappen der Hochmeister aufweist, ' Ms. 300 R/Ll 5 wahrschein¬ lich ebenfalls;^^ leider sagt dartiber J. Bworzaczkowa nichts flir den Stockholmer Kodex. Bieser und Ms. 300 R/Ll 5 - abgerechnet den Vorepann - weisen stark auf eine gemeinsame Vorlage hin. Eine ge- genseitige Beeinflussung beider darf aufgrund unterschiedlicher Lesarten^^ ausgeschlossen werden. Als gemeinsame Vorlage bietet eich aber der oben gezeigten auBerst engen Verbindung zu Wartzmanns Original des Kodex Stockholm wegen eben jene verlorene Urfassung der zweiten Wartzmann-Chronik an. Die Richtigkeit dieser Vermutung lieBe sich nur anhand eines genauen Vergleichs jener beiden Hand- schriften UberprUfen, der mir zur Zeit jedoch nicht moglich ist. Hinzu kommt als dritter Strang die Gruppe der Bdttcher-Chro- niken. durch ein Zwischenglied mit Wartzmanns Original verbunden. 4 Г C \ Die Wappen der Hochmeister finden sich auch dort 5; und gehen
148 wohl auf Wartzmann zurtlck. In diese Handschriftenfamilie gehdrt aber auch die Chronik I, Es wurde bereits wahrecheinlich gemacht, daB sie Ms. 300 R/Ll 5 zur Vorlage hatte; damit scheidet Kodex Stockholm als solche aus. Bestatigt wird das durch den schon frtlher angestellten Vergleich der Jahre nach 1535 in Ms. 1290 und Handschrift Celle.Es bleibt zu fragen, ob etwa Wartzmann direkt als Quelle ftir X gedient haben konnte. Ohne einen Vergleich zwischen Kodex Stockholm, Bdtt- cher und Ms. 300 K/Ll 5 laBt sich dazu nichts genaueres sagen. Nur soviel ergibt sich, daB alle drei Handschriften wenn nicht unmit- telbar auf Wartzmann zurttckgehen, so doch sich sehr eng an ihn an- lehnen und eine dem Original sehr angen&herte Form seiner Chronik Uberliefern. Ohne Vorspann - von dem nicht zu sagen ist, ob er eine Eigenart des Ms. 300 R/Ll 5 darstellt Oder aus Wartzmann stammt und nur in Kodex Stockholm fortgelassen wurde - und die Ereignisse nach 1549 gilt dasselbe fUr X, damit also auch fUr Reden und Cel¬ le. Allerdings bieten diese drei Handschriften, wie der Vergleich mit Ms. 1290 zeigte,^^) eine gektirzte und damit gestraffte Fas- sung in eigenstandiger, oft unterschiedlicher Art gegeniiber Wartz¬ mann, zumindest fUr die letzten Jahre vor 1549- Das ist durchaus verstandlich, wenn man diese Handschriften in ihrer Form als kom- pilatorische Entwicklungsstufe betrachtet. Damit ware die Stellung von Chronik Celle innerhalb der Redak- tion A der zweiten Watzmann-Fassung aufgezeigt sowie die Zuordnung der Handschriften jener Redaktion zueinander durchleuchtet. Kurz einzufUgen ist diesem Bild noch die Redaktion B, vor allem Ms. 1285, das bereits ofter zitiert und zum Vergleich herangezogen wurde.^ Bereits im Titel unterscheidet sie sich von der Redaktion A: "Diese kronica meldet von dem herkommen und anfang des dutczen or- dens der kreutzherren und irer regirung im lande zu preusen." Das entspricht laut J. Dworzaczkowa dem Titel, den das verlorene Fer- ber-Buch getragen haben soll.^^ Es folgen ein Hoch- und Land- meisterverzeichnis, die Verse "Ach du gutes Preuser Land" und das Wappen der alten PreuBen. Sodann beginnt der eigentliche Text: "Wie das lant zu preusen erstlich ist gefunden worden folget. Christianus, wi man in Cronicken beschriben findet, sal der erste
- 149 - bischof in preusen gewesen sein. Dieser schreibet das zu der zeit des keisers Octaviano ..." Bereits dieser Anfang zeigt im Vergleich zu Chronik Celle, dafl Ms. 1285 ausfUhrlicher berichtet und mehr in Details geht. Es fehlen aber die Zitate aus Matthias von Miech6w und Prank. Die Aufzahlung der Landschaften ab fol. 5a geschieht in anderer Reihenfolge. Ab fol. 15a setzt Uber jedem Kapitel eine ge- naue Datierung ein, die in Handschrift Celle fehlt. Die Kapitel haben teilweise eine andere Reihenfolge. Pol. 33a beginnt die Ab- echrift der Goldenen Bulle von Rimini aus dem Jahre 1226, in Celle ebenfalls nicht vorhanden. Um 1390 bis 1405 ist Ms. 1285 wesent- lich ausfUhrlicher, ebenso fUr die Darstellung des 13jahrigen Krie- ges. Die wOrtlichen ttbereinstimmungen beider Handschriften sind grofl. Die Reihenfolge der Nachrichten ist in Ms. 1285 st&rker an der Chronologie orientiert. Der fUr die Jahre nach 1525 vorgenom- mene Vergleich bestatigt diese Beobachtungen. Ahnliche Feststel- lungen traf auch J. Dworzaczkowa.Schwerwiegend und die direk- te Verwandtschaft mit Chronik Celle ausschlieflend ist ebenfalls die deutlich antilutherische Schilderung der religibsen Unruhen in Danzig, wie sie wohl Wartzmann bereits aufwies. Trotzdem scheint Ms. 1285 nicht direkt von dessen zweiter Chronik abhangig zu sein, wie der Vergleich von Ms. 1285 und Ms. 1290 mit Chronik Celle zeig- te;^^ diese Handschrift bietet eine Mischform, die sich erst dann klaren laflt, wenn der Vergleich der drei Ableitungszweige der Redaktion A unter Hinzuziehung der Handschrift Celle als klar Uber- schaubarer weiter entwickelter Kompilationsform ergeben hat, wie die zweite Chronik Wartzmanns aussah. Vor dieser Untersuchung la(3t aich nicht feststellen, welche Vorlagen Ms. 1285 gehabt hat, da das Perber-Buch ebenfalls mUhselig in seinem Bestand zu erschlie- Ben ist. Das gleiche gilt fUr die anderen Handschriften, die J. Dworzaczkowa zur Redaktion В der zweiten Passung der Wartzmann- Chronik zUhlt,*^^ die man besser charakterisieren wUrde durch die Bemerkung, es handele sich um jene Handschriften, die den EinfluB Wartzmanns spUren lessen, jedoch nicht zur Redaktion A gehoren. Neben direkten Vorlagen und Ableitungen der Chronik Celle ist damit die weitere Handschriftenfamilie vorgestellt, der sie ange- hbrt. Zusatzlich wurde diese auf ihre Entwicklungslinien untersucht
- 150 - und der Weg aufgezeigt, der weiter zu gehen 1st, um die "unlbelich 171) zu einem Knauel verschlungene Masse” 1 der Danziger Chronistik in ihre einzelnen Faden zu entwirren. Diesem Terminus Maschkes, der sowohl positiv als auch negativ wie ein Trauma wirken kann, scheint allmahlich die Lebensberechtigung entzogen zu werden. Nach< dem J. Dworzaczkowa mit alien Vorbehalten von ihrer und des Lesere Seite den Versuch unternommen hat, den groBen Rahmen ftlr jene hi- storiographische Entwicklung aufzuzeigen, wobei sie zu manch er- freulichem Ergebnis gelangte, ist es nun Aufgabe kleinerer Arbei- ten wie dieser, jeweils von einer Handschrift auagehend den umlie- genden Bereich zu untersuchen, auf daB mancher Knoten des Kn&uele gelost werden und sich Faden an Faden knllpfen lassen kann. Ich bin Uberzeugt, daB es nicht gelingen wird, lUckenlos die Entwick¬ lung der Danziger Chronistik aufzuzeigen; zu viele Handschriften sind verloren, zu viele Wege laufen parallel, ohne sich zu tref- fen. Boch mit verfeinerter Methode, zu der nicht zuletzt die Be- achtung aller Nebenerscheinungen des geschriebenen Wortes einer Chronik zu zahlen sind, anzufangen bei der bildlichen Ausgestal- tung, wird es moglich sein, manchen Schritt vorw&rts in der Er- kenntnis jenes historischen Wachstums zu tun, welches keine abso¬ lute Erscheinung darstellt, sondern Ausdruck einer Zeit und einea Zeitverstandnisses ist.
- 151 VII) Der EinfluG Polens auf die Danziger historio- graphische Tradition Den Hhhepunkt polnischer Geechichtsechreibung im ausgehenden Hittelalter bietet zweifelsohne Johannes D^ugosz in seiner "Histo- ria Polonies", von ZeiGberg als "der gewaltige Markstein, welcher eich am Ende der polnischen Historiographie im Mittelalter erhebt" bezeichnet,1^ Seine Verbindung zur alteren Ordenschronistik wurde bereits •rwahnt.^ Die HHistoria Polonica" war viel zu umfangreich, um be¬ reits in der Frtihzeit der Buchdruckerkunst verbffentlicht zu wer- den. Deshalb stellte Matthias von Miechbw einen Auszug zusammen und erganzte ihn bis zum Jahre 1506, dem Datum des Regierungsan- trittes Kbnig Sigismunds.^ Der Auszug, selber noch ein umfangrei- ehee Werk, wurde 1519 und 1521 in der Offizin des Hieronymus Vie- tor zu Krakau gedruckt.^ Damit lag die erste polnische Chronik ▼or, deren weite Verbreitung sicher war, Ihrem EinfluG ist es zu- fuechreiben, daG die polnische Geschichte auch im Nachbarland Preu- Ben verstarkte Beachtung fand, besonders im "PreuGen koniglichen Anteils", das naturgemhB enger mit der Krone Polen verbunden war als das Herzogtum. Das MaG der direkten EinfluGnahme von Matthias '▼on Miechbws Werk auf die Danziger Chronistik ist noch unklar; vahrscheinlich war es geringer, als bisher angenommen, da viele Chronisten Matthias zitieren, ihn aber nicht selber zur Hand ge- habt haben, sondern ihre Zitate aus einer Danziger Vorlage Uber- nahmen. Daneben gibt es eine Anzahl von Handschriften, wie die Celler Chronik, die zwar jene Zitate tibernahmen, doch darUber hin- au8 zusatzlich des Matthias "Chronica Polonorum" unmittelbar be- autzten.*^ Die Celler Handschrift soli darauf untersucht werden, welche Nachrichten der Danziger Chronistik allgemein von Matthias etammen. Diese Untersuchung schlieGt allerdings keine grundlegende Analyse seines Werkes ein*^ Matthias beginnt sein Werk in humanistischer Weise mit der eagenhaften Vorzeit, zurttckgreifend bis auf Noah und seine Sbhne. Dabei bewegt er sich noch nicht auf der wissenschaftlich-systema-
152 tischen ЕЪепе eines Boemus, doch beruht das teilweiae auf seiner Abhangigkeit von D/ugosz. Das zweite Buch fangt mit dem Regierungs- antritt Mieszkos I. an und schreitet chronologisch fort, die Re- gierungszeiten der Herrscher als Gertlst benutzend. PreuBen wird zum ersten Mai erw&hnt anlaBlich des Kriegszugee Boles^aw Chrobrys gegen die PruBen.^ Der Abschnitt findet sich wieder in der Schilderung der Celler Chronik. Um die Art der Ver- arbeitung zu zeigen, seien die Texte einander gegenttber gestellt. Matthias von Miechbw "Demum Prutenicum bellum in- dixit, et cum veteranis at- que tironibus Prussiam in- grediens, diruit et exussit Romowe, Radcim, Balga et caetera oppida, lignea enim erant. Primores autem Prute- norum in abscondito latitan- tes. Ne tota Prussia confla- garet, primum per caduceato- res, postea per ipsosinet, dedicionem faciunt, et tributa quotannis pendere fisco regio promittunt, quod rex Boleslaus 8uscepit, agrumque Prutenicum vastari prohibuit. Dbi victo- riosus princeps, in flumines Ossa medio, columnam infixit ferream, cuius ex nomine villa Slup nomen accepit, et deinde Gades regni ad undas maria Balthei extendit, ad propagan- dum itaque fines regni Polo- niae." Chronik Celle "Dieser kam mit gewaldt in das landt zu PreuBen und schlug zu todt allee, was er uberkam, und nam das gantze landt zu PreuBen ein, (folgt Reden: Anno 1015) er zog gen Kyckeyt (Re¬ den: Rickoyott) zu Romowe der gro- Ben eichen, verbrandte die abgbtter und die schbne wohnung des Krywo Kryweito und der Weydeloten und ver¬ brandte (folgt Reden: dy stellen) Rezin (Raczin) und Balga die stadt, welche von holtz gebauet waren. Die vornembsten PreuBen hatten sich heimlich verborgen. Auf das aber gantz Preuflenlandt nicht gar ver- herdt und verbrandt wurde, sandten sie zum ersten friedeboten zum ko- nige und darnach kamen sie selber zum kbnige und tbeten eine groBe verheiBung (gewisse versicherung), ihren tribut in das schloB dem kb- nig zu geben (des tribut und zinB halben ym in sein schacz zu geben). Die nam der kbnig gnediglich an und zog in friede mit groBem triumpf wider in sein landt.” Die Celler Chronik bietet eine verh&ltnismaBig gute, nicht allzu freie Ubertragung; die Schilderung Matthias von Miechbws bleibt deutlich erkennbar. Die AusschmUckung der Zerstbrung Romo- wes geht auf eine Vorlage von Celle zurtick, die Grunau ebenfalls Q \ benutzte. ' An dieser Stelle ist gut zu sehen, wie Grunau seine Quellen benutzte. Gerade der Vergleich von Handschrift Celle mit Matthias wirft ein helles Licht auf die Arbeitsweise Grunaus, weil dadurch kenntlich wird, was Grunau Ubernahm, was seine Eigenlei- stung ist. Nun erst kann Grunau recht gewertet werden, doch geht
- 153 - eine solche Wertung fiber den Rahnien dieser Arbeit hinaus. Jene Stelle zeigt noch mehr, Im sachlichen Kern stimmen Hand- •chrift Celle und Grunau Uberein. Lie tlbernahme des Berichtes er- folgte also, im Gegensatz zur Landesbeschreibung, nicht direkt durch den Schreiber der Celler Chronik. Matthias wurde von der forlage ziemlich wdrtlich Ubertragen. Labei ist eine recht gute deuteche Sprachform erzielt worden. Ihr Schreiber beherrschte also beide Sprachen und gehorte demnach einem hdher gebildeten Stand an, Entweder hatte er ein Studium absolviert oder war gut ausge- Mldeter Kleriker. FUr einen Kleriker sprhche vielleicht auch der Binschub bei der Zerstdrung Romowes, setzt er doch starkes religi- tJees Engagement bereits fttr die heidnieche Zeit, nicht nur ftir die Gegenwart voraus. Politisches Engagement zeigt sich ebenfalls, denn die Grenzausweitung bis zur Ostsee bei Matthias wird ohne je- den Kommentar fortgelassen; lag es doch nicht unbedingt im Inter- eese eines PreuBen, die polnischen Ansprtlche auf sein Land zu un- terstUtzen in einer Zeit, als es nicht mehr um die Erlangung der UnabhMngigkeit vom Orden ging, sondern um die Wahrung derselben gegentiber Polen. Im nachsten Kapitel berichtet Matthias iiber den hi, Adalbert, der in der Celler Chronik erstaunlicherweise keine Erwahnung fin- det. Aus diesem Kapitel stammt die bereits untersuchte PreuBenbe- * ichreibung; ein Teil davon steht in der Celler Chronik an anderer I Stelle bei der Namensetymologie der PreuBen.^ Interessant ist, 'dad dieser Hinweis bei Grunau nicht existiert; er gibt eine andere, iprachliche Erklarung fUr die Entstehung dee Begriffee "Prussia11, ■PreuBen".Ebenso fehlen diese Zeilen in Ms, 1285.11^ Hier liegt also wieder eine direkte Benutzung Matthias von Miechbwe durch den Celler Chronisten vor. Las ist umso wahrscheinlicher, tie es sich um das Ende eines Absatzes handelt, an das die wenigen fallen angehangt werden konnten. Matthias schreibt welter von polnischen Angelegenheiten, doch * auch dort interessiert unseren Chronisten etwas: die Erzahlung um £ den Mdnch und spateren Kdnig Kasimir. ' Lieser Abschnitt ist ge- p ktlr2t und verh&ltnismaBig frei wiedergegeben, lhngst nicht so eng ; an den Text anschlieflend wie bei dem oben zitierten Teil, Grunau ; bietet keine Entsprechung, ebenso fehlt die Schilderung in Ms.
154 - 1285.^^ Erst bei der n&chsten Begebenheit, dem Kriegszug Kasimire gegen die PruBen und Nas^aw von Nasowien, setzen Grunau und Me. 1285 wieder ein. Entweder liegt eine KUrzung bei Grunau und Ns. 1285 vor, die sich in der Reihenfolge der Kapitel hier vbllig ent- sprechen, Oder die Celler Chronik benutzte wieder Natthias direkt und schaltete ihn an der passenden Stelle ein. In Kapitel 14 schildert Natthias die Kampfe zwischen Kasimir und den mit den PruBen verbUndeten Nasowiern. Celle bietet diese Schilderungen zwar knapp, doch in enger, meist wortlicher Anleh- 14) nung. ' Den nachsten PreuBenbezug bringt Natthias in Kapitel 16; er taucht ebenfalls in der Celler Chronik auf, zwar gekUrzt, doch 15) in wortlicher Anlehnung. ' Die weiteren fUnf Kapitel und damit der Rest des zweiten Bu- ches von Natthias von Niechows Werk berichten Uber PreuBen nichte mehr. Bisher wurden s&mtliche Stellen, die bei Natthias Bezug auf PreuBen hatten, von der Celler Chronik in oft gekUrzter, jedoch stark wortlicher Anlehnung Ubernommen, nur der Bericht Uber das Nartyrium Adalberts nicht. Warum Adalbert nicht erwahnt wird, weiB ich nicht zu sagen. Von der Celler Chronik aus betrachtet ergibt sich folgende Bild: Die Ubernahmen aus Natthias setzen dort ein, wo er Uber PreuBen berichtet, also unter Boles/aw Chrobry. Was vorher in der Celler Handechrift erzahlt wird - die Vdlkerwande- rung in PreuBen, die Aufteilung in Landschaften mit Angaben der StadtegrUndungen, die Kampfe zwischen PruBen und Nasowiern -, kennt Natthias nicht. Von nun an bleibt Natthias aber fUr einige Zeit die einzige Quelle.Auch die hier nicht gesondert erwahn- ten Daten und kleineren Angaben stammen aus den angefUhrten Kapi- teln bei ihm. Weiter ist das dritte Buch Natthias von Niechbws zu untersu- chen. Es beginnt mit dem Regierungsantritt W^adys^aws Hermanns 1079 und endet 1294. PreuBen kommt zum ersten Nal vor anlaBlich der Berichte Uber die Ausdehnung Polens nach Norden in Kapitel 2. Das gesamte Kapitel wird wortgetreu wie bisher Ubernommen; ausge- lessen Bind alle nicht PreuBen unmittelbar betreffenden Ereignis- se, also die PommernzUge.Der nur kurze Hinweis auf den Zug der PruBen gegen "RuBland" wurde aber in die Celler Chronik aufgenora-
- 155 - Баз zeigt, daB der Chronist Matthias zumindeet anhand der Handhinweise recht genau geleaen hat. Die nachste Berilhrung zwischen Polen und PruBen zeigt Matthi¬ as im 11. Kapitel auf; wieder handelt ea sich um Karopfe gegen Preu 1Q) 0sn und Pommerellen, *' Dabei ist interessant, daB ftir den Schrei- ber der Celler Chronik Pommerellen noch nicht in den Bericht auf- genommen wird, um etwa die Vorgeschichte des spateren Ordensbesit- see zu erhellen; laBt er doch die Schilderungen der Kampfe gegen Pommern-Pommerellen des 7. Kapitels aus.^^ Die ’’Pomerani" sind ftir ihn nur wichtig als VerbUndete der "Pruteni". Wieder ist die 211 Brzahlung wbrtlich, doch leicht gektirzt Ubertragen. 1 Chronik Celle setzt noch eine knappe Schilderung der Person Boles/aws III. hinzu ("Schiefmund")• Diese entnahm sie dem Anfang des 7. Kapitels Der Schreiber scheint also mehr noch als nur die Randnotizen gele- sen zu haben, doch beschrankte er sich bei der Mitteilung nur auf das in seinen Augen notwendigste, wie die Vorgange um Nakel in Ka- 22) pitel 12 zeigen, ' Dabei ist interessant, dafl er einen Randver- veis des Matthias zur ttberschrift umformte, Kapitel 13 berichtet von der Annaherung Polens an Danemark 1129/30. Ein direkter Bezug auf PreuBen findet sich nicht; aller- dings findet hier die friiheste Erwahnung Danzigs statt. War das der Grund der tlbernahme in die Celler Chronik? Die eigentlichen Vorgange interessieren nicht sonderlich, wie an der starken Ktlr- 2'5'j Eung und nicht immer wortlichen Anlehnung zu spttren ist. " Die PruBen kommen erst im 19. Kapitel wieder ins Gesichtsfeld des Matthias, als er zu 1164 von einem Kriegszug gegen sie, ihrer Taufe und den sich daran anknUpfenden Ereignissen berichtet. Zwischen diesen Ausztigen aus dem 12. und 19. Kapitel schiebt Chronik Celle einen Bericht folgenden Inhalts ein: Nachdem er aus Dfinemark zuriickgekehrt war, zog Boles/aw Schiefmund gegen die un- gehorsamen Samlander und vertrieb sie in achtwochigem Kampf aus 25) ihren Wohnsitzen. 1 Die Schilderung hat Matthias nicht; an die- eer Stelle zeigt sich in Celle eine andere Vberlieferung. Erwahnt verden darin Samland und wieder Danzig. Der genauen Angabe wegen scheint diese ttberlieferung vielleicht Danziger Herkunft zu sein. Allerdings kann die Erwahnung der Stadt auch ein Mittel sein, um den Abschnitt der vorhergehenden Erzahlung besser anzupassen: von
- 156 Danzig war Bolesjfaw nach Danemark gesegelt; von D&nemark zurtickg#* kehrt wandte er sich gegen die Samlander, um anschlieBend wieder < nach Danzig zurlickzuziehen. i Den nachaten Hinweis hat der Celler Ghronist nicht aufgenoa»!! men: im Kapitel 23 berichtet Matthias liber die Aufteilung Polens nach dem Tode Boles/aws III. 1138. Dabei fallt Kasimir Pommerellen ("Pomerania citerior") mit der Metropole Danzig zu. ttbersah der Chronist diese Stelle, wo er doch sonst recht genau gelesen hat, Oder lieB er sie absichtlich fort, da Danzig seiner Auffassung nach damals nicht zu PreuBen gehdrte? Weshalb berichtete er aber dann von dem Danenzug, der von Danzig ausging? Eine Antwort auf diese Prage laflt sich nicht geben. Die Erwahnung des PreuBenzuges Kasimirs II. im Kapitel 25 fand wieder ihren Niederschlag in der Celler Chronik.An- schlieflend schreibt sie von der Einsetzung Swantopolks als Regent von Pommem,^^ entsprechend Kapitel 30 bei Matthias. Hier nimmt der Celler Chronist einen Bericht auf, der gar keinen Hinweis auf PreuBen enthalt. Das beruht auf einer Verwechslung mit Swantopolk von Pommerellen, dem spateren Gegner des Ordens, wie die Gleich- setzung bei Chronik Celle beweist.^®^ Die weiteren Nachrichten Uber PreuBen finden sich im Kapitel 30 bei Matthias. Die Celler Chronik hat sie leicht verandert Uber- nomrnen. Pommerellen und Swantopolk werden ab hier mitbehandelt Der VertragsschluB zwischen Konrad von Masowien und Bischof Chri¬ stian vom 5. August 1222 wird mit dem Tod Leszeks des WeiBen 1227 verquickt. Das kann auf einer ungeschickten Kontraktion beruhen. Auf Absicht beruht jedoch folgender Abschnitt, dem der Text des Matthias von Miechbw zur Verdeutlichung gegenlibergestellt wird: "Et terrae Culmensi et Lubaviensi, penitus de- sertabantur, quinimo pestem et flammas, ve- xationis in sua viscera Conradus immisit, quae usque in hanc diem de terris Prussorum et Po- lonorum non sunt ex- tincta." "Klage der Polen uber den fUrsten Conra- dum. In der polnischen cronica stehet ge- schrieben, wie das die Polen uber den fursten Conradum grausam geklagt haben, das er die Creutzherrn ins landt zu Preu¬ Ben gefordert (gefurt) hat, und haben ge- sprochen, das er durch solche forderung der obgenandten creutzherrn (ab "durch" fehlt Reden) eine groBe Pestilenz und ein grofl fewr alles widerwillens und unglUcks angerichtet habe, das im land PreuBen und Polen in langen jahren nicht wird ausge- lescht werden."
157 Es klagt hier, ex eventu die Beziehungen zwischen Polen und dem Deutschen Orden Uberblickend, nur Matthias von Miechbw; erst |in der Celler Chronik wird daraus eine allgemeine Klage der Polen 'fur Zeit Konrads mit prophetischen ZUgen. Da der Chronist seine guten Lateinkenntnisse bisher bewiesen hat, kann das nicht auf einem MiBverstandnis, sondern nur auf einer ordensfeindlichen Hal- tung beruhen. In Kapitel 32 erzahlt Matthias weiter von PreuBen: 1222 ver- vtteten Pommern und PruBen Polock und Masowien; 1224 zerstoren die Pruflen Oliva und tdten die Mdnche; 1227 (am Rand: 1225!) wird das likolaikloster in Danzig gegrttndet. Genaue Entsprechungen bietet die Celler Chronik nicht. Das erste Ereignis fehlt ganz. Das zwei- te findet sich in einer Zusammenstellung der Schicksale Olivas, d&e dritte folgt in der Aufzahlung der Klbster.-^ Chronik Celle bringt wesentlich ungenauere Angaben als Matthias, was recht ver- vunderlich scheint. Zu erklaren ware dies nur damit, daB Celle eine andere Quelle vorlag, die in ihrer Zusammenstellung bequemer zu handhaben Oder - als preuBischen Ursprungs - von groBerem ■VahrheitsgehaltH zu sein schien. AnschlieBend folgt in der Celler Handschrift die Geschichte des Deutschen Ordens im Heiligen Lande. Dieser Teil stammt unzwei- felhaft aus anderer Quelle, da Matthias ihn nicht hat; in seinem ■Chronicon regni Poloniae" ware eine solch ausfUhrliche Ordensge- echichte auch fehl am Platze. Die nachste Schilderung Uber PreuBen bietet Matthias in Kapi¬ tel 34. Um das Verhaltmis zur Celler Chronik aufzuzeigen, sei sie 1ш folgenden wiedergegeben. "Interea Conradus Mazoviae dux, feritate et frequentibus in- cursionibus Prussorum plurimun attritus. De consilio Cristi- ni Episcopi Culmensis, religiosi de ordine Cisterciense vo- cavit de domo theutonica, septem fratres ordinis sepulchri dominici Hierosolimitani, nigram crucem in albo pallio feren- tes, quorum magister et primicerius erat Hermannus Balke de Salcza, et ipsos in castro Dobrcin locavit. Hermannus vero magister ordinis, post se reliquit fratrem Conradum de Lan- disbergk, qui cum auxilio ducis Conradi Mazoviae, in littore Istulae, anno domini mille: ducen: trigesimo primo locavit Castelluin Vogilgsang, in arbore quoque quercus aliud castrum aedificavit, locavit et civitate Thorun, eamque postmodum in priorem locum transtulit, coepitque ex his locis Prutenos im- petere et eorum incursiones prohibere. Pabricarunt etiam Pru-
158 - teni duo castra, unum supra Istulam ultra Thorun, quod voca- runt Rogow, aliud iuxta Thorun, in loco ubi nunc Btat antique Culmensis Cathedra, et Pipinus Prutenus, Christianis infeetis- simus terciam munitionem in lacu posuit, quae in hanc diem lacus Pipini dicitur, Haec tamen Prutenorum castra, per fra- tres Cruciferos et milites Polonorum sub paucis diebus fue- runt expugnata ..." Dagegen Chronik Celle: "Den fursten in der Masau mit namen Conradus, den jaramerte die groBe verwustung seiner landt, und der groBe ubermuth der PreuBen tat ihn im herzen wehe. Derhalben er mit rat des Bi- schofs von Colm die bruder des ordens des deutschen Hauses zu Jerusalem in das land zu PreuBen forderte und sandt zu dem babst Gregorio ... Als nun die PreuBen der bruder anschlage vernahmen, da baue- ten sie auch dre festen und schlofler, ein schloB an die wei- Bel jenseit Thoren und nanneten das Nogaw (Rogaw), das ander schloB baueten sie, da nun die alte Colmische kirche ist, namlich zum alten hauB, und das dritte bauet ein tyrann, der den Christen sehr feind was, mit namen Pinxinus (Pinpinus), ein PreuB, und hat das schloB in einen See gebauet, und die see wird noch heute das Pinxinische (pinpinisch) see genandt, und die schlbBer der ungleubigen wurden in kurzer zeit^durch die deutschen herren und hulfe der Pohlen verstoret.n^ ' Vor der Kommentierung soli ein weiterer Text folgen: "Referunt quidam, quod dum fratres habitant in dicta arbore, Prutheni habebant supra Thorun in littore Wisele castrum dic¬ tum Rogow, et infra in descensu aliud circa locum ilium, ubi nunc situm est castrum antiquum. Puit etiam in medio horum quidam nobilis de Pomesania Pippinus, qui circa stagnum, quod a nomine suo dicitur stagnum Pippini, habitabat in quodam propugnaculo cum multis infidelibus latrocinia exercens: nul- lus Cristianus poterat exire castrum, quin caperetur, vel oc- cideretur ab eo ..."32) DaB die Celler Chronik Matthias naher steht, ist sofort ersicht- lich. Interessant iBt aber die enge Verwandtschaft zum dritten Text, namlich Dusburg. Deutlich spUrt man die Tradition der Orders chronistik. Matthias bietet einen stark mit wortlichen Anklftngen an Dusburg durchsetzten Text; wie er bei D^ugosz aussieht, soil in diesem Rahmen nicht zusatzlich angeftihrt werden. Die Ordenstradi- tion erscheint in Chronik Celle durch Vermittlung von Matthias; doch kommt ein zweiter Quellenstrang hinzu. Chronik Celle versuch- te beide sinnvoll zu verflechten, was nicht ganz gelang. So taucht beispielsweise der Zug gegen Pinpinus wenige Zeilen spater unter anderen Voraussetzungen ein zweites Mai auf, dem anderen Strang entstammend•^^ Doch bereits jetzt geht der Anteil Matthias von Miechbws an der Schilderung in Handschrift Celle stark zurlick.
159 - *8*ln Werk wird nur noch benutzt, um zu erganzen. Vie eng verwandt die Berichte oft eind, zeigt sich bei den Jeweiligen Darstellungen dee Kriegszuges von 1234.^^ Celle ist ausftihrlicher, was nicht auf eigener Erf indung beruht, bietet doch die Chronik von Martin Osterreich fast die gleiche Erzhhlung. ' Die unterechiedliche Tradition zeigt sich auch in der Teilnehmer- liete jenes Zuges: wahrend bei Matthias Konrad von Masowienan er- eter und Hermann Balk an letzter Stelle steht, ist das Verhaltnis bei Celle anders, indem Hermann die erste, Konrad die zweite Stel¬ le einnimmt. Bei der bereits aufgezeigten ordensfeindlichen Ten- denz der Celler Chronik ist es unwahrscheinlich, dafl sie hier selb- •tttndig eine Anderung vorgenommen hat gegenliber der bisher recht genau ausgeschriebenen Quelle. In Kapitel 36 weifl Matthias von der Hilfe des Markgrafen Heinrich von Meifien fUr den Deutschen Orden im Jahre 1237 zu be- richten, doch bietet er gegenliber Celle nur ein dtirftiges Frag- Bent. Bei der Erbauung Elbings 1237 fehlt ihm die Teilnahme Hein¬ richs von MeiBen. In der Celler Chronik scheint jene Nachricht eineKontraktion aus Matthias und der alteren Chronik von Oliva zu eein.56> Matthias schildert in Kapitel 38 den Tod Osternas, in 39 die Grtindung des Thorner Klosters und die Inkorporierung des Schwert- brUderordens; in Kapitel 41 liegt eine Zusammenfassung der Kampfe dee Ordens gegen Swantopolk vor. All diese Pakten berichtet auch die Celler Chronik, allerdings ohne von Matthias beeinfluflt zu eein. Ddsselbe gilt ftir die weitere Darstellung. Die kurzen Hinwei- se des Matthias - so in Kapitel 42, 43, 49, 50 und ofter - finden eich in dieser Form nicht in Chronik Celle. Erst aus Buch IV, Ka¬ pitel 6 wurden wieder Nachrichten Ubernommen. Doch muB der Chro- niet trotzdem die Chronik des Matthias verfolgt haben, da die An- gabe des Taufnamens "Mandolph" filr Mindaugas nur dort entlehnt ^ eein kann.^^^ Jedenfalls hat der Schreiber ftir den Zeitraum von etwa 1234 bis 1307 eine andere Quelle als Matthias zur Hauptvor- lage gehabt. Sie scheint der Ordenschronistik angehort zu haben. In die recht knappe Darstellung der Litauerkriege und die Aufz&hlung der Hoch- und Landmeister ist zu 1307 die Besetzung
160 - Danzigs und Pommerellens durch den Deutschen Orden in die Celler Chronik aus Matthias, Kapitel 6 - 8 im Buch IV eingeschoben wor- den. Er berichtet daruber ausfuhrlich; Chronik Celle ktirzt, Uber- nimmt aber den Rest wbrtlich. Aus Kapitel 9 stammt die Schilderung des Litauereinfalls nach Brandenburg zu den Jahren 1320 und 1 327;^ in Wirklichkeit fand nur ein Zug 1326 statt, wie Matthias richtig angibt. Auch die An- gaben iiber PreuBen sind samtlich aus den nachsten Kapiteln in die Celler Chronik eingegangen, die Jahre 1327 - 1333 umfassend. In Kapitel 13 begegnet zum erstenmal ein Stilmittel Matthias von Miechows, das er in Buch IV haufig anwendet, der RUckgriff. Bisher orientierte sich Matthias an der Regierungszeit der polni- schen Herrscher und ordnete alle Nachrichten chronologisch ein. Nun aber zieht er ofter eine Darstellung bis zum Ende der Ereig- nisse durch, um dann erst die Schilderung der Vorgange auf anderen Schauplatzen nachzuholen. So greift er in Kapitel 13 auf das Jahr 1306 zuruck. In dieser RUckgrifferzUhlung sind manche Nachrichten uber die LitauerzUge enthalten, doch gewinnt man den Eindruck, als habe Chronik Celle dafUr eine andere, nicht unbedingt sehr exakte Quelle vorgelegen. So scheint auch der Zug des Ordens gegen Litau- en 1320 und der Tod Gerhard Ruddes nicht von Matthias Ubernommen 4-1 ) zu sein. ' Ab Kapitel 17 wird der von Matthias vorher unterbrochene Er- zahlgang wiedet aufgenommen; auch die Celler Chronik hat die Nach- i n \ richten dieses Kapitels zum Jahre 1333 Ubernommen. ' Die Erwah- nung des Priedens von Kalisch 1343, bei Matthias in Kapitel 18, hat der Chronist Ubersehen. So setzte er erst wieder beim nachsten RUckgriff des Matthias in Kapitel 22 an mit dem Zug des Ordens ge¬ gen Pilenai 1 336.*^ Auch die folgenden Angaben Uber Litauerkampfe entlehnte er jener Quelle.Weitere Nachrichten Uber PreuBen sind dort nicht mitgeteilt. Anhand der Randverweise des Matthias hat der Chronist die nachste Stelle Uber PreuBen in Kapitel 33 gefunden, wieder eine RUckgrifferzahlung. Von hier an folgte er der polnischen Chronik weiter, in der Hauptsache fUr die Litauerkriege.Allerdings kUrzte er recht stark gegenUber seiner Vorlage, doch blieb die An- lehnung wdrtlich. Auch die GrUndung des Karthauserklosters stammt
161 •u# Metthiae,46) 1J83.47^ ebenso die Nachricht tiber die Pest dee Jahree Die polnisch-litauischen Ereignisse der Jahre 1386/87 erreg- t#n auch in PreuBen groBes Interesse; besonders im RUckblick aus 4Ф9 16. Jahrhundert gaben sie die Erklhrung fUr die weiteren Vor- ginge im polnisch-preuflischen Kampf. So ist es kein Wunder, daB •la eich in ausfuhrlicher tlbernahme aus den Kapiteln 38 und 39 in dar Celler Ghronik finden,^8^ ebenso die folgenden Litauerkamp- In die ttbernahme aus Kapitel 40 bei Matthias schaltet die Caller Chronik eine Uberlieferung aus einer andern Quelle ein, die der Chronologie nach am Platze zu sein schien;^^ ebenso setz- ta der Chronist noch die Nachricht liber die Vertreibung des Deut- •Chen Ordens aus Bbhmen hinzu, die er bei Matthias in Kapitel 49 хшв Jahre 1393 gefunden hatte. Dann fuhr er im unterbrochenen Ka- 51} pitel 40 mit seiner Erzahlung fort. ' Offensichtlich versuchte ar also, der RUckgrifftechnik Herr zu werden, doch gelang es ihm nicht ganz, wie beispielsweise die Datenverwirrung beim Frieden 52 ) ▼on Racianz zeigt. 'Nach der breiten Einschaltung einer anderen Quelle und der Weiterftihrung der Erzahlung anhand von Kapitel 42 nahm der Chronist aus den folgenden Abschnitten die Darstellung 55) der Tannenberger Schlacht mit ihren Begleiterscheinungen auf. ' Dabei kommen MiBverstandnisse vor, die in der starken Ktirzung be- grtindet sind;^^ so wurden laut D/ugosz und Matthias Kasimir von Stettin und Konrad von Innsbruck gefangen, nach der Celler Chro- 55) nik jedoch erschlagen. ' So genau wie ftir frlihere Zeiten hat der Chronist den Bericht Matthias von Miechows nicht Ubertragen. Das liegt wahrscheinlich daran, daB ftir diese Zeiten die Quellen reich- licher flossen, wahrend er vorher auf Matthias alleine angewiesen war# Deutlich wird die veranderte Quellenlage splirbar, bringt die Caller Chronik doch hier zum ersten Male Briefe und Urkunden in grBflerem AusmaBe, offensichtlich weetpreuflischer Provenienz. Die Schilderung des ersten Thorner Friedens stammt wieder aus der Dar- etellung des Matthias in Kapitel 45.^^ Bei den Vorg&ngen des Jah- rae 1414 wird die Abwendung des Chronisten von Matthias eindeutig, veifl er doch wesentlich mehr an sachlichen Aussagen zu geben ale
162 571 jener. Die in der Celler Chronik folgenden Erzahlungen Uber die Kronung der polnischen Kbnigin 1424 und den FUrstentag zu #uck 1429 sind zwar an Matthias orientiert, doch miflversteht der Schrei- ber ihn grundlich. Dazu kommt, daB Matthias selber die pucker Vor- gange mit denen des Tages von Kasmark 1410 vermengt. Die sich so in der Celler Chronik ergebenden Nachrichten sind auBerst verwor- ren.*^ Grunau bietet sie besser. Eindeutig wird jedenfalls das mangelnde Interesse an der weiteren Verfolgung der Chronik Matthias von Miechows; die preuSischen Quellen flossen inzwischen reichlich genug. So laBt sich fUr die nachsten Kapitel dee Matthias von Mie- chow keine Benutzung durch den Celler Chronisten nachweisen, aus- genonunen die bereits erwahnte Notiz Uber die Austreibung des Or- dens aus Bohmen in Kapitel 49. Allerdings sind die Nachrichten Uber PreuBen dort auch recht sparlich. Ausfiihrlicher werden sie erst wieder zur Zeit des 13jahrigen Krieges. So konnte die Angabe der vom Konig erteilten Privilegien Danzigs aus Matthias erganzt 591 Чч sein. Auch die Schilderung Uber den Verkauf der Marienburg geht 6 01 t ^ teilweise auf ihn zurUck. 1 Es wird jedoch vbllig klar, daB Mat- Л ■ i* thias nun mehr eine untergeordnete Holle als Quelle spielte. Zusammenfassend laSt sich also sagen: Matthias von Miechow “ iibte einen bestimmenden EinfluB auf die Danziger historiographi- sche Tradition aus. Dabei stammt die oftmals recht massive Polemik der Chronisten gegen den Orden nicht von ihm. Sein V/егк diente in erster Linie dazu, die EreignislUcken der Darstellung jener Tradi¬ tion zu fUllen. Die Intensitat der Benutzung richtete sich dement- sprechend danach, wie reichlich andere Quellen chronikalischer tJberlieferung flossen. So ist ganz deutlich zu spUren, wie der Ar> teil des Matthias von Miechbw an der Darstellung in einer Danziger Chronik - wie sie die Celler Chronik bietet - zu Beginn sehr groB ist, zurtickgeht beim Auftreten der Ordensuberlieferung, starker wird bei der Schilderung der LitauerzUge, urn dann mit dem Einset- zen stadtisch-stalndischer Tradition nach dem ersten Thorner Frie- den vbllig zurUckzutreten. Wenige Notizen vrurden noch Ubernommen, einzig zur Bereicherung und Erganzung, fast nur noch als "Kostpro- ben" • So wesentlich Matthias von Miechbws EinfluB auf die Danziger
163 - hietoriographische Tradition bis zum Jahre 1411 ist, so vbllig be- deutungslos wird er fUr die folgenden Jahre. Die eigenen Quellen, gltich woher sie ihren Ursprung nahmen, flossen zu reichlich, als 4*0 eich eine Benutzung Matthias von Miechowa nachher noch gelohnt ijltte. Deshalb zeigen die letzten Ubernahmen auch eine viel grbfie- TC Preiheit der Wiedergabe, so daB gar nicht mehr ganz klar zu sa- gen ist, ob mancher Bericht wirklich noch Matthias von Miechow zur Yorlage hatte. Wo es wenig zu berichten gab, schaltete die Danzi- ger Chronistik auch Episoden ein, die PreuBen kaum Oder gar nicht bertihrten. Spater iiberging sie selbst wichtigere das Land betref- fende Nachrichten, da die eigenen Quellen wesentlich mehr zu bie- ten batten. Die preuBische historiographische Tradition war bis zu Beginn dee 16. Jahrhunderts in der Hauptsache eine Ordenstradition. Diese begann aber erst 1190 mit der Ordensgeschichte, 1230 mit der preu- liechen Geschichte. Eine schriftliche tiberlieferung der PruBen gab ee nicht. Die Schilderung der heidnischen Vorzeit des Landes fand eich im Ansatz bei Blumenau, der aber der Danziger Tradition unbe- kannt blieb. Erst Stella hot die willkommene Darstellung. Doch liegt das Schwergewicht bei ihm auf der Vblkerwanderungszeit bis zur Weidewut-Sage. An die Teilung des Konigreiches unter Weidewuts Sbhne liefl sich die geographische Beschreibung anschlieBen. Dann gab es aber eine groBe LUcke zu schlieflen bis zum Beginn der Or¬ denstradition. In diese LUcke wurde, nach einigen Praeliminarien ■von den rechten alten Preusaen", Matthias eingeschoben. Er war das Bindeglied zwischen sagenhafter Vorgeschichte und gut Uberlie- ferter Ordensgeschichte.^1' Das Erscheinen seines Werkes ermbglich- te erst eine umfangreiche Darstellung der preuBischen Landesge- achichte. Doch von noch grbBerer Tragweite dUrfte sein EinfluB ge- wesen sein. Er bot als erster dem preuBischen Geschichtsschreiber die Geschichte eines Landes und Volkes,^^ noch dazu eines PreuBen benachbarten. Vorher gab es fUr jenen nur Darstellungen eines be- grenzten Zeitraumes Oder unter anderen Voraussetzungen entstanden, Vie Lindaus Chronik des 13jahrigen Krieges, oder eben die Ordens- geechichtsschreibung. Nun aber lag in Matthias von Miechows Chroni- oa ein Werk vor, das Anregung und Vorbild gab und darUber hinaus
- 164 - eine wichtige Materialsammlung darstellte. Das forderte eine zu- sanunenfassende Beechreibung der Geschichte des PreuBenlandes gei dezu heraus, die derm auch, zumindest in spateren Jahren, von der Urzeit bis in die miterlebte Gegenwart fUhrte. Damit gebtthrt Mat¬ thias von Miechows Werk nicht nur der Hang einer normalen Quelle, sondern darUber hinaus der des Anregers; es gab den AnstoB zur иш- fassenden Landeschronistik. Diese wesentliche Funktion Matthias von Miechbws erreichte keine andere polnische Darstellung. Selbst wenn sie gleich mate: alreich gewesen ware, an Bedeutung hatte sie es mit jener Chron nicht aufnehmen konnen. Hinzu kommt, daB die v/esentlichen LUcken gefiillt waren, eine andere Chronik also nur kleinere Erganzungen geben konnte. Nicht daB es an polnischen Berichten gefehlt hatte, die auch in PreuBen gelesen und bei der Abfassung einer Chronik verwandt worden sind. So benutzte der Kbnigsberg-Altstadter BUr- germeister Nikolaus Richau zu seiner "Historie von dem Aufruhr der samlandischen Bauern" den Brief "De negotio Prutenico" des damali- gen Bischofs von Przemysl Andreas Critius Die Beliebtheit der "Polonia" des Martin Cromer ist be- kannt; allerdings wurde seine Chronik erst 1555 zum erstenmal ge- druckt.^) Ein anderer Name verdient noch genannt "zu werden: Jodocus Ludovicus Decius Oder, da er als 65} gebtirtiger Elsasser Deutscher war, Jost Ludwig Dietz. ' Seine Werke sind im Anhang zur Chronik Matthias von Miechbws ebenfalls bei Vietor im Dezember 1521 gedruckt: MContenta de vetustatibus Polonorum, de Jagellonum familia, de Sigismundi regis temporibus." Das erste gibt in aller Breite eine Schilderung polnischer Frtth- zeit; fur die preuBische Historiographie war dieses Buch uninter- essant. Unter dem zweiten Titel liegt eine Genealogie des polni¬ schen Kbnigshauses vor, angefangen mit Olgierd und fortgefUhrt bia zur Geburt Sigismund Augusts 1520. Aus diesem Buch konnte die ge- nealogische Darstellung des polnischen Kbnigshauses stammen, die die Celler Chronik anlaBlich des Todes von Kasimir im Jahre 1492 aufweist.^) Ein genauer Vergleich ergibt, daB zwar die Mitteilun- gen iiber die Kinder Kasimirs sich bei Decius finden, jedoch tlber 67l Albrecht V. von Qsterreich nicht. u Eine wbrtliche Abhangigkeit
- 165 - lfiflt sich allein aufgrund der unterschiedlichen L&nge nicht fest- etellen. Auch Matthias von Miechbw kommt als Quelle nicht in Fra- ge,^^ Ahnliche Darstellungen finden sich bei Grunau, Weinreich, go) und der Hanseatischen Chronik "Stegmanns". ' Bei Weinreich wird tindeutig klar, daB eine solche Aufstellung bereits vor 1496 be- •tanden haben muB, gibt er doch die Tochter Barbara, in jenem Jah- re Georg von Sachsen vermahlt, noch als "unberaten" an. Wahrschein- lich 1st seine Aufstellung spater an den inzwischen eingetretenen Breignissen korrigiert worden. So zeigt die Celler Chronik einen Stand, der frUhestens 1520 erreicht wurde, da der in jenem Jahr geborene Sigismund August noch Erwahnung findet. Somit ist durch- aue mbglich, dafl Decius als Quelle diente, schlie3t er sein zwei- tee Buch doch mit der Geburt Sigismund Augusts. Aber es hat zumin- deet noch ein zweiter Bericht vorgelegen, der die Mitteilungen fiber Albrecht von Osterreich enthielt. Eindeutig zu klaren ist das nicht. Das dritte Buch bei Decius schildert das Leben Konig Sigis- minds bis zum Jahre 1516.^^ Wesentliche Berlihrungspunkte zur Cel¬ ler Chronik ergeben sich nur an der Stelle, an der die Verwicklun- 71) gen Polens mit Moskau behandelt werden. ' Doch ist Decius in sei- nen Schilderungen, jeweils unter dem betreffenden Jahr zusammenge- faflt, dermaBen ausfiihrlich gegenliber Chronik Celle, daB eine Ab- hhngigkeit nicht sicher festgestellt werden kann. Es ist moglich, daB die Nachrichten aus Decius stammen, doch laSt sich das weder eicher nachweisen noch zur Wahrscheinlichkeit erheben. Damit ist der polnische EinfluS auf die Danziger historiogra- phische Tradition herausgestellt worden. Der Hauptvermittler war Katthias von Miechbw in seiner "Chronica regni Poloniae". Daneben Bind alle anderen polnischen Chroniken als Quelle fUr die Danziger und darUber hinaus auch fUr die gesamte preuflische Chronistik be- deutungslos. Das anderte sich erst bei den Anfangen wissenschaft- licher Geschichtsschreibung, wie David, Hennenberger und Schiitz, die allerdings auch von einer insgesamt wesentlich breiteren Quellenbasis ausgingen. Matthias von Miechbw blieb aber ebenfalls in jener Zeit noch eine der wesentlichsten nichtpreuBischen Quel- len fUr die preuBiache Geschichtaachreibung des 16. Jahrhunderts,
- 166 - wenn auch nicht immer als direkte Vorlage, so doch mittelbar ▼<№] wesensbestimmendem Einflufl.
- 167 - VIII) Die Celler Chronik im Rahmen der preuBischen Historiographie des 16. Jahrhunderts Eine kaum tibersehbare Zahl von historischen Handschriften bat dae 16. Jahrhundert hinterlassen. Humanistischer Geist, bUr- | garlicher Sammeleifer und die Wendung zur Vergangenheit des eige- Btn Umkreises, sei es die Stadt, das Land Oder gar die damals be- kannte Welt, machten jene Zeit zum Jahrhundert der Geschichtsschrei- bung. Ein Blick in den Handschriftenkatalog der Danziger Stadtbi- bliothek laSt uns erstaunen, wieviel noch heute von den Arbeits- frilchten dieses Geistes in PreuBen vorliegt, und wie das wiederer- vachte Interesse an der preuBischen Chronistik zeigt, gilt es nur eine eystematische Suche, urn standig neue Schatze zu entdecken.^ Be w&re ein gewagtes Unterfangen, alle preuBischen Chroniken jener Zeit auf knappem Raum untersuchen zu wollen; daher seien nur eini- gt Hauptvertreter vorgestellt. Die wesensbestimmenden ImpuLse ftir die preuBische Geschichts- •chreibung des 16. Jahrhunderts gingen von Danzig aus. Seit der Kitte des 15. Jahrhunderts lag die Zentrale der Ordensherrschaft *var in Konigsberg, doch stellte den groBten Machtfaktor des nun- aehr zerschlagenen Ordensstaates die Handels- und Hansestadt an der Veicheelmiindung dar. Wie bereits gezeigt wurde, ging mit der Macht auch das historisch lebensfahige Interesse auf den stadtischen Be- reich Uber, sich der Darstellung der eigenen Vergangenheit zuwen- dend. Viele altere Geschichtswerke sind nur aufgrund jenes Eifers 2) erhalten, so die Fragmente der Reimchronik Wigands von Marburg, lachdem die Vorgeschichte des PreuBenlandes durch Stella bekannt- gemacht und von der Elbinger Monchschronik in "brauchbarer" Weise erweitert war, nachdem Matthias von Miechbws Werk die restlichen LClcken gefUllt hatte bis zum Einsetzen der Ordenstradition und gleichzeitig Anreger und Vorbild fUr eine Landeschronistik gewe- een war, stand einem ErblUhen vielgestaltiger Geschichtsdarstel- lungen nichts mehr im Wege. Durch Georg Schoffke wurde die Elbinger Mbnchs- h г о n i к nach Danzig vermittelt.^ Wartzmann legte sie der jptreten Fassung seiner Chronik zugrunde, geschrieben im Jahre 1542.
168 ц Eine zweite groSe Kompilation entstand, das Ebert-Fer- ber-Buch Noch ist unklar, wie dieses Werk aussah. Gehrke j edenfalls iiberschat zte es in Aussehen und EinfluBnahme sicher.^ Auch J. Dworzaczkowa ist sehr vorsichtig in der Beurteilung jenes Werkes.^ Den allgewaltigen Danziger BUrgermeister Eberhard Perber hat es allerdings kaum zum Verfasser. Bevor mit Hilfe von kleine- ren, schrittweise vorgehenden Analysen nicht sein Inhalt festge- stellt wurde, ist eine WUrdigung ein vergebliches Unterfangen. Ее laBt sich nur vermuten, dafi die so genannte Chronik von einem Schreiber stammt, der in Ratskreisen freien Zutritt hatte und da- durch altere Uberlieferungen der stadtischen Kanzlei zusammentra- gen konnte. Das dlirfte in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderte geschehen sein, da in jener Zeit das Werk bereits als Vorlage fUr andere Handschriften diente. Nach wie vor ist es eine der inter- essantesten Pragen der Erforschung der His toriographie des 16. Jahrhunderts, wie diese Chronik ausgesehen haben mag. Mancher Schritt dlirfte aber vorher noch zurtickzulegen sein. Verwandtschaft mit dem Ferber-Buch laBt deutlich die Hansea- tische Chronik Bernt Stegmanns sptiren, ein Werk, das Danziger Tradition mit hansischer Uberlieferung verband, doch nicht als eigenstandige Arbeit, sondern nur als Abschrift oder Kompilation gelten darf.^ Auch die Chronik vom Danziger Aufruhr 1525, fur die Stegmann als Verfasser gait, stellt nur eine Ab¬ schrift dar, wie die parallele Baisen-Chronik be- weist Eine verhaltnismaBig originale Uberlieferung der Ferber-Chro- nik scheinen die Handschriften von Albert Kattenhofer und Georg Kunheim zu geben. Toeppen bewertet sie recht 8 hoch, ' doch halte ich eine Einordnung fUr noch zu gewagt. Die Nachrichten aus der Elbinger KSnchschronik und dem Ebert- Ferber-Buch wurden zusammengefaBt von Simon Grunau et- wa um 1530. Er konnte die frisch zusammengestellte Uberlieferung aus erster Hand benutzen und schuf ein umfangreiches Werk, an dem sich die Gemuter spaterer Historiker immer wieder entzlindeten. Wa- ren doch die historischen Fakten und Daten in die Hand eines "Un- wiirdigen" geraten, eines "Scharlatans" und "monstrosen Falschers"! Doch was hatte man denn von jenem einfachen, terminierenden Mbnch
- 169 - kvartet, der hineingestellt war in eine Zeit des Umbruchs, die Mine vertraute Umgebung, die Achtung, die er genoB, ja seine Exi- kenz zunichte zu machen drohte? Glaubte man, da6 er in der Art k# humanistischen Gelehrten diese Nnchrichten zu einer wissen- kbaftlichen Darstellung formen wiirde, zu seinem Ruhm und zu Nutz kd Frommen der Nachwelt? Wer das erwartete, achtete die religios- kietige Erregung jener Zeit gering! Der wohlsituierte Kaufherr, ki eein Glaube selten spUrbare Vor- Oder Nachteile brachte, er BjKtte die Erwartungen von Grunaus Kritikern vielleicht erfilllen квпеп. Der einfache Dominikaner aus Tolkemit aber konnte die hi- ftorlache Uberlieferung jener Quellen anders verwerten. Er kam in Btrflhrung mit dem einfachen Volk, er predigte ihm, er erbaute es tit seiner Erzahlungen, er drohte ihm ob seines Lebenswandels und tr lebte von seinen Gaben. Zur ErfUllung dieser Aufgaben, die Ц|Ш und Zweck seines Lebens darstellten, konnte er die histori- Mshb Uberlieferung sehr gut verwenden. Allerdings muBte sie dazu «geformt werden. So war seine Chronik nicht als Geschichtsdarstel- lIBg gedacht, sondern als Predigthilfe- Der einfache Mann hatte =mf Anhieb zu verstehen, was der predigende und erzahlende Monch 40llte. So laGt sich die eindeutige, fur den modernen Betrachter nftmals abstoBende, teilweise haBvoll prokatholische und propolni- iche Tendenz einzig erklaren. Als Predigthilfe ist das Werk ten- iaiizids, falschend, verwirrend flir moderne Interpreten, doch dra- etlSch, farbenreich und lebendig, voll urwUchsiger Kraft. Damit Stand es in einer bereits recht alten Tradition des Dominikaneror- Aene, dem Predigttraktate durchaus nicht fremd waren. Verwunder- llcb scheint nur der Umfang der "Chronik", doch dauerte in jener fit eine Predigt wesentlich langer als heute. Es war nicht selten, АдВ gute Prediger Stunden um Stunden eine geduldig ausharrende, miseries am ihrer Predigt folgende Hbrerschar batten. So ist es ilirchaus vorstellbar, daB Grunau in einem Kloster seines Orders dieses Werk zusammenstellte und es auf seinen Wanderungen als Grund- lage seiner Predigten benutzte: in einer Zeit, als der Orden, der Jreuflen groB gemacht, in seiner Verderbnis aber auch in Not und Blend gestUrzt hatte, von dem verraterischen Hochmeister abgetan var, in einer Zeit, als sich liberall die schandlichste Ketzerei breit machte. Wenn die Herrschenden sich liber die Lehren der Ver-
170 - gangenheit wegsetzten, das Volk sollte sie Ьбгеп! Wie gut kann manl sich den eifernden Bettelmonch vorstellen, gegen jene Verderbnis ^ mit Hilfe der Gelehrsamkeit seines Buches wetternd. Und dieses Buch wollte man als historische Darstellung werten! DaB eine sei¬ che Betrachtungsweise Grunau in Grund und Boden verdammen muSte, 1 ist vdllig klar. Doch anhand der oben geschilderten Aspekte ist sein Werk zu untersuchen und zu vergleichen mit anderen Predigt- 9) traktaten seines Ordens. ' Sicher wird diese Betrachtungsweise eir vdllig anderes und wohl angemesseneres Urteil zur Folge haben, noch dazu, wo sich die Faktentibermittlung als so schlecht auch nicht erwiesen hat.1^ Neben der Elbinger Mbnchschronik und dem Ferber-Buch gab es einen weiteren Traditionsstrang, dessen Untersuchung die grdSten Schwierigkeiten bietet: die pommerellisch-Danziger Annalistik. Viele Bruchstlicke sind iiberlief ert, kaum mehr ortlich Oder zeit- lich in ihrer Entstehung nachzuweisen. FUr das 16. Jahrhundert sind hier die Sammlungen Christoph Beyers und Jakob Rhodes zu nennen. Beyer, der seit 1497 Danziger Schdffe und seit 1502 Ratsherr war,^ soli eine entsprechende Zusammenstel- lung ftir die Jahre 1481 1518 vorgenommen haben. Bekannt ist sie durch Bornbach, und daher in ihrem Bestand nur schwer zu greifen; aus diesem Grund halte ich ihre Rekonstruktion durch Hirsch fUr 1 2) sehr problematisch. ' Einen eigentlich wissenschaftlichen Aufschwung erlebte die chronistische Tatigkeit erst um die Mitte des Jahrhunderts. 1542 schrieb Bartholomaus Wartzmann die Elbinger Mbnchschronik in der Form Schoffkes aus. 1550/51 folgte die Ver¬ se hmelzung jener Uberlief erung mit der des Ferber-Buches. Mit Wartzmanns Namen werden eine Vielzahl von Handschriften in Verb in-' dung gebracht, wie die von Tewes Schwabe, Hans Radewald, Abraham Frost, Jakob Adler und Georg Tiedemann, die ihrerseits wieder je- weils eine ganze Handschriftengruppe vertreten. ^ So groB, wie es auf den ersten Blick scheint, und wie Gehrke aufgrund seines mittelpunktgebundenen Denkens meinte, ist Wartzmanns EinfluB je- doch nicht. Allerdings gilt es ihn endgiiltig im L ufe weiterer Un- tersuchungen herauszuschalen. Der nahere Umkreis um seine zweite Fassung konnte oben dargestellt werden; er sei nochmals ganz kurz
- 171 Wartzmann II 300 R/Ll 5 Ms. 1265 Kod. Stockholm X X Ms. 1290 Bdttcher-Komplex Reden Celle 300 R/Ll 75 - - - - = direkte Abhangigkeit nicht nachgewiesen, Zwischenstufe. Wartzmann bietet in seiner zweiten Chronik, an alien direkt abhangigen Handschriften deutlich erkennbar, eine Kompilationsstu- fe der in PreuBen selbst entstandenen Tradition unter Heranziehung Katthias von Miechows. Er reprasentiert in der Mitte des Jahrhun- derts den eifrigen, aber kritiklosen Sammler, der die verschieden- eten Traditionszweige zusammenfugt, noch ohne sie wertend gegen- einanderzuhalten. Sein Werk gehort voll und ganz der Chronistik an. Erst in spateren Jahren gewinnt Wartzmann den Ansatz zur kri- tiechen Sichtung, wie seine Randbemerlmngen in Ms. 1285 verdeut- 15^ lichen. ' Sehr interessant ware es, wenn er die dort angekiindigte Chronik noch geschrieben hatte; sicher ware dann anhand seiner drei Werke eine sehr aufschlnBreiche Entwicklung des erwachenden wissenschaftlich-kritischen Vermogens festzustellen. Auch in spateren Jahren, als die wertende Geschichtsschrei- bung bereits eingesetzt hatte, gibt es eine Reihe von Werken, die noch der Chronistik zugehoren. In ihnen sind, wie beispielsweise in Handechrift Celle, oftmals recht deutlich die Kompilationsfugen
172 zu spiiren. Klar erkennbar ergeben sich во fUr Chronik Celle ver- schiedene Teile: das Hochmeister- und Landmeisterverzeichnis, die Urkunden und Rezesse, das Danziger Diarium, eingeschoben in eine Landes* und Ordensgeschichte.' Mancher Bruch in der Darstellung\ 17) is ist vorhanden, wohl von Wartzmann herrUhrend. ' Dies sind die An*; satzpunkte zur ErschlieBung der Quellen Wartzmanns, alleme von j Chronik Celle her allerdings nicht zu unternehraen. I Eine ahnlich chronistische Kompilation stellen die Handschrifj ten Georg Melmanns und Hans S p a t t e s dar. In weit \ ausfuhrlicherer Form als Wartzmann trugen diese die Nachrichten zusammen und reihten sie in stattlicher Zahl aneinander, im Hin- blick auf die geistige Entwicklung historischer Tradierung aller¬ dings nichts neues bringend. Uberboten werden sie im Sammeleif er noch von Christoph Falk und Stenzel Bornbach Wahrend bereits der Verfasser von Handschrift X, der Vorlage von Chronik Celle, es sich nicht mehr geniigen lieB, die altere :i V/artzmanntradition einfach zu Ubernehmen, sondern Berichte aus di neuesten nichtpreuBischen Literatur heranzog wie Boemus, Frank u: Matthias von Kiecnow, stellte Bornbach systematisch eine groGe Sammlung von Chroniken mit Abschriften zusammen, deren Vielzahl 1 einen heute staunen laBt. AufgefUhrt hat er ein Teil davon in der Vorrede zu seiner Chronik. Dieses Werk, in vier starken Folioban- den erhalten, 1 wurde im Jahre 15d4 abgeschlossen. Berats dem er- sten Band geht ein kurzes Quellenverzeichnis voraus, das Bornbach einer Klage uber die Verworrenheit der Elbinger Monchschronik an- hangte. Dieser offensichtlichen Vorstufe folgt das endgultige Vor- wort zum Gesamtwerk, das dem vierten Band vorangesetzt ist. Neben einer ausflihrlichen Disposition seiner Chronik in seehs Teilen enthalt es ein umfangreiches Quellenregister, geordnet nach Sach- inhalt und Entstehungszeit. Den Anfang macht Stella als der Schil- derer der Yorzeit, den BeschluB das gerade erst erschienene Werk des Georg Ranis, zitiert unter dem Namen des Druckers Wolfgang Dietmar.1^ Sodann folgt die Begriindung, weshalb Bornbach selber zur Feder griff: "Dieweil ich dann nue sehe, das man diese Croniken nicht so geschrieben hatt, als sie woll sein sollten, hab ich Stent- zell Bornbach mir vorgenommen, aus alien den obgemelten eine
- 173 - eelbst zue schreiben, wenn ich der weil habe, darinnen ein jar nach dem andern folgen solde, und nichts in der Historien was notig ist und zue erforschen stehet ausgelossen werde, it * / ita ut verus temporum ordo describatur et k*u £nvx observetur personarumque descriptiones, foedera, b ?0) consilia acta et eventus cum iuditio aliquo inserantur.M ' Dementsprechend fUllte er aus seiner №aterialsammlung, die wesent- lich mehr als die fUnfzehn zitierten Chroniken umfaBte, vier Folio- bttnde. Dieses stattliche Werk, vermehrt noch um eine Darstellung О Л \ dee Danziger Aufruhrs von 1525/26 ' und ein Knegstagebuch von 22) J577, in welchem Jahre Stephan Bathory gegen Danzig zu Felde zog, ' ftrdiente eine ausfUhrliche Untersuchung. Auch die Person des Ver- faseers ist nicht uninteressant. Sein Vater war Prasidierender Bttrgermeister in Warschau. Er selbst studierte in Wittenberg und gehbrte zu denen, die 1546 die Leiche Luthers in diese Stadt gelei- teten. Nach ausgedehnten Reisen liefl er sich in Danzig nieder, er- varb das BUrgerrecht und wurde schlieBlich Stadtschreiber an der 23) droBen Miihle. Befreundet war er mit Wartzmann und Schiitz, zur Frau hatte er die Tochter Christoph Beyers. Auch personlich stand •Г also in enger Verbindung zu den bedeutenden Geschichtsschrei- bern Danzigs. Als Schreiber hatte er Zugang zu den Archivalien des Rates, wenn auch zu jener Zeit noch immer die Geschlechter Eber- hard Perbers und Hans von Werdens historische Werke, die die nicht inner rtihmliche Stellung ihrer Familien in den Wirren jener Zeit lu deutlich schilderten, zu unterdriicken suchten.*^ Deutlich ist das im Vorwort Bornbachs ausgesprochen, weshalb er seine Chronik 25) nicht allgemein bekannt machen mochte. 7 Nicht allein um Ordnung und AusfUhrlichkeit, sondern auch um vahrheitsgemaBe Darstellung geht es ihm, mbglichst ohne zu groBes pereonliches Engagement. Das sind die Wesenszuge der auslaufenden Chronistik, noch nicht berlihrt von dem Wunsch nach kritischer Wer- tung* Darin ist ihm Christoph Falk verwandt, der jedoch in der El- binger Tradition steht. Auf die Danziger tiberlief erung geht die Mittlere Chronik von Oliva zuriick. Sie entstand nach 1545 und umfaBt die Zeit von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 16. JahrhundertsDeutlich ist ihr lokaler Standpunkt, die Sicht
174 eines MSnches aua Oliva. ЕЪепво deutlich aber let die tfbernahme der Danziger Tradition als Grundlage der eigenen Darstellung, ori- ;' entiert am Ferber-Buch. Auch auf die Konigsberger Historiographie blieb die Danziger if Uberlieferung nicht ohne Einflufl. Neben den bereits erwahnten Wer-й 21) P ken ' ist vor allem die "Chronica des hochlobwirdigen ritterli- chen Deutschen Ordens" des Christoph Jan aus Weifien- fels zu nennen. Ihr Verfasser, in Konigsberg als nicht in herzog- lichen Diensten stehender Briefmaler lebend, zeigte sich als ge- schickter Kompilator, nur fiir die letzten Jahre eigenes Erleben berichtend. Er benutzte die JUngere Hochmeisterchronik, Pole, Frei» berg und einige kleinere Quellen, also indirekt in hohem MaBe die Danziger tiberlief erung. Da Jans Werk ein Ubersichtliches, nicht ги * umfangreiches Kompendium der Ordens- und Landesgeschichte bis zup Gegenwart hot und zusatzlich die beliebten Hochmeisterwappen ent- hielt, war ihm eine weite Verbreitung gesichert, wie sie keine an-:’ dere Konigsberger Chronik erfahren hat.2*^ Elbing fand um jene Zeit seinen Geschichtsschreiber in dem aus Annaberg in MeiBen stammenden Lehrer Christoph Falk Er legte wie Bornbach systematisch eine umfangreiche Quellensammlung an, deren GroBe imponierend wirkt. Einen Teil je- ner Handschriften trug er in sein Notizbuch ein, verfaBt in den Jahren 1564 - 1572. \ Neben einer ganzen Reihe von Werken, die er nach anderen Mit-i teilungen zitiert, beispielsweise die Chronik Christians nach einef Handschrift aus der Tradition der Elbinger Monchschronik, ist doch der iiberwiegende Teil der angeflihrten Quellen heute identifizier- bar.2^ Bei der Zusammenstellung dieser Handschriften war ihm sein Beruf als Lehrer am Elbinger Gymnasium eine gute Hilfe; manche Chronik wurde von einem Schiller abgeschrieben. Seine Unterrichts- facher waren wohl die Elementargebiete wie Schreiben, Lesen und Rechnen; seine Werke legen diesen SchluB nahe.^^ Aufgrund seiner 31) geschilderten "vorzUglichen literarischen Verbindungen" ' verfafl- te er eine Elbingisch-preuBische Chronik. Als Quellen dienten ihm die Ordenstradition anhand der Alteren Hochmeisterchronik, die Danziger Uberlieferung auf der Grundlage Lindaus und eine unbekann* te Elbinger Zusammenstellung. Er verband die verschiedenen Quellen*
175 - •triage zu einer umfangreichen, wenn auch nicht immer einheitli- ebea Darstellung mit deutlich Elbinger FSrbung, ahnlich der Arbeit *52) ••• Balthasar Gans fUr das Herzogtum. ' Recht interessant sind dabel seine methodischen tfberlegungen, angeregt durch das Vorwort Paul Poles, das er teilweise Ubernahm. Dabei fordert er: "I. Historien zu schreiben, die recht sollen sein, dazu ge- hort und fordert es gar ein vorstandigen und beredten man. II. Ein geschichtschreiber sol also die historien beschreiben, das er vor unparteiisch gehalten und einiges verdachte nicht mag beschuldiget werden. III. Eine glose, eigensin und gutdunken Oder einiges urteil sol er viel weniger setzen. IV. Das sol er aber setzen, das er warhaftig die ding also beschriben funden, er mag auch melden, das anders die leut davon reden, nemlich so und dergleichen, weder er geschrieben funden. V. Mit solcher weis macht er beiden teil die historien zu lesen angenem. Das sind Forderungen, wie sie dem auslaufenden Zweig der Chro- bittik vbllig gemaB Bind. Nach dieser Methode sind die groBen Kom- pilationen zusammengestellt, wie Wartzmann Oder Bornbach. Dement- •prechend handelte auch der Verfasser der Celler Randschrift, die Prototyp jener auslaufenden Art der rein kompilierenden Ge- chtsschreibung gelten kann. Zwar benutzt sie neue Literatur titiert sie auch in etwa so genau, daB uns heute der Nachweis •Bglich ist; darin konnte man den ersten Ansatz zu wissenschaftli- cher Durchdringung sehen. Doch ist die Sammlung und Darstellung, rielleicht der Vergleich, aber noch nicht die Wertung maBgebend. Bin ftufleres Zeichen dafUr ist die Anftihrung der eigenen Person. £• kann vorkommen, daB der Chronist Selbsterlebtes schildert und daa durch Erzahlung in der 1. Person Singular kenntlich macht; aber •iner Wertung, etwa mit den Worten:”ich hab funden, daB jene Chro- nik anders schreibt, kann aber nicht wahr sein”, enthalt er sich »Och. Die wissenschaftliche Geschichtsschreibung wird zwar durch mb» Byatematieche Sammeln vorbereitet, doch zum methodischen Durch- tbruch gelangte sie erst spater. Ihr erster Vertreter in PreuBen hit Lucas David*
176 - Ber gebUrtige Allensteiner Lucas Bavid lebte als Stu¬ dent und Lektor in Leipzig, um anschlieSend ala Kanzler zum Kulmer Bischof Tiedemann Giese zu gehen, obgleich er selber Protestant 34) 35) war. Bereits damals zeigte er starke historische Neigungen. ' Richtig befriedigen konnte er jene allerdings erst am Hofe Herzog Albrechts, wo er ab 1549 als Rat am Kammergericht wirkte. Ber Her¬ zog, selber stets lebhaft interessiert an der Vergangenheit seines Landes, beauftragte Bavid mit der Anlage einer entsprechenden Chro- nik. Aber erst unter Albrecht Friedrich erlangte Bavid einige Er- leichterung im Bienst sowie die Erlaubnis zur Benutzung der Archive von Konigsberg und Tapiau. So sammelte er fast vierzig Jahre uner- mUdlich Material, um eine Chronik des PreuBenlandes schreiben zu konnen. Zuletzt bekam er dazu Schreibhilfen gestellt und wurde von seinen dienstlichen Verpflichtungen entbunden. Zu spat begann er die Niederschrift des Werkes, um es bis in seine Zeit fortfUhren zu konnen; mit dem Jahre 1410 bricht es ab. Boch bedeutet seine Chronik einen beachtenswerten Markstein in der Historiographie dee PreuBenlandes. Einerseits "hat er die BeweggrUnde der Handelnden scharf erfaBt und die Fragen der Gegenwart an ihrem historischen ■7 Г \ Ursprungsort aufgesucht,"^ andererseits begann er als erster den grundsatzlichen Vergleich der Quellenaussagen mit kritisch-wissen- schaftlicher Wertung. Bei Falk und Bornbach sah man noch die Kom- pilation des Materials an oberster Stelle stehen, nach Mdglichkeit 37) ohne "eine glose, eigensin und gutdunken Oder einiges urteil". Vollig anders dagegen arbeitet Bavid. Er kanntedie Schriften und Chroniken seiner Zeit und bewertet die Schreiber: "Weil aber dieselben zum teil nur mit gemainen worten und die sachen an sich Oder auch sehr kurz in iren schriften davon gehandelt, Oder die geschicht nur bios, ohn sonderlich mel- dunge der ursachen und andern umstande gesStzt, ja oftmals wiederwartig, nachdem ein ider diesem Oder jenem teil gewogen in schrift und Bucher vorfast, und also zu mehrmalen irem ge- mute mehr raum geben, dan der warheit, das also sich der so es list, uftmals mit grosen verdries druber bestorzet, und weist nicht, sonder bleibt im zweifel was er vor war, oder unwar halten solle."^^
177 |м tntepricht durchaus noch dem Ansatz Bornbachs Oder Falks. erete Arbeitsstufe, ebenfalls in der Art jener Schreiber, nur Mhr viel intensiver, ist ftlr ihn: ■Habe notwendig erachtet zum ersten allerlei kundschaft in fttretlichen und Bischoflichen Canzleien auch Thum-Stiften, Klostern, und stedten, fleisig zu durchsuchen. Ate niichetes kommt es ihm darauf an: "Also aus dem was gefunden und zusammengelesen gott zu ehren, dem land PreuBen zu nutz, in allem diesem Werk nichts an- dere suchende, dan das die warheit der geschichte so viel BUglich muchte am tag gebracht werden.1’^1^ woiterer Yorsatz zeigt, daB er noch eine Betrachtungsstufe folgen leLBt: "Kicht gnug sein will die warheit schlecht zu erzelen, wie ▼on andern geschichtschreibern geschicht sonder auch mit gu- ten Urkunden und grunden erweisen, und der andern meinung wi- derlegen. Malt Bind Kritik und Wertung der geschilderten Ereignisse gefor- «•Ft. Dae bedeutet aber den Schritt von der kompilierenden Chroni- •Шс fort und die Hinwendung zur Geschichtsschreibung. Zwar ist 8ohritt und Tritt Davids Darstellung anzumerken, wie schwer iie Verwirklichung jener Forderung ihm geworden ist. Wie oft folgt ЦТ noch Grunau, den er an so vielen Stellen in Grund und Boden fprdammt!^^ Zu spat begann er seine Chronik, um die methodischen flerderungen dort sich auswirken zu lassen, wo ihre Beachtung man- 6fei IlHxung hatte bringen konnen, nach dem 1 . Thorner Frieden. An Imi Punkt, an dem die verschiedenen Uberlieferungen einsetzen, fOn dem an kritische Wertung der Berichte notwendig und schwierig gird, nahm der Tod Lucas David die Feder aus der Hand. Die Vorgan- n dee Jahres 1410 waren das letzte, das er noch darstellen konn- anhand seiner umfangreichen Sammlung, deren weitere Ausschop- png keinem Zeitgenossen gelang und die heute wohl verloren ist. (•lne methodischen Forderungen aber, obwohl sie nicht recht zur Iflrkung gekommen Bind, ordnen ihn ein unter die Vorbereiter einer fcrltiechen GeBchichtsschreibung, wie sie fttr PreuBen erst ein Xahrhundert sphter erneut einsetzte mit den Werken Christoph Hart- knoche.
Zu bemerken bleibt noch, dafl David trotz dee Abschluseee im Jahre 1410 manches aus seiner Zeit und eigenem Erleben berichtete, nicht etwa im Versuch, Mdas Gewesene zu aktualisieren, wohl aber die Fragen der Gegenwart an ihrem Ursprungsort in der Geschichte aufzusuchenM Wahrend David, aufbauend auf den methodischen Forderungen sei¬ ner Zeit, die sich bei Bornbach und Falk zeigen, noch das Material fur seine Chronik zusammensuchte, erschienen eine ganze Reihe von kleineren Druckerzeugnissen, um die standig steigende Nachfrage nach den Berichten Uber die Vergangenheit des Landes Oder die Er- klarung der Gegenwart aus der Vergangenheit heraus befriedigen zu kbnnen. DaB es sich dabei nicht immer methodisch-gedanklich um hochstehende Werke handeln kann, sondern um kompilatorische Schil- derungen, die oftmals nur einen kleineren Zeitraum Oder ein sach- liches Problem zum Inhalt haben, wird bereits aus der Situation des Buchdrucks in PreuBen im 16. Jahrhundert deutlich. Die erste preuBische Offizin bestand in Danzig. Entgegen der Annahme, daB Hans Weinreich der erste Drucker gewesen sei,^^ ha¬ ben sich etliche altere Drucke Oder Reste von solchen gefunden. Demnach wirkten vorher in Danzig Konrad Baumgarten (1499) und Mar- ^ tin Tretter (1505 - 1520).^) Weinreich selber dUrfte von 1520 bis 1524, vielleicht sogar bis 1526 in Danzig eine Druckerei betrieben haben.Erst wieder 1538 laBt sich eine Offizin im Besitz von Franz Rhode nachweisen, die bis ins 17. Jahrhundert jener Familie verblieb.4^ Bereits die Tatsache solch grofier ZeitrSume, in denen in Danzig kein Drucker arbeitete, laflt deutlich werden, daBzur er- sten Halfte des 16. Jahrhunderts WestpreuBen noch nicht aufgeschloe- sen war, um in breiteren Schichten die Erzeugnisse der "Schwarzen Kunstn zu einem Gegenstand des taglichen Umganges zu machen. Etwas anders sieht die Situation in Kbnigsberg aus. Die Be- deutung der Buchdruckerkunst fUr die Reformation und deren Ausbrei- tung ist immer wieder zu spUren. Vielleicht versprach sich auch Weinreich etwas von dieser Verbindung, jedenfalls ging er in das bereits 1523 recht reformfreudige Kbnigsberg, um dort seine Tatig- keit aufzunehmen. Sein erster Druck war die reformatorieche Pre- digt des Bischofs Polenz vom ersten Weihnachtstage des Jahres 1523,
- 179 - gtdruckt wohl Mitte Februar des folgenden Jahres.^^ Mit Recht Wird dies "ein Beginn von sinnbildlicher Bedeutung" genannt. ' Kit unterschiedlicher Aktivitat fiihrte Weinreich seine Offizin bis Жил Jahre 1553 weiter. Ab 1549 muBte er als Konkurrenz noch einen Filialbetrieb des Wittenbergers Hans Lufft neben sich dulden. Zwei Hruckereien jedoch trug Konigsberg nicht; beide stellten 1553 ihre mtigkeit ein. DaB Weinreich aber anfangs durch die Verbindung •tiner Kunst mit der Reformation Erfolge hatte, zeigt die Viel- rechenden Drucke allein schon wahrend der ersten Herzog Albrecht, der die Notwendigkeit erkannt hatte, eine Druckerei zur VerfUgung zu haben, berief im selben Jahre 1553 Hans fiaubmann nach Konigsberg, der dort bis 1573 wirkte. Kurze Zeit nur btachfcftigte die Universitat einen eigenen Drucker, Wolfgang Diet- S2) aar, der spater in Elbing arbeitete. 1 Kdnigsberg hatte also, im Gegensatz zu Danzig, seit 1523/24 atindig eine Offizin in Betrieb. Hinzu kam eine polnische Druck- 53) forte a e und die Versuche des Johann Maletius in Dyck. ' Insgesamt Aber befand sich der Buchdruck in PreuBen noch in einem Anfangs- • tedium, die Herstellung umfangreicher Werke war ein gewagtes Un- ttrnehmen. Unter diesen Aspekten entstanden die gedruckten histo- rlechen Darstellungen in der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts, die in chronologischer Folge betrachtet werden sollen. Bereits in der Celler Chronik war deutlich das Verlangen er- 54) ktnnbar, von der heidnischen Yorzeit Preufiens zu erfahren. 1 Auf- grund der seit 1526 im Herzogtum PreuBen durchgefllhrten Kirchenvi- •itationen wurde bekannt, daB besonders die Sudauer noch alten htidnischen Brauchen anhingen. Eine erste Zusammenstellung davon 55) das "Sudauer-BUchlein", entstanden zwischen 1525 und 1530. ' Title Handschriften, meist als Chronikenanhang, verbreiteten die lachrichten, bis sie wahrscheinlich im Jahre 1546 von dem Lycker Erzpriester Joahnnes Maletius Oder Malecki in einem Brief ■De sacrificiis et idolatria veterum Borussorum dem damali- gtn Rektor der Universitat Konigsberg und Lehrer seines Sohnes Hieronymus Maletius, GeorgSabinus, Ubermittelt wurden. In echt hueanistischer Weise legte Johannes Maletius keinen Wert darauf,
- 180 - daВ sein Brief als private Mitteilung verstanden wtlrde, sondern war durchaus fUr eine Verbreitung seines Werkes. Das geschah zu- 1 erst durch einen "Raubdruck" als Anhang zu Thomas Horners "Livo- ; niae Historia", Konigsberg im Mai 1551. Die "authentische" Ausgabi; erschien 1563 in Konigsberg, etwa gleichzeitig mit der deutschen i Fassung "Warhafftige beschreybung der Sudauen auff Samlandt ..." \ von Hieronymus Maletius. Diesen beiden Ausgaben folgten eine FUllil c gY j von Nachdrucken, auch bereits im 16. Jahrhundert. ' DaB der Brief 1 des Johannes Maletius nicht auf ein Aufbauschen geringer heidni- j scher tlberbleibsel zurUckging, zeigt die Tatsache, daB noch 1577 | \ in der Landesordnung Georg Friedrichs Gesetze gegen die Bockheili*' gung erlassen wurden. Sofort aufgegriffen hat jenen Brief der Elbinger Drucker Wolfgang Dietmar und der Chronik von Georg Ranis beigegeben. Wie er aber Ranis nicht nennt, so ftihrt er auch den Namen des Ma¬ letius nicht an. Sein "Kurtzer auszugk, Der Ankunfft, Regirung, und lebens, aller Hohemeister Deutsches ordens in Preussen ..." enthalt nur auf der letzten Seite den Vermerk "Gedruckt zu Elbin- gen durch Wolffgang Dietmar" und am SchluB der Widmung das Datum 57 des 27. April 1564. Dietmar hatte vbllig andere als die bisher gezeigten Griinde zur Herausgabe seiner Chronik. "Dieweil von ursprung und anfang der Hohemeister Deutsches Ordens, welche anfenglichen in grosser Finsternis Gdttliches erkentnus, und seines heibgen seligmachenden worts gestecket, und durch viel widerwertigkeit, muhe und arbeit endlich dahin komen, das sie den Sohn Gottes Jhesum Christum, rechtschaffen erkennen, und die ungleubigen zum glauben bracht und gezwun- gen, davon nicht viel geschrieben und publiciret worden, hab ich vor gut angesehen, ein kurtzen auszug, ihrer Regirung und vorenderung derselben auszugehen lassen, und darinne anzuzei- gen, was sie gestifftet und fur nutz geschaffet, auch was sie vor greuliche Ceremonien abgeschaffet, und Gott lob, mit dem cn\ reinen wort Gottes erleuchtet worden.' Nichts ist hier zu spUren von dem Sammeleifer und der Wahrheitssu- che der groBen Kompilatoren, nichts von einem Ansatz von Kritik an der Uberlieferung. Dem entspricht vollig der Inhalt der Chronik, aus dem einem die Danziger Tradition zwar in sehr starker KUrzung,
181 i doeh ohne jegliche Anderung entgegentritt. Drucker und Autor haben in etva nach denselben Grundsatzen gearbeitet. So nimmt es denn nicht Wunder, wenn Kletke die Chronik recht gering wertet: "Semem Inhalte nach ganz unbedeutend, Uberdies voll chronologischer und typographischer Fehler."^) Damit schlieBt er sich durchaus dem tirteil Bornbachs an, der in seiner Vorrede bemerkt, daB Hanis ••bar an vielen orten auch geirret" habe und gleich einige Korrek- turen folgen laBt.*^ Wichtig ist, und dadurch gewinnt diese Chro¬ nik an Bedeutung, daB es sich um den ersten Druck handelt, dem die Vaupen der Hochmeister sowie einige andere Wappen beigegeben Bind. Interessant ist auBerdem, daB Ranis die Hochmeister zeitlich tinordnet nicht nur anhand der Regierungsdaten, sondern auch unter Angabe der gleichzeitig regierenden polnischen Konige, Rdmischen laleer und Papste. Inhaltlich entspricht Ranis vollig einer Danzi- ger Chronik, wie sie in der Celler Handschrift vorliegt. Allerdings ichreibt er wesentlich ktlrzer und straffer, an etlichen Stellen 62) auch klarer. ' Das heiflt, daB er wohl auf eine Handschrift zurlick- geht, die entweder selber Oder in ihrer Vorlage zeitlich noch vor Handschrift Celle entstanden sein muB. Der Anhang "Von den Sudaui- tern die jetzt die Sudawen heissen, auff Samlandt, und ihren Bock- hailigen und Ceremonien"entspricht vollig dem Sudauer-Bilchlein 4ae Hieronymus Maletius, abgesehen von minimalen, nicht wesentli- chen Wortauslassungen. So unsicher die genaue Quelle fUr Ranis ist, iO unsicher ist auch seine Nachwirkung; zitiert wird er allerdings ТОП Bornbach, Falk und Hennenberger. t Die nachste gedruckte Chronik erschien ebenfalls unter dem ■шеп ihres Druckers, Johann Daubmanns , in Konigsberg im ■•hre 1566.^^ Er nannte sein Werk, als deasen Autor er auch immer gtgolten hat,^^ "Chronica. Kurtzer Auszug der Preussischen Chro- nicken, von dem Jar 1200 bis auff diese jetzige unsere zeit allerdings hort die Erzahlung 1525 auf. Damit hielt er sich an die teitliche Grenze, die ihm sein Vorbild Ranis bot. Ebenso trug er der Preude an Wappen Rechnung, indem er jedem Hochmeister das sei- na beigab; er bereicherte sie im Gegensatz zu Ranis um jeweils tvei Schildwachter.Im Inhalt bietet die "Chronica", wesentlich auafUhrlicher als Ranis, eine tfbernahme aus einer Wartzmann-Chro- nik*^^ Ranis ist also keinesfalls die einzige Vorlage gewesen.*^
182 - GroBe ttbereinstimmungen zeigen eich zur Chronik Celle?fast wortlich stimmen die Blatter BI bis N1 ttberein. Aber es Bind weder Handschrift Celle noch die Chronik Redena direkte Vorlage geweeenf wie eine Reihe von unterschiedlichen Lesarten verdeutlicht. Inege* samt steht dieser erste Teil der Handschrift Redens naher, scheict jedoch auf eine friihere Chronik zurUckzugehen."^ Mit dem Einset- zen der Ordensgeschichte und damit dem Auftreten der Wappen wird die Erzahlung bei Daubmann recht knapp und nimmt in etwa die Kurz- form von Ranis an. Deshalb schatzte Toeppen diese Chronik vom In- halt her nicht sehr.^1^ Darin ist ihm,besonders ab Blatt Nil, recht zu geben. Aus einem anderen Grunde weckt sie aber Interesse, da sie, obwohl in Konigsberg gedruckt, weiterhelfen kann auf den verschlungenen Pfaden der Danziger Chronistik. Neben einer Reihe von Wartzmann-Ableitungen ist auch Daubmanns Druck zur Kl&rung der Form von Wartzmanns zweiter Chronikenfassung heranzuziehen. Als Drucker und Buchhandler hat Johannes Daubmann mit seine® Werk Erfolg gehabt. Es mufl sich gut und rasch verkauft haben, da 1584 bereits erneut Bedarf nach einer ahnlich kurzen Darstellung vorhanden war, den Georg Osterberger durch den Druck der beiden Beschreibungen Hennenbergers zu decken versuchte.^^ Auch als Quel* le ist Daubmann wohl ofter verwandt worden, obgleich sich das nooh nicht eindeutig feststellen laflt; zitiert wird er von Runau^^ und Hennenberger. Seine weitere EinfluBnahme mllBte erst noch untereuohl werden. Neben Dietmar in Elbing und Daubmann in Kdnigsberg gab auch in Danzig ein Drucker eine "Chronica” unter seinem Namen heraue, j Jakob Rhode 1564 hatte er die leistungsstarke Offizin seines Yaters Ubernommen und druckte konkurrenzlos die Ratserlaeee und gelehrten Abhandlungen fUr Danzig, Nach dem Vorbild von DietV. mar und Daubmann legte er, um das Interesse seiner Kunden zu be- friedigen, auch ein historisches Werk ein: "Chronica Oder Hand- buchlein Danziger Geschichte bis auf das Jahr 1576.” Dieses er- schien zuerst 1577 und erlebte rasch drei weitere Auflagen in K8- nigsberg (1577), Halle (1577) und wieder Konigsberg (1579); schliefilich gab 1594 Rhode es erneut heraus, bis zur Gegenwart fortgefuhrt. Von den ersten zwei Ausgaben ist leider schon vor 40 Jahren kein Exemplar mehr vorhanden gewesen.
- 183 - Diese "Chronica" hat eigentlich einen irreflihrenden Titel, da e* eich um eine Zusammenstellung annalistischer Notizen handelt, di# alt dem Jahre 1205 beginnen, jedoch kontinuierlich erst seit Um Allfang des 13jahrigen Krieges berichten. Die Notizen eind im ;Bllf ««einen knapp, manchmal aogar dUrr gehalten und beschaftigen •ich faet ausschliefllich mit den Ereignissen in und um Danzig, wo- bei ев allerdings wegen der Stellung der Stadt sich gar nicht ver- Btlden liefl, doch einen geographisch recht weiten Horizont aufzu- veieen. Woher Rhode seine Nachrichten bezog, laflt sich aufgrund •einee annalenhaften Stils nicht genau feststellen. Eindeutig ist шит die heimische Danziger Tradition die Hauptquelle. Den Anteil •laielner Vorlagen herauszuarbeiten, diirfte kaura moglich sein. Die preuflischen Drucker - in Elbing, Konigsberg und Danzig - bfttteo beizeiten das historische Interesse ihrer Kunden erkannt «Ы ihm Rechnung getragen. Dafl die so entstandenen Werke guten Ab- MtS bei privaten Kaufern fanden, zeigt ihre Seltenheit heute auch la den oetdeutschen Bibliotheken, in die sie oft nur aus Nachlas- ND gekommen sind. Nun war Preuflen aber, was den Buchdruck anging, keintawegs abgeschlossen gegeniiber dem Reichsgebiet* Das bewies fcerelte der Nnchdruck von Rhodes "Chronica" in Halle. Auflerdem er- vaehte neben der humanistischen Art des Zusammentragens aus alte¬ red Darstellungen nun auch das BedUrfnis, eigene Beobachtungen in freaden L&ndern in Reiseberichten niederzulegen. Es sei nur an die bertthmten "Rerum Moscoviticarum Commentarii" des Habsburgischen Geeandten in Moskau Sigmund von Herberstein erinnert, die schon 1549 erechienen. Ahnliches findet sich auch fUr Preuflen. Der Italiener Alexander Guagnini , der als Soldat «Bd Diplomat in polnischen Dien3ten gestanden hatte, veroffentlich- te 1578 in Krakau seine "Sarmatiae Europeae descriptio" ^ Es sei bier nicht untersucht, wer wirklich Autor jener Beschreibung war, die eofort nach ihrem Erscheinen von Matthias Strykowski als sein Werk auegegeben wurde.^^ Auch interessiert es weniger, an welche Orte der Verfasser gereist ist. Alle Gebiete seiner Beschreibung konnte er sicher nicht aus eigener Erfahrung kennen, zur Schilde- mng einiger muflte er achriftliche Vorlagen benutzen. Das zeigt Bleb deutlich bei der Darstellung Preuflens.^^ Nach einer kurzen Bbereioht Uber Preuflen in der Literatur, wie sie auch Daubmann
184 aufweist, folgen die Schilderung der heidnischen Religion und - in^ aller Ausfiihrlichkeit - die Landteilung PreuBens mit der Stadte- aufzahlung. An die GrUndungsgeschichte des Ordens achlieBt sich die knappe Charakterisierung jedes Hochmeisters an. Pen Vorgangen von 1519 bis 1526 wird ein eigener Abschnitt gewidmet, ebenso den Ereignissen von 1569* Verschiedene geographische und historische Notizen sowie ein Abschnitt liber Pommerellen beenden die Beschrei- bung PreuBens. Go kurz die Mitteilungen auch sind, es geht eindeu- tig aus ihnen hervor, daB Guagnini eine Vorlage Danziger Proveni- enz benutzte, eng verwandt mit Daubmann, dem entsprechend wie Chro~ nik Celle als Ableitung aus dem Komplex der Wartzmann-Chroniken zu betrachten. Bei einer Untersuchung der zweiten Chronik Wartzmanns wird Guagnini genauso wie Daubmann und Handschrift Celle heranzu- ziehen sein, wobei er einige interessante RUckschlUsse erlauben durfte. Jedenfalls ist der PreuBenabschnitt Guagninis zu Unrecht 78) von der preuBischen Geschichtsforschung beiseite gelegt worden. ' Nicht in PreuBen, sondern 1582 in Wittenberg gedruckt wurde 79) die "Historia" von Dyonisos R u n a u . ' Er schrieb nicht, wie etwa David, aus eigentlich historisch-forschendem Antrieb. Sein Ansatz gleicht stark demjenigen Grunaus, wenn er in der Vorrede schreibt: "Weil aber die Historien und GeschichtbUcher eigentlich nichte anders sein, denn solches Gesetzes und offenbarten Worts und willens Gottes klare und sichtbare Exempel, die da anzeigen, und bezeugen, wie Gott der gerechte Richter zu alien zeiten die Tugenden fromer Leute belohnet, die SUnde aber und aller- hand Laster an menniglich on einiges ansehen der Person gres- lich gestraft habe: als kan man obgedachtes lob und eigen- schaft den Historien auch billich zulegen, das sie nemlich 80) Regulae vitae sein, Oder exempla regularem vitae geben." ' Hlnzu kommt noch der patriotische Ansatz: "Und so man fremder Volker Chronica, zeit- Oder geschichtbU- cher mit lust liset und erforschet: Wieviel mehr sollen wir des Vaterlandes, darin wir geborn und erzogen sind denkvirdi- ge Hendel und geschichte wissen, und keins weges in verges- 81 ) senheit kommen lassen." '
- 185 - lach dieaen Grundsatzen schrieb Runau die Darstellung des Stladtkrieges, dabei streng chronologisch von Jahr zu Jahr fort- (KhTtitend. Ala Anhang gab er eine Darstellung des Reiterkrieges Q О 'j 1520/21 eowie die Grtindungsdaten der preuBischen Stadte. ' Dabei gritt Runau eindeutig auf die Danziger Tradition zurtick, wobei abtr unklar ist, ob ihm noch Originalquellen wie Lindau und die danslger Chronik vom Bunde8^ zur VerfUgung standen84^ oder die (fcarlieferung des Ferber-Buches ,8^ Oder ob noch andere Handschrif- tta ale Vorlage in Betracht kommen. Auf jeden Fall benutzte er Dfetibnanns Chronik.8*^ Ala Quelle diente er Waissel und Hennenber- gar. Der Wert seiner "Historia" liegt hauptsachlich darin, wie be- fftite Toeppen erkannte, "daB aie betrachtliche StUcke von alteren R7 1 Hindechriftlichen Chroniken in weiterenKreisen verbreitete." ’ All diese Darstellungen waren im Grunde genommen von geringe- Ttr Bedeutung. Sie dienten dazu, den G^schichts-MHunger" des preu- tleehen BUrgers zu stillen. Daher waren ea fast alles kleinere *«r)raf meist vollig unkritisch aus Slteren Drucken und Handschrif- t#n kompiliert unter HinzufUgung der damaligen AutoritSten der Ge- PtPichtsschreibung im Reich, wie Frank, Mtinster, Sleidan. Sie wa- Stn echnell entstanden und wurden ebenso schnell verkauft. Histo- rfiach-kriti8che Methode war ihnen fremd. Nur einer hatte den An- dazu gezeigt, Lucas David. Ausgerechnet seine Chronik blieb Btouakript und wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts die 88) Et hineingequalt". ' Zwei banner am Rnde dea 16. Jahrhunderts ban ihm an Rang wenig nach: Kaspar Rennenberger und Kaspar Bts« Sie bilden mit Lucas David das leuchtende Dreigestirn der afilechen Historiographie jenes Jahrhunderts und dienten in ih- Varken weit darUber hinaus als Grundlage jeder preuBischen Ge- ichteforschung. ? laepar Hennenberger kam 1550 aus Franken nach ?jBnigeberg.8^ Sein Studiengebiet war die Theologie. Doch bald Ье- jpim tr eich fUr seine neue Heimat zu interessieren und ging daran, 'pick eine umfangreiche Sammlung von Chronikabschriften und Karten- Ptiehnungen anzulegen. Neben Falk dUrfte Hennenberger wohl der jipifrigete Sammler und Abschreiber preuBischer Chroniken gewesen p«iOf wodurch er Uber eine fast unUbersehbare Zahl von Quellen ver- fUtt. Sein eigentliches Verdienst liegt aber weniger auf dem Ge-
- 186 biet der Geschichtsschreibung als auf dem der Kartographie. Seine PreuBenkarte, entstanden nach groBenteils persbnlicher Land-?! aufnahme, weist einen fur den damaligen Stand der Kartographie ge-'i radezu erataunlichen Genauigkeitagrad auf.^1) Etwa zwei Jahrhunderwj te lang blieb sie die Grundlage fur alle weiteren Karten des Preu- Benlandes. Seinen Ruf als Historiker verdankt Hennenberger den 1584 und 1595 erschienen Darstellungen. Im ersten Jahr gab er bei Georg Osterberger in Konigsberg heraus die "Kurtze und warhafftige Be- schreibung des Landes zu Preussen" sowie die "Kurtze und einfelti- ge Beschreibung aller Hohemeister Deutsches Ordens". In der Lan- desbeschreibung ging es Hennenberger vor allem darum, die heidni- sche Vorzeit des PreuBenlandes zu schildern. Denn das Licht des Evangeliums gegenwartiger Zeiten recht zu wttrdigen, nist nach dem Gottlichen worte kein besser mittel, als die finsternis darinnen unsere Vorfahren gestecket, zubedenken. Erwachsen war die Be¬ schreibung wahrend der Arbeit an seiner Karte aus dem Studium der Chroniken, die er "muste lesen, ausschreiben, auch zum teil aus- zihen, damit ich dieses Landes art, gelegenheit und alte brter de- sto bessern bericht mochte einnemen."^^ Man sieht, der Ansatz wurzelt in einer historisch-kritischen Methode, die zwar auf die Kartographie angewandt werden sollte, aber sich durchaus auf das Nebengebiet der Historiographie auswirkte. Deutlich wird diese Kritik- und Urteilsfahigkeit auch bei Hennenbergers Besprechung seiner Quellen: "in welchem ich mehr gefolgt hab den Alten, denn den neuen Scribenten, sonderlich aber dem Nicolao Jeroschin, so 94) etwan der Hohemeister Caplan gewesen." ' Schade ist nur, daB er neben Jeroschin und der Alteren Hochmeisterchronik auch Simon Gru- nau benutzte, allerdings liegt das an der pseudo-wissenschaftli- chen Methode Grunaus in seinem Quellenkapitel, muBten doch die an- gefUhrten Autoritaten dazu verfUhren, ihm mit gro3tem Vertrauen zu 94) folgen, obwohl er zu den "neuen Scribenten" gehorte. ' Der Schil- 1 derung der heidnischen PruBen und ihrer Sitten fUgte Hennenberger 05) eine "Kurtze Austeilung des Landes" an, der er eine Karte des 4 heidnischen PreuBen beigab, erstellt aufgrund der historischen Li- teratur. Gedacht war diese Zusammenstellung nur als kurze Vorstu- die zur Erklarung der PreuBischen Mappen, die dann auch 1595 folg- 1
т 187 - %Шф Der Antrieb dazu war Shnlich wie bei Bornbach: "Es haben bis¬ ter etzliche die austeylunge des alten PreuBerlandes, lassen aus- gshen, aber so seltzam, das ich mich nicht darein schicken kan." } Anders war der AnstoB zur Abfassung der Beechreibung aller Hohemeister. Bei der Vorlage der vorigen Beschreibung habe Oster- berger gemeint, "das es einzubinden zu diinne wolte werden"; auBer- des "weil viel nachfragens nach der Chronicken, so Daubmann vor- gsiten gedrucket hatte, gewesen ist, aber kein Exemplar derselbi- gen mehr vorhanden were, achtet er es ftir gut, das man die Hohmei- 97) iter ktirtzlich hintenan drucket." 1 Die Grtinde waren also rein kOBaerzieller Natur. Dartiber hinaus hatte Oeterberger jedoch durch- sus den Sinn daflir, eine gute, der Kritik standhaltende Arbeit llefern zu wollen: "Weil er aber von meniglichen verstanden, das •ins teils falsch solte sein, und sonderlich was die Jarzal anlan- bat er mich, ich wolte der Hohemeister geschichte fur mich 97) semen und was darinnen falsch were, corrigiren." ’ Da Hennenber- ger, wie bereits gezeigt wurde, diesem kritischen Sinn durchaus tugttnglich war, befaBte er sich genauer mit Daubmanns Werk. "Da ich aber dieselbige kurtze Chronicken, neben dem Original (welche eine Chronica ist on namen, von einem Dantzker ge- macht)^*^ fur mich name, fand ich sie seer falsch darzu auch an etlichen ortern gar zu kurtz. Weil ich aber zuvoren, aus vielen und bessern Chronicken, der Hohemeister leben, so in Preussen regiret, was weitleuftiger zusamen gebracht het- te, nam ich dieselbigen neben etzlichen Chronicken fur mich 99) und hab diesen Extract daraus gezogen." Aus der Korrektur des Daubmannschen Werkes erwuchs unter Hennen- tergere Handen eine neue Darstellung, ausgehend von kritischer Vertung seiner Vorlage. DaB er damit nicht im Sinn hatte, die Ge¬ schichte des Preuflenlandes in eine grundlegende, ausflihrliche Be¬ schreibung zu fassen, zeigt der SchluB seiner Vorrede. "Derhalben wol zu wtinschen were, das ein feiner gelerter un- parteiischer Man, so die warheit liebte, sich dartiber mach- te, und eolcher feiner Herrn ^ der Hochmeister •£/ lobliche taten und Regiment ordentlich verfassete, und in Druck brech- te, damit losen weschern, das maul gestopfet, meniglichen 97) aber gedienet wtirde."' '
188 Deutlich gibt er damit zu erkennen, dafl er sich durchaus nicht alt Geschichtsschreiber flihlte, sondern in der Hauptsache als Karto- ■ graph. Trotzdem sind gerade fUr die Betrachtung der preuflischen : Historiographie seine ChronikenauszUge und -abschriften von un- ' schatzbarem Wert. ; Auch Hennenbergers grofltes historisches Werk, die "Erclerung 3 der preussischen grossern Landtaffel Oder Марреи"f bei Osterberger^ •tI in Konigsberg 1595 gedruckt, zeigt, dafl er sich hauptsachlich ale Kartograph empfand. Zwar ist seine Erklarung fast rein historisch, doch bereits die Anlage beweist, dafl sie vor allem als Erg&nzung seiner groflen Preuflenkarte gedacht war. Nach einer Vorrede, die J besonders von den Schwierigkeiten berichtet, mit denen Hennenber- ger bei der kartographischen Aufnahme des Landes zu kampfen hatte^ folgen eine ganz knappe tfbersicht liber die geschichtliche - Entwicklung des gesamten Preuflenlandes und anschlieflend eine Zu- sammenstellung von Ortsgeschichten in alphabetischer Reihenfolge. } . j Hennenberger wahlte also nicht, wie alle anderen Schreiber, die Form der chronologisch fortschreitenden Erzahlung, sondern ging nach geographischen Gesichtspunkten vor. Zu den Orten seiner Preu- Benkarte wollte er deren historische Entwicklung beitragen, nicht etwa eine preu3ische Chronik schreiben; dazu flihlte er sich nicht kompetent. ^ In dieser Form lieferte er gewissermaflen das erste Handbuch der Historischen Statten von Ost- und Westpreuflen, darin die Entwicklung eines Forschungszweige9 vorwegnehmend, der erst in diesem Jahrhundert richtig zur BlUte gelangte.1 Noch vor dem Druck von Hennenbergers "Erclerung" erschien 1592 in Zerbst die grofle zusammenfassende Larstellung der Geschich te des Preuflenlandes, wie sie Hennenberger als Desiderat empfunden hatte, in der "Historia rerum Prussicarum, Las ist, Warhaffte und eigentliche Beschreibung der Lande Preussen durch M. Caspar Schutzen, der Stad Lantzig Secretarium.” S c h U t z 1561 als Student an die Albertina gekommen, hatte dort kurze Zeit den Lehr- stuhl fUr Poetik inne, trat dann aber als unterster Ratsschreiber in den Lienst Lanzigs, wo er sich bis zum obersten Ratssekret&r empordiente. ^ Als solcher hatte er Zugang zu den Archivalien des Rates sowie samtlichen weiteren Quellen einer stadtischen Ver- waltung. Lafl dieses Material eine Fundgrube ftir einen Historiker
189 - war, erkannte er klar, Dementsprechend failte er eein ITrteil Uber die bisherigen Chroniken: "Es seind wol etliche des Ordens gewesen, die ihre geschichte geschrieben haben, als Petrus von Duisburg, Wigandus von Mar¬ burg, Heinrich Caper in (sic!) Ordens Herr, und andere, aber doch gleichwol, als geistliche leute, und dieselbst bei den furnemesten Kriegsgeschaften nicht gewesen seind, sehr kurz und schlecht hindurchgehen. Sonsten seind wol andere Preussi- eche Chronicken bin und wider verhanden, aber ins gemein der- massen unrichtig, das wann ihr gleich zehen Oder mehr zusam- men gebracht, so wird man doch selten finden, das sie in al- lem einstimmig sein, wo nicht eine aus der andern gleichmes- sig abgeschrieben worden . Aber SchUtz weiB, woran das liegt, kennt er doch eine Quellengat- tung, die wesentlich zuverlassiger ist als die Chronik, und hat ihren Wert gesehen: "Und dieser irthumb kompt aus unwissenheit der Recesse Dieselben seind der rechte faden und richtschnur, und oh- ne dieselben ist meines erachtens nicht mUglich, dieses Lan¬ des hendel ohne irthumb auszufiihren. " 1 ^ ^ So sammelte er die Rezesse, "damit eine gewisse grlindliche, or- dentliche Historien der Lande Preussen zusammen bracht werden bdchte . Diese kritische Wertung der Quellengattungen lieQ ein Werk erwarten, das seiner Zeit weit voraus zu sein versprach, ftoch dazu, wo SchUtz bereits mit philologischen Oesichtspunkten an eein Quellenmaterial heranging. MIn obgedachter handel dieses Landes tractierung, hab ich auch ins gemein der Vorfaren deutscher Muttersprache wol be- dechtig behalten wollen, wie sie wortlich in den Recessen, werbungen, Briefen, Missiven, und gehaltenen beredungen nach der eprachen und stilimanier, derselben Zeit geschrieben, weil ich bedenken gehabt, etwas darinnen durch andere worte zu endern. und etwan andern verstand bei jemanden zuverursa- chen." Doch diese nach SchUtzens theoretischen Erdrterungen hochgespann- ten Erwartungen erfUllen sich leider nicht ganz. Zwar gab er sei¬ ner Darstellung viele Urkunden und Rezesse bei, doch stUtzte er
- 190 - sich im Gang der ErzShlung in der Hauptsache auf Danziger Kompila- tionen wie die Werke von Wartzmann und Bornbach. So stellt sich die "Historia" zwar in ihrem Ansatz als Beginn wissenschaftlich- kritischer Forschung dar, bleibt jedoch im Rahmen der damale Ubli- chen Form der Chronik. Fine zweite Komponente verdient coch kurze Betr&chtung. Schtitz war Danziger Stadtsekretar. Ale solcher stand er in einer histo- risch-politischen Tradition. Die politische Entwicklung, der das einleitende Kapitel dieser Arbeit in ihrer Beziehung auf die Chro- nistik gait, hatte im 16. Jahrhundert ihren Fortgang genommen, aufbauend auf den Errungenschaften einerseits dee Standekrieges, andererseits der Reformation. Wahrend die Werke Davids und Hennen- bergers in der verhaltnismaBig ruhigen politischen Situation des Herzogtums entstanden, schrieb Schtitz in Danzig, das wahrend des 16. Jahrhunderts seine groBten Kraftproben gegen das polnische Reich zu bestehen hatte, um seine privilegierte Eigenstandigkeit und die WestpreuBens zu wahren. Die Hbhepunkte jener Kampfe, die Vorgange von Lublin im Jahre 1569 und der Waffengang des Jahres 1577,forderten ihr Recht auch in der Darstellung der frtihe- ren Geschichte. SchUtzens "Historia" war ein Nachklang der Auseinandersetzun- gen jener Jahre, die wohl in ihrer Gesamtheit zu Recht als aus dem "Gedanken der Sicherung deutsch-standischer Privilegienrechte ge¬ gen einen fremd-vblkischen Zentralismus" hervorgegangen gese- hen wurde. Das spiegelt sich deutlich in der Abwehr polnischer Schilderungen der Ordensgeschichte, fUr die Schtitz in seinen Quel- len keine Entsprechungen fand.^®^ Besonders klar tritt die stan- dische Tradition bei Schtitz im Bericht tiber den 13jahrigen Krieg hervor, seine Ursachen, seinen Yerlauf, seine Folgen, wobei er in diesem Teil sich sehr stark auf die chronistische Uberlieferung Danzigs stiitzte. Dieser stftndische Ansatz rtickt die "Historia" in die Richtung einer politisch zweckmaBig gestalteten Schrift. Doch war das in jener Zeit durchaus kein Negativum, berief sich nicht nur Schtitz auf den Satz Ciceros, in dem es unter anderm heiflt: "Historia ... eet magistra vitae. "10^Er war der Mann, der trotz des politi¬ schen Ansatzes eine - seinen Quellen gemaBe - objektive Darstel-
191 lung der Geschichte des PreuBenlandes geben konnte. Mit David und Hennenberger bildet er den Hbhepunkt der preuBischen Historiogra- phie des 16. Jahrhunderts. Daneben virkt als Rachzttgler einer nunmehr fast Uberholten Form Matthaeus Waiesel in seiner Chronik. Waissel ver- fafite das Verk nach deff durch sein Alter beiirgter Ausscheiien aus dem Predigtamte.1^^ AnlaB und Methode schildert er: "Und veil ich gesehen, von diesen Hendeln, viel und mancher- lei alte geschriebene Chroniken, so hin und wider, bei vorne- men Leuten vorhanden, darin doch nur alles stUckweise und un- vollkommen beschrieben, So habe ich durch Gottes Htilfe, und zwar nicht ohn mtihe und arbeit, aus etlichen so ich fUr die beeten angesehen, so viel moglich, das vornemeete, und ndtig- ete, herausgezogen, in Ordnung gebrachte, und fast dieselben vorte, Oder den alten stylum, wie ichs gefunden, behalten, 112) und nichts von dem meinen dazu gesetzt." ' Mit anderen Worten, es handelt sich hierbei urn eine kritiklose An- einanderreihung Uberlieferter Berichte, wie es auch deutlich wird in den Wendungen: "In einer anderen Chronica lieset man", ' Oder "Auch echreibet man” Oder nur "Man schreibet" ]1 ^ Der eigent- liche Beweggrund zur Abfassung der Chronik liegt auf religiosem Sektor, wie es auch bei Ranis und Runau deutlich wurde:11^) "Denn das ist die endliche Ursach, und der vornemeste nutz aller Historien, geistlich und weltlich: Das sie uns durch gewisse Zeugnissen und Exempel, leren und erinnern, wie wir in dieser Welt, ein jeder in senem (sic!) Stande, ein gottse- lig, erbarlich Leben fUhren, und nach diesem Leben die ewige 117) Seligkeit ererben sollen." * Unter diesem Gesichtspunkt nimmt der additive, im ganzen unkriti- sche Charakter der Werkes nicht Wunder. In der Art gleicht Waissel sehr Chronik Celle; die Form der reinen, unwissenschaftlichen Chronistik flackert noch einmal kurz auf, bevor sie endgUltig erlbscht. Die nhchste Gesamtdarstellung der Geschichte des PreuBenlandes bietet erst fast ein Jahrhundert epater Christoph Hartknoch in einer nunmehr kritisch abgewogenen Form. Die Chronistik stirbt am Ende des 16. Jahrhunderts aus. TJn-
192 ter den Drucken hatte sie sich noch etwas verbreiten kcJnnen, doch der Ansatz von David, Hennenberger und SchUtz versetzte ihr den TodesstoB. Ein typischer Vertreter dieser auslaufenden Chronistik ist Chronik Celle. Noch ganz der alteren handschriftlichen Uber- л lieferung verhaftet, der man mehr Oder weniger blind folgte, hdch-^ stens erweitert um einen zweiten Bericht desselben Vorganges, schildert sie in aller AusfUhrlichkeit und Buntheit das Leben des mittelalterlichen PreuBenlandes bis in die Zeit des groBen geisti- , gen Umbruches der Reformation hinein, selber noch ein StUck spat- mittelalterlicher Darstellungsform bietend. Und doch weist der An-» fang der Handschrift, das Nebeneinanderstellen der verschiedenen, nach ihrer Herkunft aufgeschlUsselten Nachrichten, bereite auf die langsam keimende Wertungs- und Kritikfahigkeit, auf die beginnende Durchdringung und - damit verbunden - die Aufldsung der eigenen Form. Es Uberwiegt in groBem MaBe noch die Form der rein erzahlen- den Chronik; der Grundstein des GebUudes, dessen Fundaments Dar- stellungen wie die von David, Hennenberger und SchUtz bilden, ist aber bereits gelegt. Man sucht und entwickelt "Methoden" der Dar- stellung, worauf die Einleitungen deutlich verweisen. Die Methode aber, und damit die kritische V/ertung und Verwendung der Quellen, ist der Chronik nicht mehr gemaB. Sie laBt eine neue Form der Dar- stellung erwachen, die wissenschaftliche Geschichtsschreibung. Dies geschieht in Preuflen zu einer Zeit, als die systematische Wissenschaft ihren Einzug halt infolge der UniversitatsgrUndung Herzog Albrechts. Von den auBerlichen wie den geistigen Gegeben- heiten war damit der Grund gelegt fUr die spateren Darstellungen eines Gottfried Lengnich, Daniel Heinrich Arnold, Ludwig von Baczko bis hin zu Johannes Voigt. Sie alle fuBen einerseits auf der Methodik, die die Form der Chronistik aussterben lieB, ande- rerseits aber als Quellen in einer manchmal fast ausschlieBlichen Art und Weise auf jenen Handschriften und Drucken, die den Anbruch einer neuen Zeit auf ihre Weise spUren lessen. Geistiger Inhalt und Form der Geschichtsschreibung, angefangen bei einem mittelal¬ terlichen Chronisten wie Dusburg bis zur Zeit der HochblUte einer historischen Darstellung des PreuBenlandes, wie wir sie bei Kroll- mann und Keyser finden, haben sich gewandelt; ungebrochen ist je- doch die Tradition der preuflischen Historiographie, deren eine
193 Ytllepoche hier betrachtet vurde.
194 - Zur Zitierweise: Da die von mir bereits Ende Mai 1964 fertiggestellten BSnde VI und VII der Scriptores rerum Prussicarum, auf die laufend Bezug genommen ist, noch nicht im Druck vorliegen, muflte eine Notlbsung in der Zitierweise gefunden werden. Zitate aue Band VII mit Angabe der fol.-Zahl beziehen sich auf die Celler Chronik, deren Polios in der Edition angegeben werden. Somit ist ein NachprUfen der Zi¬ tate ermoglicht. Bei alien anderen Angaben aus Band VI und VII kann nur generell auf die jeweils in Frage kommende Chronik ver- wiesen werden.
195 - Abktlr zungsverzeichnis: Neben den allgemein llblichen Abkiirzungen sind in den Arunerkungen noch folgende verwandt: APB АРМ L Th К Mon. Hist. Vara* M W G - AltpreuBische Biographie - AltpreuBische Monatsschrift - Lexikon fUr Theologie und Kirche - Monumenta Historiae Warmiensis - Mitteilungen des WestpreuBischen Geechichte vereins H.F. N P P В Script, rer* Wars* S R P Z V G - Neue Polge - Neue preuBische Provinzialblatter - Scriptores rerum Warmiensium - Scriptores rerum Prussicarum - Zeitschrift des WestpreuBischen Geechichte- vereins
Anmerkungen: Kapitel Is S. 11-14 1) Lie behandelten Quellen sind gedruckt in: Scriptores rerum Prussicarum, Bd. I - V, hg. v. Theodor Hirsch, Max Toeppen und Ernst Strehlke, Leipzig 1861 - 1874, Nachdruck Frankfurt 1965; Bd. VI, hg. v. Walther Hubatsch, Frankfurt 1967; Bd. VII, hg, v. dems., ebd., ca. 1968; Lie preuBischen Geschichtsschreiber des 16. und 17. Jahrhunderta, Bd. I - III, hg. v. Max Perlbachj R. Philippi und P. Wagner, Leipzig 1876 - 1896. An Literatur wurde grundlegend herangezogen und nur in Bonder- fallen durch Einzelnachweise gekennzeichnet: Max Toeppen, Ge- schichte der preuBischen Historiographie von P.v. Lusburg bie auf K, Schiitz, Berlin 1853; Erich Maschke, Quellen und Lar- stellungen in der Geschichtsschreibung des PreuBenlandes, in: Deutsche Staatenbildung und deutsche Kultur im PreuBenlande, Kbnigsberg 1931, S. 17 - 39. Sodann stutze ich mich auf frlihere Vorarbeiten, deren genaue Mitteilung mit Einzelnachweisen der langst falligen Neubear- beitung der Toeppen1schen Historiographie vorbehalten bleiben mag. 2) Vgl. SHP I und dazu SRP VI. La auBer der Chronik Grunaus fast alle besprochenen Chroniken und Berichte in den SRP gedruckt sind, werden Einzelnachweise nur ftir andere Lruckorte sowie die der Forschung noch unbekannten Bde. VI und VII der SRP ge- geben. 5) Vgl. auch Max Perlbach, Lie Statuten des Leutschen Ordens, Halle 1890, S, 159 f. und LVI, danach auszugsweise in: Walther Hubatsch, Quellen zur Geschichte des Leutschen Ordens, Gottin¬ gen 1954, S. 26-51* Vollige Neubearbeitung in: Udo Arnold, De primordiis ordinis Theutonici narratio, in: PreuBenland 4, 1966, S. 17-30; dementsprechend Neuausgabe in SRP VI. 4) Vgl. SRP VI. 5) hg. v. Leo Meyer, Paderborn 1876; fotomechanischer Neudruck Hildesheim 1964. 6) Vgl. auch Helmut Bauer, Peter von Lusburg und die Geschichts- schreibung des Deutschen Ordens im 14. Jahrhundert in PreuSen, Berlin 1935; fotomechanischer Neudruck 1965. 7) Maschke, a.a.O., S. 20. 8) Entgegen der Meinung Toeppens, a.a.O., S. 16, der von Jero- schins "Gewalttatigkeit, mit der er die deutsche Sprache be- handelt", spricht, vgl. zur Wertung der dichterischen Leistung Karl Helm und Walther Ziesemer, Lie Literatur des Leutschen Ritterordens, Gieflen 1951. Sie bemerken: "Im allgemeinen aber beherrscht er die Sprache mit hervorragender Sicherheit." a.a. 0., S. 159.
- 197 - 9) Helm-Ziesemer, a.a.O., S. 156 S. 14-22 10) Vgl. SRP VI; desto unverstandlicher ist es, die veraltete Teil- ausgabe von Franz Pfeiffer, Stuttgart 1854, im Jahre 1965 fo- tomechanisch nachzudrucken ohne jegliche Erganzung! 11) Uber diesen Fragenkomplex demnachst an anderem Orte. 12) So jiingst in der nicht ganz gllicklichen Zuaammenstellung von Gerhard Eis, Die Literatur im Deutschen Ritterorden und in sei- nen EinfluBgebieten, in: Oatdeutsche Wissenschaft 9, 1962, S. 56-101; vgl. dazu die Rezension des Verf. in: PreuBenland 3, 1965, S. 26f• 13) Toeppen, a.a.O., S. 25 und 24; vgl. auch Max Perlbach, Die al- tere Chronik von Oliva, Gottingen 1871. 14) Vgl. vor allem Konstantin Hoehlbaum, Joh. Renners livlandische * Historien und die jiingere livlandische Reimchronik, 1. Teil, Gbttingen 1872; ders., Die jiingere livlandische Reimchronik * Bartholomews Hoenekes, Leipzig 1872. *15) *16) Vgl. zu Heinrich die sehr gute Neuausgabe von Albert Bauer, Heinrici Chronicon Livoniae, Darmstadt 1959. Die Litauerreisen nur als "Spiel” oder "Sport” zu bezeichnen geht nicht an; das heiflt doch wohl, die ritterlich-hofische Lebensform in ihrer geistigen Grundhaltung verkennen; vgl. hierzu und zum folgenden auch: Erich Maschke, Die inneren Wandlungen des Deutschen Ritterordens, in: Geschichte und Ge- genwartsbewufltsein, Festschrift fur Hans Rothfels, Gbttingen 1963, S. 249-277. 17) Vgl. Helm-Ziesemer, a.a.O,, S. 41-136. 18) Vgl. Gerhard Eis, a.a.O., dessen Zusammenstellung und Beurtei- lung der Fachprosa des Ordens den besten Teil dieses Aufsatzes ausmacht. 19) Vgl. zum folgenden Helmut Bauer, a.a.O., S. 68-78. 20) Bauer, a.a.O., S. 69; der recht negativen Beurteilung bei Helm- Ziesemer, a.a.O., S. 167 vermag ich nicht zu folgen. 21) Vgl. zu Schondoch die Neuausgabe des Verf. in SRP VI sowie die Beitrage zum Verfasserlexikon, in: Beitrage zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 88, Tubingen 1965, S. 157 f. 22) Wie wesentlich die Bewertung und quellenkritische Einordnung einer Chronik sein kann, zeigt sich gerade an der noch immer andauernden Diskussion Uber das Tannenberger Geschehen. Zur Wertung dieser Zeit vgl. auch die Arbeit von Wilhelm Nobel Uber Kuchmeister von Sternberg, Diss. phil. Bonn 1965- 23) Bauer, a.a.O., S. 84. 24) Toeppen, a.a.O., S. 38. .25) Vgl. bes. SRP III, S. 298. 26) Vgl. Walther Hubatsch, Die Staatsbildung dee Deutschen Ordens, in: PreuBenland und Deutscher Orden, Festschrift ftir Kurt Foretreuter, WUrzburg 1958, S. 127-152.
198 - S. 23-30] 27) Sogar heute noch ist die Zahl derer, die diese Ansicht vertre*| ten, gar nicht gering; vgl. z.B. Hana Rothfels, Grenzen und Massenwanderungen im ostlichen Mitteleuropa, in: Archiv, hg.v.| Gottinger Arbeitskreis, Nr. 4/5, 1949, S. 1-12 (Ubersetzung und Auszug aus dem gleichnamigen Aufsatz in: The Review of Po-| litics 8, 1946, S. 37-67), hier S. 3: "Mit der Christianisie- rung der Litauer verlor er seine innere Existenzgrundlage ale missionarische Gemeinschaft ..." Vielleicht hilft die entste- hende Arbeit von Christian Propst Uber das Firmarienwesen dee Beutschen Ordens in PreuBen mit bei der Erkenntnis der andereiTj Komponenten des Ordensgedankens, die zu lange nicht beachtet worden sind. 28) Vgl. dazu Karl-August Luckerath, Hochmeister Paul von RuBdorf Biss. phil. Bonn 1965* 29) Maschke, Quellen, S. 25. 30) SRP III, S. 601. 31) ebd•, S. 599. 32) Uber ihn vgl. Udo Arnold, Beitrage zum Verfasserlexikon, a.a. 0., S. 149 f. $ 33) Vgl. die Biss, von Hartmut Boockmann, Laurentius Blumenau, Gottingen 1965; dazu die Rezension des Verf. in: PreuBenland 3, 1965, S. 27 f. 34) Maschke, Quellen, S. 27. 35) Toeppen, a.a.O., S. 89. 36) Vgl. Maschke, Wandlungen. 37) Neu hg. in SRP VI. 38) Vgl. bes. Walther Hubatsch, Montfort und die Bildung des Deutschordensstaates im Heiligen Lande, in: Nachrr. d. Ak. Wiss. in Gottingen, philol.-hist. Kl., Jg. 1966. d. 39) Vgl. Kapitel II, S. 41 f. 40) Auf eine quellenkritische Diskussion und die Ergebnisse der Arbeiten von Jolanta Bworzaczkowa, bes .Dzie jopisaistwo Gdafiskie do po/owy XVI wieku (Bie Banziger Geschichtsschreibung bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts), Banzig 1962, soli erst spater eingegangen werden. 41) Neu hg. in SRP VI. 42) Ber erste AnstoB nach etwa 50jahriger Pause ging aus von Wal¬ ther Hubatsch, Zur altpreuflischen Chronistik des 16. Jahrhun¬ derts, in: Archivalische Zs. 50/51, 1955, S. 429-462. Ihm folg^ te J. Bworzaczkowa mit ihrer Untersuchung (s. Anm. 40). 43) Vom Verf. bearbeitet in SRP VII. 44) Simon Grunaus Preuflische Chronik, hg.v. Verein fUr die Geschich- te PreuBens, Bd. 1, Leipzig 1876; Vorbemerkung von Max Perl- bach, S. 2. 45) Maschke, Quellen, S. 29.
- 199 - I 46) ? 47) 48) S 49) 50) 51) 52) 53) 54) 55) 56) 57) S. 30-36 Vgl. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 112-118. Neu hg. in SRP VII. Hg-v. Max Toeppen, in: Die preufl. Geschichtsschreiber dea 16. und 17- Jahrhunderts, Bd. IV, 2, Leipzig 1881. Hg* v. C.P. Wblky, in: Script, rer. Warm. II. Beidea verbffentlicht in SRP VII. Helmut Preiwald, Der preuBiache Bauernaufstand von 1525 in dem zeitgenossischen Bericht eines landesherrlichen Beamten, in: Za« f. Gesch. u. Altertumskunde Ermlands 30, 1962, S. 439-454, hier S. 454; vgl. SRP VII. Bern abwertenden Urteil Toeppens, a.a.O., S. 218, der dieae De¬ tails ala gleichgUltig ansieht, vermag ich nicht zu folgen. SRP V, S. 186. ebd., S. 188. Decius ala Anhang zur zitierten Matthias von Miechbw-Ausgabe gedruckt, Critiua in Krakau 1525, Neudruck in SRP VII. Vgl. Walther Hubatsch, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Hei¬ delberg I960; Iselin Gundermann, Herzogin Dorothea von Preu- flen, Kbln 1965; Peter G. Thielen, Die Kultur am Hofe Herzog Albrechts, Gbttingen 1953- Hubatsch, Albrecht, S. 279 f. Xapltel II: 1) Wir bezeichnen sie nach ihrem heutigen Aufbewahrungsort auch ala "Celler Chronik". 2) Walther Hubatsch, Zur altpreuBischen Chroniatik des 16. Jahr¬ hunderts, in: Archival. Zs. 50/51, 1955, S. 429-462, hier S. 441 f. >$ Scriptores rerum Prussicarum Oder Die Geschichtsquellen der preuBischen Vorzeit, Bd. VII, hg.v. Walther Hubatsch, bearbei- tet von Udo Arnold, Frankfurt ca. 1968. 4) Quellenstellen zur Wappenverleihung: a) Celler Chronik, in: SRP VII, fol. 185b. Vgl. dort auch die Anm.; das Zitat betrifft jedoch nur die Handschriften, nicht den Druck bei Friedrich Adolf Meckelburg, Die Konrigs- berger Chroniken aus der Zeit des Herzogs Albrecht, Konigs- berg 1865, der sich bei der Auslassung dieser Stellen auf SchUtz beruft. Wiederabdruck in SRP VII. b) Kaspar SchUtz, Historia rerum Prussicarum, Zerbst 1592, fol. m III b. c) Matthaus Waissel, Chronica alter preusscher, eifflendischer und kurlendischer Historien, Konigsberg 1599, fol. 278b und k, 279a*
- 200 - s. 36-37 d) Acta Tomiciana, Bd. 7, hg.v. T.C. Dzialynski, Posen o.J. (nach 1857), S. 217 f. Literatur in neuerer Zeits Walther Hubatsch, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Heidelberg I960, S. 134 und Anm. 43. Vgl• die Bonner Dissertation von Stephan Dolezel, Die preu- Bisch-polnischen Lehnsbeziehungen unter Herzog Albrecht, 1965, Koln 1967. 5) Vgl. dazu Ernst Kuhnert, Geschichte der Staats- und Universi- tatsbibliothek zu Kbnigsberg, Leipzig 1926, Anhang: Der Ko- nigsberger Bucheinband im 16. und 17. Jh., S. 251-307. 6) Auch an dieser Stelle mbchte ich den Herren Oberlandesgerichta rat Dr. Figge und Oberlandesgerichtsrat Glaser vom Oberlandes- gericht Celle fUr ihr groBes Entgegenkommen bei der Benutzung der Handschrift sowohl zur Edition als auch zur Anfertigung dieser Arbeit recht herzlich danken. Wie die Chronik nach Cel¬ le kam, ist nicht vbllig klar. Dazu teilte mir Oberlandesge¬ richtsrat Glaser in einem Schreiben vom 10. August 1965 mits Die Danziger Chronik В II 820 ... gehbrt nicht der staatlichen juristischen Bibliothek. Die Handschrift ist Eigentum der sog. Grupenschen Stiftung. Der stadthannoversche Bttrgermeister Christian Ulrich Grupen schenkte im Oktober 1743 seine bedeu- tende BUchersammlung dem damaligen Oberappelationsgericht Cel¬ le. Die Stiftung wurde durch den KurfUrsten Georg II. landes- herrlich am 13. November 1743 bestatigt." Ein handschriftli- cher Katalog dieser Stiftung existiert unter der Signatur C 55 "Grupensche Schenkung und Grupensches Testament”, 500 Blatt in Folio. Leider habe ich die Chronik dort nicht gefunden, doch ist Herr Oberlandesgerichtsrat Glaser in seinem Schreiben der Ansicht: ”Selbst wenn die Chronik nicht darin enthalten sein sollte, so ist dennoch mit Sicherheit anzunehmen, daB sie zur Grupen-Bilohereammlung gehorte. Unterlagen Uber anderweitigen Erwerb sind nicht vorhanden.” Woher Grupen die Chronik erwor- ben haben kbnnte, ist nicht zu sagen. Seine Beziehungen zu PreuBen scheinen nicht sehr intensiv gewesen zu sein, da sich in seiner umfangreichen Sammlung aufler der Chronik von SchUtz in der Ausgabe von 1592, Hartknochs Alt- und Neuem PreuBen so- wie der Landesordnung von 1577 keine Prussica befanden. 7) Ahnlich W. Hubatsch, Zur altpreufl. Chronistik, a.a.O., S. 441; eine genaue Entzifferung ist wohl kaum moglich. 8) Gedruckt in SRP VII. 9) Gedruckt in: Archival. Zs. 50/51, 1955, S. 459-462. 10) Vgl. W. Hubatsch, Zur altpreufl. Chronistik, a.a.O., S. 442. 11) In die Edition der SRP VII, auf die sich alle Angaben bezie- hen, vrurde das Register nicht aufgenommen, da sich in jenem Bd. ein modernes Gesamtregister befindet, vom Bearbeiter zu- sammengestellt. Die Verweise in dieser Arbeit auf fol. der Handschrift sind nachprtifbar im Druck der SRP VII, wo der Blatt- und Seitenwecheel jeweils am Rande vermerkt sind.
т - 201 - S. 3741 12) Sot fol. 128 f., 131-134. 13) tJber diese vgl. den nSchsten Abschnitt. 14) Pol. 4a, 15b, 39a, 38b, 67a, 80a, 197b. 15) Pol. 2b, 6a, 104a. 16) Unberticksichtigt blieb der Anhang, der nach fol. 227 folgt. 17) So bereits W. Hubatsch, Zur altpreufi. Chronistik, a.a.O.,S.441 18) Die Grofle des Schriftspiegels wird hier nicht berticksichtigt, da sie zu stark differiert. 19) Vgl* jeweils in SRP VII die fol.-Angabe am Rand. 20) Der Name Balcke kommt als der einer Dortmunder Familie seit dem 13. Jh. vor; der Vorname Hermann ist jedoch bei keinem Trager dieses Namens ermittelt. DaB die BalkenatraBe nach die- eer Familie ihren Namen habe, ist nicht richtig. Nach einer freundlichen Auskunft von Herrn Stadtarchivdirektor Dr. Swien- tek, Dortmund. 21) Pol. 79a ("Vatter"), fol. 80b ("Der"), fol. 96b, fol. 97b, fol. 98b, fol. 168b, fol. 170b, fol. 190b ("auch die Gemeine"; aue dem Text genommen.) 22) Ausnahmen: a) Lagen zu 7 Doppelblatt: fol. 97-110, 171-184,' b) Lage zu 4 Doppelblatt: fol. 185-192. 23) в. Кар. Ill, S. 66. 24) Vgl. SRP VII, fol. 20 B, A run. 25) Unberticksichtigt der nach fol. 227 folgende Anhang. 26) Charles Noise Briquet, Les Filigranes, Bd. I, ^Leipzig 1923, S. 21; vgl. ebd. Nr. 284 (=Wz. 1) und Nr. 289 (=Wz. 3). 27) Lore Sporhan-Krempel, Ochsenkopf und Doppelturm. Die Geschich- te der Papiermacherei in Ravensburg, Stuttgart 1952, S. 60. 28) Ein Abbildungsverzeichnis mit fol.-Zahl, MaBen und Verweis auf den Textzusammenhang in den SRP VII findet sich als Anhang dort. 29) Ernst v.d. Oelsnitz, Herkunft und Wappen der Hochmeister des Deutschen Ordens 1198 - 1525, Kbnigsberg 1926, S. 17. Auf die¬ ses Werk sttitze ich mich bei der folgenden Behandlung, da neue Studien zu dem Gebiet den Rahmen meiner Arbeit sprengen wtirden 70) August Roth, Die Wappenreihe der Hochmeister des Deutschen Or¬ dens in der Innsbrucker Wappenhandschrift Rugenn, in: Der He- rold ftir Geschlechter-, Wappen- und Siegelkunde 2, 1941, S. 45-48. Innsbruck ftihrt uns in das Entstehungsgebiet der Chro- nik der Gebrtider Waiblingen, die sehr viele Abschriften und Umformungen erfuhr. Es wtire eine interessante Frage, die ein- mal geprtift werden sollte, ob ein Zusammenhang zwischen diesen Handschriften vorliegt. vgi. SRP V, S. 183. |g) ebd., S. 174.
202 33) v.d. Oelsnitz, a.a.O., Anm. 36. S. 41-42 34) SRP V, S. 4* Diese Aussage gilt ebenso fUr alle neu gefundenen Handschriften, die die JUngere Hochmeisterchronik zur Vorlage hatten. Als Beispiel sei nur auf zwei Handschrif ten hingewie- sen, die der Forschung noch vollig unbekannt aind: 1 a) Cronica. Von dem anfangk des hochltfblichen Deutschen Ordens im Besitz der WUrttemberg. Landesbibliothek Stuttgart, Cod. hist. fol. 736. b) Cronica dea hochlobwUrdigen Ritterlichen Teutschen ordens -! ..., im Privatbesitz seiner Durchlaucht des FUrsten Georg j von Waldburg-Trauchburg zu Zeil, SchloB Zeil, Ha. 135. ,1 liber diese und einige andere Chroniken demn&chst an anderem ' Orte. 35) SRP V, S. 174 und S. 5. j 36) ebd., S. 183. j 37) Georg Ranis, Kurtzer auszugk, Der Ankunfft, Regierung, und le- bena, Aller Hohemeister Deutsches ordens in Preussen ..., El- bing 1564; als Kopie im Besitz des Verf. Diese Chronik kannte v.d. Oelsnitz nicht, weshalb er falsch- lich Daubmann als den ersten annahm, der seine Chronik mit Wappen druckte; v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 11. Johann Daubmann, Chronica. Kurtzer Auszzug der Preussiachen Chronicken, Konigsberg 1566; als Film im Besitz des Verf. ;j (Kaapar Hennenberger), Kurtze und einfeltige Beschreibung, al- ler Hohemeister Deutsches Ordens S. Mariae, des Hospitals zu .j Jerusalem, etc., Konigsberg 1584. Caspar SchUtz, Historia rerum Prusaicarum, Zerbat 1592. Matthaus Waissel, Chronica Alter Preusscher, Eifflendischer, und Curlendischer Historien, Kdnigsberg 1599. 38) Die spater zugefllgte Kolorierung iat nicht berUcksichtigt; mir t lag vor das, wenn auch flUchtig, so doch geschmackvoll kolo- ч rierte Exemplar der Staats- und Univeraitatsbibliothek Gottin¬ gen, H.Pruss. 10. 39) Allerdings lehnt sich SchUtz ganz an die von Daubmann ausge- hende Wappenreihe an. Abweichungen in der Schildwachterzeich- nung finden sich bei den Hochmeistern Nr. 11 (Hohenlohe): die Schildwachter, die bei Daubmann keine Personen sind, entspre- chen hier denen von Nr. 23 (U.v. Jungingen) bei Daubmann; Nr, 10 und 12 (Feuchtwangen) entsprechen sich untereinander und haben Daubmann Nr. 10 als Vorlage; ahnlich ist es bei Nr. 22 und Nr. 23 (Jungingen) = Daubmann Nr, 22, Nr. 24 und Nr. 29 (Plauen) = Daubmann Nr. 29, Nr. 27 und Nr. 28 (Erlichshausen) = Daubmann Nr. 27. Die Schildwachter bei SchUtz, die zu Nr. 18 (Dusemer) bei Daubmann keine Personen sind, entsprechen denen von Nr. 6 (Osterna) bei SchUtz. Nr. 34 hat keine Schildwachter, dafUr aber Herzog Albrecht in RUstung als Ganzportrat. Des (5f- teren sind die Zeichnungen der Schildwachter seitenvertauscht, ein Zeichen, dafl bei der Heratellung nicht immer an die Umkeh- rung des Stockee beim Druck gedacht wurde. Die Wappenzeichnun- gen entsprechen alle der Daubmannachen Reihe. Vielleicht hat jedoch nicht Daubmann, sondern Hennenberger als Vorlage gedient,
- 203 - S. 42-43 da eine der beiden Barstellungen, die SchUtz zusatzlich zu den Wappen hat (fol. 19a einen Hochmeister in HUstung mit Ordens- schild und fol, 49a einen Samaitenpriester mit Bock, wie wir ihn von Maletius her kennen - vgl. Abb. in SRP VII -), namlich der Hochmeister, nicht bei Baubmann, sondern nur bei Hennen- berger zu finden ist, dort allerdings sehr grob und nicht von eines Schnitzers, sondern von Hennenbergers eigener Hand, wie die Initialen CHE (Caspar Hennenberger Erlichensis) in der rechten unteren Ecke zeigen. 40) Mir lag vor das sorgfaltig kolorierte, manchmal allerdings auch in den Wappenfarben abweichende Exemplar der Universitats bibliothek Bonn, PGB 5900 Rara. (Diese Chronik ist auch nicht- koloriert ausgeliefert worden.) 41) v.d, Oelsnitz, a.a.O., Anm. 19 irrt, wenn er nur zwei Lowen fUr Waissel angibt; in Wirklichkeit sind es drei. 42) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 15. 43) ebd., S. 26 und 38. Allerdings stammt die alteste Handschrift der JUngeren Hochmeisterchronik noch aus dem 15. Jh.; vgl. oben S. 41. 44) v.d.Oelsnitz, a.a.O., S. 28-37. 45) Goldkreuz: SRP V, S. 61; Lilienkreuz: ebd., S. 92; Reichsadler: ebd., S. 92; vom Adler im Wappen der Fahne (vexil lum) spricht bereits Busburg, in: SRP I, S. 32; doch schreibt er, wie v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 32, richtig zu bedenken gibt 100 Jahre spater, ala der Adler bereits allgemein im Gebrauch war. Gerade zu dieser Stelle der Darstellung Busburgs meint Toeppen: "Aber auch schon bei Busburg hat der Bericht ein sa- genhaftes Gewand angenommen." SRP I, S. 32, Anm. 2. BaB der Adler spater verwandt wurde, kann nicht abgestritten werden, doch laBt sich daraus die offizielle Privilegierung, um die es hier geht, nicht ableiten; vgl. auch v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 32-34. Beda Budik, Bes hohen Beutschen Ritterordens MUnz- sammlung in Wien, Wien 1858, S. 58-64, nimmt die Verleihung des goldenen KrUckenkreuzes an, kann es aber erst Mitte des 14. Jhs. aus Siegeln belegen (S. 6o); das Lilienkreuz sei je- doch eine Schopfung des ausgehenden 15. Jhs. unter Johann von Tiefen (S. 63); die Verleihung des Reichsadlers halt er flir sicher, da Busburg a.a.O. sie bereits erwahne (S. 60 f.). 46) So z.B. die Stuttgarter Handschrift (s. Anm. 34, a) auf fol. 25a, 27a und 54a. 47) So die bereits erwahnte Stuttgarter Handschrift, aber auch die Brucke von Ranis (dort das Lilienkreuz schon im Wappen Her¬ manns von Salza, der Vers erst unter Konrad von ThUringen), Baubmann und Hennenberger (nur von Ludwig von Frankreich); Waissel hat die Verse fortgelassen. 48) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 15. 49) Ich fUge jeweile die Nummer der chronistiechen
- 204 - S. 43-47 Hochmeisterzahlung hinzu, die bekannnlich die drei Meister Gerhard von Malberg, Heinrich von Hohenlohe und Gunter von WUllersleben immer auslaBt. 50) Vgl. S. 40. 51) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 45. 52) ebd., S. 46. Auf die Unterschiede in der Behandlung des Feldee mit dem Ordenskreuz ist hier nicht nochmals eingegangen. 53) ebd., S. 49. 54) ebd., S. 56; vgl. auch ebd., Anm. 116. 55) ebd., S. 59. 56) ebd., S. 51. 57) ebd., S. 64 f. 58) Vgl. das Oldenburger Wappen bei J. Siebmacher, GroSes und all- gemeines Wappenbuch, hg.v. Otto Titan v. Hefner, Bd. I, Abt. 1,1, Nurnberg 1856, S. 39 und Tafel 80. 59) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 67. 60) ebd., S. 68. 61) Vgl. S. 39. 62) v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 72. 63) Ebenso das Exemplar von Waissel, das mir vorlag. 64) Vgl. Siebmacher, a.a.O., S. 18 f. und Tafel 26. 65) In einer Bulle Honorius III. von 1221, Jan. 21; Regest bei August Potthast, Regesta Pontificum Romanorum I, Berlin 1847, Nr. 6521 und bei Gaston Graf von Pettenegg, Die Urkunden des Deutsch-Ordens-Centralarchives zu Wien, Prag 1887, S. 17, Nr. 53; Druck bei Ernst Strehlke, Tabulae ordinis Theutonici, Ber¬ lin 1869, Nr. 342. 66) DOZA, Abt. Welschland, Kart. 124/1, fol. 233; vgl. Bildbeilage I. Fur den Hinweis danke ich auch hier herzlich dem Leiter dee Archivs, Herrn P. Dr. K. Wieser, O.T. 66a)Vgl. Georg Dehio - Ernst Gall, Handbuch der Deutschen Kunst- denkmaler, Deutschordensland PreuBen, MUnchen 1952, S. 373, 425 und 114. 67) Ranis, a.a.O., fol. E III; dort zuerst der Knauf und als Ab- schlufl der Stern. Daubmann, a.a.O., fol. у IV; dort vom Schwertknauf im Winkel von jeweils etwa 60° ausgehend an beiden Seiten zwei romische (lange) Kreuze. 68) Vgl. Friedrich Benninghoven, Der Orden der Schwertbrtider, Kola 1965, Abb. 47: Siegel des Ordens 1226; Heinrici Chronicon Li- voniae VI, 4, a.a.O., S. 24. 69) SRP VII, fol. 27b; der Wortlaut Daubmanns stimmt mit dem der Celler Chronik in diesem Abschnitt bis auf kleine sprachliche
- 205 - S. 48-51 Abweichungen vollig Uberein. 70) Vgl. S. 44. 71) Den inhaltlichen Vergleich mit Ranis s. S. 18o f. 72) Ernst v.d. Oelsnitz, Das Landeswappen von PreuBen, in: Ostpreu- Ben 700 Jahre deutsches Land, hg.v. Ludwig Goldstein, Konigs- berg 1930, S. 15-17, hier S. 15. 73) In der Verwendung der Namensform "Pruflen" sttitze ich mich auf Erich Keyser, Der Name der Pruflen, in: Altpreuflen 5, 1940, S. 9 f., wo er zu dem Ergebnis kommt: "Die vordeutsche Bevolke- rung Ostpreuflens mufl daher ausschliefllich, wenn Verwechslungen vermieden werden sollen, als die Pruflen benannt werden, ein Ausdruck, der ihrem eigenen Sprachgebrauch und der Gepflo- genheit ihrer deutechen Zeitgenossen allein gerecht wird." ebd. S. 10. 74) S.S. 44. 75) Vgl. Otto Hupp, Wappen und Siegel der Deutschen Stadte, Heft 1s Ostpreuflen, Westpreuflen und Brandenburg, Frankfurt/Main 1896, S. 23 f. und Abb. auf S. 21. 76) ebd., S. 24. 77) SRP IV, S. 15; jetzt ist die neue polnische, farbig ausgestat- tete Ausgabe zu benutzen: Joannis Dlugosii Banderia Prutenorum, ed. Carolus G6rski, Warschau 1958; dort S. 82. 78) Litee ac res gestae inter Polonos ordinemque cruciferorum, Bd. I, 2posen 1890, S. 206, die Aussage des Zeugen Nr. XV, "domi- nus Albertus filius quondam Thadei, miles ) Vgl. die Genealogie bei Berthold Schmidt, Die Reussen. Genea- logie, Schleiz 1903, Tafel 1. Den Titelhinweis verdanke ich Herrn Dr. Lampe, Hannover. Robert Hansel, Reussische Genealogie, Jena 1940, S. 41; vgl. den Grabungsbericht von Berthold Schmidt, Die Ausgrabung im Kloster Cronschwitz, in: Zs. d. Ver. f. ThUring. Gesch. u. Л1- tertumskunde 24, 1906, S. 347-400, bes. S. 364-367, mit Figur 15. -80 Otto Posse, Die Siegel des Adels der Wettiner Lande bis zum Jahre 1500, Bd. 1, Dresden 1903, S. 22 und Tafel 22 f. 82) ebd., S. 29, Nr. 156; Abb. Tafel 22, Nr. 1. 83) Zu den historischen Ereignissen vgl. jeweils die Quellenstelle der Celler Chronik, in: SRP VII, an den zitierten Stellen, so- wie auch dort die Anmerkungen des Verf., die auf viele Dinge eingehen, die hier nur am Rande gestreift werden konnen. 84) Zum Westpreuflenwappen s. auch unten; Literatur: v.d. Oelsnitz, Landeswappen, S. 17; gleichlautend vom selben Verf.: Die Buch- etaben auf der Brust des preuflischen Adlers, in: Altpreuflische Geschlechterkunde 7, 1933, S. 33-37. 85) Zum polnischen Wappen vgl. Siebmacher, a.a.O., Bd. I, Abt. 2, Die Wappen der auBerdeutschen Souverane und Staaten, hg.v. Ot-
- 206 - S. 51-55 1 to Titan v. Hefner, NUrnberg 1870. Dort 1st das Wappen beechri^ ben: in rot ein gekronter, goldgewaffneter silberner Adler aitj "Kleestengeln", die jedoch wie die Krone oft fehlen; a.a.O., 3 S. 5 u. Tafel 5. I 86) Zum litauischen Wappen vgl. ebd.; Beschreibung: in rot ein Rit« ter auf silbernem Ross, in der Linken einen silbernen Schild haltend, darauf ein zweiarmiges Patriarchenkreuz, mit der Reoh* ten ein Schwert schwingend; a.a.O., S. 2 u. Tafel 4. | 87) Vgl. die Zeichnung bei v.d. Oelsnitz, Das Landeswappen, a.a.O,^ S. 16 und Die Buchstaben, a.a.O., S. 33. 88) Erich Keyser, Die Lilie als pommerellisches Wappen, in: Weich- selland (= Witt. d. Westpreufl. Gesch.ver.) 38, 1939, S. 25 f.t/< wo er zu dem SchluB kommt: “... daB die Lilie im 13. Jahrhun- \ dert als Wappenbild der Herzoge und Palatine des Danziger Lan»] des gegolten hat.” ebd., S. 26. ! 89) Das entspricht in der Zeichnung dem Wappen von Wolgast; die \ Farben sind nicht richtig; Siebmacher, a.a.O., Bd. I, Abt. 1,J 2: Wappen der deutschen Souverane und Lande, hg.v. Gustav A. * Seyler, NUrnberg 1909, S. 76 u. Tafel 84. 90) In der Zeichnung handelt es sich um das Wappen der Grafschaft GUtzkow, die Farben weichen wieder ab; ebd., S. 76 u. Tafel 83# 91) Vgl. ebd., S. 73 f. u. Tafel 69. 92) SRP VII, fol. 129b und fol. 225b, sowie die Nachweise ebd., Anm. 93) Beschreibung in SRP VII, ebd. 94) Karl Pagel, Die Hanse, ^Braunschweig 1963, S. 132. 95) Abdruck bei Heinrich Hunke, Hanse, Downing Street und Deutech-, lands Lebensraum, Berlin 1940, S. 76. 96) ebd., S. 76; auch schon auf einem Wappen um 1400 ist der halbe Doppeladler und der gekronte Stockfisch vorhanden; ebd., S. 76, Die hier besprochene Zeichnung und Farbgebung ist aus der glei« chen Zeit noch ofter nachweisbar fUr die Bergenfahrerkompagniei das Kontor selber soli die Schildhalften vertauscht gefUhrt ha- ben; vgl. Friedrich Bruns, Die LUbecker Bergenfahrer und ihre Chronistik, Berlin 1900, S. CXV f. u. Anm. 4. 97) Karl Pagel, Die Hanse, Oldenburg o.J. (1942), Karte auf dem Innendeckel. 98) Fol. 57a. 99) Fol. 75b. 100) Fol. 67a und 80a. 101) Fol• 93b - 96b, bee. fol. 94b und 95b. 102) Fol. 87b. 103) Fol. 12b. 104) Fol. 13b.
- 207 - ь S. 55-59 ‘105) Vgl. SRP VII, fol. 14b, Anm. ;i06) Pol. 48a. 107) Pol. 79a. 106) tfber den Taufvorgang vgl. SRP VII, fol. 79» sowie zur Person Butawts meine AusfUhrungen zu Schondochs Gedicht ’’Per Litau- erM, SRP VII, teilweise wiederholt in Preufienland 3, 1965» S. 26 f. 109) Pol. 98b. 110) Zur Buchmalerei im 16. Jh. und ihren BerUhrungen mit Preuflen ▼gl. Iselin Gundermann, Untersuchungen zum GebetbUchlein der Herzogin Dorothea von PreuBen, Kc51n 1966. ^111) Fol. 113Ъ. '112) Hartmann Schedel, Buch der Cronicken und gedeehtnus wirdigern г geachichten, Ntlrnberg 1496, fol. у III b. 113) Vgl. SRP VII, fol. 115b ff. |114) Fol. 179a. 115) Fol. 185b. 116) Beschreibung und Abdruck dee Bildea bei Walther Hubatsch, Deutachordenachroniken im Weichaelland, in: Oatdeutache Mo- natshefte 22, 1956, S. 713-718, hier S. 718. 117) Fol. 106a. f118) Fol. 171a. hl9) Fol. 176b. 1120) Fol. 189a,• vgl. Ann. 137. 1121) Fol. 190a. 122) Fol. 191a. *123) Fol. 205b; vgl. dazu SRP VII, fol. 204b ff. und die Beilage dort. 124) Fol. 219a. 125) Fol. 224a. 126) Vgl. oben S. 56. 127) Zu diesem Begriff vgl. die AusfUhrungen von Fritz Ernst, Zeit- geechehen und Geschichtsschreibung, in: Welt als Geschichte 17, 1957, S. 137-189, bes. S. 138 f. 128) Kurt Forstreuter, Landkarten als Quelle zur Baugeschichte, in: AltpreuBische Forschungen 11, 1934, S. 188-196, hier S. 188. 129) Polo 39a. 130) Vgl. SRP VII, fol. 38b - 39a. 131) Vgl. dazu Friedrich Lahrs, Das KBnigeberger SchloB, Stuttgart 1956, bes. die Tafeln 42 u. 46.
208 \ S. 59- 61 132) Pol. 57a. 133) Otto Gttnther, Ein Stttckchen Danzig im Jahre 1553, in: Mitt. d. WestpreuB. Gesch.ver. 11, 1912, S. 63-65. Ihm lag die Berli¬ ner Handschrift vor, doch konnen wir seine Ergebnisse auf- grund der Verwandtschaft beider Chroniken Ubernehmen. Vgl. Bildbeilage II. 134) Pol. 72a. 135) Pol. 197b. 136) Otto GUnther, a.a.O., S. 65, Anm. 3; vgl. auch Willi Drost, Kunstdenkmaler der Stadt Danzig 1: St. Johann, Stuttgart 1947} Drost vermutet als ersten Bau fUr St. Johann eine Basilika mit stark Uberhohtem Mittelschiff bis zur Zeit der Wolbung 1463-65. Dem konnte ипэег Bild entsprechen. Doch ist nicht anzunehmen, daB der Zeichner eine etwa 100 Jahre alte Yorlage hatte, so daB es sich hier urn die Zeichnung Meiner Kirche" handeln mufi; vgl. Drost, a.a.O., S. 15 u. 21. 137) S. o. S. 57; zur Kleidung jenes letzten Bildes sei noch ge- sagt, daB Albrecht als bereits Belehnter die Riistung tragen darf, Georg noch nicht. Unter diesem Aspekt ist auch die Klei¬ dung Albrechts fol. 179a (s.o. S. 56) zu sehen, da er zu dem Zeitpunkt noch nicht belehnt war. Den Hinweis verdanke ich Herrn Dr. Stephan Dolezel, Marburg. 138) Pol. 167b. 139) Pol. 194a. 140) Fol. 199b. 141) Pol. 200a. 142) Pol. 203b. 143) Jodocus Ludovicus Decius, De Sigismundi regie temporibus li¬ ber, Titelbild, in: Decius, Contents, an: Matthias de Miech6w, Chronicon Polonorum, Krakau 1521; dieselben ZUge tragt Sigis- mund im Pamilienstammbaum, den Decius seinem Werk De Jaggel- num familia liber, ebd., beigab. Vgl. Bildbeilagen III и. IV. 144) Inventar des Schlosses Konigsberg 1568, Ehem. PreuB. Geh. Staatsarchiv Berlin-Dahlem, jetzt Deutsches Zentralarchiv II Merseburg, Brandenburg-PreuB. Hausarchiv Rep. 42 I К No. 1-2. Fur den Hinweis darauf und die Erlaubnis zur Einsichtnahme in ihre Aufzeichnungen danke ich auch hier Prl. Dr. Gundermann, Bonn. 145) Pol. 71b: preuB. Schilling; fol. 74a: preuB. Groschen; fol. 76b: Pfennig und Schotter; fol. 86b: preuB. Gulden; jeweils beidseitig. 146) P.A. Vofiberg, Gesch. d. preuB. Mlinzen u. Siegel von frlihester Zeit bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens, Berlin 1843, S. 81 f. - Dietrich von Altenburg hat keine Schillinge oder auch nur andere MUnzen vom rr.ehrfachen Wert des einfachen Ordenspfennigs gepragt. Nach einer freundlichen Mitteilung
- 209 - S. 61-64 von Herrn Dr. G. Meinhardt, Gottingen. 147) Pol. 75b, 77a, 83a. 146) Pol- 101a, 105a. 149) Eygentliche Beschreibung Aller StSnde auf Erden ..., Frank- furt/Main 1568, Faks.-Druck MUnchen 1896, ohne Vorrede Leip- zig I960. 150) Pol. 111b; Druck bei Walther Hubatsch, Deutschordenschroniker im Weichselland, a.a.O., S. 715. 151) S.o. S. 57. 152) Pol. 58b. to) Pol. 65a. 155) Pol. 67a. Ьб) Pol. 80a. |57) Pol. 120a. 158) Pol. 198a. 159) Pol. 200b. 160) Pol. 199a. 161) Pol. 110b. •> 162) Pol. 63a. 163) Vgl. Wolfgang Stemmier, Der Totentanz, MUnchen 1948, S. 26 u. Anm. 57 u. 59 mit Lit.; Hellmut Rosenfeld, Der mittelalterli- che Totentanz, MUnster 1954, S. 10-14. 164) Pol. 51h. J65) Pol. 52b. |66) Pol. 93b-96b. W) Pol. 119b. 168) Vgl. Alexander Goette, Holbeins Totentanz und seine Vorbil- der, StraBburg 1897; dort auf Tafel II als Nr. 41 die Spie¬ ler, Nr. 42 die Saufer. Sie sind zuerst in der 5. Aufl. ent- halten, die in Lyon 1545 gedruckt wurde. 169) Vgl. die Sauferszene in: Bartholomaeus Gribus, Monopolium philosophorum, vulga die Schelmenzunft, in: Directorium Sta- tuum seu verius tribulatio eeculi (StraBburg, nach 1489, Okt. 25), fol. e2; der Text auch bei Friedrich Zarncke, Die deut- schen Universitaten im Mittelalter, Leipzig 1857, S. 61-66; Bildbeilage V dieser Arbeit. 170) Die Vorbilder im Alphabet, 1524 zum erstenmal gedruckt, sind die Buchstaben T (Saufer) und X (Spieler). Wie im groflen To¬ tentanz sind sie jedoch weniger als Todesdarstellung denn als Darstellung der Leidenschaft von Trunk und Spiel gedacht. Goette, a.a.O., S. 172, 187, 189 f. und Tabelle 5 auf S. 284
- 210 - S. 65-66 | sowie bes. S. 257 (SfeLufer) u. S. 273 f. (Spieler). j 171) Eine eingehende Betrachtung unter diesem Gesichtspunkt kann 1 hier leider nicht angestellt werden; doch ware es eine inter- essante Pragestellung unter Heranziehung weiterer illustrier-: ter Quellen dieser Zeit. 172) Paul Gehrke, Per Geschichtsschreiber Bartholomaus Wartzmann im Kreise seiner Abschreiber, in: ZWG 41, 1900, S. 1-138, j hier S. 59-72; dort sagt er Uber jene Chronik: MSie ist so- wohl wegen mancherlei Besonderheiten als auch wegen der Per¬ son des Autors die interessanteste unter alien Chroniken, die mir vorgekommen sind." (S. 59 f.) Zu diesen Besonderheiten zahlen "die vielen bunten Bilder, die oft sehr realistisch und komisch dargesbellt sind." (S. 70) Weitere Bemerkungen zu dieser fUr ihn an erster Stelle stehendenBesonderheit macht er nicht. 173) Diese Forderung erhob ftlr die Abbildungen auch Friedrich Pan¬ zer, Vom mittelalterlichen Zitieren, in: Sitz.berr. d. Hei- delberger Ak. d. Wise., Phil.-hist. Kl. 1950, dabei vom Bei- spiel der Troubadour-Hss. ausgehend: "Wie der Text eines dichterischen Oder prosaischen Sprachwerkes nur durch Abschrei ben von Exemplar zu Exemplar vervielfaltigt werden konnte, da noch keine Moglichkeit mechanischer Wiedergabe erfunden war, so gilt gleiches fttr die illustrierten Hss. Demgemafi treten auch sie wie die reinen Textschriften zu Kreisen zusammen und ermoglichen infolge haufiger tibereinstimmung in Ungenauigkei- ten der Nachbildung die Aufstellung von Stammbaumen. ... Es ist zu bedauern, dafl in den philologischen Untersuchungen in Deutschland wie in Frankreich, dort z.B. bei den illustrier¬ ten Troubadourhss., fUr die Festlegung des Hss.-verhaltnisses die Untersuchung der Bildwiedergaben vielfach Uberhaupt nicht Oder ungenttgend herangezogen wurde, obwohl man bei den illu¬ strierten Troubadourhss. z.B. bfter an den Bildern schon aue der Entfernung erkennen kann, was zusammengehdrt oder was nicht." a.a.0., S. 29 f. Kapitel III: 1) Dies stellte anhand von Kletke bereits Hubatsch fest. Vgl. Hubatsch, Zur altpreufl. Chronistik, S. 442 und Karl Kletke, / Die Quellenschriftsteller zur Geschichte des Preufiischen Staats, Bd. 1, Berlin 1858, S. 102-105. 2) Gehrke, a.a.0., S. 60-63. Sein Argument der zweimaligen Er- wahnung Redens anlaBlich des Kbnigsbesuches in Danzig 1552 spricht nicht fUr R. als Verf., da diese Schilderung Ubernom- men wurde aus einem umfangreicheren Bericht eines anderen Verf.; vgl. Otto GUnther, Vom Konigsbesuch in Danzig 1552, in: MWG 15, 1916, S. 23-27 und den Wiederabdruck in SRP VII, Beilage zu fol. 204a ff. Der Schriftvergleich und die Haus- marke dlirften trotzdem Gehrkes Annahme von der Autorschaft Redens zur GenUge stUtzen.
- 211 S. 66-72 5) Eine kurze Beschreibung bereits bei Kletke, a.a.O., und in SHP VII. 4) Vgl. Кар. II, Anm. 5. 5) S. Bildbeilage YI; eine Beschreibung erUbrigt sich also. 6) Gehrke, a.a.O., 5. 62. 7) SRP VII, VorstoB. 8) Vgl. Gehrke, a.a.O., S. 61 f.; Bildbeilage VII. 9) Ab hier in Blei, wobei nicht sicher gesagt werden kann, ob es eich um dieselbe Hand handelt. 10) SRP VII. id Paul Simson, Der Artushof in Danzig und seine Briiderschaften, die Banken, Danzig 1900, S. 17 ff. und S. 305 ff. Erich Key- eer, Die Entstehung des Danziger Artushofes, in: MWG 25, 1926, S. 72-78, setzt sie um 1380 an; a.a.O., S. 77 f. .12) Z.B. fol. 151a - 152b. 15) Briquet, a.a.O., Bd. Ill, S. 504 f. und Nr. 9613 f. H) Die Verwandtschaft erkannte bereits Gehrke, a.a.O., S. 65. 15) Briquet, a.a.O., Bd. IV, S. 626 und 633 sowie Nr. 12.632. 16) ebd., Bd. Ill, S. 462 und die Nr. 8.646 und Shnliche. 17) ebd., Bd. IV, S. 803 und Nr. 15.950. 18) Aufgefiihrt werden nur die differierenden Wappen; es wird wie- der die chronistische Hochmeisterzahlung verwandt; vgl. S. 43, Anm. 49. 19) S. S. 44. 19a) S. S. 44. 20) S. S. 44 f. 21) v.d. Oelsnitz, Herkunft und Wappen, a.a.O., S. 57. 22) S. S. 45. 25) Vgl. v.d. Oelsnitz, a.a.O., S. 65 f. 24) S. S. 46. 25) Vgl. in C fol. 89b, in Reden fol. 89b und 90b. 26) S. S. 46. 27) Nrr. 2, 9, 11, 18, 19, 33. 28) Nrr. 17, 22. 29) Nrr. 3, 5, 6, 8, 24, 25. 50) Nr. 25. jj|1) S. S. 48 f. 92) 8. S. 50.
212 8. 72-81 vj Ч 33) S. 34) S. 35) S. S. S. 50. 51 mit Anm. 86. S. 51. 36) Vgl. Bildbeilage VIII. 37) S. S. 59. 38) S. S. 60 f. 39) Vgl. Кар. II, Anm. 145. 40) Vgl. SRP VII, fol. 74a. 41) ebd., fol. 86b. 42) An sich konnte man einfach auf den Lesartenapparat in den SRP VII verweisen, doch geht es hier um eine moglichst eindeutige Beweisfuhrung, die durch eine GegenUberstellung erleichtert wird • 43) Fol. 1b. 44) Fol. 2a. 45) Fol. 2b. 46) Fol. 4b. 47) Fol. 3a. 48) Fol. 4b - 5a. 49) Fol. 18a. 50) SRP VII, Register. 51) Eine Stelle allerdings ist mir noch nicht klar geworden: fol, 168a berichtet C von den Danziger Unruhen 1525 (SRP VII): ”da- runter war mit namen Peter Konig, ein grobschmidt, der war principal in der sachen." Statt dessen hat Reden: "Darunter war mit namen (durchstrichener Name) und Peter Konig, ...и Бег durchstrichene Name bei Reden war unter der Quarzlampe als "C.... von Suchten” zu erahnen. Wie kam Reden an diesen Namen, C aber nicht? Wurde er in X getilgt, nachdem Reden fertig war (spater ebenfalls in Reden), so dafi er fUr C nicht mehr lesbar war? Interessant ist, daB Spatte an dieser Stelle ebenfalls Cordt von Suchten nennt. Vgl. SRP V, S. 556, Anm. 1 und Gru- nau II, S. 781, Anm. 1. Woher kannte er den Namen? 52) S.o. S. 72. 53) S.o. S. 65. 54) Maschke, Quellen, a.a.O., S. 29. Kapitel IV: 1) FUr die biographischen Angaben zur Person Redens stUtze ich mich, wenn nicht anders angegeben, auf Gehrke, Wartzmann, S. 62-69.
- 213 - S. 81- 86 2) Gehrke, a.a.O., S. 61-63. 3) SRP VII, fol. 205b, 206a. 4) Ale Mindestalter fUr den Erwerb dee BUrgerrechts macht Rolf Walther, Die Danziger Btfrgerschaft im 18. Jh. nach Herkunft und Beruf, in: ZWG 73, 1937, S. 63-170, bier S. 74, das voll- endete 21. Lebensjahr wahrscheinlich. Zwar etUtzt er sich auf Falle des 18. Jhs., doch haben die verschiedenen Danziger Will ktiren dazu keinen ausdrUcklichen Artikel, weshalb die Verhalt- nisse bis ins 15. Jh. zurtick tfbertragen werden dtfrfen; vgl. Paul Simson, Geschichte der Danziger Willklir, Danzig 1904. 5) Vgl. Paul Simson, Danziger Inventar 1531 - 1591 , Mtlnchen 1913, Nr. 2094, von 1548, Marz 16, falls die Gleichsetzung des Chro- nisten mit jenem Danziger Heinrich von Reden gerechtfertigt ist. Ein weiterer bei Simson im Register ausgeworfener Hein¬ rich Reden ist nicht aufzufinden. Ob der zu 1571, Sept. 3 an- gefUhite Jakob von Reden Danziger Blirger war, lafit sich nicht feetstellen; ebd., Nr. 5954. 6) Uber Dietrich v.R. vgl. Forstreuter, Vom Ordensstaat zum Fur- etentum, Kitzingen (1951), S. 124 f. 7) Die Bestimmung, dafi man nach dem Erwerb des BUrgerrechtes "bynnen jaer und thage sich elich beweyben" soli, kam erst nach 1455 auf; vgl. Simson, WillkUr, S. 33. 8) ebd., S. 90. 9) Danziger Stadtbibliothek, Ms. 1047, fol. 27a ("Insignia genti- litia Czierenbergiana cognatorum et agnatorum"). Ю) Festgestellt von Gehrke, Wartzmann, S. 63 und von ihm u.a. als Indiz fUr die Zuweisung der Chronik an Reden henutzt. 11) Vgl. o. S. 66. 12) Kuhnert, Staatsbibliothek, S. 257: "Die Zusammenstellung der an einem Ort verwendeten Einzelstempel, Rollen und Platten, ihre Zuweisung an bestimmte Meister und ihre zeitliche Festle- gung bildet das Fundament einer methodischen einbandgeschicht- lichen Forschung. Ehe diese Grundlage nicht geschaffen ist, kommen alle Versuche, die Dekorationen verstreuter Bande zu lokalisieren, ihre Initialen und Monogramme aufzulosen, nicht viel Uber ein Ratselraten hinaus." Solche Vorarbeiten fehlen jedoch fast vbllig. 13) S.o. S. 59; was dort fUr Handschrift X gesagt wurde, kann eben falls fUr Reden gelten. 14) GUnther, Ein StUckchen Danzig, S. 64. B) y.d. Oelsnitz, Die Buchstaben. i() Vgl. die Abb. eines Gobelins aus Arras bei Eugeniusz Golebi- * owski, Zygmunt August, Warschau 1962, nach S. 240. Den Titel- Ь hinweis verdanke ich Herrn Dr. Stephan Dolezel, Marburg. Deut- lich wird die Auffassung als Personalwappen auch in Martin Cromer, De origine et rebus gestis Polonorum, Basel 1555, S. 674: das Bild Sigismunds I. tragt sein Wappen, wobei ein
- 214 S. 86-90 echwarzes A dem S beigegeben let, da er berelte einen Nachfcl- ger hatte; vgl. Bildbeilage IX# 17) S.o. S. 37. Kapitel Ys 1) SRP VIIf fol. 227a. 2) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 87 und Ofter# 3) Ms. 1285, fol. 412a. 4) Grunau III, S. 281. 5) S.o. S. 20-22. 6) S.u. S. 116 ff. 7) Vgl• z.B. seine Grunau-Bewertung im nachsten Kapitel S. 115. 8) Sie stellt ofter hinter den Bericht eines Vorgangs einen zwei- ten, mit den Worten beginnend: "Ein ander Cronica aber eagt.,.* Dariiber demnachst an anderem Orte. 9) SRP VII, fol. 3a - 9a. 10) Dusburg 1. Ill, c . 4. 11) SRP VII, fol. 8b - 9a. 12) ebd., fol. 9b. 13) ebd., fol. 9b - 1 2a. u) ebd., fol. 12a - 19b. 4 15) ebd., fol. 19b - 20b. ■4 16) ebd., fol. 20 В - 26b. j i 17) ebd., fol. 26b - 51a. i 18) ebd., fol. 27a - b und fol# 38a# 19) Dusburg,!. III, c. 221 . 20) SRP VII, fol. 51b ' - 53a. 21) ebd., fol. 56a - 57a. A 22) ebd., fol. 57a - 59a. 23) ebd., fol. 60a - 62a. bl 24) ebd., fol. 62b. 25) ebd., fol. 80a. i! 26) ebd., fol. 80b. 27) ebd., fol. 93a - 97a. 28) ebd., fol. 82. 29) ebd., fol. 83b - 84a.
- 215 - S. 90-94 ,) Vgl. Paul Roth, Die Reuen Zeitungen in Deutschland im 15. und 16. Jh., Leipzig 1914/1963, Einleitung, Ъез. S. 1. 31) SRP VII, fol. 98b - 105a. CM ebd. , fol. 105b - 106b und 108b - 109a. 33) S.u. S. 106. 34) SRP VII, fol. 110a . - 111a. 35) ebd. , fol. 110a. 36) ebd. , fol. 111. 37) ebd. , fol. 112a. 38) ebd. , fol. 113a - 146a. 39) Vgl. z.B. die Jlingere Hochmeisterchronik, 40) Vgl. den Bericht liber einen Vortrag von H. Boockmann liber den Deutschen Orden und die Stande in PreuBen, gehalten auf der Tagung der Historischen Kommission flir ost- und westpreuBische Landesforschung 1965 in Bremen, in: PreuBenland 5, 1965, S.44f. 41) SRP VII, fol. 119b - 120b; vgl* dazu Arno Schmidt, Deutsche Biernamen in AltpreuBen, in: Zs. f. Volkskunde 47, 1938, S. 166-166. 42) SRP VII, fol. 126a. 43) obd., fol. 130b - 132a. 44) ebd., fol. 137b. 45) ebd., fol. 132b - 134a. 46) ebd., fol. 136b - 137a. 47) ebd., fol. 14oa. 48) ebd., fol. 146b - 152b. 49) ebd., fol. 152b - 154a. 50) ebd., fol. 154a - 156b. 51) ebd., fol. 157. 52) ebd., fol. 160a. 53) ebd •, fol. 160b - 161b. 54) ebd., fol. 163a - 166b. 55) ebd., fol. 168a - 179a. 57) ebd., fol. 179b - 188b. 58) ebd., fol. 188b - 191a und ofter 59) ebd., fol. 200a - 202b. 60) ebd., fol. 204b - 226a. 61) So Toeppen , Historiographie, S. mann, ihm , folgend Kletke, a.a.O. flir Wartzmann und Mel*
216 S. 94-100 62) Wax Perlbach in der Vorbemerkung S. VI au Grunau I; dazu s.u. S. 168-170. 63) S.u. S. 100. 64) Als fast richtig bezeichne ich Abvelchunaen von ein Oder zwei Jahren, da oftmais die genauen Grttndungedaten aloh nleht feet- stellen lassen. 65) SHP VII, fol. 1a - 9a. 66) ebd., fol. 19b - 20b. 67) ebd., fol. 60a - 62a. 68) Grunau I, S. 474, Anm. 2. 69) SHP VII, fol. 60a, Anm. 70) ebd., fol. 63b. 71) Orunau I, S. 15. 71a) Vgl. den Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. 4, Leipzig 1930, S. 224-229, bes. die Nrr. 4391 und 4392. Die Ansicht Perlbache, Grunau habe eine Ausgabe von 1521 benutzt, beruht auf der fal- schen Aufldsung des Druckdatums der Ausgabe von 1500: "Anno domini. M.CCCCC.XXI. mensis Septembris." Vgl. Grunau I, S. 15, Anm. 1• 72) SHP VII, fol. 75a. BewuBt wurden die frtthen Partien der Chro- nik ausgewahlt, um die ordensfeindliche Tendenz an Stellen zu zeigen, die nicht so offenkundig wie in den Berichten Uber daa 15. Jh. Sind, so z.B. fol. 110, 130b - 132a und bfter. 73) SRP VII, fol. 71b - 72a. 74) ebd., Anm. 75) PreuBisches Urkundenbuch, Bd. IV, hg.v. Hane Koeppen, Marburg I960, Nr. 469 von 1349, Nov. 15. 76) SRP VII, fol. 74. 77) SRP III, S. 149. 78) SRP VII, fol. 75b. 79) VoBberg, a.a.0., S. 81. 80) Codex diplomaticus Warmiensis, hg.v. Carl Peter Woelky, Mainz/ Braunsberg I860 ff., Bd. I, Nr. 313 von 1340, Nov. 15 und Bd. II, Nr. 101 von 1348, Pebr. 14. 81) SRP VII, fol. oo 82) Grunau I, S. 643, Anm 83) SRP VII, fol. 83, Anm 00 ebd •, fol. 86 • in GO S.u . S. 112, Anm. 6. 86) So z.B. SRP VII, fol. 124a - 125a, 130a - 132a und after. 87) SRP VII, fol. 166b ff.
% S. 100-104 66) Abgedruckt in SRP VII. W) ■Dyese kronyca meldet von dem herkommen und anfang des dutczen ordens der kreutzherren und irer regyrung im lande czu preu- een", Ns. 1285 der Danziger Stadtbibliothek. Daft es eich um eine altere Form handelt, zeigen die EinschUbe, die Chronik Celle am Anfang aufweist; vgl. u. S. 120 f. 50) SRP VII, fol. 188b - 189a. tf) Mb. 1285, fol. 584a. 92) SRP VII, fol. 195a. 13) ebd., fol. 193; gektlrzt in Ms. 1285, fol. 397a. 94) ebd., fol. 194a. 95) ebd., fol. 195a. 96) ebd., fol. 196a; hier eine Zusammenfassung des ganzen Vorgangs gegentlber Einzelnachrichten ohne viel Inhalt in Me. 1285, fol. 403a. 97) SRP VII, fol. 196b - 197a. $8) ebd., fol. 197a. 99) ebd., fol. 197b; gektlrzt zu 1543 in Ms. 1285, fol. 409a. 100) ebd., fol. 197b. 101) ebd., fol. 197b - 198a; gektlrzt in Ms. 1285, fol. 409a. 102) ebd., fol. 198a. 103) ebd., fol. 198b. 104) "Cronica des landes Bruthenia", Ms. 1290 der Stadtbibliothek Danzig. 103) Gehrke, Wartzmann, S. 30 ff. -und J. Dworzaczkowa, a.a.0., S. 88; Beschreibung der Handschrift bei Otto Gtlnther, Katalog der Danziger Stadtbibliothek, Bd. II, Danzig 1903, S. 220 f. 106) Ms. 1290, fol. 269b ff. 107) SRP VII, fol. 199b - 200a. .106) ebd., fol. 200a - 202b. 109) ebd., fol. 202b - 203a. 110) Ms. 1290, fol. 279a - 286b. 111) Gtlnther, KSnigebesuch, S. 25. 112) Vgl. z.B. Perlbach in der Vorbemerkung zu Grunau I, S. V: "Es ч. liegt auf der Hand, daft ein solcher Schriftsteller auch nicht щк den geringsten Glauben verdient, wenn er alleine eine unver- H btlrgte Nachricht Uberliefert." ■13) Das beklagt auch J. Dworzaczkowa, a.a.0., S. 11; allerdings Hf war ihr die Arbeit von Heinrich Schmidt, Die deutschen Stad- W techroniken als Spiegel des btirgerlichen Selbstverstandnisses im Spatmittelalter, Gottingen 1958, nicht bekannte
218 S. 104-110 114) Auf eine Auseinandersetzung mit dera zweiten Teil der Arbeit von J. Dworzaczkowa muВ verzichtet werden, gabe eine entspre- chende ausftihrliche Untersuchung stadtischer Chronistik doch Stoff genug fUr eine weitere Arbeit. 115) Vgl. dazu Boockmann, a.a.O., S. 114 f. 116) U. Arnold, Beitrage zum Verfasserlexikon, S. 145. 117) Die Parallele zeigt sich im Braunschweiger Bericht "Machina- tio fratrum minorum" aus dem Ende des 13. Jhs.; vgl. Bernharr Menke, Geschichtsschreibung und Politik in deutschen Stadten des Spatmittelalters, in: Jb. d. Kdln. Gesch.ver. 35, 1958, 1 S. 1-84 und 34/35, I960, S. 85-194; hier S. 78. Auch dieae .J Arbeit blieb J. Dworzaczkowa unbekannt. ,.jj 119) Zu diesem Ergebnis gelangt fttr Koln auch Menke, a.a.O., S. -J 59 f. * 120) Menke, a.a.O., S. 84. 121) Die "Weverslaicht" aus der Zeit von 1371 - 1396; vgl. Menke, S. 12. 122) Es sei nur an Falks und Hennenbergers zahlreiche Abschriften und Exzerpte erinnert, die sie entweder selbst anfertigten Oder besorgen lieGen. 123) Wolfgang Stammler, Die deutsche Hanse und die deutsche Lite- ratur, in: Hans. Gesch.bll. 45, 1919, S. 35-69, hier S. 55. 124) So Paul Joachimsen, Geschichtsauffassung und Geschichtsschrei- bung in Deutschland unter dem EinfluG des Humanismus, Leipzig 1910, S. 16. 125) Hermann Freytag, Der preuB. Humanismus bis 1550, in: ZWG 47, 1904, S. 43-64, hier S. 53-56. 126) U. Arnold, Bartholomaus Wartzmann, in: APB. Auf den Kreis, ir. dem die stadtische Chronistik entstand, sei hier nicht weiter eingegangen; er verdiente gesonderte Untersuchung. Anhand su- detendeutscher Chroniken unternahm diesen Versuch mit recht interessanten Ergebnissen Emanuel Schwab, Einiges liber das Wesen der Stadtechronistik. Mit besonderer BerUcksichtigung der Sudetendeutschen, in: Archiv ftir Kulturgeschichte 18, 1928, S. 258-286, hier S. 271-278; die Arbeit blieb J. Dwor¬ zaczkowa ebenfalls unbekannt. 127) Paul Gehrke, Das Ebert-Ferber-Buch und seine Bedeutung fUr die Danziger Tradition der Ordensgeschichte, in: ZWG 31, 1892. 128) Vgl. Menke, a.a.O., S. 11 und after. 129) Paul Joachimsohn, Die humanistische Geschichtsschreibung in Deutschland I: Sigismund Meisterlin, Bonn 1895, S. 159-167. 130) Diese Unterscheidung trifft nicht H. Schmidt, a.a.O.; er geht nur auf den Ort der Entstehung ein, wenn er die Stadtechroni- ken als "Chroniken und Annalen deutscher BUrger des 13. bis 15. Jahrhunderts" - damit den zeitlichen Rahmen seiner Arbeit absteckejid - bezeichnet; a.a.O., S. 141. Darin steht er vdllig
- 219 - S. 111-115 auf der Basia der Edition der Chroniken der deutschen Stadte; jene Chroniken mliBten ebenso wie Schmidts Arbeit zu einer dif- ferenzierten Darstellung jener Problematik, die vom Inhalt und nicht nur vom Entstehungsort ausgeht, untersucht werden. Jtapitel Vis 1) Panzer, a.a.O., S. 20, mit Literatur. 2) SHP VII, fol. 1a. 3) ebd., Beilage 1. 4) ebd., Beilage 2. 5) Grunau I, S. 55 f. 6) So z.B. der Bericht liber den Ketzer Leander, Grunau I, S. 674 ff.; vgl. A. Triller, Haresien in AltpreuBen urn 1390?, in: Studien zur Geschichte des PreuBenlandes, Fs. f. Erich Keyser, hg.v. E. Bahr, Marburg 1963, S. 397-404, hier S. 404. 7) Toeppen, Historiographie, S. 180. 8) J.W.A.v. Tettau, tlber die Glaubwllrdigkeit der Chronik des Si¬ mon Grunau, in: Beitrage zur Kunde PreuBens, N.F. 1, 1837, S. 7-56, hier S. 15. Ahnlich auch Toeppen, a.a.O., S. 180 u. after. 9) Hubatsch, Zur altpreuBischen Chronistik, S. 443; J. Dworzacz- kowa, a.a.O., S. 117, Stemma. Ю) Gehrke, Wartzmann, S. 47. id j. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 112-114, bes. S. 118. 12) ebd., S. 114. 13) Theodor Wotschke, Herzog Albrecht und die preuB. Chroniken, in: АРМ 49, 1912, S. 525-532. H) Gehrke, Wartzmann, S. 48. 15) Wie J. Dworzaczkowa auf 1529 kommt, ist mir nicht klar gewor- den; a.a.O., S. 114. 16) Das deutet auch J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 118 an. 17) Grunau I, S. 5. 18) ebd., S. 59-65. 19) SRP V, S. 596. 20) Max Perlbach, Die altere Chronik von Oliva, S. 66 f.; an die- eem Ergebnis andern auch nichts die Beitrage von Theodor Hirsch, tlber eine Handschrift zur alteren Geschichte PreuBens und Livlands, in: HZ 28, 1872, S, 209-221 sowie Walther Fuchs, Peter von Dusburg und das Chronicon Olivense, in: АРМ 21, 1884, S. 193-260 und 421-484 und ders., Zu Peter von Dusburg und dem Chronicon Olivense, ebd., Bd. 23, 1886, S. 405-434.
- 220 - S. 115-11 21) Dies Ubernimmt aus dem Quellenverzeichnis Davids bereits Job* ChristophVolbrecht, Zulangliche Nachricht von Magistri Luca* Davidis ... Leben und Historischen Werken, in: Michael Lilien-j thal, Erleutertes PreuBen I, 1724, Teil XXVIII; ebenso Georg Christph Pisanski, Entwurf der preuB. Literargeschichte, hg#f* Rudolf Philippi, Konigsberg 1886, S. 60* * 22) Joh. Voigt, Geschichte PreuBens I, Konigsberg 1827, Beilage S. 617-631. 23) Zusammengestellt bei Toeppen, Historiographie, S. 234-236* 24) Lucas David, PreuB. Chronik, hg.v. Ernst Hennig u. Daniel drich Schiitz, Konigsberg 1812-1817, Buch IV, Bd. 3, Konigebe 1813, S. 48. 25) Allerdings hat man oftmals den Eindruck, als sei dies auch te gar kein allzu verpontes Verfahren! 26) David, a.a.O., Buch I, S. 9 f. 27) Karol Gbrski, Rezension zu J. Dworzaczkowa, in: Studia &r6d- Xoznawcze 8, 1963, S. 201-203, hier S. 202. Erasmus Stella, De Borussiae Antiquitatibus libri II, Ваве1 1518. 28) 29) 30) Grunau I, S. 9. Ich mochte abschlieBend einen Satz Toeppens zitieren: "Von Christians Chronik wird nicht so leicht wieder jemand reden**' Max Toeppen, Mitteilungen Uber die preuB. Historiographie, ini^ NPPB, N.F. 4, 1847, S. 353-381, hier S. 374. Wer wird der nttcЫ ste sein? 4 31) Boockmann, a.a.O,, S. 110, Anm. 542. Ц 32) Zur Biographie vgl. Berthe Widmer, Enea Silvio Piccolomini. * Papst Pius IL, Basel I960; dies., E.S.P. in der sittlichen uni politischen Entscheidung, Basel 1963. -jj 33) G. Schwaiger, Pius II., in: L Th К ^8, 1963, Sp. 528 f., hier Sp. 529. 34) SRP IV, S. 213-215. 35) SRP VII, fol. 2a. 36) Vgl. die Nachweise ebd., Anm. 37) Grunau I, S. 7: MEneas Silvius, nit in dem tractat, der do stehet hindene in der cronica effigiata, in welchem er schrei- bet von ansagen der, die do nix haben umb Preussen gewust, adir so sie es gewust haben, sie dach ym auff ihre seite ge- sagt haben, sundir es is ein buchlein, das nennet er liber vi¬ tae Brutenicae scilicet de miseria und ist gedrugt, webhs han- delt von den sachen, die do vor dem keiser Priderico zugehan- delt woren, darumb die Preussen mit hulff der Polen ire uber- mutigen herren zu knechte gemacht haben durch ein angesagten und gefurten krieg 12 iar lang." 38) Vgl. Porstreuter, Ordensstaat, S. 27 f.; die wichtigste Arbeit
- 221 S. 118-121 tiber Stella 1st Hans Joachim Schoenboft, Lebensgeschichte und Geschichtsschreibung des Erasmus Stella, Diss. Konigsberg, DUsseldorf 1938; s. dort S. 5-8, 10 u. 15 f. 39) SRP IV, S. 283-285. 40) S.o. S. 25. 41) Vgl. Schoenborn, a.a.O., S. 67-73 und Stellas Aufzahlung in SRP IV, S. 284 f. 42) Forstreuter, Ordensstaat, 28. 43) SRP VII, fol. 2a. ; 44) Grunau I, S. 58. J45) SRP IV, S. 286. » 46) Vgl. Karl Boysen, Beitrage zur Lebensgeschichte des preuB. Kar- tographen und Historikers Kaspar Hennenberger, in: АРМ 45, 1908, S. 67-135; er verweist auf den Kodex der Danziger Stadt- bibliothek Ms. 1261, den Gunther, Katalog II, S. 182 allerdings der Hand Hennenbergers zuweist; zur Klarung mliBten in Danzig palaographische Studien getrieben werden. 47) Me. Boruss. fol. 248 der Deutschen Staatsbibliothek Berlin, S. 1 der Vorrede. 48) Zur Biographie vgl. Max Huber, in: NDB II, 1955, S. 403 ("Va- ter der wissenschaftlichen Volkskunde.") 49) Erich Schmidt, Deutsche Volkskunde im Zeitalter des Humanismus und der Reformation, Diss. Berlin 1904, S. 70 und 84. 50) Vgl. Richard Kohl, Die geistesgeschichtliche Bedeutung der Deutschlandkapitel im Repertorium des Joannes Boemus Aubanus, in: Zs. f. Volkskunde 47, 1938, S. 191-200. 51) Б. Schmidt, a.a.O., S. 84. 52) SRP VII, fol. 2a; in Klammern die Lesart bei Reden. 53) Boemus, a.a.O., Ausgabe 1520, fol. 48b; das ganze PreuBenkapi- tel in SRP VII, Beilage. 54) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 77-84. 55) Auch hier danke ich Herrn Staatsarchivdirektor Dr. Koeppen, Gottingen, herzlich flir die leihweise tjberlassung des Filmes der Handschrift der Danziger Stadtbibliothek, Ms. 1285. Vgl. auch J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 93 f. 56) W.Y. K^trzyhski, t)ber einige die Provinz Preuflen betreffende Handschriften der Bibliothek des FUrsten Wladislaw Czartoryski in Paris, in: АРМ 9, 1872, S. 113-127; auf das Vorhandensein der Boemus-Zitate weist J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86 u, 90 hin. 37) Ma. 1285, fol. 2a. ^58) SRP IV, S. 285 f. 59) Sebastian Prank, Weltbuch: apiegel und bildtnie dee gantzen
- 222 - S. 122-125^ erdbodens, Tllbingen 1534 (und bfter), fol. 56a; der ganze Preu« Benabschnitt in SRP VII, Beilage. 60) Vgl. Robert Stupperich, in: NUB V, 1961, S. 320 f. 61) Heinz Gollwitzer, Neuere deutsche Geschichtsschreibung, in: Deutsche Philologie irn AufriB III, hg.v. W. Stammler, Berlin 1957, Sp. 1337-1406, hier Sp. 1352; vgl. auch E. Schmidt, a.a. 0., S. 108-131, der ihn in den Zusammenhang mit seinen Zeitge- noseen stellt. 62) a) Chronika, Zeytbuch und geschychtbibel von anbegyn biB inn diB gegenwertig MDXXXI. jar, StraBburg 1531 (und o'fter). b} das Weltbuch vgl. Anm. 59. c) Germaniae Chronicon. Von dee gantzen Teutechlands, aller Teutschen volcker herkomen ..., o.O. (Prankfurt/Main) 1538 (und bfter). Die entsprechenden Abschnitte sind in SRP VII, Anlagen, zusam- mengestellt. 63) SRP VII, fol. 2. 64) Prank, Germaniae Chronicon, fol. 331b. 65) ebd., fol. 306a. 66) Die hier ausgeklammerte Untersuchung Uber das Verhaltni* der PreuBenbeschreibungen bei den Humanisten mag an anderen Orte nachfolgen. 67) Prank, Weltbuch, fol. 56a. 68) SRP VII, fol. 2b. 69) Prank, Chronica, fol. 472b - 475a. 70) Sebastian Brandt, Beschreibung etlicher gelegenheyt Teutschee Lands, an wasser, berg, atetten und grentzen, mit anzeygung der meilen und strassen, von statt zu statt, hg.v. Caspar He- dio, in: Ein AuBerleSne Chronick von anfang der welt bis auf das iar ... MDXXXIX, StraBburg 1539, S. 732-778; das PreuBen- kajitel S. 757 f. Vgl. dazu SRP VII, fol 2b, Anm. sowie U. Arnold, Beitrage zum Verfasserlexikon, S. 147. 71) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86; es freute mich, das Ergebnis, das ich bereits bei den Ende Mai 1964 abgeschlossenen Arbeiten zur Edition der Celler Chronik in den SRP VII erzielte, in der mir anschlieBend zuganglich gewordenen Arbeit von J.D. beats* tigt zu finden. 72) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86 mit Anm. 7. 73) Hubatsch, Zur altpreuB. Chronistik, S. 442. 74) S.o. S. 33. 75) Uber Cricius vgl. die Einleitung zu seiner Epistel "De negotio Prutenico" in SRP VII. 76) Vgl. Leszek Hajdukiewicz, Biblioteka Macieja z Miechowa, Wroc¬ law I960, S. 205 ff. Sein Inventar dort, dazu die Bemerkungen
I - 223 - S. 125-128 He., S. 103-174, fttr die historischen Werke S. 135-149, sowie vor allem die Auflosung der Inventarangaben S. 251-428. 77) Immerhin zahlt auch diese "handliche" Auegabe 379 Seiten im Folioformat. 78) Eine Ausgabe von 1517, wie sie bei Gehrke, Wartzmann, S. 50 erwahnt wird, ist mir bisher nicht zu Gesicht gekommen; eben- falls gelang keiner Bibliothek der bibliographische Nachweis. Deshalb vermute ich, daB sie nicht existiert. Gehrkes Meinung beruht wahrscheinlich auf der Verwechslung mit dem Erscheinungs- datum eines geographischen Traktatee von Matthias:De duabus Sarmatiis, Krakau 1517. Vgl. dazu Hajdukiewicz, a.a.O., S. 33 f. u. Anm. 69. Wiederabdruck des Traktates bei Johann Pistori- ue, Polonicae Historiae Corpus, Basel 1582, Bd. I, S. 121-150, u.d.T.: Be Sarmatia Asiana et Europea. Eine deutsche Ausgabe u.d.T.: Tractat von beiden Sarmatien und anderen anstossenden landen, Augsburg 1518, erwahnt Hajdukiewicz, a.a.O., S. 70, Anm. 104. Auch die zuerst bei Christian Runge, Notitia Historicorum et Historiae Gentis Silesiacae, Pars I, Breslau 1775, Caput II, erwahnte Ausgabe Basel 1537, die ebenso Karl Kletke, a.a.O., S. 133 anfUhrt, ist mir bisher nicht bekannt geworden. Hajdukiewicz, a.a.O., S. 299, spricht davon, daf3 die erste Auflage 1519 bei Vietor in Krakau erschien und die Ausgabe von 1521 die ebendort erschienene zweite Auflage sei; ein Nachweis Jener ersten Auflage ist mir nicht gelungen. Zuganglich war mir aufler der Ausgabe von 1521 nur die bei Pistorius, a.a.O., Bd. II, S. 7-259. 79) Ygl. SRP VII, fol. 2a; als Anm. dort auch der Text Matthias von Miechbws beigegeben. 80) Dworzaczkowa, a.a.O., S. 93 f. 81) Me. 1285, fol. 2a: "und in der polnischen Cronica schreibet der Hanybal der habe dis folk (Stagnani und Maxony!) mit sich gebracht aus affrica, in Italia und so werden hir hergekommen etc." 62) Auf die mannigfachen Unterschiede zwischen Celle und Ms. 1285, die die gleiche direkte Vorlage ziemlich sicher ausschlieflen, eei hier nicht eingegangen. 83) Pol. 18b. 64) Die Zitierweise nach Seitenzahlen ist spater aufgekommen. Jene alte Art ermoglicht das Auffinden der gemeinten Stellen, auch wenn man eine andere Ausgabe zur Hand hat. Dieses Prinzip soll- te bei solch klar eingeteilten Werken wie Matthias von Miechbw, die aus jener Zeit stammen und recht seiten sind, auch heute beibehalten werden, urn die Benutzung anderer Ausgaben zu er- mbglichen. 65) SRP VII, fol. 3a. 86) Dazu s.u. S. 144. 67) Kftrzyfiski, a.a.O., 3. 116-121.
- 224 - ч S. 120-135 88) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 90 f. 89) K$trzyfiski, a.a.O., S. 120. 90) S.o. S. 66 f. 91) Kaspar Hennenberger, Kurtze und warhafftige Beschreibung dee Landes zu Preussen, Konigsberg 1584, Bl. 20a - 22b. 92) Grunau I, S. 77 f. und 99 f. = Traktat II, Кар. 5 und III, 5 (entgegen Hennenbergers Angabe II, 5)# 93) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 91. 94) S.o. S. 37. 95) SRP VII. 97) Kuhnert, a.a.O., S. 255. 98) Dazu teilte mir der z.Zt. beste Kenner der Kbnigsberger Ge- schichte, Herr Dr. Gause, Essen, am 12. Nov. 1965 mit: "Ein Konigsberger Schulhalter Johannes Liebbriider ist mir nicht be- kannt. Wahrscheinlich hat er irgendeine von den vielen kurzle- bigen Winkelschulen gehabt, wie aus dem Ausdruck Schulhalter wohl zu schlieSen ist. Mir ist der Name ganz neu, weder in der Literatur noch in den Archivakten bisher begegnet.” 99) Bei K$trzyfmki, a.a.O., S. 120. 100) Hierzu und zum folgenden vgl te Polens, Darmstadt 1965, S 101) Beschreibung der Hs. bei Kftrzyfiski, a.a.O., S. 116-119 und J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86 f. 102) Eine buchstabengetreue Mitteilung war nicht mbglich, da die- ser Vers nirgendwo abgedruckt ist. 103) Von K^trzyfiski aus Buchstabenspuren rekonstruiert, a.a.O., S. 117. 104) Vgl. SRP VII, fol. 167b - 168a mit der Inhaltsangabe von Nr. 1335 bei Dworzaczkowa, a.a.O., S. 86. 105) S.o. S. 124. 106) SRP VII, fol. 204a. 107) In der Handschriftenbeschreibung folge ich J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 87; den Titel s.u. S. 136. 108) ebd., S. 87. 109) ebd. 110) Nicht relevant ist in diesem Zusammenhang, ob die MaBzusam- menstellung auf Christoph Falks "Rechenbuch" des Jahres 1552 zurlickgeht (die Titel beider Ausgaben in Max Toeppen, Chri¬ stoph Falks Elbingisch-PreuBische Chronik, Leipzig 1879, Einleitung, S. 1; leider war es mir trotz jahrelanger Bemti- hungen nicht mbglich, ein Exemplar zu finden.). Wenn Hs. 300 R/Ll 5 auf Falk zurUckgeht, ist damit nur ein terminus post quern <flir ihre Entstehungszeit gegeben. Gotthold Rhode, Kleine Geschich- 256 ff.
- 225 - ■К S. 135-140 КГ) "Cronica des preussenlands die ich^tentzel Bornbach mir und guten freunden zum besten aus etlichen deutschen und lateini- 8chen Kroniken zusammengelesen habe. AQ 1558м, Ms. Boruss. fol. 245 der Deutschen Staatsbibliothek Berlin, Titelblatt. 12) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 91. 43) ebd., S. 87. •M) Hier werden die Grenzen der Forschung offenbar, die die poli- tische Lage zieht und die bereita in der Arbeit von J. Dwor¬ zaczkowa zu beobachten sind. 45) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 85. 46) Zitiert ebd., S. 87. 47) SRP VII, Titelseite. 118) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 95. (19) GUnther, Katalog II, S. 219 f. (tO) Vgl. die Darstellung des Inhaltea bei J. Dworzaczkowa, a.a.O., W S. 105-109. 121) SRP V, S. 442. 122) ebd., S. 446, Апш. 2 und S. 626. 123) Gehrke, Wartzmann, S. 61, nachdem er allerdings vorher Hirscha These gefolgt war; ders., Ferber-Buch, S. 153 f. 124) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 110. 125) Gehrke, Wartzmann, S. 61. 126) J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 92. 127) U. Arnold, in: APB. 128) Vgl. J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 88-90, die Nrr. 3-7. 129) Beschreibung bei Gehrke, Wartzmann, S. 28 f.; GUnther, Kata¬ log II, S. 216 f.; J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 93 f. Ich be- nutzte den Film der Handschrift aus dem Besitz des Staatl. Archivlagers Gbttingen. 130) Ms. 1285, fol. 2b. 151) ebd., fol. 179b; der Hinweis Schlieffs ist richtig, vgl. U. Arnold, Beitrage zum Verfasserlexikon, S. 144 f. 132) Ms. 1285, fol. 335a. 133) ebd., fol. 20; da mir dieses Blatt im Film fehlte, zitiere f- ich nach Gehrke, Wartzmann, S. 38. 154) Deutsche Staatsbibliothek Berlin, Ms. Boruss. fol. 248, Vor- rede. 135) Chronica Oder HandbUchlein Danziger Geschichte, gedruckt durch Jacob Rhode, Danzig 1594, hg.v. F. Schwarz, in: Heimatblatter des Deutschen Heimatbundes Danzig, 3. Jg., Heft 3/4, Danzig 1926; neu hg. mit den Zusatzen aus der Chronik Spattes in SRP VII.
- 226 - 136) 137) 138) 139) 140) 141) 142) 143) 144) 145) 146) 147) 148) 149) 150) 151) 152) 153) 154) 155) 156) 157) S. 141-146 Vgl. Anm. 126. Beschreibung bei J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 89. ebcL,S. 88. Ms. 1290, fol. 293b. Mir lag vor eine Kopie der Jahre 1525- 1554. Zitiert nach Giinther, Katalog II, S. 220 f. Gehrke, Wartzmann, S. 25 f. und J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 88. Zitiert nach A. Bertling, Katalog der Danziger Stadtbiblio- thek I, Danzig 1892, s.n. 672; auch bei Gehrke, Ferber-Buch, S. 66 und J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 80. Gehrke, Wartzmann, S. 30 f. und J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 101. Gehrke, Wartzmann, S. 22 f. J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 68. Щ ebd. $j Vgl. parallel SRP VII, fol. 3. J Auch zitiert von J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 74 obon. 1 Ms. 1290, fol. 286b. ^ Beschrieben von Gehrke, Wartzmann, S. 41-44. Zitiert nach Kletke, a.a.O., S. 105* Ms. 500 R/Ll 10 des Danziger Archivs datiert Gehrke, Wartz¬ mann, S. 41 auf das 17. Jh. Ms. 1294 (I E f. 79) der Danziger Stadtbibliothek verweist Gunther, Katalog II, S. 227, ins 17. Oder 18. Jh. Ms. Uph. f. 44 ebd. glaubt Gunther, a.a.O., S. 406, Ende des 16. Jhs. entstanden. Die beiden letzten Handschriften f sind It. J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 88, heute verschol- ' len. Cod. germ. fol. 459 Bl. F. IV./132, Petersburg, gehort ans Ende des 16. Jhs. It. Minzloff-Voigt, Proben einer Be- schreibung der handschriftlichen Prussica der K.O. Bihli- othek und des Rumanzowschen Museums, in: NTPB, andere Folge IX, 1856, S. 376-378. (Abdruck des Titels und erstan Kapitels in SRP VII.) Hs. Upsala entstand erst im Jahre 1609, wie auf der RUckseite des Titelblattes angegeben ist. Vgl. L. Prowe, Mitteilun- gen aus schwedischen Archiven und Bibliotheken, Berlin 1853, 7. Teil: Universitatsbibliothek Upsala. j Vgl. Аша. 151. Ms. 1290, fol. 293b. I J. Dworzaczkowa, a.a.O., S, 88. S.о• S. 135* Kletke, a.a.O., S. 106.
- 227 - 158) 159) 160) 161) 162) 163) 164) 165) 166) 167) 168) 169) 170) 171) S.o. S. 132 f. S # o• S• 139# Kftrzyhski, a.a.O., S. 118 f. SRP VII , fol. 167b - 168a. Gehrke, Wartzmann, S. in C\J S. о. S . 135. Vgl. J. Dworzaczkowa, a.a.O S. Anm. 157. S.o. S. 102. S.o. S • 100 f. J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 93". S.o. S. 100-102. 87 und 89 f J. Dworzaczkowa, a.a.O., S. 94-97. Maschke, Quellen, S. 29. S. 146-154 JCapitel VII: 1) Heinrich ZeiBberg, Die polnische Geschichtsschreibung im Mit- telalter, Leipzig 1873, S. 335; ZeiBberg ist noch heute, trotz einiger neuer Arbeiten auf diesera Gebiet, die grundlegendc Darstellung der polnischen Historiographie; vgl. neuerdings Jan D^browski, Dawne dziejopisarstwo Polskie, Breslau 1964. 2) S.o. S. 14 f.; vgl. dazu auch ZeiBberg, a.a.O., S. 301-303. 3) Zur Person Matthias von Miechbws s.o. S. 125. 4) Zum Problem der Erstausgabe vgl. ebd., Anm. 78. 5) S.o. S. 126. 6) Dazu ist nach wie vor heranzuziehen Anton Borzemski, Kronika Miechowity. Hozbior krytyczny (Die Chronik des Matthias von Miechbw. Eine kritische Analyse), in: Rozprawy Akademii umiej?tno&ci w Krakowie, WydziaX Hist.-Piloz., Bd. 26, Kra¬ kau 1891, S. 1-200. 7) Matthias II, 7; ich zitiere nach BUchern und Kapiteln, um die Benutzung beider Ausgaben zu ermoglichen. 8) Grunau I, S. 80 f. 9) SRP VII, fol. 11a. 0) Grunau I, S. 107 f. 1) Mb. 1285, fol. 16a. 2) Matthias II, 13; SRP VII, fol. 12a - 13a. 3) Grunau I, S. 81 und Ms. 1285, fol. 17b; beide entsprechen eich dort. (Entsprechung meint nicht unbedingt wBrtliche tlber-
228 . S. 154-И einstimmung!) 14) SRP VII, fol. 13. 15) ebd., fol. 13b; vgl. auch jeweils die Anmerkungen zu den zi- tierten Stellen. ,f'J 16) ebd., fol. 12a - 13b. 17) ebd., fol. 13b - 14b. 14b mit Matthias-Zitat in der 18) Matthias III, 6; SRP VII, fol. Anmerkung. ^ 19) SRP VII, fol. 14b - 15a. *j 20) Matthias kennt ftir diese Zeit nur "Pomerani", also keinen On*' terschied zwischen Pommern und Pommerellen. 21) Diese iTbertragungsart, die bisher stets zu beachten war, soli weiter nicht gesondert erwahnt werden; nur Anderungen werden aufgezeigt. 22) SRP VII, fol. 15. 23) ebd., fol. 15b - 1 6a. 24) ebd., fol 16b - - 17b. 25) ebd., fol. 16. 26) ebd., fol. 18a . 27) ebd., fol. 18a ; vgl. dazu die Anm. 28) ebd., fol. 19a ; vgl. dazu die Anm. 29) ebd., fol. 18b - 19b. 30) ebd., fol. 19b - 20a. 31) ebd. , fol. 24b - 25a und fol. 25b; ne Entsprechung bei Matthias, die Zwischenpartie hat kei« 32) Peter von Dusburg, Chronica terre Prussie, in: SRP I, S. 55# 33) SRP VII, fol, 25b - 26a. 34) ebd.; Matthias III, 34. 35) Martin Osterreich, Heilsberger Chronik, hg.v. C.P. WSlky, ini Script, rer. Warm. II, = Mon. hist. Warm. VIII, Braunsberg 1889, S. 220-468, hier S. 231-235. / Osterreich steht ebenfalls in der Danziger Tradition und ver* faBte sein Werk zwischen 1526 und 1537. 36) SRP VII, fol. 29a mit Anm. 37) ebd., fol. 38a; kombiniert aus Matthias III, 49: "Mendolphum alis Mendog regem Lithuanorum ..." CD SRP VII, fol. 57a - 59a; Matthias IV, 6-8. f 39) SRP VII, fol. 64b - 65a. * 40) Matthias IV, 10-12; SRP VII, fol. 65b - 82b; fol. 68a - 70b* * 41) Matthias IV, 15; SRP VII, fol. 63 • \
- 2Щ - , S. 160-165 »2) SOP VII, fol. 70b - 71b. 5Ю) ebd., fol. 72. 44) ebd., fol. 73, 75b - 79b; Matthias IV, 23-28. 45) SRP VII, fol. 80b - 83a; Matthias IV, 33 f., 36. 46) SRP VII, fol. 81b; Matthias IV, 35. 47) SRP VII, fol. 83b; Matthias IV, 37. ,48) SRP VII, fol. 83b - 84b. 49) ebd., fol. 85; Matthias IV, 40. 50) SRP VII, fol. 86b - 87b. 51) ebd., fol. 90a. 52) ebd., fol. 90; Matthias IV, 42. 53) SRP VII, fol. 98a - 100a; Matthias IV, 42-44. 54) SRP VII, fol. 98, Anm. 55) ebd., fol. 99b, Anm. 56) ebd., fol. 105a. 57) ebd., fol. 109; Matthias IV, 46. 58) Matthias IV, 46 f.; SRP VII, fol. 109b - 110a; vgl. die dorti- gen Anmerkungen. 59) SRP VII, fol. 128a; Matthias IV, 60. 60) SRP VII, fol. 132b; Matthias IV, 60. 61) Interesaant iat in diesem Zusanmienhang, daB die Schilderung der Zeit von etwa 1234 bis 1326 fast keinerlei Ubernahmen aua Matthias aufweist, ausgenomroen die Erwerbung Pommerellens durch den Orden; jene Zeit aber ist Gegenstand der Chronik Dusburgs! Г) Abzusehen ist hierbei von handschriftlichen V/erken, da ihr Wirkungsbereich meist recht begrenzt blieb; so ist von D^u- goszs Historia in PreuBen keinerlei direkte EinfluBnahroe zu sptiren. *3) Vgl. SHP VIIf «4) Matin Cromer, De origine et rebus gestis Polonorum, Basel 1555 Das Werk erlebte eine ganze Reihe von Neuauflagen, u.a. auch 1589 in Danzig, und sogar eine deutsche tTbersetzung (Heinrich Pantaleon, Mitnachtischer Volckeren Historien, Basel 1562). 65) Vgl. Uber ihn APB, S. 133 und die Einleitung in: Jodoci Ludo- vici Decii De Sigismundi Regis temporibus liber, hg.v. Wiktor Czermak, Krakau 1901, S. III-IX. 66) SRP VII, fol. 157. [67) Decius, a.a.O., S. XLII-LII. 68) Vgl. SRP VII, fol. 157, Anm. 69) ebd.
- 230 - S. 165-17$ 70) Die tfeuausgabe s.o. Anm. 65; ee handelt ftioh urn einen unkom-il mentierten Abdruck mit kurzer Binleitung und Bdmenregister. ^ 71) SRP VII, fol. 160b - 161a. Kapitel VIIIs 1) Vgl. W. Hubatsch, Zur altpreuB. Chronistik, a.a.O. 2) Vgl. U. Arnold, Wigand von Marburg, in: APB. 3) Zu den besprochenen Chroniken vgl. Кар. I, Anm. 1; darttber hinaus sind aber eine ganze Reihe nicht naher bezeichneter Hea« erwahnt; Drucke werden nicht nachgewiesen. 4) Gehrke, Das Ebert-Ferber-Buch = ZWG 31» 1892. 5) J. Dworzaczkowa, a.a.O. 6) Gehrke, Ferber-Buch, S. 28. 7) 0. GUnther, Miscellen aus Danziger Drucken und Handschriften, III: Die "Baisen-Chronik" und Bernt Stegmanns Chronik vom Dan¬ ziger Aufruhr, in: ZWG 43, 1901, S. 269-276. Toeppen, Historiographie, S. 103-116. 8) 9) 10) Ahnliche Gedanken entwickelt J. Dworzaczkowa, Kronika pruska Szymona Grunaua jako 4r6dXo historyczne (Die preuB. Chronik des S.G. als histor. Quelle), in: Studia ftrodXoznawcze 2, 1958, S. 119-146; den Aufsatz habe ich nicht weiter herangezogen, da hier nur ein anderer Ansatz gezeigt, nicht jedoch eine abschli* Bende V/ertung vorgenommen werden soUfce. S.o. S. 103 f. 11) Vgl. Erich Keyser, in: APB, S. 55. 12) SRP V, S. 443-491. 13) Auf Einzelnachweise verzichte ich hier; eie sind festgelegt einer sich auf friihere Arbeiten stiitzenden unveroffentlichten| Spezialbibliographie zur preufl. Chronistik. H) Vgl. oten S. 138 . 15) S.o. 139 f. 16) S.o. 89-91, 93 f. 17) S.o. 88 u. 92 f. 13) Ms. Boruss. fol. 245-: Besc :hreibung bei Kle tV 19) S .u. S. 180 f. 20) Ms. Boruss. fol. 248, 21) Ein Exemplar in der 5 der Deutschen Staatsb und 1017. S. 111-115. tadtbibliothek Danzig, Hs. 72, zv/ci in
- 231 173-178 22) Wilhelm Behring, Zur Geschichte des Danziger Krieges 1577. Stenzel Bornbacha Kriegstagebuch, Programm des Elbinger Gymna- eiums 1904, 1905. 23) Vg1. Carsten, in: APB. 24) S.o. S. 140. 25) Me. Boruss. fol. 248, Vorrede S. 8 f. 26) SRP V, S. 624-644. 27) S.o. S. 31 f. 26) Vgl. 17. Arnold, Weifienfels, in: APB, sowie die Einleitung zur Ausgabe der Originalmitteilungen Jans in SRP VII. 29) Vgl. Max Toeppen, Christoph Falks Elbingisch-preuBische Chro- nik, Leipzig 1879, Einleitung. 30) ebd., S. 1-3 und oben S. 135, Anm 110. 31) ebd., S. 11. 32) S.o. S. 34. 33) Falk, a.a.O., S. 6. 34) Vgl. W. Hubatsch, Lucas David aus Allenstein, der Geschichts- echreiber in seiner Zeit, in: ders., Wege und Wirkungen ost- preufi. Gesch., Leer 1956, S. 84-92. 35) S.o. S. 115. 36) W. Hubatsch, Lucas David, in: NDB III, 1957, S. 537. 37) S.o. S. 175. 38) Lucas David, PreuS. Chronik, Bd. 1, hg. v. Ernst Henning, K8- nigsberg 1812, Vorrede S. 1 f. J9) S.o. S. 172 f. und 175. ||0) David, Vorrede S. 3. Jit) ebd., S. 3. >42) ebd., S. 2 f. 43) Vgl. exemplarisch die zitierten Notizen oben S. 115. 44) Hubatsch, Lucas David aus Allenstein, S. 89; dort auch S. 89- SI eine Zusammenstellung solcher Mitteilungen. 45) So noch R. Reicke, Ein Danziger Ratsedikt vom Jahre 1520 als filtester Druck aus der V/einreichschen Offizin zu Danzig, in: АРМ 3, 1866, S. 553-558, hier S. 553. 46) Vgl. die Tabelle der Danziger Buchdruckereien im 16. u. 17. Jh. bei Hans-Karl Gspann, Die Anfange des Danziger Zeitungswesens im 16. und 17. Jahrhundert, Diss. masch. Leipzig 1923, S. 25. 47) Vgl. P. Schwenke, Hans Weinreich und die Anfange des Buchdrucks in Konigsberg, in: АРМ 33, 1896, S. 67-109, hier S. 69-71. 48) Gspann, a.a.O., S. 25.
- 232 - » S. 179-IB1' 49) Schwenke, a.a.O., S. 72 f. 50) Thielen, a.a.O., S. 107; vgl. zum folgenden ebd., S. 108-110. 51) Vgl. Schwenkes Aufzahlung a.a.O., S. 92-108. 52) S.u. S. 180 f. ! 53) Vgl. Franz Koch, Der letzte Druck des Lycker Erzpriestere Jo¬ hann Maletius, in: АРМ 40, 1903, S. 481-507, hier S. 481-483; auch als Separatdruck desselben Jahres, S. 3-5; vgl. auch mei-1 ne Einleitung zum Abdruck des MSudauer—Btichleins" in SRP VII. 54) S.o. S. 88 f. 55) Hierzu und zum folgenden vgl. raeine Einleitung zum Abdruck dee Maletius-Briefes in SRP VII; dort auch weitere Literatur. 56) S. ebd. 57) Seit Kaspar Hennenbergers "Kurzer und wahrhaftiger Beschrei- bung des Landes zu PreuBen", Konigsberg 1584, fol. 1b, kennen wir Ranis als Verf. einer Chronik; die Verbindung zwischen Ra¬ nis und Dietmar zog erstmals Christoph Hartknoch, Alt- und Neu- es Preuf3en, Leipzig 1684, Vorrede fol. 2b. Einem Druck dieses Werkes Elbing 1563, in 8° statt in 4°, wie er seit Michael Li- lienthal, De rerum Prussicarura scriptoribus manuscriptis pari- ter ac impressis, in: ders., Selecta Historica et Literaria continuata, Konigsberg 1719, S. 85-126, hier S. 100 f. u.d.T.s "Kurtze Erzehlunge der Hohemeister Deutsches Ordens" durch die Literatur geistert, bin ich noch nicht begegnet. 58) Ranis, a.a.O., fol. 3b - 4a. 59) Kletke, a.a.O., S. 121. 60) Ms. Boruss. fol. 248, Vorrede S. 4. 61) Sie vnirden zum Vergleich mit Chronik Celle bereits herangezo- gen; s.o. S. 42 ff. 62) S.o. S. 48. 63) Ranis, a.a.O., fol. Q II - R III. 64) Die manchmal erwahnte 2. Auflage von 1567 gibt es nicht. Ihre "Existenz" beruht auf einem Irrtum von David Braun, De scrip- torum Poloniae et Prussiae historicorum ... virtutibus et vi- tiis catalogus et iudicium, Coloniae 1723, S. 298, der die '* Ausgabe von 1566 auf 1567 datiert. Daraus wurden bei Georg / Christoph Pisanski, Entwurf der Preul3ischen Litterargeschichtej ^ Konigsberg 1791, § 137 zwei verschiedene Auflagen; ihm folgte Vanselow in der APB. j 65) Nur Josef Benzing meldet - wahrscheinlich berechtigte - Beden- ;| ken an, ob Daubmann wirklich der Verf. der Chronik sei; in: NDB III, 1957, S. 525. Vgl. dazu Gehrke, Wartzmann, S. 105-110. 66) S.o. S. 42. 67) Das erkannte bereits Toeppen, Historiographie, S. 225; genauer ausgeflihrt bei Gehrke, Wartzmann, S. 105-110, 68) Vgl. Hubatsch, Zur altpreu/3. Chronistik, S. 445 u. das Stemma
Vgl. ebd., S. 445. Bine geaonderte Unterauchung Daubmanns wtirde hier den Rahmen eprengen; sie sei an anderer Stelle, auch im genauen Vergleich mit Ranis und Hennenberger, nachgeholt. Toeppen, Historiographie, S. 225; ihm folgend Kletke, a.a.O., S. 128. S.u. S. 186. Dionysius Runau, Hiatoria und einfeltige Beschreibung des gros- sen dreizehenjerigen Kriegs in Preussen, Wittenberg 1582, fol. D IV. Vgl. die Neuausgabe in SRP VII, sowie das Vorwort dazu; Vgl. zum folgenden Carlo Cipolla, Un Italiano nella Polonia e nella Svezia tra il XVI e il XVII secolo, in: Miscellanea di Storia Italians, Bd. 26, (=Serie II, Bd. 11), Turin 1887, S. 547-657; dazu die ausfiihrliche Besprechung von R. Hassencamp, in: Zs. d. Histor. Gesellsch. f.d. Provinz Posen 3, 1888, S. 478-484 sowie dens., Neue Urkunden fiber den Aufenthalt des Alessandro Guagnini und seiner Farailie in Polen, ebd., Bd. 4, 1889, S. 282-292. Die Ausgabe Krakau 1578 macht Cipolla, a.a.O., S. 558 f. als erste wahrscheinlich; mir lagen vor die Ausgabe Speyer 1581 und die demgegeniiber gekUrzte Ausgabe bei Joh. Pistorius, a.a. 0., S. 17-73. Vgl. auch Cipolla, a.a.O., S. 568-571. Vgl. dazu Braun, a.a.O., S. 37-40 und Cipolla, a.a.O., S. 561- 568. "Prussiae cum suis provinciis, civitatibus, omniumque Magistro- пш Crucigerorum Theutonisci ordinis, iuxta seriem Compendiosa descriptio.1' Ausgabe 1531: fol. 64a - 72a; Ausgabe 1582: S. 51 -63. Erwahnt wurde er von Christoph Hartknoch, a.a.O., Vorrede S. 24-26 sowie ausfUhrlich von Braun, a.a.O., S. 37-40, benutzt Oder mit anderen Chronisten verglichen noch gar nicht. Historia und einfeltige Beschreibung des grossen dreizehenje¬ rigen Kriegs in Preussen ... Sampt eim anhang und kurtzer Hi- Btorien des kleinen zweyjerigen Kriegs in Preussen ... Burch M. Dionysium Runaw. Gedruckt zu Wittenberg durch Hans Kraffts Erben. Anno 1582. Runau, fol. A Ilia, ebd., fol. A Illb. Inhaltsangabe bei Toeppen, Historiographie, S. 225 f. und da- nach bei Kletke, a.a.O., S. 143 f. S.o. S. 29* So zuletzt Paul Simson, Die Sprache des Ebert-Ferber-Buches, in: АРМ 30, 1893, S. 652-668; vgl. auch SRP IV, S. 499. So Gehrke, Ferber-Buch = ZWG 31, 1892.
- 254 - л 86) S.o. S. 182. 87) Toeppen, Historiographie, S. 225. 88) Vgl. Lucas David, Vorrede zum 5. Bd. 89) Vgl. APB, S. 266. 90) S.o. Anm. 10. S. 185-Щ i 4 X f 91) Vgl. dazu Werner Horn, Untersuchungen zur preussiachen Landta* fel des Kaspar Hennenberger, in: Petermanns Geographische Mit^ teilungen 89, 1943, S. 241-246 aowie die Tafeln 31-33. 92) Hennenberger, Beschreibung dea landea, Vorrede fol. IVa. 93) ebd., fol. IVb. 94) ebd. , fol. Va. 95) ebd. , fol. 25-43. 96) ebd., fol. 25a. 97) Hennenberger, Beachreibung aller Hohemeiater, Vorrede fol.Aall,. 98) S.o. S. 181 f. 99) Im selben Tenor ist auch die Einleitung zum Anhang MKurtze Be¬ schreibung Aller Landmeister" gehalten; Hennenberger, Beachrei¬ bung aller Hohemeister, fol. LI I f. 100) Vgl. die Zitate bei Toeppen, Historiographie, S. 246. 101) S.o. S. 187 f. 102) Vgl. dazu neben Georg Dehio - Ernst Gall, Deutschordenaland^ Preu(3en, MUnchen 1952 (=Dehio, Hdb. d. dt. Kunstdenkmftler) jetzt Erich Weise, Handbuch der Historiachen Statten, Ost- und WeatpreuBen, Stuttgart 1966. 103) FUr die Personalia vgl.: APB, S. 642. 104) Schlitz, Historia, fol. a III v. 105) ebd., fol. a IV r. 106) Vgl. dazu Paul Sinson, Geschichte der Stadt Danzig, Bd. II, Danzig 1918, S. 232 ff. und S. 277 ff. 107) Theodor Schieder, Deutecher Geist und standische Preiheit im V,reichaellande, Konigsberg 1940, S. 16. 108) Vgl. ebd., S. 20 f. 109) SchUtz, Historia, fol. a II r. 110) Katthaeus Waissel, Chronica Alter Preusscher, Eifflendischerr und Curlendischer Historien, Konigsberg 1599. 111) ebd., Vorrede, fol. A III r; fttr die Personalia vgl. Walther Hubatsch, in: APB. 112) ebd., fol. A III r. 113) ebd., fol. 7b. 114) ebd., fol. 8a.
- 235 1115) ebd., fol. 42a. 116) S.o. S. 180 f. und 184 f. 117) Waissel, Chronica, fol. A II 191 k.
236 - Quellen und Llteratur A) Quellen a) ungedruckt: Visitationsbericht des Ordenshauses Palermo von 1433, Deutschor- dens-Zentralarchiv Wien, Abt. Welschland, Kart# 124/1, fol. 233. ^ Inventar des Schlosses Konigsberg von 1568, Ehem. PreuB. Geh. Staatsarchiv Berlin-Dahlem, jetzt Deutsches Zentralarchiv II Merseburg, Brandenburg-PreuB. Hausarchiv Rep. 42 I К No. 1-2. Danziger Chronik des Oberlandesgerichts Celle, Sign. В II 820. (Heinrich von Reden), Kronica der preusen ..., Anno 1553, Deutsche Staatsbibliothek Berlin, Ms. Boruss. fol. 176. Dyese kronyca meldet von dem herkommen und anfang des dutczen or- dens der kreutzherren und irer regyrung im lan- de czu preusen, Stadtbibliothek Danzig, Ms. 1285. Stenzel Bornbach, Cronica des preussenlands, Bde. I und IV, Deut¬ sche Staatsbibliothek Berlin, Ms. Boruss. fol. 245 und 248. Cronica Des hochlobwUrdigen Ritterlichen Teutschen ordens ..., Hausarchiv des Fursten von Waldburg-Trauchburg zu Zeil, SchloB Zeil, Hs. 135. Cronica. Von dem anfang des hochloblichen Deutschen Ordens Wurttemberg. Landesbibliothek Stuttgart, Cod. hist. fol. 736. Grupensche Schenkung und Grupensches Testament, Oberlandesgericht Celle, Sign. C 55. Insignia gentilitia Czierenbergiana cognatorum et agnatorum, Stadtbibliothek Danzig, Ms. 1047, fol. 27. b) gedruckt: Acta Tomiciana Bd. 7, hg.v. Titus comes Dzialynski, Posen o.J. (nach 1857). Amman , Jost: Eygentliche Beschreibung Aller Stande auf Erden ..., Frankfurt Alain 1568. В о e m u s Joannes: Omnium gentium mores, leges et ritus, Augs¬ burg 1520. , Sebastian: Beschreibung etlicher gelegenheyt Teut- Brandt
- 237 - В г u О о d С г i С г о D a v Вес Вес В 1 и г а J г а Fra foe f г i б Г U f и а > '■ sches Lands, an wasser, berg, etetten und grent- zen, mit anzeygung der meilen und strassen, von statt zu statt, in: Caspar Hedio, Ein AuBerleB- ne Chronick von anfang der welt bis auf das iar ... MDXXXIX, StraBburg 1539, S. 732 - 778. n в , Friedrich: Die Liibecker Bergenfahrer und ihre Chroni- etik, Berlin 1900. e x diplomaticus Warmiensis, Bde. I und II, hg.v. Carl Pe¬ ter Woelky, Mainz/Braunsberg 1860 ff. t i u s , Andreas: Epistola de negotio Prutenico, Krakau 1525. m e г , Martin: De origine et rebus gestis Polonorum, Basel 1555. b m a n n , Johann: Chronica. Kurtzer Auszug der Preussischen Chronicken, Konigsberg 1566. i d , Lucas: PreuBische Chronik, hg.v. Ernst Hennig und Da¬ niel Friedrich Schiitz, Konigsberg 1812 - 1817. i u s , Jodocus Ludovicus: Contenta, an: Matthias von Mie- chow, Chronica Polonorum, Krakau 1521. i u 9 Jodocus Ludovicus: De Sigismundi Regis temporibus liber, Krakau 1521, hg.v. Wiktor Czermak, Kra¬ kau 1 901 . g о s i , Joannis Banderia Prutenorum, ed. Carolus Gorski, Warschau 1958. к , Christoph: Elbingisch-preufiische Chronik, hg.v. Max Toeppen, Leipzig 1879. n к , Sebastian: Chronica, Zeytbuch und geschychtbibel von anbegyn biB inn diB gegenwertig MDXXXI. jar, StraBburg 1531. n к Sebastian: Weltbuch: spiegel und bildtniB des gantzen erdbodens, TUbingen 1534. n к Sebastian: Germanise Chronicon. Von des gantzen Teut- schlands, aller Teutschen volcker herkomen (Frankfurt/Main) 1538, t t e , Alexander: Holbeins Totentanz und seine Vorbilder, StraBburg 1897. bus, Bartholomaus: Monopolium philosophorum, vulgo die Schelmenzunft, in: Directorium Statuum seu ve- riue tribulatio seculi, (StraBburg, nach 1489, Okt. 25). n a u , Simon: PreuBische Chronik, hg.v. Verein flir die Ge- schichte PreuBens, in: Die preuB. Geschichts- schreiber des 16. und 17. Jahrhunderts, Bde. 1-3, Leipzig 1876 - 1896. g n i n i , Alexander: Sarmatiae Europeae descriptio, Speyer 1581.
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- 246 - Т о е р р Т о е р р Trill Voigt V о 1 Ъ г V о В Ъ е Walth W i d m e W i d m e W о t s c Z a r n c Z e i В b e n , Max: Mitteilungen liber die preufiiBche Historiogra- phie, in: NPPB, N.F. 4, 1847, S. 353 - 381. e n Max: Geschichte der preufiischen Historiographie von P.v. Dusburg bis auf K. Schtitz, Berlin 1853# e г Annelieee: Haresien in AltpreuBen um 1390? in: Studien zur Geschichte des PreuBenlandes, Pa. f. Erich Keyser, Marburg 1963, S. 397 - 404. , Johannes: Geschichte PreuBens, Bd. 1, Konigsberg 1827. e c h t , Johann Christoph: Zulangliche Nachricht von Magistri Lucae Davidie ... Leben und Histori- schen Werken, in: Michael Lilienthal, Erleuter- tea PreuBen I, 1724, Teil XXVIII. г g , Friedrich August: Geschichte der preufiischen Mttn- „ zen und Siegel von frlihester Zeit bis zum Ende * der Herrschaft des Deutschen Ordens, Berlin 1843. e г , Rolf: Die Danziger Blirgerschaft im 18. Jahrhundert nach Herkunft und Beruf, in: ZWG 73, 1937, S. 63 - 170. r , Berthe: Enea Silvio Piccolomini, Papst Pius II., Ba- J, eel I960. ^ r , Berthe: Enea Silvio Piccolomini in der sittlichen ^ und politischen Entscheidung, Basel 1963. h к e Theodor: Herzog Albrecht und die preufiischen Chroniken, in: АРМ 49, 1912, S. 525 - 532. к e Friedrich: Die deutschen Universitaten im Mittel- alter, Leipzig 1857. erg, Heinrich: Die polnische Geschichtsechreibung im Mittelalter, Leipzig 1873. / л
- 247 - Register der Chronisten und Handschriften r(licht aufgenommen sind die Handschriften OLG Celle, В II 820 sowie X und Heinrich von Reden; die Anmerkungen vmrden nicht berUcksich- tigt. Die Chronisten sind nicht nach Vornamen, sondern nach ihren Beetimmungs- Oder Familiennamen geordnet.) Adler, Jakob: 170. Amman, Jost: 61 f. ^Annalen, Kurze preuBische: 16. ? - , Pelpliner: 16. I - , Ronneberger: 16. - , Thorner: 22, 98. Baieen-Chronik: 168. tBeler, Johann: 31. vBeringer, Heinrich: s. Ermah- Г nung eines Karthau- ' sers. Berlin, Dt. Staatsbibliothek Ms. Diez C. fol. 33: s. Bdttcher, Kaspar. Beyer, Christoph: 30, 110, 136, 170, 173. ;;Birgittae, Revelationes Stae.: 97. -Bitechin, Konrad: 23, 105. Blumenau, Laurentius: 15,24f., 'v 163. Joemus, Johannes: 87 f., 102, l 108, 111, 118, 120 f., Ш 125, 127, 132, 134, Ш' 138, 152. SBCttcher, Kaspar: 112, 138, P 145-148, 171. Bornbach, Stenzel: 30, 119 f., 125, 135, 140, 170, 172-178, 181, 187, 190. Brambeck, Peter: s. Chronik v. Bunde. Brandt, Sebastian: 124, 132- 134. Braunschweig, Luther v.: 14 f. Braunswalde, Gerhard v.: s. Oliva, Altere Chronik v. Bretke, Johann: 119. : iCanonicus Sambiensis: 15-17. Caper, Heinrich: s. Ordenschro- nik, Danziger. Celtis, Conrad: 123. Cochlaeue, Johannes: 87. Christian, Bischof: 16, 67, HI- 117, 119, 126 f., 174. Chronik der vier Orden von Jeru¬ salem: 26. , Hanseatische: s. Steg- mann, Bernt. Chronica (Annales) terrae Prus- siae: 16. Chronik, Thorner: 22-24, 31. - vom Bunde: 29, 185. - , Zamehlsche: s. Hochmei- eterchronik, Altere. Critius, Andreas: 33, 125, 164. Cromer, Martin: 115, 164. Czartoryski, Bibliothek, Ms. 1331: a. Liebbruder, Jo¬ hann. - , Bibliothek, Ms. 1335: 120 f., 132-136, 138, 147. Danzig, Staatsarchiv, Ms. 300 R/ LI 1: s. Melmann, Georg. - Staatsarchiv, Ms. 300 R/ LI 5: 133-138, 146-148, 171. - , Staatsarchiv, Ms. 300 R/ LI 75: 141, 145, 171. - Stadtbibliothek, Ms. 1285: 49, 87, 100-102, 120 f., 126 f., 139 f., 143, 148 f., 153 f., 171. Stadtbibliothek, Ms. 1289: 136, 138. Stadtbibliothek, Ms. 1290: 102, 141-145, 147- 149, 171.
Daubmann, Johann: 30, 42*49, 179, 181-185, 187. David, Lucas: 33 f., 88, 103, 115 f., 125, 165, 175* 178, 184 f., 190-192. Decius, Jodocus Ludovicus: 33, 60, 164 f. Dietmar, Wolfgang: 179, 182; s. auch Ranis, Georg. Divonis: 75, 111-114, 116 f., 126 f. D^ugosz, Jan: 14 f., 22, 33, 49, 108, 125, 151 f., 158, 161. Dominikanerchronik, Elbinger: 30, 96, 108 f и I3- 117, 119*121, 126 f.. 167 f., 170, 172, 174. Diirer, Albre cht: 63. Dusburg, Pet er v.: 11 -21, 23, 34, 78, 88 f. , 96, , 118, 158, 189, 192 • Egloffstein, Georg v. C\J Ems, Rudolf v.: 15. Ermahnung eines Karthausers: 23, 139. Falk, Christoph: 24, 119, 125, 172-178, 181, 185. Ferber-Buch: 24, 30, 100, 109, 148 f., 168, 170, 174, 185. Frank, Sebastian: 67, 77, 87 f., 102, 111, 121-125, 127, 132-134, 138, 149, 172, 185. Freiberg, Johannes: 32, 129, 174. Frost, Abraham: 170. Gans, Balthasar: 34, 175. Gerstenberg: 14 f. Geschichten von wegen eines Bundes: 26. Gesselen, Konrad: 14 f. Grur.au, Simon: 22, 24, 30, 78, 87, 94-98, 100, 104, 111-117, 119 f., 125, 129, 152-154, 162, 165, 163-170, 177, 184, 186# Guagnini, Alexander: 183 f. Hagen, Gotfrid: 110. Hedio, Kaspar: 124. Heldrungen, Hartmann v.: 11. Hennenberger, Kaspar: 33, 42 f.t 45 f., 71, 119, 125, 129 f., 138, 165, 181 f.f 185-188, 190-192. Herberstein, Sigmund v.: 183. Hesler, Johannes: 15. Himmelreich, Peter: 31. Hochmeisterchronik, Altere: 17, 22-24, 29, 32, 106, 129, 174, 186, , JUngere: 17, 22, 24-28, 32, 41 f., 48, 52, 174. , Kleine lat.: 26. Hoeneke, Bartholomews: 17 f. Holbein, Hans d.J.: 62-64, 135. Hoppe, Samuel: 24. Horner, Thomas: 180. Jan, Christoph (aus WeiBenfele): 174. Jeroschin, Nikolaus v.: 14*16, 22, 129, 187. Judith: 15. Kattenhbfer, Albert: 168. Kunheim, Georg: 168. Lettland, Heinrich v.: 18, 47. biebbrtider, Johann: 120 f., 128- 131 , 136, 138, 140. Lindau, Johannes: 29, 106, 108f#f 164, 174, 185. Lubbe, Martin: 29, 108. Lucca, Tolomeo v.: 13, 107. LUbeck, Detmar v.: 18 f., 22. Maletius, Hieronymus: 179-181. , Johann: 179 f. Marburg, Wigand v.: 14 f., 18- 20, 167, 189. Meisterlin, Sigismund: 110. Melmann, Georg: 30, 103, 136 f.# 172. Miechfcw. Matthias v.: GO GO Ю KN 96, 108, 111, 118, 121, 125-127, 138, 149, 151- 165, 167, 171 fa Monchschronik, Elbinger: s. Do¬ minikanerchronik, Elbin¬ ger. MUnster, Sebastian: 87, 185.
- 249 - Jarratio de primordiis ordinis Theutonici: 11. lauclerus, Johannes: 103. Oeterreich, Martin: 31, 159. Oliva, Altere Chronik v.: 16 f., 114 f. - , Mittlere Chronik v.: 17, 173 f. Ordenachronik, Banziger: 28, 189. Ordensstatuten, Prolog der: 11. Passional: 15. Plastwig, Johann v.: 31. Platner, Kaspar: 31. Plinius: 123. Pole, Paul: 24, 32 f., 41 f., 44-46, 71, 174 f. Posilge, Johann v.: 20-23, 88, 108. Ptolemaeus: 119 f. Radewald, Hans: 112, 170. Ranis, Georg: 30, 42-49, 172, 180-182, 191. leimchronik, Altere livland.: 12, 17 f. , JUngere livland.: s. Hoeneke, Bartholo¬ mews . Renner, Johannes: 17. Rhode, Jacob: 100, 140, 170, 182 f. Richau, Nikolaus: 31, 164. Runau, Dionysios: 30, 182, ' 184 f., 191. Schedel, Hartmann: 56, 108. Schoffke, Georg: 113, 170. Schondoch: 20. Schwabe, Tewes: 170. SchUtz, Kaspar: 33, 42, 165, 173, 185, 188-192. Sleidanus, Johannes: 185. Spatte, Hans: 100, 103, 140, 172. Stegmann, Bernt: 30, 165, 168. Stella, Erasmus: 25, 88, 108,111, 114, 116-119, 121, 125- 127, 163, 167, 172. Stockholm, Reichsarchiv: 141— 144, 146-148, 171. Strieker: 15. Strykowski, Matthias: 183. Stuttgart, Landesbibliothek, Cod. hist. fol. 736: 88 Sylvius, Aeneas: 25, 67, 77, 88 108, 111, 114, 116-118, 120 f., 123-127. Tiedemann, Georg: 170. Tronpau, Martin v.: 13, 107. Waissel, Matthaeus: 42, 48, 72, 119, 139, 185, 191. Waldau, Hieronymus: 29. Wartberge, Hermann v.: 18-21,23 Wartzmann, Bartholomaus: 30, 87 93, 109, 120, 127, 132, 134, 137-140, 142-149, 167, 170-173, 175, 181f 184, 190. Weinreich, Kaspar: 29, 108, 165 178 f. Weiflenfels: s. Jan, Christoph. Willehalm: 15.
• 250 - p*-vcn %y ***) >U±CtJ £)«л* гУу^р^~ <*$Ъ ctM^v Q* ' /у+*и,рг~$w*by ^jf <ч)Л£Г' ; §*i£^ % Cy'-f Cj *v^c.vm/»-C^’ vt^ (^,0 pc|?/^*v» |b»%*yr-^^Jx^' 'ГучрЬ^с^" ^Wy* p^rvf /^v*»** fOv£ ^y>4 »n*: -у>-»^ <io^ <^pL&*n * Lv ^ 4. C^‘pLf^^rp-t- ^V^l? >*>♦} j*i4^ Oj4 -Г 3 U.T' $-ч *tfn btvf~* lX’ >** ^^s***- ^v* рГй^у t>*i5C.» л\»о-» ' *■*) Cim\fcOl£- i a U ;£i /5 Abbildung I: Alteste Darstellung des Ordenskreuzes des dens-Zentralarchives Wien, Deutschor-
- 251 ы. Abbildung II: Danzig ua 1555» aue der Cellar Handechrift
- 252 - Abbildung Ills Titelblatt zu Jost Ludwig Dietz, De Sigismundi re¬ gie temporibus liber, Krakau 1521, mit dem Portrttt Konig Sigismunds.
- 253 - Abbildung IV: Familienstammbaum der Jagellonen, aus: Jost Ludwig Dietz, De Jagellonura familia liber, Krakau 1521; in der mittleren Reihe als dritter von links Sigismuna
- 254 - Abbildung V: Saufgelage bei Bartholomaus G-ribus, Monopolium philo- sophorum, vulgo die Schelmenzunft, StrmBburg, 1490.
- 255 - Abbildung Viz Titelblatt der Chronik Heinrich von Redens.
- 256 - Abbildunr; VII: Агша Hrutenorun, aus der ChroniV Леinrich von dens.
257 Abbildung Villa: Me Tannenberger Schlacht, aus der Chromk Hein, rich von Redens.
- 258 - Abbildung VUIb: Die Tannenberger Schlacht, aus Handschrift Celle'
- 259 Abbildung IX: Wappen Konig oigismunds nit dem mund Augusts, aus: Martin Cromer gestis Polonorum, Basel 1555. zugefUgten "A" Sigie— , De origine et rebus