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M A R X / E N G EL S
GESAMTAUSGABE
GLIEDERUNG:
ERSTE ABTEILUNG: SÄMTLICHE WERKE UND SCHRIFTEN
MIT AUSNAHME DES «KAPITAL»
ZWEITE ABTEILUNG: DAS «KAPITAL» MIT VORARBEITEN
DRITTE ABTEILUNG: BRIEFWECHSEL
VIERTE ABTEILUNG: GENERALREGISTER
M A R X/E N G E L S
GESAMTAUSGABE
DRITTE ABTEILUNG
BAND 2
DER BRIEFWECHSEL ZWISCHEN MARX UND ENGELS
1854—1860
KARL MARX
FRIEDRICH ENGELS
HISTORISCH-KRITISCHE GESAMTAUSGABE
WERKE / SCHRIFTEN / BRIEFE
IM AUFTRAGE DES
MARX-ENGELS-INSTITUTS
MOSKAU
HERAUSGEGEBEN
VON
D. RJAZANOV
MARX-ENGELS-VERLAG G. M. B. H.
BERLI N
KARL MARX
FRIEDRICH ENGELS
BRIEFWECHSEL
MARX/ENGELS
GESAMTAUSGABE
DRITTE ABTEILUNG
B A N D 2
DER BRIEFWECHSEL
ZWISCHEN MARX UND ENGELS 1854—1860
MARX-ENGELS -VERLAG G. M. B. H.
BERLIN 1 930
Druck
J. B. Hirschfeld (Amo Pries), Leipzig
Einband :
Carl Einbrodt, Großbuchbinderei G. m. b. H., Leipzig
EINLEITUNG ZUM ZWEITEN BANDE DES
BRIEFWECHSELS ZWISCHEN MARX UND ENGELS
EINLEITUNG
In der Einleitung zum ersten Bande unserer Neuausgabe des Brief*
Wechsels zwischen Karl Marx und Friedrich Engels haben wir das Ver¬
fahren, das seinerzeit bei der ersten, von Eduard Bernstein besorgten Aus¬
gabe des Briefwechsels angewandt worden war, eingehend untersucht. Die
allgemeine Charakteristik dieses Verfahrens, das wir dort hauptsächlich
mit Beispielen aus dem Inhalte des ersten Bandes illustriert haben, gilt
ebenso für den zweiten und für alle weiteren Bände. Um so eher können
wir uns hier mit einem kurzen Hinweis auf einige der wichtigsten Mo¬
mente begnügen, die im zweiten Bande hervortreten.
Dter Inhalt des vorliegenden zweiten Bandes, der den Briefwechsel von
1854 bis 1860 umfaßt, wurde in nicht geringerem Maße als der des ersten
Bandes den verschiedenartigsten „chirurgischen“ Operationen unter¬
worfen. Es handelte sich auch hier um die Ausmerzung „gleichgültiger
Dinge über völlig gleichgültige Personen“ (wie die Bemsteinsche Formel
lautete) und um die gänzliche Unterdrückung aller „gleichgültigen“ Briefe.
Stellen wir zunächst fest, wie groß die Zahl der „gleichgültigen“
Briefe von Marx und Engels ist, die dieser so gleichmütig vollzogenen
Operation zum Opfer gefallen sind.
Wenn wir im ersten Bande des Briefwechsels über 20 solcher ganz
gestrichenen Briefe angeführt haben, so sind es im vorliegenden Bande
nicht weniger als 75, — nämlich 52 Briefe von Marx und 23 von Engels! D
Zwar befinden sich darunter ziemlich viel kurze Briefe oder Zettel — zu
dieser Kategorie gehören von den Marx-Briefen etwa 30, von den Engels-
Briefen nur ein halbes Dutzend —, doch sind auch diese von Bernstein
ganz ausgelassenen Briefe alle datiert und enthalten wichtige biogra¬
phische oder bibliographische Angaben. Aber auch Briefe, die in der
Wiedergabe bis zu zwei und selbst drei Druckseiten einnehmen, wurden
in der Ausgabe von 1913 fortgelassen. Das gleiche geschah mit fünf Brie-
1) Die Nummern aller von Bernstein ausgelassenen Briefe sind folgende:
Marx an Engels Nr. 288, 292, 296, 306, 309, 318, 320, 324, 325, 331, 333, 340, 343,
369, 375, 384, 389, 391, 400, 404, 406, 412, 423, 432, 434, 435, 442, 445, 452, 480,
482, 509, 523, 534, 538, 543, 544, 551, 552, 561, 566, 567, 568, 597, 609, 635, 670,
682, 690, 692, 694, 697; Engels an Marx Nr. 305, 356, 388, 398, 419, 451, 466, 470,
498, 505, 520, 536, 579, 587, 600, 610, 627, 643, 648, 651, 674, 676, 715; Frau Jenny
Marx an Engels Nr. 293, 312, 350, 421, 518, 688; Engels an Frau Jenny Marx
Nr. 519, 624, 636, 689; Engels an die Töchter Jenny und Laura Marx Nr. 525; Edgar
Marx an den Vater Nr. 298a. — Insgesamt umfassen die Bernsteinschen Streichungen
in diesem Bande etwa 8 Druckbogen.
X
Einleitung
fen von Frau Jenny Marx, die doch für Marx fast ununterbrochen Sekre¬
tärsdienste geleistet oder in seinem direkten Auftrag geschrieben hatte.
Im zweiten Bande der Bemsteinschen Ausgabe machte sich das Fehlen
aller dieser „gleichgültigen“ Briefe noch stärker bemerkbar als selbst im
ersten Bande, und dies um so mehr, als sich hier in der Korrespondenz
zwischen Marx und Engels ohnehin eine große Lücke befindet, an der
Bernstein und Mehring völlig unschuldig sind. Die Briefe, die Engels in
der ganzen Zeit von Ende Juli 1854 bis Mitte Dezember 1855* an Marx
geschrieben hat, sind — mit Ausnahme des einzigen Briefes vom
10. April 1855 — spurlos verschwunden. Bernstein vermutet, daß Engels
in dieser Zeit an Marx „meist ganze Artikel“ geschrieben habe, die dieser
„ohne weiteres“ als Korrespondenzen für die New York Tribune habe
benutzen können, und daß sich Engels „nur in eingelegten Zetteln über Per¬
sönliches“ kurz geäußert habe.1)
Natürlich ist diese Möglichkeit nicht ganz ausgeschlossen. In vielen
Fällen mag sich Engels in dieser Zeit — wie auch sonst nicht selten —
mit wenigen beigelegten Zeilen begnügt haben. Aber anderseits zeigen
die erhalten gebliebenen Marxschen Briefe, daß im Verlauf dieser langen
eineinhalb Jahre von Engels nicht nur immer solche kurzen No¬
tizen — zusammen mit ausgearbeiteten Korrespondenzen — eingetroffen
sein können. Mehrere Male ist es gerade Marx, der sich wegen der Kürze
einer Äußerung oder wegen längeren Schweigens entschuldigt Ganz ab¬
gesehen von manchen anderen Hinweisen auf den Empfang von ausführ¬
licheren Mitteilungen aus Manchester, ist in diesen Marxschen Briefen
auch einmal direkt davon die Rede, daß Engels „selbst einen ,weitläufigen4
Brief angekündigt“ habe.2) Wiederholt erbittet Marx Antwort oder Rat¬
schläge im Zusammenhang mit eigener ausführlicher Darstellung von
Umständen oder Plänen3), auf die Engels jedenfalls nicht immer in
bloßen Notizen eingegangen sein kann. Und weiter: sollte Engels auf die
Ausführlichkeit, mit der Marx auch in dieser Zeit die „Parteifragen“ be¬
handelt und fortlaufend über Freunde, Verbündete und Gegner — über
Lassalle, Liebknecht, Freiligrath, Daniels, Jones, über Herzen, über Edgar
Bauer und viele andere — Mitteilungen macht oder über Bücher wie das
von Thierry berichtet, immer nur ein paar Zeilen geantwortet haben? Vor
allem aber waren diese eineinhalb Jahre gerade im persönlichen
Leben von Marx so reich an Ereignissen — an so traurigen Ereignissen
9 Bernstein in der „Vorbemerkung“ zum 2. Bande seiner „Briefwechsel“-Aus¬
gabe (S.VIII).
2) Marx an Engels am 29. September 1854 (S. 54). Vgl. insbesondere die Briefe
vom 2. Dezember 1854 (S. 6740—41) und vom 19. Januar 1855 (S. 7323).
s) So schon im Brief vom 27. Juli 1854 (S. 46); ferner in den Briefen vom 2. De¬
zember 1854 (S. 68), vom 13. Februar 1855 (S. 80), vom 1. September 1855 (S. 95).
Einleitung
XI
wie der Tod von Musch und die Krankheit von Frau Jenny Marx —, daß
schwer zu glauben ist, Engels habe sich im Verlauf dieser ganzen Zeit im
wesentlichen auf Korrespondenzen für die New York Tribune beschränkt
und „Persönliches“ nur in „eingelegten Zetteln“ berührt.1)
Man muß annehmen, daß zum mindesten auch einige größere
Engels-Briefe aus dieser Zeit vorgelegen haben. Und wir halten es für
wahrscheinlich, daß solche Briefe einfach bei den ziemlich häufigen Wan¬
derungen des brieflichen Nachlasses aus einer Hand in die andere, von
einem Erben oder Testamentsvollstrecker zum andern, verloren gegangen
sind.
Was von der Unterdrückung ganzer Briefe, gilt auch von der Tilgung
sehr zahlreicher Brief stellen. Auch bei den Briefen des zweiten Bandes,
ob sie nun von Marx oder von Engels stammten, legte sich der „Heraus¬
geber“ Bernstein sehr eifrig ins Zeug: er erlaubte sich wiederum die will¬
kürlichsten Auslassungen, und nur in sehr seltenen Fällen machte er sie
kenntlich.
Wir beschränken uns hier auf einige wichtigere Punkte.
Nachdem Bernstein den ausführlichen Engels-Brief vom 17. Novem¬
ber 1859 (Nr. 627) über das Schiller-Fest in Manchester ganz fortgelas¬
sen hatte, schien es ihm unumgänglich, die Marxsche Antwort vom 19. No¬
vember (Nr. 628) zu verstümmeln: er strich den Hauptteil dieses Briefes,
volle drei Druckseiten, deren Inhalt für die Charakteristik der Beziehun¬
gen zwischen Marx und Freiligrath sehr wichtig ist.
Da Bernstein schon im ersten Bande alles fortgelassen hatte, was sich
auf die Affäre Bangya bezog, mußte er auch im zweiten Bande alles
tilgen, was sich auf die weiteren Schicksale dieses Abenteurers bezog.
Zahlreiche Streichungen in den Briefen des zweiten Bandes sind
wiederum genau so überraschend und unverständlich wie ein Teil der
von uns bereits in der Einleitung zu unserem ersten Bande hervorgehobenen
Kürzungen.
So strich Bernstein z. B. aus dem Marx-Brief vom 7. Dezember 1855
(Nr. 368) einen längeren Absatz — allerdings eine „mißfällige Bemer¬
kung“ — über Herzen, den Marx und Engels nie zu bekämpfen auf gehört
haben.
Aus dem Engels-Brief vom 7. März 1856 (Nr. 378) ließ er vor allem
die folgenden, doch gewiß weder „gleichgültigen“ noch „mißfälligen“
x) Am 30. März 1855 schreibt Marx dem Freunde ausdrücklich: „Dir kann ich
nicht genug danken für die Freundschaft, womit Du statt meiner arbeitest, und für
die Teilnahme, die Du für das Kind fühlst“ (S. 86) ; und am 12. April, kurz nach dem
Tode des Kindes: Unter all den „furchtbaren Qualen“ dieser Tage habe ihn immer
der Gedanke an Engels’ Freundschaft und an die gemeinsamen Aufgaben aufrecht
erhalten (S. 88).
XII
Einleitung
Sätze fort: „Dagegen war mir der bußfertige leader der Neuen Preußi¬
schen' natürlich neu ; gar zu ischön ist die plötzliche Einsicht, daß Adel und
Bürgerschaft trotz allem feudalen Flitter au fond heute eins sind.“ Fer¬
ner: „in Böhmen wird jede ernsthaft-nationale Bewegung außer der pro¬
letarischen auch noch eine starke hussitisch-reminiszenzliche Beimischung
erhalten, so daß dadurch das spezifische Nationale geschwächt wird.“
Und in Engels’ Brief vom 17. November 1856 (Nr. 402) fielen nach
dem Satze: „Die Finanzkrisis scheint sich mit einigen Fluktuationen und
allmählich steigender Schärfe chronisch durch den Winter hinschleppen
zu wollen“ — die unmittelbar nachfolgenden Ausführungen dem Stift
Bernsteins zum Opfer: „Dies würde sie fürs Frühjahr bedeutend schlim¬
mer machen, als sie bei jetzt erfolgtem akutem Ausbruch geworden wäre.
Je mehr Einzahlungen in die bis jetzt großenteils auf dem Papier be¬
steh enden Gesellschaften gemacht, je mehr flottieren des Kapital fixiert wird,
desto besser. Solange der Diskonto nicht unter 7% kommt — und die
letzte Erhöhung ist ein Beweis, daß er noch mehr erhöht werden muß —
ist keine Aussicht da, daß drei bis vier Einzahlungen auch nur auf die
Hälfte der Schwindelkompagnieen geleistet werden können.“
Neben seinen „redaktionellen“ Pflichten übte Bernstein auch wieder
die Funktionen des gestrengen Sittenzensors aus. In all den Fällen, wo
von Freiligrath und insbesondere von Lassalle die Rede war — ob
in den Marxschen oder in den Engelsschen Briefen —, litten die Brief-
texte sehr stark unter dem Walten dieser Zensur.
Im Jahre 1913, als die Bemsteinsche Ausgabe des Briefwechsels zwi¬
schen Marx und Engels herauskam, waren die Briefe von Marx an Las¬
salle noch unbekannt. Sie wurden erst 1922 durch Gustav Mayer ver¬
öffentlicht.1) Es ergab sich, daß aus der Zeit von 1849 bis zum April 1854
sich nur ein einziger Brief von Marx an Lassalle — der vom 23. Fe¬
bruar 1852 — erhalten hatte. Wahrscheinlich hatte Lassalle, der damals
in Düsseldorf jederzeit einer polizeilichen Haussuchung gewärtig sein
konnte, alle übrigen von Karl Marx, oder auch von Jenny Marx in dieser
Zeit empfangenen Briefe vernichtet. Wir sind also auf die spärlichen
Hinweise in der damaligen Korrespondenz zwischen Marx und Engels
und auf die Lassalleschen Antwortbriefe an Marx angewiesen.
Nach der Auflösung des Kommunistenbundes war Lassalle — wie
Marx am 18. Juli 1853 an Engels schrieb — „der einzige, der mit London
zu korrespondieren wagte“.2) Marx nannte ihn „dur und energisch“, trotz
A) In den „Nachgelassenen Briefen und Schriften“ Lassalles, Bd. III: Der Brief¬
wechsel zwischen Lassalle und Marx, nebst Briefen von Friedrich Engels und Jenny
Marx an Lassalle und von Karl Marx an Gräfin Sophie Hatzfeldt.
2) Siehe im ersten Bande unserer Briefwechsel-Ausgabe S. 491.
Einleitung
XIII
der vielen „Abera“, die gegen ihn einzuwenden seien.1) Und auch Engels
gab damals zu: Lassalle sei „nächst Cluss, bei weitem der brauchbarste
von allen“, trotz der „kleinen Nebengelüste und Privathistorien“, denen
er unter öffentlichen Vorwänden immer nachgehen werde.2) Aber das
von Anfang an vorhandene, bei Engels besonders stark ausgeprägte Mi߬
trauen gegen Lassalle verstärkte sich noch, als im Februar 1856 G. Levy
als Vertreter der Düsseldorfer Arbeiter nach London kam und Marx in
deren Auftrag eine Reihe von Tatsachen mitteilte, die für Lassalle sehr
kompromittierend waren. In einem langen Briefe vom 5. März 1856 er¬
stattete Marx ausführlichen Bericht an Engels. Wie „mißtrauisch“ Marx
nach seinem eigenen Ausdruck den Teil des Düsseldorfer Berichts be¬
handelte, der ihm aus bloßem Klatsch zu bestehen schien, und wie zurück¬
haltend er sich darüber in seinem Brief an Engels äußerte, zeigt ein noch
vorliegendes von Frau Jenny Marx beschriebenes Blatt mit Aufzeichnun¬
gen über weitere Klatschgeschichten, die Marx dem Freunde mitzuteilen
nicht für nötig befand. Über diesen Marxschen Brief vom 5. März 1856
äußerte Bernstein: er sei „für die richtige Beurteilung des Verhaltens von
Marx zu Lassalle außerordentlich wichtig“3). Aber man vergleiche die
„außerordentliche“ Prozedur, der er den Brief unterwarf, mit der außer¬
ordentlichen Bedeutung, die er ihm zubilligte, und man wird den Eifer
beurteilen können, mit dem der Historiker Bernstein die Unterlagen für
eine „richtige Beurteilung des Verhaltens von Marx zu Lassalle“ behan¬
delte. Marx resümiert die Angaben Levys; aber in welcher Weise
und mit welchem Resultat, gibt er selbst an: „Dies alles ist
nur einzelnes, herausgehört und strichweise fixiert Das Ganze hat
auf mich und Freiligrath einen definitiven Eindruck gemacht, so
sehr ich für Lassalle eingenommen war und so mißtrauisch ich gegen
Arbeiterklatsch bin. Ich habe dem Levy gesagt: Es sei natürlich unmög¬
lich, auf den Bericht einer einzigen Seite hin zu einem Schluß zu kommen,
Verdacht sei unter allen Umständen nützlich; sie sollten fortfahren, den
Mann zu überwachen, aber jeden öffentlichen Eklat einstweilen ver¬
meiden; wir würden vielleicht Gelegenheit finden, den Lassalle zu zwin¬
gen, eine klare Stellung einzunehmen etc. etc.“
Konnte Bernstein irgend einen objektiven Grund haben, um diese
„strichweise“ fixierten Angaben zu dem von Marx selbst formulierten
politischen Gesamturteil in Gegensatz zu stellen? Aber dies tat Bern¬
stein, wenn er eine Anzahl von diesen Angaben unterdrückte. Statt den
x) Marx an Engels, 10. März 1853 (ebenda S. 456—457).
2) Engels an Marx, 12. März 1853 (ebenda S. 459).
3) In der „Vorbemerkung“ zum 2. Bande der Briefwechsel-Ausgabe von 1913
(S. IX).
XIV
Einleitung
Marxschen Brief vollständig wiederzugeben, machte er ihn zum Gegen¬
stand einer ebenso verschwiegenen wie peinlichen Zensur.
Nach dieser Zeit werden zwischen Marx und Lassalle noch mehrere
Briefe gewechselt, doch hört die Korrespondenz in dem Zeitraum von
Anfang November 1856 bis Ende April 1857 ganz auf. Dann macht
Lassalle den Versuch, die Beziehungen zu Marx wieder aufzunehmen.
Marx antwortet jedoch erst Ende Dezember 1857. Seit Februar 1858
wird der Briefwechsel wieder regelmäßiger. Aber das Verhalten, das
Marx und insbesondere Engels gegenüber Lassalle beobachten, bleibt
sehr vorsichtig. Das Mißtrauen gegen Lassalle, die Befürchtung, daß die¬
ser durch seine persönlichen Eigenschaften und „Privathistorien“ die
Partei kompromittieren und daß er den Namen Marx zur Durchsetzung
bestimmter politischer Ziele mißbrauchen könne, wird im Zusammenhang
mit neuen Differenzen in Fragen der Politik überhaupt, in Verbindung
mit dem Auftreten gegen Vogt insbesondere, nur immer noch stärker.
Heute, nachdem die von Marx während dieser Zeit an Lassalle gerich¬
teten Briefe veröffentlicht sind, hat jeder die Möglichkeit, die Marxschen
Briefe an Engels, in denen er sich über Lassalle ausließ, mit denen
zu vergleichen, die er an Lassalle selbst schrieb. Mag sich nun,
wer da will, an dem „Widerspruch“ zwischen der hier und dort geäußer¬
ten Tonart ergötzen. Aber dieser „Widerspruch“, der zwischen den in den
Briefen an Engels vertretenen Anschauungen einerseits, den öffentlichen
Meinungsäußerungen anderseits bestand, war zum wenigsten in den füh¬
renden Kreisen der Sozialdemokratie schon sehr lange bekannt, und er
wurde auch öffentlich bekannt, als Engels im Jahre 1891 die Marxschen
„Randglossen“ zum Gothaer Programm in der Neuen Zeit publizierte.
Zudem war es kein Geheimnis, daß die scharfe Kritik, die Bernstein 1892
in der Einleitung zu seiner Ausgabe der Lassalleschen Werke übte, nur
vulgarisierte Wiedergabe der Marxschen und Engelsschen Anschauungen
über Lassalle war.
Als Bernstein sich an die Publikation des Briefwechsels zwischen
Marx und Engels machte, hatte er sich nicht nur von „seinen“ alten An¬
schauungen über Lassalles „Leben und Werk“ längst losgesagt, sondern
auch vom revolutionären Marxismus überhaupt. Es versteht sich, daß
Bernstein, hatte er einmal die Möglichkeit, sich nicht nur als Editor
des Briefwechsels, sondern auch als dessen Zensor zu betätigen, die
Gelegenheit gründlich nutzte, um die von Lassalle handelnden Briefe zu
„verbessern“.
Wir halten es für überflüssig, alle die Streichungen, „Korrekturen“
und „Säuberungsakte“, die sich Bernstein in diesem Teil seiner — von
Mehring vollkommen gebilligten — Arbeit erlaubt hat, hier im einzelnen
Einleitung
XV
nachzuweisen; zudem gibt unser Editionsverfahren dem interessierten
Leser die Möglichkeit, jede von Bernstein getilgte Zeile mühelos festzu¬
stellen. Wir haben sämtlicheBernsteinschen Streichungen wiederhergestellt,
geben also auch die Lassalle betreffenden Texte vollständig und ohne
irgendwelche Milderung irgend eines von Marx oder Engels gebrauchten
derben Ausdrucks. In vollkommenem Gegensatz zu dem Urteil Bernsteins
und Mehrings zeigt jedes seit der Erstveröffentlichung des „Briefwechsels“
neu bekannt gewordene Dokument zu dieser Frage aufs neue, wie sehr
Marx und Engels bei ihrer Beurteilung Lassalles nicht nur „im großen
und ganzen“, sondern ebenso auch in der überwiegenden Mehrzahl aller
einzelnen Vorkommnisse, Fälle und Streitfragen recht gehabt haben, wie
sehr das Mißtrauen objektiv und faktisch begründet gewesen ist, dessen
sich Marx und Engels gegenüber der „politischen Zuverlässigkeit“ oder
Unzuverlässigkeit Lassalles niemals, und je länger, desto weniger, haben
entschlagen können. Wir brauchen in diesem Zusammenhang nur an die
oben erwähnte Ausgabe der „Nachgelassenen Briefe und Schriften“ Las¬
salles zu erinnern, vor allem aber an die von Gustav Mayer erst unlängst
publizierten Dokumente über Lassalles Verhältnis zu Bismarck.1)
Wenn wir sagen : Marx und Engels haben recht gehabt, so sagen wir
dies natürlich nicht vom Standpunkte der „Ethik“, — wenngleich auch
das Verhalten Lassalles am wenigsten „ethisch“ genannt zu werden ver¬
dient. Wenn Marx und Engels nicht nur gegenüber der politischen Hal¬
tung Lassalles von Mißtrauen erfüllt gewesen sind, sondern auch gegen
seine moralischen Charaktereigenschaften und gegen die Moral seiner
Handlungsweise sehr ernsthafte kritische Vorbehalte gehabt haben, so
letzten Endes immer in einem prinzipiellen und politischen
Sinne.2)
Aber diese prinzipiellen Gesichtspunkte waren in den „Voraussetzun¬
gen“ Bernsteins nun einmal nicht enthalten; sie waren dem Zensor der
Sitten wie dem politischen Zensor gleichermaßen fremd. Und dies war
auch hier die wahre Herkunft und die wirkliche, obgleich verschwiegene
„Begründung“ der Editions-„Prinzipien“, die Bernstein bei der Behand¬
lung des Briefwechsels anwandte. Gerade im Falle Lassalle ist dies be¬
sonders deutlich. Nur eine Publikation, die diesen Briefwechsel ohne die
geringste Kürzung oder Veränderung der über Lassalle gemachten Äuße¬
rungen wiedergibt, verschafft dem Historiker und Politiker die Möglich¬
keit, das Problem in seinem ganzen Umfang und in seiner ganzen Trag¬
1) G. Mayer, Bismarck und Lassalle. Ihr Briefwechsel und ihre Gespräche. Ber¬
lin 1928.
2) Wir verweisen vor allem apf den erst 1918 veröffentlichten Marx-Brief vom
23. Februar 1865 an Kugelmann (Sozialistische Auslandspolitik, Jg. 4, Nr. 18; 1923
wieder abgedruckt im „Kampf“, Jg. 16, S. 85—95).
XVI
Einleitung
weite zu studieren und — nicht zu „unvoreingenommenen“ Urteilen zu
kommen (die „UnVoreingenommenheit“ Bernsteins und Mehrings war
nur die eigentümliche Maske, unter der sie die Haltung von Marx und
Engels zum Objekt ihrer faktisch „voreingenommenen Untersuchung“
machten), wohl aber genauere und besser begründete Schlüsse zu ziehen,
— Schlüsse, die sich mit der geschichtlichen Wirklichkeit und Wahrheit
in Einklang befinden.
Ganz ähnlich steht es um das Verhältnis zwischen Marx und Frei¬
ligrath. Bernsteins Verfahren war hier das gleiche, und es entstammte
auch den gleichen „Prinzipien“. Wir haben schon oben an einem Beispiel
die „unvoreingenommene“ „Gründlichkeit“ gezeigt, mit welcher der Zen¬
sor Bernstein auch in diesem Falle seines Amtes waltete. Man mag nun
die Marxschen Äußerungen über Freiligrath in der vollständigen Wieder¬
gabe nachlesen, und man wird sehen, mit welcher Feinfühligkeit Marx
auf die persönliche Wandlung Freiligraths reagierte, die eine politische
Wandlung, ein politisches Überlaufen zum Gegner darstellte und von
Marx in dieser Bedeutung von allem Anfang an sehr wohl begriffen
wurde; man wird gerade aus dem Kontrast zwischen den Interessen, die
für Freiligrath, und denen, die für Marx letzten Endes den Ausschlag
gaben, wiederum die ganze Unversöhnlichkeit des politischen und prin¬
zipiellen Verhaltens von Marx ermessen können, die bei ihm die Grund¬
lage war für seinen Abscheu vor aller Zweideutigkeit und vor allen
philiströsen Motiven; man wird ferner sehen, bis zu welchem Grade Frei¬
ligraths persönliches Verhalten mit den Partei-Kämpfen verquickt war,
über deren Bedeutung wir uns in der Einleitung zum ersten Bande der
neuen Briefwechsel-Ausgabe bereits geäußert haben. Vor allem aber wird
jetzt, da die Marxschen Äußerungen und Berichte über diese Zusammen¬
hänge vollständig vorliegen, auch erst vollkommen verständlich, warum
und wie das Benehmen Freiligraths in der Affäre Vogt den freundschaft¬
lichen Beziehungen Marxens zu dem Dichter den entscheidenden Schlag
versetzt hat.
Noch einige Worte über die materiellen Verhältnisse von Marx und
Engels. Bernstein und Mehring, die mit den Texten des Briefwechsels so
rücksichtslos in all den Fällen umsprangen, in denen „politische“, „ethi¬
sche“ und „psychologische“ Gründe dies nach ihrer Auffassung der
Dinge erforderten, ja sogar da, wo das Gesetz des „guten Tons“ ihnen
solche Eingriffe „abdrang“, strichen nicht eine einzige Stelle und bei¬
nahe keinen Brief, der von der Bereitwilligkeit zeugte, mit der Engels dem
Freunde durch Geldsendungen Hilfe brachte. Wohlgemerkt, wir kon¬
statieren hier nur den Widerspruch, der in den Editions-Prinzipien Bem-
Einleitung
XVII
Steins und Mehrings selbst enthalten ist. Aber dieser Widerspruch ist
darum nicht unwichtig, weil er eine gewisse Verschiebung des Schwer¬
gewichts im Inhalt des Briefwechsels bedeutete, d. h. weil bei einem
solchen Verfahren die materielle Seite in dem Freundschaftsverhältnis
zwischen Marx und Engels eine Bedeutung erhielt, die mit dem übrigen
Inhalt der Briefe nicht im wirklichen Verhältnis stand. Der Leser der
Bemsteinschen Ausgabe erhält manchmal den Eindruck, daß fast jeder
Brief von Engels eine „Einlage“ von so und soviel Pfunden Sterling
enthalten habe. Es hat sich die Legende gebildet: Marx würde nicht so
große Not gelitten haben, hätte an Stelle der Jenny von Westphalen eine
weniger gebildete, dafür um so sparsamer wirtschaftende und im Rechnen
besser geübte Ehefrau den Haushalt geführt. Diesen Punkt hat schon Meh¬
ring betont. Wir werden uns mit den verschiedenen Ansichten über die
„Bestimmung“ einer „Hausfrau“ nicht auseinandersetzen, — soviel ist je¬
doch gewiß : unter den materiellen Umständen, von denen das Haus Marx
bedrückt war, hätte nicht einmal eine Dorothea ihre „Bestimmung” zu er¬
füllen vermocht
Versuchen wir einmal, die Summen zu berechnen, die Marx in den
Jahren 1844 bis 1860, also in dem Zeitraum, den die beiden ersten Bände
des Briefwechsels umfassen, von dem Freunde erhalten hat. Natürlich
beruht die ganze Rechnung nur auf den Angaben, die sich aus den er¬
halten gebliebenen Briefen entnehmen lassen. Die Zeit zwischen 1844
und 1850 kommt nicht in Betracht. Marx hat in diesen Jahren wohl
manchmal mit Schwierigkeiten zu kämpfen, doch leidet er nie Hunger.
Wo es sich in dieser Zeit zwischen Marx und Engels um Geldfragen han¬
delt, ist Marx nicht seltener als Engels, wenn nicht gar häufiger als dieser,
der „gebende“ Teil.
Die schweren Jahre beginnen für Marx mit der Übersiedlung nach
London. Die Not erreicht ihren Höhepunkt im Jahre 1850, als auch Engels
klar wird, daß es für ihn keinen anderen Ausweg gebe, als sich wieder
mit dem „hündischen Commerce“ zu befassen.
Er tritt bei dem Vater in Dienst, zuerst nur als einfacher kaufmänni¬
scher Angestellter mit sehr kargem Gehalt. Lassen wir die 2 £ St. unbe¬
rücksichtigt, die er Marx noch im November 1850, nach seiner Über¬
siedlung nach Manchester übersandte, so konnte er im Jahre 1851 nur
33 £ St., d. h. im Monat durchschnittlich 21/2 £ St. schicken; 1852 waren
es ungefähr 41 £ St., d. h. also ungefähr 31/2 £ St. im Monat (wir zählen
die Beträge, die er Marx für Dronke und andere übersandte, nicht mit).
Man muß berücksichtigen, daß Engels damals bereits verheiratet war
(nicht kirchlich, — ein Umstand, den seine Biographen zu betonen
pflegen). Zu dieser Summe kommen im Jahre 1852 noch einige Pfunde
Marx-Engels*Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 II
XVIII
Einleitung
hinzu, die Engels durch mehrere in der New York Tribune veröffentlichte
Artikel für Marx verdiente. Aber auch so erhalten wir für die Jahre 1851
und 1852 nur eine Summe von 80 £ St. Fügen wir noch die 100 £ St.
hinzu, die Marx durch Verkauf oder Verpfändung von Sachen, durch
kleine Anleihen usw. erhalten haben konnte, und nehmen wir sogar an, daß
von Engels eine noch größere Summe eingegangen war, als aus dem
Briefwechsel allein errechnet werden kann, so ist doch jedenfalls klar,
daß das aus den Briefen der Frau und der Tochter bekannte Bild der
bitteren Not und des Hungers — die Familie von Kartoffeln lebend und
kein Geld vorhanden, um das gestorbene Kind zu beerdigen — in nichts
übertrieben ist. Aus den gleichen Berichten erfahren wir, daß in den
zwei Zimmerchen, in denen die Familie Marx mit Helene Demuth, also
fünf bis sechs Menschen zusammen hausten, auch noch Emigrations»
genossen Unterkunft fanden.
Eine merkliche Besserung beginnt im Jahre 1853. Bereits Ende 1852,
nach unentgeltlicher Tätigkeit für die Partei — in dieser Zeit sind der
„18. Brumaire“ und die „Enthüllungen über den Kommunistenprozeß“
verfaßt — beginnt Marx regelmäßig für die New York Tribune zu schrei¬
ben. In der ersten Zeit wendet er sich noch an Engels oder Pieper um
Beistand beim Übersetzen; im Mai 1853 schreibt er seine Artikel schon
selbst englisch. Die äußeren Umstände waren für diese Arbeit sehr gün¬
stig. Wegen des großen Interesses, das die europäischen Verhältnisse
während des Krim-Krieges beim amerikanischen Publikum erregten,
druckte die New York Tribune alle Artikel, die Marx über Außenpolitik
und Engels über Militärfragen einsandte. So beschränkte sich von 1853
bis 1855 Engels’ Hilfe hauptsächlich auf die Lieferung von Korrespon¬
denzen und Aufsätzen. In diesen drei Jahren sandte er, soweit aus dem
Briefwechsel ersichtlich, insgesamt 79 £ St., nämlich 57 im Jahre 1853,
12 im Jahre 1854 und 10 im Jahre 1855. Im Durchschnitt verdiente Marx
in diesen Jahren, die literarische Unterstützung Engels’ eingerechnet,
ganze 100—-120 £ St.! Nach dem Fall von Sewastopol hörte die Nach¬
frage nach den militärischen Aufsätzen Engels’ sofort auf. Das Interesse
der Amerikaner für die europäischen Verhältnisse ließ nach; das Resultat
war, daß sich Marxens Einnahmen bereits im letzten Viertel des Jahres
1855 stark senkten. Es ist nachzutragen, daß Marx 1855 noch Einnahmen
aus den Korrespondenzen für die Neue Oder-Zeitung hatte. Die Krank¬
heit und der Tod des Sohnes Edgar („Musch“) und danach die Krankheit
der Frau Jenny —- im Frühjahr 1855 — machten es Marx mehrere Wochen
hindurch unmöglich, seinen Korrespondenten-Pflichten nachzukommen,
wodurch sich auch die Einnahmen verringerten.
Im Jahre 1856 betrug die direkte Geldunterstützung, die von Engels
Einleitung
XIX
kam, insgesamt 15 £ St, die Beihilfe in „Naturalform“, d. h. durch Ar*
tikel, wurde ebenfalls sehr gering, natürlich nicht durch Verschulden von
Engels.
Aus dem Briefwechsel wissen wir, daß gerade im Jahre 1856 zahl¬
reiche Engelssche Aufsätze über den Panslavismus und viele Marxsche
Artikel über Schweden und über die Donaufürstentümer bei der New York
Tribune der Laune des Redakteurs zum Opfer fielen. Die Mitarbeit an
der Urquhartschen Free Press brachte Marx nur eine geringfügige Ein¬
nahme. Erst das kleine Erbe, das Frau Marx nach dem Tode ihrer Mutter
erhielt, machte es schließlich nach vielen Jahren möglich, die alte un¬
gesunde Wohnung zu verlassen und im Oktober 1856 in ein an der Peri¬
pherie von London gelegenes kleines Häuschen zu übersiedeln. Allein
schon für die Bezahlung der ersten Mietzinsrate mußte Marx den Freund
um Hilfe angehen.
Im Jahre 1857 verschlechtert sich die Lage. Marx schreibt am 20. Ja¬
nuar: „Seit ungefähr drei Wochen schickt Herr Dana mir die tägliche
Tribune, offenbar bloß mit der Absicht, mir zu zeigen, daß sie n i c h t s
mehr von mir drucken . . . Ich weiß absolut nicht, was ich anfangen soll,
und bin in der Tat in einer verzweifelteren Situation als vor fünf Jahren.
Ich glaubte die Quintessenz des Drecks verschluckt zu haben. Mais non.
Dabei ist das schlimmste, daß diese Krise nicht temporär ist. Ich sehe
nicht, wie ich mich herausarbeiten soll.“ Auf diesen Brief hin versprach
Engels, der diese Katastrophe durchaus nicht erwartet hatte, Marx monat¬
lich 5 £ St. zu übersenden. Tatsächlich schickte er im Verlauf des Jah¬
res insgesamt 70 £ St.
Marxens Einnahmen waren jedoch sehr zurückgegangen. Ende März
1857 erhielt er von der Tribune einen neuen Vorschlag: das Blatt ver¬
pflichtete sich, einen Artikel in der Woche zu bezahlen, unabhängig
davon, ob er gedruckt würde oder nicht, d. h. Marx wurde auf halbes
Honorar gesetzt. Bald jedoch ergab sich die Möglichkeit anderer litera¬
rischer Arbeit, die Engels auf sich nahm. Im April 1857 schlug
Ch. A. Dana Marx die Mitarbeit an der von ihm herausgegebenen New
American Cyclopaedia1) vor. Engels übernahm alle Militärartikel. Da
dann auch die europäischen Ereignisse eine die Amerikaner wieder mehr
interessierende Wendung nahmen, gab sich für Marx neue Gelegenheit,
mit Hilfe des Freundes auch bei der Tribune wieder mehr zu verdienen.
Diese Hilfe war für Marx von um so größerer Bedeutung, als er 1858
sehr intensiv mit der Ausarbeitung seiner „Kritik der politischen Ökono¬
mie“ für den Druck beschäftigt war.
O The New American Cyclopaedia. A Populär Dictionary of General Know¬
ledge. Ed. by George Ripley and Charles A. Dana. New York 1858—1863. Vol. I—XVI.
II*
XX
Einleitung
Abgesehen von der Unterstützung, die Engels dem Freunde durch
Artikelschreiben zukommen ließ, übersandte er Marx im Jahre 1858
61 £ St ; 1859 waren es 52 £ St, 1860 159 £ Sl Es muß bemerkt wer¬
den, daß sich um diese Zeit die Lage für Engels selbst bedeutend ver¬
besserte, da er zum Prokuristen der Firma Ermen und Engels avancierte.
Aus den Briefen des nächsten Bandes wird man ersehen, daß seit der Zeit,
als Engels dann zum Mitinhaber der Firma auf rückte, sein materieller
Beistand die wichtigste Einnahmequelle des Marxschen Haushaltes war.
Auf die Ereignisse der internationalen Geschichte, die während der
sieben Jahre von 1854 bis 1860 im Briefwechsel der beiden Freunde ihre
Widerspiegelung gefunden haben, werden wir hier nicht eingehen. Im
Laufe der ersten drei Jahre dieses Zeitabschnitts dominiert das Interesse
für die Fragen der Außenpolitik und des Krieges. Marx und Engels füllen
die Spalten der New York Tribune und der Neuen Oder-Zeitung mit Ar¬
tikeln und Korrespondenzen über alle mit den diplomatischen und mili¬
tärischen Ereignissen des Krim-Krieges verbundenen Fragen. Auch solche
Marxschen Arbeiten wie „The Revolution in Spain“ oder die in der Free
Press veröffentlichten „Révélations of the Diplomatie History of the
Eighteenth Century“ sind in diesem Zusammenhang entstanden. Die In¬
dustriekrise des Jahres 1857 und ihr Vorspiel, die Börsenspekulation von
1856/57, geben Marx den Anlaß, in mehreren Aufsätzen die Lage des
Geldmarktes zu untersuchen. Der Auf stand in Ost-Indien und die Ereignisse
in China bestimmen dann Marx und Engels, sich wiederum mit den Schick¬
salen des Fernen Ostens zu befassen. Der französisch-Österreichische
Krieg nötigt beide, in mehreren für die New York Tribune und für
Das Volk geschriebenen Aufsätzen und in einzelnen Pamphlets auf die
Fragen der Außenpolitik einzugehen. Die Zuspitzung der Beziehungen
zwischen England und Frankreich gibt Engels, der unter dem Namen von
Marx eine Reihe von größeren Artikeln über Kriegsgeschichte für die
New American Cyclopaedia geschrieben hatte, den Anlaß zu eingehender
Beschäftigung mit der Freiwilligen-Bewegung in England. Marx, der
während dieser Jahre seine umfangreichen ökonomischen Studien und
Vorarbeiten fortgesetzt hatte, arbeitet fieberhaft sein Buch über die poli¬
tische Ökonomie um und veröffentlicht 1859 die erste Lieferung des
Werks „Zur Kritik der politischen Ökonomie“. Der Konflikt mit Vogt
zieht ihn zeitweilig von dieser Arbeit ab, gibt ihm jedoch den Anlaß,
im Jahre 1860 die große Schrift „Herr Vogt“ niederzuschreiben, die eine
der wichtigsten Quellen für die europäische Revolutionsgeschichte und
für die politische Geschichte Westeuropas in den fünfziger Jahren dar-
stellt
Einleitung
XXI
In dem Briefe vom 11. Januar 1860 bezeichnet Marx ah „das Größte,
was jetzt in der Welt vorgeht“, die amerikanische Sklavenbewegung und
„die Sklavenbewegung in Rußland“. Es waren dies gerade die Länder,
die im letzten Kapitel des Kommunistischen Manifests nicht erwähnt ge¬
wesen waren. Rußland war damals „die letzte große Reserve der euro¬
päischen Reaktion“. Bereits am 29. April 1858 schreibt Marx an Engels,
daß „die Bewegung der Leibeignenemanzipation in Rußland“ ihm wich¬
tig scheint, „sofern es den Anfang einer innem Geschichte in dem Lande
zeigt, die der traditionellen auswärtigen Politik desselben in die Quere
kommen mag.“
*
Die Textherstellung ist bei dem vorliegenden Bande wiederum im
wesentlichen die Arbeit von F. P. Schiller.
D. Rjazanov
DER BRIEFWECHSEL ZWISCHEN MARX UND ENGELS
1854—1860
1854
287. Marx an Engels; 1854 Januar 5.
5 January, 1854.
28, Deanstreet, Soho.
5 Lieber Engels,
Seit dem Tag Deiner Abreise wurde die ganze family von
Grippe etc. überfallen. Musch und ich sind noch auf dem Hund. So
bin ich schon um drei Briefe an die „Tri b u n e“ durch physische
Ursachen geprellt worden, was bei der jetzigen Witterung dur ist.
io Schreib mir, ob es Dir möglich, mir für nächste Woche einen
Artikel zu stellen, worüber Du willst. Ich muß aber sicher wissen,
ob und wann.
Da ich noch nicht das Zimmer verlassen kann, konnte ich natür¬
lich den Zeitungen nicht folgen. Pieper erzählt mir, daß in dem
Morning Herald von heute ein langer Artikel eingesandt
über den Feldzugsplan der Russen. Asien sei ihr Hauptschauplatz,
nicht Europa. Konstantinopel wollten sie von Kleinasien (!) aus
nehmen etc. etc.
Von den Memoiren Joseph Bonapartes sind bis jetzt drei Bände
2o erschienen. Der dritte enthält des alten Napoleons Korrespondenz
über den spanischen Feldzug.
Eben wurde ich unterbrochen durch Musch, der einen starken
Fieberanfall hat, worin er schrecklich phantasiert, um sich schlägt
etc. Ich hoffe, der kleine Mann erholt sich bald wieder.
25 Von Dana einen Brief Montag erhalten. Könne den Artikel
nicht unter meinem Namen drucken, da es dem „Prestige“ der
Zeitung schaden würde. Deine Militaria viel Auf sehn gemacht.
Geht das Gerücht in New York, General Scott habe sie geschrieben.
Adieu.
30 Dein K. M.
288. Marx an Engels; 1854 Januar 10.
10 January, 1854.
Lieber Engels,
Urquhart hat mir gestern abend von Newry (Ulster) eine Rede
35 geschickt, die ich meine Frau abschreiben ließ, mit zwei Worten
Marx-Engels-Gesamtaasgabe, III. Abt., Bd. 2 1
Nr. 288.
2
(288) 1854 Jan. 10
vom und hinten, und so kam ein Artikel zustand. Idi hebe Deinen
daher für Freitag auf. Sollten noch einige incidents kommen, die
hereingehören, so bist Du so gut, sie mir für Freitag morgen
zu schicken, damit die Sauce zurechtgemacht werden kann.
Das ganze Haus ist noch krank von a bis ", 5
Einliegend von Cluß. Den andern Teil seines Briefs schick ich
Dir das nächstemal, wenn ich ausführlich schreibe.
Eben sendet mir der Schweinehund Tucker ins Haus. Die erste
Auflage — 50000 copies — des Palmerston ist vergriffen. Jetzt
sendet der Herr zu mir — früher war er nicht so herablassend —, io
damit ich die Sache für die zweite Auflage korrigieren soll.
Schreib gleich, was Du mir zu tun rätst.
Dein K. M.
289. Marx an Engels; 1854 Januar 18.
18 January, 1854. Js
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric,
Du mußt mir bis Freitag einiges Allgemeine (Positives ist kaum
möglich) über die Schlacht bei Citale oder Zitale1) schreiben. Mir
fällt dabei auf : 20
1. Schlacht von Oltenitza war ein Mißverständnis, wel¬
ches den der Pforte von den Gesandten aufgezwungnen Waffen¬
stillstand vereitelte. So ist Schlacht bei Citaleein Mißver¬
ständnis, das die der Pforte unter den Kanonen der englischen
Schiffe diktierten Friedensvorschläge vereitelt. 25
2. Kehrseite zu Oltenitza. Dort die Türken verschanzt, hier die
Russen etc.
3. Resultat wie dort. Nachdem sich die Kerls fünf Tage durch
mörderlich gepaukt, ziehn sie sich wieder in ihre respektiven Vor¬
häute zurück. Ich sehe bloß das Resultat. Ich weiß nicht, was hätte 30
geschehn sollen. So viel ist mir klar, daß dies nicht napo¬
leonische Kriegführung ist.
Die diplomatischen Intriganten haben sich in ihren eignen
Netzen so verstrickt, daß die guerre générale vor der Türe. Du
weißt, daß das event at Sinope benützt wurde — die Drohungen 35
des Herm Redcliffe uneingerechnet —, um die Türken zur An¬
nahme desWiener Protokolls zu bewegen und Halil und Riza Pasha
ins Ministerium zu bringen. Nachdem alles dies eingefädelt, tritt
Palmerston aus. Die Koalition, die Lunte riecht, gibt während
seines Austritts am 19. Dezember Befehl, eine Demonstration im i0
*) Richtig Citate und Cetate.
Nr. 288.
(289) 1854 Jan. 18
3
Schwarzen Meer zu machen. Palmerston, doppelt blamiert, tritt
wieder ein und bewirkt den Beschluß vom 26., daß die ganze
Flotte ins Meer rücken soll, aber bloß, um als Unparteiischer
zwischen den beiden belligérants aufzutreten; angeblich weiter-
5 gehend, in der Tat aber versuchend, den Beschluß vom 19. zu
contrecarrieren und die Türken von ihrem asiatischen Kriegs¬
theater abzuschneiden. Unterdes aber hat Herr Bonaparte, gestützt
auf den Beschluß vom 19., schon konträre Befehle gegeben und
stellt sich, als verstehe er den Beschluß vom 26. nur als Aus-
io dehnung des ersten. Palmerston, of course, muß gute Miene zum
bösen Spiel machen, seinen Ruf als energischer Patriot bewähren,
und so haben sich die Kerls arg hereingeritten, und der Schein
wird sie noch tiefer treiben, besonders da am 31. dem Parlament
etwas „Energisches“ vorgezeigt werden muß. Die Note, die die
15 Kerls den Türken vorlegten zum Unterschreiben, zeigt, daß sie
auf einen völligen surrender to Russia vorbereitet waren, und daß
bloß „Mißverständnisse“ die gute Absicht vereitelten.
Mein Schwager — le ministre — schreibt meiner Schwieger¬
mutter, sie würde jetzt leider wieder dasselbe erleben wie vor vier-
2o zig Jahren, allgemeinen Krieg.
Deinen Brief an Steffen habe ich denselben Tag nach Brüssel
expediert, wo sich St[effen] noch bei seiner Schwester aufhält. Ich
fürchte, Dein „Napoleon als Artillerieleutnant“ wird in diesem
Moment refüsiert, da die Times Befehl erhalten, allen
25 Schein von Polemik gegen Bonaparte aufzugeben. Da er „unser“
Alliierter ist, wird jedes Blatt in diesem Augenblick dieselben
patriotischen Bedenken haben. Sobald die Sache übrigens fertig
ist und die Blätter nicht wollen, drucken wir sie als Broschüre.
Ich bin mit meinen eignen Arbeiten verlegen, wenn ich sie einem
3o Buchhändler anbieten soll. Bei Deinen würde nicht dieselbe gêne
vorherrschen.
Esel Weydemeyer hat „das edelmütige Bewußtsein“ wieder auf
die lange Bank gelegt. Die Raschheit der Antwort war die Haupt¬
pointe. Sechs Wochen zu spät ist die Sache silly. Ich begreife Cluß
35 nicht, wie er mich immer speziell zum Opfer des Herm Weyde¬
meyer auserwählt.
Dein K. M.
[Nachschrift in Kinderhandschrift]
Gott grüß dir Bruder Straubinger. A man of Highbirth Honour
40 peace prosperity.
Small wit.
O Der preußische Minister Ferdinand von Westphalen.
!♦
Z. 39-41.
4
(290) 1854 Jan. 25
290. Marx an Engels; 1854 Januar 25.
25. Januar 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Frédéric,
Einliegenden Wisch für Lupus, der mir geschrieben. Absolution. 5
Mit dem Krieg hat es jetzt seine Haken, wenn nicht „misunder-
standings“ gegen die und außer der Diplomatie occur. Die Note
Reschid^ Pashas ist ein vollständiges surrender to Russia. Sie
enthält sogar mehr Konzessionen als die original Vienna note,
wegen deren der Krieg von der Türkei erklärt wurde. Palmerston 10
ist nicht umsonst wieder eingetreten. Andrerseits scheint die De¬
monstration im Black Sea ein Dodge für das meeting of Parliament,
damit, wenn Rußland seine eignen, in die Note Reschids^ in¬
korporierten Bedingungen annimmt und alles erhält, was es ver¬
langte, es der force supérieure gewichen zu haben scheint. Dies ist 15
jedenfalls der Plan. Wäre es sonst nicht absurd, dem Nikolaus das
Einrücken der United Fleets anzukündigen, bevor er sich über
die letzte Vienna note erklärt hatte oder erklärt haben konnte? Nur
Zufälle des Kriegs können noch eine kriegerische Lösung herbei¬
führen. Verabredetermaßen hat der Kaiser auch die entrance of 20
the United Squadron nicht übelgenommen, sondern viel „temper“
gezeigt. Für „misunderstandings“ ist allerdings nicht zu stehn.
Sie are ever probable.
Über die Schlacht bei Citate^ steht heute ein weiterer Bericht
in der Times aus dem „Wanderer“. I expect your observations. 25
Das gleichzeitige angebliche Vorrücken der Russen bei Matchin,
Giurgevo, Kalafat und gar das Nehmen von Silistria scheint mere
humbug. Apropos! Noch über eins Deine englisch ge-
schriebne Ansicht. Die Türken, heißt es in den französischen Blät¬
tern, wollen Konstantinopel nach der Landseite befestigen. Wäre 30
dies nicht ein Hauptschlag für Rußland? So mehr, da Konstan¬
tinopel zur See immer mit den asiatischen und europäischen
Küsten seines empire in Verbindung bleiben wird, also gar nicht
ihm die Zufuhren von Menschen und Mitteln abgeschnitten wer¬
den können? Große Festungen scheinen jetzt das antidote zum 35
napoleonischen großen Krieg. Kommen wir dadurch nicht wieder
zum Kleinen zurück?
Es ist eine Schande, daß Berlin nicht befestigt wird.
Mein Schwager, le ministre, hat meiner Schwiegermutter ge¬
schrieben und ihr prophezeit, sie werde jetzt in ihrem hohen‘Alter &
noch einmal dieselben Erfahmisse durchmachen wie zur ersten
napoleonischen Zeit. Glaubt also an Krieg.
x) Im Orig. Redshid
x) Im Orig. Citale
Z. 39-42.
(290) 1854 Jan. 25 5
Cobden, the „Umble“ and „homely Man“, hat sich bedeutend
blamiert mit seiner letzten Rede. Er zeigt, daß er und die „Umble
Men“, die ihm Beifall klatschen, nicht dazu berufen sind, England
zu beherrschen. Quäker Bright will bloß vom innern Krieg wis-
5 sen. Cobdens Entdeckung, daß die soziale Konstruktion Englands
und Rußlands analog, weil es dort Demidoffs und hier Derbys
gibt, ist eines Pfälzer-Neustädter Revolutionsphilisters würdig.
Herr Pieper ging Sonnabend zu Meyer nach Brighton zum Be¬
such. So lästig er diesem ist, bleibt er über die ihm von Troupeau
io anberaumte Zeit, weil ihm die „Seeluft“ bekömmt, und scheint an
den bourgeois einen abgeschmackten Brief geschrieben zu haben.
Der dumme Junge hält seine Haltungslosigkeit für genialen Leicht¬
sinn. Aus dem Brief von Cluß wirst Du ersehn, daß derselbe
„geniale“ Jüngling einen amerikanischen Paß für Konstantinopel
15 besorgt haben wollte, wahrscheinlich um dort Hundewärter zu
werden. Es ist triste, daß der Junge, stets von sich selbst entzückt,
einen dummen Streich über den andern und sich lächerlich macht.
Dienstag bekomme ich wieder einen Wechsel von Bischoffsheim
durch Freiligrath gezahlt. Für die zwischenliegenden Tage kann
20 ich nichts auf treiben, da die Pfandhausressource, wie periodisch,
erschöpft. Ist Dir daher £ 1 auftreibbar, so wäre das highly
désirable. Außerdem werden Freitag die 100 Stück Edelmütiges
Bewußtsein ankommen, and ich habe nicht die means, das Porto
zu zahlen, da ich erst Dienstag Geld bekomme.
25 Apropos! Ich bin mit Tucker in Unterhandlung. Das folgende
Pamphlet soll über Unkiar Skelessi sein. Korrigiere also die Ge¬
schichte, die Du hast (Nr. IV und V). Ich setze dann allerlei zu
und schicke die Alterationen wieder zu Deiner Durchsicht.
Von New York, durch Dana, ist mir angetragen für ein Ma-
30 gazin 12 £ per Bogen, Artikel über die Geschichte der deutschen
Philosophie von Kant till now zu liefern. Aber verlangt: 1. sar¬
kastisch und amüsant; 2. nichts zu enthalten against the religious
feelings of the country. Wie das anfangen? Wären wir zwei nun
zusammen — dabei müßte man Bücher haben —, so könnten wir
35 mit Geschwindigkeit 50—60 £ St. verdienen. Solo riskiere ich
mich nicht an die Arbeit. Dein K M
291. Marx an Engels; 1854 Februar 9.
28, Deanstreet, Soho.
40 9. Februar 1854.
Dear Frédéric,
Ich schicke heut gleichzeitig an Dich ab einige Exemplare des
„Ritters“ und drei von der 2. Ausgabe der polnischen Scheiße,
Z. 8-17.
42-43-
6
(291) 1854 Febr. 9
die ich korrigiert. Gib von beiden ein Exemplar an Lupus und
ein Exemplar an Dronke. Es war albern von mir, daß ich bei der
syrischen P [almerston]-Scheiße nicht vorher die Druckfehler
(auch Weydemeyer läßt es daran nicht fehlen) korrigiert, eh ich
sie Dir zuschickte. s
Ich hatte Rendezvous mit Urquhart. Das Kompliment, womit
er mich überraschte, war, daß die Artikel gewesen, als wenn ein
„Türke“ sie geschrieben, worin er keineswegs sich bestätigt
finde durch meine Erklärung, daß ich ein „Revolutionist“ sei. Er
ist ein kompletter Monoman. Glaubt sicher daran, that he will io
be one day der Premier von England. Wenn die andern alles down
getreten, wird England kommen und sagen: Urquhart, save us!
And then he will save her. Er gerät während des Sprechens,
namentlich wenn ihm widersprochen wird, in fits, die auf mich
einen so komischeren Eindruck machten, als ich alle seine Phrasen is
und alle seine Zitate auswendig weiß. Dies machte mir die „fits“
even etwas suspect vorkommend und rather als eine theatralische
Exhibition. Hauptwitz bei dem Kerl: Rußland beherrscht die
Welt durch seinen spezifischen Überfluß an brain. To cope with
her, muß man ein Mann von dem brain von Urquhart sein, und 20
wenn man das Unglück hat, nicht Urquhart selbst zu sein, muß
man wenigstens Urquhartite sein, d.h. glauben, was Urquhart
glaubt, an seine „Metaphysik“, seine „political economy“ etc. etc.
Man muß im „East“ gewesen sein oder wenigstens türkischen
„Geist“ sich angeeignet haben etc.
Wenn Du für Dienstag irgend etwas machen kannst, so wäre
es mir sehr gelegen, da ich an demselben Tag nach dem Cape
of good Hope schreiben muß.
Dein K. M.
292. Marx an Engels; 1854 Februar 15.
15. Februar 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Dear Frédéric,
Ich habe Dir einliegend eine lithographische Probe von eigner
Hand eingelegt. 35
Bonapartes Veröffentlichung seines letters an „brother“ Ni¬
colas beweist, daß er die abschlägige Antwort schon in der Tasche
hatte.
Salut. Dein K. M.
z. -1-5.
Nr. 292.
(293) 1854 Febr. ca. 26 7
293. Frau Jenny Marx an Engels; [1854 Februar
ca. 26].
Lieber Herr Engels,
Karl läßt Sie bitten, ihm umgehend Lassalles Adresse zu
s schicken. Sie haben den ersten Brief L[assalles], in dem sie sich
befindet, nicht zurückgeschickt.
Mit den freundlichsten Grüßen vom ganzen Hause.
Ihre Jenny Marx.
294. Marx an Engels; 1854 März 9.
io 9 March 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Ich habe lange nicht geschrieben, weil ich sehr viel trouble im
Haus habe, so daß ich selbst die Zeitungen nicht ordentlich ge-
15 lesen und daher nicht weiß, ob schon etwas von Dir in der Daily
News erschienen ist und wie diese ganze Affaire steht.
Mit meinem Palmerston bin ich noch zu nichts, d. h. zu keinem
farthing Geld gekommen und scheint mir auch keine Aussicht da¬
zu zu sein. Herr Trübner hat mir selbst erzählt, daß, quant à lui,
20 es sein principle ist, nie für die Sachen zu zahlen, die er verlegt.
Außerdem ist die Sache au moment veraltet.
Dienstag werde ich den letzten Probeartikel nach dem Cape
schicken. (Du mußt mir daher irgend etwas fürdieTri-
bune zurechtmachen, perhaps the Greek révolution?) Dienstag
25 ist das letztemal, daß die regelmäßige Kompanie nach dem Cape
geht, da sie sich mit der Regierung wegen der Preisbedingungen
überworfen hat.
Es ist ekelhaft vorauszusehn, daß ich den kommenden Früh¬
ling und Sommer wieder in demselben chronischen Druck durch-
30 machen werde wie die früheren, da es mir mit der bloßen Ein¬
nahme mit der Tribune nicht möglich ist, die vergangnen Passiva
abzuarbeiten. Idi werde von Zeit zu Zeit wild, daß der Dreck
gar kein Ende nimmt.
Den Brief von Lassalle hast Du nicht, wie Du in Deinem letzten
35 Brief e anzeigst, zurückgeschickt. Ich brauch’ ihn nicht,
aber muß nur wissen, daß er nicht per Post verloren gegangen
oder in unrechte Hände gefallen.
Ich habe vom Labour Parliament eine Einladung erhalten, als
Honorary Delegate in Manchester zu tagen (Nadaud und Louis
io Blanc auch). Ich hab ihnen heut ein Dankschreiben geschickt und
einige Phrasen gemacht, die, je nachdem man sie liest, sehr extrem
Nr. 293.
Z. 13-16.
10
(294) 1854 März 9
oder sehr mild verstanden werden können. Jones habe ich Deine
Comptoiradresse heute geschickt.
Der große Ruge beabsichtigt, eine Universität (freie) in
Amerika zu gründen, und sind, wie Heinzen anzeigt, zu diesem
noblen Zweck schon 150 Dollars zusammengebracht. 5
Der große Franz Sigel1) ist Schwiegersohn Dulons geworden.
Was sich sonst in dieser Bande zugetragen, wirst Du aus einem
Paket ersehn, das Dir in ein paar Tagen über den Hals kömmt.
Urquhart hat gestern einen militärischen (?) Artikel in
dem Advertiser, worin er behauptet, die Türken hätten ihre Haupt-
armee in die Dobrudscha schicken und von dort den Russen auf
den Pelz rücken müssen. Bezieht sich auf General Valentini. Ich
werde sehn, daß ich Dir die Nummer hinschicke.
An Lassalle habe ich geschrieben und erwarte weitere Mit¬
teilungen von ihm.
Tzschimer war hier, traf mich nicht, ist wegen einer Geld¬
geschichte mit seiner achtzigjährigen Mutter nach Amerika und
siedelt sich dann hier an. Behauptet, Dich schon zu kennen, wie
Imandt mir erzählt.
Dein K. M.
295. Marx an Engels; [1854 März ca. 11].
Dear Frédéric,
Einliegend ein Brief von Lassalle.
Du tust mir großen Gefallen, wenn Du mir etwas Militärisches
für Dienstag lieferst. Die second édition der Times, die Ihr 25
Montag bekommt, enthält allerlei über Schamyl etc. Wenn ich
nicht einigen militärischen, wenn auch nur Klatsch bringe, rennt
mir der A. P. C.2) den Rang ab, der schamlos die Londoner Blätter
exzerpiert.
Dein K. M. so
296. Marx an Engels; 1854 March 14.
14 March 1854.
Dear Frédéric,
Den Brief, den ich Dir gestern schrieb, wirst Du hoffentlich so¬
fort ins Kamin geworfen haben. Es war natürlich Blödsinn, Didi ss
für Blanc irgendwie, ich will nicht sagen verantwortlich zu
machen, sondern überhaupt auch nur zu interpellieren. Übrigens
löst sich das Faktum auch in Scheiße auf, et il ne vaut pas, daß
Du irgendwie darauf rekurrierst.
9 Im Orig. Siegl
’) Franz Pulszky
Z 3-13.
16-19.
Nr. 296.
(296) 1854 März 14
11
Ist der Herr John Petzler des Labour Parliaments der alte
Petzler von London, das verrückte Vieh? Frag einmal den Heise.
Das Paket für Dich noch aufgeschoben, weil ich den Artikel
von Urquhart über die Militaria noch nicht bekommen habe.
s Dein K. M.
297. Engels an Marx; 1854 März 23.
Manchester, 23. März 1854.
Lieber Marx,
Inliegend den Brief von L[assalle] zurück. Den ersten vergaß
io ich damals beizulegen, er ist noch hier. Die zwei halben Noten
vorgestern und gestern wirst Du erhalten haben: T/B 58166 New¬
castle on Tyne, 17. August 1852, £ 5.
Lassalles strategische Operationen sind sehr diplomatisch. Auf
die Geschichte mit Enos und Rodosto antwortet er mit der dummen
io Phrase, die ja selbst bloß Sand in die Augen streuen soll, daß
Konstantinopel zu decken sei; wenn die zwei Flotten und die
Donauarmee es nicht decken, so decken auch 100000 Franzosen
und Engländer es nicht. Er hätte sagen müssen, von seinem Stand¬
punkt aus: In Rodosto sind sie jedenfalls näher zur Hand als in
2o Malta oder Toulon, um nach Sevastopol oder Odessa geworfen zu
werden.
Die Vorstellung, als ständen die Östreicher beim Einrücken in
Serbien „im Rücken der türkischen Donauarmee“, ist grundfalsch.
Die Östreicher müssen bei Belgrad oder nicht viel weiter abwärts
25 hinüber, oder über Mehadia auf dem linken Donauufer in die
Walachei. Im ersten Fall stehn sie in der Verlängerung des
türkischen linken Flügels, im zweiten in seiner Front. Daß alsdann
Kalafat und Widdin, außer einer Besatzung, preisgegeben wer¬
den müssen, ist klar, aber nicht, daß dieser türkische linke Flügel
30 verloren ist und seine Reste sich auf die Schumlalinie replizieren
müssen. Au contraire. 1. ist die richtige Taktik der Östreicher,
sofort über Nissa nach Sofia zu marschieren, also die richtige
der Türken, von Widdin ebenfalls auf Sofia zurückzugehn.
Da sie den kürzeren Weg haben, sind sie vor den Östreichem
35 da und können sich im Balkan halten oder auf Adrianopel
zurückgehn.
2. Sollten die Östreicher dumm genug sein, auf Widdin zu mar¬
schieren, so gehn die Türken doch nach Sofia. Diese Trennung
von Omer Paschas Hauptkorps ist dann keine Zersplitterung der
40 Kräfte, da der neue Feind eine neue Operationslinie Adrianopel-
Sofia-Belgrad-Widdin erheischt; der türkische linke Flügel wird
also eine selbständige Armee.
3. Sollte aber die wundersame Kriegführung Lassalles come to
Nr. 296.
12
(297) 1854 März 23
pass, so hilft alles Replizieren auf die Schumlalinie nichts, da
diese durch die Preisgebung der Hauptstraße von Belgrad
nach Konstantinopel bereits umgangen ist und im Gegen¬
teil erst recht verlassen werden müßte, Hals über Kopf, um bei
Adrianopel alle Reserven zu sammeln und gegen 5
den ersten Feind, der den Balkan passiert, vorzudringen.
Man sieht übrigens, daß alle diese Lukubrationen aus der
„diplomatischen Quelle“ herrühren, die gern mit strategischen
Entwicklungen zu renommieren scheint.
An die Daily News schick ich morgen eine Beschreibung von w
Kronstadt; ich fürchte, so fehlerhaft viele Fortifikationen auch
sind, so gehn doch ein halb Dutzend Schraubenlinienschiffe zum
Teufel, eh es klein beigibt.
Die highwaymen sind so gütig gewesen, Lupo sein pocketbook
minus 7 preußische Talerscheine zurückzuschicken. Für Geld und 15
Uhrenersatz wollen seine Philister etwas tim, vielleicht kriegt er
auch noch einiges Schmerzensgeld dazu. Für die Kontusionen
sorgt Borchardt, und so löst sich die Sache.
„Jedoch den Schrecken, seinen Schreck,
Den kann ihm niemand ersetzen.“ 20
Darum ist er auch ganz caduc und knurrig und scheint zu glauben,
Heise und ich seien verantwortlich für seinen Blödsinn, die Prügel
und alles.
Was ist das für ein Kerl, der sich durch Heinzen als Redakteur
der N[euen] Rh [einischen] Zeitung ausgeben läßt? Siehe die letzte 25
Sendung der Reformen, Nr. 50 etwa.
Dein F. E.
298. Marx an Engels; 1854 März 29.
28, Deanstreet, Soho.
29 March 1854. 30
Ich habe den Empfang der 5 noch nicht angezeigt, auch das
Geld noch nicht zu dem bestimmten Zweck verwandt, noch ge¬
schrieben — alles aus demselben Grund. Pieper liegt mir auf dem
Hals. Da er vor zehn Tagen aus seinem logis herausgeworfen wor¬
den ist, mußte ich ihn of course in meine Wohnung aufnehmen. Er 35
hat einen Wechsel auf die Union gezogen, und eine der nächsten
Posten muß ihm aus Amerika Geld bringen oder Protest. Freilig¬
rath hat ihm besides in dieser Woche eine deutsche Stunde ver¬
schafft, die ihm 15 sh. per week einbringt. Und eine ähnliche
Stunde von about 10 sh. sollte er durch Meyer — der heute nach 40
Deutschland zurückgereist ist und mir Grüße an Dich aufträgt —
erhalten. Aber er ging nicht an den verabredeten Ort. Erklärte dem
Z. 14-23.
(298) 1854 März 29
13
Meyer vielmehr, er sei das Stundengeben satt. Fühlt sich zum
Schriftsteller berufen. Le malheureux!
In Lupus’ Abenteuer ist mir noch manches unklar. Passierte es
auf der Straße? Wahrscheinlich doch nach einer Abendkneiperei,
5 die Du und Heise gemeinschaftlich mit ihm machtest? Welche
deep impression es in meiner family hervorgebracht, wirst Du aus
dem beiliegenden Brief von Laurachen sehn, worin sie Jenny und
Edgar, die in der Schule waren, von dem großen événement unter¬
richtet.
io Lassalles diplomatischer Teil — abgesehn von seinen Nach¬
richten, die gut sind — ist so schlecht wie der militärische. Was
er über Palmerston sagt, ist auf dem Kontinent gang und gäbe
Geschwätz.
Hast Du die secret correspondence gelesen? Wenn den Mi-
15 nistem, die sie geführt haben, erlaubt wird, den Krieg zu führen
— wie es allen Anschein hat —, so kann die Sache nur mit voll-
kommner Blamage Englands enden, obgleich der Kontinent, at all
instances, in einen erfreulichen Wirrwarr hereingeschleudert wird.
Inliegend ein Artikel von Urquhart von gestern über den Krieg
20 und aus einer frühem Broschüre Ausschnitte über seine mili¬
tärischen Pläne. Über beides wünsche ich Dein Urteil ausführlich.
Einer der preußischen] Instruktoren der Türken, den ich
gestern zufällig hier sah, erklärt die türkische Artillerie für aus¬
gezeichnet, die ganze Armee aber für Dekoration, insofern von
25 Konstantinopel aus jede energische Aktion vereitelt worden sei.
Du erklärtest in Deinem Aufsatz über den retreat der Russen
von Kalafat diese Bewegung aus einem zu Odessa, aus Rücksicht
auf englisch-französische Armee, aufzuschlagenden Lager. Es
scheint aber, nach den letzten Nachrichten, daß die Russen an der
so entgegengesetzten Seite die Donau überschritten haben oder über¬
schreiten wollten. Vielleicht ist morgen mehr Detail da, so daß Du
mir bis übermorgen einiges darüber zukommen lassen kannst. Ich
habe der Tribune, da sie die Sache zu toll machte, in meinem
Briefe vorgestern untersagt, andre Sachen als die Militaria als
35 Leader sich zu annexieren — oder meinen Namen überhaupt
wegzulassen, da ich nicht nur unter indifferentem stuff figurieren
will. Es ist nun nötig, durch Militärisches, grade in diesem
Augenblick, ihr zu beweisen, daß sie mich nicht entbehren kann.
Wenn der Mandiester Handelskorrespondent der Times richtig
40 referiert, so muß das Geschäft doch sehr schlecht stehn. Hier sieht
man jeden Tag bedeutenden failures entgegen. Ebenso in Paris.
Es versteht sich, daß längst mühsam hingehaltne Bankrotte die Zeit
der Kriegserklärung benutzen müssen, um mit Anstand zu fallen.
In der Daily News habe ich Deinen Artikel nicht bis jetzt
45 gesehn und wohl nicht übersehn!
Z. 3-9.
14
(298) 1854 März 29
Die Naval and Military Gazette behauptet, die
Russen hätten ein in Frankreich erfundnes und von der Regierung
Louis Philipps zuriickgewiesnes Zerstörungsmittel, das unter dem
Wasser fortbrenne, gekauft und bei Sinope angewandt, und er¬
klärt daraus die schnelle und radikale Aufzehrung der türkischen s
Schiffe.
Nach dem Hamburger Korrespondenten, der als
halbrussisches Organ zu betrachten, wird Nicolas neue Akten¬
stücke veröffentlichen, darunter Briefe des Prinzen Albert.
Sonst nichts Neues hier. Der „Mader“, von dem Herr Heinzen io
als einem Redakteur der N[euen] Rh [einischen] Z[eitung] spricht,
ist ein mir ganz unbekanntes Subjekt.
Totus tuus. K. M.
Ich habe jetzt im Besitz „Hammers Geschichte des
osmanischen Reichs“. Gehört Geduld zum Durchlesen, is
Habe es noch etwa mit einem Viertel zu tun. Steht Dir zu Gebot,
if wanted.
298a. Edgar Marx (Musch) an Marx in London;
Manchester 1854 März 31.
March 31, 1854. 20
My dear Devil,
I hope you are quite well because I am coming to see you and I forgot to teil
you that Lupus went out to drink like he generally does and got quite drunk and
as he was going along the streets, there came some thieves and stole him his Wale¬
hand, his Spectacles, few Pounds and his Palleto and beat him dreadfully and ga- 25
rotted him.
I am your Friend Muchlabrassel.
299. Engels an Marx; 1854 April 3.
Manchester, 3. April 1854.
Lieber Marx, 30
Die Donaupassage ist rein defensiver Natur. Sie ist der Be¬
weis, daß die Russen sich aus dem größten Teil der Walachei
zurückziehn. Sie haben sieben Divisionen Infanterie in der Wa¬
lachei gehabt, eine in Reserve bei Ismail und Tschemjajefifs^
Korps dahinter, was noch drei Divisionen sind. Tschemjajeflf^ 35
kann höchstens bei Jassy sein. Die übrigen acht Divisionen mit
Kavallerie usw. sind noch nicht 110000 Mann. Worauf es ihnen
ankommt, bei der Möglichkeit einer englisch-französischen Trup¬
penlandung in ihrem Rücken, ist, die günstigste Stellung zu bekom¬
men, in der sie nicht abgeschnitten werden, und doch möglichst 40
wenig Terrain zu opfern. Hier waren nur zwei Wege: entweder
9 Im Orig. Tscherdajeff
Z. 1—6.
14-17.
Nr. 298a.
(299) 1854 April 3
15
direkt zurück an den Sereth und diesen und die untre Donau als
Verteidigungslinie genommen (Fokschany, Galatz, Ismail) oder
zweitens ein dash auf die Dobrudscha, die Front nach Küstendsche,
Hirsova, Oltenitza, Bucharest verlegt, Trajanswall, Donau und
5 Ardsisch^ als erste, Buseo als zweite, Sereth als dritte Verteidi¬
gungslinie. Dies ist jedenfalls der beste Plan, besonders da hierbei
für das auf der einen Seite auf gegebne Terrain am entgegengesetz¬
ten Flügel neues gewonnen wird, also der Rückzug wie ein Vorgehen
aussieht und der militärische Anstand gewahrt wird. Der Besitz
io der Dobrudscha verkürzt die russische Front und läßt ihnen für
den schlimmsten Fall die Rückzugslinie auf Chotim am Dnjestr
offen, selbst wenn bei Akkerman oder Odessa gelandet werden
sollte.
Mit der Daily News scheine ich in den Zug zu kommen. Ich
15 schrieb erst vorige Woche, nachdem ich, um den englischen An¬
stand zu wahren, mir in Vater Watts, der auch hineinschreibt, eine
reference verschafft hatte (by the bye, Vater Watts hat seinen shop
drangegeben und ist managing director einer People’s Provident
Assurance Co. geworden, in welcher Eigenschaft er sich in kurzem
2o in Deiner Nähe, 47 Charing Cross, etablieren wird. Er und alle
seine Beamten lassen sich die Bärte wachsen und sehen aus wie
die Wasserpolacken.) Heute krieg ich einen Brief vom chief
editor Lincoln, der ganz darauf einzugehn scheint (ich hatte ihm
zunächst Artikel über die russische Armee, Flotte und Befestigung
25 angeboten), und ich solle die Artikel nur schicken. So bin ich gar
nicht bange. Die Verlegenheit der Kerls wegen Militaribus geht
aus der Aufnahme des jedem Nichtkenner der Bülowschen Bücher
total unverständlichen Schimmelpfennigschen Blödsinns hervor,
und mein flott und ungeniert geschriebner Brief wird den Kerls
3o ganz andre Aussichten eröffnet haben. Sowie erst die Lust zum
Eingehn auf meine Geschichten da ist (NB, ich hatte gleich Geld
gefordert), will ich den Eseln schon imponieren. Morgen schick
ich ihnen etwas, was ihnen kein Mensch schaffen kann: Pläne von
Hirsova, Matchin, Isaktschi2) und Tultcha3\ Mit dieser Geschichte
35 ist mir übrigens ein Stein vom Herzen, denn eine Geldquelle war
absolut nötig. Geht alles gut, so steck ich im Sommer, wenn
mein Alter herkommt, den Commerce auf und gehe nach London ;
bis Pfingsten komme ich aber dann jedenfalls einmal herüber, um
die Sache definitiv mit den Kerls zu regeln.
4o Lupus war natürlich mit uns kneipen gewesen, stürzt wie ge¬
wöhnlich stierbesoffen fort, ohne sich halten zu lassen, verläuft
sich, gerät am andern, seiner Richtung entgegengesetzten Ende der
Stadt in eine gemeine Kneipe, traktiert sechs Maquereaux und
zwei Huren an der Barre, zeigt Gold, geht fort, die Maquereaux
l) Im Orig. Ardschich 2) Im Orig. Isakdschi 3) Im Orig. Tuldscha
Z. 40-44 -
16
(299) 1854 April 3
ihm nach und so weiter. Dies ist sein account. Die Sache hat
aber ihre Mysterien; so ging er nicht nach Hause, als er wieder zu
sich kam, sondern mit einem wildfremden Engländer, der ihn
moyennant eines Schillings beherbergte (nicht 200 Schritt von
seiner Wohnung), kurz il y a là des choses que M. Lupus veut a
cacher, sans doute quelque vieille fille.
Die Geschichte mit den boulets asphyxiants der Russen ist Blöd¬
sinn. Die Franzosen haben so etwas, aber es zerstört keine Schiffe,
sondern tötet bloß Menschen. Den Hammer kannst Du mir gelegent¬
lich mal schicken, hauptsächlich die neuere Zeit. Über Urquhart io
dieser Tage. Mit Pieper ist Pech. Was das Geld angeht, so kannst
Du natürlich damit machen, was Du willst; ob es mein Schwager
kriegt, ist mir natürlich ganz Wurst.
Dein F. E.
300. Marx an Engels; 1854 April 4.
4. April 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Aus einliegendem Brief von Cluß wirst Du ersehn, wie würdig
ihm von Dr. Kellner und Freund Weydemeyer mitgespielt worden 20
ist. Letzterer, statt ihn über den status quo aufzuklären, hat ihn
erst recht hereingeritten — Aufgabe, die Freund W[eydemeyer]
seinen Freunden gegenüber mit Konsequenz löst.
Die Nachricht mit der „Daily News“ ist gut. Ich werde heut
sehn, ob schon etwas darin abgedruckt ist. I hope, Sir, you will 23
leave Manchester, Sir, for ever, Sir. An das Sir (oder vielmehr
Sar!) gewöhnt man sich greulich, wenn man gezwungen ist, jede
Woche die parlamentarischen Debatten zu lesen und besonders
the speeches of Lord John Russell. Der ganze Kerl ist reduzierbar
auf die zwei Worte: „Now Sar!“ 30
Pieper hat, wie Du aus Anliegendem siehst, seinen ersten
Wechsel aus Washington erhalten und gestern abend sich wieder
eine Wohnung gekauft. Er ist jetzt aufgeblasen wie ein Truthahn.
Nicht nur Geld verdient, sondern als Schriftsteller, und nicht nur
als Schriftsteller, sondern als Politiker! Für einstweilen hat er, 30
oder gibt wenigstens so vor, die öffentlichen Londoner petticoats
verschworen und sucht nach irgend einer gesunden Liebe. Auf
Stand wird nicht gesehn. Alter vielleicht auch nicht. Aber Gesund¬
heit. That is the thing. Die Erfahrungen haben den braven Jüngling
gelehrt, das weibliche Wesen vom medizinischen Standpunkt aus
zu betrachten. In Négligé gemalt, könnte der brave Jüngling als
warnendes Exempel dienen. Nachdem er wieder Fahrwasser er-
z. -1-6.
19-23.
34-42.
(300) 1854 April 4
17
halten, teilte ich ihm mit, daß, wenn abschlägige Antwort oder pro¬
testierter Wechsel von W[eydemeyer] käme, Du mich beauftragst,
ihm Deine Hülfe anzubieten. Die Erklärung war jetzt nicht mehr
gefährlich, machte aber tiefen Eindruck auf den braven Jüngling,
5 der bei alledem bon garçon ist.
Es ist wichtig, daß Du grade in diesem Augenblick, wo Du
Dein Feuer in der „Daily News“ eröffnet, mich nicht mit der Tri¬
bune im Stich läßt. Die Kerls, ohnehin gereizt durch meine letzte
Erklärung — und Leser der D[aily] N[ews] —, wären sonst
io imstand zu glauben, i c h verkaufe jetzt the better part of myself
— und mit militaria wollen jetzt alle Zeitungen renommieren —
in London und den off all in New York. Die Kerls wären imstand,
mich an die Luft zu setzen, da sie ohnedies einen Korrespondenten
hier und einen in Liverpool haben. Ihr Blatt würde dadurch etwas
15 verschlechtert, aber 200 £ St. gespart, was immer der Mühe wert
ist. Es ist daher vor allem nötig, daß sie von neuem in die Ver-
suchung geführt werden, einen Militärartikel als Leader zu
drucken. Dann hab’ ich sie wieder sicher. Der N[ew] Y[ork]
Herald macht sich in einer seiner letzten Nummern lustig über
20 den „Military Editor of the Tribune“, der dem Omer Pasha einen
Feldzugsplan vorgeschrieben und nun, da er nicht ausgeführt
werde, über Verrat schreie.
„Palmerston in three epochs by Washington
Wilk s.“ Dieses Buch besteht aus zwei Epochen. In der ersten
25 schreibt Washington Wilks auf das unverschämteste und dümmste
meine Artikel aus der Tribune ab. In der zweiten verlängert er
und füllt aus mit Hülfe der Blue Books das Kapitel über Ungarn
aus Urquharts „Progress of Russia“. So elend das Machwerk ist
und der Kerl überall seine totale Unkenntnis verrät, echte Pla-
30 giatorignoranz, hat er damit sich in die Londoner Meetings ge¬
drängt, die Protektion Urquharts und seiner Clique gewonnen und
sich als „public character“ in London aufgetan.
Die Ansicht vom „Verrät“ des Ministeriums fängt an hier unter
den Spießbürgern umzugreifen, und, wenn die Kerls dasselbe
35 Spiel riskieren wie in 1840 und 1846, setzt es diesmal etwas.
Dein K. Marx.
301. Marx an Engels; 1854 April 19.
April 19. 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.
40 Lieber Frédéric,
Aus dem einliegenden Brief von Cluß ersiehst Du einerseits
Herm Schimmelpfennigs Bewunderung Deiner Militaria, die mir
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 2
18
(301) 1854 April 19
auf die Kappe kommt; andrerseits seine schlauen kritischen Be¬
denken.
Wenn der heutige Bericht (in der Times) Gortshakoffs und
der Bericht der nordischen Biene über die manoeuvres an der zir-
kassischen Küste Dir Gelegenheit geben, mir einen letter für die 5
Tribune zu liefern, so kannst Du einige anonyme Hiebe auf
Schimmelpfennigs Ansicht, die übrigens sehr viel gehört wird,
fallen lassen.
Was bedeutet es, daß die Times plötzlich Halt gegen das Mi¬
nisterium (quant à la guerre) macht? io
Aus den Ausschnitten der amerikanischen Zeitungen siehst Du
— was ich gestern auf private Weg bestätigt hörte —, daß das
„Centralcommitte“ bedeutende Gelder seit sechs Monaten zur
Verfügung hatte. Aus dem Brief des Kargers — Famulus von
Ledru[-Rollin] — im Pionier, die Illusionen, die Ledru [-Rollin], 15
und mit ihm die ganze orthodoxe Emigration, sich über die Bedeu¬
tung und Zukunft desselben Ledru [-Rollin] macht.
Von teutscher Seite ist mit ihm verabredet, daß, sobald er Chan
von Frankreich wird, er eine französische Armee — aber unter
deutschem Befehl Ruge-Blind-Gögg — nach Deutschland ein- 20
marschieren läßt.
Einliegend auch eine Karte von Konstantinopel, die vielleicht
Interesse für Dich hat.
Schily ist nach Paris, mit obrigkeitlicher Erlaubnis. Er wird
dort, Cornelius hier, das „Haus“ repräsentieren. 25
Bangya ist in Erzeroum, Oberst, versteht sich, heißt Mehmed
Bey, hat sich beschneiden lassen und den Koran akzeptiert. Viel¬
leicht als Spion dem General Guyon zur Seite gestellt.
Das Wetter ist verdammt schön. Schade, daß man es nicht
besser exploitieren kann. w
Nach Brief, gestern von Trier, wird Edgar auf ein halb Jahr
zum Besuch von Texas nach London und Deutschland kommen.
Dein K. M.
Ich sehe, daß der Brief zu dick wird, schicke darum die Zei¬
tungsauszüge erst in meinem nächsten letter. 35
302. Engels an Marx; 1854 April 20.
Manchester, 20. April 1854.
Lieber Marx,
Die Geschichte mit der Daily News ist im Arsch, und zwar hab
ich Gründe zu vermuten, daß Monsieur Piepers Indiskretion mir 40
einen Streich gespielt hat, den ich ihm sobald nicht vergesse. Die
Z. 18-23.
26-30.
34-35.
(302) 1854 April 20 19
Sache war all right, es handelte sich bloß noch um den Preis, mein
Artikel war bereits gesetzt, ich hab den Korrektur¬
abklatsch in der Tasche. Ich schreibe den Kerls, ich würde zu ihren
gewöhnlichen Bedingungen arbeiten, bereits Mittwoch vor acht
5 Tagen, und endlich heute kommt Antwort, daß die Artikel too
Professional seien und sie mit dem besten Willen sie nicht ge¬
brauchen könnten; sehr höflich, am Schluß das Anerbieten, mir
£ 2.2.— für meinen trouble zu zahlen, und der gute Rat, mich an
ein military paper zu wenden. Beides werd’ ich natürlich nicht
io akzeptieren.
Ich kann nur eine Erklärung für dies sonderbare Betragen
finden : Pieper, der nach einem läppischen Brief, den er mir vorige
Woche schrieb, um die Sache wußte, muß damit renommiert haben,
so daß die Historie auf dem bekannten telegraphischen Wege des
u Emigrationsklatsches dem Kinkel oder sonst einem der mit der
Daily News bekannten deutschen Schweinigel zu Ohren kam, und
da war natürlich nichts leichter, als den military man Engels als
einen bloßen ehmaligen einjährigen Freiwilligen, als einen Kom¬
munisten und seines Zeichens einen Kommis hinzustellen, so daß
2o alles aufhörte.
Die Höflichkeit des refus kommt natürlich nicht auf meine,
sondern des Watts Rechnung. Der Brief ist so, daß ich zwar noch
einmal mich melden könnte, aber nur, um unter die penny a liners
verwiesen zu werden.
25 Du wirst mir einen großen Gefallen tun, wenn Du heraus¬
bekommst, wer diese Schwatzerei gemacht hat: die Elogen des
Herm Schimmelpfennig sind natürlich nur ein pauvrer set off
gegen diesen échec.
Dabei hat diese Verschlepperei der Daily News-Kerls die Folge
3o gehabt, daß ein Teil meiner Quellen hier in der Zwischenzeit
durch die deutsche Presse bekannt geworden ist — den Moltke,
der mir enorm nützlich war, kann ich jetzt fast gar nicht mehr ge¬
brauchen, und in vierzehn Tagen wird’s mit allen so gehn —, und
nochmals fünf Pfund on spéculation an diese Scheiße zu riskieren,
35 fällt mir nicht ein.
Ich habe große Lust, die Artikel über die russische Kriegs¬
macht fertigzumachen und an die Times zu schicken. Kommen sie
da hinein, so ist die Daily News blamiert. Aber ein zweiter échec
hat seine schlimmen Seiten, ich bin dann komplett blamiert. Das
io ist das Verdammte, daß ich nicht in London bin, dann wär’ die
Sache sehr einfach. Was meinst Du? Schreib mir gleich darüber.
Über die andern Geschichten in ein paar Tagen. Den Artikel
über das russische Bulletin kann ich nicht vor nächstem Steamer
liefern, das Ding will genau geochst sein und mit der Karte ver-
45 glichen, sonst gibt’s auch da Blamage.
2*
Z. 21- 24.
29-35.
42-45.
20
(302) 1854 April 20
Wenn Du aus der Tribune nur mehr Geld herausschlagen könn¬
test, so ließ ich die ganze scheißenglische Presse laufen, wo die
eingeschlichenen deutschen Lumpen den dummen Redakteuren die
besten Artikel unakzeptabel machen, und schickte Dir jede Woche
einen oder zwei Tribuneartikel. Aber für 200 Pfund wir beide <5
uns die Finger abschreiben, c’est trop fort.
Schreib mir gleich, was Du von der ganzen Schmiere hältst, die
Geschichte hat midi scheußlich verdrießlich gemacht, wir können
uns doch auf keinen Menschen von der ganzen Bande verlassen, als
wir zwei einer auf den andern. io
Der Steffen und Dronke waren Ostern hier, Dronke hat sich
eine eklige Commis voyageur-Renommage angewöhnt und mir gar
nicht gefallen, der Kerl wird reiner Bummler.
Dein F. E.
303. Engels an Marx; [1854 April ca. 21].
Lieber Marx,
Eben habe ich hier Monsieur Schimmelpfennigs Broschüre ge¬
kauft — willst Du eine Kritik darüber für die Tribune, so schreibe
bald. Am Montag kommt der Donauübergang-Artikel, falls sonst
nichts Wichtigeres vorfällt. 20
Hältst Du Blind für kapabel, mir bei der Daily News einen
Streich zu spielen? Der Kerl ist, wenn ich nicht irre, mit dem
Blatt in Verbindung. Monsieur Herzens Blödsinn heute in dem¬
selben Blatt beweist ebenfalls Konnexionen. Ist noch irgend ein
deutscher Offizier in London, der mit dem Blatt mogeln könnte? 25
Ich werde, eh ich an ein andres Blatt gehe, mir doch einiges
Material kommen lassen. Das verzögert die Sache um drei Wochen.
N’importe, hab ich guten Stoff, so ist die Chance besser, und
schließlich bleibt uns das Material doch für die Tribune.
Wenn ich nicht so verdammt in der Geldklemme stäk, würd’ 30
ich Dich einladen, heriiberzukommen. Aber vorderhand geht’s
nicht, auch muß ich erst wieder private lodgings nehmen. Ich hatte
vor, wenn mit der D[aily] N[ews] anzubinden wär’, Pfingsten nach
London zu kommen, aber jetzt würde die Reise wenig Zweck haben.
N’importe, vielleicht komm ich doch. 35
Ich bin durch den Krieg, die vielen militärischen Bücher zum
Durchochsen, die diversen Saufereien usw. in der letzten Zeit auf
dem Comptoir sehr zurückgekommen und habe dabei, eben weil
ich immer andre Geschichten im Kopf hatte, eine Masse Schnitzer
gemacht, die alle in refüsierter Ware und andern Fatalitäten 40
endigen. Aus guten Gründen muß ich also jetzt, wo in drei Mo¬
naten mein Alter kommt, dies nachholen; dabei ist die Korrespon-
Z. 7 (Schreib . . . hältst,).
21-25.
38 (und) —41.
(303) 1854 April ca. 21
21
denz mit ihm höchst liederlich geführt worden und er hat sogar
Sachen noch nicht, die er schon vor sechs Monaten haben sollte.
Das alles muß jetzt nachgeholt werden und macht mir viele Mühe.
Indes wenn ich erst wieder vierzehn Tage im Comptoir geochst
5 habe, denk ich damit auch durch zu sein.
Schick die Zeitungsausschnitte, Cluß’ Brief ist ohne sie nicht zu
verstehn.
Bangya wird dort in Erserum den Russen schöne Rapporte
schicken. Ich wollte, die Preußen machten jetzt endlich voran und
io erklärten England den Krieg. Da wär’ die Schmiere im Gang, und
mein Alter käme nicht herüber. Ich hab ihn schauderhaft ver¬
nachlässigt, und der Geldpunkt gibt jedenfalls Anlaß zu Krakeel.
Inliegend der Abklatsch des D[aily]-N[ews]-Artikels, schick ihn
mir bald zurück. Daß ich diesen Abklatsch habe, ist mir sehr lieb,
15 die Kerle können jetzt nicht renommieren.
Apropos! Ist in London der „Bericht über die Kriegsopera¬
tionen der russischen Truppen gegen die ungarischen Rebellen
1849“ (1851 gedruckt) vorrätig bei irgendeinem Kerl?
Das Buch hab ich bestellt, krieg’s aber nicht unter drei Wochen.
20 Hab ich das, so kann ich gleich mit der Times anbinden. Es
kostet 1^ Taler, also kein großer Verlust, es doppelt anzuschaffen.
Dein F. E.
304. Marx an Engels; 1854 Apri 1 22.
22. April 1854.
25 28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric,
An der Geschichte mit der Daily News ist Pieper jeden¬
falls unschuldig, da er seit einem halben Jahr absolut mit Emigra¬
tion nicht zusammenkömmt. Blind is connected with the A d v e r -
jötiser, nicht mit der D [a i 1 y] N[ews]. Die Bande von Herzen,
der Crapulinski Worzel, der Lump Golowine sind positivement
mit der Daily News in Verbindung, nachdem sie durch
Urquharts Einfluß aus dem Advertiser herausgeworfen. Herr
0. v. Wenckstem ist von der Times an die D [a i 1 y] N [e w s]
35 übergetreten, aber nicht mehr in London, da ihn das judicious
paper als military Commissioner zu Omer Pasha ge¬
schickt. Diesen belletristischen Buben! Möglich und wahrschein¬
lich, daß der Kerl andre deutsche Lumpen dort introduziert hat.
Mein Hauptverdacht ruht indessen auf den Russen. Die D [ a i 1 y ]
4öN[ews] ist so wisely managed, daß sie, wie aus dem letzten
retum des Zeitungsstamps hervorgeht, von 1851 an reißend abge¬
z. 8-9.
30-33.
22
(304) 1854 April 22
nommen hat und in der Reihenfolge der Journale nach dem
Herald kömmt.
Meine Ansicht, daß Du gleich den Artikel, wie er ist, ohne die
Laus von anderm Material abzuwarten (ich werde sehn, ob der
„Bericht der Kriegsoperationen“ hier vorhanden), — an die s
Times schickst. Die folgende Woche ist sie noch ohne Material,
da die Parlamentsferien erst mit 1. Mai aufhören, obgleich nomi¬
nell mit dem 27. April. Es ist ihr also jetzt jede Zusendung will¬
kommen, und da die Leute viel mehr literarischen und politischen
Takt haben als die Stümper von der D [a i 1 y] N[ews] und be- io
reit wären, von dem Teufel selbst einen interessanten Artikel zu
akzeptieren, so glaube ich fermement, daß sie ihn sofort ab¬
drucken wird. Du hast dann zugleich revenge an dem Käseblatt.
Sollte aber — was ich bezweifle — der Versuch bei der Times
fehlschlagen, so bist Du 1. sicher, daß niemand davon hört, da ich is
keiner Seele davon sprechen werde; 2. bleiben Dir die Revuen
sicher. Ich rate Dir schließlich noch einmal nicht abzuwarten,
sondern diesen ersten Artikel ganz unverändert an die
Times zu schicken. —
Was den Schimmelpfennig betrifft, so glaube ich, es geschieht 20
dem Kerl zu viel Ehre, wenn er in der Tribune behandelt wird.
In einem Deiner Privatbriefe an mich könntest Du mir so viel
schreiben, als ich wieder dem Cluß zu einem Artikel in der Reform
mitteilen würde.
Die Tribune hat in der letzten Zeit sich wieder alle meine 25
Artikel als leader angeeignet und nur Schund unter meinem
Namen erscheinen lassen. So z. B. sich annexiert eine ausführ¬
liche Darstellung der östreichischen Finanzen, Artikel über die
griechische Insurrektion etc. Außerdem die „konstitutionell“ ge-
wordne Renommage mit Deinen Militaribus. Ich beabsichtige po- 30
sitivement — sobald Antwort von Dana auf mein letztes Moni-
torium zurück — Honorarerhöhung zu beantragen und werde mich
namentlich auf die durch die Militaria verursachten expenses be¬
rufen. Denkst Du nicht so? Die Kerls müßten wenigstens 3^ per
Artikel zahlen. Sie geben 500 £ aus, um Taylor nach Indien zu 35
schicken, und der Kerl schreibt schlechter und weniger von dort
— und was sollte er auch bei einem raschen trip durch ein solches
Land kennenlemen? — als ich von hier ihnen über denselben
Gegenstand. Mit £ 3 per Artikel kann ich endlich aus dem Dreck
heraus. 40
Sonderbare Scheiße mit Urquhart, mit dem ich notabene nie
mehr in London zusammenkam seit unsrer ersten entrevue. Der
ministerielle Globe brachte Saturday furious onslaught on him,
wo es u. a. hieß, er picke hie und da einen auf als Konvertiten,
aber das daure nicht lange. „Where is Mr. Anstey? Where Mr. 45
Z. 20-24.
(304) 1854 April 22
23
Monteith etc. and where that Goliath of the new révolution, Mr.
Marx?66 „All these Gentlemen have seen the folly of their ways,
and retumed to the habits of good society.66 Nun erklärt „An
U r q u h a r t i t e“ in der Donnerstagnummer des „M [oming] A [d-
5 vertiser]66, daß „if continuing to pose implicit confidence in Mr.
U[rquhart]’s view be proof of folly these individuals have cer-
tainly not recovered their reason and also must still be without
the pale of good society66. Und dann speziell: „Mr.Marx, howewer,
I am happy to say is as energetic and valuable supporter as ever
io of Mr. Urquhart’s.“ Bisher habe ich noch nichts in der Sache ge¬
tan, sondern warte noch zu. Es wird sich Gelegenheit finden, Herm
Ufrquhart] zu desavouieren. Ich finde die Sache um so unver¬
schämter, als er weiß und ich ihm erklärt habe, daß ich in nichts
mit ihm übereinstimme, außer Palmerston, ein Punkt, zu dem er
i'> mir nicht verholfen hat. Mais il faut attendre. Es ist da eine
Schwierigkeit. Es existiert ein sehr stupider Urquhartite namens
Marx, den der Globe nicht meint. Desavouiere ich U[rquhart]
öffentlich, so sagt er, er habe nicht mich, sondern den andern
M[arx] gemeint. Übrigens sieht man aus dem Globe, daß Herr
2o Palmerston mir seine höchste Aufmerksamkeit geschenkt hat.
Pieper wird täglich selbstgefällig-fader. Er lächelt sich mehr
Falten ins Gesicht als auf der Landkarte von beiden Indien stehn.
Alter Malvoglio. Jennychen nennt ihn nicht mehr anders als
Knaben Wunderhold, des Wunderhoms Sohn. Ich werde das
25 nächstemal einiges Drollige über den „Wunderhold66, der, wie man
aus den Briefen seiner Schwester sieht, sich als Byron und Leibniz
in einer Person vorkommt — mitteilen.
Salut. Dein K. M.
305 Engels an Marx; [1854 April ca. 24].
3o Lieber Marx,
Ich kann absolut nicht die Sachen für die Times machen, bis
ich mehr Material habe, d.h. in acht à vierzehn Tagen, dann mach
ich’s aber gleich fertig.
Wegen Sch [immelpfennig] mache ich mit Heise eine Ge-
35 schichte, das Dings muß so gemacht werden, daß der Kerl nicht
antworten kann, also sehr exakt, oder gar nicht.
Mit Heise muß was geschehen, die Sache geht nicht viel länger
mehr. Ich schreib also heute an Cluß, er soll mir sagen, ob er den
H[eise] bei einem englisch-amerikanischen Blatt anbringen kann,
der Kerl schreibt passabel englisch, und zweitens ob die Reform
ihm zahlen kann. Beides unter Voraussetzung, daß dadurch dem
Z. 21-27.
Nr. 305.
24
(305) 1854 April ca. 24
Eccarius kein Abbruch geschieht, der doch die ersten Ansprüche
hat. Ich habe dem Cluß geschrieben, daß, wenn etwas der Art ent¬
gegenstehe, Du ihn per nächsten Dienstagssteamer instruieren
würdest. Zugleich habe ich dem Cluß den Schimmelpfennig-
Artikel avisiert, damit in New York keine Dummheit passiere. 5
Ich kann heute nichts weiter schreiben.
Dein F. E.
Kossuth — sehr schön!
306. Marx an Engels; 1854 April 29.
29. April 1854. 10
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Ehe Heise von hier abreiste, hatte ich einige Tage vorher, bei
Gelegenheit des „Ritter vom edelmütigen Bewußtsein“, eine Szene
mit ihm in Gegenwart von andern, worin er als perennierender 15
Anhänger (geheimer) des Ritters und at least als giftiger indepen¬
dent gegen uns auf trat. Die Sache war so, daß sie Skandal machte.
Ich fand es überflüssig, Dir darüber zu schreiben, 1. weil Du selbst
hinreichend den H [eise] kanntest, 2. weil er mir demütig schrieb,
ihn an Dich zu empfehlen und ich ihm keinen Uriasbrief geben 20
wollte.
Vielleicht ist der Mann ganz zu uns herübergetreten, wovon ich
indes keinen Beweis darin sehe, daß er in der Not sich an uns
anhängt. Jedenfalls halte ich es Deinerseits für nötig, Dich
nicht zu tief mit H[eise] einzulassen, Dein Vertrauen gegen ihn zu 25
temperieren und speziell nichts gemeinschaftlich mit dem
Jüngling zu schreiben. Eh er dazu zugelassen und so „gepfropft“
wird vor den Augen des Publici, more proofs of his sincerity are
wanted. Wir haben zu eklige Erfahrungen gemacht, um nicht vor¬
sichtig und tant soit peu mißtrauisch zu werden. 30
Einliegend Brief mit Ausschnitten von Cluß.
Imandt sagt mir, Blanc habe ihm gesagt, Du hättest Blanc ge¬
schrieben, daß Du Dich hier zum Besuch einfinden würdest. Wie
ist es damit?
Dein K. M. 35
307. Engels an Marx; 1854 Mai 1.
Lieber Marx,
Manchester, 1. Mai 1854.
Die Geschichte mit Heise ist einigermaßen fatal. Du hättest mir
doch jedenfalls mitteilen müssen, wenn der Kerl sich in Partei-^
Nr. 305.
306.
Z. 39-40 -
(307) 1854 Mai 1
25
Sachen dubiös benommen hatte. S o konnte ich nichts anders
vermuten als daß er, für einen neu Hinzugekommenen, perfectly
safe sei. Ich hatte ihn früher bloß ein paar Tage in der Pfalz ge-
sehn, fand ihn in London in der intimen Gesellschaft, wo Du ihn
5 und Meyer besonders zu bevorzugen schienst, ich mußte also
schließen, der Kerl habe schon in London Buße getan, seine épreu¬
ves gemacht und sei zu Gnaden angenommen worden. In dieser
Weise hab’ ich ihn bisher behandelt, und da er nichts zu tun hatte
und sonst ein fideler Kerl ist, bin ich mehr wie mit sonst jemand
io mit ihm herumgebummelt und habe mir sogar, da die Philister
hinter mein Zusammenleben mit der Mary gekommen sind und
dem Ding ein Ende gemacht werden muß, eine Wohnung next door
to him gemietet, bin aber noch nicht eingezogen. Alles das ist
jetzt schwer zu redressieren, ich sehe nur einen Weg: ich muß aus
15 Deinem Brief schließen, daß Du ihm einen Brief an mich mitge¬
geben hast. Den hab’ ich nie bekommen. Schreib mir
gleich, damit ich ihn interpellieren kann.
Den Schimmelpfennig-Artikel hab’ ich mit ihm aus zwei Grün¬
den gemacht: 1. weil ich den Kerl heruntergemacht haben wollte,
20 ohne daß ich schiene in der Reform zu arbeiten, 2. weil Hfeise]
absolut etwas zu tun kriegen mußte, um aus der Bummelei zu
kommen. Der Artikel ist sehr gut, hie und da durch Heiseschen
Stil verdorben, aber Herr Schfimmelpfennig] ist schwer drin ver¬
arbeitet. Dem Hfeise] kann die Sache nichts weiter nützen, da er
25 nie einen zweiten derartigen schreiben kann, im Gegenteil hat ihm
die Geschichte als Probe der sichern und wohl „basierten“ Manier,
wie wir operieren, sehr imponiert. Indessen wäre auch das nicht
passiert, wenn ich instruiert gewesen wäre, und jedenfalls hätte
der Kerl mich weniger Geld gekostet, so hab ich ihn am Hals und
30 bin au bout du compte für seine Hausschulden usw. mehr oder
weniger verantwortlich.
Mit meiner Reise nach London sieht es sehr wunderbar aus. Ich
habe viel zu viel auf dem Comptoir zu tun, als daß ich leicht fort¬
kommen könnte; dabei hatte ich allerdings vor, wenn die Sache
35 mit der D [aily] Nfews] gelang, zu kommen, um sie mündlich zum
Schluß zu bringen. Der Grund ist jetzt fortgefallen, und da mich
die Sache noch an 7—8 kosten würde, die ich nicht gut missen
kann, und ich höchstens drei bis vier Tage dort bleiben könnte, so
suche ich dran vorbeizukommen.
io Ich werde nach dem hiermit retournierten Clußschen Brief nun¬
mehr den Artikel über Sch[immelpfennig] an Cluß schicken, der
ihn nach Umständen verwenden kann; hat er sich mit Schfimmel¬
pfennig] schon zu weit eingelassen, so wird er wenigstens zur
Privataufklärung des Cluß über Schfimmelpfennig] dienen und
*5 dazu beitragen, daß CI fuß] sich nicht zu tief mit ihm einläßt. Sol-
Z. - 1-31.
26
(307) 1854 Mai 1
dat gegen Soldat ist mir Willich immer noch lieber als der Klug¬
scheißer Schimmelpfennig], hinter dem wirklich gar nichts steckt
als pure Eitelkeit und Arroganz und dessen ganze Gelehrsamkeit
aus ein paar der ordinärsten Handbücher und Kompendien zu¬
sammengestümpert ist.
Für nächsten Freitagssteamer werde ich Dir wieder einen mili¬
tärischen oder sonst türkischen Artikel machen. Es ist Zeit, auf
unsere ersten Artikel darüber auch politice zurückzukommen, die
Verhältnisse haben uns auch da glänzend gerechtfertigt. Die Hart¬
näckigkeit der griechischen Insurrektion und die evidente Unbe- 10
haglichkeit der Türken in Bulgarien beweisen après tout, daß die
christliche Bevölkerung anfängt sich zu regen und das Reich der
Türken seinem Ende rasch entgegengeht. Anderseits zeigt sich an
der großen Schwäche der Türken, daß ihre Armee, wie gewöhn¬
lich schon früher, während des Winters großenteils nach Hause
gelaufen ist und alle Reformen diesen Kerls noch keinen euro¬
päischen Soldatengeist eingebläut haben. Über die Odessa¬
geschichte müssen wir erst nähere Nachrichten haben, bis jetzt
widerspricht sich alles zu sehr. Lupus schäumt über die Alliierten,
daß sie nicht die Russen ad majorem gloriam Aberdeeni et Bona- 20
parti zuschanden hauen. Er und Heise wetteifern jetzt darin, als
Schrecken der Philister durch absoluten Widerspruch und Sack¬
grobheit sich zu betätigen. Einer oder beide kriegen nächstens
Prügel; gestern waren sie nahe dran, als ich auf einmal anfing,
Lancashire-Dialekt zu sprechen, dadurch die Philister zum Lachen 25
brachte und einen honetten Rückzug ermöglichte.
Übrigens wird Hteise] nie gefährlich, seine schriftstellerische
Kapazität steht weit unter der des kleinen Dronke, Bummelei ist
sein Hauptfach, Kenntnisse gar nicht vorhanden, nur eine große
Neigung, von allem das Abc sich anzueignen. Das russische Abc 30
hat er sich auch glücklich angequält, seitdem aber bereits wieder
vergessen.
Sur ce, que Dieu l’ait eu sa sainte garde, habeat sibi !
Dein F. E.
308. Marx an Engels; 1854 Mai 3.
3. Mai 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric,
Durch das Wort „Uriasbrief“ habe ich Mißverständnis ver¬
anlaßt. Ich habe dem Heise — der sich gar nicht bei uns ver- 40
abschiedet hatte, übrigens auch in zu versoffnem Zustand war, um
solches zu tim — keinen Brief mitgegeben. Er schrieb mir von
Z. 2 (hinter)—3 (und).
28 (Bummelei)—29 (Hauptfach.).
33!
39-42 -
(308) 1854 Mai 3
27
dem Nest aus, wo er in der Nähe von Manchester hauste, ich solle
ihm dort förderlich sein. In diesem Sinn hätte ich es für „Urias-
brief“ gehalten, wenn auch mit etwas „kühner“ Anwendung des
Wortes, Dir einen Bericht über ihn einzuschicken. Vielleicht ist
5 in Manchester sein Hauptincitement weggefallen, sich als „great
man“, „independent“, und „malcontent“ bei Imandt und Schily
herauszubeißen. Du kannst allerdings jetzt nichts tun als diploma-
tisieren und den Mann treiben, sich nach und nach in Beschäf¬
tigung zu bringen. Solang er in England ist, hat er stets auf fremde
io Tasche gelebt, und wenn sich ein Unterhaltszweig anbot, gab er
ihn bald wieder auf. Da er jetzt sehr viel surpluszeit hat, soll er
wenigstens regulär der Reform schreiben, die übrigens bis jetzt
auch dem Eccarius noch keinen farthing zukommen ließ. Wird sie
übrigens jetzt unterstützt, so muß sie bald in zahlbaren Zustand
15 kommen.
Ich finde, daß Deine „militaria“ — „retreat of the russians
from Kalafat“ und Stellung in der Dobrudscha — sich famos
bestätigen. Das Bombardement von Odessa ist von den Russen pro¬
voziert worden, wie es scheint. Wenn die Engländer keine Land-
20 truppen dort aussetzen, scheint mir nicht viel damit getan — außer
einer Beruhigung des hiesigen Bürgers, der im Maß, als der Krieg
sich in Form von Steuern und Anleihen ausdrückt, anfängt wild
zu werden über die Untätigkeit der allied fleets — und, perhaps,
bedurfte Nikolaus einer solchen Demonstration, um seinem Auf-
25 ruf „an sein Volk“ Salz zu geben. Über das Einverständnis des
hiesigen Ministeriums mit Petersburg kann jetzt kein Zweifel
mehr existieren, nachdem bekannt geworden ist, daß e i n
Aktenstück in der „secret Correspondence“ unterschlagen ist,
worin Aberdeen (1844) die Vorschläge von Rußland akzep-
30 ti ert hatte. Daß so etwas im Hintergrund steckte, schwante mir
schon von der Verfälschung der Daten und Endossements des
„Memorandums“, auf die der Ex-Foreignminister der Tories im
House of Lords anspielte. Daß die Kerls jetzt noch — obgleich
das Journal de St. Petersburg sie selbst beklagt wegen
35 ihrer „fausse position“ — ihre Schachzüge mit Rußland ver¬
abreden, siehst Du aus den „Déclarations in Council“ über neu¬
trale und speziell russische Schiffe. Gleichzeitig erschienen
ähnliche „Déclarations“ in St. Petersburg, almost couched in the
s a m e terms. So was ist nicht Zufall. Bonaparte ist das Element,
4o was sie in der Rechnung übersehn haben. Wie der Kerl auch im¬
mer sei, es geht bei ihm direkt um den Hals, und als Gauner von
Profession läßt er sich nicht so mitspielen wie poor Louis Philippe
1839 und 1840. Wenn man die geheimen Dokumente von 1830—
1848 liest, bleibt kein Zweifel, daß England den L[ouis] Ph Hüppe]
45 abgesetzt hat, und daß der würdige „National“ trotz und infolge
Z. 1-15.
28
(308) 1854 Mai 3
seiner blinden Anglophobie unbewußt ein Hauptwerkzeug grade
der englischen Politik war.
Die „Tribune“, weißt Du, schmeichelt sich, christlich zu sein.
Um so mehr Spaß macht es mir, daß die Kerls einen Artikel von
mir als Leader aufnahmen, worin ich als Hauptvorwurf gegen die $
Türken aufstelle, daß sie das Christentum konserviert haben,
allerdings nicht in dieser schroffen Form herausgesagt. Indeed,
die Türken müßten schon darum kaputt gehn, weil sie die byzan¬
tinische Theokratie in einer Form sich zu entwickeln erlaubt haben,
wie es selbst den griechischen Kaisern nie eingefallen ist. Es gibt w
eigentlich nur noch zwei religiöse Völker, Türken und die
griechisch-slawische Bevölkrung der Türkei. Beide müssen ka¬
putt gehn, letztre wenigstens mit der pfäffischen Gesellschafts¬
organisation, die sich unter der Herrschaft der Türken befestigt.
— Ich habe der „Tribune“ außerdem noch eine skandalöse Ge- is
schichte über das „heilige Grab“ und das „Protektorat“ in der
Türkei geschickt, wo die Kerls über dem historischen Material den
bösen Witz mit dem Christentum übersehn werden.
Es ist mir sehr lieb, wenn ich jetzt einige Zufuhr für die „Tri¬
bune“ von Dir erhalte, da ich mit dem Ochsen der Geschichte des 20
Neuhellenischen Reichs samt dem king Otto sehr beschäftigt, aber
das Resultat erst in zwei Wochen vielleicht in einer Reihe von
Artikeln darstellen kann. Der Metaxas, der hellenischer Ge¬
sandter in Konstantinopel war und dort konspirierte — die Pa¬
riser Presse hat eine hübsche Darstellung dieser russisch-grie- 25
chischen Bagnyanade —, war Hauptinstrument des infamous
Capodistrias.
In Nebenstunden treibe ich jetzt Spanisch. Begonnen mit Cal-
deron, aus dessen Magico prodigioso — dem katholischen
Faust — Goethe nicht nur einzelne Stellen, sondern ganze Anlagen so
von Szenen bei seinem Faust benutzt hat. Dann — horribile
dictu — in Spanisch gelesen, was französisch unmöglich gewesen
wäre, „Atala“ und „René“ von Chateaubriand und einiges Zeug
von Bernardin de St. Pierre^. Jetzt mitten im Don Quichotte. Ich
finde, daß man im Spanischen mehr das dictionnaire nötig hat als 35
im Italienischen, beim Anfang.
„Archivio triennale delle cose d’Italia dall’ awenimento di
Pio IX. all’ abbandono di Venezia etc.“ ist mir zufällig in die
Hände gefallen. Das Beste, was ich von der italienischen revolu¬
tionären Partei gelesen habe. Besteht aus einer Zusammenstellung w
von geheimen und öffentlichen Aktenstücken, aufgefangnen Brie¬
fen etc. Hübsch zusammengestellt. Palmistone (wie Thiers den
Palmerston ausspricht) auch hier ein Hauptfigurant. Dieser Kerl
9 Im Orig. St. Bernardin de Pierre
Z. 24 ( — die)—26,
(308) 1854 Mai 3
29
war allgegenwärtig in seinen Umtrieben und hat jedenfalls ein
sehr amüsantes Dasein geführt.
Du bist mir noch immer schuldig, über Herm Urquharts mili-
taria zu schreiben. Man kann den Mann bloß in den „positiven“
5 sciences fassen. Also hier und in seiner Ökonomie, wo die Flach¬
heit ebenfalls handgreiflich nachzuweisen.
Vale faveque. K. M.
309. Marx an Engels; 1854 Mai 6.
6. Mai 1854.
io 28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Leider arrivierte die „Despatch“ vorgestern erst, nachdem die
Post schon geschlossen und es unmöglich war, selbst gegen den
üblichen Schilling, den letter nach New York zu spedieren.
15 Der Pole Miskowsky^ — vide den „Ritter vom Edelmütigen“
— hat ein sehr schlimmes Ende genommen. Der arme Teufel be¬
fand sich schon seit lange in den miserabelsten Verhältnissen,
brachte es nie dahin, das nötige Geld zur Fahrt nach Konstan¬
tinopel aufzubringen — as he was not one of the „minions“ of
2o the „Governor“ — und war so zum Lumpenproletarier in White¬
chapel herabgesunken, dem wir im Westend from time to time
eine geringe Unterstützung zukommen ließen. Vor ein paar Tagen
ist der pauvre diable lebendig verbrannt mit noch sechs
andern Flüchtlingen in .der Holzbaracke, die er mit ihnen in
25 Whitechapel bewohnte. Erst zu verlumpen, dann zu verhungern,
und schließlich zu verbrennen, ist doch alles, was man in dieser
„besten Welt“ verlangen kann.
Da der Universalweisheitsdoktor Wiss in der „Republik der
Arbeiter“ a furious onslaught auf unsere „korrumpten Ideen“ und
so gesinnungslose „Frivolität“ gemacht hat, fand ich es passend, bei
Edgar Bauer, den ich von Zeit zu Zeit sehe — ein rendez-vous, was
nie ohne Katzenjammer abgeht — mir einige Aufschlüsse über
dieses lumen mundi und jetzigen Aktionär in dem Weitlingschen
Glückseligkeitsstall zu holen, und da erfuhr ich in kurzem fol-
35 gendes:
Herr Wiss scheint kurz nach Deiner Zeit in Berlin eingetroffen
zu sein, ein eitler Jüngling und mit dezidierter Abneigung gegen
„positives“ Wissen, weshalb er es nie zur Absolution seines medi¬
zinischen Examens gebracht und sich mit Wut auf die bei Stehely
konzentrierte „Weltweisheit“ warf. Erst Brunorianer, dann Stir-
9 Im Orig. Mijowsky
Nr. 309.
30
(309) 1854 Mai 6
nerianer, wurde er Mitglied der Edgarbauerschen Gesellschaft der
„Freien“, interessierte sich sehr für die Emanzipation der Frauen
und beschloß „frivol“ zu werden. In Ausführung dieses Vorhabens
vögelte er die Wirtin, bei der er logierte — eine Hebamme. Diese
Hebamme machte dem „Frivolen“ dann das Gewissen heiß, jam- 5
merte über ihr verlornes „lesser Wallachia“, und Wiss, le bon¬
homme, half zunächst diesem Schaden ab, indem er in „freier“
Ehe mit ihr lebte. Die Hebamme, so sehr sie den Geldbeutel des
Herm Wiss schätzte, empfand nicht minder Achtung für den „Na¬
turbeutel“ eines gewissen Arbeiters, der im selben Hause wohnte io
— eines rüstigen Maschinenbauers. Auch diesem Schaden half der
große Wiss ab, indem er den Arbeiter maschinieren ließ, sich aber
das Vergnügen vorbehielt, das, was jener gedrechselt hatte, mit
demTitel „Proudhon Fourier^ Wiss“ zu veredlen, und wenn in der
Gesellschaft der Freien von Proudhon die Rede war, so war nicht is
der von Paris zu verstehn, sondern der von Wiss gekaufte off spring
des Maschinenbauers. — Da Herr Wiss viel Geld ausgab, nichts
lernte, freiehlich renommierte, entzog ihm der Herr Vater den
Wechsel, und er lebte von der kleinen Literatur à la Meyen und
von Vorschüssen, die Berliner Menschenfreunde auf seine „espé- 20
rances“ ihm machten. Die Revolution kam. Wiss wurde Volks¬
redner, einer der Vizepräsidenten des demokratischen Klubs, wo
Edgar Bauer ihn hinausbugsierte. Dann Mitarbeiter an der „Re¬
form“, aber sein Licht so schwach, daß selbst Ruge es unter den
Scheffel stellte. Wiss, au bout du compte, warf sich dann auf ein 25
„ironisches Verhalten“ zur Revolution, heiratete seine Hebamme
bürgerlich-kirchlich, söhnte sich mit seinem Alten aus und zog als
bepißter Pudel mit der Hebamme und Proudhon Fourier^ Wiss
nach Amerika, wo er als Arzt, Weltweiser und Mitglied der Com¬
munia^ floriert. 30
Dein K. M.
310. Engels an Marx; 1854 Mai 9.
Manchester, 9. Mai 1854.
Lieber Marx,
Die späte Ankunft des Tribüne-Artikels ist mir unbegreiflich. 35
Der Brief ist um ein Viertel nach 7 mit den Geschäfts¬
briefen zugleich und unter spezieller Rekommandation an
den Ausläufer zur Post gebracht — die gleichzeitig gesandten Ge¬
schäftsbriefe sind rechtzeitig angekommen. Wäre er erst mit der
Im Orig. Fourrier
’) Kommunistische Gemeinde der W eitlingianer im Staate Joua U.S.A., bestand
von 1847—1855.
Nr. 309.
Z. 35-39 -
(310) 1854 Mai 9
31
zweiten Post gegangen, so hätte er spätestens um 2 Uhr in Deinen
Händen sein müssen. Ich kann darin nur einen Beweis der Sorg¬
falt des Herm Palmerston für Dich sehn. Da sich inzwischen die
Geschichte von der Schlacht nicht realisiert hat, so hast Du den
5 Artikel hoffentlich nicht abgeschickt.
Über Urquharts Militaria nächstens. Diesen Gegenstand kann
ich natürlich nur in Notizen abmachen, die ich Dir gleich englisch
niederschreiben werde; Du wirst sie selbst dann in Deinen Artikel
verweben müssen.
io Die Historie vom Dr. Wiss ist sehr erbaulich und wird in den
Händen von Cluß gewiß an die rechten Leute geraten.
Was den armen Teufel Miskowski0 angeht, so wird der Edel¬
mütige nun doch sagen, er sei also schließlich doch „spurlos ver¬
schwunden“. Als ich die Geschichte in den Londoner Blättern sah,
15 dachte ich gleich, es seien ganz gewiß Flüchtlinge, die dabei ver¬
brannt seien.
Den Heise werde ich möglichst ans Arbeiten setzen, was ihm
zu vermeiden unmöglich sein wird, sobald ich mich etwas zurück¬
halte. Der Kerl ist jetzt in Bradford, wohin der Kleine ihn bei Ge-
2o legenheit der Abwesenheit seines Prinzipals berufen hat, und von
wo er jedenfalls äußerst versoffen zurückkommt, so daß er erst
einige Tage Quarantäne stehn muß, ehe er zu etwas kapabel ist.
Das Artikelchen des Kleinen hat mich sehr amüsiert wegen der
Genauigkeit, mit der er alle stehenden Witze der N[euen] Rh[ei-
25 ni scheu] Z[eitung] über Schleswig-Holstein, Belgien usw. appor¬
tiert und rapportiert.
„Feldzug der schleswig-holsteinischen Armee und Marine
1850“, von A. Lütgen, Exmajor, ist das erste vernünftige und zu¬
sammenfassende Buch über die Willisenepisode. Es bestätigt voll-
30 kommen, was ich mir schon aus den Vorstudien über diese Ge¬
schichte abstrahiert hatte. Monsieur Willisens ursprünglicher Plan
war sehr gut, bloß etwas zu ausgedehnt, so gut, daß selbst der ver¬
stümmelte und verspätete Versuch, zu ihm zurückzukehren, die
Dänen, die 36000 gegen 26000 Mann stark und fast alle ihre
35 Truppen schon engagiert hatten — die Schleswig-Holsteiner hatten
noch gewiß ein Fünftel nicht engagierte Truppen —, bereits zum
Gedanken an den Rückzug brachte. Aber als Monsieur Willisen
nun wirklich vor dem Feinde stand, verlor er den Kopf unter den
widersprechenden Meldungen und noch konfuseren Vorschlägen,
40 die ihm gemacht wurden. Noch in der Nacht vor der Schlacht
detachiert er seine eignen Reserven links auf einen Punkt, wo sie
ganz aus dem Bereich waren, gegen einen imaginären Feind und
suspendiert zugleich den gegebnen Befehl zur Offensive, auf den
alle Dispositionen berechnet waren. Also Konzentrierung der Re-
9 Im Orig. Michowski
Z. - 1-5.
10-11.
19-26.
32
(310) 1854 Mai 9
serven links, wo kein Feind war, Entblößung des Zentrums, auf
das der Hauptangriff stattfand, Konfusionierung des rechten Flü¬
gels, der den Hauptgegenschlag tun sollte. Das allein ist hin¬
reichend, das Resultat zu erklären, und trotzdem hätte er gesiegt,
wenn er nur nicht so übereilt, schon um 8 Uhr morgens, alles ver- <5
loren gegeben hätte. Selbst um 11 Uhr konnte er noch gewinnen,
aber sein Schrecken bei der Nachricht, daß zwei dänische Bataillone
rückwärts seiner linken Flanke ständen (zwei Schwadronen und
vier Kanonen waren genug, sie zu schlagen), brachten dem „strate¬
gischen Umgeher mit ganzer Kraft“ den Lehrsatz zur Erinnerung: io
„Wer umgeht, ist selbst umgangen“, und jetzt entschloß er sich,
mit aller Kraft auszureißen. Dem Theoretiker stand ein alter, im
Kommando — wenn auch meist Friedenskommando — grau ge¬
wordener, bornierter Kamaschengeneral entgegen, der nicht einer
spießbürgerlich-gemäßigten Statthalterschaft ohne Macht, sondern 15
einem wirklichen König und Ministerium verantwortlich war und
schon deshalb zäher aushielt. Dadurch gewann er die Schlacht;
der Erfolg, mit dem schwache schleswig-holsteinische Abteilungen
sich gegen doppelt und dreifach überlegne dänische schlugen
(nach dem offiziellen dänischen Bericht selbst), reicht hin zum 20
Beweis, daß die 26000 Schleswig-Holsteiner den 36000 Dänen
vollkommen gewachsen waren. Die Kerle haben sich ganz aus¬
gezeichnet geschlagen, trotz der vielen Rekruten, die drunter
waren, und trotz der Konfusion, die Willisen noch vierzehn Tage
vor Ausbruch der Kampagne durch seine neuen Anordnungen in 25
der ganzen Armee hervorgerufen, und besonders trotz der mangel¬
haften Cadres. Diese Armee hätte die doppelte Anzahl Preußen mit
Vergnügen geworfen.
Das Bombardement von Odessa mußten die Alliierten unter¬
nehmen wegen der Insultierung der Parlamentärflagge. Viel Scha- 30
den scheint’s nicht getan zu haben, und da sie nicht gelandet sind
und die Stadt besetzt haben, ist es mehr eine Niederlage als ein
Sieg. Am schönsten ist der Humbug, sie seien „abgesegelt in der
Richtung von Sevastopol“. Übrigens gerät durch jeden russi¬
schen Akt und die damit nötig gewordene, wenigstens schein- 35
bare und versuchte Retaliation der Krieg mehr und mehr aus den
Händen Aberdeens und Palmerstons und wird doch nach und
nach einen etwas kriegerischeren Verlauf nehmen. Ohnehin muß
Bonaparte bald etwas tangiblere gloire haben, obwohl sein getreuer
Fridolin Saint Arnaud grade der Mann ist, ihn tief in die Sauce zu 40
reiten. Hätte dieser Edle nicht ein Vermögen, ein bereits mehrere
Male seit 1851 verschwindeltes Vermögen zu refaire, er wäre nie
in den Orient gegangen. Diese Sorte sind aber die Rechten, um die
besten Truppen zu ruinieren durch betrügerische Lieferungs¬
kontrakte und sie dann durch militärische Dummheiten recht in 45
(310) 1854 Mai 9
33
den Dreck zu führen. Ich verspreche mir sehr schöne Resultate
von der Kampagne dieses Bayard du bas-empire.
Dein F. E.
311. Marx an Engels; 1854 Mai 22.
22. Mai 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Engels,
Es war gut, daß Du Samstag nicht kamst. Meine Geschichte
— jetzt vierzehn Tage alt — hatte die Krise erreicht. Ich konnte
io wenig sprechen, und selbst das Lachen tut mir weh von wegen
großer Eiterbeule zwischen Nase und Mund, die heute morgen
wenigstens auf ganz raisonnable Dimensionen reduziert. Auch sind
die gewaltsam angeschwollnen Lippen wieder annähernd auf ihren
frühem Umfang reduziert etc., kurz alle Symptome baldiger Bes-
15 serung da. Der Teufel soll solche Sch— vierzehn Tage am Kopfe
durchmachen. Da hört aller Witz auf. In den letzten acht Tagen
mußte ich Lesen und Rauchen total aufgeben und heute warte ich
auf Freund1), um zu erfahren, ob versuchsweise wieder eine Zi¬
garre geraucht werden kann.
20 Zur Vermehrung des Pechs seit Freitag (Donnerstag nacht) alle
drei Kinder die Masern, so daß das Haus in wahres Lazarett ver¬
wandelt.
Einliegend Cluß. Untergang der Reform eklig.
Ich verlasse mich darauf, daß Du noch diese ganze Woche
25 den amerikanischen Dienst für mich tust, da ich zum Schreiben
noch total inkapabel und schon £ 6 durch diese Sch— verloren,
was sehr bitter ist. Ich erwarte ein paar Zeilen von Dir in der
Zwischenzeit.
Einliegenden Brief bloß Lupus mitzuteilen. Heise scheint die
30 Mission zu haben, Dich in Manchester zu kompromittieren. Nimm
Dich mit dem Kerl in acht.
Dein K. M.
312. Frau Jenny Marx an Engels; [1854 Mai 23].
Drei Uhr nachmittags.
35 Lieber Herr Engels,
Eben ist Ihr Artikel eingelaufen. Er liegt schon in der Adresse,
und ich werde ihn mit diesen Zeilen zur Post expedieren2). Karl
1) Marxens Familienarzt.
2) Im Orig, exderiren
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 3
Z. 9-15.
16 (In)-19.
29-31.
Nr. 312.
34
(312) 1854 Mai 23
war ungeheuer froh, als er den verhängnisvollen Doppelknock des
Briefträgers hörte. Voilà Frederik, 2^ gerettet! rief er aus. Leider
ist er noch sehr, sehr leidend und trägt mir auf, Ihnen zu sagen,
daß er Lazarus und das scheppe Pitterchen zugleich sei. An Schrei¬
ben ist noch gar nicht zu denken. Er quält sich an den langen 5
Gladstoneschen Reden ab und ist sehr ärgerlich, grade jetzt nicht
schreiben zu können, wo er an Mr. Gladstone und seinen schemes
Stoff genug hätte. Wenn es Ihnen irgend möglich ist, so
fabrizieren Sie wieder etwas für Freitag. Karl
sagt, was es auch immer wäre. Es ist mir wirklich fatal, daß ich w
Sie so tribulieren muß, aber wenn es geht, so senden Sie etwas.
Hierbei lege ich die letzte Sendung von Cluß bei, mit der Bitte,
daß Sie den Clußschen Brief zurückschicken und Heise nichts da¬
von mitteilen. Der Kerl schwatzt aus, und wenn der kleine Meyen
und sonst hervorragende Männer voreilig was hören sollten, so is
würden die Mitteilungen an Cluß gleich stoppen. Die Sache ist
sehr spaßhaft und man muß die Herren nur ruhig gewähren lassen.
Heise schrieb in seinem letzten, aus lauter kleinen Schnitzelchen
zusammengeklebten Brief an Imandt, er habe jetzt den Militair-
dodge wieder aufgegeben, da die Russen doch anders Krieg führ- 20
ten als in der Tribune gestanden; er wolle sich jetzt auf den doux
commerce werfen.
Den herzlichsten Dank von Karl und mir für die Artikel und
freundliche Grüße von den drei Kerlchens.
Ihre Jenny Marx. 25
Unser Edgar soll wieder in New York herumbummeln und her¬
kommen und dann nach Deutschland gehn! Schöne Bummelbande!
313. Marx an Engels; 1854 Juni 3.
3 June 1854.
28, Deanstreet, Soho, London. 30
Lieber Frédéric,
Jetzt, wo ich wieder auf dem Damme und die Kinder wieder
alle aus dem Bette sind, wenn auch noch nicht aus dem Hause,
ist meine Frau, wahrscheinlich infolge der Nachtwachen und
Krankheitspflege, sehr herunter, und das schlimmste ist, daß sie 35
den Doktor nicht konsultieren will, sondern sich selbst Medizin
administriert — unter dem Vorwand, daß Freunds Arzneien sie
vor zwei Jahren in einem ähnlichen Unwohlsein — noch kränker
gemacht hätten. Wenn die Sache sich nicht bessert, werde ich
schließlich mit Gewalt durchgreifen. Ich bin dadurch außerstande, 40
Dienstags zu korrespondieren, da Pieper mir an d em Tage seiner
Nr. 312.
(313) 1854 Juni 3
35
Stunden wegen nicht als Sekretär dienen und meine Frau in ihrem
jetzigen Zustand nicht mit Schreiben geplagt werden kann. Du
siehst, ich bin reiner Peter Schlemihl geworden. Indes war das
ganze Haus im Durchschnitt jahrelang sehr wohl und wird es hof-
5 fentlich wieder sein, wenn diese Krise durchgemacht ist. Au fond
ist es gut, daß die Sache der Reihe nach vom ganzen Hause absol¬
viert wird.
Ich habe mich in einer gestrigen Korrespondenz über den
Kriegsplan der Times von Donnerstag erlustigt. Er scheint in-
10 des — wenn den französischen Blättern zu trauen ist — nicht
offiziell zu sein. Moniteur berichtet, O[mer] Pasha eile zum
Schutze von Silistria herbei. Vielleicht bloß Notiz, um die Pariser
bei Humor zu erhalten und die Anwesenheit des großen Boichot
zu Paris zu contrecarrieren. Aus den russischen Berichten und
15 denen von Napier in der heutigen Zeitung kann ich mich nicht
herausfinden. Au bout scheinen die Engländer wieder nichts aus¬
gerichtet zu haben.
Gestern stellte sich mir ein starkknochiger demokratischer
Bummler namens Dr. Otto vor. Dünn von Geburt. Angeblich jetzt
2o aus Schleswig-Holstein ausgewiesen. Beteiligt gewesen während
1848/49 an der schleswig-holsteinischen und „thüringischen“ Be¬
wegung. Weiß Lupus vielleicht einige Details über den Mann?
Das Archivio delle cose d’Italia ausgelesen. Die hinten ange¬
hängten „Considerazioni“ des Mannes suchen im Widerspruch mit
25 den von ihm selbst zusammengestellten Aktenstücken darzutun,
daß das Giovane Italia und consequently Giuseppe Mazzini die
Seele der 1848er Bewegung waren. Aber speziell amüsant ist der
Schluß, wo bewiesen wird, daß die Bewegungen ihren engherzig¬
nationalen Charakter zu verlieren: fraternisation zwischen den ver-
3o schiednen Nationen, die an ihrer Isolierung 1848/49 kaputt
gingen: Rußland oder die United States of Europe. Auf diesem
Punkte angelangt, wird enthüllt:
„La servitù d’Italia è patto europeo: l’Italia non puo esser
libéra ehe in seno a una libéra Europa. Allora apparve manifesto
35 doversi sancire contro l’alleanza dei pochi oppressori, l’omni¬
potente alleanza degli oppressi.“ Und diese „omni¬
potente alleanza degli oppressi“ hat Mazzini folgendermaßen be¬
werkstelligt: Allora Mazzini compiè l’ardua sua missione, dettando
con Ledru-Rollin e Darasz e Ruge, un nuovo patto ehe stringa
io Italia, non solo alla Polonia e alla Francia ma alla stessa Ger¬
mania, serva volente finora, e quasi sacerdotessa della servitù.
E cosi, dalle opposte parti e dalle piu nemiche gente giungono
i peregrini al santuario comune della liberté.“
Von Amerika Zeitungen erhalten, aber immer noch nicht Brief.
45 In dem Dulonschen Blättchen erklärt „Ruge“, der den Nuovo
3*
Z. 18-22.
33-43.
36
(313) 1854 Juni 3
patto“ mit Mazzini geschlossen, es sei nun Aussicht — infolge des
Kriegs gegen Rußland — auf eine „liberale“ Entwicklung in
Deutschland, und wenn auch noch bloß die „Freiheit wie in Eng¬
land“ erreicht werde, so müsse man sich dabei beteiligen. Sich
auf den pessimistischen Standpunkt zu stellen, sei „niederträchtig, $
faul, russisch“. Du siehst — die Aussicht, daß sein Privatvermögen
in einem Jahre alle ist, macht den Edlen parat, sich jedem „Fort¬
schritt“ anzuschließen und, au cas de besoin, konstitutionell zu
werden.
Dein K. M. jo
314. Engels an Marx; 1854 Juni 10.
Manchester, 10. Juni 1854.
Lieber Marx,
Es tut mir sehr leid, Dir für Dienstagspost keinen Artikel
schicken zu können, aber es war rein unmöglich wegen 15
der vielen Comptoirarbeiten, die mich jetzt absolut daran ver¬
hindern, Dir erst Montags oder Donnerstags Artikel zu machen.
Außerdem wohne ich jetzt beinahe drei Viertelstunden von der
Post, so daß abends spät für die zweite Post nichts mehr gemacht
werden kann. Ich muß also Samstags und Mittwoch abends arbei- 20
ten. Morgen werde ich Dir einen gründlichen Artikel über
die Belagerung von Silistria schicken, der Aufsehen machen soll ;
vielleicht auch einige Notizen über die lächerlichen Flottenwitze
des Napier und über die Armeeverhältnisse in Bulgarien.
Ich ochse jetzt die ungarische Kampagne mit Emst und denke 25
die gesamten Quellen bis Oktober durchstudiert zu haben ; ich
schreibe das Buch diesen Winter jedenfalls. Je
mehr ich hineinkomme, desto schöner wird die Sache beiderseits.
Gegenwärtig vergleiche ich Görgei und Windischgrätz und finde,
daß W[indischgrätz] in seiner Selbstapologie ebenso lügt wie in 30
seinen Bulletins, die er zu desavouieren nicht die Courage hat.
Gottvoll ist es, wie jeder der beiden Gegner seine eigne Armee noch
schlechter zu machen sucht als die entgegenstehende. Übrigens
bewährt sich Vater Windischgrätz als der uns bekannte Esel — he
has actually written himself down an ass — und ist in seinen 35
Schwabenstreichen aufs gelungenste sekundiert worden von seinen
womöglich noch dümmeren Untergeneralen, namentlich Wrbna,
Csorich und vor allem dem ritterlichen Banus Jellaèi6 Görgei in
seinem Zynismus spricht die facta immer viel unumwundener und
richtiger aus als der verlogene apologetische W[indischgrätz]. Es 40
ist aber eine Kampagne, die des Jahres 1848/49 vollkommen wür¬
dig ist. Schiß auf beiden Seiten, Blamage sowohl der alten Armeen
Z. 6 (daß)-7 (ist,).
18-21.
(314) 1854 Jimi 10
37
wie der Revolutionsheere. Nächste Woche werd’ ich wohl das offi¬
zielle östreichische Buch bekommen, und in diesen Tagen stelle ich
mir aus den Brockhausschen Katalogen die Quellen zusammen, die
sonst noch nötig sind. Klapka muß ich auch noch haben, dann hab
5 ich alle Hauptsachen.
Die Sache für die Times wird nächste Woche gemacht; ich habe
jetzt alle Quellen, muß sie nur noch etwas durcharbeiten. Kannst
Du dort erfahren, welche militärischen Zeitschriften in London
herauskommen? Dies wäre für den Notfall.
io Ich muß jetzt zum Buchhändler gehn, der mir sonst zuschließt;
laß bald von Dir hören.
Dronke ist von einem Cab umgefahren worden, wie immer be¬
soffen, und liegt im Bett; wird in acht bis zehn Tagen das Zimmer
nicht verlassen können, sonst nichts Ernstliches.
15 Wegen Otto werde ich fragen.
Dein F. E.
Hoffentlich ist Deine Frau wieder wohl?
315. Marx an Engels; 1854 Juni 13.
13. Juni 1854.
2o 28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Frédéric,
Einliegend Briefe von Cluß, die Du mir nicht zurückzuschicken
brauchst, da sie schon dem kompetenten Publikum mitgeteilt und
beantwortet sind.
25 Der Artikel über Silistria famos. Die Aufforderung durch Ost¬
reich an Rußland, zu versprechen die Donaufürstentümer zu
räumen (um auf dies Versprechen hin Waffenstillstand zu schließen
und Kongreß nach Wien zu berufen), war von Rußland selbst in¬
spiriert. Vorausgesetzt war dabei, daß Silistria rasch in russische
so Hände fallen würde. Das englische Publikum wurde durch die
ganze ministerielle Presse auf dies Ereignis vorbereitet. Hence die
Hast von Paskewitsch. Der Widerstand der Türken bei Silistria
hat diesen Kalkül gekreuzt, ganz wie einen ähnlichen Plan, der
vorigen Herbst reif war.
35 Der colonel Grach ist ein Bekannter von mir, aus Trier, keiner
der preußischen Instruktoren, sondern ein talentvoller adventurer,
der schon seit neunzehn Jahren oder so sein Glück in der Türkei
versuchen ging. Boichot^, der in Paris abgefaßt, war, wie ich von
einem der initiierten crapauds weiß, wirklich als politischer Emis-
40 sär nach Frankreich geschickt von der Clique Pyat und nicht, wie
x) Im Orig. Poichot
Z. 12-15.
38
(315) 1854 Juni 13
Pyat in sehr schlechtem Englisch im Advertiser erklärt, um seiner
alten Mutter, die ihn seit fünf Jahren nicht gesehn, eine Visite zu
machen. Es ist doch widrig, daß die crapauds stets aus der Rolle
fallen und diese „melodramatischen“, an das Herz des Klein¬
bürgers appellierenden Lügen nicht lassen können. C’est dégoûtant. 5
In kurzem wirst Du eine neue Lieferung Pioniers erhalten.
Heinzen schimpft und poltert natürlich furchtbar über die hin-
geschiedne „Reform“ und hat es sogar dabei zu einem Zitat aus
Catull gebracht, das er vielleicht aus einem mit Eselsbrücke ver-
sehnen Schulbuch aufgeschnappt hat. Enthält sonst drollige io
Schimpfereien über Dulon. Der große Ruge schreibt an beide, an
Freund „Dulon“ und an Freund „Heinzen“. Letztrem teilt er
seinen Gesamtplan zur Stiftung einer freien Universität in Cin¬
cinnati mit, wo Ruge als rector magnifions in partibus den Rest
seiner Tage angenehm zu versummen gedenkt. Es läßt ihn nicht is
ruhn, schließlich doch noch Professor zu werden, was er mit aller
Servilität von dem sächsischen Minister Lindenau und früher von
dem preußischen Minister Altenstein nicht zu „erfechten“ ver¬
mochte. In dieser verklärten contrefaçon der deutschen Universi¬
täten wird auch „doktoriert“. Es sind bloß Dollars zum Belang von 20
1000000 nötig, und sechs Bürger von Cincinnati sollen die finan¬
zielle Verwaltung übernehmen. Dazu Prospectus aller Wissenschaf¬
ten. Tolles Sammelsurium, mixtum compositum der Überschriften
von Hegels Encyclopädie und des Inhaltsregisters von Erseh und
Gruber. Z. B. „Allgemeine Sprachlehre (Sieh Erseh und Gruber, 25
Potts Artikel über Sprachenverbreitung.)“ Ausgeschlossen sollen
sein von Lehrstühlen: 1. Strauß und Bruno Bauer; 2. die „So¬
phisten“, die aus der Philosophie ein Larifari machen; 3. nicht die
Doktrin des Kommunismus, aber die „niederträchtigen Persön¬
lichkeiten, die die Republik und die Freiheit verraten haben“. 30
In einem seiner Lausebriefe lobt Ruge zwei anonyme Pam¬
phlets über Palmerston, von denen er natürlich nicht ahnt, daß eins
von mir herrührt.
Meine Frau liegt zu Bette. Ich setzte es endlich gestern
durch, den Dr. Freund zu zitieren. Sobald sie irgendwie dazu 35
kapabel ist, will er, daß sie nach Deutschland reist, was mit dem
Verlangen meiner Schwiegermutter übereinstimmt und bisher nur
an Finanzverhältnissen gescheitert ist, aber doch ins Werk gesetzt
werden muß. Die Kinder sind heute wieder zur Schule.
Dronkes Pech ist tragikomisch. Die Kerls scheinen schlimm in 40
Bradford zu hausen.
Dein K. M.
Z. 16 (was)—26.
40-41.
(316) 1854 Juni 21
39
316. Marx an Engels; 1854 Juni 21.
21 June 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Engels,
5 Dein Brief traf zeitig genug ein, zwischen 2 und 3. Da ich aber
nur bis 2 gewartet hatte, und dann in häuslichen Angelegenheiten
einen Marsch außerhalb der Stadt zu machen hatte, und meine
Frau aus dem Begleitschreiben sah, daß der Artikel nicht so fort¬
geschickt werden konnte, ist er liegen geblieben. Ich werde ihn
io in meinem Freitagsaufsatz benutzen, bitte Didi aber, mir bis dahin
noch über folgende Punkte, wenn Du keine Zeit hast ganz kurz,
zu schreiben :
1. Ist etwas Neues in den türkischen bulletins enthalten, die
gestern in der Daily News standen? Hast Du noch etwas Näheres
15 über die Ereignisse vom 28.—13.(so weit, glaube ich, gehn die
letzten, allerdings nur fragmentarischen Berichte) ?
2. Ist etwas Militärisches hervorzuheben in bezug auf die
Manœuvres an der zirkassischen Küste? Die Nachrichten über
Schamyl bedürfen wohl weiterer Bestätigung.
20 3. Die Einschiebung der Östreicher in die Walachei, was ist
darüber vom militärischen point de vue zu sagen?
Aus dem einliegenden Brief siehst Du, daß ich bis über die
Ohren im Pech sitze. Während die Krankheit meiner Frau mitten
in einer Krise, bleibt der brave Dr. Freund fort und schickt
25 mir eine Rechnung von 26 St. und wünscht in ein „klares Ver¬
ständnis“ über sein „ärztliches Verhältnis“ zu mir zu kommen.
Da der Zustand meiner Frau gefährlich war — und noch bedenk¬
lich ist —, war ich natürlich gezwungen, mit dem teuren Freund
zu kapitulieren und ihm schriftlich zu versprechen, daß ich 8 St.
so Ende dieses Monats abzahlen wolle und den Rest von sechs zu
sechs Wochen. Hätte der Kerl mich nicht so à l’imprévu attackiert,
so würde er mich nicht in dieser Weise überrumpelt haben. Aber
was sollte ich tun? Jedem andern respektablen Arzt müßte ich die
Besuche gleich zahlen, und außerdem, selbst wenn dies möglich,
35 kann man innerhalb einer Krankheit die Ärzte nicht wechseln wie
die Hemden, ohne vorher sich über ihre Fähigkeit etc. instruiert
zu haben.
So bin ich also in ein fix gesetzt. Ich weiß, daß Du auch in der
Klemme sitzst. Glaubst Du, daß ich für die Ende dieses Monats
io fällige Quote etwa von Dronke einige Pfunde auf Vorschuß er¬
halten kann? Als er das letztemal hier war, deutete er mir an, daß
er in großen Krisen zu abordieren sei. Indes will ich vorher Deine
9 28. Mai bis 13. Juni,
40
(316) 1854 Juni 21
Ansicht wissen. Diese erste Quote muß ich dem Kerl jedenfalls am
abgemachten Termin zahlen, und mein Wechsel für die letzten
Monate ist schon gezogen; natürlich drauf gegangen, da ich im
Hause £ 12 zu zahlen hatte, und der Belauf der Summe durch
ausgefallne Artikel bedeutend reduziert war, außerdem die Apo- 5
theke allein diesmal ein bedeutendes budget verschlungen hat.
Ende dieser Woche, wenn meine Frau sich stark genug fühlt,
wird sie mit den Kindern und Lenchen auf zwei Wochen in der
Villa des Herm Seiler, Edmonton, zubringen. Sie ist dann durch
die Landluft vielleicht so weit hergestellt, um nach Trier zu io
können.
Ich versichre Dich, daß durch diese letzten petites misères ich
a very dull dog geworden bin.
Beatus ille, der keine Familie hat.
Vale faveque. is
Dein K. M.
317. Engels an Marx; 1854 Juni 25.
Lieber Marx,
Cluß’ Brief sehr amüsant. Ich wollte Dir heute ausführlicher
schreiben, es ist mir aber zu spät geworden; also bloß die Nach- 20
richt, daß ich nicht dazu kommen konnte, wie ich vorhatte, heute
schon den Artikel über die respektiven Stärkeverhältnisse und
Silistria-Entsetzungschancen zu machen. Dazu gehört viel Nach¬
sehen alter Schmiere, und da Du ohnehin für Dienstagssteamer bei
der Krankheit Deiner Frau am meisten um einen Artikel verlegen 25
sein wirst, so will ich sehn, was sich bis dahin für eine Historie
anfertigen läßt. — Heise ist nun auch krank, ich weiß noch nicht,
was los ist, er soll aber zu Bett liegen und allerhand Schmerzen
in der Brust haben. Pfänder hat etwas ins Aug bekommen, das ihn
für ein paar Tage am Arbeiten hindert. Überall Pech, je n’y vois 30
plus clair. Grüß Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.
25. Juni 1854.
318. Marx an Engels; 1854 Juni 27.
27 June 1854. 35
Lieber Engels,
Es ist mir lieb, wenn Du gleich an Dronke schreibst. Wenn
ich auch für die späteren Termine Aufschub erwirken kann, so
wird es schwer, ja unmöglich für den ersten Termin sein, der
z. 1-6.
Nr. 318.
(318) 1854 Juni 27
41
Ende dieses Monats ist. Höchstens acht bis zehn Tage, indem ich
dem Freund schreibe, mein Wechsel sei noch nicht arriviert.
Ich schreibe nur die paar Zeilen, weil ich mitten in der Artikel¬
fabrikation bin. Ich konnte früher nicht schreiben wegen der
5 troubles, Hin- und Herlaufens, etc., verursacht durch die Aus¬
wanderung der family zu Seiler.
Dein K. M.
Deinen Brief heute erhalten.
319. Engels an Marx; 1854 Juli 6.
io Lieber Marx,
Ich hoffe, daß die 5 angekommen sind. Inliegend ein Ar¬
tikel für morgen, der die erste Kriegsepoche abmacht.
Wenn die Kerls wirklich französische Soldaten nach der Ost¬
see schicken, so müssen sie wenigstens Aland nehmen. Dies
15 wär’ das Beste.
Inliegend ein geistliches Lied. Frage:
1. aus welchem Jahrhundert?
2. von welchem Verfasser?
Um umgehende Antwort gebeten.
20 Dein F. E.
Donnerstag, 6. Juli 1854.
320. Marx an Engels; 1854 Juli 7.
7 July 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Du entschuldigst mich, daß ich Dir den Empfang der^ 5 noch
nicht angezeigt. Dies kömmt von großem Haustrouble, da meine
Frau morgen nach Trier reist, was ins Werk zu setzen namenlose
Anstrengungen verursacht.
Ich erhalte Deinen Artikel eben, da ich selbst in der Fabri¬
kation von einer Schmiere über Spanien beschäftigt bin. Ich lege
Deinen Artikel daher für Dienstag zurück, um so mehr, als Frei¬
tags Pieper mir als Sekretär zur Hand steht, und ich Dienstags jetzt
niemanden zum Schreiber habe.
Das Gedicht habe ich noch nicht Zeit anzusehn. Nach sechs Uhr
bin ich erst frei und werde euch dann durch Telegraph oder Stadt¬
post antworten.
Dein K. M.
Nr. 318.
Z. 16-19.
Nr. 320.
42
(321) 1854 Juli 20
321. Engels an Marx; 1854 Juli 20.
Manchester, 20. Juli 1854.
Lieber Marx,
Du mußt furchtbar fleißig sein oder furchtbare Efforts machen
Geld aufzutreiben, daß Du so total verstummt bist. En attendant 5
will ich Dir mitteilen, daß, nachdem der Bruder von Dr[onke]s
Prinzipal in Bradford gewesen ist, Dr[onke] imstande sein wird,
mit einigem Geld herauszurücken; wieviel ist nicht genau zu sagen,
doch ca. 3 oder 4 jf. Der Bruder kommt nun diese Woche, so daß
in ca. drei Wochen wohl darauf zu rechnen sein wird. io
Naut war in London, hier und in Bradford und ließ sich nir¬
gends sehen, bis er dem Drlonke] auf der Straße begegnete.
Dr[onke] sagt, er sei höllisch schlappig; den Daniels habe er, Naut,
nur ein- oder zweimal auf der Straße gesehn und wisse nicht ein¬
mal, ob Daniels in Köln oder auf dem Lande wohne. Bürgers und is
ein Schneider, er wußte nicht wer, sind in Glatz, es soll ihnen ganz
gut gehn, Becker in Weichselmünde. Sonst wußte N[aut] nichts
zu sagen, als daß es doch schön wäre, wenn sie in Preußen so eine
Verfassung haben könnten wie in England.
Drlonke] ist übrigens in großen Schwulitäten und es könnte 20
doch sein, daß aus dem Geld nichts würde. Nämlich als er vor vier
oder sechs Wochen hier war, griff er in der Besoffenheit ein
Frauenzimmer auf der Straße nacht 1 Uhr ex; diese, eine ver¬
heiratete Bürgerfrau, hieb ihn an den Ohren, worauf er sie down
knockte. Dr[onke] erzählt die Sache freilich etwas anders, doch 25
scheint es so zu sein. Der Mann kam hinzu, man ging an die Po¬
lizei; diese wollte sich in nichts mischen, die Sache zog sich durch
Dronkesche falsche Vorwände in die Länge, und jetzt schließlich
erhält er einen attomey’s Brief, worin dieser um apology and
compensation schreibt, widrigenfalls er an dem foreigner 30
ein Exempel statuieren werde. Da jetzt grade der Bruder von
B[uckup] kommt, so kannst Du Dir die Beklemmung denken. Wir
werden suchen, die Sache beizulegen, aber Geld wird sie wohl
kosten. Übrigens halt diese Sache für Dich, sonst
hab ich gleich Skandal mit dem Kleinen, denn Imandt würde 35
ihm gleich darüber schreiben; es ist überhaupt nicht gerade alles
für die Bande, was ich Dir schreibe.
Sonst ist’s mir ganz recht, daß diese Heise-Dr[onke]-Imfandt]-
sche Renommage und Keilwut ein etwas böses Ende nimmt, denn
man hätte keine Ruhe vor den Leuten mit ihren skandalsüchtigen *o
Räuschen. Jedenfalls hat Heise seinen settler an dem krummen
Finger, den er wohl lebenslänglich behalten wird, und Dronke wird
auch genug haben.
So no more from your affectionate F. E.
z. 20-43.
(322) 1854 Juli 22
43
322. Marx an Engels; 1854 Juli 22.
22 July 1854.
Lieber Engels,
Die Alternative, wodurch Du mein langes Stillschweigen er-
5 klärt, richtig. Jedenfalls wäre es angenehmer gewesen, durch
Ochsen verhindert zu sein. 3 legte ich zu den 5 zu, um dem
„Freunde“ die erste Rate zu zahlen, und ungefähr 8 brauchte ich
zur Reise meiner Frau, die nicht länger aufzuschieben war und
allerlei neue Equipierung nötig machte, da sie natürlich nicht ab-
io gerissen nach Trier konnte. Diese außerordentlichen Ausgaben
brachten mich dann wieder in Konflikt mit meinen stehenden und
„ordentlichen“ Gläubigem, and so forth. „Es ist eine alte Ge¬
schichte.“
Von Cluß seit vier Wochen kein Lebenszeichen.
15 Que dites-vous de l’Espagne?
Ich muß nun durchaus wieder etwas Türkisch-militärisches
bringen. Erstens: die Scheiße in Asien. Zweitens: was ich
von den neuesten Vorgängen an der Donau mir aus französischen
Blättern klargemacht, wobei ich aus Mangel an Karte über die
2o Richtigkeit der Namen nichts weiß. Vom 7. bis morgens 8. Kampf
gegen das 30000 Mann starke russische Korps unter Seminoff^
und Churloff2) (oder e statt o?). Am Abend des 7. hatte Chur-
loff2) seine Stellung nördlich von Giurgevo, während der Nacht pas¬
sieren ober- und unterhalb der Stadt türkische Korps, kommen in
25 den Rücken der Russen, so daß bei Tagesanbruch Ch[ruleff] ge¬
zwungen durchzubrechen, wobei er bedeutende Verluste erleidet.
Die Russen ziehn sich zurück und zwar nicht in einer Linie, son¬
dern ein Teil nach Frateschti, andrer nach Calugemeni (?)8),
dritter östlich nach dem Ardjisch*\ Hier wird Aufstellung ge-
30 nommen und Selim Pasha und Iscander Bey sollen am 9. und 10.
mit Erfolg die Russen in Frateschti angegriffen haben. Gort-
schakoff am 9. mit 20000 Mann nach Dzurdzuma (?) und
zieht täglich neue Truppen an. Seine Aufstellung: am linken
Ufer des Ardjisch4), dessen Übergänge bei Fulojci (?)5), Fala-
35 stock Korotzani (?)7) und Prczietscheni (?)8) verschanzt.
Aufstellung der ganzen russischen Armee: linker Flügel von Kim-
polung und Kempin (?)9) den Ardish entlang nach Braila und
Galatz. Türken: von Kalafat über Tuma, Giurgevo nach Oltenitza
O Richtig Soimonoff
’) Wahrscheinlich Calopetri
ö) Futoja
7) Kopotzani
°) Kimpina
’) Richtig Chruleff
4) Ardjish und Ardish
•) Wahrscheinlich Fundeni
®) Wahrscheinlich Rudeschti
Z. 20-38 -
44
(322) 1854 Juli 22
und (?) Kaiarach. Von Turna nach Islatz. Selim Pasha, hier An¬
lehnung an Iscander Bey; Hauptkorps Giurgevo, Korps oberhalb
Giurgevo vorgeschobner Posten auf dem linken Flügel des Ardish,
Oltenitza und Silistria. Drittens: die Gesamtzahl der russi¬
schen Armee nach einer Korrespondenz des Moming Chronicle, 5
wobei ich aber im Unterschied von der Korrespondenz das Ba¬
taillon zu nur 550 Mann anschlage.
Infanterie.
3 Divisionen vom 3. Korps (Osten-Sacken)
3 — — 4. — (Dannenberg I) w
2 — — 5. — Luders
8 Divisionen = 16 brigades = 128 bataillons
Summa: ca. 71000 Mann
Kavallerie. 3 Divisionen leichter Kavallerie
1 — — Dragoner x
128 Schwadronen zu 120 Mann über 15000
Artillerie. 46batteries (à 10Stück = 460)
Artillerie. 46batteries (à 8Stück = 368)
Bedienungsmannschaft und Führer— 12 000 (?)
Außerdem: 10 Regimenter regulärer Kosaken mit 40 Geschützen, 20
3 Bataillons Sappeurs, Train mit Pontons oder Reserve Parks. All
in all:
128 Bataillons Infanterie
3 — „ — Sappeurs
128 Schwadronen
40 Stück Geschütz
Train
Kosaken
Vill. Miliz
— 71000
2000
15 000 26
13000
3 000
8 000
6000
Summa: 118 000 30
Viertens. Worüber ohne Karte nichts Humoristisches zu sagen:
der bisherige Schneckenmarsch der Franzosen und Engländer, die,
wie es scheint, nicht über die Donau gehen werden. Zu welchem
Zweck läßt St. Arnaud seine Mann [schäften] in dieser Hitze von
Adrianopel nach Bourgas marschieren? Dieser Edle scheint der 35
Reisespesen halber beständig auf dem Weg nach Konstantinopel
und von da wieder zurück nach irgendeinem beliebigen Ort. Wie
z. -1-4.
8-30.
(322) 1854 Juli 22
45
steht es realiter mit dem englischen Kommissariat in Varna,
Devno etc.?
Wenn Du keine Zeit mehr hast, einen Artikel für Dienstag zu
schreiben, so schreib mir wenigstens einige Notizen, die ich be-
s nutzen kann.
Apropos! Was das Gedicht angeht, so rührt es vielleicht von
Gottfried her, genannt Kinkel, oder von einem schlesischen
Dichter aus der Opitzschen Schule, oder aber hat Heise selbst es
verfaßt.
io Ich lege Dir hier ein das weggefangne Manuskript eines jungen
Schriftstellers: außer Lupus niemand mitzuteilen. Wer ist dieser
junge Schriftsteller?
Salut.
Dein K. M.
323. Marx an Engels; 1854 Juli 27.
27 July 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Für Dienstag je vous attends. Die Renommagen of Mr. Herbert
20 waren groß. Dieser Herbert ist der Schwager von Woronzoff und
zugleich englischer secretary of war. Die Renommisterei der Eng¬
länder, als wenn Nasmyth und Butler Silistria „allein“ gehalten,
ist grotesk. Hast Du die Sitzung von Montag abend gelesen, worin
Disraeli den „Sebastopol“ bubble des little John^ und der
25 „Times“ so schön aufgepickt mit einem Nadelstich?
Pieper, der während zwei Wochen mit einer Hure, die er
für einen bijou erklärte, zusammengelebt, gleich einem durch
Milch durchgezognen und half-starved Spanferkel aussieht, ist
— hélas — wieder mir auf dem Hals, nachdem er etwa 20 £ St.
so in vierzehn Tagen durchgejubelt und nun in beiden Beuteln gleich
leer ist. In dieser Hitze ist es lästig, einen Kerl bei sich zu haben
du matin jusqu’au soir et du soir jusqu’au matin. Dabei stört es
im Arbeiten.
Von Vater Tucker erhielt ich Sonnabend folgende Zeilen:
35 „Dear Sir! — There is a pretty brisk demand for the Fly-
sheets just now. Could you send me some articles from the Tribune
that could suit the taste of the public? The third on Palmerston
would move the other two. Faithfully Yours E. Tucker.“ Da¬
neben habe ich auch von Freiligrath gehört, daß Schuft Triib-
40 ner unter seinem Verlag diese Fly-sheets anzeigt. Du wirst be-
9 Lord John Russell.
Z. 26-33.
46
(323) 1854 Juli 27
merken, daß er „articles from the Tribune“ verlangt, um again
den Geldpunkt zu umgehn. Nun ist 1. keine Kopie der Tribune
für ihn in ganz London aufzutreiben, da nur die Abonnenten
sie erhalten und man sogar in New York selbst kein Exemplar
nachbestellen kann ; 2. paßt keiner der Artikel — ohne bedeutende *
Zusätze — jetzt. Ich muß nun mit dem Kerl ins klare kommen,
und das „gemütliche“ Verhältnis muß aufhören. Wenn er darauf
eingeht und Du andrerseits damit zufrieden bist, so würde ich
folgende Vorschläge machen:
1. Aus der Tribune will ich ihm zum Abdruck geben die Kritik io
der Secret Correspondence. Dazu müßte Dronke mir den zweiten
Artikel darüber, den die Post hier unterschlagen hat, mir zu¬
schicken. Dies gratis. 2. und 3. gegen bare Zahlung, und zwar
bei Ablieferung des Manuskriptes, nämlich
2. ein general Pamphlet über Palmerston, worin ich mit meiner is
Einleitung in der Tribune anfange, aber dann Mitte und Schluß
neu mache.
3. Ein Pamphlet, was ich mit Dir zusammen machen müßte,
nämlich über die diplomacy und military action der Engländer
seit der Kriegserklärung. Wir haben für beides als Material die 20
in der Tribune erschienenen Artikel. Wenn Du mit 3 einverstan¬
den, so wäre die Frage:
Wieviel wird verlangt?
Es scheint doch, daß meine Sachen besser ziehn als die von
Urquhart, der „froh“ ist, wenn Tucker seine Scheiße aus dem Ad- 25
vertiser in die Fly-sheets aufnimmt.
Stimmst Du mit der ganzen Geschichte überein — (Nr. 2 und 3
müßten natürlich so pikant geschrieben werden, to produce a real
sensation in London; zudem steht man jetzt so mit Tucker, daß
man schreiben kann, was man will, ohne ängstliche Rücksicht- 30
nähme auf english préjudices), so schreib mir einen Brief, worin
ich Herm Tucker diese Eröffnungen mache. Ich habe ihm, da ich
zu unbeholfen in Geschäftlichem, absichtlich weder mündlich noch
schriftlich bisher geantwortet. Aber Zeit ist nicht zu verlieren.
Ein Buch, was mich sehr interessiert hat, ist Thierrys „Histoire 35
de la formation et du progrès du tiers-état. 1853.“ Sonderbar, wie
dieser Herr, le père des „Klassenkampfes“ in der französischen
Geschichtschreibung, sich in der Vorrede über die „Neuen“ er¬
zürnt, die nun auch einen antagonism zwischen bourgeoisie und
Proletariat sehn und Spuren dieses Gegensatzes selbst schon in 40
der Geschichte des tiers-état bis 1789 entdecken wollen. Er gibt
sich viele Mühe zu beweisen, daß der tiers-état alle Stände, die
nicht noblesse und clergé, umschließt, und die bourgeoisie ihre
Rolle spielt als Repräsentant aller dieser andern Elemente. Zitiert
z. B. aus den venezianischen Gesandtschaftsberichten : „Questi ehe
(323) 1854 Juli 27
47
si chiamano li stati del regno sono di tre ordini di persone, cioè del
clero, della nobiltà, e del restante di quelle persone ehe, per voce
comune, si puo chiamare populo1^“ Hätte Herr Thierry
unsre Sachen gelesen, so wüßte er, daß der entschiedne Gegensatz
5 der Bourgeoisie gegen den peuple natürlich erst anfängt, sobald
sie aufhört als tiers-état dem clergé und der noblesse gegenüber¬
zustehn. Was aber die „racines dans l’histoire“ angeht, „d’un an¬
tagonisme né d’hi er1}“, so liefert sein Buch den besten Beweis,
daß diese „racines“ entstanden sind, sobald der tiers-état entsteht.
io Aus dem „Senatus populusque Romanus“ müßte dieser sonst geist¬
reiche Kritiker in seiner Art schließen, daß es in Rom nie einen
andern Gegensatz gab als den zwischen senatus und populus. Was
mich interessiert hat, aus den von ihm quotierten Dokumenten zu
sehn, ist, daß das Wort „catalla, capitalia“, Kapital, aufkömmt
15 mit dem Aufkommen der Kommunen. Übrigens hat er wider Wil¬
len bewiesen, daß die französische Bourgeoisie durch nichts mehr
in ihrem Siege aufgehalten worden ist, als daß sie sich erst 1789
entschloß, common cause mit den Bauern zu machen. Hübsch dar¬
gestellt, wenn auch nicht zusammengefaßt: 1. wie von vornherein,
20 wenigstens seit Herauf gekommensein der Städte, die französische
Bourgeoisie zu sehr dadurch Einfluß gewinnt, daß sie sich als
Parlament, Bureaukratie etc. konstituiert, und nicht wie in Eng¬
land durch bloßen commerce und industrie. Dies sicher selbst für
das jetzige Frankreich noch charakteristisch. 2. Aus seiner Dar-
25 Stellung schön nachzuweisen, wie die Klasse aufkömmt, indem die
verschiednen Formen, in denen sie zu verschiednen Zeiten ihren
Schwerpunkt liegen hat, und die verschiednen Fraktionen, die
durch diese Formen Einfluß gewinnen, kaputtgehn. Diese Folge
von Metamorphosen, bis es zur Herrschaft der Klasse kömmt, nach
so meiner Ansicht nirgends — wenigstens dem Stoff nach — so dar¬
gestellt. Leider hat er sich in bezug auf die maîtrises, jurandes etc.,
kurz die Formen, in denen sich die industrielle Bourgeoisie ent¬
wickelt, fast nur auf allgemeine und allgemein bekannte Phrasen
beschränkt, obgleich er allein das Material auch hier kennt. Was
35 er gut entwickelt und betont, ist der konspiratorische und revolu¬
tionäre Charakter der Munizipalbewegung im zwölften Jahr¬
hundert. Die deutschen Kaiser, z. B. Friedrich I. und II. erließen
Edikte gegen diese „communiones“, „conspirationes“, „conjura-
tiones“, ganz im Geist des deutschen Bundestags. Z.B. Friedrich II.
40 nimmt sich heraus, 1226 alle „consulats“ und andre freie Muni¬
zipalverfassungen in den Städten der Provence für null und nichtig
zu erklären: „Parvenit nuper ad notitiam nostram quod quarun-
dam civitatum, villarum et aliorum locorum universitates ex pro-
O Von Marx unterstrichen.
48
(323) 1854 Juli 27
prio motu^ constituerunt juridictiones, potestates (Potestad), con-
sulatus, regimina et alia quaedam statuta . . et cum jam apud
quasdam ... in abusum et pravam consuetudinem inoleverunt. . .
nos ex imperiali auctoritate tarn juridictiones etc. atque conces-
siones super his, per comités Provinciae et Forcalquerii ab eis 5
obtentas, ex certa scientia revocamus et inania esse censemus.“
Ferner: „Conventiculas quoquo omnes et conjurationes in civi-
tatibus et extra . .. inter civitatem et civitatem et inter personam et
personam seu inter civitatem et personam, omnibus modis fieri
prohibemus.“ (Constitutio pacis Frederici I.) io
„Quod nulla civitas, nullum oppidum, communiones, constitu-
tiones, colligationes, confederationes vel conjurationes aliquas,
quocumque nomine censeantur, facere possent; et quod nos, sine
domini sui assensu, civitatibus seu oppidis in regno nostro con-
stitutis auctoritatem faciendi communiones, constitutiones . .
conjurationes aliquas, quaecumque nomina imponantur eisdem,
non poteramus nec debebamus impertiri.“ (Henrici régis sententia
contra communiones civitatum.)
Ist das nicht vollständig derselbe deutsche raide Professoren¬
stil, der später von der „Bundeszentralkommission44 aus wütete? 20
Die „commune jurée44 drang in Deutschland nicht weiter vor als
bis Trier, und da machte ihr Kaiser Friedrich I., 1161, ein Ende:
„Communio quaeque civium Trevirensium, quae et conjuratio di-
citur, quam nos in civitate destruximus . . . quae et postea, sicut
audivimus, reiterata est, cassetur et in irritum revocetur.“ 25
Diese Politik der deutschen Kaiser von den französischen rois
benutzt, um die „conjurationes44 und „communiones“ in Lothrin¬
gen, Elsaß, Dauphiné, Franche-Comté, Lyonnais etc. zu unter¬
stützen im geheimen und dem Deutschen Reich abwendig zu
machen: „Sicut ad culminis nostri pervenit notitiam, rex Franciae 30
... sinceritatem fidei vostrae molitur corrumpere.“ (Rodolphus L,
epistula ad cives von Besançon.) Ganz wie die Kerls durch die¬
selbe Politik die italienischen Städte guelfisch2) machten.
Oft ist es komisch, wie das Wort „communio“ ganz in derselben
Weise angeschimpft wird wie der Kommunismus heutzutag. So &
schreibt z. B. der Pfaffe Guilbert von Noyon: „Communio novum
ac pessimum nomen.“
Die Spießbürger im zwölften Jahrhundert haben oft etwas Pa¬
thetisches in der Art, wie sie die Bauern einladen, in die Städte,
die communio jurata, zu fliehn. So z. B. in der Charte von 10
St. Quentin:
„Eux (die Bürger von St. Quentin) jurèrent ensement chescun
O Für ex proprio motu bei Thierry: in comitatibus ipsis degentes proprio motu et
voluntate
2) Im Orig, ghelfiich
(323) 1854 Juli 27
49
quemune ayde à son juré et quemun conseil et quemune detenanche
et quemune deffense. Ensements nous avons establi que quiconque
en notre quemune entrera et ayde du sien nous donra, soit pour
cause de fuite ou de paour des anemis ou de autre forfait . . . .
5 en le quemune entrer porra, car la porte est ouverte à
tous1}; et se son seigneur à tort ses choses aura détenu, et ne le
voudra détenir à droit, nous en exécuterons justice.“
Dein K. Marx.
324. Marx an Engels; 1854 August 8.
io 8. August 1854.
Dear Frédéric,
Ich habe Deine kriegerischen „Observations“ richtig erhalten
und einverleibt in to-day’s letter.
Wenn es irgend möglich ist, etwas Geld für mich aufzutreiben,
15 so bitte ich Dich dringend. Die 11 Pfund Extraausgaben, die ich
seit sechs Wochen hatte, haben mich in die äußerste destitution
gestürzt. Außerdem während der ganzen Zeit und sicher noch für
zwei bis drei Wochen Pieper, sans sou, bei mir wohnend und
lebend. C’est dur.
20 Hast Du in den Zeitungen gelesen, daß die zwei türkischen
Offiziere, die von der asiatischen Armee zu dem „graußen“ De¬
mokrat Schamyl-Bey geschickt, begleitet sind von — Colonel
Bangya,?
Dein K. M.
25 325. Marx an Engels; 1854 August 26.
August 26. 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Meine Frau ist Mittwoch zurückgekommen, sehr wohl. Im
3o Vaterland soll alles Trübsal blasen von wegen „die unsichem Ver¬
hältnisse“.
Was der Cluß hat, ist mir unbegreiflich. Der Kerl hat seit Mo¬
naten nicht geschrieben. Vielleicht ist’s da drüben zu heiß.
Daß Du den Heise los bist, ist sehr gut. Ich weiß nicht, welches
35 Interesse man für diese Art von „Bummler“ haben soll. Ich kenne
natürlich Imandts Briefwechsel mit Dronke und Heise nicht, weiß
aber, daß Itmandt] höchstens „theoretisch“ an ihren Kindereien
teilnimmt. Ifmandt] lebt hier als solider Bürger und fleißig.
M Von Marx unterstrichen.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 4
Nr. 324.
325.
50
(325) 1854 Aug. 26
Von Lassalle habe ich einen Brief erhalten, worin er mir trium¬
phierend ankündigt, daß der sieben- oder vielmehr achtjährige
Hatzfeldsche Krieg beendigt ist. Enfin! Mit einem „siegreichen66
Vergleich für die Alte, deren Tugend und mehr noch Geldbeutel
gleich „vierge66 aus dem Kampfe hervorgegangen zu sein schien. 5
L[assalle] will nun seine Residenz nach Berlin verlegen, hat aber
schon Äußerungen von wegen polizeilicher Schwierigkeiten gehört.
Meyer schreibt mir, daß der Berliner Demagogenprozeß (worin
Gottfrieds Gottfried eine Rolle spielte) von dem Berliner Gericht
(welchem? teilt er mir nicht mit) niedergeschlagen, weil der 10
Hauptzeuge gegen den Angeklagten, Hentze, „zweifelhaft sei66.
Qu’en dis-tu?
Ich habe auch einen Brief aus Paris von Miquel erhalten. Er
wollte herkommen, aber erst Cholera, dann Blutsturz, worauf die
Ärzte ihm den Rat gaben, gefälligst das Seereisen bleiben zu lassen 15
und sich so rasch als möglich zu Land nach Haus zu machen. Pech.
Cherval, nachdem er unter dem Namen „Crämer66 — diesmal
war der wirkliche Name das Pseudonym — in der Schweiz allerlei
erlebt, u. a. auch Herm Vogt Platten gestochen und unter dessen
spezielle Protektion geraten war, lebt nun in Paris. Ich habe seine 20
Adresse.
Daniels ist sehr krank seit Monaten, und fraglich, ob er davon¬
kömmt.
In Spanien scheint, wie man besonders aus dem Débats sieht,
famose Anarchie zu herrschen. Soviel man aus den Zeitungen sehn 25
kann, scheinen die ungarischen und polnischen Emigranten in der
türkisch-asiatischen Armee nichts als Unfug und Stellenjägerei
und kleine Intrigen zu treiben. Toujours les mêmes.
Vale faveque
Totus tuus 30
K. M.
326. Marx an Engels; 1854 September 2.
2. September 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric, 35
Du bist also jetzt Börsenmitglied und altogether respectable.
My gratulations. Ich möchte Dich wohl einmal mitten unter diesen
Wölfen heulen hören.
Heise hat dem Imandt geschrieben, daß — ich weiß nicht wo —
Fabrikangehörige (ob Arbeiter oder Fabrikanten, ist nicht er- 40
wähnt) sich zusammengetan, um ihn zu ihrem common instructor
Nr. 325.
Z. 39-41 -
(326) 1854 Sept. 2
51
zu machen, und daß er auf 2 £ St. per Woche rechnen könne. Tant
mieux pour lui.
Meine Frau — was ich schon vor ihrer Abreise zu befürchten
Ursache hatte — is rather in too interesting circumstances, sonst
5 wohl.
Cluß hat endlich wieder einmal geschrieben. Ich lege den Brief
ein.
Ist Dein Alter schon arriviert?
Über die asiatischen Kriegsvorfälle wird jetzt wohl einiges in
io der Tribune gesagt werden müssen. Ich habe mich einiger¬
maßen verrannt, da ich in einem der letzten letters die news von
der Gesamtniederlage der Türken bei Kars für Vienna invention
erklärte. Die telegraphische Depesche war allerdings falsch, hatte
jedoch richtige Grundlage.
a Meine principal study ist jetzt Spain. Ich habe bis jetzt, zum
großen Teil in spanischen Quellen, Epoche von 1808—1814 und
von 1820—1823 durchgeochst. Komme nun an die Zeit von
1834—1843. Die Geschichte ist nicht ohne Verwicklung. Schwie¬
riger ist’s, der Entwicklung auf die Sprünge zu kommen. Jeden-
2o falls hatte ich rechtzeitig mit Don Quichotte begonnen. Das Ganze
wird ungefähr sechs Artikel für die Tribune setzen, wenn sehr
kondensiert. Jedenfalls ist es ein Fortschritt, daß man at this
moment ones studies bezahlt bekömmt.
Die Bibliothek ist leider vom 1.—7. September geschlossen.
25 Außer andren Vorzügen ist es der einzig kühle Ort in London.
Dronke — entre nous —, in Ermanglung sonstiger „geisti¬
ger“ Aufregung, beschäftigt sich bedeutend mit Forschungen über
,,Steffen“, dem er in seinen Briefen an Imandt allerlei am Zeuge
flickt und ihn politisch zu verdächtigen sucht. Ich hatte keine Mühe,
so dem I[mandt] die Absurdität aller von D[ronke] auf gestänkerten
Häkeleien darzutun. C’est absurde. Ich halte Steffen für eine sehr
gute Acquisition für unsre Partei. Er besitzt Charakter und Kennt¬
nisse. In der vergleichenden Geographie, woraus er besonderes
Fach macht, hat er ganz originelle Auffassungen. Leider ist ein
35 Manuskript, was er darüber ausgearbeitet, in Köln zurück¬
geblieben.
Was macht Lupus? Miquel kam nicht, wie er beabsichtigt hatte,
von Paris hierher, weil er zweimal von der Cholera angefallen,
darauf Blutsturz, schließlich von den Ärzten Ordre erhielt, sich
4o so rasch wie möglich auf dem Landweg nach Deutschland zurück¬
zumachen.
Vale faveque.
K. M.
4*
Z. - 1-2.
29-31.
52
(327) 1854 Sept. 13
327. Marx an Engels; 1854 September 13.
13. September 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Engels,
Ich muß noch einmal bei Dir anpochen, so wirklich scheußlich 5
es mir ist, aber die pressure from without zwingt mich. Meine
Wechsel kann ich vor einigen Wochen nicht ziehn, da Freiligrath
in conséquence of Unannehmlichkeiten, die er bei dem Bischoffs-
heim deswegen hatte, keine Wechsel unter 25 St. mehr zieht.
Im ganzen ist dies auch besser, da bei dem beständigen kleinen w
Ziehn die dette flottante zwar gedeckt, aber die fixe Schuld wächst.
Kömmt hinzu, daß ich von dem nächsten Wechsel 8-£J St. für den
Freund abzuziehn, da unter den gegenwärtigen circumstances
meine Frau so mehr menagiert werden muß. Die extraordinary
means, zu denen das Haus während der Krisen seine Zuflucht zu 15
nehmen pflegt, sind again erschöpft und alles so sehr verpfändet
wie im spanischen Staatshaushalt.
Was übrigens den „Staatshaushalt“ en general betrifft, so
habe ich die Gesamtschulden unter St. 50 herabgedrückt, also
ungefähr 30 tiefer, als sie Anfang d. J. standen. Du siehst 20
daraus, daß große finanzielle Kunststücke angewandt worden sind.
Wenn eine Negotiation gelingt, die ich mit demLassalle angeknüpft,
und er mir 30 £ pumpt und Du mir den Rest, so würde ich endlich
wieder auf freien Füßen stehn und die ganze Hauseinrichtung
ändern, während ich jetzt im Pfandhaus allein 25% zu zahlen
habe und überhaupt wegen der Rückstände nie in Ordnung
kommen kann. Mit meiner Alten ist, wie sich noch einmal in Trier
bewährt, nichts zu machen, bis ich ihr direkt auf dem Hals sitze.
Dans ce moment ist die gänzliche Entblößung von Geld
so ekliger — abgesehn davon, daß die family wants keinen Mo- 30
ment aufhören —, als Soho das auserlesne Quartier der Cholera,
rechts und links der mob krepiert (z. B. in der Broadstreet drei
Leute durchschnittlich auf das Haus) und der Scheiße mit
„Lebensmitteln“ am besten Widerstand geleistet wird.
So weit dieses. Ich schicke den Brief an Deine Privatadresse, 35
weil sonderbare Verwicklungen grade diese keineswegs erbauliche
Epistel auf Eurem Comptoir in falsche Hände spielen könnten.
Was die asiatischen Geschichten angeht, so hat hier Auf-
sehn gemacht die Korrespondenz der Moming Chronicle vom dor- 40
tigen Kriegstheater, die im Observer und andern Wochenblättern
abgedruckt steht.
Ich weiß nicht, ob es bis Manchester gedrungen, daß die
Zouaves geschrien: „A bas les singes! Il nous faut Lamoricière!“
(327) 1854 Sept. 13
53
L’Espinasse ist als nächstes Opfer dieser Aufgeregtheit nach
Frankreich zurückgerufen.
Die Partei hat Pech in der letzten Zeit. Steffen hat seine
Stelle in Brighton verloren, indem der Schulmeister, in dessen An-
5 stalt er war, Bankrott gemacht. Es ist die Frage, ob er das schon
fällige Salär herausschlägt. Pieper hat die Korrespondenz
der Union verloren, da Mr. Pierce ebenfalls Bankrott gemacht
und seine Blätter kein Geld mehr für auswärtige Korrespondenten
erhalten. Mac Gowan, Jones’ Drucker und Kreditgeber, ist
io an der Cholera gestorben. Schlag für Jones. All this is not very
pleasant.
Ich erinnre mich der Scheiße mit Imandt nicht. Weitere Unter¬
suchung drüber würde den Dreck nur vergrößern. Aber von nun
an werde ich abbrechen, sobald der Herr mit irgend auf Dronke
is „Bezügliches“ beginnt. Drfonke] ne vaut pas la peine d’en parler.
Dein K. M.
328. Marx an Engels; 1854 September 22.
London, 22. September 1854.
Lieber Frédéric,
20 Diese paar Zeilen in aller Hast, um Dir den richtigen Empfang
zu konstatieren. Ebenso des Briefs on the Asiatic War Dienstag.
Ich habe sehr wichtige Depeschen aus Amerika erhalten, die
ich Dir in meinem nächsten Brief schicke. Je vous attends on
Tuesday.
25 Püttmann, das dicke Schwein, ist nebst family als „Kolonist“
von hier nach Australien verschickt.
Ebner in Frankfurt ist verrückt geworden. Pauvre diable.
Ernest Jones hat einen neuen Drucker zu wohlfeilem Bedingun¬
gen gefunden. Disraeli hat ihm geschrieben, daß er alle Char-
30 tistenpetitionen im Parlament einbringen will.
Die jetzt bedeutend ablassende Cholera soll in unserm Viertel
so arg gewesen sein, weil die sewers made in June, July and
August, were driven through the pits where those who died of the
plague 1668 (? I think) were buried.
35 Dein K. M.
329. Marx an Engels; 1854 September 29.
29. September 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Engels,
4o Aus einliegendem Schreiben von Dana erfährst Du die ameri¬
kanische Krise as far as I am affected by it. Auf mein Ver-
Z. 25-27.
54
(329) 1854 Sept. 29
langen, entweder alles oder nichts in meinem Namen zu drucken,
antworten sie, indem sie mich auf bloß éditorial articles anweisen,
mit der Hälfte der alten Einnahme. Einstweilen habe ich Dana ge¬
schrieben, daß ich noch keinen Entschluß gefaßt; in the mean-
while aber in der alten Weise, mit zwei Artikeln per Woche 5
fortfahren werde, da einerseits die Sebastopolgeschichte, andrer¬
seits meine sketches der spanischen Revolution des neunzehnten
Jahrhunderts, die vor dem Zusammentritt der Cortes fertig sein
muß. Unterdessen können wir überlegen, welcher definitive Be¬
scheid den Herm zu geben. io
Ich kann Dir heut nicht mehr schreiben, da ich eben beschäftigt
mit Diktieren meines Artikels; hätte Dir aber schon ausführlicher
geschrieben, wenn Du vergangnen Dienstag vor acht Tagen nicht
selbst einen „weitläufigen“ Brief angekündigt, den ich abgewartet,
um ihn zu beantworten. 15
Salut.
Dein K. M.
330. Marx an Engels; 1854 Oktober 17.
17. Oktober 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Engels,
Du hast heute eine formidable Aufzählung der russischen Streit¬
kräfte gemacht. But there remains this one question to be ans-
wered, ob sie jemals fähig waren, mit den größten Anstrengungen,
mehr als 200000 Mann außerhalb ihres Landes zu senden? 25
Ich kenne keinen Fall.
Wenn man sich auf den Standpunkt der alten Politik stellte
— und was vertreten England und Frankreich anders, nur daß es
dem englischen Ministerium nicht Emst und daß Nap[oleon] III.1>
eine Karikatur ist —, so müßte man unterscheiden zwischen den 30
Interessen Englands und Frankreichs. Mit der Vernichtung der
russischen Flotte im Schwarzen und Baltischen Meer, der Vertrei¬
bung der Russen aus der Krim, dem Kaukasus und ihren den
Persern und Türken abgestohlnen Provinzen hätte England für
50 Jahre seine Suprematie zur See und seine Alleinherrschaft in 35
dem kultiviertesten Teil von Asien wieder gesichert. Es wäre dann
ganz seiner alten Manier gemäß, die Kontinentalen in sieben¬
jährigen und andern Kriegen — deren Hauptschauplatz Deutsch¬
land und etwa Italien — sich abarbeiten zu lassen, und am Schluß
des Kampfes weder Rußland noch Ostreich noch Frankreich 40
1) Im Orig, irrtümlich Nap. II.
(330) 1854 Okt. 27
55
suprem auf dem Kontinent herrschen zu sehn. Für Frankreich um¬
gekehrt würde der eigentliche Kampf erst beginnen, sobald die
russische Seemacht und sein Einfluß in Südasien vernichtet. Es
wäre um so mehr gezwungen, die russische Landmacht zu brechen,
<5 um den Engländern gegenüber durch Ausdehnung seiner Kon¬
tinentalmacht ein entsprechendes Gewicht in die Schale werfen zu
können. Wer bürgt dafür, daß, sobald die Engländer die Russen
im Baltic und Black Sea vernichtet und für sich unschädlich ge¬
macht, nicht Revolutionen auf dem Kontinent ausbrechen und Eng-
io land dies als Vorwand nimmt, sich dann wieder offiziell mit den
Russen zu verbinden gegen den Kontinent?
Indes der Hauptwitz bleibt, daß es den jetzt regierenden Eng¬
ländern — weder Chathams noch Pitts junior and not even Wel¬
lingtons — nicht Emst mit dem Vernichten selbst der russischen
15 Seemacht und den russischen Einflüssen in Türkei-Persien-Kauka-
sus ist. Wenn sie durch ihre half and half measures dazu ge¬
zwungen werden, denken sie vielleicht so weit zu gehn, aber
die Halbheit und Schufterei treibt sie wahrscheinlich in Pech
herein, das innere movements hier hervorbringen wird.
2o Aus folgenden Zitaten, abgedruckt aus den Archives des
affaires étrangères zu Paris — bezüglich des Sieben¬
jährigen Kriegs —, ist zu sehn, wie die englischen Minister
mogeln mit den Feinden selbst während der Kampagne und bezüg¬
lich auf die Kampagne. Am 24. Juni 1761 hatte sich der franzö-
25 sische Pompadourmarschall Soubise von den alliierten Englän¬
dern, Preußen, Hannoveranern etc. im Lager bei Wilhelmstal über¬
fallen und über die Fulda zurückjagen lassen. Lord Bute, Haupt¬
minister von George IIL, wollte Frieden aus parlamentari¬
schen und dynastischen Gründen, konnte aber nicht Frie-
3o den bei der kriegerischen und für Friedrich II. eingenommenen
Stimmung der Nation vorschlagen, solange die Franzosen sich be¬
ständig klopfen ließen und retirierten, statt vorzudringen. Choi-
seul, wie Du weißt, damals Minister der auswärtigen Angelegen¬
heiten in France. Wir finden also wörtlich in den authenti-
35 sehen Veröffentlichungen aus dem französischen Archiv:
„Après l’affaire du 24 Juin les ministres anglais écrivirent
à Mr. de Choiseul: Vous vous laissez battre et nous
ne pouvons plus faire la paix, nous n’oserions
pas la proposer au parlement. Mr. de Choiseul, désolé
40 de voir rompue la négociation, engage le roi à écrire à Mr. de
Soubise: „Mon cousin, je vous écris la présente, qu’aussitôt que
vous l’aurez reçue vous passiez la rivière du Fulde et que vous atta¬
quiez les ennemis, sans compter sur les dispositions qui vous con¬
viendront et quelque soit le succès, vous n’en serez pas responsable.
45 Sur ce je prie Dieu etc.“ Mr. de Choiseul écrivit: „La lettre du
56
(330) 1854 Okt. 17
roi, Mr. le maréchal, est trop formelle pour que j’aye rien à y
ajouter. Mais je puis vous dire que quand l’arméedu roi
serait détruite jusqu’au dernier homme et qu’il
fût obligé d’enlever une nouvelle, Sa Majesté n’en serait
point effrayée.“ Hier verlangt das englische Ministerium s
also direkt, daß das mit ihnen alliierte, von ihnen subsidierte und
zum Teil aus Engländern bestehende Heer von den Franzosen ge¬
klopft werde. In umgekehrtem Sinn hatten sie f rüher sich
in die französischen Kriegsoperationen eingemischt, weil George
sein Hannover verschont haben wollte. Es heißt nämlich in den- io
selben extraits:
„En 1762 Mr. d’Etrées et de Soubise ont commandé l’armée du
haut Rhin de 150000 hommes, établie en Hesse, à Goettinguen,
Muehlhausen et Eisenach, Mr. de Condé a commandé celle du bas
Rhin de 30000 hommes. La cour ne leur demandait que de con- is
server Cassel et Goettinguen jusqu’à la fin du novembre, d’évacuer
ces deux places à cette époque pour se retirer sur l’Ohm en mettant
Ziegenhayn en avant de leur première ligne. Ce plan de guerre
avec puissance égale, avec 180000 contre 80000 serait extra¬
ordinaire, s’il n’avait pas été fondé sur la promesse, que 1 e 20
ministère anglais nous faisait de conclure la
paix avant le mois de juillet, si nous ne ferions
point d’incursions dans le Hannovre.“
Dies letztre Einmischen von London aus ließe sich allenfalls als
gewöhnlich betrachten, sobald die kriegführenden Mächte auf 25
dem Punkt stehn, zu Friedensunterhandlungen zu kommen; der
erste Casus dagegen würde dem Lord Bute den Kopf und bei der
damaligen Stimmung (think only of Wilkes and Junius letters)
dem George den Thron gekostet haben, aber comme toujours
wurde die Sache erst nach beinahe a Century bekannt. Ein andres 30
Beispiel derart haben wir kurz vor dem Ausbruch des antijacobin
war, wo der „freisinnige“ Fox einen geheimen Gesandten an Ka¬
tharine II. schickte, sie solle sich durch Pitts Drohungen nicht irre¬
machen lassen, ungeniert Polen aufspeisen, man würde Pitt stür¬
zen, wenn er Krieg gegen Rußland führen wolle. Fox war damals 35
allerdings in der „Opposition“, nicht im Ministerium, und ich
führe das Beispiel nur an als Probe, daß die „out“ ebenso große
Biedermänner sind als die „in“.
Ich glaube daher, daß bei Beurteilung der Kriegsführung von
Seiten der Alliierten — wie Du es auch von Zeit zu Zeit in Deinen 40
Artikeln andeutest — stets der Verkehr zwischen Downingstreet
(namentlich solange Palmerston da) und Petersburg must be con-
sidered. I am sure, daß sobald die Armeen einmal in kritischen
Positionen stehn, die Generale auf das Kabinett sch— und ihr
Bestes tun, da die Herm Generale selten oder nie eingeweiht sind, 43
(330) 1854 Okt. 17
57
auch ihre Köpfe riskieren, wie das Beispiel des Admirals Byng1)
beweist, der ebenso elende Instruktionen von der damaligen Ad¬
miralität erhielt wie z. B. Dundas jetzt.
Ich werde versuchen, Bauers neustes Produkt aufzutreiben, und
<5 es Dir schicken.
Ich weiß nicht, ob Napier und andre Geschichtschreiber des
Spanisch-Französischen Kriegs die Fakten ins rechte Licht stellen,
wozu vollständige Beweise in den spanischen Autoren vor¬
handen sind, nämlich daß, die kurze Zeit abgerechnet, wo Nap[o-
io leon] selbst in Spanien kommandierte, bis zum Schluß des Kriegs
eine vollständig organisierte republikanische Verschwö¬
rung in der französischen Armee herrschte, um Napfoleon] zu
stürzen und die Republik wieder einzuführen? Apropos! Aus
authentischen Quellen folgt, daß der große „Mina y Espoz“ ein
15 reiner Lump war, unter Joh. Becker stand, no military talent at
all, aber schlau, menschenkennend, und avant tout voleur. Aus
genauer Betrachtung der spanischen Revolutionsgeschichte geht
hervor, daß die Kerls ungefähr 40 Jahre gebraucht haben, um die
materielle Basis des Pfaffentums und der Aristokratie zu stürzen,
2o daß es ihnen aber auch gelungen ist, während dieser Zeit den alten
Gesellschaftszustand völlig umzuwälzen. Übrigens zeigen die pro¬
visorischen Regierungen etc. dort ungefähr denselben Verstand
wie in Frankreich etc. Bei dem heißen Blut der ganzen Rasse und
ihrer Gleichgültigkeit gegen Blutvergießen ist es charakteristisch,
25 daß — bis zur Epoche des Bürgerkriegs von 1834—1840 — grade
die revolutionäre Partei das Monopol philanthropischer Milde in
Anspruch nimmt, wofür sie dann again und again gezüchtigt wird.
Pieper wird wahrscheinlich morgen eine Stelle als resident¬
master 30 Meilen von London erhalten. Da er seine Korrespon-
3o denz bei der Union verloren, muß er diese Stelle annehmen. Bei
dem „Zustand“ meiner Frau wird sie als Sekretär wenig dienen
können. — Das ist eklich. — Von dem „freundlichen“ Freund
habe ich neuen Tretbrief erhalten, von Lassalle noch keine Ant¬
wort. — Wenn erst Dein Alter wieder fort — oder sein Nicht-
35 kommen entschieden, würde ich eine Zeitlang nach Manchester
herüberkommen, wenn den Verhältnissen zusagend. — Von Las¬
salle noch keine Antwort — seit neun Wochen. Von Cluß nichts.
— Schnauffer ist gestorben.
Dein K. M.
') Im Orig. Binge
Z. 32 (Von)—33,
58
(331) 1854 Okt. 25
331. Marx an Engels; 1854 Oktober 25.
25. Oktober 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Dear Frédéric,
Einliegend Brief von Cluß. 5
Schnauffer ist tot.
Pieper ist residentmaster in der Umgegend von London, Eltham,
Kent. Servant for all work.
Wenn Du Freitag mit militaribus kömmst, sehr gut. Es ist Zeit,
gehörig zu raisonnieren über die alliierte Kriegsführung. io
Die Affäre mit Mademoiselle Bürgers ist sehr komisch. — Du
wußtest schon, daß sie vor ihrer Abreise von Köln ein Kind mit¬
nahm, wovon sie Lassalle als Vater ausgab.
Die Post geht ab, darum
Vale. 15
Dein K.
332. Marx an Engels; 1854 Oktober 26.
26. Oktober 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric, 20
Bei dem Studium der spanischen Scheiße bin ich denn auch
dem würdigen Chateaubriand auf die Sprünge gekommen, diesem
Schönschreiber, der aufs widerlichste den vornehmen Skeptizismus
und Voltairianismus des achtzehnten Jahrhunderts mit dem vor¬
nehmen Sentimentalismus und Romantizismus des neunzehnten’25.
vereint. Diese Verbindung mußte stilistisch natürlich in
Frankreich Epoche machen, obgleich selbst im Stil das Falsche,
trotz der artistischen Kunststücke oft in die Augen springt. Was
den politischen Kerl angeht, so hat er sich selbst völlig zur
Schau gestellt in seinem „Congrès de Verona“, und es fragt sichjw
nur, ob er „bares Geld“ von Alexander Pawlowitsch^ erhielt oder
bloß durch flatteries, denen der eitle Geck wie kein andrer zugäng¬
lich, gekauft wurde. Den Andreasorden hat er at all instances von
Petersburg erhalten. Die vanitas des Herm „Vicomte“ (?) guckt
aus allen Poren heraus, trotz seinem bald mephistophelisch, bald 35
christlich kokettierenden Gespiel mit der vanitatum vanitas. Du
weißt, daß zur Zeit des Kongresses Villèle Premierminister des
Ludwig XVIIL, Chateaubriand französischer Gesandter in Verona
war. In seinem „Congrès de Verona“ — den Du vielleicht früher
einmal gelesen — teilt er die Aktenstücke, Verhandlungen etc. mit. 40
0 Alexander I.
Nr. 331.
(332) 1854 Okt. 26
59
Beginnt mit einer kurzen Geschichte der spanischen Revolution
von 1820—1823. Was diese „Geschichte“ angeht, so genügt es
zu zitieren, daß er Madrid an den Tajo verlegt (bloß um das spa¬
nische dictum anzuführen, daß dieser Fluß cria oro) und daß er
5 erzählt, Riego sei an der Spitze von 10000 Mann (waren
realiter 5000) dem General Freyre, der an der Spitze von 13000,
entgegengegangen; Riego sei geschlagen worden und habe sich
dann mit 15000 Mann zurückgezogen. Statt nach der Sierra
de Ronda läßt er ihn nach der Sierra Morena ziehn, um ihn mit
io dem Helden von Mancha vergleichen zu können. Ich führe dies en
passant an, um die Manier zu bezeichnen. Fast kein Datum richtig.
Der Hauptwitz sind aber die Taten des Herm Chateaubriand
auf dem Kongreß von Verona, nach dessen Beendigung er Minister
des Auswärtigen wird und den Invasionskrieg in Spanien leitet.
15 Er erzählt d’abord: „Je ne me défends point d’être le prin¬
cipal auteur de la guerre d’Espagne.“ „M r. de Vi 11 è 1 e ne
voulait point les hostilités.“ Im Gegenteil. Villèle schickt ihm und
dem Montmorency, der im Anfang als französischer Minister des
Auswärtigen auch in Verona, Instruktionen, worin es wörtlich
2o heißt: „Nous ne nous sommes pas décidés à déclarer la guerre à
l’Espagne.1) . . . Les plénipotentiaires de S. M. doivent surtout
éviter de se présenter au congrès comme rapporteurs des affaires
d’Espagne. Les autres puissances peuvent les connaître aussi bien
que nous ... Ce rôle pouvait convenir à l’Autriche au congrès de
25 Laybach, parce qu’elle avait la volonté d’envahir Naples.“ Die
Kerls tun grade das Gegenteil von dem, was in der Instruktion
steht. Sie „présentent“ sich als die „rapporteurs des affaires
d’Espagne.“ Villèle schreibt: „Ils tendront à faire considérer la
question d’Espagne dans ses rapports généraux avec l’Eu-
jorope;“ sie stellen es von vornherein als spezifisch franzö¬
sischen Casus dar. Villèle schreibt: „L’opinion de nos plénipoten¬
tiaires sur la question de savoir ce qu’il convient au congrès de
faire relativement a l’Espagne, sera que la France étant la seule
puissance qui doive agir par ses troupes, elle sera seule juge de
35 cette nécessité.“ 2) Statt dessen sie: „C’est sur la forme de ce con¬
cours moral (der andern Mächte) et sur les mesures propres à lui
assurer le secours matériel3) qui peut-être réclamé par la
suite, que la France croit, en définitive, nécessaire de fixer l’atten¬
tion de ses augustes alliés.“
40 Von vornherein also handelt Herr Chateaubriand direkt
gegen die Instruktionen, die er von Paris erhält. Zweitens sucht
er den Villèle über den Stand der Dinge in Verona zu belügen.
O Dieser Satz bei Chateaubriand kursiv.
2) Dieser Satz bei Chateaubriand kursiv.
8) Von Marx gesperrt.
60
(332) 1854 Okt. 26
So schreibt er z. B. dem Villèle: „Le vœu très prononcé des puis¬
sances est pour1) la guerre d’Espagne;“ sucht ihn auch über die
chances des Kriegs zu täuschen: „Les dernières dépêches de M. de
Lagarde prouvent combien le succès serait facile.“ Auf der andern
Seite erzählt uns der brave Mann: 5
„Non seulement le congrès n’a pas poussé la France à la guerre,
mais la Prusse et surtout l’A u t r i c h eL) (er bemerkt : le prince de
Metternich feignant d’être russe en détestant la Russie y étaient
très opposées; la Russie seule l’approuvait1) et pro¬
mettait son appui moral et son appui matériel1).“ „Nous
disons au président du conseil que le vœu très-prononcé des puis¬
sances est pour la guerre; qu’il ne s’agit pas de l’occupation de la
Péninsule; qu’il n’est question que d’un mouvement rapide; nous
montrons un succès facile: et pourtant nous savions1)
que le congrès de Vérone ne voulait point1) la guerre ; nous w
craignions1) que notre mouvement ne se prolongeât1)
bien au delà de l’Ebre; nous pensions qu’il nous faudrait occuper
long-temps1) l’Espagne, pour faire une bonne besogne, mais
nous ne révélions pas tout, af in d’arriver à notre but1),
et nous nous disions sécretement: Une fois la Bidassoa passée, 20
il faudra bien que le président du conseil etc. aille de l’avant.“
So belügt er den Villèle im Namen des Kongresses, wie er vor¬
her den Kongreß im Namen Villèles belogen. Und damit nicht zu¬
frieden, schreibt er wieder an Canning für beide lügend und gegen
beide. 25
Als Minister handelt er in derselben Manier. Alexander schreibt
folgenden Brief an Pozzo di Borgo, Gesandten in Paris, zur Vor¬
lage an Ludwig XVIII: „L’empereur se flatte encore que la modé¬
ration prévaudrait dans les conseils du gouvernement
anglais1).“ Wenn nicht etc. „il regarderait l’attaque dirigées
contre la France comme une attaque générale contre tous
les alliés et qu’il accepterait, sans hésiter, les conséquences
de ce principe L’Empereur exhorte le roi1) â con¬
sommer ses propres1) (!) déterminations et à marcher avec
confiance contre les hommes des troubles et des malheurs. Agissant 35
dans cet esprit l’Em pereur rappelle la question agi¬
tée au congrès1) rélative à la réunion d’une armée
russe sur les frontières occidentales1) de l’Espagne
comme moyen de sûreté européenne.“ (Ostreich wollte davon
nichts wissen auf dem Kongreß. Drum ward die Sache einstweilen <0
dort beiseite geschoben.)
Chateaubriand gibt vor: Sein Zweck sei gewesen, der Restaura-
x) Von Marx unterstrichen.
(332) 1854 Okt. 26
61
5
10
15
20
25
30
35
40
tion Ruhm (gloire) zu verschaffen und so das Brechen der
Wiener Verträge vorzubereiten. Das Anlehnen an Rußland sei
nötig gewesen gegen England. Wie wenig er aber 1. von der russi¬
schen Hülfe hoffte, und wie viel er 2. von dem Krieg fürchtete,
geht aus folgenden Phrasen hervor:
„En supposant un revers en Espagne, nous avions une
révolution en France, et tous les cosaques de la
terre ne nous auraient pas sauvé.“ Schreibt in einem
Brief an seinen Gesandten in Petersburg, La Ferronnais:
„Nous avons mis la monarchie française sur une
carte pour faire la guerre.“0 (Dies de dato 21. April
1823). Er gesteht ferner, daß wenn Canning ein paar Regimenter
in Lissabon ausgeschifft, sie auf dem Arsch lagen. Um dies Re¬
sultat vorzubereiten, war ferner dafür gesorgt, daß infolge von
Krakeel zwischen dem Kriegsminister, dem Duc de Bellune, und
dem General Guilleminot die französische Armee nach dem Ein¬
marsch in Spanien plötzlich sin viveres e sin medios de transporte
war. Dann der schöne humbug, daß ein Sieg der Franzosen im
Namen der heiligen Allianz und mit ihrem appui
moral dazu beitragen sollte, Frankreich von den Wiener Ver¬
trägen zu befreien. Der „Vicomte“ ist nicht „si bête“, als er sich
hier stellt. Er weiß recht gut, worum es sich handelte, „la Russie
n’a point d’ambassadeur à Constantinople“. Er mogelte damals
mit den Griechen, und ein Krieg zwischen Frankreich und Eng¬
land, noch mehr eine Beschäftigung Frankreichs in Spanien und
Niederlage daselbst hätte ihm freie Hand gegeben. „Nous devions
surtout prévoir que l’Angleterre pouvait intervenir et se poser en
face de nous auprès de l’Espagne.“ Schreibt nach Paris: „Si c’est
la guerre, c’est la guerre avec l’Angleterre.“ „Guerre
qui pouvait devenir européenne, si elle venait à se com¬
pliquer d’une guerre en Orient et de l’attaque des colonies
espagnoles par les Anglais.“ Er täuscht sich auch keineswegs über
die Absichten Alexanders:
„II est certain que notre triomphe inespéré (!) lui donna quel¬
que jalousie, car il s’était secrètement flatté que nous serions
forcés de recourir à lui.“ Der „triomphe“ war also gegen die
Verabredung. Außerdem glaubte Chateaubriand so gut wie die
Mehrzahl der Franzosen, daß die französische Armee sehr „unzu¬
verlässig“ für die Bourbons sei.
Die „Freundschaft“ zwischen Alexander und Ludwig XVIII.
war außerdem, wie Chateaubriand selbst erzählt, um so dicker,
als „Louis XVIII“ hatte „refusé, sous prétexte de religion et par
quelque motif offensant, le mariage du duc de Berry avec
Von Marx unterstrichen.
62
(332) 1854 Okt. 26
la sœur d’Alexandre“ und als Louis XVIII seinerseits wußte, daß
(nach der Rückkehr Bonapartes von Elba) auf dem Wiener Kon¬
greß Herr Alexandre „tout à coup demanda aux alliés, s’il ne
serait pas bon de donner le duc d’Orléans pour roi à la France,
quand on aurait une dernière fois vaincu Napoléon“. 5
Der „Vicomte“ mit seiner „grande vue de poète“ macht fol¬
gende Geständnisse:
„Nous osons dire qu’Alexandre est devenu notre am i.“
„Alexandre est le seul prince pour qui nous ayons jamais
éprouvé un sincère attachement.“ io
„Louis XVIII nous détestait.“
Dabei höchst amüsant, wie dieser phraseur vom „Dieu de St.
Louis“, der den spanischen Thron einem „petit fils de Henri IV“
konservieren muß, sehr cavalièrement dem General Guilleminot
schreibt, sie sollten sich nur „nicht genieren“ bei dem bombarde- is
ment von Cadix, aus Furcht, eine Kugel könne den Ferdinand VII.
treffen etc.
Es bleibt also jedenfalls diesem ami intime der großen Carrel,
Lamennais, Béranger etc. die Ehre, daß er für zehn Jahre — zu¬
sammen mit Freund Alexandre — die größte Scheiße in Spanien 20
arrangiert hat, die jemals dort aufgehäuft, und auf die Gefahr,
seine Bourbonen in die Luft zu sprengen.
Andrer Zug dieses Pilgrims nach dem heiligen Grab: Er erzählt
selbst in dem „Congrès de Vérone“, wie er dem Ltudwig] XVIII.
und de Villèle den Polignac, der ihnen beiden zuwider war, als 25
Gesandten nach London aufzwang. Später, unter Karl X., als er
selbst Gesandter in Rom, gibt er plötzlich und in geräuschvoller
Weise seine Entlassung, sobald Polignac Minister wird, weil er
nun die „Freiheit“ für verloren erklärt.
Wenn Du das Buch wieder liest, wird Deine Verachtung gegen 30
die „Crapauds“ und ihre „grands hommes“ schwerlich abnehmen.
Adieu.
Dein K. M.
333. Marx an Engels; 1854 November 10.
10. November 1854. 35
28, Deanstreet, Soho. London.
Lieber Engels,
Der Artikel famos. Mit Dienstag oder Freitag richte es ein, wie
Du willst, obgleich ich noch nicht weiß, ob ich einen secretary
ready haben werde, da meine Frau seit drei Tagen bettlägerig ist, 40
teils aus Unwohlsein, teils aus Wut, da der brave Dr. Freund uns
wieder mit Trittbriefen bombardiert hat, die grade bei der bevor¬
Nr. 333.
(333) 1854 Nov. 10
63
stehenden Katastrophe um so fataler sind. Generally, the situation
is not pleasant.
Vater Göhringer sitzt im Schuldturm. Seine Wirtschaft ist ge¬
schlossen. Bankrott. Daher der revolutionäre Feuereifer, den der
5 Edle in der letzten Zeit wieder entwickelt haben soll.
Pieper muß in seiner Anstalt von sechs Uhr morgens bis neun
Uhr abends arbeiten und ungefähr zwanzigmal beten während der
Zeit, was ihm „guttut66. Weder rauchen, noch trinken. Die Jungen
in die Kirche führen, etc. Er war vor ein paar Tagen auf eine
io Stunde in der Stadt. Sah sehr wohl aus.
Lupus hat den Dronke für Weihnachten nach Manchester ein¬
geladen und Dronke den Imandt.
Sonst nichts Neues.
Dein K. M.
334. Marx an Engels; 1854 November 10.
10. November 1854.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Engels,
D’abord mes compliments zu Deinem höchst glorious und sound
20 criticism. Es ist schade, daß dies „Fait d’armes66 nicht in der Lon¬
doner Presse verrichtet werden konnte. Durch einen solchen Zug
wäre die Stellung in diesem Feld gesichert gewesen.
Quant à notre bon St. Arnaud, der vorsichtig genug war,
zur rechten Zeit zu sterben, so habe ich schon months ago seine
25 ausführliche Biographie der Tribune gegeben. Und bei die¬
sem Kerl gilt sicher: „Non bis in idem66.
Wie ist zu erklären: 1. daß die Engländer bei der Straße von
Yenikale^ nicht ein solches Detachement von Schiffen auf gestellt,
um die Überfahrt der Russen von Anapa etc. zu verhindern? War
so es nicht überhaupt möglich, und dann unter den present circum-
stances nötig, mit kleinen Schiffen sich der Sea of Azov zu bemäch¬
tigen, um alle Truppenzufuhr zu Wasser abzuschneiden?
2. Mußten nicht durch eine Diversion nach Bessarabien hin
(durch Omer Pasha) die Russen verhindert werden, von dieser
35 Seite Truppen nach der Krim zur Verstärkung zu schicken? Kann
die Vernachlässigung dieses Punkts anders erklärt werden als aus
einer englisch-österreichisch-diplomatischen Mogelei?
Ich glaube, daß, of course, die Diplomatie aufhört von Seiten
der Feldherm, sobald sie sich in einer Mausefalle finden wie in
io der Krim; aber in allem, was den Gesamtplan angeht, glaube ich
J) Im Orig. Jenikaleh
Nr. 333.
64
(334) 1854 Nov. 10
nicht, daß Palmerston bis jetzt einen Moment aufgehört hat, wenig¬
stens seinen „guten Willen“ zu beurkunden.
Die Tribune läßt sich in einer ihrer letzten Nummern zu
ihrer „splendid Characterisation“ des Espartero von meinem Kon¬
kurrenten A. P. C.1} gratulieren. Er ahnt natürlich nicht, daß er 5
mich „komplimentiert“, aber mit sicherm Instinkt hat er gleich¬
zeitig hold gelegt auf eine very silly Schluß phrase, die der Tri¬
bune ganz eigentümlich gehört. Übrigens hatte sie mir alle und
jede Witze über konstitutionelle Helden en général weg¬
gestrichen, da sie ahnte, daß hinter dem Trio „Monk-Lafayette- 10
Espartero“ gewisse Anzüglichkeiten auf den edlen „Washington“
sich verborgen hielten. Die Kritiklosigkeit des Blattes ist schauder¬
erregend. Erst lobten sie den Espartero als den only statesman of
Spain. Dann nahmen sie meine Artikel, worin er mehr als komi¬
scher Charakter behandelt ist, und setzten hinzu: Daraus sähe man, 15
daß nichts von Spanien zu erwarten. Dann, als sie den ersten Ar¬
tikel über Spanien erhielten — bloße Prolegomena, die mit 1808
enden —, glaubten sie, das sei das Ganze, und flickten demgemäß
einen ganz heterogenen, aber wohlwollenden Schluß an, wo den
Spaniern zugeredet wird, sich des Vertrauens der Tribune wür- 20
dig zu zeigen. Wie sie es mit den Fortsetzungen halten werden, weiß
ich nicht.
Dem Liebknecht, der, wie Du weißt, sehr melancholisch
schwankte zwischen einer Engländerin, die ihn heiraten wollte,
und einer Deutschen in Deutschland, die er heiraten wollte, ist 25
endlich die Deutsche über den Hals gekommen, und er hat sie ge¬
heiratet, kirchlich und bürgerlich. Es scheint beiden sehr weh
zumut zu sein. Seine Stelle geht flöten, da die Leute fortziehn.
Sein Honigmonat, gefeiert Nr. 14, Churchstreet, in einem Hause,
dem er verpfändet ist, ist so sehr verbittert. Indes, wer zwang den 30
Esel, der alle diese Umstände kannte, zu heiraten und grade jetzt?
Da die Person sich in der Zwischenzeit schon einmal in Deutsch¬
land verlobt, war ja ohnehin der Casus keineswegs dringend.
Wenn Du etwas vollendet Komisches lesen willst, so mußt Du
Dir den Morning Advertiser vom Sonnabend zu ver- 35
schaffen suchen, worin die licensed victuallers mit der jetzigen Re¬
daktion des pothouse-paper zu Gericht gingen. Anklage und Ver¬
teidigung waren gleich heiter. Erstere geführt von Mr. Foster, der
früher als barrister figurierte im — Gerichtshof des Baron Nichol¬
son. Urquhart, zum Dank, daß er die licensed als die über 40
den Parteien schwebende Partei Englands gefeiert — hat grobe
Worte und seinen Abschied erhalten. Übrigens ist der Vorhang
noch nie so völlig über den innersten Schmutz der shopkeeperseele
gelüftet worden.
1) Franz Pidszky
Z. 23-44.
(334) 1854 Nov. 10
65
Bruno Bauers „L’Arrogance des pouvoirs occidentaux66 hast
Du wohl nicht gesehn? Mir ist es auch noch nicht zu Händen ge¬
kommen.
Sollte bis Freitag Wichtiges im militärischen Departement vor-
5 fallen, so schick mir einiges Vorläufige, denn in diesem Falle
muß ich dem Spanischen etwas Russisches vorausschicken, um es
acceptable zu machen.
Ich hoffe bald Brief von Dir zu erhalten.
Dein K. M.
335. Marx an Engels; 1854 November 22.
22. November 1854.
28, Deanstreet, Soho. London.
Lieber Engels,
Die 2 erhalten, yesterday.
15 Einliegend Brief von Dana, der Dir zeigt, wie die Humbugs
die militaria benützen. Das darin angeführte Buch von Ripley
über den Mexican war ist mir noch nicht zugekommen. Ich werde
es morgen holen lassen, durchblättern und dann Dir zusenden.
Wenn Du irgend kannst, schick Freitag einen article, da ich
2o Dienstag über Spanien geschrieben und das unter present circum-
stances nicht zweimal die Woche geht, andrerseits bei meinen sehr
schwierigen Finanzverhältnissen solcher Ausfall in jeder Hinsicht
schlimm.
Seine Ehrwürden, Staatsanwalt Blind, hatten schon bei dem
25 Eintreffen des falschen Gerüchts von der Einnahme von Sébastopol
den Plan gefaßt, ein deutsches Meeting zu halten — das auch von
einer Prinzipienerklärung begleitet sein sollte — gegen Rußland,
die deutschen „Fürschten“ und speziell ad majorem gloriam des
Herm Staatsanwalts und der deutschen émigration in corpore. Bei
so der Gelegenheit sollten die „Chefs66 aller Fraktionen peacefully
zusammenkommen. Ich und Freiligrath schlugen natürlich diesen
Angriff ab, wodurch zunächst Blinds Plan vereitelt worden. Mais
comme les grands esprits se rencontrent, war der unermüdliche
Arnold Ruge — der jetzt allerhand Seiche im Moming Advertiser
35 ablagert — auf einen ähnlichen Einfall gekommen, und auf ein
Einladungsschreiben desselben fand ein vorbereitendes Meeting
statt composed of: Vittinghof (Hühneraugenoperateur;
60 Jahre alt; Kurländer, der keine Sprache spricht; ehmaliger
Bedienter bei dem kurländischen Grafen Vittinghof, sich jetzt für
40 seinen eignen Herm ausgebend. Dieser V[ittinghof] nach Arnolds
Plan sollte präsidieren; eine Bande von deutschen Kaufleuten
(Gerstenzweig etc.) das Geld zahlen und das Meeting zusammen-
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 5
Z. 34 (— der)—35 (ablagcrt — ).
37-42 -
66
(335) 1854 Nov. 22
rufen, und unter ihren Auspizien die deutschen Flüchtlinge auf
der Plattform losgelassen werden). Römer (Beckers Stiefvater
und notorischer Mouchard). Meyen. Buchheim. Ronge. Ruge.
Blind. Geck1*. — Resultat des Meetings war, daß Geck1) und
Ronge sich mehr oder minder „herausforderten“. Staatsanwalt 5
Blind zog sich entrüstet aus dem Meeting zurück, weil Wasch¬
lappen Ruge das Wort „Republik, das uns alle vereint“, nicht
in das Programm aufnehmen wollte. Blind kam nachher zu mir
— ich war nicht zu Haus — und beklagte sich „bitter“ bei meiner
Frau über die „Verachtung“, die die „deutsche Emigration“ ge- io
nieße, und daß wir alle „gemeinsamen“ Schritte verhinderten. Als
wenn irgendeiner von uns die sieben oder acht Esel verhinderte,
sich zu „vereinen“ und zu „manifestieren“. (Allerdings hatten
wir ganz im geheimen vor — was übrigens dem Staatsrat Blind bis
zu diesem Augenblick unbekannt ist —, wenn das Meeting der is
Kerls Auf sehn machte und sie „Teutschland“ gar zu sehr kom¬
promittierten durch Kriechen vor den Engländern, — mit Hülfe
der Londoner Chartisten vielleicht ein Gegenmeeting zu hal¬
ten.) — Du siehst, die „großen Männer des Exils“ glauben, daß
wieder etwas „getan und getrieben“ werden muß. 20
Bei der Gelegenheit erzählte Blind dann auch meiner Frau, daß
„Baden allein den Mut gehabt, eine Republik zu proklamieren“
etc. etc. Sonst nichts Neues.
Dein K. M.
336. Marx an Engels; 1854 November 30.
30. November 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Du hast vergessen, mir den Brief von Dana — der mir bei
meinem Verhältnis mit den Kerls sehr wichtig ist — zurückzu- 30
schicken. Aus Versehn fehlten an Deinem famosen Artikel von
Dienstag die zwei ersten Seiten. Das Wesentliche war allerdings
auf den fünf folgenden erhalten, so daß dies Pech nur stilistisch
Unheil anrichtete.
Von dem würdigen Dr. Freund erhalte ich den anliegenden 35
dritten Tritt. Was glaubst Du, soll ich dem Kerl antworten? Mir
scheint, daß er zu extremen Schritten geneigt ist, ce bon ami. Bei
der positiven Verkleinrung der Einnahme von der Tribune,
wodurch ich unter das Niveau des großen Dronke herabgefallen
bin, sind die Aussichten für den edlen Freund finstrer als je. Das 40
x) Amand Goegg
Z. -1-5.
19-20.
35-40-
(336) 1854 Nov. 30
67
schlimmste ist, daß ich ihn bald wieder brauche. Durch Tucker bin
ich aufgefordert worden, an einer Revue Rétrospective, die hier
in London erscheint, zu arbeiten; habe aber noch keine nähere
Antwort über den punctum puncti, das Honorar, erhalten.
5 Vorgestern erhielt ich endlich die zwei Bände von Ripleys „Me-
xican war“, ungefähr 1200 Seiten, großes Format. Ripley scheint
mir — also reines Laienurteil — sich nach Napier
plus ou moins gebildet zu haben als Militärhistoriker. Das
Buch ist verständig und, wie mir scheint, nicht unkritisch. Dana
io hat es sicher nicht gelesen. Er würde sonst gesehn haben, daß ihr
Held, General Scott, by no means, neither als Oberfeldherr noch
als Gentleman in vorteilhaftem Licht erscheint. Mich interessiert
die Geschichte speziell, da ich vor kurzem den Zug des Fernando
Cortez in Antonio de Solis’ „Conquista de Mexico“ gelesen habe,
w Es ließen sich sehr interessante Vergleichungen zwischen den zwei
Conquistas anstellen. Übrigens, obgleich die Oberfeldherm
— Taylor sowohl wie Scott — mir sehr mittelmäßig vorkommen,
ist der ganze Krieg sicher eine würdige Ouverture für die Kriegs¬
geschichte des großen Yankeelandes. Die enormen Räume, auf
20 denen die Aktion vor sich geht, und die kleine Zahl von Menschen,
mit denen sie ausgeführt wird (dabei mehr volunteers als regulär
army), geben ihr „amerikanische“ Originalität. Was Taylor
und Scott angeht, so scheint ihr ganzes Verdienst darin zu bestehn,
daß sie überzeugt waren, Yankees würden sich immer heraus-
^beißen, wie tief man sie auch in die Patsche reiten möge. Anfang
nächster Woche schick ich Dir die zwei Bände. Schreib mir — da
sie voluminös —, ob durch Post (ich bin nicht klar über die neuem
Bestimmungen) oder Parcel Company.
Addio.
30 Dein K. M.
337. Marx an Engels; 1854 Dezember 2.
2. Dezember 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
35 I think not, Sir, daß Dein Brief oder auch nur Dein Name in
Verbindung mit dem würdigen „Freund“ gebracht werden kann.
(Der Jude ist so dringend, weil er durch eine vornehme Unter¬
richtsanstalt, die er seine Frau in St. John’s Wood hat errichten
lassen, sich at the very brink of bankruptcy gebracht hat. Ich habe
40 jetzt via Cornelius die Details erfahren.) Ich habe ihm, auf Deinen
Brief fußend, folgendes geschrieben: 1. Beiliegend sende ich ihm
einen Brief von A. Dana, woraus er ersehn könne, wie die kommer-
5*
Z. - 1-4.
35-42-
68
(337) 1854 Dez. 2
zielle Krise in Amerika auf mich und durch mich auf ihn
gewirkt habe; 2. Ich habe indes, um den Ausfall zu decken, neue
literarische Verbindungen eingegangen, auf die gestützt ich mich
schriftlich verpflichten wolle, ihm den zehnten jedes Monats, von
Januar 1855 an, £ 4 zu zahlen. Die Summe beträgt ca. 17 £ St. 5
noch. Geht Herr Freund hierauf nicht ein, so soll er mich ver¬
klagen. Der Brief von Dana deckt mich vor jedem Court, wie
er selbst einsehn wird. Wenn ich Dich direkt hereinziehe, verliere
ich: 1. meine ganze Position dem Freund gegenüber; 2. erzählt er
(und teilt den Brief gleich mit) dem Lehrer in seiner Anstalt, io
Herm Gottfried Kinkel, dieser an Herm Gerstenberg, dieser an
jeden deutschen Juden in der City, bis er zu Blanc dringt, was by
no means wünschenswert wäre.
Ich hatte Lassalle auf gefordert, ob er irgendein literarisches
business in Deutschland für mich auftreiben könne, denn in regard is
der verminderten Einnahme und der vermehrten Ausgaben muß
ich Emst machen. Lassalle macht mir nun folgenden Vorschlag,
worüber ich Dein wohlerwognes Urteil wünsche. Sein Vetter
Dr. M. Friedländer0 wird Anfang dieses Monats Eigentümer
der „Neuen Oder-Zeitung“, aber — in Kompanie von Stein und 20
Elsner. Ich solle Londoner Korrespondent für das Blatt werden.
Friedländer glaubt im Anfang nicht imstande zu sein, mehr als
20 Taler monatlich zu zahlen. Lassalle meint ihn aber zu 30 trei¬
ben zu können. Voilà la proposition. Die Summe ist miserabel.
Indes wäre auch das bißchen Korrespondenz für ein deutsches 25
Winkelblatt nicht hoch anzuschlagen. 40—50 £ wären immer
mitzunehmen. Aber Haupthaken — Elsner und Stein! Dies ist um
so reiflicher zu überlegen, als die Herm keine Konservativen, son¬
dern sogar Liberale sind und uns direkt mehr entgegenstehn
als die „Neue Preußische Zeitung“. That is the question. Überleg’ 30
Dir das genau.
Ich schicke Dir eine Nummer vom „People’s Paper“, damit Du
Jones’ dodge mit Barbés (den er, unter uns gesagt, für Blanqui
hielt) und seine Agitation gegen Bonaparte — für dessen even¬
tuelle Reise nach England — kennen lernst. Die Sache beunruhigt 35
die hiesigen „Behörden“ ernstlich, und die Polizei hat, wo immer
tunlich, die Plakate abreißen lassen. Selbst „Reynolds“ und
„Leader“ haben ihn denimziert wegen seiner unpatriotischen Ge¬
sinnung. Er hatte ursprünglich zu dem Comité wegen der anti-
bonapartistischen Bewegung Ehrenmitglieder zu seinem Comité, 40
u. a. auch mich, erwählen lassen. Ich habe ihn ausgelacht und ihn
speziell darauf verwiesen, daß, wenn das move hier und auf dem
Kontinent wirken soll, es einen rein englischen Charakter behalten
1 ) Im Orig. Friedland
Z. - 1-13.
(337) 1854 Dez. 2
69
muß. Dies hat er eingesehn, wie Du aus seinen Bemerkungen in der
Vorsitzung mit den french refugees ersehn wirst.
Ich sende Montag mit der angegebnen Parcel Company Ripley
und Solis’ „Conquista de Mexico“. Letztres, sobald Du es
5 nicht mehr brauchst, zuriickzusenden, da der Solis mir nicht gehört.
Ich habe nun den Ripley ganz (natürlich flüchtig, wie es für meinen
Zweck genügt) durchgelesen. Ich bin darüber nun ganz klar — und
Ripley gibt es oft in „gehalten“ sarkastischer Form auf die flache
Hand —, daß der große Scott ein ganz ordinärer, kleinlicher,
io talentloser, quänglender, neidischer Hund und Humbug ist, der im
Bewußtsein, daß er alles der Tapferkeit seiner Soldaten und der
skill seiner Divisionäre verdankt, gemeine Streiche machte, um
sich den Ruhm zu sichern. Er scheint ein ebenso großer General zu
sein, als der many sided Greeley ein großer philosopher ist. Der
is Kerl hat den ganzen Feldzug durch alles brouilliert und Streiche
gemacht, wofür er von jedem anständigen Kriegsgericht füsiliert
zu werden verdiente. Aber er ist der erste (dem Rang nach)
General von Amerika. Darum glaubt Dana wahrscheinlich an ihn.
Taylor ist sicher immer noch mehr wert als Scott, was das ameri-
20 kanische Publikum gefühlt zu haben scheint, indem es den ersten
zum United States Präsidenten macht, den zweiten trotz aller seiner
Anstrengungen durchfallen ließ again and again. Mir scheint
General Worth der bedeutendste, worüber Du mir Deine Meinung
sagen mußt, sobald Du die Sache gelesen. Dann noch hauptsächlich
25 über einen Punkt. Ist es nicht curious, daß Scott immer zwei bis
zehn Meilen von den active operations entfernt, nie auf dem
Schlachtfeld selbst erscheint, sondern stets bloß „is observing
the progress of events“ von einem sichern Hinterhalt aus. Er er¬
scheint selbst nicht, wie Taylor doch tut, wenn die Erscheinung des
30 Oberfeldherm nötig für das „moral“ der Armee. Nach der sehr
heißen battle of Contreras treibt er mit seinem ganzen staff vor,
nachdem die Geschichte vorbei. Während der schwankenden battle
of Molino del Rey läßt er den „braven“ Leuten sagen, sie sollten
aushalten, er würde vielleicht selbst erscheinen. Sein „diploma-
35 tisches“ Talent ist nur mit seinem militärischen zu vergleichen. Wo
er Mißtrauen zeigt, ist es stets gegen seine talentvolleren Divisio¬
näre, aber nie gegen Santa Anna, der ihn wie ein altes Kind an der
Nase herumführt. — Das Charakteristische in dem Krieg scheint
mir, daß jede Division, jedes einzelne kleine Truppenkorps, trotz
4o falscher oder mangelnder Befehle von dem Chief, immer stub-
bomly auf das Ziel los geht und jeden incident spontaneously be¬
nutzt, so daß schließlich doch etwas Ganzes herauskommt. Yankee¬
gefühl von independence und individueller Tüchtigkeit, vielleicht
noch mehr als bei den Anglo Saxons. Die Spanier sind schon ver-
45 kommen. Aber nun ein verkommener Spanier, ein Mexikaner, das
Z. 30-34.
70
(337) 1854 Dez. 2
ist ein Ideal. Alle Laster, Renommisterei, Großmäuligkeit und
Donquichotterie der Spanier auf der dritten Potenz, aber lange
nicht das Solide, was diese besitzen. Der mexikanische Guerilla¬
krieg eine Karikatur des spanischen, und selbst die davonlaufen,
die regulär armies, unendlich übertroffen. Dafür haben die Spa- s
nier aber auch kein Talent wie den Santa Anna produziert.
Vale.
Dein K. M.
Hast Du Jacobus Venedey — Kobes I von Köln — Schimpfe¬
reien auf Heine im Feuilleton der Kölnfischen] Zeitfung] vom io
Samstag gelesen? Diesen Genuß mußt Du Dir nicht versagen. Und
Kossuths Avancieren zum General!!!
338. Marx an Engels; 1854 Dezember 8.
8. Dezember 1854.
Lieber Frédéric, is
Ich lege heut einen Artikel auf die Post, obgleich ich weiß,
daß die Post nicht fortgeht. Heute über acht Tage werde ich über
das Parlament berichten. Ich bitte Dich indes dringend,
Dienstag einen Artikel zu schicken, damit ich Freitag
(wo ich ziehe) 2 jf mehr rechnen kann. Es sind ohnedies ver- 20
schiedne Ausfälle vorhanden. Wenn nichts vorfällt, so kannst Du
ja einiges über die östreichische Kriegsmacht bringen.
Die Broschüre über „Germanen- und Slawentum“ mußt Du
schreiben. Lies auch noch Bauers „England und Rußland“ (fran¬
zösisch geschrieben). Auch Gustav Diezel hat „Dickes“ ge- 25
schrieben über den Gegenstand. Kennst Du des Freiherm von
Rohde „Statistisches über Rußland“? (vor einem halben Jahr
ungefähr erschienen).
Salut.
Dein K. M. 30
339. Marx an Engels; 1854 Dezember 15.
15. Dezember 1854.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Soeben erhalte ich Deine Zeilen und freue mich sehr, Dich in 33
acht Tagen hier zu sehn.
Den Artikel erhalten.
Barthelemys Ende ist glorios. In dem gestrigen Verhör (viel¬
mehr coroners inquest) heißt es, daß bedeutende Papiere, obgleich
Z. 16-22.
(339) 1854 Dez. 15
71
nicht bezüglich auf das Assassinat, bei ihm gefunden worden sind.
Es wäre verdrießlich, wenn Papiere aus der alten Zeit darunter,
und man so in Zusammenhang mit einem Kerl erschiene, der uns
— davon renommierten die Knoten — eine Kugel „aufgespart“
5 hatte für den Fall einer Rückkehr nach Paris.
Den Bauer habe ich nicht gelesen. Bring ihn also mit.
Nächste Woche beginne ich Korrespondenz für N[eue] O[der]-
Zleitung]. 30 Taler per Monat einstweilen. Ich unterstelle aber,
daß die Burschen mit drei Korrespondenzen per Woche zufrieden.
io Ich kann, da ich kein Geld, um Bücher zu kaufen, unmöglich für
30 Taler monatlich meinen Studien auf dem Museum Valet sagen.
So unangenehm mir die Sache, habe ich sie zur Beruhigung meiner
Frau angenommen. Ihre prospects sind allerdings gloomy.
Was ich in dem Ripley anerkannt, war besonders, daß er keinen
15 enthusiastischen Übertreibungen sich hingibt. Die strategischen
Fehler bei dem mexikanischen Krieg scheinen bei dem gänzlichen
Mangel an Plan sich von selbst zu verstehn. Was die feinem tak¬
tischen Schnitzer betrifft, so verstehe ich of course nichts davon.
Den Napier scheint er mir sich zum Vorbild genommen zu haben,
2o indem er die Mexikaner ganz schildert, wie der die Spanier, und
zweitens der faimess gegen die Gegner sich befleißigt.
Morgen habe ich den Blind und Gattin auf dem Halse. Dieser
„finschtre“ Russenhasser und „Repelbikaner“ bleibt dabei, daß
Baden das wahre Land der Zukunft ist.
25 Salut. Grüß auch den Lupus von mir.
Dein K. M.
Z. 25 (Grüß ... mir.).
340. Marx an Engels; 1855 Januar 12.
12. Januar 1855.
Dear Frédéric,
Ich habe gestern Report über trade und commerce an die Tri- 5
bune geschickt und habe nun noch zwei Artikel zu liefern, um
mein Übergezognes den Kerls abgetragen zu haben. NächsteWoche
gehn zwei Steamer, Dienstag und Freitag, und es wäre sehr gut,
wenn Du Dienstag über un sujet quelconque einen Artikel
liefern kannst. io
Meine Frau geht mit starken Schritten der Katastrophe ent¬
gegen.
Von hier nichts Neues. Götz hat an Sidney Herbert geschrieben
um ein „Offizierspatent“ in der apokryphischen „Fremdenlegion“.
Salut. is
Dein K. M.
341. Marx an Engels; 1855 Januar 17.
London, 17. Januar 1855.
Lieber Frédéric,
Ich konnte gestern of course nicht an die Tribune schreiben 20
und auch für einige Zeit à venir nicht, weil gestern zwischen 6 und
7 Uhr morgens meine Frau von einem bona fide traveiler — leider
of the „sex“ par excellence — genesen ist. Wäre es ein männliches
Wesen, so ginge die Sache schon eher.
Weißt Du, daß der rote Wolff einer der Londoner Korrespon- 25
denten der Augsburger ist? Ich entdeckte das zufällig. Las näm¬
lich einen Artikel in besagtem Blatt, wo allerlei abgeschmackte
Reflektionen angestellt waren über das „Heim“ und das „Haus“
und die „Fremde“ — alles dies zur Erläuterung des „Drecks“,
mit dem die britischen Truppen in Balaklava kämpfen. Ich sah 30
Freiligrath und erzählte ihm, ich habe einen Blödsinn gelesen in
der A[ugsburger] A [llgemeinen] Z[eitung], dessen nur Lupus
Rufus kapabel sei. Ffreiligrath] bestätigte auch dann, W[olff] ist
der „real identical Kobes“.
Nr. 340.
Z. 26-30.
(341) 1855 Jan. 17
73
Ich habe Heines drei Bände nun zu Hause. Unter anderm er¬
zählt er ausführlich die Lüge, ich etc. seien ihn trösten gekommen,
als er in der A[ugsburger] A[llgemeinen] Zfeitung] wegen der Er¬
haltung von Louis Philippschen Geldern „angegriffen“ war. Der
5 gute Heine vergißt absichtlich, daß meine Intervention für ihn sich
Ende 1843 ereignete, also nicht mit facts Zusammenhängen konnte,
die nach der Februarrevolution 1848 ans Licht kamen. But let
it pass. In der Angst seines bösen Gewissens, denn der alte Hund
hat für allen solchen Dreck ein monströses Gedächtnis, sucht er zu
io kajolieren.
Ich erwarte Dich also für Friday. Mehr kann ich heut nicht
schreiben, da ich eine Masse Kindbettanzeigen zu expedieren
habe.
Dein K. M.
342. Marx an Engels; 1855 Januar 19.
19. Januar 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Ganz mit Deiner Einrichtung — und zwar dankbarst — ein-
20 verstanden.
Mit dem Parlament wird es etwas schief gehn, von wegen der
Zeit. But never mind.
Ich erhalte Deinen Brief von gestern heut erst um 4 Uhr
nachmittags, weil der Postesel ihn (schon zum zweiten,
25 dritten Mal passiert das und ich werde klagen beim Postoffice)
28, Sohosquare abgibt, statt 28, Deanstreet. Schreib künftig auf
die Adresse: 28, Deanstreet, Soho (statt Sohosquare).
Dies späte Eintreffen heut erlaubt mir nur diese wenigen Zeilen an
Dich zu richten.
30 Was ist das mit Barthelemy? Ich habe das in der „Augsburger“
übersehn. Wahrscheinlich eine Erfindung des miserablen „Oly“
oder „Ody“, eines der Korrespondenten der Afugsburger] Afllge-
meinen] Zfeitung] und Lumpen aus der Schweiz.
Salut.
35 Dein K. M.
In der City ist der Panic kolossal, und Freiligrath schreibt mir
gestern, daß bis Anfang Frühling selbst unter den „Sanguinisten“
jetzt sehr Böses erwartet wird.
Z. 8 (denn)-9,
23-29.
74
(343) 1855 Jan. 24
343. Marx an Engels; [1855] Januar 24.
24. Januar.
Dear Engels,
Du wirst aus der heutigen Times ersehn, daß nichts über
das Parlament zu berichten. Wichtige Debatte erst Donners- 5
tag abend. Bleibt also nichts übrig als „i r gen d welches
sujet“ vorzunehmen.
Salut.
Dein K. M.
344. Marx an Engels; 1855 Januar 30.
30. Januar 1855.
Dear Frédéric,
Das zur Charakteristik der Koalition Nötige werde
ich, aus der „Tribun e“ ausgeschnitten, Dir schicken und, wo
Lücken, einige Zwischenpunkte schriftlich bemerken. Ich werde 15
schwerlich heute schon damit zustande kommen^, da ich aus der
entsetzlich langen Sitzung von gestern den Breslauer Eseln2) ein
Résumé schicken muß und wegen sehr bedenklichen Zustandes
des Baby — meine Frau dagegen sehr wohl — bis 1 Uhr (jetzt)
in domestic affairs zurückgehalten wurde. So daß meine Scheiße 20
erst Donnerstag morgen in aller Wahrscheinlichkeit zu Dir kom¬
men wird.
Wenn der Palmerston Premier wird, wird es lustig.
Hast Du Barthelemys confession im gestrigen Advertiser
gelesen? 25
Tout à vous Ch. M.
345. Marx an Engels; 1855 Januar 31.
London, 31. Januar 1855.
Lieber Engels,
Einliegend zwei Artikel über Gladstones Finanzwirtschaft. In 30
dem ersten haben die Kerls einige Zahlen offenbar verdruckt. In¬
des kommt’s Dir ja nur darauf an, den Spirit des ganzen Plans
wieder vor Augen zu haben.
Zur Übersicht die Taten der Koalition:
x) Im Orig, gekommen
2) Neue Oder-Zeitung.
Nr. 343.
Z. 20-22.
(345) 1855 Jan. 31
75
1853
Dezember 16. Disraeli (Majorität gegen ihn 19) stürzt,
angeblich wegen Ausdehnung der housetax und der „extension of
the general area of direct taxation“. Irische Brigade gibt den
5 Ausschlag. — Koalition gebildet: „We have now arrived at the
commencement of the political millenniu m.“ (T i m es.)
. . . Christmas recess.
Februar 10. Parlament kommt wieder zusammen. Altes
Russellprogramm von 1850. Von Reformbill könne nur die
io Rede sein, wenn sie nächsten Winter wieder zusammen kämen.
„Next session is not quite so uncertain as to-
morrow.“ (Times.) Dagegen Masse praktischer und admini¬
strativer Reformen versprochen: Gesetzrèform, Eisenbahnregula¬
tion, Erziehung etc. Gladstone verschiebt sein Budget bis nach
is dem Easter recess.
Februar 18. „It is no longer a Ministry of Reform: it is a
Ministry of Progress, every member of which résolves to do
nothing. All difficult questions are open questions.“ (Disraeli.)
Februar 21. Clarendon Foreign minister. — Russell namen-
2o und gehaltloser Minister.
Februar 24. Russells Judenbill. „The Policy of Abstention“
proclaimed on the Eastem question, also the ministerial policy at
home.
April 4. Russells Educational Reformbill.
25 April 7. Vor Vorlegung des Budgets: Gladstones Financial
scheme.
April 15. Diskussion im House über das Gunpowderplot.
Stellt sich heraus, daß Palmerston als general informer für die
Continental police handelt. — Easter recess. (Weiß das
30 Datum nicht.)
Mai 31. Russell beleidigt die Katholiken im Parlament.
Irische Mitglieder treten aus dem Ministerium. Aberdeens Brief
an sie vom 3. Juni. Russell revoziert.
Hauptgegenstände der Frühlings- und Sommersitzung:
35 1. Indiabill: Ministerium will den Eastindia Company
Charter (expiring on April, 1854) auf zwanzig Jahre verlängern.
Ist gezwungen dies aufzugeben und seine bill als nur pro¬
visorisch, solange es dem Parlament gefalle, gelten zu lassen.
Mit Ausnahme der Bestimmung, daß die appointments im civil
40 service und scientific military services öffentlicher Konkurrenz auf¬
geschlossen, beschränkt sich dieser Akt darauf : Sir Charles Wood
(Präsident des board of control) erhält 5000 statt früher 1200
18 Directors statt 24. Statt alle von dem Court of proprietors wer¬
den jetzt 12 von ihm, 6 vom Ministerium ernannt. Gehalt der Di-
45 rectors von 300 £ zu 900 £ und des Chairman und Deputy Chair-
76
(345) 1855 Jan. 31
man zu 1000 £... noch erhöht. Govemorgeneralship von Indien
von der Govemorship von Bengal getrennt. Neue Presidency on
the Indus. So statt der wohlfeilen und, wie die Praxis zeigte,
brauchbaren simple commissioners neue Governors und Presidents
mit luxurious councils. New sinécures. Einige ganz unbedeutende 5
Reförmchen im indischen Justizdienst.
2. B u d g e t : Viele features davon dem Disraeli gestohlen, nur
daß er excise duties im Interesse der Stadt, Disraeli angeblich im
Interesse der farmers removierte; so die Scheiße mit der Tee duty,
Ausdehnung direkter Besteurung etc, israelitischen Ursprungs. 10
Einige der wichtigsten Bestimmungen dem Gladstone aufgedrun¬
gen, nachdem er wiederholt im Parlament mit seiner Opposition
dagegen niedergestimmt worden. So die Aufhebung der
Advertisement duty; der Succession duty. Licensing System new
régulation aufgegeben, nachdem verschiedne Mal im Lauf der 15
Sitzung transformiert. Bleibt von dem Budget, das mit der Prä¬
tension einer systematischen Enzyklopädie auftrat, nichts als Mix¬
tum compositum von little items. Charakteristisch: Der
edle G[ladstone] rückt besondere bill in sein Budget — Aufhebung
der stamps on newspapcrs Supplements —, um die Times zu 20
kaufen, macht ihr damit Präsent von 30—40000 £ jährlich. Da
sie allein Supplements bringt, konsolidiert ihr Monopol. Times
dankbar gab ihre Polemik gegen seine incometax auf und verlangt
heute wieder, daß er im neuen Kabinett.
3. Irische Landlords und Tenants bill. Von dem 25
Tory Napier unter dem Derby ministry eingebracht. Gehn
7. August nach zehnmonatlicherBeratung in den Commons
durch. Aberdeen (August 9.) spricht in den Lords seine Zu¬
friedenheit aus, daß sie hier geburkt worden.
4. Parliamentary reform, national éducation reform, law 30
reform (a few trifles apart) etc. postponed. Transportation
bill, Navigation bill etc. von dem Derby ministry geerbt. Judenbill
fällt durch. Wahrscheinlich gehört dem ministry nur 2. der
große Cabact, der sofort im Parlament wieder reformiert
werden mußte, sobald er seine Schwelle verlassen, weil die Kerls 35
nicht einmal eine Droschkenregulation mit „allen Talenten“ zu¬
stande bringen. 5. Gladstones Konversion der public debt, die er
schon July 28. als failure im Parlament gestehn muß.
August 20. (Tag der Prorogation des Parlaments — 27. Ok¬
tober.) Palmerston entläßt das Unterhaus mit der Versichrung, 40
sie könnten wegen der orientalischen Affäre ruhig sein, „as far as
the évacuation of the principalities was concemed. . . . Ihr pledge
sei „his confidence in the honour and character of the Russian
9 Korr, aus zehnstündiger
(345) 1855 Jan. 31
77
Emperor“, which would move him to withdraw his troops volun-
tarily from the principalities.“
3. Dezember. Sinope.
12. Dezember. Note der 4 Powers an die Pforte, worin au
5 fond noch mehr von ihr verlangt wird als in der Wiener Note.
14. Dezember. Palmerston gibt erst seine Zustimmung im
Minister Conseil, nach Wien zu telegraphieren, daß die Affäre von
Sinope die Negotiationen nicht stören soll, und dann, um die Phi¬
lister zu täuschen, gibt er
io 15. Dezember seine Resignation, angeblich weil gegen Rus¬
sells Reformbill. Tritt natürlich wieder ein, sobald sein Zweck
erreicht.
1854
Mitte Januar. Sadleirs, des brokers der irischen Bri-
15 gade Resignation, wegen scandalous disclosures vor einem Irish
court of law. War Lord (junior) des Treasury. (Später, der
virtuous Gladstone will seinen Verwandten Lawley, Börsenspieler
während Sekretär des Chancellor of the Exchequer und betting
Kerl, als Gouverneur nach Australien schicken. Blamiert im Par-
2o lament. Derselbe „Tugendhafte“ stellt O’Flaherty an, der mit der
Kasse durchbrennt, und bringt in die Poor Law Administration
einen gewissen Hayward, weil er ein dickleibiges Pasquill
gegen Disraeli geschrieben. Alle jobs, Schmutz häuft sich auf den
tugendhaften Gladstone.)
25 Anfang Februar. Parlament wieder eröffnet.
6. Februar zeigt Palmerston an, daß er die bill für Organi¬
sation der Miliz in Irland und Schottland einbringen werde.
28. März Krieg erklärt. Bringt die Bill erst Ende Juni ein.
17. Februar. Russell bringt seine Reformbill ein, die er zur
so Bedingung und Entschuldigung seines Eintritts in die Koalition
gemacht. Nimmt sie zehn Wochen später mit „Tränen“ zurück.
Zum Dank wieder President of the Privy Council und erhält
Gehalt.
6. März. Gladstone verlangt „only the sum which would be
35 required to bring back the 25000 men about to leave the
British shores.“ Doubles the incometax for 6 months. M a y 8.
muß er wieder neues budget einbringen.
Mitte März. Zar zwingt die Kerls zur Kriegserklärung
durch Veröffentlichung der „Secret and confidential correspon-
40 dence“, die mit einer Depesche vom 11. Januar 1853 beginnt und
alle Erklärungen der Kerls während 1853 zu absichtlichen Lügen
stempelt.
7. April. Lord Grey (will schon damals Kriegsminister wer¬
den, berüchtigt dadurch, daß er als Kolonialminister alle eng¬
78
(345) 1855 Jan. 31
lischen Kolonien an den Rand des Auf stands getrieben) hält seine
Rede in den Lords über die Mängel der englischen Mili¬
tärorganisation. Dies gibt den Ministern 8. Juni nur Gelegen¬
heit, durch Trennung des ministry f o r war vom Colonialministry,
ohne Konzentration der Departements, eine Stelle und ein G e - 5
halt mehr zu schaffen. Ebenso wird die Cholera benutzt, um
einen independent Präsident des „board of Health“ und so neue
Ministerstelle und Gehalt zu schaffen.
May 29. „Their (der Minister) measures were kicked over-
board in a very unceremonious männer.“ (Bright.) 10
Résumé ihrer innern Tätigkeit in dieser zwei¬
ten Sitzung: 7 Hauptbills eingebracht. Davon 3 defeated:
bill for the entire change of the law of Settlement; bill für die
public éducation in Scotland; bill on the entire reconstruction of
Parliamentary oaths. 3 withdrawn: Bribery Prévention bill; is
bill for the complété change des civil service; measure for Par¬
liamentary Reform. Eine bill — Oxford Parliamentary Reform¬
bill — durchaus verstümmelt und modifiziert durchgegangen.
August 12. Prorogation des Parliaments.
Außerordentliche Dezembersitzung: bills wegen 20
der Foreign légion in den Milizen.
Das Durchlesen dieser Liste ruft Dir genug Tatsachen ins Ge¬
dächtnis, um Dich über die Kerls lustig zu machen, nebenbei auch
dem würdigen Palmerston im voraus (sollte er Premier werden)
wieder einiges anzuhängen. 25
346. Marx an Engels; 1855 Februar 2.
2. Februar 1855.
Lieber Frédéric,
Besten Dank für den Artikel. Russell ist eklig blamiert durch
Newcastle’s, welcher Esel indes am Schlüsse seiner Rede gar zu 30
rührend wurde.
Meine Frau geht gut voran. Mit dem Kinde aber fürchte ich
Schlimmes.
Einliegend 1. Brief von Lassalle; 2. von Daniels; 3. die Aus¬
schnitte, worauf Lassalle sich bezieht. Goldheim streifte unter dem 35
Namen „Lassalle“ bei den Arbeitern in Solingen etc. herum.
4. Brief von Steffen, der übrigens versäumt, seine Brighton Adresse
zu geben und wieder knurren wird, wenn ich ihm s o nicht ant¬
worte. Jones — durch die Barbès-ScheiBe — geriet natürlich
mit den Crapauds zusammen, und zwar mit der crapule der- 40
selben. So wurde dann wieder großes Allerweltsnationenbankett
Z. 37-39.
(346) 1855 Febr. 2
79
für die Feier des Februar arrangiert. Er kam auch zu mir, ich
lachte ihn aus. Seine Franzosen (ganz unbekannter mob) hatten
indes die Exschappersche Gesellschaft aufgetan, die solche An¬
mutungen of course nicht abwies. Auch die Malcontenten der pol-
5 nischen und italienischen Emigration — die nicht zur „höheren
Flüchtlingschaft“ zählen — sollen sich organisiert haben, um
Deputierte in das Committee zu schicken. Gestern machten ich und
Götz uns den Spaß, uns von Jones in ihre Sitzung führen zu lassen,
und zwar unter dem Titel von „Zuhörern“. Er kündigte uns als
io „old friends of the chartist party“ an, die wohl das Recht hätten,
ihre Neugier zu befriedigen. Wer saß da? Verschiedne Crapauds
der untersten Sorte. Ein spanischer Schneider oder Tubacks-
fabrikant, der „sich selbst versammelt“ hatte. Stech an (halb
verrückt) und hinter ihm drei notorische deutsche Knoten. Seit
a Schapper selbst nicht mehr zu haben, sucht Stechan sein Gesicht,
seinen finstren Emst und seine Gesten in derselben Weise nach¬
zuahmen wie der Metzger Legendre die Dantons. Aber mehr.
Herzen, der Russe, hatte sich uneingeladen in der vorigen
Sitzung selbst zugezogen und beantragt (selbst), ihn zum Mitglied
2o des Komitees zu ernennen. In der Sitzung, der wir beiwohnten, ver¬
las man einen kriechenden Brief von ihm, und da die tief politi¬
schen Franzosen fanden, daß er „un garçon charmant“, wurde er
ohne weiteres zugelassen. Die Sitzung, das Schwatzen der Fran¬
zosen, das Stieren der Deutschen, die Gesten des spanischen
25 Schneiders waren so arg, daß Jones (chairman) 1. vorschlug,
jeder solle nur einmal, nie mehr als zehn Minuten sprechen; 2. auf
die Bemerkung, daß der Spanier kein Emigré, weil die Demo¬
kratie dort siegreich, das zweideutige Kompliment machte, „er
wünsche allen Emigrationen in London dasselbe Schicksal“ und
daß so „keine internationalen Komitees“ in London „gehalten zu
werden brauchten“. Götz und ich hatten diese Komödie gratis und
rauchten furchtbar als stumme Zuschauer. Dort konnte man sehn
mit leibhaften Augen, wie weit es „la vraie démocratie“ gebracht.
Dein K. Marx.
347. Marx an Engels; 1855 Februar 13.
13. Februar 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Erst Anzeige des Empfangs der „bullion“ und zweitens des
4o famosen Artikels von heute. Ich bin daran verhindert worden,
während vier bis fünf Tagen zu schreiben, also auch Dir, durch
eine starke Augenentzündung, die noch nicht ganz beseitigt ist, und
Z.2-7.
11 (Wer)-17.
23-31.
31 (hatten ... und)
80
(347) 1855 Febr. 13
meine usual secretary hat sich infolge des kalten Wetters nicht so
rasch vom Bette wieder erhoben, wie das sonst der Fall zu sein
pflegte. Indes, denk’ ich, wird sie in kurzer Zeit wieder ihren
Posten antreten können. Ich habe mir das Augenübel dadurch zu¬
gezogen, daß ich meine eignen Hefte über Ökonomie durchlese, 5
wenn nicht um die Sache auszuarbeiten, jedenfalls das Material
zu bemeistem und es für Bearbeitung ready zu haben.
Ich habe Dir mitgeteilt, wie Herzen sich an das „international
Committee“ zudrängte. Beiliegend ein Brief von ihm, worin er für
„nichterfolgte Einladung“ dankt. Dieser Brief war zum Druck im io
„People’s Paper“ bestimmt, um seine Wichtigkeit coram publico
zu konstatieren. Dies ist mißlungen, weil ich den Wisch dem Jones
sofort abschwatzte. Indes hat Herzen sich zu einem der Festredner
nominieren lassen.
Beiliegend auch ein zweiter Brief, worin das Komitee mich ein- is
ladet zum Bankett und zur „Beteiligung am Meeting“. Ich will
nicht den Crapauds und noch weniger den Chartists vor den Kopf
stoßen. Frage also: In welcher Form soll ich die Sache ab¬
lehnen? Darüber schreibe mir umgehend Deine Ansicht. Ab¬
gelehnt muß die Sache werden: 1. weil solche meetings überhaupt 20
humbug sind; 2. weil man sich in diesem Augenblick dadurch
nutzlos governmental persécutions aussetzt und Palmerston ein
Auge auf mich hat; 3. weil ich mit Herzen nirgendwo und nie¬
mals zusammen figurieren will, da ich nicht der Ansicht bin, durch
russisches Blut das old Europe erneut zu sehn. Sollte man etwa in 25
der Antwort sich auf Herzens Anwesenheit beziehn?
Jones hat einen unendlich „dummen“ Streich gemacht und
ganz seinen Halt verloren, indem er den crapauds und den german
Knoten die Leitung der Sache überlies. Er opferte alles dem
Wunsch, in einem großen Public Meeting die Foreign Emigrations 30
im Schwanz der Chartisten zu zeigen. Das Meeting wird groß
werden und Skandal machen, aber Folge wird sein: 1. Urquhart
et Co. (auch die Times, wenn die Sache Auf sehn macht), denun¬
ziert die Chartisten als von russischen Agenten geleitet. Dies
ist unvermeidlich. 2. Er gibt dem Ministerium Prätext zur Er- 30
neuerung der Alienbill. 3. Zwiespalt innerhalb der Chartisten¬
partei. Ist schon jetzt ausgebrochen. Ein Teil der Londoner Char¬
tisten behauptet, daß Jones, indem er die Phrase von „social and
démocratie Republic“ in die Bildung des Zweigkomitees, das das
connecting link zwischen Chartisten und Foreign Emigration bil- 40
den soll, aufgenommen hat, von der Charter arbitrarily abge¬
wichen ist und ihre ganze Sache kompromittiert hat. Bei aller Ener¬
gie, Ausdauer und Tätigkeit, die man an Jones anerkennen muß,
verdirbt er alles durch Marktschreierei, taktloses Haschen nach
Agitationsprätexten und Unruhe, die Zeit zu überspringen. Wenn 45
Z. 11 (um)—13.
(347) 1855 Febr. 13
81
er nicht wirklich agitieren kann, sucht er den Schein der Agitation,
improvisiert inovements über movements (wobei natürlich alles
stehn bleibt) und lügt sich periodisch in falsche Exaltation hinein.
Ich habe ihn gewarnt, aber vergebens.
5 Herr Golowine — fidus Achates des Herzen —, hat heute ein
kleines Inserat im Moming Advertiser, betitelt: „February Revo¬
lution“, folgenden Gehalts: „Herzen, höre er, solle Rußland, or
rather liberal Russia, bei dem Bankett repräsentieren. Sein Name
zeige schon, daß er Deutscher oder vielmehr deutscher Jude sei.
io In Rußland werfe man dem Kaiser vor, daß er diese Leute beson¬
ders anwende. Die Emigration solle sich hüten, to fall into the
same error.“
Wenn Bonaparte minor, wie heute der Pariser Korrespondent
in der second édition des „Moming Chronicle“ schreibt, persön-
15 lieh das Oberkommando der Rheinarmee gegen Preußen über¬
nimmt, so könnte die „Campagne“ französischerseits ein schlimmes
Ende nehmen.
Dein K. M.
348. Marx an Engels; 1855 März 3.
2o 3 March 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric,
Du erhältst Dienstag ausführlichen Brief von mir. Heute nur
diese wenigen Zeilen, um Dir die Gründe des Schweigens zu er-
25 klären:
1. Musch ein gefährliches gastrisches Fieber, das noch nicht
beseitigt (dies das Schlimmste).
2. Der baby grew every day worse, störte das ganze Haus, so
daß vor einigen Tagen Ammenwechsel nötig.
so 3. Meine Frau, obgleich das Wochenbett famos vorüberging,
bekam einen sogenannten Umlauf am Zeigefinger der rechten
Hand. Klein, wie dies Leiden, sehr intensiv und irritierend.
Gestern ist die Sache operiert worden.
4. Ich erst die Augenscheiße, die jetzt ziemlich beseitigt; dann
35 einen solchen ekelhaften Husten, daß ich einige Flaschen Medizin
saufen und einige Tage sogar das Bett hüten mußte.
Du siehst, das ganze Haus war und ist noch zum Teil Lazarett.
Ich werde Dir die Scheiße von Herzen besorgen; ebenso das
People’s Paper von gestern, wo Du die union proceedings von
4o Jones and Herzen lesen kannst. Soll ich den Jones zur Türe hinaus¬
werfen, wenn er wiederkömmt, oder soll ich „diplomatisch“ ver¬
fahren?
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 6
Z. 38-42.
82
(348) 1855 März 3
Der Doktor erklärt, daß mir Luftveränderung nötig, da ich seit
zwei Jahren die precincts of Soho Square nicht verlassen. Ich
würde daher gerne Manchester heimsuchen, ehe meine Frau wieder
nach Trier reist. Solltest Du wegen bevorstehender Ankunft des
Alten oder sonst andrer Gründe halber in Deinem Hause geniert s
sein, so könnte ich mir ein Zimmer in Manchester mieten. Jeden¬
falls muß ich — natürlich erst, nachdem hier alles wieder in Ord¬
nung — einmal für kürzere Zeit hier fort, da die leibliche Ver¬
dumpfung mir auch das Him stultifiziert.
Que dites-vous de la mort de Nicolas? Gut ist die Anspielung n
der Times, daß er zum Teil vor Schrecken gestorben, weil „his
worst enemy“ — Palmerston — Premier in England.
Vale faveque.
Totus tuus K. M.
Von Cluß seit Monaten nichts gehört. »
"349. Marx an Engels; 1855 März 8.
8. März 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Die £ 5 erhalten. 20
Ich kann von hier nicht fort, bis Colonel Musch sichtbar her¬
gestellt. Indes hat er diese Woche rasche Schritte zur Rekon¬
valeszenz gemacht, der Doktor war heute exceedingly pleased und
nächste Woche ist vielleicht alles all right. Sobald ich mit gutem
Gewissen fort kann, schreibe ich Dir. Ich denke, nächste Woche. 25
A very happy event, der Tod des neunzigjährigen Onkels
meiner Frau wurde uns gestern mitgeteilt. Dadurch spart meine
Schwiegermutter eine jährliche Abgabe von 200 Talern und meine
Frau wird an 100£ St. bekommen; mehr, wenn der alte Hund den
Teil seines Geldes, der nicht Fideikommis war, nicht seiner Haus- 30
hälterin vermacht. Die Frage mit dem Manuskript des Herzogs
von Braunschweig über den siebenjährigen Krieg, wofür der alte
Schamhorst schon große Summen angeboten hatte, wird auch zur
Entscheidung kommen. Meine Frau hat sofort Protest eingelegt
gegen etwaige Versuche ihres Bruders, es seinem „Allergnädig- 35
sten“ als Präsent zu übermachen. Für bares Geld mag der preu¬
ßische Staat es acquirieren, but not otherwise.
Eine andre mögliche Geldzufuhr hat sich aufgetan. Meine
Frau hatte bei einem Bankier Grach in Trier 1300 Taler deponiert.
Der Kerl machte Bankrott, und in bezug auf sie fraudulös, da er /o
0 Christian Heinrich Philipp, Edler von Westphalen.
Z. 15.
26-37.
(349) 1855 März 8
83
schon fallit war (obgleich ohne Wissen des Publikums), als er
das Deposit akzeptierte. Auf Anstehn der Frau dieses Grach ließ
sich meine Frau „erweichen“ und stand davon ab, die Sache ge¬
richtlich zu betreiben. Der Oberprokurator hatte erklärt, daß im
s gegenteiligen Falle Grach vor die Assisen kommen werde. Nun hat
die Frau dieses G [rach] ein großes Vermögen geerbt, und wenn
sie ihren Versprechungen treu bleibt, ist auf den Ersatz von
wenigstens einem Teil des Verlustes zu rechnen. Jedenfalls wird
so die „Vergangenheit“ endlich einmal abgezahlt und diese Last
io von den Schultern fallen.
Die Broschüre des Nap[oleon] Bonaparte — (Girardin erklärt
in der Presse, daß er nicht der faiseur) — hat mich sehr amüsiert.
Trotz des Versuchens, „le prince“ in Pose zu setzen, trotz der fran¬
zösischen Renommisterei, Oberflächlichkeit, plunders in milita-
15 ribus, ist die Broschüre Gold wert als Denkstein für unsern Leroy,
alias St. Arnaud, und überhaupt zur Charakteristik des „imperial
Barnum“ und seiner Tafelrunde.
Ein Punkt, worüber Du mich aufklären mußt in der Krim¬
scheiße, ist folgender: General Evans sagt vor dem Komitee, der
Hauptgrund des melting der army vor Sébastopol sei der Mangel
des Wegs vom Hafen von Balaklava gewesen, 1000 Mann während
zehn Tagen würden hingereicht haben, ihn zu bauen, aber — et
c’est la question — all men who could have been spared were
employed in the trenches: und von vornherein sei der Um-
25 fang der Linien, die die Engländer einzunehmen, im größten Mi߬
verhältnis to their numerical strength gewesen. Frage nun, ob die
Franzosen als contrivers dieses mischief betrachtet werden dürfen?
Ich habe vor einiger Zeit wieder die römische (alt) Geschichte
durchgegangen bis zur Zeit des August. Die innere Geschichte löst
30 sich plainly auf in den Kampf des kleinen mit dem großen Grund¬
eigentum, natürlich spezifisch modifiziert durch Sklavereiverhält¬
nisse. Die Schuldverhältnisse, die eine so große Rolle spielen von
den origines der römischen Geschichte an, figurieren nur als
stammbürtige Konsequenzen des kleinen Grundeigentums.
35 Von dem Pfaffen Forster sah ich heut drei Werke angezeigt,
alle unter dem gemeinsamen Titel der Original Language.
Herr Herzen, wie Du gesehn haben wirst, läßt sich jetzt auch
in der A [ugsburger] A [llgemeinen] Zfeitung] puffen. Gleichzeitig
erscheint sein speech (im Jonesschen Meeting) im People’s Paper
40 als Flugschrift und in dem braven L’Homme des père Ribeyrolles.
Adieu.
Dein K. M.
x) Spottname für Napoleon III.
6*
Z. 35-40.
84
(350) 1855 März ca. 10
350. Frau Jenny Marx an Engels; [1855 März
ca. 10].
Lieber Herr Engels,
Der Mohr möchte gern wissen, ob Sie Ostern herkommen, wie
wir es alle so sehr wünschten. Er würde dann die blue books nicht 5
schicken. Bitte, schreiben Sie ein paar Zeilen über Ihr Kommen.
Dann könnten wir das Ding Montag auf die Parcelscompany brin¬
gen. Ich habe aber Ihren Artikel gepostet. Challey is very busy
mit den Karspapers und diktiert dem etwas verschwiemelten Pie¬
per. Was sagen Sie zu den Skandalem in Berlin? Haben Sie in 10
der heutigen Times gelesen, was der Berliner Korrespondent be¬
richtet? Die Ach- und Weh-Leaders der Kreuzzeitung kann man
sich jetzt erklären.
Ich habe in diesem Augenblick auch ein Hühnchen mit dem
Minister of the interior zu pflücken wegen meiner kleinen Erb- 15
schaftsgeschichte. Sie werden sich erinnern, daß sich unter dem
Nachlaß des Onkels eine Masse Briefe und Manuskripte des Gro߬
vaters, der Kriegsminister des Herzogs von Braunschweig war, vor¬
fanden. Wegen letzterer, die das kriegsgeschichtliche Material
über den siebenjährigen Krieg enthalten, war der preußische Staat 20
durch die Vermittlung von Herm von Schamhorst schon mit
meinem Vater in Unterhandlung, um sie anzukaufen. Nun
kommt mein Bruder, und in der Schlußabrechnung über die Erb¬
schaftsangelegenheit befinden sich folgende sonderbare Posten:
Was die vorgefundenen Bücher betrifft, so hat der Herr Staats- 25
minister dieselben aus „Pietäts-Rücksichten“ für zehn Taler über¬
nommen. Den schlechteren Teil derselben hat er in Braunschweig
für elf Taler versteigern lassen, und nun übernimmt er, ohne an¬
zufragen, die wertvolleren, die er für zehn Taler taxieren läßt, aus
Pietät, zieht mir aber die Kosten für die Fracht derselben von 30
Braunschweig nach Berlin ab. Sonderbare Pietät! Doch nun kommt
der eigentliche Casus belli. Ferner läßt er den Geschäftsführer
Florencourt schreiben:
„Außer den Büchern ist noch eine große Anzahl von Schriften,
darunter auch eine Anzahl von Handschriften des verewigten Land- 35
drost von Westphalen — zum Teil kriegsgeschichtlichen Inhalts —
vorgefunden worden. Die letzteren sind aber durchgängig höchst
lückenhaft und defekt und dürften dieselben ein eigentlich litera¬
risches Interesse nicht darbieten.“
So ohne mir ein gerichtliches Inventar zu schicken und ohne 40
die Papiere taxieren zu lassen, glauben sie die mit einem coup
de main sich zueignen zu können. Ich vermute stark, daß mein
Bruder gleich in seinem patriotischen Feuereifer die Manuskripte
dem Staat geschenkt hat, umsomehr, als meine Mutter mir schreibt,
sie habe ihnen schon über den Wert der Papiere geschrieben und
Nr. 350.
(350) 1855 März ca. 10
85
angefragt, was sie damit vorhätten. Das Schweigen ist sehr sonder¬
bar. Er glaubt, ich werde ihm, dem mächtigen „Cheeef“ der Fa¬
milie, das alles so ohne weiteres wie meine andern untertänigen
Schwestern überlassen. Da schneidet er sich aber.
5 Erst habe ich „leise Anfragen“ gemacht, um dann nach und
nach mit meinen „property“-Ansprüchen hervorzutreten.
Ich bin begierig auf die Antwort. Wir könnten jetzt sehr leicht
bei dem jetzigen aufgeregten Zustande in Berlin Skandal machen.
Aus Rücksicht für meine Mutter wollen wir aber noch vor Anfang
10 etwas sachte auf treten.
Hoffentlich sehn wir Sie hier die nächste Woche.
Sein Sie herzlich gegrüßt von
Jenny Marx.
351. Marx an Engels; 1855 März 16.
is 16. März 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Ich glaube nicht, daß der gute Musch Herr über die Krankheit
wird. Du begreifst, wie diese Aussicht hier zu Haus wirkt. Meine
2o Frau wieder ganz down. Indes muß sich die Sache jetzt bald ent¬
scheiden.
Dein K. M.
352. Marx an Engels; 1855 März 18.
18. März 1855.
25 28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Seit gestern abend ist meine Frau bettlägerig. Da ich vor
Dienstag (kommenden) über acht Tage keinen Wechsel ziehn
kann, wäre es mir sehr lieb, wenn Du mir etwas, auch nur ein Mi-
3o nimum, Geld schicken kannst.
Die Tribune soll der Teufel holen. Es ist jetzt allerdings
durchaus notwendig, daß sie antipanslawistisch auftritt.
Wo nicht, so könnte man gezwungen werden, mit dem Blättchen zu
brechen, was fatal.
35 Du wirst in einer frühem Nummer der Augtsburger] Allgte-
meinen] gesehn haben, daß der große Herzen von nächstem
August an hier eine russische Zeitschrift herausgibt: Der Nord¬
stern.
Grüße Lupus bestens von mir.
4o Dein K. M.
Nr. 350.
86
(353) 1855 März 27
353. Marx an Engels; 1855 März 27.
27. März 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Seit einigen Tagen erholt sich Musch zusehend, und der Doktor s
spricht die besten Hoffnungen aus. Sollte alles gut vorangehn, so
muß Musch sogleich aufs Land. Er ist natürlich furchtbar schwach
und abgemagert. Das Fieber ist got rid of und die Unterleibs¬
verhärtung legt sich ganz bedeutend. Die Hauptfrage ist jetzt nur
noch, ob seine Konstitution stark genug, die Kur ganz durchzu-io
machen. Das glaube ich indes. Sobald der Arzt erklärt, daß keine
Gefahr mehr, komme ich zu Dir.
Dronke hier angekommen, bewirbt sich um Freiligraths Posten,
da Ffreiligrath] definitiv mit seinem Prinzipal gebrochen.
Du mußt entschuldigen, wenn ich nur diese paar Zeilen 15
schreibe. Ich bin müde wie ein Hund von dem langen Nachtwachen,
da ich Muschs Krankenwärter.
Beste Grüße von dem ganzen Hause an Dich, auch von Musch.
Sage Lupus, daß der Schweizer Furrer, mit dem er früher in
Verbindung, bankrott gemacht und sogar seinen Hauslehrer um 20
14 £ geprellt hat.
Vale faveque
Totus tuus K. M.
354. Marx an Engels; 1855 März 30.
30. März 1855. 20
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Ich schob von Tag zu Tag auf, Dir ein Gesundheitsbulletin zu
schicken, weil die Krankheit so auf und ab ging, daß mein Urteil
selbst fast stündlich änderte. Schließlich aber hat die Krankheit 30
den in meiner Familie erblichen Charakter einer Unterleibs¬
auszehrung angenommen, und Hoffnung scheint selbst ärztlicher
Seite aufgegeben. Meine Frau war seit einer Woche so krank wie
nie vorher von geistiger Erregung. Mir selbst blutet das Herz und
brennt der Kopf, obgleich ich natürlich Haltung behaupten muß. 35
Das Kind verleugnet während der Krankheit keinen Augenblick
seinen originellen, gutmütigen und zugleich selbständigen Cha¬
rakter.
Dir kann ich nicht genug danken für die Freundschaft, womit
Du statt meiner arbeitest, und für die Teilnahme, die Du für das w
Kind fühlst.
Z. 19-23.
(354) 1855 März 30
87
Sollte irgend eine beßre Wendung eintreten, so schreibe ich Dir
sofort.
Totus tuus K. M.
Notabene. Nächsten Dienstag geht kein Schiff nach
5 Amerika und es geht nicht, den Kerls jedesmal zwei Briefe
auf einmal zu schicken. Diesen Dienstag schlage also über.
355. Marx an Engels; 1855 April 6.
28, Deanstreet, Soho.
6. April 1855.
io Lieber Engels,
Der arme Musch ist nicht mehr. Er entschlief (im wörtlichen
Sinne) in meinen Armen heute zwischen 5 und 6 Uhr. Ich werde
nie vergessen, wie Deine Freundschaft diese schreckliche Zeit uns
erleichtert hat. Meinen Schmerz um das Kind begreifst Du. Meine
is Frau sendet Dir die freundlichsten Grüße. Es ist möglich, daß,
wenn ich nach Manchester reise, ich sie für acht Tage mit mir
nehmen werde, wobei wir uns natürlich in einem Gasthaus (oder
auch eignes private lodging) niederlassen würden. Jedenfalls muß
ich ein Mittel suchen, sie über die ersten Tage wegzubringen.
2o Dein K. Marx.
356. Engels an Marx; [1855] April 10.
Lieber Marx,
Inliegend Post Office Ordre £ 5.
Wenn der Gesundheitszustand Deiner Frau und Deine sonstigen
25 Verhältnisse es erlauben, so komm übermorgen, Donnerstag, her.
Du hast drei Züge, zwischen denen Du wählen kannst: 1. um halb
sieben morgens, kommt hier an um 2 Uhr (hat zweite Klasse) ;
2. der Parliamentary Train um 7 Uhr morgens (zweite und dritte
Klasse), kommt an um halb sieben abends; 3. um 12 Uhr mittags,
3o kommt an um 9 Uhr abends (2. Klasse). Wir können dann von
Freitag bis Montag etwas in der Umgegend herumfahren.
Jedenfalls schreib mir umgehend, ob und mit welchem Zug Du
kommst; ich werde dann an der Station sein. Kannst Du nicht am
Donnerstag kommen, obwohl das sous beaucoup de rapports vor-
35 zuziehen wäre, so komm am Freitag. Jedenfalls laß mich gleich
wissen wo und wie.
Ich lasse alles übrige für mündliche Abmachung und geh lieber
z. 4-6.
Nr. 356.
88
(356) 1855 April 10
gleich die Post Office Ordre holen. Grüß Deine Frau und Kin¬
der. —
Dein F. E.
Manchester, 15.1) April, Dienstag.
Das Bureau war wieder zu voll — inliegend eine halbe Fünf- 5
pfundnote — die andre Hälfte mit der nächsten Post.
357. Marx an Engels; 1855 April 12.
12. April 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels, io
Ich denke Mittwoch mit meiner Frau nach Manchester abzu¬
reisen; für einige Tage muß sie die Lokalität ändern. Schreibe ich
nicht das Gegenteil, so bleibt es bei diesem Tage. Jedenfalls
schreib ich Montag noch einmal.
Das Haus ist natürlich ganz verödet und verwaist seit dem Tode is
des teuren Kindes, das seine belebende Seele war. Es ist unbe¬
schreiblich, wie das Kind uns überall fehlt. Ich habe schon allerlei
Pech durchgemacht, aber erst jetzt weiß ich, was ein wirkliches
Unglück ist. Ich fühle mich broken down. Zum Glück hatte ich
seit dem Begräbnistag so tolle Kopfschmerzen, daß Denken und 20
Hören und Sehn mir vergangen ist.
Unter all den furchtbaren Qualen, die ich in diesen Tagen
durchgemacht habe, hat mich immer der Gedanke an Dich und
Deine Freundschaft aufrecht gehalten und die Hoffnung, daß wir
noch etwas Vernünftiges in der Welt zusammen zu tun haben. 25
Dein K. M.
Meine Frau bringt eben ein paar Zeilen an Dich, die ich bei¬
lege.
358. Marx an Engels; 1855 April 16.
16. April 1855. 30
Lieber Engels,
Mittwoch morgen werde ich mit dem parliamentary train von
hier nach Manchester abreisen mit meiner Frau.
Eben sahen Dronke und ich Badinguet die Westminsterbridge
passieren. Affe in Uniform. 35
Dein K. M.
*) Irrtümlich für 10.
Nr. 356.
(359) 1855 Mai 16
89
359. Marx an Engels; 1855 Mai 16.
16. Mai 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
5 Meine Frau ist sehr leidend. Der ganze Zustand des Hauses
immer noch sehr verstört. Von dem Tag an, wo wir Manchester
verließen, war hier beständig scheußliches Wetter. — Der Dronke
will — der kleine Narr — Dir den Bruno Bauer erst schicken,
wenn Du ihm seine „Gummiüberschuhe“ geschickt. Der „Peter-
/mann“ durch Versehn miteingepackt. Wäre Dir schon zurück¬
geschickt, wollte ich ihn nicht zugleich mit dem B[runo] Blauer]
schicken. Bestimme, wie es geschehn soll. Schickst Du dem kleinen
Narren die Schuhe, so könntest Du mir den Decker, den ich ver¬
gessen, mitschicken. — Nach Breslau habe ich geschrieben. Noch
15 keine Antwort. Schreib mir unterdessen genauer, Bogenzahl — ob
in Heften und in wie vielen oder all together, Forderungen etc. —
Von Cluß endlich wieder einige Tribunes eingetroffen und
zwei Zeilen, worin er anzeigt, daß er schreiben wird. Einliegend
1. aus der Sunday Times über die „Soho Scorpions“. 2. Ein
20 Ausschnitt aus den People’s Paper, woraus Du die kuriosen Ver¬
handlungen des Herrn Jones mit den Cityreformern und „wie er
angeschossen worden“ (die Kerls wollten offenbar den Arbeiter¬
plebs nur als Statisten auf der Straße, vor ihren Toren stehn
haben, zum show und Beweis der Popularität ihrer Bewegung),
25 ersehn wirst. Die Geschichte ist very curious indeed. Gruß an
Lupus.
Dein K. M.
Die „Political Flysheets“ sind jetzt als Band erschienen. In der
Vorrede stattet mir Herr Tucker namentlich seinen Dank ab,
so was bei der etwa bevorstehenden Alien Bill not quite recomman-
datory.
360. Marx an Engels; [1855] Juni 15.
15. Juni.
28, Deanstreet, Soho, London.
35 Lieber Engels,
Soeben Dein Artikel eingetroffen (4 Uhr nachmittags). Der
besoffne Briefträger war schon vorbei, als Lenchen ihn packte und
den Brief abfaßte. Aus einliegendem Brief von Dana siehst Du,
1. daß er eine Spalte über die preußische Armee für die Tribune,
40 2. daß er einen Bogen über sämtliche europäische Armeen für
Z. 7 (— Der) — 14 (mitschicken. —)
90
(360) 1855 Juni 15
Putnams Review verlangt. Sollte Deine Zeit Dir nicht
erlauben, letztres zu machen, so müßtest Du mir das Material
schicken und ich es machen. Allerdings würde es im letztren Fall
bei meiner Unbekanntschaft mit dem Gegenstand miserabel aus¬
fallen, aber ich kann mir die so zu verdienenden 10 £ St. nicht 5
entgehn lassen, da einerseits die Erbschaftsgelder noch nicht ein¬
treffen, andrerseits die Ausgaben sehr groß und ich dabei Aus¬
fälle hatte, indem der brave Dronke während meiner Abwesenheit
dieN[eue] O[der]-Z[eitung] nicht besorgt hat (trotz seines Ver¬
sprechens) und ich an die Tribune selbst noch mit Überziehung 19
(die erst mit der heutigen Post abgetragen) im Rückstand.
Was den Petermann betrifft, so schickte ich ihn, nebst
einem Billet, mit Pfänder nach Manchester zur Zeit, wo Du in den
lakes. Pftänder] ist jetzt wieder in Manchester, kann also Aus¬
kunft geben. 25
Für lupus: Seine Wette verloren. Um 1 Uhr Sonntags hier die
Wirtshäuser offen, nicht halb eins.
Diese Zeilen in aller Eile. Nächstens ausführlich.
Dein K. M.
Apropos! Bruno Bauer hat Pamphlet herausgegeben über die 20
„Russische Kirche“.
361. Marx an Engels; 1855 Juni 26.
26. Juni 1855.
28, Deanstreet.
Lieber Engels, 25
Vorigen Freitag habe ich keinen Artikel abgeschickt, weil
den Kerls^ gleichzeitig von London und Manchester Ver¬
dacht erregt hätte. Dienstag (vergangnen) schickte ich einen ganz
allgemeinen Artikel über Bonapartes Diplomatie, Verträge von
1815, und den preußischen Feldmarschall Knesebeck. Letztrer^
nämlich gute Witze über die Polen gemacht beim Wiener Kongreß.
— Nächsten Freitag werden militaria kaum zu vermeiden sein, die
Affaire bei dem Malakhoff und Redan, am Jahrestag von Waterloo.
— Morgen und übermorgen gehe ich auf die Bibliothek und sehe
über die spanische Armee nach. Was ich finde, hast Du jedenfalls 33
Ende dieser Woche.
Wegen Deiner Broschüre schreibt mir Elsner: „Sie haben eine
viel zu hohe Vorstellung von unsern Buchhändlern, wenn Sie
glauben, daß auch nur Einer von ihnen eine Schrift von Engels in
Verlag nehmen würde. Sie haben sämtlich abgelehnt, die ich ge- w
*) Fehlt offenbar Briefe
Z. 6 (einerseits) — 7 (andrerseits)
(361) 1855 Juni 26
91
fragt habe, weil sie ohne Zweifel in revolutionären Ruf zu kommen
fürchten . . . Sollten Sie in Berlin anfragen wollen, so wäre viel¬
leicht Alexander Duncker der erste, der die Schrift
nähme.“ Weerth könnte bei dem Duncker vermitteln.
s Die Demonstration Sonntag nachmittag hier im Hydepark sah
ganz revolutionär aus.
Ich schreibe Dir diese paar Zeilen unter scheußlichen Zahn¬
schmerzen, die mich schon seit einer Woche verfolgen.
Salut.
io Dein K. M.
362. Marx an Engels; [1855] Juni 29.
London, 29. Juni.
Lieber Engels,
Wenn Du beiliegende Wische überlesen, wirst Du sagen: multa
instead of multum. Und mit Recht. Ich konnte das Wichtigste: Zahl
der Geschütze und Kaliber für Spanien nicht auffinden, obgleich
ich das ganze Buch des Ordenaves durchflogen. Einiges darüber
findest Du für die Bergartillerie in einer Note. Nach einer Stelle
der portugiesischen Revista Militär zu schließen, die spa-
2o nische Artillerie materiell auf französischem Fuß im ganzen.
Ich habe allerlei Zeug zusammengestellt, da eins oder das
andre nutzbar sein mag.
Salut.
Dein K. M.
25 Wo Minutoli (Baron) angeführt, sein Buch: „Spanien und
seine fortschreitende Entwicklung etc. Berlin 1852.“
Ich glaube, es ist der Polizeischweinehund. War und ist viel¬
leicht noch preußischer Generalkonsul in Spain und Portugal.
363. Marx an Engels; 1855 Juli 3.
30 28, Deanstreet, Soho.
3. Juli 1855.
Lieber Frédéric,
Die £ 5 erhalten Montag. —
Ich habe eine Masse Zeug durchwühlt auf dem Museum wäh-
35 rend drei Tagen, ohne irgend etwas über die neapolitanische
Armee aufzutreiben, außer folgendem, was auch schon bei Mac
Cuiloch, Dictionary geographical, Statistical etc. zu finden.
Im Jahre 1848 Armee nearly 49000 Mann (dies scheint Kriegs¬
fuß, da ich sie für das Jahr 1840 (in einem Dizionario Politico,
Z. 38—39 -
92
(363) 1855 Juli 3
Turino) auf 26—27000 Mann angegeben finde). Davon: 32000
Infantry ot the line, 5000 cavalry, 4000 artillery and engineers,
8000 gens d’armes. Sie behaupten, ihre Armee auf 64237 bringen
zu können. Das ist als der offizielle Kriegsfuß angegeben. —
Aus Ricciardi habe ich gesehn, daß der Sohn Ferdinands I. «5
und der Vater King Bombas zuerst — 1824 oder 1825 — die
Schweizer für dreißig Jahre engagierte (da die neapolitanische
Armee die spanische nadigeahmt, insurgiert hatte) und mit dem
dreifachen Sold der native army. Da die Regierung beider Sizilien
im Innern auf Schweizer und Lazzaroni, im Außem auf die öst- io
reichische Armee sich verläßt und ihre schlechtbezahlte, undiszi¬
plinierte, demoralisierte, feige Armee selbst auf zéro anschlägt,
so glaube ich, daß bei einer Übersicht der europäischen Armeen
sich auf dies Urteil der eignen Regierung bezogen werden kann,
die Armee auf „0“ zu setzen und nur en passant ihre Zahl anzu- u
geben.—
Vielleicht steht in Mariotti etwas näheres. Ich konnte ihn aber
nicht habhaft werden, da er stets „in hand“ war, so oft ich ihn
verlangte.
Hier bei mir ist es noch immer eine traurige Häuslichkeit. 20
Meine Frau noch sehr leidend. Die Erinnerung an das liebe arme
Kind quälend und selbst zwischen die Spiele seiner Geschwister
dazwischentretend. Solche Schläge lassen sich nur langsam, im
Lauf der Zeit verschmerzen. Mir selbst ist der Verlust noch so
frisch wie am ersten Tag, und ich kann daher die Leiden meiner 25
Frau beurteilen. Sollte das schottische Geld noch zeitig eintreffen,
so werde ich auf mehre Wochen nach Kent ziehn, wo Überfluß an
schöngelegnen und wohlfeilen Plätzen sein soll. —
Die Szenen vorigen Sonntag im Hydepark disgusting, einerseits
wegen der Brutalität der Constables und andrerseits des bloß pas- 30
siven Widerstands der ungeheuren Massen. Indes gärt und kocht
es offenbar und nur zu wünschen, daß große Unglücksfälle in der
Krim den Ausschlag geben.
Dein K. M.
364. Marx an Engels; 1855 Juli 17.
17. Juli 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Strohn ist hier und hindert mich heute leider, einen article an
die Tribune zu senden. Ich bezwecke deshalb, Freitag einen u
Artikel über die letzte Ministerkrise unter dem Datum Diens¬
tag fortzuschicken und es wäre mir sehr lieb, wenn Du mir
Z. — 1—4. 17—19. 22 (zwischen) —24.
(364) 1855 Juli 17
93
gleichzeitig einen über z. B. die preußische Armee schicktest
(wenn sich nichts auf dem Kriegsschauplatz ereignet), so daß zwei
Artikel auf einmal abgehn. Ich bin nämlich gezwungen,
nächste Woche auf die Tribune zu ziehn, und, da ich schon das
5 letztemal übergezogen hatte und diesmal einige Tage ausfielen,
überzuziehn und zwar bedeutend.
Ein aus dem Yankeeland zurückkehrender Deutscher, Gustav
Pöckel, hat mir einige Zeilen von Edgar gebracht und nähere
Nachrichten über ihn und sonstige Bekannte. Edgar war zuletzt
io Ackerknecht bei New York und beabsichtigte seine Farm in Texas
zu verkaufen. Schramm soll dem Tode durch Schwindsucht ent¬
gegengehn, ist auch im Staat New York. Ewerbeck kam vor
anderthalb Jahren durch auf der Reise nach Nauvoo zu Cabet.
Fickler hat das Shakespeare-Hotel übernommen, nachdem Sicore
is bankrott gemacht, und bei dieser Gelegenheit letztem möglichst
angeschissen. Jacobi macht gute Geschäfte, sein „seriöses“ und
„reserviertes“ Wesen gefällt den Yankees. Der Feldmarschall
Blenker^ und einige andre berüchtigte Gauner aus derZeit der Re¬
volutionskomödie haben sich mit den gestohlnen Geldern Grund
20 und Boden gekauft und sollen, was die Brutalität gegen ihre Ar¬
beiter und Großtun betrifft, die Yankees bei weitem ausstechen.
Heinzen etabliert sich wieder mit seinem „Pionier“ in New York.
Im ganzen die Deutschen sehr schlecht dran drüben, gleichzeitig
gequält von Maine-Law2), Know-nothings und der Krise in Acker¬
en bau und Industrie. Daher starke Rückauswanderung nach Deutsch¬
land, Kanada und Südamerika.
Dronke hat auf Verwendung deutscher Kaufleute in Paris
(einer davon Anhänger der Nleuen] Rh[einischen] Z[eitung]) sein
Gesuch zur Erlaubnis, nach Paris zurückzukehren, bejahend be-
30 schieden erhalten. Er denkt diese Woche dahin abzusegeln, sobald
er die „Produktionskosten“ herausgeschlagen.
I m a n d t ist für vier Wochen nach Schottland zu Heise. Er
hat mir für die Zwischenzeit seine Cottage in Camberwell
zur Verfügung gestellt. Die ganze Familie wandert dahin, da die
35 Luftverändrung einstweilen mitzunehmen, bis Größres geleistet
werden kann.
Von den einliegenden Briefen:
Nr. I. Von Lassalle aus Paris.
Nr. II. Zu Deiner Erheiterung schick ich Dir die Asiatic Chiefs
4o von Szeredy nebst dem Anliegen des Kerls an mich.
Nr. III. Brief von Florencourt (der einzige, den Du mir zurück¬
schicken kannst). Enthält den Stand der Erbschaftsangelegenheit.
Du siehst daraus, daß sich einerseits die Erbschaft um 515 £ St.
vermehrt hat, andrerseits allerlei Verzögerungen sich der raschen
x) Im Orig. Blanker
2) Gesetz des Staates Maine gegen den Ausschank alkoholischer Getränke.
Z. 17—18 (andre)
94
(364) 1855 Juli 17
Realisierung entgegengestellt. Dieser Florencourt nicht der Be¬
rüchtigte, sondern sein Bruder.
Dein K. M.
Kennst Du irgend ein Buch über die êtres of little Johnny
Russell? 5
365. Marx an Engels; 1855 September 1.
1. September 1855.
3, Yorkplace, Danemark, Camberwell.
Lieber Frédéric,
Imandt ist nach Montrose auf gebrochen und hat auf eine sehr io
abenteuerliche Aussicht auf eine Stelle in Arbroath seinen ganzen
concem hier auf geb rochen. Ich habe sein Mobiliar übernommen
und bleibe hier bis Ankunft der schottischen Gelder. Dann werde
ich mir eine ordentliche Wohnung mieten. Bis dahin muß ich das
Haus in Deanstreet beibehalten. Die Landluft ist der ganzen is
family, besonders meiner Frau, ausnehmend bekommen.
Deinen Artikel gestern erhalten. Der russische Bericht steht
nun auch in den Hamburger Blättern.
Wegen Putnam ist es nötig jetzt voranzumachen. In einem
Briefe, den ich von Dana erhielt, war schon die Befürchtung aus- 20
gesprochen, Nr. II möge zu spät ankommen. Ist aber rechtzeitig
angelangt, wie ich aus einem spätem Brief ersehe. Putnam fordert
auf zu einem neuen Artikel über „The improvements in modern
warf a re“. In der „New York Times“ steht eine im ganzen an¬
erkennende, aber offenbar mißliebige Kritik. Die Engländer 25
trügen außer Dienst keine „engen Hosen“, ihre escadrons zählten
mehr als 400 sabres, dabei noch ein ? bei den „sabres“, endlich,
der Verfasser scheine nicht zu wissen, daß die Prügelstrafe in
England jetzt auf 50 Hiebe beschränkt und nur noch ausnahms¬
weise vorkomme. Die Geschichte von Aldershott, wo ein soldier 30
vor about fourteen days an 30 Peitschenhieben starb, ist Kommen¬
tar zu diesem criticus, über dessen Blödsinn ich Dana die nötigen
Notizen geschickt habe.
Hast Du Napiers Krakeel mit Graham verfolgt? Der erste Ar¬
tikel stand in der Times, der zweite im Advertiser und Herald. 35
Heute bringt der Advertiser die zwischen Charley und James
geführte Korrespondenz in seinem ersten leader. Eine Antwort
Grahams auf die ersten Artikel Napiers soll heute auch in einem
Tageblatt veröffentlicht sein.
Ich weiß nicht, ob Du beachtet hast, daß die Östreicher während 40
ihrer Armeeaufstellung in Galizien die Zeit benutzt haben, um nur
(365) 1855 Sept. 1 95
strategisch wichtige Eisenbahnen in Galizien unter Heß’ Ober¬
direktion zu bauen und ebenso die gegen Rußland gerichteten
Festungen herzustellen.
Ich hoffe, daß Du nun einiges über Dich selbst und Dein Tun
5 und Treiben schreibst.
Dein K. M.
Unser Koscielski kömmt ja auch, wenn ich nicht irre, im
Schlachtbericht Pélissiers vor.
Wenn dem Bericht — heute in der Times — des Admiral
io Bonat zu trauen, befänden sich die Russen auf dem starvation-
point. An Schnaps scheint es jedenfalls noch nicht zu fehlen.
366. Marx an Engels; 1855 September 6.
6. September 1855.
3, Yorkplace, Denmark st re et
w (nicht Hill, was bloß der general
name des ganzen Platzes),
Camberwell.
Lieber Engels,
Du hast vielleicht schon aus der „Kölnischen Zeitung“ den Tod
2o unsres Freundes Daniels ersehn. Er ist rein als Opfer der preu¬
ßischen Polizeiinfamien gefallen. Du mußt, wie auch ich tue,
einige Zeilen an die Frau richten. Adresse: Frau Doktorin Amalie
Daniels, Schildergasse, Köln. Es ist wünschenswert, daß lupus
dasselbe tut. Ich weiß aus Erfahrungen, wie willkommen Briefe
25 von Freunden in solchem Fall. Ich werde in der Tri b u n e einen
kurzen Nekrolog für unsern armen Freund schreiben. Was die
deutsch-amerikanische Presse betrifft, so hielt ich es für das beste,
wenn in der „Neuen Zeit“ in New York (nominell redigiert von
Bernhardt, faktisch von Löwe von Calbe) eine von Dir, Freilig-
3o rath, Lupus und mir unterschriebne kurze Todesanzeige gemacht
würde. Auch um das Verfahren gegen Bürgers zu denunzieren.
O’Connor, wirst Du wissen, ist vor einigen Tagen gestorben.
Jones’ Frau ist todkrank. Der arme Teufel ist at this moment
in desperate circumstances.
35 Dienstag geht ein steamer ab. Bei Putnam ist das wichtige,
daß es am 10. Oktober spätestens in New York ist. Hast Du das
Dir übersandte Heft erhalten? Die dummen Klaubereien standen
nicht in der Tribune, sondern in der N[ew] Y[ork]
Times, dem rival paper. Mit Aldershott die Geschichte einfach
40 die: Vor etwa zwei Wochen wurden zwei Gemeine wegen „unehr-
bietigen“ Benehmens gegen Vorgesetzte der eine zu 50, der andre
z. 7-n.
32.
96
(366) 1855 Sept. 6
zu 30 Hieben verurteilt. Die Cat-o’-nine-tails wurde, wie das öfters
passiert, in Urin getränkt. Der erste Mann mußte ins Lazarett ge¬
schickt werden nach dem Empfang von 40 Hieben, der zweite
starb kurz nach Empfang der 30. Von Untersuchung scheint nicht
weiter die Rede zu sein. 5
Blind im „Moming Advertiser“ fährt fort, „to shake the
despotic Powers of Europe to their very foundations“.
In London ist ein deutsches Blättchen wiedererscheinend.
Eigentlicher rédacteur en chef der übelbekannte Siegmund Eng¬
länder, pariser-polizeilicher Erinnerung. Hauptmitarbeiter: w
Ronge, Russe Herzen und ein versoffner angeblicher Exhauptmann
namens Korn.
Vale.
Dein K. M.
367. Marx an Engels; 1855 September 11.
11. September 1855.
3, Yorkplace, Denmarkstreet, Camberwell.
Lieber Engels,
Durch force supérieure bin ich gleich den Russen genötigt, to
evacuate the Southern Side, ohne doch alles hinter mir in die 20
Luft zu sprengen. Meine Garnison bleibt vielmehr ruhig hier,
wohin ich auch in a week or so zurückzukehren denke. In andern
Worten: Ich muß für einige Tage retirieren nach Manchester, wo
ich morgen abend ankommen werde. Da mein Aufenthalt
daselbst incognito sein muß, laß niemand von meiner An- 25
Wesenheit wissen, Lupus, solltest Du ihn zufällig sehn, of course,
excepted.
Ich habe Deinen eben erhaltnen Brief mit den neusten telegra¬
phischen Depeschen in Einklang gebracht.
Salut. 30
Dein K. M.
368. Marx an Engels; 1855 Dezember 7.
7. Dezember 1855.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Frédéric,
Jones scheint nicht in London zu sein. Wenigstens habe ich auf
eine sofortige schriftliche Anfrage keine Antwort erhalten, weder
mündlich noch schriftlich. So bin ich seit meiner Ankunft hier in-
Z. 36-38 -
(368) 1855 Dez. 7
97
temiert in vier Wände, die ich doch nicht den ganzen Tag durch
beschreien kann. Es wäre zu riskiert, mich jetzt an die Luft zu
wagen.
Das Aktenstück ist erst vorgestern an die Union Bank abge-
s schickt. Allerlei Kleinigkeiten bewirkten diese Zögerung.
Von Amerika, i. e. New York, noch keine Antwort. Es scheint,
die Herm „überlegen“. Von Washington kein Brief, sondern ein
„Wecker“ und daneben einliegender Zettel, offenbar von Cluß
gegen Schimmelpfennig. Den „Wecker“ habe ich leider in einem
io unbewachten Moment an einem Orte konsumiert, wo „grobe Worte,
gelind Papier etc.“ Es wird darin die Behauptung aufgestellt, die
Deutschen in Amerika seien Utilitarians und liefen dem „Brot“
nach, weil „Herr Marx nationalökonomisch und abstrus ist“. Bei
Herm M[arx] aber erkläre sich das aus „dem Alten Testament“.
is Er habe „Unsern Verkehr — ein bekanntes Werk — in ein philo¬
sophisches System gebracht“. Daß tiefsinnige deutsche Jünglinge
in Amerika ihm nachliefen, daraus erklärlich, daß die Deutschen
gewohnt, „den geistreichen Schriftstellern der alttestamentali-
schen Nation nachzubeten etc.“
2o Seit about meiner Anwesenheit hier im Advertiser ein
Hahnenkampf zwischen Herzen und einem anonymen Gegner.
Der Gegner wirft ihm vor, er sei ein Humbug, habe sich für eine
Art russischen Silvio Pell[ico] ausgegeben. Schon Titel seines
Buchs Lüge, alldieweil er nie in Sibirien gewesen etc. Herzens
26 Antwort schwach: Der Titel sei Humbug der publishers, er nicht
verantwortlich dafür, habe sofort in Globe etc. gegen die
ihm fälschlich beigelegten Attribute protestiert etc. Darauf er¬
scheint der Gegner wieder (gestern) und zeigt ihm neue Lügen
nach, auch wegen des „G1 o b e“. Neben diesem Angriff aber auch
30 defence von Seite eines Engländers: Wenn Herzen auch nicht in
Sibirien gewesen und kein russischer S [ilvio] P[ellico], so sei sein
Buch doch amüsant, ein harmloses Buch: „an honest man, look
you, and soon dasht! He is a marvellous good neighbour in sooth;
and a very good bowler; but, for Alisander, alas, you see, how’t
35 is.“ Das tub-tub-paper endlich, seiner Gewohnheit gemäß, erklärt
jetzt den Kampf für erledigt, werde zu persönlich etc., verschließe
nun seine Spalten. Jedenfalls dies Scharmützel — obgleich von
Seite der Attacke nicht glänzend — dem Herzen höchst schädlich
in den Augen der cockneys.
40 Lina hat mir einige neue Details über den Kölner Prozeß mit¬
geteilt. Die in meinem Pamphlet gedruckte Geschwomenliste
natürlich ganz falsch. Einer der Geschwomen — Joest — kari¬
kierte die Angeklagten fortwährend während des Prozesses und
reichte seine Karikaturen im Gericht herum. Der würdige jeune
15 Sädt hatte während der ersten acht Tage fortwährend einen
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 7
Z. - 1-5.
20-39.
98
(368) 1855 Dez. 7
Dolch vor sich hingelegt. Die ironische Lache der Angeklagten
zwang ihn endlich, den Dolch „im Gewände zu tragen“. Kann man
sich einen affektiertem coxcomb denken? Sädt mit dem Dolche!
C’est à crever de rire.
Bürgers vertreibt sich die Zeit damit, daß er „Papier ohne 5
Ende“ der Frau Daniels zukommen läßt. Macht auch Gedichte.
Spricht kein Wort mit seinem co-Dulder.
In einem Londoner täglichen Pennypaper „The Telegraph“
sollen schon einige hints über die Mogeleien der Herrn Dr. Freund
und seines militärischen Mitschwindlers erschienen sein. 10
Die zwei Artikel erhalten.
Salut.
Dein K. M.
Beinahe hätte ich die Hauptsache vergessen. Vor einigen, I think
three, Wochen war Hutschke bei meiner Frau. Die Rede kam auf 15
Mirbach. Quoth I: „Dieser alte Bummler hatte famose Schiffs¬
gelegenheit fortzukommen. Ich dachte ihn längst auf der See. Da
finde ich ihn verkommen wieder am Kneiptisch bei Bibra.“ Auch
Liebknecht behauptet, ihm noch vor kurzem begegnet zu sein.
369. Marx an Engels; 1855 Dezember 11.
11. Dezember 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Dear Frédéric,
Aus einliegendem Brief von Dana siehst Du, daß unser Ma¬
növer gelungen. 25
Sonst alles noch beim alten. Ich noch interniert. Jones noch
nicht erschienen.
Dem Bürgers erlaubt, die Festung zu wechseln, wenn er die
Reisekosten selbst stellt. Weerth hatte Blürgers]’ Mutter in Köln
halb versprochen, ihr Geld für B[ürgers] zu schicken. Sein Wort 30
nicht gehalten.
Dronke klein korrespondiert beständig mit Freiligrath. Hatte
großen Skandal mit einem der Associés, war auf dem Punkt, die
Stelle aufzugeben. Um sich wichtig zu machen, sie dem Fr[eilig-
rath] angeboten. 35
Dein K. M.
Z. 12-19.
Nr. 369.
(370) 1855 Dez. 12
99
370. Engels an Marx; 1855 Dezember 12.
Manchester, 12. Dezember 1855.
Lieber Marx,
Du siehst, mit den braven Leuten von der Tribune ist was aufzu-
5 stellen, und die £ 200 sind gesichert. Ich werde, damit gleich
begonnen wird: heut abend einen militärischen Artikel machen,
Du mußt dann einen politischen machen, daß beide am Freitag
abgehn können, hoc facit £ 4.
Inliegend der Brief von Dana zurück. Daß der edle Mirbach
io sich in London festgebummelt hat, ist au fond gut, da man wegen
der Krim-Korrespondenz doch mit den New Yorkem nichtsaus¬
gerichtet hat. Jedenfalls bin ich jetzt aller indirekten Verpflichtun¬
gen gegen den Kerl enthoben, und il ne me regarde plus. Hier hab’
ich gar nichts von der Sache erzählt, es macht dem Lupus sonst am
is Ende Gewissensbisse, und er wird das nächstemal rebellisch.
J. Meyer2) schrieb dieser Tage, mehr damit ich Weihnachten
bei meinem Schwager weiß, was ich zu sagen habe, als um mir an¬
zuzeigen, daß er noch immer auf einen Brief von Dir warte. Vom
Kleinen höre er gar nichts.
2o Den Herm Karl Joest mit seinen Karikaturen wollen wir uns
merken. Ich glaube, ich mache noch eine bessere Karikatur von
ihm, wenn er am Latemenpfahl hängt.
Ob ich am Dienstag werde einen Artikel machen können, hängt
natürlich von den Ereignissen ab, die jetzt sehr dünne werden.
25 Kars und Omer P[ascha] müssen mir heute herhalten, wenn mor¬
gen noch was passiert, setze ich’s zu.
Der strike geht hier voran, die masters haben gesagt, sie wollten
arbeiten, wenn die Sätze von Ashton zugrunde gelegt würden. Die
hands haben geantwortet, wenn die masters Ashton wählen, so
30 wählen wir Oldham und sind bereit, den Durchschnitt beider Orte
zur Grundlage zu akzeptieren. Darauf haben die masters eine aus¬
weichende Antwort gegeben und noch einen dritten Ort im Distrikt
als Norm [?] vorgeschlagen. Dies wurde refüsiert, dabei hängt die
Sache. Die hands scheinen mir vollkommen recht zu haben, dabei
35 haben sie aber noch offenbar einige alte trades unions Traditionen
im Kopf, daß nur diese und jene Maschinen und nur auf diese be¬
stimmte hergebrachte Weise gearbeitet werden soll3). Diesen
Dreck werden sie aber bald fallen lassen. Die Umgegend fängt an
sie zu unterstützen.
40 Der Redakteur vom Guardian, den ich kennen gelernt habe, ist
ein weiser Mann in his own mind und eine Art Orakel bei einigen
O Im Orig, nicht
*) Im Orig. Jmeyer
3) Im Orig, sollen
7*
Z. 16-19.
100
(370) 1855 Dez. 12
Philistern, im übrigen ein Zotenreißer und gemäßigter Kneipier.
Man hat ihm offenbar von mir erzählt, denn wenn ich über irgend¬
eine Lumperei spreche, hört er mit Achtung zu und stellt beleh¬
rungssüchtige Fragen. Ich lasse mir den Mann so sachte heran¬
kommen, werde ihn dann über die Personalia beim Ex[aminer] *
und Times ausfragen und sodann zu diesem letzteren Blättchen
hingehn. Après, on avisera.
Herzliche Grüße an Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.
371. Marx an Engels; 1855 Dezember 14.
14. Dezember 1855.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Der Stubenarrest fängt an lästig zu werden. Noch keinen Schluck
freie Luft geschöpft. Indes gestern wieder 1000 Germans abge-15
sandt. Jones soll endlich heute kommen.
Vorgestern abend erhielt ich einen Besuch, den Du nicht errätst.
Edgar Bauer — den ich seit ungefähr einem Jahr nicht gesehn, —
kam und mit ihm — Bruno. Er ist schon seit vierzehn Tagen hier
und will about 6 months hier bleiben, „um die Probe auf seine Be- 20
hauptung zu machen“, was ihm so, wie er’s anfängt, durchaus nicht
mißlingen kann. Der Mann hat sichtbar gealtert, die Stirne ist
gewachsen, und er macht mehr oder minder jetzt den Eindruck
eines pedantischen alten Professors. Einstweilen logiert er bei
Edgar, in einer Hütte somewhere about dem Ende von Highgate, 25
und sitzt da mitten in tiefster kleinbürgerlicher Misère, sieht und
hört auch nichts. Dies nun hält er für London und glaubt, daß
außer 30000 Privilegierten alle Engländer so leben wie Edgar
Bauer. Sein Haß und seine „Verachtung“ des Landes daher enorm.
Es ist ihm, als wenn er „in Treuenbrietzen“ lebte. London ist ein 30
wahres „Gefängnis“, wenn man aus „Berlin“ kommt. Bei der Ge¬
legenheit stellte sich dann auch heraus, daß sein jetziges Ideal der
„ostfriesische“, „altenburgische“ and partly „westfälische Bauer“
ist — diese wahren Edelleute. Er ist auch überzeugt, daß diese
Lümmel nicht wegzuspintisieren sind und daß die moderne nivel- 35
lierende Lumperei, worüber der Mann der „Auflösung“ jammert,
an diesen rocks scheitern wird. Es war sehr curious, die „Kritik“
die confession machen zu hören, daß in letzter Instanz Berthold
Auerbach ihre reale Grundlage ist. Nach seiner Ansicht gehn, mit
Ausnahme einiger „rein kommerziellen Städte“, die Städte in
Z. 1 (im—Kneipier).
(371) 1855 Dez. 14
101
Deutschland unter, aber „das Land“ blüht famos auf. Von dem
industriellen Aufschwung wußte er keine Silbe, hatte aber doch
einen stillen Jammer darüber, daß jetzt nichts in Deutschland ge¬
macht wird als „improvements“.
s Die „englische Sprache“ ist „miserabel“, ganz romanisiert.
Darauf entwickelte ich ihm dann zum Tröste, daß Holländer und
Dänen dasselbe von der deutschen Sprache sagen, und daß die „Is¬
länder“ die einzig wahren, nicht welsch angefreßnen Kerle sind.
Der alte Junge hat sich viel mit Sprachen beschäftigt. Er
io s p r i ch t Polnisch und erklärt daher die p o 1 n i sch e S p r a ch e
für die „allerschönste“. Sein Sprachstudium scheint sehr unkritisch
gewesen zu sein. Hält z. B. Dobrowski1} für einen viel „Bedeuten¬
deren“ als Grimm und nennt ihn den Vater der vergleichenden
Sprachwissenschaft. Auch hat er sich von den Polen in Berlin weis-
15 machen lassen, daß old Lelewel in einer neusten Schrift Grimms
Geschichte der deutschen Sprache widerlegt habe.
Apropos! Erzählte auch, daß in Deutschland ein dicker Band
erschienen sei (von deutscher Seite) gegen G[rimms] Lexikon. Der
ganze Band bestehe aus den Schnitzern, die dem Gtrimm] nach-
20 gewiesen.
Trotz aller Mühe, humoristisch sich zu gebaren, drang großer
Unmut und Melancholie über die „Gegenwart“ durch. In Deutsch¬
land — horrible indeed! — wird nichts mehr gelesen und gekauft
als elende Kompilationen aus dem naturwissenschaftlichen Fach.
25 Wenn Du kommst, werden wir uns sehr mit dem alten Knaben
amüsieren.
Köppen arbeitet seit Jahren an einem Buch über den Buddhais-
mus. Rutenberg ist Herausgeber des Staatsanzeigers. Herr Bergen¬
roth, der als Kommissionär (Handels-) in Amerika (Nord und
so Süd) sich herumgetrieben, ist sans argent und mit Krankheit zu¬
rückgekehrt.
Ich warte noch auf die zweite Ausgabe von Times oder M[or-
ning] Post. Vielleicht zwingen die Nachrichten, die Sache über
Kars etwas hypothetischer zu fassen. Dazu wären indes nur ganz
35 kleine Änderungen (paar Worte im Conditionnel) nötig. Ich
glaube meinerseits, daß Kars gefallen ist.
Heute ist ein nicht uninteressanter Artikel — wie meine Frau
mir erzählt—im Herald über Bonas misgivings as to the true inten¬
tions of Viscount Palm [ersten]. Daß Pam sehr schlecht mit dem
40 Hof steht, siehst Du aus dem Timesartikel gegen Prinz Albert. Zu¬
gleich wieder das alte Manöver, den Prinzen Albert als auf dem
„Ministerium“ lastend vorzustellen.
Salut.
Dein K. M.
1) Im Orig. Dombrowski
1S5Ô
372. Marx an Engels; 1856 Januar 18.
18. Januar 1856.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric, 5
Heute die sechste und definitive Medizinbottle geleert. Im
ganzen wieder auf dem Strumpf, nur noch höchst perfide Hämor¬
rhoiden.
Cobdens Pamphlet habe ich nicht in meinen articles berührt,
da ich ausschließlich mit der history der Danubian provinces und 10
Schwedens viele lederne Spalten gefüllt. Es ist mir sehr lieb, wenn
Du den Cobden vomimmst.
Ich werde noch kleinen Zusatz zu Deinem Artikel machen, so¬
bald ich die zweite Ausgabe der Times gesehn. Ihr gestriges
announcement as to the „unconditional acceptance“ war is
reiner Börsenschwindel, der ihr viel Geld eingebracht hat. „The
independence of the principalities under the common protection of
the principal powers of Europe“ schlug Katharina II. den Türken
schon 1772 auf dem Kongreß von Fokschani vor. Auf der Biblio¬
thek auf getrieben eine Schrift von Hermann, 1841 in Deutschland 20
erschienen. Der hat auf einer der deutschen Bibliotheken ein
Manuskript des Feldmarschall Münnich über den Krimfeldzug
unter Anna aufgefunden und mit Vorwort publiziert. Wenn es Dich
interessiert, mache ich Dir Auszüge draus.
Du wirst vielleicht in der Augsburger gesehn haben, daß Fall- 25
merayer sehr preist den Muralt (Preisschrift, gekrönt von der Pe¬
tersburger Akademie), „Über die Geschichte von Byzanz vom
sechsten bis sechzehnten Jahrhundert“.
Bruno verschiedene Mal wiedergesehn. Die Romantik stellt sich
mehr und mehr als „Voraussetzung“ der kritischen Kritik heraus. 30
In der Ökonomie schwärmt für die Physiokraten, die er mi߬
versteht, und glaubt an die spezifischen Gnadenwirkungen des
Grundeigentums. Außerdem schätzt er hoch Adam Müllers, des
deutschen Romanticus, ökonomische Träumereien. In der Kriegs¬
wissenschaft sein summus princeps der „geniale“ Bülow. Ich er- 35
klärte ihm, daß diese seine neusten Aufschlüsse mir volles Licht
über seine saure Arbeit des Gedankens verschafft. As to Russia
erklärt er, der alte Zustand im Westen müsse über den Haufen ge¬
worfen werden: das könne nur vom Orient her geschehn, da der
(372) 1856 Jan. 18
103
Orientale allein wirklichen Haß besitzt, nämlich gegen den Okzi-
dentalen, und Rußland die einzig kompakte Macht des Orients,
besides das einzige Land in Europa, wo noch „Zusammenhang“
existiert. Was unsre Illusionen von innem Klassenkämpfen betreffe,
5 so hätten 1. die Arbeiter keinen „Haß“; 2. hätten mit dem Haß,
wie sie ihn hätten, nie etwas ausgerichtet; 3. seien „Pöbel“ (ohne
Interesse für die Synoptiker) nur durch Gewalt und List zu bän¬
digen und zu leiten; 4. mit einem Silbergroschen Zulage sei bei
denen „allens“ abgemacht. Wer übrigens nicht zu den „Nach-
io kommen der Eroberer“ gehört, könne überhaupt keine welt¬
geschichtliche Rolle spielen — ausgenommen auf dem theoreti¬
schen Feld. Und da sei denn in den letzten sechzehn Jahren aller¬
dings etwas geschehn, in Deutschland allein, und zwar nur von
Bruno. Er habe es dahin gebracht, daß die „wissenschaftliche“
is Theologie auf gehört in Deutschland zu existieren, dem einzigen
Ort, wo sie existierte, und daß „Tholuck nicht mehr schreibe“.
Voilà un résultat immense. Sonst ein vergnüglicher alter Herr.
Denkt ein Jahr in England zu bleiben. Ich glaube, daß er darauf
spekuliert, die „wissenschaftliche Theologie“, die in Deutschland
20 aufgehört hat, in England einzuführen. Humboldt er¬
klärt er für einen kompletten Esel, weil der den ihm gebührenden
Ruhm im Ausland fraudulös sich zugeeignet.
Von wegen Deiner Ohren mußt Du dem alten Harvey schreiben.
Er behandelt die Lina auch von der Feme aus und hat sogar keinen
25 Centime von ihr genommen, da er hörte, daß sie bloß govemess in
spe. Einliegend der erste Report der Lina, den Du zurückschicken
mußt.
Ich schicke Dir einen Urquhart-Wisch, den sie mir vor Erschei¬
nung des Blatts zugeschickt. Die „Enthüllungen“ über die history
30 of chartism indeed höchst naiv, da Urquhart sich als englischen
Polizeiagenten nachweist, mit der Illusion, den Cicero gegen Cati¬
lina gespielt zu haben. Aus der Berliner Nationalzeitung sehe ich,
daß Bucher, preußischer Minister in spe, sogar die Urquhart-
„Philosophie“ adoptiert hat und ihm Wort für Wort nachkäut. Das
35 ist très fort für einen German.
Salut.
Dein K. M.
373. Engels an Marx; 1856 Februar 7.
Manchester, 7. Februar 1856.
40 Lieber Marx,
Du wirst sehr böse auf mich sein, daß ich solange nicht ge¬
schrieben. Aber bis ich mit einer Reihe Comptoirarbeiten fertig
Z. 41-42-
104
(373) 1856 Febr. T
bin, die mich noch ca. vierzehn Tage in Anspruch nehmen, bin ich
kaum imstande, irgend andre Sachen im Kopf zu haben. Dazu
plagt mich mein Alter schrecklich mit Gameinkaufen usw. für ihny
und ich muß ihm jede Woche mindestens zweimal privatim rap¬
portieren. 5
Beiliegend Panslawismus Nr. II, wo der mangelnde Inhalt
durch die Länge der Phrase wenigstens einigermaßen auf gewogen
wird. Mit Nr. III komme ich endlich in médias res.
Du mußt jetzt regelmäßig den Pariser Korrespondenten des
Guardian lesen, in Paris geht es sehr sonderbar zu. Der Korrespon- io
dent des Examiner und Times hat seit einigen Tagen noch mehr
und bessere Details; ich wollte Dir die letzten Nummern eben
kaufen, aber sie waren alle vergriffen. Vielleicht kann ich sie von
Bielefeld auftreiben.
Der Bonaparte ist very fast on the décliné. Daß der Drouyn is
de l’Huys in der offiziellen Senatsliste für dies Jahr fehlt, wirst Du
gesehn haben, schwerlich, daß er neulich einem Orleanisten (wenn
ich nicht irre Rémusat) à propos eines eklatanten Oppositions¬
akts seine Karte hinterließ mit einem dicken Strich durch den
Titel: vice-président du sénat. Als neulich gegen die Studenten, die 20
Monsieur Nisard nach Hause geleiteten, Infanterie requiriert
wurde, nahmen die Truppen auf den Ruf: Vive la ligne! das Ge¬
wehr bei Fuß und mußten schleunigst entfernt werden, um die
Fraternisation nicht zum fait accompli werden zu lassen. Die neu¬
liche Verschwörung im Südwesten, weswegen 5 00 0 Arrestationen 25
(nach bonapartistischer Angabe) vorgenommen wurden,
hatte große Ramifikationen in der Armee, die Unteroffiziersschule
in La Flèche wurde komplett gesprengt, fast alle Schüler waren
drein und mußten zu ihren Regimentern zurückgeschickt werden,
in fact, es soll große Mühe gekostet haben, sichre Regimenter 30
zu finden, wohin man sie tun konnte. Als Bonaparte neulich mit
Gemahlin im Odéon war, sangen die Studenten, die das Parterre
füllten, den ganzen Abend den Sire de Franc Boissy, besonders
einige fatale Stellen intonierend. Die Arbeiter in Paris singen ein
Liedchen, was den Refrain hat: 35
Voilà qu’il part, voilà qu’il part
Le petit marchand de moutarde,
Voilà qu’il part pour son pays
Avec tous ses outils.
Damit man ja wisse, wer der petit marchand de moutarde ist, 40
hat die Polizei das Lied verboten.
Das ganze freche Auftreten oppositioneller und direkt anti-
bonapartistischer Gelüste und die entsprechende Schwachheit des
Herm Bonaparte beweisen, daß ein großer Umschwung im Gange
z. -1-5.
(373) 1856 Febr. 7 105
ist. Mit den Coup d’état-MaBregeln geht es nicht mehr, man hat
auch nicht mehr die Courage, sie anzuwenden. Daß auch die Times
an zwei nacheinander folgenden Tagen erst den Bonaparte persön¬
lich als einen reinen Notbehelf für Frankreich bezeichnet hat
s — because not one single man was to be found in which the nation
could place its confidence and esteem — und dann seinen ganzen
Generalstab von Ministern usw. als Schwindler und Spitzbuben
charakterisiert, wirst Du gesehen haben. Im heutigen Guardian
steht wieder eine schöne Geschichte vom Schuft Fiorentino, bona-
io partistischem Hoffeuilletonisten und Ritter der Ehrenlegion. Herr
L’Espinasse ist auch aus Paris durchgebrannt, es sind Skandäler
mit ihm vorgekommen, die ich wohl erst in ein bis zwei Tagen
näher erfahren werde. Auch mit de Morny ist etwas im Gange,
der Kerl hat sich mehr oder weniger mit seinem Herm Bruder
15 überworfen und intrigiert wieder auf eigne Faust.
Dieser Bonaparte, dem früher alles, selbst das Dümmste, Feigste
und Infamste so glücklich ausschlug, wird jetzt merken, daß ihm
von nun an alles unglücklich geht. An der Kriegs- und Friedens¬
geschichte merkt er’s jetzt schon. Jedermann lud ihm die Schuld
2o am Kriege auf, niemand dankt ihm für die friedliche Wendung.
Übrigens ist die Sache mit dem Frieden noch lange nicht abge¬
macht. Die Präliminarien zu den Präliminarien enthalten au fond
nichts,-außer der bessarabischen Klausel, und die wird auf¬
gewogen durch die komplette Ignorierung von Kars. Alles andre
25 enthält nichts als Scheinkonzessionen. Dem Bonaparte liegt übri¬
gens gar nichts mehr dran, auf welche Bedingungen hin er Frieden
macht; bei ihm geht et jetz um et Brot, wie weiland beim alten
Dolleschall, und ich bin überzeugt, die Russen wissen das noch
besser als er selbst. So komplett wie diesmal ist den Franzosen ihre
30 gloire noch nie gleichgültig gewesen; man sieht, seit 1848 haben
die Kerls sich doch mit andern Dingen beschäftigt, als mit der alten
gloire oder dem parlamentarischen Geschwindei.
Vor der Fremdenbill wären wir also glücklich vorbeigekom¬
men — au train que les choses vont en France, wird man sich bald
35 an die Gelüste von Palmerston und Konsorten nicht mehr zu
scheren haben. Diesen Sommer wird das bonapartistische Karten¬
haus wohl in derselben Weise zusammenbrechen wie das louis-
philippistische im Skandaljahr 1847, und wann dann der Wind¬
stoß kommt, der die Wände vollends umwirft, hängt bloß vom
40 Zufall ab. Ich führe jetzt ein sehr nüchternes Leben, aber an dem
Tage werd ich mich wohl zum letztenmal in Manchester betrinken.
Erzähl mir bald wieder was vom alten Bruno, die neue roman¬
tische Wendung des Kerls ist zu amüsant. Beste Grüße an Deine
Frau und Kinder.
45
Dein
F. E.
106
(374) 1856 Febr. 12
374. Marx an Engels; 1856 Februar 12.
12. Februar 1856.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric,
Ich bin immer noch plus ou moins verfolgt von Staatshämore s
und entsprechender dullness der Gemütsart. Dazu hat mir Pieper
noch eben aus der Musik der Zukunft einiges vorgespielt. C’est
affreux und macht einem bange vor der „Zukunft“ samt ihrer
Poesie-musik.
Auf dem Museum habe ich einige historische Entdeckungen io
über die ersten Dezennien des achtzehnten und das Ende des sieb¬
zehnten Jahrhunderts gemacht, bezüglich des Kampfes zwischen
Peter I. und Charles XII. und der entscheidenden Rolle, die
England in diesem Drama gespielt hat. Die auswärtige Politik
der Tories und Whigs unterschied sich damals sehr einfach dahin, h
daß die erstem sich an Frankreich, die letztem an Rußland ver¬
kauften. Das Verkaufen verstand sich von selbst und wird von den
gleichzeitigen Schriftstellern als „selbstverständlich“ besprochen
und ausgesprochen. William III. hatte von vornherein misgivings
gegen Sa Majesté Czarienne, wie sein Defensiv- und Offensiv- 20
vertrag mit Charles XII. beweist. Unter ihm handeln die Minister
gegen seine Tendenz. Von George I. an hatten die Whigs leichtes
Spiel, da die electors von Hannover ihre alberne Hauspolitik ver¬
folgten und Verden und Bremen für die Brennpunkte des euro¬
päischen Interesses hielten. Es ist vielleicht weniger interessant, 25
daß England hauptsächlich beitrug, Rußland zur baltic Power zu
machen, als daß schon im Beginn des achtzehnten Jahrhunderts
diese Politik denunziert und das künftige Wachstum des Muscovite
empire mit einer merkwürdigen Präzision vorausgesagt ist. Trotz
der beispiellosen Nachgiebigkeit und direkten Hülfe, die Peter bei 30
den offiziellen Briten fand, mogelte er gleichzeitig mit dem Präten¬
denten. Sein Leibarzt (Erskine), ein Verwandter des Comte de
Mar, machte dabei den Vermittler. Die Hauptquellen zu dieser
ganzen mysteriösen Historie sind:
a. „Truth is truth, as it is timed, or Our Mi-«w
nistry’s present measures against the Muscovite
vindicated by Plain and Obvious reasons, ten-
ding to prove that it is no less the interest of Our
British trade, than that of Our state that the Czar
be not suffered to retain a Fleet — if needs mus140
that he should [have] a Sea Port in the Baltic etc.“
London 1719.
Der Verfasser war von 1710—1715 Gesandter in Petersburg
und, wie er sagt: „dismissed the service because the Czar desired
(374) 1856 Febr. 12
107
it; for that he had leamt, that I had given Our Court such Light
into his affairs as is contain’d in this Paper etc.“
b. Mémoire présenté à Sa Maj. Britannique par
M. Weselowsky, Ministre de Sa Maj. Czar. London 1717.
5 Verteidigungsschrift der Russen wegen ihrer Mogeleien mit
dem Prätendenten, besonders merkwürdig, weil schon ganz der
Stil (obgleich noch nicht ganz die Glätte) der Pozzo di Borgo
und Konsorten und so Beweis, daß kein qualitativer Fortschritt in
der russischen Diplomatie seit Pierre I.
10 c. The defensive treaty concluded in the year
1700 between His late M. King William of Glo¬
rius Memory and His Present Swedish Maj. King
Charles XII. etc. to which some queeries are appended.
(1716.)
is d. The Northern Crisis, or Impartial Reflec-
tions on the Policy of theCzar... Parvo motu primo
mox se attollit in auras. London 1716.
Eins der außerordentlichsten Pamphlets, die je geschrieben
worden. Hätte mit unwesentlichen modifications im Jahre 1853
2o erscheinen können. Enthält so wie a. und c. Nachweise der eng¬
lischen Verräterei. In dem Postskript sagt der anonyme
Autor: „ I flatter myself, that this little History is of that curious
Nature, and on Matters hitherto so unobserved that I consider it
with Pride, as a valuable New Years Gift to the present world; and
25 that posterity will accept it, as the like, for many years after and
read it over on the Anniversary and call it their W a r n i n g
Piece. I must hâve my Exegi Monumentum as well as others.“
e. An Inquiry into the Reasons of the Conduct
of Great Britain with Relation to the present
30 state of Affairs in Europe. London 1727.
Deswegen nur interessant, weil daraus zu ersehn, daß der spa¬
nische diplomatische chevalier d’industrie und spätere Minister
Ripperda „hat a very particular intimacy with the Russian minister
etc.“ Ebenso der andre Hauptschwindler in der damaligen diplo-
33 matischen Welt, Baron Görtz.
f. Tagebuch Peters des Großen vom Jahre 1698
bis zum Schlüsse des Neustädter Friedens, aus
dem russischen Original übersetzt, so nach
denen im Archive befindlichen und von Seiner
40 Kaiserlichen Majestät eigenhändigen ergänzen¬
den Handschriften gedruckt worden. Mit Vorbericht
des russischen Herausgebers Fürst Michail Schtscherbatoff
(IIJepôaTOB'b). (Petersburg, 2. August 1770.) Deutsch: Ber¬
lin und Leipzig 1773.
45 Obgleich Katharina II. dies Tagebuch natürlich vor dem Druck
108
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Zensur passieren ließ, so finden sich doch darin allerhand Bestä¬
tigungen der in den vorstehenden Pamphlets angegebnen facts.
g. Copies and Extracts of several letters
written by the King of Sweden and his Ministers
relating to the Négociations of Baron Görtz etc., s
published at Copenhagen by order of the King
of Denmark. London 1717.
h. Letters which passed between Count Gyllen-
borg, the Baron Görtz, Sparre etc. published by
authority. London 1717. io
g. und h. sind natürlich allen Historikern wohlbekannt, es fehlt
ihnen aber der Schlüssel zum Verständnis derselben. Beide Publi¬
kationen drehn sich besonders um den Plan, den Charles XII. aus
Rache gegen England gefaßt hatte, mit einer schwedischen Armee
an der englischen Küste zu landen und den Prätendenten zu pro- 15
klamieren.
Neben diesen Pamphlets noch eine Reihe andrer Schriften, die
sich gelegentlich auf die schwedisch-englisch-russische Geschichte
beziehn, oder englische Pamphlets, die vom schwedischen Ge¬
sandten Gyllenborg nachweisbar inspiriert sind, wie z. B. „Re- 20
marks on Mr. Jacksons Memorial etc.“
Zu welchen Mitteln die Whigs ihre Zuflucht nahmen, kannst Du
daraus sehn, daß sie verbreiteten, „that the King of Sweden was
a Roman Catholic and that the Czar was a good Protestant“. Es
muß jedem auf fallen, daß die Engländer während jener Zeit so 25
einen lächerlichen Lärm machten wegen der Compagnie des Indes,
die Ostreich in Ostende bildete, während sie dem Peter förmlich
ihre Flotte zur Verfügung stellten und ihm halfen, seine Häfen in
der Ostsee gründen. Dabei geht aus den Klagschriften der
englischen Baltic merchants der damaligen Zeit her- 30
NOTy daß Herr Peter keineswegs sanft mit ihnen umging. England
war auch die erste europäische Großmacht, die seinen Kaiser-
titel anerkannte etc. Vor allem beweisen die oben angeführten
Pamphlets, daß man keineswegs aus Illusion oder Ignoranz
handelte. 35
Folgende Anecdotes aus den Memoiren der Schwester
Friedrich des Großenüber Peter werden Dich amü¬
sieren. Peter und die Czarine besuchen sie zu Potsdam. „La Cza-
rine débuta par baiser la main à la reine qu’il voulut embrasser,
mais elle le repoussa Elle lui présenta ensuite le duc et la du- 40
chesse de Meklenbourg qui les avoient accompagnés et 400 soi-
!) Mémoires de Frédérique Sophie Wilhelmine, Margrave de Bareith, . . . depuis
Vanné 1706 jusqu'à 1742.
2) In den Memoiren steht: Il s’approcha ensuite de la reine qu’il voulut embrasser,
mais elle le repoussa. La Czarine débuta par baiser la main à la reine, ce qu’elle fit
a plusieurs reprises.
Z. 36-41 -
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disantes dames qui étoient à sa suite. C’étoient pour la plupart
des servantes allemandes, qui faisoient les fonctions de dames, de
femmes de chambre, de cuisinières et de blanchisseuses. Presque
toutes ces créatures portoient chacune sur les bras un enfant riche-
5 ment vêtu; et lorsqu’on leur demandoit, si c’étoient les leurs, elles
répondoient en faisant des Salamalecs à la Russienne: le Czar
m’a fait l’honneur de me faire cet enfant1}. La
reine ne voulut pas saluer ces créatures“ etc.
In einem der Zimmer in Potsdam stand ein Priap „dans une
io posture très2) indécente. Le Czar admira cette statue beaucoup et
ordonna à la Czarine de la baiser. Elle voulut s’en défendre, il se
fâcha et lui dit en allemand corrompu: Kop a b ... La Czarine
eut si peur qu’elle fit tout ce qu’il voulut. Il demanda sans façon
cette statue et plusieurs autres au roi qui ne put les lui refuser etc.“
is Die Curiosa, die ich auf dem Museum aufgetan, möchte ich
an den Mann bringen. Für eine Zeitung sind sie zu retrospektiv. Ich
will mich daher an Putnam wenden. Du mußt mir aber
vorher schreiben, für wann die „improvements in mo¬
dern warfare“ fertig sein können, da Ptutnam] natürlich erst die
2o bestellte Ware verlangen wird, eh er sich auf neuangebotne einläßt.
Die französischen Geschichten haben mich sehr interessiert, und
ich bitte Dich, mir den Examiner zu schicken, so oft er Ähnliches
enthält. Der Guardian ist hier bei Wylde. Die Zeitungs¬
schreiberei ist jetzt sehr lästig, da in England selbst nichts vor-
25 geht und die Wendung in den ökonomischen Verhältnissen noch
sehr unklar ist. Das Entscheidende hierin sind für den Moment die
Börsenschwindeleien, worüber einem das nötige Material fehlt.
Bruno seit der Zeit ein- oder zweimal wiedergesehn. Der Bursche
hat offenbar einen Plan, da er sans sous zu seinem cher frère ge-
30 kommen ist. Er ist durch und durch altjunggesellig, ängstlich für
seine Konservation und Präservation bedacht und nicht ohne einige
geheime misgivings über sein Verhältnis zur Gegenwart. Nach und
nach fängt er an zu entdecken, daß London ein merkwürdiger Platz
ist, daß es daselbst „Gegensätze zwischen arm und reich“ gibt,
35 und was dergleichen andre „Entdeckungen“ sind. Seine Vornehm¬
tuerei und Abgetansein mit der Welt auf der einen Seite und seine
kindische Neugier und bäuerliche Überraschung über everything
and anything andrerseits bilden einen keineswegs erquicklichen
Kontrast. Er ochst jetzt hauptsächlich Englisch. Sobald ich wieder
40 ein Rendezvous mit ihm habe, werde ich Dir darüber berichten.
Salut.
Dein K. M.
*) Dieser Satz von Marx unterstrichen.
2) In den Memoiren fort
Z. - 1-14.
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375. Marx an Engels; 1856 Februar 13.
13. Februar 1856.
28, Deanstreet, Soho, London.
Dear Fred,
Wie Imandt mir schreibt, geht Heise einem allmählichen Er- 5
löschen entgegen, infolge des zu vielen „Öls“, das er auf die Leber
lange geschüttet. Im[andt] selbst knurrt bedeutend über die Schot¬
ten, bei denen es unmöglich, mehr als zwölf Stunden zu brauchen,
um ihnen Deutsch beizubringen, welche Schikanen auch immer
man anwende. Die Kerls sind aus Geiz dem „Begreifen“ zugetan, io
Aber das große Ereignis, das Ereignis wegen dessen ich diese
zweite Epistel hart auf dem Fuß der ersten folgen lasse, ist das
Ereignis Seiler. Du weißt, wie die Auspizien dieses Se¬
bastian Notanker aussahen zur Zeit Deiner Anwesenheit hier. Der
alte Greengrocer zeigte sich rather unerbittlich, und Seiler selbst, 15
mit dem glücklichen Instinkt, der ihn bezeichnet, fand bald heraus,
daß es überhaupt töricht sei, an 200 £ St. zur Abtragung der Ver¬
gangenheit, statt zur Schmierung der Ruder der Zukunft zu depen-
sieren. Faßt also den heroischen Entschluß, dem Schwiegervater
anzuzeigen, er solle keinen Gläubiger zahlen, vielmehr 20
ruhig zusehn, falls er gesperrt würde. Er wolle dann durch den
court of insolvency passieren, und so gereinigt, neuen Lebenslauf
mit Hülfe des Alten beginnen. Der Alte fand dies sehr praktisch.
Den Seiler kitzelte dabei die Aussicht, in die crapuleuse Gesell¬
schaft der Queen’s Bench eingeweiht, mit reichlichen Zufuhren 25
von Frau und Schwiegermutter versehn, offne Tafel zu führen und
nebenbei sein unsterbliches Werk über Alexander II. zu vollenden
— bestehend aus Auszügen aus der A[ugsburger] A[llgemeinen]
Z[eitung], die er mit einem zweideutigen Syrup überschmiert hat.
Das Geschäft ward also auf geb rochen, at once. Eine goldne Zeit 30
des far niente und der sogenannten „Geschäftsgänge“ nach der
Stadt begann. Die sonderbare Verlegenheit bestand nun darin,
daß trotz der warrants, die gegen ihn ausgenommen waren, und
trotz der ostentatious exhibition seiner werten Person in den
Straßen von London, kein einziger Gläubiger Anstalt machte, Se- 35
bastiani sich zu bemächtigen. Der alte Greengrocer, dessen
Glauben an die „Persönlichkeit“ seines Schwiegersohns keines¬
wegs infolge dieser seiner Unverletzbarkeit stieg, sagte ihm, es sei
nun Zeit, das Haus zu räumen und sich mit seiner Frau in eine
ferne cottage zurückzuziehn. Während des Akts des Ausräumens 40
wurde ein Teil der Möbel noch von wachsamen Gläubigem kon¬
fisziert, u. a. sieben Paar Stiefel, dem Sebastian zugehörig. Se¬
bastian trug selbst Sorge, daß auch die „cottage“ kein Geheimnis
blieb, indem es keineswegs sein Plan war, mit der Gattin Kartoffel
Nr. 375.
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111
ein zurückgezogenes Stilleben zu führen. Kurz und gut, er intri¬
gierte so viel mit der Kartoffel und der Schwiegermutter und dem
Greengrocer, daß beschlossen ward, ihn nach der „neuen Welt“ zu
senden — of course New York — wo er seine Gattin nachkommen
5 lassen soll, sobald er sich eine „Position“ erobert. Die Frage hängt
jetzt — er soll diese Woche abreisen — an der Zahl der £ St., die
er als Reisegeld mitnehmen soll. Er verlangt 60 ±\ Der Green¬
grocer hält die Hälfte für hinreichend. Sebastians Plan ist, von
Amerika aus eine 5 Pfund [note] nach der andern aus der teuren
io Gattin herauszupressen, seinen Bauch zu pflegen, seine Kaspar
Hauser und Alexander II. zu edieren und als Strohwitwer niemals
der süßen Trennungswut von derKartoffel verlustig zu gehn. Kurios
würde es sein, wenn schließlich doch noch ein Gläubiger ihn auf¬
finge. Jedenfalls hat er es erreicht, auch England als „finanzieller“
Flüchtling zu verlassen, nur in mehr respektablen circumstances
als Deutschland, Belgien und die Schweiz. Sein Plan war, daß
Pieper ihn als Gesellschafter begleiten sollte. Pieper war nur
scheinbar auf diesen Plan eingegangen, um sich einesteils der
sieben Paar Stiefel zu bemächtigen, worin ihm jedoch die broker
20 zuvorkamen.
Vor einigen Abenden saß Pieper hier im Haus und gab den
Kindern Unterricht, als unten der postman an die Tür knockte. Ein
Brief für Pieper von weiblicher Hand. Einladung zu einem Ren¬
dezvous. Da er die Hand nicht kannte und ebensowenig die Unter-
25 schrift, wiegte er sich in großen Erwartungen und gab meiner Frau
den Brief zu lesen. Diese erkannte in der Unterschrift sogleich das
alte irische dicke Saumensch, unsre Examme, die selbst nicht
schreiben kann und daher den Brief sich von dritter Hand hatte
schreiben lassen. Du kannst Dir denken, mit welchem Gelächter
so Fridolin1) gekitzelt wurde. Er hielt indes sein rendezvous mit der
„cow“. Das also sind seine „adventures“. 0 König Wismamitra,
was für ein Ochs bist Du!
Vergiß den Panslawtismus] nicht.
Salut.
35 Dein K. M.
376. Marx an Engels; 1856 Februar 29.
29. Februar 1856.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
40 Ich hatte während der ganzen Woche zum Besuch hier den
G. Levy aus Düsseldorf, den die dortigen Arbeiter als Legatär her¬
1) Wilhelm Pieper
Nr. 375.
112
(376) 1856 Febr. 29
gesandt. Er ist erst gestern abgereist und nahm meine ganze freie
Zeit so in Beschlag, daß ich trotz des besten Willens nicht dazu
kam, Dir zu schreiben. Ich werde Dir weiter unten über die teil¬
weis wichtigen Mitteilungen berichten, deren carrier er war.
Von den drei Büchern, die Du verlangtest, hatte Norgate and *
Williams keins ready. Ich habe das Siegeslied Igors be¬
stellt, wollte Dir aber vorher über die beiden andern berichten.
Dobrowskys Slavin, Ausgabe von Hanka, entspricht
in keiner Art den Erwartungen, die sein Titel erregt. Das Buch
zerfällt in zwei Teile, wenn nicht der Anordnung, doch dem Inhalt io
nach, nämlich: 1. Kleine essays über slawische Sprachforschung,
die nach den neuem Forschungen höchstens noch ein antiquari¬
sches Interesse besitzen können (z. B. Probe aus dem Windisch en
Neuen Testament, slowenische Deklination, über die slowenische
Übersetzung des Alten Testaments etc.). w
2. Ein jeden polemischen Stachels ermangelnder Versuch,
den Charakter der slawischen Völker in integrum zu restituieren.
Dies geschieht durch Auszüge aus verschiednen Werken, meist aus
deutschen Schriften. Folgendes ist der Katalog dieser Auf¬
sätze, die das corpus des Buchs konstituieren: 20
Slavische Völker. (Aus Herders Ideen etc.)
Sitten der Kroaten. (Aus von Engels Geschichte
von Dalmatien, Croatien und Slavonien. Halle, 1798.)
Sitten und Gebräuche der Illyrier, der Morla¬
ken etc. (Aus ditto) 25
Charakter der Illyrier (Aus Taubes: Beschreibung
des Königreichs Slavonien. Leipzig, 1777.)
Die Tracht der Illyrier (Aus Hacquets: Beob¬
achtungen auf einer Reise nach Semlin.)
Prokops Schilderung der Slaven und Antens
(Aus Stritters Geschichte der Slaven nach den Byzan¬
tinern. Schlözers allgemeine Nordische Geschichte.)
Auszüge aus des Herrn Prof. B. Hacquets Ab¬
bildung und Beschreibung der südwest- und öst-
lichenSlaven. «
Volkstümliches der Russen (Aus Dupré de St. -
Maure: Observations sur les mœurs et les usages russes. Paris,
1829. 3 vol.)
Charakter und Kultur der Slaven im Allge¬
meinen. (Aus Sch aff ar ik, Geschichte der slavischen 40
Sprache etc. Ofen, 1827.)
Dies ist ungefähr alles. Angehangen ist in czechischer Sprache:
„Der böhmische Cat o“, aus einer alten Handschrift, die der
selige Voigt in Act. Lit. beschrieben hat.
Dobrowsky schreibt in einem knotenhaft gutmütigen und naiven 45
z. 21-44.
(376) 1856 Febr. 29
113
Stil, mit der höchsten Kordialität gegen seine „seligen“ oder noch
lebenden deutschen Kollegen. Das einzige, was mir interessant in
der „Slavin“ schien, sind die paar Stellen, worin er die Deutschen
direkt als die Väter der slavischen Geschichts- und Sprach-
5 forschung anerkennt.
In bezug auf Sprachforschung zitiert er u. a. „Schlözer,
Vorschlag zu einer allgemeinen vergleichenden slavischen Sprach¬
lehre und Wörterbuch“. Ferner „Schlözer, Vorschlag, das
Russische vollkommen richtig und genau mit lateinischer Schrift
io auszudrücken“. Überhaupt erscheint „Herr Hof rat Schlözer“ als
der Patriarch, als dessen Schüler sich die andern bekennen.
„Schl özers Nestor. Ein unentbehrliches Werk für jeden,
der sich mit der kritischen Behandlungsart der slavischen Ge¬
schichte überhaupt und der russischen Annalen insbesondre be-
15 kannt machen will.“ Von Voigts Geschichte Preußens:
„War der erste, der die Böhmen mit den Denkmalen des
Altertums bekannt machte.“.
Werden sonst zitiert:
„Johann Leonhard Frischens Programmen von
20 der slavischen Literatur“ 1727—1736, „der die Geschichte
mehrer slavischer Mundarten erläutert hat“.
„Slavischer Bücherdruck in Würtemberg im
16. Jahrhundert. Ein literarischer Bericht von
Chr. Fried. Schnurrer, Prof, in Tübingen, 1799“ — „sehr
25 schätzbares Buch, das die schönsten und wichtigsten Beiträge zur
Geschichte des windischen und kroatischen Bücherwesens enthält“.
Sonst noch zitiert: Schlözer, Allgemeine Nordische Ge¬
schichte. Joh. Christoph de Jordan, de originibus
Slavicis opus etc. Wien, 1745, fol. 2 Bde. Gelasius
wDobner und Hagek, Annales Bohemorum. Prag, 1761
und 1763 (Schlözer sagt davon: primus delirare desiit). Strit¬
te r, Memoriae populorum olim ad Danubium . . . script. Byzant.,
Petersburg, 1774. Gercken, Versuch in der ältesten Geschichte
der Slaven. Leipzig, 1771. Gatterers Einleitung in die syn-
35 chronistische Universalhistorie. Göttingen, 1771, und Geb-
hardi, Allgemeine Welthistorie, 1789.“
Von allen diesen Werken nur die Titel mit Ausnahme der
oben ausgezognen Urteile. Voilà le „Slavin“.
Was das dritte Werk betrifft, so ist sein Titel:
D r. M. W. H ef f t er : „Der Weltkampf der Deutschen und
Slaven seit dem Ende des fünften Jahrhunderts. 1847.“ (Kostet
7 sh.) Der Verfasser gesteht in der Vorrede selbst, daß er eigent¬
lich nur genau und originell bewandert ist in der slawischen Ge¬
schichte, soweit sie das preußische „Vaterland“ betrifft. Von den
'5 481 Seiten des Buchs werden über drei Viertel eingenommen von
MarxEngels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 8
Z. 19-36.
114
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der Periode vom Ende des fünften Jahrhunderts bis 1147. Der
Rest geht nur gelegentlich und ganz kursorisch über das dreizehnte
oder gar vierzehnte Jahrhundert hinaus.
Nach diesem avis, das ich Dir über die beiden Schriften ge¬
geben, erwarte ich nun Deine ordre, sie zu bestellen oder nicht. 5
Von Heffter ist ferner noch erschienen:
„Das Slaven tum.“ Leipzig, 1852. (45 Seiten oder so.)
Bildet das zehnte Bändchen der bei Brockhaus erscheinenden
„Unterhaltungen, Belehrungen etc.“ Populäre Zusammenfassung
slavischer Geschichte. Aus diesem Büchelchen habe ich ersehn, 10
daß Nicolas im Jahre 1849 durch Ukase „allen seinen Untertanen
die Beteiligung am Panslawismus aufs strengste verboten hat“.
Im Museum habe ich fünf Foliobände Manuskripte über
Rußland (nur über das achtzehnte Jahrhundert) aufgetrieben und
ausgezogen. Sie gehören zum Nachlaß des Archdeacon Coxe, der 15
wegen seines Sammlerfleißes bekannt ist. Enthalten viele Original¬
briefe (bisher noch ungedruckt) der englischen Gesandten in
Petersburg an das hiesige Kabinett, worunter manche very com-
promising indeed. Aus dem Jahr 1768 befindet sich ein Manu¬
skript dadrunter von einem der Gesandtschaf tsattachés über „den 20
Charakter der russischen Nation“. Ich werde Dir einige Auszüge
daraus schicken. Von einem Vetter Pitts, Gesandtschaftskaplan,
ebenfalls ein interessanter Bericht über die russischen „Artels“.
Die neusten französischen Schriften sind mit wenigen Aus¬
nahmen fast alle panslawistisch tingiert, obgleich antirussisch. So
Desprez, besonders aber Cyprien Robert, der 1848 zu Paris ein
Journal herausgab: „La Pologne. Annales contemporaines des
peuples de l’Europe orientale etc.“ Von demselben Mann er¬
schienen u. a.: „Les Slaves de la Turquie, édition de 1844, pré¬
cédée d’une introduction etc. 8°, Paris, 1852.“ Ferner: „Le Monde 30
slave, son passé, son état présent et son avenir. Paris, 1852.“ Ein
Pariser Schriftsteller, dessen nom de guerre Edmond ist, soll
aber ein Pole sein, bildet Ausnahme, insofern er eine höchst giftige
Schrift gegen die russischen Prätensionen auf Sozialismus, über
ihre Commune etc. publiziert hat. Es ist mir bisher nicht möglich 35
gewesen, die Schrift aufzutreiben. Ich werde in der Revue des
deux Mondes nachsehn, wo sich Auszüge daraus befinden sollen.
Ich hatte den Brief heut angefangen mit der Absicht, Dir eine
Unmasse Klatsch zu schreiben. Da ich aber auf einen Abweg ge¬
raten bin und die Zeit drängt, so will ich das für morgen lassen 40
und mich für heute nur mit der Mitteilung begnügen, daß Heise
(wie Imandt schreibt) infolge der spirituosa einem schnellen Ende
zugehn soll; daß der Tabaks- und Flüchtlings-Oswald, der kein
Wort Französisch weiß, als Professor der französischen Sprache
am Londoner University college angestellt ist; daß Ruges Freunde 45
Z. 28-31 (evenir).
41 (daß)-43 ;
45 (daß) -
(376) 1856 Febr. 29
115
verbreiten, er habe die „Wassersucht“, obgleich er wahrscheinlich
nur einen Wasserkopf hat; daß einige gediegne deutsche Männer
(Faucher, Meyen, Frank, Tausenau etc.) sich morgen bei Gast¬
wirt Kerb versammeln, um zu einer entente cordiale über das, was
5 dem Vaterland not tut, zu kommen, und daß „Meyen“ die „Hoff¬
nung“ ausgesprochen hat, Bucher „zur Teilnahme“ an dieser Kon¬
sultation bewegen zu können; schließlich daß Proudhon Königlich
Kaiserlich französischer Eisenbahndirektor geworden ist.
Salut.
io Dein K. M.
377. Marx an Engels; 1856 März 5.
5. März 1856.
28, Deanstreet, Soho.
Dear Frédéric,
is Ich werde nächste Woche den Heffter näherer Prüfung unter¬
werfen. Ist Material drin, so bestelle ich ihn. Ein sehr miserables
Buch ist: Eichhoff: „Histoire de la langue et de la
littérature des Slaves. Paris, 1839.“ Außer dem gram¬
matischen Teil, den ich nicht beurteilen kann (auffällt mir aber,
2o daß die Litauer und Letten für Slawen erklärt werden. Ist das nicht
nonsense?), ist das andre meistenteils Plagiat aus Schaffarik. Der
Kerl gibt auch Proben in den Originalsprachen, nebst französi¬
scher Übersetzung, von den Nationaldichtungen der Slawen.
Darunter fand ich dann auch Igors Expedition. Die Pointe des Ge-
23 dichts ist eine Mahnung der russischen Fürsten zur Einigkeit, grad
vor dem Einfall der eigentlichen Mongolenbanden. Sonderbar ist
eine Stelle in dem Gedicht: „Voici les jolies filles des Gots
entonnent leurs chants au bord de la Mer noire.“ So daß hienach
die Geten oder Goten den Sieg der türkischen Polovcenen über die
30 Russen gefeiert hätten. Das ganze Lied ist christlich-heroisch, ob¬
gleich die heidnischen Elemente noch stark durchschimmem. Da¬
gegen ganz polemisch und fanatisch gegen die Deutschen ist das
böhmische Heldenlied Zaboi (Samo?) in der Sammlung der
heroischen Dichtungen der Böhmen, herausgegeben in deutscher
35 Übersetzung von Hanka und Swoboda. Scheint gegen einen
deutschen capitano des Dagobert gerichtet, den die Böhmen klopf¬
ten. Aber ebensosehr Rachegeschrei gegen das Christentum als die
Deutschen, denen unter anderm in sehr naiv poetischer Form vor¬
geworfen wird, daß sie die braven Böhmen zwingen wollen,
4o mit einer einzigen Frau vorlieb zu nehmen. Von Volkspoesie, deren
die Polen keine haben, außer dem „Gebet des Adalbert“ an die
Mutter Gottes, habe ich sonst noch gefunden:
8*
Z. - 1-2 ;
116
(377) 1856 März 5
Götze: „Fürst Wladimir und seine Tafelrunde“. 1819.
„Stimmen des russischen Volkes.“ 1828.
Kapper (Siegfried): „Slavische Melodien“. Leipzig, 1844.
Von demselben „Die Gesänge der Serben“. 1852. (Vollständiger
als die der Jakob.) Endlich von Wuck9 Stephanowits s
„Serbische Hochzeitslieder“. Deutsch von E. Wesely. Pest, 1826.
Schriften, die mir auf gefallen sind, und die ich noch nächste
Woche für Dich durchsehn will, nebst dem Cyprien und Des¬
prez: „Südslavische Wanderungen im Sommer 1850.“ 2 Bände.
Leipzig, 1851. (Ist auch ins Englische übersetzt.) „Betrachtungen io
über das Fürstentum Serbien.“ Wien, 1851. „Die serbische Be¬
wegung in Südungam.“ 1851, Berlin. „Slavismus und Pseudo-
magyarismus. Von aller Menschen Freunde, nur der Pseudo¬
magyaren Feinde.“ Leipzig, 1845. „Die Beschwerden und Klagen
der Slaven in Ungarn.“ Leipzig, 1843. is
Ich erinnere mich nicht, ob die ,,N[eue] Preußische] Z[ei-
tung]“ in Manchester. Sie ist jetzt sehr interessant. Die preußische
Regierung hat jetzt, wie L[udwig] XVIII. früher, ihre chambre
introuvable gefunden, und es fängt jetzt der bureaukratischen Re¬
gierung an, bange vor den Krautjunkern zu werden, die ihren Sieg 20
ernsthaft nehmen. Bei Behandlung der ländlichen Gemeinde-, Ge¬
richts- und Grundeigentumsverhältnisse, wo es, wie der alte Dolle¬
schall sagt, „ums Brot geht“, werden die Kollisionen in der preu¬
ßischen Kammer ernsthaft. Du wirst gesehn haben u. a., daß Graf
Pfeil für die Grundherrn das Privileg in Anspruch nahm, ihre 25
Leute durchprügeln zu lassen, und sich solcher von ihm selbst be¬
gangnen Heldentaten rühmte. Die Linke hat nun Maueranschläge
vom Jahr 1848, unterschrieben von demselben Pfeil im Jahre 1848
und ganz im Ton „des Tolljahrs“ gehalten, ausgegraben. Es ist zu
Duellen zwischen beiden Seiten gekommen, und heute enthält die 30
N[eue] Preußische] Zfeitung] einen leader, einen Leitartikel,
worin sie rund heraussagt: es gebe „verworfne Schufte“ in ihrer
Partei, wie es sehr „edle“ Leute in der liberalen Partei gebe. Sie
predigt „Milde“, „Versöhnung“, „Kampf der Prinzipien, aber
keine Persönlichkeit“. Die Linke möge bedenken, daß „der Berg 35
die Gironde immer auf fresse“. Sie möge erwägen, daß, „Frieden
oder nicht, Preußen sehr große Wirren, innere oder äußere, bevor¬
ständen“, und daß „Parteispaltung“ in diesem Moment „Selbst¬
mord“ sei. Ist das nicht köstlich? Und dabei kräht kein Hahn in
Preußen um die Kammer und ihre Spaltungen. Um so wichtiger 40
dies Geständnis der Furcht. Vater Leo hat vor dem König eine Vor¬
lesung über Münzer gehalten (abgedruckt zum Teil in der
Nfeuen] Preußischen] ). Man möchte sagen, daß sie direkt gegen
O Im Orig. Vuk
Z. 2.
(377) 1856 März 5
117
Deinen Aufsatz in der Revue der Nfeuen] Rheinischen] Z[eitung]
gerichtet ist. Die Reformation muß natürlich von dem Vorwurf
befreit werden, die Mutter der Revolution zu sein. M[ünzer] war
ein „Schwarmgeist“, der sagte: „intelligo ut credam“. Luther
5 sagte: „credo ut intelligam“. Die Spenersche hat geantwortet:
Luther habe in spätem Jahren die elende Rolle, die er politisch ge¬
spielt, bereut etc. Du siehst, daß die Gärung selbst in der offiziellen
Schicht durchbricht.
Apropos der Reformation, so hat Ostreich doch von vornherein
io die Grundlage zur Gefährlichkeit der Slaven gelegt, wo alle
Stämme, außer den Russen, reformatorisch gesinnt waren. Mit der
Reformation die Übersetzung der Bibel in alle slavischen Volks¬
dialekte. Damit allerdings Erwachen der Nationalität. Andrerseits
tiefe Allianz mit dem protestantischen deutschen Norden. Hätte
15 Ostreich diese Bewegung nicht unterdrückt, so war in dem Pro¬
testantismus sowohl die Grundlage für das Überwiegen des deut¬
schen Geistes als ebensoviel Wälle gegen das griechisch-katho¬
lische Rußland aufgeführt. Ostreich hat die Deutschen in allen
Dreck hineingeritten und in Deutschland wie im Osten den Russen
20 vorgearbeitet.
Hast Du die Parlamentssitzung vom letzten Freitag gelesen,
worin Evans dem Palmerston vorwirft, er habe ihn vor 3^ Mo¬
naten von wegen Kars gewarnt, dieser sich aber ungläubig gestellt;
worin er erzählt, daß Panmure in der Depesche, worin er dem
25 Simpson1) schreibt: „You are nominated successor of Raglan“,
hinzufügt: „Take care of Dowb!“ Der unglückliche Simpson
schreibt zurück: „Repeat your despatch“ und nun Panmure,
„Lord Carnot“, wie ihn Evans nennt, „take care of Dowbiggin“,
einen seiner Vettern; worin endlich Lord Hamilton den Evans be-
3o züchtigt, er habe nach der Schlacht von Inkermann dem Raglan ge¬
raten, Kanonen und trenches im Stich zu lassen und die englische
Armee einzuschiffen. Vorgestern machte der arme Evans „amende
honorable“. Der Verrat in Kars scheint ziemlich klar aus der
Schrift eines gewissen Swan, der eben vom Orient zurückkehrt,
35 hervorzugehn, Verrat nicht während der letzten Tage, sondern vor¬
her, um die Situation herbeizuführen.
Nun zu Seiler. Selbiger ist vor etwa drei Wochen mit dem
Southampton Steamer nach Amerika geschifft, da der Sheriff an¬
fing, ihn zu verfolgen, mit dem festen Vorsatz, von Halifax aus an
4o die New Yorker „Staatszeitung“, an der er früher mitschrieb, zu
telegraphieren: „Sebastian Seiler, der berühmte Verfasser des
Kaspar Hauser, ist glücklich an der Westseite des Atlantischen
Ozeans gelandet.“ Der große Mann hat hier zurückgelassen seinen
0 Im Orig. Simson
Z. 37-43 -
118
(377) 1856 März 5
Alexander IL, 55 Seiten, meist Auszüge aus der A[ugsburger]
Allgemeinen] Zfeitung], von denen ihm eine Kopie sofort nach¬
geschickt werden mußte. Er soll nämlich auf beiden Seiten des
Ozeans erscheinen. Mit diesem Wischwasch hat er großen Humbug
getrieben, seine Frau, Schwägerin etc. daran abschreiben lassen, s
so daß sie alle über den „eisernen46 Fleiß des poor Sebastian be-
wildert waren und sind. Die Negotiationen mit den Londoner Buch¬
händlern über diesen Alexander II. dienten dazu, seine „Ge¬
schäftsgänge“ nach London, wo er täglich die Qualität des Lobster
und andrer Wesen, unter anderm auch des französischen „Omme- io
lette66 genau untersuchte, gelehrt zu übertünchen. Außer diesem
Alexander hat er noch andern Gestank zurückgelassen. Du er¬
innerst Dich, daß Liebknecht einen Wechsel für ihn gezeichnet,
von der törichten Illusion geködert, daß Seiler ihm einige Pfund
von dem Diskontierten ablassen würde. Der Wechsel ward fällig, is
aber nicht präsentiert. Seiler renommierte, daß er ihn gezahlt. Er
hatte ihn nur erneuert. Zwei Tage nach seiner Abreise erhält Lieb¬
knecht Brief von einem Advokaten aus der City: er solle den
Wechsel zahlen. Pieper, den die grünbebrillte Schwägerin Seilers
seiner gläsernen Augen wegen liebt, zum Greengrocer entsandt. 20
Schrecken in der family. Sebastian hatte nämlich schon das Geld
zur Zahlung des Wechsels erhalten, aber es hinuntergegurgelt. Die
Liebe überwindet indes alles, und seine Frau ist überzeugt, daß sie
nur einmal und zwar nur von Sebastian Liebe beanspruchen
kann. Sie sucht also zu arrangieren. Der Greengrocer aber ernst 2s
und düster, täglich aufgeklärter über die whereabouts of his dear
son in law. Die Sache schwebt noch. Unterdes laufen täglich neue,
angeblich eingelöste Wechsel ein.
Levy. Vonden Düsseldorfer Arbeitern hergesandt in dop¬
peltem Auftrag: 1. Denunziation Lassalles. Und ich so
glaube, nach sehr scharfer Examination, daß sie recht
haben. L[assalle], seit die Gräfin ihre 300000 Taler erhalten,
ganz umgewandelt; die Arbeiter absichtlich zurückstoßend, Sy-
barit, mit den Blauen kokettierend. Sie werfen ihm ferner vor,
daß er beständig die Partei für seinen Privatdreck ausge- st
beutet und die Arbeiter selbst zu Privatverbrechen be¬
nutzen wollte im Interesse des Prozesses. Der Prozeß kam so zu
Ende: Der Geschäftsführer des Grafen Hatzfeld, Stockum, von
dem Du weißt, daß er später vor den Assisen zu fünf Jahren Zucht¬
haus verurteilt, hatte sich mit dem Grafen überworfen. Er ließ <0
Lassfalle] wissen, daß er Dokumente besitze, die den Grafen wegen
Meineid, Fälschung etc. in die Ketten bringen würden. Lass [alle]
verspricht ihm 10 000 Taler. Lassalle andrerseits überredet den
Oberprokurator Kösteritz (der wegen dieser Affaire gezwungen
worden, seinen Abschied zu nehmen ), den Grafen Hatzfeld wissen zu 45
Z. - 1-28.
34-37.
(377) 1856 März 5
119
lassen, ein Anklageakt liege gegen ihn vor. Hatzfeld brennt schon
durch nach Paris, als Lfassalle] ihm die verfänglichen Papiere
auf Unterzeichnung des Vergleichs mit der Gräfin
hin einhändigt und den Anklageakt zurücknimmt. (Kösteritz han-
5 delt natürlich rein als sein instrument.) Also nicht sein juristi¬
scher Scharfsinn, sondern eine ganz gemeine Intrige hat das
plötzliche Ende des Prozesses herbeigeführt, Die 10000 Taler an
den Stockum zahlte Llassalle] nicht, und die Arbeiter sagen mit
Recht, ein solcher Treubruch sei nur zu entschuldigen, wenn er die
io Gelder der Partei überhändigt, statt sie für die Gräfin zu ertrügen.
Sie erzählen eine Masse Privatgemeinheiten, die ich nicht reprodu¬
zieren kann, weil ich eine über der andern vergesse. U. a. : Lassalle
spielte in fremden Staatspapieren mit dem Düsseldorfer Scheuer,
der ihm die Gelder dazu vorstreckte. Sie verloren. Scheuer machte
15 unterdes Bankrott. Llassalle] gewinnt den Prozeß. Sch [euer] ver¬
langt das Geld, das er dem Lfassalle] vorgeschossen. Dieser ver¬
weist ihn höhnisch auf einen § 6 des Code, worin das Spielen auf
fremden Börsen verboten. Die Arbeiter sagen, sie hätten Llassalle]
alles hingehn lassen auf den Vorwand hin, daß er nun einmal
20 ehrenhalber in den Prozeß involviert. Jetzt, wo er gewonnen, statt
sich von der Gräfin seine Arbeit zahlen zu lassen und sich unab¬
hängig zu machen, lebe er schmählich unter ihrem Joch als homme
entretenu, without any pretext wathever. Er habe immer renom¬
miert, was er tun wolle, sobald der Prozeß gewonnen. Er werfe sie
25 jetzt als überflüssige Instrumente absichtlich herausfordernd bei¬
seite. Einem (privaten) Meeting habe er noch beigewohnt, Neu¬
jahrstag, weil ein französischer Oberst zugegen. Zum allgemeinen
Erstaunen habe er vor 60 Arbeitern von nichts gesprochen als
„Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei“, westmächtlich gen
3o Rußland. Sein Plan sei gewesen, nach Berlin zu gehn, dort den
großen Herm zu spielen und Salon zu eröffnen. Er habe, bei seiner
Rückkehr von dort, der Gräfin in Gegenwart Levys versprochen,
„ihr einen Hof von Literaten“ zu schaffen. Er habe, ebenfalls in
Gegenwart Levys, beständig seine „Diktatorgelüste“ (er scheint
35 sich ganz anders zu nehmen, wie wir ihn nehmen, er hält sich für
weltbezwingend, weil er rücksichtslos in einer Privatintrige, als ob
ein wirklich bedeutender Mensch zehn Jahre einer solchen Baga¬
telle opfern würde) geäußert etc. etc. Wie gefährlich er übrigens:
um einen Mann von der Arbeiterpartei als Scheinspion in die Po-
4o lizei zu schmuggeln, hat er ihm einen meiner Briefe ge¬
geben, von dem er sagen solle, ihm habe er denselben gestohlen,
um sich so zu legitimieren. Die Arbeiter sagen ferner: Bei seiner
diplomatischen Manier würde er nicht so scharf gegen sie aufge¬
treten sein, wenn er nicht direkt bezwecke, zur Bürgerpartei über¬
sä zugehn. Er traue sich indes genug Einfluß zu, im Moment einer
z. 5-10.
12-18.
38 (etc.)-42.
120
(377) 1856 März 5
Insurrektion sie beschwatzen zu können, wenn er auf den Tisch
steige, die Massen harangiere etc. So groß, sagt Levy, sei der Haß
gegen ihn, daß, was immer wir beschließen möchten, die Arbeiter
ihn massakrieren würden, befände er sich im Moment der Be¬
wegung in Düsseldorf. Sie seien übrigens überzeugt, daß er zur «5
rechten Zeit sich anderseitig verfügen werde, falls ihm Verdäch¬
tiges zu Ohren komme.
Dies alles ist nur einzelnes, herausgehört und strichweise fixiert.
Das Ganze hat auf mich und Freiligrath einen definitiven
Eindruck gemacht, so sehr ich für L[assalle] eingenommen war w
und so mißtrauisch ich gegen Arbeiterklatsch bin. Ich habe dem
Levy gesagt: Es sei natürlich unmöglich, auf den Bericht einer ein¬
zigen Seite hin zu einem Schluß zu kommen, Verdacht sei unter
allen Umständen nützlich; sie sollten fortfahren, den Mann zu
überwachen, aber jeden öffentlichen Eklat einstweilen vermeiden; w
wir würden vielleicht Gelegenheit finden, den Lassalle zu zwingen,
eine klare Stellung einzunehmen etc. etc.
Qu’en pensez-vous? Auch Lupus’ Ansicht möchte ich wissen.
2. Der zweite Zweck von Levys Sendung war, mir Aufschlüsse
über die Arbeiterverhältnisse in der Rheinprovinz zu geben. Die 20
Düsseldorfer Arbeiter stehn noch mit den Kölnern, wobei sich
„keine Herm66 mehr befinden, in Verbindung. Die Hauptpropa¬
ganda besteht aber jetzt in den Fabrikarbeitern in So¬
lingen, Iserlohn und Umgegend, Elberfeld und
dem Berg-Westfälisehen. In den Eisendistrikten wollen die Kerls 25
mit Gewalt losschlagen und sind nur mit Aussicht auf franzö¬
sische Revolution und damit, daß „die Londoner die Zeit noch
nicht gekommen glauben66, zurückzuhalten. Sollte sich die Sache
noch lange hinziehn, so glaubt L[evy], daß eine Erneute schwer¬
lich zu verhindern sein wird. Unter allen Umständen aber würde 30
eine Pariser Insurrektion das Signal geben. Die Leute scheinen des
festen Glaubens, daß wir und unsre Freunde gleich
im ersten Moment zu ihnen eilen werden. Sie
fühlen natürlich das Bedürfnis politischer und militärischer Chefs.
Das ist nun keineswegs den Leuten zu verdenken. Ich fürchte aber, 35
daß bei ihren höchst naturalistischen Plänen sie viermal kaputt
gemacht sind, eh wir möglicherweise auch nur England verlassen
haben. Jedenfalls schuldet man ihnen, vom militärischen Gesichts¬
punkt aus genau darzustellen, was tubar und untubar ist. Ich habe,
of course, erklärt, daß wir, falls die Verhältnisse es er- 40
la übten, uns bei den rheinischen Arbeitern einstellen würden;
daß jede Erneute auf ihre Faust, ohne Initiative in Paris oder
Wien oder Berlin, Blödsinn; daß, falls Paris das Signal gebe, es
gut sei, unter allen Umständen alles zu riskieren, da dann selbst
eine momentane Niederlage nur momentan üble Folgen haben 45
(377) 1856 März 5
121
könne; daß ich mit meinen Freunden ernstlich zu Rate gehn würde
über die Frage, was in der Rheinprovinz direkt von der Arbeiter¬
bevölkerung aus zu machen, und daß sie in einiger Zeit wieder
nach London senden sollten, aber nichts tun, ohne vorherige
<5 Verständigung.
Die Rotgerber von Elberfeld (oder Barmen?), die 1848 und
1849 ganz reaktionär, sind jetzt besonders revolutionslustig. Levy
hat mir versichert, daß Du persönlich bei den Arbeitern im Wup¬
pertal als „ihr“ Mann betrachtet wirst. Am Rhein scheint übrigens
io der Glaube an Revolution in Frankreich ziemlich verbreitet und
selbst die Philister sagen: diesmal geht’s anders wie 1848. Dies¬
mal kommen Lüt’ wie Robespierre etc. statt der Schwätzer von
1848. Das Ansehn der Demokratie ist am Rhein wenigstens sehr
low gefallen.
15 Salut.
Dein K. M.
378. Engels an Marx; 1856 März 7.
Manchester, 7. März 1856.
Lieber Marx,
20 Sehr verbunden für den ausführlichen Brief ad Slavica. Eich¬
hoff ist als philologischer Schwindler, der den Klaproth (der doch
noch etwas wußte) noch überschwindelt hat, mir schon früher be¬
kannt gewesen. Die Geschichte mit den Goten im Igor werde ich
nachsehn, wenn ich das Buch erhalten, indes ist etabliert, daß eine
25 Anzahl Goten bis ins zehnte und vielleicht elfte Jahrhundert in
der Krim sitzen geblieben sind; wenigstens figurieren sie in den
byzantinischen1) als Goten. Kannst Du mir Titel und Preis der böh¬
mischen Sammlung von Hanka und Swoboda verschaffen? Sie
wird zwar gewiß sehr unkritisch sein, beide sind komplette Esel.
30 — Polnische Volkslieder sind in den vierziger Jahren irgendwo
gedruckt worden. — Goetze, Wladimir usw. habe ich in Grimms
Übersetzung von Wuck2), Serbische Grammatik, zitiert gefunden,
mit der Bemerkung: „Leider ohne den russischen Text.“ Kapper
ist ein Prager Jud, der die SüdslavischenWanderungen
35 im konstitutionellen Blatt aus Böhmen Anno 1848/49 schrieb, ein
Belletrist; ob seine Übersetzungen was taugen, kann ich nicht
sagen, j’en doute cependant. Die serbischen Hochzeitslieder hat die
Jakobs alle übersetzt. Die von Dir angeführten politischen Schrif¬
ten über die ungarischen und türkischen Serben wären wohl der
io Mühe wert, eben anzusehn, wenn sie im Museum sind.
9 Fehlt offenbar Sammlungen oder Quellen
2) Im Orig. Vuk
122
(378) 1856 März 7
Die N[eue] Pr[eußische Zeitung] ist nicht in Manchester, doch
hab ich die Pfeilsche Geschichte in der Kölner und Augsburger
verfolgt und mein Gaudium dran gehabt. Dagegen war mir der
bußfertige leader der Nfeuen] Pr[eußischen] natürlich neu; gar
zu schön ist die plötzliche Einsicht, daß Adel und Bürgerschaft 5
trotz allem feudalen Flitter au fond heute eins sind.
Was Du über Ostreich wegen der Slawen und des Protestantis¬
mus sagst, ist ganz richtig. Glücklicherweise hat sich in der Slo¬
wakei ein sehr starker Protestantismus erhalten, der sehr zur Un¬
tätigkeit der Slowaken gegen die Ungarn beitrug, und in Böhmen io
wird jede emsthaft-nationale Bewegung außer der proletarischen
auch noch eine starke hussitisch-reminiszenzliche Beimischung er¬
halten, so daß dadurch das spezifische Nationale geschwächt
wird. Schade ist’s um die slowenischen Bauern, die sich im fünf¬
zehnten Jahrhundert so famos schlugen. w
Die Karsgeschichte werde ich durchlesen, wie heißt die Schrift
von Swan?
Die Seileriade nimmt ja einen allen Menschen, nur nicht Lieb¬
knecht und dem greengrocer erwünschten Hergang. Einen faulen
Blick in den Sumpf usw. 20
Lassalle. Es wäre schade um den Kerl, seines großen Talents
wegen, aber diese Sachen sind doch zu arg. Er war immer ein
Mensch, dem man höllisch aufpassen mußte; als echter Jud von
der slavischen Grenze war er immer auf dem Sprunge, unter
Parteivorwänden jeden für seine Privatzwecke zu exploitieren. 25
Dann diese Sucht, sich in die vornehme Welt einzudrängen, de par¬
venir, wenn auch nur zum Schein, den schmierigen Breslauer Jud
mit allerhand Pomade und Schminke zu übertünchen, waren im¬
mer widerwärtig. Indes, das waren alles bloß Sachen, die bloß
zum scharfen Auf passen nötigten. Wenn er aber solche Historien 30
auf stellt, woraus direkt eine Parteischwenkung hervorgeht, so
kann ich’s den Düsseldorfer Arbeitern gar nicht verdenken, wenn
sie diesen Haß gegen ihn fassen. Ich geh heute abend zu Lupus
und lege ihm die Sache vor. Getraut hat keiner von uns je dem
Lassalle, man hat ihn aber gegen Dummheiten, von H. Bürgers 33
herriihrend, natürlich in Schutz genommen. Meine Ansicht ist, daß
man alles so gehn läßt, wie Du es den Düsseldorfern vorgeschrie¬
ben. Kann er zu einem direkten overt fact gegen die Partei gebracht
werden, so haben wir ihn. Das scheint aber noch zu fehlen, und
Skandal wäre ohnehin ganz am unrechten Ort. 40
Die Geschichte mit der Hatzfeld und den 300000 Talern war
mir ganz neu; ich dachte, sie hätte bloß ein Monatliches oder Jähr¬
liches. Daß er dem Hatzfeld die schwarz und gelbe Jacke erspart,
ist ihm nie zu vergeben. Auf die übrigen Geschichten komme ich
zurück- Dein F. E. «
Z. 1-6. 10 (und)—14. 18-20.
26 (dc)—28, 34-36.
38-39 (und)
(379) 1856 April 10
123
379. Marx an Engels; 1856 April 10.
10. April 1856.
Dear Frédéric,
Es ist hohe Zeit, daß ich wieder schreibe. Ich bin durch allerlei
5 Häusliches davon abgehalten worden.
Einliegend 1. Brief von Levy1) aus Düsseldorf an mich, der in
dem Briefe erwähnte Touroute ist französischer Excolonel. Er
war gestern in meiner Abwesenheit in meinem Hause, und so werde
ich ihn vor einigen Tagen nicht zu Gesicht bekommen, da er nach
io Liverpool abgereist ist. Er hatte längere Unterredung mit meiner
Frau, deren Quintessenz sich in E i n 1 a ge 2 findet, von Madame
selbst redigiert. Der in Levys Brief erwähnte M. ist Miquel.
In ein paar Tagen erhältst Du den angekommenen Igor, rus¬
sisch-deutsch ; das Blue Book ; D e s t r i 1 h : „Confidences sur la
15 Turquie“ und einen Ausschnitt aus dem L’Homme, den ich verlegt
habe und daher heute nicht mitschicken kann, nämlich einen Brief
von einem in Cayenne befindlichen déporté namens Tassilier an
M. le Ministre de la Marine, worin die furchtbaren Schweinereien
Boustrapas gegen die Deportierten bloßgelegt sind. Das Blue Book
2o hättest Du längst erhalten, aber d’abord war ich durch die pressure
der Tagesereignisse mehrmals gezwungen, meine Artikel über die¬
sen Gegenstand zu unterbrechen und über andre Themata zu
schreiben, so daß ich das Buch nicht missen konnte. Dann kamen
die Dir bekannten Freunde, die wenigstens auf einen Tag die
25 novelty zu haben wünschten und nach einer Woche sie noch nicht
zurückerstattet hatten.
As to these Kars papers, so hat die Times in drei fulminanten
Leaders den Teil derselben abdeklamiert, der von August 1854—
about Februar 1855 geht, d. h. die wirklich interessante und ent-
3o scheidende Epoche gar nicht berührt. Der Zweck dabei
natürlich, vom Ministerium alle responsibility abzuwälzen auf
Redcliffe und die türkischen Pashas in Asien. Das schönste dabei,
daß die englische Regierung, wie Du aus Destrilh sehn wirst, das
lausige türkische Ministerium Redcliffe gewaltsam am Ruder hielt,
35 das die Schweinereien, worüber Williams klagt, teils protegierte,
teils veranlaßte. Dies alles indes Nebensache. Ich habe durch einen
ähnlichen Prozeß wie den bei Stieber angewandten — nämlich
Nach Weisung von falsified dates and forged passages —, nach
meiner Ansicht unwiderleglich den Plan und die konsequente
4o Ausführung desselben — Kars fallen zu machen — dem leitenden
govemment nachgewiesen, das diesmal noch das Glück hatte, Bo¬
naparte gegenüber sich als eifrig „für die Sache“ figurieren
O Im Orig. Lewi
124
(379) 1856 April 10
machen zu können. Auf das eigentlich Militärische, i. e. die De-
fence of Kars, bin ich, of course, nicht eingegangen, habe indes
einige misgivings über die „Größe66 des Williams.
Jones, dem ich mein Manuskript mitgeteilt, bezweckt, if pos¬
sible, d. h. wenn er die Gelder für Martins Hall auftreibt, lecture 5
über den fall of Kars in besagtem Lokal zu halten, bevor die Par¬
lamentsdebatte darüber beginnt.
There is now going on a bitter controversy between the Char-
tists and the Urquhartites at Newcastle upon Tyne, London, Bir¬
mingham, and several other places. Du wirst wissen, daß Jones, io
mit Finlen als Schatten, sich zum Diktator des Chartismus prokla¬
miert hat und eine neue Organisation eingerichtet hat, die, indeed,
im Wachsen begriffen ist, andrerseits aber auch großen Sturm der
Entrüstung gegen ihn hervorgerufen.
In der Rheinprovinz und Berlin scheint die von Frankreich aus is
hereingedrungene „Spekulation auf die Spekulation66 — nicht in
Ideen, sondern Aktien — so schlimm zu grassieren wie jenseits des
Rheins. Jammertöne über dies soziale mischief und Betörung sind
formuliert in des Ministeriums „Preußischer] Korrespondenz.66
There ist seriously and emphatically angespielt auf die „unver- 20
meidliche“ allgemeine Geldkrise in nächster Zukunft.
Du weißt, daß Heine tot ist, aber Du weißt nicht, daß Ludwig
Simon von Trier über sein Grab gepißt hat — ich wollte sagen,
sein Wasser abgeschlagen — in der New Yorker „Neuen Zeit66 des
quondam Löwen0 des nach Stuckert0 retirierten Parlaments 25
teutscher Nation. Der Dichter oder Minnesinger des Judenweibs
Hohenscheiße-esche oder -linden von Frankfurt a. M. findet natür¬
lich, daß Heine kein Dichter war. Er hatte „kai Gemiet“, war
voller „Bausheit“ und verleumdete nicht nur Kobes I3), sondern
sogar Bernes Fraindin, des graußen Bernes „Mause66, Muse oder 30
Möse, die Straußin4).
Hier existierte a society for the protection of small tradesmen.
Diese society gibt einen Wochenwisch zu selbiger Protection her¬
aus. In dieser Wochenschrift prangt unser Freund Seiler „nebst
Gattin66 als „swindler“. 35
But größre Dinge sind auf dem Tapet. Pieper, der aus Geniali¬
tät seit Januar wieder als Freibeuter gelebt und trotz den nicht un¬
bedeutenden subsidies, die er von mir erhielt, jeden Tag auf dem
qui vive mit seiner landlady lebte, bildet sich ein, plötzlich, es
fehle ihm ein kleines Kapital, um ein großer Mann zu werden. 40
Seilers sister in Law, zweite Tochter des Greengrocers, ein Talg-
0 Löwe von Calbe
*) Stuttgart
’) Jakob Venedey
*) Jeanette W ohLStrauß
23 (gepißt... sagen) ,
28 (war)—41 —
(379) 1856 April 10
125
licht, das eine grüne Brille trägt, seit langer Zeit sterblich in be¬
sagten Pieper verliebt. Die ganze Person grün wie Grünspart, nicht
einmal wie Gemüse und dabei greens ohne any meat oder flesh
whatever. Pieper erklärt sie für bildhäßlich, hat aber doch ent-
5 deckt, daß sie nicht ohne Verstand ist, den sie dadurch unstreitig
bewiesen, daß sie unsere Haidschnucke von Hannover^ für einen
verschlagnen deutschen Byron hält. Aber Pieper, an dem die Per¬
son klebt nicht nur wie eine Klette, sondern wie Caterpillar —
Pieper vorvorgestern entschließt sich, dem Schwiegervater Seilers
io sein Herz zu öffnen. Er wollte es nicht vor der „Geliebten“ tun,
aus Furcht sie küssen zu müssen, und das ist in der Tat hard work
für einen Okzidentalen, der noch nicht gewohnt ist to feed upon
tallow. Aber als echter Pieper fällt die Liebeserklärung zusammen
mit einem — Anleihversuch. Pieper konnte vor dem Greengrocer
15 nicht sein Herz auspumpen, ohne den Greengrocer anzugehn,
seine pockets auszupumpen und ohne ihn anzupumpen. Er müsse
nämlich ein kleines Kapital haben, say 20—40 pounds, to create
himself a position als fashionabler Stundengeber. Unterdes denkt
er seine „Geliebte“ schon als Braut die Freuden des Witwenstandes
2o genießen zu lassen und sie aus Mitleid niemals zu heiraten.
Die ganze Affaire übelriechend trotz allem Greens, aber Pieper
bildet sich ein, er werde sich als Ehrenmann herausschlagen, d. h.
dem would be Schwiegervater die „angestrebten“ Vorschüsse at
a certain epoch looming in the future auf Heller und Pfennig zu-
25 rückzuzahlen, und ihm großmütigerweise seine Tochter noch in
den Kauf lassen. Seit dem verhängnisvollen Tag war er nur ein¬
mal, auf eine Minute, in meinem Haus, in meiner Abwesenheit.
Nannte sich „den Glücklichen“. Jennychen nannte ihn „Benedic
the married man“, aber Laurachen sagte, Benedic was a wit, he is
3o but „a clown“, and „a cheap clown“ too. Die Kinder lesen be¬
ständig ihren Shakespeare.
Liebknecht ist endlich zu etwas gekommen, nämlich zu einem
jungen Liebknecht.
Meine Frau hat auf „Seiner Majestät allerhöchsten Spezial-
35 befehl“ einen Paß von Berlin erhalten. Mai wird sie mit der ganzen
family nach Trier, für drei bis vier Monate.
Salut. Gruß an Lupus.
K. M.
9 Wilhelm Pieper
Z. - 1-30
126
(380) 1856 April 14
380. Engels an Marx; 1856 April 14.
Manchester, 14. April 1856.
Dear Marx,
Auf das Bluebook bin ich begierig. Da ich aber nicht die Zeit
habe, den chronologischen Vergleichungsprozeß durchzumachen, 5
dem Du es unterworfen hast, so könntest Du mir gelegentlich ein
paar hints mitteilen, wo die Haupthaken liegen; ich kann midi
nur auf das military beschränken, das ich genau durchgehn werde,
womöglich auch mit dem Buch von Sandwith^ vergleichen. Von
dem coup d’état des Jones und den folgenden Geschichten wissen w
wir hier gar nichts, ich muß mir doch das P[eople’s] Paper wieder
anschaffen.
Der Schwindel in Deutschland ist wirklich so brillant wie noch
nie. Mevissen ist König der Rheinprovinz, kauft mit Momy zu¬
sammen die Indépendance und legt in Luxemburg (!) eine inter- is
nationale (hurra!) Bank an. Den Heulartikel der Pr[eußischen]
Korrespondenz hab ich gelesen. Indessen ist dafür gesorgt, daß
Manteuffel und von der Heydt den Schwindel nicht erdrücken; in
Hannover, Leipzig und überall werden Crédits mobiliers] ange¬
legt, und was diese nicht fertig bringen, wird unter der Hand doch 20
ausgeschwindelt. Jetzt eröffnet sich die letzte Phase des Schwin¬
dels: Rußland importiert Kapital und Spekulation, und an diesen
Distanzen und hundertmeiligen Eisenbahnen wird sich der Schwin¬
del wohl so entwickeln, daß er binnen kurzem den Hals bricht.
Wenn wir erst von the Grand Irkutsk Trunk Line with branches to 25
Pékin usw. hören, dann wird es Zeit, unsre Bündel zu schnüren.
Diesmal wird der crash so unerhört wie noch nie; alle Elemente
sind da: Intensivität, universelle Ausbreitung und Hineinverwick¬
lung aller besitzenden und herrschenden sozialen Elemente. Am
amüsantesten sind dabei die Herren Engländer, die der Über- 30
zeugung leben, bei dem „gesunden66 Trade, der hier herrsche,
könne so etwas gar nicht vorfallen. Daß in industrieller Pro¬
duktion kein starker Schwindel getrieben wird, wo es allgemein
bekannt ist, daß man mit einer geringen Kapitalanlage in direkter
Produktion die Überführung aller Märkte binnen eines Jahrs her- 35
vorrufen kann, und besonders solange eine so kolossale Nachfrage
nach Kapital für Kommunikationen besteht — ist klar genug. Aber
auch die industrielle Produktion wird durch den Schwindel in
Kommunikationen bedeutend über ihr Maß gehoben, nur lang¬
samer als z. B. 1833—1836 und 1842—1845. Dies Jahr gehn die 40
Baumwollpreise rapid in die Höhe, angesichts einer bisher uner¬
hörten Ernte von 3500000 Ballen, die dies Jahr nicht größer er-
*) Journal of the Siege of Kars. 1856.
Z. 4—12.
(380) 1856 April 14 127
scheint, als z. B. 2^2 Millionen Ballen 1850 erschienen haben
würden. Dazu nimmt der Kontinent dies Jahr, im Verhältnis zu
England, fast dreimal soviel als vor fünf Jahren, wozu folgende
Tabelle der Exporte aus Amerika vom 1. September bis 1. April
5 jedes Jahrs Belege liefert:
(In Tausend Ballen)
1854
1853
1856
1855
Ausfuhr nach England
in 7 Monaten ....
11310001*
963000
840000
1100000
10 Ausfuhr nach Frank¬
reich in 7 Monaten .
354000
249000
229000
255000
Ausfuhr nach anderen
europäischen Häfen .
346000
167000
179000
204000
Also der Kontinent, der 1853 45/uo = 7s der englischen Ausfuhr
nahm, nahm 1856 77n3 = 5/8. Dazu kommt dann noch, was der
Kontinent von England bezog. Du siehst, die kontinentale Industrie
hat sich ganz außer allem Verhältnis zur englischen gehoben, und
die Herren Briten, being radier on the décliné, haben alle Ur¬
sache, in ihrer Baumwollindustrie nicht zu overtraden. 1853 und
2o 1856 aber lassen sich am besten vergleichen, weil in beiden Jahren
die Ernte sehr groß — 3300 und 3500000 Ballen — war. Der
große Export nach Frankreich ist nur scheinbar, denn ein Teil geht
von Havre nach der Schweiz, Baden, Frankfurt und Antwerpen.
In diesem enormen Aufschwung der kontinentalen Industrie liegt
25 aber der lebensfähigste Keim der englischen Revolution.
Den Protection for trade Wisch sah ich von Zeit zu Zeit, leider
hab ich aber amicum Sebastian nicht darin bewundern können.
Die Pieperiade2) wird nachgerade abgeschmackt.
[Schluß fehlte
381. Marx an Engels; [1856 April 15].
Dienstag.
Lieber Engels,
In einem nächsten Brief Antwort auf Dein letztes Schreiben.
Heute nur eine Anfrage, von der ich wünsche, daß Du sie wo-
35 möglich umgehend beantwortest. Ich habe heute keinen
Artikel an die Tribune geschickt, weil ich mit dem Durchlesen
*) Alle Nullen sind in Marxens Handschrift hinzugefügt.
’) Im Orig. Piperiade
Z. 26 28.
128
(381) 1856 April 15
des Blue Book über Kars nicht fertig wurde—es geriet
mir erst spät gestern abend in die Hand. Ich habe meinen Artikel
Freitag abzusenden, gleichzeitig mit dem, den ich von Dir erwarte.
Nun ad rem :
Ein großer Teil des Blue Book ist rein militärischer Natur; Du <5
kannst später sehn, ob was damit zu machen ist. Aber über einen
Punkt wünsche ich Deine kritische opinion, da er wesentlich auch
für die politisch diplomatische Seite der Sache, und ich darüber
schon in dem Freitagartikel sprechen muß. Die Türken schlugen
Ende Juni vor, eine Hilfsarmee nach Redoute-Kaleh zu schicken, io
um von da auf Kutais etc. zu operieren. Die englische Regierung
ihrerseits wollte Entsatztruppen über Trebizond nach Erzeroum
schicken, wie es scheint, Kars als unwesentlichen Punkt auf gebend
und Erzeroum als Zentrum des Widerstands betrachtend. Jeden¬
falls wurde mit dieser Streitfrage die zum Handeln günstige Zeit is
unwiderruflich gekillt. Damit Du fully über die question infor¬
miert bist, füge ich hier die entscheidenden Extracts zu.
Stratford de Redcliffe to Clarendon. 28th June
1855.
„The Turkish ministers, who had talked of sending 10000 men 20
from Batoum to Erzeroum, now, in their embarrassment, incline
to another plan. They propose to form an entrenched camp at Re¬
doute-Kaleh, and to concentrate there the corps of General Vivian
— completed by a draft of 10000 men from the Bulgarian army,
that of General Beatson, and the detachment from Batoum, redu- 25
ced to 7000 men. The total of these combined forces would be
about 30000 of all arms. Stationary they might opéra te as a diver¬
sion in favour of the army at Kars or Erzeroum; advancing by
Kutais or Georgia they might either attack the Russians in the rear
or force them to retreat.“ **
Idem to idem, 30th June 1855. „The meeting which I
had previously announced, took place this moming at the Grand
Vizier’s house on the Bosphorus. In addition to his Highness, the
Seraskier and Fuad Effendi were present. I was accompanied by
Brigadier General Mansfield . . . It appears, that the Russians ad- 30
vancing from Gumri with an amount of force varying from 20—
30000, had presented themselves before Kars; that a partial
engagement of Cavalry had taken place, followed two days later
by an attack, which had been repulsed, on the part of the enemy,
and that the town was threatened with a siege. . . . It was clear, to
all present, that whether the Russians besieged or tumed Kars, the
Turkish army required an effort to be made for its relief with all
practicable dispatch, and that of three possible modes of acting
for that purpose, the only one likely to prove effective was an expé¬
dition by Kutais into Georgia. To send rein forcements by Trebi- *5
(381) 1856 April 15
129
zond would be at best a palliative. To establish an entrenched
camp ad Redoute-Kaleh, would, at this unhealty season, be équi¬
valent to consigning the troops to destruction. The real question
was, whether a force numerically sufficient, and in all respects
s effective, could be collected in time at Kutais to make an excursion
into Georgia and threaten the communications of the Russian
army. . . . The Turkish ministers proposed that the expeditionary
force should be composed of 12000 men from Batoum and the
neighbouring stations; of the troops made over to General Vivian,
io and estimated at 10000 of all arms; of General Beatson’s Ir¬
regulär Cavalry, of 10000 men to be detracted from the army in
Bulgaria as the complément of the Turkish contingent; of 5000
more derived from the same source; of an Egyptian regiment of
horse now here, and of another regiment expected from Tunis. To
15 these the Seraskier proposed to add 2000 Albanians by way of
riflemen. These several forces . . . would present a total of 44000
men, not perhaps to be reckoned with prudence at more than
36000 effectives.“
Idem to idem, Ist July 1855.
2o . the proposed diversion at Redoute-Kaleh originated with
the Porte.“
Clarendon to Stratford de Redcliffe. July
13th 1855.
„. . . Her Majesty’s govemment are of opinion, that the wiser
25 course would be to send reinforcements to the rear of the
Turkish army, instead of sending an expédition to the rear
of the Russian army. The reinforcements might go to Trebizond,
and be directed from thence upon Erzeroum. The distance from
Trebizond to Erzeroum is less than that from Redoute-Kaleh to
30 Tiflis, and the march is through a friendly instead of through a
hostile country ; and at Erzeroum the army would meet supporting
friends instead of opposing enemies, and supplies instead of fa¬
mine. If the army at Kars cannot maintain that position against
the Russians, it will be easier to defeat them by the whole force
35 collected, than by divided portions of that force; and a defeat
would be the more décisive, the further it took place within the
Turkish frontier. Trebizond is a place where supplies of all kinds
might be landed etc.“
Idem to idem, 14th July 1855. (Telegraphie.)
io „The plan for reinforcing the army at Kars contained in your
despatch of the 30th June and Ist inst., is disapproved. Trebizond
ought to be the base of operations, and if the Turkish army of
Kars and Erzeroum cannot hold out at the latter place against the
Russians, it might fall back on Trebizond, where
45 it would easily be reinforced.“
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 9
130
(381) 1856 April 15
Idem to idem, 16th July 1855. „If, indeed, Omer
Pasha ... should détermine to take any part of his own army, with
Tunisians and Albanians to Redoute-Kaleh, Her Majesty’s govem-
ment would have nothing to say to that proceeding; but as regards
the contingent under General Vivian and General Beatson’s Horse, *
Her Majesty’s govemment abide by their opinion that they should
be directed through Trebizond or Erzeroum.“
Lord Panmure to General Vivian, 18th July 1855.
„. . . I place such full reliance on your Professional ability,
that I feel no anxiety lest you should undertake any expédition io
of a nature so wild and ill-digested as that contemplated by the
Porte. A coup de main by means of suddenly throwing an
army on the coast to threaten, or even to attack an enemy’s
stronghold, is one thing; but a deliberate expédition to invade an
enemy’s country, and on his own territory to make war upon him, is
is quite another.“
Ich gestehe, daß Clarendons Strategie und der feine Unter¬
schied, den Lord Panmure Camot zugunsten des Sébastopol „coup
de main“ gegen den türkischen Plan einer strategischen Bewegung
in Georgien macht, mir höchst kurios vorkommen. 20
Also, womöglich, antworte über diese Punkte umgehend.
Salut.
Dein K. M.
382. Marx an Engels; 1856 April 16. 25
London, 16. April 1856.
Dear Frédéric,
Heute ist durch die Dir bekannte Parcelcompagnie an Dich
abgegangen ein Paket, enthaltend 1. Kars papers. 2. Igor.
3. Destrilh, Confidences sur la Turquie. 4. Zwei Nummern des
L’Homme. In dem einen der Brief von Cayenne, in dem andern so
Pyats Litanei an die Marianne, die er auf einem Chartistenmeeting
zur Feier der französischen Revolution am 25. Februar dieses
Jahrs ablas. Der brave Mann hoffte natürlich, den Skandal wegen
seines „lettre à la reine“ sich diesmal wiederholen zu sehn. Schnitt
sich jedoch. Du siehst daraus zugleich, welches Subaltemverhält- 35
nis die hiesigen französischen Revolutionsmacher zur „Marianne“
einnehmen. 5. Zwei Ausschnitte aus dem People’s Paper, die zwei
ersten Artikel von mir über die Kars papers. Werde Dir auch Fort¬
setzung und Schluß schicken. Da das Original von Artikel 1 ver¬
loren gegangen war und die Zeit und noch mehr Ernest Jones auf 40
mich preßte, so mußte ich aus dem Kopf den Tribuneartikel zu¬
sammenhudeln, hastig, und so hat sich mancherlei Blödsinn ein-
Tafel I
Marx an Engels, 16. April 1856
(s. S. 131 f.)
(382) 1856 April 16
131
geschlichen, der Deiner Spürnase am wenigsten entgehn wird. But
never mind that. Ich erzähle das nur, damit Du weißt, warum ich
Dir die Sache nicht gleich schickte.
Vorgestern fand ein kleines Bankett statt zur Jahresfeier des
5 People’s Paper. Diesmal, da die Zeiten es mir zu erheischen
schienen, nahm ich die Einladung an, so mehr, da ich allein
(as announced in the Paper) von der ganzen Emigration einge¬
laden war und auch der erste Toast auf mich kam, nämlich von
mir vorzubringen war auf die souveraineté du prolétariat dans
io tous les pays. Ich hielt also kleinen englischen speech, den ich in¬
des nicht abdrucken lassen werde. Der Zweck, den ich wollte, ist
erreicht. Herr Talandierx), der sich sein ticket zu 2^2 sh. kaufen
mußte, und die übrige französische und sonstige Emigrations¬
bande hat sich überzeugt, daß wir die einzig „intimen“ Alliierten
15 der Chartisten sind und daß, wenn wir uns von öffentlichen De¬
monstrationen zurückhalten und den Frenchmen überlassen,
öffentlich mit dem Chartismus zu kokettieren, wir es jederzeit in
unsrer Gewalt haben, die uns schon historisch zukommende Po¬
sition wieder einzunehmen. Es war das um so nötiger geworden, als
20 auf dem quotierten Meeting vom 25. Februar, unter Pyats Vor¬
sitz, der deutsche Knote Scherzer (old boy) auf trat und in
wahrhaft schrecklichem Straubingerstil die deutschen „Gelehrten“
denunzierte, die „geistigen Arbeiter“, die sie (die Knoten) im
Stich gelassen und so nötigten, sich neben den andern Nationen zu
25 blamieren. Du kennst ja den Scherzer von Paris her. Ich habe mit
Freund Schapper wieder einige Zusammenkünfte gehabt und
einen sehr reuigen Sünder in ihm gefunden. Die Zurückgezogen¬
heit, worin er seit zwei Jahren lebt, scheint seine Geisteskräfte
rather geschärft zu haben. Du begreifst, daß für allerlei Eventuali-
30 täten es immer gut sein kann, den Mann an der Hand zu haben
and, still more, ihn aus der Hand Willichs zu haben. Sch[apper]
hat jetzt große Wut auf die Knoten in W[indmill].
Ich werde Deinen Brief an Steffen besorgen. Den Brief von
Lfassalle] hättest Du dort behalten sollen. Tu das überhaupt mit
35 allen Briefen, um deren Rücksendung ich nicht bitte. Je weniger
sie die Post passieren, the better. Ich bin ganz Deiner Ansicht
wegen der Rheinprovinz. Für uns ist das Fatale, daß ich looming
in the future etwas sehe, was nach „Vaterlandsverrat“ schmecken
wird. Es wird sehr von der tournure der Dinge in Berlin abhängen,
4o ob wir nicht gezwungen werden, in ähnliche Position zu kommen
wie in der alten Revolution die Mainzer Klubbisten. Ça sera dur.
Wir, die so enlightened sind über unsre braven frères von jen¬
seits des Rheins! The whole thing in Germany wird abhängen von
O Im Orig. Tallandier
9*
132
(382) 1856 April 16
der Möglichkeit to back the Proletarian révolution by some second
édition of the Peasant’s war. Dann wird die Sache vorzüglich.
Von Stieber II ist mir nichts zu Ohren gekommen. Schreib mir,
was Du davon weißt.
Nun zu der chronique scandaleuse. 5
Die Piepersche Komödie hat ein ebenso rasches wie bittres
Ende genommen. Auf der einen Hand erhielt er einen Brief, worin
der alte Greengrocer ihm rundweg abschlägt und ihm sein Haus
verbietet. Auf der andern Seite erschien die grünbebrillte Nacht¬
eule — eine unbeschreiblich häßliche Hutschachtel — in unsrem io
Haus, um „ihren“ Pieper zu finden. Sie schlug ihm vor, mit ihr
durchzubrennen. Mit großer Diskretion lehnte er dies auf das ent¬
schiedenste ab. — So ist die Komödie ausgespielt. Daß Wunder¬
hold durch diese bittre Erfahrung seiner Unwiderstehlichkeit in
etwas kuriert werden wird, ist zu hoffen. is
Einliegend ein Brief Seiler [s]. Dieser Falstaff hat Edgarn
gleich bei seiner Ankunft in New York gefunden, als ersterer eben
auf dem Sprung war, nach Texas abzusegeln. Edgar hat einst¬
weilen Geld von der Erbschaft her. Die ekelhaften Folgen dieses
Zusammentreffens mit Steiler] siehst Du aus dem Brief. 20
Schöne Kompagnie. Seiler und Konrad Schramm!
Salut.
Dein K. M.
383. Marx an Engels; 1856 April 26.
26. April 1856. 25
28, Deanstreet, Soho, London.
Dear Frédéric,
Du erhältst einliegend:
1. Zwei Kars papers, Fortsetzung und Schluß.
2. Einen Artikel, den ich dem Jones über den Duke of York 30
gegeben habe. Ich mache darin tant bien que mal old Cobbets
Manier nach und schicke ihn zur speziellen Mitteilung an lupus.
3. Des alten Chartisten Frost speech in New York.
4. Einen Brief von Miquel. Letztrer zurückzuschicken.
Ich habe nämlich noch nicht geantwortet, indem ich vor der Ant- 35
wort Deine ausführliche „opinion“ hören möchte. Dies ist etwas
schlüpfrige Sache. „Fragen mitunter verfänglich“, und es ist
schwer, das richtige Maß in der Antwort zu beobachten.
Que dites-vous du discours de Mr. de Walewsky? In London
herrscht allgemeine Wut gegen das govemment, und selbst die 40
shopkeepers nehmen revolutionäre Phrasen ins Maul.
z.5-21.
(383) 1856 April 26
133
Wenn Du kannst, so schick dem Pieper einiges. Es ist jetzt mög¬
lich, daß er als corrector am P[eople’s] P[aper] unterkömmt. Ich
kann ihm jetzt nur Naturalverpflegung liefern. Ich habe ihn ernst¬
haft wegen seiner dummen Streiche gerüffelt, die ihn von neuem
«5 aufs Pflaster geworfen. Über hiesige Politik könnte ich Dir einiges
mitteilen. Indes wäre es bedenklich, es durch Post zu tun.
Im Advertiser von heute, in der Pariser Korrespondenz, ein
kurzer, aber interessanter Bericht über einen Prozeß gegen An¬
hänger der „Marianne“, die sich famos benehmen.
io In der „Presse“ (Paris) erbaulicher Krakeel gegen Bonapartes
législateur poète — Belmontet— von Pelletan, worin letztrer den
„empereur“ so beleidigt hat, daß er wahrscheinlich expulsiert
wird.
Salut.
is Dein K. M.
384. Marx an Engels; 1856 Mai 7.
7. Mai 1856.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric,
20 Ich habe Dir wieder einen Brief aus Deutschland zu adressie¬
ren. Da Du aber bisher weder Empfang des Parcels, noch des
Briefs, worin Miquels Schreiben eingeschlagen war, angezeigt
hast, so weiß ich nicht, ob die Sachen an Dich gelangt sind. Ant¬
worte darauf umgehend. Bei verfänglichen Briefen ist es nötig,
25 der Ablieferung sicher zu sein.
Salut.
Dein K. M.
385. Marx an Engels; 1856 Mai 8.
8. April1* 1856.
50 28, Deanstreet, Soho.
Dear Frédéric,
Deinen Brief erhalten. Meine pressure auf Dich, in dem yester-
day letter, erklärlich d’abord, weil früher das Paket meiner Frau
nach Manchester nicht ankam, obgleich per Post geschickt.
15 Zweitens aber weißt Du, wie einem Menschen zumute ist, den die
Hämorrhoiden tanzen machen. Und dieser Mensch bin
ich.
0 Irrtümlich für Mai
Z. 1—6.
Nr. 384.
134
(385) 1856 Mai 8
Es freut mich, daß Du und Lupus über M[iquel]s Brief ganz
meine Ansicht habt — es war mir innerlich „sehr übel“ zumut, als
ich diese „Klugheit“ verdauen sollte.
Meine Familie reist ab, wenn die von mir getroffnen pekuniären
Maßregeln nicht fehlgehn, in spätesten zehn bis vierzehn Tagen. 5
Schade, daß Du so überarbeitet bist. Wir könnten sonst une petite
tour nach Schottland machen.
Auf dem Museum werde ich Deine Aufträge besorgen, sobald
ich wieder hingehe.
Einliegend io
zwei Briefe: 1. von Imandt; 2. von Köln. Es wird wohl am
besten sein, wenn ich durch meine Frau den Kölnern antworte?
There exists some jealousy zwischen Köln und Düsseldorf as to
the leading of the proletarian movement. Besides weiß ich nicht, ob
die Kölner wissen, daß die Düsseldorfer ganz mit Lassalle ge- x
brochen, der allgemein unter ihnen anrüchig.
Von Sheffield traf gestern folgende komische Botschaft ein:
Council Hall, Sheffield, May 6th 1856.
„Doctor,
The Sheffield Foreign Aff airs Committee instructs me to convey 20
to you an expression of their warm thanks for the great public ser¬
vice you hâve rendered by your admirable exposé of the Kars
Papers published in the People’s Paper. I hâve the Honor etc.
Cyples, Secretary.“
Dies ist Seelengröße, da Todeskampf zwischen People’s Paper 25
und Free Press, überhaupt zwischen Chartism und Urquhartism.
Der große Ironside ging noch einen Schritt weiter und dekretierte
that the „thanks of the country“ were due to Dr. M [arx] etc. Es
wäre viel besser, wenn die Kerls mir das Geld geschickt hätten, das
sie durch Wiederabdruck des Palmerstonartikels unter dem Titel 30
„Story of the Life etc.“ (als Pamphlet) gemacht haben.
Seiler sendet mir — heute eingetroffen — von New York — im
Demokrat — „Das Recht deutscher vereinigter Staatenbürger in
Europa“. Wird nie gelesen, wenigstens nicht in dieser Welt.
Seit ich dem Pieper die 2 von Dir eingehändigt, habe ich ihn 35
nicht gesehn. Außerdem hatte er bis gestern abend die für
die P[eople’s] P[aper] zugesagte Arbeit, wie mir Jones sagen ließ,
nicht geliefert. Nous verrons, wenn er diesmal wieder mutwillig
die Gelegenheit versäumt, soll ihn der Teufel holen. Er hat jetzt
chance, der Esel. 40
Salut.
Dein K. M.
Z. 35-40.
(385) 1856 Mai 8
135
Apropos! Heines Testament gesehn! Rückkehr zum „lebendigen
Gott“ und „Abbitte vor Gott und den Menschen“, sollte er je was
„Immoralisches“ geschrieben haben!
Oberst Touroute1) nicht wiedergesehn vor seiner Abreise nach
5 Deutschland.
Schick die einliegenden Briefe nicht zurück. Grüß Lupus.
386. Marx a n En gel s ; 1856 M a i 23.
23. Mai 1856.
28, Deanstreet, Soho.
io Lieber Engels,
Die Familie gestern abgereist. Ich war diese Woche arbeits¬
unfähig, teils durch den trouble im Haus, teils durch einen in
dieser Form noch nicht bei mir stattgehabten Rückenrheuma¬
tismus.
is Beiliegend Bazancourt — die „napoleonische“ Erzählung der
Krimgeschichte. Ließe sich nicht draus etwas für Putnam machen?
Ich habe sehr nötig, diese Firma in Requisition zu nehmen, da
die Kosten und Ausstattung für die Reise mich zwangen, durch
Hutschkes Vermittlung einen Solawechsel von 30 £ auf drei Mo-
2o nate Ziehung auf mich aufzunehmen. Einer von den Putnams war
bei Freiligrath, und sie sind willig, Beiträge zu nehmen.
Ich habe von dem Bazancourt nur die Auszüge in den franzö¬
sischen Blättern gelesen. Danach scheint es mir viel Stoff zum
Lustigmachen zu bieten. Anders als frivol scheint mir die Sache
25 nicht behandelbar. Wenn gemacht, dürfte es nicht kurz gemacht
werden, sondern mit der fixen Idee Raum zu füllen.
Trübner, der vor zwei Monaten auf meine schwedische Scheiße
einzugehn schien, dann aber nichts von sich hören ließ, hat mir
gestern geschrieben und auf Dienstag eine entrevue wegen der
so Sache festgesetzt. Das gäbe 20 Bogen Arbeit.
Ich bin in einem serious dilemma, ob ich jetzt einen trip machen
soll oder nicht. Einerseits muß ich schanzen, um Gelder heraus¬
zuschlagen. Andrerseits hat mir der Doktor gesagt — und ich
glaube, er hat recht — ich müsse etwas reisen und Luft verändern,
35 da meine Leber wieder in unregelmäßiger Funktion. I am not yet
decided, was ich tim soll. Der Aufenthalt hier ist nicht ganz so wohl¬
feil, da ich auch den Pieper auf dem Hals habe. Aber die Arbeiten
sind die Hauptsache.
As to Bazancourt schreib mir, ob Du auch den ersten Teil
4o brauchst. Läßt sich nichts mit der Sache machen, so ist es besser,
ihn ungekauft zu lassen.
0 Im Orig. Tourout
Z. 11-14.
17-20.
136
(386) 1856 Mai 23
Ich bin heut nicht schreibfähig, muß Dich aber doch um Auf¬
klärung über einen philologischen Skrupel angehn. In Shakespeare
Henri IV. findet sich Hiren für Syrene und nach einer Note des
Pedanten Johnson kömmt die Form Hiren auch bei andern ältem
englischen Schriftstellern vor. Der Austausch von H und S quite 5
in der Ordnung. Aber könnte Hiren nicht mit Hure Zusammen¬
hängen, und darum auch Syrene? Oder mit haeren, auris etc.?
Du siehst, to which low state of spirit ich heute depressed bin, da
mich dieser Casus sehr interessiert.
Über Ruges Tragödie die „Neue Welt“, worin „die Tragödie w
der Liebe in ihre Farce umschlägt“, habe ich höchst kuriose Mit¬
teilungen erhalten. Darüber das nächstemal.
Herzen geht nach der Schweiz. Ich erwarte Deine communica¬
tions über Ireland.
Salut.
Dein K. M.
387. Engels an Marx; 1856 Mai 23.
Manchester, 23. Mai 1856.
Lieber Marx,
In unsrer Tour nach Irland kamen wir von Dublin nach Gal- 20
way an der Westküste, dann 20 Meilen nördlich ins Land hinein,
dann nach Limerick, den Shannon hinunter nach Tarbert, Tralee,
Killamey und zurück nach Dublin. Im ganzen ca. 450—500 Mei¬
len englisch im Lande selbst, und haben also ca. zwei Drittel des
ganzen Landes gesehn. Mit Ausnahme von Dublin, das sich zu 25
London verhält wie Düsseldorf zu Berlin und ganz den Charakter
der ehemaligen kleinen Residenz trägt, auch ganz englisch gebaut
ist, sieht das ganze Land aus und besonders die Städte, als wär’
man in Frankreich oder Oberitalien. Gendarmen, Pfaffen, Advo¬
katen, Bureaukraten, Rittergutsbesitzer in erfreulicher Menge und 30
eine totale Abwesenheit aller und jeder Industrie, so daß kaum
zu begreifen wäre, wovon alle diese Schmarotzerpflanzen leben,
wenn nicht die Misère der Bauern das entsprechende Gegenstück
bildete. Die „Maßregelung“ ist an allen Ecken und Enden sicht¬
bar, die Regierung pfuscht in alles, von sogenanntem selfgovem- 35
ment keine Spur. Man kann Irland als die erste englische Kolonie
ansehn, und als eine, die ihrer Nähe wegen noch direkt in der alten
Weise regiert wird, und man merkt hier schon, daß die sogenannte
Freiheit der englischen Bürger auf der Unterdrückung der Ko¬
lonien beruht. In keinem Lande hab ich so viel Gendarmen gesehn, 40
und der preußische Gendarmenschnapsausdruck hat sich in dieser
Z. 10-12.
(387) 1856 Mai 23
137
mit Karabiner, Bajonett und Handschellen bewaffneten Consta-
bulary zur höchsten Vollkommenheit entwickelt.
Eigentümlich sind dem Land die Ruinen, die ältesten aus dem
fünften und sechsten, die neusten aus dem neunzehnten Jahrhun-
5 dert, mit allen Mittelstufen. Die ältesten reine Kirchen, seit 1100
Kirchen und Schlösser, seit 1800 Bauernhäuser. Im ganzen
Westen, besonders aber in der Gegend von Galway ist das Land
mit solchen verfallenen Bauernhäusern bedeckt, die meist erst seit
1846 verlassen sind. Ich habe nie geglaubt, daß eine Hungersnot
io eine so handgreifliche Realität haben könne. Ganze Dörfer sind
verödet, und dazwischen dann die prächtigen Parks der kleineren
landlords, fast der einzigen, die dort noch wohnen; meist Advo¬
katen. Hungersnot, Auswanderung und clearances zusammen
haben das fertig gebracht. Dabei nicht einmal Vieh auf den Fel-
15 dem. Das Land ist komplette Wüste, die niemand haben will. In
der Grafschaft Clare, südlich von Galway, wird es etwas besser,
dort gibt’s doch Vieh, und gegen Limerick zu sind die Hügel von
meist schottischen farmers vortrefflich bebaut, die Ruinen gecleart,
und das Land sieht bürgerlich aus. Im Südwesten viel Gebirg und
2o Sumpf, aber auch wunderbar üppiger Wald wuchs, nachher wieder
schöne Weiden, besonders in Tipperary, und gegen Dublin hin ein
Land, dem man es ansieht, daß es allmählich unter große Farmer
kommt.
Das Land ist durch die Eroberungskriege der Engländer von
25 1100 an bis 1850 (so lange haben sie au fond gedauert und der
Belagerungszustand auch) total ruiniert. Von den meisten Ruinen
ist ihre Zerstörung während der Kriege konstatiert. Das Volk selbst
hat dadurch seinen aparten Charakter bekommen, und mit allem
national-irischem Fanatismus, den die Kerle haben, fühlen sie,
5o daß sie in ihrem eignen Land nicht mehr zu Hause sind. Ireland
for the Saxon! Das wird jetzt realisiert. Der Irländer weiß, daß
er gegen den Engländer, der mit in jeder Beziehung überlegnen
Mitteln kommt, nicht konkurrieren kann; die Auswanderung wird
fortdauem, bis der vorherrschend, ja fast ausschließlich keltische
55 Charakter der Bevölkerung zum Teufel ist. Wie oft haben die Ir¬
länder angesetzt, um zu etwas zu kommen, und jedesmal sind sie
ekrasiert worden, politisch und industriell. Sie sind künstlich,
durch konsequente Unterdrückung zur vollendet verlumpten
Nation geworden, und jetzt erfüllen sie bekanntlich den Beruf,
*o England, Amerika, Australien etc. mit Huren, Tagelöhnern. Ma¬
quereaux, Spitzbuben. Schwindlern, Bettlern und andern Lum¬
pen zu versorgen. Der Lumpencharakter steckt auch in der Aristo¬
kratie. Die Grundbesitzer, überall anderswo verbürgerlicht, sind
hier komplett verlumpt. Ihre Landsitze sind mit enormen wunder-
*5 schönen Parks umgeben, aber rundherum ist Wüste, und wo das
138
(387) 1856 Mai 29
Geld herkommen soll, ist nirgends zu sehen. Diese Kerle sind zum
Totschießen. Gemischten Bluts, meist große, starke, hübsche
Burschen, tragen sie alle enorme Schnurrbärte unter kolossalen
römischen Nasen, geben sich falsche militärische Airs de colonel
en retraite, reisen im Land herum allen möglichen Vergnügungen
nach, und wenn man sich erkundigt, haben sie keinen Fuchs, den
Puckel voll Schulden und leben in der Furcht des Encumbered
Estâtes Court.
Über die Art und Weise, wie England dies Land regiert — Re¬
pression und Korruption —, lange eh Bonaparte dies versuchte—,
nächstens einmal, wenn Du nicht bald herkommst. Wie steht’s
damit?
Dein F. E.
388. Engels an Marx; 1856 Mai 26.
Lieber Marx,
Hierbei der Artikel, den Du aber ja erst durchsehen mußt, das
Comptoir hat mich heute wieder daran verhindert.
Bazancourt ist zu etwas zu gebrauchen, die Batrachomyo-
machie des Bonaparte. Aber der erste Band durchaus notwendig,
ich will Dir 6 sh.-Stamps morgen dafür schicken, oder vielmehr 20
sie liegen hierbei.
Ich würde Dir raten sofort aufzupacken, die nötigsten Papiere
mitzubringen, dann kannst Du sowohl hier wie in Schottland
arbeiten, wenigstens gewisse Sachen. Den Bazancourt könnten wir
zusammen machen; Du würdest freilich die Hauptarbeit haben; 20
denn der Commerce nimmt mich bei dem sich rasch ausdehnen¬
den Geschäft jetzt so in Anspruch, daß ich an regelmäßiges und
durchgeführtes Arbeiten nicht denken kann. Ist das Ding hier
fertig (ein Artikel wäre natürlich hinreichend), so kannst Du
ja immer entweder hier parlamentary Artikel machen oder einen 30
Abstecher nach Schottland, und dann bei der Rückkehr wieder
etwas hier schanzen. Bis der Panslawfismus] fertig, möchte ich
mir nicht gern zu viel andre Versprechungen auf den Hals laden,
die ich am Ende nicht halten kann; aber Deine Gesundheit ist
doch auch eine Konsideration, und da glaub ich ein gutes Getränk 35
für Dich zu haben: nämlich leichtes bayrisches Bier und noch
ca. ein Dutzend Flaschen Bordeaux, das ist immer besser, mit
Luftveränderung, als half and half etc.
Ich werde Dir womöglich morgen wieder ein paar Zeilen schrei¬
ben, laß mich wissen, was Du beschließest.
Dein F. E.
Manchester, 26. Mai 1856.
Nr. 388.
(389) 1856 Mai 29
139
389. Marx an Engels; [1856] Mai 29.
29. Mai.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
s Es wird mir schwerlich angehn, vor Ende nächster Woche
von hier abzureisen, da die Geschichte mit dem Trübner sich erst
bis dahin entschieden hat und ich außerdem noch mit Hutschke
sprechen muß, der vor dem angegebnen Termin schwerlich nach
London zurückgekehrt ist. Jedenfalls schreib ich Dir vorher, wann
io ich von hier abreise.
Salut.
Dein K. M.
390. Marx an Engels; 1856 Juni 5.
5. Juni 1856.
15 28, Deanstreet, Soho.
Lieber Frédéric,
Ende dieser Woche reise ich nach Schottland; komme von da
nach einer sechstägigen Frist zu Dir, werde Dir natürlich Notiz
geben. Adressiere während dieser Woche, wenn Du mir schreibst:
2o C. Marx, care of P. Imandt, 29 Cowgate, Dundee. Ich bin zu
diesem Entschluß, über Schottland zu Dir zu reisen, aus doppel¬
tem Grund gekommen :
1. Medizinischen, weil ich weiß, daß die Seefahrt mich
auf den Strumpf bringen wird, und mein Rheumatismus ist erst
25 seit vorgestern verschwunden. Dabei übertriebnes Blutscheißen
und sonstige Unannehmlichkeiten. Ich konsultierte natürlich auch
meinen surgeon.
2. Pieper. Er begleitet mich nach Schottland und kehrt dann
nach London zurück. Wäre ich nicht auf dies Arrangement einge-
3o gangen, so wäre der Junge — er hat Geld für die Reise von seinem
ehmaligen Schüler A. Rothschild erhalten —, wie er fest ent¬
schlossen war, mit falschem Paß nach Paris gewandert, angeblich
mit der Absicht, von da zu Fuß nach Genf zu gehn. Du verstehst,
welches sonderliche und kompromittierliche Ende such an expe-
35 dition likely was to arrive at.
Salut. Dein K. M.
Nr. 389.
140
(391) 1856 Juni 6
391. Marx an Engels; 1856 Juni 6.
6. Juni, 1856.
Lieber Engels,
Plan again changed. Warum, mündlich. Pieper begleitet mich
nach Hull, reist dann nach London zurück. Ich komme von Hull 5
zu Dir.
Dein K. M.
392. Marx an Engels; 1856 Juli 28.
28 July 1856.
28, Deanstreet, Soho, London. io
Lieber Frédéric,
Der Brief meiner Frau, den ich heute via Manchester erhalten,
zeigt den am 23. Juli erfolgten Tod ihrer Mutter an. Dies wird die
Rückkehr nach London beschleunigen.
Gleichzeitig ein Brief von Miquel, der hierherzukommen denkt n
in acht bis zehn Tagen. In diesem Augenblick sehr ungelegen.
Pieper hat schon seit zwei Wochen seine Stelle verloren. Dies¬
mal ohne seine Schuld/ Er hielt die Sache geheim, solang lupus
hier war. Die Setzer hatten konspiriert, um einen Kerl hereinzu¬
bringen, der zu ihrer friendly society gehört. 20
Mit Sheffield steht die Sache wie folgt:
Die Kerls hatten in der letzten Nummer schändlich gestrichen.
Pieper schrieb darauf an Cyples: „I am directed by Dr. Marx to
inform you that he cannot congratulate you upon the emenda-
tions etc.“ 25
Dann kam folgender Brief von Ironside1*:
„Free Press Office, Sheffield,
July 19. 1856.
Dear Doctor,
It could not be satisfactory either to us or to yourself to close 30
your article in the abrupt way which you on the instant proposed.
I am sorry that I was so unsuccessful in cutting down last week’s
contributions, and should have hesitated in doing so had it not un-
fortunately happened that there was really no other alternative.
As to Mr. Ironside’s note, permit me to say that in another letter 35
since received from him, he expresses regret that you should
have construed his scrap as he did not intend it, and intimâtes a
doubt that I have in some way offended you? I see no reason why
9 Irrtümlich für Cyples
Nr. 391.
(392) 1856 Juli 28
141
our Professional intercourse may not continue and be pleasant;
and I venture to hope to receive the usual packet of copy for next
week’s issue. You will be so good as to excuse my tardiness in
writing. I have been so busy. Your etc. C y p 1 e s.“
j A n t w o r t. „ July 22, 1856.
,Dear Sir, I Write again myself to show that I bear not the least
illwill against you for which, indeed, there would be no cause. In
your letter dated July 19, you say : ,1t could not be satisfactory etc/
Now as to my own satisfaction please to leave it altogether out of
io the question. As to Mr. Ironside’s ,satisfaction6 Til quote you the
exact words of his ,note6. Having told you, that already die first
article had ,overdosed‘ him, he continues as follows:
,They (Dr. Marx’ articles) are entombing the paper. This must
not be. The y must be brought to a close forthwith.
16 You must not have more than two more doses — this week and the
next. You had better write him at once to that effect.6 I po¬
sitiv e 1 y décliné making myself guilty of manslaughter by ad-
ministering another ,dose6 to Mr. Isaac Ironside and ,entombing6
him in the sheets of his own paper. Yours etc. Dr. K. M/6
2o Damit war bis jetzt die Korrespondenz am Ende. Aber von
Geld auch noch keine Spur. Jones sagt, ich hätte die Kerls wegen
des Ganzen verklagen können, at the outset.
Du begreifst, daß ich auf Kohlen sitze. Ich muß für eine Woh¬
nung sorgen, wenn die family kommt, und weiß weder, wie ich aus
25 der alten heraus noch wie in neue herein, da ich weder means in
der Hand noch irgendwelche nahen Prospekte habe. Die elek¬
trische Bürste strebt vergeblich, die Haare zu schwärzen, da die
atra cura sie mehr denn je bleicht. Hutschke ist durchgebrannt,
und so bin ich wenigstens der Zahlung an ihn bis auf unbestimmte
30 Zukunft überhoben.
Espartero und Pucteta in der spanischen Komödie — schöner
hat die Geschichte nie den Heros des liberalen Bürgers und den
Heros des „Pöbels66 einander gegenübergestellt.
Salut.
35 Dein K. M.
Freiligrath hat jetzt keinen Vorgesetzten außer einem board
of Directors, der sich alle Sonnabend versammelt.
Z. 31—33.
142
(393) 1856 Aug. 1
393. Marx an Engels; 1856 August 1.
1. August 1856.
28, Deanstreet, Soho.
Lieber E.,
Die 5^-Note dankbarst erhalten, aber noch nicht den mir ver- 5
sprochnen Brief. Einliegend ein Brief von dem verrückten Mir¬
bach, den ich — via Berlin! — erhalten habe.
Von Sheffield noch kein Geld. Heute habe ich durch Pieper
Brandbrief geschickt. Unterdessen hat sich folgendes ereignet:
Gestern erschien bei mir Urquharts Bulldogge — the cele- io
brated Collet. Er käme im Auftrag des Großkophta selbst.
Urquhart sei very sorry, regretted, indeed, very much that Mr.
Ironside had interfered at all with my articles etc., which he
thought of extraordinary value etc. Bat mich dann, ihm zu erzählen,
wie die Sache passiert sei. Mr. Urquhart imagined that the princi- is
pal cause of the quarrel was the suppression of some parts of the
copy etc. Ich erzählte ihm dann den Hergang und teilte ihm die
schriftlichen corpora delicti mit. Er fragte mich dann, whether
I was willing to enter upon any compromise, which question I flatly
denied, telling him that I was no penny-a-liner and not to be trea- 20
ted like the Londoner literary vagabonds. Er schien bloß auf diese
Erklärung zu warten, indem er mir nun mit extraordinary solem-
nity erzählte, Urquhart finde die „Free Press“ ungenügend.
Mr. Ironside was placed on the homs of a dilemma because the
„Free Press“ was, indeed, but an extract from the „Sheffield^
Free Press“ — a paper, by the bye, twice the dimensions of the
,,F[ree] P[ress]“ — and what was suited to the wants of the rea-
ders of the ,,Sh[effield] F[ree] P[ress]“ was not all palatable to the
readers of the ,,F[ree] P[ress]“ et vice versa. Mr. Urquhart had,
therefore, resolved upon starting in about a month a diplomatie 30
journal at London. Er hoffe, daß ich dort die ganzen Révélations
geben werde und keinen grudge gegen ihn hege. Ich gab eine
unbestimmte Antwort, die als affirmativ aufgefaßt werden konnte,
mir aber freiließ — sollten die Bedingungen zu schlecht oder
sollte das Blatt zu verrückt sein —, zu refüsieren. Es wird alles 30
von dem Charakter des Blatts abhängen. In London ist etwas
anders als in Sheffield, und sollte Ufrquhart] mit seinem konter¬
revolutionären Blödsinn so auftreten, daß ich durch Mitarbeiter¬
schaft bei den hiesigen Revolutionärs blamiert würde, so müßte
ich, of course, hard as it would be under the present miserable 40
circumstances, abschlägig bescheiden. Indes nous verrons. Jeden¬
falls habe ich jetzt genügende Satisfaktion für meinen literary
point of honour erhalten, indem der Chef seinen lieutenant grade-
(393) 1856 Aug. 1
143
zu desavouiert. Schon des Bucher und des demokratischen Lum¬
pengesindels wegen ist diese Lösung erwünscht.
Es wird nun bedeutender Krakeel im U [rquhart] sehen Lager
selbst vor sich gehn. Mir schien zu lurk eine böse tendency, den
5 armen Cyples zum scape-goat zu machen. So sagte Collet z. B., es
sei ihm nicht klar, daß Cyples den Brief Ironsides mit dessen
Wissen mir zugeschickt habe. Ich erwiderte ihm darauf, der
C[yples], der ein braver Mann scheine, habe so viel gegen „secret
diplomacy“ donnern hören, daß er natürlich voraussetze, im
io Office der F [ree] P[ress] herrsche „public diplomacy“.
Von meiner Frau heute Brief erhalten. Sie scheint sehr ange¬
griffen über den Tod der Alten. Sie wird acht bis zehn Tage in
Trier zuzubringen haben, um den sehr unbedeutenden Nachlaß
der Alten zu versteigern und die proceeds mit Edgar zu teilen. Der
is Plan, den sie mir mitteilt, ist folgender: Sie wird dann noch einige
Tage in der Nähe von Trier bei einer Freundin bleiben. Dann will
sie nach Paris reisen und von da direkt nach Jersey, wo sie
sich ausgedacht hat, daß wir September und Oktober zubringen
sollen. Erstens zu ihrer eignen Erholung; dann sei es wohlfeiler
20 und angenehmer wie London; endlich lernten die Kinder Franzö¬
sisch sprechen etc. Sie weiß natürlich nichts von den hier stattge-
habten Vorfällen. Einstweilen schreibe ich ihr, der Plan sei vor¬
trefflich, obgleich ich in der Tat nicht einsehe, wie er ausführbar
ist. Ich habe gestern wieder die N [ e w ] Y[ork] T[ribune]
25 (weekly) gesehn. Nichts als Electoral Dodge füllt das ganze Blatt
und wird so noch für Monate tun. Ernsthaft kann die N [ew]
Y[ork] T[ribune] erst wieder angepackt werden, sobald
die Präsidentschaftsscheiße zu Ende ist.
Salut.
so Dein K. M.
P. S. Bei Blind gesehn zwei Bände der Emigrationsjeremiade
von Simon von Trier0. Verdünntere Fadaise, jedes Wort ein
Lappes, schülerhafte Stümperei, geckenhafter Hasenfuß, zier¬
bengelhafte Naivetätsprätention, Bettelsuppe mit aufgelösten
35 Grün sch en Judenkürschen2) drein, breite Platitude — es ist nie
etwas ähnliches gedruckt worden. Das fehlte noch, um dem „deut¬
schen Parlament“ den letzten Arsch tritt zu geben, diese Selbstblo߬
stellung eines seiner Heroen. Ich habe natürlich nur geblättert.
Ich möchte ebensogern Seifenwasser trinken, oder mit dem großen
4o Zoroaster auf heiße Kuhpisse schmollieren, als das Zeug durch¬
lesen. Unser Gespenst verfolgt ihn et Co. fortwährend. L. Blanc,
Blanqui, Marx und Engels ist seine höllische Viereinigkeit, die er
O Ludwig Simon
2) Im Orig. Judenkürchen
Z. 31-42 -
144
(393) 1856 Aug. 1
nie vergißt. U. a. sollen wir beide — die Lehrer der „ökono¬
mischen Gleichberechtheit“ — „Bewaffnete (!) Aneignung
des Kapitals“ gepredigt haben. Auch die Witze, die wir in der
Revue1} über die Schweiz gemacht, „indignieren“ ihn. „Keine
Zivilliste, keine stehende Armee, keine Millonäre, keine Bett- 5
1er“ — „Marx und Engels hoffen, daß Deutschland nie zu dieser
Stufe der Erniedrigung herabsinken wird.“ Höchst sonderbar ist,
wie der Kerl uns beide als S i n g u 1 a r auf faßt, „Marx und Engels
sagt“ etc.
394. Engels an Marx; 1856 August 4.
Manchester, 4. August 1856.
Lieber Marx,
Der Brief, der nicht kam, ist in der Hitze zu Wasser geworden.
Ich weiß nicht, ob Ihr auch dort plötzlich von dieser tropischen
Hitze überfallen worden seid, in der alles aufhört außer bestän-is
diges Baden und Waschen mit Wasser äußerlich und mit aller¬
hand andern Flüssigkeiten innerlich. Gestern war ich komplett
inkapabel und kaum imstande auszugehn, seit Donnerstag bin ich
nicht aus dem Schweiß gekommen, selbst beim Baden nicht, und
die lausigste Comptoirarbeit greift einen an, daß man nachher 20
ganz herunter ist. Dabei nachts dieselbe Schwüle.
Daß die Sache mit Urquhart so abgelaufen, ist sehr erfreulich.
Unsre resolute Manier imponiert den Canaillen doch immer am
meisten. Ich hoffe, daß es sich wird machen lassen, daß die
Sachen in Urquharts Ding erscheinen, nous verrons. 25
Ich warte täglich auf einen Brief meines2) Alten, der mich
nach London ruft. Ich richte mich so ein, daß ich Samstag abgehn
kann, falls ich gerufen werde. Ich zieh am Samstag aus, hab noch
keine neue Wohnung, weiß auch nicht, ob ich mir eine nehme oder
auf acht Tage vagabundiere, da ich vorhabe, nach meiner Zurück- 30
kunft allerhand tolle Geschichten anzustellen.
Mein Schwager3) war hier, guter Kerl, Kommunist aus Prin¬
zip, Bourgeois aus Interesse, wie er sehr naiv selbst sagt, spricht
aber von kommunistischen Sachen immer per Wir; wollte mich
bereden, den Preußen einen kleinen Finger zur Amnestierung zu 33
bieten, worauf ich natürlich sehr determiniert antwortete und er
zuletzt auch einsah, daß 1. ich es nicht könne und 2. die Preußen
mir antworten würden, ich solle sie im Arsch etc. — Der Mann
schien wenig Illusionen über meinen Gemütszustand zu haben und
]) Revue der Neuen Rheinischen Zeitung
2) Im Orig, meiner
8) Karl Emil Blank
Z. - 1-9.
13-21.
(394) 1856 August 4
145
ist gewiß mit noch viel weniger weggegangen, war aber sehr ver¬
wundert, mich so fidel zu treffen.
Dem Mirbach schreib ich, sowie es etwas kühler ist, jetzt ist das
nicht zu verlangen. 24 Grad Réaumur ist kein Spaß, wenn man
5 dabei börsenmäßig angezogen herumlaufen muß.
Wenn der Plan mit Jersey sich ausführen ließe, was gewiß sein
Gutes hätte und auch nicht ganz unmöglich ist, so laß Deine Frau
sich ja in Paris genau erkundigen, wie es mit der Reiseroute und
den Kommunikationen steht, sie könnte sonst sehr in die Brüche
10 kommen. Ich glaube, Saint Malo ist der einzige französische Ort,
wohin Steamer von Jersey gehn. Laß Dir von ein paar Crapauds
die Verhältnisse erzählen, Du kennst ja mehrere, die dort waren.
Dem großen Pieper kannst Du die Versicherung geben, daß
ich seinen großen durchfiltrierten Artikel über Spanien im P[eo-
15 ple’s] P[aper] gelesen, ehe das Original in der Tribune erschien,
„hang it!“ C’est beau! Das P[eople’s] P[aper] verdient übrigens
den Abtritt zu bewohnen, was sind das für Sauereien dadrin: we
regret to leam that Lord so and so has eut his finger usw.; laß
Jones doch seinen subeditor verdammt schuhriegeln für solchen
2o Blödsinn.
Das Geld laß den Canaillen in Sheffield nur ja nicht sitzen —
sie müssen blechen unter jeder Bedingung.
395. Marx an Engels; 1856 September 22.
22. September 1856.
25 28, Deanstreet, Soho.
Lieber Engels,
Ich hätte schon früher Deinen letzten Brief acknowledged, aber
der ganze Tag von morgens bis abends ging, seit vierzehn Tagen
about, verloren mit Wohnungen suchen. In dem alten Loch konnte
so unter keinen Umständen geblieben werden. Wir haben endlich
eine Wohnung gefunden — ein ganzes Haus, das wir selbst zu
furnish haben. Es ist: 9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haver-
stockhill, Hampstead Road. Miete: 36 St. Den 29. September
soll die Sache bezogen werden; diese Woche ist es zu möblieren.
35 Wir sind einigermaßen in Verlegenheit, da wir about 26 in der
Stadt zu zahlen und viel mehr für die neue Einrichtung. D. h. es
fehlen uns 10—15 £ St. — auch nur momentan, da meine Frau
infolge der Trierer Erbschaft noch eine größre Summe von ihrem
Bruder in Berlin zu erhalten hat. Gestern schrieb er, daß er das
Geld noch nicht schicken könne, weil die Niederschlesischen Eisen¬
bahnbonds, in denen das meiner Frau zukommende Kapital depo-
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 10
Z. 13-22.
146
(395) 1856 Sept. 22
niert, dans ce moment nur mit großem Verlust verkäuflich seien1}.
Dabei macht der Herr Minister folgende melancholische Be¬
merkung: „Es ist freilich jetzt grade ein ungünstiges Moment, in¬
dem alle solche wirklichen Wertpapiere infolge des rasenden
Kredit Mobilier- und Kommandit-Gesellschaftsschwindels sehr im 5
Kurse gesunken sind.“
Wenn Du einen Teil des Fehlenden supplieren kannst, denke
ich den Rest mit Pfandhaus herauszubringen, bis die Berliner
Sendung ankömmt. Das schlimme ist, daß keine Zeit zu verlieren.
Die Nachricht vom Tode Weerths hat mich furchtbar affiziert, io
und es war mir schwer, die Sache zu glauben. Freiligrath schrieb
mir auch schon wegen eines Nachrufs. Aber in der Tat, ich sehe
kein Blatt in Deutschland. Das einzig Mögliche wäre vielleicht zu¬
nächst ein Nachruf in der „Tribune“, bis die Zeiten mehr und
Besseres möglich machen! What is your opinion? h
Ich bin für heute zum Essen bei dem Putnamkerl2) eingeladen,
der wieder hier ist. Ich weiß nicht, ob ich hingehe. Mein schlechtes
Englischsprechen könnte mich blamieren.
Tribune hat mir die nichtgedruckten Artikel zurück¬
geschickt. Es sind, all in all, der Panslawismus und meine Artikel 20
über die Danubian principalities. Herr Dana schreibt, wenn ich
die Sachen nicht anderswo anbringen könne, müßten sie den „loss“
von Rechts wegen tragen, da sie nicht zu rechter Zeit Einspruch
getan. Im gegenteiligen Falle erwarten sie part ihrer expenses
zurück. Nous verrons. 25
Bruno Bauer veröffentlicht zwei Bände über England. Er wird
den pigsty seines cher frère wohl ausführlich abhandeln. Ich
weiß nicht, was er sonst in England gesehn hat.
Pieper, den ich bei Ankunft meiner Frau an die Luft gesetzt,
hat sich zwei Tage später wieder eingefunden und einquar- 30
tiert, was jetzt grade keineswegs angenehm. Wenn ich die neue
Wohnung beziehe, werde ich ihn in dem Dir bekannten kleinen
Loch in Deanstreet wohlinstalliert und auf meine Bürgschaft
zurücklassen.
Preußische Amnestie wird erwartet für 15. Oktober. Ottos 35
Mutter starb, hinterließ 2000 Taler, diese von der preußischen
Regierung konfisziert zur Zahlung der „Kosten des Kölnischen
Prozesses“.
Strohn war letzten Freitag hier. Der Kerl ist kolossal in die
Breite und Dicke gegangen und infolgedessen scheint sein Be-
hagen auf Kosten des Witzes somewhat zugenommen zu haben.
Auch das Maul ist nicht mehr so schief hängend, rather wohl¬
wollend.
O Im Orig, sei
’) Olmsted
Z. 29-43.
(395) 1856 Sept. 22
147
Über Heine habe ich allerlei Details erhalten, die Reinhardt
meiner Frau in Paris erzählt. Darüber ausführlicher ein ander¬
mal. Nur das für jetzt, daß das
„Sie aber schon um achte
s Trank roten Wein und lachte“
literally bei ihm eingetroffen. Seine Leiche stand noch im Sterbe¬
haus — am Tage des Begräbnisses —, als der Maquereau der
Mathilde mit ihrer Engelsmilde schon vor der Tür stand und sie
in der Tat abholte. Der brave „Meißner“, der so weichen Kuh-
10 mist apropos von Heine dem deutschen Publikum ins Maul ge¬
schmiert hat, hat bares Geld von der „Mathilde“ erhalten, um dies
Saumensch, das den poor Heine zu Tode gequält, zu verherrlichen.
Aber nun noch eine Geschichte apropos de Moses Heß. Der
Ruhm dieses Jünglings was due to a great part — to Sassonoff.
15 Dieser Russe, als Heß und Mösin2) nach Paris kamen, war sehr
herunter, sehr zerlumpt, sehr geld- und kreditlos, und folglich sehr
plebejisch und revolutionär und weltumstürzenden Ideen zugäng¬
lich. Sassonoff hörte, daß Moses nicht ohne „Moneten“ sei. Er
machte sich also hinter Moses und vor die Mösin. Letztre vögelte er
2o und erstem ausposaunte er as a great literary lumen und führte
ihn in Revuen ein und Zeitungsredaktionen. Wladimir, of course,
hat die Hand überall im Spiel und hat überall Zutritt. So preßte er
dem geizigen Moses genug Moneten ab, um wieder „scheinen“
und Lockvögel für neuen Kredit auswerfen zu können. Und damit
25 hat Sassonoff eine reiche alte Jüdin geködert und in koschem
wedlock genommen. Seit der Zeit aber ist er wieder vornehm ge¬
worden und drehte dem Moses den Rücken, ihn für a very common
and subordinate fellow erklärend. Die Mösin aber verließ er treu¬
los, und sie läuft jetzt schimpfend und polternd in Paris herum
30 und erzählt jedem, der es hören will, von dem Verrat des perfiden
Muskowiten. Dies ist gewissermaßen die Geschichte von der Gran¬
deur et Décadence de la Maison Moses.
Hast Du schon das in London erscheinende Blatt des Golowine
— R u s s i a etc. — gesehn?
35 Der l’Homme ist, faute de moyens, für den Moment suspen¬
diert. Die Nation ist eingegangen. Existiert nur noch in der¬
selben line, aber viel schlechter noch, Le National.
Grüß Lupum bestens.
Dein K. M.
O Im Orig. Reinhard
2) Frau Sybille Heß
10 ♦
Z. 9-32.
35-37.
148
(396) 1856 Sept. 26
396. Marx an Engels; 1856 September 26.
26. September 1856.
28, Deanstreet, Soho, London.
Lieber Frédéric,
Ich habe first mit thanks den receipt des monish to acknow- s
ledge. Es wäre schon gestern geschehn, aber wir sind in einem
wahren hurly-burly mit dem Ausziehn. Dabei ist es noch fraglich,
ob wir bis Montag heraus können, da wir mit Deinem Geld und
dem Versetzten im Pfandhaus noch nicht quite die nötige Summe
aufgemacht haben. Die jetzige Krise an den kontinentalen Börsen io
kömmt uns persönlich ungelegen.
Neues nichts, als was Dir vielleicht schon bekannt, daß Stirn er
gestorben ist. Auch wie ich von Freiligrath höre, ein Brief hier in
London von seinem „Exliebchen“ aus Australien angekommen,
worin sie berichtet, daß sie wieder geheiratet hatte, zugleich aber is
religiös geworden und durch Hinweisen auf das „höhere jenseitige
Leben“ es erreicht habe, ihren novum hominem „ins Narrenhaus“
zu bringen. Letztresist verbatim zu verstehn.
Mit dem Putnammann2) hatte ich also ein souper zusammen.
Außer mir zugegen nur noch Freiligrath und ein alter Yankee. 20
Der Putnammann war ein stilles gemütliches Wesen, aber der
andre Yankee ein flotter und witziger Bursche, Putnam verlangt
nach dem Bazancourt womöglich wieder Aufnahme der Frage
„Ships against Walls“ als Amerika besonders interessierend, mit
Bezugnahme auf den letzten Krieg. Dann auch wegen der schwim- 26
menden Batterien und Kanonenboote; leichtes oder schweres Ge¬
schütz etc. Alles das scheint mit Hinsicht auf einen nähern oder
weitem Krieg von Amerika gegen England gemeint zu sein. Außer
diesen militaribus soll ich dann über Heine schreiben. Kurz, wir
können jetzt in regulär intercourse mit diesem sehr „guten“ Haus 30
treten.
Das Haus, was ich gemietet habe, ist sehr schön für den Preis
und würde schwerlich so wohlfeil vermietet werden, wäre nicht
seine nächste Umgebung, Wege etc. somewhat unfinished. Du fin¬
dest nun, wenn Du nach London kommst, ein vollständiges home. 35
What do y o u think of the aspect of the money-market? Die
Diskonterhöhungen auf dem Kontinent hängen unstreitig zum Teil
damit zusammen, daß infolge des kalifornischen und australischen
Goldes Silber gegen Gold gestiegen ist und (die Belgische Bank
gibt nur noch 19 fr. 40 c. (Silber) für einen Napoleondor) die 40
Bullionhändler daher überall, wo Gold und Silber gesetzlicher
O Marie D äh nhardt-Stirn er-Schmidt
2) Olmsted
(396) 1856 Sept. 26
149
standard, letztres den Banken entziehn. Was aber auch der Grund
der Diskonterhöhungen, sie beschleunigen jedenfalls den downfall
der enormen Schwindeltransaktionen und namentlich auch des
grand pawningshop at Paris. Ich glaube nicht, daß die große mone-
5 täre Krise das Jahr 1857 überwintern wird. Die stupiden Esel von
Britishers bilden sich ein, daß diesmal bei ihnen alles sound ist im
Kontrast zum Kontinent. Abgesehn von dem intimen Konnex zwi¬
schen der Old Lady of Threadneedle Street und dem Pariser
Concem, übersehn die Esel, daß großer Teil des englischen Ka¬
lo pitals in den kontinentalen Kredits steckt und daß ihr „sound“
overtrading (Export soll dies Jahr 110 Millionen £ St. erreichen)
auf der „unsound“ spéculation des Kontinents ruht, ganz wie ihre
Zivilisationspropaganda von 1854 bis 1856 auf dem coup d’état
von 1851. Im Unterschied von frühem Krisen hat Frankreich dies-
15 mal allerdings die Form gefunden, worin der Schwindel über ganz
Europa propagiert werden konnte und propagiert worden ist. Im
Gegensatz zu dem welschen raffinement von Saint-Simonismus,
stockjobbery und Imperialismus scheint die inländische englische
Spekulation zur primitiven Form des simplen und unmitigated
20 f r a u d zurückgekehrt. So Straton, Paul and Bates; die Tipperary
Bank of Sadlers memory ; die Great City frauds of Davidson, Cole
and Co.; jetzt die Royal British Bank; und schließlich die Kristall¬
palastgeschichte (4000 falsche Aktien in Zirkulation geworfen)»
Dies nun, daß die Britishers im Ausland unter kontinentalen
25 colours spekulieren und im Inland zum fraude simple zurück¬
kehren, nennen die Kerls „sound state of commerce“.
Die Sache hat diesmal übrigens europäische Dimensionen wie
nie zuvor, und ich glaube nicht, daß wir noch lange hier zuschauen
können. Selbst daß ich endlich so weit bin, wieder ein Haus einzu-
3o richten und meine Bücher kommen zu lassen, beweist mir, daß die
„Mobilisation“ unsrer Personen at hand ist.
Salut.
Dein K. M.
397. Engels an Marx; [1856 September 26].
35 [Anfang abgerissen.}
Wegen Weerth will ich an [ . ? . ]2) in Berlin schreiben, der
bringt doch vielleicht etwas in ein Blatt, n’importe welches, wenn
es nur erscheint. Lupus hatte die Nachricht über zehn Tage nach
meiner Rückkehr von London mit keiner Silbe erwähnt, und erst
O Im Orig. Threedleneedlestr.
’) Papier beschädigt.
150
(397) 1856 Sept. 26
am Vorabend der Ankunft meines Alten, ganz spät, gegen 11 Uhr
abends, kam er damit heraus. Du kannst Dir meine Bestürzung
und meinen Ärger über dies dumme Verfahren denken. Ich war
für die nächsten acht bis vierzehn Tage auf keine Stunde mein
eigner Herr, nicht einmal, um zu Steinthai hinzugehn und etwas 5
Näheres zu hören, geschweige an Nekrolog und dergleichen zu
denken. Es ist wahrscheinlich, daß er etwas Literarisches hinter¬
lassen hat; ich werde Sorge tragen, daß ich es zu sehen bekomme.
Den Panslawismus könntest Du mir gelegentlich schicken, ich
will das Ding, sobald ich Zeit habe, überarbeiten und in raisonablen
Zustand bringen — für Putnam (?) oder für sonst etwas, was sich
inzwischen wohl auftun wird. Die Principalities würde ich grade
jetzt, wo der Tuck noch fortdauert, einem englischen Blatt oder
Monthly anbieten. Wie geht’s voran mit Urquhart [ . ? . ]x) zweifle
sehr daran [ . ? . ]x) bis jetzt seh ich keine Möglichkeit. Uns wird is
die Amnestie keinenfalls affizieren.
Die Geschichten von Moses und Mösin haben uns hier sehr
lachen gemacht. Also grade wie Ewerbeck, il s’est acheté une place
au Père Lachaise de la littérature française.
Golowines Russia nicht gesehn. Schick mir eine oder zwei Num- 20
mem, ich werde sehn, was es ist, hier kennt man es gar nicht.
Bazancourt ist noch in Arbeit, ich denke in ca. zehn bis vierzehn
Tagen damit fertig zu sein. Du siehst, es geht so rasch nicht; ich
hatte gar nichts vorarbeiten können. Hätte ich doch meine Tribune-
artikel über den Krieg! Alles Material ist wieder zusammen- 25
zusuchen. Mit ships against walls kann sodann auch aufgewartet
werden, und wir wollen dann schon sehn, daß die Verbindung im
Gang bleibt.
Daß Gold gegen Silber gefallen, kann jetzt gar nicht mehr be¬
zweifelt werden. Es ist aber auch positiv Silber verschwun-^
den, aber wohin ist mir nicht ganz klar. In China muß bei dem
konfusen Zustand viel vergraben und versteckt worden sein. Dann
ist die balance of trade in der letzten Zeit überaus günstig für In¬
dien und China gegen England, den Kontinent und Amerika zu¬
sammen, gewesen. Jedenfalls sehr angenehm für John Bull, schon 35
jetzt 6 d. in the Pound weniger wert zu sein.
Die Geldmarktswolken ziehen sich sehr ernsthaft zusammen,
und der alte „horizon politique“ des Constitutionnel wird wohl
wieder zu Ehren kommen. Die Geschichte in der Bank vorigen
Dienstag, wo eine Million Gold geholt wurde, ist bezeichnend. Fast 40
sieht’s aus, als bräche die Sache jetzt schon los; es kann aber auch
bloß ein Vorspiel sein. Der Theorie nach müßte Rußland erst voll¬
ständig in den Schwindel hineingeritten sein, ehe der Sturz kommen
1) Papier beschädigt.
Z. 9-21.
29-36.
(397) 1856 Sept. 26
151
dürfte; allein das ist wohl nicht zu erwarten, ist auch vielleicht
besser. Was hier auch noch die Spekulation sehr hemmt, ist der
hohe Preis aller Rohstoffe, besonders Seide, Baumwolle und
Wolle; es ist durchaus nicht safe, darin das Geringste zu tun. Den
s Herren Engländern aber wird ein kurioses Licht auf gehn, wenn
der crash kommt. Ich möchte wohl wissen, wieviel Aktien des kon¬
tinentalen Schwindels in England liegen, ich glaub eine ganze
Masse. Es gibt diesmal ein dies irae wie nie vorher, die ganze euro¬
päische Industrie kaputt, alle Märkte überführt (nach Indien
io schickt man jetzt schon nichts mehr), alle besitzenden Klassen her¬
eingeritten, kompletter Bankrott der Bourgeoisie, Krieg und Lie¬
derlichkeit im höchsten Grad. Auch ich glaube, daß sich alles dies
Anno 1857 erfüllen wird, und als ich sah, daß Du Dir wieder
Möbel anschaffst, erklärte ich die Sache sofort für fix und bot
is Wetten drauf an.
Adieu für heut, grüß Frau und Kinder herzlich.
Dein F. E.
398. Engels an Marx; [1856 Oktober 9].
Lieber Marx,
20 Ich habe Dir vorige Woche ein ganzes ship-load Briefe spediert,
worunter einen mit Geld und einen durch Pieper. Sodann wieder
einen vorigen Dienstag, auf den ich heute jedenfalls Antwort er¬
wartete. Pas une ligne. Ich muß vermuten, daß die Briefe alle ab¬
handen gekommen sind, da ich auf den durch Pieper geschickten
25 jedenfalls Antwort erwartete und deren Ausbleiben mich dem hie¬
sigen Postmeister gegenüber in Verlegenheit setzt. Oder aber es
ist irgend ein Pech passiert, und auch in diesem Falle wären deux
mots erwünscht, die Geschichte beunruhigt mich considérablement,
und wenn ich morgen oder spätestens übermorgen nichts von Dir
3o erhalte, so weiß ich nicht, was los ist, und wie ich es anfangen soll,
Dir Briefe so zuzustellen, daß nichts verloren geht.
Der Postmeister hier wünscht, daß Du in Zukunft Deine Briefe
nicht so adressieren sollst wie bisher, sondern so: oben den Namen,
darunter Nummer und Straße, und ganz unten Manchester. Er
35 schiebt es darauf, daß neulich ein Brief von Dir die Reise von hier
nach London zurück und dann wieder hieher gemacht hat. Also
auf umgehende Antwort.
Dein F. E.
Donnerstag.
Nr. 398.
152
(399) 1856 OkL 16
399. Marx an Engels; 1856 Oktober 16.
16. Oktober 1856.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Engels,
Nach Empfang der Post Office Ordre wurde ausgezogen, und s
die ersten zwei Wochen furchtbar viel Gelaufe nach und von der
Stadt, um einigermaßen das Haus in Ordnung zu bringen. Daher
mein Schweigen.
Einliegend Auszug aus einem Buch Mieroslawskis. Du weißt,
daß er nicht ohne Esprit; aber auch viel esprit de mauvais aloi in io
der Schrift, namentlich viel von dem style amphigourique, den sich
die Franzosen angequält, seitdem sie „tief“ geworden und keine
oberflächlichen Voltairianer mehr sind. Auch viel von der be¬
geisterten Salbe, womit „verkannte“ Nationalitäten ihr passé ver¬
himmeln. Haß gegen Rußland, noch mehr gegen Deutschland; is
gegen den Panslawismus; dagegen freie Konföderation von slawi¬
schen Nationen mit Polen als peuple Archimède. Soziale Re¬
volution in Polen als Grundbedingung der politischen entschieden
hervorgehoben; aber durch eine geschichtliche Deduktion, die
grade das Gegenteil beweist, nachzuweisen gesucht, daß die 20
Herstellung der alten agrarischen Gemeine (Gmina — die rus¬
sische Gemeinde latinisiert) das Wahre ist.
Ich habe in den letzten Wochen auch näher die Silbergeschichte
studiert und werde Dir darüber gelegentlich Bericht abstatten.
Nach meiner Meinung wird Bonaparte der suspension of cash w
payments kaum entgehn können, und dann va la Galère!
Guardian erhalten. Nächstens mehr. Otto ist begnadigt.
Dein K. M.
Mit den Urquhartiten, die bis vorvorige Woche immer noch
— Unterbrechungen dazwischen — meine alte Scheiße, von mir so
verändert, wieder abgedruckt, bis jetzt noch keinen Schritt weiter
gekommen. Die Sache muß sich indes diese Woche noch entschei¬
den. Urquhart hat in dem Moming Herald die ihm sehr neuen
Sachen schon als längst von ihm beseßne Geheimnisse orakelhaft
wieder von sich gegeben. Der große Bucher sprach in der National- w
Zeitung — wörtlich von mir borgend — von den „interessanten Ent¬
hüllungen“, unterdrückt aber meinen Namen und läßt vermuten,
daß sie von englischer Seite gemacht sind. Du siehst, wie
neidisch und ärgerlich diese Canaillen.
Z. 29 (die) —31 (abgedruckt),
(400) 1856 Okt. 30
153
400. Marx an Engels; 1856 Oktober 30.
30. Oktober, 1856.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Dear Frédéric,
s Ich diktiere eben einen Artikel über Persien. Daher nur einige
Zeilen. Deine £ 5 erhalten. Ist es Dir nicht möglich, mir noch
diese Woche einiges Militärische über die Schweiz
zu schicken, da ich daran aufgehalten bin und nicht weiter in
meinen Artikeln gehe. Nächstens ausführlichen Brief.
io Dein K. M.
Ruge gibt heraus:
1. Jagdgeschichte für Kinder;
2. Philosophische Betrachtungen über die alte aegyptische Re¬
ligion. Er erzählte dies Blind, der bei der Gelegenheit entdeckte,
15 daß Vater Ruge nicht einmal das Werk von Rüth dem Namen nach
kennt.
401. Marx an Engels; 1856 Oktober 30.
30. Oktober 1856.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
so Lieber Engels,
Der Artikel über Bazancourt famos. Einliegend der Schluß des
Mieroslawski. Meine Schreibfaulheit zum großen Teil daher rüh¬
rend, daß meine Frau krank seit den letzten Monaten.
In dem Mieroslawski wirst Du selbst bemerken: 1. daß der-
25 selbe Mann, der un royaume diplomatique in Polen für unmöglich
hält, une révolution diplomatique daselbst machen
wollte, i. e. unter den auspices of Louis Bonaparte and Palmerston ;
2. daß das Schicksal der „demokratischen [...?...] Gmina not¬
wendig ist: das eigentliche dominium wird usurpiert von der
30 Krone, Aristokratie etc. ; die patriarchalischen Beziehungen zwi¬
schen dem dominium und den Bauemgemeinden führen die Leib¬
eigenschaft herbei; die fakultative Parzellierung bildet eine Art
Bauernmittelstand, den ordre équestre, wozu sich
der Bauer nur so lang erheben kann, als Eroberungskrieg und
35 Kolonisation fortdauem, welches aber auch beides Bedingungen
der Beschleunigung seines downfalls sind. Sobald die Grenze er¬
reicht, verwandelt sich dieser ordre équestre, unfähig, die Rolle
Nr. 400.
Z. 21—23.
154
(401) 1856 Okt. 30
eines wirklichen Mittelstands zu spielen, in das Lumpenproleta¬
riat der Aristokratie. Ähnliches Schicksal des dominiums und des
Bauern in der romanischen Bevölkrung der Moldau, Walachei etc.
Interessant diese Art Entwicklung, weil hier die Entstehung der
Leibeigenschaft auf rein ökonomischem Weg, ohne das Zwischen- 5
glied der Erobrung und des Rassendualismus nachzuweisen.
Euer Manchester Guardian hat ja die besondre Ehre,
als nächster Anlaß zu Bonapartes Erklärung gegen die englische
Presse betrachtet zu werden. Schick mir von Zeit zu Zeit den X.
Palm [ersten] arbeitet mit Macht daran, da er entdeckt hat, daß io
Bonas Jahr 1847 herangenaht, ihn ganz in L[ouis] Philippes Posi¬
tion zu schieben, in eine Allianz mit Rußland — wie im Sonder-
bundskrieg den L[ouis] Ph [ilippe] — gegen England. Während er
ihn einerseits in der neapolitanischen Scheiße ins Schlepptau gegen
Ostreich zieht, verbindet er sich selbst mit Ostreich in der Türkei #
gegen ihn. Die französischen Blätter sind wieder voller misgivings
über die Umtriebe des perfide Albion. Die kommerzielle Krisis
scheint nun doch ihren Schlußstein in den russischen Eisenbahnen
zu erhalten. Der Bankrott der Herm contractors des „Weltindustrie¬
palastes“ läßt einen glimpse in die Beteiligung englischer Kapita- 20
listen an den kontinentalen Unternehmungen tun. In Deutschland
geht das Stiften von Industrie- und Bankaktienuntemehmungen
flott voran. Die Berliner Nationalzeitung hat ganze lange Spalten
publiziert, worin nur die Titel dieser concems aufgezählt werden.
Von dem Putnammann Olmsted und einem amerikanischen 25
Reisekompagnon, der bei ihm war, erfuhr ich, daß Gurowski (der
Pol) großen Einfluß auf Dana gewonnen hatte, während dieseHerm
mir gleichzeitig erzählten, daß derselbe brave Mann direkt von der
russischen ambassade in Washington regelmäßige Geldzuschüsse
erhielt. Dieser G[urowski] vertrat den Panslawismus gegen uns 30
und ist die einzige Ursache, daß Dein Artikel verworfen wurde.
Herr Dana, bei der Zurückschickung meines Manuskripts über die
Donaufürstentümer, hat vergessen, to blot out eine in französischer
Sprache geschriebne Bemerkung desselben Gfurowski]. Er be¬
merkt nämlich bei meinen statistischen Angaben über die rumä- 35
nische Bevölkrung: „Tous ces chiffres sont exagérés pour faire
mousser l’idée de nationalité Roumaine. Ils sont démentis par les
faits, l’histoire et la logique.“ Wir haben also die Ehre, daß unsre
Artikel direkt von der russischen Gesandtschaft überwacht und
zensiert werden oder vielmehr wurden. Dana soll endlich auch 40
hinter den G[urowski] gekommen sein.
Heute einen Brief von Collet erhalten, dem ich eine neue
Liefrung geschickt. Der Kerl geht auf alles ein. Nur spricht er
nicht von den monetary terms, obgleich ich ihn in meinem letzten
Sendschreiben ausdrücklich über diesen Punkt interpelliert. Ich 43
z. 7-9.
(401) 1856 Okt. 30
155
muß daher von neuem put on the screw, da dieses der einzig in¬
teressante Punkt für mich ist im intercourse with those Calibans.
Schreib bald über Dich selbst und Umgebung. Mit besten
Grüßen von Frau und Kind.
s Dein K. M.
Kinder sehr wohl.
402. Engels an Marx; 1856 November 17.
Manchester, 17. November 1856.
Lieber Marx,
io Von Tag zu Tag hat mich der verfluchte Commerce vom
Schreiben abgehalten. Ich habe jetzt drei Bengel in Ordnung zu
halten, und da ist kein Ende des Revidierens, Korrigierens, Rüf¬
felns und Kommandierens. Dazu den Kampf mit den Fabrikanten
wegen schlechter Game oder langsamer Ablieferung, und meine
is eignen Arbeiten. Ich wollte, es gefiele dem Herm Bonaparte,
Frankreich von sich und mich von diesem Trubel zu befreien.
Dieser Bonaparte sitzt übrigens verdammt tief in der Sauce. Die
Geschichten wegen der Plakate und der Aufregung unter den Ar¬
beitern, die der Timeskorrespondent so haufenweise brachte, als
2o infolge des Moniteur-Artikels er Befehl erhielt de parler plus haut,
haben bei den englischen Philistern hier einen enormen Eindruck
gemacht. Alles glaubt an seinen speedy downfall. Die plötzliche
Entdeckung, daß der Kerl au fond doch ein Esel ist, und zwar von
einer ganz ordinären Sorte, wird dadurch erklärt: früher war er
25 ein Genie, jetzt aber ist er so durch liederlichen Lebenswandel
ruiniert, daß sein Gehirn angegriffen ist. Es mag auch darin etwas
sein, aber im ganzen ist der Kerl sich doch ganz konsequent ge¬
blieben, und bloß die englischen Philister können zwischen dem
von sonst und dem von jetzt einen qualitativen Unterschied sehn.
so Im Guardian steht heute eine interessante Statistik über Ban¬
krotte in Frankreich; ich schick’ sie Dir.
Die Finanzkrisis scheint sich mit einigen Fluktuationen und all¬
mählich steigender Schärfe chronisch durch den Winter hin¬
schleppen zu wollen. Dies würde sie fürs Frühjahr bedeutend
35 schlimmer machen, als sie bei jetzt erfolgtem akutem Ausbruch
geworden wäre. Je mehr Einzahlungen in die bis jetzt großenteils
auf dem Papier bestehenden Gesellschaften gemacht, je mehr flot¬
tierendes Kapital fixiert wird, desto besser. Solange der Diskonto
nicht unter 7% kommt — und die letzte Erhöhung ist ein Beweis,
io daß er noch mehr erhöht werden muß — ist keine Aussicht da, daß
drei bis vier Einzahlungen auch nur auf die Hälfte der Schwindel-
kompagnieen geleistet werden können. Der östreichischeCredit mo-
Z. 30-31.
34-42.
156
(402) 1856 Nov. 17
bilier kann schon nicht die zweite Einzahlung geleistet bekommen,
und dabei macht die Regierung in Ostreich Verträge, wodurch sie
die Bank zwingt, cash payments zu resümieren! — Ich möchte das
Geld haben, was es dem Bonaparte gekostet haben mag, die Rente
seit sechs Wochen über 66% zu halten; eben dieser deshalb ge- $
machten großen Anstrengungen wegen halte ich den Tag für einen
Wendepunkt, wenn die Rente unter 66 zu stehen kommt.
Je länger diese chronische pressure dauert, desto mehr Schwei¬
nereien der bonapartistischen Clique müssen an den Tag kom¬
men und desto größer muß die Wut der Arbeiter werden, denen die w
Details bisher nicht bekannt sein konnten. Dieser Momy ist wirklich
ein Meisterstück von einem suitier; der Kerl scheint auch keine
Lust zu haben, wieder nach Paris zu kommen, und die russischen
Eisenbahnen und Staatspapiere sind für ihn gewiß die geeig¬
netste Manier, sein Geld anzulegen. is
So schöne tabula rasa wie diesmal findet die Revolution so leicht
nicht wieder vor. Alle sozialistischen dodges erschöpft, die for¬
cierte Beschäftigung der Arbeiter seit sechs Jahren antizipiert und
exploded, keine Möglichkeit, neue Experimente und Phrasen zu
machen. Auf der andern Seite aber auch die Schwierigkeiten ganz 20
nackt und unverhüllt; der Stier muß ganz direkt bei den Hörnern
gefaßt werden, und da möchte ich das nächste französische Provi¬
sorium wohl einmal sehen, wie sie sich die Zähne ausbeißen.
Glücklicherweise ist diesmal nur mit der rücksichtslosesten Cou¬
rage etwas zu machen, denn eine so rasche Ebbe wie 1848 wird 25
man nicht mehr zu fürchten haben.
Der Strohn war dieser Tage hier, hatte Diverses vom Kleinen
gehört; der Mann (entre nous) denkt ernsthaft daran, sich auf
eigne Rechnung zu etablieren! Er bildet sich ein, er könne seinem
jetzigen Prinzipal durch seine Phräschen die Kunden abspenstig 30
machen.
Ich habe jetzt James, Naval history of England 1792—1820
vor, hauptsächlich wegen der ships against walls. Daraus geht her¬
vor, daß die Engländer sich ihre naval superiority über Franzosen
und besonders Spanier sehr mühsam erkämpfen mußten. Bei 35
gleichen Kräften sind in den ersten Kriegsjahren Franzosen und
Spanier den Engländern fast jedesmal gewachsen, und eine Masse
Schiffe wurden den letzteren abgenommen. Ich bin erst bis 1796;
aber so viel seh ich schon, daß die französische Flotte unter Napo¬
leon ihren allertiefsten Stand gehabt, und wahrscheinlich nicht 40
ohne seine Schuld. — Die Hauptüberlegenheit der Engländer liegt
im bessern Schießen zur See; die Franzosen schossen immer
zu hoch, die Spanier schon viel besser. Die Geschichte mit dem
Vengeur, der am 1. Jimi 1794 au cri de Vive la république unter¬
gegangen sein soll, ist übrigens eine Fabel. Der Vengeur ergab 45
Z. 27-31.
(402) 1856 Nov. 17
157
sich den Engländern, aber ehe er wirklich in Besitz genommen
wurde, kamen wieder einige französische Schiffe näher; er zog
wieder französische Flagge auf, der Sukkurs wurde abgeschlagen;
die Engländer kamen heran, aber das Schiff ging unter, und die
i Mannschaft wurde größtenteils gerettet. Es sank vier bis sechs
Stunden nach Ende der Schlacht.
Grüß Frau und Kinder bestens.
Dein F. E.
403. Marx an Engels; 1856 Dezember 2.
io 2. Dezember 1856.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Frédéric,
Meine Frau mediziniert noch fortwährend, und so ist stets noch
große Störung im Haus, so daß ich schwer zum Schreiben komme.
is Mit dem Mieroslawski scheint providentielle „Teilung“ vorge¬
herrscht zu haben, indem wahrscheinlich der größte Teil der für
Dich bestimmten Auszüge (waren about zwei Schreibbogen) als
Fidibus von dem Korpus des Manuskripts losgerissen worden sind.
Indes verlierst Du nicht viel. Ich habe später Leiewels „Considéra-
2o tions“ — zu unterscheiden von seiner populären Geschichte — ge¬
lesen. Er bildet eigentlich, nebst Macejowski (?) (ich zitier den
Namen aus dem Gedächtnis) das Material, worüber M[ieros-
lawski] seinen Geist ausgegossen. Was mich übrigens bei meinen
neueren Studien der polnischen Geschichte décidément direkt für
25 Polen entschieden hat, ist das historische Fakt, daß alle Revolu¬
tionen seit 1789 ihre Intensivität und Lebensfähigkeit ziemlich
sicher an ihrem Verhalten zu Polen messen. Polen ist ihr „aus¬
wärtiger“ Thermometer. Dies en détail nachweisbar in der franzö¬
sischen Geschichte. In unsrer kurzen deutschen Revolutionsepoche,
so ebenso in der ungarischen ist es augenfällig. Von allen revolutio¬
nären Regierungen, Napoleon I. einbegriffen, bildet das comité
du salut public nur insofern eine Ausnahme, als sie nicht aus
Schwäche, sondern aus „Mißtrauen“ die intervention verweiger¬
ten. 1794 beschieden sie den employé der polnischen Insurgenten
35 vor sich und legten diesem „citoyen“ folgende Fragen vor: „Wie
kömmt es, daß Euer Kosciuszko populärer Diktator ist und neben
sich einen König duldet, von dem er überdem wissen muß, daß er
von Rußland auf den Thron gesetzt worden ist? Wie kömmt es, daß
Euer Diktator das Massenaufgebot der Bauern nicht durchzusetzen
io wagt aus Furcht vor den Aristokraten, die sich keine ,Arbeitshände6
entzogen haben wollten? Wie kömmt es, daß seine Proklamationen
an revolutionärer Farbe verlieren in demselben Maß, wie seine
Z. 13-14.
19-23.
158
(403) 1856 Dez. 2
Marschroute ihn von Krakau entfernt? Wie kömmt es, daß er die
Volksinsurrektion in Warschau sofort mit Galgen bestraft hat,
während die aristokratischen ,traîtres de la patrie4 frei umher¬
wandeln oder hinter langsame Prozeßformalitäten geborgen wer¬
den? Antwortet!44 Darauf fand sich der polnische „citoyen44 ge- 5
nötigt zu schweigen.
Que dites-vous de Neufchätel et Valangin? Dieser case hat
mich veranlaßt, meinen höchst mangelhaften Kenntnissen von der
preußischen Geschichte nachzuhelfen. Indeed and indeed, etwas
Lausigeres hat die Weltgeschichte nie produziert. Die weitläufige
Historie, wie die nominellen Könige von Frankreich reale Könige
werden, ist auch voll von kleinlichen Kämpfen, Verrätereien, In¬
trigen. Aber es ist die Entstehungsgeschichte einer Nation. Die öst-
reichische Geschichte, wie ein Vasall des Deutschen Reichs sich
eine Hausmacht gründet, wird interessant durch den Umstand, daß
der Vasall sich selbst als Kaiser prellt durch die Verwicklungen
mit dem Orient, Böhmen, Italien, Ungarn etc. und schließlich da¬
durch, daß die Hausmacht solche Dimensionen annimmt, daß
Europa in ihr eine Universalmonarchie fürchtet. Nichts von alle¬
dem in Preußen. Es hat sich keine einzige mächtige slawische Na- 20
tion unterjocht, brachte nicht einmal fertig, in 500 Jahren Pom¬
mern zu bekommen, bis schließlich durch „Austausch44. Über¬
haupt eigentliche Eroberungen hat die Markgrafschaft Bran¬
denburg — so wie die Hohenzollem sie überkamen — nie ge¬
macht, mit Ausnahme von Schlesien. Weil dies ihre einzige Er- 25
obrung ist, heißt Friedrich II. wohl der „Einzige44! Kleinliche Löf¬
feldiebstähle, bribery, direkte Ankäufe, Erschaftsschleichereien
etc. — auf solche Lumperei läuft die preußische Geschichte hin¬
aus. Was sonst in der feudalen Geschichte interessant ist, Kampf
des Landesherm mit den Vasallen, Mogelei mit den Städten etc., 30
alles das ist hier zwerghaft karikiert, weil die Städte kleinlich¬
langweilig und die Feudalen rüpelhaft-unbedeutend sind und der
Landesherr selbst ein Minimus ist. In der Reformation wie wäh¬
rend der französischen Revolution schwankende Perfidie, Neutra¬
lität, Separatfrieden. Haschen nach einigen Happen, die Rußland 30
ihm während der von ihm veranstalteten Teilungen zuwirft — so
mit Schweden, Polen, Sachsen. Dabei in der Liste der Regenten
immer nur drei Charaktermasken, die sich folgen wie die Nacht
auf den Tag, mit Unregelmäßigkeiten, die nur Versetzungen der
Reihenfolge, nie Einführung eines neuen Charakters sind —
Pietist, Unteroffizier und Hanswurst. Was den Staat bei alledem auf
den Beinen gehalten hat, ist die Mittelmäßigkeit — aurea
mediocritas —, pünktliche Buchführung, Vermeidung der Ex¬
treme, Genauigkeit im Exerzierreglement, eine gewisse haus¬
backene Gemeinheit und „Kirchenverordnung44. C’est degoutant!
Z. 33-37.
(403) 1856 Dez. 2
159
Wie steht’s gegenwärtig imManchesterGeschäft? Kannst Du mir
einige Details über den Stand der business in den manufacturing
districts geben?
Ich habe Dir noch nicht mitgeteilt, daß Vater Heise auf der
5 Durchreise von Utrecht hier war. Ist jetzt wieder bei Imandt. Sieht
wohler und voller aus denn je.
Götz tauchte hier auch plötzlich wieder auf. Ist ebenso plötzlich
wieder verschwunden. Freiligrath sehr zufrieden mit seinem Ge¬
schäft und sich. Zum Besuch hier Valdenaire von Trier — der ver-
io unglückte Vereinbarer. Über seinen Zweck nächstens.
Schließlich muß ich Dir noch eine Gewissensfrage stellen. Ich
habe Ende Dezember ziemlich beträchtliche Zahlungen zu
machen. Ist es Dir möglich, bis dahin einiges beizuschaffen? Das
Geld meiner Frau ist größtenteils für Hauseinrichtung drauf-
gegangen und zur Deckung der sehr großen Ausfälle in den Ein¬
nahmen.
Wann kommst Du her? Was macht Lupus?
Dein K. M.
404. Marx an Engels; 1856 Dezember 22.
2o 22. Dezember 1856.1)
Lieber Engels,
Wenn Du mir das Geld noch in dieser Woche schicken könntest,
würdest Du mich sehr verpflichten. Ich war eben bei Freiligrath,
um zu sehn, ob er auf meinen Rest nach zwei oder drei Wochen
25 ziehbaren Wechsel auf Amerika mir einiges vorschießen könne,
— mais impossible! Putnams Geld erwartete ich heute; ist nicht
gekommen. Mit dem elenden Urquhartpack — wo ich Forderungen
habe — schweben immer noch die transactions. Wenn ich meinen
landlord das erstemal nicht pünktlich zahle, bin ich entièrement
3o discrédité.
In aller Eile.
Salut.
Dein K. M.
P. S. Kannst Du mir einige militärische Witze über den Preu-
35 ßisch-Neufchäteler Konflikt schicken? Es wäre sehr an der Zeit.
Den diplomatischen Teil habe ich selbst behandelt.
Der rote Wolff ist in Blackburn, Yorkshire, samt Familie,
Schulmeister mit 60 £ St. Gehalt.
*) Briefpapier: General Bank of Switzerland. (Credit International Mobilier et
Foncier). London Agency. 2. Royal Exchange Buildings.
Z. 1-6.
Nr. 404.
1857
405. Marx an Engels; 1857 Januar 10.
10. Januar 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Dear Frédéric, 5
D’abord mein Prost Neujahr, obgleich nachträglich. Infolge
dünner Tinte und mehmächtigen Schreibens das eine Auge mir
so inflammiert, daß das Schreiben lästig.
Beides erhalten, die 5 (die zweite Sendung) und die Moun¬
tain warf are. Für beides my best thanks. io
Ist es wahr, daß Lupus wieder von Manchester Raubrittern an¬
gefallen und geplündert? Oder ist das hier zirkulierende Gerücht
bloß unkritische Reproduktion der alten Geschichte?
Der alte Hill tut am besten, entweder sich ins Paradies oder
auf einen idyllischen Schweizer hill zuriickzuziehn, so daß er defi- w
nitiv in Eurem Bureau ersetzt werden müßte und Dir nicht doppelte
Arbeit aufgehalst unter dem false pretence seiner „temporären“
Krankheiten.
Die Neufchäteler Geschichte ist noch nicht so ganz beigelegt,
wie einige Zeitungen behaupten. Beide Seiten sind vielleicht schon 20
zu weit in der Renommage gegangen. Blamiert haben sich schon
beide. Unser Hohenzoller mit seiner déférence für Bonaparte
und die Schweizer mit ihrer „würdigen“ Haltung. So haben die
Schufte mehre hundert Fabrikarbeiter nach Piemont ausge¬
wiesen, weil sie propagandistische Demonstrationen machen. Die 25
„Borger“ — denken so die Achtung Bonapartes und Ostreichs too
sich zu sichern. Was sagst Du dazu, daß Lamoricière und Bedeau
ihre épées den Schweizer Bürgern angeboten? Offenbar bloße De¬
monstration gegen Bonaparte, da die Kerls sicher waren, daß die
Schweizer Borger sie nicht beim Wort nehmen würden. 20
Große Aufregung herrscht in der petite démocratie. Es ist eine
Kollision, wie sie dieselbe wünschen. Dazu betrachtet der süd¬
deutsche Patriot natürlich den Schweizer als stammverwandt und
sieht in der jetzigen Kollision in der Tat nur eine Fortsetzung der
Verfassungskampagne von 1849. Außerdem Erwartungen von Er- w
hebungen der Schwarzwälder etc. Der Preuße seinerseits tut aller-
Z. 11-36 -
(405) 1857 Jan. 1Ô
161
dings alles, um a „breach of the peace“ vorzubeugen. So hat der
Dicke1} an seinen Schwager in Petersburg geschrieben, er sei jener
Mann, der seine Frau bat ihn zu halten, weil er sonst aus dem
Fenster springen würde. „Halte mir“ ist ein Wort, das unser
5 Angestammter allen Großmächten der Reihe nach zugerufen. Die
Frage ist, ob sie ihn „halten“ wollen und ob nicht West und Ost
mit gleicher Schadenfreude das Feuer schüren. Wie immer die
Sache ausfalle, an Blamage wird es nicht fehlen.
Proudhon gibt jetzt zu Paris eine „ökonomische Bibel“ heraus.
Destruam et aedificabo. Den ersten Teil hat er, wie er sagt, ausge¬
führt in der „Philosophie de la misère“. Den zweiten wird er jetzt
„enthüllen“. Deutsch erscheint die Schmiere, übersetzt von Ludwig
Simon, der jetzt wohlbestallter Commis bei Königswarter (oder
ähnlich, der bekannte Bankier des National) in Paris ist. Eine
m neuere Schrift von einem Schüler Proudhons hab’ ich hier: „De la
Réforme des Banques, par Alfred Darimon.2) 1856.“ Witz
der alte. Die Démonétisation de l’or et de l’argent oder toutes les
marchandises transformiert in instruments d’échange au même
titre que l’or et l’argent. Die Schrift ist eingeleitet von Emil Girar-
2o din und geschrieben mit Bewunderung vor Isaak Pereire. Es läßt
sich daher einigermaßen aus derselben sehn, zu welchen sozia¬
listischen coups d’états Bonaparte immer noch im letzten Augen¬
blick sich kapabel hält zu flüchten.
Von Bruno Bauer habe ich einen ganzen lot pamphlets, die er
25 während des russischen Kriegs schrieb. Schwach und prätentiös.
Der brave Mann hat jetzt zusammen mit seinem Bruder Egbert
50 Acker Land, vor Berlin, von dem Berliner Magistrat gepachtet.
Edgars, des Londoners, alte Schwiegermutter — alte Wäscherin
oder something of the sort — soll das „Marktliche“ besorgen.
so Dies, schreibt Bruno an Edgar, sei der Weg zur „Unabhängigkeit“.
Er zahlt 5 Reichstaler Rente per acre, also 250 Reichstaler jähr¬
lich. Es ist alte Brache. Von dem Gewinn und Produkt dieses Lan¬
des denkt Bruno in den Stand gesetzt zu werden, mit Muße seine
„Geschichte des Urchristentums“ zu schreiben, die als „histo-
35 rische“ Probe auf seine Evangelienkritik dienen soll. Es sind dies
artige kritische Phantasien, und einigermaßen mag Bruno in-
fluenziert gewesen sein durch die Reminiszenz, daß Faust im zwei¬
ten Teil Grundeigentümer wird. Er vergißt nur, daß der Faust das
Geld zu dieser Transformation vom Teufel erhielt.
4o Lallerstedt, „La Scandinavie, ses craintes et ses
espérances“, schwedischer Pendant zu Mieroslawskis Buch.
Enthält einige facts von Interesse. Namentlich sieht L [allerstedt]
ein, daß England Schweden während des vorigen Jahrhunderts be-
O Friedrich Wilhelm IV.
a) Im Orig. Dari mont
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 11
Z. - 1-8.
162
(405) 1857 Jan. 10
ständig russische Streiche gespielt hat. Erzählt, daß der Admiral
Norris, den die Engländer nach dem Tode von Karl XII. ostensibel
gegen die Russen schickten, von Peter I. mit einem wertvollen
Edelstein bestochen wurde. Auch das Benehmen des Bernadotte
durch einiges Neue illustriert. 5
Hier nichts Neues. Ich gehe wenig aus und höre wenig.
Salut.
Dein K. M.
Herr Faucher, der Berliner, ist einer der principal subeditors
des Moming Star. Gegen Lupus schreibt Horace Mayhew in den io
London Illustrfated] News u. a.: Symptoms of being a confirmed
old Bachelor: When a man cannot go anywhere without his um-
brella, that’s a Symptom. When a man thinks everyone is cheating
him, that’s a Symptom. When a man does all the shopping him-
self etc. is
406. Marx an Engels; 1857 Januar 14.
14. Januar 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
Edgar von Westphalen hat einen Mann mit einliegender Adresse 20
und zwei Briefen, einen an mich, einen an Dich hergeschickt.
Dieser Erich sucht Verbindungen mit Londoner Kaufleuten anzu-
kniipfen und geht dann wieder nach New York zurück. Er hat New
Yorker Empfehlungen, aber keine englischen. Mit Bezug auf
Edgars Brief — hat er sich auf Dich und mich bezogen, auf Dich 25
als englischen Kaufmann, auf mich als New York Tribune Korre¬
spondenten. Ich sagte ihm, daß wir unmöglich Auskunft über seine
Vermögensverhältnisse geben könnten, da wir nichts davon wü߬
ten. Reply: das sei auch nicht verlangt, sondern nur auf Anfrage
zu bestätigen, daß er der „Erich“ von New York sei und uns von 30
dort „empfohlen“ sei. It is altogether a silly business, wie Edgar
sie einzuleiten pflegt. Der Kerl scheint ein anständiger Kerl zu sein
und ich konnte ihm natürlich nicht sagen, daß eine Empfehlung
von meinem Schwager eher schädlich als nützlich selbst bei uns
ist. In bezug auf Dich habe ich natürlich nichts zugesagt, sondern 35
mich nur verpflichtet, Dir den Brief Edgars zuzuschicken und Dir
zugleich zu schreiben, daß die „Rekommandation“, wenn verlangt,
au fond nur eine Konstatierung der Identität der Person sein soll.
Cornelius wird in kurzem London verlassen. Wird Manager
einer Bergwerksaktienuntemehmung in Nassau. Dem Vetter des 40
Z. 1-4. Nr. 406.
(406) 1857 Jan. 14
163
Rösgen hat er eine Stelle (Auswanderungsgeschäft) in Havre an¬
getragen, die gut sein soll. Guardians erhalten. Das fact mit den
Überschwemmungen ist interesting.
Salut.
s Dein K. M.
407. Marx an Engels; 1857 Januar 20.
20. Januar 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
io Ich bin durch und durch ein Pechvogel. Seit ungefähr drei
Wochen schickt Herr Dana mir die tägliche Tribune, offenbar
bloß mit der Absicht, mir zu zeigen, daß sie nichts mehr von
mir drucken. Mit Ausnahme von ungefähr 40 Zeilen über die
[...?...] der Banque de France ist nicht eine einzige Zeile von
is mir aufgenommen. Ich habe von Woche zu Woche das Ziehen auf
die Tribune aufgeschoben, weil ich glaubte, die Artikel wür¬
den nachgedruckt, but nothing of the sort. Meine Artikel über
Preußen, Persien, Ostreich — alles gleichmäßig rejected. Nach¬
dem die Hunde ungefähr vier Jahre alle meine Sachen (und Deine
20 too) unter ihrem Namen gedruckt, haben sie es so erreicht, meinen
Namen vor den Yankees zu eklipsieren, der im Wachsen begriffen
war und mir möglich gemacht hätte, ein andres Blatt zu finden
oder ihnen zu dröhn mit dem Übertritt in ein andres Blatt. Que
faire? Guter Rat ist teuer in these circumstances. Sobald ich ziehe,
25 werden sie den Anlaß nehmen, mir definitiv aufzukündigen, und
wöchentlich zweimal zu schreiben auf die Möglichkeit hin, daß
unter zehn Artikel vielleicht einer gedruckt und bezahlt wird,
ist eine Praxis, die zu ruinierend ist, um sie fortzuführen. Und
wie kann ich ziehn, wenn nichts gedruckt wird?
so Dabei ein andres Pech. Ich habe den Putnam von November,
Dezember und Januar eingesehn. Der Artikel von9 Bazancourt
ist nicht drin. Er ist entweder verloren gegangen (obgleich ich
ihn selbst aufs Hauptpostoffice gebracht) oder erscheint erst
später. Daß die Kerls ihn empfangen, nicht drucken wollen, und
35 mir keine Anzeige davon machen, ist eine zu flegelhafte Voraus¬
setzung, um sie anzunehmen.
Mit den Urquhartiten habe ich es noch zu keinen fixen Be¬
dingungen bringen können, und außerdem ist ihr Blättchen winzig
und gibt in einem Monat kleine Stückchen von einem Artikel, den
O Irrtümlich für über
11*
Nr. 406.
164
(407) 1857 Jan. 20
es oft erst in fünf bis sechs Wochen zu Ende bringt. Sie können
im besten Fall nur als kleine Nebenquelle benutzt werden. Die
Tribune in ihren höchst elenden und wäßrigen leaders stellt
dabei ziemlich die entgegengesetzte Ansicht von allem auf, was
ich ihr schreibe. Russian influence ist unverkennbar. s
Ich sitze also vollständig auf dem Sand, in einer Wohnung,
worin ich mein weniges Bares gesteckt und worin es unmöglich
ist, sich von Tag zu Tag durchzupissen wie in Deanstreet; ohne
Aussicht und mit wachsenden Familienausgaben. Ich weiß absolut
nicht, was ich anfangen soll, und bin in der Tat in einer verzwei- io
feiteren Situation als vor fünf Jahren. Ich glaubte die Quintessenz
des Drecks verschluckt zu haben. Mais non. Dabei ist das schlimm¬
ste, daß diese Krise nicht temporär ist. Ich sehe nicht, wie ich
mich herausarbeiten soll.
Das elende Zusammenbrechen der Schweizer Renommage war 15
vorauszusehn. Durch force supérieure waren die Kerls keines¬
wegs dazu getrieben to eat dirt. Denn, wie Cornelius selbst in
Paris sich überzeugte, war das Knurren nicht nur unter den Pari¬
sern, sondern in der Armee so bedeutend, daß Bonaparte unter
keiner Bedingung den Preußen ernsthafte militärische Opera- 20
tionen, am wenigsten an der französischen Grenze, hätte erlauben
können. Daher seine efforts, die Sache beizulegen. Die Blamage
der Schweizer ist nur erreicht durch die Bonapartes, der erst den
Preußen gegenüber für die Schweiz garantiert und in dem Moni¬
teur poltert, als sie seine Kompetenz ablehnt; dann der Schweiz 25
gegenüber für Preußen garantiert und nun gezwungen ist, in halb¬
offiziellen Artikelchen zu gestehn, daß Preußen sich ihm gegen¬
über zu nichts verpflichtet. Er hat das Dementi förmlich kontra¬
signiert, das er von der „Neuen Preußischen Zeitung“ erhalten.
So tief ist der Kerl gesunken, während sein Halbbruder Momy 30
die Vorsorge getroffen, sich einen Posten im russischen Staats¬
dienst zu sichern.
Ich weiß nicht, ob Du gesehn, daß Herr Ledru-Rollin die fran¬
zösischen „Republikaner“ aufgefordert hat, zum corps législatif
des Boustrapa zu wählen. Er ist also zur gesetzlichen Opposition 35
herabgesimpelt. Wenn dies einerseits zeigt, daß er die großmäu¬
lige Prätendentenstellung aufgegeben, so zeigt es andrerseits sicher
auch, daß Opposition in Frankreich selbst wieder für möglich ge¬
halten wird und die bürgerlichen Republikaner sich beeilen, sich
mit den Orleanisten zusammen wieder in der parlamentarischen 40
Stellung zu befinden, um die nächste Revolution eskamotieren zu
können.
Ich glaube, ich habe Dir schon geschrieben, daß die Brüssler
Nation untergegangen, jetzt ersetzt durch ihr Konkurrenzblatt, den
National, ein schwachsinniges, uninteressantes belgisches 45
(407) 1857 Jan. 20
165
Wischiwaschi. Auch der edle L’Homme ist verschieden. Statt
seiner erschien ein Journal des Proscrits, das seine Exi¬
stenz nicht über zwei Wochen hinaus zu fristen wußte. Von Zeit
zu Zeit erscheinen noch kleine Diminutivpamphlets — in der
5 Form der Pyatschen Ave Marias — von Seiten der französischen
Réfugiés, aufgeschwollen, hohl, Wortgeklingel, gedruckte Crino¬
lines, nur daß sie weniger Produktionskosten machen und schlech¬
ter verkauft werden.
Die Tribune hat die Entdeckung gemacht, daß Frankreich
io sich in den letzten dreißig Jahren (bis 1851) viel mehr bereichert
hat als England und daher es auch jetzt politisch überflügelt.
Beweis: Das französische Grundeigentum ist im Wert (i. e.
nominell) um das Doppelte gestiegen, das englische nur in
einer geringen Proportion. Zwar rechneten die Franzosen die
is Häuser mit, die Engländer nicht; aber da die englische Bevöl¬
kerung nur um 33% in dem angegebnen Raum gewachsen ist,
wohl auch nur die Zahl der Häuser (die der Tribune gleich¬
bedeutend mit ihrem Preis scheint).
Erich hat seine Zwecke hier erreicht, ohne weiterer Referenz
20 zu bedürfen.
Dein K. M.
Deine militärische Exposition was beautiful. In der Augs¬
burger stand ein Aufsatz, wo der Übergang bei Konstanz als sehr
schwierig geschildert wird. Ich habe ihn nur oberflächlich gelesen.
408. Engels an Marx; [1857 Januar ca. 22].
Lieber Marx,
Dein Brief traf mich wie ein Donnerschlag aus heiterem Him¬
mel. Ich dachte jetzt endlich alles im schönsten Zuge, Dich in einer
ordentlichen Wohnung und das business geregelt; und jetzt stellt
3o sich heraus, daß alles in Frage steht. Diese Yankees sind doch
verdammt lausige Kerle, die Tribuneleute scheinen zu glauben,
daß sie Dich wie eine Zitrone ausgepreßt hätten und nun eine
andre zum Auspressen vornehmen müßten. Die Manier, wie sie
zu brechen suchen, ist aber ganz speziell feig und gemein, sie
35 wollen Dich zur Initiative forcieren. Dabei hat man, seitdem das
sonderbare Schweigen von Cluß angefangen, auch keinen ein¬
zigen zuverlässigen Menschen in ganz Amerika.
Que faire cependant? Da die Tribune diesmal die bestimmte
Absicht zum Brechen zeigt, wäre es am besten, glaube ich, mit
40 einem andern New Yorker Blatt anzubinden. Sollte man mit dem
Herald oder Times nicht fertig werden? Ich würde an Deiner Stelle
Z. 19-24.
166
(408) 1857 Jan. ca. 22
sofort Schritte tun und die Kerls an der Tribune zappeln lassen, bis
alles arrangiert ist. Gegenüber dieser lumpigen Manier der Kerle
hast Du nur Dein eignes Interesse zu befragen, ohne Rücksichten
auf sie. Wenn Du glaubst, indirekte Schritte wären besser,
so laß mich’s wissen, ich will gern, in meinem Namen, die $
Unterhandlung führen, so daß Du nicht kompromittiert wirst; ich
könnte schreiben, ich hätte Grund zu glauben, daß Du mit den
Tribuneleuten nicht mehr so harmoniertest wie früher, und ein
Arrangement vielleicht zu treffen wäre usw. Enfin, alles was Du
willst, pourvu que quelque chose soit faite. io
Ich traue den Kerls von der Tribune zu, daß sie auch bei Put¬
nam gestänkert haben. An Pfutnam] würde ich sofort wegen Auf¬
klärung schreiben. Man weiß ja nicht einmal, ob man den Strand¬
festungsartikel schreiben soll oder nicht. Jedenfalls wäre dran
gelegen, auch diese Quelle offen zu halten. x
In den ersten Tagen des Februar werde ich Dir £ 5 schicken
und bis auf weiteres kannst Du jeden Monat darauf rechnen.
Wenn ich dafür auch mit einem Puckel voll Schulden ins neue
Bilanzjahr eintrete, c’est égal. Idi wollte nur, Du hättest mir die
Geschichte vierzehn Tage früher geschrieben. Mein Alter hatte mir 20
das Geld für ein Pferd zum Weihnachtsgeschenk zurVerfügung ge¬
stellt, und da sich ein gutes fand, hab ich es vorige Woche gekauft.
Hätte ich Deine Geschichte gewußt, so hätt’ ich noch ein paar
Monate gewartet und die Unterhaltungskosten gespart; indes
never mind, das braucht auch nicht gleich bezahlt zu werden. 25
Aber es ist mir höchst ärgerlich, daß ich hier ein Pferd halten
soll, während Du in London mit Deiner Familie im Pech sitzest.
Übrigens versteht es sich von selbst, daß Du Dich durch die Zu¬
sage der £ 5 monatlich nicht abhalten läßt, auch außerdem in
schweren Fällen an mich zu schreiben, denn was irgend möglich 30
ist, das tu ich. Ich muß ohnehin ein andres Leben anfangen, ich
hab in der letzten Zeit viel zu viel gebummelt.
Herzliche Grüße an Frau und Kinder und schreib mir bald,
was Du zu tun gedenkst und wie’s steht.
409. Marx an Engels; 1857 Januar 23.
23. Januar 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
D’abord meinen besten Dank für die Freundlichkeit Deines
Briefes.
An den Olmsted habe ich vor ungefähr zehn Tagen geschrie-
Z. 11—15.
31-32.
41-
(409) 1857 Jan. 23
167
ben; erwarte also Antwort. Es scheint mir, als wenn Danas Ärger
darüber, daß Freiligrath sein Geheimnis ausgeplaudert, einiges
mit dem Benehmen der Tribune zu tun hat oder vielmehr da¬
mit, daß Dana nicht seinen Einfluß zwischengeschoben hat.
5 Am New York Herald zu arbeiten, ist unmöglich ; mit der
New York Times muß es versucht werden. Ich denke unter¬
derhand dort anzugehen durch den Dr. Abraham Jacobi, der
wenigstens verschwiegen ist und den Yankees generally durch
seine stille Weise zu imponieren scheint. Ich will nächsten Diens¬
te tag an ihn schreiben, zugleich aber an Dana in einer Weise, die
ihn jedenfalls in eine unangenehmere Kollision setzen soll, als er
sich einbildet. Es wäre mir lieb, wenn Du für Dienstag — nach
Dienstag werde ich wahrscheinlich die Korrespondenz für die
Tribune suspendieren bis auf Nachricht von New York —
15 einen militärischen Artikel über Persien schicken kannst.
Gründlichkeit ist diesmal nicht nötig. Nur einige allgemeine stra¬
tegische views. Die Tribune bildet sich wahrscheinlich ein,
daß ich — von ihr vertrieben — mich resignieren werde, das
amerikanische Lager ganz zu verlassen. Die Aussicht darauf, ihr
2o „militärisches“ und „finanzielles“ Monopol an ein andres Blatt
übergehn zu sehn, möchte ihr kaum lächeln. Ich habe ihr daher
heut ein „Finanzielles“ geschickt. Eine Introduction in the
Persian war, wie flüchtig auch immer, wäre wichtig, weil ihr
damit angedeutet wird, daß immer noch ein „war“ da ist, mit dem
25 andren Blättern zum Renommieren geholfen werden kann. Die
Chancen (militärischen) der Russen und Engländer brauchten
natürlich nur angedeutet zu werden.
Den direkten Bruch würde ich also auf schieben, bis ich erfahre,
ob sonstwo in New York anzukommen. Wenn dies nicht der Fall,
so und die Tribune ihrerseits nicht changiert, muß natürlich doch
gebrochen werden. Ich denke aber, daß in solchem Lausekampf
Zeitgewinn wichtig ist. Mir scheint die Tribune zu der Ansicht
gelangt, daß sie alle Extraausgaben (wenigstens europäische)
sparen kann seit der „großen Wendung“ der Dinge in Amerika.
35 Es ist in der Tat ekelhaft, daß man verdammt ist, es als ein Glück
zu betrachten, wenn ein solches Löschpapier einen mit in sein Boot
auf nimmt. Knochen stampfen, mahlen und Suppe draus kochen
wie die Paupers im Workhaus, darauf reduziert sich die politische
Arbeit, zu der man reichlich in solchem concem verdammt ist. Als
4o Esel bin ich mir zugleich bewußt, nicht grade in dieser letzten Zeit,
aber während Jahren den Burschen zuviel für ihr Geld geliefert
zu haben.
Pieper nimmt eine Schulmeisterstelle somewhere zwischen
Portsmouth und Brighton an; hatte schon seit Monaten auf etwas
45 der Art gejagt.
Z. - 1-4.
43-45-
168
(409) 1857 Jan. 23
Wie ist das adventure von lupus? Du hast vergessen, mir ein
Wort darüber zu sagen.
Dein K. M.
P. S. Ich beneide die Kerls, die es verstehn, Purzelbäume zu
schlagen. Es muß ein famoses Mittel sein, Ärger und Bürgerdreck *
sich aus dem Kopf zu treiben.
Im M[orning] Advertiser sah ich einen Auszug aus
den Grenzboten, strategischen Inhalts, über persische Scheiße.
410. Marx an Engels; 1857 Februar 6.
6. Februar 1857. 10
Lieber Engels,
In aller Eile das acknowledgement der heute eingetroffnen
Pf [unde].
Einliegend ein Brief von Miquel. Ich habe ihm sofort ge¬
schrieben. Mit der Tribune verhielt sich’s, wie ich vorhersah. 15
Wieder keine Zeile. Ich habe daher heute den Kerls definitiv ge¬
schrieben, wie ich ursprünglich vorhatte, aber nicht, daß ich
in der Zwischenzeit — bis ihre Antwort — ganz meine Artikel
suspendieren werde.
Salut. 20
Dein K. M.
411. Marx an Engels; 1857 Februar 16.
16. Februar 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels, u
Einliegend ein Brief von Olmsted in Antwort auf Anfrage
meinerseits. Dieser article also nicht genommen. Indes glaube ich
selbst noch nach diesem Brief, daß sie das „Ships against Walls“
mit Vergnügen drucken werden. Fragt sich, ob Du die Zeit hast,
es zu schreiben? Ein Versuch noch bei dem Putnam, eh er ganz so
auf gegeben wird, wäre wohl nötig. Jedenfalls war es höchst un¬
verschämt von dem Herm, mich erst nach vier Monaten von der
Sachlage zu unterrichten. Da ich jedenfalls an den Olmsted
schreiben muß, siehe, ob Du seinen Vornamen aus dem Brief
entziffern kannst. w
Den Brief von Miquel hast Du wohl erhalten. Freiligrath er¬
zählt mir, daß außer Ruge und Hess Oppenheim und ähnliches
schnödes Gesindel an das „Jahrhundert“ schreibt.
z. - 1-2.
33-38.
(411) 1857 Febr. 16
169
Freiligrath ersucht Dich, die Geschichte wegen Weerth nicht
schlafen zu lassen. Gesetzt, der Jude Steinthai habe sich der
Weerthschen Tagebücher bemächtigt (wegen deren der edle
Campe schon an Weerths Bruder geschrieben), so liegt eine andre
5 Gefahr darin, daß Weerths Verwandte, sollten sie dieselben
heraushalten, sie in usum delphini, emendiert und zensuriert,
drucken lassen. Es ist gut, wenn W[eerth]s Brudersich direkt an
Dich wendet. Sollten die Tagebücher noch zum Vorschein kom¬
men, so kannst Du dann den Philistern zugleich ins Gewissen
io reden. Es ist nebenbei höchst elend von dem Steinthai, daß er
sich der alten Frau gegenüber auf eine dürre Notiz von Weerths
Tod beschränkt, ohne Details, ohne Vor- und Nachworte. Dieser
süßgrinsende Schacherer.
Ich habe Deine Aufsätze über Panslawisfrnus wieder (noch
is nicht ganz) durchgelesen, teils zu eigner Erbauung, teils um mir
die Stellen zu notieren, wo Du bei etwaiger deutscher Bearbeitung
noch zu Quellen Zuflucht nehmen mußt, die außer dem Londoner
Museum schwerlich in England aufzutreiben sind. Bei dieser Ge¬
legenheit habe ich entdeckt, daß dieselbe fremde Handschrift
20— (die ich einstweilen mir die Freiheit nehme, für die des pol¬
nischen Renegaten Gurowski zu halten) —, die über meine zurück¬
gesandten Danubian Principalities Artikel schrieb: „Tous ces
chiffres sont exagérés“ etc. etc. (schönes Französisch), auch die
Panslawismusartikel mit Randglossen geziert hat, nämlich:
25 ad Artikel I. Am Schlüsse: £. C’est ni bon. (Was das
sein soll (deutsches C?) ist mir unklar.) (Schöner französischer
Satz. C’est ni bon. Punktum.)
ad Artikel IX. Oben drauf geschrieben: Changéz
l’introduction, und als Überschrift: „Southern Slavi.“
so Weiter zu dem Satz: ,,By this logic etc. it would follow that the
Hindoos are the most youthful people etc. bemerkt: „This déduc¬
tion is illogical.“
Bei der statistischen Übersicht überdieserbischeRasse: „german
(für German) influences destroyed them in other branches under
35 Austrian dominion.“ (Schönes Englisch!) Ferner in bezug auf
die denunzierte brigandage der Montenegriner: „This (für ’tis)
not true.“
Ferner zu: „Croatia etc. hâve for Centuries past been annexed
to Hungary“ bemerkt: „But Hungary is a compound of those
4o various lands.“
Der passus über die mohamedanischen Bosnier „they will have
to be exterminated, no doubt about that“ echt russisch verfälscht,
indem der nachfolgende passus gestrichen: „These are, however,
!) Karl Weerth
Z. 25 (Was)—26 (unklar.)
170
(411) 1857 Febr. 16
but the internai difficulties opposing the érection of a South Sla-
vonish empire etc.“
Daß der Geist aller dieser Noten russisch, ist klar. Ebenso daß
Französisch mit solcher accentuation und solchen Fehlern kein
Franzose geschrieben; daß ebenso ein Yankee nicht von „Southern
Slavi“ sprechen würde, überhaupt anders schreiben würde, nicht
minder. Mir scheint der Ursprung dieser Noten daher unzwei¬
felhaft. Und wenn, wie in meiner und Freiligraths und Olm-
steds Gegenwart der (Yankee-)Reisegefährte Olmsteds ver¬
sicherte, Gurowski direkt von der russischen Gesandtschaft in w
Washington bezahlt wird, so ist die ganze Krise bei der Tri¬
bune durchaus erklärlich. Übrigens geht dann aus den Noten
und dem Ausstreichen hervor, daß ursprünglich (bis etwa Nr. 9
inclusive) noch der Plan herrschte, modifiziert die Artikel über
Panslawismus zu drucken, und erst dies ganz auf gegeben wurde, w
als dem Kerl die Pointe klar ward. Daher denn auch die späte
Entscheidung des Dana.
Da es mir jetzt in meiner eignen Krise natürlich sehr erbaulich
ist, von Krisen zu hören, so laß mich in ein paar Zeilen wissen,
wie es mit den Industriebezirken steht. Nach den Berichten der 20
Londoner Blätter wäre die Sache sehr schief.
Von Tooke sind die zwei letzten Bände der „History of
prices“ erschienen, von 1849 an. Es ist natürlich schade, daß der
alte Herr in seinem unermüdlichen Kampf gegen die Currency-
kerls und Peels Akte zu ausschließlich sich mit der Zirkulations- 25
scheiße beschäftigt. Bleibt indes in diesem Moment interessant.
Salut.
Dein K. M.
412. Marx an Engels; [1857] Februar 24.
24. Februar. 30
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
Weinst Du oder lachst Du und schläfst Du oder wachst Du?
Auf verschiedne Briefe, die ich seit drei Wochen nach Manchester
geschickt, keine Antwort erhalten. Ich unterstelle indes, daß sie 35
angekommen. Schick mir die Einlage des letzten Briefs — Olm¬
steds Brief — zurück, da ich antworten muß one way or the
other.
Salut.
Dein K. M. 40
z. 20-21.
23 (von ... an).
Nr. 412.
(413) 1857 März 11
171
413. Engels an Marx; 1857 März 11.
Manchester, 11. März 1857.
Lieber Maxx,
Es ist, als wenn sich Gott und die Welt verschworen hätten,
damit ich nicht dazu komme, Dir zu schreiben. Wenn ich eben
meine, ich bin aus dem Geschäftsschwindel etwas heraus, finde ich
einen ganzen Haufen unvermuteter Rückstände, werde von Kerls
überlaufen, bekomme hundert Geschäftsfragen für meinen Alten
zu beantworten, habe neue Marotten des Herm Gottfried auszu-
io führen. Damit ich ja recht festsitze, schickt mir Freiligrath
papierschwindelnde preußische Ex-Lieutenants2) auf den Hals, die
tagelang Pumpversuche machen (wovor er selbst, Fr[eiligrath],
für nötig gehalten hatte, mich zu warnen) und die nach ihrer Ab¬
reise mir Pfandticketts zuschicken, damit ich ihre Uhren mit
15 meinem Gelde auslösen soll! Ich bin dem Fr[eiligrath] für diesen
zugewiesenen zudringlichen Kerl auch nicht im entferntesten ver¬
pflichtet, hab ihm übrigens heute meine Abenteuer mit dem Flegel
geschrieben, er kann die Geschichte selbst ausfressen.
Vorigen Freitag kam Herr Emst Dronke von Glasgow ganz
2o plötzlich aufs Comptoir. Er war bloß auf ein paar Stunden in Ge¬
schäften hier. Ich sah ihn fast nur in Gesellschaft von Charles,
wo es nicht anging, sich mit ihm auseinanderzusetzen oder ihn
grob zu behandeln. Zudem kam er so plötzlich, daß ich gar keine
Zeit hatte, mich auf alle seine Klüngeleien zu besinnen. Ich be-
25 handelte ihn kühlig, wie ich einen nur oberflächlich bekannten,
gewöhnlichen Commis behandeln würde, sprach über lauter
Lappalien mit ihm, und er hütete sich sehr, irgend eine Frage zu
tun, die auf die Partei Bezug hatte. Nachmittags schob er ab, will
im Mai wiederkommen, wo ich wohl in London sein werde. Ich
3o hoffe, er wird Commerçant auf lebenslang; er sieht ganz so aus,
und die sorgenfreie Existenz scheint ihm sehr zu behagen.
Die jf 5-Note, die ich Dir vorigen Freitag (oder Donnerstag?)
schickte, hast Du doch erhalten?
Die Herren Tories, Freetraders und Peeliten konnten dem Pam
35 keinen größeren Gefallen tun, als ihn bei dieser Frage in eine
Minorität zu bringen. Welches Glück der Kerl und wie dumme
Gegner er hat! Hier ist jetzt große Agitation, aber da 4000 neue
Voters auf dem Register stehn, die lauter kleine Shopkeeper und
Clerks und Overlookers, also der Majorität nach für Bright sind,
ïowird wohl nichts geändert werden. Bob Lowe und Sir J. Potter
(a bom alderman und ehemals großer Hurenjäger) sollen hier
auf gestellt werden. Will not do. Wegen Bob Lowes früherer
9 Ermen
*) Hugo von Selmnitz
Z. 10—18.
21-24.
28-29.
172
(413) 1857 März 11
australischer und sonstiger Abenteuer könntest Du mir wohl ein
paar Details mitteilen, es ist jetzt hier sehr brauchbar.
Was kostet das dicke Buch von Mieroslawski über Polen? Man
muß doch so ein Kompendium haben — und was kostet Lelewels
zum Grunde gelegtes Werk — wenn Du dies erfahren kannst? s
Apropos, ich werde Dir wieder einige Guardians schicken, es
sind gar kapitale Schnurren drein. Die letzt geschickten sechs
Stück hast Du doch erhalten? (in 2 lots). Der Momy hat schon
ganz gehörig Lunte gerochen; dies Ankäufen, was der Kerl in
Rußland tut, muß den Bon [aparte] tödlich ärgern. Auch die
Historie mit den Docks Napoléon, Berryer jeune und Fox Hen¬
derson et Co. war schön — Du hast sie doch in der Times gelesen?
Wie sich die Tribüne-Geschichte weiter entwickelt hat, bin ich
sehr begierig zu hören, und ebenso, was Du an Olmsted geschrie¬
ben hast. In kurzem denke ich doch wieder etwas arbeiten zu ^5
können, ich will mal sehn, ob mit China nichts anzufangen ist.
Irgend eine militärisch interessante Seite muß sich dem Schwin¬
del doch abgewinnen lassen. Aber solange ich bis 8 Uhr jeden
Tag auf dem Comptoir schanzen muß und vor 10 Uhr nicht, mit
supper usw. fertig, anfangen kann zu arbeiten, ist das alles nichts. 20
Ich muß jetzt morgens allerspätestens um 10 Uhr auf dem
Comptoir sein, also accordingly auch gegen eins zu Bett gehn,
c’est embêtant! Wenn man am besten im Zuge ist, soll man schla¬
fen gehn, cela ne va pas. Enfin, nous verrons. Diesen Sommer
richten wir uns anders ein, oder es gibt Krawall im Geschäft. 25
Ich will mich so einrichten, daß ich von 10—5 oder 6 arbeite und
dann aber auch fortgehe, und wenn das Geschäft zum Teufel geht.
Grüße Deine Frau und Kinder herzlich von mir — ihr seid
hoffentlich alle wohl?
Tout à toi. 30
F. E.
414. Marx an Engels; [1857] März 18.
London, 18. März.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels, 35
Du mußt mich entschuldigen, daß ich nicht früher den Emp¬
fang der 5 wie Deines Briefes angezeigt. Meine Frau ist sehr
unwohl, und die sämtlichen Verhältnisse des Hauses in solcher
Krisis, daß der Kopf mir zu sehr schwirrt zum Schreiben.
Die Guardians heute erhalten. Von der N[ew] Yfork]'0
Tribune noch keine Antwort. An Olmsted konnte ich natürlich
Z. 6-12 ?
26-27.
40-41 -
(414) 1857 März 18
173
nichts schreiben, als daß er den Artikel zurückschickt, wenn er
ihn nicht bei Harper untergebracht.
Proudhons neues ökonomisches Buch, das mir noch nicht zur
Hand gekommen, hat bereits sieben Auflagen erlebt.
5 Wie Miquel glauben konnte, ich könnte an dem J ahrhun-
dert mitarbeiten, begreife ich nicht — ein Wochenwisch, dessen
Mitarbeiter sind: Ruge, L. Simon, Meyen, B. Oppenheim, M. Heß
etc. Ich habe nichts davon gelesen, aber ich habe den Umschlags¬
bogen von Nummer 1 für den „Zweiten Jahrgang“, darauf fol-
io gender Inhalt verzeichnet: „Nach dem Kriege, vor der Ent¬
scheidung. IV. Von Arnold Ruge.“ „Briefe aus Paris, der
Schweiz und London“ (nämlich L. Simon, Kolatschek, Meyen).
„Der Geist unserer Zeit; zum Neujahrsgruß. Von Arnold Ruge.“
„Naturwissenschaft und Gesellschaftslehre. V. Von M. Heß.“
is „Erziehung zum Glauben und Erziehung zur Humanität.“ „Notiz.“
Edgar Bauer gibt ein Buch heraus: „Englische Ein¬
drücke.“ Wird schön sein.
Wegen des Preises der Bücher von Mieroslawski und Lelewel
(erster Band von letztrem reine Kindergeschichte) werde ich mich
2o erkundigen.
Von wegen des Saukerls — Bob Lowe — sind mir momentan
keine Notizen zur Hand. Vielleicht treibe ich noch welche wäh¬
rend dieser Woche auf. Er ist ein Kerl, der in die société du dix
décembre gepaßt hätte.
25 Über Pams „liberale“ auswärtige Politik kommen täglich neue
Enthüllungen heraus. Erst der „secret treaty“ mit Ostreich. Jetzt,
daß er sich anheischig machte, gegen Bonaparte, jede Revolution
in Neapel zu unterdrücken. Der letztre wollte dies aber nur so
weit, als „Muratsche“ Restauration nicht eingeschlossen sein
3o sollte unter der Kategorie „Revolution“. An diesem „misunder-
standing“ scheiterte die neapolitanische Expedition. Pam hat die
Sache in a sehr „ambiguous männer“ gestern in den Commons in
Abrede gestellt. Wahrscheinlich werden aber noch diese Woche
weitere Papiere erscheinen, die ihn Lügen strafen.
35 Die Russen haben diesmal nicht ganz mit ihrer gewöhnlichen
Vorsicht gehandelt. Das erste Blatt auf dem Kontinent, das seit
der Parlamentskrisis Pam als truly British minister verteidigt hat,
ist der Nord, der sonst beständig fanatischen Haß gegen P[am]
affektiert. Selbst die N[eue] Pr[reußische] Z[eitung]
40 spricht von der „unprincipled coalition“.
Die persische Geschichte, wie ich vermutete, ist darin ver¬
pufft, daß die Engländer nichts erhalten, einige rein nominelle
Konzessionen abgerechnet, vielmehr in dem Hauptpunkt dem
persischen Hof nachgegeben. Rußland hat dagegen ein Stückchen
45 Land abgetreten erhalten, wie Layard vorgestern den maulauf¬
Z. - 1-2.
174
(414) 1857 März 18
sperrenden Cockneys anvertraute. Er hatte natürlich nicht den
Mut, die beiden facts in ihren richtigen Kausalnexus zu bringen.
Er wiederholte auch die Versichrung — die Disraeli schon im
Unterhaus gemacht, ohne daß Pam ein Wort darauf geantwor¬
tet —, daß Pam den Persern während des Kriegs gegen Rußland 5
verbot, eine offensive Stellung, wie sie wünschten, einzunehmen.
Die Kerls hofften nämlich damals, die ihnen entrissnen Provinzen
wieder nehmen zu können. Dieselbe Warnung hatte er ihnen wäh¬
rend der Zeit der polnischen Revolution (1830) zugehn lassen.
Um sowohl die persischen als die chinesischen Krawalle richtig 10
zu würdigen, muß man sie vergleichen mit den ersten Arbeiten
Pams in diesen régions, da beide nur Wiederholungen sind. So¬
lange er am Ruder war, wnirde der erste chinesische Krieg so ge¬
führt, daß er hundert Jahre hätte dauern können, ohne andres
Resultat als eine Zunahme im Russian overland tea-trade und is
Wachsen des russischen Einflusses in Peking. Erst unter Sir
R. Peel gab Ellenborough diesem Krieg eine „englische“ Wen¬
dung.
Es ist zu hoffen — und auch wahrscheinlich —, daß diesmal
ein Parlament gewählt wird, das sich zu nichts verpflichtet, außer 20
passivem Gehorsam gegen Pam. Die Auflösung der alten Parteien
in einem Koalitionsministerium ausgedrückt, wie das
von Aberdeen war, flößte der middleclass viel mehr das Gefühl
ein, daß sie nun auf ihren Lorbeeren ruhn könne, als daß es sie
beunruhigt hätte. Dieselbe Auflösung in der Diktatur Pams 25
ausgedrückt ist sicher, nicht nur zu den erfreulichsten Blamagen
und Verwicklungen nach außen hin, sondern zu einer sehr gewalt¬
samen Agitation im Innern zu führen, vielleicht zu einer Revolu¬
tion. Der alte Bursche, der noch teil hatte an dem Manchester
„massacre en miniature“ und die 6 gagging acts mit entwerfen 30
half, wird sich nicht im geringsten genieren. Mutatis mutandis
verhält sich Pams Dictatorship zum Koalitionsministerium wie
die Herrschaft der in der letzten französischen Assemblée koali¬
sierten Royalisten zur Herrschaft Bonapartes. Die Sachen wer¬
den in England endlich zu einer akuten Pointe getrieben werden. 3s
Apropos Bangya. Dieser selbe Bangya ist seit 1855 der
a d 1 a t u s von Sefer Pasha. Er hat die Tochter eines zirkassischen
Chefs geheiratet (was seiner legitimen Frau in Pest und seiner
illegitimen in Paris gleich erfreulich sein muß) und ist jetzt selbst
ein zirkassischer Chef. Durch seine Verbindungen mit London 40
hat er 300 Polen zusammengeworben und mit Munitionsvor¬
räten etc. in die Black Sea gebracht, die, nach Zeitungsnachricht,
den russischen cruisers entgangen und glücklich bei Sefer P[asha]
angekommen. What do you think of that? Der Kerl, der seine
Rolle im Westen ausgespielt sah, hat eine neue im Orient be- 45
Z. 36-45 -
(414) 1857 März 18 175
gönnen. Ob wieder als demokratischer Mouchard oder auf bona
fide ist eine andre Frage.
Schreib bald, da Deine Briefe jetzt mir nötig sind to pluck up.
Die situation ist ekelhaft.
5 Salut (auch an Lupus).
Dein K. M.
415. Engels an Marx; 1857 März 20.
Manchester, 20. März 1857.
Lieber Marx,
io Ich hatte mir schon gedacht, daß Du wieder ziemlich tief im
Pech sitzen würdest. Was meinerseits geschehen kann, geschieht.
Wenn es irgend möglich, schicke ich Dir nächste Woche noch
einen Fünfpfünder, und wenn ich den nicht auf treiben kann, eine
Post Office Ordre. Für letzteren Fall sage mir doch, bei welchem
is Post Office ich sie zahlbar machen soll. Ich habe diesen Monat sehr
schwere Schulden zahlen müssen, die Leute kamen mir aufs
Comptoir gerückt, da war kein Rat als blechen. Sonst erfolgte der
Fünfpfünder sofort. Es ist übrigens ein Glück, daß diese Parla¬
mentsgeschichte eingetreten ist und die chinesische dazu; in diesem
2o Moment wird die Tribune wieder Hülfe bedürfen und zu terms
kommen müssen.
Ich habe hier bei dem Guardiankerl herumgewittert, ob nicht
hier mit reviews und Magazines anzubinden wäre. Aber der Kerl
scheint auch auf der Jagd zu sein, um selbst anzukommen, und da
25 ist nicht viel herauszukriegen. Indes ich werde sehn. Da er meine
Ansicht von Palmerston kennt und sie für preposterous erklärt, so
wird er uns in Politicis erst recht nicht empfehlen. Trotzdem hab’
ich einen gewissen hold on the fellow, bei dem ich aber noch nicht
herauskriegen kann, wie er zu verwerten ist.
3o Die Ansicht von Palmerstons Absichten und Chancen mit dem
neuen Parlament ist auch die meinige. Bonapartischer Despotis¬
mus Pams mit einem Corps législatif. Wir werden sehn, wohin
das führt.
Bangya ist sogar nach der Atugsburger] Afllgemeinen] Z[ei-
35 tung] von den Tscherkessen (welchen? nicht gesagt) zum „Chef
des Hauses“ ernannt worden und absichtlich als Ausländer zu
diesem Pöstchen erkoren, damit keiner der inländischen Chefs
sich über Zurücksetzung beklagen könne. Wohin Sefer Pascha
(dieser ist ein andrer als Koscielski) geraten, ist nicht zu ergrün-
4o den. Ich halte die ganze Sache für einen russischen Geniestreich,
und wird man von den 300 polackischen Spartanern wohl bald
nichts mehr hören.
z. -1-2.
30-42.
176
(415) 1857 Mära 20
Der Nord muß wieder umgekippt haben. Der Brüsseler Korre¬
spondent des Guardian zitiert Stellen, die wütend gegen Palm[er-
stonl sind. Kannst Du mir die prägnanteste Stelle angeben? Ich
seh hier dergleichen Sachen gar nicht, und bei allen Debatten soll
ich gleich chapter and verse bei der Hand haben. s
Als ich neulich meine alten Zeitungen ordnete, fand sich, daß
mir ein Hauptpaket englischer Blätter und Ausschnitte
Guardians, Free Press usw. abhanden gekommen. Glücklicher¬
weise keine Sachen, die unser Parteiarchiv angehn — die sind gut
verwahrt. Aber mit wenig Ausnahmen alles, was auf Pal -
merston Bezug hat, die Tuckerschen Pamphlets, die Aus¬
schnitte Deiner Artikel, die Du mir geschickt hattest (davon sind
auch manche bei Lupus usw. hängen geblieben). Ich brauchte
und suchte sie gerade, um wieder die Details aufzufrischen. Hast
Du noch einige Duplikate, die Du mir schicken kannst, und auch
ein komplettes Exemplar Deiner im Londoner Urquhart-Blatt
abgedruckten Artikel? Letzteres wird dort wohl leicht aufzu¬
treiben sein. Ich kann die Sachen sehr gut gerade jetzt gebrauchen.
Bob Lowe hat hier wenig Chance. Ein Teil der Spießbürger
hat sich gegen Bright erklärt; ich glaube indes, er kommt diesmal
noch durch. Lowe wird sich blamieren, sobald er herkommt. Es
wär’ aber göttlich, wenn er hereinkäme.
Herzliche Grüße an Deine Frau und Kinder. Schreib bald
wieder, wie’s Deiner Frau geht.
Dein F. E. 2)
416. Marx an Engels; 1857 März 24.
24. März 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Engels,
Einliegend einige Anti-Palmerstoniana, nämlich: 1. Be-w
trayal of England. 2 copies (NB. Derselbe Coningham,
der hier Auszüge aus Ansteys Rede abdruckt, jetzt Ultra-Palmer-
stonian-Kandidat in Brighton.) 2. Tucker-Pamphlets,
8 copies. 3. Ansteys Rede. 4. Palmerston for Pre¬
mier. 5. Palmerston in three epochs. (Mit Ausnahme 35
der ungarischen Geschichte, die aus Urquhart abgeschrie¬
ben, ist der Rest von Herm Wilks, in seiner Art natürlich, aus
meinen Artikeln in der Tribune kopiert.) Die unter 1. und 2. rubri¬
zierten Sachen brauchst Du nicht aufzuheben; wohl aber die
unter 3., 4. und 5. Ich schicke morgen, wenn ich sie finde, noch w
einige andere Pamphlets. As to the Nord, zu bemerken, daß die
Z. 6-18.
(416) 1857 März 24
177
Post1) selbst (in einer der Nummern vom 4.—9. März) den von
mir erwähnten Artikel inseriert hat. Später hat sie allerdings den
Ton geändert.
Nun zu private affairs. D’abord ein Brief von derTribune
5 angekommen, den ich Dir schicke, sobald ich ihn beantwortet.
Meine Drohung, an ein andres Blatt zu schreiben, hat doch ihre
Wirkung getan, wenigstens einige. Trotz des sehr freund¬
schaftlichen Tones ist der Beweis geliefert, daß ich die
Herm richtig verstanden. Der Vorschlag ist nämlich: Einen
io Artikel die Woche zahlen sie, sie mögen ihn drucken oder
nicht; den zweiten schicke ich auf Risiko und ziehe darauf,
wenn sie ihn drucken. Also au fait setzen sie mich auf die Hälfte
herab. Ich gehe indes darauf ein, und muß darauf ein¬
gehn. Auch wenn die Geschichten in England sich entwickeln,
is wie ich denke, werde ich doch nach einiger Zeit mich wieder zu
der alten Einnahme herauf schwingen.
Es ist mir sehr leid, daß ich einstweilen noch auf Dir pressen
muß, da der Rückstand, in den ich geraten, es dahin gebracht, daß
alles Versetzbare versetzt ist und der Ausfall in der Einnahme
20 erst gedeckt werden kann, sobald ich mir neue Quellen auf getan.
Zudem, da ich Dir das fact doch nicht verheimlichen kann, befin¬
det sich meine Frau in highly interesting circumstances. Indes be¬
zweckte ich mit meinem letzten Brief keineswegs anything
eise, als Dir mein längeres Nichtantworten zu erklären. Du be-
25 greifst, daß auch die Gleichmütigsten — und ich besitze in sol¬
chem Dreck, indeed, viel Gleichmut — zuweilen die Geduld ver¬
lieren und namentlich Freunden gegenüber sich gehn lassen.
Es wäre mir sehr lieb, wenn Du mir einige „humoristi¬
sche“ lines, say 50 or 100 ones, über die von den Engländern in
so Persien und vor Kanton entwickelte Orlandotapferkeit schicktest.
Die Bushireexpedition, wie Du gesehn haben wirst, hatte ihren
Hauptpivot in der Spionage eines Captain Jones, der, unter false
pretences, als political agent nach Bushire geschickt war. Morgen
wahrscheinlich mehr, da ich Dir heut die Pamphlets schicken will.
35 Salut.
Dein K. M.
NB. Es ist doch ein Unterschied, ob man erst einen coup d’état
macht und dann die Wahlen, oder erst die Wahlen macht und dann
den coup d’état bezweckt. Palmerston hat ohne Zweifel, wenigstens
io seine papers, overdone their part. Lies z. B. den im Dreck bis an
die Ohren sich wühlenden Advertiser. Das hat, of course, einige
Reaktion hervorgerufen.
O Morning Post
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 12
178
(417) 1857 März 31
417. Marx an Engels; 1857 März 31.
31. März 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Engels,
Die £ 5 erhalten. 5
Schick’ mir, wenn es Dir gelegen, Manchester Exami¬
ners. Die explanations der Brightparty sind jetzt für mich von
Interesse. Ihre Niederlage hat der Wahl erst ihren historischen
point gegeben. Palmerstons Stellung wird jetzt erst gefährlich, wo
er eine kommandierende Majorität im Parlament hat, während w
außerhalb des Parlaments — zum erstenmal seit der Anticomlaw
League — wieder eine serious antiministerial agitation ins Leben
treten wird. England tritt in eine seriöse Krisis — die Times
deutet es schon an mit dem cloud which it sees gathering — und
wenn der row auf dem Kontinent wieder beginnt, wird John Bull 15
nicht die vornehm uninteressierte Stellung von 1848 behaupten.
Der Sieg Pams ist die letzte Spitze der Ereignisse, die mit dem Juni
1848 begonnen haben. Unter dem mehr intelligenten public in
London wurde die Nachricht von Manchester mit einer Art Be¬
stürzung empfangen, kommentiert als sie war durch die unver- 20
schämte Adresse und Rede Pams. Lokal betrachtet, hat Man¬
chester — und darüber herrscht nur eine Stimme — sich blamiert
und schwer blamiert. Wenn der Punch nicht gekauft wäre von
Pam — ein Haupteditor desselben, Taylor, ist mit 1000 im
Sanitätsministerium angestellt — so würden Potter, Turner und 25
Garnett jedenfalls nächsten Mittwoch darin figurieren. Schreib mir
einige Details über diese Burschen und ihre whereabouts.
Herr Dronke hat an Freiligrath geschrieben, daß er „mit seinem
Juden brechen und sich als selbständiger Agent etablieren wird.“
Wegen Bangya habe ich Urquhart — von wegen seiner Ver- 30
bindungen mit Konstantinopel und Zirkassien — Notizen zugehn
lassen.
Einliegend ein Ausschnitt aus Reynolds über den Redakteur
des Morning Advertiser — Mr. Grant. Buchstäblich
wahr. 35
Auch der Brief von Dana. Schick ihn mir zurück. In seiner
Aufzählung der gedruckten Artikel erwähnt er nur die letzten,
und selbst davon hat er einige erst fünf bis sechs Wochen nach
ihrem Eintreffen in New York gedruckt, als er sah, daß sich die
Dinge wandten. Sein Geldvorschlag zeigt am besten, daß ich mich tu
nicht in der Intention des Herm getäuscht hatte. Seine Bemerkung
wegen der Länge der Artikel ist mir ganz gelegen. Ich habe um
Z. 23-32.
(417) 1857 März 31
179
so weniger zu liefern. Nur auffallend, daß er jetzt seit Monaten
zwei bis drei Spalten für den fadesten London gossip findet.
In Preußen ist auch kleine parlamentarische Krisis. „In Geld¬
fragen hört die Gemütlichkeit auf“, scheint sich dort again zu be-
5 Wahrheiten.
Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich die Schwyzer dazu
verstehn, sämtliche Flüchtlinge auszuweisen.
Salut.
Dein K. M.
io Hast Du die Schwindeleien, die vorige Woche explodierten, der
Australian Agricultural Company, der London und Eastem Bank,
und der North of Europe Steam Company, wo Herr Peto im Di¬
rektorium — notiert?
418. Engels an Marx; 1857 März 31.
15 Manchester, 31. März 1857.
Lieber Marx,
Die Note 5 K/S 84562 wirst Du heute morgen erhalten
haben. Wegen des „Pressens“ auf mich laß Dir nur ja keine grauen
Haare wachsen; ich würde es Dir übelnehmen, wenn Du mich
2o nicht von der Notwendigkeit der bewaffneten Intervention der
Sovereigns unterrichtetest. Ich will sehen, wie sich die Geldverhält¬
nisse im Monat April gestalten; etwas denke ich jedenfalls in der
zweiten Hälfte losbringen zu können.
Der Vorschlag von der Tribune ist sehr pfiffig, und da die Kerle
25 so gut wie sicher sind, nur einen Artikel pro Woche zu drucken,
so würde ich auch nur bei großen Gelegenheiten, wie jetzt die
Wahlen usw., zwei pro Woche schicken. Indes die Verhältnisse
kommen Dir zu Hülfe, und aller Wahrscheinlichkeit nach werden
die Herren Yankees im Sommer und Herbst nicht über dullness
to of European Politics zu klagen haben, während ihr eigner Schwin¬
del sich mehr und mehr beruhigt.
Die persischen und chinesischen Kriegsabenteuer hab’ ich fast
gar nicht verfolgt, auch waren die Details sehr mager. Von dem
Captain Jones weiß ich nichts. Es wäre jetzt eine reine Unmöglich-
35 keit, sich die Sachen zusammenzusuchen, indes wenn die ausführ¬
lichen Nachrichten über die letzte große Kavallerieattacke in Per¬
sien kommen, will ich sehn, ob was zu machen ist.
Die Pamphlets hab ich erhalten. Könnte ich nur Deine alten
Tribuneartikel kriegen, da steht doch das meiste drein; Wash.
4o Wilks und Palmerston for Premier enthalten nur Allgemeines, und
Chish[olm] Ansteys Rede, obwohl sehr wichtig, besonders wegen
der persönlichen Geschichten apropos des Portfolios und auch
12 •
Z. 6-7.
10-13 ?
180
(418) 1857 Mäiz 31
stellenweise wegen des Inhalts, ist doch schauerlich décousu. Das
einzig Schlagende sind Deine beiden Tucker-Pamphlets, besonders
Unkiar Skelessi. Wenn Du mich noch mit mehr Material versorgen
kannst, tant mieux. Ich habe Maßregeln getroffen, daß es jetzt
besser verwahrt wird. 5
Die achttausend Philister, die dem dicksten Mann in Manchester
(Potter) ihre Stimmen gegeben, weil er gar kein Gehirn und desto
mehr Hintern hat, schämen sich schon jetzt ihres Sieges. Trotzdem
hat die Wahl hier einen enormen Effekt gemacht, und die „Man-
chester“-Partei fängt an, ihre Aufführung während der letzten 10
sechs Jahre zu revidieren und zu entdecken, worin sie gefehlt hat.
Ich glaube, wir hören vorderhand von Peace-party-talk wenig
mehr, dagegen werden Bright (wenn er wieder zu Kräften
kommt) und einige andre gewiß für ausgedehntere Wahlreform
auf treten, und Jones könnte von diesen Bourgeois wohl bald einige 15
Offerten erhalten. Für Pam ist der Triumph über Bright, Gibson,
Cobden, Miall, Fox (Oldham) gewiß der erfreulichste; ich glaube
fast, der Kerl erhält eine working majority von 60—100 Mann.
Jedenfalls aber aurons nous du Palmerston tout pur, und with a
vengeance. 20
Ich habe eine Stelle aus dem Nord in der M[oming] P[ost] ge¬
funden, aber bloß sein Talent drin gelobt. Die, wo er als truly
British Minister auftritt, finde ich nicht.
Die hiesigen Palmerstonians und Bourgeois hatten Bob Lowe
offeriert, daß, wenn er hier geschlagen würde, ihm £ 2000 ZU 25
zahlen, um damit seine Wahlkosten in irgend einem andern Nest
zu bestreiten. Der Esel schlägt ab, um in Kidderminster sicher zu
gehn, und kriegt dort Keile. Nach Manchester darf er aber nie
mehr kommen, er hat sich höchst kommun benommen — erst läßt
er die Philister sich für ihn kompromittieren, dann sagt er ab und 30
schreibt gleichzeitig den Artikel der Times, worin es
heißt, es sei eine Schande, wenn Manchester Bright nicht wähle! !
Der Spießbürger war diesmal enorm geteilt. Die Bourgeoisie
mit großer Majorität gegen Bright und Gibson, die Spießbürger
mit einer geringeren Majorität. Quäker und Katholiken wie ein 35
Mann für Bright; die Griechen auch; die etablierten Deut¬
schen gegen ihn. Ein besoffner Anti-Bright-Mann schrie: We won’t
have home policy, we want foreign policy. Das ist ungefähr das
ganze Rationale der Wahl hier: Zum Teufel mit all den Reform¬
fragen und Klassengeschichten. Wir Spießbürger sind doch die^
Majorität der Wähler, cela suffit. Das Geschrei gegen die Aristo¬
kratie usw. ist langweilig und führt zu keinem sichtbaren Resultat.
We dearly love a lord for all that. Freetrade und was wir von
bürgerlichen Sozialreformen brauchen, haben wir. Uns ist
ganz kannibalisch wohl, besonders seit Pam die Kriegs-Incometax ^5
z. 21—32 !!
(418) 1857 März 31
181
reduziert hat. Also begeben wir uns alle auf das Terrain, wo wir
alle egal sind, und seien wir Englishmen, John Bulls, unter der
Leitung des truly British Ministers Pam. Das ist jetzt die Stimmung
der meisten Spießbürger.
5 Der Humor von der Geschichte ist hier das Begraben der Anti-
Comlaw-League; Smith P. Robinson (hon. sec.) und George Wil¬
son „that respectable fixture“ werden aus Newells Buildings ge¬
worfen, und die Great Liberal Party sieht sich nach einer neuen
Organisation um. G. Wilson verliert sein Pöstchen und seine Posi-
io tion, vermöge deren er es zum chairman der Lancashire und York¬
shire Eisenbahnen mit £ 1000 per annum gebracht — dies Pöst¬
chen geht auch bald flöten; und Wilson kann wieder Stärke fabri¬
zieren wie zur Zeit der Protection. Der Manchesterphilister aber
— selbst von Brights Partei — atmet frei auf, daß dieser alte In-
is cubus endlich zerronnen ist: the League!
Apropos! Ich glaube, das Ch. Anstey-Pamphlet enthält nur
einen kleinen Teil der Antwort Pams — die Debatte dauerte vier
Tage—; ist das übrige nicht zu haben? Und kannst Du mir nicht
ein Exemplar des neuen Urquhart-Wisches schicken, der Free Press
20 oder wie es heißt? Was steht von Dir drin?
NB. Du kannst mir auch, s’il y a lieu, die Titel sonstiger
brauchbaren, auf Pams Affäre bezüglichen Sachen schicken,
ich kann sie dann schon selbst hier besorgen.
Gratuliere zu den Aussichten in der Familie von Herzen. Was
25 machen die Mädchen? Sie müssen jetzt sehr groß sein; ich freue
mich sehr, siePfingsten zu sehn. Grüße sie und DeineFrau herzlich.
Dein F. E.
419. Engels an Marx; 1857 April 2.
Manchester, 2. April 1857.
3o L. M.,
Der Potter ist ein furchtbar großer, enorm fetter Kerl, ca.
46 Jahre alt, rothaarig und häutig, war dreimal Bürgermeister von
Manchester, very jolly, has no brains, aber viel Bauch und Arsch,
führte die Talare in dem hiesigen Stadtrat ein apropos of the
35 Queens visit, wurde dafür zum Ritter geschlagen, ist sein Leben¬
lang ein großer Hurenbock gewesen (ist noch bachelor), beson¬
ders mit der berühmten Miss Chester (alias Polly Evans) intim,
der er zweimal den Puff möblierte und deren law expenses, als sie
wegen Abortierung in Liverpool vor die Assisen kam und frei-
<o gesprochen wurde, er £ 50 soll beigetragen haben. Ein Mann,
der den Country Squires sehr gefallen wird, und dessen ganzes
Renommee darauf beruht, daß sein Vater, Sir Thotmas] Plotter].
Z. 6 (Smith)—13.
Nr. 419.
182
(419) 1857 April 2
Knight, seinerzeit Chef der liberalen Bewegung hier war und Mil¬
ner Gibson hier introduzierte. Er selbst ist populär bei Huren, cab-
drivers, publicans, Straßenjungen und der unsolideren Sorte Spie߬
bürger generally. Als er Major war, hatten die Huren Ruhe vor
der Polizei. Ansichten: gelind liberale. 5
J. A. Turner ist ein solider Philister, der sich immer noch daran
erinnert, daß er einmal fallierte, und der in seinem beschränkten
Kreise als Präsident der commercial association (Rival der libe¬
raleren chamber of commerce) sich plus ou moins nützlich macht.
Mag in kommerziellen Detailfragen auch im House of Commons 10
einigen Einfluß bekommen. Ist Tory (gelind) und sehr reich. Sein
ältester Sohn Jack Turner, commonly called the fat boy, ist ein
großer Söffer und guter Billiardspieler; sein zweiter ein nase¬
weiser Bengel, foxhunter, mit konsiderablen Prätensionen auf
guten Reiter, einer ekligen Fratze und rotem Schnurrbart. Er hat 15
zum Entsetzen seiner Familie die Ballettänzerin Annie Payne ge¬
heiratet.
Dein F. E.
420. Marx an Engels; 1857 April 9.
9. April 1857. 20
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Engels,
Du entschuldigst mich, daß ich so spät antworte. Meine Frau
war während der letzten Wochen noch leidender, als sie es seit
Monaten ist, und der trouble im Haus war groß. Sei so gut und 25
schick mir den Brief von Dana zurück.
Ich sende Dir bei Parcelcompagnie ein kleines Fläschchen
Augentinktur. Cornelius brachte mir eine Flasche davon aus Paris
mit, wo er an den Augen litt. Ich selbst hatte seit einigen Wochen
infolge scharfer Nachtarbeiten Augenentzündung. Das Wasser hat 30
mich in ein paar Tagen restauriert und wird Dir denselben
Dienst tim. Du hast Dir nur beim Auf stehn und Schlaf engehn
einige Tropfen in das leidende Auge zu infiltrieren.
Konrad Schramm is f in Philadelphia an Brustleiden. Die
„Neue Zeit“ in New York, mit Ankündigung dieses Todesfalls, soll 35
eine Art Nekrolog von ihm bringen, den ich noch nicht gelesen
habe.
Der Schein von Besserung auf den Börsen verschwindet wieder.
Der Zinsfuß steigt wieder, Crédit mobilier und französische Rentes
gehn wieder down, während Aufdeckungen von kommerziellen 40
Aktiengesellschaftsschwindeleien in London und Paris sich häufen.
Glücklicherweise ist an letzterm Platz die Regierung direkt mit ver-
Nr. 419.
z. 27-37.
(420) 1857 April 9
183
wickelt. Du hast doch den Skandal zwischen Pereire und Féline ge¬
lesen ?Ich hätte Dir ihn ausgeschrieben, unterstellte ich nicht, daß
die Korrespondentin des Manchester Guardian all der¬
gleichen chronicles. Ich sehe jetzt von Zeit zu Zeit den Pariser
<5 Figaro, das einzige wirkliche Journal des Empire, worin
aller respektable Schein abgestreift ist.
Ich weiß nicht, ob ich Deine Aufmerksamkeit schon auf die
zwei neuen testimonia gegen Pam gelenkt habe. Erstens Herbert in
South Wilts vor seinen Constituents: Er habe Ordre erteilt,
io Odessa zu bombardieren ; bei seinem Austritt habe Pam eine eigen¬
händige Ordre geschickt, es zu spare. Zweitens Russell vor den
Citywählem: Palmerston habe ihm handschriftliche Instructions
von wegen seiner Aufführung auf dem Wiener Kongreß erteilt,
die Clarendon ihm untersage zu veröffentlichen, und wegen deren
Ausführung little John1) so glänzend down broke. Charakteristisch
für den alten Pam, daß er in seinen Blättern beständig auf dem
Odessa treason des Herbert (dessen Schwagerschaft mit Woronzoff
in Pams Moborgan, dem Advertiser, zuerst hervorgehoben
wurde) und dem Vienna treason des Russell herumtritt.
20 Ich werde Anti-Palmerstoniana mehr für Dich suchen. Pams
Rede gegen Anstey (eine dicke Broschüre) muß in meinem Besitz
sein, wenn Pieper sie nicht geschossen hat. Von größern Schriften:
Parish: Diplomatie history of Greece und Ur-
quhart: Central Asia. Zu dem erstem noch zu lesen die
25 Expositions von Thiersch und Maurenbrechera), die 1836 (?) (ich
habe sie vor langem in der Hand gehabt) erschienen. Von allen
blue books hat auf mich den entscheidendsten Eindruck ge¬
macht das über den zweiten syro-türkischen war.
Meine Artikel in der Free Preß sind erst fünf. Liebknecht
so etc. haben sie mir ausgeführt. Indes finde ich sie Dir zusammen.
In dem letzten habe ich wörtlich einen Deiner Artikel benutzt, wo
von Peter I. die Rede. Ich habe jetzt erst die Einleitung geschlossen.
Aber die Kerls verschleppten erst monatelang die Sache. Später
druckten sie rascher. Aber jetzt, wo die erste Zahlung geschehn
35 soll, trete ich umsonst. Wenn sie nicht in diesem point mehr leisten
als bisher, muß ich die connexion altogether abbrechen. Sie haben
einen neuen Kontrakt mit mir gemacht. Was habe ich aber von dem
Kontrakt, wenn sie ihn in puncto puncti nicht halten.
Salut.
4o Dein K. M.
Grüße Lupus. Sage ihm, daß ich in Grimm den gelehrten Ur¬
sprung des kölnischen Wasserfabrikanten Farina aufgefunden,
nämlich Sanskrit: vari, Gen. varinas.
1) Russell
*) Im Orig. Mauerbrecher
184
(421) 1857 April ca. 12
421. Frau Jenny Marx an Engels; [1857 April
ca. 12].
Lieber Herr Engels,
Ein Invalid schreibt für den andern per ordre du mufti. Der
Chaley hat den halben Kopf weh, schreckliche Zahnschmerzen, 5
Ohren, Kopf, Augen, Hals und Gott weiß was noch für Wehen.
Weder Opiumpillen noch Kreosot wollen helfen. Der Zahn muß
heraus, und er will nicht recht daran. Ich komme nun um einen
Hilfsartikel bei Ihnen für Freitag ein. Gegenstand ganz gleich¬
gültig. There was, for instance, the sending of troops and ships for 10
China, there was also a change in the Organization of the russian
army, or Bonaparte or Switzerland or yam or anything eise. One
column will do. Es wird natürlich unterstellt, daß Ihr eignes
Augenübel vorüber. Wenn Sie irgend können, lassen Sie durch ein
paar Zeilen wissen, ob es Ihnen möglich ist, den Artikel zu machen, w
Hat Ihnen das Augenwasser etwas geholfen? Herzliche Grüße von
Jenny Marx.
422. Engels an Frau Jenny Marx; [1857 April
ca. 16].
Liebe Frau Marx, 20
Hierbei der Artikel und gleichzeitig vier Guardians. Es ist mir
jetzt auch endlich gelungen, auf einem neuen Plan von London Ihre
Grafton Terrace ausfindig zu machen. Sie sind ja ganz auf dem
Lande und am Fuß der Hampstead Hills, und wenn die Gebirgs¬
zeichnung auf der Karte richtig ist, in einer höchst romantischen 25
Gegend. Wenn diese aber nichts als Unwohlsein, Zahnschmerzen,
geschwollene Köpfe und gestörte Verdauung zur Folge hat, so ist
es schlimm genug mit der Landluft und Romantik bestellt. Jeden¬
falls hoffe ich, daß Sie sowohl wie der Mohr sich inzwischen be¬
deutend gebessert haben. 30
Lupus meint, daß dem Mohr seine Etymologie von farina gar
nicht richtig ist, daß Sanskrit värinas vielmehr die Wurzel von
Varinakanaster ist. Diese Antwort hatte der Mohr gewiß erwartet
und so soll sie ihm nicht vorenthalten werden. Der Alte hat wieder
einen Abschnitt in seinem Leben vor sich. Erschrecken Sie nicht — 35
es ist keine Heirat. Im Gegenteil eine Ehescheidung, er zieht näm¬
lich von seiner drei Jahre gehabten Landlady aus und mehr in
meine Nähe. Der alte Herr ist jetzt sehr populär bei einer Clique
deutscher Commis, die zuweilen in den Chatsworth kommen, und
denen er jeden Sonntagabend mit großer Würde praesidiert. Ohne <0
Nr. 421.
Z. 26-30.
34-38.
(422) 1857 April ca. 16
185
Lupum können sie gar nicht mehr leben, ebensowenig wie die eng¬
lischen Philister in derselben Kneipe.
Aller Augen warten hier auf den dicken Potter, wenn er die
Adresse im Parlament sekundieren wird; das wird schön werden.
5 Nochmals gute Besserung. Grüßen Sie die Mädchen herzlich —
denen bekommt die Luft draußen doch gewiß besser. Was werden
die gewachsen sein!
Herzliche Grüße.
Ihr F. Engels.
423. Marx an Engels; 1857 April 21.
21. April 1857.
Lieber Engels,
Sei so gut umgehend zu schreiben, was ich auf den ein¬
liegenden Brief von Dana antworten soll. Die Antwort muß mit der
is Freitagspost abgehn.
Durch Befolgung des christlichen praeceptums — „ärgert Dich
Dein Zahn, so reiße ihn aus“, habe ich mir endlich Ruhe ver¬
schafft: zugleich entdeckt, daß dieser verfluchte Zahn die Grund¬
suppe aller übrigen Gebresten bildete, die mich seit Monaten ver-
2o folgten. Unsre Wohnung hast Du richtig entdeckt. Herm Edgars
Buch heißt nicht „Englische Eindrücke“, sondern „Englische Frei¬
heit“. Ein Viertel davon soll Mormonismus enthalten. Das Ganze
prätendiert Physiognomie or, if you like, Physiologie des National¬
charakters zu geben. Gelesen habe ich nichts davon. Brief an Dich
25 in some days.
Salut.
Dein K. M.
424. Engels an Marx; [1857 April 22].
Lieber Mohr,
so Die Geschichte mit dem Konversationslexikon kommt mir ganz
gepfiffen und Dir wahrscheinlich auch. Voilà enfin Aussicht auf
Ersatz der Ausfälle und für mich Aussicht auf eine regelmäßige
Beschäftigung für meine Abende. La paix allait me démoraliser;
seitdem keine Artikel mehr für die Tribune zu schreiben waren,
35 hab ich viel zu viel gebummelt, wozu sich hier Veranlassung genug
bot. Dana muß, was die Militaria angeht, sofort folgende Fragen
beantworten :
1. Wieviel Bände das Ganze zirka haben wird, und bis wie weit
er denkt, im ersten oder ersten und zweiten Band zu kommen.
Z. 4 (das ... werden).
Nr. 423.
186
(424) 1857 April 22
2. Sollen die militärischen Artikel sich hauptsächlich beschrän¬
ken auf Erklärung der Kunstausdrücke z. B. artillery, castra¬
métation, column, mit historischen Randglossen und kurzer In¬
haltsangabe der einzelnen Branchen der Militärwissenschaft —
also z. B. Artillerie: 1. Erklärung, 2. Geschichte und jetziger Stand, 5
3. Résumé der Branchen der modernen Artilleriewissenschaft
(Schießen, Bedienung, Bespannung, Gebrauch im Felde und vor
Festungen usw.).
3. Oder sollen sonst noch kriegsgeschichtliche Artikel darin
figurieren, z. B. unter dem head Austerlitz, Arbela usw., kurze
comptes rendus der Schlachten selbst, und unter Alexander, Caesar,
Camot usw. militärische Biographien nebst Angabe der jedes¬
maligen epochemachenden Fortschritte.
Dann schreibe gleich an Steffen, er soll uns den Titel oder
Verfasser eines möglichst kompletten und kurzen Militärwissen- w
schaftslexikons angeben. Dasjenige, welches die meisten aber kür¬
zesten Artikel hat, ist das beste; denn es soll bloß dazu dienen, daß
ich gleich weiß, welche Artikel ich zu machen habe, und um das
Alphabetische möglichst reichhaltig und handy zu haben. Sowie
ich das habe, kann ich an die Bearbeitung der Buchstaben A und B
gehn, vielleicht schon früher; denn aus Brockhaus allein kann ich
viele Artikel sehn und einzelne auch ohne ihn.
Der Pay wird sich rentieren auch bei $ 2 per große Seite; eine
Masse des Zeugs ist bloß Abschreiberei oder Übersetzung, und die
größeren Artikel werden nicht sehr viel Arbeit machen. Ich werde 25
mir gleich ein paar englische Konversationslexika ansehn, damit
ich sehe, welche militärische Artikel sie haben, sodann aber
besonders Brockhaus, der doch immer ein besserer Anhaltspunkt
bleibt, kompletter ist und auch Dana als Vorbild zu gelten scheint.
Wenn einzelne philologische Abschnitte, z. B. die germanischen
Sprachen, mittelhochdeutsche, althochdeutsche usw. Literatur
(idem in romanischen Sprachen, besonders provenzalisch), zu er¬
haschen wären, so könnte das nicht schaden. Die slawischen Sachen
wird entweder die Jacobs oder Herr Gurowski übernommen haben,
erstere versteht auch mehr von den Sprachen als ich. 35
Welche Artikel übernimmst Du? Jedenfalls doch deutsche
Philosophie — Biographie moderner englischer und franzö¬
sischer Staatsmänner? Einige finanzielle? Chartismus? Kommu¬
nismus? Sozialismus? Aristoteles-Epikur — Code Napoleon —
und dergleichen. Ohne party tendency whatever allerdings 40
schwerer zu behandelnde Themata als die braven Militaria, wo
man selbstverständlich immer von der Partei des Siegers ist.
Nimm, soviel Artikel Du kriegen kannst, und organisiere all¬
mählich ein Bureau. M. Pieper kann auch schanzen, für Biogra-
phica ist er ganz gut brauchbar und kriegt gleichzeitig einige ge^ 45
(424) 1857 April 22
187
sunde trockne Notizen in seinen genialen Schädel. Vielleicht wäre
Lupus auch bereit, im altklassischen Felde zu wirken; je verrai!
Obwohl die Arbeit nicht sehr interessant sein wird (wenigstens
zum großen Teil), so macht mir die Geschichte doch unendlichen
Spaß, weil dies ein enormer lift für Dich sein wird. Ich war dies¬
mal wirklich höllisch ängstlich, wie die Sache mit der Tribune
enden werde, und besonders, als D[ana] Dich auf halben Sold
zu setzen versuchte; jetzt aber wird’s schon wieder gehen, und ist
die Zahlung auch noch nicht so nahe, so ist dies doch ein sehr
io sichrer Posten, und man kann ruhig ein paar Buchstaben immer
im voraus fertigmachen, das Geld kommt seiner Zeit schon.
Hast Du nichts von Olmsted wegen Putnam gehört? Den Ar¬
tikel über Bazancourt hätte ich sehr gern, vielleicht kann ich durch
Acton damit hier etwas machen. Auch sonst wäre vielleicht mit
15 Putnam etwas weiteres zu machen — Progress in the art of war,
improvements in artillery, small arms, ships against stone walls
etc. ; ich mache alles, aber die Kerle müssen sich verpflichten, e s
auch zu drucken. Dana würde es gewiß besorgen, damit
Du weniger auf die Tribune allein angewiesen bist; laß den Editor
2o von Ptutnam] übrigens selbst schreiben, cela vaut mieux.
Laß Dana auch sagen, ob die Artikel im allgemeinen mehr oder
weniger Raum füllen sollen als z. B. im Brockhaus, und ob
das Ganze auf einen größeren oder geringeren Umfang berechnet
ist als B[rockhaus]. Dann weiß man doch, woran man ist. Auch
25 w a n n gezahlt wird — und in wieviel Zeit das Unternehmen kom¬
plettiert sein soll. Es ist gut, das alles zu wissen.
An Deiner Stelle würde ich ihm offerieren, das ganze Kon¬
versationslexikon allein zu machen, wir brächten das schon fertig.
Jedenfalls nimm, was Du kriegen kannst, wenn wir 100 bis
3o 200 Seiten in jedem Band haben, so ist das nicht zu viel; so viel
„gediegene“ Wissenschaft liefern wir leicht, solange das gedie¬
gene kalifornische Gold dafür einspringt.
Jetzt aber grüß Deine Frau und Kinder herzlich und laß bald
was von Dir hören.
35 Dein F. Engels.
Für die Augentinktur sehr verbunden. Ich laboriere noch immer
etwas daran, aber ich glaube, es liegt daran, daß ich in der letzten
Zeit mehr Portwein getrunken habe als sonst — drop that!
Z. 12-20.
188
(425) 1857 April 23
425. Marx an Engels; 1857 April 23.
23. April 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Fred,
Morgen werde ich gleich dem Dana schreiben. Die Sache 5
kommt mir sehr gelegen, wie Du denken kannst. Es beruhigt auch
meine Frau, was in ihrer jetzigen situation wichtig ist. Dem Steffen
(der Kerl hat seine Wohnung gewechselt, ohne mir Anzeige zu
machen, ist aber noch in Brighton) werde ich gleich schreiben.
Pieper, wie Du aus einem meiner frühem Briefe Dich erinnern 10
wirst, ist seit Weihnachten Schulmeister in Bognor and I shall
certainly leave him there. Er wurde jeden Tag fader, verbummel¬
ter, unnützer und kostspieliger. In der Zucht des Pfaffen, bei dem
er jetzt dient, wird er sich wieder erkriegen. Auch verließ mich
der Bursche grad in einem Moment, wo er mir, wegen der Lage 25
meiner Frau, unentbehrlich zu sein wähnte und nicht abgeneigt
schien, sich auf höhere Bedingungen zum Bleiben pressen zu
lassen. I did nothing of the sort, sondern sprach nur meine Zu¬
friedenheit aus, daß er endlich eine Stelle gefunden. In der Tat
hat sich herausgestellt, daß seine „Notwendigkeit“ nur in seiner 20
eignen Einbildung existierte. Meine Frau verrichtet den Sekretär¬
dienst ohne all den bother des edlen Jünglings. Zum Unterricht
der Mädchen paßte er gar nicht. So ist beiden Seiten durch die
Veränderung geholfen, und wenn der Kerl, wovon ich überzeugt
bin, wieder brauchbar wird, wird ihn das Bewußtsein sehr stär- 25
ken, daß ich seiner in keiner Weise bedarf.
Von Anlegung eines Bureaus hier in London kann also nicht die
Rede sein. Es sind keine brauchbaren Leute hier. Möglich — was
ich in ein paar Tagen wissen werde —, daß Dana den Freiligrath
direkt aufgefordert hat. Unser Freiligrath ist wieder malcontent
mit seiner Stelle, wo er jedoch 300 £ St. sehr bequem verdient
und nichts der Rede wert zu tun hat. Was ihn ennuyiert, ist einer¬
seits das Murren und Knurren der Aktionäre, die an ihm ihren
Mißmut auslassen, teils die allerdings zweideutige Stellung, die
viel Verantwortlichkeit auf ihn häuft, ohne ihm andrerseits mehr
als den Schein von Selbstbestimmung zu lassen. So, at least, legt
er sich selbst sein feeling aus. Was in der Tat dahinter lurkt,
scheint mir Widerstreben gegen responsibility überhaupt. Eine
Commisstelle, die ihn derselben überhebt, so wie die bei Hood, ist
und bleibt sein Ideal. Dann quält ihn auch die Kollision zwischen *0
seinem Dichterruhm und dem Wechselkurs. So viel seh ich aus
seinen gelegentlichen confessions, daß alle diese Credit mobilier
Z. 13-21.
22-23.
(425) 1857 April 23
189
im geheimen mit großen misgivings behaftet sind. Ein alter Lon¬
doner Börsenwolf hat ihn versichert, daß die Art chronischer
Krise, wie sie jetzt herrscht, ihm in einer Praxis von 40 years
Standing unerhört sei. Ich bin noch nicht dazu gekommen, muß
5 aber doch einmal ganz genau untersuchen das Verhältnis zwischen
Wechselkurs und Bullion. Die Rolle, die das Geld als solches
spielt, in Bestimmung des Zinsfußes und des money-markets, is
something striking and quite antagonistic to all laws of political
economy. Wichtig die zwei neu erschienenen Bände von Tookes
10 H i s t o r y of prices. Schade, daß der Alte allen seinen Unter¬
suchungen, durch den direkten Gegensatz zu den currency-prin-
ciple Kerls veranlaßt, einen ganz einseitigen tum gibt.
Wegen Rücksendung Deines Bazancourt habe ich bereits vor
vierzehn Tagen an Dana geschrieben.
15 Die Urquhartisten haben mir auf Abschlag — ich solle ihnen
eine genaue bill einsenden — 10 £ gezahlt, die sehr gelegen
kamen, da ich die Summe allein an Bäcker und Metzger schuldete.
Die Mädchen wachsen sehr heran, und auch ihre Erziehung wird
teuer. Sie haben in dem ladies seminary, wohin sie gehn, private
20 lessons von einem Italiener, einem Franzosen und einem drawing
master. Jetzt muß ich noch einen Musikkerl anschaffen. Sie ler¬
nen außerordentlich rasch. Das Kleinste — das baby — ist ein
merkwürdiger Witzbold und behauptet, daß she had got two brains.
Für meinen Teil würde ich am liebsten schreiben für Dana
25 Artikel wie: Ricardo, Sismondi etc. So etwas kann allenfalls
objektiv im Yankeesinn geschrieben werden. Deutsche Philoso¬
phie ist schwer englisch darzustellen. Indes werde ich dem Dana
verschiednes Vorschlägen und ihm die Wahl überlassen.
Für meine Frau brauche ich jetzt schon seit sechs Monaten fort-
3o während den Arzt. Sie ist in der Tat sehr herunter.
Apropos! Dr. Freund has passed through the court of bank-
ruptcy für 200 £ assets to 3000^’ debts.
Die Bright- und Cobdenpartei wird sicher aufkommen, da
Faucher der auswärtige Redakteur ihres Londoner Blatts, des
35 M o r n i n g Star ist. Ich stehe jetzt mit dem Burschen auf einem
Sprechverhältnis, da ich nicht vermeiden konnte, ihn bei Edgar
Bauer gelegentlich zu sehn. Der Kerl hält sich für den ersten Mann
der Welt. „Bruno B[auer] hat das Selbstvertrauen verloren. Er
fühlt, daß ich, nicht er Preußen erobern wird.“ Er ist a curious
40 freetrader too, der nicht einmal weiß, was die middleclasses sind.
In Preußen herrscht und soll herrschen „der Offizier und der
Student“. „Ich reiße jedes englische Meeting um, wenn ich
spreche.“ „Ich habe Geschichte gemacht. Ich war es, der Cobdens
Canton motion aufsetzte.“ Dies sind einige seiner Redeblumen.
45 Der Kerl ist ein wahrer Münchhausen von Verlogenheit, ein
Z. 13-14.
190
(425) 1857 April 23
wahrer Fähndrich Pistol von Großmäuligkeit, und alle sechs
Monate einmal ist es amüsant, ihn aufschneiden zu hören.
Hast Du etwas gehört — oder Lupus — von einer „Römischen
Geschichte“, die irgendwo um Heidelberg herum erschienen und
viel Neues enthalten soll? s
Was macht der Wirt vom goldnen lion?
Salut.
Dein K. M.
426. Marx an Engels; 1857 Mai 8.
8 May 1857. io
Dear Frederick,
Die £ 5 erhalten.
Einliegend Brief von Lassalle, den Du mir, nach Mitteilung
desselben an Lupus, Anfang nächster Woche zurücksenden willst.
Wie soll ich es mit dem Kerl halten? Antworten oder nicht? Die
komische Eitelkeit des Burschen, der mit Gewalt berühmt werden
will und ohne allen Anlaß 75 Bogen über griechische Philosophie
schreibt, wird Dich amüsieren.
An Dana habe ich alles geschrieben, wie Du es aufgetragen.
Von wegen Deines Bazancourt hatte ich schon früher auf Rück- 20
Sendung gedrungen. Steffen kennt kein Buch, wie Du es brauchst;
er selbst scheint mit einer englischen Übersetzung von Rüstows
Caesars Heerwesen beschäftigt.
Pieper ist auf dem Sprung, wieder in seine alte Narrheit zu
fallen. Hat mir einen „genialen“ Brief geschrieben. Die Be- 25
geistrung, die nicht er über seine neue Stelle, aber seine neue
Stelle mit Einschluß des zu ihr gehörigen Prinzipals über ihn hatte,
scheint, as usually, nachgelassen zu haben. Er will als „Kurier“
nach der Schweiz gehn, oder Mittsommer mit seinem Prinzipal
brechen und mit 20 £ in der Tasche wieder London imponieren. 30
Ich werde kaltes Wasser in meinem nächsten Brief auf den Geni¬
alen gießen. Um wieder „haltbar“ zu werden, muß der Jüngling
längere Zeit unter der Pfaffenknute aushalten.
Hast Du den letzten Report des Crédit mobilier gelesen? Stand
in der Times. Deutet auf Décliné. 35
Pam as reformer! Er wird die Kerls reformieren with a
vengeance.
Wenn es Dir irgend möglich, schreib nächste Woche etwas
Militärisches über Persien oder China. Meine Frau geht mehr
und mehr der Katastrophe entgegen, und da wird ihr der Schreiber- 40
dienst immer schwieriger.
Z.6?
15 (Die) -33.
38-41.
(426) 1857 Mai 8
191
Wegen des Zahnwehs rate ich Dir, zu demselben Mittel die Zu¬
flucht zu nehmen, wie ich nach anderthalbjährlichem Bedenken.
Den Schuft ausziehn. Ich glaubte auch immer, mein Zahnweh sei
rheumatisch. Schließlich wurde doch ein corpus delicti aufge-
5 funden. Wann kömmst Du her?
Salut.
Dein K. M.
Mit dem Frühling erscheinen immer einige Krankheiten unter
dem Kindervolk. So war es diesmal der Fall erst mit dem Klein-
io sten und Laura. Jetzt ist die Reihe an Jennychen.
427. Engels an Marx; 1857 Mai 11.
Liebster Mohr,
Hierbei der Brief von Lassalle zurück. Dorch un dorch der
läppische Jüd. Es werden schöne Geschichten sein, die er zu-
i^ sammengeschrieben hat, auch das Ding, das „zünden“ wird und
worüber er so geheimnisvoll tut.
Daß nichts an dem Kerl ist, das wissen wir freilich, es ist aber
schwer, einen positiven Grund zu finden, woraufhin mit ihm direkt
brechen, besonders da von den Düsseldorfer Arbeitern weiter
2o nichts gehört worden. Er scheint — nach diesem Brief zu urtei¬
len — sich ganz von ihnen zurückgezogen zu haben, oder vielmehr
sie von ihm, denn er weiß gar nichts Positives zu sagen, wie es in
Deutschland unter den Arbeitern steht. Ob er aber nicht wieder
mit einem Brief von Dir bei ihnen renommieren lassen würde, ist
25 eine andre Frage. Ich würde an Deiner Stelle ihm schreiben, das
ist nicht wohl zu vermeiden, aber ihn direkt fragen, wie es mit der
Arbeiterbewegung am Rheine stehe, und besonders in Düsseldorf,
und da läßt sich der Brief doch so abfassen, daß er das Maul
darüber halten wird, und daß er entweder sich plus ou moins er-
3o klären oder ihm die Korrespondenz mit Dir leid werden muß.
Lupus hat sich über den Brief sehr amüsiert, aber unser Konzil
über die Sache wurde gestört. Übrigens würde ich ihn doch auch
fragen, wie es wäre, daß er Deine Briefe der Polizei in die Hände
spielt.
35 Über Persien ist absolut nichts zu sagen, die Kampagne war
lausig, aber die Berichte sind es noch mehr. Über China war bei
Ankunft der letzten Mail allerdings etwas zu sagen und ist’s auch
noch, aber um jetzt, zehn Tage nach der letzten Mail, etwas
zu machen, ist es zu spät; ich warte also, bis die nächste Mail
io kommt, wo ich mich gleich dran setze, und der Artikel entweder
für Freitag oder den folgenden Dienstag einkommt. Richte Dich
Z. 8-10.
13 (Dorch)—18 (schwer) ,
23-25.
32-41 -
192
(427) 1857 Mai 11
also soviel wie möglich hiernach, ich denke, die Mail kommt Ende
dieser Woche.
What’s the matter with the children? Ich hoffe, Jennychen ist
wieder all right! Grüß sie alle und Deine Frau herzlich.
Dein F. E. 5
Montag, 11. Mai 1857.
428. Engels an Marx; 1857 Mai 20.
Lieber Marx,
Dem beiliegenden Artikel wirst Du auch wohl wieder ansehn,
daß er under difficulties entstanden ist. Jedesmal, wenn ich vor- o
habe, einen Tribuneartikel zu machen, so scheint dies alle bösen
latenten Säfte meines Körpers zur Erscheinung zu bringen. Dies¬
mal sitze ich zu Hause mit Leinsamenumschlägen auf der linken
Seite des Gesichts, um ein bösartiges Geschwür zur Raison zu
bringen, reduziert auf magre Kost und ohne Bier, doch ist mir/<5
glücklicherweise ein Glas Wein befohlen worden. Es wird be¬
hauptet, ich hätte zu viel Roastbeef gegessen, jedenfalls bin ich
seit vier Wochen mit meinem Gesicht in einem fort beschäftigt
gewesen; erst Zahnschmerzen, dann geschwollne Backe, dann
wieder Zahnschmerzen, jetzt endlich die Blüte des Ganzen in einer n
Furunkel, wie der kleine Heckscher das Ding nennt. Außerdem
muß ich Mineralwasser saufen und des Morgens um 7 Uhr heraus,
auch sehr angenehm.
Hier ist jetzt alles Kunstfreund und schwatzt von den Gemäl¬
den in der Ausstellung. Die Sache wird plus ou moins, finanzielle
aber jedenfalls, eine Failure. Übrigens sind sehr schöne Bilder
da, jedoch meistens von den besseren und besten Malern nur
second-rate Stücke. Zu den schönsten gehört ein prachtvolles Por¬
trait Ariosts von Tizian. Neuere deutsche und französische Schule
sehr schlecht, fast gar nicht repräsentiert. Drei Viertel des Ganzen^
englischer Schund. Spanier und Flamänder am besten repräsen¬
tiert, dann die Italiener. Du mußt doch diesen Sommer einmal
herkommen das Ding ansehn mit Deiner Frau, s’il y a moyen. Für
die Tribune über diese Geschichte etwas zu schreiben geht nicht,
ich wüßte auch nicht, wo anfangen; den ordinären Klatsch hat diee
Tr[ibune] in allen Blättern.
Lupus, der, wie ich Dir, glaub’ ich, schrieb, ausgezogen ist.
kämpft wieder den Kampf mit der landlady. Um das Pech voll¬
zumachen, kam die neue landlady acht Tage nach seinem Einzuge
in Wochen. Nebenan spielt ein Kerl nicht nur die Violine schlecht.^
sondern auch das Waldhorn total falsch. Das Studium der pä
z. - 1-2.
24-41 -
(428) 1857 Mai 20
193
dagogischen Wissenschaften stößt also auf enorme Schwierigkeiten,
weswegen der Alte auch dem Chatsworth häufiger als sonst zu¬
spricht.
In vierzehn Tagen bis drei Wochen bin ich in London, entweder
5 in der Pfingstwoche oder in der folgenden.
Grüße Deine Frau und Kinder herzlich.
Dein F. E.
Manchester, 20. Mai 1857.
429. Marx an Engels; 1857 Mai 22.
10 22 May 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
Zu Deinem Trost kann ich Dir mitteilen, daß ich seit drei
Wochen und bis auf den heutigen Tag mit Medizin und Pillen
w überschwemmt worden bin infolge meiner alten und, wie ich
glaube, erblichen livercomplaints. Nur mit der höchsten An¬
strengung habe ich das „Marktliche“ — ich meine die Tri¬
bune — besorgt und war sonst quite disabled. Um die Zeit nicht
ganz zu verlieren, habe ich faute de mieux der dansk Sprog mich
so bemächtigt und eine enorme Staatshämorrhoide: „Af mit Livs og
min Tids Historie. Af Oersted“ (der Exminister) geöffnet. Austern
zu öffnen wäre jedenfalls amüsanter gewesen. Ich habe indes nach
des Doktors Versprechen Aussicht, in nächster Woche wieder
Mensch zu werden. Einstweilen bin ich noch gelb wie eine Quitte
26 und viel verdrießlicher. Was nun Dein Leidwesen betrifft, so ist
es meine fixe Idee, daß das Ganze von einem hohlen Zahn her¬
rührt, der ausgerissen werden muß und der, durch eine Reihe von
Vermittlungen, allen andern bösen Symptomen zugrunde liegt.
Heckscher, of course, wird das leugnen. Indes, wenn Du her-
3o kommst, worauf ich mich sehr freue, kann es jedenfalls nicht
schaden, wenn Du mich einmal zu einem wirklich vortrefflichen
Dentist begleitest, der das Gebiß prüft. Meine Ansicht gründet
sich darauf, daß ich vor zwei Jahren an ganz ähnlichen Geschich¬
ten litt; daß Dr. Freund ebenfalls erklärte, ich habe zu viel Fleisch
35 gegessen, und daß endlich, durch einen courageusen Gang vor
einigen Monaten zum Zahnarzt, die Quelle des Unwesens entdeckt
ward. Ich bringe natürlich Dein periodisches Zahnweh dabei in
Hauptanschlag.
Meiner Frau Niederkunft wird Ende dieses Monats erwartet,
40 und diesmal nicht grade unter angenehmen circumstances. Auf
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 13
Z. - 1-3.
25-38.
194
(429) 1857 Mai 22
die Tribune, wo es jetzt lang dauert, bis eine trassierfähige
Summe erreicht ist, werde ich im besten Fall nicht vor drei Wochen
ziehn können. Ich habe einen Versuch hier gemacht, um für die
Zwischenzeit einen Wechsel auf mich selbst auszustellen, bin aber
glänzend gescheitert. Die eigentlichen Householdschulden lenke 5
ich auf, aber mit den Steuern geht das bloß zu einem gewissen
Punkt, und außerdem sind bei sotanen Umständen gewisse Vor¬
bereitungen nötig, für die geblecht werden muß.
Du wirst aus den Zeitungen ersehn haben, daß ein zweiter
Direktor des Crédit mobilier — Place war der erste — viz. Banker io
Thumeyssen durchgebrannt ist mit einer Schuldenmasse von about
30—40 Millionen fcs. Aus dem letzten Bericht des famosen In¬
stituts — vom 28. April Ultimo — sieht man, daß, obgleich ihr
net profit immer noch 23% beträgt, er doch um die Hälfte unge¬
fähr gefallen ist in Vergleich mit dem Jahr 1855. Diesen Fall is
erklärt Herr Pereire aus 1. der Ordre im Moniteur, März 1856,
wodurch Bonoparte dem Crédit verbot, die Crème von der damals
existierenden französischen Überspekulation abzuschöpfen; 2. daß
diese Ordre der „sagesse suprême“ durch ein Versehn nur die
sociétés anonymes einschloß und so dem Crédit eine höchst unan- 20
ständige Konkurrenz in der Form von sociétés de commandite auf
den Hals hing; 3. die Krise in den drei letzten Monaten von 1856.
Der Crédit suchte zwar diese Krise zu einigen finanziellen coups
de main zu benutzen, wurde aber an dem „patriotischen“ Werk
durch die narrow selfishness der Banque de France und des unter 25
Rothschilds Leitung stehenden Pariser Syndikats der bankers ver¬
hindert; 4. Bonaparte hat ihnen noch immer nicht erlaubt, die
statutengemäße issue von 600 Millionen Papiergeld ihrer eignen
Erfindung vorzunehmen. That issue is still looming in the future.
Pereire scheint hart auf Bonaparte zu pressen. Sollte dieser nicht 30
riskieren, seine Autorisation zu geben, so scheint ein middle
course beabsichtigt, nämlich die Banque de France auf höherm
Wege, vermittelst des neuen Gesetzvorschlags, zum Handlanger
des Crédits zu machen. Aus dem Bericht folgt ferner, daß das
Geschäft des Crédit immer noch in einer ungeheuren Dispropor- 35
tion zu seinem Kapital steht, und daß er das vom Publikum ge-
liehne Kapital ausschließlich zur Befördrung des Börsenspiels
benutzt hat. Auf der einen Seite, als Bonaplartistisches] quasi
Staatsinstitut, erklärt es der Crédit mobilier für seinen Beruf, die
Preise der funds, shares, bonds, kurz aller nationalen Börsen- 40
papiere aufrechtzuerhalten, indem er den Companies oder indivi¬
dual stockjobbers das vom Publikum geliehne Geld vorschießt zu
Börsenoperationen. Auf der andern Seite als „Privatinstitut“ be¬
steht sein Hauptgeschäft im Spekulieren auf das Steigen und
Fallen der Börseneffekten. Pereire vermittelt diesen Widerspruch 45
z. 3-8.
32 (nämlich)—38.
(429) 1857 Mai 22
195
durch etwas, was Moses Heß imstande wäre, „Sozialphilosophie“
zu nennen.
An Deinem Artikel über China-Persien habe ich nur hier und
da etwas weggelassen und hier und da eine Wendung geändert.
5 Ich stimme mit allem überein, nur daß ich nicht glaube, daß die in
Persien stationierten Truppen so bald nach China expediert wer¬
den. Es ist in dem Vertrag ausdrücklich abgemacht, daß sie Per¬
sien nicht verlassen, bis die Perser Herat verlassen haben. Pam
wird ihnen die ungesunde Zeit nicht schenken. Das Gesuch des
io Generalgouvemeurs von Indien — Cannings — um seine Demis¬
sion, gleichzeitig mit dem Selbstmord des englischen Generals
und Admirals, deuten darauf, daß Pam wieder höchst „unver¬
ständliche“ Instruktionen in dieser Hinsicht gegeben hat. Unter¬
des — wie die Wiener Blätter melden — ist der Hauptzweck
is erreicht. Persien hat zwei strips of land an Rußland abgetreten.
Mickelhat mir geschrieben. Ich schicke Dir dieser Tage
seinen Brief. In Hoffnung, bald zu hören, daß Du wieder auf dem
Strumpf bist.
Salut.
2o Dein K. M.
430. Marx an Engels; 1857 Mai 23.
23 May 1857.
Lieber Engels,
Heute morgen traf Einliegendes von Dana ein. Mir ist es
25 rätselhaft, wie der Yankee erwarten kann, daß die Sachen für
Band I schon Anfang Juli in New York sein sollen, wenn er uns
erst Ende Mai seine Aufträge gibt.
Überleg Dir noch einmal, welche Artikel, außer den milita-
ribus, angeboten werden sollen. Philosophische Sachen sind in
30 der Tat zu schlecht bezahlt und dabei schwierig to be done in Eng¬
lish. Weißt Du, ob irgend ein deutsches oder französisches Buch
über Biographien großer Industrieller existiert?
Ebenso rätselhaft ist mir, wie Aesthetics, auf einer page, fun-
damentally, auf Grundlage Hegels, behandelt werden sollen.
35 Hat Lupus Lust, etwas zu übernehmen?
Einliegend auch Brief von Miquel. Ich verstehe in der Tat
seine Theorie von „Nichtüberproduktion“, aber „Mangel an Zah¬
lungsmitteln für die Produktion“ nicht: es sei denn, daß sich das
allerflachste Geschwätz der allermiserabelsten Currencykerls in
40 Deutschland eingebürgert hat.
Salut.
Dein K. M.
O Johannes Miquel
13»
Z. 9-13.
196
(431) 1857 Mai 28
431. Engels an Marx; 1857 Mai 28.
Manchester, 28. Mai 1857.
Lieber Marx,
Dana muß toll sein, die Ästhetik auf einer Seite abzumachen.
Auch von den militaribus hat der Kerl keine Ahnung. Umstehend s
Liste der mir nur aus Brockhaus und dem Gedächtnis auf ge¬
fallenen Artikel. Da ich aber erst ein englisches militärisches
Lexikon vergleichen muß, kann diese nicht definitiv sein, wer kann
sich aller technischen Ausdrücke erinnern, die im Englischen mit
A anfangen. Apropos, es existiert ein solches Lexikon von einem
Vielschreiber lausigster Art I. H. Stocqueler; kannst Du Dich nach
Preis, Umfang usw. erkundigen?
Noch schöner, die Artikel — mit der erwarteten Gründlichkeit
und Kürze! — bis 1. Juli dort haben zu wollen. Wieder recht
Yankee. Jedenfalls beweist’s, daß mehr auf show als wirklichen ts
Inhalt gerechnet wird, was schon die $ 2 pro Seite beweisen.
Gib Dana die Liste — als provisorisch —und sage, da
bei diesem pay nicht on spéculation gearbeitet werden könne, solle
er angeben, was er haben wolle. (Grade diese Flickartikel, die die
leichtesten sind, machen den pay akzeptabel). Eine zweite Liste 20
der technischen Ausdrücke für A werde baldigst folgen.
Soweit diese gesettled, solle er die Liste meinetwegen bis D, E
oder G haben, damit dann vorangemacht werden kann.
Über Aireys (General) frühere Lebensläufe weiß ich nichts.
Sieh einmal eine Army List nach, da hat man wenigstens das 25
Skelett. Spanish Armada weiß ich auch nichts, doch das
wäre aufzutreiben — ebenso Ayacucho.
Ich bin noch nicht weit genug, um morgen kommen zu können,
denke Samstag abzureisen. Kann man von Camden Station (wo
die Tickets genommen werden) cab nach Deiner Wohnung haben? 30
und wie weit ist’s?
Miquels Brief bring ich mit; ich habe wegen meiner Krankheit
Lupum acht Tage lang nicht gesehn.
Mündlich mehr. Ich habe, wie Du begreifst, mit Rückständen
usw. alle Hände voll. 35
Dein F. E.
Abensberg (battle of 1809) 7« p.
Aboukir ditto 7<
Axle (artillery) 7s
Acre (St. Jean d’ — sièges of) 7« à 7a *0
Actium (battle of) 7s—7«
Adjutant 7«—7a
z. 10-12 ?
29-31 ?
37-42 -
(431) 1857 Mai 28
197
Afghanistan (invasion by English) 2 p.
Aland Isles see Bomarsund
Albuera (battle) 74
Aldenhoven ditto 1797 , . 7<
5 Alessandria (fortress and sieges) 74
Algeria (french conquest of and English bom
bardment of) 2—3
Almeida (siege of in Peninsular war) .... 74
Amusette (artillery) 7 m
io Anglesey (marquis of ) 72
Attack (in battle and siege) 72
Antwerp (fortress & sieges) 1
Approaches 72 fully
Arbela (battle of) 74
is Arquebuse 7s
Aspem and Essling (battle 1809) 74
Augereau (marshal) 72
Advanced guard 7s
432. Marx an Engels; 1857 Juni 15.
15. Juni 1857.
Lieber Engels,
Weinst Du oder lachst Du,
Und schläfst Du oder wachst Du? Wir sind hier ernstlich um
Dich besorgt. Schreib also, wie es mit der Gesundheit steht. Ich
25 hoffe, daß Dir keine warmen Umschläge mehr gemacht werden,
was eine ganz ältliche und mehr oder minder in Verruf
gekommne Kurmethode ist. Falls Du aber bloß innere Mittel an¬
wendest — was das Rationelle und Moderne — so seh ich nicht,
warum Du Dich so ängstlich verschlossen zu halten brauchst.
so Meine Frau sehr leidend. Aber die Trompete hat sie zu früh
geblasen, und noch hat sich nichts ereignet.
Salut.
Dein K. M.
433. Charles A. Dana an Marx in London; New
35 York 1857 Juni 11. Mit Brief von Marx an Engels;
1857 Juni 29.
New York, June 11. 1857.
My dear Marx,
I return the Mss. you sent to Mr. Olmsted. It has been declined both
by Putnam and Harper. Olmsted has done the best he could
with it, but in vain.
Z. -1-18.
Nr. 432.
34-41 -
198
(433) 1857 Juni 29
With regard to the article on Forts and Ships I cannot encourage you
with any certainty, that it will be accepted by Putnam. Olmsted has
gone out of the concern and the new management will not make any posi¬
tive engagement. I should accordingly advise you not to do the job.
I hope soon to receive a lot of matter for the Cyclopaedia. I will soon 5
send you a list of articles under the letter B.
Yours faithfully
C. A. Dana.
[Marx an Engels]
29 June 1857. 10
Lieber Engels,
Aus dem vorliegenden Briefe siehst Du, daß Dana bald das
Manuskript erwartet. Was soll ich ihm schreiben? Ich kann mich
nicht mit Krankheit entschuldigen, da ich fortfahre, an die Tri¬
bune articles zu schicken. Der case ist sehr verzwickt. is
Meine Frau noch im statu quo. Starker Husten dazu und Haus¬
sorgen, schwere. Ich hoffe, daß Deine Genesung vorangeht.
Gestern war Steffen hier.
Dein K. M.
434. Marx an Engels; [1857] Juli 3.
Freitag, 3. Juli.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
Ich schreibe morgen. Heute nur die Anzeige, daß die zweite
Hälfte der Note heut abend noch nicht angekommen. Bei dem 25
Pech, das mich seit einiger Zeit verfolgt, könnte sie allenfalls ver¬
loren gegangen sein. Zu Williams konnte ich nicht, da der Zustand
meiner Frau mir nicht erlaubte — seit Deiner Ahreise unge¬
fähr — mich von ihr zu entfernen.
Dein K. M. 30
435. Marx an Engels; [1857] Juli 3.
3. Juli.
Dear Frédéric,
Ich schreibe wieder, um den ersten Zettel to gainsay. Nr. II
langte an, Punkt sechs. Da nie früher ein Brief so spät ankam, 35
schrieb ich, um etwaiges mischief zu verhüten. Salut.
Dein K. M.
z. -1-8.
Nr. 434.
435.
(436) 1857 Juli 6
199
436. Marx an Engels; 1857 Juli 6.
6 July 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
5 Rüstow ist nicht vorrätig bei Williams. An Steffen, bei seinem
Mißtrauen, da er selbst mit einer englischen Bearbeitung des Buchs
beschäftigt, möchte ich nicht in dieser Angelegenheit schreiben.
Ich glaube, Du könntest Dich in bezug auf die Alte Welt ganz auf
einige Allgemeinheiten beschränken und direkt sagen — im Ar-
io tikel selbst —, daß diese Thèmes unter „Greek army“ und
„Roman army“ behandelt werden sollen. Dadurch wird Zeit ge¬
wonnen. Unterdes kann man nicht nur den Rüstow schaffen, son¬
dern ich kann Dir auch Masse sonstiger Details schicken, da ich
jetzt, nach langem Suchen, auf dem Museum vollständige Quellen-
15 Sammlung für die Militärgeschichte der antiken Zeit gefunden.
In diesem Augenblick aber kommt alles auf Eile an. Du weißt,
daß ich auf Deinen Rat noch eine zweite Liste an Dana geschickt;
welche Entschuldigung habe ich also gegenüber dem Mann?
Krankheit kann ich nicht vorschützen, da ich sonst die Tribune-
20 korrespondenz ganz unterbrechen und so meine ohnehin sehr spär¬
liche Revenue ganz reduzieren müßte. Dana kann im Notfall seine
Zuflucht nehmen zu dem Mann, der ihm schon einen Teil der
militärischen Artikel besorgt. In diesem Fall wäre ich ecartiert.
Um das zu verhüten, muß ich Freitag schreiben. Die Schwierig-
25 keit besteht darin, zu wissen, was.
Du begreifst, daß nichts mir fataler ist als to press upon you
während Deiner Krankheit, und ich hatte in der Tat, als Du von
hier abreistest, keine Ahnung davon, daß Du in Deinem Zustand
die Comptoirarbeiten sofort, und namentlich so seriously wieder
3o auf nehmen würdest.
Meine eigne Situation ist so, daß alles davon abhängt, ob ich
in dieser Woche den kleinen Bamberger überreden kann, einen
Wechsel auf mich selbst zu diskontieren. Das Ende des Quartals
ist da, und Gott und der Teufel stürmen nun ein.
35 Freiligrath hat mir ein paar Zeilen geschrieben, woraus ich den
Credit mobilier-Schrecken sehe. Das beständige Fallen der Pa¬
piere an der Pariser Börse, trotz der Aussicht der guten Ernte, hat
wahren Panic unter die Financiers geworfen.
Die indische Geschichte sehr lieblich. Mazzinis Putsch ganz in
40 der alten offiziellen Form. Hätte der Esel wenigstens Genua nicht
hereingezogen.
Salut. Dein K. M.
Es existiert ein wohlfeiler Dictionary of military science von.
Campbell.
Z. 31-34.
200
(437) 1857 Juli 8
437. Marx an Engels; 1857 Juli 8.
8 July 1857.
Lieber Frédéric,
Meine Frau ist endlich niedergekommen. Das child jedoch
nicht lebensfähig, starb gleich. Dies an und für sich kein Unglück. 5
Jedoch teils Umstände unmittelbar damit verbunden, die furcht¬
baren Eindruck auf meine Phantasie gemacht; teils die Um¬
stände, die dieses Resultat herbeiführten, so beschaffen, daß die
Rückerinnerung qualvoll. Brieflich nicht tubar, auf solche
Materie einzugehn. w
Salut. Grüß Lupus von mir und teil ihm die Nachricht mit.
Dein K. M.
438. Engels an Marx; [1857 Juli 11].
Manchester, Sonnabend, 10. (?) Juli 1857.1)
Lieber Marx, is
Deine paar Zeilen erhielt ich erst heute morgen vom Comptoir;
der Warehouseman, der hier gewöhnlich die Briefe bringt, fand
es kommoder, erst morgens, statt abends vorher, seine Bestellungen
bei mir auszurichten. Der Inhalt Deines Briefs hat mich sehr er¬
schüttert trotz desMysteriums, denn ich weiß, es muß Dir hart kom- 20
men, eh Du so schreibst. Den Tod des Kindes kannst Du stoisch hin¬
nehmen, Deine Frau schwerlich. Wie es ihr geht, schreibst Du
nicht, ich schließe das Beste daraus, aber laß es mich doch po¬
sitiv wissen, rechte Ruhe darüber hab ich sonst doch nicht,
Deine mysteriösen Andeutungen lassen in dieser Beziehung zu 25
vielen Vermutungen Raum. Geht es ihr nur gut, so ist es am Ende
doch am besten, daß die Sache vorüber ist.
Die Manuskripte für Dana kann ich Dir heute positiv für
Freitag versprechen, d. h. die Artikel Alma, Abensberg, Adjutant,
Ammunition und dergleichen kleines Zeug mehr, was so ziemlich 30
(mit Ausnahme von Algier und Afghanistan) alles A bis Ap und
Aq abschließt. Für all dies hab ich mein Material zusammen, und
da plötzlich, infolge von Wiederbenutzung der freien Luft, in
meiner Krankheit ein günstiger Wendepunkt eingetreten, der aller
Wahrscheinlichkeit nach die Sache abschließen wird, so werd’ 35
ich ungestört arbeiten können. Dieser Wendepunkt datiert von
gestern abend, und da mir Bewegung im Freien außer der
Stadt vorgeschrieben, so wird bis Donnerstag noch nicht aufs
1) Dotum nachträglich von Engels hinzugefügt.
(438) 1857 Juli 11
201
Comptoir gegangen. Sobald ich diese ersten Artikel erledigt habe,
wird Army (für die neuere Zeit, 1300 bis 1850) und Artillery
in Angriff genommen — den Anfang von Army mach’ ich dann
zuletzt, und gleichzeitig sollst Du die Liste für B haben. Artillery
5 wird Freitag über acht Tage gehn können, Army vielleicht auch.
Einige der kleinem Geschichten schicke ich Dir vielleicht schon
morgen für Dienstagspost.
Lupus ist vor ein paar Tagen nach Frankreich und der Schweiz
abgereist. Der französische Vizekonsul hier, ein Kaufmann, gab
io ihm ohne weiteres einen Paß. Auf der Rückkehr wird er Dich
wohl besuchen (in ca. drei Wochen).
Ich darf mich nicht auf dem Comptoir sehen lassen, sobald ich
aber wieder dort erscheinen kann, schicke ich Dir weiteres Geld.
Deine Frau grüße herzlich von mir und versichre sie meiner
is aufrichtigsten ganzen Teilnahme. Grüß die Mädchen und sorg,
daß sie gesund bleiben.
Dein alter F. E.
439. Marx an Engels; 1857 Juli 11.
11 July 1857.
2o Lieber Frédéric,
Die Hauptsadie ist jetzt natürlich, daß Du Deine Gesundheit
herstellst. Ich muß sehn, wie ich den Dana noch auflenke. Mache
Dir darüber keine Skrupel. Nächste Woche schicke ich Dir einiges
über altes Heerwesen.
25 Wie ich höre, ist Hastings das einzige Bad in Eng¬
land, das wahrhaft nützlich für Deine Beschwerden ist. Also geh’
dahin, da mit Deiner Krankheit endlich Emst gemacht werden
muß. — Der Gebrauch von Eisen als Präservativ gegen
weitere Entwicklung des Übels ist jedenfalls rationell, whatever
so Mr. Heckscher may think of it. Auch darüber solltest Du noch
mit einem dritten Arzt konsultieren. Die Annahme, daß jeder der
Kerls nur halbwissend ist; so gut, den einen durch den andern zu
kontrollieren.
Meine Frau erholt sich. Ihr Zustand macht es mir indes immer
35 noch schwer, das Haus zu verlassen.
Die Revolution marschiert heran as shown by the march of the
Credit mobilier und die Bonaparte finances in general.
Mit den besten Wünschen für Deine Genesung
Dein K. M.
202
(440) 1857 Juli 14
440. Marx an Engels; 1857 Juli 14.
14 July 1857.
Lieber Engels,
Trotz aller Mißfälle kannst Du sicher sein, daß ich und meine
Frau (die nebenbei auf dem besten Weg der Genesung ist) weniger 5
beängstigt waren durch unsre eignen aff airs als durch Deinen
letzten Bericht über Deinen Gesundheitszustand. Ich bin außer¬
ordentlich erfreut, daß es besser geht, sehe aber mit wirklicher
Angst, daß Du wieder beabsichtigst, das Comptoir zu besuchen
und zwar schon in dieser Woche. So viel mußt Du doch aus dem 10
ganzen Gang Deiner Krankheit ersehn haben, daß Dein Körper
der Stärkung und Erholung und einer temporären Abschätzung
von allem Comptoirstaub bedarf. Du mußt zur See as soon as
possible. Wenn Du in diesem entscheidenden Moment so kindisch
bist — Du verzeihst mir das Wort —, wieder in das Comptoir 15
Dich einzuschließen, werden neue Rückfälle kommen und die
Widerstandskraft gegen dies Übel gleichzeitig mehr und mehr
sich brechen. In solchen Rückfällen könnte die Krankheit schlie߬
lich die Lunge affizieren, und dann wären alle Abhilfsversuche
vergebens. Du strebst doch sicher nicht nach dem Ruhm, Dich 20
selbst auf dem Altar des Ermen-Engelsschen Comptoirs aufzu-
opfem? Mit Deinem Leiden würde man einen Menschen bedauern,
den die Situation zwänge, statt seine Gesundheit zu restaurieren,
sich von neuem ans Geschäft zu ketten. Bei Dir bedarf es dagegen
nur eines energischen Entschlusses, um das medizinisch Notwen- 25
dige zu tun. Bedenke, wie lang das Übel sich schon schleppt, wie
viele Rückfälle, und Du wirst die Notwendigkeit einsehn, for some
time to let Mr. Ermen shift for himself, und Dich durch Seeluft
und relativen Müßiggang zu restaurieren. Ich hoffe, Du nimmst
die Sache ernsthaft und gibst das alte fehlerhafte System auf, 30
zwischen Medizin und Comptoir abzuwechseln. Es wäre unver¬
zeihlich, wenn Du darin beharrtest.
Die Umstände, die die Entbindung meiner Frau begleiteten und
die mich unnerved for some days, kann ich nur mündlich mit¬
teilen. Ich kann diese Dinge nicht schreiben. 35
Ich habe Deine Artikel erhalten. My best thanks for them.
Die indische Revolte setzt mich einigermaßen in Verlegenheit.
Ich bin bei der Tribune expected to have some superior views of
military affairs; wenn Du mir einige allgemeine Phrasen schreiben
kannst, so kann ich mit dem Stoff, den ich gesammelt, leicht einen 40
Artikel, der lesbar ist, draus machen. Die Lage der Insurgenten in
Delhi und die moves der englischen Armee sind die einzigen
Punkte, worüber für den Moment einige militärische Phrasen
nötig. Alles andre ist matter of fact.
Z. 44 —
(440) 1857 Juli 14
203
Herr Bamberger hat mich mit falschen Rendezvous, die er nie
eingehalten, für zwei Wochen jetzt hingehalten. Ich gebe den
Jüngling jetzt natürlich auf.
Die Frau von Jones ist tot seit April, und er scheint sich relativ
wohl zu befinden.
Von Imandt heute einen Brief erhalten. Er ist in expectation
einer Stelle, die er auf 300-^ schätzt. Wegen Dronke schreibt er
mir, daß er en famille leben soll, mit einem Frauenzimmer, das
er geschwängert hat. Es ist jedoch nicht Miss Smith.
io Salut.
Dein K. M.
441. Marx an Engels; 1857 Juli 16.
16 July 1857.
Lieber Frédéric,
is Ich habe Dir heute den Rüstow geschickt, den Du sobald als
möglich retournierst, da Steffen grade damit beschäftigt. Ich habe
ihn für mich von ihm verlangt.
Die einliegenden Noten wenig wert, except, perhaps, ein paar
Zitate. Ich habe zwar die Encyclopaedia Britannica angesehn, hatte
20 aber keine Zeit, sie ordentlich zu lesen. Ich fürchte so, daß die
Noten kaum was Neues für Dich enthalten. Benützt dazu: Erseh
und Gruber; Encyclopédie universelle; Pauly: Realenzyklopädie
der klassischen Altertumswissenschaft (1844—1852). Die Werke
selbst zu lesen, mir grade jetzt unmöglich. Schade, daß ich mich
25 nicht früher daransetzte. DieEncyclopaedia Britannica ist ziemlich
wörtlich aus den deutschen und französischen Werken abgeschrie¬
ben und so schwer ihr zu entlaufen, ohne die Spezialschriften
selbst zu lesen.
Meine Frau körperlich besser; liegt jedoch noch; und außer-
30 ordentlich verstimmt, was ich ihr au fond de coeur, under present
auspices, nicht verdenke, obgleich es mich ennuyiert.
Salut.
Dein K. M.
Ich hoffe, daß Deine Gesundheit voranmarschiert.
442. Marx an Engels; 1857 Juli 24.
24 July 1857.
Lieber Engels,
Das Cyklopädistische to-day erhalten.
Wenn es Dir irgend möglich ist, so schick mir einiges Geld. Ich
<o bin für Montag bedroht mit dem broker für Steuern und landlord.
z - 1-3.
6-9.
Nr. 442.
204
(442) 1857 July 24
Außerdem hat die gänzliche want of cash seit vierzehn Tagen mir
unmöglich gemacht, meiner Frau, deren recovery sehr langsam,
und die eher täglich schwächer wird, die kleinem, vom Doktor
angeordneten Comforts zu verschaffen.
Ich habe während der Zeit lauter vergebliche Versuche ge- 5
macht, entweder einen Wechsel zu diskontieren, oder, was in Lon¬
don sehr gebräuchlich, von einer Ioan society ein Ioan aufzu¬
nehmen. Zu letzterer Operation gehören zwei respektable Bürgen,
und in dem Versuch, sie aufzutreiben, bin ich vollständig ge¬
scheitert. io
Meine ausstehenden Forderungen an die Tribune sind so un¬
bedeutend, daß ich vor zwei Wochen nicht an Ziehn eines Wechsels
auf sie denken kann. Sie wären größer, wäre ich nicht einerseits
früher gezwungen gewesen überzuziehn und wären andrerseits
durch die häuslichen Unruhen nicht einige Ausfälle veranlaßt is
worden.
Nichts kann mir fataler sein, als Dich in Deiner Krankheit mit
meinen Misèren zu belästigen, aber ich bin so völlig isoliert, daß
mir nichts andres übrig bleibt.
Ich hoffe, daß Du Dich an der See bald erholen wirst. Vergiß 20
nicht, mir gleich Deine Adresse zu schicken.
Salut.
Dein K. M.
Den einliegenden Brief an Imandt besorgt.
443. Engels an Marx in London; Waterloo 1857
Juli 30.
Waterloo bei Liverpool, 30. Juli (Mittwoch) 1857.
Lieber Marx,
Seit vorgestern abend bin ich endlich hier an der See, drei
Meilen weiter hinaus als Newbrighton, aber an der Nordseite des 30
Mersey; ich bin leider mit einer gehörigen Erkältung hier ange¬
kommen, die mir die Drüsengeschichte momentan verschlimmert,
viel Schmerzen verursacht und mir den Schlaf stört. Das
schlimmste ist, daß ich für ein paar Tage so gut wie total inkapabel
zum Arbeiten bin — mein täglicher Rapport an Heckscher und 35
was ich sonst für kleine Zettel zu schreiben habe, ist alles, was
ich fertig bringe. Abends bin ich so von Schmerzen und Ab¬
spannung geplagt, daß ich bis jetzt nicht einmal habe lesen
können. Daß diese verdammte Geschichte auch jetzt kommen muß!
Seit Freitag abend oder Samstag morgen hab ich so wegen der 40
Nr. 442.
(443) 1857 Juli 30
205
Störungen und jetzt der Krankheit die ganze Zeit verlieren müssen.
Ich bin Dir eine wahre Jammergestalt, krumm, lahm und schwach,
und weiß mich z. B. jetzt vor Schmerzen wieder nicht zu lassen.
Ich habe Dir von Manchester einen Korb Wein schicken lassen,
5 der Deiner Frau gut tun wird, 6 Flaschen Bordeaux, 3 Port,
3 Sherry. Er muß schon dort sein, wenn die Sache ordentlich be¬
sorgt worden. Schreib mir, welche Farbe die Siegel vom Port und
Sherry haben, damit ich meinen Weinhändler kontrollieren kann.
Sherry sollte gelb sein, Port, glaub’ ich, grün. Der Bordeaux hat
io die Etikette Co. Destoumel, ich hab ihn soeben importiert.
Sobald irgend möglich, erhältst Du Militaria. Leider weiß ich
nicht, ob die Post in einem Tage nach London geht, das werd’ ich
erst in einigen Tagen aus der Erfahrung merken.
Hoffentlich wird mich die Seeluft bald in den Stand setzen,
is gehörig zu schanzen, wie es jetzt ist, ennuyiere ich mich tödlich.
Grüß Deine Frau und die Mädchen bestens.
Dein F. E.
Den Fünfpfünder wirst Du erhalten haben.
Adresse: F. E., care of Mr. Swingwood, Bath St., Waterloo
2o near Liverpool.
444. Frau Jenny Marx an Engels in Waterloo;
[London 1857 August ca. 3].
Lieber Herr Engels,
Wir sind alle so froh, daß es Ihnen wieder besser geht und Sie
25 sich stärker fühlen. Der Mohr bleibt aber doch dabei, daß längerer
Gebrauch von Eisen das wahre Mittel in Ihrer Krankheit sei. Er
hat auf dem Museum gewissenhafte medizinische Studien ge¬
macht, und alle modernen Ärzte wenden es an und stellen es über
den Lebertran, so ganz übereinstimmend mit englischen Ärzten,
so die zu derselben Ansicht durch vieljährige Praxis gekommen sind.
Er läßt Sie übrigens dringend bitten, sich nur nicht mit Dana-
Arbeiten geistig zu sehr anzustrengen. Bummeln und Duseln und
Nichtstun ist ebenso nötig als iron.
Zwei Briefe, die er noch nach Manchester adressierte, haben
35 Sie wohl erhalten. Der eine enthielt Notices über armies, der andre
über Armada.
Vor ein paar Abenden war der Clown Edgar Bauer bei uns; der
ist aber wirklich ohne Lebertran zu einem Stockfisch geworden,
der dabei noch geistreich sein will. Die Efforts waren so
4o schrecklich, daß ich beinahe ohnmächtig, Karl aber nicht figür¬
lich, sondern wirklich zum Brechen kam.
Z. 10 (ich)—13.
37-41.
206
(444) 1857 Aug. ca. 3
Der Jones hat seine Frau verloren und ist jetzt kreuzfidel; er
macht sämtliche Indians zu Kossuths und feiert die Indian pa-
triots. Sein Gegner, der sittliche Richard Hart, ein paid Urquhar-
tist, ist jetzt Advokat in der Coalhole. Karl hat ihn da plädieren
hören. $
Hoffentlich bringt Ihr nächster Brief wieder gute Kunde, wir
sind alle so besorgt um Sie.
Der Wein bekommt mir prächtig. Der Sherry ist ganz vorzüg¬
lich. Der Port scheint nicht ganz so gut, mundet mir aber beson¬
ders wegen des süßen Geschmacks. Er wird mich wieder auf den io
Strumpf bringen.
Sein Sie herzlich gegrüßt von
Jenny Marx.
445. Marx an Engels in Waterloo; London 1857
August 9. 15
9. August 1857.
Lieber Engels,
Ich bin heute verhindert, mehr als ein paar Zeilen zu schreiben.
Nur meine besten Wünsche für Deine Genesung. Die anxiety für
Dein bodily Wohl ist so groß, als wenn ich selbst die Krankheit 20
hätte, vielleicht größer.
Wie steht es mit dem Punkt „Husten“? Soviel ich aus Deinen
Briefen ersehn kann, bist Du wenigstens nicht damit gequält.
Mein Arzt, der sehr viele cases Deiner Art behandelt hat, sagt,
daß, wenn der Zustand der Kranken nicht erlaube, in der See zu 25
baden, er mit Erfolg gewärmtes (tepid) Seewasser zum Waschen
des ganzen Körpers angewandt, so daß graduell immer weniger
laues angewandt worden.
Schreib mir, ob Du Eisen erhältst? Eisen hat in solchen Fällen
wie in vielen andern die Not gebrochen. 30
Salut.
Dein K. M.
446. Marx an Engels in Waterloo; [London]
1857 August 15.
15. August 1857. 35
Lieber Frédéric,
Es freut mich sehr, daß die See, wie zu erwarten war, wohl¬
tätig wirkt. Sobald Dein Zustand zu baden erlaubt, wird die Wir¬
kung noch rascher werden.
Nr. 445.
(446) 1857 Aug. 15
207
Die See selbst ist natürlich das Hauptkurmittel. Indes sind
einige innere Medikamente doch nötig, teils um zu prävenieren,
teils positiv, um dem Blut fehlende Substanzen zuzuführen, und
gestützt auf die ganze neuste französische, englische und deutsche
5 Literatur, die ich jetzt über Deine Krankheit durchgelesen habe,
stelle ich daher gegenüber den Behauptungen in Deinem Brief an
meine Frau folgende auf, die Du jedem Kollegium von Ärzten
oder Chemikern zur Prüfung vorlegen kannst:
1. Wo der Lebertran in drei Monaten wirkt, wirkt das Eisen in
io drei Wochen.
2. Lebertran und Eisen schließen sich nicht aus, sondern er¬
gänzen sich in der Kur.
3. Momentaner Eisenmangel im Blut ist der Grund¬
charakter Deiner Krankheit. Du mußt Eisen nebst Seebad noch
15 brauchen, selbst wenn alle äußern Spuren der Krankheit ver¬
schwunden wären.
4. Das heilende Element für Dich im Lebertran ist das Jod, da
die fettmachende Eigenschaft des Trans unwesentlich für Dich
ist. Jodide of Iron verbindet daher beide Elemente, die Du
20 brauchst, und wovon Dir das eine im Lebertran suppliert wird.
Gleichzeitig vermeidest Du mit diesem Mittel den unnützen Ballast
für den Magen, der dem Lebertran anhängt.
Voilà mes thèses, und ich hoffe, daß Du sie ernsthaft unter¬
suchst, damit nach der Heilung nicht wieder spätere Rückfälle
25 kommen, die exceedingly unangenehm sein sollen.
Die Affäre mit Delhi sieht mir so aus, als ob die Engländer
ihren Rückmarsch antreten müßten, sobald die rainy season ernst¬
haft had set in. Ich habe auf meine Verantwortlichkeit, da ich
Dich einstweilen als Militär in der Tribune ersetzen mußte, dies
so aufzustellen riskiert. NB. on the supposition, daß die bisherigen
Reports wahr sind. Es ist möglich, daß ich mich blamiere. Indes
ist dann immer mit einiger Dialektik wieder zu helfen. Ich habe
natürlich meine Aufstellungen so gehalten, daß ich im umgekehr¬
ten Fall auch recht habe. Die beständigen Gerüchte vom Fall von
35 Delhi werden von der Regierung in Kalkutta in Indien selbst zir¬
kuliert und dienen, wie ich aus den indischen Blättern sehe, als
Hauptmittel, Madras und Bombay presidencies in Ruhe zu halten.
Ich sende Dir einliegend zum Zeitvertreib einen Plan von Delhi,
den Du mir jedoch zurückschicken mußt.
40 Aus den meisten Berichten der Banque de France sieht man be¬
reits, daß statt des d’Argout ein Bonapartist am Ruder ist, der mit
Diskontieren und Notenausgeben wenig Umstände macht. Der
financial debäcle in Frankreich muß enorm werden, da von allen
Seiten in tollster Weise darauf losgearbeitet wird.
45 Imandt hat mich hier bedeutend im Arbeiten gestört. Der Pot
Z. 34-45 -
208
(446) 185? Aug. 15
ist eigentlich das einzige Medium, um mit diesen spiritrappers in
Rapport zu treten.
Mit besten Wünschen für Deine Gesundheit von mir und Frau.
Dein K. M.
447. Engels an Marx in London; Waterloo 1857
August 21.
Waterloo, 21. August 1857.
Lieber Mohr,
Die Artikel wirst Du heut morgen erhalten haben.
Deine Thesen halte ich doch für open to some observations, io
Daß Eisen in drei Wochen wirke, wo Lebertran in drei Monaten,
ist wohl nicht wörtlich zu nehmen. Von einer Kur in drei Wochen
kann überhaupt bei so einer Krankheit keine Rede sein, und ich
möchte dagegen sagen, daß, Eisen oder kein Eisen, der Fälle mehr
sind, wo die Kur drei Jahre, als nur drei Wochen gedauert hat. is
Daß Eisenmangel im Blut Grundcharakter der Skro¬
fulose, ist mir allerdings neu. Trotz aller Literatur aber ist es
sicher, daß seit einiger Zeit die Mode grassiert, alle Krankheiten
auf Eisenmangel im Blute zu reduzieren, eine Mode, die bereits
eine Reaktion anzuregen beginnt; von der Krankheit, von der es 20
noch am meisten feststeht, daß dies ihr Grundcharakter ist,
der Bleichsucht, behaupten neuerdings einige Franzosen, das
Eisen habe gar nichts mit ihr zu tim. Was der Grundcharak¬
ter der Skrofulose ist, scheint mir noch sehr im Trüben zu liegen.
Daß im Lebertran unter andern auch das Jod ein Haupt- 20
element der Wirkung ist, ist gewiß. Aber lange nicht das einzige.
Mit Jod in andren Gestalten kommt man nicht so weit. Außerdem
ist Chlor und Brom darin, beides direkt oder indirekt auf das
Übel wirkend, und inwiefern die Gallenbestandteile und flüssigen
Fettsäuren mithelfen, ist noch nicht festgestellt. Ich weiß nur, daß 30
norwegischer Lebertran, der bitter nach Galle schmeckt, mir mehr
genützt hat als neufundländer oder englischer, der dies nicht tut.
Jod eisen hab ich während der ganzen Zeit, wo ich in Man¬
chester war (zwischen London und Waterloo), gleichzeitig mit
Lebertran genommen, und die Entzündung nahm fortwährend zu 35
und wurde schließlich chronisch. Seit ich hier bin, hab ich kein
Jodeisen mehr genommen, habe aber längst schon mit H [eckscher]
abgemacht, daß entweder Jodeisen oder Guerennesches Eisen mit
Lebertran als Nachkur gebraucht wird.
Das Fett im Tran ist pour le moment durchaus kein unnützer *0
Ballast für mich. Seit ich wieder zu Kräften gekommen, geht auch
die Fettansammlung wieder vor sich. Fertiges tierisches Fett ist
natürlich nur in sehr geringem Maß in meiner Diät zulässig; die
z. -1-2.
(447) 1857 Aug. 21
209
Folge davon ist, daß ich mehr Stärkemehl essen muß, und wirk¬
lich hab ich zuzeiten einen wahren Heißhunger auf Brot; ich esse
doppelt soviel Fleisch, aber viermal soviel Brot wie sonst. Das
Fett im Lebertran hilft mir bei dieser Mast vortrefflich, da es in
5 einer höchst unschuldigen Form genommen wird und nicht so irri¬
tierend wirkt wie Fleischfett oder fettgekochte Sachen.
Du siehst, daß wir das Eisen nie ganz aus dem Gesicht ließen,
und selbst nachdem es schon über drei Wochen erfolglos ange¬
wandt, vielleicht sogar unter den obwaltenden Umständen die
io Sache verschlimmert hatte, dennoch es für die Nachkur schon
reserviert hatten. Heckscher, mit dem ich vorigen Sonntag wegen
Eisen sprach, war positiv dagegen, nach der gemachten Erfahrung
schon jetzt wieder Eisen anzuwenden, und ich muß ihm recht
geben. Später natürlich. Ich wiederhole übrigens, daß ich trotz
13 der Einstimmigkeit der Literatur ein großes Mißtrauen gegen die
Reduzierung aller Krankheiten auf Eisenmangel habe, solange
wir von dem Zustande und selbst der normalen Quantität des Eisens
im Blut nicht etwas mehr wissen als bis jetzt. Jedenfalls hatte ich
Eisen genug im Blut, als die Geschichte ausbrach, das muß mir
2o jeder Medicus bezeugen, der mich damals gesehn hat. Daß bei
Leuten mit positiv skrofulösem Habitus, blasser Farbe, durchsich¬
tiger Haut etc. Eisenmangel existieren mag, glaub ich gern.
Aber admis, daß dies der Grundcharakter ist, so folgt daraus
noch lange nicht der indiscriminate und sofortige Gebrauch des
25 Eisens. Eisen ist sehr schwer ins Blut anders als in den kleinen
Quantitäten zu bringen, in denen es sich in den gewöhnlichen Nah¬
rungsmitteln findet. Gesetzt also, der Charakter meiner Krankheit
wäre, daß das Blut nicht mehr fähig sei, das Eisen in den Nah¬
rungsmitteln zu assimilieren, so assimiliert ’s das aus der Medizin
30 noch weniger. Seeluft und Seebad stärken das System insoweit,
daß das Blut diese Fähigkeit wieder erhält. Es assimiliert also
auch wieder Eisen aus Fleisch und Brot, und da ich viel mehr
esse als sonst, also auch soviel mehr Eisen. Hier nun, wenn diese
Fähigkeit wiederhergestellt, kann medizinisch gegebnes Eisen
35 nützen, obgleich ich glaube, daß neun Zehntel davon unnütz durch
den Körper geht, und selbst auf die Eisentheorie hin ist Anwen¬
dung von Eisen in jeder Periode der Krankheit nicht als richtig
erwiesen. Nun aber kommt noch die Varietät der einzelnen Kasus
und Konstitutionen hinzu. Ich scheine z. B. gegen alle Metalle
4o besonders empfindlich zu sein; auch äußerliche Anwendung von
Quecksilber, um die lokale Ausbreitung der Entzündung zu ver¬
hindern, wirkten sehr rasch bei mir, und es ist sehr möglich, daß
das Jodeisen, zu einer Zeit genommen, wo mein Blut zu desorgani¬
siert war es zu assimilieren, die steigende Entzündung befördert
45 hat.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 14
Z. 11 — 14 (natürlich).
210
(447) 1857 Aug. 21
Jedenfalls sehe ich nicht ein, inwiefern Deine Thesen, selbst
die Eisentheorie zugegeben, etwas Wesentliches an den Behaup¬
tungen meines früheren Briefs umstoßen, in dem es sich übrigens
nur um die sofortige Anwendung von Eisen, in keiner bestimmten
Form, mit Ausschluß des Lebertrans handelte. 5
Heute hab ich mein erstes Seebad genommen, ist famos be¬
kommen und hat einen Appetit gemacht vom Teufel. Vorderhand
soll ich nur jeden zweiten Tag baden.
Jetzt aber Postzeit. „Army“ in Arbeit.
Viele Grüße an Deine Frau und Kinder. 10
Dein F. E.
448. Engels an Marx in London; Waterloo 1857
August 25.
Waterloo, 25. August 1857.
Lieber Marx, is
Meinen letzten Brief brach der Postabgang plötzlich ab. Ich
wollte Dir noch von Lupus’Abenteuern in Frankreich erzählen. Er
hatte in London weder Geld noch Zeit sich aufzuhalten und reiste
daher durch, kam an in Manchester mit 2 sh. in der Tasche. Von
Lille aus wurde er von der französischen Polizei entdeckt und ver- 20
folgt. Mit seinem gewöhnlichen Glück kam er auch grade in die
Wahlen und das schöne Mordkomplott mitten hineingeschneit. Er
ging in ein klein Hotelchen am Louvre und wollte dann nach Ver¬
sailles. Auf dieser Tour bemächtigten sich seiner zwei Mouchards,
drängten sich zu ihm auf den Wagen, hin und zurück, und ließen 25
ihn nicht aus den Augen. Ins Hotel zurück, setzen sich, als er im
Salon soupiert, zwei Mouchards, worunter ein Elsässer Jud, an
den Tisch und machen Glossen über ihn in Deutsch, Französisch
und gebrochen Englisch. „Un was der Kerl noch mit einem Appe¬
tit fresse kann, un sei Kopp is doch nit e Pfennig wert.“ „That 30
chap eats with much appetite and his head is not worth a farthing.
The télégraphie despatch has just arrived“ usw. Nachdem L[upus]
stumm ausgehalten — sein böses politisches Gewissen zwang ihn
natürlich, denn sonst wäre er ja Colle geschleppt und hätte sich
auf der Präfektur ausweisen müssen, was für ein Wolf er sei — 35
nachdem er sich in seinem Ärger einen Zopf angetrunken, geht er
auf sein Zimmer und legt sich ins Fenster au premier. Da ent¬
deckt er seine Freunde von Versailles am Torweg. Die Clique
wächst an, schreit ihm Bemerkungen zu, und der Chef parlamen-
tiert mit der Wirtin. Nachher besetzen die Kerle das ganze Haus, 40
kneipen und vandalieren die halbe Nacht und okkupieren die
Zimmer rechts, links und über Lupus, der, wie Du denken kannst,
in einem schönen Stew war — dabei war es zum Sterben heiß.
2. 1-5.
(448) 1857 Aug. 25
211
Morgens früh wecken ihn die Kerle. Rechts und links klopfen sie
an seine Wand, über ihm werden Tisch, Bett usw. über den Boden
geschleift, daß ihm Hören und Sehen vergeht. Endlich geht
L[upus] mit gesammelter Courage auf den Abtritt. Auf der
5 Treppe sitzt der Jud und sein Kumpan, und der Jud sagt ganz laut:
„Jetzt geht der Kerl scheißen.“ Er läßt sich sein Frühstück ins
Zimmer bringen und erkundigt sich, wann die Straßburger Bahn
fährt. Die Kerle verschwinden mm allmählich, da es der Tag der
Nachwahlen war und sie ihren Zweck erfüllt hatten, Lfupus]
io aus Paris zu vertreiben. Auf der Bahn wieder der Versailler
Freund, begleitet ihn im selben Wagen vier—fünf Stationen weit,
wo ihn ein andrer ablöst. Die Kerle drängen sich immer in den
ganz vollen Wagen so auffällig noch hinein, daß ein französischer
Philister im Scherz sagt: Il y a donc un criminel parmi nous? So
15 wird er eskortiert bis Lyon; von Chalons auf der Saone ist der
Versailler wieder da auf dem Dampf boot. In Lyon geht Lfupus]
ins erste Hotel, findet aber, daß Kellner und alles im Dienst ist,
ihn signalisiert und den Kerls telegraphiert, wenn er kommt. Der
Kellner pfeift, sowie er aus dem Zimmer tritt und der Mann im
2o Bureau schreit: Le voilà! worauf er dann vor einer Elite Mou¬
chards passieren muß. Diese Verfolgung dauerte auch auf der
Seyssel-Bahn, bis zu einer Stelle, wo eine Bahn in der Richtung
von Plombières abgeht, wo Herr Bonaparte grade war. Von da an
war Lfupus] frei, als sie sahen, daß er nicht nach Plombières]
25 ging. Auf der Rückreise keine Spur von Verfolgung.
Man sieht, was Herr Bonaparte mit der Société du dix Dé¬
cembre angestellt hat. Die Vagabunden sind unverkennbar, be¬
sonders in der Kneiperei und der humoristischen Manier, womit
sie verdächtigen Leuten den Aufenthalt in Paris verleiden. Wäre
30 Lfupus] nicht gegangen, hätte einer wahrscheinlich Keilerei ange¬
fangen, um einen Vorwand zu haben, ihn auf die Präfektur zu
bringen. Wie viele der Kerls müssen im Dienst sein, wenn ein
ganzes Escadron dem ihnen comparatively unbekannten Lupus
nachsetzen konnte. Dabei die Organisation der Wirte, Kellner,
35 boots usw. als Helfershelfer.
Ich habe eben wieder gebadet, was mich im allgemeinen sehr
stärkt und erfrischt, die Entzündung für den Anfang indes wieder
etwas zu schärfen scheint. Das war zu erwarten. Ich fühle mich
jetzt im ganzen sehr wohl und bin von den Wunden wenig geniert.
40 Mein Alter wird wohl schon in Manchester sein, was ich morgen
positiv erfahre, wo ich dann sofort nach Manchester gehe und in
einigen Tagen in ein kräftigeres Seebad, vielleicht Isle of Man.
Schreib also einstweilen nach Manchester. Sobald ich vollständig
geheilt und die Seebäder nicht mehr so regelmäßig brauche, denk
45 ich auf die See zu gehn, wahrscheinlich einmal per Steamer via
14*
212
(448) 1857 Aug. 25
Dublin nach Portsmouth und Isle of Wight, wo wir dann einen
Kriegsrat zusammen halten können. Das hängt aber noch von
Umständen ab.
„Army“ schreitet vor, die Alten sind fertig, das Mittelalter wird
kurz, dann die neuere Zeit. Die Alten allein werden aber sechs 5
bis sieben Seiten, ich will sehn, was noch zu streichen ist; aber ge¬
nau können wir uns nicht an Herm Diana] binden. Bis Freitag
wird das Ding nicht zu liefern sein wegen der Störung mit meinem
Alten, aber hoffentlich bis Dienstag. Apropos, schreibt denn
D[ana] gar nicht um Manuskript oder wegen der Liste für B? Wie io
ist das, es wäre doch kurios, wenn man gar nichts von ihm hörte.
Beste Grüße
Dein F. E.
449. Marx an Engels; 1857 August 26.
26. August 1857. 15
Lieber Engels,
Einliegend ein billet an Dich von Schramm. Schreib ihm ein
paar Worte. Ich glaube nicht, daß viel Hoffnung für ihn übrig ist.
Das Abenteuer von lupus sehr amüsant.
Warum gehst Du nicht nach Hastings, dessen Wirkungen für 20
Dein Gebresten berühmt sind. Es ist das einzig spezifische Bad
der Art in England. Die Insel Man, soweit ich die Ehre hatte, sie
mit Dir zu sehn — es war allerdings nur ein kleines Stück —,
zeichnet sich durch Gestank aus.
Mit dem Dana steht die Sache nicht sehr hübsch. Ich fand es 25
unpassend, Dich während des schlimmen Stadiums Deines Un¬
wohlseins im Detail dieser Angelegenheit zu halten. Es ist schon
lange Zeit her, seit Dana mir die einliegende Liste für B schickte
(worin nur zwei nicht militärische Artikel: Blum und Bourrienne).
Gleichzeitig schrieb er mir, je rascher die Beiträge für die folgen- 30
den Bände kämen, desto angenehmer für sie. Ich meinerseits
könne immer sofort, nach Einsendung der Artikel, das Honorar
erhalten. Was sollte ich da nun tun in einer Zeit, wo die Beiträge
für A nicht abgesandt werden konnten, und es Verdacht erregen
mußte, wenn ich unter so dringender Aufforderung — und dabei 35
mir so nützlichen Bedingungen — nicht nachkam? Es blieb nichts
übrig, als eine Zeitlang gar nicht und dann nur sehr selten, say every
fortnight, nach New York zu schreiben, so daß mir immer offen
war, mit Schein später behaupten zu können, eigne Krankheit und
häusliche troubles hätten mir alles Schreiben sehr schwierig ge- 40
macht, wie meine spärliche Korrespondenz auch für die Zeitung
bewies. Unter diesen Umständen Deine Liste für B dem Dana zu
Z. 9 (aber .. . Dienstag).
(449) 1857 Aug. 26
213
schicken, wäre quite zweckwidrig gewesen und hätte meine Posi¬
tion noch mehr verfälscht. Unterdes hatte ich auch erfahren, daß
Major Ripley jetzt Miteditor der „Tribune“ ist, Dana also im Not¬
fall ein pis aller für die Cyklopädie hatte.
5 Well; am 24. July schickte ich Deine ersten Sendungen ab. Der
August kam heran, und Dein Zustand schien sich wieder ver¬
schlimmert zu haben. Am 11. August kam eine weitere Sendung
von Dir. Mein Instinkt sagte mir, daß ein Brief von New York
nun in Aussicht sei und mich in große Verlegenheit setzen würde,
io da Deine Krankheit eine rasche Beschleunigung der Arbeit out of
question setzte. Um mir also eine Hintertür offen zu halten, schickte
ich dem Dana die Lieferung ab, zugleich mit einem Brief, worin
ich ihm erstens anzeigte, das bulk der Beiträge sei am 7. August
abgegangen (so daß er an Verlieren des Manuskripts denken
wmuß), und ihm zugleich die Zögerung und Verschleppung aus
einer Krankheit erklärte, die noch nicht ganz subsided habe. Den
Schritt tat ich, weil dadurch für alle Fälle gesorgt war. Kömmt
Danas Reklamation (wahrscheinlich Anfang September), so ist
das Manuskript für A fertig oder nicht. Im erstem Fall ist es noch
2o für ihn brauchbar oder nicht. Wenn das erstere, so ist nichts ver¬
loren. Wenn das zweite, so scheint die Schuld auf die Post zu
fallen. Wenn es gar nicht ready war, so war die Täuschung um so
nötiger.
Am 17. Aprilerhielt ich den einliegenden Brief von Dana.
25 Was B angeht, so kann es sich jetzt gar nicht darum handeln,
die Liste auszufüllen, sondern sie so rasch wie möglich fertig¬
zumachen. Wenn das nicht möglich ist, muß die ganze Sache auf¬
gegeben werden.
Das Resultat ist, daß meine ökonomische Stellung ganz unhalt-
3o bar und selbst meine Stellung an der Tribune wacklig geworden ist.
Sei so gut, mir den Plan von Delhi zuriickzuschicken und
schreib mir Deine Ansicht über die Indian affaire.
Dein K. M.
450. Engels an Marx in London; Ryde 1857
September 8.
Kelston Cottage, Trinity st. Ryde, Isle of Wight.
8. September 1857.
Lieber Marx,
Heut bin ich endlich unter fürchterlichen Regengüssen in meine
40 neue Wohnung gekommen, und morgen wird gleich mit Army
wieder angefangen. In Portsmouth hab ich gestern das militä-
*) Irrtümlich für August
214
(450) 1857 Sept. 8
risch Sehenswerte abgemacht, und so bleibt nur noch die Flotte,
die momentan sehr dünn aussieht. Mit der Gesundheit geht’s fort¬
während gut, und wenn das Wetter besser wird, so werd ich hoffent¬
lich bald ganz kuriert sein. Man fährt in einer halben Stunde von
Portsmouth hieher, das Nest hier ist sehr aristokratisch, aber die «5
Wohnungen nicht so teuer als in Waterloo. Wie’s mit den Lebens¬
mitteln ist, werde ich Ende der Woche wohl erfahren. Hotels usw.
aber schändlich teuer.
In Portsmouth meint man ordentlich im Vaterland zu sein. Von
der navy sieht man in der Stadt nicht viel, und dagegen herrscht io
der Leutnant, die falsche Würde, affektierte Reserve und das ver¬
quetschte Englisch, woraus der officer and gentleman besteht. Das
Volk läuft auch fast immer in Uniform herum. Ich sah das 47. Re¬
giment exerzieren, lauter alte Krimsoldaten mit Medaillen, soeben
vom Mittelländischen Meer angekommen. Die einfacheren Evolu- #
tionen passabel, aber die verzwickten „idealen“ Manöver, deren
das englische Reglement so viele hat, sehr wacklig ausgeführt.
Carréformation aus schräg marschierender offner Kolonne Il III
schlug total fehl, es entstand eine höllische Verwirrung. Dagegen
Frontmarsch in Linie, deployiertes Bataillon, sehr gut. Der kom- 20
mandierende Offizier war sehr ruhig, in den Kompagnien aber
wurde geflucht und gewettert wie bei uns. Die sämtlichen Be>-
wegungen in unsrer Gangart, eher mit etwas längrem Schritt, aber
rasch ausgeführt, doch mit einer großen Gelassenheit beim einzel¬
nen Soldaten. Der preußische Leutnant würde sagen: Die Kerls 25
haben keinen Appell. Laufschritt noch sehr mangelhaft, Tiraille¬
ment komplett wie im Schlaf betrieben. Endresultat: das Regle¬
ment sehr schlecht, die Truppen besser als das Reglement, von den
Franzosen in der Krim soweit wenig gelernt, alle modernen Sachen
entweder nicht eingeführt oder schlecht ausgeführt. 30
Sobald Army fertig, schick ich’s Dir. Grüß Deine Frau und
Kinder bestens.
Dein F. E.
451. Engels an Marx in London; [Ryde 1857]
September 10.
10. September. Donnerstag.
Lieber Marx,
Hierbei Bennigsen und Barclay. Die napoleonischen Generäle
geh ich etwas näher durch, sie folgen morgen oder übermorgen.
Army bald fertig. 40
Dein F. E.
Nr. 451.
(452) 1857 Sept. 15
215
452. Marx an Engels in Ryde; [London 1857]
September 15.
15. September.
Lieber Engels,
5 Du mußt mein Schweigen und das Nicht-acknowledgment
Deiner verschiednen Zusendungen verzeihen. Erstens viel Arbeit
und dann viele zeittötende Laufereien, keineswegs „aus innerem
Drang“ unternommen. Ich hoffe, trotz des schlechten Wetters
geht Deine Gesundheit voran, und gebe immer noch
io die motion nicht auf, daß Du auch Eisen zuletzt in Gebrauch
nimmst. Ich fürchte nur, daß das viele Schreiben Dir schäd¬
lich ist.
Freitag erwarte ich Brief von Dana. Heute habe ich an ihn
expediert Barclay, Berthier, Blum, Bourrienne und Deine Bei-
15 träge. Es ist mir wichtig, nächste Woche zweite Lieferung von B
zu schicken. Die einzelnen Fragen, die ich bei den nächst zu be¬
arbeitenden französischen Generalen an Dich zu stellen habe,
werde ich mit nächstem Brief schicken. Über Bems polnische deeds
finde ich folgendes:
2o „Zeichnete sich aus in der Schlacht bei Iganie, wo er mit zwölf
leichten und vier schweren Geschützen gegen vierzig russische
Kanonen von schwerem Kaliber kämpft; dann in der Schlacht von
Ostrolenka. Hier ging er mit seiner Batterie im Galopp bis zur
Linie der russischen Plänkler vor, richtete gegen die über den
25 Narew gegangnen Abteilungen ein vernichtendes Feuer, hielt den
Kugelregen von achtzig Geschützen aus und zwang den Feind zum
Rückzug. Nach diesem Gefecht Oberst, bald darauf Oberbefehls¬
haber über die gesamte Artillerie, und als die polnische Streit¬
macht sich bei Warschau konzentrierte, General. Während der
3o Tage vom 5. und 6. September brachte B[em] seine gesamten Ge¬
schützkräfte in den Kampf, indem er die Feldstücke zwischen den
abgesonderten Befestigungswerken der äußern Linie aufstellte,
rückte am 6. mit vierzig Geschützen bis unter die von den Russen
bereits genommene Wola vor, aber, weder von Infanterie noch
35 Kavallerie unterstützt, hatte zu retirieren. Als die polnische
Armee sich in der Nacht vom 7. auf Praga zog, besetzte er mit
vierzig Geschützen die Brücke, erhielt aber am Morgen vom 8.
Nachricht von der mit den Russen getroffnen Übereinkunft und
dem Befehl Walachowskis, mit der Artillerie nach Modlin zu
io ziehn. Sieh seine Denkschrift, Allgemeine] A[ugsburger] Z[ei-
tung] 1831, worin er die letztem Ereignisse bespricht und Kruko-
wiecky angreift.“
Da ich der obigen Autorität nicht quer über den Weg traue,
Nr. 452.
216
(452) 1857 Sept. 15
bitte ich Dich zu sondieren und mir kurz, am besten gleich eng¬
lisch, den betreffenden Passus zurechtzumachen.
Die von Dir verlangten Notizen werde ich morgen auf dem
Museum nachsehn.
Dein K. M. 5
453. Marx an Engels in Ryde; [London] 1857
September 17.
17. April1857.
Lieber Engels,
Bernadotte ist schwierig zu behandeln. Die französischen io
Generale, die unter Louis Philippe schrieben, sind meist seine
unbedingten partisans; die jetzigen Schreiber unter Boustrapa
ebenso seine unbedingten Gegner. Die Hauptstreitpunkte, worüber
ich Dich um Auskunft bitte, sind :
1. Sein Anteil an der Schlacht von Austerlitz durch die vor der- is
selben von ihm ausgeführten Manöver.
2. Sein Benehmen bei der Schlacht von Jena; und vor der
Schlacht von Eylau.
3. Sein Benehmen bei der Schlacht von Wagram.
Mit seiner Gesandtschaft in Wien ist die Sache nicht exakt so, 20
wie Du sie darstellst. Es ist bewiesen (u. a. Schlosser,
„Zur Beurteilung Napoleons“), daß die bonaparti-
stischen Journale in Paris Bfemadotte] als Royalist denunzierten,
weil er nicht die französische Fahne aushänge. Sie trieben ihn
zu seinem Schritt, den Bona nachher desavouierte. 25
Überhaupt witterte Bona, daß Bernadotte der „Staatsmann“
unter seinen Generalen sei, der seine „eignen Pläne“ verfolge. Er
und namentlich seine Brüder, durch ihr kleinliches und elendes
Intrigieren gegen B[emadotte], gaben ihm eine bedeutendere
Stellung, als er sonst behauptet haben könnte. so
Napoleon war überhaupt miserabel gegen alle Personen, denen
er „Selbstzwecke“ zutraute.
Dein K. M.
Blücher mußt Du mir schreiben über seine Hauptschlachten,
seinen allgemeinen militärischen Charakter, endlich über das von ss
Griesheim so sehr pointierte taktische Verdienst.
Bessières, Brune,Brown,Bugeaud ditto.
Bosquet im Krimfeldzug.
Schick mir Danas Liste von B, da ich meine Abschrift ver¬
loren habe.
Dein K. M.
*) Irrtümlich für September
Nr. 452
(454) 1857 Sept. 18
217
454. Engels an Marx in London; Rydel857 Sep¬
tember 18.
Ryde, Freitag, 18. September 1857.
Lieber Marx,
5 Deinen Brief erhielt ich gestern nachmittag; zu spät, noch
etwas für B zurechtzumachen; dazu war ich in Portsmouth, als
der Brief hier ankam, wodurch auch noch Zeit verloren ging,
sonst hätte ich Dir Bems Geschichten übersetzen können. Ihr
scheint schlechtes Wetter zu haben, hier ist es fortwährend sehr
io schön und nur zu heiß; vorige Woche gab’s dann und wann einen
starken Schauer, aber es blieb immer warm und schön dazwischen.
Das Klima ist hier wirklich sehr schön, und die Vegetation, für
alles, was nicht starke Sonnenhitze erfordert, so südlich fast wie
Neapel. Die Hecken sind von Lorbeer. Mit meinem Zustand geht
15 es sehr gut voran, das eigentliche Übel ist vorbei, keine einzige
Drüse ist mehr entzündet, und ich beschäftige mich jetzt nur noch
mit der Flickarbeit, dem Heilen der Wunden, das freilich ein lang¬
samer Prozeß ist — und mit Auffüllung des Fleisches und Fettes.
Das Baden bekommt mir sehr gut; ich kann wieder flott schwim-
2o men — das beweist, welche Fortschritte in der Kur ich gemacht.
Ich habe Pieper in Bognor besucht; ein ganz nettes Plätzchen,
aber nichts gegen Ryde; ich bin begierig, wie lange er sich dort
hält — er hat Chance, aber das Jeniale ist eben deswegen wieder
sehr lebhaft in ihm, den Zufall rechnet er sich zum Verdienst und
25 kommt sich schon halb als König von Bognor vor. Am Sonntag
kommt er her, vielleicht auch Steffen. Sometime next week komme
ich nach Brighton und schiffe mich dort nach Jersey ein, wohin
Schramm auch geht, wie er mir schreibt. Du könntest dann wohl
eben nach Brighton herüberrutschen, und wenn es sich wegen der
30 Arbeiten einrichten ließe, eben mit nach Jersey, die Seereise täte
Dir auch gut. Was meinst Du davon? Bis Dienstag bleibe ich
jedenfalls noch hier, vielleicht noch etwas länger, je verrai.
Wegen Bem würde ich nur folgendes sagen:
At the battle of Iganie, where he commanded the artillery he
35 was noticed for the skill and perseverance with which he fought
it against the superior Russian batteries. At Ostrolenka, he again
commanded the artillery in this capacity; when the Polish army
had been finally repulsed in its attacks against the Russians who
had passed the Narew, he covered the retreat by a bold advance
40 with the whole of his guns. He was now created colonel, soon after
general and called to the command in chief of the whole Polish
artillery. When the Russians assaulted the entrenchments of War-
saw and took Wola, Bem advanced with forty guns against
this, the principal work of the whole line, but the superior force
Z. 5—14 (Lorbeer)
21-26.
218
(454) 1857 Sept. 18
of Russian artillery opposed to him prevented the Polish infantry
from retuming to the assault and compelled Bem to retire.
Die übrigen Sachen sind ganz alltäglich. Über Iganie hab ich
kein Material hier, es war kein sehr bedeutendes Gefecht, eine
Dammverteidigung, die, wie gewöhnlich, durch eine Umgehung 5
fruchtlos gemacht wurde — die 40 Kanonen schweren Kali¬
libers sind unbedingt gelogen, desgleichen der Rückzug der
Russen bei Ostrolenka, der nur von Tirailleurs und Soutiens oder
ein paar exponierten Bataillonen gelten kann. Was ich oben sage,
ist das Günstigste, denn Diebitsch verbot die Verfolgung, io
Besten Dank für die Brückengeschichte. Vollständig hinrei¬
chend. Ich werde Dir nun battle, battery und was ich von B sonst
noch fertig bekomme, am Sonntag oder Montag zuschicken und
mit dem Rest flott fortfahren. Über Blücher schick ich Dir auch
einiges dieser Tage, sobald ich den Müffling durchgelesen habe, is
Welche französische Generale und was von ihren Heldentaten
willst Du näher untersucht haben? Gib mir möglichst Zeit, da ich
nicht gut länger als zwei Stunden hintereinander arbeiten kann.
Dein F. E.
455. Marx an Engels in Ryde; London 1857
September 21.
21. September 1857.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
Der Fortschritt Deiner Gesundheit ist mir die liebste Nachricht. 25
Von Dana letzten Freitag Brief erhalten, kühl und kurz. Ich
habe ihm geantwortet, daß ich sofort beim Postoffice reklamieren
werde. Ferner: Da ich Algiers und Ammunition daliegen
hatte, schickte ich es ab mit der Bemerkung, ich habe davon noch
copie; Army habe ich noch im Original und werde es 30
frisch abschreiben lassen und sofort einschicken (dies tat ich, weil
Du in Deinen letzten Briefen wiederholt anzeigtest, Army sei bei¬
nahe fertig); sonst Artillery werde der größte Teil unter
history of Cannon kommen, auch hätte ich das Manuskript nicht
mehr. Überhaupt würde auf gutes Glück — und obgleich wahr- 30
scheinlich jetzt zu spät —, nur noch von A geschickt werden:
Army, Armada, Ayacucho. Die zwei letztem Sachen gab ich an,
weil Du sie ganz kurz machen kannst, aber in dem Material,
was ich Dir geschickt, einiges Originelle hast bei Armada und
bei Ayacucho (wegen Espartero). So steht die Sache.
Morgen schicke ich wieder drei Biographien.
Meine Verhältnisse erlauben mir nicht, nach Brighton zu kom¬
men, und noch weniger, Dich nach Jersey zu begleiten.
Z. 16-18.
Tafel II
Das Haus in London, in dem Marx
von Oktober 1856 bis April 1864 gewohnt hat
(9, Graftonterrace, Maitlandpark)
(455) 1857 Sept. 21
219
Von den Generalen unter B brauche ich nach näherem Zusehn
nichts mehr von Dir als Antwort auf meine Frage wegen Berna¬
dotte und das Wesentliche über Blücher, Bugeaud, Bosquet (im
Krimkrieg). Für die andern Franzosen habe ich Hinreichendes.
5 Endlich Sir G. Brown, von dem ich nichts weiß. Viel über den
Mann nicht nötig.
Ich habe Dana Deine Liste B und C geschickt.
Salut.
Dein K. M.
456. Engels an Marx in London; Ryde 1857 Sep¬
tember 21.
Ryde, 21. September 1857.
Lieber Marx,
Steffen und Pieper waren nebst einem Freunde von P[ieper]
is hier, und diese beiden letzteren sind erst soeben fort, so daß ich vor
Postschluß kaum noch Zeit habe, den beiliegenden Artikel etwas
durchzusehn und Dir wegen Bernadotte zu schreiben.
Austerlitz. Er wurde von Napoleon nach Iglau geschickt,
um von dort aus den Erzherzog Ferdinand in Böhmen zu beob-
20 achten, erhielt rechtzeitig von Ntapoleon] den Befehl, nach Brünn
zu kommen, was er auch tat, mit seinem Korps zwischen Soult und
Lannes (ins Zentrum) gestellt wurde und die Überflügelung durch
den rechten alliierten Flügel zurückwerfen half. Einer besonders
wichtigen Aktion von B[emadotte] bei dieser Gelegenheit erinnere
25 ich mich nicht, finde auch nichts im Jomini.
Jena. Hier steht es fest, daß Bernadotte allerdings von Nap[o-
leon] den Befehl erhielt, von Naumburg nach Domburg abzu¬
marschieren, während Davoust, der auch in Naumburg war, nach
Apolda marschieren sollte. Im Befehl an D[avoust] stand, daß,
30 wenn Bernadotte schon mit ihm vereinigt, sie beide nach Apolda
zusammen marschieren könnten1). D[avoust] wollte dies letztere,
nachdem er selbst die Marschlinien der Preußen rekognosziert
hatte und sich überzeugt, daß Bem[adotte] in der Richtung auf
Domburg keinen Feind treffen werde. Er bot sogar an, sich
runter Bernadottes Kommando stellen zu wollen.
Dieser aber steifte sich darauf, daß in dem i h m zugekommenen
Befehl die Phrase wegen Apolda nicht vorkomme, und marschierte
ab. Die Folge war, daß er den ganzen Tag des 14. herummar-
schierte, ohne Feind zu treffen, während Davoust allein sich bei
4o Auerstädt zu schlagen hatte; wäre B[emadotte] dort gewesen oder
nur am 14. auf den Kanonendonner losmarschiert, so konnte
dieser au fond un entscheidende Sieg ebenso entscheidend werden
Nach könnten durchgestr.: Bernadotte berief sich darauf, daß
220
(456) 1857 Sept. 21
wie der bei Jena. Das Zusammentreffen der Auerstädter preußi¬
schen Armee mit den Flüchtlingen von Jena allein und die strate¬
gische Vorbereitung zur Schlacht durch Napoleon machten dann
die Affaire in ihren Folgen doch entscheidend. Warum Bem[a-
dotte] das getan, dahinter ist man nie gekommen. Jomini nennt es $
une exactitude trop scrupuleuse. Wahrscheinlich freute es ihn,
durch die buchstäbliche Ausführung den Nap[oleon] zu blamieren,
da dieser hier allerdings auf falsche Voraussetzungen hin gehan¬
delt.
Ey lau. Als Bennigsen aufbrach, die Truppen Neys zu schla- w
gen, die sich zu weit vorgewagt und links rückwärts von denen
Bernadotte stand, legte Nap[oleon] ihm eine Falle; Ney zog sich
südlich, Bem[adotte] südwestlich zurück und hatte Ordre, den
Bennigsen nach der Weichsel hinzulocken, während Nap[oleon]
aus Polen nördlich auf Bennigsens Kommunikationen marschierte.
Ein Ordonnanzoffizier mit schriftlichen Ordres an Bem [adotte]
wurde von den Kosaken gefangen, und Bennigsen erfuhr hierdurch
die drohende Gefahr, an der er noch eben vorbeikam. Bern [adotte]
dagegen blieb ohne Instruktion durch denselben Zufall und daher
hinter der Linie. Ich sehe nicht, daß ihm hier etwas vorzu werfen ist. 20
Wagram. Am ersten Schlachttag „Eugène déboucha près de
Wagram; mais, donnant ici au milieu des reserves ennemies, et
n’étant pas soutenu par Bernadotte qui ne s’était engagé ni assez
tôt ni assez franchement il fut attaqué de front et en flanc et ramené
vertement jusqu’à ma garde66. Am zweiten Schlachttage finde ich 25
über Bem [adotte] nichts Besondres.
Jedenfalls war Monsieur Bemfadotte] kein sehr großer Gene¬
ral; wirklich ausgezeichnet hat er sich nirgends, und auch als Poli¬
tiker stak der gascon stark in ihm — die schöne Idee, Kaiser nach
Napoleon werden zu wollen! 30
Über Bessières kann ich gar nichts anders sagen, als daß er
meist die Garde, besonders die Kavallerie, kommandierte, ein
Posten, wobei Verstand ziemlich überflüssig war. Brav war er,
voilà tout.
Ich will B diese Woche womöglich fertigmachen, wenigstens 35
bis sehr tief in den Buchstaben hinein, und Dir dann auch über
Blücher das Nötige schreiben. Jetzt ist ’s Postschluß.
Viele Grüße an Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.
Wie ist’s mit der Reise? 40
Havelock scheint der beste Kerl in Indien zu sein, und es ist
etwas Enormes, 126 Meilen in acht Tagen zu marschieren in dem
Klima und dabei fünf bis sechs Gefechte zu bestehn. Daß das mit
allgemeiner Cholera enden mußte, war vorauszusehn.
Ich sehe hier die Times fast gar nicht, sonst könnte ich Dir über 43
(456) 1857 Sept. 21
221
Indien ausführlicher schreiben, aber es ist so arg hier mit der
Schwierigkeit, Zeitungen zu lesen zu bekommen.
457. Engels an Marx in London; Ryde 1857 Sep¬
tember 22.
5 Ryde, 22. September 1857.
Lieber Marx,
Über Bem[adotte] bei Wagram noch folgendes: Als am 5. Juli
besonders durch sein laues Benehmen die Franzosen in ihrer
Attacke auf gehalten, hatte Blemadotte] im Zentrum das Dorf Ader-
io klaa besetzt, das etwas vor der französischen Linie vorstand, und
morgens am 6., als die Östreicher zum konzentrischen Angriff vor¬
rückten, stand er in der offnen Ebene davor, statt Aderklaa1 ),
stark besetzt, vor seiner Front zu haben. Als die Östreicher kamen,
fand er diese Position zu gewagt (seine Truppen waren tags vorher
15 durch sein laues Benehmen zuletzt in argen Verlust gekommen)
und zog auf ein Plateau hinter Aderklaa, aber ließ das Dorf
unbesetzt, das Bellegardes Östreicher sofort stark besetzten.
Hierdurch das französische Zentrum gefährdet, und Masséna,
der es kommandierte, schickte eine Division vor, die es wieder
2o nahm, aber wieder von d’Aspres Grenadieren herausgeworfen
wurde. Jetzt kam Napoleon selbst und übernahm die Leitung, for¬
mierte einen neuen Schlachtplan und vereitelte dadurch die Manö¬
ver der Östreicher. Die Schnitzer des Bernadotte hier sind ganz un¬
bestreitbar, wenn Jominis Darstellung einigermaßen richtig ist.
25 Army ist fertig, was das Historische angeht, bis auf die fran¬
zösische Revolution. Die neuere Periode und das allgemeine Orga¬
nisatorische, womit ich schließe, mache ich jetzt gleich fertig und,
sobald es geht, auch wieder etwas B, damit Du fortwährend Sen¬
dungen machen kannst, was die Laune des Herm Dana schon
3o wieder herumbringen wird. Inzwischen habe ich auch wieder etwas
Geld bekommen und lege eine 5-Note bei. Vielleicht machst Du
es doch noch möglich, auf einen oder zwei Tage nach Brighton zu
kommen, ich bleibe noch einige Tage hier und werde Dich wissen
lassen, wann ich hinkomme.
25 Bugeaud. Das meiste stand im Artikel Algier schon ange¬
deutet. Er war ein mittelmäßiger General, dessen Siege in Algier
und Marokko nicht viel zu bedeuten haben. Daß er Algerien mit
100 000 Mann erobert, die Kriegführung dort dem Lande und
Feinde angepaßt und die Widerstandsfähigkeit der Araber (nicht
40 der Kabylen) gebrochen oder vielmehr erdrückt, rechne ich ihm
nicht hoch an, denn ich glaube nicht, daß er die Pläne gemacht. Er
war etwas sabreur und bewies an der Tafua, daß er nicht nur be-
Im Orig. Aderklau
222
(457) 1857 Sept. 22
stechlich, sondern auch in schwierigen Lagen unentschlossen war.
Mit 100 000 Mann und durch zehnjährigen Krieg gebildeten Unter¬
führern wie Lamoricière, Changarnier, Cavaignac, Négrier,
Duvivier konnte er schon ohne viel Anlage etwas ausrichten, be¬
sonders da der französische Generalstab sehr gut ist; dazu be- 5
schränkte sich seine Tätigkeit meist nur auf Disponieren (wo man
nicht weiß, was der Stab für ihn tat) und Führung der Reserve,
da nur einzelne Divisionen und Brigaden auf einem Fleck agierten.
Bosquet. An der Alma führte er den Umgehungsangriff des
französischen rechten Flügels auf den russischen linken Flügel mit io
von den Russen anerkannter Energie und Schnelligkeit aus und
brachte sogar Artillerie durch für impracticabel gehaltne weglose
Schluchten aufs Plateau. Er würde hier großes Lob verdienen,
wenn er nicht einen an Zahl weit schwächem Gegner vor sich ge¬
habt hätte. — Bei Balaklava war er sofort bei der Hand, den rech- is
ten englischen Flügel zu degagieren, so daß der Rest der englischen
leichten Kavallerie sich unter dem Schutz seiner Truppen zurück -
ziehn konnte und den Russen die Lust verging, weiter vorzugehn.
Bei Inkermann war er schon frühmorgens mit fünf Bataillonen,
zwei Batterien bereit einzugreifen, aber abgelehnt, stellte dann 20
drei Brigaden als Reserve hinter den englischen rechten Flügel (am
Tschemaya-Abhang) auf und rückte mit zwei Brigaden davon um
11 Uhr in die Schlachtlinie, worauf die Russen den Rückzug an¬
traten. Die Engländer hatten alle ihre Truppen engagiert, die
Russen noch 16 Bataillone disponibel, und ohne Bosqluet] waren 25
die Engländer verloren. Die 16 intakten russischen Bataillone
deckten den Rückzug, Verfolgung war hier nicht viel möglich,
3000 Schritte vom Schlachtfeld hört das Plateau auf. Bosqfuet]
hat sich also bei jeder Gelegenheit prompt, wachsam, aktiv, kurz
als musterhafter Korpsführer gezeigt, wie er auch während der 30
ganzen Zeit tat, daß er das Deckungskorps auf dem Tschemaya-
Abhang führte. Ob er als General und Chef taugt, darüber kann
man nicht viel sagen, manche Eigenschaften hat er, und wer, wie
er, ein vortrefflicher Avantgardengeneral ist, hat sich fast nur
noch strategisch zu bewähren, dazu war im ganzen Sebasto- 35
polfeldzug keine große Gelegenheit.
Blücher. Während der Kampagne in der Pfalz, 1794, zeich¬
nete er sich aus als Vorpostengeneral und Führer der leichten Kaval¬
lerie. Hierfür ist sein veröffentlichtes Tagebuch der beste Beweis,
das noch als klassisches Werk gilt, trotz des schlechten Deutsch. 40
Er hielt die Franzosen in beständigem Alarm und versah das
Hauptquartier mit den besten Nachrichten über die Bewegung des
Feindes, führte fortwährend Handstreiche und Überfälle aus und
meist mit Erfolg. 1806 bei Auerstädt mißlang seine Kavallerie¬
charge, sein Rat, sie verstärkt mit ganzer Kraft zu wiederholen, 43
(457) 1857 Sept. 22
223
wurde abgelehnt (dies aus dem Gedächtnis). Sein Rück¬
zug nach Lübeck und seine Verteidigung bis zuletzt, eine der weni¬
gen ehrenvollen Episoden in dieser Geschichte, obwohl seine
strategischen Manöver während derselben oft husarenmäßig und
5 seine schließliche Gefangennahme nicht seine Schuld, da er, wie
die ganze preußische Armee, abgeschnitten war und er noch dazu
den weitesten Umweg um die Arrièregarde zu machen hatte. Wäh¬
rend der Zeit bis 1813 wurde er von Schamhorst und dem Tugend¬
bund (Gneisenau war bekanntlich einer der Chefs und blieb daher
io dem König lebenslänglich suspekt) als der einzig mögliche und
für sie brauchbare Chef in der Art, wie Hecker von Blind und
Konsorten, zum Helden gestempelt, und sie hatten ihren Mann
sehr gut gewählt. Er war, wie Müffling sagt, the model of a sol-
dier, hatte dabei alle populären Leidenschaften gegen Napoleon
is und die Franzosen im höchsten Grad, plebejische Gelüste, Dialekt,
Redeweise und Manieren, enormes Talent, den gemeinen Mann
für sich zu begeistern, und als Militär tollkühne Bravour,
viel Scharfblick auf dem Terrain, Raschheit des Entschlusses und
Verstand genug, in einfacheren Fällen selbst das Richtigste zu
2o finden, in schwierigeren sich auf Gneisenau und Müffling zu ver¬
lassen. Strategie verstand er nicht die Spur. It was no secret to
Europe, that Prince Blücher who had now, 1815, passed his 70th
year, understood nothing wathever of the conduct of a war; so
little indeed that when a plan was laid before him for approval,
25 even relating to some unimportant operation, he could not form
any clear idea of it or judge whether it was good or bad. Er konnte
nämlich keine Karte verstehn und teilte diese strategische Un¬
wissenheit mit beinahe der Hälfte von Napoleons Marschällen.
Dafür hatte er Gneisenau, in den er das unbedingteste Vertrauen
3o hatte. Die Kampagne von 1813 und 1814 nahm ohne Blücher ein
ganz andres Ende, kein andrer damaliger General hätte das fertig¬
gebracht, was er tat: aus den widerspenstigsten Elementen
(Langeron und York in offner Rebellion gegen ihn) durch einen
Sieg und eine tüchtige Verfolgung (Katzbach) eine kompakte
35 Armee bilden, die zu allem kapabel war, und mit der er riskieren
konnte, auf eigne Verantwortung den militärisch höchst ver¬
wegnen, aber politisch wegen Bemfadotte] nötigen Marsch nach
Wartenburg und der Saale zu machen, wodurch er alle seine
Kommunikationen aufgab und auch die faule große Armee (die
40 er in Schlesien nach der Schlacht von Dresden durch seine Ver¬
folgung der Franzosen bis Bautzen rettete, so daß Naptoleon] sich
gegen ihn wenden mußte) zwang, die Schlacht von Leipzig zu
riskieren. Damals ging’s überhaupt etwas rebellisch her, und
Blücher hatte mit drei Viertel der Nordarmee (Bülow, Tauen-
istzien, Wintzingerode) den Kontrakt geschlossen, wenn Bem[a-
224
(457) 1857 Sept. 22
dotte] nicht marschiere, wollten sie sich an Bl[ücher] anschlie¬
ßen — auf eigne Verantwortung. Nach der Schlacht bei Leipzig
war Bltiicher] der einzige, der etwas für Verfolgung tat, obwohl
auch dies noch nicht war, wie es sein sollte — er wurde gehemmt,
weil die Fürsten dabei waren. 1814 sind die strategischen 5
Schnitzer, die in der Gegend von Montmirail so schwer gezüchtigt
wurden, auf Gneisenaus und Müfflings Rechnung zu schreiben,
der Entschluß, coûte que coûte auf Paris zu marschieren, wodurch
die Kampagne entschieden, kommt Blücher zu gut; 1815 ist der
Marsch nach Waterloo, nach der Schlacht von Ligny, Bl[ücher] io
sehr hoch anzurechnen; er steht fast einzig da, und kein General
als Blücher hätte seine Soldaten zu solchen Efforts gebracht —
gleich darauf die Musterverfolgung nach Paris, die der von Jena
bis Stettin als gleich klassisches Exempel zur Seite steht. Daß
Bl[ücher] auch besseren Generalen imponieren konnte, beweist
sein Verhältnis zu Langeron (der eine große Armee gegen die
Türken kommandiert hatte und ein gebildeter französischer Emi¬
grant war) und York, die sich nicht nur trotz aller anfänglichen
Widerspenstigkeit bald unter ihn fügten, sondern sogar ganz auf
seine Seite traten und seine besten Unterführer wurden. Au fond 20
war Bl[ücher] Kavalleriegeneral, das war seine Spezialität, und
da exzellierte er, weil das ein rein taktisches Fach ist, ohne strate¬
gische Kenntnisse vorauszusetzen. Er verlangte sehr viel von seinen
Truppen, aber sie taten es und willig, und ich glaube nicht, daß
ein andrer General des neunzehnten Jahrhunderts außer Napo- 25
leon und neuerdings Radetzki imstande war, ihnen so viel zuzu-
muten als Bl[ücher]. Anzuerkennen auch, daß er nie und nirgends
den Kopf und die Courage verlor und ebenso zäh in der Selbst¬
verteidigung wie energisch im Angriff und in schwierigen Lagen
rasch entschlossen war. Enfin, er war im 1813/15 Krieg, der ein w
halber Insurrektionskrieg war, ganz am Platz und wurde gut er¬
gänzt durch seinen Stab; und in dieser Position war er ein sehr
gefährlicher Gegner.
Dein F. E.
Note 0/H 06012, Manchester, 15. Januar 1857. 35
458. Marx an Engels in Ryde; [London 1857]
September 23.
23. September.
Lieber Engels,
Meinen besten Dank für den Brief und die Einlage. w
Ich wünschte natürlich sehr, Dich noch vor Deiner Abreise zu
sehn. Wenn es irgendwie geht, komme ich nach Brighton.
Der Witz ist der, daß am Ende des Quartals alle die durch den
z. 35.
(458) 1857 Sept 23
225
ganzen Sommer hingehaltnen difficultés sich akkumulieren. Die
Hauptsache, und das einzige, das mich herausreißen kann, ist
rasches Voranmachen mit der Cyclopädie. Wenn der Herbst
kömmt, wird es auch nötig, manches aus den Pfandhäusern
5 zuriickzuziehn.
Ich denke mit den Biographien (sämtlichen) fertig zu sein für
nächste Woche. (Ist irgend etwas über den Esel Sir G. Brown
zu sagen?)
In der Tribune habe ich eine séries begonnen über die
io finanziellen Taten und Erlebnisse des régime Bonapartiste, wo¬
mit ich die Zwischentage ausfülle, an denen keine indische Nach¬
richt da ist. Wegen Indien möchte ich Dich auch gern persönlich
sprechen, map in hand. Bisher habe ich instinktiv immer das Rich¬
tige getroffen. Indes wird es jetzt bald Zeit, daß ich etwas Mili-
16 tärisch- Allgemeines über die Scheiße zusammenfassend
sage.
Vor ein paar Tagen fiel ich, bei der Hinfahrt zum Museum, so
hübsch auf den Vorderkopf, daß meine Stirn noch schimpfiert.
Ich hoffe, daß Du Eisen nimmst. Ich sprach vor ein paar
2o Tagen den Dr. Lichtenberg im deutschen Spital, ein sehr gescheites
Kerlchen. Er erklärte es als Nachkur für unumgänglich.
Dein K. M.
459. Engels an Marx in London; Ryde 1857
September 24.
25 Ryde, 24. September 1857.
Lieber Marx,
Das da oben ist das Schloßt, wo Cromwell den Karl I. eine
Zeitlang einspundete. Ich werd’s am Sonntag näher inspizieren.
Dein Wunsch wegen Indien kreuzte sich mit der mir aufge-
3o stiegenen Idee, daß Du vielleicht gern mal meine Ansicht über
den Kram hörtest. Ich fand gleichzeitig Gelegenheit, den Haupt¬
inhalt der letzten Mail mit der Karte in der Hand durchzunehmen
und voici ce qui en résulte.
Die Position der Engländer im Bezirk des mittleren und oberen
35 Ganges ist so disparat, daß militärisch das einzig Richtige wäre,
die Kolonne Havelock und die von Delhi, nachdem jede soviel wie
möglich die detachierten und blockierten Garnisonen der Gegend
abgeholt hat, womöglich in Agra zu vereinigen; außer Agra nur
die benachbarten Posten südlich vom Ganges, besonders
40 Gwalior besetzt zu halten (wegen der zentralindischen Fürsten)
M Auf dem Briefpapier befindet sich das Bild des Carisbrooke Castle, Isle of
IT ight.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 15
Z. 26—27.
226
(459) 1857 Sept. 24
und die abwärts am Ganges gelegnen Posten Allahabad, Benares,
Dinapore durch ihre bisherigen Garnisonen und Nachziige von
Kalkutta halten zu lassen; inzwischen Weiber und Noncombattans
den Fluß hinab zu eskortieren, damit die Truppen wieder mobil
werden, und durch mobile Kolonnen die Umgegend im Respekt zu <5
halten und Vorräte einzutreiben. Ist Agra nicht zu halten, zurück
nach Cawnpore respektive Allahabad, dieser letzte Punkt ist bis
aufs äußerste zu halten, er ist der Schlüssel zum Land
zwischen Ganges und Jumna.
Ist Agrazu halten und bleibt die Bombayarmee disponibel, io
so müßten die Armeen von Bombay und Madras die eigentliche
Halbinsel bis zur Breite von Ahmedabad und Kalkutta besetzt
halten und Kolonnen zur Herstellung der Verbindung nach Nor¬
den ausschicken, die Bombayarmee über Indore und Gwalior nach
Agra, die Madras-Armee über Saugor und Gwalior nach Agra, 15
und über Jubbulpore nach Allahabad. Vom Punjab2), falls sich
dies hält, und von Kalkutta über Dinapore und Allahabad gehn
dann die andren Kommunikationslinien auf Agra, so daß vier
Kommunikationslinien und, mit Ausschluß des Punjab2), drei
Rückzugslinien, auf Kalkutta, Bombay, Madras, hergestellt wären. 20
Die Konzentration von Truppen auf Agra von Süden her würde
also gleichzeitig dazu dienen, die zentralindischen Fürsten zu be¬
herrschen und die insurgierten Distrikte auf der Marschlinie zu
unterwerfen.
Ist Agra nicht zu halten, so muß erst die Madrasarmee die auf 25
Allahabad laufende Verbindung herstellen und dann mit den
Truppen von Allahabad auf Agra rücken, während die von Bom¬
bay auf Gwalior rückt.
Die Madrasarmee scheint ausschließlich aus dem Lumpentum
rekrutiert und soweit sicher. In Bombay haben sie 150 und mehr 30
Hindustanis per Bataillon, und die sind gefährlich, um den Rest
aufzuwiegeln. Steht die Bombayarmee auf, so hört alle militä¬
rische Kalkulation vorderhand auf; dann ist nichts mehr sicher
als ein kolossales massacre von Kaschmir bis Kap Comorin. Ist
der Zustand in Bombay so, daß die Armee auch fernerhin nicht 35
gegen die Insurgenten gebraucht werden kann, so müssen wenig¬
stens die Madraskolonnen, die jetzt schon bis über Nagpore
hinaus vorgedrungen sind, verstärkt und die Verbindung auf
Allahabad oder Benares so rasch wie möglich hergestellt werden.
Die Absurdität der jetzigen, durch totale Abwesenheit aller 40
wirklichen Oberleitung herbeigeführten Position der Engländer
beweist sich hauptsächlich in zwei sich ergänzenden Stücken:
erstens, daß sie sich zersplittert in einer Masse kleiner, weit aus-
9 Von Marx unterstrichen
2) Im Orig. Pundjab.
Z. 15 (die
Agra) ,
(459) 1857 Sept. 24
227
einanderliegender Posten blockieren lassen, während sie zweitens
ihre einzige mobile Kolonne vor Delhi festlegen, wo sie nicht nur
nichts ausrichten kann, sondern sogar kaputt geht. Den Marsch
auf Dehli zu befehlen, ist kassationswürdig und pendable von
5 einem englischen General, der wissen mußte, was wir erst neuer¬
dings erfahren, daß die Engländer selbst die alten Befestigungen
so weit verstärkt, daß der Ort nur durch regelmäßige Belagerung
genommen werden kann, zu der mindestens 15 000—20 000 Mann
erforderlich sind, und weit mehr, wenn der Platz gutverteidigt
io wird. Jetzt, wo sie da sind, müssen sie aus politischen
Gründen dort aushalten1), der Abzug wäre eine Nieder¬
lage und wird doch schwer zu vermeiden sein.
Die Truppen Havelocks haben Enormes geleistet. 126 Meilen
in acht Tagen, nebst sechs bis acht2) Gefechten, in dem Klima und
is der Saison ist über die Möglichkeit. Sie sind aber auch ruiniert,
er wird wohl auch sich blockieren lassen müssen, nachdem er sich
durch Exkursionen von kürzerem Radius um Cawnpore noch mehr
erschöpft, oder er muß nach Allahabad zurück.
Die eigentliche Linie der Wiedereroberung liegt das Gangestal
20 hinauf ; das eigentliche Bengalen wird leichter zu halten sein, die
Rasse ist so heruntergekommen; bei Dinapore fängt die eigentlich
gefährliche Gegend an. Die Positionen Dinapore, Benares, Mirza-
pore und besonders Allahabad sind daher höchst wichtig; von
Allahabad wäre zuerst das Doab (zwischen Ganges und Jumna)
25 und die Städte an beiden Flüssen zu erobern, dann Oude, dann
der Rest. Die Linien von Madras und Bombay nach Agra und
Allahabad können nur sekundäre Operationslinien sein.
Hauptsache ist, wie immer, Konzentration. Die den Ganges
hinaufgegangnen Verstärkungen sind total versplittert, bis Alla-
jöhabad ist noch kein Mann gekommen. Vielleicht unvermeidlich,
um diese Posten zu sichern, vielleicht auch nicht. Jedenfalls ist die
Zahl der zu haltenden Posten aufs Minimum zu reduzieren, die
Kräfte fürs Feld zu konzentrieren. Wenn C. Campbell, von dem
wir bis jetzt bloß wissen, daß er brav ist, sich als General auszeich-
35 nen will, so muß er eine mobile Armee schaffen, coûte que coûte,
Delhi fallen gelassen oder nicht. Und keine Lage ist so verzweifelt,
wo summa summarum 25 000—30 000 europäische Soldaten sind,
daß nicht 5000 wenigstens für eine Kampagne zusammengebracht
werden könnten, die ihre Verluste durch die abgeholten Garnisonen
40 der Posten wieder ersetzen. Dann erst kann Campbell sehn, wie
er steht und welchen Feind er eigentlich vor sich hat. The odds are,
however, daß er ira se blottir3) devant Delhi like a fool und seine
9 Die Unterstreichung von Marx.
2) Sechs bis acht von Marx eingefügt.
’) Im Orig, blotter
15*
228
(459) 1857 Sept. 24
Leute at the rate of 100 a day kaputt gehn sehn wird, wo es dann
wieder um so „tapfrer“ wird, erst recht dazubleiben, bis sie glück¬
lich alle zum Teufel sind. Die tapfre Dummheit ist nach wie vor
an der Tagesordnung.
Konzentration der Kräfte fürs Feld im Norden, kräftige Unter- 5
Stützung von Madras und womöglich von Bombay, das ist alles.
Wenn auch die Mahrattenfürsten an der Nerbudda abfallen, so
macht das nicht viel, außer als Exempel, ihre Truppen sind schon
bei den Insurgenten. Das Höchste allerdings, was erreicht werden
kann, ist Hinhalten, bis Ende Oktober die ersten Verstärkungen von 10
Europa kommen. Wenn aber noch ein paar Bombay-Regimenter
rebellieren, dann hört Taktik und Strategie auf; dort steht die Ent¬
scheidung.
Ich gehe spätestens Dienstag nach Brighton und Mittwoch abend
10 Uhr von dort nach Jersey, schreibe Dir aber noch näher und 15
hoffe, Du kommst. Morgen geht’s an battery etc. Heut bin ich um
die Insel gefahren, und da ich gestern einmal wieder tüchtig ge¬
schanzt bis 3 Uhr, so will ich mich heute ausschlafen.
Dein F. E.
460. Marx an Engels in Ryde; [London] 1857
September 25.
25. September 1857.
Lieber Engels,
Meinen Brief von vorgestern mit der Anzeige der 5 £ wirst Du
heute wohl erhalten haben. Idi begreife die Verzögrung nicht, da 25
ich den Brief selbst rechtzeitig auf die Post legte.
Deine Army ist sehr schön ; nur wirkt die Masse auf mich wie
ein Schlag auf den Kopf, da dies viele Arbeiten Dir schädlich sein
muß. Namentlich wenn ich gewußt hätte, daß Du bis in die Nacht
arbeiten würdest, würde ich lieber die ganze Sache haben zum
Teufel gehn lassen.
Die Geschichte der Army hebt anschaulicher als irgend etwas
die Richtigkeit unsrer Anschauung von dem Zusammenhang der
Produktivkräfte und der sozialen Verhältnisse hervor. Überhaupt
ist die army wichtig für die ökonomische Entwicklung. Z. B. Salär w
zuerst völlig in der Armee entwickelt bei den Alten. Ebenso bei den
Römern das peculium castrense erste Rechtsform, worin
das bewegliche Eigentum der Nichtfamilienväter anerkannt. Eben¬
so das Zunftwesen bei der Korporation der fabri. Ebenso hier erste
Anwendung der Maschinerie im großen. Selbst der besondre Wert
der Metalle und ihr use als Geld scheint ursprünglich — sobald
Grimms Steinalter vorbei war — auf ihrer kriegerischen Bedeu¬
tung zu beruhn. Auch die Teilung der Arbeit innerhalb einer
(460) 1857 Sept. 25
229
Branche zuerst in den Armeen ausgeführt. Die ganze Geschichte
der bürgerlichen Gesellschaftsformen sehr schlagend darin resü¬
miert. Wenn Du einmal Zeit hast, mußt Du einmal die Sache von
diesem Standpunkt ausarbeiten.
5 Die einzigen Punkte in Deiner Darstellung, die nach meiner
Ansicht übergangen, sind: 1. Das erste fertige Auftreten des
Söldnerwesens im großen and at once bei den Karthaginiensem
(ich werde zu unsrem private use eine mir erst später bekannt ge-
wordne Schrift eines Berliners über die Karthaginienser Heere
-wnachsehn); 2. Die Entwicklung des Heerwesens in Italien im
fünfzehnten und Anfang des sechzehnten Jahrhunderts. Jedenfalls
taktische Pfiffe hier ausgebildet. Zugleich höchst humoristisch Ma¬
chiavellis Beschreibung (die ich Dir ausziehn werde) in seiner
Geschichte von Florenz, die Art, wie die condottieri sich schlugen.
15 (Doch wenn ich zu Dir nach Brighton komme (wann?), bringe
ich Dir lieber den Band M[achiavelli] mit. Die Geschichte von
Florenz ist Meisterwerk.) Endlich 3. das asiatische Kriegswesen,
wie es zuerst bei den Persern erscheint, aber dann doch sehr ver¬
schieden modifiziert bei Mongolen und Türken u. a. auftritt.
2o Bei meinen Biographien etc. war ich natürlich gezwungen, aller¬
lei Cyclopädies, u. a. auch der Deutschen nachzusehn. Bei der Ge¬
legenheit fand ich denn, daß unter den Rubriken „Arbeit“, „Klas¬
sen“, „Produktion“ etc. wir redlich abgeschrieben werden, aber
dumm. Dagegen vermeiden alle, uns zu erwähnen, selbst wenn sie
25 Herm Edgar Bauer und ähnlichen Größen Spalten widmen. Tant
mieux pour nous. Die Biographien in den deutschen Cyclopädies
für Kinder unter acht Jahren geschrieben. Die französischen par¬
teiisch, aber wenigstens weltmännisch. Die englischen Cyclopädies
schreiben redlich die französischen und deutschen aus. In den
3o deutschen selbst scheinen dieselben Kerls bei den verschiedensten
Buchhändlern dieselbe Seiche abzulagem. Erseh und Gruber nur
gut in den spätem Bänden, wo viele gelehrte Arbeiten.
Salut.
Dein K. M.
35 Die Realenzyklopädie des Altertums von Pauly ist solid.
461. Engels an Marx in London; Jersey 1857
Oktober 6.
3, Edward Place, St. Helier, Jersey.
6. Oktober 1857.1)
<o Lieber Marx,
L’affaire Harney hat dadurch ihre Lösung erhalten, daß der
Edle gestern abend zu Schramm kam, wo ich war. Er hat sich
x) Auf dem Briefpapier Abbildung von St. Catherines Bay, from the Pier. Jersey.
230
(461) 1857 Okt. 6
durch einen großen pechschwarzen Bart ein sonderbares Ansehn ge¬
geben, ähnlich in etwa dem schmierigen Juden, der mit uns im Boot
vom Steamer ans Land fuhr, certainly ein improvement. Er sah
seine Jersey politics von der heitern Seite an, er habe a great deal
of fun davon etc.; die erstere Auffassung, die er sicher hat, wird 5
sich wohl erst später herausstellen. Nachher kneipte ich noch etwas
mit ihm und ließ mir von der hiesigen Verfassung etc. erzählen,
von vergangenen Tagen war nicht die Rede. Er scheint vorderhand
damn’d glad zu sein, daß er sich von der großen Politik in sein
kleines royaume des aveugles zurückgezogen hat. Als borgne ist er io
hier Körrig der Opposition, zu seiner Rechten the first grocer und
zu seiner Linken the first tallow-chandler in the town. Die Schlach¬
ten werden auf dem Royal Square ausgefochten, wo der grocer
den rédacteur en chef des Impartial de Jersey, einen bonapartisti-
schen Spion namens Lemoine, down geknockt hat, weswegen ein is
Prozeß seit einem Jahre spielt und nächsten Montag entschieden
wird. Seit der Geldkrisis in Paris und während der Dauer der¬
selben ist der Impartial suspendiert. Für Harney teilt sich die
ganze Geschichte von Jersey in zwei Perioden: vor und nach der
Hedschra, der Expulsion der Crapauds. Sie zeichnen sich beide 20
dadurch aus, daß nichts in ihnen vorgefallen ist.
Schrfamm] beschäftigt sich viel mit Plänen wegen einer neuen
Wohnung, wird aber schließlich wohl bleiben, wo er ist. Ich hab’
ihm zugesetzt wegen eines südlicheren Aufenthalts, aber er ist, wie
die meisten Leute in seinem Zustand, gern andrer Meinung und 25
dann sagt er, es sei eine Geldfrage und seine Verwandten täten
jetzt schon, was sie könnten. Nach Harneys Beschreibung ist es bei
Ostwind im Winter doch oft redlich kalt hier, und Schr[amm]
wohnt an der den Nordwestwinden am meisten exponierten Seite
der Stadt. Wenn er, wie er sagt, schon seit drei Jahren soweit ist wie 30
jetzt, daß er nicht gehen kann, so kann die Krankheit freilich
noch etwas sich hinziehen; daß übrigens hier auch Leute die
Schwindsucht bekommen und daran sterben können, beweist ein
Casus hier im Hause: die Tochter meiner dicken Wirtin ist daran
gestorben. Ich mag ihm gar nicht mehr von Verziehen nach Süden 35
sprechen, es macht ihn krittlich, und er ist doch, wie natürlich,
sehr reizbar. Zum Arbeiten bin ich, wie die Sachen stehn, noch
nicht gekommen, habe auch eine Masse Briefe zu schreiben, mor¬
gen geht’s aber los.
Gestern bin ich nach der Nordküste marschiert — fünf bis 40
sechs Meilen von hier, sehr gute Wege, stellenweise hübsche
Alleen, prächtige Brombeeren en masse, und ein paar sehr schöne
kleine Buchten an der Küste. Die Insel ist ein Plateau; sowie man
auf der Höhe ist, steigt es sehr allmählich bis fast dicht an die
Nordküste, und die Bachtäler sind nur flach eingeschnitten. Man 45
Z. 22-45-
(461) 1857 Okt. 6
231
sieht an der Nordseite einen sehr langen Strich Frankreich (West¬
küste des Departement de la Manche) und die Insel Sercq; Guerne-
sey konnte ich nicht sehn.
Schramms Bruder zeigt ihm an, daß ein Freund von ihm, ein
5 (wahrscheinlich preußischer) Jurist namens Berger1^ ca. 50 Jahre
alt, in einigen Tagen hier ankommen und den Winter über hier
bleiben werde. Kennst Du das Individuum? Der Kerl muß doch in
London wohnen, und es ist immer gut, über Leute von der Be¬
kanntschaft des Herm Rudolf Schramm etwas unterrichtet zu sein.
io Ich glaube mich dunkel zu erinnern, daß uns einmal so ein Kerl
in London zwischen die Beine gelaufen ist.
Steffens kleinem Krieg für das Bergische und Märkische bin
ich auch auf die Spur gekommen: Holleben, Militärische Betrach¬
tungen aus den Erfahrungen eines preußischen Offiziers. Dies Buch
io ist seine Hauptautorität und meint, das Hecken- und Gräbenterrain
eines Teils der Mark und des Cleveschen erinnere an die Vendée
und sei zu einem Volkskrieg wie geschaffen. Leider nicht die Leute,
die drin wohnen — es ist der ebne, ackerbauende Teil der Mark.
Das Buch ist sonst gut, aber ganz geeignet, Stfeffen] in seiner Vor-
2o liebe für Tirailleurgefecht und kleinen Krieg zu bestärken, es
übertreibt nach dieser Seite hin.
Die Liste für C hierbei mit Randglossen.
Beste Grüße an Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.
462. Engels an Marx in London; Jersey 1857
Oktober 19.
3, Edward Place, Jersey, 19. Oktober 1857a)
Lieber Marx,
Hierbei die balance der alten Unterlassungssünden, sowie die
50 Originalnotizen über Armada; ich konnte einige Namen nicht
genau lesen, die Du suchen mußt auszufüllen. Ich gehe jetzt an
die history of Cannon.
Schramm scheint mir etwas schlimmer zu werden, doch wech¬
selt sein Zustand von Tage zu Tage. Er hat jetzt den ihm von seinem
55 Bruder zugeschickten Philister Berger1) da, der in demselben
Hause eine Wohnung genommen hat und dem er englischen Unter¬
richt gibt; ein alter preußischer Schweinigel, der Zoten ohne Witz
von all dem Berliner Hof pack erzählt, que le diable l’emporte.
Friend Harney hab ich seit acht Tagen nicht gesehn, er ist schreck-
*0 lieh dumm und fühlt sich höchst comfortable in seiner Spie߬
bürgerrolle hier, obwohl er offenbar selbst bei seinem Paper unter
*) Hermann Buck
2) Auf dem Briefpapier Abbildung von The Cavel, Greve au Lançon.
Z. -1-3.
38-40-
232
(462) 1857 Okt. 19
der Zensur des Besitzers steht. Er erwartet natürlich, daß früher
oder später die englischen Arbeiter einmal irgend etwas machen,
aber das werde durchaus nichts Chartistisches sein, und überhaupt
ist das bloß theoretischePhrase bei ihm,und es wäre ihm sicher sehr
unangenehm, aus seiner kleinen spießbürgerlichen Agitation hier 5
aufgestört zu werden. He is very busy, but busy doing nothing.
Sein Freund, der Grocer, der den französischen Spion geprügelt
hatte, ist zu £ 5 verurteilt worden.
Ich werde neben der history of Cannon noch einige der kleineren
Sachen abmachen und Dir von Zeit zu Zeit zuschicken, damit Dana w
sieht, daß die Sache im Gange bleibt. Schick mir aber auch die
paar Notizen, wegen deren ich Dir schrieb, und die Liste der mili¬
tärischen Artikel für D. Du hast doch den Brief erhalten mit der
Kopie der Liste für C und den später gesandten Artikel Military
Bridges? w
Ich habe stark vor, in vierzehn Tagen wieder nach Manchester
zu gehn. Die Geschäftsverhältnisse dort haben eine sehr eklige
Wendung genommen, und es ist von Wichtigkeit, daß ich dort bin.
Dabei geht die Gesundheit gut; gestern war ich sieben Stunden zu
Pferd, auch hab’ ich der Tugend den Abschied gegeben. 20
Dein F. E.
463. Marx an Engels in Jersey; [London] 1857
Oktober 20.
20. Oktober 1857.
Dear Frederick, 25
Du mußt mein längeres Stillschweigen entschuldigen. Erstens
hatten wir acht Tage Besuch, nämlich Imandt junior (13 Jahre
alt) von Trier auf der Expedition zu seinem Onkel, und ich mußte
den Burschen herumführen. Zweitens viel Arbeit.
D’abord nun über Deinen Plan, nach Manchester zurückzu- 30
kehren. Du mußt wissen, ob Deine Gegenwart nötig. Zuträglich
ist es Dir sicher nicht, da das Wetter hier abominable. Allen meint,
Du seist Dir selbst schuldig, Dich viel länger in einem Klima,
besser wie das Manchester one, zu erholen, da jeder Rückfall
lebensgefährlich wäre. Doch muß vorausgesetzt werden, daß Du 35
Deinen Doktor konsultierst, eh Du einen Entschluß fassest.
Die amerikanische Krise — von uns in der Novemberrevue
1850^ als in New York ausbrechend vorhergesagt — ist beautiful.
Der Rückschlag auf die französische Industrie war immédiate, da
die Seiden waren jetzt wohlfeiler in New York verklopft als in 40
Lyon produziert werden. Der Jammer der englischen money-
article-writers, daß ihr englischer trade sound, aber ihre Kunden
*) Revue der Neuen Rheinischen Zeitung.
Z. - 1-8.
(463) 1857 Okt. 20
233
im Ausland unhealthy seien, ist originell und munter. Wie steht’s
mit den Manchester Fabrikanten? Die Glasgower haben, wie sich
jetzt herausstellt, viel auf Consignation verschickt.
Was denkst Du von den Engländern in Indien? Die Kerls haben
6 ihr gewöhnliches Schwein im Pech. Ich habe jetzt eine ganz detail¬
lierte Liste ihrer Truppenversendungen seit 18. Juni nebst dem
Datum, wann sie nach der Regierungsberechnung anlangen
sollen, und dem locus, wo. Folgendes ist ein Résumé :
Day of
Arriva)
Total
Cal¬
cutta
| Ceylon
Bombay
Kur-
rachee
Madras
September 20
214
214
October 2
300
300
15
1906
124
1782
17
288
288
20
4235
3845
390
30
2028
479
1549
October
8757
5036
3721
November 1
3495
1234
1629
632
5
879
879
10
2700
904
340
400
1056
12
1633
1633
15
2610
2132
478
19
234
234
20
1216
278
938
24
406
406
25
1276
1276
30
666
462
204
November
15115
6782
3593
1542
1922
1276
December 1
354
354
5
459
201
258
10
1758
607
1151
14
1057
1057
15
948
647
301
20
693
185
300
208
25
624
624
December
5893
185
607
2559
2284
258
Januar 1
340
340
5
220
220
15
140
140
20
220
220
Januar
920
340
580
Sept.—Jan.
30899
12217
7921 |
4431
4206
2114
Troops despatshed by Overlandmail
October 2
235 Engeneers
117
118
12
221 Art.
14
244 Engeneers i
122
122
October
700 |
460
240
Von den 30 899 Mann sind :
Von
der Artillery kömmt im
Infanterie: 24739
Monat Oktober :
nur 100 Mann an
Art
i 11 e r y : 2334
in Calcutta. Ihr
e eigentlichen ar-
C a v
a 1 r y : 3826
rivais beginnen von November 15.
Die erste Kavallerie kömmt an
10. November.
Z. 9—Schluß der Seite.
234
(463) 1857 Okt. 20
Da ich einmal bei Zahlen bin, so hier auch noch einige Details
über Bonapartes Wirtschaft. Die funded debt authentisch.
Die floated für 1856 und 1857 nach average Anschlag; die
andern Jahre Moniteur. (Die Franzosen behaupten, daß diese
floated debt 2000 Millions, was ziemlich herauskommt). $
Funded Debt.
Louis Philippe (18 Jahre)
Bonaparte (6 Jahre 1862—1857)
Mill. fcs.
1831 16272
1832 150
1841 187*/2
1844 325
1847 87V2
Total 9121/,
Average für 18 Jahre: 50
Mill. fcs.
Decree of April 1852 . . . 100
March 1853 ... 250
December 1854 . . . 500
July 1855 ... 750
August 1855 (Filiated vom
excess der subscriptions) . 3171
1857 (Bank of France Coin) 100
Total 1 731 250 000
Average für 6 Jahre: Near 300
Floating Debt.
Mill. fcs.
Louis Philippe about . 1000
Republik Ende 1851 nur
noch 700
Bonaparte
Addition
Mill. fcs.
1852
50
1853
262^4
1854
2053/4
1855
152>/4
1856
1857
}335Ve
Total 1005 und fraction
Addition von Zeit
der Republik . 700
1705
Dazu noch alle municipal und departemental Kassen, aber auch
vollständig verschuldet par ordre de Muphti.
Wenn überlegt wird, daß bei dem Antritt des Kerls die funded
debt about 4000 Millionen fcs. — also von dem Tiers consolidé der
ersten Republic an, und daß er about 2700 Millionen funded und io
floating debt in sechs Jahren hinzugefügt, so kann nicht bestritten
werden, daß sein Londoner Aufenthalt fruchtbringend war. Dabei
sind in seiner Berechnung der dette flottante so kuriose
Sprünge gemacht mit dem Sinking Fund etc., daß das audit-
ing höchst zweideutig. Aber einen gewissen Spielerhumor besitzt is
der Kerl. Für das Jahr 1852 rechnet er als erstes Jahr des im¬
perialistischen Millenniums, gar kein Defizit an und keine
floating debt. Schob nämlich dem Jahr 1851 50 Millionen fcs. in
dem Account zu (nach der lächerlichen französischen Methode
z. 2-7.
9 (-also) -10,
(463) 1857 OkL 20
235
das Budget von 1851 fixed in August 1850, aber erst closed im
Jahr 1854) und legte andern Teil dem Jahr 1853 zur Last. Nach¬
dem er im Gegensatz zu Louis Philippe sein régime mit N o D e-
ficit angekündigt, genierte er sich nicht im geringsten, 1853
5 gleich die größte floating debt zu präsentieren, die seit 1800 in
Frankreich erhört war. Als Passy ihm als Finanzminister 1849
vorschlug, die floating debt zu limitieren und fundieren, entließ
er ihn sofort und engagierte Achille Fould. Sein Finanzsystem,
genau betrachtet, ist das von Louis Philippe, nur sans gêne und
io mit obligaten slights-of-hand und zur Spitze getrieben.
Wegen der Cyclopädie schicke ich Dir das Nötige, sobald ich
die erste freie Zeit.
Dein K. M.
Merci für den übersandten Artikel. Der eine Mann, den du
is nicht herausbuchstabieren konntest, war Lord Burleigh.
Beste Grüße an Schramm.
464. Engels an Marx in London; Jersey 1857
Oktober 29.
3, Edward Place, Jersey, 29. Oktober 1857.
20 Lieber Marx,
Heute über acht Tage gehe ich nach Manchester zurück ; welchen
Weg ich nehme, weiß ich noch nicht. Heckscher, den ich auf Grund
Deines Briefs noch nachträglich (vorher hatte ich ihn natürlich
schon angefragt wegen der Rückreise) wegen der Lebensgefähr-
25 lichkeit der Rückfälle examinierte, schreibt so, daß ich schließen
muß, daß er die Lebensgefährlichkeit auf den alleinigen Fall re¬
duziert, wenn die Lunge angegriffen werde, und daß das bei mir
nicht der Fall sein werde, dafür will er einstehn. Er meint, jeden¬
falls nütze mir Jersey jetzt nicht viel mehr, und entweder sei die
30 Geschichte vorüber oder ich müsse viel südlicher gehn; jedenfalls
solle ich nach Manchester, wenn auch bloß versuchsweise; fort
könne ich immer wieder. Jetzt warte ich bloß noch auf Geld, und
dann geht’s fort. Bis dahin wird History of Cannon fertig, und die
andren Sachen mache ich lieber in Manchester, wo ich meine
35 Bücher habe — einiges Kleine vielleicht ausgenommen. Die Liste
für D hätte ich gern bald; sonst kommt uns Mr. Dana wieder zu¬
vor. Was schreibt der Edle sonst, hast Du nichts von ihm gehört?
Das Eisen hat so fürchterlich auf mein Blut gewirkt, daß ich
x) Auf dem Briefpapier eine Abbildung von Princes Tower, Jersey.
236
(464) 1857 Okt. 29
einen ganz wilden Puls bekommen habe und mir fortwährend das
Blut zu Kopf steigt; ich bin wie besoffen davon und ganz unklar
im Kopf; auch kann ich vor lauter Aufregung des Nachts nicht
schlafen. Ich hab’s also wieder suspendieren müssen. Wenn ich’s
in Manchester wieder anfange, werd’ ich die Dosen sehr beschrän- 5
ken müssen.
Schramm wird von der voranschreitenden Jahrszeit doch sehr
mitgenommen. Er kann jetzt natürlich nur sehr wenig ausgehn und
kommt höchst selten und nur mit Mühe zur Stadt. Der alte Phi¬
lister^, den ihm sein Bruder zugeschickt hat, ist ein großer w
Schweinigler, der eine Masse Berliner Klatsch weiß, sonst aber
langweilig und dumm. Er kann aber den Herm Bruder im Inter¬
esse von Konrad treten, und das hat er mir auch versprochen.
Schramm hat sich eine Türe in die Wand zwischen seinem Schlaf¬
zimmer und Wohnzimmer brechen lassen, so daß er ersteres etwas w
mitheizt und nicht im Winter heraus auf die Diele muß. Das hat
denn auch dem Wohnungensuchen ein Ende gemacht. Der arme
Teufel wird schwerlich übers Frühjahr kommen.
Harney ist immer dummer geworden. Die Feudalgeschichten
hier sind wirklich derart, daß er a deal of political capital draus 20
machen könnte, aber er versteht sie gar nicht einmal und verdirbt
dem kleinen Advokaten, der ihm das Material und sogar die fer¬
tigen Artikel gibt, noch obendrein die besten Pointen. Es ist
übrigens sehr viel Humor in dieser posthumen Feudalwirtschaft
hier, und der ganze Dreck ist unendlich lächerlich. Ein moderner 25
Advokat als Seigneur, und die shopkeeper von Saint Helier als
Vasallen, die Maskerade ist ganz spaßhaft. Die Kerls halten jetzt
feudale Gerichtshöfe ab, der prévôt du seigneur ist ein carver und
gilder, der kein Wort französisch kann, und obwohl zweite Haupt¬
person, gar nicht versteht, was vorgeht. Der Seigneur droht seinen so
ungehorsamen Vasallen, deren ca. 60—70 Prozent der ganzen
Zahl sind, die Häuser konfiszieren zu wollen, und die Vasallen-
— Drapers und tallowchandlers — drohen, Gewalt mit Gewalt zu
vertreiben. Voilà der gegenwärtige Stand.
Wenn Du mir Montag, aber in time for the mail schreibst, so 35
trifft mich Dein Brief noch hier; ob ich am Donnerstag noch hier
bin, weiß ich nicht genau.
Beste Grüße an Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.
Die Sepoys müssen die enceinte von Delhi schlecht verteidigt
haben ; der Hauptwitz war Häuserkampf, wobei die native troops
wahrscheinlich vorgeschickt wurden. Die eigentliche Belagerung
hat also vom 5.—14. gedauert; was folgte, war keine Belagerung
x) Hermann Buck
Z. 9-17.
19-34.
(464) 1857 Okt. 29
237
mehr. Diese Zeit war hinreichend auf 300—400 Yards, wo sie
schon am 5. oder 6. waren, mit den schweren Schiffskanonen in
das ungedeckte Mauerwerk Breschen zu legen. Die Geschütze auf
der Mauer scheinen nicht besonders bedient gewesen zu sein, sonst
5 hätten die Engländer sich nicht so rasch nähern können.
Der American crash ist herrlich und noch lange nicht vorbei.
Den Sturz der Masse der Importhäuser haben wir noch zu er¬
warten, bis jetzt scheinen nur einzelne gefallen zu sein. Die Rück¬
wirkung auf England scheint auch in der Liverpooler Borough-
io Bank eröffnet. Tant mieux. Der Handel ist jetzt wieder auf drei
bis vier Jahre Klatsch, nous avons maintenant de la chance.
Ich habe nicht einen stamp im Hause, und es ist 12 Uhr Nacht.
465. Marx an Engels in Jersey; [London 1857]
Oktober 31.
15 31. Oktober.
Dear Frédéric,
Zwei Briefe von Dana erhalten. Ersten, daß Army noch zur
Zeit gekommen. Zweiten, daß infolge der commercial crisis alle
europäische Korrespondenten außer mir und Bayard Taylor ab-
2o gedankt sind ; ich mich aber nun strictly auf one article per week
einzuschränken. Ich hatte in der letzten Zeit versucht, durch diese
Schranke durchzubrechen; ich solle einstweilen ausschließlich
schreiben über Indian war und Financial Crisis.
Wenn ich die history of Cannon noch bis Freitag haben kann,
25 it would be a great boon. Sobald die nächste Mail ankommt von
Indien, mußt Du mir etwas ausführlich über die Delhigeschichte
schreiben, oder vielmehr den Artikel, da er diesmal rein tech¬
nisch sein muß, if possible, ganz machen.
Unter der Rubrik „Blücher“ hatte ich den Kerls about acht
so Druckseiten geschickt, nämlich als Sousrubrik „The Silesian army
in the campaigns etc.“ Da ich die Zeit damit verlieren mußte,
Clausewitz, Müffling etc. zu lesen, mußte doch einiger Schaden¬
ersatz da sein.
Was Deine Resolution wegen Manchester betrifft, so scheint sie
35 mir, unter den Heckscherschen^ limitations, quite rational. Allen
sagt auch, daß die lebensgefährlichen Wirkungen rein im Falle des
Ergriff en werdens der Lunge; daß aber jeder sich in der ersten
Zeit nach solcher Affaire in acht nehmen muß.
Die Portionen Eisen mögen etwas zu stark gewesen sein. Jeden-
4o falls aber wird die Nachwirkung desselben auf Deinen body famos
sein. Seit einigen Tagen wird das Wetter hier gut.
l) Im Orig. Heckerschen
Z. 12.
238
(465) 1857 Okt. 31
I should much like, old boy, to see you before your retum to
Manchester. Einige Schicksalsironie ist darin, daß ich mit den
verdammten Krisen persönlich verknittert bin. Welche satisfaction
für Heinzen, s’il le savait.
Die Nachricht as to Schramm immer betrübend, obgleich vor- *
herzusehn. Was sagst Du zu Cavaignacs death und dem Blödsinn
unsres Landesvaters?
Mit den besten Grüßen der whole family.
Dein K. M.
466. Engels an Marx in London; London [1857
November 6].
Freitag morgen.
Lieber Mohr,
Statt zu Dir zu kommen, bin ich richtig wieder verdammt zu
heißen Umschlägen auf vier Tage. Mein Gesicht ist wieder sehr is
schlimm und die ganze Geschichte hat wieder von vom angefangen.
Diesmal will ich’s aber ordentlich kurieren. Meine Abreise nach
Manchester ist natürlich dadurch in infinitum verschoben. Wenn
die Sache sich rasch macht, kann ich vielleicht Montag einmal
wieder herauskommen. 20
Falls inzwischen was Neues bei Dir sich ereignen sollte, so
schreib mir zwei Zeilen, Du weißt ja die Adresse, 7 Grove Hill,
Camberwell.
Ich ennuyiere mich rather, wie Du denken kannst, infolge die¬
ser Geschichte, aber que faire? 25
Grüß Frau und Kinder herzlich.
Dein F. E.
467. Marx an Engels; 1857 November 13.
13. November 1857.
Lieber Engels, 3o
Donnerstag vor acht Tagen wartete ich an den zwei mir ange¬
gebnen Punkten, was allerdings einer zu viel war, von elf zu drei
Uhr. Dann gab ich die Sache auf in despair.
Ich kann nur wenige Zeilen schreiben, da der Artikel mir nur
einige Minuten bis zum Postschluß gelassen. Schreib’ mir definitiv, 35
wann ich „cannon“ haben kann. Es handelt sich hier darum, in
einem entscheidenden Moment (für mich) Ware nach Amerika zu
schicken.
Nr. 466.
Z. 30-37 -
(467) 1857 Nov. 13
239
Ich habe einstweilen nichts über Indien geschrieben. Ich muß
darüber einiges exakt Militärisches haben, da die events mich und
die Tribune gewissermaßen blamiert haben.
So sehr ich selbst in financial distress, habe ich seit 1849 nicht
5 so cosy gefühlt als bei diesem outbreak. Du kannst außerdem dem
Lupus zu seiner Beruhigung sagen, daß ich in einem gründlichen
article der Tribune, now that the whole Statement is before us,
und selbst von der bloßen Tabelle der discount-rates von 1848 bis
1854 bewiesen habe, daß die Krise normal zwei Jahr früher hätte
jo eintreffen müssen. Auch die delays erklären sich nun so rationell,
daß selbst Hegel zu seiner großen satisfaction den „Begriff“
wiedergefunden haben würde in dem „empirischen Auseinander
der Welt der endlichen Interessen“.
Salut.
16 Dein K. M.
Schick mir jetzt, wie Du angefangen, möglichst viel Manchester¬
blätter. Nicht nur für die Tribune. Ich denke für das Vaterland
über die Krise zu schreiben.
468. Engels an Marx; 1857 November 15.
20 Manchester, 15. November 1857.
Lieber Marx,
Es tut mir leid, daß Du vorigen Montag gewartest hast — ich
kam erst nach sechs in Euston Square an, thanks to bad arrange¬
ments of the Railway Company in Brighton, und fuhr selbe Nacht
26 nach Manchester.
Die Gesundheit ist gut, die Leute sind alle verwundert, auch
Heckscher, daß ich mich so erholt. Das Gedächtnis ist noch
schwach, ein bißchen dulness besteht, und ich kann keinen Alkohol
mehr vertragen. Das letzte Loch ist im schönsten Heilen. Reiten
so und reduziertes Comptoirarbeiten muß dem abhelfen; was letzteres
betrifft, habe ich mich in Übereinstimmung mit unsrer Fabrik auf
short time gesetzt.
Cannon sollst Du bis zur nächsten Freitagspost positiv haben.
Eher ist’s nicht möglich. Es werden ca. zehn lange Blätter. Der
35 Rest von C kann bald folgen ; das sind meist kleine Lumpereien, die
hier bei meinen Büchern rasch abzumachen sind.
Sobald ich irgend in meinen eignen Geldverhältnissen etwas
klar sehe (die sehr in Konfusion sind), will ich Dir Geld schicken.
Die Krisis entwickelt sich diesmal etwas eigentümlich. Der
io Aktienschwindel in Frankreich und Deutschland hat schon seit
einem Jahr beinah in einer vorläufigen Krisis gelegen; jetzt erst ist
z. -1-3.
29.
240
(468) 1857 Nov. 15
der Hauptaktienschwindel in New York zum Kollapse und dadurch
alles zur Entscheidung gekommen. Das Merkwürdige ist, daß die
Yankees zwar, wie immer, mit ausländischem Kapital, aber dies¬
mal besonders mit kontinentalem geschwindelt haben. Die Bureau-
kraten und Rentiers, die in Deutschland alles für sich aufgekauft s
haben, was nur amerikanisch war, werden schön bluten müssen.
Die Vorkrisis des kontinentalen Aktienschwindels und die wenigen
direkten Berührungspunkte, die er mit dem amerikanischen hatte,
verzögern die sofortige zerstörende Rückwirkung der amerika¬
nischen auf die kontinentalen Schwindelgeschichten, doch wird das io
bald kommen.
Die Spekulation hatte außer den Aktien alle Rohprodukte und
Kolonialwaren ergriffen, also auch alle Manufakturwaren, bei
deren Preisen der des Rohprodukts noch stark durchklingt; und
also je näher nach dem Rohprodukt und je teurer das Rohprodukt, 15
desto mehr Gam, mehr als rohe Gewebe, diese mehr als gedruckte
und buntgewebte Seidenwaren, mehr als Baumwollwaren. In Seide
hatten wir hier eine Vorkrisis seit August, ca. 20 Fabrikanten
fallierten mit einer Masse, die ich auf nicht unter ^200000 an¬
schlagen möchte, und bei der im besten Fall 35—40% heraus- 20
kommen. Wir sitzen mit £ 6000 drin, macht auf mein Teil £ 300! !
oder nach Bezahlung der Dividenden im günstigsten Fall noch
^180. Unter diesen Umständen werde ich wohl mit meinem Alten
ein neues Abkommen treffen müssen. Dies beiläufig. Die Seiden¬
krisis geht noch voran. Das Falliment von Bennoch, Twentyman & 25
Rigg (Konkurrenten von Blank) reitet in Coventry fünf Fabrikan¬
ten von Seidenbändem mit 100 000 £ herein, davon der größte
^40 000, der kleinste ^ 6000. T. C. Reed & Co. Derby, bedeutende
Seidenspinner, Doublerer und Fabrikanten, sind außerdem gleich
nach und infolge von Bennoch falliert. In Glasgow sind außer den 30
30 in den Blättern angeführten noch eine ganze Menge mittlerer
und kleiner Leute gepurzelt, ohne daß jemand danach fragt oder
davon spricht. Ob das Haus Emst Dronke auch unter der Zahl ist,
weiß ich nicht. Vielleicht hat er nicht den Verstand gehabt, den
Zeitpunkt zu einem ehrenvollen Exit zu benutzen. 35
Wie es mit dem Baumwollenmarkt dies Jahr gegangen hat,
siehst Du aus beiliegender Zeichnung, die nach den offiziellen ge¬
druckten Berichten unsres Maklers von mir angefertigt ist. Wo die
wagerechte schwarze Linie in die Mittellinie zwischen zwei
Achtel fällt, heißt das, der Preis war das dazwischenliegende, ein 40
Sechzehntel, also z. B. zwischen 73/s und 7'12 heißt 7*!^ d.
Was die industrielle Produktion selbst betrifft, so scheint der
übergroße Vorrat in Amerika hauptsächlich im Westen zu liegen;
in den östlichen Häfen ist der Vorrat an Manufakturwaren nach
allen Richtungen, die ich habe, sehr gering. Daß dieser aber auch 43
z. 12-41.
(468) 1857 Nov. 15
241
schon a drug on the market ist, beweist die Rücksendung ganzer
Ladungen von New York nach Liverpool. Hier arbeiten drei Vier¬
tel der Spinner auf Vorrat, nur ein Viertel höchstens hat noch
einige laufende Kontrakte. Short time beinahe ganz allgemein. Ein
j sehr aktives Gamkommissionshaus hier, das vor drei Wochen noch
für ^45 000 Kontrakte laufen hatte, hat jetzt nur noch für 3000,
so rasch haben die Spinner abliefem können, selbst bei short time.
Die eigentümlich günstigen Nachrichten von Madras und Bom¬
bay (Verkäufe mit Profit, seit 1847 nicht mehr dagewesen)
io machen das indische Geschäft belebter. Alles wirft sich darauf,
was nur kann. S. Mendel, indian Agent, hat sein ganzes großes
Warehouse zum Ärger der andern Kommissionäre bis 10 Uhr
abends erleuchtet und schickt fort, was das Zeug hält. No doubt,
Hunderte von Spinnern und Webern konsignieren dahin. Dort be-
15 reitet sich also eine Reservekrise vor, für den Fall, daß dieser erste
Stoß nicht imstande ist, den alten Dreck umzuwerfen.
Der allgemeine Aspekt der hiesigen Börse war höchst ergötzlich
in der vorigen Woche. Die Kerle ärgern sich schwarz über meine
plötzlich sonderbar gehobene Laune. Indeed die Börse ist der ein-
2o zige Ort, wo meine jetzige dulness sich in Elastizität und bouncing
verwandelt. Dabei prophezeie ich natürlich immer schwarz; das
ärgert die Esel doppelt. Am Donnerstag war der Zustand am
jammervollsten, Freitag grübelten die Herren über den möglichen
Effekt der Bankaktsuspension, und da Cotton wieder Id. stieg, hieß
25 es: wir sind über das Schlimmste weg. Bis gestern war aber schon
wieder die erfreulichste despondency eingetreten; die ganze Glorie
war reine Redensart und fast kein Mensch wollte kaufen, so daß
der hiesige Markt schlecht blieb wie vorher.
Was dieser Krisis eine glänzende Entwicklung verspricht, ist
so die sofortige Notwendigkeit der Bankaktsuspension beim ersten
Stoß. Dadurch wird die Bank selbst direkt hereingeritten. 1847
war es doch möglich, die Sache von 1845 an bummeln zu lassen
und erst im allerletzten und schlimmsten Moment zu dieser Ma߬
regel zu greifen.
35 Für Ausbreitung und Fortdauer der Krise ist auch gesorgt. Die
Seidenkrisis, die schon die größte Masse Seiden-(handloom) weber
außer Brot gesetzt, und die short time allein sind hinreichend, den
home trade für den Winter vollständig zu ruinieren, bis Ende Okto¬
ber ging er noch gut. Die amerikanische Krisis reitet die Barmer
io und Elberfelder smallware manufacturers, die Elberfelder und
Krefelder und Lyoner Seidenfabrikanten, die deutschen, franzö¬
sischen und belgischen Tuchfabrikanten tief in die Sauce. Die
smallware manufacturers von Barmen leiden noch besonders durch
Bennoch, Twentyman. Draper, Pietroni & Co. reiten Italien, be-
45 sonders Mailand, die Herzogtümer, Bologna etc. herein.
MarxEngels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 16
Z. 26 (die ganze)—27 (Redensart).
242
(468) 1857 Nov. 15
Wenn Baumwolle nicht auf 6 d. pro Pfund kommt, ist keine,
selbst momentane Wiederbelebung der Baumwollenindustrie hier
möglich. Und jetzt steht sie noch auf 7 à 7^4 d. Daraus siehst Du,
wie wenig hier die Sache nur die Möglichkeit einer Wendung er¬
reicht hat. Trotzdem ist im Frühjahr eine momentane Wendung 5
möglich und sogar wahrscheinlich, eine Wendung nicht zum „guten
Geschäft“, aber doch so, daß wieder Geschäfte gemacht werden
können, so daß die Handelsmaschinerie im Gang bleibt und nicht
einrostet. Bis jetzt hat keine Krisis sich so rasch und mit einem
Schlage ausgelebt, und diese, die auf zehn Jahre Prosperität und io
Schwindel folgt, ist am wenigsten dazu geeignet. Auch ist kein
neues Australien und Kalifornien mehr da zur Rettung, und China
auf zwanzig Jahre im Dreck. Die Heftigkeit dieses ersten Schlags
aber zeigt, welche kolossalen Dimensionen die Sache nimmt. Nach
der enormen Goldproduktion und der entsprechenden kolossalen u
Ausdehnung der Industrie ist dies auch nicht anders möglich.
Es wäre zu wünschen, daß erst diese „Besserung“ zur chro¬
nischen Krise einträte, ehe ein zweiter und entscheidender Haupt¬
schlag fällt. Der chronische Druck ist für eine Zeitlang nötig, um
die Bevölkerungen warm zu machen. Das Proletariat schlägt dann 20
besser, in bessrer connaissance de cause, und mit mehr Einklang;
grade wie eine Kavallerieattacke viel besser ausfällt, wenn die
Pferde erst eine 500 Schritt traben mußten, um an den Feind zur
Carrieredistanz zu kommen. Ich möchte nicht, daß es zu früh etwas
gäbe, ehe ganz Europa vollständig ergriffen ist, der Kampf nach- 25
her würde härter, langweiliger und mehr hin und her wogend. Mai
oder Juni wäre fast noch zu früh. Die Massen müssen durch die
lange Prosperität verdammt lethargisch geworden sein. Unsre
Freunde Kinkel & Co. werden aber jetzt Wechsel auf Sicht für eine
Revolution bei uns zur Zahlung präsentieren, das steht zu erwarten; 30
never mind, wir werden sie den Herren noch früh genug zahlen.
Daß Du über diese Krisis Material sammelst, ist sehr schön. Ich
schick heute wieder zwei Guardians, Du sollst ihn regelmäßig und
den Examiner und Times von Zeit zu Zeit erhalten. Auch werde ich
Dir möglichst oft alles rapportieren, was ich erfahre, damit wir 35
einen guten stock of facts haben.
Mir geht es übrigens wie Dir. Seitdem der Schwindel zusammen¬
brach in New York, hatte ich keine Ruhe mehr in Jersey, und ich
fühle mich enorm fidel in diesem general downbreak. Der bürger¬
liche Dreck der letzten sieben Jahre hatte sich doch einigermaßen 40
an mich gehängt, jetzt wird er abgewaschen, ich werde wieder ein
andrer Kerl. Die Krisis wird mir körperlich ebenso wohl tun wie
ein Seebad, das merk’ ich jetzt schon. 1848 sagten wir: jetzt kommt
unsere Zeit, und sie kam in a certain sense, diesmal aber kommt sie
vollständig, jetzt geht es um den Kopf. Meine Militärstudien wer- 43
z. 1-16.
(468) 1857 Nov. 15
243
den dadurch sofort praktischer, ich werfe mich unverzüglich auf
die bestehende Organisation und Elementartaktik der preußischen,
östreichischen, bayerischen und französischen Armeen, und außer¬
dem nur noch auf Reiten, d. h. Fuchsjagen, was die wahre
5 Schule ist.
Grüße Deine Frau und Kinder herzlich. Die werden auch fidel
sein, trotz des Pechs, aus dem es mich Tag und Nacht ärgert, daß
ich Dich nicht herausreißen kann.
Dein F. E.
io In Failsworth, vier Meilen von hier, ist gestern ein Fabrikant
Liddle in optima forma und unter Verlesung des burial service
durch einen als Pfaffen angezognen Weber in effigie gehangen wor¬
den. Statt der Stelle „May the Lord have mercy upon your soul“,
las er: „May the Lord blast your soul66. — Now is the time for
a Jones, wenn er sie nur zu benutzen versteht.
469. Engels an Marx; 1857 November 16.
Manchester, 7, Southgate, 16. November 1857.
Lieber Marx,
Hierbei die gestern vergessene Tabelle. Ich sehe eben, daß alles
20 über Delhi im Guardian heute steht. Ich gehe jetzt nach Hause
(6 Uhr) und werde mein möglichstes tun, es durchzulesen, und Dir
den Artikel, wenn auch kurz, zurechtzumachen, er kann mit der
zweiten Post abgehn, ich denke noch vor 12 Uhr damit fertig zu
werden. An Ordnen und Stilisieren ist bei dieser kurzen notice
25 nicht zu denken.
Ob ich Dir unter diesen Umständen Cannon bis Donnerstag
abschicken kann, ist sehr zweifelhaft. Es bleiben nur zwei Abende,
und ich kann nicht jeden Abend schreiben, ohne toll im Kopfe zu
werden. Es wird also wohl bis heute über acht Tage liegen müssen.
so Dein F. E.
470. Engels an Marx; 1857 November 17.
Manchester, 7, Southgate, 17. November 1857.
Lieber Marx,
Ob der Artikel gestern noch rechtzeitig kam, ist zweifelhaft. Als
35 ich auf die Post kam, war es eben 12 Uhr durch und die Box ge¬
schlossen. Ich warf ihn also in die Extra Box, er muß also heut
1) Von diesem Briefe fehlt das Original.
16 ♦
Nr. 470.
Gang der Preise von Middling Orleans Baumwolle seit 1. Januar 1857.
Bis Ende Juli 2 Daten, später 3 Daten pro Monat angegeben. 12. Nov. momentan tiefster Stand, als die Western Bank of
Scotland ihre Vorräte à tout prix losschlagen ließ. 13. Nov. ungefähr Stand 7 d., die Makler haben nicht quotiert.
[Zu Brief 469.1
(470) 1857 Nov. 17
245
morgen 9.15 von hier abgegangen und 3.45 in London angekom¬
men, also gegen 6 Uhr in Deinen Händen gewesen sein.
In Wien war vor ca. vier Wochen ein Crash in Aktien, bei der
Gelegenheit sollen 105 Häuser dort mit Fl. 14 000 000, oder
5^1 400 000 falliert sein.
Hier ist nichts gemacht worden heute. Morgen bekommst Du
ein ganzes Pack Guardians, und auch hoffentlich einiges Geld von
mir.
Dein F. E.
471. Marx an Engels; 1857 November 24.
November 24. 1857.
Dear Frederick,
Du mußt mich entschuldigen, daß ich weder den Empfang des
Geldes, Artikels, noch diverser Briefe angezeigt habe. Domestic
affairs haben meine Zeit so mit Hin- und Herlaufen in Anspruch
genommen, daß kaum die nötige Zeit zum Arbeiten blieb. —
Die monetary panic in London hat einigermaßen subsided in
den letzten Tagen, wird aber bald von neuem beginnen, wozu unter
anderm Fould beitragen wird, der mit einem französischen Bank-
2o direktor hier angelangt ist, um den Geldexport von England nach
Frankreich zu regulieren. Die Suspension des Bankaktes selbst
konnte natürlich nur so weit wirken, als sie das künstliche surplus
der Panics abnahm, das der Akt geschaffen hat. Das banking
department hätte sich den folgenden Tag insolvent erklären
25 müssen, da der Reservefonds nur noch 400000—500000 St.
betrug, während die deposits — public und private — sich zu über
17 Millionen beliefen. Andrerseits war diese Gefahr rein durch
den Akt selbst produziert, indem der Metallvorrat im issuing de¬
partment nicht tief unter einem Drittel der issued Notes stand. Be-
30 schleunigt hat der Akt den Ausbruch der money panic und ihn da¬
durch vielleicht weniger intensiv gemacht. Indes wird andrerseits
das Pumpen der Bank zum Maximum von 10% (für firstrate pa-
pers) eine Masse Transaktionen in Gang halten, die schließlich
doch zu einem neuen crash treiben. Z. B. das Kom, Zucker etc.
35 werden jetzt noch im Preise gehalten dadurch, daß ihre owners die
für dieselben auf sie gezognen Wechsel diskontieren, statt die
Waren zu verkaufen. Da mir der Fall dieser Warenpreise unver¬
meidlich scheint, glaube ich, daß diese Kerls sich nur einen
schweren Bankrott vorbereiten. Das war exactly the case May 1847.
4o Was in London, im Unterschied von frühem Krisen, den sogenann¬
ten moneymarket noch einigermaßen hält, sind die joint-stock-
banks, die sich eigentlich erst in den letzten zehn Jahren entwickelt
Nr. 470.
246
(471) 1857 Nov. 24
haben. Diese zahlen den Philistern, kleinen Rentiers etc. 1%
weniger Zins, als die offizielle Zinsrate der Bank von England be¬
trägt. Die Lockung von 9% ist zu groß, um ernsthaften Widerstand
zu finden. So disponiert jetzt das Citygesindel in höherem Grad als
je zuvor über die kleinen Kapitalien der Philister. Wenn nur eine s
dieser banks jetzt zusammenbräche, würde das Hallo allgemein.
Es ist sehr bedauerlich daher, daß die Royal British Bank zu früh
explodiert hat.
In Amerika scheint es fast sicher, daß die Protectionists oben¬
auf kommen infolge der Krisis. Dies wird für die Herm Engländer jo
nachhaltiges Pech bewirken.
Ich weiß nicht, ob Steffen Dir schon mitgeteilt hat, daß er Eng¬
land verläßt. Seine Schwester hat nämlich ihr kleines Vermögen
infolge der Krisis (Wie? weiß ich nicht) verloren. Um sie zu sich
nehmen und sich wechselseitig durchschlagen zu können, geht er js
nach Deutschland. Ich glaube, daß der Schritt sehr falsch ist. Wie
ich aus sichrer Quelle weiß, ist die Frau Ruge (die nur ein sächsi¬
sches Patois spricht) die einzige Professorin von Deutsch in Brigh¬
ton, und die Nachfrage übersteigt so sehr die Zufuhr, daß sie jetzt
schon ihre Tochter in demselben trade lanciert. S[teffen]s Schwe- 20
ster würde also in Brighton gutes employment finden, wenn
Sfteffen] selbst mit den Leuten umzugehn wüßte. Apropos Ruge.
Der alte Esel hat einen Prospektus, seit Monaten, in die Welt
geschickt zur Wiederherausgabe der ci-devant Deutschen Jahr¬
bücher. Ihre Hauptbestimmung soll sein: anzukämpfen gegen,den 25
Materialismus, naturwissenschaftlichen und industriellen; item
gegen die grassierende vergleichende Sprachforschung etc., kurz
gegen alles, wozu exakte Kenntnisse nötig sind. Zur Ausführung
verlangt er 1000 Subskribenten à 10 Taler. In den zwei Monaten
haben sich summa summarum 40, sage 40 Schwärmer für die „gei- 30
stige Freiheit“ aufgetan. Die Musterung seines Anhangs in
Deutschland ist, consequently, höchst blamabel ausgefallen.
Von Herm Dronke weiß ich nur, daß er vor Monaten bei Frei¬
ligrath anlag, das Mittelglied für Wechselreiterei (nämlich den
Diskonteur) zu spielen, die er mit dem alten Naut ins Werk zu 35
setzen dachte. Ffreiligrath] ließ ihn natürlich abfahren. Kurz dar¬
auf schrieb er ihm, daß er zwar „ganz gut“ stehe, doch aber bereit
sei als Commis für 200—250 £ Salär irgendwo einzutreten.
Ffreiligrath] soll sich für ihn nach einem Posten derart umsehn.
Dies alles scheint auf ein baldiges Exit aus der kommerziellen Welt jo
zu deuten.
Becker ist aus dem Gefängnis entlassen; Bürgers dagegen neuen
Beschränkungen unterworfen worden.
Du schreibst in einem Deiner Briefe, daß die Fabrikanten nur
vorangehn können mit 6 d. für Baumwolle. Aber wird die große js
Z. 12-22 (wüßte).
33-41.
(471) 1857 Nov. 24
247
Einschränkung der Produktion die cottonpreise nicht notwendig
bald zu dem Punkt herunterbringen?
Jones spielt eine sehr alberne Rolle. Du weißt, daß er — ohne
andre bestimmte Absicht, als in der lauen Zeit irgend einen Vor-
wand für Agitation zu finden — lang vor der Krise eine Chartisten¬
konferenz anberaumt hatte, worin dann zugleich Bourgeoisradikale
(nicht nur Bright, sondern selbst Kerls wie Cunningham) einge¬
laden werden sollten. Es sollte überhaupt ein Kompromiß mit den
Bourgeois geschlossen werden, so daß ihnen das Ballott gegeben
io würde, wenn sie den Arbeitern manhood suffrage einräumten.
Dieser Vorschlag gab Anlaß zu Spaltungen in der Chartistenpartei,
die ihrerseits wieder den Jones tiefer in sein Projekt hereintrieben.
Statt nun die Krise zu benützen, um die wirkliche Agitation mit
einem schlechtgewählten Vorwand für Agitation zu vertauschen,
15 hält er fest an seinem nonsense, chokiert die Arbeiter durch Pre¬
digen des Zusammenwirkens mit den Bourgeois, während er weit
entfernt ist, den letztem das geringste Vertrauen einzuflößen.
Einige der radikalen Blätter kajolieren ihn, um ihn vollständig zu
minieren. In seinem eignen Blatt ist der alte Esel Frost, den er
20 selbst zum Helden herauf deklamiert und den er zum Präsidenten
seiner Konferenz ernannt hat, in einem saugroben Brief gegen ihn
auf getreten, worin er ihm u. a. sagt: Wenn er die Kooperation der
middleclass für nötig halte — und ohne diese sei nichts zu
machen —, solle er bona fide auftreten. Wer ihm das Recht gebe,
25 das Programm der Konferenz aufzusetzen ohn e die Alliierten?
Wer ihn ermächtige, Frost zum Präsidenten zu ernennen und selbst
den Diktator zu spielen etc.? So sitzt er nun in der Patsche und
spielt zum erstenmal nicht nur eine alberne, sondern eine
zweideutige Rolle. Ich habe ihn lang nicht gesehn, will aber
so jetzt ihn besuchen. Ich halte ihn für ehrlich, und da es unmöglich
ist für a public character, in England durch Dumm¬
heiten etc. unmöglich zu werden, so kommt es nur darauf an, daß
er sich sobald wie möglich aus der selbstgelegten Falle herauszieht.
Der Esel soll erst eine Partei bilden, wozu er in die Fabrik-
35 distrikte muß. Dann werden die radikalen Bürger zu ihm für Kom¬
promisse kommen.
Salut. Dein K. M.
472. Engels an Marx; 1857 Dezember 7.
Manchester, 7. Dezember 1857.
io Lieber Marx,
Die Krisis mit dem ewigen Wackeln der Preise und den sich
häufenden Vorräten machte mir vorige Woche viel Schreiberei; ich
konnte Dir also nur Guardians schicken und keinen Brief.
248
(472) 1857 Dez. 7
In Deinem letzten ist ein slight mistake. Du schreibst, „das
Kom, Zucker usw. werden jetzt noch im Preise gehalten dadurch,
daß ihre owners die für dieselben auf sie gezognen Wechsel diskon¬
tieren, statt die Waren zu verkaufen“. Sie, als Bezogne, können
die Wechsel nicht diskontieren ; sie haben mit den Wechseln^ nichts 5
zu tun, als sie zu akzeptieren und bei Verfall zu bezahlen. Die
holders von Waren können sich vor den Zwangsverkäufen nur da¬
durch retten, daß sie Vorschüsse auf die Ware aufnehmen. Dies
wird schwer sein under the circumstances, und jedenfalls redu¬
zieren sich die Beträge dieser Vorschüsse mit dem kolossalen Fall io
im Preise der Waren (35% bei Zucker!) und mit der Gewißheit,
daß, sobald nur einige Zwangsverkäufe doch gemacht werden
müssen, die Waren noch mehr fallen werden. Wo also die holders
früher 2/3 oder 3/< des höheren Werts vorgeschossen erhielten,
bekommen sie jetzt höchstens ¥2 des reduzierten Werts, also is
ca. die Hälfte des früher zu erlangenden Vorschusses. Dies muß die
Sache bald zum Explodieren bringen. Es ist aber auch möglich,
daß der Mincing lane and Mark lane trade noch etwas länger in
langsamem Fallen bleibt und dann erst einige große Falliten darin
eintreten. Daß diese wie auch Falliten in Liverpool und andern 20
Häfen kommen, ist sicher. Was an Zucker, Kaffee, Baumwolle,
Wolle, Häuten, Farbstoffen, Seide usw. verloren wird, ist enorm.
Die Baumwollernte von 1857, zu 3 Millionen Ballen angenommen
(sie wird 3x/< werden), ist dies ganze lot jetzt ^15 000 000 weniger
wert als im September. Ein hiesiges Haus hat 35 000 Säcke Kaffee 25
schwimmen, an jedem wird ein Pfund verloren. Auf ostindische
Baumwolle ist der Verlust ebenso groß — 33%. In dem Maße, als
die für diese Waren gezognen Wechsel fällig werden, müssen auch
die Falliten kommen.
Das große amerikanische Haus, das neulich nach zweitägiger 30
Unterhandlung von der Bank von England eine Million vorge¬
schossen erhielt und sich dadurch rettete, war Mr. Peabody, der
4th July-anniversary-Dinner-Mann. Neuerdings sollen sogar
die unerschütterlichen Suse & Sibeth, die einzigen außer Früh¬
ling & Göschen, deren Wechsel in Ostindien nach 1847 negoziier- 35
bar waren ohne Ladungsschein der Ware als Garantie, genötigt
gewesen sein, die Bank um Rettung anzuflehn. Diese Sfuse] &
S[ibeth] sind die größten Knicker und so ängstlich, daß sie lieber
gar keine Geschäfte machten, wenn es anginge, um nichts zu ris¬
kieren. 40
Hier sieht es noch immer aus wie früher. Vor acht bis zehn
Tagen kamen plötzlich die indischen und levantinischen Käufer in
den Markt, versahen sich zu den niedrigsten Preisen mit ihrem Be-
9 Im Orig, dem Wechsel
(472) 1857 Dez. 7
249
darf und halfen dadurch einigen schwer mit Baumwoll-, Garn-
und Stoffvorräten belasteten Fabrikanten aus dem ärgsten Pech.
Seit Dienstag (4. November?)1) ist wieder alles still. Die Kosten
laufen fort für den Fabrikanten, Kohlen, Ölschmiere usw. bleiben
<5 ganz dieselben bei short and full time, nur wages sind um ein
Drittel bis zur Hälfte reduziert. Dabei wird nichts verkauft, und
das floating capital ist bei den meisten unsrer Spinners and Manu-
facturers sehr knapp, und viele sind durch und durch faul. Acht
oder neun kleine sind dieser Tage schon gepurzelt, aber das ist
io nur das erste Symptom, daß die Krisis diese Klasse erreicht. Heute
hör ich, daß die Cookes, die Besitzer der kolossalen Fabrik in
Oxford Road (Oxford Road Twist Comp.) ihrehunters, foxhounds,
greyhounds usw. verkauft haben, daß einer seine Dienstboten ent-
und seinen Palast verlassen hat, to be let. Kaputt sind sie noch
15 nicht, werden aber wohl bald fliegen. Noch vierzehn Tage, und der
Tanz ist hier vollständig im Gange.
Durch Sewells und Necks Fallissement wird Norwegen schwer
mitgenommen; bisher war es noch nicht betroffen.
In Hamburg sieht es großartig aus. Ullberg und Cramer (Schwe-
20 den, die mit Schulden von Banko Mk. 12000000 falliert sind —
worunter 7 Millionen Wechsel auf sie! ) hatten ein Kapital
von nicht mehr als 300 000 Mark!! Eine Masse Kerls
sind bloß dadurch hereingeritten, daß sie für einen einzigen fäl¬
ligen Wechsel keine baribus auftreiben konnten und vielleicht den
25 hundertfachen Betrag in momentan wertlosen Wechseln im Pult
hatten. So komplett und klassisch ist noch nie eine Panic gewesen
wie jetzt in Hamburg. Alles ist wertlos, absolut wertlos
außer Silber und Gold. Christ. Matth. Schröder, ein sehr altes
reiches Haus, fallierte auch vorige Woche. Der J. H. Schröder
30 & Co., London (sein Bruder) telegraphierte, wenn zwei Millionen
Mark Banko hinreichend wären, wolle er das Silber dafür
schicken. Antwort: drei Millionen oder gar nichts. Die drei Mil¬
lionen konnte er nicht missen und Christian Matthias flog. Wir
haben Debitoren in Hamburg und wissen gar nicht, ob sie noch
33 existieren oder kaputt sind. Die ganze Geschichte in Hamburg be¬
ruht auf der großartigsten Wechselreiterei, die je gesehen worden.
Zwischen Hamburg, London, Kopenhagen und Stockholm ist dies
am tollsten getrieben worden. Der amerikanische crash und der
Fall in Produkten brachte dann die ganze Geschichte an den Tag,
to und für den Moment ist Hamburg kommerziell vernichtet. Die
deutschen Industriellen, besonders in Berlin, Sachsen, Schlesien,
werden damit wieder schwer gepackt.
Baumwolle ist jetzt auf 69/i0 d. für Middling und wird wohl
1) (4. November?) von Marx hinzugefügt.
Z. 19-42.
250
(472) 1857 Dez. 7
bald auf 6 d. kommen. Die Fabriken hier aber können erst dann
wieder volle Zeit arbeiten, wenn durch ihre dadurch gesteigerte
Produktion der Preis nicht wieder sofort über 6 d. getrieben
wird. Das würde jetzt aber sofort der Fall sein.
Unter den Philistern hier wirkt die Krisis stark aufs Trinken. «
Niemand kann es zu Hause allein mit der Familie und den Sorgen
aushalten, die Klubs beleben sich, und die Konsumtion von liquor
wächst stark. Je tiefer einer drein sitzt, desto gewaltsamer strebt
er sich aufzuheitem. Am nächsten Morgen ist er dann das schla¬
gendste Exempel von moralischem und physischem Katzenjammer, w
Diese Woche werd’ ich mich wieder an die Enzyklopädie
machen und die C-Artikel möglichst weit bringen. Viel und an¬
dauernd kann ich jetzt nicht arbeiten, das Mögliche soll aber ge-
schehn.
Beste Grüße an Deine Frau und Kinder. w
Dein F. E.
Lupus ist auch in die Krise verwickelt, es wird aber sein Glück
sein. Sein Samson hat falliert, dadurch bekommt er die Morgen¬
stunden frei.
473. Marx an Engels; 1857 Dezember 8.
8. Dezember 1857.
Dear Frederick,
Als ich Dir den letzten Brief schrieb im oberen Stockwerk, war
meine Frau im untern belagert von hungrigen Wölfen, die alle die
„heavy times“ zum Prätext machten, um ihr Geld abzupressen, 25
dessen sie bar war. (Zum Glück kamen wenige Tage später 15£ St.
von Deutschland, die erlaubten to shift off the evil day for a week
or a fortnight.) Well. In sotanen Umständen war ich ein rather
konfuser Schreiber, aber doch nicht zu dem Grad konfus, daß ich
nicht denselben Abend nach Abgang des Briefes mich der Kon-
fusion erinnert und meiner Frau erzählt hätte, welches lange Ge¬
sicht Du schneiden würdest, wenn ich die Schuldner Geld auf¬
nehmen ließe auf die Wechsel, die sie selbst zu zahlen haben etc.
Ich habe sie, die bedeutend angegriffen ist von der „petite guerre“
mit allerlei Lumpenpack, die ganze Zeit durch erheitert mit Re- «
flexionen über die Art und Weise, wie Du mir das in der gra¬
ziösesten Weise beibringen würdest. Doch konnte ich kaum so weit
gehn, zu erwarten, daß Du den ridiculous blunder zu einem „slight
mistake“ abdämpfen würdest. My best thanks for this grâce, Sir.
Was nun die Sache selbst angeht, so haben die Kerls in Mincing-
Lane und Mark-Lane nach dem Economist allerdings wieder
(473) 1857 Dez. 8
251
Ioans auf ihr produce erhalten, aber dies move hat aufgehört un¬
gefähr seit vorigem Mittwoch. Kom speziell hatte sogar wäh¬
rend ein paar Tagen eine upward tendency, fiel aber (eigentlich
Mehl) 3 sh. per 280 Ibs. infolge der French decrees, die den
5 Export von Kom und Mehl freigeben, bedeutend gestern infolge
des downbreak der Kompreise in Baltic. (Notabene: Bonapartes
Maßregel hatte nur temporären Effekt in Frankreich; die Preise
stiegen ein wenig in Frankreich, aber das Steigen produzierte so¬
fort increased supplies, die bisher noch nicht auf den franzö-
io sischen Markt geworfen waren.) Einige Komhändler haben hier
falliert, doch noch unbedeutende Häuser und nur operators upon
grain for distant delivery. Die großen American shipments kom¬
men im spring; die Franzosen werden England mit Kom bombar¬
dieren at any price, sobald die pressure dort more serious wird.
15 Nach meiner Ansicht — wenn nach der alten Regel jetzt ein paar
gute Herbste folgen — werden die Effekte des repeal der com-
laws auf landlords und farmers erst jetzt in England zur
Wirkung kommen, und die antiquated agricultural distress aufs
schönste sich erneuern. Der gute hometrade infolge der industriel-
2o len prosperity und viel schlechte Herbste haben das Experiment
von 1847—1857 nicht vor sich gehn lassen und den repeal to a
dead letter gemacht.
Mit der Tribune habe ich eine satisfaction erlebt. Den
6. November schrieb ich ihr in einem Artikel, worin ich den Bank-
25 akt von 1844 explanierte, daß die Farce der Suspension in ein
paar Tagen erfolgen werde, daß aber nicht so großes Wesen aus
diesem monetary panic zu machen sei. Die wahre affaire sei der
industrial crash, der bevorstehe. Die Tribune druckte dies als
leader. Die New York Times (die in ein Feudalverhältnis
3o zur London Times getreten ist) antwortete three days later
der Tribune, erstens die Bank werde nicht suspendieren,
lobte den Akt in der Art der moneyarticle writers von Printing
House square^ und erklärte den talk von „industrial crash“ in
England für „simply absurd“. Dies tat sie am 24. Den Tag darauf
35 bekam sie per Telegrafnm vom Atlantic die Nachricht, daß die
Bank suspendiert habe und zugleich Nachrichten von dem
industrial distress. Es ist übrigens schön, daß Loyd-Overstone jetzt
mit dem wahren Grund seines Fanatismus für das Gesetz von
1844 hervorgetreten — weil es den „hard calculators“ erlaube,
to 20—30% herauszuschrauben aus der commercial world.
Daß die Kapitalisten, die sehr gegen das „droit au travail“
schreien, nun überall von den Regierungen „öffentliche Unter¬
stützung“ verlangen und in Hamburg, Berlin, Stockholm, Kopen-
*) Gebäude der Londoner Times.
252
(473) 1857 Dez. 8
hagen, England selbst (in der Form der Suspension der Akte),
also das „droit au profit“ auf allgemeine Unkosten geltend
machen, ist schön. Ebenso daß die Hamburger Spießbürger sich
geweigert haben, fernere Almosen für die Kapitalisten zu geben.
Das Befremdende an der ganzen Geschichte ist die affaire in 5
Frankreich, und wie sie von der Mehrzahl der englischen Presse
behandelt wird. Wurde nach dem amerikanischen collapse John
Bull als der ruhige, self-possessed merchant dem Bruder Jonathan
gegenübergestellt, so jetzt Jacques Bonhomme dem John Bull. Der
Paris correspondent des London Economiste bemerkt sehr naiv io
darüber: „There has been not the slightest disposition to
have a panic, though circumstances certainly appeared to
justify one, and though the French have heretofore been extre-
mely ready to rush into panics on the smallest pretexts.“ Der
Panic, den die französische Bourgeoisie trotz ihres sanguini- is
sehen Temperaments jetzt vor der bloßen Idee eines Panic’s hat,
zeigt sicher am besten, was diesmal ein Panic in Frankreich meint.
Die tugendhafte Disposition der Pariser Bourgeois wird aber nicht
effektiver sein wie die Hamburger Association for discounting the
panic. Der „Observer“ vom vorigen Sonntag erzählt, daß auf die 20
Verbreitung widerlicher Gerüchte gegen den Crédit mobilier alles
auf die Börse stürzte, um à tout prix seine shares loszuschlagen.
Das französische Kapital — trotz der kosmopolitischen
Natur, die Herr Pereire an ihm entdeckt hat — ist im eigentlichen
commerce ängstlich, knickerig und vorsichtig geblieben, wie es 25
immer war. Der Schwindel (der allerdings auch wieder zur Vor¬
aussetzung des soliden commerce und industrie in its tum
wurde) existiert eigentlich nur in Branchen, wo der Staat direkt
oder indirekt der wirkliche employer ist. Daß aber selbst
ein an sich, wie Hegel sagen würde, bankrotter Kapitalist von der 30
Größe des französischen Governments um etwas länger shiften
kann als ein private capitalist, ist sicher. Die Polizeiverhinderung
des bullion-export’s, die praktisch in Frankreich jetzt full vigor ist,
mehr aber noch die Ausfuhr des Produkts der neuem Kom-, Sei¬
den-, Weinernte etc., at which prices whatever, hat für ein paar 35
Wochen den Abfluß des bullions von der Bank von Frankreich
verhindert. Trotz alledem the drain will set in, und wenn es nur in
der Gosse geschieht wie 1856 (Oktober), so ist die ganze Ge¬
schichte im Arsch. Unterdes gehn die französischen Fabrikanten
so rücksichtslos mit ihren Arbeitern um, als ob nie eine Révolu- 40
tion stattgefunden. This will do good. Andrerseits macht Herr Bo¬
naparte die Bank zum Unternehmer der ins Stocken geratnen Eisen¬
bahnbauten. Assignaten werden wohl der nächste Schritt sein, so¬
’) Im Orig. Oekonomist
Z 39-43-
(473) 1857 Dez. 8
253
bald das drain beginnt. Wenn der Kerl courage hat, und solange
er die Armee ordentlich zahlen kann, werden wir dann noch
einer schönen Vorentwicklung zusehn.
Deine Mitteilungen über die Zustände in Manchester sind mir
5 vom äußersten Interesse, da die Zeitungen Schleier darüber
werfen.
Ich arbeite wie toll die Nächte durch an der Zusammenfassung
meiner Ökonomischen Studien, damit ich wenigstens die Grund¬
risse im klaren habe bevor dem déluge.
io Salut.
Dein K. M.
Wie steht’s mit Deiner Gesundheit? Du hast lange kein
bulletin geschickt.
Da Lupus beständig Buch über unsre K r i s e n vorhersagen
15 führte, so erzähle ihm, daß der Economist vom letzten Sonn¬
abend erklärt, die Endmonate von 1853, durch ganz 1854, Herbst
1855 und „the sudden changes of 1856“ habe Europa immer nur
hair breadth escape vom impending crash gehabt.
474. Engels an Marx; 1857 Dezember 9.
2o Manchester, 9. Dezember 1857.
Lieber Mohr,
In Eile noch ein paar Details über die Krise. In Hamburg, wo
die alte vielgeriihmte Girobank mit ihrer Pedanterie die Krise
noch aufs tollste verschlimmert hat, ist folgendes vorgekommen:
25 Schunk, Souchay & Co. hier hatten Wechsel gezogen auf Hamburg
Um ganz sicher zu gehn, schicken sie den Bezogenen, obwohl
die Wechsel für Waren usw. waren, Bank of England seven Day
Bills. Diese wurden mit Protest retourniert, as so much waste
paper, und die Wechsel richtig protestiert. Nichts als Silber sei
3o noch irgend etwas wert! Wechsel mit Schunck, S[ouchay] & Co.-
Endossement und zwei andern ebenso guten Häusern, zwei Monat
lang, haben nicht unter 121/2% vorige Woche diskontiert werden
können.
NB. Wenn ich Dir die betreffenden Häuser nenne, so versteht
35 sich, daß das bloß unter uns ist. Ich könnte in des Teufels Schwu¬
litäten kommen, wenn dergleichen Mißbrauch vertraulicher Mit¬
teilungen an den Tag käme.
Die Liverpooler und Londoner Producehäuser werden bald pur¬
zeln. In Liverpool sieht es greulich aus, die Kerle sind ganz blank
jo und haben kaum noch die Energie zum Fallieren. Die Gesichter
dort an der Börse, sagt mir jemand, der Montag da war, sind noch
z. - 1-3.
34-37.
254
(474) 1857 Dez. 9
dreimal länger als hier. Übrigens zieht sich hier das Gewitter auch
immer schwärzer zusammen. Die Spinner und Fabrikanten zahlen
das Geld, das sie für Waren einbekommen, in Arbeitslohn und für
Kohlen weg, und sowie das aufgegangen ist, müssen sie fliegen.
Der gestrige Markt war deprimierter und schwüler als irgend ein 5
früherer.
Jemand sagte mir, er wisse fünf bis sechs indische Häuser, die
an Produkten dieser Tage zum Teufel gehen müßten.
Die Kerle merken jetzt erst, daß der Geldschwindel das Aller¬
geringste bei der Krise war, und je mehr sie das einsehn, desto jo
schlimmer werden die Gesichter.
Gesundheit gut. Morgen oder übermorgen mehr. Hiermit ein
Pack Guardians. Sieh ja die kleinen Lokalnotizen durch, darin
sind sehr schöne facta.
Dein F. E. is
475. Engels an Marx; 1857 Dezember 11.
Manchester, 11. Dezember 1857.
Lieber Mohr,
Noch immer very busy mit schlechten Schulden und Preis¬
herabsetzen. 20
Bei dieser Krise ist die Überproduktion so allgemein gewesen
wie noch nie, sie ist auch in den Kolonialwaren unleugbar und
ebenso im Kom. Das ist das Famose und muß kolossale Folgen
haben. Solange die Überproduktion sich nur auf die Industrie be¬
schränkte, war die Historie doch nur halb, sowie sie aber auch den 25
Ackerbau und in den Tropen ebensogut wie in der gemäßigten
Zone ergreift, wird die Sache großartig.
Die Form, in der die Überproduktion sich versteckt, ist immer
mehr oder weniger die Ausdehnung des Kredits, diesmal aber
ganz speziell die Wechselreiterei. Die Manier, Geld zu 30
machen durch Tratten auf einen Bankier oder ein „Wechsel¬
geschäfte“ machendes Haus, und diese vor Verfall zu decken,
oder auch nicht, je nachdem die Sache arrangiert war, ist auf dem
Kontinent und bei den kontinentalen Häusern in England Regel.
Die Kommissionshäuser hier alle tun es. Diese Manier ist aufs 35
kolossalste in Hamburg getrieben worden, wo über 100 Millionen
Mark Bankowechsel liefen. Aber auch sonst wurde fürchterlich
Wechsel geritten, und Sieveking & Mann, Josling & Co., Draper
Pietroni & Co. und andre Londoner Häuser sind daran zugrunde
gegangen. Sie waren hauptsächlich die Bezogenen in dieser 40
line. Hier im englischen Fabrikgeschäft und im home trade ist
die Sache so gemacht worden, daß die Leute statt cash in a month
(475) 1857 Dez. 11
255
zu zahlen, nach Verfall 3 Monate dato auf sich trassieren ließen
und die Zinsen zahlten. Dies nahm im Seidenfabrikgeschäft in
demselben Maße zu, wie die Seidenpreise stiegen. Kurz, jeder hat
über seine Kräfte gearbeitet, overtraded. Overtrading aber
5 ist mit Überproduktion zwar nicht synonym, aber der Sache nach
identisch. Eine mercantile community, die für £ 20000000 Ka¬
pital besitzt, hat dadurch ein gewisses Maß ihrer Produktions-,
Verkehrs- und Konsumtionsfähigkeit. Macht sie mit diesemKapital
durch Wechselreiterei ein Geschäft, das^ 30000000 Kapital vor-
aussetzt, so vermehrt sie die Produktion um 50% ; die Konsumtion
steigt auch durch die Prosperität, aber lange nicht in demselben
Maße, disons 25%. Am Ende einer beliebigen Periode entsteht
notwendig eine Akkumulation von Waren von 25% über den bona
fide, id est Durchschnittsbedarf selbst der Prosperität.
is Dies allein müßte die Krise zum Ausbruch bringen, selbst wenn
der Geldmarkt, das Zifferblatt des Handels, sie nicht schon vor¬
her anzeigte. Laß also den Crash kommen, so ist außer diesen 25 %
noch mindestens andre 25 % des stocks aller necessaries a drug on
the market. Dies Entstehen der Überproduktion durch Ausdehnung
2o des Kredits und overtrading kann man an der gegenwärtigen Kri¬
sis mit allen Details studieren. In der Sache selbst ist nichts Neues,
aber in der merkwürdig klaren Form, in der die Sache sich jetzt
abwickelt. 1847 und 1837—1842 ist es lange nicht so klar ge¬
wesen.
25 Das ist die schöne Lage, in der Manchester und die Baumwoll¬
industrie jetzt ist: Die Preise sind niedrig genug, um was der Phi¬
lister a Sound business nennt zuzulassen. Sowie aber die geringste
Vermehrung der Produktion eintritt, geht Baumwolle in die Höhe,
weil keine in Liverpool ist. Also muß man fortfahren, short time
30 zu arbeiten, selbst wenn Ordres da wären. Nun sind zwar Ordres
da, aber von Plätzen, die die Intensität der Krise
noch nicht gefühlt haben, und das wissen die Kommis¬
sionäre, also kaufen sie nicht; sie würden Schikanen ohne Ende
haben und schlechte Schulden in den Kauf.
35 Der Markt heute wieder herunter. Game, die 14 à 14^2 d. wert
waren, werden zu IPA d. ausgeboten, und wer 103/i bietet, be¬
kommt sie. Die Indier sind aus dem Markt. Die Griechen sitzen
mit Kom fest, darin machen sie fast alle, es ist ihre Hauptretour
(von Galatz und Odessa). Die Deutschen können aus eben ange-
40 führten Gründen nicht kaufen. Die hometradehäuser haben ihren
buyers verboten, das Geringste anzukaufen. America out of
the question. Italien laboriert am Fall aller seiner Rohprodukte.
Noch vier Wochen, und der Tanz wird hier sehr arg. Kleine
Spinner und Fabrikanten fallen alle Tage.
45 Mercks in Hamburg haben sich nur durch die 15 Millionen
Z. 35-45 -
256
(475) 1857 Dez. 11
Regierungsvorschuß gehalten, und ihr Haus hier hat an einem
Tage wenigstens Spinner, deren Rechnungen fällig waren, fort¬
geschickt. Der Hauptmann bei Mercks in Hamburg ist der Ex-
Reichsminister Dr. Ernst Merck, Jurist, aber Associé.
Beste Grüße an Deine Frau und Kinder. Auf Deinen Brief <5
über Frankreich usw. hab ich heut keine Zeit einzugehn, il faudrait
trop réfléchir.
Dein F. E.
476. Engels an Marx; 1857 Dezember 17.
Manchester, 17. Dezember 1857. w
Lieber Marx,
Die Krisis hält mich höllisch en haleine. Alle Tage niedrigere
Preise. Dazu kommt, daß sie uns näher auf den Pelz rückt. Mein
Alter saß dieser Tage fest, wir mußten ihm Geld vorschießen. Ich
denke indes nicht, daß es ernsthaft wird, das ist aber jetzt alles 25
gleichgültig.
Manchester kommt immer tiefer hinein. Der stetige Druck auf
den Markt wirkt ganz enorm. Kein Mensch kann verkaufen. Jeden
Tag hört man von niedrigeren Geboten, wer noch etwas Anstand
hat, bietet seine Ware gar nicht mehr an. Unter den Spinnern und 20
Fabrikanten sieht es greulich aus. Kein Gamagent verkauft den
Fabriken mehr Gam zum Verweben außer gegen cash oder Sicher¬
heit. Einzelne Kleine sind schon gepurzelt, das ist aber noch gar
nichts.
Mercks sitzen total fest, hier wie in Hamburg, trotz der zwei- 25
maligen starken Subventionen. Man erwartet, daß sie dieser Tage
fallen. Nur außerordentliche Zufälle können sie retten. Das Ham¬
burger Haus soll bei 4 à 5 Millionen Mark Bankokapital für
22 Millionen liabilities haben (13 Mark = 1 ^)- Nach andern
Berichten soll die Krisis das Kapital schon auf 600000 Mark zu- 30
sammengeschmolzen haben.
Wir kriegen noch vier distinkte Krisen: 1. die Kolonialwaren,
2. Kom, 3. Spinner und Fabrikanten, 4. home Trade — diese
erst im Frühjahr friihstens. In den Wolldistrikten fängt es jetzt
schon an, und zwar ganz hübsch. 25
Vergiß nicht, Dir die balance-sheets der Falliten zu notieren —
Bennoch, Twentyman, Reed in Derby, Mendes da Costa, Hoare,
Buxton and Co. Alle sehr erbaulich.
Deine Ansicht über Frankreich ist seitdem fast buchstäblich
durch die Blätter bestätigt worden. Der crash dort ist sicher und 20
wird erst die mittel- und norddeutschen Schwindler hineinbringen.
z. -1-4.
25-31.
(476) 1857 Dez. 17
257
Die Verhandlungen über Macdonald, Monteith, Stevens (Lon¬
don and Exchange Bank) hast Du doch notiert? Die London
and Exchange Bank mit den borrowed notes, die als security
figurieren, sind das Großartigste, das ich je gelesen habe.
5 Norddeutschland ist außer Hamburg fast noch gar nicht in die
Krisis gezogen. Jetzt fängt’s auch an. In Elberfeld ist Heimendahl
(Seidendoublierer und Händler), in Barmen Linde & Trappen¬
berg (small wäre Manufacturer) falliert. Beides anständige
Häuser. Die Norddeutschen haben soweit fast bloß noch Verluste
io gehabt; bei ihnen, wie hier, wirkt der momentan gesprengte Geld¬
markt nicht so arg wie die in die Länge gezogne Unverkäuflichkeit
der Waren. —
Wien kommt auch noch dran.
Lupus gibt jetzt klein bei; wir haben recht gehabt.
is Der Jammer unter dem Proletariat fängt auch an. Vorderhand
ist noch nicht viel Revolutionäres zu merken: die lange Prosperität
hat furchtbar demoralisiert. Die Arbeitslosen in den Straßen betteln
und bummeln bis jetzt noch. Garotte Robberies nehmen zu, doch
nicht arg.
to Ich muß jetzt so viel herumlaufen unter Leuten, um die Krisis
zu verfolgen, daß mir verdammt wenig Zeit zum Arbeiten für
Dana bleibt. Inzwischen das muß auch besorgt werden. Was
schreibt er? Und wie geht’s mit der Zahlung dafür?
Herzliche Grüße an Deine Frau und Kinder.
u Dein F. E.
Die Manchester Marktberichte stehn immer im Samstags- und
Mittwochs-Guardian. Heute geht ein ganzer Packen an Dich ab.
Auch steht heute wieder eine Arbeiterstatistik drin.
Gratuliere zu der Prophezeiung wegen des Bankakts.
477. Marx an Engels, 1857 Dezember 18.
December 18. 1857.
Dear Frederick,
Ich schreibe in aller Eile diese paar Zeilen. Ich habe
eben dritte und letzte Warnung von dem lausigen
35 Steuerkollektor erhalten, daß, wenn ich bis Montag nicht zahle,
ich Montag nachmittag den broker ins Haus gesetzt bekomme. If,
therefore, möglich, schick mir einige Pfund bis Montag. Die Geld¬
pressure ist jetzt bei mir größer noch wie usually, weil ich seit
about drei Wochen alles bar zahlen muß und anything like
40 crédit auf gehört hat, während gleichzeitig von dem Geld, das ich
einnehme, immer gleich zwei Drittel zur Deckung schwebender
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 17
Z. 26-28.
258
(477) 1857 Dez. 18
debts fliegt. Dazu sind die Einnahmen sehr gering, da ich bisher
der Tribune nicht mehr als einen Artikel schicken kann. So
far as to private matters.
Ich arbeite ganz kolossal, meist bis 4 Uhr morgens. Die Arbeit
ist nämlich eine doppelte: 1. Ausarbeitung der Grundziige der <5
Ökonomie. (Es ist durchaus nötig, für das Publikum au fond der
Sache zu gehn, und für mich, individually, to get rid of this night-
mare.)
2. Die jetzige Krisis. Darüber — außer den Artikeln an
die Tribune, führe ich bloß Buch, was aber bedeutend Zeit
wegnimmt. Ich denke, daß wir about Frühling zusammen ein
Pamphlet über die Geschichte machen, als Wiederankündi¬
gung beim deutschen Publico — daß wir wieder und noch da
sind, always the same. Ich habe drei große Bücher angelegt —
England, Germany, France. Die Geschichte über Amerika liegt is
alles Material in der Tribune. Man kann das später zusammen¬
stellen. Übrigens ist es mir lieb, wenn Du möglicherweise den
Guardian mir täglich schickst. Es verdoppelt die Arbeit
und bringt Störung herein, wenn ich auf einmal eine ganze Woche
oder so nachnehmen muß. 20
In Frankreich werden (im Handel) die „Deutschen“ — die
man überhaupt jetzt anfangen muß zu achten —, speziell in
Havre, den Tanz wohl eröffnen. Außerdem sieht es — abgesehn
von der general rotteness des bankrotten Staats — im Handel
selbst besonders faul aus in Marseille und Bordeaux, überall, wo 25
die lausigen Crapauds durch Beimischung und Einmischung frem¬
der Elemente über ihre kleinliche lausige Knickerei und timidity
herausgepeitscht worden sind. Au fond war nur in einem so im¬
mobilen Land ein Credit mobilier möglich und notwendig. The
more you become acquainted with „the Messias of nations“, the 30
less you like him.
So oft Deine Zeit erlaubt, schreibe mir, da Du nachher doch
all die so nötige „Chronique scandaleuse“ der Krisis vergißt; ich
ziehe aus Deinen Briefen aus und trage sie in die Hauptbücher ein.
Salut. Besten Gruß an Lupus. Pieper hat die Genugtuung, daß 35
sein Exprinzipal Saalfeld, mit dessen Frau er so großen Krakeel
hatte, has gone to the wall.
Dein K. M.
478. Marx an Engels; 1857 Dezember 22.
22. Dezember 1857. *o
Dear Frederick,
Du hast mich siegreich den Klauen des Fiskus entrissen, und
gelobet sei Dein Name — Halleluja!
(478) 1857 Dez. 22
259
Einliegend ein Brief (nebst einer Einlage) des großen Las¬
salle, der mir nun positiv anzeigt, daß er in der Tat seriously be¬
gonnen hat, durch seinen Ruhm in Berlin bekannt zu werden. Diese
effusions einer schönen Seele werden Dich und lupum ergötzen.
5 Der brave Lassalle hat die Philosophie, den Heraklit, getrieben
wie den Hatzfeldschen Prozeß und schließlich seinen „Prozeß“
gewonnen, wenn ihm zu glauben. Es scheint in der Tat, daß die
Alten — Philologen und Hegelianer — überrascht waren, eine
solche posthume Blüte einer vergangnen Epoche wieder zu
io erleben. Doch wir werden das Ding selbst sehn und, obgleich ein
geschenkter Gaul, ihm doch tief ins Maul gucken — on the express
condition, of course, daß der Heraklit nicht nach Knoblauch duftet.
Fancy only this fellow going up and down the streets of Berlin
and „asking for himself“ strutting like a peacock, a stride and
U a stand: biting his lips, with „a political regard“ as who should
say: „This is the man who has written Heraclit“. Vielleicht kann
uns der Bursche nützlich sein zum Auftreiben von Buchhändlern,
wenn er nicht etwa fürchtet, der Ruhm, den er auch auf dem öko¬
nomischen Feld sucht, möchte durch die Konkurrenz leiden und
2o so der „Prozeß“ verloren gehn. Dem Friedländer habe ich durch
Herm Lassalle geantwortet, daß ich auch „antifranzösisch“, aber
nicht minder „antienglisch“ bin und am allerwenigsten schreiben
kann für „Lord Pam“. Also ich habe die Sache abgeschlagen.
Wenn der Friedländer mir die „Presse“ schickt, so daß ich zuvor
25 sehe, wes Geistes Kind sie ist, und wenn die Kerls einen bloßen
wöchentlichen Moneyarticle von mir wollen, wofür sie dann
natürlich blechen müßten, könnte ich allenfalls auf die Sache ein¬
gehn. Von Politics kann keine Rede in diesem case sein.
Dem Lassalle habe ich kurz und kühl geschrieben. Ich hätte
30 allerdings den Brief von Freiligrath erhalten, aber nicht geant¬
wortet aus Gründen, die schwer schriftlich mitzuteilen seien. Sonst
nur wenige Worte zugefügt.
Schramm hat von Jersey an meine Frau geschrieben; äußerst
witzigen Brief. Zur Strafe des Kosmos Leiden^ sind drei seiner
35 Kinder, zwei Töchter (darunter Frau Mevissen) an der Schwind¬
sucht gestorben und einer seiner Buben auf dem Pacific ersoffen.
Reynolds in der Nummer vom letzten Sonntag bedeutenden
Angriff auf die apostates, die union mit der middleclass predigen.
Bezieht sich auf Jones. Letztem Burschen habe ich lang nicht ge-
40 sehn. Er scheint mich zu vermeiden und muß dafür „Grind“
haben. Indes werde ich ihn doch überraschen — one fine moming.
Grüße Lupum.
Dein K. M.
*) Im Orig. Leyden. Kosmos Damian Leiden, JTeinhändler in Köln, dessen 1822
geborene Tochter Elise Gustav Mevissen zur Frau hatte.
17*
Z. 3-4.
10-16.
34-36.
260
(479) 1857 Dez. 25
479. Marx an Engels; 1857 Dezember 25.
25. Dezember 1857.
Dear Frederick,
Da es jetzt unsre erste Aufgabe ist, klar über die französischen
Zustände zu werden, habe ich wieder durchgesehn meine sämt- 5
liehen Exzerpte über French commerce, industry and crises, und
bin zu einigen Resultaten gekommen, die ich Dir in der Kürze mit¬
teilen will:
1. Englische, nordische und amerikanische Krisen haben in
Frankreich niemals direkt eine „französische Krisis“ her- w
vorgebracht, sondern nur passive Wirkungen — chronische
distress, limitation of production, stagnation of trade, und general
uneasiness. Ursache: Frankreich hat die Handelsbilanz für sich
gegen United States, Hanseatic towns, England, Dänemark. Sie
ist gegen es in Schweden und Norwegen, aber dies ist mehr als it
kompensiert durch Hamburg. Consequently können diese Krisen
nie einen drain of bullion,, also keinen properly
socalled monetary panic in Frankreich produzieren.
Wenn die Bank dennoch, wie sie diesmal getan hat, den Zinsfuß
herauf setzt, geschieht es nur, um die Kapitalisten zu verhindern, 20
ihr Geld vorteilhafter in jenen Ländern zu placieren. Solang der
Export of bullion aber nicht notwendige Folge der Handelsbilanz,
sondern nur der Gewinnsucht der profitmongers, kann er mit Er¬
folg, wie Bonaparte jetzt wieder gezeigt, durch Gendarmen ver¬
hindert werden. Hat das Land mit der günstigen Handelsbilanz 25
keine langen Kredite gegeben, noch accumulated produce for the
export to the centres of the crises — und beides widerstrebt der
pedlarmäßigen Natur des französischen Fabrikanten und Kauf¬
manns —, so wird es Verluste zu tragen haben etc., aber keine
akute Krisis. Der Schein des guten Glücks, mit dem Frankreich 30
so davonkommt in der ersten Phase der general crisis, hat auch
Louis Philippe getäuscht. In seiner Eröffnungsrede an die Kam¬
mern vor der Februarrevolution gratuliert er „la belle France“
upon this privilège.
2. Dies zugegeben, hat die erste Phase der Krisis schon schlim- 35
mer auf French industry und commerce gewirkt als je zuvor bei
ähnlicher Gelegenheit.
3. Der erste Effekt der Krisis in Frankreich — agreeable to
the nature of the crapaud — ängstlichste Einschränkung von ex-
penditure und business. Daher Sammeln von Geld in der Bank w
von Frankreich gleichzeitig mit enormem Fall der Zirkulation in
den Bank discounts. Daher — verbunden mit dem Umstand, daß
die Krisen immer im Herbst eintreffen, und daß jede franzö-
(479) 1857 Dez. 25
261
sische Regierung am Schluß des Jahrs politische Unruhn fürchtet,
sollte bei dem Settlement der accounts der Zinsfuß hochstehn —
Herabsetzung des Zinsfußes im Monat Dezember. Louis Philippe
ließ die Bank im Monat Dezember 1847 den Zinsfuß auf 4%
<5 herabsetzen.
4. Das Freiwerden von Kapital in commerce und industrie
bringt zugleich hervor größre buoyancy an der Bourse. Unter
Boustrapa dies noch mehr der Fall wie unter Louis Philippe, weil
er durch Dekret von 1852 die Bank gezwungen, advances on rail-
io waysecurities und fonds und Credit foncierpapers zu machen und
die vom Comptoir national d’Escompte diskontierten
Schwindelbills wieder zu diskontieren, ebenso wie auf die secu-
rities, auf die es vorgeschossen, ihm wieder vorzuschießen. Daher
z. B. die hohen Kurse der französischen railwayshares and bonds,
15 obgleich die Receipts der französischen Eisenbahnen unverhältnis¬
mäßig mehr gefallen als die englischen. Z. B. Orleans Receipt
ist gefallen um 24% seit 29. Oktober bis 26. November, und seit
der Zeit noch tiefer. Nichtsdestoweniger war Orleans quotiert am
22. Dezember auf 1355, während es stand am 29. Oktober auf
20 2985. Es zeigt sich ebenso aus dem monthly report der Bank of
France für Dezember, daß, während Discounts im Dezember ge¬
fallen um 94236520 fr. gegen Oktober und 49955500 gegen
November, advances on railwaysecurities gestiegen sind.
5. Die eigentlich französische Krisis bricht erst aus, sobald die
25 general crisis zu einer gewissen Höhe gediehn in Holland, Belgien,
Zollverein, Italien (Triest eingeschlossen), Levante und Rußland
(Odessa), weil in diesen Ländern die Handelsbilanz bedeutend
gegen Frankreich, also pressure direkt monetary panic in Frank¬
reich bewirkt. Sobald es dann in Frankreich eingeschlagen, schlägt
3o es d’une manière vraiment admirable auf jene Länder zurück. Mit
der Schweiz steht Frankreich auf demselben Fuß wie die
United States mit England. Die temporäre Handelsbilanz stets für
Frankreich. Da es aber äußerst verschuldet an die Schweiz,
diese stets fähig, in Zeiten der Krisen heavily to draw upon it.
35 6. Bricht die eigentlich französische Krisis los, dann der Teufel
los mit dem security market und der security dieses Markts, dem
Staat. (Dies wird auch teil upon England, das wieder in schönster
Weise in foreign securities spielt at the present moment). Den
Schwindel, den in Hamburg, England, United States private Ca-
40 pitalists, hat in Frankreich der Staat selbst getrieben, und die fran¬
zösischen pedlars im trade waren alle gamblers an der Bourse.
Schon der recoil der englisch-amerikanischen Krise brachte die
Eisenbahnen to a deadlock. Was tat Herr Bonaparte? Zwingt die
Bank, to become in fact railway contracter und den Kerls auf die
45 bonds vorzuschießen, die sie durch Settlement vom 30. Novern-
262
(479) 1857 Dez. 25
ber 1856 autorisiert sind zu issue. Diese bonds betragen für 1858
about 9 Millions £ St. Der Crédit mobilier, der am 3. Dezember
schon bis an die Ohren im Dreck stak, macht auch Anstalten, sich
zu amalgamieren mit dem Crédit Foncier und dem Comptoir Na¬
tional d’Escompte. Warum? Weil die letztem durch Gesetz berech- *
tigt, advances auf ihre securities von der Bank zu erhalten und
ihre discounts rediscounted zu haben. Also Boustrapas Plan offen¬
bar, die Bank of France mit dem nicht von ihr beseßnen, sondern
bei ihr nur deponierten Kapital, das abfließen wird on the first
signal given in the neighbouring countries, zum Generalentrepre-
neur seiner sämtlichen Schwindeleien zu machen. Dies in fact sehr
gut, um die Bank auch kaputt zu machen. Was übrigens Herm
Bona1} selbst nicht einfallen kann, ist, die calls der Share¬
holders durch die Bank of France zahlen zu lassen. Diese calls
betragen 1858 allein für französische Eisenbahnen nach w
dem settlement vom 30. November 1856 über 10 Millions £ St.
Sie belaufen sich auf wenigstens 30 Millions £ St. für alle
Schwindelkonzems, such as: Mercantile and Industrial Co. of Ma¬
drid (Rothschilds), Französisch-Amerikanische Schiffskompanie,
Viktor-Emanuel-Eisenbahn, Herserange Eisenwerk-Co., Östreichi- 20
sehe Eisenbahn, Saragossa-Comp., Französisch-Schweizer Eisen¬
bahn, Lausanne-Fribourg Railway, Nassau-Company, Société Gé¬
nérale des Tanneries, Compagnie de la Carbonisation des Houilles,
Chimay to Marienbourg Railway, Lombardisch-Venetianische
Railway, Südamerikanische Steam Navigation-Co. etc. Die Fran- 26
zosen werden den Teufel fähig sein, diese calls zu zahlen. Außer¬
dem die Germans, Hollanders, Swiss, die large holders of French
securities, verkloppen sie bei dem ersten serious alarm, sei es in
Frankreich oder pressure at home, at any price, auf der Pariser
Bourse. So scheint Boustrapa 1858 schwerlich davonkommen zu 30
können, es sei denn, daß er sich für längere Zeit durch den Belage¬
rungszustand und Assignaten hält. Die ganze alte Scheiße ist im
Arsch, und der bisher lächerlich-kühne Schwung, den der security-
market in England etc. genommen, wird auch ein Ende mit
Schrecken nehmen. 35
Salut.
Dein K. M.
Pieper heut zum Besuch hier eingetroffen.
Über das Comptoir National d’Escompte de Pa-
r i s noch zu bemerken, daß dies Institut, eingerichtet von der pro- 40
visorischen Regierung, um die Wechsel mit nur zwei Unterschriften
und sonst geringerer Qualität diskontierbar zu machen, 1851,
gleich ein paar Tage nach dem Staatsstreich, von Boustrapa er¬
mächtigt wurde, to make advances on Rentes Françaises, les ac-
0 Gemeint ist Louis Bonaparte
(479) 1857 Dez. 25
263
tions et obligations industrielles ou de crédit constituées en sociétés
anonymes. In 1854—1855 betrugen die Vorschüsse auf diese
securities 940000 £ St., in 1855—1856 an 1500000 £ St.
Außerdem erhielt es 1851 das Recht to establish un „Sous Comp-
5 toir des Chemins de fer“, dessen einziges business Vorschüsse auf
railway shares und bonds. Ende June 1852 seine advances
520000 £, Ende 1852 1240000 £ St., 1852—1853 —
3600000 £ St.; Ende 1854: 4560 000, so daß about neunmal
die advances von 1851. Es ist dies dasselbe schöne Geschäft,
io woran die Scotch Exchange Banks 1846—1847 den
Hals brachen.
Has Dr. Borchardt^ not yet suspended his payments?
Ich hoffe, daß Du während der Manchester Aufregung und der
Feiertage nicht zu viel kneipst und gehörige Rücksicht auf Deine
is Gesundheit nimmst. Besten Gruß an lupus.
What is friend Charley about? und old Hill?
480. Marx an Engels; [1857] Dezember 30.
30. Dezember.
Lieber Frederick,
2o Die Lucknow-Oude Affaire muß ich jedenfalls Friday (lst of
January) behandeln. Kannst Du bis übermorgen any article,
however short, darüber schicken? It would be extremely seaso-
nable.
Prost Neujahr!
25 Dein K. M.
Einliegende Gratulationen soll Lupus erst Neujahrstag er¬
halten.
481. Engels an Marx; 1857 Dezember 31.
31. Dezember 1857.
3o Lieber Mohr,
Ich habe in der ganzen Stadt herumgesucht, um Zeitungen zu
finden, die die Indian News enthalten; meine Guardians darüber
schickte ich Dir vorgestern. Weder beim Guardian noch Ex[ami-
ner] und T[imes] kann ich die Nummer erhalten, und Belfield hat
35 sie auch nicht mehr. Ich dachte, Du hättest diese Historie schon
Dienstag abgemacht. Unter diesen Umständen kann ich den Ar¬
tikel nicht machen, was mich um so mehr ärgert, als dies seit vier
Wochen der einzige Nachmittag ist, an dem ich es tun könnte,
1 ) Im Orig. Borchard
Z. 12?
16?
Nr. 480.
264
(481) 1857 Dez. 31
ohne dringende Geschäfte zu verbummeln. Laß mich in Zukunft
Deine Absichten wegen militärischer Artikel so früh wie irgend
möglich wissen, 24 Stunden Zeit ist viel grade jetzt für mich.
Übrigens ist das Detail so schrecklich dürftig und alles so sehr
auf telegraphische Depeschen von Cawnpore nach Kalkutta basiert, 5
daß es fast unmöglich ist, Kritik anzuwenden. Die einzigen Punkte
sind diese. Von Cawnpore bis Lucknow (Alumbagh) sind 40 miles.
Havelocks Gewaltmärsche beweisen, daß 15 Meilen für Indien
schon ein sehr starker Marsch auf längere Zeit ist. Colin sollte dem¬
nach, da er nur zwei bis drei Märsche vor sich hatte, jedenfalls am io
dritten Tage von seinem Abmarsch von Cawnpore vor Alumbagh
gewesen sein, with plenty of daylight still left to attack at once.
Hiernach ist Colins Marsch zu beurteilen, ich habe die Daten nicht
im Kopf. Zweitens hatte er doch ca. 7000 Mann (man rechnete auf
viel mehr, es muß also fürchterlich schlecht marschiert worden sein is
zwischen Kalkutta und Cawnpore und viel Leute kaputt gegangen),
und wenn er mit ca. 7000 Mann ( inclusive der Garnison von Alum¬
bagh und Lucknow) die Oudhianer schlug, so ist das nichts Großes.
An army of 5000-—7000 Englishmen has always been thought
fully sufficient to go anywhere and do anything in the open field in 20
India. That stamps the opponents at once. Dabei ist zu bedenken,
daß die Oudhianer, obwohl der kriegerischste Stamm des Ganges¬
tals, doch eben weil sie nie unter direkt europäischer Organisation
gestanden, an Disziplin, Kohäsion, Bewaffnung usw. weit unter den
Sepoys standen. Daher war der Hauptkampf a running fight, that 25
is to say a skirmishing engagement in which the Oudhians were
pushed back from post to post. Now it is true the British are, with
the Russians, the worst light infantry in Europe, but they have
leamt something in the Crimea, and at all events they had this great
advantage over the Oudhians that their line of skirmishers was pro- 30
perly and regularly supported by pickets and lines, the whole un-
der one individual commander and cooperating towards a single
end ; while their opponents in the normal Asiatic männer, dispersed
in irregulär clusters, everyone pressing to the front, thus offering a
sixfold aim to the British, having no regulär supports or reserves 35
and each cluster commanded by its own clannish chief, acting in-
dependently of every other clan. For it must be repeated, up to
now we have not heard in a single instance that any insurrectionary
army in India had been properly constituted under a recognized
chief. Andre Indikationen über den Charakter des Gefechts geben 40
die Depeschen nicht, dazu fehlt alle Terrainbeschreibung, alle De¬
tails über Truppen Verwendung, so daß ich absolut weiter (aus dem
Gedächtnis, noch dazu) nichts sagen kann.
Wegen Frankreich hast Du in every particular, soweit ich ur¬
teilen kann, recht. Auch dort ist der Verlauf bis jetzt normal. Hier 45
Z. 40-43.
(481) 1857 Dez. 31
265
im home Trade fängt die Geschichte jetzt an ; die beiden Häuser in
London, im Manchester Trade, gehören zu dieser Klasse. Das ist
aber erst der Anfang; diese Sorte kann erst bedeutend hereinge¬
zogen werden, wenn der Druck acht bis zwölf Monate gedauert hat.
5 Mir scheint der Verlauf der ganzen Krise sich mehr an die von
1837—1842 anzuschließen als an irgend eine andre — abge¬
sehen von der famosen Allgemeinheit und umfassenden Natur der
jetzigen. Augenblicklich schwindelt sich das Volk hier in dem
Glauben the crisis is over, weil die erste Phase, die Geldkrisis mit
io ihren unmittelbaren Folgen, vorüber ist. Au fond glaubt doch
immer noch jeder einzelne Bourgeois, daß sein spezieller
Geschäftszweig und namentlich sein eignes Geschäft thoroughly
sound gewesen sei, und da sie so famose standard Schwindler zur
Vergleichung haben wie Monteith, Mac Donald usw., so kommen
is sie sich natürlich äußerst tugendhaft vor. Trotz alledem wird das
den Herm Troost nicht dafür entschädigen, daß er an seinen
35 000 Säcken Kaffee 2/3—s/< seines Vermögens verliert, noch
Herm Senator Merck dafür, daß seine Ladungen und sonstigen
Operationen zum Betrage von 22 Millionen Mark Banko sein gan-
2o zes Kapital auffressen werden. John Pondu, ein in den letzten
fünf Jahren kolossal in die Höhe geschossener hiesiger Pilz aus
Schottland hat mit fünf andern 7000 Ballen Seide schwimmen,
an denen ^300000 verloren werden. Alles das wickelt sich erst
bis März und April ab, und die schweren Anstrengungen, den Pro-
25 duktenmarkt heraufzutreiben, werden an den einkommenden
Schiffen regelmäßig scheitern. Es scheint jetzt Frost zu geben und
Ostwind, so daß keine Schiffe hereinkönnen. Dauert dies acht bis
vierzehn Tage, so gehen alle Produkte sicher herauf, um dann beim
ersten Westwind, der eine ganze Flotte bringt, desto toller herunter-
3o zugehn. Voilà ce qui s’appelle l’offre et la demande en temps de
crise. Der Stock von Baumwolle in Liverpool fängt auch an sich zu
häufen — 400000 Ballen bei heutiger Aufnahme, a rather more
than average stock. Kommt noch besser, und Cotton geht gegen das
Frühjahr gewiß noch herunter, er ist jetzt wieder ¥2 d. gestiegen,
35 weil de Jersey & Co. hier, die fast den ganzen russischen Markt
versorgen, vorige Woche die Nachricht bekamen, daß die Annul¬
lierung aller ihrer nach Amerika gelegten Ordres noch rechtzeitig
eingetroffen sei, und dann in Liverpool ca. 6000 Ballen einkauf¬
ten. Das belebte den Markt, und diejenigen Spinner, die Geld
40 hatten, gingen hin und kauften etwas, um sich zu den niedrigen
Preisen zu decken. Dadurch wurden hier auch einige Häuser ängst-
lich, oder vielmehr couragiert, und kauften Gam und Gewebe
ebenfalls, um den „niedrigsten Moment“ nicht zu verpassen. Lange
wird das nicht dauern; zunächst glaube ich, daß wir hier gelinde
45 ups and dows bekommen, mit im ganzen fallender Tendenz, viel-
Z. 15-43.
266
(481) 1857 Dez. 31
leicht auch etwas steigend, das ist nicht genau zu‘sagen, bis ein
neuer Blitz irgendwo einschlägt. Jedenfalls kommt ein schlechtes
Jahr für Spinner und Fabrikanten, schon aus Mangel an Nach¬
frage und Überfluß an Zufuhr. Stagnierender Druck, das ist das
Gefährlichste für die hiesigen Bourgeois. Geldkrisen machen hier 5
nicht viel, da alle Kredite äußerst kurz (vierzehn Tage bis sechs
Wochen) sind.
Am Samstag war ich Fuchsjagen, sieben Stunden im Sattel.
So eine Geschichte regt mich immer für ein paar Tage höllisch auf,
es ist das großartigste körperliche Vergnügen, das ich kenne. Im 10
ganzen field sah ich nur zwei, die besser ritten als ich, sie hatten
aber auch bessere Pferde. Das bringt meine Gesundheit schon auf
den Strumpf. Wenigstens zwanzig Kerle fielen vom Pferd oder
stürzten, zwei Pferde wurden ruiniert, ein Fuchs getötet (ich war
at the death) ; Pech passierte sonst keins. Übrigens waren die ech-
ten Fuchsjäger nicht mit, die reiten natürlich viel besser als ich.
Die Geschichte an Lupus wird besorgt.
Jetzt Prosit Neujahr für die ganze Familie auf das Krawall¬
jahr 1858.
Dein F. E. 20
1858
482. Marx an Engels; 1858 Januar 1.
1. Januar 1858.
Lieber Engels,
5 Da heute kein Artikel von Dir kam, habe ich keinen nach
New York geschickt, werde daher die nächste Woche zwei schicken.
Ich hoffe jetzt, daß Du bis Dienstag einen ready machst. Es ist
nämlich absolut nötig, über Indien zu schreiben, da die Tri¬
bune mit der New York Times in militärischen Geschichten,
io ganz wie in kommerziellen, in großem struggle ist. Die Times
nämlich retains die London Times.
Beiliegend :
1 Star,
1 D[aily] News,
is 1 Overland Mail (von letztem Datum noch nicht erschienen).
Dies wird wohl genügen.
Dein K. M.
483. Marx an Engels; [1858] Januar 5.
5. Januar.
to Lieber Engels,
Deine Zeilen erhalten. Du erwähnst nicht, ob Du den Brief von
mir erhalten mit der Einlage von Lassalle und Fried¬
länder, beides möchte ich konserviert wissen.
Wegen des Buchstaben C bin ich in fact in großer Verlegenheit.
u Seit dem 27. November ist nichts mehr an Dana geschickt worden,
da ich mit dem auf mich fallenden Teil längst fertig (d. h. dem
nicht militärischen). Wenn die Manchester Angelegenheiten Dir
nicht erlauben, diesen Monat ernstlich mit der Sache voranzugehn,
muß ich der ganzen Affäre ein Ende machen und dem Dana unter
30 irgendeinem Pretext für die Cyclopädie aufkündigen. Es muß ihm
schließlich verdächtig werden und mich kompromittieren, daß ich
lange neue Listen einschicke und die alten nicht abmache. Conse-
quently antwortet er auch gar nicht und schickt nichts Neues. Ein¬
Nr. 482.
268
(483) 1858 Jan. 5
träglich aber kann solche Arbeit auch nicht werden bei beständigen
Ausfällen von Monaten.
Still vermeide ich es, Dir davon zu sprechen, weil ich durchaus
Dir keine für Deine Gesundheit schädliche Anstrengung aufbür¬
den möchte. Yet scheint es mir manchmal, daß, wenn Du kleine
Portionen alle paar Tage abwickeltest, sie vielleicht als check
dienen würden für Kneipereien, die nach meiner Kenntnis von
Manchester und at the present excited times mir „unvermeidlich“
scheinen und keineswegs Dir vorteilhaft sind.
Selbst das Militärische zu übernehmen, wozu ich große Zeit auf k
dem Museum spenden müßte und dabei doch nichts Ordentliches
fertigbringe, davon kann jetzt nicht die Rede sein, da ich absolut
die andern Arbeiten fertigmachen muß — und sie nehmen alle
Zeit weg —, sollte auch das Haus über meinem Kopf zusammen-
brechen! *
Also, my boy, try to corne to a definitive resolution — one way
or the other.
Besten Gruß.
Dein K. M.
484. Engels an Marx; 1858 Januar 6.
Manchester, 6. Januar 1858.
Lieber Mohr,
Den Artikel wirst Du jedenfalls noch rechtzeitig empfangen
haben, ich warf ihn vor zwölf Uhr nachts auf die Post am
Montag abend, also muß er gegen zwölf bis ein Uhr abgeliefert s
worden sein.
Den Brief von Lassalle hab ich erhalten und Dir auch in
einem Brief geschrieben, wie Lupus und ich uns über den
Mann amüsiert haben, der den Heraklit geschrieben hat. Sollte
der Brief verloren sein? o
Während der akuten Krise war es mir absolut unmöglich, an
etwas andres zu denken als den general crash. Ich konnte weder
lesen noch schreiben, ich war außerdem noch von der Krankheit
her sehr auf regbar. Dann kamen die holidays, Fuchsjagen und
sonstiger Schwindel, auch dies ist jetzt überstanden, und das Be- s
dürfnis ruhigerer Lebensweise und Tätigkeit ist eingetreten. Unter
diesen Umständen, die von einem gesunden Katarrh unterstützt
werden, kommt der Buchstabe C mir sehr gelegen, und wird heut
abend mit ihm der Anfang gemacht. Ich denke, er wird mich nicht
lange aufhalten, jedenfalls mache ich voran, so rasch es geht, und o
Du wirst jede Woche etwas abschicken können. Wenn übrigens
Army im Oktober noch zurechtkam für Band I, so kommt C im
z. 3—9.
27-30 ?
(484) 1858 Jan. 6.
269
Januar gewiß noch zeitig für Band III. Bei der Krise werden sich
die Leute mit dem Druck so sehr nicht beeilen, sonst hätte D [ana]
längst geschrieben. Wenn Du übrigens von ihm hörst, lo laß mich’s
wissen.
5 Mit der Krise gibt es jetzt übrigens einen Stillstand und neue
Wendung, wenigstens was Manchester und die Cottonindustrie an¬
geht. Am Montag gingen eine Menge Spinner nach Liverpool und
kauften 12 000 Ballen, um sich wieder einigermaßen zu versehen,
da viele ganz blank waren. Das trieb Baumwolle herauf, und
io gleichzeitig gingen hier die Griechen in den Markt und kauften
ziemlich stark, wodurch ein entsprechender Aufschlag hier eintrat.
Wir sind hier und in Liverpool schon s/< d. über den niedrigsten
Stand (per Pfund) heraufgegangen. Jetzt scheuen die Käufer
wieder, wenn aber der Ostwind anhält, geht Baumwolle und Gam
is noch mehr herunter, bis die vollen Ladungen kommen, gegen
Februar und März. Die Idee, Gam und Baumwolle in die Höhe
zu treiben, with factories on short time! Es hat keine andre Folge,
als die Nachfrage erst recht zu beschränken, deren Abnahme
vorderhand bloß deshalb nicht auf die Preise wirkt, weil die Pro-
20 duktion sich m i t der Nachfrage vermehrt und vermindert. Midd¬
ling ist wieder 67< à 3I^ heute wohl 6^2 d., doch hab ich den
Schlußbericht noch nicht gesehn.
Auch in Produkten scheinen die Kerle infolge der Schwierig¬
keit, Geld anzulegen, momentan wieder eine kleine Steigerung
25 fertigzubringen, die dauern wird, bis der Westwind eintritt.
Die enorme Masse Surpluskapital im Markt ist übrigens höchst
wunderbar und ein neuer Beweis, wie kolossale Dimensionen alles
seit 1847 angenommen hat. Es sollte mich gar nicht wundem, wenn
dieser Überfluß an floating capital, schon ehe die übrigen Phasen
so der Krisis sich abgewickelt haben, einen neuen Aktienschwindel
zustande brächte. Dieser Überfluß an disponiblem Kapital hat auch
unbedingt sein Teil zur Erhaltung des französischen Schwindels
beigetragen und es dahin gebracht, daß der Credit mobilier jetzt
nach überstandnem Panic einen Platz unter den solidesten Insti-
35 tutionen der Welt reklamieren kann.
Den Brief wegen Lassalle hast Du gewiß erhalten, sieh nochmals
nach. Ich schrieb ihn zwei oder drei Tage, nachdem ich den
Lassalle-Brief erhalten.
Bei dem Artikel vorgestern lagen ein paar Zeilen von Lupus an
40 Deine Frau und die Mädchen. Grüße sie herzlich von mir.
Dein F. E.
Schramm schreibt heute ein paar Zeilen, er sei unwohler ge¬
wesen, es gehe jetzt aber wieder besser. Seine Herren Brüder
scheinen ihn unter dem Vorwand der Krisis jetzt sehr im Stich zu
Z. 36-38.
270 (484) 1858 Jan. 6
lassen. Er spricht davon, entweder nach Krefeld oder nach Vir¬
ginien zu gehn, da er keine Nahrungssorgen haben wolle! Ich
werde ihm fünf Pfund schicken.
485. Engels an Marx; 1858 Januar 7.
Manchester, 7. Januar 1858. &
Lieber Mohr,
Hierbei der Anfang von C. Morgen abend will ich versuchen,
einige weitere Artikel zu machen. Idi finde bloß zwei Artikel,
über die mir Material zu verschaffen schwierig sein wird, vielleicht
genügendes unmöglich, nämlich: caps (percussion) und camp io
(Roman, Hebrew, Greek). Meine Auszüge über Caesars Lager aus
Rüstow enthalten fast nichts, da ich mir den R[üstow] selbst
bestellt, aber vom Buchhändler ein ganz andres Buch erhalten
habe. Bei Percussionscaps hauptsächlich die Geschichte der Ent¬
deckung des übersauren chlorsauren Kalis und seiner Explosibili-15
tät, sowie Jahreszahlen über die Einführung der Perkussionsflinten
in den diversen Armeen. Diese beiden Sachen wären wünschens¬
wert. Kannst Du gelegentlich einmal ins Britische Museum gehn
und mir darüber etwas aufstöbem, so können auch diese Artikel
bald gemacht werden, sonst wird’s damit hapern, meine Biblio- 20
theken hier haben nichts darüber.
Wenn übrigens Monsieur Dana sich nicht die Mühe gibt, auf
unsre ihm eingesandten Listen zu antworten, so hat er nur sich
selbst zu tadeln. Für D hätte er längst eine Liste schicken können,
jetzt werd ich sie hier herausmachen. Der Kerl scheint diese 25
ganze Geschichte ohnehin sehr leicht zu nehmen, ich hoffe nur, daß
er Dir dafür remittiert hat, sonst wäre es doch an der Zeit, Lärm
zu schlagen.
Charley ist in Holland und geht nach der Schweiz. Glück¬
licherweise befähigt mich der Mangel an Aufträgen die laufenden 30
Jahresschlußarbeiten größtenteils durch unsre Jungen besorgen zu
lassen, so daß ich nicht über die Gebühr zu tun habe. That’s one
good job.
Aus beiliegendem heutigem Guardian ersiehst Du, daß die
short time hier noch sehr stark ist. Nächste Woche wird sie wohl 30
wieder etwas abnehmen. Ich schicke Dir jetzt bloß noch die Guar¬
dians, in denen was kommerziell Interessantes steht.
Idi lese jetzt u. a. Clausewitz, vom Kriege. Sonderbare Art zu
philosophieren, der Sache nach aber sehr gut. Auf die Frage, ob es
Kriegskunst oder Kriegswissenschaft heißen müsse, lautet die Ant- to
wort, daß der Krieg am meisten dem Handel gleiche. Das Gefecht
Z. 29-37.
(485) 1858 Jan. 7 271
ist im Kriege, was die bare Zahlung im Handel ist, so selten sie in
der Wirklichkeit vorzukommen braucht, so zielt doch alles darauf
hin, und am Ende muß sie doch erfolgen und entscheidet.
Viele Grüße an Deine Frau und die Kleinen.
Dein F. E.
486. Marx an Engels; 1858 Januar 7.
7. Januar 1858.
Dear Frédéric,
Ich habe Deinert Artikel erhalten Dienstag um 5 Uhr nach-
10 mittag. Er ist highly amusing und wird die Yankees delektieren.
Im ganzen sind übrigens die indischen Nachrichten den Herm Eng¬
ländern nicht mehr ganz günstig. Poor Havelock!
Deinen Brief von wegen Lassalle habe ich positiv nicht er¬
halten. Er ist also entweder in Manchester stecken geblieben oder
is hier unterschlagen worden.
Der Brief von Lupus an die Familie, die Dich herzlich grü¬
ßen läßt, has produced a great sensation.
Während der Weihnachtsferien war Pieper hier, kam mit
Katzenjammer an und war fader und ennuyanter than ever. Der
20 Kerl verschlimmert sich, je älter er wird. Er scheint jetzt die
angenehme Gewohnheit zu haben, gleich nach Auf stehn vom
Bett statt Kolonialgetränke ein Pint Stout zu sich zu nehmen,
was ihn dann für den ganzen Tag with a sheep’s eye suppliert. Mit
der Mischung von Bummelei und Schulmeistertrieb, Fadaise und
u Pedantismus ist er in der Tat immer härter zu verdauen. Dabei,
was bei solchen Burschen häufig, versteckt sich unter der angeb¬
lichen Aufgeräumtheit viel Verdrießlichkeit, Laune, katzen¬
jämmerliches Bewußtsein. Er hat den Kindern zwei Daguerro-
types seiner lieblichen Person verehrt, die in der Tat unbezahlbar
zo sind und der „Pieper mit aufgedecktem Antlitz“ benamst werden
können. Beide denselben Morgen fabriziert, wo er in London von
der Eisenbahn arrivierte. Das erste noch halb schlaftrunken, a
most object picture of mental and moral dejection: breites Maul,
schlappzusammenfallende Backen; weitläufig ins Breite ver-
w schwimmende Züge; Auge mit a stupendous expression of nothing-
ness. Das zweite hatte sich unser Freund schon gesammelt und
sich erinnert, daß er der schöne und aimable Pieper ist. Es ist das
Aufwachen und Triumphieren der Selbstgefälligkeit über die utter
dégradation. Das erste Portrait — Pieper as he i s, das zweite as
he appears to himself und der Welt im allgemeinen. Jenny-
chen bemerkte mit Recht, daß, wenn wir nun noch im Besitz seines
Z. 18-41 -
(486) 1858 Jan. 7
272
Dramas „What is the matter?“ wären, wir den ganzen Kerl in der
Tasche hätten.
Ich lege Dir hier ein interessantes Aktenstück bei, das die
Urquhartiten mit ihrer imperturbable Zudringlichkeit dem Board
of Trade abgepreßt haben. Außer dem bad state der Handels- s
bilanz von England während der letzten drei Jahre wirst Du daraus
u. a. auch sehn, wieviel Geld Preußen zur Zeit des russischen
Kriegs machte ; ferner daß unsre Hansetownsat the head stehn
der Gegenden, deren Handelsbilanz für England.
Der momentane Lull in der Krisis scheint mir sehr zuträglich w
für unsre Interessen, ich meine party interests. Selbst 1848 kamen
in England nach dem ersten Lidl in zwei oder drei intervals noch
sehr bedeutende Schläge, und damals hatte der Krater schon ge-
movt seit April 1847 etc.
Die „Neapolitanische Frage“, die den tiefen Politikern so viel «
Sorge machte, ist jetzt gelöst durch den earthquake in a most
delightful männer. Wenigstens sagen so die pot-house politicians
of the Moming Advertiser.
Du vergißt doch nicht, den Guardian zu schicken?
Vor allem bitte ich Dich, sorglich mit Deiner Gesundheit umzu- 20
gehn. Die Zeiten werden besser und werden große daims an
Deinen body machen. Also stähle ihn und laß ihn nicht Schaden
nehmen.
Salut.
Dein K. M. 23
Apropos! Heinzen, in seiner letzten Nummer des Pionier,
sagt, es sei noch begreiflich gewesen, daß in Deutschland zwei
Sophisten den stultifizierten deutschen Arbeitern aufgebunden
hätten, sie bildeten eine besondre Klasse, weil sie den
Hobel führten; aber daß jetzt das Klassengeschrei unter den 30
Arbeitern in allen meetings in ganz Amerika erhoben werde, sei
doch zu toll! Er schreit über die Verfinsterung der Massen, die der
Weisheit unzugänglich sind. Proklamiert die „Geistesrevolution“
und gegen die Klassenpropheten das neue Triumvirat: Goethe,
G. St. Hilaire und KarlHeinzen!!! «
Der Credit mobilier hat seine Aktien in den letzten
Wochen besonders in die Höhe getrieben durch das announcement
of a dividend of 25 p. c., die er zweifelsohne, this time, out of the
capital zahlt.
(487) 18S8 Jan. 11
273
487. Marx an Engels; [1858] Januar 11.
11. Januar.
Lieber Frederick,
Die Campaign etc. erhalten. Ich werde in diesen Tagen auf das
s Museum gehn, über das Bewußte nachsehn.
Die indischen Affären — hero Windham — machen wieder
interessanten turn. Sollten diese Woche, etwa bis Mittwoch, noch
ausführlichere Details kommen, so werde ich etwas darüber an
die Tribune schicken müssen.
io Idi bin bei der Ausarbeitung der ökonomischen principles so
verdammt auf gehalten mit Rechnungsfehlern, daß ich aus despair
wieder mich dran gesetzt habe, rasch die Algebra durchzuschlagen.
Arithmetik blieb mir immer fremd. Auf dem algebraischen Um¬
weg aber schieße ich mich rasch wieder ein.
1S Deine Gesundheitsbulletins sind zu flüchtig. Ich wünschte mehr
das Detail zu wissen. For instance, ist immer noch eine offne
Stelle da?
Im nächsten Brief ausführlicher.
Dein K. M.
to Den Clausewitz habe ich bei Gelegenheit des Blücher etwas im
allgemeinen durchstöbert. Der Kerl hat einen common sense, der
an Witz grenzt.
488. Engels an Marx; 1858 Januar 14.
Manchester, 7, Southgate, 14. Januar 1858.
25 Lieber Marx,
Hierbei der Artikel, bei dem es mir eben einfällt, daß ich durch
einen lächerlichen Fehler stets Wilson statt Inglis geschrieben,
was Du ändern willst, da jetzt keine Zeit mehr dazu.
Bis Dienstag mache ich noch einige C’s und schließe mit
io Cavalry, das ein guter Artikel werden soll und auch etwas länger.
Apropos! Hast Du Coehom (Baron) gemacht? Wo nicht, so
hab ich das beste Material.
NB. Catapults fehlt mir alles Material — Erseh & Gru¬
ber sollten es haben.
35 Der größte Heroismus der Lucknower Garnison bestand darin,
that they had to face every day the „coarse beef“ cooked by the
ladies „e n t i r e 1 y u n a i d e d“. Muß verdammt schlecht gekocht
gewesen sein. Über Windham hat zwar die D [aily] News etwas, es
genügt aber nicht.
to Beste Grüße an Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 18
274 (488) 18S8 Jan. 14
Die Gesundheit ist gut. Die Löcher sind alle zu, seit sechs
Wochen schon. Heckscher ist sehr mit dem Gange der Sache zu¬
frieden, aber beschränkt noch mein Essen und Trinken, nicht der
Quantität, aber der Sorte nach.
489. Marx an Engels; 1858 Januar 14.
14. J a n u a r 1858.
Dear Frederick,
Du wirst ebenfalls von Harney einen Brief wegen Freund
Schramm erhalten haben. Aussicht auf Herstellung war nicht vor¬
handen. Schade nur, daß Geldsorgen — und dies ist die Schuld h
des dicken Londoner Philisters — ihm die letzten Tage störten.
Dein Artikel ist splendid und erinnert in style und männer ganz
an die besten Tage der N[euen] Rhfeinischen] Z[eitung]. Was den
Windham angeht, so mag er ein sehr schlechter General sein, aber
der Kerl hatte diesmal das Pech, was beim Redan sein Glück war, w
Neulinge anzuführen. Ich bin überhaupt der Meinung, daß diese
zweite von England den Indiern gewidmete Armee — und kein
Mann wird davon zurückkehren — keineswegs an Bravour, Selbst¬
gefühl und steadiness der ersten die Stange halten wird, die ziem¬
lich ganz verschwunden zu sein scheint. Was die Wirkung des 20
Klimas auf die Truppen angeht, so habe ich in verschiednen Ar¬
tikeln — solange ich interimistisch das militärische Departement
führte — durch genaue Kalkulationen nachgewiesen, daß die
Sterblichkeit disproportionately größer war, als die offiziellen eng¬
lischen Depeschen Wort hatten. Indien mit dem drain of men und 2s
bullion, die es den Engländern kosten wird, ist jetzt unser bester
Bundesgenosse.
Montag gehe ich wieder auf das Museum und werde Dir dann
Catapult — nebst dem sonst Verlangten — aus den besten Quellen
schicken. Coehorn habe ich nicht gemacht, da es meiner-30
seits viel Zeit gekostet haben würde, die rechten Quellen aufzu-
stöbem.
Daß Deine Gesundheit well vorangeht, freut mich exceedingly.
Ich selbst habe seit drei Wochen wieder mediziniert und erst heute
wieder damit arugehört. Ich hatte die Nachtarbeiten — begleitet 35
zwar nur mit Limonade auf der einen Seite, aber auf der andern
with an immense deal of tobacco — zu sehr übertrieben. Übrigens
finde ich hübsche Entwicklungen. Z. B. die ganze Lehre vom Pro¬
fit, wie sie bisher war, habe ich über den Haufen geworfen. In der
Methode des Bearbeitens hat es mir großen Dienst geleistet, m
daß ich by mere accident — Freiligrath fand einige, ursprünglich
dem Bakunin gehörige Bände Hegels und schickte sie mir als Prä-
Z. 28—32.
(489) 1858 Jan. 14 275
sent — Hegels Logik wieder durchgeblättert hatte. Wenn je wieder
Zeit für solche Arbeiten kommt, hätte ich große Lust, in zwei oder
drei Druckbogen das Rationelle an der Methode, die H[egel]
entdeckt, aber zugleich mystifiziert hat, dem gemeinen Menschen-
s verstand zugänglich zu machen.
Von allen neuem Ökonomen ist die Grundsuppe der Fadaise
am konzentriertesten in Monsieur Bastiats „Harmonies économi¬
ques“. Nur ein crapaud war fähig, solchen harmonischen pot-au-
feu zurechtzubruddeln.
io Was sagst Du zu Freund Jones? Daß der Kerl sich verkauft
hat, will ich noch nicht glauben. Seine Erfahrung von 1848 mag
ihm schwer auf dem Magen liegen. Mit seinem großen Glauben an
sich selbst mag er sich fähig halten, die middleclass zu exploitie-
ren, oder sich einbilden, wenn nur Ernest Jones ins Parlament, one
is way or the other, gebracht würde, werde die Weltgeschichte nicht
verfehlen, a new tum zu nehmen. Das beste ist, daß Reynolds in
seinem Blatt jetzt als wütender Gegner der middleclass und aller
Kompromisse auf tritt — of course aus spite gegen Jones. Ebenso
ist Herr B. O’Brien mm ein irrépressible Chartist at any price ge-
2o worden. Die einzige Entschuldigung für Jones ist der schlappe
Ton, der die arbeitende Klasse in England jetzt durchwadet. Wie
dem auch sei, auf dem jetzigen Weg wird er dupe der middleclass
oder renegade. Das fact, daß er mich — den er sonst bei jedem
Dreck ängstlich konsultierte — jetzt ebenso ängstlich vermeidet,
25 zeigt nichts weniger als gutes Gewissen.
Einliegend ein Brief an Lupus von Laura und Jenny. Die bei¬
den girls bilden sich natürlich ein, Du könntest es schief nehmen,
daß Lupus als der bevorzugte Briefempfänger erscheint. Sie haben
mir deshalb ausdrücklich aufs Gemüt gebunden, Dir anzuzeigen,
30 that yours shall be the next tum.
Ich warte jetzt noch drei Wochen, bis sich die Verhältnisse etwas
mehr zugespitzt haben, und dann schreibe ich Herm Dana, ich
könne nicht fortarbeiten für die Tribüne mit nur vierArtikeln
den Monat; sechs sei das Minimum. In der Tat bin ich jetzt
35 gezwungen, Stoff für zwei Artikel immer in einen zu kondensieren,
lief re also die doppelte Arbeit für half the price. This will
never do.
In dem verlorengegangnen Brief von wegen Lassalle, lagen
darin Lassalles und Friedländers Briefe? Aus politischen Grün-
4o den wäre ihre Fortexistenz wünschenswert.
Salut.
Dein K. M.
18*
Z. 26-40.
276
(490) 1858 Jan. 15
490* Engels an Marx; 1858 Januar 15.
15. Januar 1858.
Lieber Marx,
Nach inliegendem Brief von Hamey scheint Schramm wohl
schwerlich noch am Leben zu sein. Ich habe gleich an H [amey] s
geschrieben. Sobald ich weiteres höre, teile ich Dir’s mit.
Dein F. E.
491. Marx an Engels; 1858 Januar 23.
23. Januar 1858.
Lieber Engels, 19
Ich habe erhalten: 1. Nummern des Guardian; 2. C (Cara¬
bine etc.). Du hast mir nicht angezeigt, ob Du meinen Brief, heut
vor acht Tagen abgeschickt, nebst Einlage für Lupus, erhalten
hast.
Einliegend ein Brief von Dana, den Du mir zuriickschicken «
mußt, da er noch nicht beantwortet. Kin Unangenehmes, was für
mich daraus hervorgeht, ist, daß ich bedeutend in der Schuld der
Kerls stecke, da ich falsch berechnet meine Forderungen und wie¬
der nach Absendung der Cannon von neuem gezogen hatte. Übri¬
gens ist der pay nicht einmal a penny the line. 20
Was nun die neu von Dana verlangten Artikel unter B angeht —
und die Hauptsache für mich ist, daß ich ihm rasch das Überzogne
auf Appleton abtrage, da ich sonst nicht auf die Tribune ziehn
kann und also ganz leck liege —, so sind sie mit einer Ausnahme
alle aus der von Dir angefertigten Liste genommen. Was die e i n e u
Ausnahme betrifft — The History of the Bengal
Rebellion —, so scheint mir das Zweckmäßige, Dana dies
direkt abzuschlagen. Wo die Quellen in der kurzen Frist herbe¬
kommen? Da es ,,shall be sent at once“ und „as brief as possible“,
wäre es an Arbeit und dem pay durchaus in keinem Verhältnis, 30
und es würde bloß die Ausarbeitung der andern Artikel hemmen.
Was ist Deine Meinung? Die Hauptsache ist militärisch, aber das
Ganze, militärisch und politisch, scheint mir noch nicht reif, um
es „at once zu liefern“.
Des von Dana in battle of Albuera erwähnten mistake erinnere »
ich mich nicht.
Wie Freiligrath mir schreibt, ist der große Emst Dronke von
Paris in London eingetroffen; das erstemal Platz verlassen
habend infolge des Attentats.
Salut. u
Dein K. M.
Z. 35-39.
(491) 1858 Jan. 23
277
In der Pariser Korrespondenz des M[anchester] Gluardian],
den Du mir geschickt, waren nette Sachen. Wie steht das Geschäft
in Manchester? Es scheint alles besser zu gehn als erwartet.
492. Engels an Marx; 1858 Januar 25.
5 Manchester, 25. Januar 1858.
Lieber Marx,
Die Briefe sind alle richtig angekommen. Die Bengal Rebellion
zu machen in der verlangten Zeit ist total unmöglich, und würde
ich Dir raten, bei dieser Gelegenheit dem Herm Dana zu bemer-
io ken, daß, wenn er auf unsre Vorschläge und die ihm eingesandte
Liste früher eingegangen wäre, er diese Artikel alle längst hätte.
Er kann Bengal Rebellion ja als Hindostan Rebellion oder sonst¬
wie anbringen. Was den angeblichen Schnitzer angeht, so kann ich
jetzt nicht nachsehn, da ich keine Zeit habe, soll aber morgen ge-
is schehn. Die Notiz ist aus Brockhaus genommen, wird also doch
wohl richtig sein.
Der Lassallesche Brief ist noch hier.
Für Blenheim, Borodino und viele andre hab ich das Material
fertig, und Freitag sollst Du ein lot haben, wenn nicht die indische
io Mail mich nötigt, einen Artikel zu machen, was nach der Tele¬
grammdepesche zu urteilen nicht der Fall zu sein scheint. Bi-
dassoa etc. werde ich erst nachsehn müssen. Was soll das aber
heißen, daß Diana] sagt, er habe diese Artikel früher schon
verlangt? Davon weiß ich nichts.
25 Daß der arme Schramm Freitag vor acht Tagen starb, wird Dir
Harney geschrieben haben. Details habe ich noch nicht. Ich schrieb
an Harney, wenn er Sachen von Deiner oder meiner Handschrift
vorfinde, so solle er sie wegnehmen und zu unsrer Verfügung hal¬
ten — dergleichen dem Herrn Rudolf, der ein kompletter Preuß
so geworden ist, in die Hände fallen zu lassen, das fehlte noch. Ich
hätte nicht gedacht, daß Schrlamm] vor dem Frühjahr ernstliche
Anfälle haben würde. Der arme Kerl hat sich, solange ich da war,
famos gegen die Krankheit gewehrt, und wie es scheint auch bis
zuletzt. Unsre alte Garde schmilzt in der langen Friedenszeit sehr
35 zusammen!
Das Geschäft hier geht sehr wackelig. Alle vierzehn Tage ist
ein Versuch, Baumwolle in die Höhe zu bringen; der Moment,
wenn einige Spinner kaufen müssen, wird benutzt. Das gelingt auf
drei bis vier Tage, dann fallen die Preise wieder. Im ganzen sind
to wir jetzt ’/» d. über dem niedrigsten Punkt. Hier geht’s ähnlich.
Sowie die Preise durch vierzehntägige Stockung tüchtig gedrückt
Z.l-3.
278(492) 1858 Jan. 25
sind, so gehn die indischen und levantinischen Käufer in den Markt
und treiben dadurch alles in die Höhe; dann will niemand mehr
kaufen und die Preise fallen allmählich wieder. Es ist noch gar
nichts Rechtes. Die Spinner gehn auf volle Zeit, nicht weil wirk¬
liche Nachfrage da ist, sondern weil andre es tun und weil sie die s
short time herzlich satt sind. Im ganzen hat sich die Position der
Spinner dadurch verschlechtert, daß die Differenz der Preise der
rohen Baumwolle und des Gams geringer geworden ist. Die Deut¬
schen kaufen noch sehr wenig. Brillant sieht’s hier noch keines¬
wegs aus, alle Tage ein check im Handel durch den Versuch, io
höhere Preise zu erzwingen, und wenn das nicht gerät, so sagt man
there is an improved feeling in the market. Improved be damned!
Die Einlage an Lupus hat großen Stolz und viel Spaß bei dem
alten Herm hervorgerufen. Er läßt die Verfasserinnen bestens
grüßen. Übrigens sah ich ihn vorige Woche fast gar nicht, wir ver-
fehlten uns, und dann bekam er den tic douloureux etwas.
Viele Grüße an die family.
Dein F. E.
493. Engels an Marx; 1858 Januar 28.
Manchester, 28. Januar 1858. 20
Lieber Mohr,
Hierbei drei B-Artikel. Ich wollte womöglich heute noch den
Windham bearbeiten, aber erstens sind die Particulars noch
sehr konfus, und es ist absolut nötig, hierbei den offiziellen
Bericht abzuwarten, da soweit alles vertuscht wird — und zweitens 2s
hatte ich keine Zeit heut nachmittag — konnte kaum die drei Ar¬
tikel wieder durchsehn; bin auch zu erkältet, als daß ich heut
abend riskieren dürfte, um 12 Uhr nach der Stadt zu gehn und den
Brief aufzugeben. Sag dem D[ana], das Material sei noch nicht
komplett. 30
Hast Du meine C-Liste an Dana geschickt? Wo nicht, so tu es
jetzt, damit er beizeiten antworten kann, sein C ist wieder
ludicrously incomplète.
Borodino war leider nicht kürzer zu machen, da die Schlacht
bisher ganz falsch dargestellt worden. «
Dein F. E.
Z. 4—16.
(494) 1858 Jan. 28
279
494. Marx an Engels; [1858] Januar 28.
28. Januar.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Dear Frederick,
5 Die große Kälte, die hier hereingebrochen ist, und der reelle
Kohlenmangel in unsrer Behausung zwingt mich
— obgleich von allen Dingen in der Welt es mir das fatalste ist —,
wieder zu pressen auf Dir. Ich habe mich nur dazu entschlossen
infolge von heavy pressure from without. Meine Frau hat mir vor-
io demonstriert, daß infolge einer Sendung von Jersey, die früher
als gewöhnlich eintraf, Du in einen Rechnungsfehler geraten seiest
und daher diesen Monat, ohne besondres Schreiben meinerseits,
nichts schicken würdest; daß sie ihren shawl etc. etc. versetzt habe,
sich nicht zu helfen wisse. Kurz ich mu ß schreiben und darum
is tu ich es. In der Tat, wenn dieser Zustand fortdauert, möchte ich
lieber 100 Klafter tief unter der Erde liegen, als so fortvegetieren.
Immer andern lästig fallen und dabei beständig selbst mit dem
kleinsten Dreck gequält sein, ist auf die Dauer unerträglich.
Ich persönlich arbeite mir die Misere weg durch starke Beschäf-
20 tigung mit allgemeinen Dingen. Meine Frau, of course, hat nicht
dieselben Ressourcen usw. etc.
Heute kam das Buch von Lassalle an, kostete 2 sh., nicht Preis
des Buchs, sondern die Transportkosten. Dieser Umstand sicherte
ihm schlechten Empfang. Zwei Bände von dreißig Bogen each.
25 Bloß hereingelugt. Der Kerl lügt dem Publikum in der Vorrede
vor, daß er seit 1846 damit schwanger gegangen. Scheint ganz
althegelsch. Bei Auslegung und Vergleichung von Stellen mag
ihm die juristische Gewohnheit der Hermeneutik behülflich ge¬
wesen sein. Nous verrons, obgleich das Zeug zu dick ist, um es
5o durchzulesen.
Herr Pieper hat auch geschrieben und mir das interessante Ge¬
heimnis mitgeteilt, daß er während seines Hierseins an „Unter¬
leibsschwierigkeiten“ litt und deshalb „vielleicht“ langweilig er¬
schien.
35 Das Orsini- etc. Komplott möchte der preußischen Amnestie
einen Strich durch die Rechnung ziehn. Vorgestern brach die Po¬
lizei hier gewaltsam in Orsinis Behausung um Mitternacht,
inveigled die Dienstmagd, ihr nach Scotlandyard zu folgen, wo
sie von Herm Richard Mayne und französischen Mouchards exa-
40 miniert wurde. Dieser Herm Pam kompromittierende Streich hatte
um so weniger Resultat, als Martin Bernard im Besitz aller seit
Orsinis Verhaftung an ihn in London gerichteten Briefe, während
er alle andre verbrannt hat vor seiner Abreise von London.
Salut. Dein K. M.
Z. 9-15.
31-34.
280
(495) 1858 Jan. 29
495. Marx an Engels; 1858 Januar 29.
29. Januar 1858.
Dear Frederick,
Erhalten die drei Artikel B. Daß Du Borodino länger gemacht,
ist sehr gut. Da die Spalten der Kerls so immense und ihr pay so s
schlecht, ist das einzige Gegenmittel, die Artikel auszudehnen. Ich
hoffe, daß wenn Du an Cavalry kommst, Du es möglichst aus¬
patschest, damit ich die debts an die Hunde los werde.
In Frankreich die Sachen schön. Die coolness, womit die Epi¬
ciers das Attentat aufgenommen, hat den Kerl exasperiert. Das io
Geheimnis der Epicierskälte ist wohl der innere Wunsch vieler
derselben, daß irgendein plötzliches politisches Ereignis sie aus
der Klemme reißen möge. Die Mehrzahl der Burschen hat ihre
Wechsel erneuert erhalten durch Bank, Diskontassoziation etc., die
auf Boustrapas order handelten. Indes auf geschoben ist nicht auf- is
gehoben. Ein großer Teil der französischen Bourgeois, so sichern
kommerziellen Ruin im Auge, sehn mit Angst dem Verfalltag ent¬
gegen. Sie befinden sich ungefähr in demselben state, worin
Boustrapa sich vor dem coup d’état befand. Any political pre-
text for making an honourable exit — ganz wie vor zehn Jahren — 20
will, consequently, be eagerly seized upon by the damned fellows.
Dies hat Boustrapa gemerkt und will nun den „Despoten“ als
solchen herauslassen. Nous verrons. Wenn er sich auf Magnan^,
Castellane etc. verläßt, ist er verlassen.
Ich bin jetzt in meiner ökonomischen Arbeit an einem Punkt, 25
wo ich einigen praktischen Aufschluß von Dir wünschte, da nichts
darüber in den theoretischen Schriften zu finden. Nämlich über
den Umlauf des Kapitals — seine Verschiedenheit in den ver-
schiednen Geschäften; Wirken desselben auf Profit und Preise.
Wenn Du mir darüber einiges Wenige mitteilen willst, so very 30
willkommen.
Herr Lassalle in der Vorrede zu:
„Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“ sagt
u. a.:
„Es war dasselbe (das Werk) bereits Anfang 1846 bis auf einen 3s
geringen Teil ausgearbeitet, und eben wollte ich die Hand an die
Beendigung desselben legen, als mich damals plötzlich ein Inter¬
esse anderer Art — denn in jeder Hinsicht bleibt das Wort des
Sophokles wahr: IToMà rà ôetvà, xovôèv àv&Qtanov ôelvoteqov
— in ein Meer praktischer Kämpfe stürzte und fast zehn Jahre 40
hindurch hinderte, mich der Vollendung dieses Werkes zu unter-
ziehn.“
9 Im Orig. Magnane
Z. 82-42.
(495) 1858 Jan. 29
281
Soll der Vers des Sophokles in L[assalle]s Verdeutschung
meinen: „Es gibt kein schrecklicheres Saum en sch als die
Gräfin Hatzfeldt!“
Salut.
s Dein K. M.
496. Engels an Marx; 1858 Januar 30.
Manchester, 30. Januar 1858.
Lieber Marx,
Ich erhalte heut morgen Deine beiden Briefe zusammen und
io schicke Dir inliegend einen Fünfer. Leider bin ich selbst sehr fest
mit Geldern, und Schramm pumpte mich Anfang Januar um fünf
Pfund an — das ließ sich unter den Umständen durchaus nicht
refüsieren, machte mich aber noch knapper. Windham wird für
Dienstag gemacht.
is Apropos, schick mir eine neue Kopie der von Dana verlangten
B-Artikel (der ursprünglichen sowohl wie der jetzt nachträglich
bestellten), ich hab meine verlegt.
Was macht Camp, Catapults und Caps (Percussion)?
Also beim Attentat ist Bonaparte zwar verfehlt, aber K. Hein-
20 zen getroffen worden. Du erinnerst Dich seiner moritäterischen
Zerstörungsdrohungen von Anno 1848, wo er mit den ihm natür¬
lich unbekannten Vernichtungswaffen der modernen Wissenschaft
renommierte. Kossuth ist ein großer Mann, aber Ktossuth] hat
das Knallsilber vergessen etc. Eh bien, nach dieser Geschichte
so werden wir vom Knallsilber nichts mehr hören. Ich sagte gleich,
aus den furchtbar viel Verwundeten und wenig Toten gehe hervor,
daß die Granaten überladen waren und also in viele kleine Fetzen
zersprangen, die jedes wenig Kraft hatten. Die Esel haben sehr
dumm-pfiffig operiert. Mit gewöhnlichem Pulver gefüllt, mußten
so die Granaten viel mehr wirken. Statt dessen pfropfen sie Knall¬
quecksilber hinein, was das Zeug hält, und produzieren einen
Hagel von kleinen, wenig schädlichen Splittern. Der Dr. Larrey
hat meine Ansicht bestätigt. So much for Heinzen.
Am 21. dieses ist wieder ein Mordversuch auf Bon [aparte] im
3s B[ois] de Boulogne gemacht mit einer Pistole, der Kerl abgefaßt,
eh er losdrückte. Die Sache ist vertuscht. Sobald ich den betref¬
fenden Guardian entbehren kann, erhältst Du ihn.
Ich werde Charras’ Cent jours kommen lassen. Könnten wir
nicht in Amerika literarische Kritik treiben? Ein Artikel darüber
a wäre gewiß interessant und nicht schwer zu machen.
Viele Grüße an Frau und Kinder.
Dein F. E.
Z.l-8.
282
(497) 1858 Febr. 1
497. Marx an Engels; 1858 Februar 1.
1. Februar 1858.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Frederick:,
5^’s angekommen. Das Zusanunenankommen zweier Briefe, s
wovon ich den einen am Dienstag, den andern am Freitag ab¬
schickte, scheint darauf hinzudeuten, daß die Post die Flüchtlings¬
briefe retardiert, inspiziert etc.
B’s sind neue: Bidassoa (battle of), Blenheim (ditto),
Burmah (war in), Bomarsund (siege), Borodino w
(battle), Brescia (assault), Bridgehead, Bülow,
Buda (siege of), Beresford, Berm. Wenn Dana sagt:
„most of them I asked you before“, so ist das ein Irrtum. Er ver¬
wechselt Deine Aufstellung von B’s mit seiner. Er selbst
bestellte nur: u
„Barbette, Bastion, Bayonet, Barclay de Tolly, Battery, Battle,
Bem, Bennigsen, Berthier, Bernadotte, Bessières, Bivouac, Blind¬
ney, Blücher, Blum, Bolivar, Bomb, Bombardier, Bombardement,
Bomb (Ketch, Proof, Vessel), Bonnet, Bosquet, Bourrienne,
Bridge (pontoon), Brown (Sir George), Brune, Bugeaud. to
(Dies alles hat der Esel erhalten.)
Catapult (nicht viel) hab ich fertig für Dich. Ebenso grö߬
ten Teil von Castrum. (Aber ich habe noch nachzusehn in
Wachsmuths Hellenischem Altertum über das griechische
Lager und über die jüdische bride Wette.) Die Geschichte mit ts
Percussionscap ist ausführlich, von wegen der sehr ver-
schiednen Sorten von Gewehrschlössern etc., die dabei aufzu¬
zählen. Ich hätte die Scheiße schon fertig gemacht, wenn nicht der
neue ordre von Dana dazwischen gekommen. Ich schicke Dir den
Dreck zusammen. So oft ich auf dem Museum bin, habe ich außer- 30
dem solches lot von Zeug nachzuschlagen, daß die Zeit (jetzt nur
bis acht Uhr) um, eh ich mich umsehe. Dann der Weg hin. So geht
viel Zeit verloren.
Der „Herakleitos der Dunkle“ von Lassalle dem Hellen ist au
fond ein sehr läppisches Machwerk. Bei jedem der vielen Bilder, 35
worin Herakleitos sich die Einheit von Affirmation und Negation
herausarbeitet, in Steps0 Lassalle und gibt uns bei der Gelegenheit
irgendeinen Abschnitt aus der Hegelschen Logik zum besten, die
hardly gewinnt durch diesen Prozeß, immer in ganzer Breite —
wie ein Schulbub, der an einem Pensum den Beweis liefern soll, <«
daß er sein „Wesen“ und seine „Erscheinung“ und den „dialek¬
tischen Prozeß“ los hat. Wenn der Schulbub sich derartiges an-
9 Im Orig, stops
Z 28-35.
(497) 1858 Febr. 1
283
spekuliert hat, so kann man sicher sein, daß er dennoch den Ge¬
dankenprozeß exakt nur nach dem vorgeschriebnen Rezept und in
den formes sacramentales vornehmen kann. Exakt so unser
Lassalle. Der Kerl scheint sich die Hegelsche Logik an Heraklit
5 klar zu machen gesucht haben und gar nicht müde geworden zu
sein, diesen Prozeß stets von neuem zu beginnen. Was die Gelehr¬
samkeit betrifft, so ist eine enorme Exhibition davon. Jeder Kenner
weiß aber, wie wohlfeil es ist, wenn man Zeit und Geld hat und
wie Herr Lassalle direkt die Bonner Universitätsbibliothek ad
io libitum ins Haus geschickt bekommt, derartige Zitatenschau¬
stellung zusammenzubringen. Man sieht, wie sonderbar grauß der
Kerl sich selbst in diesem philologischen Flitterstaat erscheint und
sich bewegt ganz mit der Grazie eines Kerls, der zum erstenmal in
seinem Leben fashionable dress trägt. Da die meisten Philologen
is den spekulativen Begriff nicht haben, der bei Heraklit vorherrscht,
so hat also jeder Hegelianer den unbestreitbaren Vorzug zu ver¬
stehn, was der Philolog nicht versteht. (Es wäre übrigens auch son¬
derbar, wenn ein Kerl dadurch, daß er Griechisch lernt, zum Phi¬
losophen im Griechischen würde, ohne es im Deutschen
so zu sein.) Statt nun einfach dieses als selbstverstehend mitzuneh¬
men, traktiert uns Herr Lassalle in quasi — Lessingscher Manier.
Es wird mit weitläufiger Juristenmanier die Hegelsche Interpreta¬
tion gegen die falschen, aus Mangel an Sachkenntnis falschen Aus¬
legungen der Philologen geltend gemacht. So daß wir den doppel¬
st ten Genuß haben, erst uns dialektische Sachen in aller Breite vor¬
konstruiert zu sehn, die wir beinah wieder vergessen haben, und
zweitens, dieses „spekulative Erbteil“ als besonders philologisch¬
juristische Pfiffigkeit und Gelehrsamkeit des Herm L[assalle] gel¬
tend gemacht zu bekommen gegen die unspekulativen Philologen.
so Übrigens trotz der Renommage des Kerls, daß Heraklit bisher ein
Buch mit sieben Siegeln war, hat er, der Hauptsache nach, a b -
solut nichts Neues zu dem hinzugefügt, was Hegel in der
Geschichte der Philosophie sagt. Er führt es nur im Detail aus,
was natürlich in zwei Druckbogen vollständig genügend hätte ge-
35 schehn können. Noch weniger fällt es dem Burschen ein, irgend
kritische Gedanken über die Dialektik selbst zu verraten. Wenn
man alle Fragmente des Heraklit zusammendruckt, so werden sie
hardly einen halben Druckbogen füllen. Nur ein Bursche, der
Bücher auf Kosten des schrecklichen „Mensch“ druckt, kann sich
herausnehmen, zwei Bände von 60 Bogen auf solchen Vorwand hin
in die Welt zu schicken.
Es kommt ein Spruch des „Herakleitos des Dunkeln“ vor, wo
er, um das Umschlagen aller Dinge in ihr Gegenteil klarzumachen,
sagt: „So verwandelt sich Gold in alle Dinge, und alle Dinge ver-
u wandeln sich in Gold.“ Gold, sagt Lassalle, ist Geld hier (c’est
Z. 36-41.
284
(497) 1858 Febr. 1
juste) und Geld Wert. Also das Ideelle, Allgemeinheit, Eine
(Wert), und die Dinge das Reelle, Besonderheit, Viele. Diese
überraschende Einsicht benutzt er, um in einer langem Anmerkung
an eamest of his discoveries in the Science of political economy zu
geben. Jedes Wort ein Schnitzer, aber mit merkwürdiger Präten- «
tion vorgetragen. Idi sehe aus dieser einen Note, daß der Kerl vor¬
hat, die politische Ökonomie hegelsdi vorzutragen in seinem zwei¬
ten großen opus. Er wird zu seinem Schaden kennen lernen, daß
es ein ganz andres Ding ist, durch Kritik eine Wissenschaft erst auf
den Punkt bringen, um sie dialektisch darstellen zu können, als ein w
abstraktes, fertiges System der Logik auf Ahnungen eben eines
solchen Systems anzuwenden.
Wie ich Dir aber gleich auf seinen ersten selbstbegeisterten
Brief schrieb, die Althegelianer und Philologen müssen in der Tat
pleased gewesen sein, solch altertümliches Wesen in einem jungen u
Menschen zu finden, der für einen großen Revolutionär gilt.
Außerdem schmeichelt und kratzfußt er nach allen Seiten hin, um
sich günstige Aufnahme zu sichern. Sobald ich das Zeug durch¬
geblättert, schick ich es auch.
Salut.
Dein K. M.
498. Engels an Marx; 1858 Februar 8.
Manchester, 8. Februar 1858.
Lieber Mohr,
Idi war die vorige Woche stellenweise unwohl, es scheint noch 25
ein ganz geringes Minimum von Rest von meiner früheren Krank¬
heit übrig geblieben, das aber zu schwach ist, midi ernsthaft zu
fassen und mich nun durch allerhand kleine Lumpereien schika¬
niert — besonders reizbare Haut, schlechtes Verheilen von Wun¬
den, schwärende Finger und dergleichen ennuyante Eseleien. 30
Glücklicherweise ist zu eiternden Drüsen auch nicht mehr die aller¬
geringste Tendenz vorhanden, so daß also dafür kein Bange ist.
Diese Lumpereien, die sich apropos von Etkältungen zeigen, wer¬
den midi wohl ab und zu plagen, bis ich wieder ins Seebad gehe.
Jedenfalls muß ich mich inzwischen noch in acht nehmen. Als Ab- 35
leitet dienen mir übrigens meine, seit meiner Rückkehr ziemlich
verwickelten Hämorrhoiden, das hilft jedesmal auf dem Fleck,
aber macht mir dann auch auf ein paar Tage jedes andre Sitzen als
auf dem Gaul unmöglich. Daher mein Stillschweigen vorige
Woche und mein Mangel an Lieferung seit Montag. Idi konnte nur «
liegen die meisten Abende. Indes ist die Erkältung jetzt am
Z. 17-18.
Nr. 498.
(498) 1858 Febr. 8
285
subsiding dergestalt, daß ich gestern wieder 28 Meilen reiten
konnte, und so können wir morgen wieder anfangen.
Den Dunkeln Heraklit scheint Herr Lassalle sich au fond leicht
genommen zu haben. Lupus hat sich sehr amüsiert über Deine Be-
s Schreibung seiner Methode, es war ihm eine Satisfaktion, daß es
mit der griechischen Gelehrsamkeit des Herm doch nicht soweit
her ist. Idi werde ihm das Buch, wenn es kommt, zum Studium
geben.
Freund Belfield hat sich heute wieder zum Stadtratskandidaten
io aufgeworfen und ist mit Glanz durchgefallen. 196 gegen seine
143 Stimmen.
Ich hab noch ein paar Guardians mit hübschen. Pariser Korre¬
spondenzen zuhause, die ich Dir dieser Tage schicken werde.
Viel Grüße an die family. Für Freitag gibt’s wieder einige En-
is zyklopädie-Sachen.
Dein F. E.
499. Marx an Engels; [1858] Februar 10.
10 February.
Lieber Engels,
to Der Esel Dana (in einem Brief, den ich Dir später schicken
werde, und worin er es undecided läßt, whether or not mein Ende
Dezember gezogner Wechsel honoriert wird) schreibt mir auch
u. a.: „In the article Artillery, in speaking of the equipment
of the Prussian army, you use the words seam-horses; what are
ts they? I dot not find them in any Dictionary.“ Antworte mir hierauf
umgehend, so daß ich dem Esel noch Freitag darüber schreiben
kann.
Ich ahnte, daß Du nicht ganz auf dem Strumpf seist. Nimm
Dich nur in acht. Du hast Dich zu sehr gehn lassen während der
30 Manchester „Sturm- und Drangperiode“. Nächstens mehr.
Dein K. M.
Hat Harney dear Dir auch seinen „Independenten“ Nonsense
zugeschickt? Wer hat die Lebensgeschichte von Schramm wohl zu¬
sammengelogen? Harney macht the celebrated poet Freiligrath,
« neben dem Engels Esq. sich komisch ausnimmt, zum Herausgeber
der Revue der N[euen] Rhleinischen] Z[eitung].
Nr. 498.
Z. 32-36.
286
(500) 1858 Febr. 11
500. Engels an Marx; 1858 Februar 11.
Manchester, 11. Februar 1858.
Lieber Mohr,
Dana kann nicht lesen — es heißt team- horses, d. h. Bespan¬
nungspferde, the horses harnessed to any gun or carriage in Order a
to draw it. Der Ausdruck team kommt auch sonst häufig im Artikel
vor, und wenn er eine Autorität haben will, so soll er den Artikel
Artillery in der Encyclopaedia Britannica nachlesen.
Leider kann ich heute nichts schicken. Ich habe mich gestern
verleiten lassen, zu einem Coursing meeting zu reiten, wo Hasen io
von Windhunden gehetzt werden, und war sieben Stunden im Sattel.
Dies ist mir zwar sehr famos im allgemeinen bekommen, hat mich
aber am Arbeiten verhindert, und mit den angefangnen Sachen
— Burmah usw. — bin ich noch nicht weit genug, um daran
denken zu können, sie heut abend beizeiten fertig zu werden. Das is
Burmah ist sehr eklig, lange Bücher durchzulesen und doch nichts
Ordentliches draus zu machen, at it must be pretty short. Dagegen
bei Cavalry werde ich mich revanchieren. D[ana] bekommt den
ganzen Griesheim, soweit er sich darauf bezieht.
Lupus scheint sich vom Kneipen retirieren zu wollen, ich hab 20
ihn aus Viermalen nur einmal in seiner Stammkneipe, dem Chats¬
worth, getroffen. Da ich nur seinetwegen hingehe, ist mir das ein
großer Zeitverlust und muß geändert werden.
Den Blödsinn von Harney dear hab ich auch zugeschickt be¬
kommen. Harro Harring, der in Jersey ist (obwohl ich ihn nie ge- 2s
sehen), muß die Hauptschuld daran tragen. Die Beschreibung von
Krefeld ist gottvoll. Ganz der alte Harney. Er hat aus Schramms
Tod wieder eine große melodramatische Schaustellung gemacht,
wobei G. J. H.natürlich die Hauptrolle spielt. Der ganze Kram
Begräbnis und alles, seine Briefe mit Aufschriften: Haste! Imme- 30
diate! etc. Dazu die Zumutung an mich, nach Jersey zu kommen,
um auch zu figurieren unter den Crapauds und Waschlapskis, der
ganze Kram ist mir widerlich. Es ist ein lausiger kleiner Lause-
kerl, der in Jersey ganz am rechten Fleck ist, außerdem überglück¬
lich, indem er sich einen Preßprozeß wegen Verleumdung des is
Feudalherrn von Jersey, Fr. Godfray, zugezogen hat.
Jones scheint auch schöne Geschichten zu machen. Der dicke
Livesay, den er zum Chairman seiner Konferenz gemacht hat, ist
ein elender kleiner Bürger, der auf Miall schwört und der schon
1842 mit Sturge und Konsorten die complété suffrage sécession w
machte, als alle die Kleinbürger sich separierten.
Aber never mind! Mr. Bonaparte travaille pour nous. Besser
können wir’s gar nicht verlangen, als wie der wirtschaftet. Espi-
*) George Julian Harney
Z. 20-41.
(500) 1858 Febr. 11
287
nasse Minister des Innern, that beats cockfighting. Dabei die
Dummheit, die Adressen abdrucken zu lassen.
Damit Du Dir übrigens von meinem körperlichen Zustand keine
falschen Vorstellungen machst, will ich Dir noch erzählen, daß ich
i gestern mit meinem Gaul über einen Erdwall und Hecke ge¬
sprungen bin, die fünf Fuß und einige Zoll hoch war, der höchste
Sprung, den ich noch je gemacht. Solche efforts setzen doch, um
sie mit Komfort machen zu können, ziemlich gesunde Glieder vor¬
aus. Überhaupt wollen wir der preußischen Kavallerie schon was
io vorreiten, wenn wir wieder nach Deutschland kommen. Es soll den
Herren schwer werden, mir nachzukommen; ich habe sehr viel
Übung jetzt und bessere mich täglich, mein Renommee etabliert
sich auch mit der Zeit. Die eigentlichen Schwierigkeiten beim
Reiten in diffizilem Terrain aber lerne ich erst jetzt kennen, es ist
is eine höchst komplizierte Geschichte.
Viele Grüße an Deine Frau und Kinder. Bis Montag kommen
jedenfalls einige Artikel. Mit Indien warten wir, denk ich, noch
eine Post ab, es sei denn, daß wir sehr interessante Details be¬
kommen.
so Der Engels Esq. nimmt sich in der Tat sehr komisch aus. Ich
sollte dem Hfamey] nie vergessen, daß das beste, was er von mir
zu sagen weiß, sich auf den Esq. beschränkt. Grosse bête!
Dein F. E.
501. Marx an Engels; 1858 Februar 14.
25 14. Februar 1858.
Lieber Engels,
Du hattest mir versprochen, den Guardian zu schicken. Ich
hatte ihn daher für heut erwartet, da Frankreich jetzt der einzige
Stoff der Korrespondenz und einige Klatschanekdoten den Kerls
so lieber sind als any amount of ideas. Ich denke, morgen werden die
versprochnen Nummern ankommen, ersuche Dich aber dringend,
künftig mir die Sachen immer für Donnerstag oder spätestens Frei¬
tag zuzuschicken. Nach dem Korrespondenztag nützen sie mir,
of course, nicht mehr für die Korrespondenz.
35 Ich werde nun drei Tage auf Nadeln sitzen, bis ich weiß, ob
mein Wechsel, der erst einige Wochen after its drawing von hier
abgeschickt worden zu sein scheint, honoriert ist oder nicht. Im
besten Fall werde ich nicht auf die Tribune wieder ziehn
können für die ihr gelieferten Artikel, bis die Sache mit Appleton
io gesettled ist. Ich hatte mich total verrechnet in der Schätzung der
dem letztem zugesandten Ware. Wegen eines längem Artikels über
Bolivar macht Dana außerdem Bedenken, weil er in a par-
Z. 20-22 i
288
(SOI) 1858 Febr. 14
tisanstyle geschrieben sei, und verlangt meine Authorities. Letztre
kann ich ihm natürlich geben, obgleich dies sonderbare Forderung.
Was den partisanstyle angeht, so bin ich allerdings etwas aus dem
Cydopädie-Ton gefallen. Den feigsten, gemeinsten, elendesten
Lump als Napoleon I. verschrien zu sehn, war etwas zu toll. Boli- a
var ist der wahre Soulouque.
I congratulate you upon your equestrial performances. Nur
mach nicht zu halsbrechende Sprünge, da bald wichtigere Gelegen¬
heit den Hals zu riskieren kommt. Du scheinst to ride somewhat
hard this hobbyhorse. Jedenfalls glaube ich nicht, daß die Cavalry io
die Spezialität ist, worin Du am nötigsten für Deutschland bist. Ich
erlaube mir ebenfalls ein leises Bedenken, ob overexertion in any
line Deiner Gesundheit zukömmlich ist. Mir wenigstens ist von
ärztlicher Seite versichert, daß aurea mediocritas in allen Arten
von Anstrengungen für Dich einige Zeit Norm bleiben muß. is
Die Bonapartegeschichte hat auch der beabsichtigten preußi¬
schen Amnestie ein Ende mit Schrecken gemacht. Übrigens kopiert
Louis nur seinen angeblichen Onkel. Er ist in fact nicht nur Napo¬
leon le Petit im Sinn von Viktor Hugo als Gegensatz zu Napoléon
le Grand, sondern er personales in a most admirable way the litt- to
leness des großen Napoleon. Ich habe in Cobbet nachgesehn, Jahr¬
gang 1802/03, und finde, daß der „den of assassins“ and all that
literally in dem damaligen Moniteur steht. U. a. findet sich im
Moniteur vom 9. August 1802 wörtlich folgendes:
„Either the English govemment authorises and tolérâtes those ts
public and private crimes, in which case it cannot be said that such
conduct is consistent with British generosity, civilisation, and ho-
nour; or it cannot prevent them, in which case it does not deserve
the name of govemment; above all, if it does not possess the means
of repressing assassination and calumny and protecting 30
social order.“
Salut.
Dein K. M.
Solltest Du die rückständigen Nummern des Guardian
noch nicht abgeschickt haben, so mache, daß ich sie bis Montag a
habe und die folgenden bis Freitag.
502. Engels an Marx; 1858 Februar 18.
18. Februar 1858.
Lieber Mohr,
Jeden Tag diese Woche hab ich Dir schreiben wollen und nicht «
dazu kommen können vor fortwährendem Aufschlag der Preise.
Erinnere Didi, was ich Dir sagte, 6 d. für Middling Orleans der
Z. 28 (deserve)—29 (not) 34—36.
40-42-
(502) 1858 Febr. 18
289
höchste Preis compatibel mit full time. Jetzt sind ’/s aller Spinner
mit 5% d. per Middling Orleans auf full time gegangen, und die
Folge dieser Dummheit ist, daß sie aus reiner Ungeduld Middling
Orleans in sechs Wochen auf 73A d. getrieben haben!7 Natürlich ist
s Gam und Gewebe nicht in demselben Maß gefolgt; der margin des
Fabrikanten zwischen den Preisen vom Rohprodukt und seiner fer¬
tigen Ware ist unter den Kostpreis reduziert, und jetzt wollen die
Esel, was sie nie anders hätten tun sollen, wieder auf short time
gehn!
io Guardians gehn gleichzeitig heute ab.
Dein Wechsel ist hoffentlich honoriert. Da Du ihn ohnehin so
lange vorher avisiert hattest, so hätten sie Dir ja längst schreiben
müssen, wäre irgendeine Absicht des Retournierens da.
Inliegend wieder ein kleiner Dreck für Dana. Wenn der Kerl
is anfängt, für seine zwei lumpigen Dollars klugscheißen zu wollen,
so verdient er Grobheiten. Jedenfalls kann er nicht mehr erwarten,
als wir ihm liefern — in sehr vielen Fällen selbständige Arbeiten
statt der lausigen Kompilationen, die er sonst erhält. Tritt ihn,
daß er besser zahle, und que puis nous verrions. Mit Badajoz hat
to mich der elende Brockhaus wirklich irregeführt.
Burmah ist a very laborious article. Kannst Du nicht Bülow und
Beresford übernehmen? Ich habe hier das Gerippe zu den Biogra¬
phien nicht, und kann Dir die militärischen Hauptmomente geben.
Über die Reiterei schreib ich Dir ein andermal. Die Sache ist au
ts fond die materielle Basis meiner ganzen Kriegsstudien, was willst
Du? Lause-Bonaparte kommt den Crapauds als ein Held vor, weil
er passabel, aber hübsch reitet, und dabei gibt es hier Zeugen ge¬
nug, die wissen, daß er a very indifferent fencer ist und vor man¬
chem Hindernis ausgebogen ist, über das your humble servant,
so ohne sich zu besinnen, wegreitet. Es ist das Reiten außerdem die
einzige körperliche Fertigkeit, in der ich es wenigstens bis zur
Mittelmäßigkeit gebracht habe, und dabei beim Jagen und Setzen
gerade so ein geringer Beisatz von Gefahr (Probabilität 1:10000),
daß der Reiz unwiderstehlich ist. Übrigens sois tranquille, mein
m Hals wird anders gebrochen als beim Stürzen mit Gäulen. Viele
Grüße an die ganze family.
Dein F. E.
503. Marx an Engels; 1858 Februar 22.
22. Februar 1858.
« Lieber Engels,
Einliegend ein Brief von Lassalle, interesting wegen der auf
Rudolf Schramm bezüglichen Stelle. Was der Kerl von meiner
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 19
Z. -1-10.
290
(503) 1858 Febr. 22
„Logik“ schreibt, kömmt einfach darauf hinaus, daß er mich nicht
verstehn will. Ich hatte ihm nämlich simplement angezeigt, daß
ich ihm nicht geschrieben, weil matters had corne to a point, wo
mündliche Erklärung nötig geworden war zur Fortführung des
schriftlichen intercourse. In fact hatte ich diesen schlüpfrigen «
passage done in a very diplomatical style.
Ich habe ihm natürlich geantwortet, sich bei den Berliner Buch¬
händlern umzusehn. Mein Zweck ist, die Sadie in Heften
herauszugeben, da ich weder Zeit noch Mittel, sie ruhig ganz aus¬
zuarbeiten. Die erste Form mag der Form schaden. Zur Verbrei- io
tung jedenfalls besser. Macht es auch leichter, Buchhändler zu
finden.
Was die Lauseyankees betrifft, so hätte ich natürlich mit dem
größten Vergnügen Herm Dana und Appleton geschrieben, sie soll¬
ten midi beide gefälligst . Aber der state of affairs is u
simply this:
Ich hatte 20 St. übergezogen auf Appleton. Nach meiner Be¬
rechnung hatte ich höchstens für 5 £ übergezogen. Ich konnte
aber nicht anders, da ein Teil Rechnungen, fällig Ende Dezember,
gezahlt werden mußten. Well. Herr Dana hat jetzt 20 £ — die 20
ich exactly to-morrow auf die Tribune zu ziehen hatte — einst¬
weilen auf das à compte der Tribune geschrieben und mir so
überhaupt alle Ressourcen abgeschnitten, bis das dem Appleton
geschickte Manuskript die Scheiße deckt. Bis dahin bin ich also
in a deadlock. Sobald dieser Appleton in Ware gezahlt ist und ich 2s
daher wieder die Schleuse auf die Tribune öffnen kann, bin ich
dafür, den ganzen Appleton fallen zu lassen — besonders sollte
die Wiener „Presse“ auf meinen Vorschlag eines wöchentlichen
Artikels über Finanzen eingehn. Jedenfalls bin ich der Ansicht,
that even the menace to stop supply would bring round Dana and »
Appleton, and induce them to off er a better payment. Aber dies
Manöver kann erst gemacht werden, sobald der jetzige deadlock
aufgehoben. Wenn die Schweinhunde den Bolivar genommen
haben, so sind nach meiner Rechnung noch zu schicken ungefähr
30—32 Spalten. Bis dahin bin ich wörtlich in der Luft schwebend. »
Außerdem wissen die Hunde, daß sie midi jetzt in ihrer Macht
haben. Alles, worauf also jetzt hinzuarbeiten, möglichst wenig —
soweit es ohne fad zu werden geschehn — zu kondensieren.
Was Bülow und Beresford angeht, sq kann ich das Biographi¬
sche schreiben, aber schreibe Du das Militärische ganz,«
englisch, damit diese Artikel nicht von den andern abstechen.
Außerdem nützen mir hier bloße Andeutungen nichts, da ich doch
Studien — jetzt unmöglich — machen müßte, um sie auszuführen.
Sobald Du mit B fertig, setze Dich an „Cavalry“, da dies ab¬
arbeitet. as
(503) 1858 Febr. 22
291
Such, my boy, is the situation. Zum Glück passiert jetzt viel
Aufheitemdes in der Außenwelt. Sonst, privatim, I think, führe ich
the most troubled life that can be imagined. Never mind! Es gibt
keine größre Eselei für Leute von allgemeinen Strebungen, als
5 überhaupt zu heiraten und sich so zu verraten an die petites misères
de la vie domestique et privée.
Was wird jetzt der brave Guardian sagen? Die Revenge
von Milner Gibson und Bright, indeed, klassisch. Unter uns gesagt,
glaube ich, daß Pam had seine „G r i n d“, sein eignes Ministerium
io aufzubrechen, und daß alle die scheinbaren blunders, die zu
diesem result führten, seinerseits berechnet waren.
Aus einem kürzlich im Moniteur erschienenen paper geht her¬
vor, daß die stored up Commodities in den French Customs entre¬
pôts enorm sind, if compared with 1856 und 1855, und der Korre-
is spondent des Economist sagt direkt, daß Bonaparte die Bank
veranlaßt to make advances auf dieselben, und so ihre holders
enabled to retum them. Wie es näher dem Frühling kommt, müssen
sie aber be thrown on the market, and then, there is no doubt, there
will bea crash in France, answered by crashes in Belgium,
20 Holland, Rhenish Prussia etc.
In Italien ist der ökonomische Zustand wahrhaft scheußlich.
Neben der industrial crisis agricultural distress. (Letztre nach den
conclusions eines agricultural congress in France da auch sehr arg.
Der letztre erklärte, they could not go on with 17 fcs. the hectolitre
25 of wheat.)
Take all in all, so hat die Krisis wie ein braver alter Maulwurf
gewühlt.
Salut.
Dein K. M.
504. Engels an Marx; 1858 Februar 24.
24. Februar 1858.
Lieber Mohr,
Inliegend ein Fünfpfünder^, den ich leider gestern nicht mehr
loseisen konnte, sonst hättest Du ihn 24 Stunden früher erhalten,
35 und der Artikel Brescia. Jetzt ist für B nur noch zu liefern Burmah
(halbfertig — die Nachrichten über den letzten Krieg sind lang¬
wierig aufzutreiben) und Bomarsund, dann die zwei Biographien.
Was diese betrifft, so kann ich über Beresford das Nötige bald auf¬
treiben, aber wegen Bülow bin ich in Verlegenheit, da ich absolut
«kein gutes Buch über die Befreiungskriege aufzutreiben weiß.
Seine Resolution bei Großbeeren ist anzuerkennen (er schlug die
0 Nach Fünfpfünder gestrichen B/J 56641, Manchester, 16. Jan. 1857.
19*
292
(504) 1858 Febr. 24
Franzosen gegen Bernadottes Willen), und der Sieg von Dennewitz
ist sehr merkwürdig, 40000 Preußen schlugen 70000 Franzosen.
Ich werde mich indes nochmals umsehen. Sowie die B-scheiße
fertig, geht’s an Cavalry.
Ich bin nicht der Meinung, den Appleton eventuell dranzu- «
geben, es sei denn, daß wir nach dem Kontinent müßten. Der enzy¬
klopädische Kursus ist mir sehr nützlich, und am Ende geht das
Ding so langsam, daß es, wenn die Geldverhältnisse weniger dräng¬
ten, ganz kommod betrieben werden könnte. Jedenfalls aber Stel¬
lung der Kabinettsfrage, sobald die Umstände es erlauben; ich w
glaube auch, daß es sofort helfen wird.
Der große Lassalle kann unter diesen Umständen sehr nützlich
werden. Ich hoffe, er bringt wegen der Ökonomie das Nötige zu¬
stande, und auch mit der Wiener Presse. Das letztere muß er sehr
verbummelt haben, da Du ihm ja doch schon früher wegen des is
Finanzartikels geschrieben. Seinen Brief behalte ich noch hier,
um ihn Lupus zu zeigen, da Du ihn ja doch schon beantwortet hast.
Die historische Ironie, die Gibson und Bright Herm Pam seinen
Abschied anzeigen läßt, ist sehr schön. Was der Guardian dazu
sagt, sollst Du gleichzeitig sehn, da ich Dir heute drei Stück schicke, so
Übrigens scheint Pam sich die Rückkehr ganz abschneiden zu
wollen — diese Verfolgung des lausigen kleinen Buchdruckers in
London, die Hetzjagd in den Keller in Birmingham (siehe Sun von
vorgestern, a capital hoax) und andre tägliche Exempel von Unter¬
würfigkeit gegen Bonaparte müssen denn doch den John Bull end- «
lieh wild machen.
In Italien kann es so sehr schlimm doch nicht aussehn. Zwar
wird über langsames Eingehn der Ausstände geklagt, aber im gan¬
zen ist das nicht schlimmer als hier im home trade. Wir haben
nicht viel mehr verfallene Posten, als sonst in Italien unbezahlt so
hängen. Auch bestellen die Kerle wieder ziemlich flott. Unser Ar¬
tikel ist zwar kein entscheidendes Kriterium, aber er gibt doch
immer einige Anzeigen. Schlecht ist das Geschäft dort natür¬
lich noch immer, aber nicht so übermäßig. Das kann indes alles
noch kommen. »
Die Angst der Bonapartisten muß jetzt gewaltig sein. Bei Foulds
Maskenball 75 sergents de ville als Dominos verkleidet on the pro¬
mises ! Sieh Guardian.
Grüß Deine ganze family bestens.
Dein F. E. u
Z. 16-17.
(505) 1858 März 1
293
505. Engels an Marx; 1858 März 1.
Manchester, 1. März 1858.
Lieber Marx,
Am 24. Februar, Mittwoch, schickte ich Dir einen rekomman-
5 dierten Brief, enthaltend R/J 56641, Manchester, 16.Januar 1857;
eine Fünfpfundnote. Ich hoffe, daß Du sie bekommen hast, wo
nicht, stop payment bei der Bank immediately. Heut abend schicke
ich auch diverse Guardians, vorigen Mittwoch ging gleichzeitig ein
Packen davon mit dem Brief ab. Im heutigen wirst Du einiges
jo Interessante über Orsini finden.
Die Gemeinheit, mit der Pam bei seinem Exit hier allerlei poli¬
tische Verfolgungen eintreten ließ, den Bernard, Alsopp und jetzt
den armen Teufel von publisher, ist wirklich heiter; aber John
Bull wird auch dadurch nicht irre an seinem truly british minister,
js kaum daß hier und da ein wenig geknurrt wird über die zwei cives
Romani in Neapel. Verily, dieser Kerl ist mit großem Gestank ab¬
gezogen.
Aus dem heutigen Guardian siehst Du auch, daß in Preston etc.
short time noch an der Tagesordnung. Wird bald wieder allgemein
20 sein. Die Manufacturers verlieren bei jetzigen Preisen an den
meisten Sachen, die Spinner können noch eben bestehn ; in wenigen
Artikeln gut bestehn. Sobald die Steigerung die Nachfrage checkt
(bis jetzt hat die Furcht vor noch höheren Preisen sie momentan
beschleunigt), so hört das auch auf und die Sauce beginnt von vom.
2s Dein F. E.
506. Marx an Engels; 1858 März 2.
2. März 1858.
Lieber Frederick,
Ich hatte Dir umgehend in ein paar Zeilen den Empfang der
m £ 5 angezeigt. Der Wisch enthielt sonst nichts, außer einigen poli¬
tischen Randglossen, altogether not 20 lines. Aber trotzdem finde
ich es höchst verdrießlich, daß das hiesige Postamt sich positiv um
meine Korrespondenz zu kümmern scheint. Vor einiger Zeit ver¬
schwand ein Brief, den ich dem ehrenwertestenn Collet geschrie-
3i ben, und Reklamation nützte auch nichts. I shall now watch the
progress of postoffice interférence. Kömmt noch ein dritter case
vor —, so werde ich mit Namensunterschrift die Geschichte in den
Londoner Zeitungen denunzieren. Was ich über politics schreibe,
x) Im Orig, ehrenwesten
Nr. 505.
294
(506) 1858 März 2
können die canailles soviel lesen wie sie wollen. Meine private
aff airs sind aber nicht derart, daß irgendein deutscher spy bei
dem postoffice — 50 solcher Schweinhunde von verschiednen Na¬
tionen sollen regulär beschäftigt sein als Interpreten bei dem Lon¬
doner schwarzen Kabinett; at least, the Urquhartists say so — s
seine Nase hineinzustecken braucht.
Was ich Dir kürzlich über den state des trade in Italy, speziell
den mailändischen, schrieb, hatte ich entnommen aus den Turiner
Zeitungen, die bedeutende Korrespondenz in der Gegend haben.
Es liegt nun zwar im Turiner Interesse, den Zustand des östreichi-i»
sehen Italy möglichst schwarz zu malen. Indes gingen die Mai¬
länder Briefe auf Details ein, die völlig den Stempel der Wahrheit
zu tragen schienen. — Was den state des French trade angeht, sieh
darüber die Times, Paris correspondent, von heute. Der Bursche
sucht die Sache zwar jetzt dem Orsini und den French colonels ins m
Gewissen zu schieben, mais c’est ridicule.
Einlege ich Dir ein miserables Sauzeug von Pyat, Talandier1)
et Co. Die Burschen konnten nicht schlafen über den Ruhm Ledru-
Rollins, Mazzinis und Bernards, während die französische Regie¬
rung sie ganz vergessen zu haben schien. Sie glauben, daß eine so
Revolution bevorsteht, und es war indeed betrübend für die großen
Männer, nach all ihrem „Wirken“ in London. Talandier1) hat sich
die Stimme so heiser geschrien wie quondam Bornstedt —, daß die
Aufmerksamkeit des revolutionären Europas durch andre inci¬
dents von ihnen abgelenkt werden sollte. Daher just in the nick of u
time they issued den eingeschloßnen Wischiwaschi. Kein Stil,
keine Idee, nicht einmal Französisch, durch und durch die Prose
[von] St. Martinloretten, petite bouche des ehemaligen Mitarbeiters
des Charivari und compositors von kleinen Toasts. Damit der
Zweck dieser Publikation nicht verfehlt würde, sandten sie das m
Lausedingchen an alle papers. Der Persigny-Palmerston-Jenkins of
theMoming Post war sofortcaught in demtrap. In einem eig¬
nen leader denunzierte er die Kerls und ihr opusculum to the hono¬
rable Mr. Walpole und, zu größter Vorsorge, he did the whole pam¬
phlet into bad English. Nicht nur das. Derby, in seinem Inaugural- u
speech, zeigt dem House of Lords an, daß die Crownadvokaten be¬
auftragt sind zu untersuchen, ob dagegen juristisch prozediert wer¬
den kann. So haben diecitizensTalandier1), Pyat und Besson mit
ihrem schwachköpfigen Produkt ganz ihre renommistische Absicht
erreicht to a degree, wie sie kaum hoffen konnten. w
Was den Bernard angeht, so wird er wohl noch einige Zeit
brummen müssen.
Die Frechheit, impudence, womit sich Pam an die Spitze der
liberalen Opposition gesetzt und sich selbst zum honourable gentle¬
man opposite ernannt hat, is truly wonderful, aber dem von ihm n
9 Im Orig. Tallandier
Z. 17-42.
(506) 1858 März 2
295
selbst fabrizierten House of Commons kann er natürlich alles
bieten.
Apropos! Kannst Du mir sagen, in wieviel Zeit, in Eurer Fabrik
z. B., Ihr die Maschinerie erneuert? Babbage behauptet, im Durch-
5 schnitt werde in Manchester the bulk of machinery renovated every
5 years. Dies scheint mir etwas startling und nicht quite trustwor-
thy. Die Durchschnittszeit, worin die Maschinerie erneuert wird,
ist e i n wichtiges Moment in der Erklärung des mehrjährigen Zy¬
klus, den die industrielle Bewegung durchläuft, seit die große In-
io dustrie sich konsolidiert hat.
Was macht lupus? Grüß ihn von mir.
Dein K. M.
Heut wieder batch of Guardians angekommen. Auch vorige
Woche erhalten Bidassoa.
507. Engels an Marx; 1858 März 4.
Manchester, 4. März 1858.
Lieber Mohr,
Also richtig wieder von der Aufmerksamkeit des schwarzen
Kabinetts beehrt. Ich hatte es wohl erwartet, aber daß Briefe posi-
2o tiv unterschlagen werden, ist doch stark. Ich glaube, Du tust besser,
eine andre Hand adressieren zu lassen, dann werden sie wohl nur
die Briefe an Dich öffnen. Da ich die Anzeige von Dir erwartete,
war ich particular, unsren Ausläufer jeden Tag expreß zu fragen,
ob keine Briefe für mich da seien — stets verneint. Und dabei
25 schreibt der Esel Felix Pyat in die Welt, qu’il n’y a pas de police
politique proprement dite, en Angleterre. Solch ein Saumachwerk,
Sprache und alles ist mir selten vorgekommen. Immer noch der
alte Glauben an die Konstitution von 1848, man glaubt unsre
Reichsverfassungsesel vor sich zu haben. Und welche horrible
3o Sprache! Après tout, die Affen haben jetzt ihren Zweck erreicht
und werden sich vielleicht einen wohlfeilen Märtyrerruhm erwer¬
ben. Cette bête de Derby, sich sogleich fangen zu lassen und dem
Pack seinen Willen zu tun.
Über die Maschineriefrage ist es schwer, etwas Positives zu
35 sagen, jedenfalls ist Babbage sehr wrong. Das sicherste Kriterium
ist die percentage, die jeder Fabrikant jährlich auf seine Maschi¬
nerie für Verschleiß und Reparatur abschreibt, also in einer be¬
stimmten Zeit seine Maschinen ganz herausverdient hat. Diese per¬
centage ist gewöhnlich 7 ¥2 %, wonach die Maschinerie in ISVa Jah-
u ren durch das vom Nutzen jährlich Abgeschriebne gedeckt wird,
also ohne Schaden ganz erneuert werden kann. Z. B., ich habe für
296
(507) 1858 März 4
.£10000 Maschinerie. Nadi Ablauf eines Jahrs, wo ich Bilanz
mache, schreibe ich ab von .£ 10 000.- -
7%% Verschleiß „ 750.—
£ 9250.—
gebe aus für Reparaturen „ 100.— s
kostet midi die Maschinerie £9 350.—
Am Ende des zweiten Jahrs schreibe ich ab
7% % von £ 10000.—, 7% % von £ 100.— „ 757.10
£ 8 593.10
zahle für Reparaturen „ 306.1010
kostet jetzt die gesamte Maschinerie . . . £ 8 900.—
usw. Nun ist IßVs Jahr allerdings eine lange Zeit, in der viel
Bankrotte und Veränderungen vorkommen, man wirft sich auf
andre Branchen und verkauft alte Maschinerie, führt neue Ver¬
besserungen ein ; aber wenn diese Rechnung nicht im ganzen rieh- «
tig wäre, so würde die Praxis sie längst geändert haben. Die alte
verkaufte Maschinerie wird auch nicht gleich altes Eisen, sie fin¬
det an kleinen Spinnern usw. Abnehmer, die sie noch verwenden.
Wir haben Maschinerie laufen, die gewiß zwanzig Jahre alt ist;
und wenn man hier manchmal einen Blick in alte rapplige Kon- 20
zems tun kann, so sieht man altfränkisches Zeug, das mindestens
dreißig Jahr alt ist. Da bei den meisten Maschinen nur wenige
Teile so verschleißen, daß sie nach fünf bis sechs Jahren erneuert
werden müssen, und selbst nach fünfzehn Jahren, wenn im Haupt¬
prinzip der Maschine keine Verdrängung durch neue Erfindungen 24
stattgefunden hat, das Verschlissene ziemlich leicht erneuert wer¬
den kann (ich spreche hier speziell von Spinn- und Vorspinn¬
maschinen), so ist der Lebensfähigkeit solcher Maschinen schwer
eine positive Grenze zu setzen. Nun sind die Verbesserungen der
letzten zwanzig Jahre in Spinnmaschinen nicht der Art gewesen, 30
daß sie nicht fast alle dem bestehenden Rahmen der Maschinen
eingereiht werden könnten, sie bestehn meist in einzelnen Kleinig¬
keiten. (Beim Kardieren freilich war die Vergrößerung des Kar-
dierzylinders eine Hauptverbesserung, die für gute Qualitäten
die alte Maschinerie verdrängte; aber für ordinäre Sorten ist die 35
alte Maschinerie noch lange gut genug).
Die Versicherung von Babbage ist so absurd, daß, wenn sie wahr
wäre, das industrielle Kapital in England fortwährend abnehmen
und Geld rein weggeworfen werden müßte. Ein Fabrikant, der in
vier Jahren sein Gesamtkapital fünfmal umschlägt, also in fünf 40
Jahren 614 mal, müßte also außer dem Durchschnittsprofit von
10% jährlich noch 20% auf ca. drei Viertel seines Kapitals (die
Maschinerie) verdienen, um seinen Abgang an alter Maschinerie
schadlos ersetzen zu können — also 25 % machen. Dadurch würde
(507) 1858 Mäiz 4
297
ja der Kostpreis aller Artikel enorm erhöht, fast mehr als durch
den Arbeitslohn: Und wo wäre dann der Vorteil der Maschinerie?
Die jährlich bezahlten wages machen vielleicht ein Drittel des
Preises der Maschinerie aus — bei einfachen Spinnereien und
« Webereien gewiß weniger, und der Verschleiß soll ein Fünftel aus¬
machen — es ist lächerlich. Es gibt gewiß nicht ein einziges Eta¬
blissement in England in der regelmäßigen line der großen Indu¬
strie, das in fünf Jahren seine Maschinerie erneuert. Wer so dumm
wäre, müßte beim ersten change kaputt gehn ; die alte Maschinerie,
io selbst wenn viel schlechter, erhielte ja den Vorteil über die neue
und könnte viel wohlfeiler produzieren, da der Markt sich nicht
nach denen richtet, die 15% für Verschleiß auf jedes Pfund Twist
schlagen, sondern nach denen, die nur 6% (vier Fünftel ca. des
Jahresverschleißes von 7 ¥2 % ) draufschlagen, also wohlfeiler ver-
is kaufen.
Zehn bis zwölf Jahre reichen hin, dem bulk der Maschinerie
einen andern Charakter zu geben, ihn also mehr oder weniger zu
erneuern. Die Periode von 131/» Jahren wird natürlich durch
Bankrotte, Zusammenbrechen wesentlicher Stücke, die eine Repa-
20 ratur zu kostspielig machen, usw., und dergleichen Zufälligkeiten
so affiziert, daß man sie etwas kürzer nehmen kann. Aber unter
zehn Jahre gewiß nicht.
Ich hatte Burmah fertig, als ich aus einer andern Quelle diverse
nötige Additions machen mußte. Damit noch nicht fertig, muß der
00 Dreck bis Dienstag bleiben. Er wird beinahe drei Seiten füllen.
Für Bomarsund ist noch Detail nachzusehn. Dazu muß ich die
Momente abpassen, die Bibliothekstunden fallen mit den Ge¬
schäftsstunden so zusammen, daß ich nicht immer hin kann. So¬
bald ich über diese Lausereien nebst Bülow und Beresford, die an
io denselben Haken laborieren, weg bin, hab ich wieder a fair gal-
loping country vor mir und kann mit Cavalry etc. rasch ins Ge¬
schirr gehn.
Viele Grüße an Frau und Kinder.
Dein F. E.
508. Marx an Engels; 1858 März 5.
5 March, 1858.
Dear Frédéric,
Über Einliegendes, das sich offenbar verspätet hat1), bist Du so
gut mit Lupus abzumachen, welche Antwort Euch passend dünkt.
"Schick die Sache nicht zurück (heb’ sie aber auf), da diese
Dinge bei Dir jetzt sichrer als bei mir. London ist jetzt Zentral-
x) Im Orig, irrtümlich hast
Z. 38-41-
298
(508) 1858 März 5
punkt von Mouchards aller Nationen. Es vergeht indes jetzt kaum
ein Tag, wo die Hunde nicht plus ou moins gelyncht werden.
My best thanks for your éclaircissements über Maschinerie.
Die Zahl von dreizehn Jahren entspricht, soweit es nötig ist, der
Theorie, da sie eine Einheit für one epoch of industrial repro- «
duction setzt, die plus ou moins koinzidiert mit der Periode, worin
sich die großen Krisen wiederholen, deren Verlauf natürlich noch
durch ganz andre Momente, ihrer Reproduktionszeit nach, be¬
stimmt wird. Das Wichtige ist mir, in den unmittelbaren materiel¬
len Voraussetzungender großen Industrie e i n Moment der w
Bestimmung für die Zyklen zu finden. Bei der Reproduktion der
Maschinerie im Untersdiied zum capital circulant fallen einem un¬
willkürlich die Moleschotts ein, die auch auf die Reproduktions¬
zeit des Knochenskeletts zu wenig Rücksicht nehmen, rather, mit
den Ökonomen, sich mit dem Durchschnitt der Gesamtumschlags- w
zeit des menschlichen Körpers begnügen. Eine andre Frage,
worüber ich auch nur eine Illustration, ungefähre, brauche, ist,
wie sich z. B. in Eurer Fabrik, oder Fabrikgeschäft, rather das
floating capital teilt in Rohmaterial, wages, und welchen Teil ihr
beim banker im Durchschnitt stehn habt? Ferner, wie b erech- »
net ihr den Umschlag in Euren Büchern? Die theoretischen Ge¬
setze hier sind sehr einfach und seifevident. Aber es ist doch gut,
eine Ahnung davon zu haben, wie die Sache praktisch aussieht.
Die Rechnungsweise der Kaufleute beruht natürlich auf noch
größern Illusionen, partly, als die der Ökonomen; berichtigt aber «
andrerseits durch praktische Illusionen deren theoretische. Du
sprichst von 10 p. c. Profit. I suppose that you do not take into the
account the interest, und dies wohl neben dem Profit figuriert. In
the „first Report of the Factory commissioners“ finde ich als Durch¬
schnittsillustration folgendes Statement: »
Capital sunk in building and machinery . . . £ 10 000
Floating capital £ 7 000
£ 500 interest on 10000 fixed capital
£ 350 dto. on floating capital
£ 150 Rents, taxes, rates »
£ 650 Sinking fund of percent for wear and tear of
£ 1650 the fixed capital
£ 1100 contingentes (?), carriage, coal, oil
£ 2750
£ 2600 wages and salaries «
£ 5350
£ 10000 for about 400000 Ibs. Rawcotton at 6 d.
£ 15350
*) Korr, aus Grund
Z. -1-2.
(508) 1858 März 5
299
16000 für 363000 Ibs. twist spim. Value 16000. Profit 650,
or about 4,2 percent. Die wages der operatives hier also about ein
Sechstel.
Hier ist der Gesamtprofit allerdings nur about 10 p. c., Zins
i eingerechnet. Herr Senior aber, der doch im Interesse der Fabri¬
kanten schrieb, gibt 15 p. c. als Durchschnittsprofit (Zins einge¬
rechnet) in Manchester an. Was sehr zu bedauern ist, daß in dem
obigen Statement die Zahl der Arbeiter nicht angegeben ist; auch
nicht die Proportion zwischen dem, was als salaries figuriert,
io und den eigentlichen wages.
Wie übrigens selbst die besten Ökonomen, wie such as ipsissi-
mus Ricardo, in reines kindisches Geschwätz verfallen, wenn sie
auf die bürgerliche Denktretmühle geraten, fiel mir wieder recht
auf bei folgender Stelle Ricardos, die mir gestern zufällig in die
u Hand lief. Du erinnerst Dich, daß A. Smith, der noch sehr alt¬
fränkisch ist, behauptet, fremder Handel, verglichen mit heimi¬
schem, gebe nur ohne half of the encouragement to the productive
labour of a country etc. Darauf antwortet Ricardo mit folgender
Illustration:
to „Smiths Argument scheint mir falsch: denn obgleich zwei ca-
pitals, ein portugiesisches und ein englisches, angewandt werden,
wie Smith voraussetzt, wird stets ein Kapital in dem fremden
Handel employed werden doppelt von dem, was in dem heimischen
angewandt werden würde. Unterstelle, daß Schottland ein Kapital
os von £ 1000 in der Produktion von Leinen verwendet, die es an¬
wendet für ein gleiches Kapital, verwandt in der englischen
Seidenfabrikation. 2000 £ und eine proportioneile Quantität
Arbeit werden in den zwei Ländern verwandt. Entdeckt England,
daß es mehr Leinen von Deutschland für die Seide, die es vorher
30 nach Schottland exportierte, und entdeckt Schottland, daß es mehr
Seide von Frankreich in Retour für sein Leinen erhalten kann als
früher von England, so werden England und Schottland unmittel¬
bar aufhören, miteinander zu handeln, und der heimische Kon¬
sumtionshandel wird für den fremden auf gegeben werden. Aber
35 obgleich zwei additionelle Kapitalien in diesen Handel eingehn
werden, das von Deutschland und das von Frankreich, wird nicht
derselbe Betrag von Schottlands und Englands Kapital fortfahren,
verwandt zu werden und dieselbe Quantität Industrie wie früher
im heimischen Handel in Bewegung setzen?“ Die Voraussetzung,
40 daß Deutschland unter den angegebnen Verhältnissen seine Seide
in England, statt in Frankreich, und Frankreich sein Leinen in
Schottland, statt in Deutschland kauft, ist of a fellow like Ricardo
doch etwas starker Tubak.
Freund Thomas Tooke, und mit ihm der letzte englische Öko-
45 nom of any value, ist gestorben.
300
(508) 1858 März 5
Hast Du in dem einen Guardian, den Du mir geschickt hast,
nicht die Stelle übersehn, worin David Urquhart als Kindesmörder
figuriert? Der fool hat nämlich seinen baby mit türkischem Bad
traktiert und ihm dann glücklich im dreizehnten Monate zu einer
Himkongestion und daher resultierendem death verholfen. Der «
Coroner’s inquest über diesen case dauerte drei Tage, und Ur¬
quhart entschlüpfte nur haarbreit einem Verdikt of manslaughter.
Quel triomphe pour Pam!
Salut.
Dein K. M. »
509. Marx an Engels; [1858] März 9.
9. März.
Lieber Engels,
Wegen der Korrespondenz habe ich heute keine Zeit zum
Schreiben. Nur so viel. Drop den Bülow, über den ich für a js
common biography (kurze) genug habe, falls das Suchen
des Materials Dich länger aufhält, und geh’ lieber on with cavalry.
Periculum in mora. Zweitens schick ich Dir aus dem Star einige
köstliche documents über den Italian Congress to hoax.
Der Brief heut ist sehr stark in meiner Korrespondenz benutzt 20
worden.
Salut.
Dein K. M.
510. Engels an Marx; 1858 März 11.
11. März 1858. 2s
Lieber Mohr,
Hierbei, was ich über Beresford aus Napier habe zusammen¬
stellen können. Über seine Expedition nach Buenos Aires im An¬
fang des Jahrhunderts habe ich nichts finden können, sie ist aber
glorreich und wäre der Mühe wert nachzusehn. Er kapitulierte, at
rump and stump, mit allen englischen Truppen.
Bülow ist in hand, desgleichen Cavalry. Uber Bomarsund noch
einige Spezialia nachzusehn. In Indien reift auch wieder ein Ar¬
tikel, dem ich auflauem werde.
Charras’ Campagne de 1815 ist in Brüssel nicht mehr zu haben, at
angeblich vergriffen, und es ist ungewiß, ob es wieder gedruckt
wird. Also Bonaparte hat den Verleger gekauft. Kannst Du viel¬
Nr. 509.
(510) 1858 März 11
301
leicht in London ein Exemplar billig auftreiben (d. h. nicht über¬
trieben), so wär’s mir lieb, wenn Du mich’s wissen ließest, ich
studiere diese Campagne grade jetzt.
Ich habe Freund Dana im Verdacht, daß er unsre Artikel be-
« deutend verkürzt, sonst könntest Du Dich ja so arg nicht verrechnet
haben. Sieh doch einmal bei Trübner gelegentlich die Enzyklopä¬
die nach.
Neues gibt’s sonst nicht, als daß hier schauerlicher Winter ist;
das Wetter wechselt xmal des Tages. Gesundheit sehr gut. Auch
io Eisen wird gegessen.
Grüße Frau und Kinder herzlich.
Dein F. E.
Ein Pack Guardians geht heute ab. Die Korrespondenz fehlt
jetzt häufig. Am heutigen wieder eine Statistik der Unemployed.1)
511. Marx an Engels; [1858] März 15.
15th March.
Lieber Frederick,
Erhalten Burmah, Beresford, Manchester Guardian. Du hast
mir nicht angezeigt, ob Du erhalten einen Brief von mir, worin
20 einlag ein Brief von New York etc. Bei den jetzigen Verhältnissen
der Post ist es wichtig, dies zu wissen. Drop, therefore, two lines.
Nächstens ausführlichen Brief.
Dein K. M.
512. Engels an Marx; [1858 März ca. 16].
gS Lieber Mohr,
Der Brief mit dem New Yorker Einschluß kam richtig hier an
— als ich die vorige Woche den Beresford schickte, war ich in
einer solchen Eile, daß ich ganz vergaß, Dir den Empfang anzu¬
zeigen.
so Ich habe Lupus noch nicht deswegen sehn können, und mir geht
in diesem Augenblick wieder so viel verfluchter Commerce durch
den Kopf, daß ich meine paar Sinne kaum zusammenhalten kann,
und dazu an den Appletonsachen arbeiten. Ich werde Bomarsund
und womöglich Bülow fertigmachen für Freitag, d. h. Bülow wo-
3s möglich morgen schicken, so daß Du Zeit behältst, das Bio¬
graphische dazu zu machen; ich habe übrigens keine Quelle als
1) Der letzte Absatz mit Bleistift geschrieben.
Z. 26-29.
36 (ich) -
302
(512) 1858 März ca. 16
Siborne und Jomini. Bomarsund muß ich aus den Zeitungen wie¬
der zusammenlesen, meine Papiere enthalten nichts mehr darüber.
Dann geht’s mit Macht an Cavalry. Leider kann ich mir über
den Siebenjährigen Krieg nichts verschaffen, das ist die Glanz¬
periode der Kavallerie. Indes nous verrons. s
Ich ärgere mich, daß ich nicht rascher durch die Sachen
komme, die Nachlese aus B war aber wirklich eine sehr mühsame
Arbeit, und ich darf positiv nicht lange in die Nacht hinein arbei¬
ten, ohne auf mehrere Tage Schlaflosigkeit mir zuzuziehn. Zwei
Abende hintereinander ist das Maximum, was ich aushalten kann, w
doch geht’s jetzt schon besser als im Anfang.
Im Guardian stehn seit Samstag gar keine Pariser Korrespon¬
denzen mehr.
Dein F. E.
513. Engels an Marx; 1858 März 17.
17. März 1858.
Lieber Mohr,
Wenn dieser Brief und der gleichzeitig gesandte heutige Guar¬
dian ankommen, so gib Deiner Frau die Pariser Korrespondenz
zu lesen. Es erregt einem doch ganz merkwürdige Empfindungen, 20
wenn man einen Bonapartisten und Beamten erzählen hört, daß
100 000 ouvriers im Faubourg St. Antoine auf Orsinis Hinrich¬
tung mit Vive la république geantwortet haben. Die Deportationen
und Verhaftungen à tort et à travers haben also ebensowenig ge¬
fruchtet wie die cités ouvrières und Nationalateliers en gros, und 25
zu einer Zeit, wo der große Tanz herannaht, ist es erfreulich, einen
solchen Appell abhalten zu sehn und 100 000 Mann antworten
zu hören: Hier! Leid tut es mir nur, daß Orsini diesen Ruf nicht
noch hat hören können.
Ein hiesiger Philister, der vor kurzem in Paris war, brachte die 30
Nachricht mit, daß seit Orsini wieder zwei Attentate auf Monsieur
Boustrapa gemacht worden sind. Das erste wurde auch in eng¬
lischen Blättern erwähnt: der Kerl wurde im Bois de Boulogne ab¬
gefaßt im Augenblick, wo er die Pistole anschlug; das zweite war
mir neu, im Tuileriengarten soll der Kerl auf ihn geschossen oder w
gestochen haben und sofort von den Gardesoldaten in der vom
Juni 1848 her bekannten Galerie unter der terrasse du bord de
l’eau erschossen worden sein.
Damit sich alle verschlissenen patriotischen Nobilitäten bla¬
mieren, muß der alte verrückte Landor heute seinen Brief in die «
Times schicken. Es f ehlt jetzt nur noch, daß Venedey gegen Orsini
protestiert.
z. -1-2.
7 (die)—8,
12—13.
(513) 1858 März 17
303
Boustrapa ist aber in der Tat in einer schönen Lage, und es ist
jammerschade, daß der Constitutionnel nicht mehr in der Position
ist, sagen zu dürfen, daß l’horizon politique s’obscurcit. Man
kann sich doch keinen besseren Jocus denken, als daß der Moni-
« teur selbst erzählt, wie die Offiziere in Châlons erst zum Sous-
préfet laufen und sich versichern, ob die Republik nicht auch
wirklich in Paris proklamiert ist, die sie ihre Haut und ihre Charge
für den empereur riskieren. Man sieht aber auch, wie selbst in
der Armee nur die Spitzen wirklich bonapartistisch sind, weil sie
& kompromittiert und durch Aussicht auf wirklich glänzende
Prämien angezogen sind. Was kann Boustrapa auch der Masse
der Leutnants bieten? Der Schuft weiß wahrscheinlich so gut wie
wir, daß er außer der Garde sich auf wenig Truppen verlassen
kann. Die Garde ist leider stark und weiß, daß sie bei jeder
« andern Regierung wieder in Linie verwandelt oder aufgelöst wird.
Sie besteht an Infanterie aus vier Regimentern Grenadiere, zwei
Voltigeure, ein Gendarmen, ein Zuaven, ein Bataillon Jäger (zu¬
sammen siebzehn Bataillone Infanterie), zwei Regimenter Küras¬
siere, zwei Dragoner, ein Grenadiere zu Pferd, ein Husaren, ein
Chasseurs — einundzwanzig Schwadronen und einer starken Ar¬
tillerie. In allem 18000—20000 Mann mit vierzig bis fünfzig
Kanonen, ein hinreichend fester Kem, um der etwa wankenden
Linie ziemlichen Halt einzuflößen. Dabei ist alles auf rasche Kon¬
zentration von Truppen aus der Provinz eingerichtet (sieh nur eine
w Eisenbahnkarte von Frankreich an), so daß eine erwartete
Bewegung gewiß 60 000—80 000 Mann sich gegenüber findet.
Gegen diese Masse gibt es nur zwei Mittel zu siegen: entweder ge¬
heime Gesellschaften in der Armee selbst — und diese sollen
zahlreich sein — oder ein entschieden antibonapartistisches Auf-
m treten der Bourgeoisie wie im Februar. Ich glaube nicht, daß ein
Sieg möglich ist, ohne eine oder gar beide dieser Bedingungen.
Daß die Armee in den unteren Schichten von den Roten, in den
höheren von Orleanisten und Legitimisten unterwühlt wird, ist
sicher, und daß die loi des suspects nebst sonstigen Maßregelungen
35 der Bourgeoisie das Leben unmöglich macht, ebenfalls. Die wach¬
senden Verlegenheiten des Boustrapa treiben ihn zu täglich ver¬
zweifelteren Geschichten; einen Krieg mit Preußen darf er nicht
riskieren, Italien hat er sich vernagelt; an den Boustrapaschen
Sozialismus glaubt niemand mehr; Algier bietet keine Kampagnen
40 mehr. Alle Diversionen sind abgeschnitten, reste la répression
croissante, d. h. das direkte Hineindrängen der Bourgeoisie in die
Revolution. Den Orleanisten und. Legitimisten muß eine Er¬
neuerung der konstitutionellen Republik unter gemeinsamer Herr¬
schaft schon jetzt als nächstes pis aller in the distance loomen,
u falls die Umstände nicht einer der Parteien den Sieg sofort als
304
(513) 1858 März 17
wahrscheinlich erscheinen lassen. Le cas de soulèvement donné,
und er muß im Laufe dieses Jahrs kommen, ist alle Chance da, daß
sie Februar 1848 nachmachen, sauf à lancer plus tard les troupes
sur les faubourgs. Und dann wissen wir, was kommt. Sowie ihre
Angst vor Bonaparte die Truppen so wacklig gemacht hat, daß die «
Insurrektion siegen muß, wird ihre Angst vor den prolétaires
dann die Truppen wieder bearbeiten, daß sie die Insurrektion
niederschlagen sollen — trop tard ! — der Strom geht über ihren
Leib fort, die Truppen sehen mit offnem Maul zu — und dann
werden wir sehn, wieviel Terrain das Wasser seit der letzten w
Springflut von 1848 gewonnen hat.
Der Commerce in Frankreich ist jetzt glücklicherweise in einer
Lage, die sich nicht verbessern kann, ehe die chronische Krise
in einer politischen Revolution kulminiert hat. Ich halte es für un¬
möglich, daß sich die Handelslage in Frankreich bessert, solange «
Boustrapa am Ruder ist. Die Phrasen, daß Orsini, Espinasse etc.
das „Vertrauen“ stören, bleiben während der Krise faule Be¬
schönigungen; gehn die Umstände vorüber, die die Krise be¬
dingen, so werden sie zur Wahrheit mit einem solchen Régime.
Übrigens bin ich ganz zu Deiner Ansicht gekommen, daß der Crédit 20
mobilier in Frankreich kein zufälliger Schwindel, sondern ein
durchaus notwendiges Institut war, und daß die daran baumeln¬
den Momyschen Diebereien ebenso unvermeidlich waren; denn
ohne Aussicht auf so rapide Bereicherung wäre in Frankreich gar
kein Crédit mobilier zustande gekommen. Wer unter diesen Um- «
ständen einen Tag früher fällt — Boustrapa oder der Crédit mo¬
bilier, ist dann ein toss-up. — Die Wechselprolongationen müssen
zu enormen Verlusten führen. Solch ein Mittel, über eine Krisis
zu kommen, kann nur helfen, wenn die reprise des affaires auch
in der Industrie wirklich ist; der bloße easy money-market so
hilft aber dem nicht, der keinen Kredit hat — und ich glaube,
Kredit gibt man in Frankreich jetzt keinen mehr außer der Pro¬
longation des früher gegebnen.
In Preußen scheint es mir sehr faul auszusehn. Das bißchen
Kammern hat den Philistern dort ihren preußischen Lokalpatriotis- so
mus sehr gehoben, und ich fürchte, auch der Spießbürger hofft auf
eine mit der englischen Heirat sicher bevorstehende englische
Konstitution, nur verdemokratisiert. Wenn nur der Unteroffizier
sich noch schleimig blamierte! Ich fürchte, in Preußen wird es
nicht ganz leicht sein, die royal family loszuwerden, es sei denn, «
daß das Proletariat ganz enorme Fortschritte gemacht hat. Bour¬
geoisie und Spießbürgertum haben sich jedenfalls seit 1848 noch
verschlechtert. Auch in Deutsch-Östreich scheint nicht viel los zu
sein. Der deutsche Michel hat offenbar seinen Winterschlaf nach
der schweren Anstrengung von 1848 noch nicht ausgeschlafen. "
(513) 1858 Man 17
305
Losreißung von Ungarn und Italien und slawische Aufstände wer¬
den übrigens in Ostreich schon das Ihrige tun, und dann haben
wir in den großen Städten und Industriebezirken die Nachwirkung
der Krise, die sich von hier aus und jetzt nicht beurteilen läßt.
s Après tout, wird es einen harten Tanz setzen.
Wie aber, wenn Boustrapa den ersten großen Insurrektions¬
versuch niederschlüge? Ich halte diesen Fall für fast unmöglich,
eben weil er solche Maßregeln getroffen hat, daß nur bei ganz
großen Gelegenheiten es zu etwas Ernstlichem kommen kann. Aber
io gelänge es ihm auch, so wäre B [oustrapa] doppelt fest. Pelissier
wäre empereur. Die Linie, in der sich jedenfalls Symptome von
Schwäche und Zaudern zeigen würden, würde in Verschiß erklärt,
die Garde allein und noch mehr bevorzugt. Sicheres Mittel, in der
Armee Komplotte zu produzieren. Den Orleanisten und Legitimisten
« müßte B [oustrapa] dann direkt auf den Pelz rücken, und Thiers
würde nicht damit wegkonunen, in Mazas ein paar Tage lang
seinen eignen Schiffprügel auswaschen zu müssen. Sicheres Mittel,
den Commerce vollständig zu ruinieren. Wenn B [oustrapa] einmal
siegte, so wäre er um so sicherer verloren.
20 Ich hoffe nur, daß der Kerl nicht ermordet wird. Ich glaube, in
diesem Falle würde es gehn, wie Momy ihm sagte: Nous commen¬
cerions par jeter tous les Jérôme par la fenêtre et puis nous
tâcherions de nous arranger tant bien que mal avec les Orléans.
Ehe die Foubourgs sich besinnen, hätte Morny seine Palastrevo-
22 lution gemacht, und obwohl dadurch eine Revolution von unten
nur kurz aufgeschoben, so wäre doch die Basis eine andre.
Um auf unser eignes Privatgeschäft zurückzukonunen, so habe
ich in Jomini und Cathcart so gut wie gar nichts über Bülow
finden können und will sehn, ob ich nicht noch eine andre Quelle
3o auftreibe. Bomarsund werde ich suchen heut abend abzumachen.
Diese beiden Artikel liegen mir schwer im Magen.
Sowie die indische Post Details über den Zug Campbells gegen
Lucknow bringt (in ca. acht bis vierzehn Tagen), schick mir alles
auftreibbare Material, damit ich unverzüglich losgehn
3i kann. Die Times werd’ ich hier kaufen können, andre Londoner
Journale nicht, d. h. in einzelnen Nummern.
Grüß Deine Frau und Kinder herzlich. Ich schickte Dir gern
noch etwas Geld, muß aber wirklich erst sehn, welche Zahlungen
ich noch werde diesen Monat zu machen haben ; sobald ich darin
oo klar sehn kann, geschieht das Mögliche, darauf kannst Du Dich
verlassen.
Dein F. E.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2
20
Z. 27-31.
35-36.
306
(513) 1858 März 17
Lupus hat die feierliche New Yorker Historie. Ist Kamm nicht
der Kinkelsche „Proletarier“, der ein Hurenhaus hielt? F. Jacobi
ist ein lächerlicher Referendar aus Münster, der in der Schweiz
überall zum Narren gehalten wurde.
514. Engels an Marx; [1858 März ca. 26].
Lieber Mohr,
Inliegend eine Fünfpfundnote, numeriert wie am Fuß. Cavalry
schreitet voran, ich habe wieder einiges hübsche Material in
Mommsen, Römische Geschichte (Hannibals Kavallerie) gefun¬
den. Leider schwer über den Siebenjährigen Krieg was aufzu- u
treiben.
Die gestern gesandten Guardians wirst Du erhalten haben. Es
waren die einzigen, die Pariser Korrespondenzen oder überhaupt
Interessanteres enthielten.
Eilig — es ist halb acht — die Jungens warten aufs Zuschließen, u
Dein F. E.
515. Marx an Engels; 1858 März 29.
British Museum, 29 March 1858.
Dear Frédéric,
Die £ 5 erhalten, dankbarst. to
Von Lassalle heute Brief. Duncker wird unter folgenden Be¬
dingungen die Herausgabe meiner Ökonomie übernehmen. Ich
liefere alle paar Monate Hefte von 3—6 Bogen. (Dieser Vorschlag
ging von mir selbst aus.) Er hat das Recht, beim dritten Heft abzu-
brechen. Überhaupt schließen wir erst dann definitiven Kontrakt, ts
Er zahlt einstweilen drei Friedrichsdor per Bogen. (Lassalle
schreibt, daß die Berliner Professoren nur zwei erhalten.) Das
erste Heft soll ready sein Ende Mai, i. e. das Manuskript.
In meinem nächsten Brief muß ich Dir nun ein Skelett
des ersten Hefts geben, damit Du mir Deine Ansicht sagst. Ich bin to
seit zwei Wochen wieder very sickly und mediziniere auf die Leber
los. Das anhaltende Arbeiten bei Nacht und viel kleinlicher Ärger
bei Tag, resulting from the economical conditions of my domesti-
city, unterwerfen mich in der letzten Zeit häufig den Rückfällen.
Ich hoffe, daß Du ganz auf dem Strumpf bist. Schreib mir»
über diesen point. *
Von Harney heute einen Brief erhalten, worin er, was ange-
Z.l-4.
12—14.
35-37-
(515) 1858 Man 29
307
nehm, Brief meiner Frau an Schramm zurückschickt. Der Kleine^
scheint gereizt über mein Nichtschreiben. Er nennt mich nicht mehr
Dear M[arx], sondern Dr. M[arx]. Well! Vielleicht schreib ich
ihm vier Zeilen, to console the lousy little fellow.
« In Frankreich geht der Tanz schönstens voran. Es wird schwer¬
lich den Sommer über ruhig bleiben. Was denkst Du von den fünf
paschalicks? Ursprünglich sollte Pelissier als oberster chief über
dieselben gesetzt werden. Bei näherer Überlegung fand Bonaparte,
that this would be in fact an abdication of power on his part. So ist
jo die Maßregel nur halb und hat in Frankreich vollständig die spa¬
nische Einrichtung der Captain-generalships introduziert. Ist dies
nun nicht ein Aufbrechen der Zentralisation und in fact eine
Schwächung der Macht der Armee? We must hope, daß die fran¬
zösische Geschichte keinen Spanish tum nimmt, sondern diese De-
as Zentralisation nur den Widerstand vermindert, auf den die Revo¬
lution stoßen wird.
Salut.
Dein K. M.
Hast Du darauf attented, daß in der letzten Zeit der größte Teil
so der französischen, nach dem Muster des Crédit mobilier etablier¬
ten Kompanien vor dem tribunal criminel figuriert?
516. Marx an Engels; 1858 April 2.
2. April 1858.
Dear Frederick,
ts Die Guardiangeschichten höchst amusing. Ein Korrespondent
des Daily Telegraph (directly under Pams auspices)
schreibt, es sei sehr gefährlich, in Paris „deaf“ zu sein. Alle „deaf
Englishmen“ würden von der Polizei als Allsops verfolgt. Er sagt,
die Englishmen verließen en masse Paris, teils wegen der Polizei-
3o Schikanen, teils aus Furcht vor einem Ausbruch. Im letztem Fall
nämlich, wenn die Bonapartists siegten, fürchteten die John Bulls,
von den maddened soldiers massakriert zu werden, und der Kor¬
respondent selbst ist so naiv zu schreiben, daß er in such a case
should like to be anywhere eise but at Paris. Diese Desertion der
3s Bulls versalzt dem Pariser Epicier und Hausbesitzer und Huren
etc. die Suppe at this moment of commercial dépréssion. Hast Du
gesehn, daß jetzt avowedly 300 Millionen fcs „are disappea-
red“ from the Budget, and nobody knows what has become of them.
By and by werden andre Révélations über die Bonapartist finance
« herauskommen, und die Esel von der Tribune sehn, wie weise
x) G. J. Harney
20*
Z. - 1—4
308
(516) 1858 April 2
es von ihnen war, die sehr elaborated articles, die ich ihnen darüber
vor einem halben Jahr schickte, nicht zu drucken. Die Kerls
sind Esel, und was nicht im dümmsten Sinn des Wortes „Tages¬
frage“ ist, sind sie geneigt, als uninteresting beiseite zu schieben,
um nachher über denselben Gegenstand, sobald er à l’ordre du s
jour, das albernste Zeug zusammenzukompilieren.
Notabene, es wird in den hiesigen militärischen Klubs ge¬
munkelt, daß unter Raglans nachgelaßnen Papieren sich evidence
gefunden habe, daß 1. in der Schlacht von der Alma er den rich¬
tigen Vorschlag gemacht habe, die Russen nicht von der Seeseite io
anzugreifen, sondern an entgegengesetzter Flanke, und sie ins
Meer zu treiben; 2. daß er vorgeschlagen, nach der Schlacht an
der Alma nach Simferopol vorzumarschieren; 3. daß bei Inker-
mann er nur nach den dringendsten Bitten und menaces von Can¬
robert den Befehl für Bosquet abpreßte, zu Hilfe zu eilen. Es wird u
hinzugefügt, wenn die Renommagen jenseits des Kanals fort¬
dauerten, würden diese papers publiziert und bewiesen werden,
daß die Franzosen immer auf dem Sprung standen, to betray their
dear allies. Einige hints, die De Lacy Evans im House of Commons
fallen ließ, deuteten ebenfalls auf so was hin. 20
Ich bin so unwohl von der Gallengeschichte, daß ich diese
Woche weder denken, noch lesen, noch schreiben, noch irgend
etwas machen kann, save die articles für die Tribune. Diese
dürfen natürlich nicht ausfallen, da ich sobald als möglich
auf die Hunde ziehn muß. Das Unwohlsein ist aber fatal, da ich «
nicht anfangen kann, die Sache für Duncker auszuarbeiten, bis ich
wohl und wieder vigour und grasp in den Fingern fühle.
Folgendes ist short outline of the first part. Die ganze Scheiße
soll zerfallen in sechs Bücher: 1. Vom Kapital. 2. Grundeigentum.
3. Lohnarbeit. 4. Staat. 5. Internationaler Handel. 6. Weltmarkt, w
I. Kapital zerfällt in vier Abschnitte, a. Kapital en général.
(Dies ist der Stoff des ersten Hefts.) b. Die Kon¬
kurrenz oder die Aktion der vielen Kapitalien aufeinander,
c. Kredit, wo das Kapital den einzelnen Kapitalien gegenüber
als allgemeines Element erscheint, d. DasAktienkapitalalsw
die vollendetste Form (zum Kommunismus überschlagend ), zu¬
gleich mit allen seinen Widersprüchen. Der Übergang von Kapital
auf1) Grundeigentum ist zugleich historisch, da die moderne Form
des Grundeigentums Produkt der Wirkung des Kapitals auf das
Feudal- etc. Grundeigentum. Ebenso ist der Übergang des Grund- w
eigentums in die Lohnarbeit nicht nur dialektisch, sondern histo¬
risch, da das letzte Produkt des modernen Grundeigentums das all¬
gemeine Setzen der Lohnarbeit, die dann als Basis der ganzen
x) Im Orig, aus
Tafel III
Marx an Engels, 2. April 1858
(s. S. 308 f.)
(516) 1858 April 2
309
Scheiße erscheint. Well (it is difficult for me to-day to write),
kommen wir nun. zum Corpus delicti.
I. Kapital. Erster Abschnitt. Das Kapital im
allgemeinen. (In diesem ganzen Abschnitt wird vorausgesetzt,
« daß der Arbeitslohn^ stets gleich seinem Minimum ist. Die Be¬
wegungen des Arbeitslohns selbst und das Fallen oder Steigen des
Minimums gehören in die Betrachtung der Lohnarbeit. Ferner wird
das Grundeigentum = 0 gesetzt, d. h. das Grundeigentum als be-
sondres ökonomisches Verhältnis geht hier noch nichts an. Nur
io durch diesen Gang ist es möglich, nicht stets bei allen Verhältnissen
von allen zu sprechen.)
1. Wert. Rein reduziert auf Arbeitsquantum; Zeit als Maß
der Arbeit. Der Gebrauchswert — sei es subjektiv, als usefulness
der Arbeit, oder objektiv als utility des Produkts betrachtet—er-
1S scheint hier bloß als stoffliche Voraussetzung des Werts, die einst¬
weilen ganz aus der ökonomischen Formbestimmung herausfällt.
DerWert als solcher hat keinen andren „Stoff“ als die Arbeit selbst.
Diese Bestimmung des Werts, zuerst andeutungsweis in Petty,
rein herausgearbeitet in Ricardo, ist bloß die abstrakteste Form
20 des bürgerlichen Reichtums. Setzt an sich schon voraus 1. die Auf¬
hebung des naturwüchsigen Kommunismus (Indien etc.), 2. aller
unentwickelten, vorbürgerlichen Weisen der Produktion, in denen
der Austausch sie nicht in ihrem ganzen Umfang beherrscht. Ob¬
gleich Abstraktion historische Abstraktion, die eben nur auf der
24 Grundlage einer bestimmten ökonomischen Entwicklung der Ge¬
sellschaft vorgenommen werden konnte. Alle Einwürfe gegen diese
Definition des Werts sind entweder hergenommen aus unentwickel¬
tem Produktionsverhältnissen, oder sie beruhn auf der Konfusion,
die konkreteren ökonomischen Bestimmungen, von denen der Wert
io abstrahiert ist, und die andrerseits daher auch als weitere Entwick¬
lung desselben betrachtet werden können, gegen ihn in dieser seiner
abstrakten unentwickelten Form geltend zu machen. Bei der Un¬
klarheit der Herm Ökonomen selbst, wie sich diese Abstraktion zu
spätem konkretem Formen des bürgerlichen Reichtums verhält,
33 waren diese Einwürfe plus ou moins berechtigt.
Aus dem Widerspruch der allgemeinen Charaktere des Werts
mit seinem stofflichen Dasein in einer bestimmten Ware etc. —
diese allgemeinen Charaktere sind dieselben, die später im Geld
erscheinen — ergibt sich die Kategorie des Geldes.
io 2. Geld.
Einiges über die edlen Metalle als Träger des Geldverhält¬
nisses.
a. Geld als Maß. Einige Randglossen über das ideale
Maß bei Stewart, Attwood, Urquhart; in verständigrer Form bei
Korr, aus das Minimum des Arbeitslohns
310
(516) 1858 April 2
den Predigern des Arbeitsgelds. (Gray, Bray etc. Einige gelegent¬
liche Hiebe auf die Proudhonisten.) Der Wert der Ware übersetzt
in Geld ist ihr Preis, der einstweilen nur noch in diesem bloß
formellen Unterschied vom Wert erscheint. Nadi dem allge¬
meinen Gesetz des Werts drückt dann bestimmtes Quantum Geld £
bloß aus bestimmtes Quantum vergegenständlichter Arbeit. Soweit
das Geld Maß ist, ist die Veränderlichkeit seines eignen Werts
gleichgültig.
b. Das Geld alsTauschmittel oder die einfache
Zirkulation. m
Hier ist nur die einfache Form dieser Zirkulation selbst zu be¬
trachten. Alle sie weiter bestimmenden Umstände liegen außer ihr,
kommen also erst später in Betracht. (Setzen entwickeltere Ver¬
hältnisse voraus.) Wenn wir Ware W und Geld G nennen, so zeigt
zwar die einfache Zirkulation die zwei Kreisbewegungen oder #
Schlüsse: W—G—G—W und G—W—W—G (diese letztre bildet
Übergang zu c.), aber Ausgangspunkt und Rückgangspunkt fallen
keineswegs zusammen oder nur zufällig. Das meiste, was an soge¬
nannten Gesetzen von den Ökonomen auf gestellt worden ist, be¬
trachtet die Geldzirkulation nicht innerhalb ihrer eignen Grenzen, w
sondern als subsumiert und bestimmt durch höhere Bewegungen.
Dies alles zu ekartieren. (Gehört in die Lehre vom Kredit zum
Teil; zum Teil aber auch zu betrachten an Punkten, wo das Geld
wieder auftaucht, aber weiter bestimmt. ) Hier also Geld als Zirku¬
lationsmittel (Münze). Zugleich aber auch als Realisation 25
(nicht bloß verschwindende) des Preises. Aus der einfachen Be¬
stimmung, daß die Ware, als Preis gesetzt, schon ideal gegen
Geld ausgetauscht ist, bevor sie sich reell dagegen austauscht, er¬
gibt sich von selbst das wichtige ökonomische Gesetz, daß die
Masse des zirkulierenden Mediums durch die^j
Preise bestimmt ist, nicht umgekehrt. (Hierbei
einiges Historische über die Polemik bezüglich dieses Punktes.)
Es ergibt sich ferner, daß die Geschwindigkeit Masse ersetzen
kann, daß aber eine bestimmte Masse für die gleichzeitigen
Austauschakte nötig, soweit diese selbst sich nicht wie + und — zu- ss
einander verhalten, eine Ausgleichung und Rücksicht, die indes auf
diesem Punkt nur antizipationsweise zu berühren. Ich gehe hier
auf die weitere Entwicklung dieses Abschnitts nicht ein. Bemerke
nur noch, daß das Auseinanderfallen von W — G und G — W die
abstrakteste und oberflächlichste Form, worin die Möglichkeit der 40
Krisen ausgedriickt. Aus der Entwicklung des Gesetzes über die
Bestimmung der zirkulierenden Masse durch die Preise ergibt sich,
daß hier Voraussetzungen gemacht sind, die keineswegs für alle
Gesellschaftszustände existieren; die Albernheit daher, z. B. das
Einströmen des Geldes aus Asien nach Rom und Wirkung auf die 4s
(516) 1858 April 2
311
dortigen Preise tout bonnement an die Seite moderner kommer¬
zieller Verhältnisse zu setzen. Die abstraktesten Bestimmungen,
genauer untersucht, zeigen immer auf weitere konkrete bestimmte
historische Basis hin. (Of course, da sie davon, in dieser Bestimmt-
5 heit abstrahiert sind. )
c. Das Geld als Geld. Es ist dies Entwicklung der Form
G—W—W—G. Das Geld als gegen die Zirkulation selbständiges
Dasein des Werts; materielles Dasein des abstrakten Reichtums.
Zeigt sich in der Zirkulation schon, soweit es nicht nur als Zirku-
io lationsmittel, sondern als Preis realisierend erscheint. In dieser
Eigenschaft c, worin a und b nur als Funktionen erscheinen, ist das
Geld allgemeine Ware der Kontrakte (hier wird die Veränderlich¬
keit seines Werts, durch die Arbeitszeit bestimmten Werts wichtig),
Gegenstand des hoarding. (Diese Funktion erscheint wichtig in
is Asien jetzt noch und in der antiken Welt und Mittelalter generally.
Existiert jetzt nur noch untergeordnet im Bankwesen. In Zeiten
der Krisen Wichtigkeit des Gelds wieder in dieser Form. Geld in
dieser Form betrachtet mit den welthistorischen Delusions, die es
erzeugt etc. Destruktive Eigenschaften etc.) Als Realisierung aller
so höheren Formen, in denen der Wert auftreten wird; definitive For¬
men, in denen alle Wertverhältnisse sich äußerlich abschließen. Das
Geld aber fixiert in dieser Form hört auf, ökonomisches Verhältnis
zu sein, die erlischt in seinem materiellen Träger, dem Gold und
Silber. Andrerseits, soweit es in die Zirkulation tritt und sich wie-
25 der austauscht gegen W, fällt wieder der Schlußprozeß, die Kon¬
sumtion der Ware, aus dem ökonomischen Verhältnis heraus. Die
einfache Geldzirkulation hat nicht das Prinzip der Selbstreproduk¬
tion in sich und weist daher über sich hinaus. Im Geld — wie die
Entwicklung seiner Bestimmungen zeigt — die Forderung gesetzt
so des in die Zirkulation eingehenden und in ihr sich erhaltenden, zu¬
gleich sie selbst setzenden Werts — Kapital. Dieser Über¬
gang zugleich historisch. Die antediluvianische Form des Kapitals
ist das Handelskapital, das entwickelt immer Geld. Zugleich Ent-
stehung des wirklichen Kapitals aus dem Geld oder kaufmänni-
35 sehen Kapital, das sich der Produktion bemächtigt.
d1). Diese einfache Zirkulation für sich betrachtet — und sie
ist die Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft, worin die tiefem
Operationen, aus denen sie hervorgeht, ausgelöscht sind —, zeigt
keinen Unterschied zwischen den Subjekten des Austausches,
4o außer nur. formelle und verschwindende. Es ist dies das Reich
der Freiheit, Gleichheit und des auf der „Arbeit“
gegründeten27 Eigentums. Die Akkumulation, wie sie
hier unter der Form des hoarding erscheint, ist nur dann größre
*) Im Orig, irrtümlich e.
*) Nach gegründeten gestrichen (dem Schein nach)
312
(516) 1858 April 2
Sparsamkeit etc. Abgeschmacktheit nun einerseits der ökono¬
mischen Harmoniker, modernen freetrader (Bastiat, Carey etc.),
gegen die entwickeltem Produktionsverhältnisse und ihre Antago¬
nismen dieses oberflächlichste und abstrakteste als ihre Wahr¬
heit geltend zu machen. Abgeschmacktheit der Proudhonisten und $
ähnlicher Sozialisten, die diesem Austausch von Äquivalenten
(oder präsumiert as such) entsprechenden Ideen von Gleichheit etc.
entgegenzuhalten den Ungleichheiten etc., worin dieser Austausch
zurück- und woraus er hervorgeht. Als Gesetz der Appropriation
in dieser Sphäre erscheint Aneignung durch die Arbeit Austausch i
von Äquivalenten, so daß der Austausch nur denselben Wert in
andrer Materiatur wiedergibt. Kurz, es ist hier alles „scheene“,
wird aber gleich ein Ende mit Schrecken nehmen, und zwar infolge
des Gesetzes der Äquivalenz. Wir kommen nämlich jetzt zu
3. Das Kapital. is
Dies ist eigentlich das Wichtige dieses ersten Hefts, worüber ich
am meisten Deine Ansicht haben muß. Heute aber kann ich nicht
fortschreiben. Der Gallendreck macht mir schwer, die Feder zu
führen, und das Herabsenken des Kopfs auf das Papier macht
mich schwindlig. Also for next time. 20
Salut.
Dein K. M.
517. Engels an Marx; 1858 April 9.
Manchester, 9. April 1858.
Lieber Mohr, 25
Das Studium Deines abstract des ersten halben Heftes hat mich
sehr beschäftigt, it is a very abstract abstract indeed, wie bei der
Kürze nicht anders zu vermeiden, und ich muß die dialektischen
Übergänge oft mit Mühe suchen, da all abstract reasoning mir sehr
fremd geworden ist. Dies Arrangement des Ganzen in den sechs 30
Büchern könnte gar nicht besser sein und gefällt mir ausnehmend,
obwohl ich den dialektischen Übergang vom Grundeigentum auf
die Lohnarbeit noch nicht klar sehe. Auch die Entwicklung der
Geldgeschichte ist sehr fein, mit einzelnem bin ich auch hier noch
nicht im reinen, da ich mir oft die historische Unterlage erst zu- 3i
sammensuchen muß. Ich denke indes, sobald ich den Schluß des
Kapitels im allgemeinen habe, so sehe ich den drift besser und
werde Dir dann ausführlicher darüber schreiben. Der abstrakt dia¬
lektische Ton dieser Epitome verschwindet natürlich in der Aus¬
arbeitung. //
Gestern schickte ich Dir wieder zwei Guardians, es scheint, seit
das Blatt auf 1 d. herabgesetzt ist, lassen die Kerle alle Unkosten
(517) 1858 April 9
313
als Korrespondenzen etc. reduzieren. Ihr Versuch, ein first-class
provincial paper zu machen, scheiterte total. Daher die Magerkeit
der auswärtigen Nachrichten und Seltenheit der Pariser Korre¬
spondenzen. Die Geschichte mit Fould im gestrigen Guardian ist
.5 nicht übel. Aber eine noch viel schönere ist der Bericht der Cotton
Supply Association. Es ist famos, daß die Freetrader zehn Jahre
nach Einführung des Freetrade ihn selbst aufs direkteste verleug¬
nen. Diese ganze Cotton Supply Association ist nichts als eine von
den freetradem selbst eingerichtete Institution, überall in der Welt,
io wo Boden und Klima nicht total unpassend sind, Baumwollen¬
kultur im direkten Gegensatz mit dem ganzen freetrade zu for¬
cieren durch Prämien, Vorschüsse, Geschenke von Samen, Pump
von Maschinen etc. etc. Wenn der Staat so etwas tut, so ist’s vom
Übel, wenn aber die Manchester Cotton Spinners, die den niggers,
Beduinen etc. in Afrika doch noch viel fremder gegenüberstehn
als ihr eigner König, dies tun, so ist’s all right. Eine schönere Satire
als diesen Bericht auf alle laissez-faire-Phrasen kann man gar
nicht lesen. Sehr schön ist auch das Eingeständnis, daß die Einfuhr
der englischen, aus amerikanischer Baumwolle gemachten Waren
20 die Baumwollkultur fast aller übrigen Länder zerstört habe, und
sie jetzt auf künstlichem Wege wieder produziert werden müsse!
Diese elenden Engländer sehen in ihrem Baumwollspinn- und Web¬
monopol etwas Großartiges und Natürliches, dagegen kein Mensch
etwas sagen kann ; aber das durch denselben Weltmarkt hervorge-
23 brachte Baumwollanbaumonopol der United States muß selbst
durch antifreetrade Maßregeln gebrochen werden! Das Ding sollte
heißen: Association for enabling the single Spinners to buy cotton
in the dearest market, the collective Spinners paying the producer
the différence between the market value and his cost of production.
so Natürlich soll das nur so lange fortgehn, als bis die subventionierte
Baumwollkultur auf eignen Füßen stehen kann; aber grade das
will Monsieur List mit seinen Schutzzöllen ja auch! Das Ding
könnte Dir vielleicht Stoff zu einem Artikel geben, da es die Yan¬
kees direkt interessiert und die Tribune auch antifreetrade ist.
35 Meine Prophezeiungen, daß die Fluktuationen in Produkten
durchaus vom Ost- und Westwind abhängen würden und daß mit
Middling Orleans Cotton über 6 d. an kein regelmäßiges und flottes
Geschäft zu denken ist, haben sich merkwürdig bestätigt. Was
Baumwolle betrifft, so ist die Erfüllung der ersten Prophezeiung
40 ersichtlich aus der beiliegenden Fortsetzung der Dir früher ge¬
sandten Tabelle über die Preise von Middling Orleans bis heute.
Mit Zucker, Kaffee und Tee ging es ähnlich, nur daß die immer
noch sehr starken Vorräte nicht die momentane starke Steigerung
zuließen, die in Baumwolle beim schwachen Vorrat möglich war.
45 Was die zweite Prophezeiung angeht, so ist noch immer ziemlich
314
(517) 1858 April 9
viel short time, strikes und Stillstand aus nicht lohnender Produk¬
tion, und da die Ernte 3000 m. Ballen liefert, die volle Produk¬
tion jetzt mindestens 3500 m. Ballen fordert (die übrigen Baum¬
wollproduktionsländer im Verhältnis), so wird bis Ende dieses
Jahres, selbst abgesehn von politischen Konvulsionen, die Baum- *
Wollindustrie in jedem Versuch, sich wieder zu heben, durch die
steigenden Preise des Rohmaterials gehemmt werden, wie dies
Ende Februar und Anfang März (siehe Tabelle) wirklich geschah.
Die Preise werden im allgemeinen — wenn auch zunächst wohl
noch ein Fall eintreten wird — steigen, aber begleitet vom check
der Produktion in gleichem Maße wie die Steigerung. Dies suppo-
sing that no row on the Continent, der aber so gut wie gewiß ist.
In einer Woche, 19.—26. Februar, kamen nur 62 Ballen
Baumwolle aller Art nach Liverpool! Sonst immer nach Tausen¬
den. is
Wie ist die Geschichte mit dem eingestandenen Verschwinden
der 300 Millionen Franken? Ich erinnere midi nur, gelesen zu
haben, daß Magne statt einen Überschuß von 40 Millionen ein De¬
fizit machte — das Genaue aber weiß ich nicht. Diese Geschichte
ist zu gut. Jetzt soll auch der „prince imperial“ einen eignen Hof- 20
staat und eine Dotation bekommen — Cash must be devilish scarce!
Hoffentlich geht es Dir mit der Galle jetzt besser. Die Krisen¬
aufregung ist offenbar daran schuld. Ich laboriere jetzt abends
einige Male an Zahnschmerzen infolge des Wetters; das ist aber
auch das Schlimmste. 25
Beste Grüße an Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.
518. Frau Jenny Marx an Engels; [1858 April 9].
Lieber Herr Engels,
Karl ist seit acht Tagen unwohl, daß er gar nicht imstande ist 30
zu schreiben. Er meint, Sie würden seinem letzten, schwerfälligen
Brief wohl schon angemerkt haben, daß Galle und Leber wieder in
Bewegung sind. Hoffentlich werden endlich die Medizinen wirken.
Viel zur Verschlimmerung des Zustandes trägt die geistige Unruhe
und Aufregung bei, die jetzt natürlich nach dem Abschluß des 35
Kontrakts mit dem Buchhändler noch größer ist und täglich zu¬
nimmt, da es ihm rein unmöglich ist, die Arbeit zum Abschluß zu
bringen. Ich will eben auch noch an das Berlin [er] Jüdchen0
schreiben, das diesmal clever gemanaget hat. Die Kinder sind
wohl. Leider haben sie während der Ostemferien beständig im to
9 Lassalle
Nr. 518.
(518) 1858 April 9
315
Hause sitzen müssen. Das Wetter war zu schrecklich, und der be¬
ständige Regen hat unser lehmiges Terrain so aufgeweicht und
schlammig gemacht, daß einem das ganze Böckeburg an den Fu߬
sohlen hängen bleibt. Die Guardians mit den sehr interessanten
5 zwei Artikeln über France sind heute angekommen. Wir sehn dar¬
aus, daß Sie auch in Manchester sind und keinen Ostertrip ris¬
kiert haben. Wahrscheinlich aber Fuchsjagd!
Seien Sie von uns allen herzlich gegrüßt.
Ihre Jenny Marx.
519. Engels an Frau Jenny Marx; 1858 April 14.
Manchester, 14. April 1858.
Liebe Frau Marx,
Ich hoffe, der Mohr ist endlich auf der Besserung und wird bald
wieder flott an der Ökonomie arbeiten können. Ich habe auch
15 vorige Woche an Zahnschmerzen laboriert, die mich seit Sonntag
verlassen hatten, heute abend aber mit wachsender Heftigkeit zu¬
rückgekommen sind, grade als ich mich zurechtmachte, über die
Eroberung von Lucknow einiges Präliminäre für die Tribune
zurechtzustutzen. Ob es mir unter diesen Umständen gelingt, ist
2o sehr zweifelhaft. Jedenfalls werde ich aber suchen, heut abend
die Sache zu studieren und womöglich morgen Mittag auf dem
Comptoir einiges zusammenschreiben, wenn auch nicht viel wird.
Gut wäre es aber, wenn der Mohr auf alle Fälle ein sujet in petto
hätte, um für den äußersten Notfall den Leuten etwas liefern zu
25 können.
Das Arbeiten abends greift mich noch immer sehr an, und wenn
ich es lange fortsetze, oder zwei Abende hintereinander, so tritt
große Aufregung und Schlaflosigkeit ein; besonders wenn ich den
Tag über mit Schreiberei viel zu tun hatte. Auch bin ich abends
so sehr dumm und schlaff, bis mich gewaltsame Konzentrierung auf
einen Gegenstand auf regt. Mein Gedächtnis ist im ganzen besser,
doch kommt es mir noch alle Tage vor, daß ich Sachen, die ich tags
vorher getan oder gehört, so total vergesse, als ob sie nie geschehen,
und erst nach Erinnerung an die einzelnen Details sie mir
35 wieder einfallen. Körperlich bin ich sonst wieder stark und gesund
und kann Strapazen und — sauf le toothache — auch alle Arten
Wetter aushalten.
Lupus hinkt noch immer sehr stark und muß in einer Woche
mehr für Cabs ausgeben als sonst in einem Jahre. Es geht ihm
io aber sichtlich besser, und in acht Tagen wird er wohl wieder
einigermaßen das Marschieren aushalten können. Er läßt Sie alle
herzlich grüßen.
Nr. 518.
519
316
(519) 1858 April 14
Wie gefällt Ihnen der Prozeß Bernard? Die französischen
Mouchards und ihr würdiger Confrère Mr. Rogers nehmen sich
gut aus. In der Moming Post stand gestern eine nette Beschreibung
der Physiognomie des Prozesses. Der Chevalier Estien war sehr
gut geschildert. 5
Heute schickt mir dear Harney wieder drei Independents,
woraus hervorgeht, daß sein Erbfeind, der Seigneur Godfray, ihm
einen zweiten Preßprozeß angehangen hat. Der Mann wird sich
bald ebenso grauß vorkommen wie der grauße Lassalle.
„One faithful ally“ drückt jetzt wie ein Alp auf den englischen w
Commerce. Niemand will spekulieren oder mehr als von der Hand
in den Mund kaufen, weil das ganze Philisterium Krieg, Revolu¬
tion oder noch wildere Sachen in Frankreich erwartet.
Grüßen Sie die Mädchen und den Mohr herzlich. Treulichst
Ihr F. Engels. 15
520. Engels an Marx; 1858 April 22.
Manchester, 22. April 1858.
Lieber Mohr,
Idi schrieb Deiner Frau vorige Woche und sandte am nächsten
Tag einen Artikel über Lucknow, auch Guardians (oder Aus- 20
schnitte, ich besinne mich nicht genau). Hoffentlich ist alles rich¬
tig angekommen. Heute gehn wieder zwei Guardians ab. Ein Ar¬
tikel war aus der Russellschen Korrespondenz von Dienstags-
Times nicht zu machen, ich heb ihn mir aber auf bis die nächste
Post kommt, die das Ende der Lucknow-Geschichte bringen muß, 25
so daß dann — mit Hülfe hoffentlich auch der Campbellschen
Depeschen — das Ganze mit einem Male abgemacht werden kann.
Ich habe mich inzwischen wieder auf cavalry geworfen — lasse
im historischen Teil einiges zunächst offen, bis ich die betreffenden
Quellen auf treibe und geh mit dem taktischen voran. Der Artikel 30
wird wohl zehn bis zwölf meiner langen Doppelseiten füllen, viel¬
leicht mehr.
Die affaire Bernard wird Monsieur Bonaparte schwer kränken
und den Crapaudflüchtlingen in London einigermaßen imponieren.
James hat übrigens schwach und décousu gesprochen, und der alte 35
Campbell wie immer gegen den Prisoner aufgesummt. Der alte
Esel ärgert sich, daß ihm der interessante juristische Casus, bei
dem er den fünfzehn Richtern präsidieren sollte, Flöten gegangen
ist.
Interessant für die républicains purs sind Cavours und La Mar- 40
moras Enthüllungen über ihren Verkehr mit Cavaignac und dessen
Nr. 519.
520.
(520) 1858 April 22
317
Angst vor Ostreich. Je mehr über die Herrschaftsperiode des Na¬
tional an den Tag kommt, desto erbärmlicher erscheint sie.
Dein F. E.
521. Marx an Engels; 1858 April 29.
s London, 29. April 1858.
Dear Frederick,
Mein langes Stillschweigen kann ich Dir mit einem Wort er¬
klären — Unfähigkeit zu schreiben. Diese existierte (and to some
degree exists still) nicht nur in the literary, sondern in the literal
io sense of the word. Die wenigen unvermeidlichen Artikel an die
Tribune diktierte ich meiner Frau, aber selbst das nur möglich
durch applying strong Stimuli. Ich hatte noch nie eine so heftige
Attacke des Leberleidens, und for some time eine Verhärtung der
Leber war befürchtet. Der Doktor wollte, ich sollte reisen, aber
is d’abord war das unverträglich mit dem state of finance, und zwei¬
tens hoffte ich von einem Tag zum andern, mich wieder an die
Arbeit setzen zu können. Der beständige Drang, ans work zu gehn,
und dann wieder die Unfähigkeit, so zu tun, half die Sache ver¬
schlimmern. Indes seit einer Woche geht’s besser. Ich bin indes
20 noch nicht fähig zu arbeiten. Wenn ich mich ein paar Stunden
hinsetze und schreibe, habe ich ein paar Tage ganz brach zu liegen.
Ich erwarte bei allen Teufeln, daß dieser Zustand mit nächster
Woche ein Ende nimmt. Er konnte nie ungelegner kommen als
jetzt. Ich habe offenbar den Winter das Nachtarbeiten übertrieben.
2s Hine illae lacrimae.
Deine Briefe und Guardians sind richtig angekommen.
Von Louis Blanc ein Buch über die Revolution von 1848 er¬
schienen. Geschrieben mit redlichster Bewunderung des „petit“0,
wie er sagt, daß ihn die Arbeiter nannten. Übrigens, genau gelesen,
so blamabel für den Kerl, da es zeigt, daß in allen entscheidenden
Momenten die Arbeiter ohne sein Wissen und Willen handelten,
ihm überhaupt für sein „sentiment“ sentiment zurückgaben, da¬
mit aber auch dem Orakel von Luxemburg seinen full price be¬
zahlt zu haben glaubten.
3s Die Bewegung der Leibeignenemanzipation in Rußland scheint
mir wichtig, sofern es den Anfang einer innem Geschichte in dem
Lande zeigt, die der traditionellen auswärtigen Politik desselben
in die Quere kommen mag. Herzen natürlich hat von neuem die
Entdeckung gemacht, daß „die Freiheit“ von Paris nach Moscow
so ausgewandert ist.
l) Louis Blanc
Nr. 520.
318
(521) 1858 April 29
Freund Bangya, as it seams, ist von dem Sohn von Sefer Pasha
auf unerlaubtem Briefwechsel mit dem russischen General Phi-
lippson ertappt worden. Es heißt, daß er mit mehren seiner unga¬
rischen und polnischen Helfershelfer has been shot.
Gruß an Lupum. s
Dein K. M.
522. Engels an Marx; 1858 April 30.
Manchester, 7, Southgate, 30. April 1858.
Lieber Mohr,
Wenn Du reisen sollst, so reise doch wenigstens nach Man- io
ehester, thats easy enough. Sollte die Dir gestern geschickte Note
bereits verschwunden sein, ce qui serait bien possible, so laß mich’s
wissen; für Manchester kannst Du jetzt ein acht Tage Return Ticket
first class bekommen, und die Return läßt man dann nachher
natürlich laufen. Ich werde sehn, ein Bett in meinem Hause frei zu w
bekommen, was auf ein paar Tage jedenfalls angeht. Das
andre findet sich. Wenn Du das Reisegeld noch besitzest, so komm
sofort; Deiner Frau schicken wir den Betrag, den Du ihr abpumpst,
sofort zu, ich hab heute nur keine Zeit gehabt, eine Post Office
Ordre zu nehmen. Ich sage heut abend in meinem Hause Bescheid ; a
komm sogleich nach Nr. 6 Thorncliffe Grove, Oxford
Road. Wenn Du nicht gleich morgen abend (ca. 5 Uhr ist ein Zug)
abfährst, so laß mich Montag morgen wissen, wann Du kommst,
und ich hole Dich an der Station ab — sage aber, ob per North
Western oder per Great Northern Railway. «
Willst Du am Sonntag kommen, so telegraphiere morgen — es
kostet 2 sh. — zwanzig Worte, die Adresse außerdem. Die De¬
pesche nach meiner Wohnung adressiert.
Dein F. E.
523.Marx an Engels; [1858] Mai 1.
1 May.
Dear Frederick,
I shall part on Thursday by die Great Northern, leaves London
at half past two, arrives at Manchester at seven p. m.
Yours K. M.
Z. 1—4.
26 (e»)—27.
Nr. 523.
(523) 1858 Mai 1
319
Ich bin seit gestern wieder viel besser und hatte au fond vor,
Montag sérieusement an die Arbeit zu gehn. Indes, after consul¬
tation with the Doctor, der denkt, daß eine Woche Herumtreiben
mir immer noch nötig, die Pflicht an den Nagel gehangen.
524. Engels an Frau Jenny Marx; 1858 Mai 11.
Manchester, 11. Mai 1858.
Liebe Frau Marx,
Der Mohr hat heute zwei Stunden geritten und findet sich so
wohl danach, daß er anfängt, Enthusiasmus für die Sache zu be-
io kommen. Er ist aus der Stadt nach Hause gegangen und hat mir
aufgetragen, Ihnen ein paar Zeilen wegen des Narren Cluß zu
schreiben. Er meint, es wäre sehr gut, wenn Sie zu Pfänder gingen,
der wird schon einiges aus ihm herausbekommen. Die Hauptsache
ist aber, daß Monsieur Cluß hieher kommt, denn wir müssen
is wissen, wie wir mit ihm stehn, und entweder muß er sich in a satis-
factory männer erklären, oder wir brechen. Was kann uns so ein
unzuverlässiger Esel nützen, der erst mit vollem überfließendem
Herzen zu Ihnen kommt, drei Stunden wartet, nichts mehr zu wün¬
schen scheint, als den alten Fuß zu erneuern, und dann plötzlich
20 in einem ebenso ungezognen wie verlegnen Brief an Sie sich zu¬
rückzieht. Wir bedauern nur, daß Sie grade, mitten in einer
keineswegs rosenfarbnen Zeit, noch Unannehmlichkeiten mit
solchen Pinseln haben müssen.
Wenn es irgend angeht, besorgen Sie uns doch den Mann hieher,
25 damit wir wenigstens die Satisfaktion haben, ihm schließlich die
Meinung gehörig zu sagen.
Ich hoffe, der Mohr hält sich fleißig am Reiten, dann wird er
in acht Tagen wieder zum Schreiben fähig sein. Lupus mit seinem
Bein ist auch viel besser.
so Von ganzem Herzen der Ihrige.
F. Engels.
525. Engels an Jenny und Laura Marx; 1858
Mai 11.
Manchester, 11. Mai 1858.
Liebe Jenny und Laura,
Ich kann diese paar Zeilen an die Mama nicht abgehn lassen,
ohne Euch für die beiden lieben Porträts zu danken, die Ihr dem
Mohr für mich mitgegeben habt. Vorläufig stehn sie noch auf dem
Nr. 523.
525.
320
(525) 1858 Mai 11
Chimney piece vor dem Spiegel, aber in einigen Tagen werden
sie einen famosen Platz an der Wand bekommen.
Ich hoffe, daß der Herr Schleiden Euch nicht gar zu schlecht be¬
kommt, der Mann ist viel ernsthafter als Ihr; ich hoffe aber, Ihr
macht ihm das nicht nach. 5
Dai ritratti vedo con piacere ehe avete molto grandito tutte le
due e die, benchè siate grande signorine adesso, vi sono sempre le
vecchie faccie piene di franchezza ed ingenuità, e credete pure chè
anch’ io per voi sarö sempre il vecchio.
Engels. io
526. Marx an Engels; 1858 Mai 31.
31 May 1858.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Dear Frederick,
In der ersten Woche mußte ich mich wieder akklimatisieren, u
und auch das plötzliche Aufhören des Reitens tat zunächst nicht
wohl. Ich habe exakt bis heute gebraucht, wo ich mich endlich
wieder so auf dem Damm fühle wie an dem Tag, wo ich Man¬
chester verließ. Ich bin mm in working order und beginne sofort
mit der Ausarbeitung für den Druck. Ich habe in der letzten Woche «
nur zwei Artikel für die Tribune geschrieben. Sonst immer
herumgelaufen, da die Beklommenheit im „Koppe“ und die
Schwierigkeit des Stuhl — mich Rückfall befürchten ließen.
Ad vocem Cluß. Dieser Jüngling war vor seiner Abreise
noch einmal bei Schapper. Der brave Mann fand bei seiner Rück- &
kehr von meiner Wohnung zu seinem Schrecken, daß er von Paris
etwas mitgebracht hatte, einen Schanker nämlich mit allerlei bös¬
artigen Nebenumständen. Er wurde bettlägerig und gab dies bei
S [chapper] als Grund an, warum er sich aus der zivilisierten Welt
zurückgezogen. 30
Ad vocem Pelissier. Was wir scherzhaft in Manchester
präsumierten, daß P[elissier] sofort sich mit den Orleans einlassen
würde, ist nun geschehn in real good eamest und bildet das Tages¬
gespräch in London.
Was sagst Du zu Bonas Konfiskationsgelüsten? u
Während meiner Abwesenheit ist in London ein Buch über die
gesamte Geschichte der Currency von Maclaren erschienen, das
nach den Auszügen im Economist first rate ist. Das Buch ist
noch nicht in der Bibliothek, wie überhaupt die Sachen dort erst
9 Korr, aus Reaktionsg
Nr. 525.
Z. 24—30.
($26) 1858 Mai 31 321
Monate nach ihrem Erscheinen auftreten. Ich muß es natürlich
lesen vor meiner Darstellung. Schickte daher meine Frau in die
City zum publisher. Zu unsrem Schrecken fand sich aber, daß es
9 sh. 6 d. kostet, was mehr war, als unsre gesamte Kriegeskasse be-
« trug. Es wäre mir daher sehr lieb, wenn Du mir eine postoffice
order für diese Summe zuschicktest. Es ist wahrscheinlich, daß für
mich nichts Neues in dem Buch steht, allein nach dem Wesen, was
der Economist damit macht, und nach den Auszügen, die ich
selbst gelesen, erlaubt mein theoretisches Gewissen nicht voran-
io zugehn, ohne es zu kennen.
Glaubst Du nicht, daß Du Material genug hättest, für Freitag
etwas Allgemeines über den state of the British forces in India
und etwas Konjekturalistisches zu schreiben? It would be a great
bonn for me, da das Durchlesen meines eignen Manuskripts mir
is beinahe eine Woche kosten wird. Der Teufel ist nämlich, daß in
dem Manuskript (was gedruckt ein dicker Band wäre) alles wie
Kraut und Rüben durcheinandergeht, vieles, was erst für viel
spätere Teile bestimmt ist. So muß ich mir einen index machen, in
welchem Heft und welcher Seitenzahl sich der Dreck kursorisch
to vorfindet, den ich zunächst in Arbeit zu nehmen.
Ich habe endlich an Lassalle geschrieben. Du mußt mir Abso¬
lution geben wegen der Elogen, die ich Heraklit dem Dunklen
machen mußte. In einigen unscheinbaren Nebenremarks — da das
Lob doch durch tadelnde Schattierung erst sich ernsthaft aus-
os nimmt — habe ich einigermaßen das wirklich Mangelhafte an der
entreprise leise, leise angedeutet.
Ich werde morgen oder übermorgen neue Bangyanummem er¬
halten und dann zwei nach Manchester schicken, eine für Dich,
eine für lupum. Apropos! Aus einer Nummer der Tribune sah ich,
so daß Pulszky zuvorzukommen sucht den ekligen révélations, in¬
dem er B[angya] als Spion Metternichs darstellt und als
einen, der den General Stein verraten habe. Staatsmann Blind hat
sich dann doch im Advertiser gemüßigt gefunden, while giving a
testimonium paupertatis to Kossuth „the illustrious Governor of
ss Hungary“, ihn direkt aufzuf ordern, eine „Gegenerklärung“ zu
machen. Kossuth, of course, hielt’s Maul.
Wie geht’s mit Gumperts Fortschritten in der edlen Reitkunst?
Das Pech für midi ist, daß die Sache bei mir immer unterbrochen
wird, wenn ich grade so weit gekommen bin, mich für die Ge-
so schichte zu interessieren.
Salut.
Dein K. M.
1) Im Orig. Pultzky
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 21
Z. 27—36.
322
(527) 1858 Juni 7
527. Marx an Engels; 1858 Juni 7.
7 June 1858.
Dear Frederick,
Beiliegend zwei Nummern Bangya, one for you, the other for
lupus. «
Erhalten von Dir: 1. Brief mit der postoffice note; 2. second
letter; 3. article for the Tribune (very amusing one, too). Nicht
zuvor den Empfang angezeigt, weil ich jeden Tag die zwei Nurn-
mem B[angya] erwartete; außerdem viel private troubles, die die
Zeit Wegnahmen. w
Einliegend Brief von Lassalle. Es ist eine höchst kuriose Ge¬
schichte. Ich kann nicht antworten, bis ich Deine und lupi Ansicht
habe. Ich wünsche daher, daß ihr sofort konsultiert und mir um¬
gehend Euer avis schickt. Meine Ansicht ist, daß Lassalle sich
nicht auf Duell mit dem Esel F[abrice] einlassen soll und daß is
selbst vom Duellstandpunkt aus der Anfall der zwei Herm vom
„Landjerichte“ alles Duellieren out of question gesetzt hat. Gene-
rally ist meine Ansicht — ich halte es, of course, lächerlich, abzu¬
machen, ob das Duell an sich mit „dem Prinzip“ überein¬
stimmt oder nicht —, daß unter present circumstances, at this 20
peculiar juncture etc. etc. in der Zeitgeschichte die Leute von der
revolutionären Partei mit Stöcken, Fäusten und Fußtritten ihren
private enemies antworten, aber sich nicht auf Duelle einlassen
sollen. Total falsch würde es mir aber erscheinen, wenn L[assalle],
nachdem er sich einmal kategorisch gegen alles Duellieren erklärt 25
hat, would allow himself to be bullied durch kreuzritterlichen
gossip.
Gestern war Schapper bei mir. Erzählte mir unter anderm, daß
Freund Caussidière, der abends besoffen in eine Hurengasse in
New York geriet und, wie es scheint, mit dem Stock auf ein Mensch 30
einhieb, auf das Geschrei desselben sofort von einem halben
Dutzend loafers überfallen und beinahe totgeprügelt wurde. Der
dicke Lümmel wurde des andern Morgens früh besinnungslos
picked up durch die Polizei und bedurfte einer sechswöchentlichen
Kur, um wieder geh- und lebensfähig zu werden. 35
Seiler hatte einen paralytischen case: zehn Wochen in Lebens¬
gefahr; aber Unkraut vergeht nicht. Heise soll wieder sehr gefähr¬
lich nieder sein.
Salut.
Dein K. M. 40
z. 4-5.
7 (Nicht)-9 ;
28-35.
(528) 1858 Juni 9
323
528. Engels an Marx; 1858 Juni 9.
9. Juni 1858.
Lieber Mohr,
Hierbei der Brief von Llassalle] zurück. Daß unser Jüdel Braun
s eine Keilerei gehabt, hatte mir schon Borchardt am Samstag mit
triumphierender Miene angezeigt. Diese Details also höchst nütz¬
lich zu wissen. Was unsre Meinung angeht, so ist es sonnenklar,
daß die beiden Herren, Intendanturrat wie Assessor, durch einen so
gemeinen Mordanfall sich vollständig auf den Holz-Standpunkt ge-
io stellt haben, und daß das einzige Duell, auf das man sich mit solchen
Knaben einlassen könnte, schon in der Keilerei selbst statt¬
gefunden hat. Wenn zwei Kerle einem Dritten auflauem und
ihn beide anfallen, so glaube ich nicht, daß irgendein Duell¬
komment in der Welt erlaubt, sich mit solchem Pack noch zu
is duellieren. Wollte Herr F[abrice] durch die Reitpeitschen¬
geschichte ein Duell mit Gewalt provozieren, so mußte Herr B [or-
mann] rein passiv, als Zeuge dabei assistieren, oder war über¬
haupt überflüssig. Wo aber zwei einen zugleich überfallen, da
hat man mit Canaille zu tim, bei der Ehre und fair play aufhört,
so und die bewiesen haben, daß ein honoriger Zweikampf, a fair
duel, mit ihnen nicht geführt werden kann. Man riskiert ja, hinter¬
listig ermordet zu werden.
So weit meine und Lupus’ Ansicht, den Komment des Duells
als Rechtsboden vorausgesetzt.
ss Abgesehen hiervon, ist es unsre wie Deine Ansicht, daß
1. Duelle für Revolutionäre jetzt überhaupt unzeitgemäß sind und
2. Lassalle, nachdem er sich „prinzipiell“ gegen das Duellieren
bis zum Festreiten erklärt hat, sich sehr blamieren würde, wenn
er sich jetzt duellierte.
so Was unsre Meinung also angeht, so kannst Du unsrem Ephraim
Gescheit ruhig schreiben, daß er sich nicht pauken soll, sondern ge¬
mütlich seine „unerschütterliche Bestimmtheit“ sich wieder anknei¬
pen und möglichst bald wieder den Mond bei den Zähnen nehmen
und zum hundertundersten Mal die Vernichtung wagen soll. Zur
os Entdeckung, daß er einen hinreichenden Vorrat an Eitelkeit zu be¬
sitzen scheint, gratulieren wir ihm, glaub ich, am besten im stillen.
Hast Du die Geschichte mit Foulds Sohn gelesen? Er ist mit
der Mademoiselle Valérie vom Gymnase und frcs. 1600000 nach
London durchgebrannt. Der Alte schrieb an Pelissier und sagte, er
so solle au cas de besoin, user d’autorité. Pelissier ladet das Pärchen
zum Dejeuner ein, sagt ihnen: Je vous donne ma bénédiction, und
schreibt dem Alten: Que voulez-vous? Les jeunes gens seront tou¬
jours de jeunes gens! und ganz Paris lacht den alten Fould aus.
Dein F. E.
21*
324
(529) 1858 Juli 2
529. Marx an Engels; 1858 Juli 2.
2 July 1858.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
Der Aufschub in Anzeige Deiner „Kavallerie“ verursacht durch s
großen häuslichen trouble. Das jüngste Kind hat seit Wochen den
hooping cough, eine sehr ängstliche Krankheit, und meine Frau
ist auch sehr unwohl. So bin ich, zusammen mit allerlei andern
häuslichen Wirren, verdammt im Arbeiten unterbrochen worden.
Du weißt, daß ich in Jersey unsrem Schramm eine amerika- io
nische Korrespondenz verschafft habe. Jetzt, nach seinem Tode,
und nachdem er verschiednemal getreten, ist sein Honorar, some
6 pounds arriviert und natürlich Herm Rudolf als Taschengeld
zugefallen.
Sonst nichts Neues hier. Ich glaube, dies Londoner deutsche is
Blättchen, das Gumpert hielt, ist der „Vereinigten Demokratie“
sub auspiciis des großen Blind unter dem Titel „Neue Welt“ zu¬
gefallen.
Ich unterstelle, daß Du die Erklärungen des Herrn Türr1) wie
der ungarischen Emigration zu Constantinople im Star gelesen oo
hast. Wo nicht, schick’ ich Dir die Free Press. Kossuth verharrt
einstweilen noch in starrem Schweigen. Unser Auszug aus Bangyas
Geschichte in der Tribune erschienen. Der Skandal in New
York wird K[ossuth] zum Sprechen zwingen. Es ist möglich, daß
ich so noch direkt in der Geschichte mich erklären muß. Pulszky 2«
hatte de longue main einen Ausweg in der Tribune eröffnet,
wo er Bangya als alten Metternichschen (!) Spion bezeich¬
net. Klapka, den ich einen Augenblick bei Freiligrath sah, be¬
merkte trocken in bezug auf Bfangya]: „finis coranat opus“. Er
scheint sehr blasiert über Kossuth. Macht einstweilen die türki- so
sehen Aktienschwindeleien.
Einliegend zwei Briefe aus New York.
Von Ephraim Gescheit habe ich seit zwei Wochen nichts ge¬
hört. Da ich, of course, überzeugt war, daß mein Brief zu keines¬
wegs diskretem Gebrauch seinerseits berufen war, habe ich ihn ss
sehr vorsichtig gehalten, so that it will be extremely difficult for
him to abuse it. Abgesehn von den speziellen circumstances des
case, worin ich ihm ziemlich wörtlich Deine Ansicht wiederholt,
habe ich das Duell nur sofern angegriffen, als es sub specie eines
Kastenprivilegiums von Kerls in Anspruch genommen wird, die so
glauben, daß man ihre Insulte anders züchtigen muß als die
eines Schneiders, Schusters usw. Solcher albernen Prätension
') Im Orig. Dürr
Z. 10-14.
21 (Koseuth)—31.
36 (so)-37.
(529) 1858 Juli 2
325
gegenüber und solchen Burschen gegenüber sei es revolutionär,
sich auf den „Knotenstandpunkt“ und „Holzkomment“ zu stellen.
Andrerseits der Prinzipienreiterei des Ephraim antworte ich da¬
mit, daß das Duell unter die Dinge gehöre, die Aristoteles als
5 „gleichgültig“ bezeichne, die man tun und lassen könne. Er habe
allerdings recht, daß es Reliquie einer verkommnen Entwicklungs¬
stufe sei, aber bei der „Einseitigkeit und Borniertheit der bür¬
gerlichen Verhältnisse könne sich die Individualität manch¬
mal nur in feudaler Form geltend machen“.
io Ich erwarte, daß Du unter allen Umständen nächste Woche
einen Artikel über Indien schickst. Das Material ist immer hin¬
reichend für einen Tribuneartikel, die sonst Times etc. ab¬
druckt. Die Hauptsache ist überhaupt nur, daß Artikel geschickt
werden.
is Salut.
Dein K. M.
Gruß an Lupus.
Humboldt hat einen sehr „schmeichelhaften“ Brief in der Tri¬
bune veröffentlicht, an Fröbel adressiert, der seine amerikani-
20 sehen Reisen zusammen veröffentlicht hat.
530. Engels an Marx; 1858 Juli 14.
Manchester, 14. Juli 1858.
Lieber Mohr,
Wir sitzen hier mitten in der Bilanz, und daher hab’ ich keine
a Ruh gehabt, Dir ausführlicher zu schreiben. Deinem Tussychen
geht’s hoffentlich besser. Gumpert sagte mir, daß der Stickhusten
im englischen Klima selten gefährlich, gewöhnlich chronisch, aber
gutartig sei. Alle Fälle, die sie bis jetzt im Hospital hatten, sind
gut ausgelaufen. Er hat mir die beiden bis jetzt erschienenen Be¬
at» richte dieses Hospitals gegeben (von Marei), sie sind sehr wissen¬
schaftlich, ich wollte, ich hätte damals, als ich mein Buch 0 schrieb,
solches Material gehabt. Ich habe auch Exemplare für Dich davon,
die ich Dir schicken werde; einzelnes wird Dir für das Kapitel
Lohnarbeit vielleicht nützlich sein. Über die großartige Anlage
35 und die sanguinen Hoffnungen des Marei wirst Du einige Heiter¬
keit empfinden.
Von Herrn Türrsä) etc. Erklärungen nichts gesehn, noch gehört,
der Star ist hier selten gelesen. Schick also die Free Press nur ja,
womöglich auch ein Exemplar für Lupum, der noch in Buxton
9 „Die Lage der arbeitenden Klasse in England.“
’) Im Orig. Dürrs
Z. 17-20.
24-39 -
326
(530) 1858 Juli 14
ist, wohin ihn Borchardt geschickt, und wo Lupus aus Langeweile
wahrscheinlich mehr laufen wird, als seinem Bein gut ist.
Die beiden Briefe aus New York, von denen Du in Deinem
letzten Brief sprichst, lagen nicht bei.
Apropos! Schick mir doch die versprochne Hegelsche Natur- s
philosophie. Ich treibe jetzt etwas Physiologie und werde verglei¬
chende Anatomie daran knüpfen. Es sind höchst spekulative Sachen
darin, die alle aber erst neuerdings entdeckt wurden; ich bin sehr
begierig zu sehn, ob der Alte nichts davon gerochen hat. So viel ist
gewiß,hätte er h eute eine Naturphilosophie zu schreiben, so kämen io
ihm die Sachen von allen Seiten entgegengeflogen. Von den Fort¬
schritten übrigens, die in den Naturwissenschaften in den letzten
dreißig Jahren gemacht sind, hat man übrigens gar keinen Begriff.
Entscheidend sind für die Physiologie gewesen erstens die riesige
Entwicklung der organischen Chemie, zweitens das Mikroskop, is
das erst seit zwanzig Jahren richtig benutzt wird. Dies letztere hat
zu noch wichtigeren Resultaten geführt als die Chemie, die Haupt¬
sache, wodurch die ganze Physiologie revolutioniert und eine ver¬
gleichende Physiologie erst möglich geworden, ist die Entdeckung
der Zellen — in der Pflanze durch Schleiden, im Tier durch to
Schwann (ca. 1836). Alles ist Zelle. Die Zelle ist das Hegelsche
Ansichsein und geht in ihrer Entwicklung genau den Hegelschen
Prozeß durch, bis sich schließlich die „Idee“, der jedesmalige
vollendete Organismus daraus entwickelt.
Ein andres Resultat, was den alten Hegel gefreut haben würde, ts
ist in der Physik die Korrelation der Kräfte oder das Gesetz, daß
unter gegebnen Bedingungen mechanische Bewegung, also mecha¬
nische Kraft (z. B. durch Reibung) in Wärme sich verwandelt,
Wärme in Licht, Licht in chemische Verwandtschaft, chemische
Verwandtschaft (in der voltaischen Säule z. B.) in Elektrizität, 30
diese in Magnetismus. Diese Übergänge können sich auch anders,
vorwärts oder rückwärts machen. Es ist jetzt nachgewiesen durch
einen Engländer, dessen Namen mir nicht einfällt, daß diese
Kräfte in ganz bestimmten quantitätischen Verhältnissen inein¬
ander übergehn, so daß z. B. ein gewisses Quantum der einen, z. B. w
Elektrizität, einem gewissen Quantum jeder andern, z. B. Magne¬
tismus, Licht, Wärme, chemischer Verwandtschaft (positiver
oder negativer — verbindend oder lösend) und Bewegung ent¬
spricht. Die blödsinnige Theorie von der latenten Wärme ist da¬
mit beseitigt. Ist das aber nicht eine famose materielle Probe auf u
die Manier, wie die Reflexionsbestimmungen ineinander aufgelöst
werden?
So viel ist sicher, bei der vergleichenden Physiologie bekommt
man eine schmähliche Verachtung gegen die idealistische Über¬
hebung des Menschen über die andern Bestien. Auf jedem Schritt «
z. -1-51
Tafel IV
Engels an Marx, 14. Juli 1858
(s. S. 326)
(530) 1858 Juli 14
327
wird man mit der Nase auf die völligste Übereinstimmung der
Struktur mit den übrigen Säugetieren gestoßen, in den Grundzügen
geht die Übereinstimmung durch bei allen Wirbeltieren und selbst
— verwischter — bei Insekten, Crustaceen, Bandwürmern etc. Die
s Hegelsche Geschichte vom qualitativen Sprung in der quantita¬
tiven Reihe ist auch hier sehr schön. Zuletzt bei den brutalsten In¬
fusorien kommt man bei der Urgestalt, der einfachen, selbständig
lebenden Zelle an, die sich aber auch wieder in nichts Wahrnehm¬
barem von der untergeordnetsten Pflanze (den aus einfachen
io Zellen bestehenden Pilzen — Kartoffel- und Weinkrankheitspilz
usw.) und von den Keimen der höheren Entwicklungsstufen bis
zum menschlichen Ei und Samentierchen inclusive unterscheidet
und ebenso egal aussieht wie die unabhängigen Zellen im leben¬
den Körper (Blutkörperchen, Oberhaut- und Schleimhautzellen,
is Sekretionszellen in den Drüsen, Nieren usw.).
Gelegentlich kannst Du mir auch mitteilen, was dyspepsia cra-
pulosa für eine Krankheit ist. Dies ist nämlich kein schlechter
Witz, sondern ein wissenschafdich adoptierter Name.
Wenn morgen die Times Details über Indien bringt, so wollen
2o wir sehn, was für die Tribune zu machen ist, sonst geht’s nicht.
Du wirst also aus der morgenden Times schon einigermaßen sehn,
was zu erwarten ist.
Beste Grüße an die family.
Dein F. E.
25 Die Akzeptgeschichte ist glücklich abgemacht.
531. Marx an Engels; 1858 Juli 15.
15. Juli 1858.
9, Graftonterrace, Maidandpark.
Lieber Engels,
so Ich ersuche Dich d’abord, nicht zu erschrecken über den Inhalt
dieses Briefes, da er durchaus kein appeal zu Deiner schon unge¬
bührlich beanspruchten Kasse sein soll. Anderseits ist es aber
nötig, gemeinschafdich zu überlegen, ob irgend ein Ausweg aus
der jetzigen Situation gefunden werden kann; denn sie ist absolut
& nicht länger haltbar. Ihr unmittelbares Resultat war bereits, daß
ich completely disabled bin von Arbeiten, indem ich teils die
beste Zeit mit Herumlaufen und nutzlosen Versuchen, Geld auf¬
zutreiben, verliere, teils meine Abstraktionskraft nicht länger
standhält, vielleicht infolge mehr heruntergekommner Körper-
4i lichkeit, gegen den Hausjammer. Meine Frau ist nervös zerrüttet
durch den Dreck, und Dr. Allen, der zwar eine Ahnung hat, wo
z. 25.
328
(531) 1858 Juli 15
der Schuh pinches, aber natürlich doch nicht die wahre Sachlage
kennt, hat mir jetzt wiederholt und positiv erklärt, daß er nicht
vor Gehirnentzündung oder ähnlichem stehn kann, wenn sie nicht
auf längere Zeit in ein Seebad geschickt wird. Ich meinerseits
weiß, daß unter den jetzigen Umständen ihr selbst letztres, wenn «
es möglich wäre, nicht nützen würde, solange der tägliche Druck
und das Gespenst einer unvermeidbaren Schlußkatastrophe sie
verfolgt. Letztre aber ist nicht mehr lang aufzuschieben, und selbst
das Auflenken für ein paar Wochen läßt den unerträglichen täg¬
lichen Kampf mit den mere necessaries bestehn und läßt die all- w
gemeine Situation so, daß alles drüber zugrunde gehn muß.
Da es in London angebliche loansocieties gibt, die ohne s e -
curities, nur auf référencés hin Ioan von 5—200 £ ankün¬
digen, versuchte ich eine derartige Operation, indem Freiligrath
und ein épicier sich als referees anboten. Das Resultat war, daß «
ungefähr 2 £ St. auf fees draufgingen. Die letzte abschlägige Ant¬
wort erhielt ich vorgestern. Ich weiß nicht, ob ich noch einen aber¬
maligen Versuch der Art machen soll.
Damit Du eine Einsicht in die wirkliche Sachlage erhältst, habe
ich von meiner Frau mir eine Berechnung aufstellen lassen für
die 20 von Dir vorgeschoßnen Pfunde und für 24 £, die ich am
16. Juni auf die Tribune zog (wovon 2 £ übergezogen waren).
Du wirst daraus ersehn, daß, sobald eine solche größre Summe
kommt, auch kein Pfennig übrigbleibt auch nur für die dringend¬
sten täglichen Ausgaben, von irgendwelchen Lebensgenüssen gar «
nicht zu sprechen; daß den folgenden Tag exakt der ekelhafte
struggle wieder beginnt, und die nur sehr spärlich abgezahlten
Gläubiger in sehr kurzer Zeit mit ihren in der Zwischenzeit wieder
angewachsnen Forderungen exakt denselben Druck wiederausüben.
Du wirst gleichzeitig sehn, daß z. B. meine Frau nicht einen farthing w
für sich selbst in Kleidern etc. verausgabt, während der status für
die Sommerdresses der Kinder unterproletarisch ist. Ich halte es
für nötig, daß Du diese Details durchgehst, da es sonst unmöglich
ist, zu einer richtigen Beurteilung des case zu kommen.
Berechnung für 20 .£ am 19. Mai. Davon bezahlt: «
Steuern (Wasser, Gas) £7 —
Pfandhauszinsen 3 —
Aus dem Pfandhaus genommen für „ 1 10 sh.
Lohn „2 —
Tallyman (dem wöchentlich abgezahlt werden sollte für
einen Rock und Hose) — 18 „
Schuhe und Hüte für die Kinder 110 „
Bäcker „1 —
Metzger „ 110 „
Epicier „1 —
Cheesemonger —10 „
Kohlen „ —10 „
(531) 1858 Juli 15
329
Berechnung für 24 £ am 16. Juni von der Tri¬
bune:
Schule für Quarter Februar, März, April . . . . £ 8 —
Von Schapper geliehn für tägliche Ausgaben wäh-
5 rend vier Wochen, ihm zurückgezahlt „ 3 —
Wäsche aus dem Pfandhaus genommen „ 2 —
Lohn „1 —
Tallyman 14 sh.
Metzger 2 —
10 Epicier „2 —
Greengrocer 1 —
Hemden,Kleider usw. für die Kinder . „ 2 —
Bäcker 2 —
Seit dem 17. Juni war also wieder kein Pfennig im Hause, und
is um während vier Wochen die täglichen Ausgaben zu bestreiten,
die bar bezahlt werden müssen, pumpten wir von Schapper 4 £,
wovon aber ungefähr 2 £ für die verfehlten loanoperationen in
fees drauf gingen.
Der ganze Schuldenetat, wie er jetzt in London steht, ist folgen-
2o der, der Dir zeigen wird, daß ein großer Teil desselben aus Schul¬
den an kleine épiciers besteht, die zur äußersten Grenze ihres
Kredits gegangen sind.
25
Hauszins fällig am 25. Juni £9 —
Schule fällig 2. August „ 6 —
Zeitungsmann (für ein Jahr) „6 —
Tallyman 39 sh.
30
35
Metzger „
Bäcker „
Epicier „
Greengrocer und Kohlen
Milchmann
Geschuldet an alten Milchmann und Bäcker von Soho . „
Dr. Allen (7 £ St. abgezahlt vom vorletzten Tri-
bunegeld)
Lina Schöler „
Schapper „
Pfandhaus „
7 14 „
6 —
4 —
2 —
617 „
9 —
10-
9 —
4 —
30 —
Von diesen Schulden sind es nur die an Dr. Allen, Lina Schöler,
den alten Gläubigem in Soho und einen Teil des Pfandhauses mir
to nicht dringend.
Die ganze Geschichte dreht sich also darum, daß die spärliche
Einnahme nie für den kommenden Monat bestimmt ist, sondern
immer nur hinreicht, um die Schulden — nach Abzug der stehen¬
den Ausgaben von Haus, Schule, Steuern und Pfandhaus — so
35 weit zu verringern, daß man nicht direkt auf die Straße gesetzt
wird. In 4—5 Wochen habe ich about 24 £ an die Tribune zu
ziehn. Davon gehn gleich 15 ab bloß für Hauszins und Miete.
Wird nur ein minimum für die andren Schulden abgezahlt — und
es ist sehr fraglich, ob butcher etc. sich so lang gedulden —, so
330
(531) 1858 Juli 15
ist der Dreck dagegen wieder vermehrt um die vier Wochen, die
doch d’une manière ou d’une autre gelebt werden muß. Der land-
lord ist selbst von Gläubigem gehetzt und verfolgt mich wie toll.
Ich sehe nicht, was ich machen soll, wenn es nicht möglich ist, ein
Ioan bei einer loansociety oder Lifeassecurance Society zu bewir- «
ken. Wollte ich selbst zu der äußersten Reduktion der Ausgaben
schreiten — z. B. die Kinder aus der Schule nehmen, eine rein
proletarische Wohnung beziehn, die Mägde abschaffen, von Kar¬
toffeln leben —, so würde selbst die Versteigrung meines Mobiliars
nicht hinreichen, um nur die umwohnenden Gläubiger zu befrie- io
digen und einen ungehinderten Abzug in irgendeinen Schlupf¬
winkel zu sichern. Der show von respectability, der bisher noch
aufrechteihalten wurde, war das einzige Mittel, einen Zusammen¬
bruch zu verhindern. Ich für meinen Teil würde den Teufel
danach fragen, wenn ich endlich wieder eine Stunde Ruhe be- »
käme und meinen Arbeiten obliegen könnte, in Whitechapel zu
leben. Für meine Frau in ihrem jetzigen Zustand könnte aber eine
solche Metamorphose mit gefährlichen Folgen verknüpft sein, und
für die heranwachsenden Mädchen wäre sie auch kaum geeignet.
I have now made a clean breast of it, und ich versichre Dir, 20
daß es mir keine geringe Überwindung gekostet hat. Aber enfin,
ich muß mich wenigstens gegen einen Menschen aussprechen. Ich
weiß, daß Du persönlich nicht der Sache abhelfen kannst. Was ich
verlange, ist nur Mitteilung Deiner Ansichten, what to do? Meinem
ärgsten Feinde wünschte ich nicht, durch den quagmire zu waden, 2s
in dem ich seit acht Wochen sitze, mit der größten Wut dabei, daß
mein Intellekt durch die größten Lausereien kaputt gemacht und
meine Arbeitsfähigkeit gebrochen wird.
Salut.
Dein K. M. 20
Die verlangten Sachen werde ich Dir schicken.
532. Engels an Marx; 1858 Juli 16.
Manchester, 16. Juli 1858.
Lieber Mohr,
Es ist sehr brav von Dir, daß Du mich hast in diesen Dif- is
fikultäten klar sehen lassen. Hier ist allerdings sofortiges Ein¬
schreiten nötig. Nach meiner Berechnung ist also ungefähr £ 50
à 60 dringend, der Rest noch aufschiebbar. Von dieser Summe
könnten £ 30 durch ein neues Akzept von mir sogleich erhoben
werden, wenn der Kerl sich verstehen will, das Akzept m i n - to
destens vier Monate dato auszustellen, sonst würde ich
nicht imstande sein, das Geld aufzutreiben. Wenn er will, so
Z.31.
(532) 1858 Juli 16
331
kann auch £ 20 vier Monat dato und andre £ 20 sechs Monat
dato trassiert werden (die Zinsen draufzuschlagen), so daß ich
im November und Januar zu zahlen hätte, und das würde Dir so¬
fort ^40 klar in die Hand geben. Geh also sofort zu Freiligrath
5 und sieh, was zu machen ist. Durchaus notwendig ist natürlich,
daß die Akzepte im Portefeuille des Diskon¬
teurs bleiben, sonst wäre ich ruiniert. Mehr wie
die berechneten 20 % darf der Schuft auch nicht nehmen, das gibt
schon beinahe 5 £ Verlust.
io Hierdurch, sollte ich meinen, würdest Du wenigstens so weit ge*
deckt sein, daß Du im Notfall die Zeit der nächsten Tratte abwarten
könntest. Aber bei dem Gesundheitszustand Deiner Frau ist aller¬
dings noch mehr nötig, und leider kann ich das nicht schaffen. Ich
kann nicht einmal hier zu dem Watts hingehn wegen seiner Provi-
15 dent Institution, da ich mich mit dem Kerl überworfen habe. Hier
hat er indes bloß ein Branchoffice, das Hauptoffice ist in London,
und Du wirst es in jedem Directory finden. Die Geschichte heißt:
People’s Provident Assurance Society and Life & Equitable In¬
stitution. Freiligrath wird Dir leicht Prospektus, Terms etc. ver-
2o schaffen können und auch, falls etwas zu machen ist, was ich aber
bezweifle, die Sache einleiten können.
Eine andre Methode, hier in England Geld aufzutreiben, will
mir trotz allem Besinnen nicht einfallen. Ich glaube, es wäre an
der Zeit, daß Du einen Versuch bei Deiner Alten oder irgend einem
25 Holländer0 machtest. Am Ende handelt es sich um eine Ab-
wischung der alten Schulden, und a fresh Start, alle Loan-Ge-
schichten schieben die Sache nur auf und machen die Krisis am
Ende nur schlimmer, abgesehn von dem vielen Geld, was mit
fees etc. und der Zeit, die mit Versuchen auf gefressen wird.
3o Außerdem antizipiert das Akzeptieren meinerseits die Gelder, die
ich Dir sonst in kleineren Summen allmählich zugehn lassen
könnte, und obwohl Dir das Geld in einer Summe mehr wert
ist als die odd Fünfpfundnoten, die dann und wann eintreffen, so
entsteht dadurch doch in den laufenden Einnahmen ein entspre-
35 ehender Ausfall.
Du mußt wirklich hier etwaige Rückseiten — s’il y en aurait —
beiseite setzen und einen Coup versuchen. Es handelt sich darum,
noch ca. £ 50 aufzutreiben, und ich sehe absolut nicht, wie sie
anders als durch Deine Verwandten beigebracht werden können.
io Inzwischen werd’ ich mir die Sache noch ein paar Tage im Kopf
herumgehn lassen, ob ich noch was finde. Jedenfalls aber wollen
wir diese Korrespondenz verbrennen, damit die Sache unter
uns bleibt.
*) Marxens Verwandte Philips.
Z. 22-39.
332
(532) 1858 Juli 16
Im äußersten Notfall akzeptiere ich auch £ 20 auf drei,
und £ 20 auf sechs Monate, kürzer aber geht’s nicht. Zinsen drauf,
so daß Du £ 40 netto hast.
Dein F. E.
533. Marx an Engels; 1858 Juli 20.
20. Juli 1858.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Engels,
Als Dein Brief am Sonnabend ankam, schrieb ich Dir nicht
gleich, weil ich erst Antwort auf ein neues „attempt“ abwarten u
wollte, bevor ich Gebrauch machte von der mir Deinerseits er¬
teilten Vollmacht. Montag aber erhielt ich abschlägigen Bescheid.
Weitres Zögern schien also untunlich. Daher zu Freiligrath. Heute
zeigte mir der schriftlich an, daß die Sache unter den von Dir
vorgeschlagnen terms ausführbar sei, nur aber erst von August 3., u
da sein usurer früher nicht in der Lage. Ich werde ihm also
schreiben, bis August 3. die Geschichte ins Werk zu setzen.
Von meiner Mutter erhielt ich Sonnabend einen langen Brief.
Der Frau Liebknecht, die nach Deutschland reiste, gab ich näm¬
lich ein Porträt des jüngsten Kindes für die Alte mit nebst ein 20
paar Zeilen, worin ich meines mehrmaligen Unwohlseins erwähnte,
nicht aber der übrigen Umstände. Der Brief der Alten ist so, daß
möglicherweise in einigen Wochen eine Zusammenkunft zwischen
uns bevorsteht. If so, I should arrange things. Ich muß aber
nichts pressen in this respect. Sonst zieht sie sofort back. 25
Dank für den Tribuneartikel. Mehr morgen.
Dein K. M.
534. Marx an Engels; [1858] Juli 25.
25. Juli.
Lieber Engels, 30
Aus einliegendem Brief F[reiligrath]s wirst Du sehn, daß neue
difficulties eingetreten. Die „neuen“ Bedingungen scheinen mir
aber au fond besser wie die alten, da, obgleich nominell auf drei,
in fact erst nach sechs Monaten gezahlt zu werden braucht und
10% weniger. «
Sei so gut mir gleich zu antworten one way or the other. Die
Sachen sind pressing. Läßt es sich so arrangieren, so werde ich so¬
fort — at any risk — meine Frau auf ein paar Wochen fort¬
z. 1-3.
Nr. 534.
(534) 1858 Juli 25
333
schicken in nahes Seebad und in der Zwischenzeit sehn, was ich
mit meiner Alten ausrichte, nachdem, of course, die ungestümsten
Ansprüche beruhigt.
Salut.
« Dein K. M.
535. Marx an Engels; 1858 August 8.
8.1) August 1858.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Engels,
io Die Verzögerung des Schreibens an Dich kam daher, daß erst
gestern die Sache definitiv, und zwar affirmativ entschieden
wurde. Ich saß xmal nieder, um Dir zu schreiben, dann
kam wieder ein Brief aus der City, daß es nichts sei und die
Transaktion wieder mit somebody eise versucht werden müsse.
io Ich wollte Dir aber etwas Bestimmtes one way or the other mit¬
teilen. Freiligrath, nachdem er mit sechs verschiednen usurers
transigiert und die Kerle immer im entscheidenden Moment, gegen
ihr Versprechen, abtrünnig fand, hat den Wechsel zuletzt bei seinem
eignen Schneider eskomptiert, nachdem er als Kollateralbürge ein-
io getreten. Er hatte schon ab initio an ihn zahlbar an seiner
eignen Bank gemacht. Der Alte hat sich sehr viel Mühe in
der Sache gegeben und selbst einige, mit seiner „geschäftlichen“
Position nicht ganz vereinbare Schritte getan. Schreibst Du ihm
also einmal gelegentlich, so pet ihn ein wenig auf die Schultern,
2o eine Operation, gegen die er nicht ganz unempfänglich ist. Der
Wechsel ist bei F[reiligrath] selbst deponiert. Der Schneider er¬
klärt sich bereit, unter allen Umständen den Wechsel zu
erneuern. Er würde es aber vorziehn, wenn er 20 £ im November
erhielte und so einen neuen Wechsel nur für die Testierenden
so 20 £ bis Januar auszustellen hätte. (Ich hatte nach Empfang
Deines Briefs F [reiligrath] sofort mitgeteilt, daß es mit der Sache
nur gehe unter der Sicherheit der Erneurung.)
Ich habe zu meinem Schrecken aus Deinem Brief gesehn, daß
Du wieder krank bist, und es war mir um so peinlicher, Dich unter
so den Umständen annoyed zu haben. Ich bitte Dich umgehend,
über Deinen Gesundheitszustand selbst zu schreiben oder den Dr.
Gumpert zum Schreiben zu veranlassen.
Nach Empfang des Geldes zahlte ich sofort soviel wie möglich
ab und schickte gestern noch meine Frau nach Ramsgate, da kein
Tag Aufschub zulässig. Sie ist wirklich außerordentlich leidend.
Korr, aus 5
Nr. 534.
334
(535) 1858 Aug. 8
Ist das Ramsgate nicht zu teuer und kann sie daher einige Wochen
Seebad brauchen, so denke ich, wird alles bald wieder right sein.
Meanwhile werde ich sehn, was mit meiner Mutter aufzustellen.
Es ist ein sehr kitzliger Punkt, wie ich der Alten antworten soll
wegen meines Verhältnisses zu Preußen. Es ist möglich, daß sie 5
ihr Geld herausrückt, wenn sie glaubt, meine Erbschaft sei von
Obrigkeit wegen bedroht. Es ist aber auch möglich, daß sie — da
sie mir ihr Testament zu machen scheint — dann alles unter die
Obhut des Holländers1) stellt, was mir keineswegs zusagt. Que
faire dans cette situation? Sie schreibt, ihre Stunden seien gezählt, w
Ich halte das aber für Redensart. Sie wollte wahrscheinlich von
mir nach London eingeladen sein, und ich hätte das positiv getan,
aber grade jetzt brauche ich meine Zeit. Während der letzten zwei
Monate konnte ich kaum arbeiten, und die Sache mit dem Duncker
wird dringend. «
An die Tribune habe ich in der letzten Zeit viel geschrieben,
um mein Konto etwas in die Höhe zu treiben, aber der Stoff geht
verdammt aus.Indien ist nicht mein Departement. Über Cherbourg
hätte ich allerlei politische Witze machen können; doch bin ich
militärisch zu unwissend, um der Sache einen fond zu geben. Mir, 2«
das ist aber ein ganz subjektives Urteil, vielleicht bloß Vorurteil,
scheint Cherbourg ein bloßer dodge, wie alle Großtaten von
Boustrapa, bloßer slight of hand. Wenigstens hatte der Moniteur
selbst einige fatale Andeutungen, daß die militärischen Autoritäten
den Punkt keineswegs für glücklich gewählt halten und eine Masse 2«
Detaileinwürfe gegen die Anlage der Werke selbst gemacht haben.
Außerdem ist es far from being finished und stellt in seinem
jetzigen Zustand viel mehr etwas vor, das sein soll, als das ist.
Das einzige, was ganz fertig ist, ist die große Reiterstatue von
Napoleon. In Zentralindien scheint mir die Sache mit dem Fall 20
von Gwalior abgemacht. Die indischen Blätter sind alle sehr feind¬
selig gegen Campbell und machen seine „Taktik“ herunter.
Einliegend ein Brief von Lassalle. Ephraim Gescheit ist ein
kurioser Kerl. Während er von mir an immense deal of discrétion
verlangt und unendlich geheimnisvoll tut, erscheint die ganze 30
Schmiere im wesentlichen in der Kölner Zeitung. Etwas lächerlich
Renommistisches geht durch die Briefe des Manns. „Da richtete
ich etc. ein schneidend scharfes Mémoire etc.“ „Ich setzte Boeckh
und Humboldt in Bewegung.“ „Humboldt schrieb einen fulminan¬
ten Brief.“ „Ich selbst hatte eine äußerst rein deutsch«
geschriebne Immediatbeschwerde an den Prinzen.“ „Wahrhaft
foudroyante Anklagen gegen den Minister.“ „Dringende Bitte.“
„Ganz konfidentiell.“ „Meine größte Pistole.“ „Rettungslos.“
J) Philips
Z. 5-15.
31-32.
(535) 1858 Aug. 8 335
„Tiefste Verschwiegenheit und Diskretion.“ „Wenn das
nicht gut für die Wandläus ist etc.“
Unser Bürgers wird jetzt bald aus dem Gefängnis kommen. Seine
Hauptidee scheint zu sein, Vaterstelle bei den Kindern von Daniels
« zu vertreten und zu dem Behuf zunächst die Begattungsstelle bei
Frau Dlaniels] zu übernehmen. Letztre hat aber an Lina geschrie¬
ben, daß B[ürgers] nicht mit ihrem Mann zu vergleichen sei.
Apropos! Es wird den lupum interessieren zu hören, daß
Jennychen the first general prize in the first dass (in diesem Preis
io auch der für Englisch einbegriffen) erhalten hat und Lau¬
rachen den Akzessit. Sie sind die zwei Jüngsten in der Klasse.
Jennychen hat außerdem den französischen Preis erhalten.
Salut. Ich hoffe, gute Nachrichten von Deinem state of health
zu hören.
is Dein K. M.
Der Telegraph (einliegend) muß auch aufgehoben werden.
536. Engels an Marx; 1858 August 10.
Manchester, 7, Southgate, 10. August 1858.
Lieber Mohr,
2o Seit gestern wieder im Geschäft. Übrigens war ich nicht krank,
sondern bloß verwundet, surgically, die Wunde ist auch noch nicht
ganz geheilt, der Zweck aber erreicht. Vor nächster Woche werd
ich keinenfalls imstande sein, einen Tribüne-Artikel zu machen.
Wie ist’s mit der Appleton-Geschichte? Du wolltest mir einmal
2s zwei Briefe aus Amerika beilegen, aber hast es vergessen — be¬
zogen sie sich darauf? Ich werde in vierzehn Tagen wohl ins See¬
bad gehn, und da könnte einiges dafür geschanzt werden.
Der Brief von Ephraim ist in der Tat wunderbar. Wie kann ein
Mensch so dumm sein, so etwas schwarz auf weiß aus der Hand
io zu geben. Das heißt sich doch zum Narren stempeln à perpétuité.
Lupus und ich gratulieren den beiden Mädchen zu ihren Er¬
folgen von ganzem Herzen. Der Alte war sehr fidel darüber. Mit
seinem Bein hapert’s noch immer. Borchardt hat die Geschichte
unbedingt falsch behandelt, und Lupus hat durch übertriebnen
35 Pflichteifer und überflüssiges Marschieren sich erst recht ver¬
dorben. Die Sache kann später weitere, wenn auch nicht ernsthafte,
doch unangenehme Folgen haben. Er war in Buxton und später in
Devonshire, wo er wieder schrecklich in schlechten Hotels aus¬
gestanden hat, nichts zu saufen bekam und kolossal geprellt wurde.
m Deiner Frau geht’s hoffentlich jetzt auch besser. Der Schneider
kann die Hälfte im Oktober bekommen.
Dein F. E.
Z. l(„Wean)-7.
16.
Nr. 536.
336
(537) 1658 Äug. 13
537. Marx an Engels; 1858 August 13.
13. August 1858.
Lieber Engels,
Es hat mich außerordentlich gefreut, daß meine Befürchtungen
wegen Deiner Gesundheit ungegründet. s
Die zwei Briefe, die ich Dir schicken wollte, waren einer von
Weydemeyer (Milwaukee, Wisconsin) und der andre von einem
A. Komp (New York), die beide in einem Kuvert ankamen. Ich
hatte sie auf den Tisch gelegt (meinen Schreibtisch), um sie in
den Brief an Dich einzulegen, vergaß es, konnte sie nachher nicht io
wiederfinden. Sie haben sich wahrscheinlich in eines der vielen
umliegenden Hefte verkrümelt und weiden beim Nachblättem
wieder erscheinen.
Von der Cyclopädie weiß ich nichts. Nur habe ich den zweiten
Band in der „Tribune“ annonciert gelesen. Sie erscheint also fort, is
und wenn Du Muße1* hast, kannst Du gelegentlich mit C voran¬
gehn. Nur sind dabei zwei Umstände: 1. kann ich in diesem
Moment nicht aufs Museum; 2. ist mir unmittelbar vorteilhafter,
wenn mein Guthaben an die Tribune wächst. In letztrer ist
schon kleiner Ausfall seit der Abwesenheit meiner Frau, und ich zo
kann überhaupt jetzt nicht zweimal an sie selbst schreiben, da ich
solche Gegenstände, wie Indien, Montenegro, China und Bonapar¬
tes militärisches Eisenbahn- und Cherbourgsystem, nicht behan¬
deln kann. Sobald es Deine Zeit (und, of course, ohne Harm für
Deine Körperlichkeit) erlaubt, ist es mir daher am liebsten, wenn 25
Du für die nächste Zeit öfter für die Tribune schreibst, on any
subject whatever.
Meiner Frau tut die See sehr wohl; Anfang dieser Woche läßt
sie alle Kinder mit Lenchen herüberkommen. Dies ist so far good.
Das Schädliche dabei ist nur, daß ich sie, under these circum- 30
stances, kaum länger als nächste Woche noch dort lassen kann. Sie
hat sich geistig sehr erfrischt, ist aber körperlich (Nervengestäikt-
heit abgesehn) noch nicht wieder, wie sie sein soll. Sie hat in
Ramsgate Bekanntschaft mit feinen und, horribile dictu, geist¬
reichen Engländerinnen gemacht. Der Umgang mit ihresgleichen, 3»
nach jahrelangem Genuß von schlechter oder gar keiner Gesell¬
schaft, scheint ihr zuzusagen.
Hast Du in der Times die Kritik über Gladstones Buch über
Homer gelesen? Es ist manches Amüsante dadrinnen (in der Kri¬
tik). Ein Werk wie das von G[ladstone] ist übrigens charakte- <0
ristisch für die Unfähigkeit der Engländer, in „Philologie“ zu
machen.
M Im Orig. Muse
Z. 4-13.
(537) 1858 Aug. 13
337
Mit dem trade in Manchester ist es wohl wieder looking up?
Die Welt hat seit den letzten Wochen überhaupt sich wieder ver¬
dammt optimisiert.
Herr Pyat, den immer noch der Kummer drückt, daßbei den
s letzten politischen Verfolgungen sein Name nicht den gehörigen
Raum einnahm, hat einen neuen „lettre“ über seinen „lettre“ ans
Parlament, enthaltend Verteidigung des „Fürschtenmordes“,
drucken lassen. Um die Regierung zur Verfolgung zu zwingen, hat
er ein Polizeivergehn verübt, nämlich den Wisch ohne Namen des
io Druckers erscheinen lassen. Aber die Regierung ist unerbittlich.
Pyat soll nicht zum Märtyrer, nicht einmal zu 2 sh. 6 d. nebst
costs vom Magistrat verdammt werden. Le pauvre Sire!
Grüß lupum bestens.
Dein K. M.
538. Marx an Engels; 1858 August 18.
18. August 1858.
Lieber Engels,
Wenn es Dir irgend möglich, schicke bis Freitag one article
über Indien oder Cherbourg. Ich kann absolut nicht
somehr vorangehn ohne solchen Zwischendish. Wie ich auf
dem Trocknen sitze, siehst Du daraus, daß ich gestern (über den
Umweg von Ramsgate, wo die Sache kopiert wird) über Cuba-
slavetrade schrieb. Andrerseits ist es mir grade jetzt wichtiger als
je, meinen Kredit etwas aufzuschrauben.
ss Salut.
Dein K. M.
Apropos! Nicht direkt, sondern durch den Kanal Liebknecht,
der wieder einen andern Kanal angewandt hat, habe ich die
Annonce Kinkels über die Fahrt an die lakes in der „Neuen Zeit“
3o (Londoner deutsches Blättchen) gebracht. Die Sache hat Skandal
gemacht. Kinkel leugnet jetzt. Wichtig, daß Du mir darüber
schreibst.
539. Marx an Engels; 1858 September 21.
September 21. 1858.
35 9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Dear Frederick,
Das lange Schweigen mußt Du mit gewohnter Langmütigkeit
entschuldigen. Das Unwohlsein, woran ich litt, bevor ich noch
*) Im Orig, daß er
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 22
Nr. 538.
338
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Manchester verließ, war wieder — den ganzen Sommer durch —
chronisch, so daß alles Schreiben mir außerordentliche Über¬
windung kostet. So kommt es auch, daß erst jetzt mein Manuskript
fortgeht (in two weeks), aber zwei Hefte at once. Obgleich ich
nichts zu tim hatte, als schon Geschriebnes stilisieren, so kann ich j
oft stundenlang sitzen, ehe ich mit ein paar Phrasen zurecht¬
gekommen. Übrigens bin ich seit about eight days viel besser und
ist mir überhaupt die kältere Jahreszeit günstiger. Außerdem sind
viele Aussichten vorhanden, daß ich mit Hülfe meiner Mutter die
häuslichen Verhältnisse ganz regeln kann und auch horse exercise io
wieder beginnen. Letztres wird das erste sein, sobald Regulierung
der business erfolgt.
Unterdes habe ich sehr regelmäßig an die Tribune geschrie¬
ben, da ich diesen Kerls kein Geld schenken will.
Erkundige Dich einmal bei lupus oder (direkt oder indirekt) is
bei Borchardt, ob sie eine Frau v. Paula (vielleicht schreibt sie
sich Paulaw) kennen, die in Breslau gehaust? Ich werde Euch
dann Sonderbares berichten.
Von Bangya hatte ich (leider aber nur für ein paar Stunden)
ihn bezügliche Briefe aus Konstantinopel und ebenso Ausschnitte so
aus den Konstantinopeler Zeitungen in der Hand. Aus den Exzerp¬
ten in der Free Press wird die Sache nicht so klar. Es ist ganz
wieder die affaire mit dem „Chief des Hauses“. Kossuth scheint
direkt kompromittiert. Ich habe ihn jetzt in der Tribune sum-
moned to déclaré himself! 25
Apropos! Mit der Tribune hab ich einen guten Witz erlebt.
Als Kritik des Report des Committee über die letzte Krise schickte
ich ihr mehre Artikel, die sie als leader druckte, speziell bezüg¬
lich auf Bankwesen, currency etc. Nun kömmt ein banker, der sich
ein „bullionist“ zu sein rühmt, mit einem Brief in der T r i b u n e, 30
worin er 1. sagt, es sei nie ein so comprehensive summary des
ganzen Gegenstandes penned worden etc., 2. aber allerlei Einwürfe
erhebt und die Redaktion auffordert, ihm zu antworten. Die poor
devils mußten also antworten, und indeed very sad work haben
sie verrichtet. Solche Inzidenzen sind mir aber günstig.
Unser Freund Jones has decidedly sold himself (but at the
lowest possible price) to the Bright coterie. Der Esel hat sich
politisch ruiniert, ohne kommerziell sich zu retten. Ich werde die
ihn bezüglichen Papiere aus Reynolds ausschneiden und Dir
schicken. Wie wenig ihm aber die Apostasie genützt — (er hat 40
das People’s Paper den Moming Star-Leuten verkauft; hat selbst
nur noch zwei Spalten in dem Blatt; übrigens schon voller Krakeel
mit den neuen Verbündeten wegen der Geldbedingungen) — der
Bursche predigt union of the middle- and working classes —
siehst Du daraus, daß er vorgestern bei Freiligrath, dem er einen
z.8-12.
19-2S 1
36—45 —
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deutschen Brief zum Lesen einhändigte, worin er ihn um 4 £ St.
anspricht, da er sonst „eingesperrt“ würde. Freiligrath sagte ihm,
sich zu adressieren „to our friend Gilpin“. Dieser Gilpin nämlich
managing director der Switzerlandbank und des Blattes, worin
5 Jones sich inkorporiert hat.
Wenn Du irgend Zeit hast, so schreibe anything für Freitag.
Über den chinesischen Vertrag hab ich gestern geschrieben.
Lina stays jetzt bei uns, da sie ihre Stelle wieder verloren.
Salut. Gruß an lupum.
io Dein K. M.
Du mußt es unter allen Umständen so einrichten, daß Du Weih¬
nachten oder Neujahrszeit für ein paar Tage herkommst.
Nach dem letzten Bericht des Economist hat der franzö¬
sische Handel sich eher verschlechtert als verbessert seit den letz-
15 ten Monaten. (Gib Einliegendes an Lupus.)
540. Engels an Marx; 1858 Oktober 7.
Mandiester, 7. Oktober 1858.
Lieber Mohr,
Du wirst wohl morgen über die Canning-despatch schreiben,
no the thing is out of my latitude altogether, ich habe in der letzten
Zeit die Zeitungen sehr unregelmäßig gelesen und viel zu tun, da
Ermen seit vierzehn Tagen drüben ist und ich die ganze Sauce
allein auf dem Halse habe. Das Geschäft hier geht ganz kolossal
gut, seit sechs Wochen verdienen die Spinner 1 d. à 1% d. pro
« Pfund in grober und Mittelnummer mehr, als sie seit drei Jahren
verdient haben, und das Unerhörte ist passiert, daß der Markt in
Garnen hier 1 d. in die Höhe ging, ehe die Liverpooler % d. mehr
für Baumwolle bekommen konnten. Seit zehn bis zwölf Tagen
ist etwas Stockung im Aufschlag, aber die Spinner sind alle für
so längere Zeit engagiert und die Nachfrage ist noch immer stark ge¬
nug, um die Preise vollständig zu halten. Wenn das noch einige
Zeit so vorangeht, so werden die Movements für Lohnheraufsetzung
anfangen. In Frankreich verdienen die Baumwollspinner auch seit
einiger Zeit mehr als in den letzten Jahren (dies ist sicher, ich hab’
35 es von einem Baumwollagenten, der selbst drüben war) ; wie es
im übrigen Commerce dort aussieht, weiß ich nicht genau, aber der
Stand der Börse spricht für wesentliche Besserung. Alles das sieht
verdammt optimistisch aus, und der Henker weiß, wie lange das
noch dauert, wenn nicht auf Indien und China hin tüchtig über-
io produziert wird. In Indien muß der Commerce jetzt famos florie¬
ren, die vorletzte Bombay-Mail brachte Verkäufe — für vierzehn
22*
Z. -1-5.
13-15.
340
(540) 1858 Okt 7
Tage — von 320000 Stück Baumwollgewebe, und die letzte wieder
100 000. Die Kerle haben schon alles auf Lieferung verkauft, von
dem sie eben erst wußten, daß es in Manchester eingekauft und
noch nicht einmal verschifft war. Indien und China scheinen
mir, nach den Redensarten der hiesigen Philister und dem Stande 5
des Marktes, den nächsten Vorwand zur Überproduktion abgeben
zu sollen, und wenn der Winter gut wird, so ist sicher zu erwarten,
daß im Frühjahr auch das liederliche Kreditgeben und die Wech¬
selreiterei wieder flott in Gang kommen.
Die Geschichte mit Jones ist sehr ekelhaft. Er hat hier ein Mee- w
ting gehalten und ganz im Sinne der neuen Allianz gesprochen.
Nach dieser Geschichte sollte man wirklich fast glauben, daß die
englische Proletarierbewegung in der alttraditionell-chartistischen
Form ganz zugrunde gehen muß, ehe sie sich in einer neuen, lebens¬
fähigen Form entwickeln kann. Und doch ist nicht abzusehn, wie is
diese neue Form aussehn wird. Mir scheint übrigens Jones’ new
move, in Verbindung mit den früheren mehr oder weniger erfolg¬
reichen Versuchen einer solchen Allianz, in der Tat damit zu¬
sammenzuhängen, daß das englische Proletariat faktisch mehr und
mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es 20
schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Ari¬
stokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie
zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist
das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt. Hier können nur ein
paar grundschlechte Jahre helfen, und diese scheinen seit den 2s
Goldentdeckungen so leicht nicht mehr herzustellen. Ich muß
übrigens doch sagen, daß mir die Art und Weise, wie die über¬
produzierte Masse, die die Krise hervorrief, absorbiert worden ist,
durchaus nicht klar ist; ein so rascher Abfluß einer so heftigen
Sturmflut ist noch nie dagewesen. 30
Durch Jones’ Manöver wird Reynolds eine hervorragende Per¬
son; er ist der einzige „Gebildete“ (vulgo „Gelehrte“), der sich
noch ostensibel zum Repräsentanten des Proletariats aufwirft —
au fond grade so bürgerlich wie Monsieur Jones jetzt, bloß in
andrer Weise. Für ihn ist das ein godsend. Schick mir doch die 35
versprochenen Ausschnitte aus seinem Paper.
Mit Lupus’ Bein hapert’s noch immer, er kann rasches Gehn
noch immer nicht ohne üble Folgen vertragen, indes geht er doch
wieder so leidlich.
Der kleine deutsche Poetaster, der in der Augsburger vorigen w
Sommer seine Abenteuer bei Kinkel und Freiligrath beschrieb,
heißt Isaak Levi alias Julius Rodenberg und ist ein Schulkamerad
von Gumpert.
Wenn ich irgend kann, komme ich Weihnachten herüber. Es ist
sehr famos, daß Du mit Deiner Alten die Geldsachen arrangieren «
Z. 35 (Schick)—39.
(540) 1858 Okt. 7
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wirst. Hoffentlich ist das in der Zwischenzeit geschehen oder doch
sichergestellt worden? Ich schreibe heute an Freiligrath wegen des
Wechsels.
Herzliche Grüße an Deine Frau und die Mädchen.
s Dein F. E.
Ist das Manuskript fort?
541. Marx an Engels; 1858 [Oktober 8].
Freitag. London 1858.
Dear Frederick,
io Du erhältst heute zwei Sendungen at once, da das Zeug nicht
alles in einen Brief ging. Es besteht:
1. Auf Jones Bezügliches aus Reynolds ausgeschnitten. Du
selbst wirst sehn, wo R[eynolds] facts und auf facts gegründetes
Urteil bringt und wo er seinem Gift Luft macht. Rteynolds] ist ein
15 viel größrer Schuft wie Jones’, aber er ist reich und ein guter Spe¬
kulant. Das bloße fact, that he has tumed an out-and-out Chartist,
zeigt, daß diese Position still „einträglich“ sein muß. Jones’ Rede
in Manchester habe ich gelesen. Du konntest, da Du seine frühren
speeches in Greenwich etc. nicht gesehn, auch nicht finden, daß er
20 hier schon wieder einen tum macht und die „Allianz“ wieder mehr
in Einklang mit seinem frühren Auftreten zu bringen sucht.
2. Pyats neuen „lettre“, der einen oder zwei facts enthält, die
interesting, sonst in der alten Weise. Die Randstriche sind von
meinem baby hineingesudelt, haben also keine auf den Inhalt be-
25 zügliche Bedeutung.
3. Herm Mazzinis neues Manifest. Ganz der alte Esel. Nur ist
er jetzt so gnädig, das Salariat nicht mehr als absolute und letzte
Form zu betrachten. Nichts ist komischer als der Widerspruch, daß
er einerseits sagt, in Italien sei die revolutionäre Partei organisiert
io in seinem Sinn, andrerseits beweist in „seiner“ Art, daß nicht nur
die Nation hinter ihr steht, sondern auch alle äußern Chancen des
Erfolgs gegeben sind — und schließlich nicht erklärt, warum
Italien trotz Dio e Popolo Mazzini into the bargain ruhig bleibt.
4. Ein kleiner Ausschnitt aus dem Cincinnati Hochwächter, ent-
35 haltend einen Brief des „Generals“ Willich.
Bei der optimistischen Wendung des Welthandels at this mo¬
ment (obgleich die ungeheuren Geldakkumulationen in den banks
von London, Paris und New York beweisen, daß die Sache noch
bei weitem nicht all right sein kann) ist es wenigstens tröstlich, daß
/<>in Rußland die Revolution angefangen hat, denn als
solchen Anfang betrachte ich die Zusammenberufung der „Nota¬
bles“ nach Petersburg. Ebenso stehn in Preußen die Sachen
342
(541) 1858 OkL 8
schlimmer wie in 1847, und die lächerlichen Delusions as to the
middleclass propensities of the Prince of Prussia werden in In¬
grimm verpuffen. Es wird den Franzosen nichts schaden, wenn sie
sehn, daß die Welt auch ohne sie „mov’t“ (pennsylvanisch).
Gleichzeitig sind außerordentliche Bewegungen unter den Slaven, *
namentlich in Böhmen, die zwar konterrevolutionär sind, aber doch
Ferment der Bewegung bieten. Der russische Krieg von 1854/55,
so lausig er war, und so wenig seine Resultate die Russen beschä¬
digten (vielmehr nur die Türkei), hat jedoch offenbar die jetzige
Wendung der Dinge in Rußland beschleunigt. Der einzige Um- w
stand, der die Deutschen in ihrer revolutionären Bewegung ganz
zum Trabanten von Frankreich machte, war Rußlands attitude.
Mit innerer Bewegung in Moscovy hört dieser schlechte Witz auf.
Sobald sich die Sache dort etwas sichtbarer entwickelt, werden wir
Beweis bekommen, was der brave Regierungsrat Haxthausen sich w
alles von den „Behörden“ und den von den Behörden dressierten
Bauern hat aufbinden lassen.
Wir können es nicht leugnen, daß die bürgerliche Gesellschaft
zum zweitenmal ihr sechzehntes Jahrhundert erlebt hat, ein sech¬
zehntes Jahrhundert, von dem ich hoffe, daß es sie ebenso zu Grabe
läutet, wie das erste sie ins Leben poussierte. Die eigentliche Auf¬
gabe der bürgerlichen Gesellschaft ist die Herstellung des Welt¬
markts, wenigstens seinen Umrissen nach, und einer auf seiner
Basis ruhenden Produktion. Da die Welt rund ist, scheint dies mit
der Kolonisation von Kalifornien und Australien und dem Auf-
Schluß von China und Japan zum Abschluß gebracht. Die schwie¬
rige question für uns ist die: auf dem Kontinent ist die Revolution
imminent und wird auch sofort einen sozialistischen Charakter an¬
nehmen. Wird sie in diesem kleinen Winkel nicht notwendig
gecrusht werden, da auf viel größerm Terrain das movement der 30
bürgerlichen Gesellschaft noch ascendant ist?
Was China speziell betrifft, so habe ich midi versichert durch
genaue Analyse der Handelsbewegung seit 1836, erstens daß
der Aufschwung des englischen und amerikanischen Exports
1844—1846 sich 1847 als reiner Schwindel nachwies, und daß 35
auch in den folgenden zehn Jahren der Durchschnitt beinahe sta¬
tionär geblieben ist, während der Import von China in England
und Amerika außerordentlich wuchs; zweitens die Eröffnung
der fünf Häfen und die Besitznahme von Hongkong hatte nur die
Folge, daß der Handel von Kanton nach Schanghai überging. Die
andern „Emporiums“ zählen nicht. Der Hauptgrund der failure
dieses Markts scheint der Opiumhandel zu sein, auf den in der Tat
aller Zuwachs im Exporthandel nach China sich fortwährend be¬
schränkt; dann aber die innere ökonomische Organisation des Lan¬
des, seine minute agriculture usw., die niederzubrechen enorme 45
(541) 1858 Oki. 8
343
Zeit kosten wird. Der jetzige treaty Englands mit China, der meiner
Ansicht nach von Palmerston in Verbindung mit dem Kabinett von
Petersburg ausgearbeitet und dem Lord Elgin auf die Reise mitge¬
geben wurde, ist a mockery from beginning to end.
« Kannst Du mir Deine Quellen über den progress der Russen in
Zentralasien angeben? Ich werde den Aufsatz jedenfalls für die
„Free Press“ benutzen.
Meine Mutter ist plötzlich und unerwartet in ein mir unerklär¬
liches Stillschweigen zurückgesunken. Ich denke fast, daß dritte
19 Personen in die Quere gekommen sind. Doch die Sadie wird sich
aufklären.
Gruß an lupus.
Dein K. M.
542. Engels an Marx; 1858 Oktober 21.
» Mandiester, 21. Oktober 1858.
Lieber Mohr,
Ich bin diese vierzehn Tage very much put out of the way ge¬
wesen mit allerhand Lappalien und Lausereien, Krakeel in meinen
Lodgings, die zur Notwendigkeit des Ausziehens führen, und was
» daran bummelt, dazu eine Masse andrer Lumpengeschichten. Idi
hab’ auch noch nicht einmal neue lodgings gefunden und werde
vor Ende nächster Woche schwerlich aus dem trouble kommen.
Für die Geschichten wegen Jones, Mazzini und Pyat nebst dem
„enthusiastischen General“sehr verbunden. Letzterer scheint sich
« ganz dem ordinären deutsch-amerikanischen Dusel hingegeben zu
haben, habeat sibi er möge sich drin begraben lassen. Quoad
Jones, so ist der Reynolds mit seinen facts doch etwas knapp und
setzt einige nähere Bekanntschaft voraus mit den vorgefallenen
Sachen. Nachdem Mons. Jones sich schon lange so kommun be-
Mnommen, ist diese schließliche Wendung kaum überraschend.
Aber sich so wegzuschenken ! Duncombe hat sich doch wenigstens
seine Schulden bezahlen und außerdem gut stellen lassen.
Pyat und Mazzini zeichnen sich wirklich selbst gegen früher
durch überraschende Geistesarmut aus.
« Die Aussichten für Herm Rudolf Schramm scheinen sehr
schlecht zu sein. Der Unteroffizier läßt Zeitungen konfiszieren nach
wie vor und scheint nach den telegraphischen Depeschen nicht ein¬
mal gestern auf die Verfassung geschworen zu haben. Jedenfalls
wird der Freudendusel, den sich die preußischen Bourgeois gegen-
m seitig angelogen haben, sehr bald verrinnen, aber ich bin auch
*) August Willich
Z.12.
Q44
(542) 1858 Okt. 21
Deiner Meinung, daß damit die Sache noch nicht zu Ende ist. Über
den Gang der Geschichte bin ich indes noch nicht im klaren. Die
Bourgeoisie scheint mir noch nicht so sehr über 1848 und 1849
beruhigt, daß sie Courage genug hat, einerseits gegen Aristokratie
und Bureaukratie, andrerseits gegen proletarische Regungen «
gleichzeitig Front zu machen. Möglich indessen, daß, solange in
Frankreich nichts los ist, die proletarische Bewegung eine Zeitlang
noch- zu wenig drohend erscheint, um viel einzuschüchtem ; aber
dann muß sie auch verdammt langsam gehn. Wenn in Frankreich
nichts passiert, was beim Aktienstand des Crédit mobilier jetzt 10
wohl nicht zu erwarten, könnte sich allerdings in Preußen eine der
italienischen 1846—48er ähnliche Bewegung mit proletarischem
Hintergrund bilden, sonst aber fürchte ich, daß die Bourgeois
wieder rechtzeitig einlenken.
Die russische Geschichte macht sich sehr gut. Jetzt sind die «
Kerle auch im Süden im Krawall. Apropos! Kannst Du mir von
Tchorzewsky, oder wer jetzt Herzens Agent ist, einige seiner neue¬
sten Publikationen verschaffen? Diese müssen doch einiges ent¬
halten, z. B. seineToJiocH H3i> Poccift1) (Stimmen aus Rußland)
und der Kojiokojiœ> (Glocke). Es wäre da vielleicht Material zu 2®
finden, wenn auch schwerlich viel, aber doch hie und da in Korre¬
spondenzen usw.
Meine Quelle für die zentralasiatische Schmiere ist ein neues
Heft von Brockhaus „Unsere Zeit“ (die aus dem Preußischen
Wochenblatt abgeschrieben hat) und Petermanns geogra-24
phische Mitteilungen. Die Sachen sind alle aus russischen offi¬
ziellen Publikationen. Wenn es Dir darum zu tun ist, kann ich
über den russischen Vertrag mit China (welche Blamage für Eng¬
land und Frankreich!) für Dienstag oder so einen Artikel machen,
d. h. wenn mein Exodus nicht dazwischen tritt. Laß mich das &
wissen und gib mir noch einige Glossen über den von Dir vermute¬
ten Zusammenhang des Elgin-Vertrags mit Rom. Vielleicht hast
Du indes dies schon selbst verarbeitet?
Indien ist jetzt ganz aus meiner latitude. Darüber ist militä¬
risch gar nichts mehr zu sagen. Nicht einmal ein Überblick kann «
über die Ereignisse eines Monats gemacht werden, so desultorisch
ist alles. Ich bin überhaupt in Verlegenheit, worüber ich Dir Ar¬
tikel schicken soll.
Wie steht’s mit dem Manuskript für Duncker? Now’s your
time. Das neue Ministerium, das jedenfalls kommt, wird wahr- «
scheinlich doch etwas mehr Scheu haben, mit Konfiskation einer
wissenschaftlichen Schrift zu debütieren. Ich hoffe,
es ist fort. Laß mich das aber doch positiv wissen, zur Beruhigung
*) Richtig Tojioca H3t Poccin.
Z. 34-38.
(542) 1858 Okt. 21
345
auch für Lupus. Letzterer war vorigen Sonntag bei mir schwer be-
kneipt, wurde aber sicher nach Hause eskortiert. Sein Bein ist seit¬
dem wieder etwas schlimmer, er wird sich gestoßen haben.
Im Commerce ist hier seit vier Wochen eine Stockung einge-
« treten, während welcher die Spinner durch Abschlag vom Gam und
Aufschlag von Baumwolle Yz d. per Pfund von ihrem Profit ver¬
loren haben. Sie machen indes noch immer ein gutes Geschäft,
und wenn Baumwolle wieder etwas fällt, was wohl möglich ist,
kann der geringste Zuwachs von Nachfrage ihnen die alte Stellung
io wiedergeben. Es zeigen sich auch schon hier und da Spuren von
Arbeiterbewegungen für höheren Lohn, und wenn das gute Ge¬
schäft fortdauert, so werden sie stärker kommen.
Wie macht sich die Geschichte mit Deiner Alten? Beste Grüße
an Deine Frau und Kinder.
is Dein F. E.
543. Marx an Engels; [1858 Oktober 29].
Freitag.
Lieber Engels,
Ich habe heute keinen Moment zu verlieren, da es schon zwei
20 Uhr und noch der Artikel nicht begonnen. Ich schreibe Dir bloß
diese Zeilen, um Dir mitzuteilen, daß Du nächste Woche etwas
schicken mußt. Zwei Artikel jede Woche nimmt mir enorm Zeit
weg, um Material aufzutreiben. Schreib über China. Dann ein
andrer Stoff der lächerliche Artikel der heutigen Times über
2s die Rifled-Cannons.
Gestern nach jahrelangem Schweigen Brief von Pieper erhal¬
ten— aus dem Hospital von Dalston (London).
Meine Mutter mir einen abgeschmackten Brief geschrieben. Sie
verschiebt die Auseinandersetzung auf den Moment, wo ich
so sie besuchen „werde“. Offenbar haben Dritte interferiert.
Manuskript noch nicht fort und kann, trotz Lupus, vor Wochen
nicht fortgehn.
Dein K. M.
544. Marx an Engels; 1858 November 2.
2. November 1858.
Dear Frederick,
Montalembert will do. Gestern schrieb ich über die Por¬
tugalgeschichte des Quasimodo.
Z. 1—12.
Nr 543.
Nr. 544.
346
(544) 1858 Nov. 2
Einliegend erhältst Du Werke des großen Blind, der jetzt als
vereinigter Volksfreund wirkt, auch die 100 £ St. ihm von
Kinkel überwiesen. Heb das Zeug auf. Du wirst sehn, wie hoch
Pyat und Mazzini noch über diesen teutschen Demokraten an Stil
etc. stehn. Zugleich hat Blind das in der Mannheimer Abend- $
zeitung gelernte Handwerk auch hier begonnen. Durch ein paar
Bekannte in Hamburg läßt er den englischen Blättern
Briefe (von ihm verfaßt) zuschicken, worin von dem Aufsehn ge¬
sprochen wird, das seine anonymen Flugschriften machen. Seine
Freunde schreiben dann wieder in die deutschen Blätter, welches
Wesen die englischen Zeitungen machten von etc. Dies, siehst Du,
heißt Mann der Tat sein.
Pieper „unselig“ besucht im Hospital. Hat syphilitische Pest¬
beule an der Stirn. Sonst der Alte. Wird wohl nicht auskuriert
sein vor Ende Dezember. Bezweckt dann Reise nach Hannover. »
Ich habe Zahnweh vom Teufel und kann daher heute nicht wei¬
ter schreiben.
Grüße Lupum.
Dein K. M.
545. Marx an Engels; 1858 November 10.
10. November 1858.
Dear Frederick,
Seit zehn Tagen scheußliche Zahnsdimerzen und Geschwüre im
ganzen Maul, d. h. Entzündungen von Zahnfleisch etc. Hence very
bad humour, da dies mir noch zu den andern Störungen hinzu- »
kommt.
Deinen Artikel gestern abgeschickt für Freitag, da ich an
dem Tag keinen geschickt hatte; ich selbst schrieb über das neue
preußische Ministerium. Habe jetzt ungefähr sechs Artikel d. d.
Berlin über Preußen der Tribune geschickt. Ich glaube daher»
nicht, daß Du für nächsten Dienstag any new matter über Prussia
haben kannst. Ein Punkt, worüber zu schreiben wäre, worüber ich
aber fürchte, unser common material goes not very far, wäre die
Entwicklung der Industrie in Preußen seit zehn Jahren. Aber
whence den „Stoff“ bekommen? Über „Japan“, glaube ich, wissen »
die Yankees mehr wie wir, obgleich in der Tat ihr Wissen immer
sehr flach ist. Die hohen Politiker (z. B. Herr Pulszky1* in der
Tribune) schwatzen allerlei von möglichem Krieg zwischen
Ostreich einerseits, Bonaparte und Piedmont andrerseits in Italien.
Ich halte das alles für Blödsinn. Wäre es aber nicht überhaupt gut,»
9 Im Orig. Pultzky
Nr. 544.
(545) 1858 Nov. 10
347
einmal etwas Vernünftiges zu sagen über die militärische
Stellung Bonapartes zu Deutschland überhaupt? Wenn Dir der
Gegenstand nicht scheint, so nimm irgend etwas, Frankreich oder
Russia oder anything eise.
s Ich hatte vergessen, Dir die Blindschen „Flugschriften“ einzu¬
legen. Leider finde ich die allerblödsinnigste, den „Aufruf an
Schleswig-Holstein“ nicht. Doch, da ist er endlich. Zudem erhältst
Du eine Rede aus der Londoner „Neuen Zeit“ von dem Clown
Edgar Bauer. Heb die Sachen auf.
io Ich habe nächste Woche über ein Pfund Zinsen im Pfandhaus
zu zahlen. Da es mir unmöglich ist, jetzt gleich auf die Tribune
zu ziehn, wäre es mir lieb, wenn Du das Pfund schicktest.
Schreib mir ausdrücklich Dein Gutachten über Herm E. Bauers
„Philosophie der Geschichte“.
io Salut. Grüße Lupum.
Dein K. M.
546. Marx anEngels; 1858 November 24.
24. November 1858.
Dear Frederick,
20 Ich habe gestern über Preußen geschrieben. Also steht Dir für
Freitag die ganze übrige Welt offen.
Das -£ 1 erhalten. Der1) „spezifische“ Dreck, worin ich midi in
diesem Moment befinde, rührt daher, daß ich gezwungen war at
once über 8 St. dem Zeitungsmann zu zahlen, der mir für länger
26 als ein Jahr kreditiert hatte. Idi bin so blank, was in dieser Witte¬
rung nicht comfortable. In Trier scheint meine Schwester diesmal
die ganz rationellen intentions meiner Mutter durchkreuzt oder
wenigstens their réalisation ins Unbestimmte provoziert zu haben.
Blind war hier mit Gattin vorgestern. Ich hatte diese family seit
30 länger als einem Jahr nicht gesehn. Von ihnen erfuhr ich dann
verschiednen Klatsch:
1. Frau Kinkel hat sich letzten Montag vor acht Tagen aus dem
Fenster gestürzt, ist seitdem begraben worden. Gottfried, mit ihm
eigner Erhabenheit, wohnte ihrer Sektion bei und hielt eine „Rede“
35 an ihrem Grab. Freiligrath ist so gerührt, daß er für wenigstens
vierzehn Tage mich als „Frivolen“ vermeiden wird.
2. Fröbel ist hier. Hat reiche Frau geheiratet. Kehrt nach
Amerika zurück. Rußland und Amerika müssen nach ihm die
Welt teilen. Er fühlt sich sehr erhaben auf diesem Standpunkt,
w schwärmt für amerikanischen „Luxus“ und Gentlemanlikeness,
verachtet die Deutschen und beweist ihnen dies faktisch, indenrer
O Im Orig, irrtümlich Die
Z. 22-28.
30 (dann)—31.
33-36.
348
(546) 1858 Not. 24
den deutschen Sklavenhandel nach Zentralamerika treibt. Es ist
gottvoll, daß ein solcher Rudolstadter, weil ihm die bürgerliche
Gesellschaft in ihrer amerikanischen Realität imponiert, „weiter“
zu sein glaubt als der „rest of Europe“. Diese Hunde verlangen
alle nur, sobald sie have found their bread and cheese, einen bla- i
sierten Prätext, um dem Kampf valet zu sagen.
3. Rindvidi Ruge hat bei Prutz bewiesen, daß „Shakespeare
kein dramatischer Dichter“, weil er „kein philosophisches System
hatte“, Schiller aber, weil Kantianer, ein truly „dramatischer
Dichter“ ist. Prutz darauf hat eine „Ehrenrettung Shakespeares“ w
geschrieben! Ferner hat Ruge in den amerikanischen Blättern
Moleschott für „einen dummen Esel“ erklärt, worauf Heinzen ihn
herausgeworfen aus dem Pionier, der alte Zotler nun aber seinen
Blödsinn ablagert im Anzeiger des Westens von Bornstein.
4. Der blödsinnige Ewerbeck ist seit zwei Jahren wieder in is
Paris, in beständiger Korrespondenz mit Blind. Hatte sich von
Rippentropp1) verleiten lassen, dessen Magd zu heiraten,fand dann,
daß erstrer letztre vögelte, dann Scheidung, Prozeß etc. Er war
Gehülfe bei einer Pariser Bibliothek, von den Pfaffen herausge¬
worfen. Schreibt, daß er nur noch 1200 fcs. besitzt, droht nach 20
England zu kommen, da er gehört vom Univers etc., daß in
letztrem Land „Sozialismus und Atheismus“ blühn.
5. Dr. Freund soll so herunter sein, daß er die Leute auf der
Straße um 1 sh. angegangen haben soll.
6. Lump Landolphe, der als Bettler wieder in England auf- 2»
tauchte, ist durch Blinds Vermittlung in einer deutschen Schule in
Bradford angestellt durch Dr. Bronner.
Salut.
Dein K. M.
547. Marx an Engels; 1858 November 29.
29. November 1858.
Dear Frederick,
Article erhalten. Very good. Ich habe quoad Bonaparte über
zweierlei in neuster Zeit geschrieben, die falsche shamprovocation
von England in der Portugalgeschichte, und wie der Kerl generally n
Waterloo nur so weit rächt, als es durch shamdemonstrations
innerhalb der „Grenzen der englischen Allianz“ und daher in fact
mit Erlaubnis der englischen Regierung möglich ist, in der Tat
aber Knecht von England ist. Zweitens über sein Edikt wegen der
com-granaries, wo dieser „Sozialist“ den ruinierend und wegen to
dem Knurren der peasantry gefährlich low prices of com abhelfen
0 Richtig Ribbentrop
Z. 15-27
(547) 1858 Not. 29
349
will, indem er eine künstliche Nachfrage auf Kosten der bakers
schafft. Generally, a very dangerous experiment this to raise the
price of com through govemment ukases. Verteurung des Brots
würde in den Städten mehr seiner Popularität schaden, als es auf
s dem Lande nützen kann.
Über das general rising der Bourgeoisie in Europa habe ich
nicht geschrieben. Im Preußen^ habe ich natürlich darauf ange¬
spielt. Über die russische Bauembewegung habe ich about zwei¬
mal in sechs Monaten geschrieben. Das zweitemal nur um nachzu-
io weisen, daß ich das erstemal die Diagnose richtig gestellt.
Über die Reformbewegung in England habe ich in neuster Zeit
bloß Brights meeting in Birmingham besprochen, und zwar war
der Kem der, that his programme is a réduction of the People’s
Charter to the Middleclass standard. Früher, vor about 8—12
is weeks (ich glaube, das Parlament sitzt sogar noch darüber), daß
Whiggism must dissolve and coalesce with Toryism into the party
of the aristocracy. Dies ist alles.
Meine Frau ist abschreibend am Manuskript, und vor Ende
dieses Monats wird es kaum abgehn können. Die Gründe dieser
«»Verzögerung: Große Intervalle von körperlichem Unwohlsein, was
jetzt in der kalten Wittrung auf gehört hat. Zu viel häuslichen und
finanziellen trouble. Endlich: ist die erste Abteilung umfang¬
reicher geworden, indem die beiden ersten Kapitel, von denen das
erste, Die Ware, gar nicht geschrieben war im Rohentwurf,
25 und das zweite, Das Geld oder die einfache Zirku¬
lation, nur in ganz kurzen Umrissen, weitläufiger ausgeführt
worden sind, als ich ursprünglich bezweckte.
Salut.
Dein K. M.
io Herr Edgar Bauer ist jetzt der reale und Herr Knote und Weit-
lingianer Scherzer der nominelle Redakteur der Londoner
„N e u e n Wei t“. Herr Edgar spricht natürlich viel von Herm
Edgar und seinen Vorlesungen bei den Arbeitern, indem er alles
auf Herm Edgar Bezügliche selbst schreibt. Dieser Clown hält es
35 nötig, einen revolutionären tum zu machen. Er hat präsidiert beim
Robert Blums Fest. In einem Aufsatz in der letzten Nummer ent¬
deckt der Clown, daß jetzt „der Imperialismus“ unter konstitutio¬
neller Form in Preußen eingeführt worden ist. Dieselbe Nummer
nicht uninteressant wegen eines Artikels aus Struves Sozialer Re¬
za publik, der jedoch hier von einem gewissen Feibel geschrieben,
und worin Freiligrath, bei Gelegenheit der amerikanischen Aus¬
gabe seiner Gedichte, sich as the true hero of the proletarian party
feiern läßt.
O Artikel von Marx in der N. Y. Tribune.
Z. 30-43.
350
(548) 1858 Dez. 11
548. Marx an Engels; 1858 Dezember 11.
11. Dezember 1858.
Lieber Engels,
Kannst Du bis Dienstag liefern etwa Bericht über Brights mee¬
ting, und zwar so, daß man sieht, that the writer was at Man- «
ehester?
Einliegend Kinkeliana. Freiligrath scheint zu glauben, daß,
weil Gattin Kinkel den Hals gebrochen hat, Gatte Kinkel ein gro¬
ßer Mann geworden ist, oder wenigstens ein edler. Kinkel hatte
das Begräbnis so melodramatisch organisiert — mit der „zittern- w
den Hand“ und dem „Lorbeerkranz“ etc. — daß Freiligrath, der
keinen Ton des Schmerzes in seiner Leier finden konnte bei den
„tragischen“ Ereignissen, sei es in der eignen Partei (wie Daniels’
Tod), sei es in der Welt generally (Cayenne, Orsini and so forth),
plötzlich den elenden Humbug ansingt. Aus dem Ausschnitt aus w
dem „Daily Telegraph“ siehst Du, wie die Koterie ganz ebenso
den Tod der nasty „bitterbösen Sieben“ ausbeutet (denn das war
die Affektierte, Kunstdurchtriebne, wesentlich nach Person; ihre
Gemeinheit zeigte sich z. B. glaringly in dem Undank gegen Strodt-
mann, gegen Frau von Brüning, nachdem sie ihr soviel Geld als so
möglich abgepreßt etc.), ganz wie das Mensch selbst „Kinkel’s hat,
shot through and through“, ausbeutete und von London nach
Deutschland schreibt: „Have you an idea what it is to be looked
upon as a sort of another to all emigrants?“ So schreibt das
Mensch zur Zeit, wo sie und Gottfried as a sort of beggar bei allen ss
Juden in der City herumhausierten.
Es ist noch etwas in F[reiligrath]s beschönigendem Brief an
mich, das mir mißfällt. Ich soll es als etwas Revolutionäres be¬
trachten, daß er gegen die Amnestiewut, d. h. in fact gegen Rudolf
Schramms Idiosynkrasie. Aber unser Ffreiligrath] hat sich vor 30
einigen Wochen in England naturalisiert und wäre in der
Tat ein Narr, wenn er, solang die angenehmen Crédits mobiliers
lassen, sich nach der Stellung eines schlecht bezahlten Kommis in
Deutschland zurücksehnte. Ich erinnre mich sehr lebhaft, daß zu
einer Zeit, wo schon von Amnestie gefaselt wurde, aber die Gene- &
ral Bank of Switzerland noch keinen Platz in den Royal Exchange
Buildings einnahm, Frau F[reiligrath] sehr ernsthaft mich zu be¬
reden suchte, keinen Widerspruch zu erheben gegen Annahme von
Amnestie.
Die Leute fühlen alle, that there is something moving again. «
Und drängen sich natürlich mit Freiheitsfahnen auf die Bühne.
Heb das einliegende Gedicht und Brief auf.
Hier im Haus sieht es more dreary and desolate out than ever.
Z.7-42.
(548) 1858 Dez. 11
351
Da meine Frau selbst kein Weihnachtsfest den Kindern bereiten
kann, statt dessen von allen Seiten mit Mahnzetteln gehudelt ist
und dabei Manuskript schreibt, und dazwischen nach der Stadt in
die Pfandhäuser laufen muß, ist die Stimmung außerordentlich
s düster. Zudem hat meine Frau ganz recht, wenn sie sagt, daß nach
alle der Misère, die sie durchmachen mußte, es in der Revolution
noch schlechter werden und sie das Vergnügen erleben wird, alle
Humbugs von hier drüben wieder Triumphe feiern zu sehn. Weiber
sind einmal so. Und das weibische Benehmen der Freiligraths etc.
io und andrer Bekannten erbittert sie mit Recht. Sie sagt à la guerre
comme à la guerre. Aber there is no guerre. Alles bürgerlich.
Salut.
Dein K. M.
549. Marx an Engels; 1858 Dezember 16.
ts London, 16. Dezember 1858.
Lieber Engels,
My best thanks. Wie gelegen das Geld kam, siehst Du aus ein¬
liegendem Schreiben, das gleichzeitig eintraf. Ich denke, Schapper
und ich und hundert andre wissen besser, was es heißt in London
2o „streiten“, als die „versprengten Männer“ am Grab der alten
Vettel. Die Geschichte von Heckscher muß weiter untersucht wer¬
den. Schön von Freiligrath, daß er zum Kinkelrevival das Signal
in Deutschland geblasen.
Zum Spaß für lupus habe ich ihm aus der Tribune einliegend
20 einige meiner Berliner gossipartikel ausgeschnitten und Deinen
Artikel über Montalembert, den Dana unter Paris stellte, so daß
wir in d e r Nummer der Tribune ganz Europa at once vertreten.
Salut.
Dein K. M.
so Bald wird lupus hören, daß das Manuskript fort ist, aber der
Teufel soll mich holen, wenn ein andrer mit dieser Lauseieber
unter bewußten Umständen noch so früh fertig geworden wäre.
550. Marx an Engel; [1858] Dezember 17.
17. Dezember.
u Dear Frederick,
2 erhalten mit thanks.
Diese Blindfabrikation (ganz die Art, wie er mir selbst erzählt,
daß sie Hecker machte) war mir bekannt, obgleich natürlich nicht
Z.9-10.
18-23.
36-38-
352
(550) 1858 Dez. 17
einige der angenehmen Details. D’abord ist dieser Tellegraph]
Mornfing] Expr[ess] redigiert von einigen englischen Sei¬
lers und alle seine telegraphischen Depeschen, wenigstens der
größte Teil derselben, ist abgedruckt von Londoner Morgen-
blättem. Das fact kann ich bezeugen, daß Blind in dem Mor- s
ning Advertiser eine falsche „Telegr. Despatch“
(von Brüssel datiert) eingeschmuggelt. Diese hat das Tel[e-
graph] M[orning] Exp[ress] sich of course sofort ange¬
eignet. Zweitens: Dr. Bronner ist nicht nur ein, sondern der
Agent von Blind, da er „keinen zweiten“ zu versenden hat. Ich m
glaube auch, daß er direkt die Missive an Lupus „verordnet“
hat, da Bronner keinen Schritt ohne obrigkeitliche Erlaubnis tut.
Heute kannst Du auch im Daily Telegraph lesen in der
Korrespondenz von Berlin: „Similar pétitions have been presented.
to the (Holstein) Diet by the German merchants resident at Brad- is
ford and Liverpool“. Die Betriebsamkeit dieser kleinen aus der
demokratischen Piß jauche ausgebrüteten badensischen Flöhe ist
rührend. Schon die Alten stellten allerlei erbauliche Betrach¬
tungen über die Flöhsprünge an.
Mit der Tribune habe ich eine Satisfaktion erlebt. Dieses 20
Lauseblatt hatte während Monaten alle meine Artikel über China
(eine völlige Geschichte des englisch-chinesischen Handels etc.)
als leaders gedruckt und sich sogar Komplimente darüber schrei¬
ben lassen1). Als aber endlich der offizielle Text des chine¬
sisch-englischen Vertrags kam, schrieb ich einen Artikel, worin ich 25
u. a. sagte, die Chinesen „würden nun die Einfuhr von Opium
legalisieren, ditto Importduty auf das Opium legen und lastly
wahrscheinlich auch die Opiumkultivation in China selbst er¬
lauben“ und so werde der „second opium war“ dem englischen
Opiumtrade und namentlich dem Indian Exchequer einen deadly 30
blow geben, sooner or later. Well! Der Herr Dana druckt diesen
Artikel als Artikel eines „Occasional Correspondent“ von London
und schreibt selbst einen seichbeutligen leader, worin er seinen
„Occasional“ Correspondent widerlegt. (Rather Montag)2)
nun im House of Commons haben Fitzgerald und Stanley im 33
Namen des Ministeriums wörtlich meine Voraussage bestätigt.
Ich schrieb also Dienstag als „Occasional Correspondent“ und
mokierte mich somewhat, natürlich in verhaltnem Ton, über
meinen „Berichtiger“.
Apropos! Mein Schwager8), ein guter, langer und langweiliger t0
Holländer, kommt nach Manchester in Geschäftsangelegenheiten.
Namentlich auch, um sich über die Zahlbarkeit gewisser Indivi¬
O Im Orig, lasse
8) Vor (Rather Montag) gestrichen Vorgestern
’) J. C. Juta
Z. - 1-19.
(550) 1858 Dez. 17
353
duen zu versichern. Schick mir Deine Privatadresse, da
er sich an Dich wenden will. Vermeide aber jede Anspielung auf
meine private aff airs.
Salut. Dein K. M.
s Philister Freiligrath kramt nun nach und nach allerlei aus über
den Gottfried. Erstens sendet G [ottfried] den Gerstenberg zu den
verschiednen merchants in die City. Sie sollten für den „Her¬
mann“ subskribieren. Der arme Mann müsse doch „leben“ und
den „A u s f a 11“ decken, der durch den Tod seiner Frau entstan-
io den. Zweitens erzählt er mir, daß G [ottfried] sogleich nach dem
Tod der Mockel bei ihm anfragte, ob (und wie groß) ein Ge¬
schäft mit ihrem Nachlaß bei Cotta zu machen sei? „Ich be¬
sitze einmal“, sagt G [ottfried], „die Gunst des Publikums“.
Möglich ist’s, daß Blind selbst wieder den Morning Ad-
«vertiser täuscht und durch Freund Schütz von Brüssel
falsche telegraphische Depeschen schicken läßt.
Cluß ist verheiratet mit einer Person, die er bei Dr. Wiss in
Baltimore kennen lernte.
Apropos! Der Bronner hat auf Blinds Empfehlung den Greck
io Landolphe als Schulmeister in Bradford untergebracht.
Herr Liebknecht hat den Edgar Bauer in den Arbeiter¬
verein eingeführt. I watch him.
551. Marx an Engels; 1858 Dezember 22.
22. Dezember 1858.
is Lieber Engels,
Ich habe gestern über Buchanans Message geschrieben — die
Kritik der englischen papers darüber reviewed. Es wäre mir sehr
lieb, wenn Du Freitag einen Artikel liefern könntest, etwa Camp¬
bells neuen Feldzug oder anything eise. Da vor Ende dieses Jahrs
io das Manuskript zu Duncker fort muß, ist mir jeder Zeitverlust
jetzt unersetzlich.
Salut. Dein K. M.
552. Marx an Engels; 1858 Dezember 28.
London, 28. Dezember 1858.
m Prost Neujahr!
Für Lupus ditto.
How with Servia?
Salut.
K. Marx.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 23
Z. 5-22.
Nr. 551.
Nr. 552.
354
(553) 1858 Dez. 30
553. Marx an Engels; 1858 Dezember 30.
30. Dezember 1858.
Dear Frederick,
Von Colonel Hodges — und dies reicht hin für Pams Beteili¬
gung in der serbischen Affaire — ist konstatiert, daß er eine Art «
von Palmerstonschem Bangya war.
Ich schreibe jetzt eine Zeitlang wieder ökonomische Artikel an
die Tribune und Preußen^, so daß Dir die ganze übrige Welt
offen steht. Außerdem habe ich gestern über Irland und die dor¬
tigen Conspiracies und Regierungsdodge geschrieben. So oft ich io
außer den oben benannten zwei Themas ein andres bearbeite,
werde ich es Dir immer anzeigen.
Sei so gut und schicke mir des Lupus Privatadresse.
Salut und zum zweitenmal, diesmal zeitgemäß, Prost Neujahr.
Dein K. M. u
0 Artikel über Preußen.
Z.4-6.
1S5?
554. Marx an Engels; 1859 Januar 6.
6. Januar 1859?)
Lieber Engels,
s Sei so gut und schicke mir die Adresse von Lupus.
Wenn Du mit Serbien getan hast, ist neuer Stoff ready in der
Landwehrveränderung (beabsichtigten) in Preußen, worüber ich
berichten muß. Die heutige Times, d. d. Vienna, enthält eine
ausführliche Erzählung des letzten Drecks in Serbien.
io Während Herr Edgar Bauer Redakteur unter the auspices von
Scherzer ist und sogar die „Klassengegensätze“ adoptiert und ver-
berlinert, gibt Herr Gottfried Kinkel, der das Kinkelrevival nicht
unbenutzt vorübergehn lassen durfte, eine Wochenschrift „Her¬
mann“ (wahrscheinlich nicht der Cherusker, sondern der Goethi-
is sehe Simpleton) heraus in London. Freiligrath, wie mir aus einigen
Zeilen an mich s ch e i n t, ist schon repentant wegen des begangnen
blunders. Wenn Du an ihn schreibst, so sage ihm (aber of course
sehr höflich, denn er klagt über den groben oder bur¬
schikosen Ton Deiner Briefe), daß in Manchester viel
20 von seiner Allianz mit Kinkel unter den Deutschen gesprochen
wird, während Du zugleich die Heckscher-Anekdote, Deinen Ge¬
währsmann anführend, einfließen lassen kannst. Es ist in diesem
Moment wichtig für uns, daß F[reiligrath] dezidiert mit
den Schweinhunden bricht.
a Apropos! Willich redigiert jetzt das Tumerblatt in Cincinnati.
Wurde als Redakteur daselbst „erwählt“. Nimmt die Bestellung
(die Cluß ihm wahrscheinlich verschaffte, um ihn los zu werden)
an in großartigem Sendschreiben, worin er sagt, jetzt sei die Zeit
für ihn, sich an die Spitze der Propaganda zu stellen, da das Volk
to einstweilen keiner militärischen Führung bedürfe.
Salut.
Dein K. M.
0 Im Orig, irrtümlich 1858
23*
Z. 12 (der)—13 ,
21 (während)—30.
356
(555) 1859 Jan. 8
555. Marx an Engels; 1859 Januar 8.
8. Januar 1859.
Dear Frederick,
Einliegend Brief von Freiligrath. (Ich hatte ihm einiges ge¬
schrieben über die Kinkelaffäre. ) Prospekt des „Hermann“. Brief «
des Herm Willich.
Salut.
Dein K. M.
556. Marx an Engels; [1859 Januar 15].
Lieber Engels, io
Wenn es Dir möglich ist bis Dienstag (wo ich dann den näch¬
sten Freitag nehmen würde) einen Artikel zu liefern, so wäre
das wichtig, da ich wünsche, fähig zu sein bis Mittwoch mein
Manuskript an Duncker zu schicken, was unmöglich ist, wenn ich
nicht über Dienstag verfügen kann. u
Das Manuskript ist about 12 Druckbogen (3 Hefte), und —
falle nur nicht um — obgleich sein Titel: „Das Kapital im allge¬
meinen“, enthalten diese Hefte noch nichts vom Kapital, sondern
nur die zwei Kapitel: 1. Ware, 2. Geld oder die ein¬
fache Zirkulation. Du siehst also, daß der im Detail ver- zo
arbeitete Teil (im May, wann ich zu Dir kam) noch gar nicht er¬
scheint. Es ist dies in doppelter Hinsicht gut. Zieht die Sache, so
kann rasch das dritte Kapitel vom Kapital folgen. Zweitens, da in
dem veröffentlichten Teil der Natur der Sache nach die Hunde
nicht auf bloße Tendenzschimpferei ihre Kritik reduzieren können, zs
und das ganze exceedingly ernst und wissenschaftlich aussieht,
zwinge ich die Canaille, später meine Ansichten vom Kapital rather
seriously zu nehmen. Übrigens denke ich, daß, abgesehn von allen
praktischen Zwecken, das Kapitel über das Geld für Sachkenner
interessant sein wird. 30
Deinen Artikel über Bonaparte-Italien habe ich etwas modifi¬
zieren müssen, da ich Dienstag über denselben Gegenstand
schrieb. Du vergißt unter den agencies, die Bonaparte voran¬
treiben, Rußland. Weder war Pam umsonst in Paris, noch
waren die russischen moves in Italy ohne Bedeutung, noch ms- a
sische Koketterie mit Bon [aparte] seit dem Pariser Frieden. Wenn
Rußland durch Bon [aparte] die Östreicher nur zwingt, den Mi¬
nister Buol abzusetzen und einen russischen panslawistischen
Agenten an seine Stelle zu bringen, so hat es viel erreicht.
Z. 11-15.
(556) 1859 Jan. 15
357
Als Korrespondent von Berlin habe ich einen Artikel über die
preußische Armee angekündigt, den Du also one of these
days machen kannst.
Ruge in den amerikanischen Blättern tritt als
^fanatischer Vorkämpfer des Prinzen von Preu¬
ßen auf. Schramm9 hat die Erlaubnis erhalten (der Steck¬
brief gegen ihn zurückgenommen), nach Preußen zurückzukehren
und ohne Präventivhaft sich einer neuen Jury zu stellen.
Dein K. M.
557. Marx an Engels; [1859] Januar 21.
21. Januar.
Lieber Engels,
Das unglückliche Manuskript ist fertig, kann aber nicht fort¬
geschickt werden, da ich keinen farthing habe, um es frei zu
15 machen und zu assekurieren. Letztres ist nötig, da ich keine Kopie
davon besitze. Ich muß Dich daher ersuchen, mir bis Montag etwas
Geld zu schicken (Post Office in Tottenham Court Road comer).
Wenn Du 2 schicken kannst, wäre es sehr willkommen, da ich
einige absolut nicht mehr abzuweisende Forderungen von kleinen
20 Leuten auf Montag vertagt habe. Du begreifst, daß es mir keines¬
wegs angenehm ist. Dir jetzt, wo Du den Wechsel an Ffreiligrath]
gezahlt hast oder zahlen mußt, wieder auf den Hals zu fallen. But
iron necessity. Ich will nächste Woche sehn — da ich für acht Tage
mir Ferien gebe quoad Fortsetzung des Manuskripts —, ob
25 es mir irgendwie gelingt, irgend einen Finanzcoup zu machen. Ich
glaube nicht, daß unter solchem Geldmangel je über „Das Geld“
geschrieben worden ist. Die meisten autores über dies subject waren
in tiefem Frieden mit dem subject oft their researches.
Zieht die Sache in Berlin, so ist es möglich, daß ich aus allem
30 Dreck herauskomme. Dazu ist es high time.
Salut.
Dein K. M.
Wenn die Sache in Berlin zieht, wäre vielleicht ein Coup mit
einem Londoner Buchhändler für eine englische Übersetzung
33 zu machen, und hier wird ganz anders gezahlt als in Berlin. Außer¬
dem würde ein solches event unsre braven Feinde tödlich en¬
nuyieren. Diese Canaillen glaubten, wir beide seien tot — und nun
gar jetzt, wo Herr Clown „Edgar Bauer“ uns „bei den Arbeitern“,
wie Gottfried Kinkel überall in der City erzählt, „verdrängt“ hat.
0 Rudolf Schramm
358(557) 1859 Jan. 21
Die Canaillen, die ihren eignen Totenschein mit jedem Wort, das
sie drucken lassen, sich ausstellen, sollen sich wundem, welche
„sort of life“ wir konserviert haben.
Ich schwanke, ob ich auf den Dreck setzen soll: The Author
reserves to himself the right of translation. (Du kennst den Kartell- «
vertrag wegen Nachdruck zwischen Preußen und England.) Mein
Widerwille gegen allen Humbug und Schein von Eitelkeit oder
Prätension sagt nein. Andrerseits sagt mein Interesse ja, da grade
über diese Geldscheiße beinahe jede Woche eine Schmiere in Eng¬
land erscheint. What do you think, Sir? Du mußt auf diesen Punkt so
umgehend antworten, da ich Montag selbst entscheiden muß.
558. Marx an Engels; [1859 Januar 26].
Dear Frederick,
Die-^2 richtig erhalten; das Manuskript fortgeschickt; gestern
an die Tribune geschrieben economical Review. u
Morgen mehr und something very amusing too.
Dein K. M.
559. Engels an Marx; 1859 Januar 27.
27. Januar 1859.
Lieber Mohr, to
Auf die Mitteilung bin ich gespannt. Inzwischen hierbei einige
Pariser Klatschereien.
Gestern schrieb ich an Freiligrath wegen Kinkel. Der gute
Mann bot mir selbst dazu den Anlaß. Ich hatte ihm gelegentlich
der Wechselgeschäfte einige Randglossen über die politische und 2s
ökonomische Weltlage gegeben, und diese begeisterten ihn zu der
Äußerung: „Auf den Hermann wird sicher noch einmal eine
Neueste Rheinische Zeitung folgen“. Wie er auf den
Kinkelschen Wisch kam, ist mir unbegreiflich, es sei denn, er
wollte mich zu einer Äußerung über Johann Gottfried verleiten, so
und die ist ihm denn auch geworden. Ich muß sagen, die Manier,
wie er dies Lausepapierchen in irgendwelchen Zusammenhang mit
uns brachte, ärgerte mich sehr. Vorgestern schrieb ich zweimal
einen Brief für ihn, aber das war zu grob, ich war zu ärgerlich, ließ
die Sache bis gestern liegen. Ich hab i h n sehr anständig be so
handelt, aber Monsieur Gottfried sehr derb, ich sagte ihm, daß
K[inkel] ihn als poetische Reference exploitiere, da sein eigner
(559) 1859 Jan. 27
359
durch Bettelreklamen seiner Frau zusammengestohlner Dichter¬
ruhm sonst nicht halte, daß der Hermann die Verachtung nur noch
gesteigert, die ich von je für diesen hohlen, gezierten, geleckten
Affen gehabt habe, und daß ich ihm die Gemeinheiten nicht ver-
s gessen hätte, die der „Hund“ in Amerika gegen Didi und mich
begangen und für die er zu feig sei einzustehn. Der Brief ist drei
Seiten lang; wie gesagt, Ffreiligrath] kann sich über die Art, wie
ich ihn behandle, nicht beklagen, aber indirekt und durch die
Blume bekommt er doch viel zu hören. Ich bin begierig, was er
io machen wird.
Hier ist mir auch wieder ein Wuppertaler Poet und entfernter
Verwandter1) auf die Bude gestiegen, der in London natürlich
gleich bei F[reiligrath] war. F[reiligrath] schrieb mir, er scheine
ein netter Kerl zu sein. Ich antwortete ihm, er sei wenigstens robust,
is gesund und weder eitel noch geziert, Eigenschaften, die bei den
gegenwärtigen deutschen Poeten ein gut Stück Talent aufwögen.
Diesem Kerl hat Fr[eiligrath] gesagt, er habe tausend Pfund
Gehalt.
Die Einschwärzung des „Hermann“ in F[reiligrath]s Brief hat
to mich schändlich geärgert, er wird mir aber nie wieder so einen
Streich spielen, darauf kannst Du fluchen.
Viele Grüße an Frau und Kinder.
Dein F. E.
Ulks halber lege ich eins der verworfenen Briefkonzepte an
to Ffreiligrath] bei.
560. Marx an Engels; 1859 Januar 28.
28. Januar 1859.
Dear Engels,
Allerlei troubles erlaubten mir nicht, Dir gestern zu schreiben.
3o Heut Artikeltag. Also bis morgen. Doch leg’ ich den „Spaß“ ein.
Ich schreibe heute Klothilde mit ihrer Engelsmilde. Dienstag er¬
warte ich einen Artikel von Dir. Könntest Du nicht über die Cotton¬
wirtschaft, Industrieaussichten etc. in Manchester schreiben? In
meinem ökonomischen Artikel von Dienstag habe ich absichtlich
35 dies Feld offen gelassen.
Salut.
Dein K. M.
Deinen Brief an Ffreiligrath] hat letztrer mir mitgeteilt. Er ist
famos geschrieben.
x) Karl Siebel
360
(561) 1859 Febr. 2
561. Marx an Engels; 1859 Februar 2.
2. Februar 1859.
Dear Frederick,
Mit dem Constitutionnel das Beste, da nach der Times
Herr Boustrapa selbst der Verfasser.
Heute kommt ein Brief von Lassalle (den ich Dir später
schicke), daß das Manuskript noch nicht angekommen. Nun
merke: am Dienstag (25.) ging es fort; am 30. Januar hatte ich
schon Anzeige von der hiesigen packet Compagnie, daß das Manu¬
skript in Berlin angekommen. Vom 31. Januar ist Llassalle]s Brief «
datiert. Also hat die Regierung wenigstens drei bis vier Tage
(wenn Duncker nach Absendung von L[assalle]s Brief das Manu¬
skript erhalten) mein Manuskript zurückgehalten. Viel¬
leicht hat Herr Stieber es durchgestöbert oder Herr von Patow sich
einige ökonomischen Kenntnisse im Flug zu verschaffen gesucht.13
Habe sofort an L[assalle] geschrieben. Deine Philister
haben die Zeilen, die Du für mich bestimmt (für Dienstag),
unterschlagen. Sie sind nicht angekommen. Ich wartete bis
3 Uhr nachmittag. Dann kleckste ich noch einen Artikel zusammen.
Salut. »
Dein K. M.
562. Marx an Engels; 1859 Februar 8.
8. Februar 1859.
Lieber Engels,
Heute sind es vierzehn Tage, daß ich das Manuskript «
nach Berlin geschickt; seit der Zeit zwei Briefe an Lassalle; bis
auf diese Stunde habe ich noch keine Empfangsanzeige erhalten.
Ich hatte das Senden der Vorrede dazu abhängig gemacht von
dieser „Empfangsanzeige“. Du begreifst, wie man die Geduld ver¬
lieren muß, wenn alles so quer geht. Ich bin ganz krank vor Ärger.
Einliegend L[assalle]s Brief. Schick ihn mir zurück.
Ich habe heut geschrieben über Bonapartes Scheißrede und
Pamphlet.
Salut.
Dein K. M.33
Nr. S61.
(563) 1859 Febr. 9
361
563. Marx an Engels; 1859 Februar 9.
9. Februar 1859.
Lieber Engels,
Heut endlich Brief von Duncker. Er erhielt das Manuskript
3 erst am 1. Februar. Diese Woche noch nicht gedruckt, weil eben
endigend eine Schrift von Lassalle, ich weiß nicht welche.
Einliegend Brief von Eccarius und Pfänder, woraus du sehn
wirst, daß der arme Eccarius der Schwindsucht verfallen. Dies ist
das Tragischste, was ich noch hier in London erlebt habe.
io Pieper, der geheilt entlassen war, wieder von Bognor zurück
nach dem deutschen Spital. Diesmal Hungerkur. Serves him right.
Einliegende Briefe von Weydemeyer und Komp wollte ich Dir
längst schicken; ich habe sie endlich beantwortet.
Dronke war in Bonn, wo ein Bruder von ihm am Sterben. Er er-
15 hielt Erlaubnis von Flottwell0 und wohnte in Bonn einem Ball
seines „Korps“ statt2). Der Kleine hat an Dingelstedt (Ful¬
daer) geschrieben, durch den er ein von ihm selbst verfaßtes
Drama zur Aufführung bringen lassen will. Ferner schreibt der
Kleine „Glasgower Briefe“ in das Museum von Prutz. Alle diese
20 Nachrichten habe ich vom Philister Freiligrath.
Von letztrem, der gestern bei mir war (ich selbst bin durch
Halsübel ans Haus gebannt), erfuhr ich denn auch, daß Gottfried
oder Hermann sich so lächerlich bei allen Damen benimmt (der
Hanswurst denkt, er habe jetzt nur noch das Schnupftuch3) hinzu-
25 werfen), daß ein allgemeiner Dégoût gegen ihn herrsche. F[reilig-
rath] ist nun auch dahinter gekommen, daß Gottfried sich außer¬
ordentlich „free and easy“ nach dem Tod der Mockel fühlt und
— das Sonderbarste — jetzt kommt heraus, daß Philister
Freiligrath und Gattin, schon vor dem Begräbnistag, die
ao Gleichgültigkeit des Bruder Hermann entdeckt hatten.
Der „Hermann“ — die preußische Regierung, wie die Berliner
„Nationalzeitung“ anzeigt, hat ihm Postdebit gegeben — soll, wie
Gottfried sagt, den „A u s f a 11“ decken, den der Tod seiner Frau
in seiner Kasse veranlaßt.
3s Frau Daniels wird mit der Zeit wohl Frau Bürgers werden. Sie
schreibt an Lina, daß „Bürgers noch energischer und selbst¬
bewußter“ geworden. Als Beweis dieses „Selbstbewußtseins“,
schreibt sie, „wir sind entzückt von F[reiligrath]s Gedicht auf
Frau Kinkel, das die,perfide1 Kölnische Zeitung verstümmelt hat“.
m Steffen hat an Freiligrath geschrieben und ihn um Deine und
O Im Orig. Flotwell
’) Wohl irrtümlich für bei
•) Korr, aus den Handschuh
Z. 10-11.
21-34.
40-
362
(563) 1859 Febr. 9
meine Adresse gebeten, da er unsre Adresse verloren habe. Steffens
Adresse ist: W. Steffen, Harrison Square near Bo¬
ston, Mass. U. St.
Salut.
Dein K. M. «
564. Engels an Marx; 1859 Februar 10.
Manchester, 10. Februar 1859.
Lieber Mohr,
Die Geschichte mit Eccarius ist sehr erschütternd. Was ist das
für ein heroischer Brief, den er Dir geschrieben hat! Und so ein w
famoser Kerl muß elendiglich umkommen. Unsre besten Leute
gehn uns drauf in dieser elenden Friedenszeit, und der Nachwuchs
ist sehr pauvre.
Den Brief von Lassalle hierbei. Idi bin froh, daß das Manu¬
skript angekommen ist. w
Was sagte Ffreiligrath] zu meinem Brief über Kinkel? Er
schrieb mir: All right, all right, und er habe seine Antwort D i r
gegeben. Du bist sie mir also noch schuldig.
Ich gehe jetzt nach Hause und mache für die zweite Post einen
Artikel über die östreichische und deutsche Bundesarmee. to
Dein F. E.
565. Engels an Marx; 1859 Februar 14.
Manchester, 14. Februar 1859.
Lieber Marx,
Was ich vergaß, Dir zu schreiben: Laß ja auf Deinem Buch m
Dir das Recht der Übersetzung reservieren. Wenn’s auch bloß ist,
damit nicht irgend ein Esel oder Industrieller Dir die Geschichte
verhunzt. Außerdem ist das jetzt eine pure juristische Förmlich¬
keit, die jeder ohne Anstand erfüllen kann.
Staatsmann Blind hat einen Freund im Telegraphenbureau, der w
den Provinzialblättem manchmals schöne Wunderdinge telegra¬
phiert. Hierüber mehr.
Dein F. E.
Z. -1-3.
(566) 1859 Febr. 15
363
566. Marx an Engels; 1859 Februar 15.
15. Februar 1859.
Lieber Engels,
Einliegend:
$ 1. Brief von meinem Schwager1) (dem Cape man), woraus Du
siehst, daß der Bursche morgen in London landen wird. Da ich
sans sou bin (ich habe noch Sonnabend den letzten „freien“ Rock
meiner Frau versetzen lassen, um dem Eccarius some comforts zu¬
kommen zu lassen) und den Mann, der nach Trier geht und wichtig
io für die Transactions mit meiner Mutter ist, anständig empfangen
muß, muß ich Didi wieder treten, mir at least 1 zuzuschicken
per Post. Zum Glück hab ich den sogenannten Momms, und da¬
mit brauche ich den Mann nur im Haus zu empfangen, während
ich alles Herumtreiben als Kranker abweisen kann.
is 2. Brief von Eccarius. Ich hatte letzterm (der mir etwas sich zu
bessern scheint) gesagt, wenn er Wein brauche, solle er mich es
wissen lassen. Du mußt also about two bottles of Portwein ihm zu-
kommen lassen.
3. Zwei Einlagen aus der Free Press (die nun um so wichtiger,
«»weil aus dem New York Herald abgedruckt) werden Dir
eine Einsicht in den chinesischen Krieg und die Politik des Herm
Palmerston gewähren.
Ad vocem Freiligrath. Ich kam ihm sehr gelegen grade
am Tag, als er Deinen Brief erhalten. Er gab ihn mir zu lesen. Ent-
ts schuldigte sich, wenn das Gedicht unpolitisch gewesen, damit, daß
er „Dichter“ sei. Zweitens aber habe er von wegen des Hermann
nur einen „Witz“ Dir geschrieben. Well, after these very meagre
explanations sagte er, er werde Dir schreiben, daß er mit mir
die Sache all right gesetzt habe. Dein Brief hatte ihn übrigens tief
so „gekitzelt“. Idi sagte ihm, der Brief sei „sehr gut geschrieben“,
und er mußte natürlich darüber lachen, daß ich on such an occa¬
sion zu allererst auf „die Form“ sähe. Das fact ist dies: Ffreilig-
rath] sieht ein, daß Kinkel ihn gebraucht hat und sogar, nach¬
dem er ihn gebraucht, etwas frech gegen ihn wird. (So zum tiefen
3s Ärger von Freiligrath steht im Hermann mit großen Buchstaben
unter den Annoncen: „Schriften von Gottfried und Johanna
Kinkel“, und unter dieser Rubrik mit kleinen Buchstaben:
F. Freiligraths Gedichte, so daß F[reiligrath]s Gedichte an-
nexiert sind zu den Schriften von Gottffried] und Joh[anna]. Dies
40 wurmt unsern Biedermann sehre). Andrerseits ist Freiligrath dem
Kinkel sehr verpflichtet, daß er ihm, wie es scheint wider alles Er¬
warten, wieder zu einer politischen Leibesöffnung verholfen,
die, by the by, wenn ich nicht irre, große Elogen und, wie es heißt,
0 J. C. Juta
Nr. 566.
364
(566) 1859 Febr. 15
sogar Presente von Philistern aus Deutschland bewirkt hat. Nota¬
bene: Die Frau Daniels schreibt an Lina (in Antwort auf einige
Witze, die letztre über den Kinkelcase geschrieben) : „W i r (sie
und Heinrich, der Stille) sind entzückt und schwärmen
über F[reiligrath]s Gedicht“, und der spintisierende Heinrich, der 5
„noch selbstbewußter und noch energischer geworden“, hat sogar
herausgewittert, daß „die perfide“ Kölnische Zeitung die nur in
Heinrichs olympischem Haupt existierenden „bedeutendsten Stro¬
phen“ unterdrückt hat.
Was ist das mit Blind? io
Apropos! Hast Du und Lupus aus den Zeitungen (es ist
vielleicht vier bis sechs Wochen her) ersehn, daß Madame
Bangya in Paris wegen Lorettenstreichen auf sechs Monate ins
Zuchthaus gesperrt worden ist?
Salut. is
Dein K. M.
Ich habe dem Lupus seine Adresse wieder verloren. Ist es nicht
59 Boundarystreet, Greenteys? Wenigstens habe ich unter dieser
Adresse einen Brief ihm zukommen lassen.
Schappers Frau hat einen Jungen gemacht, und der alte Ochs, 20
der jetzt Schädelwissenschaft treibt, hat entdeckt, daß der sieben¬
tägige imp sanguinisch-cholerisch ist.
567. Marx an Engels; [1859 Februar 21].
Dear Frederick,
Mein Schwager reist Donnerstag nach Manchester und wird Dich 2.5
wohl Freitag besuchen kommen. Doch mußt Du mir die exakte
Adresse schicken. Juta ist übrigens, wie ich bei nährer Bekannt¬
schaft finde, gar kein [gesunder]Kerl. Er leidet verdammt an
der Leber und [muß]^ deswegen nach Karlsbad gehn. Es wäre mir
lieb, wenn Gumpert ihn untersuchte und, da er jetzt grade Schmer- 30
zen in der Leber hat, etwas zu ihrer Linderung tun könnte. Nur,
wenn die Sache gefährlich ist, muß sich G[,um-
pert] nichts merken lassen.
Ich schreibe morgen über den Factoryreport und erwarte um so
sichrer Artikel von Dir, als ich nun das „Kapital“ ausarbeite. 35
Dein K. M.
Notabene.
Ich habe Dana geschrieben, ob er mir einen Yankee für die eng¬
lische Ausgabe der Politischen Ökonomie verschaffen kann. In
9 Papier beschädigt.
Nr. 566.
Nr. 567.
(567) 1859 Febr. 21
365
diesem Fall, wenn die Sache einträglich, müßte ich einige
Wochen nach Manchester kommen, um die Sache mir Dir zu¬
sammen zu anglisieren.
568. Marx an Engels; 1859 Februar 22.
22. Februar 1859.
Lieber Engels,
Der Überbringer dieser Zeilen ist mein Schwager Juta, den ich
Dir aufs beste empfehle.
Dein K. M.
io Eccarius hat den Wein Sonnabend erhalten und glaubt, jetzt
schon die heilsamen Wirkungen desselben zu verspüren. Es ist
wahrscheinlich, daß der Wein ihm durchhelfen wird.
569. Marx an Engels; 1859 Februar 25.
29?> Februar 1859.
is Lieber Engels,
„Po und Rhein“ ist ein vorzüglicher Einfall, der sofort ins
Werk gesetzt werden muß. Du mußt gleich an die Sache
gehn, da Zeit hier alles ist. Ich habe heute noch an Lassalle ge¬
schrieben und bin sicher, daß Jüdel Braun die Sache durchsetzt.
2o Zuerst muß das Pamphlet (how many sheets? Antworte auf
den letztem Punkt umgehend) anonym erscheinen, so daß
das Publikum glaubt, ein großer General sei der Verfasser. Bei
der zweiten Auflage, die Du unbedingt erlebst, wenn die Sache
rechtzeitig erscheint, nennst Du Dich dann in six lines Vorwort.
25 Dies ist dann ein Triumph für unsre Partei. Ich habe Dir im „Vor¬
wort“ einige honneurs gemacht; und so ist es um so besser, wenn
Du gleich darauf selbst auf die Bühne trittst.
Die Hunde von Demokraten und liberalen Lumpen werden sehn,
daß wir die einzigen Kerls sind, die nicht verdummt sind in der
3o schauderhaften Friedensperiode.
Die Tribunenummern sollst Du immer erhalten. Bisher
ist noch keiner der militärischen Artikel gedruckt. Den ersten,
den Du a long time ago schriebst, hat Herr Dana nicht veröffent¬
licht, wird es aber jetzt wohl tun. Mir geht es auch beständig so. Oft
35 finden die Esel erst nach drei Monaten, daß man ihnen die events
vorhergesagt hat, und drucken dann die betreffenden Artikel.
9 Verschrieben für 25.
Nr. 567.
Nr. 568.
366
(569) 1859 Febr. 25
Die Adresse meines Schwagers ist richtig. Nur hat er vergessen
hinzuzufügen City (near the General Postoffice), doch denke ich,
wird er jetzt selbst in Manchester sein und Dir Auskunft über sich
selbst geben.
Salut. t
Dein K. M.
570. Marx an Engels; 1859 Februar 25.
25. Februar 1859.
Lieber Engels,
Ich schreibe Dir heut abend wieder, weil time presses. Ich bin »
moralisch sicher, daß Duncker, nach meinem Schreiben
an Lassalle, die Broschüre nimmt. Das Jüdel Braun hat mir
zwar nicht geschrieben, seit mein Manuskript angekommen ist, und
das sind über vier Wochen. Einerseits war er beschäftigt mit der
Herausgabe eines eignen unsterblichen „zündenden“ Werks (still m
ist das Jüdel, selbst sein Herakleitos, obgleich hunzschlecht ge¬
schrieben, better than anything the democrats could boast of),
und dann wird er wahrscheinlich die letzte Korrektur bei meinem
Wisch zu übernehmen haben. Zweitens hat er indirekt in meiner
Analyse des Geldes einen furchtbaren Schlag auf den Kopf er- 20
halten, der ihn etwas betäubt haben mag. Er hatte nämlich zum
Heraklit folgende Anmerkung gemacht, die ich Dir wörtlich her¬
setze, trotz ihrer unendlichen Länge (Du mußt sie aber auch
lesen) :
„Wenn wir oben sagten, Heraklit habe in jenem Fragmente die 25
wahrhafte nationalökonomischeNatur und Funktion des Geldes an¬
gegeben (Heraklit sagt nämlich: nvQoç t* ivTa/ielßeaüai nAvta xal
nvQ ânâvTtov, &aneQ %qvoov xçtffiata, xai xq^/zAtcov XQva^^)> so
ist es wohl überflüssig, zu bemerken, daß wir ibn selbst damit nicht
zu einem Nationalökonomen machen und also auch weit1) entfernt u
nicht behaupten wollten, als habe er irgend eine der weiteren aus
jenem Fragment folgenden Konsequenzen erfaßt. Aber obwohl
diese Wissenschaft damals gar nicht existierte und existieren
konnte, also auch nicht Gegenstand heraklitischen Denkens war,
so ist doch richtig, daß Heraklit — eben weil er nie** Reflexions- 31
bestimmungen, sondern nur dem spekulativen Begriffe folgt —, in
jenem Fragment das Wesen des Geldes in seiner wirklichen Tiefe
und richtiger als viele modernen Ökonomen erkannt hat, und es
ist vielleicht nicht ganz uninteressant und auch nicht so von der
x) weit von Marx hinzugefügt.
*) Bei Lassalle niemals
Z. 1-4. 25-39 -
(570) 1859 Febr. 25
367
Sadie abliegend, wie es zunächst scheinen könnte, zu sehen, wie
sich aus einer bloßen Konsequenz jenes Gedanken die moder¬
nen Entdeckungen auf diesem Gebiet von selbst
ergeben?) (Notabene. Ltassalle] kennt nicht die Laus von die-
s sen Entdeckungen.)
Wenn Heraklit das Geld als Tauschmittel zum Gegensatz
aller in den Tausch kommender reellen Produkte machte und es an
diesen erst sein wirkliches Dasein (Ich unterstreiche, wo
L[assalle] unterstrichen hat) haben läßt, so ist also das Geld als
io solches nicht selbst ein mit einem selbständigen, stofflichen Werte
bekleidetes Produkt, nicht eine Ware neben andern Waren, wie
die Saysche Schule (Schöne kontinentale delusion, daß es eine
Saysche Schule gibt) noch bis heute das Metallgeld hartnäckig
auffaßt, sondern es ist nur der ideelle Repräsentant der um-
is laufenden reellen Produkte, das Wertzeich en derselben, das
nur sie bedeutet. Und das ist nur zum Teil eine aus dem
Fragment entwickelte Folgerung, zum Teil nur der für Heraklit
selbst darin vorhandene Gedanke.
Wenn aber alles Geld nur die ideelle Einheit oder der Wert-
2o ausdruck aller realen umlaufenden Produkte ist und erst an die¬
sen, die zugleich seinen Gegensatz bilden, sein wirkliches
Dasein hat, so folgt aus der bloßen Konsequenz (Schöner
Stil! Er folgt aus der „bloßen Folge“) dieses Gedankens, daß die
Wertensumme oder der Reichtum eines Landes nur durch die Ver-
2s mehrung der wirklichen Produkte, niemals aber durch die Ver¬
mehrung des Geldes vergrößert werden kann, da ja das Geld, statt
auch nur irgend ein Moment des Reichtums und des Wertes (Jetzt
haben wir Reichtum und Wert; vorhin Wertensumme oder
Reichtum) selbst zu bilden, immer nur den in den Produkten ge-
aolegenen (auch eine schöne Gegend) und nur in ihnen wirk¬
lichen Wert als abstrakte Einheit ausdrückt. Es folgt somit der
Irrtum des Handelsbilanzsystems. (Dies ist Ruges würdig). Es
folgt ferner, daß alles Geld immer an Wert gleich allen um¬
laufenden Produkten ist, da es nur diese in die ideelle Werteinheit
a zusammenfaßt, somit nur deren Wert ausdrückt; daß somit
durch Vergrößerung oder Verringerung der vorhandenen Geld¬
summe der Wert dieser gesamten Geldsumme niemals berührt
wird und immer nur allen umlaufenden Produkten gleichbleibt;
daß man streng genommen gar nicht von einem Werte alles
to Geldes verglichen mit dem Werte aller umlaufenden Produkte
sprechen kann, weil in einer solchen Vergleichung der Wert des
Geldes und der Wert der Produkte als zwei für sich selbstän¬
dige Werte gesetzt werden, während nur ein Wert vorhanden ist,
x) Von Marx unterstrichen.
368
(570) 1859 Febr. 25
der in den sinnlichen Produkten konkret realisiert und im Gelde
als abstrakte Werteinheit ausgedrückt, oder vielmehr der Wert
selbst nichts als die aus den wirklichen Dingen, in denen er nicht
als solcher vorhanden, herausabstrahierte Einheit ist, der im
Gelde ihr besonderer Ausdruck gegeben ist; nicht also der Wert *
alles Geldes bloß dem Werte aller Produkte gleichbleibt,
sondern, richtiger gesprochen, alles Geld nur der Wert aller um¬
laufenden Produkte ist. (Dieser doppelte Großdruck gehört dem
Autor.) Es folgt somit hieraus, daß bei Vermehrung der Anzahl
der Geldstücke, da der Wert der Summe gleichbleibt, immer nur io
der jedes einzelnen Geldstückes fallen und bei ihrer Verminderung
ebenso wieder steigen muß. — Es folgt ferner, daß, da das Geld
nur die unwirkliche Gedankenabstraktion des Wertes und den
Gegensatz gegen die wirklichen Produkte und Stoffe
darstellt, das Geld als solches gar keine Wirklichkeit an sich is
selbst zu haben, d. h. aus keinem wirklich wertvollen Stoffe zu be¬
stehen braucht, sondern ebensogut Papiergeld sein kann und ge¬
rade dann seinem Begriffe am entsprechendsten ist. Alle diese und
viele andere erst seit Ricardos Untersuchungen auf einem ganz
andern Wege gewonnenen und noch lange nicht allgemein adop- 20
tierten Resultate ergeben sich schon durch die bloße Konsequenz
jenes von Heraklit erkannten spekulativen Begriffs.“
Ich habe natürlich nicht die geringste Rücksicht auf diese tal¬
mudistische Weisheit genommen, aber den Ricardo sehr herunter¬
gemacht wegen seiner Geldtheorie, die, nebenbei bemerkt, nicht 25
von ihm, sondern von Hume und Montesquieu stammt. So mag
Lassalle sich dadurch persönlich betroffen fühlen. An sich war
nichts dabei, denn in der Schrift gegen Proudhon nahm ich selbst
Ricardos Theorie an. Aber Jüdel Braun hatte mir einen sehr lächer¬
lichen Brief geschrieben, worin er sagte, er „interessiere sich für 30
das baldige Erscheinen meiner Schrift, obgleich er selbst ein
großes nationalökonomisches Werk unter der Hand habe,“ er
„setze zwei Jahre dafür aus“. Wenn ich ihm aber „zu viel Neues
wegnähme, würde er vielleicht die ganze Sache auf geben“. Well!
Ich antwortete darauf, daß keine Rivalität zu fürchten, da in dieser 35
„neuen“ Wissenschaft Platz für ihn und mich und noch ein
Dutzend andrer sei. Aus meiner Darstellung des Geldes muß er
nun sehn, entweder daß ich gar nichts von der Sache weiß, obgleich
dann mit mir die ganze Geschichte der Geldtheorien sündigt, oder
daß er ein Esel ist, der mit ein paar abstrakten Phrasen, wie „ab- 40
strakte Einheit“ und dergleichen, sich anmaßt über empirische
Dinge zu urteilen, die man studieren muß, und lange into the bar-
gain, um über sie mitsprechen zu können. Aus diesem Grunde mag
er mir nicht ganz grün im innersten Herzenswinkel sein in diesem
Momente. Aber, und das ist der Punkt, wo ich hinaus wollte. 43
z. -1-22. “
(570) 1859 Febr. 25
369
Lassalle hat erstens wirklich zu viel Interesse „an der Sache“ und
zweitens ist er zu sehr „Ephraim Gescheit“, um nicht coûte que
coûte mit uns zu halten, was er wegen seines Krakeels mit den Düs¬
seldorfern um so nötiger hat. Zugleich hat ihn sein Aufenthalt in
6 Berlin überzeugt, daß mit der Bourgeoispartei für einen energi¬
schen Kerl wie ihn nichts anzufangen ist.
Also bei klugem management gehört uns der Mann mit Haut und
Haar, so viele „zündende“ Bocksprünge er immer machen und so
sehr er den Heraklit dafür, daß er der kurzgefaßteste Philosoph
io war, mit dem längsten Kommentar züchtigen mag. Aus demselben
Grund bin ich sicher, daß er Deine Broschüre dem Duncker
aufzwingen wird en cas de besoin. Übrigens habe ich den Brief
an ihn so eingerichtet, daß er ihn ganz dem Duncker zeigen kann.
Er ist in der Tat für D[uncker], nicht für Llassalle] geschrieben,
is obgleich Ephraim das trotz seiner Gescheitheit kaum merken
wird.
Ich betrachte also als sicher, daß Dtuncker] die Broschüre
nimmt, und so ist das Wesentliche nur, daß Du sofort an das
Machen derselben gehst, denn dies ist wie ein Zeitungsartikel. Es
2o ist keine Zeit dabei zu verlieren. Aus demselben Grunde, wegen der
unmittelbaren Wirkung, denke ich, daß Du nicht über vier bis fünf
Bogen (wenn so viel nötig) herausgehn mußt. Von der Mitarbeit
an der Tribune betrachte Dich (wenn nicht irgend ein Kriegs¬
ereignis, was nicht wahrscheinlich, Deiner Broschüre vorher-
25 kommt) daher als ganz dispensiert, bis Du die Sache fertig hast.
Das Vernünftigste wäre, wenn Du plötzlich krank würdest
und vom Comptoir wegbliebst, um die Sache in einem Zug hinzu¬
schreiben.
Amicus Engels Senior, amicus Ermen (Gotofredus!), sed ma-
so gis amicum to qpoovelv,
„<pev, (pev, tpQoveïv œç Ô8tvov, Iv&a fit} rékrj
ÄV8L (pQOVOVVTl .
Letztres mag Dein Alter Dir sagen, wie Teiresios dem König
Ödipus, worauf Du ihm aber antworten wirst, daß er
35 ,,èv toïç xéQÔ8at
povov ôéôoQX8, Té%vyv ÿê<pv Tvqddç“.
Salut.
Dein K. M.
Marx-EngelB-Ges&mtausgabe, III. Abt., Bd. 2
24
Z. 1 (and)—2 (Gescheit) M
15-16.
370
(571) 1859 März 3
571. Marx an Engels; 1859 März 3.
3 March 1859.
Lieber Engels.
Aus einliegendem Brief Lassalles siehst Du, daß ich meine
Leute kenne und das management verstehe. *
Mit Bezug nun auf den Brief folgende Bemerkungen:
1. Du mußt nun in der Tat meinem Rat folgen und ein paar
Tage Dich ganz dem Comptoir entziehn. Ich habe
natürlich die Sache so dargestellt, als hätte ich Dein Manuskript
bereits gelesen. Auf ein paar Tage mehr oder weniger kommt es io
nicht an, aber wenn Du bloß auf abends arbeiten Dich beschränkst,
wirst Du nicht rechtzeitig fertig.
2. In Deiner Stellung kannst Du auf das kleine Honorar nicht
eingehn, sondern mußt schon honoris causa für die Alternative
des halben Nettogewinns entscheiden. u
3. Lassalles Weisung, daß Du ihm (F. Lassalle, 131, Potsdamer
Straße, Berlin) persönlich den Titel schickst (ihn, den Titel,
also nicht auf das Manuskript schreibst), Vorwort (welches
ich nicht zu schreiben rate) und Inhaltsregister, ist vernünftig. Die
Pakete werden nämlich von der Post geöffnet, und die Regierung 20
soll nicht den Titel kennen, womit sie hinter das ganze Geheimnis
käme.
Ich werde dagegen das Manuskript von hier an Fräulein L[ud-
milla] Atssing] in derselben Weise an Duncker schicken, wie ich
mein Manuskript schickte (also mit Assekuranz). Nur werde ich 25
Pfänder sich als Absender nennen lassen.
4. Du mußt in der Tat etwas, aber vorsichtig-vornehm, National-
Antibonapartistisches hereinbringen. Du kannst solche Farbe um
so eher anwenden, als die Tendenz Deiner Broschüre in fact ein
großer Sieg für Mazzini gegen die Nationalversammlung von 1848 30
(Radowitz-Mincio) ist und Du zum erstenmal den Deutschen mög¬
lich machst, sich mit gutem Gewissen für die Emanzipation von
Italien zu interessieren.
Now, good bye old boy.
Dein K. M. 35
Herr Gottfried in seinem letzten „Gottfried“ kriecht Suse-
Sibeth als Musterkaufmann und dem lausigen Buchhändler Trüb¬
ner, der einen schlechten amerikanischen Katalog geschrieben hat.
ebenfalls in den Arsch. Macte, puer, virtute!
Z. 5 (und ... verstehe).
36-39!
(572) 1859 März 4
371
572. Engels an Marx; 1859 März 4.
4. März 1859.
Lieber Mohr,
Jüdel Braun hat gut gewirtschaftet, ich bin mit dem halben
« Nettogewinn einverstanden. Die Arbeit geht ziemlich rasch voran,
neun meiner langen Doppelseiten, wie ich sie Dir für die Tribune
schicke, sind fertig, in zwei bis drei mehr ist der Po abgemacht,
dann kommt der Rhein, und der wird nicht so lang. Im ganzen
schwerlich drei Bogen. Heut abend, Samstag und Sonntag muß die
io Hauptmasse fertig werden, bis Mittwoch schick ich Dir die Ge¬
schichte, wenn alles flüssig geht. Man muß sich indessen in Acht
nehmen, da ich die ganze offizielle Militärliteratur gegen midi
haben werde, und können sie mir was am Zeuge flicken, so tun sie
es gewiß. Daher lieber zu kurz als zu lang; die historischen Illu-
js strationen können kurz gefaßt werden. Übrigens wenn das Manu¬
skript Ende nächster Woche in Berlin ist, ist’s früh genug, es gibt
doch Krieg. Daher sei nur ruhig wegen der Zeit. Einige Tage vom
Warehouse wegbleiben kann ich jetzt unmöglich. Ist auch
nicht nötig und würde nicht viel helfen. Was aufhält, ist spinti-
sieren über der Karte, und das muß staccato geschehn, sonst wird
man dumm drüber.
Vorrede wird keine gemacht, das fehlte noch.
Dein F. E.
573. Marx an Engels.; 1859 März 10.
u 10 March 1859.
Lieber Engels,
Die Broschüre erhalten. Werden ungefähr vier Druckbogen
sein, wenn nicht mehr, bei der Art, wie Broschüren gedruckt wer¬
den. Durchgelesen; exceedingly clever; auch das Politische famos
so behandelt, was verdammt schwer war. The pamphlet will have a
great success.
Ich habe nur ein einziges Sätzchen gestrichen von wegen Reuß-
Schleiz; nicht da, wo von den „natürlichen Grenzen“ dieses Staats
gehandelt wird, sondern an der ersten Stelle, wo es double emploi
os machte und abschwächte.
Ich rate, den Beisatz „Militärische1) Studien“ als abschwächend
vom Titel wegzustreichen.
*) Korr, aus Politische
24*
372
(573) 1859 März 10
Wenn Du morgen Herm Lassalle schreibst, so bitte ich Dich, in
Deinem Namen etwas zu tun, was ich nicht in meinem tun kann.
Das fact ist dies: Vorigen Montag (7. März) kommt etwas von
Berlin! Was denkst Du, daß es war? Der erste Korrektur¬
bogen, und bis heute ist kein zweiter gekommen. Man hat also $
mein Manuskript, gegen das ausdrückliche Schrei¬
ben Herrn Dunckers, sechs Wochen liegen lassen und
scheint nun jede Woche einen Bogen zu drucken. Kommt Dein
Manuskript, so unterbricht man vielleicht wieder, und so kann die
Sache sich noch Monate hinschleppen. Ich finde dies sehr mise- io
rabel, und Du kannst in Deinem Namen some words darüber an
Lassalle drop. Wollen die Kerls die Schrift aufschieben bis grade
zum Ausbruch des Kriegs, damit sie sicher ins Wasser fällt, und
Herr Duncker Vorwand hat, die Folge abzulehnen?
Übrigens hat dieser Verzug, da ich auf das Geld rechnete, meine is
ohnehin gequälte Existenzweise unleidlich gemacht. Freiligrath
war diesmal (er sucht sich in every way zu retablieren) so anstän¬
dig, Wechsel versuche hier in London für mich zu machen. Die
Sache ist aber gescheitert.
Apropos Tribune. Letztre hat seit sechs Wochen keinen 20
Artikel weder von Dir noch von mir gebracht. Die Präsidenten¬
wahlumtriebe sind bereits beginning. Ich betrachte das Auslassen
der Artikel, meiner Erfahrung gemäß, als vorläufiges Manöver,
um mir anzeigen zu können, daß sie für einstweilen nur noch einen
Artikel die Woche brauchen. «
Salut.
Dein K. M.
Ich glaube an Krieg. Diplomatisches Zwischenspiel ist aber
nötig geworden teils wegen des Lärmens in Deutschland, teils
wegen des Schreiens der französischen Bourgeoisie, endlich wegen M
des englischen Parlaments und vielleicht auch, damit Rußland in
der Zwischenzeit allerlei Konzessionen von Ostreich abpreßt. Einen
Hauptzweck haben die Russen erreicht. 1846, als die österreichi¬
schen Finanzen zum erstenmal ohne Defizit waren, schleuderte
Rußland durch die Krakauergeschichte Ostreich wieder in die u
scheußlichste Finanznot. Da die Östreicher 1858 einigermaßen
ihre Finanzen zu ordnen schienen und Barzahlung der Bank an¬
kündigten, wurde Bonaparte sofort ins Feld geschickt, und die
östreichischen Finanzen sind, wo sie 1848 waren. Die Auflösung
des Parlaments, in der Zwischenzeit die Regierungslosigkeit hier, l0
später Palmerston als Foreign Minister sind ebenfalls Schach¬
züge, die Rußland für den Krieg braucht.
(574) 1859 März 16
373
574. Marx an Engels; 1859 März 16.
16. März 1859.
Dear Frederick,
Erhalten 5^“. Thanks!
3 Gestern kam Korrekturbogen II. Wenn das so fortgeht,
brauchen sie drei Monate. Es kann unmöglich mehr als ein Setzer
bei dieser Geschichte beschäftigt sein.
Ich weiß nicht, worüber ich Freitag schreiben soll. Kannst Du
etwas machen, etwa über Armstrongs gun?
oi Herr Bruno Bauer hat ein Pamphlet geschrieben über die „Zeit¬
frage“ für Rußland-Frankreich gegen Ostreich-England, höre ich.
Er ist jetzt der Alliierte Manteuffels, für den er schon in der letzten
Zeit in die „Zeit“ schrieb.
Ich sende Dir das Blatt des Clown Edgar Bauer. Der Mann, der
ts großer Kommunist und Arbeiterrepräsentant geworden ist, pfeift
mit seinem Blättchen aus dem letzten Loch. Der erste Artikel
„Zank“ ist direkt gegen mich gerichtet. Ich soll mich nämlich
schweigend an Herm Edgar anschließen und aus meiner „mürri¬
schen“ und „mißtrauischen“ Vereinzlung heraustreten. Der Clown
so ist reiner Moralprediger geworden. Den „Hermann“ wagt er
nicht anzugreifen, weil er fürchtet, daß die Kerls ihm sein „past“
auf decken würden.
Kinkels Blatt macht sehr gute Geschäfte. Er selbst schreibt vor¬
sichtigerweise gar nicht mehr selbst. Die Gelder sind erhalten teils
«« von einem Dr. Juch1), teils von dem portugiesischen Juden Castello
(altes portugiesisches Geldhaus), den der große Gerstenberg da¬
zu veranlaßt hat.
575. Marx an Engels; [1859 März 22].
Lieber Engels,
so Dies Brief von Eccarius. Leider mußte er wieder in die Schnei¬
derhölle, wofür er mir keineswegs hergestellt scheint.
Ich heute geschrieben über Reformbill; Du mußt (wenn Deine
Augen, wie ich hoffe — sonst of course don’t think of it) schreiben
über Wahrscheinlichkeit des Kriegs. Ich halte es für nötig, damit
3s die Hunde von der Tribune nicht abschreiben. Von Berlin
nichts gehört. Erst drei Korrekturbogen in a ch t Wochen erhalten.
Salut.
Dein K. M.
9 Im Orig. Jucht
Z. 20-22.
374
(576) 1859 März 25
576. Marx an Engels; [1859] März 25.
25 March.
Lieber Engels,
Ich glaube, Du hast Llassalle]s Brief mißverstanden.
Er schreibt nur: «
„Auf den Inhalt der Broschüre bin ich sehr begierig. M[arx’]
Werk wird auch bald erscheinen etc.“ Er sagt damit, daß er
Deine Broschüre nicht gelesen hat. Voilà tout. Dieselbe Affek-
tation wie mit meinem Manuskript, das er nicht gelesen zu
haben vorgibt. Ich habe heute morgen einen Brief von ihm er- w
halten, den ich Dir später schicke. Wäre Dein Manuskript nicht
angelangt, so hätte er’s mir jedenfalls mitgeteilt.
Dein Manuskript ging am selben Tag von London ab, wie
es ankam. Pfänder erhielt einen Empfangschein. Übrigens ist
es sicher angekommen. Der Duncker ist a slow coach. Ich habe »
bis dato (eight weeks) nur drei Korrekturbogen erhalten.
Dein K. M.
577. Marx an Engels; 1859 April 1.
1. April 1859.
Lieber Engels, 20
Einliegend Brief von Lass[alle]. Einliegend Brief von Dana,
den Du zurückschicken mußt. Ich warte mit Antwort darauf, bis
Du mir geschrieben.
Artikel von mir geschrieben über Reformbill, Ministry. Mein
Artikel für nächste Woche: Indische Finanzen. Die ganze
andre Welt steht Dir also offen.
Palmerston wird also, wie es zu Compiègne (aber dahinter zu
Petersburg) beschlossen war, wieder ins Ministry, sei es unter
welcher Denomination. Ohne ihn konnte Rußland keinen Krieg
erlauben. Bright und Russell haben ihm jetzt wie 1852 und 1855 30
die Kastanien aus dem Feuer geholt.
Übrigens war die Parlamentsdebatte sehr komisch. Die Tories
hauptsächlich angegriffen als Revolutionists von den Whigs und
Radicals. Bright und Gibson dabei sehr elende Rolle. (Letztrer
klagt sogar auch romantisch gegen électoral districts.) Andrer-^
seits die Farce, daß die Tories im Namen der middleclass, Whigs
aber und middleclass im Namen der working dass ihren eignen
Dreck gegeneinander vertreten. Dies zeigt viel Fortschritt in
England.
Salut. Dein K. M. «
Z. 21-26.
(578) 1859 April 9
375
578. Marx an Engels; 1859 April 9.
9. April 1859.
Lieber Frederick,
Dem Dana geschrieben, er soll die Artikel haben bei besserer
s Zahlung.
Pieper endlich (nach einem bösen Rückfall) aus dem Hospital
hinaus, geheilt, nach Bremen. Er hat eine eklige Brandstelle auf
der Stirn.
Hast Du die Blamage des Palmerston in der italienischen Frage
io (1848) verfolgt?
Anstey ist zurück von Hongkong und droht dem P[almerston]
mit Rache. Der A[nstey] ist kein ungefährlicher Gegner für ihn,
jedenfalls schlimmer als Urquhart.
Die indischen Finanzwirren müssen als das reale Resultat der
u indischen Insurrektion betrachtet werden. A general breakdown
derselben scheint unvermeidlich, oder aber eine Besteurung der
Klassen, die die solidesten Anhänger Englands bis dato waren.
Übrigens wird selbst das nicht gründlich helfen. Der Witz ist, daß
John Bull jetzt Jahr für Jahr 4—5 Millionen bar in Indien wird
2o zahlen müssen, um die Maschine in Gang zu halten, und auf diesem
schönen Umweg seine Staatsschuld wieder in die gehörige pro¬
gressive ratio bringen. Es muß sicher zugestanden werden, daß der
indische Markt für Manchester cottons verdammt teuer bezahlt
wird. Nach der Militärkommission Report müssen für viele Jahre
a 80000 Europeans in Indien neben 200000 bis 260000 natives
gehalten werden. Dies kostet about 20 Millionen £ St., und das
ganze Net Revenue beträgt nur 25 Millionen £. Außerdem hat die
Insurrektion 50 Millionen £ St. permanent debt oder, nach Wil¬
sons Berechnung, 3 Millionen permanentes jährliches Defizit zu-
3o gefügt. Ferner die guarantee auf die railways 2 Millionen £ St.
jährlich, bis sie in Gang sind, und permanent eine kleinere Summe,
falls ihr net revenue nicht 5% erreicht. Bisher hat Indien (mit
Ausnahme des wenigen Stücks Eisenbahn, das fertig) nichts von
der Sache als die Ehre, den englischen Kapitalisten 5% für ihr
33 Kapital zu zahlen. Aber John Bull hat sich selbst geprellt, oder
vielmehr ist von seinen Kapitalisten geprellt worden. Indien zahlt
nur nominell, John Bull reell. Z. B. ein großer Teil des Ioans
von Stanley war nur, um den englischen Kapitalisten selbst für
noch nicht begonnene Eisenbahnen 5% zu zahlen. Endlich die bis-
m herige jährliche Revenue von Opium, an 4 Millionen £ St., ist in¬
folge des chinesischen Vertrags sehr bedroht. Das Monopol muß
jedenfalls purzeln, und der Anbau des Opiums in China selbst
wird in kurzem blühn. Die Opiumrevenue beruhte exakt darauf,
Z.4—10?
376
(578) 1859 April 9
daß es ein Kontrabandartikel war. Die jetzige indische Finanz¬
katastrophe ist nach meiner Ansicht eine ernsthaftere Affäre, als
der indische Krieg war.
Was sagst Du von Duncker? Ist das nicht ein Hund von einer
Schlafmütze? «
Salut.
Dein K. M.
579. Engels an Marx; 1859 April 11.
Montag, 11. April 1859.
L. M., w
Artikel für Freitag über den Krieg. Die Östreicher scheinen
doch die Initiative ergreifen zu wollen. Sehr vernünftig. Den
Kriegsplan habe ich, wenn ich nicht irre, der Tribune schon ge¬
schickt: Offensive der Östreicher, um die Piemontesen zuerst und
dann die über den MontCenis,MontGenèvre, Col diTenda und Boo «
chetta eindringenden Franzosen einzeln zu schlagen — nicht wahr?
ich besinne mich nicht genau mehr. Die Sache wird sehr heiter.
Was das in Berlin für klugscheißende slow coaches sind. Nicht
einmal eine Broschüre können sie drucken! Ich hab weiter gar
nichts gehört, es ist zum Tollwerden. 20
En attendant, vive la guerre! in zehn Tagen werden sie hoffent¬
lich bei Alessandria oder Casale aneinander sein, und wer weiß,
was für Füchse ich nächste season jagen werde!
Dein F. E.
580. Marx an Engels; 1859 April 12.
April 12. 1859.
Lieber Engels,
Wegen Deiner Broschüre schrieb Lassalle mir gestern:
„E Ingels’] Broschüre ist vor drei Tagen erschienen. Ich schicke
ihm heut zwei Exemplare unter Kreuzkuvert und so täglich, sechs 30
Tage hintereinander. Dies ist nämlich die einzige Weise, die wir
ausklügeln ( ! ) konnten, um zugleich großes Porto und andrerseits
das Erraten des Verfassers der Broschüre durch
gewisse Personen zu vermeiden. Schreibe ihm das.“
Hast Du je einen solchen Abderitenstreich gesehn? Um die Auf- «
merksamkeit von Dir abzuziehn, schicken sie Dir „sechs Tage
hintereinander“ Exemplare unter Kreuzkuvert zu!
Nr. 579.
(580) 1859 April 12 377
Von der Sache selbst schreibt L[assalle]: „Die Broschüre im¬
poniert wahrhaft durch die Schärfe und Gediegenheit der darin
entwickelten strategischen Kenntnisse.“ (Die „Schärfe“ von
„Kenntnissen“ ist als lapsus pennae zu betrachten.)
s In bezug auf meine Angelegenheit schreibt Llassalle] : „Duncker
sagte mir, daß die Hefte bis Mitte Mai fertig sein werden. (Also
wieder einen neuen Monat Ausstand.) Den Druck beteuert er so zu
beeilen, wie er eben kann. Jedenfalls bist Du mit Deiner Ver¬
mutung, daß er absichtlich langsam verfahre, ganz irrig. Es
io geht alles ziemlich langsam bei ihm.“ Jedenfalls weiß ich, daß
ich wieder während zehn Tagen keinen Korrekturbogen erhalten
habe.
Apropos! Die „Neue Zeit“ pfeift aus dem letzten Loch. Herr
Edgar, der zuletzt sie sogar mit einer Novelle von eigner Erfindung
is bereicherte, ist seit einer Woche — da er sah, daß die Welt durch¬
aus unempfindlich für seinen Genius — abgetreten. Letzten Sonn¬
abend erschien eine halbe Nummer, und diese Woche wird es am
End sein. Auch der „Hermann“ wird nach umlaufenden Gerüch¬
ten bald das Zeitliche segnen. Gut, daß die Hunde die Gelegenheit
20 so eifrig ergriffen, ihrNichts so vor allerWelt schamlos barzulegen.
Der Kinkel hat den Kinkelhumbug eigenhändig gekillt. Der Clown
andrerseits hat sich überzeugt, wie „leicht“ es ist, unsren Platz in
der kommunistischen Literatur einzunehmen.
Salut.
25 Dein K. M.
Den Angriffsplan der Östreicher hast Du, so wie Du ihn angibst,
in der Tribune expliziert.
Pas trop de zèle!
581. Marx an Engels; [1859] April 16.
so London, April 16.
Lieber Engels,
Ich unterstelle, daß, wenn diese Zeilen ankommen, Dein Zahn¬
weh vorüber. Es ist eine verteufelte Geschichte.
Meanwhile habe ich Anstalten getroffen, die in kurzer Zeit
35 meine Einnahmen verdoppeln werden und damit dem eingerosteten
Dreck ein Ende machen. Lassalles Vetter, Friedländer (früher Re¬
dakteur der N[euen] Oder-Zeitung mit Elsner et Co.), jetzt Redak¬
teur der Presse in Wien (die, en passant, 24000 Abonnenten
hat), hatte mir Januar 1858 Korrespondenz an seinem Blatt an-
4o geboten. Ich schlug es damals ab, weil er als Bedingung setzte, daß
Z. 5—12.
13 (Herr)-16.
26-28 !
378
(581) 1859 April 1«
Palmerston nicht angegriffen werden solle, sondern nur Bonaparte.
Jetzt, all conditions laid aside, hat er das Angebot er¬
neuert. Dies jedoch ist Nebensache, da es sich regelmäßig nur
um einen Artikel (20 fcs.) pro Woche handelt. Aber gleichzeitig
werde ich ihr Telegrammsdiicker (in französischer Sprache), 4
10 fcs. pro Telegramm, und dies, obgleich zeitraubend, ist ein¬
träglich.
Der einzige Punkt, um den es sich noch handelt, ist die An¬
weisung eines Bankierhauses in London, da das Telegraphieren
viele Auslagen nötig macht. Die Verhandlungen — eh die Be- »
dingungeri gesettled — haben sich über drei Wochen erstreckt.
Gestern erst habe ich definitive Antwort auf den an demselben Tag
erhaltnen Brief von Wien geschickt. Es wird also acht bis zehn
Tage dauern, bis die Sache im Gang.
Meanwhile ist am nächsten Dienstag der Zins für unser Haupt- "
Silberzeug, Uhren etc. fällig. Meine Frau hat schon drei Wochen
durch Privattransactions mit dem pawnbroker das Verfallen auf¬
geschoben, aber Dienstag ist ultimus terminus. Indem ich Dich also
ersuche, einige £ herüberzuschicken, hoffe ich zugleich, daß mit
diesmal die Sache definitiv am Ende ist und die Steuer auf Dich ein »
peremptorisches Ende hat
Sei so gut und schick eine Kopie1* für midi. Sobald mehre in
Deiner Hand, muß Freiligrath und Pfänder jeder eine haben.
Salut.
Dein K. M. «
582. Marx an Engels; [1859] April 19.
19. April.
Lieber Engels,
1.5^ arrived. Best thanks.
2. Tribunes such ich Dir zusammen und schicke sie in the »
course of this week.
3. In der heute angekommenen Tribune (d. d. April 5)
findet sich Angriff, einliegender, wahrscheinlich von einem unga¬
rischen Esel, worauf Du schon Freitag antworten mußt. Die
Answer vom „14th inst“, worauf der Esel anspielt, ist nicht in «
meiner Hand. Indes siehst Du aus seiner eignen répétition alles,
was er sagte in „his short answer“.
4. Was sagte die A [ugsburger] A [llgemeine] Z [eitung] mit Be¬
zug auf Deine Tribuneartikel?
5. Gestern sah ich im Hamburger Korrespondenten angezeigt
von Duncker „Po und Rhein“.
O „Po und Rhein**
Z. 15—19 (herüberzuschicken),
(582) 1859 April 19
379
6. Ich selbst habe bis jetzt acht Korrekturbogen erhalten. Die
Sache geht also zu Ende, aber Dtuncker] wird wohl wieder zwei
Wochen nichts schicken.
7. Ad vocem Lassalle morgen, wenn ich Dir überhaupt näher
« schreiben werde.
Salut.
Dein K. M.
583. Marx an Engels; 1859 April 22.
22. April 1859.
io Lieber Frederick,
Ich habe Deinen article modified nach den letzten news.
Ich glaube nicht, daß Du Deine Zeit so verschwendet hast (ich
war gezwungen dazu), die parlamentarischen Debatten von letztem
Montag durchzuwaden. Der gist davon war der:
is 1. England ist düpiert worden während der ganzen Verhand¬
lungen ;
2. England ist dezidiert für Ostreich.
Ad 1. Die englischen Minister hatten schon einmal angekündigt,
alles sei settled. Dies war, als die Nachricht von der Räumung
so Roms durch alle Blätter lief. Aus den Erklärungen im Oberhaus
folgt: Der Papst verlangt wirklich die Räumung seines Gebiets.
Frankreich hatte beständig England vorgeheult, seine Position in
Rom sei falsch. Es wolle abziehn, aber des Papstes Befürchtungen
einerseits, andrerseits die Weigerung der Östreicher, ebenfalls zu
ss ziehn, hinderten es. Dies war sogar der offizielle Pretext, wo¬
durch Boustrapa England die Szene mit dem östreichischen Ge¬
sandten am 1. Januar rechtfertigte. Well! Der Papst schnitt diesen
Pretext ab. Ostreich zog actually zwei Bataillons aus Bologna
weg und hatte Orders gegeben für den Aufbruch der übrigen Trup-
so pen. Da fand Bonaparte Vorwände, nicht zu räumen, und so zer¬
schlug sich die ganze Sache. Dies hatte Herm Derby in sehr bad
temper versetzt, und Bonaparte, to sooth him, eröffnete sein Herz
über die „Italian Question“ dem Lord Cowley, der nach London
telegraphierte und seine Forderungen „satisfactory“ fand. Auf
is dies hin ward Cowley — mit den von England akzeptierten
Forderungen B[onaparte]s — nach Wien gesandt. (Dieser Cowley
ist derselbe Schweinhund, der 1848/49 in Wien gegen die deutsche
Revolution intrigierte.) Dies war Ende Februar. Ostreich, das sich
nur mit schwerem Herzen zum Krieg entschloß und damals noch
u lange nicht so weit wie Mitte März mit seinen Rüstungen vorge¬
schritten war, nahm alles an. Als Cowley auf der Rückreise
380
(583) 1859 April 22
nach Paris über London kam, war „er“ und das „Ministerium“,
sagt Derby selbst, völlig überzeugt, daß alles settled sei, und
blamierten sich wieder durch eine neue Erklärung in
diesem Sinn vor dem Parlament. Cowley reist also sanguinisch
nach Paris. Hier erfährt er, daß man Blindekuh mit ihm gespielt s
und daß auf den Vorschlag Rußlands Boustrapa a general
congress akzeptiert, auf dem, ebenfalls nach dem Vorschlag
Rußlands, nur die fünf Großmächte repräsentiert, also Sar¬
dinien ausgeschlossen sein sollte. Derby sagt gradezu, daß Ru߬
lands Intervention (obgleich mit Frankreich verabredet; io
aber Bonaparte konnte natürlich nicht conditions abschlagen,
die England in s e i n em Namen an Ostreich gestellt) allein schuld
sei, daß der Friede nicht zustande gekommen. Palmerston, den¬
selben Tag im House of Commons, sagte, er tadle Rußland nicht
(of course). Wenn die englische Vermittlung geglückt, habe Ruß- is
land nicht die Rolle gespielt, die ihm auf einem Kongreß sicher
sei und die ihm in europäischen Fragen zukomme. Obgleich sehr
verdrießlich, nahm Derby den russischen Vorschlag an, unter ge¬
wissen Bedingungen, wovon the principal, daß die territorial Sett¬
lements des Wiener Vertrags von 1815 nicht angetastet werden ?»
sollten. Ostreich, das sich bereits eingebildet hatte, alles sei abge¬
macht, sah nun klar, daß Krieg beschlossen und daß man
es nur an der Nase herumführen wollte. Auf den englischen neuen
Vorschlag antwortete es daher mit der unverschämten Forderung,
Sardinien müsse, als Präliminarie zu dem Kongreß, entwaffnen, w
Darauf schlug Derby Bonaparte vor, Sardinien zu dieser Blamage
zu bewegen, so daß aber gleichzeitig England und Frankreich zu¬
sammen es kontraktlich verbürgen sollten gegen einen Friedens¬
bruch Ostreichs während des Kongresses. Der Esel Bonaparte
schlug das ab. Hätte er es angenommen, so konnte er durch seine w
Agenten an der östreichisch-piemontesischen Grenze irgendwie
einen Krawall veranlassen, und dann was England bound down to
an offensive treaty with France and Sardinia against Austria, und
Palmerston würde die Tories schon gezwungen haben, to be as
good as their word. Andrerseits erschraken die Östreicher über die is
Leichtigkeit, mit der England unter gewissen Bedingungen Offen¬
sivallianz gegen sie einzugehn bereit war. Sie eiklärten sich also
nun sofort für den englischen Vorschlag und verwandelten die Ent¬
waffnung Sardiniens in eine allgemeine Entwaffnung. Nun kam
der Skandal, ob, wie Ostreich sagte, vor, oder wie Bonaparte sagte, w
nach dem meeting der congress entwaffnen sollte, dann, ob Sar¬
dinien zuzulassen sei oder nicht etc. Kurz, alle neuen Schwierig¬
keiten gingen von Bonaparte aus, 1. die quibbles wegen der Ent¬
waffnung; 2. er und Rußland hatten ja vorgeschlagen,
Sardinien vom Kongreß auszuschließen. Derby war so wild letzten «
(583) 1859 April 22
381
Montag, daß er förmlich geschrien haben soll, als er erklärte, Eng¬
land mache jetzt noch einen ultimate Vorschlag; aber er sei
des triflens müd und werde, wenn der mißglücke, nicht mehr als
Mediator auftreten etc.
5 Ad 2. Bonaparte konnte diese letzten Vorschläge annehmen, da
sie nur Ostreich schädlich, sofern dies mit seinen Rüstungen
voraus. Er mußte sie annehmen, um dem Derby den Vorwand
zu nehmen, sich direkt gegen ihn zu erklären. Ostreich mußte sie
ablehnen, wollte es nicht sich um alle Vorteile bringen etc. Bona-
20 parte, der auf den Sturz Derbys und den Eintritt Palmerstons ge¬
rechnet hatte, war in a plight the worse, da Derby und D’Israeli in
ihren Reden direkt zeigten, daß sie müd seien, von Bon [aparte]
und Rußland düpiert zu werden, außerdem direkt für Ostreich
Partei nahmen. Malmesbury sagte, er begreife nicht, auf wel-
J5chen Vorwand hin Bonaparte sich in die italienischen Wirren
eingemischt. Derby sagte, England werde erst armed neutrality
halten, dann aber sich gegen die Macht wenden, die auf „falschen
Vorwand“ hin dén Krieg hervorgerufen. Derby sagte, Englands
Interesse im Adriatischen Meer erlaube ihm nicht, die Arme zu
20 falten; einen Angriff auf Triest bezeichnete er fast als Casus belli.
Disraeli sagte, Ostreich habe sich mit „dignified modération“ be¬
nommen, Sardinien „ambiguous, vexing and even ambitious“.
Endlich sagten sie alle, die Verträge von 1815 müßten maintained
werden, und, direkt in bezug auf das territorial Settlement in Italy,
25 diese Verträge, heben sie wiederholt hervor, „intended putting a
check upon the encroaching ambition of France“.
So viel ist sicher: durch den Witz, daß Derby, statt abzutreten,
das Parlament zum Teufel schickte und so den Palmerston einst¬
weilen ins Privatleben bannte, ist das russisch-französische Spiel
3o in ein ernsthaftes Dilemma gekommen.
Es sind nur zwei Fälle möglich. Entweder Ostreich läßt sich ein-
schüchtem durch drohende telegramms von London und Berlin und
withdraws Gyulais ultimatum an Piemont. In diesem Fall kann
dem Bonaparte kein Gott helfen. Dann muß er, in fact, ent-
35 waf fnen, und die Armee behandelt ihn als Soulouque. In Paris
sind ohnedem die Arbeiter rasend über die Gemeinheit von Blan-
quis Deportation nach Cayenne. Oder Ostreich ist der diploma¬
tischen Spielerei müd und marschiert los auf Turin. In diesem Fall
hat Herr Bonaparte diplomatisch gesiegt, weil Ostreich zuerst den
40 Krieg erklärte; erkauft aber diesen diplomatischen Sieg mit an
ugly military defeat. In diesem Falle gebe ich nicht vier months
purchase for his crown and dynasty.
Morgen schick’ ich Dir die Tribunes.
Apropos!
45 Der große Reichs-Vogt hat eine Epistel an Freiligrath ge¬
382
(583) 1859 April 22
schrieben, worin er ihm anzeigt, daß diese Reichsbande eine neue
Zeitung1) in Zürich (oder Bem, ich hab das vergessen) herausgibt.
Er fordert Freiligrath auf, für das Feuilleton zu schreiben und
den tiefsinnigen Bucher als politischen Korrespondenten zu werben.
Das Programm, worauf Reichs-Vogt eine neue „Partei“ bilden s
will, und das, wie er selbst sagt, sehr wohlwollend von A. Herzen
aufgenommen, ist dies: Deutschland gibt seine außerdeutschen Be¬
sitzungen auf. Unterstützt nicht Ostreich. Der französische Despo¬
tismus ist vorübergehend, der österreichische bleibend. Man er¬
laubt beiden Despoten zu verbluten. (Sogar gewisse Hinneigung w
zu Bona sichtbar.) Deutschland bewaffnete Neutralität. An revo¬
lutionäre Bewegung in Deutschland ist, wie Vogt „aus bester
Quelle weiß“, nicht zu denken during our lifetime. Consequently,
sobald Ostreich ruiniert durch Bon [aparte], beginnt von selbst eine
reichsregentschaftlich gemäßigt liberalnationale Entwicklung in is
dem Vaterland, und Vogt wird vielleicht noch preußischer Hof¬
narr. Aus Vogts Brief sieht man, daß er glaubt, Freilligrath]
habe mit uns gar keinen Zusammenhang mehr. Die Unwissen¬
heit dieses Reichsvogts über die Leute, mit denen er zu tun.
Bucher, als Urquhartit, ist Östreicher. Der große Blind, on so
the other hand, in dem Dilemma, daß er gegen Bona als Deutscher
und gegen Ostreich als V Rotteck ist, beruft, at the present moment,
ein „deutsches Parlament“ zusammen, was der Telegraph bald
nach Manchester melden wird.
Salut. «
Dein K. M.
584. Marx an Engels; 1859 Mai 6.
6. Mai 1859.
Dear Frederick,
Deinen Artikel erhalten. Du wirst aus einer telegraphischen 30
Depesche ersehn haben, daß Heß sich gegen Gyulais Plan erklärt
hat ( soll wahrscheinlich heißen Planlosigkeit). Von unsrem
point of view betrachtet, ich meine den revolutionären, ist es gar
nicht unerwünscht, wenn Ostreich zuerst entweder eine Schlappe
bekommt oder, was moralisch dasselbe, sich wieder in die Lom- 35
bardei zurückzieht. Die Verhältnisse werden dadurch viel ent¬
wickelter, und die nötige Zeit, damit die Sachen in Paris reifen,
wird damit gegeben. Überhaupt stehn die Sachen so. daß, auf
welcher Seite immer blunders gemacht werden, sie zu unserem Vor-
O Bieler „Handelskurier“.
(584) 1859 Mai 6
383
teil ausschlagen müssen. Wenn Ostreich von vornherein die pie-
montesische Armee geklopft,Turin genommen, die Franzosen beim
Débouchieren aus den Alpen gehauen, so würde Rußland vielleicht
sofort gegen Bonaparte kehrtgemacht — jedenfalls war es noch
« nicht faktisch gegen Deutschland engagiert —, und unsre
lausige preußische Regierung wäre aus dem einzigen Dilemma ge¬
bracht worden, das ihr den Hals kosten wird. Ferner: Solch schla¬
gende Niederlage gleich beim Beginn konnte eine französische
Militäremeute und Pariser Revolution gegen Bonaparte hervor-
w rufen. Was dann? In diesem Moment wäre die Folge gewesen,
daß die heilige Allianz siegreich gegen eine mögliche revolutio¬
näre Regierung in Paris in den Waffen, was sicher nicht unser
calcul ist. Radetzky hatte selbst das revolutionäre Feuer von 1848
in seinen Adem. Dagegen denke ich, daß auf beiden Seiten, öst-
w reichischer und französischer, der Krieg jetzt mit reaktionärer
Mittelmäßigkeit geführt werden wird.
Es ist unrecht, daß Du nicht wenigstens noch zwei Pamphlets
hergeschickt hast, für Pfänder, der Dein Manuskript unter seinem
Namen fortgeschickt hat, und für Freiligrath. Auch wäre es pas-
» send, wenn Du eine Kopie an P. Imandt schicktest. (Dundee,
Dundee Seminary.) Du mußt einige Rücksicht auf Parteiverhält¬
nisse nehmen und die Leute bei gutem Humor halten.
Apropos! In Deinem Artikel vom vorigen Freitag habe ich den
ganzen Eingang weggestrichen, erstens, weil ich meine misgivings
ss gegen die Östreicher hatte; zweitens, weil wir absolut unsre Sache
nicht mit der der jetzigen deutschen Regierungen identifizieren
müssen.
Nach meiner Ansicht wird der brave Palmerston in sehr kurzer
Zeit wieder als Foreign Minister oder Kriegsminister am Ruder
so sein. Die Ochsen von Tories machen ihm in der Tat das Spiel zu
leicht. Erst verderben die Kerls den Östreichem das Spiel durch
ihren lausigen show of médiation. Dann, sobald der französisch¬
russische Vertrag bekannt wird, setzen sie ihre force darin, ihn
abzuleugnen, um zu beweisen, that they have not been taken by
ss surprise. Dies gibt dann der Times Gelegenheit sie auszulachen
und patriotische Attitude gegen Rußland anzunehmen. Das long
and short der Sache aber ist, daß in Times, wie in allen andern
Palmerstonblättem (obgleich diese, je nachdem die Rollen unter
sie verteilt sind, für oder gegen die verschiednen involvierten
so Mächte auftreten), auf die Notwendigkeit hingewiesen wird (Mor-
ning Advertiser und Daily Telegraph, als für den Mob schreibend,
sprechen dies offen aus), the truly British minister wieder zu in¬
stallieren. Die lausigen Tories hätten statt dessen an den russisch¬
französischen Vertrag „glauben“ sollen und bei der Gelegenheit
« gegen Pam losfahren. Sie hatten die besten opportunities. Erstens
384
(584) 1859 Mai 6
war Pam in Compiegne, als der ganze Plan ausgeheckt wurde.
Zweitens hatte Herr Whiteside im Namen des Ministeriums dem
stupiden John Bull ja schon mitgeteilt — was aus den blue books
längst bekannt war —, daß 1848 Ostreich Palmerston anbot, d i e
Lombardei ganz aufzugeben, in Venedig aber eine s
italienische Regierung unter einem östreichischen Archduke ein¬
zusetzen, wenn er mediieren wolle. Piemont hatte sich gleichzeitig
an ihn gewandt, Frankreich ditto. Was tat Pam? Er verwarf den
Vorschlag, weil, was der pretext, auch Venedig ganz fahren ge¬
lassen werden müsse. Diese Antwort gab er nach drei Wochen io
Schweigen. Sobald Radetzky gesiegt hatte, forderte er die Öst¬
reicher auf, den ihm mitgeteilten Plan durchzuführen. In der unga¬
rischen Affäre machte er (diesmal mit Bezug auf die conditions,
unter denen die schon verzweifelnden Ungarn sich unterwerfen
wollten) dasselbe Manöver. Die Retour des Kerls zum Ministerium is
ist a real danger. Übrigens fangen die Kerls in Deutschland an, ihn
zu verstehn. In einem Buch von Prof. Wurm in Hamburg (Ge¬
schichte des Orientalischen Kriegs) und einem Buch über Nikolaus
von einem andern Deutschen, dessen Namen mir entfallen, ist Pam
als russischer Agent gradezu angegriffen.
Ad vocem: business. Der Esel Friedländer schrieb mir,
d. d. 12. April, hatte aber die Hauptsache vergessen, nämlich ein
Bankierhaus anzuweisen. Statt dessen sprach er von einem „Vor¬
schuß“. Letztres ist nonsense. Jede Woche sind 8—10, oft 15 St.
nötig für die Telegramms. Ich schrieb das dem Esel. Bisher noch 25
keine Antwort, obgleich er mir die Wiener Presse (hat jetzt,
wie ich aus ihr selbst sehe, 26000 Abonnenten) regelmäßig zu¬
schickt. Ich schrieb gestern einen donnernden Brief an Lassalle.
Aus der „Presse“ sehe ich, daß L[assalle] seine Korrespondenz
und sein Telegraphieren an die „Presse“ mit vielem Eifer, wenn st
auch mit wenig Talent eröffnet hat. Er akzeptierte diesen Posten
aber erst, nachdem ich ihm schriftlich „die Erlaubnis gegeben“,
da er das, wie er schreibt, politisch nicht riskieren wolle, ohne
meinen consent. Wäre es nun nicht eine komische Geschichte, wenn
die ganzeTransaktion dahin ausliefe, daß L[assalle] sich installiert «
hat? Möglicherweise aber rührt die Verzögerung aus der Schwie¬
rigkeit für Friedländer, bei den jetzigen Troubles die Geldaffäre
in Wien zu arrangieren. Meanwhile treibe ich aus Ungeduld
Algebra.
Ist Lupus in Manchester? 40
Salut.
Dein K. M.
Z. 29-36 ?
(585) 1859 Mai 16
385
585. Marx an Engels; 1859 Mai 16.
May 16, 1859.
Lieber Engels,
Aus dem einliegenden Brief von Lassalle, den ich umgehend
s zurück haben muß, siehst Du, wie weit die Sachen mit dem Wiener
business. Ich habe sofort an Friedländer geschrieben. Lassalle
weiß nämlich nicht, daß ich die „Presse“, aus der ich Dir einige
Auszüge mitschicke, täglich erhalte und daraus ersehn habe, daß
er bis zu meinem Brief fortwährend korrespondiert hat, daß aber
io die Zeitung seine Telegramme aus Berlin, weil sie taktlos lang
waren, stoppte; auch seine Korrespondenz unbehülflich und eher
störend für jede Zeitung war. Es ist möglich, daß es mit der
ganzen Geschichte nichts ist, aber es ist auch möglich, daß der
commercial panic zu Wien, nur mit dem Hamburger zu ver-
is gleichen, den Leuten bis jetzt das arrangement verhindert hat.
Nous verrons.
Nächstens mehr und sehr Komisches. Heute nur so viel: Korff,
unser Exgerant, ist wegen forgery of a bill zu zwölf Jahren Zucht¬
haus in New Orleans verurteilt worden.
2o Exreichsregent Vogt hat sich an Bonaparte verkauft.
Salut.
Dein K. M.
586. Marx an Engels; 1859 Mai 18.
18. Mai 1859.
25 Lieber Engels,
Der Brief von Lassalle enthält mehre points, wofür ich ihm
den Kopf waschen werde. D’abord spricht der Jüngling von dem,
was er „für mich tim soll“. Ich aber verlangte nichts von ihm, als
daß er, der die ganze Sache eingeleitet, und dessen Korrespondenz
so ich fortwährend in der „Presse“ figurieren sah, mir das rätselhafte
Schweigen von Wien aufklären sollte. Dies war sein business.
Zweitens gibt er sich das Ansehn, als habe er erst nach schweren
Kämpfen, auf „mein“ Andringen, mit der „Presse“ korrespon¬
diert. Einmal aber gesteht er in demselben Briefe, daß er, schon
35 bevor ich mich erklärt, nach Wien zu korrespondieren begonnen
hatte. Dann aber dreht er den „Zusammenhang“ um. Er, als er mir
Friedländers Angebot schrieb, kohlte zwei Seiten darüber, ob oder
ob er nicht nach Wien schreiben solle und machte die Sache von
meiner Entscheidung abhängig. Es verstand sich d’abord von
4o selbst, daß, wenn ich eine Korrespondenz mit der Presse gut genug
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 25
Z. 9 (daß)—12. 17 (Heute)—19. 36(Er)-40-
386
(586) 1859 Mai 18
für mich hielt, ich sie nicht zu schlecht für Llassalle] halten würde.
Zudem sah ich aus seinem Briefe, wie ihm die Nägel brannten
nach meinem consent. Wozu also jetzt diese großprahlerische Ver¬
drehung des Kausalnexus? Was er über die „Tendenz“ sagt, wes¬
wegen er schreibt, den F[riedländer] „gerüffelt“ zu haben, ist 5
nonsense. Die „Wiener Presse“ ist für ein östreichisches Blatt unter
gegebnen Umständen geschickt und anständig redigiert, mit viel
mehr Takt, als L [assalle] zu mustern hätte. Endlich habe ich den
Jüngling nicht auf gefordert, mich darüber zu belehren, was meiner
„würdig“ oder nicht würdig sei. Ich finde es rather arrogant, mir io
darüber Winke zu erteilen. Ich werde positivement, wenn F[ried-
länder] die Geldverhältnisse settle kann, bei meinem Entschluß
bleiben, der in keiner Weise dadurch gestört ist, daß L [assalle] s
Korrespondenz dem F[riedländer] nicht zu behagen scheint. Aus
den letzten Nummern der „Presse“ sehe ich, daß ihre Abonnenten- w
zahl auf 27 000 gewachsen.
L[assalles] Pamphlet ist ein enormous blunder. Das Erscheinen
Deines „anonymen“ Pamphlets ließ ihn nicht schlafen. Die Posi¬
tion der revolutionären Partei in Deutschland ist allerdings in die¬
sem Moment schwierig, indes doch bei einiger kritischen Analyse 20
der circumstances klar. Was die „Regierungen“ angeht, so muß
offenbar, von allen Standpunkten aus, schon im Interesse der
Existenz Deutschlands die Forderung an sie gestellt werden,
nicht neutral zu bleiben, sondern, wie Du richtig sagst,
patriotisch zu sein. Die revolutionäre Pointe aber ist 25
der Sache einfach dadurch zu geben, daß der Gegensatz gegen
Rußland noch stärker betont wird als der gegen Boustrapa. Das
hätte L [assalle] gegen das antifranzösische Geschrei der N[euen]
Pr[eußischen] Zleitung] tun sollen. Es ist auch dieser Punkt,
der in der Praxis im Fortgang des Kriegs die deutschen Regie- 30
rungen in Reichsverrat hineinreiten wird, und wo man sie am
Kragen fassen wird. Übrigens, wenn L [assalle] im Namen der
Partei zu sprechen sich herausnimmt, muß er für die Zukunft ent¬
weder sich gefaßt machen, offen von uns desavouiert zu werden,
indem die Verhältnisse zu wichtig sind für Rücksichtnahme, oder, 35
statt den gemischten Inspirationen von Feuer und Logik zu folgen,
muß er vorher sich verständigen über die Ansicht, die andre Leute
außer ihm haben. Wir müssen jetzt durchaus auf Parteidisziplin
halten, oder alles wird in den Dreck geritten.
Die Konfusion in den Köpfen hat eine sonderbare Höhe er- 40
reicht. There is d’abord der reichsverräterliche „Reichsregent“,
der bares Geld von Paris erhalten hat. Herr Meyen im Hamburger
Freischütz belobt Vogts Schrift. Einer Sorte Vulgärdemokraten
(einige ehrliche darunter denken, daß Niederlage Ostreichs, durch
Revolution in Ungarn plus Galizien etc. ergänzt, Revolution in 45
(586) 1859 Mai 18
387
Deutschland hervorbringen würde. Die Ochsen vergessen, daß
jetzt Revolution in Deutschland = Desorganisation seiner Ar¬
meen nicht den Revolutionären, sondern Rußland und Boustrapa
zugut kommen würde) ist es natürlich ein Gaudium, mit den de-
5 zembrisierenden Ungarn (lauter Bangy as) und Polen (HerrCzies-
kowski in der preußischen Kammer nannte vor ein paar Tagen Ni¬
kolaus der Polen „großen slawonischen Alliierten“) und Italienern
in ein Hom tuten zu können. Eine andre Bande, wie Blind, die
Patriotismus und Demokratismus verbinden will, blamiert sich
io (auch der alte Uhland darunter), indem sie Krieg mit Ostreich
gegen Bloustrapa] und zugleich Reichsparlament verlangt. Diese
Esel sehn d’abord nicht, daß alle Bedingungen zur Erfüllung die¬
ses ekelhaften Wunsches fehlen. Zweitens aber kümmern sie sich
so wenig um die wirklichen Vorgänge, daß ihnen ganz unbekannt,
is daß in dem einzigen Teil Deutschlands, der zu entscheiden hat, in
Preußen, die Bourgeois stolz auf ihre Kammern sind, deren
Macht wachsen muß mit den Verlegenheiten des govemment; daß
diese Bourgeois mit Recht (wie die letzten Kammerverhandlungen
zeigen) nicht geneigt sind, von Badensern und Württembergern
so unter der Firma „Parlament“ diktiert zu werden, so wenig wie die
preußische Regierung die Herrschaft Ostreichs unter der Firma
„Bundestag“ will; daß diese Bourgeois von 1848 her wissen, daß
ein Parlament neben ihren Kammern die Macht der letztem bricht,
während das erstre eine bloße Phantasmagorie bleibt. In der Tat
25 ist viel mehr revolutionärer Anhalt an den preußischen Kammern,
die Budgets zu bewilligen haben und hinter denen in gewissen
eventualities ein Teil der army und der Berliner Mob steht, als in
einem debating club unter der Firma „Reichsparlament“. Daß
Badenser, Württemberger und other small deer ihrer eignen Wich-
3o tigkeit wegen umgekehrter Ansicht sind, versteht sich von selbst.
Unter unsern eignen Parteifreunden und andern ehrlichen Revolu¬
tionärs herrscht wirkliche Furcht, daß ein Krieg gegen Boustrapa
zu 1813—1815 zurückführt. Endlich die Vertreter des Credit mo¬
bilier in Deutschland (Kölnische Zeitung, Fould-Oppen-
35 heim etc.) schließen sich natürlich den demokratischen Bedenken
an und spekulieren auf die traditionelle kurzsichtige preußisch¬
dynastische Perfidie (Basler Frieden usw.). Andrerseits ein Teil
der demokratischen und revolutionären Partei glaubt aus Patrio¬
tismus in Jahn-Arndtschen Ton fallen zu müssen. Unter allen die-
4o sen Confusions, und da nach meiner Ansicht Deutschlands Schick¬
sal in der Wage schwebt, halte ich es für nötig, daß wir beide ein
Parteimanifest erlassen. Ordnet sich die Wiener Sache, so müßtest
Du dazu Pfingsten herkommen. Wenn nicht, komme ich nach Man¬
chester.
45 Now von diesen general things komme ich zum state of parties
25*
Z. 5 (lauter Bangyas)
388
(586) 1859 Mai 18
(deutschen) in London, und da muß ich einiges nachholen, was
ich, solange es im Werden war, zu langweilig hielt, Dir mitzuteilen.
Du erinnerst Dich zunächst, daß Herr Liebknecht den Clown
E. Bauer, grade zur Zeit, wo ich offen mit letzterm gebrochen hatte,
in den sogenannten Kommunistenverein führte, und daß der Clown 5
die „Neue Zeit“ übernahm, wo der unwissende Tölpel durch
exaggeration der wenigen ihm durch Scherzer zugekommnen kom¬
munistischen Phrasen unsre Partei lächerlich machte. Mir war die
Sache sehr unangenehm, nicht wegen der paar Knoten in London,
aber wegen der Schadenfreude der demokratischen Bande, wegen io
der false appearances, die einige geschickt nach Deutschland und
United States versandte copies des Saublatts hervorriefen, wegen
der Bekanntschaft, die Clown mit dem Lausezustand der Partei
machte; endlich wegen der Verbindungen, in die er mit dem
hiesigen Internationalen Komitee kam. Herr Liebknecht blieb is
während der ganzen Zeit, wo Clown die „Neue Zeit“ redigierte und
seine Vorlesungen im Verein hielt, im letztem, schwatzte außer¬
dem allerlei dummes Zeug, daß er mich verteidigen müsse gegen
das große Odium, das die Arbeiter (i. e. Knoten) gegen mich
hätten etc. Nun, als infolge von Geldmangel nur eine halbe Num- 20
mer (die ich Dir geschickt) der ,,N[euen] Z[eit]“ erschien, war
Liebknecht chairman bei einer Versammlung, wozu die ver¬
schiednen Vereine eingeladen waren, um das Blatt zu retten. Resul¬
tat war natürlich null. Nach dieser Szene berief ich die Leute zu¬
sammen (eine kleine Bande: Pfänder, Lochner etc. und einige #
neue, die Liebknecht als seinen Privatklub von alten Zeiten, seit
meinem Auszug aus der Stadt, behandelte), und bei dieser Ge¬
legenheit zerzauste ich den Liebknecht in einer Weise, die ihm
keineswegs vergnüglich war, bis er sich als zerknirschten Sünder
erklärte. Er erzählte, der Versuch werde gemacht, die „Neue Zeit“ 30
wieder herauszugeben, aber sein energisches Einsdireiten habe
das verhindert. Ich war daher überrascht, einige Tage später eine
scheinbare Fortsetzung der ,,N[euen] Zfeit]“ unter dem Namen
„Das V o 1 k“ zu erhalten. Die Sache klärte sich aber kurios auf,
dahin (sieh auch einliegenden Brief): 35
Herr Clown hatte an Biskamp (Du hast einen Brief an denselben
von B[iskamp]) schließlich geschrieben, Kinkel habe die „Neue
Zeit“ durch Intrige ruiniert, schäumte scheinbar von Rachegefühl
etc. Well. Biskfamp] kömmt nach London und ist d’abord startled
by the fact, daß einer seiner eignen für die ,,N[eue] Z[eit]“ 40
bestimmten Artikel, etwas versänftigt, im „Hermann“ erscheint.
Er läuft zum Clown, der keineswegs durch sein Erscheinen pleased
schien, sich für krank ausgab, den Weltmüden spielt und ihm
schließlich erklärt, alles sei Scheiße, er (Bisk[ampl) solle sich
nicht in den Dreck mischen, Kinkel sei zu mächtig usw. Biskamp 45
Z. 28 (in)-29,
(586) 1859 Mai 18
389
aber, dem es auffiel, daß Kinkel in die Setzerei der ,,N[euen]
Z[eit] “ seinen „Hermann“ verlegt, während er seine alte Setzerei
aufgegeben, und daß er seine Manuskripte druckte, läuft zu
Hirschfeld auf die Setzerei und findet da — Edgar Bauers
5 Handschrift und Korrektur der Kopien. In one word: Herr Edgar
hatte die „N [eue] Z[eit]“ benützt, um sich an Kinkel zu
verkaufen, und bei der Gelegenheit — Beweis der Fruchtbar¬
keit des Mannes — Biskampsche Manuskripte als seine Bei¬
träge drucken lassen. Dieser Ochs von Kinkel! Um die ,,N[eue]
io Z[eit]“ zu ruinieren, kauft er den Clown, der während seiner
ganzen Redaktion alle Polemik vermieden hatte, statt dem Clown
Geld zu geben und ihn als Redakteur der ,,N[euen] Zfeit] “ fort¬
figurieren zu lassen. Aber Gottfried glaubte so ein für allemal eine,
wenn auch kleine Konkurrenz zu beseitigen. Von dem Wirken
15 dieses Gottfried noch ein Wort. Es erschien hier ein drittes deut¬
sches Blatt, erst unter dem Titel „Londoner Deutsche Zeitung“,
dann unter dem Titel „Germania“. Dies Blatt, von einem
Ermani redigiert, hatte östreichische Tendenz. Gottfried bringt her¬
aus, daß der Redakteur irgendein Kriminalverbrechen begangen,
20 läßt ihm durch Dr. Juch^ drohen, kauft ihm Blatt und Setzerei
für ein Spottgeld ab (ob aus dem Revolutionsfonds oder aus preu¬
ßischen gesandtschaftlichen Geldern, ist ungewiß) und soll, wie es
heißt, unter Juchs Leitung das Blatt unter anderm Titel fort¬
erscheinen lassen. Kinkels Blatt hat 1700 Abonnenten, wird Ein-
25 nahmequelle, und der Kerl will es vor aller Konkurrenz und Po¬
lemik sichern.
Nach dem Verrat des Clown stiftete Bisk[amp] etc. „Das
V o 1 k“, und er sowie die Knoten wandten sich erst indirekt durch
Liebkfnecht] an mich. Dann kam Btiskamp] zu mir.
30 Ich erklärte, wir könnten direkt an keinem kleinen Blatt
mitarbeiten, überhaupt an keinem Parteiblatt, das wir nicht
selbst redigierten. Zu letztrem Schritt aber fehlten alle Be¬
dingungen in diesem Augenblick. Dagegen solle Herr Lieb¬
knecht seine Tätigkeit dem B [iskamp] zugut kommen lassen. Ich
35 billigte allerdings sehr, daß dem Gottfried nicht das Feld geräumt
und sein schmutziger Calcul baffled werde. Alles, wozu ich mich
verpflichte, sei folgendes: ihnen von Zeit zu Zeit „gedruckte“
Tribunearticles zu geben, die sie benutzen könnten; meine Be¬
kannten aufzufordem, das Blättchen zu halten; endlich münd-
/olich ihnen die mir zukommenden Notizen und „Winke“ über
dies und jenes zu geben. Andrerseits müßte sofort (dies wird in
der nächsten Nummer geschehn) Biskamp Bauer-Kinkels Sauerei
dokumentlich drucken lassen. (Ich schlage so zwei Fliegen, selbst
0 Im Orig. Jucht
Z. 9 (Dieser)-15.
390
(586) 1859 Mai 18
wenn das Blättchen aufhört.) Die objektive Höhe des Clown müsse
fallen gelassen und in every respect offensiv und polemisch, und
zwar in möglichst lustigem Ton vorgegangen werden.
Consequently, bitte ich Dich, daß Du, Lupus, Gumpert und wen
Ihr sonst vermögen könnt (stellt die Sache nur als uns sonst fern- 5
liegenden Anti-Kinkel dar), Euch abonniert auf „Das Volk“.
Office: 3, Litchfieldstreet, Soho. (Vierteljähriges Abonnement, bei
freier Zusendung, 3 sh. 6 d.) Gumpert und Biskamp sind beide
Kurhessen, und da erstrer vielleicht dann und wann einen Witz
zur Verfügung hat, kann er ihn seinem Landsmann zuschicken, w
Endlich schreibe mir irgendeinen Kerl (stationer) in Manchester,
dem „Das Volk“ zum Vertrieb zugeschickt werden kann. (Schreib
auch an den Bradforder.)
Ich betrachte „Das Volk“ als ein Bummelblättchen, wie unsre
„Brüssler“ und „Pariser“ Zeitung. Wir können aber unterderhand, 15
ohne direkte Intervention, den Gottfried etc. etc. damit totärgem.
Es mag auch ein Moment kommen, und sehr bald, w o es
entscheidend wichtig ist, daß nicht nur unsre
Feinde, sondern auch wir selbst unsre Ansicht in
einem Londoner Blatt drucken lassen können. Biskamp arbeitet 20
gratis und verdient um so mehr Unterstützung.
Das schönste ist, daß Clown in Nr. 18 des Hermann einen
höchst albernen, kleinschisserigen Artikel schrieb, worin er „nach¬
weist“, daß „Englands Neutralität“ den jetzigen Krieg zu einem
„Winkelkrieg“ verdamme. „Abschließende“ Taten seien nicht auf 25
dem unglücklichen Kontinent mehr möglich, und darum sei das er¬
habne England „neutral“. In Nr. 19 hat Blind vom entrüstet demo¬
kratisch-patriotischen undBucher vom urquhartistischen Standpunkt
aus den Clown niedergekanzelt, so daß er wohl bald, von allen
Parteien befußtrittet, herausfliegen wird, selbst aus dem Hermann. 30
Eine sehr schöne Lektion haben die Herm Knoten so erhalten.
Der Alt-Weitlingische Esel Scherzer glaubte, er könne Partei¬
vertreter ernennen. In meiner Zusammenkunft mit einer Depu¬
tation der Knoten (ich habe abgeschlagen, in irgendeinen Verein zu
kommen, in dem einen aber den Liebknecht, in dem andern den 3s
Lappländer1) als chairman) erklärte ich ihnen rundheraus: Unsere
Bestellung als Vertreter der proletarischen Partei hätten wir von
niemand alsuns selbst. Sie sei aber kontrasigniert durch den
ausschließlichen und allgemeinen Haß, den alle Fraktionen der
alten Welt und Parteien uns widmeten. Du kannst Dir denken, wie &
verblüfft die Ochsen waren.
Wenn Du keine „Po und Rhein“ mehr hast, mußt Du welche be¬
stellen. Audi für Steffen, Weydemeyer, mehre Revuen hier sind
copies nötig.
0 Anders
Z. 27-35.
(586) 1859 Mai 18
391
Wäre es möglich, dem armen Eccarius, der wieder in der
Schneiderhölle zusammenbricht, eine neue Kollektion Port zu
schicken?
Salut.
5 Dein K. M.
Brief von Weydemeyer und Komp erhalten. Schicke ihn Dir
nächstens. An 100 Copies meiner Ökonomie durch sie bei Duncker
schon bestellt von den United States.
Sag Lupus: daß from the beginning Beta (Bettziech), derredak-
io teur des How do you do, auch das eigentliche Redaktionsfaktotum
Gottfrieds.
587. Engels an Marx; 1859 Mai 23.
Manchester, 23. Mai 1859.
Lieber Mohr,
is Von wegen des Manifestes vollkommen einverstanden. Wie
sollen wir es mit dem Drucken machen, es wird wohl in London ge¬
druckt werden müssen; erkundige Dich nach den Kosten und
andern Particulars, damit wir gleich nach Abfassung loslassen
können.
20 Die Geschichte mit dem Völkchen ist sehr amüsant, sehr zufrie¬
denstellend und kann sehr nützlich werden. Wegen des Vertriebs
hier ist folgendes zu bemerken: Ich könnte zwar leicht einen eng¬
lischen „Stationer“ finden, aber der würde nicht einmal die Chance
haben, einen stray-Abonnenten aufzupacken. Damit diese gefaßt
25 werden, müssen die hiesigen foreign booksellers, Dunnill und Pal¬
mer, Princess Str., und Franz Thimm, Princess Str., herangezogen
werden. Lupus wird sich bei D[unnill] und P [aimer] abonnieren.
Gumpert und ich bei Thimm, der unser Buchhändler ist. Der Her¬
mann ist hier sehr am Abnehmen, eine ganze Ladung alter Num-
3o mem liegt hier, und Thimms Geschäftsführer hier, der dem Kinkel
nicht sehr grün zu sein scheint, sagt mir, die Abonnenten fielen mit
jeder Woche mehr ab. Schickt daher von den ersten Nummern, be¬
sonders worin die Kinkelschmiere behandelt wird, ein Dutzend
Exemplare an Thimm und auch ca. sechs an Dtunnill] und Pfal-
35 mer] ; ich werde das Klatschmaul Heckscher in Bewegung setzen,
sobald dies heraus ist, der bringt die Geschichte so sicher hier in
Umlauf wie 2X2 = 4. Aber die Sachen an Thimm müssen
direkt an hiesigen Th[imm] geschickt werden, der Kerl in Lon¬
don wäre imstande, den Dreck zu unterschlagen. Sobald also hier
4o ein paar Exemplare bei Th[imm] abonniert sind, wird der hiesige
Commis schon mehr Interesse an der Sache bekommen.
Nr. 587,
392
(587) 1859 Mai 23
Das Gefecht von Casteggio werd’ ich nächsten Freitag^ behan¬
deln ; die Sache ist zu unbedeutend, um zweimal darüber zu schrei¬
ben, und die Telegramme sind zu haltlos, um was Ordentliches zu
sagen. Deine alte Karte von der Lombardei kommt mir jetzt sehr
gut zu statten, Maßstab ca. 1 :160000, also schon sehr groß. Lei- 5
der ist die Terrainzeichnung sehr schlecht.
Viele Grüße
Dein F. E.
588. Marx an Engels; 1859 Mai 24.
24. Mai 1859. 10
Lieber Engels,
Wenn es Dir möglich, einiges „tin“ herüberzuschicken, ver¬
pflichtest Du mich sehr. Der Lauskerl von Duncker, auf den ich
gerechnet hatte, scheint die Sache in die blaue Unendlichkeit zu
verschieben. Während elf Tagen hat das Vieh wieder nichts ge- is
schickt. Weißt Du, wer mir den way stops? Niemand anderer als
Lassalle. Erst wird meine Geschichte um vier Wochen ausgesetzt
wegen seines „Sickingen“. Jetzt, wo die Sache dem Abschluß ent¬
gegenreifte, muß der Narr wieder mit seinem „anonymen“ Pam¬
phlet dazwischenkommen, das er nur schrieb, weil Dein „anony- 20
mes“ Pamphlet ihn nicht schlafen ließ. Sollte der Hund nicht ein-
sehn, daß der Anstand selbst erheischte, erst meine Sache heraus¬
zubringen? Ich werde noch ein paar Tage warten, dann aber einen
saugroben Brief nach Berlin schreiben.
Die Bestellungen wegen Manchester habe ich gemacht. Wenn 25
Deine Zeit irgend erlaubt, so schreib mir morgen deutsch
20—30—40 Zeilen über die Kriegsaffairen, die ich dem Wasch¬
lappen Liebknecht nicht in Deiner Handschrift geben, sondern dik¬
tieren werde. Zeit ist nicht zu verlieren, da das Volk sieh nur
eines Setzers rühmt und bisFreitags morgen alles fertig sein muß. 30
Übersieh diesen Punkt nicht. Mit einigem Originel¬
leren vom Kriegsschauplatz sind wenigstens fünfzig Käufer mehr
to catch in London. Idi manage die Sache so, daß Du und ich nicht
direkt zunächst responsibel werden.
Von den Manoeuvres des Gottfried magst Du daraus urteilen, 35
daß der Pfaffe letzte Woche im Ostend seine Hermanns zu einem
half penny unter dem Whitechapelpublikum verkaufte, nur um den
Absatz des Volks zu verhindern. Woher die fonds? Schapper sagt
mir, Willich sei hier gewesen. Dann haben die Kerls wahr¬
scheinlich die Gelder geteilt und dem Kettenhund Heinzen auch m
O Korr, aus Dienstag
Nr. 587.
Z. 20 (das)-21.
25-40-
(588) 1859 Mai 24
393
einigen Geldstaub ins Maul geworfen. Denn der Hund hat auf ge¬
hört zu bellen. Wir werden das herausbekommen.
Wegen der Publikationsgeschichten unsres Manifestes I shall
look out.
5 Salut.
Dein K. M.
Imandt heiratet die Tochter seiner Wirtin, eine Schottin. Auch
eine schöne Gegend.
589. Marx an Engels; [1859] Mai 25.
io 25. Mai.
Lieber Fred,
Wie die Sachen jetzt hier stehn, ist es nicht wahrscheinlich, daß
ich London verlassen kann, sicher nicht Anfang der nächsten
Woche.
is Heute, wie ich aus einer Notiz in meinem Diary sehe, sind es
volle vierzehn Tage, daß ich dem Hund Duncker die letzten drei
Korrekturbogen (nämlich Bogen 9—11) zugeschickt. Die
Sache war also fertig, und der Kerl hatte nichts mehr zu tun,
als nur Reinabzüge der letzten drei Bogen für das Druck-
2o f ehlerverzeichn is zu schicken. Statt dessen erhalte ich
heute — was? Lassalles Broschüre, und da wir kein Geld im Haus
hatten, auch ziemlich alles Versetzbare versetzt ist, mußte ich noch
den letzten tragbaren Rock ins Pfandhaus schicken, da 2 sh. für
diese Scheiße zu zahlen waren, die vielleicht 8 d. in Berlin kostet.
25 Aber, worauf ich eigentlich hinwollte:
Es ist also jetzt evident, daß auf meine Sache vierzehn Tage
neues Embargo gelegt wurde, um Herm Lass [alle] Platz zu
machen. Die Arbeit, die noch an meiner Geschichte zu machen war,
konnte höchstens drei Stunden Zeit kosten. Aber der verfluchte eitle
3o Narr hat das Embargo verordnet, damit die Aufmerksamkeit
Publici nicht geteilt würde. Duncker, der Schweinhund, aber ist
seelenvergnügt, daß er neuen Vorwand hat, die Zahlung meines
Honorars aufzuschieben. Ich vergesse dem Jüdchen diesen Streich
nicht. Die Hast, womit sein Dreck gedruckt wurde, zeigt, daß er
3s magna pars in der Verzögerung unsrer Sachen. Dabei ist das Vieh
so verliebt in seine Ausschweißungen, daß er es für selbstverständ¬
lich hält, ich brenne nur von Begier, sein „Anonymes“ zu sehn
und habe „Objektivität“ genug, das Killen meiner Sache als in der
Ordnung zu betrachten.
4t Der verfluchte Jude1* von Wien schreibt auch nicht.
*) Max Friedländer
Z. -1-2.
7-8.
29-33.
394
(589) 1859 Mai 25
Lupus irrt sich sehr in Liebknecht, wenn er glaubt, dieser Bie¬
dermann könne selbst so einen Wisch wie „Der Reichsregent“ fer¬
tigbringen. Biskamp hat die Sache geschrieben (ich gab ihm die
facts) und B[iskamp] muß alles schreiben. Von L[iebknecht]
rührt nichts als die „Politische Rundschau“, London mit dem Zei- «
chen n, und dies nicht einmal ganz. Liebk[necht] ist ebenso schrift¬
stellerisch unbrauchbar wie er unzuverlässig und charakter¬
schwach ist, wovon ich Näheres wieder zu berichten haben werde.
Der Kerl hätte diese Woche einen definitiven Abschiedstritt in den
Hintern erhalten, zwängen nicht gewisse Umstände, ihn einstweilen io
noch als Vogelscheuche zu verwenden.
Wenn nicht Privatverhältnisse nebst dem Warten auf Duncker
mir wahrscheinlich unmöglich machten, nächste Woche nach Man¬
chester zu kommen, kömmt noch hinzu, daß, wenn ich den Platz
verlasse, bei den großen Intrigen, die von allen Ecken aufgeboten «
werden von der Emigrationsdemokratie, von Camberwellkauf¬
leuten, von Weitlingianem etc. etc., und bei der außerordentlichen
Schwäche der Leute, die uns hier repräsentieren sollen, leicht alles
in den Dreck geritten wird. Ich habe übrigens dem faullebenden
Fleisch Schapper gestern durch Pfänder kategorisch mitteilen 2®
lassen, daß, wenn er nicht sofort wieder in den Arbeiterverein (den
sogenannten kommunistischen) eintritt und dort das management
übernimmt, mit ihm aller „Zusammenhang“ aufhört. Die einzige
Sphäre, worin wir das Hippopotamusbrauchen können, hält der
Narr zu gering für sich. Mais nous verrons. Wir hatten nie einen «
schlechteren staff. Der Pieper wäre jetzt sehr nützlich. Statt dessen
ist er in Bremen und schreibt nicht einmal.
Salut.
Dein K. M.
590. Marx an Engels; [1859] Mai 27.
27. Mai.
Lieber Engels,
5 erhalten.
Du mußt Deine war-artides colour a little more, da Du für a
general newspaper schreibst, nicht für eine wissenschaftliche «
Militärzeitung. Etwas mehr Deskriptives und Individuelles ist ja
leicht aus dem Timeskorrespondent etc. hereinzuwerfen.
Ich kann das nicht dazwischentun, da sonst Ungleichheit im Stil
hereinkommt. Der Dana schreibt uns sonst den größten Blödsinn
auf eigne Faust. *
’) Karl Schapper
Z. 1-11.
23—25 (verrons).
34-40-
(590) 1859 Mai 27
395
Ich schicke Dir heut probeweis zwei Nummern (die letzten)
der „Presse“, damit Du siehst, ob Du das paper brauchen kannst.
Gestern abend um sieben Uhr kam Herr Liebknecht mit sechs
Zeilen für „Das Volk“, nachdem er durch sein Nichterscheinen
5 (und der Esel unternimmt immer allerlei) die ganze Setzerei in
disorder gebracht, wie Biskamp mir sagt. Ich hatte dem Vidi exakt
gesagt, was aus Deiner Broschüre noch abgedruckt werden sollte.
Statt dessen will er daraus einen leader machen, den er natürlich
nicht fertig brachte. Bürgers redivivus, aber much worse, da
wBtürgers] wenigstens zur Attacke in Vereinen zu brauchen war.
Nach meiner Ansicht ist Garibaldi absichtlich in eine Position
geschickt, worin er kaputt gehn soll.
Im Gegensatz zu Kossuth, der nebst Klapka den „Konstantin“
als russischen König von Ungarn schon „anerkannt“ hat, benimmt
is sich Mazzini (wohl eine größre Autorität in italienischem Patrio¬
tismus als Herr Lassalle) sehr brav. Ich werde seine letzte1*
Schlußnummer des „Pensiero ed Azione“ aufzutreiben suchen.
Schicke mir Deinen letzten Po und Rhein für Mazzini. Ich
werde ein paar Begleitungsworte dazu schreiben, oder schreib
2o Du sie lieber.
Salut.
Dein K. M.
Heute wieder nichts von Berlin. Also sechzehn Tage, um die
Druckfehler der drei letzten Bogen zu korrigieren!
591. Marx an Engels; [1859] Mai 28.
28. Mai.
Lieber Engels,
Einliegend erhalte ich folgenden Brief von Dana. Was antwor¬
ten?
so Apropos! Ich habe jetzt durch Biskamp erfahren, dessen Ge¬
währsmann der Clown selbst ist, daß Bruno Bauer positiv von
Rußland bezahlt war. Er erhielt 300 Friedrichsdor von dem rus¬
sischen Gesandten von Budberg. Der Clown war als Helfershelfer
engagiert. Bruno brach ab, weil Budberg ihn nicht „respektvoll“
3s behandelte und in der antichambre chambrieren ließ. Seine Reise
nach England bezweckte, daß das Brüderpaar — par nobile
fratrum — das Geschäft mit der englischen Regierung versuchen
wollten. Fiel, of course, in den Dreck. What do you say to this?
Salut.
so Dein K. M.
O Im Orig, sein letztes
Z. - 1-10.
396
(592) 1859 Juni 1
592. Marx an Engels; 1859 Juni 1.
1. Juni 1859.
Lieber Engels,
Beiliegend eine Nummer der Presse, worin einige Dir vielleicht
interessante Details. Der Bursche Friedländer antwortet natürlich s
nicht. Indes erkläre ich mir die Sache jetzt so: Lassalle hat, of
course, dem Friedländer nicht nur in seinem, sondern auch in
meinem Namen die Tendenzpredigt gehalten. F[riedländer] glaubt,
daß ich mit Herakleitos dem Dunkeln ein Leib und Seele. So kann
er natürlich nicht daran denken, daß ich für ein Wiener Blatt under io
present circumstances schreiben kann. Die Wiener Presse enthält
täglich versteckte Polemik gegen den Berliner Klugscheißer. So
z. B. in einem Leitartikel vom 29. Mai: „Aber man verlange von
jenen spekulativen Köpfen nationales Ehrgefühl, welche in
Nap[oleon] III. den rächenden Arm der Geschichte erblicken und is
in seiner angeblichen völkerbefreienden Genialität die Unbehol¬
fenheit, Pedanterie und Unfruchtbarkeit ihres eignen kategorisie¬
renden Verstandes wohlgefällig bespiegeln.“ Schon die Zudring¬
lichkeit, womit Ltassalle] mich aufforderte, nicht mehr an seinen
Vetter zu schreiben, beweist, daß der Kerl auch in meinem 20
Namen gemogelt hat. So hat das Vieh mir die beste Aussicht für
den Sommer vereitelt. Außerdem war es für gewisse Eventualitäten
gut, wenn ich eine Hand in der Wiener Presse hatte.
Wenn Du wieder über Garibaldi schreibst, whatever may be his
fate, mach^ Dich lustig über diese nur dem „Neffen des Onkels“ 25
mögliche Wendung, daß neben ihm der Freischarenführer als der
Hero figuriert. Denke Dir so etwas unter dem alten Nap[oleon] !
Übrigens schreibt der Pariser Korrespondent der Times heute,
daß die Bonapartisten schon stark grumbeln über G[aribaldi]s
„Ruhm“, und daß einige „a few select police“ seinem Korps ein- 30
geschmuggelt sind, die genau über ihn berichten. Ganz entspre¬
chend der Anweisung Mazzinis hat Gtaribaldi] in seiner Prokla¬
mation den Bonaparte nicht genannt. Übrigens ist M[azzini]s
letztes Ding nicht so gut, wie ich dachte. Ich hatte nur Auszüge
flüchtig gelesen. Sein altes Grummeln gegen den Sozialismus. W i r 35
können nichts mit ihm direkt machen. Aber er kann nützlich als
Autorität gegen Kossuth etc. verwandt werden. Übrigens wirst Du
aus seiner letzten Nummer, die ich Dir Ende der Woche schicke,
Herm Karl Blinds Wichtigkeit von neuem kennen lernen.
Salut. 40
Dein K. M.
Übrigens ist Blind aus dem Hermann heraus, irrt sich aber sehr,
wenn er darauf spekuliert, in das Volk hineinzukommen. Schwach,
1) Im Orig, mag
(592) 1859 Juni 1 397
wie das Blättchen ist, hat es die ganze hiesige Emigration in Wut
und Schaum versetzt. U. a. Tausenau et Co., bezahlt von Kossuth-
Bonaparte, um deutsche „opinion“ in London zu machen.
593. Marx an Engels; [1859] Juni 7.
5 June 7.
Dear Frederick,
Du mußt entschuldigen, daß ich Dir erst jetzt schreibe, und auch
nur einige Zeilen. Meine Zeit war ganz mit Beschlag belegt durch
Arbeiten und Privat- und Parteilaufereien.
io D’abord hat es mich sehr gefreut, daß Dir das erste Heft gefällt,
da Dein Urteil mir allein wichtig in dieser Sache ist. Ich erwartete,
zum großen amusement meiner Frau, with some anxiety your
judgement.
Ad vocem Volk. Die Wirtschaft allerdings sehr liederlich,
is da nur ein Setzer, kein Laufbursch usw., außerdem bisher kein ein¬
ziger „unverdächtiger“ Expedient, und vor allem kein Geld.
Nichtsdestoweniger hat es die letzten Nummern ziemlich alle ver¬
kauft, und wenn die Mittel beigeschafft werden, um einen einiger¬
maßen zuverlässigen Expedienten anzustellen, hält sich die Sache.
io Dabei hat das „Blättchen“, obgleich wir nur indirekt ihm turn
geben, die ganze Demokratie in Hallo gebracht. Nicht nur hier,
sondern in der Schweiz, wo Vogt-Kinkel gegen mich im Handeis¬
courier eines der Sauartikelchen eingerückt haben, wie Du sie
kennst. Ich lasse es abdrucken in der nächsten Nummer.
25 Biskamp werde ich wegen der Mandiester Sache sprechen. Er
hatte mich gestern umgekehrt aufgefordert, Dir zu schreiben,
daß kein Exemplar von Manchester bestellt ist. Mir scheint, als
ob Hollinger (der Drucker) schon von Kinkel bestochen.
Nous verrons.
so Kinkel, nach Audienz mit Kossuth, und Geld von Vogt, ist ins
reichsverräterische Lager übergetreten. Bucher und Blind sind
ausgetreten mit „Entrüstung“. Kinkels Mitarbeiter sind jetzt fol¬
gende: Bamberger, Ed. Bauer, Beta (How do you do) und Born
(Bruder unsres Ex-Bom). Schöne Bande. Dabei noch eine oder
35 zwei alte Huren.
Ad vocem Freiligrath. Unter uns gesagt, ein Schei߬
kerl. Jetzt, wo er sieht, daß die Dinge revolutionären Tum nehmen
(Du hast doch gehört von der Arbeitemot in Berlin) und Kinkel
disrespectable wird, schimpft er auf ihn. Aber in dem sechsten
4o und letzten Band seiner in Amerika herausgegebnen Gesammelten
Werke (dreiviertel davon Übersetzungen von Schund) — diesen
Band hat er eben erhalten und mir zugeschickt — bildet das Ge¬
Z. 30-42 -
398
(593) 1859 Juni 7
dicht auf Johanna Mockel den Schluß, während er das Gedicht
gegen Kinkel unterdrückt hat. Dies ist säuisch, und ich habe
seine Entschuldigungen darüber mit sehr skeptischer Miene ange¬
hört. Der Teufel soll diese Sängerzunft holen.
Ad vocem Vogt. Hat sich in der „Volkszeitung“ (Berlin) 5
Preußen zur „Verfügung“ gestellt.
Ad vocem Duncker. In einem Brief D[uncker]s, dem ich
saugrob über seine Verzögnmg geschrieben, gesteht das Vieh rund¬
heraus, daß der letzte dreiwöchentliche Verzug (nachdem alles
fertig außer dem Druckfehlerverzeichnis) infolge des Er-ja
scheinens des aus „Schweiß, Feuer und Logik“ zusammenge¬
brauten „Anonymen“. Ich habe absichtlich Dich in den Zei¬
tungen als Verfasser des „Po und Rhein“ verraten lassen, weil ich
gegründete Verdachtmotive, daß der Verfasser des „Anonymen“
sich unterderhand mit Dir „verwechselt“. Ich finde es etwas toll, is
daß Herr L [assalle] mich beliebig in Embargo legt. Die Scheiße
wird diese Woche in Berlin ausgegeben, ich meine Heft I.
Schließlich komme ich unter allen Umständen, sobald die
means ready, auf einige Tage nach Manchester, da wir allerlei ab¬
machen müssen. 20
Salut.
Dein K. M.
Gruß an lupullum.
Die „Pressen“ (dort hat der „Anonyme“ mir definitiv das
Handwerk verdorben) schicke ich Dir morgen. 25
Ich versichre Dir, es ist kein Spaß mit diesem Lausestaff hier,
Biskamp ist wenigstens raschschreibend und schlagfertig. Lieb¬
knecht ist an awful nuisance. Durch seine klugscheißerischen
Manöver konnte der Klatsch wegen Kinkel und Bauer nur ganz ver¬
dünnt ins Blättchen.
Dein Artikel wurde denselben Tag im Volk gedruckt, wo er an¬
kam. In der letzten Nummer ist die Vorrede aus meinem Dreck
abgedruckt, d. h. mit einigen von Herm B[iskamp] beliebten Weg¬
lassungen.
594. Marx an Engels; 1859 Juni 10.
London, 10. Juni 1859.
Lieber Frederick,
Heute zwei Manuskripte erhalten. Ein famoses, Deins über
fortification, wobei ich aber in der Tat Gewissensbisse fühle, daß
ich Deine wenige Sparzeit so in Anspruch nahm. Ein g r o t e s -
kes, nämlich eine Replik von Lassalle an mich und Dich über
z. -1-6.
26-30.
(594) 1859 Juni 10
399
seinen Sickingen. Ein ganzer Wald von enggeschriebnen Seiten.
Unbegreiflich, wie ein Mensch in dieser Jahreszeit und unter diesen
welthistorischen Zuständen nicht nur selbst Zeit findet, solcherlei
von sich zu geben, sondern uns sogar die Zeit zumutet, es zu lesen.
s Ad vocem Volk. Du und lupus werdet, falls Eure Buch¬
händler, was mir zweifelhaft, wirklich das Blättchen abliefem, er¬
staunt über eine Annonce in der morgen erscheinenden Nummer
sein, daß „Aussicht“ auf unsere etc. Mitarbeit vorhanden. Die
diplomatischen Gründe, die mich zu diesem Schritt1* bestimmten,
io mündlich.
Duncker: Noch nichts erhalten, weder Geld noch Exemplare.
Sag letzteres dem lupus, der sonst eins schon erhalten hätte.
Ad vocem Schramm. Dieser große Mann fiel in Berlin
durch. Der Verwandtenrat seiner Frau beschloß daher, daß er ein
is kleines Stellchen im Commerce in Krefeld einnehmen solle. Darauf
hat der „Verunglückte“ einen langen Wisch an die Minister in Ber¬
lin geschrieben. Er habe es für seine politische Pflicht gehalten,
seinen Strauß mit dem ihm verhaßten Minister Manteuffel auszu¬
fechten. Nun aber, nachdem er diese Pflicht erfüllt, und da Preu-
2o ßen nicht à sa hauteur à lui sei, verlange er seine Entlassung aus
dem Untertanenverband. Erfolgt, und Schramm mit den übrigen
Parcels in London eingetroffen. Wird nun, wie er dem Kabinett
Hohenzollem gedroht, sich als Engländer „naturalisieren“. Här¬
tester Schlag, der Preußen seit der Schlacht von Jena getroffen hat.
25 Ad vocem Lassalle.
Auf sein Riesenmanuskript, wobei er nebenbei auch von dem
„Anonymen“ spricht, das er „im Namen der Partei“ geschrieben,
habe ich ihm geantwortet (heute) in einem Schreiben, ungefähr
ein Drittel so groß wie das vorliegende. In bezug auf das Pamphlet
zo nur bemerkt: „Durchaus nicht unsre Ansicht. Überflüssig, darüber
zu schreiben, da wir uns per Druck öffentlich aussprechen wür¬
den.“
Salut.
Dein K. M.
595. Marx an Engels; 1859 Juli 14.
Juli 14.1859.
Dear Frederick,
Du warst sicher verwundert über mein langes Schweigen, aber
die Sache ging mit sehr natürlichen Dingen zu. Während der ersten
Woche hatte ich wie toll umherzulaufen, um einige Ordnung in
*) Korr, aus Zweck
Z. 13-24.
400
(595) 1859 Juli 14
das „Volk“ zu bringen, und diese Woche drangen private matters
auf mich.
Well. Der Stand des „Volks“, als ich herkam, war der: Kinkel
war gefällt durch unsre letzten Witze. (Ich habe seit der Zeit fort¬
gefahren mit den Gatherings. Diese Nummer wird bloß von «
mir der Teil bearbeitet. Es sei denn, daß irgendwelche Neuigkeit
dem Biskiamp] Anlaß gibt, noch ein paar Schnurren hineinzu¬
bringen.) Aber gleichzeitig war das „Volk“ in voller Auflösung,
und es war fraglich, ob es forterscheinen werde. Über 6^“ St.
Schulden waren während meiner Abwesenheit kontrahiert, indem ia
die „Agenten“, Drucker, Gott und der Teufel ahnten, daß mit
meiner Rückkehr der Spaß ein Ende haben würde. Bisk [amp] war
in the most dejected state. Die „Kölnische“ (bei der ihn ein Kon¬
kurrent denunziert) hatte ihm auf gekündigt; von Speck Wohltaten
zu erhalten, ging ihm gegen den Mann, und so hatte er mehre is
Nächte im „Park“ kampiert. Endlich hatten sich bei dem Drucker
„echte Demokraten, auch Sozialisten, aber gemäßigt und Feind
aller Personenpolitik (Blind?)“ gemeldet, die das „Volk“ in ihre
Hand nehmen und die nötigen Subsidien geben wollten. Such was
the general state of things when I arrived at London. Ich gab 20
erstens 3 St. dem Bisklamp] und beredete ihn zugleich zur An¬
nahme einer Schulmeisterstelle in Edmonton, die ihm, da er nicht
intern, nichts mit der Aufsicht zu tun und nur vier Stunden zu
geben hat, erlaubt, grade soviel für das Blatt zu
schreiben als bisher. Otherwise würde ihn Pech und Bum- 2s
melei bald disarmed haben. Ersten August zieht er hin. Er ist so in
der Tat nicht weiter von London wie ich. Andrerseits ist es mir lieb,
wenn er nich t persönlichda ist, sobald ich, wie ich by und by
vorhabe, mich selbst mehr mit dem Blättchen einlasse. Für das
Blatt (Schulden) gab ich nur 1 £ 5 sh. und zwang Garthe, Speck 30
und einige Knoten, die Summe von 3 . 15 vollzumachen, zur Ab¬
schlagszahlung für Hollinger. Ich hatte ferner Herm Liebknecht
16sh. zurückzuzahlen, dieerwährendmeinerAbwesenheitHollinger
vorgeschossen. Es waren also 5 £ 1 sh. zu verausgaben, ehe die
„laufenden“ Operationen begannen. Von diesen bezahlt 15 sh. an xs
Carstens1*, 5 sh. für Miete des Expeditionszimmers, 4 sh. für
stamps, 2V2 sh. für Herm Hollinger auf Nr. 9 vorgeschossen. Du
siehst also, daß ich ziemlich am Ende von meinem Latein bin, eh
ich angefangen habe. Es ist indes alle Aussicht vorhanden, daß,
wenn wir noch ein paar Wochen pressen, der Hermann unter- w
geht und uns ganz das Feld räumt. Mit der neuen Expedition wird
die Sache überdem selfpaying werden. Meine dezidierte Ansicht
ist, daß wenn wir auch das Blättchen noch einige Zeit niedriger
fliegen lassen, wir at a certain moment ihm eine bedeutende Direk¬
O Friedrich Leisner
(595) 1859 Juli 14
401
tion geben müssen. Im Fall Hermann unterginge, nähmen wir die
Setzerei von Hirschfeld. (Wohlfeiler, mehr Kredit gebend, expe-
diter.) For the moment ist es aber absolut nötig, noch einige Sub-
sidien von Manchester zu schicken.
s Der Friede Napoleons übertrifft alle meine Erwartun¬
gen. Gestern jubelte die ganze französische Revolutionsbande in
London, Louis Blanc lief wie toll umher, aber die Italiener knir¬
schen. Selbst Mazzini, obgleich er das Result sechs Wochen vor
Ausgang des Kriegs vorhergesagt, hatte sich doch after-
io wards der Illusion hingegeben, daß Bonaparte wenigstens the Au¬
strians aus Italien werfen würde. Ich habe den Brief eines Irlän¬
ders^ (private letter) gelesen, der die duchesse de Padua zu
Paris vögelt. Dieser Mann schreibt, die geheimen Vertragsartikel
seien: zwei türkische Provinzen für Ostreich; die preußische
is Rheinprovinz mit Belgien in einen „katholischen“ Staat zu verbin¬
den oder vielmehr, dies „neue Reich“ zum Vorwand zu machen,
um selbst die angenehmen Bissen zu verschlucken.
Die preußische Klugscheißerei, von Lassalles etc. unterstützt,
hat Deutschland (und Preußen) in eine Patsche gebracht, aus der
2o k e i n e Rettung ist außer durch eine wütende Revolution.
Ich mache Didi aufmerksam auf den ersten Artikel der Free
Press, die ich Dir schicke.
Salut.
Dein K. M.
596. Engels an Marx; 1859 Juli 14.
Freitag, 14. Juli 1859.
Lieber Mohr,
Ich würde etwas über den Frieden fürs Volk geschrieben haben,
aber ich höre und sehe nichts, was vorgeht, und schließe daraus,
30 daß Du selbst dies Thema bearbeitest, mein Artikel also double
emploi sein würde.
Außer der Fortsetzung des Kriegs konnte uns nichts Erwünsch¬
teres kommen als dieser Friede. Preußen blamiert, Ostreich
blamiert, Bonaparte blamiert, Sardinien und der vulgäre italie-
35 nische Liberalismus blamiert, England blamiert, Kossuth ruiniert,
Vogt & Co. blamiert, niemand gewinnt, außer den Russen und den
Revolutionären, was Jüdel Braun eine „reinliche revolutionäre
Situation“ nennen würde. Exzellenz Ephraim Gescheit aber ist
erst recht blamiert.
40 Dein F. E.
Im Orig. Inländers
Marx-Engels-Gesamtausgabe, m. Abt., Bd. 2 26
402
(597) 1859 Juli 18
597. Marx an Engels; 1859 Juli 18.
18. Juli 1859.
Dear Frederick,
Da die letzte Nummer des „Volks“ so sehr dünn ausgefallen,
will ich diese Woche etwas über Rußland hineinschreiben. Sehr «
lieb nur wäre es mir, wenn gleichzeitig ein Artikel von Dir drin
wäre. Ist nicht etwas militärisch Abschließendes über den Feld¬
zug zu sagen oder sonst sich über das Ganze lustig zu machen? Die
Sache müßte aber bis Donnerstag hier sein. Das Nichterscheinen
des Blättchens am Freitag bewirkt immer großen Ausfall in der io
Einnahme, die das letztemal auch deswegen bedeutend fiel, weil
das ganze Agentenpersonal plötzlich verändert, u. a.
Scherzer entfernt werden mußte. Clown Edgar B [auer] (Bonapar¬
tes Bewundrer) hat die mächtige Drohung ausgestoßen, u n s im
nächsten Hermann anzugreifen. Nous verrons ... u
Hast Du mein Buch schon irgend angezeigt gesehn?
Salut.
Dein K. M.
Jenny chen hat the general price bekommen, Laura zwei Spezial¬
preise. 20
598. Engelsan Marx; 1859 Juli 18.
Manchester, 18. Juli 1859.
Lieber Mehr,
Die noch fürs Volk rückständigen 5 £ schicke ich Dir morgen
oder übermorgen. Heute wurde es mir zu spät, ich habe außerdem as
den „Kleinen“, scilicet Dronke hier, der mir an der Börse ent¬
gegengewedelt kam. Dem Männlein scheint es in seinem Commerce
erträglich zu gehn, außer dem laufenden Tagesklatsch, in dem er
als Kannegießer sich verhält, scheint er von Politicis, namentlich
der Vergangenheit, nicht gern zu reden, wozu ich ihn bestärke, da 30
ich ihn doch als extraneus behandle. Seine Kenntnisse haben sich
aber nicht vermehrt, und die Tiefe seiner Politik besteht darin, daß
die Italiener „jetzt losschlagen müssen oder keinen Dreck
wert sind“.
Um von diesem Kleinen aufs Volk zurückzukommen, so müssen 35
wir sofort beraten, was zu tun ist. Wenn die 1£, die Du mitnahmst,
so rasch verschwunden sind, und dazu noch 3 £ 15 sh. von den
Knoten, so werden die 3£, die ich noch in Reserve habe, auch wohl
bald hin sein. Que faire? Von Strohns Rückreise höre ich noch
Nr. 597.
Z. 30 (da)—34.
(598) 1859 Juli 18
403
nichts. Mit Borchardt wird nicht viel mehr zu machen sein. Sobald
Lupus wiederkommt — aber wer weiß, wo der ist —, werde ich
ihn jedenfalls rekognoszieren lassen. Vorher möchte ich nicht gern
persönlich etwas bei ihm tun. Er ist mir auch nicht mehr begegnet,
obwohl ich ihm mehrmals auf Oxford Road etwas auf gelauert
habe.
Jedenfalls laß mich den finanziellen Stand des Dings unter der
neuen Administration einmal genau kennen, damit ich mit meinen
Antworten bereit sein kann auf etwaige Fragen. Wieviel Exem-
io plare werden jetzt abgesetzt? Habt Ihr die Träger etc. auf ¥2 d.
pro Exemplar reduziêrt? Wieviel betragen die sämtlichen wöchent¬
lichen Kosten und wieviel die Eingänge — wieviel also Defizit?
Herm Thimm haben wir schön herumgekriegt. Das Volk
prangt jetzt an seinem Fenster, in conspicuous position, weit mehr
15 so als Hermann und Kojiokoji, die es flankieren. Den letzteren
werden noch ein paar gatherings wohl vollständig totmachen. Die
Art, wie Kinkel plötzlich ausgerissen, ist sehr komisch.
Den Leader über den Frieden für nächste Woche solltest Du
machen. Ich halte es doch für zu wichtig, nachdem wir so schön in
20 den Besitz der geheimen Artikel gekommen, daß dieser Punkt ge¬
hörig ausgebeutet wird. Da Du ohnehin einen Tribüne-Artikel
daraus machst, so wird es Dir leicht werden. Dieser Punkt kann
dem Volk eine ganz andre Bedeutung geben und ihm eine Stellung
in der Presse e r z w i ng e n. Überleg Dir das.
25 Schreibe mir auch umgehend, worüber Ihr von mir diese
Woche etwas haben wollt, ich mache es dann Mittwoch abend.
Ich habe mir das Portfolio holen lassen und studiere diese und
andre russischen Aktenstücke und Palmerstonia, werde mir auch
möglichst viele back Numbers von der Free Press anschaffen, ich
30 muß diesen Dreck jetzt einmal durchmachen, die Sache wird jetzt
zu wichtig. Kannst Du mir sagen, woher das russische Mémoire
rührt über die russische Politik, und welcher preußischen Minister¬
krisis es das Licht verdankt? Für mich ist die innere evidence und
die klassische Abfassung natürlich mehr als hinreichend, aber für
35 die Debatte mit dem Philisterium bedarf ich dieser facts, es ist
ohnehin dumm von Urquhart, damit, wo es nicht nötig, hinter dem
Berge zu halten.
Ist von Blind etwas herauszubekommen quoad Vogt? Der
„Kleine“ glaubt die Sache natürlich nicht, warum „sorgten wir
40 denn nicht dafür, daß die Akte gedruckt würden“?
Im allgemeinen sind die Akten im ersten Band des Portfolios
nicht die wichtigsten, doch sind schöne Sachen darunter, besonders
die von Pozzo di Borgo und das Mémoire an die deutschen Regie¬
rungen. Was das für Esel sind, und wie müssen die Russen über
45 sie lachen!
26 *
Z. 13-24
404
(598) 1859 Juli 18
Das Mémoire in der Free Press ist wirklich klassisch, bis auf die
fast komische Weise, in der die Herren Diplomaten den Fürsten¬
mord zugleich als Selbstaufopferung und republikanische Tugend
hinstellen. Trotzdem ist es etwas stark, daß Nikolaus seinem Sohn
solchen Unterricht über den Mord seines eigenen Vaters gibt, dieser s
Passus scheint mir verändert zu sein.
Ist das Aktenstück nicht komplett aufzutreiben? Dronke sagt
mir, daß in Glasgow ein Stationer namens Love, in St. Enoch
Square, den Hermlann] vertreibt und sehr geeignet wäre, Das Volk
zu vertreiben. Einige Exemplare und ein Brief wären gut ange- io
bracht.
Habt Ihr’s schon nach Amerika geschickt? Wäre an der Zeit.
Weydemeyer, Steffen und der Kerl^ in New York, der Dir mal
schrieb wegen Kommunisterei.
Grüß Deine Frau und die Mädchen bestens. is
Dein F. E.
599. Marx an Engels; 1859 Juli 19.
19. Juli 1859.
Dear Frederick,
Ich würde mit Vergnügen den Artikel über den Frieden ge- 20
schrieben haben, da ich nur einen Artikel von letztem Freitag und
von heute für die Tribune zusammenzufassen hätte. Außer¬
dem, weil ira facit poetam, waren meine Artikel gut. Aber da
Biskamp die Sache begonnen und schon seine Nr. II ange¬
kündigt und faktisch oder nominell wenigstens das Kom- 25
mando hat, so erlaubt der A n s t a nd solches Eingreifen nicht.
Sobald er in Edmonton, bringt die Entfernung selbst mit sich, daß
ohne Verletzung seiner amour propre — und weiter hat er ja nichts
von der Sache — ihm in solchen entscheidenden Momenten der
leader aus der Hand genommen wird. 30
Was wir beide aber tun können, um der nächsten Nummer
Halt zu geben, ist dies, daß wir ihn auf dem rechten und linken
Flügel unterstützen. Unter dem Vorwand, über das Aktenstück
von Urquhart zu schreiben, werde ich kurz Rußlands part zu dieser
Tragikomödie zusammenfassen, gleichzeitig Bonaparte herunter- 35
reißen. Du unter dem Vorwand, militärisch einen Schlußartikel
zu schreiben, mußt ebenfalls (bei der Gelegenheit auch Preußen
hauend) auf den Bonaparte loshauen etc. Nach meiner Ansicht ist
*) Albrecht Komp
Z. 20-38 -
(599) 1859 Juli 19
405
es von der äußersten moralischen Wichtigkeit, keinen Glau¬
ben in Bonapartes Größe unter den Deutschen auf kommen zu
lassen. Was Ostreich betrifft, so ist die eingeschlagne line, alles
auf den Landesvater zu werfen, suffizient.
5 Ad vocem Aktenstück. Fiel dem „Prinzen von Preußen“
in die Hand bei der Regentschaftskrisis, bei der plötzlichen Ent¬
fernung Manteuffels. Weiteres ist von den Urquhart-Eseln nicht
herauszuklauben. Einzelne Stellen sind verfälscht, weil sie
das ganze Aktenstück nicht bekommen haben. Für die
^Echtheit des Ganzen bürgt grade die allen russischen, selbst
„geheimen“ Aktenstücken eigne Manier, gewisse stehende konven¬
tionelle Lügen unter sich selbst auszuwechseln. Selbst Pozzo di
Borgo schreibt in dieser line. Ganz klaren Wein über russisches
Manöver findet man nur in den zufällig veröffentlichten Dokumen-
ten russischer Agenten, die nicht direkt im russischen Staatsdienst.
Z. B. Sheylls (Holländer) und Patkuls (zu Berlin 1796
herausgekommen) Memoiren und Briefwechsel.
Portfolio. Ich werde für Dich (und mich) von Paris ver¬
schaffen die dort herausgegebne Gesamtausgabe der papers, wo-
20 von das Portfolio nur die von Palmerston gebilligten drucken
durfte.
„V olk.“ Agentlohn reduziert auf % d. Die großen Ausgaben
verursacht, weil Bisk[amp] persönlich unterstützt werden mußte;
weil in meiner Abwesenheit, bei dem Krakeel der Kerls unterein-
25 ander, die tollste Wirtschaft; weil seit meiner Anwesenheit das
ganze Personal verändert. Ende dieser Woche werde ich voll¬
ständigen Rechnungsbericht haben. Es macht dies viel
Arbeit bei der Art, wie die Sache bisher geführt. 4—5 £ St.
Annoncen noch diese Woche einzutreiben, um die Schuld bei Hol-
30 linger für 9 und 10abzuwickeln.
Biskamp wollte eine kurze Notiz über meine „Kritik der Ökono¬
mie“ etc. schreiben. Ich riet ihm ab, weil er nichts von der Sache
versteht. Da er aber sich (im Volk) anheischig gemacht, einiges
darüber zu sagen, bitte ich Dich (sage in der kommenden, nicht
35 dieser Woche), es für ihn zu tun. Kurz über die Methode und das
Neue im Inhalt. Du würdest damit zugleich den Ton angeben für
die Korrespondenten von hier. Und dem Lassalleschen Plan, mich
zu kill, entgegenwirken.
Salut.
m Dein K. M.
9 Nummer 9 und 10 des „Volk“.
Z. - 1-4.
406
(600) 1859 Juli 20
600. Engels an Marx^ [1859 Juli 20].
Lieber Mohr,
Inliegend der Artikel. Ist er zu lang, so laß irgendwo abbrechen
und schick mir das Manuskript zurück vom nicht gedruck¬
ten Teil, damit ich anknüpfen kann. *
Dann eine, auf Dich ausgestellte Post Office Ordre über die drei
Pfund fürs Volk.
Der Kleine wird sich morgen drücken. Er hat sich die ganze
Free Press für 1859 gekauft, ich auch, ditto 1858. Daran mag sich
der Piccolo die Zähne ausbeißen, viel versteht er nicht davon. Ich
frug ihn, ob in Glasgow einiges Geld fürs Völkchen aufzutreiben,
er meinte nicht, ich tat’s absichtlich so en passant; übrigens
wenn Du meinst, daß es nützlich, so schreib ich ihm, und da er
soeben erst wieder halb zu Gnaden angenommen, so wird’s viel¬
leichtfruchten, und er selbst kann wenigstens einige Pfunde blechen.
Aber ohne mit Dir zu Rat zu gehn mag ich’s nicht tun, man weiß
nicht, was das Kerlchen nachher renommiert, wenn er einen sol¬
chen Brief in der Tasche hat. Übrigens sollte père Freiligrath auch
eine £ 5-Note herausrücken. Wenn die Knoten zahlen können, so
kann er s auch, und wenn unsre Partei das Blatt vorderhand doch
mit eignem Geld halten muß, so muß der dicke Philister auch dran.
Viele Grüße an die family.
Dein F. E.
601. Marx an Engels; 1859 Juli 22.
22. Juli 1859. 25
Lieber Engels,
Die 3 £ erhalten. Gleich weggezahlt davon 2 £ an Hollinger,
15 sh. an Leßner. Die auswärtigen Abonnements wachsen (jetzt
schon 60), sind aber erst zahlbar Ende des Quartals und verur¬
sachen jede Woche Auslage in stamps. Ich habe mich jetzt über- 30
zeugt, 1. daß eine Schuld von about 7 £ St. existierte, von der ich
nicht unterrichtet ward vor meiner Abreise nach Mandiester;
2. daß die Annoncen (statt 5 Pfund sind about 20 sh. eingegangen)
und die abonnements in London von Herm Scherzer, den ich fort-
gejagt, auf reinen Privatmogeleien beruhten. Bei ordentlichem 35
management, was jetzt begonnen hat, dessen Resultate aber erst in
Wochen einwirken können, ist das Blättchen bloß durch die Annon¬
cen zu halten. Da mehr Geld unmittelbar nötig ist, schreib an
Nr. 600.
Z. 34 (von)—35 ,
(601) 1859 Juli 22
407
Dronke. Wenn Du dem Männchen sagst, daß das Blatt bloß durch
Parteiopfer einstweilen existiert, und wir daher von allen Par¬
teimitgliedern Opfer verlangen, so kann er den Brief, wenn er will,
drucken lassen. Ich bin überzeugt, daß in sechs Wochen die Sache
5 gesichert ist. Es kann aber jetzt nicht die Rede davon sein, sie auf¬
zugeben, nachdem Gagem et Co., kurz die ganze 1848er Bande wie¬
der auf die Bühne tritt. Thimm hat uns auf gefordert, ihn als Man¬
chester Expedienten im Blatt zu nennen. Ich konnte diese Woche
meiner Absicht nicht nachkommen, weil, infolge der Hitze, eine
io Art Cholera mich überkam. Ich brach von morgens bis abends.
Heute wieder schreibfähig, habe ich a glorious vindication Deines
Militärartikels, gestützt auf Franz Josephs und Bonapartes Mani¬
feste, in der Tribune geschrieben. Das Blatt war so eingeschüch¬
tert, daß es eine Zeitlang alle Deine Artikel unterdrückte. Blind
chatte intrigiert während meiner Abwesenheit, um das „Volk“ in
seine Hände zu spielen. Ich schrieb ihm einen saugroben Brief,
worauf interview. Danach aber kann der Mann einstweilen nicht
für Geld gepressed werden. Freiligrath hat noch nicht ein¬
mal sein Abonnement bezahlt, obgleich zweimal getreten.
2o Statt dessen hat er bei Herm Juch die Schultern gezuckt über den
„unwürdigen“ Ton des Volks, obgleich er bei uns darüber en-
c h a n t i e r t ist. By and by we shall take our revenge upon these
diplomatical fellows.
Du hast vergessen, mir zu schreiben, ob Du eine Notiz über
25 meine Schrift machen willst. Der Jubel unter den Kerls ist hier
sehr groß. Sie glauben, die Sache sei durchgefallen, weil sie
nicht wissen, daß Duncker es bisher noch nicht einmal angezeigt.
Im Falle Du etwas schreibst, wäre nicht zu vergessen, 1. daß der
Proudhonismus in der Wurzel vernichtet ist, 2. daß gleich in der
30 einfachsten Form, der der Ware, der spezifisch gesellschaft¬
liche, keineswegs absolute Charakter der bürgerlichen Pro¬
duktion analysiert ist. Herr Liebknecht hat dem Biskamp erklärt,
daß „noch nie ein Buch ihn so enttäuscht hat“, und Biskamp
selbst hat mir gesagt, er sehe nicht „à quoi bon“. Ist Lupus
35 zurück?
In Deinem zweiten Artikel über den Krieg wirst Du sicher nicht
vergessen, die Schwäche der Verfolgung nach dem Sieg zu be¬
tonen und das jämmerliche Gewinsel Bonapartes, weil er endlich
an einen Punkt gekommen, wo Europa nicht, wie bisher, aus Furcht
4o vor der Revolution ihm erlaubte, innerhalb bestimmter Grenzen
den alten Napoleon zu spielen. Es wäre hierbei wichtig, auf
den Feldzug von 1796—1797 zurückzukommen, wo Frankreich
nicht mit allen Mitteln in aller Ruhe für „a localised war“ sich
vorbereiten konnte, sondern mit ganz zerrütteten Finanzen jenseits
45 des Rheins sowohl wie jenseits des Mincio und der Etsch zu
408
(601) 1859 Juli 22
kämpfen hatte. Bonaparte beklagt sich in der Tat, daß seine „suc¬
cès d’estime“ ihm nicht länger gegönnt waren.
Salut.
Dein K. M.
Ist nichts von Heckscher auszupressen? 5
Hast Duan Duncker geschrieben?
Fordre den Dronke auch auf mitzuschreiben.
602. Engels an Marx; 1859 Juli 25.
Manchester, 25. Juli 1859.
Lieber Mohr, io
An Duncker ist geschrieben. Audi wegen der bis jetzt gänzlich
mangelnden Anzeige Deines Buchs in der Alugsburger] A[llge-
meinen] Z[eitung] und Kölnischen Zeitung. Diese Woche
kann ich den Artikel über das letztere keinesfalls machen, das ist
eine Arbeit, und dazu hätte ich etwas eher notice haben müssen. is
Außerdem hab ich den militärischen Artikel angefangen und will
ihn rasch abmachen. Für nächste Woche dagegen verpflichte ich
mich, den Artikel zu machen.
In meinen vorigen Artikel ist mir einiger Unsinn hinein¬
redigiert. Ich sagte, das 5. Korps auf dem Marsch von Pavia 20
strengte seine Kräfte am 3. und 4. so an, daß auch die durch den
Halt verlornen 4% Stunden, wären sie benutzt worden, kein
größeres Resultat herbeigeführt und das Korps nicht merklich
früher aufs Schlachtfeld geführt hätten. Im Druck heißt es, der
Halt allein hätte ihm diese Anstrengung möglich gemacht, was 25
1. das Gegenteil und 2. Unsinn ist. Erstens waren die Truppen um
6 Uhr morgens des 3. gar nicht ermüdet, da sie eben erst a uf -
brachen, der Halt konnte ihnen also nicht nützen, und zweitens
nahm ihnen der Halt die kühlen Morgenstunden weg und zwang
sie, in der größten Mittagshitze zu marschieren. Für jeden Militär 30
ist der Satz, wie er dasteht, höchst blamabel. Übrigens, was nützen
mir alle Stilverschönerungen, solange mir vermittelst Druck¬
fehlern der kolossalste Blödsinn hineingesetzt wird, z. B. Rest
statt Stoß! und dergleichen. Meine Artikel zeichnen sich be¬
sonders durch solchen Blödsinn aus, der Rest ist ganz leidlich 35
korrigiert.
Wie kannst Du übrigens zugeben, daß das Lausegedicht von
Herwegh hineingesetzt wird !
Quanto al danaro, so kommt Dr [onke] in vierzehn Tagen wieder
her (d. h. jetzt in ca. zehn Tagen), ich muß also alles bis dahin 40
aufschieben. Von Lupus höre ich auch nichts. Woher in der
Z.5?
(602) 1859 Juli 25
409
Zwischenzeit Geld auf treiben, ist schwer zu sagen. Bei Heckscher
versuch ich’s, ich habe aber jetzt alle Hände voll zu tun, der
Artikel über Dein Buch nimmt mir sehr viel Zeit weg. Wenn der
Strohn nur da wäre! Gumpert liegt krank zu Haus, Kehlkopf-
« entzündung, ist stumm. Indes ich will sehn ; wenn irgend möglich,
muß Heckscher diese Woche das Blatt am Leben halten. Den Filz
Freiligrath sollte man aber doch zwingen zu blechen.
Es ist heiter, daß Du bei Herm Liebknecht auch solch ein hüb¬
sches Urteil erzielst. Das sind die wahren Leute. Die Herren sind
io so daran gewöhnt, daß wir für sie denken, daß sie auch immer und
überall die Sachen nicht nur auf dem Präsentierteller, sondern
auch fertig gekäut und im kleinsten Umfang nicht nur die Quint¬
essenz, sondern auch die Detailausführung ready cooked und dried
haben wollen. Wunder soll man tim, ni plus ni moins. Was ver-
15 langt denn solch ein Esel eigentlich? Als wenn er sich nicht schon
aus den ersten drei Zeilen der Vorrede abklarieren könnte, daß auf
dies erste Heft noch mindestens fünfzehn folgen müssen, ehe er an
die Schlußresultate kommt. Natürlich sind die Lösungen der kitz-
lichen Geldfragen etc. reiner Dreck für Liebknecht, da diese
2o Fragen gar nicht für ihn existieren. Aber das sollte man doch
wenigstens verlangen, daß ein solches Rindvieh sich wenigstens
diejenigen Pointen merkt, die ihm in sein bißchen Kram passen.
Indessen was versteht die Kuh vom Sonntag.
Das russische Aktenstück sollte nicht in so kleinen bits abge-
25 druckt werden, da versteht kein Mensch den Zusammenhang. Herm
Petersens Lukubrationen werden auch mit der Zeit langweilig. In¬
des freilich letzte Woche war Holland in Not.
Die Reden des Herm Bonaparte werden immer komischer. Die
vor dem diplomatischen Korps ist gar zu heiter. Dabei hat sich der
30 Kerl stets an den Degen gegriffen! Der Narr scheint sich jetzt aber
auch ganz ernsthaft der Welt als der „Alte“ aufdrängen zu wollen,
wenigstens was die dehors angeht.
Kossuth hatte verbreiten lassen, er wäre nach Lussinpiccolo ab¬
gereist gewesen!
36 Viele Grüße.
Dein F. E.
603. Marx an Engels; [1859] August 1.
Dear Frederick,
1. August.
to D’abord hiermit Anzeige der 2 10. Von Deinem Artikel
habe ich diesmal selbst Korrektur besorgt. Sind noch Druckfehler
Z.8—23.
410
(603) 1859 Aug. 1
darin, so fällt’s bloß auf den Drucker. Das Saugedicht von Her-
wegh war ohne mein Zutun hineingekommen. Ich zwang also B [is-
kamp] zur Erklärung in der letzten Nummer und, into the bargain,
gab das Landwehrmannslied (als passende Fortsetzung zu Hler-
wegh] ). s
Was mir sehr fatal, ist, daß B[iskamp] nicht nach Edmonton
geht, sondern (so scheint’s) eine Hauslehrerstelle bei Bibra (dem
Wirt) mitten im Westend akzeptiert. Ist dies der Fall, so werde ich
auf ein schriftliches Arrangement mit dem Herm dringen. Denn,
wie alle Humoristen von Profession, ist er launiges hysterisches io
Frauenzimmer, und wir wollen nicht den Karren aus dem Dreck
ziehn, damit andre später drin fahren. Man muß sich des Eigen¬
tums versichern.
Lina hier von Köln zurückgekehrt. Bürgers ist ganz „edel“ ge¬
worden seit seiner Freilassung. Im „Volk“ tadelt er „wieder“ die w
alte Manier, „durch schlechte Witze“ die „Partei“ zu entzweien.
Unter der „Partei“, scheint es, versteht er jeden, der „nicht“ offi¬
ziell ist, namentlich auch Vogt und Kinkel. Natürlich, bloß aus
zarter Sorge für „mich“ gab er diese „Winke“. Von meiner Schrift
war „eine“ Nummer für das Dutzend Parteifreunde zu Köln an- &
gekommen bei dem Bermbach. Bürgers hatte es natürlich nicht
gelesen und wird es nicht lesen, „aber“ er sprach „in meinem In¬
teresse“ seine Entrüstung darüber aus, daß die Sache wieder so
„zerstückelt“ erscheint und nicht gleich 60 Bogen at once. Im
übrigen ist er Hauslehrer bei einem gewissen „Kaufmann“, wo er 2«
nur einige Stunden des Morgens beschäftigt. Außerdem hat er noch
eine Stunde. Im ganzen nimmt er 700 Taler ein. Seine „Arbeit“
beschränkt sich auf den Vormittag. Nach Essen beginnt er sich zu
„erholen“ von dem Halb-Tageswerk und liegt und schwatzt stun¬
denlang im Haus der Frau Daniels, wo aber Dr. Klein ein arger 30
Konkurrent für ihn ist. Abends aber eilt er zuLölgen,um mit großer
Würde die Kölner Debatte bis tief in dieNacht hinein zu dirigieren.
Er „achtet“ Lassalles Tätigkeit, hat aber nichts von ihm „gelesen“,
nicht einmal den Franz von Slickingen]. In dem falschen Vorwand,
er sei gefährlich brustleidend von der Festungshaft her, hat er eine as
treffliche Schminke für seine traditionelle Faulheit gefunden.
Außerdem treibt sich der „Edle“ in Musikvereinen herum. In be¬
zug auf den Kölner Prozeß hat er einige sehr infame und keines¬
wegs unwissentliche Lügen sogar bei der Lina wiederholt. Z. B.
wir, nicht er und die andren Kölner Esel, hätten den Esel Noth- w
jung als Emissär durch Deutschland geschickt. Er soll „noch
schöner“ geworden sein als er früher war. En passant: Georg
Jung ist Spieler geworden und soll sein Vermögen ziemlich ver¬
möbelt haben. Gräfin Hatzfeld hat seit den letzten Wochen ihren
Sitz wieder in Berlin auf geschlagen. «
Z.6-13.
24-37.
41-42.
(603) 1859 Aug. 1
411
Sobald Du Nebenstunden findest, ist es gut, wenn Du mit der
Infantry vorangehst. Meine Geldgeschichten hängen eng damit zu¬
sammen. Idi möchte gern meine Frau auf ein paar Wochen an die
See schicken. Dies aber nur durch Extraziehn auf Amerika1) tubar.
« Salut.
Dein K. M.
604. Engels an Marx; 1859 August 3.
Manchester, 7, Southgate, 3. August 1859.
Lieber Mohr,
io Hierbei der Anfang des Artikels über Dein Buch. Sieh es genau
durch, und wenn es Dir in toto nicht gefällt, so zerreiß es und
schreib mir Deine Meinung. Ich bin aus dieser Art Schriftstellerei
durch Mangel an Übung so heraus, daß Deine Frau über meine
Unbeholfenheit sehr lachen wird. Kannst Du es zurechtmachen, so
« tu es. Einige schlagende Exempel von der materialistischen An¬
schauung wären am Platz, statt des lahmen von der Februar¬
revolution.
Sobald ich mit dieser Geschichte fertig bin, setze ich mich an
die Infantry, die mir indes einige Mühe und Zeit kosten wird, trotz
20 Rüstow, der doch etwas kritisch behandelt werden muß.
Kannst Du über die Angaben in Crawshays Brief in der Free
Press vom 27. Juli über das russische Dokument einiges Nähere
mitteilen? Herr Bucher ist doch nicht der „Deutsche“? Und in
welchem deutschen Blatt soll das Ding gestanden haben.
« Hast Du mit Blind, als Du ihn sahst, wegen der Vogtschen acta
gesprochen? N’y avait-il rien à faire?
Der sanfte Heinrich macht sich gut in seiner neuen Erscheinung.
Finschter wie immer, aber desto fauler, die Welt rettend durch sein
tapfres und intelligentes grumbling.
io Lupus hat wieder ein Abenteuer mit einem Pfaffen gehabt, der
ihm den Reisesack verwechselte. Der grimmige Emst der Affaire
wurde aber dadurch gemildert, daß der zurückgelassene Reisesack
den maiden-sermon des betreffenden Pfaffen enthielt, den dieser
am folgenden Tage ableiem sollte. Dies rettete der Sache einige
33 humoristische Exterieurs. Sonst war Lupus wieder auf dem Punkt,
auszurufen: There are so many rogues in this country, and not of
the working dass, but of the middle dass.
Dein F. E.
1 ) Korr, aus die Tribune
Z. 27-29.
412
(605) 1859 Aug. 8
605. Marx an Engels; 1859 August 8.
8. August 1859.
Lieber Engels,
Ich bin von einem Brechen, das jetzt zwei Tage nacheinander
gedauert hat, so matt wie eine Fliege und kann daher nur einige
Zeilen schreiben.
Ist es möglich, bis Mittwoch morgen einiges Geld für das
„Volk“ aufzutreiben?
Letzten Montag (Montags ist immer die Abrechnung, also heute
vor acht Tagen) betrug das Gesamtdefizit nur noch zirka 2^. »
(Dabei war natürlich nicht berechnet Nr. 13, von der erst heute die
Verrechnung stattfindet, und noch weniger Nr. 14, die erst heute
über acht Tage zahlbar. Die Nummern werden natürlich immer
erst berechnet am Ende der Woche nach ihrer Ausgabe.) Also
guter Stand der Dinge. Aber mm wird heute neuer Ausfall zu j
decken sein. Außerdem immer 1 extra (15 sh.0 für Leßner,
5 für die Office). Ich selbst bin so in der pressure, daß ich kei n en
farthing in diesem Moment vorschießen kann, überdem mehr
Zeitverlust mit der Geschichte als in der Ordnung. Was den Phi¬
lister Freiligrath angeht, so glaubt der seine „Gesinnung“ hin- »
reichend dadurch zu bewähren, daß er sich „neutral“ zwischen uns
und dem Hermann verhält.
Ledru [-Rollin] und L. Blanc haben sich vereint zur Herausgabe
einer „Union-Républicaine“. Sie erscheint Anfang nächsten Monats
in derselben Presse wie das „Volk“ und würde das Gute für letztres 0
haben, daß der Hollinger von dann auf einer Maschine drucken
lassen wird, statt wie bisher mit der Hand. Es wird übrigens um so
wichtiger, daß das „Volk“ fortbesteht.
Ich werde später (sobald ich wieder ein wenig auf dem
Strumpf) nach Deutschland in der Sache schreiben. Auch an Bor- 3
chardt?
Um die Geschichte rascher paying zu machen, wären in einer
Stadt wie London neue Ausgaben nötig, Laufburschen neben dem
Leßner etc.
Strohn noch nicht zurück? 3
Duncker, Schweinhund der, noch nicht geantwortet?
Gruß an lupus und Gumpert.
Salut.
Dein K. M.
U Im Orig, irrtümlich £
Z. 15-19.
32-35 ?
(606) 1859 Aug. 10
413
606. Engels an Marx; 1859 August 10.
Manchester, 10. August 1859.
Lieber Mohr,
Ich sitze momentan so tief im Abzahlen der für das neue Ge-
5 schäftsjahr aufgelaufenen Privatschulden fest, daß ich nur im
dringendsten Notfall in den nächsten Wochen fernere Gelder fürs
Volk zuschießen kann. Von Strohn höre und sehe ich nichts; ich
würde aber sofort erfahren, wenn er wieder in Bradford ist. Wenn
alle Stricke reißen, so könntest Du immer an Borch[ardt]
io schreiben ; ich sehe nicht ein, warum nicht. Du könntest mich’s
dann wissen lassen, und wenn nötig, könnte dann Lupus auch ihm
von ungefähr einen Besuch machen. Ich sehe und höre von B[or-
chardt] nichts.
Gestern abend, als ich den zweiten Artikel über Dein Buch
is schreiben wollte, wurde ich in einer Weise gestört, die es mir un¬
möglich machte fortzuarbeiten. Heute kann ich’s nicht mehr recht¬
zeitig nachholen, der Artikel muß also bis nächste Woche aufge¬
schoben werden, so ärgerlich es mir ist.
Ich war Samstag—Montag aus der Stadt, fand Montag abend
2o beiliegenden Wisch von Duncker vor. Die 6 Exemplare Po und
Rhein kannst Du Dir auf inliegende Zeilen hin geben lassen; schick
mir die, die Du nicht brauchst. Freiligrath hat eins er¬
halten. Dieser Narr sollte indes doch endlich gezwungen wer¬
den, eine entschiednere Stellung einzunehmen oder wenigstens zu
25 b 1 ech en.
Duncker will mich redlich betrügen. Lassalle schrieb von
2000 Exemplaren, jetzt will er bloß 1000 gedruckt haben. Siebel,
der wieder hier ist, erzählt, dies müsse nach seiner eignen Erfah¬
rung über den buchhändlerischen Sukzeß eine Lüge sein. Que
3o faire?
Was sagst Du zu der schönen Entschuldigung der Nichtanzeige
Deines Buchs?
Mazzini hat also seine diplomatischen Entdeckungen schlie߬
lich mit einer schrecklichen Brühe in die Times gebracht. Die
36 Fakta sind immerhin wichtig und bestätigen unsre Nachrichten und
Schlußfolgen. Urquhart wird jetzt doch wohl daran irre werden,
daß Mfazzini] ein Russian sei.
Salut.
Dein F. E.
Z. 14-18.
414
(607) 1859 Aug. 13
607. Marx an Engels; 1859 August 13.
13. August 1859.
Lieber Engels,
Den einliegenden Wisch erhielt ich Donnerstag nachmittag. Idi
eilte also nach der Stadt. Die Sache wurde nur arrangiert, indem 5
ich 4 £ St. aufpumpte von Garthe, die ich wiederschaffen
muß. Montag schreib’ ich an Borchardt. Das Blatt fallen zu
lassen, jetzt, scheint mir aus folgenden Gründen Blödsinn: 1. weil
der untergehende „Gottfried“ sich dadurch halten würde; 2. weil
mit dem Tode des Königs von Preußen ein Umschwung in Deutsch-10
land eintritt, bei dem wir ein Blatt haben müssen; 3. weil die
Abonnenten wachsen (obgleich pekuniär das einstweilen nur
schadet, indem es wöchentlich so viel mehr stamps kostet, die
Gelder aber erst Ende des Vierteljahrs eingehn). Das
„Volk“ hat bereits bedeutenden Einfluß in den United States. Z. B. 15
die Vorrede meiner Schrift ist aus dem „Volk“ mit verschiednen
Kommentaren in die deutschen Blätter von New England bis Ka¬
lifornien übergegangen.
Könntest Du es nicht einrichten, daß Dein Artikel, da er dies¬
mal ganz unabhängig von der „Zeit“, schon Mittwochs hier wäre? 20
Ist es nicht möglich, durch Deinen Vetter Stiebel] einiges Geld
unter deutschen Commis in Manchester aufzutreiben?
Aus Berlin und New York werde ich Geld mit Sicherheit auf¬
treiben. Aber die nächsten sechs bis acht Wochen müssen gedeckt
sein. 25
As to Freiligrath, so komm und try, ob Du ihm einen Shilling
abzupressen fähig.
Übrigens, unter uns gesagt, wären wir weiter mit dem Geld
gekommen, wenn nicht immer neue Defizits durch neue Diebstähle
entständen. Diese aber gehn aus von den alten Agenten. Ich habe 30
alle, die sich kompromittiert hatten, von Scherzer an, heraus¬
geworfen. Aber was noch von dem Sauerteig da war, taugte nichts
und, wenn diese Knotenlumpen anständig bis dato, machen sie ihr
Exit mit einer Prellerei. Endlich habe ich den letzten her¬
ausgeworfen vergangne Woche: Herm Lange. Es wäre relativ viel 35
leichter gewesen, ein ganz neues Blatt zu stiften, statt, wie Bis-
k[amp] und Liebknecht taten, ein durch und durch faules Institut,
wenn auch nur nominell, fortzusetzen.
Einliegend Brief von Dana.
Könnte Dein relative Stiebel], obgleich ich nicht viel auf seine 40
poetry gebe, irgend ein kleines Reimstück für das „Volk“ machen?
Aber nur nichts Pathetisches. Um den F[reiligrath] zu pisacken,
Z. 26-27.
30 (Ich)—35.
(607) 1859 Aug. 13 415
müssen wir durchaus irgend einen Dichter auf tim, und sollten wir
ihm selbst die Verse machen.
Salut.
Dein K. M.
s Die „Po und Rhein“ nächste Woche.
608. Marx an Engels; [1859] August 26.
London, 26. August.
Dear Fred,
Mit „Das Volk“ ist es zu Ende. Die 2St., die Du
io Ende letzter Woche geschickt, hatte ich schon vorgeschossen dem
Hollinger, da sonst die Nummer letzten Freitag (heut vor acht
Tagen) nicht erschienen. Ich zahlte sie also mir selbst zurück. Idi
bin zudem schuldig dem Garthe für 4 £ St. (für das Blatt) und
about 2 £ noch an Leßner, macht 6 £ St. Dazu hat sich das
is Defizit bei Hollinger akkumuliert, das uns natürlich nicht so direkt
angeht. Indes durfte es nicht vermehrt werden. Es kann über es
erst abgerechnet werden, sobald die Abonnentengelder ein¬
gegangen. Das französische Blatt erscheint nicht von wegen
der Amnestie.
20 Borchardt, der Renommist, schrieb, daß nichts in Manchester
zu machen. Erstens von wegen des Friedens; dann der Amnestie
wegen. Namentlich aber — was er selbst nicht habe widerlegen
können — weil das Volk ein Schimpfblatt (0 du Esel von Phi¬
lister!). Also nicht zart genug für die Steinthais und andre Mau-
25 schels. Von lupus dagegen erhielt ich gleichzeitig Brief, worin er
sehr „Das Volk“ belobt. Es ist aber fact, daß in dem Maße, wie
es besser wurde, der Ausfall wuchs und die Leserzahl abnahm.
Außerdem schien der Esel Biskamp, von allerlei Leuten bearbeitet,
eifersüchtig über sein Geringerwerden im Blatt.
30 Endlich (da das Blatt, wenn auch weniger von den Knoten,
desto mehr von der deutschen diplomatischen haute volée
in London gekauft) wäre es mehr und mehr nötig geworden, bei
der Unfähigkeit Liebknechts und der haltlosen Schwäche Bis-
kamps, mich direkt in die Redaktion einzumischen. Bei den Ent-
3s femungen hier nahm mir die Sache ohnehin schon zu viel Zeit fort,
und meine eignen Verhältnisse are in such a desperate state, that I
must look to them.
Dronke Lumpazius hatte nicht für ein Exemplar abonniert.
Dein Vetter Stiebel] aber, wie Du aus Beiliegendem siehst, ist Her-
40 mannsdichter unter Betas Leitung.
Salut.
Dein K. M.
z.s.
20—25 (dagegen)
416
(609) 1859 Sept. 5
609. Marx an Engels; [1859 September 5].
Lieber Engels,
Ist es Dir möglich, mir bis Freitag etwas Militärisches über
China zu schicken? Ich habe heute (letzter Freitag fiel aus, da ich
einen lustigen Besuch hatte) über Italien und Ungarn geschrieben. 5
Der rein politische Stoff ist at an end, bis nach der Eröffnung des
Parlaments.
Salut.
Dein K. M.
610. Engels an Marx; [1859 September 8].
Lieber Mohr,
Der Artikel kann heute leider nicht geliefert werden. Es ist jetzt
sieben Uhr und ich habe noch eine halbe Stunde wenigstens auf
dem Comptoir zu arbeiten, eine halbe Stunde, bis ich nach Haus
komme, dazu hab’ ich die Times noch gar nicht zu Gesicht be- is
kommen, und könnte sie auch nirgends für den Abend gepumpt
bekommen. Um halb zwölf müßte ich spätestens mit allem fertig
sein, um die Geschichte noch fortzubekommen — es ist clairement
impossible, besonders bei den falsch telegraphierten Namen, die
man erst lange mit der Karte in der Hand entziffern muß. Ich werde 20
indes für Dienstag das Material verarbeiten, und trifft bis Montag
die Calcutta Mail ein, danach rektifizieren.
Dein F. E.
611. Marx an Engels; 1859 September 21.
21. September 1859. 23
Lieber Engels,
Ich habe Deinen Brief nebst Einlage erhalten. Im übrigen sind
die häuslichen aff airs wieder zu dem unvermeidlichen Krisepunkt
gekommen, und diesmal schlimmer als je zuvor, indem ich keine
Aushilfe sehe. Ein Versuch mit meinem Schwager endigte in 30
nothing. Freiligraths Geschäft ist winding up. Ob die Schweizer
neue Agentur für London und für ihn errichten werden für 1860,
ist noch zweifelhaft. Er hat daher jetzt noch bessern Vorwand als
früher, jede Wechseltransaktion abzulehnen. Von Dana habe ich
Warnung gegen overdrawing erhalten. Ich bin so in einer voll- 30
ständigen fix. Abgesehn von den kleinen Gefahren (ich bin z. B.
Nr. 609.
Nr. 610.
(611) 1859 Sept. 21
417
diese Woche mit Absperren von Gas und Wasser bedroht), haben
sich alle größeren Forderungen akkumuliert, wovon ein bedeuten¬
der Teil nicht länger parierbar ist. So Haus, Schule etc.
Da ich dieser Tage wegen des zweiten Hefts an Duncker
5 schreiben muß, so laß mich wissen, ob er das erste Heft in den
Zeitungen annonciert hat. Es scheint mir, daß er gern the whole
matter drop möchte.
Der Teufel ist, daß ich keinen Bamberger mehr in London habe.
Ich würde sonst sicher ein paar Akkommodationsbills arrangieren
io können, die ich später mit dem amerikanischen Geld zahlte. In
diesen circumstances kann es sich immer nur um shifts handeln.
Du entschuldigst mich, daß ich Dir den Dreck mitteile. Ich
habe aber hier absolut niemand, gegen den ich mich auch nur offen
aussprechen kann.
is Wie ich lupus schon geschrieben, werde ich in ein paar Tagen
Euch kuriose politische Skandäler mitteilen.
Salut.
Dein K. M.
612. Engels an Marx; 1859 September 22.
2o Manchester, 22. September 1859.
Lieber Mohr,
Eben bringt mir Lupus Deinen Brief. Ich bin erst vorgestern
abend von einer Tour nach Schottland mit meinen Alten zurück¬
gekommen und habe sie wieder nach Hause spediert.
25 Ein paar Tage, ehe mein Alter herkam, passierte mir ein ganz
verfluchtes Pech. In einer bekneipten Gesellschaft insultiert mich
ein unbekannter Engländer; ich habe den Regenschirm in der
Hand, schlage nach ihm, und die Spitze trifft ihn ins Auge. Der
Kerl überantwortet die Geschichte sofort seinem lawyer, ich tat
so d ie nötigen Gegenschritte, und anf angs schien sich die Aff aire, da sein
Auge nicht dauernd verletzt und er wiederhergestellt ist, beilegen
lassen zu wollen — obwohl immer mit Kosten für mich. Jetzt ist
der Schweinhund aber plötzlich umgeschlagen und droht mit einer
action; und wenn es dahin käme, so würde mich die Geschichte
35 über zweihundert Pfund kosten, dazu öffentlicher Skandal und
den row mit meinem Alten, der das Geld stellen müßte. Idi denke
aber doch noch an den jobbing lawyers vorbeizukommen; wenn es
aber sehr gut geht, kostet mich der drunken brawl vierzig oder
fünfzig Pfund. Das schlimmste ist, daß ich ganz in den Händen
<o des Schweinhunds und seines solicitors bin, nichts forcieren kann,
und mir alles gefallen lassen muß, nur um den Skandal zu ver-
Marx-Engels-Gesamtauagabe, III. Abt., Bd. 2 27
418
(612) 1859 Sept. 22
meiden — denn sonst würden die Kosten nur noch größer. Diese
verfluchten Engländer wollen sich das Vergnügen natürlich nicht
entgehen lassen, einen bloody foreigner zu packen.
Diesmal kommt also Pech wirklich nicht allein. Ich weiß abso¬
lut nicht, was zu tim, bis ich einigermaßen über den Verlauf der 3
Historie klar sehen kann. Meine englischen Bekannten benehmen
sich sehr honorig und haben die Sache sofort aufgenommen, aber
Geld wird mir ausgepreßt, das ist sicher, und wer weiß wieviel.
Jedenfalls werde ich Dir aber gegen Samstag oder Montag eine
Fünfpfundnote schicken, damit das äußerste Pech abgewehrt wird ; m
ich kann sie bis dahin auf Oktoberrechnung überschreiben lassen.
Verlaß Dich drauf, daß ich das Möglichste tue, aber Du siehst
selbst, daß ich augenblicklich selbst nicht weiß, wie ich stehe.
Grüße Deine Frau und Kinder herzlich.
Dein F. E. is
613. Marx an Engels; [1859] September 23.
London, 23. September.
Dear Frederick,
Bad news. Es ist mir nicht klar, ob diesmal die Sache hier can
be got over. Essind sehr eklige Schwierigkeiten im Weg. so
Deine affaire ist mir auch nicht klar. Den Skandal bei¬
seite — wenn des Kerls Auge hergestellt, wenn bewiesen werden
kann, daß er Dich zuerst offended hat, und zudem noch, daß er
Deinen Kompromiß schon angenommen hatte etc., so sehe ich
nicht, was er nach englischem Recht viel machen kann. In London «s
würdest Du zu 2—5 £ St. Strafe im schlimmsten Fall verurteilt.
Das Ganze scheint darauf abgesehn, to obtain money on
false pretences.
Um den Zustand hier nicht noch schlimmer zu machen,
wäre es sehr wichtig, daß ich „Infantry“ dem Dana in about 8—10 so
Tagen schicken könnte. Obgleich er sagte 15. September, wird es
sicher noch Zeit sein, und jedenfalls muß er den guten Willen
sehn. Es kömmt bei dieser Sache nicht darauf an, daß sie tief,
sondern daß sie lang ist.
Wärst Du sofort nach Deiner Ankunft in Manchester und nach- «
dem Du Erkundigung über den „Engländer“ eingezogen, wieder
abgereist, etwa nach London, und hättest den Schweinhund
durch dritte Hand wissen lassen, Du seist nach dem Kon¬
tinent, so hättest Du jedes arrangement treffen können. Viel¬
leicht geht das noch, da, wie ich von Allen etc. sehe, alle co
Engländer jetzt an general amnesty auf dem Kontinent glauben,
Z. 35-41-
(613) 1859 Sept 23
419
daher fürchten, daß ihre Schuldner quit the country. (Die preu¬
ßische Amnestie kömmt übrigens den 15. Oktober.) Solchem Kerl
gegenüber jede Kriegslist anzuwenden.
Salut.
s Dein K. M.
614. Engels an Marx; (1859 September ca. 25].
Lieber Mohr,
Inliegend der Fünfpfünder B/B 95281 Manchester, 1. Ja¬
nuar 1859.
io Über die andren Sachen nächstens.
Jetzt nur noch eins, worüber möglicherweise Antwort umgehend :
1. Wieviel Geld ist nötig, den Abonnenten des Volks, die direkt
bezahlt haben, die paar Groschen zurückzuschicken, die ihnen
wegen nicht gelieferter Nummern zukommen?
is 2. Welches Arrangement ist mit Thimm und Konsorten des¬
wegen gemacht worden? Haben die Buchhändler abgezogen, was
nicht geliefert, or how? Oder noch gar nicht bezahlt?
Über diese Geschichte muß ich womöglich gleich Auf¬
klärung haben, und wenn möglich schaffe ich das Geld, das nicht
2o viel sein kann, um die Schmiere mit den direkten Abonnenten ab¬
zumachen. Die Bürger hier schreien wie toll, sie wären beschissen,
und Lupus und ich haben das alles auszufressen. Also darüber
gib mir gleich Antwort. Lupus hat vorgestern einen Skandal des¬
halb gehabt, und ich muß den „Dritten“ möglichst bald sehen.
25 I n f a n t r y ist in Arbeit und wird, wenn irgend möglich, noch
diese Woche fertig.
Was meine Geschichte hier angeht, so wirst Du mir doch soviel
sense zutrauen, daß ich den Kram meinerseits auch einem lawyer
übergab und dessen Meinung hörte. Es handelt sich nicht um eine
30 lumpige Verdonnerung vor einem Magistrat, sondern um eine action
at nisi prius for damages, wo die Kosten allein bis auf £ 200
steigen können. Daß ich mich nicht so ohne weiteres beschwindeln
lasse, wirst Du mir doch wohl zutrauen; was das Weglaufen an¬
geht, so versteht sich doch von selbst, daß in meinen Verhältnissen
35 davon auch für vierzehn Tage keine Rede sein kann; und wenn
man so bekannt in Manchester ist wie ich, so wird sich kein
Mensch hier einbilden, ich liefe von Geschäft etc. weg, um einem
solchen Prozeß zu entgehn.
Der Hauptwitz ist die handle, der der Gebrauch überhaupt
to irgend eines Instruments einem lawyer gibt, um auf eine British
Jury zu wirken durch sittliche Entrüstung über die bloody
foreigners, die die Faust nicht gebrauchen usw. Da wird der
27*
Z. -1-3.
27-42.
420
(614) 1859 Sept. 25
foreigner so sicher verdonnert wie 2X2 = 4, und hat die Kosten
obendrein zu blechen. Daß ich übrigens nicht mehr bleche als
absolut nötig, darauf kannst Du fluchen ; die Sache ist noch keinen
Schritt weiter, ich hoffe aber, daß sie sich bald ordnet, damit ich
wenigstens einmal klar sehen kann, was hier geschehn kann, um s
Dir in der Krisis zu helfen.
Viele Grüße an Deine Frau und die Mädchen.
Dein F. E.
615. Marx an Engels; [1859 September 27].
Lieber Engels, io
Den Brief mit Einlage erhalten.
Idi wußte, daß einige Randglossen an Dich Blödsinn waren, so¬
bald der Brief abgeschickt.
Ich selbst habe einen county-court process wegen des „Volks“.
Was die „direkten“ Abonnenten in Manchester betrifft, so war «
dies nur lupus und ein „Schuster“, der schon vor dem Aufhören
des Blatts aufkündigte.
Thimm hat noch nicht gezahlt und war auch nur auf ge¬
fordert zu zahlen für die numbers received. Wie können dieSpießer
in Manchester von uns beeinträchtigt sein, da sie noch k e i n e n 20
f a r t h i n g gezahlt haben?
Schreib die Kerls her, die Ansprüche machen. Sag’ dem Thimm
(in Biskamps Namen), er soll keinen farthing herschicken, bis er
von neuem Brief erhalten. Er kann angewiesen werden, die „be¬
rechtigten“ Reklamatoren zu Manchester zu zahlen. 25
Biskamp jetzt auf meine Tasche hier eingemietet in Hampstead.
Der poor devil hatte eine Pleuroseoperation im deutschen Spital,
wo er anderthalb Wochen war — sans sous. Überhaupt schöne Ver¬
hältnisse.
Heute Artikeltag. Daher schließe ich. m
Salut.
Dein K. M.
616. Marx an Engels; [1859] September 28.
London, 28. September.
Lieber Engels, «
Gestern abend kam noch der Leßner, zu dem ich geschickt hatte
wegen der Manchester Abonnenten des „Volks“.
Er wie Biskamp versichern mir, daß kein einziger direkter
(außer lupus) Abonnent des Volks existierte. Und keiner hat
einen farthing bis jetzt nach London gezahlt. *
z. - 1-8.
z. 12-13.
Z. 18-21.
(616) 1859 Sept. 28
421
Thimm, nach Aufhören des „Volks“, schrieb an Leßner um
Rechnung. L[eßner] antwortete ihm, daß er ihm bloß Rechnung
schicken könne für die Zeit, wo er, Lfeßner], Expedient. Er be¬
rechnete ihm dann die einzelnen Nummern. Bis gestern
ä war noch keine Antwort von Thimm da.
Ich möchte also wissen, welche Kerls in Manchester und auf
welchen pretext hin den Lärm machen?
Wir haben hier (ich speziell) Unannehmlichkeiten genug wegen
des „Volk“ — ohne das.
io In der Free Press die Particulars über Kossuth sind von
mir. (In der Tribune habe ich daraus zwei Artikel gemacht,
werde sehn, ob sie sie nimmt.) Ich habe sie teils mündlich, teils
schriftlich von Szemere erhalten. Szemere war hier vor ein paar
Wochen.
is Salut. Gruß an lupus.
Dein K. M.
Es ist fraglich, ob der Biskamp davonkommt. Der arme Teufel
ist total herunter. Aller Teufelsdreck scheint sich auf uns zu
sammeln.
617. Engels an Marx; 1859 Oktober 3.
Manchester, 3. Oktober 1859.
Lieber Mohr,
Was Du mir über das Volk schreibst, war mir sehr lieb zu
hören. Es stellt sich heraus, daß der Philister, der das Geschrei
a gemacht hat, après tout bei Thimm abonniert hatte.
Was ist das für ein Prozeß, den Du beim county-court hast?
Infantry ist infolge einer Entzündung des linken Auges, die
midi hindert, bei Gas viel zu schreiben (sonst aber unbedeutend),
und diverser Störungen nicht ganz fertig geworden. Du bekommst
so es für Freitag sicher.
Mein Skandal noch nicht abgemacht, kann sich noch verdammt
in die Länge ziehn. Doch hab’ ich den Hund einigermaßen fest und
glaube ziemlich ruhig zusehn zu können; jedenfalls aber wird’s
Geld kosten, das ist das ärgerlichste, und bei dem schönen law
33 hier ist man seiner Sache doch nicht sicher. Jedenfalls steht der
Kram aber bedeutend besser.
Die Free Press war bis vorgestern noch nicht hier, ich werde
gleich nochmals sehn. Was ist das für eine Filiale, die Urquhart
sich in Berlin angelegt hat?
t0 Jetzt stellt sich also heraus, daß das russische Mémoire im
Preußischen Wochenblatt gestanden! (Idi habe die August¬
Z. 1-5.
422
(617) 1859 Okt. 3
nummer der Free Press erst jetzt gesehn.) Hast Du außer den in
der Fr[ee] Pr[ess] sonst noch Skandalöse über große Männer?
Dein F. E.
Laß dem Thimm sobald möglich eine komplette Rechnung
herausmachen, d. h. über die vorleßnersche Zeit auch; der Kerl s
scheint die Absicht zu haben, die Gelder einzustecken. Mir aber
schickt eine genaue Liste der Leute, die durch Thimm abonniert
haben, damit ich die Rückzahlung kontrollieren kann, respektive
den Leuten Zirkulare schicken, ihr Geld liege bei Th[imm] zu
haben. io
Die Siebelschen schlechten Verse waren von einem Kerl in
Deutschland, dem er die Verse in einem Brief einschickte, hinter
Stiebels] Rücken an den H[ermann] geschickt. Er schrieb sofort
an die Redaktion und erhielt dann selbst erst Auskunft über den
Zusammenhang. u
618. Marx an Engels; [1859] Oktober 5.
5. Oktober.
Lieber Engels,
Bei der Wirtschaft, die hier herrscht (Speck hat Bankrott ge¬
macht und ist verschwunden; Garthe, der Kassierer, ist in Brigh- a
ton) und stets bei dem „Volk“ herrschte, ist es unmöglich, genaue
Rechnung zu erhalten über die vorleßnersche Zeit as to foreign
subscribers. Biskamp versichert, daß mit Ausnahme der allerersten
Nummern dem Thimm stets ein Dutzend Exemplare geschickt
worden sei. «
Hollinger hat mich verklagt wegen 12 und ein paar Shillinge
Rückstand für das „Volk“, zusammen mit dem Satz für die letzte
nicht erschienene Nummer. Dieser Schweinhund will mich plötz¬
lich in den „Eigentümer“ verwandeln, obgleich der ganze Dreck,
ich will nicht sagen unterging (denn mit dem hiesigen Philister ist 3»
nichts zu machen), sondern mit einem Defizit aufhörte, weil ich
nicht der Eigentümer war und trotz allen Zeitverlustes nie die
liederliche Wirtschaft redressieren konnte. Ebensowenig habe ich
dem Kerl je eine juristische Garantie gegeben. Die Rechnung halte
ich für falsch, da der Kerl — abgesehn von der übrigen Ein- •»
nähme — 7£ St. von mir allein für die drei vorletz¬
ten Nummern (seine Rechnung enthält die zwei letzten Num¬
mern) erhalten hat. (Die 15 sh. an Leßner gingen nicht durch seine
Hand, sondern zahlte ich direkt.) Ich lasse mich aber auf keine
Debatte darüber ein, da ich sonst sofort sein Recht anerkenne, *
mich zu verklagen. Der Schweinhund wird schwören und einen
Z. 34-41 -
(618) 1859 Okt. 5
423
seiner Setzer schwören lassen, ich hätte garantiert. (Selbst in die¬
sem Fall hätte er erst den Biskiamp] verklagen müssen.) Ich
werde Biskamp etc. als Gegenzeugen bringen. Hätte ich die Mittel
in der Hand, so würde ich, um alles öffentliche Verfahren
s zu vermeiden, zwar nicht den Hollinger gezahlt haben, wohl aber
eine Schuldforderung auf ihn gekauft haben von einem gewissen
Lisle, dem landlord H[ollinger]s und Eigentümer der
Druckerei. Hlollinger] schuldet diesem Mann an 60 und hat
nie einen farthing an ihn gezahlt.
io Unter jetzigen Umständen kann aber von dergleichen nicht die
Rede sein.
Wenn ich nicht irgendeinen coup mache — und ich sehe abso¬
lut nicht, wie ich ihn machen soll —, wird der Platz hier ganz
unhaltbar. Freiligrath hatte wieder eine Wechseloperation ver-
15 sucht. Gestern abend aber erhielt ich Brief von ihm, daß sie defini¬
tiv gescheitert, gleichzeitig mit Drohbriefen von landlord etc. etc.
Einliegenden Brief von Lassalle, den ich umgehend beantwortete,
betrachte ich als gute Nachricht. Die Sache scheint sich trotz der
conspiration de silence zu verkaufen. Sonst würde diese ind i rekte
20 Aufforderung Dunckers nicht gekommen sein. Übrigens bin ich
absolut unfähig, die Sache weiterzuschreiben, bis ich d’une
manière ou d’une autre den bösesten bürgerlichen Dreck gedeart
habe. Dein Artikel über die Geschichte wird abgedruckt wer¬
den von New York bis Kalifornien von den deutschen Blättern (mit
25 dem bißchen „Volk“ hatte man die ganze deutsch-amerikanische
Presse in der Hand). Als Beispiel von dem Schund, der in Deutsch¬
land erscheint, lege ich Dir folgenden Annoncenausschnitt aus der
„Wiener Presse“ bei. Il suffit to read das Inhaltsregister. (By the
by, ich halte unter einem ausgewählten Kreis von Knoten
so Vorlesungen über Heft I. Es scheint die Leute sehr zu inter¬
essieren.)
Schließlich will ich nun über zwei „große Männer“ berichten.
Ad vocem R. Schramm. Dies triste Vieh war vor einiger
Zeit in Ostende und schrieb von da eine Korrespondenz an den
35 „Hermann“. Ich lese letztren Schund nicht; die Sache wurde
mir von Freiligrath berichtet. In dieser Korrespondenz erzählt
R. Schramm, man könne schon von der Verkommenheit der Deut¬
schen urteilen, wenn man ihren Gesprächen am Meeresstrand zu¬
höre. So habe er z. B. zwei Damen zugehört, die im echtesten Wup-
4o pertaler Dialektx) gekohlt, und wovon die eine die andre „Frau
Engels“ genannt habe. Das also ist die Rache dieses Elenden! Aber
zur Strafe hat das Vieh 2000 £ St. (teste Freiligrath) kürzlich
verloren. Der Narr hatte sich nämlich in „Edelsteinhandel“ einge-
O Im Orig. Dialektik
z. - i-n.
32—43 —
424
(618) 1859 Okt. 5
lassen. Dies hat auch seinen Plan vereitelt, eine eigne deutsche
Zeitung (seilte diesen Monat erscheinen) in London zu gründen.
Ich habe die facts — das Nichterscheinen der Zeitung, Juwelen¬
handel und Geldverlust — zum großen Verdruß des Kerls und als
Antwort auf seine kindische Malice durch Biskamp in die 5
„Weser-Zeitung“ bringen lassen.
Ad vocem K. Blind. In bezug auf diesen homme d’état
muß ich etwas ausführlicher sein.
Zwei Wochen ungefähr, nachdem ich von Manchester nach Lon¬
don zurückgekehrt, erzählte mir Biskamp, Blind habe ihm durch w
Hollinger den Vorschlag machen lassen, sich (i. e. das „Volk“)
mit Blind und Konsorten zu amalgamieren, aber ich und überhaupt
das kommunistische Element müsse heraus. Dagegen verständiger
Sozialismus.— Ich hatte damals außer ein paar Spässen — wie Du
weißt — nichts im „Volk“ geschrieben. Schrieb aber sofort dem w
Blind nicht einen Brief, sondern eine Mitteilung in about ten lines,
worin ich ihn unter anderm „homme d’état“ und „wichtigen Mann“
nenne und von seinem Getreuen „Fidelio“ (i. e. Hollinger) sprach.
Nächsten Tag — kömmt Liebknecht und erzählt mir, daß in der
Kneipe an der Ecke Blind und Hollinger säßen. Der erstre erwarte 20
mich. Ich also mit Liebk[necht] dahin. Blind aab sein Ehrenwort,
daß nichts an der Sache. Schweinhund Hlollinger] ditto. Ich
mußte das also glauben. Dies Rendezvous gab aber Gelegenheit,
auch auf andre Mogeleien des Blind zu kommen. U. a. fiel die
Rede auf Vogt. Blind leugnete auf Ehrenwort (hatte die
Sache auch ohne Ehrenwort bei Freiligrath geleugnet), daß er das
anonyme „Zur Warnung“ verfaßt und in die Welt geschickt.
Ich sagte, das wundre mich, da es nur enthielte, was er mir münd¬
lich mitgeteilt bei Gelegenheit des Urquhartmeeting vom 9. Mai.
Idi rief ihm ins Gedächtnis, daß er damals versichert, er habe B e- 30
weise in der Hand, er wisse den Namen des Mannes, dem
Vogt 30000 oder 40000 Gulden angeboten, dürfe ihn aber „lei¬
der“ nicht nennen etc. Dies nun wagte Blind nicht zu leugnen, son¬
dern gab es ausdrücklich und wiederholt zu, in Gegenwart Lieb¬
knechts und Hollingers. 35
Well! Vor einigen Wochen schrieb die „A[ugsburger] A[llge-
meine] Z[eitung]“ an Liebknecht, der ihr das „Zur Warnung“ ein¬
geschickt hatte. L[iebknecht] kam zu mir. Ich sagte ihm, er solle zu
Blind. Ich werde „in der Kneipe an Blinds Ecke“ den homme
d’état abwarten. Blind war im Bad, St. Leonards glaube ich.
L[iebknecht] schreibt ihm; schreibt einmal, zweimal. Endlich Brief
des homme d’état. Dieser, in der kühlsten und „diplomatisch¬
sten“ Manier, bedauert, daß „ich“ umsonst den Gang zu ihm ge¬
macht. Liebknecht müsse begreifen, daß er (Blind) nicht Lust habe,
in die Angelegenheit einer ihm „ganz fremden Zeitung“ und in ihm #
(618) 1859 Okt. 5
425
ganz fremde Angelegenheit zu mischen. Was L[iebknecht]s An¬
spielungen auf „in Privatgesprächen“ gefallne „Bemerkungen“
angehe, so müßten sie auf bloßen „gänzlichen“ Mißverständnissen
beruhn. Damit also glaubte der „homme d’état“ alles abgemacht.
s Ich nahm nun Liebknecht mit zu Collet. Ich erinnerte mich, daß
in der Free Press vom May 27 (The Grand Duke Constantine
etc., p. 53) ein Paragraph enthalten, der mir sofort Blindsches
Fabrikat gedünkt hatte, und der, zusammengenommen mit dem,
was Blind mündlich in L[iebknecht]s, Hollingers und meiner
io Gegenwart zugegeben, den ganzen Inhalt des Anonymen bildete,
außerdem aber bewies, daß B[lind] nicht nur beiläufig in
„Privatgesprächen“ die ihm sonst „ganz fremde Angelegenheit“
berührt. Also zu Collet, der sofort Blind für den author erklärte.
Er hatte noch den Brief Blinds, worin dieser seine Karte eingelegt,
w ihn aber gebeten hatte, seinen Namen nicht zu nennen. Dies war
ein Überfiihrungsstück.
Durch eine Reihe Manöver, die es zu ausführlich wäre, hier zu
erzählen, habe ich ferner Beiliegendes (das Du umgehend
zurückschicken mußt. Ich habe es auch Freil[igrath] ge-
20 zeigt) ausgepreßt. Da siehst Du „das Ehrenwort“! des Bieder¬
manns.
Letzten Sonnabend hat Liebknecht dem homme d’état nun
einen Brief zugeschickt (verfaßt nach einem von mir an L[ieb-
knecht] gerichteten Brief, worin ich die Sache etwas scharf zusam-
25 mengefaßt). Antwort wird erwartet und wirst Du näher davon
hören.
Salut.
Dein K. M.
619. Marx an Engels; 1859 Oktober 10.
30 10. Oktober 1859.
Dear Frederick,
Das Geld kam am Sonnabend wahrhaft „rettend“ an, denn ein
Teil des Gläubigerpacks machte an dem Tag eine Generalattacke.
My best thanks. Ebenso für das Manuskript.
35 Ich lege hier ein meinen Tribunearticle über Kossuth. Teil ihn
noch lupus mit. Schick ihn dann mir zurück. Es wird
ein Hauptskandal, da( Pulszky der London Correspondent der
Tribune. Die zitierten Werke über „Austrian sympathies“,
„Anti-Napoleonic rage“ etc., sind aus Pulszkys letter in der
w Tribune, worin er Kossuth et Co. zu verteidigen suchte. In fact,
ich bin erstaunt, daß die Tribune unter these circumstances,
Z. 17-21.
35-41-
426
(619) 1859 Okt. 10
und bei ihrem general faible für Klossuth] den Artikel gedruckt
hat. Ich hatte zwar dem Dana in einer kleinen deutschen Note, die
beilag, courage gemacht.
Gillet hat dem Kossuth fünf copies von der letzten Free
Press zugeschickt. A[ugsburger] A[llgemeine] Z[ei- «
t u n g] reproduzierte die Sadie. Ebenso die Weser-Zeitung.
Gillet war gestern bei mir. Staatsmann Blind war bei ihm ge¬
wesen und beklagte sich sehr, daß er (Gillet) das Editorgeheimnis
mir gegenüber verletzt habe. Er (Collet) solle zu mir gehn und
mich verhindern, weitres mischief anzurichten. Die Augsbfur- w
ger] Allgemeine] Zeitfung] sei „a Russian (!) organ“.
Darum wolle er (Blind) nicht ihr beispringen. Collet sagte mir:
„At the outset, he made upon me the impression of a very sneakish
fellow.“ Dem Liebknecht hat Staatsmann Blind nicht geantwortet,
der vornehme Mann, und midi glaubte er durch Collet lahmlegen w
zu können. The fool! Gleichzeitig wollte er von C[ollet] wissen,
wer das über K [ossuth] in der Press geschrieben.
Salut. Dein K. M.
620. Marx an Engels; 1859 Oktober 26.
26. Oktober 1859. so
Lieber Engels,
Ich hoffe, daß Du weder krank bist noch sonst ein Malheur Dich
getroffen hat, bitte Dich aber, unter allen Umständen to drop some
lines, da Dein verlängertes Schweigen mich beunruhigt.
Sei so gut und schick mir den Ausschnitt aus der Tribune, ss
den ich in meinem „Letzten“ einlegte, zurück.
Duncker hat nun definitiv sich zur Herausgabe des zweiten Hefts
willig erklärt. Lassalle spricht über seine „italienische“ Taktik
quasi re bene gesta und drängt mich zu einer Erklärung, wobei er
den bescheidnen Zweifel fallen läßt, daß ich vielleicht von 30
„meiner“ Ansicht zurückgekommen sei.
Dem hiesigen Kinkel- oder Schillerfest, das übrigens sehr lau¬
sig ausfallen wird, sich anzuschließen, konnte Freiligrath „als
deutscher Poet“ nicht lassen, obgleich ich ihm Warnung gegeben,
daß er nur als Staffage dem Gottfried dienen solle. *
Wegen dem „Volk“ habe ich den county-court process vermie¬
den, indem ich about 5 £ opferte und andrerseits in der Quittung
dafür den Biskamp als proprietor von Hollinger anerkennen ließ,
der (Bfiskamp] ) so für den Rest verantwortlich, durch seine Frei¬
heit von aller Habe aber über jede Verantwortlichkeit hinaus ist. «
Es war nötig, diesen unter actual circumstances sehr unangeneh¬
z. -1-6.
25-26.
(620) 1859 Okt. 26
427
men Schritt zu tun, da die Kinkelbande nur auf die Geschichte war¬
tete, um öffentlichen Skandal zu machen, und das ganze Personal,
was um die Zeitung herumhing, für Schaustellung vor Gericht un¬
passend war.
* Der Augsburger Zeitung habe ich auf ihr Verlangen (in zwei
sehr de- und wehmütigen Briefen encompassed) das auf Blind be¬
zügliche Dokument zugeschickt. Letztrer Bursche verdiente das
um so mehr, als er zu Collet lief und ihn 1. zu Schleichwegen be¬
nutzen wollte, 2. den Liebknecht dem Collet als „belonging to the
io Communist party“ denunzierte und, um ihn schließlich ganz
schlecht zu machen, 3. die A[ugsburger] A[llgemeine] Z[eitung]
als „russisches“ Organ charakterisierte.
Erinnere den Thimm, seine Schuld hier abzutragen.
Salut. Dein K. M.
621. EngelsanMarx; 1859Oktober28. (Fragment.)
[Anfang fehlt]
Die Geschichte mit Blind ist höchst heiter; es ist immer ein be¬
sonders angenehmes Schauspiel, wenn die diplomatisierende Klug¬
tuerei sich festreitet. Der Kerl kann furchtbar dabei blamiert wer-
2o den. Das „Ehrenwort“ hatte er Dir natürlich nur in the diplomatie
sense of the word gegeben, gerade wie es keine Beleidigung ist, je¬
manden einen Schweinhund in a parliamentary sense zu nennen.
Diese Bereicherung der Sprache durch Blind ist anzuerkennen.
Übrigens wäre es am allerschönsten, wenn sich herausstellte, daß
25 die „Beweise“ des Herm Blind nur auf Renommage beruhten, und
ich halte das bei diesem finstern Vaterlandsretter für ganz gut
möglich.
Lupus ist in Verzweiflung über die Verschlechterung des bitter
beers, die ihn zwingt, Porter und half and half zu trinken; im übri-
3o gen befindet er sich ziemlich wohl und lebt nach wie vor in Chats¬
worth.
Neulich bekam Siebel einen Brief von einem lächerlichen deut¬
schen Literaten 9, der sich aus Geldmangel an die Revolution ver¬
kaufen wollte und ihn bat, das Geschäft zu vermitteln, ich sollte
35 den Ankauf machen. Er drohte dabei, wenn die Revolution ihn
nicht kaufen wolle, so werde er sich den Jesuiten in die Arme
werfen. Diese nehmen ihn aber gratis nicht, denn daß der Kerl ein
kolossales Rindvieh ist, brauch ich Dir nicht erst zu sagen.
Grüße Deine Frau und Kinder herzlich. Dein F. E.
Manchester, 28. Oktober 1859.
O Hugo Oelbermann
Z. 13.
28-31.
428
(622) 1859 Nov. 3
622. Marx an Engels; 1859 November 3.
3. November 1859.
Lieber Frederick,
Leßner hat nicht die Namen der Leute, denen „Das Volk“ zu¬
geschickt wurde. Er kennt nur die Zahl der Exemplare ( 12 ), die er 5
regelmäßig an Thimm versandte.
Biskamp behauptet, die Bücher bei Thimm nicht auf seine
Rechnung, sondern auf die des Pfaffen, bei dem er Schulmeister
war, bestellt zu haben. Übrigens habe Thimm nie ein Wort darüber
fallen lassen. Er wird ihm wegen der Geschichte schreiben, ebenso io
wegen der Aneignungsgelüste des Panzer. Er ist jetzt engagiert seit
ein paar Tagen für 50 Taler monatlich bei der „Weser-Zeitung“.
Mit meiner Arbeit geht es schlecht voran. Ich habe zu viel häus¬
liche Störungen und zu viel Dreck auf dem Hals. Von dem
„graußen“ Schillerfest hier wirst Du gehört haben. Freiligrath und 75
Kinkel, oder vielmehr Kinkel und Freiligrath werden die Helden
sein. Da die Sache hier ganz von der Kinkelclique ausging, der
elende Beta, Gottfrieds Faktotum, sogar die Einladungsbriefe zur
Errichtung des Komitees erließ, hatte ich vor Wochen dem Freilig¬
rath geschrieben, ich hoffe, he would keep aloof from the Kinkel- 20
démonstration. Darauf antwortete mir der dicke Philister in einem
nicht ganz klaren Brief, worin er u. a. sagte: „Wenn auch Kinkel
die Briseis der Festrede davontrage, sei das kein Grund für die
Achille, sich schmollend in ihre Zelte zurückzuziehn.“ Also Kinkel
Agamemnon und Ffreiligrath] Achilles! Übrigens habe das Fest 25
„auch noch eine andre Bedeutung“ (welche, wird sich so¬
fort zeigen). Endlich habe er für Boston (United States) auf Auf¬
forderung ein Schillergedicht gemacht.
Später sah ich aus dem Hermann, daß Freiligrath als Mitglied
des Komitees agierte und von einer Kantate desselben auf Schiller 30
(komponiert von Pauer) die Rede war, daß mir der Philister also
etwas verheimlicht hatte. Noch später erhielt ich einen zweiten
Brief von ihm, worin er sagte, ich schiene doch recht gehabt zu
haben, seine Beteiligung aber habe zum Teil Gottfrieds Pläne
contrecarriert. 35
Als ich nun den Mann sah, erzählte er mir mit pochender Brust
den ganzen Verlauf der Sache. Beta und Juch, Kinkels Agenten,
hatten von Amerika aus erfahren, daß Freiligrath das Schiller¬
poem für Boston gemacht. Gottfried hatte sich neben der Rede
auch die Festkantate für sich selbst Vorbehalten. Da er aber
glaubte, non bis in idem und die Zuziehung Ffreiligraths] nicht tu-
bar war, ohne ihm den poetischen Teil zu überlassen oder vielmehr
anzubieten (es war aber darauf gerechnet, daß er das Angebot ab-
z. 4-12.
26 (welche—27 zeigen)
36-43 -
(622) 1859 Nov. 3
429
lehnen werde), forderten Juch und Beta F[reiligrath] im Namen
des Kinkelschen Komitees auf, sich dem Komitee anzuschließen
und die Kantate zu machen. F[reiligrath] sagte, er habe schon für
Boston gedichtet, antwortete unschlüssig, versprach aber seine Mit-
5 Wirkung bei dem Komitee. Letztres behandelte die Sache als bloße
Formalität und kam nicht mehr auf sein Gesuch zurück. F[reilig-
rath] aber, in aller Hast, (er fand nicht mehr die Schwierigkeiten
wie bei dem „V o 1 k“, für das er nie drei Zeilen machen konnte)
setzt sich dran, dichtet eine Kantate (im Versmaß von Schillers
io Dithyrambe; er hat mir das Zeug vorgelesen, Pomp und Schall),
läuft zu Pauer, läßt sie komponieren und durch seine Freunde
unter den Schillerfestsängem zwingt Kinkel und Konsorten, ihn
noch einmal aufzufordern. Dann schickt er ihnen die Scheiße, die
„durch einen Anachronismus“ schon fix und fertig, nicht nur ge-
is dichtet, sondern auch komponiert sei, und vergleicht sich selbst
am Schlüsse seiner Epistel mit einem „Knecht“, der seinen
„Herm“ bedient hat, eh er Befehl erhalten (Herm Kinkel, Beta,
Juch et Cons.) ! (Und dies erzählt mir der Philister selbst.)
Damit endet seine „Spannung“ mit Gottfried noch nicht. F[rei-
2o ligrath] besucht das Komitee, wo ihn Gottfried sehr kühl behan¬
delt. Nun hatte F[reiligrath] — wie er sagt, „ganz zufällig“ — in
seiner Kantate eine Stelle angebracht, wobei „notwendig“ Schil¬
lers Büste enthüllt werden mußte. Gottfried, ebenso zufällig,
hatte den Glanzpunkt seiner Predigt auf den „Moment der Ent-
25 hüllung“ eingerichtet. Nadi längrem Kampf, worin Philister
Ffreiligrath] stets schweigend dasitzt, aber seine Freunde sprechen
läßt (allerlei Gesindel), endlich entschieden, daß F[reiligrath] die
„Enthüllung“ haben solle, wobei Gottfried schweren Seufzer aus¬
stößt, daß er nun fortwährend seine Predigt an das „verschleierte
so Bild“ zu richten habe. Nun erhebt sich einer von F[reiligrath]s
Kumpanen und sagt, dem könne geholfen werden, wenn Kinkel
seine Rede nach der Kantate halte. Dagegen aber erklärt sich
Gottfried definitiv und äußert höchst entrüstet „er habe schon so
viel Entsagungen in dieser Sache gebracht, das könne man aber
35 nicht von ihm verlangen“. Da hört allen’s up. So wird die Predigt
zuerst kommen.
Und diesen ganzen Dreck erzählt mir F[reiligrath] sehr ernst
und wichtig; findet es dagegen ganz natürlich, daß er kein Wort
in dem Komitee darüber geäußert, daß die Kinkelbande sich
4o herausgenommen, seine (F[reiligrath]s) angebliche „Partei¬
freunde“ selbstverständlich nicht zum Komitee einzuladen, und es
so in eine Kinkeldemonstration zu verwandeln. Er erzählte, daß
ich sicher nicht hingekommen, aber er dürfte nicht diesen „Ostra¬
zismus“ erlauben in einem Komitee, worin er selbst sitzt. Blind ist
45 natürlich dabei.
z. - 1-45 -
430
(622) 1859 Nov. 3
Freiligrath, seit seinem Gedicht auf die Mockel, behandelt uns
„ganz im Geheimen“ als seine Freunde, während er öffentlich Arm
in Arm mit unsren Feinden geht. Qui vivra verra.
Ad vocem Blind. Der Scheißkerl war jetzt bei Hollinger.
Die Atugsburger] Allgemeine] Z[eitung] hatte ihm nämlich ge- 5
schrieben, wenn er bei seiner Retizenz verharre, werde er eklig in
die Öffentlichkeit gebracht werden. Sie habe ein Dokument gegen
ihn im Besitz. Er beschwert sich bei Hollinger, der habe uns die
Sache verraten. H [ollinger], mit Recht, sagt quod non, aber warum
Blind denn nicht einstehn wolle? Dieser sagt ihm, er habe aller- »
dings das Manuskript geschrieben, ein Freund von ihm habe es
aber verfaßt. Die Sache ist die: B[lind] hat es geschrieben und
verfaßt, die inkulpierendsten Punkte aber von Goegg erhalten.
Biedermann Goegg nun ist „scheinbarer“ Freund Vogts und muß
es sein, da Fazy, durch die Schweizerbank, für 25 000 fcs. Aktien «
in seiner Spiegelfabrik hat, ihm überhaupt als banker dient.
Darum muß Goegg seine Entrüstung über den „Landesverrat“ nur
im stillen lautmachen. Das sind die „ernschten Republikaner“.
Könntest Du mir nicht einen article über die neuen Armee-
veränderungen in Preußen machen? 20
Gruß an lupum. Salut.
Dein K. M.
623. Engels an Marx; 1859 November 4.
Manchester, 4. November 1859.
Lieber Mohr, zs
Der Freiligrath verdient wirklich einmal eine ernstliche Züch¬
tigung, und ich hoffe, daß ehe die Schillerschmiere vorbei ist
(oder ihre Nachwehen), sich eine Gelegenheit dazu findet. Diese
Poeteneitelkeit und Literatenzudringlichkeit, verbunden mit Pan¬
toffelkriecherei, ist wirklich zu arg, und dabei schreibt ihm die n
Augsburger politische Tugend zu!
Du hast doch den Prozeß Vogt in der A[ugsburger] A[llge-
meinen] Zleitung] Nr. 297 und folgende gelesen? Die Sache ist
ganz gut abgelaufen, aber der Brief von Biskamp ist schmählich
blamabel. Der Kerl konnte seine Privatgeschichten doch ganz gut as
auf einem Separatzettel beilegen, so aber ist es höchst ekelig, daß
der Redakteur des „Volks“ der Atugsburger] Allgemeinen]
Zleitung] ein testimonium ausstellt und um eine Korrespondenz
bettelt und dies gedruckt wird. Vogt wird darüber schön Lärm
schlagen. Daß wir doch immer solche taktlose Esel um uns herum- w
bummeln haben!
Z. -1-3.
40-41 t
(623) 1859 Nov. 4
431
Sehr schön ist aber die Blamage von Blind. Durch die Er¬
klärung in Deinem Brief und durch das Dokument ist der biedre
Diplomatiker jetzt genötigt hervorzukriechen, wenn er die Blamage
nicht noch größer machen will. Er hat mit Beweisen renommiert
5 und erscheint als einfacher Lügner, wenn er das Maul hält.
Ebenso schön sitzt Vogt drin. Abgewiesen wegen Inkompetenz,
in alle Kosten verdonnert und vor die Jury verwiesen, was kann
er machen?
Er muß entweder die A[ugsburger] Allgemeine] Z[eitung] vor
io einer bayerischen Jury verklagen — und dann ist er von vorn¬
herein fertig — oder das Volk — und dann wird Blind subpoenaed
— oder Blind selbst. In allen Fällen geht es ihm schlecht, und ich
sehe nicht, wie er anders als seine Blamage vergrößern kann.
Alles dies ist sehr tröstlich.
is Garibaldi scheint eine etwas zweideutige Rolle zu spielen. So
ein General ist übel dran. Er war genötigt, dem Teufel den kleinen
Finger zu geben, und jetzt scheint er schon die ganze Hand zu
haben. Für Viktor Em[anuel] natürlich das Wahre, erst G[ari-
baldi] auszubeuten und ihn nachher zu ruinieren. Altro esempio,
2o wie weit man’s mit „praktischem Auftreten“ in Revolutionen
bringt. Es ist übrigens schade um den Kerl. Andrerseits vortreff¬
lich, daß Piemont den angelogenen Charakter des Repräsentanten
der italienischen Einheit verliert.
Über die Armeereformen in Deutschland werde ich Dir einen
25 Artikel machen, wenn die Sache etwas weiter ist. Nicht allein in
Preußen, auch anderswo, in Ostreich etc., spukt’s im Militärwesen
fürchterlich. Überall wird französische Uniformierung etc. adop¬
tiert und in vieler Beziehung sogar entschiedene Rückschritte da¬
durch gemacht. Bis jetzt ist aber noch alles im unklaren; sobald
m ich etwas klarer sehn kann, mach’ ich Dir den Artikel.
Ebenfalls hoffe ich, daß bald wieder in China und Ostasien
generally etwas für mich zu rapportieren sein wird. Desgleichen
Marokko. Noch aber ist nichts reif. Über Marokko vielleicht
nächste Woche. Hast Du schon darüber geschrieben, oder hast Du
« einige Politica ad vocem Pam darüber mir mitzuteilen, damit ich
au fait bin?
Ich sitze jetzt tief im Ulfilas, ich mußte doch endlich einmal mit
dem verdammten Gotischen fertig werden, das ich immer bloß so
desultorisch trieb. Zu meiner Verwunderung finde ich, daß ich viel
« mehr weiß, als ich dachte; wenn ich noch ein Hilfsmittel bekomme,
so denk’ ich in vierzehn Tagen komplett fertig damit zu sein. Dann
geht’s an Altnordisch und Angelsächsisch, mit denen ich auch im¬
mer so auf halbem Fuß gestanden. Bis jetzt arbeite ich ohne
Lexikon oder andre Hilfsmittel, bloß gotischen Text und den
4i Grimm, der alte Kerl ist aber wirklich famos.
432
(623) 1859 Nov. 4
Hierzu wäre mir Gfrimms] Geschichte der deutschen Sprache
sehr nötig, kannst Du sie mir wieder heriiberschicken?
Lupus denk’ ich heut abend zu sehn.
Hier ist auch Schillerfeier (inliegend Programm). Ich hab
natürlich mit der ganzen Sache nichts zu tun. Herr Alfred Meißner *
wird einen Prolog herschicken, Siebel macht den Epilog, natürlich
ordinäre Deklamation, aber in anständiger Form. Außerdem diri¬
giert dieser Bummler die Aufführung von Wallensteins Lager; ich
war zweimal in der Probe, wenn die Kerle frech sind, kann es
passabel werden. Das Komitee besteht aus lauter Eseln ohne Aus-
nähme; Borchardt spielt die Opposition im Publikum; er macht
sich negativ ebenso mausig wie die andern positiv, nur daß seine
Negation auf demselben Standpunkt steht wie die Position der
andern, und er also eingesteht, wesentlich zu ihnen zu gehören.
Salut. 75
Dein F. E.
Nil novi ab Ephraimo Gescheit?
624. Engels an Frau Jenny Marx; 1859 Novem¬
ber 5.
Manchester, 5. November 1859. 20
Liebe Frau Marx,
Ich muß sehr um Entschuldigung bitten wegen meiner Verge߬
lichkeit, die so groß war, daß der Mohr schließlich Sie in Be¬
wegung setzte, um den betreffenden Artikel aus mir zu extrahieren.
Ich hatte indes keine Ahnung, daß er zu etwas anderm nötig sei 25
als zur Abwehr etwaigen Skandals von Seiten des Herm Pulszky,
und beeilte mich daher durchaus nicht mit der Rücksendung. Dies¬
mal liegt er aber wirklich bei.
Der dicke Philister Freiligrath benimmt sich wirklich in einer
ganz schmählichen Weise und verdient eine gehörige Züchtigung, so
für die sich hoffentlich bald eine Gelegenheit findet. Ergötzlich ist
dabei der Trojanerkrieg um die wichtige Frage, wer die Kantate
und wer die Festrede haben soll, und ob die Kantate zuerst und
die Festrede nachher kommen soll. Hier ärgern sich die Philister
sehr, daß Lupus und ich uns gar nicht in die Schillerei mischen; w
ich hatte noch gestern abend einen Tanz mit drei begeisterten
Schillerleuten. Das Volk begreift gar nicht, wie man sich bei einer
so schönen Gelegenheit Reklame zu machen nicht zudrängen kann.
Hier wollen sie eine „Schilleranstalt“ gründen, d.h. einen deut¬
schen Klub, worin gelesen, gegessen, getrunken, Vorlesungen ge- *o
halten, geturnt, geschauspielt, musiziert und wer weiß was noch
alles sonst getan werden soll. Borchardt war dumm genug, in die
Z. 11-14. 17 ? Nr. 624.
(624) 1859 Nov. 5
433
Vorver Sammlung zu gehn und dagegen zu sprechen (er keilte mich
auch hinzukommen, ich blieb aber ebendeswegen weg), und als
es zur Abstimmung kam, stimmten mit ihm der lahme Maler Hoyoll
und noch ein Mann, und Borchardt fiel natürlich mit Glanz durch.
Nachher zeichnete er vier Pfund zehn Schilling für die Geschichte,
was ihn auf drei Jahre zum Mitglied macht. Sie haben aber gar
keine Idee, was da auf einmal bei dieser Gelegenheit für deutsche
Gelehrsamkeit hier ans Tageslicht gekommen ist. Da ist ein
Dr. Götze, ein Dr. Marcus, ein Dr. Dolch, ein Dr. Samelson, lauter
io Kerle, von denen man früher nie gehört hat. Diese und einige
ästhetische Juden haben die ganze Sache in der Hand, und die Ge¬
lehrsamkeit ist wieder Hauslehrer bei den Juden, außer dem
Samelson, der ist ein Mediziner, der seit vier Jahren stets „sich
ganz neulich in Manchester niedergelassen hat“. Alles Reklame
15 und Klatsch, und da sollte man sich noch beteiligen!
Wie Sie sehn, komme ich übrigens selbst in den Klatsch und
daher breche ich am besten ganz ab. Grüßen Sie die Mädchen aufs
herzlichste und den Mohr nicht zu vergessen.
Ihr F. Engels.
625. Marx an Engels; 1859 November 7.
London, 7. November 1859.
Lieber Engels,
Den Grimm werde ich Dir schicken.
Über Marokko habe ich noch nichts geschrie-
asben, auch nicht über den Kaukasus, auch nichts Militärisches
über Asien. Über Marokko habe ich keine diplomatischen Details.
Es ist daher nötig, daß Du wieder schreibst. Meine Verhältnisse
erlauben mir zu wenig, an dem zweiten Heft zu arbeiten, das ich
für entscheidend wichtig halte. Es ist in der Tat der Kem der gan-
30 zen Bürgerscheiße. Biskamps Brief ist unendlich blamabel; aus
seiner situation zu erklären, nicht zu entschuldigen. Die ganze
Vulgärdemokratie sucht in der deutschen Presse die Sache mit
Blind zu vertuschen und stürzt über mich her. So Herr Meyen, der
jetzt den Freischütz redigiert. Ich habe nun eine geharnischte Er-
35 klärung in der A[ugsburger] Allgemeinen] Zleitung] und der Re¬
form zu Hamburg erlassen. Ich werde Vogt und Blind aneinander¬
bringen, wenn ich Kanonen vor die Kerls spannen sollte.
Der elende Pulszky in der Tribune macht kurz ab in ein
paar Zeilen mit meinem Brief, der aus dem Lager des „cracked“
4o Urquhart käme. Die Kerls wagen nicht das Maul aufzutun. Sie
wissen nämlich nicht, welche Evidenzmittel uns zu Gebot stehn.
Marx*Engels*Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 28
Nr. 624.
Z. 38-41 -
434
(625) 1859 Nov. 7
Kossuth nämlich, wie mir Szemere schreibt, lief heimlich mit nach
dem Vertrag von Villafranca, ohne Klapka und den andern Offi¬
zieren ein Wort zu sagen. Er fürchtete nämlich, den Östreichem
ausgeliefert zu werden. Hence the greatest animosities against him
in the Hungarian camp. Ich werde dem Plulszky] gehörig den Kopf s
waschen.
Dein K. M.
626. Marx an Engels; 1859 November 16.
16. November 1859.
Lieber Engels, w
Ich hoffe, daß Freitag ein Marokko von Dir erscheint. Abge-
sehn von allem andern, ist jetzt Präsidentenwahlzeit und fürchte
ich ohnehin Wiedereinschränkung der zu liefernden Artikelmasse.
Dies Schicksal wird beschleunigt, wenn ich den Kerls bei dem
jetzigen Stoffmangel nicht über solche sie interessierende Thèmes is
schreibe.
Du mußt mir auch einiges privately, of course, nicht für die
Tribune, über den Manchester Schiller-Ulk schreiben. Ich Dir im
nächsten Brief über das Kinkelfest hier. Tiefer Groll herrscht jetzt
vor von Freiligrath gegen Gottfried. Einstweilen lies die letzte 20
Nummer vom Hermann und sieh mit eignen Augen, wie der
„Pfaffe Wunderhold“ sich selbst anseicht.
Die A[ugsburger] Allgemeine] Z[eitung] hat meine Erklärung,
wie mir scheint, nicht genommen, da sie durch die von Blind ihr
zugesandte überflüssig gemacht schien. Ich habe ihr jetzt eine Ant- 2s
wort auf diesen badischen Schlaukopf zugeschickt mit der posi¬
tiven Forderung — indem ich mich auf die mir von ihr zuge¬
sandten Briefe beziehe —, meine Antwort abzudrucken.
Salut.
Dein K. M. 30
627. Engels an Marx; 1859 November 17.
Manchester, 17. November 1859.
Lieber Mohr,
Zu einem Russen, der mir auf dem Pelze hängt, kommt heute
noch ein Genfer, und der Ermen fängt an, mir den lästigen»
Teil der Repräsentation der Firma mehr und mehr zuzuschieben.
9 Gottfried Kinkel
Z.-1-6.
17-22.
Nr. 627.
(627) 1859 Nov. 17
435
Ich dachte trotzdem heut morgen noch, Zeit zu einem Artikel zu
finden, aber absolut unmöglich. Nächsten Dienstag erhältst Du in¬
des einen über Marokko, das ist sicher. Möglichst bald folgen
mehr über Rifle Volunteer Movement, preußische Armeereform
5 und diverse andre Geschichten.
Die Assaults-Geschichte ist abgemacht. Dreißig £ Schaden¬
ersatz und fünfundzwanzig Kosten. Bezahlt ist’s — teilweise durch
Pump. Die Sache war in London anhängig gemacht worden, und
es wäre außer dem hiesigen Skandal ein ganz hübsches Fressen für
io Kinkel & Co. gewesen, diese Geschichte aus der Times in die deut¬
schen Blätter zu bringen.
Schillerfest. Das Programm inliegend, ebenfalls die Original¬
poesieprodukte, bestehend wie Du sehen wirst,
aus Prolog von Meißner,
is Katalog von Samelson,
Epilog von Siebel.
Pro- und Epi- allein gerettet durch den Gegensatz des Katalogs.
Der erste Teil kam off mit eklatantem Durchfall. Herr Dr. Mar¬
cus (bankrotter Wollhändler und Erlanger Doktor à Taler 66,
2o 20 Sgr.) las den Bericht des Komitees weinerlich vor, Siebel dekla¬
mierte den Prolog passabel, aber undeutlich, Theodores sprach
blühenden Blödsinn ganz undeutlich, man hörte nichts als Rrrrrrr
— der Chor sang vortrefflich — Morell sprach englische Gemein¬
plätze, aber hörbar und fließend — die Kraniche des Ibykus schlä-
25 ferten das ganze Publikum ein. Darüber war es denn glücklicher¬
weise so spät geworden, daß eine volle Durchführung des Pro¬
gramms bis 1 Uhr nachts gedauert hätte. Also Samelsons Stanzen
flogen in die Rumpelkammer. Die Armada sehr gut deklamiert
von einem gewissen Link, dann das Stück. Die Bühne sehr hübsch,
3o aber unakustisch. Gruppierung vortrefflich, fortwährend viel, fast
zu viel Leben auf dem Hintergrund. Die Jungen spielten im ganzen
gut, waren schlecht zu verstehn wegen der viel zu kolossalen Bärte,
die sie vorm Maule hatten, und weil sie nicht genug zum Publikum
sprachen. Der Kapuziner gut (ein alter Korpsbursche Dolch, Ver-
35 fasser einer Geschichte des deutschen Studententums, Esel und
Narr). Epilog von Siebel vorgetragen von Link, mit viel Anstand
und Wohllaut, machte Effekt. Kurz, der zweite Teil rettete die Ge¬
schichte, im zweiten und weggelassenen Stück des ersten1) herrsch¬
ten die Jungen (indirekt auch ein gut Stück „underhand influence“
von mir, so war die Introduktion zu Wall [ensteins] Lager nach
meinen Angaben komponiert und zwar sehr gut), im ersten hatten
die Klugscheißer und sich vordrängenden Philister und Schul¬
meister geherrscht.
x) Im Orig, heißt es irrtümlich im ersten und weggelassenen Stück des zweiten
28*
Nr. 627.
436
(627) 1859 Nov. 17
Jetzt wollen sie noch aus dem Überschuß eine Schilleranstalt
gründen, aber der Überschuß ist ein Defizit von £ 150!
Samstag Festfressen, wobei ich nicht war. Viel Toaste und alle
rejected adresses verlesen.
Freitag abend noch Kneiperei der Sänger und Schauspieler bis 5
vier Uhr — war sehr fidel.
Dein F. E.
Wie war das mit der Keilerei im Kristallpalast?
628. Marx an Engels; 1859 November 19.
19. November 1859. w
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Engels,
Du erhältst heute allerlei Kuriosa von mir: 1. einen Brief des
Philisters Freiligrath an mich; 2. einen Brief von Orges (von der
Atugsburger] A[llgemeinen] Z[eitung] ) an Biskamp; 3. eine Num- n
mer (43) der in Leipzig erscheinenden Gartenlaube und
4. einen Brief von Imandt an mich, neben Ausschnitt aus dem
Trierschen Volksblatt. Endlich rate ich Dir, den heutigen Her¬
mann zu kaufen, da er von Herm Beta entworfne Geschichte des
hiesigen Schillerfestes enthält und auf das Benehmen unsres 20
Freundes Freiligrath ein sonderbares Licht wirft.
Ehe ich auf diese Historien eingehe, erwähne ich, um es nicht
zu vergessen, daß die Ungarn in New York, Chicago, New Orleans
usw. Meetings gehalten haben, worin sie einen Brief an Kossuth
beschlossen, der ihn auff ordert, sich mit Bezug auf meinen Artikel 25
in der New York Tribune zu rechtfertigen. Wenn nicht,
kündigen sie ihm die allegiance auf. Ich weiß nicht, ob ich Dir
schon die letzten mir von Szemere mitgeteilten Nachrichten erzählt
habe. D’abord, daß nach dem Friedensschluß von Villafranca Kos¬
suth aus Italien fortlief, ohne den Offizieren, Klapka eingeschlos- 30
sen, irgendein Wort zu sagen. K[ossuth] fürchtete, von Bonaparte
an Fancis Joseph ausgeliefert zu werden. Derselbe Biedermann,
wieSz[emere] jetzt schreibt, war ursprünglich nicht [in] die
bonapartistische Geschichte eingeschlossen. Klapka, Kiss und Te¬
leki hatten auf ihre Faust mit Plon-Plon die Erregung einer Revo- x
lution in Ungarn verabredet. K[ossuth] bekam Wind davon und
drohte ihnen, von London aus, sie in der englischen Presse zu
denunzieren, wofern er nicht in den Kontrakt eingeschlossen
würde. Such are those worthies.
Nr. 627.
Z. 18-21.
(628) 1859 Nov. 19
437
Ich beneide Dich gewissermaßen, daß Du so abgeschlossen von
dem Froschmäuslerkrieg in Manchester leben kannst. Ich habe
den ganzen Dreck durchzuwaten und dies unter Umständen, die mir
ohnehin genug für meine theoretischen Studien die Zeit weg-
5 nehmen. Andrerseits freue ich mich wieder, daß Du all den Dreck
nur in zweiter Hand mit durchmachst.
Vorigen Donnerstag erhielt ich von Freiligrath den einliegenden
Brief. Damit Du ihn in seiner ganzen verworfenen Kleinlichkeit
verstehst, folgendes: Blind war während derselben Zeit, wo der
io Mensch (Blind) die perfide Rolle gegen uns spielte, im intimsten
Umgang mit Freiligrath. Er agierte als sein homme d’affaires — in
dem großen Konflikt Kinkel-Freiligrath — in dem vorbereiten¬
den Komitee des Schillerfestes. Bei diesem Feste selbst saßen die
Familien Freiligrath-Blind während der Vorstellung enggruppiert
is zusammen. Nun brachte der Morning Advertiser am
andern Morgen einen Bericht, worin F[reiligrath]s Gedicht „above
mediocrity“ genannt wurde. Derselbe kritische Takt (und es
gehört in der Tat nicht viel dazu, dem studiosus Blind die ano¬
nyme Maske abzureißen), der mir gesagt hatte, daß Blind und
2o nur Blind den Paragraphen in der Free Press gegen Vogt ge¬
schrieben, sagte mir, daß er der Verfasser dieses Artikels sei. Ich
wunderte mich nur, daß der kriechende Sykophant den Mut ge¬
habt, in this cool männer von Freiligrath zu sprechen. Ich schickte
letztrem den Ausschnitt. Darauf erhielt ich den einliegenden Brief
25 von ihm, worin mehr oder minder sein Verdacht durchblickt, daß
ich dem studiosus Blind eine Fälschung in seinen commerce
— die Pointe gegen F[reiligrath] — eingeschmuggelt. Am Sonn¬
abend begab ich mich zu FFreiligrath]. Ich wußte noch nicht, daß
er die Erklärung in der A[ugsburger] Allgemeinen] Z[eitung] ge-
3o macht (nämlich er sei kein Ankläger von Vogt und habe nie
eine Zeile in dem „Volk“ geschrieben). Er hütete sich
auch, mir eine Silbe davon zu sagen. Ich sagte ihm de prime abord,
ich betrachte es als durchaus kein Verbrechen Blinds, wenn er
F[reiligrath]s Gedicht „above mediocrity“ finde. Das sei ein ästhe-
35 tisches Urteil. Aber toll erscheine es mir in der Tat, daß er von
Blind sich aufbinden lasse, ich habe dem Blind durch eine myste¬
riöse Person das Pensum korrigiert und die Pointe gegen ihn,
F[reiligrath], untergeschoben. Der Philister, in großer Verlegen¬
heit, gestand ein d’abord, daß er dem Blind meinen Brief ge-
m zeigt, und zeigte mir die zwei Briefe von Blind; In dem ersten be¬
schreibt studiosus Bflind] die Person, die am 9. Mai häufig neben
mir auf dem Urquhartschen Meeting bemerkt worden war und ihn
im Kristallpalast (10. November) umschlich. In einem zwei¬
ten Brief (F[reiligrath] war so herablassend, dem Bllind] zu
45 schreiben, er könne nicht glauben, ich habe die Stelle gegen ihn
Z. 1-45 -
438
(628) 1859 Nov. 19
interpoliert) erklärt Blind, er habe das auch nicht direkt sagen
wollen. Ich sagte dann dem Philister, die beiden einzigen Deut¬
schen und überhaupt Personen, die mich verschiedenmal abordier-
ten am 9. Mai auf der Plattform, seien gewesen Blind und Faucher
und nobody eise. Nun kennt aber Blind den Faucher, hat sich 5
ihm vorstellen lassen auf dem Schillerkomitee und ihm im Namen
F[reiligrath]s gedankt für seine Parteinahme für F[reiligrath]s
„Kantate“ gegen die „Rede“. Der badische Schlaukopf hat wieder
den Namen Faucher nicht genannt. (Ich habe letztrem sofort die
Sache mitgeteilt). Nämlich Faucher kennt den Editor Grant des io
„Moming Advertiser“ und könnte zum Herausfliegen des B [lind]
aus dem licensed victualler paper beitragen, wenn er letztem per¬
sönlich zu einer Erklärung aufforderte, ob er (Faucher) ihn
(Grant) veranlaßt, eine Interpolation in Blinds Artikel vorzu¬
nehmen, deswegen besitzt Studiosus Blind das Gedächtnis sich zu u
erinnern, welche features Faucher am 9. Mai hatte. Er erinnert
sich, daß dieselben features ihn umschlichen am 10. Novem¬
ber im Kristallpalast. Aber er vergißt, daß dies ihm so genau be¬
kannte Individuum der identische Faucher ist.
Diese ganze Geschichte ist so lausig — verzwickt — und so cha- 20
rakteristisch für die Biedermänner Freiligrath und Blind, daß ich
die Scheiße so weitläufig auseinandersetzen mußte. Es ist über¬
haupt charakteristisch für den Biedermann Freiligrath, daß er
nicht glaubte, mir Rechenschaft schuldig zu sein wegen seines
Auftretens vor dem Publikum mit Kinkel und Konsorten, wegen 25
seiner Erklärung in der Afugsburger] Atllgemeinen] Z[eitung],
wegen seiner Koketterie mit dem „Hermann“, wegen seines Um¬
gangs mit Blind während der Zeit, wo er das „Ehrenwort“ dieses
Lumpen kennen gelernt etc. —, sondern alles drehte sich darum,
daß irgend jemand gewagt, sein Gedicht (ich lege es bei) „above 30
mediocrity“ zu finden, statt es as the very incarnation of the
beautiful and the sublime anzupreisen.
Ich sagte ihm, mir sei diese Affaire durchaus Wurst. Da¬
gegen handle es sich zwischen mir und Blind um viel wichtigre
Dinge etc. m
Was die „Intrigen“ von Kinkel etc. gegen ihn betreffe, so habe
er sich allein dafür zu danken. Warum mache er sich gemein mit
den Kerlen?
Endlich wünschte ich zu wissen, was No. 43 der „Gartenlaube“
enthalte. Da kam dann heraus, daß Herr Freiligrath mit Herm m
Beta auf sehr intimem Fuß stand, ihn in seinem eignen Haus be¬
wirtet hat, und von Beta eine lobhudelnde Biographie seiner selbst
und Apotheose seiner Familie „geduldet“ hat, aber nur zürnte, daß
Beta am Schluß (natürlich auf Kinkels Auftrag) F[reiligrath]s
Poesie vernichtet werden läßt zugleich mit seinem Charakter — «
(628) 1859 Nov. 19
439
durch mich. Ich bin schuld daran, daß Herr Freilligrath], der
in Originalien nie sehr fruchtbar war, seit Jahren Bankier¬
geschäfte statt Poesiegeschäfte macht. Herr Freilligrath] schämte
sich nicht vor mir, daß er mit dem Lump Beta, dem ehemaligen
s Subredakteur des Louis Druckerschen „How do you do?“ sich
encanailliert. Noch der plumpen Schmeicheleien des grund¬
gemeinen Kerls. Es choquierte ihn, daß er vor dem Publikum
als von mir „beeinflußt“ erschien. Es war ihm nicht klar, ob er
nicht etwas darüber erklären solle. Bloß die Furcht einer Gegen-
10 erklärung meinerseits hält ihn ab. Der Kerl findet es „natur¬
gemäß“, daß, wenn er einen Furz läßt, Hallo geschrieen; daß er
einerseits dem Mammon dient, andrerseits „Priester der Muse“;
daß seine praktische Charakterlosigkeit theoretisch als „politische
Tugend“ gepriesen wird. Der Mensch ist empfindlich beim klein-
15 sten Nadelstich. Seine kleinen Komödiantenzänkereien hinter den
Kulissen mit Gottfried behandelt er als wichtige Intrigen. Andrer¬
seits hält er es für sachgemäß, daß meine Familie nicht nur auf
Anerkennung, selbst Notiz durchdachter Arbeiten, wie das Heft
über das Geld, resignieren soll; daß sie infolge meiner politischen
20 Rücksichtslosigkeit viel Misère durchmachen muß und in der Tat
eine freudelose Existenz führt. Der Mensch denkt, meine Frau
muß die Gemeinheiten gegen mich vor dem Publikum noch
dankbar in den Kauf nehmen, im Bewußtsein, daß Frau Freil [ig-
rath] verherrlicht und gefeiert wird, und daß sogar sein Kätchen,
25 die kein Deutsch versteht, diese silly goose, dem deutschen Phi¬
lister anempfohlen wird. Der Mensch hat auch nicht die Spur
freundschaftlicher Sympathie. Er sähe sonst, wie meine Frau
leidet, und wieviel er und seine Gattin noch dazu beitragen. Wie
falsch und zweideutig er sich vom Partei Standpunkt wie vom per-
3o sönlichen benimmt.
Dennoch kann und darf ich es mit dem Bur¬
schen zu keinem éclat bringen. Er besorgt die Wechsel
auf die Tribune, und ich muß das immer als Gefälligkeit an¬
erkennen (obgleich er sich, nicht mir dadurch Kredit bei Bi-
35 schoffsheim verschafft hat). Ich käme sonst wieder in die alte Not,
wie das Geld von der Tribune beziehn. Andrerseits wünscht Kinkel
und Konsorten — die ganze Vulgärdemokratie (Frau Frei¬
ligrath eingeschlossen) — nichts mehr, als daß dieser
Skandal vorgehe. Schon darum darf es jetzt noch nicht geschehn.
40 Schwer wird es mir allerdings, alle die Gemeinheiten protestlos
einzuschlucken.
Über die Vorfälle auf dem Kristallpalast und später im
Schillerkomitee im nächsten Brief.
Salut.
45 Dein K. M.
Z. -1-45 -
440
(628) 1859 Nov. 19
Sieh auch in dem letzten Lause-Hermann, wie Herr Blind sich
als „Propheten“ empfiehlt.
Der „upshot“ der ganzen Stieber-Enthüllungen von Berlin aus
im Hermann ist jetzt der, daß der alte Polizist Duncker seinen (seit
1848) Feind und Rivalen Stieber wieder zu remplacieren «
sucht. In der vorletzten Nummer des Hermann wurde Polizeirat
Dunckersx) Restauration von dem Berliner Correspondent auch als
das eigentliche Ziel der modernen Weltgeschichte proklamiert.
629. Marx an Engels; 1859 November 26.
26. November 1859. i»
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill, London.
Lieber Engels,
Montag schickte ich Dir einen ausführlichen Brief über die
hiesigen Katzbalgereien. Dienstag schickte ich Dir die Garten¬
laube und Betas Artikel. Ich erwartete nun täglich einen Brief u
von Dir, da Deine Briefe in solchen affaire noch allein die
drooping spirits meiner Frau aufrecht halten. Solcher Dreck ist
einfach lächerlich, wenn man sonst erträglich lebt. In meinen cir-
cumstances aber they weigh heavily upon the family.
Du erhältst nun heute: to
1. Einen Brief von Lassalle an mich. Die Erklärung,
die ich der Volkszeitung zugeschickt, ist dieselbe, die in
Nr. 325 der Alugsburger] A[llgemeinen] Z[eitung] erschien.
(Eine andre, zwei Spalten lang, über mein Verhältnis zur Vulgär¬
demokratie etc. ist in Nr. 139 der Hamburger Reform erschienen, ts
Ich habe die Gelegenheit benutzt, um Didi als Verfasser von „Po
und Rhein“ zu nennen, was dieselbe Vulgärdemokratie hartnäckig
verheimlicht.) Aus L[assalle]s Brief siehst Du, daß er, der in
point of fact in dasselbe Hom mit Vogt tutete, gar nicht will, daß
das Berliner Publikum meinen Gegensatz gegen Vogt und seine 30
Propaganda erfährt.
Aus demselben Brief siehst Du, daß er sich endlich an seine
„Nationalökonomie“ setzen will, klugerweise aber noch
drei Monate wartet, bis er mein zweites Heft in der Hand hat. Die
Motive, warum selbst von dieser „befreundeten“ Seite alles ge- 35
schieht, um die conspiration de silence nicht zu brechen, sind jetzt
klar.
*) Korr, aus Stieber
(629) 1859 Nov. 26
441
Ich habe die Gelegenheit benutzt, um L [assalle] ganz kurz meine
Ansicht über die italienische Angelegenheit zu schreiben und ihm
dabei zu bemerken: Wolle künftig einer in solch kritischem Mo¬
ment im Namen der Partei auftreten, so müsse folgende Alter-
native gelten. Entweder er konsultiert vorher die andern, oder die
andern (euphemistischer Ausdruck für Dich und mich) haben das
Recht, ohne Rücksicht auf den einen, ihre eigne Ansicht vor dem
Publikum geltend zu machen.
2. Ein Brief von Liebknecht an Freiligrath. Du wirst aus der
w Afugsburger] Atllgemeinen] Z[eitung] ersehn haben, daß F[rei-
ligrath] erstens erklärt, er sei „wider Willen und Wissen“ zum
Ankläger Vogts gemacht worden; zweitens, daß „er nie eine Zeile
an das Volk geschrieben“ (schreibt überhaupt nicht). Herr Kolb,
der einen Privatbrief Liebknecht] s an ihn falsch interpretiert
is und nach dieser Erklärung F[reiligrath]s Rüffel von Cotta be¬
zogen, schlachtet natürlich Liebknecht als Sündenbock ab. Der ent¬
rüstete Ffreiligrath] aber, der ein subaltern von Fazy ist, schrieb
einen saugroben Brief an Liebknecht. Das Einliegende ist Lieb¬
knecht] s Antwort darauf.
20 In Freiligraths Brief an Liebknecht fand sich nun folgender
passus:
„Ich habe von Vogt nur einen Brief in Händen, datiert vom
1. April 1859. Dieser Brief, wie Marx mir noch am vorigen Sams¬
tag z u g a b (ich underline), enthält auch nicht eine einzige Silbe,
25 auf die sich eine Anklage gegen Vogt gründen ließe. Wie sollte
ich denn dazu kommen, ihm Bestechungsversuche nachweisen zu
wollen.“
Obgleich nun einerseits Freiligrath mir unentbehrlich ist
für das Ziehen der Wechsel nach New York, andrerseits ich aus
3o politischen Rücksichten keinen Bruch mit ihm will, endlich with
all his faults ich ihn persönlich gern habe —, so konnte ich doch
nicht umhin — es war durchaus nötig, ihm in bezug auf diese
Zeilen einen förmlichen Protest zuzuschicken. Denn wer
bürgt mir dafür, daß er dasselbe nicht an Vogt schreibt und dieser
35 das nicht drucken läßt?
Die Sache, die er verdreht, war nämlich die: Bei meiner Zu¬
sammenkunft mit ihm, die sich um Blind, nicht um Vogt drehte,
erzählte ich (von einer Debatte war nicht die Rede; noch
weniger hat e r mich zur Rede gestellt, was aus der Phrase: „Marx
40— zu gab“ gefolgert werden könnte) ihm, daß er selbst
Blind für den Verfasser des Pamphlets gehalten, weil dieser ihm
dasselbe erzählt wie mir; daß ich vor meinem Rencontre mit
Blind am 9. Mai gar nichts von Vogts Tätigkeit kannte außer
seinem Brief an Freiligrath — aus dem ich, wie er sich erinnern
45 werde, nicht auf Bestechung geschlossen, vielmehr die mir keines-
Z. 17 (der ... ist) ,
36-46-
442
(629) 1859 Nov. 26
wegs befremdliche flachliberale Kannegießerei wiedergefunden.
Dies ist denn doch etwas ganz andres, als daß ich ihm „zugab,
daß der Brief auch keine einzige Zeile enthält, auf die sich eine
Anklage gründen ließ e“. Das setze ich ihm auseinander und
spreche zugleich meine Verwunderung aus, warum er nicht Blind, «
der ähnliche Briefe (und den von Freiligrath eingeschlossen) in
der FreePress als corpora delicti behandelt, zur Rede gestellt?
Er hat mir bisher nicht geantwortet, obgleich er sonst immer gleich
antwortet. Es wäre möglich, und dies wäre fatal, daß er diese Ge¬
legenheit benutzt, um ihm, wie es scheint, längst lästig gewordne u
alte Parteiverhältnisse abzubrechen. However that may be, ich
mußte gegen diese Darstellung protestieren.
Genug des Dreckes.
Gestern erzählte mir ein Toryjoumalist, er werde nächste
Woche in einem Tory Weekly (der Weekly Mail, I think) den Be- »
weis liefern, daß Garibaldi schon Gelder von Bonaparte erhalten,
als er sich in Südamerika umtrieb als Kauffahrteischiffer. Nous
verrons.
Gruß an lupus.
Dein K. M. so
Apropos! Ich habe gestern in meinem Artikel an die Tri¬
bune gesagt, daß ich nächstens über die hiesige Rifle movement
schreiben werde. Es wäre mir also lieb, wenn Du darüber schriebst.
630. Engels an Marx; 1859 November 28.
Manchester, 7, Southgate, 28. November 1859. u
Lieber Mohr,
Daß ich vorige Woche nicht schrieb, hatte seinen Grund darin,
daß ich Lupus die sämtlichen Papiere gegeben und sie erst mehrere
Tage nachher zurück erhielt, weil ich ihn in der Zwischenzeit stets
verfehlte. Llupus] ist wie ich der Ansicht, daß das Benehmen w
F[reiligraths] kaum noch ferneren Parteiverkehr mit ihm zuläßt,
daß Du aber vollständig Redit hast, allein aus Parteirücksichten,
abgesehen von Deinen persönlichen Verhältnissen, für jetzt jeden
Bruch mit ihm zu vermeiden, s’il y a moyen — es wäre einTriumph
für Kfinkel] und Konsorten, den sie heftig genug ausposaunen und u
ausbeuten würden. Es wird dem schwachen Esel aber nicht ver¬
gessen werden. Die Erklärung F[reiligrath]s in der Alugsburger]
Alllgemeinen] Z[eitung], wenn sein Verhältnis zu Fazy ihn über-
Z. -1-18.
21-23.
30-38-
(630) 1859 Nov. 28
443
haupt zwang, etwas zu erklären, mußte er mit Dir abmachen, es
wäre jedenfalls was andres dabei herausgekommen als das alberne
Ding, das er in der A[ugsburger] Allgemeinen] Zleitung] drucken
ließ. Er scheint sehr amnestiewütig zu sein, daß er sich so vor aller
« Teilnahme am Volk verwehrt. Aber daß er sich mit Herm Bettziech
persönlich eingelassen, ihn in seinem Hause empfangen, das wird
ihm Lupus nie verzeihen, der damals in der How do you do Ge¬
schichte mit Flreiligrath] zu Blettziech] ging. Es ist dies
auch eine ganz direkte Gemeinheit. Wie die Sachen jetzt stehn, ist
io es allerdings fraglich, ob man noch lange ohne offnen Bruch mit
Flreiligrath] gehn kann, der Literatenkitzel wird immer stärker bei
ihm, Madame wird nicht unterlassen, ihm täglich und nächtlich
vorzuhalten, daß Herr Beta, Kinkel und Konsorten ihn doch
wenigstens vor dem Publikum loben, während er von uns selbst
is privatim nur ein Modicum von Anerkennung bezieht und nie
darauf rechnen kann, daß wir ihn „durch seinen Ruhm bekannt“
machen. Indes weiß Flreiligrath] nur zu gut, daß, wenn K[inkel]
und Co. ihm auch fürFriedenszeiten nützlich sind, für kriegerische
Momente er ohne uns nichts ist und sich nie gegen uns alliieren
no darf, ohne allerhand unangenehme Risikos zu laufen. Ich denke,
er hütet sich zu weit zu gehn, und wird es schließlich auf unsre
Langmut ankommen lassen.
Deine Erklärung in der A [ugsburger] A [llgemeinen] Z [eitung]
wird Herm Blind in eine sehr eklige Lage bringen. Wie er sich
25 ohne Blamage aus der verlognen Position herauslügen wird, sehe
ich nicht ab.
Deine Frau muß allerdings sehr leiden unter diesen Lum¬
pereien. Indes wird auch dieser Dreck vorübergehn, und ich hoffe
bald. Herr Flreiligrath] wird in einigen Wochen wohl wieder links
so liegen gelassen werden und seinem eignen Klatsch überlassen wer¬
den können. Jetzt aber adieu für heute, ich gehe jetzt nach Hause
und schicke einen Artikel über riflemovement per Nachtpost. Es
werden ihrer jedenfalls mehrere.
Herzliche Grüße an Deine Frau und die young ladies.
u Dein F. E.
631. Marx an Engels; [1859 Dezember 1].
Lieber Engels,
Solltest Du bis morgen nichts über Marokko fertig haben, so ist
Zeit bis Samstag (nämlich via Cork). Ich schreibe heute (da
Z. - 1-22.
28 (und)—31.
444
(631) 1859 Dez. 1
ich Dienstag nicht schrieb) über die Suezfrage. Die Marokko¬
geschichte muß dran. Sie sind sonst gezwungen, die Times zu
kopieren.
Salut.
Dein K. M. s
632. Marx an Engels; 1859 Dezember 10.
London, 10. Dezember 1859.
Lieber Engels,
Den Artikel erhalten. Hoffe, daß es mit Deiner Gesundheit
besser ist. io
Über die Geschichte mit Freiligrath im Verlauf dieses Briefs.
Du hast doch auch Hermann von heute vor acht Tagen gesehn,
wo in „vorletzter Sitzung des Schillerkomitees“ die lumpenproleta¬
rische Hallunkenbande, die sich um Gottfried Kinkel gruppiert
hat, sich selbst schildert. Der Artikel ist verfaßt von dem wür- 15
digen Beta.
Was sagst Du dazu, daß Herr Lassalle all at once mir seine
„Nationalökonomie“ angekündigt? Wird es nun nicht klar, warum
meine Schrift erstens so verzögert, zweitens so schlecht annonciert
worden ist? Lassalle wohnt im Haus Dunckers, wie mir 20
Fischel (war für einige Tage in England; Redakteur des Berliner
Portfolio (urquhartisch), Nr. 1 und 2 enthalten Auszüge aus
meinen Anti-Palmerston-pamphlets über Polen und Unkiar Ske-
lessi) aus Berlin erzählte. Er (Lass[alle] ) scheint in Berlin wegen
seiner Eitelkeit auf gefallen zu sein. Der Stock, mit dem er durch- 20
geprügelt wurde, war sein eigner — eine in Paris gekaufte
Relique, Robespierres Stock mit der Devise: liberté, éga¬
lité, fraternité drauf!
Ich hatte dem Lassalle geschrieben, ob er mir nicht Geld (auf
einen Wechsel, den ich ihm dafür auf mich einhändigen würde) 30
auftreiben könne für mich. Darauf schrieb er, er selbst lebe bis Juli
auf Kredit und habe das floating surplus des Dunckers sich ange¬
eignet. Dann sollte ich einen Wechsel auf ihn (L[assalle]) ziehn,
hier diskontieren und vor Verfallzeit das Geld ihm zuschicken.
Aber natürlich der Name Lassalle ist hier nicht ein Hundertstel 3s
farthing wert. Ich bin während der letzten Zeit von verschiednen
ganz kleinen Kerls, wie milkman etc., an den county-court zitiert
worden und sehe in der Tat keine Möglichkeit, über die Krise, die
schon seit einem halben Jahr im Wachsen, wegzukommen. Solche
Nebenausgaben, wie 5 £ about für den Lause-Volksprozeß, und u
Herm Biskamp, den ich seit drei Monaten genährt habe (und bin
Z. 11-28 !
(632) 1859 Dez. 10
445
ihn noch nicht los), haben zwar die Klemme im kleinen vermehrt.
Im wesentlichen war es Wurst. Der ganze Teufelsdreck ist, daß ich
keinen Bamberger mehr in London habe, denn mit Wechselopera¬
tionen wäre jetzt viel zu machen. Wenn der dicke Philister Freilig-
5 rath gewollt hätte, hätte er mir auch einen Ioan verschaffen können,
und der Philister hatte ja die Sicherheit in der Hand. Aber der
Bursche glaubte (renommierte wohl gar) viel getan zu haben, wenn
er mir acht Tage, bevor ich den Wechsel auf die Tribune zog,
2 £ für acht Tage vorschoß. Ich habe übrigens noch andre Ver-
10 suche gemacht, um an Wuchrer zu kommen. But till now without
any result.
Ich weiß, daß Du durch Deinen letzten Prozeß selbst in der
Klemme, schreibe Dir den state of things also nur, weil es Be¬
dürfnis, sich mit somebody zu besprechen. Ich hoffe, daß das Pech,
io worin das Haus, Dich nicht abhalten wird, ein paar Tage
herzukommen. Es ist durchaus nötig, daß meine Mädchen
wieder einmal einen „Menschen“ im Haus sehn. Die armen Kinder
sind zu früh gequält mit der Bürgerscheiße.
Nun ad vocem Freiligrath.
20 Der Philister schrieb folgenden Brief, nachdem er acht Tage ge¬
wartet:
„Lieber Marx!
Deinen Brief vom 23. d. M. (November) und den Liebknechts
vom nämlichen Tage habe ich erhalten, und beantworte beide, zur
25 Vereinfachung der Sache, hiermit an Dich.
Was Liebknechts Brief betrifft, so hat mich derselbe weder
durch seinen anmaßenden und naseweisen Ton, noch durch seinen
Inhalt: — den mißglückten Versuch, den Spieß umzudrehen —
überraschen können! Sehr schön, in der Tat: der Londoner Z Kor-
3o respondent der A[ugsburger] Allgemeinen] Zteitung] kann
meinen Namen ad libitum, und ohne mich vorher davon zu benach¬
richtigen, zur Verfügung des Herm Kolb stellen; ich aber, wenn
ich gegen diesen Mißbrauch protestiere, habe deswegen erst schul¬
dige Anzeige zu machen!! Die Argumentation Liebknechts zu-
35 gunsten dieser säubern Doktrin ist so schülerhaft, daß sie einer
ernstlichen Widerlegung meinerseits nicht bedarf. Ich bemerke
dazu nur einfach: daß ich unter keinen Umständen, und aus keiner¬
lei persönlichen oder Parteirücksichten, Willkürlichkeiten dieses
Schlages mir gefallen lasse.
4o So viel von und für Liebknecht!
Und nun zu Deinem Briefe: —
Deinen Protest gegen den in meinem Briefe an Liebknecht (vom
21. November) vorkommenden Ausdruck „zugab“ lasse ich mit
Vergnügen gelten. Ich lege keinen Wert auf jenen Ausdruck. Es
Z. 6 (und)—9.
19-44-
446
(632) 1859 Dez. 10
versteckte sich dahinter keine Intention irgendeiner Art, und ich
hätte ebensogut „bemerkte“ oder „äußerte“ sagen können. Also
das „zugab“ ist Dir ohne Widerspruch zugegeben. Waren
wir beide von vornherein der nämlichen Ansicht, um so besser!
(Dieser Pfiffikus merkt nicht, daß er mir hiermit meine Ansicht s
über Vogt und Blind z u g i b t. )
Mit Deiner Erklärung gegen Beta mußt Du es natürlich ganz
nach Deinem Ermessen halten. Obgleich ich meine, Dein erster
Impuls, die Sache zu ignorieren, sei der bessere und Deiner wür¬
diger gewesen! Du wirst nun, da die zweimal 24 Stunden Über- w
legungszeit mehr als um sind, Deinen Entschluß so oder so gefaßt
haben. So oder so, mir ganz gleichgültig! °
Daß Du, „wie es zwischen Freunden paßt“, mich von Deiner Er¬
klärung gegen Beta im voraus hast unterrichten wollen, ist sehr
dankenswert. Übrigens, so viel ich verstehe, sollte ja Deine Er- is
klärung gegen Beta, nicht gegen mich, gerichtet sein, und
hätte es drum der vorherigen Mitteilung Deiner Absicht kaum be¬
durft.
Jedenfalls will ich, en revanche, nicht unerwähnt lassen, daß
ich wahrscheinlich auch noch eine Erklärung veröffentliche, worin 20
ich wiederholt, und ein für allemal, die Hereinziehung meines
Namens in die Vogtsche Angelegenheit mir verbitte. Dein
F. Freiligrath.“
Diesen mit so vielen ! ! geschmückten und „bös“ sein sollenden
Brief, konnte ich natürlich, under circumstances nur in a very 25
moderate tone beantworten. Ich schrieb also umgehend. :
„Lieber Flreiligrath] !
Weder bin ich Liebknechts Briefsteller, noch sein Attomey. In¬
des werde ich ihm Abschrift des auf ihn bezüglichen Teils Deines
Briefes zustellen. 30
Die einen Augenblick beabsichtigte Erklärung habe ich unter¬
lassen, eingedenk des „Odi profanum vulgus et arceo“.
Die Erklärung war allerdings gegen Beta, aber eben deshalb
unvermeidlich, wie Du aus dem summary ersehn, zugleich über
Dich. Schon deshalb gab ich Dir Notiz davon, von der Intimität ab- #
gesehn, worin Deine und Betas Familien in seinem opusculum er¬
scheinen.
Es ist Dir unangenehm, Deinen Namen in der Vogtschen An¬
gelegenheit eingemischt zu sehn. Ich frage den Teufel nach Vogt
J) Im Freiligrathschen Original folgt noch: „Die Veröffentlichung der Heineschen
Briefe an Dich wird eventuell gewiß von Interesse sein — nur sehe ich nicht ein, was
sie bei dieser Gelegenheit sollen, es sei denn, daß Du sie als Atteste nötig zu
haben glaubtest. So wird man die Sache wenigstens auffassen/*
Z. - 1-39 -
Tafel V
Engels an Marx, ca. 12. Dezember 1859
(s. S. 447 f.)
(632) 1859 Dez. 10
447
und seinen infamen Lügen im Bieler Handelskurier, aber ich will
meinen Namen nicht als Maske für demokratische Schlauköpfe
hergeben. Ist jemand gezwungen, Zeugen aufzurufen, so weißt Du,
daß kein andrer sich „verbitten“ kann, als Zeuge zitiert zu werden.
« Nach älterm englischen Rechtsusus konnten restive witnesses —
horribile dictu — sogar zu Tod gepreßt werden.
Was schließlich Parteirücksichten betrifft, so bin ich gewohnt,
in der Presse für die ganze Partei mit Kot beworfen zu werden und
meine Privatinteressen beständig von Parteirücksichten beschädigt
io zu sehn, andrerseits ebenso gewohnt, auf keine Privatrücksichten
gegen mich zu rechnen.
Salut.
Dein K. M.“
Hierauf hat F [reiligrath] nicht geantwortet, und ich weiß nicht
k exactly, wie wir nun zusammen stehn.
Gruß an lupus.
Dein K. M.
633. Engels an Marx; [1859 Dezember ca. 12].
Lieber Mohr,
to Inliegend Post Office Ordre 5 £ zahlbar CamdenTown. Der
Beta ist der größte Schweinhund, der mir je vorgekommen. Der
Schundartikel hat mich in eine wahre Wut versetzt. Leider ist der
Kerl schon solch ein Krüppel, daß man ihn nicht noch krummer
schlagen kann; indes an diesem Hund muß doch noch einmal per-
zs sönliche Rache genommen werden. Es gereicht indes immer zur
Befriedigung, daß die schöne Seele Kinkel nicht umhin kann, ihre
Ergänzung in einem solchen Schweinigel zu finden. Welch eine
Reihe von durch Darwinsche natural sélection auf den höchsten
Grad von Mistexistenzfähigkeit fortgebildeten, die Scheiße zu
3o ihrem Lebenselement erwählenden Maulwurfskrüppeln gehört da¬
zu, ehe ein einziger Bettziech produziert werden konnte. Unver¬
schämte Mistlügen und impotente Bösartigkeit, das sind die
Hülfsmittel, womit das böse Gewissen des verlognen Pfaffen Kin¬
kel sich auf den Beinen zu halten sucht. Let us get these fellows
so once face to face again, und Du sollst sehn, wo das Lumpenpack
bleibt.
Übrigens ist der Darwin, den ich jetzt grade lese, ganz famos.
Die Teleologie war nach einer Seite hin noch nicht kaputt gemacht,
das ist jetzt geschehn. Dazu ist bisher noch nie ein so großartiger
to Versuch gemacht worden, historische Entwicklung in der Natur
0 Im Orig. Candcn
Z. - 1-15.
22-27.
31-34.
448
(633) 1859 Dez. ca. 12
nadizuweisen, und am wenigsten mit solchem Glück. Die plumpe
englische Methode muß man natürlich in den Kauf nehmen.
Grüß Deine Frau und Kinder herzlich.
Dein F. E.
634. Marx an Engels; 1859 Dezember 13.
13. Dezember 1859.
9, Graftonterrace, Maitlandpark, Haverstockhill.
Lieber Engels,
My best thanks for the £ 5. Du kannst Dir denken, wie gelegen
sie kamen, da meine Frau in ein paar Tagen eine Terminzahlung w
für einen Kerl auf dem county-court abzumachen. Ich habe gestern
einen letzten familycoup versucht, der vielleicht gelingt. Dann
wäre Möglichkeit wieder aufzuatmen.
In Rußland geht die Bewegung mehr voran als in dem ganzen
übrigen Europa. Einerseits die konstitutionelle des Adels gegen is
den Kaiser und der Bauern gegen den Adel. Endlich hat Alexander
auch entdeckt, daß die Polen nichts vom Aufgehn in die slavisch-
russische Nationalität wissen wollen, und sehr gepoltert. Die
außerordentlichen Erfolge der russischen Diplomatie seit den letz¬
ten 15 Jahren und namentlich seit 1849 sind so mehr als aufge- to
wogen. Bei der nächsten Revolution revolutioniert Rußland ge¬
fälligst mit.
Du hast doch das ängstliche Dokument Bonapartes an die Prä¬
fekten gelesen, worin er verlangt, daß ihm u. a. alle respektablen
Orleanisten, Legitimisten, Republikaner, Sozialisten bei Haar und ts
Namen aufgezählt werden sollen, ganz besonders aber die „zuver¬
lässigen“ Bonapartisten?
Aus dem einliegenden Zettel siehst Du, daß Lause-Juch, des
Hermann proprietor — sich jetzt an mich wenden kann in der
Stieberaff aire. Die Lausehunde hatten dem Eichhoff in seinen De- so
nunziationen gegen Stieber im Hermann alles auf unsern Pro¬
zeß1’ Bezügliche weggestrichen und nur en passant von der
„kleinen unbedeutenden Partei“ gesprochen. Ich werde dem Lause-
wenzel gehörig den Kopf waschen, aber natürlich doch alles in
meinen Kräften tun, um dem Hund Stieber zu schaden. Übrigens ss
war Eichhoff nur Werkzeug in diesen ganzen Stieberenthüllungen.
Die Sache ging aus von dem Expolizisten Duncker’’ zu Berlin,
dessen Entfernung 1848 hauptsächlich Stieber durch sein Bellen
vom demokratischen Heerlager aus bewirkt hatte. Seit der Zeit
Kölner Kommunistenprozeß
’) Im Orig. Dunker
Z. 28-39 -
(634) 1859 Dez. 13
449
bewachte Duncker11 durch seine Privatpolizei den Stieber auf
Schritt und Tritt, bis er endlich den Moment passend glaubte, ihm
den Fußtritt zu geben. Eichhoff, der Esel, war auch dumm genug,
in seiner letzten Berliner Korrespondenz im Hermann die Esels-
ä obren herausgucken zu lassen, in dem he wound up his denuncia-
tions against Stieber — with what? With the request of the r e -
stitutio in integrum of virtuous Polizeirat Duncker.
Nichts als Halunken und Esel, alle diese Kerls, denen Freilig¬
rath es nicht übel nimmt, wenn sie sich „Willkürlichkeiten mit
io seinem Namen erlauben“.
Under all circumstances I hope to see you here for some days.
Gruß an lupus.
Salut.
Dein K. M.
25 Jennychen hat eine Raffaelmuttergottes, die es abgezeichnet, für
Dich bestimmt und zwei verwundete französische Soldaten für
lupullum.
635. Marx an Engels; 1859 Dezember 20.
20. Dezember 1859.
2o Lieber Engels,
Du scheinst nicht Freiligraths und Blinds Erklärungen in der
A[ugsburger] A[llgemeinen] Zleitung] (Beilage, muß sein vom
8., 9., 10. oder 11. Dezember) gelesen zu haben. Danach kann
sich das Gerücht, daß „F [reiligrath] mit M[arx] gebrochen hat“
25 auch ohne Kinkels Zutun verbreitet haben.
Juch, mit dem ich eine Zusammenkunft hatte von wegen des
Stiebers Prozesses in Berlin, (die Anklage gegen Eichhoff bezieht
sich nur auf seine Äußerungen wegen des Kommunistenprozesses,
so daß (am 22. kommt die Sache vor) dieser ganze Prozeß in Ber-
30 lin in zweiter Auflage vor das Publikum kömmt. Idi habe Eich¬
hoff mein Pamphlet geschickt. Wären Schneider, Bürgers etc. keine
Waschlappen, so könnten sie jetzt eine schöne Revanche nehmen)
fragte midi auch von wegen dieser Allianz Blind-Freiligrath, von
der ich damals noch nichts wußte. Leider bin ich einstweilen ge-
35zwungen (materiell und „vielleicht“ politisch) noch égards für
den Kerl zu haben. Studiosus Blind hat in der letzten Nummer des
Hermann durch „Borkheim“ erklären lassen, daß er (Blind) der
Kinkel von Süddeutschland sei.
Ich muß jetzt an meinen Artikel. Weiß noch nicht worüber.
m Salut.
Dein K. M.
*) Im Orig. Dunker
Marx-Engeb>Ges&mtauagabe, III. Abt., Bd. 2 29
Z. - 1-10.
Nr. 685.
450
(636) 1859 Dez. 22
636. Engels an Frau Jenny Marx; 1859 Dezem¬
ber 22.
Manchester, 22. Dezember 1859.
Liebe Frau Marx,
Ich bin heute abend so frei, Ihnen ein Dutzend Flaschen Wein s
für die Feiertage zu schicken, und hoffe, daß sie Ihnen schmecken
und zur Aufheiterung der family beitragen werden.
Der Champagner und Bordeaux (Château d’Arcins) wird gleich
trinkbar sein, der Portwein wird dagegen etwas ruhen müssen und
erst gegen Neujahr in Kondition kommen. io
Über die Freiligrätherei hab’ ich hier meinen redlichen Ärger
gehabt. Es ist doch stets dieselbe alte Geschichte mit diesem
Belletristenpack, immer wollen sie in den Blättern beweihraucht
sein, immer ihren Namen vor dem Publikum haben, und das lum¬
pigste Versehen, das sie fabrizieren, ist ihnen wichtiger als das w
kolossalste historische Ereignis. Da dies alles ohne Koterieorgani-
sation nicht zustande zu bringen ist, versteht es sich, daß diese zum
ersten Bedürfnis wird, und leider Gottes sind wir unglückliche
Kommunisten dazu ganz unbrauchbar, noch schlimmer, wir kennen
diesen ganzen Schwindel, verhöhnen die Organisation du succès »
und haben selbst eine fast verbrecherische Abneigung dagegen, po¬
puläre Charaktere zu werden. Nun zeugt es zwar von großer Bor¬
niertheit, wenn ein solcher Poet sich deswegen bei einer solchen
Partei unbehaglich fühlt, denn hier hat er absolut keine Konkur¬
renz, die ihm überall anderswo sicher ist — und von noch größerer »
Borniertheit zeugt es, wenn er sich einer Sorte in die Arme wirft,
wo ihm die Konkurrenz Kinkel schon von vornherein entgegensteht.
Mais que voulez-vous? Der Dichter braucht zu seiner Existenz
Weihrauch, sehr viel Weihrauch, und die Frau Dichter konsumiert
noch mehr Konkurrenz oder keine, die Frau Dichter wird immer a?
für die Seite schwärmen, wo ihr edler genialer Ferdinand, sie
selbst, ihre interessanten Sprößlinge, ihre Katzen, Hunde, Kanin¬
chen, Kanarienvögel und andres Ungeziefer täglich dem Publikum
vorgeführt wird, und zwar begossen von bengalischem Feuer, Sen¬
timentalität und romantischen Lügen. Und was Frau Dichter will, #
wird Herr Dichter auch wohl wollen müssen, umsomehr, als Ma¬
dame ihm ja so recht aus tiefster Seele spricht. Das Volk, indeed!
Da ist doch die Gartenlaube ein ganz andres Blatt, und der schmie¬
rige Bettziech ein ganz anderer Mann als die Kommunisten. In der
Gartenlaube werden wir doch noch als eine Poetenfamilie behan-
delt, und man spricht alle acht Tage von uns, und der krumme
Bettziech läßt keine Gelegenheit vorübergehn, uns ein Kompliment-
chen oder eine Reklame hineinzusetzen. — Freilich, der Kinkel
Nr. 636.
(636) 1859 Dez. 22
451
wird für seine Poesie, die doch weit unter der unsern steht, viel
mehr gelobt, und es stehn auch viel mehr Anekdoten von ihm drin,
aber der Mann ist auch des Bettziech Brother, und mit der Zeit wird
sich das schon machen. Und dann das Schillerfest F Diese Kommu-
4 nisten verachten und verhöhnen ja Schiller, wie kann man mit denen
ein Schillerfest halten. Das Schillerfest ist aber wichtiger als die
ganze übrige Weltgeschichte, und wozu wäre Schiller denn vor
100 Jahren geboren worden, als daß wir heute eine Kantate über
ihn machen?
io Nun kommt noch dazu, daß der edle Ferdinand mit seiner
Poesie seit Jahren ziemlich auf dem Trocknen sitzt und das Wenige,
was er noch aus dem Hirnkasten herauspreßt, schmählich schlecht
ist. Da müssen denn dodges gemacht werden mit Gesamtausgaben
usw., und das geht auch nicht alle Tage. Also damit man nicht
is vergessen wird, ist die Reklame ein täglich größeres Bedürfnis.
In fact, wer sprach von Freiligrath von 1849 bis 1858? Niemand.
Erst Bettziech hat diesen Klassiker wieder entdeckt, der schon so
verschollen war, daß er nur noch zu Weihnachts- und Geburtstags¬
geschenken benutzt wurde, und schon in der Literaturgeschichte,
to nicht mehr in der Literatur figurierte. Alles das hat natürlich nie¬
mand anders verschuldet als Karl Marx mit seinem „Anhauchen“.
Wenn aber der F. F. einmal von dem Weihrauch der Gartenlaube
wird wieder durchwärmt sein, dann sollt Ihr sehn, was er wieder
für Dichtung sprudelt!
ts Was ist das doch eine kleinliche, lumpige miserable Wirtschaft
mit diesen Poeten. Da lob ich mir doch den Siebel, der zwar ein
grundschlechter Poet ist, aber der auch weiß, daß er durch und
durch ein humbug ist, und nur verlangt, man soll ihm das Rekla¬
menhandwerk als ein heutzutage nötiges procédé erlauben, indem
m er ohne dies gar nichts wäre.
Lassen Sie sich nur all diesen Krakeel nicht zu sehr zu Herzen
gehn. Der „Charakter“ Freiligrath wird sich schon solche Blößen
geben, daß man ihn im rechten Moment fassen kann. Vorderhand
womöglich kein Bruch.
35 Es tut mir sehr leid, Freitag nicht herüberkommen zu können,
aber hier gehn solche Veränderungen vor, daß ich gestern u. a. bis
9% abends schanzen mußte, und daß an ein Wegkommen nicht zu
denken. Grüßen Sie also den Mohr und die young ladies herzlichst
von Ihrem
50 F. Engels.
Nr. 636.
ISdO
637. F. Freiligrath an Marx; London 1860 Ja¬
nuar 11. Mit Brief von Marx an Engels.
11. Januar 18601).
Lieber Marx, 5
Ich schicke Dir heute unter Kreuzband ein Exemplar der Beilage zu No. 349 der Kölnischen
Zeitung vom vorigen Jahr.
Der darin steckbrieflich „wegen Unzucht“ verfolgte Wilhelm Joseph Reiff ist, wie ich in
Erfahrung gebracht habe, indentisch mit dem jetzt hier anwesenden und der Partei auf der
Tasche liegenden Reiff des Kölner Kommunistenprozesses. 10
Ich habe Reiff nun heute geschrieben (unter Liebknechts Adresse, da ich ihn sonst nicht
zu finden weiß), daß ich mich nicht weiter für ihn interessieren kann, — daß ich ihm unter*
sage, sich ferner auf mich zu beziehen, — und daß ich mir seine Besuche verbitte!
Ich habe damit für meine Person getan, was ich mir schuldig bin. Wie die Partei zu diesem
Schmutz sich stellen will, ist ihre Sache. Du hast jetzt das Faktum! K>
Dein Freiligrath.
[Marx an Engels]
Diesen „Reiff“ hatte ich nie empfangen in meinem Haus, weil
der Kerl verdächtig war, und mehr als verdächtig, wegen seines
Benehmens im Kommunistenprozeß. Der „fette Reimschmied“ da- jo
gegen hatte ihn unter seine Protektion genommen und ihn dem
Liebknecht auf die Seele gebunden. Seit der Zeit lebte der Kerl
auf Liebknechts, Lappländers, Lassalles, Schröders etc. und andrer
armer Teufel Rechnung, ließ auch im Arbeiterverein für sich sam¬
meln etc. m
Der obige Brief F[reiligrath]s ist alles, was ich von dem Teu¬
tonen seit der großen Retirade vernommen. Wie lächerlich ist
dieser Brief wieder. Wie grotesk die grandeur, worunter sich das
bepißte Pudelbewußtsein verstecken tut. Flreiligrath] scheint zu
glauben, daß Ausrufungszeichen der Prosa auf den Strumpf hei- 3»
fen. „Die Partei“ soll „sich stellen“. Wozu? Zu Wilhelm Joseph
Reiffs „Unzucht“ — „diesem Schmutz“, wie der Freund Betas
kommentiert. Welche Zumutung. Übrigens, en passant. Der „Ver¬
ein deutscher Männer“, gestiftet von einem zweideutigen Setzer
namens Zinn, hat Prinzen Albert, Gottfried Kinkel, K. Blind und »
F. Freiligrath zu seinen „Ehrenbürgern“ ernannt. Der Cherusker
hat natürlich das Diplom akzeptiert.
x) Freiligraths Brief ist auf dem Briefpapier der „General Bank of Switzerland,
Credit International et Foncier, London-Agency, 2 Royal Exchange Buildings** ge-
schrieben.
Z. 1-37 -
(637) 1860 Jan. 11
453
Für nächsten Montag habe ich eine neue Terminzahlung von
1 £ St. auf dem Marylebone county-court zu machen. Gleich¬
zeitig erhalte ich vom Westminister county-court (on behalf of a
baker) einliegenden Wisch, den Du mir zurückschicken mußt. Was
5 ich vorhergesehn, beginnt einzutreffen. Wenn einer der Philister
einmal den Weg zum county-court gefunden, findet ihn auch der
andre. Wenn das so fortgeht, so weiß ich in der Tat nicht, wie ich
den Platz länger halten soll. Die beständigen Störungen sind so
fatal, weil ich absolut mit meiner Arbeit nicht vorankomme.
« Die Notiz in der Darmstädter Militärzeitung ist sehr welcome.
Du hast durch das neue Pamphlet Deine Position als Militärkri¬
tiker in Deutschland gesichert. Bei der nächsten Gelegenheit gibst
Du eine Sache mit Deinem Namen heraus und schreibst drunter:
Verfasser von Po und Rhein. Unsre Hunde von Feinden werden
w by und by sehn, daß wir nur dem Publikum imponieren, ohne es
selbst und seine Betas um Erlaubnis zu fragen.
Nach meiner Ansicht ist das Größte, was jetzt in der Welt vor¬
geht, einerseits die amerikanische Sklavenbewegung, durch Browns
Tod eröffnet, andrerseits die Sklavenbewegung in Rußland. Du
to wirst gesehn haben, daß der Adel in Rußland sich direkt auf kon¬
stitutionelle Agitation geworfen und zwei oder drei Leute aus den
Hauptfamilien bereits nach Sibirien gewandert sind. Zugleich hat
Alexander es mit den Bauern verdorben, indem in dem neusten
Manifest wörtlich erklärt wird, „the communistic principle“ müsse
2i mit der Emanzipation aufhören. So ist die „soziale“ Bewegung im
Westen und Osten eröffnet. Dies zusammen mit dem bevorstehen¬
den downbreak in Zentraleuropa wird grandios werden.
Ich sehe eben aus der Tribune, daß in Missouri ein neuer
Sklavenaufstand war, natürlich unterdrückt. Aber das Signal ist
io einmal gegeben. Wird die Sache by und by ernsthaft, was wird
dann aus Manchester?
Leonhard Homer ist von seinem Posten zurückgetreten. Sein
letzter kurzer Report ist voll ironischer Bitterkeit. Kannst Du nicht
herausbringen, ob die Manchester millowners ihre Hand bei diesem
35 Rücktritt im Spiel hatten?
Aus den Factory Inspector’s Reports (von „1855“—„1859
erstes halbes Jahr“) geht hervor, daß sich die Industrie in Eng¬
land fabelhaft seit 1850 entwickelt hat. Der Gesundheitszustand
der Arbeiter (adults) hat sich verbessert, seit Deiner „Lage der
m arbeitenden Klasse“ (die ich hier im Museum wieder durchge¬
lesen), dagegen die der Kinder (Sterblichkeit) verschlechtert.
Salut.
Dein K. M.
Z. -1-9.
454
(638) 1860 Jan. 25
638. Marx an Engels; 1860 Januar 25.
25. Januar 1860.
Lieber Engels,
Hast Du schon von der Vogtschen Broschüre gehört, die die
hundsföttischsten Gemeinheiten gegen mich enthält? Dabei wird «
das Ding mit Jubel vom teutschen Bürger aufgenommen. Die erste
Auflage ist schon vergriffen. Gestern brachte die National¬
zeitung einen langen Schmutzauszug daraus in einem leader.
(Kannst Du vielleicht diese Nummer der Nationalzeitung schie¬
ßen? Ich selbst konnte sie mir hier nicht verschaffen.) Was soll »
ich nun tun? Herr Lass [alle] ist wegen meines letzten Briefes1) so
beleidigt, wie es scheint, daß er gar nichts mehr von sich hören läßt.
Es wäre mir lieb, wenn Du für Freitag oder Sonnabend (ein
Schiff geht über Cork) einen Artikel ready hättest.
Salut. »
Dein K. M.
639. Engels an Marx; 1860 Januar 26.
Manchester, 26. Januar 1860.
Lieber Mehr,
Da morgen Tribunetag ist, so tut es mir leid, daß wieder kein 20
Stoff da ist; die paar Notizen über Marokko mit Times Korrespon¬
denz reichen nicht einmal bis zum Gefecht von Cabo Negro, und
es ist auch weiter nichts geschehn; übrigens wirst Du an Parla¬
mentsgeschichten Stoff genug haben. Auf die preußische Armee-
reform warte ich auch noch. 25
Deine Ansicht von der Bedeutung der Sklavenbewegung in Ame¬
rika und Rußland bestätigt sich schon jetzt. Die Harpes-Ferry-
Geschichte mit ihrem Nachspiel in Missouri trägt ihre Früchte,
überall werden die freien Nigger im Süden aus den Staaten gejagt,
und im ersten New Yorker Baumwollbericht (W. P. Wright & Co. 39
vom 10. Januar 1860) lese ich eben, die Pflanzer hätten ihre Baum¬
wolle hurried on to the ports in order to guard against any probable
conséquences arising out of the Harpers’ Ferry affair. In Rußland
kompliziert sich die Sache auch sehr schön; die Atugsburger]
A[llgemeine] Z[eitung] hat hierüber jetzt einen sehr guten Korre- 35
spondenten in Petersburg, der indes mehr die konstitutionelle Be¬
wegung des Adels berücksichtigt, indes, die gibt natürlich dabei
für die Bauern den Anstoß.
1) Korr, aus Artikels
Z. 20-25.
(639) 1860 Jan. 26
455
In Indien präpariert sich eine kolossale Krisis. Was die Ansicht
hiesiger Philister darüber, confer die beiliegenden Market Reports.
Viele Game sind jetzt so hoch, fast höher als 1857 auf dem höch¬
sten Punkt, dabei ist Baumwolle 23/8 bis 2^2 d. wohlfeiler. In
5 Bumley allein sind 26 neue Fabriken im Bau begriffen; in andern
Orten im Verhältnis. Die Arbeiter bekommen überall nach und
nach 10% Aufschlag auf den Lohn und werden bald noch mehr
erhalten. Meiner Ansicht nach ist das Agieren mit fiktivem Kapi¬
tal im indischen Geschäft wieder grade so rife wie 1846/47 und
io kaufen die meisten nur, weil sie müssen und nicht stoppen kön¬
nen. Aber wäre das auch nicht, so wird die Zunahme der Produk¬
tion allein bis Herbst, spätestens Frühjahr 1861 einen kolossalen
collapse hervorbringen.
Die dummen Engländer glauben jetzt schon, sie würden näch-
is stens Frankreich überschwemmen. Ein Esel von Kattundrucker
— one of the sharpest — sagt, mit 30% Schutzzoll in Frankreich
könne er ein Geschäft dorthin machen, wobei er 15 % mehr verdiene
als in jedem andern Markt. Der Narr bildet sich ein, die Monopol¬
preise in Frankreich würden bestehn bleiben, auch wenn das Mono-
20 pol abgeschafft. Daß die ganze Historie nur ein Schwindel ist, um
John Bull bei der notorischen schwachen Seite zu fassen und ihn
schließlich gehörig zu prellen, daran denkt niemand.
Wer ist eigentlich der Herr Fischel, der dem Herzog von Koburg
sein Pamphlet geschrieben hat und jetzt in der Free Press schreibt?
m Daß der Koburger urquhartitische leanings hat, sah ich schon aus
Auszügen aus dem Pamphlet.
Dronke ist jetzt in Liverpool und hat eine sehr gute Agentur für
eine französisch-spanische Kupferminengesellschaft — £ 500—
garantiert, kann bis zu £ 1000 verdienen, wie es heißt. Garnier-
3o Pagès hat ihm das besorgt. Er kommt öfters her, geht mir aber
stets aus dem Weg und läßt mich post festum grüßen.
Lupus hatte eine ernste Bronchitis, ist aber besser, indes noch
sehr ängstlich und noch nicht ganz wohl. Er hat wieder einen chro¬
nischen Kampf mit der landlady organisiert.
« Ich habe jetzt sehr viel auf dem Comptoir zu tun, daher meine
unregelmäßige Korrespondenz, ich sehe auch vorderhand nicht,
wie sich diese übermäßige Schanzerei ändern soll, wenn es nicht,
wie ich hoffe, zu einer Krisis kommt.
Viele Grüße ah Deine Frau und die young ladies.
w Dein F. E.
Z. 32-34.
456
(640) 1860 Jan. 28
640. Marx an Engels; [1860] Januar 28.
28. Januar.
Lieber Engels,
Ich habe die Broschüre von Vogt bestellt und werde sie Dir auch
zukommen lassen. Es ist der Abdruck (oder erste volle Ausgabe) «
seines abgestandnen Prozesses in Augsburg, zusammen mit einer
Einleitung. Diese ist besonders gegen mich gerichtet und scheint
Müller-Tellering in zweiter und verbesserter Auflage. Sobald das
Zeug da, müssen wir sehn, was zu tun ist. Faucher erzählte mir
with an intense pleasure, daß Vogt mich ganz en canaille und mit jo
exquisite Verächtlichkeit behandle. Der Lump sucht dem deut¬
schen Philister weiszumachen, ich lebe hier als eine Art Dr. Kuhl¬
mann auf die Taschen der Arbeiter etc. (Meiner Frau halte ich
natürlich den ganzen Dreck geheim.)
In Berlin ist ein neues Militärwochenblatt erschienen. Unter js
dem Vorwand, die whereabouts über dies Blatt zu erfragen, ist
meine Ansicht, daß Du immediately an Lassalle schreibst. Wir
müssen jetzt durchaus eine Verbindung in Berlin haben. L[assalle] s
Antwort an Dich wird zeigen, ob länger mit ihm zu gehn oder nicht.
Im letztem Fall — was jedenfalls unangenehm wäre — müßte ich to
den Dr. Fischel (preußischer Assessor), über den weiter unten,
benutzen. In Deinen Brief an Llassalle] kannst Du direkt einfließen
lassen, ich habe die Schwierigkeit, die er mir in den Weg gelegt
(wenigstens seine Abwamung in that regard), meine Erklärung
über Vogt in die Volkszeitung zu bringen (nämlich dieselbe, «
die in der Alugsburger] A[llgemeinen] Zleitung] stand), als eine
Art conspiracy von seiner und Dunckers Seite mit Vogt betrachtet.
Du dropst dann natürlich ein paar Worte, daß bei der Zweideutig¬
keit mancher alter Parteifreunde (einige gelegentliche hits upon
Freiligrath), den Schwierigkeiten meiner Lage und den Infamien, sc
mit denen ich zu kämpfen habe, mein temper gelegentlich ange¬
säuert ist und ich Dir mitgeteilt habe, ich habe einen Brief an Llas¬
salle] geschrieben, den dieser bös auf genommen zu haben scheine.
Du Deinerseits unterstellst natürlich, daß Llassalle] mich zu gut
kennt, um gelegentliche Rauheiten in der Form nicht zu übersehn *
etc. Jedenfalls wird er dann klaren Wein einschenken. Ich halte
durchaus etwas Diplomatie jetzt für nötig — wenigstens uns zu ver¬
sichern, wie wir stehn. Llassalle] ist immer noch a horse-power,
verglichen mit andren.
Der Witz ist, daß die Reichshalunkenbande, zweitens die deut- ji
sehe Nationalvereinsbande, endlich die liberale Bande alles jetzt
aufbieten, um uns moralisch bei dem deutschen Philister zu ver¬
nichten. Es kann kaum bezweifelt werden, daß trotz allem Frie-
Z. 13-14.
29 (einige—30 Freiligrath)
(640) 1860 Jan. 28
457
densgeschrei wahrscheinlich noch im Lauf dieses Jahrs, sehr wahr¬
scheinlich noch vor Beginn des Sommers there will be a new war.
Unter allen Umständen so komplizierte internationale Umstände,
daß es von der äußersten Wichtigkeit für Vulgärdemokratie und
s Liberalismus, uns das Ohr des deutschen Philisteriums (i. e. Publi¬
kums) und den Zugang zu ihm abzuschneiden. Ignorieren, i. e. In¬
differenz, kann in persönlichen und Parteisachen nur zu einem ge¬
wissen Punkt gehn. Der case mit Vogt ist nicht ganz zu behandeln
wie mit einem Tellering, Heinzen und tutti quanti. Dieser Bauch-
io redner gilt als eine wissenschaftliche Größe in Deutschland, er
war Reichsregent, er i s t unterstützt von Bonaparte. Du könntest
ganz en passant auch den edlen L[assalle] fragen, was er in
der Vogtschen Angelegenheit für passend erachtet? L[assalle] hat
sich in Briefen an mich zu sehr festgeritten, um ganz volte-
15 face zu machen. Jedenfalls muß versucht werden, den Kerl in eine
dezidierte Position — aut, aut — hineinzureiten.
Fischel ist preußischer Urquhartit. In dem Berliner Portfolio,
das er herausgibt, hat er auf meine Pamphlets gegen Pam hinge¬
wiesen und Auszug draus gegeben. (Auf Urquharts direkte An-
20 ordnung.) Die Urq[uhartiten] hatten ihn herüberkommen lassen
nach England. Hier wurde er bei den Foreign Affairs Committees
herumgeritten als Zeuge des siegreichen „Glaubens“ (an
Urqluhart] ) auf dem Kontinent. Ich war hier mit ihm zusammen.
Er bot seine besten Dienste an, sollte er in der norddeutschen Presse
25 von mir gebraucht werden.
In dem „Juchheisasa nach Italien“^ (von dem Lause-Bam-
berger in Paris) sollen Angriffe auf Deine Artikel im „Volk“ sein.
Was hat Herr Orges erklärt? Ich habe es über¬
seh n.
so Womöglich schreib für Dienstag (lang braucht es nicht zu sein)
über die militärische Bedeutung von Savoyen (und Nice) für
Frankreich. Cf. Times of to-day im House of Lords den Nor¬
manby.
Apropos! „In Anerkennung meiner Verdienste um die Entwick-
35 lung der kommunistischen Prinzipien“ habe ich eine Einladung
für Februar 6. von dem hiesigen „Arbeiterbildungsverein“ erhal¬
ten zu seinem Stiftungsfest. (Diese Kerls betrachten sich nämlich
immer noch als die Erben des alten Windmillvereins.) Ähnliche,
aber anders motivierte Einladungen sind ergangen an Schapper,
m Pfänder und Eccarius. Unter jetzigen Umständen nehme
ich natürlich die Einladung an, womit die letzte Spur des alten
Krakeels mit dem Arbeiterpack ausgelöscht. Herr F. Freilig¬
rath ist nicht eingeladen. Ich muß in der Tat jetzt vermeiden,
O Richtig «Juchhe! Nach Italien!“
Z. 42-43 -
458
(640) 1860 Jan. 28
mit dem Dickwanst zusammenzutreffen. Denn bei meiner Wut über
den Vogtschen Mist — worin F. F. magna pars — käme es leicht
zu argen Eruptionen. Gruß an lupus.
Salut.
Dein K. M. 4
641. Engels an Marx; 1860 Januar 31.
Manchester, 31. Januar 1860.
Lieber Mohr,
Ich denke morgen an Ephraim Gescheit zu schreiben ; dies diplo¬
matische Sendschreiben darf nicht unüberlegt fortgeschickt wer- io
den. Seit ein paar Tagen geht mir eine Art Fortsetzung von „Po
und Rhein“ durch den Kopf. „Savoyen, Nizza und der Rhein“. Ich
habe fest vor, dies Ding Duncker anbieten zu lassen; es wird nicht
über zwei Bogen stark, und es böte einen guten Vorwand zum An¬
knüpfen mit Ephraim. Jedenfalls schreibe ich das Ding im Laufe «
der nächsten acht Tage und schicke dann sofort das Manuskript
nach Berlin. Außer ein paar Geschichten über die französischen
Revolutionskampagnen in Nizza und Savoyen ist nichts vorzu¬
arbeiten, es macht sich also rasch.
Daß Herr Vogt gehörig gedeckelt werden muß, versteht sich; es 20
ist aber schwer, irgend etwas zu sagen, ehe wir wissen, was der Kerl
hat drucken lassen. Jedenfalls ist Fischel ebenso benutzbar wie ein
anderer, wenn er wirklich Verbindungen hat. Jüdel Braun wird
jetzt auch einsehn, daß Deine Erklärung und der ganze Krawall
zwischen Vogt und der Atugsburger] Allgemeinen] Zleitung] 2s
doch eine ganz andre Bedeutung hat, als der Berliner Philister sich
im Anfang einbildete. Wie die Sachen stehn, müssen wir uns all
diese Verbindungen offen halten, und die conspiration de silence
und andre Intrigen, über die man vorderhand ein Auge zudrücken
muß, entbinden uns nachher von jeder Verbindlichkeit, sobald es 31
nötig werden sollte, aus wirklich-politischen Gründen in einer Zeit
der Entscheidung zu brechen.
Wegen der Chancen neuer Krawalle ganz Deiner Ansicht. Ich
glaube aber, daß, um uns trotz Vogt und Konsorten beim Publikum
auf den Beinen zu halten, es nötig ist, daß wir wissenschaftlich auf- st
treten. Die Emigrationspresse zu organisieren, dazu fehlt’s uns an
Geld ; und wir haben mehr als einmal gesehn, daß ein Emigrations¬
blatt oder in London gedruckte deutsche Broschüren nur dann sich
ein Publikum erzwingen (in Deutschland), wenn man das Ding ein
Jahr lang mindestens im Gang halten kann. Direkt politisch und *
polemisch in Deutschland selbst im Sinn unsrer Partei auftreten,
ist rein unmöglich. Also, was bleibt? Entweder das Maul halten
oder efforts machen, die nur der Emigration und den amerika-
Z. — 1—3 (Eruptionen).
28 (und)-32.
(641) 1860 Jan. 31
459
nischen Deutschen, aber nirgends in Deutschland bekannt werden,
oder aber in der Weise fortfahren, wie Du in Deinem ersten Heft
und ich in Po und Rhein angefangen. Dies halte ich zunächst für
die Hauptsache, und wenn das geschieht, so mag Vogt nur schreien,
5 wir werden dann auch bald wieder so viel footing haben, daß wir
in der deutschen Presse hie und da die nötigen persönlichen Er¬
klärungen (whenever required) erlassen können. Das baldige Er¬
scheinen Deines zweiten Hefts ist dabei natürlich bei weitem das
Wichtigste und ich hoffe, daß Du Dich durch die Vogtsche Historie
io nicht wirst abhalten lassen, daran fortzuarbeiten. Sei endlich ein¬
mal etwas weniger gewissenhaft Deinen eignen Sachen gegenüber;
es ist immer noch viel zu gut für das Lausepublikum. Daß das
Ding geschrieben wird und erscheint, ist die Hauptsache; die
Schwächen, die Dir auffallen, finden die Esel doch nicht heraus;
is und wenn bewegte Zeiten eintreten, was hast Du davon, daß das
ganze Ding unterbrochen wird, eh Du noch mit dem Kapital im
allgemeinen fertig wirst? Ich weiß sehr gut alle die andern Stö¬
rungen, die dazwischenkommen; ich weiß aber auch, daß die
Hauptverzögerung immer in Deinen eignen Skrupeln liegt. Am
2o Ende ist’s doch besser, daß das Ding erscheint, als daß es aus der¬
gleichen Bedenken gar nicht erscheint.
Herr Orges hat eine pur persönliche Erklärung erlassen, woraus
man erfährt, wer dieser Kauz ist. Ursprünglich preußischer Ar¬
tillerieleutnant in Berlin auf der Kriegsschule (1845—1848),
is studierte und promovierte gleichzeitig, trat 1848 im März aus (sein
Abschiedsgesuch datiert 19. März 1848) und ging nach Schleswig-
Holstein zur Artillerie, 1850 auf ein Handelsschiff, wo er „diente“
und eine Reise um die Welt machte, 1851 zur Ausstellung in Lon¬
don, über die er für die Afugsburger] A[llgemeine] Zfeitung]
3o rapportierte, war damals mit Schimmelpfennig, Willich, Techow
etc. zusammen und übernahm später das militärische Departement
bei der A [ugsburger] A [llgemeinen] Z[eitung]. Der Kerl hat jeden¬
falls am meisten Zeug bei dem Blatt und hat es wieder auf den
Strumpf gebracht. Die Leitartikel, die ich Hailbronner zuschrieb,
35 sind alle von ihm. Trotzdem werd’ ich noch ganz gut mit ihm fertig.
Die Knoten-Einladung kommt ganz gelegen. Ich hoffe, Du läßt
Dich aber natürlich auf weiter nichts ein, dies Terrain kennen wir
doch zu gut, und glücklicherweise wohnst Du weit ab.
Viele Grüße. _ „ _
40 Dein F. E.
Die Preußen haben bei meinem Alten für Taler 1005, 20,
6 Pfennige Beschlag auf mein Vermögen legen wollen, weil ich
Landwehrdeserteur sei. Mein Alter hat ihnen gesagt, er habe kein
Vermögen von mir in Händen, wobei sie sich beruhigt. Am 18. Fe-
45 bruar werd’ ich verdonnert.
460
(642) 1860 Jan. 31
642. Marx an Engels; 1860 Januar 31.
31. Januar 1860.
Lieber Engels,
Deinen Artikel erhalten. Sehr gut.
Einliegend Brief von Lassalle, der gestern ankam und dem ich «
sofort kurz antwortete. Ohne ein Pamphlet, das wir zusammen
machen müssen, kommen wir nicht aus der Sache heraus. Ich habe
unterderhand auch an Fischel in Berlin geschrieben, ob eine Ver¬
leumdungsklage gegen die Natlional]-Z[eitung] tubar. Vogts
Schrift (sie ist bei keinem Londoner Buchhändler zu haben; er io
hat sie weder an Freiligrath, Kinkel, noch irgend einen andern
seiner hiesigen Bekannten geschickt. Wollte offenbar so einen Vor¬
sprung gewinnen. Idi habe sie daher bestellen müssen) ist offen¬
bar, soweit wir in Betracht kommen, ein De la Hodde-Chenusches
Machwerk. Ich habe den zweiten Artikel der Nat[ional]-Z[ei- w
tung] gelesen, woraus ich sehe, daß er u. a. auch lupus (bezeichnet
als Kasematten-Wolff1*, Parlaments-Wolff1*) im Jahre 1850 ein
Zirkular an die Hannoversche reaktionäre Zeitung schicken läßt.
Er hat den ganzen Flüchtlingsklatschmist von 1850—1852 wieder
aufgewärmt. Der Jubel der bürgerlichen Presse ist natürlich gren- w
zenlos, und der Eindruck auf das Publikum ist aus dem Ton des
Llassalle]sehen Briefs, den Du so gut bist, dem lupus mitzuteilen
und dann aufzubewahren, sehr ersichtlich.
Freiligrath sah ich gestern einen Moment. Ich trat ihm sehr
feierlich gegenüber (wenn er den geringsten Funken von Ehrgefühl a
noch hat, muß er eine Erklärung gegen Vogt machen), und unser
ganzes entreview war dieses. „Ich: Ich komme, um Dich zu er¬
suchen, das Pamphlet über den Alugsburger] Alligemeine] Zlei-
tungs] prozeß, das ich vergebens bei allen Buchhändlern suchte,
und das Dir Dein Freund Vogt sicher geschickt hat, mir zu leihen. «
Ffreiligrath] (höchst melodramatisch): Vogt ist nicht mein
Freund. Ich: Lassalle schreibt mir, ich müsse sofort antworten.
Du hast also nicht das Pamphlet? Flreiligrath] : Nein. Ich:
Guten Abend.“ (Er reichte mir die biedre Rechte, und westfäli¬
scher Händedruck. ) Voilà tout. «
Von Juch (dem Eigentümer und jetzigen Redakteur des Her¬
mann, den ich durch den Prozeß des Eichhoff in Berlin, in der
Stieberschen Affäre, kennen lernte) versicherte ich [mich], daß
auch Kinkel keine Kopie von Vogt bis jetzt erhalten. Dieser Juch
dagegen erhielt eine Masse Vogtsche Zuschriften gegen uns, die er
nicht druckte. Ich muß diesen Kerl, der übrigens ganz ehrlich in
Im Orig. Wolf
(642) 1860 Jan. 31
461
seiner Art ist, einstweilen warm halten. Da jetzt nur der Hermann
in London erscheint, wäre es scheußlich gewesen, waffenlos der
Vogtschen Bandehier auf unsrem eignenTerrain gegenüberzustehn.
Apropos! Infolge meiner ersten Zusammenkunft mit Juch hat
«Eichhoff, auf meinen Rat, Kumpan Hirsch, der in Hamburg
wegen Fälschung sitzt, als Schutzzeuge vorgeladen. Infolgedessen
wurde der Prozeß, der am 26. Januar vorkam (ich las die Sache
im Publicist), von neuem vertagt, nach heftiger Debatte. Mit
Hirsch ist jetzt Stieber am Ende.
io Salut.
Dein K. M.
Soeben zeigt Imandt mir an, daß Heise gestorben ist.
643. Engelsan Marx; 1860 Februar 1.
1. Februar 1860.
u Lieber Mohr,
Diesmal wird die Geschichte also täglich mehr und mehr ernst¬
haft. Herr Altenhofer und der krumme Häfner in Paris haben auch
persönlich nicht sehr klare Erklärungen in der Afugsburger] A[ll-
gemeinen] Z[eitung] erlassen. Nun kommt noch Lassalles kluger
to Brief. Der Kerl ist selbst schon halber Bonapartist, wie denn die
Koketterie mit dem Bonapartismus in Berlin Tagesordnung zu sein
scheint, und dort findet Herr Vogt also gewiß ein günstiges
Terrain. Gute Idee von Lassalle, daß man eine Verbindung mit
der A[ugsburger] A [llgemeinen] Z[eitung] nicht gegen Vogt und
w Bonaparte benutzen darf, Vogt aber wohl Bonapiartes] Geld für
bonapartistische Zwecke und dabei ganz rein bleibt! Diesen Leu¬
ten ist es schon ein Verdienst des Bonaparte, die Östreicher geschla¬
gen zu haben, das spezifische Preußentum und die Berliner Klug¬
scheißerei ist wieder obenauf und es muß in Berlin fast aussehn
so wie nach dem Basler Frieden. Mit solchen Leuten ist nicht raison-
nieren. Diese langen breiten Bettelsuppen scheinen dem Lassalle
so natürlich abzugehn wie sein Kot, und vielleicht noch viel leich¬
ter — was kann man auf solche Fadaisen und wohlfeile Weisheit
sagen? Wunderbare Ratschläge gibt der Kerl.
ss Laß uns erst die Broschüre haben, in der Zwischenzeit wäre sich
nach einem Druckort und Verleger umzusehn für die Replik. Wo¬
möglich in Deutschland und im Hauptquartier der Gegenpartei, in
Berlin. Die Geschichte mit den 3000 Exemplaren ist offenbar eine
Vogtsche Lüge. Indes Skandal ist genug da. Ich werde Lupus noch
40 heute sehn und ihm auch sagen, sich auf alles Material zu be¬
sinnen, das er über Vogt nur auftreiben kann. Inzwischen werde ich
Nr. 648.
462(643) 1860 Febr. 1
die Papiere über 1850/52 in Ordnung bringen, und Du mußt unser
altes Emigranten-Manuskript1) wieder hervorsuchen. Ich hab
noch gar keine Vorstellung davon, was der Kerl eigentlich sagt.
Gruß an die family.
Dein F. E. s
644. Engels an Marx; 1860 Februar 2.
Manchester, 2. Februar 1860.
Lieber Mohr,
Mit Lupus gestern abend Rücksprache genommen. Als ich ihm
den Brief von Lassalle laut vorlas, wurde mir die Philisterhaftig- io
keit und Arroganz des Kerls erst recht klar, zugleich aber auch
seine „Methode“. Der Kerl ist auch in der kleinsten Lumperei alt¬
hegelscher absoluter Geist, gerade wie er in der Ökonomie sich als
höhere Einheit zwischen dem endlichen Gegensatz, zwischen Dir
und den Ökonomen setzen will, so setzt er sich jetzt schon als höhere «
Einheit zwischen Dir und Vogt. Von Dir das „Prinzip“, von Vogt
die „italienische Politik“, was kann schöner sein. Diese lausige
Referendarien-Klugscheißerei, die damit anfängt, man solle den
Vogt für unbestochen erklären, und die den einzig guten Witz, den
Fröbel in seiner Erklärung macht, in eine Absurdität umwandelt, 20
weil sie ihn ernsthaft nimmt!
Lupus meinte, ob man nicht nach preußischem Gesetz die Natio¬
nalzeitung zwingen könne, eine Erklärung von Dir aufzunehmen.
Ich glaube auch, daß so ein Artikel im Preßgesetz ist. If so, so
wäre sofort bei Empfang der Broschüre dies zu benutzen ; denn 2s
wie L[assalle] mit Redit sagt, habent sua fata libelli, man kann
nicht wissen, wie das mit der Broschüre geht, und je rascher die
Antwort, desto sichrer der Effekt.
Quoad unsre Broschüre, so haben wir den Nachteil, persönlich
in der Defensive zu sein und nicht mit Lügen auf Lügen antworten 30
zu können. Dann den zweiten Nachteil, daß das Publikum =
Philistertum uns von vornherein haßt; wir sind zwar nicht des
odium generis humani, aber doch des odium generis Bourgeois
überführt, und das ist ja ganz dasselbe.
Dagegen haben wir den Vorteil, daß wir eine Exposition unsrer 3;
italienischen Politik geben können, die die Sache auf ein andres
Feld bringt, das Persönliche auf die Seite drängt und uns, wenn
auch nicht beim Berliner Liberalen, doch im größten Teile Deutsch¬
lands den Vorteil gibt, daß wir die populäre, nationale Seite ver¬
treten. Namentlich kommt uns die Savoyergeschichte gelegen.
x) Gegen die „Großen Männer“ der Emigration.
Nr. 643.
Z. 9 (Ala)—21 !
(644) 1860 Febr. 2
463
Ich denke nun, daß Du, sobald die Broschüre eintrifft (könnte
Lass [alle] sie nicht per Post herschicken?), aufpackst und hieher
kommst, und wir dann definitiv abmachen wie, was und wo. Ich be¬
nutzte die Gelegenheit gern, um nach London zu kommen, aber da
s Deine Frau nichts wissen darf, ist’s besser, Du kommst her, und auch
wenn etwas gearbeitet werden muß, könnte ich nicht so lange in
London bleiben. Dann muß auch abgemacht werden, ob ich auf
dem Titel genannt werde; ich sehe nur einen einzigen Grund da¬
gegen, aber der erscheint mir ganz entscheidend; doch
io darüber mündlich.
Die Savoyergeschichte wird gemacht und morgen an L[assalle]
und D[uncker] geschrieben. Die beabsichtigte Epistel an L[assalle]
war natürlich noch nicht fort.
Wunderbar, daß ich Heises Tod erst via Dundee und London
is erfahren muß. Der Kleine war doch vorigen Donnerstag oder
Freitag hier und kam zu mir, ich war aber nicht da, er verfehlte
mich auch abends im Klub ; hätte er davon gewußt, so hätte er mir’s
doch wohl durch einen Dritten sagen lassen, wie er sonst wohl tut.
Auch sah er Charles.
so Salut.
Dein F. E.
645. Marx an Engels; 1860 Februar 3.
3. Februar 1860.
Lieber Engels,
ss Nach einer kleinen Änderung oder vielmehr Ausstreichung
eines Satzes erklärte sich gestern C. D. Collet willig, sagte aber
zugleich, da Urquhart der eigentliche Editor, müsse er ihm erst
die Sache vorlegen, wodurch ein Aufschub von vierundzwanzig
Stunden. Collet gab zu, daß ich — natürlich auch malgré eux die
3o Erklärung drucken lassen könne, so aber to a certain degree später
auf ihn und Urq[uhart] rekurrieren könne. Well. Ich gab darin
nach und will sehn, was Vater U[rquhart] sagt. (Über das Weitre
gleich unten.)
Übrigens ist es nichts mit Broschüre, auch nicht mit Erklärung
os in Zeitungen — für jetzt. Die Broschüre würde von derselben
Presse be killed which now trumpets the grandeur of Vogt. Die
Attacke des letztem gegen mich — er sucht mich offenbar als einen
unbedeutenden bürgerlich schuftigen Lump darzustellen — (dies
geht aus allem, was ich bisher vom Hörensagen weiß, her-
to vor) soll der grand coup der bürgerlichen Vulgärdemokratie —
Z.4(da)-S (darf).
14-19.
31-34.
464
(645) 1860 Febr. 3
zugleich des russisch-bonapartistischen Gesindels gegen die ganze
Partei sein. Es muß also ebenfalls mit einem grand coup geant¬
wortet werden. Ferner: Die Defensive paßt nicht für uns.
Ich verklage die Nationalzeitung. Darüber bin ich
nun entschieden. Sehr viel Geld kann dazu nicht vorläufig 5
erheischt sein — ich meine die vorläufige Déposition bei Gericht.
Advokaten aber werden außerordentlich willig sein, sich finden zu
lassen, da es immer ein in ganz Deutschland Skandal machender
Prozeß ist. Sobald ich Fischels Brief erhalten (ich denke, er
kömmt morgen), mache ich eine kurze Erklärung in den ver- io
schiednen deutschen Zeitungen, worin ich anzeige, daß ich in Ber¬
lin Verleumdungsklage gegen die Nlational] zleitung] anhängig
mache. Ich habe schon in ihrem zweiten Artikel, den ich habe,
Punkte der Anklage aufgefunden, woran sie juristisch sofort kaputt
geht. An diesen Prozeß hängt man die ganze bürgerliche Re-15
plik an — vor dem Gericht. Später kann Sauvogt von uns in Arbeit
genommen werden.
Wenn Du bedenkst, daß in ein paar Wochen, bei Gelegenheit
des Stiebers, der ganze Kölner Kommunistenprozeß wieder vor¬
kommt, so kann, geschickt benutzt, die Hundeattacke uns nützen, 20
statt zu schaden, indem man at once bei der Arbeitermasse wieder
auf trumpft.
Andrerseits, was kann Vlogt] oder die Nationalzeitung gegen
uns beweisen? Daß Vogt, außer höchstens Klatsch von Techow
und vielleicht (dies wäre the worst case) einige nicht ganz ange- 25
nehme Notizen von Lüning, nichts weiß von den hiesigen Verhält¬
nissen und die albernsten Verwechslungen macht, geht schon her¬
vor aus seinem Artikel im Bieler Handelskurier.
Mein Plan ist also der: Sobald der Schund von Vogt kommt,
gehe ich nächste Woche auf ein paar Tage zu Dir herüber, um w
alles abzusprechen. Bei den nötigen Prozeßkosten muß auch
Dronke — der mir übrigens Geld schuldig ist — seinen Teil tragen.
(Ostern mußt Du unter allen Umständen einige Tage her.)
Im übrigen (ich habe schon an Gott und die Welt geschrieben),
außer der Herbeischaffung des nötigen Materials für den Prozeß, 35
arbeite ich mein „K a p i t a 1“ aus. Setze ich mich determiniert
dran, so ist es in sechs Wochen fertig, und nach dem Prozeß wird
es ziehen.
Das wäre eine schöne Sache — jetzt, wo Krisis bevorsteht, wo
king of Prussia bald stirbt usw., uns in dieser Weise von einem w
Reichsvogt et Co. abmurksen zu lassen und — autore Lassallo —
sogar unsern Hals selbst abzuschneiden.
Aus einliegendem Zettel siehst Du, what Mr. Vogt is now about
und wie Du, wenigstens in einer Randglosse, dem Mann einen ver¬
ächtlichen Fußtritt in Deiner Broschüre geben kannst. 45
(645) 1860 Febr. 3
465
Die Operation gegen Blind geht, nach dem Inhalt meines Briefes
siehst Du das, unabhängig von der deutschen Operation vor, wird
aber für letztre benutzt werden.
Dein K. M.
646. Engels an Marx; 1860 Februar 4.
4. Februar 1860.
L. M.,
Die Resolutionen changieren jede Nacht, wie nicht anders mög¬
lich, da wir den Dreck noch nicht gesehn.
io Sehr famos ist die Geschichte mit Hirsch.
Den Prozeß in Berlin halte ich auch für sehr gut, wenn’s nur
angeht, doch sehe ich nicht ein, wie man Dir die Justiz verweigern
kann.
Ich habe gestern abend wegen Lupus und der Sache im allge-
15 meinen den größeren Teil der Akten 1850/52 durchgestöbert.
Lupus hat alles Gedächtnis verloren, und man muß ihm sehr auf
die Sprünge helfen. Mir geht’s nicht viel besser; es ist seit der Zeit
so viel bitter beer die Gurgel hinabgeflossen, daß vieles schwer zu
konstatieren ist. Es geht in bezug auf Lupus hervor:
so 1. Lupus war 1851, nicht 1850, als das Aktenstück in der
Karlsruher Zeitung erschien (unser Kampagneplan gegen die De¬
mokraten), noch in Zürich und wurde von den Kerls angefallen als
der, der in ihrer Mitte sitze und Mitglied unsres Bundes sei.
2. Vorher aber erschien ein andres Aktenstück, und zwar, wenn
25 ich nicht irre, in der Hannoverschen Zeitung, ein Rundschreiben
der Kölner Zentralbehörde, von Bürgers verfaßt. Doch kann ich
nicht genau konstatieren, ob dies in der Hannoverschen] Zeitung
geschah. Sieh dies doch nach.
3. Vogt wirft dies alles untereinander und läßt Lupus 1850 in
3o London ein Aktenstück verfassen, das in Köln fabriziert
wurde und zu einer Zeit, wo Lupus noch in Zürich war. (Lfupus]
kam nach dem 5. Mai und vor dem 21. Juli 1851 nach London.)
Es ist nur noch zu konstatieren, ob das Bürgerssche Aktenstück
wirklich in der Hannfoverschen] Zeitung erschien und wie es der
35 hannoverschen Polizei in die Hände fiel. Meine Briefe an Dich vom
Februar bis April 1851 müssen darüber Notizen enthalten. Hier¬
über gib Auskunft, ohne sie glaube ich schwerlich, daß Lupus’
Erklärung ausreichend wird.
Die Stelle aus der Times (Urquelle die Afugsburger] Afllge-
4o meine] Zfeitung]) war bereits vorgemerkt.
Mit meinem Ding0 fang ich heute an. Der Vogt-Krakeel hat
O „Savoyen, Nizza und der Rhein“.
Marx-Engels*Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 30
Z. 1-3.
466
(646) 1860 Febr. 4
mich bis jetzt verhindert. Ich nenne mich diesmal noch den „Ver¬
fasser von Po und Rhein“, um diese Person erst fest in der Militär¬
literatur zu etablieren — mit meinem Namen würde sofort
die conspiration du silence anfangen. Gleichzeitig
aber, d. h. ca. 14 Tage nach dem Erscheinen, werde ich durch 5
Siebel die betreffende Notiz in die Blätter bringen lassen. Dieser
Kerl kann uns im Vogt-Krakeel überhaupt sehr nützlich werden,
er hat eine Masse Verbindungen.
Viele Grüße an die family.
Dein F. E. «
647. Marx an Engels; 1860 Februar 4.
4. Februar 1860.
Lieber Engels,
Von Berlin noch nichts da. Wäre übrigens Itzig kein Lump, so
hätte er mir von selbst wenigstens die Nationalz[eitung] sofort nach n
ihrem Erscheinen geschickt.
Was nun den Auszug für lupus aus der Nlational]zleitung] be¬
trifft, so schrieb ich das erstemal aus dem Kopf und nicht als An¬
haltspunkt für eine öffentliche Erklärung. Das zweitemal
kopierte ich, und zur Vermeidung von Mißverständnissen kopiere
ich jetzt wieder. Das Exemplar kann ich nicht schicken, da kein
zweites zu versenden.
Auszug aus Nr. 41 der Nlational]zleitung] de
dato 25. Januar. (Es ist dies der Schlußpassus des leader) :
„Nur eins lohnt noch der Mühe zu bemerken: Der offne Brief »
an den Nationalverein fiel sofort in die Hände der hannoverschen
Reaktionspartei und wurde von dieser bekannt gemacht; 1850
wurde eine andere ,Zirkulardepesche4 aus London (wie Vogt sich
zu erinnern glaubt, vom Parlaments-Wolff alias Kasematten-
Wolff^ verfaßt) an die ,Proletarier4 in Deutschland gesandt und ®
gleichzeitig der hannoverschen Polizei in die Hände gespielt.“
Von dem verdammten Urquhart noch keine Antwort.
Ich habe alle alten Briefe und Zeitungen durchmustert und bei¬
seite gelegt, was im „Verlauf“ nötig werden kann. Du mußt
machen, daß ich in Mandiester „den ganzen Haufen“ in Deinem »
Haus zusammenfinde (Briefe und Zeitungen etc.), damit ich das
Passende zusammenlege. Die Hundedemokratie, die einstweilen
natürlich voll Schadenfreude, soll uns wahrhaftig nicht ihre Revo¬
lutionsreisenprojekte, -Papiergelder, -Klatschereien etc. auf den
l) Im Orig. Wolf
Z. 14-16.
(647) 1860 Febr. 4
467
Hals schieben. Sie soll auch vor Deutschland bloßgestellt werden,
Gottfried Kinkel, Vogts hiesiger Geheimkorrespondent, an der
Spitze.
Dein K. M.
648. Engels an Marx; 1860 Februar 7.
7. Februar 1860. Manchester.
Lieber Mohr,
Die Zirkulare an Collet erhalten. Kommt ganz zur rechten Zeit,
wo der Daily Telegraph von gestern zwei Spalten über die Vogtsche
io Scheiße und die Schwefelbande bringt. Wenn das alles ist, was im
Telegraph steht, dann hat sich Itzig über einen Furz entsetzt. „Den
Stoß zu parieren“, braucht man sich bloß die Nase zuzuhalten.
Herr Ronge ist hier, ist zu Siebel gelaufen gekommen und will
vorgestellt werden!! Dabei fragt er, ob ich auch zur Schwefel-
15 bande gehöre — in fact ohne ihn hätte Sliebel] und ohne S[iebel]
ich nichts über die Schmiere im Telegraph gehört.
Stiebel], der ein reiner Charlatan ist, und es weiß, daß er es
ist, brennt vor Begierde, uns in dieser Historie zu nützen, er hat
eine Masse Verbindungen und ist vor allem ganz unverdächtig. Der
2o Kerl weiß, daß die ganze Räuberbande Kinkel & Co. ebensolche
Humbugs sind wie er und hat endlich an uns Leute gefunden, wo er
absolut nichts mit seinem Humbug ausrichten kann, inde eine
grenzenlose Verehrung.
Morgen wird man wohl die tägliche Presse nachsehen müssen
25 wegen des Zirkulars?
Vale.
Dein F. E.
649. Marx an Engels; 1860 Februar 7.
7. Februar 1860.
so 9, Graftonterrace etc.
Lieber Engels,
Von den Dir gesandten copies schick eins an Dronke, eins an
Dr. Bronner in Bradford. An den Borchardt habe ich selbst eins
geschickt.
35 Der D. T. (Daily Telegraph), Nummer vom Montag, Seite 5,
hatte einen Sauartikel (von Berlin, in fact, aber de dato Frank¬
furt a.M.) nach den zweien der N[ational]z[eitung] be¬
arbeitet. Ich habe gleich den Hunden mit libel-Klage gedroht, und
sie werden das Maul auftun und deprezieren.
30*
Nr. 648.
468
(649) 1860 Febr. 7
Briefe von Fischel (mit der Klage geht’s auf dem Weg sogar
ohne Geld), Lassalle (höchst absurd), Schily (interessant) etc.
Näheres morgen.
Ich habe nun die Druckkosten zu zahlen (wird about 1 £ sein),
1 £ zu zahlen nächsten Montag County Court, und bedarf einiges, 5
teils um nach Manchester zu reisen, teils um etwas hier zu lassen.
Zugleich muß ich, eh ich von hier abreise, noch allerlei affidavits
Drachen und machen lassen.
Apropos! Wiehe wird jetzt vor dem Magistrat erklären, daß
er die falsche déclaration unterzeichnet auf inständiges 10
Bitten Blinds und Hollingers.
Salut.
Dein K. M.
Erklärungen abgesandt gestern an Nationalzeitung, Köl¬
nische Zeitung, Volkszeitung, Publicist (Berlin), Reform, A[ugs-
burger] A[llgemeine] Z[eitung], Frankfurter Journal. Die Erklä¬
rung kurz. Erstens, daß ich gerichtliche Schritte tim werde gegen
die N[ational]z[eitung] ; zweitens Hinweis auf die miteingesandte
englische „libel“ gegen Blind.
650. Marx an Engels; 1860 Februar 9.
9. Februar 1860.
Lieber Engels,
Daß Du Dein Pamphlet für 2 louisdor pro Bogen angeboten, ist
shameful. Solche Broschüren verkauft man nicht pro Bogen, son¬
dern in Bausch und Bogen. 40 Taler pro Bogen wäre selbst noch &
zu wenig. Übrigens ist Campe besser als Duncker. Auch der Buch¬
händler, bei dem die Darmstädter Militärzeitung erscheint, würde
die Broschüre mit Vergnügen nehmen. Die Hauptsache ist in der
Tat, daß die Sache rasch kommt, und ich würde an Deiner Stelle
mit Laus-Duncker wenigstens die Sache per Telegraph abmachen. 30
Ich stehe mit dem Daily Telegraph in a secret und con-
fidential correspondence seit dem Tag, wo die Scheiße er¬
schien. Der Kerl nämlich will, eh er amende honorable macht
— ich hatte ihm saugrob geschrieben — die Antwort seines Kor¬
respondenten1). Ich dagegen verlangte, daß er sof ort wenigstens 36
eine Notiz bringe. Ich werde ihm nun, er mag bringen was er will,
mit einer libelaction an den Hals gehn. Unter den Umständen, wie
die Sache steht, finden sich immer mit Vergnügen Advokaten, die
die Sache auf Spekulation übernehmen. So hatte Edwin James in
1) Dr. Karl Abel
Z. 4-8.
31-39-
(650) 1860 Febr. 9
469
Ernest Jones’ libelaction gegen Reynolds volunteered. Ich habe
deswegen gestern an Ernest Jones geschrieben. Übrigens denselben
Dienstag, wo die Sadie erschien, schrieb ich dem Editor von Pal¬
merstons mob-paper u. a. : „That letter purporting to have been
5 written from Frankfort on-the-Main, but which was in fact indited
at Berlin, is nothing but a clumsy amplification of two leaders
etc. etc.“ der Berliner Nationalzeitung. Der Verfasser, i. e. der
Sau-Berliner-Korrespondent des D[aily] T[elegraph] ist ein Jud
namens Meier, ein Verwandter des City-Proprietor, der ein eng-
io lischer Jud namens Levi ist. Beide Kerls werfen daher mit Redit
— juvante Vogt — dem Heine vor, daß er ein getaufter Jude. Der
letzte Brief von Itzig, den Du als eine Rarität aufheben
mußt, einliegend. Dieser Objektive! Man denke sich die Plastizität
dieses ungriechischsten aller Wasserpolackischen Juden. Ich habe
m dem Kerl nur dadurch geantwortet, daß ich sofort in den Zei¬
tungen — auch der Volkszeitung — die Anhängigkeits-
madiung einer Verleumdungsklage gegen die N [ a t i o n a 1 ] -
Z[eitung] angezeigt. (Das Zirkular über Blind überall bei¬
gelegt, obgleich ich nach dem großen Itzig mich nicht „über die
2o Tragweite dieses Arguments täuschen soll.“)
Übrigens bin ich diese ganze Woche noch zu keinem Brief an
die Tribune gekommen. Ich hatte wenigstens — die Laufereien
zu Collet und Gott und dem Teufel nicht considered — fünfzig
Briefe in die Welt zu schicken. Dabei Korrespondenz mit Lause-
25 telegraph und Korrespondenz mit Star, dem ich die ganze Kor¬
respondenz mit Telegraph zugeschickt hatte. Den einliegenden
Brief vom Star hebst Du auf. Ich habe auch an Reynolds ge¬
schrieben. Werde sehn, was er tut. Dabei Laufereien wegen des
Wiehe und auf die Polizei. Das Resultat weiter unten. Auf meine
30 Briefe nach dem Kontinent — soweit sie nicht bloß an die Zei¬
tungen — bisher zwei Antworten. Eine von Schily. Unbezahlbar.
Enthält die ganze Schwefelband- und Bürstenheimer Geschichte.
Andrer Brief von Szemere. Sehr wertvoll wegen Aufschlüssen über
die „eignen“ (Bonaparte abgerechnet) Geldfonds der revo¬
is lut Monistischen] Ungarn, von denen Vogt sein Geld erhalten
haben will. Ein Brief von Imandt nicht ganz schlecht. Wenigstens
ein oder zwei Punkte. Ich erwarte noch Antwort vor allem von
Herm Reinach in Neufchätel, der eine wandelnde chronique scan¬
daleuse über den Reichsvogt sein soll. (Apropos! Welche
^Adresse gab der Spion Häfner in der Alugsburger]
Alligemeinen] Zieitung] ? Ich brauche einen point von ihm.) Habe
auch an Borkheim (den ich persönlich nie gesehn) geschrieben.
War chief der Schwefelbande in Genf, die im Café de la Couronne
hauste, und die Du bei Deinen gelegentlichen Ausflügen, wie mir
45 Schily schreibt, auch zuweilen bekneiptest.
z. -1-20.
470
(650) 1860 Febr. 9
Meine Anklageschrift gegen die Nationalzeitung für die
Staatsanwaltschaft des Berliner Stadtgerichts ist fertig. Sie wird
fortgeschickt, eh ich zu Dir komme. Vorher aber muß ich noch
Fischels Antwort abwarten mit Bezug auf Kopf und Schwanz,
wegen der vorgeschriebnen Form der Anrede usw. Das Paket (da «
allerlei Schriften, Dokumente angelegt werden müssen), soll ich
es per Post oder Parcelcompany schicken nach Berlin? Jedenfalls
muß es registered werden.
Alles, was ich hier in London von Briefen und Zeitungen für
die Periode 1848—1859 habe, habe ich durchgewühlt. Das Nötige 10
zusammenherausgelegt und geordnet. Bereite mir vor, daß ich
sämtlich in Manchester Befindliches auf einem „heilen Hau¬
fen“ zusammenfinde.
Montag also war das Arbeiterbankett. Achtzig Personen zu¬
gegen. Entrüsteter einstimmiger Beschluß „der Proletarier“ gegen is
Vogt gefaßt. Der Lause-Hermann verlangte Bericht von mir.
Das schlug ich ab, sagte ihm aber, er solle sich eine kurze Notiz
bei Vater Liebknecht holen.
Apropos, um zu retum à nos moutons, i. e. Lassalle. Da ich
nicht wußte, als ich seinen ersten Brief erhielt, ob Du ihm schon 20
unsrer ursprünglichen Absprache gemäß (als die circumstances
noch anders waren) geschrieben, sagte ich in zwei Zeilen: ich hätte
geglaubt, sein vielmonatliches Schweigen aus Gereiztheit über
meinen letzten etwas groben (war bohnengrob) Brief erklären zu
müssen. Sei mir lieb, daß dem nicht so sei. Ich hätte Dir schon 25
mein Bedenken mitgeteilt gehabt. Well! Was macht das Vieh für
ein fuss darüber! Wie der Kerl dem Liebknecht gegenüber mora¬
lisch sich aufspreizt! Derselbe Bursche, der die schamlosesten
Mittel gebraucht und sich mit den schamlosesten Personen in Ver¬
bindung gesetzt au service de la comtesse de Hatzfeld! Vergißt m
das Vieh, daß, obgleich ich ihn in den Bund aufnehmen wollte,
ein einstimmiger Beschluß der Zentralbehörde in Köln ihn wegen
Anrüchigkeit nicht akzeptierte? In fact, ich glaube, ich habe aus
Delikatesse dem Menschen all das geheim gehalten, auch die Ar¬
beiterdeputation, die vor einigen Jahren aus Düsseldorf zu mir 35
geschickt wurde und die skandalösesten, zumTeil unwiderleglichen
Anklagen gegen ihn vorbrachte! Nun sieh den gespreizten Affen!
Kaum glaubt er — aus seinen bonapartistisch gefärbten Augen
sehend —, uns auf einem schwachen Punkt zu ertappen, wie bläht
er sich, wie orakelt er, wie wirft er sich in — allerdings possier- 40
liehe Positur. Andrerseits, wie geht ihm aus Angst, daß ich mich
nicht so ohne weitres in den Hintergrund werfen lasse von Vogt,
to the benefit of my tender friend Lassalle — wie geht ihm aller
juristische Instinkt aus! Wie widerspricht er sich! Wie wird er
gemein! Man solle die Sache nicht noch mehr „umrühren“. „Man“ «
Z. 28-30 !
39 (wie)-40 (et) .
43 (to ... -)
(650) 1860 Febr, 9
471
werde es nicht „gut auf nehmen“. Nicht gut auf nehmen! Man!
Seinen Weißbierphilistem zulieb soll ich mir auf dem Kopf tanzen
lassen von Schulmeister Squeer, alias Zabel! Ich bin jetzt ganz
klar über Mr. Lassalle.
5 Dem Blind habe ich sofort geschrieben — ich will vielmehr
sagen, in ein Kuvert das Zirkular gelegt, das ihn so ganz intim an¬
geht. Er hat natürlich das Maul gehalten. Statt dessen läuft das
Vieh in der Stadt herum und denkt sich durch Privatklatsch heraus¬
zubeißen (vide unten, was ihm das nützen wird). Der Mensch hat
io seit den letzten Wochen eine fieberhafte Tätigkeit entwickelt,
Pamphlet über Pamphlet publiziert, sich selbst auf Mord und
Brand im Hermann herausgestrichen, die paar Bourgeois, die er
im Schillerkomitee kennengelemt, hinten und vom angeleckt, sich
zugedrängt als Sekretär des neu meditierten Schillervereins, seine
u „Vaterlandsfreunde“ bald verleugnet, bald in halbversteckten
staatsmännischen Anspielungen sich mit ihnen wichtig gemacht
usw. Nun, Du wirst gleich sehn, daß all das das Greifen nach dem
Strohhalm des Ersaufenden.
Am elendsten benimmt sich der Philisterwanst Freiligrath. Ich
to hatte ihm das Zirkular geschickt. Er zeigt nicht einmal den Emp¬
fang an. Glaubt das Vidi, daß, wenn ich will, ich ihn nicht bis über
die Augenbrauen in den Schwefelpfuhl eintaudien kann? Vergißt
er, daß ich über hundert Briefe von ihm besitze? Meint er, daß ich
ihn nicht sehe, weil er mir den Hintern zeigt? Gestern schickte ich
os dem Philister ebenfalls das unten nachfolgende Pflaster zu, on the
express condition, daß er niemand, also auch seinem Freund,
dem Geheimdemokrat Karl Blind, ein Wort davon sagen dürfe. Das
wird ihn kitzeln, und bald wird ihm schwül werden über die zu
große Nähe seines kriminalgerichtlichen Freundes, mit
so dem er zusammen (was ich ihmquite en passant in meinem
letzten Brief ins Gedächtnis rufe) in der A[ugsburger] Allge¬
meinen] Z[eitung] vor dem Publikum figurierte. Außer Freilig¬
rath benimmt sich fast alle Welt in dieser Krise anständig gegen
mich, selbst fernstehende Personen.
35 Nun zur Hauptsache. Erstens brachte ich durch Juch heraus,
daß Wiehe früher in Bremen gestohlen hat und deswegen nach
London mußte. Zweitens erfuhr ich durch Schapper, daß er, dem
der Wiehe sich als Setzer des „Volks“ vorstellte, dem Burschen
seine jetzige Stelle verschafft hat. Ich instruierte Schapper, der
40 demWiehe im stillen zuflüsterte, daß er dieGeschichte vonBremen
wisse; dann aber in Gegenwart seiner employers mein Zirkular
vorlas und ihn cross examinierte. Der Kerl gab alles zu. Das Re¬
sultat siehst Du in folgendem Dokument, wovon ich ein amtlich
beglaubigtes Duplikat besitze. Eins geht nach Berlin. Das andre
is halte ich hier für sehr entscheidende Schritte gegen den Kopf-
Z. 3-4.
9-34.
37—42 (examinierte).
472
(650) 1860 Febr. 9
wackler. Nur noch eins. W a s es für Menschen sind, womit diese
„Biedermänner“ umgehn, siehst Du daraus. Ich hatte den Wiehe
natürlich wissen lassen, daß ich ihn für den Verlust von einem
halben Arbeitstag, den er bei dem Polizeimagistrat mit mir zuzu¬
bringen, schadlos halten werde. Als alles fertig, gab ich ihm 2 ¥2 sh. <5
Er beklagt sich. Ich frage: Wieviel verdienen Sie denn täglich?
About 3 sh. sagt er, aber Sie müssen mir 5 geben. Ich muß doch
etwas haben dafür, daß ich die Wahrheit gesagt. — Das schönste
aber das. Ich: You have declined the money off er made by Blind
and Hollinger in order to bribe you? He: Why, décliné! The w
rogues promised, but never gave me anything. Dies ist der Schrift¬
setzer Wiehe. Hollinger ist ein noch viel infameres Vieh. Der
Vögele, der gestern bestellt war, kam nicht. Sicher hat Blind-
Hollinger ihn durch Geld zurückgehalten. Das haben sie aber in
den Dreck geworfen. Ich weiß, daß der Kerl noch Gewissen hat, ij
und werde ihm Beine machen. Mein Zirkular verleitete sie, sich
an den falschen Mann zu wenden. Sie glaubten daraus zu ersehn,
daß ich dem Wiehe selbst nicht beikönne. Also nun ad rem:
„One of the first days of November last — I do not recollect the
exact date — in the evening between nine and ten o’clock I was 20
taken out of bed by Mr. F. Hollinger, in whose house I then lived,
and by whom I was employed as compositor. He presented to me a
paper to the effect, that, during the preceding eleven months I had
been continuously employed by him, and that during all that time
a certain German flysheet „Zur Warnung“ (A Warning) had not 25
been composed and printed in Mr. Hollinger’s Office, 3, Litchfield
Street, Soho. In my perplexed state, and not aware of the impor¬
tance of the transaction, I complied with his wish, and copied, and
signed the document. Mr. Hollinger promised me money, but I
never received anything. During that transaction Mr. Charles Blind, 30
as my wife informed me at the time, was waiting in Mr. Hollinger’s
room. A few days later, Mrs. Hollinger called me down from dinner
and led me into her husband’s room, where I found Mr. Charles
Blind alone. He presented me the same paper which Mr. Hollinger
had presented me before, and entreated me to write, and sign a 3&
second copy, as he wanted two, the one for himself, and the other
for publication in the Press. He added that he would show himself
grateful to me. I copied and signed again the paper.
I herewith déclaré the truth of the above Statements and that:
1. During the 11 months mentioned in the document I was for w
six weeksnot employed by M. Hollinger, but by a Mr. Er-
mani.
2. I did notwork in Mr. Hollinger’s Office just at that time
when the flysheet „Zur Warnung“ was published.
x) Bei Marx in „Herr Vogt“ months a) Von Marx unterstrichen.
Z. 19-44 -
(650) 1860 Febr. 9 473
3. I heard at the time from Mr. Voegele, who then worked for
Mr. Hollinger, that he, Voegele, had, together with Mr. Hollinger
himself, composed the flysheet in question, and that the manuscript
was in Mr. Blind’s handwriting.
î 4. The types of the pamphlet were still standing when I retumed
to Mr. Hollinger’s service. I myself broke them into columns for
the reprint of the flysheet1) „Zur Warnung“ in the German paper
„Das Volk“ published at London, by Mr. Fidelio Hollinger,
3, Litchfield Street, Soho. The flysheet appeared in No. 7, d. d.
io 18th June, 1859, of „Das Volk“.
5. I saw Mr. Hollinger give to Mr. William Liebknecht, of
14, Church Street, Soho, London, the proofsheet of the pamphlet
„Zur Warnung“, on which proofsheet Mr. Charles Blind with his
own hand had corrected four or five mistakes. Mr. Hollinger
is hesitated at first giving the proof sheet to Mr. Liebknecht, and when
Mr. Liebknecht had withdrawn, he, F. Hollinger, expressed to me
and my fellow workman Voegele his regret for having given the
proofsheet out of his hands.
Johann Friedrich Wiehe.
20 Police Court, Bow Street.
Declared and signed by the said Johann Friedrich Wiehe at the
Police Court, Bow Street, this 8th day of February, 1860, before
my J. Henry, Magistrate of the said court“.
Ich hatte die Sache absichtlich grade vor Henry gebracht, da
os er der government’s magistrale ist, vor den alle poli¬
tischen Prozesse gehören. Für die Sorte Englisch, die im obigen
enthalten, bin ich nicht verantwortlich, wohl aber für die genaue
Spezifikation der facts. What do you say now, Sir! „Das Argu¬
ment hat keine Tragweite,“ sagt Itzig. Vive litzig! Wegen con-
3o spiracy gegen mich, verbunden mit attempt at bribery of wit-
nesses, sagt der magistrale, kann ich nun Herm Blind auf den
Schub bringen. Das kömmt heraus bei kleinbürgerlicher Pfiffigkeit!
Dein K. M.
651. Engels an Marx; 1860 Februar 9.
33 9. Februar 1860.
Lieber Mohr,
Sobald ich Drlonke] s Adresse weiß, erhält er ein Exemplar. In¬
zwischen geht heute eins an Dr. Bronner.
Daß der Teltegraph] deprezieren wird, sehr angenehm, bis
so heute noch nichts erschienen.
In „Herr Vogt“ folgt (or pamphlet).
Z. - 1-23.
Nr. 651.
474
(651) 1860 Febr. 9
Auf das Nähere sehr gespannt.
Sieh, daß Dir der Wiehe und der Vögele nicht abhanden
kommen. Cela se pourrait, mit einigen Pfunden ist immer so-
was zu befürchten.
Inliegend Fünfpfünder D/M 34115, Manchester, 4. Januar «
1859, wenn das nicht ausreicht, schreib und ich schick noch ein
paar £, ich mag nicht gern (Ane Not nach dem Post Ordre Office
schicken lassen, der Comptoirjungen wegen, und laß es deswegen
lieber anstehn, bis ich wieder einen Fünfer loseisen kann; indes
kannst Du das Geld auch von hier an Deine Frau schicken, oder io
auch vorher bekommen, comme il te plaira.
Noch immer weder Nat [ional]-Zeitung noch Vogt angekommen?
Ich geh jetzt und denke heut und morgen das Manuskript wenig¬
stens im Rohen fertig zu bekommen.
Vale. is
Dein F. E.
652. Engels an Marx; 1860 Februar 12.
12. Februar 1860.
Lieber Mohr,
Die 5 £ wirst Du erhalten haben, so hoffe ich wenigstens. 20
Das Wiehesche Dokument ist sehr erfreulich. Après ça wird der
finschtre Blind wohl den Schwanz zwischen die Beine nehmen. In
der Zwischenzeit hast Du hoffentlich eins von Vögele erlangt. Je
mehr Beweise, desto besser.
Die K [ölnische] Zfeitung] hat also doch die Erklärung abge- 25
druckt und gleichzeitig dem Blind noch einen Hieb gegeben. Desto
besser.
Strohn ist in Hamburg, und wie ich höre, benimmt er sich in
dieser speziellen Sache sehr gut. Ich werde ihm schreiben. Er kann
auch gebraucht werden. 30
Saludi.
Dein F. E.
653. Marx an Engels; 1860 Februar 13.
13. Februar 1860.
Dear Frederick, 35
Heute das Buch bekommen. Nichts als Scheiße. Spielerei.
Glücklicherweise hat die würdige Nationalzeitung in ihren
beiden Leitartikeln (Nr.37 und Nr.41) grade alle Stellen ab¬
gedruckt, die juristisch faßbar sind, und worin sich die ganze
Gemeinheit konzentriert. w
Nr. 651
(653) 1860 Febr. 13
475
Heute (auf Empfang eines zweiten Briefes von Fischel) habe
ich sofort an Justizrat Weber (ersten Advokaten in Berlin) die
Anklageschrift abgeschickt nebst 15 Taler Vorschuß (2 £ 10 sh. ).
Ich hätte die Sache gratis gehabt, wenn ich statt einer Privat-
6 Verleumdungsklage mich an die Königlich preußische Staats¬
anwaltschaft gewandt, aber, wie ich Fischel schrieb, ich kann nicht
erwarten, daß die Königlich preußische Prokuratur sich „mit be-
sondrem Eifer der Ehre meines Namens annehme“. Außerdem ist
die ganze Prozedur sehr billig.
io Von den 5^, die Du mir geschickt, sind also abgegangen 2 £ 10
für Weber, 1 £ heute für den County-court, 5 sh. für Vögele und
2 sh. für die 2 affidavits, die er ausgestellt, außerdem lot von
Briefen frankiert. Ich habe heute, eh ich nach der City ging, noch
1 £ von einem Bäcker pumpen müssen, rückzahlbar Mittwoch.
15 Glücklicherweise hat Urquhart dem Collet einen groben Brief
geschrieben, worin er ihn anfährt, daß er mir die printer’s bill ge¬
schickt. Das sei (nämlich meine Publikation) eine zu seiner Agi¬
tation gehörige Ausgabe. So habe ich d e m nicht zu zahlen.
Morgen habe ich noch eine Ausgabe, von der ich noch
20 nicht weiß, wie ich sie bestreiten soll. Nämlich ich muß zu dem
Sau-Zimmermann (von Spandau, einem Vogtianer, zugleich
Advokat der ö streich ischen Gesandtschaft), da¬
mit er mir die Form auf setzt, worin ich umgehend dem Weber
seine Vollmacht schicken muß. Es ist nämlich keine Zeit zu ver-
25 lieren, weil in Preußen solche Klagen merkwürdig schnell „ver¬
jähren“.
Außer der „Volkszeitung“ hat der Berliner P u b 1 i c i s t meine
Erklärung gebracht; letztrer daneben einen Auszug aus dem eng¬
lischen Zirkular gegen Blind. Letztres mit Einschluß des Affidavits
3o von Wiehe und Vögele habe ich heute an Louis Blanc und Felix
Pyat geschickt.
Die Kölnlische] Zeit[ung] und die N[ational]-
Z [e i t u n g] haben meine Erklärung nicht gebracht.
Herr F. Freiligrath, — den ich merkwürdig (scheinbar wohl-
35 wollend) kompromittieren werde — zeigt mir nicht einmal den
Empfang der ihm gesandten Sachen an?)
Du hast meine letzte wichtige Sendung doch erhalten?
Nachdem ich morgen noch die Sache mit der Vollmacht abge¬
macht, reise ich Mittwoch (werde Dir vorher noch Notiz geben)
w nach Manchester ab, wohin ich, abgesehn von unsrer nötigen Zu¬
sammenkunft, wegen Roberts muß.
Daß ich total abgebeutelt, hast Du aus vorstehendem ersehn.
Dein K. M.
Im Orig, ein
Z. 10-14.
32-37 ?
476
(654) 1860 Febr. 14
654. Marx an Engels; 1860 Februar 14.
14. Februar 1860.
Lieber Frederick,
Einliegend copy des affidavit von Vögele, was ich Dir geschickt
zu haben glaubte am Samstag. j
Die Geschichte „The rise, progress and dedine“ der Schwe¬
felbande hat Borkheim mir in Manuskript geliefert. Er ist, wie
ich Dir wohl schon gesagt, first commis in einem Haus in Mark-
lane; hat zwischen 600 und 700^ St. jährlich.
Meine Korrespondenz mit Schily dauert natürlich fort, da ich io
ihn über bestimmte points cross-examine.
Hat Lassalle Dir Vogts Buch per Post geschickt? Ich hatte dem
Narren auf seinen Brief gesagt, die Sache an Dich zu adressieren.
Ich erwarte morgen telegraphische Depesche von Justizrat
Weber Antwort. is
Einiges ist noch morgen abzumachen.
Sind die means vorhanden, so reise ich vielleicht im Lauf
des morgigen Tags ab. Bestimmt kann ich’s nicht sagen, da viel¬
leicht Zwischenvorfälle mich einen Tag länger hier halten. Mach
nur, daß ich alle Briefe und papers in „einem hellen 20
Haufen“ zusammengewürfelt finde.
Der elende Hermann hat (es scheint auf Intervention Kin¬
kels, who is about marrying an Englishwoman with 2000—
3000 £ St. a year) den Beschluß des Arbeitervereins nicht ge¬
bracht. Mais ces messieurs y penseront. 23
Der Lausetelegraph hat mir heute wieder geschrieben und mich
auf seinen Lausekorrespondenten von gestern verwiesen. Ich werde
dem Hund auf spielen.
Salut.
Dein K. M. 30
Von Vater Blind noch nichts gehört.
655. Marx an Engels; 1860 Februar 15.
15. Februar 1860.
Lieber Engels,
5jf erhalten. 30
Idi reise morgen ab um about ¥28 A. M. (Eustonstreet).
Aus der einliegenden Erklärung des Schaible (dieser Aus¬
schnitt aus Daily Telegraph) siehst Du, daß das von mir
eingegebne Pulver gewirkt hat. Es werden nun facts gegen den
Genfer advocatus imperii herauskommen. 40
Z. 12-16.
22—28.
(655) 1860 Febr. 15 477
Dqm Schaible hab ich sofort einen kurzen Zettel geschrieben
folgenden Inhalts:
Seine Erklärung sei wichtig gegen Vogt, also für die Haupt¬
sache. Sie ändre nichts an Blinds „w i 1f u11 y f a 1 s e“ und keines-
« wegs „erron e ou s“ Statement in der A[ugsburger] A [ 11 -
gemeinen] Z[eitung]. Noch weniger an seiner conspi¬
ra cy, von der er sich überzeugen könne aus einliegender copy
des Affidavits von Wiehe, das seine öffentliche Rolle
noch spielen werde. Du wirst sehn, daß, in order to save Blind
io from the worst, gegen Vogt wirkliche facts beigebracht und noch
im Staube vor uns von den Kerls gekrochen wird.
Salut.
Dein K. M.
656. Engels an Marx; 1860 April 8.
is Manchester, 8. April 1860.
Lieber Mohr,
Das in den letzten Tagen meines Barmer Aufenthalts mit Gründ¬
lichkeit getriebne juristische Studium des Manchester Geschäfts¬
kontrakts überzeugte mich, daß hier alles auf der Spitze stand und
2o ich keine Minute verlieren durfte, um wieder hieher zu kommen.
Ich reiste Freitag morgen 6 Uhr ab und war gestern mittag um 12
wieder hier, also in 30 Stunden. The thing was, we wanted to secure
Charley. Dies ist gestern abend gelungen, soweit es nötig war, und
jetzt muß ich abwarten, was Gottfried1} tut. Aber meine Opera-
25 tionsbasis ist jetzt sicher.
Unter diesen Umständen kann ich erst nach London kommen,
wenn hier alles geregelt ist. Bis dahin bin ich bis über die Ohren in
Geschäftssachen und Juristerei vertieft und ist nichts zu machen.
Inzwischen hab’ ich von Gumpert und Siebel erfahren, was sie
so wußten. Von meiner Broschüre hör’ und seh’ ich nichts, schick mir
das Exemplar zurück und den Brief (wohl von Fischel?), den
G [umpert] Dir schickte, damit ich weiß, was vorgeht. Den Brief
machst Du offen, wenn es noch nicht geschehen, das spart hin und
her schreiben.
33 Die Gemeinheiten, die noch hier im Hause vorgefallen, hat
Gfumpert] mir erzählt, ich ziehe jetzt ohne weiteres aus.
Von der preußischen Polizei habe ich nichts gesehn noch gehört.
Weder Paß abverlangt noch sonst etwas; die paar Polizisten in
Barmen, die mir begegneten, gaben mir den military salute, das
w war alles.
x) Ermen
Z. 35-36.
478
(656) 1860 April 8
Die Industrie am Rhein hat sich kolossal entwickelt, und das
konstitutionelle Wesen hat bei den Bürgern sich sehr stark einge¬
fressen. Es hat sich doch ungeheuer viel geändert seit 1848, ob¬
wohl noch genug des alten Sauerteigs da ist.
Noch immer keine Antwort von Weber? Wenn das nicht bald 3
kommt, bleibt nichts übrig, als ihm den Ephraim Gescheit auf die
Bude rücken zu lassen.
Grüße Deine Frau und die young ladies herzlich. Sobald ich
hier in Ordnung, komme ich sofort herüber.
Dein F. E. io
Schick auch den Schlüssel vom unteren Bücherschrank. Was ist
das mit dem. Paket Briefe, das im Schlafzimmer nach Gumperts
Behauptung liegen geblieben sein soll?
657. Marx an Engels; 1860 April 9.
9. April 1860. «
Lieber Engels,
Große Enttäuschung heute, als statt Deiner Dein Brief ankam.
Indes sah man doch die „Vernunft der Sadie“ ein.
Siebel hat seine Mission gut ausgeführt, mit viel Takt.
Den Schlüssel habe ich heut noch nicht finden können. Indes der 20
„obere“ Schlüssel paßt auch für das Loch unten. Er schließt beide
Abteilungen.
Weydemeyers Brief schick’ ich Dir dieser Tage.
Ich habe vor meiner Abreise von Manchester einige Renom-
magen bei Gumpert etc. deponiert, die ich für nötig hielt, um meine 25
Nicht-Reise nach Holland zu motivieren.
Freiligrath hat freundlichen1) Brief geschrieben. Ich noch nicht
geantwortet, ihn noch nicht gesehn.
Der einzige Brief, den ich von Gumpert erhielt, der an Dich
adressiert war, war für mich bestimmt — von Liebknecht, der mir 30
anzeigte, daß die „A [ugsburger] Allgemeine] Z[eitung]“ ihm auf¬
gekündigt.
Von Fischel nichts gehört.
Ebensowenig von Weber.
Deine Broschüre schick ich Donnerstag von hier ab. Borkheim «
hat sie im Hermann (letzten) angezeigt, ich in der Tribune;
Liebknecht zeigt sie jetzt (Mittwoch) im New Orleanspaper
an.
Salut.
Dein K. M. 40
O Korr, aus höflichen
Z. 8-9.
20-26.
(657) 1860 April 9
479
Die amerikanischen Blätter (New Yorker Staatszeitung etc.)
voll von der Vogtschen Sudelei. Die Kerle hatten das Buch eher
drüben, als wir es in London hatten.
658. Marx an Engels; 1860 April 12.
s 12. April 1860.
Lieber Engels,
Best thanks für den Hundertpfünder. Der war eine famose
Überraschung this moming. Großer Jubel im ganzen Haus.
Du wirst gesehn oder auch nicht gesehn haben, daß die Köl-
wn[ische] Zeitlung] (Schlesinger-London) die Frechheit hatte,
von der Schwefelbande und ihrer Russenriecherei zu sprechen.
Well! Vermittelst meines bankrotten Freundes Speck bin ich nun
der ganzen Londoner Schwefelbande ernstlich auf der Spur.
D’abord wirst Du aus den Zeitungen gesehn haben, daß Pal¬
zs merston den Witz sich gemacht hat, Herm Reuter (den Triester
Telegraphenjuden) der Königin vorzustellen. Des nicht orthogra¬
phisch schreiben könnenden Jud Reuters Faktotum ist — Sieg¬
mund Engländer, der aus Paris ausgewiesen wurde, weil er,
obgleich bezahlter französischer Spion (600 fcs. per Monat), sich
20 als „geheimer“ russischer Spion auswies. Dieser Reuter, Eng¬
länder, Hörfel und Schlesinger hatten in Paris zusammen (ihr
Ehrenmitglied war ein Esterhazy, ein man about town und
Vetter des östreichischen Gesandten Esterhazy) eine bonapar-
tistisehe lithographische Korrespondenz, entzweiten sich etc. Herr
îsBernhard Wolff, der Hauptproprietär der Ber¬
liner Nationalzeitung und Inhaber des Berliner Tele¬
grammbureaus, ist ein Herz und ein Beutel (Kompanie) mit dem
unter Reuters Namen jetzt die europäische Weltgeschichte redigie¬
renden S. Engländer. Notabene. Rußland hat sich jetzt dem
so „Deutsch-östreichischen Telegraphenverband“ angeschlossen und
seinen Reuter „pour encourager les autres“ durch Pam der Queen
vorstellen lassen. Des Schlesingers ganzer Lebenslauf wird mir de¬
tailliert gegeben werden, ebenso der des Reuter.
Salut.
« Dein K. M.
Dank an Siebel für die Notizen, die er mir heut geschickt. Eben¬
so seine „Religion und Liebe“. Meine Frau findet letztres sehr gut.
480
(659) 1860 April 16
659. Marx an Engels; 1860 April 16.
16. April 1860.
Lieber Engels,
Von Lommel heute sehr wertvolles Material erhalten. Weitere
cross examination jedoch, wozu er sich freiwillig erbietet, heute 5
schon an ihn abgegangen. Auch ganz nötig. Idi, in dem Brief, worin
ich ihn einseifte, hatte ihm auch gesagt, er solle die 300 Exemplare
seines „Hinter den Coulissen“ hier an Petsch (Buchhändler)
schicken. Ich würde für den Verkauf (in Arbeitervereinen etc.)
sorgen. Nun verlangt er 150 fcs. Vorschuß. Meine Ansicht, daß Ihr io
unmittelbar untereinander ein paar Pfund in Manchester zu-
sammenclubt, ich den Rest hier. Der Mann ist unbezahlbar
für uns. Er hat deswegen auch an Siebel geschrieben. Ich schreibe
deswegen heute auch ein paar Zeilen an Siebel. Siebel muß keinen
Schritt tim, ohne mich vorher zu konsultieren. 15
Weydemeyers Brief lege ich ein.
Der verfluchte Advokat, an den ich deswegen letzten Freitag
einen Trittbrief geschrieben, noch nichts von sich hören las¬
sen. Indes er hat den Vorschuß und ich habe die Annahme seines
Mandats. Also kann ich nicht denken, daß er sich einem Prozeß 20
gegen sich selbst aussetzt.
Von Lassalle wieder ein längeres Gesalbader erhaltennebst
einem gedruckten Aufsatz (über Fichtes politisches Ver¬
mächtnis) für Walesrodes Politisches, noch zu erscheinendes
Taschenbuch. Aus Llassalle]s Brief folgt, daß er Deine Broschüre 25
gelesen, sie also in Berlin heraus ist. Der Buchhändler
wird sie wahrscheinlich erst jetzt mit den Ostereiern anzeigen.
L [assalle] s Brief rein närrisch. Er war wieder krank. Er schreibt
wieder ein „großes Werk“. Außer diesem großen Werk hat er drei
andre große Werke, darunter die „Nationalökonomie“, klar um- 30
schrieben in seiner Seele, und außerdem studiert er sechs bis sieben
unbenannte Wissenschaften mit „produktiven Absichten“. Die
Gräfin, schreibt er, habe große Geldverluste, weswegen er nach
Köln müsse. Wahrscheinlich falsche Eisenbahn-etc. Spekulationen.
Der Mont Sion existiert, wie ich aus der dem Blue Book über 35
Savoyen beigelegten Karte sehe. (Im Genevois, dem ex-neutral.)
Apropos!
Frage lupus:
1. Ich finde in einem seiner Briefe aus Zürich, daß er den Braß
kannte. Weiß er Näheres über ihn? 40
2. Hat das Rumpfparlament in Stuttgart einen Beschluß gefaßt,
wonach den Ex-Reichsregenten das Recht zusteht, bei irgendeiner
x) Im Orig, irrtümlich enthalten
Z. 6 (worin)—7 (eineeifte) .
(659) 1860 April 16
481
Gelegenheit das deutsche Parlament wieder zusammenzuberufen?
Ist Dir oder lupus irgend etwas darüber bekannt, daß 1849 die
damalige Pfälzer provisorische Regierung ein Annexationsgesuch
an die französische Nationalversammlung schickte?
5 Wann kommst Du her?
Dein Mohr.
Freiligrath noch nicht gesehn. Es ist mir „öklig“, mit dem Bur¬
schen zusammenzukommen, und doch muß in den Apfel gebissen
werden. Schon aus Politik nach unsern wechselseitigen Freund-
10 Schaftsversicherungen.
Auch hat er mir amiable geschrieben.
660. Marx an Engels; 1860 April 17.
17. April 1860.
Lieber Engels,
is Ich hoffe, daß Dein Unwohlsein nicht ernsthaft ist. Dann, daß
Du Dich in acht nimmst, nicht überarbeitest.
Ich habe heut dem Lommel die 150 francs geschickt.
(Was Ihr nicht in Manchester zusammenbekommt, wird hier ge¬
sammelt.) Aus folgenden Gründen:
20 1. 50fcs. hat er für Auslösung der Exemplare beim Buchbin¬
der zu zahlen. Bleiben ihm 100 fcs. Darüber zu markten, wäre
höchst unpolitisch und würde keinen Respekt für unsre
Partei einflößen.
2. Hauptsache, rasch und bedingungslos dem Mann den
25 quasum Vorschuß zu schicken. Dadurch ist er an uns gebunden.
Die andre Hälfte bekommt er by and by und bleibt so mit uns
engaged.
3. Er will, sobald er das Geld hat, nach Savoyen reisen, um
von da zu berichten.
3o 4. Aus dem einliegenden Zettel des Petsch (dem ich das Exem¬
plar, das Siebel mitbrachte, gegeben) siehst Du, daß er glaubt,
Buchhändlergeschäfte mit der übrigens interessanten Broschüre zu
machen.
5. L[ommel] ist anständig. Würde sich sonst jetzt verkaufen.
35 Aus den mir von Becker übersandten Briefschaften ersehe ich, daß
Lommel ein Haupthahn der altrepublikanischen Partei. Auch mit
Heinzen befreundet. Was wird der schreien über den Abfall!
Siebels Mitarbeit an der Straßburger Zeitung zeugt mir be¬
denklich.
40 Dein K. M.
Marx-Engeh-CeMinuatgabe, III. Abt., Bd. 2 31
Z. 7-11.
482
(661) 1860 April 24
661. Marx an Engels; 1860 April 24.
24. April 1860.
Dear Frederick,
Einliegend Brief von Weber. Aus dem Brief sehe ich erst (was
der Esel mir gefälligst schon vorher mitteilen konnte), daß er «
ursprünglich keine Zivilinjurienklage, sondern eine Kri¬
minalklage gegen Zabel eingereicht, wobei nach preußischem
Redit die Königliche Prokuratur den Strafantrag kontrasignieren
muß. Dabei ist er nun in erster Instanz abgefahren ; hat appelliert.
Es liegt natürlich „im öffentlichen Interesse“ der preuß i- w
sehen Regierung, daß wir soviel als möglich verleumdet werden.
Du siehst aus seinem Brief, daß er am 18. auch die Zivilklage
eingeleitet.
Willst Du dem Dr. Heckscher die Sache mitteilen und ihm
darüber eine Notiz (ein paar Zeilen) für die Hamburger „Reform“ w
geben? Er selbst hat sich mir wiederholt zu solchem Dienst ange¬
boten, und die Sache (schon um die preußische Regierung etwas
behutsam zu machen) muß ins Publikum. Ich schreibe deswegen
auch an Siebel. Das Publikum darf auch nicht glauben, daß die
Sache eingeschlafen ist. 20
Die Sachen von Lommel (ich erhalte noch sechs bis sieben Do¬
kumente von ihm) enthalten hinreichende circumstancial evidence
über Vogts Bestechung. Vogt fühlt sich in Genf nicht mehr sicher
und ist deswegen um Bürgerrecht in Schwyz eingekommen.Übrigens
hoffe ich, daß Du mir nun einmal ausführlich schreibst, wie Deine 22
Angelegenheiten stehn. Es ist nicht ganz freundschaftlich von Dir,
daß Du mir gegenüber die Reserve beobachtest, die andern gegen¬
über angebracht sein mag.
Wie steht’s mit Deinem körperlichen Befinden? Ich habe mich
deswegen sehr geängstet. 22
Dein K. M.
Die Periersche Geschichte war mit Bonaparte abgemacht, nahm
aber nicht die ursprünglich beabsichtigten Dimensionen an. J. Pe-
rier war mit Fazy in Paris, wo ihn Beckers Sohn sah.
Von Fischel, an den ich wegen Deines Pamphlets geschrieben u
(auch Schily hat deswegen getreten) noch keine Antwort.
Während in der Westdeutschen Straßburger Zeitung die litera¬
rischen Zouaves, plänkeln in der deutschen „Baltischen Monats¬
schrift“ (Riga) die literarischen Kosaken, so daß wir „Teutsche“
auf beiden Seiten attackiert sind. «
Z. 24-28.
35-36.
(662) 1860 Mai 7
483
662. Marx an Engels; 1860 Mai 7.
7. Mai 1860.
Lieber Frederick,
Einliegend:
« 1. Brief von Fischel. Gumperts Idee, einen Berliner
Brief an Dich hergeschickt zu haben — delusion. Der Brief an
Dich, den er schickte, enthielt als Einlage Liebknechts Brief an
mich.
2. Brief von Szemere. Ich habe ihm lange nicht ge-
io schrieben, weil mir die Schmeicheleien gegen Badinguet und Pam,
die seine Schrift enthält, höchlichst mißfielen. Will ihm jetzt je¬
doch reinen Wein einschenken.
3. Brief von Emmermann und Beust an Schily.
Was sagst Du von diesen Biedermännern? Dem Beust, der das
is Schwert umgürtet! Der mich abwiegeln läßt, weil er die Diarrhöe
bekam und von Köln wegbrannte! Ich brauche die Briefe nicht
zurück, aber hebe sie auf.
Von wegen Fischels Vorschlag muß ich erst näher wissen,
welcher Art, Tendenz usw. das beabsichtigte Blatt ist.
to Daß Schimmelpfennig Techows Adressat, ist mir sehr lieb, da
ich so den einen durch den andern kennzeichnen kann. Daß Willich
nicht dem Schapper hat antworten lassen, ist auch gut. Ich werde
ihn mit milder Ironie behandeln.
Mit Freiligrath zusanunengewesen. Der Philister wünscht offen-
25 bar auf gutem Fuße mit uns zu bleiben. Im übrigen dem „Skandal“
fern zu bleiben. Ist außerordentlich ordinär in seinen Ansichten
geworden.
Ich hoffe, bald von Dir zu hören.
Dein K. M.
663. Engels an Marx; 1860 Mai 7.
7. Mai 1860.
Lieber Mohr,
Die Geschichte an die Reform hat Heckscher gleich besorgt,
mit welchem Erfolg weiß ich noch nicht; wie gewöhnlich hatte
u H [eckscher] wieder seinen Einfluß übertrieben, er sagte jetzt, er
könne nicht versprechen, daß es hineinkomme etc.
Inzwischen hat Siebel es in die M[ittel]-Rh[einische] Zeitung
gebracht.
Etwas Neues von Berlin?
M Herr Szemere hat mir mit dem Tokajer eine Masse Kosten ge¬
macht. Der Wein ist so süß, daß kein Mensch ihn trinken kann, ich
31»
Z. 5 (Gumperts)—8. 14 (Dem)—17.
24-27.
33-41-
484
(663) 1860 Mai 7
hab ihn also alle zurückgeschickt bis auf ein paar Flaschen und
werde natürlich alle Kosten, Zölle usw. zu tragen haben. Er schreibt
sehr höflich, bietet andre Weine an, ist aber dreimal so teuer als
Charles’ Weinhändler in Pest. Der Kerl will mit seiner „entre¬
prise toute patriotique“ einen kolossalen Profit machen. Nous J
verrons.
Siebel ist krank an einer „genialen“ Krankheit, worauf er stolz
ist wie immer. Ich werde ihn heute abend besuchen.
Von meiner Broschüre höre und sehe ich nichts in Zeitungen.
Die conspiration du silence ist wieder vollständig da. i»
Apropos! Der Reiff ist hergekommen, wie er sagt auf Lieb¬
knechts, Lochners etc. Anraten! Er will von mir Unterstützung
haben, er treibt Straßenmusik. Ich habe gesagt, ich müßte unter
bewandten Umständen erst an Didi schreiben, was ihm nicht zu
gefallen schien — Du seist aufgebracht usw. Que faire? Was u
hältst Du von dem Kerl? Ich kann unter allen Umständen nicht
viel für ihn tun.
Mein Bruder Emil ist hier und unterhandelt mit dem Ermen. Ich
werde wahrscheinlich einstweilen als Commis bei Gottfried bleiben,
mit Prozenten vom Nutzen und gegen die Garantie, in einigen 20
Jahren Associé zu werden. Ich suche den Kontrakt so onerös wie
möglich für G [ottfried] zu machen, damit er im entscheidenden
Moment nur zu froh sein wird, mich fortzulassen. Bis Ende der
Woche oder jedenfalls in der nächsten wird wohl alles abgemacht
sein. Übrigens werde ich wohl die nächste Zeit gehörig schanzen »
müssen, Monsieur Gottfried hat große Veränderungen und Reorga¬
nisationen vor, sobald er erst ganz alleiniger Herr im Konzern ist.
Viele Grüße an Deine Frau und die jungen Damen.
Dein F. E.
664. Marx an Engels; 1860 Mai 8.
8. Mai 1860.
Lieber Frederick,
Der Reiff ist ein Lump. Kein Mensch hat ihn nach Manchester
geschickt. Er verschwand von hier, nachdem er enthüllt war. Schon
1850 war er aus dem Bund geworfen. Während der Instruktion im a
Kölner Prozeß verriet er direkt. Ich habe jetzt einen darauf bezüg¬
lichen Brief Bermbachs wieder aufgefunden. Laß ihn also laufen.
Wegen Deiner Broschüre wirst Du einiges in dem Brief Fischels
gefunden haben. Übrigens würde ich in Deiner Stelle jetzt direkt
(sobald er wieder aktiv) die kleinen literarischen Verbindungen w
des Freund Siebel benutzen, um der conspiration de silence ent*
z. -1-8.
11—17.
33-37.
(664) 1860 Mai 8
485
gegenzuarbeiten. Hättest Du Deinen Namen direkt auf der Bro¬
schüre genannt, so würde das Publikum schon aus Neugierde
danach greifen. Übrigens scheint Behrends noch schlechter als
Duncker.
s Der Szemere ist ein Mann, der gern Dienste von andern ver¬
langt, seinerseits aber zugeknöpfte Taschen hat. Du hast jetzt genug
für ihn getan und ich würde in Deiner Stelle seinen Wein ihrer
mission toute patriotique überlassen.
Das settlement mit G. Ermen scheint mir nicht grade sehr. Die
io Frage ist, läßt Deine Familie Kapital im Geschäft oder nicht?
Im ersten Fall war doch eine Handhabe da für die Transaktion.
Aus Deinem Brief scheint mir hervorzugehn, daß Du wieder
Dein Herkommen auf- oder abschieben willst. Für ein paar Tage
bei der Geschwindigkeit der Kommunikation müßtest Du doch die
is Zeit haben.
Was denkst Du von der sizilianischen Geschichte?
In Wien soll es sehr revolutionär aussehn.
Die Engländer schikanieren einen jetzt natürlich mit Bruck.
Vorgestern ennuyierte mich ein Kerl damit wieder und fragte:
2o „Now, what do you say of Bruck’s suicide?“ „1’11 teil you, Sir.
In Austria the rogues eut their own throats, while in England they
eut their people’s purses.“
Soeben erhalte ich einen Brief von Borkheim aus Dublin. Er
wird Sonnabend abend in Mandiester ankommen und Dich Sonn-
25 tag besuchen kommen.
Salut.
Dein K. M.
665. Engels an Marx; 1860 Mai 10.
Manchester, 10. Mai 1860.
m Lieber Mohr,
Mein Bruder heut abend abgereist, weil meine Mutter ernstlich
erkrankt ist und ihn per Telegramm hat rufen lassen.
Die Sache mit Ermen ziemlich in Ordnung. Meine Familie läßt
£ 10000 Kapital im Geschäft, das sie mir auch lassen muß,
35 wenn ich Partner werde. Meine materielle Stellung bessert sich
gleich, wenigstens der Prozentsatz der Beteiligung. Ich werde Dir
das alles mündlich erzählen, wenn ich Pfingsten herüberkomme.
D. h., wenn bis dahin alles in Ordnung ist und mit meiner Mutter
nichts passiert, so daß ich überhaupt kommen kann. Aber ich
<o fürchte fast eine Ansteckung von meinem Vater. Es ist mir zumute,
als ob sich der Typhus jetzt an unsre Familie angeklammert hätte.
Über andre Punkte morgen.
Z. 5-8.
12-15.
23-25.
486
(665) 1860 Mai 10
Siebel will wissen, ob Du unter den von ihm mitgebrachten
Papieren die Broschüre, Die Sphinx auf dem französischen Kaiser¬
thron, gefunden ; Schily vermißt sie und fürchtet, sie sei ihm sonst
abhanden gekommen.
Lupus gestern gesehn. Die Knoche plagt ihn noch. Dazu Rheu- «
matismus. Es scheint fast, als ob Gumperts Einschreiten den Pro¬
zeß akuter mache, was auch gut ist, desto eher ist’s vorüber und
nachher ist L[upus] wieder stramm auf den Beinen.
Grüße die family.
Dein F. E. »
666. Engels an Marx; 1860 Mai 11.
Manchester, 11. Mai 1860.
Lieber Mohr,
Meine Mutter sehr gefährlich. Zwei Telegramme von Barmen.
Niemand darf zu ihr. Ich soll wieder herüber, die nötigen Schritte u
werden getan. Wie das gehen wird, weiß ich nicht. Mir ist der Kopf
ganz verwirrt von der Geschichte, es scheint wirklich Typhus zu
sein.
Ich kann Dir heute über andre Dinge nicht schreiben, es geht
mir zu viel durch den Kopf, und dabei ist es zu spät geworden. 20
Seit sieben Wochen lebe ich in einer fortwährenden Spannung und
Aufregung, die nun wieder auf eine Akme getrieben wird schlim¬
mer als je vorher. Zum Glück bin ich körperlich wieder all right.
Sollte ich nach Barmen gehn, so wird es sich wahrscheinlich so
machen, daß ich wieder einen Tag in London auf der Hinreise zu- 23
bringen muß, dann sehe ich Dich.
Viele Grüße.
Dein F. E.
667. Marx an Engels; 1860 Mai 28.
28. Mai 1860. 30
Lieber Engels,
Einliegend von Lassalle. Schreibemir umgehend, was Du
denkst, daß ich ihm wegen dem Fischel schreiben soll.
Auf seinen Vorschlag wegen Berlin laß ich mich nicht ein.
Von Lommel noch nichts. 3s
Dein
K. M.
(668) 1860 Mai 31
487
668. Engels an Marx; 1860 Mai 31.
Manchester, 31. Mai 1860.
Lieber Mohr,
Hierbei Ephraim Gescheit zurück. Sein Plan Deinetwegen ist
« in der Tat verrückt. Du kannst ja über das in Köln Vorgegangne
auch gar nichts aussagen. Indes wäre Ephraim doch zu brauchen
bei der Sache, er hat wenigstens mehr pluck als die beteiligten alten
Weiber in Köln selber, die lieber alles über sich ergehen lassen.
Es wäre auch zu versuchen, ob nicht von Köln aus doch etwas zu
io machen.
Ad vocem Fischel wird man dem Narren wohl ziemlich reinen
Wein einschenken müssen und ihm einige Aufklärung darüber
geben müssen, wie weit das Wort „reaktionär“ ihm reine0 Phrase
geworden ist. Du kannst ihn auch gelegentlich wohl veranlassen,
is sich zu erklären, warum denn Er, Ephraim der Tiefe, eigentlich
mit uns und Fischel im „Antipalmerstonianismus“ übereinstimmt.
Ist so weit wenigstens nicht abzusehn. Der Berliner Privatkrakeel
zwischen L[assalle] und Flischel] kann uns nichts angehn, und
Ffischel] hat sich zu gut benommen, als daß wir ihn irgendwie
so fallen lassen dürften dem L [assalle] zulieb. Es wird freilich nicht
anders gehn, als dem Dunklen Herakleitos einige mysteriöse An¬
deutungen darüber zu geben, daß in auswärtiger Politik mit „Reak¬
tionär“ nichts gemacht ist und daß auf diesem Feld noch weit
größere „Esel“ als Fischel brauchbar sind, wenn sie wissen, wo
2s Barthel den Most holt. Was würde unser weitgreifender Revolu¬
tionsdenker und praktischer königlich preußischer Hofdemokrat
sich erst entsetzen, wenn er hört, daß Urquhart die Macht der
Krone vergrößern will. Übrigens ist ja auf diesem Separatgebiet
der foreign Policy eine so hübsche spekulative Trennung von der
39 inneren Politik möglich, daß Du Dir gewiß den Spaß machen
wirst, das Subjektiv-Reaktionäre als das in auswärtiger Politik
diesmal Objektiv-Revolutionäre ihm klarzumachen, worauf der
Mann Ruhe haben wird. Man gebe*diesem Mann einen Übergang,
und er wird theoretisch zufrieden sein, so sehr ihn unser Konnex
3s mit Fischel praktisch ärgern muß, um so mehr, da er weiß, daß er
meine Broschüre besorgt hat.
Du kannst dem Mann auch wohl bemerken, daß es sehr revo¬
lutionär gehandelt ist, erst den Deutschen ihren besten Grund und
Boden und ihre nationalen Existenzbedingungen unter den Füßen
49 wegzuziehn oder wegziehn zu lassen unter dem Vorwande, daß die
jetzigen Machthaber über diesen Grund und Boden Reaktionäre
sind, und dann auf Revolution zu rechnen. Auch etwas über den
*) Vor reine durchgestrichen eigentlich
Z. 17 (Der)-20.
26 (und . .. Hofdemokrat)
488
(668) 1860 Mai 31
Aberglauben an die revolutionäre Initiative der Crapauds wäre gut.
Das Ganze in gewohnter andeutungsvoller Weise, daß er vier
Wochen dran zu beißen hat, und der Fall wird erledigt durch ein
vier Bogen langes Manuskript, auf das Du wieder nicht antwortest.
Meine Herreise am Samstag sehr nützlich. Ich erfuhr gleich «
Sonntag allerhand für die Verhandlung Wichtiges und habe jetzt
den Kontraktsentwurf zum Studieren.
Grüße Frau und Kinder herzlich.
Siebel will fort.
Dein F. E. w
669. Marx an Engels; 1860 Juni 2.
2. Juni 1860.
Lieber Engels,
Ich habe an Itzig about zehn Seiten geschrieben, davon acht
über den Kölner Prozeß, zwei über Fischel. Es wird mir schwer «
genug, da ich noch immer nicht auf dem Strumpf und beständig
mediziniere.
Sehr widerlich ist, daß Lommel mir die Versendung des Pakets
per Eisenbahn seit mehren Tagen angezeigt. Es müßte längst hier
sein. w
Fischel schreibt mir, daß ein gewisser Abel in Berlin der Kor¬
respondent des Daily Telegraph.
Von Schily Brief erhalten. Daraus ersehe ich, daß Siebel ihm
die Ankunft Deiner Pamphlete in Mandiester angezeigt. Das
Exemplar für Schily muß ich durch Rheinländer besorgen. Ich w
muß auch ein Exemplar haben zur Benutzung für meine eigne
Broschüre.
Könntest Du mir bis Mittwoch etwas Kurzes über die Gari-
baldische Affäre für die Tribune zurechtschreiben? Wenn
das nicht geht, bisFreitag? w
Salut.
Dein K. M.
Apropos! Aus Schilys Brief geht hervor, daß Moses ° zugleich
Korrespondent der Espérance ist (und so bonapartistisch, daß
ihm sogar ein Franzos die Freundschaft auf gekündigt) und w
zugleich der Augsb[urger] Allgemeinen] Zeitung.
i) Hess
Z. 2—4.
18-20.
23-27.
(670) 1860 Juni 14
489
670. Marx an Engels; 1860 Juni 14.
14. Juni 1860.
Lieber Engels,
Kannst Du mir einiges Geld bis Montag schicken? Idi habe
s zusammen in der Prozeß- und Vogtgeschichte about 13 £ bis jetzt
ausgelegt und mein Unwohlsein hatte seit drei Wochen jede Kor¬
respondenz verhindert.
Siebel gestern abgereist.
Besten Dank für Dein Porträt.
io Ich habe Dir politisch sehr Wichtiges mitzuteilen (mor¬
gen). Ein Besuch, der unten auf mich wartet, erlaubt nicht mehr
für heut.
Dein K. M.
671. Marx an Engels; 1860 Juni 16.
« 16 June 1860.
Lieber Frederick,
Die 10 richtig empfangen. Best thanks.
Das Porträt ist famos. Du sollst ein ähnliches von mir haben.
Die Sachen von Lommel noch nicht hier. Auf seine Reklamation
w hieß es, solche Pakete (er hatte es aus Ökonomie par petite
vitesse geschickt) brauchten immer mehrere Wochen.
Folgendes Auszug aus Lommels letztem Brief :
„Sie werden die Atugsburger] Allgemeine] Z[eitung] vom
8. Jimi gelesen haben. Die dortige Berner Korrespondenz, mut-
25 maßlich von Tschamer, Mitredakteur des ,Bund‘, läßt eine De¬
nunziation der Vogtianer bei ihrem Herm und Meister in Paris,
und mittelbar von da bei der eidgenössischen Behörde in Bem, so¬
wie an deutschen Fürstenhöfen durch die Zeilen lesen. Es ist das
wieder auf gewärmte Verschwörungsmärchen, die deutschen Dema-
so gogen, welche Frankreich und Deutschland aneinander zu hetzen
suchen, um die Zentralrepublik zu ermöglichen. In eidgenössischen
Kreisen . . . sowie in Genf . . . verfängt nun die Vogtsche Intrige
keineswegs; jedoch scheint sie auf den beschränkten deutschen
Fürsten verstand nicht ohne Einwirkung geblieben zu sein ... dieser
35 von Badinguet vorgehaltne Verschwörungsspuk soll sogar die
furchtsamen Leute bestimmt haben, demselben in Baden-Baden die
heißersehnte Audienz zu geben. Die Allgemeine^ hat seit vierzehn
Tagen die pikantesten Notizen, die ich ihr aus Savoyen und Turin
l) Augsburger Allgemeine Zeitung
Nr. 670.
490
(671) 1860 Juni 16
zusandte, schweigend beiseite gelegt, und der vor zehn Tagen hier¬
her zurückgekehrte Vogt hat gegen einen Arbeiter geäußert, den
Burschen, die in deutsche Blätter schmierten, werde das Handwerk
baldn gelegt werden, und man werde nächstens noch mehr Un¬
erwartetes vernehmen.“ «
Von About ist jetzt zu Paris ein Pamphlet erschienen: „Na¬
poléon III. et la Prusse.“ Erstens soft sawder für Deutschland. In
Frankreich seien wie household words alle seine großen Männer
bekannt, wie „Goethe, Schiller, Humboldt, Vogt, Beethoven,
Heine, Liebig etc.“ Frankreich ganz uneigennützig, obgleich man w
es beständig pqpvoziere. Dann Kohl über deutsche Einheit, durch
Frankreichs Hülfe herbeizuführen. Dann sehr oberflächliche Kri¬
tik der jetzigen preußischen Zustände. (Auch die Niegolewski-
geschichte ausführlich erwähnt!) Die einzige Rettung ist, sich
gegen Ostreichs Feudalismus an Frankreichs „demokratisches
Prinzip“ anzuschließen. Dies demokratische Prinzip besteht näm¬
lich in der Gründung der fürstlichen Diktatur auf dem „suffrage
universel“. Satis superque!
Aber sehr gut, daß die königlich preußische Hofdemokratie
jetzt in böse Klemme gerät, hoffentlich auch der Prinzregent bald *
hinreichend sich kompromittiert haben wird.
Salut.
Dein K. M.
672. Engels an Marx; 1860 Juni 20.
20. Juni 1860. a
Lieber Mohr,
Amicus Lommel scheint mir doch to draw radier largely on his
imagination, wenn er den bonapartistischen Denunziationen die
Hauptrolle bei der Baden-Badener Geschichte zuschreibt. Daß aber
was hinter der Geschichte ist und daß Vogt — Bonaparte und Co. 30
dies Manöver auch spielen lassen, ist gewiß ganz richtig.
Sehr schön ist es, daß jetzt die kleindeutsche Nationalvereinlerei
in der Aboutschen Broschüre gradezu als im Interesse des Bona-
partismus gelegen därgestellt wird. Unser Freund Itzig wird jetzt
wohl bald eine Schwenkung machen ; auf dies Pamphlet hin werden 33
die Herren sich entweder als Bonapartisten entpuppen oder mit
ihrem preußischen Deutschland in große Verlegenheit geraten.
Durch einen Zufall sind mir die altdänischen Kjämpe-Viser in
die Hände gefallen, stellenweise sehr schöne Sachen bei viel
Schund. Hier ein von Uhland übersetztes.
l) bald von Marx hinzugefügt.
(672) 1860 Juni 20
491
Herr Oluf han rider saa vide
Alt for hans bröllup at byde.
Men dandsen den gaaer saa let gjennem.
Der dandse fire, der dandse fern,
« Ellerkongens datter1* rekker Haanden frem.
Velkommen, Herr Oluf, lad blive din fig
Bi lidet, og träd her i dandsen med mig.
Jeg ikke tör, jeg ikke maa,
Jmorgen skal mit bröllup staa.
io Hör du, Herr’* Oluf, träd dandsen med mig,
To bukkeskinds stövle de giver jeg dig.
To bukkeskinds stövle, sider vel om been,
Forgyldene spore derom spend.
Jeg ikke tör, jeg ikke maa, imorgen etc.
is Hör du, Herr Oluf, träd dandsen med mig,
En silke skjorte giver jeg dig.
En silke skjorte hviid og fiin
Den blegte min moder veg maaneskin.
Jeg ikke tor, jeg ikke maa etc.
io Hör du, Herr Oluf, träd dandsen med mig,
Et hoved af guld det giver jeg dig.
Et hoved af guld maa jeg vel faa,
Men dandsen med dig tör jeg saa.
Og vil du ikke dandsen med8) mig,
ts Sot og sygdon följe dig.
Hun slog honom mellem sine Härde,
Aldrig var han slagen rärre.
Hun löfte honom4* paa sin genger röd,
Og riid nu hjem til din fästemö.
*) Bei Engels: daatter
’) Bei Engels: Her
Bei Engels: met
4) Bei Engels*, hannem
Z. 1—29 —
492
(672) 1860 Juni 20
Der han kom til borgeleed,
Hans moder staar og hviler ved.
Hör du, Herr Oluf, kjär sonnen min
Hvor bär du nu saa bieg en kind?
Jeg maa vel bare kinden bieg, s
Jeg saa väret i Elle konens leg.
Hör du, Herr Oluf, min sön saa grud,
Hvad skal jeg svare din unge brud?
I skal sige, jeg er udi lunden,
Aat pröve min Hest og saa mine hunde. io
Aarle om morgen, dag det var,
Der kom den brud med brudeskar.
De skjänkte mjöd, de skjante viin ;
Hvor er, Herr Oluf, brudgom min?
Han er gangen udi lunden 1S
At pröve sin Hest og saa sine Hunde.
Hun tog det skarlagen röd,
Der laae Herr Oluf of var död.
Mir gefällt dies viel besser als die zu sehr geglättete Uhlandsche
Übersetzung. Ein anderes von „Herr Jon“ ist aber noch viel
to
schöner.
Dein F. E.
673. Marx an Engels; 1860 Juni 25.
25. Juli*) 1860.
Dear Frederick, ts
Ich bin noch immer, wie der rote Wolff das nannte, „sehr lei¬
dend“, obgleich ich seit ungefähr einer Woche aufgehört habe zu
medizinieren. Ich mache indes jeden Tag auf Allens Befehl
„Zwangsmärsche“ und werde wohl endlich im Lauf dieser Woche
wieder auf den Strumpf kommen. 30
Lina bei uns auf „Ferien“. Wird about einen Monat hier blei¬
ben. Von Siebel noch nichts gehört.
Es wäre mir lieb, wenn Du bis Freitag oder Sonnabend einen
Artikel für die „Tribune“, entweder über die defences of England
*) Irrtümlich für Juni
Z. - 1-18.
31-32.
(673) 1860 Joni 25
493
oder Garibaldi oder den indischen trade1^ Seit Wilson the Indian
Chancellor of the Exchequer bringt der elende Economist
fast nichts über Indien. Vergiß auch nicht (obgleich für diese
Woche noch nicht nötig), mir about eine Quartseite oder so über
£ die militärische Bedeutung Böhmens für Deutschland oder
vielmehr für Rußland, dem Vogt es abtreten will, zu schreiben.
Apropos!
„Pro domo und pro patria gegen Karl Vogt von Jakob Venedey.
Hannover 1860“ (40 Seiten) soeben erhalten. Vom Standpunkt
io dieses Burschen aus nicht ganz schlecht. Enthält einige facts über
Vogts Feigheit.
Die auf uns bezüglichen Stellen von Jakob sind folgende.
Ein Freund schreibt freundlichst:
„Es ist schändlich, daß dieser Vogt auch Venedey mit in seinem
u Triumph über die Augsburger Zeitung und die ,Schwefelbande4
herumschleppt.“ (p. 4.)
„Pro domo nur ein paar Worte. Sollte Karl Vogt vergessen
haben, daß alle die abgestandenen, schalen Bissen, die er seinen
Lesern in seiner ,Erklärung4 gegen midi auftischt — der ,edle
to Jakob4, das »blonde Gemüt4, die ,Reichsträne4 und wie sie sonst
heißen —, vor zehn Jahren in der rheinischen Zeitung von Marx,
Engels und Kompanie frisch und duftig, mit geistreichen Ge¬
würzen gepfeffert, aufgetischt worden sind? Wäre es nötig, daran
zu erinnern, daß diese ,schmutzige Bande einiger hämischen Ge-
ts seilen in London4, wie Vogt sie nennt, in demselben Artikel : ,Der
Reichsregent4, der der Augsburgerin als Ausgangspunkt zu ihrer
Anklage gegen Vogt diente, vollkommen in dem Tone der Vogt-
schen ,Erklärung4 gegen mich zu Felde zieht. Gleichwohl sah
Karl Vogt sich dadurch nicht verhindert, mich anzuklagen, daß ich
3o meine »Verleumdungen4 gegen ihn bei den Herm Marx, Engels
und Kompanie entlehnt habe. Vogt weiß es, daß er in seinem
Hohne gegen mich nur ihr Nachbeter ist.“ (S. 7.)
„Diese Schrift Vogts über seinen Prozeß hat ganz das Ansehn
eines Siegeszugs. Und in der Tat hat Karl Vogt, freilich ohne da-
m durch selbst gerechtfertigter zu erscheinen, die A[ugsburger] A [11-
gemeine] und auch die »Londoner Schwefelbande4 gehörig zer¬
zaust nach London3) geschickt.“ (p. 6.)
Voilà tout.
Salut.
3o Dein K. M.
[Auf der Adreßseite]
Fred. Engels, 7, Southgate, St. Marys, Manchester.
9 schicktest oder schriebst
2) Bei Venedey kursiv
*) Bei Venedey: nach Hause
494
(674) 1860 Juni 25
674. Engels an Marx; [1860 Juni 25].
Lieber Mohr,
Hast Du die Kölnische Zeitung von Donnerstag oder Freitag ge¬
lesen „Vermischte Nachrichten“, wie Itzig es wieder fer¬
tig gebracht hat, sich aus dem Viktoria Theater herauswerfen zu s
lassen?
Der Kerl wird sich noch einen Menschen halten, der ihm jedes
Jahr einmal eine Ohrfeige gibt, damit die Leute von ihm sprechen,
wenn seine eigne jüdische Unverschämtheit es nicht mehr fertig
bringt. Inzwischen bewahrt er ein brillantes Talent zum Durch- io
gekeiltwerden und Herausgeschmissenwerden.
Viele Grüße an die family.
Dein F. E.
675. Marx an Engels; 1860 Juni 26.
26. Juni 1860. u
Lieber Frederick,
Von litzigs Abenteuer nichts gelesen.
Aus dem einliegenden Brief Webers siehst Du die Gemeinheit
der preußischen Hunde. Von dem Kammeigericht ist nun wohl
auch nichts zu erwarten. so
Welche famose Jurisprudenz! Erst wird mir die „Verleum¬
dungsklage“ untersagt, weil sie nicht im preußischen Regierungs¬
interesse liegt. Und dann wird der „Injurienklage“ nicht erlaubt,
öffentlich vorzugehn, weil „kein Tatbestand“ vorliege. Es wird
förmlich „plädiert“ für die „Nationalzeitung“. ss
Wie liberal zeigte sich dagegen Bayern mit Bezug auf Vogt. Es
ist dies „preußischer Fortschritt“.
Laß den Heckscher wieder eine kurze Notiz in die „Reform“
bringen. Es muß wenigstens das preußische Verfahren öffentlich
bekannt werden. 30
Aus den Beweisstücken, die ich dem Weber geschickt und die
Weber seiner Anklagschrift beigelegt, ersah das Hundepack, daß
die Nationalzeitung verurteilt werden müßte, wenn der
Sache erlaubt würde, „vorzukommen“. Daher alle diese schlechten
Schikanen. 35
Salut.
Dein K. M.
N. 674.
Z. 17.
26-30.
(676) 1860 Juni 26
495
676. Engels an Marx; 1860 Juni 26.
Manchester, 7, Southgate, 26. Juni 1860.
Lieber Mohr,
Ob ich den Artikel machen kann, ist sehr unsicher, auf morgen
s oder übermorgen hat sich mein Schwager, der grade in London ist,
angesagt.
Rechne also nicht zu fest darauf. Ich könnte höchstens über
Garibaldis Chancen auf dem Festlande spekulieren, über den in¬
dischen Handel weiß ich zu wenig für einen Artikel.
io Dein F. E.
677. Engels an Marx; [1860 Juni 27].
Lieber Mohr,
Schicke Inliegendes zurück, ich werde dem Stiebel] sogleich
zwei Zeilen über die Geschichte in Berlin machen und sie ihm mit
is meiner Antwort zur weiteren Besorgung zuschicken. Ebenfalls an
Heckscher.
Böhmen werde ich sehen heute noch zu machen. Es ist gleich
8 Uhr, und ich bin noch auf dem Comptoir. Ob ich morgen etwas
über Garib[aldi] machen kann, weiß ich noch nicht; 1. kein Ma-
« terial, 2. mein Schwager. Enfin das Mögliche soll geschehn.
Itzig also zusammen mit Vogt vor dem Publikum und im ge¬
heimen unser Alliierter. Cela n’est pas mal. Schreibe gleich an
Meißner.
Dein F. E.
678. Marx an Engels; 1860 Juni 28.
28. Juni 1860.
Lieber Frederick,
Einliegend das Inclusive zurück. An Meißner werde ich
schreiben.
» Den Witz mit Lassalle wußte ich schon gestern, da die N a -
tionalzeitung einen sehr belobenden leader hatte über die
vorzüglichen „Studien“.
Was sagst Du zu der Infamie der preußischen Regierung?
Salut.
io Dein K. M.
Nr. 676.
z. 13-16.
496
(678) 1860 Juni 28
Übrigens mußt Du jetzt überall mit Deinem Namen heraus¬
rücken. Es war von vornherein nachteilig, daß die Sadie anonym
erschien.
679. Engels an Marx; [1860 Juni ca. 29].
Lieber Mohr, «
Inliegend ein Artikel über die rifle Parade; dies Hema fiel mir
in der letzten Verzweiflung noch ein. Sieh ihn tüchtig durch, ich
habe die Zeit nicht dazu.
Die Herren Preußen haben jetzt wirklich „eine schöne Manier“.
Da der Prozeß gegen die National]-Zeitung nur dazu dienen
könnte, einen schneidenden Mißton in die allgemeine konstitutio¬
nelle Harmonie zu bringen, so muß die Sache um jeden Preis ver¬
hindert werden. Man influenziert die Richter, „die es noch in Ber¬
lin gibt“, und ich bin fest überzeugt, auch Herr Weber ist be-
influenziert worden. Der ganze Stil der Briefe beweist mir das. Um u
so rascher muß es nun mit der Broschüre gehn, damit den edlen
Preußen doch bewiesen wird, daß sie die Sachen nicht unter¬
drücken können. Diese Saukerls. Sollten sie vielleicht deshalb im
stillen so liberal gegen mich getan haben, um desto gemeiner gegen
Dich auftreten zu können? 20
Böhmen mach’ ich womöglich noch heut abend. Übrigens mußt
Du die Broschüre, so schwer es jetzt sein mag, absolut so ein¬
richten, daß die Preußen sie nicht verbieten können. Und vor allen
Dingen rasch, da wahrscheinlich doch die nächste Zeit bis 1861 die
Friedensduselei zur Herrschaft kommen wird und damit das 2«
Interesse an dem Vaterlandsverrat abstumpft. Sei doch einmal
wenigstens etwas oberflächlich, um zur rechten Zeit zu kommen.
Das Paket von Lommel da?
Lupus geht nächste Woche vier Wochen in die Ferien nach Ir¬
land etc. etc. so
680. Marx an Engels; [1860] Juli 9.
9. Juli.
Lieber Frederick,
Mit Meißner scheint mir die Sache bedenklich, da er direkt mit
Vogt et Konsorten alliiert ist. Wenigstens schicke ich ihm kein w
Manuskript, wenn er nicht vorher Kontrakt schließt.
Über Böhmen? Ich muß das jetzt haben; es hält mich
sonst auf. Ja ohnehin nur kurz.
z.9-20?
ss— 35.
(680) 1860 Juli 9
497
Ebenso wünschte ich, daß Du in ein paar Sätzen den militäri¬
schen Blödsinn auseinandersetztest, der in folgenden Äußerungen
Falstaffs Vogt:
1. Dieser Mann, der so genau die Verhältnisse von „Kraft und
Stoff“ studiert, behauptet, daß die Vereinigten Donaufürstentümer
— in ihrer jetzigen Ausdehnung — als selbständiges
Königreich fähig, Rußland einen „Damm“ zu setzen, ja den Rus¬
sen, Ostreichem und Türken zu widerstehn.
2. Den Hauptbeweis für Badinguets Uneigennützigkeit und
io nichterobemde Politik sucht er daraus zu liefern, daß selber nach
dem „glorreichen“ Krimfeldzug sich weder „russisches“ noch
„türkisches“ Gebiet angeeignet habe.
Ich bin immer noch nicht recht auf dem Strumpf. Wenn einen
Tag besser, ist es den andern wieder schlechter.
w Salut.
Dein K. M.
Apropos! Idi habe (durch Vermittlung eines jungen English-
man namens Green) einen Brief von Garibaldi gesehn, worin die¬
ser sehr auf Bonaparte schimpft und hofft, schließlich noch das
so Schwert gegen ihn ziehn zu können.
681. Marx an Engels; [1860] Juli 17.
17. Juli.
Lieber Engels,
Das Paket von Lommel nach allerlei Abenteuern, die ich ein
25 andermal erzähle, muß nun heute oder morgen eintreffen, via Co¬
logne. Der Absendungszettel (Eisenbahn) von Genf ist bereits in
meiner Hand.
Vor ein paar Tagen erhielt ich Brief von Eccarius, worin er
mir schrieb, das Schneidern sei nun am Ende, i. e. sein körper-
3o licher Zustand erlaube ihm nicht, damit fortzufahren. Der Arzt
habe gesagt, er könne ihm nicht helfen. Luftverändrung usw. sei
nötig. Demzufolge habe ich denn ihm auf meine Kosten (of course
getrennt von seiner family, die in der alten Wohnung bleibt) ein
Logis ganz in meiner Nähe gemietet; er erhält seine Mahlzeiten
35 ditto bei uns und hat nichts zu tun, als auf dem Heath herumzu¬
tummeln und einen Artikel die Woche an Weydlemeyer] zu
schicken, der ihm 3 Dollar per Artikel zahlt. Ich hoffe, er wird
durchkommen. Ich habe ebenso Portwein für ihn gekauft. Kann
aber damit nicht fortgehn, da schon die andern durch ihn ver-
40 ursachten Extraauslagen im gegenwärtigen Moment und bei großer
Ebbe unsrer0 Kasse lästig.
x) Im Orig, unsre
Marx-Engels-Geaamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 32
498
(681) 1860 Juli 17
Kannst Du nicht bald was über Garibaldi schreiben oder über
die preußische Regierung, die hinter dem Rücken der Kammern
ihre Armeereform durchgesetzt, oder ähnliches?
Daß Garibaldi den Farina zum Teufel gejagt, ist schön.
Salut. 5
Dein K. M.
682. Marx an Engels; [1860] Juli 21.
21. Juli.
Lieber Engels,
Montag abend wird Palmerston die Vorschläge über die forti- w
fications von England einbringen — diesen großen dodge. Es wäre
sehr gut, wenn Du bis Mittwoch (denn ich brauche erst am Mitt¬
woch von hier die Sadie fortzuschicken) mir darüber einen
kurzen Artikel für die Tribune liefern könntest.
Salut. w
Dein K. M.
683. Engels an Marx; [1860 Juli ca. 23].
Lieber Mohr,
Wenn irgend möglich, sollst Du den Artikel über die fortifica¬
tion haben, aber per erste Post kannst Du ihn keinenfalls be- 20
kommen.
Was hältst Du von Kinglakes révélations? Es wäre gar nicht
übel, wenn die grauße Graußmut des Prinzregenten in Baden-
Baden sich nur als ein pauvrer Abklatsch des Stücks von Villa-
franca darstellte und Franz Joseph der eigentliche „Edle“ wäre.
Übrigens scheinen die Herren Fürsten doch zu der Einsicht ge¬
kommen, daß es sich diesmal um ihre Köpfe handelt; sie werden
sie darum doch nicht retten.
Ich lese jetzt Ulloa, Guerre d’indépendance de l’Italie 1848/49.
Von allen militärischen Sudeleien, die mir (von Professional wri- w
ters) vorgekommen, ist diese die dümmste und liederlichste. Die
Kritik der reine Seidlbeutel, die facta entstellt oder nicht richtig
gewußt, stets lodderig durcheinander geworfen. Dieser Ulloa,
1848 neapolitanischer Artilleriekapitän, nennt sich, seitdem Plon-
Plon ihn unter seine Ägide genommen, „General“. Die Geheim- &
generäle pullulieren in dieser Bande. Übrigens, wenn man die
neapolitanischen Offiziere nach diesem Specimen beurteilen soll,
so sind sie wirklich lausig.
Nr. 682.
Z. 19-21.
(683) 1860 Juli ca. 23
499
Wenn Garibaldi nicht bald voran macht, so kann es ihm schlecht
gehn ; es sei denn, daß die Sache in Neapel marschiert, was nicht
danach aussieht. Vor Milazzo und Messina wird’s wohl noch einige
Überläuferei geben, aber für eine Expedition nach dem Kontinent
s können die Chancen sich verschlimmern. Die Flotte wird ihm kein
Hindernis in den Weg legen, sie will ja nicht gegen Italiener
kämpfen, aber in der neapolitanischen Armee scheint es doch
enragiertes Pack zu geben, die mit den Fremden sich wehren könn¬
ten, und G[aribaldil darf auch keine Niederlage erleben. Hätte
io er 10000 Mann zuverlässiger Leute, so wär’ er natürlich mit allem
in drei Tagen fertig. Er muß jetzt 5000—6000 haben, die Sizi¬
lianer natürlich ungerechnet.
Inliegend fünf Pfund, damit wirst Du den armen Eccarius wohl
wieder etwas voranbringen können.
is Dein F. E.
684. Marx an Engels; [1860] Juli 25.
25. Juli.
Lieber Engels,
Die 5 £ trafen ein. Ditto Artikel.
Den „Report“ über die Fortifications werde ich Dir schicken.
Hast Du Urquharts Jammerschrei darüber in der letzten Free
Press dd. July 4 gelesen. Willst Du englisch darüber schreiben,
was sehr zeitgemäß scheint, so hättest Du die Sache fertig herzu¬
schicken. Ich würde dann den Versuch bei den Buchhändlern
25 machen und im schlimmsten Falle die Sache in eine Revue
oder Wochenblatt unterbringen.
Die Äußerung des Kinglake war richtig, wie bewiesen durch
die abgeschmackte Form, worin der Moniteur seine Rede repro¬
duzierte.
m Salut.
Dein K. M.
685. Marx an Engels; [1860] Juli 29.
29. Juli.
Lieber Engels,
3s Du erhältst hier den definitiven Abweis des Kammergerichts.
Es wäre nutzlos, noch ans Obertribunal fortzugehn. Bloße Ver¬
mehrung der Kosten. Es ist jetzt dringend, daß ich dem Weber
seine 32 Taler 3 Silbergroschen 6 Pfennig schicke, damit der
32*
Z. 1—12.
500
(685) 1860 Juli 29
Bursche mir umgehend die Akten (seine Anklageschrif¬
ten eingerechnet) zuschickt. Ich brauche sie für die Broschüre,
die in acht bis zehn Tagen fertig sein wird zur Abschrift für meine
Frau (und die macht schnell).
Was nun zunächst tun (ich meine in den Zeitungen)? »
Ein ähnliches Rechtsverfahren (betrachte Dir z. B. den ver¬
bummelten Zeitungspolemikton im Kammergerichtserkenntnis) ist
mir noch nicht vorgekommen. Die preußischen Hunde bedürfen
der Prügel. Übrigens ist es gut, daß sie mir „Material“ geliefert.
Herm Vogts Verdächtigungen von wegen „Erpressungen“ etc. »
fand die feige Kammergerichtscanaille denn doch gut zurückzu¬
weisen.
Salut.
Dein K. M.
Eccarius, der jetzt schon in der dritten Woche ein paar Häuser is
neben uns einlogiert ist, befindet sich besser.
686. Engels an Marx; [1860] August l.0
Manchester, 7, Southgate, 1. August.
Lieber Mohr,
Inliegend 5, F/L 12 596, für die Kosten. Lupus hat mit »
Gewalt darauf bestanden, £ 4 davon zu tragen. Das also ist das
berühmte Kammergericht des Müllers von Sanssouci. Ich möchte
wissen, was es für Entscheidungen und Gründe gehabt hätte, wenn
statt Deiner ein preußischer Beamter so behandelt worden wäre.
Das Obertribunal in Bewegung zu setzen, würde ganz überflüs- »
sig sein ; vielleicht aber das Gutachten eines first rate preußischen
Lawyers einzuholen sein?
Aus der loddrigen Argumentation geht ganz deutlich hervor,
daß das Pack direkt vom Ministerium bearbeitet worden ist. Sie
wollen keinen Skandalprozeß haben, der die Duselharmonie des »
allgemeinen Ministerialismus stören könnte. Dazu würde ja auch
in der Nat [ional]-Zeitung Schleinitz mit verdonnert.
Die Einlagen hierbei zurück. Jetzt aber à tout prix voran mit
Broschüre und Verlagsanstalten! Nächste Woche mache ich Dir
wo möglich wieder etwas über Garibaldi. «
Du könntest bei der Tribune anfragen, ob sie eine Serie von vier
bis fünf Artikeln über rifled fire arms haben will, including all the
latest improvements — auf Spekulation mache ich das Ding nicht.
Dein F. E.
1 ) Der Brief ist mit Bleistift geschrieben.
(687) 1860 Aug. 4
501
687. Marx an Engels; [1860] August 4.
4. August.
Lieber Frederick,
Die £ 5 an den Weber geschickt.
3 Ich mache mit dem Pamphlet möglichst rasch voran.
Einiges Hindernis die Unmöglichkeit, an gewissen Tagen, wo mein
Zustand besonders „öklich“, zu schreiben.
Übrigens habe ich doch beschlossen, zum Obertribunal fortzu¬
gehn. Es sind jetzt Ferien. Eh das Obertribunal zu sitzen kommt,
io ist das Pamphlet heraus (mit meiner Kritik darin über die bis¬
herige preußische Prozedur). Ohne großen Skandal sollen die
Kerls nicht davonkommen.
Über Garibaldi schreib mir bis Mittwoch.
Salut.
is Dein K. M.
688. Frau Jenny Marx an Engels; [1860 August 14].
Lieber Herr Engels,
Der Mohr läßt Sie bitten, ihm doch wenn irgend möglich, bis
Freitag oder Sonnabend einen Artikel zu fabrizieren. Es sind leider
2o schon mehrere ausgefallen und der heutige scheint mir noch pro¬
blematisch. Any thing will do. Vielleicht etwas Gekohle über den
Angriff auf Venedig oder dergl.
Ich hoffe diese Woche noch mit der Abschrift der Broschüre
zu beginnen. Das Ding schleppt sich so in die Länge, und mir
25 scheint, als ob Karl die Sache zu gründlich mache.
Die „Analyse des Techowschen Briefs“ habe ich höllisch auf
dem Strich; da scheint mir der Haken zu liegen. Alles andre rutscht
besser.
Von Schily und Becker kommen täglich neue Aktenstöße an,
3o die mit in das Ding verarbeitet werden. Leider sind auch noch
keine Schritte wegen eines Buchhändlers geschehen. Doch soll alles
Geschäft noch diese Woche abgemacht werden. „Und wer’s nicht
glaubt, der irrt sich.“
Herzliche Grüße von den Mädchen und mir.
35 Ihre Jenny Marx.
Nr. 688.
502
(689) 1860 Aug. 15
689. Engels an Frau Jenny Marx; 1860 August 15.
Manchester, 15. August 1860.
Liebe Frau Marx,
Den Artikel werde ich machen, tant bien que mal, wenn es
irgend angeht. Heute schickt mir Siebel einen jungen Barmer auf *
den Pelz, so daß ich nichts machen kann, morgen indes denk’ ich
dazu zu kommen. Es ist übrigens unverantwortlich, daß der Mohr
mir nicht einmal auf meine Fragen wegen des Siebel antwortet, ich
habe nun schon zehnTage meinenBrief an diesen auf geschoben, und
er könnte mir doch wenigstens das schreiben, was ich dem Stiebel] 10
sagen soll. Daß wegen Verleger noch nichts getan, ist auch Unsinn,
nachher werden die Unterhandlungen wer weiß wie lange dauern,
dann der bekannte deutsche Schlendrian im Drucken, und wir
kommen so piano ma sano ins Jahr 1861 und niemand ist schuld
daran als der Herr Mohr selber mit seiner Gründlichkeit, und weil #
er weder selbst Schritte wegen Verleger tut, noch den Siebel in
Stand setzt, welche zu tun. Inzwischen geht der Tanz in ganz
Europa los, und das Publikum verliert alles Interesse daran, wer
denn eigentlich die Originalschwefelbande war, wie das Flugblatt
Zur Warnung entstanden ist und was an dem Techowschen Brief
erlogen ist und was nicht. Wir machen immer die famosesten
Sachen, aber wir sorgen stets dafür, daß sie nie zur rechten Zeit
kommen, und so fallen sie alle ins Wasser.
Drei Bogen sofortige Antwort auf Vogt wären after all viel
mehr wert gewesen als alles, was seitdem geschehen ist. Treiben
Sie doch, was Sie können, daß etwas wegen Verleger, aber
gleich, geschieht, und die Broschüre endlich fertig wird. Wir
ruinieren uns sonst alle Chancen und bekommen schließlich gar
keinen Verleger.
Jetzt aber etwas Komisches, aber es ist ein großes Geheimnis
und darf nicht aus No. 9 Grafton Terrace heraus. Denken Sie sich,
dieser lächerliche Siebel kommt nach Barmen, verliebt sich bis
über die Ohren in ein Philistermädchen1), verlobt sich mit ihr und
denkt nächstens zu heiraten und sich häuslich in Barmen nieder¬
zulassen. Dies greenhom. Er schämt sich vor mir und weiß nicht,
daß ich es weiß, er hat es hierher einem andern unterm Siegel etc.
geschrieben. Das wird eine heitere Ehe werden, wenn sich die Ge¬
schichte nicht wieder zerschlägt.
Grüßen Sie den Mohr und die young ladies herzlich.
Ihr F. Engels. 40
9 Reinhilde von Hurter
Nr. 689.
(690) J860 Aug. 27
503
690. Marx an Engels; 1860 August 27.
27. August 1860.
Lieber Engels,
Mein langes Schweigen erkläre Dir aus meinem beständigen,
5 scheußlichen Leberzustand, so daß ich alle freien Momente zur
Arbeit benutzen muß.
An Siebel habe ich vor about zehn Tagen wegen Buchhändler
geschrieben und erwarte Antwort. Die lange Verzögerung teils
wegen meiner relativen Arbeitsunfähigkeit, teils weil ich erst seit
io kurzem alles zugängliche Material hatte. Ich glaube übrigens, daß
mit Ausnahme der italienischen Affaire (Ostreichs Interventions¬
gelüste waren eine bonapartistische Erfindung) nichts mehr in die¬
sem Jahre geschehn wird (Schreibe something über Garibaldi. Was
sagst Du von Bangyas Freund Türr?) und ein Zwischenzustand ein-
15 tritt, worin solche Broschüre noch lesbar.
Einliegender Brief Schilys wird Dich sehr amüsieren. Schicke
ihn zurück. Ich habe Schily Dein „Nizza, Savoyen, etc/6 heute
überschickt.
Dr. Zimmermann (ehmaliger preußischer Stadtgerichtsdirek-
20 tor) habe ich schriftlich auf den Prozeß bezügliche Fragen schon
vor about zwei Wochen vorgelegt (Formfragen). Er fand es jedoch
nötig, sich selbst mit Zunftverwandten in Berlin darüber zu ver¬
nehmen. Seine schriftliche Konsulation erhalte ich wohl im Laufe
dieser Woche. Die Preußen sollen mir nicht so wohlfeil davon-
25 kommen.
Ich befinde midi in großer Geldklemme.
Herm Weydemeyers Journal^ schon wieder am Ende: d.h.
er ist von der Redaktion abgetreten und will nach New York als
surveyer. Sein Kollege2) dagegen wird das Blatt rentierbar machen,
30 indem er es an eine politische Partei verkauft. Weydemeyer
sieht jetzt endlich ein, daß er zu ehrlich für amerikanischen Jour¬
nalismus.
Salut.
Dem K. M.
35 Wie steht’s Geschäft in Manchester? Indien? Home-market?
691. Marx an Engels; 1860 August 29.
29. August 1860.
Lieber Engels,
Ist die Geschichte mit dem Schneider in Manchester wegen des
4o Eccarius noch offen? Dann muß er hier fort, da er wieder arbeits¬
O „Stimme des Volkes“ *) Standau,
Nr. 690.
504
(691) 1860 Aug. 29
fähig (er wohnt noch hier draußen), das Geschäft in London aber
schlecht geht und er außerdem wieder in den Stinkstank müßte.
Die Geldmittel, um ihn mit family herüberzuschaffen, werden
hier beschafft.
In bezug auf ihn muß ich, zu Deiner Berücksichtigung, be- «
merken: ich glaube, er leidet an einem Rückenmarkübel °. Seine
Frau ist ein widerliches Mensch, komisches Gemüt von respek¬
tablen Ansprüchen (Churchwarden’s daughter) und Irländertum.
Ihre Wirtschaft ist liederlich. Er selbst hat passive Energie, gar
keine aktive, namentlich seit die Krankheit um sich gegriffen. Es io
ist daher nötig, daß er von vornherein in Mandiester nicht ver¬
wöhnt wird, wenn er hinkommt. Er bedarf der Daumenschrauben
von außen namentlich, damit sie sich keine Illusionen macht.
Über den Garibaldi muß ich bald etwas haben. Es ist das ein¬
zige, was die Yankees interessiert. w
Einen Brief habe ich heute von meinem Berliner Advokaten
erhalten, worin er mir seine Beschwerdeschrift beim Obertribunal
mitteilt. Du erhältst sie später. Den Punkt wegen des Flugblatts
und Blinds hat er selbst nicht richtig verstanden; andres dagegen
ganz gut auf gefaßt.
Salut.
Dein K. M.
692. Marx an Engels; 1860 September 1.
1. September 1860.
Lieber Engels, zs
Einliegend ein Brief von Weydemeyer.
Zweitens ein Brief von meinem Advokaten. Letztern mußt Du
mir zurückschicken. Der Kerl hat offenbar den Punkt mit dem
Flugblatt nicht verstanden und würde ich ihm neue Information
darüber geben, falls, was nicht wahrscheinlich, das Obertribunal 30
die Sache zur wirklichen Verhandlung wieder vor das Stadtgericht
verweisen sollte. Es ist dies eine Schönheit der preußischen Juris¬
prudenz. Ich bin jetzt durch fünf provisorische Instanzen gegangen,
ob „die bureaukratische Erlaubnis“ erteilt wird, den Prozeß wirk¬
lich zu führen. So etwas kommt nur im „Lichtstaat“ Preußen vor. 33
Es ist jetzt drei Uhr. Ich glaube daher nicht, daß Dein Gari¬
baldi-Artikel noch eintreffen wird. Ich würde Dich nicht so bother
mit dem Zeug. Aber sonst, während der Wahlen, lesen die Yankees
nichts über auswärtige Politik save die melodramatischen Ereig¬
nisse in Italien. Außerdem höchstens noch Artikel über harvest «
1 ) Im Orig. Rückenmarktsübel
Z. 5-13.
Nr. 692.
(692) 1860 Sept 1 505
und trade und deren kann man natürlich anstandshalber nur einen
die Woche schreiben.
Dein K. M.
Der General der Mösin0 ist „Saulenheimer“l), den Abt zum
s General der „Bürstenheimer“ ernannt hat. Die Sendung er¬
halten (Donnerstag).
693. Marx an Engels; [1860 September ca. 8].
Lieber Frederick,
Es ist mir lieb, wenn Du mir die Guardians schickst.
io Den Empfang der 5 £ St. glaubte ich im letzten Brief angezeigt
zu haben. Einen aus Schottland datierten Brief von Gumpert er¬
halten. Nächstens mehr.
Salut.
Dein K. M.
is Von Siebel noch nichts gehört.
Die Wendung, die meiner Ansicht nach jetzt zunächst bevor¬
steht, ist Piemont contra Mazzini.
694. Marx an Engels; 1860 September 13.
13. September 1860.
to Lieber Engels,
Ich hoffe auf einen Artikel von Dir für Sonnabend. Wenn
irgend möglich.
Einliegend juristisches Gutachten auf die von mir gestellten
Fragen von Zimmermann. (Mir nächste Woche zurückzu-
25 schicken.)
Außerdem zur Erheitrung Kopie eines Briefs, den Eccarius mir
mitgeteilt.
Dein K. M.
695. Marx an Engels; 1860 September 15.
a« 15. September 1860.
Lieber Engels,
Thanks for the article.
Ich schicke Dir einliegend Eichhoffs Schrift, die Du aber nach
zwei bis drei Tagen mindestens unverletzt zurückschicken mußt.
*) Frau Sibylle Heß
2) Sauernheimer
Nr. 692.
Nr. 694.
506
(695) 1890 Sept. 15
Sie gehört nicht mir. Der Wisch war kaum erschienen, als
er in Berlin konfisziert ward. Das Exemplar ist das einzig in Lon¬
don vorrätige. Die Abteilung II, über Patzke etc., so schlecht ge¬
schrieben, ist zum Totlachen. Außerdem siehst Du, wie es mit den
Saugerichten in Berlin steht. Hundepresse in Berlin, die ihren «
ganzen liberalen Löwenmut an Bombalino ausspritzt, so daß ihr
nichts übrigbleibt für ihren Patzke, ihre Gerichte und ihren höchst
lausigen Prinzregenten.
Der Garibaldi ist eine wahre Rettung. Otherwise würde Bona¬
parte wieder popularisiert und gehalten werden durch heilige Al- w
lianz Rußland-Preußen-Östreich.
Unser sanfter Heinrich Bürgers — doch das wirst Du aus der
einliegenden Epistel Lassalles (auch zurückzuschicken) ersehn —
ist zum Prinzregenten übergelaufen. Lassalle schrieb mir zuerst,
von Aachen, wo er Bäder gegen die Gicht braucht. Er sagt u. a.,
daß in Köln und Düsseldorf, wo die Arbeitervereine unter zwei
uns unbekannten jungen Advokaten^ reorganisiert sind, eifrig
meine Schrift gegen Vogt erwartet wird. Dieselbe Nachricht
brachte Borkheim aus der Schweiz. Ich schrieb dem tretenden Las¬
salle, daß keine Aussicht (und dies ist der Fall nach Siebels Brie- 20
fen) außer Druck in London, von wo Petsch das Geschäft in
Deutschland betreiben würde auf dem gewöhnlichen Weg (Leip¬
zig), nach dem Ausland aber direkt. Dazu sei Geld nötig.
Darauf der Brief des Burschen. So kömmt er aber nicht los. Ich
schreibe ihm heute wieder. Er muß als Sündengeld wenig-
stens 30 St. schaffen. Borkheim gibt 12 Damit wäre schon
größter Teil gedeckt. Einliegend Probe von Hirschfeld. Bogen
käme auf 4 ¥2 Geht aber auch so viel drauf wie auf zwei ge¬
wöhnliche Bogen. Sieh von dem unendlichen Brief Llassalle]s auf
die letzten Seiten des Schlusses, wo er mir große Elogen über die
Ökonomie macht. Er scheint vieles Ökonomische — dies geht mir
klar aus seinen Phrasen hervor — nicht verstanden zu haben.
Salut.
Dein K. M.
Apropos!
Die „Neue Pr[eußische] Zfeitung]“ sagt, daß die „Demokra¬
tischen Studien“ (Walesrode, Bamberger, Lassalle, Vogt, Grün,
Oppenheim etc.) von acht natürlichen und zwei künstlichen Juden
geschrieben seien.
1) Dr. Bessel in Köln und Advokat Knorsch in Düsseldorf.
(696) 1860 Sept. 15
507
696. Engels an Marx; 1860 September 15.
Manchester, 15. September 1860.
Lieber Mohr.
Inliegend die Juristerei zurück. Morgen folgt der Brief von
s Jakob Wieseltier0 und der Eichhoff, den Gumpert noch liest. Der
Brief unsres Wieseltiers hat mich sehr erheitert oder vielmehr
meine Lippe zum Lächeln gewölbt, das ist immer eine famose Me¬
dizin für Deine Leber. Die Sachen über die preußische Regierung
sind ganz interessant; aber am besten ist, daß der Kerl die Vor-
io Stellung hat, jetzt würden wir ihm doch wohl in der italienischen
Frage rechtgeben!!! Jetzt, wo Cavour durch die revolutionäre
Partei in Italien selbst direkt angegriffen und bedroht wird. Das
ist naiv. Jetzt, wo Garibfaldi] den B[onaparte] in Rom angreifen
wird, sollen wir zugeben, daß wir im Frühjahr d. J. hätten mit
is Cavour und Bonaparte gehn sollen und — qui sait? — jetzt noch
vielleicht mit ihnen gehn! Über die Gegenwart ist Herr Wieseltier
freilich sehr zurückhaltend.
Der Druck Deiner Broschüre in London muß unter allen Um¬
ständen vermieden werden. Ich habe gleich noch einmal an Siebel
20 geschrieben. Erstens würde die Geschichte gleich, vielleicht schon
an der Grenze oder in Leipzig konfisziert, und zweitens, wenn dies
auch nicht geschähe, so würde die Verbreitung auch wieder so
hundemäßig schlecht ausfallen, daß niemand das Ding zu sehn
bekäme. Wir haben die Erfahrung mit der Emigrationsliteratur
25 nun schon hundertmal gemacht, immer dieselbe Effektlosigkeit,
stets Geld und Arbeit in den Dreck geworfen und den Ärger dazu.
Dazu, wo soll das Geld alle herkommen? Nach Deinem Brief
müssen über £ 50--60 dazu nötig sein, und Lassalle schafft
die 30^ sicher nicht. Übrigens muß das Ding auch so gehalten
3o sein, daß es in Deutschland gedruckt werden und zirkulieren kann;
was kann uns eine Antwort an Vogt nützen, die niemand zu sehen
bekommt? Auch sehe ich absolut nicht ein, warum hier konfiszier-
licher Inhalt nötig sein soll. Selbst mit den jetzigen Preßzuständen
kannst Du immer so viel sagen, daß die Preußen sich totärgem,
35 und das ist doch immer besser als eine Satisfaktion in partibus, die
nicht ins Publikum dringt und die Du Dir sozusagen bloß privatim
machst.
Vor ca. drei Wochen schrieb ich einen Artikel an die Allge¬
meine Militärzeitung in Darmstadt über das Riflemovement und
m sagte den Kerls im Begleitbrief, daß ich in Baden die Kampagne
auf Seiten der Insurgenten mitgemacht, weil ich bei diesen offi¬
ziellen Militärs nicht under false colours segeln durfte. Sie haben
den Artikel aber richtig abgedruckt, und er ist jetzt auch hier eng-
1) Lassalle
508
(696) 1860 Sept. 15
lisch erschienen. Ich schicke ihn Dir womöglich noch heut abend ;
ich brauche ihn nicht zurück, da ich mein eignes Exemplar in acht
Tagen bekommen werde. Diese Verbindung ist mir für militärische
Sachen sehr viel wert.
Die Geschichte mit der heiligen Allianz ist sehr fatal und hilft 5
dem Bonaparte in Frankreich enorm. Der Zwischenfall mit Gari¬
baldi ist die einzige Rettung. Indes bin ich begierig, was das
liberale Philisterium in Preußen dazu sagen wird, daß es wieder
unter Rußland kommt. Solche Saublätter übrigens wie die Berliner
gibt’s auf der Welt nicht; sie scheinen auch dem Wieseltier zuletzt io
zu arg geworden zu sein. Idi sage Dir, es ist unmöglich, die Na¬
tional]- und Volkszeitung auch nur in die Hand zu nehmen, die
langweilige Köhlerei und klugschisserige Fadaise stinkt einem
schon tausend Schritt weit entgegen.
Auch Herr Miquel hat auf dem National verein gepaukt in is
echter nationalvereinlicher Weisheit. Heinrich aber hat endlich
seinen Standpunkt gefunden.
Grüße Deine Frau und Kinder.
Dein F. E.
697. Marx an Engels; [1860] September 20.
September 20.
Lieber Engels,
Du mußt mir umgehend Eichhoffs und L[assalle]s Brief zu¬
rückschicken.
Ich rechne für Sonnabend auf einen Artikel über Garibaldi, 25
Lamoriciere oder Chinese war.
Näheres schreibe ich Dir wahrscheinlich morgen.
In aller Eile.
Dein K. M.
Trotz großer Zerrüttung in meinen hiesigen Geldverhältnissen 30
habe ich Frau und Kinder auf eine Woche nach Hastings geschickt.
Länger sie da zu halten, erlauben die Mittel nicht. Leider hatten
sie fast immer Regen.
698. Marx an Engels; 1860 September 25.
25. September 1860. 35
Lieber Engels,
Gestern die Familie wieder glücklich arriviert.
In bezug auf einliegenden Brief Danas folgendes: Nach Deiner
Anwesenheit hier in London hatte ich Dana geschrieben, es sei mir
Nr. 697.
Z. 37.
(698) 1860 Sept. 25
509
lieber, wenn er den Artikel „Navy66 einem andern Mitarbeiter der
Cydopädie überweise. Ich erhielt seit der Zeit keine Antwort von
ihm und betrachtete die Sache als dropped, bis gestern der ein¬
liegende Brief einsprang. Wenn es Dir nun irgendwie möglich ist,
5 die Sache zu machen — noch so kurz und oberflächlich does not
matter—, so wäre das von der größten Wichtigkeit
für mich grade jetzt, weil ich gezwungen war, zu einiger
Luftschöpfung am 14. September einen Wechsel für zwei Monate
auf Dana (zwei Monate post datum zahlbar) vorzuziehn. Ich
io schrieb ihm dabei, mich auf seine alte Freundschaft berufend, da
dies sonst gegen die principles der Tribune. Mein Brief hat
sich nun mit dem seinigen gekreuzt. Also gilt es grade jetzt, ihn bei
Laune zu halten, abgesehn davon, daß er in dem Glauben bleiben
muß, wir könnten alles machen. Wenn also irgend möglich, so tust
16 Du mir den größtmöglichen Gefallen, wenn Du die Sadie machst.
Zehn Seiten war das von Dana vorgeschriebne Maximum. Fife do
also, wenn es nicht anders geht. Es handelt sich darum, überhaupt
etwas zu liefern.
How with Lamoricière?
so Was sagst Du von der Garibaldi-Situation?
Kossuth ist abgestunken durch Mazzinis Dazwischenkunft, er
war von Bonaparte geschickt. Gtaribaldi] sollte Rom beiseite
liegen lassen und direkt auf Venedig losgehn.
Nun ad vocem Vogt.
25 Die Sache wird hier gedruckt.
1. Geld. Ich habe nur 25^ zu zahlen. 12 von Borkheim,
8 hat Lassalle mir zugesagt. Bleiben 5. Die andern Druckkosten,
ditto Versendungskosten zahlt Buchhändler Petsch. Wir
sind sharers to equal parts im Profit, nach Abzug und Rückerstat-
3o tung der Kosten. Ich stellte nämlich dem Petsch dies jetzt als ein¬
zige Bedingung, unter der ich die Sache in London erscheinen
lassen würde.
2. Konfiszierbar ist die Sache nicht. Dies war Mi߬
verständnis von Lassalle. Idi schrieb ihm umgekehrt, sie sei
35 nicht konfiszierbar, könne aber in Berlin nicht erscheinen,
weil kein Buchhändler dort die Sachen wegen des Kommunisten¬
prozesses drucken würde.
3. Wir befinden uns nicht mehr in der Epoche 1850—1858.
Petsch hat seine Kommissionäre in Leipzig, Berlin und Hamburg.
io Die Sache wird also durch den ordentlichen Buchhändlerweg
in Deutschland betrieben. Nach Belgien, Schweiz und Amerika
besorgt Petsch sie direkt durch seine dortigen Kommissionäre,
womit viel Zeit gespart wird. Annoncen in Zeitungen, Buchhändler¬
anzeige etc. wird hier mit meiner Mitwirkung besorgt. Dem Siebel
45 werden wir 50 Exemplare zur Verteilung an Journale etc. zu¬
Z. 21-23.
510
(698) 1860 Sept. 25
schicken. Konfiskation halte ich für unmöglich. Vogt ist nicht
der Prinzregent, und Stieber ist offiziell in Ungnaden. Im Poli¬
tischen halte ich mich absichtlich en réserve.
4. Wir sparen Zeit, denn in Deutschland könnten wir noch Mo¬
nate umherlaufen; dann Zeit in der Korrektur etc. Es ist Petschs s
erster Verlag (neben einem Pamphlet Borkheims gegen About),
und er wird sich, schon in seinem eignen Interesse, alle mögliche
Mühe geben.
5. Wenn die Sache gut geht, was ich alle Ursache zu glauben
habe, wird Petsch Pamphlets, sei es von Dir oder mir, deutsch oder i«
englisch, herausgeben und dem Burken durch deutsche Buch¬
händler ein Ende gemacht. (Zwei Bogen schon gedruckt.)
Es scheint mir daher, daß diesmal die Not eine Tugend ist.
Qu’en pensez-vous? Ich glaube, daß „Po und Rhein“, ditto „Sa¬
voyen etc.“ viel mehr Lärm gemacht hätte, wenn es hier in London u
erschienen wäre.
Salut.
Dein K. M.
Apropos! „Ex-Reichs-Vogt“ schien Dir mit Rècht unpassender
Titel. „Karl Vogt“ scheint mir unpassend, weil ich nicht den 20
„Karl Marx“ hinter den „Karl Vogt“ setzen will. Also mein be¬
absichtigter Titel : „D â - D â - V o gt.“ Dâ-Dâ ist nämlich, wie ich
in dem Abschnitt zeige, der die Kritik von Vogts „Studien“ enthält,
ein arabischer Schriftsteller, der in Algier ganz so von Bonaparte
benutzt wird wie Vogt in Genf. Dâ-Dâ pützelt den Philister und 2e
ist komisch.
699. Engels an Marx; 1860 Oktober 1.
Manchester, 1. Oktober 1860.
Lieber Mohr,
Wohin ist denn Deine Familie verreist gewesen, wenn sie glück- w
lieh wieder da ist? Ich weiß von nichts. Wohl nach der seaside oder
aufs Land? und hoffentlich gut bekommen.
Navy kommt jetzt sehr ungelegen. Idi sitze tief im Dreck mit
den lawyers wegen der Geschäftsgeschichten — was das für Ver¬
schleppungen hier sind, davon hat man in Deutschland keine Idee, u
und jetzt müssen mir die Kerls grade für diese Woche mit einer
Masse Akten usw. auf den Pelz rücken. Indes will ich mein Bestes
tun, aber sehr rasch wird und kann’s nicht gehen, ich bin durchaus
nicht au fait.
Quant à Vogt: Ich muß sagen, Dein Titel gefällt mir gar nicht. «
Willst Du ihm einen Spitznamen geben, so muß es doch einer sein,
den man versteht, ohne das Buch gelesen zu haben, oder er darf
(699) 1860 Okt. 1
511
im Buch selbst erst vorkommen nach der erklärenden Stelle.
Ich glaube, je einfacher und ungesuchter der Titel ist, desto besser,
nur muß außer Vogt noch womöglich Bonaparte oder mindestens
Plon-Plon drin Vorkommen. Geniert Didi „Carl“ Vogt, so nenne
■s ihn Herr Vogt, obwohl ich nicht sehe, warum der „Carl“ nicht vor
dem „Karl“ stehn kann — darüber wird Dir niemand einen Witz
reißen.
Druck in London: Ich habe kein Zutrauen in einen Verlag, wo¬
bei wir das ganze oder halbe Geld zuschießen müssen. Inliegender
io Brief Siebels beweist Dir, daß er die Sadie noch lange nicht für
verloren gab, im Gegenteil, und daß er nur auf Instruktionen ge¬
wartet hat, um zu agieren (schick ihn zurück, er ist noch nicht be¬
antwortet). Idi habe das mit dem Druck im Auslande nun zu oft
angesehn, und ich fürchte, es geht diesmal wieder grade so. Wenn
ia Vogt eine Ausnahme macht (und doch war sein Ding in Frank¬
furt gedruckt! ), so wurde er von der Presse poussiert, was uns
sicher nicht geschieht. Außerdem wird Herr Petsch, da er die An¬
noncen usw. zahlen muß, nicht so sehr bei der Hand sein, zu
viel zu annoncieren. Tu verras. Jedenfalls hättest Du in Deutsch-
ao land unbedingt längst einen Verleger haben können, wenn Du den
Siebel ordentlich in Bewegung gesetzt, und ich halte das immer für
besser; auch wird die kleine Hirschfeldsche Setzerei nicht zu eilig
drucken. Indes, die Sache ist im Gang, und wir müssen jetzt sehn,
wie’s abläuft. In der Annonce glaube ich, daß Du am besten weiter
23 nichts zum Titel hinzusetzest als die Überschriften der
Kapitel, das wird vollständig hinreichen. Und vor allen Dingen
treibe, daß die Geschichte fertig wird.
Wenn Du drei bis vier Bogen fertig gedruckt hast, könntest Du
mir einen Abzug davon schicken.
ao Apropos! Wieviel ist bei Dana fünf oder zehn Seiten? Ich hab
keine Idee davon.
Lamoricière ist von den Piemontesen schmählich überfallen
worden. Er war nach der Seite gar nicht gerüstet, deckte sich bloß
gegen Garibaldi und besetzte die schlechten Zitadellen der Städte
3s mit kleinen Garnisonen, bloß gegen Aufstände hinreichend. Daher
die Reihe von Kapitulationen, die Piemontesen waren überall
sechs gegen einen. Bei Castelfidardo haben sich die Östreicher sehr
gut geschlagen, ebenso in Ancona, das gar keine Festung ist nach
der Landseite, im ganzen aber zeigt die päpstliche Armee, wie
30 wenig mit sonst teilweise guten, aber heterogenen und von aller¬
hand fremden Offizieren kommandierten Truppen zu machen ist.
Freilich waren die Piemontesen 3:1.
Dem Garibaldi scheint militärisch der Atem auszugehn. Er hat
seine guten Truppen so zerteilt unter die sizilianischen und neapo-
43 titanischen Bataillone, daß er nichts Organisiertes mehr hat, und
Z. 30-42.
512
(699) 1860 Okt. 1
sowie er an eine einigermaßen verteidigte Flußlinie kommt, mit
einer nicht dominierten Festung wie Capua, kommt er zum Stehen.
Ernsthaft ist das vorderhand nicht, weil die 30000 Neapolitaner
auf dem kleinen Strich nicht leben können und in vierzehn Tagen
sich auf lösen müssen oder vorgehn, was ihnen nicht gelingen wird. «
Aber auf den Quirinal wird Gtaribaldi] wohl schwerlich ohne ganz
besondre Zufälle so bald kommen. Dazu jetzt das Geschrei der
Cavourianer; diese elenden Bourgeois sind imstande, seine Po¬
sition in kurzem unhaltbar zu machen, so daß er als pis aller an¬
greifen muß, ehe er imstande ist zu siegen. Wichtig wäre es sonst, io
die Neapolitaner so rasch wie möglich kaputt zu machen, und dann
die Piemontesen zum Fraternisieren zu bringen, ehe Viktor Em[a-
nuel] zu ihnen kommt, denn dann ist’s zu spät, und sie würden dem
Viktor Em[anuel] treu bleiben. Aber es ist von der allerhöchsten
Wichtigkeit, daß Gtaribaldi] die Franzosen in Rom öffentlich in w
dieselbe Kategorie wie die Östreicher in Venedig gesetzt hat; ob
das jetzt gleich ausgeführt wird, sie auszutreiben oder nicht, ist
weniger wichtig.
In Ostreich sieht es famos aus. Ein Nationalvereinsphilister,
Rheinpreuß, der in Bayern (Franken) wohnt, erzählt, die Münch- «o
ner, die neulich nach Wien zum Eisenbahnfest gegangen, im guten
Glauben an die Berichte der A[ugsburger] Atllgemeinen] Z[ei-
tung] über die östreichischen Zustände, seien ganz begossen zu¬
rückgekommen, so anders hätten sie alles gefunden. Die Ostreicher
hätten ihnen erklärt, das sei alles Schwindel, und die Zustände
dort seien nicht länger mehr zu ertragen. Auch hätten die Bour¬
geois in Ostreich bereits ihr Specificum gegen die Finanz Verwick¬
lungen: in Ostreich gehören 20% alles Grundeigen¬
tums den Pfaffen, und diese müßten konfisziert
werden. Kann man sich eine famosere revolutionäre Lage den- so
ken? Wo bleibt gegen ein solches Programm die ganze preußische
Klugscheißerei mitsamt ihrem Nationalverein?
Aus den Schriften des Prinzen Friedrich Karl und des Herm
Waldersee habe ich mich jetzt definitiv überzeugt, daß die Preußen
ihre Armee so famos eingerichtet und abgerichtet haben, daß sie so
notwendig geschlagen werden müssen. Um über die Übelstände des
fünfundvierzigjährigen Mangels an Kriegserfahrung wegzukom¬
men, haben sie sich einen künstlichen konventionellen Krieg in den
Manövem geschaffen, wo alles anders ist als im wirklichen Krieg,
und wo den Soldaten und Offizieren dasSichzurückziehen bei jedem w
Vorwand ausdrücklich beigebracht wird, und wo ihnen ganz
falsche Vorstellungen und Dinge eingepaukt werden. Z. B. bei
einem Manöver dürfen die Soldaten natürlich nicht in die Häuser
eindringen und sie besetzen ; man markiert also die Häuser als
besetzt, indem man die Soldaten auswendig herum auf stellt. Ein u
(699) 1860 OkL 1
513
preußischer Hauptmann bekam in Schleswig die Ordre, i m G e -
f echt ein Gehöft zu besetzen, und stellt richtig seine Leute aus¬
wendig um die Umzäunung auf wie beim Manöver! Dies hat
Waldersee selbst gesehn. Übrigens ist der Prinz Fr[iedrich] Karl
s als Soldat gar kein übler Kerl und haßt den preußischen Ka¬
masdiendienst sehr. Ob er aber als Kommandant was wert ist, ist
nicht zu sagen.
Dein F. E.
700. Marx an Engels; 1860 Oktober 2.
io 2. Oktober 1860.
Lieber Engels,
Du mußt einen Brief von mir nicht erhalten haben, denn ich
schrieb Dir, daß meine family auf acht Tage auf der seaside sei.
Was die Danaschen Seiten angeht, so ging eine Deiner großen
is Seiten (z. B. in Artillerie) auf eine Danasche.
Siebels Brief hat auf mich grade den umgekehrten Eindruck
hervorgebracht als bei Dir, nämlich den seiner Hülflosigkeit.
Meißner steht durch die „Demokratischen Studien“ direkt im
feindlichen Lager. Außerdem ging aus seiner Privatunterhaltung
2o mit Siebel hervor, daß er eine „würdige“ Besprechung erwartete
und Vogt für einen großen Mann hält. O. W i g a n d ist mein
persönlicher Feind und schrieb mir vor Jahren auf mein
Anerbieten, ihm den 18. Brumaire zu überlassen (sogar gratis),
eine lümmelhafte Antwort. Ölbermann in Bonn ist eine reine
25 Illusion. Ich kenne den Meridian von Bonn. Überhaupt ist die
Schrift kaum verlegbar in Deutschland (namentlich da Siebel
keine buchhändlerische Verbindung in Leipzig^ ) nach dem Stil,
der sich während den zehn Reaktionsjahren eingenistet hat. Und
nun gar das Manuskript herumhausieren zu lassen von einem zum
30 andern, wodurch sich das Ganze ausschwatzte, ohne deshalb —
oder doch erst nach langen Irrfahrten — an den Mann zu kommen!
Ich würde Cotta, Brockhaus oder selbst Campe natürlich Herm
Petsch vorziehn; unter besagten Umständen aber betrachte ich ihn
noch als einen windfall. Borkheim, der ein sehr guter Geschäfts-
35 mann ist, hat viel Fiduz in Petsch. Endlich waren unsre letzten Er¬
fahrungen in Deutschland kaum aufmuntemd.
Der Druck bei Hirschfeld wird diese Woche rascher vorangehn.
Er hatte noch allerlei Zeug auf der Hand, das abgearbeitet werden
mußte.
40 Titel werde ich mir noch überlegen. Der Umstand, daß Dâ-
Dâ den Philister puzzlen wird, gefällt mir und paßt mir in das
*) Korr, aus Deutschland
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 33
Z. 14-15.
37-39.
514
(700) 1860 Okt. 2
System of mockery und contempt. Jedoch werde ich erst (der Titel
ist ja das letzte, was gedruckt wird) noch ausführlich mit meinem
kritischen Gewissen zu Rat gehn. Der Inhalt ist folgender: I. Die
Schwefelbande. II. Die Bürstenheimer. III. Polizistisches.
1. Selbstgeständnis. 2. Der Revolutionstag zu Murten. 3. Cherval. 5
4. Der Kommunistenprozeß zu Köln. 5. Lausanner Zentralarbeiter¬
fest. 6. Buntes. IV. Techows Brief. V. Reichsregent und Pfalz¬
graf. VI. Vogt und die Neue Rh[einische] Zeitung. VII. Die Augs¬
burger Kampagne. VIII. Vogts „Studie n“. IX. Agentur. X. Pa¬
trone und Mitstrolche. XL Prozeß gegen die Nationalzeitung,
XII. Beilagen.
Da Du jetzt keine Zeit für Artikel hast, so schreib mir pri¬
vatim, so oft etwas Militärisches in Italien vorfällt, ganz kurz
die Hauptpunkte. Dann dodge ich selbst das Nötige zurecht.
J. Ph. Becker will nach Neapel (Schily ihn begleiten). Er will is
dort ein deutsches Freikorps stiften. (!!!)
Ich bin ganz abgebrannt. Kannst Du mir ein paar £ für diese
Woche noch schicken, so sehr welcome.
Salut.
Dein K. M. 20
Die Schamlosigkeit der Times (gestern), daß Garibaldi so
lang „confidence“ inspirierte, „as he could be believed to be the
agent of the secret intentions of Napoleon III.“,
geht doch über die Bäume. Der Clown Edwin James in seinem funk
ist durchgebrannt bis nach London, wo er vorgestern eintraf. Kos- 25
suth hat in der plonplonistischen Opinion Nationale einen
im bonapartistischen Sinn und Auftrag abgefaßten Brief an Gari¬
baldi gerichtet.
Dein rifle^Artikel hat die Runde der ganzen Londoner Presse
gemacht ; ist auch im ministeriellen Observer besprochen wor- 30
den. Dies war a sensation.
701. Engels an Marx; 1860 Oktober 5.
Manchester, 5. Oktober 1860.
Lieber Mohr,
Inliegend ^5 E/L 33688 Manchester, 12. Januar, 1860. 35
Ich hätte sie schon früher geschickt, aber Gumpert pumpte mich
um zehn Pfund an, und da mußte ich ein paar Tage warten, um
nicht durch viel auf einmal aufgenommnes Geld auffällig zu
werden.
Was den Druck in London angeht, so ist es natürlich die Haupt- 40
sache, daß das Ding erscheint und rasch; aber Druck in Deutsch*
Z. 36-39.
(701) 1860 Okt. 5
515
land war vorzuziehen und war auch unbedingt zu erlangen. Petsch
mag noch so sharp sein, ein deutscher Verleger, z. B. Meißner (der
lange nicht der Biedermann ist, als den Du ihn Dir vorstellst, sieh
nur seine Verlagskataloge an), hat ganz andre Macht, die conspi-
5 ration du silence zu brechen. Und keinesfalls konnte ich es als ein
Glück ansehn, daß die Partei noch Kapital dabei investieren muß,
das doch rar genug bei uns ist.
Titel — ich wiederhole Dir, und das ist auch ganz entschieden
des Lupus Ansicht, daß jedenfalls der Titel der unglücklichste
io ist, den man erst verstehn lernt, nachdem man das halbe Buch
durchgelesen. Der Philister interessiert sich schon lange nicht mehr
so sehr für Vogt, daß es ihn puzzlen sollte, warum Du ihn Dâ-Dâ
nennst. Das einzige, was den Vogt interessant machen kann, ist sein
Zusammenhang mit Bonaparte und Plon-Plon, und das mußt Du
is auf dem Titel betonen, um den Philister neugierig zu machen. Mit
dem System of mockery and contempt bringst Du, was den Titel
betrifft, schwerlich etwas andres als einen affektierten oder gesuch¬
ten Titel heraus. Der einfachste Titel ist sicher der beste; die
mockery and contempt kommt im Buch schon früh genug.
so Père Garibaldi hat also doch wieder die Neapolitaner geklopft
und 2000 Gefangne gemacht. Der Eindruck des Kerls auf die
Truppen muß fabelhaft sein. Sehr gut, daß Türr und die Theorie
Rüstow sich blamiert haben. Der letztere hätte sich sonst unbedingt
in den Kopf gesetzt, deutscher Garib[aldi] werden zu wollen; bei
25 den Bourgeoisrepublikanem konnte der Kerl gefährlich werden.
Mit Bombalino wird’s jetzt wohl bald aus sein; die Truppen wer¬
den bald nichts mehr zu fressen haben und auseinanderlaufen, der
kleine Bezirk kann sie nicht ernähren. Weiter ist über diese Ge¬
schichte vorderhand nichts zu sagen. Übrigens ist nicht zu leugnen,
3o daß der rè galantuomo mit viel pluck sein Spiel spielt, wenn er
jetzt nach Neapel geht.
Der Sukzeß von meinem Rifle-Artikel war nicht so ganz von
selbst. Ich schickte das Blättchen stark rot angestrichen an die
Haupt-Londoner und hiesigen Lokalblätter und schrieb ihnen etwa
35 folgendes: The Correspondent, for England, of the A[llgemeine]
M[ilitär]-Z[eitung] présents his compliments to the Editor of the
. . . and begs to call his attention to an article of his in the V. J.
(a copy of which is sent by post) on the Newton review. As this
is the first Professional opinion of a foreign military paper on the
4o voluntary movement, it may be of interest. — Natürlich ganz
anonym. An die Times hatte ich nicht geschrieben, sie brachte
aber doch einen Auszug.
Siebel hat ein Porträt seiner Brautx) hergeschickt, sehr schön,
Marie Antoinette mit ganz geringer Hinneigung zur keuschen
*) Reinhilde von Hurter
33*
Z. 43-44 -
516
(701) 1860 OkL S
Eugenie, dabei aber sehr männlich — she will wear the breeches.
Er wird sich noch über das „vernünftige Wesen“ wundem. Ma¬
dame la baronne ihre Mutter war eine Putzmacherin — Laden-
gehülfin in Düsseldorf und soll noch sehr häufig im Biergarten
von Küpper nachmittags ihre drei bis vier Seidel vertilgen. So er- s
zählt das Philistertum.
Nach den neuesten Nadirichten ist Garibaldi Enkel oder Ur¬
enkel des Dr. Jos. Bapt. Maria Garibaldi aus Ajaccio, der, von
König Theodor Neuhoff0 nach Deutschland geschickt, sich dort
mit Fräulein Katharina von Neuhoff0 in Westfalen verheiratete &
und nach dem Sturz seines Schwagers in Nizza niederließ. In dem
Gesicht ist wirklich ein westfälischer Zug. Ewerbeck und Willich
sind jeder in seiner Art Karikaturen von G[aribaldi].
Im ersten Heft des dritten Jahrgangs von Kolatscheks deutscher
Monatsschrift0 soll ein sehr heftiger Artikel gegen Vogt sein. w
Grüße die family herzlich.
Dein F. E.
702. Marx an Engels; 1860 Oktober 11.
11. Oktober 1860.
Dear Frederick, 20
Ich bin sehr beschäftigt diesen Augenblick. Schreibe Dir am
Sonnabend. Broschüre von Braß einiges Gute drin.
Womöglich schick mir ein paar Instruktionszeilen (bis Sonn¬
abend) über Garibaldis grand battle.
Dein K. M. 20
703. Marx an Engels; 1860 Oktober 25.
25. Oktober 1860.
Lieber Engels,
Einliegend der Brief Webers, dem ich also about sechs Taler
schicken muß, womit der Spaß mit dem preußischen Gericht zu 30
Ende ist. Du kannst Siebel darüber Mitteilung machen.
Ich werde später about einen Bogen „On Prussian Justice“ hier
in London publizieren, aber erst, nachdem das Buch glücklich in
Deutschland.
In den ersten vier Wochen ging’s sehr langsam bei Hirschfeld, 33
einmal weil Setzer Zinn ihm durchgegangen, er sehr viel zu tun
hatte, und einer meiner Bogen mehr als zwei gewöhnliche Druck-
0 Im Orig. Neuhof
J) „Stimmen der Zeit"
Z. - 1-6.
35-37-
(703) 1860 Okt. 25
517
bogen ist. Ich habe jedoch vorige Woche schriftlichen Kontrakt
mit ihm gemacht, wonach er bis November 15. fertig sein muß.
Kolatschek, letzte Nummer der „Stimmen der Zeit“, hat die
Sache wieder aufgefrischt in den Juchheißen, worin Freund Las-
« salle u. a. öklich fortkommt.
Wie steht’s mit der Navy?
Glaubst Du, daß es noch in diesem Herbst zu einem Krieg kom*
men kann?
Ich habe die Hände so vollauf zu tun mit Korrekturen und bür-
» gediehen Laufereien, daß ich einstweilen so wenig Zeit zum
Schreiben an Dich fand.
Salut.
Dein
K. M.
704. Marx an Engels; 1860 November 5.
is 5. November 1860.
Lieber Engels,
Freitag vor acht Tagen schickte ich Dir Webers letzten Brief,
den ich zurückbrauche.
Ich hoffe, es ist Dir kein Unglück passiert, da ich gar nichts
to von Dir höre.
Ich habe die Hände vollauf zu tun, teils private business, teils
die Korrektur (immer zweimal) ; hatte in letzter Woche auch den
Abschnitt über den Prozeß infolge der Verfügung des Obertribu¬
nals ganz umzuschreiben, endlich Tribune.
to Der Manchester Guardian soll von Zeit zu Zeit jetzt Interessan¬
tes von Paris haben?
Du siehst, was dabei herausgekommen wäre, wenn ich mich auf
w Siebel verlassen hätte. Seit länger als zwei Wochen habe ich bei
ihm angefragt, ob er die Besorgung (Zusendung) der Exemplare
für die Journale etc. in Deutschland (und für welche?) über¬
nehmen wolle? Natürlich keine Antwort.
705. Marx an Engels; 1860 November 13.
34 13. November 1860.
Lieber Engels,
Aus Deinem Brief sehe ich, daß Du selbst in Geldschwulität.
Nichtsdestoweniger muß ich Dich, da ich nichts Versetzbares mehr
habe, bitten, mir die zugesagten £ 5 womöglich im Lauf d i e-
z. - 1-2.
17-18.
29-33.
518
(705) 1860 Nov. 13
ser Woche zu schicken. Nächsten Sonnabend (17. November)
habe ich 25 £ auf Wechsel an Hirschfeld zu zahlen und habe das
Geld noch nicht ganz zusammen.
Das Buch (12 Bogen, nach gewöhnlichen Druckseiten 24) wird
nächste Woche fertig. Ich habe den Abschnitt über den Prozeß, *
ursprünglich nur ein paar Seiten, infolge des Obertribunalurteils
ganz umgeschrieben. Wird jetzt ungefähr ein Druckbogen. Der
ganze letzte Bogen Petit (Beilagen). Ich habe Dir die ein¬
zelnen Bogen nicht geschickt, weil das den ganzen effect der
Schrift, dieser wie jeder andern, verderben mußte. Ich werde Dir io
6 Exemplare schicken, eins für Dich, eins für lupus, eins für
Gumpert, eins für Borchardt, eins für Heckscher, eins für Charley.
Deine Frage über Lommels Broschüre, von der Du nichts mehr
gehört „und die das Geld gekostet“, scheint eine Art Vorwurf für
mich zu enthalten. D’abord, wenn kein centime herausgekommen, w
konnte ich das wichtigste Kapitel für die persönliche Attacke
gegen Vogt, „Agentur“, ohne Lommel nicht schreiben. Der Mann
hatte auf meine verschiednen crossexaminations wenig¬
stens vierzig Briefe zu schreiben. Dazu übersandte er mir seine
ursprünglich der All [gemeinen] Z[eitung] bestimmte Erklärung 20
gegen Vogt. Idi sehe nicht ein, daß unsrer Partei ganz fremde
Leute verpflichtet sind, gratis für uns zu arbeiten. Übrigens sagte
mir Petsch gestern, daß er für 2—3 £ verkauft hat und den Rest
(er hat eben davon eine neue Anzeige in Deutschland gemacht),
so weit er sich nicht verkauft, jedenfalls in den United States und 25
Australien losschlägt.
Die Ansicht, daß meine Schrift durch Siebel, der nur bel¬
letristische Verbindungen hat, in Deutschland unterzubringen war
(vielleicht 1880), wirst Du aufgeben, sobald Du die Schrift ge¬
lesen. Siebel hat geschrieben. 30
Ich habe im Titel Dir nachgegeben und (gestern) „Herr Vogt“
gesetzt. Meine Frau war absolut dagegen und bestand auf „Da-Dä
Vogt“, indem, wie sie sehr gelehrt bemerkt hat, selbst in den grie¬
chischen Tragödien Titel und Inhalt auf den ersten Blick oft keine
Verbindung zeigen. 33
Ich weiß nicht, ob Du Kolatscheks „Stimmen der Zeit“ gesehn.
Der Artikel „Juchheißen“ (worin unser Freund Lassalle bös weg¬
kömmt) gibt in der Tat (obgleich Esel Kolatschek vergessen, das
zu sehn) durch ein mitgeteiltes fact Aufschluß über Vogts
Motiv zum Verkauf an Bonaparte. Anfang 1858 wurde zu Genf 40
eine Aktiengesellschaft, irgend eine beliebige Vermöblungskredit-
bank gegründet „La Cimentaire“. Außer dem Direktor, der nicht
genannt, war Vogt Mitdirektor. Am Ende des Jahrs 1858
hatten die Herm Direktoren das ganze Kapital aufge¬
gessen, Bankrott. Der managing director wurde eingesperrt *
Z. 13-26.
(705) 1860 Nov. 13
519
Kriminalprozeß sollte folgen. Vogt, vom Nationalrat in Bem,
stürzt nach Genf. Fazy schlägt den Prozeß nieder. Die
Aktionäre erhalten keinen Centime.
Aus denselben „Juchheißen“ (warum nennt Kolatschek, by the
« by gesagt, an die Östreicher verkauft, sie nicht Juchheiten?) seh
ich, daß der „Juchhe! nach Italien!“ (ich konnte mich
nämlich nicht überwinden, selbst die mir von Borkheim zur dis¬
position gestellten „Demokratischen Studien“ der Vogt¬
clique zu lesen), nämlich der Bankier „L. Bamberger“ in Paris,
io 1848 Redakteur der „Mainzer Zeitung“, ekelhafter Kakerlake,
sich unterfangen hat, von „Kommunisten auf Halbsold“ zu
sprechen. Ich habe diesen Klugscheißer daher noch nachträglich in
Vogts Mitstrolche kurz hereinnotiert, ebenso einige paar schlechte
Witze über die andern Juchheißen, L. Simon, Hartmann1) (der
is dem Borkheim in der Schweiz sagte, Vogt habe mich getötet) und
H. B. Oppenheim hereingebracht.
706. Marx an Engels; 1860 November 14.
so City, 14. November 1860.
Lieber Engels,
Unsere beiden Briefe haben sich gekreuzt. Idi schreibe Dir
diese paar Zeilen im Lokal Borkheims, um die £ 5 anzuerkennen,
die heute morgen angelangt sind.
st Mein seltnes und nur auf ein paar Zeilen beschränktes Schrei¬
ben in der letzten Zeit mußt Du einfach erklären aus Überbeschäf¬
tigung, Unwohlsein und trouble aller Art. Mit Ende nächster
Woche, wenn ich die Hände wieder frei habe, werde ich wieder
im alten Stiefel schreiben.
so Ich habe Dir heute per Post die gestern von mir erwähnte Num¬
mer der „Stimmen der Zeit“ geschickt, die ich aber spätestens bis
nächsten Mittwoch zurück haben muß, da ich sie entlehnt habe.
Die dankenswerte Notiz aus dem „Guardian“ bringe ich unter
in einer der „Beilagen“ — im Schlußkapitel.
so Biskamp hat vorgestern geheiratet; eine amerikanische
Hure. Glück auf.
Imandt hat geschrieben. Hat eine Tochter. Ist dünn wie eine
Reitgerte geworden; den ganzen Sommer bis jetzt krank. Pauvre
diable!
« Borkheim läßt grüßen. B [orkheim] hat die Erlaubnis von
seinem Hause erhalten, Privatweingeschäfte zu machen, und emp-
Moritz Hartmann
Z. 30-32.
35-39 Î
520
(706) 1860 Nov. 14
fiehlt sich Dir, wenn Du ihm in dieser line behilflich sein kannst
(alle möglichen Weinsorten).
Sonst nichts Neues.
Salut.
Dein K. M. «
707. Marx an Engels; 1860 November 21.
21. November 1860.
Lieber Engels,
Meine Frau liegt seit Montag nieder an einem sehr bösartigen
Nervenfieber. Ich habe gestern, auf ordre des Dr. Allen, samt- io
liehe drei Kinder außer dem Haus untergebracht, da er mögliche
Ansteckung fürchtete. Allen erklärt die Krankheit für gefährlich,
hofft aber durchzukommen. Vergangnen Sonnabend fühlte
meine Frau sich schon sehr unwohl, und ich bemerkte Zeichen von
Fieber, wollte also den Doktor rufen. Sie wollte aber nicht. Ditto u
Sonntag. Montag natürlich ließ ich mich nicht länger abhalten
und fühlte sie auch selbst, daß es sich nicht um eine gewöhnliche
Erkältung oder dergleichen handelte.
Szemere ist hier. Wird auch durch Manchester reisen und Dich
besuchen. w
Salut.
Dein K. M.
708. Marx an Engels; 1860 November 23.
23. November 1860.
Lieber Frederick, »
Besten Dank für die £ 10 und Navy (famoser Artikel).
Was nun die Krankheit meiner Frau betrifft, so steht es in einer
Art besser, in der andern schlechter, als ich wußte. Allen hatte mir
nämlich, bis der Charakter der Krankheit dezidiert war, ihre
wahre Natur verheimlicht. Gestern ging das nicht mehr. Was »
meine Frau hat, sind — small pox, und zwar sehr bösartig, ob¬
gleich sie zweimal vakziniert. (Du sagst dies niemand außer
lupus.) Daher brachte Allen auch gleich die Kinder aus dem
Haus. Es ist eine scheußliche Krankheit. Sollte Lenchen angesteckt
werden, so schicke ich sie gleich ins Spital. Ich selbst habe Kran- s
kenwärterdienste (die hauptsächlichen) bis jetzt getan. Da midi
das aber zu sehr anstrengt, habe ich heute sofort mit dem Ein¬
treffen der £ 10 eine Wärterin gemietet. Meine Frau befand sich
seit vielen Wochen in einem außerordentlich nervösen Zustanc1,
(708) 1860 Nov. 23
521
da wir viele troubles hatten, und so hatte sie mehr Empfänglich¬
keit, in einem Omnibus, Laden oder dergleichen das Gift to catch.
Artikelschreiben ist bei mir beinahe out of question. Die ein¬
zige Beschäftigung, wodurch ich die nötige quietness of mind auf-
s rechterhalten kann, ist Mathematik. Ich habe in den letzten Wochen
an die Tribune de omnibus rebus geschrieben, hauptsächlich
Warsaw Congress, state of Poland, Italy, France und Geldmarkt.
China noch nichts.
Hast Du den Kolatschek erhalten?
io Bordeaux hat der Doktor meiner Frau in schmalen Dosen er¬
laubt, da sie außerordentlich schwach ist. Die heutige Nacht war
furchtbar, und ich fühle mich in der Tat in diesem Augenblick
auch sick.
Der Teufel mag wissen, welches Pech wir haben.
is Die armen Kinder habe ich bei Liebknechts, die ganz in meiner
Nachbarschaft wohnen, und denen ich die victuallers täglich zu¬
sende, untergebracht. In die boarding school wollten sie nicht
wegen der religious rites.
Salut.
2« Dein K. M.
709. Marx an Engels; [1860] November 26.
26. November.
Lieber Frederick,
Der Zustand meiner Frau hat sich, soweit es unter den Umstän-
gs den möglich, gebessert. Es wird eine lange Geschichte werden.
Was man den Paroxysmus der Krankheit nennen kann, ist vor¬
über.
Allen meint, daß die Ansteckung einzig zu erklären aus der
übertriebnen Nervenaufregung, worin sie sich seit vielen Monaten
» befand.
Du bist wohl so gut, durch Heckscher Einliegendes um¬
gehend an die Reform besorgen zu lassen.
„H e r r Vogt“ ist bereits vorgestern im „Hermann“ und
„Athenäum“ von Petsch angezeigt als diese Woche erscheinend.
m Du siehst aus dem Datum, daß ich den Wisch an die Reform
bereits Sonnabend schrieb. Ich wollte es Dir mit Begleitschreiben
zusenden, wurde aber plötzlich so unwohl, daß alles Schreiben
out of question. Allen gab mir eine Medizin und heute bin ich
wieder in Ordnung. Gruß an lupus.
w Dein K. M.
Z.9?
35-39.
522
(709) 1860 Nov. 26
[Dem Brief lag folgende Erklärung bei]
Herr Redakteur,
Sie werden midi sehr verpflichten durch Aufnahme beifolgen¬
der Erklärung. Im Laufe der nächsten Woche erhalten Sie ein
Exemplar meiner Broschüre gegen Vogt. 5
Mit vollkommener Hochachtung
Ihr ganz ergebner
Karl Marx.
An die Redaktion der Reform.
Erklärung. io
Die Redaktion der Reform hatte die Güte, Anfang Februar
1860 eine Erklärung von mir zu veröffentlichen, die mit den fol¬
genden Worten begann:
„Ich zeige hiermit an, daß ich vorbereitende Schritte getan zur
Anhängigmachung einer Verleumdungsklage gegen die Berliner w
„Nationalzeitung“ wegen der Leitartikel Nr.37 und Nr.41
über Vogts Pamphlet ,Mein Prozeß gegen die Allge¬
meine Zeitung/ Eine literarische Antwort auf Vogt behalte
ich für später vor.“
Ich machte im Laufe Februar 1860 zu Berlin eine Verleum- w
dungsklage anhängig gegen F. Zabel, verantwortlichen Redak¬
teur der „Nationalzeitung“. Mein Rechtsanwalt, Herr
Justizrat Weber, wählte zuerst das Untersuchungsverf äh¬
ren. Durch Verfügung vom 18. April 1860 verweigerte der
Staatsanwalt, gegen F. Zabel „einzuschreiten“, weil „kein ö f - 25
fentliches Interesse“ dazu Anlaß gebe. Am 26. April
1860 ward seine Zurückweisung durch den Oberstaatsanwalt be¬
stätigt.
Mein Rechtsanwalt schlug nun das Zivilprozeßverfah¬
ren ein. Das Königliche Stadtgericht, durch Verfügung 2«
vom 8. Jimi 1860, verbot mir, mit der Klage vorzugehn, weil
die wirklich ehrenrührigen „Äußerungen und Behauptungen“
F. Zabels „in bloßen Zitaten andrer Personen bestehen“,
auch nicht „die Absicht zu beleidigen“ obwaltet. Das Königliche
Kammergericht erklärte seinerseits durch Verfügung vom 35
11. Juli 1860, die angebliche Form des Zitats ändre nichts an
der Strafbarkeit der Artikel, aber die darin enthaltenen ehren¬
rührigen Stellen bezögen sich nicht auf meine „Person“.
Außerdem sei „in vorliegendem Fall“ die Absicht zu beleidigen
„nicht anzunehmen“. Das Königliche Kammergericht bestätigte to
demgemäß die zurückweisende Verfügung des Stadtgerichts. Das
Königliche Obertribunal, durch Verfügung vom 5. Okto¬
ber 1860, die mir am 23. Oktober d. J. zukam, fand, daß „in vor¬
liegendem Falle“ kein „Rechtsirrtum“ auf Seiten des Königlichen
(709) 1860 Nov. 26
523
Kammergerichts „erhelle“. Es blieb also definitiv bei d e m V e r -
bot, den F. Zabel zu verklagen, und kam zu keiner
öffentlichen Gerichtsverhandlung.
Meine Antwort auf Vogt erscheint in einigen Tagen.
s London, 24. November 1860.
Karl Marx.
710. Marx an Engels; 1860 November 28.
28. November 1860.
Lieber Engels,
io Meine Frau ist jetzt außer Gefahr. Sage das gleich
1 u p o mit besten Grüßen. Die Sadie wird lang dauern, und sie
muß nach Genesung, wie Allen sagt, gleich fort auf wenigstens
vier Wochen.
Was mich betrifft, so bin ich — da die Gefahr der Ansteckung
is von gestern zehn Tage an gerechnet am größten — gestern
von neuem geimpft worden. Ditto Lenchen. Ein Umstand, der
mir sehr nützlich, war ein scheußlicher Zahnschmerz. Ich ließ
mir vorgestern den Zahn ausziehn. Der Kerl (Gabriel heißt er)
hat zwar die Wurzel ausgezogen, nach großen physical pains, die
20 er mir gemacht, aber ein Stück Splitter stehn lassen. So ist mein
ganzes Gesicht weh und geschwollen, Hals halb zu. Dieser phy¬
sische Druck befördert sehr die Denkunfähigkeit und daher Ab¬
straktionskraft, denn, wie Hegel das reine Denken oder reine
Sein oder Nichts identisch.
2s Während dieser zehn Tage nun ist die Strenge der Absperrung
vermehrt.
Schreiben kann ich natürlich nicht in diesem Zustand, und da
der vor zweieinhalb Monaten gezogne Wechsel von 50 £ auf Dana
ohnehin nicht ordentlich abgearbeitet wurde, indem meine Frau
3o schon vor ihrer Krankheit allerlei nervous complaints hatte und
so allerlei Ausfälle eintraten — ich also in großer Klemme bin —.
so bitte ich Dich, wenigstens für zwei Wochen möglichst oft zu
schreiben. Unter den jetzigen Verhältnissen wäre es scheinbar pas¬
send, meiner Alten zu schreiben. Aber seitdem sie den preußischen
35 Unteroffizier2) ins Haus geheiratet, hat aller intercourse infolge
einiger Bemerkungen meinerseits aufgehört. Das Treten von allen
Seiten hat scheußlich zugenommen. Den größten Teil der 10 £
habe ich weggegeben, um es zu beschwichtigen von einigen Seiten
wenigstens. Ich würde Dir, der mehr als das Mögliche tut, nichts
*) Fehlt offenbar sagt
*) Johann Jakob Conradi, der mit Marxens jüngerer Schwester Emilie ver¬
heiratet war.
Z. 13—15 (Lenchen).
32-35.
524
(710) 1860 Nov. 28
hiervon schreiben, aber que faire? Aber was machen? Dazu kann
ich nirgendwo operieren, denn sonderbarerweise (wohl aus der
Besserung zu erklären) kann ich das Haus nicht verlassen, da
meine Frau grade jetzt, wo ich sie wenigst möglich sehn soll (was
ihr natürlich nicht gesagt werden darf), mich stets um sich haben s
will.
Allen meint, wenn sie nicht zweimal geimpft worden, wäre sie
nicht davongekommen. Wie die Sachen stehn, hält er selbst die
small pox für ein Glück. Denn, sagte er mir gestern, ihr Nerven¬
zustand sei so gewesen, daß er diese Krankheit einem Nervenfiebei io
oder ähnlichem, wozu es gekommen sein würde, vorziehe.
Die armen Kinder ängstigen sich sehr. Allen impft sie und die
ganze Familie Liebknecht Freitag.
„Herr Vogt“ erhältst Du wohl Freitag. Einige Zögerung trat
vorige Woche ein, weil i ch die Revision der letzten Bogen nicht is
zur rechten Zeit machen konnte.
Besten Dank für den Wein. Allen hatte mir schon vor
Eintreffen desselben Wein verordnet, daneben andre Medizin, die
nicht so angenehm.
Dein K. M. 20
711. Engels an Marx; 1860 Dezember 3.
Manchester, S.^ Dezember 1860.
Lieber Mohr,
Ich habe aus allerhand Gott weiß wie zusammengetroffenen
Umständen in den letzten vier Wochen so schändlich viel Geld 25
nehmen müssen, daß ich jetzt unbedingt ein paar Tage warten
muß. Womöglich übermache ich Dir morgen ein Pfund, und so¬
bald es in den nächsten Tagen wieder angeht, mehr. Ich bin für
einige Zeit wenigstens darauf reduziert, mir nur kleine Summen
auf einmal geben zu lassen; es handelt sich augenblicklich für 30
mich dem Ermen gegenüber darum, to appear to live within my
income (was ich voriges Bilanzjahr nicht getan); es ist ein
Mittel bei der Unterhandlung, das ich mir absolut nicht darf ver¬
derben lassen. Wenn ich irgend einen Vorwand wüßte, so würde
ich versuchen, dem Gumpert auf vierzehn Tage 5 £ abzupumpen, 3
aber ich könnte das nicht, ohne daß er den wahren Grund merkt,
und weiß außerdem nicht, ob er sie zu dieser Jahrszeit hat. Ich
weiß sehr gut, in welcher Klemme Du bist, und ich werde alles
tim, was ich kann — aber die £ 10, die ich Dir neulich schickte,
sind auf das Dezemberkonto schon im voraus eingetragen, so daß
O Korr, aus 2.
Z. 12-13.
34-37.
(711) 1860 Dez. 3
525
dieser Monat auch schon schwer belastet ist. Indes morgen erhältst
Du sicher etwas.
Ich war vorbereitet. Dir heute abend einen Artikel zu machen
(vorigen Freitag hatte ich ein so entzündetes Aug, daß Schreiben
« bei Gas außer Frage war), aber eben kommt Szemere, der Dich
grüßen läßt, und so ist das auch für heute out of the question. Ich
tue mein möglichstes morgen abend.
Die Bücher erhalten. Das Ding ist sehr famos. Besonders die
Studien und Agentur capital; cela est écrasant. Über das andre
io ausführlich nächstens. Die Exemplare meistens schon verteilt.
Dein F. E.
712. Engels an Marx; 1860 Dezember 5.
Lieber Mohr,
Inliegend endlich die berühmte Post Office Ordre auf ^2 —
u payable Charing Cross, ich wußte kein näheres Money Orde Office,
gib mir eins auf für künftige Fälle.
Lupus wünscht ganz speziell, daß ich Dir vorläufig sage, daß
die Vermöbelung des Herm Simon1) ihm ganz besondren Spaß
gemacht hat. Je mehr ich in dem Buch lese, desto bester gefällt’s
» mir. Aber schändliche Druckfehler und Schreibfehler. Einmal
russischer statt östreichischer Kaiser. Dazu sieht es
schlecht aus, daß alle Fremdworte, die Deine Frau lateinisch ge¬
schrieben, auch lateinisch gedruckt sind. Das passiert in allen aus¬
ländischen Druckereien, und dagegen muß man speziell Vorsichts-
os maßregeln ergreifen.
Was Du unterlassen hast, sind Résumés. Z. B. am Ende der
zwei Kapitel: Bürstenheimer und Schwefelbande; ferner am Ende
des Polizistischen, am Ende der ganzen persönlichen Affairen2)
(also vor den Studien) und noch an andren Stellen war ein
»o Résumé am Platz, um dem Philister nun den Gesamteindruck ad
oculos vorzuführen. Das hätte nur vier Seiten mehr ausgemacht
und sehr großen Effekt gemacht in einem Buch, wo das Material
und die Masse der dem Philister mehr oder weniger unbekannten
Namen etwas erdrückend wirken, zugleich auch das Artistische des
« Gesamtarrangements, das sehr hübsch ist, klarer hervortreten
lassen.
Wie geht’s Deiner Frau?
Dein F. E.
5. Dezember 1860.
1) Edouard Simon
*) Korr, aus Geschichte
Z. 15 (payable)—16.
526
(613) 1860 Dez. 5
713. Marx an Engels; [1860] Dezember 5.
5. Dezember.
Lieber Engels,
Besten Dank für den Artikel.
Mit meiner Frau geht es sehr gut voran, und ich glaube, daß s
der Wein ihr mehr hilft wie alle Medizin. Nur nachts ist die Rast¬
losigkeit, Schlaflosigkeit, auch etwas Phantasieren noch sehr
störend.
Wenn Du bis Sonnabend noch einen Artikel lieferst, vielleicht
d.d. Berlin über meinen Prozeß? Wenn ich es unbe- io
quem finde, leaders zu schreiben, so datiere ich von Berlin, Pa¬
ris etc. Solche Korrespondenz geht leichter.
Ist über den chinesischen Krieg nichts zu sagen? Oder Bona¬
partes Armeerüstungen etc.?
„Ideen“ habe ich in diesem Moment platterdings keine über is
nichts, wohl aber „öklüchen“ Kopfschmerz.
Die Kinder — arme Teuf eichen — leben immer noch im Exil.
Ich habe ihnen ein paar Weinflaschen als Tröster geschickt. Das
Kleine sah mich an Liebknechts Haus vorgestern vorbeigehn und
rief mir vom Fenster zu: Halloo old boy ! 20
Apropos! Sobald Freiligrath von der Krankheit (weiß natür¬
lich nicht welcher) meiner Frau hörte, schrieb er mir natürlich
einen „gerührten“ Brief. Aber als ich ihm „Herr Vogt“ — natür¬
lich (Du siehst, wieviel Ideen ich habe, da das Wort „natürlich“
in drei Zeilen dreimal unterläuft) mit freundschaftlicher Inschrift 25
zuschickte, und er mir über something eise zu schreiben hatte, ver¬
gaß er, eine Silbe über die Schrift zu sagen, oder mir to acknow-
ledge den Empfang. Um das zu markieren, setzte er unter seinen
Brief : „In aller Eile“. Ich glaube, verschiedne Partien haben ihn
schwarz geärgert. Einmal seine „Indiskretion“ von wegen Vogt. 30
Namentlich aber Fazy. Im Frühling wollte er nach Genf ziehn.
Fragt sich, ob die Enthüllung des Fazydrecks ihm nicht in den Weg
kömmt?
Blind, der schon Donnerstag ein Exemplar bei Petsch bestellt,
hat eins erst gestern erhalten. In London wurde die Sache nicht 35
eher ausgegeben, damit Mr. Alberts, of the Prussian Embassy,
nicht nach Berlin warne, bevor mein Pack dort angekommen. Es
wird natürlich viel in London geulkt über die „unwürdige“ Manier
meiner Angriffe. Zwölf copies sind gestern von Lause-Trübner be¬
stellt worden. 40
Salut.
Dein K. M.
Z. 6-8.
13-16.
21-33 ?
(714) 1860 Dez. 6
527
714. Marx an Engels; 1860 Dezember 6.
6. Dezember 1860.
Lieber Frederick,
Besten Dank für die £2. Näheres office ist Camden Town money
3 Office.
In bezug auf den Mangel der Résumés hast Du völlig recht.
Sie waren ursprünglich da, sind aber von mir weggestrichen
worden, als ich sah, daß das Zeug unter der Hand sehr anwuchs.
Denn gewöhnlich gedruckt würde das Ding einen sehr starken
io Band ausmachen. Übrigens wirst Du sehn, daß in dem AbschnittXI
„Ein Prozeß“ die ganze persönliche Angelegenheit dem Philister
so eingepaukt ist, daß er sie in seinem Leben nicht wieder ver¬
gessen kann.
Was Monsieur Edouard Simon betrifft, so hatte der Hund Dich
is in seinem Schmutzartikel (Techows „Spitzel“ maliziös über¬
setzend) „le mouchard toujours affairé“ genannt. Und darauf
nahm ich mir vor, ein Exempel an dem Burschen zu statuieren, da
Beleidigungen gegen Deine Person midi mehr ärgern als die gegen
mich gerichteten.
so Übrigens — by the by — sobald lupus sich durchgewunden, ist
es mir lieb, wenn er selbst ein paar Zeilen mir schreibt. Das Haupt¬
vergnügen meiner Frau besteht jetzt in den Briefen über das Ding.
Im ganzen geht es gut voran, aber langsam.
Herr Philister Freiligrath, das „erkältete westfälische Maul“,
ss schreibt mir gestern u. a. folgendes:
„Dein Buch (beileibe nicht Pamphlet) hat Petsch mir
geschickt. Besten Dank! Soviel ich bis jetzt darin gelesen habe,
finde ich’s, wie ich erwartet hatte, voll Esprit und voll Malice.
Das Detail ist so reichlich, daß es beinahe den Überblick erschwert.
so Auf die Sache selbst einzugehn, wirst Du mir erlassen. Ich be¬
klage den ganzen Streit auch heute noch und stehe ihm nach wie
vor fern.“
Was sagst Du zu diesen beiden letzten Sätzen? Der Schweinhund,
derVogtsLügen und BlindsInfamien früher schon kannte, jetzt aber
ss schwarz auf weiß hat, will nicht (wozu ich ihn notabene gar nicht
aufgefordert), „auf die Sache selbst eingehn“. Und er „steht“
„nach wie vor dem ganzen Streit fern“. Es scheint mir jetzt, daß
er noch nicht das Ganze gelesen, denn er wird dann sehn, w o er
steht. Das Geheimnis seiner Intimität mit Blind (mit Vogt-Fazy
so bindet ihn natürlich das Geschäft) ist mir jetzt bekannt. Nämlich
Flreiligrath] hatte bei dem Schillerfest 20000 Exemplare seines
Gedichts drucken lassen, kostete 40—60 £ St. Daraus wollte er
ein Geschäft machen. Verkaufte aber nicht 40. Da die
Z. 4 (Näheres)—5.
20-43-
528
(714) 1860 Dez. 6
Spekulation so durchgefallen, galt es nun, dem Schillerkomitee
die Kosten „aufzuschmutzen“, wie Petsch es richtig nennt. Dazu
war Blind denn servilistes tool. Hine die „Gegengefälligkeit“ des
erkälteten westfälischen Mauls.
In dem Druckfehlerverzeichnis findest Du den von Dir gerügten 5
Druckfehler. Ursprünglich war das Verzeichnis dreimal größer.
Da dies aber schlecht aussieht, haben wir es reduziert. Der ganze
Fehler liegt an Hirschfeld, ein Schlappschwanz, der keine Herr¬
schaft über seinen Setzer hat. Petsch läßt nichts mehr bei ihm
drucken. io
Salut.
Dein
K. M.
Wenn Dir irgend etwas durch den Kopf geht, worüber ein mi¬
litärisches Pamphlet zu schreiben von 1—3 Bogen, so wäre es
dem Petsch sehr lieb, der jetzt als „Verlagsbuchhändler“ auf- u
kommen will. Er ist ein sehr netter Kerl.
715. Engels an Marx; [1860 Dezember 8].
Lieber Mohr,
Ich hab den ganzen Tag geschanzt, um den Nachmittag für den
Artikel freizubekommen, und wie ich mein Gas anstecke, brennt 20
es so düster, daß das ganze Comptoir die Arbeit suspendieren
muß. In meiner Wohnung ist es seit beinahe acht Tagen eher noch
schlimmer, der lange Frost mit Nebel bringt eine solche Gas¬
konsumtion am Tage mit sich, daß abends gar kein Druck und
also auch kein Licht ist. Dies macht es mir unmöglich, heute einen 25
Artikel zu machen, der übrigens, da von Ceuta aus jeden Tag die
Bewegung gegen Tetuan beginnen soll, vielleicht eher gewinnt,
wenn ich bis übermorgen oder Donnerstag warte. Für Dich wird es
freilich fatal sein, da Du dann morgen schanzen mußt und auf
mich gerechnet hast. 30
Siebel war in Hamburg und hat dort von den Bummelliteraten
gehört, daß „Freiligrath mit Marx gebrochen habe“. Du siehst,
wie Herr Kinkel das Korrespondenz-, Reklame-, Klatschgeschäft
auch nach Mockels Tode noch fortsetzt. Herr Strodtmann, der beim
Hamburger „Freischütz“ ist. scheint auch wieder getreuer Jünger 35
von Johann Gottfried geworden zu sein.
Die Augen tun mir weh, ich laß das Schreiben. Herzliche Grüße
an Deine Frau und Kinder. Ich kann Weihnachten nicht kommen,
G. Ermen hat wieder Veränderungen im Comptoir angestiftet, die
es mir unmöglich machen, ohne sehr große responsability grade 40
beim Jahresschluß fortzugehn. Ostern oder Pfingsten komm ich
sicher. _
F. E.
Dein
z. - 1-4.
7 (Der)—10.
Nr. 715.
(716) 1860 Dez. 12
529
716. Marx an Engels; [1860] Dezember 12.
London, 12. Dezember.
Lieber Engels,
Best thanks for article.
s Die Notiz in der N[euen] Pr[eu.ßischen] Z[eitung]
(ihre eigne Randglosse abgerechnet) ist nichts als ein Paragraph,
den die Lond[oner] Lithographierte] Korrespondenz] (Schlesin¬
ger) brachte; sie stand in allen deutschen Zeitungen mit wenigen
Ausnahmen, meist unter der Rubrik „London“.
io Die kurze Form der Anzeige nur in den in England er¬
scheinenden Blättern. In den deutschen Blättern ist das In¬
haltsregister zugefügt.
Ich schicke Dir hierbei die Anzeige in dem Buchhändlerbörsen¬
blatt, von Petsch selbst verfaßt. Der bekannte „Politiker“, von
15 dem er am Schluß der Anzeige spricht, ist magnus L. Bucher, der
sich in diesem Sinn zu Borkheim äußerte.
Die Annoncen in den deutschen Blättern erschienen wohl im
Lauf dieser Woche. Etwas später als das Buch eintrifft, weil die
Preußen (wegen des Prozesses) nicht aufmerksam gemacht
20 werden sollten.
Es sind die Anzeigen gemacht in:
Allgtemeine] Zeit[ung]„ Breslauer Zleitung],
Bund (Bem), Deutsche Allgemeine, Frankfurter Journal, Ham¬
burger Nachrichten, Freischütz, Reform, Carlsruher Zteitungl,
2S Kölnfischei Z[eitung], Königsberger Hartung, Mannheimer
Journal, National-Z[eitung], N[eue] Preußische] Z[eitung], Pu-
blicist, Bferliner] Volkszeitung, Ostdeutsche Post, Presse, Ro¬
stocker Zfeitung], Schwäbischer Merkur, Triersche Zleitung],
Zeitung für Norddeutschland, Zürcher N[eue] Zleitung]^, Neue
oo Süddeutsche (München), Morgenblatt, Wochenblatt des Nat[io-
nal]-Ver[bandes], Deutsches Museum, Illustrierte Zeitung, Aus¬
land (Augsburg), Historische Deutsche Monatsschrift (Braun¬
schweig) .
N[ew] Y[orker] S t aa tszei t [un g], N[ew] Y[orker]
Kriminal-Zeit [ung], N[ew] Y[orker] Abend-Zeitung.
Times, Athenäum, Critic, Saturday Review, Illustrated News,
Manchester Guardian, Hermann. —
Exemplare sind geschickt u. a. an Cotta, Reform, Duncker,
sechs an Siebel; verschiedne an englische (Satturday] Review,
*° Athenäum, Critic, Il[lustrated] News); Lommel, Braß, Fischel.
Im ganzen über fünfzig Freiexemplare versandt, darunter jedoch
nur wenige an Zeitungen.
Bisher verkauft in London 41 Stück.
*) Richtig Neue Zürcher Zeitung
Marx-Engels*Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 34
Z. 10-12.
17-20.
530
(716) 1860 Dez. 12
Notabene: „Hinter den Coulissen“ des Lommel zieht jetzt
sehr in Deutschland. Sind sogar Bestellungen aus Riga gekommen.
Bucher (schreibt im Beiblatt der A[ugsburger] Atllge-
meinen] Z[eitung] Artikel, z. B. den über Persigny und Palmer¬
ston) hat Kritik in der A[llgemeinen] Z[eitungl dem Borkheim *
versprochen. Ich fürchte, Biskamp kömmt ihm zuvor.
Liebknecht hat Anzeige und ausführliche Auszüge gegeben in
vier deutsch-amerikanischen und vier englisch-amerikanischen
Zeitungen. Er schreibt nämlich jetzt an einer lit[erarischen] Kor¬
respondenz für letztere. io
„Herr Vogt“ ist Korrespondent mit seiner Namensunterschrift
in einigen amerikanisch-deutschen Winkelblättern. Schimpft auf
„Bonaparte“. Hat erklärt, meine Schrift würde n i e erscheinen.
Meine Frau geht viel besser. Nur dürfen die Kinder vielleicht
erst in vierzehn Tagen zurück. Ich selbst muß jetzt fast den ganzen is
Tag bei ihr sein und bin durchaus nicht auf dem Strumpf. Indes
wird sich das machen, sobald sie wieder in mehr normalem
Zustand.
Allen hat den Bordeaux schon seit einer Woche ab verordnet
und statt dessen Porto verordnet. Es ist mir daher lieb, wenn Du 20
von letzterem noch einige Flaschen schicken kannst.
Meine Bibliothek angekommen. Noch im Custom House, da die
„Commissioners“ noch nicht entschieden, ob ich sie duty free be¬
kommen soll.
Nun rate einmal, wie ich hinter das Geheimnis von Ludwige
Simon gekommen bin? (Siehe Beilage 16 c).
Gruß an lupus.
Dein K. M.
717. Engels an Marx; 1860 Dezember 18.
Manchester, 18. Dezember 1860. 30
Lieber Mohr,
Außer Szemere kommt mir am Sonntag auch noch mein
Schwager her, Sz[emere] ist heute fort nach Liverpool, kommt viel¬
leicht wieder, mein Schwager geht morgen — also bin ich außer¬
stande gewesen, einen Artikel zu machen. Für Samstag womöglich s
etwas über Ostreich.
Sz[emere] ist persönlich ein ganz netter Kerl, mit der östreichi-
schen Bonhomie, und mag in Ungarn, in revolutionären Zeiten,
auch energisch, entschieden und einsichtig sein ; aber en dehors de
son pays ist es sicher mit seinen Kenntnissen und Ideen nicht weit
her; ich habe wenigstens nicht viel Vernünftiges darüber aus ihm
herauskriegen können. Komisch ist, daß er, der doch in seiner
(717) 1860 Dez. 18
531
Broschüre bonapartistisch auf trat, jetzt wieder ganz umgeschlagen
ist. Er machte mir u. a. folgenden Vorschlag zur Güte: Was ich
davon hielte, wenn es dahin kommen sollte, daß die Habsburger,
beim Zerfall des Kaiserstaats, nur noch Könige von Ungarn blei-
5 ben und Deutsch-Östreich an Deutschland zurückfiele? Worauf
ich ihm natürlich erklärte, daß eine solche Lösung uns ganz recht
sein könne und wir den Ungarn die ganze Räuberbande mit Ver¬
gnügen zum Präsent machen würden. Sein Weingeschäft ist hier
ganz gut abgelaufen; Cobdens Empfehlung und die Bekanntschaf-
io ten, die er in Paris bei C [obden] gemacht hatte, erleichterten ihm
die Sache sehr.
Wenn irgend möglich, schicke ich Dir morgen wieder zwei
Pfund, heut ist’s mir leider zu spät geworden.
Grüß Deine Frau, die sich hoffentlich bessert, und die Mädchen.
is Dein F. E.
Apropos Portwein! Ich habe nichts Trinkbares mehr, werde
aber morgen suchen, etwas Gutes aufzutreiben und gleich abzu¬
schicken.
718. Marx an Engels; 1860 Dezember 18.
20 18. Dezember 1860.
Lieber Frederick,
Mit meiner Frau geht es viel besser. Allen denkt, daß die Kin¬
der — die doppelte Wirtschaft nicht nur sehr störend, sondern
auch kostspielig — Sonntag oder Montag wieder zurück können.
25 Dann eröffne ich selbst wieder die Korrespondenz mit der Tri¬
bune, die nun in der fünften Woche nur zwei Artikel erhalten hat.
Wenn Dir möglich, so liefere noch einen bis Samstag.
Ich bin seit zwei Tagen bettlägerig und mediziniere, aber Allen
sagt, es sei nichts von Konsequenz, und in drei bis vier Tagen
3o würde ich wieder auf dem Strumpf sein. Es sei Folge des exci-
tement etc.
Was Deine Ansicht von Szemere betrifft, so will ich Dir ganz
im stillen mitteilen, daß ich sie völlig teile. Das aller¬
komischste ist, daß ich, ironice, ihm den Vorschlag gemacht hatte,
35 sie sollten die Habsburger für sich behalten, Pest würde der letzte
Zufluchtsort für dieselben sein etc.
Salut.
Dein K. M.
34*
532
(719) 1860 Dez. 19
719. Engels an Marx; 1860 Dezember 19.
19. Dezember 1860.
Lieber Mohr,
Inliegend die ^*2 auf Camden Town.
Je mehr ich in dem Buch lese, desto schwerer wird es mir zu
sehn, wie sich Vogt aus diesen „nie erscheinen werdenden“ Histo¬
rien herausziehen wird. 41 Exemplare in London in den paar
Tagen ist sehr viel; jetzt wird’s schon mehr sein. Es ist sicher die
beste polemische Schrift, die Du noch geschrieben, es ist einfacher
im Stil als der Bonaparte und doch, wo nötig, ebenso effektvoll, w
Dein F. E.
720. Marx an Engels; 1860 Dezember 19.
19. Dezember 1860.
Lieber Frederick,
Thanks für die £ 2. Ich habe Lenchen damit aufs postoffice us
geschickt.
Meine Frau wird, wie Allen meint, keine Marken behalten.
Sie ist natürlich noch leidend (und mit der Besserung grade wer¬
den die Kranken unruhiger und ungeduldiger), aber Allen ist voll¬
ständig mit dem progress zufrieden. 20
Was mich angeht, bin ich heute (die Schlaflosigkeit war das
schlimmste), nach richtig durchschlafener Nacht viel besser und
denke in zwei bis höchstens drei Tagen wieder allright zu sein.
Da ich während dieser Woche zu unwohl zum Ausgehn war,
weiß ich nicht, wie der Londoner Verkauf des Buchs vorangegan- äs
gen ist. Nur erzählt mir Liebknecht, daß der Londoner Arbeiter¬
verein diese Woche 6 Exemplare für seine Bibliothek gekauft hat.
Zimmermann von Spandau (jetzt Advokat in London), Ex-
parlamentler, Busenfreund Vogts, früher großer Lästerer des
„Volk“ und meiner Person, gab vorige Woche bei Anwesenheit 30
des Advokaten Höchster (connu aus Elberfeld, jetzt sehr be¬
schäftigter avocat in Paris) ein Essen, wobei unser Freund Rhein¬
länder^. Zimmermann erklärte: Blind sei rettungslos kompromit¬
tiert. As to Vogt, so habe er nicht an Bestechung glauben wollen,
obgleich er den Leichtsinn und die Eitelkeit des Burschen gekannt. 35
Jetzt hätte ihn meine Schrift überzeugt, daß Vogt ein ganz ordi¬
närer „mouchard“ sei, der nur durch die Größe des Salärs sich
von muchardus vulgaris unterscheide usw. Er (Z[immermann] )
habe auch an Bekannte in der Schweiz geschrieben, um Herm
Vogt keinen Zweifel über seine Ansicht zu lassen. 40
O Im Orig. Reinländer
Z. 17-23.
(720) 1860 Dez. 19
533
Bucher hat an Borkheim geschrieben, der Beweis gegen Vogt
sei vollständig geliefert. Außerdem habe meine Schrift alle „Vor¬
urteile, die er über Marx’ agitatorische Tätigkeit gehegt“, ver¬
nichtet. Er habe sich in diesen beiden Beziehungen in dem Kreise
s der Camberweller Kaufmannschaft (denen er Vorlesungen über
deutsche Rechtsgeschichte hält) geäußert und ditto an „einflu߬
reiche Personen in Deutschland“ geschrieben.
Zimmermann und Bucher sind hier wichtig wegen des Phi¬
listers.
io In meiner Prüfungszeit — während der letzten vier Wochen —
habe ich allerlei gelesen. U. a. Darwins Buch über „Natural Sé¬
lection“. Obgleich grob englisch entwickelt, ist dies das Buch, das
die naturhistorische Grundlage für unsere Ansicht enthält. Da¬
gegen A. Bastian, „Der Mensch in der Geschichte“ (drei dicke
is Bände, der Bursche junger Bremer Arzt, der mehrjährige Reise
um die Welt gemacht) mit seinem Versuch einer „naturwissen¬
schaftlichen“ Darstellung der Psychologie und psychologischen
Darstellung der Geschichte schlecht, konfus, formlos. Das einzige
Brauchbare darin hie und da ein paar ethnographische oddities.
so Dazu viel Prätention und schauderhafter Stil.
Apropos! Wegen des Ludwig Simon mußt Du raten, wie ich
der sanften Kunigunde auf die Schliche gekommen.
Lassalle, von dem ich vor mehren Wochen Brief erhielt, sehr
krank. War keine Gicht, Knochenentzündung? Gibt, wie er mir
es schreibt, „ein großes und wichtiges Weik“ bei Brockhaus in zwei
Bänden heraus, 17 Stunden im Bett, 3 Stunden auf und mit Kor¬
rektur des „Großwichtigen“ beschäftigt. Ich denke, die Schrift
gegen Vogt, die ich ihm geschickt, ist kaum geeignet, seine Schmer¬
zen zu lindem. Wer aber kann dafür, daß er Berliner „Ideal-
30 Politiker“ ist?
Habe ich Dir schon geschrieben, welches die „grob-materielle
Grundlage“ der Intimität zwischen Freiligrath und Studiosus
Blind ist?
Salut.
35 Dein K. M.
721. Marx an Engels; 1860 Dezember 23.
Dear Frederick,
Besten Dank für den Wein und die £ 5. Meine Frau findet den
Portwein exzellent.
to Ich wieder auf dem Strumpf seit heute.
Keil aus Leipzig schreibt, daß gleich bei Ankunft des Buchs
120 Exemplare verkauft worden.
Z. 31-33 ?
534
(721) 1860 Dez. 23
Richter aus Hamburg (von der Reform) schreibt, daß es sehr
zieht.
Meine Frau läßt Dich bestens grüßen.
Dein K. Marx.
722. Marx an Engels; 1860 Dezember 26.
26. Dezember 1860.
Dear Frederick,
Der einliegende Ausschnitt der Anzeige des „Herm Vogt“ in
der Genfer Grenzpost läßt schon aus den enormen letters Braß’
Liebe für Vogt erkennen. Übrigens sind in den letzten fünf Num- 10
mem der Grenzpost sehr gute Artikel.
In London, wie Petsch mir gestern berichtet, bis jetzt 80 Exem¬
plare abgesetzt. Dagegen klagt er, daß in Mandiester aber „ooch
jar keene nicht“.
Sonst ist in den deutschen Blättern, soviel ich weiß, bisher i*
noch nichts erschienen außer in der „R e f o r m“, die eine Reihe
Notizen gebracht hat (wohlwollend) und einen langen Artikel für
nächste Woche versprochen. Mit der Allgemeinen] A u g s -
b [u rger] Z [ei t ung] ist die Sache kurios. Sie hat zwei aus¬
führliche Kritiken erhalten, die eine von Schaises Biskamp, die 20
andre, für die Beilage, von Herm L. Bucher. Und noch kein Wort.
But nous verrons.
Also:
1. L. Simon. Das Buch war bis auf die letzte Seite beinahe
fertig, als ich eines Abends späte, der Korrektur wegen zu Hirsch- #
feld laufend, vorher in der City einen Augenblick auf das Office
von Freund Rheinländer^ ging. Dieser erzählte mir mit höchst
fidelem Gesicht, von Paris sei der junge Höchster (Sohn des Advo¬
katen) nach London gekommen und dort ins Geschäft getreten.
Rheinländer^ kannte Höchster, Vater und Sohn, sehr genau von ;o
Paris her. Jung Höchster, den ich später einmal bei R [heinländer]
sah, ist ein harmloser Bursche ohne alle politischen, ich will nicht
sagen Ansichten, sondern Vorstellungen. Er war Commis gewesen
bei Bankier Königswärter oder ähnlich (dieser bekannte bonapar-
tistische Name ist mir nicht ganz sicher im Augenblick), wo L. Si-
mon der chief clerc. R [heinländer] fragte den Höchster aus über
die sanfte Kunigunde. Ach, sagte der, wir haben ihn nicht gern auf
dem Bureau. Obgleich der chief der clercs, ist er so ängstlich, daß
er bei jedem Schritt den principal fragt, versteht auch nicht sehr
x) Im Orig. Reinländer
Z. 30-31.
(722) 1860 Dez. 26
535
viel vom Geschäft, ist verdrießlich, und dann beschäftigt er sich
sehr großen Teil seiner Zeit mit Politik. Der berühmte E. About
ist fast jeden Abend bei ihm, er arbeitet mit ihm zusammen; ich
habe selbst gesehn, wie sie die Korrekturen einer ihrer gemein-
5 schaftlichen Schriften durchsahn. Auf cross examination des
R [heinländer] stellte sich dann „La Prusse en 1860“ als diese ge¬
meinschaftliche Arbeit heraus. Auf dem bonapartistischen Bureau
des Königswärter renommierte L. Simon rather mit seiner Verbin¬
dung mit E. About, und der junge Höchster, in der Politik wie ein
io neugebomes Kind, glaubte dem R[heinländer], gegen den er natür¬
lich nicht den geringsten Verdacht hat, etwas sehr Rühmliches über
L. Stimon] zu berichten. Das sonderbarste ist, daß später auf dem
Essen bei Zimmermann (wo Höchster junior nicht zugeladen war)
R [heinländer] ganz naiv den alten Höchster fragte, was er von
15 meiner Denunziation gegen L. Stimon] halte? Höchster aîné er¬
klärte, er habe sich prinzipiell seit Jahren nicht mehr beschäftigt
mit Politik, die ihn schon zweimal ruiniert hätte. Doch scheine ihm
das Ding unglaublich; aber R[heinländer] blieb dabei, daß ich
eine sehr „zuverlässige“ Quelle besitze.
2o 2. Blind hat sich in graußer Weise gerächt. Er hat Petsch
et Co. seine Kundschaft auf gekündigt. Dies ist „des blinden
Mannes Rache“. Alter Ziska!
3. Über Freiligrath — der heute sich laben wird an demPflaster,
das Du ihm auf das verkältete Maul gelegt hast — und die ma-
2 5terielle Grundlage seines Zusammenhangs mit Blind habe ich Dir
früher schon, wenn ich nicht irre, geschrieben. Ganz exakt war
die Sache so:
Zur Zeit der Schillerfeier (1859) bot der edle Dichter durch
seinen Agenten Blind die bekannte Kantate erst der Di-
3o rektion des Kristallpalasts an. Sie sollte ihm in hand cash 40 £ St.
down zahlen für die Erlaubnis, die berühmte Kantate drucken
und an dem Tage der Schillerfeier im Kristallpalast
verkaufen zu dürfen. Den sonstigen Vertrieb behielt der merkanti-
lische Poet sich selbst vor. Die Direktion dankte schönstens für die
35 Güte und ersuchte Herm F[reiligrath], seine Kantate selbst zu
hausieren.
Nun ließ der Edle, angeblich auf eigne Kosten, 20000 Stück
der Scheiße bei Hirschfeld drucken. Produktionskosten 40£. Nach
dem Plan des edlen Dichters sollte die Hälfte des Erlöses der
4o Schilleranstalt gewidmet sein, die andre Hälfte seinen propriis
laribus, so daß er nach Abzug der Produktionskosten (Stück per
Stück zu 6 d. war sein Preis) 210 £ St. für sich gecleared und
noch obendrein mit seiner Großmut in Deutschland renommiert
hätte.
45 Aber die Rechnung war ohne den Wirt gemacht. Es wurden viel¬
Z. 23-45 -
536
(722) 1860 Dez. 26
leicht (all in all) in ganz England ein paar hundert copies, und
zwar nur durch äußerste Notzucht von Privatpersonen, an den
Mann gebracht.
Jetzt also war Holland in Not. Blind wirkte nun von morgens
bis abends und von abends bis morgens, um das Schillerkomitee 5
in London zur Zahlung der Druckkosten zu vermögen, was endlich
nach heftigen Debatten gelang. Hine illae lacrimae.
Die vielen auf Lager befindlichen copies hat Freiligrath seinem
blinden Freund zum Vertrieb anvertraut, und dieser unermüdliche
Kleinmogler hat noch letzten November ( 1860) eine eigne Schiller- io
feier zusammenintrigiert in London, um F[reiligrath]s Makulatur
loszuschlagen. Kein Wunder also, daß Flreiligrath] nach wie vor
seinem Blind „nah steht“. Flreiligrath] versteht sich auf seinen
Privatvorteil wie kein andrer, und das shopinterest (den Dichter¬
ruhm, of course, eingeschlossen) avant tout. w
Noch eine für den Blind charakteristische drollery bei dieser
Gelegenheit zu erwähnen.
Ohne Freund Freiligrath und Freund Kinkel zu unterrichten,
hatte der tiefsinnige Blind ganz im stillen (aus dem bekann¬
ten 100 £ fonds) etwas Vorläufiges oder ein vorläufiges Etwas 20
über Schiller und Blum drucken lassen. Morgens um halb achte,
als noch niemand Böses dachte, postierte er am Eingang des Pa¬
lastes eine Kiste mit seinem „radikalen Flugblatt“, überwacht von
dem Moming Advertiser entliehenen Laufburschen, die die
Schmiere jedem Besucher in die Hand gaben. Fragte einer wieviel 25
es koste, so wurde ihm mit Rücksicht auf seine äußere appearance
6 d., 3 d., bis hinab auf 1 d. abgenommen. Fragte einer nicht, so
erhielt er die Schmiere gratis. Und so, ehe noch Kinkels Rede
oder Flreiligrath]s Kantate an Ort und Stelle, hatte der baden-
sische Schlaukopf den Rang abgelaufen und seinen Schund Gott so
und der Welt aufgedrängt.
Salut. Die Kinder wieder im Hause. Gruß an lupus.
Thanks for the article.
Dein K. M.
723. Marx an Engels; 1860 Dezember 27.
27. Dezember 1860.
In aller Eile.
Lieber Engels,
Soeben kommt ein Brief von J. Ph. Becker aus Neapel, Bork¬
heim solle ihm umgehend für Garibaldi schicken: 40
z. -1-31.
(723) 1860 Dez. 27
537
1- Po und Rhein. (Davon habe ich noch ein Exemplar,
das ich bei Petsch vorfand. Also dies all right.)
2. Savoyen, Nizza und der Rhein. (Mein Exemplar
dem Schily längst geschickt. Hoffentlich hast Du eins, und dies
1 bitte ich per Post sofort zu schicken an S. L. Borkheim,
44 Mark Lane, City, London.)
3. Herr Vogt.
Salut.
Dein K. M.
NAMENREGISTER
Abel 488
Aberdeen 26 27 32 75 76 174
About 490 510 535
Abt 505
Achilles 428
Acton 187
Adalbert von Prag 115
Airey 196
Agamemnon 428
Albert, Prinz von Sachsen*Koburg 14
101 452 455
Alberts 526
Altenstein 38
Alexander I. 58 60 61 62
Alexander II. 110 111 118 448 453
Allen, Dr. 232 237 327 329 418 492 520
521 523 524 530 531 532
Alsopp 293
Altenhofer 461
Anglesey 197
Anna, Kaiserin von Rußland 102
Anders 390 452
Anstey 22 176 179 181 183 375
Appleton 276 287 290 292 301 335
A. P. C. s. Pulszky
Argout, d’ 207
Ariosto 192
Aristoteles 186 325
Armstrong 373
Arndt, E. M. 387
Assing Ludmilla 370
Atala (Chateaubriand) 28
Attwood 309
Auerbach, B. 100
Augereau 197
Augustus 83
Babbage 295 296
Badinguet s. Napoleon III.
Bakunin 274
Bamberger, Louis Bankier 199 203 417
445
Bamberger, Ludwig Dr. 397 457 506 518
Bangya, Johann 18 21 28 49 174 175 178
318 321 322 324 338 354 387 503
Bangya (Madame) 364
Barbes 68 78
Barclay de Tolly 214 215 282
Barnum s. Napoleon III.
Barthelemy 70 73 74
Bastian 533
Bastiat 275 312
Bauer, Bruno 29 38 57 65 70 71 89 90
100 101 102 103 105 109 146 161 189
373 395
Bauer, Edgar 29 30 100 132 161 173 185
189 205 229 347 349 353 355 357 373
377 388 389 390 395 397 398 402
Bauer, Egbert 161
Bayard 33
Bazancourt 135 138 148 150 153 163 187
189 190
Beatson 129 130
Beauhamais 220
Becker 66
Becker, Hermann 42 246
Becker, Joh. 57
Becker, Joh. Phil. 481 482 501 514 536
Bedeau 160
Beethoven 490
Behrends 485
Belfield 285
Bellegard 221
Bellune 61
Belmontet 133
Bem 215 217 218 282
Bennigsen 214 220 282
Bennoch, Twentymen u. Rigg 241 256
Béranger 62
Beresford 289 290 291 297 301
Bergenroth 101
Berger s. Buck, Hermann
Berliner Jüdchen s. Lassalle
Bermbach 410 484
Bernadotte 162 216 219 220 221 223 282
Bernard 279 293 294 316
Bernardin de Saint Pierre 28
Bernhardt 95
Berry 61
Berryer 172
Berthier 215 282
Bessières 216 220 282
Bessel 506
Besson 294
Beta (Bettziech) 391 397 415 428 429
436 438 440 443 444 446 447 450 451
453
Beust, Friedrich 483
Bibra 98 410
Bing (Byng) 57
Bischoffsheim 5 52 439
Biskamp 388 389 390 394 395 397 398
400 404 405 407 410 414 415 420 421
422 423 424 426 428 430 433 436 444
519 530 534
Blanc, Louis 7 10 24 68 143 317 401 412
475
Blank 144
Blanqui 68 143 381
Blenker 93
542
Namenregister
Blind, Karl 18 20 21 65 66 71 96 143
153 223 321 324 346 347 348 351 352
353 362 364 382 387 390 396 397 400
403 407 411 424 425 426 427 429 430
431 433 434 437 438 440 441 442 443
446 449 452 465 468 469 471 472 473
474 475 476 477 504 526 527 528 532
535 536
Blind (Frau) 71 347
Blindney 282
Blücher 216 218 219 220 222 223 224
237 273 282
Blum, Robert 212 215 282 349 536
Boeckh 334
Börne 124
Bornstein 348
Boichot, Jean Baptiste 35 37
Boichot (Mutter) 38
Boissy Sire de France 104
Bolivar 282 287 288 290
Bomba s. Ferdinand II.
Bombalino s. Ferdinand II.
Bona s. Napoleon III.
Bonaparte s. Napoleon
Bonaparte, Joseph 1
Bonat 95
Borchardt 12 263 323 326 335 338 403
412 413 414 415 432 433 467 518
Borkheim 449 469 476 478 485 506 509
510 513 519 529 530 536 537
Bormann 323
Born, David 397
Born, Stephan 397
Bornstedt 294
Bosquet 216 219 222 308
Bourbonen 62
Bourrienne 212 215 282
Boustrapa s. Napoleon III.
Brass 480 516 529 534
Braun, Jüdel s. Lassalle
Bray 310
Bright 5 78 171 176 180 181 189 247 291
292 338 349 350 374
Brockhaus 37 114 186 187 196 277 289
344 513 533
Bronner 348 352 353 467 473
Brown, George 216 219 225 282
Brown, John 453
Bruck 485
Brüning v. (geb. Liven) 350
Brune 216 282
Bruno s. Bauer, Bruno
Buchanan 353
Bucher 103 115 143 152 382 390 397 411
529 530 533 534
Buchheim 66
Buck, Hermann (Berger) 231 236
Buckup 42
Budberg 395
Buddha 101
Bülow, Adam Heinr. Dietr. v. 15 102
Bülow, Friedrich Wilh. 223 282 289 290
291 300 301 305
Bürgers, Heinrich 42 95 98 122 246 335
361 364 395 410 411 449 465 506 508
Bürgers (Mademoiselle) 58
Bürgers (Mutter) 98
Bugeaud 216 219 221 282
Buol 356
Burleigh 235
Burns, Mary 25
Bute 55 56
Butler 45
Buxton and Co. 256
Byron 23
Cabet 93
Caesar 186 190 270
Calderon 28
Campbell 199 227 305 316 334 353
Campe 169 468 513
Canning 60 61 195 339
Canrobert 308
Capodistria 28
Carey 312
Carnot 117 130 186
Carrel 62
Carstens s. Lessner, Friedr.
Casteliane 280
Castello 373
Cathcart 305
Catilina 103
Catull 38
Caussidière 322
Cavaignac 222 238 316
Cavour 316 507 512
Changarnier 222
Charles XII. 106 107 108 162
Charles (Charley) s. Roesgen, Charles
Charley 94
Charras 281 300
Chateaubriand 28 58 59 60 61 62
Chatham 55
Chena 460
Cherusker s. Kinkel
Cherwal 50 514
Chester 181
Choiseul 55
Chruloff 43
Cicero 103
Clarendon 75 128 129 130 183
Clausewitz 237 270 273
Clown s. Bauer, Edgar
Cluss 2 3 5 16 17 21 22 23 24 25 31 33
34 37 40 43 49 51 57 58 82 89 97 165
319 320 353 355
Cobbet 132 288
Cobden 5 102 180 189 531
Coehom 273 274
Colin 264
Collet 142 143 154 293 425 426 427 463
467 469 475
Condé 56
Namenregister
543
Conradi 523
Cooke 249
Cornelius 18 67 162 164
Cortez 67
Cotta 353 441 513 529
Cowley 379 380
Coxe 114
Crämer s. Cherval
Crawshay 411
Cromwell 225
Csorich 36
Cunningham 247
Cyples 134 140 141 143
Czieskowski 387
Da*dä (Arabischer Dichter) 510 513 515
518
Dagobert I 115
Dana 1 5 22 53 54 65 66 67 68 69 89 94
98 146 154 163 167 170 178 182 185
186 187 188 189 190 195 196 197 198
199 200 201 205 212 213 215 216 218
219 221 232 235 237 257 267 269 270
275 276 277 278 281 282 285 286 287
289 290 301 351 352 364 365 374 375
394 395 414 416 418 426 508 509 511
513 523
Daniels, Amalie 95 98 335 361 364 410
Daniels, Roland 42 50 78 95 335 350
Dannenberg 44
Danton 79
Darasz 35
D’Argout s. Argout d’
Darimon 161
Darwin 447 533
Davidsohn, Cola & Co 149
Davoust 219
Dear s. Harney
De-la Hodde 460
Demidoff 5
Demuth, Helene (Lenchen) 40 89 336
520 523 532
Derby 5 76 294 295 379 380 381
Desprez 114 116
Destournel & Co. 205
Destrilh 123 130
D’Etrée 56
Diebitsch 218
Diezel 70
Dingelstedt 361
Disraeli 45 53 75 76 77 174 381
Dobner 113
Dobrowsky 101 112
Dolch 433 435
Dolleschall 105 116
Don Quichotte 28 51
Dowb 117
Dowbiggin 117
Draper, Pietroni & Co. 241 254
Dronke, Emst 6 20 26 31 37 38 39 40
42 46 49 51 53 63 66 86 88 89 90 93
98 99 156 171 178 203 240 246 276
361 402 403 404 406 407 408 415 455
463 464 467 473
Dronke (Bruder des vorigen) 361
Drouyn-de-l’Huys 104
Drucker 439
Dulon 10 35 38
Duncker, Alexander 91
Duncker, Franz 306 308 334 344 353 356
360 361 366 369 370 372 374 376 377
378 379 391 392 393 394 398 399 407
408 412 413 417 423 426 444 456 458
463 468 485 529
Duncker (Polizeirat) 440 448 449
Duncombe 343
Dundas 57
Dunnill & Palmer 391
Duprè de St. Maure 112
Duvivier 222
Ebner 53
Eccarius 24 27 361 362 363 365 373 391
457 497 499 500 503 505
Eccarius (Frau) 504
Edgar s. Edgar Bauer
der Edle s. Harney u. Willich
Edmond 114
Egbert s. Bauer, Egbert
Eichhoff, F. G. 115 121
Eichhoff, Wilhelm 448 449 460 461 505
507 508
Elgin 343 344
Ellenborough 174
Elsner 68 90 377
Emmerman 483
Engel 112
Engels, Emil 484 485
Engels, Friedrich (Vater) 20 21 51 57
82 104 144 150 166 171 211 212 369
417 459 485
Engels (Mutter) 485 486
Engländer 96 479
Ephraim, Gescheit s. Lassalle
Epikur 186
Erich 162 165
Ermani 389
Ermen 171 202 339 369 434 477 484 485
524 528
Erseh und Gruber 38 203 229 273
Erskine 106
Espartero 64 141 218
Espinasse 53 105 286 304
Esterhazy 479
Estien 316
Eugenie 104 516
Evans, George de Lacy 83 117 308
Evans, Polly s. Chester
Ewerbeck 93 150 348 516
Namenregister
Fabrice 322 323
Fallmerayer 102
Falstaff (Shakespeare) 132 497
Farina 183 498
Faucher 115 162 189 438 456
Faust (Goethe) 28 161
Fazy 430 441 442 482 519 526 527
Feibel 349
Feline 183
Ferdinand I. 92
Ferdinand II. 92 506 515
Ferdinand VII. 62
Ferdinand, Erzherzog von 219
Fichte 480
Fickler 93
Fiorentino 105
Finlen 124
Fischel 444 455 456 457 458 460 464
468 470 475 477 478 482 483 484 486
487 488 529
Fitzgerald 352
Florencourt, Franz 94
Florencourt 84 93 94
Flottwell 361
Foster 64
Forster 83
Fould 235 245 292 313 323 387
Fould (Sohn) 323
Fourier 30
Fox, Charles 56
Fox (Oldham) 180
Frank 115
Franz Joseph II. 407 436 498
Freiligrath, Ferdinand 5 12 45 52 65 72
73 86 95 98 120 135 141 146 148 159
167 168 169 170 171 178 188 199 246
259 274 276 285 324 328 331 332 333
338 339 340 341 347 349 350 351 353
355 356 357 358 359 361 362 363 364
372 378 381 382 383 397 406 407 409
412 413 414 416 423 424 425 426 428
429 430 432 434 436 437 438 439 441
442 443 444 445 446 447 449 450 451
452 456 457 458 460 471 475 478 481
483 526 527 528 533 535 536
Freiligrath, Ida 350 361 439 450
Freiligrath, Katharina (Kätchen) 439
Freund (Arzt) 33 34 38 39 41 43 52 57
62 66 67 68 98 189 193 348
Freund (Frau des vorigen) 67
Freyre 59
Friedländer 68 259 267 275 377 384 385
386 393 396
Friedrich I., deutscher Kaiser 47 48
Friedrich IL, deutscher Kaiser 47
Friedrich II., König von Preußen 55 108
158
Frédérique Sophie Wilhelmine (Schwe¬
ster Frdr. d. Großen) 108
Friedrich Karl Nikolaus (Prinz v. Preu¬
ßen) 512 513
Friedrich Wilhelm IV. 161 414 464
Frisch 113
Fröbel 325 347 462
Frost 247
Frühling & Göschen 248
Fuad Effendi 128
Furrer 86
Gabriel 523
Gagem 407
Garibaldi, Giuseppe 395 396 431 442 488
493 495 497 498 499 500 501 502 504
506 507 508 509 511 512 514 515 516
536
Garibaldi, Joseph Baptiste Maria 516
Garnett 178
Garnier-Pagès 455
Garthe 400 414 415 422
Gatterer 113
Gebhardi 113
Georg I. 106
George III. 55 56
Gercken 113
Gerstenberg 68 353 373
Gerstenzweig 65
Gibson, Milner 180 182 291 292 374
Gilpin 339
Girardin 83 161
Gladstone 34 74 75 76 77 336
Gneisenau 223 224
Godfray 286 316
Goegg 18 66 430
Göhringer 63
Görgei 36
Goethe 28 272 490
Görtz (Baron) 107 108
Götz 72 79 159
Götze, Peter Otto 116 121
Götze, Dr. 433
Goldheim 78
Goliath 23
Golowine 21 81 147 150
Gortschakoff 18 43
Gottfried s. Ermen, Gottfried
Gottfried s. Kinkel, Gottfried
Grach, Bankier 82 83
Grach, Hauptmann 37
Graham 94
Grant 178 438
Gray 310
Greeley 69
Green 497
Grey 77
Griesheim 216 286
Grimm 101 121 183 228 431 432 433
Gruber 38 203 229
Grün 143 506
Guilbert von Noyon 48
Guilleminot 61 62
Gumpert 321 324 325 333 340 364 390
391 409 412 477 478 483 486 505 507
514 518 524
Gurowsky 154 169 170 186
Namenregister
545
Guyon 18
Gyllenborg 108
Gyulai 381 382
Habsburg (Dynastie) 531
Hacquet 112
Häfner 461 469
Hagek 113
Hailbronner 459
Halil Pascha 2
Hamilton 117
Hammer-Purgstall 14 16
Hanka 112 115 121
Hannibal 306
Harney (der Dear) 229 230 231 235 236
274 276 277 285 286 287 306 307 316
Harper 173 197
Harring 286
Hart 206
Hartmann 519
Harvey 103
Hatzfeldt, Gräfin 50 118 119 122 259 281
410 470 480
Hatzfeldt, Graf 118 119 122
Hauser, Kaspar 111 117
Havelock 220 225 227 264 271
Hayward 77
Haxthausen 342
Hecker 223 351
Heckscher 192 193 201 204 208 209 235
237 239 274 351 355 391 408 409 482
483 494 495 518 521
Heffter 113 114 115
Hegel 38 195 239 252 259 274 275 282
283 284 326 327 462 523
Heimendahl 257
Heine 70 73 124 135 147 148 469 490
Heine, Mathilde 147
Heinrich s. Bürgers
Heinrich IV., König v. Frankreich 62
Heinrich IV. (Shakespeare) 136
Heinzen 10 12 14 38 93 238 272 281 348
392 457 481
Heise 11 12 13 23 24 25 26 31 33 34 40
42 45 49 50 93 110 114 159 322 463
Henderson, Fox & Co. 172
Henry IV. 62 136
Henry, J. 473
Hentze 50
Heraklit 259 268 280 282 283 285 321
366 367 368 369 396 487
Herbert 45 72 183
Herder 112
Hermann (Goethe) 355
Hermann, der Cherusker 355
Hermann s. Kinkel, Gottfried
Hermann, Emst Adolph 102
Herwegh 408 410
Herzen 20 21 79 80 81 83 85 96 97 136
317 344 382
Hess, Heinrich 95
Hess, Moses 147 150 168 173 195 382 488
Marx-Engels*Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2
Hess, Sybille 147 150 505
Heydt 126
Hiü 160 263
Hippopotamus s. Schapper, Karl
Hirsch 461 465
Hirschfeld 389 401 506 511 513 516 518
528 534 535
Hoare 256
Hodges 354
Höchster 532 534 535
Hörfel 479
Hohenzollern (Dynastie) 399
Holländer s. Philips
Holleben 231
Hollinger 397 400 405 406 412 415 422
423 424 426 430 468 472 473
Homer 336
Hood 188
Homer 453
Hoyoll 433
Hugo, Victor 288
Humboldt 103 325 334 490
Hume 368
Hurter, Reinhilde 502 515
Hurter (Mutter der vorigen) 516
Hutschke 98 135 139 141
Igor 112 115 121 123 130
Imandt, Peter 10 24 27 34 42 49 50 51
53 63 93 94 110 114 134 139 159 203
204 207 383 393 436 469 519
Imandt, Robert 232
Inglis 273
Ironside 134 140 141 142 143
Iscander Bey 43 44
Itzig s. Lassalle
Jackson 108
Jacobi, Abraham 93 167
Jacobi, F. 306
Jacobs 121 186
Jahn 387
James 94
James, Edwin 316 468 514
James, William 156
JellaöiÖ 36
Jenkins 294
Jerome 305
Jersey & Co. 265
Joest 97 99
Johnson 136
Jomini 220 221 302 305
Jones (Captain) 177 179
Jones, Ernest Charles 10 53 68 78 79 80
81 83 89 96 98 100 124 126 130 132
134 141 145 180 203 206 243 247 259
275 286 338 339 340 341 343 469
Jones (Frau des vorigen) 95 203 206
Jossling & Co. 254
Jordan 113
Juch 373 389 407 428 429 448 449 460
471
35
546
Namenregister
Jung 410
Junius 56
Juta 352 363 364 365 366 416
Kamm 306
Kant 5 348
Kapper 116 121
Karger 18
Karl I., König von England 225
Karl X., König von Frankreich 62
Karl XII., König von Schweden, s. Char¬
les XII.
Katharina II. 56 102 107
Kellner 16
Keil 533
Kerb 115
Kinglake 498
Kinkel, Gottfried (Hermann; der Che¬
rusker; Gottfried) 19 45 50 68 242
306 337 340 346 347 350 351 353 355
356 357 358 361 362 363 364 370 373
377 388 389 390 391 392 397 398 400
403 410 414 426 427 428 429 434 435
437 438 439 442 443 444 447 449 450
452 460 467 470 476 477 528 536
Kinkel, Johanna (Mockel) 347 350 351
353 359 361 363 398 430 528
Kiss 436
Klapka 37 324 395 434 436
Klaproth 121
Klein 410
der Kleine s. Dronke
Knesebeck 90
Knorsch 506
Kobes I s. Venedey
Königswärter 534
Köppen 101
Kösteritz 118 119
Kolatschek 173 516 517 518 519 521
Kolb 441 445
Komp 336 361 391 404
Konstantin 395
Korff 385
Korn 96
Koäcielski 95 175
Kosciuszko 157
Kossuth 24 70 206 281 321 324 338 395
396 397 401 409 421 425 426 434 436
509 514
Krukowiecky 215
Küpper 516
Kuhlmann 456
Lafayette 64
La Ferronnais 61
Lagarde 60
Lallerstedt 161
La Marmora 316
Lamennais 62
Lamoricière 52 160 222 508 509 511
Landolphe 348 353
Landor 302
Lange 414
Langeron 223 224
Lappländer s. Anders
Larrey 281
Lassalle xJüdel Braun; Ephraim Ge¬
scheit; Itzig) 7 10 11 13 50 52 57 58
68 78 93 118 119 120 122 131 134 190
191 259 267 268 269 271 275 277 279
280 281 282 283 285 289 292 306 314
316 321 322 323 324 325 334 335 360
361 362 365 366 367 368 369 370 371
372 374 376 377 379 384 385 386 392
393 395 396 398 399 401 405 410 413
423 426 432 440 441 444 452 454 456
457 458 460 461 462 463 464 466 467
468 469 470 471 473 476 478 480 486
487 488 490 494 495 506 507 508 509
517 518 533
Laurachen s. Marx, Laura
Lawley 77
Layard 173
Lazarus 34
Ledru-Rollin 18 35 164 294 412
Legendre 79
Leibniz 23
Lelevel 101 157 172 173
Lemoine 230
Lenchen s. Demuth, Helene
Leo, Heinrich 116
Leroy s. St. Arnaud
Lessing 283
Lessner, Friedrich (Carstens) 400 40*6
412 415 420 421 422 428
Levi, Joseph 469
Levi, Isaak s. Rodenberg, Julius
Levy, Gustav 111 118 119 120 121 123
Leyden, Kosmos 259
Lichtenberg 225
Liddle 243
Liebig 490
Liebknecht, Frau 332
Liebknecht 64 98 118 122 125 183 337
353 388 389 390 392 394 395 398 400
407 409 414 415 424 425 426 427 441
445 446 452 470 473 478 483 484 521
524 526 530 532
Lina s. Schöler, Lina
Lincoln 15
Linde & Trappenberg 257
Lindenau 38
Link 435
List 313
Livesey 286
Loyd (Baron Overstone) 251
Lochner 388 484
Lölgen 410
Löwe 95 124
Lommel 480 481 482 486 488 489 490
496 497 518 529 530
Louis s. Napoleon III.
Louis Philippe 14 27 73 154 216 234 235
260 261
Namenregister
547
Lowe, Robert (Bob) 171 173 176 180
Lowe 404
Lüders 44
Ludwig IX., der Heilige 62
Ludwig XVIIL 58 60 61 62 116
Lüning 464
Lupus s. Wolff, Wilhelm
Luther 117
Lütgen 31
Macchiavelli 229
Mac Cuiloch 91
Macdonald 257 265
Mac Gowan 53
Macejowski (?) 157
Maclaren 320
Mader 14
Magnane 280
Magne 314
Malmesbury 381
Malvoglio (Shakespeare) 23
Mansfield 128
Manteuffel 126 373 399 405
Mar, de 196
Marcus 433 435
Marei 325
Marie Antoinette 515
Mariotti 92
Mary s. Burns, Mary
Marx, Edgar (Musch) 1 13 14 81 82 85
86 87
Marx, Eleanor (Tussy) 81 191 325
Marx Francis 23
Marx, Henriette (Marxens Mutter) 52
331 332 333 334 338 340 343 o45 347
363 523
Marx, Jenny (Marxens Frau) 1 7 23
34 35 37 38 39 40 41 43 49 51 52 57
62 66 71 72 78 81 82 83 85 86 87 88
89 92 94 98 101 111 123 125 133 134
140 143 145 146 147 157 159 172 177
182 184 188 189 190 191 192 193 197
198 200 201 202 203 204 205 206 207
250 259 269 271 279 302 307 314 315
316 317 318 319 321 324 327 328 330
331 332 333 335 336 349 351 363 378
397 411 432 439 440 443 448 450 451
456 463 474 479 500 501 502 518 520
521 523 524 525 526 527 530 531 532
533
Marx, Jenny (Marxens Tochter) 13 125
191 192 275 319 335 402 449
Marx, Emilie (Marxens Schwester) 347
Marx, Laura 13 125 191 275 319 335 402
Masséna 221
Mathilde s. Heine, Mathilde
Maurenbrecher 183
Mayhew 162
Mayne 279
Mazzini 35 36 199 294 341 343 346 370
395 396 401 413 505 509
Mehmed Bey s. Bangya
Meier 469
Meissner, Alfred 147 432 435
Meissner, Otto 495 496 513 515
Mendel 241
Mendes da Costa 256
Merck 255 256
Merck, Ernst 256 265
Metaxas 28
Metternich 60 321 324
Mevissen, Elise 259
Mevissen, Gustav von 126 259
Meyen 30 34 66 115 173 386 433
Meyer 5 12 13 25 50 99
Miall 180 286
Mieroslawski 152 153 157 161 172 173
Milner, Gibson s. Gibson-Milner
Mina y Espoz 57
Minutoli 91
Miquel 50 51 123 132 133 134 140 168
173 195 196 508
Mirbach 98 99 142 145
Miskowski 29 31
Mockel, Johanna s. Kinkel, Johanna
Mösin s. Hess, Sybille
Moleschott 348
Moltke 19
Mommsen 306
Monk 64
Montalembert 345 351
Monteith 23 257 265
Montesquieu 368
Montmorency 59
Morell 435
Morny, C. 105 126 156 164 172 305
Müffling 218 223 224 237
Müller, Adam 102
Müller-Tellering 456 457
Münchhausen 189
Münnich 102
Münzer 116 117
Muralt 102
Murat 173
Musch s. Marx, Edgar
Nadaud 7
Napier 35 36 57 67 71 76 94 300
Napoleon I. 1 57 62 156 157 216 219 220
221 223 224 225 288 396 407
Napoleon III. (Bona; Bonstrapa; Louis)
3 4 6 26 27 32 54 68 81 83 88 90 101
104 105 123 133 138 152 153 154 155
156 160 161 164 172 173 174 175
211 216 234 251 252 260 261 262
281 286 288 289 291 292 300 302
304 305 307 316 320 334 336 346
348 356 360 370 372 378 379 380
382 383 385 386 387 396 397 401
404 405 407 408 409 442 448 457
479 482 483 488 489 490 497 506
508 509 510 511 514 515 518 526
531 532 534 535
wo?
35*
548
Namenregister
Napoleon, Prinz (Plon-Plon) 436 498
511 514 515
Nasmyth 45
Naut 42 246
Négrier 222
Nestor 113
Neuhof, Katharina 516
Neuhof, Theodor 516
Ney 220
Nicholson 64
Niegolewski 490
Nikolaus I 4 6 14 27 82 114 384 387 404
Nisard 104
Norgate & Williams 112 198 199
Normanby 457
Norris 162
Nothjung 410
O’Brien 275
O’Connor 95
Oedipus 369
Oelbermann 427 513
Oerstedt 193
O’Flaherty 77
Olmsted 146 148 154 166 168 170 172
187 197 198
„Oly“ oder „Ody“ 73
Omer Pasha 11 17 21 35 63 99 130
Opitz 45
Oppenheim 387
Oppenheim, Heinrich Bernhard 168 173
506 519
Ordenave 91
Orges 436 457 459
Orlando 177
Orleans 305 320
Orleans, Herzog v. 62
Orsini 279 293 294 302 304 350
Osten-Sacken 44
Oswald 114
Otto L, König von Griechenland 28
Otto, Ottomar 35 37
Otto. Karl Wunibald 146 152
Palmer s. Dunnill und Palmer 391
Palmerston (Pamm) 2 3 4 6 7 13 17 23
28 31 32 38 45 46 56 64 74 75 76 77
78 80 82 101 105 117 134 153 173
174 175 176 177 178 179 180 181 183
190 195 259 279 291 292 293 294 300
307 343 354 356 363 372 374 375 378
380 381 383 384 403 405 431 444 457
469 479 483 487 498 530
Pam s. Palmerston
Panmure 117 130
Panzer 428
Parish 183
Paskewitsch 37
Passy 235
Patkul 405
Patow 360
Patzke 506
Pauer 428 429
Paula, Frau v. (Paulaw) 338
Pauly 203 229
Payne 182
Peabody 248
Peel 170 174
Pelissier 95 305 307 320 323
Pelletan 133
Pellico 97
Pereire 161 183 194 252
Perier 482
Persigny 294 530
Peter I 106 107 108 162 183
Petermann 89 90 344
Petersen 409
Peto 179
Petsch 480 481 506 509 510 511 513 515
518 521 526 527 528 529 534 535 537
Petty 309
Petzler 11
Pfänder 40 90 319 361 370 374 378 383
388 394 457
Pfeil, Graf 116 122
Philips 331 334
Philippson 318
Pieper (Tupman; Fridolin) 1 5 12 16 18
19 21 23 34 41 45 49 57 58 63 84
106 111 118 124 125 127 132 133 134
135 139 140 142 145 146 151 167 183
186 188 190 217 219 258 262 271 279
345 346 361 375 394
Pierce 53
Pietroni & Co. 241
Pio IX 28
Pistol (Shakespeare) 190
Pitt 55 56 114
Place 194
Pion Pion s. Napoleon
Pöckel 93
Polignac 62
Pondu 265
Pott 38
Potter, J. 171 178 180 181 185
Potter, Thomas 181
Pozzo di Borgo 60 107 403 405
Prokop 112
Proudhon 30 115 161 173 268 310 312
407
Prutz 348 361
Pucteta 141
Pulszky 10 64 321 324 346 425 432 433
434
Püttmann 53
Putnam 90 94 95 109 135 146 148 150
154 159 163 166 168 187 197 198
Pyat 37 38 130 131 165 294 295 337 341
343 346 475
Radetzki 224 383 384
Radowitz 370
Raglan 117 306
Raffael 449
Namenregister
549
Redcliffe 2 123 128 129
Reed 256
Reiff 452 484
Reinach 469
Reinhardt 147
Rémusat 104
René (Chateaubriand) 28
Reschid Mustafa Pasha 4
Reuter 479
Reynolds 68 178 259 275 338 340 341
343 469
Rheinländer 488 532 534 535
Ribbentrop 348
Ribeyrolles 83
Ricardo 189 299 309 368
Ricciardi 92
Richter 534
Riego 59
Ripley, G. 213
Ripley, R. 65 67 69 71
Ripperda 107
Riza Pasha 2
Robert 114 116
Roberts 475
Robespierre 121 444
Robinson 181
Rode 70
Rodenberg, Julius 340
Römer 66
Roesgen, Charles (Charley) 163 171 263
270 463 477 484 518
Roger 316
Ronge 66 96 467
Rothschild 194 262
Rothschild, A. 139
Rotteck 382
Rudolf I., deutscher Kaiser 48
Rüstow 190 199 203 270 411 515
Rüth 153
Ruge, Agnes 246
Ruge, Arnold 10 18 30 35 38 65 66 114
136 153 168 173 246 348 357 367
Ruge (Tochter) 246
Russell 16 45 75 77 78 94 183 316 374
Rutenberg 101
Saalfeld 258
Saalfeld (Frau) 258
Sädt 97 98
Saint Arnaud 32 44 63 83
Samelson 433 435
Samo (Zaboi) 115
Samson 250
Sandwith 126
Santa Anna, Antonio Lopez de 69 70
Sassonoff 147
Saurenheimer 505
Say 367
Schaffarik 112 115
Schaible 476 477
Schamyl 10 39 49
Schapper, Karl 79 131 320 322 329 351
364 392 394 457 471 483
Schapper, Frau 364
Scharnhorst 82 84 223
Scherzer 131 349 355 388 390 402 406
414
Scheuer 119
SchiUer 348 426 428 429 430 432 434
435 436 437 439 444 451 471 490 527
528 535 536
Schily 18 27 468 469 476 482 483 486
488 501 503 514 537
Schimmelpfennig 15 17 18 19 20 22 23
24 25 26 97 459 483
Schleiden 320 326
Schlemihl, Peter (Chamisso) 35
Schleinitz 500
Schlesinger 479 529
Schlözer 112 113
Schlosser 216
Schnauffer 57 58
Schneider 42
Schneider, Karl 449
Schnurrer 113
Schöler, Lina 97 103 329 335 339 361
364 410 492
Schramm, Konrad 93 132 182 212 217
229 230 231 235 236 238 259 269 274
276 277 281 285 286 307 324
Schramm, Rudolf 231 236 269 277 289
324 343 350 357 399 423
Schröder 452
Schröder, Chr. M. 249
Schröder, J. H. 249
Schtscherbatoff 107
Schütz 353
Schunk, Souchay & Co. 253
Schwann 326
Scott 1 67 69
Sefer Pasha 174 175 318
Seiler, Sebastian 40 41 110 111 117 118
122 124 132 134 322
Seiler (Frau) HO 111 118 124
Seiler (Schwägerin) 118 124
Seiler (Schwiegermutter) 110 111
Selim Pasha 43 44
Selmnitz 171
Seminoff s. Soimonoff
Senior 299
Sewell und Neck 249
Shakespeare 125 136 348
Sheyll 405
Siborne 302
Sicore 93
Siebel 359 413 414 415 422 427 432 435
451 466 467 477 478 479 480 481 482
483 484 486 488 489 492 495 502 503
505 506 507 509 511 513 515 516 517
518 528 529
Sigel 10
Simon, Edouard 525 527
550
Namenregister
Simon, L. 124 143 161 173 519 530 533
534 535
Simpson 117
Sismondi 189
Sieveking & Mann 254
Smith, Adam 299
Smith (Miss) 203
Soimonoff 43
Solis Antonio, de 67 69
Sophokles 280 281
Soubise 55 56
Soulouque 288 381
Sparre 108
Speck 420 422 479
Saint Hilaire 272
Standau 503
Stanley 352 375
Stechan 79
Steheli 29
Steffen 3 20 51 53 78 131 186 188 190
198 199 203 217 219 231 246 361 362
390 404
Steffen (Schwester des vorigen) 246
Stein, Julius 68
Stein, General 321
Steinthai 169 415
Stevens 257
Stewart 309
Stieber 123 132 360 440 448 449 460
461 464 510
Stirner, Max 29 148
Stirner-Schmidt,Marie Wilhelmine (Frau
des vorigen) 148
Stockum 118 119
Stocqueler 196
Stratford de Redcliffe s. Redcliffe
Straton 149
Strauß, David Friedrich 38
Stritter 112 113
Strodtmann 350 528
Strohn 92 146 156 402 412 413 474
Sturge 286
Struve 349
Suse & Sibeth 248 370
Swan 117 122
Swingwood 205
Swoboda 115 121
Szemere 421 434 436 469 483 485 525
530 531
Szeredy 93
Talandier 131 294
Tassilier 123
Taube 112
Tauentzien 223
Tausenau 115 397
Taylor, Bayard 22 237
Taylor, Tom 178
Taylor, Zacharias 67 69
Tchorzewsky, Stanislaw 344
Techow 459 464 483 501 502 514 527
Teiresias 369
Teleki 436
Tellering s. Müller-Tellering
Thierry, Augustin 46 47
Thiers 28 305
Thiersch 183
Thimm, Franz 391 403 407 419 420 421
422 427 428
Tholuck, Friedrich 103
Tizian 192
Tooke 178 189 299
Touroute 123 135
Troost 265
Troupeau 5
Trübner 7 45 135 139 301 370 526
Tscharner 489
Tschernjajeff 14
Tucker 2 5 45 46 67 89 176 180
Thurneyssen 194
Türr 324 325 503 515
Turner, Jack 182
Turner, J. A. 178 182
Tussy s. Eleanor Marx
Twentyman 241 256
Tzschirner 10
Uhland 387 490 492
Ulfilas 431
Ullberg & Cramer 249
Ulloa 498
Urquhart 1 6 10 11 13 16 17 21 22 23
29 31 46 64 80 103 134 142 143 144
150 152 159 163 176 178 181 183 189
206 272 294 300 309 375 382 390 403
404 405 413 421 424 433 437 455 457
463 466 475 487 499
Valdenaire 159
Valentini 10
Valerie 323
Venedey (Kobes I.) 70 72 124 302 493
Viktor Emmanuel II 262 431 512
Villèle 58 59 60 62
Vittinghof 65
Vivian 129 130
Vögele 472 473 474 475 476
Vogt 50 381 382 385 386 397 398 401
403 410 411 424 430 431 433 437 440
441 446 454 456 457 458 459 460 461
462 463 464 465 466 467 469 470 474
475 476 477 479 482 489 490 493 494
495 496 497 500 502 506 507 509 510
511 513 514 515 516 518 519 521 522
523 524 526 527 530 532 533 534 537
Voigt 112 113
Voltaire 152
Wachsmuth 282
Walachowki 215
Waldersee 512 513
Walesrode 480 506
Walewsky 132
Namenregister
551
Walpole 294
Washington 64
Watts 15 19 331
Weber 475 476 478 482 494 496 499 516
517 522
Weerth, Georg 91 98 146 149 169
Weerth, Karl 169
Weerth, Wilhelmine 169
Weitling 29 349 390 394
Wellington 55
Wenckstern 21
Wette 282
Weselovsky 107
Wesely 116
Westphalen, Christian H. P. 82 84
Westphalen, Edgar v. 18 34 93 143 162
Westphalen, Ferdinand v. 3 4 84
Westphalen, Karoline (Schwiegermutter
von K. Marx) 3 4 38 82 84 85 140
143
Westphalen, Ludwig (Vater von Frau
Marx) 84
Westphalen, Landdrost von (Großvater
von Frau Marx) 84
Wette 282
Weydemeyer 3 6 16 17 336 361 390 391
404 478 480 497 503 504
Whiteside 384
Wiehe 468 469 471 472 473 474 475 477
Wieseltier s. Lassalle
Wigand 513
Wilhelm, Prinz von Preußen (später
Wilhelm I.) 342 357
Wilhelm IIL, König von England 107
Wilks 17 176 179
Wilkes 56
Williams 123
Willich 24 26 29 63 131 341 343 355
356 392 459 483 516
Willisen 31 32
Wilson 273
Wilson, George 181
Wilson, James 375 493
Windham 273 274 278 281
Windischgrätz 36
Wintzingerode 223
Wismamitra 111
Wiss 29 30 31 353
Wladimir 121
Wladimir s. Sassonoff
Wohl-Strauß 124
Wolff, Bernhard 479
Wolff, Ferdinand (der Rote) 72 159 492
Wolff, Wilhelm (Lupus) 4 6 12 13 14
15 16 26 33 35 45 51 63 71 85 86 89
90 95 96 99 120 122 134 135 140 147
149 159 160 162 168 175 176 183 184
185 187 190 191 192 193 195 196 200
201 210 211 212 239 250 253 257 258
259 263 266 268 269 271 275 276 278
285 286 292 295 297 301 306 315 318
319 321 322 323 325 326 335 337 338
339 340 345 346 347 351 352 354 355
364 384 390 391 394 398 399 403 407
408 411 412 413 415 417 419 420 421
427 430 432 442 443 449 455 458 460
461 462 465 466 480 481 486 496 500
515 518 520 521 523 525 527
Wood 75
Woronzov 45 183
Worth 69
Worzel 21
Wrbna 36
Wright 454
Wurm 384
Wylde 109
York, Duke of 132
York von Wartenburg 223 224
Zabel 471 482 522 523
Zaboi s. Samo
Zimmermann 475 503 505 532 533 535
Zinn 452 516
Ziska 535
Zoroaster 143
INHALT
Inhalt
Seite
Einleitung zum zweiten Bande des Briefwechsels zwischen Marx
und Engels. Vom Herausgeber VII
1854- 1860
287. Marx an Engels; 1854 Januar 5 1
288. Marx an Engels; 1854 Januar 10 1
289. Marx an Engels; 1854 Januar 18 2
290. Marx an Engels; 1854 Januar 25 4
291. Marx an Engels; 1854 Februar 9 5
292. Marx an Engels; 1854 Februar 15 6
293. Frau Jenny Marx an Engels; [1854 Februar ca. 26] ... 7
294. Marx an Engels; 1854 März 9 7
295. Marx an Engels; [1854 März ca. 11] 10
296. Marx an Engels; 1854 March 14 10
297. Engels an Marx; 1854 März 23 11
298. Marx an Engels; 1854 März 29 12
298a. Edgar Marx (Musch) an Marx in London; Manchester 1854
März 31 14
299. Engels an Marx; 1854 April 3 14
300. Marx an Engels; 1854 April 4 16
301. Marx an Engels; 1854 April 19 17
302. Engels an Marx; 1854 April 20 18
303. Engels an Marx; [1854 April ca. 21] 20
304. Marx an Engels; 1854 April 22 21
305. Engels an Marx; [1854 April ca. 24] 23
306. Marx an Engels; 1854 April 29 24
307. Engels an Marx; 1854 Mai 1 24
308. Marx an Engels; 1854 Mai 3 26
309. Marx an Engels; 1854 1854 Mai 6 29
310. Engels an Marx; 1854 Mai 9 30
311. Marx an Engels; 1854 Mai 22 33
312. Frau Jenny Marx an Engels; [1854 Mai 23] 33
313. Marx an Engels; 1854 Juni 3 34
314. Engels an Marx; 1854 Juni 10 36
315. Marx an Engels; 1854 Juni 13 37
316. Marx an Engels; 1854 Juni 21 39
317. Engels an Marx; 1854 Juni 25 40
318. Marx an Engels; 1854 Juni 27 40
319. Engels an Marx; 1854 Juli 6 41
320. Marx an Engels; 1854 Juli 7 41
321. Engels an Marx; 1854 Juli 20 42
322. Marx an Engels; 1854 Juli 22 43
323. Marx an Engels; 1854 Juli 27 45
556
Inhalt
Seite
324. Marx an Engels; 1854 August 8 49
325. Marx an Engels; 1854 August 26 49
326. Marx an Engels; 1854 September 2 50
327. Marx an Engels; 1854 September 13 52
328. Marx an Engels; 1854 September 22 53
329. Marx an Engels; 1854 September 29 53
330. Marx an Engels; 1854 Oktober 17 54
331. Marx an Engels; 1854 Oktober 25 58
332. Marx an Engels; 1854 Oktober 26 58
333. Marx an Engels; 1854 November 10 62
334. Marx an Engels; 1854 November 10 63
335. Marx an Engels; 1854 November 22 65
336. Marx an Engels; 1854 November 30 66
337. Marx an Engels; 1854 Dezember 2 67
338. Marx an Engels; 1854 Dezember 8 70
339. Marx an Engels; 1854 Dezember 15 70
340. Marx an Engels; 1855 Januar 12 72
341. Marx an Engels; 1855 Januar 17 72
342. Marx an Engels; 1855 Januar 19 73
343. Marx an Engels; [1855] Januar 24 74
344. Marx an Engels; 1855 Januar 30 74
345. Marx an Engels; 1855 Januar 31 74
346. Marx an Engels; 1855 Februar 2 78
347. Marx an Engels; 1855 Februar 13 79
348. Marx an Engels; 1855 März 3 81
349. Marx an Engels; 1855 März 8 82
350. Frau Jenny Marx an Engels; [1855 März ca. 10] 84
351. Marx an Engels; 1855 März 16 85
352. Marx an Engels; 1855 März 18 85
353. Marx an Engels; 1855 März 27 86
354. Marx an Engels; 1855 März 30 86
355. Marx an Engels; 1855 April 6 87
356. Engels an Marx; [1855] April 10 87
357. Marx an Engels; 1855 April 12 88
358. Marx an Engels; 1855 April 16 88
359. Marx an Engels; 1855 Mai 16 89
360. Marx an Engels; [1855] Juni 15 89
361. Marx an Engels; 1855 Juni 26 90
362. Marx an Engels; 1855 Juni 29 91
363. Marx an Engels; 1855 Juli 3 91
364. Marx an Engels; 1855 Juli 17 92
365. Marx an Engels; 1855 September 1 94
366. Marx an Engels; 1855 September 6 95
367. Marx an Engels; 1855 September 11 96
368. Marx an Engels; 1855 Dezember 7 96
369. Marx an Engels; 1855 Dezember 11 98
370. Engels an Marx; 1855 Dezember 12 99
371. Marx an Engels; 1855 Dezember 14 100
Inhalt 557
Seite
372. Marx an Engels; 1856 Januar 18 102
373. Engels an Marx; 1856 Februar 7 103
374. Marx an Engels; 1856 Februar 12 106
375. Marx an Engels; 1856 Februar 13 110
376. Marx an Engels; 1856 Februar 29 111
377. Marx an Engels; 1856 März 5 115
378. Engels an Marx; 1856 März 7 121
379. Marx an Engels; 1856 April 10 123
380. Engels an Marx; 1856 April 14 126
381. Marx an Engels; [1856 April 15] 127
382. Marx an Engels; 1856 April 16 130
383. Marx an Engels; 1856 April 26 132
384. Marx an Engels; 1856 Mai 7 133
385. Marx an Engels; 1856 Mai 8 133
386. Marx an Engels; 1856 Mai 23 135
387. Engels an Marx; 1856 Mai 23 136
388. Engels an Marx; 1856 Mai 26 138
389. Marx an Engels; [1856] Mai 29 139
390. Marx an Engels; 1856 Juni 5 139
391. Marx an Engels; 1856 Juni 6 140
392. Marx an Engels; 1856 Juli 28 140
393. Marx an Engels; 1856 August 1 142
394. Engels an Marx; 1856 August 4 144
395. Marx an Engels; 1856 September 22 145
396. Marx an Engels; 1856 September 26 148
397. Engels an Marx; [1856 September 26] 149
398. Engels an Marx; [1856 Oktober 9] 151
399. Marx an Engels; 1856 Oktober 16 152
400. Marx an Engels; 1856 Oktober 30 153
401. Marx an Engels; 1856 Oktober 30 153
402. Engels an Marx; 1856 November 17 155
403. Marx an Engels; 1856 Dezember 2 157
404. Marx an Engels; 1856 Dezember 22 159
405. Marx an Engels; 1857 Januar 10 160
406. Marx an Engels; 1857 Januar 14 162
407. Marx an Engels; 1857 Januar 20 163
408. Engels an Marx; [1857 Januar ca. 22] 165
409. Marx an Engels; 1857 Januar 23 166
410. Marx an Engels; 1857 Februar 6 168
411. Marx an Engels; 1857 Februar 16 168
412. Marx an Engels; [1857] Februar 24 170
413. Engels an Marx; 1857 März 11 171
414. Marx an Engels; [1857] März 18 172
415. Engels an Marx; 1857 März 20 175
416. Marx an Engels; 1857 März 24 176
417. Marx an Engels; 1857 März 31 178
418. Engels an Marx; 1857 März 31 179
419. Engels an Marx; 1857 April 2 181
558
Inhalt
Seite
420. Marx an Engels; 1857 April 9 182
421. Frau Jenny Marx an Engels; [1857 April ca. 12] 184
422. Engels an Frau Jenny Marx; [1857 April ca. 16] .... 184
423. Marx an Engels; 1857 April 21 185
424. Engels an Marx; [1857 April 22] 185
425. Marx an Engels; 1857 April 23 188
426. Marx an Engels; 1857 Mai 8 190
427. Engels an Marx; 1857 Mai 11 191
428. Engels an Marx; 1857 Mai 20 192
429. Marx an Engels; 1857 Mai 22 193
430. Marx an Engels; 1857 Mai 23 195
431. Engels an Marx; 1857 Mai 28 196
432. Marx an Engels; 1857 Juni 15 197
433. Charles A. Dana an Marx in London; New York 1857 Juni 11.
. Mit Brief von Marx an Engels; 1857 Juni 29 197
434. Marx an Engels; [1857] Juli 3 198
435. Marx an Engels; [1857] Juli 3 198
436. Marx an Engels; 1857 Juli 6 199
437. Marx an Engels; 1857 Juli 8 200
438. Engels an Marx; [1857 Juli 11] 200
439. Marx an Engels; 1857 Juli 11 201
440. Marx an Engels; 1857 Juli 14 202
441. Marx an Engels; 1857 Juli 16 203
442. Marx an Engels; 1857 Juli 24 203
443. Engels an Marx in London; Waterloo 1857 Juli 30 . . . . 204
444. Frau Jenny Marx an Engels in Waterloo; [London 1857
. August ca. 3] 205
445. Marx an Engels in Waterloo; London 1857 August 9 . . . 206
446. Marx an Engels in Waterloo; [London] 1857 August 15 . 206
447. Engels an Marx in London; Waterloo 1857 August 21 . . 208
448. Engels an Marx in London; Waterloo 1857 August 25 . . 210
449. Marx an Engels; 1857 August 26 212
450. Engels an Marx in London; Ryde 1857 September 8 . . 213
451. Engels an Marx in London; [Ryde 1857] September 10 . 214
452. Marx an Engels in Ryde; [London 1857] September 15 . 215
453. Marx an Engels in Ryde; [London] 1857 September 17 . 216
454. Engels an Marx in London; Ryde 1857 September 18 . . 217
455. Marx an Engels in Ryde; London 1857 September 21 . . 218
456. Engels an Marx in London; Ryde 1857 September 21 . . 219
457. Engels an Marx in London; Ryde 1857 September 22 . . 221
458. Marx an Engels in Ryde; [London 1857] September 23 224
459. Engels an Marx in London; Ryde 1857 September 24 . . 225
460. Marx an Engels in Ryde; [London] 1857 September 25 . 228
461. Engels an Marx in London; Jersey 1857 Oktober 6 . . . 229
462. Engels an Marx in London; Jersey 1857 Oktober 19 . . 231
463. Marx an Engels in Jersey; [London] 1857 Oktober 20 . . 232
464. Engels an Marx in London; Jersey 1857 Oktober 29 . . . 235
465. Marx an Engels in Jersey; [London 1857] Oktober 31 . . 237
466. Engels an Marx in London; London [1857 November 6] . 238
Inhalt 559
Seite
467. Marx an Engels; 1858 November 13 238
468. Engels an Marx; 1857 November 15 239
469. Engels an Marx; 1857 November 16 243
470. Engels an Marx; 1857 November 17 243
471. Marx an Engels; 1857 November 24 245
472. Engels an Marx; 1857 Dezember 7 247
473. Marx an Engels; 1857 Dezember 8 250
474. Engels an Marx; 1857 Dezember 9 253
475. Engels an Marx; 1857 Dezember 11 254
476. Engels an Marx; 1857 Dezember 17 256
477. Marx an Engels; 1857 Dezember 18 257
478. Marx an Engels; 1857 Dezember 22 258
479. Marx an Engels; 1857 Dezember 25 260
480. Marx an Engels; [1857] Dezember 30 263
481. Engels an Marx; 1857 Dezember 31 263
482. Marx an Engels; 1858 Januar 1 267
483. Marx an Engels; [1858] Januar 5 267
484. Engels an Marx; 1858 Januar 6 268
485. Engels an Marx; 1858 Januar 7 270
486. Marx an Engels; 1858 Januar 7 271
487. Marx an Engels; [1858] Januar 11 273
488. Engels an Marx; 1858 Januar 14 273
489. Marx an Engels; 1858 Januar 14 274
490. Engels an Marx; 1858 Januar 15 276
491. Marx an Engels; 1858 Januar 23 276
492. Engels an Marx; 1858 Januar 25 277
493. Engels an Marx; 1858 Januar 28 278
494. Marx an Engels; [1858] Januar 28 279
495. Marx an Engels; 1858 Januar 29 280
496. Engels an Marx; 1858 Januar 30 281
497. Marx an Engels; 1858 Februar 1 282
498. Engels an Marx; 1858 Februar 8 284
499. Marx an Engels; [1858] Februar 10 285
500. Engels an Marx; 1858 Februar 11 286
501. Marx an Engels; 1858 Februar 14 287
502. Engels an Marx; 1858 Februar 18 288
503. Marx an Engels; 1858 Februar 22 289
504. Engels an Marx; 1858 Februar 24 291
505. Engels an Marx; 1858 März 1 293
506. Marx an Engels; 1858 März 2 293
507. Engels an Marx; 1858 März 4 295
508. Marx an Engels; 1858 März 5 297
509. Marx an Engels; [1858] März 9 300
510. Engels an Marx; 1858 März 11 300
511. Marx an Engels; [1858] März 15 301
512. Engels an Marx; [1858 März ca. 16] 301
513. Engels an Marx; 1858 März 17 302
514. Engels an Marx; [1858 März ca. 26] 306
560
Inhalt
Seite
515. Marx an Engels; 1858 März 29 306
516. Marx an Engels; 1858 April 2 307
517. Engels an Marx; 1858 April 9 312
518. Frau Jenny Marx an Engels; [1858 April 9] 314
519. Engels an Frau Jenny Marx; 1858 April 14 315
520. Engels an Marx; 1858 April 22 316
521. Marx an Engels; 1858 April 29 317
522. Engels an Marx; 1858 April 30 318
523. Marx an Engels; [1858] Mai 1 318
524. Engels an Frau Jenny Marx; 1858 Mai 11 319
525. Engels an Jenny und Laura Marx; 1858 Mai 11 319
526. Marx an Engels; 1858 Mai 31 320
527. Marx an Engels; 1858 Juni 7 322
528. Engels an Marx; 1858 Juni 9 323
529. Marx an Engels; 1858 Juli 2 324
530. Engels an Marx; 1858 Juli 14 325
531. Marx an Engels; 1858 Juli 15 327
532. Engels an Marx; 1858 Juli 16 330
533. Marx an Engels; 1858 Juli 20 332
534. Marx an Engels; [1858] Juli 25 332
535. Marx an Engels; 1858 August 8 333
536. Engels an Marx; 1858 August 10 335
537. Marx an Engels; 1858 August 13 336
538. Marx an Engels; 1858 August 18 337
539. Marx an Engels; 1858 September 21 337
540. Engels an Marx; 1858 Oktober 7 339
541. Marx an Engels; 1858 [Oktober 8] 341
542. Engels an Marx; 1858 Oktober 21 343
543. Marx an Engels; [1858 Oktober 29J 345
544. Marx an Engels; 1858 November 2 345
545. Marx an Engels; 1858 November 10 346
546. Marx an Engels; 1858 November 24 347
547. Marx an Engels; 1858 November 29 348
548. Marx an Engels; 1858 Dezember 11 350
549. Marx an Engels; 1858 Dezember 16 351
550. Marx an Engels; [1858] Dezember 17 351
551. Marx an Engels; 1858 Dezember 22 353
552. Marx an Engels; 1858 Dezember 28 353
553. Marx an Engels; 1858 Dezember 30 354
554. Marx an Engels; 1858 Januar 6 355
555. Marx an Engels; 1858 Januar 8 356
556. Marx an Engels; [1859 Januar 15] 356
557. Marx an Engels; [1859] Januar 21 357
558. Marx an Engels; [1859 Januar 26] 358
559. Engels an Marx; 1859 Januar 27 358
560. Marx an Engels; 1858 Januar 28 359
561. Marx an Engels; 1858 Februar 2 360
562. Marx an Engels; 1858 Februar 8 360
Inhalt 561
Seite
563. Marx an Engels; 1859 Februar 9 361
564. Engels an Marx; 1859 Februar 10 362
565. Engels an Marx; 1859 Februar 14 362
566. Marx an Engels; 1859 Februar 15 363
567. Marx an Engels; [1859 Februar 21] 364
568. Marx an Engels; 1859 Februar 22 365
569. Marx an Engels; 1859 Februar 25 365
570. Marx an Engels; 1859 Februar 25 366
571. Marx an Engels; 1859 März 3 370
572. Engels an Marx; 1859 März 4 371
573. Marx an Engels; 1859 März 10 371
574. Marx an Engels; 1859 März 16 373
575. Marx an Engels; [1859 März 22] 373
576. Marx an Engels; [1859] März 25 374
577. Marx an Engels; 1859 April 1 374
578. Marx an Engels; 1859 April 9 375
579. Engels an Marx; 1859 April 11 376
580. Marx an Engels; 1859 April 12 376
581. Marx an Engels; [1859] April 16 377
582. Marx an Engels; [1859] April 19 378
583. Marx an Engels; 1859 April 22 379
584. Marx an Engels; 1859 Mai 6 382
585. Marx an Engels; 1859 Mai 16 385
586. Marx an Engels; 1859 Mai 18 385
587. Engels an Marx; 1859 Mai 23 391
588. Marx an Engels; 1859 Mai 24 392
589. Marx an Engels; [1859] Mai 25 393
590. Marx an Engels; [1859] Mai 27 394
591. Marx an Engels; [1859] Mai 28 395
592. Marx an Engels; 1859 Juni 1 396
593. Marx an Engels; [1859] Juni 7 397
594. Marx an Engels; 1859 Juni 10 398
595. Marx an Engels; 1859 Juli 14 399
596. Engels an Marx; 1859 Juli 14 401
597. Marx an Engels; 1859 Juli 18 402
598. Engels an Marx; 1859 Juli 18 402
599. Marx an Engels; 1859 Juli 19 404
600. Engels an Marx; [1859 Juli 20] 406
601. Marx an Engels; 1859 Juli 22 406
602. Engels an Marx; 1859 Juli 25 408
603. Marx an Engels; [1859] August 1 409
604. Engels an Marx; 1859 August 3 411
605. Marx an Engels; 1859 August 8 412
606. Engels an Marx; 1859 August 10 413
607. Marx an Engels; 1859 August 13 414
608. Marx an Engels; [1859] August 26 415
609. Marx an Engels; [1859 September 5] 416
610. Engels an Marx; [1859 September 8] 416
611. Marx an Engels; 1859 September 21 416
Marx-Engels-Gesamtausgabe, III. Abt., Bd. 2 36
562
Inhalt
Seite
612. Engels an Marx; 1859 September 22 417
613. Marx an Engels; [1859] September 23 418
614. Engels an Marx; [1859 September ca. 25] 419
615. Marx an Engels; [1859 September 27] 420
616. Marx an Engels; [1859] September 28 420
617. Engels an Marx; 1859 Oktober 3 421
618. Marx an Engels; [1859] Oktober 5 422
619. Marx an Engels; 1859 Oktober 10 425
620. Marx an Engels; 1859 Oktober 26 426
621. Engels an Marx; 1859 Oktober 28. (Fragment) .... 427
622. Marx an Engels; 1859 November 3 428
623. Engels an Marx; 1859 November 4 430
624. Engels an Frau Jenny Marx; 1859 November 5 432
625. Marx an Engels; 1859 November 7 433
626. Marx an Engels; 1859 November 16 434
627. Engels an Marx; 1859 November 17 434
628. Marx an Engels; 1859 November 19 436
629. Marx an Engels; 1859 November 26 440
630. Engels an Marx; 1859 November 28 442
631. Marx an Engels; [1859 Dezember 1] 443
632. Marx an Engels; 1859 Dezember 10 444
633. Engels an Marx; [1859 Dezember ca. 12] 447
634. Marx an Engels; 1859 Dezember 13 448
635. Marx an Engels; 1859 Dezember 20 449
636. Engels an Frau Jenny Marx; 1859 Dezember 22 450
637. F. Freiligrath an Marx; London 1860 Januar 11. Mit Brief
von Marx an Engels 452
638. Marx an Engels; 1860 Januar 25 454
639. Engels an Marx; 1860 Januar 26 454
640. Marx an Engels; [1860] Januar 28 456
641. Engels an Marx; 1860 Januar 31 458
642. Marx an Engels; 1860 Januar 31 460
643. Engels an Marx; 1860 Februar 1 461
644. Engels an Marx; 1860 Februar 2 462
645. Marx an Engels; 1860 Februar 3 463
646. Engels an Marx; 1860 Februar 4 465
647. Marx an Engels; 1860 Februar 4 466
648. Engels an Marx; 1860 Februar 7 467
649. Marx an Engels; 1860 Februar 7 467
650. Marx an Engels; 1860 Februar 9 468
651. Engels an Marx; 1860 Februar 9 473
652. Engels an Marx; 1860 Februar 12 474
653. Marx an Engels; 1860 Februar 13 474
654. Marx an Engels; 1860 Februar 14 476
655. Marx an Engels; 1860 Februar 15 476
656. Engels an Marx; 1860 April 8 477
657. Marx an Engels; 1860 April 9 478
658. Marx an Engels; 1860 April 12 479
Inhalt 563
Seite
659. Marx an Engels; 1860 April 16 480
660. Marx an Engels; 1860 April 17 481
661. Marx an Engels; 1860 April 24 482
662. Marx an Emgels; 1860 Mai 7 483
663. Engels an Marx; 1860 Mai 7 483
664. Marx an Emgels; 1860 Mai 8 484
665. Emgels an Marx; 1860 Mai 10 485
666. Emgels an Marx; 1860 Mai 11 486
667. Marx an Engels; 1860 Mai 28 486
668. Engels an Marx; 1860 Mai 31 487
669. Marx an Engels; 1860 Juni 2 488
670. Marx an Engels; 1860 Juni 14 489
671. Marx an Engels; 1860 Juni 16 489
672. Engels an Marx; 1860 Juni 20 490
673. Marx an Engels; 1860 Juni 25 492
674. Engels an Marx; [1860 Juni 25] 494
675. Marx an Engels; 1860 Juni 26 494
676. Engels an Marx; 1860 Juni 26 495
677. Engels an Marx; [1860 Juni 27] 495
678. Marx an Emgels; 1860 Juni 28 495
679. Emgels an Marx; [1860 Juni ca. 29] 496
680. Marx an Engels; [1860] Juli 9 496
681. Marx an Emgels; [1860] Juli 17 497
682. Marx an Engels; [1860] Juli 21 498
683. Engels an Marx; [1860 Juli ca. 23] 498
684. Marx an Engels; [1860] Juli 25 499
685. Marx an Engels; [1860] Juli 29 499
686. Engels an Marx; [1860] August 1 500
687. Marx an Engels; [1860] August 4 501
688. Frau Jenny Marx an Engels; [1860 August 14] 501
689. Engels an Frau Jenny Marx; 1860 August 15 502
690. Marx an Engels; 1860 August 27 503
691. Marx an Engels; 1860 August 29 503
692. Marx an Engels; 1860 September 1 504
693. Marx an Engels; [1860 September ca. 8] 505
694. Marx an Engels; 1860 September 13 505
695. Marx an Engels; 1860 September 15 505
696. Engels an Marx; 1860 September 15 507
697. Marx an Engels; [1860] September 20 508
698. Marx an Engels; 1860 September 25 508
699. Engels an Marx; 1860 Oktober 1 510
700. Marx an Engels; 1860 Oktober 2 513
701. Engels an Marx; 1860 Oktober 5 514
702. Marx an Engels; 1860 Oktober 11 516
703. Marx an Engels; 1860 Oktober 25 516
704. Marx an Engels; 1860 November 5 517
705. Marx an Engels; 1860 November 13 517
706. Marx an Emgels; 1860 November 14 519
707. Marx an Emgels; 1860 November 21 520
36e
564
Inhalt
Seite
708. Marx an Engels; 1860 November 23 520
709. Marx an Engels; [1860] November 26 521
710. Marx an Engels; 1860 November 28 523
711. Engels an Marx; 1860 Dezember 3 524
712. Engels an Marx; 1860 Dezember 5 525
713. Marx an Engels; [1860] Dezember 5 526
714. Marx an Engels; 1860 Dezember 6 527
715. Engels an Marx; [1860 Dezember 8] 528
716. Marx an Engels; [1860] Dezember 12 529
717. Engels an Marx; 1860 Dezember 18 530
718. Marx an Engels; 1860 Dezember 18 531
719. Engels an Marx; 1860 Dezember 19 532
720. Marx an Engels; 1860 Dezember 19 532
721. Marx an Engels; 1860 Dezember 23 533
722. Marx an Engels; 1860 Dezember 26 534
723. Marx an Engels; 1860 Dezember 27 536
Namenregister 539
Beilagen
Tafel I. Marx an Engels, 16. April 1856, über die Unter¬
stützung der proletarischen Revolution durch einen
„Bauernkrieg“ vor S. 131
Tafel II. Das Haus in London, in dem Marx von Oktober 1856
bis April 1864 gewohnt hat (9, Graftonterrace, Mait¬
landpark) vor S. 219
Tafel III. Marx an Engels, 2. April 1858; ursprünglicher
Plan des „Kapital“; Entwurf der „Kritik der politischen
Ökonomie“ vor S. 309
Tafel IV. Engels an Marx, 14. Juli 1858, über Hegels Natur¬
philosophie vor S. 327
Tafel V. Engels an Marx, ca. 12. Dezember 1859, über
Darwin vor S. 447