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TR-Verlagsunion
Grundkurs I-III


PAUK MIT: LATEIN Grundkurs I - III Übungsbuch zu der Fernsehserie des Bayerischen Rundfunks von Brita Linneweh - Josef Veitenhansl TR-Veriagsunion
Vorwort zur 3. Auflage 1984 Die vier Bände „Pauk mit: Latein" sind die Textbücher zur gleichnamigen Sende¬ reihe des Bayerischen Fernsehens. Die zuständige Redaktion will mit diesen Sendungen den Versuch unternehmen, die lateinische Formenlehre knapp und übersichtlich darzustellen, sie optisch aufzubereiten. Die eingeblendete Schrift¬ grafik — im vorliegenden Buch in Kästchen hervorgehoben — kann nach Meinung der .Redaktion und der Autoren entscheidend dazu beitragen, daß sich der Leser die Formenlehre besser einprägen kann. Mit den knappen kulturgeschichtlichen Informationen, die jeweils im Zusammenhang mit den Obungssätzen stehen, sollte der Grammatikstoff ein wenig aufgelockert werden. Das vorliegende Buch gibt den gesamten Text von „Pauk mit: Latein" Grundkurs I wieder. Zusätzlich wurden noch einige Obungssätze angehängt und der Wort¬ schatz jeder Sendung jeweils am Ende zusammengefaßt. Dieses Buch kann auch unabhängig von den Fernsehsendungen von den (Wieder-) Lernenden verwendet werden. Die dritte Auflage ist ein Beweis dafür, daß diese Konzeption von den Lesern angenommen worden ist. München, den 1. August 1984 Brita Linneweh Josef Veitenhansl 1. Sonderauflage 1988 © 1975 by TR-Verlagsunion GmbH, München Alle Rechte Vorbehalten Einbandgestaltung: Lothar Kossmehl, München. Druck: Gebr. Bremberger, München. ISBN: 3-8058-2180-8
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS LI Dieser Grundkurs will all denen eine Hilfe sein, die Latein als neue Fremdsprache lernen oder die Ihre Lateinkenntnisse wieder auffrischen wollen. Wie Sie wissen, fordert das Erlernen jeder neuen Sprache zunächst ein grammatikalisches Grund¬ wissen, das wir Ihnen in diesem und den folgenden Kursen in gedrängter Form an¬ bieten wollen. Auch wenn Sie das schriftliche Begleitmaterial benutzen, verlangt dieser Kurs — und darauf wollen wir Sie gleich zu Beginn hinwelsen — Ihre kon¬ zentrierte Aufmerksamkeit. Noch ein Hinweis: Wir werden von Arrfapg an die lateinischen Bezeichnungen für die grammatikalischen Begriffe verwenden. Die Kenntnis dieser Termini müssen wir voraussetzen. Jede einzelne Sendung wird Ihnen aber auch etwas vom Leben der römischen Antike vermitteln, von einer Zeit, als Latein noch die am weitesten verbreitete Sprache in Europa war. Die Römer waren ursprünglich ein Bauernvolk. Aus diesem Bereich sind unsere beiden Sätze genommen: Rusticus arat. Der (ein) Bauer pflügt. Ancillae in horto sunt. Die Mägde sind im Garten. An diesen Sätzen kann man schon sehen: 1. Im Lateinischen gibt es keinen Artikel: der Bauer: rusticus, die Mägde: ancillae. 2. Im Lateinischen werden alle Wörter klein geschrieben. Ausnahmen sind: Satz¬ anfänge, hier rusticus und ancillae, und Eigennamen, wie zum Beispiel Roma — Rom, sowie die von Eigennamen abgeleiteten Adjektive, wie zum Beispiel Romanus — römisch. 3. Lateinische Wörter werden Im allgemeinen auf der vorletzten Silbe betont: Romänus. Noch ein Wort zur Aussprache des Buchstaben c: Die Römer der republikanischen Zeit sprachen c stets wie k, also: Kikero. Doch schon in der Spätantike ging man bei c vor e und i zur Aussprache z über, also: Zizero. Solange Latein noch eine ge¬ sprochene Sprache war. In der katholischen Kirche beispielsweise bis In die Mitte der 60er Jahre unseres Jahrhunderts, ist man bei dieser Aussprache geblieben. Hier nun die Vokabeln unserer beiden Sätze. Es ist zweckmäßig, bei den Substan¬ tiven den Genitiv gleich mitzulernen: rusticus, rustici — der Bauer arat — er, sie, es pflügt ancilla, ancillae — die Magd hortus, horti — der Garten sunt — sie sind
Da dem Lateiner beim Substantiv der Artikel fehlt, muß er auf andere Weise Fälle und Geschlechter unterscheiden: nämlich durch die Wortausgänge. Merke: Wortausgänge beachten! Die Wortausgänge werden an den Wortstock angehängt. Das wollen wir uns bei der 1. Deklination^der a-Deklination,ansehen. Unser Beispiel: mensa, mensae — der Tisch. mensa — der Tisch mensae — des Tisches mensae — dem Tische mensam — den Tisch mensa — o Tisch mensa — durch den Tisch von dem Tisch mit dem Tisch mensae — die Tische mensarum — der Tische mensisden Tischen mensas — die Tische mensae — o Tische mensis — durch die Tische von den Tischen mit den Tischen a-Deklination Singular Plural Nominativ: mens a mens ae Genitiv: mens ae mens arum Dativ: mens ae mens is Akkusativ: mens am mens as Vokativ: mens a mens ae Ablativ: mens a mens is Die Wortausgänge haben in fast allen Formen ein -a-; der Wortstock bleibt in allen Formen unverändert! Das Lateinische hat außer den vier auch im Deutschen vorhandenen Kasus Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ zwei weitere: Einmal den Vokativ zum Ausdruck der Anrede: mensa — o Tisch. Er ist meist formengleich mit dem Nominativ, und wir werden ihn nur noch dann nennen, wenn er eine andere Form aufweist als der Nonilnativ. Außerdem gibt es den Ablativ, der verschiedene Funktionen hat: er steht zum Ausdruck des Mittels auf die Frage "womit?" "wodurch?", zum Beispiel: aqua recreare — mit Wasser erfrischen; zum Ausdruck der Trennung auf die Frage "wovon?", zum Beispiel: curis liberare von Sorgen befreien. Schließlich steht der Ablativ zur Bestimmung eines Gegenstandes oder eines Begriffs nach Raum und Zeit auf die Frage "wo?" "wann?". Zum Beispiel: terra — zu Lande, autumno — im Herbst. Bei der Übersetzung eines lateinischen Ablativs ins Deutsche benötigt man Immer eine Präposition.
Die Substantive der a-Deklination sind Feminina. Ausnahmen: männliche Berufsbezeichnungen wie poeta, poetae - der Dichter, agricola, agricolae — der Bauer, nauta, nautae — der Seemann und Flußnamen wie Isara, Isarae — die Isar sind Maskulina. Rusticus — der Bauer gehört zu der 2. Deklination, der o-Deklination. Wir sehen uns auch diese Deklination an und zwar am Beispiel von dominus, domini — der Herr: dominus - der Herr domini — des Herrn domino — dem Herrn dominum — den Herrn dom ine — o Herr domini — die Herren dominorum — der Herren dominis — den Herren dominos — die Herren domini — o Herren cum domino — mit dem Herrn cum dominis — mit den Herren o-Deklination Singular Plural Nominativ: domin us domin i Genitiv: domin i domin orum Dativ: domin o dom in is Akkusativ: domin um domin os Vokativ: domin e domin i Ablativ: cum domin o cum domin is Die Substantive der o-Deklination mit der Endung -us sind in der Regel Maskulina. Rusticus arat — der oder ein Bauer pflügt. Bis in die Zeit um 200 v.Chr. konnte er dies als freier Bauer tun — dann wurde er von landwirtschaftlichen Großbetrieben verdrängt. Landflucht und Anwachsen des Stadtproletariats waren Folgen dieser Entwicklung. Doch die römische Kultur behielt immereinen gewissermaßen agra¬ rischen Hintergrund. Bis heute Ist der Italienische Stadtadel stolz darauf, Wein aus der eigenen Kelterei oder Öl von eigenen Olivenhainen anzubieten. Wir haben gesehen, daß beim Substantiv die Formen aus dem Wortstock und den Ausgängen gebildet werden. Ähnlich werden die Formen des Verbums gebildet: An den Verbalstamm werden die Personalendungen angefügt: bei arat — er, sie, es pflügt. Ist ara- der Verbalstamm und -t die Endung für die 3. Person Singular. Nach
dem -a- des Stammauslauts gehört arat zur a-Konjugation, die man auch mit 1. Konjugation bezeichnet. Ihre Formen des Indikativ Präsens Aktiv heißen: aro - ich pflüge aras — du pflügst arat — er, sie, es pflügt aramus — wir pflügen aratis — ihr pflügt arant — sie pflügen a-Konjugation Indikativ Präsens aro ara s ara t ara mus ara tis ara nt Aktiv Die gleichen Endungen werden auch an die Stammauslaute anderer Konjugationen angehängt. So bei der 2. oder e-Konjugation: moneo — ich mahne mones — du mahnst monet — er, sie, es mahnt monemus — wir mahnen monetis — ihr mahnt monent — sie mahnen e-Konjugation Indikativ Präsens Aktiv mone o mone s mone t mone mus mone tis mone nt
Entsprechend wird auch die 4. Konjugation, die i-Konjugation gebildet: audio — ich höre audis — du hörst audit — er, sie,es hört audimus — wir hören auditis — ihr hört audiunt — sie hören i-Konjugation Indikativ Präsens audi o audi s audi t audi mus audi tis audi u nt Aktiv Bei audiunt ist zwischen Wortstamm audi- und Endung -nt ein -u- eingeschoben. Jetzt fehlt uns nur noch die 3. Konjugation, die konsonantische Konjugation. Sie hat dieselben Endungen, nur wird zwischen den Konsonanten des Verbalstamms und der Endung ein Vokal eingefügt, ein -i- oder ein -u-, damit man es besser aus¬ sprechen kann: lego — ich lese legis — du liest legit — er, sie, es liest legimus - wir lesen legitis — ihr lest legunt — sie lesen Konsonantische Konjugation Indikativ Präsens Aktiv leg o leg i s leg i t leg i mus leg i tis leg u nt
Im Lateinischen ist - wie wir bei den Konjugationen gesehen haben — die Perso¬ nalbestimmung und damit oft das Subjekt im Verbum enthalten: arat - er pflügt. Deshalb beginnen wir beim Übersetzen lateinischer Sätze am besten immer mit dem Verbum und fragen von da her den Satz weiter ab. Zum Beispiel: Dominus villam possidet. possidet — er, sie, es besitzt Wer besitzt? dominus - der Herr. Wen oder was besitzt der Herr? villam — ein Landgut. Also: Der Herr besitzt ein Landgut.* Übrigens hat sich aus dem Wort villa — ursprünglich ein bäuerlicher Landbesitz — im Französischen village — Dorf und ville — Stadt entwickelt, im Deutschen "der Weiler" für eine Siedlung und "die Villa" für ein stattliches Einfamilienhaus. *Statt durch Fragen in der angedeuteten Art kann man einen Satz selbstverständ¬ lich auch durch eine grammatikalische Bestimmung der einzelnen Wortformen aufschlüsseln und übersetzen: possidet 3. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv von possidere besitzen: er, sie, es besitzt dominus Nominativ Singular der Herr im Satz: Subjekt zu possidet villam Akkusativ Singular das, ein Landgut im Satz: Akkusativobjekt zu dominus possidet In der Praxis des Übersetzens wird wohl die eine Art des Fragens die andere der exakten grammatikalischen Bestimmung ergänzen. Zusätzlicher Übungssatz: Ancilla aquam portat. portat er, sie, es trägt oder bringt ist das Verbum. Wer bringt? ancilla — die Magd. Wen oder was bringt die Magd? aquam — Wasser. Also: Die Magd bringt Wasser.
Wortschatz ancilla, -ae f die Magd Roma, -ae f Rom mensa, -ae f der Tisch cura, -ae f die Sorge terra, -ae f das Land, die Erde villa, -ae f das Landgut, das Landhaus poeta, -ae m der Dichter agricola, -ae m der Bauer nauta, -ae m der Seemann Isara,-ae m die Isar rusticus, -i m der Bauer hortus, -i m der Garten autumnus, -i m der Herbst dominus, -i m der Herr aro ich pflüge moneo ich mahne audio ich höre lego ich lese sunt sie sind possideo ich besitze porto ich trage, ich bringe in in (mit Abi. auf die Frage wo?) cum zusammen mit (mit Abi.)
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 1,2 Wir haben in der vorigen Lektion gesagt, daß es für einen römischen Adeligen durchaus standesgemäß war, Landwirtschaft zu betreiben. Es ging ihm dabei in erster Linie um den Gewinn aus den landwirtschaftlichen Produkten. Er folgte der Mahnung. Vendat oleum, si pretium habeat. Er verkaufe das Öl, wenn es einen Preis hat - gemeint ist: wenn es einen guten Preis hat. Und noch eine kürzere Aufforderung: Agrum aret — er pflüge den Acker, er möge den Acker pflügen. Die Vokabeln unserer beiden Sätze lauten: vendat - er, sie, es möge verkaufen; er, sie, es verkaufe oleum, olei n — das Ol si — wenn, falls pretium, pretii n — der Preis, der Wert habeat — er, sie, es habe; er, sie, es möge haben ager, agri m - der Acker aret — er, sie, es pflüge,- er, sie, es möge pflügen Wenden wir uns zunächst den Substantiven zu. Da fällt vor allem das Wort ager — der Acker auf, da es nicht auf -us endet wie unser Beispiel dominus - der Herr aus der vorigen Sendung. Ager gehört jedoch auch zur o-Deklination und unter¬ scheidet sich in den Wortausgängen nur im Nominativ von dominus; statt auf -us endet es auf -er: ager — der Acker agri — des Ackers agro — dem Acker agrum — den Acker in agro — auf dem Acker agri — die Äcker agrorum — der Äcker agris — den Äckern agros — die Äcker In agris — auf den Äckern o-Deklination Singular Plural Nominativ: ager agr i Genitiv: agr i agr orum Dativ: agr o agr is Akkusativ: agr um agr os Ablativ: In agr o in agr is Da der Vokativ bei allen Substantiven außer bei denen auf -us, mit dem Nominativ formengleich ist, werden wir ihn nicht mehr besonders erwähnen. Einige der Wörter auf -er, die zur o-Deklination gehören, behalten das -e- in allen Kasus. Die 10
wichtigsten davon sind: puer, pueri — der Knabe, vesper, vesperi - der Abend oder der Abendstern, liberi, liberorum - die Kinder, nicht zu verwechseln mit dem sehr ähnlichen Wort: liber, libri - das Buch. Ebenso wie puer, pueri wird auch vir, viri — der Mann dekliniert. Wir üben die Wortausgänge der o-Deklina- tion noch einmal: puer — der Knabe pueri — des Knaben puero — dem Knaben puerum — den Knaben cum puero — mit dem Knaben pueri — die Knaben puerorum — der Knaben pueris — den Knaben pueros - die Knaben cum pueris — mit den Knaben o-Deklination Nominativ: Genitiv: Dativ: Akkusativ: Singular Plural puer puer i puer i puer orum puer o puer is puer um puer OS puer o cum puer is Die Substantive der o-Deklination auf -us und -er sind in der Regel Maskulina. Zur o-Deklination gehören auch die Neutra auf -um, wie zum Beispiel pratum, prati — die Wiese: pratum — die Wiese prati — der Wiese prato — der Wiese pratum — die Wiese in prato — auf der Wiese prata — die Wiesen pratorum — der Wiesen pratis — den Wiesen prata - die Wiesen in pratis — auf den Wiesen o-Deklination Singular Plural Nominativ: prat um prat a Genitiv: prat i prat orum Dativ: prat o prat is Akkusativ: prat um prat a Ablativ: in prat o in prat is Bei allen Neutra sind der Nominativ, der Akkusativ und der Vokativ im Singular: pratum — und im Plural: prata — jeweils formengleich. Vendat oleum, si pretium habeat - Er verkaufe das öl, wenn es einen guten Preis hat. Ein römischer Adeliger konnte sich an Geldgeschäften nicht beteiligen. Dagegen war das Einkommen aus einem großen Landbesitz eine ehrenwerte Sache. Im 2. Jahrhundert vor Christus hatte man in Rom die landwirtschaft¬ lichen Methoden des hellenistischen Ostens übernommen,und so wuchs die Ren¬ 11
tabilität der nun entstandenen Großbetriebe beträchtlich. Man setzte verstärkt Sklaven ein, betrieb eine systematische Viehzucht und befaßte sich mit der Ver¬ edelung vorhandener und dem Anbau neuer Kulturpflanzen, öl und Wein gehör¬ ten zu den Produkten,die den größten Gewinn brachten. Der Getreideanbau ging zurück — übrigens wurde das Korn wie der Wein in Tonkrügen aufbewahrt — und das einstmals wirtschaftlich unabhängige Italien war auf Getreideeinfuhren aus Sizilien, Ägypten und Nordafrika angewiesen, das bis ins 7./8. Jahrhundert nach Christus sehr fruchtbar war. Agrum aret — er möge den Acker pflügen. Wie das Deutsche hat auch das Lateini¬ sche drei Modi oder Aussageweisen: Indikativ oder Wirklichkeitsform, Konjunktiv oder Möglichkeitsform, Imperativ oder Befehlsform. Der Indikativ war Stoff der vorigen Lektion. In unserem Satz agrum aret steht das Verb im Konjunktiv. Der Konjunktiv drückt eine Möglichkeit, einen Wunsch oder eine subjektive Annahme aus: Vendat oleum, si pretium habeat — hier bezeichnet der Konjunktiv in habeat eine bloße Annahme oder Vermutung. Wir haben im Konjunktiv dieselben Personalendungen wie im Indikativ, außer in der ersten Person Singular: statt -o ein -m. Zusätzlich aber wird ein Moduskenn¬ zeichen zwischen Verbalstamm und Endung eingeschoben. Bei der e-, der i-, und der konsonantischen Konjugation ist es ein -a-. Wir sehen uns diese Formen an den bekannten Verben nacheinander an: moneam — ich möge mahnen moneas — du mögest mahnen moneat — er, sie, es möge mahnen moneamus — wir mögen mahnen moneatis — ihr möget mahnen moneant — sie mögen mahnen e-Konjugation Konjunktiv Präsens Aktiv mone a m mone a s mone a t mone a mus mone a tis mone a nt 12
audiam — ich möge hören audias — du mögest hören audiat — er, sie, es möge hören audiamus — wir mögen hören audiatis — ihr möget hören audiant — sie mögen hören i-Konjugation Konjunktiv Präsens Aktiv audi a m audi a s audi a t audi a mus audi a tis audi a nt legam -c ich möge lesen legas — du mögest lesen legat - er, sie, es möge lesen legamus — wir mögen lesen legatis — ihr möget lesen legant — sie mögen lesen Konsonantische Konjugation Konjunktiv Präsens Aktiv leg a m leg a s leg a t leg a mus leg a tis leg a nt Nur bei der a-Konjugation ist das Moduskennzeichen nicht das -a-, sondern ein -e*. Dieses -e- ist mit dem Stammauslaut -a- zu einem -e- verschmolzen: arem — Ich möge pflügen ares — du mögest pflügen aret — er, sie, es möge pflügen aremus — wir mögen pflügen aretis — ihr möget pflügen arent — sie mögen pflügen 13
a-Konjugation Konjunktiv Präsens Aktiv are m are s are t are mus are tis are nt Die Endung des Infinitiv Präsens Aktiv ist in allen vier Konjugationen -re, also: arare — pflügen audire — hören monere — mahnen legere — lesen Infinitiv Präsens Aktiv ara re audi re mone re leg e re Wir haben bereits in der vorigen Lektion gesehen, daß sich ein lateinischer Satz am besten übersetzten läßt, wenn wir vom Prädikat ausgehen, also zuerst das Verbum übersetzen und dann durch Fragen die weiteren Satzteile erkennen. Das wollen wir an den folgenden Sätzen üben: Servi vasa lavent. Das Verbum heißt: lavent — sie mögen waschen. Wer möge waschen? Wir haben ein Verbum in der 3. Person Plural, also muß auch 'das gesuchte Subjekt Im Plural stehen und zwar wie immer im Nominativ, also: servi — die Sklaven. Wen oder was mögen die Sklaven waschen? vasa — die Gefäße, vasa ist ein Akkusativ Plural Neutrum. Der ganze Satz heißt: Die Sklaven mögen die Gefäße waschen. 14
Vinum in dolia dividant Das Verbum heißt: dividant — sie mögen verteilen. Wer möge verteilen? Hier steht kein eigenes Subjekt, es ist bereits im Verbum enthalten: sie. Wen oder was mögen sie ver¬ teilen? vinum — den Wein. Und nun fragen wir weiter: wohin mögen sie den Wein verteilen? in doUa — in die Fässer. Auf die Frage wohin? steht bei der Präposition in der Akkusativ, hier handelt es sich um den Plural des Neutrums doliuny — das Faß. Der Satz heißt: Sie mögen den Wein in die Fässer verteilen. Vilicus ferias servet. servet — er, sie, es möge beachten oder einhalten. Wer möge beachten? vilicus — der Verwalter — wen oder was möge der Verwalter beachten? ferias — die Feiertage. Der Verwalter möge die Feiertage beachten. Wir haben bei diesen Sätzen schon gesehen, daß viele lateinische Verben eine Er¬ gänzung im Akkusativ bei sich haben - das ist im Deutschen genauso. Diese Verben heißen transitiv, weil die Tätigkeit auf ein Objekt im Akkusativ zielt. Daher erklärt sich auch, daß wir nach der Übersetzung des Verbums und des Subjekts immer nach dem Akkusativobjekt fragen. Wir merken uns: transitive Verben haben ein Akkusativobjekt bei sich, zum Bei¬ spiel: wir singen ein Lied. Etliche Verben stehen ohne Akkusativobjekt — sie heißen intransitive Verben. Zum Beispiel: ihr schweigt. Schließlich können Verben auch absolut gebraucht werden, das Objekt kann fehlen, wenn der Sinn klar ist, zum Beispiel: wir singen. 15
Wortschatz feriae, -arum f die Feiertage servus, -i m der Sklave vilicus, -i m der Verwalter ager, agri m der Acker puer, pueri m der Knabe vesper, vesperi m der Abend(Stern) liberi, liberorum m die Kinder liber, libri m das Buch vir, viri m der Mann oleum, -i n das Ol pretium, -i n der Preis pratum, -i n die Wiese vinum, -i n der Wein dolium, -i n das Faß vasa, vasorum n die Gefäße lavare waschen servare beachten, einhalten habere haben vendere verkaufen dividere teilen, verteilen si wenn, falls 16
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 1,3 Die Landgüter der römischen Adeligen wurden mit einer großen Anzahl von Sklaven bewirtschaftet. Aber nicht nur In der Landwirtschaft, sondern auch in der Stadt arbeiteten in begüterten Häusern zahlreiche Sklaven. Davus servus est. Davus ist ein Sklave. In praediis Romanorum servi sunt. Auf den Landgütern der Römer sind Sklaven, oder: gibt es Sklaven. Wir sehen uns die einzelnen Vokabeln an: Davus, Davi — Eigenname, servus, servi — der Sklave, est — er, sie, es ist, praedium, praedii - das Landgut, Romanus, Romani — der Römer. Die Formen des Indikativ Präsens Aktiv und des Konjunktiv Präsens Aktiv — das haben wir in den beiden vorigen Lektionen gesehen — werden mit den jeweils gleichen Ednungen gebildet. Hier nun noch einmal eine Übersicht über diese En¬ dungen: Erste Person Singular: o, bzw. -m Zweite Person Singular: -s Dritte Pej:sofrSingular: -t Erste Person Plural: -mus Zweite Person Plural: -tis Dritte Person Plural: -nt Das Hilfszeitwort esse — sein bildet die Formen des Indikativ Präsens Aktiv eben¬ falls nach diesem Schema: sum - ich bin es — du bist est — er, sie, es ist sumus — wir sind estis — ihr seid sunt — sie sind esse Indikativ Präsens Aktiv sum es es t SU mus es tis s u nt Die Formen werden teils vom Stamm s-: sum — sumus — sunt; teils vom Stamm es- gebildet: es, est, estis. 17
Der Konjunktiv Präsens Aktiv von esse hat zwischen Stamm und Endung das Moduszeichen i-. Die Endungen sind wiederum die gleichen: sim — ich sei, ich möge sein sis — du seiest, du mögest sein sit — er, sie, es sei; er, sie, es möge sein simus — wir seien, wir mögen sein sitis — ihr seiet, ihr möget sein sint — sie seien, sie mögen sein Davus servus est — Davus ist ein Sklave. Er wurde wie viele seiner Leidensgenos¬ sen als Beute aus den zahlreichen Kriegen der Römer mitgeschleppt. Besonders hart war das Los der Ackersklaven, die schwerste Feldarbeit verrichten mußten. Um 100 vor Christus kam es dann auch zu schweren Sklavenaufständen im ganzen Mittelmeerraum. Die Sklaven in der Stadt hatten es besser. Sie konnten sich durch besondere Kenntnisse und Fertigkeiten das Leben leichter machen. Ihr Wert stieg mit ihrem Verwendungszweck, aber er richtete sich auch nach dem Alter und der Gesundheit. Die Sklaven in Rom wurden wie jede andere Ware gehandelt. Ein Kochsklave zum Beispiel konnte in der Kaiserzeit einen Millionenwert haben. Andrerseits hat zum Beispiel Cato empfohlen, einen alten und kranken Sklaven zu verkaufen, deX Jg nur ein nutzloser Esser sei. Immerhin waren die Sklaven an ihrer Kleidung nicht zu erkennen — in Rom hatte man da keine besonderen Vorschrif¬ ten. Unter dem Einfluß der stoischen Philosophie begann man die Sklavenfrage unter humanitären Gesichtspunkten zu überdenken. So hat Seneca in Brief 47 den Sklaven als Freund, beziehungsweise als Mitsklaven unter der Allmacht des Schicksals bezeichnet. Cicero hatte mit seinem einstigen Schreibsklaven und späteren Freigelassenen Tiro eine lebenslange Freundschaft geschlossen. Hier noch zwei Sätze zum Thema Sklaven nach Seneca, Brief 47: Fortuna servis ministeria adsignat. Das Verbum heißt: adsignat - er, sie, es weist zu. Wer weist zu? fortuna — das Schicksal. Wen oder was weist das Schicksal zu? ministeria - Dienstleistungen, Aufgaben, Ämter. Wem weist das Schicksal Aufgaben zu? servis — den Sklaven. Der Satz lautet: Das Schicksal weist den Sklaven ihre Aufgaben zu. 18
Servos admoveo mensae. admoveo — ich bewege heran, ich hole von admovere — heranbewegen, Das Subjekt: ich, ist bereits im Verbum enthalten. Wen oder was hole ich? servos — die Sklaven, Akkusativ Plural von servus Wohin hole ich die Sklaven? mensae — an den Tisch; mensae ist ein Dativ Singular, der hier nach admoveo stehen muß. Also: Ich hole die Sklaven an den Tisch. Mensa, mensae war unser Beispiel für die a-Deklination. Substantive auf ^a, -ae sind gewöhnlich Feminina. Dominus, domini — der Herr und ager, agri gehören zur o-Dekünation. Die Sub* stantive auf -us, -i und -er,-i sind gewöhnlich Maskulina. Auch pratum, prati — die Wiese gehört zur o-Deklination. Substantive auf -um, -i sind in der Regel Neutra. Wie fast alle Regeln hat auch diese ihre Ausnahmen: Die Namen von Orten, Inseln und Ländern auf -us sind Feminina. Zum Beispiel: Rhodus, Rhodi - die Insei Rhodos. Es gibt bei der a- und bei der o-Deklination noch etliche Besonderheiten. Einige sind hier angegeben, eine genauere Aufstellung befindet sich am Ende der Lektion. Wie im Deutschen bei: Eltern, Leute, Kosten, gibt es auch im Lateinischen Sub¬ stantive, die nur im Plural Vorkommen. Wir kennen bereits: liberi, liberorum m — die Kinder. Der Singular das Kind wird im Lateinischen entweder mit puer, pueri m — der Knabe oder mit puella, puellae f — das Mädchen genauer bezeichnet.Und noch einige Beispiele für Pluralwörter der a-Deklination: feriae, feriarum f — Ferien, Feiertage, reliquiae, reliquiarum f — Überrest, Überbleibsel. Von den Pluralwörtern, die Neutra sind, ist das geläufigste: arma, armorum n — die Waffen. Es gibt auch solche Substantive, die im Singular und im Plural verschiedene Bedeu¬ tungen haben. Dazu gehören: fortuna, fortunae f — das Schicksal, das Glück, fortunae, fortunarum f — die Glücksgüter, das Vermögen, auxilium, auxilii n — die Hilfe, auxilia, auxiliorum n — die Hilfstruppen, castrum, castri n — das Kastell, castra, castrorum n — das Lager. In diesem Zusammenhang wollen wir noch eine Ausnahme erwähnen: locus, loci m — der Ort bildet einen doppelten Plural mit verschiedenen Bedeutungen: loca, locorum n — die Orte, die Plätze, das Gelände, loci, locorum m — die Stellen in Büchern. Bei der Übersetzung lateinischer Sätze ins Deutsche haben wir immer mit dem Prädikat begonnen. Das Prädikat kann in verschiedener Form auftreten. In unserem Beispielsatz: Rusticus arat — der Bauer pflügt, ist die Satzaussage im Ver¬ bum enthalten. Anders ist es in folgendem Satz: Davus servus est — Davus ist ein 19
Sklave. Hier tritt zu dem Hilfszeitwort est noch das Nomen servus. Dieses Nomen, das ein Prädikat ergänzt, heißt Prädikatsnomen. Es kann ein Substantiv, wie hier servus, oder auch ein Adjektiv sein. Das gilt auch im Deutschen, wie folgende Bei¬ spiele zeigen: Er arbeitet — das Verbum ist das Prädikat. Er ist Schreiner — hier wird das Prädikat aus dem Hilfsverb 'ist' und dem Prädikatsnomen 'Schreiner'ge¬ bildet. Er Ist gesund — das Prädikat besteht aus dem Hilfsverb 'ist' und dem Adjektiv 'gesund'* Servi veniunt ad villam Das Prädikat lautet: veniunt — sie kommen, die Satzaussage ist hier bereits im Verbum enthalten. Wer oder was kommt? servi — die Sklaven. Wohin kommen die Sklaven? ad viflam — zum Landhaus. Also: Die Sklaven kommen zum Landhaus. Dominus imperat, ut vilicus familiae vestimenta det. Hier sind zwei Sätze zu einer Periode verbunden, die aus einem Hauptsatz und einem Nebensatz besteht. Der Nebensatz ist an der Konjunktion oder an einer Nebensatzeinleitung zu erkennen. Hier heißt die Konjunktion ut— daß,damit, die im Lateinischen immer den Konjunktiv nach sich zieht. Die Übersetzung lateinischer Perioden beginnt man mit dem Hauptsatz, so wie wir bisher jeden Satz übersetzt haben. Auch den Nebensatz kann man zunächst in der gleichen Weise übersetzen, muß dann aber die Konjunktion mitelnbeziehen. Der Hauptsatz heißt: Dominus imperat — imperat — er, sie, es befiehlt — wer befielt? dominus — der Herr, also: der Herr befiehlt Der Nebensatz heißt: ut vilicus familiae vestimenta det — det ist das Prädikat — er, sie, es gebe — es steht im Konjunktiv, der in den Nebensätzen, die mit ut- daß, damit, eingeleitet sind, im Deutschen mit Indikativ wiedergegeben werden kann also: er, sie, es gibt - wer gibt? vilicus — der Verwalter — wen oder was gibt der Verwalter? vestimenta — Kleider, wem gibt der Verwalter Kleider? familiae — dem Gesinde der Verwalter gibt dem Gesinde Kleider; 20
nun müssen wir nur noch die Konjunktion ut- daß, hinzunehmen,und die vollständige Übersetzung lautet: Der Herr befiehlt, daß der Verwalter dem Gesinde Kleidergibt. Zusätzliche Hinweise: Ausnahmen und Besonderheiten der a- und o-Deklination: 1. Pluralwörter posteri, posterorum m Nachkommen fasti, fastorum m Kalender Delphi, Delphorum m Delphi Pompei, Pompeiorum m Pompeji divitiae, divitiarum f Reichtum angustiae, angustiarum f Engpaß, Schwierigkeit insidiae, insidiarum f Hinterhalt, Falle Athenae, Athenarum f Athen Thebae, Thebarum f Theben hiberna, hibernorum n Winterlager 2. Wörter mit verschiedenen Bedeutungen im Singular und im Plural aqua, aquae f Wasser aquae, aquarum f Heilquellen copia, copiae f Vorrat, Menge copiae, copiarum f Vorräte, T ruppen littera, litterae f Buchstabe litterae, litterarum f Brief, Wissenschaften hortus, horti m Garten horti, hortorum m Anlagen, Park comitium, comitii n Versammlungsplatz comitia, comitiorum n Volksversammlung impedimentum, impedimenti n Hindernis impedimenta^ impedimentorum n Gepäck, Troß rostrum, rostri n Schnabel rostra, rostrorum n Rednertribüne in Rom 21
3. Eigenheiten in der Deklination zeigt das Wort deus, dei — der Gott Nominativ und Vokativ Plural meistens di Dativ und Ablativ Plural meistens dis Vokativ Singular deus 4. Feminina sind a) alle Namen von Orten, Inseln und Ländern auf -us Corinthus, Corinthi f Korinth Aegyptus, Aegypti f Ägypten Poleponnesus, Pelepon- nesi f Peleponnes b) humus, humi f Erdboden Wortschatz puella, -ae f das Mädchen familia, -ae f das Gesinde fortuna, -ae f das Schicksal fortunae, -arum f Glücksgüter, Vermögen reliquiae, -arum f Überrest, Überbleibsel Rhodus, -i f Rhodos servus, -i m der Sklave locus, -i m Stelle, Ort, Platz loca, -orum n Orte, Plätze, Gelände loci, -orum m Stellen in Büchern ministerium, -i n Dienstleistung, Aufgabe, Amt praedium, -i n das Landgut vestimentum, -i n das Kleid arma, -orum n Waffen auxilium, -i n die Hilfe auxilia,-orum n Hilfstruppen castrum, -i n das Kastell castra, -orum n das Lager adsignare imperare admovere esse ut (mit Konj.) zuweisen befehlen heranbewegen sein daß, damit 22
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 1,4 Die Sklaven in Rom - sehr oft Kriegsgefangene — waren nicht unbedingt ihr Leben lang zu diesem Schicksal verdammt. Die Römer wandten das Recht zur Freilassung recht großzügig an. Horatius poeta filius libertini erat. Der Dichter Horaz war der Sohn eines Freigelassenen. Dominus servum bonum manumittebat. Der Herr ließ einen guten Sklaven frei. Hier nun die einzelnen Vokabeln: Horatius, -im — Horaz (Eigenname) filius. Am — der Sohn, libertinus. Am — der Freigelassene, erat — ev, sie, es war, bonus, -a, -um — gut, manumittere — freilassen. Wir wollen uns heute mit den Adjektiven der a- und der o-Deklination beschäfti¬ gen. Das Adjektiv bonus, bona, bonum hat im Maskulinum den Wortausgang -us im Femininum den Wortausgang -a, und Im Neutrum den Wortausgang -um. Eben¬ so wie bei den Substantiven werden diese Ausgänge an den Wortstock angehängt. Wir deklinieren den Singular In den drei Geschlechtern: bonus, -a, -um Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nominativ: bon US bon a bon um Genitiv: bon i bon ae bon i Dativ: bon o bon ae bon o Akkusativ: bon um bon am bon um Vokativ: bon e bon a bon um Ablativ: bon o bon a bon o 23
bonus, -a, -um Plural Nominativ: Genitiv: Dativ: Akkusativ: Ablativ: Maskulinum bon i bon orum bon is bon OS bon is Femininum bon ae bon arum bon is bon as bon is Neutrum bon a bon orum bon is bon a bon is Wir erinnern uns, daß es einige Substantive der o-Deklination gibt, die statt auf -US, auf -er enden, zum Beispiel: ager, agri. Entsprechend gibt es auch einige Adjektive auf -er, wie zum Beispiel: pulcher, pulchra, pulchrum - schön: pulcher, pulchra, pulchrum Singular Maskulinum 1 Femininum Neutrum Nominativ. pulcher pulchr a pulchr um Genitiv: pulchr i pulchr ae pulchr i Dativ: pulchr o pulchr ae pulchr o Akkusativ: pulchr um pulchr am pulchr um Ablativ. pulchr o pulchr a pulchr o pulcher, pulchra, pulchrum Plural Maskulinum Femininum Neutrum Nominativ: pulchr i pulchr ae pulchr a Genitiv: pulchr orum pulchr arum pulchr orum Dativ. pulchr is pulchr is pulchr is Akkusativ: pulchr OS pulchr as pulchr a Ablativ: pulchr is pulchr is pulchr is Ähnlich wie das Substantiv puer, pueri — der Knabe, behalten auch einige Adjek¬ tive das -e- in allen Formen. Dazu gehören: asper, aspera, asperum — rauh liber, libera, liberum - frei miser, misera, miserum - arm, elend, unglücklich tener, tenera, tenerum - zart frugifer, frugifera, frugiferum - fruchtbar dexter, dextera, dexterum — rechts oder auch die Formen ohne das -e: dexter, dextra, dextrum — rechts. Dagegen sinister, sinistra, sinistrum — links, behält das -e- nur im Nominativ Singular des Maskulinum. 24
Horatius poeta filius libertini erat*Der Dichter Horaz war der Sohn eines Freige¬ lassenen. In Rom gab es drei Formen der Freilassung eines Sklaven: In einem for¬ mal-rechtlichen Vorgang konnte in einem Rechtsverfahren der Sklave zum Freige¬ lassenen erklärt werden. Zum anderen konnte der Censor einen Sklaven in die Bürgerliste einschreiben — er galt dann als freigelassen. Das geschah In besonderen Notzeiten, wenn man zum Beispiel Sklaven zum Militärdienst brauchte. Und schließlich konnte der Herr die Freilassung In seinem Testament verfügen. Die Freilassung bedeutete die Entlassung aus der Rechtsgewalt eines Herrn — also eine Änderung des Rechtsstandes. Doch der Freigelassene hatte damit nicht alle Rechte eines Freigeborenen erworben. Er hatte keinen Zugang zu Staatsämtern und zur militärischen Laufbahn. In der Frühzelt konnte er auch keine Freigeborene hei¬ raten. Bel der Freilassung mußte der Herr eine Steuer entrichten, die 5 % des Wertes des Sklaven entsprach. Der Freigelassene stand weiter unter dem Patronat und Rechtsschutz seines Herren — dafür hatte auch er dem Herrn gegenüber Pflich¬ ten: zum Beispiel hatte er bei Wahlen seine Stimme für den Kandidaten abzu¬ geben, den sein Herr empfahl. Den Nachkommen der Freigelassenen wurden jedoch mehr und mehr Rechte zuerkannt: So war zum Beispiel der Dichter Horaz als Sohn eines Freigelassenen Militärtribun Im Heer des Brutus. Unter der Regie¬ rung des Kaisers Claudius konnten Freigelassene wie Pallas und Narcissus in den Rang hoher Minister aufsteigen und zu Ruhm und Reichtum gelangen. Dominus servum bonum manumittebat. Der Herr ließ einen guten Sklaven frei. In diesem Satz haben wir zum ersten Mal die Form eines Imperfekts: manumittebat — die wir uns jetzt näher ansehen wollen. Der Indikativ Imperfekt Aktiv wird gebildet, indem zwischen den Verbalstamm und die bereits bekannten Personalendungen das Infix -ba- eingeschoben wird. Das Verb amare — lieben der a-Konjugation hat also folgende Formen: amabam - ich liebte amabas — du liebtest amabat — er, sie, es liebte amabamus — wir liebten amabatis — Ihr liebtet amabant — sie liebten a-Konjugation Indikativ Imperfekt Aktiv ama ba m ama ba s ama ba t ama ba mus ama ba tis ama ba nt 25
Entsprechend sind die Formen der e-Konjugation: monebam — ich mahnte monebas — du mahntest monebat — er, sie, es mahnte monebamus — wir mahnten monebatis — ihr mahntet monebant — sie mahnten e-Konjugation Indikativ Imperfekt Aktiv mone ba m mone ba s mone ba t mone ba mus mone ba tis mone ba nt Die i-Konjugation bildet das Imperfekt anders: an den Verbalstamm wird noch ein -e- angehängt. Das Infix -ba- und die Personalendungen entsprechen denen der a- und der e-Konjugation: audiebam — ich hörte audiebas — du hörtest audiebat — er, sie, es hörte audiebamus — wir hörten audiebatis — ihr hörtet audiebant — sie hörten i-Konjugation Indikativ Imperfekt Aktiv audi e ba m audi e ba s audi e ba t audi e ba mus audi e ba tis audi e ba nt Dieses zwischen Stamm und Endung eingeschobene -e- erscheint auch in der konsonantischen Konjugation: legebam — ich las legabas — du lasest legebat — er, sie, es las legebamus — wir lasen legebatis — ihr laset legebant — sie lasen 26
Konsonantische Konjugation Indikativ Imperfekt Aktiv leg e ba m leg e ba s legebat leg e ba mus leg e ba tis leg e ba nt Auch das Hilfszeitwort esse verwendet zur Bildung des Indikativ Imperfekt die gleichen Endungen. Allerdings wird nur ein -a- zwischen den zu -er abgewandelten Stamm und die Personalendung eingeschoben. eram — ich war eras du warst erat er, sie, es war eramus — wir waren eratis — ihr wart erant — sie waren esse Indikativ Imperfekt Aktiv er a m er a s er a t er a mus er a tis er a nt Und nun zu unseren Übungssätzen: Tullius ad amicum aegrotum litteras dabat. Das Prädikat ist: dabat — er, sie, es gab von dare — geben. Wer gab? Tullius. Wen oder was gab Tullius? litteras — einen Brief. An wen gab, beziehungsweise hier: schrieb, Tullius einen Brief? ad amicum aegrotum — an den kranken Freund. Der Satz heißt: Tullius schrieb an den kranken Freund einen Brief. 27
Medicus fidus morbum periculosum medicina curabat. Das Prädikat ist: curabat — er, sie, es pflegte, behandelte von curare — pflegen, behandeln. Wer behandelte? medicus fidus — der treue Arzt. Wen oder was behandelte der treue Arzt? morbum periculosum — die gefährliche Krankheit. Womit? medicina — mit einem Heilmittel. Also heißt die Übersetzung: Der treue Arzt behandelte die gefährliche Krankheit mit einem Heilmittel. Abweichend vom Deutschen stimmt im Lateinischen das Adjektiv immer mit seinem Beziehungswort in Genus, Numerus und Kasus überein. Dabei ist es gleich¬ gültig, ob das Adjektiv als Attribut oder als Prädikatsnomen gebraucht wird: amicus carus — ein lieber Freund, amicus carus est — der Freund ist lieb, cena bona — ein gutes Essen, cena bona est — das Essen ist gut, periculum magnum - eine große Gefahr, periculum magnum est - die Gefahr ist groß. 28
Wortschatz cena, -ae f das Essen medicma, -ae f das Heilmittel medicus, -i m der Arzt amicus, -i m der Freund filius,-i m der Sohn libertinus, -i m der Freigelassene morbus, -i m die Krankheit officium, -i n die Dienstleistung, die Pflicht periculum, -i n die Gefahr aegrotus, -a, -um bonus, -a, -um carus, -a, -um domesticus, -a, -um fidus, -a, -um periculosus, -a, -um urbanus, -a, -um asper, aspera, asperum dexter, dextera od. dextra, dexterum od. dextrum frugifer, frugifera, frugiferum liber, libera, liberum miser, misera, miserum tener, tenera, tenerum pulcher, pulchra, pulchrum sinister, sinistra, sinistrum krank gut lieb häuslich treu gefährlich städtisch rauh rechts fruchtbar frei arm, elend, unglücklich zart schön links amare curare dare laudare lieben pflegen geben loben 29
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 1,5 Umschlagplatz im alten Rom für Waren aller Art, auch für Sklaven, war der Markt. Der bedeutendste war das Forum Romanum. In foro clare oculis tuis videres multos viros et feminas. Auf dem Forum würdest du deutlich mit deinen eigenen Augen viele Männer und Frauen sehen. An unbekannten Wörtern sind in dem Satz: forum. An — der Marktplatz clarus, -a, -um — klar, hell, berühmt oculus. Am — das Auge tuus, ^a, -um — dein videre — sehen multus, -a, -um — viel et — und femina, -ae f - die Frau Um uns am Anfang das Lernen der a- und der o-Deklination zu erleichtern, sprachen wir von Wortstock und Wortausgang. Künftig werden wir auch die sprachwissenschaftlich genaueren Begriffe von Stamm und Endung verwenden. Der Stamm eines Wortes ist oft schwer zu erkennen, da sich im Laufe der sprach- geschichtlichen Entwicklung Änderungen ergeben haben. Der Auslaut des Stam¬ mes ist bei allen Deklinationen am besten im Genitiv Plural zu erkennen: mensa — rum, domino - rum Der Name a-Deklination erklärt sich daraus, daß diese Wörter -a- als Stammauslaut hatten, der Name o-Deklination entsprechend daraus, daß die Wörter ursprünglich -o als Stammauslaut hatten. Die Possessivpronomina — wir hatten tuus, tua, tuum — dein, in unserem ersten Satz — werden wie Adjektive der a- und der o-Deklination behandelt: meus, mea, meum — mein tuus, tua, tuum — dein suus, sua, suum - sein, ihr, sein noster, nostra, nostrum — unser vester, vestra, vestrum — euer suus, sua, suum — ihr 30
Possessivpronomen meus mea meum tuus tua tuum suus sua suum noster nostra nostrum vester vestra vestrum suus sua suum Im Lateinischen werden die Possessivpronomina nicht gesetzt, wenn sie vom Sinn her selbstverständlich sind. Sie werden vor allem zur Hervorhebung, besonders bei Gegensätzen, verwendet. Die Possessivpronomina können reflexiv und nicht-reflexiv verwendet werden. Nur suus, sua, suum — sein, ihr, kann nur reflexiv verwendet werden. Die reflexiven Formen werden dann benutzt, wenn sich das Pronomen auf das Subjekt des Satzes bezieht: Patrem suum videt. Er sieht seinen eigenen Vater. Um die Aussage eines Verbums zu modifizieren, gebraucht der Lateiner, wie auch der Deutsche, das Adverb. Die Adjektive der a- und der o-Deklination bilden das Adverb gewöhnlich durch Anfügen eines -e an den Wortstock: clarus, clara, darum — klar, bildet das Adverb clare, varius, varia, varium — verschieden, bildet das Adverb varie, pulcher, pulchra, pulchrum — schön, bildet das Adverb pulchre, liber, libera, liberum — frei, bildet das Adverb libere. Neben den von Adjektiven abgeleiteten Adverbien, gibt es eine ganze Reihe anderer Adverbien. Es sind dies zum Beispiel: satis — genug saepe — oft dam — heimlich raro — selten heri — gestern Das Forum Romanum war der zentrale Marktplatz im alten Rom. Ursprünglich war es ein Sumpfgelände, das durch den Bau der Cloaca maxima entwässert wurde. Aber schon bald gewann dieser Umschlagplatz für Waren auch eine politische Funktion. Auf dem Forum entstanden neben den Markthallen sakrale und staat¬ liche Repräsentationsbauten. Es wurde laufend umgebaut oder neugebaut. Zu¬ letzt im Jahre 608 die Phokassäule. Danach verfiel das Gelände. Meterhoher Schutt sammelte sich an, so daß im Mittelalter nur noch die oberen Teile der Bau¬ ten aus der Erde ragten. Auf dem Forum grasten Kühe und Schafe — zu jener Zeit entstand der Name : campo vaccino — Kuhfeld. Erst seit dem vorigen Jahrhundert 31
hat man das Forum systematisch ausgegraben. Archäologen haben 28 verschiedene Siedlungsschichten entdeckt. Heute kann man auf dem Forum die Reste aus den verschiedenen Epochen der römischen Geschichte sehen. In foro clare oculis tuis videres multos viros et feminas. Auf dem Forum würdest du deutlich mit deinen eigenen Augen viele Männer und Frauen sehen. videres — du sähest, du würdest sehen — ist der Konjunktiv Imperfekt Aktiv. Da im Deutschen die Formen des Konjunktiv Imperfekt Aktiv oft denen des Indikativ Imperfekt Aktiv entsprechen, wählen wir bei der Übersetzung die Hilfskonstruk¬ tion mit "würde." Der Konjunktiv Imperfekt Aktiv wird im Lateinischen durch ein zwischen Stamm und Endung eingeschobenes Infix -re gebildet. In der a-Kon- jugation haben wir folgende Formen: amarem — Ich würde lieben amares — du würdest lieben amaret — er, sie, es würde lieben amaremus — wir würden lieben amaretis — Ihr würdet lieben amarent — sie würden lieben a-Konjugation Konjunktiv Imperfekt Aktiv ama re m ama re s ama re t ama re mus ama re tis ama re nt e-Konjugation: monerem — ich würde mahnen moneres — du würdest mahnen moneret — er, sie, es würde mahnen moneremus — wir würden mahnen moneretis — ihr würdet mahnen monerent — sie würden mahnen 32
e* Konjugation Konjunktiv Imperfekt Aktiv mone re m mone re s mone re t mone re mus mone re tis mone re nt Die Formen der i-Konjugation heißen entsprechend: audirem — ich würde hören audires — du würdest hören audiret — er, sie, es würde hören audiremus — wir würden hören audiretis — Ihr würdet hören audirent — sie würden hören i-KonJugation Konjunktiv Imperfekt Aktiv audi re m audi re s audi re t audi re mus audi re tis audi re nt In der konsonantischen Konjugation wird zusätzlich ein -e- an den Stamm ange¬ hängt: legerem — ich würde lesen legeres — du würdest lesen legeret — er, sie, es würde lesen legeremus — wir würden lesen legeretis — Ihr würdet lesen legerent — sie würden lesen Konsonantische Konjugation Konjunktiv Imperfekt Aktiv leg e re m leg e re s leg e re t leg e re mus leg e re tis leg e re nt 33
Der Konjunktiv Imperfekt von esse hat den alten Lautstand bewahrt: essem — ich wäre esses — du wärest esset — er, sie, es wäre essemus — wir wären essetis — ihr wäret essent — sie wären esse Konjunktiv Imperfekt Aktiv es se m es se s es se t es se mus es se tis es se nt Wir üben diese Formen an folgenden Sätzen: Romani et barbari in foro conveniebant. Das Prädikat; conveniebant ist der Indikativ Imperfekt Aktiv, erkennbar an dem Infix: -ba-, von convenire — Zusammenkommen, conveniebant — sie kamen zusammen. Wer? Romani et barbari — Römer und Barbaren Wo? in foro — auf dem Forum. Die Übersetzung heißt: Römer und Barbaren kamen auf dem Forum zusammen. Ibi audiremus linguas exterorum populorum. Das Prädikat: audiremus — steht im eben besprochenen Konjunktiv Imperfekt Aktiv. Also: wir würden hören. Wer würde hören? — Es ist kein Nominativ vorhanden, folglich ist das Subjekt im Verbum enthalten: wh*. Wen oder was würden wir hören? linguas - Sprachen. Wessen Sprachen? exterorum populorum — auswärtiger Völker — Wo? ibi - dort. Der Satz heißt: Dort würden wir Sprachen auswärtiger Völker hören; oder: Dort hörten wir Sprachen auswärtiger Völker. 34
Der deutsche Konjunktiv "wir hörten" ist identisch mit dem Indikativ Imperfekt Aktiv "wir hörten." Um Mißverständnisse zu vermeiden, übersetzen wir daher audiremus besser mit: wir würden hören. Also: Dort würden wir die Sprachen auswärtiger Völker hören. Avaro acerba poena est natura sua. Das Prädikat ist hier: acerba poena est — es ist eine bittere Strafe. Wer oder was ist eine bittere Strafe? natura sua — seine Natur, oder: die eigene Natur. Wem? avaro — einem Geizigen. Einem Geizigen ist die eigene Natur eine bittere Strafe. Dieser Satz zeigt, daß im Lateinischen genauso wie im Deutschen, ein Adjektiv als Substantiv verwendet werden kann: avarus, avara, avarum — geizig wird zum Substantiv: avarus, avari — der Geizige. Übrigens stehen im Lateinischen die Adjektive gewöhnlich hinter dem Substantiv: officia varia — verschiedene Aufgaben. Doch sonst ist die Wortstellung im Satz wesentlich freier als im Deutschen. Grundsätzlich kann im Lateinischen jedes Wort an jeder Stelle stehen.
Wortschatz femina, -ae f die Frau lingua, -ae f die Zunge, Sprache natura, -ae f die Natur, das Wesen poena, -ae f die Strafe populus, -i m das Volk oculus, -i m das Auge barbarus, -i m der Barbar, der Fremde forum, -i n der Marktplatz pater, patris m der Vater acerbus, -a, -um scharf avarus, -a, -um geizig clarus, -a, -um hell, klar, berühmt exterus, -a, -um auswärtig multus, -a, -um viel varius, -a, -um verschieden meus, -a, -um tuus, -a, -um suus, -a, -um noster, nostra, nostrum vester, vestra, vestrum videre convenire clam heri ibi raro saepe satis et mem dein sein, ihr, sein unser euer sehen Zusammenkommen heimlich gestern dort selten oft genug und 36
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 1,6 Im Mittelpunkt der vorigen Lektion stand das Forum Romanum,der Marktplatz in Rom. Doch auf dem Forum wickelte man nicht nur den Handel ab, sondern führte auch die politische Diskussion. Redner versuchten hier die Öffentlichkeit anzu¬ sprechen: In foro videbitis et audietis non solum mercatores, sed etiam oratores. Auf dem Forum werdet ihr nicht nur Kaufleute, sondern auch Redner sehen und hören. Nur drei neue Vokabeln befinden sich in diesem Satz: non solum ... sed etiam — nicht nur . . . sondern auch mercator, -oris m — der Kaufmann orator, -orism — der Redner Die Substantive mercator und orator gehören zur sogenannten 3. Deklination. Die Substantive der 3. Deklination sind teils Maskulina, wie orator, -oris, teils Feminina, wie oratio, -onis — die Rede, teils Neutra, wie corpus, -oris — der Körper. Auch bei den Substantiven der 3. Deklination ist es wichtig, den Genitiv mitzulernen, denn Im Genitiv ist der Stamm zu erkennen. Im Genitiv oratoris er¬ kennt man den Stamm orator, der in diesem Fall zugleich dem Nominativ ent¬ spricht: orator — der Redner oratoris — des Redners oratori — dem Redner oratorem — den Redner oratores — die Redner oratorum — der Redner oratoribus — den Rednern oratores — die Redner cum oratore — mit dem Redner cum oratoribus — mit den Rednern 3. Deklination Singular Plural Nominativ: orator orator es Genitiv: orator is orator um Dativ: orator i orator ibus Akkusativ: orator em orator es Ablativ: cum orator e cum orator ibus 37
Bei den Substantiven auf -o, -onis wie: oratio, -onis — die Rede ist im Nominativ Singular der Konsonant des Stammes, nämlich -n-, abgefallen: oratio — die Rede orationis — der Rede orationi — der Rede orationem — die Rede oratione — durch die Rede orationes — die Reden orationum — der Reden orationibus — den Reden orationes — die Reden orationibus — durch die Reden 3. Deklination Singular Plural Nominativ: oratio oration es Genitiv: oration is oration um Dativ: oration i oration ibus Akkusativ: oration em oration es Ablativ: oration e oration ibus Einige Wörter ändern auch zusätzlich den Vokal des Stammes, wenn der Konso¬ nant weggefallen ist, wie zum Beispiel: homo, hominis — der Mensch: homo — der Mensch hominis — des Menschen homini — dem Menschen hominem — den Menschen cum homine — mit dem Menschen homines — die Menschen hominum - der Menschen hominibus - den Menschen homines - die Menschen cum hominibus - mit den Menschen 3. Deklination Singular Plural Nominativ: homo homin es Genitiv: homin is homin um Dativ: homln i homin ibus Akkusativ: homin em homin es Ablativ: cum homin e cum homin ibus In der 3. Deklination sind im Plural Nominativ und Akkusativ, sowie Dativ und Ablativ jeweils formengleich. Der Genitiv Plural der Konsonantenstämme endet auf -um. In foro videbitis et audietis non solum mercatores, sed etiam oratores — Auf dem Forum werdet ihr nicht nur Kaufleute, sondern auch Redner sehen und hören. Ein guter Redner — das war in Rom ein angesehener Mann. Als Anwalt vor Gericht oder als Politiker konnte er die Kunst der Rede mit Erfolg einsetzen. Eine be¬ stimmte Ausbildung zum Redner gab es nicht, man lernte ausschließlich an Vor¬ bildern, hier galt der mos maiorum — der Brauch der Vorfahren. Tacitus be¬ schreibt den Werdegang eines Redners In seinem "Dialogus de oratoribus", Kapitel 34, wie folgt: Der junge Mann, der bereits die notwendige Elementarbildung be¬ 38
sitzt, wird von seinem Vater zu einem Redner in die Lehre geschickt. Das heißt nichts anderes, als daß er seinen Meister bei allen seinen Auftritten begleitet und so die Redetechnik studieren kann. Aus der Reaktion des Publikums lernt er un¬ mittelbar die Wirkung bestimmter Argumentationsweisen und rhetorischer Mittel. Außerdem kann der angehende Redner nicht nur die Technik seines eigenen Lehrers, sondern auch die der Konkurrenten studieren, wenn sie als Anwalt der Gegenpartei oder als Widersacher in einer politischen Auseinandersetzung auf- treten. Ein Beispiel soll zeigen, welchen Einfluß die Redner in Rom allein durch die Macht des Wortes hatten: Der römische Senat hatte beinahe schon das Friedensangebot des Pyrrhus angenommen, als der blinde alte Appius Claudius auftrat. Er sprach vor den Senatoren so eindringlich über die verhängnisvollen Fol¬ gen dieses Angebots, daß sie den Frieden ablehnten und den Kampf gegen Pyrrhus fortsetzten. In foro videbitis et audietis non solum mercatores, sed etiam oratores. Die Verbal¬ formen videbitis und audietis sind die Formen des Futur Aktiv. Aus diesen beiden Verben kann man schon ersehen, daß das Futur auf zwei verschiedene Weisen ge¬ bildetwird. Bei den Verben der a-Konjugation wird zwischen den Verbalstamm und die En¬ dung das Infix -b- eingeschoben und, vor folgendem Konsonanten, zusätzlich der Erweiterungsvokal -i-, beziehungsweise -u-: amabo ~ ich werde lieben amabis — du wirst lieben amabit — er, sie, es wird lieben amabimus — wir werden lieben amabitis — ihr werdet lieben amabunt — sie werden lieben a-Konjugation Indikativ Futur Aktiv ama b o ama bi s ama bi t ama bi mus ama bi tis ama bu nt Das Futur Aktiv der e-Konjugation lautet entsprechend: monebo — Ich werde mahnen monebis — du wirst mahnen monebit — er, sie, es wird mahnen monebimus — wir werden mahnen monebitis - Ihr werdet mahnen monebunt — sie werden mahnen 39
e-Konjugation Indikativ Futur Aktiv mone b o mone bi s mone bi t mone bi mus mone bi tis mone bu nt Die Verben der i*Konjugation und der konsonantischen Konjugation schieben da¬ gegen im Futur Aktiv zwischen Stamm und Endung ein -e- ein, nur in der ersten Person Singular ist es ein -a-; audiam — ich werde hören audies — du wirst hören audiet — er, sie, es wird hören audiemus — wir werden hören audietis — ihr werdet hören audient — sie werden hören i-Konjugation Indikativ Futur Aktiv audi a m audi e s audi e t audi e mus audi e tis audi e nt Konsonantische Konjugation legam — ich werde lesen leges — du wirst lesen leget - er, sie, es wird lesen legemus — wir werden lesen legetis - ihr werdet lesen legent — sie werden lesen Konsonantische Konjugation Indikativ Futur Aktiv leg a m leges leg e t leg e mus leg e tis (eg e nt 40
Das Hilfszeitwort esse bildet das Futur ähnlich wie die a- und die e-Konjugation, nur fehlt das Infix -b-: ero — ich werde sein eris — du wirst sein erit - er, sie, es wird sein erlmus — wir werden sein eritis — ihr werdet sein erunt — sie werden sein. Indikativ Futur Aktiv er o er i s er i t er i mus er i tis er u nt Einen Konjunktiv gibt es im Futur nicht. Der berühmte Cicero verdankt seinen politischen Aufstieg ausschließlich seiner Tätigkeit als Redner. Seine erste Rede gegen den Verschwörer Catilina beginnt mit den bekannten Worten: Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra? Wie lange eigentlich noch, Catilina, willst du unsere Geduld mißbrauchen? Und es folgen weitere Vorhaltungen: Quam diu furor tuus nos eludet? Das Prädikat lautet: eludet — er, sie, es wird verspotten. Wer oder was wird verspotten? furor tuus — deine Raserei. Wen oder was wird deine Raserei ver¬ spotten? nos — uns. Bis hierher heißt die Übersetzung: Deine Raserei wird uns verspotten. Einleitend steht jedoch das Fragewort: quam diu — wie lange noch. Der Satz ist außerdem durch das Frage¬ zeichen als Fragesatz gekennzeichnet. Also: Wie lange noch wird deine Raserei uns verspotten? 41
Quam diu se effrenata iactabit audacia? Das Prädikat: iactabit — 3. Person Singular Indikativ Futur Aktiv von iactare — werfen; se iactare dagegen heißt: sich brüsten Wer oder was wird sich brüsten? audacia effrenata — die zügellose Frechheit. Das Substantiv audacia und das Adjektiv effrenata stehen zwar nicht zusammen, aber an der gleichen Endung -a kann man erkennen, daß sie zusammengehören. Einleitend steht wieder das Fragewort: quam diu — wie lange noch. Der Satz heißt in der Übersetzung: Wie lange noch wird sich die zügellose Frechheit brüsten? Zusätzlicher Übungssatz: Magno timore consulem liberabis, liberabis — 2. Person Singular Indikativ Futur Aktiv von liberare — befreien. Also: du wirst befreien. Da ein Nominativ fehlt, ist das im Verbum enthaltene 'du' Subjekt. Wen oder was wirst du befreien? consulem — den Konsul. Wovon? magno timore — von ei ner großen Furcht. Also: Du wirst den Konsul von einer großen Furcht befreien. 42
Wortschatz audacia, -ae f der Wagemut, die Frechheit patientia, -ae f die Geduld oratio, -onis f ^ die Rede orator, -oris m der Redner mercator, -oris m der Kaufmann furor, -oris m die Raserei homo, -inis m der Mensch consul, -is m der Konsul effrenatus, -a, , -um zügellos liberare befreien iactare werfen se iactare sich brüsten eludere verspotten nos (Nom. u. Akk.) uns non solum .. . sed etiam nicht nur... sondern auch quam wie diu lange (von der Zeit) 43
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 1,7 ln der heutigen Lektion beschäftigen wir uns mit der Erziehung in der römischen Republik. Die Kinder wurden von ihren Eltern erzogen und unterrichtet. Romae matres filios et filias intra privatos parietes educabant. In Rom erzogen die Mütter ihre Söhne und Töchter innerhalb der eigenen Wände. Hier nun die Vokabeln: Romae - in Rom mater, matris ^ — die Mutter filius, Am — der Sohn filia, -de f — die Tochter intra (mit Akk.) - innerhalb privatus, -a, -um — privat, eigen paries, parietis m — die Wand educare — erziehen Disce, puer, virtutem ex me. Lerne, Knabe, Tapferkeit von mir. disoere — lernen virtus, virtutis f — Mannhafigkeit, Tapferkeit, ex me — aus mir, von mir Virtus, virtutis — die Tapferkeit und paries, parietis — die Wand gehören zur 3. De¬ klination. Sie bilden den Nominativ auf -s; der Stammauslaut -t fällt im Nominativ bei diesen Wörtern weg: 3. Deklination Nominativ: Singular virtus Plural virtut es Genitiv: virtut is virtut um Dativ: virtut i virtut ibus Akkusativ: virtut em virtut es Ablativ: virtut e virtut ibus Ist der Ausgang des Wortstammes ein Gaumenlaut, so wird dieser im Nominativ mit dem folgenden -s zu -x zusammengezogen, wie zum Beispiel bei rex, regii — der König. 44
rex — der König regis — des Königs regi — dem König regem - den König cum rege — mit dem König cum reges — die Könige regum - der Könige regibus — den Königen reges - die Könige regibus — mit den Königen 3. Deklination Singular Plural Nominativ: rex reg es Genitiv; reg is reg um Dativ; reg i reg ibus Akkusativ: reg em reg es Ablativ; cum reg e cum reg ibus Wie wir in der letzten Lektion gesehen haben, bildet orator, oratoris den Nominativ ohne -s. Ebenso ist es bei: mater, matris f - die Mutter pater, patris m — der Vater frater, fratris m - der Bruder Einige Wörter der 3. Deklination behalten im Nominativ Singular das stammaus¬ lautende -s, während sie es in den übrigen Kasus zwischen Vokalen zu -r- verän¬ dern. Dazu gehört; corpus, corporis n — der Körper: 3. Deklination Singular Plural Nominativ; corpus corpor a Genitiv; corpor is corpor um Dativ; corpor i corpor ibus Akkusativ: corpus corpor a Ablativ; corpor e corpor ibus Nicht vergessen: Im Neutrum sind Nominativ und Akkusativ Singular und Nomi¬ nativ und Akkusativ Plural jeweils formengleich. Hier noch zwei Beispiele zu dieser Deklination: ius, iuris n — das Recht mos, moris m — die Sitte, der Brauch Wir haben im Zusammenhang mit der Ausbildung zum Redner vom mos maiorum — von der Sitte der Vorfahren — gesprochen. Auch bei der Erziehung der Kinder galt dieser mos maiorum, die Kinder wurden im Elternhaus erzogen. Bezeichnend ist, daß das uns zugängliche Quellenmateria) fast ausschließlich über die Erziehung 45
der Oberschicht berichtet. Da konnten die Senatoren ihre Söhne in Senatssitzun¬ gen mitnehmen. Plutarch hat uns überliefert, daß Cato der Ältere für seinen Sohn Markus Lehrbücher geschrieben hat — aber eben nur für seinen Sohn. Die Väter brachten ihren Söhnen Lesen und Schreiben bei — die Mütter bereiteten ihre Töchter auf die häuslichen Pflichten vor. Die Bildungsmöglichkeiten der unteren Schichten waren wesentlich geringer, den sozialen Aufstieg konnten nur wenige schaffen: Horaz zum Beispiel. Zu erwähnen ist, daß Erziehung nicht nur Wissens¬ vermittlung sondern auch Charakterbildung beinhaltete: Disoe, puer, virtutem ex me. Lerne, Knabe, Tapferkeit von mir. Dieser Satz drückt einen Befehl aus. Der Lateiner unterscheidet, ob sich ein Befehl auf einen konkreten Fall bezieht, wie hier, oder ob es sich um eine allgemeine Aufforderung handelt, wie generelle "du sollst" — Gebote. Der konkrete Befehl wird mit dem Imperativ Präsens ausgedrückt, wie: disce — lerne. Wir sehen uns den Imperativ Präsens Aktiv der schon bekannten Verben an: Zunächst im Singular: ama — liebe, ist der bloße Verbalstamm ohne Endung, ebenso: mone — mahne, und audi — höre. Nur bei den Verben der konsonantischen Konjugation wird an den Verbafstamm ein -e angehängt: lege - lies. Imperativ Präsens Aktiv 2. Person Singular ama mone audi lege Im Plural wird an den Verbalstamm die Endung -te angehängt: amate — liebt monete - mahnt audite — hört Bei der konsonantischen Konjugation wird zwischen Stamm und Endung der Stammerweiterungsvokal -i- eingeschoben: legite - lest Imperativ Präsens Aktiv 2. Person Plural ama te mone te audi te g i te 46
Wir hatten gesagt, daß der Lateiner zwischen einem konkreten Befehl und einer allgemeinen Aufforderung unterscheidet. Diese Unterscheidung drückt sich in der Form aus: Bei der allgemeinen Aufforderung wird der Imperativ Futur Aktiv be¬ nutzt. Im Singular hat der Imperativ Futur Aktiv die Endung -to für die 2. und für die 3. Person: amato — du sollst lieben, oder: er, sie, es soll lieben moneto — du sollst mahnen, oder: er, sie, es soll mahnen audito — du sollst hören, oder: er, sie, es soll hören legito - du sollst lesen, oder: er, sie, es soll lesen. Imperativ Futur Aktiv 2. und 3. Person Singular ama to mone to audi to leg i to Bei der 2. Person Plural des Imperativ Futur Aktiv wird zusätzlich die Endung -te angehängt: amatote - ihr sollt lieben monetote — ihr sollt mahnen auditote — ihr sollt hören legitote — ihr sollt lesen Imperativ Futur Aktiv 2. Person Plural ama to te mone to te audi to te leg i to te In der 3. Person Plural wird die Endung -nto an den Verbalstamm angehängt: amanto — sie sollen lieben monento — sie sollen mahnen audiunto — sie sollen hören legunto — sie sollen lesen. 47
Imperativ Futur Aktiv 3. Person Plural ama nto mone nto audi u nto leg u nto Die Imperativformen von esse werden analog gebildet: es — sei este — seid esto - du sollst sein, oder: er, sie, es soll sein estote - ihr sollt sein sunto — sie sollen sein esse Imperativ Präsens Aktiv es es te Imperativ Futur Aktiv es to es to te s u nto Der Imperativ Futur Aktiv steht übrigens nicht nur bei einer allgemeinen Auffor¬ derung, sondern auch wenn ein konkreter Befehl an eine bestimmte Vorbedingung geknüpft ist: Para cenam et ministrato, para von parare — zubereiten, 2. Person Singular Imperativ Präsens Aktiv: bereite zu — ist ein konkreter Befehl und steht deshalb im Imperativ Präsens. Dagegen steht ministrato, von ministrare — auftragen im Imperativ Futur, weil es an die Vorbedingung geknüpft ist: para — bereite zu. Im Deutschen kann man in diesen Fällen "dann" beim Imperativ hinzufügen» Bereite das Essen zu und trage es dann auf. Wir hatten gesagt, daß es auch zur Erziehung der Senatorensöhne gehörte, ihre Väter zu Senatssitzungen zu begleiten. 48
Ita filios senatorium morem exemplis docebant. Docebant, von docere - lehren, ist das Prädikat, 3. Person Plural Indikativ Imperfekt Aktiv: sie lehrten. Das Subjekt ist bereits im Prädikat enthalten: sie. Wen lehrten sie? filios — die, oder ihre Söhne. Was lehrten sie ihre Söhne? morem — den Brauch. Dazu gehört das Adjektiv senatorium, von senatorius, -a, um- den Senat betreffend, was wir besser mit einem Substantiv übersetzen: senatorium morem — den Brauch des Senats. Wodurch lehrten sie den Brauch des Senats? exemplis - durch Beispiele. Exemplis ist der Ablativ Plural von exemplum. An — das Beispiel Ita heißt so. Und nun der ganze Satz: So lehrten sie ihre Söhne durch Beispiele den Brauch des Senats. Zusätzlicher Übungssatz: Mos senatoribus Romae erat in curiam cum filiis introire. Zum Prädikat erat - es war 3. Person Singular Indikativ Imperfekt Aktiv von sein gehört auch mos — die Sitte, der Brauch; mos erat — es war Brauch. Was war Brauch? introire — hineinzugehen. Wohin? in curiam - In die Kurie. Mit wem? cum filiis — mit den Söhnen, Im Deutschen sagen wir: mit ihren Söhnen. Wo war das Brauch? Romae — In Rom. Wer hatte diesen Brauch in Rom? oder: wem war dieser Brauch In Rom eigen? senatoribus — den Senatoren. Die Übersetzung heißt: In Rom hatten die Senatoren den Brauch, in die Kurie mit Ihren Söhnen hineinzugehen. 49
Wortschatz curia, -ae f die Kurie filia, ae f die Tochter exemplum, -i n das Vorbild senator, -oris m der Senator mos, moris m die Sitte, der Brauch frater, fratris m der Bruder mater, matris f die Mutter rex, regis m der König paries, parietis m die Wand virtus, -tis f Mannhaftigkeit, Tapferkeit, Tugend corpus, -oris n der Körper ius, iuris n das Recht privatus, -a, -um eigen educare erziehen parare (zu) bereiten ministrare bedienen, auftragen docere lehren discere lernen ex me aus mir, von mir intra (mit Akk.) innerhalb ita so 50
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 1,8 Unser heutiges Rahmenthema ist das römische Rechtswesen, das aut die Recht¬ sprechung in ganz Europa bis in dieses Jahrhundert großen Einfluß hatte. Iudex tarn de se quam de reo iudicavit. Der Richter hat ebenso über sich wie über den Angeklagten geurteilt. Hier die Vokabeln: iudex, iudicism — der Richter iudicare - richten, urteilen reus, Am - der Angeklagte tarn ... quam — so . . . wie de (mit Abi.) — über, von Das Wort se — sich, ist ein Personalpronomen. Wie im Deutschen werden beim lateinischen Personalpronomen drei Personen unterschieden, die jeweils einen Sin¬ gular und einen Plural bilden und wie ein Substantiv dekliniert werden. Die erste Person Singular lautet: ego — ich mei — meiner mihi — mir me - mich a me — von mir mecum — mit mir Personalpronomen 1. Person Singular Nominativ: ego Genitiv: mei Dativ: mihi Akkusativ: me Ablativ: a me^mecum Die erste Person Plural: nos — wir nostri — unser nostrum — unter uns nobis — uns nos - uns a nobis — von uns nobiscum — mit uns 51
Personalpronomen 1. Person Plural Nominativ: nos Genitiv: nostri, nostrum Dativ: nobis Akkusativ: nos Ablativ: a nobis, nobiscum Die Formen der 2. Person Singular lauten: tu — du tui — deiner tibi — dir te - dich a te — von dir tecum — mit dir Personalpronomen 2. Person Singular Nominativ: tu Genitiv: tui Dativ: tibi Akkusativ: te Ablativ: a te, tecum Und die Formen der 2. Person Plural lauten: vos — euch vestri — euer vestrum — unter euch vobis — euch vos — euch a vobis — von euch vobiscum — mit euch Perso nal pro nomen 2. Person Plural Nominativ: vos Genitiv: vestri, vestrum Dativ: vobis Akkusativ: vos Ablativ: a vobis, vobiscum Die Form vobiscum — mit euch, hat ebenso wie: mccum — mit mir, tecum — mit dir und nobiscum — mit uns, das Einzelwort cum ~ mit, hinten angehängt. 52
In der dritten Person muß man reflexive und nicht-reflexive Formen unterschei¬ den. Reflexiv heißt, daß sich das Personalpronomen auf das Subjekt bezieht, wie in dem Satz: Iudex tarn de se quam de reo iudicavit - der Richter hat ebenso über sich wie über den Angeklagten geurteilt; se — beziehLsich auf das Subjekt: iudex. Die reflexiven Formen des Personalpronomen der 3. Person sind im Singular und im Plural gleich; der Nominativ fällt wie im Deutschen bei den reflexiven Personal¬ pronomina der dritten Person weg. sui — seiner, ihrer sibi — sich se — sich a se — von sich secum — mit sich Personalpronomen 3. Person Singular u. Plural Nominativ: — Genitiv: sui Dativ: sibi Akkusativ: se Ablativ: a se, secum Nun gibt es aber eben auch nichtreflexive Personalpronomina, das heißt, das Per¬ sonalpronomen bezieht sich nicht auf das Subjekt, wie in dem Satz: Er hat ihm ein Pferd verkauft. In diesem Fall benutzt der Lateiner ein anderes Wort, nämlich das Demonstrativpronomen: is, ea, id - er, sie, es das im Plural die Formen ii, eae, ea — sie, bildet. Die Deklination dieses Demonstrativpronomens werden wir in einer späteren Lek¬ tion behandeln. An der Form des Personalpronomens Ist das Geschlecht der Per¬ son nicht zu erkennen: ego — ich; tu — du. Übrigens gebraucht der Lateiner den Nominativ des Personalpronomens nur zur besonderen Hervorhebung, zum Bei¬ spiel bei Gegensätzen: ego laboro — tu ambulas ich arbeite — du gehst spazieren. Der Ausbau des Rechtssystems in Rom hatte sich über Jahrhunderte hingezogen. Um 450 vor Christus entstand das Zwölftafelgesetz, In dem erstmals römisches Recht festgelegt wurde. Daneben galten als Rechtsquellen die Beschlüsse des Senats und der Volksversammlung und in der römischen Republik auch das Edictum der Prätoren. Die Vorschriften und Erlasse wurden immer umfangreicher, und die juristischen Schriften Immer unübersichtlicher. Es entstand der Beruf des 53
Rechtsgelehrten, des iuris consultus. Er wurde als Gutachter bei Prozessen zuge¬ zogen, denn der Anwalt, so hatten wir festgestellt, war in erster Linie Redner. Aufgabe des Rechtsgelehrten war es, aus dem schier unüberschaubaren Berg an Entscheidungen und Urteilen, die für den jeweiligen Prozeß einschlägigen Präzedenzfälle herauszuflnden. Erst unter Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert nach Christus wurde das corpus iuris geschaffen. Noch heute gelten Grundsätze, die auf das römische Recht zurückgehen, wie: In dubio pro reo — im Zweifelsfalle für den Angeklagten. Iudex tarn de se quam de reo iudicavit. iudicavit — von iudicare — urteilen, richten ist die 3. Person Singular Indikativ Perfekt Aktiv: er hat geurteilt. Wir haben bis¬ her alle Verbformen vom Präsensstamm gebildet. Es waren dies: das Präsens, das Imperfekt und das Futur. Der Präsensstamm heißt von: amare — ama* von monere — mone* von audire — audi- und von legere — leg- Präsensstämme ama- mone- audi- leg- Die Formen des Perfekt beruhen auf einem anderen Stamm, nämlich dem Perfekt¬ stamm, der bei den einzelnen Verben unterschiedlich gebildet wird. Daher muß man sich die verschiedenen Stammformen gut einprägen. Bei amare zum Beispiel heißt der Perfektstamm: amav-. Zusätzlich hat der Indikativ Perfekt auch noch eigene Personalendungen, die an den Stamm angehängt werden. Bei amare haben wir folgende Formen: amavf — Ich habe geliebt amavisti — du hast geliebt amavit — er, sie, es hat geliebt amavimus — wir haben geliebt amavistis — ihr habt geliebt amaverunt — sie haben geliebt amare Indikativ Perfekt Aktiv amav i amav isti amav it amav imus amav istis amav erunt 54
Die Personalendungen im indikativ Perfekt heißen demnach: -istis, -erunt. Der Perfektstamm von monere lautet monu-; -i, -isti, -it, -imus, monui — ich habe gemahnt monuisti — du hast gemahnt monuit — er, sie, es hat gemahnt monuimus — wir haben gemahnt monuistis - ihr habt gemahnt monuerunt — sie haben gemahnt monere Indikativ Perfekt Aktiv monu i monu isti monu it monu imus monu istis monu erunt Der Perfektstamm von audire heißt audiv-r audivi — ich habe gehört audivisti - du hast gehört audivit — er, sie, es hat gehört audivimus — wir haben gehört audivistis — ihr habt gehört audiverunt — sie haben gehört audire Indikativ Perfekt Aktiv audiv i audiv isti audiv it audiv imus audiv istis audiv erunt Der Perfektstamm von legere heißt leg-.' legi — ich habe gelesen legisti — du hast gelesen legit — er, sie, es hat gelesen legimus — wir haben gelesen legistis - ihr habt gelesen legerunt — sie haben gelesen 55
legere Indikativ Perfekt Aktiv leg i leg isti leg it feg imus leg istis leg erunt Der Perfektstamm des Hilfszeitverbs esse ist fu-: fui — ich bin gewesen fuisti - du bist gewesen fuit — er, sie, es ist gewesen fuimus — wir sind gewesen fuistis — ihr seid gewesen fuerunt — sie sind gewesen esse Indikativ Perfekt Aktiv fu i fu isti fu it fu imus fu istis fu erunt Das lateinische Perfekt bezeichnet ein abgeschlossenes Geschehen. Es ist das ge> bräuchliche Tempus bei der Darstellung vergangener Ereignisse und damit dem deutschen Imperfekt vergleichbar. Man kann daher die lateinischen Perfektformen oft mit dem deutschen Imperfekt wiedergeben, wie in den folgenden Übungs- Sätzen: Homines mali Miltiadem proditionis accusaverunt. accusaverunt von accusare ankfagen, 3. Person Plural Indikativ Perfekt Aktiv: sie haben angeklagt, oder: sie klagten an. Wer klagte an? Homines mali - schlechte Menschen. Wen oder was klagten schlechte Menschen an? Miltiadem — den Miltiades. Wessen klagten sie ihn an? proditionis — des Hochverrats. Also: Schlechte Menschen klagten Miltiades des Hochverrats an. 56
Summum ius, summa iniuria — Höchstes Recht ist höchstes Unrecht. Dieser lateinische Satz hat kein Prädikat. Man nennt solche Sätze Nominalsätze. Es sind immer besonders nachdrückliche Formulierungen, die meist eine Form des Hiifszeitverbs esse — sein weglassen. Auch im Deutschen haben wir vergleichbare Konstruktionen, wie zum Beispiel: Wie du mir, so ich dir. Zusätzlicher Übungssatz; ludices Miltiadem capitis quidem absolverunt, sed pecunia multaverunt. Dieser Satz ist durch die Partikel quidem ... sed — zwar... aber, gegliedert. Das erste Prädikat ist: absolverunt von absolvere — freisprechen: sie haben freigesprochen, oder: sie sprachen frei. Wer? iudices — die Richter. Wen sprachen sie frei? Miltiadem - den Miltiades. Wovon? capitis — von der Todesstrafe; caput, capitis — n heißt zunächst: das Haupt, der Kopf. Das zweite Prädikat ist: multaverunt, von multare — bestrafen, sie haben bestraft, oder: sie bestraften. Wer? auch hier ist iudices — die Richter, das Subjekt. Wen bestraften sie? Miltiadem — den Miltiades, der auch hier Akkusativobjekt ist. Womit bestraften sie ihn? pecunia — mit einer Geldstrafe. Wir nehmen die Partikel quidem ... sed- zwar . . . aber, hinzu und erhalten die Übersetzung: Die Richter sprachen Miltiades zwar von der Todesstrafe frei, belegten ihn aber mit einer Geldstrafe. 57
Wortschatz jniuria, <ae f das Unrecht reus, -i m der Angeklagte iudex, iudicis m der Richter accusare ankiagen ambulare Spazierengehen laborare arbeiten judicare richten, urteilen summus, -a, -um der oberste, höchste dubius, -a, -um zweifelhaft de (mit Abi.) über, von pro ( mit Abi.) für tam .. . quam so ... wie 58
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS!, 9 Wir haben in der letzten Lektion vom Beginn des römischen Rechts gesprochen und vom Zwölftafelgesetz als erstem schriftlichem Zeugnis der Gesetzgebung. Das Zwölftafelgesetz enthält unter anderem folgende Bestimmung: Hominem mortuum in urbe ne sepelito neve urito. Einen Toten soll man in der Stadt nicht begraben und nicht verbrennen. Hier nun die Vokabeln: mortuus, -a, -um — tot entsprechend: homo mortuus — ein toter Mensch, ein Toter, urbs, urbis ^ — die Stadt, womit meistens Rom gemeint ist. ne - ist hier die Verneinungspartikel beim Imperativ. Das folgende neve führt diese Verneinung fort: und nicht, sepelire — begraben, bestatten urere - verbrennen Zur 3. Deklination gehören auch einige i-Stämme, die den Genitiv Plural nicht wie virtus, virtutis — die Tugend, auf -um, also virtutum bilden, sondern auf -ium, wie zum Beispiel navis, navis, f — das Schiff: navis — das Schiff navis - des Schiffes navi — dem Schiff navem — das Schiff nave — durch das Schiff, mit dem Schiff naves — die Schiffe navium - der Schiffe navibus — den Schiffen naves - die Schiffe navibus — durch die Schiffe, mit den Schiffen 3. Deklination Singular Plural Nominativ: nav is nav es Genitiv: nav is nav ium Dativ: nav i nav ibus Akkusativ: nav em nav es Ablativ: nav e nav ibus 59
Man nennt Substantive wie navis, navis auch gleichsilbig, da der Nominativ und der Genitiv Singular die gleiche Anzahl von Silben haben. Merke: Die gleichsilbigen Substantive der 3. Deklination, deren Nominativ auf <es, oder: -is endet, gehören zu den i^tämmen, das heißt, sie bilden den Genitiv Plural auf -ium, wie navium. Doch es gibt auch ungleichsilbige Substantive der 3. Deklination, die zu den i-Stämmen gehören. Ihr Wortstock endet auf zwei oder mehr Konsonanten, zum Beispiel: ars, artis f — die Kunst. Auch diese Substantive gehören zu den i-Stäm- men: 3. Deklination Singular Plural Nominativ: ars art es Genitiv: art is art ium Dativ: art i art ibus Akkusativ: art em art es Ablativ: art e art ibus Wir merken uns: Ungleichsilbige Substantive, deren Wortstock auf zwei oder mehr Konsonanten endet, bilden den Genitiv Plural auf: -Ium, wie: artium. Den Genitiv Plural auf -ium bilden auch: lis, litis f — der Streit, der Rechtsstreit, nix, nivis f - der Schnee, und auch mors, mortis f — der Tod Im alten Rom deutete man den Tod anders,als es später das Christentum tat. Die Seelen der Verstorbenen lebten nach dem Glauben der Römer als Manen weiter. Die adeligen Familien ließen ihre Toten verbrennen — auch wenn es Ausnahmen gab, wie die Cornelier; die armen Leute dagegen und die Sklaven wurden gewöhn¬ lich begraben — und zwar möglichst unauffällig bei Nacht. Der Leichenzug der vornehmen Familien Roms fiel um so pompöser aus: Er fand selbstverständlich am Tage statt; und neben den Verwandten und Freunden des Verstorbenen nahmen symbolisch alle die Vorfahren teil, die einst das Amt eines Senators aus¬ geübt hatten. Ihre Wachsmasken und Amtsinsignien wurden von Schauspielern mitgetragen, Flötenspieler und Klageweiber gaben der Bestattungszeremonie die akustische Untermalung. Für die Toten, die ein wichtiges Staatsamt bekleidet hatten, wurde auf dem Forum Romanum auf der Rednertribüne die Leichenrede gehalten. Dann bewegte sich der Trauerzug aus der Stadt hinaus. Dort standen die Familiengruften des Adels, teilweise monumentale Grabbauten, wie die der Caecilia Metella an der Via Appia. Die Via Appia ist die einzige erhaltene Gräber¬ straße von Rom. Grabmale standen jedoch an jeder Ausfallstraße. Doch auch der sogenannte kleine Mann legte Wert auf eine '"schöne Leiche". Es entstanden Be¬ gräbnisvereine, zu denen sich Berufskollegen zusammengeschlossen hatten. Diese Vereine übernahmen die Kosten der Beerdigung, wenn eines ihrer Mitglieder ver¬ 60
starb. An Arme und Reiche richtete sich der gleiche Satz: Ne mortem timueritis. Fürchtet den Tod nicht, timueritis ist die Form des Konjunktiv Perfekt Aktiv. Zur Bildung des Konjunktiv Perfekt Aktiv werden dieselben Endungen verwendet wie beim Konjunktiv Präsens. Nur wird zwischen Perfektstamm und Endung noch ein -eri- eingeschoben: amaverim — ich möge geliebt haben amaveris — du mögest geliebt haben amaverit - er, sie, es möge geliebt haben amaverimus — wir mögen geliebt haben amaveritis — ihr möget geliebt haben amaverint — sie mögen geliebt haben amare Konjunktiv Perfekt Aktiv amav eri m amav eri s amav eri t amav eri mus amav eri tis amav eri nt monuerim — ich möge gemahnt haben monueris — du mögest gemahnt haben monuerit — er, sie, es möge gemahnt haben monuerimus — wir mögen gemahnt haben monueritis — ihr möget gemahnt haben monuerint — sie mögen gemahnt haben monere Konjunktiv Perfekt Aktiv monu eri m monu eri s monu eri t monu eri mus monu eri tis monu eri nt 61
audiverim — ich möge gehört haben audiveris — du mögest gehört haben audiverit — er, sie, es möge gehört haben audiverimus — wir mögen gehört haben audiveritis — ihr möget gehört haben audiverint — sie mögen gehört haben audire Konjunktiv Perfekt Aktiv audiv eri m audiv eri s audiv eri t audiv eri mus audiv eri tis audiv eri nt legerim — ich möge gelesen haben legeris — du mögest gelesen haben legerit - er, sie, es möge gelesen haben legerimus — wir mögen gelesen haben legeritis — ihr möget gelesen haben legerint — sie mögen gelesen haben legere Konjunktiv Perfekt Aktiv leg eri m leg eri s leg eri t leg eri mus leg eri tis leg eri nt Das Hilfszeitwort esse bildet die Formen analog: an den Perfektstamm fu- kommt das Infix -eri- und dann folgen die Personalendungen des Konjunktivs: fuerim — ich sei gewesen fueris - du seiest gewesen fuerit - er, sie, es sei gewesen fuerimus — wir seien gewesen fueritis — ihr seiet gewesen fuerint — sie seien gewesen 62
esse Konjunktiv Perfekt Aktiv fu eri m fu eri s fu eri t fu eri mus fu eri tis fu eri nt Beim Infinitiv Perfekt Aktiv wird bei allen Konjugationen die Endung -isse an den Perfektstamm gehängt: amavisse - geliebt zu haben monuisse — gemahnt zu haben audivisse — gehört zu haben legisse — gelesen zu haben fuisse — gewesen zu sein Infinitiv Perfekt Aktiv amav isse monu isse audiv isse leg isse fu isse Ne mortem timueritis — hatten wir mit: Fürchtet den Tod nicht, übersetzt. In Ver¬ bindung mit der Verneinungspartikel ne kann die 2. Person Konjunktiv Perfekt Aktiv im Singular und im Plural auch als verneinter Imperativ Präsens gebraucht werden: ama - liebe; ne amaveris - liebe nicht amate - liebt; ne amaveritis - liebt nicht time — fürchte; ne timueris — fürchte nicht timete — fürchtet; ne timueritis - fürchtet nicht. Artem ne reliqueris. Das Prädikat heißt reliqueris, von relinquere — verlassen. Ne reliqueris ist die Form des eben besprochenen Konjunktiv Perfekt Aktiv, der mit der Partikel ne in der 2. Person Singular als verneinter Imperativ Präsens gebraucht wird. Ne reliqueris heißt demnach: verlasse nicht. Wen oder was? artem — die Kunst. Verlasse die Kunst nicht. 63
Si mortem contemnis, timorem vincis. Bei diesem Satz handelt es sich um einen Haupt- und einen Nebensatz. Der Nebensatz ist erkennbar an der Nebensatzeinleitung: si — wenn, falls. Der Hauptsatz lautet: timorem vincis — vincis — du besiegst, von vincere — besiegen. Wen oder was besiegst du? timorem - die Furcht. Also: Du besiegst die Furcht. Der Nebensatz heißt: Si mortem contemnis — contemnis — du verachtest, von contemnere — verachten. Wen oder was verachtest du? mortem — den Tod. Die Nebensatzeinleitung si, so hatten wir gesagt, heißt: wenn, falls. Der ganze Satz heißt in der Übersetzung: Wenn du den Tod verachtest, besiegst du die Furcht. Zusätzlicher Übungssatz: Mors certa, hora incerta. Wir suchen vergeblich das Prädikat — es handelt sich wieder um einen jener Nominalsätze, die eine besonders nachdrückliche Formulierung beinhalten und kein ausdrückliches Prädikat haben. Meistens, so hatten wir in der vorigen Lektion gesagt, ist eine Form des Hilfszeitworts esse weggelassen. So auch hier, denn die Übersetzung heißt: Der Tod ist gewiß, die Stunde ungewiß. 64
Wortschatz navis, navis f das Schiff ars, artis f die Kunst mors, mortis f der Tod urbs, urbis f die Stadt lis, litis f der Streit, Rechtsstreit nix, nivis f der Schnee timor, -oris m die Furcht certus, -a, -um gewiß incertus, -a, -um ungewiß mortuus, -a, -um tot timere fürchten sepelire begraben contemnere verachten relinquere verlassen urere verbrennen vincere besiegen ne damit nicht neve und nicht (wenn ne — damit nicht, vorausgeht) 65
PAUK WUT: LATEIN GRUNDKURS I, 10 Wir alle kennen Berichte über die großartigen Erfolge des römischen Heeres, die Sätze enthalten, wie den folgenden: Milites Romani terra marique hostes superaverant. Die römischen Soldaten hatten zu Wasser und zu Lande die Feinde überwunden. Hier zunächst die einzelnen Vokabeln: miles, militis m — der Soldat mare, maris n - das Meer hostis, hostis m — der Feind superare - überwinden Zu den i-Stämmen, die wir in der letzten Lektion behandelt haben, gehören eine Reihe weiterer Substantive, zum Beispiel alle diejenigen, die im Nominativ Sin¬ gular auf -e enden, wie in unserem Satz: mare, maris n — das Meer, oder conclave, conclavis n — das Zimmer. Ferner alle diejenigen, die im Nominativ Singular auf -al enden, wie zum Beispiel: animal, animalis n — das Lebewesen, sowie alle diejenigen, die im Nominativ Singular auf -ar enden: exemplar, exemplaris r? — das Vorbild. Wir merken uns: Die Substantive auf -e, -al und -ar gehören zu den -i Stämmen und sind Neutra. Diese Substantive bilden den Ablativ Singular auf -i, den Nomi¬ nativ Plural auf -ia und den Genitiv Plural auf -ium. In tien übrigen Kasus werden die für die 3. Deklination üblichen Endungen verwendet: mare - das Meer maris - des Meeres mari — dem Meer mare — das Meer mari — auf dem Meer maria — die Meere marium — der Meere maribus — den Meeren maria — die Meere maribus — auf den Meeren 66
i-Stämme auf -e, -al, -ar Singular Nominativ: mar e Plural mar ia Genitiv: mar is mar ium Dativ: mar i mar ibus Akkusativ: mar e mar ia Ablativ: mar i mar ibus Eine Gruppe von gleichsilbigen Substantiven auf -i$ hat das -i- in den meisten Kasus erhalten, wie zum Beispiel febris, febris f — das Fieber? i-Stämme auf -is Singular Plural Nominativ: febr is febr es Genitiv: febr is febr ium Dativ: febr i febr ibus Akkusativ: febr im febr es Ablativ: febr i febr ibus Ebenso werden folgende Wörter dekliniert: puppis, puppis f - das Achterdeck securis, securis f — das Beil sitis, sitis f — der Durst turris, turris ^ — der Turm tussis, tussis f — der Husten vis — die Kraft, Gewalt bildet im Singular außer dem Nominativ nur den Akkusa¬ tiv und den Ablativ: vis, vim, vi. Der Plural wird regelmäßig gebildet. i-Stämme Nominativ: Singular vis Plural vir es Genitiv: - vir ium Dativ: — vir ibus Akkusativ: vim vir es Ablativ: vi vir ibus Zusammenfassend wollen wir noch einmal die Besonderheiten in der Dekli¬ nation der i-Stämme ansehen: Der Ablativ Singular wird bei den Neutra auf -e, -al und -ar mit -i gebildet: meri. Der Genitiv Plural der i-Stämme wird immer auf -ium gebildet: marium. Nominativ und Akkusativ Plural der Neutra auf -e, -al, -ar haben die Endung -ia; maria. 67
Maria — die Meere haben die römischen Soldaten ebenso beherrscht wie das Land. Wie kam es eigentlich, daß diese Soldaten die Eroberungskriege meistens gewon¬ nen haben? Die Geschichte Roms ist auch die Geschichte seiner Heere. Ursprüng¬ lich gab es keine Berufssoldaten, sondern ein Milizheer, in dem der Kämpfer seine Waffen selbst stellen mußte. Wer das nicht konnte, wie die proletarii durfte keinen Wehrdienst leisten. Der Drill im römischen Heer war hart. Die Siege der Römer sind nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in ihren Heeren eine eiserne Diszi¬ plin herrschte und ihre Taktik den Gegnern überlegen war. Der Römer der Früh¬ zeit war in erster Linie nicht Soidat, sondern Bauer, der seinen Hof während der Zeit der Feldzüge, etwa von März bis Oktober verließ. Scipio Africanus kämpfte noch mit einem solchen Milizheer, mit Männern also, die an Vaterland und Fami¬ lie dachten, unter Cäsar dagegen rekrutierte sich das Heer aus Berufssoldaten. Milites Romani terra marique hostes superaverant. Die römischen Soldaten hatten zu Wasser und zu Lande die Feinde überwunden. superaverant — sie hatten überwunden, ist die Form des Indikativ Plusquam¬ perfekt Aktiv, bei dem zwischen den Perfektstamm und die Personalendung -era- eingeschoben wird: amaveram — ich hatte geliebt amaveras — du hattest geliebt amaverat — er, sie, es hatte geliebt amaveramus - wir hatten geliebt amaveratis — ihr hattet geliebt amaverant — sie hatten geliebt. amare Indikativ Plusquamperfekt Aktiv amav era m amav era s amav era t amav era mus amav era tis amav era nt monere hat den Perfektstamm monu-: monueram — ich hatte gemahnt monueras — du hattest gemahnt monuerat — er, sie, es hatte gemahnt monueramus — wir hatten gemahnt monueratis — ihr hattet gemahnt monuerant — sie hatten gemahnt 68
monere Indikativ Plusquamperfekt Aktiv monu era m monu era s monu era t monu era mus monu era tis monu era nt Nach demselben Schema wird auch der Indikativ Plusquamperfekt Aktiv von audire gebildet. Der Perfektstamm heißt audiv-: audire Indikativ Plusquamperfekt Aktiv audiv era m audiv era s audiv era t audiv era mus audiv era tis audiv era nt Auch legere folgt dieser Regel: zwischen den Perfektstamm leg- und die Personal¬ endung wird -era- eingeschoben: legere Indikativ Plusquamperfekt Aktiv leg era m leg era s leg era t leg era mus leg era tis leg era nt Entsprechend bildet auch esse den Indikativ Plusquamperfekt Aktiv: fueram — ich war gewesen fueras — du warst gewesen fuerat — er, sie, es war gewesen fueramus — wir waren gewesen fueratis — ihr wart gewesen fuerant — sie waren gewesen 69
Indikativ Plusquamperfekt Aktiv fu era m f u era s f u erä t fu era mus fu era tis fu era nt Das Plusquamperfekt drückt die Vorvergangenheit aus, eine Handlung, die bereits abgeschlossen war, als eine neue Handlung begann. Das Plusquamperfekt be¬ schreibt auch einen Zustand in der Vergangenheit als Ergebnis einer vorausgegan¬ genen abgeschlossenen Handlung. Marcus Porcius Cato civitates Hispaniae vicerat, sed moenia urbium non deleverat. Dieser Satz hat zwei Prädikate, die mit der Partikel sed - aber verbunden sind. vicerat — er hatte besiegt. Wer hatte besiegt? Marcus Porcius Cato. Wen oder was hatte er besiegt? civitates Hispaniae — die Völkerstämme Spaniens. Also heißt der erste Teil des Satzes: Marcus Porcius Cato hatte die Völkerstämme Spaniens besiegt, aber... und nun zum zweiten Prädikat: deleverat — er hatte zerstört. Vor dem Verb steht non — nicht, also: er hatte nicht zerstört. Wer hatte nicht zerstört? Marcus Porcius Cato - das ist auch hier das Subjekt. Was hatte er nicht zerstört? moenia urbium — die Mauern der Städte. Der ganze Satz heißt: Marcus Porcius Cato hatte die Volksstämme Spaniens besiegt, aber die Mauern der Städte nicht zerstört. Itaque incolis urbium imperavit, ut moenia delerent. Hier haben wir einen Hauptsatz und einen Nebensatz, der mit ut — daß, damit, eingefeitet wird. Bei ut — daß, damit, muß im 70
Lateinischen immer der Konjunktiv stehen. Doch zunächst zum Hauptsatz. Das Prädikat lautet: imperavit — er hat befohlen. Es ist der Indikativ Perfekt Aktiv von imperare — befehlen. Wer hat befohlen? Das Subjekt ist bereits im Verb enthalten: er. Wem hat er befohlen? incolis urbium — den Einwohnern der Städte. Was hat er den Einwohnern der Städte befohlen? ut... delerent, hier haben wir den Nebensatz: daß sie zerstörten; delerent ist die 3. Person Plural Konjunktiv Imperfekt Aktiv. Der Konjunktiv, so hatten wir gesagt, muß nach ut — daß, damit stehen. Daß sie wen oder was zerstörten? moenia — die Mauern. Itaque heißt daher, deshalb. Die Übersetzung lautet: Deshalb befahl er den Einwohnern der Städte, daß sie ihre Mauern zerstörten. Im Deutschen kann man den daß-Satz auch mit einem Infinitiv wiedergeben: Deshalb befahl er den Einwohnern der Städte, ihre Mauern zu zerstören. Zusätzlicher Übungssatz: Castra Romani ceteraeque gentes antiquitus per corpora cohortium constituebant. constituebant - sie richteten ein, oder: sie schlugen auf. Wer schlug auf? Romani ceteraeque gentes — die Römer und die übrigen Völker. Wen oder was schlugen sie auf? castra — das Lager. Wann? antiquitus — in der alten Zelt. Wie? per corpora cohortium — heißt wörtlich: über die Körper der Kohorten hin, wir können sagen: kohortenweise. Also: In der alten Zeit schlugen die Römer und die übrigen Völker das Lager kohortenweise auf. 71
Wortschatz Hispania, -ae f Spanien incola, -ae m der Einwohner hostis, hostis m der Feind mites, militis m der Soldat febris, febris f das Fieber puppis, puppis f das Achterdeck securis, securis f das Beil sitis, sitis f der Durst turris, turris f der Turm tussis, tussis f der Husten vis f die Kraft, Gewalt civitas, -atis f Bürgerrecht, Bürgerschaft, Volk(stamm) conclave, conclavis n das Zimmer mare, maris n das Meer animal, animalis n das Lebewesen exemplar, exemplaris n das Vorbild moenia, -ium n die Stadtmauer ceteri, -ae, -a die übrigen superare überwinden delere zerstören constituere aufstellen antiquitus in alter Zeit sed aber, sondern non nicht itaque daher, deshalb 72
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 1,11 Wir wollen uns mit der Ausrüstung des römischen Legionärs beschäftigen: Milites cum pila misissent, gladiis pugnabant. Als die Soldaten ihre Wurfspeere geschleudert hatten, kämpften sie mit dem Schwert. Die Vokabeln: cum (mit Konj.) — als, weil pilum, -i, n — Wurfspeer gladius. Am — Schwert misi — ich habe geschickt ich habe geworfen pugnare — kämpfen Miles, militis m ist ein Substantiv der 3. Deklination. Zur 3. Deklination gehören, wie wir wissen, Substantive aller drei Geschlechter. Wir wollen uns das noch einmal an einigen Beispielen ansehen. Da das Geschlecht am Adjektiv leichter zu erken¬ nen ist, nehmen wir jeweils ein Adjektiv hinzu: color albus m — die weiße Farbe honos magnus m — eine hohe Ehre agger altus m — ein hoher Damm. Wir merken uns: Die Substantive auf -or, -os und -er sind in der Regel Maskulina.^) oratio longa f — eine lange Rede aetas aurea f — das goldene Zeitalter salus publica f — das öffentliche Wohl clades magna / — eine schwere Niederlage classis Romana f — die römische Flotte gens valida f — ein mächtiger Volksstamm lex antiqua — f — ein altes Gesetz Wir merken uns: Die Substantive auf -o, -as, -atis, -us, -utis, -es und -is, sowie die auf -s mit vorhergehendem Konsonant, auch wenn sie zu -x verschmolzen sind wie bei lex, sind in der Regel Feminina.^^ mare vastum n — das weite Meer animal ferum n - das wilde Tier exemplar certum n — ein sicheres Abbild 73
fulgur clarum n - der helle Blitz corpus sanum n — der gesunde Körper genus humanum n - das Menschengeschlecht omen malum n — ein schlechtes Vorzeichen Wir merken uns: Die Substantive auf -e; -al; -ar; -ur; -us, -oris oder, -us, -eris, und -men, sind in der Regel Neutra.^^ Die Ausnahmen von diesen Regeln finden Sie bei den zusätzlichen Hinweisen am Ende der Lektion, ebenso die Besonderheiten der 3. Deklination, von denen wir hier nur erwähnen wollen: moenia, -ium n - ist ein Pluralwort mit der Bedeutung: die Stadtmauer. Im Sin¬ gular und im Plural eine verschiedene Bedeutung hat: finis, finis m — die Grenze fines, finium m - das Gebiet Tentorium militi aedes et penates sunt, aedes et penates sunt heißt: sind Haus und Hausgötter. Die beiden Prädikatsnomina: aedes - das Haus und penates — die Hausgötter stehen im Plural, daher: sunt — ebenfalls im Plural. Das Subjekt ist: tentorium — das Zelt. Wem ist das Zelt Haus und Hausgötter? militi - dem Soldaten. Der ganze Satz heißt: Das Zelt ist dem Soldaten Haus und Hausgötter. Tentorium — das Zelt gehörte nicht zur Ausrüstung des einzelnen römischen Sol¬ daten, dafür aber Waffen und Geräte mit einem Gesamtgewicht von ungefähr 30 kg, die bei einem durchschnittlichen Marsch von 20 bis 25 km täglich mitge¬ schleppt werden mußten. Wie sah diese Ausrüstung nun im einzelnen aus? Beklei¬ det war der römische Legionär mit einem Leder- oder Eisenhelm mit Backen- und Nackenschutz und einem Lederpanzer, der später mit Eisenstücken verstärkt wurde. Der berittene Offizier trug einen metallenen Stückpanzer über einer roten Tunika und zusätzlich Beinschienen. Der kommandierende Feldherr war an seinem roten Feldherrenmantel zu erkennen. Die Waffen der römischen Soldaten wurden in der Zeit der ausgehenden Republik und in der Kaiserzeit in staats¬ eigenen Manufakturen angefertigt. Die Hauptangriffswaffen waren Wurfspeer und Schwert. Der Wurfspeer war 1.50 m bis 1.80 m lang und hatte einen Holzschaft, an dem verhältnismäßig weiches Eisen mit einer festen Spitze befestigt war. Beim Aufprall verbog sich das weiche Eisen, so daß der Wurfspeer nicht wieder zurück- geschleudert werden konnte. Das Schwert war mit 60 bis 70 cm verhältnismäßig 74
kurz, es hatte keine Parierstange und war für Hieb und Stich gleich gut verwend¬ bar. Es wurde in einer Holzscheide getragen. Zur Verteidigung benutzte der römische Legionär den Schild. Er war mit Leder überzogen, rechteckig und ge¬ wölbt. Milites cum iter confecissent, castra muniebant. Als die Soldaten den Marsch beendet hatten, befestigten sie ein Lager. confecissent ist die Form des Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv. Beim Konjunk¬ tiv Plusquamperfekt Aktiv wird zwischen den Perfektstamm und die Personalen¬ dung -isse- eingeschoben, bei amare haben wir folgende Formen: amavissem — ich hätte geliebt amavisses — du hättest geliebt amavisset - er, sie, es hätte geliebt amavissemus — wir hätten geliebt amavissetis — ihr hättet geliebt amavissent — sie hätten geliebt. amare Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv amav isse m amav isse s amav isse t amav isse mus amav isse tis amav isse nt monere Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv monu isse m monu isse s monu isse t monu isse mus monu isse tis monu isse nt audire Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv audiv isse m audiv isse s audiv isse t audiv isse mus audiv isse tis audiv isse nt 75
Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv leg issem leg isse s leg isset leg isse mus leg isse tis leg isse nt Analog lauten die Formen von esse: fuissem — ich wäre gewesen fuisses - du wärest gewesen fuisset — er, sie, es wäre gewesen fuissemus — wir wären gewesen fuissetis — ihr wäret gewesen fuissent — sie wären gewesen Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv fu isse m fu isses fu isset fu isse mus fu isse tis fu isse ht Milites castra vallo tamquam moenibus circumdabant. Das Prädikat heißt: circumdabant — sie umgaben, 3. Person Plural Indikativ Imperfekt Aktiv von circumdare — umgeben. Wer? milites — die Soldaten. Wen oder was umgaben die Soldaten? castra - das Lager. Womit umgaben sie das Lager? vallo — mit einem Wall. tamquam — gleichwie moenibus — mit einer Stadtmauer. moenia, so hatten wir vorhin gesehen, gehört zu den Pluralwörtern der 3. Deklination. Der Satz heißt in der Übersetzung: Die Soldaten umgaben das Lager mit einem Wall gleichwie mit einer Stadtmauer. 76
Zusätzliche Hinweise Ausnahmen und Besonderheiten der 3. Deklination 1.) Substantive auf -or, -os und -er: a) Maskulina sind ebenfalls sal, salis m das Salz sol, solis m die Sonne Feminina arbor, arboris f der Baum dos, dotis f die Mitgift tellus, telluris f die Erde Neutra aequor, aequoris n Fläche, Meer marmor, marmoris n Marmor os, oris n Mund, Gesicht os, ossis n Knochen cadaver, cadaveris n Leichnam iter, itineris n Weg, Marsch, Reise Maskulina sind die ungleichsilbigen Wörter auf -es. -itis miles, militis m Soldat limes, limitis m Grenzwall die gleichsilbigen Wörter auf -nis finis, finis sov^ie: m Grenze leo, leonis m Löwe sermo, sermonis m Sprache ordo, ordinis m Ordnung as, assis m As (römische Münze) pes, pedis m Fuß paries, parietis m Wand cinis, cineris m Asche pulvis, pulveris m Staub lapis, lapidis m Stein sanguis, sanguinis m Blut mensis, mensis m Monat orbis, orbis m Kreis piscis, piscis m Fisch collis, collis m Hügel fascis, fascis m Bündel, Rutenbündel dens, dentis m Zahn fons, fontis m Quelle pons, pontis m Brücke mons, montis m Berg 77
calix, calicis m Kelch, Becher grex, gregis m Herde vertex, verticis m Wirbel, Scheitel Neutra sind außerdem folgende Wörter: aes, aeris n Erz ius, iuris n Recht vas, vasis n Gefäß ver, veris n Frühling lac, lactis n Milch mei, mellis n Honig cor, cordis n Herz caput, capitis n Haupt, Kopf Pluralwörter septentriones, septentrionum m der Norden verbera, verberum n Schläge Nur im Singular kommen vor: indoles, indolis f Begabung, Veranlagung vestis, vestis f Kleidung, Kleider aes alienum n die Schulden 5) Wörter mit verschiedener Bedeutung im Singular und Plural aedes, aedis f Tempel aedes, aedium f Haus pars, partis f Teil partes, partium f Partei, Rolle (d. Schauspielers) 6) Besonderheiten in der Kasusbildung zeigen folgende Wörter: Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ Ablativ luppiter lovis lovi lovem ab love m Jupiter senex senis seni senem a sene m Greis senes senum senibus senes a senibus bos bovis bovi bovem bove m/f Rind boves boum bobus boves bobus bubus bubus caro carnis carni carnem carne f Fleisch carnes carnium carnibus carnes carnibus nix nivis nivi nivem nive f Schnee nives nivium nivibus nives nivibus iter itineris itineri iter itinere n Weg, itinera itinerum itineribus itinera itineribus Marsch, Reise 78
7) vas n — das Gefäß bildet den Plural nach der o-Deklination vasa, vasorum 8) Bei den i^tämmen kommt im Akkusativ Plural statt -es häufig die Endung -is vor. hostis neben hostes partis neben partes 9) Nicht deklinierbar sind: fas nefas n göttliches Recht, Gebot n Frevel, Unrecht 79
Wortschatz: gladius, -i m pilum, -i n tentorium, -i n finis, finis m fines, -ium m color, coloris m labor, laboris m honos, honoris m agger, aggeris m aetas, aetatis f salus, salutis f clades, cladis f classis, classis f gens, gentis f lex, legis f fulgur, fulgoris, bzw. fulguris n genus, generis aedes, aedis penates, -ium iter, itineris n f m n das Schwert der Wurfspeer das Zelt die Grenze das Gebiet die Farbe die Anstrengung die Ehre der Damm das Zeitalter das Wohl, Heil die Niederlage die Flotte Geschlecht, der Volksstamm das Gesetz der Blitz Abstammung, Geschlecht das Haus die Hausgötter Weg, Marsch, Reise antiquus, -a,-um albus, -a, -um altus, -a, -um longus, -ä, -um aureus, -a, -um validus, -a, -um vastus, -a, -um ferus, -a, -um humanus, -a, -um malus, -a, -um sanus, -a, -um alt weiß hoch, tief lang golden kräftig, mächtig weit wild menschlich böse gesund circumdare misi umgeben ich habe geschickt, geworfen tamquam gleichwie 80
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS I, 12 Wir haben in der letzten Sendung gesehen, daß sich das römische Heer von einem Milizheer zu einem Berufsheer gewandelt hat. Mit Marius hat sich auch die Schlachtordnung geändert. Nicht geändert hat sich dagegen, sogar bis heute die kriegerische Maxime: Qui prior strinxerit ferrum, eius victoria erit. Wer früher das Eisen gezogen haben wird, dessen wird der Sieg sein, oder: Wer zuerst das Schwert zieht, dessen wird der Sieg sein. Hier nun die Vokabeln: prior - der vordere, frühere strinxi — ich habe gezogen ferrum. An — das Eisen victoria, -ae f — der Sieg Der Satz beginnt mit einem Relativpronomen qui — der, welcher, wer. Die For¬ men des Pronomens lauten: qui, quae, quod - welcher, welche, welches; der, die, das; cuius — welches, welcher, welches; dessen, deren, dessen; cui — welchem, welcher, welchem; dem, der, dem; quem, quam, quod - welchen, welche, welches; den, die, das; quo, qua, quo - von welchem, von welcher, von welchem. qui, quae, quod Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nominativ: qui quae quod Genitiv: cuius cuius cuius Dativ: cui cui cui Akkusativ: quem quam quod Ablativ: quo qua quo 81
Die meisten Pronomina bilden im Singular den Genitiv auf -ius und den Dativ auf -i, und zwar einheitlich bei allen drei Geschlechtern. Statt cum quo — mit welchem und cum qua - mit welcher wird oft quocum beziehungsweise quacum gebraucht. Oer Plural heißt: qui, quae, quae — welche, die, quorum, quarum, quorum — welcher, deren quibus — welchen, denen quos, quas, quae - welche, die quibus — von welchen, von denen. Auch cum quibus - mit welchen, mit denen wird häufig zu quibuscum. qui, quae, quod Plural Maskulinum Femininum Neutrum Nominativ: qui quae quae Genitiv: quorum quarum quorum Dativ: quibus quibus quibus Akkusativ: quos quas quae Ablativ: quibus quibus quibus In unserem Satz befindet sich ein weiteres Pronomen: eius — dessen, ist der Genitiv Singular des Pronomens: is, ea, id -der, derjenige, er. Dieses Pronomen wird folgendermaßen dekliniert: is, ea, id — er, sie, es eius — seiner, ihrer, seiner ei — ihm, ihr, ihm eum, eam, id — ihn, sie, es eo, ea, eo — von ihm, von ihr, von ihm is, ea, id Singular Nominativ: Maskulinum is Femininum ea Neutrum id Genitiv: eius eius eius Dativ: ei ei ei Akkusativ: eum eam id Ablativ: eo ea eo Das Pronomen is, ea, id hat mehrere Funktionen: Zunächst ist es Demonstrativpronomen, zum Beispiel: is Piso — dieser Piso. Zweitens ist es der Ersatz für das nicht-reflexive Personalpronomen der 3. Person, wie wir an anderer Stelle schon erwähnt haben, also: eum video — ich sehe ihn. Dies gilt auch für den Plural mit den folgenden Formen: 82
ii oder: ei, eae, ea — sie eorum, earum, eorum — ihrer eis, oder: iis — ihnen eos, eas, ea — sie eis, oder: iis — von ihnen Dieses Pronomen lehnt sich im Plural in der Formenbildung an die Adjektive der a- und der o-Deklination an. is, ea, id Plural Nominativ: Genitiv: Dativ: Akkusativ: Ablativ: Maskulinum Femininum Neutrum ii (ei) eae ea eorum earum eorum eis (iis) eis (iis) eis ({{$) eos eas ea eis (iis) eis (iis) eis (iis) Die Genitive von is, ea, id vertreten die nicht-reflexiveh^ Formen des Possessivpro¬ nomens der 3. Person: video patrem eorum — ich sehe ihren Vater. Die Verbindung von is, qui — derjenige, der; derjenige, welcher ist sehr häufig. Zum Beispiel: Eum, qui palam est adversarius, vitamus. Den, der offen ein Feind ist, meiden wir. Als ab 200 vor Christus die Römer die hellenistischen Reiche des Ostens eroberten, wurde allmählich die Bürgermiliz von Söldnerheeren abgelöst. Kaiser Augustus führte diese Reform zu Ende, so daß es nun ein Berufsheer mit 20- bis 25jähriger Dienstzeit gab. Es wurde in festen Garnisonen an den Grenzen des Reiches statio¬ niert. Allmähiich taten immer mehr Provinzialen im römischen Heer Dienst, auch weil sie damit das römische Bürgerrecht erwerben konnten. Die römische Legion hatte eine Stärke von 3600 — 6000 Mann. Zur Zeit der rö¬ mischen Republik war die sogenannte Manipeltaktik üblich: die Legion war in der Tiefe in drei Treffen gegliedert: Vorne standen die hastati, die jüngsten Jahrgänge, die mit Wurfspeer und Schwert kämpften. Es folgten die principes, die mittleren Jahrgänge, und ganz hinten die triarii, die ältesten Jahrgänge. Sie dienten als mobi¬ le Schlachtreserve, ihr Einsatz war oft entscheidend für den Ausgang des Kampfes. In der Breite war jedes Treffen noch einmal In 10 Manipel als taktische Einheiten ge¬ gliedert. Diese Aufstellung war auf eine Feindrichtung bezogen und dadurch recht schwerfällig, zum Beispiel bei einem Überraschungsangriff. Die entscheidende tak¬ tische Reform wurde von Marius durchgeführt, der je drei Manipel, aus jedem Tref¬ fen eine, zu einer Kohorte zusammenfaßte. Damit standen Triariermanipel, Princi- pesmanipel und Hastatimanipel nebeneinander und nicht wie ehedem hinterein¬ ander. Das Heer wurde sehr viel beweglicher als vorher. 83
Qui prior strinxerit ferrum, eius victoria erit - strinxerit ist die Form des Futur II, des Futur exakt. In diesem Tempus wird eine Handlung als in der Zukunft vollen¬ det bezeichnet. Die Formen des Indikativ Futur II sind identisch mit denen des Konjunktiv Per¬ fekt Aktiv — mit Ausnahme der 1. Person Singular, die an den Perfektstamm ein -ero anhängt: amavero — ich werde geliebt haben amaveris — du wirst geliebt haben amaverit - er, sie, es wird geliebt haben amaverimus — wir werden geliebt haben amaveritis — ihr werdet geliebt haben amaverint — sie werden geliebt haben amare Indikativ Futur II Aktiv amav er o amav eri s amav eri t amav eri mus amav eri tis amav eri nt Die Formen von monere sind analog gebildet. Der Perfektstamm heißt monu-: monere Indikativ Futur II Aktiv monu er o monu eri s monu eri t monu eri mus monu eri tis monu eri nt Entsprechend lauten die Formen von audire mit dem Perfektstemrrf audiv-: audire Indikativ Futur II Aktiv audiv er o audiv eri s audiv eri t audiv eri mus audiv eri tis audiv eri nt 84
Von legere, Perfektstamm lag-. können Sie die Formen nach dem gleichen Schema bilden: legere Indikativ Futuril Aktiv leg er o leg eri s leg eri t leg eri mus leg eri tis leg eri nt esse hat den Perfektstamm fu-. Die Formen des Indikativ Futur 11 Aktiv lauten: fuero — ich werde gewesen sein fueris — du wirst gewesen sein fuerit — er, sie, es wird gewesen sein fuerimus — wir werden gewesen sein fueritis — ihr werdet gewesen sein fuerint — sie werden gewesen sein Indikativ Futuril Aktiv fuero fu eri s fu eri t fu eri mus fu eri tis fu eri nt Im Deutschen ist der Gebrauch des Futur II wegen seiner schwerfälligen Form sehr selten. Bei der Übersetzung des lateinischen Futur II nehmen wir im Deut¬ schen daher gewöhnlich das einfache Futur, das Präsens oder das Perfekt, wie zum Beispiel in folgendem Satz: Certe ei molestus fuero. Das Prädikat heißt: molestus fuero — ich werde lästig gewesen sein, wem? ei — ihm certe ~ gewiß Gewiß werde ich ihm lästig gewesen sein, ln einfachen Hauptsätzen wie diesem verwendet der Lateiner das Futur II, wenn der bestimmt eintretende Erfolg einer künftigen Handlung ausgedrückt werden soll. Im Deutschen können wir sagen: Ganz gewiß werde ich ihm lästig sein. 85
Ego certe officium meum praestitero, praestitero — ich werde erfüllt haben Wer? ego — ich, hier besonders betont. Wen oder was? officium meum — meine Pflicht. Wie? certe — gewiß Ich werde gewiß meine Pflicht erfüllt haben, oder: Ich werde meine Pflicht ganz gewiß erfüllen. Oppugnabitis moenia unius urbis, sed in una urbe universam Hispaniam expugnaveritis. Hier sind zwei Hauptsätze nebeneinander gestellt und mit sed — aber verbunden. Im ersten Satz lautet das Prädikat: oppugnabitis - ihr werdet belagern. Wen oder was werdet ihr belagern? moenia — die Stadtmauer Wessen Stadtmauer? unius urbis — einer einzigen Stadt, nur einer Stadt. Prädikat des zweiten Satzes ist: expugnaveritis — ihr werdet erobert haben, oder: ihr werdet ganz gewiß erobern. Wen oder was? universam Hispaniam — ganz Spanien. Wo? in una urbe — in einer einzigen Stadt. Die Übersetzung lautet also: Ihr werdet die Mauern einer einzigen Stadt belagern, aber ihr werdet ganz gewiß in der einen Stadt ganz Spanien erobern. Actio recta non erit, nisi recta fuerit voluntas. Der Hauptsatz heißt: actio recta non erit, mit dem Prädikat: recta non erit — sie wird nicht richtig sein. Wer? actio - die Handlung. Nisi — wenn nicht, leitet einen verneinten Bedingungssatz ein. Das Prädikat dazu heißt: recta fuerit - sie wird richtig gewesen sein. Wer? voluntas - die Absicht. 86
Also heißt der ganze Satz: Eine Handlung wird nicht richtig sein, wenn die Absicht nicht richtig gewesen sein wird. Im Deutschen können wir das Futur II des Nebensatzes mit dem Präsens wiedergeben: Eine Handlung wird nicht richtig sein, wenn die Absicht nicht richtig ist. 87
Wortschatz victoria, -ae f der Sieg adversarius, -i m der Feind ferrum, -i n das Eisen actio,-onis f die Handlung voluntas, -atis f die Absicht, der Wille rectus, -a, -um richtig, gerade molestus, -a, -um lästig universus, -a, -um ganz oppugnare belagern expugnare erobern praestiti ich habe erfüllt strinxi ich habe gezogen is, ea, id der, die, das qui, quae, quod derjenige, diejenige, dasjenige er, sie, es welcher, welche, welches prior der, die, das der vordere, frühere nisi wenn nicht 88
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS I, 13 In der letzten Lektion des Grundkurses I wollen wir zum ersten Mai einen län¬ geren zusammenhängenden Text übersetzen. Es handelt sich um eine Fabel des Phaedrus mit folgendem Text: 0$ devoratum fauce cum haereret lupi, magno dolore victus coepit singulos illicere pretio, ut illud extraherent malum. Tandem persuasa est iureiurando gruis gulaeque credens colli longitudinem periculosam fecit medicinam lupo. Pro quo cum pactum flagitaret pretium: "Ingrata es" inquit "ore quae e nostro caput incolume abstuleris et mercedem postules." Wir werden diesen Text nun Satz für Satz durchgehen und dabei die Wörter und die grammatikalischen Schwierigkeiten erläutern. Os devoratum fauce cum haereret lupi, magno dolore victus coepit singulos illicere pretio, ut illud extraherent malum. Der Text beginnt mit einem Nebensatz, der durch die Konjunktion cum — als gekennzeichnet ist: Os devoratum fauce cum haereret lupi. Prädikat ist: haereret — er, sie, es würde stecken, 3. Person Singular Konjunktiv Imperfekt Aktiv. Im Lateinischen muß der Konjunktiv nach cum — als stehen, wir können ihn mit dem Indikativ übersetzen: cum haereret — als er, sie, es stak. Wer oder was stak? os devoratum — ein verschluckter Knochen; OS, ossis — der Knochen ist Neutrum. Wo stak der Knochen? fauce - im Schlund; fauce ist der Ablativ Singular von faux, faucis f, der hier zur Ortsangabe steht. In wessen Schlund? lupi — des Wolfes, von lupus, lupi m — der Wolf. Also heißt dieser Nebensatz: Als im Schlund des Wolfes ein verschluckter Knochen stak,.. . magno dolore victus coepit singulos illicere pretio — ist der Hauptsatz. Das Prädikat ist: coepit — er begann. Wer? er, der Wolf. 89
victus magno dolore — überwältigt von großem Schmerz; von victus — besiegt, überwältigt, hängt der Ablativ magno dolore ab: dolor, doloris m - der Schmerz und magnus, magna, magnum — groß. Was begann er? illicere — zu verlocken; Wen oder was begann er zu verlocken? singulos — die einzelnen; Akkusativ von singuli — die einzelnen. Womit begann er sie zu verlocken? pretio - mit einer Belohnung; pretio ist der Ablativ Singular von pretium, pretii n — die Belohnung, der Preis. Der Hauptsatz heißt: er begann von großem Schmerz überwältigt die einzelnen mit einer Belohnung zu verlocken — ut illud extraherent malum — ut ~ daß ist die Einleitung eines weiteren Nebensatzes, die ebenfalls mit dem Konjunktiv steht: extraherent — sie würden herausziehen. Wen oder was? illud malum — jenes Übel; hier ist das Adjektiv malus, mala, malum — schlecht, böse substantiviert. Der ut-Satz lautet: daß sie jenes Übel herauszögen. Der ganze erste Satz heißt in der Übersetzung: Als ein verschluckter Knochen im Schlund des Wolfes stak, begann er, von großem Schmerz überwältigt, die einzelnen mit einer Belohnung zu verlocken, daß sie jenes Übel herauszögen. Tandem persuasa est iureiurando gruis gulaeque'credens colli longitudinem periculosam fecit medicinam lupo. Dieser Satz besteht aus zwei Hauptsätzen, die durch das an gulae angehängte que — und verbunden sind. Tandem persuasa est iureiurando gruis ist der erste Hauptsatz mit dem Prädikat: persuasa est — sie ist überredet worden; das Femininum steht hier, weil sich persuasa auf gruis — Femininum — bezieht. Wer ist überredet worden? gruis — der Kranich; gruis ist eine Nebenform des sonst üblichen grus, gruis f — der Kranich. Wodurch ist der Kranich überredet worden? iureiurando — durch einen Eid, Ablativ Singular von iusiurandum, iurisiurandi n —der Eid. Wann? tandem — endlich. Der erste Hauptsatz heißt also: Endlich wurde der Kranich durch einen Eid überredet... que — urxi. 90
Das Prädikat des zweiten Hauptsatzes ist: fecit — er, sie, es hat gemacht. Wer? Subjekt ist auch hier: gruis — der Kranich, der einzige Nominativ Singular in diesen beiden Sätzen. Was hat der Kranich gemacht? periculosam medicinam - die gefährliche Heilkunst. medicinam ist der Akkusativ Singular von medicina, medicinae f — die Heiikunst, was wie mensa, mensae dekliniert wird, und periculosam — gefährlich. An wem hat er die Heilkunst ausgeführt? lupo — dem Wolf, also: er führte am Wolf die gefährliche Heilkunst aus. In welcher Weise? gulae credens colli longitudinem: credens — anvertrauend. Wen oder was? longitudinem — die Länge, Akkusativ Singular von longitudo, longitudinis f - die Länge; das Substantiv wird wie homo, hominis - der Mensch dekliniert. Wessen Länge? colli — seines Halses, Genitiv Singular von collum, colli n — der Hals. Wem? gulae dem Schlund, Dativ Singular von gula, gulae f — Schlund, Speiseröhre, Kehle. Der zweite Teil des Satzes heißt: und dem Rachen (des Wolfes) die Länge seines Halses anvertrauend führte er die gefährliche Heiikunst am Wolf aus. Nun noch einmal der ganze Satz: Endlich wurde durch einen Eid der Kranich überredet und dem Rachen (des Wolfes) die Länge seines Halses anvertrauend führte er die gefährliche Heilkunst am Wolf aus. Pro quo cum pactum flagitaret pretium: "Ingrata es" inquit "ore quae e nostro caput incolume abstuleris et mercedem postules." Der Hauptsatz dieser Periode besteht nur aus dem Prädikat: inquit — er, sie, es hat gesagt. Davon abhängig ist der Nebensatz mit cum: Pro quo cum pactum flagitaret pretium; flagitaret — er, sie, es würde fordern, 3. Person Singular Konjunktiv Imperfekt Aktiv von flagitare — fordern. Der Konjunktiv ist auch hier durch cum — als bedingt. Wer forderte? Das Subjekt ist im Verbum enthalten, gemeint ist: der Kranich. Wen oder was forderte der Kranich? pactum pretium — die vereinbarte Belohnung. 91
Wofür? pro quo — dafür. Der cum-Satz lautet also: Als er (der Kranich) dafür die vereinbarte Belohnung forderte ... inquit — hat er (gemeint ist der Wolf) gesagt... "Ingrata es, ore quae e nostro caput incolume abstuleris et mercedem postules." Auch diese direkte Rede besteht aus einem Haupt- und einem Nebensatz. Ingrata es — du bist undankbar, ist der Hauptsatz, ingrata ist der Nominativ Singular Femininum von ingratus, ingrata, ingratum — undankbar, das Femininum muß stehen, weil gruis — Femininum — der Kranich, angeredet wird. quae leitet einen Relativsatz ein: quae ore e nostro caput incolume abstuleris et mercedem postules. abstuleris — du mögest herausgezogen haben. Wen oder was? caput — den Kopf, Akkusativ Singular von caput, capitis n — der Kopf, das Haupt. In welchem Zustand? incolume — unversehrt. Woraus? e nostro ore — aus unserem Mund; e ist gleich ex - aus, eine Präposition, die im Lateinischen mit dem Ablativ steht: ore — Ablativ von os, oris n — der Mund, nostro ist entsprechend ebenfalls der Ablativ von noster, nostra, nostruifi — unser. postules — du mögest fordern ist das zweite Verbum dieses Relativsatzes; postules ist die 2. Person Singular Konjunktiv Präsens Aktiv von postulare — fordern. Was möge er fordern? mercedem — einen Lohn; Akkusativ Singular von merces, mercedis f — der Lohn. Da die beiden Verben abstuleris und postules in der 2. Person Singular stehen, können wir das Relativpronomen quae mit: "der du" übersetzen.. Der Konjunktiv dieser beiden Verben hat einen adversativen, also einen entgegenstellenden Sinn und soll die ganze Mißbilligung des Wolfes ausdrücken. Im Deutschen können wir mit dem Indikativ übersetzen: der du deinen Kopf aus unserem Mund unversehrt herausgezogen hast und auch noch einen Lohn verlangst. Somit heißt der letzte Satz: Als er dafür die vereinbarte Belohnung forderte, hat der Wolf gesagt: "Du bist undankbar, der du deinen Kopf aus unserem Mund unversehrt herausgezogen hast und auch noch einen Lohn verlangst." 92
Wir sehen uns noch einmal die Übersetzung des ganzen Textes im Zusammenhang an und können nun abschließend gelegentlich von der wörtlichen Übersetzung abweichen, wenn der deutsche Stil es verlangt: Als ein verschluckter Knochen im Schlund des Wolfes stak, begann er, von großem Schmerz überwältigt, die einzelnen Tiere mit einer Belohnung zu verlocken, doch jenes Übel herauszuziehen. Endlich ließ sich der Kranich durch einen Eid überreden, steckte seinen langen Hals in den Rachen des Wolfes und vollzog am Wolf die gefährliche Heilung. Als nun der Kranich dafür die vereinbarte Belohnung forderte, erwiderte der Wolf: "Du bist undankbar, wo du doch schon deinen Kopf aus unserem Mund unversehrt herausgezogen hast und auch noch einen Lohn verlangst." 93
Wortschatz gula^-ae f Speiseröhre, Schlund, Kehle lupus, -i m der Wolf collum -i n der Hals singuli, -orum m die einzelnen iusiurandum. iurisiurandi n der Eid merces, mercedis f der Lohn longitudo, -inis f die Länge grus, gruis f der Kranich dolor, -oris m der Schmerz faux, faucis f der Schlund os, oris n der Mund os, ossis n der Knochen caput, -itis n Kopf, Haupt ingratus, -a, -um undankbar magnus, -a, -um groß flagitare fordern postulare fordern haerere stecken extrahere herausziehen inquit er, sie, es hat gesagt ex, e (mit Ablativ) aus tandem endlich 94
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 1 Wie bei allen Völkern, so gab es auch bei den Römern ursprünglich eine Natural¬ wirtschaft. Gebräuchlichstes Tauschgut war das Vieh. So ist auch das lateinische Wort für Geld pecunia, -ae von pecus, pecudis - das Vieh - abgeleitet. Bei der Einführung der Geldwirtschaft prägte man zahlreiche Münzen mit Abbildungen von Tieren. A Servio rege aes nota pecudum signatur. Vom König Servius wird das Erz (gemeint ist das Geld) mit dem Kennzeichen von Tieren geprägt. Nun, wie üblich, zunächst die unbekannten Vokabeln: aes, aeris n - Erz, Kupfer, Bronze nota, -ae f — Zeichen, Kennzeichen pecus, -udis f — das Stück Vieh signare — mit einem Zeichen versehen, prägen Die Münzen bekommen rasch einen Eigenwert: Denarius pro decem libris aeris valuit. Ein Denar galt für 10 Pfund Kupfererz, oder: Ein Denar hatte einen Gegenwert von 10 Pfund Kupfererz. denarius, -i m der Denar libra, -ae f — die Waage, das Pfund valere — wert sein, gelten Decem — zehn — ist eine Grundzahl, eine Kardinalzahl. Ähnlich wie im Deutschen werden auch im Lateinischen die meisten Zahlwörter — wie hier decem — nicht dekliniert. Davon ausgenommen sind die Zahlen von 1 bis 3. Diese Deklinationen wollen wir uns jetzt ansehen; unus, -a, -um — eins — hat folgende Formen: Kardinalzahlen unus, una. unum Maskulinum Femininum Neutrum Nom. unus una unum Gen. unius unius unius Dat. uni uni uni Akk. unum unum unum Abi. uno uno uno 95
Duo, duae, duo — zwei — wird wie folgt dekliniert: Kardinalzahlen duo, duae, duo Maskulinum Femininum Neutrum Nom. duo duae duo Gen. duorum duarum duorum Dat. duobus duabus duobus Akk. duo/duos duas duo Abi. duobus duabus duobus Bei tres, tria ~ drei — wird für das Maskulinum und für das Femininum die Form tres gemeinsam gebraucht: Kardinalzahlen tres, tria Maskulinum/Femininum Neutrum Nom. tres tria Gen. trium trium Dat. tribus tribus Akk. tres tria Abi. tribus tribus Nicht dekliniert werden die folgenden Zahlen bis hundert: quattuor — vier quinque — fünf Sex — sechs septem — sieben octo — acht novem — neun decem — zehn Die Zahlen von 11 bis 17 sind aus 1 und 10, 2 und 10 usw. zusammengesetzt: undecim — elf duodecim — zwölf tredecim — dreizehn quattuordecim — vierzehn quindecim - fünfzehn sedecim — sechzehn septendecim — siebzehn 96
Zehnerzahlen mit 8 oder 9 werden in der Regel durch Subtraktion gebildet: 18 gleich 2 von 20. duodeviginti — achtzehn undeviginti — neunzehn Die weiteren Zahlen lauten: viginti — zwanzig triginta - dreißig quadraginta — vierzig quinquaginta — fünfzig sexaginta - sechzig Septuaginta — siebzig octoginta — achtzig nonaginta — neunzig centum — hundert Die folgenden Hunderterzahlen von 200 bis 900 werden wie Adjektive der a- und der o-Deklination dekliniert, zum Beispiel: ducenti, -ae, -a — zweihundert^ ^ mille — eintausend ist indeklinabel, während milia — „Tausende" — zum Beispiel in duo milia hominum — zweitausend Menschen ~ dekliniert wird: Kardinalzahlen milia Nom. milia Gen. milium Dat. milibus Akk. milia Abi. milibus duo milia ducenti quadraginta quinque homines — 2245 Menschen Wie an diesem Beispiel zu sehen ist, stehen deklinierte und nicht-deklinierte Zah¬ len im Lateinischen nebeneinander. Die Endung der deklinablen Zahl richtet sich nach dem Geschlecht des Beziehungswortes: triginta una feminae — 31 Frauen triginta unusdinarii — 31 Denare Der Silberdenar mit einem Wert von 10 As oder 4 Sesterzen zu je 2 1/2 As wurde erst während des Zweiten Punischen Krieges (219 - 201 v. Chr.) geschaffen. Ein 97
Jahrhundert später war das römische Münzwesen, nicht zuletzt wegen der militä¬ rischen Erfolge der Römer, im ganzen Mittel meerraum führend. Die schon erwähn¬ ten Tierbilder und Bildnisse von Göttern waren anfangs die Motive auf den Mün¬ zen. Caesar erhielt durch einen Senatsbeschluß das Recht, sein Porträt auf Münzen prägen zu lassen. Sämtliche Kaiser folgten seinem Beispiel: Wir nennen nur Octa¬ vianus Augustus, Claudius, Marc Aurel, Hadrian. Die Münzen sind so zu wichtigen Dokumenten geworden, da sie oft Abbildungen von einzigartiger Porträttreue zeigen wie die von Brutus und Maxentius. Die römischen Münzen in eine heutige Währung umzurechnen ist sehr schwierig, man sollte besser die Kaufkraft verglei¬ chen. In Pompeji kostete zum Beispiel ein Pfund Brot etwas weniger als ein As, ein Saisonarbeiter verdiente etwa 10 As am Tag. Der eingangs erwähnte König Servius lebte lange vor den Punischen Kriegen, zu einer Zeit als das Kupfererz noch Zahlungsmittel war und in Barren geprägt mit Tierbildern verziert wurde. A Servio rege aes nota pecudum signatur. Vom König Servius wird das Erz mit dem Kennzei¬ chen von Tieren geprägt. Signatur — er, sie, es wurde geprägt — Ist eine Form des Indikativ Präsens Passiv. Wir sehen uns die entsprechenden Formen von amare an: amor — ich werde geliebt amaris — du wirst geliebt amatur — er, sie, es wird geliebt amamur — wir werden geliebt amamini - ihr werdet geliebt amantur — sie werden geliebt amare Indikativ amor ama ris ama tur ama mur ama mini ama ntur Präsens Passiv In der ersten Person Singular amor sind die Vokale von Wortstamm -a- und En¬ dung -o- zu einem Vokal -o- verschmolzen. 98
Die Endungen des Passivs sehen wir uns noch einmal an: -or, bzw. -r 1. Person Singular -ris 2. Person Singular -tur 3. Person Singular -mur 1. Person Plural -mini 2. Person Plural -ntur 3. Person Plural Mit diesen Endungen wird auch der Indikativ Präsens Passiv von monere gebildet: monere Indikativ mone or mone ris mone tur mone mur mone mini mone ntur Präsens Passiv Auch audire geht nach dem gleichen Schema: audire Indikativ audi or audi ris audi tur audi mur audi mini audi u ntur Präsens Passiv Nur bei der 3. Person Plural wird zwischen Stamm und Endung ein -u- eingescho¬ ben: audiuntur; was der Form im Aktiv entspricht: audiunt. Bei den Verben der 3. Konjugation wird im Passiv, ebenso wie im Aktiv, zwischen den Konsonanten des Verbalstammes und der Endung ein Stammerweiterungsvokal eingeschoben: legere Indikativ leg or leg e ris leg i tur leg i mur leg i mini leg u ntur Präsens Passiv 99
Im Infinitiv Präsens Passiv wird in der a-, der e- und der i-Konjugation die Endung -ri an den Verbalstamm angehängt: amari — geliebt (zu) werden moneri — gemahnt (zu) werden audiri — gehört (zu) werden In der konsonantischen Konjugation wird nur ein -i an den Stamm gehängt: legi — gelesen (zu) werden Infinitiv Präsens Aktiv ama ri mone ri audi ri leg i Die Kardinalzahlen von 300 bis 900: trecenti, ae, -a dreihundert quadringenti, -ae, -a vierhundert quingenti, -ae, -a fünfhundert sescenti, -ae, -a sechshundert septingenti, -ae, -a siebenhundert octingenti, -ae, -a achthundert nongenti, -ae, -a neunhundert Die römischen Ziffern: 1 - 1 XI - 11 XXX - 30 II - 2 XII - 12 XL 40 III - 3 XIII - 13 L 50 IV - 4 XIV - 14 LX 60 V - 5 XV - 15 LXX - 70 V» - 6 XVI - 16 LXXX - 80 VII - 7 XVII - 17 XC 90 VIII - 8 XVIII - 18 C 100 IX - 9 XIX - 19 D 500 X - 10 XX - 20 M 1000 100
Wortschatz: libra, >ae f Waage, Pfund nota, -ae f Zeichen, Kennzeichen pecunia, -ae f Geld denarius, -i m Denar modius, -i m Scheffel argentum, -i n Silber triticum, -i n Weizen aes, aeris n Erz, Kupfer, Bronze pecus, pecudis f das Stück Vieh signare mit einem Zeichen versehen, prägen valere wert sein, gelten solvere bezahlen 101
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 2 Unser heutiges Thema ist die Zeitrechnung der Römer. Im Alltag datierte man die Ereignisse in der republikanischen Zeit nach den jährlich wechselnden Konsuln — nur in der Geschichtsschreibung konnte sich die Jahreszählung ab urfoe condita — seit Gründung der Stadt — durchsetzen. Ducentesimo quadragesimo quinto ab urbe condita anno accidit, ut Tarquinius Superbus ex urbe expellatur. Im Jahre 245 nach Gründung der Stadt Rom geschieht es, daß Tarquinius Superbus aus der Stadt vertrieben wird. Außer der Jahreszahl haben wir nur zwei unbekannte Wörter in dem Satz: accidit — es ereignet sich, es geschieht expellere — vertreiben, verbannen Jahreszahlen werden im Lateinischen ebenso wie Stunden mit Ordinalzahlen aus¬ gedrückt: im 245. Jahr. Ordinalzahlen werden wie die Adjektive der a- und o-De- klination behandelt: primus, -a, -um — der erste secundus, -a, -um — der zweite tertius, -a, -um — der dritte quartus, -a, -um — der vierte quintus, -a, -um — der fünfte sextus, -a, -um — der sechste septimus, -a, -um — der siebente octavus, -a, -um — der achte nonus, -a, -um — der neunte decimus, -a, -um — der zehnte Auch die Zehnerzahlen werden wie die Adjektive der a- und o-Deklination dekli¬ niert: undecimus, -a, -um — der elfte duodecimus, -a, -um — der zwölfte tertius decimus, -a, -um — der dreizehnte quartus decimus, -a, -um — der vierzehnte quintus decimus, -a, -um — der fünfzehnte sextus decimus, -a, -um — der sechzehnte septimus decimus, -a, -um — der siebzehnte duodevicesimus, -a, -um — der achtzehnte undevicesimus, -a, -um — der neunzehnte vicesimus, -a, -um — der zwanzigste 102
Die Zehnerzahlen gehen regelmäßig weiter; tricesimus, -a, -um - der dreißigste quadragesimus, -a, -um — der vierzigste 1) Anstelle der Endsilben -ginta, die wir von den Kardinalzahlen kennen, treten hier nun die Endsilben -gesimus, -gesima, -gesimum bis centesimus, -a, -um — der hundertste ducentesimus, -a, -um — der zweihundertste^^ millesimus, -a, -um — der tausendste Nun noch eine wichtige Bemerkung zu den Ordinalzahlen: Dienen sie der Angabe von Jahreszahlen und Stunden, so stehen sie auf die Frage ,‘,wann?'' immer im bloßen Ablativ und nicht mit einer Präposition wie im Deutschen: anno post Christum natum miUesimo nongentesimo septuagesimo sexto Im Jahre 1976 nach Christi Geburt Das zeitliche Bezugssystem, hier post Christum natum, steht immer zwischen anno und der Ordinalzahl. Selbstverständlich werden die Ordinalzahlen auch wie im Deutschen benutzt: Romulus primus, Numa Pompilius secundus rex Romanorum fuit. Romulus war der erste, Numa Pompilius der zweite König der Römer. Grundlage der römischen Zeitrechnung war ursprünglich die Regierungszeit der Herrscher — in Rom wurden die Ereignisse zunächst nach der Herrschaft der 7 Kö¬ nige datiert und dann nach den Konsuln. Das Jahr der Römer war ein Mondjahr mit 12 Monaten und 355 Tagen — wir verwenden die lateinischen Monatsnamen noch heute. Dieses Kalenderjahr mußte immer wieder mit dem Sonnenumlauf in Deckung gebracht werden und zwar durch Einschieben von Schaltmonaten. Dies geschah recht willkürlich, so daß der römische Kalender schließlich „weder mit der Sonne, noch mit dem Monde, sondern gänzlich ins Wilde ging", wie es der Hi¬ storiker Theodor Mommsen ausdrückte. Caesar bereinigte im Jahre 46 vor Christus diesen römischen Kalender, indem er das ägyptische Sonnenjahr einführte. Dieser julianische Kalender mit einem Jahr von 365 Tagen und einem Schalttag alle vier Jahre setzte sich bald in der gesamten Mittelmeerwelt durch. Erst im 6. Jahrhundert nach Christus schuf der Mönch Dionysius Exiguus die Zeitrechnung nach der Geburt Christi. Unter Papst Gregor XIII. wurde der Kalender im Jahre 1582 noch einmal modifiziert: Im Laufe von 400 Jahren fallen nun 3 Schalttage aus. Mit dem julianisch-gregoriani- schen Kalender, der sich heute In weiten Teilen der Welt durchgesetzt hat, ist die größtmögliche Übereinstimmung des Kalenderjahres mit dem Sonnenjahr erreicht. 103
Ducentesimo quadragesimo quinto ab urbe condita anno accidit, ut Tarquinius Superbus ex urbe expellatur. Im Jahr 245 nach Gründung der Stadt Rom geschieht es, daß Tarquinius Superbus aus der Stadt vertrieben wird. expellatur ist eine Form des Konjunktiv Präsens Passiv. Der Konjunktiv Präsens Passiv wird gebildet, indem zwischen Verbalstamm und Passivendung ein Modus¬ kennzeichen eingeschoben wird. Analog zum Konjunktiv Präsens Aktiv schmilzt in der 1. Konjugation das Moduskennzeichen -e- mit dem Stammauslaut -a- zu -e-. Somit lauten die Formen von amare: amer - ich werde geliebt, ich möge geliebt werden ameris — du wirst geliebt, du mögest geliebt werden ametur — er, sie, es werde geliebt, er, sie, es möge geliebt werden amemur — wir werden geliebt, wir mögen geliebt werden amemini — ihr werdet geliebt, ihr möget geliebt werden amentur — sie werden geliebt, sie mögen geliebt werden amare Konjunktiv Präsens Passiv ame r ame ris ame tur ame mur ame mini ame ntur Das Moduskennzeichen der 2., 3. und 4. Konjugation ist — ebenfalls analog zum Aktiv — im Konjunktiv Präsens Passiv -a-: monere Konjunktiv Präsens Passiv mone a r mone a ris mone a tur mone a mur mone a mini mone a ntur 104
audire Konjunktiv Präsens Passiv audi a r audi a ris audi a tur audi a mur audi a mini audi a ntur legere Konjunktiv leg a r leg a ris )eg a tur leg a mur leg a mini leg a ntur Präsens Passiv Die Römer teilten den Tag vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in 12 gleiche Abschnitte ein. Sehen wir uns den Tageslauf eines Dichters an: Prima et secunda hora clientes patronum salutant. salutant — sie begrüßen, sie machen ihre Aufwartung. Wer begrüßt? clientes — die Klienten. Wen begrüßen sie? patronum - den Patron. Wann? prima et secunda hora — in der ersten und zweiten Stunde. Wir hatten gesagt, daß auf die Frage ,,wann?" der bloße Ablativ steht, wir aber mit einer Präposition übersetzen müssen: In der ersten und zweiten Stunde machen die Klienten dem Patron ihre Aufwartung. Tertia hora causae aguntur, aguntur — sie werden geführt, 3. Person Plural Indikativ Präsens Passiv. Wer? causae — Prozesse. Wann? tertia hora — in der dritten Stunde, ln der dritten Stunde werden Prozesse ge¬ führt. 105
In quintam horam Roma varios labores extendit. extendit — er, sie, es dehnt aus, läßt an¬ dauern. Wer? Roma — Rom, gemeint ist das Leben in Rom. Wen oder was? varios labores — verschie¬ dene Mühen, Strapazen. Hier steht die Zeitangabe im Akkusativ mit der Präpo¬ sition in: in quintam horam — bis in die fünfte Stunde. Bis in die fünfte Stunde läßt das Leben in Rom verschiedene Strapazen andauern. Poeta optat, ut septima hora labores finiantur. poeta optat ist der Hauptsatz, auf den ein mit ut eingeleiteter Nebensatz folgt, poeta optat — der Dichter wünscht; ut finiantur — daß sie beendet werden, 3. Person Plural Konjunktiv Präsens Passiv von finire — beenden. Wer oder was? labores — die Mühen. Wann? septima hora — in der siebten Stunde. Der Dichter wünscht, daß in der siebten Stunde die Mühen beendet werden. Nona hora ad cenam invitatur, invitatur — er wird eingeladen. Wozu? ad cenam — zu einem Mahl. Wann? nona hora — in der neunten Stunde. In der neunten Stunde wird er zu einem Mahl geladen. Decima hora libros promit, promit — er, sie, es holt hervor. Wer? er. Ist im Verbum enthalten. Wen oder was? libros — Bücher. Wann? decima hora — In der zehnten Stunde In der zehnten Stunde holt er seine Bücher hervor. 106
Ordinalzahlen von 50 bis 90: quinquagesimus — der fünfzigste sexagesimus — der sechzigste septuagesimus — der siebzigste octogesimus — der achtzigste nonagesimus — der neunzigste 2) Ordinalzahlen von 300 bis 900: trecentesimus — der dreihundertste quadringentesimus — der vierhundertste quingentesimus — der fünfhundertste sescentesimus — der sechshundertste septingentesimus — der siebenhundertste octingentesimus — der achthundertste nongentesimus — der neunhundertste Zusätzliche Übungssätze: Nos non poetarum voce moveamur? Prädikat: moveamur — wir sollten bewegt werden, von movere — bewegen. Wer? nos — wir Wodurch sollten wir bewegt werden? voce — durch die Stimme. Wessen Stimme? poetarum — der Dichter; non — nicht — verneint den Satz. Wir sollten durch die Stimme des Dichters nicht bewegt werden? Ut ameris, ama, ama ist der Hauptsatz; davor steht der mit ut eingeleitete Nebensatz; ama — 2. Person Singular Imperativ Präsens Aktiv: liebe. ut — daß, damit steht immer mit dem Konjunktiv, daher ameris — 2. Person Singular Konjunktiv Präsens Passiv: du wirst geliebt, du mögest geliebt werden. Damit du geliebt wirst, liebe. Audiatur et altera pars. audiatur ist das Prädikat: er, sie, es möge gehört werden. Wer? altera pars - die andere Partei, es handelt sich dabei um die Partei vor Gericht; et heißt hier: auch. Es möge auch die andere Partei gehört werden. 107
Wortschatz: causa, *ae f Grund, Ursache, Prozeß hora, ae f Stunde patronus, -i m Patron cliens, clientis m Klient salutare begrüßen finire beenden accidit es ereignet sich, es geschieht agere führen expellere vertreiben, verbannen extendere ausdehnen promere hervorholen 108
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 3 Rahmenthema in diesem Kapitel ist der Straßenbau in römischer Zeit. Roma urbs celebris erat. In ea urbe viae silice sternebantur. Rom war eine gefeierte Stadt. In dieser Stadt wurden die Wege mit hartem Stein gepflastert. Und nun zu den Vokabeln: celeber, celebris, oelebre - gefeiert, berühmt Silex, silicis/77 — der harte Stein sternere — hinbreiten, hinstreuen, pflastern Rom war eine gefeierte Stadt. In dieser Stadt wurden die Wege mit hartem Stein gepflastert. Wie bei der a- und der o-Deklination gibt es auch bei der 3. Deklination Adjekti¬ ve. Wir wollen uns zunächst eine Gruppe dieser Adjektive ansehen und zwar die¬ jenigen, die für die drei Geschlechter im Nominativ Singular jeweils eine eigene Endung bilden. Man nennt sie dreiendige Adjektive. Dazu gehört auch celeber, celebris, celebre — gefeiert, berühmt — aus unserem ersten Satz. Wir wollen uns die Deklination an dem Adjektiv acer, acris, acre — scharf, hitzig — ansehen: acer, acris, acre Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nom. acer acris acre Gen. acris acris acris Dat. acri acri acri Akk. acrem acrem acre Abi. acri acri acri Die Adjektive der 3. Deklination gehören zu den i-Stämmen, sie haben daher im Ablativ Singular in allen drei Geschlechtern ein -i als Endung. 109
Auch im Plural zeigen diese Adjektive die Merkmale der i-Stämme. acer, acris, acre Plural Maskulinum Femininum Neutrum Nom. acres acres acria Gen. acrium acrium acrium Dat. acribus acribus acribus Akk. acres acres acria Abi. acribus acribus acribus Der Genitiv wird mit -ium gebildet und der Nominativ und der Akkusativ im Neutrum haben die Endung -ia. Wir sagten zu Beginn, daß dies dreiendige Adjektive sind: acer, acris, acre Es gibt entsprechend auch zweiendige Adjektive, wie fortis, forte — tapfer, mutig bei denen Maskulinum.und Femininum die gleichen Formen haben, und einendige Adjektive, wie fejix - glücklich, bei denen im Nominativ Singular alle drei Geschlechter die gleiche Form haben. Die zwei- und einendigen Adjektive werden wir uns in einer späteren Sendung an- sehen. Einige Adjektive der 3. Deklination sind substantiviert worden: annalis, annalis m — das Jahrbuch natalis, natalis/77 — der Geburtstag aequalis, aequalis m — der Zeitgenosse consularis, consularis m — der ehemalige Konsul familiaris, familiaris m - der Vertraute Atheniensis, Atheniensis m — der Athener Dazu gehören auch die Monatsnamen auf -is und -er, zum Beispiel: Aprilis, Aprilis m — April September, Septembris m — September Römische Ingenieure haben die Straßen schnurgerade durch die Landschaft ge¬ zogen, wie die Via Aemilia von Ariminum (Rimini) nach Placentia (Piacenza). Auf den Meilensteinen solcher Straßen war jeweils die Entfernung von Rom oder der nächsten Provinzhauptstadt angegeben. Außerdem stand der Name des Kaisers darauf, unter dem die Straße ausgebessert worden war. 110
Die lateinische Bezeichnung für den Straßenbau ist viam munire — eine Straße mauern, eine feste, mauerartige Straße anlegen. Das Verbum munire hängt mit dem Substantiv moenia — die Mauer — zusammen. Übrigens ist auch unser deut¬ sches Wort „Straße” ein Lehnwort aus dem Lateinischen: via strata war ein mit einem Steinbelag befestigter Weg. Wie unser Eingangssatz sagt, waren in Rom die Straßen gepflastert: In ea urbe viae silice sternebantur In dieser Stadt wurden die Wege mit hartem Stein gepflastert. sternebantur — sie wurden gepflastert Ist eine Form des Indikativ Imperfekt Pas¬ siv. Diese Form wird analog zum Imperfekt Aktiv gebildet mit dem Imperfekt¬ suffix -ba-, das zwischen Präsensstamm und Passivendung eingeschoben wird. Die Formen von amare heißen also: amare Indikativ Imperfekt Passiv ama ba r ama ba ris ama ba tur ama ba mur ama ba mini ama ba ntur Die Formen von monere können Sie schon selbst bilden: monere Indikativ Imperfekt Passiv mone ba r mone ba ris mone ba tur mone ba mur mone ba mini mone ba ntur 111
In der i- und in der konsonantischen Konjugation wird das Imperfektsuffix -bä¬ um ein -e- erweitert: audire Indikativ Imperfekt Passiv audi e ba r audi e ba ris audi e ba tur audi e ba mur audi e ba mini audi eba ntur Entsprechend lauten die Formen von legere: legere Indikativ Imperfekt Passiv leg e ba r leg e ba ris leg e ba tur leg e ba mur leg e ba mini leg e ba ntur Wenden wir uns nun wieder dem Thema des Straßenbaus zu. An Hand unserer Übungssätze erfahren wir, wie die Straßen im einzelnen gebaut wurden: Primo aratris sulci ducebantur limitesque rescindebantur. Die beiden Prädikate dieses Satzes ducebantur und rescindebantur sind durch das an limites angehängte -que - und — verbunden. ducebantur — sie wurden geführt, gezogen — 3. Person Plural Indikativ Imperfekt Passiv von ducere. Wer wurde gezogen? sulci - die Furchen. Womit wurden die Furchen gezogen? aratris — mit Pflügen, Ablativ Plural von aratrum, aratri n — der Pflug, primo — zuerst, also: Zuerst wurden die Furchen mit Pflügen gezogen .... 112
Und nun das zweite Prädikat: rescindebantur — hier: sie wurden markiert, ebenfalls ein Indikativ Imper¬ fekt Passiv. Wer oder was wurde markiert? limites — hier die Seitenbegrenzungen. Der ganze Satz heißt: Zuerst wurden die Furchen mit Pflügen gezogen und die Seitenbegrenzungen markiert. Tum fossae alia materia replebantur, replebantur ist das Prädikat: sie wurden wieder gefüllt - 3. Person Plural Indikativ Imperfekt Passiv. Wer oder was wurde wieder gefüllt? fossae - die Gräben Womit? alia materia — mit anderem Material, tum — dann, darauf, danach. Dann wurden die Gräben mit anderem Ma¬ terial wieder gefüllt. Deinde a servis saxa et trabes apportabantur, apportabantur — sie wurden herbeigebracht. Wer oder was wurde herbeigebracht? saxa et trabes — Felsblöcke und Balken. Von wem wurden sie herbeigebracht? a servis — von Sklaven deinde — darauf Darauf wurden von Sklaven Felsblöcke und Balken herbeigebracht. Postremo summum dorsum a fabris parabatur. Das Prädikat heißt: parabatur — er, sie, es wurde bereitet, angelegt, hier: aufgebracht, 3. Person Singular Indikativ Imperfekt Passiv von parare. Wer oder was wurde aufgebracht? summum dorsum — der oberste Rücken, ge¬ meint ist hier die Straßendecke. Von wem wurde sie aufgebracht? a fabris — von Handwerkern, Ablativ Plural von faber, fabri m — der Hand¬ werker; postremo — zuletzt Zuletzt wurde die Straßendecke von Hand¬ werkern aufgebracht. 113
Die römischen Straßen hatten eine Breite zwischen 3,5 und 7 Metern. Sie konnten durch unwegsames und sumpfiges Gelände geführt werden, vor allem wegen des fe¬ sten Unterhaus. Er wurde von unten nach oben geschichtet aus immer feinerem Material, das mit Mörtel schichten verbunden war und jeweils gesondert mit einer Handramme festgestampft wurde. Eine ähnliche Technik des Straßenbaus — nämlich die Aufteilung In Unterbau und Pflasterung — wurde erst wieder im 18. Jahrhundert und in der Zeit Napo¬ leons angewandt. Die erste in Deutschland entstandene Chaussee, die 1753 nach diesem Verfahren gebaut wurde, führte von Dettingen nach Nördlingen. Extra urbem et in locis palustribus viae glarea substruebantur. Das Prädikat heißt: substruebantur — sie wurden unterbaut, sie erhielten eine feste Unterlage. Wer wurde unterbaut? viae — die Wege, die Straßen. Womit wurden die Straßen unterbaut? glarea — mit Kies. Wo wurden die Straßen mit Kies unterbaut? extra urbem - außerhalb der Stadt et in locis palustribus - und an sumpfi¬ gen Stellen; paluster, palustris, palustre — sumpfig — ist ein dreiendiges Adjektiv der 3. Deklination. Der Satz heißt: Außerhalb der Stadt und an sumpfigen Stellen erhielten die Straßen einen fe¬ sten Unterbau aus Kies. 114
Wortschatz: fossa, -ae f glarea, -ae f materia, -ae f sulcus, -i m aratrum, -i n dorsum, -I n saxum, -i n faber, fabri m limes, -itis m silex, silicis m trabs, trabis f aequalis, aequalis m annalis, annalis m Aprilis, Aprilis m consularis, consularis m familiaris, familiaris m natalis, natalis m September, Septembris m acer, acris, acre celeber, celebris, celebre felix fortis, forte paluster, palustris, palustre replere munire rescindere sternere substruere Graben Kies (Bau-)Material Furche Pflug Rücken Fels(block) Handwerker Grenze der harte Stein Balken Zeitgenosse Jahrbuch April der ehemalige Konsul der Vertraute Geburtstag September scharf, hitzig gefeiert, berühmt glücklich tapfer, mutig sumpfig wieder füllen bauen, mauern, befestigen wieder aufreißen, eröffnen hinbreiten, hinstreuen, pflastern unterbauen 115
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 11,4 Schon in vorrömischer Zeit gab es selbstverständlich Straßen in Italien, aber erst durch die Herrschaft der Römer wurde das Land planmäßig erschlossen: Ut urbs ab omnibus partibus peteretur, imperator Augustus vias minivit. Damit die Stadt von allen Seiten erreicht werden konnte, hat Kaiser Augustus feste Straßen angelegt. In diesem Satz ist an unbekannten Wörtern nur das Adjektiv: omnis, omne — all ganz, jeder und das Verbum: petere — zu erlangen suchen, erreichen omnis, omne ist ein zweiendiges Adjektiv der 3. Deklination. Diese Gruppe von Adjektiven bildet im Nominativ Singular für Maskulinum und Femininum eine gemeinsame Form, während das Neutrum eine eigene Form hat. Wir sehen uns dies an dem im letzten Kapitel schon erwähnten Adjektiv fortis, forte — tapfer an. fortis, forte Singular Mask. + Fern. Neutrum Nom. fortis forte Gen. fortis fortis Dat. forti forti Akk. fortem forte Abi. forti forti An dem *i im Ablativ Singular erkennen wir, daß auch diese Gruppe der Adjektive der 3. Deklination wie i-Stämme behandelt wird. 116
Entsprechend lauten die Formen im Plural: fortis, forte Plural Mask. + Fern. Nom. fortes Neutrum fortia Gen. fortium fortium Dat. fortibus fortibus Akk. fortes fortia Abi. fortibus fortibus Das Adverb bilden die Adjektive der 3. Deklination gewöhnlich durch Anfügen des Ausgangs -iter an den Wortstock acer, acris, acre — scharf: acriter celer, celeris, celere — schnell: celeriter fortis, forte — tapfer: fortiter brevis, breve — kurz: breviter felix — glücklich: feliciter Adjektiv Adverb acer, acris, acre acriter celer, -is, -e celeriter fortis, -e fortiter brevis, -e breviter felix feliciter Die Via Appia war die erste der sogenannten Konsularstraßen der Römer. Sie führte zunächst von Rom nach Capua. Angelegt wurde sie von Appius Claudius Caecus, der 312 vor Christus Censor war. In der Kaiserzeit wurden dann auch Straßen in die fernen Reichsteile gebaut, bis es schließlich ein Netz von Römerstraßen gab, das in 23 Hauptlinien von insge¬ samt circa 80 000 km Länge das römische Herrschaftsgebiet in Europa, Afrika und Asien umspannte. 117
Diese Inschrift stammt aus der Nähe von Meran: TI CLAUDIUS CEASAR AUGUSTUS GERMANICUS PONT MAX TRIB POT VI COS DESIG llll IMP XI P P VIAM CLAUDIAM AUGUSTAM QUAM DRUSUS PATER ALPIBUS BELLO PATEFACTIS DEREXERAT MUNIVIT A FLUMINE PADO AD FLUMEN DANUVIUM PER M P CCCL Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus Pontifex maximus, Volkstribun zum sechsten, designierter Konsul zum vierten, Imperator zum elften Mal, Vater des Vaterlandes, hat die Via Claudia Augusta, die sein Vater Drusus angelegt hatte, nachdem der Durchgang der Alpen durch Krieg erzwungen war, vom Po bis zur Donau auf eine Länge von 350 Meilen fest ausgebaut. Wie auch aus dieser Inschrift hervorgeht, wurden die Straßen zunächst aus mili¬ tärischen Gründen angelegt. Doch bald wurden sie auch zu Reisewegen, mit Gast¬ häusern und Pferdewechselstationen. So gab es beispielsweise auf der 624 km langen Strecke von Rom nach Mailand 24 Gasthäuser mansiones — und 42 Stationen für den Pferde- und Wagenwech¬ sel — mutationes. Kaiser Tiberius, der von 14 bis 37 nach Christus regierte, konnte an einem Tag 290 km zurücklegen, eine vergleichbare Reisegeschwindigkeit wurde in Europa erst wieder im 19. Jahrhundert erreicht. Ut urbs ab omnibus partibus peteretur, imperator Augustus vias munivit. Damit die Stadt von allen Selten erreicht werden konnte, hat Kaiser Augustus feste Straßen angelegt. peteretur Ist eine Form des Konjunktiv Imperfekt Passiv mit dem Infix -re- zwi¬ schen Präsensstamm und Passivendung. 118
Wir gehen unsere Beispielverben durch: amarer — ich würde geliebt werden amareris — du würdest geliebt werden amaretur — er, sie, es würde geliebt werden amaremur — wir würden geliebt werden amaremini — ihr würdet geliebt werden amarentur — sie würden geliebt werden amare Konjunktiv Imperfekt Passiv ama re r ama re ris ama re tur ama re mur ama re mini ama re ntur Die Formen von monere können Sie nach diesem Schema selbst bilden: monere Konjunktiv Imperfekt Passiv mone re r mone re ris mone re tur mone re mur mone re mini mone re ntur Auch audire hat die entsprechenden Formen: audire Konjunktiv Imperfekt Passiv audi re r audi re ris audi re tur audi re mur audi re mini audi re ntur 119
Bei der konsonantischen Konjugation wird zwischen den Verbalstamm und dem Infex -re- noch ein zusätzliches -e- eingeschoben: legere Konjunktiv Imperfekt Passiv leg e re r leg e re ris leg e re tur leg e re mur leg e re mini leg e re ntur Und nun zu unseren Übungssätzen: Imperator Maximinus litus vicinum Viae Severianae aggeribus a fundamentis extruxit, ut homines, qui eo itinere commearent, periculis liberarentur. Diese Periode besteht aus dem Hauptsatz: Imperator Maximinus litus vicinum Viae Severianae aggeribus a fundamentis ex¬ truxit, und aus dem mit ut eingeleiteten Neben¬ satz: ut homines periculis liberarentur. Davon wiederum ist ein Relativsatz ab¬ hängig: qui eo itinere commearent. Das Prädikat des Hauptsatzes heißt: extruxit — er, sie, es hat in die Höhe gebaut, angelegt, befestigt. Wer? imperator Maximinus — Kaiser Maximinus. Wen oder was hat Kaiser Maximinus befestigt? litus — die Küste. Welche Küste? vicinum Viae Severianae — die der Via Severiana benachbarte. Womit hat er diese Küste befestigt? aggeribus - mit Dämmen. In welcher Weise? a fundamentis — vom Grund aus. Also heißt der Hauptsatz: Kaiser Maximinus hat die der Via Severiana benachbarte Küste mit Dämmen vom Grund aus befestigt. 120
Das Prädikat des ersten Nebensatzes: liberarentur — sie würden befreit werden — der Konjunktiv ist durch die Nebensatzeinleitung ut — daß, damit — bedingt. Wer würde befreit werden? homines — die Menschen. Wovon würden die Menschen befreit werden? periculis — von Gefahren. Also: damit die Menschen von Gefah¬ ren befreit würden. Welche Menschen? qui eo itinere commearent - commearent — sie würden reisen; commearent steht im Konjunktiv, weil dieser Nebensatz von dem kon¬ junktivischen ut-Satz abhängt. 6ei der Übersetzung brauchen wir den Konjunk¬ tiv commearent nicht zu beachten, also: sie reisen. Wer reist? qui — welche, die. Wo? eo itinere — auf diesem Weg. Der Relativsatz heißt: . . . die auf diesem Weg reisen. Der ganze Satz lautet: Kaiser Maximinus hat die der Via Severiana benachbarte Küste mit Dämmen vom Grund aus befestigt, damit die Men¬ schen, die auf diesem Weg reisen, von Ge¬ fahren befreit würden. Der folgende Satz stammt aus einer Grabinschrift: Martina cara coniunx venit de Gallia per mansiones quinquaginta, ut commemoraret memoriam mariti dulcis sui. Hier haben wir einen Hauptsatz: Martina cara coniunx venit de Gallia per mansiones quinquaginta und einen mit ut angeschlossenen Nebensatz: ut commemoraret memoriam mariti dulcis sui. Das Prädikat des Hauptsatzes ist venit - er, sie, es ist gekommen. Wer ist gekommen? Martina cara coniunx - die liebe Gattin Martina. 121
Von wo ist sie gekommen? de Gallia aus Gallien. Über welche Entfernung? per mensiones quinquaginta - über 50 Übernachtungsstationen. Warum? ut commemoraret memoriam — damit sie gedächte. Wessen? mariti dulcis sui — ihres lieben Gatten. Der ganze Satz heißt: Martina, die teure Gattin, ist aus Gallien über 50 Übernachtungsstationen gekommen, damit sie ihres lieben Gatten gedächte. Steht wie hier im Hauptsatz und im folgenden Finalsatz das gleiche Subjekt, so kann man im Deutschen den Finalsatz zu einer Konstruktion mit „um zu . . ” verkürzen. Also: Martina, die teure Gattin, ist aus Gallien über 50 Übernach¬ tungsstationen gekommen, um ihres lieben Gatten zu gedenken. Besondere Adverbbildungen zeigen: violentus — gewaltsam: violenter alius — ein anderer: aliter fidus — treu: fideliter validus — stark: valde — sehr aeger — krank: aegre - mit Mühe, kaum difficilis — schwierig: difficulter 122
Wortschatz: memoria, -ae f Gedächtnis, Erinnerung maritus, -i m Gatte fundamentum, -i n Grund(lage) mansio, -onis f Aufenthalt, Gaststätte, Übernachtungsstation litus, -oris n Küste, Ufer, Strand coniunx, -iugis f Gattin dulcis, -e süß omnis, omne all, ganz, jeder acriter scharf breviter kurz celeriter schnell feliciter glücklich fortiter tapfer commeare reisen, Zusammenkommen, verkehren commemorare sich erinnern, gedenken extruere erbauen, errichten, befestigen petere ZU erreichen suchen, erlangen premere drücken, pressen, bedrängen promittere versprechen 123
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 11,5 Zur Zeit der Römer waren die Gastwirte meist nicht Eigentümer, sondern nur Pächter ihrer Lokale. Ihr soziales Ansehen war gering: In praedio Juliae Felicis locabuntur tabernae, pergulae, cenacula. Auf dem Grundstück der Julia Felix werden Schankbuden, Läden und Speiseräume vermietet werden. Hier die unbekannten Vokabeln: praedium, -in — Grundstück locare — vermieten taberna, -ae f — Schankbude, Werkstatt pergula, -aef— Anbau, Laden cenaculum, -in - Speiseraum Das Adjektiv felix - glücklich — das in unserem Satz als Eigenname substanti¬ viert wurde, gehört zu den einendigen Adjektiven der 3. Deklination. Wir hat¬ ten schon darauf hingewiesen, daß die einendigen Adjektive für Maskulinum, Fe¬ mininum und Neutrum im Nominativ Singular nur eine Endung haben. Sehen wir uns die Formen von felix an, die ebenfalls zu den i-Stämmen gehören. Im Singular endet der Ablativ also auf -I: felix Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nom. felix felix felix Gen. felicis felicis felicis Dat. felici felici felici Akk. felicem felicem felix Abi. felici felici felici 124
Im Plural haben wir bei den i-Stämmen im Genitiv -ium, und im Nominativ und Akkusativ Neutrum -ia: felix Plural Maskulinum Femininum Neutrum Nom. felices felices felicia Gen. felicium felicium felicium Dat. felicibus felicibus felicibus Akk. felices felices felicia Abi. felicibus felicibus felicibus Abweichend von den i-Stämmen gibt es einendige Adjektive der 3. Deklination mit Konsonantenstamm, allerdings nur wenige. Dazu gehört: vetus, veteris — alt. Der Ablativ Singular lautet: vetere; der Genitiv Plural: veterum und Nomina¬ tiv und Akkusativ Neutrum: vetera Zu den Konsonantenstämmen gehören auch folgende Adjektive: dives, divitis — reich pauper, pauperis - arm princeps, principis — der erste^^ ln praedio Juliae Felicis locabuntur tabernae, pergulae, cenacula. Auf dem Grundstück der Julia Felix werden Schankbuden, Läden und Speiseräume ver¬ mietet werden. Wirte, Diebe, Würfelspieler und Kuppler genossen im alten Rom ein gleichermaßen geringes Ansehen. In den Städten konnte ein vornehmer Römer sich auch nicht in einem Wirtshaus oder einer Weinstube sehen lassen — für seinen Stand gehörte es sich einfach nicht. Das war nur etwas für Handwerker, kleine Händler und Skla¬ ven. Es ist anzunehmen, daß die Gastwirte größtenteils ehemalige Sklaven waren; das bezeugen pompeianische Inschriften. Die Namen der Gastwirte kamen sehr häufig aus dem Griechischen: Epagathus, Hermes, Phoebus — Griechen also, die einst als Sklaven mitgeschleppt worden waren. Wirtinnen — die gab es auch — galten häufig als Hexen, ihnen wurden magische Kräfte nachgesagt. Von den Wirten hieß es, sie stecken mit Dieben unter einer Decke und betrügen ihre Gäste: perfidus hic caupo — der betrügerische Wirt hier - ein gängiger Begriff, der von Horaz stammt. Übrigens kommt das deutsche Wort „kaufen'' von caupo — der Wirt, denn beim caupo konnten die Germanen alles kaufen. Die Gasthäuser und Herbergen an den Landstraßen hatten einen nicht ganz so schlechten Ruf, schließlich mußte auf Reisen auch der feine Mann eine Schlafstatt 125
finden. So ein hospitium war äußerst bescheiden eingerichtet; wenn die überlie¬ ferte Beschreibung allgemein zutrifft, so gab es in diesen Fremdenzimmern ein Bett — lectus, einen Leuchter — candelabrum und, immerhin, einen Nachttopf — matella. Mit dem thermopolium haben wir den Vorläufer unserer heutigen Imbißstuben: denn dort gab es warmes Essen und Getränke. In der Theke waren tiefe Mulden eingelassen, darin wurden die Töpfe warm gehalten. Als Restaurant gab es noch die popina und schließlich die auch heute noch be¬ kannte taberna — die Weinstube oder, in einfacher Form, die Schankbude. locabuntur — sie werden vermietet werden ist eine Form des Futur Passiv. Ähn¬ lich wie beim Futur Aktiv wird in der a- und der e-Konjugation das Tempuszei¬ chen -b- und ein Erweiterungsvokal zwischen Stamm und Endung geschoben: amabor — ich werde geliebt werden amaberis — du wirst geliebt werden amabitur - er, sie, es wird geliebt werden amabimur — wir werden geliebt werden amabimini — ihr werdet geliebt werden amabuntur — sie werden geliebt werden amare Indikativ Futur Passiv ama b or ama be ris ama bi tur ama bi mur ama bi mini ama bu ntur Besonders zu beachten ist, daß in der 2. Person Singular der Erweiterungsvokal ein -e- ist: amaberis Ebenso lauten die Formen von monere, die Sie nun schon selbst bilden können: monere Indikativ Futur Passiv mone b or mone be ris mone bi tur mone bi mur mone bi mini mone bu ntur 126
Bei der 3. und 4. Konjugation haben wir, wie im Aktiv, das Tempuskennzeichen -e-, nur in der 1. Person Singular -a-: audire Indikativ Futur Passiv audi a r audi e ris audi e tur audi e mur audi e mini audi e ntur Die Formen von legere lauten entsprechend: legere Indikativ Futur Passiv leg a r leg e ris leg e tur leg e mur leg e mini leg e ntur Vinum hic assibus bibetur. Das Prädikat: bibetur — er, sie, es wird getrunken werden — 3. Person Singular Indikativ Futur Passiv. Wer wird getrunken werden? vinum — der Wein. Wo? hic — hier Um welchen Preis? assibus — um Asse, das heißt: um einen As pro Einheit. Also: Der Wein wird hier um einen As getrunken werden. Non tantum corpori, sed etiam moribus saluber locus a nobis eligetur. Wir suchen das Prädikat, eligetur — er, sie, es wird ausgewählt werden. Wer wird ausgewählt werden? saluber locus — ein gesunder Ort. Von wem? a nobis — von uns. Für wen? non tantum corpori, sed etiam moribus — nicht nur für den Körper, sondern auch für den Charakter. 127
Also heißt der Satz: Nicht nur für den Körper, sondern auch für den Charakter wird von uns ein gesunder Ort gewählt werden. Quemadmodum non inter tortores habitamus, sic ne inter popinas quidem. Dieser Satz beginnt mit einem Nebensatz: quemadmodum non inter tortores habitamus und erst dann folgt der Hauptsatz: sic ne inter popinas quidem. Das Prädikat des Nebensatzes gilt auch für den Hauptsatz: habitamus — wir wohnen. Wo? inter popinas — unter, inmitten von Kneipen. ne ... quidem — nicht einmal sic — so. Der Hauptsatz heißt: So wohnen wir nicht einmal inmitten von Kneipen. Im Nebensatz gilt, wie gesagt, das gleiche Prädikat: habitamus — wir wohnen. Wo? inter tortores — unter Folterknechten. quemadmodum — wie Also lautet die ganze Übersetzung: Wie wir nicht unter Folterknechten wohnen, so nicht einmal inmitten von Kneipen. Caupona potens est caelum deponere, terram suspendere, sidera extinguere, Tartarum illuminare. Das Prädikat heißt: potens est — er, sie, es ist mächtig, fähig. Wer ist fähig? caupona — die Wirtin. Wozu? caelum deponere — den Himmel herunterzuholen, terram suspendere — die Erde in die Höhe zu heben, sidera extinguere — die Gestirne auszulöschen, Tartarum illuminare - den Tartarus zu erhellen. Der Satz heißt also: Die Wirtin ist fähig, den Himmel herunterzuholen, die Erde in die Höhe zu heben, Gestirne auszulö¬ schen, den Tartarus zu erhellen. 128
Und nun noch einige Sprüche des Publius Syrus, die nichts mit Alkohol zu tun haben: Inopi beneficium bis dat, qui cito dat. Der Hauptsatz heißt: Inopi beneficium bis dat — dat — er, sie, es gibt — ist das Prädikat. Wer gibt? qui cito dat — wer schnell gibt. Wen oder was? beneficium — eine Wohltat. Wem? inopi einem Mittellosen, einem Armen, bis — zweimal Einem Armen erweist die Wohltat zweimal, wer schnell gibt. Ubi innocens damnatur, pars patriae exulat. pars patriae exulat ist der Hauptsatz mit dem Prädikat: exulat — er, sie es Ist verbannt. Wer ist verbannt? pars — ein Teil. Wessen? patriae — des Vaterlandes. Und nun zum Nebensatz: ubi innocens damnatur. damnatur — er, sie, es wird verurteilt. Wer wird verurteilt? innocens — ein Un¬ schuldiger, ubi — wo; Wo ein Unschuldiger verurteilt wird, ist ein Teil des Vaterlandes verbannt. Adjektive der 3. Deklination mit Konsonantenstamm sind außerdem: particeps, -ipis - teilhaftig sospes, sospitis — wohlbehalten superstes, -itis — überlebend Zusätzlicher Übungssatz: Contra felicem vix deus vires habet, habet — er, sie, es hat Wer hat? deus — ein Gott. Wen? vires — Kräfte. Gegen wen? — contra felicem — gegen einen Glücklichen. vix — kaum. Gegen einen Glücklichen hat kaum ein Gott Kräfte. 129
Wortschatz: caupona, -ae f matella, ae f patria, ae f pergula, ae f popina, -ae f taberna, -ae f deus, -i m lectus, -i m beneficium, -I n caelum, -i n candelabrum, -i n cenaculum, -i n hospitium, -i n thermopolium, -i n as, assis m caupo, -onis m pars, partis f sidus, sideris n tortor, -oris m perfidus, -a, -um innocens, -entis inops, inopis potens, -entis saluber, salubris, salubre dives, divitis pauper, pauperis princeps, principis vetus, veteris Wirtin Nachttopf Vaterland Anbau, Laden Kneipe (Schank)Bude, Werkstatt Gott Bett Wohltat Himmel, Klima Leuchter Speiseraum Gastfreundschaft, Herberge Schenke As (Münze) Wirt Teil Gestirn Folterknecht treulos, betrügerisch unschuldig mittellos, arm mächtig gesund reich arm der erste, vornehmste alt damnare exulare habitare illuminare locare bibere deponere eligere extinguere suspendere verurteilen verbannt sein wohnen erleuchten vermieten trinken niederlegen, -setzen, -stellen auswählen auslöschen aufhängen, emporheben bis contra (mit Akk.) cito quemadmodum ne ... . quidem yix zweimal gegen schnell wie nicht einmal kaum 130
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 11,6 Liebe Zuschauer, wir wollen heute wieder einmal eine zusammenhängende Fabel übersetzen und dabei Grammatik und Formen üben. Wir haben eine Fabel des Phaedrus ausgesucht. Alles was wir über diesen Dichter erfahren wollen, müs¬ sen wir aus seinen Texten schließen: Er lebte zur Zeit des Kaisers Augustus und wird als Augusti libertus — als Freigelassener des Augustus bezeichnet. Hier nun die Fabel: (ici^decidisset vulpes in puteum inscia et altiore clauderetur margine, devenit hircus sitiens in eundem locum; simul rogavit, esset an dulcis liquor et copiosus. Illa fraudem moliens: „Descende, amice; tanta bonitas est aquae, voluptas ut satiari non possit mea." Immisit se barbatus. Tum vulpecula evasit puteo nixa celsis cornibus hircumque clauso liquit haerentem vado. ^ Wie unsere Übungssätze am Ende jeder Sendung wollen wir nun diesen Text Satz für Satz durchgehen. Cum decidisset vulpes in puteum inscia et altiore clauderetur margine, devenit hircus sitiens in eundem locum; Dieser Abschnitt beginnt mit einem Neben¬ satz, der mit cum eingeleitet wird und beim Komma endet. Der Hauptsatz lautet: devenit hircus sitiens in eundem locum. devenit — er, sie, es ist gekommen. Wer ist gekommen? hircus sitiens — hircus. Am — der Ziegenbock sitiens — dürstend; hircus sitiens — ein dür¬ stender Ziegenbock. Wohin ist er gekommen? in eundem locum — an dieselbe Stelle. Der Hauptsatz heißt: ein durstiger Ziegenbock kam an dieselbe Stelle. Und nun der Nebensatz: Cum decidisset vulpes in puteum inscia et altiore clauderetur margine. Durch et — und — ist dieser Nebensatz in zwei Teile gegliedert, wir haben entsprechend zwei Prädikate: 131
decidisset und clauderetur, beide Verben stehen im Konjunktiv, der im Lateinischen durch cum — als — bedingt ist. Im Deut¬ schen können wir diese Konjunktive durch Indikative wiedergeben, cum decidisset — als er, sie, es hineingefallen war. Wer oder was? vulpes — der Fuchs, Nominativ Singular von vulpes, -is f — der Fuchs Fuchs. Wohin? in puteum — in einen Brunnen. Wie, in welchem Zustand war er hineinge¬ fallen? inscia — ahnungslos; inscius, inscia, inscium - ahnungslos - steht im Femininum, weil es von vulpes — Femininum — abhängig ist. Das zweite Verb des Nebensatzes: clauderetur — er, sie, es würde eingeschlossen; wir können wie bei decidisset mit dem Indikativ übersetzen; cum clauderetur — als er, sie, es eingeschlossen wurde. Wer? er — Subjekt ist auch hier vulpes — der Fuchs. Wovon wurde er eingeschlossen? altiore margine — von dem zu hohen Rand. Somit heißt der ganze Satz: Als ein Fuchs ahnungslos in einen Brunnen gefallen war und von dem zu hohen Rand e/ngeschlossen wurde, kam ein durstiger Ziegenbock an dieselbe Stelle, simul rogavit, esset an dulcis liquor et copiosus. simul rogavit ist der Hauptsatz; es folgt eine indirekte Rede, die mit der Fragepar¬ tikel an — ob — eingeleitet wird, rogavit — er, sie, es hat gefragt, 3. Person Singular Indikativ Perfekt Aktiv von rogare — fragen. Wer? er, der Ziegenbock, simul — zugleich, d.h. noch im Herankommen, also: zugleich fragte er. .. Das Prädikat des Nebensatzes: esset dulcis et copiosus — er wäre süß und reichlich. Wer? liquor, liquoris m — die Flüssigkeit, das Wasser. Der ganze Satz: Zugleich fragte er, ob das Wasser süß wäre und reichlich. 132
IHa fraudem moliens: steht vor der nun folgenden direkten Rede, und wir müssen als Prädikat ein Verbum des Sagens ergänzen; ausrufen, zum Beispiel, lila — jene — Ist das Subjekt, es bezieht sich auf vulpes und steht daher im Femininum, moliens — hier: ersinnend. Wen oder was? fraudem — einen Betrug. Vor der direkten Rede steht somit: Jener, einen Betrug ersinnend, rief aus: „Descende, amice; tanta bonitas est aquae, voluptas ut satiari non possit mea." Descende: steig herab. amice: Vokativ Singular: Freund! Descende, amice — Steig herab, mein Freund! Nun folgt ein Hauptsatz: tanta bonitas est aquae und ein Nebensatz mit ut: voluptas ut satiari non possit mea. Das Prädikat des Hauptsatzes; tanta est — sie ist so groß. Wer? bonitas — die Güte. Wessen? aquae — des Wassers: so groß ist die Güte des Wassers, voluptas ut satiari non possit mea; ut non possit satiari — daß nicht gestillt werden kann. possit — er, sie, es könne, steht im Lateinischen im Konjunktiv, der durch ut — daß — bedingt ist, bei der Übersetzung können wir ihn außer Acht lassen. Wer oder was kann nicht gestillt werden? voluptas mea — mein Verlangen von voluptas, voluptatis f — das Verlangen. Die direkte Rede heißt: ,,Steig herab, mein Freund; so groß ist die Güte des Wassers, daß mein Verlangen nicht gestillt werden kann. Immisit se barbatus. immisit — er, sie, es hat hineingeschickt, hinein¬ gelassen. se — ist der Akkusativ Singular des Reflexivpro¬ nomens: sich. Wer hat sich hineingelassen? barbatus - der Bärtige. Der Bärtige hat sich hineingelassen. 133
Tum vulpecula evasit puteo nixa celsis cornibus hircumque clauso liquit haerentem vado. Dieser Satz besteht aus zwei Haupt¬ sätzen, die durch das an hircum ange¬ hängte que — und — verbunden sind. Das erste Prädikat lautet: evasit — er, sie, es ist entkommen. Wer ist entkommen? vulpecula — das Füchslein, eine Verkleinerungsform von vulpes. Von wo ist das Füchslein entkommen? puteo — aus dem Brunnen, Wie ist es entkommen? nixa celsis cornibus — sich auf die hohen Hörner stützend; tum — dann, darauf, damals. Der erste Teil des Hauptsatzes: Darauf entkam das Füchslein, sich auf die hohen Hörner stützend. Und nun zum zweiten Prädikat: liquit — er, sie, es hat zurückgelassen. Wer? es — das Füchslein. Wen oder was hat es zurückgelassen? hircum — den Ziegenbock, In welchem Zustand? haerentem — fest¬ sitzend. Wo? clauso vado — im eingeschlossenen Grund des Brunnens. .... und ließ den Ziegenbock im engen Grund des Brunnens festsitzend zurück. Der ganze letzte Satz: Darauf entkam das Füchslein, sich auf die hohen Hörner stüt¬ zend, und ließ den Ziegenbock im engen Grund des Brunnens festsitzend zurück. Und nun wollen wir uns die Übersetzung noch einmal im Zusammenhang ansehen: Als ein Fuchs ahnungslos in einen Brunnen gefallen war und von dem zu hohen Rand eingeschlossen wurde kam ein durstiger Ziegenbock an dieselbe Stelle; sogleich fragte er, ob das Wasser süß sei und reichlich. Einen Betrug ersinnend, rief der Fuchs aus: „Steig herab, mein Freund; so groß ist die Güte des Wassers, daß mein Verlangen gar nicht gestillt werden kann." Der Bärtige ließ sich hinein. Darauf entkam das Füchslein sich auf die hohen Hörner stützend und ließ den Bock auf dem Grund des Brunnens eingesperrt zurück. 134
Wortschatz: aqua, -ae f Wasser vulpecula, -ae f Füchslein puteus, -i m Brunnen hircus, -i m Ziegenbock locus, -i m Ort, Platz, Stelle amicus, -i m Freund periculum, -i n Gefahr effugium, -i n Ausweg vadum, -i n Furt, Grund des Wassers, Brunnens liquor, -oris m Flüssigkeit homo, -inis m Mensch margo, -inis f Rand vulpes, -is f Fuchs fraus, fraudis f Betrug bonitas, -atis f Güte voluptas, -atis f Vergnügen, Freude, Lust callidus, -a, -um schlau malus, -a, -um schlecht, übel, böse Inscius, -a, -um unwissend, ahnungslos altus, -a, -um hoch, tief copiosus, -a, -um reichlich tantus, -a, -um so groß barbatus, -a, -um bärtig celsus, -a, -um emporragend, hoch dulcis, -e süß, angenehm rogare fragen, bitten satiare sättigen haerere hängenbleiben, festsitzen venire kommen reperire finden devenire herunterkommen. Irgendwohin geraten sitire dürsten moliri in Bewegung setzen, ersinnen quaerere suchen, fragen decidere herabfallen, hineinfallen claudere schließen, einschließen descendere herabsteigen immitere hineinschicken evadere herauskommen (re)linquere verlassen, zurücklassen niti sich stützen in (mit Akk.) in . . . hinein, in, auf, nach, zu simul ac sobald als simul zugleich, gleichzeitig tum da, dann, darauf, damals 135
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 7 Ein Zitat von Plinius dem Älteren, der 79 nach Christus gestorben ist, soll in unser heutiges Rahmenthema einführen: ,,Wer die mehr als reichliche Wasserzufuhr für öffentliche Zwecke, für Bäder, Schwimmbecken, Kanäle, Häuser, Gärten und Vor¬ stadtvillen, wer die Länge der Aquädukte, den Bau der Arkaden, die untertunnel¬ ten Berge, die überbrückten Täler, wer all dies sorgfältig in Rechnung stellt, der wird gestehen, daß es in der Welt, niemals ein größeres Wunder gegeben hat." Doch zunächst schöpften die Römer das Wasser aus natürlichen Quellen: Ab urbe condita per annos quadringentos quadraginta unum contenti fuerunt usu aquarum, quas aut ex Tiberi aut ex puteis aut ex fontibus hauriebant. Von der Gründung der Stadt an waren die Römer 441 Jahre hindurch mit dem Gebrauch des Wassers zufrieden, das sie aus dem Tiber oder aus Brunnen oder aus Quellen schöpften. Hier nun die unbekannten Vokabeln: per (mit Akk.) — durch contentus, -a, -um — zufrieden USUS, USUS m — Gebrauch fons, fontis n? — Quelle Tiberis, -is m — Tiber haurire — schöpfen, leeren USUS, USUS m — der Gebrauch — ist ein Substantiv der 4. Deklination. Wir sehen uns diese 4. Deklination am Beispiel von casus, casus m — der Fall, der Zufall — an: 4. Deklination Singular Plural Nom. cas US cas US Gen. cas US cas uum Dat. cas ui cas ibus Akk. cas um cas US Abi. cas u cas ibus 136
Substantive der 4. Deklination auf -us, wie casus, sind in der Regel Maskulina. Doch es gibt in der 4. Deklination auch Substantive auf -u, wie cornu, cornus — das Horn — die Neutra sind: 4. Deklination Singular Plural Nom. corn u corn ua Gen. corn US corn uum Dat. corn u corn ibus Akk. corn u corn ua Abi. corn u corn ibus Substantive der 4. Deklination auf -u, wie cornu, sind Neutra. Auch in der 4. Deklination gibt es natürlich Ausnahmen von diesen Genusregeln, denn Feminina sind: manus, manus — die Hand porticus, porticus — die Säulenhalle tribus, tribus — der Stadtteil Idus, Iduum — die Monatsmitte; das Wort ist bekannt aus: Idus Martiae die Iden des März. Auch domus, domus — das Haus ist ein Femininum, es bildet teilweise Formen nach der 2. Deklination: domo — den Ablativ Singular; domuum oder domorum — beim Genitiv Plural gibt es beide Formen; domus oder domos - auch beim Akku¬ sativ Plural gibt es beide Formen; domus, domus Singular Plural Nom. dom US dom US Gen. dom US dom uum/ dom orum Dat. dom ui dom ibus Akk. dom um dom us/ dom OS Abi. dom o dom ibus Besonders merken sollte man sich die Ausdrücke: domi — zu Hause domum — nach Hause domo — von Hause^^ 137
Adjektive gibt es in der 4. Deklination nicht! Marco Valerio Maximo Publio Decio Mure consulibus aqua Appia in urbem inducta est ab Appio Claudio censore. Im Konsulat des Markus Valerius Maximus und des Publius Decius Mus ist die Aqua Appia von dem Censor Appius Claudius in die Stadt hineingeführt worden. Dieser Appius Claudius hat 312 vor Christus die älteste römische Wasserleitung anlegen lassen; der letzte Aquädukt wurde 226 nach Christus gebaut. Insgesamt führten 11 solcher Wasserleitungen mit einer Gesamtlänge von 430 km nach Rom. Sie versorgten die Stadt täglich mit 950 000 m^ Wasser. Die Stadt München zum Beispiel hat heute einen täglichen Wasserverbrauch von nur ca. 400 000 m^, wobei die Einwohnerzahl Roms im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus auf über eine Million geschätzt wird und ungefähr der Münchens entspricht. Die Anlage der Aquädukte verlangte ein kompliziertes Leitungssystem: Staubecken und Hochbehälter verhinderten einen Überdruck in den Rohren, in Setzbecken wurde das Wasser gereinigt und durch Luftschächte frisch gehalten. Finanziert wurden diese Anlagen aus den Tributen der Provinzen und aus Kriegs¬ beute. So stammten 180 Millionen Sesterzen für den Bau der Aqua Marcia aus der Beute von Korinth und Karthago. Mit der Zerstörung eines Teils der lebenswichtigen Aquädukte haben die Goten im 6. Jahrhundert nach Christus bei der Belagerung Roms den Niedergang der Stadt beschleunigt. Im Mittelalter sind die meisten römischen Wasserleitungen verfallen. inducta est — sie ist hineingeführt worden ist ein Perfekt Passiv. Das Partizip Perfekt Passiv wird von dem Partizipialstamm gebildet. Dieser Partizipialstamm ist bei den einzelnen Verben unterschiedlich und muß bei den Stammformen mitge¬ lernt werden. Bei den Stammformen ergibt sich also folgende Reihe: Infinitiv Präsens Aktiv -- 1. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv 1, Person Singular Indikativ Perfekt Aktiv Partizip Perfekt Passiv: amare — amo — amavi — amatum — lieben monere — moneo — monui — monitum — mahnen audire — audio — audivi — auditum — hören legere — lego — legi — lectum — lesen Stammformen Infinitiv l.Pers. Sg. 1. Pers. Sg. Partizip Präsens Ind. Präs. Ind. Perf. Perfekt Aktiv Aktiv Aktiv Passiv amare amo amavi amatum monere moneo monui monitum audire audio audivi auditum legere lego legi lectum 138
Von diesen Stammformen aus kann man sämtliche Formen eines Verbums bilden. Das Partizip Perfekt Passiv dient zur Bildung von: Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II Passiv und zwar jeweils mit dem Hilfsverb esse. Dabei ist besonders zu beachten, daß das Partizip mit seinem Beziehungswort in Genus, Kasus und Numerus übereinstimmt. Der Indikativ Perfekt Passiv von amare lautet; amatus, amata, amatum sum — ich bin geliebt worden amatus, amata, amatum es — du bist geliebt worden amatus, amata, amatum est — er, sie, es ist geliebt worden. amati, amatae, amata sumus wir sind geliebt worden amati, amatae, amata estis ihr seid geliebt worden amati, amatae, amata sunt sie sind geliebt worden. amare Indikativ Perfekt Passiv amatus, -a, -um sum amatus, -a, -um es amatus, -a, -um est amati, -ae, -a sumus amati, -ae, -a estis amati, -ae, -a sunt Entsprechend wird der Konjunktiv Perfekt Passiv mit dem Partizip und dem Kon¬ junktiv Präsens des Hilfsverbs esse gebildet. Wir geben als Beispiel nur die erste 2) Person Singular an : amatus, amata, amatum sim — ich sei geliebt worden Der Indikativ Plusquamperfekt Passiv wird mit dem Partizip Perfekt Passiv und dem Imperfekt von esse gebildet: amatus, amata, amatum eram - ich war geliebt worden. Der Konjunktiv Plusquamperfekt Passiv heißt entsprechend: amatus, amata, amatum essem — ich wäre geliebt worden 139
Der Indikativ Futur II Passiv wird auf die gleiche Weise gebildet: mit demselben Partizip und dem Futur von esse; 1. Person Singular: amatus, amata, amatum ero — ich werde geliebt worden sein. Und zum Abschluß noch einen Übungssatz; die Aqua Virgo in Rom ist die einzige Wasserleitung, die nie unterbrochen war: Virgo appellata est, quod quaerentibus aquam militibus puella virguncula venas monstravit. Der Hauptsatz lautet: Virgo appellata est — und es folgt ein mit quod — weil — einge¬ leiteter Nebensatz. Das Prädikat des Hauptsatzes: appellata est — sie wurde genannt. Wie wurde sie genannt? virgo — Junfgrau, also: sie wurde Jungfrau genannt. Prädikat des Nebensatzes ist: monstravit — er, sie, es hat gezeigt. Wer hat gezeigt? puella viguncula ein junges Mädchen. Wen oder was hat sie gezeigt? venas — Wasseradern. Wem? quaerentibus aquam militibus - Wasser suchenden Soldaten. Der Nebensatz heißt: weil ein junges Mädchen Wasser suchenden Soldaten Wasseradern gezeigt hat. Und der ganze Satz: Virgo, das heißt Jungfrau, wurde sie genannt, weil ein junges Mädchen Soldaten, die Wasser suchten, Wasseradern gezeigt hat. Manchmal begegnen uns im Dativ und im Ablativ Plural noch die älteren Aus¬ gänge -ubus statt -ibus, wie z.B. lacubus - den Seen, tribubus - den Tribus, quercubus — den Eichen von quercus, -us f — die Eiche. Nur im Ablativ Singular sind belegt: iussu auf Befehl iussu Caesaris rogatu auf Bitte rogatu tuo natu der Geburt nach grandis natu maior natu auf Befehl Caesars auf deine Bitte hoch betagt älter, der Ältere 140
Indikativ Perfekt Passiv amatus, -a, -um sum, es, est amati, -ae, -a sumus, estis, sunt Konjunktiv Perfekt Passiv amatus, -a, -um sim, sis, sit amati, -ae, -a simus, sitis, sint Indikativ Plusquamperfekt Passiv amatus, -a, -um eram, eras, erat amati, -ae, -a eramus, eratis, erant Konjunktiv Plusquamperfekt Passiv amatus, -a, -um essem, esses, esset amati, -ae, -a essemus, essetis, essent Indikativ Futur II Passiv amatus, -a, -um ero, eris, erit amati, -ae, -a erimus, eritis, erunt Zusätzlicher Übungssatz: Ductus Aquae Appiae habet longitudinem passuum undecim milium centum nonaginta. Das Prädikat lautet: habet — er, sie, es hat. Wer? ductus — die Leitung. Wessen? Aquae Appiae — der Aqua Appia. Wen oder was hat die Leitung der Aqua Appia? - longitudinem — eine Länge. Welche Länge? passuum undecim milium centum nonaginta — von 11 190 Doppelschritt. Die Leitung der Aqua Appia hat eine Länge von 11 190 Doppelschritt. 141
Wortschatz: virguncula, -ae f Mädchen puella virguncula ein junges Mädchen vena, -ae f Ader, Vene, Wasserader annus, m Jahr censor, -oris m Censor (röm. Amt) virgo, -inis f Jungfrau, Mädchen fons, fontis m Quelle usus, -us m Gebrauch, Umgang, Ausübung, Nutzen casus, -us m Fall, Zufall cornu, -us n Horn manus, -us f Hand, Schar porticus, -us f Säulenhalle tribus, -us f Tribus, Stadtteil Idus, -uum f die Iden (Monatsmitte) domus, -us f Haus domi zu Hause domum nach Hause domo von Hause contentus, -a, -um zufrieden appellare ansprechen, nennen monstrare zeigen haurire schöpfen inducere hineinführen aut.... aut entweder.... oder quod weil per (mit Akk.) durch ex, e (mit Abi.) aus, heraus 142
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 8 Noch heute gilt die italienische Hauptstadt als die wasserreichste Stadt Europas. In konstantinischer Zelt mußten neben den Privathäusern 11 große Thermenan¬ lagen, 855 öffentliche Bäder sowie 1367 Brunnen und Zisternen mit Wasser ver¬ sorgt werden. Salubrior est ex tubulis aqua quam per fistulas, quod ex plumbo cerussa nascitur. Haec autem dicitur esse nocens corporibus humanis. Gesünder Ist das Wasser aus Tonrohren als das durch Bleirohre geleitete, weil aus Blei Bleiweiß entsteht. Dieses aber soll dem menschlichen Körper schädlich sein. Zunächst die Vokabeln: salubrior, -us - gesünder tubulus, Am — kleines Rohr, Tonrohr fistula, - Rohr, Bleirohr plumbum. An — Blei cerussa, -ae f— Bleiweiß nascitur — er, sie, es wird geboren er, sie, es entsteht dicitur — es wird gesagt, es soll gesagt werden nocens — schädlich Haec — dieses — Ist ein Demonstrativpronomen, ein hinweisendes Fürwort. Wir kennen bisher Im Lateinischen nur ein Demonstrativpronomen, nämlich: is, ea, id — der, die, das — ein Pronomen, das auch andere Funktionervhat. Reine Demonstrativpronomina sind: hic, haec, hoc - dieser, diese, dieses iste, ista, istud — dieser, dein, euer; diese, dein, euer; dieses, dein, euer; der, die, das da. ille, illa, illud - jener, jene, jenes; der, die, das dort. 143
hic, haec, hoc weist auf räumlich und zeitlich Naheliegendes hin. Die Formen lau¬ ten: hic, haec, hoc Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nom. hic haec hoc Gen. huius huius huius Dat. huic huic huic Akk. hunc hanc hoc Abi. hoc hac hoc hic, haec, hoc Plural Maskulinum Femininum Neutrum Nom. hi hae haec Gen. horum harum horum Dat. his his his Akk. hos has haec Ab). his his his Das Pronomen hic, haec, hoc ist der ersten Person zugeordnet: hic über — dieses mein Buch his temporibus — in dieser unserer Zeit Das Demonstrativpronomen iste, ista, istud — dieser, diese, dieses — bezeichnet das Gegenüberstehende. iste, ista, istud Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nom. iste ista istud Gen. istius istius istius Dat. isti isti isti Akk. istum istam istud Abi. isto ista isto 144
iste, ista, istud Plural Maskulinum Femininum Neutrum Nom. isti istae ista Gen. istorum istarum istorum Dat. istis istis istis Akk. istos istas ista Abi. istis istis istis iste, ista, istud ist als Pronomen der 2. Person zugeordnet; es bezeichnet das Ge¬ genüberstehende: iste adulescens — dieser, vor euch stehende, junge Mann Es kann auch verächtlich gemeint sein: iste homo — dieser Kerl. ille, illa, illud — jener, jene, jenes — weist auf räumlich und zeitlich Entferntes hin: ille, illa, illud Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nom. ille illa illud Gen. illius illius illius Dat. ilii illi illi Akk. illum illam illud Ab). illo illa illo ormen: ille, illa, illud Plural Maskulinum Femininum Neutrum Nom. illi illae illa Gen. illorum illarum illorum Dat. illis illis illis Akk. illos illas ilia Abi. illis illis illis 145
ille ist als Pronomen der 3. Person zugeordnet, es weist auf Entferntes hin: iUi homines — jene Leute dort, von damals illis temporibus — in jener fernen Zeit. Gelegentlich bezieht sich ille auch auf etwas Berühmtes: ille Caesar — jener bekannte Caesar. In Pompeji kann man heute noch sehen, wie das Wasser in den Städten verteilt wurde. Die Ton- oder Bleirohre wurden häufig nicht unter der Erde, sondern eben¬ erdig verlegt. So konnte man undichte Stellen leichter finden und reparieren. Häu¬ fig sieht man in Pompeji auch noch die Sockel von Druckbehältern, die bis zu 6 Meter hoch sind. Von diesen Druckbehältern führten Leitungen zu den öffentli¬ chen Brunnen und teilweise auch zu Privathäusern. Aus den Brunnen strömte das Wasser ständig, sie waren auch beliebter Treffpunkt der Bevölkerung. Das Vertei¬ lersystem war so aufgebaut, daß bei einem Wassermangel zunächst die privaten Haushalte ausgeschaltet wurden, dann die Bäder und erst zuletztdie öffentlichen Brunnen. Denn in dem sogenannten Wasserschloß, dem Ende des Aquädukts in der Stadt, wurde das Wasser auf drei Ebenen verteilt. Zurück zu unserem Eingangssatz: Haec autem dicitur esse nocens corporibus humanis — dieses aber soll dem menschlichen Körper schädlich sein. Das Adjektiv nocens — schädlich — Ist seiner Herkunft nach ein Partizip Präsens Aktiv von nocere — schaden. Das Partizip Präsens Aktiv wird gebildet. Indem man an den Präsensstamm die Endung -ns, Genitiv -ntis anhängt: amans, amantis — liebend; monens, monentis — mahnend; Bei den Verben der 3. und der 4. Konjugation wird zwischen Stamm und Endung ein -e- eingeschoben: audiens, audientis — hörend legens, legentis - lesend Das Partizip Präsens Aktiv gehört zu den i-Stämmen, es wird wie ein elnendiges Adjektiv der 3. Deklination dekliniert, hat jedoch im Ablativ Singular meist die Endung -e.^^ 146
Neben dem Partizip Präsens Aktiv und dem in der vorigen Sendung besprochenen Partizip Perfekt Passiv gibt es im Lateinischen ein weiteres Partizip: das Partizip Futur Aktiv. Es wird von dem Partizipialstamm aus gebildet und zwar mit der Endung >urus: amaturus, amatura, amaturum — einer, der lieben wird, der lieben will moniturus, monitura, moniturum — einer, der mahnen wird, der mahnen will; auditurus, auditura, auditurum — einer, der hören wird, der hören will; lecturus, lectura, lecturum -- einer, der lesen wird, der lesen will. Partizip Futur Aktiv ama turus, -a, -um moni turus, -a, -um audi turus, -a, -um lec turus, -a, -um Im Lateinischen gibt es somit zwei Partizipien im Aktiv und eines im Passiv: Partizip Präsens Futur Perfekt Aktiv Aktiv Passiv amans amaturus amatus monens moniturus monitus audiens auditurus auditus legens lecturus lectus In dem folgenden Übungssatz wird das Verteilungssystem des Wassers noch ein¬ mal erläutert: Cum aquae ductus venerit ad moenia, aedificetur castellum et castello coniunctum triplex inmissarium. Der Hauptsatz heißt: aedificetur castellum et castello coniunctum triplex inmissarium - Prädikat ist: aedificetur — er, sie, es möge erbaut werden. Wer oder was möge erbaut werden? castellum et castello coniunctum triplex inmissarium — ein Wasserschloß und mit dem Wasserschloß verbunden ein dreifacher Wasserbehälter. 147
Der Nebensatz: Cum aquae ductus venerit ad moenia — mit dem Prädikat; venerit — er, sie, es wird gekommen sein. Wer oder was wird gekommen sein? aquae ductus — die Wasserleitung. Wohin? ad moenia — an die Stadtmauer. Der ganze Satz heißt; Wenn die Wasser¬ leitung an die Stadtmauer kommt, soll ein Wasserschloß und mit dem Wasserschloß ver¬ bunden ein aus drei Wasserkästen bestehender Behälter gebaut werden. Eigentliche Partizipien haben im Ablativ Singular meist den Ausgang -e: ab homine per silvam errante - von einem durch den Wald irrenden Menschen Partizipien, die als Adjektive oder attributiv gebraucht werden, haben Im Abla¬ tiv Singular den Ausgang -i; ardenti studio - mit brennendem Elfer Zusätzlicher Übungssatz: In medio ponentur fistulae in omnes lacus et salientes, ne desit in publico, ex altero in balneas, ex tertio in domos privatas. Das Prädikat des Hauptsatzes lautet; ponentur — sie werden angelegt werden. Wer oder was wird angelegt werden? fistulae — Leitungen. Wo? in medio — In mittleren. Wohin? in omnes lacus et salientes — zu allen Bassin- und Springbrunnen. Warum? ne desit in publico — ne .... desit — damit er, sie, es nicht fehle. Wer? es — das Wasser, ist aus dem Sinnzusammen¬ hang zu ergänzen. Wo? in publico - In der Öffentlichkeit, in öf¬ fentlichen Anlagen. ponentur fistulae - es werden Leitungen gelegt werden - ist auch Prädikat und Subjekt für den restlichen Satz: Von wo werden Leitungen gelegt werden? ex altero - aus dem zweiten. Wohin? in balneas — In die Bäder. Von wo werden Leitungen gelegt werden? ex tertio — aus dem dritten. Wohin? in domos privatas - in Privathäuser. Im mittleren werden Rohrleitungen zu allen Bassin- und Springbrunnen angelegt werden, damit das Wasser in den öffentlichen Anlagen nicht fehle, aus dem zweiten zu den Bädern, aus dem dritten zu den Privathäusern. 148
Wortschatz: fistula, ae f Röhre, hohles Rohr balneae, -arum f Bad* tubulus, -i m Röhre plumbum, -i n Blei castellum, -i n befestigter Platz, Wasserreservoir adulescens, -ntis m junger Mann tempus, -oris n Zeit aquae-ductus, -us m Wasserleitung lacus, -us m künstliches Wasserbecken: Trog, Bassin natürliches Wasserbecken: See medius, -a, -um mitten, der mittlere publicus, -a, *um öffentlich nocens schädlich aedificare bauen coniungere verbinden ponere stellen, setzen, legen nasci entstehen, geboren werden dicitur er, sie, es wird gesagt, soll autem (nachgestellt) aber 149
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 9 Die Bäder spielten im römischen Alltag eine große Rolle. Wir sprachen schon da¬ von, daß es in Rom allein 855 öffentliche Bäder gab begüterte Leute wie Plinius der Jüngere hatten natürlich private Badeeinrichtungen, meist mit piscina — einem Schwimmbecken und apodyterium — einem Ankleideraum. Plinius selbst gibt die Beschreibung des Bades auf seinem Landgut: Apodyterium balinei laxum et hilare excipit cella frigidaria. Si natare latius aut tepidius velis, in area piscina est. Auf den geräumigen und freundli¬ chen Auskleideraum folgt das Kalt* bad. Wenn du ausgiebiger oder wärmer schwimmen willst, Ist Im Hofraum ein Schwimmbecken. Wir sehen die Vokabeln an: apodyterium, -i n - Auskleideraum balineum, -i n oder balneum. An — Bad laxus, -a, -um — locker, geräumig hilaris, -e — heiter, freundlich excipere — herausnehmen, auf¬ nehmen, unmittelbar folgen cella, -ae f — Kammer frigidarius, -a, -um - zum Kalten gehörig natare — schwimmen latus, -a, -um — breit, weit tepidus, -a, -um — lauwarm, mild area, ae f — Platz, Fläche, Tenne, Hofraum piscina, -ae f - Fischteich, Wasser¬ behälter, Bassin, Schwimmbecken latius - ausgiebiger — und tepidius - wärmer — sind Komparative. Wiedas Deut¬ sche hat auch das Lateinische 3 Vergleichsstufen: Positiv - Komparativ - Super¬ lativ. 150
Der Komparativ der Adjektive wird gebildet, indem an den Wortstock das Suffix -ior im Maskulinum und Femininum und -ius im Neutrum angehängt wird, hier einige Beispiele: longus - lang; longior, longius - länger; asper — rauh; asperior, asperius — rauher pulcher - schön; pulchrior, pulchrius - schöner acer — scharf; acrior, acrius — schärfer brevis — kurz; brevior, brevius — kürzer felix — glücklich; felicior, felicius - glücklicher Steigerung der Adjektive Positiv Wortstock Komparativ longus long- long ior long ius asper asper- asper ior asper ius pulcher pulchr- pulchr ior pulchr ius acer acr- acr ior acr ius brevis brev- brev ior brev ius fei ix feile- feile ior felicius Alle Adjektive und Partizipien, die als Adjektive gebraucht werden, bilden den Komparativ auf diese Weise. Dekliniert werden die Komparative wie zweiendige Adjektive der 3. Deklination, die zu den Konsonantenstämmen gehören. longior, longius — länger — hat damit folgende Formen: longior, longius Singular Mask. + Fern. Neutrum Nom. longior longius Gen. longioris longioris Dat. longiori longiori Akk. longiorem longius Abi. longiore longiore Zu beachten ist das -e im Ablativ. 151
longior, longius Plural Nom. Gen. Dat. Akk. Abi. Mask. + Fern. longiores longiorum longioribus longiores longioribus Neutrum longiora longiorum longioribus longiora longioribus Der Genitiv endet auf -um, Nominativ und Akkusativ Neutrum auf -a. Ein lateinischer Komparativ wird bei der Übersetzung meist auch mit einem Kom¬ parativ wiedergegeben. Fehlt jedoch im Lateinischen ein Vergleichsgegenstand beim Komparativ, so wird im Deutschen der Positiv mit einem steigernden oder abschwächenden Zusatz verwendet, zum Beispiel: Caelum asperius est - das Klima ist ziemlich rauh. Der Komparativ der regelmäßig gebildeten Adverbien wird ebenfalls mit -ius ge¬ bildet: longe — longius Die prunkvollste Thermenanlage in Rom waren die Caracallathermen, die 211 nach Christus auf einem Gebiet von 24 000 m^ erbaut wurden, und bis zu 2 500 Besucher aufnehmen konnten. Eine bestimmte Grundausstattung hatten auch die kleineren Thermen. Dazu gehörte: das Apodyterium — ein Ankleideraum, das Frigidarium - ein Raum für das kalte Bad, der gewöhnlich klein und dunkel war, das Tepidarium — ein Übergangsraum vom kalten zum warmen Bad sowie das Caldarium - ein Raum für das warme Bad. Das war der hellste Raum, mit Badewannen und Waschbecken und in großen Anlagen auch mit Schwimmbecken. Freibäder, Sportplätze und Schwitzbäder gehörten ebenfalls häufig zu Thermenan¬ lagen. In vielen Thermen waren alle diese Einrichtungen in doppelter Ausführung vorhanden: zur Trennung der Geschlechter. Bei den übrigen wurden für Männer und für Frauen verschiedene Badezeiten angesetzt - gemischte Thermen gab es nicht! Der Eintrittspreis war niedrig, häufig entfiel er ganz, denn wohlhabende Bürger oder sogar die Kaiser übernahmen die Betriebskosten. Die Baumeister der Renaissance haben sich neben anderen antiken Vorbildern auch von der Architek¬ tur der Thermen beeinflussen lassen — letzter Zeuge einer solchen Beeinflussung ist ein Bauwerk unseres Jahrhunderts: 1910 wurde in New York ein Zweckbau seiner Bestimmung übergeben, dessen direktes Vorbild die Caracallathermen wa¬ ren: die Pennsylvania Station — der verkehrsreichste Bahnhof seiner Zeit. 162
Fast 2 000 Jahre vorher hatte Plinius den eingangs erwähnten Satz geschrieben: Apodyterium balinei laxum et hilare excipit cella frigidaria. Auf den geräumigen und freundlichen Auskleideraum des Bades folgt das Kaltbad. excipit von excipere ist ein verbum compositum, ein zusammengesetztes Verb, bestehend aus: ex - aus - und dem verbum simplex capere - fassen, capere gehört zur 3. Konjugation, der sogenannten kurzvokalischen Konjugation mit der Wortstammendung -i, der Wortstamm ist also: capi-. Dieses -i- wird am Wortausgang und vor -r zu -e-, wie im Infinitiv capere: capere Präsens Aktiv Indikativ Konjunktiv capi o capi a m capi s capi a s capi t capi a t capi mus capi a mus capi tis capi a tis capi u nt capi a nt capere Imperfekt Aktiv Indikativ Konjunktiv capi e ba m cape re m capi e ba s cape re s capi e ba t cape re t capi e ba mus cape re mus capi e ba tis cape re tis capi e ba nt cape re nt 153
capere Futur Aktiv capi a m capi e s capi e t capi e mus capi e tis capi e nt capere Imperativ Präsens cape capite Partizip Präsens capiens, capientis capere Imperativ Futur capito capitote capiunto capere Partizip Futur capturus, -a. -um Und nun zwei Übungssätze: Magnitudinem balneorum facias pro copia hominum. Prädikat ist: facias — du mögest machen. Wer? du — ist im Verbum enthalten. Wen oder was mögest du machen? magnitudinem — die Größe. Wessen Größe? balneorum — der Bäder. In welcher Weise? pro copia hominum — entsprechend der Menge der Menschen. 154
Also: Die Größe der Bäder mögest du entsprechend der Menge der Menschen machen, das heißt: Die Größe der Bäder muß in einem bestimmten Verhältnis zur Zahl der Besucher stehen. Nihil est miserius quam bellum civile. Das Prädikat lautet: est miserius — es ist unseliger. Wer oder was ist unseliger? nihil - nichts. Als was? quam bellum civile — als der Bürgerkrieg. Nichts ist unseliger als der Bürgerkrieg. Zusätzlicher Übungssatz: Vivunt contra naturam, qui fundamenta thermarum in mari iaciunt. Das Prädikat heißt: vivunt — sie leben Wer lebt? qui fundamentum thermarum in mari iacunt — das Prädikat dieses Nebensatzes heißt: iacunt — sie werfen, sie legen an. Wer legt an? qui - welche, die Wen oder was legen sie an? fundamenta — die Grundmauern. Wessen Grundmauern? thermarum — der Thermen. Wo? in mari — im Meer. Also heißt der Nebensatz: welche die Grund¬ mauern von Thermen im Meer anlegen. Wie leben sie? contra naturam — gegen die Natur. Der Satz lautet: Es leben gegen die Natur die Leute, die die Grund¬ mauern von Thermen im Meer anlegen. 155
Wortschatz. cella. *ae area.-ae piscina, -ae thermae, -arum copia, -ae invidia, -ae vulgus, -i apodyterium, -i balineum, -i balneum, -i f Zelle. Kammer f freier Platz. Fläche f Fischteich. Wasserbehälter, Bassin, Schwimmbecken f Thermenanlage f Menge f Mißgunst, Neid n Masse, Pöbel n Auskleideraum " } Bad n » laxus, -a, -um frigidarius, -a. -um latus, -a. -um tepidus, -a, -um iustus, -a. -um brevis, -e hilaris, -e civilis, -e natare capere excipere vivere iacere facere effugere nihil locker, schlaff, geräumig zum Kalten gehörig breit, weit lauwarm, mild gerecht, rechtmäßig, richtig kurz heiter, freundlich bürgerlich schwimmen fassen, fangen herausnehmen, aufnehmen, unmittelbar folgen leben werfen, schleudern, errichten machen, tun entfliehen, entgehen, meiden nichts 156
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 10 Die älteste römische Stadtmauer soll, nach Livius, von König Servius Tullius im 6. Jahrhundert vor Christus errichtet worden sein. Noch heute trägt dieses Bau¬ werk den Namen Servianische Mauer. Tatsächlich jedoch wurde die Stadtmauer rund 200 Jahre später gebaut und zwar nach dem ersten Galliereinfall in Rom: Romani urbem altissimis moenibus circumdederunt, ne iterum a barbaris caperetur. Die Römer umgaben ihre Stadt mit sehr hohen Mauern, damit sie nicht ein zwei¬ tes Mal von den Barbaren eingenommen würde. Die unbekannten Vokabeln: altus, -a, -um — hoch, tief iterum — ein zweites Mal barbarus, -i m - Barbar ab, a (mit Abi.) - von Wir haben in der letzten Sendung den Komparativ besprochen und wollen uns heute den Superlativ näher ansehen. In den meisten Fällen wird zur Bildung des Superlativs das Suffix -issimus, -issima, -issimum an den Wortstock angehängt: longus — lang; longissimus - der längste, sehr lang brevis - kurz; brevissimus - der kürzeste, sehr kurz felix - glücklich; felicissimus - der glücklichste, sehr glücklich doctus - gelehrt; doctissimus - der gelehrteste, sehr gelehrt. Steigerung der Adjektive Positiv Wortstock Superlativ longus long- long issimus brevis brev- brev issimus felix felic- felic issimus doctus doct- doct issimus 157
Die Adjektive auf -er hängen zur Bildung des Superlativs -rimus, -rima, -rimum an den Nominativ Singular des Maskulinums an: asper - rauh; asperrimus - der rauheste, sehr rauh ; pulcher - schön; pulcherrimus - der schönste, sehr schön; acer — scharf; acerrimus — der schärfste, sehr scharf. Steigerung der Adjektive Positiv Superlativ asper asper rimus pulcher pulcher rimus acer acer rimus Folgende Adjektive, deren Wortstock auf -il- endet, bilden den Superlativ mit dem Suffix -limus, -lima, -limum: facilis - leicht; facillimus - der leichteste, sehr leicht; similis - ähnlich; simillimus - der ähnlichste, sehr ähnlich; humilis — niedrig, humillimus * der niedrigste, sehr niedrig; gracilis — schlank; gracillimus - der schlankste, sehr schlank. Steigerung der Adjektive Positiv Wortstock Superlativ facilis facil- facil fimus similis simil- simii limus humilis humil- humii limus gracilis gracil- gracii limus 158
Folgende Zusatzwörter können zur Verstärkung beim Superlativ stehen: longe — longe justissimus — weitaus der gerechteste quam — quam longissimus - möglichst lang vel vel felicissimus - sogar der glück¬ lichste ne ... quidem — ne asperrimus quidem — nicht einmal der rauheste. Es gibt auch Adjektive, deren Steigerung unregelmäßig ist. Man sollte sie sich gut einprägen, da sie besonders häufig Vorkommen: bonus — gut: melior — optimus malus “ schlecht: peior - pessimus magnus — groß : maior - maximus parvus — klein: minor - minimus multum — viel; plus — plurimum multi — viele; plures (mit dem Genitiv plurium), plurimi Unregelmäßige Steigerung der Adjektive Positiv Komparativ Superlativ bonus melior optimus maius peior pessimus magnus maior maximus parvus minor minimus multum plus plurimum multi plures plurimi (Gcn. -ium) Manchmal wird die Steigerung auch mit magis — mehr und maxime — am meisten umschrieben, und zwar hauptsächlich bei den Adjektiven auf -us mit vorhergehen¬ dem Vokal, wie necessarius — notwendig: magis necessarius - notwendiger maxime necessarius - der notwendigste, sehr notwendig. 159
Und nun zu den Adverbien. Die regelmäßig gebildeten Adverbien bilden den Superlativ, indem sie an den Superlativ des Adjektivs statt des Ausgangs -us den Ausgang -e anhängen: Steigerung der Adverbien Positiv Superlativ docte doctissime feliciter felicissime pulchre pulcherrime facile facillime Besonders zu beachten ist die Steigerung folgender Adverbien, die sich nach der unregelmäßigen Steigerung der Adjektive richtet: bene — gut: melius -- optime male — schlecht: peius - pessime valde, magnopere - sehr; magis - maxime multum - viel; plus - plurimum paulum — wenig; minus — minime Steigerung der Adverbien Positiv Komparativ Superlativ bene melius optime male peius pessime valde. magnopere magis maxime multum plus plurimum paulum minus minime Die erste Stadtmauer in Rom entstand also 378 vor Christus — man hat das durch Untersuchungen am Baumaterial festgestellt. Diese Mauer war bis zu 10 Meter hoch und 3 — 5 Meter dick. Mehr als 500 Jahre später wurde der zweite Mauerring um Rom gebaut. Anlaß war die Bedrohung durch die Germanen. Diese Stadtmauer hieß nach dem Kaiser unter dem sie errichtet wurde: Aurelianische Mauer. Zwei Drittel sind bis heute erhalten. Sie überstand das Erdbeben im Jahre 442 nach Christus und die zwei¬ malige Erstürmung durch die Goten in den Jahren 535 und 546. Die Aurelianische Mauer hatte 18 Tore und fast 400 Türme, sowie zahlreiche Verstärkungen durch Häuser, Gartenmauern, Aquädukte und Grabmäler, die bereits vorher standen und einfach mit eingebaut wurden - denn als am Ende des 3. Jahrhunderts nach Christus der Einfall der Germanen drohte, war die Staatskasse leer, und man konn¬ te dadurch an Mauerwerk sparen. 160
Erst 1849 wurde die Stadtmauer schwer beschädigt als Garibaldi bei dem Kampf um die Errichtung einer italienischen Republik an der Porta San Pancrazio schwe¬ re ArtiUerie einsetzte. In der Mitte des 9. Jahrhunderts nach Christus wurde auch das Gebiet rechts des Tiber mit der Peterskirche von Papst Leo IV. von einer Stadtmauer umgeben. Bis 1870 war das Gebiet, das von der Aurelianischen und der Leonischen Mauer eingeschlossen war, groß genug für die Stadt Rom. Erst als Rom die Hauptstadt des geeinigten Königreiches Italien wurde, breitete sich die Stadt weiter aus. Wir beschäftigen uns jetzt mit dem Passiv der kurzvokalischen Verben der 3. Kon¬ jugation, nachdem wir letztes Mal das Aktiv besprochen haben. Für das Passiv gilt im Präsensstamm die gleiche Regel wie für das Aktiv: das -i-des Wortstamms wird vor -r- und am Wortausgang zu -e. Wir nehmen als Beispiel wieder capere - fassen: capere Präsens Passiv Indikativ Konjunktiv capi or capi a r cape ris capi a ris capi tur capi a tur capi mur capi a mur capi mini capi a mini capi u ntur capi a ntur capere Imperfekt Passiv Indikativ Konjunktiv capi e ba r cape re r capi e ba ris cape re ris capi e ba tur cape re tur capi e ba mur cape re mur capi e ba mini cape re mini capi e ba ntur cape re ntur capere Futur Passiv capi a r capi e ris capi e tur capi e mur capi e mini capi e ntur 161
capere Infinitiv Passiv capi capere, capio, cepi, captum — sind die vier Stammformen des Verbums. Oppida non conlocantur quadrata nec procurrentibus angulis, sed circuitionibus, ut hostes ex pluribus locis conspicientur. Der Hauptsatz heißt: Oppida non conlo¬ cantur quadrata nec procurrentibus angulis, sed circuitionibus Darauf folgt ein mit ut angeschlossener Nebensatz. Prädikat des Hauptsatzes ist: conlocantur - sie werden angelegt. Wer wird angelegt? oppida — die Städte. Wie werden die Städte angelegt? non quadrata nec procurrentibus angulis, sed circuitionibus — nicht viereckig, auch nicht mit vorsprin¬ genden Ecken, sondern mit Biegungen. Das Prädikat des Nebensatzes heißt: conspicientur — sie mögen erblickt wer¬ den; es steht im Konjunktiv, der durch ut - daß, damit — bedingt ist. Damit wer oder was erblickt werde? hostes — die Feinde. Von wo aus? ex pluribus locis — von mehr Stellen. Der ganze Satz heißt: Die Städte werden nicht viereckig, auch nicht mit vorspringenden Ecken, sondern mit Biegungen angelegt, damit die Feinde von mehr Stellen aus erblickt werden. 162
Zu manchen Komparativen und Superlativen fehlt der Positiv: interior exterior ulterior inferior Superior prior posterior deterior propior der innere der äußere der jenseitige der untere der obere, frühere der vordere der spätere der schlechtere der nähere intimus dor innerste extremus der äußerste ultimus der letzte infimus, imus der unterste supremus der oberste primus der vorderste postremus der letzte deterrimus der schlechteste proximus der nächste Zusätzlicher Übungssatz: Turres ad exteriorem partem moenium proiciuntur, ut impetus hostium facilius propulsentur. Hauptsatz ist: Turres ad exteriorem partem meonium proiciuntur. Es folgt ein mit ut angeschlossener Nebensatz. Das Prädikat des Hauptsatzes lautet: proiciuntur — sie werden hingeworfen, vor¬ gebaut. Wer wird vorgebaut? turres — die Türme. Wohin? ad exteriorem partem moenium - an den äußeren Teil der Mauern. Das Prädikat des Nebensatzes ist: propulsentur — sie mögen abgewehrt werden - der Konjunktiv ist durch ut — daß, damit — bedingt. Wer möge abgewehrt werden? impetus — die Angriffe. Wessen? hostium — der Feinde. Wie? facilius - leichter. Demnach heißt der ganze Satz: Die Türme werden an den äußeren Teil der Stadtmauer vorgebaut, damit die Angriffe der Feinde leichter abgewehrt werden können. 163
Wortschatz: barbarus, -i m Barbar angulus, -i m Ecke, Winkel principium, -i n Anfang, Grundsatz oppidum, -i n befestigter Platz, Stadt electio, -onis f Auswahl circuitio, -onis f das Herumgehen, Biegung impetus, -us m Andrang, Angriff doctus, -a, -um gelehrt necessarius, -a, -um notwendig, verwandt quadratus, -a, -um viereckig similis, -e ähnlich humilis, -e niedrig, demütig gracilis, -e zierlich, schlank conlocare = collocare aufstellen, errichten propulsare abwehren procurrere vorlaufen, vorspringen conspicere erblicken pro icere vorwerfen, vorstrecken iterum ein zweites Mal vel oder, sogar ab, a (mit Abi.) von 164
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 11 Die Verfassung der römischen Republik wurde von dem griechischen Historiker Polybios, 200 — 120 vor Christus, als die beste ihrer Art bezeichnet, da in ihr die Vorzüge der Monarchie, der Aristokratie und der Demokratie vereinigt seien, ohne daß zugleich deren negative Seiten hervorträten. Rei publicae Romanae duo consules praeerant. Dem römischen Staat standen zwei Konsuln vor, oder. An der Spitze des römischen Staates standen zwei Konsuln. Zunächst zu den Vokabeln: res, rei Sache, Ding res publica f — der Staat praeesse — voranstehen, an der Spitze stehen res, rei f — die Sache — ist ein Substantiv der 5. Deklination. Die Substantive der 5. Deklination enden im Nominativ Singular auf -es; wir sehen uns das Bei¬ spiel von dies, diei — der Tag, die Frist — an: 5. Deklination Singular Plural Nom. di es di es Gen. di ei di erum Dat. di ei di ebus Akk. di em di es Abi. di e di ebus Die Substantive der 5. Deklination sind in der Regel Feminina. dies hat eine Besonderheit aufzuweisen: Es ist Femininum in der Bedeutung von „der Termin, die Frist" und Maskulinum in der Bedeutung von ,,der Tag". dies,diei Termin, Frist dies, diei m — Tag Maskulinum ist auch: meridies, -ei m - Mittag, Süden Rei publicae Romanae duo consules praeerant - An der Spitze des römischen Staates standen zwei Konsuln. 165
Sie hatten eine Amtszeit von einem Jahr; wie die übrigen Beamten wurden sie von den stimmberechtigten Bürgern in den Komitien gewählt. Stimmberechtigt war jeder freie, männliche Bürger. Die Konsuln hatten in Kriegszeiten auch den Oberbefehl über das Heer. Grund¬ sätzlich galt für alle römischen Beamten, daß ihre Entscheidungen während ihrer Amtszeit unanfechtbar waren. Erst nach Ablauf ihrer Amtszeit konnten Sie zur Rechenschaft gezogen werden. Weitere Magistrate waren: Die Prätoren, die das Justizwesen beaufsichtigten, die Ädilen, die bestimmte Polizeibefugnisse und die Marktaufsicht hatten und schließlich die Quästoren, die mit der Führung der Staatskasse betraut waren und im Krieg mit der Sorge für die Proviantmagazine. Oberstes Verfassungsorgan war der Senat. Hier waren ehemalige Beamte und Re¬ präsentanten der adeligen Familien versammelt. Dieses Gremium bestand aus meh¬ reren hundert Vertretern, die auf Lebenszeit berufen waren und somit die Konti¬ nuität der Staatsführung garantierten. Alle fünf Jahre wurden zwei Zensoren gewählt; sie hatten die öffentlichen Bauauf¬ träge zu vergeben, die Senatslisten zu überprüfen und über die guten Sitten der Senatoren zu wachen. Ein weiteres Amt hatte sich im Laufe der Zelt durchgesetzt: das Volkstribunat. Ihm oblag die Aufgabe, die nicht-adelige Bevölkerung Roms gegen Behördenwillkür und Adelshochmut zu schützen. Alle Ämter in Rom waren ehrenamtlich. Kennzeichnend für das römische Beamten¬ wesen war die Annuität, das heißt die Amtszeit von einem Jahr, und die Kollegialität, denn es übten immer zwei oder mehr Beamte ein Amt mit gleicher Befugnis aus. Rei publicae Romanae duo consules praeerant. praeerant — sie standen vor — ist ein Kompositum, das aus der Präposition prae und dem Hilfsverbum esse zusammengesetzt ist: praeesse, praesum, praefui. Es gibt eine ganze Reihe ähnlicher Komposita, die sehr häufig gebraucht wer¬ den. Wir sehen uns einige mit den Stammformen an: abesse, absum, afui - abwesend sein, entfernt sein; adesse, adsum, adfui — oder: affui anwesend sein, beistehen, helfen; deesse, desum, defui - fehlen, mangeln; inesse, insum, fui — darin sein; Interesse, intersum, interfui — dabei sein, teilnehmen; obesse, obsum, offui - dagegen sein, schaden; prodesse, prosum, profui — nützen; superesse, supersum, superfui — übrig sein, im Überfluß vorhanden sein, überleben. 166
Von diesen Komposita bilden zwei ein Partizip Präsens Aktiv: absens, absentis — abwesend; praesens, praesentis — anwesend, gegenwärtig. Durch das Zusammensetzen von pote — mächtig, imstande — und esse sein — ist das Verbum posse, possum, potui imstande sein, können - entstanden. Es hat im Präsensstamm folgende Formen: posse, possum, potui Präsens Aktiv Indikativ Konjunktiv possum possim potes possis potest possit possumus possimus potestis possitis possunt possint posse, possum, potui Imperfekt Aktiv Indikativ Konjunktiv poteram possem poteras posses poterat posset poteramus possemus poteratis possetis poterant possent posse, possum, potui Futur Aktiv potero poteris poterit poterimus poteritis poterunt Im Perfektstamm werden die Formen ausgehend von der Stammform potui ganz regelmäßig gebildet. 167
Magistratus est lex loquens, lex autem mutus magistratus. Das Prädikat des ersten Hauptsatzes: est lex loquens — er, sie, es ist ein sprechendes Gesetz. Wer ist ein sprechendes Gesetz? magistratus — der Beamte, der Magistrat, also: der Beamte ist ein sprechendes Gesetz. Der zweite Hauptsatz hat das Prädikat mutus magistratus est — est ist aus dem ersten Hauptsatz zu ergänzen, er, sie, es ist ein stummer Beamter. Wer ist ein stummer Beamter? lex - das Gesetz, autem - aber, dagegen. Der ganze Satz: Der Beamte ist ein spre¬ chendes Gesetz, das Gesetz aber ist ein stummer Beamter. Est res publica res populi, populus autem non omnis hominum coetus quoquo modo congregatus, sed coetus multitudinis iuris consensu et utilitatis communione sociatus. Der erste Hauptsatz heißt: Est res publica res populi - mit dem Prädikat: est res populi - er, sie, es ist Sache des Volkes. Wer oder was ist Sache des Volkes? res publica — der Staat. Zum zweiten Hauptsatz gehört der ganze rest¬ liche Teil des Satzes, der deutlich durch non - nicht - und sed — aber - gegliedert ist. populus autem - ein Volk aber; non omnis hominum coetus quoquo modo congregatus — congregatus - Ist ein Partizip Perfekt Passiv - versammelt, das sich auf coetus - die Vereinigung bezieht, non omnis hominum coetus congregatus - nicht jede versammelte Vereinigung von Menschen. In welcher Weise versammelt? quoquo modo — auf welche Weise nur immer, sed coetus multitudinis - sondern die Vereinigung einer Menge. sociatus ist ein Partizip Perfekt Passiv - verbunden —, das sich auf coetus — die Vereinigung — bezieht. 168
Wodurch verbunden? iuris consensu et utilitatis communione - durch die Über¬ einstimmung des Rechts und durch die Gemeinschaft des Nutzens. Die Übersetzung heißt im Zusammenhang: Es ist der Staat die Sache des Volkes, ein Volk aber ist nicht jede auf welche Weise nur immer versammelte Vereinigung von Menschen, sondern eine durch die Übereinstimmung des Rechts und die Gemeinschaft des Nutzens ver¬ bundene Vereinigung. Res publica sine iustitia nullo pacto potest esse. Das Prädikat lautet: potest esse — er, sie, es kann sein, bestehen. Wer kann bestehen? res publica — ein Staat, nullo pacto ist eine besonders betonte Verneinung: unter keinen Umständen, sine iustitia — ohne Gerechtigkeit. Ein Staat kann ohne Gerechtigkeit unter keinen Umständen bestehen. Zusätzlicher Übungssatz: In omni re publica concordia est artissimum et optimum vinculum Incolumitatis. Das Prädikat heißt: est vinculum — er, sie, es ist ein Band. Wer? concordia — die Eintracht Was für ein Band ist die Eintracht? artissimum et optimum — das engste und beste. Wovon? incolumitatis - der Sicherheit. Wo? in omni re publica — in jedem Staat. In jedem Staat ist die Eintracht das engste und beste Band der Sicherheit. 169
Wortschatz: concordia, -ae f Eintracht justitia, -ae f Gerechtigkeit populus, -i m Volk modus, -i m Art und Weise, Maß vinculum, -i n Band, Fessel incolumitas, -atis f Unversehrtheit multitudo, -inis f Vielzahl, Menge utilitas, -atis f Nutzen communio, -onis f Gemeinschaft magistratus, -us m Beamter, Magistrat, Amt coetus, -us m Zusammentreffen, Vereinigung, Gesellschaft consensus, -us m Übereinstimmung res. rei f Sache. Ding res publica f Staat dies, diei m Tag dies, diei f Termin, Frist meridies, meridiei m Mittag, Süden mutus, -a, -um stumm artus, -a, -um eng, straff congregare vereinigen, versammeln praeesse (mit Dat.) vorstehen, leiten posse können nullo pacto unter keinen Umständen neque.... neque weder.... noch sine (mit Abi.) ohne 170
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 12 Körperliche Ertüchtigung als Selbstzweck, wie sie von den Griechen betrieben wurde, war den Römern fremd. In der sportlichen Betätigung sah man lediglich eine Vorbereitung auf den Kriegsdienst. In campo Martio pueri equis exercebantur. Turma eorundem puerorum etiam Troiam lusit. Auf dem Marsfeld trainierten Knaben mit Pferden. Eine Schwadron von eben diesen Knaben führte auch das Trojaspiel auf. Das Trojaspiel ist ein altes Reiterspiel, dessen Herkunft nicht geklärt ist. Doch nun zu den Vokabeln der beiden Sätze: campus Martius -* Marsfeld exerceri — sich üben, trainieren turma, -ae f- Schwadron, Schar ludere, ludo, lusi, lusum - spielen eorundem puerorum — von eben diesen Knaben — eorundem ist eine Form von idem. Das Pronomen idem, eadem, idem - derselbe, der nämliche — gebraucht der Lateiner zur Bezeichnung der Identität. Dieses Pronomen Ist aus dem uns schon bekannten is, ea, id — er, sie, es - und einem angehängten -dem zusammengesetzt. Wir sehen uns die Formen an: idem, eadem, idem Singular Mask. Fern. Neutr. Nom. idem eadem idem Gen. eiusdem eiusdem eiusdem Dat. eidem eidem eidem Akk. eundem eandem idem Abi. eodem eadem eodem 171
idem. eadem, idem Plural Mask. Fern. Neutr. Nom. iidem eaedem eadem Gen. eorundem earundem eorundem Dat. iisdem iisdem iisdem (eisdem) (eisdem) (eisdem) (isdem) (Isdem) (isdem) Akk. eosdem easdem eadem Abi. iisdem iisdem Iisdem (eisdem) (eisdem) (eisdem) (isdem) (isdem) (isdem) Zu beachten ist, daß alle diejenigen Formen von is, ea, id, die auf -m enden, vor dem angehängten -dem dieses -m zu -n umwandeln, zum Beispiel: eorundem - earundem — eorundem. Dieses Pronomen wird dann gebraucht, wenn von einer Person oder einer Sache zweierlei ausgesagt wird: Cicero fuit orator idemque philosophus. Cicero war Redner und zugleich Philosoph. Wenn dagegen von verschiedenen Gegenständen oder Personen das gleiche ausge¬ sagt werden soll, verwendet der Lateiner das Adverb item — ebenso, gleichfalls—: Crassus eloquens fuit itemque Antonius. Crassus war beredt und ebenso Antonius. Das Pronomen ipse, ipsa, ipsum — selbst — hebt eine Person oder Sache besonders hervor. Hier die Formen: ipse, ipsa, ipsum Singular Mask. Fern. Neutr. Nom. ipse ipsa ipsum Gen. ipsius ipsius ipsius Dat. ipsi ipsi ipsi Akk. ipsum ipsam ipsum Abi. ipso ipsa ipso 172
ipse, ipsa, ipsum Plural Nom. Gen. Dat. Akk. Abi. Mask. Fern. Neutr. ipsi ipsae ipsa ipsorum ipsarum ipsorum ipsis ipsis ipsis ipsos ipsas ipsa ipsis ipsis ipsis Wir hatten schon gesagt, daß ipse eine Person oder Sache besonders hervorhebt oder abgrenzt. Hier einige Beispiele: ipse te exspectabo - ich persönlich, ich selbst werde dich erwarten; ipse feci — ich selbst habe es getan; ipse Caesar - kein Geringerer als Caesar; ipso adventu - allein durch die Ankunft; nunc ipsum - gerade jetzt; res ipsa - der Kern der Sache; ludus ipse - das Spiel an sich, das reine Spiel. ludus, ludi m — das Spiel, das Training — stand im Lateinischen für alle die¬ jenigen Betätigungen, die wir heute mit Sport bezeichnen. Cato gibt eine Aufstellung über die Sportarten, die er sich für seinen Sohn wünscht: Fechten, Speerwerfen, Schwertspiel, Reiterkunststücke, Handhaben von Waffen aller Art, Faustkampf, Durchschwimmen eines kalten, reißenden Flusses. Der Begriff des Wettkampfes, der bei den Griechen im Vordergrund stand, war den Römern eigentlich fremd. Nur auf die vornehme Jugend wirkte sich im Laufe der Zeit der griechische Einfluß aus: man sah körperliches Training nicht mehr nur als militärische Vorübung an. Sportliche Vorführungen fanden in Rom im Amphi¬ theater oder im Zirkus statt. Junge Leute aus angesehenen Familien traten zu Fechtkämpfen an oder sie nahmen im Zirkus an sogenannten venationes — Jag¬ den teil, die eigentlich mehr Kämpfe gegen Löwen oder Bären waren. Der bekann¬ teste „Sportler"' dieser Art und auch der prominenteste war Kaiser Commodus (180 — 192), der Sohn des Philosophenkaisers Marc Aurel. Wir wollen uns nun mit einer Gruppe von Verben beschäftigen, die Im Lateini¬ schen passive Formen haben, aber aktive Bedeutungen. Diese Verben heißen Deponentien oder verba deponentia. Ein solches Deponens befindet sich in unserem Satz: In campo Martio pueri equis exercebantur. exercebantur — sie trainierten, von exerceri — trainieren 173
Deponentien gibt es in allen Konjugationen: hortari, hortor, hortatus sum — ermahnen vereri, vereor, veritus sum — Ehrfurcht haben, fürchten largiri, largior, largitus sum — schenken loqui, loquor, locutus sum - reden, sprechen pati, patior, passus sum - erdulden, erleiden Am Beispiel von hortari — ermahnen — wollen wir uns den Präsensstamm der Deponentien ansehen: hortor — ich ermahne hortaris — du ermahnst hortatur — er, sie, es ermahnt hortamur — wir ermahnen hortamini — ihr ermahnt hortantur — sie ermahnen horter — ich möge ermahnen horteris — du mögest ermahnen hortetur — er, sie, es möge ermahnen hortemur — wir mögen ermahnen hortemini — ihr möget ermahnen hortentur — sie mögen ermahnen hortari, hortor. hortatus sum Präsens Indikativ Konjunktiv hortor horter hortaris horteris hortatur hortetur hortamur hortemur hortamini hortemini hortantur hortentur hortabar — ich ermahnte hortabaris — du ermahntest hortabatur — er, sie, es ermahnte hortabamur — wir ermahnten hortabamini — ihr ermahntet hortabantur — sie ermahnten 174
hortarer — ich würde ermahnen hortareris — du würdest ermahnen hortaretur — er, sie, es würde ermahnen hortaremur — wir würden ermahnen hortaremini — ihr würdet ermahnen hortarentur — sie würden ermahnen hortari, hortor. hortatus sum Imperfekt Indikativ Konjunktiv hortabar hortarer hortabaris hortareris hortabatur hortaretur hortabamur hortaremur hortabamini hortaremini hortabantur hortarentur hortabor — ich werde ermahnen hortaberis — du wirst ermahnen hortabitur - er, sie, es wird ermahnen hortabimur - wir werden ermahnen hortabimini — ihr werdet ermahnen hortabuntur — sie werden ermahnen hortari, hortor, hortatus sum Futur hortabor hortaberis hortabitur hortabimur hortabimini hortabuntur Von den Deponentien lassen sich auch Imperative bilden: hortare — ermahne! hortamini — ermahnt! hortator — du sollst ermahnen, er, sie, es soll ermahnen hortantor — sie sollen ermahnen 175
hortari, hortor, hortatus sum Imperativ hortare hortamini hortator hortantor Neben diesen passiven Formen bilden die Deponentien auch einige aktive Formen: Das Partizip Präsens: hortans — ein mahnender, einer der mahnt, das Partizip Futur: hortaturus — einer, der mahnen wird, den Infinitiv Futur: hortaturum esse — mahnen werden. Auch das Partizip Perfekt hat eine aktive Bedeutung: hortatus — einer, der ermahnt hat. hortari, hortor, hortatus sum Partizip Präsens hortans Partizip Futur hortaturus Infinitiv Futur hortaturum esse Partizip Perfekt hortatus Nun gibt es noch einige Verben, die nur einen Teil dieser Formen passivisch bil¬ den. Sie heißen: Semideponentien — Halbdeponentien. Dazu gehören: solere, soleo, solitus sum — gewohnt sein, pflegen audere, audeo, ausus sum - wagen gaudere, gaudeo, gavisus sum — sich freuen 1) Semideponentien der konsonantischen Konjugation: fidere, fido, fisus sum — trauen, vertrauen confidere, confido, confisus sum — trauen, vertrauen diffidere, diffido, diffisus sum — mißtrauen reverti, revertor, reverti (Part, reversus) — zurückkehren 176
Wortschatz: turma, ae campus Martius equus, -i ludus, <i adventus, -us f Abteilung, Schwadron m Marsfeld m Pferd m Spiel m Ankunft eloquens beredt exspectare exerceri ludere hortari vereri largiri loqui pati solere, soleo, solitus sum audere, audeo, ausus sum erwarten sich üben, trainieren spielen ermahnen Ehrfurcht haben, fürchten schenken sprechen leiden, dulden gewohnt sein, pflegen wagen gaudere, gaudeo, gavisus sum sich freuen item ebenso 177
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS II, 13 In dieser Lektion wollen wir wieder einen zusammenhängenden Text übersetzen. Es geht darin um Alexander den Großen und sein Verhältnis zur Malerei. Apelles war der berühmteste Maler am Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus. Von seinen Tafelbildern ist ebenso wie von denen anderer griechischer Maler keines erhalten geblieben. Im Nationalmuseum Neapel gibt es lediglich die Kopie eines solchen hellenistischen Gemäldes und zwar das Alexandermosaik. Hier nun die Anekdote von Alexander dem Großen und Apelles: Apelles, pictor suae aetatis clarissimus, Alexandrum pinxerat equitantem. Hanc imaginem cum rex minus laudaret, quam meruerat artifex, equus Alexandri interea adductus picto equo sic adhinnivit, quasi verus esset equus. Tum Apelles: „O rex", inquit, „equus tuus picturae peritior quam tu videtur esse." Diesen Text werden wir Satz für Satz durchgehen. Apelles, pictor suae aetatis clarissimus, Alexandrum pinxerat equitantem. Das Prädikat ist: pinxerat — er, sie, es hatte gemalt, von pingere, pingo, pinxi, pictum — malen. Wer hatte gemalt? Apelles. Wer war dieser Apelles? pictor suae aetatis clarissimus — der berühmteste Maler seiner Zeit; pictor, pictoris m — der Maler und aetas, aetatis ^ — die Zeit, das Zeitalter; clarissimus — der berühmteste — ist der Superlativ von clarus, clara, darum - berühmt. Diese Ergänzung zu Apelles steht im gleichen Fall wie das Beziehungswort, hier im Nomi¬ nativ, man nennt sie Apposition. Wen oder was hat Apelles gemalt? Alexandrum — Alexander. In welchem Zustand hat er Alexander gemalt? equitantem - reitend, als einen reitenden, als Reiter — von equitare — reiten. 178
Folglich heißt der ganze Satz: Apelles, der berühmteste Maler seiner Zeit, hatte Alexander als Reiter gemalt. Hane imaginem cum rex minus laudaret, quam meruerat artifex, equus Alexandri interea adductus picto equo sic adhinnivit, quasi verus esset equus. Der Hauptsatz in diesem zweiten Abschnitt lautet: equus Alexandri interea adductus picto equo sic adhinnivit; Prädikat ist: adhinnivit — er, sie, es, hat zu- gewiehert — von adhinnire - zuwiehern. Wer oder was hat zugewiehert? equus - das Pferd. Was für ein Pferd war das? Alexandri interea adductus — das inzwischen herangeführte Pferd Alexanders; adductus ist das Partizip Perfekt Passiv von adducere, adduco, adduxi, adductum - heran¬ führen — ein verbum compositum von ducere, duco, duxi, ductum - führen. Wem hat es zugewiehert? picto equo — dem gemalten Pferd. Wie? sic — so. Dieses sic wird durch den folgenden Nebensatz: quasi verus esset equus fortgeführt, quasi - als ob; Prädikat: verus esset — er wäre wahr, echt. Wer? equus — das Pferd, also: als ob das Pferd echt wäre. Wann geschah das alles? hanc imaginem cum rex minus laudaret - Prädikat: laudaret - er, sie, es würde loben, den Konjunktiv bedingt hier cum — als — wir brauchen ihn daher bei der Übersetzung nicht zu berücksichtigen. Wer lobte? rex — der König. Wen oder was lobte der König? hanc imaginem - dieses Bild. Wie lobte er es? minus - weniger, also: der König lobte dieses Bild weniger. Der Vergleich wird in dem folgenden Neben¬ satz weitergeführt: quam meruerat artifex — quam - als; 179
das Prädikat heißt: meruerat — er, sie, es hatte verdient — von merere, mereo, merui, meritum — verdienen. Wer hatte verd ient?artifex — der Künstler — von artifex, artificis — m — der Künstler Der Vergleich heißt demnach: als es der Künstler verdient hatte. Nun der ganze Satz in der Übersetzung: Als dieses Bild der König weniger lobte, als es der Künstler verdient hatte, wieherte das inzwischen herangeführte Pferd Alexanders dem gemalten Pferd so zu, als ob das Pferd echt wäre. Tum Apelles: „O rex", inquit, „equus tuus picturae peritior quam tu videtur Dieser Abschnitt besteht aus zwei Haupt¬ sätzen, der erste heißt: Tum Apelles inquit — inquit — er, sie, es hat gesagt. Wer hat gesagt? Apelles Wann? tum — darauf. Darauf sagte Apelles.... Und nun der zweite Hauptsatz: „O rex, equus tuus picturae peritior quam tu videtur esse." Das Prädikat heißt: videtur peritior esse - er, sie, es scheint kundiger zu sein — mit dem Deponens videri, videor, visus sum — scheinen — und dem Komparativ peritior von peritus, perita, peritum — kundig, erfahren. Wer oder was scheint kundiger zu sein? equus tuus — dein Pferd. Wessen scheint dein Pferd kundiger zu sein? picturae — der Malerei — von pictura, -ae — f — die Malerei. Kundiger als wer? quam tu — als du. O rex — König! — ist eine Anrede. Nun der ganze Satz: Darauf sagte Apelles: „König, dein Pferd scheint der Malerei kundiger zu sein als du, oder: dein Pferd scheint von der Malerei mehr zu verstehen als du." 180
Nun den Text noch einmal im Zusammenhang: Apelles, der berühmteste Maler seiner Zeit, hatte Alexander als Reiter gemalt. Als dieses Bild der König weniger lobte, als es der Künstler verdient hatte, wieherte das inzwischen herangeführte Pferd Alexanders dem gemalten Pferd so zu, als ob es echt wäre. Darauf sagte Apelles: „König, dein Pferd scheint mehr von der Malerei zu verstehen als du.'' Eine andere Anekdote zeigt noch deutlicher, welche Offenheit Alexander bei Untergebenen duldete: Alexander olim cum piratam comprehensum interrogaret, quo iure maria infestaret, ille: „Eodem", inquit, „quo tu orbem terrarum. Sed quia id ego parvo navigio facio, latro vocor; tu quia classe et exercitu, imperator." Alexander olim cum piratam comprehensum interrogaret, quo iure maria infestaret, ille... inquit: Dieser erste Abschnitt besteht aus dem Hauptsatz: ille inquit —inquit - er, sie, es hat gesagt, Wer? ille — jener. Vor dem Hauptsatz befindet sich ein mit cum und Konjunktiv — als — eingeleiteter Nebensatz. Alexander olim cum piratam comprehensum interrogaret > Prädikat ist: interrogaret — er, sie, es fragte. Wer fragte? Alexander. Wen fragte Alexander? piratam comprehensum — einen gefangenen Seeräuber. Wann? olim - einst Wonach fragte er? Und hier schließt sich der zweite Nebensatz an: quo iure maria infestaret — infestaret — er, sie, es würde unsicher machen. Wer? er — der gefangene Seeräuber. Wen oder was würde er unsicher machen? maria — die Meere. In welcher Welse? quo iure — mit oder: nach welchem Recht. 181
Als Alexander einst einen gefangenen Seeräuber fragte, mit welchem Recht er die Meere unsicher mache, antwortete jener: „Eodem quo tu orbem terrarum." Die Prädikate für diesen Haupt- und Nebensatz muß man aus dem vorherge¬ henden Vorwurf: quo iure maria infestaret — mit welchem Recht er die Meere unsicher mache — ergänzen: Eodem — mit demselben Recht mache ich die Meere unsicher — quo tu orbem terrarum — mit weichem du den Erdkreis unsicher machst. Sed quia id ego parvo navigio facio latro vocor; Der Hauptsatz ist: latro vocor — ich werde Räuber genannt. Warum werde ich Räuber genannt? Sed quia id ego parvo navigio facio. Das Prädikat dieses Nebensatzes ist facio — ich mache, ich tue. Wer? ego — ich Was tue ich? id — es Womit? parvo navigio ~ mit einem kleinen Schiff; sed — aber, quia — weil. Aber weil ich das mit einem kleinen Schiff tue, werde ich Räuber genannt; tu, quia classe et exercitu, imperator. Auch hier sind die Prädikate für Haupt- und Nebensatz aus der vorhergehenden Periode zu übernehmen: Hauptsatz: tu imperator — du wirst Feldherr genannt, Nebensatz: quia classe et exercitu — weil du es mit einer Flotte und einem Heer tust. Also: du, well du es mit einer Flotte und einem Heer tust, wirst Feldherr genannt. Der Text im Zusammenhang: Als Alexander einst einen gefangenen Seeräuber fragte, mit welchem Recht er die Meere verun¬ sichere, sagte jener: „Mit dem gleichen Recht, mit dem du den Erdkreis verunsicherst. Aber weil ich das mit einem kleinen Schiff tue, heiße ich Räuber; du, weil du es mit einer Flotte und einem Heer tust, heißt Feldherr." 182
Wortschatz: pictura, -ae f Malerei pirata,-ae m Seeräuber navigium, -i n Schiff pictor, -oris m Maler imperator, -oris m Feldherr, Kaiser artifex, -icis m Künstler orbis terrarum m Erdkreis latro, -onis m Räuber imago, -inis f Bild, Abbild classis, -is f Flotte exercitus, -us m Heer peritus, -a, -um erfahren, kundig parvus, -a, -um klein equitare reiten interrogare befragen infestare unsicher machen, beunruhigen merere verdienen adhinnire zuwiehern pingere malen adducere herbeiführen comprehendere fassen, ergreifen, verhaften interea inzwischen, unterdessen quasi gleichsam, als ob, wie wenn 183
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 1 Zunächst wollen wir uns mit dem römischen Haus befassen. Das Haus der vor¬ nehmen Familien zeichnet sich vor allem durch seine schmucklose Fassade und seine symmetrische Innenaufteilung aus. Singulorum generum in aedificiis symmetrias breviter explicabo. Ich werde die Symmetrieverhält¬ nisse der einzelnen Gebäudearten kurz darlegen. Hier die unbekannten Vokabeln: aedificium, -i /7 — Gebäude symmetria, -ae f — Symmetrie(verhältnis) explicare — erklären, darlegen Hier sind die Symmetrieverhältnisse der einzelnen Gebäudearten kurz dargelegt: Das Atrium mit dem offenen Dach, dem Compluvium, und dem darunterliegen- den Wasserbecken, dem Impluvium, war das Herzstück des römischen Hauses: Latitudines ostiorum ad altitudinem perficiantur, longitudo compluvii ut atrii pro rata parte fiat. Die Breite der Türöffnungen soll ent¬ sprechend zur Höhe hergestellt, die Länge des Compluviums in proportio¬ nalem Verhältnis zur Länge des Atriums gemacht werden. Hier die Vokabeln: latitudo, -inis f — Breite ostium, An — Türöffnung altitudo, -inis f — Höhe, Tiefe pro rata parte — in einem bestimmten Verhältnis Bevor wir uns weiteren Details des römischen Hauses zuwenden, wollen wir uns die Distributivzahlen, die Einteilungszahlen,ansehen. In unserem ersten Satz kam der Begriff singulorum vor, von singuli, singulae, singula — je ein, die einzelnen. Distributivzahlen stehen auf die Frage: „Wie viele jedes Mal?'' Sie werden wie Adjektive der a- und der o-Deklination dekliniert. 185
Wir sehen uns die maskulinen Formen an: singuli — je ein bini — je zwei terni oder: trini — je drei quaterni — je vier quini — je fünf seni — je sechs septeni — je sieben octoni — je acht noveni — je neun deni — je zehn^^ Die Distributivzahlen stehen bei Multiplikationen, zum Beispiel: bis sena sunt duodecim — zweimal sechs ist zwölf und bei Pluralia tantum, bei Pluralwörtern, zum Beispiel: bina castra — zwei Lager. Singulorum generum in aedificiis symmetrias breviter explicabo. Ich werde die Symmetrieverhältnisse der einzelnen Gebäudearten kurz darlegen. Die symmetrische Innenaufteilung ist am Grundriß eines römischen Hauses sehr deutlich zu erkennen. Auffallend ist zunächst die Gliederung in zwei große Blöcke, einmal das Atrium mit den umliegenden Räumen und zum anderen das Peristylium, ein von Säulengängen umschlossener Garten mit weiteren Wohnräumen. Das Atrium ist ein großer, weiter Raum mit einem offenen Dach; das durch das Compluvium eindringende Regenwasser wird in einem fla¬ chen, quadratischen Becken gesammelt, dem Impluvium. Mit einem Gang — fauces — ist das Atrium direkt mit dem Eingang verbunden. Durch die etwas zu¬ rückgesetzte Haustüre entsteht das Vestibulum, ein kleiner Vorraum, in dem die Klienten morgens zu warten pflegten. Auf beiden Seiten des Atriums liegen die alae, die Wohn- und Schlafzimmer für die Familie. Schließlich gibt es in diesem Teil des Hauses noch das Tablinum, das mit dem Herrenzimmer einer bürgerlichen Wohnung im 19. Jahrhundert ver¬ gleichbar ist. Den rückwärtigen Teil des Hauses um das Peristylium kann man durch einen schmalen Gang — andron — erreichen. Hier befindet sich neben anderen Räumen auch die Exedra — der Empfangsraum. Dieses in der Regel einstöckige Haus wur¬ de von einer Familie und der Dienerschaft über mehrere Generationen hinweg bewohnt. 186
Die in unserem Eingangssatz von Vitruv genannten Proportionen beziehen sich auf dieses einstöckige Haus: Latitudines ostiorum ad altitudinem perficiantur, longitudo compluvii ut atrii pro rata parte fiat Die Breite der Türöffnung soll entspre¬ chend zur Höhe hergestellt die Länge des Compluviums in proportionalem Verhält¬ nis zur Länge des Atriums gemacht werden. perficiantur — sie sollen hergestellt werden — ist eine Form von perficere, einem Kompositum zu facere, facio, feci, factum — machen, tun. Dieses sehr häufige Verbum bildet zahlreiche Komposita, von denen wir einige nennen wollen: satisfacere — satisfacio - satisfeci - satisfactum — Genüge leisten conficere — conficio — confeci — confectum — vollenden, aufreiben efficere — efficio — effeci — effectum — bewirken, vollenden^^ facere und alle Komposita gehören zur Gruppe der Verben, deren Präsensstamm auf kurzvokalisches -i gebildet wird, wir hatten uns als Beispiel capere ange¬ sehen.* Die Komposita mit der Form -ficere werden wie capere behandelt; facere dage¬ gen und alle Komposita mit -facere zeigen folgende Besonderheiten: 1. Im Imperativ Präsens Aktiv verliert die 2. Person Singular das -e: fac — mache, tu! facere, facio, feci, factum Imperativ Präsens Aktiv 2. Person Sg. fac 2. Im Passiv werden im Präsensstamm die Formen von fieri, fio, factus sum werden, geschehen, gemacht werden — verwendet: ^ GRUNDKURS 11,9 187
fieri, fio, factus sum Präsens Passiv Indikativ Konjunktiv fio fiam fis fias fit fiat fimus fiamus fitis fiatis fiunt fiant fieri, fio, factus sum Imperfekt Passiv Indikativ Konjunktiv fiebam fierem fiebas fieres fiebat fieret fiebamus fieremus fiebatis fieretis fiebant fierent fieri, fio, factus sum Futur Passiv fiam fies fiet fiemus fietis fient fieri, fio factus sum Imperativ Präsens Passiv fi fite Wir fassen noch einmal zusammen: facere, facio, feci, factum wird wie capere konjugiert. Ausnahmen sind: der Imperativ Präsens Aktiv 2. Person Singular: fac, und der Präsensstamm des Passivs, der mit den Formen von fieri, fio, factus sum gebildet wird. 188
Veris symmetriis perficitur venustas. Prädikat ist: perficitur — er, sie, es wird vollendet, von perficere, perficio, perfeci, perfectum. Wer oder was wird vollendet? venustas — die Lieblichkeit, die schöne Wirkung. Wodurch? veris symmetriis — durch wirkliche Symmetrien, durch die Beach¬ tung wirklicher Symmetrien. Durch die Beachtung wirklicher Sym¬ metrien wird die schöne Wirkung vollendet. Ovilia et caprilia ita magna fiant, ut singula pecora areae ne minus quaternos et semipedem, ne plus senos possint habere. Hauptsatz ist: Ovilia et caprilia ita magna fiant mit dem Prädikat: fiant — sie sollen gemacht, sie sollen angelegt werden. Wer oder was? ovilia et caprilia — die Schaf- und Ziegenställe. Wie sollen die Schaf- und Ziegenställe angelegt werden? ita magna — so groß. Es folgt ein Nebensatz mit ut und dem Prä¬ dikat: possint habere — daß sie haben können. Wer oder was? singula pecora — die einzelnen Tiere. Wen oder was? ne minus quaternos et semipedem nicht weniger als vier und einen halben Fuß .. . ne plus senos — zu ergänzen ist pedes — nicht mehr als sechs Fuß. Wovon? areae — von der Fläche. Schaf- und Ziegenställe sollen so groß angelegt werden, daß die einzelnen Tiere nicht weniger als viereinhalb und nicht mehr als sechs Fuß Fläche haben können. Das ist übrigens eine Fläche von 1.35 m auf 1.80 m. 189
1) undeni je 11 duodeni je 12 terni deni je 13 quaterni deni je 14 quinideni je 15 seni deni je 16 septeni deni je 17 duodeviceni je 18 undeviceni je 19 viceni je 20 singuli et vicenii viceni singuli ’ bini et viceni viceni bini duodetriceni undetriceni triceni quadrageni } je 22 je 28 je 29 je 30 je 40 quinquageni sexageni septuageni octogeni nonageni centeni duceni treceni quadringeni quingeni sesceni septingeni octingeni nongeni singula milia bina milia centena milia je 50 je 60 je 70 je 80 je 90 je 100 je 200 je 300 je 400 je 500 je 600 je 700 je 800 je 900 je 1 000 je 2 000 je 100 000 patefacere patefacio patefeci patefactum öffnen, auf¬ decken afficere afficio affeci affectum versehen mit, behandeln deficere deficio defeci defectum abfallen, aus¬ gehen, fehlen interficere interficio interfeci interfectum töten perficere perficio perfeci perfectum vollenden, durchsetzen praeficere praeficio praefeci praefectum an die Spitze stellen 190
Wortschatz symmetria, -ae f Symmetrie aedificium, -i n Gebäude ostium, -i n Türöffnung altitudo, -inis f Höhe, Tiefe latitudo, -inis f Breite venustas, -atis f Lieblichkeit caprile, -is n Ziegenstall ovile, -is n Schafstal 1 verus, -a, -um wahr, wirklich explicare erklären facere machen, tun conficere vollenden efficere bewirken perficere herstellen, vollenden satisfacere Genüge leisten pro rata parte in einem bestimmten Verhältnis 191
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 111,2 Bei unserer Betrachtung des römischen Hauses haben wir den gesellschaftlichen Mittelpunkt bisher noch nicht erwähnt, nämlich das Triclinium, den Speisesaal. Mit diesem Raum und den Tischsitten der Römer wollen wir uns heute beschäfti¬ gen: Tricliniorum quanta latitudo fuerit, bis tanta longitudo fieri debebit. Wie groß die Breite der Triclinien gewesen sein wird, zweimal so groß wird ihre Länge gemacht werden müssen. Das heißt nicht anderes als: Die Triclinien wird man zweimal so lang wie breit machen müssen. triclinium. An — Speisesaal quantus, -a, -um — wie groß tantus, -a, -um — so groß debere — schulden, müssen Die Triclinien wird man zweimal so lang wie breit machen müssen, bis — zweimal gehört zu den Zahladverbien, die auf die Frage: „Wie oft?" oder: „Wieviel¬ mal?" stehen. Dazu gehören: semel — einmal bis — zweimal ter — dreimal quater — viermal quinquies — fünfmal sexies — sechsmal septies — siebenmal octies — achtmal novies — neunmal decies — zehnmal Neben diesen Zahladverbien, die den Grundzahlen entsprechen, gibt es auch Zahladverbien, die den Ordnungszahlen entsprechen. Sie stehen auf die Frage: „Zum wievielten Mal?" und werden wie Neutra auf -um gebildet: primum — zum ersten Mal iterum — zum zweiten Mal tertium — zum dritten Mal quartum — zum vierten Mal 192
Dazu gehört auch: postremum - zum letzten Mal, nicht zu verwechseln mit postremo — zuletzt, am Ende; entsprechend: primum — zum ersten Mal, primo - zuerst. Nun noch zu den Multiplikative — das sind einendige Zahladjektive auf -plex, -plicis: Simplex, -plicis — einfach duplex, -plicis — zweifach triplex, -plicis - dreifach decemplex, -plicis — zehnfach centuplex, -plicis — hundertfach multiplex, -plicis — vielfach Simplex acies media, comibus duplex. Einfach ist die Schlachtreihe in der Mit¬ te, an den Flügeln doppelt. Die Römer hatten nach 300 vor Christus von den Griechen die Sitte übernom¬ men, im Liegen zu essen. Erst zu dieser Zeit wurden auch eigene Speiseräume erbaut, eben die eingangs erwähnten triclinia. Dort standen um einen Tisch drei Liegen, auf denen jeweils drei Personen Platz fanden. Gabeln gab es noch keine; man aß mit den Fingerspitzen. Die Speisen waren von Sklaven sorgfältig zerkleinert, so erübrigte sich meistens auch der Gebrauch eines Messers. Löffel dagegen wurden viel benutzt und zwar in allen Größen und For¬ men. Teller und Schüsseln waren aus schwerem Silber; die Weinpokale aus Gold, Kri¬ stall oder edlen Steinen waren reich verziert. Die von uns heute als „typisch rö¬ misch" empfundenen Tischsitten beziehen sich wieder einmal nur auf die Ober¬ schicht, die adeligen und die reichen Leute, die sich solches Geschirr, ein Haus und Sklaven leisten konnten. Über die Gewohnheiten der Mehrzahl der Römer gibt es auch hier kaum Quellen. Vor Beginn des Gastmahls wurde Wasser zum Händewaschen gereicht, auch Ser¬ vietten wurden benutzt. Manche brachten sie auch von zu Hause mit, um die Re¬ ste des Essens einzupacken! Tischtücher dagegen waren erst vom 1. Jahrhundert nach Christus an in Gebrauch. 193
Die Bedienung der Gäste besorgten die Sklaven — das Kochen auch. Es gab recht üppige Mahlzeiten, die sich über Stunden hinzogen, so von 3 Uhr nachmittags bis tief in die Nacht. Sie bestanden aus drei Hauptgängen: gustus oder gustatio — einer Vorspeise, die häufig aus Eiern zubereitet war, cena —dem Hauptgericht, und secundae mensae — dem Nachtisch, der meist aus Dörrobst bestand. Daher die Redensart: ab ovo ad mala — vom Ei bis zu den Äpfeln, das heißt vom Anfang bis zum Ende des Mahls. cena — das Hauptgericht — bestand aus verschiedenen Gängen wie Geflügel, Fleisch, Fisch. Ein solches Gastmahl war die üblichste Art von Geselligkeit, bei dem auch Dichterlesungen, musikalische Vorträge, Glücksspiele oder Variet^- vorstellungen stattfanden. Pueri vinum et cibos adferunt. Junge Sklaven tragen Wein und Speisen auf. adferunt - sie tragen auf - kommt von dem Verb adferre und ist ein Komposi¬ tum von ferre, fero, tuli, latum — tragen, bringen — dessen Konjugation wir jetzt behandeln wollen. Der Präsensstamm wird wie folgt konjugiert: ferre, fero, tuli, latum Präsens Aktiv Indikativ Konjunktiv fero feram fers feras fert ferat ferimus feramus fertis feratis ferunt ferant ferre, fero, tulijatum Imperfekt Aktiv Indikativ Konjunktiv ferebam ferrem ferebas ferres ferebat ferret ferebamus ferremus ferebatis ferretis ferebant ferrent 194
ferre, fero, tuli, latum Futur Aktiv feram feres feret feremus feretis ferent Beim Imperativ Präsens fällt wie bei facere in der 2. Person Singular das -e am Ende weg: ferre, fero, tuli, latum Imperativ Präsens fer ferte Imperativ Futur ferto fertote Das Passiv im Präsensstamm lautet: ferre, fero, tuli i, latum Präsens Passiv Indikativ Konjunktiv feror ferar ferris feraris fertur feratur ferimur feramur ferimini feramini feruntur ferantur 195
ferre, fero. tuli, latum Imperfekt Passiv Indikativ Konjunktiv ferebar ferrer ferebaris ferreris ferebatur ferretur ferebamur ferremur ferebamini ferremini ferebantur ferrentur ferre, fero, tuli, latum Futur Passiv ferar fereris feretur feremur feremini ferentur Die zahlreichen Komposita von ferre werden in der gleichen Weise konjugiert. Und nun zu unseren Übungssätzen: In primis inferuntur Lucanus aper, lactucae, radices. Das Prädikat ist: inferuntur — sie werden hineingetragen, von inferre, infero, intuli, illatum — hineintragen. Wer oder was wird hineingetragen? Lucanus aper — lukanischer Eber, lactucae — Kopfsalat, radices — Radieschen. Wann? in primis - unter den ersten, hier: als Vorspeise. Als Vorspeise werden lukanischer Eber, Kopfsalat und Radieschen hineingetragen. Haec ut sublata sunt, puer alte cinctus gausape purpureo mensam pertersit. Das Prädikat des Hauptsatzes heißt: pertersit - er, sie, es hat abgewischt. 2) 196
Wer hat abgewischt? puer alte cinctus — ein hochgeschürzter Knabe oder: Sklave. Wen oder was hat er abgewischt? mensam — den Tisch. Womit? gausape purpureo — mit purpurnem Friesstoff. Der Nebensatz heißt: haec ut sublata sunt - die Nebensatzeinleitung ut steht mit dem Indikativ Perfekt und bedeutet daher „sobald'' sublata sunt — sie sind abgetragen worden, von tollere, tollo, sustuli,sublatum — abtragen. Wer oder was? haec — diese Dinge, das heißt die im vorhergehenden Satz genannten Speisen. Die ganze Übersetzung: Sobald diese Speisen abgetragen waren, wischte ein hochgeschürzter Sklave mit purpurnem Friesstoff den Tisch ab. Asoti de conviviis auferuntur, auferuntur — sie werden weggetragen, entfernt - von auferre, aufero, abstuli, ablatum — weg¬ tragen. Wer wird entfernt? asoti — Wüstlinge. Von wo werden sie entfernt? de conviviis — von Gastmählern — von convivium, convivii n — das Gastmahl. Wüstlinge werden von den Gastmählern entfernt. undecies 1mai bis et vicies > 22mal duodecies 12mal vicies bis ' ter decies 13mal duodetricies 28mal quater decies 14mai undetricies 29mal quinquies decies 15mal tricies 30mal sexies decies 16mal quadragies 40mal septies decies 17mal quinquagies 50mal duodevicies 18mal sexagies 60mal undevicies 19mal septuagies 70mal vicies 20mal octogies 80mal semel et vicies j vicies semel ' 21mal nonagies 90mal 197
centies ducenties trecenties quadringenties quingenties sescenties lOOmal 200mal 300mal 400mal 500mal GOOmal septingenties octingenties nongenties milies bis milies centies milies 700mal SOOmal 900mal lOOOmal 2000mal lOO.OOOmal 2) afferre auferre conferre deferre differre differre efferre inferre offerre perferre referre tollere affero aufero confero defero differo differo effero infero offero perfero refero tollo attuli abstuli contuli detuli distuli extuli intuli obtuli pertuli rettuli sustuli allatum ablatum collatum delatum dilatum elatum illatum oblatum perlatum relatum sublatum herbeitragen wegtragen Zusammen¬ tragen, ver¬ gleichen übertragen, -bringen verschieben sich unter¬ scheiden hinaustragen, herausheben hineintragen, beibringen darbieten, anbieten überbringen, ertragen zurückbrin¬ gen, berich¬ ten, beziehen auf aufheben, be¬ seitigen Zusätzlicher Übungssatz: Adfer calices maiores. Prädikat ist: adfer — bring herbei — von adferre, adfero, attuli, allatum herbeitragen, -bringen Wen oder was? calices maiores — größere Becher. Bring größere Becher herbei! 198
Wortschatz (actuca, -ae f (Kopf) Salat asotus, -i m Wüstling gustus, -i m Kosten, Probe, Vorspeise convivium, -i n Gastmahl malum, -i n Apfel ovum, -i n Ei triclinium, -i n Speisesaal aper, apri m Eber gausape, -is n Fries, Wischtuch gustatio, -onis f Vorspeise radix, -icis f Wurzel, Rettich, Radieschen purpureus, -a, -um purpurn debere schulden pertergere abwischen ferre tragen, bringen adferre herbeitragen, -bringen auferre wegtragen inferre hineintragen tollere abtragen, aufheben quantus wie groß simplex einfach 199
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 3 Unser heutiges Rahmenthema ist das römische Theater. Als selbständige theatra¬ lische Form haben die Römer die Atellane entwickelt, ein reines Improvisations¬ spiel mit vorgegebenen Typen, ähnlich wie später in der Commedia delTarte. Der Prologsprecher stellt sich selbst vor: Quid processerim huc et quid mihi voluerim, dicam. Was, oder: warum ich hier aufgetreten bin und was ich im Sinn habe, werde ich sagen. Dazu die Vokabeln: procedere, procedo, processi, processum- hervortreten, auftreten, erscheinen huc — hierher Die Fragepronomen quid — was und quis — wer — werden wie folgt dekliniert: quis, quid Fragepronomen Nom. quis quid Gen. cuius cuius Dat. cui cui Akk. quem quid Abi. a quo Die Pronomina quis und quid werden substantivisch, das heißt wie ein Substan¬ tiv gebraucht; zum Beispiel: quis es? - Wer bist du? quidvis? —Was willst du? Daneben gibt es wie im Deutschen auch ein adjektivisches Fragepronomen qui, quae, quod, — welcher? welche? welches? Dieses Fragepronomen wird wie das Relativpronomen dekliniert; hier zwei Satzbeispiele: Quem librum legisti? — Welches Buch hast du gelesen? Quam artem novistis? — Welche Kunst ver¬ steht ihr? 200
Daneben kennt der Lateiner noch ein drittes Fragepronomen: uter — wer (von zweien), utrum — was (von zweien), beziehungsweise adjektivisch: uter, utra, utrum — welcher, welche, welches (von zweien)? Hier die adjektivischen Formen: uter, utra, utrum Fragepronomen Maskulinum Femininum Neutrum Nom. uter utra utrum Gen. utrius utrius utrius Dat. utri utri utri Akk. utrum utram utrum Abi. utro utra utro Durch Zusätze können die Fragepronomina noch verstärkt werden, zum Bei¬ spiel: quisnam — wer denn? quid tandem - was denn eigentlich? Und nun zum verallgemeinernden Relativpronomen. Es wird wie das einfache Relativpronomen dekliniert: quicumque, quaecumque, quodcumque - wer auch immer, jeder der; was auch immer, alles was. Dazu einen Satz: Quoscumque de te queri audivi, quacumque ratione placavi. Wen auch immer ich über dich klagen hörte, den habe ich in jeder erdenklichen Weise be¬ ruhigt. Nur im Nominativ Singular kommen die beiden folgenden verallgemeinernden Relativpronomina vor: quisquis — wer nur immer, jeder der; quidquid - was nur immer, alles was. Nur im Ablativ gibt es den Ausdruck: quoquo modo — auf weiche Weise nur immer, irgendwie. 201
Entscheidend wurde das römische Theater von dem attischen Drama beeinflußt. Griechische Komödien und Tragödien wurden ins Lateinische übersetzt und ka¬ men mehr oder weniger überarbeitet zur Aufführung. Erst Titus Maccius Plautus, der 184 vor Christus starb, löste sich weitgehend von den griechischen Vorlagen und schuf eine eigene römische Komödiengattung. Plautus hatte ein ausgeprägtes Gespür für Situationskomik und schreckte auch vor sehr derben Dialogen nicht zurück. Auf einem pompejanIschen Wandbild sehen wir eine Szene aus seiner Komödie ,Der Bramarbas' (lat. Miles gloriosus) mit dem Prahlhans und dem Parasiten — rechts und links sitzen zwei Bühnenaufseher. Plautus' unmittelbarer Nachfolger im Bereich der römischen Komödie war der in Karthago geborene Terentius, der als Sklave eines Senators nach Rom kam, sehr bald freigelassen wurde und eine literarische Erziehung genoß. Im Gegensatz zu Plautus wollte Terentius das gebildete Publikum ansprechen. Daher baute er seine Komödien dramaturgisch komplizierter auf und arbeitete die Charaktere der Personen genauer aus. Hier sind zwei Szenen aus der Komödie ,Die Brüder' — nach einer Handschrift aus dem 9. Jahrhundert —, In der es um die Erziehung eines jungen Mannes geht — ein Motiv, das Moliere in seiner ,Schule für Ehemänner' übernommen hat. Mit dem Tode des Terentius im Jahre 159 vor Christus begann das römische Theater mehr und mehr zu verflachen. Die römische Tragödie fand in den neun Tragödien des Seneca ihre größte Vollendung. Sie waren jedoch mehr von ihrem philosophischen Inhalt und der Rhetorik geprägt als von der Bühnenwirksamkeit. Eigene Theaterbauten gab es in Rom erst sehr spät, man spielte lange auf eilig aufgestellten Brettergerüsten, denn die Amphitheater waren Gladiatorenkämpfen und ähnlichem Vorbehalten. Pompeius ließ das erste feste Theater aus Stein im Jahre 55 vor Christus bauen und zwar nach dem Vorbild der griechischen halbkreisförmigen Theaterbauten. Quid processerim huc et quid mihi voluerim, dicam. Warum ich hier aufgetreten bin und was ich im Sinn habe, werde ich sagen. Voluerim — ich habe gewollt — ist eine Form von veile, volo, volui — wollen. Wir sehen uns die Formen im Präsensstamm an: 202
velle, volo. volui Präsens Indikativ Konjunktiv volo velim vis velis vult velit volumus velimus vultis velitis volunt velint velle, volo. volui Imperfekt Indikativ Konjunktiv volebam vellem volebas velles volebat vellet volebamus vellemus volebatis velletis volebant vellent velle, volo, volui Futur volam voles volet volemus voletis volent Im Perfektstamm wird volui wie monui konjugiert. Neben dem Verbum velle, volo, volui — wollen — gibt es noch nolle, nolo, nolui — nicht wollen, sowie malle, malo, malui — lieber wollen. Auch nolle und malle zeigen Besonderhei¬ ten im Präsensstamm. Wir wollen hier nur auf eine Anwendungsform von nolle hinweisen: Der Impe¬ rativ Präsens noli, nolite wird auch zum Ausdruck des verneinten Imperativs ge¬ braucht: ne laudaveris — lobe nicht — kann durch noli laudare ausgedrückt wer¬ den und ne laudaveritis — lobet nicht — durch nolite laudare. 203
Nach Livius wurden etruskische Schauspieler 364 vor Christus nach Rom geru¬ fen, als eine Pest wütete: Cum vis morbi nec humanis consHüs nec ope divina levaretur, victis superstitione animis ludi quoque scaenici inter alia caelestis irae placamina institui dicuntur. Dem Hauptsatz ist ein mit cum einge- leiteter Nebensatz vorangestellt. Wir übersetzen zunächst den Hauptsatz mit dem Prädikat: dicuntur — sie sollen, der Überlieferung nach . . . Wer oder was? ludi scaenici — szenische Spiele, Schauspiele, quoque - auch. Was sollen diese Schauspiele? institui - eingerichtet, aufgeführt werden, also: der Überlieferung nach wurden auch Schauspiele eingerichtet. inter alia caelestis ira placamina — unter anderen Besänftigungen des himmlischen Zorns. Der Ausdruck victis superstitione animis ist ein sogenannter ablativus absolutus, der übersetzt wird: da die Gemüter vom Aber¬ glauben besiegt waren, oder: da die Men¬ schen abergläubisch waren. Somit heißt der Hauptsatz: Da die Menschen abergläubisch waren, wur¬ den der Überlieferung nach neben anderen Besänftigungsmitteln des himmlischen Zorns auch Schauspiele aufgeführt. Das Prädikat des Nebensatzes ist: levaretur — er, sie, es wurde erleichtert, gelindert. Wer oder was wurde gelindert? vis morbi - die Gewalt der Krankheit. Wodurch wurde sie gelindert? nec huminis consiliis nec ope divina- weder durch menschliche Überlegungen noch durch göttliche Hilfe, cum mit Konjunktiv — als. 204
Der ganze Satz: Als die Gewalt der Krankheit weder durch menschliche Überlegungen noch durch gött¬ liche Hilfe gelindert wurde, und da die Menschen abergläubisch waren, wurden der Überlieferung nach neben anderen Mit¬ teln zur Besänftigung des himmlischen Zorns auch Schauspiele aufgeführt. Praes. Ind. nolo non vis non vult nolumus non vultis nolunt Konj. nolim. nolis. nolit, nolimus. nolitis, nolint Inf. nolle Imp. noli nolite Part. invitus, -a , -um (nolens, nolentis) Impf. Ind. nolebam. nolebas, nolebat, nolebamus, nolebatis, nolebant Konj. nollem. nolles. nollet, nollemus. nolletis, nollent Fut. ind. nolam. noles. nolet, nolemus. noletis, nolent Imp. nolito nolitote Praes. Ind. malo. mavis. mavult, malumus. mavultis, malunt Konj. malim. malis. malit, malimus. malitis, malint Inf. malle Impf. Ind. malebam, malebas, malebat, malebamus,malebatis, malebant Konj. mallem. malles. mallet, mallemus. malletis, mallent Fut Ind. malam. males. malet, malemus. maletis, malent 205
Wortschatz anima, -ae f Atem, Seele ira, -ae f Zorn consilium, -j n Rat, Überlegung, Plan opus, operis n Werk ratio, -onis f Verstand superstitio, onis f Aberglaube caelestis, -e himmlisch scaenicus, -a, -um szenisch, Bühnen . . . levare erleichtern placare beruhigen procedere hervortreten, auftreten instituere einrichten novi ich kenne velle wollen nolle nicht wollen malle lieber wollen huc hierhin quicumque wer auch immer quid was quis wer quisnam wer denn quisquis wer auch immer uter wer von zweien 206
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 4 In der Kaiserzeit hatten wohlhabende Bürger in allen Teilen des römischen Rei> ches große Landgüter. Eine genaue Beschreibung gibt uns Plinius der Jüngere von seinen Besitzungen in der Toskana und bei Laurentum. Daraus die Angabe der Zufahrtswege: Laurentinum aditur non una via; nam et Laurentina et Ostiensis eodem ferunt. Utrimque excipit iter aliqua ex parte harenosum. Das Laurentinum wird nicht nur auf einem Weg erreicht; denn so¬ wohl die Via Laurentina als auch die Via Ostiensis führen dorthin. Beide Straßen münden an irgend¬ einer Stelle in einen sandigen Weg. Hier die Vokabeln; adire — herangehen, aufsuchen, auf sich nehmen eodem - ebendorthin, utrimque — von beiden Seiten, auf beiden Seiten harenosus, -a, -um — sandig aliqua von aliqui, aliqua, aliquod — irgendein — ist ein Indefinitpronomen, ein unbestimmtes Fürwort. Es ist adjektivisch gebraucht und zwar in einem Satz mit bejahendem Sinn. aliqui, aliqua, aliquod hat folgende Formen: aliqui, aliqua, aliquod Indefinitpronomen Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nom. aliqui aliqua aliquod Gen. alicuius alicuius alicuius Dat. alicui alicui alicui Akk. aliquem aliquam aliquod Abi. aliquo aliqua aliquo 207
Der Formenbestand zeigt, daß das adjektivisch gebrauchte Indefinitpronomen wie das Relativpronomen qui, quae, quod dekliniert wird. Eine Abweichung gibt es nur im Plural Neutrum: Im Nominativ und im Akkusativ Plural steht aliqua. Die Grundform von aliqui, aliqua, aliquod ist qui, quae oder qua, quod mit eben derselben Bedeutung: irgendein. Allerdings steht qui nach bestimmten Kon¬ junktionen, wie zum Beispiel: si - wenn, ne - damit nicht, daß nicht, ubi — W0.1' Exspecto, $i quid dicas. ich warte, ob du etwas sagst. Für Sätze mit verneinendem Sinn gibt es ein drittes adjektivisches Indefinit¬ pronomen ullus, ulla, ullum, wie in diesem Beispielsatz: ... quasi fieri ullo modo possit. ... als ob es auf irgendeine Weise geschehen könnte. Hier nun die Formen im Singular: ullus, ulla, ullum Indefinitpronomen Singular Maskulinum Femininum Neutrum Nom. ullus ulla ullum Gen. ullius ullius ullius Dat. ulli ulli ulli Akk. ullum ullam ullum Abi. ullo ulla ullo Der Plural wird regelmäßig dekliniert wie etwa ille. Wir fassen noch einmal zusammen: Das Indefinitpronomen „irgendein" kommt adjektivisch im Lateinischen in folgenden Formen vor: qui, quae oder qua, quod steht nach bestimmten Konjunktionen, aliqui, aliqua, aliquod steht in bejahten Sätzen, ullus, ulla, ullum steht in verneinten Sätzen. 208
Wie beim Fragepronomen gibt es auch beim Indefinitpronomen substantivische Formen, sie heißen entsprechend: quis, quid bei bestimmten Kon¬ junktionen aliquis, aliquid — in bejahten Sätzen quisquam, quidquam oder quicquam in verneinten Sätzen. Hier jeweils ein Anwendungsbeispiel: si quis adest — wenn jemand da ist aliquis adest — es ist jemand da vix quicquam - kaum etwas Zu den Indefinitpronomina gehört auch quidam, quaedam, quoddam — ein gewis¬ ser, im Plural oft mit der Bedeutung: einige, manche. Die adjektivische Form wird ebenfalls wie das Relativpronomen dekliniert, während die substantivische Form quidam, quaedam, quiddam — wie das Fragepronomen dekliniert wird. Indefinitpronomen adjektivisch substantivisch quidam. quidam. quaedam. quaedam. quoddam quiddam Wir hatten schon darauf hingewiesen, daß in unserem Eingangssatz aliqui adjek¬ tivisch in einem bejahten Satz gebraucht wird: Utrimque excipit iter aliqua ex parte harenosum. Beide Straßen münden an irgend¬ einer Stelle In einen sandigen Weg. Auf dem ländlichen Besitztum der reichen Bürger und Adeligen befanden sich meist zwei Gebäudekomplexe: die villa rustica, die dem späteren Wirtschafts¬ hof, und die villa urbana, die dem Herrenhaus entsprach. Jedoch war die villa urbana nicht Immer vorhanden, so lebte der Dichter Horaz zum Beispiel auf sei¬ nem Gut in den Sabinerbergen mit Verwalter und Dienerschaft unter einem Dach. Mittelpunkt der villa rustica war die Küche, sie war ArbeitS' und Gemeinschafts¬ raum. Ställe, Vorratsräume und Kornkammern waren ebenfalls indem Gebäude untergebracht, das ein reiner Zweckbau für einen großen landwirtschaftlichen Betrieb war. Die villa urbana dagegen war ein Luxusbau mit mehreren Speise¬ 209
räumen in verschiedenen Größen, weiträumigen Bädern und Bogengängen mit Säulenreihen, damit man auch bei schlechtem Wetter lustwandeln konnte; ein sehr großzügiges Landhaus also, das für Geselligkeit und Müßiggar>g eingerichtet war, aber auch über Arbeitszimmer und Bibliothek verfügte. Das Landgut Ciceros bei Tusculum etwa ist Schauplatz der berühmten Tusculanae disputationes. Laurentinum aditur non una via; Das Laurentinum wird nicht nur auf einem Weg erreicht. aditur ist ein Kompositum von ire, eo, ii, itum — gehen — das wie folgt konju¬ giert wird: ire, eo, ii, itum Präsens Aktiv Indikativ Konjunktiv eo eam is eas it eat imus eamus itis eatis eunt eant ire, eo, ii. itum Imperfekt Aktiv Indikativ Konjunktiv ibam irem ibas ires ibat iret ibamus iremus ibatis iretis ibant irent ire, eo, ii, itum Futur I Aktiv ibo ibis ibit ibimus ibitis ibunt 210
ire, eo, ii. itum Perfekt Aktiv Indikativ Konjunktiv ii ierim isti ieris iit ierit iimus ierimus istis ieritis ierunt ierint ire, eo, ii. itum Plusquamperfekt Aktiv Indikativ Konjunktiv ieram issem ieras isses ierat isset ieramus issemus ieratis issetis ierant issent ire, eo, ii, itum Futur n Aktiv iero ieris ierit ierimus ieritis ierint ire, eo, ii, itum Imperativ Präsens ite Imperativ Futur ito itote eunto 211
ire, eo, ii, itum Partizip Präsens iens, euntis Partizip Futur iturus, itura, iturum Das Passiv kommt nur in der 3. Person Singular vor, wie in dem Satz: sic itur ad astra — so geht man zu den Sternen. Im Gegensatz zu den intransitiven Komposita^^ können die transitiven Kompo¬ sita ein vollständiges Passiv bilden. Wir nennen hier nur: inire — hineingehen, betreten, beginnen obire hingehen, sterben, besuchen, übernehmen transire — hinübergehen, über- schreiten^^ Zum Schluß noch ein kurzer Übungssatz, der ebenfalls von Plinius stammt: Ambit pulvinum ambulatio pressis varieque tonsis viridibus inclusa. Das Prädikat ist: ambit — er, sie es geht herum, umgibt. Wer oder was? ambulatio - eine Promenade. Was für eine Promenade? pressis varieque tonsis viridibus inclusa eine von niedrigem und mannigfach gestutztem Buschwerk umschlossene. Wen umgibt diese Promenade? pulvinum — das Beet, den Rasen¬ teppich. Den Rasenteppich umgibt eine von kurzem und mannigfach ge¬ stutztem Buschwerk eingeschlossene Promenade. 212
3) 1) qui (ebenso quis s.u.) steht nie an der ersten Stelle des Satzes, sondern schließt sich gern an einleitende Konjunktionen an wie z.B. si = wenn, nisi = wenn nicht, ne = damit nicht, daß nicht, num = ob, quo = wohin, ubi = wo, quando = wann, quanto = je (in gleicher Bedeutung auch quo), cum = jedesmal wenn. 2) quisquam und quidquam/quicquam wird im Singular ebenso wie das Frage¬ pronomen quis, quid dekliniert; der Plural ist ungebräuchlich. quisquam quidquam/quicquam cuiusquam cuiquam quemquam quidquam/quicquam quoquam Intransitive Komposita sind u.a. (her)vorgehen, auftre- ten zurückkehren abire Weggehen prodire exire herausgehen, ausrücken redire interire untergehen, umkommen perire zugrunde gehen (Passiv von perdere - venire verkauft werden (Passiv von vendere 4) Transitive Komposita sind u.a. adire herangehen angehen, aufsuchen, auf sich nehmen oraculum, hominem, periculum inire hineingehen betreten, beginnen, fassen domum, magistratu consilium obire hingehen besuchen, übernehmen, sterben provinciam, munus, mortem praeterire Vorbeigehen übergehen aliquid silentio subire herangehen auf sich nehmen laborem transire hinübergehen überschreiten flumen, modum 213
Wortschatz astrum, -i n Gestirn, Stern pulvinus, -i m Kissen, Beet ambulatio, 'Onis f Spaziergang, Promenade disputatio, 'Onis f Abhandlung, Untersuchung (h)arenosus, -a, -um sandig rusticus, -a, -um ländlich ire gehen adire herangehen ambire herumgehen inire hineingehen obire übernehmen, sterben transire hinübergehen, überschreiten aliqui irgendein eodem ebendorthin Quisquam irgendeiner ullus irgendeiner utrimque von beiden Seiten 214
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 111,5 In Rom wurden Spiele ursprünglich zu Ehren von Göttern oder Verstorbenen ab¬ gehalten. Doch bald wurden daraus Zirkusvorstellungen oder Gladiatorenkämpfe zur Volksbelustigung. Cum Romulus finitimis civitatibus spectaculum indixisset, multi homines convenerunt studio etiam videndi novam urbem, maxime proximi quique. Ais Romulus den benachbarten Städten ein Schauspiel angekündigt hatte, ka¬ men viele Menschen zusammen, auch aus Interesse, die neue Stadt zu sehen, am meisten jeweils die nächsten — das heißt: die unmittelbaren Nachbarn. Hier die Vokabeln: finitimus, -a, -um - benachbart spectaculum, -in — Schauspiel indicere, indico, indixi, indictum — ankündigen convenire, convenio, conveni, conventum — Zusammenkommen studium,-i n — Eifer, Interesse novus, -a, -um — neu quique von quisque, quaeque, quodque — jeder — ist ein adjektivisch gebrauchtes Pronomen. Wie bei den Indefinitpronomen — bei aliquis zum Beispiel — gibt es auch bei den Pronomen quisque — jeder — eine adjektivische und eine substantivische Form: quisque, quaeque, quodque adjektivisch Maskulinum Femininum Neutrum Nom. quisque quaeque quodque Gen. cuiusque cuiusque cuiusque Dat. cuique cuique cuique Akk. quemque quamque quodque Abi. quoque quaque quoque 215
quisque, quidque substantivisch Mask./Fem. Neutrum Nom. quisque quidque Gen. cuiusque cuiusque Dat. cuique cuique Akk. quemque quidque Abi. quoque quoque quisque kann nicht alleine stehen, es braucht ein Wort, an das es sich anlehnen kann. Es handelt sich dabei um reflexive, relative oder interrogative Pronomina, Ordinalzahlen sowie um Superlative, zum Beispiel: se quisque amat — jeder liebt sich; hier steht quisque mit dem reflexiven Pronomen se — sich. Quinto quoque anno ludi sunt In jedem fünften Jahr sind die Spiele, oder: Alle vier Jahre finden die Spiele statt; quisque steht bei einer Ordinalzahl. Optimum quidque rarissimum est. Jedes Beste ist sehr selten, oder: Gerade die besten Dinge sind seiten; quisque steht bei einem Superlativ. Auch uterque, utraque, utrumque — jeder von beiden — kann adjektivisch und substantivisch verwendet werden; ebenso: quivis, quaevis, quidvis, adjektivisch im Neutrum: quodvis — und quilibet, quaelibet, quidlibet, adjektivisch im Neutrum: quodlibet mit der Bedeutung: jeder beliebige. Gladiatores in arenam vocantur pugnatum. Die Gladiatoren werden in die Arena zum Kampf gerufen. Diese „Gladiatoren" waren meist Kriegsgefangene, die für die Kämpfe eigens aus¬ gebildet wurden. Es war ein blutiger Kampf Mann gegen Mann, der häufig mit dem Tod des Verlierers vor den Augen der johlenden Masse im großen Amphi¬ theater endete. Gekämpft wurde mit dem Schwert, mit dem Netz oder mit dem Dreizack. Es war nicht ungewöhnlich, daß man auch mit unterschiedlichen Waf¬ fen gegeneinander antrat. In späteren Zeiten wurden selbst Frauen in die Arena geschickt, und rfian schreckte auch nicht davor zurück, ehemalige Senatoren in die Arena zu zwingen. Die öffentlichen Hinrichtungen von Verbrechern lagen auf derselben Linie: eine schier unglaubliche Sensationsgier kennzeichnete den Zeitgeschmack. Nicht weniger blutrünstig ging es bei den sogenannten ,,Jagden" zu: die Tiere wurden zu Tode gehetzt. 216
Alle diese Attraktionen wurden dem Volk von Rom bei der Einweihung des Colosseums 80 nach Christus gleich 100 Tage hintereinander geboten. Selbst für Rom war das ein Fest der Superlative: 5 000 Gladiatorenpaare traten im Colosseum gegeneinander an, 11 000 Tiere wurden bei Hetzjagden erlegt. Ein vergleichsweise harmloses Vergnügen waren die Wagenrennen im Zirkus: Mit Vierspännern fuhr man mehrere Runden, wobei das Wenden an zwei schar¬ fen Kurven größte Geschicklichkeit verlangte. Immerhin wurde der erfolgreiche Rennfahrer ebenso gefeiert wie der erfolgreiche Gladiator. Gladiatores in arenam vocantur pugnatum. Die Gladiatoren werden in die Arena zum Kampf gerufen. pugnatum — zum Kampf — ist ein Supinum auf -um zu dem Verb pugnare — kämpfen. Das Supinum ist eine erstarrte Kasusform. Das Supinum auf -um ist ein Akkusativ auf die Frage „wohin? ", der meist in Verbindung mit Verben der Bewegung steht, zum Beispiel: venatum ire - auf die Jagd gehen salutatum venire — zur Begrüßung kommen filiam alicui nuptum dare - einem die Tochter zur Frau geben Das Supinum wird ebenso gebildet wie das Partizip Perfekt Passiv: Supinum ama tum moni tum audi tum lec tum cap tum Auch der Infinitiv Futur Passiv geht auf eine solche Supinform zurück: amatum iri. Neben dem Supinum auf -um gibt es auch die seltenere Form auf -u, eben¬ falls ein erstarrter Kasus der 4. Deklination. Das Supinum auf -u wird zur An¬ gabe einer Beurteilung verwendet, wie zum Beispiel: difficile dictu — schwer zu sagen facile factu — leicht zu tun mirabile auditu — wunderbar zu hören 217
Und nun noch zu einer anderen Form: dem Gerundium oder Gerund. Das Ge¬ rundium ist der substantivierte Infinitiv eines Verbums — eine Form, die auch im Deutschen üblich ist, zum Beispiel: Die Kunst des Singens. Sehen wir uns amare an: Gerundium Nom. ama re Gen. ama ndi Dat. ama ndo Akk. ama re/ ad ama ndum Abi. ama ndo Der Akkusativ ist gleich dem Nominativ, da der substantivierte Infinitiv als Neutrum gilt. Steht das Gerundium jedoch bei einer Präposition, die den Akku¬ sativ verlangt, so bildet es einen eigenen Akkusativ: ad amandum. Und nun zu unseren Übungssätzen. Der Dichter Ovid berichtet in seiner amandi" von den weiblichen Zuschauern: Spectatum veniunt, veniunt spectentur ut ipsae. Der erste Hauptsatz ist: spectatum veniunt veniunt — sie kommen Wer kommt? sie, ist im Verbum enthalten. Aus dem Zusammen¬ hang geht hervor, daß Frauen gemeint sind. Warum kommen die Frauen? spectatum — zum Zuschauen, zum Schauen; spectatum ist ein Supinum auf -um von spectare — schauen. Der zweite Hauptsatz ist: veniunt — sie kommen — und es folgt ein mit ut angeschlossener Nebensatz: spectentur ut ipsae — spectentur — sie mögen gesehen werden. Der Konjunktiv ist durch ut — daß, damit — bedingt. Wer oder was? ipsae — sie selbst. .ars 218
Somit heißt der Satz: Zum Schauen kommen sie, sie kom¬ men, damit sie selbst gesehen werden; oder: sie kommen, um selbst gesehen zu werden. Schon Seneca hatte die hemmungslose Sensationsgier des Publikums in Rom beklagt: Mane leonibus et ursis homines, meridie spectatoribus suis obiciuntur. Das Prädikat dieser beiden durch ein Komma getrennten Hauptsätze ist obiciuntur — sie werden vorgeworfen. Wer? homines — die Menschen Wem werden die Menschen vorgeworfen? leonibus et ursis — den Löwen und Bären. Wann? mane — am Morgen, morgens. Der zweite Hauptsatz mit dem gleichen Prädikat und dem gleichen Subjekt: homines obiciuntur — die Menschen werden vorgeworfen. Wem? spectatoribus suis — ihren Zu¬ schauern. Wann? meridie — am Mittag, mittags. Der Satz lautet: Am Morgen werden die Menschen den Löwen und Bären, am Mittag ihren Zu¬ schauern vorgeworfen. 1) Das Gerundium der übrigen Musterverben: Nom. mone-re audi-re leg-e-re capere Gen. mone-ndi audi-e-ndi leg-e-ndi capi-e-ndi Dat. mone-ndo audi-e-ndo leg-e-ndo capi-e-ndo Akk. < mone-re audi-re leg-e-re capere « mone-dum ad audi-e-ndum ad leg-e-ndum ad capi-e-ndum Abi. mone-ndo audi-e-ndo leg-e-ndo capi-e-ndo 219
Wortschatz arena, >ae f Arena, Sand spectaculum, -i n Schauspiel studium, -i n Eifer, Interesse gladiator, -oris m Gladiator ursus, -i m Bär finitimus, -a, -um benachbart novus, -a, -um neu facilis, -e leicht mirabilis, -e wunderbar pugnare kämpfen spectare sehen venari auf die Jagd gehen convenire Zusammenkommen indicere ankündigen obicere entgegenwerfen, von/verfen mane morgens, am Morgen meridie mittags, am Mittag quilibet jeder beliebige quisque jeder quivis jeder beliebige uterque jeder von zweien 220
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 6 Die Römerin führte kein zurückgezogenes Leben wie etwa die griechische Frau. Gemeinsam mit dem Mann erzog sie die Kinder, beaufsichtigte die Dienerschaft und repräsentierte an der Seite ihres Mannes in der Öffentlichkeit. Sie nahm auch an Empfängen und Gastmählern teil: Neminem Romanorum puduit uxorem in convivium ducere. Es beschämte keinen Römer, oder: Kein Römer schämte sich, seine Gattin zu einem Gastmahl zu führen. pudet — es beschämt uxor, -oris f — Gattin neminem — keinen — ist der Akkusativ von nemo — niemand. Auch bei diesem Indefinitpronomen muß man wie im Deutschen zwischen ad¬ jektivischer und substantivischer Verwendung unterscheiden. Wir sehen uns zunächst die substantivischen Formen an: Indefinitpronomen substantivisch Nom. nemo Gen. nullius Dat. nemini Akk. neminem Abi. a nullo Allerdings kann nemo in Verbindung mit männlichen Personenbezeichnungen adjektivisch verwendet werden, zum Beispiel: Nemo servus libenter domino paret. Kein Sklave gehorcht gern seinem Herrn. nihil, nil — nichts — bildet In der substantivischen Verwendung nur den Nomina¬ tiv und den Akkusativ, die übrigen Kasus müssen umschrieben werden: 221
Indefinitpronomen substantivisch Nom. nihil, nil Gen. nullius rei Dat. nulli rei Akk. nihil, nil Abi. nuila re Die adjektivischen Formen lauten: nullus, nulla, nullum — kein^^ Mit nemo und nihil kann non - nicht — verschiedene Verbindungen eingehen. Dabei muß man auf die Stellung von non achten, denn je nach Stellung ändert sich die Bedeutung: nemo non - jeder non nemo - mancher nullus non — jeder non nullus — mancher nonnulli — einige, manche nihil non - alles non nihil — manches ,Keiner von zweien' heißt in subjektivischer und in adjektivischer Verwendung: Indefinitpronomen subjektivisch, adjektivisch Maskulinum Femininum Neutrum Nom. neuter neutra neutrum Gen. neutrius neutrius neutrius Dat. neutri neutri neutri Akk. neutrum neutram neutrum Abi. neutro neutra neutro Gemeinsam mit den Knaben lernten die Mädchen in Rom schreiben, lesen und rechnen. Danach wurden die jungen Mädchen aus vornehmen Familien in Lite¬ ratur, Zitherspiel, Gesang und Tanz von privaten Lehrern unterrichtet. Lernen mußten sie natürlich auch das, was man als typisch weibliche Arbeiten bezeich¬ net, wie Weben und Sticken. In einer Grabinschrift werden die folgenden Eigen¬ schaften einer Römerin hervorgehoben: 222
Casta fuit, domum servavit, lanam fecit. Sie ist züchtig gewesen, hat das Haus bewahrt, Wolle gewebt. Römische Mädchen wurden in sehr frühem Alter verheiratet und zwar bestimmte der Vater den Bräutigam. Mit der Eheschließung schied die Frau aus ihrem bis¬ herigen Familienverband aus und unterstand nunmehr juristisch ihrem Ehemann. Die Eheschließung der Römer konnte formal ganz verschieden aussehen: Es gab einmal den sakralen Brauch der confarreatio — der Name kommt von libum farreum — Weizenkuchen —,den das Brautpaar während der Zeremonie gemein¬ sam aß. Zum anderen gab es den Kauf der Braut: coemptio, der jedoch in der Zeit der römischen Republik nur noch symbolisch durchgeführt wurde; und es gab schließlich den usus: die Ehe galt nach einem Jahr des Zusammenlebens als ge¬ schlossen. Außerdem konnte die Frau auch rechtlich weiterhin ihrer väterlichen Familie zugehören, diese ganz unformelle Ehe hieß sine manu. Eine Scheidung hatte keine rechtlichen Schwierigkeiten, doch billigte die öffent¬ liche Meinung in der republikanischen Zeit eine zweite Heirat der Frau nicht! Auch dann nicht, wenn der Mann gestorben war. Angesehen war nur die univira, die Frau, die nur mit einem Mann verheiratet war. Übrigens gab es schon zu dieser Zeit den Brauch, die Braut am Hochzeitstag über die Schwelle zu tragen. Sie wurde dabei nach ihrem Namen gefragt und antwortete: ubi tu Gaius — ego Qaia — wo du Gaius bis, da will ich Gaia sein. Deliberandum est, quidquid statuendum est semel. Bedenke, was du einmal mußt entscheiden — dieser Satz führt uns zu einem grammatikalischen Thema zurück! Deliberandum und statuendum sind Formen des Gerundivs. Das Gerundiv ist ein Verbaladjektiv, das nur im Lateinischen vorkommt. Es be¬ zeichnet etwas, was getan werden muß, beziehungsweise was nicht getan werden darf. Hier einige Beispiele mit unseren Musterverben, bei denen das Gerundiv attri¬ butiv gebraucht wird: homo amandus — ein zu liebender Mensch, ein Mensch, der geliebt werden muß. puer monendus - ein zu mahnender Knabe; ein Knabe, der gemahnt werden muß. VOX audienda — eine zu hörende Stimme; eine Stimme, die gehört werden muß. liber legendus — ein zu lesendes Buch; ein Buch, das gelesen werden muß. 223
consilium capiendum — ein zu fas¬ sender Beschluß; ein Beschluß, der gefaßt werden muß. Neben diesem attributiven Gebrauch des Gerundivs gibt es auch einen prädika¬ tiven Gebrauch: Zum Gerundiv eines transitiven Verbums wird eine Form von esse hinzugesetzt: homo amandus est — der Mensch muß geliebt werden; puer monendus est — der Knabe muß gemahnt werden; VOX audienda est — die Stimme muß gehört werden; liber legendus est — das Buch muß gelesen werden; consilium capiendum est — der Be¬ schluß muß gefaßt werden. Beim prädikativen Gebrauch des Gerundivs steht die handelnde Person im Dativ. Um Unklarheiten zu vermeiden kann auch der Ablativ mit der Präposition ab, a verwendet werden, zum Beispiel: homo nobis amandus est oder homo a nobis amandus est — der Mensch ist uns ein zu liebender, der Mensch muß von uns geliebt werden, wir müssen den Men¬ schen lieben. Intransitive Verben können als Gerundiv nur unpersönlich konstruiert werden: Divitiis recte utendum, non abutendum est. Reichtum soll man richtig verwenden, nicht mi߬ brauchen. Eine wichtige Bemerkung zur Übersetzung des Gerundivs: Die zuerst angegebene wörtliche Übersetzung kann nur eine Hilfskonstruktion zum Verständnis des Inhalts sein. In keinem Fall darf sie stehen bleiben. Hier einige Beispiele: Maiores nostri a nobis venerandi et colendi sunt. Prädikat ist: venerandi et colendi sunt — sie sind zu verehrende und zu pflegende — ein prädikatives Ge¬ rundiv, das bei der Endübersetzung im Deutschen anders wiedergegeben werden muß, zum Beispiel: sie sind zu verehren und zu pflegen. 224
Wer oder was ist zu verehren und zu pflegen? maiores nostri — unse¬ re Vorfahren. Von wem? a nobis — von uns. Unsere Vorfahren sind von uns zu verehren und zu pflegen, oder: Wir müssen unsere Vorfahren ver¬ ehren und pflegen, oder: Verehrung und Pflege unserer Vor¬ fahren sind unsere Pflicht. Suum cuique tribuendum est. Das Prädikat ist: tribuendum est — es muß zugeteilt werden. Was muß zugeteilt werden? suum — das Seine. Wem? cuique — jedem Jedem muß das Seine zugeteilt wer¬ den. Cavendi nulla est dimittenda occasio. Prädikat: dimittenda est — sie muß vorbeigelassen werden. Wer oder was? nulla occasio — keine Gelegenheit. Wozu? cavendi — des Sich-in-acht-Nehmens, sich in acht zu nehmen. Sich in acht zu nehmen darf keine Gelegen¬ heit vorübergelassen werden — Man darf keine Gelegenheit verstreichen lassen, sich in acht zu nehmen. Das heißt nichts anderes als: Man muß immer auf der Hut sein. Maximae cuique fortunae minime credendum est. Das Prädikat lautet: credendum est ~ man muß glauben, vertrauen. Wem? maximae cuique fortunae jedem größten Glück, gerade dem größten Glück. In welcher Weise? minime — am wenigsten. Gerade dem größten Glück darf man am wenigsten vertrauen. 225
1) nullus nullum nullo nulla nullius nulli nullam nulla nullum nullum nullo Zusätzlicher Übungssatz: Casta ad virum matrona parendo imperat. Das Prädikat dieses Satzes: imperat — er, sie, es befiehlt. Wer? casta ad virum matrona — die zum Manne züchtige Frau, das heißt: die dem Mann gegenüber respektvolle Frau. Wodurch? parendo — durch Gehorchen. Durch Gehorchen gebietet die ihrem Mann gegenüber respektvolle Frau — Die respektvolle Frau beherrscht ihren Mann durch Unterordnung. 226
Wortschatz lana, -ae f Wolle matrona, -ae f (ältere) Frau occasio, -onis f Gelegenheit uxor, -oris f Gattin vox, vocis f Stimme castus, -a, -um keusch nullus, -a, -um kein libenter gern recte richtig deliberare überlegen cavere sich hüten colere verehren credere glauben dimittere entlassen, vorbeilassen parere gehorchen pudet es beschämt statuere hinstellen, entscheiden tribuere Zuteilen uti gebrauchen abuti mißbrauchen venerari verehren nemo niemand nihil nichts 227
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 7 Unser heutiges Rahmenthema ist das römische Auguralwesen. Während die Grie¬ chen die Zukunft vor allem aus Orakel Sprüchen erforschten, leiteten die Römer ihre Weissagungen aus der Natur ab. Als Weissagung nach der Kunst wird die Auslegung bestimmter Ereignisse nach überlieferten Regeln bezeichnet, wie die Beobachtung des Vogelflugs oder die Leberschau der Opfertiere. Duo sunt divinandi genera, quorum alterum artis est, alterum naturae. Es gibt zwei Arten von Weissagung, von denen die eine der Kunst, die andere der Natur angehört. Die Vokabeln dieses Satzes: divinare — weissagen alter, altera, alterum — der eine von zweien, der andere alterum . . . alterum — die eine, die andere — ist eine Form des Pronominalad¬ jektivs alter, altera, alterum. Zu den Pronominaladjektiven gehören folgende Wörter: unus, una, unum — einer solus, sola, solum — allein totus, tota, totum — ganz ullus, ulla, ullum — irgendeiner nullus, nulla, nullum — kein uter, utra, utrum — welcher von zweien neuter, neutra, neutrum — keiner von zweien alter, altera, alterum — der eine von zweien, der andere alius, alia, aliud — ein anderer Diese Pronominaladjektive bilden also die drei Geschlechter wie die Adjektive der a- und der o-Deklination. Wir sehen uns die Deklination am Beispiel von alius, alia, aliud — ein anderer — an: 228
Pronominaladjektiv Singular Nom. Gen. Dat. Akk. Abi. Maskulinum Femininum Neutrum alius alia aliud alterius alterius alterius alii alii alii alium aliam aliud alio alia alio Der Genitiv wird auf -ius gebildet, der Dativ auf -i. Die übrigen Formen entspre¬ chen der a- und der o-Deklination. Der Plural wird, sofern er vorkommt, ganz regelmäßig nach der a- und der o-De¬ klination gebildet: Pronominaladjektiv Plural Maskulinum Femininum Neutrum Nom. alii aliae alia Gen. aliorum aliarum aliorum Dat. aliis aliis aliis Akk. alios alias alia Ab). aliis aliis aliis Die oben erwähnten Weissagungen konnten nur von bestimmten Priesterkolle¬ gien durchgeführt werden. Den Vogelflug beobachtete der Augur von einem windrosenförmig eingeteilten templum aus, einem sakralen Ort. Er richtete den Blick nach Süden und stellte fest, welche Vogelarten innerhalb einer bestimmten Zeit in welche Richtung fliegen, welche Schreie sie ausstoßen, welche Beute sie in den Fängen tragen und so weiter. Daraus konnte der Augur die Abneigung oder die Zuneigung der Götter erkennen und damit Gefahr oder Vorteil für den Staat. Der Haruspex untersuchte die Leber der geschlachteten Opfertiere und erkannte an ihren Veränderungen den Willen der Götter. Als Modell für die Aussagekraft bestimmter Leberteile gab es eine Bronzeleber, die mit einem Quadrierungsnetz überzogen war. Diese Priester hatten eine spezielle Ausbildung hinter sich und zwar in Caere, dem heutigen Cerveteri, denn auch im Auguralwesen waren die Etrusker die Lehrmeister der Römer. Allerdings wurde diese Tätigkeit später auch von Scharlatanen ausgeübt, so daß schon der alte Cato anmerkte, er müsse sich wundern, daß ein Haruspex beim 229
Anblick eines anderen Haruspex nicht in Lachen ausbreche — daher unsere Redensart vom „Augurenlächeln", dem verständnisvollen Lächeln unter Einge¬ weihten. Doch zurück zur lateinischen Grammatik. Wir wollen uns heute eine Gruppe von Verben ansehen, die man verba defectiva - unvollständige Verben nennt; unvoll¬ ständig deswegen, weil nicht alle Formen gebildet werden. Die geläufigsten sind: memini - ich gedenke, ich erinnere mich odi — ich hasse novi — ich kenne consuevi — ich pflege, bin gev^ohnt Das besondere Charakteristikum dieser Verben ist, daß sie Perfektformen, aber Präsensbedeutung haben. Wir gehen die Formen von memini durch: 1. Person Singular Indikativ Perfekt: memini - ich erinnere mich 1. Person Singular Konjunktiv Perfekt; meminerim - Ich möge mich erinnern memini Perfekt Indikativ Konjunktiv memini meminerim meministi memineris meminit meminerit meminimus meminerimus meministis memineritis meminerunt meminerint 1. Person Singular Indikativ Plusquamperfekt: memineram — ich erinnerte mich 1. Person Singular Konjunktiv Plusquamperfekt: meminissem — ich würde mich erinnern 230
memini Plusquamperfekt Indikativ Konjunktiv memineram meminissem memineras meminisses meminerat meminisset memineramus meminissemus memineratis meminissetis meminerant meminissent 1. Person Singular Futur II: meminero — ich werde mich erinnern memini Futur II meminero memineris meminerit meminerimus memineritis meminerint memini Imperativ memento mementote Lediglich einzelne Formen gibt es von aio — ich sage^^ 231
aio Indikativ Imperfekt aiebam aiebas aiebat aiebamus aiebatis aiebant Mit der Weissagung beschäftigt sich der nun folgende, längere Übungssau: Apud mäores nostros senatus tum, cum florebat imperium, decrevit, ut de principum filiis decem singulis Etruriae populis in disciplinam traderentur, ne ars tanta propter tenuitatem hominum a religionis auctoritate abduceretur ad mercedem atque quaestum. Der Hauptsatz heißt: Apud maiores nostros senatus tum decrevit — Prädikat des Hauptsatzes ist: decrevit — er, sie, es hat beschlossen. Wer oder was hat beschlossen? senatus — der Senat. Wo? apud maiores nostros — bei unseren Vorfahren, Wann? tum — damals. Bei unseren Vorfahren hat der Senat damals beschlossen. Der erste Nebensatz lautet: cum florebat imperium -; florebat — er, sie, es blühte. Wer oder was? imperium — das Reich, die Herrschaft, cum - damals als; ... damals als die Herrschaft blühte, auf ihrem Höhepunkt war.... 232
Der nächste Nebensatz ist mit ut — daß, damit — angeschlossen: ut de principum filiis decem singuli Etruriae populis in disciplinam traderentur — traderentur — sie würden übergeben werden. Wer oder was? decem — zehn. Wovon? de principum filiis — von den Söhnen der Vornehmsten. Wem würden sie übergeben werden? singulis Etruriae populis — den einzelnen Völkern Etruriens. Wozu? in disciplinam - zum Unter¬ richt Somit heißt dieser ut-Satz: . . . daß von den Söhnen der Vornehmsten zehn den einzelnen Völkern Etruriens zur Unter¬ weisung übergeben würden. Und nun zum letzten Nebensatz, der mit ne — damit nicht — angeschlossen ist: ne ars tanta propter tenuitatem hominum a religionis auctoritate abduceretur ad mercedem atque quaestum — abduceretur — er, sie, es würde weggeführt, erniedrigt werden. Wer oder was würde erniedrigt werden? ars tanta — eine so große Kunst. Wozu würde sie erniedrigt werden? ad mercedem atque quaestum — zu Lohn und Erwerb. Wovon würde sie weggeführt werden? a religionis auctoritate - vom Einfluß der Religion. Weswegen? propter tenuitatem hominum- wegen der Armseligkeit der Menschen, also: damit nicht eine so große Kunst wegen der Armseligkeit der Menschen vom Einfluß der Religion entfremdet und zu Lohn und Er¬ werb erniedrigt würde. 233
Der ganze Satz heißt Inder Übersetzung: Bei unseren Vorfahren beschloß der Senat damals, als die Herrschaft auf dem Höhe¬ punkt stand, daß von den Söhnen der Vor¬ nehmsten zehn den einzelnen Völkern Etru¬ riens zur Unterweisung übergeben würden, damit eine so bedeutende Kunst nicht wegen der Armseligkeit der Menschen vom Einfluß der Religion entfremdet und zu Lohn und Erwerb erniedrigt würde. 1) In eine direkte Rede eingeschoben wird inquam — sage ich — mit folgenden Formen: Indikativ Präsens: Indikativ Perfekt: Futur: Zu den verba defectiva gehören auch: inquam — sage ich inquit — sagt er, sie, es inquiunt — sagen sie inquit — hat er, sie,es gesagt inquies — wirst du sagen salve, ave — sei gegrüßt salvete, avete — seid gegrüßt vale — leb wohl valete — lebt wohl quaeso — bitte, ich bitte quaesumus — wir bitten 234
Wortschatz disciplina, -ae f Unterricht, Zucht imperium, -i n Reich, Herrschaft princeps, principis m der Vornehmste, Fürst, der Erste auctoritas, -atis f Ansehen religio, 'Onis f Gottesfurcht tenuitas, -atis f Dünnheit, Armseligkeit quaestus, -us m Erwerb senatus, -us m Senat alter, altera, alterum der eine, der andere unus, -a, -um einer solus, -a, -um allein totus, -a, -um ganz divinare weissagen abducere wegführen decernere beschließen florere blühen aio ich sage consuevi ich pflege, bin gewohnt memini ich gedenke, erinnere mich odi ich hasse novi ich kenne quaeso (ich) bitte salve sei gegrüßt vale lebe wohl atque und apud (mit Akk.) bei propter (mit Akk.) wegen 235
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 111,8 Unter dem Namen der sieben Weisen haben die Griechen eine Gruppe von Män¬ nern ihrer frühen Geschichte zusammengefaßt, die für sie Lebensweisheit und po¬ litische Klugheit verkörperten. Der soziale Status der Weisen spielte dabei keine Rolle, so stand neben dem König Kroisos von Lydien der Bauer Myson. Je nach Herkunft der einzelnen Quellen sind die Namen der sieben Weisen recht unter¬ schiedlich. Vier von ihnen erscheinen bei jeder Aufzählung und zwar: der Philo¬ soph Thaies von Milet, Pittakos, der gerechte Herrscher von Lesbos, der Gesetz¬ geber und Dichter Solon von Athen und schließlich der weise Bias von Priene. Prägnante Kürze zeichnet die Spruchweisheit dieser Männer aus. Das zeigt auch die folgende Anekdote des Bias: Bias erat unus e septem sapientibus. Aliquando navigabat cum hominibus improbis. Cum adversa tempestate in alto mari iactarentur fluctibusque navis quateretur, illi invocaverunt deos. Tum Bias: „Silete", inquit, „ne vos dei hic navigare sentiant!" Bias erat unus e septem sapientibus. Das Prädikat heißt: erat unus e septem sapientibus — er war einer von den sieben Weisen. Wer? Bias Bias war einer von den sieben Weisen. Aliquando navigabat cum hominibus improbis. Das Prädikat lautet: navigabat — er, sie, es machte eine Seereise. Wer? er — Bias — ist im Prädikat enthalten. Wann? aliquando — irgendwann einmal. Mit wem? cum hominibus improbis — mit schlechten Menschen. Irgendwann einmal machte er mit schlech¬ ten Menschen eine Seereise. Cum adversa tempestate in alto mari iactarentur fluctibusque navis quateretur, illi invocaverunt deos. Der Hauptsatz ist: illi invocaverunt deos — mit dem Prädikat: invocaverunt — sie haben angerufen. 236
Wer? illi — jene Wen oder was haben sie angerufen? deos — die Götter, also: jene haben die Götter angerufen. Der mit cum — als — eingeleitete Nebensatz ist durch das an fluctibus angehängte -que — und — in zwei Teile gegliedert. Das Prädikat des ersten Teiis heißt: iactarentur — 3. Person Plural Konjunktiv Imperfekt Passiv von iactare — werfen, hin und her werfen. Der Konjunktiv ist hier durch cum — als — bedingt, wir brauchen ihn bei der deutschen Übersetzung nicht zu berücksichtigen: sie wurden hin und her geworfen. Wer? sie — ist im Prädikat enthalten und meint die homines improbi — die schlechten Menschen. Wo wurden sie hin und her geworfen? in alto mari — auf dem hohen Meer, auf hoher See. Wodurch? adversa tempestate — durch einen widrigen Sturm. Der erste Teil des Nebensatzes heißt demnach: Als sie durch einen widrigen Sturm hin und her geworfen wurden. Und nun zum zweiten Teil mit dem Prädikat: quateretur — er, sie, es wurde leck geschlagen. Wer? navis — das Schiff Wodurch wurde es leck geschlagen? fluctibus — durch die Fluten, also: und das Schiff durch die Fluten leck geschlagen wurde.... Somit heißt der ganze Satz: Als sie durch einen widrigen Sturm auf hoher See hin und her geworfen wurden und das Schiff durch die Fluten leck ge¬ schlagen wurde, riefen jene die Götter an. 237
Tum Bias: ,^ilete", inquit, „ne vos dei hic navigare sentiant." Der erste Satz lautet: Tum Bias inquit — mit dem Prädikat: inquit - sagte er, sie, es. Wer? Bias Wann? tum — dann, da. Da sagte Bias: Und nun die direkte Rede: „Silete, ne vos dei hic navigare sentiant." Der Hauptsatz ist: silete — schweigt, seid still. Es folgt ein mit ne — damit nicht — eingeleiteter Nebensatz mit dem Prä¬ dikat: sentiant — sie merken. Wer? dei — die Götter. Damit die Götter wen oder was nicht merken? vos navigare — daß ihr zur See fahrt. Wo? — hic — hier, also: Seid still, damit die Götter nicht merken, daß ihr hier auf dem Meer fahrt. Und nun noch einmal die ganze Über¬ setzung im Zusammenhang: Bias war einer von den sieben Weisen. Irgendwann einmal machte er mit schlechten Menschen eine Seereise. Als sie von einem Unwetter auf hoher See hin und her geworfen wurden und das Schiff durch die Fluten leck geschla¬ gen wurde, riefen jene die Götter an. Da sagte Bias: „Seid doch still, damit die Götter nicht merken, daß ihr hier auf dem Meer fahrt." Zahlreiche Sprüche zeigen Bias als Lehrer einer praktischen und manchmal auch pessimistischen Lebensweisheit. Das wird auch in seinen Aussagen über Besitz und Reichtum deutlich. Dazu möchte ich Ihnen zwei Sprüche in der Überset¬ zung geben: „Wenn du ein armer Schlucker bist, dann schimpfe nicht auf die Reichen, es sei denn du hast großen Vorteil davon." „Einen unwürdigen Mann lobe nich^ wegen seines Reichtums." 238
Dazu noch einen lateinischen Text: Biantis patriam Prienen hostis ceperat. Ceteri fugientes multa de suis rebus asportabant. At ille, cum esset admonitus, ut idem faceret: „Ego vero", inquit, „facio; nam omnia mea mecum porto." Biantis patriam Prienen hostis ceperat. Prädikat ist: ceperat — er, sie, es hatte eingenommen. Wer? hostis — der Feind Wen oder was hatte der Feind eim genommen? patriam Prienen — die Vaterstadt Priene; Prienen ist eine griechische Akkusativform. Wessen Vaterstadt? Biantis — des Bias. Der Feind hatte Priene, die Vater¬ stadt des Bias, eingenommen. Ceteri fugientes multa de suis rebus asportabant. Das Prädikat heißt: asportabant — sie trugen weg, sie trugen davon. Wer? ceteri — die übrigen. Wen oder was trugen sie weg? multa de suis rebus — viel von ihrem Besitz. In welchem Zustand, bei weicher Ge¬ legenheit taten sie das? fugientes — als Fliehende, auf der Flucht. Die übrigen trugen auf der Flucht viel von ihrem Besitz mit sich fort, oder: nahmen viel von ihrem Besitz mit. At ille, cum esset admonitus, ut idem faceret, inquit... Der Hauptsatz: at ille inquit — mit dem Prädikat: inquit — sagte er. Wer sagte? ille — jener 239
at — aber Aber jener sagte.... Der erste Nebensatz ist mit cum — als — eingeleitet: cum esset admonitus — dieses cum bedingt den Konjunktiv im Prädikat: esset admonitus, den wir nicht zu berücksichtigen brauchen, also: er war ermahnt worden. Wer? ille — jener — das Subjekt des Hauptsatzes gilt auch hier; als jener ermahnt worden war.. . Wozu war er ermahnt worden? Hier folgt der zweite Nebensatz, der mit ut — daß — eingeleitet ist: ut idem faceret. Das Prädikat faceret steht im Konjunktiv, der durch ut bedingt ist: er, sie, es solle tun. Wer? er — ist das gleiche Subjekt wie im Hauptsatz und im übergeordneten Nebensatz, der mit cum einge¬ leitet ist. Was solle er tun? idem — das gleiche. Aber jener, als er ermahnt worden war, daß er doch das gleiche tun solle, sagte ... „Ego vero facio; nam omnia mea mecum porto." Der erste Hauptsatz ist: Ego vero facio mit dem Prädikat: facio — ich mache, tue. Wer? ego — ich, hier besonders betont. Wie, in welcher Weise? vero — wirklich. In der Tat, also: ich tue es in der Tat. Der zweite Hauptsatz hat das Prädikat: porto — Ich trage Wer? ich — ist im Verbum enthalten. Wen oder was trage ich? omnia mea — all das Meine. Wo trage ich es? mecum — mit mir. nam — denn .. . denn ich trage all das Meine mit mir. Die direkte Rede heißt: Ich tue es doch in der Tat; denn ich trage all das Meine mit mir. Wir sehen uns diese Anekdote nun wie üblich noch einmal im Zusammenhang an: Der Feind hatte Priene, die Vaterstadt des Bias, eingenommen. Die übrigen trugen auf der Flucht viel von ihrem Besitz mit sich fort. Als aber Bias ermahnt worden war, doch das gleiche zu tun, ent- gegnete er: „Ich tue es doch in der Tat; denn ich trage all das Meine mit mir." 240
Wortschatz tempestas, -atis f Witterung, Sturm fluctus, -US m Woge, Flut adversus, -a, -um feindlich, widrig improbus, -a, -um schlecht, ruchlos sapiens, -ientis weise vero wirklich, in der Tat asportare wegbringen, wegtragen invocare anrufen navigare segeln, eine Seereise machen admonere ermahnen sentire fühlen, merken fugere fliehen quatere schütteln, beschädigen aliquando (irgendwann) einmal, einstmals at aber idem das gleiche nam denn 241
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 9 Die Urreligion der Römer kannte keine persönlichen Götter. Wie in anderen Kul¬ turkreisen auch fühlte sich der Mensch jener Zeit unbestimmbaren Naturgewal¬ ten ausgeliefert, deren Ursachen er nicht erkennen konnte. Bald jedoch personi¬ fizierte er diese Kräfte und gab ihnen Namen: Sie wurden zu Wesen, zu Göttern. Man konnte nun Abbilder von ihnen schaffen, und diese Abbilder waren so un¬ antastbar wie der Gott selbst. Das geht auch aus dem Protokoll eines Gerichts¬ verfahrens hervor, bei dem ein Statthalter beschuldigt wurde, das Kultbild einer Göttin entfernt zu haben: Tanta religione obstricta tota provincia est, quanta nulla alia gens. Durch so große Gottesfurcht ist die ganze Provinz verpflichtet wie kein anderer Stamm. religio, -onis f — Gewissenhaftigkeit, Gottesfurcht obstringere — festbinden, verpflichten tanta . . . quanta — wörtlich: so groß . . . wie groß — gehört zu einer Reihe von Adjektiven, die von Pronominalstämmen abgeleitet sind. Als Demonstrativum tanta, von tantus, tanta, tantum und als Relativum quanta, von quantus, quanta, quantum treten sie in Beziehung zueinander. Man nennt diese Beziehung Korrelation. Dazu gehören auch: tantum — so viel, quantum — wieviel; talis, tale — so beschaffen, qualis, quale — wie beschaffen; tot — so viele, quot — wie viele. 1) Bei der Übersetzung ins Deutsche muß die Korrelation nicht so streng ausge- drückt werden wie im Lateinischen, es genügt zu sagen: so groß ... wie so viel. .. wie so beschaffen... wie so viele ... wie 242
Hier noch ein Beispielsatz: Tantum scimus, quantum memoria tenemus. Wir wissen nur so viel, wie wir im Gedächtnis festhalten. Wir sagten zu Beginn, daß sich die Menschen der frühen Zeit den Naturgewalten ausgeliefert fühlten. Durch Riten und Opfer versuchte vor allem die bäuerliche Bevölkerung diese unbekannten und unberechenbaren Mächte gnädig zu stim¬ men. Zum Beispiel wurde ein Hund von rötlicher Farbe getötet, um den Getrei¬ derost abzuwehren. Oder es wurden Füchse gejagt, denen man brennende Fak- keln an den Schwanz gebunden hatte, um die Sonnenglut zu bannen. Ähnliche Vorstellungen gab es für alle Lebensbereiche. Dabei wurden diese Mächte nur in ihren Auswirkungen erfaßt, blieben aber sonst unbestimmt. Die sakralen Handlungen wurden auf dem bäuerlichen Anwesen vom Hausvater selbst vorgenommen. Als der römische Staat sie dann übernahm, wurden be¬ stimmte Priesterkollegien mit diesen Aufgaben betraut. Die Vestalinnen zum Beispiel hatten darüber zu wachen, daß das Herdfeuer nicht erlischt — wie im Bauernhaus, wo das Entzünden eines neuen Feuers ein schwie¬ riges Unterfangen war — ganz abgesehen von der symbolischen Bedeutung des erlöschenden Feuers, das als Vorbote des Unglücks galt. Numina caeiistia venerari homines decet. Himmlische Mächte zu verehren ziemt sich für die Menschen. decet — es ziemt sich — gehört zu den verba Impersonalia, zu den unpersönli¬ chen Verben. Diese verba Impersonalia kommen meist nur in der 3. Person Sin¬ gular und Im Infinitiv vor. Hier einige Beispiele: constat — constitit — constare — es steht fest, es Ist bekannt praestat — praestitit — praestare — es ist besser iuvat — iuvit — iuvare — es erfreut placet — placuit — placere — es gefällt, man beschließt licet — licuit — licere — es ist erlaubt oportet — oportuit — oportere — es gehört sich, es ist in Ordnung accidit — accidit — accidere — es ereignet sich, es tritt ein.^^ 243
Nemo umquam tam impudens fuit, qui a dis immortalibus tot et tantas res tacitus auderet optare, quot et quantas di immortales ad Cnaeum Pompeium detulerunt. Hauptsatz ist: nemo umquam tam impudens fuit mit dem Prädikat: impudens fuit — er, sie, es ist unver¬ schämt gewesen. Wer? nemo — niemand Wann? — umquam — jemals tarn - so Niemand ist jemals so unverschämt gewesen. An den Hauptsatz angeschlossen ist ein konsekutivischer Relativsatz, der im Lateinischen im Konjunktiv steht, im Deutschen aber mit dem Indikativ wiedergegeben werden kann. Das Prädikat auderet heißt demnach hier: er, sie, es wagte Wer? qui — welcher Was wagte er? optare — zu wünschen Wen oder was? tot et tantas res — so viele und so große Dinge Von wem? a dis immortalibus — von den unsterblichen Göttern. In welchem Zustand? tacitus — schweigend. Der Relativsatz heißt also: welcher von den unsterblichen Göttern so viele und so große Dinge schweigend zu wünschen wagte. Dazu gehört der mit quot eingeleitete Nebensatz mit dem Prädikat detulerunt — sie haben übertragen. Wer? di immortales — die unsterblichen Götter Wen oder was haben sie übertragen? quot et quantas — wieviele und wie große Wem? ad Cnaeum Pompeium — an Cnaeus Pompeius. 244
Somit lautet der ganze Satz: Nie war jemand so unverschämt, daß er von den unsterblichen Göttern so viele und so große Dinge stillschweigend zu wünschen wagte, wie sie die unsterb¬ lichen Götter an Cnaeus Pompeius über¬ tragen haben. Cum hoc decere dicimus, illud non decere, et id appareat, utrum decere an oportere dicas. Hauptsatz ist: et id appareat mit dem Prädikat: appareat — es möge klar sein. Wer oder was? et id — auch das. Der erste Nebensatz ist mit cum — wenn — angeschlossen: cum hoc decere dicimus, illud non decere — dicimus - wir sagen, bezeichnen. Was sagen wir? hoc decere, illud non decere dieses als sich ziemen, jenes als sich nicht ziemen. Der zweite Nebensatz ist: utrum decere an oportere dicas — dicas — du mögest sagen, du sollst sagen. Wen oder was? utrum decere an oportere — ob sich ziemen oder in Ordnung sein. Der ganze Satz lautet: Wenn wir das eine als sich ziemen be¬ zeichnen, das andere als sich nicht ziemen, möge auch dies klar sein, ob du ,sich ziemen' oder ,in Ordnung sein' sagen sollst. Oportere enim perfectionem declarat officii, decere quasi aptum esse consentaneumque tempori et personae contraque item dedecere. Der Satz besteht aus drei Teilen, die alle vom Verbum declarat abhängen; declarat — er, sie, es erklärt, bezeichnet. Wer oder was bezeichnet? oportere — ist hier ein Subjektsinfinitiv — sich gehören, in Ordnung sein. 245
Wen oder was? perfectionem officii — die Vollendung einer Aufgabe; enim heißt denn. Somit heißt der erste Teil des Satzes: Denn ,in Ordnung sein' bezeichnet die Vollendung einer Aufgabe. Beim zweiten Teil haben wir, wie schon er- wähnt,dasselbe Prädikat: declarat er, sie, es bezeichnet. Wer oder was bezeichnet? decere — eben¬ falls ein Subjektsinfinitiv — sich ziemen. Was bezeichnet ,sich ziemen'? quasi aptum esse consentaneumque — gewissermaßen passend und übereinstimmend zu sein. Mit wem? tempori et personae - mit dem Zeitpunkt und der Person, also: ,sich ziemen' bezeichnet gewissermaßen passend und überein¬ stimmend zu sein mit dem Zeitpunkt und der Person. Und nun zum dritten Teil des Satzes mit dem¬ selben Prädikat: declarat — er, sie, es bezeichnet. Wer oder was? dedecere — sich nicht ziemen, wiederum ein Subjektsinfinitiv. Wie? contraque item - und dagegen ebenso. Die Übersetzung des ganzen Satzes lautet: Denn ,in Ordnung sein' bezeichnet die Vollen¬ dung einer Aufgabe, ,sich ziemen' gewissermaßen passend und übereinstimmend zu sein mit dem Zeitpunkt und der Person und ebenso umgekehrt ,sich nicht ziemen'. 1) tantundem ebensoviel quantumcumque wieviel auch immer 2) totidem ebenso viele quotcumque) wieviele auch im quotquot » mer Die Wörter tot und quot sowie alle davon abgeleiteten Wörter sind im Latei- nischen indeklinabel, d.h. sie ändern sich in den einzelnen Kasus nicht. apparet apparuit apparere es ist klar, offenbar decet decuit decere es ziemt sich, schickt sich dedecet dedecuit dedecere es ziemt sich nicht paenitet paenituit paenitere es reut pudet puduit pudere es beschämt 246
evenit evenit evenire contingit contigit contingere fallit fefellit fallere, i fugit fugit fugere f interest interfuit Interesse ) refert retulit referre ' es ereignet sich, stößt zu es gelingt, glückt es entgeht, bleibt verborgen es liegt daran, ist wichtig Zusätzlicher Übungssatz: Talis est quaeque res publica, qualis eius aut natura aut voluntas, qui illam regit. Der Hauptsatz lautet: talis est quaeque res publica mit dem Prädikat: talis est — er, sie, es ist so beschaf¬ fen. Wer oder was? quaeque res publica — jeder Staat. Daran schließt sich ein Nebensatz an: qualis eius aut natura aut voluntas — wie entweder die Natur oder der Wille dessen . Es folgt ein Relativsatz: qui illam regit — regit — er, sie, es lenkt, leitet. Wer? qui — welcher. Wen oder was? illam — jene — gemeint ist rem publicam - den Staat. Demnach heißt der ganze Satz: So beschaffen ist ein jeder Staat wie Wesen oder Wille dessen, der ihn lenkt. 247
Wortschatz numen, -mis n perfectio, -onis f Gottheit, göttliche Macht Vollendung, Vollkommenheit aptus, -a, -um consentaneus, -a, -um immortalis, -e tacitus, -a, -um declarare optare accidit decet licet oportet placet constat iuvat praestat deferre regere tenere scire passend übereinstimmend unsterblich schweigend, verschwiegen erklären wünschen es ereignet sich es ziemt sich es ist erlaubt es gehört sich es gefällt es steht fest es erfreut es ist besser übertragen lenken halten wissen an enim qualis quot talis tot umquam oder denn, nämlich wie beschaffen wie viele so beschaffen so viele jemals 248
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 10 Unter dem Einfluß der Griechen kamen die Römer später auch zu einer persona¬ len Göttervorstellung. Vermittler waren, wie in vielen anderen Bereichen, die Etrusker. So übernahmen die Römer sehr oft fremde Götter, seltener personifi¬ zierten sie eigene, schon lange verehrte göttliche Mächte. Deos ridere credo, cum felix vocat. Ich glaube die Götter lachen, wenn ein Glücklicher ruft. ridere - lachen credere — glauben vocare — rufen Die Wörter deos ridere drücken einen sogenannten Akkusativ mit Infinitiv aus, lateinisch: accusativus cum infinitivo, in der Abkürzung a.c.i. gebräuchlich. Diese sehr geläufige Konstruktion wird im Lateinischen als Satzteil empfunden: Wen oder was glaube ich? deos ridere - die Götter lachen. Hier ist der a.c.i. also ein Akkusativobjekt. Anders ist es jedoch bei unpersönlichen Verben. Da übernimmt der a.c.i. die Funktion des Subjekts; zum Beispiel: Legem brevem esse oportet, oportet — es gehört sich. Was gehört sich? legem brevem esse — daß ein Gesetz kurz ist. Im a.c.i. stehen keine Bitten, Wünsche oder ähnliches,sondern Aussagen über Tatsachen, wie in unseren Beispielen: die Götter lachen; ein Gesetz ist kurz. Zum Ausdruck einer Tatsache steht der a.c.i. bei Verben des Sagens: verba dicendi; bei Verben des Wahrnehmens, Meinens und Wissens: verba sentiendi und bei Verben der Gefühlsäußerung: verba affectus. verba dicendi sind zum Beispiel: dicere — sagen affirmare — behaupten respondere — antworten persuadere — überzeugen scribere — schreiben tradere — überliefern simulare — vorgeben, tun als ob 249
Zu den verba sentiendi gehören: sentire — fühlen, merken audire - hören videre — sehen intellegere — einsehen credere — meinen, glauben scire — wissen verba affectus sind u.a.: gaudere, laetari — sich freuen gloriari — sich rühmen mirari — sich wundern indignari — empört sein dolere — Schmerz empfinden queri - klagen, sich beklagen^* Fassen wir noch einmal alles bisher Gesagte über den a.c.i. zusammen: Der a.c.i. ist ein Satzteil, und zwar Objekt nach Vollverben oder Subjekt nach unpersönlichen Ausdrücken. Im a.c.i. werden Tatsachen ausgedrückt. Der a.c.i. steht bei verba dicendi, sentiendi und affectus. Bei der Übersetzung eines a.c.i. ins Deutsche ist zu beachten: Der Infinitiv wird zum Prädikat und der Akkusativ wird im deutschen Gliedsatz zum Subjekt. Es gibt grundsätzlich fünf Möglichkeiten einen a.c.i. ins Deutsche zu übersetzen. Wir probieren sie an unserem Beispielsatz aus: Deos ridere credo 1. Übersetzung mit einem daß-Satz: Ich glaube, daß die Götter lachen — diese Übersetzung sollte in der End¬ übersetzung durch eine andere Kon¬ struktion ersetzt werden. 2. Übersetzung mit einem Gliedsatz ohne Konjunktion: Ich glaube, die Götter lachen. 3. Übersetzung mit einem Hauptsatz mit Einschub: Die Götter lachen, wie ich glaube. 4. Übersetzung mit einem Hauptsatz mit Präpositionalausdruck: Nach meiner Überzeugung lachen die Götter. 5. Übersetzung mit einem Hauptsatz mit Adverb: Die Götter lachen wohl 250
Wie schon eingangs erwähnt,fand die griechische Religion über die Etrusker Ein¬ gang bei den Römern. Die Etrusker waren es auch, die die ersten Götterbilder nach Rom brachten, wie den Apoll von Veji. Vor 500 wurde mit dem Bau des Tempels auf dem Kapitol begonnen, er war drei Göttern geweiht: Jupiter, dem Hauptgott Roms — Juno, der Gemahlin Jupiters — und Minerva — der Göttin der Handwerker und des Krieges. Die Römer übernahmen bereitwillig die frem¬ den Gottheiten, wenn sie deren Macht gespürt zu haben glaubten. Für diese Übernahme gab es unter anderem einen eigenen Ritus, die evocatio: Dabei wurden die Götter einer verfeindeten Stadt aufgefordert, diese Stadt zu verlassen und nach Rom zu übersiedeln — dort war schon ein Tempel für sie bereitet. Nach die¬ sem feierlichen Akt konnte ein Krieg mit voller Härte geführt werden, denn die Götter waren ja nach Rom übergesiedelt! Aus Griechenland hatten die Römer neben vielen anderen Gottheiten auch Diana, die Göttin der Jagd, übernommen, Apollo, den Sohn des Zeus, Venus, die Göttin der Schönheit, sowie Mars, den Kriegsgott. Sie alle wurden mit Tempeln, Statuen und Bildnissen verehrt. Als jedoch in den Jahren nach 200 vor Christus die Beziehungen zum hellenistischen Osten immer enger wurden, begann eine Epoche der Religionsvermischung, und die alte römische Religion verflachte. Der Kult erstarrte zur leeren Form und jede Art von Wiederbelebungsversuchen, wie sie etwa Kaiser Augustus unternahm, mußte mißlingen. Einige Gottesvorstellungen überlebten jedoch und wurden auch ins Christentum übernommen. Dabei wurden die Funktionen der Götter auf die Heiligen übertragen: So ist zum Beispiel die Heilige Anna als Geburtshelferin die Nachfolgerin der Juno Lucina und die Madonna vom guten Rat die Nachfolge¬ rin der Artemis arlstobule. Doch zurück zur lateinischen Grammatik. Bevor wir den a.c.i. in einigen Sätzen üben, noch ein Hinweis auf die Perfektbildung der einzelnen Konjugationen. Je nach der unterschiedlichen Perfektbildung werden die Verben innerhalb der Konjugationen zu einzelnen Gruppen zusammengefaßt. Wir sehen uns je ein Beispiel der a-Konjugation an: Das Perfekt auf -vi, wie In amare: amare, amo, amavi, amatum — lieben Das Perfekt auf -ul: domare, domo, domui, domitum — zähmen, bändigen Das Perfekt mit Dehnung des Stammvokals: adiuvare, adiuvo, adiuvi, adiutum — unterstützen, helfen 251
Das Perfekt mit Reduplikation: constare, consto, constiti, constaturus — bestehen, kosten Die unregelmäßigen Verben der a-Konjugation müssen mit den Stammformen gelernt werden.^^ Memini perturbari exercitum nostrum religione et metu, quod serena nocte subito candens et plena luna defecerat. Das Prädikat des Hauptsatzes heißt: memini — ich erinnere mich. Wer? ich, ist im Verbum enthalten. Woran erinnere ich mich? perturbari exercitum nostrum religione et metu auch hier haben wir wieder einen a.c.i. mit dem Verbum perturbari — daß verwirrt wurde — und dem Subjekt: exercitum nostrum — unser Heer. Wodurch? religione et metu — durch religiöse Bedenken und Furcht Der Hauptsatz heißt: Ich erinnere mich, daß unser Heer durch religiöse Bedenken und Furcht verwirrt wurde. Es folgt ein mit quod — weil — angeschlos¬ sener Nebensatz mit dem Prädikat: defecerat — er, sie, es war verschwunden, hatte abgenommen. Wer oder was hatte abgenommen? candens et pfena luna — der leuchtende und volle Mond. Wann? serena nocte — bei klarer Nacht. subito - plötzlich Somit lautet der ganze Satz: Ich erinnere mich, daß unser Heer durch religiöse Bedenken und Furcht verwirrt wurde, weil plötzlich bei klarer Nacht der leuchtende Vollmond abgenommen hatte. Sulpicius Gallus postridie in castris docuit nullum esse prodigium. Prädikat: docuit — er, sie, es hat gelehrt, dargelegt. Wer? Sulpicius Gallus 252
Was hat er dargelegt? nuUum esse prodigium — wiederum ein a.c.i. mit dem Verbum esse — daß sei — und dem Subjekt: nullum prodigium — kein Vorzeichen Wann? postridie — am folgenden Tag Wo? in castris — im Lager. Der ganze Satz lautet: Sulpicius Gallus legte am folgenden Tag im Lager dar, es sei gar kein Vorzeichen. 1) Zu den verba dicendi gehören u.a. noch: contendere behaupten nuntiare negare verneinen, fama est (fert) leugnen* concedere zugestehen dissimulare melden es geht das Gerücht sich stellen, als ob nicht ferunt narrare man sagt erzählen Zu den verba sentiendi gehören u.a. noch: 2) animadvertere wahrnehmen meminisse sich erinnern cognoscere erkennen oblivisci vergessen verisimile est es ist wahr¬ arbitrari scheinlich credere meinen. constat es ist bekannt existimare putare glauben fallit, fugit es entgeht, bleibt verbor¬ gen nescire nicht wissen apparet es ist klar, offenkundig verum est es ist recht und billig Perfekt auf ■ ui vetare Veto vetui vetitum verbieten cubare cubo cubui liegen secare seco secui sectum schneiden sonare sono sonui tönen, klingen 253
Perfekt mit Dehnung des Stammvokals lavare lavo lavi Perfekt mit Reduplikation Stare sto steti praestare praesto praestiti restare dare circumdare Deponentia hortari resto do circumdo hortor restiti dedi circumdedi hortatus sum (lautus rein) waschen staturus stehen praestaturus 1. voranste¬ hen, übertref¬ fen (alicui) 2. leisten, er¬ weisen (ali¬ quid) übrigbleiben geben datum circum¬ datum umgeben ermahnen Zusätzlicher Übungssatz: Deos esse constat. Prädikat ist: constat — es steht fest, es ist bekannt. Wer oder was? deos esse — ein a.c.i. mit dem Akkusativ deos und dem Infinitiv esse, im Deutschen also mit dem Subjekt deos und dem Prädikat esse: daß Götter sind, existieren, also: Es ist bekannt, daß Götter existieren. Wir vermeiden im Deutschen den daß- Satz: Bekanntlich gibt es Götter, oder: Die Existenz von Göttern steht fest. 254
Wortschatz luna, -ae f Mond prodigium, -i n Vorzeichen nox, noctis f Nacht metus, -us m Furcht serenus, -a, -um heiter adiuvare unterstützen affirmare behaupten constare bestehen, kosten domare zähmen, bändigen perturbare verwirren simulare vorgeben, so tun als ob candere leuchten, glänzen dolere Schmerz empfinden intellegere einsehen persuadere überzeugen respondere antworten ridere lachen deficere abnehmen, mangeln scribere schreiben gloriari sich rühmen laetari sich freuen mirari sich wundern queri klagen, sich beklagen indignari empört sein postridie am folgenden Tag subito plötzlich 255
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 11 Die Nationaltracht der Römer war die toga, die aber nur bei offiziellen Anlässen getragen wurde. Die Toga der Beamten und freigeborenen Knaben hatte einen Purpursaum: Constat Romae pueros sedecim annos natos togam virilem sumpsisse. Es ist bekannt, daß in Rom die Knaben im Alter von 16 Jahren die Männertoga genommen haben, oder: Bekanntlich haben in Rom die Knaben im Alter von 16 Jahren die Männertoga angelegt. virilis, virile — männlich, zum Manne gehörend sumere — nehmen, anlegen toga, -ae f - Toga Wir haben bei der Übersetzung dieses a.c.i. im Deutschen die Konstruktion mit einem Adverb gewählt, die sich bei einigen Verben anbietet: constat — bekannt- lieh. Hier gleich noch einige Beispiele der Verben, die bei einem a.c.i. adverbial wie¬ dergegeben werden können: apparet — offenbar verisimile est — wahrscheinlich simulare — angeblich sperare — hoffentlich dolere — leider putare — vermutlich Außer bei den in Lektion 10 schon genannten verba dicendi, sentiendi und affectus steht der a.c.i. auch bei folgenden Verben des Begehrens: cupere — wünschen veile — wollen nolle — nicht wollen malle — lieber wollen 1) Der Infinitiv beim a.c.i. drückt keine absolute Zeit aus, sondern nur ein Zeit¬ verhältnis zum übergeordneten Verbum. Die im a.c.i. ausgedrückte Handlung kann somit vorzeitig, gleichzeitig oder nachzeitig sein. Die Gleichzeitigkeit im Verhältnis zum übergeordneten Verbum wird durch den Infinitiv Präsens ausgedrückt; die Vorzeitigkeit durch den Infinitiv Perfekt und die Nachzeitigkeit durch den Infinitiv Futur. 256
Dazu jeweils ein Beispiel: accepi eum dicere — ich hörte« daß er sagte — Infinitiv Präsens, also Gleich¬ zeitigkeit« hier Imperfekt, accepi eum dixisse — ich hörte, daß er gesagt habe — Infinitiv Perfekt, also Vor¬ zeitigkeit; promisit se venturum esse - er versprach« daß er kommen werde — Infinitiv Futur« also Nachzeitigkeit. Der Infinitiv Futur steht immer dann« wenn die Handlung des a.c.i. noch nicht abgeschlossen ist« zum Beispiel auch bei den Verben: iurare — schwören minari — drohen polliceri« promittere - versprechen sperare — hoffen Der Lateiner nimmt es mit der Angabe dieser Zeitverhältnisse sehr genau« bei der Übersetzung ins Deutsche kann man das Futur vernachlässigen. Bei folgendem Satz gibt es daher die Übersetzungsmöglichkeiten: Promisit se venturum esse — Er versprach« daß er kommen werde — Er versprach« daß er komme — Er versprach zu kommen — Alle Ergänzungen zum logischen Subjekt des a.c.i. — zu dem Akkusativ also« der im Deutschen zum Subjekt wird — stehen ebenfalls im Akkusativ« wie bei unse¬ rem Satz: Constat Romae pueros sedecim annos natos togam virilem sumpsisse. Die Ergänzung natos, die zu pueros gehört« steht im Akkusativ. Dazu noch ein Beispiel: Spero vos salvos reversuros esse. Ich hoffe« daß ihr wohlbehalten zurückkehren werdet. Auch hier richtet sich salvos und reversuros nach dem Akkusativ vos. 257
Äußerlich unterscheiden sich beim a.c.i. das logische Subjekt und das eigentliche Akkusativobjekt nicht voneinander. Dadurch können doppeldeutige Aussagen entstehen, wie der Orakelspruch von Delphi zeigt, der König Pyrrhus von Epirus erteilt wurde, als er fragte, ob er die Römer besiegen könnte: Aio te, Aiacida, Romanos vincere posse. Ich sage, Nachkomme des Aiakos, daß du die Römer besiegen kannst, oder: Ich sage, Nachkomme des Aiakos, daß die Römer dich besiegen können. Um solche Doppeldeutigkeit zu vermeiden, gebraucht der Lateiner eine Wendung mit einem passiven Infinitiv, zum Beispiel: Te a nullo adiutum iri puto. Ich glaube, daß dich niemand unterstützen wird. Die reflexive Form von Personal- und Possessivpronomen bezieht sich im a.c.i. auf das Subjekt des Satzes, zum Beispiel: Promisit se venturum esse — er versprach, daß er komme, dagegen: Eum venturum esse puto — ich meine, daß er kommt. Die römische Toga aus weißem Wollstoff war ellipsenförmig zugeschnitten. Das Anlegen der Toga war recht mühsam, man benötigte einige Zeit und die Hilfe eines Sklaven, der die Falten ordnete. Der Dichter Horaz bekannte freimütig, daß er mit diesem recht komplizierten Kleidungsstück nie zurecht gekommen war. In der Kaiserzeit wurde die Toga dann von praktischeren Mänteln abgelöst, vom pallium zum Beispiel. Unter der Toga trug der Römer die Tunica, die eigentliche Haus- und Arbeits¬ kleidung. Sie bestand aus zwei Stoffbahnen; die vordere reichte bis unter das Knie, die hintere bis zu den Waden. Die Tunica wurde mit einem Gürtel zusam¬ mengehalten und war außerdem bei Senatoren mit einem breiten Purpurstreifen verziert. Die Kleidung der Frauen bestand ebenfalls aus einer Tunica und aus einer Stola, die bis zu den Füßen reichte und auch mit einem Gürtel zusammengehalten wurde. Darüber trug die römische Frau einen einfachen Mantel, der Kopf und Schultern bedeckte. 258
In Rom gingen Männer und Frauen in der Regel barhäuptig. Nur die Freigelas¬ senen trugen eine randlose Kappe — pileus — als Zeichen ihrer Freiheit. In der französischen Revolution wurde diese sogenannte phrygische Mütze wieder zum Freiheitssymbol. Nach den unregelmäßigen Verben der a-Konjugation wollen wir uns heute mit den unregelmäßigen Verben der e-Konjugation befassen. Wir sehen uns zunächst nur die beiden Gruppen an, die das Perfekt auf -vi und auf -ui bilden: e-Konjugation Perfekt auf -vi: delere, deleo, delevi, deletum — zerstören flere, fleo, flevi, fletum — weinen, beweinen complere, compleo, complevi, completum — anfüllen e-Konjugation Perfekt auf -ui: habere, habeo, habui, habitum — haben, halten debere, debeo, debui, debitum — schulden, verdanken, müssen docere, doceo, docui, doctum — lehren, unterweisen. ' Togam veteres ad calceos usque demisisse scimus. Prädikat ist: scimus — wir wissen. Wer? wir — ist im Verbum enthalten. Was wissen wir? togam veteres ad calceos usque demisisse — ein a.c.i. mit dem Verbum: demisisse — daß herabgelassen hat, und dem Subjekt: veteres — die Alten; Objekt ist: togam — die Toga. Bis wohin? ad calceos usque — bis zu den Schuhen. Der Satz heißt: Wir wissen, daß die Alten die Toga bis zu den Schuhen herabhängen ließen, oder: Unseres Wissens haben die Alten die Toga bis zu den Schuhen herabhän¬ gen lassen. 259
Ipsam togam rotundam esse et apte caesam velim. Prädikat ist: velim — ich möchte. Wer? ich — ist im Verbum enthalten. Was möchte ich? ipsam togam rotundam esse et apte caesam — ein a.c.i. mit dem Verbum: rotundam esse et apte caesam — daß rund und genau zugeschnitten sei — und dem Subjekt: ipsam togam die Toga selbst. Demnach heißt der Satz: Ich möchte, daß die Toga selbst rund und genau zugeschnitten ist; oder: Die Toga selbst sollte nach meiner Vorstellung rund und genau zugeschnitten sein. Pars eius prior mediis cruribus optime terminatur. Das Prädikat lautet: terminatur — er, sie, es wird begrenzt. Wer wird begrenzt? pars eius prior — ihr vorderer Teil. Wodurch? mediis cruribus — durch die Mitte der Schenkel. Wie? optime — am besten. Ihr vorderer Teil wird durch die Mitte der Schenkel am besten begrenzt; oder: Der vordere Teil der Toga soll bis in die Mitte der Schenkel hinabreichen. 1) Der a.c.i. steht auch bei den aktiven Formen von iubere = befehlen, vetare = verbieten, sinere = lassen sowie bei pati = zulassen, dulden. 2) Perfekt auf -ui adhibere adhibeo adhibui adhibitum anwenden prohibere prohibeo prohibui prohibitum abhalten, hindern praebere praebeo praebui praebitum darreichen, gewähren monere moneo monui monitum ermahnen, erinnern nocere noceo nocui nociturus schaden placere placeo placui placitum gefallen tacere taceo tacui — schweigen terrere terreo terrui territum (er)schrecken (transitiv) 260
dolere do (eo dolui doliturus Schmerz empfinden iacere i aceo iacui iaciturus liegen parere pareo parui pariturus gehorchen apparere appareo apparui appariturus erscheinen, sich zeigen tenere teneo tenui — halten censere censeo censui censum schätzen, meinen recensere recenseo recensui recensum mustern studere studeo studui — sich bemühen, streben timere timeo timui — (sich) fürchten 261
Wortschatz toga, -ae f Toga calceus, -i m Schuh crus, cruris n Schenkel, Bein medius, -a, -um mitten, der mittlere rotundus, -a, -um rund salvus, -a, -um gesünd, wohlbehalten virilis, -e männlich, zum Manne gehörend terminare begrenzen sperare hoffen complere anfüllen demittere herablassen, herabsenden flere weinen cupere wünschen sumere nehmen reverti zurückkehren 262
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS III, 12 In der Zeit der frühen Republik ließen die Römer Haare und Bart wild wachsen, so daß Cicero später feststellte, wie schauerlich der Bart auf alten Statuen und Bildern sei. Olim Romani barbam non torKlebant. Einst schnitten die Römer den Bart nicht ab. Die Vokabeln: Olim - einst barba, -ae f — Bart tondere ~ scheren, abschneiden Eine Reihe von Adverbien stehen in enger Beziehung zu Pronomina, man nennt sie deshalb Pronominaladverbien. Man kann diese Pronominaladverbien in ver¬ schiedene Gruppen unterteilen. Pronominaladverbien des Ortes können relativ und interrogativ sein: ubi — wo quo — wohin unde — woher qua — wie Pronominaladverbien des Ortes gibt es auch als Demonstrative: hic — hier illic - dort ibi — da eodem — ebendahin Und schließlich gibt es auch indefinite Pronominaladverbien des Ortes, wie zum Beispiel: alibi — anderswo usquam — irgendwo nusquam — nirgendwo ubique — überall Eine andere Gruppe stellen die Pronominaladverbien der Zeit dar; relativ und interrogativ sind: cum — wann, als quando — wann? quotiens — wie oft 263
Demonstrativ sind unter anderem: tum — damals, dann, da nunc — jetzt totiens — so oft Indefinit sind schließlich: olim — einst aliquando - irgendwann, einst numquam — niemals Und hier zwei Sätze dazu: Illucescet aliquando ille dies. Irgendwann wird jener Tag anbrechen. Numquam ante hoc tempus. Niemals vor diesem Zeitpunkt. Eine dritte Gruppe stellen die Pronominaladverbien der Art und Weise dar. Relativ und interrogativ: quam — wie quantopere - wie sehr Demonstrativ: tarn — so — bei Adjektiven und Adverbien, ita, sic — so — bei Verben tantopere — so sehr Die folgenden Ausdrücke als Beispiele: Ita sum — so bin ich Ita fecit — so hat er gehandelt. Tarn mihi mea vita quam tibi tua cara est. Mein Leben ist mir so lieb wie dir das deine. Ursprünglich haben sich die Römer weder rasiert noch die Haare geschnitten. Scipio Africanus ist die tägliche Rasur zu verdanken — sein Zeitgenosse Claudius Marcellus, der Eroberer von Syrakus, ist der erste Römer, der rasiert auf einer Münze dargestellt wurde. Im Jahre 300 vor Christus kamen die ersten Barbiere von Sizilien nach Italien. 264
Die Haare des ersten Bartes eines jungen Mannes wurden feierlich einer Gottheit geweiht: depositio barbae nannte man diesen Ritus, der Anlaß für ein großes Familienfest war. Der junge Mann ließ dann nur noch ein sorgsam gepflegtes Bärtchen stehen, das erst abrasiert wurde, wenn sich die ersten grauen Haare zeigten, so um das 40. Lebensjahr. Die volle Rasur war somit ein Zeichen des Alterns! Ein langer Bart und ungepflegtes Haar wurden in der Antike auch als Ausdruck der Trauer verstanden. Wer sich als Angeklagter einem Strafprozeß stellen mußte, erschien unrasiert, mit wirrem Haar und schlecht gekleidet vor dem Rich¬ ter. Einen mächtigen Vollbart trugen jedoch die Philosophen, vor allem die Stoiker und die Kyniker. Die römischen Frauen hatten immer langes Haar, im Nacken geknotet oder als Zöpfe aufgesteckt, nur die verheiratete Frau konnte sich gewisse Extravaganzen erlauben. Erst in der Zeit der Flavier waren komplizierte Hochfrisuren en vogue. Übrigens wurde ein schwunghafter Handel mit dem Haar keltischer und germani¬ scher Frauen betrieben, denn die Ideal-Farbe der dunkelhaarigen Römerinnen war natürlich blond. Doch nun zurück zur Grammatik. Wir wollen uns weitere Perfektbildungen der e-Konjugation bei einigen Beispielverben anschauen: e-Konjugation: Perfekt auf -si: ridere, rideo, risi, risum - lachen persuadere, persuadeo, persuasi, persuasum - überreden, überzeugen iubere, iubeo, iussi, iussum — beauf¬ tragen, befehlen e-Konjugation: Perfekt mit Dehnung des Stammvokals: movere, moveo, movi, motum — bewegen possidere, possideo, possedi, possessum — besitzen videre, video, vidi, visum — sehen e-Konjugation: Perfekt mit Reduplikation: mordere, mordeo, momordi, morsum — beißen spondere, spondeo, spopondi, sponsum - geloben, versprechen 265
respondere, respondeo, respondi, responsum — antworten Der folgende Text aus der ars amatoria von Ovid soll hier als Sittenbild vorge- stellt und nur die Übersetzung ohne die sonst übliche grammatikalische Auf¬ schlüsselung gegeben werden: Corpora si veteres non sic coluere puellae nec veteres cultos sic habuere viros. Wenn in der alten Zeit die Mädchen ihre Körper nicht so gepflegt haben, so waren bei den Alten auch die Männer nicht so gepflegt. Nunc aurea Roma est, et domiti magnas possidet orbis opes. Jetzt ist Rom golden, und besitzt die großen Schätze des unterworfenen Erdkreises. Prisca iuvent alios. Ego me nunc denique natum gratulor. Haec aetas moribus apta meis. Die alten Dinge mögen andere erfreuen. Ich beglückwünsche mich dazu, daß ich erst jetzt geboren bin. Dieses Zeitalter paßt zu meiner Art, ... quia cultus adest nec nostros mansit in annos rusticitas, priscis illa superstes avis. weil es die feine Lebensart gibt und nicht bis in unsere Jahre an¬ dauert die Plumpheit, der Rest aus der alten Zeit. Munditiis capimur. Non sint sine lege capilli: admotae formam dantque negantque manus. Durch ein gepflegtes Aussehen werden wir gefangen. Es seien die Haare nicht ohne Gesetz: Die hingeführten Hände geben ihnen Gestalt oder verweigern sie, das heißt: bringen die Haare in Unordnung. 266
Nec genus ornatus unum est: quod quamque decebit elegat, et speculum consulat ante suum. Und es gibt nicht nur eine Art des Schmucks: was einer jeden steht, soll sie auswählen und zuvor den Spiegel befragen. Longa probat facies capitis discrimina puri. Zu einem langen Gesicht paßt gescheiteltes Haar. Exiguum summa nodum sibi fronte relinqui, ut pateant aures, ora rotunda volunt. Daß ein kleiner Knoten über der Mitte der Stirn bleibt, verlangt ein rundes Gesicht, damit die Ohren frei bleiben. Alterius crines umero iactentur utroque. Bei einer anderen mögen die Haare auf beide Schultern herabfallen. Altera succinctae religetur more Dianae^ ut solet, attonitas cum petit illa feras. Wieder eine andere knüpft es nach Art der geschürzten Diana, wenn sie nach ihrer Gewohnheit das erschrockene Wild jagt. Et neglecta decet multas coma: saepe, iacere hesternam credas, illa repexa modost. Auch nachlässiges Haar steht vielen Frauen: oft ist es gerade gekämmt, wenn du glaubst, daß es von gestern noch liegt. T^rs casu similis. Sic capta vidit ut urbe' Alcides Iolen, „hanc ego" dixit „amo". Kunst sei dem Zufall ähnlich. Als Herkules, nachdem er die Stadt einge* nommen hatte, so lole sah, sprach er: „diese liebe ich". Nos male detegimur, raptique aetate capilli, ut borea frondes excutiente, cadunt. Wir Männer werden schändlich ent¬ blößt, und die vom Alter geraubten Haare fallen, wie Laub, das der Nordwind abschüttelt. 267
"femina canitiem Germanis inficit herbis et melior vero quaeritur arte color: Die Frau färbt ihre grauen Haare mit Kräutern aus Germanien ein und durch künstliche Mittel wird eine bessere Farbe erworben als die echte: Femina procedit densissima crinibus emptis proque suis alios efficit aere suos. Die Frau geht mit einem ganz dichten Haarschopf aus gekauften Haaren einher und statt ihrer eigenen erwirbt sie mit Geld fremde Haare als eigene. Nec rubor est emisse: palam venire videmus* Herculis ante oculos virgineumquq chorum. Und sie wird gar nicht rot vor Scham, daß sie ihre eigenen Haare gekauft hat: ganz offen sehen wir sie kommen vor die Augen des Herkules und den Chor der Jungfrauen. Die Verse in eckigen Klammern werden im Fernsehkurs nicht gebracht. 1) Perfekt auf-si augere augeo auxi auctum vermehren, för¬ dern suadere suadeo suasi suasum raten, Zureden manere maneo mansi mansurus bleiben Perfekt mit Dehnung des Stammvokals: cavere caveo cavi cautum sich hüten commovere commoveo commovi commotum bewegen, rühren permovere permoveo permovi permotum heftig bewegen sedere sedeo sedi sessum sitzen invidere invideo invidi invisum beneiden (alicui) videri videor visus sum scheinen 268
Perfekt mit Reduplikation: tondere tondeo totondi tonsum scheren Deponentia: polliceri polliceor pollicitus sum versprechen vereri vereor veritus sum (sich) scheuen, fürchten, ehren reri reor ratus sum rechnen, meinen fateri fateor fassus sum bekennen, geste¬ hen profiteri profiteor professus sum offen erklären mederi medeor sanavi heilen, (alicui rei) tueri tueor tutatus sum betrachten, (be)- schützen 269
Wortschatz barba, -ae f Bart coma, -ae f Haar ferae f/p! wilde Tiere herba, -ae f Gras,p/. Kräuter munditia, -ae f/p! Sauberkeit, gepflegtes Aussehen capillus, -i m Haar chorus, -i m Chor nodus, -i m Knoten umerus, -i m Schulter speculum, -i n Spiegel aetas, -atis f Lebensalter auris, auris f Ohr canities, -ei f graues Haar crinis, -is m Haar frons, frontis f Stirn ornatus, -us m Schmuck, Ausstattung rubor, -oris m (Scham) Röte rusticitas, -atis i Einfachheit, Plumpheit attonitus, -a, -um bestürzt densus, -a, -um dicht exiguus, -a, -um klein, unbedeutend frondeus, -a, -um belaubt hesternus, -a, -um gestrig purus, -a, -um rein priscus, -a, -um alt(modisch), altertümlich virgineus, -a, -um jungfräulich discriminare trennen, scheiteln iuvat es erfreut, ergötzt negare verneinen, verweigern probare prüfen, billigen raptare rauben religare festbinden gratulari Glück wünschen iubere beauftragen, befehlen manere bleiben, andauern mordere beißen movere bewegen patere offen stehen, frei bleiben spondere geloben 270
tondere scheren, abschneiden repectere wieder kämmen cadere fallen colere pflegen detegere abdecken, entblößen emere kaufen excutere abschütteln illucescit es wird Tag inficere anmachen, benutzen, färben neglegere vernachlässigen succingere schürzen alibi anderswo aliquotiens einigemal denique endlich, zuletzt hic hier illic dort numquam niemals nunc jetzt nec und nicht olim einst qua wie quando wann quantopere wie sehr quo wohin quotiens wie oft ubique überall unde woher usquam irgendwo tantopere so sehr 271
PAUK MIT: LATEIN GRUNDKURS 111, 13 ln der letzten Lektion des Grundkurses soll ein zusammenhängender Text über¬ setzt werden und zwar ein Liebesgedicht von Catull, der von ca. 84 bis 54 vor Christus lebte. Catull schildert in seiner Dichtung seine Gefühle und Stimmungen mit einer für die Antike ungewöhnlichen Intensität. Er gehörte zur Dichtergrup¬ pe der Neoteriker, die große Heldenepen im Stil Homers ablehnten und sich um eine gewisse Lebensnähe Ihrer Themen bemühten. 116 Gedichte von Catull sind erhalten, darunter die Liebesgedichte an Lesbia. Lesbia war die Schwester von Ciceros Todfeind P. Clodius Pulcher. Ule mt par esse deo videtur, ille, si fas est, superare divos, qui sedens adversus identidem te spectat et audit dulce ridentem, misero quod omnis eripit sensus mihi: nam simul te, Lesbia, aspexi, nihil est super mi lingua sed torpet, tenuis sub artus flamma demanat, sonitu suopte tintinant aures, gemina teguntur lumina nocte. Otium, Catulle, tibi molestum est: otio exultas nimiumque gestis. Otium et reges prius et beatas perdidit urbes. Diesen Text wollen wir nun im einzelnen durchgehen, erläutern und übersetzen. Wir können den Text in drei Blöcke aufgliedern. Der erste geht über die erste Strophe hinaus: Ille mi par esse deo videtur, ille, si fas est, superare divos, qui sendens adversus identidem te spectat et audit dulce ridentem, misero quod omnis eripit sensus mihi: Der Hauptsatz in dieser Periode heißt: Ille mi par esse deo videtur, ille ... superare divos. 272
Prädikat ist: videtur — er, sie, es scheint. Wer? ille — jener, der... Was scheint er? par esse deo - einem Gott gleich zu sein. Wem scheint das so? mi — mir — mi ist eine Kurzform von mihi. Diese Konstruktion wiederholt sich in Vers 2: ille superare divos — zu ergänzen ist videtur — er, sie, es scheint — aus Vers 1. Wer? ille — jener Was scheint er? superare divos — die Götter zu übertreffen - divus, divi m — der Gott, von divus, -a, -um - göttlich. Der Hauptsatz heißt: Jener scheint mir einem Gott gleich zu sein, jener scheint die Götter noch zu übertreffen. Der Einschub si fas est — wenn es recht ist, oder: wenn es kein Frevel ist — schränkt diese Aussage etwas ein. Angeschlossen ist ein Relativsatz: qui sedens adversus identidem te spectat et audit dulce ridentem Das Prädikat dieses Relativsatzes ist: spectat et audit — er, sie, es sieht und hört. Wer? qui —welcher. Wen oder was? te dulce ridentem — dich süß lachen — ridentem ist ein Parti¬ zip Präsens von ridere — lachen. Wie sieht und hört er dich süß lachen? sedens adversus — gegenübersitzend, te — dich — bezieht sich sowohl auf spectat et audit als auch auf sedens adversus also: er sieht und hört dich, dir gegen¬ übersitzend. Wie oft? identidem — immer wieder. Somit lautet der Relativsatz: . .. der dir gegenübersitzend dich immer wieder sieht und hört, wie süß du lachst. Es folgt ein weiterer Relativsatz: misero quod omnis eripit sensus mihi Das Prädikat ist: eripit — er, sie, es raubt. 273
Wer? quod — was; Wen oder was? omnis sensus - alle Sinne - omnis ist hier als Akkusativ Plural statt omnes gebraucht. Wem raubt das alle Sinne? misero mihi — mir Unglücklichem. Demnach heißt dieser Nebensatz: was mir Unglücklichem alle Sinne raubt. Und nun noch einmal dieser Teil im Zu¬ sammenhang: der scheint mir einem Gott gleich zu sein, der, wenn es kein Frevel ist, scheint mir die Götter zu übertreffen, der, sitzt er dir gegenüber, dich immer wieder sieht und hört, wie süß du lachst, was mir Unglücklichem alle Sinne raubt. ... nam simul te, Lesbia, aspexi, nihil est super mi lingua sed torpet, tenuis sub artus flamma demanat, sonitu suopte tintinant aures, gemina teguntur lumina nocte. Diese Periode beginnt mit einem Nebensatz, dem mehrere Hauptsätze folgen. Wir beginnen hier ausnahmsweise mit der Übersetzung des Nebensatzes: nam simul te, Lesbia, aspexi — angeschlossen ist dieser Nebensatz mit der Konjunktion simul — sobald. Prädikat ist: aspexi — ich habe erblickt, von aspicere, aspicio, aspexi, aspectum — erblicken. Wen oder was habe ich erblickt? te — dich; Lesbia ist eine Anrede! nam — denn. .... denn sobald ich dich, Lesbia, erblickt habe . Der erste Hauptsatz: nihil est super mi Das Prädikat ist: est super, das heißt nichts an¬ deres als superest — er, sie, es ist übrig — von super esse, supersum, superfui — übrig sein, im Überfluß vorhanden sein. 274
Wer oder was ist übrig? nihil — nichts. Wem ist nichts übrig? mi — mir. nichts ist mir übrig . . . (Im Originaltext ist hier eine Lücke von einer Zeile, die wir durch Punkte gekennzeichnet haben.) Der zweite Hauptsatz ist: lingua sed torpet mit dem Prädikat: torpet — er, sie, es ist erstarrt, steif, unbeweglich. Wer oder was ist erstarrt? lingua - die Zunge - sed — sondern — sondern die Zunge ist erstarrt. Der dritte Hauptsatz: tenuis sub artus flamma demanat mit dem Prädikat: demanat — er, sie, es fließt herab. Wer oder was? flamma — eine Flamme Wohin? sub artus tenuis — unter die zarten Glieder; also: eine Flamme fließt unter die zarten Glieder herab, oder: dringt unter die Haut. Und nun zum vierten Hauptsatz: sonitu suopte tintinant aures. Das Prädikat heißt: tintinant — sie klingen. Wer klingt? aures - die Ohren. Wovon klingen die Ohren? sonitu suopte — von ihrem eigenen Klang — sonitus, sonitus m - Ton, Schall, Klang, suopte ist ein verstärktes suo. Von ihrem eigenen Klang klingen die Ohren. Der fünfte und letzte Hauptsatz dieser Periode: gemina teguntur lumina nocte Das Prädikat ist: teguntur - sie werden bedeckt. Wer oder was wird bedeckt? lumina — die Lichter, hier: die Augen. 275
Wodurch werden sie bedeckt? gemina nocte — durch eine doppelte Nacht; durch eine doppelte Nacht werden die Augen bedeckt, oder: zwiefache Nacht bedeckt die Augen. Hier noch einmal diese ganze Periode: Denn sobald ich dich, Lesbia, erblickt habe, bleibt nichts von mir übrig . .. sondern die Zunge ist erstarrt, eine Flamme dringt unter die Haut, von ihrem eigenen Klang brausen die Ohren, zwiefache Nacht bedeckt die Augen. Otium, Catulle, tibi molestum est: otio exultas nimiumque gestis. Hier haben wir zwei Hauptsätze, der erste ist: otium, Catulle, tibi molestum est — mit dem Prädikat: molestum est — es ist lästig. Wer ist lästig? otium - die Ruhe, Muße, die Untätigkeit, das Nichtstun. Wem ist sie lästig? tibi — dir; Catulle ist wieder eine Anrede: Catull. Das Nichtstun, Catull, ist dir lästig. Der zweite Hauptsatz otio exultas nimiumque gestis hat zwei Prädikate, die durch das an nimium angehängte -que — und — verbunden sind: exultas - du jubelst, springst empor. Wer? du — ist im Verbum enthalten. Wodurch? otio — durch Nichtstun Das zweite Prädikat: gestis — du bist ausge¬ lassen, übermütig. Wie? nimium — allzu sehr. Vor Nichtstun springst du auf und wirst allzu ausgelassen. Otium et reges prius et beatas perdidit urbes. Prädikat ist: perdidit — er, sie, es hat vernich¬ tet. Wer hat vernichtet? otium — das Nichtstun. Wen oder was hat es vernichtet? et reges et beatas urbes — sowohl Könige als auch glückliche Städte. 276
Wann? prius — früher. Nichtstun hat früher schon sowohl Könige als auch glückliche Städte vernichtet. Und hier die ganze Übersetzung noch einmal im Zusammenhang: Der scheint mir einem Gott zu gleichen, ja, wenn es kein Frevel, die Götter noch zu übertreffen, der, sitzt er dir gegenüber, dich immer wieder sieht und hört, wie süß du lachst, was mir Unglücklichem alle Sinne raubt: denn sobald ich dich, Lesbia, erblickt habe, bleibt nichts von mir übrig sondern gelähmt ist die Zunge, ein Feuer dringt unter die Haut, von ihrem eigenen Klang brausen die Ohren, zwiefache Nacht bedeckt die Augen. Nichtstun, Catull, ist dir lästig: Vor Nichtstun gerätst du außer Rand und Band. Nichtstun hat früher schon Könige und glückliche Städte vernichtet. 277
Wortschatz flamma, -ae f Flamme boreas, -ae m Nordwind otium, -i n Muße lumen, -inis n Licht, Auge artus, -us m Gelenk, p/. Glieder sensus, -us m Gefühl, Empfindung, Sinn sonitus, -us m Klang beatus, -a, -um glücklich geminus, -a, -um doppelt divus, -a, -um göttlich demanare herabfließen exsultare aufspringen tintinare klingen torpere erstarren, schlaff sein sedere sitzen videri scheinen gestire ausgelassen sein tegere bedecken perdere vernichten aspicere erblicken eripere rauben, entreißen superesse übrig sein identidem immer wieder nam denn nimium allzu sehr prius früher adversus (mit Akk.) gegenüber 278
Wörterverzeichnis in alphabetischer Reihenfolge (Die in Klammern angegebenen Zahlen verweisen auf die jeweils 13 Folgen der Grundkurse 1-3) ab, a (2.10) von aliquotiens (3.12) einigemal abducere (3.7) wegführen alius (2.4) ein anderer abire (3.4) Weggehen alter (3.7) der eine, der andere abuti (3.6) mißbrauchen altitudo (3.1) Höhe, Tiefe accidit (2.2) es ereignet sich altus (1.11) hoch, tief accusare (1.7) anklagen amare (1.4) lieben acer(2.3) scharf ambire (3.4) herumgehen acerbus (1.5) bitter ambulare (1.8) Spazierengehen actio (1.12) Handlung ambulatio (3.4) Spaziergang adducere (2.13) heranführen amicus (1.4) Freund adferre (3.2) herantragen an (3.9) oder adhibere (3.11) anwenden ancilla (1.1) Magd adire (3.4) herangehen angulus (2.10) Ecke adiuvare (3.10) unterstützen anima (3.3) Atem, Seele admonere (3.8) ermahnen animadvertere wahrnehmen admovere (1.3) heranbewegen (3.10) adsignare (1.3) zuweisen animal (1.10) Lebewesen adulescens (2.8) junger Mann annalis (2.3) Jahrbuch adventus (2.12) Ankunft annus (2.7) Jahr adversarius (1.12) Feind antiquitus (1.10) in, seit alter Zeit adversus (3.13) gegenüber antiquus (1.11) alt adversus (3.8) feindlich aper (3.2) Eber aedes (1.11) Haus, Tempel apparere (3.11) erscheinen aedificare (2.2) bauen apparet (3.9) es ist klar aedificium (3.1) Gebäude appellare (2.7) nennen aeger (2.4) krank Aprilis (2.3) April aegre (2.4) kaum aptus (3.9) passend aegrotus (1.4) krank apud (3.7) bei aequalis (2.3) Zeitgenosse aqua (1.3) Wasser aequor (1.11) Fläche, Meer aquae (1.3) Heilquellen aes(l.ll) Erz aquaeductus Wasserleitung aes alienum (1.11) Schulden (2.8) aetas(1.11) Zeitalter arare (1.1) pflügen afferre (3.2) herantragen aratrum (2.3) Pflug afficere (3.1) versehen arbitrari (3.10) meinen affirmare (3.10) behaupten arbor (1.11) Baum ager (1.2) Acker area (2.9) Fläche agere (2.2) führen arena (3.5) Arena, Sand agger(1.11) Damm argentum (2.1) Silber agricola (1.1) Bauer arma (1.3) Waffen aio (3.7) ich sage ars (1.9) Kunst albus (1.11) weiß artifex (2.13) Künstler alibi (3.12) anderswo artus (2.11) eng, straff aliquando (3.2) einstmals as(l.ll) As, (Münze) aliqui (3.4) irgendein asper (1.4) rauh 279
aspicere (3.13) asportare (3.8) astrum (3.4) at (3.8) Athenae (1.2) atque (3.7) attonitus (3.12) auctoritas (3.7) audacia (1.6) audere (2.12) audire (1.1) auferre (3.2) augere (3.12) aureus (1.11) auris (3.12) aut. .. aut (2.7) autem (2.8) autumnus (1.1) auxilia (1.3) auxilium (1.3) avarus(1.5) balineum (2.9) balneum (2.9) barba (3.12) barbarus(1.5) barbatus (2.6) beatus (3.13) beneficium (2.5) bibere (2.5) bis (2.5) bonitas (2.6) bonus (1.4) bos, bovis (1.11) brevis (2.9) cadaver (1.11) cadere (3.12) caelestis (3.3) caelum (2.5) calceus (3.11) calix (1.11) callidus (2.6) campus (2.12) candelabrum (2.5) candere (3.10) canities (3.12) capere (2.9) capillus (3.12) caput (1.11) anb licken wegbringen Gestirn aber Athen und bestürzt Ansehen Kühnheit wagen hören wegtragen vermehren golden Ohr entweder... oder aber Herbst Hilfstruppen Hilfe geizig Bad Bad Bart fremdländisch bärtig glücklich Wohltat trinken zweimal Güte gut Rind kurz Leichnam fallen himmlisch Himmel Schuh Kelch schlau Feld Leuchter leuchten graues Haar fassen Haar Haupt caro (1.11) carus (1.4) castellum (2.8) castra (1.3) castrum (1.3) castus (3.6) casus (2.7) caupo (2.5) caupona (2.5) causa (2.2) cavere (3.6) celeber (2.3) cella (2.9) celsus (2.6) cena (1.4) cenaculum (2.5) censere (3.11) censor (2.7) certus (1.9) ceteri (1.10) chorus (3.12) cinis (1.11) circumdare (1.11) cito (2.5) civilis (2.9) civitas (1.10) clades (1.11) clam (1.5) clarus(1.5) classis (1.11) claudere (2.7) cliens (2.2) coetus (2.11) cognoscere (3.10) colere (3.6) collis(l.ll) collum (1.13) collocare (2.10) color (1.11) comitia (1.3) comitium (1.3) commeare (2.4) commovere (3.12) communio (2.11) complere (3.11) comprehendere (2.13) concedere (3.10) conclave (1.10) Fleisch lieb Befestigung Lager Kastell keusch (Zu)Fall Wirt Wirtin Grund, Prozeß sich hüten vor berühmt Zelle hoch Essen Speiseraum schätzen Zensor gewiß die übrigen Chor Asche umgeben schnell bürgerlich Bürgerschaft Niederlage heimlich berühmt Flotte schließen Klient Zusammentreffen erkennen verehren, pflegen Hügel Hals auf stellen Farbe Volksversammlung Versammlungsplatz Zusammenkommen bewegen Gemeinschaft anfüllen umfassen zugestehen Zimmer 280
concordia (2.11) conferre (3.2) conficere (3.1) congregare (2.11) coniunx (2.4) consensus (2.11) consentaneus (3.9) consilium (3.3) conspicere (3.10) constare (3.10) constituere (1.10) consuevi (3.7) consul (1.6) consularis (2.3) contemnere (1.9) contendere (3.10) contentus (2.7) contingit (3.9) contra (2.5) convenire (1.5) convivium (3.2) copia (1.3) copiae (1.3) copiosus (2.6) cor (1.11) Corinthus (1.11) cornix (1.3) cornu (2.7) corpus (1.7) credere (3.6) crinis (3.12) crus (3.11) cubare (3.10) cum (3.7) cum (1.1) cupere (3.11) cura (1.1) curare (1.4) curia (1.7) damnare (2.5) dare (1.4) de (1.8) debere (3.1) decernere (3.7) decet (3.9) decidere (2.6) deferre (3.12) deficere (3.10) delere (1.10) Eintracht Zusammentragen vollenden vereinigen Gattin Übereinstimmung übereinstimmend Plan, Beschluß erblicken bestehen auf stellen ich pflege Konsul ehern. Konsul verachten sich anstrengen zufrieden es gelingt gegen Zusammenkommen Gastmahl Menge Truppen reichlich Herz Korinth Krähe Horn Körper glauben Haar Schenkel liegen damals als mit wünschen Sorge sorgen Kurie verurteilen geben von, über schulden beschließen es ziemt sich herabfallen übertragen mangeln zerstören deliberare (3.6) Delphi (1.3) demanare (3.13) demittere (3.11) denarius (2.11) dens (1.11) densus (3.12) deponere (2.5) descendere (2.6) detegere (3.12) deus (2.5) dexter(1.4) dicere (2.8) dies (2.11) differre (2.12) difficilis (2.4) dimittere (3.6) denique (3.12) discere (1.7) disciplina (3.7) disputatio (3.4) dissimulare (3.10) diu (1.6) dives (2.5) dividere (1.2) divinare (3.7) divus (3.13) divitiae (1.2) docere (1.7) doctus (2.10) dolere (3.10) dolium (1.2) dolor (1.13) domare (3.10) domesticus (1.4) domi (2.7) dominus (1.1) domo (2.7) domum (2.7) domus (2.7) dorsum (2.3) dos (1.10) dubius (1.8) dulcis (2.4) educare (1.7) efferre (3.2) efficere (3.1) effrenatus (1.6) überlegen Delphi herabfließen herabsenden Denar Zahn dicht niederlegen hinabsteigen abdecken Gott rechts sagen Frist, Tag aufschieben, sich unterscheiden schwierig entlassen endlich lernen Zucht Abhandlung verhehlen lange reich teilen weissagen göttlich Reichtum lehren gelehrt Schmerz empfinden Faß Schmerz zähmen häuslich zu Hause Herr von Hause nach Hause Haus Rücken Mitgift zweifelhaft süß erziehen hinaustragen bewirken zügellos 281
effugere (1.5) entfliehen femina (1.5) Frau effugium (2.6) Ausweg ferae (3.12) wilde Tiere electio (2.10) Auswahl feriae (1.2) Feiertage eligere (2.5) auswählen ferre (3.2) tragen, hervorbrin¬ eloquens (2.12) beredt gen eludere (1.6) verspotten ferrum (1.12) Eisen emere (3.12) kaufen ferunt (3.10) man sagt enim (3.9) denn ferus (1.11) wild eodem (3.4) ebendorthin fidus (1.4) treu equitare (2.13) reiten filia (1.6) Tochter equus (2.12) Pferd filius (1.4) Sohn eripere (3.13) entreißen fines (1.11) Gebiet esse (1.1) sein finire (2.2) beenden et (1.5) und finis (1.11) Grenze evadere (2.6) entkommen finitimus (3.5) benachbart evenit (3.9) es ereignet sich fistula (2.8) Röhre ex (1.13) aus flagitare (1.13) fordern excipere (2.9) herausnehmen flamma (3.13) Flamme excutere (3.12) abschütteln flere (3.11) weinen exemplar (1.10) Vorbild florere (3.7) blühen exemplum (1.7) Beispiel fluctus (3.8) Woge, Flut exerceri (2.12) sich üben fons (1.11) Quelle exercitus (2.12) Heer fortis (2.3) tapfer exiguus (3.12) klein fortuna (1.3) Schicksal exire (3.4) herausgehen fortunae (1.3) Vermögen expellere (2.2) vertreiben forum (1.5) Marktplatz explicare (3.1) erklären fossa (2.3) Graben expugnare (1.12) erobern frater (1.7) Bruder exspectare (2.12) erwarten fraus (2.6) Betrug exsultare (3.13) aufspringen frigidarius (2.9) zum Kalten gehörig extendere (2.2) ausdehnen frondeus (3.12) belaubt externus (1.5) auswärtig frons (3.12) Stirn extinguere (2.5) auslöschen frugifer (1.4) fruchtbar extrahere (1.13) herausziehen fugere (3.7) fliehen extruere (2.4) erbauen fugit (3.9) es entgeht exulare (2.5) verbannt sein fulgor (1.11) Blitz faber (2.3) Handwerker fundamentum (2.4) Grund(lage) facere (2.9) machen furor (1.6) Raserei facilis (3.5) fallit (3.9) leicht es entgeht gaudere (2.12) sich freuen familia (1.3) Gesinde geminus (3.13) doppelt familiaris (2.3) Vertrauter gens (1.11) Geschlecht fas(l.ll) Gebot genus (1.11) Geschlecht fascis (1.11) Rutenbündel gestire (3.13) frohlocken fasti (1.3) Kalender gladiator (3.5) Gladiator fateri (3.12) gestehen gladius (1.11) Schwert fauces (1.13) Schlund glarea (2.3) Kies febris (1.10) Fieber gloriari (3.10) sich rühmen felix (2.3) glücklich gracilis (2.10) zierlich 282
gratulari (3.12) Glück wünschen grex (1.11) grus (1.13) gula (1.13) gustatio (3.2) gustus (3.2) habere (1.2) habitare (2.5) haerere (1.13) harenosus (3.4) haruspex (3.7) haurire (2.7) herba (3.12) heri (1.5) hesternus (3.12) hiberna (1.3) hic (3.12) hilaris (2.9) hircus (2.5) Hispania (1.10) homo (1.6) honor (1.11) hora (2.2) hortari (2.12) horti (1.3) hortus (1.1) hospitium (2.5) hostis (1.10) huc (3.3) humanus (1.11) humilis (2.10) humus (1.3) iacere (3.11) iacere (2.9) iactare (1.6) ibi (1.5) idem (3.8) identidem (3.13) Idus (2.7) illic (3.12) illucescit (3.12) illuminare (2.5) imago (2.13) immittere (2.6) immortalis (3.9) impedimenta (1.3) Herde Kranich Kehle Vorspeise Kosten, Probe, Vor¬ speise haben wohnen hängenbleiben sandig Opferschauer schöpfen Gras gestern gestrig Winterlager hier heiter Ziegenbock Spanien Mensch Ehre Stunde ermahnen Park Garten Gastfreundschaft Feind hierhin menschlich niedrig Erdboden liegen werfen werfen dort derselbe immer wieder Monatsmitte dort es wird Tag erleuchten Bild hineinschicken unsterblich Gepäck impedimentum (1.3) imperare (1.3) imperator (2.13) imperium (2.7) impetus (2.10) improbus (3.8) impudens (3.9) in(l.l) incertus (1.9) incola (1.10) incolumitas (2.11) indicere (3.5) Indignari (3.10) inducere (2.7) Inferre (3.2) infestare (2.13) ingratus (1.13) inire (3.4) iniuria (1.8) innocens (2.5) inops (2.5) inquit (1.13) inscius (2.6) insidiae (1.3) instituere (3.3) intellegere (3.10) interea (2.13) interest (3.9) Interficere (3.1) interire (3.4) interrogare (2.13) intra (1.7) invidere (3.12^ invidia (2.9) invocare (3.8) ira (3.3) Ire (3.4) is(1.12) Isara (1.1) ita (1.7) itaque (1.10) item (2.12) iter (1.11) iterum (2.10) iubere (3.12) iudex (1.8) iudicare (1.7) luppiter (1.11) Hindernis befehlen Feldherr Reich Angriff ruchlos unverschämt in ungewiß Einwohner Unversehrtheit ankündigen empört sein hineinführen hineintragen beunruhigen undankbar hineingehen Unrecht unschuldig arm sagt er unwissend Hinterhalt einrichten einsehen inzwischen es ist wichtig töten untergehen fragen innerhalb beneiden Neid anrufen Zorn gehen er Isar so daher ebenso Weg ein zweites Mal befehlen Richter urteilen Jupiter 283
ius (1.7) Recht lupus (1.13) Wolf iusiurandum Eid (1.13) magistratus (2.11) Amt justitia (2.11) Gerechtigkeit magnus (1.13) groß iustus (2.9) gerecht maiores (3.6) Ahnen iuvare (3.12) erfreuen malle (3.3) lieber wollen malum (3.2) Apfel labor (1.11) Arbeit malus (1.11) böse laborare (1.8) arbeiten mane (3.5) morgens lac(l.ll) Milch manere (3.12) bleiben lacus (2.7) See, Bassin mansio (2.4) Aufenthalt laetari (3.10) sich freuen manus (2.7) Hand lana (3.6) Wolle mare (1.10) Meer iapis (1.11) Stein margo (2.6) Rand largiri (2.12) schenken maritus (2.4) Gatte latitudo (3.1) Breite marmor (1.11) Marmor latro (2.13) Räuber matella (2.5) Nachttopf latus (2.9) weit mater (1.7) Mutter laudare (1.4) loben materia (2.3) (Bau)Material lavare (1.2) waschen matrona (2.6) Frau laxus (2.9) locker mederi (3.12) heilen lectus (2.5) Bett medicina (1.4) Heilmittel legere (1.1) lesen medicus (1.4) Arzt leo(l.ll) Löwe medius (2.8) mitten levare (3.3) erleichtern mei (1.11) Honig lex (1.11) Gesetz memini (3.7) ich erinnere mich libenter (3.6) gern memoria (2.4) Gedächtnis liber (1.2) Buch mensa (1.1) Tisch liber (1.4) frei mensis (1.11) Monat liberare (1.6) befreien mercator (1.6) Kaufmann liberi (1.2) Kinder merces (1.13) Lohn libertinus (1.4) Freigelassener merere (2.13) verdienen libra (2.1) Waage meridie (3.5) mittags licet (2.9) es ist erlaubt meridies (2.11) Mittag limes (1.11) Grenze metus (3.10) Furcht lingua (1.5) Zunge, Sprache meus (1.5) mein lis (1.9) Streit ministerium (1.3) Dienst, Amt littera (1.2) Buchstabe ministrare (1.7) bedienen litterae (1.2) Brief mirabilis (3.5) wunderbar litus (2.4) Küste mirari (3.10) sich wundern locare (2.5) vermieten miser (1.4) arm loci (1.3) Stellen (in Büchern) mittere (1.11) schicken locus (1.3) Ort modius (2.1) Scheffel longus (1.11) lang modus (2.11) Art, Weise loqui (2.12) sprechen moenia (2.10) Stadtmauer ludere (2.1) spielen molestus (1.12) lästig ludus (2.12) Spiel moliri (2.6) in Bewegung set¬ lumen (3.13) Licht zen luna (3.10) Mond monere (1.1) ermahnen 284
mons (1.11) Berg novi (3.7) ich kenne monstrare (2.7) zeigen novus (3.5) neu morbus (1.4) Krankheit nox (3.10) Nacht mordere (3.12) beißen nullo pacto (2.11) unter keinen Um¬ mors (1.9) Tod ständen movere (3.12) bewegen nullus (3.6) kein multitudo (2.11) Menge numen (3.9) Gottheit multus (1.5) viel numquam (3.12) niemals munditiae (3.12) Sauberkeit nunc (3.12) jetzt munire (2.3) befestigen nuntiare (3.10) melden mutus (2.11) stumm nusquam (3.12) nirgendwo nam (3.8) denn obire (3.4) hingehen narrare (3.10) erzählen obicere (3.5) verwerfen nasci (2.8) geboren werden oblivisci (3.10) vergessen natalis (2.3) Geburtstag obstringere (3.9) festbinden natare (2.9) schwimmen occasio (3.6) Gelegenheit natura (1.5) Natur oculus(1.5) Auge nauta (1.1) Seemann odi (3.7) ich hasse navigare (3.8) segeln offerre (3.2) darbieten navigium (2.13) Schiff officium (1.4) Pflicht navis (1.9) Schiff oleum (1.2) Öl ne (1.9) damit nicht olim (3.12) einst ne... . quidem nicht einmal omnis (2.3) ganz, all, jeder (2.5) oportet (3.9) es gehört sich nec, neque (3.12) und nicht oppidum (2.10) (kleine) Stadt necessarius (2.10) notwendig oppugnare (1.12) belagern nefas (1.11) Frevel optare (3.9) wünschen negare (3.10) verneinen opus (3.3) Werk neglegere (3.12) vernachlässigen oratio (1.6) Rede nemo (3.6) niemand orator (1.6) Redner neque . . . neque weder. . . noch orbis (1.11) (Erd) Kreis (3.12) ordo (1.11) Ordnung nescire (3.10) nicht wissen ornatus (3.12) Ausstattung neuter(3.7) keiner (von beiden) osd.ll) Knochen neve (1.9) und daß nicht os(l.ll) Mund nihil (3.6) nichts ostium (3.1) (Tür)Öffnung nimium (3.13) allzusehr otium (3.13) Muße nisi (1.12) wenn nicht ovum (3.2) Ei niti (2.6) sich stützen auf nix (1.9) Schnee paenitet (3.9) es reut nocens(2.8) schädlich paluster (2.3) sumpfig nocere (3.11) schaden parare (1.7) bereiten nolle (3.3) nicht wollen parere (3.6) gehorchen non (1.10) nicht paries (1.7) Wand non solum . . . nicht nur.. . pars (1.11) Teil sed etiam (1.6) sondern auch partes (1.11) Partei noster (1.5) unser particeps (2.4) teilhaftig nota (2.1) Zeichen parvus (2.13) klein 285
pater (1.5) patere (3.12) pati (2.12) patientia (1.6) patria (2.5) patronus (2.2) pauper (2.5) pecunia (2.1) pecus (2.1) penates (1.11) per (2.7) perdere (3.13) perfectio (2.9) perferre (3.2) perficere (3.1) perfidus (2.5) periculosus (1.4) periculum (1.4) perire (3.4) peritus (2.13) permovere (3.12) persona (3.9) persuadere (3.10) perturbare (3.10) pes(l.ll) petere (2.4) pictor (2.13) pictura (2.13) pilum (1.11) pingere (2.13) pirata (2.13) piscina (2.9) piscis (1.11) placare (3.3) placet (3.9) plumbum (2.8) poena (1.5) Peloponnesus (1.3) polliceri (3.12) Pompei (1.3) ponere (2.8) pons (1.11) popina (2.5) populus (1.5) portare (1.1) porticus (2.7) posse (2.11) Vater offen stehen leiden Geduld Vaterland Patron arm Geld Vieh Hausgötter durch vernichten Vollendung überbringen vollenden treulos gefährlich Gefahr zugrunde gehen erfahren heftig bewegen Person überreden verwirren Fuß erstreben Maler Malerei Wurfspeer malen Seeräuber Fischteich Fisch beruhigen es gefällt Blei Strafe Peloponnes versprechen Pompeji setzen, stellen, legen Brücke Kneipe Volk tragen Säulenhalle können possidere (3.12) posteri (1.2) postridie (3.10) postulare (1.13) potens (2.5) praebere (3.11) praedium (1.3) praeesse (2.11) praeficere (3.1) praestare (1.12) praestat (3.9) praeterire (3.4) pratum (1.2) premere (2.4) pretium (1.2) princeps (2.5) principium (2.10) prior (1.12) privatus (1.7) pro (1.8) probare (3.12) procedere (3.3) procurrere (2.10) prodigium (3.10) prodire (3.4) profiteri (3.12) prohibere (3.11) proicere (2.10) promere (2.2) promittere (2.4) propter (3.7) propulsare (2.10) publicus (2.8) pudet (3.6) puella (1.3) puer (1.2) pugnare (3.5) pulcher (1.4) pulvis (1.11) puppis (1.10) purpureus (3.2) putare (3.10) puteus (2.6) qua (3.12) quadratus (2.10) quaerere (2.6) quaeso (3.7) qualis (3.9) besitzen Nachkommen am folgenden Tag fordern mächtig darreichen Landgut vorstehen voranstellen voranstehen es ist besser Vorbeigehen Wiese drücken Preis der erste Anfang früher eigen für prüfen hervortreten vorlaufen Vorzeichen (her)vorgehen offen erklären verhindern vorwerfen hervorholen versprechen wegen abweh ren öffentlich es beschämt Mädchen Knabe kämpfen schön Staub Achterdeck purpurn glauben Brunnen wie viereckig suchen, fragen (ich) bitte wie beschaffen 286
quam (1.6) quando (3.12) quantus (3.2) quasi (2.13) quatere (3.8) -que (1.10) quemadmodum (2.5) queri (3.10) qui (1.12) quicumque (3.3) quilibet (3.5) quis (3.3) quisnam (3.3) quisquam (3.4) quisque (3.5) quisquis (3.3) quivis (3.5) quo (3.12) quod (2.7) quot (3.9) quotiens (3.12) radix (3.2) raptare (3.12) raro (1.5) ratio (3.3) recensere (3.11) rectus (1.12) redire (3.4) referre (3.2) refert (3.9) regere (3.9) religare (3.12) religio (3.7) relinquere (1.9) reliquiae (1.3) reperire (2.6) replere (3.3) reri (3.12) res (2.11) res publica (2.11) rescindere (2.3) respondere (3.10) restare (3.10) reus (1.8) reverti (3.11) rex (1.7) Rhodus (1.3) wie, als wann wie groß gleichsam schütteln und wie klagen welcher wer auch Immer jeder beliebige wer wer denn irgendwer jeder wer auch immer jeder beliebige wohin weil wie viele wie oft Wurzel rauben selten Verstand mustern richtig zurückkehren zurückbringen es ist wichtig lenken festbinden Gottesfurcht verlassen Überreste finden wieder anfüllen meinen Sache Staat wieder aufreißen antworten übrig bleiben Angeklagter zurückkehren König Rhodos ridere (3.10) rogare (2.6) Roma (1.1) rostra (1.3) rostrum (1.3) rotundus (3.11) rubor (3.12) rusticitas (3.12) rusticus (1.1) saepe (1.5) sal (1.11) saluber (2.5) salus (1.11) salutare (2.1) salve (3.7) salvus (3.11) sanguis (1.11) sanus (1.11) sapiens (3.8) satiare (2.6) satis (1.5) satisfacere (3.1) saxum (2.3) scaenicus (3.3) scire (3.9) scribere (3.10) secare (3.10) securis (1.10) sed (1.10) sedere (3.13) senator (1.7) senatus (3.7) senex (1.11) sensus (3.12) sentire (3.8) sepelire (1.9) September (2.3) septentriones (1.11) serenus (3.10) sermo (1.11) servare (1.2) servus (1.2) si (1.2) sic (3.12) sidus (2.5) signare (2.1) silex (2.3) lachen bitten Rom Rednertribüne Schnabel rund Röte Rohheit ländlich, Bauer oft Salz gesund Heil grüßen sei gegrüßt gesund Blut gesund weise sättigen genug Genüge leisten Fels(block) szenisch wissen schreiben schneiden Beil aber, sondern sitzen Senator Senat Greis Gefühl fühlen begraben September Norden heiter Rede beachten, bewahren Sklave wenn so Gestirn prägen Kieselstein 287
similis (2.10) simplex (3.2) simul (2.6) simulare (3.10) sine (2.11) singuli (1.13) sinister (1.4) sitire (2.6) sitis (1.10) sol (1.11) solere (2.12) solus (3.7) solvere (2.1) sonare (3.10) sonitus (3.13) sospes (2.5) spectaculum (3.5) spectare (3.5) speculum (3.12) sperare (3.11) spondere (3.12) stare (3.10) statuere (3.6) sternere (2.3) stringere (1.12) studere (3.11) studium (3.5) suadere (3.12) subire (3.4) subito (3.10) succingere (3.12) sulcus (2.3) sumere (3.11) summus (1.8) superare (1.10) superesse (3.13) superstes (2.5) superstitio (3.3) suspendere (2.5) symmetria (3.1) taberna (2.5) tacere (3.11) tacitus (3.9) talis (3.9) tam . .. quam (1.8) tamquam (1.11) gleich, ähnlich einfach gleichzeitig vorgeben ohne die einzelnen links dürsten Durst Sonne pflegen, gewohnt sein allein bezahlen tönen Klang wohlbehalten Schauspiel sehen Spiegel hoffen geloben stehen hinstellen hinstreuen ziehen sich bemühen Eifer raten, Zureden herangehen plötzlich schürzen Furche nehmen der höchste besiegen übrig sein überlebend Aberglaube aufhängen Symmetrie (Schank)Bude schweigen schweigend so beschaffen so . . . wie gleichwie tantopere (3.12) tantundem (3.9) tantus (2.6) tegere (3.12) tempestas (3.8) tempus (2.8) tener(1.4) tenere (3.9) tentorium (1.11) tenuitas (3.9) tepidus (2.9) terminare (3.10) terra (1.1) terrere (3.11) Thebae (1.3) thermae (2.9) timere (1.9) timor (1.9) toga (3.11) tollere (3.2) tondere (3.12) torpere (3.13) tortor (2.5) tot (3.9) totiens (3.9) totus (3.7) trabs (2.3) tradere (3.7) transire (3.4) tribuere (3.6) tribus (2.7) triclinium (3.2) triticum (2.1) tubulus (2.8) tueri (3.12) tum (2.6) turma (2.11) turris (1.10) tussis (1.10) ubique (3.12) ullus (3.4) umerus (3.12) umquam (3.9) unde (3.12) universus (1.12) unus (3.7) urbanus (1.4) urbs (1.9) so sehr ebenso viel so groß decken Sturm Zeit zart halten Zelt Dünnheit warm begrenzen Erde erschrecken Theben Thermen fürchten Furcht Toga aufheben scheren erstarren Folterknecht so viele wie oft ganz Balken übergeben hinübergehen Zuteilen Stadtteil Speisesaal Weizen Röhre (be)schützen dann Abteilung Turm Husten überall irgendeiner Schulter jemals woher ganz einer städtisch Stadt 288
urere (1.9) ursus (3.5) usquam (3.12) usus (2.7) ut (1.3) uter (3.3) uti (3.6) utilitas (2.11) utrimque (3.4) uxor (3.6) vadum (2.6) vale (3.7) valere (2.1) validus (1.11) varius (1.5) vas (1.11) ve) (2.10) velle (3.3) vena (2.7) venari (2.5) vendere (1.2) venerari (3.6) venire (2.6) venire (3.4) venustas (3.1) vertex (1.11) verus (3.1) vesper(1.2) verbrennen Bär irgendwo Gebraucli daß, damit wer (von zweien) gebrauchen Nutzen auf beiden Seiten Gattin Furt leb wohl stark sein kräftig verschieden Gefäß oder wollen Ader auf die Jagd gehen verkaufen verehren kommen verkauft werden Lieblichkeit Wirbel wahr Abend vestimentum (1.3) vestis (1.11) vetare (3.10) vetus (2.5) victoria (1.12) videre (1.5) videri (3.13) vilicus (1.2) villa (1.1) vincere (1.9) vinculum (2.11) vinum (1.2) violentus (2.4) vir (1.2) virgineus (3.12) virgo (2.7) virguncula (2.6) virilis (3.11) virtus (1.7) vis (1.10) vivere (2.9) vix (2.5) vocare (3.10) voluntas (1.12) voluptas (2.6) vox (3.6) vulgus (2.9) vulpecula (2.6) vulpes (2.6) Kleid Kleidung verbieten alt Sieg sehen scheinen Verwalter Landhaus siegen Fessel Wein heftig Mann jungfräulich Jungfrau Mädchen männlich Tugend Kraft leben kaum rufen Wille Vergnügen Stimme Masse, Pöbel Füchslein Fuchs 289