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Author: Felix W.
Tags: islam geschichte von byzanz byzanz islamische welt byzantinische kultur
ISBN: 3-7001-0379-4
Year: 1981
Text
WOLFGANG F E L IX
BYZANZ UND DIE ISLAMISCHE W ELT IM FRÜ H EREN
11. JAH RH UNDERT
BYZANTINA VINDOBONENSIA
Herausgegeben von der Kommission
für frühchristliche und ostkirchliche Kunst der österreichischen Akademie
der Wissenschaften und vom Institut für Byzantinistik und Neogräzistik
der Universität Wien
--------------------------------------------------
BAND X IV
--------------------------------------------------
W O LFG A N G F E L IX
BYZANZ UND DIE ISLAMISCHE WELT
IM FRÜHEREN 11. JAHRHUNDERT
G E SC H IC H TE D E R P O L IT ISC H E N B E Z IE H U N G E N
VO N 1001 B IS 1055
Mit 1 Landkarte
VERLAG
D E R ÖSTERREICHISCHEN AKADEM IE DER WISSENSCHAFTEN
W IE N 1981
Vorgelegt von w. M. H er b e r t H unger in der Sitzung am 23. April 1980
Gedruckt m it Unterstützung durch das Bundesministerium
fur W issenschaft und Forschung
Alle Rechte Vorbehalten
— ISBN 3700103794
Copyright © 1981 by
österreichische Akademie der Wissenschaften
Wien
Druck: E m st Becvar, A -l 150 Wien
IN H A L T S V E R Z E IC H N IS
V
o r w o r t
B
ib l io g r a p h is c h e
.........................................................................................................................
11
S o n s t ig e A b k ü r z u n g e n ...........................................................................................
18
und
S ig l e n v e r z e ic h n ib
7
...............
Q
A bk ü r zu n g e n
..........................................................................................................
1»
Literarische Q u e lle n .......................................................................................................
21
u ellen ku n d e
1. Quellen griechischer Sprache
............................................................................
21
2. Quellen lateinischer Sprache
............................................................................
23
3. Quellen armenischer und georgischer Sprache
..............................................
4. Quellen des muslimischen B e r e ic h e s .................................................................
Nichtliterarische Quellen
T
e il
I : S y r ie n
Zeittafel
........................................................................
37
3»
e il
u n d a l -Ö a z ï r a
......................................................................... 125
...................................................................................................................... 131
I I I : U n t e r it a l ie n , S iz il ie n ,
Zeittafel
45
.............................................................................................................................. 127
Darstellung
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..................................................................................................................
I I : A r m e n ie n
Zeittafel
T
und
P h ö n k ie n
28
35
.........................................................................................................................
Darstellung
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...........................................................................................
25
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................................... 183
.............................................................................................................................. 184
Darstellung
...................................................................................................................... 180
I N D IC E 8 ................................................................................................................................. 217
1. Prosopographischer I n d e x ............................................................................................2 1 9
2. Geographischer Index
............................................................................................... 2 2 9
VORW ORT
Als um die Jahrhundertwende G u s t a v e S c h l u m b e r g e r sein klassisches
Werk „L'épopée byzantine“ veröffentlichte, erfuhr darin die byzantinische
Ostpolitik auch fur das frühere 11. Jahrhundert erstmals eine umfassende
Behandlung. Sie beruhte auf allen damals zugänglichen westlichen und
orientalischen Quellen und schöpfte besonderen Nutzen aus den Forschun
gen V ik t o r v o n R o s e n s , der etwa zwei Jahrzehnte zuvor die Basileios II.
betreffenden Abschnitte aus Jahjä b. Said erstmals herausgegeben und mit
reichhaltigen Kommentaren erschlossen hatte. In jüngerer Zeit fanden die
großen Jahrzehnte des byzantinischen Ausgreifens bis ungefähr zur Jahr
tausendwende ihre vorzügliche Darstellung in dem weitgespannten Werk
von M a r iu s C a n a r d über die Ilamdäniden. Für die Folgejahre hingegen
fehlt eine neuere Zusammenfassung, obwohl die historische Eikenntnis
auch hier — zumal durch verbesserte Auswertung des gewachsenen orienta
lischen Quellenbestandes — in vielen Bereichen über S c h l u m b e r g e r s
Ergebnisse hinausgelangt ist. Die vorliegende Arbeit setzt sich daher zum
Ziel, das Verhältnis des byzantinischen Reiches zur W elt des Islam in der
1. Hälfte des 11. Jahrhunderts zu behandeln. Dem Betrachter stellt sich
diese Periode zunächst als Zeit eines gewissen Stillstandes dar, ohne jene
unmittelbar ersichtliche Tragweite der Ereignisse, die einer Epoche ihre
Signatur verleihen. Eine angemessene Bewertung erfordert daher einen
kurzen Blick auch auf die vorangegangenen und die nachfolgenden Ent
wicklungen.
Die byzantinischen Eroberungen des 10. Jahrhunderts im Osten waren
durch den zunehmenden Machtverfall des 'abbäeidischen Chali/ats von
Baghdad begünstigt worden, an dessen Stelle die Hamdäniden mit mehr
Ruhm als Erfolg im Glaubenskrieg eine Abwehr der Byzantiner versuchten.
Ein ernster zu nehmender Gegner für Byzanz wurde das von Ägypten nach
Syrien ausgreifende fätimidische Chalifat, bis schließlich nach langwierigen
Auseinandersetzungen der 1001 abgeschlossene Waffenstillstand zwischen
beiden Mächten eine Anerkennung des nunmehrigen Zustandes in Gestalt
der Teilung des Einflusses im syrischen Bereich mit sich brachte. Mochte
auch in der Folgezeit fallweise das Streben nach Verbesserung der eigenen
Stellung hervortreten, so wirkte letztlich auf beiden Seiten stärker der
Wunsch nach Vermeidung eines großen Konfliktes und nach Sicherung
des Erreichten. Als das byzantinische Reich unter den Nachfolgern
8
Vorwort
Basileios’ II. seinen Einfluß in Nordsyrien nicht mehr mit derselben
Festigkeit wie früher geltend zu machen vermochte und andererseits
Ägypten seine dortigen Ansprüche auch immer nur fallweise verwirklichen
konnte, erlangte das Arabertum unter der Dynastie der Mirdäsiden in
diesem Zwischenbereich beider Mächte nochmals eine, wenn auch be
grenzte, politische Bedeutung.
Von geringerer Relevanz für die byzantinisch-muslimischen Beziehun
gen ist hingegen bis in die Anfänge Konstantins IX . der mesopotamischarmenische Raum geblieben. Dort konnte Byzanz seine Politik der Anne
xionen in Armenien fortsetzen, ohne daß dies eine direkte Konfrontation
mit der muslimischen Seite bewirkt hatte ; im Falle der Gewinnung Edessas
durch Byzanz hat die Gunst der Lage wenigstens keine nachhaltigen
Reaktionen der Gegenkräfte hervorgerufen. Der Westen aber, d. h. Sizilien
und Unteritalien, hatte im 11. Jahrhundert keine besondere Bedeutung für
die byzantinisch-muslimischen Verhältnisse. Pläne zu einer Vertreibung
der Araber aus Sizilien hätten diesem Bereich vielleicht innerhalb der
byzantinischen Politik neues Gewicht verleihen können, blieben aber un
ausgeführt. Mit dem faktischen Verlust Siziliens zu Beginn der Regierung
Konstantins IX . scheidet Italien überhaupt als Schauplatz aus. Und auch
Syrien beginnt unter diesem Herrscher, für Byzanz an Bedeutung hinter
Armenien zurückzutreten. Hatte doch bald nach dem Aufkommen der
Mirdäsiden in Syrien bereits das viel folgenreichere Vordringen der türki
schen Seltfüqen im Iran begonnen, deren immer stärkeres Eingreifen in
Armenien in der späteren Regierungszeit Konstantins IX . das sich nähern
de Ende der byzantinischen Machtstellung im Osten ankündigte. Das Jahr
1055 bildet unter Beachtung dieses Gesichtspunktes mit der Übernahme
des Protektorates über das 'Abbäsidenchalifat in Baghdad durch die Selgüqen einen mehr als bloß äußerlichen Einschnitt. Denn die sich daraus
ergebende Erneuerung des Baghdäder Chalifats und die Wiederaufhahme
des Glaubenskrieges gegen Byzanz sind bereits als Auftakt jener folgenrei
chen Entwicklungen zu sehen, die zur Auseinandersetzung bei Mantzikert
führten.
Da wohl viele Leser mit der Topographie des armenisch-syrischen
Raumes und der benachbarten Gebiete nicht hinreichend vertraut sein
werden und zudem nur wenig Kartenmaterial vorhanden ist, auf das
verwiesen werden könnte, bewilligte der Herausgeber die Anfertigung einer
historisch-geographischen Karte als Beilage. Um ein Maximum an Informa
tionen zu bieten und die Kosten dennoch in Grenzen zu halten, diente ein
Ausschnitt aus der Verlagskarte „Naher Osten 1 :2 M ill." von FreytagBemdt und Artaria (mit nur minimalen Adaptationen) als Grundlage; die
mittelalterlichen Termini erscheinen in R ot (als vierter Farbe). Mit Unter-
Vorwort
9
Stützung von Dr. F. H ild und Dr. W. S e ib t wurde, um den W ert der Karte
zu erhöhen, auch eine Reihe von Termini aufgenommen, die in mittelbyzan
tinischer Zeit eine Rolle spielten, wenngleich sie nicht im Text erwähnt
sind — dies allerdings nur in einem beschränkten Ausmaß. Um die
Auffindbarkeit der Eintragungen zu erleichtern, erhielt die Karte einen
Raster, auf den sich die jeweiligen Koordinaten im geographischen Index
beziehen. Daß die Karte auch optisch ansprechend gestaltet wurde, ist das
Verdienst von Dr. H. R e s c h e n h o f e r .
E s ist dem Verfasser eine innere Verpflichtung, abschließend jener zu
gedenken, die dem vorliegenden Werk ihre fördernde Unterstützung ange
deihen ließen : Prof. Dr. H e r b e r t H u n g e r , Präsident der österreichischen
Akademie der Wissenschaften, wandte der Untersuchung bald sein wohl
wollendes Interesse zu und ermöglichte die Veröffentlichung im Rahmen
der Byzantina Vindobonensia. Prof. Dr. H. L. G o t t s c h a l k erteilte seinen
R at in orientalistischen Belangen. Prof. Dr. M. M a n o u ss a k a s (Venedig)
stellte freundlicherweise die Druckvorlagen für das Umschlagbild zur Ver
fügung. Dr. W . S e ib t sind zahlreiche wertvolle Hinweise, vornehmlich auf
dem Gebiet des Ämter- und Titelwesens sowie bei vielen Armenien und
Georgien betreffenden Fragen zu verdanken; außerdem betreute er den
Band als Redaktor. Ferner steuerten Prof. Dr. V e r a v . F a l k e n h a u s e n und
Dr. J .H . F o r s y t h mehrere Ergänzungen und Berichtigungen bei. Allen
genannten Gelehrten sei für ihre Hilfe auch an dieser Stelle aufrichtig
gedankt.
Klosterneuburg, im Juli 1980
Wolfgang Felix
B IB L IO G R A P H IS C H E A B K Ü R Z U N G E N U N D
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AASS
1 Für die vollsttadigen bibliographischen Angaben zu den benützten Editionen der
Primärliteratur vgl. den Abschnitt Quellenkunde bzw. die entsprechenden Anmerkungen.
Arabische, armenische und georgische Namen bzw. Zitate sind zumeist transkribiert.
Dabei folgten wir für die Umschrift des Arabischen den Regeln der „Bibliothek des
Morgenlandes“ (worin y - j, g » gh), für die des Armenischen denen der REA. Das Georgische
haben wir über Vorschlag von V. IMNAISVILI (Tbilisi) in folgender W eise transkribiert:
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SO N STIG E A B K Ü R Z U N G E N
A.
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b.
beg.
d. h.
Dise.
ebd.
ed(d).
m.
Fase.
H
hi.
Hs(s).
i. J.
Jh.
M
Ndr.
Nr.
o.
8.
s. a.
seleukid.
8. V.
U.
vgl.
J.
z. T.
V.
Anmerkung(en)
armenischer Zeitrechnung
angegebenen Orts
ibn (innerhalb arabischer Namen)
begann
das heißt
Dissertation
ebendort
edidit (ediderunt)
folgend(e) bzw. folium
Faszikel
(Jahr der) Higra (muslimischer Zeitrechnung)
heilig
Handschriften)
im Jahr
Jahrhundert
Jahr der byzantinischen Weltära
Nachdruck
Nummer
oben
Seite
sub anno
8eleukidi8cher Zeitrechnung
sub voce
unten
vergleiche
vom Jahr
zum Teil
QU ELLEN KU N DE
L IT E R A R IS C H E Q U E L L E N 1
1. Q u e l l e n
g r ie c h is c h e r
Sprach e
Die byzantinischen Historiker haben den Beziehungen zum Osten
niemals ihre beständige Aufmerksamkeit zugewandt, und es ist daher kein
W erk entstanden, das in der Üherschauung beider Welten dem verglichen
weiden könnte, was Jahjä b. Sa**ld von der orientalischen Seite her geleistet
hat. Äußerungen zu den Angelegenheiten des muslimischen (aber auch des
armenischen) Bereiches erfolgten lediglich dann, wenn der Geschichte*
Schreiber oder Chronist subjektiv eine angemessene Wichtigkeit für die
byzantinische Reichspolitik zu erblicken meinte. So wird erklärlich, daß die
byzantinischen Quellen vor allem für das 1 .Viertel des li.J h . wenig
ertragreich sind, weil hier die Bulgarenkriege Basileios’ II. weitgehend im
Vordergrund des Interesses standen. Am wichtigsten für den gesamten zu
behandelnden Zeitraum ist die Z úvo<J»k Urroptwv des Ioannes Slcylitzes (ver
faßt etwa im 8. Jahrzehnt des 11. Jh.), doch bietet auch er oft nur fragmen
tarische, des größeren historischen Zusammenhanges entbehrende Anga
ben; selbst dort, wo er ausführlicher wird (etwa über die Rolle des
Musaraph in Phönikien, die byzantinische Annexionspolitik gegenüber
Armenien, die beginnende Wirksamkeit der Sel¿Qqen, die byzantinische
Intervention in Sizilien), zeigt sich in gleicher Weise der W ert seiner
Darstellung durch häufige sachliche Entstellungen und chronologische
Irrtümer (wie dies aus den orientalischen und armenischen Quellen erhellt)
beeinträchtigt2.
Das (von 811 bis 1057 reichende) Werk des Skylitzes wurde unter
geringfügigen Änderungen von Oeorgios Reárenos (um 1 1 0 0 ) ausgeschrie
ben, der bis in das veigangene Jahrzehnt mangels einer Ausgabe des
1 Hier findet eich nur eine Aufgliederung jener Quellen, deren Bedeutung über den
Charakter episodischer Einzelzeugnisse hinausgeht ; auf letztere wird bei gegebenem Fall in
den Anmerkungen hingewiesen.
* Ausgabe: Ioannis Scylitzae Synopsis historiaran. E ditio princeps. Rec. I.T hurx
(CFHB 5). Berlin 1973. — Zum Autor: Hl'XGER, Profane Literatur I 389—393; M o r a v C S U 1 335—340; W . SEIST, Ioannes Skylitzes. Zur Person des Chronisten. JÖB 25 (1976) 85
(speziell zur Abfassungszeit).
22
Quellenkunde
Skylitzes an dessen Statt benützt werden mußte3, loannes Zonaras (ca.
2. Drittel 12.Jh.) bringt verhältnismäßig ausführlich, Michael Olykas
(2. Hälfte 12. Jh.) in knappster Auswahl aus Skylitzes bekanntes Material4.
Ganz auf Skylitzes beruht ferner Nikephoros Bryennios (ca. (.D rittel
12. Jh.) in dem Abschnitt über die Frühgeschichte der Selgüqen5*. Einige
über die Skylitzes-Tradition hinausgehende nützliche Mitteilungen bietet
das mit dem Tode Romanos’ III. (1034) einsetzende Werk des Michael
Attaleiates (t wohl 1084)®.
Die Chronographie des „Universalgelehrten“ Michael Psellos ( f wohl
1078) über die Zeit von 976 bis 1078 ist unter Verwendung bester Informa
tionen hervorragend verfaßt, zudem für die Zeit der makedonischen Dyna
stie nicht allzu sehr von Parteilichkeit bestimmt; allerdings ist auch er oft
sehr knapp und in der Auswahl dessen, was seiner Meinung nach wichtig
und damit berichtenswert erschien, reichlich subjektiv7.
Neben diesen historischen Werken bemerkenswert ist das unter dem
Namen des Kekaumenos gehende STpa-ojyixóv mit Ratschlägen an den Sohn
des Verfassers über die militärische und zivile Ämterlaufbahn8; danach
folgt in der Überlieferung eine anonyme Mahnrede an einen Kaiser9. In
beiden Werken finden sich wertvolle historische und ethnographische Mit
teilungen fur die Zeit von Basileios II. bis auf Romanos IV ., durch die der
Verfasser seine Ratschläge illustrierte.
3 Ausgabe: Georgius Cedrenus Ioannis Scylitzae ope ab I. BEKKERO suppletus et
emendatus I— II. Bonn 1838— 1839. — A utor: H unger a.O . I 393 f ; Moravcsik I 273 f.
4 Zonaras: Ausgabe: Ioannis Zonarae Epitomae historiarum libri X V III ex recenskme
M. P inderi III. Libri X III— X V III. Ed. T h . Büttner—W obst. Bonn 1897. — A utor:
H unger I 416— 419; moravcsik I 427— 429; Seibt , Bleisiegel 236.
Olykas: Ausgabe: Michaelis Glycae Annales. R ecognovit I. BEKKERüs. Bonn 1836. —
A utor: H UNOER I 422— 426; MORAVCSIK I 344— 348.
3 Ausgabe: Nicéphore Bryennios, Histoire. Introduction, texte, traduction et notes par
P. G autier (CFHB 9). Brüssel 1975. — A utor: H unger 1 394— 400; Moravcsik 1 4 43f.
* Ausgabe: Michaelis A ttaliotae Historia. R ecognovit I. BEKKERÜS. Bonn 1853. —
A utor: HUNGER I 382— 389; MORAVCSIK I 430— 432; L emerle , Cinq études 98.
7 Ausgabe: Michel Psellos, Chronographie ou H istoire d ’un siècle de Byzance (976—
1077). Texte établi et traduit par É .R enauld. I— II. Paris 1926— 1928 (Ndr. 1967). —
A utor: HUNGER I 372—382; MORAVCSIK I 437— 444; RB Suppl. X I (1968) 1124— 1182
(K riaras ).
MAusgabe: Sovety i rasskazy Kekavmena. Socinenie Vizantijskogo polkovodca X I
▼eka. Podgotovka teksta, w edenie, perevod i kommentarij G. G. LlTAVRlNA. Moskau 1972.
— A utor: Einleitung zur Ausgabe; LEMERLE, Prolégomènes, bes. 6— 8. 19— 40; H .G. BECK, Vademécum des byzantinischen Aristokraten. Das sogenannte Strategikon d e s
Kekaumenos ( Byzantinische Geschichtsschreiber 5). Graz * 1964, 5— 19. Die Frage, ob d ieser
Kekaumenos mit dem bekannten General Katakalon Kekaumenos zu identifizieren ist, läß t
sich derzeit nicht sicher entscheiden.
• Vgl. H unger I I62f. mit A. 13.
2. Q u ellen
l a t e in is c h e r
Sprach e
Sie betreffen die Ereignisse in Unteritalien und Sizilien. Für die
gesamte Zeit von der Jahrtausendwende bis zum Verlust Siziliens durch
Byzanz heranzuziehen sind die Annales Barenses, die Chronik des Lupus
Protospaiharius und ein als Anonymus Barensis bezeichneter Autor. Einige
zusätzliche Nachrichten vermitteln ferner die Annales Beneveniani. Alle
diese Annalen sind trotz ihrer fragmentarischen Kürze, chronologischer
Irrtümer und häufiger Entstellungen der Personennamen als Gerüst des
historischen Ablaufes nicht zu entbehrenl01
.
Das Eingreifen Venedigs gegen die Araber in Unteritalien fand seine
Darstellung im Chronicon Venetum des lohannes Diaconus ( f nach 1018),
der als erster die ältere Geschichte seiner Vaterstadt in umsichtiger Weise
beschrieben h a t". Über die Kämpfe zwischen Byzantinern und Arabern auf
Sizilien im 3. und 4. Jahrzehnt des 11. Jh. liegen zeitgenössische Mitteilun
gen in der Vita des hl. Philaretos vor, die in ihrer ursprünglichen griechi
schen Fassung von Neilos, einem um 1070 verstorbenen sizilischen Mönch,
im kalabrischen Exil geschrieben wurde12.
Eine Gruppe von Werken zur Geschichte der Normannen in Unterita
lien behandelt auch deren Wirksamkeit im Zusammenhang mit den byzan
tinisch-arabischen Auseinandersetzungen im 3. und 4. Jahrzehnt des 11. Jh.
Sie alle geben die Version des Normannenhofes wieder und sprechen daher
den Normannen in oft übertriebener Weise Verdienst und Bedeutung zu.
E s sind das nur altfranzösisch übersetzt erhaltene Werk „Y sloire do li
10 Ausgaben der Annalen : Annales Barenses und Lupus Protospaiharius in Paralleldruck
hrag. ▼. G .H .P ektz, MQH SS V. 1844 (Ndr. Leipzig 1925) 51—56. Anonymus Barensis-.
R era n Italicaran scrip tores, ed. L. A. Ml’RATORi. Band V. Mailand 1724, 147— 156. Anna•
les Beneveniani: MOH SS III (ed. PERTZ). 1839 (Ndr. Leipzig 1925) 173— 185. —
Zusammenfassende Behandlung der Autoren: WATTEN BACH—HOLTZMANX 910—912;
POTTHAtfT II 251— 253; Chalandon X X IX . X X X V II— X X X IX .
11 Ausgabe: lohannes Diaconus, Chronicon Venetum, ed. G .H .PERTZ. MQH SS V II.
1846 (Ndr. Leipzig 1925) 4— 38. A utor: W attenbach—Holtzmann 331 f.
12 Ausgabe in latein. Übersetzung (die griechische Originalfassung, cod. Neap. gr. II AA
26, ist noch nicht ediert): AA&S April. I. Venedig 1737, 608— 618. A utor: H .-G .B kck ,
K irche und theologische Literatur im byzantinischen Reich. München 1959, 582.
24
Quellenkunde
Normant“ des Mönches Amatus von Monte Cassino (gestorben vor 1106)IS,
die „H istoria Sicula“ des Qaufredus Malaterra (verfaßt Ende des 11. Jahr
hunderts)1
1
*4 und das Epos „G esta Roberti W iscardi“ des Wilhelm von
Apulien (verfaßt zwischen 1006 und 1 0 9 9 ) Die Chronik des Amatus
wurde durch Leo von Monte Cassino (sp&ter Kardinalbischof von Ostia und
daher auch nach diesem Ort genannt, gestorben kurz nach 1162) benützt,
der in seiner Chronik Monte Cassinos auch den weiteren Rahmen der
Geschichte Unteritaliens gibt16.
11 Ausgabe: Y atoirede li Normant, ed. O .D elarc. Rouen 1802. A utor: WATTENBACH—
HOLTZMANN 898—000; POTTHAOT II 211 f.; CHALANDON X X X f.
14 Ausgabe: Herum Italicarum scrip tores (Neuausgabe) V /l, ed. E.PONTIBRI. Cittá di
Castelk) 1028. A utor: WATTENBACH—HOLTZMANN 014 f.; POTTHAOT IV 643f.; CHALANDON
X X X V I f.
14 Ausgabe: Guillaume de Pouille, La Geste de R obert Guiscaid, ed. M. MATHIEU (Tuti
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HOLTZMANN 915; CHALANDON X X X IX f.
'* Ausgabe: Chronica monasterii Cassinensis, ed. W. WATTENBACH. MOH 88 V II. 1846
(Ndr. Leipzig 1925) 674—727. A utor: WATTENBACH—HOLTZMANN 000—002.
3. Q u ellen
a r m e n is c h e r u n d g e o r g is c h e r
Sprach e
E ntere sind unentbehrlich nicht nur für Armenien im engeren Sinne,
sondern darüber hinaus fur den gesamten Bereich Obermesopotamiens (alGazlra) und Noidsyriens. Für die Zeit um die Jahrtausendwende steht noch
das bis 1004 reichende W eih des Step'anos von Tarön (einer westlich des
Van-Sees gelegenen Provinz Armeniens) zur Verfügung, der häufiger unter
seinem Beinamen Aaolik (der „Musiker“ , besser noch der „R hetor“ )
genannt wird. Er war Zeitgenosse der im letzten Teil seiner Chronik
geschilderten Ereignisse und zeichnet sich durch historische Treue, zuver
lässige Chronologie und lebendige Darstellung aus17.
An ihn anknüpfend stellte im ausgehenden 11. Jahrhundert Aristakës
von Lastivert (im Gebiet von Karin, dem heutigen Erzurum) die Geschichte
Armeniens bis zum Triumph der Selgüqen bei Mantzikert 1071 dar. Das
Werk des wohlunterrichteten und für die spätere Zeit gleichfalls aus
eigenem Erleben schöpfenden Autors besitzt großen historischen W ert;
einen eigentümlichen Charakter verleihen ihm die elegischen, reich mit
Bibelzitaten verbundenen Klagen über die Schicksale des Landes und
seines V olkes18.
Im Gegensatz zu beiden Vorgenannten war M atttos von Ufhay (Edessa), der nach 1136 bis dahin reichende Annalen verfaßte, kein sonderlich
tie fg e h e n d e r Kenner der Geschichte Armeniens; vor allem der erste Teil
11 Ausgabe:
Step'anoei TarOnec*woy Asolkan
Patmut'iwn
Tiezerakan,
ed.
Sr. MalxaseanC. Petersburg *1886. Frenz. Übersetzung des III. Buches: H istoire Univer
selle par Étienne Asolik de Tarön. Traduite de l’Arménien et annotée par F. Macler.
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T horossi an 127— 129; Ingusian 187f.; Canard— B erbérian (in der Einleitung zur
Übersetzung) X III— X V .
26
Quellenkunde
(952— 1051) enthält zudem mehrfach chronologische Irrtümer. Doch kann
zur Vervollständigung der oft lückenhaften übrigen Quellen sein Werk
nicht entbehrt werdenl9.
Schließlich finden sich mehrere verstreute Angaben, teils als Parallel
überlieferung zu den vorgenannten Autoren, teils mit zusätzlichen Nach
richten, bei Vardan, Samuel von Ani und Smbat. Von diesen verfaßte
Vardan ( f zwischen 1269 und 1271) in summarischer Form eine Chronik
von der Erschaffung der W elt bis auf seine Zeit; Samuël, Presbyter von
A ni, dessen Lebenszeit in die 2. Hälfte des 12.Jh. fallt, schrieb eine
Chronik vom Anbeginn der W elt bis 1180; Smbat, ein armenischer Prinz
und Feldherr, der in diplomatischer Mission längere Zeit bei den Mongolen
weilte (t 1276), behandelte in seinen Annalen die Epoche von 952 bis in
sein Todesjahr20.
Eine Behandlung der georgischen Quellen muß von der Besprechung
des umfangreichen Werkes Kartlis cxovreba („Georgische Chronik“ ) ausge
hen, einer Sammlung verschiedenartiger Arbeiten zur Geschichte Geor
giens. Dabei sind zwei verschiedene Redaktionen zu unterscheiden. Der
georgische König Vaxtang VI. (1703— 1723) ließ nämlich einerseits zehn
historische Abhandlungen, die vom Anbeginn der Menschheit bis in die
Mitte des 14. Jahrhunderts reichten, zu einer geschlossenen Darstellung
19 Da es bis heute noch keine kritische Ausgabe gibt, sind jew eils die beiden alten
Ausgaben parallel zu verwenden (die Versionen weichen zum Teil voneinander ab) : M att'eos
Urhayec'i, 2amanakagrut*iwn. Valarsapat *1898. Patmut'iwn Matt'êosi Urhayec'woy. Jeru
salem 1869. — Übersetzung ins Neuostarmenische : M att'eos Urhayec'i, 2amanakagrut'yun,
trad. H . BarTIKYAN. Erevan 1973. Übersetzung (des Jerusalemer Textes) ins Franz.:
Chronique de Matthieu d ’Édesse, continuée par Grégoire le Prêtre. { Bibliothèque historique
arménienne ou Choix des principaux historiens arméniens, traduits en français. . . par
É . D l'LAUBIER). Paris 1858. Die Dissertation von A. E . DOSTOURIAN über M att'ëos
Urhayec'i, die in Kürze bei University Microfilms International (Ann Arbor — London)
erscheinen w ild, soll auch eine englische Übersetzung des Textes bieten. — A utor:
T horossi an 141 f.; Inglisian 191 f.
Smbat: Ausgabe: Smbatay Sparapeti Taregirk', ed. S. Agmlean. Venedig 1956. Russ.
Übersetzung : Smbat Sparapet, Le topis’ . Perevod s drevnearmjanskogo, predislovie i primecanija A. G. G alstjana. Erevan 1974. Die jüngst erschienene französische Übersetzung: La
Chronique attribuée au Connétable Smbat. Introduction, traduction et notes par
G. DÉDÉYAN (Documents relatifs à f Histoire des Croisades 13). Paris 1980 behandelt nur die
Kapitel ab 1164, bietet aber eine sehr wertvolle Einleitung zum A utor; dazu vgl. ferner
T horossian 174; Inglisian 201 f.
Vardan: Ausgaben: Hawak'umn Patmut'ean Vaidanay Vardapeti. Venedig 1862. Mecin
Vardanay Barjrberdec'woy Patmut'iwn Tiezerakan, ed. M .ËM IN. Moskau 1861. — A utor:
T horossian 167— 170; Inglisian 200f.
Samuel von Ani: Ausgabe: Samuêli K'ahanayi Anec'woy Hawak'munk' i Groe' Patm agrac' Y alaga Giwti 2amanakac' Anc'eloc* miné'ew i Nerkays, ed. A .T ër -MiK'ELEAN. Valar
sapat 1893. — A utor: THOROSSIAN I4 4 f.; INGLISIAN 192.
Literarische Quellen
27
verarbeiten (sog. „älterer Zyklus“ ), und andererseits für die Zeit bis zum
Ende des 17. Jahrhunderts, für die es keine entsprechenden Vorarbeiten
gab, eine gültige historische Darstellung schaffen (sog. „jüngerer Zyklus“ ).
Die vaxtangische Redaktion von Kartlis cxovreba gab M. B r o s s e t 1849 —
zusammen mit einer französischen Übersetzung — heraus.
E s blieben aber Handschriften erhalten, welche die zehn Arbeiten des
älteren Zyklus vor der großen Umarbeitung bieten und bis in das 15. Jahr
hundert zurückreichen. Der georgische Text ist heute in der vorzüglichen
Ausgabe von S. Q a u x Ci Sv il i (K a u c h Ci Sv i l i ) z u benützen. Für das frühere
11. Jh. sind nur zwei dieser zehn Abhandlungen ergiebig : M altane Kartlisa
(„Chronik Georgiens“ ), das vom 8.Jh. bis 1072/3 reicht, wurde wohl im
späteren 11. Jh. von einem anonymen Autor, der aus Ostgeoigien stammte,
abgefaßt. Die „Geschichte der Familie Bagrationi“ (Cxovreba da uçqeba
Bagratonianta) des Sumbat Davitis-je (Sumbat, Sohn des Davit) geht
(allerdings nur mit dem Stammbaum) bis in biblische Zeiten zurück und
reicht bis in den Beginn der dreißiger Jahre des 11. Jh.21.
21 Ausgaben: Kartlis c/ovreba-H istoire de la Géorgie depuis l'antiquité jusqu’au X IX e
siècle, publiée en Géorgien par M. Brosset. I. Petersburg 1849. — Kartlis c/ovreba, ed.
S.Q ai xCisvili (S .G .K aich Cisvili) I. Tbilisi 1955. Darin S. 249—317 Matiane Kartliaa-,
S .371— 386 Sumbat Davitis-je. Übersetzungen: M. F. BROSSET, H istoire de la Géorgie
depuis l’antiquité jusqu’au X IX r siècle. I : H istoire ancienne, jusqu’en 1469 de J.-C.
Petersburg 1849; Matiane Kartlisa. Perevod, w edenie i primeèanqa M. D. LORDKIPANIDZE.
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1979. — Literarhistorische Angaben bei M. Brosset, Additions et éclairissements a
l’Histoire de la Géorgie depuis l’antiquité jusqu’en 1469 de J.-C. Petersburg 1851, sowie in
den Vorworten der genannten Ausgaben und Übersetzungen. Vgl. ferner C. TorMANOEK,
Medieval Georgian Historical Literature (V IIth— X V th Centuries). Traditio I (1943) 139—
182. (Den Abschnitt über die georgischen Quellen stellte freundlicherweise W . SEI KT zur
Verfügung).
4. Q u ellen
d e s m u sl im isc h e n
B e r e ic h e s
Ihre Sprache ist fast MUMnhKftBljnh arabisch; empfehlenswert scheint
eine Gliederung nach regionalen Gesichtspunkten.
a) Syrien und Obermeaopotamien (al-Gazlra)
Die grundlegende Quelle zum Thema bildet die Chronik von Jahjä b.
Satd al-Antäki. Um oder nach 980 geboren, dem Beruf nach Arzt, setzte er
als Verwandter des 939 verstorbenen melkitischen Patriarchen Eutychios
(Said b. al-Bitrlq) von Alexandreia dessen Geschichtswerk fort. 405 H (heg.
2. Juli 1014) verließ er infolge der christenfeindlichen Maßnahmen des
Fätimidenchalifen al-Häkim seine ägyptische Heimat und nahm im byzan
tinischen Antiocheia Aufenthalt, wo auch die Endfassung seines Werkes
entstand. Die Darstellung reichte wohl bis in Jahjäs Todesjahr 1066, ist ab
1028 jedoch bereits unvollständig überliefert und bricht 1034 beim Tode
Romanos’ III. ab. Jahjäs Chronik, die formal weder der muslimischen
Reichshistoriographie mit ihrem rigorosen annalistischen Schema, noch der
ägyptischen Tradition mit ihrem starken biographischen Moment zugeord
net werden kann, schildert in Verbindung beider Gesichtspunkte mit großer
Zuverlässigkeit die Ereignisse in Syrien und Ägypten ebenso wie die im
byzantinischen Reich, sodaß dieses Opus mit Recht als ein beide Welten —
Byzanz und das Arabertum — überschauendes Geschichtswelk gerühmt
wird.
Die Frage nach den Quellen Jahjäs ist erst neuerdings weitergehend
beantwortet worden : Bei der hier einschlägigen Zeit nach der Jahrtausend
wende scheint die Verwendung des ägyptischen Chronisten al-MusabbihT
(t 1029; vgl. u. S.30) nachweisbar zu sein; hinzu traten wohl in zuneh
mendem Ausmaß mündliche Berichte (aus zweiter Hand und daher mit
möglichen Ungenauigkeiten); fur die Epoche nach al-Häkim konnte sich
Jahjä dann vornehmlich auf Autopsie stützen (die Darstellung hat nun
ihren Schwerpunkt bei den Ereignissen in Nordsyrien). Auf Benützung
christlicher Quellen des nördlichen Syrien weisen die öfters gebrauchten
Datierungen nach seleukidischer Ära, ohne daß aber damit die Verwendung
Literarische Quellen
29
byzantinischer Quellen (gleichgültig in welcher Sprache) gewiß wäre, was
nur fur die Zeit vor der Jahrtausendwende gesichert sein dürfte22.
alr'Azïmï (t nach ! 161) war Verfasser einer großen Geschichte Halabs,
die von KamftladdTn (s. u.) reichlich verwertet wurde und durch Zitate bei
diesem noch faßbar ist. Erhalten blieb der Auszug einer bis 638 H (1143/4)
reichenden Universalgeschichte mit starker Betonung der syrischen Ereig
nisse. Sie ist für frühere Zeiten Kompilation (u. a. hat er nach eigenen
Angaben — f. 50b, f. 180b — Jahjä b. Said benützt) und wird dann
vornehmlich fur die selgüqische Periode wichtig; doch ist auch der frühere
Teil zur Kontrolle und fallweisen Ergänzung der anderen Quellen nütz
lich23.
Einschlägige Angaben für die syrischen Begebenheiten sind fallweise
aus der Chronik des Ibn al-Qalânisï (t 1160) zu erhalten, der eine vom
späteren 10. Jh. bis in sein Todesjahr reichende Geschichte von Damaskus
verfaßte24.
Besonders wichtig ist die Geschichte Halabs des Kamâladdïn b. alr'Adïm
( f 1262), der in schlichtem Stil und klarer Anordnung über das engere
Thema hinaus viele anderswo nicht faßbare Tatsachen zu den Geschehnis
sen in Nordsyrien bringt. Sachlich zeigt er viele Gemeinsamkeiten mit
Jahjä b. Said und kann für die Jahre ab 1034 (wo die erhaltene Darstellung
Jahjäs abbricht) als dessen Ersatz dienen. Allerdings ergibt ein Vergleich
der beiden, daß Kamäladdln zumal an kritischem Sinn weit zurückbleibt
(abweichende historische Traditionen etwa werden oft ohne Versuch einer
Bewertung nebeneinander gestellt). Von seinem großen enzyklopädischen
Werk bughjat at-talab (woraus die Stadtgeschichte ein historisches
Kompendium darstellt) sind Anfang und Ende autograph erhalten und
zeigen noch die Gliederung in geographischen Überblick, biographisches*
** Ausgaben: Bis zum Jahr 1013: Jahjä b. Said, H istoire, edd. I . K ratCHKOVhKY et
A . A. V asilibv . PO 18 (1924) 099— 833; 23 (1932) 347— 620. Nur für den 8ch)uBteil wurde
verw endet: Jahjä b. Said, Annales, ed. L.CHEIKHO 8J (CSCO, Scriptores Arabici 111fl.
Beirut— Paris— Leipzig 1909. — Zum A utor: Leben, sowie Entstehung und Umfang des
W eih s: FORSYTH 1—32; zur Quellenfrage ausführlich ebd. 37ff. (S. 186— 200 über die
byzantinischen Gewährsmänner); die Beurteilung von Jahjäs Geschichtsschreibung (z.T .
m it Vorigem sich überschneidend) ebd. 297—368 (S. 307—314 zur FYage christlicher Quellen
sowie über die Quellenlage nach der Jahrtausendwende). Vgl. auch V asilibv — CANARD
I I / l , 80—90; Canard . Sources 300—303; Grap I I 49—61 ; BROCKELMANN 1 164; El* 1 616,
s. v. al-Antäkl (CANARD).
** T ext: taYlb, Hs. Bayezid-Bibl. 398 (Konstantinopel). — A utor: E P I 823, s. v.
(CAHEN); Cahen , 8yrie 42f. ; BROCKELMANN I 420; DER8., 8uppl. I 686.
M Ausgabe: dail taYlfe D im aiq, ed. H .F .A medroz. Leiden 1908. — A utor: Canard ,
Sources 292f.; BROCKELMANN, Suppl. I 686; AMEDROZ im Vorwort seiner Ausgabe.
30
Quellenkunde
Lexikon und annalistisches Geschichtswerk mit reich ausgebreitetem
Material2
5
26.
Im mesopotamisehen Bereich ist für die Numairiden von Harrän das
W eik des Ibn Saddäd ( f 1285) zur historischen Topographie Syriens und
der Gazlra von Bedeutung; für die Marw&niden die Chronik des Ibn alAzraq ( f 1176) über seine Heimatstadt MajjäfarTqln'26.
6) Ägypten
Von einem der bedeutendsten fatimidischen Historiker, al-MusabbihT
(t 1029), ist nur noch ein Fragment seines großen Werkes — und zwar für
die Jahre 414 H (heg. 26. März 1023) und 415 H (heg. 15. März 1024) —
vorhanden, das aufschlußreiche Angaben über die in dieser Zeit sehr
bewegten Geschicke Syriens zwischen Mirdäsiden, Garrähiden und der
fätimidischen Regierung enthält27.
W ertvolle Mitteilungen über die diplomatischen Kontakte zwischen
Ägypten und dem byzantinischen Reich (vornehmlich auch über Art und
W ert der Ehrengaben) bringt das anonyme Werk kitäb ad-dahä'ir wa'ttuhaf. Auf Grund von Anspielungen auf Zeitereignisse und durch Vergleich
ebensolcher oder ähnlicher Titel samt den ihnen zugeordneten Autoren bei
al-MaqrlzI, Ibn Qallikän, Jäqüt und al-Ghuzül! hat sich ergeben, daß
zwischen einem ursprünglichen Verfasser zu unterscheiden ist, der gegen
Ende der Büjidenzeit in Baghdäd lebte und nach der Machtübernahme
durch die Selgüqen (1055) nach Ägypten ging, wo er als Empfangschef für
ausländische Gesandte am Fätimidenhof wirkte, und zwischen dem
Neubearbeiter al-QädT ar-Raéld ( f 562 H/beg. 28. Oktober 1166 oder
25 Ausgabe: zubdat al-halab min tarlfo Halab, ed. SÂMÏ aD-DahhäN. I—III. Damaskus
1061— 1968. Text der bughjat at-talab fl ta’rty Halab: Has. Aya Sofya-Bibl. 3036; Ahmed
III.-Bibl.2925; Faizullah-Bibi. 1404 (alle Konstantinopel). — Autor: VASILIEV—CANARD
11/1, 177— 180; Canard , Hamdanides 22—24; BrockeLMANN 1 404—406; EI' II 753f.
(B rockelmann); Cahen , Syrie 62f.; W üstenkelu, Geschichtsschreiber I I30f. (N r.346).
26 Text des Ibn Saddäd : al-a'l&q al-|)atlra fl dikr umarä* as-Sa'm wa’l-GazTra, Has. Bodl.
Marsh Oxford 333 und Berlin 9800. — Autor: A medkoz, JRAS 34 (1902) 801—812;
V akiliev—Canard II / i , 192— 194; Brockelmann 1 634; E l' I I 444 (B rockelmann).
Ibn al-Azraq : Ausgabe: taYtyi MajjftfarTqTn, ed. B. A. L. AW AD. Kairo I960. A utor: A WAD
in der Einleitung seiner Ausgabe: AMEDKOZ, JRAS 34 (1902) 785— 800; V anILIEV—
Canard l l / l , 113; Brockei.ma.nn, Suppl. 1569f.
27 Text: afcblr Mi<r> Hs. Escorial 534/2; Auszüge auch bei BECKER, Beiträge. Autor:
Becker , a.O. 15— 18; Brockelmann I 408; dkks., Suppl. I 571 f.; WUstenkeld ,
Geschichtsschreiber I 59 (Nr. 181).
Literarische Quellen
31
563 H/beg. 17. Oktober 1167), der vielleicht der Enkel des als gleichnamig
zu fassenden Anonymus gewesen ist28.
Dieses Werk ist von cd-Maqrïzï ( f 1442) wiederholt herangezogen
worden, der darüber hinaus in seiner Topographie Ägyptens und vornehm
lich in seiner Fätimidengeschichte weitere wichtige Angaben über die
Beziehungen zu Byzanz macht. Von Bedeutung ist ferner, was er über die
allgemeinen Geschehnisse in Syrien berichtet. Allerdings finden sich öfters
durch nachlässige Kompilation verursachte Unvollständigkeiten oder Un
genauigkeiten, wie eine Überprüfung mittels anderer Quellen erweist20.
Die ägyptische Geschichte des Ibn Mujasaar ( f 1278) umfaßt im
erhaltenen Hauptteil die Zeit von 1047 bis 1158 und kommt daher nur
durch einige Mitteilungen über die fätimidisch-byzantinischen Beziehungen
unter Konstantin IX . und Theodora bzw. die damaligen Ereignisse in
Syrien in Betracht30. Ibn Toghrïbirdt ( f 1469) deckt zwar den gesamten
Zeitraum vorliegender Arbeit; seine kurzen Angaben über die Fätimiden in
Syrien sowie zur Geschichte Halaba sind jedoch insgesamt anderweitig
reichhaltiger überliefert31.
c ) Universalgeachichtsachreibung
Für die Vorgänge in Syrien um die Jahrtausendwende ist mehrfach die
Fortsetzung der Chronik des Ibn Miskawaih durch Abu &v$ä' ar-Rüdrawarï,
einen 1095 verstorbenen 'abbäsidischen Wezir, wertvoll, der die Jahre
369 H/979 — 389 H/999 behandelt hat32.
“ Ausgabe: al-Q iift ar-RasId, kit&b ad-dah&’ir wa’t-tuhaf, ed. Mihammad H a m ïd il LÄH. Kuwait 1959. A utor: H amidullah, Documents 281— 284 (der Verfasser ist der
Entdecker des W erkes); Canard , Sources 289.
** Ausgabe der F&timidengeschichte : al-MaqrlzT, ittf&z al-hunaf&‘ W-afebír al-a’immat alfttim qjln al-hulafa’ I— III. Kairo 1967— 1973. Ausgabe der Topographie: al-MaqrTzT, alm tw l'k wa’ l-i'tib ir ftdikr al-bitat wa’ l-ât&r I— II. Bül&q 1270 H. — Zum A utor: BROCKELMAN.N II 47— 50; El' III 190 (BROCKELMANN); WüSTENEELD, Geschichtsschreiber II 41—
4 6 (Nr. 482).
* Ausgabe: afebtr Miar, cd. H . Massé. I— II. K airo 1919. A utor: EI*
**III 894 (Cahen );
B rockelmann, Suppl. 1 574; Massé in der Einleitung seiner Ausgabe.
31 Ausgabe: Annals, ed. W.POPPER (an-nugflm az-z&hira ft mulfik Miar wa’l-Q&hira)
II/2 . Berkeley 1909. A utor: EI* I 138, s. ▼. Abu’ l-Mah&sin (POPPER); BROCKELMANN II
51 f.; WCsTENPELD. Geschichtsschreiber II 52f. (Nr. 490).
** Ausgabe: dail k itib tag&rib al-umam, in: The Eclipse o f the Abbasid Caliphate.
Original chronicles o f the IVth islamic century, edited, translated and elucidated by
H .F .A medroz and D .S . Margolioith . III. Oxford 1921. A utor: El' III 1263 (ZETTERSTÉEN); B rockelmann, Suppl. I 583; W üSTENPELD, Geschichtsschreiber I 76 (Nr. 227)
(m it irrigem Todesjahr 513 H).
32
Quellenkunde
Einige sonst nicht überlieferte Angaben zu den ersten byzantinischsel^Oqischen Beziehungen finden sich in den Weltchroniken des 1200
verstorbenen Ibn alrÖavzl und seines Enkels Sibt b. aX-Öauzl ( f 1257);
hinzu kommen mehrere isolierte Mitteilungen über Syrien. Ihre eigentliche
Bedeutung besitzen diese Autoren jedoch erst fur die Zeit des Protektorats
der Selgüqen in Baghdäd33.
Von einem sonst nicht n&her bekannten Ibn Abi't-Hayfä', d er aus
Indizien seines Werkes ins spätere 12.Jh. zu setzen ist, sind Annalen
erhalten, die gedrängt auch Nordsyrien im 11. Jh. berühren, aber selten von
größerem Interesse sind34.
Der berühmte Ibn al-Atïr ( f 1233) gibt in seiner Universalgeschichte fur
die Mirdäsiden einen nicht völlig genauen Abriß; während für diese Them a
tik anderweitig reichhaltigere Überlieferung vorliegt, sind seine sonstigen
jahrweisen Angaben zu den byzantinisch-muslimischen Beziehungen wich
tig; von Bedeutung ist ferner sein Exkurs über Sizilienss. Mit diesem
Historiker stimmen Abu'l-Fidä' ( f 1331) und Ibn Haldün ( f 1405) w eitge
hend überein; gleichfalls auf Ibn al-Atlr beruhen Ibn Abi'd-Dam ( f 1244)
und alr'Ainl (t 1451 ). Bei ihnen ist allenfalls die eine oder andere Nachricht
neben Ibn al-Atlr von Belang30.
Auf einer Vielzahl älterer Chroniken beruhen die Weltgeschichten der
christlichen Schriftsteller Abu’l-Fara^ (Barhebraeus) und al-Makln. Abu'lr
Fora# (t 1286) gehört mit seinen zahlreichen Werken vornehmlich der
* Ibn al-öauzl: Ausgabe: kit&b al-muntaçam ft multaqat al-multazam V II— V III.
Haidarabad 1368— 1360 H. Autor: EI* III 751 f. (L aoüOT); Brockelmann I 660— 661;
WÜSTENFELD, Geschichtsschreiber I 102 (Nr. 287).
Sibt b. al-öauzl: mir’&t az-zam&n ft ta’rlh al-a'j&n. Hss. Paris, Bibi. Nat. 1606 und 5866.
Autor: El* III 752 (CAHEN); BROCKELMANN I 224f.; CAHEN, Syrie 64—66; WÜSTENFELD,
Geschichtsschreiber I 126 (Nr. 340).
M T ext: ta’rlh, Hs. Ahmadija-Bibl. 4916 (Tunis). Autor: CAHEN, Syrie 71 ; ZAKKAR 33.
u Ausgabe: al-kim il fi’t-ta’rlh 1— X II. Beirut 1966— 67 (Ndr. nach der Ausgabe von
TORNBERG). Autor: EI* III 724 (ROSENTHAL); BROCKELMANN I 4 2 2 f; DERS., Suppl. I
587 f.; W üstenfeld, Geschichtsschreiber I 133 (Nr. 315).
M Abu’l-Fidä': Ausgabe: Abulfedae annales Muslemki, arabice et latine opera
J .J .R eiske ed. J. G. Chr . Adler I—V. Kopenhagen 1789— 1794. Autor: EI* I U 8 f.
(Gibb ); Brockelhann I I 55—57.
Ibn Haldün : Ausgabe : kit&b al-’ibar wa-diwSn al-mubtadä' wa’l-b&bar ft ajjlm al-'arab
w aVagam wa’ l-barbar. Bd. IV. Beirut 1968. Autor: EI* 825—831 (T albi); BROCKELMANN
II 314—317.
Ibn Abed-Dam: T ext: taYH>, Hs. Bodl. Marsh 60 (Oxford). Autor: EI* III 683
(R 08ENTHal) ; Brockelmann 1 4 2 3 f.; ders., Suppl. 1 588; Cahen, Syrie 67.
al-'Aint: T ext: 'iqd al*¿um&n fi taVlh ahl az-zam&n, Hs. Bayezid-Bibl. 2317 (Konstantinopel). Autor: EI* I 790f. (MARÇAI8); VASILIEV—CANARD II/I, 263f.; BROCKELMANN II
6 4 f.; DER8., Suppl. II 50f.; WüOTENFELD, Geschichtsschreiber II 50f. (Nr. 489).
Literarische Quellen
33
syrischen Literatur an, und so erscheint auch seine Weltchronik in einer
umfangreichen syrischen und einer kürzeren arabischen Fassung ; vor allem
in ersterer erfolgen wichtige Mitteilungen zur Geschichte Nordsyriens und
Obermesopotamiens37. al-Makin ( f 1273) schließlich geht in seinen Anga
ben zur Geschichte Halaba weit über Ibn al-Atlr und seine Epigonen
hinaus, ohne allerdings grundsätzlich Neues zu bieten33. Im wesentlichen
dieselben Nachrichten wie die auf Ibn al-Atlr beruhende Vulgata bringt a4Dahabt ( f 1347)3*.
Eine späte Quelle ist das wenig belangvolle Exzerpt einer im Auszug
bis 1187 erhaltenen Weltgeschichte des Ibn Öunghul (t 1544)40. Noch
jünger, aber ungleich wichtiger ist der osmanische Historiker Munafifimbäil ( f 1702). Das arabische Original seines später in einer stark verkürzten
türkischen Übersetzung des 18. Jh. bekannt gewordenen Werkes verwendet
und zitiert zahlreiche verlorene Quellen, besonders zur Geschichte der
kleineren muslimischen Dynastien. Während der Abschnitt über die Mirdäsiden lediglich als Bestätigung der reichhaltigeren Parallelüberlieferung
dienen kann, ist von hohem Interesse der Traktat über die Saddädiden von
Ganga, den V. M i n o r s k y im Anhang seiner „Studies in Caucasian History“
herausgegeben hat41.
d) Der Westen
Über Sizilien fast noch besser als Ibn al-AtTr und seine Tradition
unterrichtet zeigt sich der Universalgelehrte an-Nuivairi ( f 1332), der in
* Chronicon Syriacum : Bar-Hebraei Chronicon Syriacum, edd. P.J. Brun.s—G.G.
K irsch. Bd. II (lat. Übers). Leipzig 1789. The Chronography of Gregory Abü’l Faraj, the
Son of Aaron, The Hebrew Physician commonly known as Bar Hebraeus, being the first part
o f his Political History of the World, tr. E. A. W. BlDGE. Oxford 1932. Arabische Fassung
(ta'rlb muhtaçar ad-duwal) : Gregorii Abil-Pharagii historia dynastiarum arabice et latine ed.
ED.POCOCK. Oxford 1663. Zum Autor: E l* III 804f., s. v. Ibn al-TbrT (SEGAL); Graf II
272—276; BrockELMANN I 427 f.; A. Bacm.sTARK, Geschichte der syrischen Literatur II.
Bonn 1922, 312—320; T h . NöLDEKE, Orientalische Skizzen. Berlin 1892, 253—273.
** Seine Mitteilungen über Halab sind ausführlicher bei Kam&laddTn zu finden. Ausgabe
(ta'rlh al-muslimln) : Historia Saracenica arabice exarata a G eorgio E lmacino et latine
reddita opera et studio T homae E rpenii. Leiden 1625. Autor: E l' I88f. (P lemkner);
G raf II 348—360; Bröckelmann I 425f.; V aniliev—Canard II/I, 188; W üxteneeld,
Geschichtsschreiber I I34f. (Nr. 351).
*® Text: ta'rlh aHslfcn, Hs. Brit. Mus. Or. 49—50. Autor: E l* 214—216 (DE SOMOGY);
B rockelmann I I 57—60; der »., Suppl. I I 457; V aniliev—Canard Il/I, 236f.
40 Text: taYlfr, Hs. Brit. Mus. Or. 5912. Autor: Brockelmann, Suppl. II 411.
41 Aufgabe: V. M inorsky, Studies in Caucasian History. London 1953 (betrifft die
daddididen). Text: ta’rlh, Hs. Nur Osmaniye-Bibl. 3171 (Konstantinopel) (MirdftsidenExkurs). Autor: F. BabingER, Die Geschichtsschreiber der Oamanen und ihre Werke.
Leipzig 1927, 234f. (Nr.205); E l' IV 779 (K ramern); BROCKELMANN, Suppl. II 637.
34
Quellenkunde
einem riesigen Kompendium auch die Geschichte abgehandelt hat42. Ü ber
die Beziehungen Siziliens zu den Muslimen des westlichen Mitteimeeres ist
einige Male Ib n 'IdärT von Belang, der im früheren 14. Jh. eine grundlegen
de Geschichte des muslimischen Nordwestens verfaßte43.
e) Topographie
Für die historische Topographie unentbehrlich ist das geographische
Wörterbuch des Polyhistors Jäqüt (t 1229)44.
4* Ausgabe der betreffenden Partien bei Amari, Biblioteca. Autor: V aniliev—Caxard
II/I, 229t.-, E l ' III I045f. (KRATHCHKOWSKY); BROCKELMANN II 175; WüsTENKELD,
Geachichtsachreiber I 166 (Nr. 399).
43 Ausgabe : al-baj&n al-mughrib ft a^bir mulflk al-Andalua wa’l-Magfarib, ed. R. P. DOZY
I—II. Leiden 1848—51. Autor: E l* III 805 (Bonch-V ila); BROCKELMANN 141 If.; DBR.X.,
Suppl. I 577; WüsTENKELD, Geachichtsachreiber 1 151 (Nr. 373).
44 Ausgabe: J&qflt, kitAbmu'gfim al-buldAn, ed. F. WüsTENKELD. I—VI. Leipzig 1866—
1870. Autor: E l' IV I247f. (B lachèRE); BROCKELMANN I 630—632.
N
ic h t l it e r a r is c h e
Q
u elle n
A uf gelegentlich heranzuziehendes Material nichtliterarischer Art (In
schriften, Münzen, Siegel) wird in den betreffenden Anmerkungen näher
eingegangen.
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O riginal from
UNIVERSITY OF MICHIGAN
T E IL I
S Y R IE N U N D P H Ö N IK IE N
Z E IT T A F E L
999
1001
1002
1003/4
1004/5
1007
1008
1009
1009
1010
1011
12
2. Feldzug des Kaisers Basileios II. nach Syrien;
nachfolgend Beginn von Verhandlungen zwischen
Ägypten (Mission des Patriarchen Orestes) und dem
byzantinischen Reich.
Abschluß eines Friedensvertrages auf 10 Jahre.
Ermordung des hamdänidischen Emirs Sa*fdaddaula
von Halab und darauffolgend Vormundschaft des
Anstifters Lu’lu’ über die unmündigen Söhne Sa*Idaddaulas. Keine Änderung im Verhältnis zu Byzanz.
Exilierung der Söhne Saldaddaulas nach Ägypten;
Mitregentschafb von Lu’lu’s Sohn Abfi Nasr Mansflr.
Auftreten des falschen Mahdi al-Asfar gegen die By
zantiner in Syrien; schließlich Unterwerfung der von
ihm geführten Bewegung durch den Statthalter von
Antiocheia, Nikephoros Uranos.
Einkerkerung al-Asfars durch Lu’lu’ in Halab.
Tod Lu’lu’s; Nachfolge seines Sohnes al-Mansür.
Versuch des Hamdäniden Abu’l-Haigä’, den unbelieb
ten al-Mansür von Halab zu stürzen; sein Scheitern
infolge byzantinischer Passivität und mangelnder
Unterstützung durch den Marwäniden Mumahhidaddaula von MajjäfarTqtn. Rückkehr Abu’l-Haigä’s ins
byzantinische Exil.
Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem im Zusam
menhang mit der christenfeindlichen Politik des Fätimidenchalifen al-Häkim.
al-Mansür von Halab erfüllt seine für ägyptische
Hilfe gegen Abu’l-Haigä’ gegebene Zusage zur Unter
ordnung unter al-Häkim nicht.
Flucht der Söhne von al-Husain b. Gauhar nach
Syrien; Zaudern des Statthalters von Antiocheia,
Michael Koitonites, ihnen Asyl zu gewähren ; schließ
lich deren Untergang durch den Verrat des Garrähiden al-Mufarrig b. Daghfal.
40
101 f — 1 01 3
1012— 1014/5
1012
1014
Syrien und Phönikien
al-Mufarrig b. Daghfal beherrscht de facto ohne Rück
sicht auf al-H&kim Palästina; Einvernehmen mit den
Christen und vermutlich auch mit Byzanz.
Trotz der antichristlichen Politik al-Häkims Fort
dauer der diplomatischen Kontakte zu Byzanz.
Handstreich al-Mansürs von Halab gegen die Kiläb;
Gefangennahme zahlreicher Vornehmer, darunter von
Çâlih b. Miidäs.
Flucht $ilih s; nach seinem Vorstoß gegen Halab
Gefangennahme al-Mansürs, der gegen (nicht einge
haltene) Bedingungen wieder frei kommt.
1014— 1016
Fortdauer des Kampfes zwischen §älih b. Miidäs und
al-Mançür; Streben beider nach byzantinischer Unter
stützung, die zuerst al-Mançür, dann §älih b. Miidäs
erhält.
1016
Sturz al-Mançürs durch den Festungskommandanten
Fath und Flucht auf byzantinisches Gebiet, wo alMansür und seine Familie im Gebiet von Antiocheia
ehrenvolles Exil erhalten.
1016
Die von Fath als Protektoren herbeigerufenen Ägyp
ter fassen unter ’A ll b. Ahmad a4-D aif in Halab Fuß.
Verbot jedes Reise- und Handelsverkehrs zwischen
dem byzantinischen Reich und Ägypten durch
Basileio8 II., mit alleiniger Ausnahme von §älih b.
Miidäs.
1016
1017
1017
Übergriffe ägyptischer Truppen gegen byzantinische
Grenzsiedlungen.
'Azlzaddaula Fätik Statthalter al-Häkims in Halab.
1020/1
Abfall ’Azfzaddaulas von al-Häkim; Unterstellung
'Azlzaddaulas unter byzantinischen Schutz und E r
halt des Monopols fur den byzantinischen Orienthan
del.
Hilfeansuchen und Widerruf 'Azlzaddaulas wegen
eines militärischen Eingreifens der Byzantiner in
Syrien. Darauf Vorgehen des Kaisers gegen den Ver
bündeten al-Häkims, Gioigi 1. von Georgien.
1021
Infolge des Verschwindens al-H ikim s (13. Feber) kei
ne weiteren ägyptischen Kriegspläne gegen Halab.
Abtretung lokaler Stützpunkte in Phönikien an By
zanz.
1021
Zeittafel
1022
1022
1023/4
1023/4
1023/4
1024
1024/5
1025
1026
1027 (?)
1027/8
1028/9
1029
1029
41
Ermordung 'Azïzaddaulas ; Sadldaddaula ‘All b. Ah
mad ad-Daif wird von der ägyptischen Regentin Sittalmulk mit der Verwaltung Halabs beauftragt.
Nach dem Tod des von al-Hftkim proklamierten
Thronfolgers
Flucht eines seiner Söhne und seines Neffen auf
byzantinisches Gebiet, wo ihnen Exil gewährt wird.
Verstärkung byzantinischer Grenzplätze in Phönikien.
Anüstakln ad-DuzbarT wird ägyptischer Statthalter
von Palästina.
Veihandlungen des Patriarchen von Jerusalem, Nike
phoros, (im Aufträge Sittalmulks) in Konstantinopel
wegen eines politischen Ausgleichs führen zu keinem
Ergebnis.
Erneuerung des Bündnisses zwischen den Emiren alHassän b. al-Mufarrig, $älih b. Mirdäs und Sinän b.
'Aljän zur Vertreibung der Ägypter aus Syrien und
Palästina. Basileios II. lehnt eine Unterstützung
ab.
Siegreiches Vordringen al-Hass&ns durch Palästina
bis an die Grenze Ägyptens; tatkräftige Hilfe durch
§älih b. Mirdäs, der sich außerdem
Halabs und weiter Gebiete des nördlichen Syrien
bemächtigt. Beginn der mirdäsidischen Dynastie.
Niederlage des Statthalters von Antiocheia, Michael
Spondyles, gegen $älih b. Mirdäs.
Täuschung des Spondyles durch Naçr b. Musaraf beim
Bau der Festung Manlqa.
Eine byzantinische Gesandtschaft beim Fätimidenchalifen az-Zähir unterhandelt wegen eines politi
schen Ausgleiches.
Ägyptische Koalition mit den Kalb (R äff b. Abi'lLail) gegen al-Hassän b. al-Mufarrig und $älih b.
Mirdäs.
Tod S&lihs in der Schlacht bei Uqhuwäna gegen adDuzbarT; Flucht al-Hassäns; die Söhne Sälihs, Nasr
und Timäl, behaupten sich in Halab und al-Gazlra.
Ein Vorstoß des Statthalters von Antiocheia, Mkrhael
Spondyles. gegen Halab schlägt fehl.
Syrien und Phönikien
42
103 0
August
Herbst (?)
Herbst
November
1031 Mai
Frühjahr/
Sommer ( ?)
Herbst (?)
Dezember
1032
Feber
Juli
Großangelegter Feldzug des Kaisers Romanos III.
nach Noidsyrien; infolge der klimatischen Schwierig
keiten und der überlegenen arabischen Kampfestak
tik fluchtartiger Rückzug der Byzantiner.
Ende des Kondominiums von Naçr und Tim&l in
Halab; letzterer wird zur Beilegung des Thronstreites
mit al-GazIra entschädigt.
Politische Wiederannäherung an Byzanz durch Nasr
b. $&lih erstrebt.
Fehlschlag eines Handstreiches beduinischer Araber
gegen Teluch und seinen Strategen Georgios Maniakes.
Konflikt zwischen al-Hass&n b. al-Mufarrig sowie
Räfi* b. Abi’l-Lail und dem ägyptischen Statthalter
ad-Duzbarl.
Nasr b. Musaraf bemächtigt sich der Festung
Bikisrä*Tl in Phönikien und gewinnt ägyptische H ilfe;
weitere antibyzantinische Umtriebe folgen.
Einsetzen von Gegenmaßnahmen durch den Statthal
ter von Antiocheia, Niketas von Mistheia, der außer
dem mit dem Protovestiarios Symeon
einen Vergeltungszug gegen die Mirdäsiden unter
nimmt.
Friedensschluß zwischen Nasr b. $&lih und Byzanz.
Neuer Feldzug des Niketas in Phönikien.
Auswanderung von al-Hass&n b. al-Mufarri¿ und R&fi* b. Abi’l-Lail mit 20.000 Stammesgenossen auf by
zantinisches Gebiet.
Fehlgeschlagener Angriff ad-Duzbarls auf die Emi
granten; diplomatische Kontakte ad-Duzbarls m it
Niketas.
Eroberung von Manlqa durch Niketas.
Verstärkte Verhandlungen zwischen ad-DuzbarT und
Niketas.
Sturz und Beseitigung des Führers der Stadtmiliz
(ahd&t) von Halab durch Nasr b. S&lih nach Rück
sprache mit dem Statthalter von Antiocheia.
Niederwerfung unbotmäßiger f&natisierter Drusen
durch Niketas in Absprache mit Nasr b. S&lih.
Eroberung von BikÍ8r&*Tl durch Niketas; Fortsetzung
der Verhandlungen mit ad-DuzbarT.
Zeittafel
Herbst (?)
1033 Herbst/
W inter (?)
W ende 1033/4 (?)
1034/5
1035/6
1035/6
um 1037
1038
1038— 1042
1038 (?)— 1040 (?)
1040/1 (?)
1040/1
1041
43
Wegen innerbyzantinischer Schwierigkeiten abgebro
chener Feldzug Romanos' III. nach Syrien.
Zusammentreffen verschiedener arabischer Gesandt
schaften in Konstantinopel. Ägyptisch-byzantinische
Verhandlungen scheitern am Problem der Stellung
Halabs, der Rückführung der Emigranten (al-Hassän
b. al-Mufarrig, Rftfi* b. Abi’l-Lail) sowie allfalliger
Grenzkorrekturen.
Rückführung der Emigranten ins syrische Grenzge
biet durch byzantinische Truppen.
Byzantinischer Flottenvorstoß gegen Alexandreia.
Besetzung von Afämija durch al-Hassän b. al-Mufarri¿ im Auftrag von Byzanz.
Nach Vertreibung des byzantinischen Vertreters aus
Halab Zusammenstoß zwischen Naçr b. $älih und
byzantinischen Truppen.
Anerkennung und Investitur Nana mit Halab und
Hirns durch den Fätimidenchalifen az-Zähir bzw. die
Regentschaft al-Mustanfirs ; Feindschaft zwischen
Nasr und ad-DuzbarT.
Erneuerung des ägyptisch-byzantinischen FriedensVertrages auf 10 Jahre.
Politische Wiederannäherung Nafro an die byzantini
sche Regierung.
Byzanz läßt Naçr b. $älih zugunsten ad-DuzbarTs
fallen.
Schlachtentod Nafro bei Tall Fäs gegen ad-DuzbarT
und dessen Verbündeten; Abzug seines Bruders
Tim&l und seines Schwagers Sablb b. W attäb mit
den übrigen Miidäsiden in die öazTra; nachfolgend
Kapitulation auch der Zitadelle von Halab vor adDuzbarT.
Neuerliche fätimidische Herrschaft in Halab.
Zwangsaufenthalt von al-Hassán b. al-Mufarrig in
Konstantinopel.
Zusammenstöße byzantinischer und ägyptischer
Truppen in den syrischen Grenzgebieten.
Versuchte Annäherung der mesopotamischen Mirdäsiden an das byzantinische Reich.
Sturz ad-DuzbarTs infolge Abfalls seiner Truppen und
dessen Flucht nach Ilalab, wo er bald darauf stirbt.
44
Syrien und Phönikien
1042 Feber
Frühjahr
Oktober ( ?)
1045/6
1048/9
1049 Frühjahr
1050/1
1050
1051/2
1051/2
1052
1054/5
1055
1054—56
1055/6
1055 Dezember
1056/7 (?)
Wiedereinzug der Mirdäsiden unter Timäl b. Çâlih in
Halab.
Regelung dea Verhältnisses zu Byzanz durch Aner
kennung des Vertrages von 1031 seitens Tim äls;
Verleihung von Ehrentiteln an mehrere Mirdäsiden
durch Zoe und Theodora.
Kapitulation auch der Zitadelle von Halab vor Timäl
b. Sälih.
Erneuerung des ägyptisch-byzantinischen Friedens
vertrages auf 10 Jahre.
Nach Entfremdung Timäls von den Fätimiden erfolg
loser ägyptischer Zug vor Halab.
Neuerlicher mißlungener ägyptischer Zug gegen den
byzantinischer Hilfe sicheren Timäl b. §älih.
Ausgleich zwischen Timäl und Ägypten; seine Inve
stitur durch den Chalifen al-Mustansir.
Infolge Beruhigung der Lage Abzug byzantinischer
Truppen nach Westen.
Verleihung erhöhter Ehrentitel an mehrere Mirdäsi
den durch Konstantin IX .
Diplomatischer Konflikt zwischen Byzanz einerseits
und den ZTrlden Nordafrikas, den ’Abbäsiden und
Selgflqen (Tughril Beg) andererseits.
Weiteres diplomatisches Taktieren der byzantini
schen Seite.
Nach einer Hungersnot in Ägypten und dem Ersu
chen al-Mustansirs um Hilfslieferungen von Byzanz
widerruft Theodora, die Nachfolgerin Konstan
tins IX ., den Vertrag. Konflikt und militärische Zu
sammenstöße mit Ägypten.
Fortgesetztes diplomatisches Lavieren des byzantini
schen Reiches zwischen Fätimiden und Selgüqen
(’Abbäsiden).
Timäl b. S&lih betont seine politische Äquidistanz
zwischen Ägypten und Byzanz durch beidseitige di
plomatische Kontakte.
Machtergreifung Tughril Begs als Protektor des Ä bbäsidenchalifats von Baghdäd.
Wiederannäherung zwischen Ägypten und dem by
zantinischen Reich.
Etwa seit der Mitte des 9. Jahrhunderts hatte die fortschreitende
politische Auflösung des 'Abbftsidenchalifats im Zusammenhang mit dem
Neuaufstieg des byzantinischen Reiches unter der makedonischen Dyna
stie zur Wiedererstarkung der byzantinischen Stellung im Osten geführt.
D ie seit der Frühzeit arabischer Expansion am Tauros verlaufende Grenze
beider Machtbereiche verschob sich vor allem durch die Eroberungen unter
Rom anos I. (920—944), Nikephoros II. Phokas (963— 969) und Ioannes I.
Tzimiskes (969—976) wesentlich nach Osten. So wurden Kilikien, Zypern,
K reta, das nördliche Mesopotamien und die syrisch-phönikischen Küsten
gebiete dem byzantinischen Reich wiedergewonnen1.
Das zentrale Syrien blieb der byzantinischen Macht allerdings ver
schlossen. Palästina und Syrien waren seit der altägyptischen Zeit vom
jeweiligen Staat im Niltal als notwendiges Vorfeld zum eigenen Schutz und
für allfallige Großmachtpolitik in Vorderasien beansprucht worden. Ebenso
hatten es in muslimischer Zeit die kurzlebigen Herrschaftsbildungen der
Tülflniden (868—905) und Ifesldiden (935—968) gehalten. Die letzteren
geboten aber nicht mehr über Nordsyrien, wo seit 944 die ursprünglich in
Mosul herrschenden Hamdäniden ihre Macht ausbreiteten; Halab wurde
die Hauptstadt Saifaddaulas, des gefeierten muslimischen Glaubenskämp
fers in den Kriegen gegen Byzanz. Nach Saifaddaulas Tode wurde Halab
unter seinem Nachfolger Qarghüja dem byzantinischen Reich tributpflichtig
und blieb es auch unter dessen Nachfolger Bakgür.
Unterdessen waren die nordwestafrikanischen Fätimiden 969 auch in
Ägypten zur Herrschaft gelangt und schlugen bald die syrische Politik ihrer
Vorgänger ein2. Doch ging ihnen Syrien rasch an die fanatische häretische*
1 Maßgeblich für die Geschickte der arabisch-byzantinischen Beziehungen im 9. und
10. Jh. (genauer gesagt für die Periode von 820—959) ist Vasiliev—CANARD; für das
spätere 10. Jh. vgl. Canard, Hamdanides; G. SCHLl’MHERGER, Un empereur byzantin au
dixième siècle. Nicéphore Phocas. Paris 1890; DERs., Épopée I—II.
* Zur Zeit der Hamd&niden : Canard , Hamdanides 489—505 (Anfänge in Syrien) ; 579—
663 (Saifaddaula); W eil II 672—674; 688—690; Lane-Poole 83—86. — Frühzeit der
Ffttimiden in Syrien : WEIL I I I 10—20; 26—30; WüsTENFELD, Fätimiden 110— 115; LanePOOLE 104— 107; I I3f. ; E I 1 III 762f., s. ▼. Mu'izz (GlBB). — Halab nach Saifaddaulas Tod :
Canard , Hamdanides 665—681 ; 832—844.
46
Syrien und Phönikien
Bewegung der Q&rmaten3 verloren, bis die Fätimiden nach schweren
Kämpfen gegen diese, gegen die Byzantiner (die unter Ioannes I. Tzimiskes bis in das nördliche Palästina vordrangen) und den unbotmäßigen
türkischen Söldnerführer Alftakln um 980 endlich des Südens und der Mitte
des Landes Herr waren.
Zu Beginn der Regierungszeit Basileios’ II. (976— 1025) erhielt die
byzantinische Stellung im Osten zunächst einen schweren Stoß als Folge
der Rebellion des Bardas Skieros in den Jahren 976—9794*. Tripolis ging
dem byzantinischen Einfluß wieder verloren, und während Antiocheia
zeitweise auf der Seite des Skieros stand, wurde die Grenze im nördlichen
Syrien zu Ungunsten von Bzanz weit zurückgedrängt, was daraus zu
ersehen ist, daß die Byzantiner 981 eine Burg bei Ra*bän zurückeroberten,
etwa 80km nördlich des Tall Hftlid, auf dem unter Nikephoros Phokas die
Grenze festgelegt worden war6.
Unverändert blieb jedoch in all dieser Zeit die Unterstützung der
Hamdäniden in Halab durch Byzanz und damit die Wahrung des eigenen
Einflusses in Nordsyrien gegenüber den vordringenden Fätimiden. Denn in
Halab stand Bakgür, der Nachfolger Qarghüjas, ebenso unter dem Protek
torat von Byzanz wie Saifaddaulas Sohn Abu’l-Ma'ftll Sa'daddaula, der sich
977 der Stadt bemächtigte und zum Zeichen der Abkehr von den Fätimiden
die Oberhoheit der 'Abbäsiden von Baghdäd anerkannte.
Bakgür, der in Damaskus in Dienste der Fätimiden getreten war,
suchte sich mit deren Hilfe veigebens 983 und 991 Halaba zu bemächtigen
und büßte letzteren Vorstoß mit dem Leben. Sein Gegenspieler
Sa'daddaula, der es verstanden hatte, sich mit byzantinischer Unterstüt
zung zu behaupten — ohne es jedoch mit seinem Tributärverhältnis immer
sehr genau zu nehmen — , starb kurz darauf noch im Jahre 991#.
Bereits im folgenden Jahr 992 unternahm der fätimidische Feldherr
Bangütakln einen neuerlichen — jedoch ebenfalls erfolglosen — Zug gegen
Halab, wo auf Sa'daddaula sein Sohn Abu’l-Fadä’il Saldaddaula gefolgt
war. Allerdings vermochte der byzantinische Statthalter von Antiocheia,
s Qarmaten (sie waren ebenso wie die F&timiden aus der ism&'Tlitischen Siebener-Si'a
hervorgegangen): EI* IV 108—204, s.v. Ism&'Tliya (Ma d e w NG); E I' II 821—824, s. ▼.
Karmaten (Massionon); Goldziher , Vorlesungen 241—248.
4 Seist , Skleroi 37—49; Canard, Hamdanides 844—849; Forsyth 375—393; Schlau
berger , Épopée I 354—445.
6 Tripolis: Jahjä, PO 23, 372. Antiocheia: Jahji., a.O. 425. Ra’bän: Jahjà, a.0 . 405; su
dessen Lage vgl. S eist , Skleroi 56; Honigmann 104.
• Vgl. Canard, Hamdanides 681—693 ; 849—854; FORSYTH 395—397 ; 416—423;
W üsten FELD, Fätimiden 150— 153; SEIST, Skleroi 62—64. — Über die Zäge des Bskgür
von 983 bzw. 991 handelt Jahj&, PO 23, 412 bzw. 435.
Darstellung
47
M ichael Burtzes (wohl 991 /2—996) nicht, das Vordringen der Ägypter bis
v o r Antiocheia — und möglicherweise sogar bis Mar’as — zu verhindern.
A ls Bangütakln 994 wieder erschien, schloß er Halab abermals ein und
fü g te den Byzantinern am Orontes eine Niederlage zu7.
Auch der als Antwort darauf folgende erste Feldzug des Kaisers
B asileios II. nach Syrien von 995 brachte keine Entscheidung; Saizar,
Hirns und Rafanijja wurden besetzt, Antartfls wieder aufgebaut und
armenisch besiedelt, während BangütakTn nach Damaskus zurückwich. 996
b erief Basileios II. den wenig erfolgreichen Michael Burtzes ab; an seine
Stelle trat Damianos Dalassenos, der noch im gleichen Jahr einen Vorstoß
gegen Tripolis und ‘Arqa unternahm, wogegen Ban^ütakln — ohne Erfolg
— Halab und Antartfls angriff. 997 wandte sich Damianos Dalassenos
neuerlich gegen Tripolis; Bangfltakln suchte — jedoch auch hierin ohne
E rfolg — in Byzanz wegen eines Abfalles von den Fätimiden vorzufühlen,
kehrte aber schließlich (gegen zugesagte Verzeihung) nach Kairo zurück.
A ls die Ägypter 998 einen Aufstand in Tripolis unterdrückten — wo die
Empörer mit den Byzantinern Verbindung aufgenommen hatten — ergriff
Damianos Dalassenos die Offensive; er drang gegen Afömija vor und
schlug den von Damaskus herbeieilenden Statthalter Gais b. §amsäma in
die Flucht. Doch bei der Verfolgung der Ägypter fand Dalassenos den Tod,
worauf die Byzantiner in Verwirrung gerieten und eilends einen verlustrei
chen Rückzug antraten8.
Daher sah sich Basileios II. veranlaßt, im Jahre 999 zum zweiten Mal
nach Syrien zu ziehen. Saizar wurde neuerlich eingenommen und mit
Armeniern besiedelt, Rafanijja nebst einigen anderen Festungen zerstört.
Nach einem Vorstoß bis Ba’albakk und Tripolis, bei dem die Byzantiner
einen gefährlichen Rückschlag erlitten, trat der Kaiser den Rückmarsch
nach Antiocheia an. Wesentliche byzantinische Gewinne dürfte dieser Zug
kaum erreicht haben9.*
7 Vgl. Canard, Hamdanides <»6—704; FORSYTH 482—491 ; SCHLIMBERGER, Épopée
Il 50—86; HONIGMANN 106. — Zum Beginn des zweiten Kommandos des Burtzes in
Antiocheia (früher auf 990 gesetzt) vgl. SEIST, Skleroi 64. — Jahj& zum zweiten Zug des
Bangütakin: PO 23, 444—446; zum ersten Zug (964) ebd. 439f.
"Überblick: SCHLIMBERGER, Épopée II 86— 114; FORSYTH 492—502. Belege aus
Jahjft: PO 23, 442—444 (zum I.Feldzug des Kaisers); 449f. (zum Gegenangriff des
Bangütakln); 452 (für die Ereignisse von 997); 455f. (für 998). — Eine kune Zusammenfas
sung der Jahre 997—999 bei Skylitzes 339,78—340,87 ( —Kedrenos 447,20—448,8). — Zu
Rafanijja vgl. u. S.78, A. 108, zu 'Arqa u. S.93, A. 152.
* Vgl. allgemein SCHLIMBERGER, Épopée II 150—159; FORXYTH 503—506. Von den
Quellen ist am wichtigsten Jahj&, PO 23,457—460; bei Skylitzes (340, 81 ) wird der syrische
Feldzug des Kaisers irrig nach dem iberischen des Jahres 1000 angesetzt; ferner entspricht
48
Syrien und Phönikien
Hingegen ergab sich als politische Konsequenz der Abschluß eines
Übereinkommens zwischen Ägypten und dem byzantinischen Reich.
Basileio8 II. hatte schon vor seinem zweiten Feldzug nach Syrien, d. h.
spätestens im Frühjahr 999, zwei Gesandte an den F&timidenhof geschickt,
einerseits in der Absicht, durch einen Ausgleich mit Ägypten freiere Hand
für seine Politik gegenüber den Bulgaren zu erlangen, andererseits aber
auch in der Erkenntnis, daß eine weitgehende Verschiebung der Machtver
hältnisse im Osten nicht möglich war. Diese Mission hatte keinen Erfolg,
sodaß Basileio8 II. im Spätsommer 999 den Zug nach Syrien begann*l0.
Infolgedessen trat der damals allmächtige ägyptische Regent Bargaw&n
dem byzantinischen Friedensvorschlag nun näher, denn zu Beginn des
Winters 999/1000, als der Kaiser wieder aus Syrien abzog, erhielt jener der
beiden byzantinischen Gesandten, der in Kairo zurückgehalten worden
war, gemeinsam mit dem Patriarchen Orestes von Jerusalem den Auftrag,
in Konstantinopel im Namen Ägyptens Verhandlungen aufzunehmen11.
Orestes, dem von Bargawän weitgehende Vollmachten für die Verhand
lungen erteilt worden waren, zählte damals zu den einflußreichsten Persön
lichkeiten des Fätimidenreiches12. Seine Mission wurde auch durch den
seine Behauptung, die Emire von Tripolis, Damaskus, Tyros und Berytos (Beirut) hätten
sich Basileios II. unterstellt, kaum dem Verlauf des Krieges. Vgl. HONIGMANN' 108. — Zu
Saizar vgl. u. S. 51, A. 23.
10 Vgl. Dö LOER, Regesten 788. — Nach Jahjä, PO 23, 460f. bzw. 457 fällt die
Aussendung der byzantinischen Gesandten in die Zeit vor dem 2. syrischen Feldzug des
Kaisers, der am 6. Sawwäl 389 H (20. September 999) die Reichsgrenze bei Gier al-hadld am
Orontes überschritt. — Über Gisr al-hadld als Grenze vgl. Kekaumenos, Strategikon 302,
21, dessen m^poYtçupov die griechische Entsprechung der arabischen Benennung darstellt.
Diese „eiserne Brücke“ lag etwa 25 km östlich von Antiocheia und beherrschte die nach
Halab führende Straße. Vgl. Cahex , Syrien 134, A.3; Canard, Hamdanides 215, A.393.
11 Das Faktum der Mission nach Jahjä (vgl. A. 10). Bargaw&n, der für den unmündigen
al-Häkim die Regentschaft führte, war Eunuch (vielleicht slawischer Herkunft) und führte
eine energische Außenpolitik. Vgl. E P I 1041 f. (B.LEWis); Lane-P ooLE. Egypt 124;
WU.sTENKELD, Fätiraiden 172. — Der Kaiser zog am 5. Muharram 390 H (17. Dezember
999) aus Syrien ab, um in Tarsos und Mopsuestia (al-Maççïsa) zu überwintern. Auf die
Kunde vom Ableben des Kuropalates Dawit' von Taik' brach er zu Ostern (31. März) 1000
unverzüglich dorthin auf, um die byzantinische Anwartschaft auf dessen Gebiete zu
verwirklichen. Vgl. Jahjä, PO 23, 457. 460; Asolik III 43= 160— 162 M.
'* Orestes war Bruder einer christlichen Gemahlin des Fätimidenchalifen al-'AzIz (975—
996) und dadurch Onkel mütterlicherseits des Chalifen al-Häkim b. al-'AzTz: Jahjä, PO 23,
415. Im Ramadän 375 H (beg. 15. Januar 986) war Orestes Patriarch von Jerusalem
geworden. Sein Bruder Arsenios gelangte eben im Jahre 1000, in dem Orestes die Mission
nach Konstantinopel durchführte, auf den melkitischen Patriarchenstuhl von Alexandreia.
Vgl. Jahjä, PO 23, 415. 462.
Darstellung
49
Sturz Barg&w&ns nicht in Frage gestellt13, und schließlich kam es —
wahrscheinlich im Frühjahr 1001 — zum beiderseits erstrebten Vertrag14.
Dieser beendete jahrzehntelange bewaffnete Auseinandersetzungen zwi
schen Ägypten und dem byzantinischen Reich und leitete — mehrfach
verlängert — fur mehr als ein halbes Jahrhundert einen zwar oft prekären,
aber doch fur beide Mächte vorteilhafteren Zustand der Nichtkriegfuhrung
ein. Leider bieten die Quellen (abgesehen von der Angabe über die lOjährige Laufzeit) keine ins einzelne gehenden materiellen Bestimmungen des
Vertrages151
6
. Daß im übrigen der Fätimidenhof den diplomatischen Verbin
dungen zu Byzanz auch protokollarisch hohen W ert beimaß, erhellt aus der
prunkvollen Aufnahme einer byzantinischen Gesandtschaft, die in dieser
Zeit — vielleicht zur Ratifikation des Vertrages — nach Kairo gekommen
w ar1®.
Neue politische Entwicklungen in der Zeit nach dem Vertragsschluß
nahmen ihren Ausgang von Halab. Dort fiel einige Monate später der letzte
regierende Hamdänide Abu’l-Fadä’il SaTdadd&ula der Vergiftung durch
eine seiner Sklavinnen zum Opfer (15. Safar 392 H = 3. Januar 1002). Der
13 Die chronologischen Angaben der Quellen Aber die Beseitigung Bargawäns sind
widersprüchlich. Ausführliche Motivierung des Überdrusses al-Häkims an Bargaw&n bei AbQ
Su¿á* (Eclipse 111 230—232), jedoch inkorrekt s. a. 389 H. Jahjä, PO 23, 462 nennt als
Datum Donnerstag, 26. Rabl* II 390 H ; weil dieser Tag aber ein Freitag war, soll es
offenbar heißen: Donnerstag, 25. Rabí* II 390 (5. April 1000); vgl. Forsyth 146— 149.
14 Vgl. Dö LGER, Regesten 788. — Jahjä, PO 23, 461 berichtet, daß Orestes nach dem
Abschluß des Vertrages in Konstantinopel verblieb und nach vier Jahren dort starb. Da er
(a. 0 .415) dessen Amtsdauer — gerechnet von der Übernahme im Ramadän 375 — auf 20
Jahre angibt, fallt der Tod des Patriarchen in den Ramad&n 395 H (beg. 11. Juni 1005) und
mithin der Vertragsschluß etwa vier Jahre früher, d.h. in das Frühjahr oder in den
Frühsommer 1001. Vielleicht deutet auch die byzantinische Gesandtschaft vom Mai 1001 in
Kairo (vgl. u. mit A. 16) auf diesen Termin.
13 Neben dem ausführlichen Bericht Jahjäs, PO 23, 460f. kürzere Angaben bei Ibn alAtîr IX 122 (irrig s. a. 386 statt 391 H ); Ibn QaküQn IV 119; Ibn al-QalänisT54f. ; AbQ Sugft*
III 230. Die byzantinischen Quellen schweigen darüber. — Ibn al-QalänisT, der auf Hiläl a$$äbl, d.h. einer von Jahjä unabhängigen Überlieferung beruht, läßt Bargawän allein den
ersten Schritt zum Vertrag durch seinen christlichen Emissär Fahd b. Ibrâhîm tun — hier
spielt eine unfreundliche Einstellung des Autors gegenüber den Fätimiden mit, und Jahjä
war zweifellos besser informiert; vgl. Forsyth 507. — Über die Stellung Halaba läßt sich
nur sagen, daß Ägypten den byzantinischen Einfluß zumindest stillschweigend anerkannt
haben muß. — Zu DOlger , Regesten 790 vgl. u. S. 134, A. 8.
16 Vgl. al-Qädi ar-Rasîd § 173; derselbe Bericht gekürzt bei Ibn Taghribirdl 77, 13fT. —
al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 39f. gibt die Datierung der Gesandtschaft auf den
Iß.Öumädä II 391 H (13.Mai 1001). Für den Zusammenhang mit dem abgeschlossenen
Vertrag tritt auch Forsyth 533 ein; Canard , Sources 290, A. 13 wollte die Gesandtschaft
eher in die vorausgehenden Verhandlungen einordnen. Bei DOLGER, Regesten findet sich
keine Erwähnung.
50
Syrien und Phönikien
eigentliche Anstifter der Tat war jedoch Lulu', ein früherer Mamluke
Saifaddaul&s, der sich bereits mit den Hamdftniden verschwägert hatte,
jetzt aber gewaltsam nach der Erlangung der Alleinherrschaft strebte.
Sofort nach dem Mord konnte er sich zum Vormund der beiden jungen
Söhne Saldaddaulas, Abu’l-Hasan 'AH und Abu’l-Ma'&lT Sarlf, aufschwin
gen; 394 H (beg. 30. Oktober 1003) fühlte Lulu’ sich dann bereits stark
genug, den letzten Schein fallen zu lassen, und schob die beiden Hamd&niden zusammen mit dem Harina Saldaddaulas nach Ägypten a b 17. Obwohl
also in Halab eine innere Umwälzung vor sich gegangen war, so änderte
sich nach außen an der Stellung Halaba gegenüber Byzanz nichts, weil
sowohl Lu’lu’ wie auch sein Sohn AbQ Nasr MansQr, der alsbald an der
Regierung beteiligt wurde, das einvemehmliche Verhältnis mit Byzanz
weiter pflegten18.
Wesentlich nachhaltiger als durch den Sturz der Hamdftniden wurden
die nördlichen Gebiete Syriens bis nach al-GazIra hin durch das Auftreten
eines falschen Mahdi19 beeinflußt. In Syrien hatte ja die radikale Sl'a auch
nach der schließlichen Niederwerfung der Qarmaten durch die F&timiden
ihren Einfluß nicht völlig verloren. So erhob sich im Jahre 395 H (beg.
18. Oktober 1004) im Norden des Landes ein Mahdi-Pr&tendent, Ahmad b.
al-Husain, zubenannt al-Asfar20, aus dem Stamm der Taghlib21. Dieser zog
17 Kamäladdln I 192, 16—18; 195, Iff.; Jahjä 209, 23—210, 2 CHEIKHO; aKAinl XI
574; al-A^Tml 157a; Muni^imbiïT I 235b. — Lulu* hatte eine Tochter an Saldaddaula
▼erheiratet und soll sie (so Kamäladdln) auf die gleiche Weise beseitigt haben. Die
Exilierung der Hamd&niden erfolgte nach Jahjä zwangsweise.
Das Einvernehmen Lulus und al-Mansürs zeigt sich im Verhalten des enteren beim
Auftreten des falschen Mahdi al-Asfar und des letzteren nach dem Fehlschlag der Restaura
tion des Hamdftniden Abu'l-Haigä'; vgl. u. S. 54.56 mit A.34 u.40.
" Die §T'a hatte mit der Forderung nach alleiniger Berechtigung der Nachkommen 'Alls
(des Schwiegersohnes Muhammads und 4. orthodoxen Chalifen) zur Bekleidung des Chalifata
sowohl die Umajjaden als auch später die 'Abb&siden bekämpft. Außerdem bildete sie
allmählich die Lehre aus, daß der (später als in Verborgenheit lebend gedachte) Itnftm (d. h.
der geistliche Leiter der Gemeinde als Träger göttlicher Inspiration) in Gestalt des Mahdi
wiederkehren und ein Reich der Gerechtigkeit herauflühren würde. Auch die Orthodoxie der
Sunna kennt den Mahdi, läßt ihn jedoch erst am Ende der Zeiten auftieten. Untrennbar mit
dem religiösen Anspruch des Mshditums war zwangsweise der politische verbunden, wie ihn
etwa die Begründer des Fätimiden- und deB Abnohadenreiches umfassend verwirklicht
haben. Vgl. E I' III 120—124, s. ▼. Mahdi (Macdonald); GOLDZIHER, Vorlesungen 216—
224.
3,0 Hierüber ein ausführlicher Bericht bei Jahjä, PO 23,466f. ; atark gekürzt Kamftladdm
I 196, I— 10. Uber die indirekte Erschließung aus Skylitzes vgl. u. A. 27.
21 Die Taghlib waren ursprünglich in Zentralarabien ansässig, wohnten jedoch bereite an
der Wende zur islamischen Epoche im mittleren Mesopotamien und zogen dann teils nach
Dqftr Rabl'a in Obermesopotamien, teils in die rechts vom Euphrat zwischen Manbig und
Ruç&fa liegenden Gebiete bzw. selbst bis in das zentrale Syrien. Vgl. E I 1 Etgänzungsband
238—243 (K indermann); Oppenheim 150f.; Ill 351—353.
Darstellung
51
in d e r Tracht eines Derwisches umher und rief überall als Ghftzl zum
Glaubenskrieg gegen die Byzantiner auf. Bald nahm die Zahl seiner
A nhänger unter Beduinen und seßhaften Bewohnern so sehr zu, daß alA sfa r und sein engster Begleiter mit dem (vermutlichen) Namen alH a m a lf*** den Krieg gegen die Byzantiner begannen. Nach einer ersten
Schlappe gelang es al-Asfar, das seit kurzem byzantinische Saizar zu
überrum peln23; als aber Basileios II. beim Fätimidenchalifen al-Häkim
intervenieren ließ, und dieser hierauf seinen Statthalter in Damaskus
an w ies, al-Asfar vom fätimidischen Gebiet aus zu bekämpfen, änderte der
M ahdi-Prätendent seine Stoßrichtung, wandte sich nach Norden und über
fiel das strategisch wichtige Artäh24.
V on dort nach Westen ziehend machte er Anstalten, über Gisr al-hadîd
gegen Antiocheia selbst vorzudringen, bis ihm unfern der Stadt bei dem Ort
M ahrüja25 der Patrikios Blghäs (wohl ni^*aioç)a mit seinen Truppen
entgegentrat. Im folgenden Gefecht fand al-HamalT den Tod, während alA sfa r die Flucht ergriff. Die weitere Verfolgung oblag — so ist doch wohl
d e r Befund der Quellen zu deuten — nicht mehr Blghäs, sondern dem durch
d ie arabischen Chronisten nicht namentlich genannten, aus 8kylitzes aber
fü r diese Zeit als Pazifikator Syriens nachgewiesenen Statthalter von
** Die Lesart des Namens ist unsicher; Jahjä 186, 16 Cheikho steht Gamalf; PO 23,
466 Obiges; eg), ferner den kritischen Apparat der Ausgaben.
a Saizar (antik Larissa), auf halbem Weg zwischen Affcmqa und Kimi mit wichtigem
Übergang über den Orantes; es war seit 999 byzantinisch und nach dem Abzug vieler
Bewohner mit Armeniern neu besiedelt worden; Jahjä, PO 23, 457f. Vgl. auch E l' IV 310
(H onigmann); Honigmann 94 mit A.6; 107. 122; Le Strange, Palestine 533f.
** Die Tatsache des fätimidischen Eingreifens nach byzantinischem Drängen erwähnt
nur Kamäladdln (vgl. o. A. 20). — Artih, am Nähr Afrln, einem nordöstlichen ZuiluB des
Orantes, etwa 20km östlich von Gisr ai-hadId gelegen, beherrschte die von hier nach Halab
Ahrende Straße und war daher in den vorangehenden Jahrzehnten wiederholt heftig
umkimpft (960—70; 978; 992: Jahjä, PO 18. 814—817; PO 23, 377. 438). Vgl. weiters
DU88AL*D 225—227; Le Strange. Palestine 339; Cahkn. Syrie 134.
** Von den Varianten Mahrfina und Mahrüja scheint die letztere dem griechischen Mipw,
(mit itazistischer Aussprache) besser zu entsprechen. Zur Lage vgl. JAqOt I 386; HONIG
MANN 108, A.5; Canard , Hamdanides 228. A.438.
** Hinter dem Namen Blghäs. von dem Jahjä sagt, er sei ein früherer Gefolgsmann des
(Bardas) Skieros gewesen, vermutete Honigmann 108, A.6 einen (nicht näher identifizier
ten) niftüsto«. Da jedoch feststeht, daß Skieros 978 einen Mann dieses Namens zun
Kommandanten von Nikaia ernannte, ist es denkbar, in Blghäs diesen Mann oder allenfalls
seinen gleichnamigen Sohn zu erblicken. Vgl. SEI KT, Skierai 42 mit A. 115. — Jahjä erwähnt
auch seinen Rang J; , d. i.
Bis in das frühere 11. Jh. gehörten die meisten
Themenstrategen dieser Rangstufe oder der — etwas niedrigeren — der
an.
Zu Patrikioa vgl. O ikonomidE.- 294 mit A.40. Bl.'HY 27; BkEHlKK 89.
52
Syrien und Phönikien
Antiocheia, Nikephoros Uranos27. Dieser vielseitig erfahrene und erprobte
Mann28 sollte offenbar damals zugleich den Raubzügen der Stämme Nu-
** Jahjä berichtet nur noch, daß der „Magistros“ (PO 23, 466
die weitere
Aufspürung al-Açfars übernahm. Die Tätigkeit des Nikephoros Uranos gegen aufrührerische
Araber an der Grenze des byzantinischen Syrien wird von Skylitzes 345, 34—42 ( « Kedrenos 454, 7—18) für 6509M (ind. 14 [beg. I.Sept. 1000]) belegt, doch ist eine spatere
Datierung schon deswegen zu erwägen, weil er ßasileios II. auf den iberischen Feldzug
begleitete und 450 armen, (beg. 21. März 1001 ) wieder in Armenien tätig war (Jahjä. PO 23,
400; Asolik III 44= 166 M). Bei der Neigung des Skylitzes zur Komprimierung und seinen
chronologischen Ungenauigkeiten ist es am wahrscheinlichsten, daß er unter diesem Jahr die
Ereignisse mehrerer Jahre vorausgreifend resümiert hat und auch noch die von Jahjä
geschilderte al-Asfar-Episode hinzuzurechnen ist. Demnach ist der Nikephoros des Skylitzes
mit dem Magistros bei Jahjä identisch; Nikephoros schickte also zuerst den Patrikios
Bighäs/Pegasios (als seinen Unterfeldherm) aus, bevor er selbst gegen den hartnäckigen
Unruhestifter al-Asfar ins Feld zog.
*• Übersicht zu Leben und Werk des Nikephoros Uranos bei J. D ar ROUZÈs, Épistoliere
byzantins du Xr siècle (i4rcA»Ve* de l'Orient Chrétien 6). Paris I960,44—48. Er war 979 oder
980 in schwieriger Mission nach Baghdäd geschickt worden, um dem Einfluß des dorthin
geflohenen Bardas Skieros entgegenzuwirken, wurde aber 8 Jahre lang festgehalten (wohl
nicht auf die Beschuldigung hin, des Skieros Vergiftung geplant zu haben, wie Jahjä, PO 23,
401 f. u. 446 behauptet — doch keine Baghdäder Quelle weiß etwas davon —, sondern um
als Pfand zu dienen, einen Vertrag mit Byzanz zu erlangen ; vgl. FORSYTH 400f. 415; SEIKT,
Skleroi 48f.). Nach seiner Rückkehr bewährte sich Nikephoros 996—999 in den Bulgaren
kriegen (Skylitzes 341, 22—25 ; 364, 76-7 8 [«Kedrenos 449, 16— 19; 475, 5—8];
Zonaras III 558f.) und wurde von Basileos II. als Nachfolger des gefallenen Damianos
Dalasseno8 999 zum Statthalter von Antiocheia ernannt (Jahjä, PO 23, 459f.).
Nikephoros war bereits 979 fJ*<jrr¿ (ein seit Nikephoros II. Phokas verliehener Hoftitel,
der im 11. Jh. auch an Strategen und andere Amtsträger vergeben wurde; vgl. OlKONOMlDÈs
294; Bré HIER 111), in den Bulgarenkriegen ftopsonxo; -rr¿ Awcuç (ein Amt, das im 10. Jh.
nach Analogie des ftofuorixoç ’AvaroXr^ für einen dauernden Oberbefehl im Westen —
vornehmlich wegen der Bulgarenkriege — geschaffen worden war; vgl. OlKONOMlDÈs 329;
GULLAND, Recherches I 448; AHRWEILER, Recherches 55—58; BRÉHIER 296) sowie
(jutyuTTpo; (ein Rangtitel, der im 9. und 10. Jh. noch selten war und nur hohen Amtsträgem
verliehen wurde; vgl. OlKONOMlDÈs 294; Gl*ILLAND, Titres IV, 14—28; bes. 18. 24); ferner
war er xavixXcioc, besser ó im toG xxvixXciou, welcher bei der Unterfertigung von Urkunden
durch den Kaiser als letzte Kontrollinstanz die Gegenzeichnung vomahm (vgl. F. D ö IjGER,
Byzantinische Diplomatik. Ettal 1956, 24f. 50ff.; SEIHT, Bleisiegel 187; OlKONOMlDÈs
311). Diese letztere Amtsbezeichnung steht hinter dem korrumpierten (j-kül bei Jahjä 184,
4 Cheikho bzw. hinter dem unpunktierten wJU*Ji derselben Stelle in PO 23, 460 und
wurde von L.M'RENT, Antioche 235, A. I als JiúJi = xavíxXiio' erkannt. Also solcher ist
Nikephoros auch in seiner Korrespondenz vorausgesetzt; vgl. D ar R01*ZÊn 46f. Zudem
erscheint Nikephoros auf einem Siegel, das im II. Band des Corpus des sceaux publiziert
werden wird, als ívIIótoto; nsTpixio; xai im toGxavixXcioo (Hinweis von W. SEIHT). Vgl. dazu
auch P. L emerle— A. G i i l l o i — N. Svoronos— D. P apachryssanthoi*, Actes de Lavra I
(Archives de VAthos 5). Paris 1970, Nr. 31, Z. I6f.
Darstellung
53
m&ir und Ohataftn ein Ende setzen, die das byzantinische Syrien längere
Z eit hindurch beunruhigt hatten29.
Nach seiner Niederlage bei Mahrüja war al-Asfar in das Gebiet von
Sarü¿ geflohen, das dem Herren von Harrän, W attäb b. Säbiq, unter
stand30. Als Nikephoros erfahren hatte, daß al-Asfar sich in dem festen Ort
K afar AzQz aufhielt, brach er unverzüglich dorthin auf, benötigte jedoch
vier W ochen, bis er den hartnäckigen Widerstand der durch viele geflüchte
te Umwohner verstärkten Verteidiger überwinden konnte. Unter den sehr
zahlreichen Gefangenen befand sich auch die Familie al-Açfars, während
ihm selbst noch ein weiteres Mal die Flucht gelang31. In dieser Situation ist
es verständlich, daß sich die Interessen von al-Asfar und W attäb b. Säbiq
darin trafen, den Byzantinern entgegenzutreten. W attäb sammelte an die
6000 Beduinen aus den Stämmen Numair und K iläb32 und griff die
Byzantiner an; als deren Führer ist wiederum Nikephoros vorauszusetzen,
29 Nach Skylitzes 345, 34—42 ( = Kedrenos 454, 7—18) wandte sich Nikephoros gegen
die Scharen t¿>v .V/j(icpiT¿v xst
‘Apijsoiv, die selbst Antiocheia mit ihren Einfällen
bedrohten. Die ersteren sind offensichtlich die Numair; letztere deutete D. S. Rick, Harrän
77 als Ghatafön. W. SEI irr weist auf die Möglichkeit hin, daß das x*i ’\7*9170* des Skylitzes
auf eine Haplographie für x, K*7*9 i7¿v zurückgeht, was der Interpretation als Ghataftn
noch besser entsprechen würde. Beide Stamme waren aus ihrer arabischen Heimat — dieser
aus Jamftma, jener aus dem Higäz — seit dem 7.Jh. nach Syrien abgewandert; vgl.
OPPENHEIM 1 221—227; II 3l8f.; III 14. Weniger glücklich ist die Vermutung von
N. AUOXTZ, Samuel l’Arménien, roi des Bulgares. Memoiren, Clan* den Ijettren, Brüssel 39
(1938) 24 = Études arméno-byzantines. Lissabon 1968, 368, der unter *A7*917*1 die Banü
Wa|ttb sehen und den Namen des Anführers Kurrpivir/;? mit Qinnasrln zusammenbringen
wollte ; zweifellos ist unter ihm aber der Numairide Wattäb von Harràn zu verstehen. Vgl.
auch A.30.
30 Wattäb b. Säbiq war Begründer der kleinen Partikulaidynastie der Numairiden.
Während des Niederganges der Hamdänidenherrschaft in Halab seit den letzten Jahren
Sa’daddaulas trat er 380 H (beg. 31. Màrz 990) in Harràn als selbständiger Herr auf und
konnte im gleichen Jahr auch Sarüg besetzen; vgl. Ibn Saddäd (Bodl. Marsh 333) 14b. 31 a.
— Sarüg, zwischen Euphrat. Edessa und Harràn zentral gelegen, war ein wichtiges
Handelszentrum; vgl. E I' IV 189 (Plessxer): Cahex, Syrie 113; CANARD, Hamdanides
92f; LE STRANGE. Eastern Caliphate 108.
31 Die genaue Lage von Kafar Azüz ist unbekannt; nach Jahjà (PO 23, 466) lag es im
Gebiet von Sarüg, d. h. wahrscheinlich an der von Blra am Euphrat nach Sarüg führenden
Straße; vgl. C anard. Hamdanides 93. A.35; Honigmann 108. Xk-ht wörtlich braucht Jahjà
genommen zu werden, wenn er bei der Einnahme von Kafar Azûz 12.000 Menschen in
Gefangenschaft geraten läßt.
32 Zu den Numair vgl. o. A. 29: die Kiläb (ebenso wie die Numair zur nonlarabischen
Gruppe Qais gehörig) waren um die Mitte des 10. Jh. aus Syrien in die nördliche GazTra
gekommen und nahmen die Gebiete zwischen Halab und Rahlia ein. Aus ihnen gingen später
die Mndäsiden hervor: vgl. OPPENHEIM 1 222 228: Z aKKar 70 84.
54
Syrien und Phönikien
der das Aufgebot Wattftbe zur schleunigen Flucht nötigte und als S ieg er
nach Antiocheia zurückkehrte***.
Die durch al-Asfar ausgelöste Bewegung kam alsbald zu einem w en ig
rühmlichen Ende. Die Byzantiner verlangten von Wattftb b. S&biq d essen
Auslieferung, und nach einigem Zögern hielt er es für angezeigt, d ie se r
Forderung nachzukommen — umsomehr, als ihm Lulu’ von Halab e in e n
guten Teil der Sorge abnahm, indem er selbst sich erbötig machte, a l-A sfa r
für unbestimmte Zeit auf der Zitadelle von Halab in H aft zu nehm en.
Daher wurde al-Açfar im Sa'b&n 397 H (beg. 22. April 1007) nach H a la b
geschafft, wo ihn Lu’lu einkerkerte — offensichtlich auch, um sich s o
gegenüber Byzanz verdient zu machen. Erst infolge des Sturzes von L u lu ’s
Sohn und Nachfolger al-Mansür erlangte al-Apfar 406 H (beg. 21. J u n i
1015) seine Freiheit wieder34.
Viel unmittelbsrer als von der Erhebung al-Asfars wurde Halab aber
durch einen gescheiterten Restaurationsversuch der Hamd&niden betrof
fen. Lulu’, dessen verständige Herrschaft gerühmt wird, war wohl im
Muharram 399 H (beg. 5. September 1008) verstorben36. Sein Mitregent und
Nachfolger Abü Nasr al-Mançür erscheint dagegen in den Quellen als
treuloser, dem Trunk ergebener und den Halabinem verhaßter Tyrann.
Wenn als Motiv für manche seiner Maßnahmen die prekäre politische Lage
ins Treffen geführt werden sollte, so war jedenfalls der Erfolg äußerst
zweifelhaft; zudem hatte al-Mansür mit den entscheidenden Mächten —
Ägypten und Byzanz — ohnedies das Einvernehmen herstellen können36.
** Ein rhetorisch gehaltener und daher kaum konkrete Einzelheiten bietender Reflex auf
die Erfolge dea Nikephoros Uranos Aber die Araber ist der 10. Brief eines seiner Korrespon
denten, des Philetos Synadenoa, bei D arrouzÈ.n, a. O. (vgl. A. 28) 256 : Philetos versichert,
er wire zur Siegesfeier nach Antiocheia geeilt, bitten ihn nicht Amtspflichten in Kilikien (er
war Richter in Tarsos) festgehalten.
M Vgl. Jahji, PO 23, 467; Kam&laddTn 1 106, 9f.; wahrscheinlicher ist Lulu’s EinfluB
auf Wattäb (so Jahjä) als die listige Täuschung al-Açfars durch Lu’hi’ (dies die Version
KamäladdTns).
** Vgl. Kamiladdin I 107, 6—8; 108, 1—4; Jahjä 210, 3f. CHEIKHO; al-'Azimi 159a;
MunagÿimbUT 1235b. Kamiladdin gibt als Todesdatum Ende Du’l-Hi¿¿a 399 H an; Jahjis
Datum Muharram erklärt aber, warum sich $älih b. Mirdäs 399 H bereits ar-Rahbas
bemächtigt hatte (vgl. u. S. 64 mit A. 65).
*• Der Versuch, al-Mansfirs Politik auf die genannte Weise zu erklären, bei FORSVTH
638. Doch war das Verhältnis al-Manpürs zu Ägypten zumindest im Anfang nicht ungünstig.
Noch im letzten Lebensjahre Lu’lus schickte dessen Mitregent al-Mansür seine Söhne Abu’lQhanä’im und Abu’I-Barakät nach Ägypten, wo sie reich beschenkt wurden und Besitzungen
in Palästina erhielten; al-Manpür selbst wurde von al-Häkim mit dem Ehrentitel Murtadäaddaula ausgezeichnet. Politische Zugeständnisse einer der beiden Seiten waren damit
schwerlich verbunden. Für die Haltung al-Manßürs gegenüber Byzanz vgl. die Inhaftierung
al-Atfars in Halab (oben mit A. 34).
Darstellung
55
Doch gab es noch einen Sohn Sa'daddaulas namens Abu’l-Haig&\ der
nach der Machtergreifung Lulu’s in Halab auf byzantinisches Gebiet
geflohen war und von Basileios II. den Titel eines Magistros erhalten
hatte. Angesichts der steigenden Mißliebigkeit al-MansQrs in Halab fand
der Gedanke einer Rückführung Abu’l-Haig&’s in das Erbe seiner Vorfahren
Anklang; die Verfechter eines solchen Planes wandten sich an den Marwfrniden Mumahhidaddaula von Majj&farTqln, der Schwager Abu’l-Haig&’s war
und außerdem über gute Beziehungen zu Byzanz verfugte37. Mumahhidad
daula scheint Basileios II. ein verstärktes byzantinisches Protektorat in
Ilalab fur den Fall einer Restauration Abu’l-Haigä’s in Aussicht gestellt zu
haben, ohne daß dafür eine byzantinische Hilfe beansprucht würde. Des
halb erhielt Abu’l-Haigä’ die Erlaubnis, sein byzantinisches Exil zu verlas
sen und kam noch 400 H (beg. 25. August 1009) nach Majj&farTqln, wo ihn
Mumahhidaddaula mit Geldmitteln und einer kleineren Schar Reiter verse
hen ließ; im übrigen war er auf die Hilfe der Kilfib angewiesen, die
Mumahhidaddaula aufgefordert hatte, sich Abu’l-Haigft’ anzuschließen38.
Tatsächlich leisteten die Kilftb Abu’l-Haigfi’ nach seiner Ankunft in der
G&zlra das Versprechen ihrer Gefolgschaft.
al-Mançür b. Lu’lu’ mußte handeln, und zwar suchte er einerseits die
Kil&b auf seine Seite zu ziehen, indem er ihnen Versprechungen auf
Landbesitz machte; andererseits wandte er sich an Ägypten um Beistand,
den er bewilligt erhielt, falls ein fätimidischer Statthalter in der Zitadelle
zugelassen würde. Unter dieser Bedingung rückten die Truppen von Tripo
lis unter dem Qfidl 'All b. Äbdalwähid b. Haidara heran39, als gerade Abu’lHai¿&’ vor Halab Stellung bezogen hatte. Im folgenden Gefecht ließen die
Kil&b (entsprechend ihren Abmachungen mit al-Mançür) die Sache Abu’l-*
** Mumahhidaddaula, der 2. MarwSnide (Überblick zu seiner 387 H [beg. 14. Januar 997]
— 401 H [beg. 15. August 1010] währenden Regierung bei AMEDROZ, Marw&nid Dynasty
126— 131) hatte nach seinem Regierungsantritt eine Tochter Sa’daddaulas geheiratet, die
schon Ar Mumahhidaddaulas Vorgänger AbO'AlT ausersehen gewesen war: Ilm al-Azraq 72f.
80. Über seine Huldigung vor Basileios 11. i. J. 1000 vgl. u. S. 134 mit A. 8.
* Vgl. Jahjä 210, 4—211, 5 CHEIKHO; KamäladdTn 1 198, 9—200, I. Demzufolge
unterstützte Mumahhidaddaula den Abu’l-Haigä' nur mit 200 Reitern. Basileios II. hatte
sich einen verstärkten Einflufi in Halab erwartet, denn so ist wohl KamäladdTn 1 199, 6f.
aufzufassen : Mumahhidaddaula ersuchte den Kaiser um Erlaubnis, daB Abu’l-Haigä’ sein
Exil verlasse, damit er, von ihm (sc. Basileios) beauftragt, in Halab die Macht ausübe, ohne
daB Geld oder Truppen Ar seine Einsetzung vom Kaiser benötigt würden.
* Tripolis besaB eine ständige Garnison der Fätimiden; vgl. L e Strange , Palestine 349
(Bericht des Reisenden Näfir-i (Jusraw Ar 1047) und (Ar die mamlukische Zeit fortdauernd)
Gacdekroy-D emombynek 222. — Sein Qä^T ist der von Jahjä, PO 23, 443 genannte
Gegner einer Übergabe von Tripolis an die Byzantiner i. J. 995, welcher der kapitulations
willigen Partei erfolgreich entgegen trat.
56
Syrien und Phönilüen
H&igä’s im Stich, der unter Zurücklassung aller Habe die Flucht ergreifen
mußte und — da ihn Mumahhidaddaula offensichtlich unzureichend unter
stützt hatte — wiederum auf byzantinisches Gebiet zurückkehrte.
Der in aller Hoffnung getäuschte Hamdänide flehte von M elitene aus
Ba8ileios II. neuerlich um Asyl an, wozu dieser — im Unwillen über die
Verwicklungen des von ihm geduldeten Unternehmens — zunächst nicht
bereit war. Erst als ausgerechnet al-Mansür b. Lu’lu* beim Kaiser vorstellig
wurde, er möge Abu’l-Haigä' aufnehmen, damit er nicht wieder im muslimi
schen Gebiet Unruhe stifte, ließ Basileios II. schließlich Abu’l-Haigä’ in
ehrenvoller Weise nach Konstantinopel kommen, wo er bis an sein Lebens
ende verblieb40.
Byzanz hatte in dem gescheiterten Restaurationsversuch des Hamdäniden nichts gewonnen und nichts verloren. Der Fätimidenchalife al-Häkim
war in seinem — dem Vertrag von 1001 zweifellos widersprechenden —
Verhalten von der Erwartung geleitet worden, als Lohn für die Unterstüt
zung al-Mançürs dessen Anerkennung der fätimidischen Oberherrschaft
über Halab zu erhalten. Zum Zeichen äußerer Anerkennung ließ al-Mansür
auch tatsächlich al-Häkim im Kanzelgebet nennen, während dieser wohl im
Ramadän 400 H (beg. 18. April 1010) eine Urkunde über die Betrauung alMansürs mit der Regierung in Halab und die Bestätigung des ihm schon als
Mitregenten verliehenen Ehrentitels Murtadäaddaula („W ohlgefallen des
Reiches“ ) erließ41. Jedoch dachte al-Mansür nach Beendigung seiner
40 Für die reservierte Haltung Mumahhidaddaulas sprechen folgende Anzeichen: Die
militärische Unterstützung Abu’l-Haigäs war viel zu gering; nach seinem Scheitern hat sich
Abu’l-Haigä' nicht zu seinem Schwager ins Exil begeben ; dieser setzte sich auch nicht für
Abu’l-Haigä' bei Basileios II. wegen der neuerlichen Gewährung des Asyls ein. — Leider
schweigt Ihn al-Azraq, bei dem die auswärtigen Beziehungen mitunter sehr kursorisch
behandelt werden, über Abu’l-Haigä'.
Während seinen zweiten und endgültigen Exils ist Abu’I-Haigä* möglicherweise zum
Christentum übergetreten und hat in der byzantinischen Armee Kommandos übernommen.
Dies schließt M.CANARD aus einem in Konstantinopel befindlichen Siegel (vgl. H au l
E dhem, Müze-i Hömayun — Kurqun mühür katalogu — Arap ve Arap-Bizantin ve Osmanli
kurçun mühürlerine mahsustur. Konstantinopel 1321 H [1904] 42, Nr. 31 ), das in arabischer
Schrift den Namenszug Abu’l-Hai¿&’ Muhammad b. Sa'daddaula Abu’l-Ma'älT SarTfträgt und
auf dem Avers eine Büste des hl. Theodores mit griechischer Legende aufweist; vgl. E l* Ui
130, s. v. Hamd&nids (dort französische Zitierung des konstantinopolitanischen Siegelkata
logs). An der Zuweisung des Siegels besteht kein Zweifel, aber Ar ein byzantinisches
Kommando sehen wir keine Indizien; aus der Avers-Darstellung sollte dergleichen —
zumindest im speziellen Fall — nicht geschlossen werden.
41 Wenn bei dem fttimidisch-byzantinischen Friedensschluß von 1001 eine — zumindest
stillschweigende — beiderseitige Respektierung des tiatua quo in Halab vorauszusetzen ist,
so war dieser nun infolge der wohlwollenden byzantinischen Haltung gegenüber der
Restauration Abu’l-Haigä’s insofern weniger verletzt worden, als Byzanz seit Jahrzehnten
ein Protektorat über Halab beanspruchte, während hingegen Ägypten die Lage eindeutig zu
Darstellung
57
Zwangslage nicht daran, sich auch tatsächlich Ägypten zu unterstellen. Ein
K onflikt um den Besitz von Akäz42 ließ sich noch vermeiden ; als aber dann
Ibn Haidara die Erfüllung der politischen Zusagen verlangte, zwang ihn alMansfir, unverrichteter Dinge nach Tripolis zurückzukehren43.
In die Zeit der gescheiterten Restauration der Hamdäniden in Halab
fallt ein Ereignis, das die Zeitgenossen ungleich weiter und tiefer beein
druckte: Die Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem auf Befehl des
Fätimidenchalifen al-Häkim, dessen (seit einiger Zeit verfolgte) antichristliche Politik mit diesem Akt einen Höhepunkt erreichte. A uf Einzelheiten
seiner christenfeindlichen Maßnahmen einzugehen, ist hier nicht der Ort;
die Vorgänge rund um die Zerstörung der Grabeskirche sind von berufener
Seite geschildert worden, sodaß die Betrachtung darauf gerichtet werden
kann, welche Bedeutung dem Ereignis im Hinblick auf die byzantinisch
ägyptischen Beziehungen zukommt44.
seinen Gunsten verändern wollte. — Kamäladdln setzt 1 200, 2—4 Investitur und
Bestätigung des Titels in den Ramadän 404 H; da er jedoch a.O. 13—17 über den
ftUmidischen Gegenzug unter dem Jahr 402 H spricht, ist es wahrscheinlicher, eine
Dittographie anzunehmen
CANARD, Hamdanides 710, A. 280 ließ die Frage
offen. — Die Nennung al-Häkims im Kanzelgebet: Ibn al-Atlr IX 228 (s. a. 402, da er hier
im Mirdas¡den-Exkurs auch die Zusammenfassung über al-Mansür b. Lu*lu* brachte); Abu’lFida III 8; Ibn Haidun IV 544; Ibn Abi'l-Haigä' 121 b— 122a; al-'Ainî XI 574; Munaggimbäsi I 235b.
42
Stadt mit beachtlicher Festung, etwa 40km nördlich von Halab, am Kreuzungspunkt
der Straßen Tall Bäsir — Anttocheia und Maras — Halab. Vgl. JäqQt III 607; Le
STRANGE, Palestine 405; C.AHEX. Syrie 139; D i ssai D 193. 229; GaI'DEKROY-Demombyxes
91 f.
tt Vgl. Kamäladdln I 200, 5—12. Er motiviert nicht, warum al-Häkim mit dem
Eingreifen gegen al-Mansür zauderte. Rücksichtnahme auf Byzanz war nach seinem
bisherigen Verhalten offenbar nicht der Grund, und zudem hat er 402 H ja auch eine
Intervention versucht (Kamäladdln I 200. 13—17). Wahrscheinlich war al-Häkim 400 oder
401 H (eine genaue Chronologie fur al-Mansürs Abfall wird auch nicht gegeben) durch die
verstärkte Aktivität der nach dem Besitz Palästinas strelienden Garrähiden unter alMufarrig b. Daghfal behindert (Überblick hiezu: El* II 482ff. s. v. Djarrähid* [Canard]).
44 Gute Übersicht der antichristlichen Maßnahmen al-Häkims hei A. Mkz. Die Renais
sance des Islams. Heidelberg 1922. 52—55: nach Jahjä b. Sa*Id bei PORsYTH 209 -217. Für
die Ereignisse um die Zerstörung der Graheskirehe ist maßgeblich: M. C anard. La
destruction de l’église de la Résurrection par le calife Häkim. Hyz 35 (1965) 16—41. — Von
den zu Obigem einschlägigen Quellen sind am wichtigsten: Jahjä, PO 23. 491 f.: Ibn alQalänisT 66—68: Sibt b. al-Gauzî (Hs. Par. 5866) 235b—236a: vgl. ferner Ibn al-Atîr IX
208f. (s. a. 398): al-Maqrîzî. hitat II 287. I3f.: al-MaqrTzl. Fätimidengeschichte II 75. 81 :
Ibn al-Gauzî VII 239: IIhi TaghrïbirdT II 101. 5: Abu’l-Farag. Chron. Syr. 219 Br i ’Ns K irsch = I84f. Bi 'DGE: von den byzantinischen Quellen Skylitzes 347 . 83 *89 ( = Kedrenos 456. 9—14): ihm folgend Zonaras III 562. 20—563. 2.
Aus Jahjä ergibt sich das genaue Datum fur den Beginn der Demolierung mit 5. Safar
400 H (28. September 1009). wonach die Angaben bei Ilm al-Atlr und Ibn al-Qalänisl f*. a.
58
Syrien und Phönikien
E s ist fe8tzuhalten, daß man in al-Häkims Vorgehen nicht in erster
Linie eine ismällitische „Aufklärung“ gegenüber der bisweilen in frommer
Täuschung befangenen Wundergläubigkeit der christlichen Bevölkerung
sehen kann. Vielmehr geht eine klare Entwicklung von den christenfeindli
chen Maßnahmen der früheren Jahre bis hierher. Zwar betraf auch das
nunmehrige Vorgehen primär Untertanen des eigenen Reiches, doch ist
darüber hinaus eine bewußte Verachtung des Christentums, wie sie aus der
Zerstörung eines der größten christlichen Heiligtümer resultiert, so evi
dent, daß Byzanz (ganz abgesehen von der übrigen christlichen W elt)
notwendigerweise betroffen sein mußte — auch wenn diese Handlung in
formaler Hinsicht nicht gegen das Abkommen von 1001 verstieß45.*
398 H) ebenso zu berichtigen sind wie Skylitzes und Zonaras (diese verwechseln aKAzTz mit
seinem »Sohn al-Häkim). Außerdem wird al-MaqrlzI irren, der den christlichen Wezir alMançQr b. 'AbdQn das Zerstörungsdekret ausfertigen laßt. Dieser Mann, der sich vormals
offen geweigert hatte, den Islam anzunehmen (Jahjä, PO 23, 488f.), wäre zu einer solchen
Handlung kaum bereit gewesen ; zudem war am 5. Çafar 400 H offenbar noch $älih b. 'All
Wezir, der nach al-MaqrlzT (bitat a. O., Fätimidengeschichte 11 81 ) am 11. $afar, nach Jafajjä
(a. 0. 492) am I8.$afar auf Befehl al-Häkims beseitigt wurde.
** Sowohl Abu'l-Farag wie auch Ibn al-Qal&nisT und Sibt b. al-GauzI nennen als
auslösendes Moment die anscheinend wunderbare Herabkunft des Feuers auf den Altar über
dem hl. Grab bei der Osterliturgie, was ihren Angaben nach vielmehr durch Tränkung der
Lampenkette über dem hl. Grab mit öl und dessen Entzündung bewirkt worden sei.
Wichtiger war es al-Häkim gewiß, das blühende Wallfahrtswesen zu treffen, dessen
hervorhebende »Schilderung bei Ibn al-Qalänisl, Sibt b. al-öauzT und dem persischen
Reisenden (um 1047) Nâçir-i Qusraw (Sefemäme, tr. SCHEKER 20) in der Behauptung
gipfelt, der Kaiser sei selbst inkognito zur Wallfahrt nach Jerusalem gekommen.
Nach Jahjä beauftragte der Statthalter von Ramla, Järöb, seinen Sohn jQsuf sowie den
späteren (i. J. 405 H [beg. 2. Juli 1014] allerdings hingerichteten) Wezir al-Qusain b. Zähir
al-Wazzän (zu ihm vgl. E l2 111 79, s. v. al-Häkim; WüSTENEELD, Fätimiden 198—200) und
einen gewissen Abu'l-Fawäris ad-Daif mit der Zerstörung; nach Ibn al-Qalänisl und Sibt b.
al-ÖauzT jedoch hätte ad-Daif nur Bericht über den frommen Betrug an den Chalifen
erstattet, während als aktiver Teilnehmer statt seiner Ahmad b. JOsuf ad-dä*Tgenannt wild.
Folgt man Jahjäs Version, so könnte dieser ad-Paif mit dem vormaligen (392 H [beg.
20. November 1001]) Statthalter von Damaskus, Qut&kln Abü Mançûr ad-Paif, identisch
sein (vgl. CANARD, a. O. 21, A. 2), den Ibn al-Qalänisl als ismäTlitischen däT (Missionar)
bezeichnet, und von dem Jahjä sagt, er sei 405 H (beg. 2. Juli 1014) als dä*l ad-du'ät
(Großmissionar) tätig gewesen (209, 11f. CHEIKHO). — Einer Überbewertung der doktrinär
ren ismällitischen Einflösse tritt Canard , a. O. 26 entgegen. Er weist auch auf die Tatsache
hin, daß die Aufregung im Okzident noch größer war als im christlichen Orient, wenn man
die hier lapidaren, dort ausgestalteten Berichte veigleicht. Rodulfus Glaber etwa, ein um
1050 verstorbener cluniacensischer Mönch, der eine Geschichte seiner Zeit schrieb (vgl.
WATTEN BACH—H oltzmann 302—304), läßt gar die Juden von Orleans den Herrscher von
Babylon zu dem Sakrileg anstiften (hist. Ill 7). Im Westen stand man eben den politischen
Realitäten weitaus ferner als im Osten, der periodisch wiederkehrende Repressionen der
Christen durch die muslimische Staatsgewalt zur Genüge erlebt hatte.
Darstellung
59
W ichtig bleibt allerdings die Tatsache, daß weder Ägypten noch Byzanz
einen offenen Bruch erstrebt haben, denn selbst auf dem Höhepunkt der
antichristlichen Maßnahmen sind die diplomatischen Kontakte der beiden
Reiche nicht abgerissen. 403 H (beg. 23. Juli 1012) sandte al-H&kim an
Basileios II. ein Ehrengeschenk im W erte von 7000 Dinaren, und 404 H
(beg. 13. Juli 1013) erhielten die Gesandten des Kaisers gleichfalls reiche
Ehrengaben mit auf den Weg. Im Jahre 405 H (beg. 2. Juli 1014) wurde
beim Eintreffen eines byzantinischen Gesandten eine prächtige Parade
ausgewählter Truppen abgehalten; al-H&kim und der Thronfolger traten in
weißen, juwelengeschmückten Gewändern auf und empfingen den byzanti
nischen Gesandten mit seinen Geschenken sowie den eigenen, im Vorgänge**
nen Jahr nach Konstantinopel geschickten Emissär 'AbdalghänT b. Sa*Id,
dem vom Chalifen ein Ehrenkleid verliehen wurde40.
In ähnlicher Weise zeigt sich das byzantinische Bestreben, trotz aller
Schwierigkeiten ein tragbares Verhältnis zu Ägypten zu bewahren, bei der
Affaire um die Söhne des al-Husain b. Gauhar. Beim Sturz dieses nach
Bargaw&ns Fall mächtigsten Mannes im Fätimidenreich47 flohen seine
Söhne Ga'far, Abfi Gafar und ein noch jugendlicher Bruder der beiden
namens Gauhar nach Syrien, wohl vor Sa'b&n 401 H (beg. 10. März 1011 ).
Sie beabsichtigten, sich unter byzantinischen Schutz zu stellen; daher
ersuchten sie brieflich den Statthalter von Antiocheia, Michael Koitonites48, ihnen Zuflucht zu gewähren. Dieser zögerte, dem Fätimidenchalifen
mißliebige Personen aufzunehmen und antwortete, sie sollten warten, bis
er beim Kaiser die Erlaubnis für ihre Aufnahme eingeholt hätte. Da die
Flüchtlinge nicht warten wollten oder konnten, brachen sie nach dem Iräq
auf und ersuchten al-Hassän b. al-Mufarrig (dessen Vater al-Mufarrig b.
Daghfal sich zur Zeit ihrer Flucht Palästinas bemächtigt hatte), ihre
Durchreise zu gewährleisten. Dieser war jedoch schon zuvor von al-H&kim
(durch Schenkung von 200.000 Dinaren) bestochen worden, sie zu ergreifen.
Seine oftmals antifätimidische Haltung hintanstellend, forderte er sie auf,
sich selbst um ihre Sicherheit zu kümmern und ließ sie bis as-8uwaklä’ im
Haur&n gelangen; zugleich aber schrieb er dem Statthalter von Damaskus,
* Ober diese Beziehungen (eie fehlen bei D0UJEK. Regesten) vgl. ai-Msqrtzj, Katimidengeediichte II 99 (zu 403 H); 100 (404 H); I07f. (405 H).
47 al-Huaain b. Gauhar wer qa id al-quwwád (Generalissimus) geweaen und wurde un
l2.Gumidá II 401 H (21. Januar 1011) gestürzt; vgl. EJ2 II 495 ( DJ a WH a R-Mon K*) ;
L ane-P oole, Egypt 124; WC>TENKEU>. Katimiden I93f
** Dieser wild nur bei Jehjä, PO 23.50f. genannt; sein letzter bekannter Vorgänger war
Nikephoros Uranos, dessen Spuren sich nach dem Ende der Asfar-Kpisode verlieren (vgl. o.
mit A.27f.).
60
Syrien und Phönikien
Mubtaraddaula Abu Äbdalläh b. Nazzäl40, er solle sich ungesäumt ihrer
bemächtigen. Daraufhin stellte dieser die Flüchtigen und brachte sie um ihr
Leben ; die Köpfe der bedauernswerten Opfer wurden im Rabl* II 403 H
(beg. 20. Oktober 1012) nach Ägypten gebracht80.
Während al-Häkim die Verfolgung der Söhne des al-Husain b. Gauhar
betrieb, erlitt die ägyptische Herrschaft in Palästina einen schweren Stoß
durch den eben genannten al-Mufarrig b. Daghfal b. al-Garräh, der hier
schon lange nach einer Herrschaftsbildung strebte — ein Ziel, das er in
seinen bald feindlichen, bald freundlichen Beziehungen zu al-Azïz und alHäkim niemals aufgegeben hatte. Einige Zeit vor der Flucht der Söhne alHusains war es al-Mufarrig b. Daghfal gelungen, den neu ernannten
syrischen Statthalter Järüb mitsamt seiner wertvollen Begleitkarawane bei
Ghazza zu überfallen und völlig auszuplündem ; Järüfe wurde in der Gefan
genschaft getötet.
Ramla51, das zunächst der Plünderung anheim fiel, wurde der Sitz alMufarrigs. Auf Betreiben des früheren fätimidischen Wezirs Abu’l-Qäsim
al-Maghribl62, der sein Leben nur durch die Flucht vor al-Häkim gerettet
hatte und daher eifrig Zwietracht zwischen diesem und al-Mufarrig schürte,
ließ dieser den SarTf von Mekka, Abu’l-Futüh, zum Gegenchalifen prokla
mieren und lud ihn nach Ramla ein. al-Häkim erwirkte durch massive
Bestechung der Söhne al-Mufarrigs, daß sie ihren Vater schließlich dazu
brachten, Abu’l-Futüh fallen zu lassen. Da al-Häkim auch drohte, dessen
Cousin als SarTf einzusetzen, leistete Abu’l-Futüh Abbitte und kehrte nach*1
* as-Suwaidä* nennt Jäqüt 111 197 als kleines Dorf im Haur&n, eine Tagesreise von
Damaskus. Dessen Statthalter ist möglicherweise mit al-Muzahhar b. Nazzäl gleichzusetzen,
dem Verteidiger iron Tripolis i.J. 995, der damals die Stadt an Basileios 11. äbeigeben
wollte (Jahjä, PO 23,443); so R ozen, A. 207. 212 und ihm folgend SCHl.rMKERQER, Épopée
11 446.
Jahjä, PO 23, 501 f. ; danach fiel die Flucht der Söhne al-Husains in die Zeit, als sich
al-Mufarrig b. Daghfal Palästinas bemächtigte. Für letzteres Ereignis ergibt sich aus
anderen Angaben Jahjäs [PO 23, 506. 520) als Datierung Sa'bän 401 H, d.h. der übernäch
ste Monat nach al-Husains Hinrichtung (vgl. A.47). Jahjä wird dahingehend zu verstehen
sein, daß sich die Söhne damals an al-Mufarrig gewandt haben, während ihre Flucht aus
Ägypten kurz nach al-Husains Tod anzusetzen ist.
•'*' Ramla, zwischen Jerusalem und Jaffa nahe Lydda gelegen, war seit der frühislamischen Zeit Verwaltungsmittelpunkt Palästinas gewesen ; vgl. E P 111 1204 (HONIGMAKN) ;
Le STRANGE, Palestine 303. 308. 403f.
Abu’l-Qäsim entkam in das Iräq; später war er noch bei dem Marwäniden Nasraddau
la von großer Bedeutung; vgl. den biographischen Überblick E P 111 117 (Z eTTERkTEEn );
vgl. auch u. S. 152, A. 57.
Darstellung
61
Mekka zurück, wo er gegen Anerkennung der fatimidiachen Oberhoheit
weiter regieren konnte53.
Während sich der fttimidische EinHuß damals kurzzeitig bis ins nördli
che Mesopotamien ausbreitete54, schritt al-Häkim gegen al-Mufarrig b.
Daghfal lange Zeit nicht ein, sodaß jener Palästina von al-Faramä bis
Tiberias zwischen Sa'bän 401 und Muharram 404 H (beg. 10. März 1011
bzw. 13. Juli 1013) beherrschte55. Auffällig ist seine entgegenkommende
Haltung den Christen gegenüber, was offensichtlich zugleich als Ausdruck
einer politischen Annäherung an das byzantinische Reich anzusehen ist,
dessen Stellung auch später von hoher Bedeutung für al-Mufarrigs Sohn
Hassän war. So ordnete al-Mufarri¿ den Wiederaufbau der Grabeskirche in
Jerusalem an und gab dazu seine Unterstützung56; außerdem ernannte er
403 H (beg. 23. Juli 1012) einen neuen Patriarchen von Jerusalem, Theo
philos von Hibäl, nachdem dieser Stuhl vakant gewesen war57.*7
**3 ln obiger Darstellung ist auf Grund des inneren Zusammenhanges der übergeordneten
Ereignisse die zeitliche Anordnung durch Jahjä, PO 23, 501 f. zugrundegelegt, doch weichen
die Angaben anderer Historiker ab. Der ausführliche Bericht bei Abu Sugä' (Eclipse 111
233—238) gibt an, dies alles sei bald nach Bargawäns Fall (Apr. 1000) 390 H geschehen (vgl.
dazu o. S.49, A. 13); al-Maqrïzî (Fätimidengeschichte 11 97 f.) bringt die Unterwerfung der
Garrähiden erst 401 H ; Ibn al-Atlr IX 123 vorwegnehmend im I. Regierungsjahr al-Häkim8
386 H (996/7). — Für die früheren Geschicke der Garrähiden vgl. E P II 482ff., s. v.
Djarrahids (Canard ).
:a E s handelt sich um die damals (401 H [beg. 15. Aug. 1010]) erfolgte Unterstellung des
'Uqailiden Qirwäs von Mosul (reg. 391 H [1001] — 442 H [1050]) unter fttimidische
Oberherrschaft, die aber von geringer Bedeutung war; als nämlich der bujidische Reichsver
weser des Abbäsidenchalifat8, Bahaaddaula, mit Krieg drohte, lenkte Qirwäs unterwürfig
wieder ein. Vgl. Ibn al-Atlr IX 223 (a. 401); Ibn Haidun III 918, s. v. Banû Masjad; alMaqrlzl, Fätimidengeschichte II 88; al-Makln 257; Abu’I-Farag, tarih 333f; ders., Chron.
Syr. 221 Britis —K irsch - 185 Bi/ dge.
,V| Jahjä, PO 23, 506. 520 gibt die Herrschaftsdauer al-Mufarrigs bis zu seinem plötz
lichen Tod im Muharram 404 mit 2 Jahren und 5 Monaten an; danach obige Datierung. —
al-Faramä ist das antike Pelusion; vgl. RE XIX 415, s. v. Pelusion (K ees).
Zu al-Mufarrigs Haltung gegenüber den Christen vgl. Jahjä, PO 23, 505. Der
Wiederaufbau der Grabeskirche kann damals aber nur begonnen worden sein, da er in
späteren Verhandlungen zwischen Byzanz und Ägypten (1027 und 1035) eine Rolle spielte ;
vgl. u. S.80f. lOlf. 107.
77 Der letzte bekannte Vorgänger des Theophilos auf dem Jerusalemer Patriarchenstuhl,
Orestes, war 1005 verstorben (vgl. o. S.48f., A. 12. 14); hernach war sein Bruder Arsenios
(vgl. A. 12) Patriarchatsverweser, denn Jahjä nennt ihn als Administrator i. J.397 H (beg.
27. Sept. 1006). Während der Christenverfolgungen al-Häkims verlor er am 22. Du*l-Qada
400 H (7. Juli 1010) sein Leben (Jahjä, PO 23,496), sodaß von da an die Vakanz zu rechnen
sein wird. Für Theophilos gibt Jahjä, a. O. 505 als Herkunftsort Hibäl an (nahe al-Karak
östlich des Toten Meeres; vgl. Le STRANGE, Palestine 452) und sagt, daß er 8 Jahre bis zu
seinem Tode (d. i. 410 H [beg. 9. Mai 1019]) das Patriarchenamt bekleidete.
62
Syrien und Phönikien
Im Muharram 404 (beg. 13. Juli 1013) schließlich sandte al-Hfikim ein
Heer unter dem erprobten A ll b. Ga'far b. Fallfth58*nach Palästina und gab
den Truppen von Damaskus und der phönikischen Küste Befehl, sich mit
ihm zu vereinen. In dieser Lage starb al-Mufarrig eines plötzlichen Todes
— höchstwahrscheinlich war er auf Veranlassung al-H&kims vergiftet wor
den. Seine Söhne wurden aus Ramla und ihren sonstigen Besitzungen ver
jagt und verloren jegliche Bedeutung, bis al-Hass&n b. al-Mufarrig, den alHfikim durch Vermittlung seiner Schwester Sittalmulk auf Bitten von al-Hass&ns Mutter pardoniert hatte, unter dem nächsten Chalifen az-Zfihir wieder
in Syrien zu agitieren begann50. A uf die Christen im ehemaligen Machtbe
reich der Garrähiden scheint sich deren Sturz nicht nachteilig ausgewirkt zu
haben. Zwar floh der Patriarch Theophilos zunächst aus Jerusalem und
hielt sich verborgen, kehrte aber nach einiger Zeit zurück und wurde
von fAlI b. Ga'far b. Fallfth freundlich empfangen. Ein Zeichen des Nachlas
sens der antichristlichen Politik al-Hfikims war dann im Safar 404 H (beg.
12. Aug. 1013) seine Erlaubnis, daß Christen und Juden — sogar wenn sie
unter Zwang zum Islam übergetreten waren — mit Familie und Besitz auf
byzantinisches Gebiet emigrieren durften. Daraufhin wanderte auch der
Historiker Jahjft b. Said nach Antiocheia aus, wie er selbst berichtet60.
58 *AU b. öa'far war der Sohn des fötimidischen Eroberers von Damaskus; dort war er
selbst 390 H (beg. 13. Dezember 999) — 392 H (beg. 20. November 1001) Statthalter,
nachdem er schon gegen BangütakTn gekämpft hatte (Ibn al-Qal&nisT 44—48. 57). Nach
seiner Rückkehr vom Zug gegen die Garr&hiden wurde er 405 H (beg. 2. Juli 1014) zum
Kanzler und Reichsverweser unter dem Titel du’r-rij&satain (Herr der beiden Ministerien)
ernannt, in welcher Stellung er bis ans Ende al-H&kims blieb (al-Maqrbl, F&timidengeschichte 11 98. 105. 110. 115).
* Vgl. Jahjft, PO 23, 520; AbQ §ug&\ Eclipse III 238f.; Ibn al-Atlr IX 123 (s. a. 386
[996]). Letzterer resümiert diese Ereignisse schon zum I. Regierungsjahr al-H&kims und
behauptet außerdem, al-Hass&n habe sich nach dem Zug des'AlT b. Ga'far zwei Jahre lang als
Flüchtling in Palästina herumgetrieben, bis sein Vater al-Mufarrig eine Begnadigung
erwirkte — was mit den Angaben bei Jahj& und Abü Sug&* ganz unvereinbar ist. Vielmehr
verdankte al-Hass&n nach letzterem seine Amnestie der Fürbitte seiner Mutter bei Sittal
mulk, worauf er sich bis an al-H&kims Ende ruhig verhielt. Nach AbO Sugft* wurde alMufarrig b. Daghfal durch einen Schreiber namens Ibn al-Mudabbir vergiftet, wohl auf
Anstiften al-H&kims, der ihn spater als unbequem empfand und hinrichten ließ.
60 Vgl. Jahjft, PO 23, 519f. und (über seine eigene Auswanderung) PO 18, 708 (s. a.
405 H [beg. 2. Juli 1014]). Bei Jahjft 207, 21 Cheikho steht für den Namen des Patriarchen
irrig
(Philotheos) statt
(Theophilos). Merkwürdig erscheint die Feststellung
Jahj&s (PO 23, 506), die Garr&hiden hatten in der Zeit ihrer Macht die Bevölkerung durch
wiederholte Beschlagnahmungen und Bedrückungen heimgesucht, sodaß viele syrische
Christen auf byzantinisches Gebiet, zumal nach L&diqijja (Lattakia) und Antiocheia,
geflohen seien. Dieser Vorwurfdes Chronisten ist doch wohl als Echo der durch Kontributio
nen zwangsläufig belasteten Stadtbevölkerung gegenüber den beduinischen Garr&hiden
aufzufassen und nicht als Beweis eines spezifischen Druckes auf die Christen.
Darstellung
63
Gegen den als unbotmäßigen Vasallen angesehenen al-Mansür b. Lulu’
von Halab hatte al-Häkim schon 402 H (beg. 3. Aug. 1011) militärisch
vorzugehen versucht. Obwohl damals die Macht der Garrähiden in Palästi
na noch ungebrochen war, schickte der Chalife ein Heer unter Befehl von
Abu’l-Ma'äH b. Sa*Tdaddaula (einem der beiden durch Lulu’ nach Ägypten
verdrängten Hamdäniden) gegen Halab. Doch gelangte das ägyptische
Heer angesichts der äußerst zweifelhaften Haltung der Beduinen nur bis
Ma’arrat an-Numän®1, worauf der glücklose Abu’l-Ma'älT des Oberbefehls
enthoben und in Gewahrsam nach Ägypten zurückgebracht wurde, wo er bis
an sein Lebensende blieb.
Somit hatte al-Mansür nur mit den Banu Kiläb zu rechnen, die immer
drohender auf die versprochenen Landzuteilungen drängten. Sie wollte sich
al-Mansür durch Hinterlist vom Hals schaffen; er lud ihre Führer und
sonstigen Vornehmen zu einem Gastinahl für den 29.Dul-Qa'da 402 H
(22. Juni 1012) ein, wo ihnen die Landzuweisungen bestätigt würden.
Etliche Hundert kamen herbei, aber lediglich, um von al-Mansürs Mamluken überrumpelt zu werden; einige wurden getötet, andere hingerichtet, die
meisten aber ins Gefängnis gesperrt. Die übrigen Kiläb verließen fluchtar
tig die Umgebung Halabs und sammelten sich Anfang 403 H (beg. 23. Juli
1012) zu einem Vorstoß gegen Kafartäb42, der aber fehlschlug43.
Unter den von al-Mansür in der Zitadelle Halabs festgehaltenen Füh
rern der Kiläb44 war auch $älih b. Mirdäs, der zum Stifter der Nordsyrien
im weiteren U .J h . wesentlich bestimmenden Dynastie der Mirdäsiden
werden sollte. 399 H (beg. 5. Sept. 1008) hatte er ar-Rahba (sc. al-Mijädln)*
•' Ma'arrat an-Nu’män, zwischen Halab und Hamä gelegen, war in frflhislamischer Zeit
als Militärstützpunkt hochgekommen, 968—970 byzantinisch und dann emeut hamdänidisch. Vgl. E I' 111 65 (HONIGMANN); CANARD, Hamdanides 215f. ; LE STRANGE, Palestine
496; Gaideeroy-D emombyneh 109.
K Kafartäb war eine kleine Stadt, der Provinz Him? zugerechnet, etwa halbwegs
zwischen Ma'arrat an-Nu'raän und Saizar gelegen. Vgl. JSqOt IV 289; LE STRANGE,
Palestine 39. 473.
' ’ Der Zug Abu’l-Ma'ftlTs: Kam&laddTn I 200, 13—17. — Der Handstreich gegen die
Kiläb: Jahjä 211,7 —19 CHEIKHO; Kamäladdta I 201, 1—202, 12; Ibn al-Atlr IX 228 (s. a.
402); Ibn Raldün IV 544; al-’AzTmT 180b (zitiert Jahjä als Quelle); al-'AinT IX 574f.;
MunaggimbääT I 235b. Ihre Zahl gibt Jahjä mit 700, KamäladdTn mit über 1000, die Ibn alAtlr-Tradition mit 500 an. Nach Jahjä wurden die gewöhnlichen Leute unter den Kiläb von
al-Mansür als weniger gefährlich angesehen, daher auch besser behandelt als die Führer und
im Sawwäl 403 H (beg. 15. April 1013) entlassen. Zu den Kiläb vgl. A.64.
** Die Kiläb aus der nordarabischen Gruppe Qais waren um die Mitte des 10. Jh. aus
Syrien in die nördliche Gazlra gekommen, wo sie in den Gebieten zwischen Halab und
Rahba (zu letzterem vgl. Anm.65) blieben; vgl. OPPENHEIM I 222—228, der S . 225 die
Angaben Sobernheims in der E I' IV 120 berichtigt, $älib hätte sie Anfang des 5. Jh. H ins
Gebiet von Halab geführt.
64
Syrien und Phönikien
durch Mord an dessen Herren Ibn Muhkän vorübergehend in seine Hand
bekommen und formal auch die fetimidische Oberherrschaft anerkannt65.
Mit den anderen Kil&b war er in die Hände al-Mançürs gefallen, bis er nach
zwei Jahren in der Nacht des 1. Muharram 405 H (2. Juli 1014) aus dem
Gefängnis entkam. Sobald er bei seinen Stammesgenossen angelangt war,
organisierte er den Widerstand gegen al-Mansür, der zuerst bei leichten
Zusammenstößen erfolgreich blieb und, durch den Erfolg verleitet, eine
Entscheidung in offener Schlacht fur erfolgversprechend hielt. Mit stärk
stem Aufgebot — selbst Christen und Juden waren eingezogen worden, was
zeigt, daß al-Mansür alles auf eine Karte setzen wollte — rückte dieser
gegen Tall Hâçid06 vor, wo Sälih Stellung bezogen hatte. Hier kam es am
13. Safar 405 H (13. August 1014) zum Kampf, in dem ein Großteil der
Truppen al-Mansürs mit dessen Brüdern Abu’l-Gais und Abü Sälim die
Flucht ergriff; etwa 2000 Mann sollen gefallen sein. al-Mansür selbst fiel
nach tapferer Gegenwehr mit vielen weiteren Anführern und Mamluken in
die Gewalt von §älih b. Mirdäs67.
Infolgedessen kam es zu Verhandlungen zwischen Abu’l-Gais, der die
Zitadelle von Halab besetzt hielt, und §älih b. Mirdäs über die Bedingun
gen für eine Freilassung al-Mançürs. Neben Geld- und Sachleistungen
sowie der Freilassung aller noch inhaftierten Kiläb betraf die eigentliche
politische Forderung $älihs die Teilung der Herrschaft und sämtlicher
Einkünfte in Halab zwischen al-Mançür und den Kiläb. Schließlich sollte
die erzwungene Scheidung Sälihs von seiner schönen Frau Tarüd, mit der
al-Mansür sich verbunden hatte, widerrufen werden und überdies al-Mansür
seine Tochter an Sälih verheiraten. Alle Bedingungen wurden von alMansür beschworen und durch die Stellung von Familienmitgliedern als
Geiseln bekräftigt.
Nachdem al-Mansür seine Freiheit wieder erhalten hatte und am 22. Sa
far 405 H (22. August 1014) nach Halab zurückgekehrt war, erfüllte er den
materiellen Teil der Bedingungen, worauf auch Sälih die Geiseln entließ;
hingegen verwarf er nunmehr die Teilung der Macht mit den Kiläb und die
•» ÿ&lih in Rahba: Ibn ai-Atlr IX 211 (b. a. 399); Ibn Baldan IV 580; Ibn Abi’l-Haig*’
121 b; Munaggimb&sT 1 328b. — ar-Rahba, zur Unterscheidung von anderen gleichnamigen
Orten nach seinem Gründer auch Rahbat M&lik Ibn Tauq, später al-Mij&dTn genannt, liegt
etwa 45km von Dair az-Zür euphratabw&rts in fruchtbarer Gegend; vgl. D i/ skaI'D 252f. 259.
514; Canard, Hamdanides 95; Cahen , Syrie 156; L e Strange , Eaatem Caliphate 105.
124; DERs., Palestine 517f.
66 Tall H&çid ist eine Örtlichkeit nahe dem Dorf Gibrlh unweit von Halab in östlicher
Richtung; vgl. D ahhan z u Kam&laddln I 204, A.3.
m Jahjft 211,20—212, 19 CüEiKHO; Kam&laddln I 202, 13—205, 14; ders., bughjat (Hs.
Aya Sofya 3036) 467—478; Ibn al-Atîr IX 228 (s. a. 402); Ibn tfakiün IV 544; al-Ainl IX
574—576; Ibn Abi*l-Hai¿&f 122ab; al-Makln 257. 261 ; Muna&imb&sT I 235h—236a.
Darstellung
66
Verheiratung seiner Tochter an Sälih b. Mirdäs. Infolgedessen kam es zur
Wiederaufnahme des Kampfes durch $älih und die Kilftb08.
Die unablässigen Auseinandersetzungen, von denen die folgende Zeit
bis Anfang 1016 erfüllt war, sind durch das Bestreben beider Parteien
gekennzeichnet, die Unterstützung des byzantinischen Reiches zu gewin
nen. Zunächst erlangte sie al-Mansfir b. Lulu’, der von Basileios II. durch
die Beistellung von 1000 armenischen Soldaten in Stand gesetzt wurde, die
Angriffe der Beduinen Sälihs abzuwehren und die Blockade Halabs zu
lockern. Jedoch blieb auch Sälih nicht untätig. Indem er mit dem Kaiser in
Korrespondenz trat, hob er die wiederholte Perfidie al-Mansürs hervor (wie
sie im vormaligen Mißbrauch des Gastrechtes und im nunmehrigen Bruch
von Vertragsbestimmungen vorlag) und versprach darüber hinaus dem
Kaiser vorweg die Anerkennung byzantinischer Schutzherrschaft; zur Be
kräftigung schickte er einen Sohn nach Konstantinopel. Daraufhin veran
laßt« Basileios II. die Rückberufung der al-Mansür zur Verfügung gestell
ten Hilfstruppen und ließ ihm bedeuten, sich an die mit $älih b. Mirdäs
ausgehandelten Bedingungen zu halten00.
Gleichwohl ging der Konflikt weiter, in dem al-Mansür bald in eine
äußerst mißliche Lage geriet. Abgesehen davon, daß ihm die byzantinische
Unterstützung entzogen war und die Stadt durch Sälih von jeglicher
Versorgung abgeschnitten wurde, entzweite sich al-Mansür mit dem Be
fehlshaber der Zitadelle, Fath. Ihm lastete al-Mansür — zu Recht oder zu
Unrecht — nicht nur die Flucht Sälihs, sondern auch Untätigkeit gegen
über den Belagerern an. Um nicht sein Amt und hernach möglicherweise
auch sein Leben zu verlieren, entschloß sich Fath zur Rebellion. In der
Nacht des 25. Ragab 406 H (8. Januar 1016) ließ er plötzlich die Trompeten
blasen, die Trommeln schlagen und den R u f „Häkim, o Siegreicher, Sälih, o
Siegreicher“ erheben. Auf Grund dieser Kriegslist glaubte al-Mansür, der*
M Jahjä 212,19—213, lOCHElKHO; Kamäladdln I 206,15—207,13; den., bughjat (Hs.
Aya Sofya 3036) 467f. Demnach sollte S&lih erhalten: 60.000 Dinare in Gold (I Dinar als
Einheit der Münzpr&gung in Gold — entsprechend dem byzantinischen Solidos — hatte
legal 4,233g; rgl. HlNZ II), 120 halabinisdie ratl in Silber (I ratl entsprachen in Halab im
11. Jh. 480 Dirham, d. h. etwa 1,5kg; vgl. HlNZ 30) und 500 verschiedene Gewänder.
** Einzige Quelle ist Jahjä 213, II —18 CHE1KHO. Byzanz erhoffte sich anscheinend in
§älih einen wertvolleren Parteigänger als in dem unsteten al-Mansflr, dessen Politik zum
Konflikt mit Ägypten und den Beduinen geführt hatte und damit nicht dem byzantinischen
Wunsch nach Stabilität in diesem Bereich entsprach. Sälih dagegen besaß im beduinischen
Arabertum eine bessere Machtgrundlage als al-Mansflr und empfahl sich außerdem als
zuverlässiger Parteigänger der Byzantiner. — Unwahrscheinlich ist die Annahme Z aKKARK
(55). Basileios II. habe sich mit den Numair gut stellen wollen, die den Kiläb verwandt
waren und im Nordosten (Harrän, Edessa) an das byzantinische Reich grenzten; dem
widerspricht das später sehr energische Vorgehen der Byzantiner gegen sie.
66
Syrien und Phönikien
sich in seinem Kastell nahe der Stadtmauer aufhielt, Stadt und Zitadelle
bereits in Händen Ç&lihs, raffte in Eile möglichst viel von seinem Vermö
gen zusammen und floh mit seinen Brüdern, seinen Söhnen und einer
Bedeckung von Mamluken aus der Stadt. Während sich der Pöbel der
Plünderung von al-Mansürs Wohnsitz sowie von Häusern seiner Brüder
und einiger Christen und Juden zuwandte, denen tatsächliche oder ver
meintliche Unterstützung al-Mansürs nachgesagt wurde, nahmen d ie
Flüchtigen ihren W eg auf byzantinisches Gebiet und langten tags darauf in
Antiocheia an70.
Offensichtlich in der Erwägung, sich in al-Mansür ein unter Umständen
nützliches politisches Gegengewicht zu $älih b. Mirdäs zu bewahren, beauf
tragte Basileios II. den namentlich nicht bekannten Statthalter von Antio
cheia71, daß alle Maßnahmen zur Gewährung des ehrenvollen Exils fur alMansür und seine Beleitung getroffen werden sollten. Im einzelnen erhiel
ten die — angeblich mehr als 700 — Flüchtlinge über den täglichen
70 Jahjft 213,18— 214,7 CHEIKHO; Kam&laddln 1 207,12— 2 0 9 ,16;al-Azunl 161 ab; Ibn
al-Atir IX 230; Ibn Çaldûn IV 544. 580; Abu’ l-F¡d&’ III 8; al-Ainl IX 576f.; Ibn Abi’lHaigft’ 122ab; Munaggimb&sl I 236b. — Die Zitadelle liegt auf einem natürlichen Hügel mit
▼erstarkter Böschung und tiefem Graben in etwa 30 Meter Höhe über der Umgebung, nahe
der Mitte der östlichen Stadtmauer. Vgl. EP II 248, s. v. Halab (HERZFELD); C ANARD,
Hamdanides 223 mit Anm. 425; Plan ebd. 222. al-Mansürs Wohnsitz dagegen lag nahe dem
„Tor der Gärten“ im Westen der Altstadt; vgl. D a h h a n zu Kam&laddln I 87, A .2 ;
CANARD, Hamdanides 222; L e STRANGE, Palestine 362. — Zum Vorgehen gegen Christen
und Juden sei daran erinnert, daß sie bei Tall H&sid auf Seiten al-Mansürs gegen $6lih
mitgekämpft hatten; vgl. o. S.64. — Die Annahme einer Beteiligung al-H&kims an Faths
Rebellion wird von Ibn al-Atir und dessen Benützem (Ibn Haldün, al-Ainl, Munaggimb&s!)
gebracht; da jedoch Jahjft, Kam&laddln und al-A?ImI darüber schweigen, ist diese Behaup
tung wenig wahrscheinlich.
71 Der Name des Statthalters von Antiocheia ist nicht überliefert. LAURENT (Antioche
236 mit T. 1) dachte an Theophylaktos Dalassenos, einen der beiden Söhne des Damianos
Dalas8eno8, welche nach Jahjft (PO 23, 456) beim Tode ihres Vaters i. J. 998 auf 10 Jahre in
ägyptische Gefangenschaft fielen. Auf einem Siegel erscheint Theophylaktos tatsächlich ala
801SÇ von Antiocheia, und nach Jahjft (241, 12— 15 CHEIKHO) wurde ihm 1022 das Strategen
amt von Anatolikon übertragen. Die Veröffentlichung zweier weiterer Bleibullen und die
davon ausgehende Neuordnung der Laufbahn des Theophylaktos legt aber nahe, das Siegel
LAURENTS zwischen 1032 und 1034 zu datieren. Vor 1021 war Theophylaktos Protospatharios und Katepano von Iberien (neues Siegel), vor 1022 (nach Jahjft) Protospatharios und
Drungarios (vgl. unten); 1022 wurde er — noch immer als Protospatharios — Stratege von
Anatolikon (nach Jahjft und einem neuen Siegel); auf dem Siegel LAURENTs erscheint er
dagegen bereits als àv&Ù7taToç, 7taTpixioç, ßc<rnj; xai 8où£ ’Avnoxctaç; vgl. W. S e ib t , BZ 70
(1977) 585f. ; zur Biographie vgl. ferner GuiLLAND, Titres XII 97.
Jahjft 241, 12f. CHEIKHO nennt T h e o p h y l a k t o s = 7tpcüToa7Mt&àpioç) und j & j j ,
was offensichtlich jl&jj ( = Spouyyápio;) heißen soll; welche Funktion unter Drungarios zu
verstehen ist, läßt sich bei der Vieldeutigkeit des Begriffs und fehlender näherer Angaben
nicht sicher sagen (vgl. OlKONOMlDÈs 373, Index s. v. 8pö'jYY*P«><;); wahrscheinlich war er
Darstellung
67
Unterhalt hinaus noch angemessene finanzielle Zuwendungen; außerdem
verlieh der Kaiser an al-Mansür, dem die gleichen Ehren und das gleiche
Zerem oniell zuteil werden sollten wie einem Regenten, den Titel eines
M agistros und Ländereien in der Gegend von Antiocheia. Die Brüder alMansürs, Abu’l-Gais und Abü Sälim, sowie seine Söhne Abu’l-Ghanä’im und
A bu’l-Barakät wurden durch Ehrenkleider ausgezeichnet und erhielten
gleichfalls ansehnlichen Grundbesitz. al-Mançür selbst hat die Hoffnung
a u f eine Rückkehr niemals aufgegeben, und darum erbaute er sich im
Bestreben, Halab möglichst nahe zu sein, bei dem D orf Slh al-Lailün72 ein
K astell als ständigen Wohnsitz. Auch wird berichtet, daß er an dem
mißglückten Feldzug des Kaisers Romanos III. gegen Halab im Sommer
1030 teilnahm und einige Zeit später gestorben ist73.
Der neue Machthaber in Halab, Fath, hielt es angesichts der Tatsache,
daß Sälih b. Mirdäs sich der wohlwollenden Billigung von Seiten des
byzantinischen Reiches erfreute, offenbar für angezeigt, sich Ägypten als
dem machtpolitischen Gegengewicht von Byzanz zuzuwenden, weshalb er
die Oberherrschaft al-Häkims anerkannte; wenn er darüber hinaus den
Statthalter von Afämija, 'All b. Ahmad al-Agamí ad-Daif, um die Unter*
Stützung seiner Truppen ersuchte, geschah dies wohl im Bewußtsein seiner
Unterlegenheit gegenüber Çâlih und den Kiläb.
Sobald ad-Daif Anfang Sabän 406 H (beg. 14. Januar 1016) in Ilalab
eintraf, begnügte sich Fath wie bisher mit dem Kommando über die
aber
TÎjç
(vgl. dazu OlKONOMlDÊs 331 ; W. SE1BT, loannes Skylitzea. JÖB
25(1976] 82 f ).
Dem SoùÇ ’Avnoxtta«; stand nach dem Taktikon vom Escorial (OlKONOMlDÊs 263, 28)
wegen der Wichtigkeit seines Kommandos der Vorrang vor allen Themenstrategen mit
Ausnahme des Strategen von Anatolikon und einiger überregionaler Sonderkommanden zu.
Die in den Quellen häufigste Bezeichnung des Antiochener Statthalters als 8o¿£ bzw. ^
bedeutet seit dem späteren 10. Jh. einen Armeekommandanten oder Statthalter wichtiger
Grenzbezirke mit umfassenden militärischen Befugnissen; vgl. OlKONOMIDÊs 344; LAU
RENT, Antioche 223ff. ; AHRWEILER, Recherches 52—64. Eine ähnliche Entwicklung nahm
die Bezeichnung xotTcmvu bzw. jli» , die in den literarischen griechischen Quellen selten,
häufiger dagegen auf Siegeln und in den arabischen Quellen mit Bezug auf Antiocheia
erscheint (vgl. L aurent, a. O. 226; Ahrweiler , a. 0. 64—67). Skylitzes benützt außerdem
neben 8oùÇ gelegentlich den unbestimmten Terminus ip/wv.
w Slh al-Lailün liegt im Gabal Lailün zwischen Antiocheia und Halab nahe dem Nähr
Afrln, wo sich dieser nach Norden wendet (heute kurdisch Sädir); vgl. CAHEN, Syrie I52f. ;
CANARD, Hamdanides 217. 224; HOXIGMANX 108, A. 8; 109, A. 2.
n al-Mansürs Aufnahme im byzantinischen Exil und sein Schicksal: Jahjä 214, 13—18
CheikhO; Kamäladdin I 210, I—12. Nach diesen Quellen war al-Mansür im syrischen
Feldzug Romanos’ III. im vorgeschobenen Feldlager bei Tubbal anwesend, d. i. heute Tibil,
etwa 20km nordöstlich von Azäz (zu diesem s. o. A. 42); vgl. C a n a r d , Hamdanides 225: Le
S t r a n g e , Palestine 546; H o x ig m a x x 112. A.2. Vgl. auch u. S.83.
68
Syrien und Phönikien
Zitadelle. Mit Sälih b. Mirdäs hatte noch Fath einen Ausgleich getroffen,
indem es nun tatsächlich zu der schon von Sälih und al-Mansür vereinbar*
ten Teilung von Land und Einkünften kam. Die verbliebenen Familienmit
glieder al-Mansürs wurden Sälih übergeben, der sie nach Antiocheia ent
ließ; ausgenommen blieb die Tochter al-Mansürs, die ihm dieser zur Ehe
hatte versprechen müssen, danach jedoch vorenthielt, und mit der sich
Sälih nun verband. Das Ergebnis des Machtwechsels in Halab war letzten
Endes, daß die Ägypter als Protektoren Faths nun wieder in der Stadt Fuß
fassen konnten, nachdem al-Mansür in seiner späteren Zeit mit al-Häkim
gebrochen hatte747
5
.
Im Verhältnis des byzantinischen Reiches zu Ägypten müssen die
letzten Regierungsjahre al-Häkims eine Zeit schwerer Krisen gebildet
haben. So wird überliefert, Basileios II. habe damals, als al-Mansür b.
Lu’lu’ mit seinem Anhang Zuflucht auf byzantinischem Gebiet fand, auch
Anweisung gegeben, die Festung von Antiocheia zu verstärken. Vor allem
aber verbot Basileios II. im Jahre 406 H — wie es scheint nach dem
ägyptischen Eingreifen in Halab (d.h. bereits 1016) — jederlei Reisen und
Handelsverkehr aus dem byzantinischen Reich in fätimidische Gebiete.
Von diesem Embargo wurde — aus ersichtlichen Gründen — nur Sälih b.
Mirdäs ausgenommen, und auch er nur auf sein ausdrückliches Ersuchen an
den Kaiser711. Die Gründe für die Verschlechterung der beiderseitigen
Beziehungen sind mittelbar zu erschließen: Es waren die Bedrückung der
Christen durch al-Häkim, das nunmehrige Fehlen eines Vertrages nach
dessen Auslaufen und die ägyptische Präsenz in Halab76.
Verschiedene Maßnahmen al-Häkims sollten der Stärkung der fätimidischen Stellung in Nordsyrien dienen. Von Nutzen wurde ihm die als
untadelig und gerecht gerühmte Verwaltung Halabs durch 'All b. Ahmad
74 Jahjä 214, 7—13 CHEIKHO; Kamäladdtn I 213, 1—11. — Daß $älih b. Mirdäs nicht
schon nach al-Mansürs Sturz die Alleinherrschaft in Halab ergriff, sondern sich mit seinem
Anteil begnügte, läßt den Schluß zu, daß seine Macht damals zur Behauptung gegen Fath
und die Ägypter noch nicht ausreichend war.
75 Ausbau von Antiocheia: Jahjä 215,3f. CHEIKHO. — Handelsembargo: Jahjä 214,19f.
CHEIKHO; al-'AztmT 161 ab (der Zeitpunkt ergibt sich aus der Reihung der Ereignisse bei
Jahjä b. Sa’Td).
76 Daß die Lage der Christen im Fätimidenreich und die Erneuerung des Vertrages von
1001 zu den ungelösten politischen Fragen zählten, zeigt sich darin, daß die nach al-Häkims
Ende erneuerten Verhandlungen eben diese Thematik aufwiesen (Jahjä 243, 13—17
CHEIKHO). Wenn damals die Lage der Christen — im Gegensatz zur Zeit während der
Zerstörung der Grabeskirche — eine offizielle außenpolitische Rolle spielte, so muß der
Grund darin liegen, daß es sich dieses Mal nicht nur um innere Angelegenheiten des
Fätimidenreiches handelte, sondern der politische status quo zwischen Byzanz und Ägypten
verletzt war. Es erscheint nicht zwingend, darüber hinaus noch wirtschaftliche Motive der
Byzantiner anzunehmen (so jedoch CANARD in seinem Artikel über die Fätimiden, E i1 II
850ff).
Darstellung
ad-Daif, den er durch die Verleihung des Ehrentitels Sadldaddaula („R icht
schnur des Reiches“ ) auszeichnete; außerdem sprach er Fath das Lob für
seine getroffenen Maßregeln aus und verlieh ihm den Titel Mub&rakaddaula
(„Segen des Reiches“ ). Auch kehrte er sein Wohlwollen gegenüber der
Stadt Halab hervor, indem er ihr für 407 H (heg. 10. Juni 1016) die Steuern
erließ. Nicht zuletzt suchte er §älih b. Mirdfts zu umwerben, dem er den
Titel Asadaddaula („Löwe des Reiches“ ) verlieh, dies mit der ausgespro
chenen Erwartung, $älih werde ad-D aif und Fath unterstützen. Çâlih ließ
sich jedoch keineswegs täuschen, da nämlich kurz zuvor ein Überfall
ägyptischer Truppen auf die Kiläb gänzlich fehlgeschlagen war; als Fath
durch reichliche Versprechungen dazu bewogen werden sollte, auch die
Zitadelle Halabs den Ägyptern zu übergeben, forderte ihn $älih auf,
vielmehr seinerseits die Gelegenheit zu ergreifen und gemeinsam mit ihm
die Ägypter zu vertreiben. Dieser Plan scheiterte jedoch an der feindlichen
Haltung der Stadtbewohner gegenüber den Beduinen und bewirkte eine
weitere Verstärkung der ägyptischen Truppen.
Neben den Kräften der Statthalter von Tripolis und Sidon befanden
sich bemerkenswerterweise nun auch Kalbiten unter Sinän b. ’Aljän und
Tajjiten unter Hassän b. al-Mufarrig. Was diese Beduinenführer wirklich
im Sinn hatten, war allerdings zum wenigsten eine Unterstützung alHäkims, sondern sie strebten — ebenso wie $älih b. Mirdäs — danach, die
Fätimidenherrschaft in Syrien zu stürzen, wozu sich die drei Emire noch
unter der Regierung al-Häkims durch Eid verbanden.
Fath ließ sich indes dazu bewegen, gegen die Zusicherung des Statthal
teramtes von Tyros und die Überlassung sämtlicher Geld- und Sachwerte
auf der Zitadelle von Halab diese an die Ägypter zu übergeben. Am
l.Ram adän 407 H (1 .Feber 1017) verließ er Halab und begab sich nach
Tyros, wo er bis in die Zeit des Chalifen az-Zähir (1021— 1036) blieb; dann
wurde er jedoch wegen angeblicher Widersetzlichkeit abgelöst und starb
nach einem Zwischenspiel in Jerusalem zuletzt mittellos und vergessen in
Tyros77.
77
Vgl. Jahjä 215,4—216, 8 CHEIKHO; Kam&1addin I 213, II—215, 10; al-'Azimi 161 ab;
Ibn al-A(Ir IX 230 (a. a. 402); Ibn Hakiün IV 581 ; Abu’l-Fklâ' III8; al-Makin 257f.; aKAinl
IX 577f.; Munsggimbääl I 236b; Ibn Abi’l-Haigä' 122a. — Zum Bündnis der drei Emire:
Jahjä 244, 17—20 CHEIKHO. Hiebei ist zu berücksichtigen, daß al-Hassän b. al-Mufarrig
sich nach dem Sturz der Garrähiden durch al-H8kim mit diesem äußerlich ausgeglichen hatte
(▼gl. o. S. 62 mit A. 59). — Die Tajj, ursprünglich südarabischer Herkunft, siedelten schon in
den letzten Jahrhunderten vor dem Islam in den nordarabischen Sammar-Bergen und
wanderten in islamischer Zeit allmählich in das Ostjordanland. Von da gelangten sie ins
südliche Syrien (wo sie noch heute am öaulän und um Qunaitra siedeln) und nach Palästina,
wo sie im 11. Jh. in den öarrähiden ihre Exponenten besaßen. Vgl. OPPENHEIM I 166— 170.
350—352.
70
Syrien und Phönikien
Bei Faths Abgang verlieh al-Häkim Halab zu ungeteilter Hand an
'Azlzaddaula Fätik, einen Armenier, der einstmals Mamluke d e s
Bangütakln gewesen war78. Er verstand es, zu Ç&lih b. Mird&s g u te
Beziehungen zu unterhalten, und vermutlich wurde er auch durch ein en
schweren Grenzzwischenfall mit dem byzantinischen Reich nicht betroffen.
Zur Zeit der Ablöse Faths in Halab hatten nämlich ägyptische Truppen d a s
auf muslimischem Gebiet gelegene Kloster Dair Simän79 angegriffen un d
die Mönche samt allen sonstigen Christen niedergemetzelt; andere überfie
len damals aber auch Slh ad-Dair, das knapp an der Grenze gelegene
byzantinische Exil von al-Mansür b. Lulu’80, und wüteten dort ebenso
gegen die Christen, besonders gegen die Mönche81.
In die letzte Regierungszeit al-Häkims, 411 H (beg. 27. April 1020),
jedoch noch vor dessen Verschwinden (27. Sawwäl [13. Feber 1021]), fiel
dann die Lossagung des ’Azlzaddaula von der fätimidischen Herrschaft. E r
hatte auf irgendeine Weise von der Sinnesänderung des völlig unberechen
baren Chalifen ihm gegenüber Kenntnis erhalten; daraufhin ließ er in H alab
Münzen in eigenem Namen prägen und das Kanzelgebet für sich verrichten,
wodurch er den Anspruch eines souveränen Herrschers erhob; außerdem
ersetzte er die Parteigänger al-Häkims im nördlichen Syrien durch Männer
seiner Wahl. Als aber al-Häkim Befehl gab, den abtrünnigen Statthalter
militärisch zu bekämpfen, suchte 'Azlzaddaula Verbindung mit dem byzan
tinischen Reich. Er zeigte Basileios II. die Unterstellung unter seinen
Schutz an und versicherte ihn seiner aufrichtigen Ergebenheit. Das neue
Nahverhältnis zu Byzanz kommt auch darin zum Ausdruck, daß er das
Monopol für den Handel mit dem muslimischen Orient übertragen erhielt.
Im Verkehr mit dem Kaiser und den benachbarten byzantinischen Statthal78
Jahjä 216,8—10 CHEIKHO; KamäladdTn 1 216,7—11 ; al-MaqrlzT, F&timidengeschichte II 129; Ibn al-Atlr IX 230 (bezeichnet ihn irrig als Hamd&niden, der sich al-HSkim
unterstellte); vgl. weiters die noch in A.77 genannten Autoren.
78 Die Ruinen von Dair Simftn, dem durch das Andenken an den hl. Symeon Stylites
berühmten Kloster, sind noch heute im Gabal Sim&n, dem höchsten Teil des Gabal Lailün
(vgl. auch o. A.72) sichtbar; vgl. CANARD, Hamdanides 224, A.429; CAHEN, Syrie 152;
Honiomann 109.
80 §lh ad-Dair („Vorsteher des Klosters“) ist keine Person, wie R ozen glaubte, sondern
durch ED. SACHAU mit Slh al-Lailün (zu diesem vgl. o. A.72) identifiziert worden; vgl.
Honiomann 109, A.2; Canard, Hamdanides 712.
81 Jahjä 216, 10— 12 CHEIKHO. — Man wird annehmen können, daß die antichrtstliche
Razzia dieser z.T. undisziplinierten ägyptischen Truppen zunächst auf muslimischem
Gebiet vor sich ging und dann in den byzantinischen Grenzstrichen ihre Fortsetzung fand.
Dagegen kann man hinter diesem Übergriff kaum weitergehende politische Absichten
erblicken, etwa um al-Mansür von Restaurationsgedanken in Halab oder die Byzantiner von
einem Eingreifen in Nordsyrien abzuschrecken. Für eine neutrale Haltung 'AzTzaddaulas
spricht sein baldiges Nahverhältnis zu Byzanz (vgl. unten mit A.82).
Darstellung
71
tem unterließ er den Gebrauch seines fätimidischen Titels täg al-milla
(„K rone des Reiches“ ), was eher seine aus diplomatischen Gründen zur
Schau getragene Bescheidenheit illustrieren sollte, als daß er den Titel
nunmehr für gegenstandslos gehalten hätte82.
Basileios II., der damals vor dem Beginn seines 1. georgischen Feld
zuges stand, beabsichtigte, außerdem eine Intervention in Nordsyrien zu
Gunsten ’AzTzaddaulas durchzuführen, dessen nunmehriger Gegner al-Hälrim zugleich ein Verbündeter Giorgis I. von Georgien war. Die untereinan
der widersprüchlichen Angaben Kamäladdlns und Jahjäs sind von der
Forschung an Hand der besser begründeten Tradition des letzteren zu einer
Gesamtheit gefugt worden83. Demnach ist es nötig, die Angaben
Kamäladdlns*4*dahingehend zu verstehen, daß Basileios II. eine Abteilung
seiner Armee nach Süden schickte, die bis Marg ad-Dibäg in Kilikien
gelangte und 'Azlzaddaula beistehen sollte. Zu diesem Zeitpunkt wurde in
Syrien das Verschwinden des Chalifen al-Häkim (27. Sawwäl 411 H [13. Fe
ber 1021] bekannt, woraufhin 'Azlzaddaula — nach dem W egfall der
unmittelbaren ägyptischen Bedrohung — gegen jedes weitere byzantini
sche Eingreifen Stellung nahm. Aus Jahjä b. Said ergibt sich, daß
Basileios II. selbst in Philomelion blieb, wo er auch vom Verschwinden alHäkims erfuhr; ihm war daran gelegen, durch die Entsendung eines Teiles
seiner Truppen nach Süden sein Hauptziel, den Aufinarsch gegen Georgien,
möglichst lange zu verbergen86. Da er dieses Ziel erreicht hatte und eine
82
Jahjä 216,13—16 CHElKHO; Kamäladdln 1218,16—219,1 ; al-MaqrXzl, Fätimidengeschichte I I 129; al-'Azlml 161 b. Der Zeitpunkt des Abfalls'Azlzaddaulas wird in den Quellen
nicht genannt, ist aber vor 411 H nicht möglich, da eine aus diesem Jahre stammende
Inschrift in Halab noch 'Azbaddaulä und al-Häkim gemeinsam nennt. Vgl. Répertoire
chronologique d’épigraphie Arabe, edd. Sauvaget—WlET VI. Kairo 1934, 164 (Nr. 2311).
B Jahjä 239, 17—240, 4 CHElKHO; Kamäladdln I 218, 19—219, 7. Die Korrekturen an
den Angaben des letzteren zuerst bei ROZEN, A. 372, und danach bei SCHLUMBERGER,
Épopée II 478.
M Nach Kamäladdln war Basileios II. zur Unterstätzung 'Azlzaddaulas nach Osten
aufgebrochen und bereits in Maig ad-Dibäg angelangt, als ‘Azlzaddaula vom Verschwinden
al-Häkims erfuhr und darauf nicht nur den Vertrag mit Byzanz als erloschen ansah, sondern
dem Kaiser bei jedem weiteren Vorröcken den Kriegszustand ankündigte. — Marg adDibäg, nach Jäqfit IV 477 zehn Milien von al-Maççlça (Mopsuestia) gelegen, ist die
fruchtbare kilikische Ebene (griechisch ncftiôç, türkisch Çukur Ova), von Saihän und Caihän
(Saros und Pyramos) durchflossen. Vgl. EI* I I 35, s. v. Cilicia (Canard ); RE XI 386f., s. v.
Kilikien (R uge); Cahen , Syrie 121. 151 f. Honigmann 133 neigte einer viel weiter östlichen
Lokalisierung zwischen Dulflk und al-Hadat zu (so auch in der Karte eingetragen); es sind
offensichtlich zwei Gegenden gleichen Namens zu unterscheiden; vgl. Canard , Hamdanides
281, A. 557.
* Jahjä betont zweimal, der Kaiser sei nach Philomelion (statt JUtf der Ausgabe von
Chekho ist JjJi [Filmll] zu lesen) aufgebrochen, ohne jemandem seine wahren Absich
ten — den Krieg gegen die Abljäzen (Georgier) — zu enthüllen. Vielmehr zeigte er offen die
Kriegsrüstungen gegen Syrien, wofür er alles Nötige in Antiocheia bereitstellen ließ. Da
72
Syrien und Phönikien
ägyptische Intervention in Halab nicht mehr akut schien, ließ der K aiser
die syrischen Angelegenheiten auf sich beruhen und trat den Feldzug nach
Georgien an.
Die Wiedeigewinnung des Einflusses in Halab hatte Byzanz demnach
zwar nicht erreicht; doch gelang zur selben Zeit eine Erweiterung der
Reichsgrenze im äußersten Süden. Im Sawwäl 411 H (beg. 18. Jan. 1021)
wurden die Stadt Maraqijja an der phönikischen Küste86 und die Festung
al-QawäbT im Gabal Bahrä’87 durch deren Herrn Muhammad b. Hula id alBahrät an die Byzantiner abgetreten. Über den näheren Anlaß ist nichts
bekannt; wie aber die Lage der gewonnenen Stützpunkte zeigt, war die
byzantinische Grenze nach dem 2. syrischen Feldzug des Kaisers
Ba8Üeios II. von 999 merklich nach Norden zurückverlegt worden88.
Halab wurde von AzTzaddaula nunmehr ungefährdet regiert; der
Regentschaftsrat unter al-Häkims Schwester Sittalmulk, die für seinen erst
16 Jahre alten Sohn az-Zähir die Geschäfte führte, übersandte 'Azlzaddaula
sogar ein Ehrenkleid. Obwohl seine verständige Herrschaft gelobt wird,
bildete sich dennoch eine Verschwörung auf Betreiben des Festungskom
mandanten Badr. Dieser stiftete einen indischen Sklaven zum Mord an,
dem 'Azlzaddaula am 4. Rabl* II 413 H (7. Juli 1022) zum Opfer fiel. Badr
ließ den Täter unter dem Vorwand rächender Justiz sofort umbringen und
wurde von Sittalmulk, die wohl nicht ihre Hand im Spiel gehabt hatte,
jedenfalls aber ihre Zustimmung zum Geschehenen bekundete, zum Nach
folger 'AzTzaddaulas ernannt. Ihre wahre Haltung zeigte sich jedoch, als
der frühere Statthalter Halabs, SadTdaddaula *AlT b. Ahmad ad-Daif, mit
einem ehrenden Schreiben az-Zähirs sich und seinen Truppen Zugang nach
Halab verschaffte; durch Überredung oder Gewalt verdrängte er Badr
verbreitete sich die Kunde von al-Häkims Verschwinden, und Basileios II., der noch in
Philomelion war, machte sich auf den Feldzug gegen die Abbizen. — Zu Philomelion,
türkisch Akfehir, an der grofien Straße Dorylaion — Ikonion, der heute die Bagbdädbahn
folgt, vgl. R amsay 140; RE XIX 2523 (R uge).
w Maraqijja, zwischen B&nij&s und Antartfls gelegen, war später in der Kreuzfahrerzeit
von Wichtigkeit; vgl. D ussaud 126; L e Strange, Palestine 354f.; Cahen, Syrie 175;
H onigmann 125.
87 Der Cabal Bahrä’ ist ein zerklüftetes Gebirge nördlich von Antartfls und Ra&nqja
(vgl. dazu A. 108), benannt nach dem wohl schon in vorislamischer Zeit eingewanderten
Araberstamm Bahrä’; in der Kreuzfahrerzeit gab es hier zahlreiche Schlösser der Assassinen.
Dazu zählte auch al-ffawäbT, etwa 12 km nordöstlich von Antartfls in unzugänglicher Lage
auf einem Ausläufer des Gabal Bahrä’ gelegen. Vgl. D ussaud 139f. mit A.6; 146f., A.3; Le
S trange, Palestine 80. 485; CAHEN, Syrie 174. 176; HONIGMANN 100.
M Jahjä 228, 5—7 CHEIKHO. Der Name des Abtreters ist nicht ganz eindeutig; Jahjä
nennt ihn 244, 5 CHEIKHO Muhammad b. ’All b. Hämid. FORSYTH 551 schreibt Muhammad
b. B*hd an-NahränT.
Darstellung
73
aus der Herrschaft und unterwarf dadurch Halab wieder fätimidischer
Kontrolle89.
Der Übergang der ägyptischen Regierung auf Sittalmulk beeinflußte die
byzantinische Politik zunächst infolge der Ereignisse um die Ausschaltung
des Thronfolgers al-Häkims, 'Abdarrahmän b. Iljäs b. Ahmad b. al-Mahdl.
Er war von al-Häkim im Safar oder Rabl* I 404 H (beg. 12. August bzw.
10. September 1013) zum Nachfolger proklamiert worden und später Statt
halter von Damaskus gewesen, wo er eine sehr wechselhafte und unbeliebte
Regierung führte. Sittalmulk konnte deshalb einiger Zustimmung sicher
sein, als sie ihn mit seinen Angehörigen nach Damiette abfuhren und in ein
Gefängnis sperren ließ. Später wurde er nach Kairo gebracht und angeblich
durch vergiftetes Obst beseitigt; nach seinem Tod behauptete man, er habe
selbst Hand an sich gelegt.
Zur gleichen Zeit, als'Abdarrahmän b. Iljäs in Damaskus festgenommen
worden war, hatten sich sein ältester Sohn 'Abdalazlz und sein Neffe
Ahmad zu Çâlih b. Mirdäs gefluchtet, dessen Schutz sie zehn Monate lang
genossen. Die Regierung Sittalmulks sparte keine Mühe, die beiden zur
Rückkehr zu veranlassen, sodaß sie aus Furcht, es könnte ihnen ein
ähnliches Schicksal wie Ibn Iljäs bevorstehen, schließlich auf byzantini
sches Gebiet flohen. Hier erbaten sie den Schutz des Kaisers, der ihre
ehrenvolle Aufnahme verfügte, offensichtlich, um sie im gegebenen Fall
dem politischen Vorteil von Byzanz dienstbar zu machen90.
Allerdings zeigte sich nach einiger Zeit, daß Sittalmulk an einem
Ausgleich mit Byzanz gelegen war. Wieder bediente sich die fätimidische
M Für die Beseitigung ‘Azbtddralu hat die auf Ibn al-Atlr IX 230 zurückgehende
Tradition (so al-M&qrlzT, Fätimidengeschichte II 129— 131) eine Mittäterschaft Sittalmulks
bei der Ermordung angenommen. In den Abschnitten über 'AzTzaddaulas spätere Regierung
bei Jahjä 239, 4— 12 Cheikho und Kamäladdln 219, 9—221, 5 handelt jedoch Badr allein;
es ist wahrscheinlicher (vgl. ZAKKAK 63f.), daß die Gerüchte um Sittalmulks Rolle bei alHäkims Verschwinden auch solche von ihrer Mittäterschaft in Halab begünstigt haben. Zu
ihrer energischen Regierung vgl. E l 1 IV 495f. (W alker ) und W üstenkelo, Fätimiden
214— 217, mit Gesamtüberblick. — In bezug auf die Ablöae Badrs spricht Kamäladdln von
gewaltsamer Entfernung, doch nach Jahjä einigte sich Badr gütlich mit açl-Paif (der schon
1016 nach al-Manfürs Sturz in Halab gewesen war; vgl. o. S. 68f.).
*° Jahjä 236, 13—22 CHEIKHO. — Das Datum der Proklamation zum Thronfolger gibt
Jahjä 207,23—208,2 CHEIKHO; anders al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II lOOf. Genaueres
zur syrischen Statthalterschaft vor allem bei Jahjä 226, 15—227, 14 CHEIKHO; daneben bei
al-MaqrTzT, Fätimidengeschichte II 114 und Ibn al-QalänisT 69 f. Demnach überwarf er sich
bald nach seiner Ankunft in Damaskus (Gumädä II 409 H [beg. 15. Oktober 1018]) mit der
lokalen Bevölkerung; die ahdät (einheimische Jungmiliz) bemächtigten sich der Stadt,
wurden dann aber niedergeworfen. Ibn Iljäs verstimmte ferner auch die Drusen, wodurch alHäkim mißtrauisch wurde. Daraufhin näherte er sich al-Hasaän b. al-Mufarrig, zeigte sich
allerdings später loyal gegenüber al-Htkim.
74
Syrien und Phönikien
Seite eines hohen Klerikers fur diplomatische Dienste, und zwar erhielt der
Patriarch von Jerusalem, Nikephoros01, den Auftrag einer Mission an
Basileios II., der nach seinem 2. georgischen Feldzug wieder in Konstanti
nopel weilte. Von Ägypten sollte in den Verhandlungen in Aussicht gestellt
werden : Rückgabe der Kirchen in Ägypten und Syrien an die Christen,
Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem, Rückerstattung des Kirchen
gutes und Garantie des Eigentums der Christen; außerdem sollte der
Handel zwischen byzantinischem und fttimidischem Gebiet wieder beidsei
tig ofifen8tehen und schließlich ein Vertrag zur Sicherung des Friedens
abgeschlossen werden. Den politischen Zweck seiner Reise konnte Nike
phoros aber nicht erreichen9
1
92*9
4
, da — wie Jahjft b. Said es motiviert —
während seines Aufenthaltes in Konstantinopel die Nachricht vom Tode
der Regentin Sittalmulk bekannt wurde, woraufhin dem Patriarchen Be
scheid gegeben wurde, seine Mission sei als erloschen anzusehen, und dieser
im Safar 415 H (beg. 14. April 1024) über Antiocheia heimkehrte03.
Unbeeinflußt von dieser Verhandlungsdiplomatie blieben ohnedies die
beiderseitigen Verteidigungsmaßnahmen. Denn vom Statthalter in Antio
cheia, Konstantinos Dalassenos, wohl einem Sohn des Damianos und
Bruder des Theophylaktos Dalassenos, wird berichtet04, daß er 414 H (beg.
91 Nikephoros war Nachfolger des verstorbenen Theophilos (zu ihm vgl. o. A.57) und
wurde nach Jahjft 230, 3—6 CHE1KHO am ll.TammOz 1331 seleukid. (11.Juli 1020)
Patriarch.
92 Einen persönlichen Erfolg konnte Nikephoros immerhin darin sehen, daß er dem
Patriarchen von Konstantinopel, Eustathios (1019— 1025), seinen einwandfreien orthodo
xen Glauben nachzuweisen vermochte, so daß er definitive Anerkennung im byzantinischen
Bereich erfuhr; vgl. Jahjft (s. A.93).
98
Jahjft 243, 13—244, 13 CHEIKHO. — Das Datum für Sittalmulks Tod ist nicht mit
Sicherheit festzulegen; nach al-MaqrlzT, Ffttimidengeschichte II 174 starb sie am l.Gumftdft
II 415 H (10. August 1024), was — da der Patriarch bereits im Çafar 415 H (beg. 14. April
1024) zurückkehrte — bedeuten würde, daß der Grund für den Fehlschlag der Mission in
Sachfragen (etwa dem strittigen Status von Halab) zu suchen wäre. Auch die auf Hilft! asÇftbT zurückgehende Tradition (vgl. Ibn al-Qalftnisl 72, A. 1) gibt Sittalmulk 4 Regierungs
jahre, sodaß ihr Tod in den Sawwftl 415 H (beg. 6. Dezember 1024) oder sp&ter fiele. Es
bleibt jedoch sehr problematisch, die in sich geschlossene und folgerichtige Darstellung
Jahj&s zugunsten einer anderen nicht völlig eindeutigen Überlieferung hier wesentlich
korrigieren zu wollen. Im übrigen sind aber Jahjfts Worte über die Restauration der Kirchen
usw. kaum als Faktum aufzufassen, wie FORSYTH 550 meint, sondern offensichtlich als für
die Zukunft berechnete Willenserklärung der f&timidischen Seite; vgl. auch A. 177.
94 Vgl. Jahjft 244,4—7 CHEIKHO. — Konstantinos Dalassenos ist nur durch Jahjft a. O.
und 246, 22 CHEIKHO (hier für 416 H) als Katepano von Antiocheia nachgewiesen. Der
Beginn seiner Amtszeit steht nicht fest, da zwischen 1016 und 1022 nicht Theophylaktos
Dalassenos Statthalter gewesen sein kann, wie LAURENT glaubte (vgl. o. A.71), und da es
außerdem sehr fraglich ist, ob der auf Befehl des Kaisers Konstantin VIII. 1026 geblendete
Konstantinos Burtzes (vgl. Skylitzes 371,45—47 » Kedrenos 481,12f.) mit einem Statthai-
Darstellung
75
26. März 1023) die Befestigungen des 1021 an Byzanz abgetretenen Maraqijja renovierte und eine Garnison dorthin legte, während die Muslime,
offensichtlich als Gegenmaßnahme, zur selben Zeit die Festung TTllaiqa
wiederherstellten **6.
Die fttimidische Politik Halab gegenüber war nach Badrs Ablöse auf
möglichste Erschwerung einer künftigen Sezession gerichtet, weshalb Stadt
und Festung immer verschiedene Kommandanten erhielten. Wahrend diese
rasch wechselten96, wurde die 414 H (beg. 26. März 1023) erfolgte Ernen
nung von AnüstakTn ad-DuzbarT zum Statthalter für Palästina von größter
Bedeutung97.
ter identisch ist, von dem Laurent (Antioche 237. A. 4) ein Siegel veröffentlichte.
Konstantinos Burtzes war Patrikios. der Statthalter des Siegels hingegen, von dem weder
die Datierung auf 1025 noch die exakte Lesung des Vornamens feststeht. Magistros
(Hinweis von W. SEIBT). — Weitere biographische Angaben über die spätere Zeit des
Konstantinos Dalassenos bei X. Adontz, Notes Arméno-byzantines. Byz 10 (1935) 173—
176 = Études Arméno-byzantines. Lissabon 1968, 165— 168 (der aber wenig glücklich im
Katepano von 1016 auch Konstantinos Dalassenos vermutet): GllLLAND. Titres XII 98—
100; SCHLl*MBERGER, Épopée III 186— 188: vgl. auch u. S.77 mit A. 104.
* Über Maraqijja und seine Abtretung vgl. o. S.72 mit A. 86. Die Identifikation von
TTllaiqa, das jedenfalls im Cabal Bahra zu suchen ist, schwankt zwischen dem 1031 durch
die Byzantiner eingenommenen Argyrokastron (auf der Höhe von Bänijäs) und dem
wesentlich weiter im Süden (südöstlich von Antartüs) gelegenen Burg Säfitä. Vgl. CAHEX.
Syrie 173, A. 29: DrssAlT) 116. 140. 142, A. 7; HONIGMAXX 114, A. 5; Le STRANGE,
Palestine 352: vgl. auch u. A. 155.
96 Kamàladdln 1 221,4—223, 3; ders., bughjat (Hs. Ahmad III.-Bibl. 2925) VII 246a;
al-'AzlmT 165a: abMaqrlzT. Fätimidengeschichte II 147; Ibn al-Atlr IX 230; al-Makîn 260f.;
aKAinT IX 576f. — Demnach wurde Halab von ad-Daif bald an Sâfiaddaula Abu Abdalläh
Muhammad, den Sohn des'Alî b. Gafar (zu diesem vgl. A. 58) übergeben; auf die Zitadelle
kam Jumnaddaula. Bereits am 15. Muharram 414 H (9. April 1023) wurde Sâfiaddaula
abberufen und durch den Statthalter von Afamija, Sanadaddaula Abü Muhammad al-Hasan
b. Muhammad b. Tubän, ersetzt. Bald nach seiner Ankunft in Halab erkrankte er schwer,
sodaß der Chalife den Bruder Sanadaddaulas. Sadldalmulk Abu’l-Härit Tubän b. Muham
mad b. Tu'bän, anwies, sich nach Halab zu begeben; dieser war zuvor Präfekt von Tinnîs
gewesen (am heutigen Manzala-See — der aus den Seen von Damiette und Tinnîs entstand
— in inselähnlicher Lage gelegene Stadt, die 1193 vor den Kreuzfahrern zerstört wurde ; vgl.
RE A I 500, s. v. Thennesos [Kees]). Bei seiner Ankunft am 17. Gumädä I 415 H (27. Juli
1024) vernahm er aber, daß sein Bruder bereits am 22. Rabí' II gleichen Jahres (3. Juli)
verstorben war. Ihm folgte er als Kommandant der Stadt nach, während für die Zitadelle ein
früherer Mamluke al-Hakims slawischer Herkunft, Abu’l-Härit Mausüf, eintraf. Ungenau
läßt al-Maqrlzî auf ad-Daif bereits Sanadaddaula folgen und hält diesen für identisch mit
seinem Bruder.
w Zur früheren Laufbahn ad-Duzbans vgl. Ibn al-Qalänisi 71 f. ; ad-DahabT (Hs. Brit.
Mus. Or. 49) 171b—172a: Ibn Abi’l-Haigä’ 123b—124a; al-Makïn 269: zusammenfassende
Darstellung bei Z a KKAR 129—131. Er war aus Transoxanien gebürtig und osttürkischer
Abkunft; 400 H (beg. 25. August 1009) kam er nach Damaskus, wo ihn ein Dailamite in
ffctimidischen Diensten namens Duzbar kaufte. Anüstakln, nach diesem ad-Duzbari zube-
76
Syrien und Phönikien
Damals war die fatimidische Stellung in Syrien und Palästina wieder
gefährdet, weil der Garrähide al-Hassän b. al-Mufarrig von neuem gegen
die Fätimiden agitierte und außerdem das Bündnis, welches zwischen Sälih
b. Mirdäs, Sin&n b. 'Aljän und al-Hassän b. al-Mufarrig noch unter alH ikim zur Vertreibung der Fätimiden geschlossen worden war, 415 H (beg.
15. März 1024) erneuert wurde*” . Demnach sollte Palästina an Hasaän b.
al-Mufarrig fallen, Mittelsyrien mit Damaskus an Sinän b. ’Aljän, und
Halab mit dem nördlichen Syrien und den Gebieten bis ’A n a " (d. h. einem
Teil der Gazira) an Sälih b. Mirdäs. Auch mit Basileios II. nahmen die drei
Emire Verbindung auf, der jedoch offenbar aus realpolitischen Erwägungen
zu keiner Unterstützung bereit war*9
8
100. Dessen ungeachtet konnte alHassän b. al-Mufarrig den neuen Statthalter Palästinas, ad-DuzbarT, aus
seiner Residenz Ramla vertreiben und bis an die Grenzen Ägyptens
Vordringen, ohne daß die ägyptische Regierung angesichts einer großen
Hungersnot (nach dem Ausbleiben der Nilüberschwemmung) und eines
chaotischen Wirrsals unter den leitenden Beamten nach dem Tode Sittalmulks zu wirksamen Gegenmaßnahmen fähig war101.
Während Sinän b. ’Aljän im zentralen Syrien nichts Entscheidendes
erreichte, gestalteten sich die Dinge für Sälih b. Mirdäs ähnlich günstig wie
fur den Garrähiden al-Hassän b. al-Mufarrig. Während er diesem zunächst
in Palästina gegen ad-DuzbarT beistand, hatte er seinen Sekretär und
nannt, zeigte sich bei der Verwaltung der Güter seines Herren derart fähig, daß ihn alHäkim in seine Dienste übernahm. 406 H (beg. 21. Juni 1015) schickte er ihn mit dem
genannten SadTdaddaula ad-Daif an der Spitze neuer Truppen nach Syrien, wo ad-DuzbarT
in der Folgezeit zur vollsten Zufriedenheit als Statthalter von Baalbakk und Kaisareia
wirkte, von wo er schließlich nach Palästina berufen wurde.
98 Als Datum für das erneuerte Bündnis der drei Emire kann nach dem Zeugnis Jahjäs,
Kam&laddlns, al-Musabbihls und al-MaqrlzTs (vgl. A. 101) nur 415 H gelten, nicht aber 414
(so Ibn al-Atfr; dies übernahm ZAKKAR 92. 96, wodurch er eine ereignislose Zeit von einem
Jahr eihielt).
99 'Ana, etwa halbwegs zwischen Raqqa und Baghd&d auf einer Euphratinsel gelegen,
war als starke Festung bekannt; vgl. L e STRANGE, Eastern Caliphate 106f. 125; E l x I 361
(Streck ); El* I 461 (Longrigc); Canard, Hamdanides 96f.
100 Ein gemeinsames Vorgehen mit den Führern verschiedener Stämme, die sonst immer
durch Feindschaften getrennt waren, hätte Basileios II. vermutlich die Möglichkeit eröff
net, die byzantinische Stellung in Syrien entscheidend zu verstärken und womöglich die
Fätimiden völlig zu vertreiben. In seinem Verzicht wirkte neben dem Einfluß der westlichen
Pläne (Feldzug auf Sizilien) aber offensichtlich auch ein großes Maß an vorsichtiger
Zurückhaltung und Beschränkung auf das Erreichte mit, wodurch die Ostpolitik des Kaisers
nach der Jahrtausendwende einen merkbar konservativen Zug erhielt. In diesem Sinne, aber
ohne Bedachtnahme auf die westliche Komponente, auch FORSYTH 557.
101 Jahjä 244, 17—245, 2 CHEIKHO; KamäladdTn I 223, 3—8; ders., bughjat (Hs.
Faizullah-Bibl. 1404) 128ab; al-MusabbihT 214—242 (vgl. dazu BECKER, Beiträge 44—47);
al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 155; Ibn al-Atlr IX 230; Ibn Qaldûn IV 581 f.
Darstellung
77
Stellvertreter AbQ Mansür Sulaim&n b. Tauq mit dem Befehl in Nordsyrien
betraut. Dessen erster Erfolg war die Besetzung von Ma'arrat MasrTnl02,
von wo er gegen Halab zog, das unter den Kommandanten von Stadt und
Festung, Tu'bän bzw. Mausüf, heftigen Widerstand leistete. Mit der Rück**
kehr $&lihs aus Palästina begann am 17.Ramadän 415 H (22. November
1024) die eigentliche Zernierung der Stadt, innerhalb welcher es zu einem
Konflikt zwischen dem einflußreichen hamdänidischen Mamluken Abu’lMuraggä’ und Mausüf, von dem sich Abu’l-Muraggä* bedroht fühlte, gekom
men war. Infolgedessen beeilte sich Abu’l-Muraggft’, den Abfall mit dem
Ziel einer Übergabe der Stadt an $älih b. Mirdäs ins Werk zu setzen. Am
13. Du’l-Qa'da 415 H (16. Januar 1025) unternahm er mit seinen Anhän
gern einen Ausfall und rief die Hilfe S&Iihs an, dem die Stadt gegen
Sicherheit für die Bewohner übergeben wurde. Nur die Festung und das ihr
benachbarte Kastell, wohin Tu'bän geflüchtet war, hielten sich noch und
wurden auf Anweisung Sälihs mit Belagerungsmaschinen berannt103.
Am 10. Muharram 416 H (13. März 1025) mußte sich auch das Kastell
ergeben, doch setzte die Zitadelle, wohin Tu'bän entkommen war, ihren
Widerstand fort. Sälih hatte inzwischen al-Hassän b. al-Mufarrig verspro
chen, neuerlich gegen ad-DuzbarT zu Hilfe zu kommen; zuvor schien ihm die
Eroberung der Zitadelle dringlich, weshalb er den Katepano von Antiocheia, Konstantinos Dalassenos, um Unterstützung ersuchte. Dieser
schickte ihm auch 300 Mann und erstattete zugleich Bericht an
Ba8ileios II., der aber dem Statthalter seinen Tadel aussprach und die
Rückberufung der Hilfstruppe anordnete10*.
101 Zu Ma'arrat MasrTn, nach Jäqüt eine kleine Stadt in der Provinz Qinnasrln fünf
Parasangen von Halab, vgl. D issai 'D 170—172; L e Strange , Palestine 361 ; Canard,
Hamdanide8 216.
109
Jahjft 245, 5—246, 10 CHEIKHO; Kamâladdln I 227, I—228, 2; ders., bughjat (Hs.
Ahmad III.-Bibl. 2925) VII 201 a—202b; aVAzlmi 164b; al-Musabbihi 241 f. 269f. (vgl. dazu
BECKER, Beiträge 45); al-MaqrizT, Fätimidengeschichte II 171; Ibn al-Atlr IX 230; Ibn
Haldfin IV I28f.; al-'Ainl IX 578; Munaggimbäsl 328a.
*M Jahjä 246, 9—247, 2 CHEIKHO. Über die Persönlichkeit des Konstantinos Dalassenos vgl. o. A.94. Vermutlich wünschte Basileios II., dessen Pläne sich damals einem groß
angelegten Feldzug zur Vertreibung der Araber aus Sizilien zugewandt hatten, keinerlei
andere Verwicklungen (überden sizilischen Zug vgl. u. S. 199f.). — Die Bevölkerung Halaba
dachte damals Sälih in solchem Einvernehmen mit Byzanz, daß er in Verdacht geriet, die
Stadt ausliefem zu wollen, als er nach der Übergabe ihre Befestigungen zu zerstören
begann. Vgl. al-MaqrizT, Fätimidengeschichte II 171 (wohl nach al-Musabbihi
285f. = BECKER 80, 4—13; vgl. dazu DENS. 45). In Wirklichkeit sollte die Entfestigung
Halaba die Kontrolle durch die beduinischcn Araber erleichtern; ähnlich ließen die Mirdäsiden 441 H (beg. 5. Juni 1049) Hints und Ma'arrat an-Ku'män entfestigen, als eine ägyptische
Expedition nach Norden vorrückte. Vgl. Kamäladdln, bughjat (Ahmad III.-Bibl. 2925) VII
99a—103a; al-MaqrlzI, Fätimidengeschichte II 201, s. a. 440.
fJY.Vrr
Lrr. «7âr.<fen ibcTtrag .Salir. •!:* w-r^erc Belagerung der
Zitadelle an Abñ Manâûr .Sulaimân b. Tac<^ cr.«i iaa Kofr.rr.ando in der
xtafit an Abu kMuraggà*. w-vct er aœ 3 RahT' I 416 H 4. Mai 1<)23|
»berma Ia zu ai-Ha»àân b. al-Mufamg nach Palästina zog. Die eingeschloasenen Ägypter gaben sieh angeblich eine Zeit lang der H : Ölung hin. daß
die Byzantiner zu ihren Gunsten eingreifen werden: v :m 10.— 13. R a b f II
414 H 10.— 13. Juni 1025 pnanzten sie Kreuze auf der Mauer der Zita
delle auf. riefen d*-n Kaiser Basüek-s an und verwünschten den Chalifen azZáhir. .S'.n:ie¿li» h knüpfte jedoch der Anführer der Berber. Abu Gum'a. mit
den Belagerern Verbindungen an. bis Mausüf ni*, ht mehr umhin konnte, die
Festung am l.Gum ádá I 416 H 130. Juni 1025 zu übergaben Vj.
Die ägyptischen Truppen erhielten freien A taug bewilligt: durch einen
Überfall von Beduinen bei Kafartäb ging ihnen allerdings noch der Rest
ihrer Habe verloren. Die prominenten Gefangenen. Mausüf. Tu"bän. und
der Q id i von Halab. Abu'l-Fadl b. Abi Usäma. wet.her vormals ÜbergabeVerhandlungen abgelehnt hatte, wurden bis zur Rückkehr S&lihs in der
Zitadelle gefangengesetzt. Nach seiner Ankunft am S. Sa"bän 416 H (4. Ok
tober 1025t gestattete er Tubân. sich mit seinem Vermögen loszukaufen:
Mausuf aber verfiel der Enthauptung, und der Qâdl Ihn Abi Usäma wurde
lebendig in der Zitadelle begraben.
Da Sälih inzwischen im Bündnis mit a 1-Hassan b. al-Mufamg gegen adDuzbarT den Sieg davongetragen hatte, gelang es ihm. seine Machtstellung
noch wesentlich zu erweitern. Schon bisher hatten sich in seiner Hand arRahha. Manbig1'*. B a lis"7 und R a fa n ijja "' befunden: nunmehr bemächtig'*'• Jahjä 247. 3—248. 13 C hf.IKHö : Kamiladdin I Î2S. 5—230. 11 : der«., bughjat (Hs.
Ahmsd III.-Bibi 2925 1 VII 201a—202b: abMaqrTzT. Fatiniidengr-schichte II 171 : aKAzimi
165a: akAinï IX 57S: Munaggiinhâsi 328s: Ibn al-Atîr IX 231 (nennt sis Datum der
Kapitulation irrig 414 H) Ibn Hallikän. Xr. 300 = Cbersetzung ron DF Sl.WE (Paris 1842)
I 631 'gleichfalls irrige Chronologie : 13. Du'l-Qada 417 : dc*h trat BECKER a. O. hiefür ein).
'* Manbig (das antike Bambyke oder Hierapolisi war vor allem im späten Altertum als
Kultzentrum syrischer Gottheiten von Bedeutung: im Mittelalter bereits von minderer
Wichtigkeit, liegt es heute verlassen mit ausgedehnten Ruinen. Vgl. RE II 2843f. s. v.
Bambyke (B k n zi .n g f r j : E l' III 252—254. s. v. Manbig (HOMGMANN): D i * » aitj 474: LE
STRANGE. Palestine 500f. : C a n a r d . Haradanides 233f
"r‘ Bilis (das antike Barbalissos) liegt an einer wichtigen, von Halab kommenden StraBe
am Euphrat, wo dieser von südlicher in östliche Richtung umbiegt: Ausgangspunkt
wichtiger Verkehrswege zu Lande und zu Wasser nach Baghdad. Vgl. RE II 2854f., s. v.
BarUliHHOH ( B k NZING FR,: E i2 I 995. s. v. Bilis (Sm RDEL): DissAlD I52f: Le STRANGE.
Eastern Caliphate 107: DFR.v. Palestine 417: CANARD. Hamdanides 88.
,tm Rafanijja (das antike Raphana am nördlichen Ende des Libanon) war noch zur
Kreuzzugszeit von Bedeutung, lag aber unter Abu*!-Fid&* (I.H. 14Jh.) bereits in Ruinen.
Vgl RE I A 232, s. v. Raphana (BEER): Le Strange . Palestine 517; D is s .a u > 98:
C a n a r d , Hamdankics 2**5.
Darstellung
79
te er sich auch der Städte Hirns, B&’albakk, §aidä’ (Sidon) und der Festung
Hiçn ihn ’A kk ir100, wodurch sich die Herrschaft $ftlihs von Ba’albakk im
Libanon bis nach ’Ana am Euphrat erstreckte. Damit waren die Mird&siden
zu einer dritten Kraft zwischen Byzantinern und F&timiden in Syrien
geworden ; doch az-Z&hir mußte zu all dem gute Miene bewahren: Als $&lih
seinen Sekretär AbQ Mansür, den Belagerer der Zitadelle von Halab, zu
ihm schickte, sandte ihn az-Z&hir mit erhöhten Ehrennamen und Insignien
für $&lih und seine Söhne zurück*110.
Das enge Verhältnis von Ç&lih b. Mird&s zu Byzanz erfuhr schon 1026
eine Wendung. Vermutlich infolge von Grenzstreitigkeiten kam es zum
Konflikt zwischen S&lih und dem neuen Katepano von Antiocheia, Michael
Spondyles. Nach mehreren Einfallen S&lihs in byzantinisches Gebiet mach
te sich der reichlich selbstbewußte Spondyles auf einen Zug gegen Halab,
der jedoch bald mit einer verlustreichen Niederlage des Katepano und
seiner schleunigen Rückkehr nach Antiocheia endete111.
Nach dieser unrühmlichen Unternehmung erlitt Spondyles — wohl im
folgenden Jahre 1027 — einen weiteren Mißerfolg, im Zusammenhang mit
dem Bau der Festung Manlqa1121
3im nördlichen Phönikien. In dem durch die
Byzantiner nur oberflächlich kontrollierten Gebiet des Gabal RawädTf hatte
sich ein gewisser Nasr b. Musaraf ar-Rawâdîfî zum Herren über die
dortigen Muslime aufgeworfen. Sein Gehaben erregte den Argwohn der
Byzantiner, so daß der spätere Katepano von Italien, Pothos A rgyros"3,
noch unter Basileios II. gegen Nasr b. Musaraf ausrückte und ihn nach
"* Unzugängliche Festung im Gabel 'Akkär gleich nördlich von Tripolis; vgl. Cahen ,
Syrie 176; L e STRANGE, Palestine 80. 390; GAUDEFROY-DEMOMBYNES 113.
110 Dazu vor allem Jahjä 248,14— 17 Cheikho und Kam&laddln I 230, 12—14; weiters
aKAzTml I65a; Ihn al-Atlr IX 231 ; Ihn {faldón IV 582; al-MaqrlzT, F&timidengeschichte II
176; Abu’l-FidA’ III 10;"al-Maklh 261 f ; al-Ainl IX 578.
111 Konstantinos Dalassenos war 415 H (beg. 15. März 1024) noch Katepano (Jahjä 244,
4 CHEIKHO). Spondyles, dessen Erhebung Skylitzes 370, 35—37 ( = Kedrenos 481, 3—6)
unter die Ernennung fragwürdiger Männer durch den neuen Kaiser Konstantin VIII.
rechnet, wird bald nach dessen Regierungsantritt (13. oder 15. Dezember 1025; vgl.
SCHREINER, Kleinchroniken II 141) sein Amt in Antiocheia angetreten haben. — Zu den
Einiallen von 1026 vgl. Skylitzes 378, 44—379, 57 (-Kedrenos 490, 4— 17); Zonaraa III
575,9—576,2; Glykas 581,3—7 ; 582,1— 16. Die Quellen geben als Ursache den Verfall des
byzantinischen Ansehens unter Konstantin VIII. an; dies mag zwar S&lih ermutigt haben,
doch wird der konkrete Anlaß wahrscheinlich in Grenzkonflikten zu suchen sein.
112 Manlqa (griechisch Mcvtxo«) lag im Gabal RawädTf, dem nördlichen Teil des Gabal
Bahrft* (zu diesem vgl. A. 87), ungefähr 30km landeinwärts (etwas nördlicher als Bänijäs) in
beherrschender Lage über dem tief eingeschnittenen Nähr Huraiçun. Vgl. Cahen , Syrie
172Í; D lS S A l D 140—142; HON’ IQMANN 110, A.5; GAUDEFROY-DEMOMBYNES 116.
113 Zur Person des Pothos Argyros (von 1029— 1032 Katepano in Italien) vgl. VANNIER,
Argyroi 44—46; FALKENHAUSEN '88 bzw. 292, Nr. 42; vgl. auch u. S.201f. mit A. 40—42.
Syrien und Phönikien
80
Antiocheia abführte, wo er für einige Zeit gefangengesetzt wurde. Durch
geheuchelten Gehorsam erlangte er seine Entlassung, zeigte sich aber von
neuem unzuverlässig und wurde auf Anweisung des Michael Spondyles
wiederum ergriffen und eingekerkert.
Nasr b. Musaraf versicherte nun Spondyles seiner Loyalität nicht nur
durch Leistung eines Eides und Stellung seines Sohnes als Geisel, sondern
vor allem auch dadurch, daß er sich erbötig machte, fur die Byzantiner bei
ManTqa eine Festung zu errichten, von der aus das umliegende Gebirge
wirksam beherrscht werden könnte. Da er sich als den geeigneten Mann
darzustellen verstand, diesen Bau trotz der feindseligen Haltung der
Muslime zu Stande zu bringen, erhielt er von Spondyles jede nötige Hilfe
an Material und Arbeitskräften; ihn selbst aber hielt er fern — unter dem
Vorwand, den Muslimen keinen Anlaß fur einen Verdacht liefern zu wollen.
Als die Festung schließlich vollendet war und Nasr die Byzantiner noch
immer mit nichtssagenden Vorwänden hinhielt, während er bereits von adDuzbarT die Unterstützung fätimidischer Truppen angefordert hatte, er
kannte Spondyles zu spät, daß er getäuscht worden war114.
Wichtiger für die große Politik erwies sich damals die von Byzanz und
Ägypten seit längerem angestrebte Verbesserung der beiderseitigen Bezie
hungen. Im Jahre 418 H (beg. 11. Feber 1027) überbrachte eine byzantini
sche Gesandtschaft dem Chalifen az-Zähir neben Ehrengeschenken ein
Schreiben Konstantins V III. Demzufolge sollte von den Muslimen inner
halb des byzantinischen Reiches nur das fätimidische, nicht aber das
'abbäsidische Chalifat als rechtmäßig anerkannt werden, weiters die
Moschee in Konstantinopel wieder geöffnet, mit Teppichen und Leuchtern
versehen und für sie ein Mu’addin bestellt werden. A uf diese Vorschläge hin
stimmte az-Zähir der Wiederherstellung der auf Befehl al-Häkims 1009
zerstörten Grabeskirche in Jerusalem zu und gestattete, daß von christ
lichen Herrschern hierfür Geldspenden und Sachwerte zur Verfügung ge
stellt würden — allerdings sollte die tatsächliche Verwirklichung des
Wiederaufbaues noch lange dauern. Weiters erlaubte der Chalife vielen
114
Jahjft 257, 17—258, 17 CHEIKHO (die Ausgabe hat 257, 24 mit falscher Punktation
fur den Ortsnamen, richtig jedoch 258, 18; der Ñamé des Katepano erscheint falsch
punktiert 257,21 wie schon 253,17 als
statt |_rJxj„yi ); an-NuwairT bei Q l'A T R E MÊRE 1/2, 112, A. 134; Skylitzes 379, 58—74 ( « Kedrenos 490, 14—491,11). Bei letzterem
erscheint die legendarische Angabe, Mo-joipaç (d. i. Nasr b. Musaraf) habe 1000 Mann
byzantinischer Besatzung niedermetzeln lassen, nachdem er mit dem Emir von Tripolis,
Toooßcp (ad-Duzbarl), Truppenhilfe vereinbart hatte. Es widerspricht dies der von Jahjä und
an-Nuwairl betonten Femhaltung der Byzantiner unter dem Vorwand, die Muslime in
Sicherheit zu wiegen.
Darstellung
81
unter al-Häkim zum Islam Zwangsbekehrten, wieder das Christentum
anzunehmen115.
Nach dieser Reglung des zwischenstaatlichen Verhältnisses fühlte sich
die fätimidische Regierung offenbar stark genug, die zentrifugalen Bestre
bungen in Nordsyrien zu bekämpfen. Im öum ädä II 419 H (heg. 27. Juni
1028) war Sinän b. 'Aljän, der Emir über die kalbitischen Araber, gestorben.
Dies bedeutete die Auflösung des Bündnisses mit Çâlih b. Mirdäs und
Hassän b. al-Mufarrig, denn Sinäns Neffe Räfi* b. Abi’l-Lail b. 'Aljän ging
auf die Seite der Fätimiden über und erhielt von az-Zähir die Besitzungen
seines Onkels und das Emirat über die Kalb bestätigt. Zugleich schickte
ihn az-Zähir mit weiteren Verstärkungen für die Truppen ad-Duzbarls nach
Syrien zurück; eine Menge beduinischer Araber schloß sich an, und alle
traten in den Kam pf gegen Hassän b. al-Mufarri¿, den ewigen Widersacher
der Fätimiden.
$älih b. Mirdäs hatte der Form nach die Obödienz gegenüber den
Fätimiden gewahrt11*; seinen alten Verbündeten Hassän b. al-Mufarrig
konnte er jedoch nicht im Stich lassen, sodaß eine große Auseinanderset
zung die unausweichliche Folge war. Am 25. R abl' II 420 H (13. Mai 1029)
kam es bei Uqhuwäna am Jordan117 zur entscheidenden Schlacht, in der
$älih — zunächst unerkannt — verwundet wurde und vom Pferde stürzte;
danach erkannte ihn (nach der überwiegenden Tradition) der vorbeikom-*1
0
•i5 Vgl. al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 176; den., bitot I 356; vgl. auch DöLGER,
Regesten 824. Die staatsrechtliche Anerkennung der Fätimiden war durch die alleinige
Verrichtung des Kanzelgebetes in ihrem Namen ausgesprochen. — Zur Moschee in Kon
stantinopel vgl. R .J axix , Constantinople byzantine. Paris 21964, 258: Nach Konstantin
Porphyrogennetos wurde sie bereits 718 im Zusammenhang mit dem damaligen arabischen
Zug gegen Konstantinopel begründet — dies ist jedoch fraglich; sicher bestand sie im
10. Jh., da sie auch der Geograph al-MuqaddosT 988 nennt. Sie lag im kaiserlichen Praitorion
(zwischen dem Konstantinsforum und dem Milion) bei jenen Baulichkeiten, wo nach Konst.
Porph. und al-MuqoddosT die arabischen Kriegsgefangenen konfiniert waren, d. h. auch eine
Örtlichkeit für den Gottesdienst benötigt wurde.
Eine Wiederherstellung der Grabeskirche hatte schon al-Mufarri¿ b. Daghfal um 1012
angeordnet (vgl. o. S. 61 mit A. 56); verwirklicht wurde sie jetzt ebensowenig wie damals,
denn erst 427 H (beg. 4. November 1035) wurde bei einem neuen Abkommen der endgültige
Beschluß gefaßt (dazu vgl. u. S. 107 mit A. 192). Der Grund für diese Verzögerung log in den
latenten Konflikten der beiden Mächte, vornehmlich wohl infolge des damaligen Ausgreifens
der Fätimiden noch Norden und ihres Zusammenstoßes mit dem von Byzanz unterstützten
al-Hassän b. al-Mufarri¿.
"* Noch Jahjä 248,14— 17 C’HEIKHO hat ihn az-Zähir diplomatisch anerkannt (vgl. auch
o. mit A. 110); weiters zeigen die beiden bekannten Golddinare von 417 H (beg. 22. Feber
1026) und 419 H (beg. 31. Januar 1028) die Nomen von az-Zähir und Sälih b. Mirdäs; vgl.
C r a w f o r d , Halab 89—91.
117 Uqhuwäna war ein Ort nahe dem See von Tiberios im Jordantal; vgl. Jäqüt I 334.
82
Syrien und Phönikien
mende RäfT b. Abi’l-Lail und versetzte ihm den Todesstreich. Das Haupt
$älihs überbrachte er dem fätimidischen Oberbefehlshaber ad-DuzbarT, der
es dem ChaUfen az-Zähir schickte, während der Leichnam Sälihs am
Stadttor von Saklft’ gekreuzigt wurde. A uf die Nachricht von Sälihs Tod
floh Hassän b. al-Mufarrig mit seinen Anhängern in die Berge; in
Ba'albakk, Hirns, Saidä’, Rafanijja und Hisn ibn 'Akkär aber räumten die
Gefolgsleute Sälihs ihre Plätze vor den Parteigängern der Fätimiden.
Freilich war die Macht der Mird&siden trotz dieser schweren Erschütterung
nicht gestürzt, denn die Söhne Sälihs, Nasr und Timäl. übernahmen eilig
die Herrschaft in Halab, und auch die mesopotamischen Besitzungen
Rahba, Bälis und Manbig blieben der Dynastie erhalten11\
In dieser Situation glaubte der Katepano von Antiocheia, Michael
Spondyles, günstigen Kriegsruhm erwerben zu können; er zog mit seinen
Truppen gegen Halab, ohne dazu vom neuen Kaiser Romanos III. Argyros
(1028— 1034) ermächtigt worden zu sein. Die Mirdäsiden Nasr und Timäl
versuchten — ohne Erfolg — ihn umzustimmen: während dann der Kate
pano einige feste Plätze belagern ließ und selbst in Q aibär"9 Aufenthalt
nahm — ohne jedoch für einen Kam pf bereit zu sein — . wurde er am
29.Gumädä II 420 H (15. Juli 1029) von den Arabern plötzlich überfallen
und nach einem beiderseits verlustreichen Gefecht schließlich zur Flucht
genötigt. Die Mirdäsiden erneuerten ihre Friedensanträge, Spondyles aber
wurde nach diesem weiteren Mißerfolg von Romanos III. in ungnädiger
Weise abberufen und durch Konstantinos Karantenos. einen Schwager des
Kaisers, ersetzt120.
In das folgende Jahr 1030 fallt der großangelegte Feldzug des Kaisers
Romanos III. nach Syrien. Fraglos waren die Gründe hiefiir verschiedener
Natur. Eine Veranlassung ist darin zu sehen, daß Romanos III. die
jugendlichen Mirdäsiden Nasr und Timäl für feindlichen Umtrieben (d. h.
vor allem von Seiten ad-I)uzbarTs) nicht gewachsen hielt, weshalb er ihnen
nahelegte, Halab an Byzanz zu verkaufen. Dafür hätten Nasr und Timäl
Entschädigung in Geld und eine andere Stadt ihrer Wahl erhalten; indes
ließen sie den byzantinischen Gesandten — unter allgemeiner Volkswut —
Jahj& 253. 4— I6CHEIKHO; Kamâladdïn I 231. 3 —232. 3 ; 237. If.; al-Az1mî 166a;
al-Maqrtzl. Fátimidengeschichte 11 177: Ibn al-tjalänisT 71 74; Ibn al-Atlr IX 231 (s. a.
402); Ibn HaldOn IV 562: Ibn TaghrlbirdT 11 135. « ff; al-Mäkln 262f , Ibn Abi’l-HaifcS’
123b—124a; al-'Ainî IX 578: ad-Dahabî (Hs. Brit. Mus. Or. 4«) 13b: Munaggimb&si 328a.
1** Zu QaibSr, noch heute das Doppeldorf Arsa wa-Qaib&r etwa 40km nordwestlich von
Halab, vgl. D is s a i i » 228—230: H o n iu m a sn 111. A .5.
,i0 Jahji 253. 16 —23 (.’HElKHO (zur falsch punktierten Xamensforro des Spondyles vgl.
o. A. 114): KamäladdTn I 237. 3 --7 : al-Azlml 166b; Ibn al-Atîr IX 231 (a. 402). Spondyles’
Abberufung: Skylitzes 379. 75—78 ( = Kedrenos 491. 12—15); Glykas 581. 4—7. 11f.
Darstellung
83
in Halab ins Gefängnis werfen. Zum Zweck einer Sicherung der byzantini
schen Stellung in Halab plante der Kaiser wohl auch eine Wiedereinset
zung des 1016 gestürzten al-Mansür b. Lu’lu’ 121. Ferner wird Romanos III.
d ie zunehmende Entzweiung zwischen Nasr und Tim&l, d. h. eine weitere
Schwächung Halabs, nicht entgangen sein, obwohl der offene Thronstreit
zwischen Naçr und Tim&l sehr wahrscheinlich erst nach dem syrischen
Feldzug des Kaisers ausbrach. Überdies nährte Romanos schon seit dem
Mißerfolg des Spondyles bei Qaibftr seinen Unmut gegen die Mird&siden122.
Nicht zuletzt wirkte sich die eigenartige Persönlichkeit des Herrschers
aus. Ihm waren kaum militärische Fähigkeiten gegeben ; stattdessen besaß
er eine deutliche Selbstüberschätzung, verbunden mit der Bewunderung des
kultivierten Epigonen fur die Größe der Vergangenheit. Und während auf
dem Gebiet des Geisteslebens die Antoninen, besonders Marcus Aurelius,
seine Vorbilder waren, strebte er im Kriegswesen danach, in die Spuren
Alexanders, Caesars, Augustus’ und Traians zu treten. Der ersehnte
Kriegsruhm schien ihm im Westen leichter zu erlangen, aber weniger
bedeutungsvoll; ein Sieg im Osten sollte ihm die erstrebte Verherrlichung
seiner Regierung verleihen123.
121 Die erstrebte Ablösung der Mird&siden: Jahjft 254, 18—25 CHEIKHO; Kam&laddTn 1
245, 2—6. Die mißglückte byzantinische Gesandtschaft fehlt bei D ö IjGER, Regesten, alMançûr schürte bei Romanos III. gegen die Mird&siden: al-MaqrTzT, F&timidengeschichte II
179; er begleitete den Kaiser auf seinem syrischen Feldzug: Kam&laddTn I 210, 10—12.
,2Ä Der Thronstreit zwischen Naçr und Tim&l wird von Jahjä 257, 4—7 CHEIKHO
eindeutig nach dem Feldzug angesetzt, wogegen beide Brüder ja noch zur Verteidigung
Halabs zusammenwirkten : a. O. 255, 13—15 CHEIKHO. Diese Tradition findet sich kurz
auch bei Kam&laddTn 1 245, 10— 12, doch hat er vorher (237, 8—238, II) ausführlich die
Streitigkeiten unter 421 H (beg. 9. Januar 1030), und zwar vor dem syrischen Feldzug, ein
erstes Mal berichtet. Er schreibt weiters 238, 16—239, 2 das Vorgehen des Kaisers gegen
Halab einem Hilfegesuch Nasrs zu, der sich durch Tim&l bedroht gefühlt habe. Von diesem
Ansuchen findet sich in keiner sonstigen Quelle eine Erwähnung; es wäre auch aus inneren
Gründen unwahrscheinlich, daß Nasr angesichts des drohenden byzantinischen Eingreifens
gerade auf dieser Seite Hilfe gesucht, bzw. daß Nasr und Tim&l ihren Konflikt nicht
hintangesetzt haben sollten, wie dies die auch von Kam&laddTn gebrachte Jahj&-Tradition
sagt. Wenig überzeugend nimmt C k a w k o k d . Halab 89 -91 einen Konflikt der beiden vor
dem Zusammenstoß mit Spondyles bei Qaib&r und eine Wiederversöhnung zur Abwehr der
Byzantiner bei genanntem Ort an; die Verdrängung Tim&ls durch Naçr falle zwischen 1029
und 1030, weil Nasr bei A'zäz bereits allein Romanos 111. besiegt habe (vgl. dazu u. S. 85 mit
A. 129); letzteres widerspricht jedoch Jahjä 255, 13—15 CHEIKHO. — Romanos* Unmut
gegen die Mirdäsiden nach der Schlappt* des Spondyles: Jahjä 254, 1f. CHEIKHO.
123 Die Persönlichkeit des Kaisers: Die brillante Schilderung bei Psellos ist bewußt
negativ gehalten, jedoch in wesentlichen Belangen nicht unzutreffend. Vgl. Chronographie
III 2 (I 33 R) (Vorbilder im Geistesleben); III 9 (I 37 R) (jene im Kriegswesen); III 7 (I
35 R) (sein Streben nach Ruhm). Zu einer biographischen Übersicht vgl. V a n n ie r , Argyroi
37f.
84
Syrien und Phönikien
So brach Romanos am 23. R ab f I I 421 H (31. Marz 1030) von Konstan
tinopel auf124 und sammelte in Philomelion ein zahlenmäßig überlegenes
H eer125, um dessen Kampfeswert es aber nicht zum besten stand. Die
Kampfkraft der Araber wurde von der Mehrheit der kaiserlichen Ratgeber
unterschätzt, ebenso wie die Schwierigkeiten der dortigen Kriegführung
und die Unbilden des Klim as126. Am 16. Ragab 421 (20. Juli 1030) traf
Romanos III. in Antiocheia ein, wo er sich eine Woche aufhielt. Sein
Einzug gestaltete sich zu einem theatralischen Schauspiel voll Pracht und
Glanz — weniger einem Feldzug entsprechend, als den Sieg schon vorweg
nehmend. Verschiedene Hilfsvölker dienten unter ihren eigenen Anführern
im kaiserlichen Heer: Bulgaren, Russen, Abhäzen, Georgier, Armenier,
Pet8chenegen und wohl Normannen127. Hier empfing Romanos auch eine
Gesandtschaft der Mirdäsiden unter dem Vetter Nasrs und Timäls, Muquallid b. Kämil. Schon vor dem Aufbruch des Kaisers hatten sie eine erste
Gesandtschaft mit Ehrengaben und Friedensanträgen abgeschickt, die den
Kaiser bereits auf dem Marsch antraf, jedoch nicht die Romanos mehrfach
empfohlene zustimmende Aufnahme erfuhr. Nunmehr erklärte Muqallid b.
Kämil dem Kaiser die Bereitschaft der Mirdäsiden zur Tributleistung.
124 Die entscheidenden Quellen für den Feldzug sind: Jahjft 254, 3— 257, 2 CHEIKHO
(nach ihm die oben zugrundegelegte Chronologie); Kam&laddTn I 239, 6— 245,9; Psellos III
7— 11 (I 35— 40 R) ; weiters Skylitzes 379, 78— 381, 37 ( = Kedrenos 491, 15— 493, 25) und
nach ihm Zonaras III 576, 2 —578, 2 sowie Glykas 582, 17—583, 9. Armenische Quellen
(betont negative Darstellung des Kaisers): Aristakes 42, 15—44, II = 2 8 —30 C; Matt'ëos
57f. V = c. 42, S.63—65 J = 38f. B = 45f. D. In zweiter Linie zu nennen sind die teils stark
legendarischen Angaben der orientalischen Quellen: Ibn al-Atlr IX 405f. (a. 421); ihm
folgend Abu*l-Fid&' III 82 (kontaminiert mit dem byzantinischen Vorstoß gegen Halab
426 H ; vgl. dazu u. S. 106 mit A. 191); Ibn Haldûn IV 583; Ibn TaghrTbirdT II 136, 7ff.;
Abu’ l-Fara¿, Chron. Syr. 229f. B r cxs —K irnth = 191 BiTCK; kurz Ibn Abi’d-Dam 127b;
ad-DahabT, duwal al-lslftm I 194; Ibn al-CauzT. muntazam V III 50; al-’AzlmT 166b; Ibn
Gunghul (Hs. Brit. Mus. Or. 5912) IV 187a. — Datum des Aufbruches von Konstantinopel:
Jahjft 254, 4f. CHEIKHO.
,3WGanz phantastisch sind hier die orientalischen Quellen. Kamftladdln I 239, 2 und Ibn
Abi’d-Dam geben 600.000 Mann; Ibn al-Atlr und ihm folgend Ibn Haldfln. Ibn al-CauzT, alMaqrTzT und ad-Dahabl 300.000; Abu’l-Farag über und Ibn Cunghul genau 100.000 Mann;
diesem neigt ZAKK AR 115 zu. Da jedoch Matt'ëos von 10.000 byzantinischen Toten spricht
und sagt, der Kaiser sei mit den Trümmern seines Heeres nach Konstantinopel zurückge
kehrt (vgl. dazu aber auch A. 144). wird man keinesfalls über etwa 20.000 Mann Gesamtstär
ke gehen können.
Schlechter Zustand der byzantinischen Truppen und mangelhafte Beratung des
Kaisers: Jahjft 254. 6--I0 CHEIKHO, Psellos III 8 (I 36 R).
127 Chronologie des Einzugs in Antiocheia: Jahjft 255, 4—10 CHEIKHO. Verzeichnis der
Hilfsvölker: Kam&laddTn I 240. 3f. (statt
[Hazaren] ist j[G e o r g ie r ] zu lesen;
die von ihm als
[Franken] Bezeichneten sind jedenfalls westliche Söldner der
Byzantiner, wofern nicht Normannen). — Zur Prachtentfaltung vgl. Psellos III 8 (I 36 R).
Darstellung
85
Zugleich mit ihm war eine Gesandtschaft des Garrfihiden al-Hass&n b. alMufarrig angekommen, die neben Ehrengaben für den Kaiser auch die
Versicherung loyalen Beistandes überbrachte. Romanos behandelte die
Gesandten al-Hass&ns sehr freundlich, ließ ihm seine Gunst aussprechen
und forderte ihn auf, sich dem byzantinischen Heer bei dessen Nahen
anzuschließen. Muqallid b. Kfimil hingegen erreichte für die Mirdftsiden gar
nichts; der Kaiser hatte nunmehr von der Inhaftierung seines Gesandten in
Halab erfahren und befahl daraufhin, Muqallid b. Kfimil gleichfalls in
Gewahrsam zu bringen128.
Bald nach dem Aufbruch des Heeres von Antiocheia gegen Halab
(23. R a¿ab=27. Juli) machten sich die Strapazen der hochsommerlichen
Dune und Darmerkrankungen unangenehm bemerkbar. Zunächst jedoch
konnten die Byzantiner in den ersten Augusttagen ein Gefecht bei Qaibfir
zu ihren Gunsten entscheiden. Von hier zogen sie in das Gebiet von A’zftz
gegen Tubbal, wo Romanos sein Standlager errichten ließ, das mit einem
tiefen Graben abgesichert und zusätzlich von ringsum postierten Schildträ
gern geschützt wurde129*. Die Gegend war wasserlos, und die wenigen
Wasserstellen hielten die Araber besetzt. Dennoch beabsichtigte Romanos,
sich nunmehr gegen A'zäz zu wenden, und beauftragte den Führer der
c£xoußiTfltii:M>, den Patrikios Leon Choirosphaktes, mit seiner Truppe zur
Rekognoszierung. Dieser geriet jedoch in einen Hinterhalt der Kil&b, und
nach heftigem Kampf, in dem die Byzantiner beträchtliche Verluste an
Toten und Gefangenen erlitten, mußten sie in ihr Lager zurückweichen
(5. Sa'bän [8. August]); im Zusammenhang mit diesem Gefecht geriet auch
Leon Choirosphaktes in Gefangenschaft. Als dann der Patrikios Konstantinos Dalassenos, vormals Statthalter von Antiocheia, die feindlichen Plänk-
’** Zu beiden Gesandtschaften und ihren Ergebnissen vgl. Jahjfi 254, 10—255, 10
CHEIKHO; Kam&laddln I 239,6—8; 245, 2—8. Die erste Gesandtschaft (sie traf den Kaiser
in Philomelion an) erwähnt Skylitzes 379, 78ff. ( = Kedrenos 491, 15ff.), und sie wird auch
die bei Paellos III 8 (138 R) geschilderte sein. Beide Autoren tadeln scharf die Nichtannah
me der mirdäsidischen Zugeständnisse durch den Kaiser.
Iia Zu Qaibfir vgl. A. 119; zu Tubbal und A'zäz vgl. A.73bzw. 42. — Für den Schutz des
byzantinischen Lagers durch die Schildträger führt CANARD, Sources 305, A. 54, die
anonyme Taktik (edd. KöCHLY—ROSTOW 142f.) an : rà 8c Sopara xa l rà ç àam&aç tiç rôv xoivôv
gápaxa im vrárrciv, ôaru; xùxXoç s e ra i cvojtXoç xai ncp{$oXoç euvcgciiv
to
a rpárcopa.
|S0 Die cgxoußiTai waren eines der vier fJaoiXixà ráy^ara, d. h. der alten Garderegimenter
der Hauptstadt, das rangmäßig auf das riy^a rwv <r/oXÖ>v folgte; vgl. AHRWEILER,
Recherches 26; B r Eh ier 273. Unter dem apgcov
¿¡•xouflírwv des Skylitzes ist wohl der
relativ hochrangige Sopserixoc rüv éÇxouflirttv r^c ’AvaroXîjç zu verstehen; die Teilung des
Oberkommandos über die t&cooßirat ist erstmals im Taktikon des Escorial belegt (vgl.
OlKONOMIDÈs
265, I6f.; 330).
86
Syrien und Phönikien
1er vertreiben sollte, wurde er gleichfalls besiegt und zog sich fluchtartig
zum Standlager zurück131.
Hier machte sich unter dem Eindruck der Mißerfolge und des zuneh
menden Wasser- und Futtermangels Furcht und Verwirrung breit. Da alle
— einschließlich des Kaisers — zum Rückzug bereit waren, setzte Romanos
für den nächsten Tag (9. August) den Abmarsch fest und ließ zuvor die K a
tapulte und Belagerungsmaschinen verbrennen, die zur Einnahme der syri
schen Festungen bestimmt gewesen waren. Dann zögerte er noch einen Tag,
bis schließlich am Montag, dem 10. August (7. SaTrön), der endgültige Rück
marsch begann. Das Scheitern seiner Pläne soll Romanos der Ungunst
des Klimas zugeschrieben haben ; wahrscheinlich veranlaßte ihn aber auch
eine drohende Verschwörung im eigenen Heer zu schleuniger Umkehr132.
Der Abzug des byzantinischen Heeres verlief von Anfang an in völliger
Unordnung. Teile der Armenier wandten sich der Plünderung zu; im
Gedränge stürzten mehrere Soldaten und Lasttiere in den Graben des
Lagers, wo sie von den in Bewegung geratenen Erdmassen verschüttet
wurden. Andere wurden in der ausgebrochenen Panik niedergetrampelt,
währenddessen sich bereits Streifscharen der Araber unter die Byzantiner
mengten, die nach Norden in Richtung Kyrrhos133 flüchteten. A uf diesem
131 Leon Choirosphaktes blieb nur einige Zeit in Gefangenschaft, bis ihn Romanos III.
loskaufte; vgl. Skylitzes 383, 95f. ( « Kedrenos 496, 17f.). — Konstantinos Dalassenos war
nachweislich 414 H (beg. 26. März 1623) und 416 H (beg. 4. März 1025) Katepano von
Antiocheia; vgl. o. mit A.94.
132 Die Chronologie dieser Tage nach der besten Darstellung bei Jahjft 255, 10—256, 20
CHElKHO; dazu noch Kam&laddlh I 240, 1 (von Antiocheia nach Qaibftr in weniger als 10
Tagen). Neben Jahjft beruht Obiges vor allem auf Skylitzes und Psellos (vgl. die Angaben in
A. 124). — Eine Verschwörung, die den Kaiser im Kampf verräterisch seinem Unteigang
überlassen wollte, wird von der Ibn al-Atlr-Tradition behauptet, wo als Haupt ein gewisser
Ibn DQqfts erscheint. Auch nach Matt'ëos wurde Romanos lediglich durch die Warnung des
Apuk’ap, der vormals Zelthüter des georgischen Fürsten Dawit* von Taik* gewesen war und
seit dessen Tod im byzantinischen Heer diente, vor dem drohenden Verrat seiner Truppen
bewahrt. Es dürfte also verschwörerische Umtriebe gegeben haben, als deren Führer R ozen
(314) irrig Konstantinos Dalassenos vermutete (unter der Annahme, daB dem Namen
Duqft8 korrumpiertes
[Soú!;] zugrunde läge). Wenn der Sohn des 8oôÇ gemeint ist,
dann sicher der des damaligen ScjÇ, d. h. des Konstantinos Karantenos, der mit dem Kaiser
verwandt war, aber nach dem syrischen Feldzug abberufen wurde (vgl. u. A. 141 ). Sein Sohn
Nikephoros Karantenos bekämpfte wenig später als Stratege von Naupaktos erfolgreich die
Sarazenen zur See; vgl. u. S. 202f. Sollte tatsächlich Dukas zu verstehen sein, käme zeitlich
eventuell Andronikos Dukas in Betracht (vgl. D. POLEMIs, The Doukai. A Contribution to
Byzantine Prosopography. London 1968, 28).
133 Kyrrhos (arab. Qurüs, armen. Kuris) am Oberlauf des Nähr'Afrln, an einer wichtigen
Gabelung der Straßen nach Halab bzw. Antiocheia gelegen; vgl. RE XII 199, s. v. Kyrrhos
(HONIGMANN); D ussaid 470f.; Canard, Hamdanides 231 ; Cahen , Syrie 139; HONIGMANN
95. 112.
Darstellung
87
Weg überfiel Nasr b. $&lih b. Mird&s mit einem knappen Tausend an
Reitern den Troß des Kaisers, der seine gesamte Habe den Feinden
überlassen mußte und angeblich nur durch die Schnelligkeit seines Pferdes
und die Tapferkeit der cxalpoi ßotaiXixoi134*der Gefangennahme entkam136.
Die Muttergottesikone, die von den Kaisern als „Beschützerin des Heeres“
mitgefuhrt wurde, erfüllte Romanos jedoch mit neuer Zuversicht; er zeigte
sich unter den Flüchtigen und ermutigte sie. Im Gebiet von Kyrrhos hielt
er sich dann noch über 40 Tage auf, bevor er nach Konstantinopel
zurückkehrte136.
Für die Muslime dagegen war der Sieg bei A'zäz ein Zeichen göttlicher
Huld, und bald verklärte sich dieses Ereignis in frommer Legende137. Was
134
Im späteren 10. Jahrhundert gab es vier cTaipcutt, jede unter einem ¿Taipci¿pxr¿; es
waren vorwiegend aus Fremdvölkem rekrutierte Leibgarden des Kaisers. Vgl. OIKONOMIDÊ8 260, 90; 271, 21. 23. 25; 327f.; P. K arun-H ayter, L’hetériarque. JOB 23 (1974)
101— 143.
133 Sowohl KamAladdin I 242, 5f. als auch die Ibn al-AtTr-Tradition beschuldigen den
Kaiser sogar, inkognito seine Flucht fortgesetzt zu haben; dazu hatte er seine roten Stiefel
mit gewöhnlichen schwarzen vertauscht. Davon wissen weder Jahjä noch die armenischen
Chronisten etwas, und solchem widerspricht völlig Psellos III 10 (I 30 R), wonach der
Kaiser, gerade an den roten Stiefeln kenntlich, die Flüchtenden schließlich um sich
sammelte. — Die Stärke der Mirdäsiden betrug nach al-AzImT 166b, einer Tradition bei
Kamäladdln 1 242, If. und Ibn Abi*d-Dam 127b: 700 Reiter (unmöglich ist Ibn al-Öauzi
V III50:1000 Infanteristen und nur 100 Reiter, da der Kampf doch der Kavallerie oblag; zu
hoch scheint al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 170: 2000 Reiter). Mit dieser Zahl läßt sich
die zweite Angabe des Kamäladdln (923 Reiter) und auch jene von Aristakës 44 « 20 C
(800— 1000 Mann) ebenfalls vereinbaren, sodaß man auf ein knappes Tausend kommt.
136 Obiges vorwiegend nach Psellos III lOf. (I 39f. R), dem besonders hier zu trauen ist,
wo er Romanos günstiger erscheinen läßt. Sehr bezeichnend ist die Erzählung bei Matt'öos
von Urhay (57f. V = 64f. J = 30 B*45f. D), wo die Abneigung gegen Byzanz mit legenden
hafter Ausgestaltung des Rückzugs verbunden ist: Nachdem er Romanos III. als verweich
lichten, unfähigen Regenten und als Verfolger des wahren (d.h. monophysitischen)
Glaubens geschildert hat, berichtet er, daß 14 Tage nach der Flucht ein Landmann aus
Kuris den Kaiser halb erfroren und im Wald versteckt gefunden habe. Ohne zu wissen, wer
dieser war, rettete er ihm das Leben und ließ ihn einige Tage später nach Mar'aà bringen,
von wo Romanos mit den Trümmern seines Heeres nach Konstantinopel zurückkehrte;
hernach habe er seinen Retter mit reichen Geschenken geehrt und ihn zum Herrn über das
Gebiet von Kuris gemacht. Zur Bezifferung der byzantinischen Verluste durch Matt'öos auf
10.000 Tote vgl. A. 144.
137 Zwei solcher Wundererzählungen bei Kamäladdln I 243, 10—244, 6. Einem Gottes
gelehrten namens Ibn Numair erschien in der Nacht vor Azäz der Chalife 'All im Traum —
zu Pferde, in grünem Gewände, die Lanze in der Hand — und sprach zu ihm: „Erhebe dein
Haupt, o Saib, denn deine Sache ist durch mich entschieden.“ Bei diesen Worten erwachte
er und gab den Halabinem, die auf den Mauern wachten, Kunde von seiner guten Botschaft.
Auch soll der im byzantinischen Heer weilende al-Mansür b. Lu lu* in der gleichen Nacht
zum Kaiser gerufen worden sein, der ihm von einem Traum erzählte, in dem ein Gottesmann
— und nach der Beschreibung erkannte al-Mansür ihn als Ibn Numair — auf den Mauern
Halabs zu sehen war und zum Kaiser mit einem Handzeichen sprach: „Kehre zurück und
88
Syrien und Phonikien
die Beute betrifft, betonen beinahe alle Quellen die außerordentliche
Prachtentfaltung des Kaisers auf dem Feldzug, und dementsprechende
Kostbarkeiten fielen den Siegern in die Hände. Sein Gepäck war a u f
wenigstens siebzig Kamelen befördert worden ; das Zelt mit den Schätzen
an Schmuckgegenständen, Diademen, Edelsteinen und Perlen schien den
Glanz des Kaiserpalastes widerzuspiegeln; der Mantel des Kaisers (sc. der
Loros) trug auf Vorder- und Rückseite jeweils ein goldenes Kreuz, das mit
großen Rubinen in der Mitte und auf den Seiten verziert war, wogegen die
Schleppe, die Ärmel und die Zwischenteile mit Perlen besetzt waren, deren
jede ein Gewicht von 2 mitqal hatte. Und als die Krieger der Mirdäsiden
den erbeuteten Schatz des Kaisers mit Hilfe eines Troges verteilten, sollen
gar auf einen jeden 18 Schalen voll entfallen sein138.
Während der demonstrative Eifer des Herrschers fur die Orthodoxie
unter den monophysitischen Untertanen des Reiches im Osten Ressenti
ments gegen die byzantinische Politik verstärkt hatte139, war nach außen
steh ab vom Angriff auf diese Stadt!'* Der Kaiser wagte daraufhin nicht mehr, an einen
Erfolg zu glauben, und tags danach wurden seine Truppen bei A'ziz geschlagen.
138 Die wertvolle Beute: 70 Kamelladungen bei Kam&laddTn I 240, 5f.; ebenso Abu’lFarag, Chron. Syr. 229 Bruns—K irsch « 191 B udge ; die Ibn al-Atlr-Tradition behauptet
gar eine Zahl von 400. Die Pracht des Zeltes: Psellos III 10 (I 38 R). Der Mantel des
Kaisers: al-Q&dT ar-RasId §106; sein Schatz: Kam&laddln I 243, 3—6. Vgl. ferner Ibn alÖauzT VIII 50; Ibn Abi’d-Daxn 127b; Ibn Gunghul IV 187b. — Das bei al-QSdl ar-RasTd ala
Gewichtseinheit gebrauchte mitqal hatte 3 ,125g; vgl. HlXZ 3.
139 Bezeichnend für die Haltung Romanos* III. gegenüber den Monophysiten ist folgen
der Bericht des Aristakes (42f. = 28f. C) : Auf seinem Zug kam er am „Schwarzen Berg", dem
Amanos, bei zahlreichen Klöstern und Einsiedlerklausen vorbei. Darauf hingewiesen, daß
deren Bewohner ohne Unterlaß Gebete für den Frieden der Welt und das Wohlergehen des
Kaisers darbrachten, soll Romanos entgegnet haben, daß er diese Gebete nicht brauche und
man aus jenen Klöstern viel eher Bogenschützen zum Dienst an seinem Reich nehmen
sollte.
Gleichfalls im Zusammenhang mit seinem Zug nach Syrien ließ Romanos den in Mar'as
residierenden jakobitischen Patriarchen festnehmen und nach Konstantinopel bringen, wo
er in einer Disputation die monophysitische Lehre widerrufen und die Orthodoxie be
schwören sollte. I)a er unbeugsam blieb, verbannte ihn der Kaiser in den Okzident; von
seinen sechs Suflraganen unterwarfen sich drei, die übrigen wurden eingekerkert. Nach dem
Tod des Patriarchen entzog sich sein Nachfolger den byzantinischen Repressionen durch die
Flucht in das muslimische Dijär Bakr. Vgl. Aristakes 43 = 29 C; Abu*l-Farag, Chron. Syr.
229 B r u n s — K irsc h = 191 BUDGE ; Jahjä 252, 12—25 C h e ik h o . Zur Verbindung letzterer
Stelle mit den vorgenannten Belegen (trotz mancher Unterschiede in Einzelheiten) vgl.
CANARD, Sources 309f. Zufällig blieb auch ein Synodalerlaß des Patriarchats von Konstanti
nopel aus dem Jahre 1030 erhalten, der die Spannungen zwischen Orthodoxen und
Monophysiten im Bereich von Melitene beleuchtet; vgl. G. FlCKER, Erlasse des Patriarchen
von Konstantinopel Alexios Studites. Festschrift d. Univ. Kiel. Kiel 1911,6ff, Nr. 3; vgl.
auch 21 ff., Nr. 4: 28ff.. Nr. 5. Bei dem oben erwähnten jakobitischen Patriarchen handelt es
sich um Johannes VIII. Bar Abdün (1004— 1033): vgl. C an ar d a. O.
Darstellung
hin gegen die Mirdäsiden, denen der Krieg gegolten hatte, nichts erreicht
w orden. Dennoch gab Romanos III. nach dem Abzug aus Syrien die
H offnung auf einen endlichen Erfolg nicht auf. Deshalb übertrug er den
Oberbefehl dem Protovestiarios Symeon, der nun zum Domestikos der
Scholen des Ostens ernannt wurde und den Auftrag erhielt, für einen Krieg
gegen Halab während der kühleren und niederschlagsreicheren Jahreszeit
Vorbereitungen zu treffen140. In Antiocheia selbst ersetzte der Kaiser den
K&tepano ¡Constantinos Karan teños durch den Eunuchen Niketas von
M istheia, der aus Iberien berufen wurde141.
Die politische Gesamtlage war zu diesem Zeitpunkt für die Mirdäsiden
ausgesprochen ungünstig. Ein byzantinischer Vergeltungszug stand zu
erwarten, das Verhältnis zu Ägypten war nicht befriedigend geregelt142.
140 Skylitzes 382, 59—61 ( « Kedrenos 495, 1—3); Jahjä 257, 2—4 CHEIKHO; an dieser
Stelle nennt er ihn richtig
i (Protovestiarios), als welcher er auch bei Skylitzes
396, 28—30 ( * Kedrenos 511, 8—11) erscheint; Jahjä 259, 21 und 260, 3 hat die Aufgabe
von CHEIKHO aber
(Protospatharios), was CANARD, Sources 308, A. 61 irrtüm
lich vorzog. Symeon war unter Konstantin VIII.
xzl äpvjyy*pio; tt4; ßiy>.r4; gewesen
(Skylitzes 370, 33—35 [ = Kedrenos 480. 21—481, I]; zum Amt, das sich vom Kommando
über eines der vier ^xrr.r.y.r tívjixt* im 11. Jh. immer mehr zu einem der höchsten
Richterámter entwickelte, vgl. W .SEIST, Ioannes Skylitzes. JÖB 25 [1976] 82f.; OlKONOIIIDEs, Évolution I33f.); er hatte Konstantin VIII. zur Nachfolge Romanos’ III. umgestimmt und dessen Ehe mit Zoe vermittelt (Skylitzes 374, 23—26 [ » Kedrenos 484, 22—
485, 3]). Zum Domestikos der Scholen des Ostens vgl. o. A. 28; die Veranlassung zur
Schaffting dieses Kommandos liegt in den Araberkriegen des 10. Jh.
141 Niketas war am Beginn der Regierung Konstantins VIII. fc'** ’Ifopta; (d.h. byzanti
nischer Militärkommandant von Taik') geworden (Skylitzes 370, 35—37 [Kedrenos 481, 1—
3]; er erscheint hier als Nixt(t«c u ex llwr.'A¿x;)nnd kam nun nach Antiocheia: Jahjä 257, 15
CHEIKHO; Skylitzes 382, 59—61 ( = Kedrenos 495, I—3). Jahjä bezeichnet ihn als Patrikios
und Jtij (pxixTcop) : letzteres figuriert als verhältnismäßig hohe Rangstufe, die nicht zum
üblichen cursus bonorum zählte und öfters an ehemalige Kleriker verliehen wurde. Im
Taktikon des Escorial erscheint sowohl ein rarpíxto: eîvoô/oc xxi paixrt.jp als auch ein
fucyurrpo; x*i pzixrcup (OlKONOMIDKs 263, 12. 19; vgl. weiters GlILLAND, Recherches II
212—219; BlUY Il5f.). Niketas ist auch durch ein Siegel belegt (Sthü 'MBKROKK, Sigillo
graphie 309); die Legende nennt ihn als Trarpíxio;, paixTc.jp xal xareTravoj Mcvi/y^ ’Avno/eia;,
was genau mit den Angaben Jahjäs übereinstimmt. Schließlich möchte C an ARD (bei
L a t r e n t , Antioche 239f., A.6) in der merkwürdigen Glosse slXj* (Kamâladdîn 1 246, 2)
korrumpiertes
(3vil) erkennen. — Mistheia war Bistum (später Erzbistum) in
Lykaonien an der Südostecke des Beyjjehir Gölü. während der Araberkriege mehrfach
umkämpft: vgl. A. S. H a l l , Anatolian Studies 19 (1959) 119—124 mit Karte.
Warum Niketas den Karantenos ablöste, wird nirgends klar gesagt: vielleicht war
mangelnde Loyalität eines Sohnes auf dem syrischen Feldzug der Anlaß (vgl. o. A. 132),
oder es liegt eine sonstige — nicht mehr faßbare — Disharmonie des Konstantinos
Karantenos mit seinem kaiserlichen Schwager zu Grunde.
142 Eine Gesandtschaft Nasr b. Sälihs mit Ehrengeschenken aus der Kriegsbeute an den
fktimidiachen Hof berichten Kamäladdln I 247, 7—248, 4 und Ibn al-Qalänisi 75. doch
ginge es zu weit, mit Z AKK AR (107 f.) anzunehmen, daß etwaige Gefahren von «Seiten der
90
Syrien und Phönilden
Außerdem fallt in die Zeit nach dem syrischen Feldzug Romanos’ III. aller
Wahrscheinlichkeit nach der Ausbruch des offenen Thronstreites zwischen
den Mird&siden Nasr und Tim&l. Beide hatten noch in der Verteidigung
Halabs zusammengewirkt, wobei Tim&l den Schutz der Stadt übernahm,
während Nasr gegen die Byzantiner zog. Ihre Familien und den Besitz
hatten sie in die Wüste in Sicherheit gebracht. Nach dem Rückmarsch der
Byzantiner führten Nasr und Tim&l ihre Familien zurück, bei welcher
Gelegenheit Nasr seinem Bruder zuvorkam und ihm Stadt und Festung
Halab verschloß. Ein Schiedsgericht von Notabein traf schließlich einen
Ausgleich in dem Sinne, daß Tim&l mit den mesopotamischen Besitzungen
B&lis, Rahba und Manbig entschädigt wurde143. Neben diesen Faktoren
dürfte auch von Bedeutung sein, daß die Araber in den Kämpfen m it den
Byzantinern merkbare Einbußen erlitten hatten, während die Verluste der
letzteren weniger zum Tragen kamen.
In Anbetracht all dieser Umstände nahm Nasr b. §&lih eine sehr
bescheidene und unterwürfige Haltung Byzanz gegenüber ein. In Botschaf
ten an Romanos III. versicherte er, daß er zufrieden wäre, in Halab wie ein
byzantinischer Statthalter zu regieren, und versuchte, den Kaiser von
einem neuerlichen Feldzug abzuhalten. Sogar den byzantinischen Gesand
ten, der vor Beginn des Krieges in Halab inhaftiert worden war, bat Naçr
b. $&lih um vermittelnde Korrespondenz an Romanos III., desgleichen den
neuen Statthalter von Antiocheia, Niketas144.
Ein deutliches Zeichen dafür, wie das äußere Ansehen des byzantini
schen Reiches durch den Mißerfolg Romanos’ III. gelitten hatte, bildete
ein Vorstoß arabischer Streifscharen in das Thema Teluch145. Dessen
Stratege war damals Georgios Maniakes, jener Mann, der hier zuerst in das
Ffttimiden dadurch beseitigt waren. Denn der Gesandte Nagrs blieb bis nach az-Zfthire Tod
(1039) in Kairo, bis er endlich in Gnaden entlassen wurde, was ZAKKAR (121) selbst
zutreffend dahin deutet, daß der Ausgang infolge des schwierigen gegenseitigen Verhältnis'
ses (so auch wegen der Stellung Halabs zu Byzanz) so lange in Schwebe blieb.
143 Maßgeblich sind die Angaben Jahj&s 255,8—10 und 257,4—7 CHEIKHO, sowie deren
Reflex bei KamäladdTn I 245, 7—12; vgl. weiters al-A?lmI 106b; al-Makln 263. Zum
Problem der Datierung vgl. o. A. 122.
144 Nagrs Verhalten gegen Byzanz: Jahjft 257, 8—16 CHEIKHO; Kam&laddln I 247, If.
Die byzantinischen Verluste in Syrien gab Matt'ftos von Urhay mit 10.000 Toten an (vgl. o.
A. 136), welche Zahl aber höchstens die Verluste an Toten, Verwundeten und Gefangenen
insgesamt wiedergeben kann, da nach Jahjft 256, 23—25 CHEIKHO die Zahl der Todesopfer
auf byzantinischer Seite gering war, und sich die meisten Gefangenen loskauften; vgl. auch
CANARD, Sources 308.
145 Teluch (das antike Doliche, nahe 'Aintftb) wurde 962 durch Nikephoros II. Phokas
erobert; der erste bekannte Stratege des gleichnamigen Themas ist Georgios Maniakes. Vgl.
E l* II 624, s. v. DulOk (SOURDEL); D ussaud 472; C a h e n , Syrie 115.
Darstellung
91
volle Licht der Geschichte tritt und bald durch seine Wirksamkeit in
E dessa, dann als Feldherr in Sizilien berühmt wurde, bis er als Prätendent
a u f den Kaiserthron den Schlachtentod fand. Seine außergewöhnliche
Persönlichkeit hat auch in der Literatur ihren nachhaltigen Eindruck
hinterla88en, wofür nicht zuletzt die schwungvolle Schilderung bei Psellos
spricht146. Nach Skylitzes — dessen Bericht ins Legendenhafte abschweift
— wandte sich eine Schar von etwa achthundert Arabern gegen den
gleichnamigen Hauptort des Themas und stellte an Maniakes die Forde
rung, ihnen die Stadt zu übergeben, weil der Kaiser gefangen und sein
gesamtes Heer zu Grunde gegangen sei. Maniakes nahm zum Schein die
Forderungen an und ließ die Araber mit reichlich herbeigebrachten Speisen
und Wein ein üppiges Gelage beginnen (vgl. dazu die Darstellung auf dem
Umschlag). In der Nacht griff er dann die Betrunkenen an und machte sie
nieder ; Nasen und Ohren der Gefallenen wurden als Trophäe abgeschnitten
und an Romanos III. geschickt. Auch eine erhebliche Zahl von Kamelen
mit Beute der Araber aus dem syrischen Feldzug des Kaisers fiel Maniakes
in die Hände. Für seine mutige Tat wurde er von Romanos III. zum
Katepano von Koctco Mijíía147 ernannt148.
146 Man hat ans dem Namen Maniakes türkische, d.h. zentralasiatische Herkunft
erschlossen; die Bedeutung entspricht einem Adjektivum fur „adelig**, und dieser Eigenn*»
me kommt auch sonst vor — so wird schon 568 von Menander Protektor der »Sogdier Mavtag
als Gesandter der Türken genannt, und um 1090 heißt ein kumanischer Heerführer bei Anna
Komnene Mavuuc; vgl. MORAVCSIK, Byzantino-Turcica II 181. L. BrEhikk, Georgios
Maniakes. Tours 1902 vermutete, daß Maniakes in der späteren Regierungszeit
Basileios' II. in Bulgarien und (oder) den Grenzgebieten Kleinasiens seine Dienste begann,
doch läßt sich für die Zeit vor der Strategie von Teluch nichts Genaues sagen. Psellos VI
76f. (II 1f. R) äußert sich voll Bewunderung (vgl. dazu auch A. 148) in folgender Art: „Wie
auf ein Signal sich erhebend und nach und nach vorwärtsstrebend in geregeltem Fortschrei
ten gelangte er schließlich an die Spitze der militärischen Laufbahn. An zehn Fuß von
Körpergröße, nötigte er die, welche ihn betrachteten, ihre Blicke gleichsam wie zu einem
Berggipfel zu erheben. Sein Aussehen war weder weichlich noch sonstwie angenehm,
sondern gemahnte an ein heraufziehendes Unwetter. Dazu kam der Donner seiner Stimme
und die Hände, die geeignet waren, Mauern zu erschüttern und eherne Torsäulen zu
zerschmettern, und alles Übrige an diesem Mann stimmte mit solchen Zügen überein. Jeder
Barbar fürchtete diesen Mann, der eine, welcher ihn sah und bewunderte ebenso wie der
andere, welcher über ihn berichten hörte und davon einen tiefen Eindruck erfuhr.**
147 Schwierig ist die genaue Bestimmung der nur bei dieser Gelegenheit von Skylitzes
genannten (vgl. A. 148) Kítcu
V. La i 'KKNT. Sceau de Christophore stratège d'Artziké.
EO 30 (1931) 460 und ihm folgend Honiomann 210, A.5 vermuteten die Gebiete nördlich
des Van-Sees; W. SEIKT dagegen (Miszellen 641 f.) faßt 'Ave* Mrfii* als Gesamt-Vaspurakan
auf und sucht Kárcu
vielmehr in der Ebene, etwa im Gebiet um Samosata. Es wäre gut
denkbar, daß das Thema der Euphratstädte, als deren Stratege Maniakes kurz nachher
erscheint (vgl. u. S. 144. A. 34). mit Kitg* M/,4Lz identisch ist.
I4* Der Bericht über den Arabervorstoß bei Skylitzes 381.38 382. 58 Í ® Kedrenos 494,
I—22) ist offenbar — ähnlich wie die Charakteristik bei Psellos (vgl o. A. 147) - durch eine
92
Syrien und Phönikien
Vermutlich stehen auch die damals verstärkten Umtriebe des Naçr b.
Musaraf in Phönikien im Zusammenhang mit dem byzantinischen Mißerfolg
in Syrien149. Nachdem sich Nasr b. Musaraf durch List in den Besitz der
Festung Manlqa gebracht hatte, begann er mit dem Bau einer weiteren
Burg namens Bikisrä*!!150. Von dort vertrieben ihn allerdings die Byzanti
ner, töteten eine große Anzahl seiner Gefolgsleute und setzten die Festung
durch Versorgung mit Wasser und Proviant zur Verteidigung gegen Nasr b.
Musaraf in Stand. Nach dem Abzug des Kaisers aus Syrien unternahm
Naçr nicht nur fortgesetzt Einfalle in die umliegenden byzantinischen
Gebiete, sondern plante auch die Wiedergewinnung von Bikisriftl. Hiebei
kam ihm die Nachlässigkeit des byzantinischen Befehlshabers zustatten,
welcher das in der Festung verfügbare Wasser zur Neige gehen ließ. Nasr b.
Musaraf wurde davon unterrichtet, zog mit seinen Anhängern heran und
begann die Belagerung, deren Ergebnis die baldige Kapitulation der vom
Durst gequälten Besatzung war.
Die gleichfalls im Gabal Rawädlf wohnhaften Banu’l-Ahmar erbauten
damals eine andere Burg namens Ablätunus zwischen Lädiqijja und BarzOja ; ein weiterer Stamm, die BanQ Ghanäg, errichteten die nach ihnen
benannte Festung Hisn BanT Ghanäg, und schließlich legte ein mit diesen
blutsverwandter Ibn al-Käsih gleichfalls eine Festung an151. Dadurch
Quelle beeinflußt, welche die Taten des Maniakes besonders verherrlichte, wobei die Farben
bisweilen sehr stark aufgetragen wurden (vgl. dazu auch FALKENHAl’SEN ‘91 f. bzw. *95f.).
— Skylitzes spricht von 280 erbeuteten Kamelen, was angesichts der wohl auf 70 Ladungen
zu beziffernden gesamten arabischen Kriegsbeute (vgl. A. 138) als stark übertrieben er
scheint.
149 Jahjft 258, 17—259, 5 CHEIKHO. Die vorausgehenden Aktivitäten Nasrs im Zusam
menhang mit dem Bau von Manlqa fallen vermutlich ins Jahr 1027 ; vgl. o. S. 79 f. mit A. 114.
Iis0 Bikisrä'Tl lag etwa auf der Höhe von Gabala (bei Jàqùt I 706 jedoch irrig in die
Küstenzone verlegt) an der zwar schwierig befahrbaren, aber kurzen Verbindung von Gabala
in das Oróntestal, durch beherrschende Lage ausgezeichnet. Aus dem heutigen Namen Banü
JiBra'll schloß DEREN ßOlUG auf eine Stätte jüdischer Proselyten der pompeianischen Zeit.
Vgl. DrssAlT) 141 f.; C a h k x , Syrie 170—172; Le »STRANGE. Palestine 422. Neuerdings
wurde der Name aus dem jüdisch-aramäischen Engelsnamen bê-akzriel helgeleitet: ST.
W il d , Libanesische Ortsnamen. Beirut 1973, 215. — Die Ausgabe von CHEIKHO hat im
Text irrig
statt
.
151 Barzüja ist das heutige Qafat Barza am nördlicheren der Seen von Aftraija,
nordwestlich von letzterem gelegen; vgl. Cahen. Syrie 160f. 164. 175; Le STRANGE,
Palestine 71. 421; CANARI), Hamdanides 207; D i/ ssald I51f.; HONIGMANN 127. — Die
genaue Lokalisierung von Ablätunus ist unsicher; HONIGMANX (113, A. I und Karte III)
hielt für seine Hafenstadt Antartüs, während SotTtDEL—T h o m ix e (E I * I 989, s. v.
Balätunus) ihm zusammen mit Sahjün den Schutz der Ebene von Lädiqijja und der von
Gabala zum Orontes führenden Straßen zuschreibt. — Hisn Banl Ghanäg und Hisn Ibn alKäsih sind nicht näher identifiziert: vgl. C a h k x . Syrie 173.
Darstellung
93
beherrschten die Muslime das Gebirge und suchten die angrenzenden
byzantinischen Gebiete durch ihre Einfälle heim.
Nasr b. Musaraf konnte den f&timidischen Statthalter von Tripolis dazu
überreden, gegen das seit 1021 byzantinische Maraqijja vorzugehen. Zu
diesem Zweck vereinte Nasr seine Truppen mit jenen des Statthalters, doch
ließen sie es auf keinen Kam pf ankommen, als der Katepano Niketas
unmittelbar nach seiner Ankunft in Antiocheia zur Hilfe für die Belagerten
herbeieilte. Er fand die Feinde bereits abgezogen, ließ die Beschädigungen
der Mauern ausbessem und die Burg mit ausreichend Proviant und Ausrü
stung fur eine neue byzantinische Besatzung versehen. Dann stieß Niketas
noch gegen Süden bis A rqa,si vor, wo er zahlreiche Gefangene machte, die
Festung durch Feuer zerstören und umfangreiche Vorräte wegschaffen ließ.
H ierauf trat er den Rückmarsch nach Antiocheia an, welchen er zugleich
mit einem Streifzug gegen Insurgenten im Grenzgebiet von Halab ver
band183.
Unterdessen war der Protovestiarios Symeon bereits zum Feldzug
gegen Nasr b. S&lih b. Mirdfts aufgebrochen. Niketas vereinte sich mit
Symeon, und gemeinsam stießen sie gegen A'z&z vor, um an Ort und Stelle
das Andenken der byzantinischen Niederlage zu rächen; A'zäz wurde im
Du’ l-H i¿¿a 421 H (beg. 30. November 1030) belagert und mußte schließlich
gegen freien Abzug kapitulieren, weil die Festung mit zahlreichen Flücht
lingen überfüllt und daher kaum zu verteidigen war. Dann verbrannten die
Byzantiner Tubbal und verwüsteten das ganze Land zwischen A'zäz und
Tubbal, wobei selbst die Baumpflanzungen umgehauen wurden. Erst jetzt
sahen die beiden Feldherm ihr Ziel als erreicht an und ließen vom
mirdäsidi8chen Gebiet ab.
Die Tilgung der byzantinischen Niederlage und die Loyalitätsbezeugun
gen von Nasr b. $älih verschafften diesem endlich im Gumädä 1 422 H (beg.
26. April 1031) den angestrebten Frieden. Niketas vermittelte zusammen
mit dem byzantinischen Gesandten, der noch immer in Halab war, das
Übereinkommen, wonach sich Nasr b. S&lih veipflichtete, an Romanos III.
die Summe von 500.000 Dirham jährlich in zwei Raten zu entrichten. DasIS
&
IS* Zu Maraqijja vgl. A. 86. — 'Arqa, Geburtsort des Kaisers Alexander Severus, lag nach
den besten antiken Itinerarien 16 bis 18 Milien nördlich von Tripolis, etwa dort, wo heute
die Eisenbahn Tripolis — Horn? die Küste verläßt. 669/70 kam hier die neue byzantinische
Grenze zu liegen. Vgl. DusSAUD 83fr. , RE II Ill7f., s. v. Arka 3 (B e n z in g e r ); L e
S t r a n g e , Palestine 398; CANARD, Hamdanides 202.
I&* Jahjä 259, 6—19 CHElKHO. — Alle genannten Ereignisse fallen in das spätere Jahr
1030, da die folgende Zerstörung von A’zäz mit Du’l-Higga 421 H (beg. 30. November 1030)
festgelegt ist (vgl. A. 154).
94
Syrien und Phönikien
für Romanos III. bestimmte Exemplar des Vertrages wurde von Naçr b.
$älih unterzeichnet; ebenso unterfertigte und siegelte der Kaiser das für
den Mird&siden bestimmte Exemplar und übersandte ihm außerdem ein
edelsteinbesetztes Kreuz als Garantie für die Einhaltung von byzantini
scher Seite. Zudem wurde Muqallid b. Kfimil b. Mird&s mit seinen Beglei
tern aus Antiocheia entlassen, und ebenso gestattete Naçr b. ¡j&lih dem
byzantinischen Gesandten die Rückkehr aus H alab194.
Unmittelbar nach der Heimkehr der jeweiligen Gesandten machte sich
Niketas zum Kam pf gegen Nasr b. Musaraf, die Banu’l-Ahmar und die
Banü Ghanäg auf. Zuerst wurde Abl&tunus belagert, das Ibn al-Ahmar
gegen freien Abzug auf muslimisches Gebiet übergab. Die Festung wurde
ausgebessert, ihre Baulichkeiten vollendet und eine Garnison mit der
nötigen Ausrüstung dort stationiert. Von da zog Niketas gegen Hiçn BanT
Ghanäg, das gegen die gleichen Zusicherungen kapitulierte und dem Erdbo
den gleichgemacht wurde ; auch Hisn Ibn al-Käsih wurde eingenommen und
zerstört. Danach wandte sich Niketas gegen ManTqa; als er aber sah, daß
die Belagerung vermehrten Einsatz der Kriegstechnik erforderte, kehrte er
kurz nach Antiocheia zurück.
Mit der nötigen Ausrüstung erneuerte Niketas dann den Feldzug, und
dieses Mal griff er zu Beginn Rafanijja an, weil die Festungen des Gebirges
von hier aus mit Getreide versorgt wurden. Die Mauern ließ er nach der
Einnahme schleifen und die gesamte Einwohnerschaft — angeblich 10.000
Menschen — gefangen abführen. Hierauf zog er gegen W esten, befreite aus1
5
4
154 Maßgeblich ist Jahjä 259, 19—200, 18 CHEIKHO (danach die Chronologie); kurz alAzTml 167b; Kamäladdln I 247,1—6; al-Maqrlzl, Fätimidengeschichte II 180; Abu’l-Farag,
Chron. Syr. 230 Bruxs—KlR.suH« 192f. B lTl>GE. Weniger brauchbar iat, was Skylitzes 384,
29—385,34 ( - Kedrenos 498,1—6) und ihm folgend Zonaraa III579,6—8 berichten (a. u.).
Vgl. auch DOlGEK, Regesten 836.
Der Vertrag wird von den byzantinischen Quellen in den September 1031 gesetzt, was im
Widerspruch mit der zweifachen Festlegung bei Jahjä 260, 17 steht: Ajjir (Mai) 1342 —Gumädä I 422 H (beg. 26. April 1031). Ferner wissen die orientalischen Quellen nichts davon,
daß der Sohn des Herren von Halab den Frieden abgeschlossen habe; der Name "Ajup
entspricht arab. jJ\ (Emir) ; ein Sohn Nasrs hieß Mahmüd. Vielleicht handelt es sich bei der
Gesandtschaft der byzantinischen Quellen um den Austausch von Ehrengaben nach dem
Friedensschluß; eine solche Mission an den Kaiser (die Nasrs Sohn geführt haben könnte)
erwähnt Jahjä 260,17f. CHKIKHHO. Als Leiter der entsprechenden byzantinischen Gegenge
sandtschaft nach Halab hat Romanos III. möglicherweise den — von Skylitzes im Zusam
menhang mit dem Abschluß des Friedensvertrages mit Halab genannten — Protospatharios
Theophylaktos von Athen betraut. Eine zu weitgehende Interpretation der Quellenangaben
liegt bei SoHLUMBERGER, Épopée III 107 vor. wenn er behauptet, damals sei ein Defensivund Offensivbündnis abgeschlossen worden.
Darstellung
95
der Festung §8ftt&195 einen byzantinischen Anführer154 und marschierte,
ohne sich weiter aufzuhalten, erneut gegen ManTqa.
D ie tiefe Schlucht zwischen den Angreifern und der Burg behinderte
eine wirkungsvolle Belagerung, sodaß Nike tas befahl, zuerst den Ein
schnitt mit mächtigen Baumstämmen, Steinen und Erde auszufullen und
dann auf dem eingeebneten Gelände die Belagerungsmaschinen in Stellung
zu bringen. Als diese bereits die Mauern zum Teil durchbrochen und
mehrere Türme zum Einsturz gebracht hatten, eigab sich die Festung nach
13 Tagen Belagerung am lö .D u ’l Higga 422 H (1. Dezember 1031). Über
800 Gefangene wurden gemacht, darunter die Familie des Nasr b. Musaraf;
er selbst dagegen war noch vor der Ankunft der Byzantiner geflohen. Auch
diese Festung wurde — nach Freimachung des Tales — wieder instandge
setzt und mit einer Garnison belegt.
Jetzt hielt sich nur noch Bikisrä*Tl, dessen Besatzung Niketas ohne
E rfolg aufforderte, gegen Freilassung ihrer in ManTqa gefangen genomme
nen Frauen und Angehörigen sowie gegen Zusicherung milder Behandlung
die Festung zu übergeben. Da den Byzantinern die Winterkälte bereits sehr
zu schaffen machte, beschloß Niketas den Rückmarsch, nachdem er den
Verteidigern von Bikisrä’Tl seine Wiederkehr angekündigt hatte. A uf dem
W eg nach Antiocheia unternahm er noch einen Streifzug in das Gebiet von
Afömija und stellte auch hier den Respekt vor Byzanz wieder her,s7.
Als weitere wichtige Aufgabe dieser Zeit stellte sich der byzantinischen
Politik die Unterstützung von al-Hassän b. al-Mufarrig. Durch seine
Gesandten, die er zu Romanos III. nach Antiocheia geschickt hatte, erfuhr1
3
*7
133 Säfftä liegt in den südlichen Ausläufern des Gabal Bahrft' (zu diesem vgl. o. A. 87).
etwa auf halbem Weg zwischen dem in der Kreuzzugszeit berühmten Hisn al-Akrid und
Antartüs; wahrscheinlich ist das im Bericht des Skylitzes 382, 59—383, 96 ( = Kedrcnos
495,1—496, 18), bes. 383, 89 ( = Kedrenos 496, 10) zusammen mit Manlqa als eingenommen
bezeichnete Aigyrokastron n ich t mit Säfltä identisch, sondern eher eine eigene Festung, die
ihren Namen von Romanos III. Argyros als Erbauer erhielt. Vgl. Dl » A I D 96. 119; ('AHKN,
Syrie 170. 176; HOXIGMANN 114, A.5; vgl. auch o. A.95.
tM Der byzantinische Anführer erscheint bei Jahjä 262, 12 —14 t'HEIKHO als
^ —
sollte dahinter entstelltes Ti-'.ip/r,; stehen ? — und wird in dieser Form nochmals 268. 12
erwähnt.
137 Der I. Feldzug gegen Manlqa : Jahjä 260, 18—261,6; der 2. Zug : a. O. 262. 8—263,7.
Daraus bringt Kamäladdln ein sehr kurzes und fehlerhaftes Exzerpt (I 246, I—6) : er verlegt
den Zug nach Manlqa und Rafanijja auf 421 H statt 422 H bei Jahjä und an-Nuwairl (dieser
bei Ql'ATREMEKE 1/2, 112, A. 134) und setzt den Frieden zwischen Nasr b. Sälih und Byzanz
nach der Eroberung der übrigen Festungen durch Niketas an, wogegen letzteres nach Jahjä
und an-Nuwairl voranging. Andererseits scheint Jahjä ein Irrtum unterlaufen zu sein, wenn
er 261, 5 C’ HEIKHO das schon im Voijahr eingenommene 'Arqa (a. O. 259, 18) nochmals
geplündert werden und die Besatzung in Gefangenschaft geraten läßt.
96
Syrien und Phönikien
er vom Mißerfolg des Kaisers, was ihn mit tiefem Verdruß erfüllte, weil er
gehofft hatte, mit byzantinischer Hilfe seine Besitzungen wieder erlangen
zu können. Mit dem Emir der Kalb, R&fi* b. Abi’l-Lail168, hatte sich alHassän schon zu gemeinsamem Voigehen gegen ad-DuzbarT vereint, und
im Herbst 1030 kam es zwischen den Truppen ad-Duzbarls und den
Arabern al-Hassäns und Räfi's zum Kam pf in der Nähe von Bostra160,
wobei die letzteren zunächst die Oberhand behielten, bis sie von ad-DuzbarT
schließlich zum Rückzug in die Wüste genötigt wurden.
Romanos III. ließ es sich indessen angelegen sein, in einem Brief an alHassän das Klima für den Fehlschlag seines syrischen Feldzuges verant
wortlich zu machen und ihn zugleich aufzufordem, seine freundschaftlichen
Beziehungen zu Byzanz beizubehalten. Ein Gesandter traf al-Hassän erst
nach manchen Schwierigkeiten an dessen damaligem Zufluchtsort in der
Nähe von Tadmur100, wo er im Zorn gegen ad-DuzbarT ungeduldig eine
Botschaft des Kaisers erwartete. In dieser Lage vermochte der byzantini
sche Gesandte, al-Hassän b. al-Mufarrig die Vorteile eines Übertrittes auf
byzantinisches Gebiet vor Augen zu stellen. Wohl im Frühjahr oder
Sommer 1031 machten sich mehr als 20.000 Menschen unter al-Hassän b.
al-Mufarrig und Räfi' b. Abi’l-Lail mit ihren Zelten und ihrem Besitz auf
und zogen an Halab vorbei — wo man fürchtete, Romanos könnte die
Garrähiden und Kalbiten zur Machtergreifung in Halab aufgerufen haben
— bis sie im Katepanat Antiocheia byzantinisches Gebiet erreichten.
Romanos III. ließ al-Hassän auf das zuvorkommendste behandeln und lud
seinen Sohn AUäf nach Konstantinopel ein, wo er samt seiner zahlreichen
Begleitung vom Kaiser mit aller Huld aufgenommen und vor der Rückkehr
zum Patrikios ernannt wurde101.
188 R&fi' b. Abi’l-Lail war 419 H (beg. 31. Januar 1028) durch den Fätimidenchalifen azZihir zum Emirat der Kalb gelangt und Ährte wohl den Todesstreich gegen Çâlih b. Miidäs
bei Uqhuwäna 1029 (vgl. o. S. 81 f. mit A. 118). Er hatte sich also in der Zwischenzeit mit
den Fätimiden oder wenigstens mit ad-Duzbari überworfen; 429 H (beg. 14. Oktober 1037)
jedoch ging er wieder gemeinsam mit ad-DuzbarT gegen Nasr b. $älih vor (vgl. u. S. 108 mit
A. 194IT.).
IM Zu Bostra, das in Spätantike und Frühmittelalter von hoher Bedeutung war (Sitz der
Ghassäniden), heute jedoch nur noch eine ärmliche Siedlung im Haurän darstellt, vgl. E l' I
797, s. v. Bosrä (B u h l ); E I 1 1 1275—1277 (A b ei .); RE III 789—791 (B e x z ix g e r ).
140 Tadmur (das antike Palmyra) war im Mittelalter nur Erinnerungsstätte an vergange
ne Größe; vgl. E I 1 III 1101—1103 (BUHL); RE XVIII 3, 262—267, s. v. Palmyra
(W a t z in g e r ); L e S t r a x g e , Palestine 540ff.
101 So im Anschluß an Jahjä 261, 7—262, 3 CHEIKHO, der hier die Ereignisse eines
größeren Zeitraumes zusammenfaßt. Weil der Zug des Niketas gegen ManTqa (Einnahme am
I.Dezember 1031) folgt (vgl. o. S.95 mit A. 157), und der FViedensschluß zwischen Byzanz
und Nasr b. $älih (Mai 1031 ) vorangeht (vgl. o. S. 93f. mit A. 154), müßte die Auswanderung
der Araber auf Sommer oder Herbst 1031 fallen. Der Herbst ist aber wohl bereits durch den
Darstellung
97
Wahrend Niketas seinen zweiten Zug gegen ManTqa führte, war an der
Grenze des byzantinischen Gebietes im Öabal as-Summftq162 durch die
Umtriebe fanatischer Drusen ein neuer Unruheherd entstanden. Zu beiden
Seiten der Grenze kam es zu Plünderungen und Massakern an den Musli
men und zur Zerstörung von Moscheen. W eil sich ihre Anhangerschar durch
steigenden Zustrom aus mirdftsidischem Gebiet immer mehr vergrößerte,
hielt der Katepano Niketas ein schnelles Vorgehen für angezeigt. Nach
Absprache mit Naçr b. §&lih b. Mird&s ließ Niketas seine Unterbefehlshaber
die Drusen im R ab f 1 423 H (beg. 16. Feber 1032) in den scheinbar
unzugänglichen Schlupfwinkeln des Gebirges belagern und zur Übergabe
vergeblichen Streifzug des ad-Duzbarl gekennzeichnet (vgl. u. S.98 mit A. 166); der Passus
von der Bestürzung in H&l&b schließlich weist vielleicht daraufhin, daß der Friede zwischen
Naar b. Sälih und Byzanz noch nicht rechtskräftig war.
Was Skylitzes 382, 59—383, 96 ( = Kedrenos 495, 1—496, 18) über Niketas, IUv^zpzy
(Ibn al-Garräh) und Mv^zpz? (Ibn Musaraf) erzählt, ist mit Kritik aufzunehmen. Pinzaraoh
war weder Emir von Tripolis, noch erst kürzlich vom ägyptischen Chalifen abgefallen.
T'/Vnrcp (ad-Duzbarî) hat im Öabal Bahrä’ nicht direkt eingegriffen, sondern wurde erst
später gegen Byzanz aktiv; die Nachricht, er hätte sich beim Nahen der Byzantiner voll
Schreck heimwärts gewandt, kann allenfalls auf spätere Ereignisse (vgl. S.98 mit A. 165)
Bezug haben. Unmöglich ist weiters, daß Musaraph damals auf der Flucht im Grenzgebiet
von Tripolis gestellt und getötet wurde, da er im folgenden Jahr 423 H (beg. 19. Dezember
1031) höchst aktiv war (vgl. u. S.99f. mit A. 166—169).
Schließlich schreibt Skylitzes den Oberbefehl im erneuerten Krieg gegen Musaraph bew.
ein bewaffnetes Zusammengehen der Byzantiner mit al-Hassän b. al-Mufarrig dem Protospatharios und fif;z: str\zz6y/ttz Theoktistos zu. Von diesem Zusammenwirken sagt Jahjä
kein Wort, und zudem kennt er als Oberbefehlshaber allein Niketas, dem er laufend das
Gesetz des Handelns zuschreibt. Im übrigen war der verhältnismäßig rangniedrige Protospatharier Theoktistos weder damals noch gegen Ende der Regierung des Romanos
Oberbefehlshaber des Ostens, wie Skylitzes vermuten ließe — sowohl der
’Avt».o/siz:
Niketas als auch sein vermutlicher Nachfolger Theophylaktos Dalassenos (vgl. A. 182)
waren deutlich ranghöher. Da in den Hetairien vorwiegend Angehörige von Fremdvölkem
dienten (vgl. o. A. 134), könnte üieoktistos als aus dem Osten stammender und des
Arabischen mächtiger Offizier aufgefaßt werden, der vielleicht schon damals mit der
Verbindung zu den Garrähiden in Syrien beauftragt war. Auch in jenem byzantinischen
Gesandten, welcher die Garrähiden zur Auswanderung bewog, den Theoktistos zu erken
nen, scheint naheliegend, ebenso wie seine Mitwirkung bei der Einnahme von Aftmija
durch die Byzantiner vgl. u. S. 104 mit A. 186).
In Übereinstimmung mit Jahjä berichtet Skylitzes nur die Ehren für al-Hassän b. alMufarrig und seinen Sohn ; der Name des letzteren lautet bei Jahjä 262, I CHE1KHO (ebenso
bei anderer Gelegenheit Kamäladdln I 251, I) Alläf und erscheint bei Skylitzes als *A/.zy.
Vgl. auch D ö LGER, Regesten 834. — Zu dem laut Skylitzes damals eingenommenen
Argyrokastron vgl. o. A. 155.
162 Der Gabal as-Summäq ist der heutige Gabal Zäwija, südwestlich von Qinnasrln, etwa
zwischen Maarrat an-Numän und dem Orontes. Er war ein typisches Rückzugsgebiet und
auch in der Kreuzfahrerzeit der Sitz fanatischer Heterodoxer (damals Ismalliten). Vgl.
D u ssald 215; C a n a r d , Hamdanides 216; C a h e n , Syrie 161 f.; HONIGMANN 113.
98
Syrien und Phönikien
zwingen. Ihre Führer verfielen der Hinrichtung, wogegen die Masse der
Aufrührer freien Abzug erhielt163.
Vermutlich im Herbst 1031 wurden die Ausgewanderten Araber, als sie
in den Grenzgebieten zwischen Qastfln und Inab164 ihren Aufenthalt
hatten, das Ziel eines — fehlgeschlagenen — Angriffes ad-DuzbarTs.
Wahrend er selbst in die Gegend von Af&mija zog und alle Emire der Kil&b
aufforderte, mit angemessener Macht zu ihm zu stoßen, schickte er einen
starken Trupp gegen die Emigranten voraus. Dieser Vorhut gelang es auch,
unvermutet die Zelte der Garr&hiden zu überfallen. Doch R&fi* b. Abi’l-Lail,
der in der Nähe war, eilte herbei, stellte die Feinde und trieb sie in eine
verlustreiche Flucht, wobei sie alle Gefangenen zurücklassen mußten.
A uf die Kunde hiervon zog ad-DuzbarT nach Einbruch der Nacht gegen
Af&mija, wo er die Kil&b erwartete. Es war aber niemand gekommen, denn
Naçr b. $&lih hatte sie teils durch freundliche Behandlung fur sich gewon
nen, teils durch Einziehung ihres Landbesitzes oder die Drohung, byzanti
nische Hilfe anzufordem, eingeschüchtert. W eil ad-DuzbarT letzten Endes
gar eine Absprache zwischen Kil&b und Garr&hiden fürchtete, zog er tags
darauf eilends nach Damaskus ab. Noch auf dem Rückmarsch richtete er
einen Brief an Niketas, worin er behauptete, sein Zug nach Af&mija habe
nur die Wahrung f&timidischer Interessen unter Vermeidung jeder nachtei
ligen Handlung gegen Byzanz zum Ziel gehabt. Trotz dieser wenig glaub
haften Verantwortung ergab sich eine vermehrte Korrespondenz zwischen
ad-DuzbarT und Niketas über ein Friedensabkommen seit dem W inter
1031/2. Man einigte sich schließlich, Gesandte der beiden Herrscher in
Sondermission auszutauschen und bei Antartüs Zusammentreffen zu lassen,
bevor sie in ihre Heimat zurückkehrten166.
IM Jahjä 265,9—20 CHE1KHO; Kam&laddTn 1 248,5 —249,3; al-'Azïmî 168»; al-MaqrlzT,
Fätimidengeachichte II 181. — Die Unterbefehlshaber nennt Jahjä 266, 16 CHEIKHO
, was offenbar Plural zu
(Touftutpx’ic) ist. Die Führer der Drusen werden als
o Wj
(„Missionare“) bezeichnet, d. i. eine der drei KlMsen niedrigerer Amtstriger der
Drusen. Vgl. EI* I I 632, s. v. Duruz (HODGSON). — Die Vermutung von Honigmann (114),
NiketM könnte dort mit Hilfe von al-Hass&n b. al-Mufarrig die Ägypter bekämpft haben, ist
aus den Quellen nicht erweisbar.
,M Zu Qastün (etwa 25 km westlich von Ma'arrat an-Nu'min in der Orontessenke) vgl.
HONIOMANN 117, A.6; C a h e x , Syrie 161 ; L e S t r a n g e , Palestine 90; D u s k a u d I69f.; zu
Inab (unweit westlich von QMtün gelegen) DUSSAUD 168; CAHEN, Syrie 161.
Jahjä 265, 24—266, 23 CHEIKHO; da sich nach 266, 19 die brieflichen Kontakte
zwischen NiketM und ad-DuzbarT nach der Zerstörung von Rafanijja und der Eroberung von
ManTqa, d. h. im Winter 1031/2, verstärkten, ist der Streifzug des ad-DuzbarT vorher, also
wohl im Herbst anzusetzen.
Darstellung
00
A uf Drängen von Naçr b. Musaraf stellte ad-Duzbarl jedoch unvermutet
die Bedingung, ein Abkommen mit Byzanz sollte die Anerkennung fütimidischer Oberhoheit Aber Bikisrä'Tl einschließen. Niketas erklärte demgegen
über, daß es vor der Übergabe oder Einnahme Bikisrft'Ils keinerlei Verein
barung geben könne; während die Dinge noch in Schwebe waren, zog er mit
seinen Truppen gegen die Festung, um sie mit allen Mitteln der Kriegs
technik zu belagern. Die Hoffnung von Nasr b. Musaraf, es möchte adDuzbarl gelingen, Niketas durch drohenden Aufmarsch im Gebiet von
Gabala186 und al-Arwäg167 abzulenken, erfüllte sich nicht ; ebenso wie schon
zuvor ein (weiterer?) Streifzug im Gebiet von Inab blieb er ohne E rfolg108.
Schließlich wurde Bikisrä’Tl nach 40 Tagen Belagerung am 17. TammQz
1343 seleukid. (17. Juli 1032) von Niketas eingenommen; die Verteidiger
batten in Verhandlungen nur erreicht, daß ihnen — von einigen abgesehen
— Leben und Unversehrtheit zugesichert wurde, sie aber in Sklaverei
geführt und der Entscheidung des Kaisers überantwortet werden sollten.
Zwei Gesandte ad-Duzbarls, die früher gekommen waren, mußten auf
Anweisung des Niketas in Gabala bleiben und wurden von ihm nach dem
Fall von Bikisrä*Tl mit der Nachricht über das Geschehene zurückgeschickt.
Die Festung wurde auf Anordnung des Niketas völlig in Stand gesetzt und
mit einer entsprechend ausgerüsteten Besatzung gesichert, wonach er sich
auf den Rückweg begab und alle Gefangenen zum Kaiser schickte.
Über Naçr b. Musaraf ergibt sich aus den Quellen keine eindeutige
Gewißheit, doch scheint es, daß er einige Zeit später im Kam pf gefallen ist.
ad-Duzbarl selbst zeigte sich dermaßen betroffen, daß er den Chalifen azZähir das allgemeine Aufgebot in Ägypten und Syrien für einen Krieg
gegen Byzanz verkünden ließ, während er selbst die arabischen Stämme der
Gazlra zum Glaubenskrieg aufrief. Niketas setzte seine Truppen in Bereit
schaft, wartete jedoch im übrigen die Entwicklung ab und schickte zudem
ad-Duzbarl ein Schreiben des Inhaltes, er werde dem Kam pf nicht ausweichen; wenn ad-DuzbarT aber an den diplomatischen Verhandlungen weiter
interessiert sei, solle er die Emissäre az-Zähirs zum Kaiser schicken, der
mit den seinen umgekehrt verfahren würde. ad-DuzbarT antwortete, seine*1
0
6
IM Cabala, an der Küste etwa 30 km südlich von Lädiqijja gelegen, zugleich Endpunkt
von Straßen aus Richtung Afämija und Halab, war ein wichtiger Handelsplatz. Vgl. Le
STRANGE, Palestine 459f.; C'AHEN. Syrie I7 0 f.; E I'1 II 353 (E m s s EEKK).
1,7 al-Arwäg (abgeleitet von ar-Rüg) ist die beiderseits des Orantes gelegene Landschaft
zwischen Cabal Bahrfi’ und Cabal Summäq. Vgl. ( ,'A.NAKD, Hamdanides 199; H o n k . mann
106 und Karte III.
'** Der Kommandant von Inab (zu diesem vgl. A. 164), welcher mit Armeniern dem Ráfi'
beim übemunplungsversuch ad-Duzbarls zu Hilfe kam, erscheint bei Jalijä 261, 2 ClIKIKHO
als^«jUi , was wohl
M,‘in soll (vgl. dazu auch A. 163).
100
Syrien und Phönikien
Maßregeln wären yon der Sorge um die Entwicklung der Dinge nach dem
Fall von Bikisrfiffi bestimmt gewesen, war aber mit dem Gesandtenaustausch einverstanden, der mit einem Treffen bei Ant&rtüs begann149.
Romanos III. hatte im Sinn gehabt, nochmals nach Syrien zu ziehen,
war jedoch nur bis Mesanakta*170 gelangt, wo ihn die Nachricht vom
Fluchtversuch des als Oppositionellen eingekerkerten Konstantinos Dioge
nes171 zur Aufgabe seines Planes veranlaßte. Durch die Wirksamkeit des
Niketas in Syrien und des Georgios Maniakes in Mesopotamien, wo Edessa
1031 in byzantinische Hand kam, ergab sich eine für Byzanz günstige
politische Lage im Osten, die den Gesichtspunkt militärischen Eingreifens
durch den Kaiser zurücktreten ließ.
Zeichen dafür ist das Zusammentreffen verschiedener Gesandtschaften
und Bittsteller in Konstantinopel, im späteren Verlauf des Jahres 1032.
Abgesehen von Gesandten der Numairiden in Harrän und der Marwäniden
in Dijär Bakr sowie des 'abbäsidischen Chalifen al-Qä’im waren gekommen:
al-Hassän b. al-Mufarrig und Räfi* b. Abi’l-Lail ; eine Gesandtschaft des
Mirdäsiden Nasr b. §£lih mit den laufenden Abgaben und einer Reliquie
vom Haupt Johannes des Täufers, wodurch Nasr die besondere Gunst des
Kaisers zu gewinnen trachtete; weiters die beiden Gesandten des Fätimidenchalifen az-Zähir. W as al-Hassän und Räfi' betrifft, strebten sie byzan
tinische Unterstützung für eine Rückkehr an. Nasr b. $älih ersuchte um die
Zusage byzantinischer Hilfe für den Fall eines (wohl fätimidischen) Angrif'* Jahjä 266, 24—268, 16 C h e ik h o . — A.O. 267, 24—268, 2 könnte eine Doublette zu
265, 24ff. vorliegen; auch hier zieht ad-Duzbari gegen Inab, und wieder scheitert das
Unternehmen an Raff b. Abi’l-Lail (vgl. o. S. 98 mit A. 165). — Über das weitere Schicksal
von Nasr b. Musaraf verlautet aus JahjS (dessen Text für die Jahre ab 1028 nicht mehr
vollständig erhalten ist) nichts. Hier könnte vielleicht die von Skylitzes 383, 84—86
( » Kedrenos 490, 4—6) — allerdings in unrichtigem Zusammenhang — überlieferte Nach
richt Aufschluß geben, daß Musaraph auf der Flucht im Gebiet von Tripolis eingeholt und
getötet wurde. Vgl. dazu A. 161. — Die Zahl der Gefangenen betrug etwa 500, nachdem an
die 200 durch die Beschießung mit den Katapulten getötet worden waren. Jener vormals aus
Çafrta befreite ¿e—Tl (vgl. A. 156), der dann als Kommandant von Balätunüs in die
Gefangenschaft des Ibn al-Musaraf gefallen war, fand nun neuerlich seine Freiheit wieder;
vgl. Jahjä 268, 12—14 C’HEIKHO.
170 Mt /xvxxra bzw. AiítÓT«|iov war ein Ort mit großen kaiserlichen Domänen in der Nähe
von Phil imelion bzw. des Sees der Vierzig Märtyrer (heute Akçehir Gölü); vgl. R am.say
140f.
171 Der angesehene Patrikios Konstantinos Diogenes war durch seine Frau mit dem
Kaiserhaus verwandt und u. a. Dux von Thessalonike gewesen; später jedoch wurde er unter
dem Vorwurf des Hochverrats zum Mönch geschoren und inhaftiert — er dürfte der
Exponent der Anhänger Theodoras, der Tochter Konstantins VIII., gewesen sein. Vgl.
Skylitzes 352, 24f.; 376, 86—92 (»Kedrenos 461, 13—15; 487. 17—23); vgl. auch
ScHLfMBEKtiKR, Épopée III I20ff. ; Gl ILl.ANI), Recherches I 449.
Darstellung
101
fes auf H&lab und wollte seine Stellung zum byzantinischen Reich nicht
zuletzt auch seinen Gegnern gegenüber durch Verleihung einer Würde
hervorgehoben sehen. Den fotimidischen Gesandten schließlich ging es um
die Bedingungen für einen Friedensvertrag mit Byzanz172.
al-Hassftn b. al-Mufarri¿, der sich damals möglicherweise zum ersten
Mal in Konstantinopel aufhielt, erreichte bei Romanos III., daß den
Friedensbedingungen mit Ägypten das Ersuchen angefügt wurde, die
Garr&hiden in ihre früheren Besitzungen zu restituieren, wie sie unter alHftkim bestanden hatten. Dafür garantierte Romanos das künftige Wohl
verhalten al-Hass&ns, anderenfalls er der Ächtung und Bekämpfung verfal
len sollte. Nasr b. Ç&lih erlangte die gewünschte Auszeichnung als Beweis
des byzantinischen Schutzes, und zwar verkündete der Kaiser seinen
Gesandten in Gegenwart der Vertreter az-Z&hirs und der anderen Abord
nungen, daß er beschlossen habe, Nasr zum 7corrpixioç àvOÛTwrroç ßcorrj^173 zu
ernennen, und daß dieses Nahverhaltnis Beistand gegen jeden Angriff
einschließe174.
Die Bedingungen für einen Friedensvertrag mit Ägypten im eigent
lichen Sinne waren dreifacher Art. Der erste Komplex betraf den Kaiser als
Protektor des orthodoxen Christentums. Ihm sollte das Recht zustehen, die
172 Zum Zug des Romanos vgl. Skylitzes 385,39—51 ( * Kedrenos 498, 11—499, 2), s. a.
6540 M (beg. 1. September 1031); da jedoch Anfang 1032 bereits intensive diplomatische
Friedensfühler zwischen ad-Duzban und Niketas bestanden (vgl. o. S. 99f. mit A. 169), muß
der abgebrochene Zug des Kaisers in den Herbst 1031 fallen; umso melir. als Skylitzes zuvor
von dem — seiner Version nach im September 1031 erfolgten — Friedensschluß mit Halab
berichtet.
173 Patrikios Anthypatos Bestes (bei Jahjft 270, 16 CHKIKHO ist statt
offensicht
lich zu lesen
(¿vîVît:«™;]) galt damals sehr ranghoch — allerdings niedriger als
Magistros — und kam z.B. mehreren $oGxc<; bzw. XovoHctsi z u ; vgl. ÜIKOXOMIDKs 263, 21 :
294.
174 Jahjft 270. 10—18 CHEIKHO (betr. Nasr b. Sälih); ders. 271,4 —8 (betr. ftarr&hiden).
Widersprüchlich ist, was die Quellen über die Reisen von al-Hass&n b. al-Mufarrig nach
Konstantinopel mitteilen. Wenn Skylitzes 382, 59—383, 96 ( = Kedrenos 495. 1 —496, 18)
zwei Reisen angibt, die erste vor dem von ihm als 1. Zug des Theoktistos gezählten
Unternehmen und die zweite danach, so ist dieser Bericht mit Vorbehalten aufzunehmen
(vgl. in A. 161), da er zahlreiche sachliche Irrtümer enthält; auch betreffs der Anwesenheit
von lliv^apx/ (Ibn al-Garrah) beim Kaiser ist es bedenklich, daß Jahjft b. Sa*Td von einer oder
zwei Reisen zu diesem Zeitpunkt nichts erwähnt. Wohl aber könnte die von Jahjft 261,25
262, 3 CHKIKHo berichtete Reise von Ihn al-tiarrfths Sohn Allftf nach Konstantinopel (vgl.
o. S. 96 mit A. 161) der Hintergrund für die beiden von Skylitzes behaupteten des Ibn alCarrfth sein. Als dritte Reise nennt Skylitzes 388, 25—29 ( = Kedrenos 502, 5—9) jene, die
der Anwesenheit im Kreise der verschiedenen Gesandtschaften bei Jahjft 270, 7f. CHKIKHO
entsprechen wird; sie scheint also nach dem oben Gesagten vielmehr die erste Reise
darzustellen, und dazu würde Kekaumenos 302, 13—16 (130f. Bkck) passen, der gleichfalls
nur von einer Reise des \ \ - z ^
m
i t
ehrenvoller Aufnahme weiß.
102
Syrien und Phönikien
Grabeskirche in Jerusalem erneuern zu lassen*1
7
0
*176, sowie einen Patriarchen
dorthin zu entsenden170; darüber hinaus sollten die Christen im fotim idischen Machtbereich die zerstörten Kirchen wieder aufbauen dürfen1771
7
8
. In
zweiter Linie handelte es sich um den Status von Halab: W eil die jährliche
Abgabenpflicht als Ausdruck der byzantinischen Oberhoheit aufgefaßt wur
de, sollte die f&timidische Seite jegliche Feindseligkeit gegen Halab unter
lassen. Drittens wurde von az-Zähir die Einstellung der Unterstützung für
Sizilien und alle anderen Feinde des byzantinischen Reiches verlangt170.
Die Gegenleistung bestand darin, daß Romanos für die Wiederherstel
lung der Grabeskirche die Freilassung aller Gefangenen in Aussicht stellte,
die während seiner Regierung in den Kämpfen mit den Muslimen gemacht
worden waren. Außerdem bekräftigte der Kaiser, seinerseits keine Wider
sacher der Fätimiden unterstützen zu wollen; hiebei war die Rückführung
der Garrähiden von den eigentlichen Friedensbedingungen ausgenommen
und in ein zusätzliches dringliches Ersuchen des Kaisers gekleidet wor
den179. Zuletzt schlug Romanos III. noch eine Begradigung des Grenzver
laufes vor, wobei die byzantinische Festung Saizar180 gegen die im fctimidi-
175
Die Einigung von 418 H (beg. 11. Feber 1027) über den Wiederaufbau der Grabeskirche (vgl. o. S. 80 mit A. 115) hatte also keine praktischen Auswirkungen gezeigt, wie aus den
nunmehrigen Verhandlungen erhellt.
170 Ägypten sollte, was das postulierte Emennungsrecht für einen Patriarchen zeigt, das
Protektorat des byzantinischen Kaisers über die heiligen Stätten anerkennen; dieses Recht
galt für die Zukunft, weil der Patriarch Nikephoros seit 1020 (vgl. o. A.91) bis nach 1048
regierte (für diesen Zeitpunkt nennt ihn Wilhelm von Tyrus; vgl. Le QUIEN, Oriens
Christianus III. Paris 1740, 494f.).
177 Die Aussicht auf Wiederaufbau der zerstörten Kirchen weist darauf hin, daß Jahjä
244,4—7 Cheik HO (zur Mission des Patriarchen Nikephoros) nicht als Faktum, sondern als
Absichtserklärung Sittalmulks aufzufassen ist (vgl. o. A. 93).
178 Der seit 1019 regierende Emir Siziliens, al-Akhal, hatte die als ¿ihäd geltenden
Einfalle nach Unteritalien wieder aufgenommen (vgl. u. S. I98f. mit A. 28f. ; S. 202 mit
A.4I); weiters kam es 1032 zu Piratenstreifzügen in der Adria, die wohl den Kalbiten
Siziliens und den Zîrïden Nordafrikas zuzuweisen sind (vgl. u. S. 202f. mit A. 44f.) und daher
Ägypten als nominellem Oberherm aufgelastet wurden.
178 Für die byzantinische Politik war al-Hassän b. al-Mufarrig anscheinend nicht wichtig
genug, durch die Aufnahme seiner Wiederein Setzung unter die Friedensbedingungen den
ganzen Vertrag in Frage zu stellen; andererseits wollte man ihn und sein Anliegen doch
berücksichtigen und wählte daher den Weg eines Zusatzes, in der Form einer kaiserlichen
Demarche.
,H0 Saizar ist trotz seiner prekären Lage byzantinisch geblieben und den Muslimen erst
1081 während der Expansion der Selgüqen zugefallen. Seine Umgebung war seit je
muslimisch und wurde durch Salih b. Mirdäs um 1025 den später dort residierenden Banü
Munqid (mit damaligem Sitz Kafartäb) verliehen. Vgl. Hoxicmaxn 122: E I 1 IV 309 -311
(Hoxicmaxn): Z akkak 85f. 200.
Darstellung
103
sehen Machtbereich liegende Festung Af&mija hätte ausgetauscht werden
sollen.
Diese Vorstellungen der byzantinischen Seite fanden bei az-Z&hir ge
teilte Aufnahme. Den Bedingungen über die Zugeständnisse an die Chri
sten stimmte er gegen Freilassung der muslimischen Gefangenen zu;
ebenso der wechselseitigen Nichtunterstützung der Reichsfeinde. Hingegen
schien es az-Z&hir untragbar, mit Halab eine der bedeutendsten muslimi
schen Grenzfestungen dem byzantinischen Einfluß zu überlassen, weshalb
er vorschlug, Halab überhaupt aus dem angestrebten Vertrag auszuklammem. W eiters verweigerte er die Rückführung der Garrähiden ebenso wie
den Austausch von Afämija gegen Saizar. Romanos III. erklärte jedoch,
von den Bedingungen bezüglich Halabs nicht abzugehen und ohne Ein
schluß Halabs keinen Vertrag zu schließen. Daher kam überhaupt keine
Vereinbarung zu Stande; die beiderseitigen Korrespondenzen dauerten
aber fort und führten schließlich unter Michael IV. zum erstrebten Resul
ta t181.
Nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen strebte die byzanti
nische Politik eine Demonstration der eigenen Macht gegenüber Ägypten
an. Im Herbst 1033 oder dem darauffolgenden W inter ließ Romanos III.
die Garrähiden durch den Hetaireiarchen Theoktistos182 mit Heeresmacht
in das fätimidische Grenzgebiet Syriens zurückfuhren183*1
8
9
. Um die gleiche
Zeit richtete sich ein Flottenvorstoß gegen Ägypten selbst, wobei der
181 Der Gang der Verhandlungen bei JahjA 271, 11—23 CHEIKHO ; ihr Verlauf zeigt, daß
die byzantinische Position nach außen hin durch die Tätigkeit des Niketas und des Maniakes
bedeutend gestärkt worden war, sodaß Romanos zu keinen wesentlichen Zugeständnissen
bereit sein mußte. Skylitzes 387, 12—388, 19 ( = Kedrenos 504, 16—23) behauptet irrefüh
rend, Romanos III. sei an der Wiederherstellung der Grabeskirche nur durch seinen Tod
gehindert worden, und erblickt außerdem in deren Zerstörer "AÇioç statt al-H&kim irrig
dessen Vater al-Azlz.
182 Theoktistos wird von Skylitzes (vgl. A. 161) bereits im Zusammenhang mit den
byzantinischen Feldzügen gegen Musaraph irrig wie ein Oberkommandierender des Ostens
dargestellt, und auch zum vorliegenden Zeitpunkt kann dem Protospatharios bloß ein
beschränkter Sonderauftrag zugeschrieben werden. Den damaligen Kommandanten von
Antiocheia nennen die literarischen Quellen nicht, doch wäre denkbar, daß Theophylaktos
Dalassenos diese Funktion bekleidete. Ein Siegel bezeugt ihn als avOwcaToç, 7tarrpùuoç, ßcottjç
xai ftooÇWvTioxcta; ; es ist in Anbetracht seines cursus honorum am ehesten zwischen 1032
und 1034 zu datieren — sicherlich nicht vor 1021, wie LAURENT, Antioche 236 wollte; vgl.
S e is t , Bleisiegel 126. A.2; DERS., BZ 70 (1977) 585f. Vgl. auch o. A.71.
189 Die Rückführung der Garrähiden fehlt bei Jahjä (dessen nunmehrige Schlußpartie
bereits Lücken in der Überlieferung aufweist; vgl. u. A. 186; vgl. auch o. S. 28); Skylitzes
388, 28f. ( - Kedrenos 502,8f.) setzt sie auf6542 M (beg. I. September 1033), jedoch muß sie
vor dem Tod des Kaisers Romanos III. (11. April 1034) stattgefunden haben. Zu den
Hetairien vgl. o. A. 134.
104
Syrien and Pbônikien
Protosp&tharios Tekneas aus A bydos'M unversehrt am Nildelta vorb ei bis
gegen Alexandreia vorstieß und mit großer Beute an Schiffen und Sachw er
ten zurückgelangte1tó.
In die Zeit nach der Rückführung der Garràhiden durch T heoktiatos
muß dann die Besetzung von Aftm ija durch die Byzantiner gefallen sein.
Die Quellen schreiben diese Unternehmung keinem anderen als al-Hass&n
b. al-Mufarrig zu, der mit einem stattlichen Heer unter dem Kreuzesbanner
gegen die Festung zog, sie einnahm und plünderte, und die Einwohner in
die Gefangenschaft führte. Ein schwieriges Problem bildet die C hronologie,
weil die tradierte Festlegung auf 422 H (beg. 29. Dezember 1030) sachlich
unhaltbar ist; vielmehr dürfte auf das fortgeschrittene Jahr 1033 oder soga r
auf 1034 zu datieren sein"*.
Der Name Tekneas ist nicht byzantinisch: er begegnet ein weiteres Mal z. J. 1415 bei
einem Grundbesitzer auf Lemnos (Actes de Lavra, edd. P. L kmkrle — A. G l'lLL or— X .
S voronos —D. PAl\\uHRYssANTH«>t\ 111. Paris 1979. 168. Z.6). Sollte das Voiderglied m it
türkischem tekke (vgl. Morawsik II 303. s. v. Tcxir:) oder etwa mit geoigischem teka (eine
Art Filzjacke aus Lammwolle) zu verbinden sein? (Hinweis von \V. SEIBT). Z u seiner
Herkunft vgl. u. A. 185.
,Mr> Vgl. Skylitzes 388, 29—33 ( = Kedrenos 502. 9— 14). Die Formulierung betreffend
Tekneas ó è; Wy^yj konnte bedeuten, daß er Stratege von Abydos war, als er dieses
Sonderkommando erhielt: andernfalls handelt es sich um eine Herkunftsbezeichnung. —
Das durch seine Lage am Eingang der Dardanellen wichtige Abydos war nicht nur eine
bedeutende Zollstation, sondern zu dieser Zeit auch schon Sitz eines Strategen: vgl.
OIKONOMIDKS 260: SEIBT. Skleroi 42: AHRWEILER. Mer 133.
,H,i Die Besetzung Afämijas setzen Ihn al-Atlr IX 420 und danach Abu'l-Fidá* III 76f.
und al-Maqrizl. Fätimidengeschichte II 180. auf 422 H (beg. 29. Dezember 1030). Dies ist
deswegen unmöglich, weil nach Jahjä b. Sä' kI 271. 9 —23 ('HKIKHO in den byzantinisch*
ägyptischen Verhandlungen der Vorschlag eines Tausches zwischen dem byzantinischen
Saizar und dem fätimidischen Afämija eine Rolle spielte: diese Verhandlungen waren aber
erst nach der Einnahme von Bikisräll durch Byzanz (.Juli 1032) in Gang gekommen (Jahjä
268, 17—269. 15 C'HKlKHo). Ebenfalls nach Jahjä (261.7 262. 3 CHEIKHo) befand sich alHassän b. al-Mufarrig infolge des gescheiterten syrischen Feldzuges Romanos* III. in
großer Besorgnis vor ad-I)uzbarï und hielt sich in der liegend von Tadmur (Palmyra)
verl)oigen. bis er mit seinem Anhang auf byzantinisches Gebiet auswanderte. d. h. er konnte
damals nicht aufSeiten der Byzantiner tätig sein, was aber die Quellen voraussetzen. 432 H
(beg. 11. September 1040) war Afamija jedenfalls byzantinisch, vgl. u. S. 111 mit A. 203; da
aber 427 H (beg. 4. November 1035) der lang erstrebte byzantinisch-fatimidische Vertrag
abgeschlossen wurde (vgl. u. S. 107 mit A. 192), den man 437 H (beg. 19. Juli 1045) erneuer
te (vgl. u. S. 114 mit A. 210). fallt es schwer zu glauben, ein derart gravierendes Ereignis
wie die Besetzung Afamijas habe den laufenden Vertrag nicht außer Kraft gesetzt — zudem
käme man vom überlieferten Datum noch weiter ab. 427 H kam al-Hassän b. al-Mufarrig
den Byzantinern vor Edessa zu Hilfe (Ibn al-Atîr IX 449 s. a.) und ist kaum gleichzeitig in
Syrien tätig gewesen : zudem würde man dann beide Nachrichten an ein und derselben Stelle
bei Ibn al-Atlr erwarten - dies gilt auch fiir 426 H (beg. 16. November 1034), weil Ibn alAtír IX 444 s. a. (danach Abu'l-Fida III 82 s. a.) einen fehlgeschlagenen Zug der
Darstellung
105
Zur Abrundung des Gesamtbildes ist es noch nötig, eine Zusammenfas
sung der äußeren und inneren Verhältnisse Halaba bis in die Zeit
Michaels IV. zu geben. Sibladdaula Nagr b. $älih hat nach dem syrischen
Feldzug Romanos' III. und der folgenden byzantinischen Racheuntemehmung nicht nur einen Friedensschluß mit Byzanz erlangt, sondern auch das
Verhältnis zum Fätimidenreich zu verbessern gewußt. Eine Gesandtschaft
m it Ehrengaben aus der byzantinischen Kriegsbeute Nagrs an den F&timidenhof wurde zunächst jahrelang festgehalten (woraus auf die damals
ungelöste Problematik der gegenseitigen Beziehungen zu schließen ist).
Nach dem Tode az-Zfihirs (13. Juni 1036) schickte sie jedoch die Regent*
schaft für seinen Sohn al-Mustangir 428 H (beg. 26. Oktober 1036) mit
Ehrenkleidern, der Verleihung einer Reihe von Ehrentiteln und dem
Bescheid über die Belehnung Nagrs mit Halab und dem von ihm geforder
ten Hirn? in die Heimat zurück. Letzteres Zugeständnis sollte die Feind
schaft zwischen ad-Duzbarl und Na$r b. $älih vergrößern und wirkte
zugleich als Beschränkung des bei Hofe mißtrauisch angesehenen adDuzbarT*187. Schon in den letzten Zeiten az-Zähirs muß es aber zu einer
Einigung mit Nasr b. $älih gekommen sein, denn der einzige erhaltene
D inar Nasrs aus dem Jahre 427 H (beg. 4. November 1036) weist ihn durch
Nennung von Namen und Titel az-Zähirs als Bekenner des Britischen Islam
und der fatimidischen Oberhoheit aus188.
Im selben Jahr 423 H (beg. 16. Dezember 1031), als Nasr gemeinsam
m it Niketas die Drusen niederwarf, war Halab durch den Konflikt zwischen
Byzantiner gegen Halab als fur sich stehend berichtet. Mit gebotener Vorsicht dürfte daher
die Zeitspanne, innerhalb dererdie Annexioh stattfand, aufetwa Herbst 1033 bis Herbst 1034
zu begrenzen sein. Es spricht auch die innere Wahrscheinlichkeit dafür, in der Eroberung
von Afämija eine Folge der Rückführung al-Hassäns und der Garrähiden durch Theoktistos
— nicht nur zeitlich, sondern auch sachlich — zu erblicken. Die vereinten Kräfte des
Theoktistos und der Garrähiden dürften Afämija erobert haben, das nach der Plünderung
durch die letzteren in eine byzantinische Festung umgewandelt wurde. — Das Schweigen
Jabj&s zu dieser Frage erklärt sich daraus, daß sein Werk zwar bis zum Tod Romanos’ III.
erhalten ist, in den letzten Partien aber schon beträchtliche Lücken aufweist; so fehlen die
Rückführung der Garrähiden (vgl. A. 183) ebenso wie die Expedition des Tekneas gegen
Ägypten und das Ende der Amtszeit des XiketaB (vgl. A. 182).
187 Zur Gesandtschaft vgl. Kamäladdtn I 247, 7—248, 4; Ibn al-QalänisT 75; al-Maqrlzl,
F&timidengeschichte II 186. Die Zession von Hirns ging zu Lasten ad-Duzbaris, der auch
mit dem Wezir al-Gargarä'T verfeindet war (al-Maqrlzl a. (). ; Ibn al-Atlr IX 500, s. a. 433):
letzterer trachtete, die Stellung ad-Duzbans zu beschränken.
IM
MDer Dinar Nasrs trägt am Avers das sl'itische Glaubensformular und im Feld seinen
Ehrentitel ÍSibladdaula; am Revers neben Namen und Titel az-Zähirs den Namen des —
vermutlich mirdäsidischen - - Wezirs Abü Bakr Muhammad und das Prägejahr. Vgl.
CBAWKOKD, Halab 90f. ; ZaKKAK 127 vermutet Abü Bakr als Wezir, und nicht als
Thronfolger. Vgl. auch u. mit A. 191.
106
Syrien und Phönikien
Nasr und Sälim b. Mustaftd, dem Führer der ahdät (einer Art Stadt
miliz)
erschüttert worden. Sälim hatte einst durch seinen Abfall von den
Fätimiden die Einnahme Halabs für Sälih b. Mirdäs wesentlich erleichtert
und war deshalb von den Mirdäsiden in die Verwaltung der Stadt einge
setzt worden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sich Sälim zum Führer
derjenigen gemacht hatte, die mit der Byzanz gegenüber konzilianten
Politik Nasrs unzufrieden waren. Dies kann daraus gefolgert werden, daß
Nasr, als er sich, durch Intrigen veranlaßt, Sälims bemächtigt hatte, ihm
zunächst zusagte, sein Leben zu schonen; dann aber zog er den byzantini
schen Statthalter von Antiocheia zu Rate und ließ Sälim hierauf — unter
sophistischem Bruch des Versprechens — erdrosseln180.
Das enge Einvernehmen zwischen Nasr b. §älih und Byzanz geriet
426 H (beg. 16. November 1034) in eine Krise. Nachdem ein kaiserlicher
Beauftragter (appoonfc) vertrieben worden war, der anscheinend als politi
scher Vertreter in Halab das Wohlverhalten Nasrs gegenüber Byzanz
kontrollieren sollte, unternahmen die Byzantiner einen militärischen V or
stoß gegen Halab. Nasr b. Sälih lieferte ihnen jedoch ein Gefecht, das mit
der Flucht der Byzantiner endete ; er verfolgte sie noch bis A‘zäz und kehrte
mit viel Beute unversehrt zurück.
Im Interesse einer ausgewogenen Außenpolitik nahm Nasr b. Sälih
indes 428 H (beg. 25. Oktober 1036) mit Michael IV. brieflich Verbindung
auf und übersandte ihm den festgesetzten Jahresbetrag sowie Ehrengaben.
Es scheint, daß Nasr in dieser Zeit der bevorstehenden Übereinkunft
zwischen Ägypten und Byzanz durch betonte Wiederanlehnung an den
Kaiser Druck auf Ägypten ausüben wollte. Michael IV. bedeutete ihm aber,
mit der Regentschaft al-Mustansirs eine Verständigung zu erlangen, und es
folgte Nasrs oben genannte Investitur mit Halab und Hirns191.
,H* Über das Wesen der ahd&t und den politischen Hinteigrund vgl. CI. CAHEX,
Mouvements populaires et autonomismes urbains dans l’Asie Musulman du moyen âge.
Arabica 5 (1958) 239—242; ZAKKAR 259f.
100 Kam&laddîn I 249, 4—250, 2; al-AzTmT 168a (hier die Angabe über die Rücksprache
Nafra mit dem Statthalter von Antiocheia). Vermittelnde Verhandlungen waren durch die
Intrigen eines christlichen Schreibers Tilm& (Thomas) zunichte gemacht worden, der als
Emissär diente, jedoch alles, was er von Sälim zur Mitteilung erhielt, entstellt und mit
falschen Beschuldigungen an Nasr b. Sälih weitergab. S&lim wurde in seinem Haus belagert,
eigab sich dann aber gegen die Zusicherung Nafra, sein Blut nicht zu veigiefien ; deshalb
wurde er — in spitzfindiger Auslegung der Garantie — erdrosselt. Später erfuhr Nasr, dafi er
von Tfiraä getäuscht worden war; er ließ ihn gefangennehmen, sein Vermögen einziehen und
zuletzt hinrichten.
101 Das kriegerische Zwischenspiel Nafrs mit Byzanz: Skylitzes 396, 38—40 ( - Kedrenos 511, 21—23), s. a. 6543 M (beg. 1. September 1034); Ibn al-Atlr IX 444 (s. a. 426):
Abu’l-Fid&’ III 82 (s. a. 426). — Zur Person des byzantinischen Vertreten in Halab sowie
Darstellung
107
Damals war es bereits zu dem für Nasr wenig erwünschten Ausgleich
zwischen dem byzantinischen Reich und Ägypten gekommen. 427 H (beg.
4. November 1035) wurde der Friedensvertrag geschlossen, dessentwegen
unter Romanos III. so langwierig verhandelt worden war. Von den Bestim
mungen wird leider nur mitgeteilt, daß die Geltungsdauer 10 Jahre betrug,
und Michael IV. gegen Freilassung von 5000 muslimischen Kriegsgefange
nen nochmals die Zusicherung erhielt, die Grabeskirche in Jerusalem könne
unter seiner Mithilfe wiederhergestellt werden*l921
9
3
.
ln seinem Verhältnis zum fätimidischen Syrien hatte Nasr seit seiner
Investitur mit Hirns die besondere Feindschaft ad-DuzbarTs zu gewärtigen,
die noch durch Intrigen des verdrängten Statthalters von Hirns, Ga’far b.
Kulaid, geschürt wurde. Was zuletzt das Schicksal Nasrs entschied, war die
Tatsache, daß ad-DuzbarT von Michael IV. die Zustimmung dazu erlangte,
Nasr aus Halab zu vertreiben, wenn Byzanz die vereinbarte jährliche
Abgabe aus Halab gesichert bliebe. Daraus kann gefolgert werden, daß adDuzbarT, der einen zunehmend eigenständigen politischen Kurs verfolgte,
für Byzanz nunmehr geeigneter schien, dessen Interessen in Syrien zu
dienen, als die Mirdäsiden103.
auch zu der des Befehlshabers bei dem gescheiterten Vorstoß gegen Halab teilen die Quellen
nichts mit. Letzterer war vermutlich der Statthalter von Antiocheia, d. h. (Constantinos, ein
Bruder Michaels IV. (damals tixvt<rrpoç oder bereits npôc&poç), der 6543 M (beg. 1. September
1034) diese Stellung erhielt (Skylitzes 397, 58—60=Kedrenos 512, 19 —21), und zwar in
Nachfolge des Niketas, ebenfalls eines Bruders des Kaisers, der bald nach dem Amtsantritt
gestorben war (Skylitzes 393, 3f. = Kedrenos 510, 5f. ; vgl. auch L a I’ KKXT, Antioche 240 mit
A .4 ; S kibt , Bleisiegel 126). - - In die Zeit der Krise zwischen Byzanz und Nasr b. $älih fallt
dann auch die Prägung des oben (mit A. 188) erwähnten Dinars.
Neue Kontakte Nasrs mit Byzanz: al-MaqrTzl, Fátimidengeschichte II 186 (die a. O.
genannte Gesandtschaft Nasrs nach Kairo muß jene o. mit A. 187 behandelte sein).
192 Als Datum des Abschlusses geben Ihn al-Atïr IX 460 (s. a. 429) und Abu'1-Fidâ* III
96 sowie al-MaqrlzT, Fátimidengeschichte II 187 das Jahr 429 H an. Dagegen bieten Abu'lFarag, Chron. Syr. 236 B nrxs— K irsth = 196 B rooK ebenso wie al-Maqrlzî selbst in einer
Doublette a. O. das Jahr 427. Damit harmoniert, daß Skylitzes 399. 16 19 ( = Kedrenos
515, 9-—13) und danach Zonaras III 590, 13 — 16 das Abkommen auf 6544 M (beg.
1. September 1035) setzen: da aber laut Skylitzes der^Vicp. d. h. az-Zähir. gestorben war. so
muß dies nach dem 13. Juni 1036 fallen (vgl. auch DOm ; kk , Regesten 843). Die byzantini
schen Quellen behaupten irrig eine Laufzeit von 30 .fahren. Ferner sagt Jahjá 271, 21— 23
C h e IKHo . die Verhandlungen zwischen Romanos III. und az-Zähir (423 H) hätten w’egen
gegensätzlicher Auffassungen zu keinem Ergebnis geführt, bis unter Michael IV. die
Angelegenheit nach 3 1 2 Jahren zum gewünschten Ende kam. Dies bestätigt obige Datie
rung ebenso wüe die höchst wahrschein liehe Erneuerung des Abkommens nach Ablauf der 10
Jahre 437 H (vgl. u. A. 210 ).
193 Feindschaft ad-DuzbarTs: al-MaqrlzT, Fátimidengeschichte II 186. — Intrigen des
Ga'f&r b. Kulaid: KamäladdTn I 250, 5 -10. — Korrespondenz ad-Duzbarls mit Byzanz:
KamAladdln I 250. 11f. — ad-DuzbarT als eigene politische Größe: Er stand dem Ausgleich
108
Syrien und Phönikien
In dieser Lage hatte Nasr b. $älih weder von byzantinischer Seite H ilfe
gegen einen Angriff ad-DuzbarTs zu erwarten, noch von den beduinischen
Arabern, denn von letzteren konnte ad-Duzbarl die Tajj, die Kalb und
selbst einige der Kil&b, aus welchen die Mird&siden hervorgegangen waren,
für sich gewinnen. Deren Oberbefehl übertrug ad-Duzbarl an Bftfi' b. Abi’lLail, der wieder auf fätimidische Seite übeigetreten war; auch ’Alläf, der
Sohn von al-Hass&n b. al-Mufarrig, zeigte sich jetzt als Anhänger der
Fätimiden, indem er sich ad-Duzbarls Kriegszug anschloß. Die vereinte
Streitmacht rückte in Richtung auf Hamä vor; ihre Spitzen waren bereits in
den WädT al-mulük östlich vor ar-Rastan104 vorgestoßen, als Nasr erkann
te, daß eine Entscheidung nicht mehr zu umgehen sei, und mit seinen
Truppen nahe Salamijja105 Stellung bezog. Dort verlor er ein erstes Gefecht,
infolgedessen Hamä von ad-Duzbarï besetzt und ausgeplündert wurde.
Nasr zog nun alle verfügbaren Kräfte zusammen und rief auch SabTb b.
W attäb von Harrän, den Bruder seiner Frau, und seinen eigenen Bruder
Timäl b. §älih aus der Gazlra zu Hilfe. In der entscheidenden Auseinander
setzung bei Tall Fäs westlich von Latmln196 ergriff Timäl die Flucht, Nasr
aber leistete mit seinen Gefolgsleuten tapferen Widerstand, bis er — von
einer Lanze durchbohrt — vom Pferd stürzte. Dem tödlich Getroffenen
schlug einer das Haupt ab, welches ad-DuzbarT überbracht wurde
(15. Sa'bän 429 H [23. Mai 1038]). Der ägyptische Feldherr soll durch dieses
Ende Nasrs von tiefer Trauer erfüllt worden sein. Er befahl, den Leichnam
auf würdige Weise zu bestatten, der zunächst in der Moschee von Hamä
seine Ruhestätte fand. Als Muqallid b. Kämil 440 H (beg. 17. Juni 1048)
Hamä wieder den Fätimiden entriß, wurde Nasr b. Sälih in die Zitadelle
von Halab überführt und dort beigesetzt197.
Nach Nasrs Tod wagten Timäl b. Sälih und Sabïb b. W attäb nicht mehr,
Halab zu verteidigen, da ihnen die Ägypter unter Tughän al-Muzaffarl
Nasrs mit der fatimidischen Regierung ablehnend gegenüber, andererseits war ad-Duzbarls
Politik in Syrien dem Wezir al-öargara 1 seit langem unerwünscht, was schließlich zu adDuzbarTs Sturz fuhren sollte. Vgl. al-Maqrlzl, Fätimidengeschichte II 186; Ibn al-Atlr IX
500 (s. a. 433). Siehe auch o. S. 105 mit A. 187 : u. S. 112f. mit A. 205. 206.
,,,, ai-Pastan (das antike Aivthusa) war ein wichtiger Straßenknoten zwischen Hamä
und Hirns am Orontes: vgl. Caxakp , Hanulanides 208: L k Stran<;K, Palestine 519f.
iKt Salamijja (das antike SalaminiAs) am Rande der Steppe in noch fruchtbarer Land
schaft etwa 55 km nordöstlich von Hirns gelegen, war gleichfalls wichtiger Straßenknoten.
Vgl. ( VAXARI), Hamdanides 212: K I XIV lOOf. (K r a m k r s ).
MHi Latmln ist zwischen Ma'arrat an-Nu'män und Hamä gelegen; vgl. Drss.U'l) 207f.
222: (\AHKN, Syrie 163: L k Stk a xisk , Palestine 493.
11,7 Kamâladdîn I 250, 3 -252, 6; 265, 9— 12; al-Maqrlzl, Fátimidengeseliiehte II I86f. :
Ibn al-Qalänisl 75. 78f. ; al-Azïml 168b —169b; Ihn al-Atïr IX 500 (s. a. 433); Ihn Haldün
IV 583; Al-Makïn 269; Ihn Abi l-Haigá' 123b -124a; al-Ainï IX 578: MunaggimbâsT 328b.
Darstellung
109
folgten, sondern zogen, begleitet von den Söhnen Nasrs, dessen Frau(und
Sablbs Schwester) 'Alawijja as-Sajjida, und mit möglichst viel Geld und
Sachwerten in die Gazlra ab. Während die Zitadelle von Muqallid b. Kftmil
besetzt blieb, griffen in der herrenlosen Stadt Ausschreitungen und Plünde
rungen um sich, in denen selbst ein zuvor angekommener byzantinischer
Gesandter seines Gepäcks verlustig ging. Währenddessen rückten die
Ägypter vor die Stadt, welche vor Tughän al-MuzaffarT kapitulierte, und
bald darauf traf auch ad-DuzbarT ein. Mit ihm begann Muqallid b. Kämil
Unterhandlungen; weil sich ad-DuzbarT großzügig zeigte und bei freiem
Abzug noch die Mitnahme von 80.000 Dinaren und beliebig vielen Sachwert
ten von der Zitadelle zugestand, übergab Muqallid b. Kämil am 24. oder 26.
Ramad&n 429 H (30. Juni bzw. 1. Juli 1038) die Festung und verließ tags
darauf Halab; als Ziel hatte er die Gazlra, wohin bereits Timftl b. $&Hh
vorausgezogen war.
ad-DuzbarT erwies sich den Stadtbewohnern gegenüber milde und be
fahl, alles durch die Mirdäsiden beschlagnahmte Eigentum den Besitzern
zurückzustellen. Stadt und Festung übertrug er seinen Mamhiken, erstere
dem Bangütakln, letztere gemeinsam an Fätik und Sabüktakln. Nach
Ordnung der Verhältnisse unternahm ad-DuzbarT noch einen Vorstoß gegen
B&lis und Manbig, die ebenfalls genommen wurden; lediglich ar-Rahba
konnte er Timäl b. Sälih nicht entreißen. Nachdem er das Fastenbrechen
('Id al-fitr, 10. Du’l-Higèa [13. September]) noch in Halab gefeiert hatte,
kehrte er nach Damaskus zurück198.
SabTb b. W attäb ließ sich in dieser Zeit das Wohlwollen ad-DuzbarTs
durch kostbare Geschenke angelegen sein, die er von seiner Tochter NafTsa
al-Awrä’ dem neuen Machthaber Halaba überbringen ließ199. Auch von
Seiten der Garrähiden brauchte ad-DuzbarT vermutlich mit keiner Störung
zu rechnen, denn in die Jahre seiner Herrschaft in Halab dürfte ein*1
7
,M KamäladdTn I 265, 1—258, 14; al-MaqrTzT, Fätimidengeschichte II 187; al-Aztml
189b; Ibn al-QalänisT 76. 78; Ibn Abi’l-Haigfi' 124a; ad-Dahabl (Hs. Brit. Mus. Or. 49)
171 f.; al-Makln 289. Zu kleineren Unstimmigkeiten innerhalb der Quellen vgl. ZAKKAR 133,
A. 5. — Von der Mission des byzantinischen Gesandten wird nichts weiter gesagt; ob er
etwa zwischen den Mirdftsiden und ad-DuzbarT nun doch vermitteln sollte, aber zu spät
kam?
IW Nach dem Bericht eines von ihm als vertrauenswürdig angesehenen Halabiners gibt
al-QädT ar-RäsTd (§ 106) folgende Einzelheiten über die Ehrengaben: ein silberner Tisch im
Gewicht von 130 halabinischen rati (I ratl hatte im II. Jh. in Halab 1,5kg; vgl. H inz 30);
der Loros des Kaisers Romanos III., den Nasr b. Sälih auf dem syrischen Feldzug des
Jahres 1030 erbeutet hatte (vgl. dazu o. S.88 mit A. 138); 50 armenische Sklaven auf
ebensovielen gesattelten und gezäumten Pferden; an Musikinstrumenten 1000 Trompeten,
800 silberne Pfeifen, 300 kleine, silberne Hörner; 300 Pferde, davon 30 mit silberbeschlagenen Sätteln; achliefilich an Spezereien Kampfer und Amber, und an Edelsteinen Smaragde.
110
Syrien and Phónikien
zweijähriger Zwangsaufenthalt von al-Hass&n b. al-Mufarrig in K onstantinopel fallen, nachdem er sich die kaiserliche Ungnade zugezogen hatte2900.
Timftl b. Sálih blieb daher in der Gazlra, und als 431 H (beg. 23. September
1039) Sablb b. W attäb starb, heiratete er dessen Schwester. Xasrs W itwe,
as-Sajjida, und übernahm ar-Räfiqa und ar-Raqqa. die bisher numairidisch
gewesen waren25,1.
Ungeachtet des 1036 erneuerten byzantinisch-ägyptischen Vertrages
und im Gegensatz zur Annäherung ad-DuzbarTs an Byzanz, als er die
Vertreibung der Mirdäsiden aus Halab beabsichtigte, kam es wahrscheinlich
432 H (beg. 11. September 1040) wieder zu einem Zusammenstoß byzanti
nischer und fatimidischer Truppen. Die teils verworrenen Angaben der
Quellen lassen sich am besten in dem Sinne verstehen, daß damals eine
Schar der Kil&b plündernd in das byzantinische Gebiet von Aföm ija
eingedrungen war. Die Byzantiner fugten ihnen große Verluste zu und
trieben sie in die Flucht. Im Gefolge dieser Ereignisse dürften dann auch
fttimidische Truppen unter Tughän al-Muzaffar! bei Afamija und Arma*** al-Hassän b. al-Mufarrig ist im Herbat oder Winter 1033 durch die Byzantiner nach
Syrien zurüekgeftihrt worden (vgl. o. S. 103 mit A. 183): 427 H (beg. 4. November 1035) kam
erden in Edeasa bedrängten Byzantinern zu Hilfe (Ibn al-Atlr IX 448f. [s. a. 427]; vgl. u.
S. 149). Die von Kekaumenoa, Strategikon 302, 16—27 ( = 130f. B e c k ) erwähnte Reise, auf
der al-Hassän in Ungnade fiel, nachdem er (302, 13—16) ein erstes Mal sehr ehrenvoll
aufgenommen worden war (vgl. o. A. 174). kann also kaum eine Konfinierung in den Jahren
1033—1035 nach sich gezogen haben, da diese unmittelbar auf seine Rückführung nach
Syrien hätte folgen müssen: damals stand al-Hassän doch beim Kaiser in Gunst und
schwerlich wäre er hinterher den Byzantinern vor Edesaa behilflich gewesen. 427 H (jedoch
nach dem 13. Juni 1036; vgl. o. A. 192) wurde der Friedenavertrag zwischen Ägypten und
Byzanz erneuert. Sehr wahrscheinlich war al-Hassän b. al-Mufarrig nicht gewillt, sich
diesem Ausgleich der beiden Mächte unterzuordnen; zu diesem Zeitpunkt hätte man ihn
aber wegen seiner neuliehen Verdienste vor Edessa kaum so schnöde behandelt, und zudem
hatte er damals keinen zwingenden Grund, überhaupt nach Konstantinopel zu kommen.
Anders liegt die Sache nach der Unterwerfung Halabs und Xordsyriens durch ad-Duzbarl i.
J. 1038. Damals kann al-Hassän sehr wohl, von ad-DuzbarT verdrängt, nach Konstantinopel
geflohen sein und dort die Ungnade der byzantinischen Regierung erfahren haben, die zuvor
auch Nasr b. Sälih zugunsten ad-Duzbaris hatte fallen lassen (vgl. o. S. 107 mit A. 193). Da
es höchstwahrscheinlich 432 H (beg. 11. September 1040) wieder zu Kämpfen zwischen
byzantinischen und fätimidischen Truppen an der syrischen Grenze kam (vgl. u. S. 111 mit
A. 203) und al-Hassän 433 H (beg. 31. August 1041 ) nach dem Tode ad-Duzbarls unverzüg
lich wieder aktiv in die Verhältnisse Syriens eingriff (Ibn al-Atlr IX 502 [s. a. 433]), dürfte
er im Zusammenhang mit den Verwicklungen von 432 H freigelassen worden sein, sodaß
sein Zwangsaufenthalt in Konstantinopel wohl auf 1038— 1040 zu datieren ist.
201
Kamàladdln I 258,9—259, 2; Ibn Saddäd (Hs. Berlin 9800) 14b. 23b. 31 a. Vgl. auch
R ice , Harrän 80. — ar-Räfiqa liegt am Euphrat nahe Raqqa, zu dessen Sicherung der
Chalife al-Mansür diese Garnison anlegen ließ, die später Raqqa überflügelte. Vgl. Le
St r a n g e , Eastern Caliphate 101 f. ; C a n a r d , Hamdanides 90f.
Darstellung
111
n&z*02 durch den Domestikos der Scholen des Ostens, Konstantinos (einen
Bruder Michaels IV.), geschlagen worden sein.
Der Statthalter ad-DuzbarTs in der Stadt Halab, BangütakTn, rechnete
offenbar mit weiteren Auseinandersetzungen, da er die christlichen Kauf
leute aus Halab verwies und vom Statthalter Antiocheias die Entlassung
der muslimischen Kaufleute verlangte. Sein Emissär erreichte dort jedoch
nichts und mußte froh sein, heil davonzukommen. Sobald ad-DuzbarT von
der Lage erfahren hatte, brach er eiligst von Damaskus auf, um einen
Zeitvorsprung zu gewinnen; doch traf er zwischen Hamft und Afömija
bereits auf byzantinische Truppen, die ebenfalls in größter Schnelligkeit
vorgestoßen waren. Es entspann sich ein heftiges Gefecht, aus dem sich die
Byzantiner unter Verlusten zurückzogen, nachdem ein Cousin des Kaisers
in Gefangenschaft geraten war, und ein hochgestellter Eunuch sein Leben
verloren hatte. Der Verwandte des Kaisers mußte gegen angemessenes
Lösegeld und eine Anzahl muslimischer Gefangener freigekauft werden2
003.
202 Das von al-MaqrTzT (vgl. A.203) genannte Armanäz liegt zwischen Halab und dem
Orontes — nahe dem letzteren — in den Gebirgsausläufern. Vgl. CAHEN, Syrie 153;
C a n a r d , Hamdanides 217.
203 Unter 432 H behandeln diese Ereignisse Ibn al-Atlr IX 491 f. ; al-MaqrtzT, Fätimidengeschichte II 188; Abu’l-Farag, Chron. Syr. 239 B runs — K irsch = 199 B u d g e , alMaqrTzT behauptet irreführend, in diesem Jahre habe der Kaiser den Vertrag gebrochen und
sei gegen Afömija vorgerückt; ähnlich äußert sich Abu’l-Farag. Dieses war aber bereits
byzantinisch (vgl. o. A. 186). Jedoch gibt al-MaqrîzT nach dieser Einleitung aus einer
anderen, umfangreicheren Quelle die Motivation durch Plünderungen der Kiläb im Gebiet
von Afömija, die Niederlage der fttimidischen Truppen und ad-DuzbarTs Gegenzug. Damit
stimmt Ibn al-Atlr überein, nur daß er — ebenso wie al-MaqrlzT in dessen Einleitung —
glauben macht, es habe ein Zusammenhang dieser Ereignisse mit den zwischen Timäl b.
Çàlih und Byzanz wegen eines Verkaufes von ar-Raqqa geknüpften Kontakten bestanden.
Kamäladdln I 258, 15—259, 1 dagegen berichtet als einziger den Zusammenstoß unter
dem Jahr 431 H, was wenig Glauben verdient. Anders steht es mit den Führern auf beiden
Seiten. Tughän al-MuçaffarT ist dadurch bekannt, daß er im Krieg ad-DuzbarTs gegen die
Mirdäsiden 1038 eine wichtige Rolle spielte (vgl. o. S. I08f. mit A. 198); der byzantinische
Befehlshaber, welcher die fötimidischen Truppen schlug, erscheint bei ihm als
(ftotxtcmxo;)- Nach Skylitzes 399, 22ff. ( = Kedrenos 515, 16—516, I) wurde der Statthalter
Antiocheias, Konstantinos (vgl. o. A. 191), nachdem er 1037 Edessa gegen einen Angriff der
Muslime zu Hilfe gekommen war, zum Domestikos der Scholen des Ostens ernannt. Er blieb
aber weiterhin — zumindest eine Zeit lang — auch Statthalter von Antiocheia. Vgl. SEIHT,
Bleisiegel, Nr. 35; vgl. auch u. S. 150, A. 51.
Mit großer Skepsis muß die nur von Ibn Abi’d-Dam (Hs. Bodl. Marsh 60) 129a
aufgestellte Behauptung aufgenommen werden, 432 H habe ad-DuzbarT Versorgungsgüter
für Halab nach Antiocheia geschickt, von wo sie auf Kamelen nach Halab geschafft wurden.
Das wäre eine — jedenfalls für diesen Zeitpunkt — sehr unwahrscheinliche Kooperation adDuzbarTs mit dem byzantinischen Reich gewesen.
112
Syrien und Phönikien
Damals schickten die Mirdäsiden Tim&l b. $&lih und Muqallid b. K&mil
in ihrer Besorgnis, ad-Duzbarl könnte sie auch aus ar-Raqqa vertreiben,
Ehrengaben an Michael IV ., um dessen wohlwollende Unterstützung zu
erlangen. Wenn der Kaiser wirklich verlangte, sie sollten ihm ar-Raqqa
verkaufen, mag darin die Besorgnis liegen, daß die Mirdftsiden im Ernstfall
ad-DuzbarT nicht gewachsen sein würden; in ähnlicher Weise hatte
Romanos III. seinerzeit den Verkauf Halabs durch die Mirdftsiden ange
strebt. Zwar befand sich ad-DuzbarT infolge seines damaligen schlechten
Verhältnisses zu Byzanz nicht in der Lage, auch gegen ar-Raqqa vorzuge
hen, doch genügten seine brieflichen Drohungen an die Mirdftsiden, daß sie
unter manchen Entschuldigungen die Dinge in Abrede zu stellen bestrebt
waren204.
So zeigte sich auch die ffttimidische Herrschaft in Syrien durch die
Verdienste ad-DuzbarTs mächtig ausgeweitet und gefestigt; dieser dachte
jedoch in erster Linie an seine persönliche Macht, und der ffttimidische
Wezir Abu’l-Qftsim al-GargarftT wird — abgesehen von seiner Abneigung
gegen ad-DuzbarT — nicht völlig grundlos befurchtet haben, er könnte sich
zum selbständigen Machthaber aufwerfen und Syrien den Ffttimiden ent
reißen205. Sowohl die Eroberung Halabs als auch die Investitur ad-DuzbarTs
mit dieser Stadt durch al-Mustansir waren gegen den Willen al-Gar^aräls
geschehen. Als sich 433 H (beg. 31. August 1041) Angehörige der Truppen
von Damaskus nach Kairo begaben und bei al-Gargsrft*T ihrem Mißmut
gegen ad-DuzbarT Ausdruck verliehen, sah der Wezir die Gelegenheit
gekommen, den mißliebigen syrischen Statthalter zu stürzen. Er schickte
die Petenten nach Damaskus zurück und beauftragte sie, im Heer gegen
ad-DuzbarT zu agitieren ; außerdem schrieb er an alle Unterstatthalter adDuzbarTs und entband sie vom Gehorsam gegen ihn. Darüber hinaus
erwirkte er von al-Mustansir die Investitur von Timftl b. Sälih mit Halab.
Es genügt hier, als Resultat festzuhalten, daß ein Großteil des Heeres
in Damaskus gegen ad-DuzbarT Stellung nahm, sodaß dieser sich nicht mehr
halten konnte und mit wenigen Getreuen, lediglich von Muqallid b. Munqid
von Kafartäb mit 2000 Mann geschützt, im RabT* II 433 H (beg. 28. No
vember 1041) nach Halab floh. Von Kummer und bald auch durch Krank
heit zermürbt, starb er hier bald hernach am 15. Gumädä I 433*(10. Januar
204
Die Mirdisiden und Byzanz: Ibn ai-Atir IX 491 (a. a. 432); al-Maqrfeî, Fâtimidengeschichte II 188; aKAzIml 170b. Zum vormaligen Verkaufsplan des Kaisers für Halab vgl. o.
S.82f. mit A. 121.
204 Zur Biographie al-Car$ar&'ls vgl. EV III823, s. v. al-Mustansir (GlBB—KRAUS); EI*
II462, s. v. al-Djardjaràî 4 (Soi’KDEL). Seine Gegenerschafl zu ad-I)uzbari : vgl. o. S. 105
mit A. 187.
Darstellung
113
1042), wo er auch beigesetzt wurde, bis er 448 H (beg. 21. März 1056) in
Jerusalem seine letzte Ruhe fand. Das Andenken dieses bedeutenden
Mannes blieb bei der Nachwelt lebendig; noch Jahrhunderte später wurde
er als „tapfer und tatkräftig, angesehen und untadelig in seiner Regierung“
gerühmt, als „Züchtiger der Beduinen, Vernichter der Rebellen und so
vorzüglich in seiner Verwaltung, daß alle Wege in seinen Tagen sicher
waren“ *06.
Der Tod ad-Duzbarls hatte das letzte Hindernis für die Wiederherstel
lung der miidäsidischen Herrschaft über Halab beseitigt. Timäl und Muqallid waren zwar zunächst genötigt, sich vorübergehend gegen Qinnasrln
zurückzuziehen, doch bald wurden sie von den Halabinem selbst, die sich
mit den ägyptischen Truppen entzweit hatten, herbeigerufen. Am 28. Gumädä I I 433 H (22. Feber 1042) übergab Bangûtakîn die Stadt an Muqallid
b. Kämil, und tags darauf hielt Timäl b. Sälih seinen Einzug. Die Zitadelle
unter S&buktakln hielt sich noch — nach der wahrscheinlicheren Tradition
— mehr als sieben Monate bis Mitte §afar 434 H (4. Oktober 1042), und
konnte erst infolge Krankheit unter den Belagerten zur Kapitulation
gebracht werden. SabuktakTn wurde die Mitnahme beträchtlicher Geldmit
tel fur sich und die Erben ad-DuzbarTs gestattet, und alle Verteidiger
erhielten freien Abzug. Damit war die mirdäsküsche Restauration in Halab
abgeschlossen*07.
Noch während der Belagerung der Zitadelle erwirkte Timäl b. Çâlih
durch eine Gesandtschaft auch die Regelung des Verhältnisses zu Byzanz.
Er veipflichtete sich, jährlich jene Abgaben zu leisten, die auch sein Bruder
Naçr gemäß dem 1031 geschlossenen Vertrag erstattet hatte. Dafür erhielt
Timäl den Rang eines (iáyioTpo; samt dem entsprechenden Ehrensold;
Muqallid b. Kämil wurde ßecrapxijs; §älih b. Timäl, ManT* b. Muqallid,
Mahmüd b. Nasr b. $älih sowie die Brüder Timäls, ’Atijja und Hasan,
erlangten die Würde von narpixioi; ihnen allen wurden über den jeweils
entsprechenden Ehrensold hinaus noch beachtliche Geschenke zu ihrer
Ernennung übermittelt. Timäl, der von Zoe und Theodora, die damals die
106 Das Lob ad-Duzbarls bei Ibn Taghrlbiidl I I 197, 15ff. — Der Sturz ad-DuzbarTs: Ibn
al-Atlr IX 500f. (s. a. 433); Abu’l-Fidi’ III 114; Ibn Ualdün IV 583f.; al-Maqrlzl,
Fttimidengeschichte I I 188; al-'Azlml 170b; KamAladdbt I 259, 2—260, 11 ; Ibn al-QalAnisl
76—79; Ibn Abi’l-Haig&' 123b—124a; ad-Qahabl (Hs. Brit. Mus. Or. 49) 171b—172a;
Muna¿gimb&6l 328b.
*” Ibn al-Atlr IX 501 (s. a. 433); Ibn Baldfln IV 130. 584; al-Maqrlzl, F&timidengeachichte I I 189; Kamlladdln I 260,12—262,7; al-'Azlml 170b—171 b; al-Makln 269; Ibn alGauzl V III115; Ibn Abi’l-HaigA’ 125a; al-'Ainl IX 578f.; Ilm Abid-Dam 129a; Munaggirobiél 328b.
114
Syrien und Phönikien
kaiserliche Gewalt ausübten, Hilfe und Beistand erbeten hatte, konnte
nunmehr auf byzantinischen Schutz rechnen208*.
Konstantin IX . Monomachos, der nach seiner Heirat mit Zoe die
Regierung übernahm (11. Juni 1042), hat die militärische Kraft des Reiches
bedenklich geschwächt; in der Außenpolitik zeigte er sich vornehmlich um
die Wahrung des Friedens bemüht, und hiefur stand ihm eine gut arbeiten
de Diplomatie zu Gebote. Diese verstand es in den früheren Regierungsjah
ren Konstantins IX ., sowohl mit dem 'Abbäsidenchalifat von Baghdäd
(bzw. dessen büjidischen Protektoren) korrekte Beziehungen zu pflegen, als
auch mit dem Fätimidenchalifat das vertraglich geregelte Verhältnis zu
wahren, ohne daß hiebei die byzantinische Stellung gegenüber Halab eine
Änderung erfuhr.
Als der Zirkle Mu'izz b. Bädis die Unterstellung Nordafrikas unter
f&timidische Oberherrschaft zugunsten der Anerkennung des 'abbäsidischen
Chalifen al-Qä’im abschaffte, ließ ihm dieser vermutlich im Jahr 435 H (beg.
10. August 1043) auf dem Weg über Konstantinopel Ehrenkleider übersen
den200. Andererseits war im Jahre 437 H (beg. 19. Juli 1045) die Erneue
rung des 427 H (beg. 4. November 1035) geschlossenen Abkommens mit
den Fätimiden fällig. Wie wichtig der byzantinischen Regierung diese
Angelegenheit war, zeigt sich in den äußerst prächtigen Geschenken, die
eine Gesandtschaft nach vorausgegangener Korrespondenz dem Chalifen
al-Mustansir nach Kairo überbrachte. Es soll die aufwendigste Gesandt
schaft gewesen sein, die jemals von byzantinischer Seite nach Ägypten
gelangt war, und ihr W ert wird mit 30 Zentner Gold oder 300.000 Dinaren
angegeben210.
208 Vgl. Kamäladdln I 262, 11—263, 5; er nennt als Regentin nur Theodora, doch übte
diese die kaiserliche Gewalt gemeinsam mit Zoe aus, und zwar vom 21. April bis 11. Juni
1042 (SCHREINER, Kleinchroniken II I46f.). — Nichteunuchen stiegen in dieser Zeit von
Bestes über Bestarches zum Magistros auf; die Rangstufe Bestarches war zunächst
Eunuchen Vorbehalten, jedoch erhielten sie ab dem 4. Jahrzehnt des 11. Jh. auch Nichteunu
chen — so wie hier. Vgl. O ik o x o m id è s 299f.
208 al-MaqrTzT, Fätimidengeachichte I I 190, datiert die Abschaffung der Obödienz gegen
über den Fätimiden durch Mu'izz b. Bädis und die Sendung der Ehrenkleider auf 435 H ; a.
O. II 212f. gibt er indirekt hiefur aber 441 H (beg. 5. Juni 1049) an, wenn er unter 442 H die
Unbotmäßigkeit des al-Mu*izz als Neuigkeit erscheinen läßt. Jedoch setzt auch Ibn al-Atlr
IX 521 f. die Abschaffung auf 435 H ; die Einführung des Kanzelgebetes für die 'Abbäsiden
verlegen Ibn al-Atlr IX 566 (s. a. 442) und Ibn Baldün IV 130 auf 440 H (beg. 16. Juni
1048).
210 Vgl. vornehmlich al-Qädl ar-Rasld $ 82 und (daraus gekürzt) al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 194. Beide geben als Datum 437 H, ersterer ausdrücklich mit Angabe der
neuen Laufzeit bis 447 H, sodaß die Angabe bei Ibn al-Atlr IX 541 (s. a. 439) von 439 auf
Darstellung
115
AU Hindernis für die ausgeglichenen byzantinisch-ftfcimidischen Bezie
hungen erwies sich allerdings nach einiger Zeit wieder die Entwicklung in
Halab, wo sich Timäl b. Sftlih den Fätimiden zunehmend entfremdete. In
Widerspruch zu den Bedingungen anläßlich seiner Einsetzung behielt er
einen Teil der Schätze zurück, die in der Zitadelle vorgefunden worden
waren, und leistete auch nur einige Zeit die vereinbarte Zahlung von
jährlich 20.000 Dinaren an den fätimidischen Hof.
Der seinerzeit als Intrigant gegen Nasr b. §älih hervorgetretene Statt
halter von Hirns, Sugä'addaula Ga'far b. Kulaid, zeigte sich neuerlich als
Feind der Mirdäsiden und wurde schließlich 440 H (beg. 17. Juni 1048)
zusammen mit Abu 'Abdalläh Näsiraddaula b. Hamdän (der in Nachfolge
ad-Duzbarls Statthalter von Damaskus geworden war) gegen Halab ge
schickt211. Einen Ausfall der Halabiner schlug er unter großen Verlusten
fur diese zurück; als er jedoch sein Lager in ÇaldT, einem kleinen D orf der
Umgebung, aufschlug, brach auf dem vorbeifließenden Quwaiq eine durch
plötzlichen Regen verursachte Flutwelle herein, die dem Heer große Ver
luste zufügte. Näsiraddaula zog fluchtartig nach Damaskus ab und wurde
dann unter Bewachung nach Ägypten zurückgebracht. Vermittlungsversu
che Timäls am Fätimidenhof schlugen einerseits durch die undurchsichtige
Haltung des Wezirs Abu’l-Barakät fehl, andererseits war es inzwischen
auch zu einem Gefecht bei Kafartäb zwischen Muqallid b. Kämil und
437 H zu verbessern ist. Auch wurde das auslaufende Abkommen so gut wie sicher 427 H
und nicht 429 H abgeschlossen; vgl. o. A. 192.
Vielleicht gehört in die vorangehende Korrespondenz jene von Psellos mißbilligte
Verbindlichkeit des Kaisers gegenüber al-Mustan?ir, so daß Psellos laut eigener Behauptung
die Schreiben schärfer stilisierte, bis Konstantin IX. seine Briefe selbst diktierte; vgl.
Psellos VI 190 (II 64 R). Ein solches Vorgehen des Psellos scheint allerdings erst zu
späterer Zeit denkbar, nicht in den Anfängen seiner Laufbahn; DOlger, Regesten 881
schenkt dieser Voigangsweise wohl zuviel Glauben.
An Einzelheiten unter den Ehrengaben nennt al-Q&dT ar-Rasld: 100 silberbeschlagene
Kisten mit goldenen, durch Schmelzfluß aus Glas verzierten Gefäßen, ebenfalls 100 an der
Zahl; weiters befanden sich unter dem Inhalt 1000 Gewänder aus Brokat, purpurgefärbte
und golddurchwirkte Gürtel, goldbestickte Turbane, Schleier, sowie Tücher aus Brokat, in
welche die Gewänder eingeschlagen waren. Geführt wurden diese Kostbarkeiten auf 50
Maultieren, denen weitere 150 ausgesuchte Maultiere und Pferde voranzogen; sie waren
sämtlich mit Decken aus Seidenbrokat geschmückt. Die Begleitung bildeten 200 aus
byzantinischer Kriegsgefangenschaft entlassene Männer. Als Gegengabe erhielt Konstan
tin IX. Juwelen, Moschus, Aloe und Stickereien aus TinnlS und Damiette, von denen
behauptet wird, daß sie die byzantinischen Geschenke an Wert noch übertroffen hätten.
*" Sugä'addaula war 1036 zugunsten von Naçr b. Säiih der Statthalterschaft in Hirns
entsetzt worden, vgl. o. S. 105ff mit A. 187 u. 193. Näsiraddaula b. Hamdän ist vor allem
durch seine maßgebliche Rolle als Kommandant der türirischen Söldner während des
Aufstandes gegen al-Mustanpir bekannt; vgl. E I' III 830, s. v. al-Mustansir (Gibb—
K r a u s ); L a n e -P o o l e , Egypt I46ff.
116
Syrien und Phönikien
Sugä'addaula Ca'far b. Kulaid gekommen, bei dem letzterer in die Flucht
getrieben wurde und fiel; danach besetzte Muqallid b. Kfimil auch Hamä
und Himç212.
Im folgenden Frühjahr entsandte al-Mustansir ein Heer von angeblich
30.000 Mann unter dem Emir Abu’l-Fadl Rifq, der zum Statthalter von
Damaskus ernannt wurde, nach Syrien zum Krieg gegen Timäl b. $&lih.
Dieser hatte aber die Unterstützung von Byzanz, und ein Emissär des
Kaisers begab sich zu Rifq in dessen Lager bei Ramla, um auf die
fätimidische Haltung mäßigend einzuwirken. Dennoch nahm der Feldzug
seinen Fortgang; Konstantin IX . wurde jedoch der Unterstützung Timäls
deshalb enthoben, weil das Unternehmen Rifqs völlig mißlang. Die schlech
te Stimmung im Heer, dauernde Umtriebe der Beduinen und ein (ange
sichts widerstrebender Meinungen) ganz unentschlossener Führer — dies
alles bewirkte, daß Rifq beim ersten Zusammenstoß von seinen Truppen im
Stich gelassen wurde. Und während ein Reitertrupp Timäls mit Leichtig
keit unter den abziehenden Ägyptern große Beute machte, verfolgten
andere den Oberbefehlshaber Rifq, bis er im Cabal Causan213 eingeholt und
— mehrfach verwundet — gefangen nach Halab gebracht wurde, wo er
nach einigen Tagen starb.
Timäl bewies nach diesem neuerlichen Erfolg politische Klugheit, indem
er nach der Wiederherstellung geordneter Beziehungen zum Fätimidenhof
strebte, wo nach dem Mißerfolg des syrischen Feldzuges der W ezir Abu’lBarakät gestürzt worden war. Abgesehen von der Freilassung der ägypti
schen Gefangenen ließ Timäl einen Teil der Beute, Gelder aus dem Schatz
der Zitadelle von Ilalab und prächtige Ehrengaben nach Kairo bringen. Mit
der Führung dieser ins Jahr 442 H (beg. 26. Mai 1050) fallenden Gesandt
schaft betraute er seinen leitenden Minister ‘AIT b. Ahmad b. al-Aisar,
gemeinsam mit seiner eigenen Frau, 'Alawija as-Sajjida, und deren Sohn
Wattäb. as-Sajjida beeindruckte in Auftreten und Rede al-Mustansir so
sehr, daß er ihr eine Urkunde über die Investitur Timäls mit Halab
ausstellen und die Gesandtschaft unter großen Ehren in die Heimat
zurückkehren ließ2'4.
21* Kam&laddln I 263, 6—264, 9; ders., bughjat (Hs. Faizullah-Bibl. 1404) 186a—187a;
al-Maqrlzl, F&timidengeschichte II 201 ; Ibn al-Qal&nisl 79; al-'Azlml 174b—176a; Ibn alAttr IX 549 (b. a. 440); vgl. IX 232 (s. a. 402); Ibn Haldün IV 584; Ibn Abi’l-HaigÄ’ 124a;
Ibn Mujassar 3; ad-Dahabl (Hs. Brit. Mus. Or. 49) 172a; Munaggimb&al 328a.
2.3 Der Cabal Causan, am rechten Ufer des Quwaiq westlich von Halab gelegen, bietet
einen guten Überblick über die Stadt; vgl. CANARD, Hamdanides 220; CAHEN, Syrie 156.
2.4 Kam&laddln I 265,1—268,5; ders., bughjat (Hs. Aya Sofya 3036) VI 99a—103b; alMaqrlzl, F&timidengeschichte II 201 f. 209. 213 (in der chronologischen Anordnung der
unpräzisen Darstellung bei Kam&laddln vonuziehen); Ilm al-Attr IX 232 (s. a. 402); IX 549
Darstellung
117
Die guten Beziehungen zwischen dem byzantinischen Reich und den
Mirdftsiden, der Ausgleich der letzteren mit dem f&timidischen Ägypten
und der zwischen den beiden Großmächten bis 447 H (beg. 31. Mai 1055)
laufende Friedensvertrag kennzeichnen die weitgehende Beruhigung der
Lage im Osten, sodaß im Jahre 1050 ein Teil der rayara der Ostgrenze,
und zwar etwa 20.000 Mann berittener Bogenschützen aus Teluch, dem
Maüpov opoç und aus Karkaron zum Kam pf gegen die Petschenegen nach
Westen abberufen weiden konnten*15. Im Jahre 443 H (beg. 15. Mai 1051)
wurde von byzantinischer Seite neuerlich das enge Verhältnis zu den
Miidäsiden betont. Als der Minister Timäls, 'All b. Ahmad b. al-Aisar, die
festgesetzten Abgaben nach Konstantinopel überbrachte, wurde er von
Konstantin IX ., um seine Loyalität zu würdigen und ihn über die anderen
Gesandten zu erheben, zum ßcorapx^ ernannt, während Muqallid b. Kämil
zum (layiorpo? und Timäl b. $älih zum itpôcSpoç befördert wurden; letzterer
erhielt zudem in Erwiderung seiner Gaben aufwendige Ehrengeschenke*16.
Damals hatten schon schwere Auseinandersetzungen zwischen dem
byzantinischen Reich und der neuen Macht der Sel¿Qqen in Armenien
begonnen*17. Da die SelgQqen Verfechter der sunnitischen Orthodoxie
waren, geriet die byzantinische Diplomatie in ihrer Rücksichtnahme auf
das ifitische Fätimidenchalifat wiederholt zwischen gegensätzliche Inter
essen. 443 H (beg. 15. Mai 1051 ) schickte der von den Fätimiden abgefalle
ne ZlrTde Mu'izz b. Bädis einen Gesandten nach Baghdäd, um die Anerken
nung der 'abbäsidischen Oberhoheit durch Nennung des Chalifen al-Qä’im
im Kanzelgebet zu regeln, und um Ehrenkleider zu erbitten. Dementspre
chend wurde von al-Qä’im der Gesandte AbQ Ghälib as-SaizarT mit den
(b. a. 440); Abu’l-Fid*’ III 12; Ibn al-Qalänisl 85; Ibn Mujassar 4f.; al-AiriT IX 578; Ibn
TaghrlbiidT II 207.
1,5
Abbau der byzantinischen Truppenstärke: Skylitaes 471, 18—20 ( —Kedrenos 602,
10—21 ). Maûpov ôpoç ist der Amanos; vgl. RE XIV 2385 (HONIGMANN) Karkaron entspricht
der Festung Geiger am östlichen Euphratufer; vgl. C a h e n , Syrie * I f .; H o nigm ann 116.
Letzterer ordnet — wohl durch ein Versehen — a. 0 .135 Maüpo k und Karkaron dem
Thema Teluch zu.
*'• Vgl. Kamäladdlh I 268, 11—17; das unpunktierte ^ j-w . i wurde erstmals von
P. W it t e r als
= vpó«8po< erkannt; vgl. R ic e , Harrän 79, .< 5. Es handelt sich um
eine 963 durch Nikephoros II. Phokas geschaffene, zunächst singuläi« Würde, die erst unter
Konstantin VIII. an mehrere Personen verliehen wurde, und etwa s> it der Jahrhundertmit
te als normale Beförderungsstufe nach dem Rang eines (iórfiorpo« Auftritt. Vgl. OtKONOMIDÈS 299; C h . D ie h l , De la signification du titre de proèdre. Mélan).es Schlumberger. Paris
1924, 105ff.
*17 1048 unternahmen die Selgüqen ihren ersten regelrechten Feldzug in Armenien unter
dem „tauben Hasan“ ; nach dessen Vernichtung durch die Byzantiner folgte (wohl 1048) auf
Geheifi Tughril Begs der Rachezug des Ibrählm Inäl; 1049 wurde ein Waffenstillstand
geschlossen. Vgl. u. S. 164—170.
118
Syrien und Phônikien
erbetenen Ehrenkleidern, einem Vertrag und der schwarzen Fahne der
'Abbäsiden zu Mu’izz geschickt.
Als er aber byzantinisches Gebiet betreten hatte, um unter Vermeidung
des fötimidischen Territoriums nach Ifriqijja zu gelangen, verfugte
Konstantin IX . seine Festnahme. Auch die diplomatischen Demarchen
durch einen Gesandten des Selgüqensultans Tughril Beg sowie einen
Gesandten von Mu ‘izz b. BSdis blieben erfolglos, weil Konstantin IX . die
guten Beziehungen zum fötimidischen H of in keiner Weise gestört sehen
wollte. Vielmehr benützte der Kaiser die Gelegenheit, daß gerade ein
fötimidischer Gesandter in Konstantinopel weilte, und schickte den 'abbäsidischen Emissär samt seinen Gaben mit. Er wurde in Kairo öffentlich zur
Schau gestellt — verkehrt auf einem Kamel sitzend, in den Händen die
Ehrengaben, und am Hals die Urkunde des Abkommens zwischen Zlrfden
und 'Abbä8iden. Hernach verfugte al-Mustansir, daß der Vertrag zerrissen
und die Ehrenkleider mit der Fahne öffentlich verbrannt würden; in
gleicher Weise hatte al-Qädir, der Vorgänger (381 H[991]—422 H[1031])
al-Qä’ims auf dem ’Abbäsidenthron, einmal Ehrenkleider verbrennen lassen,
die al-Mustansirs Vater az-Zähir dem Sultan Mahmüd von Ghazna ge
schickt hatte218. Nach Vollzug dieser entehrenden Prozeduren wurde der
Gesandte wieder nach Konstantinopel abgeschoben219.
Unter dem Eindruck einer solchen Demütigung kam am Sitz des
'Abbäsidenchalifats in Baghdäd im folgenden Jahre 444 H (beg. 3. Mai
1052) eine Denkschrift heraus, worin die Herkunft der Fätimiden von 'All
bestritten wurde, und darüber hinaus zahlreiche weitere Angriffe auf die
verhaßte Dynastie enthalten waren. Zur Befreiung des Gesandten Abü
Ghälib nützte diese Publizistik nichts; allerdings beauftragte Tughril Beg
seinen Emissär Abü ‘All b. KabTr, in Konstantinopel zusammen mit einem 2
1
21" Diese Begebenheit ausführlicher bei Ibn al-Aflr IX 350 (s. a. 416): Mahmüd von
Ghazna (reg. 388 H [998] — 421 H [1030]) war als Glaubenskämpfer gegen das polytheisti
sche Indien berühmt.
2,9 al-MaqrTzT, Fätimidengeschichte II 214. 223; um das bei al-Maqrlzl erwähnte Ereig
nis handelt es sich doch wohl auch bei Ibn Mujaasar 5 (zurückhaltend dahingehend CAHEN,
Diplomatie 11, A. 1). — Bei H. IDRIS, der in seiner Abhandlung: Glanes sur les Zlrïdes
d’IfrlqTya dans le manuscrit d’Istanbul de l’Itti’äz al-Hunafä’. Arabica 11 (1964) 286—305
mehrere Partien der Fätimidengeschichte al-MaqrlzTs herausgegeben und erklärt hat, die
sich mit den Beziehungen zwischen den Fätimiden, Zlrlden und Byzanz befassen, erscheint
S. 293 (Text) bzw. 303 (Übersetzung) Tughril Beg selbst in Konstantinopel. Dieser Version
folgte der nicht sehr tiefgehende Überblick von A bbas H a m d a n i , Byzantine-Fätimid
Relations before the Battle of Manzikert. Byzantine Studies-Études Byzantines I, 2 (1974)
171.aI>er Text s. a. 443 H (beg. 15. Mai 1051) heißt aber in der Kairiner Ausgabe II 213:
dXiße
çyJi Jiíij , das Wort J>-j (Gesandter) ist offenbar in der Handschrift von
Idris'ausgefallen, sachlich aber unentbehrlich. Vgl. auch Ibn Mujaasar 5f.
Darstellung
119
Gesandten der Zlrfden wegen der Rückkehr von Abu Ghftlib vorstellig zu
werden. Im Safar 444 H (beg. 2. Juni 1052) wurden die beiden von
Konstantin IX . empfangen, der zunächst Klage darüber führte, daß die
von und an al-Mu'izz gehenden Gesandtschaften nur Aufruhr und Unruhe
schürten ; außerdem wies er jeden Konflikt mit dem Fätimidench&lif&t von
sich, wobei er den mit Ägypten laufenden Vertrag betonte. Schließlich
verstand er sich dann doch zur Freilassung AbQ Ghälibs220.
Andererseits wurde gleichfalls 444 H (beg. 3. Mai 1052) eine byzantini
sche Gesandtschaft zur Pflege der Beziehungen mit dem F&timidenhof nach
Kairo entsandt, wo sie al-Mustansir allerlei Geschenke überbrachte. Ein
weiteres Ziel bildete auf dem Rückweg Jerusalem, weil Konstantin IX . der
Grabeskirche reiche Gaben zu übermitteln wünschte221.
Dennoch verschlechterte sich das beiderseitige Verhältnis nach einiger
Zeit wieder. 444 H (beg. 3. Mai 1052) war in Ägypten die Nilüberschwem
mung ausgeblieben, sodaß sich in der Folge Teuerung, Hungersnot und
schließlich die Pest ausbreiteten. Der Chalife al-Mustansir ließ daher im
Jahre 446 H (beg. 12. April 1054) durch seinen Gesandten, den QädT Abu
230 Vgl. al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 223f. Vielleicht in diesen Zusammenhang
gehört der Brief des Kaisers mit freundschaftlichen Versicherungen an al-Qä’im, den Abu’lFarag, Chron. Syr. 249 B runs — K irsch = 206f. B u dg e erwähnt; die Datierung 449 H ist
jedoch unmöglich, weil Konstantin IX. nach muslimischer Zeitrechnung 446 H gestorben
ist; das letzte zuvor berichtete Ereignis fallt auf 442 H. — Eine ähnliche Schmähschrift von
Sunniten und Sil ten war schon 402 H (1011) herausgebracht worden; vgl. Ibn al-Atlr IX
236 (8. a.); Ibn al-Cauzl VII 281 f.
221 Bericht mit zahlreichen Einzelheiten bei al-QädT ar-RasTd §85f. (nicht bei DöLGER,
Regesten), wonach die Gesandtschaft zur See nach Tinnls kam und von hier mit ihrem
Schiff nach Kairo weiterreiste. Unter den Ehrengaben befanden sich türkische Sklaven,
alle gleichaltrig, sowie türkische Frauen; besondere Tiere wie weiße Rebhühner, Pfaue
und Kraniche, weiße Raben und Stare, große Bären, die auf Musikinstrumenten spielten,
sowie Wind- und Jagdhunde; schließlich 1700 Gefäße mit Wein aus den kaiserlichen
Magazinen. Der Rückweg erfolgte wieder zu Schiff über Jaffa, von wo aus Jerusalem be
sucht wurde.
Die Grabeskirche erhielt unter anderem zwei Kreuze aus Gold, jedes zweieinhalb Arme
lang und entsprechend breit, mit verschiedenen Rubinen und Edelsteinen besetzt, im
Gewicht von einem Zentner; weiters zwei goldene Pokale, jeder 20 ratl Wein nach
baghdädischein Maß fassend und ebenfalls juwelenbesetzt; goldene Luster, mit Juwelen und
Kristall verziert; goldgewirkte und edelsteinbesetzte Schleier; dazu ähnlich Kostbares an
Kirchengeräten.
al-QädT ar-RasId irrt jedoch, wenn er als Kaiser Michael (VI. ?) nennt, denn da die Gaben
fur die Grabeskirche zu Ostern 769 der diokletianischen Ära in Jerusalem zur Schau gestellt
wurden, eigibt sich hiefur der 11. April 1053 (vgl. G r u m e l , Chronologie 255); weiters fallt
das Ende des Jahres 444 H auf den 22. April 1053. Der Kaiser muß daher Konstantin IX.
sein. Vgl. H a m id u l l a h , Documents 289, A. 1; CANARD, Sources 291, A. 14.
120
Syrien and Pbônikien
Äbdalläh al-QudáT—, Konstantin IX . ersuchen. Getreide nach Ägypten
einzuführen, und es wurde auch die Lieferung von 400.000 Ardabb223
Weizen vertraglich festgelegt.
Noch vor der Ausführung starb Konstantin IX . am 7. oder 8. Januar
1055, und Theodora, die nach ihm nochmals die Regierung übernahm,
verlangte von al-Mustansir den Abschluß eines Verteidigungspaktes. Da
dieses Ansinnen abgelehnt wurde, verhinderte Theodora den Transport des
Getreides, worauf al-Mustansir erbost seine Truppen in Bereitschaft setzen
ließ, deren Oberbefehl an Maklnaddaula al-Hasan b. Mulhim übertrug und
ihn beauftragte, einen Streiftug gegen Lädiqijja zu unternehmen. Ein
Versuch Timáis b. Sálih von Halab. zu vermitteln, blieb erfolglos; Ibn
Mulhim zog bis vor Afömija und ins Gebiet von Antiocheia, schleppte
Gefangene fort und plünderte die Gegend aus224. Als die byzantinische
Regierung jedoch SO Galeeren mit Verstärkungen ausschickte, wandte sich
das Kriegsglück; nach mehreren Gefechten fiel ein erheblicher Teil des
ägypt ischen Heeres mit Ibn Mulhim selbst im R abf I 447 H (beg. 31. Mai
1055) in byzantinische Gefangenschaft22"'.
Abu 'AUUlläh al-QuiU*! wurde auch bei anderer Gelegenheit mit diplomatischen
Agenden Imtraut; 4SI H (106$) war er fotimidischer Gesandter vor Manbig bei
Romano« IV. (vgl. Kamäladdln 11 13). Er wirkte bereits unter al-tiaigarä'T (zu diesem vgl.
o. A. .Oo) im Staatssekrvtariat, dann auch unter dem Wezir al-Jazürl (vgl. zu diesem u.
A. ••8). Bekannt war er als historischer Schriftsteller: seine verlorenen Werke sind von alMa<|rV/.t reichlich benutzt worden. Vgl. B kckkk . Beiträge 19— 21.
” :l Im 14. Jh. maß I Ardabb etwa 90 Liter , vgl. H inz 39. Ähnliches dürfte für das 11. Jh.
gelten
keineswegs tier moderne Wert von 197 1!
Von etwa 1050 bis zum Tode Konstantins IX. war Romanos Skieros, ein enger
Vertrauter des Kaisers.
'b r ü te n ;, zunächst mit dem Rang eines ¡ixviarpo;. später als
np'ieVu. l ’ nmittclhar nach dem Tide des Kaisers dürfte Theodora dann Skieros abberufen
und den bekannten General Katakalon Kekaumenos zu seinem Nachfolger bestimmt haben;
vgl. dazu SKI HT. Sk leroi 79 f. Jener Siegeltypus dagegen, der Romanos Skieros als TtpocSpoç,
«TpxTorttÄxp/r,; ‘ VvxTfiXr,; xxi ÄoC»; 'Avrio/cta; belegt, wird von SEIBT. a. O. 82f.. mit triftigen
Gründen erst in die Zeit von Isaak 1. Komnenos datiert. — Katakalon Kekaumenos ist
durch Siegel als gáviarpoc xai äov; ’AvTioyeix; bekannt: vgl. L a I’KENT, Antioche 243; V. S.
S an m u iv sk a .ia . Sfragistika. in: Iskusstvo Vizantii v sobranijach SSSR. Katalog vystavki
II. Moskau 1977, 130. Nr.708.
Da 'Ilietxlora am Beginn ihrer Regierung aber auch den orparoT^Sáp/r,; des Ostens, den
späteren Kaiser Isaak I. Komnenos, abberufen hatte (Skylitzes 479, 4—8 [ = Kedrenos 611,
1—6]), traf der fätimidische Vorstoß die Byzantiner zunächst in einer noch nicht stabilisier
ten Verfassung an.
22A Vgl. al-MaqrîzT, fcitat I 335; in seiner Fätimidengeschichte II 227ff. finden sich
legendarisch kuriose Entstellungen; Ibn Mujassar 7 f.; al-Azïmï 178a. Statt Rabl* I 446 H
(beg. 10. Juni 1054) muß es für die Gefangennahme des Ibn Mulhim bei al-MaqrlzT, fritat a.
O. aber 447 H heißen, denn zum früheren Zeitpunkt lebte Konstantin IX. noch, und auch
der Friedensvertrag lief bis 447 H.
In den Zusammenhang mit der Gesandtschaft al-Mustansirs an Konstantin IX . muß
Darstellung
121
Von zwangsläufigem Nachteil fur die Beziehungen zu den Fätimiden
war ferner der seitens des byzantinischen Reiches erstrebte Ausgleich mit
den Selgüqen. 447 H (beg. 2. April 1055) wurde eine fätimidische Gesandt
schaft in Konstantinopel Zeuge, wie dem Gesandten Tughril Begs gestat
tet wurde, dem Wunsch seines Herren entsprechend das Gebet in der
dortigen Moschee zu verrichten, wobei natürlich im Kanzelgebet der
'abbäsidische Chalife al-Q&’im genannt wurde. Der Fätimidenchalife alMustangir rächte sich dadurch, daß er befahl, die Schätze der Grabeskirche
in Jerusalem zu beschlagnahmen226.
Hingegen wußte Timäl b. $&lih gute Kontakte sowohl zu den Fätimiden
als auch zu Byzanz aufrecht zu erhalten. al-Mustansir ließ ihm durch eine
Gesandtschaft im Muharram 447 H (beg. 2. April 1055) Ehrenkleider über
bringen, und andererseits hat Timäl die fätimidische Oberherrschaft formal
anerkannt, wie sich aus halabinischen Dinaren der Jahre 442 H (beg.
26. Mai 1050) bis 446 H (beg. 12. April 1054) ergibt, die auch den Namen alMustangirs tragen. Als es 447 H (beg. 2. April 1055) zum Bruch zwischen
Timäl und seinem Minister ‘A ll b. Ahmad b. al-Aisar kam, der vormals auch
als Gesandter in Konstantinopel gewesen war, fürchtete dieser für seine
Sicherheit und begab sich nach Ägypten. Seine Stelle wurde von zwei
Brüdern, Sälim b. *AlI b. Taghlib und Maslama b. A ll b. Taghlib, eingenom
men, deren erstgenannter noch im gleichen Jahr 447 H Führer der Ge
sandtschaft Timáis nach Konstantinopel war. Die Kaiserin Theodora nahm
Timäls Ehrengeschenke entgegen, erwiderte sie und entsprach seinem
Ersuchen, Sälim b. A ll auszuzeichnen, indem sie ihn an Stelle von Ibn alAisar zum ß*<rrapxTj? ernannte227.
Nach Theodoras Tod (27. August 1056) scheint sich auch das Verhältnis
zwischen dem byzantinischen Reich und Ägypten wieder gebessert zu
haben, weil Michael VI. (1056— 1057) eine Gesandtschaft mit wertvollen*
wohl auch der Bericht bei Skylitzes 475, I6f. ( - Kedrenos 607, 6—8), Attaleiates 49, 17—
50, 11 und Glykas 597, 13f. über eine ägyptische Gesandtschaft gehören, die einen
Elephanten und eine viel bestaunte Giraffe nach Konstantinopel brachte; vgl. auch
DOLGER, Regesten 912.
*** Vgl. al-MaqrtzT, tytat I 335. Durch die Verrichtung des Kanzelgebetes für den
'Abbäaidenchalifen war den Fätimiden der Primat innerhalb der islamischen Welt bestritten.
In diesem Zusammenhang ist aber auch zu beachten, daß Theodora eine Gesandtschaft mit
wertvollen Geschenken an Tughril Beg schickte, die von diesem sehr freundlich aufgenom
men wurde. Vgl. Aristakës von Lastivert 96=88f. C (s. a. 604 armen, [beg. 8. März 1055]).
Vgl. auch DOLGER, Regesten 929.
m Die ägyptische Gesandtschaft: Kam&laddln I 269, 13—270, 1. — Fätimidische
Dinare in Halad) sind für die Jahre 442, 444, 445 und 446 H belegt; vgl. CRAWFORD, Halab
89. — Timäl, der Ministerwechsel und die Gesandtschaft zu Theodora: Kamäladdln I 270,
4—10.
122
Syrien und Pbönikien
Geschenken an den Chalifen al-Mustansir und seine Mutter as-S ajjid a
gerichtet haben dürfte228.
Der vom Thema her gegebene zeitliche Rahmen ist damit b ereits
überschritten, doch sei abschließend die weitere Entwicklung bis zum E n d e
der byzantinischen Herrschaft in Syrien wenigstens noch angedeutet. Im
Hinblick auf verschiedene Schwierigkeiten resignierte Timfil b. Sfilih im
Du’l-Qa'da 449 H (beg. 30. Dezember 1057) zugunsten einer unmittelbaren
ffitimidischen Herrschaft, doch schien es der ägyptischen Regierung ange
zeigt, Timfil im RabT’ I 453 H (beg. 26. März 1061) nochmals mit d e r
Regierung zu betrauen. Die aus der Annäherung an die Ffitimiden ersicht
liche Distanzierung Tim&ls von Byzanz findet einen weiteren Beweis in
mehreren kriegerischen Zusammenstößen Timfils mit byzantinischen Trup
pen im Jahre 454 H (beg. 15. Januar 1062), nachdem einige Festungen an
der byzantinischen Seite der Grenze erneuert worden waren. Timfil konnte
militärische Vorteile erringen, starb aber noch im gleichen Jahre, und der
Streit innerhalb der Mirdäsiden um die Nachfolge hemmte jedes weitere
Vorgehen gegen die byzantinische Reichsgrenze. Die Rivalität zwischen
dem Bruder Timfils, 'Atijja, und dessen Neffen Mahmüd (der schon 452 H
[beg. 6. Feber 1060] vorübergehend Halab regiert hatte) führte dahin, daß
der von Timfil zum Nachfolger designierte 'Atijja sich nur mit Hilfe von
Byzanz sowie von Seiten des Turkmenenführers Ibn Hfin gegen Mahmüd
halten konnte. Als 'Atijja sich des Ibn Hfin entledigen wollte, während
Mahmüd hingegen wieder von Byzanz unterstützt wurde, mußte er 457 H
(beg. 13. Dezember 1064) Halab aufgeben, worauf er sich in seine mesopotamischen Besitzungen zurückzog.
In dieser Situation ereignete sich 459 H (beg. 22. November 1066) der
erste selgüqische Einfall nach Syrien unter Afsln, welcher auf Teluch und
Antiocheia gerichtet war. Ein weiterer Vorstoß fiel ins folgende Jahr, wobei
die Halabiner gemeinsam mit den Invasoren vorgingen. Die Byzantiner
verloren damals nach langer Belagerung Artfih und erlitten bei Affimija
beträchtliche Verluste. 461 H (beg. 31. Oktober 1068) zog Kaiser2
2“ Theodoras Todesdatum: SCHREINER, Kleinchroniken II 149. — Über die Gesandt
schaft eines Kaisers Michael berichtet al-QädT ar-RasTd §§ 96—98, der seine Angaben auf
den Sohn des Wezirs al-Jazürl (dieser amtierte 1050—1058; vgl. E IXIV 1269, s. ▼. YazflrT
[WlET]) stützt, sodaß die zeitliche Bezugnahme auf Michael VI. wahrscheinlicher ist als die
auf Michael IV. oder Michael V. Vgl. H a .MIDCI.LAH 290, A.3. An bemerkenswerten
Einzelheiten wird berichtet, daß fur al-Mustançir drei Sättel, verziert mit Glasfluß und Gold,
bestimmt waren, von denen man fabelte, sie wären einst für die Reittiere Alexanders des
Großen bestimmt gewesen ; as-Sajjida erhielt fünf verzierte Tischplatten, goldgeschmiedet
und in Schmelztechnik mit Glasfluß aus den Farben tiefrot, schneeweiß, blau, azurfarben
und kohlschwarz.
Darstellung
123
Romanos IV. Diogenes selbst nach Syrien und nahm zunächst M&nbig ein,
wonach Operationen im Gebiet von A'z&z und Artäh folgten ; dann mußte
der Kaiser aber — ohne etwas Bleibendes erreicht zu haben — nach
Kleinasien zurückkehren, um die dorthin eingefallenen Turkmenen zu
bekämpfen. 463 H (beg. 9. Oktober 1070) rückte der Selgüqensultan Alp
Arslan selbst gegen Halab, wandte sich indes auf die Nachricht vom Zug
Romanos’ IV. nach Armenien ebenfalls dorthin, wo es am 26. August 1071
zur Katastrophe der Byzantiner bei Mantzikert kam.
In dieser Zeit versuchte 'Atijja nochmals mit byzantinischer Hilfe eine
Restauration seiner Macht in Halab, doch Mahmüd konnte sich mit Hilfe
turkmenischer Söldner behaupten und nötigte 'Atijja, ins Exil zu gehen.
465 H (beg. 17. September 1072) starb'Atijja in Konstantinopel; im Jahr
darauf folgte ihm Mahmüd in den Tod. Die Söhne Mahmüds, Nasr und
Säbiq, nahmen nun — einander folgend — die Herrschaft ein, innen immer
mehr durch die übermächtig gewordenen Söldner und außen durch die
Selgüqen sowie die mit ihnen verbündeten 'Uqailiden von Mosul bedrängt.
472 H (beg. 4. Juli 1079) zog Tutus, Sohn des Sultans Alp Arslan, gegen
Halab; er machte zwar wieder kehrt, doch folgte ihm unmittelbar Muslim b.
Qurais, der bedeutendste 'Uqailide, und besiegelte den Sturz der Mirdäsiden.
477 H (beg. 10. Mai 1084) mußte Muslim b. Qurais dann vor Sulaimän b.
Qutlumus, dem Sohn eines Vetters von Tughril Beg, zurückweichen, und
Sulaimän hat nicht nur Halab erobert, sondern auch der byzantinischen
Herrschaft in Syrien ein Ende bereitet. „In den letzten Jahren mirdäsidischer Herrschaft wurde Syrien von den Türken furchtbar verheert. Die
Byzantiner versteckten sich bei jeder Gefahr hinter den Mauern ihrer
Festungen und überließen das Land der Plünderung durch die feindlichen
Horden“ 2» .
m Übersicht für die Periode 1055— 1071 (mit Quellenbelegen) bei ZAKKAR 153— 215;
Première pénétration 18—67 ; DERS., Pre-Ottoman Turkey 23— 29. 66— 7 2 .7 6 — 78.
442; HoxiGMANN 117— 123. — Ausgang der Mird&siden; E I' IV 1064f., s. v. Tutus
(HoirrsMA); E I' III 1049f., s. ▼. 'Okail (ZETTERSTÉEN); E I' IV 563, s. v. Sulaimftn
(ZETTERSTÉEN); WEIL II 126— 130. — Zitat am Schluß: HONICMANX 123.
Ca h e x ,
T E IL II
ARMENIEN UND AL-ÔAZÏRA
ZEITTAFEL
989— 1016 (1017?)
990/1— 1019/20
990/1—997/8
1000
1011
1010/11— 1061/2
zwischen 1016 und 1021
1019/20— 1039/40
1021
1022 Anfang
1022 1. Hälfte
1022
1022
1022 Ende
1022/3
1023/4
Höhepunkt des Reiches Ani unter Gagik I.
Bagratuni.
W attäb b. Säbiq, Begründer der Dynastie der
Numairiden von Harrän.
Abu 'AIT al-Hasan b. Marwän, Begründer der
Dynastie der Marwäniden von MajjäfarTqTn.
Tod des iberischen Bagratiden Dawit* xoupowavon Taik'; Basileios II. sichert auf einem
Feldzug dessen Gebiete (zumindest teilweise)
fur Byzanz und nimmt die Huldigung von
Mumahhidaddaula b. Marwän entgegen.
Sturz Mumahhidaddaulas durch den W ezir Sarwa, der sich in MajjäfarTqTn durch Übeigabe der
Stadt an Byzanz absichem will, aber bald durch
den Bruder Mumahhidaddaulas, Naçraddaula,
gestürzt wird, der
eine vorzügliche Regierung entfaltet.
Muslimische Einfälle aus Richtung Adarbaigän
gegen Vaspurakan.
Der Numairide SabTb b. W attäb von Harrän.
Erster georgischer Feldzug Basileios’ II.
Der König von Vaspurakan, Senek'erim Arcruni,
„verkauft“ sein Land an Byzanz ;
Vaspurakan wird byzantinisches Katepanat.
Gagiks I. Nachfolger Yovhannös-Smbat ver
macht Ani testamentarisch an Byzanz.
Zweiter georgischer Feldzug Basileios’ II. ;
die Fortsetzung des Krieges gegen Ädarbai^än
(Huwajj) bleibt ergebnislos.
Abu’l-Aswär von Ganga unterwirft Dvin endgül
tig den Saddädiden.
Der Katepano von Vaspurakan, Nikephoros
Komnenos, entreißt Arcës den Muslimen.
128
1031
1031/2 Winter
1032
1033/4
1034/5
1034/5
1036
1037/8
. 1038
zwischen 1040—41
1041/2
1041/2
zwischen 1042—44
Armenien und al-CazIra
Nach inneren Wirren in Edessa dessen Ausliefe
rung durch den Festungskommandanten Sulaimftn an den Strategen von Samosata, Georgios
Maniakes.
Maniakes behauptet sich in schweren K&mpfen
gegen die von Nasraddaula b. Marw&n und
SabTb b. Watt&b unterstützten Muslime.
Vorstoß muslimischer Scharen nach Mesopota
mien (Samosata); Vergeltungszug der Byzanti
ner in das Gebiet von SabTb b. Watt&b, der zur
Tributpflicht gezwungen wird.
Erste Eroberung der Festung Berkri durch den
Katepano von Vaspurakan, Konstantinos Kabasilas.
Ergebnisloser Feldzug von SabTb b. Watt&b m it
byzantinischer Unterstützung gegen Nasrad
daula b. Marw&n.
Definitive Besetzung von Berkri durch die By
zantiner.
Einfall der nunmehrigen Verbündeten SabTb b.
Watt&b und Nasraddaula b. Marw&n in die by
zantinischen Gebiete am Euphrat; Belagerung
Edessas, das durch den Statthalter von Antiocheia, Konstantinos (Bruder Michaels IV .), und
al-Hass&n b. al-Mufarrig entsetzt wird.
Endgültiger Friedensschluß zwischen SabTb b.
Watt&b, der auf Edessa verzichtet, und dem
byzantinischen Reich.
Mißglückter muslimischer Handstreich auf
Edessa.
Fehlgeschlagener Vorstoß Abu’l-Aswärs von
Dvin gegen Dawit' von Lori.
Tod des Königs Yovhannês-Smbat von Ani; die
nationale Partei erhebt Gagik II., den Sohn von
Yovhannes’ Bruder Asot (IV .), auf den Thron.
Ergebnisloser byzantinischer Feldzug gegen
Gagik II., um den Heimfall Anis an Byzanz
durchzusetzen.
Gagik II. vernichtet türkische Streifscharen.
Zeittafel
1044
1045
1045
Herbst
1045/6
1046— 47
1047/8
1048
1048 (?)
Sept.
1048— 49 ( ?)
1049/50
120
Konstantin IX . sichert sich die Hilfe Abu’lAswftrs gegen Gagik II. und verspricht ihm ter
ritoriale Gewinne.
Die probyzantinische Partei des Bestes Sargis
liefert Ani an die Byzantiner aus; vergeblicher
Widerstand Gagiks II. in Konstantinopel.
Widerruf der territorialen Zugeständnisse an
Abu*l-Aswär durch Konstantin IX . ;
der anschließende byzantinische Feldzug schei
tert vor Dvin.
Zusammenstoß durchmarschierender Truppen
der Selgüqen mit den Byzantinern unter dem
Katepano von Vaspurakan, Stephanos Leichudes, der besiegt wird.
Im Kam pf gegen Abu’l-Aswftr Einnahme mehre
rer Festungen im Araxes-Tal durch die Byzanti
ner; größte östliche Erstreckung des Reiches.
Auftreten des zweiten falschen Mahdi al-Apfar
in al-GazTra gegen die Byzantiner; seine Fest
nahme durch Nasraddaula b. Marw&n.
Erster planmäßiger Feldzug der Selgüqen nach
Armenien unter dem „tauben Hasan“ ; schließ
lich deren Vernichtung durch die Statthalter
Katakalon Kekaumenos (von Iberia und Ani)
sowie Aaron Bestes (von Vaspurakan).
Nachfolgend Rachefeldzug der Selgüqen unter
IbrähTm Inäl in Armenien. Keine offensive
Kriegführung der Byzantiner; während ihres
Wartens auf die Truppen des georgischen Für
sten Liparit Verwüstung weiter Gebiete durch
die Selgüqen (u. a. Zerstörung von Aren).
Faktische Niederlage der Byzantiner und Ge
fangennahme Liparits bei Kaputru.
Feldzug der Byzantiner gegen I>vin und Ganga
hindert die Selgüqen an der Besetzung des letz
teren; Erneuerung von Abu’l-Aswärs TributpHieht.
Der letzte Saddädide von Ganga stürzt über
wine Konzessionspolitik gegenüber Byzanz,
worauf Abu’l-Aswär auch die Herrschaft in Gan
ga übernimmt.
130
1049/50
1053/4
1054
1055/6
1055/6
1055 Dez.
Armenien und al-öazlra
Unter Vermittlung Nasraddaulas bei Tughril
Beg Freilassung des Liparit; dafür Erneuerung
der Moschee in Konstantinopel und zeitweise
Verrichtung des Kanzelgebetes für Tughril Beg
und den 'Abbäsidenchalifen. Ein politischer Aus
gleich zwischen Byzanz und den Sel¿flqen ge
lingt nicht.
Plünderung von Kars durch die Selgüqen.
Zug Tughril Begs nach Armenien ; ausgedehnte
Verwüstungen gipfeln in der Belagerung von
Mantzikert, das aber durch Basileios Apokapes
erfolgreich verteidigt wird.
Diplomatische Verhandlungen Tughril Begs mit
Theodora, die Gebietskonzessionen ablehnt,
aber Tribut in Form von Ehrengeschenken lei
stet und Tughril Beg das Kanzelgebet in der
Moschee von Konstantinopel zugesteht.
Muslimische Einfalle in Armenien (auch gegen
Ani).
Machtergreifung Tughril Begs als Protektors
des ’Abbftsidenchalifats in BaghdSd.
Fortdauer muslimischer Einfalle auf byzantini
sches Gebiet, die nach Tughril Begs Tod unter
Alp Arslan in regelrechte Feldzüge übergehen.
Durch die arabische Expansion des 7. Jahrhunderts war der größere Teil
Armeniens der Oberherrschaft des Chalifenieiches unterworfen worden. Als
im 9. Jahrhundert dessen politischer Zerfall einsetzte, konnte die armeni
sche Fürstenfamilie der Bagratiden ihr Ziel auf die Gewinnung der Unab
hängigkeit richten und erlangte 885 deren Anerkennung durch das 'Abbäsidenchalifat, 887 auch durch Byzanz. Während des 10. Jahrhunderts ver
mochten die Bagratiden ihren Machtbereich von einem zunächst verhältnis
mäßig kleinen Gebiet im Norden aus zu erweitern und erreichten den
Höhepunkt der Machtentfaltung unter Gagik I. Bagratuni (reg. 989— 1016
oder 1017)1. Seine Residenz war A ni; über die unmittelbar beherrschten
Provinzen des zentralen Armenien hinaus übte er auch eine Oberhoheit
über mehrere armenische Fürstentümer in den Grenzgebieten aus, und zwar
über Vanand (mit der Hauptstadt Kars) im Nordwesten, über Tasir bzw.
Lon im Nordosten und über Siwnik1 im Südosten (Jenseits des
Araxes/Erasx). Nur das südliche Armenien, das Reich Vaspurakan (östlich
und südlich des Van-Sees) wurden von den Rivalen der Bagratiden, den
Arcruniem, regiert.
Das Verhältnis Armeniens zum byzantinischen Reich ist gekennzeich
net durch den Wunsch der Byzantiner nach Kontrolle über die strategisch
wichtigen armenischen Gebiete und dessen Verwirklichung in einer schritt
weisen Annexionspolitik2. 968 erfolgte der Anschluß des westlich vom VanSee gelegenen bagratidischen Fürstentums Tarön unter Umgehung der
Erben des verstorbenen Fürsten Asot. Nordwestlich vom eigentlichen
Armenien lag das georgisch-armenische Fürstentum Taik* (georgisch T ao);
es war zwar auch z.T . von Armeniern bewohnt, wurde aber von den
1 Zu den Regierungsdaten Gagiks (traditionell wurde als Todesjahr 1020 angenommen)
vgl. K . N. JUZBA&IAN, K chronologii pravlenqa Gagika I Bagratuni. Antiénaja drevnost’ i
srednie veJka 10 (1073) 105ff.
2 Allgemeines: Akuuan, Einverleibung; GROU8SET 511—531 ; J. DE MORGAN, Histoire
du peuple arménien depuis les temps les plus reculés de ses annales jusqu’à nos jours. Paris
1919, 124— 156; HONIGMANN 147—156; S. Der NersESSIAN, Armenia in the Tenth and
Eleventh Centuries, in: XIIIthInternational Congress of Byzantine Studies (Oxford 1966),
Supplement Papen 426—431 — Études byzantines et arméniennes I. Louvain 1973,323—
327; C. ToUMANOFF, The Background to Mantzikert, in: XIIIth Int. Congress (s. o.) 411—
426; DédEyan, Immigration 43—58; Einleitung zur Übersetzung des Ioannes Skylitzes in
das Neu-Ostannenische durch H . Bartikyan (R. M. Bartikian). Erevan 1979,
8. XXIII—LXXXIII; S. T. EREMJAN, Prisoedinenie severonzapadnych oblastej Annenii k
Vizantii v XI veke. Vestnih obéi. nauk 1971/3, 4— 16; Ê.L. Danielyan, Manazkerta
byuzanda-arabakan hakamartutfyan olortum (IX dari erkrord kes — X dar). Ist.-fil. iumal
1977/1, 153—167; V. A. Arutjunova—Fidanjan, Ferna Vaspurakan. VV 38 (1977) 80—
93; DIES., Armjanskie srednevekovye istoriki ob ekspansii vizantijskoj imperii na vostok v
X — XI w . Ist.-fil. iumal 1978/2,191— 206; F. Tournebize, Histoire politique et religieuse
del’Arménie. Revue de l'Orient Chrétien 8 (1903) 234—239. 677—582.
132
Armenien und al-GazIra
iberischen Bagratiden beherrscht und ist als überwiegend georgisch anzuse
hen. Dessen Regent Dawit' xouportatXarnjs (seit 966) hatte 979 durch sein
Eingreifen gegen den Usurpator Bardas Skieros dem byzantinischen Kaiser
Basileios II. einen großen Dienst erwiesen ; seine Aktivität innerhalb der
byzantinischen Politik wurde Dawit' jedoch zum Verhängnis, als er sich 987
zur Unterstützung des Usurpators Bardas Phokas entschloß. Nach dem
Tode des Phokas und dem Zusammenbruch dieser Rebellion mußte der
kinderlose Dawit' den byzantinischen Kaiser zu seinem Erben einsetzen,
obwohl er den Fürsten Bagrat III. von Abhäzien (georgisch Apgazeti)
adoptiert hatte, der von seinem eigenen Vater noch das Reich Georgien
(Kartli) als Erbe zu erwarten hatte. Eine solche Machtkonzentration wäre
für Byzanz höchst unerwünscht gewesen; als Dawit' im Jahre 1000 unter
nicht ganz geklärten Umständen starb, griff daher Basileios II. unverzüg
lich ein und besetzte Taik'3.
Obermesopotamien (al-Gazlra) war das Gebiet von Stämmen der nord
arabischen Gruppe Qais, die um die Mitte des 10. Jahrhunderts hierher und
in das nördliche Syrien gekommen waren. Aus ihnen erwuchsen im Macht
vakuum zwischen den Chalifaten der 'Abbäsiden und der Fätimiden sowie
dem byzantinischen Reich mehrere lokale Dynastien; abgesehen von den
hier nicht in Betracht kommenden 'Uqailiden in Mosul und den Mirdäsiden,
deren Wirksamkeit überwiegend der Geschichte Syriens angehört, sind es
zwei Dynastien, auf die wegen mehrfacher Beziehungen zum byzantini
schen Reich näher einzugehen ist: die Numairiden von Harrän und die
Marwäniden von MajjäfarTqTn.
Die Numairiden verdankten ihre Unabhängigkeit der Schwäche des
hamdänidischen Regiments während der letzten Jahre Sa'daddaulas. 380 H
3
Zu Dawit’ von Taik’ : SEIBT, Skleroi 44ff. 52. 54. 56; C.T o u m an o ff , The Bagratids of
Iberia from the 8thto the 11thcenturies. Le Muaéon 74 (1961) 39f.; M.D. LORDKIPANIDZE,
Istorija Gruzii XI — nacala XIII veka. Tbilisi 1974, 49ff.; F o r s y t h 467—471 ; K. S a l ía ,
Histoire de la nation géorgienne. Paris 1980, 144— 157. — Sein Ende: AristakSs 23 =»4f. C
läßt Dawit’ durch Angehörige des azatagund, d. h. des (niederen) Adels bei der Eucharistie
vergiftet werden ; Matt’Sos 37 f. V = 46f. J = 25 B » 33 D berichtet auch von einer Adelsver
schwörung und über den vergeblichen Versuch des Erzbischofs Ilarion, Dawit' bei der Messe
zu vergiften, worauf er ihn schließlich gar mit einem Polster im Schlaf erstickt haben soll!
Smbat 17f. = 11G kommt letzterer Version nahe, wobei der Bischof allerdings Vrarion heißt.
Asotik spricht zwar vom Tode des hochbetagten Dawit' (und dies anläßlich der Schilderung
eines Kampfes zwischen Georgiern und Russen, die auch fur Aristakës den Rahmen für die
Einstreuung obigen Gerüchtes gab), doch findet sich bei Asotik kein Wort von einer
Verschwörung. Auch die Georgische Chronik (Kartlis cxovreba) schweigt hievon, sodaß
Dawit' in seinem vorgerückten Alter wohl eines natürlichen Todes starb; jedenfalls ist
bezüglich einer byzantinischen Hilfe für eine Verschwörung gegen Dawit' nichts erwiesen,
und die Gerüchte um sein Ende spiegeln wohl eine Verleumdungskampagne gegen die
probyzantinische Partei des Landes wider.
Darstellung
133
(beg. 31. März 990) machte sich W attäb b. Säbiq an-NumairT, der zunächst
Statthalter von Harrän für die Hamdäniden gewesen war, selbständig; im
selben Jahr konnte er auch Sarüg besetzen, und 398 H (beg. 17. September
1007) nahm er dem damaligen Machthaber Halaba, al-Mansür b. Lu’lu’,
Raqqa ab. Bald nach Erlangung der Herrschaft bemächtigte sich W attäb b.
Säbiq auch Edessas (ar-Ruhä’s), das er seinem Cousin 'Utair übertrug, bis
e s später an das byzantinische Reich verloren ging4.
Die Dynastie der Marwäniden kam ebenfalls 380 H (beg. 31. März 990)
zur Unabhängigkeit, als sich nach dem Tode des Kurden B id im Kam pf
gegen Hamdäniden und 'Uqailiden sein Neffe Abü ‘All al-Hasan b. Marwän
in MajjäfarlqTn behaupten konnte. Abü 'Alls Politik richtete sich auf
Armenien, wo die Muslime noch einige wichtige Stützpunkte besaßen:
Unmittelbar am Van-See Arces (arab. ArgTs) und Xlat* (Hilät/Afilät)'.
etwas von seinem Nordostzipfel entfernt Berkri (BarkirT); nördlich von
Xlat* Mantzikert (Manäzgird) ; weiters nahe dem westlichen Ende des VanSees B alis (BidlTs). Im früheren 10. Jahrhundert herrschten über diese
Gebiete die Qaisiten von Mantzikert, deren Stellung dann der Ahnherr der
Marwäniden, B id Abü 'Abdalläh al-Husain, übernahm, welcher von
Majj&farTqTn aus auch auf Xlat*, Mantzikert, A rcis und die Gebiete am
Nordufer des Van-Sees Übergriff. Diese Orte wurden stets auch von den
Byzantinern beansprucht, weil die traditionelle Stoßrichtung der arabi
schen Einfalle nach Armenien der von Adarbaigän über diese Orte in
Richtung Malatia (Melitene) führenden Straße folgte. 382 H (beg. 9. März
992) wies der erste Marwänide Abü 'AIT al-Hasan b. Marwän die Byzantiner
aus dieser Gegend zurück5.
4
Zur Einwanderung der Qaisiten im allgemeinen : O r i ’ KNHKIM I 222—228. - - Überblick
zur Geschichte der Numairiden bei R ice , Harrän 74—83. Im einzelnen vgl. zu ihrem
Aufkommen Ibn Saddäd (Bodl.) 14b. 31 a; Bemächtigung von ar-Raqqa: Ibn Saddäd (Bodl.)
23a (die grolle Zeit dieser Stadt unter den frühen ’Abb&siden war damals nur noch
Erinnerung; vgl. I.K St r a n d e , Eastern Caliphate 101 f.; DKRS., Palestine 518; C a n a r d ,
Hamdanides 00f.; E I' III 1196); Edessa; Ibn Saddäd (Bodl.) 27a.
* Überblick zur Frühzeit der Marwäniden bei A.MKDRoz, Marwänid Dynasty 123f.:
Forsyth 480f. — Ihre Anfänge: Ibn al-Atîr IX 80 (s. a. 380); Ibn al-Azraq 59f. — Die
Qaisiten von Mantzikert und ihre Stützpunkte: Text des Ibn al-Azraq bei Marqiart ,
Südarmenien 453f.; demnach unternahm Saifaddaula 328 H (940) einen Zug gegen den
Qaisiten Ahmad b. 'Abdarrahmän Abul-Mu'izz, den Herrn von (filât, Dät al-Gauz (Arckê).
ArgTs, Barkirl und Manäzgird. — Die Annexionen des Bäd: Asolik III 25 = 129f. M = 186
G-B; weitere reiche Quellenverweise bei MAKyl'AKT, Südarmenien 459. — Abü 'All und
Byzanz: Ibn al-Azraq 61 (ihm zufolge wurde nach dem Scheitern der Byzantiner gegen
Afÿlât. Manäzgird und BarkirT ein Waffenstillstand auf 10 Jahre geschlossen). Abu’l-Farag
Chron. Syr. 213 BRI NS - K irsch = 178 B it n ik . Strategische Lage: M.ARyiART, Südarme
nien 466f.
134
Armenien und al-GazIra
Aba 'All fiel wohl 387 H (beg. 14. Januar 997) einem Anschlag zu
Gunsten seines Bruders Mumahhidaddaula Aba MançOr b. Marw&n (reg. bis
401 H [beg. 15. August 1010]) zum Opfer6. Als Basileios II. nach dem Tode
des Dawit' xoupoxaXânQç im Jahre 1000 dessen Gebiete, wozu nun auch
Mantzikert zahlte7, besetzte, konnte er als weiteres Ergebnis dieses Zuges
auch die Huldigung Mumahhidaddaulas entgegennehmen. Dieser wurde
hiefur mit der Würde eines (¿¿YHrrpoc ausgezeichnet und zum SooÇ rîjç
’AvaToXîjç ernannt und sehr ehrenvoll entlassen. In Amid, wo der Mörder
Aba 'Alls, Aba T&hir Jüsuf b. Damna, unter marw&nidischer Oberhoheit
weitgehend selbständig bis 415 H (beg. 15. März 1024) regierte, gaben
Gesandtschaften an Fätimiden, 'Abbäsiden und nach Byzanz dem W unsch
zu allseitiger politischer Normalisierung Ausdruck8.
Damals verlieh Basileios II. an Bagrat III. den Titel xoupo7coXáTV)^9, wie
ihn zuvor Dawit' von Taik' besessen hatte; Bagrats Vater Gurgen von
e Zum Ende AbQ'Alls vgl. die Literatur bei FORSYTH 530, A. 114. Bezüglich des Datums
schwankt Ibn al-Azraq zwischen 386 H (S.72) und 387 H (8.77 und 92); Sibt b. al-CauzT
(Hs. Paris 6866) 156a bietet 387 H, und er gibt die maßgebliche Tradition des Hiläl a?-$äbT
wieder.
7 Mantzikert war bereits zweimal vorübeigehend byzantinisch besetzt worden — um 931
(vgl. V a s i l i e v — C a n a r d II/l, 266 mit A.3; anders H o n i g m a n n 147) und w&hrend der
syrischen Eroberungen Nikephoros' II. Phokas 968/9 (vgl. Jahjä, PO 18, 825f.). — Der
Wegbereiter der Marwäniden, Bäd, konnte zur Zeit des Skleros-Aufstandes die entfestigte
Stadt fur sich gewinnen und wieder aufbauen (Asolik III 14 = 57f. M = 141 G-B); es bleibt
jedoch fraglich, ob er Mantzikert vor 979 besetzte, oder erst, nachdem Dawit* von Taik* die
Stadt für seine Hilfe bei der Niederwerfung des Skleros-Aufstandes von Basileios II.
zugesprochen erhalten hatte (vgl. H o n i g m a n n 151 fl). Endgültig vermochte Dawit* schließ
lich nach Bftds Ermordung zwischen 992 und 994 Mantzikert in seine H&nde zu bekommen,
und danach teilte es die Geschicke von Taik*. Vgl. Asolik III 38= 151 f. M= 202 G-B; zum
Zeitpunkt MARQUART, Südarmenien 472; HONIGMANN 154f. Auch das Eingreifen der
Marwäniden (sie hatten Bardas Skieros, als dieser 987 erneut den Purpur nahm, tatkräftig
unterstützt) änderte daran nichts (Asolik III 41 = 156ff. M = 205ff. G-B; vgl. SEIBT, Skleroi
51. 53). — Zum Gesamtüberblick vgl. die o. (A. 1) genannte Abhandlung von DANIELYAN.
8 Zur Huldigung Mumahhidaddaulas vgl. Asolik III 43= 163 M= 210 G-B; Jahjä, PO 23
460, welcher allein von der Ernennung zum «¿/¿Jl
($ov; t?,: 'Avaro/rtz) berichtet (d.h.
wohl titulare Bestellung fur eines der höchsten Kommandos im Osten); Ibn al-Azraq 84
(nach ihm wurde ein Vertrag auf Gegenseitigkeit geschlossen). SCHLUM BERGER, Épopée II
31, A.3 wollte auch die Angabe bei Abu'l-Farag, Chron. Syr. 213 Bruns—K irsch = 178
BtDGE hierherbeziehen, daß 382 H zwischen dem Kaiser und Abû AIT ein Friede auf 10
Jahre geschlossen wurde ; das ist jedoch verfehlt, wie die gleiche Version bei Ibn al-Azraq 61
beweist (vgl. o. A. 5). Dies ist auch bei DOlger, Regesten 790 in Rechnung zu stellen. —
Außenpolitische Haltung Ibn Damnas : vgl. Ibn al-Azraq 86.
9 Die sehr hohe Würde eines xooporra/ár/^ ist schon im 6. Jh. nachgewiesen und blieb in
Byzanz bis in das spätere 10. Jh. Verwandten des Kaisers Vorbehalten; bis zum II. Jh.
wurde sie aber auch häufig georgischen, seltener armenischen Fürsten verliehen. Vgl.
G u i l l a n d . Titres III.
Darstellung
135
G eorgien (Kartli) wurde dagegen nur zum Magistros ernannt. Solche
E hrungen änderten nichts an der Tatsache, daß mit TarOn und dem
Q roß teil der Besitzungen Dawit's nunmehr das gesamte westliche Arme
n ie n byzantinisch war. Gagik von Ani protestierte durch sein ostentatives
Fernbleiben, während Gurgen in seinem Unmut 1001 einen Feldzug in das
byzantinische Taik* unternahm, ohne allerdings etwas auszurichtenl0.
Im Jahre 305 H (beg. 18. Oktober 1004) ereignete sich ein kriegerischer
Zusammenstoß zwischen W attäb b. S&biq von Harrän und den Byzanti
nern, nachdem der damals auftretende Mahdi-Prätendent al-Asfar im
Machtbereich Wattäbe Zuflucht gesucht hatte. Hier bildeten Ereignisse der
syrischen Geschichte ebenso den Anlaß wie bei der Mittlerrolle, die Mumahhidaddaula von Majj&farlqln zwischen Byzanz und dem Hamdäniden Abu’lH&igä’ anläßlich der mißglückten Restauration des letzteren in Halab
(400 H [beg. 25. August 1009]) einnahm111
2
. Über die Außenpolitik
Mumahhidaddaulas ist sonst im wesentlichen nur sicher, daß er die engen
Verbindungen zu Byzanz aufrecht erhielt.
Das Ende Mumahhidaddaulas war ebenso gewaltsam und unvermutet
wie das seines Bruders und Vorgängers: er fiel einem Anschlag des Wezirs
Sarwa zum Opfer, der ihm einst zur Macht verholfen hatte. Sarwa faßte
dann den verwegenen Plan, sich durch Auslieferung Majjäfarlqlns an die
Byzantiner in der Herrschaft zu behaupten. Doch der letzte überlebende
K uder aus der Marwänidendynastie, Nasraddaula Abü Naçr Ahmad, den
Mumahhidaddaula von der Residenz ferngehalten hatte, vermochte mit
Hilfe des Statthalters von Arzan1*, unterstützt durch die Meuterei der
Truppen gegen Sarwa und schließlich von den Bewohnern Majjäfarlqlns
selbst herbeigerufen, den Usurpator zu stürzen und seiner Strafe zuzufuhren (Du’l-H i¿¿a 401 H [beg. 6. Juli 1011]). Die nun beginnende und bis
453 H (beg. 26. Januar 1061 ) dauernde Regierung Nasraddaulas wird hoch
gerühmt; sie erhielt bald die Legalität von Seiten des’Abbäsidenchalifats in
Baghdäd zuerkannt, indem Naçraddaula auf Veranlassung des bQjidischen
Protektors des Chalifen die Investitur erteilt wurde. Abgesehen von BQji10 Zu den Bagratkien vgl. Asolik III 4 3 » 164 M » 210 G -B ; Aristakös 24 » 6C ; Georg.
Chronik (Kartlis c/ovreba) 209f. BROS«ET; B rossET, Histoire 297; vgl. DENS., Additions
186. — Haltung Gagiks I. von Ani; Asolik III 43 = 165 M « 2 I I G -B ; Gurgen: Asolik III
4 4 » 166f. M » 212 G -B ; vgl. Brosset, Additions 187f. — Der byzantinische Kommandant
gegen Gurgen, den Asolik als M sgistros und Kanikleios bezeichnet, ist Nikephoros Uranos,
der uns bereits als Statthalter von Antiocheia begegnete; vgl. o. S.52 mit A .27.
11 Zu W attäb und al-Asfar vgl. o. S.53—54 mit A. 30—34; zu MnmahhidaAlmla und.
Abu’l-H aigä vgl. S .55—56 mit A. 3 7 -4 0 .
12 Arzan (Hauptort der antiken Arzanene) liegt südwestlich von BkUls und etwa gleich
w eit östlich Majj&farlqln, an einem der Zuflüsse des Tigris. Vgl. RE I I 1498, s. v. Arzanene
(B a u m g a r t n e r ); EP 1 6 79 f„ a v. Arzan (F r y e ); L e S t r a n g e , Eastern Caliphate 112f.
136
Armenien und al-GazTra
den und 'Abbfisiden trat Nasraddaula aber auch in diplomatische Beziehun
gen mit den FAtimiden und mit Byzanz; ein Zusammentreffen von G e
sandtschaften aller genannten Mächte fand am 7.D u ’l-Higga 403 H
(19. Juni 1012) statt13.
In Georgien (K artli)14 hatte nach dem Tode des Königs Gurgen 1008
sein Sohn Bagrat III. von Apxazeti die Herrschaft übernommen, starb
jedoch ebenfalls schon 1014. Alle seine Besitzungen fielen an Bagrats Sohn
Giorgi I. (1014— 1027), der auch an seinen Erbansprüchen in Taik' gegen
über Byzanz festhielt. Im Winter 1015/6 schlug Giorgi in den Grenzgebie
ten von Taik' eine byzantinische Armee, ohne daß der damals gegen die
Bulgaren beanspruchte Basileios II. eingreifen konnte15.
Erst nach deren Niederwerfung unternahm der Kaiser 1021 seinen
ersten georgischen Feldzug16, in dem Giorgi mit dem Fätimidenchalifen al
lí äk im verbündet war, während hingegen Basileios II. den Regenten
AzTzaddaula von Halab unterstützte. Nach dem Verschwinden al-Hakims
beschränkte sich Giorgi im wesentlichen auf eine hinhaltende Kriegfüh
rung und zog sich schließlich in unzugängliche Festungen von Ap/azeti
13 Sarwa und Byzanz: Ihn al-Azraq 96f.; Außenpolitik Nasraddaula»: nach Ibn al-Azraq
108—110 verlief die Entrevue der (Gesandten in solcher Form, daß dem byzantinischen
Vertreter keine Bevorzugung zuteil wurde — damit sollte der Wunsch nach Äquidistanz zu
allen Mächten (bei Bestehen korrekter Beziehungen) ausgedrückt werden. — Zur Usurpar
tion Sarwas vgl. den Überblick bei A.MKDRoz, Marwänid Dynasty 128—131.
14 Übersicht bei VV. E. Allen, A history of the (Georgian People. London 1932, 84—88;
C. Tocmanoff, The Bagratids of Iberia from the 8th to the l l ,h centuries. Le Muséon 74
(1961) 40, Nr.55; 41, Xr.60; 313f.; A. Maxvklichviu, Histoire de Géorgie. Paris 1951,
147 ; M. D. LoHPKIPANlDZK. Istorija Gruzii XI — nacala XIII veka. Tbilisi 1974, 56. 60ff.;
K. SALIA, Histoire de la nation géorgienne. Paris 1980, 147—150; 157—159. — In dieser
Zeit gelang es, das früher in zahlreiche Machtbereiche aufgeteilte Georgien zu einer inneren
Einheit zusammenzuschließen. Nachdem Bagrat III. von seinem Vater Gurgen Mittelgeor
gien (Kartli) geerbt und in den folgenden Jahren auch Ostgeorgien (Ka/eti und Hereti)
gewonnen hatte, befand sich der Großteil des Landes unter seiner Herrschaft; nur die
südlichen Grenzgebiete waren teil» in byzantinischer (Tao), teils in muslimischer (Tiflis)
bzw. armenischer Hand (die nördlichen Bezirke des Fürstentum» Tasir).
15 Vgl. Aristakês 25 = 7f. C; die entscheidende Auseinandersetzung fand bei Ult'ik statt
(am Oltu Çayi, einem der Zuflüsse des Çoruh gelegen; vgl. Hoxmïmaxn 157, A. 5; lÖOf. ;
CANARD zu Aristakês 6. A.7).
16 Für beide Feldzüge Überblick mit Belegen bei Gkoisset 547—561; HonkïMAXX
162—167 ; Forsyth 560—569. An Quellen zum 1. Zug (über die Zusammenhänge mit Syrien
und Ägypten vgl. aber o. S.71—72 mit A .83—85) sind zu nennen: Aristakês 28—31 =
11—15C; Skylitzes 366, 32—34 ( = Kedrenos 477, 2 -4); Jahjä 239, 13—16; 240, 6—12
CheikhO; Georg. Chronik (Kartlis c/ovreba) 214f. Brosset = BrosseT, Histoire 306f.;
Geschichte der Bagrationi 383 = 38f. LoRDKIPAXlDZE: Matiane Kartlisa 284f. = 43 LORDKIPAX1DZE; Samuel von Ani 105 (z. J. 1018); Yakobos Sanahnec'i (t 1085) in: L.
X aMKYAN, Hakob Sanahnec'i zamanakagir XI dari. Vestnik Erev. Vniv . 1971/1,40.
Darstellung
137
zurück, während Basileios II. das Land grausam verwüstete, bis er sich vor
Winterbeginn nach Trapezunt begab. Im folgenden Jahr 1022 erneuerte
Basileios II. den Krieg gegen G iorgi17, sodaß dieser — trotz einer ur
sprünglichen Koalition mit den armenischen Herrschern und wohl auch mit
zwei aufrührerischen byzantinischen Magnaten, den Twrrpixiot Nikephoros
Phokas und Nikephoros Xiphias181
9— zuletzt genötigt wurde, auf Taik*
vollständig zu verzichten, die in diesem Gebiet noch besetzten Festungen
abzutreten und seinen Sohn Bagrat (IV .) als Geisel zu stellen.
In diesen Jahren hatte die Gefährdung Armeniens durch muslimische
Einfalle aus dem Osten wieder stark zugenommen und weitreichende
politische Folgen ausgelöst. Seit der Jahrtausend wende, als Basileios II.
dem Emir von Her (H ojj) Frieden gegen Vaspurakan gebot, dauerten
kleinere Einfalle offenbar dennoch fort10. Wohl im Jahre 465 armen, (beg.
17. März 1016) ereignete sich ein Vorstoß muslimischer Scharen, unter
denen vorwiegend turkmenische Kriegsvölker des Emirs von Qojj und
vielleicht seiner Nachbarn zu verstehen sein dürften, gegen Vaspurakan20.
17 Zum 2.georgischen Feldzug vgl. Aristakös 32—39« 16—25C; Skylitzes 367, 56—64
( = Kedrenos 478, 3—13) (Skylitzes hält die beiden Feldzüge nicht klar auseinander; die
MagnatenVerschwörung dürfte erst in das zweite Jahr zu datieren sein, während der — bei
ihm erst danach berichtete — Tod des AtTrapinjç [genauer gesagt des Rati, Sohn des Liparit]
von Aristakés und den georgischen Quellen klar in das erste Jahr gesetzt wird); Jahjä 240,
18—243, 12; Georg. Chronik (Kartlis cxovreba) 218 BROSSET = BROSSET, Histoire 308f.;
Geschichte der Bagrationi 384f. = 39f. LORDKIPAXIDZE; Matiane Kartlisa 287—289*44
Lordkipaxidze .
18 Vgl. Anstakës 32—35-16—21C; Skylitzes 366, 34—367, 55. 64—70 (»Kedrenos
477, 5—478, 3. 13—19); Jahjä a. O.; Georg. Chronik (Kartlis cxovreba) 215—217
Brosset » B rosset, Histoire 307f. ; Geschichte der Bagrationi 383f. » 39 Lordkipaxidze ;
Matiane Kartlisa 285—287 »44 Lordkipaxidze ; Samuel von Ani 106 (z. J. 1027). — Vgl.
ferner SKIBT, Vaspurakan 59.
19 Her oder Huwajj ist das heutige {fojj nördlich des Urmia-Sees; vgl. Le STRANGE,
Eastern Caliphate 166; EV II 1035, s. v. Khoy (HUART); M a r q u a r t , Südarmenien 208,
A. 1; SEIHT, Miszellen 640. Der dortige Emir muß zu jenen gehören, denen Basileios auf dem
Zug des Jahres 1000 jeden Krieg gegen Vaspurakan verboten hatte: Asolik III 46» 168f.
M»214 G-B; vgl. auch Dölgek, Regesten 792. Ein durchgreifender Erfolg wird durch
SamuSl von Ani verneint, weil er (104, z.J. 1002) die sarazenischen Einfalle bis zur
Abtretung Vaspurakans an Byzanz i. J. 470 armen, (beg. 16. März 1021) 22 Jahre lang
dauern läßt.
20 Skylitzes 354, 94—355, 6 (»Kedrenos 464, 10—18) berichtet s. a. 6524 M (beg.
I.September 1015) von Einfallen der Agarener, die den König Senek'erim von Vaspurakan
zur Abtretung des Landes an Byzanz veranlaßt hätten. Auf diese feindlichen Einfälle
beziehen sich mehrfache Zeugnisse armenischer Quellen. Matt'eos von Urhay 46—
48V»57—59J = 30—32B = 40—43D spricht vom Auftauchen türkischer Scharen, wobei
die Chronologie zwischen 467 armen, (beg. 17. März 1018) und 465 armen, (beg. 17. März
1016) in der Überlieferung schwankt; doch dürfte 465 das Richtige sein; dies findet sich in
der Ausgabe von Vataroapat (46) und wurde in die neuarmenische Übersetzung von
138
Armenien und al-GazIra
Am 5. Januar 1017 erlitt die von Dawitf Senek'erim (Sohn des K ön igs
Senek'erim Yovhannes) und dem General S&puh befehligte armenische
Adelsreiterei eine schwere Niederlage gegen die Eindringlinge21. U nter
diesem Eindruck scheint die armenische Seite Verhandlungen mit B yzanz
über einen militärischen Beistand beabsichtigt zu haben, die aber, w ie
neuerdings wahrscheinlich gemacht wurde, dahingehend verliefen, d aß
Dawit' Senekerim seine persönlichen Besitzungen in Vaspurakan w ohl
Anfang 1019 an Byzanz abtrat und Gefolgsmann des Kaisers wurde22.
Bartikyan (30f.) übernommen — es liegt vielleicht eine Verwechslung der sehr ähnlichen
Zeichen für 5 (b) und 7 (() durch den Kopisten vor; vgl. S.G. AGAD2ANOV— K. N .
JUZBA&IAN, K istorii tjurkskich nabegov na Armeniju v XI v. Palestinskij Zbomik 13 (1966)
149; vgl. jedoch auch SEIBT, Vaspurakan 55. Ferner enthalten Smbat 23 V = 13f. G und die
Chronik von Sebasteia (V. A. A kopjan, Melkie chroniki XIII—XVIII w . Bd. II. Erevan
1956, 130) die Jahresangabe 467 ; vgl. zudem die Übersicht bei DÉDÉYAN, Immigration 59,
A.97 und SEIBT, Vaspurakan 50Í. mit A.3.
Ein Auftauchen von Türken, die in Zusammenhang mit der Expansion der Selgüqen zu
bringen wären, ist jedoch in dieser Zeit noch nicht denkbar; vgl. Cl. Cahen, À propos de
quelques articles du Köprülü-Armagani. JA 1954, 275—279; DERS., Première penetration 9.
Verursacher des Krieges ist wohl der Emir von Qojj sowie — vielleicht — seine Nachbarn;
flojj unterstand ziemlich sicher einem Herrn aus der Dynastie der Rawwädiden (zu dieser
vgl. u. A. 23), denn 437 armen, (beg. 24. März 988) war es von diesen besetzt worden und
diente ein Jahrzehnt später als Stutzpunkt für einen rawwädidischen Zug gegen Mantzikert.
Vgl. Asohk III 19. 38. 41 =71—73. 151 f. 156 M = 147f. 202f. 205 G—B; Matt'öos 30—33
V = 36—40 J = 20—22 B«26—29 D; Ibn al-Atlr IX 391 (s. a. 420) kennt 1044 den
Rawwädiden Abul-Haigä’ b. Rablbaddaula als Heim von Urmia. Turkmenen in Diensten
der Rawwädiden sind durch Ibn al-Atlr IX 378 für 420 H (beg. 20. März 1029) belegt;
damals traten turkmenische Scharen mit 2000 Zelten zu den Rawwädiden über. Diese
können sehr wohl auch schon 1016 derartige Hilfskräfte besessen haben, was die pauschale
Bezeichnung der Invasoren als „Türken“ verursachte. Vgl. noch MlXORSKY 168; G rousset
551 ; H o n i g m a n n 168 mit A.9f.
21 Die Schlacht fand bei Ostan, einer Stadt am Südostufer des Van-Sees statt und „fand
so großen Widerhall, daß die Gefallenen als Märtyrer in das armenische Synaxarion
eingingen ; da der 25. Mareri als Gedenktag gilt, können wir den Tag des Schlacht präzise auf
den 5. Jänner 1017 festlegen.“ (SEIBT, Vaspurakan 51 ; vgl. hiezu die Belege ebd. A.4; zur
Schlacht allgemein ebd. 50f.).
22 Wie SEIBT, Vaspurakan 53—57 darlegt, hat Skylitzes offenbar zwei Personen,
nämlich den König Senekerim Yovhannês und seinen Sohn Dawit* Senek'erim, zusammen
geworfen. Die Ernennung des hochangesehenen alten Königs nur zum Patrikios wäre ein
schwer glaubhafter politischer Affront gewesen — er hätte mindestens Magistros werden
müssen, und als solcher erscheint er tatsächlich bei Kekaumenos 282, 9. Hingegen ist für
Dawit* Senek'erim ein Beginn der Karriere als byzantinischer Gefolgsmann in der Stellung
eines mipixio^ xoti oTpiirjo; KaunraSoxia; durchaus glaubwürdig.
Aus dieser Differenzierung der Personen ergibt sich eine Zweiteilung der Ereignisse:
Zunächst hat sich Dawit* Senek'erim persönlich Byzanz unterstellt, allerdings nicht 6524 M
(beg. 1. September 1015), wie Skylitzes (vgl. A. 20) nahelegen könnte, sondern 1018 oder
1019, da es nach Aristakäs 34,10—13= 19C im Jahre 470 armen, (beg. 16. März 1021) „zwei
Darstellung
139
Im Jahre 470 armen, (beg. 16. März 1021) unternahmen die dailamitischen Rawwfididen gleichfalls mit Hilfe turkmenischer Söldner einen Feldzug gegen das östliche Armenien — eine solche Deutung wird den Angaben
der Quellen am ehesten gerecht — und griffen Nig sowie Bjni an23. Diese
erneute Gefahr einerseits und die Kompromittierung Dawit' Senek erims
infolge seiner Verwicklung in die Magnatenverschwörung um Phokas und
Xiphias andererseits haben offensichtlich dahingehend zusammengewirkt,
daß Senek'erim Yovhannës sich veranlaßt sah, von der Regierung Vaspurakans zugunsten des Kaisers Basileios II. zurückzutreten24. Diese Zession
oder drei Jahre*' zurücklag, daß Dawit* „sein väterliches Erbe" dem Kaiser überantwortet
hatte. Als Ansatzpunkt für die der Abtretung vorausgegangenen Verhandlungen hat man
sich am besten den Wunsch Vaspurakans nach byzantinischer Hilfe gegen östliche Angriffe
vorzustellen (nach Tovma Arcruni verkaufte Senek'erim infolge dieser Einfälle sein Land;
vgl. Collection d'historiens arméniens, tr. BROSSET Bd. I. Petersburg 1874, 306; vgl. weiters
SEIHT, Vaspurakan 65. Die eigentliche Abtretung durch König Senek'erim Yovhannës
Anfang 1022 (vgl. u. A. 25) implizierte die Auswirkungen der Magnatenverschwörung (vgl. u.
A. 24) sowie wohl auch der Invasion von 1021 (vgl. u. mit A. 23f.).
23
Aristakes 34 = 190 erwähnt den Einfall gewisser „Perser", die wohl mit jenen
Dailamiten gleichzusetzen sind, deren Vorstoß gegen Nig und Bjni (im Norden der Provinz
Ayrarat, letzteres etwa 40km nördlich von Erevan; vgl. HONIGMANN 175; GROUSSET 580)
Matt'eos von Urhay 11—14 V * 13—17J * 7 —9B = 9—12D irrig unter 420 armen, (beg. 29.
März 971) bringt; der hier genannte Vasak Pahlawuni ist erst im 3. Jahrzehnt des 11. Jh.
gegen die Türken gefallen (Inschrift des Jahres 1029 auf seinen Tod bei L. AUSAN, Sink.
Venedig 1879, 148). Vardan 98 (Venedig) * 131 (Moskau) gibt als Datum dafür 470 armen,
(beg. 16. März 1021), weist die Invasion jedoch vage den „Türken" zu. Eigentlich selgfkqische Einfälle sind damals noch unmöglich (Vardan nennt gar Tughril Beg!); allenfalls
konnten die Dailamiten türkische Söldner herangezogen haben. Vgl. o. A.20. Im übrigen
mag Aristakës in seinem Sprachgebrauch Asoük gefolgt sein (den er für die Anfangspartie
seines Werkes auch benutzte), welcher die Rawwädiden mehrfach (III 18. 19. 38. 41 =71.
73. 151 f. 156—159 M = 146. 148. 202f. 205—208 G— B) als Perser bezeichnete. Auf Grund
dessen sowie aus Munaggimbäft (Hs. Topkapi 2951 ) 501 b bei MlNORSKY 165 (MunaggimbääT
stellte seiner Monographie über die Saddädiden kurze Abrisse über Musäfiriden und
Rawwädiden voran) dürften sich die dailamitischen Rawwädiden als politische Exponenten
ergèben. Deren Regent von 386 H (996) — 416 H (1025) war Abü Naçr Husain b.
Muhammad. MARQUART, Südarmenien 400. 517 f. wollte die Dailamiten mit der Dynastie
der Musäfiriden verbinden, doch wurden diese bereits 983—984 aus Ädarbaigän vertrieben
und nach GHän abgedrängt; auch wenn ihr Herrscher Ibrählm (II.) b. Marzubän b. Ismä*Tl b.
Wahsfldän (reg. 374 H [984] — 420 H [1029]) seine Gewalt wieder bis gegen Ädarbaigän
ausbreitete, so konnte er keinesfalls bis Armenien expandieren.
u Dawit* Senek'erim hatte mit der Magnatenverschwörung sympathisiert (Aristakês 34,
15» 19C); er ging dann zwar rechtzeitig zu Basileios II. über (vgl. SEIBT, Vaspurakan 59
mit A. 22—24), doch bevor diese Verschwörung noch (im Sommer 1022) niedergeworfen war,
empfing Basileios II. im Winterlager zu Trapezunt (vgl. A. 25) jene Gesandtschaft des
Senek'erim Yovhannës, die ihm Vaspurakan schließlich überantwortete. Es ist naheliegend
anzunehmen, daß von Basileios II. auf die Gesandtschaft politischer Druck ausgeübt wurde,
der sich aus Dawit's Haltung zur obigen Verschwörung erklärt, möglicherweise aber auch
140
Armenien und al-C&zlra
Vaspurakans fand Anfang 1022 statt; in der ersten Jahreshälfte dürfte das
Thema Vaspurakan unter dem Katepano Basileios Argyros eingerichtet
worden sein25. Er zeigte sich den schwierigen Aufgaben jedoch nicht
gewachsen und wurde bald durch Nikephoros Komnenos ersetzt, wahr
scheinlich im spateren Verlauf des Jahres 1022, als Basileios II. nach
Beendigung seines zweiten georgischen Feldzuges in Vaspurakan ein traf26.
Der Kaiser beabsichtigte damals, das neu erworbene Vaspurakan durch
einen Streiftug in Richtung auf Ädarbai^än zu sichern. Der sehr strenge
W inter legte dem byzantinischen Heer die größten Leiden und Entbehrun
gen auf, sodaß Basileios II., der sich schon zur Belagerung von Q ojj
vorbereitete, letztlich gezwungen war, sich mit Ergebenheitsbezeugungen
des Emirs zufrieden zu geben. Die Nachhut des nach Vaspurakan abziehen
den byzantinischen Heeres mußte den feindlichen Plänklern noch viel
Beute an Reit- und Zugtieren sowie Ausrüstung zurücklassen27.
Der Umfang des neuen Katepanats darf nicht an den früheren Grenzen
des armenischen Reiches Vaspurakan gemessen werden, sondern be
schränkte sich auf das Gebiet zwischen dem Van-See und dem Gebirgskamm der heutigen türkisch-persischen Grenze im Westen des Urmia-Sees.
Doch erfuhr es bereits 414 H (beg. 27. März 1023) eine Abrundung, als
aus zuwenig Loyalität der Arcrunier im Zusammenhang mit dem Feldzug gegen Georgien.
Vgl. S eiht , Vaspurakan 58f.
Andererseits kann der Einfall der Dailamiten von 470 armen, (beg. 16. März 1021) bei
den Armeniern den Wunsch nach byzantinischer Hilfe verstärkt haben, wie solches schon
bei der Invasion von 1016/7 eine Rolle gespielt hatte (vgl. A. 22). Jedenfalls wirkten bei der
Zession Vaspurakans mehrere Momente zusammen, während Skylitzes (vgl. A. 20) nur die
Gefahr aus dem Osten als Motivation für Senekerim Yovhannês angegeben hat.
25 Übersicht bei Akcliax 32—49; SEIHT, Vaspurakan 61. Als Zeitpunkt steht Anfang
1022 ziemlich fest, denn Jahjä b. Sa*Td setzt die Abtretung zwischen die beiden georgischen
Kriege Basileios* II., als dieser im Winterlager zu Trapezunt verweilte (240, 11— 16
C h e i k h o ); auch berichtet Aristakês 31 f. = 15f.C, daß die Gesandtschaft aus Ani am
Epiphanietag (6. Januar) mit dem Kaiser zusammentraf, und zudem geben mehrere andere
armenische Quellen, vorab Samuel von Ani und Tovma Arcrani, als Zeitpunkt 470 atmen,
(beg. 16. März 1021 ) an (vgl. die genauen Nachweise bei SEIHT, Vaspurakan 58f., A. 21 ). Zu
Basileios Argyros vgl. Skylitzes 355, 6— 10 ( = Kedrenos 464, 18—22); er ist nach neuer
Ansicht ( V a n n i e r , Argyroi 39— 41) mit dem gleichnamigen Katepano von Italien (1010—
1016) identisch; vgl. auch YrZHASHlAN, Arménie 148; SEIHT, a. O. 61 mit A.27.
26 Zur Abberufung des Basileios Argyros und der Nachfolge des Nikephoros Komnenos
vgl. Skylitzes a. O. Nikephoros ist wohl Sohn jenes Manuel Erotikos, der 978 Nikaia gegen
Bardas Skieros verteidigte (Skylitzes 323, 5—31 [ = Kedrenos 427, 23—429, 5]), und den
Bryennios 75, 1—7 und Anna Komnene III 9, 24— 10, 11 Leih als Komnenen bezeichnen.
Vgl. GlrllXANl>, Titres XII 89; Seiht, Skleroi 42 mit A. 114f.; YfZBASHlAN, Arménie 148f.
27 Vgl. Aristakês 38f. = 23—25C ; Matt eos 5 lf.V -3 4 B (dieser Abschnitt fehlt in der
Jerusalemer Ausgabe und in der Übersetzung von DrLAl’RlER); Smbat 27 V » 16G; zur
politischen Motivation vgl. Groi/ sket 561 f.; Honiumann 166f.
Darstellung
141
Nikephoros Koranenos den Muslimen, d. h. vermutlich den Marwäniden, die
Stadt A rcëi abnehmen konnte28.
Das erfolgreiche Vorgehen des Kaisers gegen Giorgi verschaffte dem
byzantinischen Reich Anfang 1022 auch die Anwartschaft auf Ani. Der
Nachfolger Gagiks I., Yovhannës Smbat, der Bundesgenosse Giorgis I. von
Apxazeti gewesen war, vermachte nämlich aus Angst vor einem drohenden
byzantinischen Rachefeldzug sein Land testamentarisch an Basileios II.
Yovhannës Smbat war ohne Nachkommen; sein Bruder Asot (IV .), der den
Norden und Osten des Reiches von Ani beherrschte, dürfte ähnliche
Verpflichtungen gegenüber Basileios II. eingegangen sein, als er sich zu
Beginn seiner Regierung der Gegner nur mit byzantinischer Hilfe hatte
erwehren können. Auch wenn Yovhannës, der durch Basileios II. zum
(¿¿Yiorpoc ernannt worden war und als apgcuv ’Aviou xat TÎjç (icyàXijç ’Appisviaç
seine Herrschaft auf Lebenszeit beibehalten durfte, bald Reue empfand und
sich der eingegangenen Verpflichtung zu entledigen trachtete, so blieb doch
der rechtliche Anspruch des byzantinischen Reiches bestehen29.
Als Basileios II. im Jahre 1025 starb, stellte sich die Gesamtlage im
armenischen Raum demnach folgendermaßen dar: Selbständigkeit besaßen
von den armenischen Königreichen nur noch Vanand (Kars), Tasir (bzw.
Lori) und Siwnik**. Anspruch auf Bewahrung der Unabhängigkeit erhob
trotz des zugunsten von Byzanz errichteten Testamentes Yovhannës
Smbat von Ani. Den Muslimen blieben als Stützpunkte Xlat* (IJilât), wohl
unter den Marwäniden, Berkri (Barkirl) im Bereich der Rawwädiden, und
Bales (Bidlls), das einem eigenen Emir unterstand. Der Nordosten gehörte
den kurdischen Saddädiden, einer gleichfalls muslimischen Dynastie mit
* Umfangsbestimmung des byzantinischen Vaspurakan bei Honigmann I69f. ; mehrere
untergeordnete Strategien sind durch Siegel belegt: Mantzikert, Berkri (nach seiner Beset
zung durch Byzanz 1034/5: vgl. u. S. I46f. mit A.43—45), Arckë, Gotoroz und Elabake (zu
beiden letzteren vgl. SEIBT, Miszellen 638—640). Vgl. auch SEIST, Vaspurakan 60 mit A. 25.
Die Besetzung von Arces berichten Jahjft 244, 8f. CHEIKHO und Aristakês 41 * 26f. C,
doch bringt nur Jahjft eine Datierung: 414 H (beg. 27.März 1023). Es ist anzunehmen, daß
ein Konflikt zwischen Byzanz und dem Marwftniden N&sraddaula von Majjftfariqln voraus
ging, falls Arèftft auch jetzt noch — wie unter Bftd und Ab& ‘All (vgl. o. S. 133 mit A. 5) —
marwftnidisch war.
* Anwartschaft auf Ani: Skylitzes 435, 79—87 ( = Kedrenos 557, 5—13); Aristakês
31 f. —löf. C (ihm zufolge traf die Gesandtschaft aus Ani zu Epiphanie, am 6. Januar 1022,
bei Basileios II. im Winterlager zu Trapezunt ein — in diese Zeit ist auch die definitive
Zession Vaspurakans anzusetzen ; vgl. o. A. 25) ; Matt'êos 50 V = 33 B (fehlt in der Jerusale
mer Ausgabe und in der Übersetzung von DULAURIER); Smbat 24f. V = 14f. G; Yakobos
Sanahnec’i, in: L. X aCikyax , Hakob Sanahneci zamanakagir XI dari. Vestnik Erev. Univ.
1971 /1,40. 42. Vgl. auch DöLGER, Regesten 813. — Überblick der Ereignisse bei A kulian
56—58; Forsyth 579—581 ; zu Aèot (IV.) vgl. die Angaben bei Honigmann 168, A. I f.
142
Armenien und al-Gazîra
den Sitzen Duin (Dvin) und Ganga, deren Hilfe später Konstantin I X .
gegen Ani beanspruchte, bis er letztlich mit ihnen darüber in Krieg geriet30.
Ob in die erste Zeit Romanos’ III., etwa 1028 oder 1029, der erstm alige
Vorstoß von turkmenischen Scharen nach Armenien im Zusammenhang m it
der 8el¿0qi8chen Expansion zu setzen ist, muß höchst unsicher bleiben31.
Der Schwerpunkt der Ereignisse verlagerte sich in den folgenden Jahren
nach Mesopotamien, wo das byzantinische Reich durch die Erwerbung
Edessas eine wesentliche Stärkung erfuhr.
Der Numairide 'Utair, welcher von seinem Onkel W attäb b. Säbiq h ier
eingesetzt worden war, hatte die eigentliche Verwaltung der Stadt bald
seinem Vertreter Ahmad b. Muhammad überlassen, bis er ihn trotz seiner
30 Zur Organisation der byzantinischen Ostgrenze sei verwiesen auf: N. OlKONOMlDÈS,
L’organisation de la frontière orientale de Byzance aux Xe—XIe siècles et le Taktikon de
(’Escorial, in : Actes du XIVeCongrès Intern. d’Études Byzantines I. Bukarest 1974, 286—
902; Y uzbashian, Arménie 140—148. Katepanate bildeten hier Vaspurakan, Iberia (d. i.
das seit 1000 byzantinische Taik*), Mesopotamia (das aber nicht im Zwischenstromland,
sondern etwa in Armenia IV lag) und Antiocheia; den ftoûxcç bzw. xaTcitovo» dieser Gebiete
waren in militärischen Belangen mehrfach Strategen untergeordnet.
Von den muslimischen Stützpunkten in Armenien war Xlat’ (ebenso wie Arôêi) unter
Bäd und Abü AH marwänidisch, was auch für diese spätere Zeit gelten kann (vgl. u. S. 150
mit A.52); für Baleé nennt Matt ros 62 V - 70 J « 42 B «=49 D einen eigenen Emir zum Jahre
480 armen, (beg. 14. März 1031); Berkri war 425 H (beg. 26. November 1033) rawwididisch,
vgl. u. S. 146 mit A.43; zu den Saddädiden vgl. u. S. 153 mit A.58.
91 CAHEN, À propos de quelques articles du Köprülü-Armagani. JA 1954, 275—279;
DERS., Le Mälik-nämeh et l’histoire des origines seldjukides. Oriens 2 (1949) 31—37. 50f.
hat mit Recht eine Invasion von Türken, die im Zusammenhang mit der Ausbreitung der
Selgüqen stünde, für diese Zeit zurückgewiesen. Zwar behauptete IBRAHIM KAFESOÖLU in
den Melanges Fuad Köprülü (Konstantinopel 1953) sogar die Führerschaft von Caghri Beg,
dem Bruder Tughril Begs, doch hielt sich Caghri Beg damals mit seinen Stammesgenossen
noch in Zentralasien auf. KAFESOÓLU stützte sich für seine These auf späte persische
Historiker des 14. und 15. Jh., während Ibn al-Atîr und andere ältere Quellen davon nichts
sagen. CAHEN verweist weiters darauf, daß Mahmüd von Ghazna, dessen Herrschaft seit
1025 in Qurftsän fest verankert war, flüchtige Turkmenen nach Westen abdrängte; doch
bleibt seine Aigumentation hypothetisch, demzufolge sowie auf Grund jener Inschrift
v. J. 1029, die den Tod Vasak Pahlawunis gegen die Türken erwähnt (vgl. o. A. 23), den
ersten — im engeren Sinne — türkischen Einfall nach Armenien auf etwa 1028—1029 zu
bestimmen; Vasak Pahlawuni, der in der Inschrift als „neulich gefallen" erscheint, dürfte
bereits einige Jahre zuvor den Tod gefunden haben. Weiters ist es merkwürdig, daß sich für
1028—1029 keine eindeutigen Zeugnisse über muslimische Einfalle in armenischen Quellen
finden ; es ist neben der genannten Inschrift (in der offenbar ein Reflex der Invasion von
1021 zu sehen ist; vgl. auch o. in A. 20) lediglich die merkwürdige Schilderung einer
Sonnenfinsternis 478 armen, (beg. 14. März 1029) bei Matt'eos von Urhay 53 V = 35 B (fehlt
bei J und D) anzuführen, die als großes Unglück erscheint, das auf die Türken vorausgewie
sen habe — zu Beginn gibt Matteos allerdings 471 armen, (beg. 16. März 1022) unter
Basileios II. als Chronologie! Eine bloße Möglichkeit für die Annahme einer Invasion bildet
die Mitteilung bei Ibn al-Atîr IX 378, wonach 420 H (beg. 20. März 1029) turkmenische
Scharen mit 2000 Zelten in Dienste der Rawwädiden getreten seien.
Darstellung
143
verständigen Amtsführung — vielleicht aus Eifersucht — beseitigen ließ.
Dadurch zog ’Utair die Abneigung der Bewohner Edessas auf sich, die
Nasraddaula b. Marw&n von Majjäf&rTqTn brieflich zur Übernahme der
Herrschaft aufforderten. Der von Nasraddaula mit militärischer Macht
entsandte ZankT bemächtigte sich tatsächlich der Stadt ; jedoch ließ sich.
Nasraddaula durch die Fürsprache des Miidäsiden $älih b. Mirdäs von
Halab dazu bewegen, U tair und ZankT als gemeinsame Regenten einzuset
zen. Als ZankT einen Sohn des ermordeten Ahmad b. Muhammad zur
Blutrache an ’Utair anstiftete, führte dièse Gewalttat zu einem Aufstand
der Banü Numair, wodurch ZankT Anfang 418 H (heg. 11. Feber 1027)
gleichfalls sein Leben verlor. Da indes $älih b. Mirdäs für einen Sohn des
U tair und einen anderen Numairiden, Ilm Sibl, neuerlich bei Nasraddaula
Fürbitte einlegte, nahm dieser von einer unmittelbaren Verwaltung Edes
sas in seinem Namen nochmals Abstand und übertrug sie an Ilm Sibl und
Ibn U tair.
Das neue Kondominium war ebensowenig gedeihlich wie jenes von
ZankT und ’Utair. Ibn Sibl beabsichtigte, seinen Mitregenten durch eine
geheuchelte Einladung zum Gelage aus der Stadt zu locken und dann
niedermachen zu lassen, verlor aber durch die Begleiter des Ibn ’Utair
selbst das Leben. Ibn 'Utair wollte sich daraufhin aller Befestigungstürme
Edessas bemächtigen, in deren wichtigstem ihm der offenbar turkmenische
Kennmandant Sulaimän b. al-Kurgl3* hartnäckig Widerstand leistete, bis er
in äußerster Bedrängnis Nasraddaula um Hilfe ersuchte. Dieser schickte
1000 Reiter nach Edessa, wo Ibn 'Utair friedliche Gesinnung gegen
Nasraddaula zur Schau trug; als er dem Kommandanten der Hilfstruppe
nachzustellen versuchte, wurde er jedoch seinerseits getäuscht und getö
te t» .
W eil daraufhin die Witwe Ibn U tairs die Araber zum Kam pf gegen die
kurdischen Marwäniden aufrief, übertrug Nasraddaula den Befehl in Edes
sa an Sulaimän, der zuletzt als Gast an seinem H of geweilt hatte. Doch sah
auch Sulaimän zuletzt keine andere Möglichkeit, als die Hilfe der Byzanti
ner anzurufen. Er wandte sich an Georgios Maniakes, welcher damals*
** Die Namenafonn ist nicht ganz eindeutig; Skylitzea (vgl. in A. 33) bezeichnet ihn als
Toôpxoç, aodaB bei Jahjft (vgl. ebd.) i/ y gelesen werden könnte, was vollends
(Kurde) oder <SjJr (Georgier) wenig wahrscheinlich macht; so jedoch ROZEN 389ff.,
A.430. Vielleicht sind Namen und Ethnikon überhaupt zu trennen; so oben im Text.
** Übertragung Edessas an Utair: vgl. o. S. 133 mit A.4. — Wirren in Edessa: vgl. Ibn
al-Atlr IX 347 (s. a. 416); Abu’l-FidÄ’ III76; Abu’l-Fara$, taYfy 337 ; ders., Chron. Syr. 231
Bruns—K irsch = l»2f. B udge ; Matt'öos von Urhay 68—64V-6 5 —72J -43B -46—
fiOD; Smbat 29f.V - 17f.G; Skylitzes 387, 86—11 ( - Kedrenos 500, 16—601, 16); JahjS b.
Said 263, 8—17 Cheikho .
Darstellung
145
er schickte eine Armee, welche in die Stadt eindrang und die Christen in der
Sophienkirche belagerte, wohin sie sich mit ihrer Habe geflüchtet hatten.
Die Kathedrale wurde mit einem Katapult beschossen, bis die Mauern
zusammenstürzten, und hernach dem Feuer überantwortet, sodaß ein
Großteil der hier Versammelten verbrannte. Zwar unternahm Maniakes von
der Zitadelle her einen kühnen Ausfall, der die völlig überraschten Muslime
aus der Stadt vertrieb, doch erhielten die Belagerer mannigfache Hilfe aus
den umliegenden muslimischen Regionen, sodaß sie neuerlich in die Stadt
eindringen konnten. Endlich kam ein 10.000 Mann starkes byzantinisches
Entsatzheer Maniakes zu Hilfe und zersprengte die Belagerer. Maniakes
ließ die Mauern der Stadt wieder in Stand setzen und blieb eine Zeitlang ihr
Kommandant; vermutlich wurde er aber noch unter Romanos III. abberu
fen*40.
des Maniakes : Jahjft a. O. ; die Hilfe für die Belagerer : Matt'ëos ; Jahjä a. O. ; der Entsatz für
die Byzantiner: Ibn al-AtTr, Abu’l-Farag a. O.
Fraglich ist, wo in der sehr ausführlichen Darstellung bei Matt'ëos von Uihay die
Grenzen zwischen historischen Fakten und Übertreibungen zu ziehen sind. Als verdächtig
muß die Liste der muslimischen Verbündeten gelten, von denen eine ganze Reihe nament
lich angeführt wird, wozu angeblich noch 40 weitere kamen; vgl. dazu D l’LAURlER 49f.;
HONIGMANN 137, A.5. Letzterer bezog diese Aufzählung auf den späteren, in allen Quellen
als gewaltiges Unternehmen dargestellten muslimischen Angriff von 427 H (1036). Weil
aber die ganze Handlung bei Matt'ëos zweimal ausdrücklich mit dem Namen des Kaisers
Romanos III. (t 11. April 1034) verbunden ist, sollte statt eines so radikalen Eingriffes in
die Überlieferung die konservative Darstellung bei SrHLl'MBERGER, Épopée III 113—116
vorgezogen werden, der Matt eos grundsätzlich folgt, jedoch die offensichtlichen Übertrei
bungen korrigiert. Von den genannten Verbündeten ist die Teilnahme des Sablb b. Wattäb
von Harrän durch Ibn al-AtTr gesichert, ganz unwahrscheinlich dagegen jene des Sibladdaula
Nasr b. Çàlih von Halab, der doch 1031 mit Byzanz Frieden geschlossen hatte und 1032 in
Absprache mit den Byzantinern gegen die Drusen vorging (vgl. o. S. 93f. mit A. 154 und
S.97f. mit A. 163); durchaus möglich wäre die Teilnahme von Kräften der Fätimiden (es war
ja die Zeit der Verwicklungen mit Byzanz wegen der Garrähiden; vgl. o. S.98 mit A. 164f.)
sowie des 'Uqailiden Qirwäs von Mosul und mehrerer kleiner Dynasten Mesopotamiens.
40
Maniakes schickte dem Kaiser von Edessa jährlich 50 Pfund an Abgaben (Skylitzes
388, 25f. [ = Kedrenos 502, 5f.]), was H o n i o m a n n (135, A. 5) — nicht sehr überzeugend —
einer politischen Sonderstellung Edessas zuschreiben wollte. Skylitzes 397, 49—51 ( = Ke
drenos 512, 9— 12) berichtet von der Abberufung des Maniakes im Zusammenhang mit
seiner Ernennung zum Strategen von Vaspurakan durch Michael IV. (6543 M [beg. I.Sep
tember 1034]); als Nachfolger in Edessa bezeichnet er Leon Lependrenos. Aber Matt'ëos
von Urhay sagt (64 V = 73 J = 43 B = 51 D), noch Romanos III. habe Maniakes abberufen
und durch Apukap (\\iroxi:rr,;) ersetzt (dieser erschien auf dem syrischen Feldzug als
Vertrauter Romanos'111.; vgl. o. A. 132), und dieser war wohl tatsächlich um 1034
Kommandant von Edessa; vgl. W. SEIHT. Rezension zu L e .MERLE, Cinq études. BSl 40
(1979) 53. Die Ausgabe des Smbat (29f. V) erwähnt zwar nicht die Ablöse durch Apukap,
doch in der Übersetzung (17f. G) erscheint Apukap als Abul-Bekir (!), Hüter des Zeltes von
Dawit* von Taik' (nach einer Smbat-Handschrift .aus Ejmiacin). W. SEIBT (mündliche
146
Armenien und al-Gazlra
Ein Teil der zurfickgeschlagenen Muslime wandte sich hierauf gegen das
infolge der byzantinischen Konzentration bei Edessa unzureichend ge
schützte Samo8ata. Die Angreifer vermochten eine Anzahl Feinde zu töten
oder gefangen zu nehmen, erlitten aber auf dem Rückweg bei einer
nächtlichen Überquerung des Euphrat beachtliche Verluste. Die Byzanti
ner hingegen unternahmen nicht nur von Samosata aus einen Streifzug
nach al-Gazlra, sondern verwüsteten auch von Edessa aus die Gebiete von
Aksäs, Sarüg41 und Harrän, deren Herr Sablb b. W attab unter den
muslimischen Verbündeten vor Edessa gewesen war, sodaß Öablb schließ
lich versprach, dem byzantinischen Reich Tribut zu leisten42.
Ein weiterer Verlust stand den Muslimen in Armenien bevor. Der
Rawwädide Abu’l-Haigä* b. Rablbaddaula, welchem die Festung Berkri
unterstand, war mit seinem Onkel, dem Emir von Ädarbaig&n, WahsQdän
b. Mamlän, in Streit geraten, worauf WahsQdän die Byzantiner zum
Eingreifen ermunterte43. 425 H (beg. 26. November 1033) bemächtigte sich
der damalige Katepano von Vaspurakan, Konstantinos (?) Kabasilas der
Stadt, wobei anscheinend auf byzantinischer Seite der Armenier Ganji, der
Mitteilung) vermutet, Romanos III. habe Maniakes abberufen, um auf die arabische 8eite
mäßigend in Richtung auf einen Friedensschluß einzuwirken; neuer Katepano wurde
Apuk'ap, und Michael IV. berief dann Leon Lependrenos (zu diesem vgl. auch 8EIBT,
Bleisiegel, Nr. 100).
41 Aksäs ist halbwegs zwischen Harrän und Edessa anzusetzen, vgl. HONIGMANN 140,
A. 3; zu Sarüg (das seitdem Aufkommen der Numairiden dieser Dynastie unterstand) vgl. o.
8.63, A. 30.
42 Vgl. Jahjä 264, 10—265, 2; 260, 21—270,3 CHEKHO; Abu’l-Farag, Chron. 8yr. 231 f.
BRUNS—K irsch - 103 B udge ; die allgemeinen Angaben bei Skylitzes 386, 52—386, 64
( - Kedrenos 400, 8—16) und Zonaras III 570, 14 über Einfalle der Araber nach Mesopota
mien bis Melitene i. J. 1032 gehören vermutlich in diesen Zusammenhang. Die an ersterer
8telle Jahjäs nicht näher bezeichnten Muslime sind z. T. dem Numairiden Sablb b. Wattäb
direkt zuzuweisen. Denn nach Jahjä 260, 21—270, 3 Cheikho unternahm der Protovestiarios Symeon (den Romanos III. mit einem Rachefekizug nach dem Mißerfolg in Syrien
beauftragt hatte, vgl. o. S. 80 mit A. 140) einen Vorstoß von Samosata nach al-Gazlra, um
dort unter anderen Arabern auch die Numairiden zu bekriegen. Deren Emire, vorab Sablb b.
Wattäb, zeigten sich jedoch unterwürfig und erstrebten die Vennittlung Symeons gegenüber
dem Kaiser, worauf sie an letzteren eine Gesandtschaft schickten.
43 Zu den Ereignissen um Berkri vgl. Ibn al-Atlr IX 437 (s. a. 425); Aristakäs
48f. - 36f. C; Matt'öos 74f. V * 86f. J = 50 B - 60f. D ; Skylitzes 388, 33—380, 48 ( » Kedre
nos 502,14—503, 8); die Angaben sind zum Teil widersprüchlich bzw. unzutreffend. — Den
bei Ibn al-Atlr genannten Abü MansOr Wahsüjän b. Mamlän kennt MunaggimbääT (Hs.
Topkapi 2051) 502b als rawwädidischen Emir mit Regierungszeit 416 H (beg. 4. März 1025)
— 451 H (beg. 17. Feber 1050); vgl. M in o r sk y 168; Abul-Haigä* b. Rablbaddaula nennt
Ibn al-Atlr IX 301 (s. a. 420) als rawwädidischen Emir von Urmia (zu dieser Dynastie vgl.
o. A.23), der nach der Niederlage der Ghuzz im Frühjahr 1044 (s. dazu in A.00) vom
siegreichen Qirwäi b. Muqallad zum Bündnis gegen sie gedrängt wurde.
Darstellung
147
offenbar damals Stratege von Berkri wurde, ebenso eine Rolle spielte wie
au f muslimischer Seite der vermutliche Kommandant der Festung, ’AXcip
oder Xtrik, der an seinem Herrn in der Hoffnung auf entsprechende
Belohnung durch die Byzantiner Verrat beging. Diese Erwartung erfüllte
sich nicht; vielmehr kehrte sein Sohn, der sich nach Konstantinopel
begeben hatte, unverrichteter Dinge zurück, und Aleim selbst wurde in
Berkri gefangengesetzt44*. Bald hernach (11. April 1034) kam Michael IV.
an die Regierung, und wohl im Zusammenhang damit wurde Kabasilas
abberufen. Der neue Katepano, NtxoXotoç ó BoùXyapoç bzw. XpuocXioç, begab
sich mit der Hauptmacht des byzantinischen Heeres weiter nach Arckë.
In der Zwischenzeit hatten unter der Vermittlung des Abbfisidenchali*
fen al-Q&’im die beiden Rawwfididen ihre Eintracht wiederhergestellt und
strebten nach der Wiedergewinnung von Berkri. Hiebei kam ihnen die
Sorglosigkeit des byzantinischen Kommandanten (wohl des genannten
Ganji) ebenso zu Statten wie die Unterstützung durch geheime Nachrichten
des inhaftierten Aleim. Es gelang ihnen, Berkri in einem Handstreich
wieder einzunehmen und die byzantinische Garnison samt dem Strategen
Ganji niederzumachen. Der byzantinische Gegen schlag erfolgte binnen
Jahresfrist unter dem Befehl des Patrikios Nike tas Pegonites, dem auch die
varägo-nis8ische Garde (druzina) zur Verfügung stand, wozu noch die
überlegene Belagerungstechnik der Byzantiner kam, mit deren Hilfe Berkri
neuerlich in ihren Besitz gelangte46.
Der seit einiger Zeit in Verbindung mit dem byzantinischen Reich
stehende Sablb b. Wattftb unternahm 426 H (beg. 16. November 1034)
44
Die Chronologie nach Ihn al*A}fr, der jedoch irrig sagt, die Muslime hätten Berkri
nicht wiedergewinnen können. — Kabseils»’ letzter sicherer Vorg&nger, Nikephoros Korn*
nenos, wsr zu Beginn der Regierung Konstantins VIII. unter Anklage des Hochverrats in
Verbindung mit Giorgi I. von Georgien abgesetzt, verurteilt und geblendet worden. Vgl.
Arietskës 40f. - 26C und Skylitzes 371,64—372,70 ( » Kedrenos 481,22—482,16), welcher
seine Schuldlosigkeit behauptet. Kabasilas ist vielleicht jener Konstantinos Kabasilas, der
1042 bei der Erhebung Theodoras beteiligt war, die ihn zum SoùÇ rifc Aúozuc erhob; vgl.
Skylitzes 418, 35—40, 422, 21—23 ( = Kedrenos 537, 17—22 ; 641, 12—14).
Der bei Skylitzes als byzantinischer Befehlshaber genannte Nikolaos Chryselios „der
Bulgare“, wurde von PRUDHOMME (Aristakös 60, A.6) und Grousset (663, A.4) irrig als
identisch mit Konstantinos Kabasilas angesehen. Der muslimische Kommandant von
Berkri heißt bei Skylitzes ’AXtip, bei Aristakfia Xtrik; Matt'öos kennt als byzantinischen
Kommandanten den Armenier Ganji.
44 Die richtige Deutung, daß Ganji für Chryselios, der auf Kabasilas gefolgt war, in
Berkri kommandierte, bei YUZBASHIAN, Arménie 160. — Die Wiedereroberung erfolgte nach
Aristakös (der keine absolute Chronologie gibt) im folgenden Jahr, was unter Heranziehung
Ihn al-AtTrs (1. Eroberung 426 H) 426 H (beg. 16. November 1034) bedeutet; unpr&zise
dürfte dagegen die Datierung des Matt'öos (486 armen, [beg. 12. Mörz 1036]) sein. Zum
neuen Strategen wurde von Pegonites der Sohn Ganjis, T a ca t, eingesetzt.
148
Armenien und al-ûazba
einen Streifzug gegen Nasraddaula b. Marwän, fur den er neben umfangrei
chen eigenen Rüstungen auch die Hilfe der byzantinischen Garnison von
Edessa in Anspruch nahm. Die vereinten Kräfte drangen verwüstend in
das Gebiet Nasraddaulas ein, der jedoch inzwischen gleichfalls seine Trup
pen gesammelt und auch Hilfe von auswärts (so durch den TJqailiden
Qirwäs von Mosul) erhalten hatte. Deshalb schien es SabTb b. W attäb
angezeigt, das Unternehmen abzubrechen und sich zurückzuziehen.
Nasraddaula erhob seinerseits bei Michael IV. Beschwerde wegen des
Bruches des zwischen ihm und Byzanz nach den Kämpfen um Edessa
abgeschlossenen Friedens und zeigte sich entschlossen, mit zahlreichen
Truppen — darunter auch Freiwilligen — Edessa zu belagern. Indes
erschien bei ihm eine byzantinische Gesandtschaft, die um Entschuldigung
bat und betonte, Michael IV. habe von dem Vorgefallenen keine Kenntnis
besessen. W eil ferner Garnison und Kommandant Edessas — dieser war
offensichtlich nicht mehr Maniakes, sondern Apuk'ap oder bereits Leon
Lependrenos — die Mißbilligung des Kaisers ausgesprochen erhielten, und
dieser zudem Nasraddaula ein kostbares Ehrengeschenk übersandte, ließ
sich Nasraddaula versöhnen und nahm von dem angedrohten Krieg Ab
stand4*.
Begreiflicherweise versprach sich SabTb b. W attäb nun von einem
Zusammenwirken mit Nasraddaula mehr als von dem Verbleib auf byzanti
nischer Seite. Im Ragab 427 H (beg. 30. April 1036) zogen die beiden
gemeinsam gegen die neuerdings in byzantinischem Besitz stehende und
wiederhergestellte Stadt as-Suwaidä’, plünderten sie aus und schleppten
Frauen und Kinder — nach Niedermetzelung der Männer (angeblich 3500)
— in die Gefangenschaft; ebenso erging es der Stadt Alar4
4
*47. Während so
am östlichen Ufer des Euphrats Tod und Verwüstung herrschten, wandten
sich Nasraddaula und Sabïb b. W attäb der Blockade Edessas zu48. Bald
44 Ibn al-Atlr IX 443 (a. a. 426); Abu’l-Farag, Chron. Syr. 231 Bruns—K irsch -193
Budge ; vgl. DOlgek, Regesten 840. Nasraddaula hatte 1032 durch eine Gesandtschaft an
Romanos III. Frieden mit Byzanz erwirkt; vgl. Jahjä 270,3 —6 CHEIKHO. Die Parteinahme
der ’Uqailiden für Nasraddaula erklärt sich daraus, daß nach Ibn al-AtTr die Numair 425 H
(beg. 26. November 1033) (wenn auch vergeblich) das den ‘Uqailiden gehörige Niÿlblh
angegriffen hatten. — Zur Frage des Kommandanten von Edessa vgl. o. A. 40.
47 as-Suwaidä’ ist das heutige Süverek, halbwegs zwischen Edessa und Diyarbakir
(Ämid) gelegen: vgl. Cahen. Syrie 114; Hoxiomaxx 136. A.5. Es war vermutlich kurz
zuvor, etwa als die Byzantiner 426 H (beg. 16. November 1034) mit SabTb b. Wattäb gegen
Nasraddaula verbündet waren, byzantinisch geworden. In der Nachbarschaft von asSuwaidä’ ist wohl auch Alar zu suchen; vgl. Dci.Al'RlER zu Matt'êos, c. XLVII, S.52.
4,1 Ibn al-Atîr IX 448 (s. a. 427); Abu’l-Fidä’ III 86; Abu’l-Farag. Chron. Syr. 223
Bruxs—K irsch = 194f. Bl'DOK; Matteos von Urhay 65f.V = 74f. J = 43f. B = 52D; Smbat
30 V = I8G. Was den bei Ibn al-AtTr und Abu’l-Fidä’ mit Ibn ‘Utair bezeichneten weiteren
Verbündeten Sablbs und Nasraddaulas betrifft, so kann der dort genannte Ibn Utair
Darstellung
149
litten die Belagerten unter großem Mangel. Dem Kommandanten (wohl
Leon Lependrenos) gelang es zwar, heimlich 5000 Reiter als Verstärkung
herbeizuholen, doch gerieten diese vor der Stadt in einen Hinterhalt, und
ihr Anführer fiel in Gefangenschaft. Angeblich um dessen Leben zu retten
ließen die Bewohner Edessas die Muslime in die Stadt ein, wo bald
Plünderung, Gefangennahme und wohl auch Metzelei um sich griffen.
Die Zitadelle wurde aber von den Byzantinern weiter verteidigt, und
endlich trat dadurch eine Wende ein, daß Konstantinos, ein Bruder
Michaels IV. und damaliger Statthalter von Antiocheia, mit einer starken
Armee nach Melitene zog. Wie es scheint, wollte er zwar nicht selbst weiter
vorrücken, er schickte jedoch eine ausreichende Streitmacht zum Entsatz
der Festung von Edessa aus49. Ebenfalls dorthin machte sich der Garr&hide
al-Hassän b. al-Mufarrig zur Unterstützung der Byzantiner mit 5000
Reitern auf50. Sablb b. W attäb trat ihm noch vor Edessa in den Weg,
verständlicherweise nur ein anderer Sohn Utairs sein als der seinerzeitige Mitregent in
Edessa, der ja bereits tot war (vgl. o. S. 143 mit A. 33). Ein Sohn TJtairs muß ohnedies die
Festung Sinn ibn TJtair nahe Samosata (JftqQt III 169) behalten haben, von der Ibn al-Atïr
(IX 413) zwar behauptet, daß sie gemeinsam mit Edessa durch Ibn Utair den Byzantinern
übeigeben worden sei, wogegen jedoch al-AzTmT (ed. Cahex . JA 1938, 135) bekräftigt, daß
sie bis 512 H (beg. 24. April 1118) den Numairiden gehörte. Vgl. auch Rice, Harrän 77 f.
49 Matt'êos 65f. V » 74f. J = 44B = 52D unterschiebt Konstantinos Furcht vor den Mus
limen — obwohl diese in Schrecken versetzt waren —, so daß er nicht weiter vonruckte.
Doch betont Skylitzes 399, 22—400, 28 ( = Kedrenos 515, 16—516, I) und danach auch
Zonaras III 590, 8—12, daß Edessa gefallen wäre, hätte nicht Konstantinos eine ausrei
chende Streitmacht von Antiocheia gesandt.
Bei dem Entsatzversuch der 5000 byzantinischen Reiter möchte HONIGMAXN 137
weitere durch Matt'êos von Urhay 63f. V = 71 f. J = 42f. B = 50f. D erzählte Vorgänge einordnen, die kursorisch die Begebenheiten einiger Jahre umfassen. Danach ließ Maniakes in
dieser Zeit laufend die Truppen verstärken und eine Festung Romanopolis erbauen (im
Gebiet von Edessa zu lokalisieren und nicht mit jener identisch, die Romanos I. nördlich des
Ananias erbaute: vgl. Hoxir.MANX 92. 137; DERS., Trois mémoires posthumes. Brüssel
1961,96). Im weiteren spricht Matt'êos von großer Hungersnot in Edessa, sodaß der Kaiser
(bei ihm immer noch Romanos III.) Brotsäcke durch Soldaten dahinschafTen wollte.
Angeblich 60.000 Lanzenträger überschritten bei Ltar (am linken Euphratufer, oberhalb von
Samosata; vgl. HoxiGMAXN 137, A. 7) den Euphrat; als sie aber nach Parsur kamen (wohl in
derselben Gegend; vgl. DlTLAl'RIER zur Matt'ëos-Stelle), uberfiel sie SabTb (keinesfalls als
äibl[addaula] von Halab zu deuten, wie ScHLUMBERGHR, Épopée III 116, A. 1 vermutete,
weil dieser damals ein verbessertes Verhältnis zu Byzanz erstrebte; vgl. o. S. 106 mit
A. 191), verfolgte sie bis Desnajor (wohl ein Tal zwischen Edessa und dem Euphrat; vgl.
DULAURIER zur Matt'ëos-Stelle) und machte sie nieder. Soweit Matt'êos; vielleicht ist dieser
Entsatzversuch aber doch von jenem der 5000 zu unterscheiden..
50 Vgl. Ibn al-AtTr IX 449. Im übrigen stellt er die Dinge so dar, als wäre der
Kommandant Edessas selbst mit den von ihm herbeigeholten 5000 Byzantinern in den
Hinterhalt geraten. Davon findet sich in den anderen Quellen nichts, sodaß Ibn al-Atir wohl
den Kommandanten Edessas mit jenem der 5000 verwechselte.
160
Annenien and al-Gazïra
wurde aber durch einen Ausfall der Belagerten in Richtung Harrän z u
eiliger Umkehr genötigt, ohne daß er offensichtlich den Entsatz E dessas
länger verhindern konnte. Konstantinos wurde von Michael IV. für sein e
Verdienste zum Domestikos der Scholen des Ostens ernannt, welches A m t
er wenigstens vorerst gemeinsam mit dem Katepanat von Antioche ia
führte61.
Vermutlich war Sahibs Bundesgenosse Nasraddaula zu diesem Z e it
punkt bereits anderwärts gebunden. Die Sanäsuna (Sasun), ein kriegeri
sches Bergvolk Südaimeniens, hatten im gleichen Jahre 427 H die Karawa
ne der Mekkapilger aus Huräsän, Tabaristän, Ädarbaigän und angrenzen
den Gebieten überfallen, die dem gewohnten W eg durch Armenien über
Bil&t (Xlat*) folgen wollten. Ein Teil wurde getötet, andere ausgeplündert
und gefangengenommen; die Beute schaffte man auf byzantinisches H o
heitsgebiet. Nasraddaula, dem Hilät unterstand, machte sich zum Vergel
tungskrieg bereit, worauf der Anführer der Sanäsuna einen Frieden gegen
Rückgabe von Beute und Gefangenen erstrebte. In Anbetracht der Festig
keit der armenischen Burgen, des schwierigen Gebirges und eines zu
befürchtenden Eingreifens der Byzantiner stimmte Nasraddaula diesem
Ausgleich zu6*.
Aus mehrfachen Erwägungen heraus machte auch SabTb b. W attäb
429 H (beg. 14. Oktober 1037) seinen Frieden mit Byzanz, wodurch er auf
Edessa endgültig verzichtete, das die Byzantiner neu aufbauten und
befestigten. Er hatte wohl die Unmöglichkeit eingesehen, die Byzantiner
aus Edessa wieder zu vertreiben. Außerdem unternahmen zur selben Zeit
die türkischen Ghuzz einen Vorstoß nach Westen, wobei sie bis Urmia
" Der Mißerfolg Sahibs eigibt sich indirekt daraus, daß Ibn al-Attr IX 449 von der
geglückten Abwehr dea Vorstoßes gegen Harrän und bemach lapidar unter 429 H (IX 490)
vom Friedensschhiß mit Byzanz berichtet. — Konstantinos wird durch ein Siegel (8EIBT,
Bleisiegel I, Nr. 35) als irpócSpoc, 8o|icanxoc tüv agoXüv tt¡? ’Ava-roXifc xal SoùÇ 'Avnoxciac
nachgewiesen, sodaß die von Laurent, Antioche 241 als unwahrscheinlich angesehene
Kumulation Domestikos-Katepano eine Zeitlang doch bestanden haben muß; Konstantinos
dürfte ferner jener Domestikos sein, der 1040 vor Halab erwähnt wird; vgl. o. 8. 111 mit
A.203.
M Vgl. Ibn al-Atir IX 449 (s. a.427); die zeitliche Abfolge wird dadurch nahegelegt, daß
die Zeremonien des Hagg in den letzten Monat Du’l-Higga fallen, sodaß die Pilger wohl erst
nach dem 7. Monat Ragab (als Sablb b. Wa&äb und Nasraddaula ihren Vorstoß gegen
Edessa unternahmen) in Armenien unterwegs waren, Bilftt gehörte schon anfangs zum
Bereich der Marwäniden (vgl. o. A. 5) und stand auch 1067 unter ihrer Herrschaft (Skylitzes
480, 84 [ «=Kedrenos 018, 23] bezieht sich auf Nasraddaula) ; zur Identifikation des „Hemn
von ffilftt" bei Ibn al-AtTr mit Nasraddaula vgl. auch Marquart, 8üdannenien 476f.
Offenbar herrschten damals ziemlich verworrene Zustände, sodaß die Armenier gegen die
Muslime des nahen (filât zur Selbsthilfe griffen; vgl. Marquart, a. 0 . 488.
Darstellung
151
vordrangen — und möglicherweise sogar einen Streifzug nach Armenien
unternahmen — , so daß Sablb b. W attäb ein allfalliger Zweifrontenkrieg
drohte, dem er schwerlich gewachsen war53. Abgesehen davon erforderten
die Angelegenheiten Syriens, wo damals ad-Duzbarl die flLtimidische Herr
schaft in beunruhigender Weise nach Norden ausweitete, Sablbs Aufinerksamkeit. Allerdings zog er es schließlich vor, die f&timidische Oberhoheit
formal weiter anzuerkennen64.
Ein gefährdeter Vorposten des byzantinischen Reiches blieb Edessa
weiterhin, wie ein fast geglückter arabischer Handstreich des Jahres 1038
zeigt. Manche Einzelheiten in der Darstellung des Skylitzes mögen stark
novellenhafb sein, das Faktum selbst ist aber offensichtlich historisch. Zum
damaligen Kommandanten der Stadt, dem Iberer Barasbatze (Varazvace),
kamen mehrere Emire, die Vorgaben, auf dem W eg zum Kaiser zu sein und
in zahlreichen Kisten Ehrengeschenke mitzuführen. In Wirklichkeit befan
den sich angeblich je zwei Bewaffnete darin, die nach der Aufnahme in die
Stadt von ihren Kumpanen herausgelassen werden sollten, um sich zusam
men mit ihnen Edessas zu bemächtigen. Doch ein armenischer Bettler soll*7
4
08 Der Friede Sablbs mit Byzanz: Ibn al-Ajlr IX 450 (s. a. 420); die Gefährdung durch
die Ghuzz: Ihn al-Atlr IX 381—3 und Abu’l-Farag, Chron. Syr. 238 B runs—K irsch - 108
BUDGE sprechen zum J.420 H Jbeg. 10. Oktober 1037) geradezu von turkmenischen
Angriffen auch auf Armenien von Ädarbaigän aus — vielleicht ist M&tt'&os von Urhay 06—
74 V - 75—86 J -4 4 —50 B -5 3 —60 D darauf zu beziehen, der 485 armen, (beg. 12. März
1036) wiederum (vgl. o. in A. 31) eine Sonnenfinsternis von den Türken drohendes Unheil
vorauskünden läßt. — Die Ghuzz oder Oghuzen, aus denen dann die Selgflqen hervorgingen,
wunderten seit etwa 040 von Zentralasien nach Buräsän ab. Dort blieb während der
selgOqischen Expansion ein Teil ansässig, ein anderer wurde zum Aufbruch veranlaßt; von
diesem schloß sich eine Gruppierung an fughril Beg und Caghri Beg an, während die andere
(um die es sich bei Abu’l-Farag handelt) gegen die Grenzen Armeniens abgedrängt wurde.
Vgl. E t1 II 1108, s. v. Ghuzz (Cahen).
44 Für Sablb b. Wattäb waren die Verhältnisse in Syrien seit jeher von Bedeutung. Seine
Schwester as-Sajjida hätte Napr b. $älih von Halab geheiratet, dem Sablb b. Wattäb bis zu
dessen Schlachtentod gegen ad-Duzbari die Treue hielt ; als ad-Duzbarl danach auch gegen
Mesopotamien ausgriff, suchte Sablb ihn zu besänftigen. Vgl. o. S. 108f. mit A. 106—100.
Später jedoch verband sich Sablb mit Naçraddaula b. Marwän, dem Gerüchte über Expan
sionsabsichten ad-Duzbarls gegen Msjjäfarlqln zugekommen waren, und mit Qirwäft von
Mosul. Auch in staatsrechtlicher Hinsicht gab Sablb b. Wattäb seiner Wendung gegen die
Ftyimiden Ausdruck, indem er das Kanzelgebet für sie zugunsten desAbbäsidenchalifen alQä’im abschaffte (430 H [beg. 4. Oktober 1038]). Das Bündnis gegen ad-Duzbarl kann indes
nicht die gewünschte Wirkung erlangt haben, denn auf dessen Drohungen hin mußte Sablb
noch im gleichen Jahre des Kanzelgebet und damit die Anerkennung fctimidischer Oberherr
schaft wieder einführen. Vgl. Ibn al-Atlr IX 465 (s. a.) ; Abu’l-Farag, tarife 343. Wahrschein
lich damals erhielt Sablb vom Fätfmidenchalifen al-Mustan^ir den Titel sanl'ataddaula watafwatuhä, mit dem er in einer Inschrift seines Sohnes Manf angeführt wird; dazu vgl.
Rice, Harrftn 53ff.
152
Armenien und al-öazTra
aus einer solchen Truhe arabische W orte gehört haben, worauf der davon
verständigte Barasbatze die in den Kisten Verborgenen niedermachen ließ.
Hernach wurden die nichtsahnend in der Stadt tafelnden Emire gleichfalls
getötet; nur ein einziger soll verstümmelt in seine Heimat entlassen
worden sein. — Soweit Skylitzes; leider sagt er nicht, von welchen Arabern
dieser Überrumplungsversuch ausging,v>.
In der Folgezeit verlor die Herrschaft der Numairiden von Harrän nach
dem Tode von SabTb b. W attäb 431 H (beg. 22. September 1039) infolge
Teilung an Bedeutung**; von Konflikten mit Byzanz wird hier ebensowenig
berichtet wie bei Nasraddaula b. Marwän, dessen kluge, vom Rat trefflicher
Wezire unterstützte Regierung eine ausgewogene Außenpolitik notwendi
gerweise einschloß5
5
*57. Hingegen beginnt damals mit Abu’l-Aswär aus der
Dynastie der Saddfididen von Ganga der neue Gegner Armeniens und
später des byzantinischen Reiches in Erscheinung zu treten.
55 Vgl. Skylitzes 403, 31 —404, 49 ( » Kedrenos 520, 10—521,6) und danach Zonaras III
591, 12—592, 13. Barasbatze ist wohl nicht mit dem von Skylitzes 376, 92—377, 3
(»Kedrenos 487, 23—488, 4) genannten Georgios Barasbatze identisch, welcher 1028 der
Teilnahme an einer Verschwörung gegen Romanos III. beschuldigt wurde und zu den
Gründern des berühmten iberischen Klosters auf dem Athos zahlt (Skylitzes ebd.). Vgl. auch
V. Sandrov.ska.IA, Odno utocnenie teksta chroniki Skilicy po materialam sfragistiki. Soobéó.
Ermitaza 40 (1975) 46ff.
M Tod SabTs und Teilung: Kamäladdln I 258, 9—II ; 259, 2; Ibn Saddäd (Hs. Berlin
9800) 14b. 23b. 31a; (Hs. Bodl. Marsh) 33a; vgl. auch Rice, Harrän 80. Demnach kam
Sarüg an Hasan, einen Bruder SabTbs; Harrän und Raqqa fielen an zwei weitere Brüder,
Mutä'in und Qawäm. Außerdem muß der Sohn Sablbs, Man!*, Besitzungen in al-Gazlra
erhalten haben, denn als Timäl b. $älih Raqqa an sich zog, kaufte ad-DuzbarT die Festung
Dausar (oder Qal'at Ga*bar, zwischen Halab und Raqqa. etwa gegenüber Çiffih ; vgl. Jfiqût II
621 ), um Timäl unter Kontrolle zu halten. Nach ad-Duzbarls Tod fiel Dausar umgehend an
ManT' zurück, während Harrän geraume Zeit unter seinen Onkeln blieb.
57 übersieht zu Xasraddaulas Regierung l>ei A.MKDROZ, Marwänid Dynasty 132—142.
Sein Wezir war zunächst Abu’l-Qäsim al-Isbahäni, der ihm als Statthalter von Arzan zur
Regierung verholfen hatte (vgl. o. S. 135 mit A. 12) und nach dessen Tod 415 H (beg.
15. März 1024) jener Abu’l-Qäsim al-Maghribî, der vormals in Diensten al-Häkims gestan
den, dann an der Erhebung des Gegenchalifen Abu’I-FutOh beteiligt war (vgl. o. S. 60, A. 52)
und nach seiner Flucht über Mesopotamien schließlich an den Hof Xasraddaulas kam (vgl.
dazu Amedroz 133, A. 1).
Der Geschichtsschreiber Majjâfarîqlns, Ibn al-Azraq, berührt auswärtige Verhältnisse
nur wenig, sodaß für Xasraddaulas Beziehungen zu Byzanz andere Quellen heranzuziehen
sind; zum beigelegten Streit mit den Sanäsuna vgl. o. S. 150 mit A.52; zu den guten
Diensten, welche Xasraddaula dem byzantinischen Reich sowohl beim Auftauchen des
zweiten Mahdi-Prätendenten al-Asfar 439 H (beg. 28. Juni 1047) als auch bei der Freilas
sung des gefangenen Fürsten Liparit durch Tughril Beg 441 H (beg. 5. Juni 1049) leistete,
vgl. u. S. 165 mit A.98; S. 170 mit A. 111.
Darstellung
153
Das kurdische Geschlecht der Saddfididen58 gelangte im spateren
10. Jahrhundert neben den Mus&firiden in Ädarbaigän zur Macht; als es
hier den Rawwädiden von Tabriz weichen mußte, behauptete es sich in
TranskaukMien, im Gebiet von Ganga. Vermutlich 413 H (beg. 6. April
1022) brachte der noch junge Abu’l-Asw&r das umstrittene Dvin endgültig
unter die Herrschaft der Saddfididen und führte dieses exponierte Gebiet
wahrscheinlich als selbständiger Regent, ohne für Ganga sonderliches
Interesse aufzubringen, wo die Erbfolge nach dem Tod seines Vaters Fadl
(1031) auf Abu’l-Aswärs Bruder Müsä und dessen Nachkommen direkt
überging.
1040 oder 1041 unternahm Abu’l-Aswär einen Streifzug in dM Gebiet
des Königs Dawit* Anholin von Tasir. Dawit' erreichte von den anderen
armenischen Herrschern — angeblich durch seine Drohung, sich sonst
Abu’ l-Aswär zu unterwerfen und ihm als Führer auf seinem weiteren Krieg
zu dienen — die Stellung von Hilfstruppen, zu denen sogar noch Kräfte des
Emirs Ga*far von Tiflis kamen. Dawit' fugte mit dieser Verstärkung dem
möglicherweise deutlich überlegenen Abu’l-Aswär eine schwere Niederlage
zu, worauf dieser alle besetzten Gebiete räumen mußte59.*2
8
68 Die maßgebliche Grundlage für die Kenntnis der Saddfididen wurde durch Herausgabe
und Kommentierung des betreffenden Abschnittes aus Munaggimbäsl durch V. MlNORSKY
geschaffen. Sie waren Kurden, standen aber nicht in direktem Zusammenhang mit den
ursprünglich arabischen, später kurdisierten Rawwädiden (MlNORSKV 35); sie traten um
340 H (051 ) in Ädarbaigän auf, nachdem der Musäfiride Marzub&n b. Muhammad b. Musftfir
▼on den Büjiden gefangen genommen worden war (MunaggimbäfiT 4, 3). Aus Ganga (seit
1804 Elizavetpol’, 1935 in Kirovabad umbenannt, in der Sowjetrepublik Azerbajdzan etwa
halbwegs zwischen Tbilisi und Baku gelegen ; vgl. E l* II 975 [BARTHOLD— B ü YLE]) mußten
die Saddfididen nach Marzubftns Freilassung um 344 H (955) wieder weichen, doch um
360 H (970) verdrängten sie die Musäfiriden endgültig aus Ganga (MunaggimbäsT 4, 6. 8;
vgl. dazu MlNORSKY 39). Nach Marzubäns Tod kamen die Rawwädiden in Ädarbaigän zur
Macht, denen 987 auch Dvin zufiel (vgl. M in o r sk y 121; EI* II 678—681 [Ca n a r d ]).
MunaggimbääT 4, 13. 16 (vgl. dazu MlNORSKY 42. 50f.) berichtet, Abu’l-Aswär hätte vor
seiner ab 441 H (beg. 5. Juni 1049) gerechneten Herrschaft in Arrän (wozu Ganga gehörte)
28 Jahre lang über einige andere Gebiete regiert; demgemäß begann seine Herrschaft in
Dvin 413 H (beg. 6. April 1022). — Zur Erbfolge in Ganga (von Fadl auf Müsä, dessen Sohn
Laskarl und dessen Sohn Anüfiirwän) vgl. M in o r sk y 40ff.
50 Matt'ëos von Urhay spricht zuvor von Ereignissen des Jahres 489 armen, (beg.
11. März 1040) und sagt dann, der Vorstoß Abu’l-Aswärs habe zur selben Zeit stattgefunden
(79—82 V = 92—96 J = 53—55B = 64—67 D). Zudem ist der Zeitraum durch den Tod von
Dawit's Verbündetem, Yovhannës Smbat (er starb 490 armen, [beg. II.März 1041]),
begrenzt (vgl. u. A. 63). Smbat 33f. V = 20G datiert in die Zeit nach dem Tode Asots.
GRorssET 565f. bezog irrig ebenso wie B r o sset , Histoire I 316f. die von Matt'öos
geschilderten Ereignisse auf einen Sieg Bagrats IV. über Abu’l-Aswärs Vater Fadl; vgl.
dagegen M in o r sk y 43f. Im übrigen irrt Matt'êos darin, daß er Abu’l-Aswär als Großemir der
Perser bezeichnet, weil erst 441 H (beg. 5. Juni 1049) die Herrschaft in Arrän (Ganga) an
154
Armenien und a l-6 u lr t
Bald hernach (490 armen, [beg. 11. März 1041]) starb YovhannSs Sm bat
kinderlos, nachdem ihm zwei Jahre früher sein Bruder Asot (IV .) vorange
gangen war. Der Sohn Asots, Gagik (II.), war von der Nachfolge durch d a s
von YovhannSs Smbat 1022 errichtete Testament ausgeschlossen, worin e r
den byzantinischen Kaiser zum Erben bestimmt hatte. Auf byzantinischer
Seite dürfte man sich der Problematik dieses Rechtstitels bewußt gewesen
sein*60; dessenungeachtet wurde noch unter Michael IV. (t 10. Dezem ber
1041) ein erster Versuch unternommen, Ani militärisch zu besetzen. D ie
Byzantiner wurden hierbei durch Dawit* Anholin von Lori unterstützt,
erlitten jedoch trotz ihrer Übermacht nahe Ani am Fluß Axurean
eine schwere Niederlage durch den armenischen Feldherm Vahram
Pahlawuni61.
Allerdings gab es auch in Ani selbst eine für Byzanz eintretende Partei,
deren Führer der offenbar aus dem Geschlecht der Herrscher von Siwnik*
stammende Bestes Sargis Haykazn war62. Er unternahm in der schwanken
den Lage nach YovhannSs Smbats Tod den Versuch, sich des Staates zu
bemächtigen, scheiterte aber an dem als nationaler Führer auftretenden
Abu’l-Aswär überging (vgl. A. 58). Nach Mattföos soll die Stärke der Muslime nicht weniger
ala 150.000 Mann betragen haben; wirklichkeitsnaher nehmen sich die 3000 Mann Hilfstruppen YovhannSs Smbats, die 4000 Bagrats IV. (nach Smbat 5000) und die 2000 Grigors V.
von Siwnik* aus, ebenso wie die 10.000 Mann Dawit's.
60 Zum Testament von YovhannSs Smbat vgl. o. 8.141 mit A.29. AristakSs 57 «45f.C
erzàhlt, Konstantin VIII. sei auf dem Sterbelager willens gewesen, das Testament zurück
zusenden ; der damit beauftragte armenische Priester namens Kiwrakos habe es aber aus
schnöder Gewinnsucht später an Michael IV. verkauft. Dahinter könnte der Sachverhalt
stehen, daß man in Ani nach dem Tode des gefürchteten Basileios II. in Verhandlungen die
eingegangene Verpflichtung rückgängig machen wollte; möglicherweise schienen gegen
Ende der Regierung Konstantins VIII. die Aussichten dafür relativ günstig.
61 Matt'öos von Urhay unterscheidet 84V = 97f. J = 56B = 68D und 85f. V - 99f.
J - 57 f. B = 69f. D zwei Züge, deren erster unmittelbar nach dem Bekanntwerden von
Yovhannös Smbats Tod unter Michael IV. (flO. Dezember 1041 ) erfolgte; den 2.Zug datiert
er ebenfalls in das Jahr 490 armen, (beg. 11. März 1041 ); hier ist die Rede vem Sieg Vahram
Pahlawunis über die Byzantiner. Hernach, noch immer zu dem selben Jahr, berichtet
Matt'öos über einen neuerlichen Einfall der Byzantiner, infolge von Machenschaften Dawit's
von Lori. Vermutlich handelt es sich um Ereignisse aus längeren Kämpfen während des
Jahres 1041, die bei Matt'Sos allzusehr differenziert erscheinen. Vgl. auch Smbat
36V -21G .
M Uber 8argis vgl. Aristakfts 57f.-46f.C ; Matt'öos 84V -97f. J -5 6 B -6 8 f. D; Smbat
36 V - 21 G; Samuel von Ani 107. Auf einer armenischen Inschrift des Jahres 1033 erscheint
er mit der byzantinischen Rangtitel-Kombination TtatTpuuoç ¿ v&vtcstoc ftforrjç sowie als dux
orientis. Letzteres könnte als armenisches Kommando aufgefaßt werden (dahin weist Smbat
40 V -24G ), sodaß eher nicht anzunehmen ist, es handle sich um ein Synonym für taug (faaw.
xaTcicévu)
wie YUZBASHIAN, Arménie 158. 172 meint
Darstellung
165
Vahram Pahlawuni, welcher Gagik (II.) auf den Thron eihob83. Sargis
mußte sich in die Festung Surmari zurückziehen, von wo aus er mit den
Byzantinern in Verbindung treten wollte, jedoch in einem Handstreich
Gagiks gefangen genommen wurde84.
Die militärische und politische Erfolglosigkeit gegen Ani sowie die
innenpolitische Lage des byzantinischen Reiches bewirkten, daß in den
beiden nächsten Jahren kein byzantinisches Voigehen gegen Gagik erfolg
te 85. In dieser Zeit ereignete sich ein Streifzug nicht näher bezeichneter
Turkmenen, die aber zumindest mittelbar mit Abu’l-Aswär in Zusammen
hang zu bringen sind; Gsgik II. und Grigor Pahlawuni88 — letzterer von
seinem Lager am Fluß Hurastan nahe Bjni aus87, ersterer mit dem
Standort in der Provinz Ayrarat — zwangen die Feinde aber zu einer
verlustreichen Flucht88.
Als Konstantin IX . Monomachos nach dem Tod des Usurpators Georgios Maniakes seiner Herrschaft sicher war, wandte er sich wieder einer*
** Yovhannös Smbat und Gagik II. sind durch inschriftliche Zeugnisse als Herrscher für
490 armen, (beg. 11. März 1041) belegt, sodaß YovhannSs Smbat in diesem Jahr gestorben
ist. Diese Datierung ihr YovhannSs’ Tod gibt auch Matt'Soa 84 V —97 f. J - 58 B = 68f. D;
Smbat 36V datiert auf 490 armen., 22G jedoch auf 491 armen. Vgl. GROU83ET 568, A.3;
569, A.5; SHEPARD 285, A.6. Vahram Pahlawuni war der Onkel von Grigor Magistros
Pahlawuni und eine der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Zeit; vgl. Akulian 88f.;
AristakSs 46, A.4C.
M Da Gagik offenbar in den letzten Monaten d. J. 490 armen, inthronisiert wurde, ist die
Gefangennahme von Sargis in die ersten Monate d. J. 491 armen, (heg. 11. März 1042) zu
setzen. Matt'Sos datiert auf 490 armen., führt die Erzählung aber kontinuierlich Ober dieses
Jahr hinaus. Vgl. SHEPARD 287f. — Zur Lage von SurmaH vgl. u. A. 87.
" Laut Matt'Sos 87 V -lO lf. J -5 8 B -71 D führte Gagik nach der Festnahme von
Sargis zwei Jahre lang eine glückliche Regierung; wenn Sargis in den ersten Monaten 491
armen, (heg. 11. März 1042) inhaftiert wurde, ergibt sich die Dauer des Zeitraumes bis
Frühjahr 1044.
** Grigor Magistros Pahlawuni, Neffe von Vahram Pahlawuni, trat Ende 1044 oder
A n fan g 1045, als Gagik II. in Konstantinopel festg eh a lton wurde, in byzantinische Dienste;
vgl. SHEPARD 293, A. 31; 296, A. 40. Er war auch als Schriftsteller bedeutend; vgl.
GROUSSET 575f.; INGL181AN (vgl. S.25, A. 17) 188f.; AristakSs 51, A.2C; SCHLUHBERQER,
Épopée III 484f.
* Der Hurastan (baw. Hrazdan) oder Zangi fließt aus dem See von Sevan über Erevan
in den Arrnzes; Bjni lag nördlich von Erevan im Distrikt Nig. Vgl. HONIGMANN 176;
GROU88ET 580. Bei Smbat 37 V - 22G erscheint irrtümlich der Fluß Axurean anstatt des
Hurastan.
88 Matt'êos 87f. V -102J «58f. B=71 D. Hit Hinblick auf die Nähe der Örtlichkeiten
dieser Auseinandersetzungen su Dvin vermutet Shepard 288 einen direkten Einfall Abu’lAswirs; viel zu weit ging der Historiker Armeniens des 18. Jahrhunderts, CTamCean ,
welcher geradezu ein geheimes Bündnis Abu’l-Asw&ra mit Tughril Beg annahm — vgl. nach
ihm DULAURIER 307 z. S t Denkbar ist aber, daß es sich um Verbündete Abu’l-Aswftrs
handelte, die nach dessen Niederlage ebenfalls die Rache der Armenier zu spüren bekamen;
so Minorsky 62.
156
Armenien und al-ôazTra
aktiven Politik in Armenien zu. Weil die Aufforderung an Gagik II. zum
Thronverzicht wirkungslos blieb, entschloß sich der Kaiser fur ein militäri
sches Eingreifen und beauftragte nach Anfang 493 armen, (beg. 10. März
1044) den ßc<m}t und neuen 8oùÇ *I(b¡píotc, Michael Iasites69, mit dem
Oberkommando im Krieg gegen Ani. Iasites war nicht im Stande, gegen
Gagik II. etwas auszurichten, sodaß Konstantin IX . eine weitere Truppen
macht unter dem Domestikos der Scholen des Ostens, Nikolaos70, dem
Iasites zu Hilfe schickte. Überdies trat der Kaiser mit dem Saddädiden
Abu’l-Aswär in Verbindung, indem er Nikolaos mit einem Brief nach Dvin
schickte, worin er Abu’l-Aswär zum Einfall in das Reich Ani aufforderte.
Abu’l-Aswär verlangte zuerst eine schriftliche Anerkennung seiner zukünf
tigen Eroberungen durch Konstantin IX . ; als der Kaiser in einem Chrysobull71 diese Zusicherung gab, trat Abu’l-Aswär in den Krieg gegen
Gagik II. ein72.
Die byzantinischen Truppen blieben auch nach der Vereinigung von
Iasites und Nikolaos ohne klaren Erfolg; sie mußten sich nach einem
Ausfall der in Ani Eingeschlossenen fluchtartig zurückziehen und nahmen
00 Iasites (zur Familie vgl. SKIBT, Bleisiegel I39ff.) war 6546 M (beg. 1. September
1037) Katepano Iberiens, wo Bagrat IV. von Geoigien mit ihm zusammenstieß (Skylitzes
402, 6), und wurde nun neuerlich zum Statthalter designiert; vgl. auch YUZBASHIAX,
Arménie 150.
70 Nikolaos wurde durch Konstantin VIII. zum TtpôcSpoç, Soficonxo; twv «jyoXüv und
ïïapaxot(i(i)(tfvo; befördert (Skylitzes 370, 30—32 [ = Kedrenos 480, 10—21]); Romanos III.
entsetzte ihn (ebd. 382, 50—61 [ =405, 1—3]), doch Zoe berief ihn wieder zum Oberbefehls
haber der Scholen (ebd. 422, 21—23 [ = 541, 12—14]); unter Konstantin IX. erscheint er
dann erneut als icotpoixoi(i(í>(ievo; und 8ojxé<mxoç tcov oyoÀwv (Skylitzes 432, 88—04 [ = Kedrenos 553, 12—10]). —Der TrapaxoifiiopLcvo; stand an der Spitze der xorromTsi (Kammerherren)
und war seit dem 10. Jh. einer der Kinflußreichsten im Palast ; vgl. OriLLAXD, Recherches I
202ff. ; OlKONOMlDfis 305.
71 Besondere Urkunden des Kaisers, etwa solche von außenpolitischer Wichtigkeit oder
auch Schenkungen betreffend, hießen — da durch Goldsiegel ausgezeichnet —
X'ivoi. Vgl. F. DOuskr—J. KarayannopujOs, Byzantinische Urkundenlehre. I. Abschnitt:
Die Kaiserurkunden. München 1068, 24f.
72 Vgl. Skylitzes 435, 72—436, 23 ( = Kedrenos 556, 15—550, 2); Matt'êos
06V = 112J = 64 B = 78D (er behauptet von Anfang an den Oberbefehl des Parakamanos,
d. h. des Nikolaos, und schweigt über Angriffe der Byzantiner bzw. Abu’I-Asw&rs auf Ani,
bevor Gagik II. sein Land verließ); Aristakês 58 = 47C (dieser spielt offenbar auf obige
Auseinandersetzungen bloß an, wenn er von vier Kinfallen der Byzantiner nach Armenien
spricht). Für Matt'êos und Aristakês lag das Hauptgewicht auf dem Übergang Anis an
Byzanz infolge der unter trügerischen Vorspiegelungen unternommenen Reise Gagiks nach
Konstantinopel; vgl. ShKHAKI) 200—202. Vgl. ferner Smbat 41 f. V = 25G. Übersicht bei
DOLCER, Regesten 860—871.
Darstellung
157
Winterquartier in Ult'ik'73. Abu’l-Asw&r hingegen, der den Armeniern in
den Rücken fiel, konnte zahlreiche Gebiete des Reiches Ani besetzen. Von
Bedeutung wurde ferner die neuerliche Wirksamkeit des Bestes Sargis. Die
armenischen Quellen stellen ihn zwar als gewissenlosen Verräter dar,
lassen aber erkennen, daß er zu einflußreich war, um ausgeschaltet zu
werden; er trat erneut für einen realpolitisch motivierten Ausgleich mit
Byzanz ein und riet Gagik II., der Einladung Konstantins IX . nach
Konstantinopel zu folgen; die politischen Möglichkeiten, die Gagik in der
Reise erblickte, gaben schließlich den Ausschlag74. Diese Reise sowie die
Aktivitäten Abu’ l-Aswärs müssen der Überwinterung des byzantinischen
Heeres vorangehen75.
In Konstantinopel wurde Gagik unter ehrenden Vorwänden so lange
festgehalten, bis der als Regent fungierende Katholikos Petros Getadarj76,
der mit Byzanz in Verabredung getreten war, Ani (wohl im Frühjahr 1045)
den Byzantinern übergab77. Gagik ertrug sein Schicksal mit großer Würde;
73 Utt'ik* lag in Taik* am Oltu Çayi, einem der Zuflüsse des mittleren Çoruh; vgl. o.
S. 136, A. 15. Die Angabe von Matt’èos (vgl. o. A. 72), daß der Parakamanos auf seinem Zug
493 armen, (beg. 10. März 1044) Winterlager bezog, bezieht sich demnach auf die Wende
1044/5; im Frühjahr 1044 hatten die kriegerischen Auseinandersetzungen begonnen; zu
dieser Zeitgrenze vgl. o. A. 65.
74 Saigis war von Gagik II. begnadigt worden; vgl. Aristakês 58 * 47C. Als verhängnis
vollen
Ratgeber
zeichnet
ihn
ebenfalls
Aristakês
62 = 50f. C.
Matt'êos
93V * 109J = 02 B = 70D schreibt Sargis gar die Initiative zu, daß Konstantin IX. Gagik
nach Konstantinopel einladen und dort festhalten sollte. Diese Aufforderung hatte
Konstantin IX. gewiß nicht nötig; vielmehr trat neben das militärische Vorgehen gegen Ani
(sowohl von byzantinischer Seite als auch durch Abu’l-Aswär) die politische Aktion, wobei
Gagik sich in den diplomatischen Zielen Konstantins IX. folgenschwer täuschte — vermut
lich hoffte er, der Kaiser würde ihn durch Verzicht auf das Testament von Yovhannês Smbat
nunmehr definitiv anerkennen. In diesem Sinne auch SHEPARD 291.
75 Als Nikolaos nach seinem gescheiterten Angriff auf Ani in Taik* während des Winters
1044/5 Quartier bezog, hatte Gagik bereits Ani verlassen. Die Feindseligkeiten der Byzanti
ner und Abu’l-Aswärs gegen Gagik setzten im Frühjahr 1044 ein, und im Sommer oder
Herbst trat Gagik seine Reise an. Vgl. die Quellenanalysen bei SHEPARD 292—296; vgl.
auch o. A. 65 und 73.
76 Petros (Katholikos seit 468 armen, [beg. 17.März 1019]; vgl. Aristakês 28* 11C) war
seit jeher politisch hervorgetreten und mochte auch jetzt die Byzantiner als das kleinere
Übel angesehen haben; vgl. Aristakês 11. A.4C. Nach Aristakês 62f. = 52—55C schrieb er
einen Brief an den byzantinischen Strategen von Samosata, worin er Bescheid über die Art
der Belohnung für eine Übergabe Anis erhalten wollte. Auch bei Mattêos dürfte darauf
Bezug genommen sein; vgl. SHEPARD 292f. mit A. 29f.
77 Matt'êos 93—97 V * 109—114 J * 62—64 B = 76—79 D läßt erkennen, daß Gagik län
ger — wohl einige Monate (vgl. SHEPARD 296, A .40) — in Konstantinopel verweilte; seine
Datierung der Annexion auf 493 armen, (beg. 10. März 1044) in Verbindung mit der
Tatsache, daß Nikolaos zunächst erfolglos in Taik* überwinterte (vgl. o. A. 73), führt auf
einen Zeitpunkt in den ersten Monaten des Jahres 1045. Aristakês 61—63 = 50—55 C
158
Armenien und al-Gazlra
als er sich zuletzt in das Unvermeidliche fugte und die Abtretung Anis
anerkannte, erhielt er die Würde eines Magistros und Ländereien in
Kappadokien, 'Charsianon und Lykandos78. Während Gagik noch in Kon
stantinopel festgehalten wurde, verließ auch Grigor Pahlawuni sein Hei
matland, trat die ererbten Besitzungen, besonders Bjni, an Byzanz gegen
umfassende Kompensationen ab, und nahm seinen Aufenthalt in Konstan
tinopel79.
In Ani selbst gab es neben Parteigängern der Byzantiner sowie der
Könige Bagrat IV. von Georgien und Dawit' Anholin von Lori sogar
Sympathisanten Abu’l-Asw&rs, der immerhin mit Gagiks II. Schwester
verheiratet war80. Sargis, der offenbar mit Byzanz zerfallen und seines
beginnt seinen Bericht unter dem Jahr 494 armen, (beg. 10. Min 1045) ; vielleicht ist damit
bereite die tatsächliche byzantinische Besetzung, der Gagiks Abdankung ja vorausging,
gemeint, sodaß sich die Ereignisse über die armenische Jahreswende erstreckten. Auf jeden
Fall irrt Skylitzes, der eingangs seiner Darstellung (435,72—436,23 [ = Kedrenos 556,15—
559, 2]) erklärt, der Krieg um Ani habe in der 13. Indiktion (diese lief am 31. August 1045
ab) begonnen — in Wirklichkeit fand er in ihr sein Ende, und danach begann der Krieg mit
Abu’l-Aswär.
78 Skylitzes 436, 26—28 («Kedrenos 559, 6—8) ist darin zu berichtigen, daß die
Abtretung Anis nicht zur Zeit der Reise Gagiks nach Konstantinopel erfolgte; vgl. o. A. 75
und 77. Charsianon und Lykandos waren aus xAciooGpouhervoigegangen, die durch Theophi
los bzw. Leon VI. eingerichtet worden waren; vgl. TOMASCHEK 145ff.; E. HONIGMANN,
Charsianon Kastron. Byz 10 (1935) 129ff.; DE RS., Ostgrenze 66 mit A.4; F. H lL D — M.
RESTLE, Kappadokien (TIB 2). Wien 1981 (im Druck). Matt'&os (vgl. o. A.77) nennt an
Orten in Kappadokien Kalön-Pelat und Pizu, wohl etwas östlich von Kaisareia; vgl.
D É D ÍY A N , Immigration 82; HONIGMANN 175, A.3; H lL D — R e s t l e a. O.
79 Vgl. Aristakäs 62 « 51C (hier der Synchronismus mit dem Aufenthalt Gagiks in
Konstantinopel, d. h. im späteren Jahr 1044 oder in den ersten Monaten 1045; vgl. o. A. 66.
75. 77); er spricht nur von Besitzungen in Mesopotamien. Bei Vardan 133 (Moskau) «99
(Venedig) erscheint Grigor dafür als
MceoTcoTapiaç- In der Einleitung zu den Briefen
Grigors (ed. KOSTANBANC* 1910) belegt ihn der Herausgeber S.44* als jjwrfMrrpoç, ßion^, ¿vci
toGxoitûvoç und ftoóg; S. 45* als Herrn von Vaspurakan, Tarön, Manazkert, Arôés, Berkri
und Mesopotamien (vgl. ebd. 213). Daraus ergibt sich jedenfalls, daß Grigor Magistros nach
1045 der ranghöchste und mächtigste Mann des ehemaligen Reiches Ani war, während
Sargis (vgl. A. 81 ) sich Byzanz entfremdet hatte.
80 Vgl. Ari8takes 62*52—55C über die Ausrichtung der jeweiligen Sympathien; der
Text ist wohl so zu verstehen, daß Dawit* (Anholin) von (Dawit*) Dunac*i (d. h. Abu’l-Aswär
von Dvin) zu scheiden ist; anders dagegen CANARD—BERBÉRIAN in ihrer Übersetzung 52,
A.2. — Abu'l-Aswärs Verschwägerung mit Gagik II.: Aristakäs 96«89C ist mit 62«52C
dahingehend zu eiklären, daß Abu’l-Aswär mit der Tochter Aàots IV. bzw. Schwester
Gagiks II. verheiratet war; vgl. CANARD—BERBÉRIAN 54; MlNORSKY 22. 51.
Daß die georgische Seite in Ani aktiv war, zeigt der Niederschlag in der Georgischen
Chronik (Kartlis cxovreba 224 BROSSET« BROSSET, Histoire 319f.), wo behauptet wild,
Mariam, die Mutter Bagrats IV. (und Tochter des Königs Senek'erim Arcruni von Vaspurakan) sei von den Bewohnern Anis herbeigerufen worden; von ihr habe dann Liparitdie Stadt
Darstellung
159
Einflusses verlustig gegangen war, lieferte wohl damals eine Reihe von
Festungen an Bagrat IV. aus, vermutlich um sie nicht in Abu’l-Asw&rs
Hand fallen zu lassen81.
Diesem gegenüber dachte Konstantin IX . nicht daran, sein früheres
Versprechen zu wahren, sondern verlangte nun die durch Abu’l-Aswär
eroberten Teile des Reiches A ni; letzterer weigerte sich jedoch, unter
Berufung auf das Chrysobull des Kaisers. Infolgedessen ließ Konstan
tin IX . Abu’l-Aswär den Krieg eiklären. Als Feldherm bestellte der Parakoimomenos Nikolaos den Iasites, welcher neben der Statthalterschaft von
Iberia auch den neuen Kommandobereich (ic y ó Xt) ’Appevút bzw. Ani über
nommen hatte, zusammen mit dem Magistros Konstantinos ô ’AXavôç. Die
Verwaltung von Ani übertrug Iasites für die Dauer seiner Abwesenheit dem
Katholikos Petros82.
Das Heer, in dem neben byzantinischen Truppen im engeren Sinne auch
Streitkräfte Anis unter Vahram Pahlawuni und seinem Sohn Grigor stan
den, zog im Herbst 104583 gegen Dvin, hinter dessen Mauern sich Abu’lAswär verschanzt hielt, nachdem er durch Ableitung des vorbeifließenden
Azat die ganze Gegend in einen Morast hatte verwandeln lassen. Außerdem
ließ er in den Weinbergen um die Stadt Bogenschützen einen Hinterhalt
legen, die auf ein Signal den Kam pf aufzunehmen hatten. Als die Byzanti
ner vor die Mauern gelangt waren, wurden sie nicht nur von oben herab
beschossen, sondern plötzlich auch im Rücken angegriffen. Unter beträcht
lichen Verlusten — zu den Gefallenen zählten Vahram Pahjawuni und sein
Sohn Grigor — retteten sich Iasites und Konstantinos nach Ani. Sie
wurden von Konstantin IX . ihrer Kommandos enthoben; statt des Iasites*•
übernommen. Wahrscheinlich hat Liparit — entweder in Übereinstimmung mit Byzanz oder
such selbständig — zwischen Gagiks Abreise und der Übernahme Anis durch die Byzantiner
seine Tätigkeit entfaltet; vgl. Canard— B erbérian 53 und Shepard 293, A. 32.
*' Zur Auslieferung der Festungen vgl. Georg. Chronik (Kartlis cyovreba) 224
BR088ET- BR08SET, Histoire 319 mit A.2; Matiane Kartliaa 299 K auchCiSvili - 49 mit
A.212 LORDKIPANIDZE. HONIGMANN 175 wollte darin wie in der Abtretung BJnis durch
Grigor Pahlawuni (vgl. o. 8.158 mit A.79) schon die auf Dvin zielende Tendenz der
byzantinischen Politik sehen.
** Ausbruch des Krieges mit Abu’l-Aswir : Skylitees 437, 30—36 ( - Kedrenos 559, 9—
16); Matt‘êo s9 8 V ~ ll5 J «6 5 B -8 0 D ; Aristakfia 63-66Í. C. Petros hatte schon nach der
Abreise Gagiks die Regierung geführt; vgl. o. S. 157 mit A.76.
• Nach Matt'ëos begann der Krieg im Herbst nach der Annexion Anis durch Byzanz;
unter den vorausgehenden Erscheinungen berichtet er von einem Erdbeben im Sommer.
Gkylitzea und Aristakës komprimieren offensichtlich die Ereignisse, wenn sie den Feldzug
unmittelbar auf die Besetzung Anis folgen lassen. Auf Sommer oder Herbst weist ferner der
Hinterhalt, den Abu’l-Aswir den Byzantinern in den Weinbergen bei Dvin legen ließ (vgl.
u.) — daf&r ist dichte Belaubung vorauszusetzen.
160
Armenien und al-Gazlra
wurde der bekannte Kat&kalon Kekaumenos84 Statthalter von Iberia, und
an die Stelle des Nikolaos trat als dTpar^yoi; auroxpaTcup85 der Kommandant
der (jLeyáXrj ¿Tatpeta, Konstantinos86.
Beide hielten es nicht für zielführend, nochmals Dvin anzugreifen,
sondern wandten sich gegen eine Reihe anderer Festungen, die von Abu’ lAswär dem Reich Ani entrissen worden waren. Trotz der Entsatzversuche
Abu’l-Aswärs fielen 'Ayta Mapta (Surmari), ’A{X7ricp (Anberd) und "Ayioç
rpTjyopioç (wohl X or Virap) in die Hände der Byzantiner, während die
Festung XeXiSóviov, vermutlich die Zitadelle des heutigen Erevan, hart
näckig Widerstand leistete87. Auch sie hätte allerdings infolge der hermeti84 Kat&kalon Kekaumenos, einer der bedeutendsten Feklherm der Zeit, stammte aus
Armenien, wo er auch nach dem Zug gegen Dvin maßgeblichen Anteil an den Kämpfen
gegen die Selgüqen nahm. Der Schilderung seiner Taten bei Skylitzes liegt anscheinend ein
enkomia8ti8cher Bericht zugrunde, wie Ähnliches auch für Maniakes und die Phokaden
gelten dürfte. Vgl. SüEPARD, bes. 269f.; SEIHT, Vaspurakan 52 mit A.7. Zur Karriere vgl.
N. BAnescu, Un duc byzantin du XIe siècle: Katakalon Kékauménos. Bulletin de la section
historique de VAcadémie Roumaine 11 (1924) 25—36; L emerle, Prolégomènes 20ff.;
K a2dan, Armjane 31 f., Nr.4.
85 Der arpado; auToxpaTcop war der Oberbefehlshaber größerer militärischer Unterneh
mungen; vgl. R.GriLLAXD, Études sur l'histoire administrative de l’empire byzantin. Les
termes désignant le commandant en chef des armées byzantines. EEBS 29 (1959) 35—43;
P. K arlin—H ayter , L'hétériarque. L’évolution de son rôle du De Cerimoniis au Traité
des Offices. JÖB 23 (1974) 121 f., A. 7.
80 Vgl. Skylitzes 437 , 36-^138, 60 («Kedrenos 559, 15—560, 17); Matt'éos (s. A. 82);
Aristakës (s. A. 82); Smbat 42 V = 25 G. Zu dem in diesen Quellen nicht namentlich
genannten Fluß Azat vgl. MlXORSKY 26, A.4.
Obigen Konstantinos wollte Schlumberger, Épopée III 583 mit Konstantinos Arianites gleichsetzen, der als Dux von Adrianopel 1048 gegen den Petschenegenfuhrer Seltzes
geschickt (Skylitzes 458, 47—49; 461, 37—39 [ * Kedrenos 585, 22—586, 2 ; 590, 1f.]) und
hiebei tödlich verwundet wurde (Skylitzes 466, 81—467, 85 ; 470, 89f. [ = Kedrenos 596,
16—21; 601, 15f.]). Eher ist jedoch an Konstantinos cT*ip«iápyr^ zu denken, der in
denselben Kämpfen mitwirkte, z.T. als a r p a r lo s auToxpáxcjp (Skylitzes 469, 65—471, 7
[«Kedrenos 600, 13—602, 8]), und der jener Kcov<rravTtvoç xpourcórnTos o covoüyoc des
Attaleiate8 33, 22 sein dürfte. — Die fuyáXrj ¿raipcía war die angesehenste Leibgarde des
Kaisers; vgl. KARLIN— H ayter , a. O. 121—124; AHRWEILER, Recherches 27; OlKONOMIDÈs 265, 30; 270, 21. 23. 25 ; 327f.
87 Die Deutung der bei Skylitzes (vgl. A.88) genannten Eroberungen erfolgte durch
P. P eeters , Quelques noms géographiques Arméniens dans Skylitzes. Byz 6 (1931) 435—
440. Surmari (Surb Mari) oder Sürmelü liegt auf einem Gebirgsausläufer in beherrschender
Stellung oberhalb der Einmündung des Hrazdan in den Araxes; Anberd ist etwas nördlich
von Ëjmiacin zu lokalisieren, Xor Virap südlich von Dvin am Araxes, wo der Überlieferung
nach der hl. Grigor der Erleuchter eingekerkert war — beide gleichfalls in schroffer
Höhenlage. Honh.MAXX 177 mit A. 2 zog Surb Grigor etwas nördlich von Anberd vor, das in
der Literatur als wichtiges (wohl befestigtes) Kloster bezeichnet wird. Für XcXiSoviov hat
P eeters scharfsinnig dargelegt, daß ebenso wie bei den vorigen Namen auch hier eine
Übersetzung aus dem Armenischen zu Grunde liegen dürfte (f, ycXiScóv= Schwalbe). Tatsäch-
Darstellung
161
sehen Einschließung letztlich kapitulieren müssen, wäre nicht im Septem
ber 1047 der Aufstand des Leon Tom ikios ausgebrochen. Konstantin IX .
benötige schnellstens verläßliche Truppen, weshalb er den Abbruch des
Feldzuges in Armenien und umgehenden Marsch nach Konstantinopel
befahl. Dadurch war Chelidonion für Abu’l-Asw&r gerettet, und er selbst
erhielt gegen feierlichen Eid, sich künftig loyal zu verhalten, den Frieden
zugesprochen. Immerhin waren damals die Gebiete zwischen Araxes und
Hurastan dem byzantinischen Reich zugefallen, das hiermit seine größte
Ausdehnung im Osten erreicht hatte — allerdings nur bis zu den bald
einsetzenden Unternehmungen der SelgQqen88.
Diese hatten nach dem Tode Mahmfids von Ghazna (1030) ihre Macht
zunächst in Qurösftn ausgebreitet ; unter den beiden Brüdern Tughril Beg
und Caghri Beg schlugen sie den Sohn MahmOds, Mas'üd, 1040 entschei
dend bei Dandfiqfin und drangen in der Folge weiter im östlichen Iran vor.
Damals stand in Tughril Begs Diensten bereits sein Vetter Qutlumus b.
Arslan Isräffl b. Salgüq. Als Tughril Beg gegen Ende_des 5. Jahrzehntes die
Macht der Selgfiqen auch in den Westen Irans nach Ädarbaig&n (und damit
gegen Armenien hin) ausdehnte, wirkte Qutlumus dabei mit, widerspensti
Bch findet sich die Bezeichnung Cicefnakberd („Schwalbenfestung“) in der Topographie des
heutigen Erevan, wenn auch nur in mündlicher Bezeugung; es liegt nahe, darunter die
Zitadelle von Erevan zu verstehen, die bis zur russischen Eroberung von 1827 als
„uneinnehmbar“ galt.
* Skylitzes 438, 60—439, 5 ( » Kedrenos 560, 17—662, 16) láfit den Krieg durch den
Tomikios-Aufstand beendet werden; Matt'öos 100V -117 f. J *•06 B « 81 f. D berichtet hin
gegen, daß töliarx (d.h. Konstantinos als haiptúfx<l<) zwei aufeinander folgende Züge
unternahm, den ersten im Winter 495 armen, (beg. 10. Min 1046), und dann 496 armen,
(beg. 10 . März 1047) einen weiteren, zwar ohne Angriff auf Dvin, aber unter großen
Verwüstungen des feindlichen Landes. Dieser 2. Zug entspricht zeitlich und sachlich (kein
Vorstoß gegen Dvin) dem des Skylitzes. Bei dem nur von Matt'ëos fur Winter 1046/7
überlieferten Zug handelt es sich wohl nicht um eine Doublette (dagegen spricht die
sachliche Verschiedenheit); es ist vielmehr wahrscheinlich, daß die Byzantiner, welche sich
im Sommer 1046 gegen Tughril Beg gebunden fühlten, der zuvor einen ersten Vorstoß nach
Vaspurakan verursacht hatte (vgl. u. S. 162f. mit A. 89 -93), erst im folgenden Winter
diesen (in der gedrängten Darstellung des Skylitzes nicht erwähnten) Vorstoß unternommen
haben. Vgl. Shepard 301—303.
ln die Epoche der Kriege mit Abu’l-Aswär fallt außerdem der Sturz des Katholikos
Petros, welcher von Kekaumenos offenbar im Januar 1046 (vgl. SHEPARD 299f.) überra
schend festgenommen wurde, und zunächst in der Festung XaHoy Arié (heute K&gdariç,
etwa 40km westlich Erzurum, an einem der Quellflüsse des Euphrat; vgl. HONIGMANN 6 6 ;
Arist&kës 21, A. 1C), dann drei Jahre in Konstantinopel inhaftiert war; schließlich wurde er
in ehrenvolle Verbannung nach Sebasteia geschickt, wo er 607 armen, (beg. 7. März 1068)
starb: Aristakës 63f. 82 = 66 . 72f.C. Sein Neffe und designierter Nachfolger Xaë'ik Anec'i
(bzw. Xaé'atur) wurde vorübergehend ebenfalls festgenommen, konnte aber bald ein geistli
ches Amt übernehmen : Aristakës ebd. ; vgl. Smbat 46f. = 27 f. G.
162
Armenien und al-ôazlra
ge Ghuzz (Turkmenen), die sich in der GazTra noch als unabhängig gebärde
ten (nachdem ein Teil von Arabern und Kurden bereits vernichtet worden
war), den Selgfiqen zu unterwerfen. Für die wenig später einsetzenden
Zusammenstöße zwischen Tughril Beg und Byzanz ist damals insofeme
bereits der Grund gelegt worden, als in den näher am byzantinischen
Machtbereich gelegenen muslimischen Gebieten die Tradition des gihäd
noch lebendig war; dadurch konnte die Beutelust der selgüqischen Krieger
befriedigt und ihre Aktivität zugleich nach außen gelenkt werden, und
Tughril Beg hatte die Möglichkeit, sich durch den gihäd gegen Byzanz
verstärkt als für alle Muslime verbindlicher Regent zu erweisen89.
Auslösendes Moment dieser Entwicklung wurde eine Niederlage, die im
Frühjahr 1044 von Tughril Beg ausgeschickte Truppen bei einem Vorstoß in
die GazTra durch die 'Uqailiden erlitten hatten90. A uf ihrem Rückweg
* Vgl. CaheNi Premiere pcnetnition 8 I4¡ OERS., Qutlumush 14^~18; DERS.« Prc*
Ottoman Turkey 21—24; vgl. auch o. A. 53 (die Ghuzz betreffend).
90 Zu diesem Vorstoß selguqischer Streitkräfte sind die Angaben des Skylitzes 445,72—
447, 23 ( = Kedrenos 570, II—572, 10 ) mit jenen bei Matteos 98— 100V « 115—
117 J = 65 f. B= 80f. D und Aristakes 64—66 = 57 f. C in Verbindung zu setzen; auf Skylitzes
beruhen Attaleiates 44, 8 —10 und Bryennios 97, 19—99, 17 sowie Zonaras III 636, 11 —
637, 5 ; von den armenischen Quellen vgl. auch Smbat 42f.V = 25f.G. Zur Niederlage der
Ghuzz und ihren Vorstoß gegen Armenien vgl. Ibn al-Atlr IX 387—390 (s. a. 420 H); alAzlmT 172ab (wohl als Doublette dazu ders. 171b über einen türkischen Vorstoß 434 H [beg.
21. August 1042] nach Armenien).
Skylitzes unterlag jedoch grundlegenden Irrtümem, da er eine Teilnahme des Qutlumus
behauptet, dem er außerdem ein fabelhaftes Ende zuschreibt (vgl. dagegen CAHEN, Qutlumuah 19—23), und darüber hinaus datiert er diesen angeblich von Qutlumus geführten Zug
nach Tughril Begs Einzug in Baghdad (1055) und dessen Sieg über al-Basäslri (1058).
Zutreffend (da von Matt eos bestätigt) ist die Charakterisierung des Vorstoßes als ursprüng
lichen Rückzuges aus al-Gazira und späteren Sieges über Leichudes. Matt eos setzt diese
Ereignisse in das Jahr 494 armen, (beg. 10 . März 1045); die vorangehenden Naturerschei
nungen (Erdbeben, blutigrote Verfärbung von Sonne und Mond) werden auch von anderer
Seite auf 494 datiert (Arakel, Livres d'histoires, bei : M.-F. B r osset , Collection d'historiens
arméniens I. Petersburg 1874 [Ndr. Amsterdam 1979], 564). Das Jahr dürfte daher richtig
sein; im besonderen ist der Winter 1045/6 am wahrscheinlichsten, weil Aristakës die
Einnahme von Theodosiupolis an dichtem Nebel scheitern läßt. Die Chronologie von
Aristakes ist allerdings unklar: seine Einleitung „in diesem Jahr4* folgt auf zuletzt datierte
Ereignisse von 493 armen.; 67 = 58C gibt er dann 497 armen, als „zweites Jahr der
Knechtschaft44.
Der von Skylitzes Kapßcov;; genannte Sieger in der Auseinandersetzung zwischen den
Scharen der Selgüqen und den 'Uqailiden, die nach Ibn al-Atlr am 20. Ramadän 435 H
(21. April 1044) stattfand, ist im Hinblick auf die Angabe desselben eher Qirwäs b. Muqallad
von Mosul (reg. 391 H [beg. 1 . Dezember 1000] — 442 H [beg. 26. Mai 1050]) als Qurais b.
Badrän (vgl. die Namensform Xures bei Matt eos von Urhay), Herr von Nisibln seit 425 H
(beg. 26. November 1033), der später Qirwäs in Mosul folgte (vgl. ST. LanE-PüOLE,
Mohammadan Dynasties. London 1893, 117). — Matt cos nennt drei Anführer der Truppen
Tughril Begs, nämlich Poli. Puki und Anazulli.
Darstellung
163
scheinen sie 494 armen. (beg.IO.März 1045) tigrisaufwärts ziehend schließ
lich an den Van-See gelangt zu sein, wo sie vor Arcës den damaligen
Katepano von Vaspurakan, Stephanos Leichudes91, um Gewährung des
Durchmarsches nach Ädarbaig&n interpellierten. Ihr Verhalten inmitten
des fremden Landes war gewiß nicht so harmlos, bzw. das Vorgehen des
Leichudes nicht so leichtfertig, wie es aus Skylitzes scheinen könnte. Als
Leichudes den selgüqischen Streitkräften entgegentrat, verlor er den
Kam pf und wurde als Sklave nach Tabriz verkauft; die Feinde aber
drangen unter großen Verwüstungen bis Valarsawan bzw. Basean vor,
wobei sie ihr Ziel Theodosiupolis jedoch nicht erreichten92. Bei der damals
offenbar gewordenen Schwäche der byzantinischen Verteidigung im Osten
dürfte auch die Auflösung der armenisch-georgischen Nationalmilizen durch
Konstantin IX ., welche den Grenzschutz innegehabt hatten, von Einfluß
gewesen sein93*9
8
.
91 Der sicher noch junge StephanoB Leichudes bzw. Leichudia (er war erst Patrikios)
gehörte den mächtigsten Kreisen an; sein Vater Konstantinos Leichudes war unter
Konstantin IX. Ttapaftuvaarcuaiv (Skylitzes 440, 28— 3! [ = Kedrenos 563, 19—22]), d.h.
leitender Staatsmann des Reiches (vgl. H.-G. BECK, Der byzantinische Ministerpräsident.
BZ 48 (1955) 330— 338; OlKONOMlDÊS, Évolution 131 f.) und 1057, im Rang eines Proedros
(dazu o. S. 117, A. 216), einer der Gesandten Michaels VI. zum Usurpator Isaak Komnenos
(Skylitzes 496, 81—86 [« Kedrenos 632,16—19]; Attaleiates 43, 21—44,18). Zu Stephanos
vgl. auch GuiLLAKD, Titres XIII 9f.
w Nach Skylitzes erhielt Leichudes für die Gewährung des Durchzuges reiche Geschenke
angeboten mit der Versicherung, dem Land würde beim Durchmarsch keinerlei Schaden
erwachsen. Ein solches Angebot bzw. die ihm zugrundeliegende Bitte hätten aber schon viel
früher erfolgen müssen, um glaubwürdig zu wirken. Im übrigen ist zu berücksichtigen, daß
Skylitzes vorrangig als Lobredner des Kekaumenos auftritt, wogegen er andere Protagoni
sten ungünstiger darstellt; vgl. auch o. A. 84. Immerhin ist das Schicksal des Leichudes bei
Skylitzes um vieles glaubwürdiger als bei Matt'öos von Urhay, demzufolge Leichudes in Her
(Bojj) zu Tode geschunden und als ein mit Heu ausgestopfter Popanz zur Schau gestellt
wurde.
Valaräawan (auch Valaräakert) liegt im Distrikt Bagrewand, etwa auf halbem Wege
zwischen Kars und Xlat'; vgl. M. Y ovhannésean (Hovhankesian), Hayastani berdere
(Les forteresses de l'Arménie). Venedig 1970, 680ff. Worauf Y rZBASHlAN bei Arist&kös 11,
A. 6 C zurückgeht (Lokalisierung am Araxes südlich Karin/Theodosiupolis), ist nicht ersicht
lich. — Basean, ein Bezirk der Provinz Ayrarat, ist nördlich des oberen Araxes gelegen ; vgl.
Aristakës 1 2 , A. 1 C. — Der Fehlschlag gegen Karin (Theodosiupolis), laut Aristakös infolge
dichten Nebels, ist ein Indiz für die Datierung auf Winter (1045/6); vgl. o. A.90.
98 Es handelt sich bei dem 'Ißrjpixoc arparon der Quellen um die Miliz (bzw. eher die Reste
der alten Adelsreiterei) im Gebiet des Dukats Iberia, zu dem damals vielleicht auch Ani
zählte. Im ganzen byzantinischen Reich zeigte sich unter Konstantin IX. der Niedergang
der Soldatengüter und ganz allgemein der militärischen Einheiten der Themen zugunsten
der besser ausgerüsteten und besoldeten ray^ara. Die Güter jener einheimischen Aristokra
tie, die bisher wie weitgehend steuerfreie orpaTUimxa xtt,fiara behandelt worden waren (mit
der Veipflichtung der Besitzer zur Heeresfolge), wurden im Zuge der jetzigen Reformen voll
besteuert, und man verzichtete auf die militärischen Dienste dieser angeblich etwa 50.000
Mann. Zur Problematik vgl. LEMERLE, Cinq études 263fT., bes. 271. 286. 302ff.
164
Annenien und al-GazIra
A uf diesen natürlich nicht so geplanten, jedoch erfolgreich verlaufenen
Streifzug folgte 497 armen, (heg. 9. März 1048) der erste regelrechte E in fa ll
der Selgüqen unter Führung des sogenannten „tauben Hasan“ , e in e s
Verwandten von Tughril BegM. Sie überschwemmten die Hochebene v o n
Basean und Theodosiupolis und gelangten im Nordwesten bis nach C hal
cha, im Norden bis Sper, nach Taik* und Arsarunik’, im Süden bis TarOn,
Haiteank* und Xoijean*5. Der Katepano von Vaspurakan, Aaron B estes90*,
hielt sich für den Selgflqen nicht gewachsen und schrieb dringend an
Katakalon Kekaumenos, den Statthalter von Iberien und Ani, um U nter
stützung. Die breit ausgestaltete Erzählung bei Skylitzes, wie Kekaum enos
mit Hilfe Aarons die Feinde am Fluß Stragna aus dem Hinterhalt überfiel,
wobei die meisten, darunter Hasan, ihr Leben verloren, kann nicht darüber
hinwegtäuschen, daß die Eindringlinge weitgehend unbehelligt mit aller
Beute fast ganz Vaspurakan durchqueren konnten, bis den Byzantinern
ihre Vernichtung gelang97.
Weniger folgenreich erwies sich dagegen etwa um dieselbe Zeit, 439 H
(heg. 28. Juni 1047), das neuerliche Auftreten eines Mahdi-Prätendenten in
M Vgl. Skylitzes 448, 48—449, 77 ( - Kedrenos 673, 19—675, 6 ) (danach Zonaraa III
937, 13—16; Biyennios 99, 17—23); Aristakös 67f. «58f. C. Skylitzes nennt den Anführer
'Aoav T&v Xryó|icvev xu?óv und bezeichnet ihn ala Neffen Tughril Begs. Vielleicht handelt ea
aioh um den in Durisin belegten Selgüqen Hasan b. Baighü; vgl. Cahen, Première
Pénétration 15, A. 1 . — Skylitzes gibt keine nähere Datierung, bleibt in den Angaben recht
allgemein und legt das Hauptgewicht auf den Hinterhalt des Kekaumenos am Stragna.
Aristakös aber nennt als Jahr 497 armen, (beg. 9. März 1048) und fuhrt die Verwüstungen
topographisch näher aus. Durch die sehr wahrscheinliche zeitliche Festlegung des Rachezugs
von IbrähTm Tnil auf Herbst 1048 (vgl. u. A. 99) ist der Vorstoß des .tauben Hasan' aber auf
einige Monate genau datierbar.
M Sper; Bezirk Hocharmeniens gegen die östlichen Grenzgebiete Chaldias am Oberlauf
des Coro* (Çoruh); vgl. Aristakös 59, A.2C; Honigmann 63f. — Arèarunik’ : Bezirk der
Provinz Ayrarat am oberen Araxes südwestlich Anis; vgl. Aristakös 59, A.3C. — Haéteank': ebenfalls in Ayrarat am hier von Osten nach Westen gerichteten Ananias; vgl.
Aristakös 59, A.4C; T omaschek 138; Honigmann 9.16.32. — Xoijean; Bezirk in Armenia
IV nördlich von Haäteank*; vgl. Aristakös 59, A.5C; HONIGMANN 198ff. mit Karte IV. —
Das von P rudhomme 74, A. 3 als Siwnik' erklärte Sisak des Textes bedeutet in Paraphrase
des vorangehenden Jeremias-Zitates Babylon ; vgl. AristakCs 59, A. 6 C.
M Aaron Bestes war Sohn des letzten bulgarischen Zaren Ioannes-Vladislav (1015—
1018); zu seiner Laufbahn vgl. L emeRLE, Cinq études 41, Nr. 8 ; M. Lascaris, Sceau de
Radomir Aaron. BSl 3 (1931 ) 406ff. ; V. Laurent, La prosopographie de l’empire byzantin.
KO 33 (1934) 391—394.
w Der Stragna, heute der große Zäb, an der Ostgrenze Vaspurakans (vgl. HONIGMANN
179, A. 5; S eist , Miszellen 639f.), ist weit von den Orten entfernt, die Aristakös nennt. Die
Byzantiner ließen offenbar die Feinde ungehindert das Land verwüsten, um sie beim
Rückzug zu überfallen und sich dabei möglichst ihre Beute anzueignen — eine alte Taktik
aus den Kriegen mit den Arabern. Vgl. Honigmann 179 mit A. 5; SHEPARD 271 f. mit A. 10.
Darstellung
165
Obennesopotamien. Dieser — mit dem Namen al-Asfar gleich jenem
falschen Mahdi von 395 H (beg. 18. Oktober 1004) und ebenso aus dem
Stamm Taghlib — versammelte in Ra’s al-Ain in der öazlra eine rasch
wachsende Anhängerschaft, die er unter der Proklamation des gihfid zu
erfolgreichen Streifzügen in das byzantinische Gebiet führte. Als eine
byzantinische Gesandtschaft bei Nasraddaula b. Marw&n das Verhältnis
beider Mächte von Nasraddaulas Verhalten gegenüber der neuen Bewegung
abhängig machte, fugte es sich, daß zufällig gleichzeitig ein Abgesandter alAgfars zu Nasraddaula kam und ihm wegen seiner Abkehr von der Pflicht
des gihäd Vorhaltungen machte. Daraufhin ließ Nasraddaula Leute von
den Numair dingen, die al-Açfars Vertrauen erwerben und ihn bei gegebe
ner Gelegenheit überfallen und festnehmen sollten. Der Plan gelang, und
al-Asfar wurde nach Amid geschafft, wo ihn Nasraddaula gefangensetzen
ließ und so das Einvernehmen mit Byzanz sicherte. Begünstigt wurde das
Aufkommen dieses neuen Mahdi-Prätendenten vielleicht durch die Wirren
dieser Jahre, als in mehreren Kämpfen unbotmäßige Ghuzz, die vor Tughril
Beg nach al-GazIra ausgewichen waren, durch eine Koalition von Arabern
und Kurden vernichtet wurden90.
Nach dem Untergang des „tauben Hasan“ in Armenien war ein Rache
feldzug der Selgüqen zu erwarten, und diesen übertrug Tughril Beg offen
bar noch 1048" seinem Halbbruder Ibrâhîm Inäl, der sich bereits im
südwestlichen Iran bewährt hatte l0°. Mit einem starken Heer von Turkme
w Vgl. Iba al-Atlr IX 540f. (s. a. 439); Abu’l-Farag, Chron. Syr. 247 f. BRUNS—
- 205 B udge ; Iba el-G&uzI VIII 132; vgl. auch D ö LGER, Regesten 880. Zum
Hintergrund: C a h e n , Première pénétration 13 mit A. I. Zu den Taghlib vgl. o. S.50, A. 21,
zu den Numair S. 53, A. 29. Für Ra's al-Ain (östlich von Harr&n, am Oberlauf des Häbür)
vgl. E I' III 1209f. (H onig .m a n n ).
w Aristakës (vgl. A. 100 ) beginnt seinen Bericht mit den Worten „im folgenden Jahr“,
was auf Grund seiner vorangegangenen Datierung 498 armen, (beg. 8 . März 1049) bedeutet.
Dieses Jahr nennt auch Matt eos (vgl. A. 100) ; Skylitzes jedoch setzt in seiner ausführlichen
Darstellung die Entscheidungsschlacht bei Kaputru (452, 65f.) auf Samstag, 18. September
der 2. Indiktion, was 1048 sein sollte, aber damals war der 18. September ein Sonntag. Im
Hinblick auf Matt'êos, der ebenfalls Samstag gibt, nahm bereits G kroerer III 484, dem
später u. a. HOSIOMANN 180 und G rouskkt 588 folgten, den 18. September (Samstag) 1049
als Schlachttag an, womit allerdings neben Skylitzes auch Ihn al-Atlr (vgl. A. 100) in
Widerspruch steht, der unter 440 H (beg. 17. Juni 1048) berichtet. Die einfachste und
überzeugendste Lösung ist wohl die schon von P. Orgeln, Kékauménos et la guerre
pétchénègue. Byz 13 (1938) 403, A. 1 vorgeschlagene, wonach der Kampf am Abend des
Samstags (also am 17. September 1048) begann und bis in den folgenden Morgen dauerte.
Vgl. dazu auch Shepard 272, A. 1 1 ; 273.
100 Zum gesamten Feldzug (bis zum Rückmarsch nach Ani) vgl. Skylitzes 449, 78—453,
96 ( - Kedrenos 575, 6—580, 10 ); danach Zonaras III 637, 16—640, 1 ; Aristakës 67—
K
irsch
166
Armenien und al-öazlra
nen, dazu Kabiren sowie Dailamiten*101, zog er gegen einen Feind, dessen
Feldherren bezüglich der einzuschlagenden Strategie keine einheitliche
Auffassung vertraten. Von den byzantinischen Kommandanten Kekaume
nos, Aaron Bestes und Grigor Magistros Pahlawuni (dem Dux von Mesopo
tamien) verfocht Kekaumenos (über Grigors Ansicht wird nichts mitgeteilt)
eine offensive Kriegsfuhrung dergestalt, daß den Feinden noch außerhalb
der Reichsgrenzen entgegenzutreten sei, solange sie vom Anmarsch er
schöpft und ihre Reiterei noch nicht voll einsatzfahig war. Aaron dagegen
wollte die Streitkräfte zurückhalten, sich auf die Verteidigung der Städte
und Festungen beschränken, und im übrigen die Entscheidung
Konstantins IX . abwarten. Diese Meinung setzte sich durch, und während
der Zeit bis zur Rückkehr des zum Kaiser entsandten Kuriers bezog das
byzantinische Heer in der Ebene von Ordoru102 Wartestellung.
Da Konstantin IX . den Auftrag erteilte, Kekaumenos und Aaron
sollten die Hilfe des kriegserprobten georgischen Fürsten Liparit (Ligan
tes) 103*1
0
8abwarten, konnte, während dieser sein Heer sammelte, Ibrählm Inäl
82 »58—72 C ;
Matt'êos
102—108V= 119—127 J»67—'7 2B -83—88D;
Smbat
44f. V -26Í.G ; Ifan al-Atlr IX 546f. (s. a. 440);_Ibn al-ÖauzT V III137; aKA?TmT 174a. Vgl.
auch DöLGER, Regesten 894f. — Über Ibrâhîm In&l vgl. CAHEN, Première Pénétration 13f.;
DERS., Pre-Ottoman Turkey 22—25.
101 Die Starke der Truppen Ibr&hlra Liftls wird von Skylitzes mit 100.000 Mann
(gegenüber 20.000 des „tauben Hasan“) angegeben, war also wesentlich größer als beim
vorhergehenden Zug. Für die byzantinischen Truppen gibt Ibn al-Atlr 50.000, Aristakês von
Lastivert 60.000 Mann an. — Die Kabiren (Kaßcipoi des Skylitzes) erscheinen im 9 . Jh. in
Kaukasien und sind vielleicht jene Kcxßotpoi des Konstantinos Poiphyrogennetos (d. a. i., c.
39f. = 174— 179 Moravcsdc—JENKINS), die sich gegen die Bazaren erhoben und den
Ungarn vor deren Landnahme anschlossen ; vgl. Moravcsik, Byzantino-Turcica II 144. —
Die Dailamiten (AiXipvttou bei Skylitzes) hatten 434 H (beg. 21. August 1042) die Oberherr
schaft der SelgQqen anerkannt: vgl. E I2 II 198, s. v. Daylam (MINOR8KY).
,0* Ordoru lag in Basean; vgl. HONIGMANN 180 mit A.2—4; SHEPARD 274, A. 17;
GROUSSET 271 ; die griechische Form lautet bei Skylitzes 450, 3 OupxpoG (besser als das
’Ooouprpov im Text des Kedrenos 576, 4).
108
Liparit war vermutlich Sohn des georgischen Feldherm Hrat (Rati, *Op¿Tioc). der als
Führer der Truppen König Gioigis 10 21 im 1 . georgischen Feldzug Basileios* II. gefallen
war; so bei Skylitzes 367, 59f.; 447, 24—27 (»Kedrenos 478, 7f.; 572, 17—20); bei
Aristakês 29» 13C (mit A. 2 ) wird 3rat ebenfalls genannt. Vgl. auch o. A. 17. — Denselben
bezeichnet allerdings Matt'êos 108 V » 127 J»72B »88D als Bruder des Liparit, und die
georgische Chronik (Kartlis cxovreba 222 BROSSET = BROSSET, Histoire I 316; Matiane
Kartlisa 296 » 47 f. LORDKIPANIDZE) schließlich gibt dem Vater auch den Namen Liparit (d.
i. der 'Opânoç o Awcapmjç des Skylitzes), sodaß BROSSET, Histoire I 297, A. 1 und ihm
folgend PRUDHOMME in seiner Aristakês-Übersetzung 84, A. 1 Liparit als Enkel des Hrat
ansahen. Vgl. auch CANARD—BerbéRIAN zu Aristakês 69, A. 1.
Jedenfalls war Liparit eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Zeit, stand aber mit
dem georgischen König Bagrat IV (1027—1072) auf schlechtem Fuß. Bagrat» jüngerer
Bruder Demetrios, der nach Konstantinopel geflohen war, wurde von Liparit zweimal mit
Darstellung
107
ohne Schwierigkeit nach Vaspurakan vorrücken. In Mananali104 wurde das
„Festung des Smbat“ genannte Bergland heimgesucht, wo es zu ausge
dehnten Massakern an Flüchtlingen kam. Dann wandte sich Ibrählm Inäl
gegen die wohlhabende Handelsstadt Arenl05, deren Bewohner der Auffor
derung des Kekaumenos nicht gefolgt waren, in der nahen Festung Theodo8iupoli8 Zuflucht zu nehmen. Während sich die byzantinischen Truppen
in schwer zugänglichem Gelände verschanzten, begann Ibrâhîm Inäl den
Angriff, wurde aber durch sechs Tage zurückgeschlagen, sodaß Kekaume
nos den Selgüqen ohne Verzug bei Aren entgegen treten wollte; er scheiter
te jedoch an Aarons Widerspruch. Damit war das Schicksal von Aren
besiegelt, welches von Ibrählm Inäl, als die Belagerung keinen Erfolg
versprach, der Einäscherung durch geschleuderte Feuerbrände preisgege
ben wurde. Die Zahl der Opfer muß groß gewesen sein, und dementspre
chend war auch die Beute, welche den Selgüqen in die Hände fiell06.*1
0
4
5
6
byzantinischen Trappen herbeigerafen, um den Väterthron zu besteigen. Vgl. die Georg.
Chronik (Kartlis exovreba) 223—226 Brosnet = Brosset, Histoire 318—322; Matiane
Kartlisa 298—302 * 49—61 LORDKIPANIDZE — und wohl auch Skylitzes 402, 6— 11
( » Kedrenos 619, 6 — 1 1 ). Im Jahr vor der Schlacht von K&putru gegen Ibrähun Inäl, d. i.
1047 (vgl. auch o. A. 99), führte Liparit zur Unterstützung des byzantinischen Kaisers Krieg
gegen Abu’l-Aswär von Dvin : Georg. Chronik (Kartlis exovreba) 226 Brosset = Brosset,
Histoire 322f.; Matiane Kartlisa 302«61 LORDKIPANIDZE. An Bagrat IV., der Liparits
Ehefrau entehrt hatte, rächte dieser sich, indem er ihn aus Georgien vertrieb. Liparit wurde
von Konstantin IX. als 9 ÍX0; xxl /rjfxfia/o; anerkannt; doch vermochte der nach Konstanti
nopel geflohene Bagrat vom Kaiser schließlich seine Wiedereinsetzung zu erlangen. Liparit
erhielt auf Lebenszeit Mcoxta, d. i. Mesxeti, etwa im Gebiet des heutigen Axalcixe (vgl.
Karte IV bei HONIGMANN): Skylitzes 447, 24— 448, 47 (»Kedrenos 572, 17—573, 18);
Attaleiates 80, 3—11. Vgl. auch DöLGER, Regesten 8 8 6 ; Überblick für all diese Ereignisse
auch bei W. E. ALLEN, A history of the Geoigian People. London 1932, 88 —93.
104 In Hocharmenien am gleichnamigen Nebenfluß des obersten Euphrat; vgl. HONIGMANN 64; DERS., RE XIV 1971 f., s. v. Mananalis; CANARD— BERBÉRIAN zu Aristakäs 61,
A .l.
105 Aren lag wohl 15 km nordwestlich von Theodosiupolis, auf das der Name des danach
verlassenen Aren (Arzan ar-RQm der arabischen Quellen) überging (daher heute Erzurum).
Vgl. L e Strange, Eastern Caliphate 117; Honigmann 180; Prudhomme zu Aristakös 79,
A. I ; Canard— Berbérian zu Aristakös 67, A.2. — Die wirtschaftliche Blüte von Aren
betonen Skylitzes (461,28—30 = Kedrenos 577, 7—10); Attaleiates 148, 13—17; Aristakös
79-67C.
106 Die eingehende Schilderung bei Aristakös von Lastivert (74—79 » 63—67 C) beruht
zweifellos auf unmittelbarer Kenntnis der Ereignisse, weshalb auch die Einzelheiten als
zutreffend anzusehen sind.Die in elegischer Klage gehaltene Darstellung ist allerdings ohne
rechte Verbindung mit dem übrigen Geschehen, wofür die Angaben des Skylitzes heranzuzie
hen sind. Beide betonen Brand und Massaker; nach Skylitzes sollen 140.000, nach Matt'öos
von Urhay 103 V » 12 1 J »68B «84D 160.000 Menschen umgekommen sein; die Beute
wurde nach letzerem auf 40 Kamelen fortgeschafft. Daraus erhellt immerhin das außerge
wöhnliche Ausmaß der Katastrophe.
168
Annenien und al-GazIra
Im Anschluß daran wandte sich IbrähTm Inäl gegen die Streitkräfte der
Byzantiner, auf deren Seite endlich Liparit mit seinen Truppen eingetrof
fen war, worauf die vereinigten Heere am Fuß eines Hügels, an dem das
Kastell Kaputru lag, Stellung bezogen,07. Kekaumenos wünschte die noch
ungeordneten Feinde unverzüglich anzugreifen; diesmal jedoch lehnte
Liparit ab, da die Georgier angeblich an einem Samstag — es war
wahrscheinlich der Abend des 17. September 1048 — nicht kämpfen woll
ten. Indessen hatte IbrähTm allerdings den Kam pf bereits eröffnet, so daß
auch die Byzantiner die Auseinandersetzung aufnehmen mußten. A uf ihrem
rechten Flügel führte Kekaumenos, auf dem linken Aaron Bestes, im
Zentrum Liparit; bei den Truppen der Selgüqen stand IbrähTm Inäl dem
Kekaumenos gegenüber, während die Namen der beiden anderen Führer
nicht mehr erkenntlich sind1
0
7
108.
Verlauf und Ergebnis der Schlacht sollten besser nicht an der eingehen
den Darstellung des Skylitzes abgelesen werden. Das überwiegende Urteil
der Quellen widerspricht der bei Skylitzes vorliegenden Tendenz, zu Gun
sten des Kekaumenos Verlauf und Resultat als unentschieden erscheinen
zu lassen. Aus den byzantinischen wie aus den armenischen Berichten wird
ersichtlich, daß es den byzantinischen Führern völlig an einheitlichem
Zusammenwirken mangelte, was die unerwartete Gefangennahme Liparits
durch die selgüqischen Truppen (deren Hauptstoß sich offenbar gegen ihn
richtete) nach sich zog. Und selbst bei Skylitzes fehlt es nicht an Einzelhei107 Kaputru bzw. Kontrrpov (Skylitzes 452, 62 [ = Kedrenos 578, 19]) lag in Baaean nahe
Ordoru und Ökömi im Bezirk Aijovit; vgl. HONIGMANN 180 mit A. 10; BROSSET, Histoire I
323; vgl. auch o. A.92. 102. — Skylitzes berichtet zuerst, daß sich die Byzantiner vor der
Ankunft des Liparit in unzugänglichem Gelände verschanzt hatten, worauf sich 452, 60f.
( = Kedrenos 578, 18) -roü pr,9 tvro; ¿xupúfiamc bezieht, und erwähnt hernach die Ebene am
Fuß des bergigen Geländes mit Kaputru. Daraus ergibt sich als wahrscheinlich, daß Kaputru
von der Befestigung am Hügel (dem namentlich nicht genannten ¿xúpupa) zu unterscheiden
ist; vgl. Shkpaku 276, A.20 gegen Honigmann 180, der beide Örtlichkeiten vermengt,
indem er Kaputru auf den Hügel verlegt.
108 Zum Datum der Schlacht vgl. o. A. 99. — Betreffs der Führer bezeichnet Skylitzes
453,75 ( = Kedrenos 579,10) den dem Aaron gegenüberstehenden Selgüqen als Xiopooavtrrj;,
wobei die Form des Attaleiates 78,19 XupocaXspt; eine Verstümmelung aus caXâpioç — nach
der Glossierung des Attaleiates 277, lf. ein Wüidename — nahegelegt; damit kämen wir
etwa auf „Befehlshaber von Huräsän“, der eigentliche Name fehlt. Vgl. Moravcsik II 349.
— Zu '\<T7iàpt SeXspioç bei Skylitzes ebd. (dem Liparit gegenüber, angeblich ein Stiefbruder
des Ibrähim Inäl) ist wiederum oaXápioi; zu stellen; der „Name“ bedeutet also „Befehlshaber
des Heeres“ (pers. sipäh = Heer). Vgl. Moravcsik II 75. Sollte dahinter der von Matt'êos
102V» 1 2 0 J = 6 8 B = 83D als zweiter Anführer der Selgüqen genannte Qutlumuä stehen!
Es ist bekannt, daß Qutlumuä bei der Belagerung von Ganga 439 H (beg. 28. Juni 1047)
teilnahm (vgl. u. S. 171 mit A. 115), sodaß auch eine Mitwirkung am Feldzug des IbrähTm
Inäl von 1048 möglich ist — allerdings bleibt merkwürdig, daß ihn keine weitere Quelle
nennt. Vgl. auch Pah EN, Qutlumush 20.
Darstellung
te n , die zeigen, daß Ibrfihlm ïnfil das Geschehen bestimmte und als
eigentlicher Sieger angesehen werden muß100. Am deutlichsten erhellt diese
K onstellation wohl daraus, daß Aaron und Kekaumenos nach der Schlacht
unverzüglich in ihre Ausgangspunkte Van bzw. Ani zurückkehrten, woge
g en Ibrfihlm In&l mit seinem prominenten Gefangenen unbehindert nach
109
Arístakés von Lastivert 81 =69—71 C beschuldigt Aaron, Matt'éos von Urh&y
108V* 127 J = 72B = 8 8 D die Byzantiner insgesamt, Liparit durch Flucht im Stich gelas
sen zu haben. Demgegenüber behauptet Skylitzes 453, 77—96 ( = Kedrenos 579, 12—580,
1 0 ) (und danach Zonaras 111 639, 12—640, 7) das siegreiche Vordringen der Byzantiner und
ihre völlige Überraschung, als Liparit, der — über den Tod seines NefTen von Zorn erfüllt
(dieses Faktum wird von Matt'éos bestätigt) — ungestüm vorwärtsstürmte, abgeschnitten
wurde und in die Hände der Feinde fiel. Jedoch beweist Arístakés, daß Aaron offensichtlich
versagt hat, und selbst aus der für Kekaumenos voreingenommenen Darstellung des
Skylitzes zeigt sich, daß Kekaumenos nicht die richtige Strategie angewandt hat, um dem
taktisch begründeten Zurückweichen der selgüqischen Truppen zu begegnen. Wenn die
byzantinischen Soldaten — laut Skylitzes — bereits Siegeshyranen angestimmt hatten, als
die Nachricht von der Gefangennahme Liparits und seiner Begleitung eintraf, ergibt sich,
daraus ein sehr bedenklicher Mangel an Koordination unter den byzantinischen Führern.
Liparit wurde anscheinend auch die verräterische Haltung eines Teiles der Georgier zum
Verhängnis; daß sein Pferd zu Sturz kam — dies auch bei Skylitzes und Arístakés —
schreibt Matt'éos einem Georgier zu, der die Kniekehlen des Pferdes durchtrennte. Es ist zu
bedenken, daß Liparit und König Bagrat IV. sehr verfeindet waren (vgl. dazu o. A. 103).
Auf die Kunde von Liparits Gefangennahme verbrachten Aaron und Kekaumenos —
nach Skylitzes — eine schlaflose Nacht, bis sie am Morgen einen Kriegsrat hielten, in dem
es als angemessen erachtet wurde, daß Aaron nach Van und Kekaumenos nach Ani
zurückkehrten. Dieser Kriegsrat nach dem „Sieg*4 soll wohl nur die Tatsache verschleiern,
daß Aaron und Kekaumenos lediglich an raschen Abzug dachten, anstatt den Feind erneut
zum Kampf zu stellen. Daher konnte Ibrählm Inäl, der von Skylitzes zuvor in voller Flucht
geschildert wird, ungehindert mit den Gefangenen nach Okömi abziehen, das lediglich etwa
20km entfernt lag. Von hier kehrte er nach Rajj ( T z des Skylitzes 453, 5 [ = Kedrenos 580,
14]) zurück; den Weg dorthin mußte er durch das Araxes-Tal oder weiter im Süden entlang
des Van-Sees nehmen — ohne daß ihn Kekaumenos oder Aaron daran gehindert hätten.
Die Darstellung des Skylitzes — mit dem Ziel, die Schlacht und ihr Ergebnis als
ausgeglichen erscheinen zu lassen — birgt also mehrere innere Widersprüche und Unglaub
würdigkeiten; außerdem wird ihr von den anderen Quellen entscheidend widersprochen.
Attaleiates 45, 2—23 ebenso wie Arístakés schildern die Schlacht als eine Niederlage der
Byzantiner. Dieselbe Ansicht vertreten Matt'éos von Urhay (der Liparit besonders verherr
licht; ähnlich hervorhebend Step'anos Orbelean in seiner Geschichte von Siwnik'; vgl.
Histoire de la Siounie. tr. M. F. Brosset . Petersburg 1864, 213—215 und in ausgewogener
Form die Georgische Chronik (Kartlis c/ovreba 226 B k o s s e t » B r o sset , Histoire 323;
Matiane Kartlisa 302 = 51 LORDKIPAXIDZE), die nach langem Schwanken der Auseinander
setzung einen schließlichen Erfolg der Muslime konstatiert, welche die Byzantiner schlugen
und mit vielen anderen Führern Liparit gefangen nahmen. Ähnlich urteilt Ibn al-Atlr IX
546f. (s. a. 440), bei dem (gewisse phantastische Übertreibungen abgerechnet) zudem
deutlich wird, daß Tughril Beg froh war, immer mit Unbotmäßigkeit drohende Ghuzz in den
Krieg gegen das byzantinische Reich ablenken zu können.
170
Annenien und al-ôazlra
Ökömi abzog und dann den Rückmarsch zu Tughril Beg in den Iran
antrat"®.
Konstantin IX . setzte allen Nachdruck auf die Freilassung Liparits,
indem er den Sekretär Aarons, Georgios Drosos, mit wertvollen Geschen
ken für die Befreiung des georgischen Fürsten zu Tughril Beg entsandte
und zugleich das Verlangen nach Waffenstillstand erheben ließ; außerdem
ersuchte der Kaiser durch eine Gesandtschaft Nasraddaula b. Marw&n, sich
bei Tughril Beg für die Freilassung von Liparit zu verwenden1" . Nasrad
daula war früher energisch gegen Übergriffe von Seiten der Selgüqen
aufgetreten, fand es aber nunmehr für angezeigt, deren Oberhoheit anzuer
kennen, und war daher im Stande, als Vermittler aufzutreten11*. Sein
Emissär Abu 'Abdalläh b. Marwän begab sich zu Tughril Beg, der einerseits
tatsächlich, wie die Quellen betonen, von der Persönlichkeit Liparits
beeindruckt gewesen sein dürfte; andererseits konnte er Liparit zum
Versprechen politischen Wohlverhaltens veranlassen, sodaß er leicht groß
herzig erscheinen mochte, indem er Liparit sowohl das Lösegeld des
Kaisers als auch die Freiheit schenkte"3.
Diese Haltung Tughril Begs bewirkte, daß Konstantin IX . die Moschee
in Konstantinopel wieder erneuern und auf einige Zeit darin trotz fätimidischen Mißvergnügens das Kanzelgebet für Tughril Begs nominellen Ober-1
0
*3
110 Van ist das "Ißotv bei Skylitzes 453, 95f. ( = Kedrenos 580, 8 f.); vgl. HONIGMANN 181,
A. I. Ökömi (KaorpoxcüfAT} des Skylitzes 453, 91 bzw. K«orpox¿(uov bei Kedrenos 580, 3f.)
liegt in Basean an einem der Zuflüsse des Araxes, etwa 40 km östlich von Theodosiupolis;
vgl. Canard—Berbérian zu Aristakës (2 , A. 2 ; Honigmann 182 mit A. I f. und Karte IV.
111 Zu den Ereignissen um die Freilassung Liparit« vgl. Skylitzes 454, 10—29 ( = Kedre
nos 580, 20—581, 17); nach ihm Zonaras III 640, 1—15; Attaleiates 45, 7—23; Matt’ëos
108V«127J = 72B = 8 8 D; Aristakës 82-72C ; Vaidan 99f. (Venedig)« 133f (Moskau).
Vgl. ferner DöLGER, Regesten 898.
Liparit verließ später infolge seiner Streitigkeiten mit Bagrat IV. endgültig Georgien ; er
wurde Mönch und starb zwischen 1062 und 1064 in Konstantinopel; vgl. M.BROSSET,
Additions et éclaircissements À L’histoire de la Géoigie depuis l’antiquité jusqu'en 1469 de
J.-C. Petersburg 1851, 222—227; DERS., Histoire I 323—326; PRUDHOMME zu seiner
Aristakës-Übersetzung (Paris 1864) 86 , A. 1 .
1,2 Abwehr eines früheren Einfalles der SelgQqen : Ibn al-Azraq 160f. (doch sicherlich zu
früh auf 434 H [beg. 21. August 1042] datiert; vgl. AMEDROZ, Marwänid Dynasty 137). —
Naçraddaulas Unterstellung unter Tughril Beg (zum Zeichen dafür ließ er in ganz Dijftr Bala
das Kanzelgebet für Tughril Beg verrichten): Ibn al-Atlr IX 556f. (s. a. 441); Abu’l-Farag,
Chron. Syr. 248 Bruns—K irsch « 206 B udge (ungenau s. a. 442 H).
113 Hier ist Skylitzes gegenüber der anderen Überlieferung, soweit sie eine kostenlose
Freilassung behauptet, darin zu folgen, daß Tughril Beg dem Liparit sowohl das Lösegeld
des Kaisers als auch die Freiheit gab; vor allem aber bringt Skylitzes statt iigend einer
legendarischen Motivation die einzig plausible, daß nämlich Liparit versprach, nicht mehr
gegen die Selgüqen zu kämpfen. — Zu den Berichten der einzelnen Quellen vgl. auch
Shepard 279, A. 30.
Darstellung
171
herren, den 'abbäsidischen Chalifen al-Qft’im, verrichten ließ. Die Forderung
Tughril Bega nach byzantinischer Tributzahlung wurde aus verständlichen
politischen Gründen der Form nach zwar zurückgewiesen, dem Inhalt nach
aber — unter dem Titel prächtiger Ehrengeschenke — erfüllt"4. Im übrigen
braute Konstantin IX . dem Vertragsschluß kaum und ließ angesichts der
potentiellen Kriegsgefahr die östlichen Grenzgebiete verstärkt befestigen.
Die Auseinandersetzung zwischen Byzanz und den Selgüqen beschränk
te sich jedoch nicht nur auf Armenien sondern griff auch auf Transkaukasien über. Denn in die Zeit zwischen Herbst 1048 und Herbst 1049 muß
nach heutiger Erkenntnis ein byzantinischer Feldzug gegen Ganga (Ganjak) fallen, in dem es nicht nur darum ging, Abu’l-Aswär von Dvin wegen
Bruches des Waffenstillstandes zu belangen, sondern vor allem die Selgü
qen an einer Besetzung des von ihnen bereits belagerten Ganga zu hindern.
Die durch Qutlumus befehligten Truppen der Selgüqen wurden durch die
vereinigten Byzantiner und Georgier — erstere unter dem Eunuchen und
paixTwp Nikephoros, letztere unter Bagrat IV. — zum Abzug gezwungen.
Außerdem mußte Abu’l-Aswär den Frieden erneuern und auf den Regenten
von Ganga, LaskarT b. Müsä (425 H [beg. 26. November 1033] — 441 H
[beg. 5. Juni 1049]), einwirken, daß dieser einen seiner Söhne, Ardaslr, als
Geisel stellte. Alles in allem zeigt sich hier ein fur Byzanz viel günstigeres
Ergebnis als es auf dem Haupt-Kriegsschauplatz Armenien gegen Tughril
Beg erreicht worden w ar"5.1
4
114 Erneuerung der Moschee und Kanzelgebet: Ihn al-Atir; Abu’l-Farag (vgl. A. 1 1 2 );
Abu’l-Fidä' III130. Das Kanzelgebet wurde nur eine Zeitlang für Tughril Beg bzw. al-Q&im
▼errichtet; 447 H (beg. 2. April 1065) erreichte Tughril Beg durch einen Gesandten neuerlich
die Nennung des 'Abbäsidenchalifen statt des F&timiden al-Mustanpir: al-Maqrfzf, tjitot I
335.
Als Ehrengaben des Kaisers nennt Abu’l-Farag (vgl. A. 1 1 2 ) 1000 seidene und 600
andere Gewebe, 500 Pferde, 300 Esel aus Ägypten und 1000 weiße Ziegen, an Größe fast den
Eseln gleich. Der Gesandte Tughril Begs, welcher bei Konstantin IX. die abgelehnte
Tributforderung erhob, war ein SarTf (Nachkomme Muhammads) — bei Skylitzes 454, 20
( —Kedrenos 581, 7) erscheint er als ecpiço« (mit kurioser Erklärung des Namens als
Entsprechung für den oùyxcXXoçdes Patriarchen). Da al-QädT ar-Rastd §91 als Tughril Begs
Gesandten bei Michael VI. 448 H (beg. 23. März 1056) den S&rtf Näghija b. IsmäH al
l í asanT nennt, könnte dieser der genannte ccpiçoç sein. Vgl. CAHEN, Diplomatie 13.
1,8 Chronologie und sachliches Verständnis dieser byzantinischen Expedition wurden
▼on V. MiNORSKY auf eine neue Grundlage gestellt. Skylitzes 464,10—27 ( = Kedrenos 593,
6—694,3) läßt seinen Bericht aufdie Darstellung von Tughril Begs Zug nach Armenien ▼. J.
1064 folgen — allerdings greift er in dieser Partie seines Werkes bei der Schilderung der
Petechenegenkriege wieder um einige Jahre zurück. Weil Aristakès 96 = 89C unter 504
armen, (beg. 8 . März 1055) ron einem muslimischen Überfall auf Ani spricht, wurde der
byzantinische Feldzug daher (vgl. HONIGMANN 182; GROl'SSET 601) als Vergeltung für ein
feindliches Vorgehen des (laut Skylitzes zu bestrafenden) Abul-Aswär angesehen. Doch
172
Annenien und al-ûaztta
A uf Laâkarî b. MOsfi folgte 441 H (beg. 5. Juni 1049) sein Sohn
AnQsirwän, der unter Vormundschaft des Kämmerers (hägib) Abü MansOr
stand. Infolge der schwierigen politischen Lage war Abû Mançür bereit,
eine Reihe von Grenzfestungen an die nichtmuslimischen Nachbarn abzu
treten; unter anderem sollten die Byzantiner ar-Rust&q, das heutige
Rustavi südöstlich von Tbilisi, erhalten. Dadurch wären die Byzantiner im
Stande gewesen, die Verbindung zwischen Ganga und dem damaligen
Emirat Tiflis zu unterbrechen. Doch bildete sich gegen diese Konzessions
politik Abü Mansürs eine Verschwörung, die mit dessen und AnOsirw&ns
Sturz sowie der Berufung Abu’l-Aswärs zum Herrscher auch über Ganga
endete, nachdem Anüsirwän lediglich zwei Monate regiert h atte"6.
zeigt sich ein Hindernis für eine Datierung unter Theodora schon darin, daß Skylitzes als
byzantinischen Feldherren den Eunuchen und paixrup Nikephoros nennt und seine Entsen
dung mit dem besonderen Vertrauen Konstantins IX. zu ihm erklärt. Trotz des chronologi
schen Irrtums des Skylitzes, der einer Vermengung von Kaputhi (1048) und Mantzikert
(1054) entsprungen sein dürfte (so MlNORSKY 61), ist es unwahrscheinlich, daß auch der
Name des Kommandanten nicht authentisch sein sollte. Vor allem aber unterscheidet
Skylitzes zwischen dem Herren von Dvin, apxuv toG Ttßtou, d.h. Abu'l-Aswär, und dem
Herrscher von Ganga, xotT¿px<»v toG KavrÇaxioi». Weil die Vereinigung beider Herrschaften
durch Abu’l-A8wär 441 H (beg. 5. Juni 1049) erfolgte (vgl. u. A. 116), ergibt sich mit diesem
Jahr der spätest mögliche Zeitpunkt für den Zug des Nikephoros.
Schließlich ist der Zusammenhang zwischen dem Unternehmen gegen Dvin und dem
Vorgehen der Selgüqen gegen Ganga zu beachten. Dieses wurde von Qutlumus — beginnend
mit 439 H (beg. 28. Juni 1047) — eineinhalb Jahre lang belagert (vgl. vor allem al-Azlml s.
a. 439; diese Stelle nebst anderen Nachweisen bei MlNORSKY 62 mit A .2; vgl. dazu auch
C a h e n , Première pénétration 16 mit A. 1) ; nach der Georgischen Chronik war Ganga bereits
dem Fall nahe, als der Entsatz durch Byzantiner und Georgier erfolgte : Kartlis c/ovreba
226 B r o s s e t « B r osset , Histoire 1 323; Matiane Kartlisa 302 K auch CiSv il i * 52 LORDKIPAN1DZE. — Der hier aufscheinende merkwürdige Titel des byzantinischen Feldherm als
li/turi „Liktor“ ist wohl als Verstümmelung aus pxixTup zu erklären, und als solcher
erscheint Nikephoros bei Skylitzes. Vgl. MlNORSKY a.O. ; zum Titel vgl. o. S. 89, A. 141.
Laut Skylitzes traf das vereinte Aufgebot in Persarmenien nur noch auf die Truppen des
'AßipcXex (Abü Mälik), eines Bruders von Qutlumus, der sich heimwärts zurückzog; hierauf
schlossen die Verbündeten Abul-Aswär in Dvin ein, verwüsteten die Umgebung und
nötigten ihn dadurch, den Frieden zu erneuern. Ferner teilt er mit, Abul-Aswär habe zudem
seinen Neffen Artaseiras, Sohn des Phatlum, Herren von Kantzakion, dem Nikephoros als
Geisel gestellt (464, 26f. [ = Kedrenos 594, 1]: ’ApraoEÍpav tov utov OaxXoGjA toG oixcíou ¿&CX90G
toG tt); KavrÇaxr,v<ov xarâpxovToç yf^), der ihn nach Konstantinopel führte. Wie MINOR4SKY 49
zeigte, handelt es sich bei diesem Artaseiras um ArdasTr, einen der vom zeitgenössischen
Panegyriker Qaträn genannten vier Söhne LaskarTs, den Skylitzes entweder mit dem
bekannteren Großvater LaskarTs, Fadl(ün), verwechselte (dieser regierte nach MunaggimbäsT 4, 10 von 375 H [beg. 24. Mai 985] bis 422 H [beg. 29. Dezember 1030]), oder aber er
hielt OarrXoGfi. für einen Titel der Herrscher von Ganga. Abu’l-Aswär als der damalige Senior
des Hauses konnte jedenfalls die Geiselstellung durchaus nahelegen.
114 Diese Ereignisse bei MunaggimbäsT 4,13. Die von außen drohenden Feinde waren die
Dido, ein noidostkaukasisches Bergvolk in Daghestan (so deutete MlNORSKY 28f. das bei
Darstellung
173
Da Tughril Beg nach 1049 in mehrfacher Weise im Iran gebunden war,
kam es zu einer längeren Pause in den selgflqischen Einfällen nach
Armenien. Erst zum Jahre 502 armen, (beg. 8. März 1053) wird die
Zerstörung von Kars, der Hauptstadt des kleinen Reiches V anand"7,
durch Truppen der Selgflqen — möglicherweise wieder unter Qutlumus —
berichtet. Da Kars früher verschont geblieben war, fehlten jegliche Abwehr
maßnahmen, als die SelgQqen in der Nacht zum Fest Epiphanie, während
die Feier der Liturgie im Gange war, die Stadt überrumpelten. Gleich
wohl mußten sie nach ausgedehnten Metzeleien, Plünderungen und Ver
wüstungen abziehen, ohne die Zitadelle über der Stadt eingenommen zu
haben"8.
Im Frühjahr 1054 begann Tughril Beg selbst einen Feldzug nach
Armenien, nachdem er den rawwädidischen Herrscher Ädarbaigäns, Abü
Mansür Wahsüdän b. Muhammad, sowie Abu’l-Aswär von Ganga zur
Anerkennung seiner Oberhoheit genötigt hatte. Im Hinblick auf die eben
genannte Ausbreitung der selgüqischen Macht scheint der Vorstoß Tughril
Begs das begrenzte Ziel verfolgt zu haben, die gegen das Gebiet der
Saddädiden vorspringende byzantinische Grenze zurückzuschieben; fur
diesen Charakter seines Zuges spricht auch, daß die von byzantinischer
Seite gepflogene Verhandlungsdiplomatie gleichermaßen vor wie nach dem
Feldzug Tughril Begs tätig w a r"9.*1
7
MunaggimbäiT korrumpierte
, i. e.
), die Abbäzen im Westen sowie Kaxeti
im Osten Georgiens und die Byzantiner. Diese alle sollten Abtretungen erhalten; über arRustäq vgl. MlNORSKY 30. Rustavi liegt — von Armenien aus gesehen — jenseits des
Mtkvari (bzw. der Kura); die von Skylitzes 464, 20 ( - Kedrenos 693, 13f.) erwähnte
„eiserne Brücke“ (aiS^pi y«fupa) dürfte jedoch eher als über die Kura über einen ihrer
südlichen Nebenflüsse geführt haben.
117 Kars, wo 962 A&ot III. Bagratuni eine eigene Herrschaft eingerichtet hatte, wurde
seit 1029 von Gagik Abas aus einem Seitenzweig der Dynastie regiert; vgl. Canard—
B erbêria N zu Aristakes 74, A. 1.
Hiezu Aristakes 83f. -74f.C mit der zeitlichen Festlegung zu Beginn des folgenden
Kapitels (84 - 75C): „Nach diesen Ereignissen folgte das Jahr 503 unserer Ära.“ Dieses
begann am 8 . März 1064, 502 armen, am 8 . März 1053. — Skylitzes 474, 85—475, 12
(»Kedrenos 606, 1—607, 2) erwähnt den Handstreich auf Kars ebenfalls, aber (erstmals
erkannt von G froerer III 510f.) mit falscher Chronologie; dazu kommen kuriose Entstel
lungen über das Zerwürfnis zwischen Qutlumui, den Skylitzes als Eroberer der Stadt nennt,
und Tughril Beg. In Wirklichkeit kam es zwischen beiden ein Jahrzehnt später zur
Entscheidung; vgl. Cahen, Qutlumush 23. Eine Teilnahme des Qutlumui an dem Zug gegen
Kars ist aber möglich, da sie auch von al-AztmT berichtet wird; vgl. Cahen , a. O. 20, A. 28.
"• Den Beginn des Armenienzuges setzt Aristakes 84»75C auf Anfang 603 armen,
(beg. 8 . März 1054), was mit Ibn al-AtTr IX 598 (446 H [beg. 12. April 1054]) recht gut
übereinstimmt. — Wahsüdän regierte 416 H (beg. 4. März 1025) — 451 H (beg. 17. Feber
1059); vgl. MlNORSKY 167f. Zum Zeichen ihrer Unterordnung nannten Wahsüdän und
176
Armenien und al-öazlra
Da sich die Byzantiner überall in den Festungen verschanzten u n d
nicht daran dachten, Tughril Beg in offenem Gelände entgegenzutreten,
wandte sich dieser der Belagerung des in weiter Ebene gelegenen M&ntzikert zu*128. Die Stadt war aber nicht nur dreifach ummauert und während
des Sommers mit allem Nötigen versehen worden, sondern besaß zudem in
der Person des Patrikios Basileios Apokapes129 einen hervorragenden
Befehlshaber. Er verstand es, die Verteidiger mit religiöser und patrioti
scher Begeisterung zu erfüllen, so daß sie alle Angriffe abschlugen, die vom
Feind mit Hilfe von Belagerungsmaschinen und Katapulten versucht
wurden. Einen Monat hindurch ließ Tughril Beg jeweils bei Tagesanbruch
und am Abend einen Sturm unternehmen, jedoch ohne echten E rfolg;
vielleicht war auch Verrat im Spiel. Schließlich verließ er sich mehr auf die
Arbeit der Mineure und den Einsatz von Katapulten130. Unterdessen
CAHEN, Qutlumush 23. In der Angabe _des Skylitzes, daß Qutlumui mit Mc>x/ (d. i.
'Abdatmalik), Sohn des 'Af&pspio; (Ibrâhîm Inâl) nach Kars geflohen sei, ist wohl ein Reflex
darauf zu sehen, daß (so Sibt b. al-CauzT [Par. 1506] 78a) die Söhne des IbrShfm In&l
(nachdem ihr Vater als Verbündeter des al-Basäslrl im Aufstand des letzteren sein Leben
verloren hatte) am Hof des Qutlumuä blieben.
Tatsache wird hingegen die von Skylitzes überlieferte Aktivität des Michael Akoluthos
in Chaldia sein. Mit Aristakès stimmt er darin überein, daß byzantinische Truppen — unter
denen Skylitzes (474,6 f.) Westeuropäer, resp. Lateiner (Opáy-. ^i) neben Warägern (Bxparr;v.)
nennt, Aristakès 88 = 80C offenbar die Waräger (Vrangk') — die Feinde in Chaldia
zurückschlugen. Skylitzes gibt dazu den Namen des byzantinischen Führers, und Aristakès
nennt den Schauplatz Baberd (am obersten Çoruh, wo er sich nach Osten zurückwendet; vgl.
HONIGMANN 54 mit Karte IV; DEES., 181 trennt irrig die Ereignisse in Chaldia und Taik’
von denen in Par/ar und Canet').
Über den eigentlichen Zug Tughril Begs setzt Skylitzes 462, 43—464, 10 ( « Kedrenos
500,7—503,6) erst damit ein, daß Tughril Beg bis ’Oxwjjliwgelangte (so ist seit BROSSET für
Któfjuov zu lesen, vgl. HONIGMANN 182, A. If.), d. i. das zwischen Awnik und Du (vgl. o.
A. 126) gelegene Ökömi (vgl. o. A. 1 10).
128 Vgl. Skylitzes 462, 51-464, 10 (-Kedrenos 500, 16-603, 5); Aristakès 00—
04-82—86C, Matt'èos 118—122V- 141—145J - 78—81 B -00—102D; Smbat 51—
53-30f.O . Das Hauptquartier Tughril Begs war nach beiden letzteren in K'arglu/
(Mattëos 118V) bzw. K'araglu/; vgl. dazu HONIGMANN 182, A.3.
129 Zu Apokapes bzw. Apuk'ap vgl. o.S.86 , A. 132; S. 145, A.40. Im Jahre 1064/5 war
Basileios Apakapes an der unteren Donau gegen die Uzen tätig (Attaleiates 83, 10f.;
Skylitzes Cont. 113, 25— 114, 0; Matt'äos 151—153V -182f.J -00f.B -126f.D ) 1077—
1083 war er Statthalter von Edessa, wo er auch gestorben ist (Matt'äos 216. 222f. V - 250f.
268J = 142. 146B- 180f. 186D). Vgl. auch L e m e r l e , Cinq études 50f.; W . S e ib t , Rezen
sion dazu in: BSl 40 (1070) 53; K aEd a n , Armjane 67ff.
130 Den Verrat betreffend behauptet jedenfalls Aristakès, ein Heerführer aus der
Umgebung Tughril Begs habe mittels um einen Pfeil gewickelter Botschaften den Belager
ten alle Pläne im voraus mitgeteilt. — Vom größten und bedeutendsten Katapult gibt
Aristakès 01 f. -8 3 —85C eine ausführliche Beschreibung. Es war nach Matt'äos
1 lOf. V - 142 J -7 0 B - 100D, als Basileios II. 1022 auch gegen Her (Hojj) zog, in Balää
zurückgeblieben und offensichtlich in die Hände der Selgüqen geraten. Nach CANARD
Darstellung
177
führten die Dailamiten mit größtem Einsatz den Nahkampf und waren
sch on nahe daran, im Osten, wo die Mauern niedriger waren, in die Stadt
einzudringen. Der Tod des dailamitischen Führers131 und die Einäscherung
d e s Katapultes mit der größten Reichweite132 bestimmten Tughril Beg
zu letzt, die Belagerung abzubrechen. Bei seinem Abzug wandte er sich noch
gegen Arckë am Van-See, metzelte einen Teil der — im Vertrauen auf die
geschützte Insellage — dorthin Geflüchteten nieder, versuchte jedoch
nichts gegen die daneben gelegene, als „uneinnehmbar“ geltende Fest
u n g 188.
Als Tughril Beg den Rückmarsch antrat, erweckte er noch den An
schein, daß er nach Ablauf des Winters 1054/5 wiederkehren würde.
Gleichwohl blieb er in Rajj, bis er im Ramad&n 447 H (beg. 24. November
1055) seinen Zug nach Baghd&d unternahm. In diese Zeit fallen verstärkte
diplomatische Kontakte Tughril Begs zu Byzanz. Bereits nach seiner
(Kommentar sur Aristakös-Stelle) waren die Maschinen der Belagerten nach dem Prinzip
einer Armbrust, jene der Angreifer aber mit einem aufschnellenden Wurfann konstruiert.
1,1 Dieser Dailamitenführer erscheint bei Skylitzes 462,64 ( = Kedrenos 591,6) als ’AXxév
(d. i. der Fürstentitel B&n) und wird Führer der Chorasmier genannt, welcher den hier
dramatisch auf einen Tag zusammengedrangten, von Unterminierung begleiteten Entscheidungsangriff geführt habe. Auch Matt'öos llöf. V * 142J-79B * 100D bietet nicht den
eigentlichen Namen, sondern bezeichnet ihn als Oskecam (als „Goldgelockten*'). AristakSs
92 = 85C spricht, wie die neue kritische Ausgabe zeigt, nur von einem „Führer der
Dailamiten" (vgl. Canard— B erbérian z . St.); P rudhomme S.99 schrieb noch Ortihnfe
und verstand Qutlumuft darunter. Auf diesen Anführer bezieht sich vielleicht Sibt b. al-GauzT
(Hs. Par. 1506) 99b über den Tod eines der Söhne Tughril Begs; dessen Frau war eine
Qwfirizmierin (vgl. Skylitzes: Führer der Chorasmier). Vgl. Cahen, Première penetration
17,A. 1.
Ober seinen Tod weichen die Angaben untereinander ab; laut Skylitzes wurde er beim
Versuch, die Mauern mittels fahrbarer Schutzschilder untergraben zu lassen, lebend gefan
gen und danach enthauptet; nach Matt'öos verlor er infolge einer Gegengrabung sein Leben,
und Tughril Beg habe erst nach diesem Unglücksfall das riesige Katapult herbeischaffen
lassen ; oder — so Aristakös — war das Katapult vorne mit Schutzd&chem versehen, und er
fiel beim Versuch, mit seinen Kriegern über eine von diesem geschlagene Bresche in die
Stadt einzudringen. Diese Version scheint mit Skylitzes (der zwar das Katapult nicht
erw&hnt) besser vereinbar.
m Die Verbrennung erfolgte mittels Naphta, d.h. wohl durch das „griechische Feuer";
vgl. dazu J. R. P artington, A history of Greek Fire and Gunpowder. Cambridge 1960,19—^
21. 28—31 ; J. Haldon—M. B yrne , A possible solution to the problem of Greek fire. BZ 70
(1977) 91 ff. ; H. R. E llis D avidson, The secret weapon of Byzantium. BZ 66 (1973) 61 ff.
— Nach Matt'êos a. O. geschah dies durch einen „Franken" ; Aristakês bezeichnet ihn bloß
als byzantinischen Soldaten.
188 Vgl. Aristakös 94-87C ; der Name der Festung war wohl 'Apxcpaßou; vgl. V.LAU
RENT, Sceau inédit de Christophore stratège d’Artziké. BO 30 (1931 ) 452—465; HONIGMANN
206.
178
Armenien und al-G&zIra
Machtergreifung in Baghdad wurde einem Gesandten Tughril Begs gemäß
dem Wunsch seines Herren gestattet, in der Moschee von Konstantinopel
das Gebet im Namen des 'Abb&sidenchalifen al-Qäun zu verrichten, un
geachtet der fötimidischen Entrüstung134. Forderungen nach Gebietskom
pensationen lehnte Theodora ab, sie leistete aber de facto den verlangten
Tribut unter der Bezeichnung von „Ehrengaben“ 135.
Der Vorstoß Tughril Begs nach Armenien hatte trotz begrenzter Ziele
genügt, die byzantinische Stellung im Osten merklich zu erschüttern.
Konstantin IX ., der ansonsten allen bedeutenderen Persönlichkeiten we
nig vertraute, sah sich — wohl gegen Ende 1054 — genötigt, kriegserprob
te Streitkräfte vom Balkan unter Nikephoros Bryennios nach Osten zu
verlegen und den dortigen Oberbefehl an Isaakios Komnenos (den späteren
Kaiser) zu übertragen. Theodora, die — wie die versuchte Usurpation des
Bryennios nach ihrer Regierungsübemahme (8. Januar 1055) zeigte —
einen übermächtigen Einfluß der Militärs zu furchten hatte, berief daher
Isaakios Komnenos ab und beauftragte den Eunuchen Theodoras mit der
Abwehr der feindlichen E infalle136. Noch unter Theodora, 504 armen, (beg.
134 Tughril Begs angekündigte Rückkehr: Ibn al-Atîr IX 599 (s. a. 446). Seine Gesandt
schaft in Konstantinopel : al-MaqrlzT, bitat I 335, welcher zurar das Frauenregiment in
Byzanz erwähnt und weiters sagt, daß der Gesandte aus dem Iraq kam. Damit ergibt sich
ein Zeitpunkt nach Dezember 1055.
135 Vgl. Aristakës 96 = 8 8 f.C zu 504 armen, (beg. 8 . März 1055); die byzantinische
Gesandtschaft, welche ran Tughril Beg sehr freundlich aufgenommen wurde, überbrachte
ihm als „Ehrengaben4* Pferde, weiße Maultiere, Silber und purpurne Gewänder. Abu’l-Farag,
Chron. Syr. 249 f. Bruns—K irsch = 207 B udge bezeichnet dies als Tribut, den Theodora
zwecks Frieden geleistet habe (der Sache nach wohl zutrefTend; vgl. die ähnliche Konstella
tion i. J. 1049, o. S. 171 mit A. 114). Vgl. auch DOLGER, Regesten 929; zur Lage vgl. CAHEN,
Première pénétration I7f.; DERS., Diplomatie 12; s. auch o.S. 121, A .226.
130 Zu Isaak Komnenos vgl. Skylitzes 479, 4— 8 ( = Kedrenos 611, 1—6 ); er wird als
0 TpaT07ccSápxv¡t bezeichnet, was daraufhinzudeuten scheint, daß Konstantin IX. der Ernen
nung eines Domestikos der Scholen des Ostens ausgewichen ist. Der arpaToiccSàpxqç besaß,
wenn es keinen Domestikos der Scholen des Ostens gab, dieselbe Befehlsgewalt, war jedoch
dem Ansehen nach etwas geringer. Es ist bezeichnend, daß sich Konstantin IX. auch zu
diesem Schritt erst entschloß, als die Ereignisse im Osten einen so bedenklichen Verlauf
genommen hatten. — Das Kommando des Michael Akoluthos scheint regional begrenzt
gewesen zu sein ; vgl. auch o. A. 124.
Zur Verlegung der Motxcftovixai ftuvatfuic unter Bryennios in den Osten vgl. Skylitzes 484,
23—25 ( = Kedrenos 616, 3—5). Dazu erklärt er 479, 8— 13 (»Kedrenos 611, 6 — 1 1 ), es
habe unter den Türken die Sage bestanden, es sei vom Schicksal vorherbestimmt, daß sie nur
von einer ebensolchen Kriegsmacht wie der Alexanders des Makedonen bezwungen werden
könnten. Hiebei ist zu beachten, daß diese Truppenverschiebung in Anbetracht der Verhält
nisse nicht so außergewöhnlich war, wie es aus Skylitzes scheinen könnte. Zuvor waren 1647
gegen Tomikios und 1050 gegen die Petschenegen bedeutende Streitkräfte nach Westen
Darstellung
179
8 . Marz 1055) ereignete sich ein muslimischer Überfall auf Ani, der entwe
d e r Abu’l-Aswfir von Ganga oder den Selgfiqen zuzuschreiben ist. Im
gleichen Jahre verlor der Statthalter von Tarön, Theodoras (Sohn des
A aron), gegen einfallende Kräfte der SelgQqen sein Leben137.
Zwar kam es bis zu Tughril Begs Tod nicht mehr zu einem großen
K on flikt; die Einfalle auf byzantinisches Gebiet dauerten aber fort, wobei
d ie Leidtragenden dieses Zustandes zwischen Krieg und Frieden die
Armenier waren. Das flache Land stand weitgehend schutzlos den feind
lichen Vorstößen offen, gegen welche die Byzantiner, deren Kontrolle sich
auf die befestigten Städte beschränkte, nur von Fall zu Fall vorgingen.
Die Auseinandersetzung mit den Invasoren des Ostens, deren Streifzü
ge unter Tughril Begs Nachfolger Alp Arslan (1063— 1072) zu regelrechten
Kriegsuntemehmungen wurden, gibt der Zeit zwischen der Machtübernah
me der Selgüqen in Baghdäd und dem entscheidenden Aufeinandertreffen
bei Mantzikert ihr Gepräge. Diese Ereignisse sind hier nicht mehr zu
verfolgen; lediglich ein kurzer Ausblick mag das Gesagte etwas verdeut
lichen l38.
verlegt worden (vgl. o. S. 117 mit A. 215; S. 161 mit A. 88) ; jetzt erzwangen die Verhältnisse
im Osten den umgekehrten Voigang, wozu vielleicht — unter dem Eindruck des TomikiosAufstandes — das Bestreben trat, die Makedonen nicht ausschließlich in Europa zu
verwenden (so Gfroerer III 512f.). Hinter der legendarischen Einkleidung, die Selgüqen
hätten lediglich die Makedonen gefürchtet, könnte der Einfluß einer Kampagne sichtbar
werden, in welcher der Kreis um Bryennios danach strebte, diesem als einem Ntoç*AXi£av$poç
die Berechtigung auf den Thron zuzusprechen (Hinweis von W. SEIHT).
Nach Konstantins IX. Tod (7. oder 8. Januar 1055: SCHREINER, Kleinchroniken I I 148)
fand der Usurpationsversuch des Bryennios durch Theodoros als neuen Domestikos des
Ostens jedoch ein schnelles Ende (Skylitzes 479, 2—480, 30 [ » Kedrenos 610, 23—612 , 2]) ;
zu letzterem vgl. SEIHT, Bleisiegel, Nr. 49. — Das Siegel des Romanos Skieros als fspócftpo;,
orpaTOKcSàpxTjç ttjç 'AvaxoXTjç xat AooÇ 'Avnoxciaç wird jetzt eher in die Zeit nach der
Machtergreifung von Isaak I. Komnenos datiert; vgl. Seiht, Skleroi 82fl*, und o. S. 120,
A. 224.
137 Beim Angriff auf Ani schwankt Aristakös 96«89C selbst bezüglich der Herkunft der
Feinde. Es besteht keine Wechselwirkung mit dem Unternehmen des Nikephoros; vgl. o.
A. 115.
Theodoros Aaron hatte eine turkmenische Schar, die sich mit ihren Führern überworfen
hatte, in seine Dienste genommen, worauf sie das den Marwäniden zugehörige Gebiet von
Xlat* angriflen. Als Theodoros die Auslieferung der Rebellen verweigerte, kam es zum
Kampf zwischen ihm und anderen Truppen der Selgüqen, wobei Theodoros schwer verwun
det wurde und bald hernach starb. Vgl. Aristakös 96f. - 89Í.C; zu Xlat* vgl. auch u. S. 180
mit A. 139.
138 Für den Zeitraum 1055—1071 vgl. die Übersichten bei CAHEN, Première pénétration
1 & -4 7 ; ders., Pre-Ottoman Turkey 23—29. 66—72. 442; Grouhset 601—630; HONlGMANN 183—190 (dort auch die einschlägige Literatur).
180
Armenien und t l-O u t o
Der bereits erwähnte Einfall selgflqischer Kräfte, gegen die der S ta tt
halter von Tarön, Theodores, tunkam, steht vielleicht im Zusammenhang
mit den Umtrieben des Samuch, den Tughril Beg bei seinem Rückzug m it
3000 Mann zu Zwecken der Plünderung zurückgelassen hatte. Als v ie le
byzantinische Truppen des Ostens abgezogen worden waren, um u n ter
Katakalon Kekaumenos für die Erhebung von Isaak Komnenos gegen
Michael VI. zu kämpfen, schloß sich 1057 dem Samuch der normannische
Söldnerfuhrer Erbebios an, welcher sich jedoch bald mit den Turkmenen
überwarf und Samuch nach Xlat* abdrängte, wo Samuch auf Befehl d e s
Marwäniden Nasraddaula gefangen genommen und nach Byzanz geschickt
wurde. Noch während des Bürgerkrieges zwischen Michael VI. und Isaak
Komnenos entstand 1057 ein Konflikt, in dem Iwanë, der Sohn Liparits,
gegen den Statthalter von Ani die Turkmenen zu Hilfe rief, welche in
Armenien plünderten. Im selben Jahr drang eine weitere Streifschar ein,
die vor allem Melitene schwer in Mitleidenschaft zog, bis 1058 überwinter
te, und erst von den kriegerischen Sanäsuna (Sasun) Südarmeniens in
Tarön dezimiert wurde139.
Unter der antimilitärischen Regierung von Konstantin X . Dukas
(1059— 1067) rächte sich die weitgehende Vernachlässigung der Ostgrenze
durch andauernde Vorstöße der Turkmenen nach Iberia, Mesopotamia und
Vaspurakan. Mit Tughril Begs Tod (1063) kam der vorgebliche Friede
zwischen dem byzantinischen Reich und den Selgüqen auch offiziell zur
Aufkündigung, und 1064 führte sein Nachfolger Alp Arslan den großen
iberischen Feldzug, wobei Ani und die seinerzeit Abu’l-Aswär im Araxesgebiet abgenommenen Festungen für Byzanz verloren gingen. Demgegenüber
blieb die Abtretung von Kars (Vanand) durch den letzten König Gagik
Abas an Byzanz von untergeordneter Bedeutung. Außerhalb Armeniens
wurde in Mesopotamien Edessa wiederholt angegriffen, ebenso erging es
Tlxum und Suwaidä’ 140.
'* Zu Theodoros vgl. o. A. 137; nach seinem Tode wüteten die Feinde in Hark’ (einem
Bezirk von Turuheran, nordwestlich vom Van-8 ee; vgl. CANARD—B erb ÉRIAN zu Ariatakes
6 , A. 4; HONIGMANN 151 mit A. 6 ), bis viele von ihnen auf dem Rückweg im Eis des Ananias
ertranken: Aristakes 96f. = 89f.C. — Samuch: Skylitzes 484, 23—486,95 ( = Kedrenos 616,
2—619, 11); auch Aristakes 102 - 93C wird seine Einfälle vor Augen haben, die bis unter
Konstantin X. fortdauerten. Nasraddaula ist der ’Aicováoop bei Skylitzes 486, 84 ( ■ Kedre
nos 618, 23). — Iwanë und die Turkmenen : Aristakes 106—108 = 96—100C; der weitere
Vorstoß (Melitene usw.): Aristakes 116—118=105—107C; Matt'Sos 128—131 V = 163—
156 J = 84—86 B= 107—109 D; Abu’l-Farag, Chron. Syr. 257f. B runs—KIRSCH=212f.
B udge , 8mbat54f.V = 32G.
140 Zu den Einfällen vgl. etwa 8 kylitzes Cont. 112, 17—113, 24; Matt’Sos
141 f. V= 169f. J = 03B = 1 I8 D (Angriff 1062/3 auf Tlxum; dieses liegt ndrdlich von Amid;
Darstellung
181
Zur Regierungszeit Romanos’ IV. (1068— 1071) erstreckten sich die
feindlichen Vorstöße bereits bis tief nach Kleinasien. Während seines
syrischen Feldzuges 1068/9 wurde Amorion überfallen, und als er in
Armenien operierte, ereignete sich ein turkmenischer Einfall über Lykaonien (Ikonion) nach Kilikien. Nachdem Edessa neuerlich Ziel von Angriffen
geworden war, marschierte Alp Arslan selbst 1071 vor Halab; als er aber
erfuhr, daß Romanos IV. sich nach Armenien gewandt hatte, folgte er ihm
dorthin, wo es am 26. August dieses Jahres zur entscheidenden Niederlage
der Byzantiner bei Mantzikert kam; damit ging ihnen ganz Armenien fur
immer verloren*141.
vgl. Honigmann 186, A.7; vgl. ouch o. A.47); Smbat 5 7 f. V « 34f.0 (Tlxum); Matt'Sos
156—1 5 9 V -187—191J - 102—1 0 4 B -130—133D (Tlxum, Suwaidt'und Edeosa 1066/6);
Smbat 62f. V -37Í.G (daos.); Matféos 186—189V-224—2 2 7 J -I23Í.B-157—159D
(Wiederholung 1066/7) , Smbat 67—69V-41 f. G (daos.).
Alp Arslan vereinte die Besitzungen von Caghri Beg und Tughril Beg; sein Konkurrent
Qutlumui war ausgeschaltet. Vgl. CAHEN, Première pénétration 21 ff.; vgl. auch o. A. 127.
— Zum iberischen Feldzug: M.Canard , La campagne arménienne du sultan salgOqide Alp
Arelan et la prise d’Ani en 1064. REA 2 (1965) 238—259.
141 Vgl. z. J. 1067 gegen Kaisareia und Melitone: Attaleiates 93, 6—94, 13; Skylitres
Cont. 119, 6 —120,9; z. J. 1068 gegen Neokaisareia und Amorion: Attaleiates 105,10; 121,
13—122, 12; Skytitees Cont. 126, 24— 127, I; 133, 7—17; z.J. 1069 gegen Ikonion:
Attaleiates 136,1 ; Skylitees Cont. 137,18—22. Zum syrischen Feldzug vgl. Attaleiates 104,
20—138, 17; Skylitzes Cont. 126, 4— 139, 6 ; Übersicht bei HONIOMANN 119—121. Alp
Arelan vor Halab: vgl. o. S. 123 mit A.229. — Mantzikert: C.CAHEN, La campagne de
Mantzikert d’après les sources musulmanes. Byz 9 (1934) 628—642.
TE IL III
UNTERITALIEN, SIZILIEN, ÄGÄISCHES MEER
ZEITTAFEL
998
Regierungsunfahigkeit des kalbitischen Emirs von
Sizilien, Abu’l-Futüh Jüsuf; sein Sohn Ga'far Regent.
999
(Wahrscheinlicher) Angriff der Muslime auf Salerno;
abgewehrt unter Mitwirkung der erstmals in Unteri
talien auftretenden Normannen.
1002
Fehlschlag der Belagerung Baris durch die Muslime
auf Grund des Entsatzes von Seiten des venetianischen Dogen Petrus II. Orseolus.
1002?
Streifzüge der Muslime gegen Asculum, Benevent,
Capua und Neapel.
Belagerung von Montescaglioso (Mona Caveosus) im
G olf von Tarent.
1003
1007
Erneuter muslimischer Vorstoß gegen Capua.
1009
Ausbruch des apulischen Aufstandes unter Melo
gegen die Byzantiner, vermutlich mit muslimischer
Unterstützung.
Niederwerfung des Melo-Aufstandes durch den by
zantinischen Katepano von Italien, Basileios Mesardonites.
1011
1014/5
Fehlschlag eines Aufstandes gegen den Regenten
Ga'far auf Sizilien; infolge ethnischer Gegensätze
innerhalb der Muslime Reduktion der Heeresstärke.
1016
Belagerung Salemos durch die Muslime; ihre Abwehr
vermutlich mit Hilfe der nunmehr zahlreicher in Un
teritalien erscheinenden Normannen.
1017
—
18
Krieg Melos (mit Unterstützung der Normannen)
gegen die Byzantiner endet mit einem durchgreifen
den Erfolg des Katepano Basileios Boioannes. Mögli
cherweise auch diesmal Verbindungen Melos zu den
Muslimen.
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UNIVERSITY OF MICHIGAN
186
Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer
1019
Sturz des sizilischen Regenten Ga'far wegen sein er
Steuerpolitik; sein Bruder al-Akhal wird Regent und
nach Ga'fars und Jfisufs Exilierung Alleinherrscher.
Wiederaufnahme des gihäd gegen Unteritalien.
Vorstoß der Muslime unter dem vermutlichen A pu lier
Rayca nach Calabrien, wohl im Zusammenwirken m it
al-Akhal.
Streifzug Raycas im Bündnis mit al-Akhal gegen B ari
und Palagianum.
Der Plan Basileios’ II. zur Vertreibung der Muslime
aus Sizilien gelangt durch den Tod des Kaisers n ich t
zur Ausführung. Nur erste Abteilungen landen ver
mutlich in Sizilien.
Vernichtung einer Entsatzflotte der nordafrikani
schen ZlrTden für Sizilien durch Sturm bei Pantelleria.
1020
1023
1025
1026
1027(28?)
1028(29?)
1029
1032
1032
1033
1034
1034/5
1034/5
1035
Streifzug wohl ztrTdischer Korsaren gegen die Kykla
den.
Niederlage des Katepano Christophoros Burgaris
gegen die Muslime bei Reggio.
Vorstoß Raycas im Bündnis mit al-Akhal gegen Obbianum, dann vor Bari.
Invasion der Muslime gegen Cassanum in Calabrien ;
nachfolgend Tod des Katepano Pothos Argyros bei
deren Abwehr.
Streifzug wohl zlrldischer und kalbitischer Korsaren
an der illyrischen Küste; Verwüstung von Kerkyra;
ihre Vernichtung durch Nikephoros Karantenos mit
Hilfe von Ragusa.
Dezimierung weiterer Korsaren durch Karantenos.
Plünderung von Myra, dann der Kykladen durch
zlrTdische Korsaren.
Waffenstillstand zwischen dem ZMden al-Mu’izz und
dem byzantinischen Reich.
Bündnis des sizilischen Emirs al-Akhal mit Byzanz
(innere Konflikte in Sizilien aus ethnischen und
steuerpolitischen Gründen).
Plünderung der Kykladen und der Küste von Thrakesion durch zlrTdische und kalbitische Korsaren; ihre
Vernichtung durch den Strategen der Kibyrrhaioten,
Kon8tantino8 Chage.
Zeittafel
1 0 3 5 /6
1036/7
1037
1037 (?)
1038
1039
1040
1040
1039— 40
1040
1042 Frühjahr
1042
1042
187
Ausbruch des Bürgerkrieges in Sizilien; al-Akhals
Bruder Abfl Hafs von al-Mu'izz durch Entsendung
eines Expeditionskorps unter 'Abdall&h b. al-Mu'izz
unterstützt.
Völlige Niederlage al-Akhals, der den Katepano Konstantinos Opos um Hilfe anruft. Dessen Feldzug in
Sizilien fuhrt zu keinem Ergebnis.
Ermordung al-Akhals durch Parteigänger der
ZlrTden; 'Abdalläh b. al-Mu'izz bemächtigt sich ganz
Siziliens.
Byzantinischer Feldzug unter Georgios Maniakes mit
namhafter normannischer Beteiligung; schwere Nie
derlage 'Abdallähs bei Rhemata; Belagerung von Sy
rakus.
Aufstellung einer neuen Armee durch 'Abdalläh b. alMu'izz.
Nochmalige entscheidende Niederlage 'Abdallähs bei
Traina; infolge seines Entkommens Konflikt zwi
schen Maniakes und dem Flottenkommandanten Ste
phanos. Als Folge Abberufung von Maniakes. — Fall
von Syrakus.
Abfall der Sizilier von 'Abdalläh b. al-Mu'izz; nach
Ausbruch von Kämpfen dessen Rückkehr nach Afri
ka. Entstehung mehrerer de facto unabhängiger Herr
schaften auf Sizilien ; Erhebung von al-Akhals Bruder
§amsäm zum nominellen Emir.
Apulischer Aufstand, der infolge Eingreifens der Nor
mannen den Anfang des Verlustes Unteritaliens
durch Byzanz darstellt. Abzug aller verfügbaren
Truppen aus Sizilien.
Flucht von Stephanos und Maniakes’ Nachfolger Pediadites nach Unteritalien.
Erfolgreiche Verteidigung des letzten byzantinischen
Stützpunktes Messina gegen die Muslime durch Katakalon Kekaumenos.
Neuerliche Betrauung von Maniakes mit dem Oberbe
fehl; in der Folge seine Erhebung gegen die Regie
rung Konstantins IX .
Verlust Messinas; Ende der byzantinischen Präsenz
in Sizilien.
Die fur Unteritalien seit dem späten 0. Jh. kennzeichnende Teilung in
einen langobardischen und einen byzantinischen Bereich dauerte auch nach
der Unterwerfung des Langobardenreiches durch Karl den Großen (774)
fort, weil im Süden der Halbinsel das langobardische Herzogtum Benevent
bestehen blieb (welches um die Mitte des 9.Jh. durch Abspaltung von
Salerno und Capua zu selbständigen Herrschaften verkleinert wurde). Das
byzantinische Unteritalien schloß neben Apulien und Calabrien de iure auch
die campanischen Seestädte ein, die den Dukat von Neapel bildeten. Dieser
war unter selbst gewählten Soüxcç seit dem späteren 8. Jh. autonom, und in
der Folge gliederten sich Amalfi und Gaëta unter eigenen Magistraten aus.
Der byzantinische Herrschaftsbereich im engeren Sinne umfaßte daher
Calabrien und Apulien, d. h. die damaligen Dukate Kalabria und Otranto,
die mit dem Dukat von Neapel zum Thema Sikelia zählten (das schon
zwischen 687 und 696 durch Iustinian II. geschaffen worden war).
Von nachhaltiger Bedeutung für Süditalien wurden die Vorstöße der
Muslime (d.h. Araber und Berber). Ursprünglich von den Langobarden
infolge deren innerer Streitigkeiten wechselseitig zu Hilfe gerufen, hatten
die Muslime seit 840 in Tarent, Bari und Calabrien Fuß gefaßt und führten
von weiteren Stützpunkten an der Küste ihre Streifzüge bis weit nach
Norden; einen festen Rückhalt besaßen sie in Sizilien, dessen Eroberung
die nordafrikanischen Aghlabiden 827 begonnen hatten. Die Vertreibung
der Muslime vom italischen Festland war zunächst das Verdienst des
italischen Karolingers Ludwig II. (855— 875) und dann — an dessen
Tätigkeit anknüpfend — des byzantinischen Kaisers Basileios I. (867—
886), unter dem 876 Bari, 880 Tarent, und bald danach Calabrien dem
byzantinischen Reich wiedeigewonnen wurden1.
1 Grundlegende Darstellung der Wirksamkeit des Islams auf die Geschichte Unterita
liens und Siziliens bis in das spätere 9. Jh. bei Amari, Storia I (passim) und II 1—230,
feiner in den betreffenden Abschnitten bei Vasiliev—CANARD; vgl. auch J. B. BURY,
Eastern Roman Empire 902—807. London 1912, 294—316; A. V ogt, Basile I**. Paris 1908,
318—331. Einführende Übersicht: R. PANETTA, I Saraceni in Italia. Mailand *1973,11—25
(bis 827); 27— 153 (bis 880). Thema Sikelia: N. OlKONOMlDÊS, Une liste arabe des stratèges
byzantins du VII* siècle et les origines du thème de Sicile. RSBN 1 (1964) 121— 130. Dukat
von Neapel, Herzogtum Benevent: FALKENHAUSEN '9— 16; *10—18; Gay 16—24. 62—64.
67— 69. Die Dukate Kalabria (etwa Mitte 7. Jh. begründet) und Otranto (kurz nach Mitte
8. Jh. begründet, spiter offenbar zu Kalabria) : Überblick bei Falkenhausbn '5—9; *6—10.
190
Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer
Diese militärischen Erfolge leiteten eine Zeit politischer Reorganisa
tion ein. Etwa zwischen 886 und 891 wurde das Thema Longobardia (m it
dem Zentrum Bari) durch Leon V I. (886—912) eingerichtet, nachdem e s
möglicherweise zuvor mit Kephallenia verbunden gewesen war2. Kalabria,
ursprünglich ein Dukat des Themas Sikelia, wurde nach dem völligen
Verlust Siziliens an die Aghlabiden (902) bisweilen mit dem Namen dieses
Themas bezeichnet. Ein eigenes Thema Kalabria muß zwischen 938 und
956 geschaffen worden sein, wobei das Thema Sikelia möglicherweise noch
fortbestand oder unter Nikephoros II. Phokas wieder begründet wurde,
jedoch mit seinem mißlungenen Plan einer Rückeroberung der Insel
(964— 5) verschwand3.
Im Zusammenhang mit dem verstärkten Interesse dieses Kaisers auch
am Westen ist die Einrichtung des Kommandos eines xarotávcd ’IraXiaç zu
sehen, wofür erstmals 970 ein urkundlicher Beleg erscheint4. Entweder
sollte durch Zusammenfassung der Themen Longobardia und Kalabria eine
organisatorische Straffung und Stärkung bewirkt werden (so die traditio
nelle Ansicht), oder, wenn — nach neuerdings vertretener Auffassung —
der Katepano (abgesehen von besonderen Krisenzeiten) lediglich in Longo
bardia das Kommando führte, hätte die Schaffung des Katepanats ur
sprünglich einer Art Erneuerung des (751 durch die Langobarden unterge
gangenen) Exarchats von Italien dienen sollen, ohne daß dies nach dem
Fehlschlag in Sizilien und der Ermordung von Nikephoros II. Phokas
verwirklicht wurde5.
* N. O ik onom idês , Constantin VII Porphyrogénète et les thèmes de Céphalonie et de
Longobardie. REB 23 (1966) 118—123; F a l k e n h a u s e n '21—23; *23—26 (Gründung auf
891/2 präzisiert); G a y 170—175. These der Abhängigkeit von Kephallenia : O ik o n o m id ês ,
a.O. I22f.; FALKENHAUSEN '24; *26f.
* F a l k e n h a u se n '28f.; *30f. ; G a y I67f. Für das spätere lO.Jh. weisen auf ein
separates Thema Kalabria als Neugründung neben dem (noch) bestehenden Sikelia die im
Taktikon des Escorial 266, 29 u. 31 (O ik o n o m id ês ) genannten Strategen von Sikelia und
Kalabria.
4 Erste Erwähnung in einer Tarentiner Urkunde: Trinchera 5f., Nr.7. —Zum Begriff
Katepano vgl. o. S. 67, A.71.
5 Für einen vereinigten Kommandobereich Gay 343—348; so auch ObTROGORSKY 261 ;
für die Identität desselben mit Longobardia L.-R. MÉNAGER, Les actes Latins de S. Maria
di Messina. Palermo 1963, 28—30; FALKENHAUSEN '46—49; *48—61. — Nikephoros II.
und Sizilien: AMAR!, Storia II 293—313; G.SCHLUMBERGER, Un empereur byzantin au X*
siècle — Nicéphore Phocas. Paris 1890, 435—469. — Für eine übergeordnet gedachte
Stellung des Katepano spricht die Tatsache, daß im Taktikon des Escorial 263, 32
(OIKONOMIDÊS) der xaTcitàv« ’ItoXúk; genannt ist; 265,29—31 folgen dann die Strategen von
Sikelia, Longobardia (dieser verschwindet später, vgl. FALKENHAUSEN '49; *60) und
Kalabria.
Darstellung
191
B&8ileios II. war durch die Kriege gegen die Usurpatoren Bardas
Skieros und Bardas Phokas sowie durch die bulgarischen Feldzüge und die
östlichen Angelegenheiten des Reiches die längste Zeit davon abgehalten,
sich dem Westen zuzuwenden. Er griff daher auch nicht in den Feldzug
O tto s II. gegen die nach Calabrien einfallenden sizilischen Muslime (982)
e in , sodaß die Lage durch periodische Einfalle der sizilischen Muslime
gegen das Festland gekennzeichnet blieb.
In Sizilien, das zum Herrschaftsbereich der nordafrikanischen Aghlabiden gehörte, hatten die Fätimiden nach deren Sturz (909) gleichfalls die
M acht an sich gerissen. Der dritte Fätimidenchalif al-Mansür (946—953)
übertrug 948 die Statthalterschaft Siziliens an al-Hasan b. Abi’l-Husain alKalbT (948—965), der die de facto unabhängige Dynastie der Kalbiten
begründen konnte, deren fätimidische Protektoren nach der Gewinnung
Ägyptens (969) ja auch in Nordwestafrika, das sie den ZirTden übertragen
hatten (972), nur noch eine mittelbare Oberherrschaft ausübten. Von alHasans Nachfolgern ist Abu’l-Qäsim (970—982) dadurch bekannt gewor
den, daß er Otto II. auf dessen Zug nach Unteritalien entgegentrat. Wenn
auch Ottos Unternehmen schließlich mit einer schweren Niederlage endete,
so mußten die Muslime doch den Tod Abu’l-Qäsims beklagen und vermoch
ten sich überdies nicht auf dem Festland zu behaupten, das von ihnen erst
nach einigen Jahren wieder episodisch heimgesucht wurde4.
An dieser Stelle sei betont, daß bei aller scheinbaren Dominanz der
kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Sizilien und Unteritalien (wor
auf die stetig erneuerten muslimischen Einfälle hindeuten könnten) un
zweifelhafte Anhaltspunkte gleichwohl auf lebhafte wirtschaftliche Bezie
hungen der beiden Seiten im 10. und früheren 11. Jahrhundert hinweisen.
Verbindungen der sizilischen Kirche zum festländischen Christentum blie
ben übrigens gerade infolge der gedrückten Lage der sizilischen Christen
bewahrt4*.6
* Anfänge der Kalbiten: A mari, Storia II 231—247. 269—313. Das von einigen
okzidentalen Quellen behauptete Bündnis zwischen Abu'l-QSsim und Byzanz gegen Otto II.
ist bestimmt unhistorisch; vgl. Gay 335—342; AMARI, Storia II 364—385. — Muslimische
Einfalle nach Ottos II. Rückzug: AMARI, Storia II 394—396; Gay 366—368; EICKHOFF
372—374.
6* Der Geograph Ihn Hauqal berichtet (Abfassungszeit 977) von Handelsverbindungen
zwischen Sizilien und Neapel, Salerno und Amalfi (vgl. AMARI, Biblioteca 10). Bezeichnend
ist ferner, dsß der Bizilische rubäl (Goldmünze; 4 rubftl entsprachen einem byzantinischen
Solidus) unter der Bezeichnung tari seit dem Anfang des 10. Jh. in lateinischen Urkunden
vornehmlich aus Neapel häufiger zur Angabe des Kaufpreises verwendet wurde als der
byzantinische Solidus; auch für das 1 1 . Jh. gibt es Belege. Christliche Nachprägung dieser
Münze ist in Salerno nach der Mitte des 1 1 . Jh. bezeugt und beweist, wie sehr sie sich für
Handelszwecke empfahl. Vgl. Amari, Storia I I514f. ; 523—626. — Zur religiösen Seite: Das
192
Untoritalien, Sizilien, Agâiacbea Meer
Die Höhe der kalbitischen Herrschaft in Sizilien wurde unter A bu 'lFutflh JOsuf (379 H [beg. 11. April 989]—388 H [beg. 3. Januar 998])
erreicht; als dieser — nach einem Schlaganfall linksseitig gelähmt — seinen
Sohn Gafar mit der Regentschaft betrauen mußte, bedeutete dies keines
falls ein Nachlassen der äußeren Aktivitäten. Die Vorstöße gegen d as
Festland61* kulminierten vielmehr in der Belagerung Baris von der Landund Seeseite her im Jahre 1002*78
.
Ihr Führer war ein Renegat, vermutlich jener Lukas, der seit einiger
Zeit das Gebiet von Tricarico an der Grenze Lucaniens und Apuliens von
der Festung Pietrapertosa aus verwüstet hatte6. In der seit 2. Mai an
dauernden Belagerung erhielt der Katepano Gregorios Tarchaneiotes ent
scheidende Hilfe durch Venedig, das 992 ein Handelsabkommen mit B ysehr zurückgedrängte sizilische Christentum fand mit seinen aktivsten Elementen ein
Wirkungsfeld auf dem Festland. Die sizilischen Heiligenleben des späteren 10. und früheren
1 1 . Jh. zeigen das Schweigewicht der Tätigkeit dieser Heiligen in Calabrien. Vgl. ÀMARI,
Storia II 466—477.
6b In das Jahr 900 dürfte ein Angriff der Sarazenen auf Salerno zu setzen sein, der
weitreichende Folgen zeitigen sollte: Die Tradition von Amatus I 17 läßt von Jerusalem
zurückkehrende normannische Pilger an der Abwehr der Sarazenen vor Salerno beteiligt
sein, worin — wie neulich wahrscheinlich gemacht wurde — doch das erste Auftreten der
Normannen in Unteritalien zu verstehen ist; vgl. HOFFMANN, Anfänge 95— 144. Das „avant
mille“ des Amatus für das Erscheinen der Normannen wird bei Leo Ost. I I 37 in Umkehrung
als 1001 gegeben und in den ann. Casinenses (MQH SS XXX 1408f.) als 1000; doch ist 999
aus inneren Gründen wahrscheinlich und wird auch vom Chron. Amalfitanum (MURATORI,
Rerum Italicarum Scríptores I. Mailand 1738, 211) c. 23 gestützt, das die Ankunft der
Normannen auf 999 setzt — wenn auch in irrigem Zusammenhang mit dem Melo-Aufstand
(vgl. u. A. 23) ; identisch mit dem Chron. Amalf. ist Romuald von Salerno. Vgl. HOFFMANN
99f.; 102—105. 110. 114. — Dieser Vorstoß der Muslime gegen Salerno ist aber nicht mit
jenem zu vermengen, den die unteritalischen Annalen für 1016 berichten (ohne die
Normannen zu erwähnen); vgl. dazu u. A .2 1 .
7 Die Belagerung Baris datiert Iohannes Diaconus (ausführlichste Darstellung) auf 1004
(MQH SS VII 35) ; die annales Barenses nennen 1003 (MQH SS VI 53), Lupus Protospatharius (MQH SS VI 56) und der anonymus Barensis (MURATORI V 148) 1002. Die
Quellenkritik hat eigeben, daß der richtige zeitliche Ansatz jener der beiden Letztgenannten
sein muß ; vor allem berichtet Iohannes Diaconus nach der Expedition gegen Bari Ereignis
se, die auf 1002 und 1003 fallen. Vgl. H irsch — B r e s s l a u , Heinrich II. Bd.III 145, A.2
(mit weiteren Angaben).
8 Der Name des Führers lautet bei Lupus s. a. Sapi, in den ann. Bar. Saphi, und beim
anon. Bar. Fast. Ersterer nennt ihn eaytus, die letzteren apostato aique caiti bew. nur
apostato. In eaytus/caiti liegt arab. jtftf qäld („Anführer“ ) zugrunde ; für den eigentlichen
Namen vermutete NALLI NO bei Amari, Storia II 397, A.3 Sift. A.GUILLOU und
W.H oltzmann, Zwei Katepansurkunden aus Tricarico. Quellen u. Forschungen aus ital.
Archiven u. Bibi. 41 (1961) 12, A. 1 nahmen dagegen an, daß arab.
käfir („Ungläubi
ger“) zugrunde liegt; in einer Urkunde des Katepano Gregorios Tarchaneiotes (bei OuiLLOU—HOLTZMANN 18f., mit Kommentar 6— 8 und 12—17) wird der Renegat Lukas, der die
genannten Verwüstungen begangen hatte, nämlich als xaçipioç bezeichnet. — Das erwähnte
Tricarico liegt in der Region Basilicata, Provinz Matera.
Darstellung
193
zanz geschlossen hatte, welches auch die Verpflichtung zur Abwehr musli
mischer Einfalle nach Longobaidia einschloß0. Die venetianische Flotte
unter dem Dogen Petrus II. Orseolus (991— 1009) segelte am 10. August ab
und gelangte am 6. September vor Bari, wo die überraschten Muslime deren
Einlaufen in den Hafen nicht verhindern konnten. Petrus, der mit jeglichen
Ehren aufgenommen wurde, ließ die bereits Mangel leidende Bevölkerung
irisch versorgen; dann wandten sich die unter Gregorios Tarchaneiotes
stehenden Verteidiger wieder dem Kam pf zu Lande zu, während Petrus
Orseolus die entscheidende Kriegführung zur See übernahm. Hier endeten
die Auseinandersetzungen nach drei Tagen mit der Flucht der Feinde in der
folgenden Nacht ; wenig spater räumten sie auch die von ihnen besetzten
Stellungen zu Lande9
10. Basileios II. erwies seinen Dank für die venetiani
sche Hilfe dadurch, daß Petrus’ Sohn und Mitregent Iohannes eine Ver
wandte des Kaisers zur Frau erhielt und später noch zum Patrikios ernannt
wurde11.
9 Der Beginn der Belagerung: Lupus a. a. 1002. — Gregorios Tarchaneiotes war wie die
meisten seiner nächsten Nachfolger nur Protospatharios (die früheren xartnavo) besaßen
zumeist den höheren Rang ¿v&úiraToc itaTpíxioc) und kam 998 oder 999 nach Italien; vgl.
F a l k e n h a u s e n J84f. bzw. *87f., Nr.36. — Vertrag mit Venedig: Er war das erste
ausdrückliche Handelsabkommen, sch&rfte den Venetianem aber auch die erwähnte Unter
stützung neu ein. Vgl. DöLGER, Regesten 781 ; K r e t sc h m a v r I 126—129; GFROERER I
362—367 ; A. PERTU8I, Venezia e Bisanzio nel secolo XI, in : La Venezia del Mille (Centro di
adtura e eiviUä delta Fondazione Giorgio Cini). Florenz 1966, 119ff. (9 1 m Text des
Abkommens s. 166—160).
10 Die Annahme einer Identität zwischen dem Renegaten Lukas und dem Anführer vor
Bari (vgl. o. A .8 ) würde auch das Problem des Endes der Belagerung lösen. Während
nämlich Iohannes Diaconus und die ann. Bar. den 22. September als Endpunkt geben,
nennen Lupus und der anon. Bar. den 18. Oktober. Wenn der muslimische Führer eigentlich
Lukas hieß, so könnte der Festtag des hl. Lukas am 18. Oktober versehentlich als
Befreiungstag in die Überlieferung eingegangen sein. Unwahrscheinlich ist die Annahme
von GFROERER I 416, daß in der Schilderung des Iohannes Diaconus über den Abzug zu
Lande (Ceteri autem, qui finitimorum loca erudeli iure mancipando poasidebant, non multum
post iUic degentes confusi recesserunt, was auf die Invasoren zu beziehen ist) eine mit den
Muslimen sympathisierende Gruppe von Christen gemeint sei, die dem byzantinischen
Steuerdruck entgehen wollte.
11 Ehrungen durch den Kaiser: Iohannes Diaconus (MGH 8 8 VII) 36, 8 ; vgl. DöLQER,
Regesten 794; K r e t sc h m a y r I 129f.; SCHLUMBERGER, Épopée II 324f. ; GFROERER I
414—419. Die für Iohannes Orseolus bestimmte Byzantinerin namens Maria stammte aus
dem Haus der Aigyroi, war aber kaum eine Nichte von Basileios II., wie Iohannes Diaconus
behauptet. Näheres vgl. bei V a n n ie r , Argyroi 43f, Nr. 16. — Im übrigen wußte Petrus
Orseolus andererseits auch die Beziehungen zu muslimischen Herrschern zu pflegen, die für
den Handel wichtig waren — dies zeigen seine Gesandtschaften. Vgl. dazu K r e t sc h m a y r I
129f. 440; vgl. ferner M. N a l l in o , II mondo Arabo e Venezia fino alle Crociate, in: La
Venezia del Mille (vgl. A. 9) 176ff.
194
Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer
Möglicherweise handelte es sich im Jahre 1002 um ein Vorgehen d e r
sizilischen Muslime auf breiterer Front, da eine Reihe von Streifzügen, d ie
in den Quellen auf 1001 oder 1002 angesetzt werden, im Zusammenhang
mit dem Unternehmen gegen Bari gestanden sein könnten. Von größerem
Gewicht als die nicht einheitliche Jahresangabe ist die mit der Belagerung
Baris harmonierende Jahreszeit: für Anfang Juni werden Plünderungen in
der Gegend von Asculum, für Anfang August in den Gebieten von Benevent, Capua und Neapel berichtet1
12.
Die Überfalle fanden 1003 eine abgeschwächte Fortsetzung, als das
nahe dem G olf von Tarent gelegene Montescaglioso erfolglos von Muslimen
belagert wurde. Für die folgenden Jahre fehlen eindeutige Nachrichten über
Feindseligkeiten in Unteritalien; allerdings hielten sich die Muslime im
Norden dadurch schadlos, daß sie 1004 Pisa von der See her überfielen und
verwüsteten. Die Pisaner rächten sich, indem sie im August 1005 eine
muslimische Flotte vor Messina besiegten. Es war dies ihre erste bekannte
Seeschlacht; im Verein mit dem Entsatz Baris durch die Venetianer ist
hierin ein Beweis für den Aufstieg der italienischen Seestädte zu sehen, die
den Muslimen das Gesetz des Handelns zu entreißen begannen. Im Süden
der Halbinsel unternahmen die Muslime erst 1007 neuerlich eine Razzia,
und zwar wieder gegen Capua13.
Unter dem 2. Nachfolger des Gregorios Tarchaneiotes, Ioannes Kurkuas14*, brach im Frühjahr 1009 der Aufstand des Melo (oder Meies) aus,
11 Die arm. Benev. (MOH 8 8 III 177) datieren die Vorstöße auf 1002, der spätere
Chronist (12. Jh.) Romuald von Salerno (MOH 8 8 XIX 402) gibt 1001 an. Für den
Zusammenhang mit der Belagerung Baris trat schon SCHLUMBERGER, Épopée II307 ein. —
Das genannte Asculum (Aacoli) ist jenes in Apulien, Prov. Foggia, und nicht das gleichnami
ge in Picenum.
18 Montescaglioso liegt in der Region Basilicata, Prov. Matera. Der Ort heißt bei Lupus,
der die Invasion auf März 1003 datiert, Mons Caveosua. — Zum Jahre 1005 spricht eine
Urkunde des Erzbischofs von Salemo Ober die Zerstörung der Kirche zu Vietri durch die
Sarazenen; 1009 ist ebenfalls urkundlich die Rede von Verkäufen aus den Besitzungen dea
Herzogs Sergius von Amalfi, der nebst seinem Vater und seinem Großvater durch die
Sarazenen gefangengenommen worden und daher in große Geldnot geraten war. Vgl.
HOFFMANN, Anfänge 101 mit A. I7f., der jedoch zu weit geht, wenn er in diesen Angaben
Indizien für den sarazenischen Angriff auf Salemo von 999 (vgl. o. S. 192 mit A.6b)
erblicken möchte. — Pisa: Chron. varia Pisana (MOH SS XIX) 238; vgl. A m a r i , Storia II
398, A. 1; EICKHOFF 374f. — Capua: ann. Benev. (MOH 8 8 III 177) s. a. 1007.
14 Nach der Abberufung von Gregorios Tarchaneiotes 1006 folgte als Katepano Alexios
Xiphias, der sein Kommando nur etwa ein Jahr innehatte, und nach dessen Tod kam (nach
fitst einem Jahr Vakanz ?) Ioannes Kurkuas. Dieser war wieder ¿v&únotTo; mtTptxio;, nachdem
seine Vorgänger Tarchaneiotes und Xiphias lediglich Protospatharioi gewesen waren. Vgl.
F a l k e n h a u se n '85 bzw. *88, Nr. 36f. und (zum Rang von Kurkuas) das Urkundenregest a.
O. '173 bzw. *189, Nr. 32.
Darstellung
105
w elcher die Langobarden gegen die Byzantiner aufwiegelte und sich Baris
bem ächtigte15. Die Muslime nützten offensichtlich die inneren Schwierig
k eiten der byzantinischen Seite aus, indem sie unter ihrem Anführer,
dessen Name als Sati (d. i. Said) erscheint, einen Raubzug in das Tal des
C rati mit vorübergehender Besetzung von Cosenza unternahmen16. Sehr
wahrscheinlich verschaffte sich Melo auch muslimischen Beistand gegen die
Byzantiner, doch laßt sich eine völlige quellenmäßige Gewißheit nicht
sicher gewinnen17. Erst der Nachfolger des im Winter 1009/10 verstorbe
nen Joannes Kurkuas, Basileios Mesardonites (bzw. Argyros)18, vermochte
Bari nach Belagerung 1011 einzunehmen. Melo entkam mit seinem Stief
bruder Datto und fand nach längerem Umherirren eine Zuflucht in Capua;
D atto trat in die Dienste von Papst Benedikt V III. und Kaiser
Heinrich II., er erhielt einen festen Turm am Garigliano als Zufluchtsstät
16
Den Beginn von Melos Aufstand setzen Lupus und Skylitzes 348,07—8 ( « Kedrenos
456, 23—457, 8) übereinstimmend auf 1009. Übersicht über seine bewegte politische Rolle
bei G ay 309—413; Chalandon 1 42—61 ; Schlumberger, Épopée II 542—574; vgl. auch
u. S. 196f. mit A. 10. 23. 25f.
16 Zum Zug gegen Cosenza: Lupus s. a. 1000 (nennt den Führer cayti Sati); Chron. var.
Pisana (MOH 8 8 XIX) 238. ln cayti liegt wieder (vgl. o. A.8) arab. qi*id („Anführer*4);
dessen Name muß wohl Sa*id lauten. Vgl. A m a r i , Storia II 308 mit A. 2.
17 Die aim. Bar. s. a. 1011 (soll sein 1000, vgl. o. A. 15) berichten: Hoc anno rebellavit
bangobardia cum Meie ad ipsum Curcua mense Mato IX intrante. Et fecerunt bellum in Betete
(Bitectum, heute Bitetto unweit südwestlich Baris, vgl. Gay 402), ubi multi Baronets
ceciderunt. Et Ismael fecit bellum in Monte Peloso (halbwegs zwischen Venosa und Matera,
vgl. Karte II bei Gay ) cum ipsis Oraecis et cecidit illic Pasiano (Name des byzantinischen
Führers). Da die ann. Benev. s. a. 1000 von einem Angriff der Araber auf Botuntum (heute
Bitonto unweit westlich Baris) sprechen, sind vielleicht Bitectum und Botuntum in den ann.
Bar. verwechselt, sodaß hier und in den ann. Benev. die gleichen Ereignisse zugrunde liegen
würden; in diesem Sinne H einemann 32; Chalandon I 44. Auch davon abgesehen spricht
die Nähe des einen wie des anderen Ortes zu Melos Heimat Bari und der Name Ismael
( - Ismä*fl) für ein Zusammenwirken der Rebellen mit den Muslimen. Diese Annahme bedarf
nicht der später von Amari selbst wieder aufgegebenen These (vgl. Storia II 308 mit A.4),
in den ann. Barenses sei durchwegs statt Melo der mit ihm nicht identische Ismael
vorauszusetzen; cum Meie erklärte er als „im Bündnis mit Ismael**. Die Annahme eines
schwer begreiflichen Fehlers im Sinnzusammenhang der ann. Bar. zur Rechtfertigung eines
radikalen Eingriffes in den Text wäre überdies methodisch anfechtbar gewesen ; vgl. auch u.
A.26.
18 Ioannes Kurkuas ist im September 1000 urkundlich noch nachgewiesen (FalkenhaüSEN ‘85f. bzw. 288); nach dem anon. Bar. starb er 1010. Laut Lupus kam im März dieses
Jahres sein Nachfolger Basileios Mesardonites. Dessen Identität mit Basileios Argyros
setzt Skylitzes 348, 1—8 ( » Kedrenos 456, 23—457, 8) voraus (nach Skylitzes war er zuvor
Stratege von Samos gewesen); über ihn in Vaspurakan vgl. o. S. 140 mit A. 25. Die
Gleichsetzung (von FALKENHAUSEN f86, Nr. 38 noch geleugnet; vgl. jedoch *80) ist von
V annier, Argyroi 30—41 unter Verwendung von Ergebnissen A.GülLLOUs überzeugend
begründet worden. Mesardonites war vermutlich orientalischer Herkunft; vgl. SE1BT,
Vaspurakan 61, A. 27 zur Namendeutung.
196
Unteritalien, Sizilien, Ägäiaches Meer
te'°. Zum Vorteil für Basileios Mesardonites herrschte damals Ruhe von
Seiten der Muslime, die ihre Tätigkeit von Spanien aus gegen das westliche
Mittelmeer und Oberitalien verlagert hatten*10.
Erst 1016 wird neuerlich von einem Vorstoß der Muslime, nunmehr
gegen Salerno, berichtet ; ihre Abwehr gelang dem Fürsten Waimar vermut
lich bereits mit Hilfe jener Normannen, die zu dieser Zeit in steigender Zahl
im langobardischen Unteritalien erschienen21.
Hinter diesem muslimischen Angriff sind die Zlrlden Nordafrikas vor
auszusetzen, nicht aber die Kalbiten Siziliens. Denn auf der Insel war es
405 H (beg. 2. Juli 1014) zu Unruhen gekommen, die ihre Ursache in der
Gegnerschaft des Regenten öa'far zu seinem Bruder ’A ll hatten. 'AK
unternahm eine fehlgeschlagene Empörung, verlor erst die Freiheit und
dann auch das Leben ; außerdem entfernte Ga'far alle Berber und Neger aus
der Armee, weil ’A ll sich auf diese gestützt hatte. Das dadurch zahlenmäßig
'* Vgl. ann. Bar. 1013 (soll sein 1011; G ay 402, A.3); Leo Ost. II 37; Näheres Ober
Melos and Dattos Schicksale bei Gay 407—409; CHALANDON 47 mit A. 1.
10 Der Fürst Mu¿&hid von Dénia, einer der spanischen Teilheirscher nach dem Beginn
der Auflösung des umajjadischen Chalifats von Cordoba, beherrschte damals mit seiner
Seemacht das westliche Mittelmeer; 1014— 1016 konnte er sich auf Sardinien festeetaen.
Vgl. E V III 673, s. V. Mudjähid (LeV I-P R O VENÇAL) ; EICKHOFF 376—378. Im Jahre 1011
wurde Pisa verwüstet (Chron. var. Pisana, MOH SS XIX 238), vielleicht durch Mugfthid. In
den folgenden Jahren suchten neuerlich Korsaren das tyrrhenische Meer (Korsika, Küste
der Toscana) heim; vgl. Amari, Storia II 398, A. 1; HIRSCH— BRESSLAU, Heinrich II. Bd.
III 130.
*' Sarazenischer Angriff auf 8alemo: Lupus, anon. Bar., ann. Benev. s. a. 1016. — Rolle
der Normannen (von den Annalen nicht erwähnt): Ihr erstes Auftreten in 8alemo bei
Ähnlicher Gelegenheit fiel wahrscheinlich auf 999 (vgl. o. A.6b). Hauptquelle dafür ist
Amatus I 17, der dann I 19 fortfahrt, daß die Normannen nach der damaligen Abwehr der
Sarazenen heimkehrten, mit ihnen eine Gesandtschaft Waimars von Salerno, der in der
Normandie Söldner anwerben ließ. Diese Ereignisse müssen jedenfalls vor Frühjahr 1017
fidlen, denn zu diesem Zeitpunkt kamen Normannen bereits der Rebellion des Melo zu Hilfe
(vgl. u. S. 197f. m. A. 23—27). Drei weitere Quellen des 11. Jh., Arnulf von Mailand, Wibert
von Toul und Desiderios von Monte Cassino, sagen gleichfalls parallel zu Amatus, daß die
principes Unteritaliens die Normannen herbeiriefen — darunter sind die Langobardenfür
sten von Salerno, in zweiter Linie von Capua und Benevent, zu verstehen; nach Leo Ost. II
37 kamen 1017 erstmals Normannen nach Capua (hier hatte ja auch Melo nach seinem
ersten Scheitern Asyl gefunden); in Benevent und Salerno konnte Melo Sympathisanten
(vornehmlich wohl normannische Söldner) sammeln. Der antibyzantinisch eingestellte Papst
Benedikt VIII. hat diese Politik der Langobardenfürsten gutgeheißen. Vgl. dazu H O FF
MANN, Anfänge 122—134. — Wenn also die Normannen 1017 bereits in Unteritalien eine
solch aktive Rolle spielten, ist es wahrscheinlich, daß sie auch 1016 schon in entsprechender
Zahl in Salerno weilten und dem Fürsten, der sie hatte anwerben lassen, Hilfe gegen die
Sarazenen leisteten. Amatus hätte dann die Einfälle von 999 und 1016 nicht auseinandeigehalten und nur unter ersterem Jahr erwähnt.
Darstellung
197
verringerte Heer wurde nunmehr nur aus sizilischen Arabern rekrutiert.
D ie s e inneren Wirren lassen ein Ausgreifen von Sizilien nach Unteritalien
undenkbar erscheinen; die ZlrTden hingegen standen damals unter al-Mufizz
a u f der Höhe ihrer Macht22.
M it jenen Normannen, die sich bei Waimar von Salerno aufhielten,
k n ü p fte der vertriebene Melo Verbindungen an23; im Frühjahr 1017 fielen
s ie gemeinsam in das byzantinische Apulien ein und errangen große Erfolge
g e g e n den Katepano Kontoleon Tomikios, bis endlich der 1018 berufene
K atepan o Basileios Boioannes24 im Oktober dieses Jahres Melo und die
N orm annen am Aufidus (Ofanto) in der Nähe des antiken Cannae entschei
d e n d schlagen konnte25. Die Normannen zerstreuten sich zu den langobardiachen Fürsten; einige traten in die Dienste von Melos Stiefbruder Datto.
M elo selbst begab sich zu Kaiser Heinrich II. nach Bamberg, um dessen
0 Unruhen in Sizilien : Ihn al-Atlr X 193 (s. a. 484) ; Abu’l-Fidä' III 274; Ibn Bakifln IV
448; an-NuwairT bei Amari, Biblioteca 442f. — Zum Gegensatz der ethnischen Gruppen auf
der Insel vgl. Amari, Storia II 55—61. — Die Ztrlden: A mari, Storia II 399. 412—421.
Auch später führte al-Mu'izz eine offensive Flottenpolitik: 1026 unterstützte er die siziliachen Muslime gegen Byzanz (vgl. u. S. 201 mit A.37), und 1036/7 begann seine Interven
tion in Sizilien (vgl. u. S.206 mit A.57); dazwischen liegen mehrere Raubzüge im östlichen
Mittelmeer (1027, 1032, 1034 und 1035), an denen zyklische Kräfte teils wahrscheinlich,
teils sicher beteiligt waren. Vgl. u. S. 202—204 mit A. 43—52.
0 Irrig behauptet das Chron. Amalfitanum (MURATORI, Herum Italicarum Scriptores I.
Mailand 1738,211 ) c. 23, Melo hätte die Normannen 999 nach Apulien geführt — hier ist das
Jahr ihres ersten Eingreifens in Salerno (vgl. o. S. 192 mit A. 6b) mit der 2. Rebellion des
Melo kontaminiert (ihre Verbindung wollte Gay 406 schon auf 1001 setzen; vgl. aber
CHALANDON I 48 mit A.2); Guillelmus Apulus (Wilhelm v. Apulien) I llf. spricht von
normannischen Pilgern, die Melo auf dem Mons Garganus traf und zur Eroberung Apuliens
aufiörderte — das müßte zwischen dem Zusammenbruch der 1. Rebellion 1011 und 1017
sein; damals war aber der M.Gaigano wohl byzantinisch, und im übrigen stützt keine
weitere unabhängige Quelle diese höchst fragwürdige Tradition. Vgl. HOFFMANN, Anfänge
117—119.
u Der Katepano Basileios Mesardonites war 1016 abberufen worden (bei Lupus s. a.
1016 ist statt obiit zu lesen: (M it; er starb also nicht etwa in diesem Jahre; vgl. V annier,
Aigyroi 40); ihm folgte sein Bruder Leon, der ermordet wurde, und im Mai 1017 kam
Kontoleon Tomikios, der zuvor Stratege von Kephallenia gewesen war und zur Familie des
bekannten Usurpators von 1047, Leon Tomikios, zählte. Vgl. Lupus s. a. 1017; Skylitzes
348, 3—5 ( - Kedrenos 457, 3—5); vgl. N. ADONTZ, Les Taronites à Byzance. Byz 11 (1936)
31 f. Da er gegen die Empörer keine Erfolge verzeichnen konnte, wurde Tomikios im
Dezember 1017 abberufen (Lupus und anon. Bar. s. a. 1017; vgl. HEINEMANN 341 f.) und
durch Basileios Boioannes ersetzt, der bis 1028 im Amt verblieb.
0 Einfall in Apulien: Lupus s. a. 1017f.; Amatus I 23; ann. Benev. s. a. 1017; Leo
Ost. I I 37; Guillelmus Apulus 152. — Schlacht bei Cannae: Lupus s. a. 1019; ann. Bar. 1021
(soll sein 1019); anon. Bar. 1021 ; Amatus 122; Leo Ost. I I 36; Guillelmus Apulus 1 91—95.
— Zur weiteren Geschichte des Krieges vgl. CHALAN DON I 54—57.
198
Unteritalien, Sizilien, Ä giisches Meer
Hilfe zu erlangen, und ist dort 1020 gestorben*6. Ob auch in den letzten
Jahren der Wirksamkeit Melos eine Verbindung zwischen ihm und den
Muslimen bestand, läßt sich aus den Quellen nicht erweisen*7.
Währenddessen war in Sizilien der Regent Ga'far durch innere Konflik
te gestürzt worden. Er hatte eine Steuerreform versucht, in welcher von der
unveränderlichen Abgabe auf Grund und Boden (haräg) zugunsten des
ertragreicheren Zehnten, der neben Getreide auch auf andere Feldfrüchte
erhoben wurde, abgegangen werden sollte. Außerdem entfremdete er sich
die Sippenhäupter der Milizen und die städtischen Notabein durch deren
verächtliche Behandlung. Schließlich wurde der Regent in einem Aufstand
am O.Muharram 410 H (13. Mai 1019) in der Burg von Palermo belagert
und wäre in die Hände der Aufrührer gefallen, wenn nicht die Intervention
seines allseits respektierten Vaters Jüsuf einen Ausweg zustandegebracht
hätte. Den Forderungen der Rebellen nachgebend machte er statt Ga’far
seinen zweiten Sohn Ahmad al-Akhal zum Regenten und schiffte sich mit
Ga’far nach Ägypten ins Exil ein. Ahmad al-Akhal stellte Ruhe und
Gehorsam wieder her und wird zudem von den Chronisten wegen seines
Eifers im erneuerten gihäd gelobt28.
Es ist darum sehr wahrscheinlich, daß der Vorstoß des Jahres 1020, als
ein gewisser Rayca mit den Muslimen Bisinianum (Bisignano) in Calabrien
angriff und einnahm, bereits von al-Akhal veranlaßt war. Im Juni 1023
erschien Rayca, von dem die Formulierungen bei Lupus Protospatharius
u Zerstreuung der Normannen: Leo Ost. II 37. — Ausgang Melos: Die Reise nach
Germanien hatte ihm gewiB Benedikt VIII. nahegelegt, der gegenüber Byzanz die gleiche
unfreundliche Politik wie Heinrich II. verfolgte; vgl. HIRSCH— B r e SSLAU, Heinrich H.
Bd. I 157. Heinrich II. hat Melo noch zum Herzog von Apulien gemacht: Notae sepulcrales
Babenbetgenses s. a. 1020 (MOH SS XVII 640; hier heifit er Ismael; dazu vgl. auch o.
A. 17).
n Lupus Protospatharius fährt zwischen 1015 und 1020 mehrfache Regentenwechsel an,
von denen AMARI II 399 mit A. 1 meinte, sie seien auf die Kalbiten Siziliens zu beziehen,
woraus deren intensive Einflußnahme in Apulien erhelle. In Wirklichkeit gehen die Namen
Samuel (a. 1015: Samuel rex obiit et reçnavit filias eine) und Aron (a. 1016: Occisas est ipse
filias praefati Samaelis a sao consobrino filio Aroais et reçna vit ipse) auf den bulgarischen
Zaren Samuel (t 1014), Aaron, den Bruder Samuels (von diesem beseitigt) und Gabriel
(t 1015), den Sohn Samuels, der von Ioannea-Vladislav (1015—1018) getötet wurde. 8o
schon G ay 417 mit A .3; vgl. ferner OsTROGORSKY 257; C .J ire Cek , Geschichte der
Bulgaren. Prag 1876, 189. 196f. Auch die Angabe des Lupus s. a. 1020, mortaas est ipse
amira et M elis dax A palias, gibt wohl nur getrübt die Tatsache wieder, daß Jüsuf im Exil
nach 1019 gestorben ist (vgl. u. mit A. 28). — Möglich ist aber ein Kontakt Melos mit den
Muslimen 1017—18 durchaus, wie dies bereits für 1009—10 äußerst wahrscheinlich ist; vgl.
dazu o. A. 17.
** Diese Vorginge berichten nur orientalische Quellen: Ihn al-Atir X 194 (s. a. 484);
Abul-Fkii’ III 276; Ibn Qaldün IV 448f.; an-Nuwairi bei AMARI, Biblioteca 444f.
Darstellung
190
unteritalische Herkunft anzudeuten scheinen, im Bunde mit al-Akhal vor
Bari. Anderentags zogen die Feinde jedoch ab und überrumpelten das
befestigte Palagianum (Palagiano). Um solche Vorfälle in Hinkunft auszu
schließen, erbaute der Katepano Basileios Boioannes das Kastell Mutulae
(M ottola)29. Überhaupt entsprach es seiner Politik, die byzantinische Herr
schaft durch planmäßige Anlage befestigter Städte zu stärken. Seine
Amtszeit, in der die Mehrzahl der langobardischen Fürsten wieder unter
byzantinisches Protektorat kam und selbst Kaiser Heinrich II. auf seinem
3. Italienzug (1021— 22), nachdem Boioannes bis an die Grenze des Patri
monium Petri vorgedrungen war, keine besonderen Erfolge in Süditalien
verzeichnen konnte, bedeutet den Höhepunkt der Erneuerung byzantini
scher Macht in dieser Region30.
Im Hinblick darauf und angesichts der Tatsache, daß auch alle anderen
byzantinischen Reichsgrenzen befriedet waren31*, konnte Basileios II. der
19
Der Streifzug von 1020: Lupus s. a. 1020; Bisignano liegt etwas abseits des Crati
zwischen Cosenza und Rossano. Vgl. Karte II bei Gay . — Angriff auf Bari: Lupus s. a.
1023. Dieser formuliert a. O. Venit Rayca cum laffari mit, ähnlich dann s. a. 1029 Rayca ei
Zaffari (Var. laffa ri); s. a. 1020 heißt es Descenderunt Saraceni cum Rayca. Offenbar sollte
zwischen den Muslimen, deren Führer zwei Mal als Iaffar erscheint, und zwischen Rayca
unterschieden werden, der dann als Exponent unteritalischer Parteigänger der Muslime
anzusehen wäre. Ohne nähere Erklärung nimmt auch A mari, Storia II 401 unteritalische
Herkunft Raycas an. In Iaffari/Zaffari aber erkannte Amari a. O. die kunja (Vatemame)
AbQ öa'far des sizilischen Emirs al-Akhal (ein Sohn Öa'far ist in den orientalischen Quellen
belegt). In criti hinter Iaffari/Zaffari liegt wohl eine Entstellung aus caiti, d. i. arab. qä*id
(„Anführer“) vor. — Palagiano liegt unweit nordwestlich Tarents etwas landeinwärts; nur
wenig nördlich davon befindet sich Mottola. Vgl. Gay 417 mit Karte II. — E ickhoff 382
ließ irrig al-Akhal „mit seinem Kaki Gafar“ vor Bari erscheinen, identifizierte Palagianum
mit Palasciano westlich von Bovalino Marina in Calabrien und behauptete auf Grund der
Vita Leonis Lucae Abbatis (A A 8 S Mart. I 98) Sarazeneneinfalle nach Lucanien, während
hingegen diese Vita — vgl. c. 1 — die Zeit vor der beginnenden arabischen Eroberung 827
voraussetzt. Die Angabe der shmlo-sarazenischen Chronik über die Einnahme von Kotomavov
durch die Muslime (Juni 1031, s. a. 0639 M; vgl. SCHREINER, Kleinchroniken I 340) bezog
Nallino bei A mari, Storia II 401, A.2 irrig s. a. 6630 ( « 1024) auf Casignana in der
Umgebung von Bovalino Marina; doch handelt es sich um die Auseinandersetzung bei
Cassanum, in welcher Pothos Argyros fiel. Vgl. u. S. 202 mit A. 42.
30 Die von Basileios Boioannes errichteten Festungen sind die sog. Capitanata; vgl.
FALKENHAUSEN *56—67 bzw. *67—69; Gay 414—417. — Expansion nach Norden, Zug
Heinrichs II.: G ay 418—426; H irsch— BRESSLAU, Heinrich II. Bd.I 196—206; CHALANDON I 62—67; HEINEMANN 42—48.
31 Die Unterwerfung der Bulgaren war 1018 abgeschlossen; vgl. OSTROGORSKY 266—
260; in Armenien wurde 1022 Vaspurakan byzantinisch; vgl. o. S. 138ff. mit A.22—29;
OSTROGORSKY 260f.; Georgien mußte die byzantinische Position in Armenien anerkennen;
vgl. o. S. 136f. mit A. 16— 18; in Syrien legten Byzanz und die Fätimiden neuerdings wieder
verstärktes Gewicht auf die Wahrung des modus vivendi; vgl. o. S.74 mit A.91—93 und
8.77 mit A. 104. Von Süditalien waren die Verbindungen über die Adria umfassend
200
Unteritalien, Sizilien, Äg&isches Meer
Verwirklichung seines letzten Planes nähertreten, Sizilien den Muslimen zu
entreißen. Im Jahre 1025 entsandte er den Eunuchen Orestes32 mit einer
stattlichen Armee aus Russen, Warägern, Türken und Bulgaren, dazu
Abteilungen der ráyixara der Makedonen, nach Italien. Die Muslime wurden
von ihren Stützpunkten an der calabrischen Küste vertrieben33, und der
Katepano Boioannes stellte die Befestigungen des vermutlich während der
andauernden muslimischen Einfalle verödeten Reggio wieder her. Man
erwartete noch das Eintreffen des Kaisers mit weiteren Truppen und der
Flotte, um den eigentlichen Feldzug in Sizilien zu beginnen, als
Ba8ileios II. nach plötzlicher Krankheit am 13. oder 15. Dezember 1025
starb34.
Obwohl einige Vorausabteilungen des Orestes und Boioannes mit den in
Bari stationierten Thementruppen bereits an der sizilischen Küste gelandet
sein dürften, wurde nach dem Tode des Kaisers nichts weiter erreicht35.
Orestes erwies sich als ungeeigneter Führer; er und Boioannes gingen wohl
gesichert, zuletzt durch einen Zug des Katepano Basileios Boioannes nach Dalmatien im
Jahre 1024, wodurch die Botmäßigkeit der Kroaten neu bekräftigt wurde: Frau und Sohn
des Königs Kresimir III. (1000—1030), welcher Zara angegriffen hatte (dessen venetianischer Prior zugleich byzantinischer Dux von Dalmatien war), wurden gefangen nach
Konstantinopel gebracht. Vgl. Lupus und anon. Bar. s. a. 1024 (Name des Königs entstellt
zu Cismigus bzw. Cosmizus) ; dazu ST. GULDESCU, History of medieval Croatia. Haag 1964,
129; K retschmayr I 138. 144f.; J .F erluga, L'amministrazione bizantina in Dalmazia
(Miscellanea di studi e memorie 17). Venedig 1978, 204.
99 Hinter chUoniti des anon. Bar. (vgl. u. A. 34) bzw. chetonüi der ann. Bar. (u. A. 34)
steht die Zugehörigkeit des Orestes zu den xoitmvItou (speziell fur den eigentlichen Kammerdienst beim Kaiser bestimmte Eunuchen, deren Chef der 7capaxoifi<ü|Acvo< war; vgl. GUIIR
LAND, Recherches I 269; OlKONOMlDÊS 305). Außerdem war Orestes nach Skylitzes 383, 2
( —Kedrenos 496, 19) Protospatharios, wohl itpü>Tooita&¿pio< tm toü xoitûvoç.
95 Darauf bezieht sich Ibn al-A$IT IX 348 (s. a. 416); die bei ihm so genannte „Insel
Qillauria“ ist Calabrien. Wenn Ibn al-Atlr a. O. noch sagt, die Muslime hätten den
Großangriff der byzantinischen Schiffe und Truppen unter dem Schwestersohn des Kaisers
erwartet, so könnte der byzantinische Führer mit einem Sohn des Iohannes Orseolus, der
eine Schwester von Romanos Argyros geheiratet hatte (vgl. auch o. A. 11), verwechselt sein.
Vgl. auch A mari, Storia 424, A. 1.
34 Zum Feldzug des Orestes vgl. Skylitzes 368, 82—86 («Kedrenos 479, 9—13);
Zonaras III 568, 9—11 ; Glykas 579,9—12; anon. Bar. s. a. 1025; ann. Bar. s. a. 1027 (soll
sein 1025; auch ist Ouandalorum in Varangorum zu verbessern). — Reggio: ann. Bar. a. O. :
et Regium instaúrate est a Vulcano (Varianten : Bulcano, Bagiano) catepano. — Todesdatum
Basileios* II.: SCHREINER, Kleinchroniken II 141.
95 Nur der anon. Bar. s. a. 1025 schreibt den Byzantinern ausdrücklich die Ausfahrt nach
Messina zu (et Bugiano cum Barenses barcavit Messinam ); die Angaben des Skylitzes 383,
2—384, 7 («Kedrenos 496, 19—24) über eine Niederlage des Orestes in Sizilien (wovon
sonst nichts bekannt ist) dürften doch eher mit der Niederlage des Christophoros Buigaris
bei Reggio (vgl. u. A. 38) in Zusammenhang zu bringen sein. Jedenfalls können nur kleinere
Abteilungen an der sizilischen Küste gelandet sein.
Darstellung
201
n och 1026 auf das Festland zurück36. Vorerst wirkte die Lage fur die
M uslim e auf Sizilien jedoch so weit bedrohlich, daß der Zlrlde al-Mu'izz sich
zum Eingreifen veranlaßt sah. Für seine offensiven Unternehmungen zur
S ee hatte er 414 H (beg. 26. März 1023) eine stattliche Flotte bauen lassen;
n u n liefen trotz der ungünstigen winterlichen Navigationsverhältnisse im
Januar 1026 angeblich 400 Schiffe mit regulären Mannschaften und Freiwil
ligen zum ¿ihäd aus. Jedoch vor der Insel Pantellaria gerieten sie in ein
stürmisches Unwetter, in dem ein großer Teil der Flotte zu Grunde ging37.
Zu einem ähnlich bedeutenden Vorgehen der muslimischen Seite kam es
hernach nicht wieder, sondern es wurden nach dem Ende der byzantini
schen Angriffsplane die gewohnten Razzien gegen Unteritalien erneut
ausgenommen. Orestes erlitt vermutlich gemeinsam mit Christophoros
Bulgaria, dem Nachfolger des 1028 abberufenen Basileios Boioannes, im
spateren Verlauf des Jahres 1028 oder in der 1. Hälfte von 1029 eine
Niederlage bei Reggio383
9
. In der Folge wurde er auf Anordnung
Rom anos’ III. mit Truppen aus den Themen Hellas und Makedonien
verstärkt; da er dennoch nichts ausrichtete, erhielt er schließlich 1033
seinen Abschied30.
Auch Christophoros Burgaris konnte in seiner kurzen Amtszeit keine
Erfolge gegen die Muslime erzielen; als im Juli 1029 sein Nachfolger
* In seinem Überblick betont Skylitzes 383, 2—384, 10 («Kedrenos 406, 10—407, 4)
(¿wischen den Jahren 6637 M [beg. 1. September 1028] und 6530 M [beg. 1. September
1030]) die Unfähigkeit des Orestes (wozu das spätere Eingreifen des von Skylitzes ver
herrlichten Maniakes umso glanzvoller kontrastieren mußte), erwähnt eine Niederlage durch
die Muslime (wohl die bei Reggio; vgl. o. A.35 und u. A.38) und berichtet, daß auch Trup
penverstärkungen (384, 7—10 = Kedrenos 407, 1—4) keine Wende brachten (dazu unten
mit A. 30). — Rückzug von Orestes und Boioannes: ann. Bar. s. a. 1027 (soll sein 1025).
37 Eingreifen der Zlflden: Ibn al-Atlr IX 348f. (s. a. 416); das a. 0. genannte Qauçara
ist Pantellaria, vgl. Amari, Storia II 424. — Der Flottenbau: Ibn 'Idärl I 282 (s. a. 414).
38 Die Niederlage des Orestes bei Skylitzes (vgl. o. A.35f.) ist wohl mit der Angabe in
der siculo-sarazenischen Chronik (La Cronaca Siculo-Saracena di Cambridge, ed. O. COZZALUZI. Palermo 1800, 86) zu verbinden : xotl cxpám XpiaTo<popo<; Boùpyàpu; c to 'Púyiov. Der
Familienname Burgaris des Christophoros ist lediglich an dieser Stelle belegt; als Katepano
(und Protospatharios) nennt er sich im September 1028 in einer Inschrift der Kirche flavayia
tûv XaXxctov in Thessalonike; vgl. FALKENHAUSEN ‘87 bzw. *01, Nr. 41. Im Juli 1020 wurde
er nach Lupus abberufen; daher läßt sich die Niederlage bei Reggio auf das 1. Halbjahr 1020
oder das spätere Jahr 1028 eingrenzen.
39 Verstärkung der Truppen : Skylitzes (o. A. 36). — Abberufung des Orestes: Lupus s. a.
1033; anon. Bar. s. a. 1033; mit Abweichungen Skylitzes 380,54—58 ( » Kedrenos 503,16—
20). Der neue Oberbefehlshaber zu Lande (und Nachfolger des xpixr^ Michael als Katepano;
vgl. u. A. 54) Opos erscheint urkundlich in der Form Konstantinos Opos (vgl. Falkenhau8EN 1185 bzw. *202f., Nr. 55), weshalb ,Leon‘ Opos bei Skylitzes a.0. ein Irrtum ist;
außerdem verlegt dieser die Berufung von Opos auf 6542 M (beg. 1. September 1033) statt
des sich aus Lupus und dem anon. Bar. ergebenden 1. Mai 1033.
202
Unterilalien, Sizilien, Ägäisches Meer
Pothos Argyro8 eintraf, mußte der notorische Unruhestifter R ayes bei Bari
bekämpft werden40, nachdem er im gleichen Jahre bereits im Bündnis mit
al-Akhal von Sizilien das Kastell Obbianum (Uggi&no?) angegriffen und
zur Kapitulation gezwungen hatte41. Wahrscheinlich im Juni 1032 über
rumpelten die Muslime Cassanum (Cassano) und bereiteten den zu Hilfe
eilenden Byzantinern am 3. Juli eine Niederlage, in der Pothos Argyros
fiel42.
Diese Jahre waren überdies durch eine gesteigerte Aktivität von nordafrikanischen bzw. 8izilischen Korsaren im Ägäischen und Ionischen Meer
gekennzeichnet. 1027 oder 1028 unternahm eine wohl zTrldische (nordafri
kanische) Flotte eine Fahrt gegen die Kykladen, doch legten sich ihnen die
Strategen von Samos (Georgios Theodorokanos) und von Chios (Beriboes)
in den Weg, zersprengten die Feinde und nahmen an ein Dutzend Schiffe
samt Mannschaft als Kriegsbeute fort43. 1032 suchten offenbar zfrldische
und kalbitische (sizilische) Piraten die illyrische Küste heim und verheerten
Kerkyra. Das unter byzantinischem Protektorat stehende Ragusa verband
sich daraufhin mit dem Strategen von Naupaktos44, dem Patrikios Nike40 Zu Pothos Argyros vgl. VANNIER, Argyroi 44—46; er war nach Skylitzes 379, 59f.
(«Kedrenos 490, 20f.) in den letzten Zeiten Basileios* II. als Katepano von Antiocheia
tätig; vgl. o. S. 79 mit A. 113. — Rayca vor Bari : anon. Bar. b. a. 1029, demzufolge Pothos
Argyros mit ihm kämpfte, der nach Lupus s. a. 1029 im Juli sein Amt antrat.
41 Lupus s. a. 1029; hier steht wiederum Zaffari fur Abö Ga*far- al-Akhal (dazu vgl. o.
A. 29). Das hier genannte Obbianum ist vermutlich Uggiano, etwa auf einem Drittel Weges
zwischen Tarent und Lecce gelegen; vgl. G ay 433 und Karte II; Amari, Storia II 402:
Obbiano, ohne Erläuterung. Der Ausdruck des Lupus a.O. (exfraneo* tradentes) geht
anscheinend auf die byzantinische Garnison, die sich ergeben mußte.
42 Lupus s. a. 1031 (Daten); anon. Bar. s. a. 1031 (Tod des Pothos Argyros); Juni 1031
gibt auch die siculo-sarazenische Chronik in späterer Eintragung (vgl. SCHREINER, Kleinchroniken I 329; II 340) — doch müssen diese Ereignisse wohl auf 1032 fallen, weil Pothos
im März dieses Jahres noch eine Urkunde ausgestellt hat: T rinchera 24f , Nr. 23; Regest
bei F alkenhausen '184 bzw. *202, Nr. 53. — Cassanum liegt in der Prov. Coeenza nördlich
des Crati.
49 Vgl. Skylitzes 373, 11—14 (-Kedrenos 484, 10—14); Zonaras III 572, 2—6. Eine
chronologische Angabe fehlt: Skylitzes berichtet nachfolgend über das Jahr 6537 M (beg.
1.September 1028), um einiges zuvor (371. 54—58«Kedrenos 481, 22—482, 3) von der
Absetzung des Nikephoros Komnenos in Vaspurakan, die nach Aristakês von Lastivert
41 « 26C im Jahre 475 armen, (beg. 15. März 1026) stattfand. Dadurch ergeben sich 1027
oder 1028 als mögliche Varianten. — Zfrldische Herkunft der Piraten ist deswegen
wahrscheinlich, weil die Kalbiten Siziliens damals vordringlich die Byzantiner abzuwehren
hatten; gegen die Kykladen wandten sich zfrldische Korsaren auch 1034 (vgl. u. A.48).
Chios war seit Ende 10. Jh. unter einem eigenen Strategen, Samos seit Ende 9. Jh., beide
ans dem Thema der Kibyrrhaioten (vgl. u. A. 49) hervorgegangen. Vgl. AHRWEILER, Mer
108; DIES.. Recherches 51 mit A.6.
44
Naupaktos war Sitz des Strategen von Nikopolis (Skylitzes 372, 74f. « Kedrenos 482,
20f.) und ist geographisch viel näherliegend als das bei Skylitzes (u. A.45) genannte
Nauplion. Daher in diesem Sinne bereits C. HOPF, Geschichte Griechenlands vom Beginn
Darstellung
203
phoros Karantenos, gegen die Feinde, welche im Kam pf den größeren Teil
ihrer Flotte verloren und von denen nicht wenige zuletzt im sizilischen
Meer durch Schiffbruch umkamen46. Es scheint, daß Nikephoros Karante
nos auch einen weiteren Streifzug von Korsaren durch ihnen zugefügte
schwere Verluste ahnden konnte46, doch müssen weiterhin erhebliche Kräf
te intakt geblieben sein, wie die Ereignisse von 1034 und 1035 im
Äg&ischen Meer beweisen.
Hier gelangten die Korsaren im September 1034 zu dem vielleicht
bedeutendsten Erfolg dieser Jahre, als der berühmte Wallfahrtsort Myra in
Lykien von ihnen überfallen und ausgeplündert wurde47. Offensichtlich in
Fortsetzung dieser Razzia wandten sich die Piraten, welche ausdrücklich
als Afrikaner, d. h. als zürldisch, bezeichnet weiden, gegen die Kykladen
und suchten diese heim. Im Mai des folgenden Jahres führten afrikanische
und 8izilische Schiffe einen Streifzug ebenfalls gegen die Kykladen sowie
die Küsten des Themas Thrakesion im südwestlichen Kleinasien durch48.
Angesichts der Lange der Küste, die die Flotte des Themas der
Kibyrrhaioten zu kontrollieren hatte, war zur effektiven Abwehr von
Einfallen dieser Art eine byzantinische Verstärkung angezeigt. Noch im
gleichen Jahre 1035 trat der Stratege der Kibyrrhaioten, Konstantinos4
5
6
7
8
des Mittelalters bis auf unsere Zeit I. Leipzig 1367/8 (Ndr. New York 1070) 73; vgl. weiters
AHRWEILER, Mer 134; DIES., Recherches 51 (Naupaktos als Hauptort des Themas Nikopolis).
45 Zur Herkunft der Feinde legen geographische Gründe neben Kr&ften der Zlrlden
Nordafrikas auch Beteiligung der Kalbiten des näher gelegenen Sizilien nahe; vgl. Amari,
Storia II 425. Quellen sind Skylitzes 385, 52—386, 64 (»Kedrenos 409, 8—16) (er
bezeichnet Nikephoros als Sohn von Konstantinos Karantenos, dem Antiochener Statthal
ter; zu diesem vgl. o. 8.86. 80, A. 132 u. 141 ) und Zonaras II 579, 14—580, 6 (dieser geht
wohl auch auf den neuerlichen Zug von 1033 ein; vgl. u. A.46).
46 Einen neuerlichen Erfolg von Karantenos über Korsaren berichtet Skylitzes 386,
82—387, 86 (»Kedrenos 500, 12— 16); dieser ist auf 6541 M (beg. 1.September 1032) zu
setzen — Skylitzes sagt irrig toútco Itci, doch die Monate seiner Darstellung schreiten von
August (6540 M) über Feber (6541 M) bis März fort (386, 74—81 [ * Kedrenos 500, 3—11]).
Auch Zonaras III 570, 14—580, 6 wird sich zum Teil auf diesen weiteren Erfolg des
Karantenos beziehen (vgl. auch o. A. 45). Die Annahme einer Doublette zu den Ereignissen
von 1032 (vgl. oben mit A.45) ist allerdings nicht völlig auszuschließen (Situation und
Führer sind gleich; kein besonderes Indiz ist die an beiden Stellen berichtete Sendung von
500 Gefangenen an den Kaiser — solches kam auch 1035 vor [vgl. u. A. 52]).
47 Skylitzes 306, 37—39 ( = Kedrenos 511,20f.) ; Zonaras III 580, 11 f. Zur Lage (unweit
des Meeres auf dem Demre-Plateau) und Geschichte des Wallfahrtsortes (im Gedenken an
den bekannten Bischof wohl konstantinischer Zeit Nikolaos von Myra) vgl. RE X V I1088, s.
v. Myra (HIRSCHFELD); J .Borchhardt, Myra. Eine lykische Metropole in antiker und
byzantinischer Zeit (Istanbuler Forschungen 30). Berlin 1075.
48 Kykladen: Stützes 306, 44f. ( * Kedrenos 512, 3f.); Kykladen und Thrakesion:
Skylitzes 308, 75—79 (»Kedrenos 513, 15—20); Zusammenfassung: Zonaras III 580, 16—
500, 1.
204
Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer
Chage (Xayc)49, den Invasoren entgegen, fugte ihnen eine völlige Niederla*
ge zu und schickte 500 Gefangene an Kaiser Michael IV., während die
übrigen an der Küste von Adramyttion (Edremit)50 bis Strobelos (Çifutkalesi)51 gekreuzigt oder in das Meer gestürzt wurden52. In byzantinischen
Diensten kämpften zu dieser Zeit gegen die Korsaren nicht zuletzt norman
nische Krieger im Gefolge des auch durch seine Waffentaten in Sizilien
berühmt gewordenen norwegischen Königssohnes Harald Hardraada53.
40 Konstantinos Chage ist 1043 durch die Unterwerfung des aufständischen Strategen
von Zypern hervoigetreten: Skylitzes 420, 4— 17 ( * Kedrenos 640, 16—660, 6); vgl.
G uiLLAN D , Titres XIII 6. — Kibyrrhaiotön war das wichtigste Flottenthema, unter
Leon III. (717—741) aus dem Thema Karabisianoi abgetrennt; vgl. AH RW EILER, Mer 61.
60 Adramyttion lag am ASpapornQvoç xoXtcoç, der Bucht, die Lesbos gegenüberliegt. Das
binnenländische Adramyttion hat erst um 1100 den Namen des enteren übernommen. Vgl.
RE I 404 (H irschfeld); R amsay in seiner Karte bei S. 178; E. Armao, In giro per il mar
Egeo con Vincenzo Coronelli. Florenz 1061, 102.
61 Der Name Strobelos ist mehrfach belegt, hier wohl das antike Temieron, heute
Briokastron oder Çifiitkalesi gegenüber von Kos zwischen Myndos und Halikamassos. Vgl.
K. AMANTOS, 2/rpoßiXo;. Hell. 11 (1030) 202.
“ Skylitzes 308, 03—3 ( « Kedrenos 614, 12—17) ist auf 308, 76—70 ( - Kedrenos 613,
16—20) zu beziehen (vgl. o. S.'203 mit A.48; so schon GFROERER III 176—177, dann
SCHLUMBERGER, Épopée III 102) : Hier wie dort stehen Besiegung der Piraten und Sendung
von 600 Gefangenen ; an ersterer Stelle heißt es nur allgemein, sie seien von den dortigen
Befehlshabern niedeigerungen worden, während die letztere Name und Funktion des Chage
angibt. Die Kreuzigungen finden sich im früheren Passus, die Ertrinkung im Meer im
späteren ; der geographische Schauplatz ist identisch.
63 Harald Hardraadas Andenken in poetischer Einkleidung hat die altnordische Litera
tur bewahrt; vgl. Snorris Königsbuch (d. i. Snorri Sturlusons Heimskringla) Bd. III 67—171
(Sammlung „Thule“XVI. Jena 1023), sowie die „Norwegischen Königsgeschichten“, Bd. I
210—317: Erzählungen aus der Zeit Haralds des Harten (Sammlung „Thule“ XVII. Jena
1028). Die zugrundeliegenden historischen Tatsachen sind jene, daß Harald ein Bruder Olafs
des Heiligen von Norwegen war, nach dessen Schlachtentod (1030) als ganz junger Mann
zum Großfürsten Jaroslav dem Weisen nach Kiev ging, sich mit ruhmvollen Taten die Hand
von dessen Tochter Ellisifr (Elisabeth) erwerben wollte und daher in die Dienste des
byzantinischen Kaiserhofes trat. Er kämpfte gegen die Muslime vor Edessa, dann im
Agäischen Meer, und kam später als Führer der für Sizilien bestimmten Warägerstreitmacht
mit Georgios Maniakes nach Sizilien (dazu vgl. u. S . 208 mit A. 64). Über diese Persönlich
keit vgl. S. B löNDAL, The Varangians of Byzantium. An aspect of Byzantine military
history translated, revised and rewritten by B.S. B enedikz. Cambridge 1078, 64ff.;
J. Shepard , A note on Harold Hardraada. JÖB 22 (1073) 140f. (seine Ankunft in
Konstantinopel wahrscheinlich 1034); D. OBOLENSKY, The Byzantine sources on the
Scandinavians in Eastern Europe, in: Varangian Problems (Scando-Slavica, Suppl. I).
Kopenhagen 1070,161—163; Poppe, Dernière expédition 22—26; LEM ERLE, Prolégomènes
62—64 (mit umfangreichen Literaturangaben in A. 1); T.C.K endrick, A history of the
Vikings. London 1030, 172—174; AMAR1, Storia II 442—446, A. 2; SCHLUMBERGER,
Épopée III 232—234. 244—260.
Darstellung
205
Auch in Italien erhob sich das byzantinische Ansehen wieder von jenem
Tiefpunkt, den der Tod des Katepano Pothos Aigyros (1032) bezeichnet
hatte. Dies ist jedoch zum wenigsten auf die Maßnahmen der kaiserlichen
Regierung fur Italien zurückzuführen. Zwar ist die Tatsache, daß den auf
Pothos Aigyros folgenden neuen Katepano Michael Truppen aus Anatolikon begleiteten, offensichtlich als Ausdruck der von Romanos III. nun als
nötig erachteten Stärkung der byzantinischen Machtstellung aufzufassen;
über Unternehmungen Michaels ist indes nichts bekannt54. Bereits im Mai
1033 kam Konstantinos Opos als Amtsnachfolger Michaels nach Italien,
der außerdem an Stelle des Orestes den Oberbefehl zu Lande erhielt,
während die Flotte einem früheren Kammerherren Basileios’ II., Ioannes,
unterstellt wurde55.
Das Aufhören muslimischer Einfälle in Unteritalien seit 1033 war
vielmehr von zwei außerhalb der Sphäre des byzantinischen Italien stehen
den Faktoren bedingt. Zum einen ließ sich der ZïrTde al-Mu’izz b. Bfidis
wohl ebenso durch die byzantinischen Erfolge zur See wie durch eine
Gesandtschaft mit kostbaren Geschenken im Jahre 426 H (beg. 15. Novem
ber 1034) dazu bestimmen, einen Waffenstillstand abzuschließen, was aus
dem Ende der Streifzüge zur See von dieser Zeit an erhellt. Zum anderen
sah sich Ahmad al-Akhal von Sizilien aus innenpolitischen Gründen veran
laßt, eine Anlehnung an Byzanz zu suchen. Zeichen dessen war die Mission
des Georgios Probatas nach Sizilien 1034/5, der mit al-Akhal erfolgreiche
Friedensverhandlungen führte und dessen Sohn an den H of nach Konstan
tmopei geleitete. Schließlich ging al-Akhal sogar ein Bündnis mit dem
byzantinischen Reich ein und erhielt zur Auszeichnung die Würde eines
Magistros56.*4
8
M Zu Michael vgl. Lupus und anon. Bar. s. a. 1032, bei welchem es auch heifit: et adduxü
Anatoliki; beide bezeichnen ihn als Protospatharios und eriti tu bilu ke tu ypodromu, epi tu
ykyaeon, d. h. xpro;; toGß^Xou xai citt toü ijnroípópou, xotl tnt tüv oixcutxüv, also als Angehörigen
beider kaiserlicher Richterkollegien am „Gedeckten Hippodrom“ (vgl. K. E.Z achariae V.
LingENTHAL, Geschichte des griechisch-römischen Rechts. Berlin * 1892, 358—380) sowie
der kaiserlichen Domänenverwaltung (zum tnt tüv oixsutxüv in dieser Zeit vgl. W. SEIBT,
Prosopographisehe Konsequenzen aus der Umdatierung von Orumel, Regesten 933. JÖB 22
[1973] 109; OikonomidEs, Évolution 136—138) — er war also ein Jurist und somit eher
Vertreter der Zivilaristokratie als des Militirstandes.
48 Zu Konstantinos Opos vgl. o. A. 39; an der betreffenden Skjrlitzes-Stelle 389, 54—58
(»Kedrenos 503,17—20) wird der Flottenkommandant als de tüv SaXapijmXwv bezeichnet,
d. h. als ein Eunuch im Palastdienst. Vgl. G uillaND, Recherches I 282.
M Das Faktum der byzantinischen Gesandtschaft bei al-Mu’izz: Ibn I jlil I 286 (s. a.
426). — Sizilien: 8kylitzes 398, 79—82. 99f. ( =*Kedrenos 513, 20—23; 514, 6f.) s. a. 6543
(beg. I. September 1034) ; vgl. DöLGER, Regesten 841. In dem 'AicoX¿9«p des Skylitzes steckt
wie in Zoffuri (vgl. o. A. 29) die kunje AbO Ga'far; vgl. Amari, Storia II 433, A. 2.
206
Unterit&Uen, Sizilien, Ägäisches Meer
Die dieser Wendung zugrundeliegende krisenhafte Entwicklung auf
Sizilien nahm ihren Ausgang von der Problematik einer ausreichenden
Finanzierung der Kriegführung, zumal da die durch den seinerzeitigen
Regenten Ga'far 405 H (beg. 2. Juli 1014) verfugte Reduktion der Heeres
stärke in der Folge der byzantinischen Aktivitäten gegen Sizilien seit 1025
den Einsatz von Söldnern unumgänglich machte. So dachte al-Akhal den
Gegensatz zwischen Siziliern und Afrikanern (d. h. zwischen den unterwor
fenen und Í8lami8ierten Einwohnern einerseits und den in mehreren W ellen
Zugewanderten andererseits) dahingehend für sich zu nützen, daß er sich
auf die Seite der Afrikaner stellte, ihrem Besitz Immunität zusprach und
den bará¿ durchgehend von den Siziliern einhob, die sich nach ihrem
Übertritt zum Islam zum Teil dieser Besteuerung hatten entziehen können.
Es ist die daraus entstehende innere Entzweiung, welche bei der
Annäherung al-Akhals an Byzanz 1034/5 bereits ihre Wirkung getan haben
muß; 427 H (beg. 5 .November 1035) begaben sich unzufriedene Sizilier
ihrerseits zu al-Mu’izz b. Bädis und boten ihm ihre Unterstellung an. Gewiß
bedurfte es nicht ihrer angeblichen Drohung, die Insel sonst den Byzanti
nern auszuliefem, daß al-Mu‘izz die Gelegenheit ergriff, sich maßgeblichen
Einfluß auf Sizilien zu verschaffen; den Schein einer Legalität lieferte die
Fügung, daß der Führer der Rebellen ein Bruder al-Akhals namens Abü
Hafç war, welcher nun gegen das Versprechen, einen Stützpunkt einzuräu
men, von al-Mu*izz Waffenhilfe erhielt.
Mit der Befehlsgewalt über ein Expeditionskorps von je 3000 Mann
Fußvolk und Reiterei betraute al-Mu'izz seinen Sohn 'Abdalläh, und dieser
errang in Sizilien solche Erfolge, daß al-Akhal 1036/7 völlig geschlagen zum
Katepano von Italien, Konstantinos Opos, floh und dessen Hilfe anrief.
Opos setzte auch mit einem Heer nach Sizilien über und errang eine Reihe
von Erfolgen gegen die Afrikaner; da es jedoch den Anschein bekam, als ob
sich die Muslime untereinander wieder verständigen und gemeinsam Wen
dung gegen die Byzantiner machen wollten, brach er den Feldzug ab und
kehrte auf das Festland zurück57.5
1
51 Zur Reduktion der Heeresstárke vgl. o. S. 196f. mit A. 22. — Genesis des Konflikts in
Sizilien: Deutung der orientalischen Quellen (Ibn al-Atïr X 196, s. a. 484; Abu’l-Fidi' III
276; an-Nuwairi bei Amari, Biblioteca 444f.; Ibn Haldfln IV 449) bei Amari, Storia II
427—433. Dazu kommt Skylitzes 398, 88f. ( = Kedrenos 514, 7f.) sowie 400, 60—63
( « Kedrenos 516,16—19) ; der an ersterer Stelle genannte ’Asóx*i]/ ist Abü Haf?, vgl. AMARI,
Storia II 433, A. 2. — Unter h&räg ist die zunächst auf den Besitz von Nichtmuslimen
erhobene Grundsteuer zu verstehen, deren Leistung seit der Zeit zunehmender Konversio
nen zum Islam von den Neubekehrten (im Widerspruch zu der bald dahingehend modifizier
ten Bestimmung, wonach der hará¿ an das jeweilige Territorium gebunden bleiben sollte)
Darstellung
207
Nach dem Abzug der Byzantiner mußte sich al-Akhal in die Zitadelle
v on Palermo, al-Q&liça, zurückziehen, wo ihn 'Abdalläh b. al-Mu’izz belager
te . Ala es unter den Siziliern nunmehr zu einer Spaltung kam, weil ein Teil
wiederum die Unterstützung al-Akhals bzw. die Vertreibung des zlrldischen
Expeditionskorps wünschte, fiel al-Akhal durch Anhänger der Zlriden
einem Attentat zum Opfer, und sein Haupt wurde ’Abdalläh b. al-Mu’izz
überbracht, der sich daraufhin ohne weiteren Widerstand Palermos und der
übrigen Insel bemächtigte58.
Demgegenüber erneuerte Byzanz seinen militärischen Einsatz. Wohl
E nde 1037 ließ Michael IV. im ganzen Reich Truppen zum Kampf um
Sizilien bereitstellen, deren Oberbefehl Georgios Maniakes als oTpa-njycx;
aÙToxpocTcop erhielt; zur See sollte ihm der Patrikios Stephanos, Gemahl der
Schwester Michaels IV., zur Seite treten50. Im Zusammenhang mit den
militärischen Maßnahmen war offenbar auch eine politische Reorganisation
der Verwaltung Süditaliens geplant40.
Maniakes — der selbst nicht das Amt des Katepano bekleidet zu haben
scheint, wenn er auch als <rrpaT))YÔç aùroxpàrwp diesem bzw. den italischen
Strategen in allen Fragen des sizilischen Feldzuges übergeordnet war41 —
schickte sich — zusammen mit dem vormaligen Katepano von Antiocheia,
▼erbreitet ▼erweigert wurde. Vgl. EI* IV 1030—34, s. ▼. khar&dj (Cahen); EI* I I 860, s. ▼.
fei' (Lokkeoaard).
Zug des Opos: Skylitzes 400, 53—401, 66 ( - Kedrenos 516, 19—517, 12) s. a. 6545 M
(beg. (.September 1036). Irreführend iat die Angabe, daß Opos 15.000 befreite Gefangene
mit sich führte — offenbar rechnete Skylitzes christliche Parteigänger der Byzantiner hinzu,
die ins Exil gehen mußten; dahingehend A m ABI, Storia II 436, A. 1. Auf Skylitzes beruht
Zonaras III 500, 16—501, II.
M Vgl. Ibn al-Atir X 195 (s. a. 484); Abu’l-Fidä' III 276; an-Nuwairl bei Amabi,
Biblioteca 445; Nilus, Vita Philareti II 11 (608 CD) (ohne Nennung des Namens von alAkhal; der barbarorum tyrannus, welcher ganz Sizilien in seine Hand bekam, ist'Abdalläh).
M Sammlung von Truppen: Nilus II 10 (608 C) (vgl. DöLGER, Regesten 845); Oberbe
fehl des Maniakes (zu ihm vgl. o. S. 91 mit A. 148 und S. 144 mit A. 34) : Skylitzes 398,91 —
93 («Kedrenos 514, 9—12), s. a. 6546 M (beg. (.September 1037); Lupus gibt 1038 als
Kriegsbeginn. — Zum oTpanii'ôç aÙToxpâtiap vgl. o. S. 160, A.85. — Stephanos wird von
Skylitzes als (xorr)ápx<»v toG « tóXou bezeichnet, was dem ¿ pouyy*P10< tü » lüotpu« zu entspre
chen scheint; vgl. GuiLLAND, Recherches I 535—537. 539.
80 In diese Richtung weist die Einrichtung des kurzlebigen Themas Lukania, das für
1042 nachgewiesen ist. Vgl. A. Guillou, La Lucanie byzantine. Byz 35 (1965) 119—149;
bes. 128; Falkenhausen *65—70 bzw. *65—'72.
*' Die Quellen schreiben Maniakes teilweise (von seiner Amtszeit 1042 ausgehend) auch
hier schon dieses Amt zu. Vgl. dagegen aber Falkenhauaen *91 bzw. *95. Maniakes erscheint
bei den byzantinischen Historikern als Gestalt von heroischer Größe; vgl. POPPE, Dernière
expédition 17. I9f.; o. S.9I f., A. 146. 148. Die westlichen Quellen zeichnen ihn dagegen sehr
ungünstig, und zweifellos führte er in Italien ein grausames Regiment, das durch zahlreiche
Hinrichtungen gekennzeichnet ist. Vgl. FALKENHAUSEN *59 mit A.447; *95f., Nr. 48.
208
Unteritalien, Sizilien, Agauches Heer
Michael Spondyles62 — 1038 mit der Überschreitung der Straße von
Messina zum eigentlichen Feldzug an. ln seinem Heer befanden sich
unteritalische Einheiten aus Apulien und Calabrien, Lombarden aus Ober
italien, Russen und skandinavische Normannen — letztere unter dem
Befehl des legendären Harald Hardraada, der später vielleicht in ein
engeres Verhältnis zu Maniakes trat — sowie einige Hundert französischer
Normannen (diese begannen damals schon nachhaltig in die Geschicke
Unteritaliens einzugreifen)63 unter Führung der Brüder Wilhelm Eisenarm
und Drogo; hinzu kamen byzantinische Truppen des Ostens64.•
*
•* Der Beiname Michaels, Sfimdili (bei Lupus und dem anon. Bar.), weist auf den als
Statthalter Antiocheias unter Romanos III. bekannten Michael Spondyles (zu ihm vgl. o.
S.79f. mit A. I ll—114; S.82 mit A. 120). Amari, Storia II 440, wollte obigen Michael mit
Michael Dokeianos gleichsetzen, der 1040 Katepano von Italien wurde (vgl. zu ihm u.
A.73); gegen diese Identifikation machte Falkenhausen '72, A.544 bzw. *74, A. 175
prosopographische Gründe geltend, und außerdem stand Michael Spondyles als vormaliger
Katepano von Antiocheia so gut wie sicher im Rang höher als Michael Dokeianos, der 1040
(vgl. Skylitzes 425, 14— 18 [ « Kedrenos 545, 15— 19]) Protospatharios war.
® Zum historischen Hintergrund vgl. Gay 437—449; CHALANDON I 77—87; HEINE
MANN 57—70; H.B resslau, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. Bd. II.
Leipzig 1884, 288—320. Der Sachverhalt war kurz gefaßt folgender: Ein normannischer
Anführer namens Rainulf hatte im Bündnis mit dem Dux Sergius von Neapel gegen den
Fürsten Pandulf III. von Capua die Erlaubnis erwirkt, auf dessen Gebiet die Burg Avena
anzulegen, und von ihm den Titel ..Graf von Avena" erhalten. Dann ging er auf die Seite
Pandulfs, des damals mächtigsten unteritalischen Fürsten über, der im Bündnis mit Byzanz
stand, und schließlich wandte er sich dem Fürsten Waimar V. von Salerno zu, der 1038 die
Lehnshoheit Kaiser Konrads II. anerkannte. Dieser belehnte auf seinem Zug nach Unter
italien Waimar V. mit Salerno und Capua, während Pandulf zuletzt nach Konstantinopel
floh. Rainulf aber wurde von Konrad II. als Vasall Waimars und als Graf von Aversa
bestätigt. Nach Gaufiredus Malaterra (vgl. u. A. 64) war Waimar froh, dem Maniakes auf sein
Hilfeansuchen hin eine Anzahl der schwierig zu behandelnden Normannen übersenden zu
können ; ihre Stärke wird von Amatus und Leo Ostiensis (vgl. u. A. 64) auf 300 geschätzt.
u Zusammensetzung des byzantinischen Heeres: die ann. Bar. s. a. 1041 zählen die
Truppen auf, welche zum Kampf gegen die Normannen nach Unteritalien abgezogen wurden
(d. h. zuvor in Sizilien standen) ; die ebd. genannten Russi sind wohl als solche und nicht als
Varäger aufzufassen — die ann. Bar. s. a. 1027 ( = 1025) nennen beim Feldzug des Orestes
Truppen Russorum , Guandalorum ; letzteres ist aber aus Varangorum entstellt (vgl. o.
A. 34); die ann. Bar. s. a. 1041 fuhren weiters die ober- und unteritalischen Kräfte an; vgl.
ferner Guillelmus Apulus (Wilhelm von Apulien) I 204 (Langobarden, französische Norman
nen); Skylitzes 425, 7—14 (-Kedrenos 545. 8—15) (Lombarden Oberitaliens); Kekaumenos 282, 19—23 (Litavrin) (Harald Hardraada — zu ihm vgl. o. A.53 — mit 500
Gefolgsleuten). Zu den französischen Normannen: Amatus II 8; Gaufredus Malaterra I 7;
Leo Ost. II 66. Amatus und Leo irren jedoch, wenn sie unter den normannischen Führern
auch den dritten Bruder Hunfried (alle waren Söhne des Tancred von Hauteville) nennen —
dieser ist erst zwischen 1043 und 1045 nach Italien gekommen. Vgl. CHALANDON I 106;
SCHLUMBERGER, Épopée III 235, A. 1. — An byzantinischen Truppen des Ostens nennen
die ann. Bar. s. a. 1041 solche aus Anatolikon, Opsikion und wohl Thrakesion (die ann. Bar.
Darstellung
209
Zum ersten großen Erfolg gestaltete sich die Eroberung Messinas, wo
sich die Normannen besonders auszeichneten. In mäßiger Entfernung
südwestlich davon, bei Rhemata (Rametta), stellte sich 'Abdallfih b. atM u'izz zum Kampf, erlitt indes eine schwere Niederlage65. Der byzantini
sche Vormarsch ging an der Ostküste weiter gegen Syrakus, das völlig
zem iert wurde, nachdem Wilhelm Eisenarm den Kommandanten der
Muslime getötet hatte66. In der Folge scheint sich die byzantinische
Offensive verlangsamt zu haben, sodaß 'Abdllfih b. al-Mu'izz Zeit gewann,
während des Jahres 1038/9 eine in Afrika formierte neue starke Armee
heranzufuhren67.
schreiben Thracici, doch waren Truppen aua Thrakesion unter Michael Dokeianos [zu ihm
vgl. o. A .62; u. A. 73] in Unteritalien eingesetzt: Skylitzea 426, 26 [« Kedrenoe 546, 6]; sie
konnten zuvor sehr wohl in Sizilien gewesen sein). Möglicherweise wurden in Sizilien auch
andere kleinasiatische Truppen verwendet; in obigem Zusammenhang spricht Skylitzes auch
vom Táyjia der ^oiÄcpixoi aus Iliaot&ai und Auxâovcç in Unteritalien (vgl. ODCONOMIDÊ8 343
sum Turmarchen der Föderaten von Lykaonien und Pamphylien).
66 Messina: Gaufredus I 7; Amatus II 8 (nennt den Namen der Stadt nicht). Skylitzes
schildert stattdessen 403, 22—28 ( = Kedrenos 520, 1—8) die ihm viel wichtigere Schlacht
von Rhemata, die wieder von der normannischen Tradition übergangen wurde. Das
wechselseitige Verschweigen der Taten anderer seitens der normannischen Quellen bzw.
durch Skylitzes erklärt sich offenbar aus den verschiedenen Gesichtspunkten, die Norman
nen zu verherrlichen bzw. sie mit möglichster Distanziertheit (zugunsten von Maniakes) zu
behandeln. Es ginge zu weit, die Berichte über Messina und Rhemata geradezu als
Überlieferungen über eine und dieselbe kriegerische Auseinandersetzung aufzufassen, doch
stehen diese Ereignisse zweifellos miteinander in unmittelbarem Zusammenhang; Abdallàh
b. al-Mu'izz mußte ja auf die Belagerung bzw. Eroberung Messinas reagieren. Skylitzes
beziffert die Zahl der muslimischen Truppen auf 50.000 (Tendenz der Hervorhebung von
Maniakes' Leistungen; vgl. o. S.91 f., A. 148), was weitaus übertrieben ist, da die orientali
schen Quellen (vgl. o. A. 57) die Stftrke von 'Abdallfths Expeditionskorps mit 6000 Mann
angaben. — Rhemata beherrschte die Verbindung von Messina nach Palermo; vgl. A m a r I;
Storia I 569f.
66 Uber die Belagerung und den Ruhm der Normannen vgl. Gaufredus Malaterra I 7 ;
sein Arcadius ist Entstellung aus al-qäld („Anführer“); vgl. AMARI, Storia II 446, A. 1.
m Skylitzes, der zuvor von den Ereignissen des Jahres 6546 M (beg. 1. September 1037)
berichtet hat, spricht 403, 28—30 («Kedrenos 520, 8f.) mit der Einleitung firci Bi
davon, daß Maniakes 13 StAdte Siziliens unterwarf; dies geht wohl nicht mehr auf 6546 M,
sondern bereits auf 6547 M (beg. 1. September 1038) — sonst erhielte man ein ereignisloses
Jahr 1039. Skylitzes setzt übertreibend fort, Maniakes habe sich der ganzen Insel bemäch
tigt, worin sich wiederum die panegyrische Tendenz seiner Darstellung zeigt. — Die
Truppen 'Abdall&hs waren nach Gaufredus Malaterra I 7: 60.000, nach Nilus II 11 gar
100.000 Mann stark (Skylitzes spricht in seinem Bericht über die Schlacht von Traîna [s. u.
A.68] bombastisch von 50.000 gefallenen Feinden). Viel wahrscheinlicher beziffert die
.anonymi historia Sicula‘ (M u r a t o r i , Rerum Italicarum Scriptores VIII748), die ansonsten
mit Amatus, Leo und der übrigen normannischen Tradition zusammengeht, die Muslime bei
Traîna auf 15.000—20.000 Mann.
210
Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer
Im Frühjahr oder Sommer 1040 traten sich die Gegner schließlich bei
Traina (Apotylvoti, heute Troina) nochmals zu einer großen Schlacht gegen
über. 'Abdalläh b. al-Mu'izz hatte dort in weitem, offenen Gelände sein
Lager aufgeschlagen und glaubte, durch eine Unzahl von Fußangeln, die er
im Umkreis hatte ausstreuen lassen, vor einem Angriff der feindlichen
Reiterei genügend abgesichert zu sein. Die Truppen des Maniakes hatten
jedoch die Beine ihrer Pferde durch Umhüllungen aus eisernen Plättchen
geschützt; außerdem vollbrachten die Normannen, von denen wiederum
Wilhelm Eisenarm namentlich genannt wird, bravouröse Taten; ferner
wurden die byzantinischen Truppen durch einen aufgekommenen Sturm
unterstützt, der den Muslimen entgegenblies. 'Abdalläh b. al-Mu'izz wurde
erneut eindeutig besiegt; der Flottenkommandant Stephanos konnte aber
nicht verhindern, daß 'Abdalläh, sobald er mit geringer Begleitung an die
Küste entkommen war, zu Schiff nach Palermo gelangte, von wo aus er den
Krieg fortsetzen wollte. Der Ausgang dieser Schlacht muß auch den Kam pf
um Syrakus entschieden haben; den Sieg völlig auszunützen war Maniakes
jedoch aus mehrfachen Gründen nicht im Stande686
9
.
Bereits früher hatten Streitigkeiten um Besoldung und Verteilung der
Beute zu Spannungen zwischen Maniakes und den Normannen60 geführt,
68 Vgl. Gaufredus Malatem I 7; Nilus II 11 (608 DE) (der Name des Ortes ist hier
ausgefallen, kann aber unmöglich das zuvor genannte Palermo sein; vgl. ÁMARI, Storia II
446, A.2); Skylitzes 405, 80—406, 00 ( « Kedrenos 522, 9—10), der als Namen Apoylvoi
bietet. Von diesem westlich des Ätna gelegenen Platz gingen wichtige Verbindungen nach
Taormina, Catania und Syrakus; vgl. A m ari a. O. Der Zeitpunkt der Schlacht eigibt sich
daraus, daß Skylitzes unter 6548 M (beg. 1. September 1030) zuvor von einem Erdbeben im
Feber gesprochen hat. — Die Fußangeln (tribuli) : Nilus I I 11. — Zu Stephanos’ Beurteilung
8. u. in A.70. — Was Syrakus betrifft, wird es von Gaufredus Malatem I 8 bereits als
erobert vorausgesetzt. Maniakes ließ es neu befestigen; das Castello Maniace bei der
Hafeneinfahrt an der Spitze der Halbinsel Ortygia bewahrt bis heute seinen Namen (dazu
vgl. A m a r i , Storia II 451, A. 2).
69 Von den Normannen vollbrachte zweifellos auch Harald Hardraada ruhmvolle Taten
in Sizilien, doch ist eine historische Auswertung der hier ganz legendenhaften nordischen
Überlieferung (vgl. o. A. 53) nicht möglich. Er soll 80 Städte oder Festungen erobert und
den König von Afrika — d. i. 'Abdalläh b. al-Mu'izz — besiegt haben. Vgl. dazu AMARI,
Storia II 443f., A.2; P o p p e , Dernière expédition 23f.; C h alá NDON I 02. — 1040/1 verließ
Harald Sizilien und erwarb sich große Verdienste bei der Niederwerfung des bulgarischen
Aufstandes unter Delianos, sodaß er zum Spatharokandidatos (Rangstufe zwischen Spatharios und Protospatharios; vgl. OlKONOMlDÊs 207) ernannt wurde. Vgl. Kekaumenos 282,
11—284, 7 (L it a v r in ) und dazu L e m e r l e , Prolégomènes 62—64.
Fabulöse Berichte über Züge nach Noidafrika und Jerusalem, wie solches die SagaTradition behauptet, beiseite, ist es Tatsache, daß Harald nach Michaels V. Tod in
Konstantinopel festgehalten wurde, bis er es heimlich verlassen konnte (so Kekaumenos);
geschah dies vielleicht wegen eines befürchteten Einverständnisses Haralds mit den
russischen Varägem, die Juni/Juli 1043 Konstantinopel angriffen? Dann wäre es dooh
Darstellung
211
die nach der Schlacht bei Traina darin gipfelten, daß Maniakes einen der
Führer und zugleich Sprecher der italischen Normannen, Arduin, öffentlich
mißhandeln und die ihm schon lästig gewordenen Normannen nach Unter
italien zurückkehren ließ70. Die Flucht von Abdalläh b. al-Muizz aber
führte Maniakes in seinem Zorn dazu, Stephanos nicht nur mit Schmähun
gen zu überhäufen, sondern sogar öffentlich zu insultieren. Stephanos
rächte sich, indem er umgehend dem unter Michael IV. politisch maßgebli
chen Orphanotrophos Ioannes eine angebliche Empörung des Maniakes
gegen den Kaiser anzeigte. Daraufhin wurde Maniakes auf Anweisung
Michaels IV. abgesetzt, gefesselt nach Konstantinopel geschafft und einge
kerkert. Die weitere Kriegführung in Sizilien erhielten Stephanos und der
Praipositos Basileios Pediadites übertragen, die jedoch (und Ähnliches hat
für den neben ihnen wirkenden Michael Dokeianos zu gelten) der Lage gar
nicht gewachsen sein konnten71.
merkwürdig, daß Haralds Konfinierung und sein heimlicher Abgang (letzterer dürfte
September/Oktober 1042 erfolgt sein; vgl. POPPE, ft. O. 28f, A. 84) um so viel vorausgingen.
Vielleicht aber (so POPPE ebd. 25—29) waren engere Beziehungen Haralds zu Mftniakes der
Grund, die auf die Zeit ihres gemeinsamen Kampfes in Sizilien zurückgingen und Harald
jetzt verdftchtig machten. — Nun konnte er endlich die von ihm lang erstrebte Warägeiprinzessin Elisabeth (Elliaifr) heiraten; er kehrte nach Norwegen zurück, wo er seinen Neffen
Magnus zum Kondominium bestimmen konnte. 1047 wurde er nach Magnus’ Tod Alleinherr
scher und fiel auf einem Zug nach England 1066 bei Stamfordbridge im Kampf gegen den
angelsächsischen König Harold, unmittelbar vor der normannischen Landung in England.
Vgl. die o. A. 53 angegebene Literatur.
70 Vgl. Gaufredu8 Malaterra I 8, der Arduin richtig als Verbindungsmann und Dolmet
scher zwischen Normannen und Byzantinern bezeichnet; Skylitzes 425, 8—426, 3 ( « Kedrenos 545, 8—546,1 ) sieht ihn dagegen irrig als unabhängigen Fürsten an ; Amatus I I 14; Leo
Ost. II 66 (nach beiden letzteren war Arduin Lehnsmann des Erzbischofs von Mailand [zu
seinen früheren Schicksalen vgl. AMAR1, Storia II 448, A. 1 und 449, A. 1]); Guillelmus
Apulus I 206f. — Skylitzes (und hierin stimmt Guillelmus mit ihm überein) entlastet
Maniakes dadurch, daß er Michael Dokeianos mit Arduin und den Normannen brechen läßt.
Dennoch fugt sich die Tradition Leos, Amatus’ und Malaterras, daß Maniakes Arduin
bestrafte, besser in den inneren Gang der Ereignisse und ist daher vorzuziehen. Gaufredus
Malaterra behauptet andererseits unzutreffend, die Normannen hätten Sizilien heimlich
verlassen; Arduin erhielt von Michael Dokeianos, der dann im November 1040 als Katepano
nach Bari kam (vgl. u. S. 213 mit A. 75), den Befehl über mehrere apulische Städte (dazu vgl.
u. A.74). — In der bereits gespannten Lage konnten sich alle möglichen Streitpunkte
zwischen Byzantinern und Normannen ergeben: in Snorris Königsbuch etwa wird eine
Kontroverse um den gesünderen Lagerplatz fur die Krieger schließlich durch das Los zu
Gunsten der von Harald Hardraada vorgenommenen Entscheidung bestätigt.
71 Vgl. Skylitzes 406, 90—9 ( - Kedrenos 522, 19—523, 13); Zonaras III 592, 14—593,
15. — Der Praipositos — ein hochrangiger Hofeunuch — hatte wichtige Aufgaben im
kaiserlichen Zeremoniell; später wurde das Amt auch zum Rangtitel; vgl. GuiLLAND,
Recherches I 333; OlKONOMlDÊS 300; B r é HIER 113; BURY 123f. Bei Kekaumenos 158, 6f.
(L it a v r in ) wird Pediadites als Katepano von Sizilien genannt, aber nur hier, sodaß ein
212
Unteritalien, Sizilien, Ägiiachea Meer
In eine um nichts geringere Krisis geriet um die gleiche Zeit d ie
zTrldische Intervention auf Sizilien. 'Abdall&h b. al-Mu’izz sah sich nach
seiner Niederlage bei Traína einem allgemeinen Abfall der Sizilier gegen
über. Es brachen gegenseitige Feindseligkeiten aus, in denen an die 800
Mann 'Abdallähs ihr Leben verloren haben sollen, und zuletzt blieb ihm
keine andere Wahl, als mit dem Rest seiner Armee nach Afrika zurückzu
kehren. Die Sizilier machten nun einen Bruder al-Akhals, Hasan mit dem
Beinamen $amç8m(addaula), zum Emir, neben dem indes noch 439 H (beg.
23. September 1039) mehrere sich als unabhängig gebärdende Machthaber
auftraten; darunter an der Ostküste, wo die Byzantiner Fuß gefaßt hatten,
Ibn at-Timna in Syrakus und dann in Catania72. Diese Zwietracht unter
den Muslimen verschaffte den Byzantinern jedoch keinerlei Vorteile, auf
deren Seite sich neben den begrenzten Möglichkeiten von Stephanos und
Pediadites der inzwischen in Unteritalien ausgebrochene Aufstand bedenk
lich auszuwirken begann.
Hier nämlich waren offensichtlich die Dienstverpflichtungen und K on
tributionen für den sizilischen Feldzug Anlaß zu einer gewaltigen Mißstim
mung unter der Bevölkerung geworden, die sich 1039 in der Meuterei der
apulischen, als Verstärkung für Sizilien gedachten Einheiten (xovrapâ-roi,
conterait) entlud- Im Januar 1040 fiel der Katepano, Nikephoros Dokeianos, in Asculum der Rebellion zum Opfer, worauf die Empörer unter*7
1
byzantinischer Plan, Sizilien bei der Wiedereroberung zum Katepanat zu erbeben, zwar als
möglich (vgl. auch die wahrscheinliche Motivation zur Schaffung des Ulemas Lukania o.
A. 60), aber nicht genügend gesichert erscheint; vgl. Lemerle, Prolégomènes 65f.
Die Beurteilung von Stephanos und Pediadites kann nicht kritiklos auf Grund der
ÄuBerungen von Skylitzes erfolgen. Entsprechend seiner Position als Ruhmredner des
Maniakes hatte er dem als unfähig geschilderten Stephanos bereits die Schuld zugeschoben,
daß'Abdall&h b. al-Mu'izz nach der Schlacht bei Trains entkam (vgl. o. S. 210 mit A. 68) — in
Wirklichkeit dürften die Seeatreitkr&fte des Stephanos zu einer wirkungsvollen Überwa
chung der Küste kaum ausgereicht haben. In Ähnlicher Weise ergeht sich Skylitzes nach der
Abberufung des Maniakes höchst negativ über Stephanos und Pediadites, doch gilt wohl
auch hier, daß die beiden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln (zumal nach
der Rücksendung der Normannen) kaum zu wirksamerer Aktivit&t im Stande waren. Zu
Michael Dokeianos vgl. u. A. 73.
71 Ibn al-AtTr X 196f. (s. a. 484); AbuM-Fid*' III 276f.; NuwairT bei A m ä RI, Biblioteca
445f.; Ibn ffaklfin IV 440; Nilus II 12 (608 EF); Skylitzes 405, 80—406, 90 (-Kedrenos
522, 9—19). Die beiden letzteren inen in der Behauptung, *Abdall&h b. al-Mu’izz (d. i. der
„Karthager“ des Skylitzes und der „Tyrann der Barbaren“ bei Nilus) sei unmittelbar nach
der Schlacht von Traina nach Afrika entflohen; erst der Konflikt mit den Siziliern bewirkte
seine Vertreibung; vgl. A m a r i , Storia I I 447, A. 2. Andererseits schließen die orientalischen
Quellen die Vertreibung ’Abdall&hs unmittelbar an den Untergang al-Akhals (d. i. 1037, vgl.
o. S.206f. mit A.57f.) an, wAhrend die christlichen Autoren keinen Zweifel an dem
Oberbefehl 'Abdall&hs bei Traina (1040) lassen (vgl. o. S. 210 mit A.68).
Darstellung
213
Argyrus, dem Sohn des Melo, gegen Bari marschierten. Argyrus bemächtig
te sich der Stadt, überwarf sich aber hierauf mit den conterait und willigte
(wohl infolge der entgegenkommenden Politik des Kaiserhofes) in eine
Anerkennung der byzantinischen Oberhoheit ein73.
Zu diesen Wirren trat ferner die Tätigkeit des Lombarden Arduin, der
nach seiner entehrenden Behandlung durch M&ni&kea nach Unteritalien
gegangen war und gegenüber dem Nachfolger von Nikephoros Dokeianos,
Michael Dokeianos, der damals noch in Sizilien weilte, seine Ergebenheit
vortäuschte, sodafi ihn dieser in amtlicher Eigenschaft nach Apulien
schickte. In Wirklichkeit trat Arduin mit den aus Sizilien mißmutig
zurückgekehrten Normannen in Verbindung und bemächtigte sich der Stadt
Melfi; schließlich erwirkte er unter dem Vorwand einer Pilgerreise nach
Rom die Gelegenheit zu einer Begegnung mit dem nunmehrigen Grafen von
Aversa, Rainulf, um diesem Normannenfursten die Eroberung Apuliens
nahezulegen74*.
Während dieser bedrohlichen Entwicklung zogen Stephanos und Pediadites fluchtartig noch 1040 auf das Festland ab; der offenbar als tatkräftig
geltende Protospatharios Michael Dokeianos wurde zum Katepano von
Italien bestellt und traf mit einem Teil der in Sizilien stehenden Truppen
im November desselben Jahres in Bari ein73. Diese weitere Schwächung der
byzantinischen Position in Sizilien war gleichwohl fur den Kam pf gegen die
nunmehr von den Normannen bestimmte Insurrektion in Apulien ohne
Nutzen. Vielmehr wurde 1041 zum Jahr der normannischen E rfolge: Am
” Übersicht Ar die Ereignisse in Unteritalien bis sum Katepanat von Maniakes bei
I 06—102; G a y 464—460; Sc h l u m b e r g e r , Épopée III 261—269. — Auf
stand der contcmti (zu ihnen vgl. G a y 464 mit A.5): Lupus s. a. 1039 u. 1040; anon. Bar.
und ann. Bar. s. a. 1040. — Argyrus: Lupus und ann. Bar. s. a. 1040. Zu ihm vgl. VANNIER,
Argyroi 58; F a l k e n h a u s e n *68—62 bzw. *59—63; G u il l a n d , Patrices 2f. Er spielt bn
Gegensatz zu seiner Haltung anfangs der Vierzigeijahre später wieder auf byzantinischer
Seite eine maßgebliche Rolle, bis er unter Isaak I. Komnenos in Ungnade fiel und —
offenbar abgesetzt — Italien verließ (1068).
74 Vgl. ann. Bar. und anon. Bar. s. a. 1041 ; Amatus II 16f.; Leo Ost. II 66; Guillelmus
Apulus I 241 f. Diese Ereignisse fallen in Herbet und Winter 1040—41 ; im März 1041
besetzten die Normannen Melfi. Vgl. CHALANDON I 96f.; SCHLUMBERGER, Épopée III
262—256. Zum Titel Arduins, der beim anon. Bar. als tepoteriti, d. i. Toiwm)pi)-n% erscheint,
vgl. F a l k e n h a u s e n *117 bzw. *120: wohl „Stadtkommandant“.
73 Stephanos und Pediadites flohen 1040, weil bei Skylitzes auf diese Angabe (407, 48—
60 [ « Kedrenos 625, 9f.]) weitere Begebenheiten dieses Jahres folgen. — Zu Michael
Dokeianos vgl. G u il l a n d , Patrices 6—7 ; F a l k e n h a u s e n *89 bzw. *93, Nr. 46. Skylitzes
426, 14— 18 (»Kedrenos 645, 15— 19) beurteilt ihn und seine Rolle in Sizilien wohl zu
Unrecht sehr negativ ; von großer Energie zeichnet ihn dagegen Attaleiates 34,1—24 (er fiel
1060, bereite im Rang eines ßcorapxi)«, gegen die Petechenegen); vgl. ferner Lupus und anon.
Bar. s. a. 1040.
Ch a l a n don
214
Unteritalien, Sizilien, Agäisches Meer
17. März erlitten die Byzantiner eine Niederlage bei Venosa, und am 4. Mai
folgte eine weitere an den Ufern des Aufidus (Ofanto) nahe dem antiken
Cannae, wo ein Großteil der aus Sizilien herbeigefuhrten Truppen den
Untergang fand. Michael Dokeianos rettete sich mit Mühe und rief aus
Sizilien die letzten verfügbaren Einheiten zu H ilfe; noch vor einer neuer
lichen Auseinandersetzung enthob ihn jedoch Michael IV. seines Komman
dos und ersetzte ihn durch den e x a u g u s t u s Boioannes, einen Verwandten
des bekannten Katepano Basileios Boioannes. Er war noch weniger vom
Schicksal begünstigt als sein Vorgänger und fiel nach verlorener Schlacht
bei Montepelo80 am 3. September 1041 in die Gefangenschaft der Norman
nen76. Michael Dokeianos kehrte nach seiner Abberufung aus Italien nach
Sizilien zurück, wo er nichts weiter ausgerichtet haben kann, denn 1042
befand sich lediglich noch Messina in byzantinischer Hand77.
Ebensowenig führte das nochmalige Auftreten von Georgios Maniakes
zu einer Wende der Lage in Unteritalien oder Sizilien. Michael V. (11. De
zember 1041—20. April 1042) hatte ihn aus der Haft entlassen; nach
dessen Sturz ernannte ihn Zoe umgehend zum Magistros und Katepano von
Italien. Maniakes führte in Apulien, wo Argyrus neuerdings von Byzanz
abgefallen war, ein Regiment von größter Härte, wurde aber bald von den
Ereignissen am Kaiserhof völlig in Anspruch genommen. Die Samtherr
schaft von Zoe und Theodora bot ja einem tatkräftigen Mann — sei es als
Kandidaten des Hofes, als Günstling einer der beiden Kaiserinnen oder als
Usurpator — die Möglichkeit, nach der höchsten Gewalt im Staate zu
greifen. Dessen war sich Maniakes natürlich bewußt; als Konstantin IX .
76 Untergang der rizilischen Truppen: ann. Bar. s. a. 1041 (genannt Einheiten aus
Anatolikon, Opsikion, wohl ThrakeBion, Unteritalien sowie Russen; vgl. dazu o. A .64);
letztes Aufgebot : ebd. genannt Macedones, PauUciani et Caiabrenees. Die Erwähnung der
Sekte der Paulikianer ist die erste in einer westlichen Quelle, doch sind sie in Italien schon
885 bei Theophsnes Continuâtes 313 (Bonn) belegt. Im Westen hielt man sie für Manichäer;
vgl. Guillelmu8 Apulus I 339—344. Dazu: N. G. GaksoTan, The Paulician Heresy. Haag
1967, 13f. mit A.3f.; 150 m. A. 170. — Der exaugustus Boioannes: Als „Verwandter“ von
Basileios Boioannes erscheint er bei Skylitzes 426, 23—427, 47 ( = Kedrenos 546, 2—547,
5), als „Sohn“ beim anon. Bar. und Guillelmus Apulus I 345—348. Was in den meisten
italischen Quellen alB exaugustus erscheint, erklärte M. Mathieu als entstellten Bei- oder
Familiennamen und nicht als Titel : Noms grecs déformés ou méconnus. La Nouvelle Clio 4
(1952) 301—305; danach im wesentlichen Falkenhau.sex '90 bzw. *94; vgl. 'FJ;áxo'j<jTo; in:
Prosopographisches Lexikon der Palaiologenzeit. Fasz. 3, Nr. 6049—54. — Überblick der
normannischen Erfolge dieses Jahres bei CHALAXDON I 95—101 ; Gay 454—456; SCHLUMBERGER, Épopée III 254—269.
77 Rückkehr des Michael Dokeianos nach Sizilien: ann. Bar. und anon. Bar. s. a. 1041.
Über seine dortige Tätigkeit wird von keiner Quelle etwas berichtet.; den Verlust aller
Stützpunkte bis auf Messina betont Skylitzes 406,9—16 und 407,45—50 ( = Kedrenos 523,
13—20 und 525, 5—10).
Darstellung
215
— welcher überdies ein persönlicher Freund des mit Maniakes seit langem
verfeindeten Romanos Skieros (des Bruders der kaiserlichen Maitresse
Skleraina) war — am 11. Juni 1042 als neuer Gemahl Zoes den Thron
b estieg, beschritt Maniakes offen die Bahn der Empörung. Als Prätendent
a u f den Kaiserthron verließ er Italien (wo Argyrus wieder auf byzantini
sch e Seite trat) und begann von Dyrrhachion aus den Marsch gegen
K onstantinopel, auf dem ihn jedoch im Frühjahr 1043 in siegreicher
Schlacht der Tod ereilte78.
All diese Ereignisse behinderten eine wirksame Unterstützung der
letzten in Sizilien verbliebenen byzantinischen Kräfte. Als einziger Stütz
punkt auf der Insel behauptete sich noch Messina, wo der später so
namhafte Katakalon Kekaumenos das Kommando führte; auch dieses war
im Frühjahr 1042 von einer muslimischen Übermacht eingeschlossen, der
gegenüber Kekaumenos auf angeblich ganze 300 Mann Kavallerie und 500
Mann Infanterie aus dem T ¿Y (ia t ü v ’Apfxtviáxwv zählen konnte. Deshalb ließ
er drei Tage lang die Stadttore hermetisch geschlossen halten, um tags
hernach einen überraschenden Ausfall zu unternehmen, der angeblich mit
gänzlicher Zersprengung und verlustreicher Flucht der Belagerer endete,
die überdies ihr Lager mit wertvoller Beute zurücklassen mußten78.
Was das fernere Schicksal der letzten Byzantiner in Sizilien betrifft, ist
— selbst wenn die Quellen davon schweigen — gewiß, daß auch Messina
trotz der erfolgreichen Verteidigung durch Kekaumenos kurz nach dessen
7* Übersicht dieser Ereignisse bei ScHLUMBERGER, Épopée III 430—456; G a y 460—
468; CHALANDON I 102—104; zu den politischen Hintergründen vgl. SEIBT, Skleroi 77—79;
POPPE, Dernière expédition 15—17. Der Schlachtentod des Maniakes fand — entsprechend
dem tiefen Eindruck, den seine Persönlichkeit im Osten hinterließ (vgl. o. A. 61) — eine
Darstellung im Stil des homerischen Heldenepos durch den Dichter Christophoros Mitylenaios, und wohl von demselben stammt auch ein Grabepigramm. Vgl. P oppe ebd. 19 mit
A.56f.; F a l k e n h a u se n '91 bzw. *96. Zu Christophoros Mitylenaios vgl. H u n g er , Profane
Literatur II 171.
n Vgl. Skylitzes 406, 9—407, 50 ( = Kedrenos 523, 13—625, 10); Zonaras III 593, 15—
594, 6. Die auch stark fur Kekaumenos eingenommene Schilderung des Skylitzes (vgl. dazu
o. S. 160, A.84) bietet ein chronologisches Problem, weil sie die erfolgreiche Verteidigung
Messinas auf |uaoncvTrlxo<rrr, (d. i. 4. Tag nach dem 3. Sonntag nach Ostern — 4. Tag der
folgenden Woche) ansetzt, wogegen Kekaumenos andererseits bereits in der 2. Woche nach
Ostern mit der Kunde der glücklichen Abwehr in Konstantinopel gewesen sein soll
(Skylitzes 419, 55f. [ = Kedrenos 538, 16—18]; vgl. dazu SCHREINER, Kleinchroniken II
144f.). Vielleicht sollte eher als an eine Verschiebung im Datum des erfolgreichen Ausfalls
daran gedacht werden, daß der Kekaumenos äußerst gewogene Skylitzes (bzw. seine Quelle)
dessen Anwesenheit in Konstantinopel fiktiv gerade auf jenen Zeitpunkt setzte, als
Michael V. gestürzt wurde (denn darauf bezieht sich letztgenannte Stelle), um Kekaumenos
auch bei dieser Gelegenheit eine wichtige Rolle spielen zu lassen, ohne daß ihre Unverein
barkeit mit dessen Wirksamkeit in Sizilien beachtet worden wäre.
216
Unteritalien, Sizilien, Agàisches Meer
(noch im Frühjahr 1042 erfolgten) Weggang den Muslimen in die Hände
fiel. Unter den muslimischen Teilherrschem der Insel erlangte der zuneh
mend hervortretende Um at-Timna das Übergewicht; 444 H (beg. 3. Mai
1052) bemächtigte er sich Palermos, wo die städtischen Notabein die
eigentliche Gewalt ausgeübt hatten ; durch die Absetzung Çamçâms endete
nun auch formal die Herrschaft der kalbitischen Dynastie in Sizilien. Ihn
at-Timna, der schließlich einen Großteil der Insel unter seine Herrschaft
gebracht hatte und sich als Chalife gebärdete, rief 1061 — von inneren
Schwierigkeiten bedrängt — die Normannen zu Hilfe, die dann unter
Roger I. ihr Eroberungswerk begannen80.
*° A m a r i , Storia I I 464 liât Messina „zu irgendeinem Zeitpunkt, seien es einige Monate
oder Jahre“, den Muslimen in die H&nde fallen. Letzteres ist jedoch entschieden zu lange;
wenn Kekaumenos trotz seines (laut Skylitzes so gl&nzenden) Erfolges bei der Abwehr der
Feinde die Stadt offensichtlich sehr bald danach verlassen hat (vgl. o. A. 79), so tat er dies
zweifelsohne auch im Bewußtsein, daß die Lage fur die Byzantiner hoffnungslos war. — Zu
Ihn at-Timna vgl. o. S. 212 mit A. 72. Ende der Kalbiten : 444 H als Datum der Absetzung
SamfSms hat nur die Chronographie des osmanischen Polyhistors Hag¿T Qallfa (fl 668)
bewahrt; vgl. die Stelle bei A m a r i , Biblioteca 624, sowie A m a r i , Storia II 484, A.2; vgl.
ferner NuwairT bei A m a r i , Biblioteca 446; Ihn al-Ajfr X 196—198 (s. a. 484); Abu’l-Fidt’
III 278; Ibn RaldOn IV 449.
IN D IC E S
1. P r o so poGRAPHiscHER I n d e x *
Aaron, Bruder dea bulgar. Zaren Samuel
198
Aaron, Bestes, Statthalter von Vaspurakan
129, 164, 166, 168, 169, 170
'Abbäsiden, Dynastie des sunnit. Chalifats
44,46, 50, 61,80, 100, 114, 117, 118, 121,
130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 147,
151,171,178
'Abdalazlz, Sohn des 'Abdarrahmän b. Iljäs
73
'Abdalghänl b. Said, fotim¡d. Emissär 59
'Abdallah b. al-Muizz, Expeditionskomman
dant auf Sizilien 187, 206, 207, 209, 210,
211, 212
'Abdarrahmän b. Iljäs, Thronfolger al-Häkims 73
Abgar V., Fürst von Edessa 144
Bruder des Qutlumus 172
Abu 'Abdalläh al-Qudäl, fotimid. Emissär
119,120
Abu 'Abdalläh b. Marwän, Gesandter von
Näsiraddaula b. Marwän 170
Abu 'Abdalläh Näsiraddaula b. Hamdän ->
Näsiraddaula b. Hamdän
Abü 'Ali al-Hasan b. Marwän, Emir von
Majjäfarlqln 55,127,133,134,141,142
Abu 'Ali b. Kablr, Gesandter Tughril Begs
118
Abü Bakr Muhammad, Vertrauter von Nasr
b. Sälih 105
Abü G afar, Sohn des al-Husain b. Gauhar
59
Abü Ghälib as-Saizarl, 'abbäsid. Gesandter
117, 118, 119
Abü Gum'a, Berberführer 78
Abü Hafa, sizil. Kalbite 187, 206
Abul-Aswär, Emir von Ganga 127, 128,
129, 152, 153, 154, 155, 156, 157, 158,
159, 160, 161, 167, 171, 172, 173, 174,
179, 180
Abul-Barakät, fotimid. Wezir 115, 116
Abu 1-Barakät, Sohn von al-Mansür b. Lu lu
54.67
Abul-Fadä'il Saldaddaula -» Saldaddaula
Abu 1-Fadl b. Abi Usäma, Qädi von Halab
78
Abul-Fadl Rifq -» Rifq
Abu 1-Fara¿, syr.-arab. Polyhistor 32
Abu l-Fawäris ad-Daif Qutakln Abu Man8ùr ad-Daif
Abu 1-Fidä\ arab. Historiker 32
Abul-Futüh, Sarif von Mekka und Chalifenprätendent 60, 152, 192
Abu 1-Futüh Jüsuf, kalbit. Emir von Sizilien
185, 186, 198
Abu'1-Gaià, Bruder von al-Mansûr b. Lu lu*
64.67
Abul-Ghanä*im, Sohn von al-Mansür b.
Lu lu 54,67
Abu’l-Haigä', hamdänid. Prätendent in Ha
lab 39, 50, 55, 56, 135
Abul-Haigä* b. Rablbaddaula, Herr von
Berkri 138, 146
Abu’l-Härit Mausüf -♦ Mausuf
Abu 1-Hasan 'Ali, Hamdänide 50
Abul-Msäh Sa'daddaula -» Sa'daddaula
Abu 1-Ma'äli Sarif, Hamdänide 50, 63
Abu 1-Muragga, hamdänid. Mamluke, Kom
mandant von Halab 77, 78
Abu l-Qäsim, kalbit. Emir von Sizilien 191
* Dynastien, Truppenkörper und Sekten wurden in diesen Index aufgenommen,
Stämme und Völker dagegen in den geographischen (Nr. 2).
220
Indices
Abu’I-Qàsim al-Cargarirt
al-Öaigaril
Abu'l-Q&sbn al-Ipbahàril, marwinid. Wesir
152
Abu’l-Q&sim al-Maghribl, arab. Staatsmann
60, 152
AbQ ManpQr, Kämmerer des Saddftdiden
AnQ&irwàn 172
AbQ M&npQr -♦ Sulaimàn b. Tauq
AbQ ManpQr WahsQjàn b. Muhammad ->
WahsQjàn b. Maml&n
AbQ Nap Husain b. Ahmad, rawwftdid.
Emir 130
AbQ Nap al-ManpQr -» al-Mançûr b. Lulu
AbQ Sàlim, Binder von al-Manpür b. Lulu’
64,67
AbQ Sugà', arab. Historiker und Staatsmann
31
AbQ T&hir JQsuf b. Damna, Herr von Amid
134
Aftln, selgQq. Feldherr 122
Aghlabiden, nordafrikan. Dynastie 189,
100, 101
Ahmad, Neffe des AbdarrahmAn b. Ilj&s
73
Ahmad al-Akhal -♦ al-Akhal
AJimad b. AbdarrahmAn Abu l-Mu'izz, Herr
von Mantzikert 133
Ahmad b. Muhammad, Vicegerent von
Edessa 142, 143
al-'Ainl, arab. Historiker 32
al-Akhal, kalbit. Emir von Sizilien 102,
186,187, 108,100,202,205,206, 207, 212
'AXájr -» 'Allàf
Alawijja as-Sajjida -►as-Sajjida
'AXcifi, Kommandant von Berkri 147
Alexios Studites, Patriarch von Konstan
tinopel 88, 144
Alexios Xiphias, Katepano von Italien
104
Alftakln, tQrk. SöklnerfQhrer 46
'AH, 4. orthodoxer Chalife 50, 87, 118
'AH, Sohn des sizilischen Emirs Abu I-FutQh
JQsuf 106
*AH b. Abdalwàhid b. Haid&ra, fetimid.
Feldherr und Statthalter 55, 57
AH b. Ahmad b. al-Aisar, Minister von Timàlb. S&lih 116, 117, 121
AH b. Ahmad ag-Paif, ffctimid. Statthalter
von Afkmija und Halab 40, 67, 68, 60,
72, 73, 75, 76
AH b. Öa'fiur b. Fall&h, fttimid. Feldherr
62, 75
*AXx¿v, angebl. Führer der Chorasmier 177
Allàf, Sohn von Ràfi' b. Abfl-Lail 06, 07,
101, 108
Almohaden, nordafrikan. Dynastie 50
Alp Arslan, selgQq. Sultan 123, 130, 175,
179, 180, 181
Amatus, normann. Historiker 24, 106
Anonymus Barensis, unterital. Annalist
23
AnQsirwàn, Aaddàdid. Emir 153, 172
AnQstakln ad-Duzbarl -♦ ad-Duzbarl
'ArccX^apáx -♦ llivÇapâx
Witó'/a^ -> AbQ Hafç
ArroXáfpap -►al-Akhal
'Airováaap -* Napaddaula b. MarwAn
Apuk'ap -* Basileios Apokapes
Arcunier, armen. Dynastie 131, 140
Ardasir, Sadd&dide 171, 172
Arduin, Vertrauensmann der Normannen
auf Sizilien 211,213
Argyrus, Sohn des Melo, unterital. Machtha
ber 213,214,215
Aristakè8 von Lastivert, armen. Historiker
25, 156, 162, 164, 165, 160, 176
Arsenios, Patriarch von Alexandreia, Par
triarchatsverweser von Jerusalem 48,61
'Apraocipaç -►Ardasir
’Aoav -» Hasan, „Tauber**
al-Apfar, Mahdi-Pr&tendent 1004/5 30, 50,
51,52, 53, 54, 135
al-Apfar, Mahdi-Prätendent 1047/8 120,
152, 165
Asolik, armen. Historiker 25
Asot, Fürst von Tarön 131
Asot (IV.) Bagratuni von Ani 128, 141,
153, 154, 158
*Ao7cà(ji leXxpioç, selgüq. Anführer 168
Atijja b. $àlih, Mirdàside 113, 122, 123
al-'Azlml, arab. Historiker 20
Asioç -♦ al-Aziz
al-'Azlz, Fätimidenchalife 48, 58, 60, 103
'Azlzaddaula Fàtik, fetimid. Statthalter,
dann Regent von Halab 40, 70, 71, 72,
73, 136
Prosopographischer Index
Bid, Stammherrder Marwftniden 133,134,
141, 142
Badr, Festungskommandant von Halab
72, 73, 75
Bagrat III. von Ap/axeti 132, 134, 136
Bagrat IV. von Georgien 134, 153, 154,
156, 158, 150, 166, 167, 160, 170, 171
Bagratiden, armen, faew. georg. Dynastie
127, 131, 132, 135
Bah&'addaula, bOjid. Protektor des *Abbftsidenchalifats 61
Bakgûr, Emir von Ralab 45, 46
Bangutakln, ftfimid. Feldherr 46, 47, 62,
70
BangOtakln, Mamloke ad-Duzbarls 100,
110
Banü Ghanâg, Machthaber in Phönikien
02.04
Banul-Abmar, Machthaber in Phönikien
02.04
Banü Mtmqid, Machthaber in Syrien 102
Barasbatce, Kommandant von Edessa
151, 152
Bardas Phokas, Usurpator 132, 160, 101
Bardas Skieros, Usurpator 46, 51,52, 132,
134, 140, 101
Bargaw&n, igypt. Regent 48, 40, 50, 61
al-Basistrl, Machthaber im Iraq 162, 176
Basileios I. 180
Basileios II. 30, 40, 41, 46, 47, 48, 51, 52,
55, 56, 50, 60, 65, 66, 68, 70, 71, 72, 74,
76, 77, 78, 70, 127, 132, 134, 136, 137,
130, 140, 141, 154, 166, 176, 186, 101,
103, 100, 200, 202, 205
Basileios Apokapes, byz. Feldherr 86,130,
145, 146, 148, 176
Basileios Argyros, Statthalter von Vaspurakan bzw. Italien 140, 185, 105, 106, 107
Basileios Boioannes, Katepano von Italien
185, 107, 100, 200, 201,214
Basileios Mesardonites -» Basileios Argyros
Basileios Pediadites, byz. Feldherr in Sizi
lien 187,211,212,213
Benedikt VIII. 105, 106, 108
Beriboes, Stratege von Chios 202
Blgh&s, PatrikioB 51,52
Boioannes, exaugustus, Katepano von Ita
lien 214
221
Büjiden, Protektoren des 'Abb&sidenchalifats 61,114,135,136,153
Caghri Beg, Bruder von Tughril Beg 142,
151, 161, 181
Xaö'ik Anec'i, Neffe der armen. Katholikos
Petros 161
XcopooavÍTT^, selgûq. Feldherr 168
Chrístophoros Bulgaria, Katepano von Ita
lien 186, 200, 201
Chrístophoros Mitylenaios, Panegyriker
215
Xtrik -» 'AXcífi
Xurèft
Quraii b. Badrftn
conterati, apulische Einheiten 212, 213
ad-Uahabl, arab. Historiker 32
Damianos Dalassenos, Statthalter von Antiocheia 47, 52, 66, 74
Datto, Stiefbruder des apulischen Insurgenten Meló 105, 106, 107
Dawit* Kuropalates, Fürst von Taik* 48,
86, 127, 132, 134, 145
Dawit* AnhoKn von Lon 128,143,154,158
Dawit* Senek*erim, Sohn des Senek'erim
Yovhannès, Königs von Vaspurakan
138, 130
Débanos, bulgar. Insurgent 210
Demetrios, Bruder Bagrafs IV. von Geor
gien 166
Drogo, Normannenführer in Unteritalien
208
Drusen, aus der extremen Sfa hervorgegan
gene Gemeinschaft 42, 73, 07, 08, 105,
145
ad-Duzbail, ffctimid. Statthalter von Palä
stina und Syrien 41, 42, 43, 75, 76, 77,
78, 80, 81, 82, 06, 07, 08, 00, 100, 101,
104, 105, 107, 108, 100, 110, 111, 112,
113, 115, 151, 152
Ellisifr, Tochter Jaroslava d. Weisen von
Kiev 204,211
Erbebios, normann. Söldnerführer 180
Eustathios, Patriarch von Konstantinopel
74
222
Indices
Fadl, Saddädide 153, 172
Fahd b. Ibrählm, Emissär Bargawäns 49
Fath, Festungskommandant von Halab
40, 65, 66, 67, 68, 69, 70
Fätik, Mamluke ad-Duzbarls 109
Fätimiden, nordafrikan.-ägypt. Dynastie
44, 45, 46, 47, 48, 50, 55, 56, 59, 60, 61,
64, 68, 69, 70, 73, 75, 76, 79, 80, 81, 82,
90,93,96,98,99, 100,101, 102, 103, 104,
105, 106, 107, 108, HO, 111, 112, 114,
115, 116, 117, 118, 119, 120, 121, 122,
132, 134, 136, 145, 151, 170, 171, 178,
191, 199
<t>p¿Y7 oi, westeurop. Söldner der Byz. 176
Georgios Probatas, byz. Gesandter in Sizi
lien 205
Georgios Theodorokanos, Stratege von Sa
mos 202
Ghassäniden, vorislam. arab. Dynastie in
Syrien 96
Giorgi I., König von Georgien 40,71, 136,
137, 141, 147, 166
Gregorios Tarchaneiotes, Katepano von Ita
lien 192, 193, 194
Grigor V., König von Siwnik* 154
Grigor Magistros Pahlawuni, armen. Feld
herr 155, 158, 159, 166
Gurgen, König von Kartli 134, 135, 136
Gabriel, Sohn des bulgar. Zaren Samuel
198
Ga'far, Emir von Tiflis 153
Ga far, Sohn des al-Husain b. Gauhar 59
Gafar b. jQsuf, kalbit. Regent von Sizilien
185, 186, 192, 196, 197,206
Ga*far b. Kulaid, fetimid. Statthalter von
Him? 107, 114, 115, 116
Gagik Abas, König von Vanand 173, 175,
180
Gagik I. Bagratuni (König von Ani) 127,
131, 135, 141
Gagik II. Bagratuni (König von Ani) 128,
129, 154, 155, 156, 157, 158, 159
Gai& b. Sampâma, fetimid. Statthalter von
Damaskus 47
Ganji, Kommandant von Berkri 146, 147
al-Gargaräl, fetimid. Wezir 105, 108, 112,
120
Garrähiden, arab. Dynastie in Palästina
39, 57, 61, 62, 63, 60, 76, 85, 96, 97, 98,
101, 102, 103, 104, 105, 109, 145, 149
Gaufredu8 Malaterra, normann. Historiker
24, 211
Gauhar, Sohn von al-Husain b. Gauhar 59
Geoigios Drosos, Sekretär des Aaron Bestes
170
Georgios Kedrenos, byz. Historiker 21
Georgios Maniakes, byz. Feldherr 42, 90,
91, 92, 100, 103, 128, 143, 144, 145, 146,
148, 149, 155, 160, 187, 201, 204, 207.
208, 209, 211,212, 213, 214, 215
Haggf Qalffa, osman. Polyhistor 216
al-Häkim, Fätimidenchalife 39, 40, 41, 48,
49, 51, 54, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63,
65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 72, 75, 76, 80,
81, 101, 103, 136, 152
al-Hamah, Vertrauter al-Apfars (1004/5)
51
Hamdäniden, syr.-arab. Dynastie 45, 46,
49, 50, 53, 54, 56, 57, 70, 132, 133, 135
Harald Hardraada, norweg. Prinz u. Kriegsheld 204,208,210,211
Harold, König der Angelsachsen 211
Hasan, „Tauber*4, selgüq. Feldherr 117,
129, 164, 165
al-Hasan b. Abfl-Husain al-Kalbl, Begrün
der der kalbit. Dynastie Siziliens 191
Hasan b. BaighQ, selgüq. Führer 164
Hasan b. §älih, Mirdäside 113
Hasan b. Wattäb, Bruder des Sablb b. Wattäb 152
al-Hassän b. al-Mufarrig, Emir in Palästina
41, 42, 43, 59, 61, 62, 69, 73, 76, 77, 78,
81, 85, 95, 96, 97, 98, 100, 101, 102, 104,
105, 110, 128, 149
Heinrich II. 195, 197, 198, 199
Hunfried, Norraannenfuhrer in Unteritalien
208
al-Husain b. Gauhar, ägypt. Staatsmann
39, 59, 60
al-Husain b. Zähir al-Wazzän, fetimid. We
zir 58
Prosopographischer Index
Uffar -* al-Akhal
Ibn Abfd-Dam, arab. Historiker 32
Ibn Abfl-Haig&*, arab. Historiker 32
Ibn al-Ahmar, Machthaber in Phdnikien 94
Ibn al-Atlr, arab. Historiker 32, 165
Ibn al-Azraq, arab. Historiker 30
Ibn al-G&uzl, arab. Historiker 32
Ibn al-Käsih, Machthaber in Phönikien 92
Ibn al-Mudabbir, Schreiber von al-Mufarrig
b. Daghfal 62
Ibn al-QalànisI, arab. Historiker 29
Ibn at-Timna, Machthaber auf Sizilien
212, 216
Ibn Gunghul, arab. Historiker 33
Ibn Qaldün, arab. Historiker 32
Ibn Q&n, Turkmenenfuhrer 122
Ibn 'Id&rî, arab. Historiker 34
Ibn Muhk&n, Herr von ar-Rabba 64
Ibn Muja8sar, arab. Historiker 31
Ibn Mulhim, fttimid. Feldherr 120
Ibn Numair, S&ife in Halab 87
Ibn Saddàd, arab. Topograph und Histori
ker 30
Ibn Sibl, numairid. Regent von Edessa
143
Ibn TaghilbirdI, arab. Historiker 31
Ibn 'U$air, Regent von Edessa 143, 144,
148
Ibrâhîm II. b. Marzub&n, mus&firid. Emir
139
Ibrâhîm ïn&l, Halbbruder Tughril Begs
117,129,164,165,166,167,168,169,176
Ifesldkien, ¿gypt. Dynastie 45
Ilarion, armen. Erzbischof 132
Ioannes, Flottenkommandant in Italien
205
Ioannes, Orphanotrophos 211
Ioannes Kurkuas, Katepano von Italien
194, 195
Ioannes Skylitzes, byz. Historiker 21, 51,
52, 53, 91, 151, 152, 160, 161, 162, 163,
164, 165, 168, 169, 170, 172, 175, 176,
178, 209, 211,212, 215
Ioannes I. Tzimiskes 45, 46
Ioannes-Vladislav, bulgar. Zar 164, 198
Ioannes Zonaras, byz. Historiker 22
Iohannes, Sohn des Dogen Petrus II. Orseolus 193,200
223
Iohannes Diaconus, Venetian. Historiker
23, 193
Isaak I. Komnenos 120, 163, 178, 179,
180, 213
Ismael -> Melo
Ism&lliten, If it. Sekte 46, 58
Iwanê, Sohn des Liparit 180
Jahj& b. Said, christl.-arab. Historiker
28f., 62, 71, 74
Jftqüt, arab. Polyhistor 34
Jaroslav der Weise, Großfürst von Kiev
204
J&rüb, fktimid. Statthalter von Ramla, dann
Damaskus 58, 60
al-Jazürl, fütimid. Wezir 120, 122
Johannes VIII. Bär AbdQn, jakobit. Pa
triarch 88
Jumnaddaula, Festungskommandant von
Halab 75
JOsuf, Sohn des J&rüb 58
Jüsuf -* Abu’l-Futüh Jüsuf
Kalbiten, sizil. Dynastie 102, 185, 186,
191, 192, 196, 198, 202, 203, 216
Kam&laddln b. al-Adlm, arab. Historiker
29,71
Kapßcor^ -> Qirw&l b. Muqallad
Katakakm Kekaumenos
Kekaumenos
Kekaumenos, byz. Feldherr 22, 120, 129,
160, 161, 163, 164, 166, 167, 168, 169,
180, 187, 215, 216
KurrpivÍTT,; -►Watt&b b. S&biq
Kiwrakos, armen. Priester 154
Konrad II. 208
Konstantin VIII. 79,80,89,117,147,154,
156
Konstantin IX.
44, 114, 115, 116, 117,
118, 119, 120, 129, 142, 155, 156, 157,
159, 161, 163, 167, 170, 171, 172, 178,
179, 187, 214
Konstantin X. 180
Konstantinos, Bruder Michaels IV., Statt
halter in Antiocheia 107, 111, 128, 149,
150
Konstantinos, Großhetaireiarch, byz. Feld
herr 160,161
Konstantinos ó ’AXavoç, byz. Feldherr 159
224
Indices
Konstantinos Aríanites, byz. Feldherr 160
Konstantinos Burtzes, Patríkios 74, 75
Konstantinos Chage, Stratege der Kibyrrhaioten 186, 203, 204
Konstantinos Dalassenos, Statthalter von
Antiocheia 74, 75, 77, 79, 85, 86
Konstantinos Diogenes, byz. Magnat 100
Konstantinos Kabasilas, Statthalter von
Vaspurakan 128, 146, 147
Konstantinos Karantenos, Statthalter von
Antiocheia 82, 86, 89, 203
Konstantinos Leichudes, byz. Magnat u.
Staatsmann 163
Konstantinos Opos, Katepano von Italien
187,201,205, 206,207
xovraparoi conterati
Kontoleon Tomikios, Katepano von Italien
197
Kresimir III., König von Kroatien 200
Laikarl b. MQsä, Saddàdide 153, 171, 172
Leon III. 204
Leon VI. 158, 190
Leon, Bruder des Basileios Mesaidonites
197
Leon Choirosphaktes, byz. Truppenfthrer
85,86
Leon Lependrenos, Kommandant von
Edessa 145, 146, 148, 149
Leon Tomikios, byz. Prätendent 161, 178,
179, 197
Leo Ostiensis, unterital. Historiker 24
Liparit, georg. Fürst und Feldherr 129,
130,152,158,159,166,168,169,170,180
AiitapiTTjÇ —* Liparit
Ai7tapirr^ Rati, Sohn d. Liparit
Lombarden (byzantin. Söldner) 208
Ludwig II. 189
Lukas, unterital. Renegat 192, 193
Lu’hi, Emir von Halab 39, 50, 54, 55, 63
Lupus Protospatharius, unterital. Annalist
23, 198
Auxaovcç (Truppenkörper) 209
Magnus d. Gute, König von Norwegen 211
Mahmüd, Sultan von Ghazna 118,142,161
Mabmfbd b. Naçr b. Çàlih, Mndäside 94,
113, 122, 123
Makedonen (Truppenkörper)
178, 179,
200, 214
al-Makln, christl.-arab. Historiker 32
Maklnaddaula al-Hasan b. Mulhim
Ibn
Mulhim
Maní b. Muqallid, Mirdäside 113
Maní b. Sablb, numairid. Emir von Harrän
151, 152
al-Mançür, 'Abbäaidenchalife 110
al-Mançfhr, Fätimidenchalife 191
al-M&nçür b. 'Abdün, fetimid. Wezir 58
al-Mançûr b. Lulu, Regent von Halab 39,
40, 50, 54, 55, 56, 57, 63, 64, 65, 66, 67,
68, 70, 73, 82, 83, 87, 133
Manuel Erotikos, byz. Kommandant 140
al-Maqrlzl, arab. Historiker und Topograph
31
Maria, Frau von Iohannes Orseohis 193
Mariam, Mutter Bagrams IV. 158
Marwäniden, Dynastie von Majjäfarlqln
55, 60, 100, 127, 132, 133, 134, 135, 141,
143, 150, 179, 180
Marzubän b. Muhammad b. Musäfir, Emir
von Ädarbaigän 153
Maslama b. 'Ah, Minister von Thnäl b. $älih
121
Mas'Od, Ghaznawide 161
Matt'öos von Urhay, armen. Historiker 26,
145,149,153,156,161,162,163,165,169
MaupQf, Kommandant der Zitadelle von
Halab 75, 77, 78
McXcx, Sohn d. Ibrâhîm Tnäl 176
Melo, apulischer Insurgent 185, 192, 194,
195, 196, 197, 198, 213
Michael IV. 103, 105, 106, 107, 112, 122,
145, 146, 147, 148, 150, 154, 204, 207,
211,214
Michael V« 122, 210, 214, 215
Michael VI. 119, 121, 122, 163, 171, 180
Michael, Protospatharios, xpirf^, Katepano
von Italien 201, 205
Michael Akoluthos, byz. Feldherr 174,176,
178
Michael Attaleiates, byz. Historiker 22
Michael Burtzes, Statthalter von Antiocheia
47
Michael Dokeianos, Katepano von Italien
208, 209, 211,212, 213, 214
Prosqpographischer Index
Michael Glykas, byz. Historiker 22
Michael Iasites, Statthalter von Iberia
156, 150
Michael Koitonites, Statthalter von Antiocheia 30, 50
Michael Psellos, byz. Polyhistor und Staats
mann 22,01,115
Michael Spondyles, Statthalter von Antiocheia 41,70,80,82,83,208
MirdAsiden, syr.-arab. Dynastie 41,42,43,
44, 53, 63, 77, 70, 82, 83, 84, 87, 88, 80,
04,106,107,108,100,110, HI, 112,113,
114, 117, 122, 123, 132, 143
al-Mufarri¿ b. Daghfal, ¿arr&hid. Emir 30,
40,57, 50, 60, 61,62, 81
MugAhid von Dénia, muslim. Fürst in Spa
nien 106
Muhammad b. Qulaid, Herr von al-QawAbl
72
Mufetaraddaula Abu AbdallAh b. NazzAl, ft.
timid. Statthalter von Damaskus 60
al-Muizz b. Büdis, zlrld. Emir von Nordafrika 114, 117, 118, 110, 186, 187, 107,
201,205,206
Mumahhidaddaula, marwAnid. Emir von
MajjAfarlqln 30, 55, 56, 127, 134, 135
MunaggimbAsI, oaman. Historiker 33
Muqallid b. KAmil, miidAsid. Emir 84, 85,
04, 108, 100, 112, 113, 115, 116, 117
Muqallid b. Munqid, Herr von Kafarftb
112
MûsA, SaddAdide 153
al-Musabbihl, arab. Historiker 30
MusAfiriden, Dynastie in AJarbaigAn 130,
153
Mouoáp«9
Nasr b. Musaraf
Muslim b. Quraii, 'uqailid. Emir von Mosul
123
al-Mu8tan9ir, FAtimidenchalife 43,44,105,
106, 112, 114, 115, 116, 118, 110, 120,
121, 122, 151, 171
Mut&'in, Bruder von Sablb b. WattAb 152
al-Mu?ahhar b. NazzAl, Statthalter von Tri
polis 60
Naflsa al-AwrA’, Tochter von Sablb b. Wat
tAb 100
225
NAghija b. IsmAll al-Rasaril, Gesandter
Tughril Begs 171
NAtiraddaula b. HamdAn, fttfmid. Statthal
ter von Damaskus 114
NA*ir-i Husraw, pera. Reisender 55, 58
Najr b. MahmOd, Emir von Halab 123
Na^r b. Musaraf, muslim. Machthaber in
Phönikien 41,42, 70, 80, 02, 03, 04, 05,
07, 00, 100, 103
Najr b. $Alih, mirdAaid. Emir 41, 42, 43,
82, 83, 84, 87, 80, 00, 03, 04, 05, 06, 07,
08, 100,101,105, 106, 107,108,100, 110,
113, 115, 145, 140, 151
Najraddaula b. MarwAn, Emir von
MajjAfarlqln 60, 127, 128, 120, 130, 135,
141, 143, 144, 148, 150, 151, 152, 165,
170, 180
Neilos, unterital. Biograph 23
Nikephoros, Patriarch von Jerusalem 41,
74, 102
Nikephoros, paixrcop, byz. Feldherr 171,
172, 174, 170
Nikephoros Bryennios, byz. Feldherr und
Usurpator 175, 178, 170
Nikephoros Bryennios, byz. Historiker 22
Nikephoros Dokeianos, Katepano von Ita
lien 212, 213
Nikephoros Karantenos, Stratege von Naupaktos 86,186,201,202
Nikephoros Komnenos, Statthalter von
Vaspurakan 127, 140, 141, 147, 202
Nikephoros Phokas, byz. Magnat 137,130,
160
Nikephoros II. Phokas 45, 46, 52, 00, 117,
134, 100
Nikephoros Uranos, Statthalter von Antiocheia 30, 52, 53, 54, 50, 135
Nikephoros Xiphias, byz. Magnat 137, 130
Niketas, Bruder Michaels IV., Statthalter
von Antiocheia 107
Niketas von Mistheia, Statthalter von An
tiocheia 42, 80,00,03,04,05,06,07,08,
00, 100, 101, 103, 105
Niketas Pegonites, byz. Feldherr 147
Nikolaos, Bischof von Myra 203
Nikolaos, Parakoimomenos, byz. Feldherr
156, 157, 150, 160
Indices
Nikolaos Chryselios, Statthalter von Vaapurakan 147
Normannen (byz. Söldner) 187, 204, 208,
200, 210, 211,212, 213
Numaúriden, Dynastie in Harr&n 63, 110,
127, 132, 142, 143, 146, 148, 149, 162
an-Nuwairl, arab. Polyhistor 33
Olaf d. Heilige, König von Norwegen 204
*Op«Tioç Rati
Orestes, byz. Feldherr in Unteritalien 200,
201,206
Orestes, Patriarch von Jerusalem 39, 48,
49, 61
Oskecam, Beiname eines Dailamitenfuhrers
177
Otto II. 191
Pandulf III., Fürst von Capua 208
Paulikianer, h&ret. Sekte 214
Pediadites -*■ Basileios Pediadites
ílrjáoio;
Bigh&s
Petros Getadaij, armen. Katholikos 157,
169, 161
Petrus II. Orseolus, Doge von Venedig
186, 193
faTXo'jp» Herr von Ganga 172
Philetos Synadenos, Adressat des Nike
phoros Uranos 64
FlivÇotpàx
al-Hass&n b. al-Mufarrig b. alGarr&h
FllaaTSoti (Truppenkörper) 209
Pothos Argyro8, Katepano von Italien 79,
186, 202, 206
al-Qfcjft ar-Raild, arab. Historiker 30f.
al-Q&dir, 'Abb&sidenchalife 118
al-Q&’im, 'Abb&sidenchalife 100, 114, 117,
118, 119, 121, 147, 151, 171, 178
Qaisiten von Mantzikert, Machthaber in Ar
menien 133
QarghQja. Emir von Halali
4.V 46
Qarmaten, sl'it. Sekte 46, 50
Qawäm, Bruder von Sablb b. Watt&b 152
Qirw&ft b. Muqallad, *uqailid. Emir von Mo
sul 61, 145, 146, 148, 151, 162
Quraii b. Badran, uqailid. Emir von Niÿibln
162
Qutakln AbO Mançfir aÿ-Paif, ismftTilit.
Großmissionar 68
Qutlumui, Vetter von Tughril Beg 161,
162, 168, 171, 172, 173, 175, 176, 181
R&fi* b. Abfl-Laü, Emir der Kalb 41, 42,
43, 81, 82, 96, 98, 99, 100, 108
Rainulf von Aversa, Normannenfuhrer
208, 213
Rati, Sohn des Lipari$, geovg. Feldhefr
137, 166
Raww&diden, Dynastie in Ädarbaig&n
138, 139, 141, 142, 146, 147, 163, 173
Rayca, muslim. Anführer in Unteritalien
186, 198, 199, 202
Rifq, fetimid. Statthalter von Damaskus
116
Rodulfus Glaber, cluniaoens. Mönch und Hi
storiker 68
'
Roger I., Normannenfürst 216
Romanos I. 46, 144, 149
Romanos III. 42,43,67,82,84,86,86,87,
88, 89,90,91,93,94,95,96,97,100, 101,
102, 103, 104, 106, 107, 109, 112, 142,
144, 146, 146, 148, 152, 166, 200, 201,
205, 208
Romanos IV. 120, 123, 181
Romanos Skieros, Statthalter von Antiocheia 120,179,215
Russen (byzantin. Söldner) 84, 200, 208,
214
S&biq b. Mahmüd, Mird&side, Emir von Halab 123
Sabüktakln, Mamluke ad-Duzbarls 109,
113
Sa'daddaula, hamd&nid. Emir von Halab
39, 46, 49, 63, 66, 132
Sadldaddaula -» 'Ah b. Abmad aj-Uaif
Sadldalmulk, Kommandant von Halab 75
S&ftaddaula, Kommandant von Ralab 75
Saldaddaula, hamd&nid. Emir von Ralab
46, 49, 50, 133
Saifaddaula, hamd&nid. Emir von Halab
45, 46, 50
as-Sajjida, Mutter des F&timidenchalifen alMustançir 122
Proaopographischer Index
aa-Sajjida, Frau von N&çr b. Salih 100,
1 1 0 , 116, 161
b. 'All, Atknid. Wesir 68
Salih b. Mirdàs, Emir von Halab 40, 41,
63, 64, 6 6 , 6 6 , 67, 6 8 , 60, 70, 73, 76, 77,
78. 79, 81,06, 102, 106, 143
Q&lih b. Timll, Mird&side 113
Salim b. 'AU, Minister von XimU b. 9&lib
121
Salim b. MustaAd, Führer der ahdà$ von
Halab 106
$ampAm(addaula), kalbit. Emir von Sizilien
187,212, 216
Samuch, turkmen. Anführer 180
Samuel, holgar. Zar 108
Samuël von Ani, armen. Historiker 26
Sanadaddaula, Atimid. Statthalter von AAmija, Kommandant von Halab 76
Sargis Haykazn, probyz. Magnat in Ani
120, 164, 166, 167, 168
Sati, muslim. Anführer in Unteritalien 106
Selgüqen, aus dem gleichnamigen Stamm
der Ghuzz hervorgegangene Dynastie
44,102, 117, 118, 121,122, 123, 120,130,
138, 130, 142, 161, 160, 161, 162, 163,
164, 166, 166, 167, 168, 170, 171, 172,
173, 174, 176, 170, 180
Senek'erim Yovhannés, König von Vaspura»
kan 127, 137, 138, 130, 168
Sergius II., Herzog von Amalfi 104
Sergius IV., Dux von Neapel 208
Sib$ b. al-GauzI, arab. Historiker 32
Sinàn b. 'Aljàn, Emir der Kalb 41, 60, 76,
81
Sittalmulk, Atimid. Regentin Ägyptens
41,62, 72, 73, 74, 76, 102
Skleraina, Maitresse Konstantins IX. 216
Smbat, armen. Staatsmann und Historiker
26
Stepanos von Tarön -+ Asotik
Stephanos, byz. Flottenkommandant 187,
207,210, 211,212, 213
Stephanos Leichudes, Statthalter von Vaspurakan 120, 163
Sulaim&n b. al-Kur£l, Kommandant von
Edessa 128, 143, 144
Sulaimin b. Qutlumui, selgüq. Führer und
Feldherr 123
227
8 ulaimàn b. T*uq, Sekretär von Sàlih b.
Mirdàs 77,78,70
Sumbat Davit¿»-3 e, georg. Historiker 26
Symeon, Protovestiarios, byz. Feldherr 42,
80, 03, 146
Öablb b. Wattàb, numairid. Emir von Harrin 43,108,100,110,127,128,146,146,
147, 148, 140, 160, 161, 162
Saddididen, muslim. Dynastie in Transkaukasien 127, 120, 141, 42, 162, 163, 166,
173
Sapuh, Feldhen* von Vaspurakan 138
Sanva, Usurpator in Majjäfailqln 127, 136
Sibladdaula -» Nasr b. Sblih
Su¿a'addaula Gafar b. Kulak! -» Gafar b.
Kulaid
Ta¿at, Sohn des Ganji, Stratege von Berkri
147
Tancred von Hauteville, NonnannenAhrer
in Unteritalien 208
TarOd, Frau von Sàlih b. Mird&s 64
Tekneas von Abydos, byz. Flottenfilhrer
104, 106
Theodora 44,100,113,114,120,121,130,
147, 172, 178, 214
Theodoros, Domestikos des Ostens 178,
170
Theodoros, Sohn des Aaron, Statthalter von
Tarön 170, 180
Theoktistos, GroBhetaireiarch, Truppenfhhrer 07,101,103,104,106
Theophilos (Kaiser) 168
Theophilos, Patriarch von Jerusalem 61,
62, 74
Theophylaktos von Athen, Protospatharios
04
Theophylaktos Dalassenos, Statthalter von
Antiocheia 6 6 , 74, 07, 103
Timàl b. Sblih, mirdàsid. Emir von Halab
41, 42, 43, 44, 82, 83, 84, 00, 108, 100,
110, 111, 112, 113, 114, 116, 116, 117,
12 0 , 1 2 1 , 1 2 2 , 162
Tu'bàn, Kommandant der Stadt Halab 77,
78
Tughàn al-Muzaffarl, Atimid. Feldherr
108, 100 , 1 1 0 , 1 1 1
228
Indices
Tughril Beg, segûq. Sultan 44, 117, 118,
121, 123, 130, 142, 151, 152, 155, 161,
162, 164, 165, 160, 170, Î71, 173, 174,
175, 176, 177, 178, 179, 180, 181
TulQniden, muslim. Dynastie Ägyptens 45
Toùoïïcp, Toúoficp -+ ad-Duzbarl
Tutuä, Sohn des selgttq. Sultans Alp Arslan
123
Umajjaden, Dynastie des sunnit. Chalifats
50, 196
fUqailiden, Dynastie in Mosul 61, 123,
132, 133, 145, 148, 162
*U(air, numairid. Regent von Edessa 133,
142, 143
Vahram Pahlavuni, armen. Feldherr
155, 159
Vardan, armen. Historiker 26
V&sak Pahlawuni, armen. Feldherr
142
Vrarion -► Ilarion
154,
139,
Wahsûdàn b. Maml&n (Muhammad), rawwädid. Emir von Ädarbaig&n 146, 173
Waimar IV., Fürst von Salerno 196
Waimar V., Fürst von Salerno 208
Waräger (byzantin. Söldner) 174,175,176,
200, 204, 208, 210
W&ttäb, Numairide 116
Wa$täb b. Säbiq, numairid. Emir von Harrän 53,54,127,133,135,142
Wilhelm Eisenarm, Normannenführer in
Unteritalien 208, 209, 210
Wilhelm von Apulien, unterital. Historiker
24
Yovhannès Srabat, König von Ani
128, 141, 153, 154, 155, 157
127,
a?-?ähir, Fätimidenchalife 41, 43, 62, 69,
72,78, 79, 80, 81,82,90,96,99,100,101,
102, 103, 105, 107, 118
Zankl, Feldherr Napraddaulas, Regent in
Edessa 143
Zirlden, nordafrikan. Dynastie 44, 10 2 ,
114, 117, 118, 119, 186, 187, 191, 196,
197, 202, 203, 205, 207, 212
Zoe 44,113,114,156,214,215
2. G
e o g r a p h is c h e r
In d e x *
'Apárrela (A2)
'AJiatp** (C3)
Abfe&zen (Apeasen) 71, 72f 84, 132, 173, Ämid (Dijftr Bakr, -ApiSa) (D4) 88 , 134,
148, 165, 180
174
"Apirroç (B2)
Abl&tunus (Bal&tunus) (B5) 92, 94, 100
•Amorion 181
Abydos 104
* *Apm«p
Anberd
A/alci/e (E2) 107
'Ana(D5) 76,79
Afel&t -► JJilàt
'AvaßapC« ( Ainzarba) (A4)
A/urean (E2 ) 154, 155
Anatolikon (Thema) 66 , 67, 208, 214
*A$ava (A4)
Anberd (F2 ) 160
Agarbarán (G3—4) 127, 133, 139, 140,
Ani OAviov) (E2) 127, 128, 129, 130, 131,
146, 150, 153, 161, 163, 173
135, 140, 141, 142, 154, 155, 156, 157,
'Atar5 -> al-Hadat
158, 159, 160, 163, 164, 165, 169, 171,
Adramyttion 204
179, 180
’Aîp#voüTÇr( (Artanuÿ) (DE2 )
*Avcj
91
Adriatisches Meer 102,199
Aftmija (’Arapcux) (B5) 43, 47, 51, 67, 75, Antartûs fAvrâpaSoç) (A5) 47, 72, 75, 92,
95, 98, 100
92, 95,97,98,99,103,104,105,110, 1 1 1,
Antiocheia (Antftkija) (B4) 39, 41, 42, 46,
120, 122
47, 48, 51, 52, 54, 57, 59, 62, 66 , 67, 68 ,
Äg&isches Meer 20 2 , 203, 204
71, 74, 77, 79, 80, 82, 84, 85, 86 , 89, 93,
Agarener (Araber der byz. Quellen) 137
94, 95, 96, 103, 106, 107, 111, 120, 122,
*AytoL Map!« —* Surmari
135, 142, 149, 150, 202, 207, 208
IAy10? f*PVffW
Surb Grigor
Ägypten 39, 44, 48, 49, 50, 54, 57, 59, 60, Apahunik* (’Arra/owr^) (E3)
61, 63, 67, 6 8 , 69, 71, 72, 74, 76, 77, 78, Ap/azeti (DE2) 132, 136, 141
80, 89,97,98,99, 101,102,103, 105,106, *A<J/apoGç (D2)
107, 108, 109, 110, 113, 114, 115, 116, Apulien 186, 187, 189, 192, 194, 197, 198,
208, 212, 213, 214
117, 119, 120, 121, 122, 136, 191, 198
'Apatßurrroc (B3)
'Aint&b (B4) 90
Aracani -» Arsanias
Aksäs (C4) 146
Ararat (F3)
Akçehir Gölü 100
Alar 148
Araxes (Eras-/) (FG3) 129, 131, 155, 160,
161, 163, 164, 169, 170, 175, 180
Alexandreia 43, 104
*AXcÇavftp<ovot (al-Iskandarüna) (B4)
Arfe* CApTfcnov) (E3) 127, 133, 141, 142,
*AX^ (A2)
158, 163, 174
’Ap/aiôïïoXi: (Ci/e Goÿ) (Dl)
Amalfi 191,194
Amanos —> MaOpov opo;
Arckè ( ApTr..xé) (E3) 133, 141, 147, 177
• Die Begriffe Byzanz, Byzantinisches Reich, Armenien, Syrien, (Unter)italien, Sizilien,
al-Gazlra, Euphrat und Tigris wurden nicht aufgenommen. — Die Koordinaten (z. B. C3 bei
*Aßapa) beziehen sich auf die beigelegte historisch-geographische Karte; vgl. oben S. 8 f.
230
Indices
Aren fArfs) (D3) 120, 167
Arethusa
ar-Rastan
Argyrokastron (B5) 75, 95, 07
Arglè -> Arcès
*Apx« (BC3)
*Apxcp£ßo'j (E3) 177
Arjovit (D3) 168
Annanàz 110,111
Armenia IV (C3) 142, 164, 174
*Ap(uviáx(i>v (AB2) 215
'Apa>|iáw; (B3)
'Arqa fApxa) (B5) 47,03,05
Arràn 153
Ananias (Aracani) (CD3) 140, 164, 174,
175, 180
Aràarunik* (E2) 164
Artâh ( Aprax) (B5) 51, 122, 123
al-Arwëg (Bö) 90
Arzan (D3) 135
Arzan ar-RQm -» Aren
Arzanene (*ApÇ*yrtvrt) (D4) 135
Asculum 185, 104, 212
*Ao|JLÓ<J*TOV -♦ Sim s& t
Athos 152
’\T39 iTat Ghataftn
’A?s*p* (DE2)
Aufidus (Ofanto) 197, 214
Aversa 208,213
Awnik C'Aßvtxov) (D3) 175, 176
Ayrarat (E2 —3 ) 130, 155, 163, 164
Azat (F2 ) 150, 160
Azat Masía -♦ Ararat
Az&z fAfóu») (B4) 57, 67, 83, 85, 87, 88 ,
03, 106, 123
Baalbakk f HXiowroXu;) (B5) 47, 76, 70, 82
Baberd (ilatrccp) (D2) 174, 176
Baghdad 44,46,52,76,78,114,117,118,
130, 135, 162, 177, 178, 170
Baghräs
(B4)
Bagrewand (E3) 163
Bahasnft. (B4)
Bahrà', arab. Stamm in Phônikien 72
Baku 153
BxXiXeíouv —
* Balëà
Bal&tunus -» Abl&tunus
Baleé (BotXaXctíjcuv) (E3) 133,135, 141,142,
176
BaÜ^ (BsXi/ot) (C4)
Balis (Bap^oXieeoç) (C4) 78, 82, 00, 109
Bamberg 107
Bambyke
Manbig
Bànij&s (BaXavcoç) (A5) 72, 75
Banü Jisrall -♦ Bikisrà*11
Banu Qais (E3)
Barbalissos -» Bàlis
Baig&'a -►Partaw
Ban 185,186, 189,100,102, 103, 104, 105,
100, 200, 202, 211,213
Barkirl -> Berkri
Barsaum& (C3)
Barzüja (Bop*£>) (B5) 02
Basean (Baaenavr,) (D2 —3 ) 163, 164, 166,
168, 170, 175
Basean (4>aoiavrf) (C3) 163
Basilicata 102, 104
BaiHiç (D2)
'\K*Z (B3)
B¿tvou -* Sarü¿
Benevent 185, 180, 104, 106
Berber 78, 180, 106
Bcppois -» Halab
Berytos (Beirut) 48
Berkri (ílcpxpí) (E3) 128, 133, 141, 142,
146, 147, 158,174
Beyçehir Gôlû 80
Bidlis
Balëà
Bikisrifil (Bö) 42, 02, 05, 00, 100, 104
Bira (B4) 53
Bisinianum (Bisignano) 108
Bitectum (Bitetto) 105
Bitonto -> Botuntum
Bjni (F2 ) 130, 155, 158, 150
BopÇû -► Barzüja
Bostra (Boarà) 96
Botuntum 105
Bovalino Marina 100
Briokastron -♦ Strobelos
Bulgaren 48,52, 84,01,136,101, 198, 100,
200 , 210
B’^Xo; - * al-Gubail
Calabrien 186,180,101,102,108,100,200,
208, 214
Campanien 180
Canet* (D2 ) 174, 176
Geographischer Index
Cannae 197, 214
Capua 185, 189, 194, 195, 196, 208
Caaignana 199
Caasanum (Caaaano) 186, 199, 202
Catania 210, 212
Chaklia (Xaltik ) (CD2) 164, 174, 176
Xaltoy Arie (D3) 161
Xarberd (Qarpüt, Xápitrrc) (C3) 174
X«p7tcÇÎxiOV (C3)
Charsianon (A3) 158
Xaootvapi
ae-Suwaidà’
Xoti^iÇiov (D2)
XcXiÄoviov (Cieemakberd) (F2 ) 160, 161
Xc|a^ —* Him?
XepT -♦ Jfqjj
Chioa 202
Xlat* (Bilk*, XXcar) (E3) 133, 141, 142,
150, 163, 179, 180
X gmov (Honin) (B3)
Xoijean (XopÇiavr4vr¡) (D3) 164, 174
Xor Virap (F3) 160
Xop^ávr, —►Xoijean
XoÇavov (C3)
Xou^t (D3)
Cieemakberd
XcXtftoviov
Çifutkalesi
Strobelos
Cordoba 196
Coro* (Çoruh, ’Axapte) (D2 ) 136,157, 164,
174,176
Coaenxa 195, 199, 202
Crati 195, 199, 202
Çukur Ora
Marg ad-Dibàg
Dailamiten, Völkerschaft am Kaspischen
Meer 75, 139, 140, 166, 177
Dair az-Zür (D5) 64
Dair Siman (B4) 70
Dalmatien 200
Damaskus 46,47,48,51,58,59,60,62,73,
75, 76,98, 109, 111, 112, 115, 116
Damiette 73, 75, 115
Dandaqân 161
A*p« (D4)
AoLpavotXiç (Daranalik*) (C3)
Dat al-Cauz -►Arckè
Dausar (C5) 152
AaÇipùv (B2)
Degik* (Ttxf.ç) (C3)
231
Deijan (AtpÇTjvr,, TcprC«v) (D3) 174
Deanajor 149
Dido, Bergvolk im Kaukasus 172
Dijàr Bakr (C4/D3) 8 8 , 100, 170
Dijàr Mudar (C4)
Dijàr Rabia (D4/E4—5) 50
Aoxcia (B2)
Doliche -* Teluch
Dorylaion 72
Aporylvai
Traîna
Du (D3) 175, 176
Dulük -►Teluch
Dvin (Tißiov) (F2) 127, 128, 129, 142, 153,
155,156,158,159,160,161,167,171, 172
Dyrrhachion 215
Edesaa (sr-Ruha*, Urhay) (C4) 53, 65, 91,
100, 104, 110, 111, 128, 133, 142, 143,
144, 145, 146, 148, 149, 150, 151, 176,
_ 180, 181, 204
Ëjmiacin (F2) 145, 160
Ekeleac* (KcXt^ vt,) (C3) 174
Elabake (Albak) (E4/F3—4) 141
Ehiut fOXvoÚTiv) (D3)
Eraax -♦ Araxea
Erevan 139, 155, 160, 161
Eranka (’EpÇrpcàv, Enincan) (C3) 174
Erzurum -♦ Karin
Euphratstádte (byz. Strategie) 91, 144
al-Farama (Pelusion) 61
Foggia 194
rajtofavía (A3)
Cabala (rifiaXa) (A5) 92, 99
Cabal 'Akkàr 79
Cabal as-Summàq 97, 99
Cabal Bahra* 72,75,79,95,97,99
Gabal Causan 116
Cabal Lailün 67, 70
Cabal Rawadlf 79, 92
Cabal Siman 70
Cabal Zawija -» Cabal as-Summàq
Gaëta 189
Caihan (Pyramos) (AB4) 71
Ganga (Ganjak, Kxvt& xiov) (G2) 127, 129,
142, 152, 153, 168, 171, 172, 173, 174
Garigliano 195
232
Indices
Garni (F2)
Gaul&n 69
Gayl (Gail) (D3) 174
Georgien 71,72,74,84,129,132,13S, 136,
140, 147, 166, 168, 166, 167, 170, 171,
172, 173, 199
Geiger -* Karkaron
Ghataftn, arab. Stamm in Syrien 53
Ghazza 60
Ghuzz, törk. Stammeagruppe 123, 128,
137, 138, 139, 142, 146, 160, 151, 165,
161, 166, 166, 169, 179, 180, 200
Öibrin 64
Gil&n 139
Gisr al-Hadld (EiSr.po'yc^iipov) (B4) 48, 51
al-Gubail (BußXo;) (A5)
Gotoroz (Kotoroc') (F3) 141
Gugark' (EF2)
Gnria -* Kuria (Kùppoç)
Hereti (02)
Hibkl 61
B&bQr (’Aßoppäc) (D6 ) 166
Hadamakert (E3)
al-Hadat (’AS>t5) (B4) 71
al-Hadlta (E5)
Halab (XÓXt*) (B4) 39, 40, 41, 42, 43, 44,
45, 46, 47, 48, 49. 60, 51, 63, 64, 66 , 66 ,
67, 63, 64, 66 , 67, 6 8 , 69, 70, 71, 72, 73,
74, 75, 76, 77, 78, 82, 84, 86 , 86 , 87, 89,
90,93,96,97,99,101,102,103,105,106,
107, 108, 109, 110, 111, 112, 113, 114,
115, 116, 120, 121, 122, 123, 133, 136,
136, 143, 146, 160, 151, 152, 181
Halbst (F2 )
Ham& ('Emçivcta) (B5) 51, 63, 108, III,
116
Hanjët* (XavÇÎ-r) (C3) 174
Hark* (Xápxot) (D3) 180
HarpOt -* Xarberd
Harr&n (Káppat) (C4) 63,65,100,127,132,
133, 135, 145, 146, 160, 152, 166
al-H&rQnijja (B4)
Hasteank' (’Aaltwvr,^) (D3) 164
Haur&n 59
al-Çaw&bl (B5) 72
Hazaren, Volk an der unteren Wolga und
nördlich des Kaukasus 84, 166
Hellas (Thema) 201
Her -» Bojj
Van
Iberia (Thema) (E2) 66, 69, 129, 142, 154,
156, 159, 160, 163, 164, 180, 181
Ifriqijja 118
Ikonion 72, 181
Imereti (DEI)
Inab (Bö) 98, 99, 100
Ionisches Meer 202
Irftq 59,60
Irbil (EF4)
(B2)
’Iaaóc; (B4)
136
Hierapolis -» Manbig
Hig&z 63
B ükt -» X lat'
Bims (Bom*, % uaa) (B6)
43, 47, 63. 77,
79, 82, 93, 106, 106, 107, 108, 114, 115,
116
Hipn al-Akrtd (B6) 96
Hi?n Banl Ghanag 92, 94
Bi?n B&ni’l-Ahmar (B5) 92
Higi Ibn 'Akk&r 79, 82
Hisn Ibn al-K&iih 92,94
Bojj (Buwajj, Her, Xípr) (F3) 127, 137,
138, 140, 163, 176
Hrazdan -» Hurastan
Bur&s&n 142,150,151,161,164,168
Hurastan (F2) 166, 160, 161
Quwajj
0ojj
Jaffa 60,119
Jamftma 53
Jerusalem 39, 48, 57, 60, 61, 62, 69, 73,
102, 107, 113, 119, 121, 192
Kabiren, kaukas. Volk 166
KatTjijoOv (B4)
Kayeti (FG2) 136, 173
Kafar 'Az&z 53
Kafart&b (Ksçipfià, XaÿspXâ) (B5) 63, 78,
102, 112, 115
Kagdariç -» Xaltoy Ariè
Kairo 47,48,49,73,90,107,112,114,116,
118, 119
Kaisareia (Palästina) 76
233
Geographischer Index
Kaisareia (Anatolien) (A3) 158, 181
Kalabria (Thema) 189, 190
Kalb, arab. Stamm in Syrien 69, 81, 96,
108
Kaion Pelat 158
Káfxaxa (C3)
KotvrÇdcxiov Ganga
KaTTCTpóv -> Kaputru
Kappadokia (Thema) (A3) 158
Kaputhi (K*7wtPóv) (D3) 129,167,168,172
Kar&biaianoi (Thema) 204
K'araglu/ 176
al-Karak 61
Karin (0eo8ootoùiroXiç, Q&tlqal&) (D3) 161,
163, 164, 167, 170, 174, 175
Karkaron (Geiger) (C4) 117
Kara (Kotpac) (E2) 130, 131, 141, 163, 173,
175, 176, 180
Kartli (Fl—2) J32, 135, 136
KqcotpoxcüpiT; -♦ Okömi
K<xt*> Mr^tot 91, 144
KcXtÇtjvt, -♦ Ekeleac*
Kephallenia 190,197
KcpaooGç (C2)
Kerkyra 186,202
K ct Çcov (D2)
Kibyrrhaioton (Thema) 186, 202, 203, 204
Kil&b, arab. Stamm in Syrien 40, 53, 55,
63, 64, 65, 67, 69, 85, 98, 108, 110, 111
Kilikien 45,54,71,181
Killiz (B4)
Kurxtooç (A3)
Klarjeti (DE2)
Kogovit (Koxoßir) (EF3)
Kokhis
Lazistftn
KoXcuvciot (C2)
Kópwtvot (B3)
Konstantinopel 41, 43, 48, 49, 56, 59, 74,
80, 81,84,87,96, 100, 101, HO, 114,118,
121, 123, 129, 130, 144, 147, 155, 156,
157, 158, 161, 166, 167, 170, 172, 178,
200, 205,208, 210, 211,215
Korsika 196
KopT^Tjvr, -» Xoijean
Kor«*; (El)
Kreta 45
Kur (Kura, Mÿkvari, KGpoç) (FG2) 173
Kurden 143, 153, 162, 165
Kuris
Kyrrhos
Kykladen 186,202,203
Kyrrhos (QurQs, Kuris) (B4) 86, 87
L&diqijja (AaoÄixcu*) (A5) 62, 92, 99, 120
Langobarden 189, 196, 197, 199
Aápieoa (B3)
Aápiaaa -» Saizsr
Latmln (B5)
108
AotÇixr, -> Lazist&n
Lazistàn (D2) 174
Lecce 202
Libanon (Gebiige) 78, 79
Atpvia (C4)
Longobardia (Thema) 190, 193
Lori (Taiir) (F2) 131, 136, 141, 158
Ltar (C4) 149
Lucanien 192, 199
Lukania (Thema) 207, 212
Lu'lu’a (AoOXov) (A4)
Lydda 60
Lykandos (B3) 158
Lykaonien 89, 181, 209
Lykien 209
AGxoç (C2)
Maarrat an-Nu'mftn (B5) 63, 77, 97, 98,
108
Maarrat Maprln (B4) 77
MahrOja (McpórJ (B4) 51, 53
Majj&farlqln (M ic^cpxcip,
M*pTi>pÓ7coXtc,
Nprkert) (D3) 55, 127, 132, 133, 135,
143,151
Mailand 211
Makedonia (Thema) 201
Malatia -» Melitene
Mananah (MotvàvoXiç) (D3) 167
Man&zgird -» Mantzikert
Manazkert -►Mantzikert
Manbig (M«|u w t Çc) (B4) 50,78,82,90,109,
120
Manlqa (B5) 41,42, 79, 80, 92, 94, 95, 96,
97,98
Mantzikert (MavrÇuucprt) (E3) 123, 130,
133, 134, 138, 141, 172, 174, 175, 176,
179, 181
Marftgha (G4)
Maraqijja (Matpaxcuç) (E5) 72, 75, 93
234
Indices
Maraá (rcppatvíxcut) (B4) 47, 57, 37, 88
M&rdln (D4)
Marg ad-Dibàg (AB4) 71
Maig ad-Dib&¿ (B4) 71
Masis -* Ararat
al-Ma^lça (Mo^ucortot, MaiuoTpa) (A4) 48,
71
Matera 192, 194, 195
Matípov opoç (AB4) 88, 117
Meseta (F2)
McyáX^ *Ap(icvta (E2) 159
Mekka 60,61
Melfi 213
Melitene (C3) 56, 133, 146, 149, 180, 181
M cXtt, (D3)
Mcvlxoç —►Maniqa
Mcpor, -►Mahrfkja
Mesanakta 100
Mesxeti (Mc<r/ía) (E2) 167
Mesopotamia (Thema) (C3) 142, 158, 166,
180
Messina 187, 194, 200, 208, 209, 214, 215,
216
Mic9 cpxc¿|i —►Majj&farlqln
al-Mijftdln
ar-Rahba (Rahbat M&lik ibn
Tauq)
Mistheia 89
Mokk* (E3)
Mons Caveosus (Montescaglioso) 185, 194
Mons Garganas (M. Gargano) 197
Montepelo80 195, 214
Montescaglioso -♦ Mons Caveosus
Mopsuestia -♦ al-MaçsIpa
Mosul (al-Maupil) (E4) 45, 61, 123, 145,
148, 151, 162
Mottola -♦ Mutulae
Mtkvari
Kur
Müs (MoO;) (D3)
Mutulae (Mottola) 199
MooÇapiov (C3)
Myra 186,203
Na/cavan (F3)
Nähr 'Afrln (B4) 67,86
Nähr al-Aswad (B4)
Nahr Huraisun 79
Naupaktos 202, 203
Nauplion 202
Neapel 185, 189, 191, 194, 208
Neokaisareia (B2) 181
Nig (F2) 139, 155
Nikaia 51, 140
Nixr,9 ¿piov -►ar-Raqqa
Nikopolis 202, 203
Niçlbln (Nisibis) (D4) 148, 162
Nonnannen 84, 185, 192, 196, 197, 213,
214, 216
Numair, arab. Stamm in Syrien 52, 53,65,
100, 143, 148, 165
Noopcprrai -» Numair
Obbianum 186, 202
Ofanto -♦ Aufidus
Oghuzen -♦ Ghuzz
Okomi (’Oxcúfiiov) (D3) 168, 169. 170. 176
’( I/.VO'JTIV Ebiut
Oltu Çayi (D2) 136,157
Opsikion (Thema) 208, 214
Ordoru (Oùpxpoü) (D3) 166, 168
Orontes (Nahr al-'Aÿl) (B4/5) 47, 48, 51,
92,97,98, 99, 108, 111
Ortygia 210
Ostan (*0<rr«v, Wast&n) (E3) 138
Otranto (byz. Dukat) 189
OùpTpoû —
» Ordoru
Palagianum (Palagiano) 186
Palästina 40, 41,45,46,54,57, 59,60, 62,
69, 75, 76, 77, 78
Palasciano 199
Palenno 198, 207, 209, 210, 216
Palin (C3)
Palmyra Tadmur
Pamphylien 209
Pantellaria (Qausara) 186,201
Paiyar (D2) 174, 176
Parsur 149
Partaw (Bardà'a) (G2)
flapuálpr^ opoç —►Parear
Peri Suyu -» Gayl
Petschenegen, türk. Nomadenvolk 84,117.
160, 174, 175, 178, 213
Oamotvr, -► Basean
Oaau; (Rioni) (DEI)
Philomelion 71,72, 84, 85, 100
Phönikien 40, 41,42, 45, 62, 72, 79, 92
Geographischer Index
Pietrapertosa 192
Pisa 194, 196
Pisa 158
rio8av8oç (A4)
Pyramos (Gaifcin) (B4) 71
Qaibftr (B4) 82,83,85,86
Qaia, arab. Stammeagruppe 53, 63, 132
xio>v KouX«)
Qarat ar-Rffcm (Hromkla, 'Pg>h<
<B4)
Q arat Bans
Baratija
Qal*at Gabar -> Dauaar
Q&flqal& -♦ Karin
Qasttin (B5) 98
Qaupara -» Pantellaria
Qinnaçrln (XaXxú;) (B4) 77, 97, 113
Qunaitra 69
QurQs -> Kynrhos
Quwaiq (B4) 115, 116
RaT)in fPoßaii) (B4) 46
Rafanijja fPaçotvcoti) (B5) 47, 72, 78, 82,
94, 95, 98
ar-R&fiqa 110
Ragusa 186, 202
ar-Rahba (C5)
ar-Rahba (al-Mij&dln) (D6) 53, 54, 63, 64,
78, 82, 90, 109
Rajj 169, 175, 177
Rametta
Rhemata
Ramla 58,60,62,76,116
Raphana
Rafanijja
ar-Raqqa (Nixr^ópiov) (C5) 76, 110, 111,
112, 133, 152
Raa al-Ain (D4) 165
ar-Raatan (’Apetiouaa) (B5) 108
Reggio 186, 200, 201
Rhemata 187, 209
Rioni -» Oioiç
'PoJavíó; (A4)
Rom 213
*Po>(A«i6iv KouXá QaTat ar-Rtim
Romanupolia (D3) 149
Roaaano 199
ftétunik (E3)
ar-Ruh&’ -►Edeaaa
Rup&fa (ZcpytoÛTroXiç) (05) 50
ar-Ruat&q (Rustavi) (F2) 172, 173
235
Ç&fitt (B5) 75, 95, 100
Çahjün (A5) 92
$aid&’ -►Sidon
Saih&n (Saroa) (A4) 71
Salamijja (Salaminiaa) (B5) 108
Çaldï 115
Salemo 185, 189, 191, 192, 194, 196, 208
Salüqijja (ZcXcôxcia) (A4)
8âmarr& (E5)
Samoa 202
Samoaata (Sumaia&t) (C4) 91, 128, 144,
146, 148, 149, 157
Samftvilde (F2)
Sanahin (F2)
San&auna (Saaun), Beigatamm in Sudarmenien (D3) 150, 152, 180
Sardinien 196
Sannln (B5)
Saro8 (Saihàn) (A4) 71
Sarüg (Bárvai) (C4) 53. 133, 146, 152
ZàxaXx (C2)
Sebaateia (B3) 161
Sc^aoTO’inoXtç (B l— 2)
Sevan-See (F2) 155
Siir(poyc9 üpov -> Giar al-Hadld
Sidon 69,79,82
Siffîn (C5) 152
Sfiid (D4)
Sikelia (Thema) 189, 190
Sim-Gebirge (D3) 174
Erpfapa (Sing&r) (D4)
Sinn ibn'Utair 148
£tvu>7n; (Al)
Sla (£i<nov) (A4)
Siwnik' (PG3) 131, 141, 154, 164
LcaÇoTterpot (B3)
Sper 164
Stragna (E3/F3-4) 164
Strobeloa 204
Sumaia&t; -►Samoaata
Sûr -♦ Tyroa
Surb Grigor fA yio; rptpyôpioç?) 160
Surb Tadeoa (F3)
Surmari ('Ayia Mapta) (E2) 155, 160
as-Suwaid&* (al-Gazlra) (C4) 148, 180, 181
ae-Suwaid&* (Haur&n) 59, 60
£u(ji7tó<jiov (B3)
Syrakus 187,209,210,212
236
»s
Sftdir -> Slh al-Lailün
Saizar (LcÇcp, Aápioaa) (Bö) 47, 48, 51, 63,
102, 103, 104
Sammar-Berge 60
Slh ad-Dair -> Slh al-Lailün
Slh al-Lailün (B4) 67
Sim&ftt (’Ao(ióoaTov) (C3)
Sirak -* McyóXr, 'Appcvia
Sirakavan (E2)
Traîna (Troina) 187, 200, 210, 211, 212
Trapezunt (TpaiccÇoûç) (C2) 137,130,140,141
Trialeti (EF2)
Tricarico 102
Tripolis (Tarftbulus) (A5) 46, 47, 48, 55,
60, 60, 70, 80, 03, 07, 100
Tpuitía (B3)
Tuaracoy Tap* (DE3) 175
Tubbal (B4) 67,85,03
Turkmenen (Türken) -» Ghuzz
Turuberan (DE3) 175, 180
Tabarist&n 150
Taßia (A3)
Tabriz (Taßpc&ov) (G3) 153, 163, 175
Tadmur (náXpopa) (C5) 06, 104
Taghlib, arab. Stamm in Syrien 50, 165
Taik* (Tao, Tate) (DE2) 48, 80, 127, 131,
135, 136, 137, 142, 157, 164, 174, 176
Tajj, arab. Stamm in Syrien 60, 108
Takilt (E5)
Tall B&sir (B4) 57
Tall Ffts 108
Tall flftlid (B4) 46
Tall Hftçid 64,66
Taormina 210
Tar&bulus -+ Tripolis
Tápavra (B3)
Tarent 185, 180, 104, 100, 202
Tarôn (DE3) 131, 135, 158, 164 170, 180
Tarsos (TarsQs) (A4) 48,54
Taiir -» Lori
Tat'ew (G3)
Tauros 45
Tbilisi -►Tiflis
Telavi (F2)
Teluch (TcXoúx) (B4) 42,71,00,117,122,144
Tcçpixr, (C3)
Termeron
Strobelos
Theodosiupolis -» Karin
Thessalonike 100,201
Thrakesion (Thema) 186,203, 208, 200,214
Tiberias (Tabarijja) 61, 81
Tibil - Tubbal
Tißwv Drin
Tiittis (T«9>.íe, Tp*Hs) (F2) 136, 153. 172
Tinnls 75,115,110
Tl^um (Tulfeum) (D3) 180, 181
Toscana 106
Totes Meer 61
Túava (A4)
Tyros (ÇOr) 48, 60
Tyrrhenisches Meer 106
TÇapavftôe (B3)
Uggiano -> Obbianum
'Ulla qa (Bö) 75
UK'ik' (D2) 136,157
Uplisci/e (F2)
Uqhuwftna 41,81,06
UAay
Edessa
Urmia (F4) 146, 150
Unnia-See (F3—4) 137, 140
Utik* (F2)
Uzen, türk. Nomadenvolk 176
Vahewunik* 175
Valar&awan (Valar&akert) (E3) 163
Van flßav, W&n) (E3) 160, 170, 175
Vanand (E2) 131, 141, 173
Van-See (E3) 01, 131, 138, 140, 163, 160,
171, 177, 180
Vaspurakan (Bamrpaxavia, Asfarag&n) (EF3)
01, 127, 128,120, 131,133, 137, 138,130,
140, 141, 142, 146, 158, 161, 163, 164,
167, 180, 105, 100, 202
Venedig 185, 102, 103, 104, 200
Venosa 105,214
Vietri 104
Zftb, Großer (Zftb al-alft) -» Stragna
Zftb, Kleiner (Zftb al-aafal) (E5)
Zangi -> Hurastan
Zara 200
3ava/eti (E2)
Zr/.a (A2)
Zcppíou (C3)
Zypern 45, 204