Tags: waffen  

Year: 1935

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«Ugem. SrfjiefrCetjre .^.g
VERLAGtR. EISENS CHMIDT/BER LIN N W 7
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lv. 240
an.1935
Don jwei betämpfenben (Gegnern fiegt,
wer fctjneUer anfcfjlägt, jielt unb in bet
gleichen 3eif bie weiften Sdjüffe abgibt
Allgemeine Sti)iefa\ef)ve füt Sdjufcroaffen 98,
JJiffole, Ulafcfjinengetüeljre ufro.
I. Die $lugt»a()n.
Slugbafjn ober (öefdjofebatjn nennt man ben oon bem ©efdjoB nad) IBerlaffen
ber ßaufmünbung jurüctgelegten 3öeg.
2£uf bie (Beftaltung ber $lugbaf)n wirten ein: ®efdjminbigfeit bes ©efdjoffes /
*Rid)tung, mit ber bas ©efdjofj ben ßauf oerläfct / ©djroertraft / ßuftroiber*
ftanb / unb Srebung bes ©eftboffes um feine ßängsadjfe (Drall). / Die
Mnfangsgefdjwinbigteit (Vo in m pro Setunbe) erhält bas ©efdjofj burtb bie
^raft ber ^uloergafe. Söenn biefe *ßuloertraft allein roirtte, würbe bas
®efd)OB mit unoerminberter ©efdjwinbigteit gerabltntg in Kidjtung bet Seelen-
acbfe (2Ibgangsrid)tung) weiterfliegen. Durtb ben Hinflug ber Schwer traft
fällt bas ©efdjofj jebod) wäbrenb bes gluges. Cßarabel=3lugbat)n im lüft»
leeren IRaum.) Xatfädjlid) muß aber bas (Sefdjofs noch bie auf feinem 2ßege
LLE RECHTE

befinbl. ßuft ^ur Seite brängen. Durch biefen Suftroiberftanb oerliert es fort’ roährenb an Oefchwinbigteit (u. braucht baher im Verlauf feiner SBatjn gum Surücflegen gleich langer Streifen immer längere Seiträume). Daraus folgt, baß bie Krümmung ber S)öhe nach bauernb gunimmt (balliftifdje Sturoe). I (Jin ßanggefchoß, bas aus einem glatten (nicht gezogenen) ßaufe oerfdjoffen wirb, ftellt ficf) unter bem Einfluß bes ßuftmiberftanbes quer ober überfdjlägt ficf). Damit bas Oefchoß eine regelmäßige SBafyn innehält, muß es mit ber Spiße nach vorn gerichtet bleiben, was burch bie Drehung um bie ßängs, erreicht mirb. Diefe Dreijung erhält bas ®efd)oß innerhalb bes ßaufes bbwp bie Sßinbungen ber Säge (Drall) unb behält fie roäfjrenb bes Ringes bei. (Die Drehung um bie ßängsactjfe oerurfacht eine Heine Abweichung bes ©efcfjoffes nad) ber Seite, nach ber bie Drehung erfolgt; bei unferen Söaffen mit iRedjtsbrall nad) rechts.) Difierlinie heißt bie gebaute gerabe ßinie, welche Stimme unb Storn mit- einanber oerbinbet. Das 3ielen (SBilb 3). 2ßenn man bie SSifierlinie mit bem Auge auf einen be* ftünmten fßuntt einrichtet, sielt man. Der fßuntt, auf ben bie SSierfierlinie gerietet fein foll, t)eiBt fjaltepuntt; ber fßuntt (G), auf ben fie beim ßosgeljen bes Sdjuffes tatfächlich gerichtet war, Wommen; ber fßuntt (D), ben bas Oefchoß beim Einfdjlagen trifft, Xreffpuntt. Bild 3. Begriffe zum Zielen. ______________________________________________< I .1 E j A—B = Visierlinie. Soll C Treffpunkt werden, C = Haltepunkt bzw. Abkommen. so muß um die Strecke D— C D =x Treffpunkt. kürzer gehalten werden. E = Visierschuß (Visierschußweite). Das Difier iff fo eingerichtet, baß bie Stimme höher über ber Seelenadjfe liegt als bie Stornfpiße, fo baß alfo bie Seelenachfe über bas 3iel seigt. ßäge bie SSifierlinie gletthlaufenb gur Seelenachfe MZ1 (33ilb 4), fo hätte man, um <ju treffen, über ben beabfichtigten Xreffpuntt -ju hatten (Z 1 ftatt Z). Der SJaltepuntt muß aber jur Erleichterung bes Sielens in ober
— 3 — bid)t unter bem Siel liegen. Snfolge ber QSifierfteHung ergebt fid) bas (Sefdjofs turj nach Berlaffen bes ßaufes über bie Bifierlinie. 3e weiter bie Siel« entfernung ift, um fo mehr mufc bie SUmme bes Bifiers über ber Seelen« adjfe liegen, b. h- mit um fo hohlem Bifier muß gefdjoffen werben. / Bie (Entfernung, auf ber ®efd)oßbahn unb Bifierlinie fid) sum zweiten SDtale fchneiben (Bilb 3 E), wo alfo ^altepunft unb Xreffpunft sujammenfallen, nennt man Bifierfchußweite unb ben betreffenben Schuß Bifierfdjuß. I 3ft b Si^ näher als Bifierfchußweite, fo muß man das 3Raß ber glughöhe unter ben beabfidjtigten Xreffpunft halten. I Als Xreffpunft ift im all z1 M Bild 4. Die Geschoßbahn M—A fällt von der Seelenachse M—Z nach unten. Die Seelenachse M—Z muß daher auf Z1 gerichtet werden, wenn Z getroffen werden soll. z A gemeinen ber nad) $öhe unb Breite geeignetfte Seil bes Sieles (Sielmitte) 3u wählen. / 3e nadjbem ber tfaltepunft In bas Siel, an beffen unteren ober oberen Kanb gelegt wirb, fagt man in bas 3^1 geben, 3^1 auffißen laffen, Siel oerfdjwinben taffen. Witterungseinflüffe: (Geringes £uftgewid)t, meift bei warmer Witterung, oerurfad)t WeibSchuß, hohes ßuftgewicht, meift bei Falter Witterung, ergibt Äurj«Schu6. Winb oon vorn verfügt, oon rüdwärts vergrößert bie Schuß« weite. I Bas unter Berücffichtigung o. (Entfernung u. Sßitterungseinflüffen gewählte Bifier heißt Xagesvifier. Seitlich wehenber Sßinb treibt bas ©efdjoß Seite, unb jjwar um fo mehr, je größer bie Schußweite unb je ftärfer ber tb ift. Söinb oon linfs wirft infolge bes fRedjtsbralles ftärfer. Beleuch- tung. (Ein oon oben hell befdjienenes ftorn erfd)eint burch bie fRücfftrahlung höher als es ift. 3Kan neigt baher baju, bas ftorn nicht fo hoch wie nötig in bie ftimme ju nehmen, fonbern ben bas $orn erhöhenben ßid)tfd)ein. tjolge: ^urjfchuß. Umgefehrt verleiten trübe Witterung, Söalblicht, Bämme« rung ba^u, bas fd)led)t fichtbare ftorn gu hoch in bie SHmme ju nehmen, was Söeit« ober Qochfchuß ergibt. 2ßirb bas $orn ftarf oon ber Seite be« fdjienen, fo erfdjeint bie bellbeleudjtete Seite größer als bie bunfle. 9Ran ift baher geneigt, nicht bie ftornfpiße, fonbern ben heller beleuchteten Schimmer bes ftorns in bie SQlitte ber Bifierfimme ju bringen, was eine Abweichung bes ®efd)offes nach ber bunflen Seite herbeiführt. Bie Scßußleiffung einer IBaffe u. ihrer SQlunition ift gefenn^eichnet burch bie ©eftalt ber ©efchoßbahn CRafana), bie Streuung unb bie ©efchoßwirfung. Bie (Beftalt ber (Befdjoßbahn ift um fo günftiger, je flacher fie ift, weil baburch unoermeibl. Sdjäßungsfehler u. Söitterungseinflüffe ausgegl. werben. (Bilb 5.)
— 4 — Je gestreckter die Flugbahn, desto mehr werden Fehler im Tagesvisier ausgeglichen. (Auf großen Entfernungen muß i. d. Gruppe m. 2 verschied. Visieren geschossen werden.) 50 % ige B^eitenstreuung Bild 6, Bild7. Waagerechte Treff - fläche (L&ngenstreuung) im Verhältnis zur senk- rechten Trefffläche (=» Höhenstreuung.) Streuung ber einzelnen Waffe. ®ib< m aus einer Söaffe unter möglichft gMch* bleibenden Bedingungen eine größere 2In« aafyl non Schüffen nacheinander ab, fo treffen bie ©efdjoffe nicht ein und ben* felben *ßuntt, fondern verteilen fleh über eine mehr oder weniger große gleiche. / 9Jlan nennt dies Streuung (der einzelnen Sßaffe). / Urfachen ber Streuung find: Schwingungen des ßaufes, Schwantungen der Söitterungseinflüffe, tleine, nicht $u vermeidende Unterfchiede in der QJlunition und in der Berbrennungsweife bes Pul- vers. / Vergrößert wirb bie Streuung durch die Streuung des einzelnen Schüßen beim fielen und Slbfommen, b. i. durch feine fehler. / 2)as auf einer {entrechten glädje aufgefangene Streuungsbilb ift meift I)öi)er als breit — es h^t meift mehr Oöhenftreuung als Breifenffreuunfl. (Bild 6.) 2luf bem (Erdboden verteilen {ich bie Sdjüffe in einer glädje, der waagerechten Xrefffläche (Bild 7), deren Breite mit der (Entfernung sunimmt, und deren ßänge von der Öröße der ftöhenftreuung und bem 2Iuftrp|rf= ivintel abhängt (Cängenffreuung).
— 5 — II. Die ©efcfjofjgarbe (mehrere Waffen ober Hl®.) Die (Befdjoggarbe fefet fid) aufammen aus ben tJlugbabnen ber ©efcboffe aus mehreren Waffen von mehreren Sdjüfeen ober aus 9JI®. gür bie Streuung gelten bie gleichen ©runbfätje wie beim (Sinseb feuer. Bilder 8. Je größer der Auftreffwinkel (rechtes Bild), desto 'ler die Längenstreuung (T). Bild 9. a) Je steiler das Gelände am Ziel ansteigt, desto kleiner ist die Längenstreuung. b) Je mehr sich abfallendes Gelände der Ge- schoßbahn anpaßt, desto größer ist die Län- ge.nstreuung. Die Xiefenausbebnung (T SBitb 8) ber (Barbe (Cängenffreuung) bängt oon ber ®rö{je ber Sjöbenftreuung unb bes (Einfallwinkels ab (SBilb 8). 2Jlit au* nebmenber (Entfernung nimmt bie Xiefenausbebnung ber (Barbe ab, besgl. he» anfteigenbem (Betäube (23ilb 9). $ür bie Sßirtung ber (Barbe im S^l tL jien etwa 75 ^roaent Xreffer (äetngatbe) in 23etrad)t (SBilb 10). 3e g^loffener bie (Barbe, befto größer bie SBirtung bei autreffenber, befto geringer bei falf^er Jßifierwabt (2JI®.!). Der (Bifier-)Bereid)*) bes jeweils eingeffettten Bifiers ift ber IRaum, in bem man ein Siel oon beftimmter ©räße treffen kann, autb wenn Sßifier unb Siel* ♦) $)ier oereinfacfjterSBortlaut nad) folöo. 240 oom 30.6.34 3Uf» 33/35. (Es tommt darauf an, baß ber SJcann bas SBefen bes ©ifierbereidjes erfaßt bat unb burd? ©tijaen ober 'Beifpiele erläutern tann. SUin Sluswenbtglernen
entfemung nicfjt genau übereinftimmen (SBilb 11). JDabei mu& jebocfj ber ftaltepuntt im (am) 3 e i ber aletdje bleiben (hier tm SBilb 11 = Sielmitte). 2) i e f e r $altepuntt geyt aber mit bem 3iet mit, was bei feinbmärts anfteigenbem ©elänbe beutlid) ßum Slusbrud fommt. (93on A nad) B im 23ilb 12.) 5 ___—_____ Yisjeriiriie.^-_X. Bild 11: Visierbereich A—B B Bild 13. Der Visierbereich ist um so größer (b\ b2, b3), je größer das Ziel ist. b3 k______ b2 ; b1 Bild 14. Der Visierbereich ist um so größei (b 1), Je gestreckter die Geschoßbahn (Geschoßgarbe) ist. (Haltepunkt in Bild 13 und 14 ist Ziel auf sitzen).
— 7 — Wooon bangt bie (Stöße bes Bifierbereicßes ab? a) 3e größer bas Qiel unb je geftrecfter bie @ e f eh o ß b a b n ift, befto größer ift ber SSifierbereid). (Silb 13 u. 14.) Son ber (Seftaltung bes ©elänbes ift ber Sifierbereicb un-- abbängig (wie ber *Raum A—B, oerglieben in ben Silbern 11 u. 12 jeigt). b) Sei Abgabe mehrerer <5 cb ü f f e ((Befcfyoßgarbe) vergrößert fitf) ber Sifierbereicb um bie ßängenftreuungber Sefdjoßgarbe. (Silb 15.) Bild 15. Der Visierbereich der Geschoß-Garb e vergrößert sich um die Längenstreuung Der betriebene Kaum (Silb 16). 2ßirb ein 3^1 betroffen, fo ift ein gewijfer IRaum vor unb hinter biefem 3iel für anb er e, auf bie nidjf gezielt wirb, gefäfjrbef. Diefen gefäijrbeten ® e l ä n b e teil* nennt man betriebe5 nen ftaum. (©ilt für Öefdjoßbatjn unb ©eßboßgarbe.) Bild 16. Bestrichener Raum Welchen Ginfluß bat bie ©elänbegeffalfung auf bie ©roße bes betriebenen Baumes? a) 3e f l a d) e r bie Oefdjoßgarbe jum ©elänbe einßblägt, befto g r ö ß e r ift ber betriebene IRaum (3. S. auf bem fjinler bang einer $öbe) (vgL Silb 5, 8 u. 9); je fteiler fie einfdjlägt, befto Heiner ift ber betriebene IRaum (3. S. auf bem Sorberbang einer ^öbe (Silb 9). b) 3e mehr bie 3euer= ftellung ü b e r b ö b t ift befto Heiner ift ber betriebene IRaum (fteiler ©e= feboßeinfeblag). — ©roße betriebene Säume erfebweren bas Sorgeben oon Unterftüßungen unb ^eranbringen oon Munition. Unterfcbieb. 3m Bifierbereicb tann bas $iel febwerlid) austoeidjem peil es im gesielten Sebuß niebergebalten bsro. verfolgt wirb, ein betriebe- ner (öelanberaum bagegen tann u. U. umgangen werben (5)interbang, Decfung gegen (Siebt, beffere Slusnußung „gebeefter !Räume") ober im rüefwärtigen
— 8 — (Selänbe f tfjnell burdjlaufen werben (©efchoßgarbe gebt n i dj t mit, bgw. feinbl. geuer wirb bei Verlauf in Decfung gegen Sicht nicht verftärft). Der gebeeffe Kaum ift ber Teil hinter einer Decfung, ber vom ©efchoß auf feiner glugbahn nicht erreicht werben fann. (53ilb 17.) Seine (Bröße hängt ab oon ber 5)öhe ber Decfung, non ber ©roße bes 2luftreffwinfeis ber tiefften Slugbahn einer (Barbe unb oon ber j)öhe bes Sieles. Bild 17. Gedeckter Raum Abpraller, b. h- (Befdjoffe, bie im 2luffd)Iag abprallen, fliegen meift als Querfdjläger weiter. Abpraller von ^urgfehüffen fönnen bie Söirfung tm unb ben betriebenen *Raum oergrößern. Abpraller treten befonbers auf, wenn bie (Befdjoffe bei Heinen 2luftreffwinfeln auf buttem, fteinigem ober mit fefter (Brasnarbe bewachfenem feoben ober auf Sßaffer auffdhlagen; bei großem 2luftreffwintel prallen fie feltener ab. Durch 2lnftreichen an (Bräfer, (Beftrüpp ufw. fönnen (Sefcfjoffe auch abweichen. Die (öefchoßwirfung ift, abgefehen oon ber Söiberftanbsfähigfeit bes Sieles, abhängig oon: bem Durchmeffer, ber gorm, bem (Bewicht, bem Material bes (Befthoffes unb oon feiner Sluftreffgefdjwinbigfeit am S^- III. Ourcfjfdjlagsrowfung dec Iftunifion öet Sdjufv Waffen 98 und Hl®, im Cinjelfeuer: sS. mun. öutdjfrfjiägt: a) troefenes ^iefernholö 65 cm ftartes auf... . 100 m 85 cm „ „ . . . . 400 m 45 cm „ ......... 800 m 20 cm „ „ . . . . 1800 m b) (Bifenplatten bei fentredjtem Sluftreffen 7 mm (Bifenpl. bis etwa 55p n 10 mm „ „ „ 3G^,i 3 mm Stahlpl. „ „ 60<Hn 5 mm „ „ „ 100 m 3 mm ftarfe Stahlplatten bieten auf 800 m fieberen Schuß gegen sS.-3Jlun c) Sn Sanb bringen sS.*(3efchoffe 90 cm ein. d) Stegelmauern oon ber Starte eines gangen Steines (25 cm) fönnen oon einzelnen s.S.*(3efchoffen nur burchfthlagen werben, wenn fie gufällig bie ftugen treffen. 5Bei längerer SBefchießung bieten auch ftärfere dauern, gumal wenn biefelbe Stelle häufig getroffen wirb, feinen fieberen Schuß. SmK.-IHunifion burchfchlägt 8,5 mm ftarfe Stahlplatten befter gertb gung auf 400 m, 10-mm*Stahlplatten gleicher 2lrt noch auf 100 m. Tafchentafel „Klein Schießtneiffer" o. SJlajor Schmitt im gleichen Verlag erlegenen. 3(35)