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ISBN: 3-515-01863-8
Text
frankfurter historische abhandlungen
HERAUSGEGEBEN VON V’ERNER GEMBRUCH, PETER HERDE, PAUL KLLT.E,
'S'ALTHER LAMMERS, FRIEDRICH HERMANN SCHUBERTf, KLAUS ZERNaCK
BAND 9
DER STAAT DES DEUTSCHEN ORDENS
IN PREUSSEN
NACH DEM II. THORNER FRIEDEN
Untersuchungen 2ur okonomischen und standepolitischen
Geschichte Altpreufiens zwischen 1466 und 1497
LOTHAR DRALLE
FRANZ STEINER VERLAG GMBH WIESBADEN
1975
LOTHAR DRALLE
DER STAAT DES DEUTSCHEN ORDENS
IN PREUSSEN
NACH DEM П. THORNER FRIEDEN
Untersudiungen zur okonomischen und standepolitischen
Geschidite Altpreufiens zwischen 1466 und 1497
FRANZ STEINER VERLAG GMBH WIESBADEN
1975
Die Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Moritz von Bethmann-Preis,
Frankfurt am Main 1975.
Gedruckt mit Zuschufi dieses Preises und mit Unterstiitzung der Vereinigung von Freunden
und Forderern der Johann Wolfgang Goethe-Universitat Frankfurt am Main.
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Dralle, Lothar
Der Staat des Deutschen Ordens in Preuflen nach dem
II. [Zweiten] Thorner Frieden: Untersuchungen z. oko-
nom. u. standepolit. Geschichte Altpreuflens zwischen
1466 u. 1497.
(Frankfurter historische Abhandlungen; Bd. 9)
ISBN 3-515-01863-8
ISBN 3-515-01S63-8
D 30
Ohne ausdriickliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattec,
das Werk oder einzelne Teile daraus nachzudrucken oder auf photo-
mcchanischem Wcge (Phorokopie, Mikrokopie usw.) zu vervielfaltigen.
© 1975 by Franz Steiner Verlag GmbH, Wiesbaden. Gesamtherstellung:
Buchdruckerei C. Bindernagel, Inh. Josef Konig, Friedberg/Hessen.
Printed in Germany.
Meiner Mutter
INHALT
Vorwort» . IX
Einleitung . 1
Erster Teil
Okonomisdie und gcsellschaftlidie Verhaltnisse im Ordensland Preufien
zwischen 1466 und 1497
Kapitel I: Das Ordensland bis zum Jahr 1497 9
1. Die territorialen und politischen Bestimmungen des Friedensvertrages . 9
2. Die wirtschaftlidie Lage des Deutschen Ordens im Jahr 1466 . 10
3. Die Neuorganisation der Gebietigeramter 11
4. Die okonomisdie Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497 . 13
a. Der Hochmeister 14
b. Die Amtsleute des Ordens 19
c. Die Eigenwirtschaft der Amtsleute 20
d. Die Einnahmen aus den Amtem 24
Kapitel II: Das Land zwischen 1466 und 1497 35
1. Die wirtschaftliche Lage des flachen Landes am Ende des Biirgerkriegs . 35
2. Die Entstehung des ,neuen Adels* in Preufien 39
3. Die okonomische Entwicklung des Landes bis zum Jahr 1497 . . 42
a. Der Adel 42
b. Die Freien 46
c. Die Bauern 46
d. Gesinde und Lohnarbeiter 51
Kapitel III: Die Stadte bis zum Jahr 1497 54
1. Die wirtschaftliche Lage Kbnigsbergs im Jahr 1466 .... 54
2. Die okonomisdie Entwicklung Konigsbergs bis 1497 .... 54
a. Die Handelswaren im Fernhandel 56
b. Die Handelspartner Konigsbergs 57
c. Die Konigsberger ,Niederlage* 53
3. Der Binnenhandel Konigsbergs und die kleinen Stadte Preufiens . 60
a. Der Binnenhandel Preufiens 62
b. Das Handwerk 65
4. Die soziale Gliederung der Stadte 67
a. Konigsberg — Kneiphof 68
b. Bartenstein . 76
VIII
Inhale
Zveiter Teil
Der Wandel der Verfassung Preufiens nach dem II. Thorner Frieden
Kapitel I: Die innenpolitischen Verhiiltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479 . 83
1. Landesherr und Landstande .... 83
a. Der Landesherr .... 84
b. Die Stande .... 86
2. Die Steuerpolitik 88
a. Die Jahre zwischen 1466 und 1479 88
b. Die Jahre zwischen 1480 und 1497 95
c. Die Besteuerung der Ordensbriider 95
3. Innenpolitische Gefahren — die Krise um den Bischof von Samland 97
Kapitel II: Der Orden zwischen dem Wunsch nadi Vergeltung und realen
Moglichkeiten — der Streit um die Besetzung des ermlandischen Bischofs-
stuhls 108
1. Die Zeit Heinrichs von Richtenberg — der Versuch, Neutralitat zu
wahren 108
a. Die Versuche Richtenbergs, zu vermitteln und Neutralitat zu wahren 108
b. Die Politik der Kriegspartei und die Einflufinahme Thiingens auf den
Hochmeister 110
c. Die Entscheidung der Stande 114
d. Das Scheitem der Neutralitatspolitik Richtenbergs . 115
2. Die Entscheidung iiber Krieg oder Frieden 118
Kapitel III: Die innenpolitisdien Verhaltnisse in Preufien zwischen 1480
und 1497 128
1. Die Reform versuche der Hochmeister im preufiischen Ordenszweig 128
2. Die Gesetzgebung in Preufien 136
a. Die Landesordnungen 136
b. Die Privilegien 140
3. Wege der Einflufinahme auf den Landesherrn durch Orden und Land¬
stande 143
a. Der Gebietigerrat 143
b. Der Landesrat 145
4. Der Tod Hochmeisters Hans von Tiefen und die Wahl eines Reichs-
fiirsten zum Oberhaupt des Ordens 148
Abkiirzungen .... .152
Quellen- und Literaturverzeichnis . .153
Anmerkungen .... . . 159
Register 192
VORWORT
Der Verfasser mochte diesen Ort benutzen, um denen zu danken, ohne deren
Anregung und Unterstiitzung diese Arbeit nicht zustande gekommen ware. Der
Anstofl zu der vorliegenden Untersudiung ging von meinem Lehrer Professor
Klaus Zemack aus. Ohne die in seiner Schule erworbenen Fahigkeiten hatte diese
Abhandlung nicht entstehen konnen. Dem Direktor und den Beamten des ,Staat-
lichen Archivlagers Gottingen, Staatsarchiv Konigsberg (Archivbestande Preufii-
scher Kulturbesitz)* darf ich fiir ihre Unterstiitzung wahrend meiner Archivarbeit
und fiir die umgehende Erfiillung meiner Wiinsche nach Herstellung von viel-
faltigem Filmmaterial meinen Dank bezeugen. Fiir die Aufnahme der Arbeit
in die .Frankfurter Historischen Abhandlungen* mochte ich den Herausgebern
der Reihe meinen aufrichtigen Dank ausspredien. Nicht zuletzt habe ich an dieser
Stelle auch meiner Frau zu danken, die unverdrossen das handschriftliche Manu-
skripc zum Teil mehrmals in Masdiinentext ubertrug und auch weitgehend die*
technisdien Arbeiten fiir die Drucklegung erledigte.
Frankfurt a. M., im Mai 1974 Lothar Dralle
EINLEITUNG
In der fast 300jahrigen Geschichte des Ordenslandes Preufien ist kaum einem Zeit-
raum von der Forschung so wenig Interesse entgegengebracht worden wie den
dreifiig Jahren vom Abschlufi des II. Tborner Friedens bis zur Wahl des ersten
reichsfiirstlichen Hochmeisters im Jahr 1497. Fast alle Hochmeister der Jahre
zwischen 1410 und 1454 haben beispielsweise in der Zwischenzeit ihre Biographen
gefunden, die auch — teilweise erfreulidi ausfiihrlich — auf die standische Ent¬
wicklung im Preufien dieser Jahre eingehen. Fur die standepolitische Entwicklung
im Preufien der Jahre 1466 bis 1497 sind wir jedoch noch immer auf Max Toppens
,Riickblick‘ iiber diese Jahre im fiinften Band der ,Acten der Standetage* sowie
einen seiner Aufsatze angewiesen1. Sein grofier Vorganger unter den Historikern
des Ordenslandes Preufien, Johannes Voigt, behandelt die zweite Halfte des 15.
Jahrhunderts im neunten Band seiner Geschichte Preufiens auf etwas mehr als
200 Seiten, auf das Verhaltnis zwischen Landesherrn und Standen gehc er kaum
ein*. Alle nachfolgenden Darstellungen des politischen Geschehens folgen weitge-
hend den Materialien, die durch Toppen in den ,Acten* ediert worden sind. Unter
derartigen Voraussetzungen ist es verstandlich, dafi die Autoren mitunter zu Er-
gebnissen gelangen, die sicher ihren eigenen Standpunkt widerspiegeln, mit dem,
was sidi in diesen Jahren tatsachlich abspielte, aber nur noch wenig gemein haben.
Unriihmliche Beispiele dieser Art sind wohl Breysig und Vota (O. Klopp)*.
Audi die jiingere und jiingste Forschung folgt weitgehend der Arbeit und den Er-
gebnissen Toppens, zumal sie sidi darauf beschrankt, den betreffenden Zeitraum
entweder als Ausblick einer Untersudiung friiherer Jahrzehnte — so Weise —
oder als Vorgeschichte fiir die Darstcllung spaterer Ereignisse — so Forstreuter,
Hubatscb und Freiwald — darzustellen4.
So wenig man zwar auf Vorarbeiten iiber die standepolitische Entwicklung in
Preufien nach 1466 fufien kann, so sind doch fiir bestimmte Einzelbereiche sehr
griinttliche Untersuchungen unter Heranziehung audi des ungedruckten Quellen-
materials erarbeitet worden. Vor allem gilt das fiir den Bereidi der Agrargeschidite.
Die Arbeiten von H. Plehn, W. v. Briinneck, R. Pliimicke und E. Wilke bringen
Ergebnisse, die ohne Bedenken benutzt werden konnen, wahrend die Aussagen
G. Aubins fiir die Zeit zwischen 1466 und 1497 durchaus nicht immer der Uber-
priifung standhalten5. Auch die Ergebnisse der Forschung zu bestimmten Teilen
der Konigsberger Geschichte konnen mit Gewinn benutzt werden, so vor allem
die Arbeiten R. Fischers. Gauses Geschichte Konigsbergs fallt teilweise ebenfalls in
diese Gruppe, doch ist ihre Zielsetzung wohl zu weit gesteckt, als dafi der Ver-
fasser alle vorhandenen Quellen der Konigsberger Geschidite dieser dreifiig Jahre
hatte heranziehen konnen®.
2
Einleitung
Die polnische Forschung zum Problem des Deutschordensstaates hat von Beginn
an bestimmte Schwerpunkte aufgewiesen; so die Entstehung des Ordensstaates und
die Auseinandersetzung zwisdicn dem Ordcnsstaat und Polen, dokumentiert in
dem Schlagwort ,Grunberg/Tannenberg‘, sowie die Problematik der Vorgange um
1454 und 14667. Nadi 1945 verlagerte sich das Interesse der polnischen Forsdiung
sehr stark auf die Klarung okonomischer Vorgange und deren Zusammenhang
mit der Krise des Ordensstaates im 15. Jahrhundert. Doch beschranken sich diese
Untersuchungen raumlich weitgehend — soweit der Verfasser das iibersehen kann
— auf das Gebiet des spateren PreuBen koniglichen Anteils und zeitlich auf die
erste Halfte des Jahrhunderts8. NaturgemaB sind audi die Entscheidungen der
Jahre zwischen 1454 und 1466 nach 1945 vielfaltig von der polnischen Forsdiung
untersudit worden. Die Ergebnisse der polnischen und der deutsdien Forsdiung zu
diesen Jahren differieren sehr stark®. Fur den hier zur Untersudiung anstehenden
Zeitraum von eigentlichem Interesse sind vor allem neben den oben angegebenen
Untersuchungen Gorskis die Arbeiten Vetulanis iiber die reditlichen Beziehungen
zwischen (dem herzoglichen) PreuBen und Polen in den Jahren 1466 bis 165710.
Die nachsten Interessensdiwerpunkte der polnischen Forschung liegen dann erst
wieder in den Zeiten dcs Hodimeisters und Herzogs Albrecht.
Fur diese redit stiefmiitterlidie Behandlung der Geschidite Preufiens in der zwei-
ten Halfte des 15. Jahrhunderts sind wahrsdieinlich mehrere Griinde nadizuweisen.
Als ein Motiv fur die unzureichende Beschaftigung mit der preufiischen Geschidite
der Jahre zwischen 1466 und 1497 wird man sicherlich die Quellenlage fiir diese
Jahrzehnte annehmen diirfcn. Sie kann im Vergleidi zu den Jahrzehnten vorher
und nachher nur als sdiledit bezeichnet werden. Da sidi aber trotzdem nodi
eine groBere Anzahl ungedruckter Quellen fur unseren Zeitraum im Staatlidien
Archivlager in Gottingen fanden, die es zuliefien, ein genaueres Bild der preufii-
schen Geschidite jener Jahre zu zeichnen, kann die Quellenlage wohl nicht die
einzige Erklarung fiir das mangelnde Interesse der Forsdiung sein. Andere Griinde
konnen moglicherweise darin gesehen werden, daB die preuBische Gesdiichte der
ersten Halfte des 15. Jahrhunderts wesentlich ereignisreicher verlauft als die der
folgenden Jahrzehnte. Nicht zuletzt hat der preuBische Burgerkrieg der Jahre
1454 bis 1466 und das Vertragswerk von Thom den polnischen und deutsdien
Historikern Anlafi zu heftigen Auseinandersetzungen geboten.
Gerade in der Fixierung der Forscher beider Lander auf die Beurteilung der Vor¬
gange zwischen deni 6. Marz 1454 und dem 19. Oktobcr 1466 mufi wohl das
Haupthindernis gesehen werden, das ihnen verwehrte, den Blick auf die Innen-
politik des Restordenslandes zu riditen. So miissen wir uns bis jetzt damit be-
gniigen, daB die Endphase der historisdien Entwicklung des Ordensstaates, der
Ubergang vom Ordensstaat zum Fiirstentum, vorwiegend mit dem Wechsel vom
Hochmeister aus niederem Adel, der sich in der Ordenshierarchie iiber lange
Jahre hinweg an die Ordensspitze ,gedient‘ hatte, zum Hodimeister fiirstlichen
Gebliits, der erst zum Zeitpunkt seiner Wahl in die Bruderschaft eintrat, gleich-
gesetzt wird11. Diese Form der Erkhirung lauft letztlich auf ein Bekenntnis zu
aem Satz ,Manner machen Gesdiichte* hinaus. Sie kann und darf uns nicht mehr
Einleitung
3
geniigen. Damit wird auch der Zeitpunkt des Beginns der Wandlung in Frage
gestellt, denn die Fixierung auf das Jahr 1497 ist allein durch den Wechsel in der
Person des Hochmeisters begriindet. Miissen wir zur Klarung dieses Oberganges
nicht vielleicht doch weiter zuriickgehen als nur bis zum Jahr 1497? Rufen wir
uns kurz den verfassungspolitischen Entwicklungsstand PreuBens in der ersten
Kalfte des 15. Jahrhunderts vor Augen.
Will man diesen Entwicklungsstand losgelost von den tatsachlichen Ereignissen
modellartig beschreiben, so reicht das gelaufige — normale — Bild von den beiden
sich gegeniiberstehenden Polen Landesherr und Land nicht aus. Spatestens seit
der Erzwingung der personlichen Landesherrschaft Konrads von Erlichhausen durch
die Stande wird das verfassungspolitische Bild des Ordensstaates durdi drei Fak-
toren bestimmt: Landesherr, Land und Orden. Die Starke, die Macht dieser Fak-
toren ist qualitativ versdiieden. Land und Orden verkorpern gewissermaBen ori¬
ginate Macht, Macht aus sich selbst, beziehungsweise Macht aus Tradition, wah-
rend der Landesherr wider Willen, der Hochmeister, nur eine abgeleitete Macht
darstellt, abgeleitet bisher uberwiegend vom Orden.
Die drei die Verfassung des Landes bestimmendcn Kriifte lassen sich jedoch kei-
neswegs in das Bild eines starren Dreiecks fassen, sondern wir miissen uns viel-
mehr ein standig seine Konturen andcrndes Kraftefeld, eine Art pulsierendes
Dreiedt vorstellen. Die letzte Konstellation dieses Kraftefeldes, die sich unseren
Augen bot, war der Krieg zwischen dem Landesherrn, dem Orden sowie Teilen
des Landes einerseits und dem grofieren Teil des Landes und Polen andererseits.
Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet in ihrer allgemeinsten Fassung: Wie gehen
die Glieder der ,Ordenspartei* aus dem Krieg hervor und welche Entwicklung
nehmen sie in den nachsten Jahrzehnten? Zur Beantwortung sollen zunachst die
Ergebnisse der — oben schon erwahnten — jiingstcn Forschung herangezogen wer-
den.
Die materielle Lage des Ordens wird in den diistersten Farben gemalt. ,,Es war
eine Zeit der Not, namentlich der wirtsdiaftlidien Not des Ordens, der auf den
ostlichen, armeren Teil seines preufiischen Besitzes beschrankt worden war"12,
heiBt es bei Forstreuter. Trotz der wirtschaftlichen Not miissen die Amter aber
doch Ubersdiiisse erbracht haben, denn, so meint Freiwald, „das Interesse des Tress-
leramtes an Oberschiissen aus den unteren Verwaltungsbezirken, den Komtureien
und an der Unterordnung der Komture als Amtsleute unter die Anweisungen aus
dem Haupthaus muEte im verkleinerten Herrschaftsbereich nodi wachsen" und
unter anderem deshalb, so erklart Freiwald, „verlagert sich das Gewicht der immer
mehr Selbstandigkeit einbiiBenden Komtureien zum Haupthaus hin"13.
Diese Ausfuhrungen zeigen uns zunachst, dali die ,Kriegskoalition‘ nach dem
FriedensschluB wieder in ihre einzelnen Bestandteile zerfiel. Fiir einen der Be-
standteile, den Orden, brach nach 1466 eine Zeit wirtschaftlicher Not an. Reicht
es aber aus, allgemcin festzustellen, daB der Orden in wirtsdiaftlidie Not
geriet? Was ist denn der Orden? Die Summe aller seiner Glieder einschlieBlidi
seines Oberhauptes oder die einzelnen Glieder? Die Verwendung des Terminus
,Orden* durch Forstreuter stiftet bei naherem Hinsehen also betriichtliche Ver-
4
Einleitung"
wirrung, denn es Iafie sich niche ubersehen, dafi der Orden vor 1454 niche als Ein-
heie vieler Glieder beeracheee werden kann, sondern dafi er eine Verbindung von
okonomischen und — landsmannschafelich organisierten — polieischen Inceressen-
gruppen darseellee. Nur eine vollige Anderung dieses Zuseandes wiirde auch Frei-
walds Ausfiihrungen vom Uberschiisse einereibenden Haupehaus eine Berecheigung
geben. Doch sei, um Irreiimern vorzubeugen, zunachsc bemerke, dafi das Ame eines
Oberseen Tresslers, von dem Freiwald spriche, schon viele Jahre vor 1466 niche
mehr besetze worden war und auch nach 1466 niche wieder auflebe. Da nach seiner
Feseseellung aber mie dem Ende des Krieges eine searke Zeneralisierungseendenz
im Orden einsetzr, wiirde das bedeueen, dafi die mindeseens ebenso starken Dezen-
tralisierungsbestrebungen der Jahre vor 1454 von der Fuhrungsschichc des Ordens
nach 1466 aufgegeben worden sind.
Die von Freiwald fesegeseellee Searkung der Seellung des Hochmeiseers gegeniiber
den zu Amesleueen degradiereen Komeuren widerspricht in gewisser Hinsichc seiner
Meinung, „dafi die lebendigen Spannungselemenee zwischen den beiden adligen
Korporaeionen, deren eine in Gestale des Ordens die Landesherrschaft
ausiibte, nach 1466 erhaleen blieben**14. Bedenke man die Hefeigkeie, mie der vor
dem Krieg die Auseinanderseezung um die personliche Landesherrschafe des Hoch¬
meiseers zwischen dem Orden und den Scanden gefiihrt worden ise, dann erscheine
eine Wiederauf rich rung der Herrschafe des Gesameordens nach 1466 in hohem
Grade unwahrscheinlich; Freiwald kann seine Feseseellung denn auch niche be-
legen. Die Frage, wer Landesherr Preufiens ise, bedarf daher ebenfalls noch der
Klarung.
Fiir die Verfassung Preufiens hae Freiwald in der oben zieiereen Aussage auch
bereits eine Feseseellung geeroffen. Er siehe das Erhalcenbleiben der lebendigen
Spannungselemenee zwischen dem Adel im Orden und dem Landesadel. Selbse in
dieser allgemcinen Form ise die Feseseellung voreilig geeroffen, denn es ise die
Frage niche beriicksicheigt worden, ob sich die beiden adligen Korporaeionen quali-
eaeiv geandert haben. Die einzelnen Mieglieder des Ordens bilden nach Freiwald in
den Jahren nach 1466 einen vom Haupehaus scraff gefiihreen Verwaleungsapparae,
ohne Zweifel gegeniiber der Zeie vor dem Krieg eine beeracheliche Anderung.
Damic ise den Komeuren aber die Moglichkeie genommen, dem Adel ihres Ames-
gebietes — wie vor 1454 — als jHochmeisrer* gegeniiberzutrecen. Die sich daraus
ergebenden Spannungselemenee miissen — folge man der Freiwaldschen Gedanken-
fiihrung — weggefallen sein, gerade sie aber haben weitgehend das Verhalenis
zwischen Adel im Orden und Landesadel beseimme15. Doch bekannelich ise auch
auf Seieen des Landesadels im oselichen Preufien nach 1466 eine Veranderung, und
zwar sowohl eine qualieaeive als auch eine quaneieaeive Veranderung, durdi die
Ansiedlung einer grofien Zahl von Soldnerhaupeleueen vor sich gegangen. Es ise
also reche unwahrscheinlich, dafi sich die Spannungselemenee der Jahre vor dem
Krieg auch nach 1466 zwischen zwei anders orieneiereen beziehungsweise anders
zusammengeseezten Gruppen erhaleen haben. Wenn sich beide Gruppen verandere
haben, mufi sich audi die Arc der Spannungselemenee zwischen ihnen geandere
haben, in noch searkerem Mafi mufi das der Fall sein, wenn die Anderung einer
Einleitung
5
Gruppe in der Art, wie sie Freiwald festgestellt haben will, in Zweifel gezogen
werden mud.
Fur das Verhaltnis zwischen Orden, dem wir einstweilen auch uneingesdirankt den
Hoduneister zurechnen und die Landesherrschaft zubilligen wollen, und den
Gesamtstanden stellt Forstreuter fest, dafi die Hochmeister „jeden grofieren Kon-
flikt mit den Standen4* mieden16. Weise vermerkt allerdings zweimal doch einen
grofieren Konflikt zwischen ihnen, denn in der Frage des Krieges gegen Polen
„haben die ostpreufiischen Stande ihre Teilnahme 1478 und 1479 versagt, das
zweite Mai sogare, so fahrt er fort, „angesichts der notwendigen Landesverteidi-
gung gegen einen polnischen Angriff4*17. Nun ist die Feststellung von dem Vor-
handensein oder Nichtvorhandensein von Konflikten zwischen Orden und Land
zweifellos wichtig fur die Beschreibung der verfassungspolitischen Verhaltnisse
des Landes, aber sie ist keinesfalls ausreichend. Eine weitere Aussage Weises, der fiir
die Jahre nach 1466 eine „neue staatserhaltende Stellung der ostpreufiischen Stan-
dee feststellt18, bringt uns da schon etwas weiter, doch weckt diese Formulierung
auch Mifitrauen. Es drangt sich sofort die Frage auf, welchen ,Staat4 die Stande
erhalten wollten. Den ostpreufiischen, dessen Stande sie sein sollen? Einen ost-
preufiischen Staat hat es bekanntlich nie gegeben, es wird also wohl der Ordens-
staat gemeint sein. Unter der Annahme, dafi der. Ordensstaat gemeint ist, miissen
wir weiter fragen, ob es nach 1466 den Ordensstaat eigentlich nodi gibt. Gewifi
sprechen auch nach 1466 die Stande des ostlichen Preufien von sich immer als
von den Standen des Ordenslandes, aber mit dieser Formulierung ist noch
nichts iiber die staatliche Qualitat des Ordenslandes ausgesagt, denn ohne Zweifel
unterscheidet sich der Ordensstaat des 13. und 14. Jahrhunderts betrachtlich von
dem des 15. Jahrhunderts. Wir werden also priifen miissen, wieviele der Merk-
male, deren Vorhandensein dem Ordensland Preufien in der Forschung unange-
foditen die Bezeichnung ,Staat* eingetragen hat, in der zweiten Halfce des 15.
Jahrhunderts iiberhaupt noch gegeben sind.
Bei naherem Zusehen rufen die Ergebnisse der jiingsten Forsdiung iiber das Or¬
densland der Jahre zwischen 1466 und 1497 betrachtliche Zweifel hervor. Da eine
Reihe von Fragen, die man fiir die Zeit nach 1466 stellen miifite, von der For¬
sdiung iiberhaupt nidit gesehen worden ist, miissen wir wieder zu dem Modell
der Maditverhaltnisse, das wir fiir die Jahre vor 1454 eingefiihrt haben, zuriick-
kehren. An ihm wollen wir die speziellen Fragen entwickeln, deren Beantwortung
notwendig ist, um den Ubergang vom Ordensstaat zum Fiirstentum, dessen An-
fang nach Forstreuter „wohl die Wahl des Hochmeisters Friedrich von Sachsen
im Jahr 1498**1® ist, nicht allein auf den Wechsel zu einem Hochmeister fiirst-
lichen Gebluts zuriickfiihren zu miissen. Der nach der Vorgeschichte begriindete
Zweifel an der korporativen Landesherrschaft des Ordens nach 1466 erlaubt —
zumindest thesenartig — auch weiterhin von dem Vorhandensein dreier Krafte
im Ordensland zu sprechen, deren Verhaltnis zueinander die Verfassung Preufiens
bestimmt: Landesherr (Hochmeister), Land und Orden. Um den Ubergang zum
Fiirstentum anders als allein mit der Wahl eines Fiirsten zum Hochmeister und
den Auswirkungen dieses Vorgangs zu erklaren, miifite die eine der beiden origi-
6
Einleicung
naren Krafte, der Orden, in der anderen, dem Land, aufgehen. Von dieser dann
allein dem Landesherrn gegeniiberstehenden Kraft konnte der die landesherrliche
Macht ableiten. Dieser Vorgang lafit sich auch tarsachlich 1525 im Zuge der Saku-
larisierung beobachten. Nur ist zu fragen, ob allein Reformation und Sakulari-
sierung diesen Vorgang ermoglichten beziehungsweise erzwangen, oder ob sich
andere Ursachcn fiir das Aufgehen des Ordens im Land oder wenigstens seiner
Annaherung an das Land finden lassen. Zudem mufi festgestellt werden, zu wel-
chem Zeitpunkt oder in welchem Zeitabschnitt dieser Vorgang begonnen hat.
Zu diesem Zweck miissen wir die drei die Verfassung Preufiens bestimmenden
Krafte einer moglichst genauen Analyse unterziehen, und zwar nicht nur einer
Analyse ihres okonomischen Potentials, sondem auch ihres gesellschaftlichen Zu-
standes. Dabei mufi auf die Zusammcnsetzung der Krafte Riicksicht genommen
werden, denn der Orden kann moglicherweise aus einer Reihe von Teilen zusam-
mengesetzt sein, zwischen denen wiederum Spannungen oder Interessenunterschiede
bestehen, so dafi das Vermogen der Gesamtkrafte ,Orden\ nach aufien zu wirken,
dadurch betrachtlich geschwacht wiirde. Ebenso ist fiir den Faktor ,Land* zu be-
riicksiditigen, dafi auch er eine zumindest aus zwei — Adel und Stiidten —, wahr-
scheinlich aber aus drei Gruppen — zusatzlich noch den Freien — zusammenge-
setzte Kraft ist. Die Starke der einzelnen Teilkrafte hat sich nach 1466 allein
zahlenmafiig schon gewandelt. Standen vor 1454 die vier grofien Stadte Danzig,
Thorn, Elbing und Konigsberg der Erbarmannschaft gegeniiber, so ist Konigsberg
im Restordensland auf sich allein gestellt. Dazu kommt, dafi der Stadt jetzt noch
ein durch seine veranderte Zusammensetzung und durch die Anerkennung durch
den Adel im Orden selbstbewufiter gewordener Landesadel gegeniibersteht. Auch
die dritre die Verfassung des Landes bestimmende Kraft, der Landesherr, ist ge-
wissermafien aus zwei Teilen zusammengesetzt: dem Landesherrn und dem Ober-
haupt des Ordens. Fiir sie miissen wir die Frage zu beantworten versuchen, von
welcher der beiden anderen Krafte sie ihre Macht ableitet. Mit der Beantwortung
dieser Frage sind wir dann bei der Untersuchung der zwischen den drei Kraften
bestehenden Spannungen, Einwirkungen, Gegensatze und Ubereinstimmungen an-
gelangt, das heifit bei der Untersuchung der Verfassungsstruktur Preufiens. Beson-
deres Augenmerk wird dabei auf die Gebiete zu richten sein, auii denen sich An-
naherungen oder gleiche Interessenlagen zwischen Land und Orden zeigen, denn
sie ermoglichen das, was man als eine Form der ,Territorialisiening des Ordens*
ansehen konnte, ein Vorgang, der die Normalisierung der Verfassung Preufiens,
den Ubergang vom Sonderfall des Auftretens dreier politisdier Krafte zum Nor-
malfall des Dualismus Landesherr — Landstande bedeuten wiirde.
ERSTER TEIL
OKONOMISCHE UND GESELLSCHAFTLICHE
VERHALTNISSE IM ORDENSLAND PREUSSEN
ZWISCHEN 1466 UND 1497
KAPITEL I
DAS ORDENSLAND BIS ZUM JAHR 1497
Die zwolfeinhalb Jahre dauernden Kampfe der Parteien wurden, nach vielen
vergeblichen Versuchen1, am 19. Oktober 1466 in Thorn mit der Besiegelung des
Friedensvertrages beendet2. Der papstliche Legat, Bischof Rudolf von Lavant,
bringt zustande, was Fiirsten, der Hanse und den auf verschiedenen Seiten ste-
henden Standen des Landes nicht gelungen war: die endgiiltige Beilegung der so
lange und so hart gefiihrten Auseinandersetzung zwischen dem Orden, seinen
politisch miindig gewordenen Standen und Polen. Die totale Erschopfung der
Kriegfiihrenden erleichterte ihm sicher sein schwieriges Werk, trotzdem bleibt
dieser Vertrag eine diplomatische Leistung ersten Ranges, mufiten doch schier un-
vereinbare Ansichten auf einen Nenner gebracht werden; fur den Orden, der mit
weitgesteckten Zielen in diese Auseinandersetzung gegangen war, sicher ein sehr
kleiner Nenner.
1. DIE TERRITORIALEN UND POLITISCHEN BESTIMMUNGEN
DES FRIEDENSVERTRAGES
Die territorialen Bestimmungen des Vertrages bringen die Teilung des alten Or-
denslandes. Dem Orden verbleibt im wesentlichen der Landstrich, der spater den
Namen Ostpreufien tragen wird. Es ist ein Gebiet, das nahezu rein agrarischen
Charakter tragt. Abgesehen von den Drei Stadten Konigsberg verbleiben dem
Orden nur wenige kleine Landstadte. Der Grenzbereich dieses Landstrichs gegen
Litauen und Masowien ist bisher noch kaum von der Besiedlung erfafit. Unter
politischen Gesichtspunkten gesehen erhalt der Orden den Landesteil, dessen Be-
volkerung von Beginn des Biirgerkrieges an auf seiner Seite gestanden hat, oder
doch gleich in den ersten Jahren der Auseinandersetzung zu ihm, meist freiwillig,
zuriickgekehrt war.
Auch in politischer Hinsicht bringen die Regelungen des Friedensvertrags schwer-
wiegende Veranderungen mit sich. Denn nicht nur der westlidie Landesteil, son-
dern auch der dem Orden verbleibende Teil, also omnes terrae Prussie und alles
Heidenland aufierhalb Preufiens — eine Bestimmung, die sich auf zukiinftige Er-
oberungen des Ordens bezieht — wird mit Polen in einer Form verbunden, die
den polnisdien Konig neben den Papst als alleiniges Oberhaupt stellt. Der Hoch-
meister wird Fiirst und standiger Reichsrat Polens, er mufi Kriegsfolge leisten
und als Reichsrat auch auf den Friedensvertrag einen Eid leisten. Eine Revision
des Vertrages wird ausgeschlossen, jedoch soil vom Papst die Bestatigung des Frie-
dens eingeholt werden.
10
Das Ordensland bis zum Jahr 4497
Das Band, das den Orden seit der Goldbulle von Rimini mit der monarchia imperii
verbunden hatte, ist zerrissen; an die Stelle des Kaisers trite der Konig von Polen.
Diese Bestimmungen binden zwar nur den Hochmeister, aber da er das Haupt des
Deutschen Ordens ist, audi den Gesamtorden. In einer anderen Bestimmung des
Vertrages heiftt es, daft der Orden bis zur Halfte seiner Mitgliederzahl Polen auf-
nehmen mufi, denen auch der Aufstieg innerhalb der Ordenshierarchie ermoglicht
werden soli3.
Der Inhalt des Friedensvertrages vom 19. Oktober 1466 wird fiir die nachstcn,
fast 60 Jahre das gesamte politische Leben sowohl des Ordens als auch des Landes
Preufien bestimmen. Die Ordensmeister in Livland und Deutschland versagten
dem Vertrag ihre Zustimmung; dennoch wird er praktisch die staatsrechtlichen
Grundlagen fiir die nach 1466 verstarkte politische Eigenentwicklung des liv-
landischen und deutschen Ordenszweiges bilden4. Auch Kaiser und Papst stimmen
dem Vertrag nicht zu. Das verhindert jedoch nicht, dafi seine Bestimmungen, bis
auf die Pflicht zur Aufnahme von Polen in den Orden, *praktiziert werden. Die
Machtverhaltnisse sind nicht so, dafi der Hochmeister eine Aufhebung oder auch
nur eine Revision des Vertrages erreichen kann; trotzdem lafit der Orden dieses
Ziel nicht aus den Augen*.
2. DIE WIRTSCHAFTLICHE LAGE DES DEUTSCHEN ORDENS IM JAHR 1466
Der zweite Thorner Frieden erlcgt dem Orden zwar nicht, wie der erste, eine hohe
Kriegsentschiidigung auf und bringt ihn dadurch an den Rand des wirtschaftlichen
und politischen Ruins, aber die okonomische Situation des Jahres 1466 ist fiir den
Orden auch ohne Kontribution hochst schwierig. Fast dreizehn Jahre Krieg-
fiihrung mit Soldnern batten mehr Geld verschlungen als der Orden aufbringen
konnte. Die ,Sold und Schaden* fordernden Soldner wollten nun, nach Ende des
Krieges, endlich bezahlt werden. Niemand im Orden weifi, woher das Geld dafiir
genommen werden soil. Die Haupteinnahmequellen vor dem ungliicklichen Krieg
waren die Abgaben der Untertanen in Geld und Naturalien, die Gerichtsgefalle,
die Ertragnisse der Regalien, hauptsachlich des Bernsteinregals, die *Zeisen und
Geschosse des Landes, die Zolle, vor allem der Pfundzoll, und die Einkiinfte aus
der Eigen wirtschaft des Ordens. Mit Ausnahme des Ertrages aus dem Bernstein-
regal sind alle diese Einnahmearten durch das Ergebnis des Krieges drastisch
reduziert worden, kniipfen sie doch entweder an die Zahl der Untersassen, so die
Zins- und Gerichtsgefalle-Einnahmen und die Geschosse, an den Besitz grofier
Handelsstadte, so die Zeiseertrage und der Pfundzoll, oder an die Eigenwirtschaft
des Ordens in guter landwirtschaftlicher Lage an. Die Zahl der Untertanen des
Ordens ist, abgesehen von den Verlusten durch Kriegseinwirkung, durch die Lan-
dcsteilung um wesentlich mehr als die Halfte verringert worden. Die Einnahmen
aus Zeisen, Gerichtsgefallen und Geschossen verringern sidv aber noch starker, da
dem Orden nur der armere der beiden Landesteile verbleibt. Von den bedeutenden
Handelsstadten sind dem Orden nur die Drei Stadte Konigsberg geblieben, das
reichere Danzig sowie Elbing und Thorn aber verloren gegangen. Die Zeiseertrage
Die NeuorgaDisatdon der Gebietigeramtei
11
konnen in Zukunft nicht einmal die Halfte der Hohe friiherer Einnahmen aus-
machen, ebenso die Ertrage aus dem Pfundzoll. Einnahmen in altgewohnter Hohe
erbringt in Zukunft nur nodi der Bernsteinverkauf, da der Hauptfundort des
Bernsteins, die samlandische Kiiste, im Besitz des Ordens bleibt. Aber auch hier
werden sich in den niichsten Jahren Einnahmeverluste, die durdi Unterschleif oder
Diebstahl entstehen, ergeben. Die Hohe dieser Einnahmeverluste, so lafit sich aus
den beredten Klagen des Ordens gegen die neuerstandenen Bernsteindrehergewerke
in Elbing und vor allem Danzig ablesen, diirfte nicht unbetraditlich gewesen seine.
Der Thomer Frieden macht aus dem Deutschen Orden in Preufien nicht nur eine
militarische und politische Macht zweiten Ranges, die sich allenfalls noch als eine
unter vielen Figuren im europaischen Schachspiel um Macht und Grofie verwenden
laftt, sondern auch eine okonomische Potenz, die sich volliger Bedeutungslosigkeit
bedenklich nahert. In einer Zeit, in der militarische Macht mehr als friiher wirt-
schaftliche Starke bedeutet, lasten auf dem Orden weitaus grofiere Schulden, als in
den nachsten Jahren bestenfalls an Einnahmen zu erwarten sind. Fiir die Zukunft
wird alles davon abhangen, ob es ihm gelingt, die geringen ihm noch verbleibenden
wirtschaftlichen Ressourcen optimal zu gebrauchen und zusammenzufassen. Ein
Schritt auf diescm Weg war die Neuorganisierung der Verwaltung des verkleiner-
ten Ordenslandes.
3. DIE NEUORGANISATION DER GEBIETIGERAMTER7
Durch den Verlust des westlichen Landesteils war die gesamte Komturorganisation
mit alien daran hiingenden widitigenund unwiditigen Amtern durdieinander gera-
ten. Hier wieder Ordnung zu schaffen und die Landesverwaltung durch die Ordens-
briider wieder funktionsfahig zu machen, ist die vordringlichste Aufgabe, um
iiberhaupt erst einmal feststellen zu konnen, welche Schaden entstanden waren
und welche MaGnahmen eingeleitet werden miissen, um die Folgen der Schaden
zu mildem oder Folgeschaden abzuwenden.
Die Amter der GroGgebietiger, also des GroGkomturs, des Ordensmarschalls, des
Obersten Spittlers und des Oberstcn Trapiers, werden sofort im ersten Friedensjahr
neu besetzt8. Damit haben gleichzeitig die Komtureien Brandenburg, die der
Oberste Spittler verwaltet und Balga, dessen Komtur der Oberste Trapier wird,
ihre Verwaltungsleiter erhalten®. Ebenfalls im Februar des Jahres 1467 wird die
Komturei Osterode mit Martin TruchseG von Wetzhausen besetzt10. Komtur von
Ragnit bleibt Hans von der Narbe, der das Amt seit 1461 inne hat11. Neugeschaf-
fen werden zunachst die Komtureien Holland, die Konrad von Lichtenhain iiber-
nimmt12, Mohrungen, der der ehemalige Komtur von Elbing, Heinridi ReuB von
Plauen, vorsteht13 und die Komturei Neidenburg, die Wilhelm von Eppingen,
der ehemalige Komtur von Osterode, erhiilt14. Die Komturei Memel bleibt zu¬
nachst noch in den Handen des Meisters in Livland, wird aber Ende 1468 wieder
— jedenfalls formell — an den Statthalter des Hochmeisters iibergeben15. Damit
sind die Verwaltungsspitzen ernannt und die neuen Verwaltungsgebiete abgegrenzt.
Auch ein Teil der Pflegeamter ist in diesen Jahren neu besetzt worden, so Rhein
12
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
und Kreuzburg im Jahr 1468 und im folgenden Jahr Ortelsburg10. Der Pfleger von
Johannisburg hatte schon 1465 zu seinem Amt noch die Verwaltung von Lyck
iibernommen, das erst 1468 wieder einem eigenen Pfleger unterstellt wird17.
Die neugeschaffene Verwaltungsorganisation erweist sich in den nachsten Jahren
jedodi als veranderungsbediirftig. Die Komturei Neidenburg wird nach dem Uber-
wediseln Wilhelms von Eppingen in das Amt des Grofikomturs zum Pflegeamt,
wiihrend das ehemalige Pflegeamt Rhein in den Rang einer Komturei erhoben
wird. Auch die Komturei Mohrungen wird nach 1474 aufgehoben, wahrscheinlich
iibernimmt sie weitgehend der Ordensmarsdiall, der seinen Sitz nach 1466 in
Preufiisch-Eylau nimmt18. Die widitigste und bedeutsamste Veranderung sdieint
aber in den Pflegeamtern vorgenommen worden zu sein. Unter dem Hodimeister
Martin Truchsefi wird eine steigende Zahl von Pflegeamtern neu besetzt. Die Ver-
mutung liegt nahe, dafi hier Amter geschaffen wurden, die einer grofieren Zahl
von Ordensbriidern den Lebensunterhalt sichern sollten19.
Es erhebt sich angesichts der vielfachen Veranderungen, vdr allem in der Komtur-
organisation, die Frage nadi den Griinden fiir diese Amtsumwandlungen. In Frage
kommen zwei Motive, einmal Griinde, die in der Person des Amtsinhabers liegen
und zum anderen sachlidie Ursachen.
Der Statthalter des Hochmeisters, Heinrich Reufi von Plauen, hatte 1467 nicht nur
das ehemalige Marschallsamt, die Komturei Konigsberg erhalten, sondern auch die
Komturei Mohrungen. Der Grund dafiir diirfte in der Absidit Plauens zu suchen
sein, soviel Einnahmen wie moglich in einer Hand zu konzentrieren, um den
vielen an ihn herangetragenen Forderungen halbwegs geniigen zu konnen. Die
Nutzung zweier Komtureien durch den Hochmeisterstatthalter legt den Verdacht
nahe, dafi aus den anderen Komtureien kaum oder keine finanzielle Hilfe gekom-
men ist.
Fur die Berufung seines Nachfolgers in der Komturei Mohrungen, den ehemaligen
Hauptmann von Mohrungen, Veit von Jarsdorf, mufi man wohl personliche Motive
voraussetzen. Er erscheint 1471 zum ersten Mai als Komtur von Mohrungen10,
woraus man schliefien kann, dafi ihm seine alten Einnahmen, die er als Hauptmann
aus dem Amt in Mohrungen erhalten hatte, nicht entzogen werden sollen. Wenige
Jahre spater, moglicherweise im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen im
Orden, wird diese Komturei dann doch aufgelost.
Auch fiir die Auflosung der Komturei Neidenburg scheinen Griinde mafigebend
gewesen zu sein, die man mit dem Begriff Versorgungsdenken umschreiben kann.
Wilhelm von Eppingen, der 1467 seine alte Komturei Osterode an Martin Truch¬
sefi abgetreten hatte, sollte wahrscheinlich nicht zum Pfleger degradiert werden.
Nachdem er jedoch Grofikomtur geworden war, wurde das Amt Neidenburg auch
in seiner Amtsbezeidinung auf seine tatsachliche Bedeutung reduziert.
Ob bei der Aufwertung des Pflegeamtes Rhein zur Komturei im Jahr 1477 sach-
lidie Griinde mafigebend gewesen sind oder ebenfalls Griinde, die in der Person
des Pflegers zu sudien sind, ist nicht eindeutig zu entscheidcn. Fiir die Aufwertung
sprache, dafi sich in diesem Gebiet elne grofie Zahl von Mafinahmen des Landes-
ausbaus abspielten. Stutzig macht jedoch der Zeitpunkt der Aufwertung des Amtes,
Die okonomisdie Entwiddung des Ordens bis zum Jahr 1497
13
erfolgt sie doch gerade als mit Martin Truchsefi der Verfechter einer Politik zum
Hochmeister gewahlt wurde, die der seines Vorgangers nahezu entgegengesetzt
war. Man mufi deshalb auch bei der Aufwertung des Pflegeamtes Rhein zur
Komturei damn rechnen, dafi Truchsefi den Preis fiir die Untersttitzung seiner
Politik durch den Pfleger Georg Ramung von Rameck zahlen mufite.
Die Neuorganisation der Verwaltung des verkleinerten Ordenslandes vermittelt
nicht den Eindruck, als ware sie das Ergebnis einer auf hochste Effizienz der Ver¬
waltung gerichteten Oberlegung. Schon bei der Organisation der Gebietigeramter
drangt sich der Eindruck auf, dafi es dem Orden nicht gelingen wurde, tatsadilich
die okonomischen Ressourcen des Landes auf das Ziel der Revision des Friedens
von Thorn zu konzentrieren, vielmehr scheint sie diktiert von einem Versorgungs-
denken der Ordensbriider, das dem Gesamtinteresse des Ordens das Eigeninteresse
des einzelnen voranstellt.
4. DIE OKONOMISCHE ENTWICKLUNG DES ORDENS BIS ZUM JAHR 1497
Die wirtschaftlichen Verhaltnisse im verkleinerten Ordensland sind insgesamt
gesehen nicht die besten. Dem wahrend des Krieges recht glimpflidi behandelten
Samland stehen starke Verwiistungen im Oberland gegeniiber21. Dazu kommt der
noch wenig besiedelte Grenzstreifen gegen Litauen und Masowien, der zumindest
in den ersten Jahren nach dem Krieg kaum zu den Einkiinften des Ordens bei-
tragen kann. Trotzdem ist es aber verfehlt anzunehmen, dafi auf Grund dieser
nicht sehr guten Ausgangslage die wirtschaftlichen Verhaltnisse in Preufien sich
auch in den folgenden dreifiig Jahren nicht wesentlich andern22. Man mufi die Tat-
sache beriicksichtigen, dafi nach schweren Katastrophen in der Regel die Moglichkeit
eines betrachtlichen wirtschaftlichen Aufschwungs gegeben ist, da die folgende
Generation meist grofie Mengen von Produktionsmitteln vorfindet, so dafi ihre
Existenzgrundlage besser ist als die der Generation vor der Katastrophe25.
Allerdings mufi in Rechnung gestellt werden, dafi die Katastrophe, die den Orden
traf, der Krieg, im Gegensatz etwa zu Seuchen audi Giiter, also Produktionsmittel,
vernichtete. Trotzdem trifft das oben Gesagte in gewissem Umfang audi fiir das
vom Krieg verwiistete Restordensland zu. Da es nur diinn besiedelt und in grofien
Teilen kaum erschlossen war, bot es seinen Bewohnern Moglichkeiten, wichtige
Produktionsmittel, vor allem wohl Geld, Vieh und landwirtschaftliche Gerate, vor
den Soldnerhorden des Ordens und der Gegner zu verbergen. Diese Folgerung
wird unterstiitzt durch die chronikalischen Berichte fiir das Jahr 1467, die davon
sprechen, dafi es ein komreiches Jahr gewesen sei und die Preise infolge der guten
Ernte von ihrem iiberhohten Stand wieder auf normale Hohe zuriickgegangen
seien24. Die Bewohner des Ordenslandes miissen unmittelbar nach Kriegsende
demnach iiber Zugvieh, Pfliige und ahnliches verfiigt haben, um die Saat in den
Boden bringen zu konnen. Fiir das Vorhandensein von Geld in den bauerlidien
Sdiichten des Landes spricht die Angabe des Chronisten, dafi das Saatgetreide aus
Polen kam, von den Bauern also gekauft werden mufite. Ein Verkauf des Saat-
gutes durch die Amtsleute des Ordens auf Kredit lafit sich nicht annehmen, da der-
14
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
artiges in den Quellen nirgendwo erwahnt wird. Audi fur das Ordensland kann
daher nach Kricgsende mit einem wirtschaftlichen Aufschwung geredmet werden.
Der oben skizzierte Ablauf wird in Preufien nach 1466 vom Landesherrn noch
gefordert25. Wie oben schon ausgefiihrt, besteht zwisdien den Einkiinften des Lan¬
desherrn und der Zahl seiner Untertanen eine sehr starke Korrelation. Aus diesem
Grund sieht sich der Landesherr veranlafit, sofort nach Ende des Krieges den Lan-
desausbau wieder aufzunehmen. Er kann jetzt nicht mehr deutsche Siedler im
Ordensland ansetzen, dafiir aber Einwanderer aus den ostlichen Nadibarlandern
Polen, Masowien und Litauen, aber auch aus Livland. Ein Mangel an ansetzungs-
willigen Bauern hat — zumindesc nicht in grofiem Май — wahrscheinlich nicht
geherrscht26. Die Vielzahl der nach 1466 ausgestellten Handfesten deutet darauf
hin, dafi der Landesherr und die privaten Grundherren beim Landesausbau redit
erfolgreidi sind27. Natiirlich erhalten die neuangesetzten Siedler eine Reihe von
Freijahren, aber der Grundstein fur eine wesentliche Verbesserung der von der Ein-
wohnerzahl abhaugigcn Einkiinfte des Landesherrn im Yergleich zum Stand des
Jahres 1466 ist gelegt28.
Trotzdem kann man nicht davon ausgehen, daft die wirtsdiaftliche Entwicklung
Preufiens kontinuierlidi aufwarts geht. Eine ausgesprochene Agrarlandsdiaft, wie
sie Altpreufien nun einmal darstellt, ist abhangig von guten oder sdilediten Ern-
ten20, und die sporadisch auftretenden Epidemien beeinflussen ebenfalls das Wachs-
tum der preufiischen Wirtschaft30.
Es mufi weiterhin beriicksichtigt werden, daft die okonomische Entwicklung der
einzelnen sozialen Gruppen Preufiens nicht gleichartig verliiuft. Es ware sogar
verfehlt, die wirtschaftliche Entwicklung der einen Gruppe, des preufiischen Or-
denszweigs, als eine Einheit ansehen zu wollen. Es miissen innerhalb des Ordens
mindestens drei Schiditen untersdiieden werden, der Hochmeister, die Gebietiger
und Amtsleute des Ordens und die einfachen Ordensbriider. Ihr Anteil an der —
modern ausgedriickt — Zuwachsrate des Volkseinkommens ist untcrschiedlidi. Am
sdilechtesten informiert sind wir iiber die wirtschaftlichen Verhaltnisse der ein¬
fachen Ordensbriider. Wir haben von ihnen nur summarische Klagen iiber schlechte
Versorgung in den Konventen81. Um die Kenntnis der okonomisdien Verhaltnisse
von Hochmeister, Gebietigern und Amtsleuten ist es besser gestellt.
a) Der Hochmeister
Die Einkiinfte des Hochmeisters werden aus den verschiedenartigsten Quellen
gespeist32. Sie setzen sich in der Hauptsache aus den oben allgemein fiir den Orden
erwahnten Einnahmegruppen zusammen; dazu kommen noch Einnahmen aus etwa-
igen Handelsgeschaften des Hochmeisters, aus der Miinze und nicht zuletzt Ein-
kiinfte aus der Aufnahme von Darlehen33. Fiir die Jahre zwisdien 1466 und 1497
haben wir nur vereinzelc Angaben dariiber, wie hoch die Einnahmen aus den ein¬
zelnen Quellen tatsachlich gewesen sind. Um dennodi einen Anhalt zu geben, wie
grofi die einzelnen Einnahmearten in diesen dreifiig Jahren hochstens gewesen sein
konnen, sollen die in Frage kommenden Zahlen aus dem Redinungsbudi der hoch-
meisterlichen Rentkammer des Rechnungsjahres 1499/1500 angefiihrt werden.
Die okonomische Entwicklung des Ordens bis zum Jabr 1497 15
Sie diirften ungefahr den Einnahmen des Hochmeisters in den Jahren vor 1497
entspredien.
Die Einnahmen betragen:
1. Zinseinnahmen
1.679
Mark
2. Gerichtsgefalle
990
«
3. Bernsteinregal
4.040
a
4. Zolleinnahmen
1.077
a
5. Handelseinnahmen
647
6. Einnahmen aus der Miinze
132
«
7. Erhaltene Darlehen
90
«
Gesamteinnahmen
8.655
Mark34
In dem vorliegenden Rechnungsbudi sind noch eine Reihe von Einnahmen ver-
zeichnet, die nidit reprasentativ fiir die Einnahmestruktur der friiheren Hoch-
meister sind, so zum Beispiel die Einnahmen „usz dene ampte in meins g. h. earner
gehorende", aufgefiihrt sind darunter Brandenburg, Rastenburg, der Vogt von
Holland und Johannisburg sowie noch einige kleincre Betrage, die nicht regel-
maBig anfallen. Durch diese hier nicht beriidcsichtigten Einnahmen erhohen sich
die Gesamteinnahmen Hochmeister Friedridis nadi dem Redmungsbuch auf 10.441
Mark 5 Skott 2 Schilling35.
Es mufl iiberpriift werden, ob die fiir 1499/1500 vorliegenden Zahlen auch fiir
die Einnahmen der friihereren Hodimeister zutreffen. So ist beispielsweise nicht
zu erkennen, aus welchem Gebiet die angegebenen Einnahmen fiir die Gerichts-
gefalle stammen. Handelt es sidi nur um die Einnahmen aus dem dem Hochmeister
unmittelbar unterstehenden Gebiet, so sind sie fiir unsere Zeit zu hoch angesetzt,
da dem Hochmeister Friedrich von Sachsen neben dem Konigsberger Gebiet auch
nodi die Komtureien Brandenburg und Balga eingeraumt worden sind. Diese Ein-
schrankung trifft mit Sicherheit auf die Zinseinnahmen zu, da hier mit grofier
Wahrscheinlidikeit Einnahmen aus den neu zur hochmeisterlidien Rentkammer
geschlagenen Gebieten enthalten sind. Trotzdem ist es niitzlich, die Einnahmen
des Rechnungsjahres 1499/1500 zu nennen, da sie mit Sicherheit die Obergrenze
der reguliiren Einkiinfte eines Hochmeisters zwischen 1466 und 1497 angeben.
Obwohl sidi die oben angegebenen Gesamteinnahmen fiir unseren Zeitraum nidit
iiberpriifen lassen, konnen wir doch einzelne Einnahmegruppen, zum Beispiel die
in den Zolleinnahmen enthaltenen Ertrage des Pfundzolls iiberpriifen36. Bei alien
iibrigen Einnahmequellen sind wir auf sporadisdi auftaudiende Angaben ange-
wiesen, die immer nur einen so kleinen Ausschnitt aus dem Bild der Einnahmen
geben, dafi eine hinreichend genaue Berechnung der Gesamteinnahmen nicht mog-
lich ist. Jedoch fehlt in den fiir 1499/1500 angegebenen Einkiinften eine Einnahme-
art, die fiir die Hochmeister unseres Zeitraumes noch vor den Einnahmen aus dem
Bernsteinregal die bedeutendste gewesen ist, die Ertrage der Zeisen und Ge-
schosse.
Wenigstens fiir diese Einnahmequelle sind wir etwas besser informiert. Wir ken-
nen wahrscheinlidi fast alle die Jahre, in denen die PreuBen in irgendeiner Form
Steuern zahlten, wir kennen einen groBen Teil der Steuersatze und wir haben
16
Das Ordensland bis zum Jahf 1497
eine Reihe von Nachrichten iiber den Steuerertrag37. Sehen wir uns zunadist die
Zeitriiume an, in denen die Hochraeister vom Land eine Steuer erhalten. Seit
1458 zahlen die Bewohner des Samlandes und von Konigsberg eine Zeise38. Diese
indirekte Steuer wird bis zum 18. Januar 1472 geleistet39. Ab 1472 zahlen dann
alle Einwohner Preuftens eine direkte Steuer40. Sie scheint regelmafiig jedes Jahr
bis 1478 in unterschiedlicher Hohe bewilligt worden zu sein41. Mit grofier Wahr-
scheinlichkeit ist auch fiir das Jahr 1479 dem Hochmeister nodi einmal ein Ge-
schoft bewilligt worden, denn die Stiinde des hollandischen Gebietes lehnen das
Verlangen des Hochmeisters, ihm ein Geschoft in halber Hohe des Vorjahrsge-
schosses zu geben, Mitte Marz 1479 unter anderem mit der Begriindung ab, sie
hatten in diesem Jahr dem Hochmeister bereits ebensoviel ausgerichtet wie im
Vorjahr42. Doch 1480 haben die Stiinde wahrscheinlich die Geschofiforderung des
Hochmeisters abgelehnt, denn dieser setzt — wohl als Ersatz fiir die verlorenge-
gangene Einnahme — im Tief eine neue Zeise, die nur von den fremden Kaufleu-
ten entriditet werden muft43. Aus den folgenden Jahren*haben wir dann nur ver-
einzelte Nachrichten iiber die Bewilligung direkter Steuern, so 148544, I48645,
14914в, 149647 und 149748. Aufterdem ist mit grofier Wahrscheinlichkeit 1497
zusarzlidi noch eine Zeise bewilligt worden49.
Die oben angefiihrten Steuerjahre erbringen keinen regelmafiigen, festen Betrag.
Die Steuerertrage sind abhangig von der Steuerart, die Zeise als indirekte Steuer
ist wesentlich ertragreidier als das Geschoft, die direkte Steuer. Zudem wechseln
die Hebesatze im Lauf der Jahre betrachtlich. So sind die Steuersatze fiir die seit
1458 erhobene Zeise schon wahrend des Krieges einer teilweise recht betraditlichen
Reduzierung unterworfen worden; nadi dem Friedensschlufi vergeht dann kein
Jahr, in dem die Stiinde nidit die Minderung der Zeisesatze erzwingen. Beispiels-
weise ist der Mahlsteuersatz zwischen 1458 und 1472 auf ein Viertel seiner ur-
spriinglichen Hohe herabgedriickt worden. Der Steuersatz fiir den Bierverkauf ist
1472 auf rund ein Fiinftel gesunken; der Durchschnitt der Reduzierungen liegt
zwischen 50 und 80 Prozent50. Sicher sinken die Einnahmen aus der Zeise nidit
in gleichem Mafi, da man nadi Kriegsende mit einer Zunahme des Handels rech-
nen kann, so daft der hohere Warenumschlag einen Teil des Steuerausfalls wieder
einbringt.
Fiir drei Steuerjahre liegen Nachrichten iiber den Ertrag der Zeise vor; fiir 1467
bis 1469 aus dem gesamten mit der Zeise belegten Gebiet des Ordenslandes, fiir
das Jahr 1471 nur aus den Drei Stadten Konigsberg51. Danadi erhalt der Hoch¬
meister im Steuerjahr 1467/1468 Einnahmen in Hohe von mehr als 5 300 Mark
allein aus den Drei Stadten Konigsberg, dazu kommen noch iiber 2.100 Mark aus
dem ubrigen Gebiet einschliefilich des Bistums Samland52. Die Gesamtsumme be-
lauft sich auf iiber 7.400 Mark. Im Steuerjahr 1468/1469 werden in Konigsberg
nur noch Steuercinnahmen von ca. 3.500 Mark erzielt, die Steuereinnahmen aus
dem ubrigen Gebiet einschlieftlich des Bistums Samland gehen auf gut ein Drittel
zuriick und bringen nur nodi rund 850 Mark ein; somit sind nur noch Gesamt-
einnahmen von ca. 4.4C0 Mark zu verzeidmen. Im letzten Jahr erbringt die Zeise
in den Drei Stadten Konigsberg nodi rund 1.950 Mark. Dieses rapide Absinken
Die okonomisthe Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497
17
der Steuereinnahmen ist auf die gesenkten Steuersatze oder die Entlassung vieler
Vorgiinge aus der Besteuerung zurtickzufiihren, und auch auf die nach Kriegsende
sinkenden Warenpreise sowie auf die sich im Laufe der Jahre permanent ver-
schlediternde Steuermoral der Einwohner Preufiens. Dagegen steht als Steigerungs-
faktor nur ein erholiter Warenumsatz, der aber nicht den vollen Ausgleidi bringen
kann.
Die Einnahmen aus dem Geschoft, das seit 1472 von den Bewohnern des gesamten
Ordenslandes gezahlt wird, lassen sich fiir den Kneiphof Konigsberg im Jahr 1477
belegen53. Danach entrichten die Burger des Kneiphofs eine Vermogenssteuer von
ca. 178 Mark. Die Steuersumme der Altstadt wird etwas hoher gewesen sein, die
des armeren Lobenidit betrachtlich geringer, so daft ein Gesamtsteueraufkom-
men von etwa 580 Mark aus dem Geschoft der Drei Stadte Konigsberg angenom-
men werden kann54. Bei einer direkten Steuer ist der Ertrag in den Stadten immer
um ein betrachtl idles geringer als auf dem Land; die Differenz zwisdien dem
Steueraufkommen von Stadt und Land lafit sich wenigstens ungefahr abschatzen,
wenn man — bei gleichen Hebesatzen — den Gesamtgeschofiertrag von 1485, der
2.000 Gulden betrug, zugrundelegt, dann betriige der Anteil der Drei Stiidce Ko¬
nigsberg am Gesamtsteueraufkommen weniger als zehn Prozent55. Dieses Ver-
haltnis der Steuerleistung von Stadt und Land miifite sich auch politisch zugunsten
des Landes, vor allem zugunsten des Adels, bemerkbar madien.
Vergleicht man die hier angefiihrten Steuereinnahmen des Hodimeisterstatthalters
Heinrich Reuft von Plauen mit den obcn angegebenen Gesamteinnahmen des Hoch-
meisters Herzog Friedridi, so erreichen allein die Zeiseeinnahmen des Steuerjahres
1467/68 fast die Hohe der Gesamteinnahmen Friedrichs. Im Steuerjahr 1463/69
erbringen sie noch uber die Halfte der Einnahmen, wiihrend im Jahr 1471 das
Zeiseaufkommen aus den Drei Stadten Konigsberg nodi fast ein Viertel der Ge¬
samteinnahmen von 1499/1500 betragt. Hier wird deutlich, wie widitig die Be-
willigung einer Zeise oder eines Geschosses durch die Stande fiir den Hochmeister
ist, bedeutet sie dodi eine Erhohung seiner Einnahmen um mindestens 50 Prozent,
die Geschofieinnahmen des Jahres 1485 ergaben fiir den Hochmeister sogar die
Verdopplung seiner — am Einkommen Hochmeister Friedrichs gemessenen —
iiblidien Jahreseinnahmen56.
Die aus den Jahren 1481 und 1482 vorliegenden Aufzeidmungen des Pfundmeisters
erlauben, die Pfundzollertrage'dieser Jahre mit denen des Jahres 1499/1500 zu
vergleichen57. Der Hochmeister nimmt 1481 aus dem Pfundzoll 656 Mark und
25 Schilling ein. Fiir das Jahr 1482 verzeidinet das Pfundzollregister eine Ein-
nahme von rund 680 Mark58. Im Einnahmeregister des Hodimeisters Friedrich sind
fiir das Rechnungsjahr 1499/1500 Pfundzolleinnahmen von etwas iiber 641 Mark
angegeben, dazu noch ein weiterer Betrag von rund 211 Mark, der aber aus dem
Vorjahr zu stammen scheint. Es ist daher anzunehmen, daft die Einnahmen aus
dem Pfundzoll sich zwischen 1481 und 1500 auf jiihrlidi 65C bis 700 Mark be-
ziffern, im Vergleich zu den Zeiseertragen nur ein relativ kleiner Betrag5®.
Die Einnahmen aus dem Bernsteinmonopol lassen sich fiir die dreiftig Jahre zwi¬
schen 1467 und 1497 nur schatzen. Uns ist das Muster eines Vertrages zwisdien
18
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
dem Gewerk der Danziger Bemsteindreher und dera Hodimeister aus dem Jahr
1483 bekannt, in dem ein jahrlidier Bernsteinanfall im Wert von ca. 4.000 Mark
angenommen wird60. Dieser Betrag kann daher als unterste Grenze der jahrlichen
Einkiinfte der Hochmeister aus dem Bernsteinmonopol angesetzt werden.
Fur die Einnahmen des Hochmeisters aus den Amtern Preuflens haben wir keine
ausreichenden Angaben. Wir wissen zwar, dafi der Hodimeister vertraglidi aus
einigen Amtern bestimmte Betriige erhiilt, aber derartige Angaben liegen nur fur
eine geringe Zahl von Amtern vor. Aus einem Vertrag mit dem Pfleger von Nei-
denburg aus dem Jahr 1487 ergibt sich, daft dieser dem Hodimeister fiir ein Jahr
800 geringe Mark an zwei Terminen entrichten soli, dafiir darf er „all anjelle des
Amptes brawchende sein*, auflerdem soil er den Hodimeister mit dessen Gesinde
beim ,Umzug*. vierzehn Tage lang freihalten61. Der Geldbetrag sdieint eine ein-
malige Leistung des Pflegers fiir die Ubernahme des Pflegeamtes gewesen zu sein.
Der Geldwert des Aufcnthalts des Hochmeisters mit Gesinde betrug 1477 bei
seinem damaligen Aufenthalt in Neidenburg iiber 50 Mark62; der Hodimeister
erhielte somit rund 850 Mark aus dem Pflegeamt Neidenburg, wovon aber —
bei jahrlichem Umzug — nur rund 50 Mark als eine wiederkehrende Leistung des
Pflegers angesehen werden konnen.
Bei der Einnahme, die der Hodimeister aus einem Vertrag mit dem Pfleger von
Insterburg erhalt, handelt es sich eindeutig um eine einmalige Leistung des be-
treffenden Pflegers®3. In dem Vertrag verkauft der Hodimeister dem Pfleger
Adam von Halle zu Insterburg die Holznutzung der Wildnis in dessen Pflegeamt.
Der Pfleger darf mit einem Kompagnon die Wildnis ,hauen und gebraudien, wie
er kann und mag* und soil dem Hodimeister dafiir die Summe von 500 geringer
preuflisdier Miinze geben.
In den vorliegenden Berichten und Inventaren der einzelnen Komtur- und Pflege-
amter laflt sidi in keinem Fall mit Sicherheit eine jahrlich wiederkehrende Abgabe
der Amtsleute an den Hodimeister nachweisen64, nicht einmal beim Tod eines
Amtsmannes schcint der Hochmcisterkasse immer etwas aus dem Besitzstand des
Verstorbenen zugefallen zu sein. Der Pfleger von Lochstadt vermacht seinen Besitz
durch Testament, errichtet auf „vorwilliunnge unnde vorliebunge* seiner Obersten,
einer ganzen Reihe von Personen, nur nicht dem Hodimeister65. Bei der Erbmasse
handelt es sich nicht um kleine Summen; neben einer Vielzahl redit kostbarer
Kleidungsstiicke verfiigt der Pfleger auch iiber 161 rheinisdie Gulden, das sind
ungefahr 240 gute preuflische oder 480 geringe preuflische Mark66. Den grofleren
Teil dieser Summe will der Pfleger allerdings an die baulidie Besserung des Hauses
Lochstadt gewendet sehen. Indirekt kommt dieser Teil der Erbmasse dodi dem
Hodimeister zugute, da er bei der Neubesetzung des Amtes einen hoheren ,Preis*
verlangen kann07. Unter diesen Voraussetzungen verdichtet sich die oben ausge-
sprochene Vermutung, daft es dem Hodimeister nicht gelang, alle okonomischen
Krafte des Ordens auf das Ziel der Befreiung von der polnischen Oberherrschaft
zu konzentrieren, fast zur Gewiflheit.
Ober Einnahmen aus dem Handel liegen uns ebenfalls nur sparliche Nadirichten
vor. Zwar wird von einigen Kaufen des Hochmeisters beriditet, vor allem iiber
Die okonomische Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497 19
den Kauf von Gewand, mit dem teilweise die Soldner des vergangenen Krieges
befriedigt werden88, und iiber Verkaufe89, sie sind jedoch zu vereinzelt, urn auf
einen dauernden Handel und dauernde Einnahmen daraus schliefien zu konnen.
Vollig ohne Nachrichten sind wir dagegen iiber die Einnahmen des Hochmeisters
aus den Zinsleistungen des Konigsberger Gebiets, aus Gerichtsgefallen oder aus
dem Zoll von Labiau, der 1499/1500 immerhin 225 Mark eingebradit hat. Wir
konnen nur vermuten, daft diese Einnahmen sidi, jedenfalls in den letzten Jahren
vor 1497, in ungefahr derselben Hohe bewegt haben wie in den ersten Jahren der
Hochmeisterzeit Herzog Friedrichs von Sachsen.
Nach alien vorliegenden Nadiriditen diirften sidi die Gesamteinnahmen der Hoch-
meister zwischen 1466 und 1497 auf mindestens 8.000, hochstens jedoch 16.000
Mark belaufen haben, je nadidem, ob die Stande dem Hochmeister eine Sceuer
bewilligt oder abgelehnt haben. Eine Gesamteinnahme, wie sie der Ertrag der
Zeise von 1467/68 und die Jahreseinkiinfte Hochmeister Friedrichs von 1499/
1500 ausmachen, rund 18.000 Mark, kann wohl kaum fur die Zeit zwischen 1466
und 1497 angenommen werden.
Die Einnahmen des Hochmeisters reichen nicht hin, um den vielfaltigen Anforde-
rungen, die an seine Kasse gestellt werden, geniigen zu konnen, dafiir legen die
vielen Schuldbriefe und Verpfandungen und die vielen- Darlehensaufnahmen, die
sich im Ordensarchiv befinden, ein beredtes Zeugnis ab70. Bei den Darlehen, die
der Hochmeister aufnehmen mull, fallen besonders die Summen ins Auge, die
er sidi von den Amtsleuten des Ordens borgt und die diese ihm leihen konnen71.
Das deutet darauf hin, daft die wirtschaftliche Lage zumindest einiger Amtsleute
bedeutend besser als die des Hochmeisters ist.
b) Die Amtsleute des Ordens
Unter dem Begriff ,Amtsleute* werden Komture, Vogte und Pfleger verstanden.
Ober ihre wirtschaftliche Entwicklung sind wir unterschiedlich gut unterrichtet.
Die uns vorliegenden Inventare der Ordenshauser lassen einen allgemeinen Schlufi
auf die okonomischen Verhaltnisse dieser Gruppe zu, detailliertere Erkenntnisse
lassen sich jedoch nur fur einige Pflegeamter gewinnen.
Als Beispiel fur den allgemeinen Trend der okonomischcn Entwicklung sollen die
Inventare der Hauser Osterode und Holland angefiihrt werden. Beide Schlosser
sind Sitz eines Komturs. Als Martin Truchsefi im September 1477 das Haus Oste¬
rode seinem Nachfolger iibergibt, findet dieser ein gut ausgestattetes Haus vor72.
Kiiche und Keller sind mit Vorrat versehen, die Waschekammer ist ebenso gefiillt
wie die Riistkammer. Das fallt besonders auf im Vergleich mit dem Inventar, das
der Komtur von Holland drei Jahre friiher bei seiner Ablosung hinterliefi73. Ver-
gleicht man jedoch das osterodische Inventar von 1477 mit einem des Jahres 1488,
wirkt es beinahe armlich74. Nicht nur, daft die Kiiche jetzt insgesamt iiber grofiere
Vorrate verfiigt, es finden sich auch beachtliche Mengen von Pfeffer, Safran und
Rosinen; mit Kiichengeraten ist man elf Jahre spater ebenfalls wesentlich besser
ausgestatte:, hatte man 1477 in der Kiiche 18 Gerate, so sind es nunmehr schon 88,
darunter sechs Scheiben, also Teller75. Eindrucksvoll dokumentiert sich die beacht-
20
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
liche Aufwartsentwicklung auch in den Getranke- und Getreidevorraten. Werden
fiir das Haus 1477 iiber 32,5 Tonnen Bier und Met der versdiiedensten Arten
aufgefiihrt, so sind es 1488 bereits 44,5 Tonnen. Die Getreidevorrate steigen von
17 Last aller Sorten einschliefilich Mehl und Malz auf fast 25 Last. Beriicksichtigt
man, dafi das Schlofi Osterode in dem am sdiwersten durdi den Krieg zerstorten
Gebiet des Ordenslandes liegt, so ist der sichtbar gestiegene Wohlstand nodi hoher
zu bewerten.
Ein ahnlich eindrucksvolles Bild ergibt sidi bei der Gegeniiberstellung zweier 1и-
ventarverzeichnisse des Hauses Holland. Fiir die Jahre 1466 bis 1497 liegt jedodi
nur das schon erwahnte Inventar vor, das daher mit einem Inventar des Jahres
1507 verglichen werden mufi. Der Unterschied zwischen der Ausstattung des Hauses
in den Jahren 1473 und 1507 ist so grofi, daft der 1507 ohne Zweifel vorhandene
Reichtum nidit erst in den letzten zehn Jahren angesammelt worden sein kann78.
Die Amtsleute des Ordens haben eine gewisse Armlidikeit ihrer Lebensumstande
unmittelbar nadi dem Krieg sichtbar bald iiberwunden. Ihre Einnahmen miissen
so stark gestiegen sein, dafi sie neben den notwendigen Amtsausgaben ihre Amts-
sitze, wenn nicht luxurios, so dodi reich ausstatten konnten.
Aus welchen Quellen speisen sidi die Einnahmen der Komture und Pfleger? Grund-
satzlich aus ahnlichen wie die des Hochmeisters. Es fehlen jedodi die Steuerein-
nahmen, die Einnahmen aus dem Bernsteinregal, der Miinze und den Zollen, es
bleiben die Zinseinnahmen von den Untersassen, die Gerichtsgefalle, die Einnah¬
men aus der Eigenwirtsdiaft der Ordensamter und eventuelle Einnahmen aus
eigener Handel statigkeit. Wie schon bei den Einnahmen des Hochmeisters, fehlen
uns auch bei den Amtsleuten in weitem Mafie zusammenhangende Nachrichten
iiber die einzelnen Einkommensarten. Fiir die sieben Komture des verkleinerten
Ordenslandes haben wir bis auf die Angaben, die sich auf die zu den Komturs-
sitzen gchorenden Vorwerke beziehen, nur eine weitere Nadiricht iiber die Ein-
kommensverhaltnisse. Ober die Einnahmen der Pfleger sind wir besser unterrichtet;
aufier den Inventaren der Hauser und Vorwerke finden sidi auch Angaben iiber
die Einnahmen aus den Grundzinsen, aus gewissen Handelstatigkeiten, Vermietun-
gen und anderen Quellen.
c) Die Eigenwirtschaft dei Amtsleute
Wir untersudien zunadist die Angaben iiber die Gutsbetriebe, die zu den Kom-
turshausern gehoren, um uns dann der Eigenwirtschaft der Pfleger zuzuwenden77.
Als Beispiele sollen die Vorwerke der Komture von Osterode und Rhein dienen.
Fiir die Jahre 1477 und 1488 haben wir in den Inventarlisten des Komturs von
Osterode Angaben iiber Viehbestand, Getreidevorrat und landwirtsdiaftliche Ge-
rate, fiir das Jahr 1477 auch noch die Aussaatmengen von den Hofen vor dem
Schlofi Osterode, zu Teuernitz und in Hohenstein78. Betrachtet man den Grofi-
viehbestand des Hofes vor dem Schlofi, stellt man fest, dafi die Zahl der Pferde
zwischen 1477 und 1488 von 12 auf 18 angewachsen ist. Der Rindviehbestand
ist von 20 auf 33 Stuck gestiegen, dagegen ist die Zahl der Schafe von 200 auf
112 und die Zahl der Sdiweine von 30 auf 22 zuriickgegangen. Die Veranderungen
Die okonomische Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497 21
im Viehbcstand deuten darauf hin, daft die Produktion von Schlachtvieh und
Wolle eingeschrankt worden ist. Auf die Ausdehnung der Feldwirtschaft deutet
hin, daft sich die Zahl der auf dem Hof vorhandenen Pfliige von eins auf zwei
erhoht hat, aufierdem werden im Jahr 1488 erstmals zwei Eggen angegeben. 1477
liegen zur Saat eine Last Korn (Roggen), 1,5 Last Hafer und 25 Scheffel Gerste
bereit. Diese Angaben, in Verbindung mit der Pflugzahl, lassen eine annahernde
Berechnung der Gutsgrofie zu79. Die Gesamtaussaatmenge betragt knapp drei Last
Getreide, das ergiibe eine Vorwerksgrofie von etwa 180 Hektar, wahrend der eine
1477 Vorhandene Pflug nur auf eine Gutsgrofie von rund 90 Hektar schliefien
lafit. Es ist anzunehmen, daft die sich aus der Saatmenge ergebende Grofie des Vor-
werks die richtigere ist, da die Zahl der vorhandenen Pfliige bis zum Jahr 1438
verdoppelt wird und damit der Gutsgrofie von ca. 180 Hektar entspridit. Ver-
gleicht man die Angaben iiber die Ausriistung des Hofes vor dem Schlofi aus den
genannten beiden Jahren mit gleichartigen Angaben aus dem Jahr 1449, so kann
man schliefien, dafi nach 1466 der Komtur sein unmittelbar zum Schlofi gehorendes
Vorwerk ausbaute und zu einer verstarkten Feldwirtschaft iiberging90.
Fiir das Vorwerk in Hohenstein liegen die Verhaltnisse anders. Es scheint ein
eindeutig auf die Produktion von Schlachtvieh ausgerichtetes Gut gewesen zu sein.
Es finden sidi keine Angaben iiber Saatmengen oder Pfliige, sondern nur iiber
den Viehbestand und die Getreidevorrate. Auch hier lafit sich bis 1488 eine ein-
deutige Steigerung der Viehzahlen nachweisen, so dafi fast die Vorkriegsbestande
an Rindvieh wieder erreidit werden.
Die Tendenz zu einem Ausbau der Eigenwirtschaft ist auch an den Zahlen fiir das
Gut Teuernitz abzulesen. Der Grofiviehbestand wadist zwisdien 1477 und 1488
von 25 Snick Rindvieh auf 70 Stuck, die Zahl der Pferde steigt von 15 sogar auf
78 an, ebenso ist die Zahl der Schweine von 20 auf 33 gesteigert worden. Auch
in Teuernitz wird verstiirktes Gewidit auf die Feldwirtschaft gelegt; das geht
daraus hervor, dafi neben 32 Pflugpferden auch 18 Ochsen, also ebenfalls Zug-
tiere, genannt werden. Ein weiteres Zeidien fiir die Verstarkung ist darin zu
sehen, daft 1477 nur ein Pflug vorhanden war, 1488 jedoch zwei. Da wir fiir 1477
Angaben iiber die Saatmengen haben, konnen wir die bewirtschaftete Flache eben¬
falls schatzen. Es sind 70 Scheffel Korn und Gerste zur Aussaat bereitgestellt, das
wiirde auf eine bewirtschaftete Flache von ungefahr 70 Hektar deuten, eine Grofie,
die mit dem einen vorhandenen Pflug auch bearbeitet werden konnte. Sie mufl aber
im Lauf der nachsten Jahre vergrofiert worden sein, da sonst die Anschaffung
cines zweiten Pfluges und zweier Eggen iiberfliissig gewesen ware.
Wir konnen feststellen, dafi nach 1466 in der Komturei Osterode der Eigenbetrieb
des Komturs betrachtlich ausgebaut worden ist und neben der Sthlachtviehproduk-
tion in verstarktem Mafie Feldwirtschaft betrieben wurde. Ob die Produktion
dieser ausgeweiteten Eigenwirtschaft iiber den Eigenbedarf hinaus auch fiir den
Handel genutzt worden ist, lafit sich aus Mangel an Nachrichten nicht feststellen.
Unter Beriicksichtigung der vorhandenen Getreidevorrate und der Aussaatmengen
scheint zumindest bei der Getreideproduktion der Eigenbedarf wesentliches Motiv
fiir die Eigenwirtschaft gewesen zu sein. Das sdiliefit nicht aus, dafi etwaige Uber-
22
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
schiisse der landwirtschaftlichen Produktion und der anfallenden Naturalabgaben
der Untersassen in guten Emtejahren audi verkauft wurden.
Als zweites Beispiel soil die Komturei Rhein dienen. Der Amtmann in Rhein
nennt sich bis 1477 Pfleger, von diesem Jahr an dann Komtur zu Rhein. Fiir das
Haus Rhein liegt nur aus dem Jahr 1490 eine Inventarliste vor81. Vergleiche
iiber die Entwicklung der Eigenwirtschaft des Komturs zwischen 1467 und 1497
lassen sich daher nicht anstellen. Da jedodi aus dem Jahr 1420 eine weitere Inven¬
tarliste vorliegt82, lassen sich wenigstens die Verhaltnisse vor und nach dem Biii-
gerkrieg einem Vergleich unterziehen.
Die Angaben fiir 1420 sind recht sparlich; im Viehhof des Hauses Rhein wurden 25
Stuck Rindvieh und 30 Schweine gezahlt, aufterdem verfiigt man iiber einen Pflug
und vier Haken. Die Eigenwirtschaft beschrankte sich wahrscheinlich darauf, die
Kiiche des Hauses mit Fleisdi zu versorgen und die notwendigen Futtermittel fiir
das Vieh zu produzieren. 1490 haben sich die Verhaltnisse vollig gewandelt. Die
Eigenwirtschaft ist wesentlich ausgedehnter, ncben 59 Stuck Rindvieh finden sich
16 Pferde, 45 Schweine und 150 Schafe. Die Produktion von Schlachtvieh ist also
deutlidi angestiegen, dazu scheint man an der Eigenproduktion von Wolle inter-
essiert zu sein. Aber nicht nur die Viehwirtschaft ist ausgebaut worden, sondern
auch. die Feldwirtschaft. Von den 16 vorhandenen Pferden sind 10 ziehende
Pferde, man verfiigt nodi immer iiber einen Pflug, stellt aber knapp viereinhalb
Last Getreide zur Aussaat bereit. Die Aussaatmenge deutet auf eine bewirtschaftete
Flache von 270 Hektar. Dafiir miiftten eigentlidi drei Pfliige auf dem Hof vor-
handen sein. Da das nicht der Fall ist, kann vermutet werden, daft der Komtur
von Rhein in ziemlich groftem Umfang mit bauerlichem Pflugdienst gearbeitet
hat.
Fiir die Eigenwirtschaft des Komturs laftt sich also ein wesentlidier Ausbau fest-
stellen; an welchem Zeitpunkt er einsetzte, ist nicht eindeutig zu klaren, da zwi-
schen den beiden Inventarlisten immerhin 70 Jahre liegen. Man kann nur vermuten,
daft der Gutsbetrieb in der Zeit des Komturs von Rhein, d. h. nach 1477, eine
starke Erweiterung erfahren hat.
Die beiden bisher angefiihrten Beispiele stellten Eigenbeviebe aus entweder im
Krieg stark verwiistetem oder erst nadi 1466 in grofierem Umfang besiedeltem
Gebiet vor. Um festzustellen, ob die Ergebnis?e der Untersuchung auch fiir Ordens-
vorwerke in anderen Gebieten giiltig sind, soil als drittes Beispiel die Eigenwirt¬
schaft des Pflegers von Lochstadt abgehandelt werden83.
Lochstadt verfiigt iiber drei Vorwerke, den Hof beim Haus Lochstadt und die
Hofe Gautiken und Wugram. Im Viehbestand der drei Hofe sind die Zahlen vom
Ende des 14. Jahrhunderts bereits 1476 wieder erreidit84. Befanden sich am Ende
des 14. Jahrhunderts fiinf Pfliige in Lochstadt, so steigert sich diese Zahl bis 1476
auf sieben Pfliige, dazu kommcn noch sechs Eggen. Die Pflugzahl weist auf eine
bewirtschaftete Flache von rund 450 Hektar 1399 bzw. 630 Hektar 1476. 1485
werden auf den Feldern der Lochstadter Vorwerke 9 Last 17 Scheffel Winter-
roggen ausgestit, die bewirtschaftete Gesamtfliidie der Vorwerke betragt demnach
rund 600 Hektar. Da nur die Winteraussaat bekannt ist, man aber im Friihjahr
Die okonomische Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497 23.
wahrsdieinlich noch Gerste, Hafer und Weizen gesat hat, mufi die bewirtschaftete
Flache bedeutend grofier gewesen sein. Fur eine sehr intensive Feldwirtschaft im
Pflegeamt Lochstadt sprechen auch die Angaben iiber den nodi nidit ausgedrosche-
nen Getreidevorrat. Es befindcn sich in den Scheunen 28,5 Last Roggen, 30,5 Last
Gerste und 10 Last Hafer ,im Stroh'86. Audi den Angaben iiber die Aussaatmengen
fiir das Jahr 1507, 12 Las: in alien Hofen, lafit sich entnehmen, dafi die feldwirt-
sdiaftlich genutzte Flache in den folgenden Jahren weiter auf mindestens 720
Hektar ausgedehnt wurde88. Die Getreideanbauflache ist wahrsdieinlich zugunsten
der Weideflache erweitert worden, denn gleichzeitig gehen die Zahlen der in den
Hofen vorhandenen Schafe zuriick.
Audi die Lochstadter Zahlen lassen nidit den Sdilufi zu, dafi der Orden den Be-
trieb seiner Domanen nach 1466 einschrankt, sondern sie deuten darauf hin, dafi
er ihn zugunsten der Feldwirtsdiaft nodi ausgebaut hat.
Fiir das Pflegeamt Lochstadt gibt es schon fur das Jahr 1467 Hinweise darauf,
dafi die landwirtsdiaftliche Produktion nidit aussdiliefilidi zur Dedcung des Eigen-
bedarfs benotigt wird, denn der Pfleger verkauft in diesem Jahr kleinere Mengen
Getreide nadi Elbing87.
Als letztes Beispiel soli die Eigcnwirtschaft der Pflegeamtcr Neidcnburg und
Ortelsburg vorgestellt werden. Zum Haus Neidenburg gehoren vier Hofe, der vor
dem Schlofi und die zu Neuhof, Kothenbcrg und Wildenberg. Von Wildenberg
wissen wir, dafi dort am Ende des 14. Jahrhunderts Weidiselkahne gelegen haben88,
noch 1411 ist ein Hof hier nicht erwahnt8®. Erstmals im Jahr 1485 finden sidi
dann Angaben iiber eine grofiere Anzahl von Vieh, obschon bereits 1477 Lohn-
zahlungen fiir Hofgesinde unter den Ausgaben des Pflegers auftaudien90. Im
Jahr 1488 werden neben den Angaben iiber den Viehbestand noch geringfiigige
Saatmengen erwahnt®1. Ahnlich scheint die Entwicklung in Kothenberg verlaufen
zu sein. Es wird gleichfalls 1485 zum ersten Mai erwahnt, sein Viehbestand ist
etwas grofier als der des Wildenberger Hofes und die Angaben iiber das Saatgut
im Jahr 1488 bewegen sich gleichfalls nur in Sdieffelgrofien®2. Anders steht es in
dieser Hinsicht mit dem Hof vor dem Schlofi und dem Neuhof in den Jahren
zwischen 1485 und 1488. Beide sind recht ansehnlich mit Grofivieh besetzt, dock
nur vom Neuhof kennen wir fiir 1488 die Aussaatmenge, es sind eine Last und
19 Scheffel Getreide. Daraus ergabe sich eine bewirtschaftete Flache von ca. 80
Hektar. Die Eigenwirtsdiaft des Hauses Neidenburg gehort demnadi zu den
mittleren und kleineren Betrieben ihrer Art im Ordensland, obwohl auch bei ihr
ein gewisser Ausbau, vor allem der Feldwirtsdiaft, nicht zu iibersehen ist.
Ahnlich wie in Neidenburg liegen die Verhaltnisse der Eigenwirtsdiaft des Pfle¬
gers von Ortelsburg. Die Inventare der Jahre 1477 und 1485 zeigen nadi dem
Viehbestand einen mittelgrofien landwirtsdiaftlidien Betrieb, andere Angaben,
wie etwa Pflugzahlen oder Saatmengen, fehlen vollig®3. Zieht man die Angaben
iiber die Aussaatmengen aus den Jahren 1440 und 1507 heran, um eine Aussage
iiber die bewirtschaftete Flache machen zu konnen, so ergibt sich eine Vorwerks-
grofie von 120 bis 180 Hektar. Audi das Vorwerk Ortelsburg dedtt demnach vor-
wiegend nur den Eigenbedarf. Die eigentliche Einnahmequelle bcider Pfleger wer¬
den wir nicht in den landwirtsdiaftlidien Betrieben zu suchen haben.
24
Das Ordensland Bis zum Jahr 1497
d) Die Einnahmen aus den Amtern
Nach dieser Skizzierung der Entwicklung der Eigenwirtsdiaft in den Koratureien
und Pflegeamtem wollen wir uns der Untersuchung der Einkiinfte der Komture
aus dem Hufenzins der Untersassen zuwenden. Zwar gibt es dafiir nur eine Quelle,
aber sie laflt an Ausfiihrlichkeit nichts zu wiinschen iibrig. Der Komtur von Bran¬
denburg und Oberste Spittler, Veit von Gich, lafit 1467 ein ,Buch‘ schreiben, in
das aller ,Zins und Jahrgeld* dcs Hauses Brandenburg eingetragen wurde®4. Die¬
ses Zinsbuch stimmt in groflen Teilen mit den Angaben aus dem Jahr 1437 iiber-
ein*5, es ist aber nicht einfadi abgeschrieben, sondern sdieint vollig neu zusammen-
gestellt worden zu sein, da es beispielsweise sowohl bei den Angaben iiber die
Hufenzahl verschiedener Dorfer von den Angaben von 1437 abweicht, als auch
eine Reihe anscheinend neu angelegter oder erst nach 1437 zum Zinsen gekom-
mener Dorfer angibt bzw. eine Reihe von Zinseinnahmen, die 1467 anscheinend
nicht mehr zum Haus Brandenburg gehoren, nicht anfiihrt.
Im Vergleich mit dem Zinsregister des Jahres 1437 ergibt sich erstaunlicherweise,
obwohl eine ganze Reihe von Dorfern nidit mehr angefiihrt werden oder nur
Pflugkom bringen, dafi die Einnahmen der Komturei nidit sehr stark gesunken
sind. Kamen 1437 an Geld 2.737,5 Mark weniger 5 Skott ein, so sind es 1467
immer nodi 2.192 Mark und 8 Skott. Freilich ist der Hufenzins 1467 um rund ein
Drittel von 2.363 Mark weniger 5 Skott auf 1.529,5 Mark 8 Skott zuriickgegangen,
dafiir sind aber die Ertrage aus dem Kretzemzins und dem Miihlenzins bedeutend
gesteigert worden, denn sie erhohen sich von 281,5 Mark auf 309 Mark bzw.
von 156 auf 353,5 Mark. Ob die Naturalabgaben der Untertanen sich in dem-
selben Mafi verandert haben, laflt sich leider nicht feststellen, da bei den Angaben
fur 1437 die Zehntleistungen in die angegebenen Zahlen mit eingerechnet sind,
wahrend sie 1467 fehlen. Am ehesten lassen sich nodi die Zahlen fur den Hafer-
ertrag vergleichen; fur 1437 sind 8.000 Scheffel Hafer an „czeenden, crawssewesen
und pflugbabir* eingekommen, 1467 sind es vom Pflughafer allein immer nodi
5.365.5 Sdieffel. Mit den Angaben fur die Komturei Brandenburg hat man ein
sehr deutliches Beispiel dafiir, daft es vollig unhaltbar ist, Pausdialurteile iiber
Bevolkerungszahlen und Wohlstand eines grofieren Gefcietes abzugeben. Inner-
halb dieses grofien Gebietes sind die Gegebenheiten viel zu unterschiedlich, als daft
ein Gesamtiiberblick der tatsadilichen Situation der einzelnen Gebiete entspredien
konnte.
Fiir die Komturei Brandenburg sehen wir uns in der gliicklichen Lage, die An¬
gaben des Zinsregisters von 1467 fiir zwei Dorfer durdi Angaben aus dem Jahr
1485 kontrollieren zu konnen06. Es sind die Dorfer Uderwangen und Lindenau.
Fiir Uderwangen sind 1467 72 Zinshufen angegeben, fiir jede Hufe wurde ein
Zins von 16 Skott und zwei Hiihnern gezahlt, auflerdem brachte das Dorf 180
Scheffel Pflughafer ein. Im Jahr 1485 werden in Uderwangen 69 Hufen gezahlt,
die den gleichen Zins zahlen miissen, aufierdem ist fiir jede Hufe Pflugkom von
2.5 Sdieffel Hafer zu entriditen. Drei Hufen sind zu diesem Zeitpunkt unbe-
setzt, eigentlidi sogar vier, aber eine Hufe ist vom Komtur an den Muller zur
Aussaat vermietet worden, der dafiir den hohen Zins von 12 Schillingen je Morgen
Die okonomische Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497
25
zahlen soil. Fur Lindenau sind 1467 53,5 Zinshufen angegeben worden, fur die
ein Zins von einer halben Mark und zwei Huhnern entrichtet werden mufite; auch.
zahlte das Dorf 135 Sdieffel Pflughafer. 1485 werden im Dorf 52 Zinshufen
gezahlt, die einen Zins in gleidier Hohe zu entrichten haben und pro Hufe 2,5
Sdieffel Pflughafer geben miissen. Es gibt im Dorf drei wiiste Hufen, von denen
eine an den Schulzen vermieret wurde, der dafiir eine Mark, also doppelten Zins,
zu zahlen hat. Neben den Zinsertragen hat der Komtur eine neue Geldquelle
entdeckt, die Sdiarwerksablosung durdi ein Freigeld von drei Firdung je Hufe, so
daft er noch einmal etwas mehr als die Summe des Geldzinses einnehmen kann.
Die Scharwerksablosung deutet darauf hin, daft die Komturei Brandenburg sehr
gut mit Bauern besetzt ist, so dafi insgesamt eine hohere Scharwerksleistung zur
Verfiigung steht als vom Komtur in Anspruch genommen werden kann.
Die weitgehende Bestatigung der Angaben des Zinsbuches fiir die beiden Dorfer
vom Jahre 1467 durch das Zinsregister des Jahres 1485 erlaubt uns, auch die
anderen Angaben des Jahres 1467 als im grofien und ganzen richtig anzusehen97.
Der Brandenburger Komtur verfiigt iiber ein — im Verhaltnis zu 1437 — recht
gutes Zinseinkommen aus seinem Gebiet98. Sicher sind derart giinstige Voraus-
setzungen nicht in alien Komtureien des Ordenslandes anzutreffen; wir werden bei
den Pflegeamtern sehen, dafi eine so gute Besetzung wie im Brandenburger Gebiet
keinesfalls die Regel ist. Leider haben wir aber fiir die iibrigen Komtureien keine
Angaben iiber ihr Zinseinkommen99, so dafi wir uns mit der Vermutung begniigen
miissen, dafi es wahrscheinlich im Verhaltnis zu 1437 nicht so giinstig gewesen
ist wie in der Komturei Brandenburg. Das bedeutet aber durchaus nicht, dafi die
Komture darben mufiten. Fiir das Jahr 1495 haben wir ein Verzeichnis iiber die
Schulden, die der Komtur von Balga und Oberste Trapier hinterlassen hat. Er
hat — moglicherweise — fehlende Einnahmen durch Kreditnahme erganzt100. Die
Schuldsumme belauft sich auf die beachtliche Hohe von 1.016,5 Mark 1 Skott und
1 Schilling. Glaubiger waren Kaufleute, Handwerker, Wirte, Knechte der Vor-
werke und auch zwei Angehorige des preufiischen Adels. Zwar wird die Schuld,
wie es schon die Uberschrift des Registers besagt, vom Komtur bestritten, aber
seine Marginalien neben den einzelnen Schuldposten wirken nicht recht iiberzeu-
gend. Einer der Schuldposten demonstriert sehr drastisch den Lebensstil eines
Komturs, es heifit „43 Mark der wirttn zeu Konigsberg und mitt seinen gesellen
daselbst vorezertt". 43 Mark sind etwas weniger als vergleichsweise die oben
erwahnten Dorfer Uderwangen und Lindenau an Hufenzins zahlen miissen. Dem
Komtur macht diese Ausgabe auch gar kein Kopfzerbrechen, seine Randglosse
lautet: „dafi ist also**.
Da uns fiir die Komture andere Angaben iiber ihre Einkommensquellen fehlen,
miissen wir uns versagen, sie auch nur ungefahr zahlenmafiig einzuschatzen. Uber
die zweite Gruppe der Amtsleute des Ordens, die Pfleger, sind wir weitaus besser
unterrichtet.
Von den Pflegeamtern Lyck und Neidenburg liegt je ein Rechnungsbuch vor, fiir
Neidenburg dazu noch ein weiteres Einnahme- und Ausgaberegister sowie eine
Aufzeichnung iiber Wachs und Pflugkorn101. Fiir das Pflegeamt Ortelsburg ver-
26
Das Ordensland bis.zum Jahr 1497
fiigen wir neben den Inventaren iiber eine Aufzahlung aller Einnahmearten des
Pflegers mit der Angabe der angefallenen Betrage sowie eine Zahl fur die wichtig-
sten Ausgaben des Amtes102. Die Einsichten, die wir dadurch iiber die okonomische
Lage dieser Ameer gewinnen werden, diirften — sicher nicht im Detail, aber in der
Tendenz — reprasentativ fiir die anderen Pflegeamter sein.
Die niihere Untersudiung der Einkiinfte des Pflegers von Neidenburg erlaubt uns
gleichzeitig einen detaillierten Einblick in die wirtschaftlichen Verhaltnisse des
Gebietes. Eine wichtige Einnahmequelle bildet das Zinsaufkommen der Untertanen.*
Hatte das Kammeramt Neidenburg 1437 noch 74 Dienste aus 43 Dorfern, so
verfugt es 1477 noch immer iiber 50 Dienste aus nur 20 Dorfern103. 1437 wurde
noch zwischen kulmischen und preufiischen Diensten unterschieden, 1477 ist diese
Unterscheidung entfallen. Der Pfleger erhalt 1477 insgesamt 1,5 Last 4,5 Scheffel
Weizen und ebensoviel Roggen an Pflugkorn aus 21 Dorfern und anscheinend 8
Einzelgehoften. Zu diesen Naturaleinnahmen kommen fiir die Zeit zwischen dem
1. Juli 1477 und Weihnachten desselben Jahres noch eine Reihe von Geldein-
nahmen104. So erhalt der Pfleger von sieben Pechofen 42,5 Mark106. Aufierdem
zahlen ihm vier Hammermeister 38 Mark und eine halbe Last Eisen. Im Vergleidi
dazu erzielte man im Kammeramt Neidenburg im Jahre 1437 aus ebenfalls 4
Eisenwerken 18 Mark und 2 Last Eisen100. Die Einnahmen aus dem Muhlenzins
haben' sich gegeniiber 1437 ebenfalls stark erhoht. Kamen an barem Geld von
den Miihlen 6 Mark ein, so sind es 1477 21 Mark und 8 Skott im halben Jahr,
dafiir sind Naturalabgaben in Hohe von 2,5 Last Roggen und 8 Pfund Pfeffer 1477
nicht mehr verzeichnet. Bei dem wertmafiigen Vergleich der Einnahmen aus den
1437 und 1477 vorhandenen Miihlen wird deutlich, daft der Muhlenzins iiber
den Ausgleich fiir die Miinzwertverschlechterung hinaus erhoht worden ist. Zahlte
der Miiller von Lanaw 1437 fiir das ganze Jahr 4,5 Mark und 4 Skott, so mufi
er 1477 fiir das ganze Jahr 12 Mark entrichten. Bei der Miihle von Konusch
ist der Zins von 1,5 Mark auf 6 Mark 16 Skott erhoht worden. Die Miihle in
Willendorf entrichtete 1437 einen Naturalzins von 1,5 Last Roggen, 1477 miissen
9 Mark an Geldzins gezahlt werden. Diese Umwandlung des Naturalzinses in
einen Geldzins bedeutet gleichzeitig eine Zinssteigerung, da der Pfleger von Neiden¬
burg fur 1,5 Last Roggen im gleichen Jahr nicht etwa 9*Mark zahlen mufite,
sondern nur 4,5 Mark. Da wir eine ahnliche Umwandlung von Naturalzins in
Geldzins auch bei einem Eisenwerk feststellen konnen, mufi man wohl annehmen,
dafi der Geldzins fiir den Pfleger — abgesehen von der bei der Zinsumstellung
vorgenommenen Zinserhohung — wertvoller war als die Naturalabgabe.
Aus fiinf Dorfern erhalt der Pfleger einen Hufenzins von 23 Mark und 4 Skott
fur das halbe Jahr. Dazu kommen noch weitere 3 Mark Hufenzins aus den
separat aufgefiihrten Dorfern Badranghof und Malpoffe, die 1437 im Kammeramt
Neidenburg nicht erwahnt sind.
Zu diesen Zinseinnahmen erhalt der Pfleger vom Hochmeister 44 Mark als Zu-
schufi. Aufierdem nimmt er vom Geschofi 47 Mark und 16 Schilling ein, erzielt
durch den Verkauf von 30 Tonnen Hecht 200 Mark und erhalt aus der Herbst-
fischcrci von Malpoffe noch einmal 7 Mark, so dafi er fiir das halbe Jahr iiber
Die okonomische Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497 27
Geldeinnahmen in Hohe von 480 Mark 3 Firdung und 8 Schilling verfiigt. Neben
diesen Geldeinnahmen und den bereits erwahnten Naturalzinsen erhalt er weitere
Naturalabgaben und zwar aus den beiden auch 1437 bereits erwahnten Miihlen
beim Hause Neidenburg 7 Last und 50 Scheffel Malz und eine Last 20 Scheffel
Roggen. Aus den Hofen empfiingt er 7 Last 18,5 Scheffel Roggen, 3,5 Last und 10
Scheffel Hafer, 1 Last 10 Scheffel Gerste, 15 Scheffel Erbsen, die aber nichts
taugten, und 1 Last Buchweizen107.
Die Bareinnahmen des Pflegers miissen, will man seine Jahreseinnahmen beredinen,
ungefahr veraoppelt werden; bei den Naturaleinkiinften ist das, zumindest bei
den Einnahmen aus den Hofen und dem Pfluggetreide, nicht zulassig, da diese nur
einmal im Jahr nach der Ernte anfallen. Der Pfleger von Neidenburg hatte dem-
nach Geldeinnahmen von rund 960 Mark im Jahr. Die Natural einnahmen lassen
sich, da der Pfleger nodi verschiedene Gerreidesorten, Malz und Eisen kauft,
nach den dafiir gezahlten Preisen in Geldwert umrechnen. Danach repriisen-
tieren die 15 Last 40 Scheffel Malz einen Wert von rund 114 Mark108, und die
knapp 11 Last Roggen einen Wert von 40 Mark 20 Schilling109, fur die dreiein-
halb Last 10 Scheffel Hafer wiirdc er 12 Mark 50 Schilling erhalten110, fur die
Erbsen 5 Mark111 und fur das Eisen etwas weniger als 24 Mark112. Es kommen
also zu den beachtlichen Geldeinnahmen noch einmal knapp 200 Mark hinzu,
so dafi der Pfleger von Neidenburg im Jahr iiber etwa 1.160 Mark an Einnahmen
zuziiglich einiger nicht umrechenbarer Naturalabgaben verfiigen wiirde. Diese
Summe stellt sicher nicht den Hochstbetrag dar, da das Einnahmeregistcr nicht
vollstandig zu sein scheint, denn zumindest fehlen die Zinseinnahmen aus der
Stadt Neidenburg. Weiter hat der Pfleger wahrscheinlich noch Einnahmen aus der
Verpachtung der zum Haus gehorenden Seen erzielt, da nicht anzunehmen ist,
daft er nur den See bei Malpoffe verpachtet hat, miifiten unter den Naturalein-
nahmen doch sonst die Ertriige der Herbsthscherei erscheinen.
Um einen Dberblick iiber den Wert zu bekommen, den ein Pflegeamt fur einen
Ordcnsbruder darstellt, miissen seinen Einnahmen natiirlich die Ausgaben gegen-
iiber gestellt werden. Sic setzen sich in Neidenburg zusammen aus Abgaben an
den alten Pfleger in Hohe von 69,5 Mark, aus den Ausgaben fur den taglichen
Bedarf, fur die Erhaltung der Gebaude, Botcnlohne und Reisekosten sowie den
Gcsindelohnen. Sie betragen fur das 2. Halbjahr 1477 569 Mark und 9 Skott, so
dafi fur das ganze Jahr etwa 1.140 Mark Ausgaben anfallen konnten. Stellt man
diese Zahl den oben ermittclten Einnahmen gegeniiber, so wiirde ein Oberschufi
von 20 Mark bleiben, aber nur unter der Voraussetzung, dafi der Pfleger samtliche
Naturaleinnahmen verkauft hatte. Da das sehr unwahrscheinlich ist, wiirde, unter
der Annahme einer ehrlichen Rechnungslegung des Pflegers, die Ubernahme eines
Pflegeamtes fur den Ordensbruder ein Verlustgeschaft sein, zumal noch vom
Hochmeister ein Zuschufi von 44 Mark gezah.lt worden ist. Da aber nicht bekannt
ist, dafi sich die Ordensbruder gegen die Cbernahme eines Amtes gewehrt haben,
miissen wir wohl annehmen, dafi die Einnahmen und Ausgaben eines Pflegeamtes
zumindest ausgegliehen waren, und das Amt dem Ordensbruder zudem einen
redit aufwendigen Lebensstil gestattere. Einen solchen Lebensstil kann man voraus-
28
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
setzen, wenn man erfahrt, dafi der Pfleger zusammen mit dem Priesterherren an-
lafilich einer Reise nach Konigsberg dort 8 Mark verzehrte; vergleichsweise sei
erwahnt, dafi ein Knecht im Jahr 9 Mark zuzuglich Schuhen und Kleidung
erhielt113. Zudem liiflt sich nicht iib'ersehen, dafi die Ehrlichkeit bei der Rechnungs-
legung, die wir oben annahmen, nicht sonderlich grofi gewesen ist, wie sich gerade
am Beispiel des Pflegeamtes Neidenburg nachweisen lafit, da wir fur ein weiteres
Jahr im Besitz des Einnahme- und Ausgabenregisters des Amtes sind114.
Zu den bereits 1477 vorhandenen Einnahmequellen kommt 1484/85 noch eine
weitere hinzu, die Einnahme aus dem Biergeld. Entscheidend sind aber die Ver-
andtrungen innerhalb der einzelnen Einkommensgruppen. Innerhalb der Zins-
einnahmcn treten neu auf die Zinsen der Stadt, die fiir das Rechnungsjahr immer-
hin 75 Mark und 6 Skott ausmachen, ein Walkgeld von iiber 9 Mark, Pfluggeld
in Hohe von fast 17 Mark, ein Malzgeld von 32,5 Mark, dazu wird noch ein
,versessenes* Pflugkorn in eine Geldabgabe umgewandelt. Dagegen fehlen fast
vollig die Zinsabgaben der Kruger, es werden nur zwei genannt, die drei Mark
an Zins im ganzen Jahr entriditen, es fehlen weiter die Abgaben der Pechbrenner,
der Miihlen und der Eisenwerke. Dagegen haben sich die Zinsertrage aus dem
Hufenzins betrachtlich gesteigert. Das Land, wie es unter den Einnahmen heifit,
zahlt einen Zins von etwas mehr als 82 Mark. Das Dorf Maltzowen, das auch
jerzt gesondert gefuhrt wird, erbringt einen Zins von 8,5 Mark gegeniiber einer
Zinsleistung von 4 Mark im Jahr 1477115. Der Gartenzins von den Gartnern vor
der Stadt Neidenburg erbrachte zum Zinstermin Martini 1484 gar nichts, 1485
jedoch etwas mehr als 17 Mark, 1477 hatte er 19 Mark betragen. Da bei dieser
Eintragung von 1485 nichts von einem ,versessenen* Zins steht, ist anzunehmen,
dafi es sich um den regularen Zins handelt, der dann 1484 ,vergessen‘ worden ist,
sicher nicht bei der Zahlung, wohl aber bei der Eintragung.
Im Vergleich zu 1477 sind das betrachtliche Veranderungen. Allerdings ist nicht
anzunehmen, dafi es sich bei dem fehlenden Miihlen- und Eisenwerkzins sowie dem
fast fehlenden Krugzins ausschliefilich um Unterschlagungen des Pflegers handelt.
Man konnte unter der neu aufgetauchten Einnahmequelle des Malzgeldes immer-
hin eine Umwandlung der Naturalabgaben der beiden Muhlen vor dem Haus
Neidenburg in Geldabgaben verstehen; allerdings wiirden dann noch die Zinsen
der anderen 1477 genannten Muhlen fehlen, die sicher nicht alle abgebrannt oder
verkauft worden sind. Der fehlende Eisenwerkzins konnte moglicherweise in
eine Eisenabgabe umgewandelt worden sein, da der Pfleger, wie wir noch sehen
werden, einen schwunghaften Eisenhandel trieb, obwohl auch unter seinen Aus-
gaben betrachtliche Summen fiir den Kauf von Eisen erscheinen, so dafi die Han-
delsware zum Teil auch aus dieser Quelle stammen konnte. Auch fiir den gering-
fiigigen Krugzins gibt es eine — zumindest teilweise — Erklarung, denn als neue
Einnahmequelle taucht das Biergeld auf, das aus Wildenberg und Kothenberg
iiber 70 Mark einbringt. Moglicherweise lafit der Pfleger in den dortigen Kriigen
sein Bier durch seine Leute aussdienken; nur wiirden dann natiirlich noch immer
die Zinseinnahmen aus den anderen drei 1477 genannten Kriigen fehlen. Unter
der Rubrik Zinseinnahmen tauchen 1485 Einnahmen auf, die 1477 nicht vor-
Die okonomisdie Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497 29
handen waren, wahrend andere wieder vollig fehlen. Diese jeweils fehlenden Ein-
nahmen lassen sich auch nicht eindeutig erklaren, so dafi man annehmen mufi, dafi
weder 1477 noch 1485 tatsachlich alle Einnahmen eingetragen worden sind.
Ahnlich wie bei den Zinseinnahmen sind die Verhaltnisse in den anderen Ein-
nahmegruppen. 1477 hatten wir nur von einer Abgabe fur Fischerei durch das
Dorf Malpoffe erfahren, 1485 werden immerhin von 9 verschiedencn Stellen 130
Mark Fischgeld gezahlt. Aus dem Einnahmeregister von 1477 hatten wir nur
von einem Fischverkauf des Pflegers gehort, er bekam fiir 30 Tonnen Hecht 200
Mark. 1485 ist die Palette der verkauften Waren wesentlidi reichhaltiger gewor-
den. Neben Hecht, fiir den der Pfleger fast 300 Mark einnimmt, ersdieinen noch
Eisen, Teer, Salz, Weizen, Wachs und drei aus Eisen gefertigte Handwerkswaren,
Pfliige, Pflugschare und Pflugmesser. Der Verkauf von Eisen bringt dem Pfleger
rund 180 Mark ein, die Handelsprodukte erbringen fast ICO Mark und durch
den Verkauf der anderen Waren nimmt der Pfleger weitere 55 Mark ein. Der
gesamte Erlos betragt iiber 600 Mark, er hat sich gegeniiber 1477 mehr als ver-
dreifacht. Audi 1485 erhalt der Pfleger einen Zuschufi vom Hochmeister, der
bedeutend grofier ausfiillt als 1477, an vier Terminen sind es insgesamt 80 Mark
und 30 ungarische Gulden.
Im Einnahmeregister des Jahres 1485 fallen die-Posten auf, die auf die Abzahlung
einer alten Schuld — sehr oft fiir Warenlieferungen des Pflegers — oder auf die
Riickzahlung geliehener Gelder hinweisen. Es handelt sich bei diesen Einnahmen
ungefahr um 80 Mark. Der Neidenburger Pfleger hat in einem gewissen Umfang
das Kreditgeschaft entdedtt und zwar sowohl als Warenkredit als auch als Geld-
kredit. Leider lassen die Eintragungen im Register nicht erkennen, welche Teile
der Betrage Kredittilgung und welche etwa Zinsleistung — in der damaligen Ter-
minologie Rentenkauf — sind.
Die Gesamreinnahmen an Geld fiir das Rechnungsjahr 1484/85 betragen 1.452,5
Mark 5 Schilling und drei Pfennig, dazu kommt noch eine nachgetragene Einnahme
von 37 ungarischen Gulden fiir verkauften Hecht. Die Einnahmesteigerung gegen-
iiber dem Jahr 1477 ist betrachtlich, sie macht iiber 60 Prozent aus, obwohl eine
Reihe von Einnahmen, deren Anfall mit grofier Wahrscheinlichkeit vorausgesetzt
werden kann, nicht im Register eingetragen ist. Das Register laflt deutlich werden,
daE in den letzten sieben Jahren eine nicht unbetrachtliche Aufwartsentwicklung
stattgefunden hat. Die Zahl der unbesetzten Hufen mufi spiirbar zuriickgegangen
sein, da sich die Zinseinnahmen aus den Zinsdorfern verdoppelt haben. Auf erfolg-
reiche Neubesetzung wiist liegender Erben deutet auch die Erhohung der Einnah¬
men aus dem Pflugkorn hin. Weiter lafit sich im Register feststellen, dafi 1485
betrachtliche Getreidevorrate in Neidenburg lagerten. Es sind an eigenen Vorraten
vorhanden 18,5 Last Roggcn, knapp 5 Last Gerste und 8 Last Hafer. Der Pfleger
kauft nodi hinzu zwcieinhalb Last Roggen, 16 Last Gerste und mehr als 31 Last
Hafer. Dieser Getreideankauf hat jedoch nichts mit einem Getreidehandel des
Pflegers zu tun, sondern wird notwendig, weil sich 1485 der Hochmeister mit
dem Landesaufgebot langere Zeit in Neidenburg aufhalt, um der Forderung des
polnischen Konigs nach Waffenhilfe gegen die Tiirkcn nachzukommen. Diese
30
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
grofie Ansammlung von Menschen und Tieren mufite natiirlich verkostigt werden.
Die Getreidekaufe belasren die Kasse des Pflegers mit 220 Mark11®, und werden nur
teilweise durch den oben erwahnten Zuschufi des Hochmeisters ausgeglichen. Die
zusarzlichen Ausgaben treiben die Gesamcausgaben des Pflegers auf iiber 1.230
Mark hinauf. Trotzdem bleibt 1485 im Gegensatz zu 1477 noch ein Gberschufi
von mehr als 2C0 Mark. Die Ausgaben des Jahres 1435 setzen sich wie schon 1477
aus Aufwendungen fiir den Lebensunrerhalt, Ausgaben fur die Instandhaltung
der Gebaude, Lohnen, Reisekosten und nicht unbctrachrlichen Fuhrlohnen, die
mit den verstarkten Handelsinteressen des Pflegers in Zusammenhang stehen,
zusammen. Eine Reihe dieser Ausgaben ist — abgesehen von den Getreidekaufen —
veranlafit durch den langeren Aufenthalt des Hochmeisters in Neidenburg; es
findet sich jedoch nirgends ein Betrag, der bar an den Hochmeister gezahlt worden
ist. Der Gberschufi — sowohl der aus dem Register ersichtliche als auch der zu
vermutende — scheint allein dem Pfleger zugute gekommen zu sein. Der Hoch¬
meister hat wahrend seines Aufenthaltes in Neidenburg wahrscheinlich festgestellt,
wie eintriiglich dieses Pflegeamt ist, denn zwei Jahre spater, als das Pflegeamt an
Hans Stauchwitz iibergehr, lafit er sich dafiir 800 Mark bezahlen117. Es ist durchaus
moglich, daft diese Summc dem tatsachlichen Jahresiiberschufi des Amtes ent-
spricht.
Fiir diese Annahme spricht ein Beleg aus dem Jahre 1498. Bei Amtsantritt des
neuen Hochmeisters Friedrich von Sachsen schatztc man dessen Einkiinfte aus den
ihm zur Nutzung iiberlassenen Xmtern. Zu diesen Amtern gehorte auch Neiden¬
burg. Aus diesem Amt wurden erwartet: 5 Last Korn, 8 Last Malz von der Miihle,
7 Last Honig, 462 Mark an Geld, 2 Last Hecht und 14 Last Eisen. Wachs, Wild-
werk, Fischerei und die Pechofen sollten ungefahr 200 Mark erbringen. Weiter
heifit es in der Einnahmeschatzung, dafi die Gerichre, Huhner, Scharwerk, Vor-
werk, Viehzucht unu Holzung nicht mit berechnet worden seien113. Allein die
Geldeinnahmen aus dem Amt wurden also auf 662 Mark geschatzt, die Natural-
abgaben in Geld bewertet erhohen die Summe auf weit iiber 800 Mark. Damit
sind aber nur die Einnahmen erfaEt, die die hodimeisterliche Kammer glaubte
erwarten zu konnen. Der Ordensbruder, der die Geschafte des Hochmeisters in
Neidenburg fiihrte, diirfte jedoch ebenfalls nicht leer ausgegangen sein.
Den Amterverkauf, den der Hochmeister im Fall des Neidenburger Pflegeamtes
selbst praktiziert, hatte er zwei Jahre friiher, im Mai 1485 beim Verkauf des
Ortelsburger Pflegeamtes, noch abgelehnt, freilidi war er damals nicht der Nutz-
nieEer.
Am 15. Mai 1485 hatte der zum Landkomtur von Osterreich emannte Konrad
von Stauchwitz dem neuen Pfleger von Ortelsburg sein Amt iibergeben119. Bei
der Amtsiibergabe mufi ein bctriichtliches Durcheinander geherrscht haben, jeden-
falls wird im Auftrag des Hochmeisters ein Brief an den neuen Pfleger, den
Landkomtur und den — wahrscheinlich als Zeugen bei den Gbergabeverhand-
lungen anwesenden — Kornmeister geschrieben. Darin lafit der Hochmeister ihnen
mitteilen, daft er sich aus dem ,ausgeschnittenen ZetteL und den ebenfalls iiber-
sandten ,altcn Amtszetteln nicht eigentlich . . . entrichten* kann. Daher ist ,seine
Die okonoraisdie Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497 31
gute Meinung und Begehr* — bezeichnenderweise nicht sein Befehl — daft alles,
was Stauchwitz bei seiner Amtsubergabe empfangen hat, auf einen gesonderten
Zettel geschrieben wird, und daft das Amt im gleichen Zustand, wie es Stauch¬
witz erhalten hat, dem neuen Pfleger iibergeben werden solle. Zusatzlich soil
alles, was Stauchwitz iiber das vormals Empfangene hinaus bei dem Amt gelassen
hat, ebenfalls auf einem gesonderten Zettel verzeichnec werden. Stauchwitz ist
der Ansidit, daft das, was er mehr hinterlafit, 400 Mark wert sei, und will diese
Summe von dem neuen Pfleger ausbezahlt haben. Der Hochmeister laftt ihn
daran erinnern, daft die Gebietiger auf seine Angabe beziiglich dieser 400 Mark
manche Einrede vorgebracht haben. Sehr behutsam, um Stauchwitz nur nicht
zu verargern, heifit es im Brief dann weiter, daft sicher niemand die Emsigkeit, den
Fleifi und die getreue Meinung, die Stauchwitz an das Amt gewandt habe, ver-
kennen werde, der Hochmeister wisse selbstverstandlich auch, daft er und ein
jeder das ,Amt billig genieficn soli*, aber, so heiftt es weiter, ,ihm bediinke es,
so es also vorgcnommen werden sollte, daft einer von dem anderen seinen Vor-
fahren das Amt kaufen sollt, daft dies aufs hochste ware nicht ordentlich*. Natiir-
lich wisse der Hochmeister, daft Stauchwitz das Amt von seinem Vorganger auch
,fast*120 gekauft habe, trotzdem hoffe er, daft sich Stauchwitz mit seinem Nach-
folger dergestalt einige, daft dieser fur sein Geld ,ein Geniige habe*, also nicht be-
trogen werde.
Dieser Brief zeigt iiberdeutlich, welche Zustiinde in der Verwaltung dcs Ordens-
landes herrschen. Die Amter werden sichtlich nidit nach Konnen und Verdienst
iibertragen, sondern schlicht gekauft, wobei man davon ausgehen kann, daft Ver-
mogen und Konnen des Kaufenden sich nicht unbedingt entsprechen mtissen.
Selbst der Amterkauf geht nicht nach gesunden kaufmannischen Grundsiitzen vor
sidi, sondern jeder sucht den anderen soviel es geht zu ubervorteilen. Stauchwitz
hat sich, wie aus dem Brief hervorgeht, ebenfalls ubervorteilen iasseu. Es ist anzu-
nehmen, daft er sich, da ihm in die Amtsfuhrung niemand hineinzureden hatte,
sparer dafiir audi schadlos gehahen hat.
Noch etwas anderes wird an diesem Brief deutlich: die unglaublich schwache
Stellung des Hochmeisters gegeniiber den Gebietigern. Er hat die ,Meinung und
Begehr*, er wiinscht ,Billigkeit*, ihm bediinkt, er begehrt, er vertraut und nidit
einmal kommt es ihm in den Sinn, befehlen zu lassen. Dieser schwadilidie Hodi-
meister wollte einmal, so heiftt'es, eher in seinem Blut ertrinken, als dem Konig
von Polen den Eid auf den Thorner Frieden zu leisten. Daft er diesen Eid dann
doch leisten mufite, hat ihn, so scheint es, vollig resignieren lassen, hier ist nichts
mehr von dem Ansprudi zu spuren, den Truchseft auf dem Landeskapitel von 1480
angemcldet hatte121. Immerhin verlangt er von dem neuen Pfleger zu Ortelsburg
eine genaue Aufstellung der Zinseinkunfte aus den Dorfern, Kriigen, Muhlen und
Eisenvverken und der wichtigsten Ausgaben. So verdanken wir ihm letztlidi die
Moglichkeit, die Einkommensverhaltnisse im Ortelsburger Gebiet feststellen zu
konnen.
Der Pfleger von Ortelsburg nimmt aus 11 Dorfern 270 Mark und 4 Skott Hufen-
zins ein, sieben Kruge bringen ihm einen Zins von 30 Mark und das Eisenwerk
32
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
entrichtet im Jahr 8 Pfund Eisen. Die drei Miihlen leisten Naturalabgaben, sie
liefern 6 Last Mehl. An Pfluggetreide fallen im Jahr 2 Last Weizen und 2 Last
Korn an, aufierdem bringen die Beuten einen Ertrag von durchschnittlich 10 Last
Honig. Die Sradt Passenheim gibt ihm im Jahr 14 Mark, vier vermietete Seen
bringen Einkiinfte in Hohe von 40 Mark und der Verkauf von Hecht bringt in
diesem Jahr 300 Mark ein. Die reinen Geldeinnahmen sind mit 654 Mark sehr
gering.
Den relativ niedrigen Einnahmen des Pflegers von Ortelsburg stehen allerdings
auch sehr wenige Ausgaben entgegcn. Nach seinen Angaben gibt er fur Herrennot-
durft und Gesindelohn im Quartal 45 Mark 4 Skott aus, im Jahr knapp 181
Mark. Danach wiirde das Amt jahrlidi einen Uberschufi von mehr als 400 Mark
erwirtschaften, ungefahr die Summe, die auch der alte Pfleger als Ablosung von
seinem Nachfolger verlangt hat.
Auch fur Ortelsburg finden sich in der schon erwahnten Einnahmesdiatzung fur
die zur Rentkammer des Hochmeisters Friedrich'von Sachsen gehorenden Amter
detaillierte Ertragsangaben. Danach sollte das Amt an die hochmeisterliche Ram¬
mer abfuhrcn: 250 Mark Zins, 7 Last Honig, 2 Last Hecht und 150 Mark fur
gemeinen Fisch. Fur Ortelsburg wurden von der Berechnung folgende Einnahme-
quellen ausgenommen: Gerichte, Hiihner, Vorwerk, Pechofen, Eisenwerk, Hol-
zungen," Wadis, Jagd und Wildwerk122. Doch schon allein die baren Zahlungen
ergeben den von uns angenommenen Ertragswert des Amtes.
Lafit sich aus alien diesen Angaben mit Sicherheit entnehmen, dafi das Amt in
jedem Jahr einen betriichtlidien Uberschufi abwirft, so zeigt die Redienschaftsle-
gung des Pflegers von Lyck aus dem Jahr 1480 ein Pflegeamt, in dem der Amt-
mann zusctzen mufite123. Er empfangt 1480 an Zins und Fischerei 1.805,5 geringe
Mark. Die Summe aller Ausgaben gibt er mit 1.916 geringer Mark an, ohne zu
erwahnen, woher er wohl die fehlenden 110,5 geringe Mark genommen hat. Es
ist unwahrscheinlich, dafi der Pfleger das fehlende Geld aus seiner eigenen Tasche
stillschweigend zugeschossen hat, denn dann hatte er, da er seine Ausgaben falsch
addiert hat, statt 110 474 geringe Mark zuschiefien miissen124. Diese Abrechnung ist
vollig unbrauchbar fiir die Abschatzung der tatsachlichen Einkiinfte des Pflegers.
Interessant und aussagekraftig sind nur die angegebenen Ausgabearten, da sie
darauf schliefien lassen, dafi die Einnahmen nicht nur aus Zins und Fischerei be-
stehen, sondern dafi der Pfleger auch mit Salz und Tuch in nicht genau erkennbarem
Umfang Handel treibt und daraus sicher auch Einnahmen zieht.
Aufierdem zeigt die Abrechnung des Pflegers, dafi die Rechenschaftslegung im
Orden sehr im argen gelegen hat. Er hat vermutlich nicht einmal damit gerechnet,
dafi seine Abrechnung iiberpriift wiirde, sonst hatte er wohl sorgfaltiger addiert.
Gerade der Additionsfehler des Pflegers zeigt jedoch, wie unredlich die Abrech-
nungspraktiken der Ordensbriider gewcsen sein miissen. Kann man bei einem Fehl-
betrag von rund 110 Mark nodi annehmen, dafi er von einem zwar reichen, aber
geistig unbedarften Pfleger nicht bemerkt wird, — immer vorausgesetzt, dafi
er seine Privat- und seine Amtskasse nicht trennt — so kann auch fur den dumm-
sten der Ordensbriider nicht unterstellt werden, dafi er ein Defizit von fast 500
Die okonomische Entwicklung des Ordens bis zum Jahr 1497 33
Mark, d. h. knapp ein Viertel aller Ausgaben, nicht bcmerkt habe. Der damalige
Pfleger ist aber vermutlich identisdi mit dem zunachst a!s Unterkompan und
dann als Oberkompan des Hochmeisters bekannten Christoph Lenleuter, und der
Hochmeister wird sich sicher nicht gerade den unfahigsten Ordensbruder zum
Kompan erwahlt haben125. Auch aus anderen Berichten oder Verschreibungen
geht sehr dcutlich hervor, dafl die Amtsleute des Ordens, seien es Komture oder
Pfleger, kaum Anlafl gehabt haben, iiber Armut zu klagen. So ist beispielsweise der
Pfleger von Lotzen in der Lage, dem Orden, also wahrscheinlich dem Hochmeister,
zur Ablosung mehrerer Dorfer 520 ungarische Gulden zur Verfiigung zu stellen128.
Natiirlich verschenkt er dieses Geld nicht, er laflt sich dafiir eine Verschreibung
erteilen, die ihm die jahrliche Zahlung von 86 geringe Mark 8 Skott zusichert, die
er allein zu seinem Lebensunterhalt erhalt. Damit die Zinszahlung nicht ver-
gessen wird, laflt er in die Verschreibung den Passus aufnehmen, dafl die Gesamt-
schuld mit dem Leibgedinge (so wird die Kreditverzinsung von iiber 86 Mark
schamhaft und zeitgemafl umschriebcn) sofort verfallt, wenn der Orden mit der
Zinszahlung in Riickstand gerat.
Mitte des Jahres 1497 gibt derselbe Pfleger dem Hochmeister fur den Turkenzug
erneut ein Darlehen. Diesmal sind es sogar 1.000 ungarische Gulden, fur die ihm
auf Lebenszeit oder bis zur Darlehenstilgung 166 Mark 16 Skott auf das Pflege-
amt Rastenburg verschrieben werden127. Der Orden verpfandet s e i n Land nidit
nur an fremde Gliiubiger, sondern auch an seine Glieder.
Ein ausgesprochener Landverkauf spielt sidi schon 1492 ab. Dem Pfleger von
Preuflisch Eylau, Heinrich Reufl von Plauen, werden das Schlofl Preuflisch Eylau
und die Kammeramter Eylau und Worien fiir die Zcit seines Lebens verschrie¬
ben128. Die Familie Plauen und auch andere Adlige verzichten dafiir auf den grofl-
ten Teil ihrer Sold- und Schadensforderungen an den Orden, nur 1.000 rheinische
Gulden sind nodi zu zahlen. Der Ordensbruder Plauen verzichtet auflerdem auf
sein vaterliches Erbe zugunsten seiner Verwandten. Er erhalt das Schlofl und
die beiden Kammeramter *ganntz frey unnd mith keinsrlei aufsatz: allein was
ein gemein Lanndt helangennd isth . . . uff dafl er seinem standt, unnszrm ordenn
unnd seynem geslecht zcu Erenn distels stadthafftiger moge furnn unnd haltnn*.
Diese Begriindung spricht fiir sich, besonders wenn man bedenkt, dafl im gleichen
Jahr ein Kapitel stattfindet, dafl zum Ziel hat, die ungleiche Behandlung der
Briider nach ihrem Stand abzustellen. Die Einnahmen aus der Verschreibung
erhalt Plauen tatsachlich nur fiir seine eigenen Bediirfnisse, denn zur Instandhaltung
des Schlosses, der Kirchen und des Hausgerats wird ihm noch der Zins eines
Dorfes, der Pflughafer eines anderen Dorfes, der Pfefferzins zweier Kretzem
dieses Dorfes und zwei Schock Hiihner verschrieben, die der Hochmeister aber
erst vom Komtur von Brandenburg auslosen mufl. Hier stehen sich in Zukunft
ein armer Hochmeister und ein reicher Pfleger gegeniiber, der dann auch vier
Jahre sparer, seinem Geschledit und Vermogen angemessen, zum Obersten Trapier
ernannt wird122.
Das Bild, das wir im Lauf der Untersuchung der okonomisdien Entwiddung der
einzelnen Ordensglieder gewonnen haben, ist trotz der sicher nidit ziireidienden
konkreten Angabcn einigermaflen deutlich. Der Hochmeister verfiigt, im Ver-
34
Das Ordensland bis zum Jahr 1497
halrnis zu den an ihn gestellten Forderungen und Aufgaben, iiber viel zu geringe
Einkiinfte. Dem gegeniiber sind Komture und Pfleger in einer gliiddicheren Lage.
Sie scheinen aus ihren Amtem betrachtliche Einnahmen zu gewinnen. Fur eine
regelmafiige Abgabe eines Teils dieser Ubersdiiisse an den Hochmeister hat sidi
kein Beleg finden lassen. Die einrachen Ordensbriider wiederum befinden sich
ebenfalls in einer schlechten, zumindest ihren Anspriichen nicht geniigenden, wirt-
schaftlidien Situation.
Die Einkommens- und Finanzstrukturen innerhalb der Ordensbruderschaft legen
die Vermutung nahe, daft die Amtsleute des Ordens, iiber die ihnen in den Sta¬
tu ten sdion zugesicherten Einflufimoglichkeiten hinaus, noch starkeren Einflufi
auf Entscheidungen des Hochmeisters erhalten, wenn sich dieser mit der Bitte
um finanzielle Untersciitzung an sic wcnden mufi. Die Ahnlichkeit dieser Situa¬
tion mit dem stiindischen Steuerbewilligungsrecht als Hebei fur den Zugang zu
Mitsprache und Mitentscheidung der Stande in Sachen des Landes liegt auf der
Hand.
KAPITEL II
DAS LAND ZWISCHEN 1466 UND 1497
1. DIE WIRTSCHAFTLICHE LAGE DES FLACHEN LANDES
AM ENDE DES BORGERKRIEGS
Liefi sich beim Ordea noch feststellen, dafi sidi seine Lage 1466 im Vergleich zur
Vorkriegszeit wesentlidi verschlechtert harte, da die Hohe seiner Einnahmen zum
grofiten Teil direkt mit der Zahl der Untersassen korrelierte, so kann dieser
Sdilufi fur das flache Land nicht ganz so eindeutig gezogen werden1. Zwar wissen
wir durdi die Chroniken uber den grofien Krieg sehr genau dariiber Besdieid, in
welchen Gegenden des verkleinerten Ordenslandes sich die schwersten Kampfe
abspielten, welche Stadte erstiirrnt, ausgepocht und verbrannt worden sind2, dodi
haben wir es bekanntlidi nidit mit ununterbrochenen Kriegshandlungen zu tun,
so dafi sich durdiaus einzelne Gebiete noch wahrend des Krieges von Zerstorungen
teilweise erholen konnten. Zum anderen gibt es im verkleinerten Ordensland Ge¬
biete, an denen, wie oben schon ausgefiihrt, der Krieg im wesentlichen vorbei-
gegangen ist, ohne grofiere und nachhaltige Zerstorungen anzurichten. Das bedeu-
tendste Gebiet dieser Art ist das Samland. Es wird zwisdien 1458 und 1472 stiin-
dig vom Orden zur Zeiseleistung herangezogen. Da die Fahigkeit eines Gebietes,
Steuerleistungen zu erbringen, ein sicheres Indiz fiir seine okonomische Situation
ist, wollen wir uns genauer ansehen, in welchen Gebieten der Orden tatsachlidi die
Zeise erhoben hat, denn die Steuemrkunden der Hodimeister sprechen bis 1472 nur
vom Samland und den Drei Stadten Konigsberg, wahrend das Oberland erst von
diesem Jahr an zu Steuerleistungen in Form des Geschosses herangezogen worden
zu sein scheint3.
Nach den Aufzeichnungen des Ordens werden der hodimeisterlichen Kasse im
Steuerjahr 1467/68 aus folgenden Stadten Zeiseertrage zugefiihrt4: Bartenstein,
Sdiippenbeil, Wehlau, Friedland, Cremitten, Lochstadt, Pobeten, Rudau, Sdiaa-
ken, Kaymen, Neuhaus, aber auch Rastenburg und Neidenburg5. Im Steuerjahr
1468/69 kommen noch Passenheim, Domnau, Zinten, Heiligenbeil, Labiau und
Waldau sowie einige andere im Samland liegende Stadtchen hinzu®. Das sind
keineswegs alles samlandische Landstadte, Neidenburg, Passenheim und Rasten¬
burg liegen weit aufierhalb des Samlandes, ebenso Friedland, Domnau, Schippen-
bcil, Eartcnstein, Zinten und Heiligenbeil. Diese Stadte liegen jedoch alle an den
das Ordensland durchziehenden Handelsstrafien nach Kurland, Litauen, Masowien
und Polen sowie zum Ermland beziehungsweise dem Preuficn koniglichen Anceils7.
Die Bewohner dieser Stadte und ihrer Umgebung miisscn in der Lage gewesen
sein, zumindest ist die Landesherrschaft der Ansicht gewesen, die durch die indi-
36
Das Land zwischen 1466 und 1497
rekte Steuer verursachte Verteuerung der Waren zu tragen. Wir miissen daher
eine Differenzierung vornehmen und sagen, der Grad der wirtsdiaftlichen Zer-
riimmg war vom Samland und Konigsberg als kaum vom Krieg heimgesuchten
Gebieten iiber Natangen, Barren, Sudauen — Gebiete mit einer zwar betriichtlichen
Zerstorung, die aber recht schnell wieder besteuerungsfahig geworden sind — bis
hin zu den Gebieten um Osterode, Mohrungen und Holland als den am starksten
verwiisteten Gebieten ansteigend.
Neben der Steuerleistung der einzelnen Gebiete haben wir eine zweite Gelegenheit,
um genauer festzustellen, wie die wirtschaftliche Situation am Ende des Krieges
in bestimmten Gebieten gewesen ist. Das Zinsregister der Komturei Brandenburg
aus dem Jahr 1467 gibt uns vermutlich konkrete Angaben iiber die okonomische
Lage der Komturei8. Nach diesem Register hat die Komturei 1467 2.434 ,zins-
haftige Hufen* gegenuber 2.697 Hufen und 1.330 Haken im Jahr 1437®, insge-
samt also etwas iiber 3.600 Zinshufen. Da das Pflegeamt Barten 1467 nicht mehr
in der Komturei Brandenburg aufgefiihrt wird, ljatte sie noch rund 3.000 Zins¬
hufen haben miissen. Die fehlenden knapp 600 Hufen sind zu diesem Zeitpunkt
entweder wiist oder bereits an irgend jemanden verliehen worden. Diese Zahl
scheint etwas zu klein zu sein, man mufi daher annehmen, daft das Wort ,zins-
haftig* keineswegs bedeuten mufi, daft von alien gezahlten Hufen auch tatsachlidi
ein Zins- einkommt. Andererseits ist es recht unwahrscheinlich, daft der Komtur
nur eine Aufstellung iiber die im Gebiet vorhandenen Hufen madien lafit, ohne
beriicksichtigen zu lassen, wieviel Zins sie ihm einbringen. Unmittelbar nadi Ende
des Krieges niiifite es vordringliches Interesse des Komturs sein, zu erfahren, mit
weldien Zinscinnahmen er rechnen kann. Es mufi jedoch audi beriicksiditigt werden,
daft die noch in den Dorfern vorhandenen Bauern gesamtschuldnerisch fiir den
Hufenzins ihres Dorfes haften, also auch fiir wiistliegende Hufen den Zins auf-
bringen miissen. Auf alle Falle miissen wir wohl die im Brandenburger Zins¬
register angegebenen Zahlen zuriickhaltend betrachten. Wir konnen aber ver-
muten, daft auf keinen Fall mehr als die Halfte der Zinshufen am Ende des Krie-
ges wiist liegen, da sonst eine gesamtschuldnerisdie Haftung die verbliebenen
Bauern vor eine unlosbare Aufgabe gestellt hatte. Das Zinsregister hatte dann
auch ein anderes Aussehen erhalten, zumindest hatte sich eine Bemerkung iiber die
geringe Besetzung der Erben gefunden.
Derartig gute Verhaltnisse, wie wir sie fiir die Komturei Brandenburg trotz aller
Einschrankungen wohl annehmen diirfen, liegen keineswegs im ganzen Ordensland
vor. An einem Beispiel, das zeitlich elf Jahre nach dem Friedensschlufi liegt und
daher fiir die Zeit unmittelbar nach Ende des Krieges noch wesentlich schlechtere
Bedingungen vermuten lafit, soli das gezeigt werden. Der Pfleger von Neiden-
burg macht fiir das Jahr 1477 folgende Angaben iiber die Besetzung einiger zu
seinem Amt gehorenden Dorfer, die mit den Angaben iiber diese Dorfer aus dem
Jahr 1437 verglichen werden10 (siehe Tabelle 1).
Die Zahl der Zinshufen betragt 1477, elf Jahre nach Kriegsende, in den betreffen-
den fiinf Dorfern nur knapp 45 Prozent der Zahl von 1437. Setzen wir noch, wie
1437, rund 12 Prozent der besetzten Hufen als zwar ebenfalls besetzt, sidi aber
Die wirtschaftliche Lage des flachen Landes am Ende des Biirgerkriegs
37
Tabelle 1
1477
Dorf
Zins
Zinshufen
unbesetzte
Hufen
Pilgrimsdorf
10 MU
10
54
SagcBen12
2 M
2
34
Schwykopes12
17 M 14 S14
17 У 4
f8 s/4
Sabraw
6M
6
30
Cleine Slaweke
6M
6
39
41 M 14 S
41 V4
1753Л
1437
Zinshufen
besetzte
Hufen
Hufen mit
Freijahren
wiiste
Hufen
Zins
64
30
10
34
10 M
36
21 V2
2
14 Vj
9 M 3fd13
36
22
1
14
10V2M
36
11
—
25
IO1/2 M
45
25 Vo
—
19 V2
12 M 3fd
217
110
13
107
531/2 M
noch in den Freijahren befindlich an, so erhalten wir fiir 1477 eine Besemmg,
die ungefahr die Halfte der von 1437 erreicht. Fiir die Zeit unmittelbar nach
dem FriedenssdiluB miissen wir fiir das Amt Neidenburg demnach eine sehr starke
Verwiistung voraussetzen. Wir miissen fiir das Restordensland mit von Amt zu Amt
sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhaltnissen rechnen, die als Summe jedoch
wahrscheinlich ein nicht ganz so triibes Bild von der okonomischen Lage des
Ordenslandes ergeben, wie es bisher gezeichnet worden ist16.
Ein weiteres Indiz fiir diese Annahme gibt die hohe Zuwanderungsrate aus den
umliegenden Landern, denn die Lauflinge werden doch kaum nur die okonomische
und rechtliche Not ihrer Heimat mit der des Ordenslandes vertauscht haben.
Zudem sprechen die Verpfandungen von Dorfern, die der Orden auf Grund der
Sold- und Schadensforderungen seiner Soldner vornehmen mufi, auch nicht fiir die
vollige Entvolkerung dieser Dorfer, denn ihr Zinsertrag in Geld und Naturalien
muB zumindest die jahrlichen Zinsen fiir die Schuldsumme decken. Sehen wir uns
einige Verpfandungen naher an.
Am 5. Juli 1467 verpfandet der Hochmeisterstatthalter Heinrich Reufl von Plauen
an Peter von Rewicet fiir 450 ungarische Gulden das Dorf Schwonau in der
Komturei Brandenburg16. Dieses Dorf hatte 1437 54 Zinshufen, deren jede drei-
zehn Skott und vier Hiihner zinsen muBte. AuBerdem fiel nodi ein weiterer
Geldzins fiir 6 vom Dorf dazugekaufte Waldhufen in Hohe von 3,25 Mark an.
Das Dorf gab im Jahr 135 Scheffel Pflughafer und der Dorfsdmlze leistete eine
Naturalabgabe von je einem Scheffel Weizen und Roggen. Die Miihle des Dorfes
brachte 3,5 Mark und V* Schock Hiihner ein17. Der Gesamtertrag des Dorfes betrug
demnadi 1437 36 Mark, 4 Schock und sechs Hiihner, 135 Scheffel Pflughafer, 1
Das Land zwischen 1466 und 1497
3S
Scheffel Weizen und 1 Scheffel Roggen. Wenn wir die Naturalabgaben, soweit
das moglich ist, in Geld umrechnen, so wiirden der Pflughafer 6 Mark 3 Firdung
bringen und der Weizen und der Roggen noch einmal knapp 15 Schilling18, fur
die 246 Huhner lassen sich nach den Angaben des Zinsregisters von Brandenburg
rund 3 Mark und viereinhalb Schilling einsetzen19. Der Gesamtberrag im Jahr
1467 macht demzufolge 46 Mark und viereinhalb Schilling aus unter der Voraus-
setzung, dafi das Dorf auch 1467 noch, wie es das schon zitierte Zinsregister dieses
Jahres angibt, von 54 Hufen Geld- und Naturalabgaben liefert. Dieser Betrag
miifice mindestens der Verzinsung fiir die Schuldsumme von 450 ungarisdien
Gulden entsprechen. Die 450 Gulden entsprechen 787,5 guten preufiischen Mark20.
Der im Ordensland iibliche Zinsfufi betragt 8,3 Prozent21. Danach hatte der Ge-
samtbetrag der Abgaben von Schwonau rund 65,5 Mark betragen miissen. Der
tatsachliche Ertrag entspricht jedodi nur einem Zinssatz von etwas mehr als 5,8
Prozent. Dieser Zinssatz liegt nun betrachtlich unter dem landesiiblichen; das
bedeutet jedoch, dafi die Abgaben des Dorfes mindestens die errechnete Hohe
erreicht haben miissen, da die Kapitalverzinsung sonst noch ungiinstiger sein wurde.
Fiir die Verpfandungen sei hier noch ein Beispiel aus der Komturei Osterode ange-
fiihrt, die in dem Gebiet liegt, fiir das wir die starkste Kriegsverwiistung annehmen.
Am 22. Juni 1468 wird fiir 22C ungarische Gulden das Dorf Roschken verpfan-
det22. Das Dorf hat 1437 54 Zinshufen, von denen neun wiist und zwei weitere
fiir die nadisten drei Jahre von der Zinszahlung befreit waren. Fiir die Hufe wird
ein Zins von 14 Skott gegeben, aufierdem zinst ein Kretzem 1 Mark23. Die Geld-
zinsung der 45 besetzten Hufen und des Kretzems wurde im Jahr 1468 27 Mark
1 Firdung betragen. Die landesiibliche Verzinsung miifite einen Betrag von knapp
32 Mark ergeben, der tatsachliche Betrag bedeutet eine Verzinsung von sieben
Prozent. Er liegt demnach hoher als im ersten Beispiel. Da das aber mit ziemlicher
Sicherheit nicht der Fall gewesen sein wird, bedeutet das, dafi der Zinsertrag
des Dorfes 1467 niedriger liegt als 1437. Setzen wir die Verzinsung des ersten
Beispiels auch fiir den vorliegenden Fall an, so erbradite das Dorf einen Zinsertrag
von 22 Mark 20 Schilling. Unter der Voraussetzung, dafi der Kretzem des Dorfes
auch 1467 besetzt ist, wiirde das auf rund 36,5 besetzte Hufen deuten, das waren
ca. 80 Prozent der Zahl von 1437. Ob man einen derartig geringen Wustungs-
grad fiir ein Dorf in der Komturei Osterode nun annehmen kann oder nicht, auf
jeden Fall mufi das Dorf noch einen gewissen Zinsertrag bringen, sonst hatte
es sich der Soldner Pankraz Entzebeck nidit verpfanden lassen.
Da neben diesen relativ geringen Verpfandungen auch wesentlich grofiere Pfand-
verschreibungen fiir Kriegsschulden vorkommen24, kann man mit recht grofier
Wahrscheinlichkeit voraussetzen, dafi zumindest die verpfandeten Dorfer und
grofieren Gebiete einen relativ geringen Verwiistungsgrad oder doch die Mog-
lichkeiten fiir einen schnellen Wiederaufbau aufweisen, da sie den Gliiubigern
cine Verzinsung ihrer Forderungen einbringen miissen.
Wir konnen daher annehmen, dafi die wirtschaftlichen Verhaltnisse des flachen
Landes zwar einen nicht gerade leichten Stofi erhalten haben, aber keineswegs —
weder beim Orden noch bei den Pfandnehmern und sicher auch nicht bei der Be-
Die Entstehung des ,neuen Adels* in Preuften
39
volkerung — die Vermutung aufkommen lassen, daft die Einwohner Preufiens in
den nachsten Jahrzehnten am Hungertuch nagen miiftten. Zumal der Orden das,
was ihm in seiner Lage noch moglich ist, unternimmt, um die wiisten Erben oder
doch einen Teil davon so schnell wie moglich wieder zu besetzen. Am 5. August
1467 beschliefien die Delegierten des Ordens, der Stande des Landes und der Scande
des Preuften koniglichen Anteils auf der Tagfahrt zu Elbing, daft alien ausge-
brannten und gepliinderten Bauern auf fiinf Jahre Erbgeld und Pfennigzinsen
erlassen werden sollen25. Das ist eine im Vergleich zu den Hilfeleistungen des
Ordens fur seine durch Krieg in Not geratenen Bauern im 14. Jahrhundert sehr
kleine Hilfe, trotzdem diirfte sie fiir den betroffenen Personenkreis eine nicht
unerhebliche Erleichterung bedeutet haben.
2. DIE ENTSTEHUNG DES ,NEUEN ADELS* IN PREUSSEN
Der Adel, oder wie wir vorerst besser noch sagen, die Erbarleute, waren vor 1454
im spater dem Orden verbleibenden Teil Preuftens zahlenmafiig im Verhaltnis
zum westlidien Landesteil schwach vertreten. So nimmt es nicht Wunder, daft aus
unserem Gebiet sich bis zum April 1441 nur adit Erbarleute im preufiischen Bund
finden26. Zwar kiindigten im Februar 1454 die Gebiete Balga, Brandenburg und
Samland dem Hochmeister den Gehorsam auf, aber nachdem im nachsten Jahr
die Drei Stadte Konigsberg an den Orden zuriickgefallen waren, befand sich das
nordliche Preuften bis zum Kriegsende ohne Unterbrechung in der Hand des
Ordens, das heifit meist in der der Soldnerhauptleute27. Die Soldnerhauptleute
sollten fur die Zukunft des Ordenslandes die Krafte scin, die der Orden rief und
nicht mehr bannen konnte. Er brauchte sie, um den Kampf gegen seine Untertanen
fiihren zu konnen, konnte sie aber nicht bezahlen. Schon wahrend des Krieges
entwickeln sie sich zu eigenstandigen politischen Kraften, gestiitzt auf die Macht,
die ihnen ihre Soldnerhaufcn gaben. Sie untemehmen Beuteziige in Gebiete, die
dem Orden wieder zugefallen sind28, miisscn bei gutcr Laune gshaltcn werden,
um iiberhaupt Kriegsziige zu untemehmen29 und treten neben dem Orden bei
Waffenstillstandsverhandlungen als praktisch eigenstandige politische Gewalten
in Erscheinung30. Nach dem Ende des Krieges stellt sich dann heraus, daft ihre
Sold- und Schadcnsforderungen vom Orden nicht befriedigt werden konnen.
Schon 1455 waren die durdi die'Kriegsausgaben des Ordens entstandenen Sdiul-
den auf rund 500.000 Gulden angewachsen31, in den nachsten elf Jahren sollten
sie so hoch steigcn, daft sich der Orden aufterstande sah, sie nach 1466 sofort zu
bezahlen32. Er versuchte sich zunachst mit Teilzahlungen, Schuldscheinen und Ver¬
pfandungen zu helfen. Seinen wohl groftten Glaubiger unter den ehemaligen
Soldnerhauptieuten, Georg von Schlieben, befriedigte er mit einer umfangreichen
Verschreibung. Der Orden muftte so von seinem ihm verbliebenen Gebiet noch
einen wcitercn, nidit kleinen Teil durch Verpfandungen und Verleihungen ab-
geben. Die groftten Verluste durch diese Maftnahmen crlitten die Komtureien
Balga und Brandenburg sowie das Oberland. Dem vom Krieg weitgehend ver-
schonten Samland dagegen blieben Verleihungen und Verpfandungen an die Sold-
40
Das Land zwischen 1466 und 1497
nerhauptleute erspart33. Der Orden verliert im Amt Rastenburg 48 Prozent, in der
Komturei Brandenburg rund 50 Prozent und in den Amtern Balga, Eisenberg,
Pellen und Zinten sogar rund 56 Prozent aller Zinshufen34.
Die Landverpfandungen scheinen dabei zunachst nicht so schwerwiegende Bedeu-
tung zu haben, konnen sie doch wieder eingelost werden35, anders steht es mit den
Verschreibungen, denn dieses Land ist dem Orden auf Dauer verloren. Zwei
Beispiele fur derartige Verleihungen seien hier genannt. Am 10. Januar 1468 wird
Albrecht Vogt die Lischke Leunenburg mit dem dazugehorigen Dorf und dem
Hof Leunenburg verschrieben33. Er erhalt dadurch acht Kretzem mit einer Zins-
leistung von 16 Mark, ein Dorf mit 26V2 Zinshufen und einer Zinsleistung von
14 Mark und rund 32 Skott und den Hof37. Leunenburg hat nicht nur die Kret¬
zem, sondern auch eine Miihle, auBerdem sind Gartner dort ansassig gewesen3*,
und der Hof zu Leunenburg verfiigt 1442 iiber sieben Pflugpferde30. Albrecht Vogt
hat also — nach dem Vorkriegsstand — ein nicht unbetrachtliches Zinseinkommen
und die Moglichkeit, einen eigenen Gutsbetrieb zu betreiben, verliehen bekommen.
Diese Verleihung verblaBt vollstandig hinter der, die der Orden an die Gebriider
Schlieben vornehmen muBte. Am 8. April 1469 verschrieb Hodimeisterstatthalter
Heinrich Reufi von Plauen den beiden Briidern Georg und Christoph von Schlie¬
ben Schlofi und Stadt Gerdauen mit der Miihle, SchloB und Stadt Nordenburg
mit der Miihle, vierzehn -Dorfer, drei Seen sowie die Heiden, Wilder und Wild-
nisse Damcrau, Honig, Goya, Bajohrsche, Heide, Labelanked und die Guter
Ringenbrost und Trautlauken40. Die Zinsleistung der beiden Stadte und der
Miihlen betrug vor dem Krieg 83 Mark und 10 Last Roggen, 300 Scheffel Malz und
IV2 Last Weizen. Tn den sechs deutschen Dorfern der Verleihung gab es 315,5
Zinshufen, vier Kriige und zwei Gartner41. Die Gebriider Schlieben waren nach
dem Orden und den Bistiimern wohl zu den groBten Grundbesitzern in PreuBen
geworden. Abgesehen von dicsen Verleihungen kaufen sie zusatzlich die Forde-
rungen anderer Soldner und weitere Giiter von Adligen auf42. Die Zusammenbal-
lung wirtschaftlicher Madit gibt der Familie Schlieben auch ein betrachtliches politi-
sches Gewicht.
Die Verleihungen und Verpfandungen des Ordcns schufen im Restordenslaiyl
praktisch einen vollig neuen, wirtschaftlich starken Adel. Diesem konnte nun
nicht mehr entgegengehalten werden, dafi er mit dem ,Schwert gewonnen sei*43.
Aus seiner Heimat an die Respektierung standischer Freiheiten gewohnt, war er
durch seinen Beruf wohl noch libertarer geworden, dazu kommt nun noch das
okonomische Gewicht, das er in Preufien hatte gewinnen konnen. Angehorige des
neuen preuBischen Adels sollten in kurzer Zeit zu den fiihrenden Kopfen und
Sprechern der Stande Preufiens werden. Angesichts dieser Verleihungen und der
endgiiltigcn SeBhaftwerdung reichsdeutschcr Adelsfamilien in Preufien muB man
fragen, was sie bewogen hat, sich in diesem Land niederzulassen.
Mit zwei Motiven laBt sich der EntschluB zur SeBhaftwerdung in PreuBen erklaren:
einmal der Glaube, ihre wirtschaftliche Existenz in PreuBen nicht nur sichern,
sondern vielleicht auch verbessern zu konnen^ zum anderen die Hoffnung, in
der Landespolitik eine hervorragende Rolle spielen zu konnen. Beide Motive
Die Entstehung des ,neuen Adels1 in PreuEen
41
werden sich nicht siiuberlich trennen lassen, sie sind ineinander verwoben, denn
wirtschaftliche Macht zieht immer eine politische EinfluEnahme nadi sidi, ebenso
wie politischer EinfluE dazu beniitzt wird, die wirtschaftliche Position zu ver-
starken. Trotzdem muE versucht werden, das Verhaltnis der beiden Motive bei
diesem EntschluE ungefahr zu bestimmen44.
Wie oben schon erwahnt, wurde an die Soldnerfuhrer nur Land im spateren
natangischen Kreis und vor allem im Oberland verliehen. Das aber sind die Ge-
biete, in denen sich zum Teil bis zuletzt Kriegshandlungen abgespielt haben. Da
die Soldnerhauptleute sich bereit erklaren, dort Land von ihrem Soldherrn anzu-
nehmcn, miissen die wirtschaftlichen Verhaltnisse doch zumindest die Moglichkeit
fiir den Lebensunterhalt der neuen Grundherren garantiert haben, denn man
kann sich nur schlecht vorstellen, daE die Soldnerfuhrer sich mit vollig menschen-
leeren und verwiisteten Gebieten haben abspeisen lassen. Audi die Soldner, die
nur kleinere Forderungen an den Orden hatten, und deshalb nur Verschreibungen
kleineren Umfangs erhielten, miissen in der Lage gewesen sein, daraus ihren Le¬
bensunterhalt zu bestreiten. Es miissen sowohl die Leistungen der mitverliehenen
Hintersassen, also die Grundrente der neuen Herren, als auch die Moglichkeit,
durch Eigcnwirtschaft Einkiinfte zu erzielen, nodi so groE gewesen sein, daE sie
fur den Soldnerfuhrer einen Anreiz bieten konnten, sich statt mit Sdiuldsdieinen
mit Landverleihungen und -verpfandungen befriedigen zu lassen. Das ist ein
weiteres Indiz fiir die Vermutung, daE auch die vom Krieg stark beriihrten Lan-
.desteile nicht nur die Moglichkeiten fiir eine zukiinftige wirtschaftliche Aufwarts-
entwicklung boten, sondern daE sie auch im Moment der Verleihung und Ver-
pfandung an die Soldnerfuhrer, also grob gesagt in den Jahren 1466 bis 1470,
bereits begonnen hatten, ihre Wirtschaft wiederaufzubauen45.
Als nachste Frage miiEte geklart werden, in welcher Form die Soldnerhauptleute
ihre okonomisdie Existenz aufbauten, ob in Form einer reinen Grundrenten-
erzielung oder ob sie auch Einkiinfte aus eigener Gutswirtsdiaft ziehen wollten4*.
Diese Frage soli weiter unten geklart werden. Hier konnen wir uns zunachst mit
der Feststellung begniigen, daE beide Moglichkeiten in Betracht kommen. Bei den
groEen Verleihungen haben wir es natiirlich auch mit recht beaditlichem Grund-
renteneinkommen zu tun, ebenso bei den groEen Verpfandungen, wahrend bei den
kleineren Verleihungen die Einkiinfte aus der Grundrente nicht so hoch sein
konnten, daE sie zur Bestreitung des gesamten Lebensunterhaltes der Grundherren
ausreiditen.
Die wirtschaftliche Motivierung bei der Annahme von Land anstelle von Geld
ist also recht betrachtlich gewesen, stellten doch die Soldnerfuhrer ihren gesamten
Lebensunterhalt auf die Grundlage der ihnen verliehenen Landereien. Aber auch
die Erwartung, cine politisch bedeutsame Rolle in PreuEen zu spielen, muE rela-
tiv stark gewesen sein, da sie schon wahrend des Kriegcs an wichtigcn politischcn
Entscheidungen des Ordens beteiligt worden sind. In der Zeugenreihe des Friedens
von Thorn findet sich der Name eines Soldnerfiihrers47 und nadi dem Friedens-
schluE finden wir die neuen Adligen als Biirgen fiir Schuldverschreibungen des
Hochmeisters fiir ehemalige Ordenssoldner; hier treten sie schon als Vertreter
42
Das Land zwischen 1466 und 1497
der einzelnen Landesteile des Ordenslandes auf48. Die Danziger Vertreter auf
der Tagfahrt in Elbing vom Februar 1467 bezeichnen sie sogar schon als ,ritter-
mesige rete* des Hochmeisters4®. Audi auf politischem Gebiet isr demnach ein
ausreichendes Motiv fur die Seflhaftwerdung vorhapden. Hatten mafigebliche
Kriifte im Orden vor dem Krieg noch damit gerechnet, den Adel in Preufien
wirtschaftlidi und politisch weitgehend ausschalten zu konnen, so zeigte das Er-
gebnis des Krieges ein vollig umgekehrtes Bild, einen wirtschaftlidi starken Adel,
der sicher nicht zogert, sich auch politischen Einflufi zu verschaffen.
3. DIE OKONOMISCHE ENTWICKLUNG DES LANDES BIS ZUM JAHR 1497
a) Der Adel
Wir hatten oben fiir den Adel, vor allem fur den ,neuen* Adel, die Frage aufge-
worfen, ob er in Preufien seine wirtschaftliche Basis in der Erziclung einer Grund-
rente oder dem Eigenbetrieb eines landwirtschaftlichen Unternehmens suchte. Die
fiir unsere Zeit vorliegenden Quellen geben uns darauf jcdoch keine eindeutige
Antwort. Ergebnisse auf die Frage, ob der Adel Eigenbetriebe hatte und weldie
Grofie sie aufwiesen, lassen sich nur fiir eine sehr viel spiitere Zeit gewinnen.
Die Steuerlisten des Jahres 1539—40 geben einen Oberblick iiber den Vieh-
bestand, fiir den der Adel zur Steuerleistung herangezogen wird. Von der Grofie
des Viehbestandes kann dann ungefahr auf die Grofie der auf den Giitern betrie-
benen Eigenwirtschaft geschlossen werden50. Danach hatten 45 Prozent der Giiter
des Adels eine Grofie von weniger als sechs Hufen, 35 Prozent weniger als 10
Hufen, der Rest besafi Giiter, die grofier als 10 Hufen waren. Dodi mit der Guts-
grofie des Adels ist noch keine Aussage iiber den Umfang der adligen Eigenwirt¬
schaft gemacht, denn auf 60—70 Prozent aller dieser Giiter waren noch Bauern,
meist allerdings sehr wenige mit einem geringen Viehbestand, ansassig51. Die
Wirtsdiaftsflache dieser Bauernstellen mufi von den oben genannten Hufenzahlen
nodi abgezogen werden, so dafi die Grofie der Eigenbetriebe noch unter den
angefiihrten Hufenzahlen liegt. Die Eigenwirtschaft des Adels scheint in den
angegebenen Jahren also einen verhaltnismafiig geringen Umfang gehabt zu haben.*
Wir konnen annehmen, dafi diese Tatsache audi fiir die hier untersuchte Zeit
Giiltigkeit besitzt. Fur die Zeit um 1540 lafit sich aufierdem noch nachweisen, dafi
diejenigen Adligen, die den grofiten Viehbestand, also wohl den grofiten Eigen¬
betrieb hatten, auch die grofiten Zinseinnahmen zu verzeichnen hatten52. Ahnliche
Bedingungen werden wir wohl fiir die Jahre nach 1466 nicht ohne weiteres
annehmen diirfen, da wir hier nicht voraussetzen konnen, dafi die Besetzung des
Adelslandes in den ersten Jahren nach dem Biirgerkrieg ahnlich gut gewesen ist
wie 1540, denn zwischen diesem Jahr und kriegerischen Auseinandersetzungen
liegen 19 Jahre.
Die okonomische Situation des Adels in den Jahren 1539/40 lafit fiir unsere Zeit
zwei Annahmen zu: einmal konnen wir voraussetzen, dafi der Adel auch in den
Jahren 1466 bis 1497 eine Eigenwirtschaft betreibt, wie umfangreich immer sie
ist. Das fiihrt uns zu der Frage, ob er sie nur zur Selbstversorgung betreibt oder
Die okonomisdie Entwicklung des Landes bis zum Jahr 1497
43
ob er in irgendeiner Art auch fiir den Binnenmarkt oder den ^eltmarkt* produ-
ziert. Die zweite Annahme, die wir machen konnen, besagt, dafi der adlige Grund-
besitzer auch in unserer Zeit nach der Erzielung einer Grundrente trachtet, also
dafiir Sorge tragen mufi, dafi sein Land fiir diesen Zweck ausreichend mit Bauern
besetzt ist.
Versuchen wir zunadist die Frage nach dem Zweck der adligen Eigenwirtschaft
zu beantworten53. Es findet sich fiir die Jahre 1466 bis 1497 keine Nachricht
dariiber, dafi Mitglieder des Adels als Verkaufer Iandwirtschaftlicher Produkte
in Erscheinung getreten sind. Allerdings gibt es indirekte Hinweise darauf, dafi er
durch die Eigenwirtschaft bzw. durch den Verkauf der Produkte der Eigenwirt-
schaft einen Teil seines Lebensunterhaltes finanzierte. So lehnen die Stande, ihr
Sprecher ist Georg von Schlieben, auf der Tagfahrt in Bartenstein im August
1473 eine Geschofiforderung des Hodimeisters in der verlangten Hohe mit der
Bemerkung ab, dafi der Mifiwuchs des Getreides in diesem Jahr eine hohere Be-
schwerung nicht erlaube64. Ein Teil der Geldeinkiinfte der Landbevolkerung stammt
demnach aus dem Getreideverkauf. Audi im Jahr 1477 wird eine Geschofifor-
derung des Hodimeisters mit dem Hinweis darauf zunadist abgelehnt, dafi die
in diesem Jahr aufgctretene Plage die ,Armen und gemeinen Manne dieser Lande
in ihrem Getreide und Korn geschwacht hat*56. Hier wird sehr deutlich gesagt,
welche Bevolkerungsteile auf dem Land Getreide verkaufcn: die Armen, also die
Bauern und der gemeine Mann, wahrscheinlich sind darunter die Freien zu ver-
.stehen. Von cinem Getreideverkauf des Adels ist jedoch keine Rede.
Der Streit wegen der Sondererlaubnis des Hodimeisters fiir die Danziger und
Elbinger Kaufleute sieht ebenfalls nur die Drei Stadte Konigsberg als Widerpart
des Hodimeisters, nicht jedodi den Adel56. Aus dem Bericht des Hodimeisters von
1490 an den Bischof von Kulmsee erfahren wir jedodi, dafi Rittersdiaft und
Mannsdiaft von ,Landen und Stadten' eine Gesdiofiforderung wegen schlechter
Ernte abgelehnt haben57. Fiir dieses Jahr miissen wir demnach damit rechnen,
dafi audi die Rittersdiaft zum Verkauf der in ihren landwirtschaftlichen Eigen-
betrieben erzeugten Produkten gesdiritten ist, allerdings braucht unsere Vermu-
tung auch hier nidit zu stimmen. Es lafit sich nur feststellen, dafi das Ordensland
zwischen 1467 und 1497 Getreide exportierte, ob der Adel zu den Produzentcn
des Getreides gehorte, bleibt jedodi verborgen58. Sidier wird auch er Getreide
verkauft haben, sofern er iiberschussige Vorrate hatte, doch wir konnen nidit
feststellen, ob dieses Getreide aus der eigenen Produktion oder aus den Abgaben
seiner Hintersassen stammt. Die vielfaltigen Indizien, die sich vor 1454 fiir ein
Interesse des Adels am Getreideexport finden lassen, fehlen nach 1466 vollig5®.
Fiir eine Verbindung zwischen dem Adel und dem Markt gibt es keine Belege,
ihr Vorhandensein unter giinstigen Voraussetzungcn lafit sich nur vermuten.
Anders stcht es dagegen in der Frage der Erzielung einer moglidist hohen Grund¬
rente. Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dafi der Adel sehr interessiert daran
war, die Bauern, die vor 1454 auf den ihm verliehenen Landereien gesessen batten
und nach dem Krieg irgendwo anders ansassig geworden waren, zuriickzufordern60.
Georg von Schlieben verlangt beispielsweise vom ermlandischen Bischof Nikolaus
44
Das Land zwischen 1466 und 1497
von Thiingen einen Bauern zuriick, der vor dem Krieg auf den ihm verschriebenen
Landereien ansassig war. Thiingen, der den Bauern sichtlidi nicht herauszugeben
gesonnen war, nimmt diesen Vorfall zum Anlafi, dem Hochmeister in einem
Schreiben den Vorschlag zu machen, sidi grundsatzlicb auf einer gemeinsamen
Tagfahrt iiber die Riickgabe der Bauern und die dabei zu beaditenden Modali-
taten zu einigen81. War es doch bisher so, dafi man einen Bauern zwar seinem
alten Herrn folgen liefi, wenn dieser geniigend Beweise fur die Rechtmafiigkeit
seiner Forderung vorgebracht hatte, aber den Besitz, die Fahrhabe, die sidi der
Bauer in der Zwischenzeit erworben hatte, hielt man zuriick. Der Bischof schlagt
daher dem Hochmeister vor, die Bauern nicht ,blofi‘, sondern mit ihrer gesamten
Fahrhabe auszutauschen. Eine unmittelbare Reaktion des Hochmeisters auf diesen
Vorsdilag scheint nicht erfolgt zu sein. Ob dieses Desinteresse auf politische Riick-
sichten zuriickzufiihren ist —r der Konig von Polen betrachtet Thiingen als seinen
Feind — oder ob es im Ordensland Krafte gab, denen ein derartiger Vertrag
nidit genchm war, lafit sich zunachst nicht ersehen.
Im Februar 1478 wird jedodi deutlich, dafi neben politischen Riicksichten — die
zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Rechnung gestellt werden mufiten — vor
allem wohl die Interessen des Adels einem derartigen Vertrag entgegengestanden
haben. Der Hochmeister Martin Truchsefi droht dem Adel, der sidi seiner politi¬
schen Linie nidit anpassen wollte, mit einer Regelung betreffs dcr Bauern, die auf
ihr ,Erbe gedrungen* werden82. Die Vertreter des Adels auf dieser Tagfahrt zeigen
sich darauf sehr betroffen und versuchen zunachst einmal mit dem Einwand, dafi
sie zur Beratung eincs derartigen Artikels in zu kleiner Zahl versammelt seien,
Zeit zu gewinnen. Doch hilft ihnen diese Verzogerungstaktik nidit sehr weit, im
Marz 1478 vereinbaren Bevollmachtigte der Bischofe von Ermland und Sam-
land und Vertreter des Ordens und der Stande des Ordenslandes eine Bauern- und
Gesindeordnung03. Zwar mufi sich der Adel der Regelung dcr Frage der in ,An-
spruch seienden* Bauern fiigen, doch gelingt es ihm andererseits, Bestimmungen,
die der Landesherr vorgeschlagen hat, zu seinen Gunsten zu verandern. Hatte
die urspriingliche Bestimmung iiber die Sohne der Bauern gelautet, dafi alle aufier
einem hinziehen diirfen wo sie wollen ,unter ihre oberste Herrschaft, Erben wieder
anzunehmen', so gelingt es dem Adel, den letzten Teil dieses Artikels in der
Endfassung zu vermeiden. Die Sohne der Bauern werden nicht verpflichtet, unter
der obersten Herrschaft, also dem Orden, wieder Hufen anzunehmen, sondern es
steht ihnen vollig frei, wo sie hinziehen wollen. Sie konnen daher auch ein unbe-
setztes Erbe unter dem Adel annehmen.
Ebenso wird der Artikel, der die Verheiratung der Bauern regelt, sichtlich im
Interesse des Adels geiindert. Heifit es urspriinglich, dafi jedcr sich beweiben
konne, wo es ihm bcliebt unter derselben Herrschaft, so wird es geandert in die
Bestimmung, dafi er sidi unter derselben Herrschaft oder wo es ihm beliebt, be¬
weiben mag. Dafi es sich hier keineswegs nur um eine stilistische Korrektur ge-
handelr hat, beweist die Fortsetzung dieses Artikels. Heifit es in der Endfassung,
dafi, wenn nur ein Sohn vorhanden sei, dieser das Erbe zu besetzen oder zu Ge-
niige des Herrn. unter dem er gesessen ist, in wehrende Hand zu bringen habe,
Die okonomisdie Entwicklung des Landes bis zum Jahr 1497
45
so steht in der Vorlage anstelle des Wortes ,Herrn* der Begriff ,Herrschaft*. Unter
Herrschaft wird hier eindeutig der policische Landesherr versranden, also der
Hodimeister beziehungsweise der Orden und die Bischofe von Ermland und Sam-
land. Der Adel will jedoch nicht, daft der Herrschaft, dem Oberherrn, Geniige
getan wird, sondem dem Herrn, auf dessen Land das Erbe des Bauern liegt.
Damir erhalt auch die Korrekrur des vorhergehenden Arrikels ein iiber stilistisdie
Fragen hinausgehendes Gewicht, erlaubt sie doch dem Sohn des unter der ,Herr¬
schaft* gesessenen Bauern, sich anderswo, wiinschcnswerterweise wohl unter dem
adligen Grundbesitzer, zu verheiraten.
Audi die Regelung betreffs der aus der Fremde hereinkommenden Bauern erfahrt
Anderungen zugunsten des Adels. Bestimmt die Endfassung des Artikels, daft diese
Bauern sich unter die ,Herrschaft, Ritterschaft, Landen oder Stadte, geistlich oder
weltlidi ziehen diirfen, wo es ihnen beliebt*, so lautet die urspriinglidie Fassung
nur kurz, daft sie ,unter die Herrschaft, geistlich oder weltlich ziehen diirfen,
unter welche sie wollen*; naditraglich angefiigt wurde dann die Bestimmung,
,Rittersdiaft, Landen oder Stadte, wo ihnen das geliebet*. Um keine fur den Adel
schadlidicn Interpretationsmoglichkeiten zu lassen, wurde dann die endgiiltige
Bestimmung getroffen, die zwar Herrschaft, hier wieder im Sinne von Landesherr-
schaft, an die Spitze der Aufzahlung stellt, das .geistlich oder weltlich* jedoch an
das Ende der Aufzahlung verweist.
Der Adel ist sichtlich bestrebt, sich so giinstige Bedingungen wie nur moglich im
Interesse einer vermehrten Ansetzung von Bauern auf seinem Land zu verschaffen
und sein politisches Gewicht in Preuften ist so groft, daft ihm dies weitgehend
gelingt. Daraus laftt sich der Schlufi ziehen, daft er an der Erzielung einer mog-
lichst hohen Grundrente ein sehr groftes Interesse hat. Vergleicht man die Nadi-
richten iiber mogliche Einkiinfte des Adels aus dem Handel mit den Produkten
seiner Eigenwirtschaft mit denen iiber mogliche Einkiinfte aus den Zinscn und
Abgaben seiner Untersassen, so scheint sich das Einkommen des Adels vorwiegend
aus der Grundrente zu ergeben, die er aus seinem Land ziehen kann, zumindest
muft man das fiir die Zeit zwischen 1466 und 1497 annehmen. In den spateren
Jahrcn andert sich das. Der Adel wird sich dann mehr auf Einkiinfte aus dem
Handel mit den Produkten seiner Eigenwirtschaft stiitzen, so daft von den ande-
rcn Stiinden Klagen iiber die Handelstatigkeit des Adels kommen®4.
Die Einnahmen aus der Grundrente scheinen aber dem Teil des Adels, der iiber
grofteren Landbesitz verfiigt, nicht nur ein standesgemaftes Leben zu ermoglichen,
sie erlauben ihm auch die Ansammlung von Kapital, das er dann in irgendeiner
Weise gewinnbringend anzulegen versucht®5. 1473 macht Abraham von Dohna dem
Hodimeister den Vorschlag, entweder fiir Forderungen von Soldnern in Hohe von
4.0C0 ungarischen Gulden gutzusagen, sie zu .vergnugen*, wie es heiftt, oder
1.000 ungarisehe Gulden in bar an den Hodimeister auszuzahlen, wenn ihm dafiir
Dollstadt verpfandet wiirde00. Dem Hodimeister kommt das Bargeld zur Be-
friedigung des Soldnerhauptmanns Musick sehr gelegen, das Angebot Dohnas wird
daher wahrsdieinlich angenommen worden sein, denn erst 20 Jahre spater wird
Dollstadt durch den Hodimeister von der Witwe Dohnas wieder ausgelost67. Der
46
Das Land zwischen 1466 und 1497
Adel legte seine Kapitalien nicht nur gewinnbringend an, sondem vererbte seinen
Nachkommen anscheinend auch grofiere Mengen Bargeld, die diese nach Meinung
der Landesherrschaft jedoch nur ,unniitz und unredlich* durchbringen®8.
Es lafit sich fur die wirtschaftliche Entwicklung des Adels vermuten, daft sie in
den dreiftig Jahrcn zwischen 1467 und 1497 im groften und ganzen so giinstig
verlauft, daft sie ihm ein mehr als gutes Auskommen garantiert.
b) Die Freien
Die Gruppe der Freien tritt uns aus den vorhandenen Quellen nur verschwommen
und undeutlich entgegen00. Im Verlauf des nach 1466 vom Orden weitergefiihrten
Landesausbaus werden viele Dienstgiiter verliehen, inwieweit sie an Angehorige
der Erbarmannschaft oder an ,burgerlidief Freie verliehen worden sind, lafit sich
aus den Handfesten nicht immer ablesen70. Vor allem in den ostlichen Gebieten,
in denen hauptsachlich Masowier angesetzt wurden, wird sich am *Anlang des
16. Jahrhunderts der Streit dariiber erheben, ob sie, die Freien — wie sie von den
Ordensbeamten genannt werden — mit Scharwerk belastet werden diirfen oder
ob sie als Adlige — wie die Betroffenen sagen — davon befreit sind71. Fiir die
Zeit zwischen 1466 und 1497 lassen sidi keine Versuche nachweisen, die Zahl
der Freien einzuschranken oder ihre rechtliche Lage zu verschlechtern72.
Wie die okonomische Situation der Freien in der zweiten Halfte des 15. Jahr¬
hunderts gewesen ist, lafit sich nur vermuten. Die Annahme, daft sie in ihrer
wirtsdiaftlichen Lage zu der umfangreichen Gruppe gehoren, der die groften und
reichen Bauern und die kleineren Adligen zuzuredinen sind, diirfte wohl nicht
falsch sein. Diese Zuordnung kann aber im Verlauf der neunziger Jahre des
15. Jahrhunderts und der ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts nicht mehr auf-
rechterhalten werden, da man in dieser Zeit Versuche beobachten kann, mit politi-
schen Mitteln die Freien in den Stand der Bauern zuriickzudrangen73.
c) Die Bauern
Ein Teil der Bauern ist nach 1466 durch die vielen Verleihungen an die ehemaligen
Soldnerhauptleute des Ordens in Abhiingigkeit vom Adel geraten. Da die Zahl
der dem einzelnen Adligen untertanigen Bauern weitaus geringer ist als etwa die
Zahl, iiber die ein Amtmann des Ordens verfiigen konnte, miissen wir fiir die
Adelsbauem mit einer starkeren Belastung durch den Grundherrn rechnen. Wel-
cher Art die Belastungen der Adelsbauem waren, konnen wir vermuten, wenn
wir uns die Form des Zugriffs der Ordensamtsleute auf die Bauern ihrer Gebiete
vor Augen halten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts beschweren sich die ,armen
Leute* des Gebietes Neidenburg in einem Brief an den Hochmeister iiber die
„manchvaldikeit grosze beszwerunge unnd vorterbnisze*, die sie von ihrem Pfle-
ger erdulden miissen. In dem Schreiben heifit es unter anderem, daft der Pfleger
die Bauern zum Bau eines Turms angehalten habe, ihnen jedoch gleichzeitig
anbot, sich von dieser Arbeit durch Zahlung eines Firdungs je Hufe freizukaufen.
Die Bauern zahlten das Geld, doch der Pfleger hielt sein Versprechen nicht. Nach-
Die dkonomisdie Entwicklung des Landes bis zum Jahr 1497
47
dem er nodi einmal zwei Schilling je Hufe erprefit hatte, zwang er die Bauern,
den Turm doch zu bauen. Der Pfleger verschaffte sidi nach Angabe der Bauern
auf diese Weise 400 Mark. Xhnlich verfuhr er beim Bau einer Briicke. Hier erprefite
er von den Bauern 12 Last Hafer und zwang sie dann doch, die Briicke zu bauen,
obwohl ihre Instandhaltung eigentlich die Aufgabe der grofien Freicn, also des
Adels im Gebiet Neidenburg gewesen ware. Unter den insgesamt elf Beschwerde-
punkten der Bauern sind nodi zwei weitere bemerkenswert: der Pfleger hielt die
Bauern zwischen drei und fiinf Wochen zum Jagddienst an und ruinierte dadurch
nadi Angaben der Bauern einige ihrer Genossen. Aufierdem verschaffte er sich
auf folgende Weise zwei gute Pferde: er veranstaltete eine Heersdiau und behielt
von den Pferden, die die Bauern zur Musterung braditen, die beiden besten ein74.
Genaue Angaben iiber die okonomische Lage der Bauern des Landesherrn oder
des Adels konnen wir leider nicht machen75. Abgesehen von der Unterscheidung
ihrer okonomischen Lage nach der Untertanigkeit unter Landesherr oder Adel
lafit sidi vermuten, daB ihre wirtschaftiiche Entwicklung — wie die aller anderen
Gruppen Preufiens auch — nadi 1466 einen giinstigen Verlauf nimmt, unterbrochen
freilich von MiBernten und seudienartigen Krankheiten. Ihre wirtschaftiiche Lage
mufi zumindest so gut gewesen sein, daB sie es dem Landesherrn nicht verwehrte,
wahrend vieler Jahre die Bauern zur Steuerleistung heranzuziehen. Nun will
das nicht viel heiflen, wissen wir doch nicht, wie schlecht die wirtschaftiiche Situa¬
tion der Bauern sein mufi, um sie vor steuerlichen Belastungen zu bewahren. Sehr
schlecht ist sie auf jeden Fall zu Beginn des 16. Jahrhunderts; von 1501 an sind die
Bauern, wahrscheinlich fiir fast anderthalb Jahrzehnte, nicht mchr mit Stcuern
belastet worden78. Doch die okonomische Lage der Bauern scheint zwischen 1466
und etwa 1490/1492, wie eine Reihe von Indizien vermuten lassen, besser als in
den spateren Jahren gewesen zu sein.
Einer der wichtigsten Hinweise auf die wirtschaftiiche Lage der Bauern ist die
Starke der Landflucht. Wahrend des Krieges ist sie mit Sicherheit recht groB ge¬
wesen, sons: hatte man nicht ein verstarktes Abforderungsrecht in den Friedens-
vertrag aufnehmen mtissen. Dieses Abforderungsrecht ist fiir das Ordensland und
das Bistum Ermland 1478 nodi einmal festgelegt und zeitlich begrenzt worden77.
Die vor 1454 in dieser Hinsicht iiblichen Gepflogenheiten scheinen dann mit der
1482 erlassenen Landesordnung wieder hergestellt worden zu sein78, obwohl im
Verhaltnis zum ,Ausland‘ die- Abforderung von Bauern nodi immer eine Rolle
spielt79. Von einem Entlaufen der Bauern des Ordenslandes in grofierem Umfang
horen wir erst wieder im Jahr 150180.
Fiir einen relativen Wohlstand der Bauern oder eines Teiles von ihnen wahrend
der zweiten Hiilfte des 15. Jahrhunderts spredien einzelne Bestimmungcn der
Landesordnungen. So legen verschiedene Artikel der Landesordnung von 1482
fest, daft ein Bauer, der ,ohne Gefahr' zu einem Schiff kommt, zu eigener Not-
durft Salz, Gewand und andere W'arcn kaufen darf. Der Wiederverkauf von
auf diesem W’eg erworbenen Waren wird ihm jedodi untersagt81. In dieser Be-
stimmung finden sich eine Reihe wichtiger Nachrichten. Ohne Gefahr zu einem
Schiff kommt der Bauer praktisch nur in den Hafenstadten. Wir miissen daher
48
Das Land zwisdicn 1466 und 1497
annehmen, dafi es in Preufien zu dieser Zeit iiblich gewesen ist, dafi Bauern
aufierhalb der Hafen ankernde Sdiiffe aufsuchten. Die auswartigen Kaufleute
und Schiffer traten also mit den letzten Abnehmem ihrer Handelswaren direkt
in Verbindung. Der Umfang dieses Kleinhandeis war jedoch grofier als es der
Eigcnbedarf der bauerlichen Handelspartner als notwendig erscheinen liefi, sonst
hatte ihnen der Wiederverkauf nicht untersagt werden miissen. Die Bauern treten
demnach durchaus nicht als letztes Glied der Handelskette in Erscheinung, sondern
vielmchr als Zwischenhandler. Die weitaus wichtigsten Handelswaren, die von
ihnen zum Weiterverkauf erworben wurden, waren Salz und Tuche. Da diese
Waren sichclich in grofieren Mengen erworben wurden, miissen auch entsprechende
Kapitalmengen, entweder in Geldform oder in Warenform, zur Verfiigung gestan-
den haben. Wir miissen damit rechnen, dafi von den Bauern die Handelswaren teil-
weise in Geld, teilweise in Waren — in diesem Fall mit Getreide — bezahlt wur¬
den, da ein anderer Artikel der Landesordnung bestimmt, dafi nur Bauern, die
Mangel an Saatkorn oder Brotgetreide haben, dieses frei auf dem Marly: erwerben
diirften82. Der Getreidekauf zum Zweck des Weiterverkaufs war damit fiir sie ver-
boten; verbieten kann man jedoch nur etwas, das in grofierem Umfang stattfindet.
Neben den Einnahmen aus ihrem landwirtschaftlichen Betrieb erzielten die Bauern
demnach auch Einnahmen aus Handelstatigkeit. Diese beschrankt sich nun aber
nicht nur auf die an der Kiiste oder in unmittelbarer Kiistennahe wohnenden
Bauern, denn in der Landesordnung wird weiter bestimmt, dafi kein Schotte,
Englander, Hollander oder anderer, nicht unter dem Orden gesessener Kaufmann
auf dem Lande, in Dorfern oder in Stadten seine Waren feilbieten darf83. Im-
portcure und Letztverbraucher treten im Ordensland in unmittelbare Handels-
beziehung und zwar in so grofiem Umfang, dafi ein derartiges Gebaren sichtbar
den Neid der stiidtischen Kaufleute erregt hat und durch die Regelung der Lan¬
desordnung verboten wird. Bei den direkten Handelsbeziehungen zwischen den
Bauern und fremden Kaufleuten treten die ersteren nicht nur in der Rolle des
Kaufers, sondern auch in der des Verkaufers auf. Sie verkaufen ihre landwirt-
schaftlichen Produkte direkt an die sie aufsuchenden fremden Handler, ohne die
Ware erst auf den Mark: zu bringen. Der Wiederverkauf der Bauern mufi eben-
falls betriichtlidies Ausmafi angenommen haben, da die Bufie fur das ,nicht zum
Markt kommen lassen* der Waren die weitaus hochste ist, die in der Landesord¬
nung von 1482 fiir Verstofie gegen die Bestimmungen dieser Ordnung angedroht
wird84.
Die Bauern haben neben den Einnahmen aus dem Handel noch eine weitere,
anscheinend ebenfalls sehr ergiebige Einnahmequelle aufgetan, das Bierbrauen zum
Zweck des Verkaufs85. Diese Einnahmequelle wird ihnen durch das in der Lan¬
desordnung ausgesprochene Verbot fiir eine derartige Tatigkeit zwar verstopft,
doch lafit sidi nicht nachpriifen, in welchem Mafi sie das Verbot auch beachtet
haben. Es ist durchaus moglidi, dafi die Bauern, neben den bereits genannten
,nichtagrarischen‘ Tatigkcitcn noch weitere ausiibten. Zwar findet sich 1482 keine
Bcstimmung iiber das Lohnfuhrwerken der Bauern, wie es 1441 der Fall gewesen
ist86, aber in den Einnahme- und Ausgabenregistern der Amtsleute des Ordens
finden sich betradidiche Ausgaben fiir Fuhrlohne, ohne dafi in den meisten Fallen
Die okonomische Entwicklung des Landes bis zum Jahr 1497
49
erkennbar ist, ob diese Gelder an gewerbsmafiige Fuhrleute oder an Bauern gezahlt
wurden87.
Den Bauern werden nicht nur eine Reihe von ,nichtagrarischen‘ Tatigkeiten ver-
boten, die Verfasser der Landesordnung sehen es auch als notwendig an, Vor-
schriften iiber die Abhaltung bestimmter Feiern auf dem Land zu erlassen88.
Die Familienfeiern der Bauern miissen zu diesem Zeitpunkt demnadi sdion wieder
mit grofiem Aufwand abgehalten worden sein, wobei man nicht ohne weiteres
voraussetzen darf, dafi die Kosten derartiger Feiern allein auf dem Kreditweg
aufgebracht worden sind. Die einzelnen Bestimmungen der Landesordnung lassen
den Sdilufi zu, daft ihre wirtschaftliche Lage in den achtziger Jahren des 15. Jahr-
hunderts alles in allem als recht annehmbar zu bezeichnen ist. Das Bild, das uns
die Landesordnung von der landlichen Bevolkerung entwirft, zeigt keineswegs den
stumpfsinnigen, geknebelten Bauern spaterer Zeit, sondern einen recht unter-
nehmungslustigen, sichtlich auch kein kaufmannisches Risiko scheuenden land-
wirtsdiaftlichen Unternehmer.
Die Artikel, die 1494 unter der Regierung des Hochmeisters Hans von Tiefen,
die ,nichtagrarischen‘ Tatigkeiten der Bauern betreffend, erlassen worden sind,
zeigen uns schon ein etwas anderes Bild88. Zwar wird dem Bauern jetzt ausdriicklich
erlaubt, landwirtsdiaftliche Produkte zum Wiederverkauf aufzukaufen, doch ist
das nur im eigenen Dorf gestattet90. An anderen Orten diirfen sie nur zur eigenen
Notdurft Waren erwerben. Es ist jetzt keine Rede mehr von einem Kauf direkt
bei den Schiffen der fremden Handler, einem Kauf, dem wahrscheinlich sehr oft
ein gleichzeitiger Verkauf von Waren an den Fremden entsprochen hat, sondern
es wird bestimmt, dafi der Bauer seine aufgekauften Produkte auf den Markt,
also in die Stadte bringen mufi. Allerdings darf er sich den Markt aussuchen,
wo er meint, die besten Preise erzielen zu konnen. Aufierdem darf er zum Ankauf
der landwirtschaftlichen Produkte nur sein eigenes Geld verwenden. Die Mog-
lichkeit, als Beauftragter eines Kaufmanns aus einer der Stadte als eine Art
dorflicher ,Lieger* Geld zu verdicnen, wird ihm damit genommen. Das Anwerben
bauerlicher Beauftragter wird denn auch folgerichtig den Biirgem der kleinen
Stadte ebenfalls verboten91. Wir haben zwar eine Sanktionierung biiuerlicher
Kaufmannschaft, gleichzeitig aber auch eine Einsdirankung des Kreises ihrer Han-
delspartner. Er setzt sich, oder soil sich, weitgehend aus den Biirgem der kleinen
Landstadte zusammensetzen. Die Stadte scheinen in der Zwischenzeit demnach
eine weitgehende Beschrankung der fremden Kaufleute auf die Hafenstadte er-
reicht zu haben, denn nur nodi Schotten und ,Pawdelcromer* sollen im Land nidit
mehr gelitten werden. Durdi diese Einsdirankung der bauerlichen Handelspartner
auf die Biirger der kleinen Stadte und Konigsbergs und die Danziger und Elbin-
ger Handler sind naturlich die Gewinnmoglidikeiten der Bauern beim Verkauf
ihrer Produkte betrachtlich besdinitten worden, zumal sie aufierdem auf den
Handel allein mit landwirtschaftlichen Produkten besdiriinkt werden. Praktisch
werden sie vom Handelsgeschaft vollig ausgesdilossen, die Biirger der Stadte
gestehen ihnen nur noch den Teil des Handels zu, der der Ansammlung grofierer
Mengen lindwirtschaftlicher Produkte dient. Der Kauf kleiner und kleinster
50
Das Land zwisdien 1466 und 1497
Mengen von Getreide, Hopfen, Flachs und ahnlidiem in den einzelnen landwirt-
schaftlichen Betrieben bleibt dem stadtischen Handler nunmehr erspart, er kann
warten, bis ihm ein oder mehrere Bauern die Oberschiisse eines ganzen Dorfes auf
den Markt seiner Stadt bringcn.
Nicht nur in seiner Handelstatigkeit wird der Bauer beschrankt. Audi sein Lohn-
fuhrwerken kann ihm unter bestimmten Voraussetzungen verboten werden®*.
Bringt dieses Lohnfuhrwerken, wie es heiftt, seinem Herrn Sdiaden, ,so weifi sich
dieser wohl zu halten*. Diese Bestimmung besagt, daft es dem Grundherrn frei-
steht, seinen bauerlidien Hintersassen das Lohnfuhrwerken zu erlauben oder zu
verbieten, da nur er iiber einen ihm daraus entstehenden Sdiaden zu befinden hat.
Dem Grundherrn ist damit die Moglidikeit gegeben, das Angebot an Transportka-
pazitat kiinstlich zu verknappen. Bei starker Nadifrage kann er dann entweder
bauerlidies Fuhrwerken gegen ein ihm zusatzlich zu entrichtendes Entgelt gestatten
oder versuchen, den Transport im Rahmen der Scharwerkspflidit seiner Bauern
durdifiihren zu lassen und den gesamten Fuhrlohn selbst einzustreidien. Die Rege-
lung des bauerlidien Fuhrwerkens wird auf jeden Fall eindeutig zu Lasten der
Bauern vorgenommen.
Der dritten 1482 erwiihnten Einnahmequelle wird 1494 keine Erwahnung mehr
getan. Die Artikel dieses Jahres enthalten nur noch eine Regelung des Bierbrauens
und Krugverlegens durdi die Erbarleute. Den Bauern wird diese Einnahmequelle
in den vergangenen Jahren wohl fast vollig genommen worden sein. Die 1494
erlassenen Artikel lassen lebhafte Bemiihungen sowohl der Stadte als auch der
Grundherren erkennen, die Bauern weitgehend auf ihre landwirtsdiaftliche Arbeit
zu beschranken. Die Ursadien fiir diese Bestrebungen werden wir wohl in dem
Absinkcn der Getreidepreise im westlidien Europa zu Beginn der neunziger Jahre
des 15. Jahrhunderts zu sehen haben®3. Da der Handel des Ordenslandes in den
vergangenen Jahren einen betraditlidien Aufsdiwung erfahren hatte, haben die
Stadte groftes Interesse daran, in dieser krisenhaften Entwicklungsphase nicht nur
den fremden Kaufmann, sondern weitgehend auch den einheimischen Bauern von
dem Binnenhandel fernzuhalten, um ihren alten Stand halten zu konnen. Die
jetzt vom Handel weitgehend ausgeschlossenen Bauern, deren Einnahmen aus*
dem Fuhrwerken von der Gunst des Grundherren abhangig geworden sind und
deren Einnahmen aus dem Bierverkauf ebenfalls weitgehend entfallen zu sein
scheinen, werden in den folgenden Jahren wesentlich starker von guten oder
schlechten Erfolgen ihrer eigentlichen bauerlidien Arbeit abhangig sein. Jede Mift-
ernte muft sie unter derartigen Verhaltnissen in sdiwere wirtsdiaftlidie Not stiirzen.
Dabei ist noch zu beriicksiditigen, daft sie moglicherweise von ihrem Grundherrn
in Zukunft in verstarktem Mafi mit Scharwerk auf dessen Eigenbetrieb oder in
dessen sonstigen Interessen belastet werden, da die krisenhafte Entwicklung des
Handels dicscn veranlasscn wird, starker als in den vorhergehenden Jahrzehnter.
seine eigene Produktion, sowohl in der Feld- und Viehwirtsdiaft als auch in der
Forstwirtschaft auf die Interessen des Marktes auszurichten. Der Grundherr wird
sich bei einem Ausbau seiner Eigenwirtsdiaft verstark: dem Getreideanbau zuwen-
den. Bei diesem Ausbau der Eigenwirtsdiaft muft aber darauf geachtet werden,
Die okonomische Entwicklung des Landes bis zum Jahr 1497
51
dafi die Gestehungskosten fiir die Getreideeinheit gesenkt werden miissen, um die
Spanne zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis iukrativ zu halten. Man
wird ab 1490 mit steigender Scharwerksbelastung der Adelsbauern und der lan-
desherrlidien Bauern rechnen miissen. Gleidizeitig werden die Getreideproduzenten
daran interessiert sein, fiir die Zeitraume, in denen in der Landwirtschaft beson-
ders viel Arbeit anfallt, also der Erntezeit vor allem, iiber geniigend Gesinde und
Lohnarbeiter zu verfiigen.
d) Gesinde und Lohnarbeiter
Tatsachlich lafit sich auch eine Verscharfung der das landwirtsdiaftliche Gesinde
betreffenden Bestimmungen der einzelnen Landesordnungen im Lauf der Jahr-
zehnte beobachten. Die erste Beschaftigung mit dem Gesindeproblem durch die
auf einer Tagfahrt versammelten Stande und die Landesherrschaft erfolgte bereits
147494. Man regelte in diesem Jahr den Bereich, in dem preufiisches Gesinde
besdiaftigt werden durfte. War 1441 noch bestimmt worden, daft preufiisches
Gesinde weder in Stadten noch in deutsdien Dorfern, Vorstadten, Kretzem und
Keuteln besdiaftigt werden durfte95, so beschrankte sich das Beschaftigungsver-
bot 1474 nur noch auf Stadte und Kriige auf dem Land99. In deutschen Dorfern
darf demnach, ab 1474 auch rechtlich gesichert, preufiisches Gesinde besdiaftigt
werden. Die ausdriickliche Absicht, die preufiische Bevolkerungsgruppe als ethnische
Minderheit zu diskriminieren, darf man in dieser Zeit den Bestimmungen der
Landesordnung wohl nicht mehr unterstellen. Vielmehr wird hier eine iiberkom-
mene Diskriminierung der Ureinwohner Preuftens geschickt benutzi, um das Ar-
beitskraftepotential, das die Stammpreuften bilden, ausschliefilidi fiir den land-
lidien Wirtschaftsbereich nutzbar zu machen, beziehungsweise es in diesem Be-
reidi zu halten. In der Landesordnung von 1482 ist dann auch nur noch von einem
Beschaftigungsverbot fiir das preuftische Gesinde in den Stadten des Ordenslandes
die Rede, in den Kriigen diirfen nunmehr Preufien als Gesinde verwendet wer¬
den97.
Die Reihenfolge in den Einschrankungen des Beschiiftigungsverbots deutet darauf
hin, welche Gruppe in den Beratungen ihre Interessen durdizusetzen verstanden
hat: es ist mit hoher Wahrscheinlidikeit der Adel. In den Jahren nach 1466 waren
ihm viele deutsdie Dorfer verliehen worden, sollten sie fiir ihn ertragreich werden,
muftte der Gesindebedarf der dort ansassigen Bauern gedeckt werden und das
sdiien nur dadurch moglich zu sein, daft Preuften als Magde und Knechte in die
Dorfer aufgenommen wurden. Sidier habcn die Preufien auch in den Eigenbetrieben
des Adels Verwendung gefunden. Nadidem dann im Lauf der Jahre anscheinend
eine grofie Zahl von Kriigen durch den Adel verlegt wurde, mufite auch den
Kriigern im Interesse einer Umsatzsteigerung, deren Teilhaber der Bierverleger
war, die Beschaftigung preufiischen Gesindes erlaubt werden. Die eindeutige Be-
vorzugung der Interessen der Landwirtschaft 1474 macht sich auch in der Regelung
bemerkbar, dafi etwa in die Stadte entlaufenes preufiisches Gesinde von seinem
Dienstherren zuriidcgefordert werden konnte und ihm auch ausgefolgt werden
mufite. Aufierdem wird noch einmal ausdriicklich darauf hingewiesen, dafi Preufien
kein Handwerk lemen sollen.
52
Das Land zwischen 1466 und 1497
Nachdem man sich 1474 bereits mit dem preufiischen Gesinde beschaftigt hattc,
werdcn vier Jahre spater auch Regelungen iiber deutsches Gesinde getroffen®8. In
vier von zwolf Artikeln wird hier eine Reihe von Bestimmungen erlassen, die
darauf hinauslaufen, der Landwirtschaft in ausreichendem Mafi Arbeitskrafte
zuzufiihren. Im Gegensatz zu friiheren Landesordnungen und auch zur Landes-
ordnung von 1482 wird 1478 bestimmt, daft die Gesindeheirat nicht nur wahrend
des Austs, der Ernte, nur unter bestimmten Voraussetzungen moglidi ist, sondern
auch schon wahrend der Zeit des Heuschlags®®. Wahrend aller Erntearbeicen soil
die Landwirtschaft demnach vor Arbeitskrafteverlust geschiitzt werden.
Auf die Beschaffung von Arbeitskraften laufen die Bestimmungen iiber die Miifiig-
ganger hinaus100. 1478 wird zunachst nur bestimmt, daft auf dem Lande und in
den Stadten die ,losen Leute* ausgetrieben werden, um Arbeitskrafte fur den
gemeinen Landmann und auch fur die Stadte zu gewinnen. 1482 wird schon
differenziert zwischen Gesinde, daft nadi Ablauf der Dienstzeit noch nicht wieder
eine neue Verpfliditung eingegangen ist und den ,leiditfcrtigen‘ Leucen; beide
Gruppen sollen zur Arbeitsaufnahme veranlafit werden. In den Bestimmungen von
1494 findet sich dann nur nodi der Artikel iiber dienstloses Gesinde. Er hat aller-
dings wesentliche Erweiterungen erfahren. So wird der Jahresurlaub* der Miigde
und Knechte auf 14 Tage beschrankt. Danadi sollen sie entweder zum Dienst
gezwungen werden oder sie sollen ein unbesetztes Erbe annehmen. Man geht jetzt
bereits recht drastisdi gegen diese Bevolkerungsteile vor, denn immerhin ist hier
erstmals von ,Zwang‘ die Rede. Zudem sdieint die Anweisung, daft lediges Ge¬
sinde eine Bauernstelle annehmen soil, darauf hinzuweisen, daft zu diesem Zeit-
punkt bereiis ein verstarktes Interesse an der Besetzung seit langer Zeit wiister
Hufen vorhanden ist, beziehungsweise wenn wir an die Klage vom Entlaufen der
Bauern 1501 denken, an der Besetzung erst kiirzlich von den Bauern verlassener
Erben. Da diese Bestimmung in den alteren Landesordnungen, die in Zeiten noch
geringerer Besetzung der Erben erlassen wurden, fehlen, ist anzunehmen, daft das
Hauptmotiv fur diese Bestimmung tatsachlich in dem zuletzt angegebenen Grund
zu suchen ist. Der Zugriff der Grundherren auf das Gesinde ist ganz allgemein zu
dieser Zeit wesentlich barter geworden, wie sich an den Strafmaften fur Vergehen
des Gesindes ablesen laftt.
Die sichtbare Knappheit landwirtschaftlichen Gesindes laftt vermuten, daft die
Gesindelohne in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts im Vergleidi etwa
zu den Vorkriegslohnen hoch gewesen sind. Angaben iiber Gesindelohne liegen
uns leider nur fur Knechte und Miigde der Ordensvorwerke vor, doch durften die
dort gezahlten Lohne mindestens auch von den anderen Dienstherren gezahlt
worden sein101.
Die insgesamt nicht sehr zahlreidien und dazu noch zeitlich und raumlidi teilweise
sehr weit auseinanderliegenden Lohnangaben lassen einen unmittelbaren und
aussagekraftigen Vergleidi kaum zu; dazu kommt nodi, daft aus den Angaben
fur die zweite Halfte des 15. Jahrhunderts nicht eindeutig hervorgeht, ob es sich
um ,gute‘ oder ,geringe‘ Mark handelt. Fur den genannten Zeitraum liegen uns
Lohnangaben aus Lochstiidt102, Neidenburg103, Ortelsburg10* sowie aus Insterburg
Die okonomische Entwiddung des Landes bis zum Jahr 1497
53
und Taplaken105 vor. Lochstadt liegt relativ dicht bei den Drei Stadten Konigs-
berg, hat also vermutlich ein hoheres Lohnniveau als die sehr weit ostlich liegenden
anderen Orte. Dafiir miissen bei den letzteren Lohnsteigerungen seit 1467 ein-
kalkuliert werden, auflerdem miissen natiirlich die unterschiedlichen Qualifikatio-
nen der einzelnen Lohnempfanger beriicksichtigt werden (siehe Tabelie 2).
Tabelle 2
1466/67
1477
1485
1488
Kaplan
4 M
—
—
—
Sdiiiler
3M
—
4 M
—
Backer
6M
—
16 M
10 M
Koch
4 M
4 M
6M
9 M
Kochjunge
3 M
—
5 M
5 M
Kellerknecht
4 M
4 M
7 M
—
Brauer
4 M
—
—
6 M
Torwadner
4 M
3 M
—
—
Nadicwachter
3M
3M
—
—
Pflugknecht
3M
4/4,5/5,5 M
—
7/6 M
Sweikenknedit
3/4 M
—
—
4 M
Hofmeister
4 M
6M
—
10 M
Viehmutter
4 M
4 M
4 M
4 M
Magd
3M
3M
2 Vo M
3M
Kuhhirte
4 M
3,5 M
—
2,5/4 M
Stalljunge
1M
2,5/2 M
2 M
Unter Beriicksichtigung aller dieser Faktoren lafit sidi trotzdem ein relativ starkes
Ansteigen der Lohnkosten feststellen. Besonders ins Auge fallend ist diese Steige-
rung bei zwei Gesindegruppen, einmal der Gruppe der Backer, Koche, Brauer und
Kellermeister, der Personen also, die fiir das leibliche Wohl der Ordensamtleute
und ihrer Mitbriider zu sorgen hatten und zum anderen bei der Gruppe von Knech-
ten und Magden, die wahrscheinlich weitgehend allein die Eigenwirtschaft der
Pflegeamter geleitet oder wichtige Positionen in diesen landwirtschaftlichen Betrie-
ben innegehabt haben, bei Hofmeister, Viehmutter und Pflugknechten.
Neben den auf Dauer in den landwirtschaftlichen Betrieben beschaftigten Arbeits-
kraften finden sidi nodi kurzfristig eingesetzte Tagelohner106. Sie werden teilweise
nach der Zeit entlohnt, teilweise jedoch audi in einer Art ,Akkordsystem‘. Wie sich
ihre Einkommen und damit ihre okonomische Lage entwickelt, kann aus Mangel an
ausreichendem Zahlenmaterial nidit festgestellt werden. Es ist jedoch anzunehmen,
dafi sie auf Grund der angespannten Lage auf dem Arbeitskraftemarkt zunadist
ebenfalls steigende Lohne fiir ihre Arbeit erhalten.
KAPITEL III
DIE STADTE BIS ZUM JAHR 1497
Konigsberg1, vor dem Krieg hinter bedeutendere Stadte des Ordenslandes zuriick-
tretend, wurde nach 1466 endgiiltig zur Residenzstadt der Hochmeister. Auf die
Altstadt ging der Oberkolm fur das Restordensland iiber2. Neben Memel war
Konigsberg die einzige Stadt des Landes, die iiber einen Zugang zum Meer ver-
fiigte. Die kleinen Landstadte standen weit hinter ihr zuriick3 *. Politisch folgten
sie dem Vorbild der grofien Stadt und wirtschaftlich konnten sie sich mit ihrer Be-
deutung bei weitem nicht messen. Daher und aus Quellenmangel fiir die kleinen
Stadte mufi sich eine Untersuchung liber die wirtschaftlidie Lage und Entwidtlung
der Stadte des Ordenslandes auf die Drei Stadte Konigsberg beschranken.
1. DIE WIRTSCHAFTLICHE LAGE KONIGSBERGS IM JAHR 1466
Die okonomische Lage Konigsbergs im Jahr 1466 einzuschatzen, ist auf den ersten
Blick recht schwierig®. Nachdem die drei Stadte kurz nach Beginn des Biirger-
krieges wieder an den Orden zuriickgefallen waren, begann ein langjahriger Kaper-
krieg gegen sie5 *, dem aber kein voller Erfolg beschieden war®. Die Kaufleute der
Ostseestadte und der Niederlande fanden weiter den Weg nach Konigsberg7, und
auch Konigsberger scheuten die schwierige Reise in das Ausland nicht8 *. Der Anreiz
fur die Handler lag in den hohen Preisen, die in Preuften zu erzielen waren*
und dem Bedarf nach den traditioncllen preufiischen Exportwaren10, vor allem
nach Bernstein11.
Diese keineswegs schlechte wirtschaftliche Ausgangslage der Drei Stadte Konigsberg
wurde sofort nach Kriegsende nodi durch fiskalische und wirtsdiaftspolitische Mafi-
nahmen des Landesherm verbessert12.
2. DIE OKONOMISCHE ENTWICKLUNG KONIGSBERGS BIS 1497
Die Drei Stadte Konigsberg verfiigen iiber ein unterschiedliches wirtschaftliches
Gewicht13. Diese Tatsache laf5t sidi auch an dem Zeiseaufkommen in den drei
Stadten feststellcn. Allerdings mtisscn wir hier die iiberraschende Feststellung
machen, dafi sich das aus dem Geschoftaufkommen von 1458 ergebende Verhaltnis
annahernd nur fiir das Zeiseaufkommen der Jahre 1467/68 errechnen lafit, wobei
aber auch in diesem Jahr der Lobenicht sdion dadurdi auffallt, daft er nach seiner
Zeiseleistung iiber rund die Hiilfte der Wirtschaftskraft der Altstadt verfiigen
Die okonomisdie Entwicklung Konigsbergs bis 1497
55
wiirde14. Nodi unglaubwiirdiger wird das Verhaltnis der drei Stadte nadi dem
Zeiseaufkommen der Jahre 1468/69 und 1471. Danadi wiirden der Kneiphof und
der Lobenidit zunachst iiber knapp drei Viertel beziehungsweise knapp zwei
Drittel der Wirtschaftskraft der Altstadt verfiigen13 und hatten diese sparer sogar
iiberholt beziehungsweise eingeholt10. Eine derartige Entwicklung in so kurzer
Zeit ist jedodi vollig unvorstellbar.
Das Zeiseregister gibt keinen Hinweis darauf, dafi die Zeisezahlungen der Alt¬
stadt und des Kneiphofs im Gegensatz zu denen des Lobenidit nicht vollziihlig
eingetragen worden sind, eine Erklarung der seltsamen Entwicklung durch eine
unzuverlassige Quellengrundlage sdieidet demnadi aus. Es kann nur angenommen
werden, dafi entweder die Herabsetzung der Steuersatze und die verminderte
Zahl der zu versteuernden Kaufe und Verkaufe die Altstadt und den Kneiphof im
Verhaltnis zum Lobenidit unverhaltnismafiig begiinstigen, oder dafi die Steuer-
moral vor allem der Altstadter, aber audi der Kneiphofer Burger wesentlidi schlech-
ter als die der Burger des Lobenidit ist. Als dritte mogliche Erklarung kann man
nodi vermuten, dafi die Kaufleute der Altstadt und des Kneiphofs wesentlidi ge-
sdiickter als die Handwerker des Lobenidit darin sind, ihre Handelsgeschafte
so abzuwidteln, dafi sie nicht gezwungen sind, diese zu versteuern. Wahrscheinlich
ergeben alle drei Erklarungen zusammen die Ursadie fiir die ,iiberrasdiende Wirt-
sdiaftsbliite* des Lobenidit. Das tatsadilidie Verhaltnis der Wirtschaftskraft zwi-
sdien den drei Stadten wird sidi wohl audi in den Jahren nadi 1468 nicht wesent-
lidi. von dem des Jahres 1458 untersdiieden haben, nur diirfte der Kneiphof
durch seinen aktiven Handel nadi Litauen in den nachsten Jahren im Verhaltnis
zur Altstadt etwas aufholen.
Es liegen fiir die drei erwahnten Jahre audi die Zeiseeinnahmen ,im Borne* vor,
also wahrscheinlich die bei Ein- und Ausfuhr von den eigenen und fremden Kauf-
leuten erhobenen Steuern. Da diesen Einnahmen jedodi keine einheitliche Be-
rechnungsart zugrunde liegt, kann man den Umfang der Ein- und Ausfuhr nicht
abschatzen17. Es lafit sidi nur feststellen, dafi ein Handel fremder Kaufleute nach
Konigsberg stattgefunden hat. Audi alle anderen, den Handel betreffenden Zah-
lcn lassen keinen eindeutigen Schlufi auf den Handelsumfang der Drei Stadte
Konigsberg zu. Die aus den aditziger Jahren vorliegenden Pfundzollisten geben
uns zwar die Zahlen der durch das Tief einlaufenden Sdiiffe, aber nur von den
Konigsberger Schiffen konnen wir mit grofier Wahrsdieinlichkeit annehmen, dafi
sie alle nach Konigsberg gefahren sind. Die Sdiiffe aller anderen Stadte oder
Lander konnen audi die Hafcn von Elbing und Braunsberg aufgesucht haben.
Nadi den Angaben des Pfundzollregisters von 1481 zahlen in diesem Jahr 166
Schiffe Pfundzoll. Von diesen Schiffen werden 18 als Konigsberger, 68 als Liibecker,
79 als hollandisdie und zwei als schwedisdie Sdiiffe bezeidinet18. Das Pfundzoll-
register von 1482 zahlt dagegen mindestens 175 Schiffe auf, von denen 23 aus
Konigsberg, 100 aus Liibeck, nur 44 aus Holland und 8 aus Schweden stammen19.
Der Schifr'sverkehr durch das Tief war demnadi redit lebhaft und ein Teil der
fremden Schiffe, so diirfen wir wohl annehmen, wird auch oder allein den Konigs¬
berger Hafen angelaufen haben.
56
Die Stadte bis zum Jahr 1497
a) Die Handelswaren im Fernhandel
Fur die von Konigsberg mit eigenen oder fremden Schiffen versandten Handels-
waren haben wir zwei Nachrichten grofieren Umfangs, einmal das schon erwahnte
Pfundzollregister von 1482 und zum anderen ein Liibecker Pfundzollregister der
Jahre 1492 bis 1496, das uns die aus Konigsberg nadi LLibeck und umgekehrt
versdiifften Giiter angibt, leider ohne Getreide und Mehl; diese beiden Giiter
wurden in Liibeck nidit ,verpfundet*. Nach den Angaben von 1482 werden haupt-
sachlich Salz, Holz, Asdie, Teer, Gewand und Korn neben vielen anderen Waren
verzollt. Uber die im einzelnen verzollten Mengen gibt Tabelle 2 a) Auskunft20.
Tabelle 2 a
Ware Menge
Salz
451
Last
Holz
404
Hundert
Asdie
474
Last
Teer
156
Gewand
252
Laken
Hopfen
625
Sacke
Flachs
IS
Last
15 Stein
Kalk
205
Osemut
16
n
1 Fafl
Korn
443
n
Mehl21
18
12 Tonnen
Weizen
36
я
Hering
51,5
n
Von den darin angefiihrten Waren diirften mit redit grower Sidierheit Teer und
Asdie iiber Konigsberg exportiert worden sein, wahrend wir bei dem ausgefiihrten
Getreide mit ebenso grower Wabrsdieinlidikeit annehmen diirfen, dafi es von den
fremden Kaufleuten nidit in Konigsberg aufgekauft worden ist. Diese Feststel-
lung bedeutet jedoch nidit, dafi das gesamte exportierte Getreide aus dem west-
lichen Preufien kam, deuten doch die Besdiwerden der Kneiphofer Rate beim
Hodimeister und die den Bauernhandel betreffenden Artikel der Landesordnung *
vom Oktober des Jahres 1482 darauf hin, dafi audi von den kleinen Stadten und
den Bauern des Ordenslandes heimlich trotz Ausfuhrverbots fiir Getreide Korn
auf den ,neuen Markt am Tief* gelangt ist22. Im iibrigen diirfte der Hochmeister
durch die von ihm ausgegebenen Lobebriefe ein redit gutes Geschaft gemacht
haben. Da er angcblidi fiir die Last Getreide zehn Mark genommen hat, haben
seine zusatzlidicn Einnahmen 1482 fast 5 000 Mark betragen23. Bei den anderen
angegebenen Waren lafit sidi kaum feststellen, welche Mengen aus welcher Hafen-
stadt gekommen bzw. dorthin gebradit worden sind.
Die Sdiiffe aus den einzelnen Stadten und Gebieten haben fast alle iiberhaupt
verzollten Waren geladen. Allerdings sind jeweils bestimmte Waren deutlidi be-
vorzugt worden. Dabei fallt auf, daS von den Liibedtern trotz ihrer hohen Sdiiffs-
zahl nur 165,5 Hundert Holz, 145,5 Last Salz, 32_Last Asche, 45 Last Korn, 12
Last Weizen, 11 Last Teer, 5,5 Last Flachs, 119 Sacke Hopfen, aber 13 Last Bier,
Die okonomische Entwiddung Konigsbergs bis 1497
57
144 Last Kalk und 37,5 Last Hering transportiert worden sind. Die Konigsberger
Sdiiffe transportieren nur 27 Hundert Holz, 1 Last Teer, 22 Last Salz in Einzel-
fraditen bis hochstens 6 Last, 61 Last Kalk, 30 Last Korn sowie 229 Sacke Hopfen
und 11,5 Last Fladis. Der grofite Teil des verzollten Salzes, Gewandes, Holzes,
Korns und der Asdie sowie des Teers werden auf hollandischen Schiffen trans¬
portiert. Dadurdi ist die iiberragende Stellung der Hollander im Handel mit
den preufiischen Landen audi zahlenmafiig belegt.
Ober die Handelswaren der Konigsberger Kaufleute gibt das Liibecker Pfund-
zollregister genauer Auskunft24. Danadi werden in grofieren Mengen exportiert:
Holz (179,5 Hundert), Asdie (73 Last), Pech und Teer (iiber 53 Last), Stor
(75 Tonnen), Flachs (361 Packen) und Leder (47,5 deker). Importiert werden
Salz (696 Last), Laken (16 Terlin), Hering (18,5 L.), Einbecker Bier (55 Fafi)
und Wein (16,5 stucke). Die Waren sind nidit in alien Jahren gleichmaftig ver-
treten, nur Pech und Flachs treten in alien fiinf Jahren als Exportgiiter auf, wah-
rend Salz in diesen Jahren regelmaftig aus Liibeck importiert wurde. Die Ver-
kehrsstarke zwischen Liibeck und Konigsberg liegt zwischen 14 und 21 Schiffen
in den Jahren 1492 bis 1495, 1496 fahren zwei Sdiiffe von Liibeck nadi Konigs¬
berg; cs ist mit dieser Zahl jedodi nur ein Teil des Sdiiffsverkehrs erfaftt, da die
Pfundzollerhebung in Liibeck am 1. Juli 1496 eingestellt wurde. Von .Konigsberg
nadi Liibeck fahren in den erstgenannten Jahren zwischen 13 und 22 Sdiiffe,
wahrend im letzten Jahr zwei Sdiiffe diesen Weg nehmen. Nur in einem Fall
liegt die Zahl der von Konigsberg nach Liibeck segelnden Sdiiffe hoher als die
den umgekehrten Weg nehmenden. Daraus lafit sidi entnehmen, daft die Liibecker
Handelsinteressen in Konigsberg grofier waren als die der Konigsberger in Liibeck;
es ist eine weitere Bestatigung fur die sich auch aus dem Pfundzollregister von
1482 ergebende Tatsadie, daft der Aktivhandel der Konigsberger Kaufleute nach
Obersee wesentlidi geringer war als der Gesamthandel, der Femhandel Konigsbergs
ist iiberwiegend passiv.
b) Die Handels partner Konigsbergs
Neben den oben schon erwahnten Handelspartnern Holland, Liibeck und Schwe-
den ist von Konigsberg aus wahrsdieinlidi audi nodi mit einigen anderen Stadten
und Landern Handel getrieben worden; ob man es dabei mit einem aktiven oder
passiven Handclsverkehr zu tun hat, ist nicht erkennbar. Es gibt Hinweise darauf,
daft von Konigsberg Verbindungen mit England25, Danemark2® und Frankreidi27,
Koln28 sowie anderen Stadten aus dem Reich29 und Nowgorod30 bestanden haben.
Auch mit den Anlicgerlandern Preufiens, mit Masowien, dem Preufien koniglidien
Anteils und Litauen bestanden enge Handelsverbindungcn.
Im Handel mit Litauen, vor allem mit Kowno, hatte Konigsberg zunadist die
Konkurrenz Danzigs zu fiirditen31. Sehr bald aber mufiten sich die beiden Kon-
kurrenten gemeinsam gegen das Aufkommen eines eigenstandigen litauisdien Han¬
dels und der Einschrankung ihrer Privilegien in Kowno zur Wehr setzen. Obgleich
58-
Die Stadte bis zum Jahr 1497
beide Stadte ihre Landesherren in die Auseinandersetzung mit Kowno einschalten,
gelingt es ihnen nicht, ihre Privilegien im alten Umfang aufrecht zu halten. Sie
miissen den litauischen Kaufleuten einen groflen Teil des Handels zwischen Litauen
und den beiden Teilen Preufiens iiberlassen32.
Als eine Stadt mit weitgespannten Handelsinteressen gehort Konigsberg audi der
Hanse an. Nadi 1466 entwickelt sich das Verhaltnis zwischen den Drei Stadten
Konigsberg und der Hanse recht eigentiimlich33. Die Stadte Konigsberg nehmen
an den ersten Zusammenkiinften der Hansestadte nadi 1466 teil. Auf den Hanse-
tagen kommt es — ein Ausdruck der politischen Vorgange in Preufien — zu hefti-
gen Auseinandersetzungen zwischen Konigsberg und Danzig wegen der Sitz-
ordnung. Konigsberg kann sich in diesem Streit nicht durchsetzen und mud einen
zwar ehrenhaften, aber anderen Sitz einnehmen als vor dem Biirgerkrieg. Dieses
Verhalten bringt ihm die Ungnade des Hochmeisters ein. Wahrsdieinlidi hat dieser
dann in den folgenden Jahren eine Teilnahme Konigsbergs an den Hansetagen
verweigert. Verschiedentlich beauftragt daher Konigsberg Danzig mit sefner Ver-
tretung auf den Versammlungen der Hansestadte oder bei Auseinandersetzungen
wegen versdiiedener Zwisdienfalle auf See zwischen Konigsberger Schiffen und
denen anderer Lander.
Als die Hansestadte 1494 eine neue Tohopesate eingehen wollen, weigert sich
Danzig, den Bericht dariiber an Konigsberg weiterzuleiten34. Liibeck halt Danzig
daraufhin vor, daft man Konigsberg wegen „mannigerhande anfall unnd sake
willen", die Danzig ebenfalls bekannt seien, nicht schriftlich benadirichtigen wolle,
da die Sache geheim bleiben solle. Es bat Danzig, die Konigsberger miindlich iiber
die geplante Tohopesate zu unterriditen35. Die Einschatzung der politischen Be-
wegungsfreiheit Konigsbergs durch die Hansestadte kommt darin sehr deutlich
zum Ausdruck. Schliefilich wird Konigsberg doch nodi durch Danzig von der
bevorstehenden Tagfahrt wegen der Tohopesate benadiriditigt. Den Konigsber-
gern ist aber eine Teilnahme an diesem Hansetag nicht moglich, trotzdem ge-
droht worden war, nichtteilnehmende Hansestadte aus der Hanse auszuschlieflen.
Zwar sind die Konigsberger, wie es in einem Brief an Danzig heiftt, dazu ,ge-
neigt‘, aber, so fiihren sie weiter aus, „alleine Ursache manchfaltig Hindernisses,
Schadens und Gebrechens, diesmal die personliche Besendung nicht mogen irlan-
gen"u. Man muft damit rechnen, dafi Konigsberg die Teilnahmeerlaubnis ver-
mutlich vom Hodimeister nicht erlangen konnte. Die handelspolitische Selbstan-
digkeit der Hansestadt Konigsberg mufite dann als stark eingesdirankt angesehen
we r den.
c) Die Konigsberger ,Niederlage*
Die Nicderlagc und das Brakerech: fur die aus Litauen und Samaiten kommende
Aschc war Konigsberg, wie schon oben erwiihnt, im Oktober 1466 zunadist fur
drei Jahre durch einen Entsdieid Konig Kasimirs zugestanden worden. Eine Mafi-
nahme, die der Landesherr im Bestreben, seine Einnahmen zu erhohen, vornahm,
die Erhebung einer Abgabe auf Salz, das an Konigsberg vorbei nadi Litauen
Die okonomische Entwiddung Konigsbergs bis 1497
59
transportiert wurde, konnte man als einen ersten Sdiritt zur Erweiterung des
Konigsberger Niederlageredits auf Salz deuten. Uber diese Abgabe — zwei Mark
von der Last Salz — besdiwert sich der Hauptbetroffene dieser Mafinahme, Dan¬
zig, jedoch sofort. Auf der Tagfahrt zwischen dem Ordensland und dem koniglichen
Preufien im Februar 1467 beklagt sich Danzig bei den Ordensvertretern iiber
diese neue Beschwerung37. Der Komtur von Holland antwortet zunzidist hin-
haltend, aber Danzig lafit von seiner Forderung, dafi diese Abgabe nidit mehr
erhoben werde, nicht ab. Im Marz des gleichen Jahres beklagt es sich brieflich
beim polnischen Konig und bittet ihn, sich beim Hochmeister fiir die Abstellung
des Zolls einzusetzen3®. Auf der Tagfahrt in Peterkau entscheidet der polnisdie
Konig, daB die neue Zeise gegen den ewigen Frieden verstofie und abgestellt
werden miisse39. Der Hochmeisterstatthalter erklart sich in Peterkau auch bereit,
die Entscheidung Kasimirs zu befolgen, dodi mufi Danzig die tatsachlidie Abstel¬
lung nodi verschiedentlich anmahnen, ehe sich Anfang Dezember 1467 Heinrich
ReuB von Plauen zur Abstellung des Zolls und zur Freigabe in Haft genommener
Btirgen und Waren fur Zollschulden bereit erklart40. Damit war der Versudi, das
Konigsberger Niederlageredit sdirittweise auszudehnen, zunachst gesdieiten.
Das Niederlage- und Brakeredit fiir Asche behielt Konigsberg jedoch audi iiber
den in der Verschreibung von 1466 genannten Termin hinaus, obwohl eine endgiil-
tige Entscheidung iiber diese Angelegenheit anscheinend nicht gefallt worden ist41.
1471 fordert Danzig dann, dafi ihm die Aschebrake uberlassen werde, bis eine
endgiiltige Entscheidung gefallt sei; doch wird ihm von Ordensseite darauf nur
ausweichend geantwortet42. Wahrsdieinlich 1473 verlangt eine Gesandtschaft
Konig Kasimirs vom Hochmeister, daft die Konigsberger Aschebrake bis zur end-
giiltigen Entscheidung der Frage niedergelegt werden soil43. Auch dieser Forderung
sdieint man jedoch nicht nachgekommen zu sein, denn auf der Tagfahrt in Christ-
burg, im Januar 14S3, wurde erneut wegen der Konigsberger Aschebrake ge-
klagt44.
Audi in den nachsten Jahren scheint das Brak- und Niederlageredit von den Ko-
nigsbergern gchandhabt worden zu sein. Es muB sogar ein redit eintragliches Ge-
schaft gewesen sein, da es versdiicdentlich zum Streit zwischcn der Altstadt und
dem Kneiphof iiber die Ausiibung des Redits gekommen ist45. Die Auseinander-
setzungen sind vermutlidi jedes Mal zugunsten des Kneiphofs entsdiieden worden4®.
Das Brak- und Niederlageredit fiir Asche wird vom Kneiphof auch in den fol-
genden Jahren gehalten. Erst wahrend des sogenannten Reiterkriegs richtet Dan¬
zig eine eigene Brake auf, nadidem es vorher Asche, die in seinem Auftrag in
Pommern gebrannt worden war, nach Konigsberg zum Braken gesdiidct bezie-
huiigswei:e kiirzlich in Pommerellen gebrannte Asche ungebrakt ausgefiihrt hatte47.
Konigsberg-ICneiphof hat demnadi das ihm 1466 verliehene Brak- und Nieder-
lageredit wahrend der ganzen zweiten Halfte des 15. Jahrhunderts gehalten, bis
dann 1518 durch einen Erlafi Hochmeister Albredits das auf Asche beschrankte
Niederlageredit zu einer echten, auf alle Waren ausgedehntcn Niederlage erwei-
tert wurde.
60
Die Stadte bis zum Jahr 1497
3. DER BINNENHANDEL KDNIGSBERGS UND DIE KLEINEN STADTE
PREUSSENS
Die Bedeutung der Hansestadt Konigsberg liegt nicht allein im Umfang ihres Fern-
handels, sondern auch in der Position, die sie bei der Versorgung des Binnenmarktes
einnimmt. Konigsberg ist nicht nur Einfuhrhafen Preufiens, sondern auch bedeu-
tender Marktort fur die weitere Umgebung. Dazu kommr nodi die Handwerker-
konzentration in den Drei Stadten Konigsberg, deren Produkte nicht allein von
den Einwohnern Konigsbergs aufgenommen worden sein konnen, sondern ein
redit bedeutendes Umland als Absatzgebiet benotigten. Dadurch wird naturgemafi
eine Reihe von Anlassen gesdiaffen, die zu Mifistimmungen zwisdien den Konigs-
bergern und den kleineren Stadten fiihrt und die letzteren veranlafit, eine Ein-
schrankung der machtigen Konigsberger Konkurrenz anzustreben.
Die Landstiidte Preufiens haben mit Sidierheit am starksten unter den Kriegsein-
wirkungen gelitten. Sie boten den grofieren Soldnerhaufen Unterkunft und fin
betrachtlidies Mafi an Sidierheit vor iiberrasdienden Angriffen des Feindes und
waren daher bevorzugter Lagerplatz der Soldner. Teilweise hatten sie sich bis zum
Ende des Krieges gegen die Ordenstruppen gehalten48 und waren, wie im Fall
Holland und Neidenburg, erst langere Zeit nadi dem Friedensschlufi in die Ge-
walt des Hodimeisters gekommen. Teilweise blieben sie noch viele Jahre nach
Kriegsende in der Hand der Soldnerfiihrer, das bekannteste Beispiel dafiir ist
Soldau, das von Musick und seinen Soldnern bis zum sogenannten Pfaffenkrieg
gehalten wurde. Aber nicht nur in diesen Stadten wird es viele ausgebrannte und
ausgepliinderte Biirger gegeben haben, sondern audi in den meisten anderen Land-
stadten des Ordenslandes.
Der Orden sah sich, wie schon im Fall der Bauern, nur zu geringen Hilfeleistungen
fiir diese Burger in der Lage. Auf den beiden Tagfahrten in Elbing im Februar
und August 1467, kamen die Vertreter der beiden preufiisdien Landesteile iiberein,
den Biirgern, die ,erstiegen, ausgepodit und ausgebrannt waren*, die riickstandigen
Zinsen fiir die Kriegsjahre zu erlassen und sie auch noch fiir weitere fiinf Jahre
von der Entrichtung des Zinses zu befreien40. Aufierdem vereinbarte man, dafi den
Biirgern, die durch Zinsabgaben an Priester, ,begebene Personen*, Brudersdiaften
und andere sdiwer belastet sind, von den Zinsnutzniefiern nach ,Markzahl* beim
,Bessem und Bauen* geholfen werden sollte50. Diese Erleiditerungen und Hilfen
sollten jedodi nur nach Erkenntnis der Herrsdiaft oder der Rate gewahrt werden.
In weldiem Umfang sie den ausgebrannten Biirgern tatsadilich zugute kamen, ist
nicht bekannt.
Neben dieser finanziellen Hilfestellung versudite man auch, die Stadte personell
zu starken. Man beschlofi in Elbing, dafi diejenigen, die sich wahrend und nach
dem Krieg in die Stadte .gesetzt* hatten, um dort ihren Unterhalt zu finden, nicht
genotigt werden sollten, Hufen auf dem Lande, die sie erbten oder sonst auf
andere Weise erhieiten, zu beziehen, sie sollten sie nur moglidist schnell wieder
besetzen oder freigeben51. Dadurch waren in die Stadt gefliichtete Bauernsohne vor
der Abforderung durch ihren alten oder neuen Grundherren gesichert und den
Stadten wurdcn nicht alle ,Neubiirger‘ wieder genommen52.
Der Binnenhandel Konigsbergs und die kleinen Stadte Preufiens
61
Diesen geringcn Hilfen, die der Landesherr seinen Untersassen geben konnte, stehen
betrachtliche Belastungen gegeniiber. Oben wurde schon erwahnt, dafi auch in
vielen — wenn nidit alien — Stadten des Ordenslandes aufierhaib des Samlandes
bis 1472 die Zeise erhoben wurde53. Die Handler mufiten die Waren zweimal ver-
zeisen. In Konigsberg mufite noch 1471/72 fur hartes Getreide, das durch die Tore
kam und fur grofiere Mengen Lebensmittel Zeise entriditet werden; wenn also
die Kaufleute der kleinen Stadte die auf ihren heimatlidien Markten zusammen-
£ekauften Getreidemengen und Lebensmittel nadi Konigsberg braditen, so mufi-
ten sie dort erneut die Zeise entrichten. Dagegen wurde im gleidien Jahr bestimmt,
dafi die Konigsberger Gewandschneider, Kramer und Handwerker, die die Markte
im Hinterland besuditen, in Konigsberg selbst von der Zeise befreit sein sollten
und nur die dort verkauften Waren zu verzeisen brauchten54. Dazu kam auch
in den Jahren der Zeiseleistung, zumindest fiir einen Teil der Stadte, die Geschofi-
zahlung55. Ab 1472 mufiten dann alle Stadte Preufiens jahrlich ein Gesdiofi ent¬
richten. Die Zahlen, die uns fiir die Steuerzahlungen aus einzelnen Stadten be-
kannt sind, lassen keinen Schlufi auf die Vermogenslage in den Stadten zu. Es
ist zwar bekannt, dafi Gilgenburg und Hohenstein im Steuerjahr 1472/73 je
50 Mark und Osterode 20 Mark Geschofi aufbringen5*, nidit bekannt ist jedoch,
welcher Steuersatz der Geschofizahlung zugrunde gelegen hat und ob etwa ein
Vorsdiofi, also eine feste Summe, die von alien Steuerpflichtigen gleichmafiig im
voraus zu zahlen war, entriditet werden mufite.
Legen wit den auf der Tagfahrt vom 24. August 1473 in Bartenstein genannten
Steuersatz von 3 Sdiillingen fiir das Jahr zugrunde, ergabe sidi fiir Gilgenburg und
Hohenstein ein Gesamtvermogen aller Burger von 1000 Mark und fiir Osterode
nur von 400 Mark57. Nun bestehen gegen diesen Steuersatz jedoch betrachtliche
Zweifel. Auf der Tagfahrt wird der Steuersatz nur im Zusammenhang mit der
Landbevolkerung genannt. Als Steuergrundlage wird dabei sowohl von ,Nacht‘ als
audi von Mark gesprodien. Die Mark als Steuergrundlage fiir die Landbevolke¬
rung ist jedoch recht ungewohnlidi, da das Vermogen des Adels, der Freien und
Bauern wesentlidi besser zu erfassen ist, wenn man den Viehbestand versteuert.
Aufierdem halt der Hochmeister dem Adel vor, dafi man Stadt und Land nidit
gleichmafiig besteuern konne, da das Land nadi Viehzahl und die Stadte nach
Giiterzahl sdiofiten. Vermutlich ist daher die Festlegung der Mark als Steuer¬
grundlage nur ein Sdireibfehler des Protokollanten, zumal die Stadte sidi aus-
driicklich vorbehalten hatten, den vom Land gewahrten Steuersatz erst mit der
Gemeinde zu beraten, so dafi das Gesdiofi der Stadte auf dieser Tagfahrt nodi
gar nidit endgiiltig festgelegt worden sein kann.
Der gleiche Steuersatz fiir das Land von der Nacht und fiir die Stadte von der
Mark hatte sdiliefilidi eine betrachtliche Benaditeiligung der stadtisdien Bevolke-
rung bcdcutet. Eine ,Naditf bedeutet beispielsweise das Vorhandensein eines
Pferdes, einer Kuh, eines Odisen, vier Schweinen oder etwa vier Sdiafen58. Nun
stellen aber ein Pferd, eine Kuh oder vier Sdiweine einen grofieren Wert dar als
eine Mark, so dafi der Burger, der von einer Mark 3 Schilling Gesdiofi geben mull,
bedeutend hoher besteuert werden wiirde als der Bauer. Aus den angefiihrten
62
Die Stadte bis zum Jahr 1497
Griinden ist es unwahrscheinlich, dafi z. B. die 50 Mark Geschofiertrag Gilgen-
burgs durdi die Zahlung von 3 Schillingen von der Mark Vermogen der Burger
zusammengekommen ist. Der Steuersatz der Stadte mufi niedriger gewesen sein,
das Vermogen demnadi hoher.
Ebensowenig wie wir nach den Geschofiertragen der genannten drei Stadte aus dem
Jahr 1472/73 das Gesamtvermogen der Burger dieser Stadte schatzen koimen, ist
es uns moglich, das Gesamtvermogen und das Einzclvermogen der 137 steuer-
pflichtigen Biirgcr Bartcnsteins im Jahr 1498 zu schatzen. Wir wissen nur, dafi sie
ein Geschofi in Hohe von 4 Schilling bis 1,5 Mark pro Burger entriditeten und
ca. 47 Mark insgesamt sdiofiten59.
Die Steuerbesdiwerung durdi den Landesherren war jeaoch nidit die einzige Last,
die die Stadte zu tragen batten60. Konigsberg verlangt 1473 im Namen der Stadte
vom Hochmeister die Befreiung vori der Zinszahlung fur die Erben, die teilweise
seit 40 und 50 Jahren wiist liegen61. Die Stadte mufiten dem Landesherrn sichtlidi
fur alle Grundstiicke der Stadt gesamtschuldnerisdi haften. Die Zinslasten der
unbesetzten stadtischen Erben wurden von den Biirgern mitgetragen. Diese zu-
satzliche Belastung diirfte in einigen Stadten einen betrachtlidien Teil der von
den Biirgern durch den Rat erhobenen stadtischen Abgaben ausgemacht haben.
Die Stadte, jedenfalls einige von ihnen, hatten jedoch nicht nur Belastungen durch
den Landesherrn hinzunehmen. Abgeschen von den Hilfeleistungen unmittelbar
nach dem Krieg erhielten einige Stadte weitere Unterstiitzung. In verschiedenen
Landstadten fanden zwisdien 1466 und 1497 Tagfahrten zwischen Landesherr
und Standen statt, so in Bartenstein, Heiligenbeil, Miihlhausen, Sdiippenbeil und
Holland. Die Tagfahrten braditen cine grofie Zahl von Gasten in die betreffenden
Stadte, an denen die Handler und Wirte sidierlidi gut verdienten. Wenn audi die
unmittelbare okonomisdie Wirkung dieser Tagfahrten nur kurz gewesen ist, so
darf sie doch nicht vollig aufier acht gelassen werden, denn als Anreiz fur die
Kaufmannschaft der Stadte war sie sidier von langerer Dauer.
a) Der Binnenhandel Preufierts
Die reditlichen Bedingungen des Handels der Landstadte werden auf die ver-
schiedenartigste Weise festgelegt. Es finden sich nidit nur in den stadtischen Wiil-
kiiren Artikel, die den Ablauf der Jahr- und Wodicnmarkte regeln, sondern audi
in den Handfesten der Stadte und den Landesordnungen. Die Handelsbeziehungen
des Ordenslandes, also audi seiner Handelsstadte, mit den umliegenden Landern,
den man bei den mitunter redit kleinen Entfernungen zwisdien Stadten des
Ordenslandes und den Stadten der Nadibarlander sdiledit als Fernhandel bezeidi-
nen kann, sind im Thorner Fricdensvertrag geregelt worden, dessen Bestimmungen
man aus dem Vertrag von Brest aus dem Jahr 1435 iibernommen hat. Die beiden
widitigsten Bestimmungen, wegen deren Niditeinhaltung es immer wieder zu
Auseinandersetzungen kommt, sind die Festlegung der seit alters her benutzten
Kandclsstraficn und das Verbot der Aufriditung neuer Zolle.
Der Ablauf der Jahrmarkte und der Wochenmarkte wird, wie schon gesagt, in den
stadtischen Willkuren, den Handfesten und den Landesordnungen reditlidi ver-
Der Binnenhandel Kdnigsbergs und die kleinen Stadte Preuflens
63
bindlich festgelegt. Die Regelung, die der Marktablauf der Stadt Memel in deren
Handfeste erfahrt, ist fur unsere Zeit einigermafien erstaunlidi. Es wird in der
Handfeste von 1475 bestimmt, dafi der Memeler Komtur oder sein Verweser
vor den Biirgern der Stadt Kaufmannschaft auf dem Markt ausiiben darfc2. Diese
Festlegung eines Vorkaufsredits der Ordensherren ist in den Jahren vor 1454 steter
Anlafi zu Unmutsaufierungen der Stadte gewescn. Nach 1466 finden wir der-
artige Bestimmungen nidit mehr und sie scheinen, soweit sie in frfiheren Jahren
festgelegt worden sind®3, auch nicht mehr ausgeiibt worden zu sein. Die Erneue-
rung des Vorkaufsansprudis des Ordens fur den Memeler Markt mufi daher aus
besonderen Griinden erfolgt sein®4.
Im Gegensatz zu dieser speziellen Bestimmung fur den Memeler Markt wird in der
Landesordnung von 1494 festgelegt, dafi ein Vorkaufsredit wahrend der ersten
Stunden eines stadtischen Marktes nur fur die Burger der betreffenden Stadt be-
steht®5. Die Erbarleute und die Bauern des Ordenslandes diirfen in den ersten
Marktsmnden ebenfalls schon Kaufe tatigen, aber nur zu eigenem Bedarfae. Erst
nadi Ablauf einer bestimmten Frist diirfen audi ,Gaste‘ ihrc Gesdiafte abwickeln.
Die Abweichung der Verkaufsbestimmungen der Handfeste von Memel und der
Landesordnung von 1494 dokumcntier: eindeutig eine Gewichtsverlagerung zwi-
sdien dem Orden und den Standen in den vergangenen neunzehn Jahren.
Die Zahl der auf den Markt der Landstadte kommenden Handelswaren ist um-
fangreidi. Neben den Erzeugnissen der landwirtschaftlidien Produktion wie Ge-
treide, Flachs, Hopfen, Fleisch, Wolle und Lebensmittel finden sich die Import-
waren Salz und Gewand sowie Produkte des einheimisdien und des auslandischen
Handwerks, so Schuhe, Sicheln, Sensen, Leinwand, Samt, Seidengewand und an-
deres.
Der recht bedeutende Umfang des preuftisdien Binnenhandels wird dadurdi ver-
deutlicht, daft der Handel Fremder in Stadten und Dorfern abgestellt werdcn soli.
1473 verlangen die Stadte die Hinderung der Danziger, des gemeinen (deutschen?)
Kaufmanns und anderer ,loser Gesellen*, in den Dorfern des Hinterlandes Fladis,
Hopfen, Leinwand und allerlei andere Waren aufzukaufen®7. Dazu beschweren
sie sich nodi fiber den Detailhandel der Schotten in den Dorfern und kleinen
Stadten mit bosem Gewand. Diese Besdiwerde ist teilweise durch die Handels-
interessen der Konigsberger Handler motivierbar, aber audi die Kaufmannschaft
der kleinen Stadte hat kein l'nteresse, daft die Sdiotten auf den Dorfern Gewand
verkaufen. In der Landesordnung von 1482 findet sich das Verbot ffir Schotten,
Englander, Hollander und andere, in den Dorfern und Stadten des Hinterlandes
Handel zu treiben®8. Audi in dieser Bestimmung sdilagen sich wieder die Interessen
der Konigsberger und der Kaufleute der Landstadte nieder. Den geringen Erfolg
dieses Verbots dokumentiert ein Brief Konigsbergs an Danzig aus dem Jahr 1490,
in dem sich die Konigsberger mit den Ansiditen der Danziger einverstanden er-
klaren, daft das Land — hier ist unzweifelhaft ganz Preufien gemeint — den
bishcr zugelasscnen Handel der Zuiderseeischen, Nurnberger und Schottischen
Kaufleute mit ihrem Kaufscliatz, Kramercien, Gewand und anderen Gfi:ern auf
alien Markten dieser Lande ,vorkommen‘ soil69.
64
Die Stadte bis zum Jahr 1497
Die Handelskonkurrenten kamen jedoch nicht nur aus dem Westen und dera
Reich, sondern audi aus den ostlidien Nachbarlandern. 1494 wird festgelegt,
dafi der Hochmeister Samaiten, Litauer und Masowier warnen soil, um sie zur
Einhaltung der ,rechten‘ Strafie anzuhalten. Welchen Umfang der Handel der
masowisdien Kaufleute in das Ordensland angenommen haben mufi, geht daraus
hervor, dafi sich die Stiinde des koniglidien Preufiens, vor allem die Danziger,
mit dem Gedanken trugen, einen neuen Zoll an der masowischen Grenze einzu-
fiihren, um die Kaufleute Masowiens davon abzuhalten, mit ihren Waren in das
Ordensland und vor allem nadi Konigsberg zu reisen70.
Der Handel der masowisdien Kaufleute blieb trotzdem weiter auf Stadte und
Dorfer des Ortlenslandes geriditet. 1499 stellt die Kanzlei des Hochmeisters
Oberlegungcn fiir eine neue Landesordnung an. Dabei werden auch die Inter-
essen der kleinen Stadte an den Grenzen beriidcsichtigt, in dem man festlegt, dafi
die Masowier sidi auf die Markte dieser Orte beschranken und keine neuen Wege
oder auch nur Umwege suchen sollten71. Im gleidien Jahr besdiwert sich Passen-
heim dariiber, dafi die Masowier mit Gewand, Brot, Bier, Schuhen, Fleisch, Waffen,
Sidieln, Flachs, Leder, Fellwerk, Wolle und Hopfen auf dem Lande handeln und
so dem stadtischen Markt Abbruch tun72. Aufierdem nehmen die masowischen
Kaufleute ihren Weg nicht, wie von alters her iiblich, iiber Ortelsburg nadi Passen-
heim, sondern sie ziehcn iiber das Ermland, wo sie alles suchen, was ihrem Handel
nutzbar ist und es Passcnheim somit entziehcn.
Neidenburg bittet am Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts sogar um
eine Niederlage, wie sie sie vor dem grofien Krieg gehabt hatten. Die Niederlage
ware dann durch den polnisdien Konig abgestellt worden. Sie waren nun eine arme
Stadt, baufallig und erfiihren nicht nur Leid dutch die masowische Grenze, sondern
auch durch den Handel der Masowier73.
Die vielfachcn Beschwerden iiber die masowischen Handler zeigen uns nicht nur
den Umfang des masowischen Handels im Ordensland, sondern auch einen aktiven,
auf stiindige Ausdehnung seines Handels gerichteten masowischen Kaufmann und
einen dodi recht passiven, sein Heil weitgehend von Schutzbestimmungen gegen
den Handel der Fremden erwartenden Kaufmann der kleinen Stadte des Ordens-
landes.
Handelskonkurrenz erfuhren Kaufleute und Kramer jedoch nicht nur durch den
fremden Kaufmann. Audi im eigenen Land erwuchsen ihm starke Konkurrenten.
Sie mufiten sich nicht nur mit Konigsberger Gewandschneidern, Kramern und Hand-
werkern auseinandersetzen74, sondern auch mit Kleiderhokern75, Bauern und den
Kaufleuten der anderen kleinen Stadte. Immer wieder versudien die kleinen
Stadte, sich vor dem Handel der Bauern durch ein Verbot dieser Tatigkeit zu
sichern70. Auch gegen die Aktivitaten der Konigsberger Gewandschneider ver-
suchen sie sich zu schiitzen, indem sie ihnen in der Landesordnung von 1494
vorschreiben lassen, nur die Jahrmarkte und nicht auch die Wodienmarkte der
kleinen Stadte zu besuchen. Sie sollen auch nicht auf die Dorfer zu Ablafikirchen
und Kirmesmcssen gehen, da sie dadurch die kleinen Stadte __verderben wiirden77.
Den Konigsberger Kramern will man in der gleichen Landesordnung vorschreiben,
Der Binnenhandel Konigsbergs and die kleinen Stadte Preufiens
65
jahrlich nur 4 Wochenmarkte und die Jahrmarkte der kleinen Stadte zu be-
sucben78.
In der ,Aufsatzung ettlicher Gebrechen und Schelungen im Lande4, die sich unter
den Materialien zur Vorbereitung einer neuen Landesordnung 1499 findet, heifit
es, dafi man dariiber klage, dafi ,der Jahrmarkte zu viele seicn4, dafi Handwerker
Bier ausschenken und die Bauern auf den Dorfern Kaufmannschaft treiben woll-
ten. Man ist der Ansicht, dafi jeder seine Arbeit machen und den anderen nicht
an seiner Nahrung hindern solle79. Daraus ist der Schlufi zu ziehen, dafi nidit
nur zwischen den kleinen Stadten Preufiens und Konigsberg betrachtliche Span-
nungen bestehen, die aus okonomischen Differenzen resultieren, sondern auch
innerhalb der Stadte zwischen der Kaufmannschaft einerseits und den iiber den
Rahmen eines Handwerks hinausdrangenden Handwerkern andererseits. Das
Verhaltnis zwischen den Stadten und dem Land, zunachst vor allem den Bauern,
ist ebenfalls betrachtlichen okonomischen Spannungen ausgesetzt. Aufierdem scheint
das Land, vor allem der Adel, dem Hinausgreifen der stiidtischen Bevolkerung
auf das Land Grenzen setzen zu wollen, wie anders ware sonst die Bestimmung
der Landesordnung von 1482 zu verstehen, nach der kein Burger mehr auf dem
Land saen solle, als ihm seine Freiheiten und Privilegien gestatten. Das — wirt-
schaftlich gesehen — passive Verhalten der Stadte des Ordenslandes, vor allem
der kleinen Landstadte, deutet darauf hin, dafi von ihnen wahrsdieinlich aueh
kaum allgemeinpolitische Aktivitaten zu erwarten sind, die iiber den Versuch
der Sicherung ihrer wirtschaftlichen Lage hinausgehen. In den kleinen Stadten des
Ordenslandes haben wir innerhalb der Stande einen Faktor, der einem energi-
schen Landesherrn, der ihnen okonomische Sicherheit verspricht, wohl sehr weit
entgegenkommen wiirde.
b) Das Handwerk
Neben dem Handel ist fur die stadtische Wirtschaft auch das Handwerk von
Bedeutung. Abgesehen davon, dafi die Handwerker sichtlich der Kaufmannschaft
auf deren Gebiet Konkurrenz machen wollten, ist die handwerkliche Produktion
wichtig fiir die Versorgung der Burger und des umliegenden Landes. Diese Ver-
sorgung scheint jedoch nicht zu angemessenen Preisen erfolgt zu sein. Die Preis-
gestaltung der Handwerker hat zu standigen Klagen Anlafi gegeben. In den bei-
den Landesordnungen von 1482 und 1494 findet sich die Vorschrift, dafi die Bur-
germeister und Stadte bzw. die Rate der Stadte auf die Preisentwiddung hand-
werklicher Erzeugnisse achten sollen80. Dabei wird die Zahl der Handwerke,
deren Preise zu Klagen Anlafi gaben, von Landesordnung zu Landesordnung
grofier. 1482 sind es Schneider, Backer, Schmiede, Schuster und Fleischer, 1494
kommen nodi Riemer, Sattler und andere hinzu, das heifit die Preissteigerung
diirfte bei alien Handwerkern ein grofieres Ausmafi angenommen haben.
Die Artikel beider Landesordnungen setzen keine allgemeinverbindlichen Preise
fiir die Erzeugnisse des Handwerks fest. Es heifit nur, dafi die Stadte gebieten sol¬
len, die Warcn nach alter Gewohnheit und Redlichkeit zu verkaufen. Geredit-
fertigte Preissteigerungen, die sich moglicherweise aus der Anwendung neuer Ar-
66
Die Stadte bis zum Jahr 1497
beitstechniken und der Anfertigung verbesserter Produkte ergeben, werden in
den Artikeln zugestanden, indem es heifit, dafi man die Arbeit der Handwerker
,nach der Zeit erkennen* soli. 1494 bezieht man sich ausschliefilich auf den Zeit-
aufwand fiir die Herstellung der Handwerksprodukte und nicht mehr auch auf
alte Gewohnheit und Redlichkeit.
Die beiden Artikel deuten aber nicht nur auf eine standige Verteuerung der Ge-
werbeprodukte hin, sie lassen noch weitere Schliisse zu. Auch der mittelalterliche
Markt lafit bei starker Nachfrage Preise zu, die weit iiber Gestehungskosten plus
normalem Gewinnaufschlag liegen. In unserem Fall wird nun ausdriiddich gesagt,
dafi darauf geachtet werden soil, dafi die Handwerker die Preise nach der Zeit,
den Gestehungskosten also, bestimmen sollen. Daraus ist zu entnehmen, dafi
bisher nicht nach diesem Grundsatz verfahren worden ist, sondern dafi sie ihre
Preise nach den Moglichkeiten, die der-Markt ihnen bot, erstellten. Das Angebot
wurde von der Produzentenseite kiinstlich verknappt, um moglichst hohe Gewinne
realisieren zu konnen. Diese kiinstliche Verknappung des Angebots ist auf Grund
des Zunftwesens moglich. In den Willkiiren der Gewerke standen in der Regel
gewisse Bestimmungen, die den Kreis der Produzenten klein hielten, die Zahl
der Gesellen begrenzte und Zonen schuf, in der sich kein — dem Gewerk nicht
angehorender Handwerker — niederlassen durfte. In diesem Sinn wird in der
Willkiir der Schuster der Stadt BarteTistein aus dem Jahr 1470 unter anderem
bestimmt:
1. Es soli kein fremder Schuhmacher innerhalb einer Meile — von der Stadt ge-
rechnet — arbeiten.
2. Niemand darf Schuhe in die Stadt bringen, um sie auf dem Markt zu ver-
kaufen.
3. Wer das ,Werk gewinnen* will, soil eine Tonne Bier und sechs Pfund Wachs
geben sowie einen halben Firdung bezahlen.
4. Es soli niemandem erlaubt sein, das Handwerk zu betreiben, der nicht vier
Mark eigenes Gut besitzt.
5. Jeder Lehrjunge soil eine halbe Tonne Bier und zwei Pfund Wadis geben.
6. Kein Schuhmacher soli einen anderen mit seinen Preisen unterbieten.
7. Der Meister, der das Werk gewinnen will, soil drei paar Schuhe ,dem Werk
zu beweisen* machen; wird seinem Antrag stattgegeben, soli er den Meistern
ein Viertel Bier geben.
8. Kein Schuhmacher soil arbeiten, es sei denn, er habe Biirgerrecht und die
Mitgliedschaft des Werkes.
9. Wer als Fremder das Werk gewinnen will, soil aus seiner Heimat einen Brief
bringen, dafi er sich dort ehrlich gehalten hat.
10. Wer innerhalb einer Meile gefunden wird, nicht Mitglied des Werkes ist und
Schuhe madit, soli dem Werk eine Tonne Bier und der Stadt ,die Bufie*
geben.
11. Kein Meister soil mehr als drei Gesellen und einen Lehrjungen haben.
12. Der Gesellenlohn: ein Paar Niederschuhe drei Pfennig, ein Paar Enkelsdiuhc
vier Pfennig, geknoffelte (geknopfte) Schuhe ftinf Pfennig, ein Paar Stiefel
acht Pfennig; wer hoheren Lohn zahlt, mufi Bufie entrichten.
13. Der Geselle, der Kinderschuhe anfertigen will, darf pro Woche nur zwei Paar
machen, das Paar zu 18 Pfennigen.
14. Kein Mitglied des Werkes soli zu vornehmen Bauern und Gartnern (!) auf
das Land gehen — binnen einer Meile — und dort Schuhe machen81.
Die soziale GHederung der Stadte
67
Mit diesen Regelungen erhalt eine bestimmte Anzahl von Schuhmachermeistern
innerhalb eines recht grofien Gebiets (ein Kreis um die Stadt Bartenstein mit
dem Radius von einer Meile) ein Monopol fur die Schuhproduktion. In diesen
Kreis der Meister einzudringen, ist fiir den Gesellen sehr beschwerlich. Wenn auch
das Gewerk nicht geschlossen zu sein scheint, so mussen doch fiir die Erlangung
der Meister- und der Mitgliedschaft neben anderem auch betrachtliche finanzielle
Hiirden uberwunden werden. Allein um einen Besitz von vier Mark Eigenmm
zu erreichen, mufl ein Geselle nach den oben angefiihrten Lohnsatzen entweder
1.920 Paar Niederschuhe, 1.440 Paar Enkelschuhe, 1.152 Paar geknoffelte Schuhe
oder 720 Paar Stiefel anfertigen. Will er das verlangte Eigentum durch die An-
fertigung von Kinderschuhen erlangen, so miifite er dazu 320 Paar anfertigen und
160 Wochen oder drei Jahre warten, bis er die vier Mark zusammengebracht
hatte82.
Das kollektive Monopol der Schuhmacher verfiihrt diese dazu, es bei der Preis-
festsetzung auszunutzen. In diese Situation stofit dann ein freier, ungebundener
Anbieter mit giinstigen Preisen und zerbricht das Absatzmonopol, wie es die
Masowier mit ihrem Schuhverkauf tun. Das Gewerk der Schuhmacher ist viel zu
schwerfallig, um auf diese Herausforderung mit okonomischen Mitteln antworten
zu konnen. Es greift zur Beschwerde iiber die Schuhverkaufer beim Landesherrn
und erreicht, dafi die masowischen Kaufleute angewiesen werden, nur die alten
Handelsstrafien und Markte zu benutzen, auf denen sie jedoch keine Schuhe ver-
kaufen diirfen83.
Mit der Anwendung politischer Mittel im Konkurrenzkampf zwischen preufiischen
Schuhmachern und masowischen Schuhhandlern sind wir auch bei dcm zweiten
Schluft, der sich aus den Artikeln der Landesordnung ziehen laftt. Wir mussen den
Gewerken ein recht bedeutendes politisches Gewicht innerhalb der Stadte und auch
innerhalb der Landtage beimessen. Einmal gelingt es ihnen, im Verein mit der stad-
tischen Kaufmannschaft Landesherrn und Stande gegen die unerwunschte Konkur-
renz zu mobilisieren, zum anderen vermeidcn Landesherr und Stande, dirigistisch
in die Preisgestaltung der Gewerke einzugreifen.
4. DIE SOZIALE GLIEDERUNG DER STADTE
Uber die soziale Gliederung der Stadte des Ordenslandes wissen wir nur wenig.
Die Einwohnerschaft der Stadte wird gemeinhin eingeteilt in Rat, Schoffen, Ziinfte,
Gewerke und Lohnarbeiter oder Stadtarme. Diese Einteilung sagt jedoch nichts
aus iiber die zahlenmaftige Starke der Gruppen oder iiber die Vermogensverhalt-
nisse der einzelnen Burger84. Die Vermogensverteilung innerhalb der Biirgerschaft
zwcier preufiischer Stadte konnen wir naher kennenlernen, da fur den Kneiphof
aus dem Jahr 1477 und fiir Bartenstein aus dem Jahr 1498 die Geschoftregister
erhalten sind35.
Beide Register geben leidcr keine Auskiinfte dariiber, ob das Geschoft vom ge-
samten Vermogen oder nur von bestimmten Teilen des Vermogens der Biirger
erhoben worden ist. Wenn sich daher fiir den Kneiphof auch die Vermogen der
68
Die Stadte bis zum Jahr 1497
Burger auf Mark und Pfennig berechnen lassen, wissen wir trotzdem nicht, ob
sie nicht noch reicher gewesen sind. Aber selbst wenn man davon ausgeht, dafi
nur bestimmte Teile des Vermogens besteuert worden sind, oder dafi bei der
Steuererhebung wissentlich oder versehentlich Ungenauigkeiten verzeichnet werden
miifiten, wiirde sich bei Kenntnis dieser Abweichungen an den Relationen der
Vermogen zueinander vermutlich nidus Wesentliches andern.
Bei einem Vergieich der Vermogensverteilung beider Stadte miissen wir beriick-
sichtigen, dafi die Angaben der beiden Geschofiregister 21 Jahre auseinander
liegen. Bartenstein wird im Jahr 1477 armer als im Jahr 1498 gewesen sein,
ebenso ist vermutlich der Kneiphof in den 21 Jahren bis 1498 noch ein Stuck
reicher geworden. Trotzdem ist der Vergieich niitzlich, zeigt er uns doch, wenn
auch moglicherweise etwas abgemildert, die Untersdiiede in der Vermogensver¬
teilung einer kleinen Landstadt mit einem allerdings relativ grofien Einzugsbe-
reich fur ihren Markt und einer grofien Handelsstadt mit internationalen Wirt-
schaftsbeziehungen. «
a) Konigsberg-Kneiphof
Unter der Oberschrift „Geschofi im 77. Jahre unserem g. Herm Hochmeister 4 sc
Vorschofi und 2 Pfennig von der Mark Und das ist in eine Summa nach geringem
Gelde mit dem Vorschofi gerechnet am Dienstag vor Galli* finden sich im Geschofi¬
register des Kneiphofs 288 namentlich aufgefiihrte Steuerzahler, die von ihnen
gezahlten Steuerbctrage und — in einigen Fallen — Berufsbezeichnungen. Zu¬
nachst werden die Mitglieder des Rates und der Schoffenbank aufgefiihrt, dann
folgen strafienweise geordnet die iibrigen Steuerzahler. An Strafien werden ge-
nannt: Langegasse, Alte Domgasse, Neue Domgasse, Rebentczgasse, Koniggarten-
gasse, Wassergasse und Schuhgasse, sowie der Petersplatz, aufierdem finden sich die
Vorstadt und die Keller. Die Gartner des Kneiphofs werden als Gruppe mit ihrem
Gesamtsteuerbetrag genannt, sie zahlten 4 Mark und 21 Schillinge. Weiter finden
sich im Register die einzelnen Steuertermine, an denen das Geschofi entrichtet wer¬
den mufite, es wurde also in Raten gezahlt. Wie es beim Einzug der Steuer zuge-
gangen ist, lafit sich vermuten, wenn wir lesen, dafi man einen kleinen Teil der
jeweiligen Einnahmen sofort wieder ausgab: „Czu hire".
Das Geschofiregister des Kneiphofs enthalt mit grofier Wahrscheinlichkeit alle
Vollbiirger der Stadt, da wir bei einigen Namen keinen Steuerbetrag verzeichnet
finden. Die Betreffenden, die demnach nicht in der Lage gewesen sind, auch nur
einen Pfennig fiir das Geschofi aufzubringen, waren die armsten der armen Burger
des Kneiphofs88.
Die Aufbereitung der im Register aufgefuhrten Steuerzahler ist so vorgenommen
worden, dafi zunachst alle Personen, bei denen keine Steuersumme stand, oder die
nur einen kleinen Teil des Vorschosses beziehungsweise nur den Vorschofi gezahlt
haben, herausgenommen worden sind. Diese Personen sind zur Vermogensklasse
sechs, der Stadtarmut, zusammengefafit worden. Fiir den verbleibenden Rest wurde
zunachst von der gezahlten Gesamtsteuer der Vorschofi (4 Skott = 10 Schilling =
120 Pfennig) abgezogen und mit Hilfe des Steuersatzes (2 Pfennig von der Mark)
Die soziale GLiederung der Scadce
69
das Vermogen der einzelnen Steuerzahler berechnet87. Diese Vermogenswerte wur-
den nach der Grofie geordnet und in fiinf Klassen eingeteilt. Als Grenzen der
einzelnen Klassen boten sich relativ grofie Spriinge zwiscben Gruppen dicht bei-
einandcr liegender Vermogenswerte an; die Benutzung statistischer Mittelwerte
fiir die Klasseneinteilung verbot sich, da diese Werte Gruppen gleicher Vermogen
auseinandergerissen hatte. (Die sechs Vermogenswerte sind in der Tabelle 5 zu-
sammengefafit)
Betrsfchtet man die Vermogensverteilung des Kneiphofs etwas genauer, so fallt
die starke Vermogenskonzentration auf. Die ersten drei Vermogensklassen stellen
nur etwas mehr als ein Viertel der Gesamtbevolkerung, verfiigen aber iiber fast
achtzig Prozent des Gesamtvermogens88. Knapp 75 Prozent der Bevolkerung miis-
sen sich in das verbleibende Fiinftel des Gesamtvermogens teilen89. Diese starke
Disproportionalitat spiegelt sich auch in den Vermogen der einzelnen Burger wider.
So lafit sich fiir den armsten, aber noch vermogenssteuerzahlenden Burger ein Ver¬
mogen von fiinf Mark berechnen. Ihm steht der reichste Kneiphofer mit einem
Vermogen von 3.090 Mark gegeniiber. Trotzdem steht sich der Kneiphofer Bur¬
ger mit dem kleinsten Vermogen, Jacob Bandemer vom Petersplatz, nodi besser
als 61 andere Mitbiirger, die iiber gar kein Vermogen verfiigen90.
Bei einer so ‘ungerechten’91 Vermogensverteilung bildet natiirlich auch der Vorschofi.
eine sehr unterschiedliche Belastung fiir die einzelnen Vermogensklassen und die
einzelnen Biirger. Vergleichen wir jeweils fiinf Prozent der reichsten und fiinf
Prozent der Armsten noch geschofizahlenden Burger miteinander, so betragt der
Vorschofi bei der ersten Gruppe nur knapp vier Prozent des Geschosses, bei der
zweiten Gruppe dagegen fast 800 Prozent der gezahlten Vermogenssteuer92. Bei
einem Vergleich zwischen dem reichsten und dem armsten Biirger wird die unter¬
schiedliche Belastung durch den Vorschofi noch augenscheinlicher. Fiir Thomas Ma-
raune aus der Langegasse oder Hans Slizaw beziehungsweise Lorenz Alreth aus
der Schuhgasse, die drei reichsten Manner des Kneiphofs mit einem Vermogen von
je 3.090 Mark, bedeutet der Vorschofi nur knapp ein Fiinfzigstel ihrer Vermogens¬
steuer, fiir Jacob Bandemer dagegen ist der Vorschofibetrag zwolfmal so grofi
wie seine Vermogenssteuerzahlung. Die Belastung durch das eigentliche Geschofi
ist hingegen fiir jedermann gieich, sie betragt etwa ein Viertel Prozent des Ver-
mogens.
Der Vorschofi, dieser fixe, fiir jedermann, ob arm oder reich gleiche Steuerbetrag
trifft die unteren Bevolkerungsschichten wesentlich barter als den reicheren Teil
der Biirgerschaft. Es ist anzunehmen, dafi es bei den Steuerverhandlungen zwi¬
schen der Stadt und dem Landesherrn innerhalb der Einwohnerschaft zu harten
Auseinandersetzungen iiber die Hohe des zu vereinbarenden Vorschosses gekom-
men ist. Einem Viertel der Bevolkerung mufite daran gelegen sein, zwar einen
moglichsc hohen Vorschofisatz aber nur einen niedrigen Geschofisatz zu vereinba-
ren, wahrend im Interesse der iibergrofien Mehrheit der Bevolkerung die gegen-
teilige Vereinbarung gelegen hatte. Leider haben wir keine Nachrichten dariiber
wie der Kneiphofer Vorschofisatz zustande gekommen ist.
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Die soziale Gliederung der Scadte
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Nicht nur der reichere Bevolkerungsteil, sondern auch der Landesherr war an ei-
nem moglichst hohen VorschoBsatz interessiert. Er hatte dafiir zwei Griinde: ein-
mal konnten durch den Vorschofi grofiere Teile der Biirgerschaft iiberhaupt zur
Steuerzahlung herangezogen werden als bei Vereinbarung einer reinen Vermogens-
steuer und zum anderen erhohte der Vorschofi den Steuerertrag nicht unwesentlich.
Fur den Kneiphof bedeutet das in Zahlen: 46 Burger zahlen den Vorschofi oder
einen Teil von ihm, aber keine Vermogenssteuer, und der Vorschofiertrag erreicht
knapp 25 Prozent des Geschofiertrages.
Verhandlungspartner des Landesherrn bei Steuerverhandlungen war zunachst ein-
mal der Rat des Kneiphofs. Dessen Zusammensetzung wird den Vorschlag der
Stadt beziiglich der Steuersiitze beeinflussen. Fur den Kneiphof sind wir nun in der
Lage, die Mitglieder des Rates den einzelnen Vermogensklassen zuordnen zu
konnen.
Einer der zwolf Angehorigen des Rates, Cort Czisemer, zahlt zur Vermogensklasse
eins. Fiinf Ratsmitglieder gehoren jeweils den Klassen zwei und drei an und nur
ein Ratsherr, Hinrich Meyer, kommt aus der Vermogensklasse vier. Der Rat wird
eindeutig von den 25 Prozent der Bevolkerung beherrscht, die iiber fast 80 Pro-
zent des Gesamtvermogens verfiigen.
Im zweiten stadtischen Organ, der Schoffenbank, ist die Zusammensetzung etwas
anders. Aus der ersten Vermogensklasse gehort ihr niemand an. Die zweite Klasse
ist mit drei, die dritte mit fiinf und die vierte Vermogensklasse wiederum mit
drei Angehorigen vertreten. Das zwolfte Mitglied der Schoffenbank, Tomas Ewer-
becke, gehort sogar zur Stadtarmut. Ein Drittel der Mitglieder der Schoffenbank
wird somit immerhin von Angehorigen des Teils der Bevolkerung gestellt, der
sich mit einem Funftel des Gesamtvermogens begniigen mufi93.
Kehren wir nun zu den vermutlichen Verhaltensweisen von Rat und Schoffenbank
in Steuerfragen zuriick. Elf Mitglieder des Rates gehoren Vermogensklassen an,
deren Gesamtvorschofibelastung nur etwa 8,5 Prozent ihrer Gesamtgeschofibe-
lastung ausmacht. Auch fiir das zwolfte Ratsmitglied, den schon erwahnten Hinrich
Meyer, bedeuten die 4 Skott VorschoB nur ein Drittel seiner GeschoBzahlung. Der
Rat wird daher mit grofter Wahrscheinlichkeit bei Steuerverhandlungen das Ziel
verfolgen, eine Vermogenssteuer auszuhandeln — eine Zeise ist fiir Kaufleute und
Brauer sowieso die schlechteste aller Steuerarten —, die neben einem hohen Vor-
sdioBsatz einen moglichst geringcn Prozentsatz von der Mark als Vermogens-
steuersatz vorsieht.
In der Schoffenbank, in der ebcnfalls politisch einflufireiche Manner sitzen, wird
in dieser Frage keine wesentlich von den Auffassungen des Rates abweichende
Stellungnahme erfolgt sein, denn fiir die drei Mitglieder der Schoffenbank, die
aus der vierten Vermogensklasse kommen, bedeutet die VorschoBbelastung nur
ein Viertel bis die Hiilfte ihrer Steuerzahlung. Fiir den armsten Burger der Ver¬
mogensklasse vier schlagen dagegen VorschoB und Geschofi mit dem gleichen Be-
trag zu Buche.
Rat und Sdioffenbank sind trotzdem nicht so homogen zusammengesetzt, wie ihre
(Vermogens-)Klasscnzugehorigkeit auszusagen scheint. Ihr reichster Angehoriger,
72
Die Stadte bis zum Jahr 1497
Cort Czisemer, hat ein Vermogen von 1.330 Mark, ihr armster aber, sieht man
einmal von dem vermogenslosen Ewerbecke ab, der Schoffe Lodewig Brawn, besitzt
nur 60 Mark. Geht man von der Annahme aus, daft es nur einen kleinen Kreis
ratsfahiger Familien gibt, und daft sich Rat und Schoffenbank durch Kooptation
aus diesem Kreis erganzen, so kann fur das Entstehen dieser Kneiphofer rats-
fahigen Familien nicht eine soziale Differenzierung der Gemeinde ausschlagge-
bend gewesen sein94. Der Aufstieg der mit geringerem Vermogen versehenen Mit¬
glieder beider Organc in den Kreis der ratsfahigen Familien durch Heirat ist bei
der relativ hohen Zahl der Manner mit geringerem Vermogen ebenfalls unwahr-
scheinlich. Es bleibt daher nur der Schlufi, daft durch einen Vorgang, den die
reichsten Familien der Stadt nicht beeinflussen konnten, auch Mitglieder weniger
reicher Familien — scheinbar sogar Angehorige der Stadtarmut — in Rat und
Schoffenbank berufen worden sind. Dieser von den reichen Geschlechtern nicht
beeinfluftbare Vorgang ist der preufiische Biirgerkrieg gewesen. Die Vorkriegs-
oberschicht des Kneiphofs ist durch die Ereignisse in der Mitte der fiinfziger Jahre
stark dezimiert worden06. Sie sah sich gezwungen, entweder durch den Landes-
herm oder durch den Mangel an Angehorigen ihrer Schicht, Rat und Schoffenbank
durch weniger reiche Mitglieder zu erganzen. Durch die Ausweisung einer ganzen
Reihe ehemals in der stadtischen Politik fiihrender Familien milderte der Landes-
hcrr — sicher ungewollt — die undemokratische Form der Wahl der beiden
stadtischen Organe9®.
In diesem Zusammenhang miissen wir auch annehmen, daft unter den Mitgliedern
vor allem der dritten Vermogensklasse, die Eingang in Rat und Schoffenbank
fanden, Vertreter der Handwerkerschaft waren. Unter dieser Voraussetzung ha-
ben die Handwerker des Kneiphofs durch die Kriegsereignisse einen nicht un-
betrachtlichen Einfluft in den politischen Organen der Stadt erhalten.
Bei dem Versuch, den sechs Vermogensklassen bestimmte Berufsgruppen, also so¬
ziale Schichten zuzuordnen, helfen uns zunachst die Berufsangaben, die sich im
Geschofiregister finden. Von den 288 Namen sind 36 eindeutig mit einer Berufs-
bezeichnung versehen. Eine Reihe von weiteren Namen, v. ie etwa Cromer, Bogner,
Molner oder Breuer deuten zwar ebenfalls auf Berufe hin, wir wollen sie aber hier
aufier acht lassen, da unbekannt ist, ob die Trager dieser Namen den darin zum
Ausdruck kommenden Beruf auch tatsachlidi nodi ausiibten. Die durch Berufe ge-
kennzeichneten Burger des Kneiphofs ergeben, nach gleidien Berufen beziehungs-
weise der Hohe ihres Vermogens geordnet, folgende Reihe.
Name und Beruf Sceuerzahlung Vermogen
Peter, der Fleischer
Albrecht, der Fleischer
Jorge, der Fleisdier
Jacob, der Moler
Stenzel, der Molner
Moler
Hinridi, der Riemer
Jorge, der Riemer
Nicl, der Korsner rike
1 fl
990 M
lfl
990 M
4 sc
—
27 sch
102 M
8 sc
60 M
18 sch
48 M
10 sc
90 M
14 sch
24 M
23 sch
78 M
Die soziale Gliederung der Stadte
73
Name und Beruf Steuerzahlung Vermogen
Hans, der Korsner
8 sc
60 M
Bartcz, der Barbierer
8 sc
60 M
Nicl, der Barbierer
13 sch
18 M
Backer
8 sc
60 M
Gregor, der Backer
12 sdi
12 M
Kirsten, der Schiffbauer
lfl
990 M
Meister Hermann
15 sc
165 M
Scholcze. der Bogner97
14 sc
150 M
Hans, der Sattler
V« M
120 M
Lorenz, der Bcutler
10 sc
90 M
Caspar, der Tolligk
10 sc-ld
89 M
Hans Goldbach, der Kotler
8 sc
60 M
Matz, der Trager
8 sc
60 M
Urban, der Trager
4 sc
—
Jacob, der Eicrsner
lfd
3CM
Lux dreer
14 sch
24 M
Andres, der Gewtel
14 sch
24 M
Thomas, der Fuhrmann
13,5 sch
21 M
der Tischer
13 sch
18 M
Becherer
12 sch
12 M
Hans Meuer, der Messerschmidt
11 sch
6M
Dreer auf der Brudce
11 sch
6M
Trippcnmadier
4 sc
—
Hans Gunter, der Melzer
4 sc
—
Permcntirer
4 sc
—
Scholcze Peter, Scroter
—
—
Auffallig an dieser Tabelle sind die starken Vermogensunterschiede innerhalb eines
Gewerkes. Die Vermogensdifferenzierung der Gewerke untereinander ist leicht
verstandlich, daft aber beispielsweise innerhalb des Fleischergewerkes der eine
Meister fast 1.000 Mark Vermogen besitzt und ein anderer gerade nur den Vor-
schofi aufbringen kann, steht in erklartem Gegensatz zu den Zunftrollen, die in
der Regel eine wirtschaftliche Gleichheit zwischen alien Meistern postulierten. An-
spruch und Wirklichkeit klaffen im Falle der Kneiphofer Gewerke mitunter sehr
weit auseinander, die Zunftbindung kann die soziale Differenzierung — welche
Ursache diese auch immer haben mag — nicht verhindern.
Vier der oben angefiihrten Biirger konnen wir vermutlich als Lohnarbeiter einstufen:
die beiden Trager und die beiden Dreher. Moglicherweise sind jedoch die Trager,
wie in einigen anderen Hansestadten, auch im Kneiphof in einer Art Gewerk
organisiert. Trotzdem ist gerade der Vermogensunterschied zwischen den beiden
Tragern erstaunlich. Verfiigt doch Matz iiber ein grofieres Vermogen als der Fuhr-
mann Thomas, obwohl der letztere immerhin bestimmte Produktionsmittel be-
sitzen muft. Die Vermogensunterschiede zwischen den Lohnarbeitern sind jedoch
nicht so erstaunlich, unterliegen sie doch wahrscheinlich keiner Zunftbindung oder
doch nicht einer so strengen wie die anderen Gewerke.
Von den durch Berufe gekennzeichneten Biirgern gehoren nur drei zur Vermogens-
stufe zwei. Es sind der Schiffbauer Kirsten und die beiden Fleischer Peter und
Albrecht. Der vierten Klasse sind dagegen vierzehn und der fiinften sind zwolf
74
Die Stadte bis zum Jahr 1497
Personen zuzurechnen. Die sechste Vermogensklasse ist wiederum verbal tnismafiig
sdiwach mit nur sechs Biirgern vertreten. Fur die Vermogensklassen eins und drei
fehlt jede Berufsbezeichnung.
Nach den genannten Berufen gehoren zu den Klassen vier und fiinf wohl im grofien
und ganzen die kleinen Handwerker und die Kleinstkaufleute, da sich unter den
Angehorigen der fiinften Klasse auch der ‘Budcher* Radicke aus der Alten Dom-
gasse findet. Die sechste Vermogensklasse scheint dagegen aus verarmten Hand-
werkern, ein Fleischer, ein Malzer und ein Permentierer gehoren ihr an, und Lohn-
arbeitern wie dem Trager Urban zu bestehen.
Von den drei reichsten Vermogensklassen erfahren wir durch die im Register
enthaltenen Berufsbezeichnungen kaum etwas. Nur drei Angehorige der Klasse
zwei lassen sich beruflich identifizieren, alle als Handwerker. Trotzdem lassen
die vorhandenen Berufsbezeichnungen einen indirekten Schlufi auf die berufliche
Zusammensetzung dieser drei Klassen zu. Bis auf den erwahnten Budcher fehlen
im Register Berufsbezeichnungen aus dem Handelsbereich. Man mull daher ver-
muten, dafi eben diese Kaufmannsberufe, die in der Hansestadt Kneiphof mit
Sicherheit vertreten sind, sich in ihren verschiedenen Abstufungen wie Grofi- oder
Kleinhandler, Fern- oder Lokalkaufmann, Gewandschneider und ahnliches, in den
ersten drei Vermogensklassen finden. Ein Handwerkerstand, der damals schon
goldenen Boden hatte, der der Brauer, fincfet sich in den im Register aufgefiihrten
Berufen ebenfalls nicht®8. Audi die Brauer werden wir in den ersten drei Klassen
zu vermuten haben. Weiter werden wir zu ihnen noch eine Reihe reichgewordener
Handwerker, wie die beiden oben angefiihrten Fleischer und die Handwerkerschaft
zu rechnen haben, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Fernhandel des
Kneiphofs stehen, wie beispielsweise die Schiffbauer.
Es ist anzunehmen, dafi in der Vermogensklasse eins vor allem die Grofi- und
Fernhandler zu finden sind, wahrend zur zweiten Klasse wahrscheinlidi im we-
sentlichen Kaufleute gehoren, die ihre Geschafte im preufiischen Binnenhandel
madien, aufierdem werden wir hier auch die Brauer einzuordnen haben. Zur dritten
Klasse diirften vorwiegend die wohlhabendcn Handwerker und die kleinen Kauf¬
leute zu rechnen sein.
Da das Gesdiofiregister des Kneiphofs strafienweise gegliedert ist, drangt sich die
Frage auf, ob die Strafien ungefahr das Bild der Vermogensverteilung der Ge-
samtbevolkerung widerspiegeln, oder ob sich bestimmte Zentren der einzelnen
Vermogensklassen bestimmen lassen. Die Aufgliederung der Bewohner der genann¬
ten Strafien und Platze ergibt folgendes Bild (siehe Tabelle 6).
Es finden sich im Kneiphof nur zwei Strafien, in denen Angehorige aller Ver¬
mogensklassen wohnen: die Langegasse und die Wassergasse. In diesen beiden
Strafien konnen wir wohl das okonomisdie Zentrum der Stadt sehen. Sehen wir
uns die Strafien des Kneiphofs daraufhin an, welche sozialen Schichten in ihnen
iiberrepriisentiert sind, so fallen zunachst einmal die Langegasse und die Neue
Domgasse ins Auge. In beiden Strafien sind wahrscheinlich die Handwerker, klei¬
nen Handler und Kleinstkaufleute zu finden. In der Wassergasse und der Schuh-
gasse dagegen haben wir vor allem Grofi- und Fernhandler zu vermuten, erganzt
durch Angehorige der Vermogensklasse fiinf und sechs. Bei den Mitgliedern der
Tabelle 6: Soziale GJiederung der Straften des Kneiphofs (Nach dem Geschoftregister des Jahres 1477)**
vcrmogcnsklasseLange- Alte Dom- Neue Re^ Konig- Wasser- Schuh- Peters- Vor- Celarie
gasse gasse Dom- bentcz- garten gasse gasse platz stadt
gasse gasse gasse
Anteil an der Gesamtbevolkcrung I II I II I II I . II I II I II I II I II I II I II
Die soziale GUederung der Stadte
75
76
Die Stadte bis zum Jahr 1497
beiden letztgenannten konnen wir damit redinen, dafi es sich bei ihnen um Lohn-
arbeiter handelt, die in den Betrieben der Grofi- und Fernhandler beschaftigt sind.
Der Petersplatz und die Keller weisen einen iiberdurchschnittlidi hohen Anted
der beiden letzten Vermogensklassen auf, sie sind das Armenviertel des Kneip-
hofs. Trotzdem sich gewisse Zentren der einzelnen Vermogensklassen feststellen
lassen, gibt es in der Stadt jedoch keine Strafie, in der Mitglieder der Klassen. aus
denen sich Rat und Schoffenbank zusammensetzen, nicht vertreten sind. Die
starke Mischung der sozialen Schichten, die zwar in Jahrhunderten gewachsen,
aber moglicherweise auch durch die Vorgange wahrend des Krieges nicht unbe-
einflufit geblieben ist, lafit vermuten, dafi in der Stadt nicht viel geschehen kann,
was der politischen Fuhrung verborgen bleibt. Es wird nur unter besonderen Vor-
aussetzungen moglich sein konnen, dafi der Rat in seiner Politik die Meinung der
Masse der Kneiphofer Bevolkerung derart mifiaditet, dafi es zu Unruhen kommt.
b) Bartenstein
Das Geschofiregister der Stadt Bartenstein ist uberschrieben: .Geschofi der Stadt
Bartenstein, dem hochwiirdigen Fiirsten und Kerrn, Herr Hansen von Tiefen,
unserem gnadigen Herrn Hochmeister im 98. Jahr geben*. In ihm sind 137 Steuer-
zahler mit den von ihnen gezahlten Steuerbetragen aufgefiihrt. Es weist nur eine
grobe Trennung nach der Stadt, der Vorstadt, den Kellem und der Neustadt auf.
Im Gegensatz zu dem Register des Kneiphofs fehlen Berufsbezeichnungen vollig.
Aus dem Register lafit sich auch nicht ersehen, ob alle Bartensteiner Biirger in ihm
enthalten sind, oder ob moglicherweise die Armen, die keine Steuern zahlen konn-
ten, zu der genannten Zahl der Steuerzahler hinzugefiigt werden miifiten, um auf
die Einwohnerzahl der Stadt schliefien zu konnen. Weiter lafit sich aus dem Re¬
gister zuniichst auch nicht entnehmen, welche der aufgefiihrten Burger in den stad-
tischen Organen Amter bekleideten. Da die Angabe des Steuersatzes ebenfalls
fehlt, lassen sich nicht die realen Vermogen, sondern nur die Vermogensrelationen
zwischen den besteuerten Personen berechnen.
Von den 137 besteuerten Burgern sind fiinf von alien weiteren Untersuchungen
ausgenommen worden, da bei ihnen nicht die Steuersumme, sondern die Zahl der
,Nacht‘ als Steuergrundlage und in vier Fallen ein Aufgeld verzeichnet ist. Der
Steuersatz fur die Nacht ist nicht bekannt, die Steuerbetrage der fiinf Personen
lassen sich also nicht eindeutig festlegen100.
Bei einem Vergleich der einzelnen Steuerbetrage fallt auf, dafi 21 Personen einen
Steuerbetrag von vier Skott oder zehn Schilling bezahlt haben. Das ist die weit-
aus grofite Haufigkeit, die ein bestimmter Betrag aufzuweisen hat. Auf Grund
der grofien Haufigkeit dieses niedrigen Steuerbetrages — der zudem noch genau
dem Vorschofisatz des Kneiphofes im Jahr 1477 cntspricht — konnen wir an-
nehmen, dafi dieser Bet-rag ebenfalls ein Vorschofi ist. Die erwiihntcn 21 Personen
sind demnach als vermogenslos anzusehen. Zu ihnen kommen noch weitere 20
Bartensteiner hinzu, die gleichfalls kein Vermogen aufzuweisen haben, sich aber
finanziell noch schlechter stehen, da sie nur einen Teil des Vorschosses aufbringcn
konnten.
Die soziale Gliederung der Scadce
77
Die 41 vermogenslosen Biirger bilden wie im Fall des Kneiphofs die sediste
Steueridasse, die Stadtarmut. Die verbleibenden Steuerzahler wurden dann wieder-
um — nach Abzug des Vorschosses — nach der Hohe ihrer Steuerzahlung geord-
net und in fiinf Klassen eingeteilt. Es wurde neben dem fur den Kneiphof ver-
wendeten Einteilungskriterium fur die einzelnen Klassen zusatzlich darauf geachtet,
daft sich in den Steuerklassen Bartensreins annahernd die gleichen Bevolkerungs-
anteile befanden, wie in den Vermogensklassen des Kneiphofs, um einen ersten
Vergleich zwischen der Vermogensverteilung beider Stadte zu vereinfachen (siehe
Tabelle 5).
Auch in Bartenstein ist eine betrachtliche Vermogenskonzentration in den Handen
einer Minderheit festzustellen. Die drei ersten Vermogensklassen, ein knappes
Drittel der Gesamtbevolkerung, verfiigen iiber fast vier Fiinftel des Gesamtver-
mogens der Stadt; mehr als zwei Drittel der Bevolkerung miissen sidi mit dem
verbleibenden Fiinftel begniigen. Fast die Halfte dieses Bevolkerungsanteils wieder-
um verfiigt sogar iiber gar kein Vermogen101. Der Unterschied zwischen dem
reichsten und dem armsten, aber nodi vermogenssteuerzahlenden Bartensteiner ist
ebenfalls betrachtlich. Thomas Grolag, der armste Biirger, einer von neun Barten-
steinem, die den gleichen Steuerbetrag zahlten, entrichtet zwei Schilling Ver-
mdgenssceuer, Nicl Hase, der reidiste Bartensteiner, zahltc dagcgcn 85 Schilling.
Die Belastung fiir den einzelnen Biirger durdi den Vorschofi und seine Bedeutung
fiir den Empfanger der Steuerleistung, den Landesherrn, ist am Bartensteiner Bei-
spiel ebenfalls gut abzulesen. Die reichsten fiinf Prozent der Burger zahlten 17,2
Prozent, die armsten fiinf Prozent dagegen 500 Prozent ihrer Vermogenssteuer
als Vorschofi. Fiir den reichsten Biirger der Stadt, den schon erwahnten Nicl Hase,
bedeutet der Vorschofi nur 11,7 Prozent seiner Steuerbelastung, der armste aber
mufi immerhin fiinfmal soviel Vorschofi wie Gesdiofi zahlen. Im Fall Bartensteins
ist der Vorteil, den die Vereinbarung eines Vorsdiosses fiir den Landesherrn bringt,
besonders augenfallig. Der Ertrag des Vorsdiosses erreidit iiber 80 Prozent der
Ertragshohe des Geschosses und statt 70 Prozent der Bevolkerung werden durdi
die Zahlung des Vorsdiosses 85 Prozent zur Steuerleistung herangezogen.
Leider sagt das Bartensteiner Gesdiofiregister iiber die soziale Gliederung der Be¬
volkerung nidits aus. Es lafit sich aber wenigstens annahernd feststellen, welche
Steuerklassen vorwiegend die Mitglieder des Rates stellten. Im Bartensteiner
Stadtbuch finden sich fiir die neunziger Jahre des 15. Jahrhunderts eine Reihe von
Biirgermeistern und Ratsherrn, deren Namen auch im Gesdiofiregister auftaudien102.
Vierzehn Namen aus den Jahren zwischen 1492 und 1503 sind auch im Register
enthalten103. Von diesen vierzehn Biirgern gehoren drei zur ersten Steuerklasse,
fiinf zur zweiten, drei zur dritten und zwei zur vierten Steuerklasse, nur ein
Ratsherr entstammt der sedisten Klasse.
Die beiden Mitglieder der vierten Klasse, Ruttner und Paul Speidiersdorf sowie
Hans Sdiolze aus der sedisten Steuerklasse haben dem Rat immer nur als Rats¬
herrn angehort. Die Amter des Burgermeisters und des Stadtkammerers sowie die
ihrer Kompane scheinen vorwiegend von Mitgliedern der zweiten Klasse besetzt
worden zu sein. Drei Ausnahmen von dieser Regelung sind allerdings festzustellen:
in den Jahren 1498 und 1503 ist Lorenz Schmidt, ein Angehoriger der dritten
78
Die Stadte bis zum Jahr 1497
Klasse, Kompan des Kammerers beziehungsweise Kammerer von Bartenstein, und
1492 harte End res Schwab das Amt eines Kompans des Kammerers iibernommen,
er zahlt zur ersten Steuerklasse. Bei dieser Zusammensetzung des Bartensteiner
Rates ist anzunehmen, dafi sich seine politische Linie in Steuerverhandlungen mit
dem Landesherrn von der des Kneiphofer Rates kaum unterschieden hat.
Im Gesdio(5register Bartensteins werden vier Drtlichkeiten genannt: die Stadt
Bartenstein mit 97, die Vorstadt mit 24, die Neustadt mit sechs und die Keller
mit fiinf Bewohnern. Die Aufgliederung der Bewohner dieser Platze nach ihrer
Zugehorigkeit zu einer der sechs Steuerklassen ergibt folgendes Bild:
Tabelle 7: Soziale Gliederung der Drtlichkeiten Bartensteins
(Nadi dem Geschoflregister von 1498)
Steuerklasse
Bartenstein
Vorstadt
Neustadt
Keller
Anteil an der Ge-
samtbevolkerung
abs.
in Proz.
abs.
in Proz.
abs.
in Proz.
abs. Proz.
I. Klasse
2,27 °/o
3
3,09
II. Klasse
14,39 °/e
18
18,5
1
4,16
III. Klasse
13,63 «/•
15
15,4
3
12,5
IV. Klasse
27,27 °/o
26
26,8
9
37,5
1
16,66
V. Klasse
11,37 «/•
11
11,3
3
12,5
1
16,66
VI. Klasse
31,06 e/e
24
24,7
8
33,28
4
66,66
5 100,0
Allein in der Stadt Bartenstein finden sich Angehorige aller Steuerklassen, in den
Kellern dagegen wohnen nur Mitglieder der sechsten Klasse, die auch in der Neu¬
stadt zwei Drittel der Bewohner stellen. Diese beiden Orte sind das Armenhaus
Bartensteins, denn in der Stadt selbst und in der Vorstadt machen die Angehorigen
der sechsten Klasse nur ein Viertel beziehungsweise ein Drittel der Bewohner aus.
Fur eincn Vergleich der Vermogensstruktur des Kneiphofs und Bartensteins miis-
sen wir zunachst noch einmal die Stellung beider Stadte im Wirtschaftsleben des
Ordenslandes betrachten. Der Kneiphof, eindeutig eine der widitigsten Handels-
stadce PreuBens, ist wahrscheinlich nach der Altstadt Konigsberg die zweitgrofite
Stadt des Landes. Er hat sich an einer standigen Ausdehnung seines Handels so-
wohl im Inland als auch im Ausland interessiert gezeigt. Nach 1466 hat die Stadt
neben der Altstadt die Vollmitgliedschaft in der Hanse errungen.
Bartenstein dagegen, eine Landstadt, ist schon von der Einwohnerzahl her dem
Kneiphof weit unterlegen. Wirtschaftliche Anregungen konnte die Stadt — wie
scnon erwahnt — durch die in ihren Mauern stattfindenden Tagfahrten erfahren
haben. Auch sie ist, als Grenzstadt zum Bistum Ermland und damit zum konig-
Die soziale Gliederung der Scadce
79
lichen Preufien in starkem Mafie Handelsstadt104. Doch steht sie hinter dem Kneip¬
hof in dieser Hinsicht weit zuriick. Das Май des Zuriickstehens lafit sich annahernd
in Zahlen ausdriicken. 1468/69 nahm man im Kneiphof an Zeise 609,5 Mark ein,
fur Bartenstein schlagt dieses Jahr nur mit 42 Mark zu Buche105. Nun ist dieses
Vergleichsjahr fiir Bartenstein allerdings ungiinstig, denn im Gegensatz zum Kneip¬
hof lag es wahrend des gesamten Krieges im Kampfgebiet. Der Abstand zwi-
schen beiden Stadten konnte sich daher etwas verringert haben, wir werden jedoch
auf d^ese Frage im weiteren Verlauf noch einmal einzugehen haben.
Um eine moglichst anschauliche Form des Vergleichs der Vermogensstruktur beider
Stadte zu erhalten, sind die nach der Grofie geordneten Vermogens- beziehungs-
weise Steuerwerte in Gruppen von je etwa fiinf Prozent aller gegebenen Werte
zusammengefafit worden106. Dann wurde der Anteil dieser Gruppen am Gesamt-
vermogen beziehungsweise am Gesamtsteueraufkommen berechnet. Diese Anteile
werden einander gegeniibergestellt.
Kneiphof 1477 Bartenstein 1498
1. Gruppe
32,17
21,88
2. Gruppe
20,17
17,23
3. Gruppe
10,47
12,9
4. Gruppe
8,7
11,9
5. Gruppe
6,3
8,79
6. Gruppe
5,19
6,24
7. Gruppe
3,8
5,49
8. Gfuppe
3,2
3,76
9. Gruppe
2,5
3,55
10. Gruppe
2,09
2,32
11. Gruppe
1,6
1,8
12. Gruppe
1,3
1,78
13. Gruppe
0,9
1,38
14. Gruppe
0,67
0,75
15. Gruppe
0,45
—
16. Gruppe
0,16
—
Es zeigt sich eindeutig, daft die Vermogenskonzentration an der Spitze im Kneip¬
hof wesendich weiter fortgeschritten ist als in Bartenstein. An den Zahlen der
dritten bis dreizehnten Gruppe lassen sich dann die Folgen einer derartigen Kon-
zentration ablesen. Die Bartensteiner Burger dieses Bereichs verfiigen iiber einen
grofieren Anteil am Gesamtvermogen der Stadt als die Burger des Kneiphofs.
Die Vermogensverteilung Bartensteins ist also ,gerechter’ als die des Kneiphofs.
Es darf aber nicht iibersehen werden, dafi in Bartenstein iiberhaupt nur 70 Prozent
der Bevolkerung iiber ein mehr oder weniger grofies Vermogen verfiigen, wahrend
es im Kneiphof doch immerhin 80 Prozent der Burger sind. Der Kneiphof bietet
im Vergleich zu Bartenstein die grofieren Chancen, ein — wenn auch kleines —
Vermogen zu erwerben. Die Anziehungskraft des Kneiphofs auf Landfluchtlinge
diirfte daher grofter sein als die Bartensteins.
Wenn auch 60 Prozent der Bartensteiner iiber einen grofieren Anteil am Gesamt¬
vermogen verfiigen als die gleiche Zahl der Burger des Kneiphofs, so ist damit noch
80
Die Stadte bis zum Jahr f497
nichts iiber die reale Hohe der Vermogen ausgesagt. Eine Aussage in dieser Hin-
sicht erlaubt aber der Vergleich der Verhaltnisse zwischen Vorschofi- und Geschofl-
ertrag beider Stadte. Der Bartensteiner Vorschoflertrag betrug 80 Prozent, der des
Kneiphofs nur 25 Prozent des jeweiligen Geschofiertrages. Unter der Voraus-
setzung, dafi in beiden Stadten der gleiche Steuersatz zugrunde gelegen hat, miifite
das reale Vermogen des Kneiphofs mehr als dreimal so grofi gewesen sein wie das
Bartensteins107. Lag der Steuersatz in Bartenstein jedoch hoher als im Kneiphof,
ist das reale Vermogen des Kneiphofs nodi weitaus grofier einzuschatzen. Nur fur
den Fall, dafi der Steuersatz in Bartenstein niedriger lag, in Frage kame praktisch
nur noch ein Pfennig von der Mark, ware das reale Vermogen des Kneiphofs 1477
nicht doppelt so groft gewesen wie das Bartensteins im Jahre 1498.
Abgesehen von dem Unsicherheitsfaktor des unbekannten Bartensteiner Steuer-
satzes wird der Vergleich auch nodi durdi die Unkenntnis der besteuerten Ver-
mogensteile in seinem Ergebnis unsidier gemadit. Ist beispielsweise in beiden
Stadten bei der Festsetzung des zu besteuernden Vermogens das Handelskapital
der Kaufleute nicht mit berticksichtigt worden, so wiirde das reale Vermogen des
Kneiphofs im Vergleich zu Bartenstein nodi starker anwadisen, da das Handels¬
kapital im Kneiphof bedeutend grower gewesen sein diirfte als in Bartenstein.
Auf jeden Fall konnen wir wohl sagen, dafi der Kneiphof zwar nur etwas mehr als
doppelt soviele Einwohner wie Bartenstein hatte, dafi sein reales Vermogen aber
mindestens doppelt, aller Wahrsdieinlichkeit nadi jedoch mehrfach so grofi gewesen
ist wie das der kleinen Landstadt. Stellt man noch in Redmung, dafi zwischen dem
Zahlenmaterial fiir beide Stadte 21 Jahre liegen, so haben sidi — selbst bei einer
kleinen jahrlidien Wadistumsrate — die Verhaltnisse fiir den Kneiphof bis zum
Jahre 1498 noch giinstiger gestaltet. Dieses bedeutende okonomische Ubergewicht
dieser Stadt im Verhaltnis zu Bartenstein und damit zu alien anderen Landstadten
Preufiens zeigt sich nicht zuletzt in der politisdien Fiihrungsrolle des Kneiphofs
gerade bei Auseinandersetzungen zwischen den Stadten und der Landesherrscnaft.
Z WE ITER TEIL
DERl.WANDEL DER VERFASSUNG PREUSSENS
NACH DEM II. THORNER FRIEDEN
KAPITEL I
DIE INNENPOLITISCHEN VERHALTNISSE PREUSSENS
BIS 2UM JAHR 1479
Die Untersuchung der okonomischen Verhaltnisse der verschiedenen Sozialkorper
des Ordenslandes hat eine verhaltnismafiig starke Differenzierung ihres wirt-
schaftlichen Potentials ergeben. Die .Gesamtgesellschaft* Preufiens gliedert sich —
unbesehen der standischen Grenzen — okonomisch in mehrere Schichten. Die wirt-
schaftliche Oberschidit des Landes wird von den reichen Burgern der Stadte, grofien
Teilen des Landesadels und den Gebietigem und Amtsleuten des Ordens gebildet.
Zu der Mittelschicht konnte man die wohlhabenden Handwerker, Freien und
Bauern und die gemeinen Ordensbriider rechnen, wahrend die Unterschicht des
Landes von der Gruppe der Stadtarmut, armen Bauern, Gesinde, Lohnarbeitern
und ahnlichen Personen gebildet wird. Die politische Relevanz der einzelnen Grup-
pen dieser — fikdven — Schichten ist unterschiedlich. Fraglich ist, ob sich nur An-
gehorige gleichen Standes quer durch die einzelnen okonomischen Schichten unge-
hindert ihrer wirtschaftlich unterschiedlichen Lage politisch zusammenschlieSen und
agieren werden oder ob sich, unter Mifiachtung geburtsstandischer Abgrenzungen,
Koalitionen zwischen den Mitgliedern der einzelnen okonomischen Schichten er¬
geben werden. Neben der wirtschaftlichen Lage der einzelnen Stande und ihrer
Individuen werden bei der Beantwortung dieser Frage noch andere Faktoren zu
beriicksichtigen sein; so darf der korporative Herrschaftsanspruch der Ordens-
brudersdiaft nicht aufier acht gelassen werden, ebenso aber audi nicht das Standes-
denken der einzelnen Gruppen, das ebenfalls zu politischen Gemeinsamkeiten bei-
spielsweise der beiden Adelsgruppen fiihren konnte oder etwa alien Schichten des
Landes gemeinsame emotionelle Regungen, wie das Gefiihl nationaler Zusammen-
gehorigkeit. Nicht zuletzt mufi auch beriicksichtigt werden, welche EinflLisse das
Oberhaupt des Ordens und der Landesherr auszuiiben in der Lage ist.
1. LANDESHERR UND LANDSTANDE
Zuniichst mufi geklart werden, welche der Stande Preufiens politisch bedeutsam,
das heiflt landtagsfiihig, waren. Dazu gehort aber auch, daft wir klarstellen, mit
wem es die Stande auf den Tagfahrten zu tun hatten, mit dem Hochmeister
oder dem Ordcn oder mit Hochmeister und Orden. Bisher haben wir immer
nur von Landesherr im allgemeinen gesprochen, ohne dafi konkretisiert worden
ware, wer Landesherr ist1.
84
Die innenpolicischen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
a) Der Landesherr
Aus der zweiten Halte des 15. Jahrhunderts liegt nur eine Eidesformel fiir die
Huldigung der Untersassen vor2. Der nach dem Lehnsrecht formulierte Eid lau-
tet: „Ich N. gelobe Gott und euch, Herr, Herr N.f meinem rechten naturlichen
Herrn, und eurem ganzen Orden gctrau und hold zu sein, euer Bestes zu wissen,
euch vor eurem Schaden zu warnen und alle Dinge zu tun, die ein getrauer ge-
holdigter Mann seinem rechten Herrn tun soli, als mir Gott helfe und die Heili-
gen3.** Der Teil ,und eurem ganzen Orden* ist dabei von gleicher Hand liber der
Zeile nachgetragen worden.
Dieser Eid entspricht zwar nicht mehr dem, den die Untersassen noch Hochmeister
Paul von Rusdorf geleistet batten4, mit der Einfugung ist jedoch auch der Orden
wieder in die Huldigung der Stande einbezogen. Allerdings ist fraglich, ob die
Stande tatsachlich in dieser Form gehuldigt haben. Berichte tiber Huldigungstag-
fahrten oder Huldigungsumziige des Hochmeisters sind uns nicht, wie fiir friihere
Zeiten, erhalten geblieben, wir miissen daher auf anderem Weg zu klaren ver-
suchen, ob die Stande den Hochmeister als ihren personlichen oder den Orden
als korporativen Landesherrn ansahen.
Die Tagfahrtsrezesse des Ordens und der Konigsberger Tagfahrtsdelegierten deu-
ten nicht darauf hin, daft die Stande den Orden als Landesherrn ansahen. In der
Regel bedient man sidi Formulierungen wie ,von wegen unseres gnadigen Herrn
Hochmeisters, seines wiirdigen Ordens und . . .*5 oder ,unser gnadiger Herr Statt-
halter, ettliche seiner Gebietiger*®. Nur in einem Fall heifit es in einem Tagfahrts-
rezefi „die Leute (Stande) erkennen euer Gnaden, die wiirdigen Gebietiger und
eucrn Orden fiir ihren rechten Herrn**7. Diese Formulierung wird jedoch nur in
dem Ordensrezefi gebracht. Von derselben Tagfahrt haben wir audi einen Konigs¬
berger Rezefi, dort heiftt es an dieser Stelle: „wdren wir alle (die Stande) seiner
Gnaden geholten und getraue Manne“я.
Der Ordensrezefi driickt das auch in dieser Zeit noch bestehcnde Verlangcn des
Ordens aus, von den Standen als korporativer Landesherr anerkannt zu werden,
wahrend der Konigsberger Rezefi wohl die realen Verhaltnisse beschreibt. Eine
Bestatigung fiir die Richtigkeit der Formulierung im Konigsberger Rezefi findet
sich jedoch auch in Ordensrezessen, so beispielsweise in dem der Tagfahrt von
Konigsberg im Jahr 1473, in dem der Schreiber der Ordenskanzlei die Stande
sagen lafit, „daft sie (unsern den) Herrn Hochmeister wollten bei seiner Herr-
schafc behalten, wie vor ein Hochmeister gehalten ware**9. Auf dem Heiligenbeiler
Landtag vom 6. Juni 1476 erkliircn die Stande nach einem Konigsberger Rezefi
erneut: „wir bekennen euer Gnaden fiir unseren rechten Erbherren**10.
Der oben genannte Eid mufi in das Jahr 1476 datiert werden. Es ist unwahr-
scheinlich, daft die Stande in diesem Jahr Heinrich von Richtenberg ein zweites
Mai huldigcn mufiten. Daher ist anzunehmen, daft dieser Eid den Standen erst
nadi dem 4. August 1477, dem Tag der Wahl Martin Truchsefi’, abverlangt wurde.
Hiitte sich der Orden mit seinem Verlangen, in die Huldigung einbezogen zu wer¬
den, durdigesetzt, mufiten wir nach diesem Termin andere Formulierungen als
die oben erwahnten in den Rezessen finden. Tatsiichlich erklaren in einem Konigs¬
berger Rezefi die Stande, daft die Steuerforderung des Hochmeisters von ,euers
Landesherr und Landstande
85
wiirdigen Ordens getraue Manne* mit Beschwerung aufgenommen worden sei.
Sie sprechen weiter von der Liebe, die sie zu dem ,wiirdigen Orden und der Per¬
son des Hodimeisters* empfinden. Im weiteren Verlauf wird jedoch der Eindruck,
daft die Stande den Orden als Landesherm anerkannt haben, etwas abgeschwacht,
indem sie zwar erklaren, daft sie sich im Verteidigungsfall als getreue Manner des
Ordens erweisen, sich aber beim Hochmeister halten wollen11. Die geforderte
Steuer bewilligen sie sdiliefilich nicht Hochmeister und Orden, sondern allein dem
Hochmeister. Als dieser ihnen mit der Bemerkung, das Land gehore dem Papst,
sie (Hochmeister und Orden) seien nur Verweser und Knechte, eine Verschreibung
zukiinftiger Steuerfreiheh verweigern will, erklaren sie etwas spottisdi, daft sie
ihn fur .maditig* genug hielten, ihnen diese Verschreibung zu erteilen12.
Diese in der Frage nadi dem Landesherm sich standig widersprechenden Formu-
lierungen der Stande finden wir auch in den nachsten Jahren. So halten sie dem
Hochmeister 1478 entgegen, daft sie nur ihm gehuldigt haben. Doch wenig spater
erklaren sie wieder, daft ihnen nur der Hochmeister und die wiirdigen Gebietiger,
nicht aber Fremde, drohen diirften13. Im November desselben Jahres erklart der
Hochmeister den Stiinden dann ausdriicklich, daft er der Ansicht sei, sie hatten
den dem Orden gesdiworenen Eid ,defer* zu halten als den auf den ewigen Frie-
den geleisteten14. Die Stande, auf dieser Tagfahrt nicht gerade sehr zuriickhaltend
in ihren Formulierungen, widersprechen der Behauptung, daft sie dem Orden
einen Eid geleistet hatten, nicht.
Nach 1479, dem Jahr, in dem Martin Truchsefi den Frieden von Thorn, entgegen
seinem ausdriicklichen Willen, beschworen mufite, andern sich die in Frage kom-
menden Formulierungen wieder. Anlafilich der Debatte liber die Sondererlaubnis
des Hodimeisters an fremde Kaufleute zur Kornausfuhr erklaren die Stande,
daft der Hochmeister ein Fiirst des Landes und ihr Herr sei. Audi der Ordens-
protokollant schreibt, daft die Stande in ihrer Antwort den Hochmeister als
ihren Landesfursten und rechten Herrn anerkannt hatten15. In der Regierungszeit
des Hodimeisters Hans von Tiefen erklaren die Bischofe, Pralaten, Ritterschaft,
Lande und Stadte sogar, daft sie es nidit begrufitcn, wenn der Hodimeister, ihr
j-echcer Herr und Landesfurst, aus dem Lande zogele.
Die Frage, ob der Hochmeister auch nach 1466 allein personlicher Landesherr
blieb, la£t sich demnadi nicht eindeutig beantworten. Besteht bis zur Wahl
Truchsefi' redit eindeutig Klarheit dariiber, daft die Stande nidit auch dem Orden
huldigten, mufi man fiir 1477 damit rechnen, daft Hodimeister und Orden der
Eid geleistet worden ist. Doch darf die Wahrscheinlidikeit dieser Riickkehr zu
Verhaltnissen der Jahre vor 1440 nicht so hodi eingeschatzt werden, da nach 1479
wieder mit redit grofter Sicherheit angenommen werden kann, daft allein der
Hodimeister Landesherr Preuftens gewesen ist. Nichtsdestoweniger miissen wir in
den Jahren zwischen 1466 und 1497 mit betnichtlichem Einfluft der Ordensbruder-
sdiaft auf den Hochmeister rechnen, trirt er den Stiinden auf den Tagfahrten doch
nur in Begleitung eines oder mchrerer Gebietiger entgegen. Audi die Stande erken-
nen vermutlich diese Einfluftnahme des Ordens an, da sie fast immer Beschwerden,
Bedenken und ahnliches nidit allein dem Hodimeister, sondern ihm und den Ge-
bietigern vortragen.
86
Die innenpolitischexk Verhaltnisse Preuftens bis zum Jahr 1479
b) Die Stande
Ebensowenig eindeutig wie die Frage nadi dem Landesherrn im ersten Moment
zu beantworten war, ist im Fall der Stande zu erkennen, wer ,Land und Stadte4
sind.
Der Begriff Land taucht sowohl als Oberbegriff auf als auch als Bezeichnung
fur eine bestimmte Gruppe. So wird im Ordensrezeft der Tagfahrt zu Bartenstein
am 24. August 1473 von ,Herren, Rittern und Knechten und lieben Getreuen4
gesprochen, aber auch von Landen und Stadten17. Der Konigsberger Rezefi der
gleichen Tagfahrt fafit unter ,Landen und Stadten4 die Gruppe .Ritter, Knechte,
Lande und Stadte4 zusammen18. Auch auf anderen Tagfahrten werden die standi-
schen Teilnehmer als ,Lande und Stadte* bezeichnet und genauer beschrieben als
,Landschaft und Mannschaft4, .Ritterschaft und Mannschaft, Lande und Stadte4
oder wie schon erwahnt als .Ritter und Knechte, Mannschaft und Stadte419. Da wir
wissen, daft auch die Freien an den Tagfahrten des Ordenslandes beteiligt waren20,
scheinc .Land4 als Unterbegriff die Gruppe der Freien zu bezeichnen, wahrend es in
der Zusammenstellung .Land und Stadte4 sowohl .Herren, Ritter und Knechte4,
d. h. den Adel als auch die Freien umfafit. Allerdings werden wir gegebenenfalls
uberpriifen miissen, ob an ciner bestimmten Tagfahrt auch Freie teilgenommen
haben, denn verschiedcntlich wird von den Standen eine .gemeine Tagfahrt4 ver-
langt, auf der sie in grofierer Zahl versammelt waren. Die Tagfahrten mit gerin-
ger Anzahl stiindischer Vertreter konnen durchaus ohne Freie stattgefunden haben.
Auch der Ausdruck .Stadte4 ist keineswegs eindeutig. Mitunter bezieht er sich
nur auf die Drei Stadte Konigsberg, meist jedoch auf Konigsberg und auf die
.hinterlandischen Stiidte4. Diese hinterlandischen Stadte haben keineswegs ein-
heitliche Rechtsgrundlagen. Hin und wieder wird die Bezeichnung .Rate und
Stadte4 gebraucht, das deutet darauf hin, daft nicht alle auf den Tagfahrten ver-
tretenen Stadte die Ratsverfassung hatten, sondern daft ein Teil noch die Schulzen-
verfassung besafi21. Ob neben den .Raten und Stadten4 noth andere Burger der
Stadte des Ordenslandes zu den Tagfahrten hinzugezogen worden sind, ist zunachst
nicht eindeutig erkennbar. So heiftt es in der Steuerurkunde des Hochmeisters
vom 28. Oktober 1469, daft er sich wegen der Zeise an seine „lieben und getrawen
reten, gewerken und gemeinenu der Drei Stadte Konigsberg gewandt babe22. 1471
wendet sich der Hochmeister ebenfalls wieder wegen einer Zeise an seine „reten
und gemeynden* der Stadte Konigsberg23. Martin Truchseft bittet 1477 .Rate,
Stadte und Gemeinden4 um ein Geschoft24. Da wir fur das im Jahr 1477 bewilligte
Geschofi neben der Steuerurkunde auch den Gang der eigentlichen Steuerverhand-
lungen vorliegen haben, laftt sich jedoch eindeutig feststelien, daft Vertreter der Ge-
werke und Gemeinden nicht neben den Raten der Stadte an den Tagfahrtverhand-
lungen teilgenommen haben25. Auf der Tagfahrt in Konigsberg am 29. September
1477 sind nur die Rate der Stadte vertreten, die sich aber vorbehalten haben, das
Steuerangebot des Landes den Gemeinden zur Genehmigung vorzulegen. Wcnn
daher in der Steuerurkunde des Hochmeisters auch die Gemeinden erwahnt werden,
kann das nur bedeuten, daft der Hochmeister mit den Stadten, und zwar sowohl
mit den Riiten als auch mit der Gemeinde im Anschluft an die allgemeine Tagfahrt
Landesherr und Landstande
87
gesondert iiber die Bewilligung eines Geschosses verhandelt hat. Die mangelhafte
Vollmacht der Rate fiir die Steuerbewilligung auf den Tagfahrten und die Be-
teiligung der Gemeinden an den anschliefienden separaten Verhandlungen zwischen
Hochmeister und Stadten uber diese Frage ist ein eindeutiger Hinweis darauf, daft
die Burger der Stadte ihre politischen Organe sehr stark zu kontrollieren und zu
beeinflussen in der Lage sind.
Neben Landen und Stadten tritt uns erstmals auf der Tagfahrt in Heiligenbeil
am 6. Juni 1476 ein Bischof als Mitglied der Stiinde entgegen2®. Wahrend der
friiheren Jahre fanden wir den Bischof von Samland, um den es sich handelt,
immer als selbstandigen Landesherrn27. In spateren Jahren wird dann die. Ein-
bezichung der Bischofe in die Reihe der Stiinde immer deutlicher. 1485 heiftt es
in einera Gewerbe an den polnischen Konig, daft ,Bischofe, Pralaten, Gebietiger,
Ritterschaft, Lande und Stadte* das Unvermogen des Hochraeisters auf Grund der
Armut des Landes betrachtet und bedacht hatten28. Hier wird getrennt zwischen
dem ,Land‘ einerseits und dem .Landesherrn' andercrscits, wobei erstaunlicherweise
zum Land nicht nur Bischofe und Pralaten gezahlt werden, sondern auch die Ge¬
bietiger29.
Eine ahnliche Formulierung findet sich auch wieder 1496, als der Hochmeister und
„seine wurdigen Herrn Pralaten, Gebietiger, Ritterschaft von den Landen und
den kleinen Stadten" die uber eine Briicke streitenden Stadte Konigsbergs an das
Generalkapitel als letzte Instanz verweisen30. Im gleichen Jahr wird ,durch ge-
meinen Rat der Herrn Pralaten, Gebietiger, Lande und Stadte* eine Antwort
auf das Anbringen einer polnischen Gesandtschaft erteilt, in der es dann emeut
heiftt, daft der Hochmeister zur Beantwortung der polnischen Forderungen den
Rat seiner Herren Bischofe, Pralaten, Gebietiger, Lande und Stadte gebraucht
habe.
Ohne Zweifel hat hier eine Akzentverschiebung stattgefunden. Bischofe, Pralaten
und Gebietiger sind im Lauf der Jahre immer mehr ein Teil des Landes geworden
und stehen gemeinsam dem Landesherrn gegeniiber. Interessant ist, daft die Ge-
samtheit von Bischofen, Pralaten, Gebietigern, Land und Stadten zunachst iiber-
wicgend im Zusammenhang mir dem Rat des Hochmeisters erscheinen. Der Hoch¬
meister ist als Haupt des Ordens an den Rat seiner „wizegesten bruderen“31 gebun-
den. Ebenso wie die Gebietiger haben auch die Stiinde, wie sie verschiedentlich be-
tonen, das Recht, dem Landesherren mit Rat und Hilfe beizustehen. Dieses ge-
meinsame Recht auf Ratgebung scheint Gebietiger und Stiinde gegeniiber dem
Hochmeister und Landesherrn auf eine Stufe zu stellen. Zu ihnen gesellen sich
dann noch die Bischofe und Pralaten, die als Mitglieder des Ordens und Vertreter
ihrer Territorien ebenfalls Wert darauf gelegt zu haben scheinen, daft der Hoch¬
meister und Landesherr ihren Rat suchte. Diese gemeinsame Pflicht, die gleichzeitig
Recht ist, scheint Bischofe, Pralaten, Gebietiger, Ritter, Lande und Stadte zu einen
und sie gemeinsam dem Landesherrn gegeniibertreten zu lassen, dessen Hochrnei-
sterschaft gegeniiber seiner Eigenschaft als Landesherr in den Hintergrund tritt.
Wahrscheinlich wird diese Entwicklung durch die standische Differenzierung, die
wir innerhalb des Ordens beobachten konnen32, verstarkt.
88
Die innenpolitischen Verbaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
Im politischen Geschehen des Ordenslandes stehen sich also zuniichst Hochmeister,
Bischofe und Orden und Adel, Freie und Stadte gegeniiber. Die Ausubung gleicher
Rechte und Pflichten liifit dann die Trennungslinie in spateren Jahren zwischen
Hochmeister einerseits und Bischofen, Pralaten, Gebietigern und Standen anderer-
seits verlaufen; die Verfassungsstruktur des Ordenslandes ,normalisiert* sich ge-
wissermaBen immer mehr, sie gleicht sich den stiindestaatlichen Verfassungen der
einzelnen Territorien des Reiches an.
2. DIE STEUERPOLITIK
Die Verhandlungen uber Zeise oder GeschoB nehmen einen breiten Raum in den
politischen Beziehungen zwisdien dem Landesherrn und den Standen ein. Sie
geben uns deshalb einen guten Einblick in die Stellung der beiden Parteien zuein-
ander und erlauben uns auch Schliisse iiber das politische Gewidit, das wir den
beiden Gruppen und deren Teilkraften beizumessen haben.
Fiir die ersten Jahre nadi 1466 liegen die Rezesse der Steuertagfahrten nidit vor.
Wir miissen uns fiir diese Zeit mit den vom Landesherrn ausgestellten Steuerur-
kunden begnugen. Doch geben uns diese zumindest Einblick in die prinzipiellen
Ansichten von Landesherr und Standen und sie zeigen uns, daB die Steuerver-
handlungen keineswegs problemlos gewesen sind. Die Steuerverhandlungen der
siebziger Jahre liegen wenigstens teilweise in ausfiihrlichen Rezessen vor, so dafi
fiir diese Zeit wesentlich genauere Einsichten in die politischen Verhaltnisse Preus-
sens gewonnen werden konnen. Die letzten fast zwanzig Jahre unseres Unter-
suchungszeitraums lassen dann kaum nodi Einblicke in die politische Situation des
Ordenslandes zu, da wir iiber Steuerverhandlungen nur noth durch einzelne Hin-
weise in Briefen oder anderen Quellen, die sich nidit vorwiegend mit Steuerfragen
befassen, informiert werden. Wenn wir daher bei der Untersuchung der Steuer-
politik die Zeit zwisdien 1466 und 1497 in zwei Absdinitte teilen, der erste von
1466 bis etwa 1479, der andere dann bis zum Jahr 1497, so Iiegt dafiir jedoch
auch ein sachlichcr Grund vor: wahrend des ersten Absdinitts bewilligen die Stiinde
Jahr fiir Jahr eine Steuer, im letzten Zeitraum tun sie das nur nodi bei bestimmten
Anlasscn33.
a) Die Jahre zwischen 1466 und 1479
Im September 1465 bewilligten Ritter, Knechte und Freie auf Samland und die
Drei Stadte Konigsberg Ludwig von Erlidishausen wahrschcinlich zum letztenmal
wahrend des Krieges die seit 1458 laufende Zeise34. Sie sollte von Midiaelis 1465
bis zum gleidien Tag im Jahr 1466 laufen. Vermutlidi hat im Herbst 1466 keine
Tagfahrt stattgefunden, auf der iiber Steuerforderungen beraten worden ware.
Die Verhandlungen zur Beendigung des Biirgerkriegs hatten wohl bei alien Par¬
teien Vorrang vor der Steuerfrage. Daher ist es wahrsdieinlidi erst wieder in der
ersten Halfte des Jahres 1467 zu erneuten Verhandlungen zwischen Landesherrn
und Standen iiber die Zeise gekommen. Die Steuerurkunde uber die besdilossene
Zeise ist auf den 25. Juni 1467 datiert35; so zahlte die Bevolkerung der Drei Stadte
Die Steuerpolitik
89
Konigsberg und des Samlandes wahrscheinlich in der Zeit zwischen dem Auslaufen
der Ludwig von Erlichshausen bewilligten Zeise und der Mitte des Jahres 1467
keine Steuem. Erlichshausen war im April 1467 gestorben, den Standen trat mit
der Fordemng nach erneuter Bewilligung der alten Zeise der zum Hodimeister-
statthalter gewahlte Heinrich Reufi von Plauen gegeniiber. Wie 1465 beurkuuden
auch 1467 Mitglieder des Ordens und der Bischof von Samland die bewilligte
Zeise, deren Hohe und Laufzeit. Nur hat ein Wechsel in der Reihenfolge stattge-
funden. 1465 erscheint an »erster Stelle der Urkundenden der Hochmeister, 1467
nimmt diese Position der Bischof von Samland ein, dem Heinrich Reufi von Plauen,
zwei Grofigebietiger und ein Komtur folgen. Abgesehen von dem Wechsel in den
beiden ersten Positionen, der wohl keineswegs der tatsachlichen Machtverteilung
entsprach, ist bemerkenswert, dafi auch 1467 noch Ordensgebietiger neben dem
Oberhaupt des Ordens als Aussteller der Urkunde erscheinen.
Als Begriindung der Steuerforderung wird in der Urkunde angefuhrt, dafi sich
Hochmeisterstatthalter und Orden in „dieses unseres Ordens anliegenden Not-
sachen" um Gut und Geld ,beschwert* fiihlen, um Sold und Schaden der Dienst-
leute und Gaste des Ordens abzulosen. Das Problem der Bezahlung der Soldner
beriihrt nach Ansicht der Landesherrschaft allein den Orden, nicht auch das Land;
ein weiterer Hinweis darauf, dafi die Einstellung der Ordensbruderschaft zu den
Standen sich noch immer nicht geandert hat. Aber auch die Stande haben ihre An-
sicht iiber die Gestaltung der Politik Preufiens im Gegensatz zu der Vermutung,
die sich aus ihrem ordenstreuen Verhalten in den Jahren vor und nach 1454 er-
geben konnte, nicht aufgegeben. Sie bewilligen die Zeise dem ,Orden und ihnen
alien', also dem Land, zum Besten. Sie fiihlen sich dazu nicht gezwungen, sondern
sie haben ihre Entscheidung ,williglich und gutlich* getroffen. Die Stande hoffen
sichtlich auf einen politischen Neuanfang, sie bieten dem Landesherm ein Mit-
einander bei der Bewaltigung der Probleme, die der Krieg dem Land hinterlassen
hatte, an. Der Orden geht auf das Angebot der Stande jedoch nicht ein. Er bleibt
dabei, dafi es nur Interessen des Ordens gibt, nicht aber auch Interessen des Landes.
1468 machen die Stande deutlich, dafi sie eine andere Reaktion des Ordens er-
wartet hatten. Sie bewilligen die Zeise nicht nur dem Orden und ihnen alien zum
Besten, Nutzen und Frommen, sie sagen auch, dafi die Steuerforderung nur auf
.fleifiige Bitte* des Hochmeisterstatthalters und von ihrer Seite nicht aus Pflicht
sondern aus ,gutem freien Willen* erfolgt seise. Doch sie hoffen vergebens auf
Einsicht des Ordens. Es scheint sogar, daft der Hodimeisterstatthalter versuchte,
den Giiltigkeitsbereich der bewilligten Steuer auszudehnen und auch in oberlan-
dischen Stadten Steuem zu erheben. Im August 1468 schreibt Martin Truchsefi,
der Komtur von Osterode, an Plauen, daB der Soldnerhauptmann Musick von
den Stadten Hohenstein und Gilgenberg 40 Mark von dem Geschofi, das Plauen
,vermeint‘, auf die Stadte zu setzen, gefordert habe. Hohenstein und Gilgenberg
Ichnen die Zahlung jedoch mit der Begriindung ab, daB sie zur Zeit nicht in der
Lage wiiren, das Geld aufzubringen37.
Hatte sidi in den Formulierungen der Steuerurkunde von 1468, in der es heiBt,
daB die Steuer nur auf Bitts des Hochmeisterstatthalters gewiihrt worden sei,
90
Die mnenpolitischen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jabr 1479
schon angedeutet, dafi die Stande nicht bereit waren, das durch die Aussteller der
Urkunde angedeutete Verlangen der Ordensbruderschaft nach Anerkennung der
korporativen Landesherrschaft anzuerkennen, so haben die Stande bei der Wahl
Plauens zum Hochmeister ihr Verlangen nach personlichcr Landesherrschaft des
Ordensoberhauptes durchsetzen konncn. 1469 und auch 1471 ist jeweils allein der
Hochmeister Aussteller der Steuerurkunde. Da jedoch die Hochmeister dem Koope-
rationsangebot der Stande in den vergangenen Jahren nicht nachgekommen waren,
fehlt in beiden Urkunden der Hinweis auf den Grund, aus dem die Stande die
Zeiseforderung bewilligt haben38.
Nicht nur in diesem Vorgang zeichnet sich die Frontstellung zwisdien Hochmeister
und Orden einerseits und dem Land andererseits ab. 1471 verlangen die Stande —
und sie setzen diese Forderung durch —, dafi die Zeise nur nodi bis zum 25. Januar
1472 laufen soil, dafi sie dann und in zukiinftigen Zeiten nicht mehr gegeben wer-
den soli, dafi sie sogar nicht einmal vom Landesherrn gefordert werden durfe.
Dieses Zugestiindnis des gerade zum Hodimeister gewahlten Heinrich von Richten-
berg39 ist ihm sicher nicht leichtgefallen und er hat es sich wahrsdieinlich nicht
kampflos abringen lassen40. Auf schwere Auseinandersetzungen in dieser Frage
deutet auch der spate Termin der Steuerurkunde. Die 1469 bewilligte Zeise war
am 19. September 1470, dem Tag der Wahl Riditenbergs zum Hochmeister, aus-
gelaufen. Die Stande haben mit recht grower Wahrscheinlichkeit auch keinen Tag
linger die Zeise entriditet. Fast vier Monate vergehen, ehe der neue Hochmeister
zu Steuereinnahmen kommt. Der Wahltermin Riditenbergs deutet unter Umstan-
den darauf hin, dafi der Orden damit rechnete, dafi die Stande nur einem person-
lidien Landesherrn die Zeise weiterbewilligen wtirden. Die vier Monate, die bis
zur tatsachlichen Weiterbewilligung der Zeise verstreidien, lassen den Schlufi zu,
dafi die Stande auch nicht mehr gewillt waren, ihrem Landesherrn, ohne dafi sie
ihn unmifiverstandlich auf seine Abhangigkeit vom Land hinwiesen, die Steuer
zu bewilligen.
Riditenberg hat diese Abhangigkeit denn auch eingesehen. Er bemiihte sich in
Zukunft um ein gutes Verhaltnis zu den Standen des Landes. Ein Anzeichen dafiir
ist, dafi Richtenberg im April 147241, kurz nachdem der Orden eine peinliche
militarische Niedcrlage gegen den Soldnerhauptmann Musick erlitten hatte42, die
beiden Erbarleute Georg von Schlieben und Rul Plaszdorf beauftragt, die Land-
schaft und Ritterschaft im Oberland in seinem Namen um Rat, Hilfe und Bei-
stand gegen Musick zu bitten43. Er liefi die Stande des Oberlandes vor die Wahl
stellen, ihm entweder militarische Hilfe zu leisten oder finanzielle, um die Forde-
rungen Musicks befriedigen zu konnen. Die Stande entschieden sich fur die finan¬
zielle Untersriitzung Riditenbergs44. Sie waren demnach auch weiterhin bereit, den
Landesherrn im Interesse des Landes zu unterstiitzen. Zv/аг hatte Richtenberg in
dem Gewerbe, das Schlieben und Plaszdorf an die Erbarleute und Freien des Ober¬
landes zu bringen hatten, nocn jede Erwahnung des ,gemeinen Besten* vermieden,
aber die Schilderung, die er von dem Vorgehen Musicks geben liefi, zeigt, dafi nicht
nur die lnteressen des Ordens, sondern auch und vor allem die Interessen des
Landes von Musick beeintrachtigt wurden. Richtenberg gab seiner Hoffnung Aus-
Die Sceuerpolitik
91
druck, daft die Stande dieser Beeintrachtigung leid waren und ihr noch ,leider*
werden wurden.
Die Stande wurden der Beeintrachtigungen ihrer Interessen durch den Soldner-
hauptmann zwar leid, aber doch nicht so leid, daft sie in ihrer Gesamtheit zu
dem Angebot des Miteinander, das der Orden kurz vorher so leichtfertig ausge-
schlagen hatte, zuriickkehren. Eine soldie Politik scheint in den folgenden Jahren
nur ein Stand, der Adel, zu verfolgen. Wahrend der Steuerverhandlungen des
Jahres 1473 macht er datf erste Angebot in dieser Richtung45. Dabei wird von ihm
gegeniiber dem Landesherm und gegeniiber dem Orden eine Taktik verfolgt, die
das Bild vom Zuckerbrot und der Peitsche vor Augen ruft.
Zunachst sdieint auch bei diesen Verhandlungen, die ersten, fur die wir sogar zwei
Rezesse, einen unvollstandigen des Ordens und einen vollstandigen der Konigs-
berger vorliegen haben, alles in der Form zu verlaufen, wie wir sie aus den letzten
Jahren kannten. Der Hochmeister verlangt ein Geschofi, die Stande sind auch
grundsatzlich bereit, es zu bewilligen, stellen aber dafiir bestimmte Bedingungen.
Doch inmitten der Auseinandersetzungen um die Hohe des Geschosses stellt Georg
von Schlieben dem Hochmeister die Forderung, daft die L a n d e Beauftragte bei
dem Gesdioft haben wollten, die, wie er sidi ausdriickt, helfen sollten zu raten,
daft man das einkommende Gesdioft zu dem Zweck, zu dem es beantragt worden
war, ,in Verwahrung legte*. Eventuelle Restbestande sollten dann zu des Ordens
Nutz gewendet werden, oder man sollte des Ordens Schlosser damit bessem.
Der Begriff ,Lande* ist von Schlieben wohl nicht als Oberbegriff fiir die Gesamt-
stiinde gemeint. In seinen vorhergehenden Ausfiihrungen trennt er sehr deutlich
zwisdien Stadten und Land und auch nach der Antwort Richtenbergs auf seine
Forderung spricht er wieder von ,Land und Stadten'. Mit .Land* ist in der Forde¬
rung also eindeutig nur die Landschaft gemeint und hier wohl deren starkste wirt-
sdiaftlidic und politische Kraft, die Erbarleute des Ordenslandes.
Zum ersten Mai wird damit ein standisches Kontrollrecht iiber die Verwendung
der Stcuern gefordert und zwar ein Kontrollrecht — wahrsdieinlich — ausschlieft-
lich fiir den Adel. Mit der Forderung nach Kontrolle der Steuerverwendung durch
den* Adel versudi: dieser, seine m der Geschoftfrage so gunstige Stellung in die
Vergroftemng seines politischen Machtanteils umzumiinzen. Allerdings zeigten
sich auch die Stadte im Verein mit dem Adel bei den Bedingungen, die sie fur die
Bewilligung des Geschosses stellten und bei der Auseinandersetzung iiber die Hohe
der Steuer gegeniiber dem Hochmeister nicht sehr entgegenkommend. Dem Orden
machen die Erbarleute jedoch ein groftziigiges Angebot. Die Groftziigigkeit be-
steht hier weniger in dem Hinweis, daft der nicht an Musick gezalilte Rest des
Geschosses ,in des Ordens Nutz* verwendet werden diirfte, sondern in dem spe-
ziellen Vcrwendungshinweis, den Schlieben angibt, der Besserung der Ordens-
schlosser. Ohne Zweife! versucht Schlieben, Hodimeister und Orden gegeneinander
auszuspielen. Durch das Angebot des Verwendungszwecks fiir den Rest des Ge¬
schosses glaubt cr, die auf der Tagfahrt anwesenden Gebietiger giinstig fiir die An-
nahme seiner Forderungen zu stimmen, so daft auch der Hodimeister sie anneh-
men muft40.
92
Die innenpolitischen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
Doch Richtenberg reagiert anders, als Schlieben es sich vermutlidi gedacht hatte.
Er zieht sich nicht mit den anwesenden Obersten Gebietigem zur Beratung der
Fordenmg zuriidc, sondem antwortet sofort auf das Ansinnen; die Gebietiger
erhalten gar keine Moglichkeit, im Sinne der Schliebcnschen Forderungen Einflufi
auf den Hochmeister zu nehmen. In seiner Antwort mifiversteht Richtenberg sicht-
lich bewufit Georg von Schlieben; er erklart sich damit einverstanden, dafi , s i e
Vertreter wahlen und dazu setzen, die das Geschofi aufheben*. Sie, die
Stande doch wohl, diirfen also Vertreter bei der Einnahme des Geschosses haben,
ein Recht, das zumindest die Stadte schon lange hatten, da sie dem Orden keinen
Einblick in die Vermogens verhaltnisse ihrer Burger geben wollten. Fur den Adel
dagegen war es ziemlich nutzlos, da die Vermogens\ erhaltnisse der Landbevolke-
rung offen vor aller Augen lagen. Doch damit nicht genug; Richtenberg erklart,
dafi man den nicht an Musick abzuliefernden Rest des Geschosses zu dem Zweck
anwenden solle, „do es von not hen were." Es ist zu vermuten, dafi er darun ter
keineswegs die Ordensburgen verstand.
Die Abweisung des Koopcrationsangebots eines Standes hat bei Hochmeister
Heinrich von Richtenberg moglicherweise eine psychologische Sperre gelost, denn
kurze Zeit darauf spricht er zum ersten Mai aus, was von seiten der Ordens-
bruderschaft bis zu diesem Zeitpunkt peinlich vermieden worden war: er erklart,
dafi er das Geschofi der Stande nicht in seinen Nutz bringen oder wenden will,
sondern dafi es ihnen alien zu Nutz und Frommen ist, damit das Land bei Ruhe
und Frieden bleibe47. Im weiteren Verlauf der Tagfahrt lafit der Landesherr sehr
deutlich erkennen, dafi er nicht daran denkt, einen Stand, den Adel, gegeniiber dem
anderen, den Stadten, in der steuerlichen Belastung besser zu stellen. Den Vorschlag
des Landes, auf Stadte und Land je eine feste Summe zu legen, lehnt er allerdings
nicht nur aus diesem Grund ab; ihm kann auch nicht daran gelegen sein, dafi
die Geschofibewilligung auf eine feste Summe lautet, denn bei Bewilligung eines
allgemeinen Geschosses erhalt er moglicherweise mehr, als er an Musick zahlen
mufi.
In welcher Form die Steuerverhandlungen der nachsten Jahre bis 1477 verlaufen
sind, ist nicht bekannt. Wir wissen, dafi auch 1474 Tagfahrten in Heiligenbeil,
Konigsberg, Schippenbeil, Miihlhausen und Bartenstein stattgefunden haben, mog¬
licherweise ist auf einer von ihnen iiber eine Steuerfordemng des Hochmeisters
beraten worden48. 1475 versucht der Landesherr das — nicht nur aus den oben
erwiihnten Griindcn — gespannte Verhaltnis mit dem Wortfiihrer des Adels und
der Gesamtstande, Georg von Schlieben, wieder zu entspannen. Brieflich fragt er
bei Schlieben an, wie er in der Steuerfrage vorgehen soil; ob er eine ,gemeine
Tagfahrt* ausschreiben oder nur bestimmte Leute aus den Kammeramtern zu Be-
ratungen einladen soli. Schlieben entgegnet ihm sichtlich unversohnt, dafi der
Hochmeister und die Gebietiger wohl schon erkennen werden, welcher Wcg den
grofiten Nutzen bringe, ihn waren „solche sachen nu je karg belangend*49.
Auch 1476 gibt es zunachst Sdiwierigkeiten mit einer Geschofibewilligung durch
die Stande. Wahrscheinlich auf der Tagfahrt im Februar in Heiligenbeil lehnen
die Stande zunachst ein Gesdiofi ab. Hochmeister und Gebietiger wollen sich an den
Die Steuerpolitik
93
Bischof von Ermland wenden und mit ihm beratschlagen, ob er das Geld fur die
Ablosung Musicks von seinen Landen und Stadten beschaffen kann60. Doch schei-
nen die preufiischen Stande auch 1476 in der Steuerfrage schliefilich eingelenkt
zu haben, denn bei den Steuerverhandlungen des nadisten Jahres erklaren sie,
daft sie Jahr fiir Jahr, also auch in den drei vorhergehenden Jahren, eine Steuer
gezahlt batten und der Hochmeister fordert fur 1477 ein Geschofi in gleicher
Hohe wie im Vorjahr51.
Bedauerlicherweise haben’wir fur die Jahre 1474 bis 1476 nur diese indirekten
Hinweise auf die Steuerverhandlungen. Ob die Auseinandersetzung zwischen Adel
und Hochmeister in den Jahren 1474 und 1475 weitergegangen ist, wissen wir also
nitht. Die ,ungnadige‘ Antwort Schliebens auf Richtenbergs Bitte um Rat be-
deutet nicht, daft sich der gesamte Adel mit dem Hochmeister auch 1475 nodi in
einem gespannten Verhaltnis befand. Wir wissen auch nicht, ob der Landesherr bei
den sicher sehr schwierigen Verhandlungen wegen der Steuer Entgegenkommen
bei den Stadten gefunden hat; sehr grofi kann das Entgegenkommen nicht ge-
wesen sein. Die Griinde fiir die Schwierigkeiten, die die Stande Richtenberg in der
Steuerfrage bereiten, sind vielfaltiger Art. Richtenberg lafit zwar als erster Hoch-
meister nach 1466 erkennen, daft er als Landesherr bereit ist, die Interessen des
Landes hoher zu stellen als die des Ordens, aber er scheint seinen landesherr-
lichen Anspruch mindestens ebenso deutlich gemacht zu haben, wie dies fruher
der Orden getan hatte. Er war nicht bereit, die Einzelinteressen eines Standes zu
begiinstigen, dadurch veriirgerte er.den Adel. Er wollte wahrscheinlich aber auch
nicht die Stadte an der landesherrlichen Macht teilhaben lassen, man denke beispiels-
weise an den Vorkaufspassus in der Memeler Handfeste von 1475 und daran,
daft die Hansestadte Konigsberg auch in seiner Regierungszeit nicht an den Hanse-
tagen teilnehmen (durften?), so konnte er auch nicht auf eine entgegenkommende
Haltung der Stadte rechnen. Da ihm jedoch trotzdem jedes Jahr Steuern bewilligt
wurden, muft man feststellen, daft trotz des Sichtbarwerdens von standischen
Einzelinteressen die Stande das ,gemeine Beste*, auf das sich auch der Landesherr
berief, hoher stellten als ihre jeweiligen Sonderinteressen.
Die ,nachste Steuerverhandlung mit den Standen Preuftens, iiber die wir nahere
Nachrichten haben, findet erst wieder unter seinem Nachfolger, Martin Truchsefi,
statt52. Truchsefi, ohne Zweifel der fiihrende Kopf der Ordensopposition gegen
den Hochmeister53, ist nicht melir wie Richtenberg bereit, die Ablosung Musicks
als ein gemeinsames Problem von Landesherrn und Land anzusehen. Er verlangt
vom Land ein Geschoft zur Befriedigung Musicks, ohne darauf einzugehen, in
wessen Interesse die Geschofibewilligung liegt.
Die Stande stehen ihm — zumindest teilweise — mit Mifttrauen gegeniiber. Ehe
sie sich zur Gesdioftforderung auftern, wollen sie von ihm die anderen Verhand-
lungspunkte, derentwegen die Tagfahrt einberufcn wurde, erfahren. Diese Punkte
laufen auf ein Verlangen nadi aktiver Unterstiitzung der kriegerischen Politik des
Kochmeisters hinans und werden von den Standen sofort abgelehnt. Da Truchsefi
auch nicht weiter auf der Zustimmung zu diesen Forderungen beharrt, erklaren
sich die Stande bereit, ein Geschoft in Vorjahreshohe zu bewilligen. Sie verkniipfen
94
Die innenpolitiscfaen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
mit der Bewilligung die Forderung nach einer Verschreibung uber zuktinftige Ge-
schofifreiheit und erklaren, daft sie das Geschofi, kame es zum Krieg, ehe es
gefallen sei, nicht zu geben gedachten.
Mit dem Hinweis darauf, dafi auch mit dem Ertrag dieses Geschosses Musick
nodi nidit endgiiltig befriedigt werden konne, will Truchsefi die von den Standen
geforderte Verschreibung kiinftiger Geschofifreiheit ablehnen. Die Stande lassen
diese Bedingung fiir ihre Steuerbewilligung jedodi nicht grundsatzlich fallen, so
mufi der Hochmeister sich schliefilich beugen. In der am 28. November 1477 ausge-
stellten Steuerurkunde wird die untersdiiedliche Position des neuen Hochmeisters in
der Frage des Verhaltnisses von Landesherrsdiaft und Standen im Vergleich zu
seinem Vorganger Riditenberg deutlidi55. Wie in den Steuerurkunden fruherer
Jahre heifit es auch unter Truchsefi wieder, dafi der Landesherr fur die Bezahlung
der Soldner um Gut und Geld bekummert sei und deshalb die Landschaft, Rate,
Stadte und Gemeinden um ein Geschofi gebeten habe.
Die alte standische Position der ersten Jahre nach Kriegsende, dafi die Steuer von
ihnen zum Nutzen des Landesherrn und des Landes gegeben worden sei, fehlt
1477. Dafur stellen die Stande ausdriicklich fest, dafi sie nur in dem Fall, in dem
Landesherr und Land gemeinsdiaftlich feststellen wiirden, dafi Hochmeister, Orden,
Lande und Stadte zuktinftige Schwierigkeiten nicht ohne Hilfe des Landes tiber-
winden konnten, bereit seien, sich gegen Hochmeister und Orden als ,getreue Manne*
zu beweisen.
Der Hinweis, dafi Landessteuern nur zur Oberwindung von ,Gedrang und An-
fechrung' des Landes gegeben werden, ist 1477 wesentlich deutlicher als in fruheren
Jahren. Die Stande scheinen es fur notwendig erachtet zu haben, Martin Truchsefi
besonders deutlidi auf diese Bedingung kiinftiger Steuerbewilligungen hinzuweisen.
Gleichzeitig vermeiden sie jedoch, den Gegensatz zwisdien Landesherrn und Land
besonders zu betonen, im Gegenteil, sie weisen ausdriicklidi darauf hin, dafi Lan¬
desherr und Land gemeinsam in der Lage seien, alle Schwierigkeiten zu
iiberwinden. Die Starke Betonung der Gemeinsamkeit durch die Stande sowohl
in den Verhandlungen wegen der Steuer als auch in der Steuerurkunde stellt
einen Hinweis an Martin Truchsefi dar, nidit weiter die alte Linie der Ordens-
politik zu verfolgen.
Obwohl der Hochmeister diesen Hinweis nidit beaditet, bewilligen die Stande
auch im folgenden Jahr wiederum eine Steuer5®. Als Truchsefi jedoch zunachst auf
Gebietsversammlungen und dann auch auf einer — allerdings nicht sehr zahlreich
besuchten — allgemeinen Tagfahrt im Marz 1479 eine zusiitzliche Steuer fiir die
,Zehrung* der Gesandten des Ordenslandes zur bevorstehenden Tagfahrt zwischen
dem ungarisdien Konig, dem Orden und dem polnischen Konig verlangt, ver-
halten sich die Stande zum Teil ablehnend, zum Teil weidien sie der Forderung
aus, indem sie zur Klarung dieser Frage eine starker besuchte Tagfahrt verlangcn57.
Ob diese Zusatzsteuer von den Standen sdiliefilich doch noch bewilligt worden ist
und welche Bedingungen daran gekniipft waren, ist nicht bekannt.
Fiir die Jahre zwisdien 1466 und 1479 mufi festgestellt werden, dafi das iiber--
geordnete Interesse des Landes, das heifit die endgultige Ablosung des sich als
Die Sceuerpolitik
95
Landplage erweisenden Soldnerhauptmanns Musick von Swynau, die partiku-
laren Interessen der Stande zuriicktreten liefi. Die veranrwortungsbewufite Hal-
tung der Stande verfiihrte sie zunachst sogar dazu, der kriegerischen Politik des
Hochmeisters Martin Truchsefi durch ihre Steuerbewilligungen Vorschub zu Leisten.
Durch den Steuerertrag wurden ja nicht nur die Anspriiche Musicks befriedigt,
sondern etwaige Obcrschiisse wurden vom Orden sicher auch zur Riistung ver-
wendet. Zum anderen wurde der Orden dadurch, dafi die Stande die Zahlung
der Musick geschuldeten^Summen iibernahmen, in die Lage versetzt, die anderen
Einkunfte des Hochmeisters ausschliefilich zur Finanzierung der Kriegsvorberei-
tungen zu verwenden.
b) Die ]ahre zwisdoen 1480 und 1497
Die fur diesen Zeitraum vorliegenden Nachrichten liber Steuerforderungen und
Steuerbewilligungen sind aufierst sparlich. Wie es scheint, sind von den Standen
in den Jahren 1480 bis 14S4 keine Steuern bewilligt worden. Der Hochmeister
hat aber mit grofier Wahrscheinlichkeit auch in diesen Jahren an die Stande das
Verlangcn nach Bewilligung einer Steuer gerichtet. Den Einnahmeausfall durch
die Ablehnung seiner Forderungen sucht er durch die erneute Einfiihrung einer
Zeise im Tief zu kompensieren, die jedoch nur von den fremden Kaufleuten er-
hoben wird58. Erst 1485 bewilligen die Stande dem Landesherrn mit Sicherheit
wieder eine Steuer59, ebenso ist das wahrscheinlich im niichsten Jahr der Fall60.
Erst fur das Jahr 1490 erfahren .wir dann wieder mit Sicherheit, dafi der Hoch-
meister eine Steuer von den Standen verlangte, sie aber nicht erhielt81. Fur dieses
Jahr ist uns auch der Anlafi der Steuerforderung bekannt, denn im Oktober des
Jahres teilt Hochmeister Hans von Tiefen82 den obersten Gebietigern in Livland
mit, dafi er in diesem Jahr von den Standen keine Steuer zu ihrer Unterstiitzung
erlangen konntc88. 1495 lehnen die preufiischen Stande zunachst eine Steuer¬
forderung des Hochmeisters zur Unterstiitzung des Ordens in Livland ebenfalls
ab, machen ihm aber fur das nachste Jahr Hoffnungen auf eine Bewilligung84.
Erst 1497 finden sich die Stande erneut bereit, dem Landesherrn eine Steuer zu
bewilligen85. Audi hier kennen wir wiederum den Anlaft zur Steuerforderung
Hans von Tiefens, das Ersuchen des polnischen Konigs auf Hilfe gegen die Tiirken.
Die recht sparlidien Nachrichten zeigen, daft sich die preuftischen Stande immer
dann zu einer Steuerbewilligung bereit finden, wenn Interessen oder Verpflichtun-
gen des Landes beriihrt wurden. Handelte es sich dagegen ausschliefilich um Inter¬
essen des Ordens, wie das Hilfeersuchen des livlandischen Ordenszweiges, lehnten
sie die Steuerforderungen des Landesherrn ab.
c) Die Besteuerwig der Ordensbriider
Der erste Hinweis darauf, dafi die Gebietiger und Amtsleute des Ordens ahnlich
wie die Stande vom Hochmeister um die Bewilligung von Steuern gebeten wer-
den, findet sich in einem Brief des Komturs von Mohrungcn an den Hochmeister
aus dem Jahr 147108. Jarsdorf halt einen Brief des Bischofs von Kulmsee an
den Hochmeister zunachst noch zuriick, da der Marschall in den nachsten Tagen
96
Die innenpolitischen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
eine Tagfahrt mit den Gebietigern wegen des Geschosses abhalten will. Danach
erst will er sowohl die Antwort beziiglich des Geschosses als auch den Brief des
Bischofs von Kulmsee an den Hochmeister absenden. Zu diesem Zeitpunkt wird
mit den Standen Preufiens nicht iiber ein Geschofi verhandelt. Diese haben im
Januar 1471 eine Zeise bis zum Januar 1472 bewilligt, die friihesten Nachrichten
iiber das daran anschliefiende Geschofi der Stande finden sich erst im April 1472.
Die vom Marschall versammehen Gebietiger werden daher auch kaum schon
zu diesem Zeitpunkt iiber die bei zukiinftigen Geschofiverhandlungen mit den
Standen einzuschlagende Taktik beraten haben. Es ist daher zu vermuten, dafi
sie iiber eine an sie gerichtete Geschofiforderung des Hochmeisters beratschlagt
haben.
Der nachste Hinweis auf eine Besteuerung der Amtsleute des Ordens finder sich
in einem Brief des Spittlers von Osterode an den Hodimeister aus dem Jahr 1478е7.
Der Spittler bittet darin unter anderem, ihm den auferlegten Schofi zu erlassen.
In spateren Jahren findet sich in Briefen des Hochmeisters an den Meister in
Livland verschiedentlich der Hinweis darauf, dafi der Hochmeister mit Pralaten,
Gebietigern und Standen iiber ,Geld und Hilfe* fiir den livlandischen Ordens-
zweig verhandeln will, und dafi die preufiischen Stande eine Steuer nicht bewilligt
hatten, aber Hoclimeister und Gebietiger nach ihrem Vermogen Hilfe leisten woll-
ten08.
Der letzte Hinweis auf die Besteuerung der Amtsleute des Ordens stammt aus
dem Jahr 1497. In den Randbemerkungen zum ersten Steuerentwurf findet sich
unter anderem auch die Formulierung, dafi am 26. Juli 1497 Gebietiger und
Amtsleute dem Hochmeister eine Steuer bewilligt haben; jeder wolle von alien
seinen ,zinsern, einkomen und beuten' von der Mark einen Firdung geben. Diese
Steuer sollen alle Amtsleute, ob grofi oder klein und alle, die ein Einkommen
haben, geben.
Fiir den Beginn der Regierungszeit des Hochmeisters Friedrich von Sachsen haben
wir eine direkte Nachricht fiber ein Geschofi, das die Ordensgebietiger an den
Hochmeister zahlten. Im Ausgabenregister des Rent- und Pfundmeisters Hans
von Thungen findet sich folgende Notiz: ,Empfangenes Geschofi von Herrn Ge¬
bietigern: 200 Mark vom Grofikomtur, 70 Mark vom Komtur zur Balge, 150 Mark
vom Komtur zu Holland, 200 Mark vom Komtur zu Rhein, 200 Mark vom
Komtur zu Ragnit und 200 Mark vom Komtur zur Memel69. Wenige Seiten sparer
wiederholt sich die Angabe noch einmal, nur ist der Geschofibetrag jetzt in Gul¬
den geredinet und es kommen zu den oben genannten sechs Gebietigern noch
der oberste Marschall und der Komtur von Osterode hinzu. Jeder der acht Ge¬
bietiger soli 100 Gulden zahlen. Da die letzte Angabe vermutlich das vereinbarte
Geschofi und die erste die bereits geleisteten Zahlungen der Gebietiger darstellt,
handeit es sich bei den Alarkbetragcn wahrscheinlich urn gute prcufiische Munze und
bei den Gulden um ungarische Geldstucke. Die Gebietiger zahlen daher 1.600 gute
beziehungsweise 3.200 geringe preufiische Mark. Dagegen sei gehaltcn, dafi das
Geschofi des Kneiphofs 1477 rund 288 geringe Mark erbrachte, nidit einmal ein
Zehntel der Steuerleistung der Gebietiger70.
Innenpolitische Gefahren — Die Krise um den Bischof von Samland
97
In fast alien diesen Nadiriditen iiber die Besteuerung von Ordensbriidern ist die
Rede davon, daft ,von wegen* des Geschosses verhandelt wurde oder dafi Gebietiger
und Amtsleute das Geschofi bewilligt haben; nur in einem Fall heifit es: der
vom Hochmeister auferlegte Schofi. Gebietiger und Amtsleute des Ordens scheinen
ihre besseren finanziellen Verhaltnisse ebenso wie die Stande zunachst dazu ausge-
nutzt zu haben, sich das Recht zu verschaffen, dariiber zu bestimmen, wann, unter
welchen Bedingungen und in welcher Hohe sie das Oberhaupt des Ordens an den
Einnahmen ihrer Amter beteiligen wollten. Bei aller Vorsicht lafit sich fur den
finanziellen Bereich sagen, dafi das Verhaltnis zwischen dem Oberhaupt und —
zumindest — den Gebietigern des Deutschen Ordens hier nicht mehr durch Statut,
Regel und (Ordens-)Gewohnheiten bestimmt war. Die Hohe der Geschofizahlung
der Gebietiger bedeutet, dafi der Hochmeister von ihnen mindestens so abhangig
gewesen ist wie von den Stiinden des Landes71. Unter diesen Bedingungen wird
der Ton in dem Brief des Hochmeisters Martin Truchsefi an den ehemaligen
Pfleger von Ortelsburg schon verstandlicher72. Die vom Hochmeister in den Briefen
an den Meister von Livland gewahlte Formulierung, die in der Frage der finan¬
ziellen Unterstiitzung des Meisters zwischen Hochmeister einerseits und Priilaten,
Gebietigern und Landstanden andererseits unterscheidet, ist daher nicht nur auf
das gemeinsame Recht der letzteren zur Beratung des Hochmeisters, sondern auch
auf das alien gemeinsame Recht zur Bewilligung materieller Unterstiitzung fiir den
Hochmeister und Landesherrn zuriickzufiihren. 33. INNENPOLITISCHE GEFAHREN — DIE KRISE UM DEN BISCHOF
VON SAMLAND
Dietrich von Cuba, Prokurator des Deutschen Ordens beim Heiligen Stuhl, war
anlafilidi der Wahl Heinrich von Plauens als Beauftragter des Deutschmeisters zum
erstenmal nach Preufien gekommen73. Er wufite sich das Vertrauen Plauens zu
verschaffen, indem er ihn iiber Losungsmoglichkeiten dcr Probleme beriet, vor die
der Krieg und desscn Ausgang den Hochmeister gestellt hatten74. In einem der
Briefj, die er aus diesem Grund an Plauen schrieb, gab er seinen Wunsch zu erken-
nen, zum Koadjutor im Bistum Samland emannt zu werden75. Diesem Wunsch
scheint jedoch nicht entsprochen worden zu sein. Da sich Cuba aber zum Zeit-
punkt der Vakanz des Bischofsstuhls in Rom aufhielt, gelang es ihm, gegen den
Willen des Domkapitels im Friihjahr 1470 zum Bischof des Samlandes emannt
zu werden. Der Hochmeister Heinrich von Richtenberg, Plauen war in der Zwi-
schenzeit gestorben, ist von Cuba iiber die Ernennung zum samlandischen Bischof
erst nachtraglich informiert worden7®. Im Lauf des nachsten Jahres traf Cuba dann
in seinem Bistum ein, verliefi es jedoch bald wieder, um erneut als Prokurator nach
Rom zu gehen77. In Rom verschaffte er sich zwei Ablafibriefe fiir sein Bistum, die
den unmittelbaren Anlafi zu seinen Auseinandersetzungen mit Richtenberg bilden
sollcen.
Als Cuba im Sommer 1473 aus Rom nach Preufien zuriickkehrte, hatte dort in der
Zwischenzeit das militarische Debakel der Ordensritter gegen den Soldnerhaupt-
98
Die innenpolitischen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
mann Musick stattgefunden und Nikolaus von Thiingen war es gelungen, sich
gegen den Willen Konig Kasimirs in den Besitz des Bistums Ermland zu setzen.
Der Bischof von Samland kam in eine sowohl innen- als auch aufienpolitisch ge-
spannte Situation. Zu der letzteren hatte er selbst beigetragen, da er in Rom fur
Thiingen offentlich und gegen den Willen des Hochmeisters Partei ergriffen hatte78.
Diese Parteinahme des Ordensprokurators erweckte in Polen und im Preufien
koniglichen Anteils den Verdacht, dafi der Orden Thiingen in dessen Vorhaben
unterstiitzte. Die innenpolitisdie Situation sollte Cuba nach seiner Ankunft in
Preufien derart beeinflussen, dafi sich Heinrich von Richtenberg gezwungen sah,
Mafinahmen gegen den Bischof von Samland zu ergreifen, wie sie bis zu diesem
Zeitpunkt in Preufien gegeniiber einem Bischof noch nicht iiblich gewesen waren.
Kurz nach seiner Ankunft in Preufien mufi Dietrich von Cuba den Hochmeister
gebeten haben, ihn in Fischhausen aufzusuchen. Dort legte er Richtenberg eine
Kopie der von ihm fur die samlandische Kirche erworbenen Ablafibulle vor, die
der Hochmeister jedoch nicht lesen konnte, da sie lateinisch geschrieben war. Man
vereinbarte deshalb, demnachst in Heiligenbeil eine Tagfahrt abzuhalten, auf der
Cuba dem Hochmeister und den Gebietigern ,sein Herz . . . erziihlen und offen-
baren£ wollte, wie es in einem Bericht iiber die Verhaltnisse zwischen dem Hoch¬
meister und dem Bischof von Samland heifit7®.
In der Zwischenzeit hatte sich Richtenberg eine deutsche Obersetzung der ihm
iiberlassenen Kopie der Bulle anfertigen lassen. Er mufite feststellen, dafi Cuba
in der Frage des Ablasses nur an seincn ,Frommen und Nutz* und nicht auch an
den des Ordens gedacht hatte. Dariibcr in Heiligenbeil zur Rede gestellt, zahlt
Cuba eine Reihe von Griinden auf, die ihn zu diesem Vorgehen veranlafit
hiitten. Zum ersten fuhrt er an, dafi man einen Ablafi nur gegen Ketzer und wcnn
,eine Kirche zerbrochen* ware, geben wiirde; er meine, dafi dem Orden keine
Kirche zerbrochen und zerstort ware. Zum anderen sagt er, wenn der Orden
einen Ablafi erworben hatte, konnte der Konig von Polen auf den Gedanken kom-
men, dafi der Orden das Geld zum Wiederaufbau seiner Burgen und zu einem
neucn Krieg gegen Polen verwcnden konne. Cuba, der durch seine Parteinahme
fur den ermlandischen Bischof das polnische Mifitrauen gegen den Orden gerade
verstarkt hatte, ist sicher nicht durch diescn Grund davon abgehalten worden,
auch den Orden in der papstlichen Ablafibulle beriicksichtigen zu lassen. Ihn
diirfte in diescr Hinsicht tatsachlich nur sein eigenes finanzielles Interesse geleitet
haben. Einen Hinweis auf die Starke dieses finanziellen Eigeninteresses gibt er,
indem er den Standen seines Territoriums untersagt, mit den Standen des Ordens-
landes zu tagen, d. h. er untersagt die Geschofileistung der Bevolkerung des Bistums
an den Hochmeister.
In Heiligenbeil sind neben den Gebietigern auch Lande und Stadte des Ordens-
landcs versammclt. Richtenberg bitter vor den Standen Dietrich von Cuba, den
Standen des Bistums nach alter Gewohnheit zu gestatten, neben den Standen des
Ordenslandes ,vor einem Mann (zu) stehen', denn geschahe das nicht, konnte dnraus
dem Hochmeister und dem Orden Schaden entstehen. Aufierdem bittet der Hoch¬
meister, die Verkiindigung des Ablasses aufzuschieben, bis er sich mit alien seinen
Innenpolitische Gefahren — Die Krise um den Bischof von Samland
99
Gebietigem, auch den Meistern in Livland und Deutschland, beraten habe. Im
Namen der Stande des Ordenslandes schliefit sich Georg von Schlieben der Bitte
des Hochmeisters an80.
Die Antwort Cubas auf die Bitten von Hodimeister und Stiinden ist in einem
Punkt sehr aufschlufireich. Beziiglich des Geschosses und der gemeinsamcn Tagung
der Stande sagt er zu, dafi er nicht beabsichtige, eine alte Gewohnheit zu schwachen,
aber der Hochmeister solle seiner (des Bischofs) Herrsdiaft nidit zu nahe kom-
men, er gedenke es umgekehrt audi nicht zu tun. In dieser Antwort Cubas finden
wir das eigentliche Motiv der Auseinandersetzung zwischcn ihm imd dem Hoch¬
meister, die hier in Heiligenbeil ihren Anfang nimmt und erst mit dem Tod
des Bischofs enden sollte. Cuba betrachtet die Erhebung von Steuern als Zeichen
der Herrsdiaft. Zieht nidit er, sondern der Hochmeister Steuern von der Be-
volkerung ein, so ist der Hochmeister — de facto — Landesherr auch des Bistums,
wahrend dem Bischof nur die geistliche .Herrsdiaft* bleibt. Cuba ist nidit ge-
willt, sich mit der geistlichen Obcrherrschaft zu begniigen, er beansprucht auch die
uneingeschrankte weltliche Herrsdiaft. Er lehnt die Geschofiforderung des Hoch¬
meisters von den bischoflichen Untertanen deshalb ab. Damit macht er aber —
zum erstenmal — etwas, was nicht zu tun er dem Hochmeister gerade versichert
hatte: er kommt der Herrsdiaft des Hochmeisters zu nahe.
Richtenberg hatte, als er seine Bitte um Geschofi aussprach, deutlich gesagt, dafl
bei einer Geschofiverweigerung er und der Orden Schaden nehmen konnten. Wel-
cher Art der Schaden ist, macht der Grofikomtur in den Verhandlungen mit Cuba
klar. Diese Unterredung findet nach der Heiligenbeiler Tagfahrt statt, nachdem
Richtenberg festgestellt hatte, daB die Tagfahrt fur ihn vollig ergebnislos gewe-
sen ist81. Er erklart dem Bischof, der Hochmeister fiirdite, dafi, wenn die Unter¬
tanen des Bischofs kein Geschofi an den Hochmeister geben miifiten, auch die Stande
des Ordenslandes sich einer Steuerbewilligung entziehen wiirden. Gute Freunde
hatten Richtenberg nach der Heiligenbeiler Tagfahrt geraten, sich ,in den Sachen*
vorzusehen, die einen Verlauf nehmen konnten, den man nicht erwarte. Cuba
weicht in der Geschofifrage wiederum aus, lafit aber seine Ansicht in dieser Frage
klar e^kennen, als er erklart: „Was -eyne gewonheit ist, das ist kein recht nicht.a
Auch in der Frage der Ablafiverkiindung bleibt Cuba auf seiner sdion in Heiligcn-
beil eingeschlagenen Linie. Als ihm entgegengehalten wird, dafi in anderen Lan-
dern Ablafistocke nicht ohne Wissen und Willen der Herrsdiaft aufgestellt wer-
den diirften, antwortet er: „Wil man den Walen vil geben, sy nemen alle tage*
Er hat siditlich nidit die Absicht, sich den Gewohnheiten anderer Lander anzu-
passen und auch nur im entferntesten die Oberherrsdiaft des Hochmeisters anzu-
erkennen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen macht er das noch einmal
deutlich, wenn er ausfuhrt, dafi er zwar als Prokurator dem Hochmeister untertan
gewesen sei, nicht jedoch als Bischof, denn als soldier hatte er seine Herrsdiaft fur
sich. Die Fronten sind klar abgestedu: auf der einen Seite der Hodimeister, der
um die territoriale Integritat des Restordenslandes bangen mufi, auf dcr anderen
Seite der Ordensbruder und Bischof von Samland, der seine Herrsdiaft ,fiir sich*
haben will.
100
Die innenpolitischen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
Urn beide Seitcn sind Verbiindete versammelt, Dietrich von Cuba hat sie unter
den Erbarleuten seines Territoriums gefunden, so z. B. Kunz von Egloffstein82.
Abcr er hatte auch Verbindungen zu verschiedenen Gebietigern angekniipft, so
zum Komtur von Holland, Konrad von Lichtenhain83 zu den Komturen von
Mohrungen und Osterode, Veit von Jarsdorf und Martin Truchsefi sowie auch
zum Obersten Marschall, Ulrich von Kinsberg84.
Die Griinde, die Cuba bewogen, sich die Unterstiitzung der Gebietiger in seiner
Auseinandersetzung mit dem Hochmeister zu sichern, sind nicht eindeutig er*
kennbar. Die Chroniken sprechen davon, dafi er sich an die Spitze des Ordens
setzen wollte und die Gebietiger an sich zog, um — vielleicht wie im Fall Hein¬
richs von Plauen mit dem Schein der Legalitat — den Hochmeister gefangen zu
setzen85. Den Ordensbriidern, die ihn unterstiitzten, soil er, um sie fester an sich zu
binden, hohe Amter versprochcn haben88. Fiir diese sehr weitgehcnde Zielsetzung
wiirde sprechen, dafi er in einigen Artikeln der Ablafibullen zwar auf die Ge-
bietigeramter hatte Bezug nehmen lassen, aber 4die Wiirdigkeit eines Hochmeister-
amtes ausgelassen* hatte, wie ihm der Hochmeister sparer vorwerfen lafit87. Eben-
so versucht er verschiedentlich, die Gesamtstande des Ordenslandes oder einzelne
bedeutende Manner der Stande mit dem Hochmeister zu entzweien88. So weit-
gehende Mafinahmen waren nur zum Schutz vor einem Eingreifen des Hoch-
meisters in seine landesherrliche Gewalt im Bistum nicht notwendig gewesen. Sie
zielen eindeutig auf — zumindest — eine Schwachung der Stellung des Hoch-
meisters ab. In den Berichten, die von Ordensangehorigen uber den Streit zwi-
schen Richtenberg und Cuba abgefafit worden sind, wird jedoch eine derartige
Zielsetzung Cubas nirgendwo erwahnt. Es finden sich nur Bemerkungen dariiber,
dafi das Vorgehen des samliindischen Bischofs in der Geschofifrage die Gefahr
heraufbeschworen hatte, dafi der Hochmeister und der Orden um das Land
gekommen waren89.
Diese Moglichkeit hat in den friihen siebziger Jahren tatsachlich bestanden. Im
Ordensland kamen nach dem Ende des Krieges eine Reihe zentrifugaler Krafte auf,
deren Wirkung bei einer erfolgreichen Politik Cubas den Orden auch noch Rest-
preufien hatte kosten konnen. Das schwerstwiegende Vorkommnis in dieser Hin-
sicht ist wohi die Errichtung einer Art Seerauberrepublik in Memel durch den
dortigen Komtur. Wie oben schon erwahnt, hatte der Hansetag in Liibeck am 4.
Marz 1472 den Beschlufi gefafit, sich iiber den von Memel aus betriebenen Seeraub
bei dem Meister in Livland und beim Hochmeister zu beschweren90. Der Meister
in Livland antwortet darauf am 5. Mai, dafi er den Komtur von Memel deswegcn
vor einem Kapitel zur Ordnung gerufen und ihm untersagt habe, den (Seerauber-
kapitan) Jacob vom Rade weiter sein Handwerk betreiben zu lassen91. Am 30.
Mai des gleichen Jahres beschweren sich auch die Danziger auf der Tagfahrt zu
Elbing gegcnuber der Ordensgesandtschaft iiber die rauberischen Praktiken des
Komturs von Memel und seines Genossen Jacob vom Rade. Sie sind der An-
sicht, dafi der Orden, da Memel nach dem Friedensvertrag zu Preufien gehore,
weiteren Schaden durch die Memeler zu verhiiten habe92. Die Vertreter des Ordens
sagen den Danzigern Abhilfe zu.
Innenpoiitische Gefahren — Die Krise um den Bischof von Samland 101.
Der Orden konnte jedoch auf friedliche Weise den Komtur von Memel nidit von
seinem Handwerk abbringen. Auf der Stiindeversammlung zu Thorn, am 12. De-
zember 1472, sagt der Komtur von Mohrungen, dafl man dem Hochmeister nicht
hatte unterstellen diirfen, dafl er neue Kriege ,erwecken* und den ewigcn.Frieden
,versehren‘ wollte, denn er hatte das Schlofl zu Memel belagert und erstiirmt und
42 Seerauber hinrichten lassen93. In einem Brief an den Landkomtur von Oster-
reich schildert Hochmeister Heinrich von Richtenberg, wie sich die Memeler An-
gelegenheit im einzelnen zugetragen hat. Er schreibt, dafl Johann von Siingen, der
Komtur von Memel, gegen Hochmeister, Orden und oberste Gebietiger in Liv-
land ungehorsam geworden ware und sich ,mit samt dem Schlofl*, um Orden, Un-
tersassen und den gemeinen Kaufmann zu schadigen, dem Hochmeister widersetzt
habe. Richtenberg habe deshalb die Komture von Balga und Ragnit mit alien
Hauptleuten und etlichen Ordensbriidern sowie den Getreuen von Samland und
aus den Drei Stadten Konigsberg nadi Memel geschickt, um das Schlofl ersteigen
zu lassen94. Die militarische Kraft, die Richtenberg aufwendcn muflte, um zu ver-
hindern, dafl sich Memel unter Johann von Siingen endgiiltig verselbstandigte und
vom Ordensland lossagte, war also recht bedeutend.
Wenn auch die zeitweilige Separation von Memel der schwerstwiegende Fall dieser
Art war, da Siingen die giinstigsten Voraussetzungen fiir ein derartiges Vor-
haben hatte — Hochmeister und Meister in Livland schcinen sich auch 1474 noch
immer nicht einig dariiber zu scin, zu welchem Herrschaftsbereidi Memel gehoren
sollte95 —, so bedeutete doch das Beispiel Memel erhohte Vorsicht fiir den Hoch¬
meister im Fall des samlandischen Bischofs. Diese Vorsicht war um so angebrachter,
da es auch innerhalb des preuflischen Ordenszweiges zu einer Art Autonomiebe-
strebung eines bestimmten Gebietes gekommen zu sein scheint. Es handelt sich
bei diesem Gebiet um das Oberland. Im Oberland finden verschiedentlich Be-
ratungen der dort amtierenden Gebietiger start, die iiber Antrage, die der Hoch¬
meister an sie stellt, beraten9®. Wie grofl die Unabhangigkeit der oberlandischen
Gebietiger war, liiflt sich daran ablesen, dafl der Komtur von Holland am 5.
Januar 1472 in einem Brief an den Hochmeister betont, die vom Marschall in
Liebstadt versammelten Gebietiger hatten sich in den von ihm iibermittelten Be-
fehl Richtenbergs ,gutwillig* gefiigt.
Diese Unabhangigkeit der Gebietiger scheint auch auf die Bevolkerung des Ober-
landes iibergegriffen zu haben. Der Marschall Ulrich von Kinsberg beklagt sich
am 23. Marz 1472 brieflich dariiber, dafl die Schlesier und Junker des osterodischen
Gebietes seinem Aufruf nach Kriegsdienst (gegen Musick) nicht bereit seien zu
folgcn. Er bittet den Hochmeister, dem Bannerfiihrer des Gebietes, Hans Schon-
eichc, selbst in dieser Sache zu schreiben. Kinsberg rat dem Hochmeister weiter,
dafl er die Ritterschaft, Lande und Stadte zu sich ,verbotte* und sich mit ihnen
iiber den Aufruf zum Kriegsdienst einige (!), damit, falls Richtenberg personlich
ins Oberland ziehen wolle, er mit stiirkster Madit komme und yso theidunge moge,
dafi euer Gnaden mit Redote und Gewalt moge theidunge, und dafi denn ernst
dazu wird<97.
102
Die innenpolitischen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
Abgesehen davon, dafi der Bericht einen Hinweis auf die schwache Stellung des
Hochmeisters als Landeslierr gibr, scheinen die Ratschlage des Marschalls nicht
ganz ehrlich gemeint zu sein. Kinsberg residiert im Oberland, unter seiner Leitung
finden die Versammlungen der oberlandischen Gebietiger start. Fur die Verselb-
stiindigung der Gebietiger triigt er also einen grofien Teil der Verantwortung.
'W'enn der Marschall jetzt dem Hochmeister den Rat gibt, sich von den Stiinden die
Berechtigung zur Verkiindigung des Heeresaufgebots bestatigen zu lassen, stellt
sich der Verdacht ein, dafi er zwischen Ordensbruderschaft und Ordensoberhaupf
einen Keil treiben beziehungsweise eine vorhandene Kluft vergrofiern will; hatte
sich doch das Recht zum Heeresaufgebot der Hochmeister beziehungsweise der
Orden in alien an Dienstpflichtige ausgegebenen Handfesten vorbehalten98. Den
Stiinden war in dieser Angelegenheit bisher kein Mitspracherecht eingeraumt wor-
den. Folgte der Hochmeister dem Rat, so wiirde er die Rechte der Bruderschaft zu-
gunsten der Stiinde verkiirzen.
Riditenberg scheint dem Ratschlag des Marschalls teilweise gefolgt zu sein. Doch
ging er in einer Art vor, die ihn davor bewahrte, sich ganz offenkundig gegen die
Bruderschaft zu entscheiden. Er liefi die oberlandischen Querelen zunachst wahr-
scheinlich auf sich beruhen und schickte Kinsberg fiir das militarische Unternehmen
gegen Musidc das samlandische Aufgebot". Erst nachdem die Ordenstruppe eine
Niederlage gegen die Soldner erlitten hatte, wendet er sich an die Stande um Rat.
Er lafit sich jedoch von ihnen keineswegs den Auftrag zur Einberufung des Landes-
aufgebots erteilen, sondern geht geschickter, diplomatischer vor. Am 5. April 1472
beauftragen Ritterschaft, Landschaft, Stadte und Gaste aus dem Niederland den
wohl angesehensten, reichsten und (kriegs-)tiichtigsten der ehemaligen Soldner-
hauptleute, die nach 1466 in Preufien ansiissig geworden waren, Georg von Schlie-
ben und den Erbarmann Rul Plaszdorff, zu Musick zu reisen, um zu erreichen,
dafi der Streit zwischen ihm und dem Orden auf dem Verhandlungsweg beigelegt
wird100. Der Hochmeister dagegen beauftragt die beiden Erbarleute, die Land¬
schaft und Ritterschaft im Oberland aufzufordem, den Hochmeister entweder mili¬
tarist gegen Musick zu unterstiitzen, oder Steuern zu bewilligen, damit die For-
derungen des Soldnerhauptmanns befriedigt werdcn konnten101.
Richtenberg bedient sich also tatsachlich der Stande, um das ungebardige Ober¬
land zu bandigen und eine Losung des Problems Musick anzubahnen, doch tut er
das so geschickt, dafi man ihm kaum eine Verletzung der Ordensinteressen vor-
werfen konnte102. Die Stande des Oberlandes erklaren sich bereit, fiir die Ablo-
sung Musicks eine Steuer zu bewilligen und auch Musick stimmt nach langwierigen
Verhandlungen zu, dafi die Sold- und Schadensforderungen in mehreren Jahres-
raten bezahlt werden.
Das erfolgreiche Vorgehen Richtenbergs starkt seine Stellung als Hochmeister un-
gemein. Das Mafi seines Autoritatszuwachses lafit sich am bildhaftesten wohl an
den Anredefloskeln ablesen, die der Marschall in Briefen an den Hochmeister
verwendet. Den Brief vom 23. Marz 1472 beginnt er mit den Worten: „Unseren
untertanigen willigen Gehorsam mit pflichtiger unsers hochsten Vermogens Dirbie-
tung stets zuvor, ebrwurdiger gnadiger Hochmeister" Ein Jahr spiitcr, am 20. April
Innenpolitische Gefahren — Die Krise um den Bischof von Samland 103.
1473, leitet er einen Brief mit den Worten ein: „Unsern gutwilligen demiitigen
untertdnigen schuldigen Gehorsam mit fleifliger all unsers hochsten Vermogens
Dirbitung stets zuvor, garehrwiirdiger gnddiger Herr Hochmeister* Es ist sehr
wahrscheinlich, daft Marschall und oberlandische Gebietiger diese Verstarkung der
Stellung des Hochmeisters nicht mit freudigem Herzen begriiftten.
Augenscheinlich hatte Cuba die Situation, bevor er als Prokurator zum zweiten
Mai nach Rom gesandt worden war, so eingeschatzt, daft es ihm gelingen konnte,
nach seiner Riickkehr mit Hilfe des Marschalls und der oberlandischen Gebietiger
die Stellung des Hochmeisters derart zu schwachen, daft dieser nur als Strohpuppe
des Ordens gegeniiber dem Land fungieren wiirde und hatte darum in den Text
der Bulle zwar die Gebietigeramter, nicht aber das Hodimeisteramt, aufnehmen
lassen. Moglicherweise hat er tatsachlieh damit gerechnet, selber an die Stelle
Richtenbergs treten zu konnen. Doch das Preufien, das er nach seiner Riidckehr
vorfand, war ein anderes als das, was er ein Jahr vorher verlassen hatte.
Denn der Hochmeister hatte dadurch, daft er als Landesherr Preuftens nicht gegen,
sondern mit den Standen des Landes die Probleme der Nachkriegszeit zu losen
versuchte, auch seine Stellung als Oberhaupt des Ordens festigen konnen. Schon
vor der ersten Auseinandersetzung mit dem samlandischen Bischof hatte Richten-
berg einen Teil der Verbiindeten Cubas ausschalten konnen. Veit von Jarsdorf,
der Komtur von Mohrungen, war von ihm zur Untersuchung eines Streites zwi-
schen Ordensbriidem in Koblenz ins Reich geschickt worden103; fiir Jarsdorf zwar
ein ehrenvoller Auftrag, der aber trotzdem zunachst seinen Abgang von der poli-
tischen Biihne Preuftens bedeutete. Der Komtur von Holland, Konrad von Lichten-
hain, wurde — wahrscheinlich auf einer Tagung des Gebietigerrats um den 14.
Juli 1473104 — seines Postens entsetzt und mit dem untergeordneten Amt eines
Pflegers von Kreutzburg betraut105. Auf der Tagfahrt vom 24. August 1473 in
Bartenstein erhalt Richtenberg dann erneut von den Standen des Ordenslandes
eine Sceuer zur Befriedigung Musicks bewilligt. Richtenberg fiihlt sich hier bereits
als Landesherr so stark, daft er die Forderung des preufiischen Adels nach Kontrolle
der Steuerverwendung ablehnen kann.
Unter dieser — im Vergleich zu den Vorjahren — stark veranderten Kraftekon-
stellation kommt es wahrscheinlidi am 30. August 1473 zu erneuten Verhandlungen
zwischen Richtenberg und Dietridi von Cuba. Zu diesem Treffen war Richtenberg
von tettlichen merklicben Mannen seiner Lande* auf einer Beratung in Tapiau
geraten worden100. Cuba hatte zwar erkennen mussen, daft sich die Gewichte zu
seinen Ungunsten verlagert hatten, er gab aber noch nicht auf. Unter ungewohn-
lichen Bedingungen erklart er sich bereit, der Einladung des Hochmeisters nach
Konigsberg Folge zu leisten. Er forderte, da er die Ablafibulle in den Konigsberger
Dorn bringen wolle, daft ihm der Hochmeister mit alien Ordensbriidem und den
Konigsbergern entgegenziehe, um ihn nach Konigsberg einzuholen. Richtenberg
kommt dieser Forderung nicht nach. Er schickt Cuba zwar den Rat der Konigs¬
berger Stadte entgegen, doch tragt er diesem auf, mit dem Bisdiof wegen der Auf-
schiebung der Ablafiverkiindung zu verhandeln. Dietrich von Cuba lehnt diese
Forderung ab, zieht aber auch ohne Ehrengeleit des Hochmeisters und der Ordens-
' 104 Die innenpolitischen Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
briider prunkvoll in Konigsberg ein. Dieser Einzug ist nicht nur als Bestatigung
der Prunksucht des Bischofs zu werten, er wollte wohl auch einen bewufiten Kon-
trast zu dem redit schlichten Gebaren Richtenbergs herstellen, in der Hoffnung,
dafi die Konigsberger Aufwand mit Macht verwechseln wiirden.
Am folgenden Tag berat sich Richtenberg emeut mit den ,Wegesten' und beauftragt
die Rate der Stiidte Konigsberg wiederum, sich zum Bischof von Samland zu be-
geben und ihn aufzufordem, vor dem Hochmeister zu ersdieinen. Trotz der fur
ihn ungiinstigen Voraussetzungcn zeigt sich Cuba hartnackig. Die Rate mufiten
den ganzen Nachmittag mit ihm verhandeln, ehe er sidi bereit erklarte, den Hoch¬
meister aufzusuchen. Wahrend der Verhandlungen mit den Raten versucht er,
diese gegcn Hochmeister und Orden einzunehmen. Diese Taktik versucht er auch
gegeniiber den Landen fortzusetzen, als er sich endlich im Konigsberger Schlofi
eingefunden hatte. Hochmeister und Gebietiger bitten ihn emeut um das Geschofi
und um die Aufschiebung der Ablafiverkundung. Cuba lehnt die zweimal vor-
getragene Bitte beide Male ab. Richtenberg bittej ihn schliefilich, mit ihm vor die
Stande zu gehen. Dort tragt er emeut seine Bitte an den Bischof vor, Cuba weicht
jetzt aus, er will sich zunachst mit den Seinen beraten.
Jetzt beschlieficn die Stande des Ordenslandes, den Hochmeister demonstrativ zu
unterstiitzen. Sie erklaren, so dafi die Stande des Bistums Ohrenzeugen werden
konnen, dafi sie den Hochmeister bei seiner Herrschaft halten wollten, wie je ein
Hodimeister gehalten worden ware, sei es hier im Land oder in Rom107. Die
Stande haben sehr klar erkannt, dafi es hier nicht nur um den Ablafi ging, son-
dern dafi sich vor ihren Augen ein Machtkampf abspielte. Sie zogern nicht, sich
in diesem Kampf auf die Seite des Hochmeisters, ihres Landesherrn, zu stellen.
Cuba sieht ein, dafi er sein Ziel gegen Landesherrn und Stande mit Unterstiitzung
nur noch weniger Ordensbriider nicht mehr erreichen kann. Er lenkt ein und bittet
nur noch, dafi ihm das Geschofi der Untersassen des Bistums fur dieses Jahr zuge-
standen werde, damit er seine grofien Schulden abtragen konne. Auch die Verkun-
dung des Ablasses will er um einige Zeit aufschieben.
Richtenberg geht noch einen Schritt weiter. Er verlangt durch die Komture von
Brandenburg und Balga sowie seinen Kaplan von Cuba, dafi*dieser die Bulle so-
lange ,anstehen* lasse, bis sich Richtenberg mit den Meistern von Deutschland und
Livland in der Sadie beraten habe. Cuba erbietet sich erneut, wie auch schon in
Heiligenbeil, den Ertrag des Ablasses mit dem Hochmeister zu teilen, doch wollte
er die Ablafiverkundung noch immer nicht vollig aufgeben. Darauf bieten sich
Georg von Schlieben, Fritz Luckau, Erbarleute des Ordenslandes, und Kunz von
Eglofstein, ein Erbarmann des Bischofs, an, zwischen dem Hochmeister und Cuba
in dieser Frage zu vermitteln. Die Vermittlungsverhandlungen finden in Kaporn
statt. Dietrich von Cuba, der seine politischen Ziele sichtlich aufgegeben hat, macht
das Angebot, vom Papst eine andcre Bulle zu erwerben, die sowohl auf den
Orden als auch auf die Kirche von Samland lauten sollte; in der Bulle sollte auch
der Hodimeister ,fur ein Haupt bestimmt werden.* Den Text dieser Bulle wollte
er entwerfen, ihn aber demTfochmeister vorlegen, ehe er ihn nach Rom senden
Innenpolitische Gefahren — Die Krise um den Bischof von Samland 105
wiirde. 2u den finanziellen Aufwendungen fur die Erlangung der Bulle sollte der
Hochmeister 500 Dukaten geben.
Heinrich von Richtenberg ist es gelungen, vom Bischof von Samland das Einge-
standnis zu erhalten, daB er ein ,Haupt* sei. Ohne die Unterstiitzung der Stande
hatte die durch den Bischof von Samland hervorgerufene Krise der staatlichen
Integritiit Preufiens wohl einen anderen Verlauf genommen. Doch auch nachdem
seine politische Niederlage offenkundig und von ihm auch eingestanden worden
war, blieb Cuba noch ein gefahrlicher Gegner. Sein Ziel bestand jetzt wohl nur
noch darin, einen moglichst groBen Teil des Ablafiertrages in seine Taschen fliefien
zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, brachte er neben Eglofstein noch einen
zweiten stiindischen Teilnehmer der Vermittlungsverhandlungen auf seine Seite,
Georg von Schlieben. Auf welchem Weg er das erreichte, ist nicht bekannt. Es diirfte
ihm aber nicht sehr schwergefallen sein, denn immerhin hatte der Hochmeister
Schlieben auf der Tagfahrt von Bartcnstein mit der Ablehnung des Kontrollrechts
des Adels iiber die Steuerverwendung briiskiert.
Als sich Cuba und Richtenberg nicht iiber die Auslegung der Kaporner Verein-
barung einigen konnen, wendet sich der Bischof an die drei Adligen, um ihre Unter-
stiitzung gcgen den — wie er meint — Verdacht und weiteren Unwillen des
Hochmeisters zu erhalten und bittet sie, an einer von Richtenberg geplanten Ver-
handlung, wenn sie eingeladen wiirden, teilzunehmen, denn, so schlieBt er pathe-
tisch, sein Leben sei in Gefahr108. Auch der Hochmeister ist in der Zwischenzeit
nicht mehr sicher, welche Stellung die drei Erbarleute einnehmen werden. Er
fragt deshalb brieflich den obersten Spittler um Rat. Veit von Gich empfiehlt ihm,
die Ansicht Schliebens durch Luckau erkunden zu lassen, der, wie er schreibt, ,ewr
Grt. gewandt und dienstbar* sei10®. Luckau soli dann die Ansicht Schliebens iiber die
Kaporner Vereinbarung dem Hochmeister mitteilen, der dann entscheiden miisse,
wie er die Angelegenheit weiter behandeln will.
Am 26. November 1473 kommt es dann in Konigsberg zu einem ,Handel der
Gnaden halber*110, zu dem auch Dietrich von Cuba durch den Hochmeister ein¬
geladen wird111. Wie schwach der Bischof seine Position jetzt einschatzt, geht daraus
hervor, dafi er gegenuber Richtenberg brieflich seine Befiirchtung ausdriickt, gar
nicht zu dem bevorstehenden Handel eingeladen zu werden. Teidingsleute der
Verhandlung sind die drei Adligen, die an der Vereinbarung von Kaporn bereits
mitgewirkt haben. Cuba hat nicht umsonst an ihre Hilfe fur seine Person appe-
liert, sie enttauschen ihn nicht. Es wird vereinbart, daB die in Kaporn getroffene
Abmachung eingehalten werden soil. Wird sie vom Hochmeister gebrochen, wird
auch Cuba nicht mehr an sie gebunden sein. Der Hochmeister solle dann nicht
unterstellen diirfen, dafi Cuba ihm ,zu kurz tate*, der Bischof erklare sich bereit,
ihm vor einem Ausschufi der Ritterschaft des Ordenslandes und der des Bistums
,Recht zu geben und nehmen, als Recht ist*. Sollte die neue Bulle mit den 500 Du¬
katen des Hochmeisters vom Papst nicht erwirkt werden konnen, will Cuba wei-
tere hundert Dukaten zulegen. Reicht auch diese Summe nicht, so will der Bischof
die Bulle, die er bereits hat, nach seinem Willen und Nutz gebrauchen. Er will sich
jedoch auf alle Falle beim Papst um die Erlaubnis bemuhen, dafi der Orden von
106
Die innenpolitisdien Verhaltnisse Preufiens bis zum Jahr 1479
dem Ablafi, den die Kirdie Samland auf Grund der ersten Ablafibulle erhalten
wird, die Halfte annehmen darf.
Der Hochmeister mufite Cuba demnach doch recht weit entgegenkommen. Schlieben,
Luckau und Eglofstein sorgten dafiir, dafi Cuba wenigstens zu Geld kam. Stande-
poliuisch wichtig ist an der Konigsberger Entsdieidung aber etwas anderes. Hoch¬
meister und Bischof, beides geistliche Personen, erklaren sidi bereit, in einem Streit,
der rein juristisch um etwas Geistliches ging, die Ablafibulle, Recht vor einem
Ausschufi weltlicher Standesgenossen zu nehmen. Man kann sidi kaum vorstellen, *
dafi ein Hochmeister vor Heinrich von Riditenberg sich bereit erklart hatte, eine
derartige Formulierung in einen Rezefi auch nur aufnehmen zu lassen. Allerdings
schrankt Richtenberg diese Vereinbarung dadurdi ein, dafi er sie den Gebietigern
vorlegen und erst danach die Zustimmung oder Ablehnung bekanntgeben will.
Am 4. Dezember ladt Riditenberg Cuba auf den 5. Dezember nach Konigsberg,
um ihm die Entsdieidung bekanntzugeben, wir wissen aber nicht, wie sie ausge-
fallen ist112. Trotzdem ist schon Richtenbergs Einverstandnis, einen derartigen Vor-
schlag den Gebietigern iiberhaupt zu unterbreiten, ein Zeichen dafiir, wie weit er
sich als Landesherr und somit audi dem Land verbunden fiihlt und wie gering zu
diesem Zeitpunkt seine Bindungen an den Orden sind. Wir konnen sogar anneh¬
men, dafi die Gebietiger die Vereinbarung guthiefien, denn am 27. Marz 1474
werden im Dom zu Konigsberg zwei Ablafistocke aufgestellt, von denen einer mit
dem romischen Wappen gezeichnet ist113. Den Ertrag dieses Ablafistockes, der an
dem Tag zweimal geleert werden mufite, wollte Cuba behalten, den Ertrag des
anderen, der nach Ordcnsangaben ,beijaufig hundert Mark preufiisdier Miinze*
enthielt, sollte dem Hochmeister zufallen. Der Bischof, der seine politischen Vor-
haben als gesdieitert ansah, wollte nun wenigstens nodi ein gutes Geschaft machen.
Die Moglichkeiten dazu sah er keineswcgs nur in der Ablafiverkiindung. Die
Konigsberger Rate werfen ihm vor, dafi er seinen Bauern verboten habe, Korn
auf den Konigsberger Marktcn zu verkaufen114. Cuba nennt das zwar eine bos-
willige Unterstellung, denn dafi die samliindisdien Bauern ihm ihr Getreide ver¬
kaufen, hatte sich einmal dadurch ergeben, dafi sie kein Geld rur Zins- und Geschofi-
zahlungen gehabt hatten und zum anderen sei es mehr oder weniger wetterbedingt,
im iibrigen zahle er dieselben Preise wie die Konigsberger. Dann schreibt er aber,
wenn er auch den Seinen geboten habe, an ihn zu verkaufen, so konne ihm das
niemand verdenken, im iibrigen ware er wohl auch ,machtig*, das zu tun. Freund-
schaftlidie Gefiihle wird er dadurch bei den Konigsbergern nicht hervorgerufen
haben. Da er aufierdem auch noch Kirchengut versetzt hatte, sdieint sich keine
Hand fur ihn geriihrt zu haben, als ihn Richtenberg am 28. Marz 1474 kurzer-
hand in Tapiau festsetzen liefi. Nach einem verratenen Fluditversudi starb Dietridi
von Cuba im August des gleichen Jahres in der Gefangensdiaft. Damit war die
durdi ihn hervorgerufene Krise endgultig beendet.
Die Krise hatte dafiir gesorgt, dafi der Hochmeister sidi neben seiner Veranuwor-
tung fur den Orden audi seiner Verantwortung fur das Land bewufit geworden
w*ar. Auf dem Iiohepunkt der Krise, der zweiten Jahreshalfte 1473, erfahren wir
aus den Quellen fast nur von Beratungen mit ,ettlichen merklichen Mannen seiner
Innenpolitische Gefahren — Die Krise urn den Bischof von Samland 107
Lande' oder den tWegesten{, also Mitgliedern der preufiischen Stande, iiber die
Art und Weise des Vorgehens gegen Cuba. Der Orden tritt sehr auffallig hinter
dem Land zuriick. Richtenberg setzt damit eine Politik fort, die er sdion 1472
bei der Dberwindung des Problems Musick begonnen hatte, die Zusammeaarbeit
mit den Standen. Allerdings mufi er in dieser Zeit auch erfahren, dafi die Unter-
stiitzung der Stande nicht vdllig uneigcnniitzig gcgeben wird. Der Adel versucht
ihm die Rechnung zu prasentieren, indem er die Kontrolle der Steuerverwendung
fiir sich fordert. Richtenberg war zum Zeitpunkt der Forderung zwar stark ge-
nug, um sie ablehnen zu konnen, doch mufi er feststellen, dafi ihm ein feindselig
eingestellter Adel, auch wenn es moglicherweise nur ein Teil des Adels war, doch
betrachtliche Schwierigkeiten bereiten kann. In der Einsicht in diese Gegebenheit
wird man wohl auch das Motiv dafiir zu suchen haben, dafi er sich bemiiht, das
Gewicht des Adels durch das Gegengewicht der Stadte auszugleichen. Die Ver-
handlungen mit Musick, Gebietigem und Standen des Oberlandes im Jahr 1472
fiihrten Erbarleute. 1473 schiitzt Riditenberg die Stadte vor einem Steuervertei-
lungsvorschlag des Landes, der sie unverhaltnismafiig hoch belastet hatte und auf
dem Hohepunkt der Krise um Cuba verhandeln zweimal die Rate der Drei Stadte
Konigsberg im Auftrag des Hochmeisters mit dem Bischof. Bei dem Vermittlungs-
versuch der drei Adligen mufi Riditenberg dann zur Kenntnis nehmen, dafi der
Adel nicht gewillt ist, einen Landesherrn, der ihn nicht hoher bewertet als die
Stadte, zu unterstiitzen.
Richtenberg steht im August 1474 sicher auf dem Hohepunkt seiner Macht als
Landesherr, das zeigt sich beispielsweise darin, dafi sich Orden und Stande mit
seinem Vorgehen gegen Cuba cinverstanden erklaren; die Rittersdiaft der Gebiete
Preufiisch Mark, Eylau und Liebemiihl ist sogar der Ansidit, dafi Cuba den sdion
lange vcrdienten Lohn fiir sein Verhalten endlidi bekommen habe115. Aber die
Kraftekonstcllation, auf der die Stellung des Landesherrn beruht, ist nur labil.
Die Korporation wird kaum auf Dauer kampflos hinter dem Land zuriickstehen
wollen. Der Adel hatte nicht die erhofftcn Friichte fiir seine Unterstiitzung ernten
konnen. Diese beiden gewiditigsten politischen Krafte in Preufien hatten Anlafi
zu Unzufriedenheit. Aber audi auf die dauernde Unterstiitzung der Stadte konnte
der Landesherr nicht redinen, waren diese doch noch immer viel zu stark auf die
Gemeinsamkeit mit dem Adel fixiert, als dafi sie bereit gewescn waren, zugunsten
der Unterstiitzung des Landesherrn auf diese Gemeinsamkeit zu verzichten. Aufier-
dem konnten sic bei weitem nicht das okonomische Gewicht des Adels im Orden
und des Adels in Preufien ersetzen. In einer Situation, in der sich Ordens- und
Landesadel in einer Koalition zusammenfinden, wird seine starke Stellung als
Landesherr und Ordensoberhaupt so erschuttert werden, dafi er sich zwangsweise
das politische Prcgramm der Adelskoalition zu eigen madien mufi.
KAPITEL II
DER ORDEN ZWISCHEN DEM WUNSCH NACH VERGELTUNG
UND REALEN MOGLICHKEITEN — DER STREIT UM DIE
BESETZUNG DES ERMLANDISCHEN BISCHOFSSTUHLS
Der Streit zwischen Konig Kasimir von Polen und Nikolaus von Thiingen um das
Bistum E'rmland1, in den Orden und Ordensland hineingezogen wurden, sollte die
Bruderschaft in einen Konflikt zwischen dem Verlangen nadi Rache fiir die im
Krieg gegen Polen erlittene Niederlage und den «Verlust des westlidien Landes-
teils und ihren politischen, militarischen und okonomischen Moglichkeiten, die zur
Einhaltung des Friedens aufforderten, stiirzen.
Er fiihrte zu einer Spaltung innerhalb des Ordens. Jede der beiden so entstandenen
Parteien im Orden war aber zu schwadi, um eine Entscheidung zu ihren Gunsten
in der Auseinandersetzung mit der anderen Partei herbeifuhren zu konnen.
Ausschlaggebend fiir die endgiiltige Haltung im Streit zwischen Kasimir und
Thiingen mufite die Stellungnahme der Stande zu diesem Problem sein.
1. DIE ZEIT HEINRICHS VON RICHTENBERG — DER VERSUCH,
NEUTRALITAT ZU WAHREN
Die Auseinandersetzungen innerhalb des Ordens beginnen mit dem erneuten Er-
scheinen Nikolaus von Thiingens im Ermland, dem es ab Mai 1472 sehr schnell
gelang, grofie Teile des Bistums in Besitz zu nehmen2. Zunachst wird der Orden
von poinischer Seite — wie es scheint unbegriindet, da die Polen keine Beweise
anfiihren — beschuldigr, Thiingen ins Land geholfen zu haberv Gegen diese Vor-
wiirfe verwahrt sich der Hochmeister3. Er lafit es dabei jedoch nicht bewenden,
sondern sucht zwischen dem polnisdien Konig und Thiingen zu vermitteln.
a) Die Versucbe Richtenbergs, zu vermitteln und Neutralist zu wahren
Auf Grund aufienpolitisdier Ereignisse sieht sich Konig Kasimir im Lauf des Jahres
1472 gezwungen, den Vorstellungen der westpreufiischen Stande, einen fried-
lichen Ausgleich mit Thiingen anzustreben, Gehor zu sdienken. Moglicherweise
hat Richtcnberg, als er durch den Obersten Spittler und den Oberstcn Trapier im
August Verbindung mi: Thiingen aufnehmen Пей4, diesem die Bedingungen des
polnisdien Konigs fiir ein Obereinkommcn mit dem Bischof iibermitteln lassen5.
Sein Bestreben, das Ordensland aus kriegerischen Verwicklungen, die sich aus dem
Streit zwisdien Kasimir und Thiingen ergaben, herauszuhalten, wird in einem
Brief deutlich, den er im September 1472 an den Danziger Rat schreibt. Darin
Die Zeic Heinrichs von Riditenberg
109
bittet er, dafi sidi die Danziger dafiir verwenden, daft die polnische Kriegsmadit,
von deren Heranriicken gegen das Ermland er gehort habe, ihm und seinen Unter-
sassen keinen Sdiaden zufiige®.
Ebenfalls auf dieser Linie liegt der Brief Riditenbergs an den Ordensprokurator
Dietrich von Cuba in Rom. Er schreibt ihm, dafi in Preufien die Rede gehe, der
Hochmeister habe dem Prokurator befohlen, sich in Rom der Sadie Thiingens
anzunehmen. Man erzahle weiter, dafi Cuba in dieser Angelegenheit auch mit dem
Konig von Ungarn und den Breslauern unterhandelt habe. Riditenberg driickt
seine Hoffnung aus, dafi Cuba nidit die Sadie Thiingens oder anderes, was dem
Orden Streit und Beschuldigungen eintragen konne, vornehme, sondern sidi in
Zukunft mehr des armen Ordens Nutz und Frommen widme, denn betreibe Cuba
weiterhin die Angelegenheiten Thiingens, so wiirden dem Orden und dem Land
Preufien daraus nur Sdiaden entstehen7. Das Verantwortungsbewufitsein Riditen-
bergs fiir das Ordensland gibt der polnischen Seite allerdings Anlafi zu Mifitrauen,
sie scheini davon ausgegangen zu sein, dafi jeder, der die Forderungcn Konig Kasi-
mirs nidit unterstiitzt, notwendigerweise auf der Seite Thiingens stehe. Zwar
sprechen Kasimir und die Stande Polens dem Hochmeister ihr Vertrauen aus, aber
dafi man das tut, macht ihm deutlich, dafi er von den Polen mit Mifitrauen be-
traditet wird8. Trotz dieses ganz offensichtlidien Argwohns lafit sidi Richten-
bcrg von seiner Neutralitatspolitik nidit abbringen, er geht weder auf Annaherungs-
versuche Thiingens ein nodi unterstiitzt er den Konig®.
Solange wie sidi die aufienpolitisdie Konstellation nidit verandert, kann Riditen¬
berg seine Neutralitatspolitik relativ reibungslos durchsetzen. Dock Ende 1473
beginnt sidi die Haltung der Stande des Preufien koniglichen Anteils gegeniiber
Thiingen zu verandern. Mit dem Bekanntwerden der Verbindung zwischen Thiingen
und dem ungarisdien Konig niihern sie sidi immer starker der Position Kasimirs
an10. Im Februar 1474 wird zwischen Polen und Ungarn an der Karpatengrenze
Frieden geschlossen11 und im Marz kommt es zu Biindnissen zwisdien den Konigen
Kasimir und Wladislaw einerseits und Kaiser Friedrich III. andererseits12. Der
Hodimeister mufi sidi in Zukunft mit der konkreten polnischen Forderung aus-
einandersetzen, eine allgemeine Verkehrssperre iiber das Ermland zu verhangen.
Ein Nadigeben Riditenbergs gegeniiber dem Verlangen Kasimirs wiirde wohl ge¬
gen seine innere Oberzeugung gewesen sein, denn die Durdifiihrung der Verkehrs¬
sperre hatte fiir Thiingen das Ende seines Widerstandes gegen Kasimir bedeutet
und gleidizeitig die polnische Oberherrsdiaft audi auf das Ermland ausgedehnt.
Riditenberg mufi in den nadisten Jahren sdiwierige politisdie Probleme losen, um
einerseits Polen nidit Veranlassung zu geben, audi gegen den Orden militarisch
vorzugehen, andererseits aber zu vermeiden, dafi Thiingen weidien mufi. Den
Ausweg aus dieser Situation sieht er in Verhandlungen: in den Jahren 1474 bis
1476 wird immer wieder auf Tagfahrten iiber die polnische Forderung nach einer
Verkehrssperre gesprodien13.
Der Balanceakt Riditenbergs, Thiingen nicht aus dem Ermland vertreiben zu las-
sen, es aber audi nicht im Interesse des Friedens fiir Orden und Land mit dem
polnischen Konig endgiiltig zu verderben, schwacht seine Position in der Aus-
110 Der Orden zwischen dem Wunsch nadi Vergeltung und realen Moglichkeicen
einandersetzung mit der Gruppe im Orden, die seiner Politik ablehnend gegen-
iibersteht. Der Hochmeister findet keinen Ausweg aus dieser Situation und mufi
zusehen, wie seine Gegner im Orden nach und nach mehr Raum gewinnen.
b) Die Politik der Kriegspartei und die Einfluflnabme Thiingens
auf den Hochmeister
Die ersten offensichtlichen Anzeichen fiir Revamhegeliiste innerhalb der Ordens-
bruderschaft zeigen sich in der Zusammenarbeit verschiedener Ordensgebietiger
mit Dietrich von Cuba, dem Bischof von Samland und Prokurator des Ordens in
Rom. Der samlandische Bischof hatte sich 1471 liingere Zeit in Preufien aufge-
halten. Es ist anzunehmen, dafi er in dieser Zeit bereits Verbindungen mit den
Gebietigern und Ordensbrudem aufgenommen hat, die nidit bereit waren, den
Ausgang und die Ergebnisse des Burgerkriegs anzuerkennen. Man wird iiberein-
gekommen sein, den Streit um die Besetzung des erAilandischen Bischofsstuhls und
die Auseinandersetzung zwischen dem Papst, dem Konig von Polen und dem Konig
von Ungarn um die bohmische Krone auszunutzen, um eine Koalition zu schaffen,
die in dcr Lage war, Polen niederzuwerfen und den Orden wieder in seine alten
Herrsdiaftsrechte in Preufien einzusetzen14. Der Kreis der Ordensgebietiger, die
mit Cuba diese Vereinbarung trafen, ist durdi die Vorwurfe des Hochmeisters
wahrend des Streites mit dem samlandischen Bischof, er hatte Verbindungen zu
bestimmten Ordensgebietigern aufgenommen, wenigstens in seinem kleinsten Um-
fang bestimmbar. Ihm gehorte wohl der Obcrste Marschall, Ulrich von Kinsberg,
der Komtur von Holland, Konrad von Liditenhain, der Komtur von Osterode,
Martin Truchsefi, und der Komtur von Mohrungen, Veit von Jarsdorf, an. Es
handelt sich bei diesem Kreis ausschliefilich um Gebietiger, die im Oberland amtier-
ten. Es ist anzunehmen, dafi sie zwar mit Cuba in Hinsicht auf die Ausniitzung der
europaischen Machtekonstellation fiir die Interessen des Ordens ubereinstimmten,
nicht aber mit den Zielen, die Cuba in seinem Streit mit Heinrich von Riditen-
berg verfolgt zu haben scheint. Diese Annahme wiirde auch das — soweit be-
kannt ist — widerspruchslose Fallenlassen Cubas durch die betreffenden Gebie¬
tiger crldaren, als sich im Verlauf der Auseinandersetzung die gewissermafien pcr-
sonlichen Ziele des Bischofs immer deutlidier abzeidineten.
Ob Cuba in Rom nur rhetorisch Thiingen unterstutzte, oder etwa mittelbar Einflufi
auf die Haltung der Kurie im ermlandisdien Streit ausiibte, ist nicht bekannt. Auf
jeden Fall denkt die Kurie bereits 1472 daran — zu einem Zeitpunkt, an dem
sich Cuba in Rom aufhalt —, Hochmeister, Orden und Untersassen aus dem
Eid auf den II. Thorner Frieden zu entlassen und sie an Konig Mathias von Ungarn
als neuem Schirmherrn zu empfehlen15.
Noch im Marz 1473 ist die Unrerstutzung Thiingens durch den Ordensprokurator
im westlichen Preufien unbekannt. Man weifi zwar, dafi das Volk des Ermlands
sein Hoffen und Vertrauen auf den Konig von Ungarn setzt, aber man meint
auch zu wissen, dafi davon in der tcreucziger landt' nichts zu merken seiie. Doch
sollte sich das sehr schnell andern. Im April teilt der Marsdiall, Ulrich von Kins-
Die Zeic Heinrichs von Richtenberg
111
berg, dem Hochmeister brieflich mit, dafi Bisdiof Thiingen im Rathaus von Rossel
in aller Offentlichkeit erklart habe, dafi ihm der Bisdiof von Samland seine Sache
zu einem guten Ende vollfiihren werde17. Die Scande des westlichen Preufiens und
die Polen mufiten den Eindrudc gewinnen, als hatte Thiingen die Unterstiitzung
des gesamtcn Ordens, denn der Prokurator war ja keiner der geringsten Ordens-
briider. Dieser Eindrudc hatte sich noch verstarkt, wenn der Hochmeister sich
mit Thiingen getroffen hatte. Einen solchen Rat gibt ihm der Ordensmarschall,
begriindet ihn allerdings Richtenberg gegeniiber damit, dafi der Hochmeister den
Bisdiof bei' dieser Gelegenheit fur sein (lautes?) Reden iiber die Unterstiitzung;
die ihm Cuba angedeihen liefi, zur Verantwortung ziehen solle.
Dodi das Mifitrauen der anderen Seite ist auch sdion ohne dieses Treffen wach.
So beschwert sich Stibor von Baisen bei Kinsberg, wie dieser in dem oben erwahn-
ten Brief mitteilt, dariiber, dafi in den Dorfern des' Ordenslandes Streitwagen aus-
geriistet wiirden. Im Mai 1473 beklagt sich der Hauptmann von Brathean beim
Hochmeister iiber die Unterstiitzung mit Kriegsvolk, die der Pfleger von Neiden-
burg Thiingen leiste18. Im Oktober des gleichen Jahres mufi sich der Komtur von
Holland, Philipp von Angeladi, auf der Tagfahrt in Marienburg gegen den Vor-
wurf verwahren, dafi Ordensvolk bei Heiligcnbeil und Miihlhausen, also an der
Grenze zum Ermland, gelagert habe19. Ist audi nicht eindeutig zu erkennen, wieviel
Wahrheit in den Besdiuldigungen enthalten ist, so kann dodi als wahrsdieinlich
angenommen werden, dafi Thiingen von bestimmten Ordenskreisen auch materielle
Unterstiitzung erhalten hat.
Die Opposition innerhalb des Ordens mufi sich in den Jahren 1473/74 etwas zu-
riickhalten, hatte dodi der Hochmeister in seiner Auseinandersetzung mit Cuba
zunadist die uneingesdirankte Unterstiitzung der Stande des Landes gefunden.
Richtenberg sdieint aber in dieser Zeit keinen Weg gefunden zu haben, um die
Spannungen zwischen ihm und der oppositionellen Gruppe im Orden abzubauen,
er hat im Gegenteil wahrsdieinlich die Unzufriedenheit der Gebietiger mit seiner
Fiihrung des Hodimeisteramtes noch durdi unbedachte Mafinahmen geschiirt.
Gegen Ende des Jahres 1473 sdieint von einem Teil der Gebietiger dcr Versudi
gemadit worden zu sein, durdi die Verweigerung der Steuercinziehung Einflufi
auf die Politik des Hochmeisters zu nehmen20. Dodi ist es bei einem derartigen
Versudi des Marschalls und des Komturs von Holland geblieben, denn es wird
spiiter nidit mehr erwahnt, dafi die Stadte ihres Gebietes 1473 kein Geschofi
gezahlt hattcn. In der Behandlung Kinsbergs erweist sidi Richtenberg als wenig
glucklich. Anfang November 1473 teilt der Marsdiall dem Hochmeister mit, dafi
er die Mifiwirtsdiaft des Ordensbeamten in Dollstiidt durch dessen Absetzung be-
scitigt und den Hof in eigene Verwaltung genommen habe21. Er bittet den Hoch-
meister, dieser Regclung zuzustimmcn. Doch Richtenberg demonstriert seine
Machtstellung. Mitte Dezember teilt er dem Marschall mit, dafi Abraham von
Dohna bereit sei, fur die Verpfjindung Dcllstadts eine Summe von l.OCO unga-
rischen Gulden zu zahlen. Da, wie der Hochmeister meint, Land und Stadte ihm
im nachsten Jahr kein Geschofi mehr bewilligen wiirden, erscheine ihra-das Ange-
bot Dohnas giinstig, um auch weiterhin die Soldschulden bei Musick abtragen
112 Der Orden zwischen dem Wunsch nach Vergeltung und realen Moglidikeiten
zu konnen22. Nach dem Tode Dohnas lost Hodimeister Tiefen erst im Jahre 1492
Dollstadt wieder aus23. Mit der Verpfandung Dollstiidts diirfte Richtenberg seinen
Marsdiall betraditlich diipiert haben.
Doch auch von der Teilnahme an politischen Entsdieidungen scheint der Hodi¬
meister den Marschall vollig ausgeschlossen zu haben. Kinsberg bittet ihn in dem
oben erwahnten Brief mit ,demiitigem Fleifi*, dafi ihm Richtenberg doch ,verfang-
liche Zeitung* mitteile, er seinerseits wolle es ebenso halten.
Das Jahr 1474 bringt dem Hodimeister zwar den endgiiltigen Sieg in seinem
Streit mit dem Bischof von Samland, da.aber Cubas Person oder personliches politi-
sdies Ziel nicht der eigentliche Grund fiir die Parteiung im Orden war, bleibt die
Opposition innerhalb der Bruderschaft bestehen. Richtenberg hofft, wie sein in
Livland weilcnder Kompan Menzinger dem Meister in Livland erklart, die Un-
einigkeit innerhalb des prcufiischen Ordenszweiges dadurdi zu unterdriicken, dafi
er durdi eine Reise nadi Livland seine Einigkeit mit dem dortigen Meister offen-
kundig madie; wenn dann nodi partciische Briider waren, so wiirden sie durch
soldie Hcrreneintracht ebenfalls zu Eintradit getracht werden und ihre Hetze
einstellen. Doch der Meister will Richtenberg auf keinen Fall in Livland haben24.
In das Jahr 1474 fallt auch der erste offenkundige Erfolg der Ordensopposition.
Die Instruktion der Delegation des Ordenslandes zur Tagfahrt in Marienburg,
der die Stande des Ordenslandes vorher zugestimmt haben, stellt fest, dafi man im
Ordensland Thiingen fiir den rechtmafiigen Bisdiof des Ermlandes halt, eine Fest-
legung, die Richtenberg bis zu diesem Zeitpunkt vermieden hatte, obwohl er
sidier der glcichen Meinung war2s. Doch der Wortfiihrer der Ordensdelegation in
den Verhandlungen, Martin Trudisefi, geht in den Beratungen nodi iiber diese
Instruktion hinaus. Er erklart, dafi man in den ,Sadien‘ einen besseren Rat hatte
finden konnen, wenn der Hodimeister schon friiher um Rat gefragt worden ware.
Zum jetzigen Zeitpunkt ware es sehr sdiwer, einen Rat zu geben, der nicht Krieg
bedeuten wiirde. Weiter halt er der Gegenseite vor, dafi Thiingen keineswegs
das gesamte Ermland mit Gewalt eingenommen habe, wie ihm von polnisdier
Seite vorgeworfcn wiirde, sondern dafi er bei den Standen des Ermlandes Unter-
stiitzung gefunden hatte und noch immer finde26. Trudisefi besdiuldigt also die
Gegenseite des Brudis der Bestimmungen des Friedensvertrages* die eine Ratsudie
des Konigs beim Hodimeister vorschreiben und madit die andere Seite fiir alle
Folgen, die aus dieser Haltung entstehcn — er sieht als Ausweg nur nodi den Krieg
— verantwortlich. Gleidizeitig beschuldigt er die Stande des westlidien Preufiens,
dafi sie die Entsdieidung ihrer Standesgenossen aus dem Ermland nicht aditeten.
Man macht sich in bestimmten Kreiscn des Ordens demnadi durdiaus nodi Hoff-
nung, die Unterstiitzung der Stande des Preufien koniglidien Anteils gegen den
Konig von Polen gewinnen zu konnen. In diesem Sinn versudit audi der Marsdiall
auf den Hodimeister einzuwirken, wenn er ihm mitteilt, dafi der polnische Konig
in seinem Streit mit Thiingen keine Unterstiitzung von den Standen des west-
lichen Preufiens erhalten wiirde27.
Die Auseinandcrsetzung im Orden iiber die Haltung im Streit zwisdien Kasimir
und Thiingen scheint im Jahr 1475 nodi einmal heftig aufgeflammt zu sein. Mog-
Die Zeit Heinrichs von Richtenberg
113
licherweise mufi die Flucht des ehemaligen Komturs von Holland, Konrad von
Lichtenhain, nach Polen auf dlesen Streit zuriickgefiihrt werden28. Lichtenhain
hatte sich vom Bischof von Kulmsee, Vinzenz Kielbassa, Geleit erbeten und er-
haltcn. Er beklagt sich bei ihm ,wehmiitig‘ dariiber, dafi der Hochmeister .Ungnade
auf ihn geworfen hatte* und bittct den Bischof, ihm wieder des Hochmeisters
,Gnade und Gunst* zu erwerben29.
Der Hochmeister versucht die Auslieferung Lichtenhains zu erlangen, doch werden
ihm auf seine Forderungen nur hinhaltende Antworten ertcilt30. Richtenberg be-
griindet sein Auslieferungsgesuch damit, daft, wenn Lichtenhain seinen Willen
durchsetzen konne, ,viele Briider daraus Ursachen ziehcn und desto geruhsamer in
Ungehorsam fallen* wiirden31. Vinzenz Kielbassa versichert ihm zwar, dafi der
Konig nicht die Absicht habe, Lichtenhain oder andere Briider gegen den Hoch¬
meister ,halsstarrig* zu machen, liefert den gefluchteten Ordensbruder aber kei-
neswegs aus32. Da man in Polen iiber die Parteiung innerhalb des Ordens sidier
auch informiert ist, deutet das Verhalten in der Auslieferungsfrage darauf hin, dafi
man auf polnischer Seite an der Aufrediterhaltung und moglicherweise an der
Verstarkung der Auseinandersetzungen im Orden durdiaus interessiert ist. Die
polnische Seite erleichtert es Richtenberg keineswegs, sich mit seiner politischen
Linie im Orden durchzusetzen. Die Stellung des Hochmeisters im Orden diirfte
durdi die Flucht Lichtenhains und den Schutz, den er in Polen erhielt, wesentlich
geschwacht worden sein. Als ein Indiz dafiir konnte man ansehen, dafi im Friihjahr
1476 der freigewordene Posten des Obersten Marschalls emeut mit einem Ordens¬
bruder aus dem Oberland besetzt wird33. Nikolaus von Gebesattel, der neue Oberste
Marschall, ist 1473 Hauskomtur von Preufiisch Mark, dem Sitz seines Vorgangers
Ulrich von Kinsberg34. Mit ihm diirfte das Marschallsamt demnach wiederum mit
einem Gegner der Politik Richtenbergs besetzt worden sein.
Richtenberg gelingt es nicht, die Gruppe seiner Gegner im Orden entscheidend zu
schwachen und sie von Grofigebietigeramtern auszuschliefien. Es mufi also weiter-
hin mit einer Einflufinahme dieser Gruppe auf die Politik Richtenbergs gegeniiber
Polen und Thiingen gerechnet werden. Thungen selbst versudit ebenfalls, den
Hodimeister in seincm Sinn zu beeinflussen. So weist er, siditlich auf das offen-
kundige Interesse Riditenbergs an der Meinung der Stande zu Problemcn der
Landespolitik spekulierend, den Hochmeister darauf hin, dafi die Stande des Erm-
landes und des westlichcn Preufien seine, Thiingens Sadie, unterstiitzen35. Doch
Richtenberg lehnt seine Annaherungsversudie zunadist ab3e. Als er jcdoch von
polnischer Seite immer heftiger in der Frage der Verkehrssperre bedrangt wird,
erklart er sidi zu personlidien Verhandlungen mit Thungen iiber die polnischen
Forderungen bereit37. Ende Mai oder Anfang Juni trifft er mit Thungen in dem
ermlandischen Dorf Lauterhagen zusammen38. Bei diesem Gespriidi scheint es
Thiingen gelungen zu sein, Richtenberg davon zu iiberzeugen, dafi er den Forde¬
rungen des polnischen Konigs nach Vertreibung Thiingens nicht nachgeben diirfe.
Der Hochmeister erbittet von Thungen sogar Rat dariiber, was er auf die polni-
sche Forderung nach der Verkehrssperre erwidern soli. Thungen rat ihm, die
andere Seite darauf hinzuweisen, dafi die Bevolkerung des Bistums und des
И 4 Der Orden zwischen dem Wunsch nach Vergeltung und realen Moglichkeiten
Ordenslandes in Liebe, Freundschaft und Eintradit miteinander leben wollten39.
Der Bischof bringr also sehr geschickt die Interessen des Landes ins Spiel, fur die
sich Richtenberg in hoherem Май als viele seiner Vorganger und ein Teil seiner
Ordensbriider verantwortlich fiihlt.
Mit seinem Verlangen, dem Land Ruhe und Frieden zu bewahren, stellt sich
Richtenberg gegen die Interessen ernes nicht kleinen Teils der Ordensbruderschaft
und audi gegen die Thiingens, der daran interessiert sein mufi, dafi sich der Hodi-
meiscer offentlich und mit alien Konsequenzen fur eine Unterstiitzung seiner An-
spriidie ausspricht, um dadurch vielleicht Polcn von einem gewaltsamen Vorgehen
gegen das Ermland abzuhalten. Die Entscheidung zwisdien der vom Hochmeister
verfolgten und der von der Ordenspolitik und Thiingen angestrebten Politik mufi-
ten die Stande des Ordenslandes treffen.
c) Die Entscheidung der Stande
Die ersten Anzeichen dafiir, dafi im Ordensland »audi Personen, die nicht dem
Orden angehoren, mit der Sache Thiingens sympathisieren, finden sich schon Mitte
des Jahres 1472. Doch ist nicht klar erkennbar, um wen es sich dabei eigentlidi
handelt. Der Hochmeister antwortet auf eine polnische Beschwerde iiber die Un-
terstiitzung, die Thiingen von Bewohnern des Ordenslandes erhalte, dafi dies
nicht stimme, er sagt aber weiter, dafi es einige Leute gabe, die weder den ewigen
Frieden beschworcn noch ihm gehuldigt hatten, die ihren eigenen Kopf haben woll¬
ten, fur diese Personen konne er nicht gutsagen40.
Dodi nidit nur die Personen, die dem Hochmeister nicht gehuldigt hatten, wollten
ihren Willen durchsetzen, audi der Adel des Ordenslandes vertritt seine eigene
Politik. Er bedient sich dabei der Gegcnsiitze innerhalb des Ordcns, als er im August
1473 versudit, sich das Kontrollrecht iiber die Steuerverwendung zu sidiern. Sein
Angebot, den nicht fur die Zahlungen an Musick benotigten Rest des Geschosscs
dazu zu nutzen, die Schlcisser des Ordcns zu bessern, ist ein eindeutiger Versuch,
den Hochmeister gegen die Kricgspartei im Orden auszuspielcn, um so das ge-
wiinschte Kontrollrecht zu erhaltcn, denn wozu, wcnn nicht fur einen neuen Krieg,
sollten die Ordensschlosser wohl gebessert werden41. Richtenberg kann dieses
offene Biindnisangebot des Adels an die Opposition im Orden zwar iiberspielen,
mufi aber in der Auseinandersetzung mit Cuba feststellen, dafi er die Unter¬
stiitzung des Adels durch dieses Verhalten eingebiifit hat42.
Das Jahr 1474 bringt dann die erste offensichtlidie Teilnahme der Stande an der
Auseinandersetzung zwischen Thiingen und Konig Kasimir. Ende Marz 1474 be-
schliefien die in Marienburg versammclten Stande des westlichen Preufien, beim
Hochmeister zu sondieren, wie er sich zu einer Verkehrssperre gegen das Ermland
stellen wiirde43. Richtenberg scheint der Gesandtsdiaft nidit sofort eine Antwort
gegeben zu haben, sondern eraditcte zunachst Beratungcn mit Gebietigern und
Stiinden fur notwendig. Ober dcrartige Beratungen im Oberland berichtet Mar¬
shall Ulrich von Kinsberg am 6. April 1474 dem Hochmeister44. Die Stellung der
Stande zu diesem Problem spiegelt wahrscheinlidi sehr stark die Ansiditen der
oberlandischen Gebietiger wieder. Land und Stadte stellen zunachst einmal —
Die Zeic Heinrichs von Richtenberg
115
indirekt — fest, dafi der Konig von Polen gegen den Thorner Frieden verstofien
habe, als er die Sadie mit Thiingen ohne Rat des Hodimeisters begann. Dann
erkiaren sie, dafi man mit dem Konig einen ewigen Frieden habe, den sie auch zu
halten gediichten, sdiliefien jedodi sofort an, dafi sie im Fall eines Angriffs auf
den Hochmeister und den Orden ihre Pflicht neben des Hochmeisters Orden (?) tun
wollten. Zu einem Zeitpunkt, an dem Thiingen im Ermland zur militarischen
Offensive iibergegangen ist und sidi der Sdilosser Heilsberg und Seeburg bemach-
tigt hatte und Orden und Hochmeister von Polen nodi nidit mit Krieg bedroht
worden sind, glauben die Stande, ihre Untersassenpflidit betoncn zu miissen. Man
kann nur annehmen, dafi sie dabei nidit so sehr an das Heute, sondcrn an die Zu-
kunft daditen. Die erste Stellungnahme der Stande des Ordenslandes zum Streit
zwischen Thiingen und Kasimir, von der wir horcn, licgt also nidit auf der Linie
des Hodimeisters. Die Stande nehmen mit ihrem- Hinweis, dafi die Sadie geisdidi
ware und daher vom Papst entsdiieden werden miisse, letztlidi fiir Thiingen und
gegen Kasimir, der unterstellte, dafi er diese Angelegenheit zu entscheiden habe,
Stellung.
Gleidizeitig bereiten sie die Positionen vor, die ein offensiveres Vorgehen des
Ordens gegen Kasimir erlauben: sie unterstellen ihm den Bruch des Friedensver-
trages. Die Ansichten, die der Komtur von Osterode, Trudisefi, wahrend der
Verhandlungen im Mai dieses Jahres in Marienburg aufiern wird, liegen genau
auf der Linie der Ansichten, die die Stande des Oberlandes zum Problem Thiuigen-
Kasimir aufiern45.
Die Haltung der Stande zum Problem Thiingen scheint sich auch in den nadisten
Jahren nidit geandert zu haben4®. Ebenso wie der Hochmeister sind auch die Stande
des Ordenslandes nidit bereit, zugunsten des Konigs irgendeinen Druck auf Thiin-
gen auszuiiben, um ihn zu veranlassen, das Bistum zu raumen. Dadurch unter-
stiitzen sie jedoch indirekt — die Stande des Oberlandes moglicherweise sogar
direkt und bewufit47 — die Bemiihungen der Kriegspartei im Orden, die den Streit
zwischen Thiingen und dem Konig zu einem neuen Waffengang mit Polen nutzen
will.
d) Das Scheitern der Nextralitdtspolitik Richtenbergs
Richtenberg wird von Konig Kasimir im Mai 1476 zu einer Tagfahrt nach Ma¬
rienburg eingeladen und dort erneut um Hilfe, Rat und Beistand gegen Thiingen
angegangen. Bezeichnenderweise entzieht er sich einer unmittelbaren Antwort auf
diese Forderung mit der Bemerkung, er miisse sich dariiber erst mit den Gebietigern
und Briidern des Ordens, nidit mehr auch mit den Standen, beraten48. Trotzdem
werden zu diesen Beratungen auch die Stande des Ordenslandes nadi Heiligenbeil
eingeladen4®. Dort werden ihnen von den Gesandten des polnisdicn Konigs die
Forderungen Kasimirs unterbreitet. Die Lage, in der sich Riditcnbcrg befindet,
wird in der Ermahnung deutlidi, die er seinen Standen zu ihren Beratungen iiber
das Anbringen der polnischen Gesandten mit auf den Weg gibt. Sie sollen so
raten, dafi Hochmeister, Orden, Landsdiaft und Mannschaft Gedeih, Nutzen,
Frommen und Frieden von ihrem Rat haben, es sci notwendig, iiber die Angelegen-
*116 Dcr Orden zwischen dem Wunsch nach Vergeltung und realen Mogltchkeiten
heit Thiingens auch weiterhin zu ,handeln, zu trachtcn und zu ratschlagen*, denn es
tauge nicht, zum Krieg zu reden.
Die Stellung eines Teils der Stande wird in der Antwort Schliebens auf die Er-
mahnung des Hochmeisters deutlidi: sie befiirditen, dafi nach dem Vorgehen des
Konigs dem Land weiterer und mehr Schaden aus der Sadie entstehen konnte. Die
Antwort der Stande des Ordenslandes auf die poinische Forderung erteilt dann
seltsamerweise Bischof Johann von Samland, der Mann, der wenig spater zu
dem Biindnisvertrag mit Thiingcn raten und in Ungam und Rom als Ordens- *
prokurator um Unterstiitzung fair einen neuen Krieg gegen Polen nadisuchen
wird. Die Stande berufen sich auf die Bestimmungen des ewigen Friedens, die
Anweisung des Papstes an den Hodimeister, Thiingen zu unterstiitzen und ver-
langen dann eine gemeinsame Tagfahrt der Stande beider Preufien, die, wie sie
sagen, der Lande Gelegenheit und Gewohnheit ,wissen zu handeln und zu h a 1 -
ten*. Die Stande lehnen das poinische Verlangen nach einer Verkehrssperre ab.
Sie weisen auf ,die Pflanzung unseres wiirdigen Ojrdens*, der vcm Papst ,bestatigt,
privilegiert und befestigt* ist, hin und machen deutlidi, dafi sie auf eine Unter-
stiitzung durch die Stande des Preufien koniglichen Anteils redinen, die der Lande
Gelegenheit und Gewohnheit zu halten wissen. Damit folgen sie zwar der Er-
mahnung Richtenbergs, dafi (Ver-)Handeln besser sei als Krieg, aber ihr Rat sdiliefit
doch einen Krieg nicht vollig aus. Richtenberg wird diese Unterstiitzung der
Kriegspartei im Orden durch die Stande wohl erkannt haben, denn er veranlafit,
dafi der Bischof von Samland und einige andere vor den Gesandten Konig Kasi-
mirs den Frieden von Thorn beschworen. Die Kriegspartei, zu der wohl auch
Bischof Johann gehort, fiihlt sidi noch nidit stark genug, um die Eidesleistung
zu verweigern. Die ablehnende Haltung des Ordens und der Stande gegeniiber den
Forderungen des Konigs ist dadurdi wenigstens etwas abgemildert worden.
Die geforderte Tagfahrt der Stande beider Preufien findet vierzehn Tage spater in
Elbing statt60. Dabei zeigt sidi, dafi innerhalb der Stande des westlidien Preufien
tatsachlidi untersdiiedliche Positionen vorhanden sind, die Stadte verteidigen in
den internen Beratungen die Landesprivilegien gegen Adel und Rate des Konigs51.
Doch in den Verhandlungcn mit den Standcn des Ordenslandes wird diese Un-
einigkeit verborgen gchalten. Die Stande des Ordenslandes einigen sich vor dem
Beginn der Verhandlungen mit den anwesenden Ordensgebietigern darauf, die in
Heiligenbeil vereinbarte politische Linie nicht zu verlassen. Zunachst sorgt man
dafiir, dafi ,die polnischen Herren* von den gemeinsamen Beratungen der Preufien
ausgeschlossen bieiben, dafiir nehmen auch die Ordensgebietiger nicht an den Ver¬
handlungen teil. Die Ordensstande versuchen dann sofort, getrennte Verhandlun¬
gen zwischen den Stadten beider Teile zu erreichen, doch wird das von der anderen
Seite abgelehnt. Die Parteien konnen sich auf einen von beiden Seiten annehmbaren
Vermittlungsvorschlag nicht einigen und beschlieficn, die zu Beginn von den Ver¬
handlungen ausgeschlossenen Polen und Ordensgebietiger doch zu ihren Beratun¬
gen heranzuziehen. Auch in dieser Zusammensetzung kommt man zu keiner Eini-
gung. Zum ersten Mai wird jetzt von polnischer Seite eine Drohung ausgesprochen.
Man will den Vertretern des Ordenslandes nidit untersagen, eine Gesandtschaft an
Die Zeit Heinrichs von Richtenberg
117
Thiingen zu senden, um einen Ausgleich zu finden, wiirde das jedoch nicht im
Sinne des Konigs geschehen, so seien Orden, Ritterschaft, Mannschaft, Lande und
Stadte auf dieser Tagfahrt gewamt worden, werm ihnen in Zukunft Schaden ent-
stehen wiirde.
Die Tagfahrt zeigt, daft die Kriegspartei im Orden und der Teil der Stande,
der mit ihr sympathisiert, weder bei Landen nodi bei Stadten des westlidien
Preuften Unterstiitzung finden wiirde. Nadi dieser Tagfahrt hatte den Standen des
Ordenslandes bewuftt sein miissen, daft einer Vereinigung von Orden, Thiingen und
Konig Mathias von Ungarn immer nidit nur der Konig von Polen, sondern auch
die Stande des Preuften koniglidien Anteils gegeniiberstehen wiirden. Trotzdem
lassen sie sidi auch weiterhin von den Ordensgebietigern in eine Position der
eindeutigen Unterstiitzung Thiingens und kompromifiloser Ablehnung der pol-
nischen Forderungen hineinmanovrieren. Sie weisen die Kriegspartei im Orden
nicht eindeutig und unmiftverstandlich darauf hin, daft sie auf gar keinen Fall Krieg
wollen. Ihr Sympathisieren auch mit dieser Moglichkeit wird deutlich, wenn sie
den Standen des westlidien Preuften entgegenhalten, daft sie, hatten sie deren
,feste Eintracht gewufit*, nicht nach Elbing gekommen waren, sondern es bei ihrer
Heiligenbeiler Antwort belassen hatten52.
Thiingen selbst ist in der Zwischenzeit nicht untiitig gewesen. Im Mai hat er dem
Hochmeister die Abschriften einer Reihe von Briefen des ungarischen Konigs,
des romischen Konigs und papstlicher Legaten iibersandt, die seine Lage im Streit
mit Konig Kasimir als aufierst giinstig erscheinen lassen. In seinem Begleitbrief
versucht er, den schwankenden Hochmeister zu einer eindeutigen Stellungnabme
zu iiberreden. Er schildert das — im Fall der iibersandten Abschriften — ver-
geblidie Bemiihen der Polen, Briefe des Bisdiofs und des Hochmeisters aufzufangen
und sdiliefit daran die Bemerkung an: ,und darum mag eure Herrlichkeit erken-
nen, dafi nicht allc Farbe, die nacl? Gold gebildet wird, in selbstandigen und festen
Grttnd ist alle Zeit verwahrt, wenn man viel und oft mit weifier Farbe Handel
treibt, wird darin dodo sdowarze vermischtNodi im September sdieint Richten¬
berg unschliissig zu sein, ob er dem Drangen der Kriegspartei im Orden nadi-
geben und sidi an Thiingen und den ungarischen Konig ansdilieften soil. Der
papstliche Legat, Bischof Gabriel von Rangone, fordert daher Thiingen auf, den
Hodimeister zu diesem Schritt zu ermutigen54. Am 30. November 1476 schliefit
Richtenberg auf Rat des Bischofs Johann von Samland, der Grofigebietiger und
der Komture von Holland, Ragnit und Osterode einen Biindnisvertrag mit Niko¬
laus von Thiingen55.
Dieses Biindnis ist kein reines Defensivbiindnis gewesen, von Ordensseite wird mit
der Formulierung: „und uff das hirmitte di jenen, di mit not und gewaldiger handt
ан (l dissen landen gedrungen sein, in vorige besitezunge an furder furchte hertczli-
chir widdirumbe komen mogena der Wille kundgetan, mit Hilfe dieses Biindnisses
auch das westlidie Preuften, aus dem der Orden mit Not (d. h. Zwang durdi
Gewalt) und gewalttatiger Hand gedrangt worden war, wieder zu erlangen55.
Nachdem Richtenberg dem Drudt der Ordcnsgebietiger, der Einflufinahme Thiin-
gens und der — zumindest — an den Tag gelegten Gleichgultigkeit der Stande
118 Der Ordcn zwischen dem Wunsch nach Vergeltung und realen Moglichkeiten
gegeniiber einem — auf jeden Fall — friedlichen Ausgang der Auseinandersetzung
durch dicsen Vertrag Rechnung getragen hatte, will er in dem dadurch in den Be-
reich des Moglidien geriickten Krieg mit Polen auch voile Sicherheit haben; der
Bischof von Samland und der Komtur von Osterode, Martin Truchsefi, werden
an Konig Mathias von Ungarn zu Verhandlungen iiber ein Biindnis abgesandt57.
Doch vor dem oifiziellen AbschiuB des Biindnisvertrages mit dem Konig von
Ungarn stirbt Heinrich von Richtenberg am 20. Februar 1477.
Die Griinde fiir das Scheitem der Neutralitatspolitik Riditenbergs liegen klar,
auf der Hand. Die Mehrzahl der Ordensbriider hat sich mit dem Ergebnis des
groflen Krieges nodi immer nicht abfinden konnen. Sie wollen seine Folgen riick-
gangig madien und nehmen den Streit um die Besetzung des Bistums Ermland als
AnlaB zur Vorbereitung eines neuen Waffengangs mit Polen. Das Oberhaupt des
Ordens aber will im Interesse des Ordens und vor allem des Landes einen neuen
Krieg moglichst vermeiden. Er handelt also weniger als Oberhaupt des Ordens
als vielmehr als Landesherr PreuBens. Da die Bruderschaft, durch das ,landesherr-
liche* Verhalten Riditenbergs vcranlaBt, befiirchtet, ihre fiihrende Stellung in
Preufien zu verlieren, finden sich auch die in der Kriegsfrage moglidierweise
schwankenden Ordensbruder letztlich nicht bereit, Riditenbergs Politik zu unter-
stiitzen, sondern sie gehen auf die Seite der Ordensopposition iiber. Der Hodi-
meister, anscheinend im Irrtum iiber die tatsachliche Starke seiner Position als Lan¬
desherr befangen, versaumt es, sich die vollige und riickhaltlose Unterstiitzung
der Landstande zu sichern. Worauf er seine Madit als Landesherr eigentlich be-
griinden will, ist nicht offensiditlich. Die Stande hatten sie ihm wahrend des
Streites mit Cuba im August 1473 noch einmal — wie schon zu Zeiten RuBdorfs —
angeboten, dodi war er nicht bereit, den zuniidist allein vom Landesadel geforder-
ten Preis dafiir zu zahlen. Ein Teil der Stande, vermutlidi nur der Adel, so laBt es
jedenfalls der Beridit des Marschalls iiber die obcrlandisdie Tagfahrt im April
1474 erscheinen, nahert sidi daher der Opposition im Orden an und ubernimmt
deren politische Linie im Streit um das Ermland. Damit stehen dem Hodimeister
und Landesherrn die beiden okonomisch bedeutendsten Gruppen im Ordensland
gegenuber, gegen die er sich auf Dauer nicht halten kann; er muB sich ihrer
politisdien Linie anpassen. 4
2. DIE ENTSCHEIDUNG OBER KRIEG ODER FRIEDEN
Mit dem Tod Riditenbergs iindern sich die Verhaltnisse und Problemstellungen,
mit denen die Stande des Ordenslandes bisher konfrontiert worden waren, be-
trachtlich. Der Grofikomtur Hans von Tiefen ubernimmt zunachst die Statthalter-
schaft des Hodimeisteramtesr'8. Dodi am 1. Juni tritt der Komtur von Osterode und
Unterhandler Riditenbergs in Ungarn, Martin TrudiseB, den Stiinden als Hoch-
meisterstatthalter gegeniiber50. Mit ihm ist der wohl starkste Befiirworter des
Versudis, die polnische Oberhoheit abzuschiitteln und das westliche PreuBen zu-
riickzugewinnen, an die Spirze des Ordens und des Landes getreten. Die Folgen,
die sich daraus fiir Orden und Land ergeben, soilten sehr schnell spiirbar werden.
. Die Entscheidung iiber Krieg oder Frieden
119
Das erste, sehr bemerkenswerte Ereignis unter dem Hochmeisterstatthalter Truch¬
sefi spielt sich innerhalb des Ordens ab. Konrad von Lichtenhain, dessen Ausliefe-
rung Richtenberg nicht vom polnischen Konig hatte erlangen konnen, iibernimmt
am 10. Juni 1477 das Pflegeramt Ortelsburg*0. Der Mann, den Richtenberg gegen-
iiber dem polnischen Konig finanzieller Unregelmafiigkeiten beschuldigt hattertl,
kehrt so kurz nach dem Tod Richtenbergs nicht nur nach Preufien zurtick, sondern
erhalt auch sofort wieder ein Amt; eine beispiellose Desavouierung des verstor-
benen Hochmeisters durch seinen Nachfolger, die ein bezeichnendes Licht auf das
Verhiiltnis Richtenbergs zu den Gebietigern und Briidern des Ordens wirft. Lich¬
tenhain ist nach seiner Obernahme des Pflegeramtes sofort bemiiht, dem Hoch¬
meisterstatthalter zu zeigen, dafi dieser sich auf ihn bei der Verfolgung seiner
Kriegspolitik verlassen kann. Er unterrichtet Truchsefi iiber die Bewaffnung des
Hauses Ortelsburg und bittet, ihm Pulver und Soldner zu senden, dann, so
schreibt er, ,konnen wir den Feinden wohl Abbruch tun‘c2.
Die Stande bleiben nicht lange im unklaren iiber die Politik, die Martin Truch¬
sefi zu verfolgen beabsichtigt. Zum 2. Juni 1477 beruft er ausgewahlte Vertre-
ter der Lande und Stadte des Ordenslandes nach Bartenstein zu einer Tagfahrt
ein*3. Der Hochmeisterstatthalter fiihrt vor den Standen zunachst aus, dafi der
Orden mit Gewalt zum Frieden von Thorn gezwungen worden ware und dafi
dieser Frieden bisher nicht vom Papst bestatigt worden sei. Anschliefiend lafit er
den Standen durch seinen Kanzler die Punkte vortragen, in denen nach seiner An-
sicht der Konig von Polen den Friedensvertrag verletzt habe. Dann eroffnet ihnen
Truchsefi, dafi der Orden mit dem Konig von Ungarn ein Biindnis abgeschlossen
habe und fordert die Stande auf, sich zu riisten.
Die Stande driicken zunachst ihr Erstaunen iiber das Biindnis mit Ungarn, von dem
ihnen bisher nichts bekann gewesen sei®4, aus und stofien dann sofort zum Kern der
Ausfiihrungen des Hochmeisterstatthalters vor. Sie fragen, wie man dem Konig
von Polen widerstehen konne und wie man sich der Eide, die sie zuletzt in
Heiligenbeil auf Veranlassung des Ordens auf Einhaltung des ewigen Friedens ge-
schworen haben, entledigen konne, ohne dafi sie in den Verdacht des Eidbruchs
gerieten. Sie haben also erkannt, dafi cs nun nicht mehr nur um die Unterstiitzung
Thiingens oder Konig Kasimirs geht, sondern um die Frage Krieg oder Frieden.
Aus der Reaktion der Stande ist zu ersehen, dafi ihnen diese Problemstellung nicht
sonderlich zusagt. Trotzdem erklaren sie auf die Frage des Hochmeisterstatt¬
halters, ob er mit ihrer Unterstiitzung rechnen konne, keineswegs, dafi sie nicht ge-
dachten, Krieg zu fiihren, sondern verlangen eine Tagfahrt, auf der die Stande in
grofierer Zahl versammelt seien*5.
Schon auf dieser Tagfahrt wird die zwiespaltige Haltung der Stande zur Frage
eines Krieges deutlich. Sie lehnen ihn nidit eindeutig ab, sondern geben zu be-
denkcn, dafi das militarische Potential des Ordenslandes, auch wenn man auf die
Unterstiitzung dcs ungarischen Konigs rechnen konnte, nicht ausreicht, um der
Kriegsmacht des polnischen Konigs widerstehen zu konnen. Erst nach diesem Ein-
wand folgen bei ihnen Bedenken gegen den Eidbruch, den sie im Kriegsfall auf
sich nehme.i miifiten. Wie wenig Gewicht Truchsefi den Einwanden der Stande
120 Der Orden zwischen dem Wunsdi nach Vergeltung and realen Moglichkeiten
zunachst beimifit, zeigt sich daran, dafi das Biindnis mit dem ungariscben Konig
am 27. Juni vom Orden ratifiziert wirdee. TruchseB weiB, daB audi bei den Stan-
den des Ordenslandes — wie sparer nodi sehr deutlich von ihnen gesagt werden
wird — ein betrachtlicher Widerwille gegen den Eid, den Thomer Frieden und
damit gegen die polnische Oberherrschaft iiber das Ordensland herrscht.
Der Widerstreit innerhalb der Stande zwischen dem Wunsch, die polnische Ober-
herrsdiaft zu beseitigen und der Einsicht, daft ihre Krafte dazu nicht ausreichen,
muB betrachtlich gewesen sein, denn zunachst stellen sie dem kriegerischen Aben-
teuer, in das sich TruchseB stiirzen will, keine uniiberwindlichen Hindernisse in den
Weg. Zwar lehnen sie es auf der Tagfahrt im September 1477 in Konigsberg ab,
dem Hochmeister bei der Bemannung der oberlandischen Burgen Hilfe zu leisten
und sich fur eine Heerschau zu riisten, aber sie bewilligen ihm doch ein Geschofi87.
Die Stande des Ordenslandes sind sicher nicht so naiv gewesen, um nicht zu wis-
sen, daft sie damit wenigstens indirekt die Kriegsvorbereitungen des Hochmeisters88
unterstiitzten. Allerdings versuchen sie den Eindruck, dafi $ie die Politik des Hoch-
meisters eigentlich unterstiitzen mochten, durch die Bedingung abzuschwachen,
dafi sie das Geschofi nicht zahlen wiirden, kame es zum Krieg, ehe es gefallen sei.
Auf der Konigsberger Tagfahrt erklaren die Stande den Zwiespalt, in dem sie sich
befinden, noch jeinmal deutlicher als auf der Bartensteiner Tagfahrt. Wiederum
fiihren sie zunachst die geringe Kriegsmacht des Ordenslandes an und danach den
Eid, durch den sie an die Einhaltung des ewigen Friedens gebunden sind. Sie
erklaren, daB auch ihnen, genau wie dem Orden, der Frieden an Ehre, Seele, Leib und
Gut gehe und fordern den Hochmeister auf, durch Rat und Hilfe des Papstes, des
Kaisers und der Kurfiirsten dafiir zu sorgen, daB sie der Burden des Friedens und
der Eide ledig wiirden, dann konne man weitersehen. Die von ihnen auch an den
Hochmeister gerichtete Bitte, das Land bei Frieden zu halten und alle aus Dber-
tretungen und Verletzungen des ewigen Friedens (durch Polen) entstehenden
Fragen auf Tagfahrten durch Verhandlungen zu losen, ist wohl nicht so ernst
gemeint
Im Dezember 1477 laBt TruchscB im Ordensland die Heerschau durchfuhren, die
die Stande wenige Zeit vorher auf der Tagfahrt in Konigsberg abgelfihnt hatten.
Das Urteil des Obersten Trapiers iiber Adel und Freie der Gebiete Balga und
Heiligenbeil und des Reuschen Kammeramtes lautet, daB ,sicb das meiste woll
irgangen habe(nDie Ritterschaft dieser Gebiete lehnt auch eine von Danzig
vorgeschlagene Tagfahrt der Stande beider PreuBen ab, sie wollen nicht, ohne daB
auch Gebietiger und Briider des Ordens beteiligt seien, mit den Standen des west-
lichen PreuBen verhandeln70. Audi auf den Tagfahrten bis zur Mitte des Jahres
1478 erfolgt von den Standen keine eindeutige, kompromifilose Absage an den
einen Krieg mit Polen anstrebenden Hochmeister. Die Abneigung gegen den
Thorncr Frieden, die polnische Oberherrschaft und vielleidit audi allgemein gegen
d i e Polen ist nicht groB genug, um die niichterne Einsicht iiber die unzureichenden
Moglichkeiten fur die Beseitigung der polnischen Oberherrschaft in den Hintergrund
drangen zu konnen, sie ist aber auch nicht so gering, um eine eindeutige Absage
an alle Kriegsgeliiste zu erteilen.
Die Entscheidung liber Krieg oder Frieden
121
Der Orden versucht, die im Ordensland zweifelsohne vorhandenen ,nationalen
Ressentiments* zu verstarken, um auf diesem Weg vielleicht doch noch die vollige
Unterstiitzung fiir sein Vorhaben zu erhalten. In zwei Briefen, die Grofikomtur
Hans von Tiefen an die Drei Stadte Konigsberg und an die Stande des Samlandes
im Jahr 1478 wahrend seiner Unterhandlungen mit dem ungarischen Konig richtet71,
sdireibt er zunzichst, dafi sich Mathias bereit erklart habe, wenn Polen gegen die
Obemahme von Kulm, Strafiburg und Althaus Widerstand leisten wiirde, den
Konig von Polen dann von Ungarn und Schlesien aus ebenfalls anzugreifen. Dann
jedoch schreibt er — und das ist absolut neu in Briefen eines Ordensbruders —
man wisse ja, was gesdiehen sei, als die Polacken im Ermland einige Stadte ein-
genommen batten72. Die Polen hatten das getan, nadidem die Sendboten des Ko-
nigs Kasimir mit dem ungarischen Konig einen audi fiir das Ermland giiltigen
Waffenstillstand abgesdilossen hatten78. Nachdem er danil noch zweimal von Po¬
lacken und deren .falschen und liigenhaften Teidungen und Zusagungen* spricht,
ermahnt er die Stande des Samlandes und die Konigsberger, unter Ansehung der
Seeligkeit ihrer Seelen, sich den Forderungen des Hodimeisters zu beugen, Konig
Mathias wiirde den Hochmeister und den Orden nicht ohne Hilfe, Rat und Trost
lassen.
Ahnlich wie hier vorhandene nationale Ressentiments bei den Standen des Ordens-
landes durch Tiefen im Interesse der Kriegspolitik des Hodimeisters ausgenutzt
werden sollen, hatte auch der Hochmeister selbst schon derartige Emotionen bei
den Danzigern zu wecken oder fiir seine Zwecke auszunutzen versucht. Kurz nach
seiner Wahl zum Hochmeister hatte Truchsefi den Danzigern fiir die Aufnahme
der aus Deutschland zur Hochmeisterwahl angereisten Gebietiger gedankt. Dann
halt er ihnen aber vor, wie wenig Konig Kasimir bisher die den Standen des west-
lichen Preufien erteilten Privilegien gehalten habe und er stelit ihnen die rheto-
rische Frage, wie die Danziger und die Stande des Preufien koniglichen Anteils von
den Polen geachtet und gehalten wiirden74. Truchsefi versucht aber zu spat, die
Unzufriedenheit der Stande des westlichen Preufien mit der Handhabung ihrer
Privilegien durch die Polen auszunutzen. Schon am 26. Juli 1476 hatte der pol-
nische Konig dem westlichen Preufien das einheitliche kulmische Giiterrecht ver-
liehen und am 13. und 21. Juni 1477 bestatigt er den Standen alle von ihm und auch
die friiher verliehenen Privilegien75. Wenn auch die Stande dadurch nicht vollig be-
friedigt werden, so brauchte Ka$imir nun nicht mehr mit grofien Schwierigkeiten
zu rechnen, die ihm die Stande des westlichen Preufien bei seinem Vorgehen gegen
Thiingen und den Orden hatten bereiten konnen.
Der polnische Konig beginnt Mitte September 1478 seine militarischen Aktionen
zur Vertreibung Thiingens aus dem Ermland. Nur wenig sparer, am 30. September,
nimmt der ungarische Konig die zwischen seinen Gesandten und denen des Sohnes
Konig Kasimirs, Wladislaw, seinem Konkurrenten um die Krone Bohmens, am
28. Marz getroffene Punktation uber die Teilung Bohmens an und gibt damit schon
zu diesem Zeitpunkt den Orden vollig preis76. Diese Entwirklung bringt die
Stande des Ordenslandes dazu, ihre zwiespaltige Haltung gegeniiber der Politik
des Hodimeisters zu iiberdenken77. Sie veranlassen den Hochmeister, einer Tag-
122 Der Orden zwischen dem Wunsch nach Vergeltung Und realcn Moglidikeiten
fahrt der Stande des Ordenslandes und des westlichen PreuBen iiber die Beilegung
des Konfliktes zuzustimmen und vereinbaren mit der anderen Seite eine Zusammen-
kunft fiir den 28. Oktober in Elbing78. Fiir das Zugestandnis dieser gemeinsamen
Tagfahrt erlegt der Hochmeister ihnen jedoch konkrete Richtlinien auf, denen sie
auf der Tagfahrt folgen sollen70. Dicse ,Artikel unseres Herren* stellen eine Auf-
zahlung von Ergebnissen des Konfliktes dar, die der Orden hofft, erreichen zu
konnen oder zumindest anstreben will. Der erste Artikel fordert, daB Hochmeister
und Orden nach altem Herkommen in der Beschirmung des Papstes und des Kai¬
sers bleiben. Der zweite Artikel senkt die Anspriiche etwas, es wird nur nodi ver-
langt, dafi alle Ordensbriider, die zu diesem Zeitpunkt dem Orden angehoren, dem
polnischen Konig den Eid auf den Frieden nicht leisten miissen. Im dritten Artikel
werden die Anspriiche noch etwas weiter gesenkt, der Orden will nur fiir 30 Jahre
von der Eidespflicht entbunden werden. Wenn selbst das nidit erreicht werden
konne, solle zumindest ein vierjahriger Aufschub ausgehandelt werden, damit man
sidi mit Papst, Kaiser und Kurfursten beraten konne; »wiirden die empfehlen,
wieder in den ,alten Frieden4 zu gehen, so wolle man das tun. Weiter sollen die
Dinge so verfiigt werden, dafi Hochmeister und Orden vom Bischof von Heilsberg
ohne ,Nadirede‘ bleiben, auBerdem soil ein Aufsdiub von adit Wochen erreicht
werden, damit man sich beim Konig von Ungarn entsdiuldigen konne.
Die Stande des Ordenslandes merken in den Verhandlungen mit den Standen des
westlichen PreuBen sehr schnell, daB die Maximalforderung des Hochmeisters
weder gestellt noch gar durdigesetzt werden kann. Sie besdiranken sich darauf zu
verlangen, daB Hochmeister und Gebietigern der Eid auf Lebenszeit erlassen wird
oder doch zumindest fiir einige Jahre. Doch sie miissen feststellen, dafi die Stande
des westlichen PreuBen dieser Forderung weder — aus Mangel an Vollmacht —
nachgeben konnen noch nadigeben wollen.
Die Begleitumstiinde dieser Tagfahrt und die Argumentation der Stande des Or¬
denslandes in den Verhandlungen zeigen noch einmal, wie stark sie sich mit den
Ansiditen des Ordens identifizieren. Zunachst einmal erscheinen sie zusammen mit
den Standen des Ermlandes in Elbing. Als ihnen die Stande des westlichen PreuBen
entgegenhalten, die Ermlander scien Untertanen des Konigs, und sie* die Stande
des westlichen PreuBen, seien mit ihnen eines Herren Leute, beteuern die Stande
des Ordenslandes, dafi sie die Ermlander nicht von dem Konig trennen wollten,
sondern durch dieses Vorgehen das Zustandekommen einer Vereinbarung iiber die
Einhaltung des ewigen Friedens erleiditern wollten. Dieser Gedankenfiihrung
konnen die Stande des PreuBen koniglichen Anteils jedoch nidit folgen. Nadidem
die Stande des Ordenslandes schliefilidi getrennte Verhandlungen der Ermlander
mit der anderen Partei zulassen mufiten, berufen sich wiederum die Ermlander
darauf, dafi sie ohne Rat ihrer Standesgenossen aus dem Ordensland nichts zuge-
stehen konnten. Die enge Verbindung der Stande des Ermlandes und des Ordens¬
landes in ihrem pclitisdien Ziel ist sehr offensiditlich, doch wird sie von den Stan¬
den des westlichen PreuBen in keiner Phase der Verhandlungen anerkannt.
Als den Standen des Ordenslandes von der Gegenseite die offenkundige Verletzung
des ewigen Friedens durch den Hochmeister entgegengehalten wird, wollen sie
Die Entscheidung iiber Krieg oder Frieden
123
darauf nicht eingehen. Sie entschuldigen aber die Biindnisse mit Thiingen und dem
ungarischen Konig, die der Orden aus prsathe halben getwanges und gedrangs
getan‘ habe. Sie betonen auch zu oft, als dafi es ihnen die Stande des westlichen
Preufien vollig glauben konnten, dafi sic den ewigen Frieden immer gehalten
hatten und ihn auch weiterhin halten wollten. Ihrcn Zweifel an diesen Beteue-
rungen machen die Stande des koniglichen Preufien deutlich, als sie ihren Verhand-
lungspartnern auf deren Forderung nach sicherem Geleit erwiedern, dafi es doch
sehr verwunderlich ware, wenn sie, die versichern, den ewigen Frieden zu halten,
Geleit begehrten80. •
Die Verhandlungen der Parteien enden schliefilich ergebnislos, da beiden Seiten
die Vollmachten fehlen, um irgendwelche verbindlichen Beschliisse fassen zu konnen.
Man vereinbart cine ncue Tagfahrt, auf der beide Parteien mit grofieren Voll¬
machten erscheinen wollen. Die Stande des Ordenslandes haben auf der Elbinger
Tagfahrt wohl endgiiltig den Eindruck gewonnen, dafi sich die Stande des konig-
lichen Preufien nicht vom polnischen Konig trennen iassen wiirden81. Knapp drei
Wochen spater, auf der Tagfahrt in Konigsberg, Iassen sie keinen Zweifel mehr
daran aufkommen, daft sie nicht gesonnen sind, die abenteuerlidie Politik des
Hochmeisters zu unterstiitzen, aber nodi immer gestehen sie zu, dafi sie neben dem
Orden ihre Pflicht tun wollen,. wenn das polnische Kriegsvolk aus dem Ermland
einen Zug ins Niederland untemehmen sollte82. Sie zwingen den Hochmeister nicht,
sich in das Unvermeidliche zu fiigen und den ewigen Frieden zu beschworen.
Der Hochmeister kann fur eine militarische Offensive gegen Polen nur nodi auf
die Unterstiitzung Ungarns rechnen. Doch auch diese Hoffnung mufi er bald fahren
Iassen. Am 12. Dczcmber 1478 teilt er seinem Kompan Menzinger mit, dafi ihm
die Gemeinen der Drei Stadte Konigsberg erneut zugesagt haben, bei ihm und dem
Orden als ,getrauc und geholdigte Mann* zu bleiben, was er sich von den Raten
diescr Stadte und der Ritterschaft auch erhofft83. Zwolf Tage spater riditet er an
Stibor von Baisen die Anfrage, ob die Stande des westlichen Preufien den am
21. November 1478 zwisdien Ungarn und Polen geschlossenen Waffenstillstand
respektieren wiirden, so dafi er und Thungen ungefahrdet nach Olmiitz ziehen
konnen84. Er beginnt einzusehen, dafi er sein Ziel nur nodi auf dem Verhandlungs-
weg erreichen kann.
Zur Vorbereitung der Verhandlungen in Olmiitz setzt sich Tmdiseft mit den Stan-
den des Ordenslandes in Verbindung. Erneut wird deutlich, dafi die Stande mit
den politischen Zielen des Hochmeisters durchaus iibereinstimmen, sich nur nicht
fiir die ausdriiddidie Billigung der Mittel entschliefien konnten, mit denen Truchscfi
dieses Ziel erreichen wollte. Die Stande des osterodischen Gebiets erklaren auf
die Frage des Hochmeisters, ob er personlidi zu den Verhandlungen in Olmiitz
ziehen solle, dafi sie das fiir niitzlich hielten, denn er konnte dort viel erlangen
und zustandebringen, was andere an seiner Stelle nicht konnten. Sie sind weiter
der Ansicht, dafi der Hodimeister zwei .geholte und geschworene Manne* mitneh-
men solle, da die Dinge, die in Olmiitz verhandelt wiirden, nicht allein den Orden
angingen, sondern auch Land und Stadte. Bei der Aufbringung der Kosten fiir die
Gesandtschaft wollen sie sich genauso verhalten wie ihre Standesgenossen in den
124 Der Orden zwischen dem Wunsch nach Vergeltung und realen Moglichkeiten
anderen Gebieten85. Doch gerade die Kosten der Gesandtschaft sollten zum Pro¬
blem werden. Der Termin der Olmiitzer Tagfahrt war verschoben worden80. Konig
Mathias hatte dem Hochmeister mit seinem Brief vom 2. Februar 1479, in dem
er ihn aufforderte, die Nichteinhaltung der Waffenruhe durch Polen sofort zu
melden, damit Mathias ihm zu Hilfe eilen konne, nodi einmal Anlafi zu
der Hoffnung gegeben, vielleicht doch noch militarisch zusammen mit dem unga-
rischen Konig gegen Polen vorgehen zu konnen87. Moglicherweise hat Trudisefi
dieser Hoffnung allzu deutlich Ausdruck gegeben, denn vorsichtshalber lehnen die
Stande des hollandischen Gebietes Mitte Miirz eine Geschofiforderung des Hodi-
meisters ab. Als besonders renitent erweist sich dabei der Adel im hollandischen
Gebiet88. Die Gesamtstande des Ordenslandes haben, wie zu vermuten ist, ein
Geschofi fiir die Reise nach Olmiitz ebenfalls abgelehnt80, doch scheinen Adel,
Stadte, Freie, Schultheifie und Bauern zu diesem Zweck Geld geliehen zu haben90.
Wenn die Stande des Ordenslandes auch nicht die Hoffnungen des Hochmeisters
teilen konnen, so gehen sie dodi audi nidit auf ein Angebot Baisens ein, sich emeut
mit den Standen des westlidien Preufien zu treffen und mit ihnen iiber die Rege-
lungen zur Einhaltung des ewigen Friedens zu verhandeln91. Sie setzen ihr Ver-
trauen in die Verhandlungen, die zwischen Kasimir und Mathias stattfinden sol-
len. Ihren Landesherrn wollen sie gegeniiber den Standesgenosscn des westlidien
Preufien nidit zu offensichtlidi unter Druck setzen, um sein Ansehen, das in den
bevorstehenden Verhandlungen wahrsdieinlich sehr beeintrachtigt werden wird,
nidit noch starker herabzumindern.
Zwischen Polen und Ungarn wird am 2. April 1479 ein neuer Verhandlungstermin
fur den 30. Mai in Sieradz vereinbart. An diesen Verhandlungen sollen audi
Thiingen und der Hochmeister teilnehmen. Sdion im April aber wird zwisdien
Ungarn und Polen festgelegt, dafi die zukiinftige Stellung des Hochmeisters der
bei Antritt seines Amtes gleichen soil, er soil die Bedingungen des Friedensvertrages
von Thorn erfiillen02. Der Hochmeister erfahrt die Bedingungen am 4. Mai und
wird durch die Stande auf einer Tagfahrt gezwungen, selbst zu der vereinbarten
Tagfahrt nach Sieradz zu ziehenori. Damit haben die Stande zum erstenmal den
Hochmeister veranlafit, sich mit den Realitaten abzufinden und den ewigen Frie-
den zu beschworen. Doch noch immer straubt sich Trudisefi. Auf der Tagfahrt in
Sieradz unterwirft sich zwar Thiingen dem polnischen Konig, nicht jedoch der
Hochmeister94. Erst auf der Tagfahrt in Neustadt-Korczyn findet sich audi Truch-
sefi damit ab, dafi er ohne Hilfe anderer nidit gegen den polnischen Konig be-
stehen kann, er schliefit ebenfalls Frieden mit Kasimir05, nicht jedoch ohne dafi er
von den ihn begleitenden Vertretern der Stande des Ordenslandes nodi einmal
unter Druck gesetzt werden mufite90.
Die Ereignisse im Ordensland, die sich um den Streit wegen der Besetzung des
ermlandischen Bischofsstuhls abspielten, zeigen eincn Landesherrn und Landstiinde,
die in einem aufienpolitischen Ziel, der Abschiittelung der polnischen Oberherr-
schaft, iibereinstimmen. Abcr ihre Auffassungen iiber den Weg, wie dieses Ziel
erreicht werden kann, untcrscheiden_sich betrachtlich. Die Gruppe im Orden, die
sich um den Komtur von Osterode und spateren Hochmeister Martin Trudisefi
Die Entscheidung iiber Krieg oder Frieden
125
zusammengesdilossen hatte, wollte der polnischen Oberhoheit im Bund mit dem
ungarischen Konig durch militarische Aktionen ledig werden. Wenn man dabei
audi die polnische Oberhoheit mit der ungarischen vertauschen mufite, so fiel das
fur sie nicht sehr stark ins Gewicht, einmal waren sie dieses Schutzbiindnis frei-
willig eingegangen und zum anderen war der neue Schirmherr weit weg in Ungam
und nicht in unmittelbarer Nachbarschaft. Truchsefi und seine Gesinnungsgenossen
iibersahen dabei jedoch, dafi das Biindnis mit dem Orden fiir Konig Mathias nur
ein Mittel war, um den Kampf um die Krone Bohmens gegen den Sohn des pol¬
nischen Konigs erfolgreicher fiihren zu konnen. Die Drohung mit einer zweiten
Front im Norden mufite die polnischen Krafte zersplittern und dadurch schwachen.
Der Hochmeister Martin Truchsefi hatte sich niemals so fest auf die ungarische
Biindnistreue verlassen diirfen, wie er es getan hat. Er hatte damit rechnen miissen,
dafi Mathias ihn in dem Augenblick fallen lassen wiirde, in dem sich eine Einigung
mit Wladislaw iiber Bohmen abzeichnete, ein Ereignis, mit dem man immer rechnen
mufite, waren doth Mathias und der Papst an einer Beilegung des Konfliktes in
Mitteleuropa im Interesse des Kampfes gegen die Tiirken stark interessiert. Das
alles sah oder wollte Truchsefi nicht sehen. Er, im Orden immer in der Nahe der
reaktionaren Ordensbriider97, konnte das Ergebnis des grofien Krieges, das seinen
Stolz und seine Eigenliebe auf das schwerste erschiittert haben mufite, nicht akzep-
tieren. Nicht vergessen werden darf auch, dafi die Zurikkgewinnung des reichen
westlichen Teils des alten Ordenslandes einen lockenden Lohn fiir sein Vabanque-
spiel darstellte.
Die Stiinde dagegen haben wahrscheinlich von Anfang an erkannt, wie diinn der
Boden war, den das Biindnis mit Ungarn fiir die Erreichung des angestrebten Zieles
bildete. Fiir sie ware ein Biindnis des Ordens mit Papst, Kaiser und Kurfiirsten
moglicherweise die Bedingung gewesen, unter der auch sie das Risiko eines Krieges
mit Polen auf sich genommen hatten98. Sie hatten es freilich leichter, kiihle Berech-
nungen iiber die Erfolgschancen eines Krieges gegen Polen anzustellen. Ihre emo-
tionale Gegnerschaft gegen die polnische Oberhoheit war bei weitem schwacher
als die des Hochmcistcrs". Ihr okonomisches Interesse mufite sie vor einem Krieg,
der nicht hohe Erfolgsaussichten hatte, zuriidcschrecken lassen, denn sie hatten im
ostlichen Preufien mehr zu verlieren als sie im westlichen Preufien gewinnen konn-
ten.
Von dieser Grundlage aus taktierten sic wahrend der entscheidenden Jahre wesent-
lich geschickter als etwa der Hochmeister. Sie hinderten Hochmeister und Orden
nicht an dem Abschlufi des Biindnisscs mit Thiingcn, sie verhandelten selbst auch
mit den ermlandischen Standen100, schlossen sich dem Biindnis Orden—Thiingen
jedoch nicht offiziell an101. Trotzdem erscheinen sie auf der Tagfahrt mit den Stan¬
den des westlichen Preufien im Oktober 1478 zusammen mit den Ermlandern und
trennen sich erst nach sehr langwierigen Verhandlungen mit der Gegenseite von
ihnen. Audi das Biindnis mit Ungarn lassen sie ,ein Ding sein', schliefien sich ihm
aber nicht an, obwohl sie oder Teile von ihnen mit diesem Gedanken gespielt zu
haben scheinen102. Solange nicht eindeutig zu erkennen war, dafi das Biindnis mit
Ungarn nicht wider Erwarten dcch den gewiinschten Erfolg bringen wiirde, haben
126 Der Ordcn zwischen dem Wunsch nach Vergeltung und realen Moglichkeiten
sie den Landesherm nidit eindeutig und unmiBverstandlich von seiner abenteuer-
lichen Politik zuriickgehalten. Erst als sehr offenkundig geworden war, daft der
Orden von Konig Mathias nichts mehr zu erwarten hatte, haben sie ihr politisches
Gewicht benutzt, um den Hochmeister zur Eidesleistung zu zwingen.
Allerdings ware es falsch, durchgehend von einer einheitlichen Haltung der Stande
in der Kriegsfrage zu sprechen. Wir horen von Martin Truchsefi selbst einmal, daft
ein Teil der Stande ,im Frieden bleiben* wolle, der groftere Teil jedoch nidit und
dafi sie die Wahl Truchsefi’ zum Hochmeister begriiftt hatten103, obgleidi sie wissen
mufiten, welche politisdien Ziele er verfolgte. Welcher Teil der Stande nicht ,im
Frieden bleiben* wollte, ist nicht eindeutig zu erkennen. Doch sdieinen grofie
Teile des Adels zu ihm zu gehoren, moglicherweise aber auch die Rate der Drei
Stadte Konigsberg mit Ausnahme einiger Manner im Kneiphof. Von dem Willen
dieser Manner zum aktiven Widerstand gegen die Politik des Hodimeisters horen
wir erst redit spat104. Dann jedoch scheint der Widerstandswille breitere Kreise
unter den Stadten des Ordenslandes erfafit105 und auch atff Teile des Adels iiber-
gegriffen zu haben.
Die Unterstiitzung der Rate der Drei Stadte Konigsberg ist nicht weiter verwun-
derlidi, wenn man bedenkt, in weldier Weise ordenstreue Manner innerhalb der
Altstadt zu polit-isdien Amtern aufstiegen106. Der Kneiphof, in dem sich der Wider¬
standswille am starksten geregt zu haben sdiien, hielt sidi in diesen Dingen wesent-
lich unabhangiger vom Orden. Es ist daher als wahrsdieinlich anzunehmen, dafi
die Opposition der Stande gegen die Politik des Hodimeisters von jeher im wesent-
lidien vom Kneiphof und moglicherweise den Landstadten des Ordenslandes be-
trieben, und sich die Altstadt und Teile des Adels dieser Opposition erst in dem
Augenblick anschlossen, als eindeutig feststand, daft das ungarisdie Hilfsver-
sprechen wertlos war.
Unter dieser Annahme mufite man ein Biindnis zwisdien grofien Teilen der
Ordensbrudersdiaft und des preufiischen Adels sowie — moglicherweise — der
Oberschiditen der grofien Stadte konstatieren. Antrieb zu diesem Biindnis war bei
alien ein nidit unbetraditlidies Mafi an ,nationalem Ressentiment* gegen Polen,
moglicherweise bei alien aus gleichem Anlafi entstanden, und die okonomisdien
Moglichkeiten, die sich ihnen bei der Wiedererlangung des westlichen Preufien ge-
boten hatten. Diese okonomisdien Moglidikeiten fur den einzelnen Ordensbruder
wurden oben sdion erwahnt, auch der ehemals ,neue* Adel hatte aus dem letzten
Krieg gegen Polen betraditliche materielle Vorteile gezogen und versprach sich
ahnlidie Gewinne auch bei der Wiedererlangung des westlichen Preufien; die
Handelsstadte Konigsberg waren von einem siegreichen Orden gegeniiber ihren
Konkurrenten im westlichen Preufien wahrsdieinlich stark bevorzugt worden.
Doch die Antriebe waren bei den einzelnen Gruppen der Kriegskoalition unter-
sdiiedlich stark ausgepragt. Am schwachsten diirften sie wohl bei den Stadten vor-
handen gewesen sein, und die des Adels werden nicht wesentlich starker gewesen
sein. Daher ist es vermutlidi richtig, wenn die Chroniken beriditen, dafl die Stadte
des Ordenslandes den Hochmeister nach Sieradz zwangen107 und dafi es dem Hoch-
Die Entscheidung iiber Krieg oder Frieden 127
meister zwar gelungen sei, den Adel auf seine Seite zu ziehen, nidit jedoch die
Stadte108.
In der Frage nadi Krieg oder Frieden zeichnet sidi zum erstenmal eine Zusammen-
arbeit der fiihrenden Schichten der Stande mit dem Hochmeister und den Gebie-
tigem des Ordens ab. Dabei zogen die Stande aus dieser Koalirion den groGeren
Nutzen, denn sie haben sich in ihrer Gesamtheit nicht so eindeutig wie Hodimeister
und Orden auf das politische Mittel des Krieges festgelegt und sie haben vor allem
friihzeitiger als Hodimeister und Orden erkannt, daG dieses Mittel vollig unan-
wendbar geworden war. Der letzte, der auf dem Krieg als Mittel der Politik be-
harrte, sdieint der Hodimeister gewesen zu sein; er sdiwachte dadurdi jedoch nur
seine landesherrliche Stellung, da er dem Zwang von auften und innen schlicGlidi
doch nachgeben mufite109.
KAPITEL III
DIE INNENPOLITISCHEN VERHALTNISSE IN PREUSSEN
ZWISCHEN 1480 UND 1497
Nadi den hektischen Ereignissen der Jahre 1478 und 1479 treten im Ordensland
etwas ruhigere Zeiten ein1. Im Orden beginnt jetzt, nadi der zweiten — diplo-
matisdien — Niederlage gegen Polen der Versuch, den Orden zu reformieren.
TruchseE und Tiefen, die beidcn letzren aus dem Orden erwachsenden Hochmeister,
untemehmen verschiedene Anlaufe, den Gesamtorden zu refgrmieren. Sie miissen
auf Grund der eigenstandigen Entwicklung, die der Orden in Deutschland und in
Livland in der Zwischenzeit genommen hat, scheitern* und sich darauf beschranken,
allein den preufiischen Ordenszweig zu einer Reformation zu drangen.
1. DIE REFORMVERSUCHE DER HOCHMEISTER
IM PREUSSISCHEN ORDENSZWEIG
In den dreifiig Jahren zwischen 1467 und 1497 finden drei Zusammenkiinfte aller
Angehorigen des Ordens in PreuEen start, von denen nahere Angaben iiber Be-
ratungsthemen vorliegen8. Im ersten Kapitel stehen neben der Wahl des Marschalls
nur aufienpolitische Angelegenheiten des Ordenslandes PreuEen auf der Tages-
ordnung, wahrend sich die beiden spateren Zusammenkiinfte mit der Regelung
der inneren Verhaltnisse des preufiischen Ordenszweiges befassen. Da die Ver-
fassung des Ordens und die des Landes PreuEen eng miteinander zusammenhangen4,
sind diese beiden Landeskapitel fur die innenpolitischen Verhaltnisse PreuEens in
gleidier Weise wichtig und bedeutsam wie fiir die inneren Verhaltnisse des Ordens
selbst. Aus diesem Grund ist es angebracht, die Berichte iiber die beiden letzten
Kapitel etwas naher zu untersuchen, um neben der Frage der Motivierung der
angestrebten Reformation auch zu klaren, weldie Bestimmungen der Ordensver-
fassung vordringlich einer Anderung bedurften und welche Beschliisse in dieser
Hinsicht vom preuEisdien Ordenszweig gefafit wurden.
Das Kapitel vom Marz 1480 hndet ein knappes halbes Jahr nadi der Eidesleistung
des Hochmeisters Martin TruchseE gegeniiber dem polnischen Konig statt. Es liegt
daher nahe zu vermuten, dafi TruchseE diese Eidesleistung bestimmt, den Versuch
einer Reformation des Ordens zu wagen. Verfassungspolitisch entscheidend ist die
Frage, ob TruchseE zugunsten des Terriroriums versuchen wiirde, den EinfluE des
Ordens zuriickzudrangen odcr ob das Kapitel darauf hinauslaufen wiirde, dem
Orden sein altes innenpolitisches Gewicht zu erhalten.
129
Die Reformversuche der Hochmeister im preufiischen Ordenszweig
Die Aufzeichnungen iiber das Kapitel machen deutlich, dafi das letztere der Fall
war. Die Korporation und nicht das Land stehen im Vordergrund, wenn es als
Begriindung fiir die vorzunehmende Reformation heiBt, dafi „kein Orden ane
Grond der Selbstendigkeit, Gehorsams, Kewscheit und ane Eigenscbajt czu leben
die Lenge bestant haben meg*.5 Dafi der Hochmeister die Zeichen der Zeit nodi
immer nicht erkennt oder nicht zur Kenntnis nehmen will, moglicherweise auch
nicht zur Kenntnis nehmen kann, wenn er nicht die Idee des Ordens aufgeben will,
wird in der Aussage, dafi „die auszgestrackte Gotes Hant . . . so wir uns nicht er-
kennen wollen nochmals czu forchten ist*, deutlidi. Doch die Selbsterkenntnis, zu
der der Orden auf diesem Kapitel kommt, besdirankt sidi auf zwei Dinge: die
Rechensdiaft der Amtstriiger und den Privatbesitz der Briider.
Die durch den Hochmeister angestrebte jeformacio* des Ordens ist also nicht zu
verstehen als eine Umwandlung, eine Umgestaltung des Ordfens, sondern im Sprach-
gebrauch der Zeit als eine /wider machunge‘ alter, vergangener Verhaltnisse und
in diesem Sinn eigentlich ein jeascendo\ ein sich wieder aufrichten. Diese Wieder-
herstellung alter Verhaltnisse im Orden und dadurch audi auf der Verfassungsebene
des Landes bleibt aber nur Intention des Hochmeisters, sie wird nicht zum Ziel
der gesamten Bruderschaft. Die Beschrankung des Kapitels auf die Losung der
beiden genannten Probleme und das nur sehr widerwillige Eingehen der Bruder¬
schaft auf die Forderungen des Ordensoberhauptes deuten a'n, daft sich der einzelne
Ordensbruder weniger als Glied der Korporation, sondcm mehr als Angehoriger
eines Standes, der fiir sich gewisse okonomische und politisdie Privilegien in An-
spruch nimmt, fiihlt. Man beginnt, den Herrschaftsanspruch der Korporation zu-
gunsten des Herrsdiaftsanspruches eines Standes aufzugeben. Der Idee der Stiinde
von einer standisdi gepragten Landesverfassung wird vom Orden nicht mehr in
friiherer Starke die Idee des Ordens als Trager des Ansprudis auf die Landesherr-
schaft der Korporation entgegengesetzt. Die sich deutlich abzeichnende Sakulari-
sierung der Ordensidee bereitet den Weg fiir die politisch-strukturelle Sakulari-
sierung.
Das Kapitel des Jahres 1480 — ebenso audi das des Jahres 1492 — kennzeichnet
einen bestimmten Punkt auf dem Weg des Wandels vom ,korporativen Terri-
torialstaat* Preufien zum Standestaat Preufien. Die Korporation findet sich nicht
mehr bereit, die Konsequenzen aus dem Anspruch auf korporative Landesherrschaft
zu ziehen, denn sie beugt sich,nicht den Wiinschen des Ordensoberhauptes, aber
sie gibt auch diesen Ansprudi nodi nicht auf. Insofern muB man feststellen, dafi
auBerlich im Verhaltnis zwischen Orden und Land audi nach den Kapiteln alles
beim alten bleibt: der Gesamtherrsdiaftsansprudi der Korporation wird mit Billi-
gung der Bruderschaft vom Ordensoberhaupt aufrechterhalten, doch die ,ideolo-
gische1 Grundlage des Anspruchs ist bei Hochmeister und Bruderschaft unterschied-
lidi.
Ziel des Kapitels von 1480 ist die „Abstellung der Eigenscbajt, der sich die Bru-
der gemeinlich in und noch vorgangen Krieg und Betrupnisse gepflissen haben*.*
Dieser Satz weist darauf hin, daB bei den Briidern das BewuBtsein, weldie Griinde
zu den Ereignissen von 1454 fiihrten, recht schwadi entwickelt ist, wenn sie die
130
Die innenpolitischen Verhaltnisse in Preufien zwischen_1480 und 1497
Verstofie gegen die erste Regel des Ordens, das Leben ,sine proprio\ erst mit dem
Krieg beginnen lassen.
In dem Bestreben, das Eigentum des einzelnen Ordensbruders ,abzustellen‘, wird
auch der unmittelbare Anlafi deutlich, der den Hodimeister zur Reformation treibt:
Mangel an Geld. In den zuriickliegenden beiden Jahren hatte Truchseft erfahren
miissen, daft alle Bestrebungen, der Pflicht zur Anerkennung des Thorner Friedens
zu entgehen, letztlidi daran scheiterten, daft der Hochmeister nicht iiber geniigend
Geld verfiigte, um in ausreichendem Maft Soldner anwerben zu konnen und die
noch von friiher im Land liegenden Soldner abzulosen7, um so unabhangig von
der Hilfe Landfremder zu sein. Jetzt versudit er, diesen entscheidenden Mangel
abzustellen und damit auch die Einflufinahme der Stande auf die Landespolitik,
die mit ihrem Steuerbewilligungsrecht verbundcn ist, wenigstens zu mildern8.
Mittel dazu sollen die beiden auf dem Kapitel gefafiten Beschliisse sein. Der erste
legt die Rechensdiaftspflicht der Amtstrager und ihre Oberwadiung bei Einnah-
men und Ausgaben durch ein oder zwei Briider des jeweiligen Konvents fest. Der
zweite Beschluft halt die Ordensbriider zu eidlidier Aussage iiber ihren Besitz an
Gold, Silber und Kleinodien vor den Visitatoren des Hochmeisters an. Beide Be-
schliisse sind sichtlich nicht ohne Schwierigkeiten zustande gekommen, denn die
beiden vorliegenden Fassungen weichen in wichtigen Punkten betrachtlich von-
einander ab. In dem Protokoll, das wahrscheinlich unmittelbar wahrend der Ver-
handlungen ausgefertigt wurde, heiftt es im ersten Beschluft, nachdem fur Gebietiger,
Vogte und Pfleger jahrliche Rechensdiaftslegung und Uberwachung ihrer Einnah-
men und Ausgaben durch ein oder zwei Briider, fiir alle anderen Amtsleute aber
halbjahrliche Rechenschaft festgelegt worden ist, daft solche Rechenschaft gehalten
werde „von pfingsten nehstkonftig uber eyn Jareat wahrend es in der Endredak-
tion „uf{ pfingsten nehstkonftig iiber ein Jare* heifit. Die erste Version hatte so
interpretiert werden konnen, daft eine Rechensdiaftslegung ab Pfingsten 1482 ver-
langt worden ware, wahrend die zweite die Rechensdiaftslegung ab Pfingsten 1481
festlegt.
Eine ahnlidi gravierende Differenz ergibt sidi audi in den beiden Fassungen des
Beschlusses iiber den Besitz der Briider an Gold, Silber und Kleinodien. Im Proto-
♦
koll heiftt es ganz allgemein „was sie haben**9, wahrend es in der Endredaktion
genauer heiftt: nwas sie haben von Golde, Silber ader Cleinothna. Die urspriing-
liche Fassung geht weiter als die Fassung der Endredaktion, denn sie erfafite alien
Besitz der Ordensbriider, also auch beispieisweise Waren und Renten, wahrend
die zweite Fassung nur das kurzfristig greifbare Kapital in die Angabepflidit ein-
bezieht. Ein Hinweis darauf, wie ernst es dem Hochmeister mit dem Appell, ,ohne
Eigenschaft* zu leben, war und wo der unmittelbare Anlaft fiir das Kapitel zu
suchen ist, bietet der letztc Satz der Endredaktion, in dem der Hochmeister ver-
sidiert, daft er den Ordensbriidern ihren Besitz nidit nehmen will, „es were dann
merglictje unsers Ordens Noth und Gedrang“, denn dann seien wohl alle Dinge
billig „gemeine*10.
Die Beschliisse des Kapitels bestiitigen eindeutig unser Bild von den wirtschaftlichen
Verhaltnissen innerhalb des Ordens. Seine Amtsleute legcn scheinbar nur bei Amts-
Die Reformversuche der Hochmeister im preufiischen Ordenszweig
131
wechsel Rechenschaft ab. Die Ergebnisse derartiger Rechenschaftslegungen scheinen
einen ausgeglidienen oder defizitaren Charakter zu haben, der jedoch nicht auf
sdilechte wirtschaftliche Verhaltnisse, sondern auf Unterschlagungen zuriickzu-
fiihren ist. Die Finanzverwaltung des Ordens ist vollig dezentralisiert, jedes Amts-
gebiet ist finanzwirtschaftlich autonom. Audi die Finanzorganisation der Gebiete
liegt im argen. Die Aufzeichnungen iiber Einnahmen und Ausgaben bediirfen
sichtlidi einer Oberarbeitung, da die Redienschaftslegung erst iiber ein Jahr nach
dem Kapitel erfolgen sollte.
Die Wirksamkeit dieser Besdiliisse ist sdion bekannt. Deswegen verwundert es
nicht, daft auf der nachsten Zusammenkunft dieselben Fragen wiederum behandelt
werden miissen11. Allerdings sind die auf diesem Kapitel behandelten Fragen we-
sentlidi zahlreicher, ebenso erfahren wir weitaus mehr, als es 1480 der Fall war,
iiber die Positionen der einzelnen Ordensglieder zu den vorgelegten Fragen.
Wie sdion 1480 geht es audi auf dem Kapitel von 1492 ausschliefilidi um Fragen
der inneren Verhaltnisse des Ordens, deren verfassungspolitisdien Auswirkungen
auf das Land, vorausgesetzt, sie wiirden in die Realitat umgesetzt, noch immer
einen Rucksdiritt bringen wiirden. Dem Sdireiber des Berichts hat mit groficr
Wahrscheinlidikeit die Aufzeichnung iiber das Kapitel von 1480 vorgelegen, denn
in seiner Einleitung wiederholt er fast wortlich die damals gebrauchten Formu-
lierungen. Audi Hochmeister Hans von Tiefen ist in „gleicher Andacht und hitziger
Beger* wie Martin Truchsefi daran interessiert, bestimmte Vorschriften der Ordens-
statuten den Briidern in Erinnerung zu rufen, da „kein Orden an Grondfeste der
Selbstendigkeyten, Gehorszams, Kewschbeit und zu leben on eygenschaft die Lenge
nicht mag bestendig bleibenut denn sonst ist die „uzgestrackte И ant Gottes uber
uns, so wir uns nod) nicht erkennen wollen, noch swerer zufurchen." Alles Heil
wird von der Riickkehr zu den alten Verhaltnissen erwartet. Doch diese am ,guten
Alten* orientierte Begriindung des Kapitels steht in lebhaftem Gegensatz zu den
modernen, durdiaus auf der Hohe der Zeit stehenden Auseinandersetzungen auf
diesem Kapitel und den Modalitaten seiner Durdifuhrung.
Liest man das Kapitelprotokoll, so fiihlt man sich auf eine Tagfahrt zwisdien
Landesherrn und Landstiinden versetzt. Der Landesherr begriindet die Einbe-
rufung der Versammlung, triigt seine Propositionen vor, die er vorher natiirlich
mit seinen Raten abgesprodien hat. Die Stiinde nehmen sie zur Beratung entge-
gen und geben einen Tag spiiter ihre Stellungnahme dazu ab. Sie tragen ihrerseits
wiederum Klagen und Beschwerungen mit der Bitte vor, diese Schelungen abzu-
stellen. Nach diesem Sdiema verlauft audi das Landeskapitel des preufiisdien
Ordenszweigs. Lediglidi eine Komplikation ergibt sich aus dem aufteren Rahmen
des Kapitels, der Kreis der Personen, die zu den sich gegeniiberstehenden Parteien
zu ziihlen sind, ist nicht eindeutig festlegbar. Sowohl auf der Seite, die die Pro¬
positionen vorlegt, als auf der, die sie entgegennimmt, befinden sich Vogte. Im
Bericht heiftt es: „anfenglich hott sein Gnad mit deszelben Hern Gebiethiger,
Voythe unnd andere am Irsten vorgenomena und „disse obengeschrieben Articull
namen die Hnn Voytbe, pfleger in ein bedochta. Es muft versucht werden zu klaren,
132
Die innenpolitischen Verhaltnisse in Preuflen zwischen 1480 und 1497
welcher Personenkreis unter den Vogten und den erwahnten ,anderen* zu ver-
stehen ist.
In den Jahren zwischen 1490 und 1497 sind Vogte fiir Preufiisdi Eylau12, Soldau15
und das Bistum Samland14 bekannt. Aufierdem nennt sich der Komtur von Balga,
Keinrich Reuft von Plauen, im Jahr 1497 und sparer verschiedentlidi Vogt von
Natangen15. Konrad von Lichtenhain wird um das Jahr 1482 verschiedentlich als
Vogt zu Mohrungen bezeichnet1®. Die Auswahl zwischen den vorhandenen Vogten
ist also nicht sonderlich grofi. Sie in zwei Gruppen zu teilen, deren eine dem
Hochmeister und den Gebietigern zuzuordnen ware, wiihrend die andere neben
die Pfleger gestellt werden miifke, ist einigermaften schwierig, zumal fiir das Jahr
1492 einzig Heinrich Reuft von Plauen als Vogt zu Preuflisch Eylau belegt ist,
wahrend alle anderen Vogte nur friiher oder spater erwahnt werden. Wir miissen
uns daher zunadist mit der Annahme des Vorhandenseins von zwei Gruppen von
Vogten begniigen.
Ebenso unklar wie der Personenkreis der Vogte ist der, der im Bericht mit
,andere* bezeichnet wird. Es gibt nur zwei Gruppen in dem Bericht, auf deren Er-
wahnung man wartet, die jedoch nicht genannt werden: das sind einmal die
Amtsleute des Ordens, die nadi dem Kapitel von 1480 halbjahrlich Rechensdiaft
ablegen sollen, also nicht Gebietiger, Vogte oder Pfleger und die gemeinen Ordens-
briider. Eine zweite Gruppe, mit der man rechnen konnte, sind die Bischofe von
Samland und Pomesanien und die Angehorigcn der beiden Domkapitel. Die
Letztgenannten werden wahrscheinlich zu dem Personenkreis der ,anderen* zah-
len, da es unsinnig ware, die Proposition des Hochmeisters zuerst mit Gebietigern,
Vogten, unteren Amtstragern und gemeinen Ordensbriidern zu beraten und sie
dann Vogten und Pflegern zur Begutachtung zu unterbreiten.
Die Proposition des Hochmeisters, die den Vogten und Pflegern vorgelegt wird,
stellt eine Auswahl aus den Ordensstatutcn dar. Die vierzehn Punkte der Proposi¬
tion zeichnen das Bild eines Ordens, das eine fatale Ahnlichkeit mit einem Unter-
nehmen zeigt, dessen Seniorchef von den modernen Geschaftsprinzipien seiner
Nachfolger den Bankrott erwartet. Hinter der Fassade des monchisdien Ritter-
ordens spielt sich ein durchaus weltliches Adelsleben ab, denn es wird nicht nur
ein Mangel an Keuschheit belegt, audi mit dem Gehorsam der Briider gegeniiber
ihren Oberen und dem Leben ohne Eigentum ist es schledit bestellt. Daneben
scheinen auch alle anderen Gesetze, die das Zusammenleben der Monchsritter auf
der Grundlage der prinzipiellen Gleichheit jedes Ordensbruders gewahrleisten
sollen, nur mangelhaft befolgt zu werden. Die einzige Abweichung von einem
rein weltlichen Ritterleben der Ordensbriider scheint darin zu bestehen, dafi sie
keine Ehe eingehen und nicht ihren — wie immer erworbenen — Privatbesitz an-
erkannten Leibeserben vermachen konnen.
Der Hochmeister verlangt von den Briidern neben der Befolgung der Ordens-
statuten nodi Weireres: sie sollen besser als bisher achtgeben auf die religiosen
Gebrauche der Preuften und deren moralische Mafistabe; sie sollen sich gegen-
uber den Untertanen giitlich erzeigen und diese nidit ,iiberfahren‘, jedodi ohne
dem Orden etwas zu vergeben. Bei diesem Punkt wird audi die Begriindung fiir
Die Reformversuche der Hochmeister im preufiischen Ordenszweig
133
das Begehren genannt: „Angesehen dafi wir getruwe Untersassen und sy getruwe
Hirscbafft bedorffen“17.
Den tiefsten Einblick in die inneren Verhaltnisse des Ordens aber gibt der elfte
Punkt der Proposition, in dem es heifk: „So sail kein Bruder, wellicherley Status
adder wirdigkeit der seya sich in Schulden sturzen. In der Bruderschaft der Glei-
chen wird demnach nach Status und Wiirde unterschieden.
Die Antwort der Vogte und Pfleger auf die Aufsatzung des Hochmeisters und der
Gebietiger andert an dem Bild, das die Proposition zeigte, nichts Wesentliches.
Zwar geben sie eingangs ihrer Antwort zu verstehen, dafi es nicht notig ware, iiber
die ihnen vorgelegten Punkte zu beraten, da sie alle beim Eintritt in den Orden die
Regeln, Gesetze und Gewohnheiten ohne Ausnahme .vorliebt* hatten, trotzdem
verpfliditcn sie sich erneut, die ihnen vorgelegte Aufsatzung gehorsam zu halten.
Mit der Einhaltung der Ordensstatuten durch die Briider scheint es trotzdem
nicht zum Besten zu stehen, da sie die Bitte auflern, dafi, wer die Aufsatzung
*uberfuhre und voracht", beim ersten Mai nur verwarnt und erst im Wiederho-
lungsfall bestraft werde.
Sie lassen es bei dieser Bitte jedoch nicht bewenden, sondern tragen weitere
,Schelungen und Gebredien* vor, die sie den Hodimeister abzustellen bitten. Die
Klagen bestatigen erneut das vom Hochmeister zu Beginn derKapitels entworfene
Bild des Ordens. Sie beklagen sich iiber unzureichende Versorgung mit Essen,
Trinken, Kleidung und anderem in vielen Konventen. Es geschehe, so monieren
sie, dafi sie auf die Jagd (!) laufen miiflten, wiihrend ihre Herren und deren
Diener reiten wiirden. Wiirde einer durdi den Hodimeister auf ein anderes Schlofl
versetzt, so wiirde er auf einem Leiterwagen oder Sdilitten allein hinwegge-
sdiickt; das, meinen sie, sei dem Orden nun ,fast schimpflidi*. Eine weitere Klage,
die sie beredt vortragen, riditet sich gegen die Verleumdung der Briider unterein-
ander oder gar durdi weltliche Leute vor dem Hochmeister, was doch wohl un-
gebiihrlich ware. Der Hodimeister solle, so verlangen sie, Verleumder und Ver-
leumdete einander gegeniiberstellen, und es mit dem, der sich dabei nicht bewei-
sen konne, nach Verdienst halten, denn das habe ihnen der Hodimeister „uff
jhene czeitt in euwr Gnaden К ore ein Zusagen gethana. Die Verleumdungen vor
dem Hodimeister sind demnadi nidit erst ein Problem der Regierungszeit Hans von
Tiefens, sondern allgemein iiblich, so dafi die Sicherung dagegen dem zukiinftigen
Hodimeister in Form einer Wahlkapitulation ans Herz gelegt wird. Damit sind
sie mit ihren Besdiwerden noch nidit am Ende. Sie sehen zwar ein, so schreiben
sie, dafi der Hochmeister verlange, dafi kein Bruder, der nach Preufien kame,
Pferd und Harnisch verkaufen diirfe, aber, so fordern sie, wenn der Neuan-
kommling sein Pferd seinen Oberen ubergebe, so solle man es schatzen und es
solle audi „noch derselben Wirde, also die dan weren, vorgnugt wurden", da-
durch wiirde man viel Nachrede vermeiden, wenn die Neuankommlinge spater von
ihren Oberen schieden.
Hatte man bisher schon, wie oben gesagt, das Gefiihl, den Bericht einer Tagfahrt zu
lesen, so wird man sich mit den letzten Forderungen der Vogte und Pfleger tat-
sadilich mitten hinein in eine Auseinandersetzung zwischen Landesherrn und
134 Die innenpolitisdien Verhaltnisse in Preuflen zwischen 1480 und 1497
Standen um politische Mitsprache versetzt fiihlen. Die Ordensbriider bedenken
sich, so fiihren sie aus, daft es, um Schaden fiir den Orden zu vermeiden, „gros
von noten werea, daft der Hochmeister mit Rat der wiirdigen Herrn Gebietiger
einen Bruder, den der Hochmeister als dazu tiichtig erkenne, neben sich und den
wiirdigen Herrn Grofikomtur in die Handel ziehe. Schliefilich seien sie ja, was
Gott lange hinauszogern wolle, „uff disser Werlltt bald abgbeende“, und damit
man dann wiifite, was im Land und nach Aufien gehandelt ware — das solle
schlieftlich in des Ordens reifem Gedachtnis bleiben — sei eine derartige Regelung
wohl recht niitzlich. Eindeutig stellen hier die unteren Glieder des Ordens das
Verlangen nadi politisdier Mitsprache, ja eigentlich fordern sie, daft einer der
Ihren neben Hochmeister und Grofikomtur das politisdie Handeln vornehmen soli.
Bei dieser Gelegenheit miissen wir noch einmal zu der Frage, welche Gruppen inner-
halb des Ordens sich auf diesem Kapitel gegeniiberstehen, zuriickkehren. Betrach-
tet man die Beschwerden, die von Vogten und Pflegern vorgebracht werden,
naher, so ist es unwahrsdieinlich, daft sie allein von den Amt^leuten des Ordens
vorgebradit wurden. In den Beschwerden ist immer nur von Briidern die Rede.
Im Gegensatz dazu wird in der Antwort auf die Proposition immer nur von
,Hodimeister und den wiirdigen Herrn und Gebietigern*, denen diese Antwort
erteilt wird, gesprochen. In der Proposition selbst wird jedoch einmal folgende
Rangrolge innerhalb-der Ordensbrudersdiaft genannt: Gebietiger, Vogte, Haus-
komture, Pfleger, Amtsleute und gemeine Briider18. Nadi dieser Spradiregelung
miifite es tatsadilich zwei Gruppen von Vogten geben, von denen die eine zu den
Gebietigern gezahlt wird. Diese Annahme wird dadurch gestiitzt, daft die oben er-
wahnten Vogte alle wenig spater IComture werden, und Konrad von Lichtenhain
sogar vorher einmal im Komtursrang gestanden hatte. Diese Gruppe der Vogte
scheint eine Art Personalreserve fiir kiinftige Komture gewesen zu sein, fiir die zu
dem betreffenden Zeitpunkt noch kein Komturamt freigeworden war, die aber
trotzdem schon zu den Gebietigern gezahlt wurden. Auf dem Kapitel stehen sich
unter dieser Voraussetzung die Spitzen der Hierarchie und Mittelbau und Basis
der am Amt orientierten Standespyramide gegeniiber. Das bedeutet, daft im Orden
ein Standesdenken herrscht, das sich weniger an der Geburt als vielmehr am Amt
des einzelnen Bruders orientiert, da sie ja sowieso alle von ,guter Geburt* sifld. Es
ist allerdings, wie wir im Fall Plauen sehen werden, nidit auszuschliefien, daft der
hohere Stand der Geburt doch ausschlaggebend gewesen sein kann fiir die Be-
trauung mit einem Amt19.
Fafit man die Verhandlungen des Kapitels nodi einmal zusammen, so sdieinen drei
Dinge im Orden besonders im argen zu liegen:
1. Die Befolgung des Monchsgeliibdes, wobei besonderer Wert auf die Einhaltung
der Gehorsamspflidit gelegt wird, denn sie wird ausdriicklich nicht nur „schrifft-
licb adder monttlich, sonder in allem . . . ouch wirglich erczeigta gefordert. Es
wird schon gar nicht mehr ausdriicklich verlangt, das Gebot der Armut einzu-
halten, man beschrankt sich nur darauf, die Prunksucht der Bruder, „die unge-
bornten unczymliche Beslacbt und vorgolltK, abzustellen.
2. Die Beaufsichtigung der Preuften und das Verhalten der Ordensbriider gegen¬
iiber den Untertanen — zu den letzteren sind sidier nicht der preufiische Lan-
Die Reform versuche der Hochmeister im preufiisdien Ordenszweig
135
desadel und die Spitzen der groften Stadte zu redinen — entspricht ebenfalls
nicht den Vorstellungen der Ordensspitze.
3. Das Verhaltnis zwischen der Ordensfuhrung, darunter sind Grofigebietiger, Kom-
ture und die oben erwahnte Gruppe der Vogte zu verstehen, und den gemeinen
Briidern ist in aufiergewohnlichem Mafie schlecht, denn sonst muftte die erste
Gruppe nicht angewiesen werden, sich gegeniiber der letzteren so zu verhalten,
„dap sie sein ire Dyner dan ire Herrn lowtk unnsers Or dens Buck
In diesem schlechten Verhaltnis innerhalb der einzelnen Amtsgruppen des Ordens
ist moglicherweise auch‘ der unmittelbare Anlafi zur Abhaltung des Kapitels zu
suchen, denn sowohl in der Proposition des Hochmeisters und der Gebietiger als
auch in den Beschwerden der Briider ist ganz eindeutig die Tendenz zu erkennen,
den Anlafl zu diesen Spannungen so zu verandern, daft er nicht zu einem Keil
zwisdien ,oben und unten* im Orden werden kann. Nur in diesem Sinn kann die
Verfiigung verstanden werden, dafi man einen strarfallig gewordenen Ordens-
bruder, sei er Gebietiger, Vogt, Hauskomtur, Pfleger oder sonst cin gemeiner
Bruder „nod) Inhallt unsrs Ordens Bud) Straffe und kein angeseben, nochdem wir
alle eins Ordens seinu. Die inneren Verhiiltnisse im Deutsdien Orden unterschei-
den sich, wie man sieht, kaum von den Zustanden in den Territorialstaaten, sie
sind gepragt von Standesdenken und angemaflten Privilegien und Freiheiten der
einzelnen Standesschichten, die weitgehend mit den Amtsschichten idcntisch zu sein
scheinen, wobei jedoch der Hochmeister gewissermafien aufierhalb dieser Standes-
pyramide zu stehen scheint.
Ein, vom Namen der betroffenen Person her, illustres Beispiel fur die Auflosungs-
erscheinungen im Orden bietet die Affare des Ordensbruders Heinridi Reuli von
Plauen. Im Jahr 1484 Kompan des Obersten Spittlers Johann von Tiefen20, finden
wir ihn in den Jahren 1485 bis 1487 als Kompan des Hochmeisters21. In diesem
letzten Jahr beginnt dann seine Affare. Er verweigert dem Hochmeister den Ge-
horsam und legt, wie Martin Truchseft schreibt, ein ungebiirdiges Wesen an den
Tag. Plauen will unbedingt Preufien verlassen, um sein viiterliches Erbe anzutreten.
Allen ,briiderlichen und freundlichen* Ermahnungen des Hodimeisters und ande-
rer Gebietiger entgegen, verharrt er ,trotzig auf der vorigen Bahn*. Er will un¬
bedingt ,hinausreiten‘ und meint, er wolle sehen, wer ihm das verwehren konne22.
Plauen ist sein Aufstieg im Orden siditlich zu langsam und nicht seinem Stand
und Namen entsprechend vorangegangen. Wahrscheinlidi um ihn zu beruhigen,
wird er zum Vogt von Preufiisch Eylau ernannt, wahrend seine Vorganger in
diesem Amt alle den Titel Pfleger fiihrten23, und 1492 wird die Affare dann end-
giiltig dadurch aus der Welt gesdiafft, dafi ihm die Kammeramter Preufiisdi
Eylau und Worien nebst dem Schloft PreuBisch Eylau auf Lebenszeit ohne alle
Lasten zu standesgemafiem Leben iiberlassen wurden. Er seinerseits verzichtet dafiir
auf sein vaterliches Erbe24. Wenige Jahre spiiter wird er zu den Groftgebietigern
des Ordens ziihlen.
Mit Plauen hat im Orden ein Mann Karriere gemacht, der keinerlei Verdienste
aufier seinem Namen und seinem Stand aufzuweisen hatte, dessen Familie aber auch
noch aus dem Burgerkrieg her Glaubiger des Ordens war. Es gibt im Orden der
136
Die innenpolitischen Verhaltnisse in Prcuflen zwischen 1480 und 1497
neunziger Jahre nodi ein zweites Beispiel fur den Aufstieg eines Ordensbruders,
der seine Mitbriider auf Grund seiner Geburt weit iiberragt: Wilhelm Graf von
Eisenberg. Er ist 1491 nodi Pfleger zu Bartcn25. In den Jahren 1493 und 1494
bekleidet er die Position eines Komturs von Konigsberg, ein Amt, das vollig neu
gesdiaffcn wurde2®. Im Friihjahr 1495 wird Eisenberg bereits GroBkomtur27 und
als Tiefen 1497 PreuBen verlaBt, um der Forderung des polnischen Konigs nach
Hilfe gegen die Tiirken Geniige zu tun, tritt er uns als Hochmeisterstatthalter
entgegen28, eine atemberaubende Karriere des Pflegers von Barten. Doch er ver-
dankt sie nicht allein seiner Geburt, er besaB wohl audi die Fahigkeit fur seine
hohen Amter und er erwarb sich in den folgenden Jahrzehnten grofie Verdienste
um Orden und Land.
Die weitere Entwicklung der stiindisdien Differenzierung innerhalb des Ordens
liiBt sich an den Verbandlungen zwischen dem reichsfiirstlidien Hochmeister Herzog
Friedrich von Sachsen und den Gebietigem und Briidern ablesen, die wahrschein-
lich im Jahr 1498 stattgefunden haben2 **. In einer Forderung, die dem Hoch¬
meister vorgelegt wird, heiBt es, daft ein Amtmann, der in seiner Rechenschaft
,unwillig aus bosem Vorsatz* oder sonstigen Griindcn gefunden werde, nach einer
Verwamung im Wiederholungsfall, „er weer koch adder niddrnn Standes* nach
Laut dcr Regeln bestraft werden solle.
Diese Forderung ist auch ein Beleg dafiir, daft der Tiefensdie Versuch, die stan-
disdien — eindeutig sozial und okonomisch bedingten — Spannungen innerhalb des
Ordens zu vermindern, gescheitert ist. Audi der Versudi des Hodimeisters Hans
von Tiefen zeigte das Bestreben, alte Formen wieder herzustellen, zu deren Aus-
fiillung aber der alte Geist fehlte. In einer Zeit standisch gestufter Freiheiten und
Privilegien mufi es ein vergebliches Bemiihen sein, einen Sozialkorper nach dem
Prinzip volliger Gleichheit reorganisieren zu wollen, zumal auf dem okonomischen
Sektor in der Zwischenzeit eindeutig die Entscheidung zugunsten des Versorgungs-
denkens der Briider durch die Betrauung mit einem Amt gefallen zu sein scheint.
Die Forderung nach Rechnungslegung der Amtsleute fehlt auf diesem Kapitel aus
zwei Griinden, einmal stehen die Rechnungspflichtigen auf der Seite derer, die die
Proposition vorlegen, zum anderen ist die Rechenschaft kein Diskussionspunkt
mehr, wie anders sollte man die Bemerkung der Gebietiger verstehen, die4 auf die
Forderung Hochmeister Friedrichs 1498 antworten, dafi „itzunder ein iglicher darzu
ungeschickt und ungewandt ist*. Die wirtsdiaftliche Position des Hochmeisters
gegeniiber den Gebietigem ist bis zu diesem Zeitpunkt weiter zuungunsten des
Hochmeisters verschlechtert worden.
2. DIE GESETZGEBUNG IN PREUSSEN
a) Die Landesordnungen
Die Art und Weise, in der die Landesordnungen im Restordensland nach 1466
entstehen, unterscheidet sich grundsatzlich von der vor 1454 iiblichen, sie legt
damit ein beredtes Zeugnis dafiir ab, wie stark die Verhaltnisse sich in den da-
zwischen liegenden Jahren gewandelt haben. Im August 1441 erlieB Hochmeister
Die Gesetzgebung in Preuflen
137
Konrad von Erlichshausen eine Landesordnung im Niederland mit Rat, Wissen
und Willen des ermlandischen Bisdiofs und mit ,vollbort* seiner Gebietiger30.
Drei Jahre spater ,macht* er mit Rat und Willen der Bischofe von Ermland und
Samland sowie der Gebietiger und Amtsleute des Niederlandes eine neue Lan¬
desordnung, in der er den Standen des Niederlandes die Konzession macht, einmal
jahrlich Abanderungs- und Erweiterungsvorschlage vorlegen zu diirfen31. Von
einer Mitwirkung der Stande am Zustandekommen beider Landesordnungen ist
nidus bekannt32.
Nach 1466 dagegen werden die Landesordnungen auf den Tagfahrten beraten und
beschlossen. Zum erstenmal beschaftigt man sich 1474 mit einzelnen Bestimmungen
einer Landesordnung. Die beiden betreffenden Artikel werden als ,von Landen
und Stadten auf der Tagfahrt von Miihlhausen beschlossen' in das Gedenkbuch des
Rates der Stadt Lobenicht eingetragen33. 1478 werden dann, wiederum auf einer
Tagfahrt, Artikel liber Bauern und Gesinde festgelegt. Hier werden zum ersten¬
mal nach 1466 die an dem Zustandekommen der Bauern- und Gesindeordnung
beteiligten Landesherrn, der Hochmeister und die Bischofe des Ermlands und des
Samlands sowie die Gebietiger erwahnt34.
Ober vier Jahre spater, nachdem die Krise um die Besetzung des ermlandischen
Bischofsstuhls schon fast drei Jahre zuriickliegt, beschaftigt man sich dann mit
einer volligen Neuredaktion der Landesordnung aus der Vorkriegszeit35. In ihrer
,Praambel‘ fehlt jeder Hinweis auf eine Beteiligung von Hochmeister und Gebie-
tigern30. Es wird nur gesagt, daft die Artikel auf der Tagfahrt von Bartenstein
,von Land und Stadten vorliebt und gewilligt' worden sind. Doch scheint es auf
der Bartensteiner Tagfahrt zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Landes¬
herrn und den Standen liber die Berechtigung zum Erlafi derartiger Artikel
gekommen zu sein, denn es wird ausdriicklich bemerkt, daB die Landesordnung von
1482 genauso wie die Artikel von 1474 von Land und Stadten ,gehandelt, ver-
willigt und verliebt* worden sind. Die Stande sdieinen sich dem Hochmeister
gegeniiber auf ,gutes altes Herkommen* berufen zu haben, daB allein sie fiir die
Festlegung derartiger Bestimmungen zustandig sind, und sie haben sich mit dieser
Auffassung auch durchgesetzt.
Die Einleitungsformel der letzten zwischen 1466 und 1497 erlassenen Landes¬
ordnung zeigt uns ein vollig anderes Bild. Sie sagt, dafi die Artikel zum gemei-
nen Nutzen von Landen und Stadten mit reifem Rat und voller Gewalt aus-
gesetzt worden sind, wir erfahren aber nicht, wer sie ,ausgesetzt* hat, denn der
,hochwiirdige Fiirst* Hans von Tiefen, Hochmeister des Deutschen Ordens, die
Bischofe von Pomesanien und Samland und die Gebietiger haben sie nur zugelassen,
wahrend Land und Stadte zugesichert haben, sie ,vestiglich* zu balten3T.
Nun ist dieser Landesordnung zunachst einmal mit Vorsicht entgegenzutreten. In
der Forschung wird die Ansicht vertreten, daB diese Urkunde fur die Geschichte
des Ordenslandes nicht benutzt werden sollte38. Diese Auffassung muB jedoch
modifiziert werden. Die Urkunde zerfallt — wie es im Druck auch kenntlidi
gemacht worden ist — in zwei Teile, eine allgemeine Landesordnung und eine
Landesordnung betreffend Arbeiter, Bauern und Handwerker. Die gegen die
138 Die innenpolitischen Verhaltnisse in Preufien zwischen J480 und 1497
gesamte Urkunde vorgebrachten Bedenken beziehen sich alle nur auf den zweiten
Teil. Dieser Teil stammt auch tatsachlich nicht aus dem Ordensland, sondern aus
dem Preufien koniglichen Anteils, ohne jedoch dort jemals Rechtswirksamkeit
erlangt zu haben. Auf der Tagfahrt in Graudenz im November 1490 werden von
den Standen des westlichen Preufiens die in dem zweiten Teil der Urkunde be-
findlichen Artikel als eine Art Diskussionsgrundlage aufgestellt39. Diese Artikel
werden von Niklas von Baisen dem Hochmeister iibersandt mit der Bitte, mit
Gebictigern und Standen des Ordenslandes dariiber zu beraten, ob an ihnen etwas
zu andern oder hinzuzufugen sei. Uber die Artikel und die Anderungs- und Er-
weiterungswunsche solle dann, so schlagt Baisen vor, auf einer gemeinsamen Tag¬
fahrt beraten werden40. Das Ziel war demnach eine fur beide Preufien gleiche
Landesordnung, um die Abwanderung der betroffenen Personenkreise moglichst
zu verhindern. Auf diese Art sind die im westlichen Preufien zur Diskussion ge-
stellten Artikel in das Ordensarchiv und damit auch in die ,Acten der Stande-
tage' geraren. Der Hochmeister beantwortet den Brief Baisens und legt ebenfalls
einige Artikel vor, die er, wie es heifit, mit seinen Gebietigern ausgesetzt habe41.
Diese vom Hochmeister an Baisen iibersandten Artikel sind jedoch nicht mehr auf-
zufinden42, wir wissen daher nidit, um welche Bestimmungen es sich dabei gehandelt
hat. Da die auf der Tagfahrt in Graudenz vorgelegten Artikel im westlichen
Preufien niemals Rechtswirksamkeit erlangt haben43, ist das sicher auch im Ordens¬
land nicht der Fall gewesen.
Der erste Teil der Landesordnung von 1494 ist dagegen ohne Zweifel im Ordens¬
land entstanden. Nach den Formulierungen zu urteilen, die wir am Eingang ein-
zelner Artikel linden, stellen die Bestimmungen die Reaktion des Landesherrn
auf Beschwerden der Stande uber Mifistande dar. So ist beispielsweise in Artikel
6 ausdriicklich die Rede davon, dafi Lande und Stiidte den Hochmeister bitten,
die dem gemeinen Nutzen entgegenstehenden Fischfangpraktiken im Tief abzu-
stellen. Die Formulierungen in den Artikeln 4 und 13 deuten darauf hin, dafi es
sich bei den vorliegenden Bestimmungen tatsachlich um die Ergebnisse der Beratun-
gen einer Tagfahrt handelt, die von einem Schreiber der Ordenskanzlei zusam-
mengestellt worden sind, um jVeroffentlicht* zu werden. Dabei hat er — mog-
licherweise aus Nachliissigkeit — Formulierungen iibernommen, die in einer Lan-
dcsordnung normalerweise nicht iiblich sind, heifit es doch in den beiden Artikeln,
dafi der Hochmeister ,ein Gebot ausgehen lassen w i г d * und dafi er mit den
Drei Stadten Konigsberg verhandeln w i г d. Die Artikel der Landesordnung
von 1494 sind also durch Verhandlungen zwischen Landesherrn und Standen zu-
stande gekommen, wobei die Konigsberger Vertreter dem Artikel 13 nidit zuge-
stimmt haben, da uber seinen Inhalt noch mit den Raten verhandelt werden mufi.
Ihre ,Praambel* darf daher durchaus mit den vorher genannten verglichen wer¬
den. Nur miissen wir hier in Redmung stellen, dafi ihre Bestimmungen zwischen
den Standen kontrovers gewesen sind. Die Auseinandersetzung hat sich vor alien
Dingen wohl zwischen Konigsberg und den kleinen Stadten des Ordenslandes
abgespielt, wie die vielen Bestimmungen der Landesordnung, die auf eine Sidie-
rung des Handels der kleinen Stiidte zielen, beweisen. Der Adel hat sich in dieser
Die Gesetzgebung in Preuflcn
139
Kontroverse wahrscheinlich auf die Seite der kleinen Stadte gestcllt und zusam-
men mit ihnen die Aufnahme von Artikeln, an denen er besonders interessiert war,
erreicht, wahrend sich dieDrei Stadte Konigsberg bis auf die Bestimmungen des einen
Artikels fiigen mufiten. Der Streit innerhalb der Stande gibt dem Hodimeister
Gelegenheit, als Schiedsrichter zu fungieren und so — im Gegensatz zu den Bestim¬
mungen von 1474 und 1482 — erneut ein Mitspracherecht zu gewinnen.
Betrachtet man die einzelnen Landesordnungen nicht von ihrem politischen Zeit-
hintergrund losgelost, so spiegeln ihre Einleitungsformeln durchaus die zum je-
weiligen Zeitpunkt vorhandene Gewichtsverteilung zwischen Landesherrn und
Standen wieder. Die ersten Jahre der Regierungszeit Richtenbergs hatten eine
starke Annaherung des Hochmeisters an das Land gebracht. Trotzdem standen
ihm die Stande — zumindest in der Steuerfrage — wohl reserviert gegeniiber,
vermutet dock der Landesherr Ende 1473, dafi Land und Stadte ihm im folgenden
Jahr keine Steuer mehr bewilligen werden44. Die Stande konnen also, ohne dafi
ihnen von Richtenberg grofier Widerstand entgegengesetzt worden ist, von ihm
durchaus die Zusicherung erhalten haben, iiber Fragen der Landesordnung allein
zu entscheiden, ein Zugestandnis Richtenbergs, dafi sich mit seiner vielfach ge-
iiufierten Sorgc um ,das Land* sehr wohl vertragt, kann er doch davon ausgehen,
dafi die Stande des Landes am besten wissen, was dem Land niitzlich ist. In dem
Moment, wo einer der Stande versuchen wiirde, seine Interessen auf Kosten des
andercn durdizusetzen, ware ihm audi die Moglichkeit geblieben, schiedsrichterlich
und korrigierend einzugreifen.
Im Jahr 1478 hat sich die Situation grundlegend verandert. Ein Landesherr steht
den Standen gegeniiber, der deutlich gemacht hat, dafi er die Interessen des
Ordens vor die des Landes stellt. Er will die Regelung der Bauernfrage als Druck-
mittel gegen den seine Politik nicht freudig begriifienden Adel verwenden. Dieser
beschranki sich daher vorwiegend darauf, die einzelnen Bestimmungen der Bauern-
und Gesindeordnung nicht zu stark gegen seine eigenen Interessen verstofien zu
lassen und gesteht dem Hodimeister das sich in der Einleitungsformel nieder-
schlagende Recht der Mitsprache zu. Aber auch Truchsefi, der so stark zum Orden
tendiert, wagt nicht, die Stande von den Beratungen iiber die Bauernordnung vollig
auszusdiliefien.
Das Jahr 1482 sieht einen in seiner Aufienpolitik gescheiterten Hochmeister, der
sidi zudem bei der Aufgabe seiner aufienpolitischen Ziele dem Zwang der Stande
hatte beugen miissen. Die Landesordnung dieses Jahres macht deutlich, dafi seine
Niederlagc gegen Polen audi seine innenpolitisdie Stellung stark geschwacht hat.
Zwar fordert er erneut die Mitsprache des Landesherrn bei der Erarbeitung der
Landesordnung, doch sein Anspruch wird von den Standen zuriidegewiesen, und
er muft diesc Abweisung hinnehmen, da ihm die Stande durch das Zuriidcstellen
sicher vorhandener innerstandischer Widerspriichc jede Moglichkeit nehmen, in
eine Sdiiedsrichterfunktion zu gelangen.
Im Jahr 1494 findet der Landesherr jedcch diere Moglichkeit, da die Wider-
spriiche zwisdien den Standen offen zu Tage treten. Wichtigcr an der Einleitungs¬
formel der Landesordnung von 1491 ist jedoch cin Terminus, der zum erstenma!
140 Die innenpolmschen Verhaltnisse in Preufien zwischen 1480 und 1497*
in diesem Zusammenhang auftaucht: die Bezeichnung ,Fiirstc fiir Hans von Tiefen.
Die Bezeichnung Fiirst fiir den Hochmeister finden wir gewohnlidi nur bei Erkla-
rungen gegeniiber auslandischen Machten46, im Verkehr zwischen dem Hoch¬
meister und den Standen findet sich diese Bezeichnung erst nach 1480 verschie-
dentlich, doch immer nur in Aufzeichnungen der Ordenskanzlei48. Es liegt nahe
zu vermuten, daB dies nicht grundlos geschah. Es sollte wahrscheinlich sowohl ge-
geniiber dem Orden als auch gegeniiber den Standen auf die fiirstliche Stellung
hingewiesen werden, die der zum Hochmeister gewahlte aus dem niederen Adel
stammende Ordensbruder als Landesherr innehat.
Dber die Gewichtsverteilung innerhalb der Stande, iiber die Differenzen und
Interessengegensatze sagen die Landesordnungen mit Ausnahme der letzten niches
aus. Sie gehen, abgesehen von Teilen der Bauern- und Gesindeordnung von 1478,
auf die Landesordnung von 1441 zuriick, die alle die Gebiete nicht beriihrt hatte,
auf denen Konflikte zwischen den Stadten und dem Land zu erwarten gewesen
waren47. »
b) Die Privilegien
In den Jaliren zwischen 1466 und 1497 erteilen die Hochmeister zwei Privilegien,
die bestimmte Einzelheiten des Guterrechts verbessern. Das erste dieser beiden
Privilegien verleiht Hochmeister Heinrich von Richtenberg im Jahr 1476, aus
wahrscheinlich sehr aktuellen politischen Grtinden, den Erbarleuten des Samlan-
des48. Ober das zweite Privileg verhandeln 14S5 Hochmeister Martin Truchsefi
und die Gebietiger mit den Herren und der Ritterschaft von den Landen, iiber
zwei Jahre spater ist es jedoch erst fertiggestellt und von den beteiligten Parteien,
jedenfalls teilweise, gesiegelt worden49.
Sehen wir zunachs: einmal vom eigentlichen Text der beiden Privilegien von 1476
und 1487 ab und betrachten nur die Inscriptio beider Diplome, so finden wir
betrachtliche Unterschiede. Der Aussteller des Privilegs von 1476 ist der Hoch¬
meister des Deutschen Ordens, der die Erbarleute mit ,Rat, Wissen und Volbort*
seiner Gebietiger mit einem besonderen Recht begnadigt. Auch 1487 ist der Aus¬
steller des Privilegs der Hochmeister, aber die Begnadigung ist diesmal durch
Hochmeister, Gebietiger, Ritterschaft und Stadte in Gegenwart des Bischofs von
Samland ,verhandelt, verliebt und besdilossen* worden. 1476 haben wir einen
Gnadenakt des Landesherrn und Hochmeisters, 1487 dagegen bekundet der Hoch¬
meister und Landesherr nur einen durch in gemeinsamen Verhandlungen von Lan¬
desherrn, Gebietigern und Standen entstandenen Willen. Neben der Gewichts-
verschiebung zwischen Landesherrn und Landstanden, die in den vergangenen
elf Jaliren stattgefunden hat, ist bedeutsam, daf$ sich 1487 auch Hochmeister und
Ordensgebietiger in einer anderen Position gegeniiberstehen als 1476. Heinrich von
Richtenberg erteilt das Privileg nur mit ,Rat, Willen, Wissen und Volbort* der
Gebietiger, 14S7 dagegen werden die Gebietiger als gleichberechtigte Partner der
Verhandlungen genannt, aus denen die Willensbekundung des Hochmeisters her-
vorgegangen ist. Die Gebietiger werden dadurch als eigenstiindige politische Kraft
neben dem Landesherrn und den Landstanden anerkannt.
Die Gesetzgebung in'Preufien
141
Wie in der Inscriptio unterscheiden sidi die beiden Privilegien auch in ihrer
Corroborate. 1476 hat allein Richtenberg dem Brief zu ,ewiger Sicherheit* sein
Siegel anhangen lassen. 1437 dagegen wird den schon in der Inscriptio angezeigten
Veranderungen dadurch Rechnung getragen, da/? tzu forderem bekentnusz unnd
mehrer sidoerhdtt‘ Hochmeister, Gebietiger und die einzelnen betroffenen An-
gehorigen der Stande ihr Siegel dem Brief anhangen lassen.
Audi der Inhalt beider Privilegien ist ein eindeutiger Hinweis auf das veranderte
Verhaltnis zwischen dem Landesherm und den Standen, vor allem dem Adel. Ge-
horte es im Friihjahr 1453 noch zu den Zielen eines Teils der Ordensbruderschaft,
das Giiterrecat des Adels im ganzen Land zu vereinheitlichen und gleidizeitig zu
versdilechtern, um auf den dadurch schneller wieder an die Herrschaft zuriick-
fallenden Giitern des Adels Bauern ansetzen zu konnen, so miissen — oder im
Fall Richtenbergs moglicherweise auch wollen — Hochmeister und Orden nach
1466 den umgekehrten Weg einschlagen. Sie veruneinheitlichen 1476 das Gliter-
recht im Ordensland durch die Begnadigung allein der samlandischen Erbarleute
nodi mehr und sie schieben den Zeitpunkt des Heimfalls weiter hinaus. Die Ten-
denz der Hinaussdiiebung des Heimfalls setzt sich auch 1487 fort, da durdi die
Prazisicrung der betreffenden Artikel des magdeburgischen Rechts zu beidcn
Kunnen dem Orden die Moglichkeit genommen wird, in strittigen Fallen diese
Artikel zu seinen Gunsten auszulegen, der eigentliche Anlafi, aus dem es zu den
Verhandlungen iiber das Giiterrecht gekommen war. Doch gerade im Fall des
Streits iiber die Auslegung dieser Artikel in zweifelhaften Fallen mufi der Hoch¬
meister zwischen 1485 und 1487 den Forderungen des Adels noch weiter nach-
geben, als er 1485 zuzugestehen bereit war.
In dem Verhandlungsergebnis der Tagfahrt von 1485 wird bestimmt, dafl in
Streitfallen der Hochmeister die Sadie an sich zieht und zur Entscheidung j'e
vier oder mehr Yertreter des Adels und der Gebietiger heranzieht50. Die Endaus-
fertigung der Artikel sieht demgegeniiber ein wesentlich anders zusammengesetztes
Gericht vor. Der Hochmeister soli, um Streitfalle zu entscheiden, dazu entweder
allein vier oder mehr Vertreter des Adels berufen oder drei oder vier Gebietiger
und dazu vier oder mehr von den Landcn61. Damit haben die Stande des Ordens-
landes zum erstenmal das Recht verbrieft erhalten, Giiterrechtsstreitigkeiten im
Rahmen des Magdeburger Rechts zu beiden Kunnen, die zwischen ihnen und
Angehorigen des Ordens entstehen, vor gemischt zusammengesetzten Gerichten,
an denen die Stande mindestens paritatisch beteiligt sind, auszutragen und sie
durch diese Gerichte entschieden zu sehen. Da nach 1466 Landverleihungen be-
sonders wohl an den Adel iiberwiegend nach dem Magdeburger Recht zu beiden
Kunnen erfolgten, haben wir dieses Gcricht praktisch als das vor dem Krieg so
heftig umkampfte gemischt besetzte Verfassungsgericht anzusehen. Zwar soil es
nidit iiber alie aus den Privilegien und Handfesten der Untersassen entstehenden
Streitfalle urteilen, sondern nur iiber die begrenzte Zahl der Streitfalle iiber Ver-
lcihungcn nach Magdeburger Recht, aber der Orden erkennt zum erstenmal
schriftlich fixiert die Moglichkeit an, als geistliche Institution von weltlichen Rich-
tern verurteilt zu werden52.
142 Die irmenpolitischen Verhaltnisse in Preufien zwischen 1480 und 1497 .
Das Privileg iiber einige Artikel des Magdeburger Rechts wirft aber nicht nur Licht
auf das Verhaltnis zwischen Adel im Orden und Landesadel, sondern auch auf das
Verhaltnis Landesadel und Stadte. Das Giiterredit der Stadte beruht iiberwie-
gend auf der Kulmer Handfeste. Nur die — relativ wenigcn .— Verleihungen
nach 1454 sind zum iiberwiegenden Teil wohl nach dem Magdeburger Recht er-
folgt. Allein fiir diesen Teil konnen die Stadte daher auch vor dem im Privileg
festgelegten Gericht in Streitfallen klagen, der weitaus iiberwiegende Teil ihrer
Privilegien bleibt aber auch weiterhin ungeschiitzt von einem gemischt landes-
herrlich-landstandischem Gericht. Nutzniefier des Privilegs ist daher in erster
Linie der preufiische Adel. Da Hochmeister und Orden das weltliche Gericht
sicher nicht freiwillig und ohne Druck zugestanden haben, zeigt das Privileg, daft
die Stellung des Landesadels gcgeniiber dem Landesherrn im Vergleich zu der der
Stadte bedeutend besser, ihr politisches Gewicht und ihr politischer Einfluft wesent-
Iith hoher war. Neben der wesentlich hoheren Steuerkraft des Landes im Ver¬
gleich zu den Stadten wird nicht zuletzt auch das ,Gleichheitsgefuhlf der Stand^s-
genossen im Orden und im Land zu dieser herausragenden Stellung des preufiischen
Adels und zu alien Zugestiindnisscn eines paritatisch, aber iiberwiegend wohl mit
Standesgenossen besetzten Gerichts durch den Orden beigetragen haben.
Wenn auch das Privileg von 1487 von alien beteiligten Parteien gesiegelt und
damit wohl audi rechtskraftig geworden ist, so gelangt es dodi nodi lange Zeit
nicht in die Hande des Adels. In einem ernsthaften, die Stellung von Hochmeister
und Orden grundsatzlidi bedrohenden Streitfall, bei dem man sich innerhalb des
Gerichts nicht hatte einigen konnen, waren die Stiindc Preuftens lange Jahre nicht
in der Lage gewesen, den .Brief an den Enden, da er hinweist*53 zur Bekraftigung
und Bezeugung ihrer Anspriidie vorzulegen. Am 10. Juni 1489 fordert der Hodi-
meisterstatthalter den Marsdiall auf, alle in seinem Gebiet, die ihre Giiter nach
magdeburgischem Recht zu beiden Kunnen besitzen und die das Privileg noch
nicht gesiegelt haben, anzuhalten, ihre ,Macht* dazu Bevollmachtigten zur nachsten
Tagfahrt mitzugeben. Er teilt dem Marschall weiter mit, daft die ,guten Leute* im
Niederland, nach dem das gesiegelte Privileg nun schier zwei Jahre gelegen habe,
der Meinung sind, den Brief endlich auszulosen. Zu diesem Zweck haben sie auf
jeden Dienst, der soldi Recht hat, eine halbe Mark gesetzt. Der Hochmeister for¬
dert den Marsdiall auf, festzustellen, wieviel in seinem Gebiet dieses Recht haben,
denen solle er dann den Aufschlag bekanntgeben und dafiir sorgen, daft das Geld
nach Konigsberg kame54. Das Geld scheint dann audi dem Hochmeister ubergeben
worden zu sein, doch die Stiinde haben das Privileg noch immer nicht ausgehandigt
bekommen. Im Dezember 1501 fordert Bot von Eilenburg von Hochmeister Fried¬
rich, daft man den ,Vertragc zwischen der Herrsdiaft und den Landen der Giiter
wegen, die zu beiden Kunnen verschrieben seien, ihnen endlich aushandige. Man
habe darauf schon einiges Geld entrichtet, sei aber mit der damaligen Kanzlei
nicht einig dariiber geworden, wieviel fiir das Privileg gezahlt werden solle, sie
waren nun erbotig, der Kanzlei das auszurichten, was als billig erkannt wiirde55.
Dem Orden war sichtlich nicht sehr wohl bei dem Gedanken^ dieses Privileg in den
Handen des Adels zu sehen. Das von Riditenberg den Erbarleuten des Samlandes
Wege der Einflufinahme auf den Landesherrn durch Orden und Landstande 143
1476 erteilte Privileg scheint dagegen damals auch der Erbarmannschaft ausgefolgt
worden zu sein, denn Eilenburg verlangt von Hochmeister Friedrich auch, dafi die
Erbarleute in Natangen die gleiche Verschreibung wie damals die Samlander er-
halten, sie sei ihnen auch schon zugesagt worden50.
Trotz der Nichtausfolgung dieses sehr viel Sprengkraft enthaltenden Privilegs mufi
festgestellt werden, dafi der Adel Preufiens nadi der Ermlandkrise im Vergleidi
zu den Stadten iiber das grofiere politische Gewicht verfugt und dafi der Hoch-
*meister und der Orden das audi durchaus anerkennen.
3. WEGE DER EINFLUSSNAHME AUF DEN LANDESHERRN
DURCH ORDEN UND LANDSTANDE
Das politische Geschehen im Ordensland Preufien spielt sich in einem Kraftedrei-
edc ab, dessen Begrenzungspunkte der Hochmeister und Landesherr sowie der
Orden und die Stande des Landes bildcn. Als Obcrhaupt des Ordcns ist der Hoch¬
meister nach den Regeln des Ordens gehalten, sidi des Rats der Ordensbriider zu
bedienen, als Landesherr verlangt er auf den Tagfahrten Rat und Beistand von
den Standen. Doch sind das nicht die beiden einzigen Wege, auf denen Orden und
Stande versuchen, die Entscheidungcn des Hochmeisters und Landesherrn zu beein-
flussen. Die beiden ihm gegeniiberstehenden Krafte stellen dem neu zu wahlenden
Oberhaupt des Ordens jeweils ihre Bedingungen. Fur den Orden erfahren wir
beispielsweise auf dem Kapitel von 1492, dafi Hochmeister Hans von Tiefen ,in
seiner Kore* den Ordensbriidern die Zusicherung gegeben hat, sie vor Verleum-
dungen zu schiitzen57. Die Stande haltcn dem Hochmeister verschiedentlidi vor,
dafi er ihnen nach seiner Wahl bei der Huldigung zugesagt habe, die Stande bei
ihren Rechten und Freiheiten zu handhaben58. Die Ordensbriider versuchen auch auf
den Kapiteln des preufiischen Ordenszweiges Einflufi auf die Entscheidungcn des
Hochmeisters zu nehmen, ebenso wie das die Stande auf den gemcinsamen Tag¬
fahrten tun. Neben diesen Wegen der Einflufinahme des Gesamtordens und der
Gesamtstiinde haben auch noch Wegc existiert, auf denen ,ausgewahlte‘ Vertreter
des Ordens und der Stande den Hochmeister und Landesherrn zu beeinflussen
versuditen.
a) Der Gebietigerrat
Die beiden vor dem Krieg ublichen Gebietigerrate, der ,innere* und der ,aufiere Rat*,
scheinen auch nach dem Krieg weiter existiert zu haben69. Hinweise darauf finden
sich nicht nur in den Tagfahrtrezessen, in denen davon gesprochcn wird, dafi die
Stande mit dem Hochmeister und seinen Obersten Gebietigern00 bzw. mit Hoch¬
meister und den wiirdigen Gebietigern zusammentreffen01, sondern der Hochmeister
spricht auch einmal in einem Brief an den Meister in Livland aus dem Jahr 1473
davon, dafi er und die Gebietiger des inneren Rates einen Brief des Meisters ,ver-
nommen* haben02. Vor dem Krieg sctzte sich der ,innere Rat* aus den Grofigebie-
tigern und den Komturen von Danzig und Thorn zusammen, wahrend zum ,aufie-
ren Rat* noch die Komture von Balga, Brandenburg, Ragnit, Osterode, Mewe
und Rheden hinzukamen03.
144 Die innenpolitischen Verhaltnisse in Preuflen zwischen 1480 und 1497
Diese Art der Zusammensetzung muE sich nach dem Krieg natiirlich geandert ha-
ben, denn der aufiere Rat der Vorkriegszeit hatte im verkleinerten Ordensland
der Jahrzehnte nach 1466 schon rein zahlenmafiig nicht mehr zusammentreten
konnen, da es so viele Komture nicht mehr gab. Fur den inneren Rat konnen wir
dagegen die — zahlenmafiige — Zusammensetzung der Vorkriegszeit wohl auch
fiir die Jahre nach 1466 annehmen. In den Zeugenreihen vieler Hochmeisterur-
kunden finden sich neben den Grofigebietigern auch noch sehr oft ein oder zwei
Komture64. Es ist nicht anzunehmen, dafi Grofigebietiger und die betreffenden
Komture nur beim Hochmeister zusammentrafen, um als Zeugen bei Beurkundungs-
akten zu fungieren, sondern sie hatten wahrsdieinlich vor allem die Aufgabe, iiber
die Losung bestimmter Probleme odcr Entsdieidungen, die gefallt werden mufiten,
mit dem Hochmeister zu beraten.
Die an den Beratungen des ,inneren' Rates' teilnehmenden Komture kommen dabei
nicht mehr, wie vor dem Krieg, allein oder doch vorwiegend aus zwei bestimmten
Komtureien, sondern sie werden anscheinend nach persdnlichen Kriterien aiisge-
wahlt. Innerhalb der — teilweise — neuen Komtureien des Restordenlandes hatte
sich, wie an den Zeugenreihen der Hochmeisterurkunden abzulesen ist, eine be-
stimmte Rangfolge herausgebildet. Als bedeutendste wird die Komturei Holland
angesehen, ihr folgen die Komtureien Ragnit und Osterode und dann, zunachst, die
Komtureien Mohrungcn, Neidcnburg und Memel, spater die Komtureien Rhein
und Memel. Die Komture aller Komtureien werden — anscheinend je nach ihrem
Verhaltnis zum Hochmeister — zu den Beratungen des inneren Rates herangezogen,
wobei allerdings insgesamt die Komture von Holland und Ragnit leicht bevorzugt
worden zu sein scheinen.
Ein Beispicl fiir die Hinzuziehung des Komturs einer abgelegenen Komturei bietet
der Komtur von Neidenburg. Er wird unter dem Hodimeisterstatthalter Hein¬
rich von Richtenberg erstmals zu den Beratungen des inneren Rates hinzugezogen
und wird dann, nach der Wahl Riditenbergs zum Hochmeister, dessen Nachfolger
im Amt des Grofikomturs. Unter Richtenberg wird auch die Teilnahme der Kom¬
ture von Holland, Konrad von Lichtenhain, und Osterode, Martin Truchsefi, die
unter seinem Vorganger Plauen sehr regelmafiig zu den Tagungen des inneren
Rates hinzugezogen worden sind, scltcner; ein Ausdruck der politischen und mog-
licherweise auch menschlichen Spannungen, die zwischen dem Hochmeister und
den beiden Komturen bestanden.
Eine auffallige Erscheinung der Jahre nach 1466 ist, dafi die Obersten Marschalle
sehr oft nicht an den Tagungen des inneren Rates teilzunehmen scheinen und zwar
auch dann nicht, wenn oberlandische Gebietiger hinzugezogen worden sind. Ihr
Fehlen lafit sich somit nicht allein dadurch erklaren, dafi ihnen der weite Weg
vom Oberland nach Konigsberg erspart werden sollte. Dagegen ist recht oft von
Beratungen des Marschalls mit den oberlandischen Gebietigern die Rede, die iiber
Botschaften des Hochmeisters diskutierten. Moglicherweise ist — wie auch schon
im alten Ordensland — eine Trennung zwisdien den unmittelbaren Herrschaftsbe-
reichen des Hochmeisters und des Obersten Marschalls vorgenommen worden, so
dafi der Hochmeister die Verwaltung des Niederlandes besorgte, wiihrend der je-
Wege der Einflufinahme auf den Landesherrn durch Orden und Landstande 145
weilige Marschall fur die des Oberlandes verantwortlich war. Bei grofien Unter-
schieden in den politischen Ansichten des Hochmeisters und des Marschalls — wie
sie beispielsweise zu Zeiten Richtenbergs vorhanden waren — bestand die Gefahr,
dafi das Oberland im Gegensatz zu dem Niederland eine eigenstandige Politik
verfolgte oder zu verfolgen suchte.
Das im Laufe der Jahre zahlenmafiig sehr ungleichmafiig verteilte Zusammentreten
des ,inneren Rates* diirfte einmal auf die unterschiedlich starken Neigungcn der
Hochmeister zum Orden oder zum Land zuriickzufiihren sein,05, andererseits aber
auch die Tendenz widerspiegeln, dafi die Gebietiger des langsam zerfallenden
Ordens kein Interesse mehr daran zeigen, allzuoft mit Dingcn belastigt zu werden,
die moglicherweise darauf hinausliefen, dafi der Hochmeister von ihnen finanzielle
Unterstiitzung verlangte. Diese Ansicht diirfte besonders nach 1480, nachdem der
Orden seine Aspirationen auf schnelle Wiedererlangung des westlichen Preufien und
der sdinellen Abschiittelung der polnischen Oberherrschaft aufgcgeben natte, stark
an Boden gewonnen habenee. Durch dieses Verhalten wird der Hodmieister auch
gegeniiber den Ordensbriidern immer mehr in eine landesherrliche Stellung ge-
drangt, er fiihrt die laufenden Geschafte allein oder in Beratung mit dem Grofi-
komtur07, wiihrend zur Vorbereitung wichtiger Entscheidungen, die mit finanziellem
Aufwand verbunden sind, die Gebietiger herangezogen wurden. Dadurch'nahert
sich die Stellung der Ordensgebietiger naturgemaft der Stellung der Landstande
an, die zu wichtigen Entscheidungen ja auch ihre Zustimmung geben muftten.
Auch auf das Vorhandensein des ,aufieren Rates* deuten Zeugenreihen der Hoch-
meisterurkunden hin68. Doch scheint eine Unterscheidung innerhalb des Ordens
zwischen innerem und aufterem Rat im Laufe der Jahrzehnte nach 1466 fortge-
fallen zu sein. Bis auf die eine ausdriickliche Erwahnung des ,inneren Rates* im
Jahr 1473 finden sich keine Aufierungen mehr, die zwischen innerem und aufierem
Rat unterscheiden. Man ist moglicherweise wie bei den Einberufungen der Stande
so vorgegangen, dafi man von Fall zu Fall, je nach der Bedeutung der Sache, zu-
niichst nur einen engeren Rat informierte und spater einen weiteren Kreis von
Gebietigern und Ordensbriidern. Allerdings haben sich wahrscheinlich die letzten
beiden'Hochmeister bereits iiberwiegend allein des engeren Rates bedient, ein
Indiz mehr fiir das in den Vordergrund tretende Fiirstentum des Hochmeisters
gegeniiber seiner Stellung als Oberhaupt des Ordens.
b) Der Landesrat
Vor dem Krieg war im Ordensland auf Anregung des Hochmeisters Heinrich von
Plauen der Landesrat entstanden, in den ,Ritter und Knechte* sowie Angehorige
der Rate der groften und kleinen Stadte berufen wurden00.
Plauen bediente sich des Landesrates vorwiegend zur Eintreibung von Steuern.
Unter ihm stellt der Landesrat ein Instrument des Landesherrn dar, mit dem er
seine Politik bei den Stiinden durchsetzen wcllte. Sein Nachfolger scheint den
Landesrat jedoch nicht mehr einberufen zu haben70. Erst unter Hochmeister Paul
von Rusdorf entsteht der Landesrat neu71; es gehoren ihm nur nodi Landesritter an,
eine Entwicklung, die aus der Weigerung der Stadte resultiert, ihren von P.usdorf
146 Die innenpoiitischen Verhaltnisse in Preufien zwischen 1480 und 1497-
vorgesehenen Vertretem im Landesrat die notigen Vollmachten zu erteilen72. In
den spateren Jahren tritt die Institution des Landesrats emeut starker in den Hin-
tergrund, wahrend die ihm angehorenden Ritter als Privatpersonen stark in die
Politik des Ordens und des Landes verflochten blieben73. Nadi 1.466 horen wir von
einer derartigen Institution nidus mehr, doch scheinen die Hodimeister sidi ahn-
licher Einrichtuiigen bedient zu haben, wenn sie sie auch nicht mehr institutionali-
siert haben.
Der erste Hinweis auf die Existenz einer Gruppe von Adiigen, die der Hodi¬
meister in seine Nahe zog, findet sich sdion sehr friih im Jahr 1469. Im April
dieses Jahres verbiirgen sidi fiir Sdiuldbriefe, die der Hodimeisterstatthalter aus-
stellt, im Namen des Samlandes und Natangens eine Reihe von Erbarleuten, die
fast alle audi in spateren Jahren in der Umgebung der Hodimeister gefunden wer-
den, so z. B. Went von Eilenburg,-Brosien Perbandt, Fritz Luckau, Daniel von
Kunheim und Peter Kobersee74. Wir finden sie in Begleitung des Hochmeisters
oder einiger Ordensbriider auf Tagfahrten mit dem westlichen Preufien, bei*Ge-
sandtsdiaften an den Konig von Polen und bei der Entgegennahme polnisdier
Gewerbe, neben ilinen aber audi meist Vertreter der Rate der Drei Stadte Konigs-
berg75.
Den Ausdruck ,Rate* fiir diese Angehorigen der Stande des Ordenslandes verwen-
den freilich zuniidist nur die Stande des westlichen Preufien7®. Von einer Beratung
zwischen Hodimeister und einigen wenigen Vertretem der Stande horen wir erst
in dcr Zeit des Streites zwischen Heinrich von Riditenberg und Dietrich von Cuba,
als der Hodimeister unter anderem ,etliche merkliche Manne seiner Lande* in
Tapiau versammelt, um mit ihnen iiber das Vorgehen gegen Cuba zu beraten77.
Erst 1478 wird von der Ordenskanzlei der Ausdruck ,Rate* gebraudit. Im Kon-
zept der Bauern- und Gesindeordnung aus dem Marz dieses Jahres findet sidi die
Formulierung, ,diese nachgesdiriebenen Artikel sind vcrlautbart . . . von dem
hochwiirdigcn Herrn Hodimeister, seinen wiirdigen Gebietigern, Raten, Landen
und Stadten*78. In der Reinsdirift der Bauern- und Gesindeordnung fehlt dann
eben diese Bezeidinung wieder. Welchen Personenkreis wir uns unter diesen ,Raten*
vorzustellen haben, ist nicht erkennbar, da die Namen der an den Verhandlungen
beteiligten Stiindevertreter nicht bekannt sind.
Cber ein Jahr spa ter gebraucht dann der Hodimeisterstatthalter und Oberste
Trapier, Seifried Flach, in einem Brief an den aufier Landes weilenden Hodimeister
die Wendung, ,so habe idi ausgehen lasscn ein Bestellnis an den Herrn Bisdiof von
Samland, an die Gebietiger, an Rate, an Stadte und gedenke Rates zu gebrauchen*79.
Da er anschlicfiend von Gebietigern, Landen und Stadten spridit, hat er mit den
Raten eindeutig die Vertreter des Landes, also den Adel, gemeint. Dieses Verstand-
nis von ,Rate* wiirde audi auf diese Bezeidinung im Konzept der Bauern- und
Gesindeordnung vom Vorjahr passen, denn es wird in den Tagfahrtsrezessen mit-
unter von ,Ritterschaft, Landen und Stadten* gesprochen. In den spateren Jahren
spridit man dann iiberwiegend wieder davon, dafi der Hodimeister ,von etlidien
Rats begehren wolle‘so, oder dafi er sidi ,mit wenigen von Landen und Stadten*
beraten habe*1, oder dafi er ,mit etlichen getrauen Untertanen gehandelt* habe82.
Wege der Einflufinahme auf den Landesherrn durch Orden und Landstande 147
Im westlichen Preuften beginnt man zu dieser Zeit emeut, nachdem der Ausdruck
lange Zeit nicht gebraucht worden war, von den ,Raten* des Hochmeisters zu
sprechen83. Diese Einschatzung der Stande des westlichen Preufien ist freilich auch
nicht sehr verwunderlich, wenn man bedenkt, zu welchen Geschaften diese ,Rate*
vom Hochmeister herangezogen werden. Ihre Teilnahme an Gesandtschaften an
den polnischen Konig, an Tagfahrten mit den Standen des westlichen Preuften und
denen des Ermlandes ist durchaus verstandlich, handelt es sich doch um Angelegen-
heiten des Landes. Wenn aber Truchseft mit ,wenigen von Landen und Stadten*
iiber die livlandischen Handel, in die der dortige Ordenszweig tief verstridtt ist,
verhandelt und ihm die standischen Vertreter raten, dafi es ihnen als das Beste
erscheine, diese Handel zu ,Frieden und Eintracht zu ziehenc, dann handelt es sich
ausschliefilich um Angelegenheiten des Ordens und die standischen Vertreter er-
scheinen als personliche Ratgeber des Landesherrn, der auch Oberhauot des Ordens
ist®*.
Wahrend des Privilegienstreites zwischen dem Orden und dem ermlandischen
Bischof Lukas Watzenrode, dem Nachfolger Thiingens, werden einige Vertreter
der Stande der Verhandlungsdeiegation des Ordens zu einer Tagfahrt mit dem
Bischof von Ermland beigeordnet. Sie wohnen den Verhandlungen nicht nur schwei-
gend bei, sondem ergreifen in den Auseinandersetzungen iiber die Giiltigktfit der
Ordensprivilegien auch im Namen des Ordens und im ausdriicklichen Auftrag des
Groftkomturs das Wort, um den Standpunkt des Ordens in dieser Frage zu ver-
treten85. Folgerichtig wird in den Ordensrezessen dieser Verhandlungen dann auch
von den ,Herren des Ordens und den Raten* gesprochen. Der Hochmeister beruft
sparer Pralaten, Gebietiger und ,etliche von Landen und Stadten* ein, um mit
ihnen iiber das Ergebnis dieser Tagfahrt und das weitere Vorgehen gegen den erm¬
landischen Bischof zu beraten88. Die ,Rate* beschlieften auf dieser Tagfahrt, daft
der Hochmeister den Bischof erneut durch ,etliche Herren (des Ordens) und auch
von Landen und Stadten* besuchen lassen sollte87. Tiefen kommt der Empfehlung
nach. An einer spiiteren Tagfahrt zwischen dem Hochmeister und dem Bischof von
Ermland nehmen ebenfalls Vertreter des Adels und der Stadte teil. Fiihrte auf den
Tagfahrten vom Dezember 1493 und Januar 1494 Daniel von Kunheim das Wort
des Ordens, so ist es auf der Tagfahrt von 1496 Titz von Sparneck88. Auch bei dem
Streit um die ,Wiirdigkeit* der Privilegien des Ordens handelt es sich nicht um eine
wichtige, das Land betreffende Sadie. Der Verlust der Privilegien hiitte allein den
Orden betroffen, seine Stellung gegeniiber dem Land geschwadit, die Stellung des
Landes dagegen gestarkt. Wenn sich trotzdem Vertreter des Adels und der Rate
der Drei Stadte Konigsberg an der Auseinandersetzung auf der Seite ihres Landes¬
herrn beteiligen, dann tun sie das wiederum als personliche Ratgeber Hans von
Tiefens.
Die Einrichtung der Landesrate hat es also auch nach 1466 gegeben. Aber ganz
offensichtlidi vermeidet man im Orden das Wort Rate oder gar Landesrat.
Die Generation der Ordensbriider, die die Vorgeschichte des Biirgerkriegs und den
Krieg mit seinem Ergebnis noch selbst miterlebt hat, ist noch nicht ausgestorben —
Hochmeister Tiefen gehort zu ihr — sie weiB noch, daft das Mitglied des Landes-
148 Die innenpolitischen Verhaltnisse in Preuflen zwischen 1480 und 1497"
rates aus der Zeit Pauls von Rusdorf, Hans von Baisen, der Fiihrer des ,Bundes
vor Gewalt* war, als sich dieser auf den polnischen Konig als neuem Landesherrn
einigte und dem alten Landesherrn, dem Hochmeister, absagte. Mit der Institution
und dem Namen verbinden sich fiir sie sehr unliebsame Erinnerungen. Aber auch
sie kann auf diese Einrichtung nicht verziditen, sie vermeidet aber die Institutionali-
sierung des Landesrates, und sie vermeidet auch den Namen.
4. DER TOD HOCHMEISTERS HANS VON TIEFEN UND DIE WAHL EINES
RE ICHSFORSTEN ZUM OBERHAUPT DES ORDENS
Nachdem sich Hochmeister Martin Truchsefl dem Verlangen Konig Kasimirs nach
Leistung des Eides auf den ewigen Frieden hatte beugen mtissen, wurde der Zu-
griff des Konigs auf Orden und Land spiirbarer und die Demonstration der Ab-
hangigkeit des Ordens und des Landes vom polnischen Konig deutlicher. Besonders
unmiftverstandlich wurde das Abhangigkeitsverhaltnis durch die Forderungen des
polnischen Konigs nach Heeresfolge, zunachst nur gegen die unglaubigen Tiirken,
spater auch gegen christliche Fiirsten, dem Landesherrn und den Standen Preufiens
immer wieder in Erinnerung gerufen.
Der Forderung nach Heeresfolge, die Konig Kasimir im Marz 1485 auf der Tag-
fahrt in Thorn an den Hochmeister richtet, versucht dieser zunachst mit der Schil-
derung aller Hinderungsgriinde auszuweichen89. Aber der Hochmeister mufi sich
schliefllich sogar dazu bercit finden, die Hilfstruppen des Ordenslandes in eigener
Person dem Konig zuzufuhren90. Der Hochmeister zieht mit seinem Heer von
Konigsberg aus zunachst nach Guttstadt, dann nach Neidenburg, spater, als er
Futtermangel hat und vom polnischen Konig noch immer keine Nachricht vor-
liegt, wohin er ziehen soil, nach Rastenburg. Hier endlich liiftt ihm der Konig
iibermitteln, daft er die Hilfe des Hochmeisters nicht benotige, da die Tiirken in
diesem Jahr nicht gekommen seien, doch solle der Hochmeister mit den Seinen
geriistet bleiben, da man standig eines tiirkischen Angriffs gewartig sein miisse91.
Es ist offensichtlich, dafi der polnische Konig dem Hochmeister wohl nur sein Ab¬
hangigkeitsverhaltnis von Polen dcmonstrieren wollte.
Ein Jahr spater richtet Konig Kasimir durch seinen Sekretar Brandes emeut die
Forderung nach Heeresfolge gegen die Tiirken an den Hochmeister92. Der Hoch¬
meister weicht einer direkten Antwort zunachst aus und beruft eine Tagfahrt der
Stande des Ordenslandes ein. Dort wird eine Gesandschaft an den polnischen
Konig beschlossen. Sie soli dem Konig die schlechten wirtschaftlichen Verhaltnisse
des Ordenslandes, in die es durch die Mifternte und ,die grausame Sterbung* geraten
sei, vor Augen fiihren. Die ,Lieben und Getrauen* des Hochmeisters konnten kein
Gesinde mehr bekommen, sie miiBten ihr Vieh selbst besorgen, >melken und anderes,
was sie itzund ungewobnt gewsstf, sie waren in ihren Nutzungen stark verkiirzt
und konnten dem Hochmeister nicht schon wieder, nachdem sie das erst im letzten
Jahr hiitten tun miissen, eine Steuer bewilligen. Der Hochmeister hatte sie gebeten,
wenigstens einige Pferde mit auf den Zug zu senden, sie hatten jedoch darauf ge-
antwortet, dafi sie, wie ihre Vorfahren, nicht ,pfliditig seien, auf eigene Kost iiber
Der Tod Hochmeisters Hans yon Tiefen und die Wahl eines Reidisfiirsten
149
die Grenzen des Landes zu ziehen, sie batten auch nicht soviel Vermogen, daft sie
auf eigene Kosten eine so weite ,Reise* untemehmen konnten*. Der Hochmeister
habe ihnen hierin beipflichten miissen, denn zu ,Cbermacht ware niemand ver-
pflichtet.‘ Weiter sollen sie dem Konig vortragen, daft auch der Orden, wie seine
Untertanen, sich im Augenblick in sehr schlechten wirtsdiaftlichen Verhaltnissen
befinde und daft das Geld, das die Stande fiir den Turkenzug bewilligt hatten,
durch den nutzlosen Auszug aufgebraucht ware. Der Konig mdge ihnen den Zug
erlassen.
Hochmeister und Stande redinen aber nidit damit, daft Kasimir dem Verlangen
nachkommen wiirde. Die Gesandten haben deshalb den Auftrag, dem Konig im
Fall der Ablehnung ihrer Bitte eine ,kleine Madit mit einigen Gebietigern* als
Unterstiitzung anzubieten. Sollte aber selbst dieses Angebot nichts niitzen, so'sollen
die Gesandten dem Konig vortragen, daft der Hochmeister der Ansicht sei, daft
ihn der ewige Friede nicht verpfliditc, immer personlich an alien Kriegsziigen, zu
denen der Konig auffordere, teilzunehmen, trotzdem wolle er aber, damit der
Konig ,alle Zeit geneigten Willen an seiner Hodiwiirdigkeit spiiren moge*, auch
diesmal selbst mit einer kleinen Truppe zum Konig ziehen, doch sei es der Unter¬
tanen des Hochmeisters ,fleifiige und demiitige* Bitte, der Konig wolle den Hoch¬
meister im Lande lassen".
Drei Jahre spater, 1489, richtet der polnische Konig an den Hochmeisterstatthalter
Hans von Tiefen erneut die Forderung auf militarische Unterstiitzung nach ,Inhalt
des ewigen Friedens*, da an der sdilesischen und markisdien Grenze Volk liege,
daft in Polen einfallen wolle04. Audi dariiber will Tiefen zunadist mit den Standen
des Landes beraten05. In den folgenden Jahren kommt es noch verschiedentlich
zu Forderungen des polnischen Konigs nach Heeresfolge gegen Tiirken" und auch
gegen Herzog Konrad von Masowien07, doch erst 1497 werden die polnischen
Forderungen so hartnackig wiederholt, daft der Hochmeister mit seinen Hilfs-
truppen von Konigsberg aufbricht und diesmal weit hinein nach Polen dem Konig
gegen die Tiirken zu Hilfe zieht98. Der alte Hochmeister iiberlebt die Strapazen
dieses Zuges nicht, er stirbt, ohne an den Feind gelangt zu sein, am 25. August 1497
in Lemberg.
Man hatte sich im Orden, nicht zuletzt auf den Rat Hans von Tiefens, darauf ge-
einigt, einen Reidisfiirsten zum Nadifolger des verstorbenen Hochmeisters zu
wahlen. Die Wahl fiel auf Herzog Friedrich von Sachsen99. Man erhoffte sich im
Orden durch die Wahl eines Reidisfiirsten zum Hodimeister eine verstarkte Unter-
stiitzung des Reiches bei dem Bemiihen, das Abhangigkeitsverhaltnis zu Polen zu
losen, ein Grund, der aus den vorhergehenden Sdiilderungen durchaus erklarbar
ist. Trotzdem stellt sich die Frage, ob allein dieses Motiv den Hodimeister Hans
von Tiefen veranlafite, den Ordensbriidern die Wahl eines Fiirsten von Geburt
zum Oberhaupt des Ordens und Landesherrn von PreuBen zu empfehlen.
Die Stellung des Hochmeisters ist nidit nur in aufienpolitisdier Hinsicht schwach,
sie ist es auch innenpolitisch. Der Hochmeister befindet sich in einer doppelten
Abhangigkeit: als Oberhaupt des Ordens ist er nach den Statuten der Bruder¬
schaft und aus finanziellen Griinden abhiingig von den Gebietigern; fiir den Landes-
150
Die innenpolitischen Verhiiltnisse in Preufien zwisdien 1480 und 1497 .
herm ist zwar nicht durch eine geschriebene Verfassungsurkunde, ahnlich den
Ordensstatuten, ein Abhangigkeitsverhaltnis von den politisch fiihrenden Standen
des Landes postuliert, aber das Steuerbewilligungsrecht der Stande und ihr nun
schon auf altem Herkommen gegriindetes Mitspracherecht in alien Landesangelegen-
heiten, seien sie auften- oder innenpolitischer Natur, gibt den Landstiinden doch
cine so starke Stellung gegeniiber dem Landesherrn, die die Abhangigkeit des
Hochmeisters vom Land a Is mindestens ebenso groft erscheinen laftt wie die Ab¬
hangigkeit vom Orden.
Die finanziellc Miftwirtschaft und die Gleichsetzung von Amt mit Erwerb und
Besitz, die im wesentlidien zu der finanziellen Abhangigkeit des Hochmeisters von
den Gebietigern fiihrte, beschreibt Michael Sculteti sehr eindrucksvoll in einer
Denkschrift fiir den Grofikomtur und Hochmeisterstatthalter, Wilhelm Graf von
Eisenberg. Er meint, ,niemand wuftte wo die Renten und Einkommen einkamen,
wenn man keine Redienschaft tate*, er warnt, ,wenn man keine Reformation vor-
nimmt, ist zu befiirchten, unscr baufailiger Orden, jetzt auf bosem und losen Fun¬
dament, nicht langer in den Landen zu Preuften herrschen oder stehen mag*, er
fordcrt fiir alle Ordenshauser einen Tressler, der alle Renten aufhebe und ausgebe,
die die Komture jetzt noch zu sidi nehmen100.
Zu diesem ganz offensichtlich okonomischen Problem des Hochmeisters kommt die
nach 1466 sehr weit fortgeschrittene gesellschaftliche Differenzierung innerhalb
des Landesadels und des Adels im Orden. Innerhalb des Landesadels diirfte die
gesellschaftliche Differenzierung auf den seit 1466 neu im Ordensland ansassig
gewordenen Adel zuriickzufuhren sein. Ein Georg von Schlieben vergafi nie, hinter
seinen Namen die Standesbezeichnung ,Ritter* zu setzen. Schon 1473 redet Hoch-
mcister Heinrich von Richtenberg die Standeversammlung mit ,lieben Herren und
Knechten* an101, und auch 1485 stehen sich in den Verhandlungen iiber das Privi-
leg betreffend das Magdeburger Recht zu beiden Kunnen nicht der Hochmeistcr
und die Gebietiger einerseits und Ritterschaft oder Erbarmannschaft andererseits
gegeniiber, sondern von Seiten des Landes verhandeln ,Herren und Ritterschaft von
Landen* mit dem Hodimeister. In dem Rezeft iiber die Verhandlungen mit dem
Bischof von Ermland werdcn die Vertreter des Landesadels nach ihrem Geburts-
stand aufgcfiihrt. Vor dem Mann, der vorher so oft fur Hochmeister und Orden
das Wort gefiihrt hatte, Daniel von Kunheim, steht ,Titz von Spameck, Ritter*,
und er fiihrt bei diesen Verhandlungen auch das Wort102. Diesem differenzierten
Adelsstand des Landesadels steht ein Landesfiirst gegeniiber, der von Geburt nicht
mehr sein kann als hochstens ein primus inter pares.
Auch vor dem Orden hat der Differenzierungsprozeft nicht halt gemacht. Ein
Plauen vermeint, auf Grund seiner Geburt hoherer Amter wiirdig zu sein und
erhalt groBe Guter, ,auf daB er seinem Stand, unserem Orden und seinem Ge-
sdilecht zu Ehren desto statthaftiger* sein Leben fiihren konne. Die Briider des
Ordens fordern, daft niemand, welchen Standes und welcher Wiirde er sei, Schulden
machen diirfe und verlangen bei Verstoften gegen die Ordensstatuten ein Gericht,
das ohne Ansehen der Person urteile. Diesem Adel im Orden steht ein Hochmeister
gegeniiber, der nach des Ordens Buch nidit mehr sein darf als ein primus inter pares
Der Tod Hochmeisters Hans von Tiefen und die Wahl eines Reichsfiirsten
151
und doch auch Landesfiirst sein muft. Wie lange wiirde es dauern, bis der Adel im
Orden fordern wiirde, dafl dieses Amt von dem Bruder zu besetzen sei, der nach
seinem Geburtsstand der hochste im Orden sei?
Die problematische Stellung eines gewahlten Landesfiirsten aus niederem Adel
gegeniiber den Teilen des Adels im Orden und im Land, der von hoherer Geburt
als der Landesfiirst war, hat nicht nur Tiefen erkannt, sondern auch Martin Truch-
seft. Anlaftlicn der Beschuldigungen einer polnischen Gesandtschaft im Miirz 1487,
er stehe erneut in Verbindung mit dem Konig von Ungarn, sagte er: ,Ich bin ein
armer Herr und kein Fiirst oder Graf geboren, sondern von guten, emsigen, armen
edlen Leuten . . Z103. Wenn er es auch nicht in unmittelbarem Zusammenhang einer
Auseinandersetzung mit den Adelsgruppen sagt, so sind ihm derartige Dberle-
gungen, die er der polnischen Gesandtschaft gegeniiber sofort bereit hat, sicher
nicht grundlos so gelaufig. Hans von Tiefen lost den Landesherrn durdi seinen
Vorschlag, einen Fiirsten von Geburt zum Hochmeister zu wahlen, aus dieser
problembeladenen Stellung. Dem neuen Landesherrn von fiirstlicher Geburt bleibt
nun — gewissermaften nur noch — das Problem seiner finanziellen Abhangigkeit
von Land und Orden zu losen, um tatsachlich Herr des Landes zu werden. Diese
Aufgabe und die Folge, die ihre Nichtlosung zeitigt, erkennt Herzog Friedrich von
Sachsen auch. Seine Rate beschreiben diesen Tatbestand bei den Vorarbeiten fiir
eine neue Landesordnung mit folgenden Worten: wEs ist offenbar, dafi die Herr-
schaft in den Landen Preuften wenig und gar kleinen Nutz, wenn allein ihr Zinser
zu gebra^chen hat, . . . das macht arme und ungefiirchtete Herrschaft und viel
eigenwillige Leute**104. Mit diesem Satz ist die Situation aller aus dem Orden nach
1466 erwachsenen Hochmeister umschrieben.
ABKORZUNGEN
Nicht aufgefiihrte Abkiirzungen und Sigel entsprechcn den in Dahlmann-Waitz, Quellen-
kunde zur deutschen Geschichte, 10. Auflage, angefiihrten Abkiirzungen und Sigel.
Art.
Bsp.
bspw.
bzw.
Ders.
DOA
£d.
fol.
GAB
GZB
Histor.
HM
HR
Hrsg. (hrsg.)
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PreufiProvBll
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Zach.
z. B.
zit.
ZHistVRegBezMarien-
werder
ZHistVMarienwerder
ZOstG
ZWestprGV
ZGErml
Artikel
Beispiel
beispielsweise
beziehungsweise
Derselbe
Deutschordensarchiv
Firdung
folio, Seite
Grofies Amterbuch
GroBes Zinsbuch
Historyczny, Historyczne
Hochmeister
Hanserczesse (Rezesse und andere Akten der Hansetage)
Herausgebcr (herausgegeben)
Hansisches Urkundenbucb
Jahrbudi fiir Geschichte
Komtur (Komrurei)
Urkundenbuch der Scadt Liibeck
Mark
Mitteilungen der literarischen Gesellschaft Masovia
Mitteilungen des Vereins fiir die Gesdiichte von Ost- und
Westpreufien
Neues Archiv fiir Landes- und Volkskunde Niedersachsens
Ordensbriefarchiv
Oberlandische Geschichtsblatter
Osterreichische
Ordensfoliant
Ostdeutsche Wissenschaft
Ostpreufiischer Foliant
ohne Tag
polowa (Halfte)
Preufiische Provinzialblatter
rok (Jahr)
Solidus, Schilling
ohne Datum
Scriptores rerum Prussic a rum
wiek (Jahrhundert)
Zachodni
zum Beispiel
zitiert
Zeitschrift des historischcn Vereins fiir den Regierungsbezirk
Marienwerder
Zeitschrift des historischen Vereins fur Marienwerder
Zeitschrift fiir Osceuropaische Geschidite
Zeitschrift des Westoreufiischen Geschichtsvereins
Zeitschrift fur Geschichte und Alcertumskunde Ermlands
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
Ungedrudzte Quellen
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oben Einleitung.
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ANMERKUN GEN
EINLEITUNG
I Tdppen, Acten V 425—445; ders., Altere preufiische Geschichte 45 ff., hier geht er
jedoch nur mit wenigen Satzen auf die standepolitische Entwicklung vor 1497 ein.
* Voigt, Geschichte.
* Breysig, Die Entwicklung; Vota, Der Untergang.
4 Weise, Das Widerstandsrecht; Forstreuter, Vom Ordensstaat; Hubatsch, Albrecht von
Brandenburg-Ansbach; ders., Die inneren Voraussetzungen. Hubatsch beurteilt inbciden
Arbeiten mit nur wenigen Satzen auch die Standepolitik der zweiten Halfte des 15.
Jahrhunderts und zwar durchaus unzutreffend. Freiwald, Markgraf Albrecht. Vgl. die
weiter unten gemachten Ausfiihrungen zu den Ergebnissen dieser Untcrsuchungen.
5 Plehn, Agrarverfassung; Briinneck, Zur Geschichte; Pliimicke, Zur landlichen Verfassung;
Wilke, Die Ursachen; Aubin, Zur Geschichte.
• Fischer, R., Konigsberg als Hansestadt; ders., Sessionsstreit; Gause, Geschichte Konigs-
bergs.
7 Als Beispiele seien genannt: Gorski, Panstwo Krzyzacki; ders.t Ustrdj paAstwa.
8 Als Beispiele seien genannt: Malowist, Studia z dziejdw rzemiosla; ders., Handelspolitik
des Adels; ders., Polityka gospodarcza; ders., Podstawy gospodarcze; Geremek, Ze
studiow nad stosunkami gospodarczymi; ders., Problem sily roboczej; Biskup, Zakon
Krzyzacki; ders., Der Zusammenbruch des Ordensstaates; ders., Zjednoczenie Pomorza
Wschodniego; ders., Do genezy inkorporacji Prus; Vetulani, Walka Polski.
• Hejnosz, Friedensvertrag von Thorn. Hejnosz gibt zu diesem Problem auch umfang-
reiche weitere Literaturangaben, er geht besonders auf die Auseinandersetzung der pol-
nischea Forschung mit den von Weise, Die staatsrechtlichen Grundlagen, geauSerten An-
sichten zum Vertragswerk von Thom ein. Hejnosz setzt sich in: Prawnopanstwowy
stosunek, mit dem Umfang der Inkorporation und deren Beurteilung durch Weise, Zur
Kritik, auseinander.
Vetulani, Wladztwo Polski; ders., Prwany stosunek; ders., Lenno Pruskie. Vgl. auch
Gorski, Zwiazek Pruski.
II vgl. Forstreuter, Vom Ordensstaat 3.
12 Forstreuter, Vom Ordensstaat 9.
is Freiwald, Markgraf Albredic 38.
и ebd. 34.
15 vgL die Einschatzung des preufiischen Landadels durch den Adel im Orden vor 1454
in SRP IV 411; auch SRP IV 126; SRP III 656, 671.
18 Forstreuter, Vom Ordensstaat 9.
17 Weise, Das Widerstandsrecht 278.
is ebd. 277.
!• Forstreuter, Vom Ordensstaat 3.
ERSTER TEIL
Kapitel I: Das Ordensland bis zum Jahr 1497
1 Weise, Das Widerstandsrecht 268.
2 Text des Thorner Vertrages in Regesta II 3120, gedruckt zuletzt Weise, Staatsvertrage
II Nr. 403; er bringt die Texte beider Seiten.
160
Anmerkungen
1. Die territorialen und politischen Bestimmungen des Friedensvertrages
a Vgl. zu den einzelnen Bestimmungen des Vertrags Weise, Das Widerstandsrecht 270 ff.;
Vetulani, Lenno Pruskie 7 ff.; Hejnosz, Friedensvertrag von Thorn 109 ff.
4 Vgl. Hofmann, H. H., Der Staat 12, 1C2 ff.
5 Vgl. ziim rechtlichen Verhaltnis zwischen dem Restordensland und Polen Weise, Das
Widerstandsrecht 272, zur Kontroverse zwischen den deutschen und polnischen Historikern
iiber diesen Fragenkreis die oben, Einleitung, Anm. 9 gemachten Angaben.
2. Die wirtscJ?aftliche Lage des Deutschen Ordens im Jahr 1466
« Toppen, Acten V 373 ff., 376 ff., 378 ff., 390.
3. Die Neuorganisation der Gebietigerdmter
7 Zur Gebierigerorganisation und Verwaltung des Ordenslandes vor dem Krieg vgl. die
vorziigliche Arbeit von Thielen, Die Verwaltung, auch wenn sich des ofteren der Ein-
druck aufdrangt, Thielen beschreibe die Verwaltung, wie sie sein soilte, aber nicht, wie
sie tatsachlich war.
8 s. Voigt, Namen-Codex 7—13.
8 ebd. 21, 24. ♦
10 ebd. 43.
11 ebd. 47.
i* ebd. 33.
13 ebd. 40.
14 ebd. 95. s. a. Anm. 2.
15 Vgl. Voigt, Geschichte IX 18 und OBA Regesta I 16.165, 1468 Dez. 8. Zur Geschichte
Memels s. Zurkalowski, Studien 145 ff. Semhritzki, Geschichte; ders.y Bemerkungen;
Forstreuter, Memelland; ders., Die Memel. Gegen eine Obernahme der Komturei Memel
schon um den Jahreswechsel 1468/69 durch den HM spricht ein Brief des Liibecker Rates
von der Hanseversammlung vom 4. Marz 1473 sowohl an den Meister in Livland (erst-
genannter) als auch an den HM wegen der von Memel ausgeiibtcn Seeraubcrci (HR II 2
S. 477), die Antwort erteilt der Meister in Livland am 10. Mai 1472, er teilt mit, dafl
er den Komtur von Memel in einem Kapitel der Seerauberei beschuldigt und ihm die
Aufnahme von Seeraubern untersagt habe. Zudem will er den Komtur von Memel zum
24. Mai erneut vor ein Kapitel laden (HR II 6 S. 482).
i® s. Voigt, Namen-Codex 50 (Rhein), 89 (Kreutzburg), 96 (Ortelsburg)
17 ebd. 88 Anm. 4, 93
18 ebd. 95 (Neidenburg), 50 (Rhein), 40 (Mohrungen); der Ordensmarschall schreibt
den ersten Brief aus Eylau am 14. 11. 1471, OBA Regesta I 16.282; wenn Thielen fur
Rhein schon 1468 die Erhebung in dfn Rang einer Komturei sieht, so stimmt das nicht
mit der Amtsbezeichnung des Ordensbeamten in Rhein iiberein, die bis 1477 Pfleger
lautet (Thielen, Die Verwaltung 66; Voigt, Namen-Codex 50).
18 Ober die Idencifizierung von Amt und Besitz s. Krollmann, Untergang des Ordens-
staates 527 ff.; dafi gerade unter Truchsefi die Ausweitung der Anzahl der Pflegeamter
beginnt, liegt vielleicht auch daran, dafi er die Unterstiitzung der Ordensbriider fur
seine Politik bezahlen muflte, vgl. weiter unten 2. Teil, Кар. II/2.
*0 Regesta II 3302, 1471 Mai 4.
4. Die okonomische Entwicklung des Ordens bis zum ]ahre 1497
21 Der genaue Grad der Zerstorung laBt sich natiirlich kaum feststellen. Die Bercchnun-
gen von Weber, РгеиЗеп, stiitzen sich vordringlich auf Angaben aus den Jahren zwischen
1410 und 145C und vor allem im wesentliehen auf die weitaus besser entwickelten west-
lichen Landcsteile. Es ist verstandlich, dafi Kriegsverluste in recht dicht besiedelten Lan-
desteilen, in denen sich zudem der grofiere Teil aller Kriegshandlungen abspielte, wesent-
lich grofier sein miissen als in diinn besiedelten Landesteilen, in denen die Bewohner
mehr und besserc Moglichkeiten haben, ihr bewegliches Hab und Gut in Sicherheit
Anmerkungen
161
zu bringen. In seinen Bevolkerungsberechnungen sciitzt sich Weber zudcm stark auf
statistische Regeln, die entweder etwas zulassen odcr ausschlieflen, ohne die Moglichkeit
zu haben, die Richtigkeit dieser Voraussetzungen fur das 15. Jahrhundert nachpriifen zu
konnen.
42 Die Forschung schlieflt sich entweder dem diisteren Bild Webers (Weber, Preuflen) an,
oder greift einzelne Klagen und Beschwerden heraus, die dann unzuverlassigerweise ver-
allgemeinert werden. Im weicaus grofieren Teil der Forschung schweigt man sich aber
iiber die okonomischen Grundlagen des verkleinerten Ordenslandes und deren Ent-
wicklung vollig aus.
22 Vgl. hierzu Abel, Agrarkrisen 52 f., aber auch . fur einen grofleren Zeitabschnitt
Ruggiero u. Tenenti, Grundlegung, Abschnitte 1 und 10
24 So Paul Pole In seiner .Preuflischen Chronik* SRP V 192, er laflt dann aber eine
^norcliche pestilentz* kommen, die die Bevolkerung so stark dczimierc, dafl das Ge-
treide auf den Feldern vergehen mufl. Simon Grunau spricht ebenfalls von der guten
Ernte, weifl aber nichts von einer Pestilenz zu berichten, sondern gibt Beispiele fur Nah-
rungsmittelpreise und erzahlt, dafl Gesinde sehr teuer gewescn sei (Perlbach, Simon
Grunau II 312).
25 Bereits im Februar 1467 beraten die Abgeordneten beider* Landesteile in Elbing
liber den Zinserlafl fiir ausgebrannte und gepliinderte Bauern. Nach Beratungcn mic den
Vollmachtgebern beider Seiten wird im August 1467 wiederum in Elbing beschlossen, den
ausgebrannten Bauern und Burgern der kleinen Stadte fiir fiinf Jahre den Zins zu
erlassen. Toppen, Acten V 225, 238.
*• Schon kurz nach_ 1466 mufl der polnische Konig die Riickgabe wahrend des Krieges
entlaufener litauischer Bauern gefordert haben. HM, Bischof (von Samland), Land und
Stadte versuchen, dem durch Angabe verschiedcner Hinderungsgriinde auszuweichen,
OBA Regesta I 16.C76 (nach 1466). Um 1475 fordcrt eine Gesandtschaft des polnischen
Konigs, dafl die taglich aus Litauen, Reuflen und Samaiten entweichenden Leute vom
Orden nicht angenommen, sondern zuriickgetrieben werden sollen. Der HM ancwortec,
dafl er seine Amtsleute anweisen will, diese Leute nicht mehr aufzunehmen, OBA Re¬
gesta I 16.592 (um 1475). Die Anweisung hat jedodi siditlich nur gcringen Erfolg, wie
aus einem Gewerbe hervorgeht, das der Komtur von Ragnit an den polnischen Konig
bringen soli. Darin schlagt der HM vor, dafl man ein ,Zeichen‘ vereinbaren solle und
vom Orden nur noch die Leute angenommen wiirden, die ein derartiges Zeichen vor-
weisen konnten, OBA Regesta I 16.894, 1480, Sept. 7. Wahrscheinlich 1481 beschwert
sich der Meister von Livland in einem sdiarfen Protestbrief an den HM dariiber, dafl vom
Memcler Komtur die Lauflinge aus Kurland nicht zuriickgeschidtt, sondern in das
Landesinnere des Ordenslandes gesandt wiirden, OBA Regesta I 17.510, 1472—1489,
17.519, 1490, Jan. 15. Recht ausfiihrliche, regestenartige Beschreibung dieser Vortrage bei
Weise, Staatsvertrage III 40 ff., dort auch Angabe weiterer Druckorte. Die Zuwanderung
entlaufener litauischer Bauern geht aus einem Gewerbe an den litauischen Groflfiirsten
hervor. Darin wird dem Komtur von Memel und dem Hauskomtur von Ragnit aufge-
tragen, der Lauflinge nur zu geHenken, wenn sie darauf von den Litauern angesprochen
wiirden, OBA Regesta I 17.737, 1492, Nov. 2. Auf Zuwanderung aus Litauen deutet
auch schon die Aufnahme besonderer Bestimmungen iiber die Litauer in der Bauern- und
Gesindeordnung von 1478 hin, Toppen Acten V 327. Die Zugewanderten scheinen jedoch
von den Amtsleuten des Ordens vorwiegend als ,Freie‘ und weniger als Bauern angesetzt
worden zu sein.
27 Die Frage des Landcsausbaus ist in der landcsgeschichtlichen Forschung Ostpreuflens
auflerordcntlidi griindlich und fiir wohl das gesamte Territorium bcarbeitet worden,
s. etwa Mortensen, Die Besiedlung; Mortensen, Die litauische Einwanderung 133 ff.
Barkowski, Beitrage 197 ff.; Koch, Geschichte der Besiedlung; Kuck, Siedlung in Nadrauen;
Saborowskiy Besiedlung und Nationalitatenverhiiltnisse; Kuhn, Geschichte der Ostsied-
lung u. v. a. m. ~
28 Die Einwanderung aus den Nachbarlandern nach 1466, die doch zahlenmaflig redit
162
Anmerkungen
bedeutend gewesen sein mufi, lafit Weber, Preufien, beispielsweise bei seinen Bevolkerungs-
berechnungen vollig aufier Betracht.
29 Im Zusammenhang mit Steuerforderungen des Landesherrn wird von den Standen
verschiedendich das Argument des Mifiwuchses angefiihrt, um ihre ablehnende Haltung
zu begriinden, bspw. Toppen, Acten V 265 ff. (1473), 308 ff. (1477).
30 Zur Frage von Pest und anderen Epidemien s. Faber, Verordnungen und Mafiregeln;
Sabm, Geschidite der Pest.
31 s. dazu den Bericht iiber das Ordenskapitel vom 23./24. April 1492, OBA Regesta I
17.690 und vgl. weiter unten 2. Teil, Kapitel III/l. ,
a) Der Hochmeister
32 Aus der Zeit zwischen 1466 und 1497 findet sich leider keine Aufzeidmung iiber die
gesamten Einnahmen des HM’s, erst fiir die Zeit zwischen Michaelis 1499 und Michaelis
1500 sind wir iiber die Einnahmen des HM’s genauer informiert, OBA Regesta I 18.322
(1500, Sept. 29.).
33 Diese Aufgliederung deckt sich ungefahr mit den im Rechnungsbuch der Rentkammer
von 1499/1500 genannten Einnahmequellen.
34 Bei den einzelnen Einnahmeposten sind immer nur die vollen Markbetrage beriidt-
sichtigt wordcn, die Summe der einzelnen Teilbetrage einer Mark wiirde die Gesamt-
summe nur um etwas iiber 2 Mark erhohen.
85 Diese Angabe isc aber unrichtig, allein die Zusammenrechnung der Teilsummen in
reinen Markbetragen ergibt eine Gesamtsumme von 10.826 Mark, dazu kommen nodi
einige falsche Beredinungen der Teilsummen, so werden z. B. 7 Stein 8 Pfund Wadis fiir 7
Mark je Stein verkauft, das ergibt beim Budihalter eine Einnahme von 44 Mark, 1
Skott.
36 OBA Regesta Г 16.996 (1481) и. 17.055 (1481/82).
37 Ober die Steuerzahlungen in Preufien gibt es die seltsamsten Angaben in der For-
sdiung, so behauptet Forstreuter, Die Memel 21, dafi die 1458 bewilligte Zeise fiir Ein-
und Ausfuhr nadi 1466 vom HM voriibergehend auch auf die Durchfuhr angewandt
wurde; hier stimmen drci Dinge nidit: 1. wurden die Zeisesatze 1460 neu festgesetzt
(Toppen, Acten V 36), 2. beschwerten sich die Danziger nur iiber die auf die Salzdurchfuhr
gelegte Zeise, zuletzt auf der Tagfahrt in Maricnburg am 3. 12. 1467, 3. mufiten die
Danziger fiir die Last Salz 2 Mark Zeise zahlen, wahrend der Zeisesatz von 1460 eine
Abgabe von 3 Mark verlangt hatte. Bei der vom HM neu eingefiihrten Belastung han-
delt es sich also nicht um die im Ordcnsland erhobene Zeise. Die von Gebauer, Samland
232 geiiufierte Ansicht, dafi die erste Torakzise in Konigsberg 1470 vorkommt, erklart
sidi aus mangelhafter Quellenkennjnis, sie kommt ab Sommer 145S vor (Toppen, Acten
V 4). Enss, Anfange der Bier-Zeise, meint, die Stande versagten 1472 in einer plotzlichen
Reaktion jede indirekte Steuer. Plotzlich ist die Reaktion der Stande nun wirklidi nicht
zu nennen, nachdem in den Jahren vorher nahezu regelmafiig die Zeisesatze gesenkt
wurden und die Verhandlungen iiber die Sceuerbewilligung sich immer langer binzogen.
83 Toppen, Acten IV 580 f.
зв Toppen, Acten V 255.
4° ebd. 259 ff., 265 ff.
41 ebd. 309, 314 ff.
42 ebd. 370 f.
43 OF 191 Zeisercgister 148C. Vgl. auch die Beschwerden des westlichen Preufien, Toppen,
Acten V 375 ff.
44 Topper., Acten V 395, hier wird jedodi auch von einem Geschofi ,wie zcuvorn* gespro-
chen, so dafi fiir 1484 eine Geschofizahlung nicht vollig ausgesdilossen werden kann.
45 Im Jahr 1436 brad'.tc Hans Preufic, der Stadtschulze von Neidenburg, dem Herrn
Grofikomtur die Lade, also wahrscheinlich das eingesammelte Geschofi, nach Konigsberg,
OF 182* fol. 13.
40 Toppen, Acten V 411.
Anmerkungen
163
47 OBA Regesta I 17.492, 1496, Nov. 10.
48 Toppen, Actcn V 422.
49 Wenn Toppen in seinem Riickblidt auf die Jahre zwischen 1467 und 1497 davon
spricht, dafi die Stande dem Orden 1497 zwei Geschosse bewilligten (Toppen, Acten V 445),
dann irrt er, aus dem abgedruckten Material lassen sich entnehmen: eine Zeise, also indi-
rekte Steuer und ein Geschofi, d. h. eine direkte Steuer dcr Stande, und ein Geschofi der
Gebietigcr und Amtsleute des Ordens von deren Einkiinften.
so s. Toppen, Acten V 35 f., 65 f., 75 f., 153, 162 f., 233, 248 ff., 252 ff. u. 254 ff. sowie
auch 1 ff.
51 Fur die Jahre 1467 bis 1469 linden sich die folgenden Zahlen in: OF 190 und 176, fur
das Jahr 1471 im OBA Regesta I 16.287, 1471.
52 Die fur 1467/68 fur das Land angegebenen Zahlen brauchen niche unbedingt die tat-
sachliche Hohe der Ertrage anzugeben, da z. B. unter Germau kein Zeiseertrag verzeichnet
ist, der Pfleger von Lochstadt aber aus Germau Zeiseeinnahmen von iiber 30 Mark ver-
zeichnete, weiter erhielt er Geld vom Bischofsvogt, das sicher aus der Zeise des Bistums
stammte, OBA Regesta I 16.112, 1467.
53 OF 185.
54 Berechnungsgrundlage fur die Gesamtsummc des Geschosses in den Drci Stidtcn Ko-
nigsberg bilden die Angaben des OF 185 iiber den Geschofiertrag der drei Stadte am
Palmsonntag 1458: Altstadt 337,5 Mark, Kneiphof 220 Mark und Lobenicht 110 Mark.
55 Vgl. Toppen, Acten V 396. Die Zahl stimmt auch mit der iiberein, die HM Friedrich 1501
den Standen als Ertrag des Geschosses von 1497 nennt, wenn man unterstellt, dafi seine
Angaben in ,guten* Mark gemacht worden sind, ebd. 463. Die 1485 angegebenen 2.000
Gulden werden vefmutlich ungarische Gulden gewesen sein, dann ergibt sich ein Geschofi-
ertrag von 8.000 geringe Mark.
50 Diese Vergleiche stimmen nur unter der Voraussetzung, dafi sowohl die Angaben fur
die Zeiseertrage von 1467—1469 und 1471, als auch die Einnahmen von 1499/1500 in
geringer Mark gemacht worden sind; diese Annahme liegt nahe, weil der Geschofiertrag
des Kneiphofs von 1477 in geringer Munze angegeben ist, die auch das im tiiglichen Leben
wohl ublicbe Zahlungsmittel war. Falls diese Annahme jedoch unrichtig ist, werden die
Aussagen iiber den Anteil von Zeise- und Geschofiertrag an den Gesamteinnahmen des
HM’s nariirlich becrachtlich relativiert, doch machen sie auch im ungiinscigsten Fall, das
heifit alle Angaben iiber Steuerertrage in geringer Mark und die Einnahmen von 1499/1500
in guter Mark, noch immer 25 bis 50 Prozenc der Gesamteinnahmen aus.
57 OBA Regesta I 16.996, 1481 und 17.055 (1482); der Pfundzoll war wahrscheinlich bis
1481 ebenfalls verpfandet, vgl. Akta Till.
58 Die Rechnung in OBA Regesta I 17.055 ist sowohl am Anfang als auch am Ende etwas
uniibersichtlich. Zu Beginn ist die Rede von einer Schuld des Pfundmeisters ays dem Jahr
1481, es ist nicht nadipriifbar, ob die genannten Betrage zu dem fur 1481 genannten Be-
trag noch hinzugerechnet werden miissen oder ob sie erst 1482 an den Hochmeister kom-
men; am Ende der Aufzeichnung wird das bis dahin gebrauchte Gliedcrungsprinzip nadi
Schiffen und Waren aufgegeben und dafiir eine Reihe von Personen genanne, die ver-
mutlich Knechte des Pfundmeisters waren, so dafi nicht eindeutig klar ist, ob die hier an-
gefiihrten Betrage nicht schon friiher genannt worden sind. Im OBA Regesta I 17.377,
1487, ,Allerhand Rechnungszectel betr. besonders Tuch- und Gewandverteilung unter des
Hochmeisters Gesinde* finden sich auf einem Kerbzettel noch vier Angaben iiber Einnah¬
men aus dem Pfundzoll fur das Jahr 1486 und 1487. Die Aufzeichnung ist unvollstiindig.
Sie ergibt eine Gcsamtsumme von 495 Mark weniger 4,5 Schilling, bei einer Teilsumme
von 56 Mark steht allerdings „empfangen vom Pfund, vom Zins aus dem Lobenicht und
Kneiphof am Donnerstag vor Pfingsten"; in diesem Betrag sind also Einkiinfte aus zwei
verschiedenen Quellen zusammengefafit.
5» Auch bei diesem Vergleich ist zu beriicksichtigen, dafi die angegebenen Markbetrage so¬
wohl in guter als in geringer preufiischer^Miinze gerechnct sein konnen.
во OBA Regesta I 17.111, 1483, gedruckt: Weise, Staatsvertrage III 154 ff.
164
Anmerkungen
«1 OBA Regesta I 17.422, 1487 Sept. 28.
« ebd. 16.698, 1477.
•3 ebd. 17.903, 1496 April 23., gedruckt bei: Kiewning und Lukat, Urkunden 28.
84 Tbielen, Die Verwaltung 89, stellt fest, dafi Oberschusse der Komtureien in dcr Regel
an den HM abgefiihrt werden; das lafit sich fiir unsere Zeit in keinem Fall nachweisen;
ein Indiz unter vielen fiir den weiteren Zerfall des Ordens nach 1466.
65 OBA Regesta I 16.650, nach 1476.
•• Umrechnung nach Waschinski, Die Miinz- und Wahrungspolitik 241—251; das Wert-
verhaltnis rheinische Gulden zu ungarischen Gulden betrug 1456 4 : 3, fiir den ungarischen
Gulden nennt Waschinski fiir 1480 einen Kurs von zwei guten oder vier geringen preus-
sischen Mark.
87 Beim Tod des Pflegers zu Insterburg scheint der HM allerdings 236 Mark erhalten zu ha-
ben, doch mufite er sich um diesen Betrag mit dem Nachfolger vertragen, OBA Regesta I
17.903, 1496 April 23.
w OBA Regesta I 16.545, 1475 Sept. 16.; 16.676, 1477 Aug. 26.; 16.698, 1477; 17.327,
1487 Juni 1.
«» OBA Regesta I 17.327, 1487 Juni 1.; 16.698, 1477.
70 Ein erstaunlicher Ausgabeposten der HM-Kasse sind die Betrage, die an einzelne Pflege-
amter gezahlt worden sind. Manchmal geht aus dem Kontext hervor, dafi sie zu bestimm-
ten Zwecken gezahlt worden sind, z. B. dem Kauf von Schafen, Ochsen, etc., meist sind
sie in den Einnahmeregistern der Pflegeamter jedoch schlicht als Einnahmen ,von unserem
gniidigen Herrn* oder ahnlich verzeichnet. Bsp.: OBA Regesta I 16 112, 1467 und 16.698,
1477; OF 182k.
71 Diese Darlehen von Ordensbrudern an den HM haufen sich besonders in den Jahren
vor dem Tiirkenzug HM Hans von Tiefen: OBA Regesta I 17.957, 1497 Jan. 20.; 17.979,
1497 Juni 1.; 17.987, 1497 Juli 29.; Regesta II 3646, 1492 Jan. 5.; 3745, 1497 Juli 5.;
3746, 1497 Juli 29.
h) Die Amtsleute des Ordens
72 Invcntar Osterode OBA Regesta I 16.681, 1477 Sept. 7., gedruckt: Ziesemer GAB 340 f.
73 Invcntar Holland OBA Regesta I 16.417, 1473 Juli 7., gedruckt: Ziesemer GAB 108
74 Inventar Osterode OBA Regesta I 17.439, 1488 Sept. 1., gedruckt: Ziesemer, GAB
341 ff.
75 Die erstmalige Erwahnung von Tellem im Jahr 1488 bedeutet wohl nicht, dafi die
Komture vorher iiber keine Teller verfiigten, nur sind sie jetzt aus Zinn, wahrend sie vor-
her wahrscheinlich aus Holz waren und daher nicht fiir Wert befunden wurden, in dem
Inventar aufgezahlt zu werden. Die Inventarlisten miissen daher mit einem gewissen
Vorbehalt betraduet werden, sie habeh nicht alles aufgezahlt, was an Inventar vorhanden
war, doch haben sie wohl auch nidus aufgezahlt,was nicht vorhanden war, so dafi man mit
den Inventaren den steigenden Wohlstand der Komtureien belegen kann.
78 Das Inventar von 1507 ist gedruckt bei Ziesemer, GAB 108 f.
c) Die Eigenwirtschaft der Amtsleute
77 Uber Umfang und Bedeutung der Eigenwirtschaft im allgemeinen und im besonderen
fiir unsere Zeit bestehen in der Forschung recht unterschiedliche Auffassungen. So meint
Wilke, Die Ursachen 69, dafi die Zahl der Domanen in der zweiten Halfte des 15. Jahr-
hunderts vermindert wurde und dafi die iibrigen ihren Betrieb in Anpassung an die ver-
kleinerten Konvente einschranken. Topper., Topographisch-statistische Mitteilungen 415
sieht die Vorwerke nur als Liefcranten von Pferden, Schlachtvieh und Wolle an, wahrend
er der Feldwirrschaft wegen des grofien Anfalls an Zinsgetreide nur nebensachliche Bedeu-
tur.g beimifit. Dagegen will Aubin, Zur Geschichte, 55, einen Teil der Getreidemengen,
die der Orden ausfiihrte, auf den Domanen produziert wissen. Die Gutsgrofie wird von
Wilke, Die Ursachen, 61, mit etwa 250 Hektar als maximaler Grofie angegeben.
Anmerkungen
165
78 Inventare OBA Regesta I 16.681, 1477 Sept. 7.; 17.439, 1488 Sept. 1. gedruckt: Ziese-
mer, GAB 340 ff.
7» Nach Aubin, Zur Geschichte, 23 f., werden pro Last Saatgetreide etwa 60, 8 Hektar
und pro Pflug erwa 93 Hektar anzusetzen sein.
80 Inventar 1449, Juni 17., gedruckt: Ziesemer, GAB-337 ff.
ei OBA Regesta I 17.577, 1490, gedruckt: Ziesemer, GAB 198 f.
8* gedruckt: Ziesemer, GAB 192 ff.
83 Inventare Lochstadt 1476 und 1485 ebd. 48 ff.
8* Inventar Lochstadt 1399 ebd. 45.
*5 OBA Regesta I 17.210, 1485 о. T., die hier gemachten Angaben finden sich nicht bei
Ziesemer, GAB 49 ff.
ee Inventar Lochstadt 1507, gedruckt: Ziesemer, GAB 51 f.
87 OBA Regesta I 16.112, 1467, Rechnung des Pflegers zu Lochstadt iiber Einnahme und
Ausgabe. Es werden zwei Transporte nach Elbing erwahnt, in dem ersten Fall ist es eine
ungenannte Menge Hafer und im zweiten Fall sind es 4 Lasten Roggen, beide Transporte
werden mit dem Schiff durchgefiihrt.
88 Ziesemer, GAB 317, 318.
8* ebd. 321.
eo OBA Regesta I 16.698, 1477. 4
•i Angaben zu Wildenberg 1485 Ziesemer, GAB 354; 1488 ebd. 357, 1477 OBA Regesta I
16.698, 1477.
•2 Angaben Ziesemer, GAB 354, 357.
вз Inventare Ortelsburg 1477, Juni 10. ebd. 115 f., 1485 Mai 15., ebd. 116 f.
d) Die Einnabmen aus den Amtern
84 OBA Regesta I 16.111, 1467.
»5 s. Thielen, GZB, 48 ff.
•e OBA Regesta I 17.213, 1485, Zinsregister der Dorfer Uderwangen und Lindenau.
•7 Sahm, Geschichte Friedlands, 46, bezweifelt die Richtigkeit der Angaben des Zinsbu-
ches von 1467, er halt die angegebenen Zahlen fur Sollzahlen, denen die Istzahlen nicht
entspradien. Er beriicksichtigt dabei nicht, dafi von den Stadten gewohnlich auch fur
wiist liegcnde Erben der Zins gezahlt werden muftte, ebenso ist es wohl auch bei den Dor-
fern, der Zinsertrag mufi also nicht der tatsachlichen Besetzung entsprechen. Seiner Mut-
mafiung iiber den Zerstorungsgrad Friedlands kann auch darum nicht zugestimmt werden,
weil 1467/68 immerhin 163 Mark und 1468/69 48 Mark an Zeise von Friedland aufge-
bracht wurden, so verodet, wie er annimmt, kann es bei diesen Betriigen nicht gewesen
sein, gehoren sie doch zu den hochsten, die in den kleinen Landstadten eing^nommen
wurden.
88 Wir miissen allerdings beriicksichtigen, dafi in den nachsten Jahren scheinbar betrachtliche
Verpfandungen und Verleihungen vorgenommen werden, so soli die Hufenzahl 1508 statt
2.697 im Jalir 1437 nur nodi L361 betragen haben, Wilke, Die Ursachen, 49. Immerhin
empfangt HM Friedrich 1499/1500 aus dem Amt Brandenburg auch nur noch einen Zins
von 950 Mark 2 Skott, OBA Regesta I 18.322, 1500 Sept. 29; dagegen steht eine Nach-
richt aus dem Jahr 1517, die an Zinseinnahmen aus dem Gebiet Brandenburg 3.120 Mark
verzeichnet, davon werden 3.063 Mark wieder ausgegeben, so dafi an die Rentkammer nur
nodi 57,5 Mark abgcfiihrt werden (OBA, 1517), wir miissen also mit der Moglichkeit
rechncn, daB auch 1499/1500 nur die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben an den
HM abgefiihrt worden sind.
89 Zwar gibt es einige Nachrichten iiber die Einkommensverhaltnisse der Komture, aber es
werden keine Zahlen genannt, so z. G. OBA Regesta I 16.432, 1473 Sept. 27., Ktr. von
Ostcrodc an HM; der Ktr. wartet dringcnd auf den Zinstermin, der ihm auch im osterodi-
sdien Gebiet einiges Geld einbringen muE.
too OBA Regesta 1 17.875, 1495 ,Diesz nachgeschrieben schult hat Her Jheronimus van
166
Anmerkungen
Gebesatil Comptr zcur Balge gelase, was Ersz sich nicht v'liben wiel, abir was hirnach
v'merkt wurt in schrieften*
101 Lyck: OF 176, Ausgaben des Pflegers von Lyck 1479; Neidenburg: OF 182k, Einnah-
men- und Ausgabenregister des Amtes Neidenburg 1486; OB A Regesta I 16.697, 1477, Re¬
gister iiber Wachs und Pflugkorn, das die Dienstpflichtigen dem Pfleger von Neidenburg
entrichtet haben; OBA Regesta I 16.698, 1477, Rechnung iiber Einnahme- und Ausgabe
des Hauses Neidenburg fur das 2. Halbjahr 1477.
Ю2 Die Einnahmen des Hauses Ortelsburg aus Zinsen, Vermietung, Verkaufen bei OBA
Regesta I 17.189, 1485 Mai 15., Inventar Ortelsburg, allein die Angaben aus der Inventar-
liste sind gedruckt: Ziesemer, GAB 116 f.
юз Angaben fur 1437 in Thielen, GZB 85 f.; fur 1477 OBA Regesta I 16.697, 1477.
Ю4 OBA Regesta I 16.698, 1477.
io* in Thielen, GZB finden sich dafiir keine Vergleichszahlen.
10* Angaben aus Thielen, GZB 84. Es ist in der Zwischcnzeit ein Eisenwerk von Natural-
zins auf Geldzins umgestellt worden. Allerdings ist auch moglich, dafl ein 1437 existie-
rendes Eisenwerk (Komschcn) eingegangen ist und an seine Stelle ein neues (Malge) getre-
ten ist, das von Beginn an einen Geldzins entrichtcte. Im ubrigen ergibt sich aus den Anga¬
ben des GZB und denen aus OBA Regesta I 16.698, daft der Orden seine Zinsforderungen
nach der Miinzreform von 1460 im Verhaltnis 1 gute Mark = 2 geringe Mark umgestellt
zu haben scheint, da die Eisenwerke in Wildenburg und Synnen 1437 fur das ganze Jahr
9 Mark Zins geben, wahrend sie 1477 den gleichen Betrag im halben Jahr zahlen miissen.
i°7 Die hohen Ertrage, die der Pfleger aus den Hofen zieht, stehen in keinem Verhaltnis
zu den Betriebsgroflen, auf die wir nach den Angaben der Inventare geschlossen haben.
Man mufl wohl in Rechnung stellen, daft die Viehangabcn sich nur auf den Teil bezogen,
der dem Pfleger gehorte, wahrend der tatsachliche Viehbestand grofier war, da die Hofe
verpachtet waren. Dann sind sicher aber audh landwirtschaftliche Gerate vorhanden, die
jedoch zum Pachthof gehorten und darum im Ordensinventar nicht auftauchen. Da jedoch
fiir drei der vier Hofe auch Lohnlisten fur das Gesinde vorliegen, konnte nur der Hof in
Kothenburg verpachtet gewesen sein.
108 OBA Regesta I 16.698 enthalt zwei Angaben fiir den Malzpreis, einmal zahlt der
Pfleger fiir die Last Malz 7,5 Mark, beim zweitenmal fiir 2 Last 14,5 Mark, das ergibt
einen Durchschnittspreis von 7 Mark 20 Schilling fiir die Last oder etwas mehr als 7
Schilling fiir den Scheffel.
io* Der Pfleger bezahlt fiir 1,5 Last Roggen 5,5 Mark, fiir die Last also 3 Mark 40 Schil¬
ling.
no Auch fiir den Haferpreis haben wir unter den Ausgaben des Pflegers zwei Angaben,
einmal zahlt er 8 Mark fiir 2 Last Hafer und einmal 12 Mark fiir 4 Last, das ergibt einen
Durchschnittspreis von 3,5 Mark fiirMie Last oder 3,5 Schilling fiir den Scheffel.
in Er zahlt fiir 6 Scheffel Erbscn 2 Mark.
n2 Der Pfleger zahlt fiir 4 Schiffspfund Eisen 8 Mark, allerdings mit Fuhrlohn, in den 24
Mark fiir 12 Schiffspfund oder 1 Last Eisen ist daher auch Fuhrlohn enthalten.
из Angaben aus OBA Regesta I 16.698.
H4 OF 182k ,Einnahme- und Ausgaberegister des Amtes Neidenburg 1486f. Die im Titel
des Folianten angegebene Jahreszahl ist falsch, es handelt sich um die Einnahmen und
Ausgaben zwischen Martini 1484 und Martini 1485.
ns 1477 heiflt das Dorf Malpoffe, 1485 wird es Maltzowen genannt, es diirfte sich nach
dem Kontext um den gleichen Ort handeln.
n* Die Gerstenpreice schwankten nach dem Ausgaberegister zwischen 6 und 10 Schilling
je Scheffel, liegen aber uberwiegend zwischen 8 und 9 Schilling. Nach dem Ausgabenregister
schwankten die Haferpreise zwischen 2,5 und 3 Schilling, wobci 2,5 Schilling nur ein Aus-
nahmepreis zu sein sdieint, dcr in den ersten Monaten des Berichtszeitraums gezahlt
wurde. Nachdcm bekannt geworden zu sein scheint, dafl der Pfleger zur Versorgung des
HM und seiner Truppen Getreide ankaufte, hielt sich der Haferpreis konstant bei 3 Schil¬
ling fiir den Scheffel.
Anmerkungen
167
117 OBA Regesta I 17.422, 1488 Juli 3., Vertrag zwischen dem HM und dem Pfleger von
1487 Sept. 28.
118 OF 192, ,Ausgabenregister des Pfund- und Rentmeisters Hans von Thungen DO*, ge-
fuhrt in den Jahren 1498—15C0, fol. 5; vgl. a. 1. Teil, Кар. II 3 c uber die zusatzlichen
Einnahmen, die sich der Pfleger von Neidenburg zu verschaffen wuflte.
119 Inventar Ortelburg: OBA Regesta I 17.139, 1485 Mai 15., gedruckt: Ziesemer, GAB
116 f. Bei Ziesemer ist nur das Inventar gedruckt, im Ordensbriefarchiv befinden sich neben
den Inventarkerbzetteln noch 4 Anlagen, aus denen alle folgenden Angaben entnommen
worden sind.
120 ,fast‘ bedeutet nicht beinahe, sondern wohl ,mehr als*.
121 s. weiter unten Teil Z, Кар. III/l.
122 OF 192, fol. 5.
i*8 OBA Regesta I 16.834, 1480 Mai, Abrechnung des Herrn Leenlewt zu Lyck mit dem
Komtur von Rhein.
1,4 Unter Berechnung des Guldenkurses nadi den in der Abrechnung angegebenen. Werten:
1 ungarischer Gulden = 2 gute Mark = 4 geringe Mark.
125 Vgl. Voigt, Namen-Codex 11C, 114.
™ OBA Regesta I 17.957, 1497 Jan. 20.
»27 ebd. 17.987, 1497 Juli 29. '
i*8 ebd. 17.672, 1492 Jan. 24.
i2« Voigt, Namen-Codex 13.
Kapitel II: Das Land Zwischen 1466 und 1497
1. Die wirtschaftliche Lage des flachen Landes am Ende des Biirgerkriegs
1 Die in der Forschung vertretenen Ansiditcn sind im Fall des Landes allerdings eindeutig:
Weber, Preuflen 124, 582, konstatiert, dafl die Bevolkerungszahlen im Vergleich mit dem
Jahr 1410 auf die Hiilfte und der Wohlstand in dicsem Zcitraum auf etwa cin Zehntel
gesunken war. Allerdings trifft er diese Feststellung fiir das gesamte ehemalige Ordens-
land. Weitgehend in ihrem Urteil iiber die Lage des Ordenslandes auf Weber stutzen sich
Aubin, Zur Geschichte 106, der diese Zahlen aber noch nicht als ticfsten Stand gelcen lassen
will; Forstreuter, Preuflen und Ruflland 61, bezeichnet die Jalire zwischen 1466 und 1498
kurzweg als ,Elcndszeit‘, bezieht das aber wohl vor allem auf die politische Lage des HM,
ebenso bezieht er seine Aussage iiber die wirtschaftliche Notzeit in: Forstreuter, Vom
Ordensstaat 9 auf den Orden, was fiir den gesamten in Fragc stehenden Zeitraum aber
wohl nicht zutrifft; Wachter, Domanenvorwerke 15 siehc das Land sogar noch 1486 in
tiefstcr Not, er beruft sich bei diescr Feststellung auf Aubin. *
2 s. dazu vor allem ,Geschichten von wegen eines Bundes*; Johann Lindenaus .Gesdiichte
des dreizehnjahrigen Krieges*, beide SRP IV 75 ff. bzw. 5C2 ff.
3 Schon der Blick in Toppens Standeakten hatte z. B. Aubin: Zur Geschichte, seine sum-
marische Ubernahme der Ergebnissc Webers verbieten miissen. Wilke, Die Ursachen, unter-
scheidet denn auch zwischen dem Samland und den anderen Gebieten des Restordenslandes.
* OF 190 .Zeise, Mahlgeld, Waaggeld 1467/68*.
8 Der letzte Ort findet si<h in OF 182^ ,Einnahmen- und Ausgabenregister des Amtes
Neidenburg*, dorr sind am Schlufl des Registers der Name des Zeisemeisters und die ein-
genommenen Betrage der zwischen Michaelis 1467 und Midiaelis 1468 erhobenen Zeise
verzeichnet.
8 Ebenfalls im OF 190, dessen Titel etwas irrefiihrend ist, da auch das Steucrjahr 1468/69
nodi in diesem Folianten enthalten ist.
7 vgl. Bruns und Weczcrka: Hansische Handelsstraflen, Atlas Karte 45.
8 ОВЛ Regesta I 16.111, 1467.
9 Thielen, GZB 53 f.
168
Anmerkungen
10 OBA Regesta I 16.698 2. Halbjahr 1477, den Zahlen dieses Jahres werden die Angaben
von Tbielen, GZB, 83 f. fur das Jahr 1437 gegeniibergestellt.
11 Die 1477 namentlich aufgefuhrten Bauern der einzelnen Dorfer, es sind 21, zahlen bis
auf eine Ausnahme einen Zins von 2 geringen Mark, es ist daher anzunehmen, dafi sie bis
auf die eine Ausnahme den Zins fur zwei Hufen zahltcn, denn 1437 betrug der Zins fur
eine Hufe eine halbe — wahrsdieinlich gute — Mark.
12 Die Zahlen der besetzten und unbesetzten Hufen stimmen in Thielen, GZB, nicht iiber-
ein, die Zahlen der wiisten Hufen wurden deshalb nach dem Zinsertrag korrigiert.
13 Der Zinsertrag betragt 9 Mark 3 Firdung. *
14 Der Zinsertrag betragt 17 Mark 14 Solidi; 14 Solidi sind knapp 1 Firdung, der betref-
fende Bauer diirfte wahrscheinlich eine viertel Hufe bewirtschaften.
16 Der Verfasser ist keineswegs der Ansicht, daB das Restordensland am Endc des Biirger-
kriegs als ein wirtsdiaftlich bliihcndes Gemeinwesen dasteht, nur sdieint ihm das Bild,
das in der Forschung von der wirtschaftlidien Situation des Landes von Beginn des Krieges
1454 bis weit in das 16. Jahrhundert gezeichnet wird, namlich das eines Landes und einer
Bevolkcrung, die von einer okonomischen Notlage in die andere taumelt, nicht gerecht-
fertigc zu sein. *
18 OBA Regesta I 16.101, 1467 Juli 5. Da das Dorf noch in dem .Zinsbuch des Hauses
Brandenburg* von 1467 enrhalten ist, mufi dieses Register vor dem 5. Juli aufgestellt
worden sein.
17 Thielen, GZB 50 f. Das Dorf steht im Zinsbuch unter dem Namen Swene.
18 Preisangaben fur das Jahr 1467 liegen leider nur nach Simon Grunaus Preufiischer Chro-
nik vor, vgl. 1. Teil Кар. I, Anm. 24. Die von ihm angegebenen Preise finden sich aber
in spatercn Jahren jedenfalls annahernd in dieser Hohe. Hiihnerpreise gibt Grunau fur
1467 nidit an.
10 1437 gibt das Dorf Frisching fiir 2,5 dazugekaufte Hufen 5 Firdung und Va Firdung
10 Pfennig fiir die dafiir falligen 10 Hiihner. Thielen, GZB 51; 1467 gibt das Dorf fiir
die zehn Hiihner nur noch V* Firdung, diese Zinsreduzierung deutet darauf hin, dafi Gru¬
nau mit seinen Preisen wahrsdieinlich die Wahrheit gcsprochen hat.
20 Der Kurs des ungarischen Gulden wird auf der Marienburger Tagfahrt vom 20. De-
zember 1471, s. Tbunert, Actcn Westpreufien 163, mit 7 Firdung angegeben. Der gleiche
Kurs auch bei Waschinski, Die Miinz- und Wahrungspolitik 241 ff.; gleicher Kurs auch
nach Regesta II 3204 f., 1469 Marz 24.
si s. Regesta II 3492, 1482 Marz 30.; 3583, 1488 Marz 10.; OBA Regesta I 17.753, 1493
Jan. 5. Auf diesen Satz ist Jcr ZinsfuB im 14. Jahrhundert vom Orden fcstgclegt worden,
der als gcistliche Institution seine Sdiwierigkeiten betreffs der Zinseinnahmen von Dar-
lehen dadurch beseitigte, dafi er diese* festen Zinssatz einfiihrte und die Ertrage bzw. die
Darlehcnsgabe als Rentenkauf bezeichnete.
22 OBA Regesta I 16.141, 1468 Juni 22.
23 Thielen, GZB 75, das Dorf heifit Ryschaw.
24 z. B. die Verpfandung an die Gebriider Tettau, Regesta II 3211, 1469 April 9.
25 Toppen, Acten V 238.
2. Die Entstehung des ,neuen Adels* in Preujien.
2fl Toppen, Acten II 180 ff.
27 s. zu den Anspriidien des Herzogs von Sagan auf das nordlidie Prcufien Gause, Ge-
rchichte Konigsberg I 183 ff., s. auch ОВЛ Regesta I 15.503, 1460 Juli 20, Kunz von Eg-
loffstein, Hauptmann zu Kreuizberg, oder OBA P.egcsta I 14.178, 1456 Jan. 4. Georg
von Sdiliebcn, Hauptmann zu Allcnstein, ebenda 15.001, 1458 Febr. 22, HM und Ktr.
von Elbing verschreiben sich gegen Schliebcn wegen der Einriiumung eines anderen Schlos-
xes wenn er Allenstein aufgibt, er erhalt dann Dt. Eylau (s. dazu 15.196, 1458 Dez. 10.
15.294, 1459 Jan. 10., 15.415, (1459) ?, 15.522. 1460 Aug. 26., Schlieben nennt sich Haupt¬
mann zu Allenstein, Ncuenburg, Eylau, Wohnsdorf).
S3 s. bspw. OBA R.cgesta I 15.576, 1460 Dez. 21., 15.611, 1461 Febr. 5., (Kunz von Eg-
Anmerkungen
169
loffstein): 14.798, 1457 Febr. 22., 15.611, 1461 Febr. 5., 16.679, 1461 Aug. 9., 15.835,
1463 Apr. 11. (G. v. Schlieben).
29 s. OBA Regesta I 15.503, 1460 Juli 20., 16.031—33, 1466 Marz 8.—10.
so ebd. 15.175, 1458 Okt. 14.
31 Weber, Preufien 677.
32 ebd. 677 betr. Abzahlung der Schulden bis 1520.
33 Das Samland hatte 1455 ein Privileg erhalten, das es vor derartigen Verleihungen
schiitzte, s. Toppen, Acten IV Nr. 313.
34 Zu diesen Berechnungen s. Wilke, Die Ursachen 49; der Verlust ist in dem Zeitraum
zwischen 1437 und 1508 aufgetreten, und demnach wohl weitgehend den Verleihungen un-
mittelbar nach dem Krieg zuzuschreiben.
зз OBA Regesta I 16.883, 1480 Mai 26., die Einlosung der Verpfandung an die Briider
Tettau.
30 ebd. 16.127, 1468 Jan. 10.
37 Thielen, GZB 70.
so Ziesemer, GAB 159. '
30 ebd. 181.
40 OBA Regesta I 16.178, 1469 Apr. 8.; Weber, Preufien 254 f. meint zu den Verleihungen
generell ganz richtig, dafi erst nach 1466 bzw. nach 1525 in Preufien*die Latifundien ent-
standen sind.
41 Thielen, GZB 64 f.
42 OBA Regesta I 16.154, 1468 Sept. 6., Regesta II 3173, 1468 Mai 21.
43 SRP IV 411, vgl. a. SRP IV 126, SRP III 656, 671.
44 In der Forschung spricht man nahezu ausschliefilich von wirtschaftlichen Anreizen, so
z. B. Wdchter, Ostpr. Domanenvorwerke 7; Lohmeyer, Standische Verhaltnisse 291.
46 Die Behauptung bei Krollmann, Deutsche Besiedlung 265 f., dafi die grofien Verleihungen
in der Rcgel Wiistungen waren, mufi wohl aus dieser Oberlegungen heraus bezweifelt wer-
den.
40 Die Forschung gibt meist dem zweiten den Vorrang. Wdchter, Ostpr. Domanenvorwerke
265 f. in Gewinnen aus der Produktion von Getreide fur den Markt; Borries, Ostdeutsch-
lands Bauern und Bauernstand 364 f. pladiert ebenfalls fur den Anreiz durdi den friih
aufgebliihten Handel, der zur Oberproduktion anregte; Aubin, Zur Geschichte 113 verneint
dagcv'en die Mdglichkcit von Gctreideexport fur den Adel in den Jahren nach 1466 (nach
den Belegen, die er angibt, praktisdi bis zum Jahr 1523); da er gleichzeitig sagt, dafi das
Land verwiistet, verarmt und eines grofien Teils seiner Bevolkerung beraubt sei, verneint
er auch die Moglichkeit einer ausreichend grofien Grundrente bzw. Verzinsung fiir die
Landannahme anstelle von Schuldverschreibungen. Nach seinen Ausfiihrungen hat der
ncue preufiische Adel praktisch iiberhaupt keine Existenzgrundlage gehabt. Gutswirt-
schaft in Abrede stellt auch Mortensen, Grofigrundbesitz 25. •
47 So war Georg von Schlieben schon 1455 als Gesandter des FIM und der Landstadte
beim polnischen Konig vorgesehen, OBA Regesta I 13.430/31, 1455 Jan. 6. 1456 wird er
von den Deutsch-Ordensrittern, Rittem und Biirgern Hollands fiir den Fall, dafi Holland
in fremdc Hiinde geriete, vorbeugend zum Schirmherrn erkoren, OBA Regesta I 14.691/92
(1456 Nov. 22.) und 1456 Nov. 26.; er nimmt an den Verhandlungen zwischen dem Orden
und dem Konig von Polen 1458/59 teil, OBA Regesta I 15.164 1458 Sept. 23. und ist
Zeuge bei dem zwischen den Parteien ausgehandelten Beifrieden, ebd. 15.175, 1458 Okt.
14., auch Regesta II 3047, 1458 Okt. 14., beim Waffenstillstandsvertrag mit Masowien
1459 wird er unter den vertragsschliefienden Pr.rteien aufgezahlt, OBA Regesta I 15.390,
1459 Nov. 10., Regesta II 3037, 1459 Nov. 10.; an den Befriedungsverhandlungen und
Waffenstillstandsabkommen sind im iibrigen noch weitere, spater im Ordensland ansassig
werdende Soldncrfiihrer vertreten. Beim Friedensvertrag von Thorn crscheint Schlieben
unter den Biirgen, Regesta II 3120, 1466 Okt. 20.
48 Regesta II 3212, 1469 Apr. 9., 3214, 1469 Apr. 11., 3216 ff., 1469 Apr. 13., 3230 ff.,
1469 Apr. 16., 3262, 1469 Tag ?
4« Thunert, Acten Westpreufien 18.
170
Anmerkungen
3. Die okonomische Entwicklung des Landes bis zum Jabr 1497
a) Der Adel
Die folgenden Angaben sind entnommen aus 'Wilke, Die Ursacben 59 ff. Die Verfasserin
kommt iibrigens schon wesentlich friiher zu der von Mortensen (s. Anm. 46) geaufierten
Ansicht, dafi der Adel Preufiens in unserer Zeit und sparer seine wirtschaftliche Existenz
auch in der Grundrentenerzielung sab, nur meint sie, dafi sich ein .starkes Oberwiegen*
dieser Herrschaftsform nicht abzeichnet.
51 Vgi. die Angaben tiber die Grofie reiterdienstpflichtiger Giiter bei Weber, Preufien 479:
Osterode ca. 6 Hufen, 254: Elbinger Gebiet (am Rande der Wildnis) 20—5C Hufen, 532:
Waldamt Tapiau 25 Hufen, 537: Gerdauen 25 Hufen, 501: Waldamt Leunenburg 5 Hufen
und Toppen, Geschichte Masurens 93/94: Masuren westlicher Teil 10 Hufen, 105: ostlicher
Teil 15 Hufen.
5* Wilke, Die Ursachen 77.
53 Die Forschung neigt in dieser Frage weitgehend zu der Annahme, dafi der Getreideex-
port nicht den Anreiz bilden konnte, vgl. etwa Aubin, Zur Geschichte 113, der einen regel-
mafiigcn Gerreideexport andcrer, da der Orden dazu nicht einmal in der Lage war, ver-
wirft; er sriitzt rich fiir sei^e Angaben iiber den Getreideimport allerdings auf zwei Aus-
nahmejahre, 1519 verproviantierte HM Albrecht die Ordensburgen fiir den bevorstehenden
Krieg und kaufte dazu, wo er nur konnte, Getreide auf, 1523 miissen die durch den Krieg
hervorgcrufenen grofien Schiiden fast im gesamten Ordensland iiberwunden werden. Wilke,
Die Ursadien 75 schliefit sich den Ansichten Aubins an. Wdchter, Domanenvorwerke 7
allerdings meint, in der Getreideproduktion fiir den Markt den Hintergrund fiir die Ge-
wichtsvermehrung der adligen Betriebe sehen zu miissen.
54 Toppen, Acten V 266.
м ebd. 309.
e« ebd. 380 ff.
«7 ebd. 411.
58 Fiir einen Getreideexport des Ordcnslandes sprcchen neben den Ausfuhrverboten, die
der HM nach Beratung mit den Standen erlafit, -so z. B. Toppen, Acten V 380 ff., 1482;
HUB 11, 327 f. 1491 und 1492, ebd. 371; auch das Pfundzollregister von 1482 OBA Regesta I
17.055 sowie die Angaben im Ausgaben- und Einnahmeregister von Lochstadt, OBA Re¬
gesta I 16.112, 1467.
59 Aubin, Zur Geschichte 63, rieht z. B. als Indizien fiir Eigenwirtschaft des Adels und
Beziehungen zum Markt an: Erkliirungen des Adels, daft er sich vom Acker nahren miisse;
dafi er Schaden genommen hatte, wcil das Getreide keinen rechten Preis erzielt habe,
Kampf um Freiheit der Getreidcausfuhr; Kampf gegen Einschrankung des Binnenhandels;
Versdiiffung- ihrer Produkte auf eigenne Risilco nach Danzig, in unserem Fall also nach
Konigsberg und Elbing. Der HM beklagt sich 1494 in einem Brief an Danzig dariiber,
dafi seine Untertanen in kurz vergangenen Jahren Getreide nach Danzig brachten, um es
dort zu verschiffen, man es ihnen jedoch nicht erlaubt habe. Welchen Standes die Unter¬
tanen waren, geht aus dem Schreiben nicht hervor; (OF 18c, fol. 65»—66»), zudem finden
sich zelin Jahre spater Beschwerden der Bewohner des westlichen Preufien iiber Gctreide-
aufkauf durch Leute ,aus des Ordens Lande* im Werder (Akta IV/1, S. 224 f.), das Ge¬
treide mufi also nicht unbedingt aus dem Ordensland nach Danzig gebracht worden sein.
«о z. B. OBA Regesta I 16.420, 1473 Aug. 6.; 16.506, 1474 Sept. 16.; 16.636, 1476 Okt. 31.
ei ebd. 16.420, 1473 Aug. 6.
®2 Toppen, Acten V 323 ff.
83 ebd. 326 f.; s. auch dazu OBA Regesta I 16.716, 1478 Miirz 11., das Verhandlungsproto-
koll mit interessanten Veranderungen des urspriinglichen Vorschlags.
84 So beschwerten sich die Drei Stadte Konigsberg wahrscheinlich im Jahr 1508 dariiber,
dafi Herrschaft, Adel und Bauern Kaufir.annschaft treiben, OBA Regesta I 19.230 (1508) ?
83 Gewinnbringend schien dem Adel die Darlebensgabe an den HM und Ordensbriider
sowie cine Art Zwischcnfinanzicrung eines Teils der Kricgsschuldcn des Ordens, so z. B.
OBA Regesta I 16.852, 1497; 17.235, 1486 Apr. 3. und 17.348, 1487 Sept. 29.; 17.399,
Anmerkungen
171
1488 Apr. 26. oder 27.; 17.418, 1488 Juni 22. und 17.419, 1488 Juni 22.; Regesta II 3742,
1497 Mai 26. Aufierdem schien ihm audi der Erwerb bzw. Verkauf von Land lohnend, so
z. B. Regesta II 3173, 1468 Mai 21.; 32C2, 1469 Marz 19.; 32C3, 1469 Marz 21.; 3266,
1471 Marz 10.; OBA Regesta I 16.210, 1470 Miirz 3.; 16.210 a, 1470 Marz 8.; 17.363,
1487 Nov. 8.; 17.911, 1496 Mai 29.
ee OBA Regesta I 16.450, 1473 Dez. 13. Der HM holt brieflidi vom Marschall Rat in
dieser Sadie ein. In dem Sdireiben ist die Rede nur von dem Hof Dollstadt, da aber 1492
von der Witwe Dohnas das Kammeramt Dollstadt ausgelost wird, ist anzunehmen, dafi
sich der HM in seiner Angabe des Pfandgutes irrt.
« OBA Regesta I 17.691, 1492 Mai 3.
•8 ebd. 18.159 (1499 Juli 16.) Entwurf zu einer Landesordiiung.
b) Die Freien
69 Zu den .Freien* s. noch immer am besten informierend; Toppen, Die Zinsverfassung
Preufiens, 207—232, 345—367, 611—627, 724—761; fur ihre reditliche Stellung auch
Briinneck, Zur Gesdiichte; fiir die hier behandelte Zeit: Wilke, Die Ursachen; Aubin, Zur
Geschichte.
70 Zu den Neuansetzungen s. 1. Tcil, Кар. I, Anm. 27.
71 OBA Regesta I 19.336 (urn 1510).
7* Die ethnische Zusammensetzung des Standes der Freien iindert sich nach 1466 natiirlidi
betrsiditlich. Deutsdie Einwandercr stehen schon seit lingerer Zeit nicht mehr zur Ver-
fiigung; jetzt wird fiir die Besiedlung der Wildnis verstarkt auf Litauer und Masowier
zuriickgegriffen, dazu kommt noch, dafi auch in schon erschlossene Gebiete eine polnische
Einwanderung erfolgt, Vgl. dazu Guttzeit, Grundbesitzversdiiebungen 66 ff.; Mortensen,
Die litauische Einwanderung 133 ff.; Krollmann, Besiedlung des Ordenslandes 250 ff.; ders.
Besiedlungsgeschichte 3 ff.; Koch, Johannisburg; Saborowski, Besiedlung; Game, Polnische
Einwanderung 25 ff.
73 Vgl. Wilke, Die Ursadien 185 ff.
c) Die Bauem
74 OBA Regesta I 18.383, Anf. XVI. Jh., vgl. a. die Beschwerden der armen Leute von
Willenberg OBA Regesta I 18.394, Anf. XVI. Jh. Genauer datieren lassen sidi beide Be-
sdiwerden leider nicht, da keine Nanicn genannt werden. Wir konnen wohl nnch nicht an-
nehmen, dafi die Ordensamtsleute schon seit Kriegsende in dieser Art mit den Bauern ura-
sprangen. Die Anfange derartigen Verhaltens diirftcn wohl in den achtziger Jahrcn liegen,
nach der Niederlage im Pfaffenkrieg, der dadurch verursachten Schwachung der Stellung
des HM’s gegeniiber den Ordensbriidern und dem Aussterbcn der Generation im Orden,
die den Krieg nodi miterlebt hatte, vgl. dazu 2. Teil, Кар. II/l, 1. Teil, Кар. 1/4 d.
73 Zu den ,Bauern* im Ordensland s. Aubin, Zur Gesdiichte; Wilke, Die Ursadien; Pld~
midze, Zur landlichen Verfassung; Plehn, Agrarverfassung.
73 Toppen, Acten V 462 ff.
77 ebd. 326 f.
78 ebd. 384 ff.
7» ebd. 400 ff.
so ebd. 464.
8» ebd. 388, Landesordnung von 1482 Art. 24.
8* ebd. Art. 25.
83 ebd. Art. 28.
84 ebd. Arc. 17, S. 387.
85 ebd. Art. 29, S. 388.
88 Toppen, Acten II 364, Landesordnung von 1441, Art. 25.
87 Sc z. B. OF 176 und OF 182k. Die Fuhrlohne sind recht hoch. So zahlt der Pfieger von
Lyck, um eine Last Saiz zu transportieren, 6~Mark, der Pfieger von Neidenburg fiir den
Transport von 3 Tonnen Honig nach Konigsbcrg 1,5 Mark; im Neidenburger Ausgaben-
172
Anmerkungen
register sind unter den hiiufigen Fuhrlohnen nur zwei Zahlungen als an Passenheimer
Fuhrleute erfolgt bezeichnet.
88 Toppen, Acten V 387 Landesordnung von 1482, Art. 20, der Artikel entspricht in sei-
nen einzelnen Bestimmungen vollig dem Art. 16 der Landesordnung von 1441, Toppen
Acten II 363.
8® Toppen, Acten V 412 ff. Inwieweit es sich bei den Artikeln von 1494 tatsachlich um
eine Landesordnung fur das Ordensland handelt s. 2. Teil Кар. III/2 a.
eo Toppen, Acten V 415 Art. 11.
el ebd. Art. 12.
•2 ebd. Art. 20, S. 416.
•3 Nach Abel, Agrarkrisen 98 steigen die Getreidepreise in Belgien und den Niederlanden
zwischcn 1461 und 1490 stark an, sinken dann aber bis etwa 1510 wieder fast ebenso stark
ab. Dazu kommen in Preuflen selbst nodi die Mifiemten zu Beginn der 90er Jahre, die
zu einem Ausfuhrverbot fur Getreide fiihren.
d) Gesinde und Lohnarbeiter
•4 Toppen, Acten V 282 f.
85 Toppen, Acten II 362 Art. 4.
«о Toppen, Acten V 283 Art. 2.
97 ebd. 385 Art. 4; diese Regelung wird audi 1492 beibebalten, ebd. 413 Art. 2.
®8 ebd. Art. 7, 8, 11, 12.
8® Toppen, Acten II 362 f. Landesordnung von 1441 Art. 10; Toppen, Acten V 327 Lan¬
desordnung von 1478 Art. 11; ebd. 385 f. Landesordnung von 1482 Art. 9.
loo Toppen, Acten V 327 Landesordnung von 1478 Art. 12; ebd. Landesordnung von 1482,
Art. 6, 10; ebd. Landesordnung von 1494 Art. 3.
Ю1 Zu den Gesindclohnen s. Steffen, Landliches Gesinde. Zu dem Wert der Arbeit s. Au~
bin, Zur Geschichte 34 Anm. 2.
к» Lochsudt OBA Regesta I 16.112, 1467.
юз Neidenburg ebd. 16.698, 1477.
104 Ortelsburg ebd. 17.214 a, 1485, auf der Lohnliste ist dementgegen das Jahr 1483 von
spaterer Hand vermerkt.
108 Insterburg und Taplaken ebd. 17.436, 1488.
юо Unter den Ausgaben des Pflegers von Neidenburg 1486 sind eine Reibe von Tage-
lohnerlohnen, so z. B. fur Schnitter im Aust, fur Sensenhauer im Aust, fur Recher im Aust,
aber audi fur Holzhauer, Hecksler, Drescher und Arbeiten in der Miihle, OF 182k.
Kapitel III: Die Stadte bis гит Jahr 1497
1 s. a. Gause, Geschichte Konigsbergs, ak neueste und wohl auch beste Darstellung der
Geschichte der Stadt.
2 Conrad, Geschichte der Konigsberger Obergerichte, 3.
* zu Mcmcl vgl. oben Кар. I, Anm. 12; s. a. die Stadtgeschichten wie etwa Behnisdj, Ver-
such einer Geschichte der Stadt Bartenstein; Conrad, Preufiisch Holland; Creutzwieser, To-
pographie der Stadt Holland; Hein, Bartenstein.
1. Die wirtsdiaftliche Lage Konigsbergs im Jahr 1466
4 Die Ergebnisse der Forschung zu diesem Punkt sind nicht ubereinstimmend. Daenell,
Blutezeit der Hanse, 176 ff. fiihrt aus, daft der steigende Anteil Konigsbergs am Handel
mit Holland (177) Danzig veranlafite, 1456 zum erstcninal Auslieger gegen den steigenden
Zustrom der Fremden auszusenden; Fischer, Konigsberg als Hansestadt, 333, meint, daft
diese Danziger Auslieger den Verkchr nach Konigsberg nicht wesentlich beeintriichtigt hat-
ten, ebenso auch Stein, Handelsbriefe, 59 ff.; dagegen erklart Aubin, Zur Geschichte, 113,
daft Konigsbergs Fernhandcl vor 1454 schon unbedcutcnd war, durch den Krieg dann
vollig-ab rift und nach 1466 eine lange Zeit brauehte, um den alten Stand wieder zu errei-
chen. Aubin kennt sichtlidi weder die Arbeit Fischers noch die Steins, von den einschla-
gigen Quellcnpublikationen, etsva das HUB Bd. 9 von 1903, ganz zu schweigen. Die
Anmerkungen
173
neueste Arbeit zur Verbindung zwischen den Hansestadten und dem Orden wahrend des
Biirgerkriegcs wurde von polnischer Seite vorgelegt: Cieslak, Stosunek Zwi^zku, er meint,
daft die Hansestadte und hier besonders Liibeck, den Orden und seine Stiidte gegeniiber
dem polnischen Konig und den Stadten des westlichen Preufien stark bevorzugt hatten.
5 Vgl. den Briefwechsel zu diesem Problem in LUB 9, nr. 252, 299, 311, 588; in HUB 8,
nr. 484, 675; Stein, Handelsbriefe, vor allem S. 61.
e vgl. dazu LUB 9, nr. 588, 715, 801, 822, 823; HUB 8, nr. 484; HR III, 3, S. 242 ff.; SRP
IV, 520, 550, 613 f.; Zurkalowski, Studien, 188 ff.; Steint Handelsbriefe, nr. 21.
7 vgl. HR II, 5, nr. 2, 4, 105; LUB 10, nr. 8; HUB 9, S. 9, 115; Steint Handelsbriefe, nr.
21, 23, 25, 26.
8 vgl. LUB 9 nr. 6, 483, 506, 866; LUB 10, nr. 321; LUB 11, nr. 406; HUB 9, S. 92, 105;
Steint Handelsbriefe, nr. 26.
e Stein, Handelsbriefe, nr. 26, 27, S. 72, 109 ff.
10 ebd., S. 72, 109 ff.
11 Bricfe und Aufzeichnungen, die sich mit dem Bernstein befassen, befinden sidi im LUB
verschiedentlich, so LUB 9, nr. 354; LUB 10, nr. 403; LUB 11, nr. 530, hier auch die An-
gabe anderer Bemsteininteressenten: Brugge, Oldesloe, Hamburg; s. a. Steint Handelsbriefe,
nr. 21. Ein weiteres Indiz fur die andauernden Auslandsverbindungea Konigsbergs auch
wahrend der Kriegsjahre bietet die Zeise, die die Drei Stadte Konigsberg und das Sam-
land dem HM in den Jahren zwischen 1458 und 1472 jedes Jahr gaben. Immer ist unter
den zu versteuernden Artikeln Salz aufgefiihrt, also ein reines Einfuhrprodukt, und immer
wird auch das Gut, das ,der Kouffman auszfuret und sdiiffen will1, angefiihrt, s. dazu
bspw. ТорреПу Akten V, 3.
12 Dazu zablr vor allem'das Brakrecht fur aus Litauen kommende Asche, die verbesserte
Stellung im Litauenhandel allgemein, da sich die Konkurrenten in diesem Handelsgebiet
jetzt im Ausland* befanden, vgl. HUB 9, S. 202 (Regest); Regesta II, 3124, 1466 Okt. 20;
zur Niederlage und Brake s. a. Bohnket Der Binnenhandel, 31; Gonnenwein, Das Stapel-
und Niederlagsrccht, 175 f.; Hirsth, Danzig, 282. Zu den .Handelswegen nach Litauen
und der Rolle der Konkurrenten s. Forstreutcr, Die Memel, 26; Hirsthy Danzig, 285 ff. u.
Anhang; Daenellt Bliitezeit, 285.
2. Die okonomische Entwicklung Konigsbergs bis 1497
19 vgl. 1. Teil, Кар. I, Anm. 54.
14 Nach OF 190 zahlen 1467/68 die Altstadt rund 1.600, der Kneiphof ca. 950 und der
Lobenicht ca. 840 Mark Zeise.
15 Nach OF 190 zahlen 1468/69 die Altstadt rund 840, der Kneiphof rund 610 und der
Lobenicht ca. 520 Mark Zeise.
19 OBA Regesta I 16.287, 1471. Es zahlen die Altstadt rund 260, der Kneiphof iiba: 460
und der Lobenicht ebenfalls rund 260 Mark Torzeise.
17 Die ,im Borne* erhobenen Steuern betragen nach OF 190 1467/68 rund 670, 1468/69
rund 450 und nach OBA Regesta I 16.287, 1471, knapp 400 Mark. Grundlage fur die Be-
steucrung war je nach Ware untcrschiedlich entweder die Warenmenge oder der Warenwert.
18 OBA Regesta I 16.996, 1481. Die im Regest angegebene Schiffszahl fur Konigsberg ist
falsch; einer der namentlich aufgefiihrten Schiffer zahlt fur zwei Schiffe Zoll, deswegen
sind es nicht 17, sondern 18 Konigsberger Schiffe.
19 OBA Regesta I 17.055, 1481/82. Im Gegensatz zum Pfundzollregister von 1481, in dem
die Schiffe nach ihrem Herkunftsort zusammengefafit sind, und nur der Gesamtpfundzoll-
betrag fur Schiff und Ladung genannt wird, werden im Register von 1482 die Schiffe
tcilweise ausdriicklich als ,hoIlandisch, lubsch oder konigsbergsch* bezeichnet, teilweise
liifit sich ihre Zugehorigkcit zu einer der Gruppen nur mit mehr oder weniger grofier
Sicherheit vermuten. 1482 ist auch der Schiffszoll und der Zoll fur die einzelnen Ladungen
der versdiiedenen Eigentumcr getrennt aufgefiihrt.
a) Die Handelswaren im Fernhandcl
Die nicht aufgefiihrten, weil nur in kleineren Mengen angefiihrten Waren sind: Felle,
174
Anmerkungen
sehr wenig Wadis (6 Stein), eine kleine Menge Wolle, Bier, Fisch, Unschlitt, Dl, Glas,
Seife, Dielen, Pferde, Ochsen u. a.
*1 Die auf den einzelnen Schiffen verzollten Mengen Mehl sind nahezu immer gleich
grofi; da bei einer Eintragung die Bemerkung ,fiir Schiffsnotdurft* angeffigt ist, diirfte es
sidi auch bei den anderen Angaben um in Konigsberg oder in einem anderen Hafen einge-
nommenen Proviant handeln.
22 Toppen, Acten V 380 ff., 384 ff.
23 vgl. Akta I 320.
24 Bruns, Die Lfibcckschen Pfundzollbiidier.
b) Die Handelspartner Konigsbergs
*5 Auf Handelsbeziehungen Konigsbergs mit England deuten eine Reihe von Urkunden,
die sich in den Hanserezessen befinden, so z. B. HR II/6 157, 328 ff., 339, 586. HR II/7
355, 414 f., 431. HR III/2 390, 403 f., 443, 451, 364, 591, 626. HR HI/3 44, 195, 301,
303, 437.
*e Auf Beziehungen zwischen Konigsberg und Danemark, die wohl nicht sehr intensiv
gewesen sind, weisen u. a. folgende Urkunden in den Hanserezessen hin: HR III/l 434 f.,
452. HR III'3 195, 330. HU$ 11. 233.
2? Auf sehr lose Beziehungen zu Frankreich deutet HR III/l 539.
*9 s. HUB 11 689.
*9 ebd. 617.
so Auf Beziehungen mit Nowgorod deuten HR II/6 46. HR III/3 195. OBA Regesta I
16.450, 1473 Dez. 13. HUB 11 322 f.
5i s. zum Kowno Problem Daenell, Die Bliitezeit 15; Sembritzki, Bemerkungen 611; vor
allem aber Hirsch, Danzig 285 ff. und Anhang; Stein, Vom deutschen Kontor 225 ff.
82 Die Auseinandersetzungen zwischen Kowno einerseits und Danzig und vor allem Kd-
nigsberg-Kneiphof andererseits wird in den HUB mit einer Vielzahl von Briefen der
Kontrahenten und der jeweiligen Landesherrn belegt, ebenso fin den sich im OBA eine
Reihe von Briefen^ die sich mir diesem Problem befassen. Auch in den HR finden sich
vercinzelt Nachrichten fiber den Litauenhandel der preufiischen Stadte.
33 s. Fischer, Konigsberg als Hansestadt. Ders.: Die Beendigung des Sessionsstreites, 116,
123.
34 HR TTT/3 299 Brief Lubecks an Danzig mit Bitte um Weiterleitung des Vertragsentwur-
fes an Konigsberg. HR HI/3 299 f. abschliigige Antwort Danzigs darauf, 1494 Aug. 1.
35 HR III/3 300 f. Brief Lfibecks an Danzig vom 22. Jan. 1495.
36 ebd. 304, 1495, April 14.
c) Die Konigsberger ,Niederlage‘
37 Thunert, Acten Westpreufien 17 f.
38 ebd. 22.
89 ebd. 33.
60 ebd. 49, 54, 60 f.
41 Hirsch, Danzig 282 meint dagegen, dafi der Streit zugunsten Konigsbergs entschieden
wurde.
42 Thunert, Acten Westpreuflen 161 f.
43 OBA Regesta I 16.457 (1473) ?
44 ebd. 17.065, 1483 Jan. 23.
45 ebd. 17.949, 1496. Der Biirgermeister des Kneiphofs ffihrt bei den Verhandlungen fiber
das Brakrecht vor dem HM, den Bischofen von Pomesanien und Samland sowie den Grofi-
gebictigern und Komturen aus, dafi auf einer «Tagfahrt unter Martin Truchsefi der Streit
um das Brakrecht schon einmal zugunsten des Kneiphofs und gegen die Altstadt entschie¬
den worden sei.
48 Die-von Gonnenivein, Das Srapel- und Niederlagsrecht 175 f. und Bohnke, Der Binnen-
handel des Deutschen Ordens 31 geaufierte Ansicht, dafi Konigsberg die Brake verloren
Anmerkungen
175
habe bzw. dafi die Niederlage (dieser Begriff umfafit n u r die Asche) im 15. Jahrhundert
verfallen sei, ist daher wohl unrichtig.
47 OBA (1521 Marz) s. d., , Artikel weldie Haubitz als ein Erwahlter auf der Tagfahrt
Resenberg ausrichten und bedenken soil!*.
3. Der Binnenhandel Konigsbergs und die kleinen Stadte Preuflens
48 Rcgesia II 3121, 1466 Okt. 19., Indemnitatserklarung des HM fiir Holland, Miihl-
hausen, Passenheim und Neidenburg.
4» Toppen, Acten V 225 f. Tagfahrt Elbing, 1467 Febr. 2.; 238 Tagfahrt Elbing. 1467
Aug. 5.
50 ebd. 240 Tagfahrt Elbing, 1467 Aug. 5.
51 ebd. 241 Tagfahrt Elbing, 1467 Aug. 5.
82 ebd. 327, die Bestimmung der Bauern- und Gesindeordnung von 1478, nach der sich
fremde, ins Ordensland kommende Bauern auch unter stadtische Herrsohaft ziehen konnen.
83 ebd. 270 f., Sceuerurkunde des HM vom 25. 1. 1471, nach der die Konigsberger Ge-
wandschneider, Kramer und' Handwerker auf den Marktcn im Hinterland fiir die dort ver-
kaufte Ware Zeise zu enirichten hatten, nicht aber fiir alle aus Konigsberg ausgefiihrte
Ware.
«4 ebd. 254 ff. 4
85 ebd. 315. Nach der von HM Trachsefi am 28. 11. 1477 ausgestellten Steuerurkunde
zahltcn die Einwohner des Ordenslandes ,alle Jahre* ein Geschofi.
ebd. 313 f., auch die Stiinde betonen auf dieser Tagfahrt, dafi sie kein Jahr geschofifrei
gewesen seien.
ebd. 271 f.
87 ebd. 265 ff.
88 s. Gutzeit, Von der ,Nacht* und dem .Nachtgeld*, 1—5; anders beredinet nach den An-
gaben des gleichen Ostf.: Wilke, Die Ursachen 60, die Nacht, sie gibt z. B. an: 10 Nacht =
4 Pferde = 2 Fohlen, 3 Kiihe, 1 Sceke, 6 Schweinc. Die Belegc, die Gutzeit anfiihrt,
sprechen fiir dessen Berechnung.
8* OBA Regesta I 18.076, 1498 о. T.
eo Toppen, Acten V 370. 1479 schreibt der Komtur von Holland dem HM, dafi sich die
Stiinde weigerten, dem HM n о c h ein Geschofi zu zahlen, sie hatten in diesem Jahr
schon soviel ausgerichtet als im vorigen Jahr.
81 ebd. 270 f. Tagfahrt Bartenstcin, 1473 August 25.
a) Der Binnenhandel Preujiens
82 Regesta II 3373, 1475 Marz 3., Handfcste von Memel, gedruckt bci: Sembritzki, Ge-
schichte 44 f.
88 Toppen, Acten V 364, Artikel 23 der Landesordnung von 1441. •
84 Zu den Motiven, die den HM zu dieser Regelung veranlafiten, s. Sembritzki, Bemcr-
kungen 612 f. und Zurkalowski, Studicn 170 ff.
85 Toppen, Acten V 413, Landesordnung (1494 April 28.) Artikel 1.
88 ebd. 483. In der Landesordnung' von 1503 werden in diese Bestimmung unter verander-
ten politischen Bedingungen auch die Einwohner des Bistums Ermland aufgenommen.
87 ebd. 270 f. Tagfahrt Bartenstein, 1473 Aug. 25.
88 ebd. 387 ff. Landesordnung von 1482 Okt. 15.
88 HUB 11 254 Brief Konigsbergs an Danzig von 1490 April 8.; in der Landesordnung von
1494 wird dann auch wieder erncut bestimmt, dafi Schotten und Pawdelkramer nicht im
Land gelitten werden sollen, Toppen, Acten V 413 ff.
78 Akta III/l 186 f. Berichr der Danziger Ratssendebocen an den Danzigcr Rat vom 9.
April 1495; auch in HUB 11 537. Klagen iiber den Handel der Masowier kommen auch aus
dem westlichen Preufien, hier ist vor allem Thorn, das gegen die Ausdehnung des ma-
sowisdien Handels ist, wahrend Danzig fiir die freie Handelstatigkeit der Masowier ein-
tritt, um den Thorner Zwischcnhandel auszuschalten. Thorn versichert sich bei seinem Vor-
gehen gegen die Masowier des ofteren der Konigsberger Hilfe, das wiederum wird vom
176
Anmerkungen
HM unterstiirzt. Vgl. Akta I 35, 40, 97, 98, 102, 106, 107, 139, 266, 278, 357, 359 ff., 530 f.,
544. Akta II 3 f., 9 ff, 106, 111, 156 f, 158, 201 f, 252, 346. Akta III/1 49, 87, 93, 97,
155, 186, 233, 295 f.
'1 OBA Regesta I 1S.159 (1499 Juli 16.).
» ebd. 18.199 (1499 Nov. 10.).
-3 ebd. 18.381 (Anfang 16. Jh.).
74 Toppen, Acten V 225.
75 ebd. 270 f.
75 s. dazu 1. Teil, Кар. II/3 c. t
77 Toppen, Acten V 417 ff. Landesordnung von (1494 Apr. 28.) Art. 13.
78 ebd. Art. 14.
7» OBA Regesta I 18.159 (1499 Juli 16.).
b) Das Handwerk
80 Toppen, Acten V 387 Landesordnung vom 15. Oktober 1482, Art. 18; ebd. 414 Landes¬
ordnung (1494 Apr. 28.) Art. 4.
81 OBA Regesta I 16.209, 1470 Febr. 27.
32 Der Rechnung zugrunde gelegt wurden 4 gute Mark = 8 geringe Mark = 5.760 Pfen¬
nigs
83 OBA Regesta I 18.199 (1499 Nov. 10.) Beschwerde Passenheims, deren Schuster sicher
eine iihnliche Willkiir haben.
4. Die soziale Gliederung der Stadte
85 Auch Gause, Gesdiichte Konigsbergs, teilt z. B. die Bewohner Konigsbergs nur ein in
Biirgerschaft (Rat, Schoffen, Ziinfte, Gewerke), Einwohner (Lohnarbeiter, Bettler, Dirnen,
Juden, Fremde) und Undeutsche, geht aber nidit auf die Vermogensverteilung innerhalb
der Biirgerschaft ein.
83 OF 185 Geschofiregister des Kneiphofs; OBA Regesta I 18.076, 1498 о. T.
a) Konigsberg — Kneiphof
85 Fritze, Wendepunkt 115 ff. untersucht die Geschofiregister Rostocks, Stralsunds und
Wismars. Fiir Rostock gibt er dabei fiir die Jahre 1404 bis 1430 jeweils mehr als 2.000
Sceuerzahler an. Der bedeutende Untersdiied zwischen dieser Zahl und der der Kneiphofer
Steuerzahler erklart sidi wohl daraus, dafi fiir Rostock die Alt-, Mittel- und Neustadt er-
fafit wurden, im Fall des Kneiphofs aber nur die mittlere der Drei Stadte Konigsberg.
8" Im Geschofiregister treten verschiedentlich Postulatorgulden auf, sie werden nach den
Angaben von Nimmert, Danzigs Verhaltnis 201 (Beilage) folgenderweise umgerechnet:
1 Postulatorgulden = 20 Skott guter Miinze = 40 Skott geringcr Miinze = 1.2C0 Pfen-
nige. Die ofter auftretende Abkiirzung fl = Gulden wurde nicht als Postulatorgulden be-
wertet, weil dieser ausdriicklich im Register gekennzeidinet wurde, sondern als rheinisdier
Gulden, um den Wertunterschied zum Postulatorgulden deutlich zu machen. Natiirlich mufi
damit gerechnet werden, dafi mit der Bezeichnung fl sogar der noch wertvollere ungarische
Gulden gemeint war, dann wurde sich der Anted der reichsten 5 Prozent der Kneiphofer
am Gesamtvermogen der Stadt noch vergrofiern. Der rheinisdie Gulden wurde nach den
Angaben Nimmerts mit dem Durchschnittswert von 2.100 Pfennigen geringer Miinze be-
wertet.
88 Nicht unintercssant ist in diesem Zusammenhang, dafi derartige Vermogensverteilungen
auch fiir unsere heutigen modernen Industriestaaten gelten, sie unterscheiden sich von der
des Kneiphofs nur durch eine noch starkere Konzentration an der Spitze der Vermogens-
pyramide.
89 Vgl. dazu die Ergebnisse Fritzes, Wendepunkt 120 fiir Rostock.
00 Die Gruppe der vermogenslosen Personen ist natiirlich noch viel grofier, denn im Re¬
gister sind nur die steuerpflichtigen Biirger des Kneiphofs erfafit, hinzu kommen noch alle
die Personen, die keine Vollbiirger sind, z. B. das Gesinde der Burger, aber auch Familien-
mitglicder. die im Haushalt des einzclnen Steuerzahlers leben und volljahrig sind.
Anmerkungcn
177
91 Gercchte Vermogensverteilung bcdeutet in dicsem Fall fiir jedcn Burger das gleiche
Vermogen, jcde Abweichung davon entspricht einem bestimmten Grad von Ungerechtig-
keit.
92 Im Geschofiregister sind zwei Steuerarten enthaltcn, der Vorschofi als fixer Betrag und
das Geschofi, die eigcntliche Vermogenssteuer als Prozentsatz von der Mark Vermogen.
83 Im Vergleich zu den Ergebnissen, die Fritze, Wendepunkt 126 fiir die wendischen Hanse-
stadtc vorlcgt, ergibt sich fiir die Besetzung des Kneiphofer Rates ein vollig anderes Bild,
hier sitzen keineswegs nur Angehorige der okonomisch starksten Familien oder Schichten
in den stadtischen Organen (die Erklarung dieser Abweichung folgt weiter unten).
94 Zur Ratswahl des Kneiphofs s. Perlbach, Quellen-Beitrage Nr. 102; Krollman, Die
Ratslisten 16—20; Cause, Geschichte Konigsbergs 79 f. beschreibt die Ratswahl ausfiihrlidi;
s. auch besonders seine Ansicht von der Aufstiegsmoglichkcit in den Kreis ratsfahiger Fa¬
milien durch Einheirat oder Vermogenserwerb S. 79.
86 Vgl. Gause, Geschichte Konigsbergs 108.
88 Zur Einschatzung des Wahlmodus s. Gause, Gesdiidite Konigsbergs 81, man beachte
auch den Schlufi, den er daraus zieht.
87 OF 185 fol. 1 a. Hier mufi Gause, Geschichte Konigsbergs 95, der als auffallig konsta-
tiert, dafi es in Konigsberg keine Waffenhandwerker gab, berichtigt warden: einen
Bogner gab es, er gehorte auch nicht zu den Armen; wenn er aber nur fiir die Schiefiiibungen
der Burger zustandig war, haben wir hier einen friiheren Beleg als den von Gause 106 fiir
das Jahr 1587 angegebenen. Aufierdem gab es in der Neuen Domgasse auch noch einen
Burger namens Peter Bogner, der zur dritten Vermogensklasse gehort.
88 Im OF 192 findet sich fiir das Jahr 1500 ein Hartwig Cromer, 1477 ist ein Mann glei-
chen Namens Mitglied der Schoffcnbank des Kneiphofs, der in Konigsberg — eine ge-
nauere Orcsangabe fehlt leider — anschcinend eine Herberge fiihrt. Der Schoffe H. Cro¬
mer gehorte zur dritten Klasse, moglicherweise, wenn er mit dem H. Cromer von 1500
identisch ist, haben wir es hier mit einem Brauer zu tun.
88 Die in Tabclle 6 vorgelegte soziale Schichtung in den Strafien des Kneiphofs enthalt
einen Fehlcr, da die 24 Ratsherren und Schoffen nicht beriicksichtigt werden konnten, fiir
sic fehlt die Angabe der Wohnung. Das Gesamtbild diirfte sich jedoch auch bei Beriick-
sichrigung der 24 Pcrsonen nicht wesentlidi andern, da sich ihre Wohnstatten wohl in
ahnlichem Май wie die der erfafiten Klassengenossen auf die Strafien des Kneiphofs ver-
tcilen.
b) Bartenstein
100 Pur die fiinf Personen, die auf der Grundlage der ,Nacht* besteuert werden, fanden
sich folgende Zahlen: 1. 7 Nacht, 8 Skott Aufgeld; 2. 4 Nacht, 1 Firdung Aufgeld; 3.
9 Nacht, 4 Skott Aufgeld; 4. 10 Nacht; 5. 8 Nacht, 10 Skott Aufgeld. Der Stcuersatz fir
die Nacht betrug in friiheren Jahren zwischen 1 und 3 Schilling, danach ergiiben sich fol¬
gende Steuerbetrage: 1. 27, 34, 41; 2. 19, 23, 27; 3. 19, 28, 27; 4. 10, 20, 30; 5. 33, 41, 49
Schillinge.
101 Auch fiir Bartenstein gilt, was im Fall des Kneiphofs iiber die zahlenmafiige Starke
der Schicht der vermogenslosen Einwohner gesagt wurde, sie ist weitaus grofier, als die
oben angegebenen Zahlen aussagen.
юг OF 87 ,Stadtbuch von Bartenstein', fol. 39 a (neu) ff.
юз Es handelt sich dabei um: NicI Hase (I), Simon Joppel (II), Andres Kostler (II), Hein¬
rich Krebs (III), Michael Locaw (I), Hans Lawgke (II), Richegarb (III), Ruthner (IV),
Spannekrebs (II), Paul Speichersdorf (IV), Lorenz Schmidt (III), Hans Sdiolze (VI), En-
dres Schwab (I), Andres Thyme (II) (in Klammern jewcils die Angabe der Steuerklasse).
Andres Lang gehorte vor und nach dem Jahre 1498 zum Rat, findet sich im Geschofire-
gister jcdoch nicht. Ebenso ist das fiir Rutlaw der Fall. Desgleichen finden sich vier Burger
vor 1498 als Mitglieder des Rates und ein Burger nach 1498. Das Bartensteiner Geschofi-
registcr ist also wohl nicht ganz vollstandig.
Ю4 OBA Rcgesca I 18.197 (1499 Nov. 7.). Ein Indiz dafiir ist, dafi einem Danziger Bur¬
173
Anmerkungen
ger, der in der Nahe Bartensteins uberfallen wurde, Saint und Seidengewand geraubt wur-
den, Waren, die er auf dem Bartensteiner Markt gekauft hatte.
Ю5 OF 190, vgl. 1. Teil Кар. 1/4 a.
ioe Die Gruppen konnen natiirlich nicht immer exakt 5°/o der Steuerzahler umfassen, ge-
nau dem Prozentsatz entspricht die Zahl der Steuerzahler nur bei 25, 50 und 75°/o, d. h.
den Gruppen 5, 10 und 15. Bei alien iibrigen Gruppen handelt es sich nur um Annanerungs-
werte, die sich zwischen zwei Gruppen jeweils ausgleichen.
107 Noch unter Hochmeister Albredit wird im Jahre 1514 ein Geschofi mit den Steuer-
satzen des Jahres 1477 beschlossen, s. Toppen, Acten V 560. Dabei wird u. a. ausgefiihrt,
dafi es sich um eine Steuer wie zu Zciten des Hochmeisters Han& von Tiefen bewilligt
worden ist, handele.
Z WE ITER TEIL
Kapitel I: Die innenpolitischen V erbdltnisse Preufiens bis zum Jabr 1479
1. Landesherr und Landstande
1 vgl. Einleitung.
a) Der Landesherr *
2 OB A Regesta I 16.644, 1476, auf der Ruckseite des Reinentwurfs des Biindnisvertrages
zwischen HM Heinrich von Richtcnberg und Bischof Nicolaus von Thiingen; gedruckt:
Weise, Scaatsvcrtriige III 61.
3 vgl. audi OBA Regesta I 16.596, 1476 Febr. 11., der Eid, den der Ordensmarschall 1476
dem HM schwort. Er lautet: Ich N., schwore und gelobe Gott, dafi ich euch, Herrn Hein¬
rich von Richtenberg, unsers Ordens Hochmeister, getrau und hold zu sein, den besten
Rat, den ich erkennen kann, geben will und den aus dem Rat auch nicht melden, euer
Bestes zu wissen und euch vor eucrem Sdiaden zu warnen und wider euch nimmer zu sein,
als mit Gottes Hilfe.
* s. SRP IV 78 Anm. 4.
5 Toppen, Acten V 222.
3 ebd. 234. 7 ebd. 266. 8 ebd. 268. » ebd. 273. i® ebd. 288.
и ebd. 310 f. i* ebd. 311 f. » ebd. 322. n ebd. 354. w ebd. 382.
i® ebd. 421.
b) Die Stdnde
17 ebd. 265.
18 ebd. 267.
i® ebd. 286, 302, 320.
20 ebd. 282, Brief des Ptlegers von Neidentfurg an den HM: Freie des Gebiets Neidenburg
bitten, ihrem Bevollmaditigten die Reise zur Tagfahrt nach Bartenstein zu erlassen. ebd.
370 f., Brief dcs Komturs zu Holland an den HM: Grofie (Adel) und kleine Freie auf der
Tagfahrt in Schippcnbeil. Die Interpretation dieses Briefes durch Wilke, Die Ursachen 50,
wonach er Beleg dafiir sei, dafi die Freicn nicht mehr zu Steuerverhandlungen herange-
zogen werden, weil sie nur Zwietradit saten, ist wohl unrichtig, denn der Begriff ,Freie*
bezieht sich in dem Brief eindeutig auf Stcnzel Dohna und die anderen Adligen, wahrend
die von Wilke als ,Freie* Defmierten vom Komtur als kleine Freie bezeichnet werden.
Auch Wilkes Feststellung, dafi nach 1500 die Steuerbewilligung allein durch den Adel ge-
schah, ist nicht haltbar, denn bcispielswcise beklagtcn sidi auf dem Umzug des Grofikom-
turs im Jahr 1518 die Freien dcs Gebietes Rhein liber das Vorgehen des dortigen Statt-
halcers gegen ihren Abgesandten auf der Tagfahrt zu Konigsbcrg, der nach Angabe des
Statthalters seine Standcsgenosscn unrichtig iiber die dortigen Steuerbeschliisse informiert
habe. OBA 1518 Mai 25., Aufzeichnung iiber den Umzug dcs Grofikomturs.
21 OF 182-^ fol. 13. Unter den Angaben des Pflegers von Neidenburg wird z. B. aufgefiihrt:
2,5 Mark 6 Schilling Hans Preufie, dem Stadtschulzen zur Zehrung gen Konigsberg, da er
die Lade dem Herrn Grofikomtur brachte.
Anmerkungen
179
22 Tdppen, Acten V 253.
22 ebd. 254.
м ebd. 315.
25 Man beadite aber, was im 1. Teil, Кар. III/4 a, iiber die im Kneiphofer Rat vertretenen
sozialcn Schiditcn gesagt wird.
2® Topper., Acten V 289.
27 ebd. 233, 245, 249, die Steuerurkunden von 1467 und 1468.
28 ebd. 395.
20 Gegen die Annahme, dafl man gegeniiber dem polnischen Konig nur mit einem diesem
vertrauten Verfassungsmuster argumencieren wollte, spricht die gesamte innenpolitische
Entwiddung nach 1480, vgl. dazu 2. Teil, Кар. III.
so Tdppen, Acten V 419.
3i Perlbadj, Die Statuten 49.
22 s. 2. Teil, Кар. III/l.
2. Die Steuerpolitik
зз Die Ansichten von Brcysig, Die Entwicklung 16, dafl der Orden nach 1478 nur nodi
selten Gcldforderungen an die Stande stellte, ist nidit zutreffend, Steuern wurden schon
gefordert, nur lehncen die Stande die Forderungen oftcr als friiher ab. *
a) Die Jahre zwischen 1466 und 1479
3-1 Tdppen, Acten V 162 f.
35 ebd. 233.
s® ebd. 248 ff.
37 OBA Regesta I 16.152, 1468 Aug. 30.
38 Tdppen, Acten V 252 ff., 254 ff.
38 Heinrich Reufl von Plaucn war kurz nach seiner Wahl zum HM (17. 10. 1469) am 2.
Januar 1470 in Mohrungen gestorben. Das Statthalteramt ubernahm der damalige Grofl-
komtur Heinrich von Richtenberg, der am 29. 9. 1470 zum HM gewahlt wurde, S<hreiber,
Die Personal- und Amtsdaten 734 f.
Nur die Tagfahrt vom 16.—18. November 1478 als stiirmisch zu bezeichnen, wie es
Gause, Gesdiichte Konigsbergs 190, tut, diirfte wohl etwas voreilig sein.
*1 OBA Regesta I 16.316, 1472 Apr. 5.
42 ebd. 16.312, 1472 Miirz 28.
43 ebd. 16.317, 1472 Apr. 5., gedruckt: Toppen, Acten V 259 ff.
44 Obcr die Bewilligung eines Gesdiosscs 1472 fehlt sowohl der entsprediende Tagfahrts-
rezefl als auch cine Stcucrurkunde, doch geht aus den Steucrverhandlungen des niidisten
Jahres hervor, dafl schon 1472 ein Gesdiofl bewilligt worden war. Die Ansichten des HM
iiber die F.innahmcn aus dem Gesdiofl scheinen schr optimistisch gewesen zu sein, deryi
aus dem Oberland erhofft er sidi 4.0C0 Mark, eine Summc, die der Komtur von Moh¬
rungen unter Angabc guter Griinde als unrealistisdi ansicht, OBA Regesta I, 16.370,
1472 Nov. 1.
45 Toppen. Acten V 267 ff.
4в Ober die Differenzen zwischen HM und Gebietigcm s. den folgcnden Abschnitt 3 und
Кар. II. Innerhalb der Korporation gab es eine starke Partci, die fur eine Unterstiitzung des
ermlandischcn Bischofs Thiingen gegen den polnischen Konig plrldierte, also einen neuen
Krieg in Rechnung stellte, zu dem man die Ordensburgen erst wieder aufriisten muflte.
Richtenberg gchorte nicht zu dieser Partei.
47 Der unvollstandige Rezcfl des Ordens von dieser Tagfahrt, der die SchMebensche Forde-
rung gar nicht bringt, laflt den HM nur sagen, dafl er das Gesdiofl nicht zu seinem Nutzen
brauche, sondern zu Ruhe und Frieden der Lande und der Armut.
48 Tdppen, Acten V 279 ff.
4® OBA Regesta I 16.529, 1475 Jan. 25.
50 ebd. 16.596, 1476 Febr. 11.
51 Toppen, Acten V 308 ff.
180
Anmerkungen
52 Riditenberg starb am 20. Februar 1477 in Kcnigsberg; zunachst wurde der Groflkomtur
Hans von Ticfen, vor dem 1. Juni 1477 aber dann der Komtur von Osterode, Martin
Truchseft, zum Statthaltcr gewahlt. Seine Wahl zum HM erfolgte am 4. August 1477,
Schreiber, Amtsdaten 737 ff., Tbielen, Die Verwaltung 81, irrt, wenn cr den Aufsticg Hein¬
richs von Plaucn aus dem Komtursrang zum HM als Ausnahmc ansieht, auch Truchscfi
machcc diesc Karriere.
s. 2. Teil, Кар. 1/3 und Кар. II I.
54 Toppen, Acten V 308 ff.
53 ebd. 314 ff.
5* ebd. 370. Aus dem Brief des Komturs von Holland an den HM vom 13. 3. 1479 geht
die Bewilligung einer Steucr im Herbst 1478 hervor.
57 Nachridicen iiber Gebietsversammlungen: OBA Regcsta I 16.8C6, 1479 Febr. 18. (Oste-
rodc); Toppen, Acten V 370 f. (Holland). Allgemeine Tagfahrt ebd. 371 f. OBA Regesta I
16.807, 1497 Febr. 19. (Marschallsgebiet).
b) Die Jahre zwiscben 1480 und 1497
58 Toppen, Acten V 374 ff.
ebd. 396; in Onelsburg erbrachte das Gcsdiofi wahrscheinlidi nur 27,5 Mark, OBA
Regesta I 17.189, 1485 Mai 15. ►
e*> OF 182k, fol. 13.
61 Toppen, Acten V 411.
82 HM Trudisefi starb am 3. Januar 1489, vor dem 12. Januar wurde Johann von Tiefen
zuniichst zum HM-Statthalter und am 1. September 1489 dann zum neuen HM gewahlt,
Schreiber, Amtsdaten 738 ff.
63 OF 18b, fol. 143 b; die betreffende Tagfahrt fand am Sonntag vor Matthai in Konigs-
berg statt, ebd. fol. 29 b.
«4 OF 18b, fol. 10 b.
es Toppen, Acten V 422 ff.
c) Die Besteuerung der Ordensbriider
*e OBA Regesta I 16.278, 1471 Okt. 19.
«7 ebd. 16.728, 1478 April 20.
88 So vor allem in Bricfen des HM an den Mcister in Livland aus den ncunziger Jahren
im OF 18d bspw. fol. 29 a, 10 a u. a. m.
e® OF 192, fol. 15, 25, fol. 14 verzeichnet Thungen einc Einnahme von 240 Mark, die die
Gebietigcr dem HM fur den Erwerb eines Dorfes ,zu Hilf gegeben haben*.
7® vgl. 1. Teil Кар. III/4 a.
71 Freizvalds Behaupcung von den zu Amtsleuten degradierten Komturen mufi unter die-
sen Umstanden endgiiltig in das Reich der Fabel verwiesen werden, vgl. Einleitung
Anm. 13.
72 Vgl. 1. Teil, Кар. 1/4 d.
3. Innenpolitiscbe Gefabrcn — die Krise urn den Bischof von Samland
73 S. zum iiufleren Ablauf der Auseinandcrsetzung zwisdien HM und Bischof Meyer, Der
Streit 29 ff. Sie sieht als Ursache der Auseinandersetzung aber nur die von Cuba erwor-
bene Ablafibulle an. Zu dem staatsreditlichen Verhaltnis zwisdien Orden und Bistiimern
in Preufien zuleczt Poschmann, Bistumer.
74 OBA Regcsra I 16.196, 1469 Okt. 30.; 16.197, 1469 Nov. 3.; 16.198, 1469 Nov. 4.
75 ebd. 16.2CC, 1469 Nov. 11.
78 ebd. 16.200, 1470 Mai 7. (9.).
77 ebd. 16.291, 1471 ?
78 ebd. 16.405, 1473 April 24., OF 1S^, fol. 3 r.
7» ebd. 16.520 (1474).
80 Toppen, Acten V 261 f.,-zu beaditen ist, daft Schlieben die Unterstutzung der Standc
fur den HM vor der Steuertagfahrt in Bartenstein ausspricht.
Anmerkungen
181*
81 ebd. 262 ff.
8* OB A Regesca I 16.442, 1473 Nov. 11.
83 cbd. 16.407, 1473 Apr. 27.
84 ebd. 16.427, 1473 Aug. 30.
85 Historia brevis magistrorum ordinis Theutonici generalium, SRP IV 271.
ee Paul Pole's PreuBisdie Chronik, SRP V 196.
в? OBA Regesca I 16.427, 1473 Aug. 30.
88 Tdppen, Acten V 272, 1473 Dez. 5. Nach Ansichc des Verf. datiert Toppen diese Tag-
fahrc falsch. In ihrem RezeB findet sich das Vermitrlungsangebot der drei Adligcn, die
Vermittlungsverhandlung hat jedoch schon vor dcm 4. Nov. 1473 stattgefunden, da zu
diesenr Zeicpunkt bereits die dabei getroffenc Vereinbarung von HM und Cuba unter-
schiedlich incerpreticrt wird (s. dazu OBA Regesca I 16.440, 1473 Nov. 4.; 16.442, 1473
Nov. 7.), aufierdem isc in dem Rezcfi mic keinem Wore die Vereinbarung von Kaporn er-
wahne, HM und Bischof begegnen sich auf derselben Basis wie in Hciligenbeil am 14.
Augusc 1473. Der RezeB miifite vor den 30. August 1473 und vor die Zusammcnkunfc in
Kaporn gesetzt werden, denn in dem oben erwahneen Bericht iiber die Verhalcnisse von
HM und Bischof heiBt es nach den von Toppen un:er dcm 5. Dezcmber gesdilldcrcen Vor-
gangen, der HM habe die Komture von Brandenburg und Balga sowie seinen Kaplan zu
Cuba gesdiidct; fur diese Verhandlungen isc uns aber eben der 30. August bekannt. Da-
nach miifite die unter dem 5. Dezember geschilderten Verhandlungen spacescens am 30.
Augusc stattgefunden haben.
ee OBA Regesca I 16.519 (1474).
00 HR II/6 S. 477.
01 ebd. 482.
02 Thtcnert, Acten Wcstpreufien 203. Die erste Klage Danzigs iiber die Niditeinhaltung
des ewigen Fricdcns durch die Praktiken des Komturs zu Memel ist schon am 18. Februar
1467 auf der Tagfahrt zu Elbing erfolgt, ebd. 18.
os ebd. 277.
04 OF 18d, fol. 4 v.
05 Der Meister in Livland hielt, wahrschcinlich 1474, dem als Gesanatcn in Livland weilen-
den Kompan des HM, Menzinger, vor, der HM habe ,die Memel eingenommen und wolle
sie nicht wiederkehren*. OBA Regesta I 16.522 (1474).
oe ОВЛ Regesta I 16.278, 1471 Okt. 19.; 16.298, 1472 Jan. 5.
07 ebd. 16.308, 1472 Marz 23.
08 Der betr. Passus lautet in den Handfescen: Sie, ihre rechten Erbcn und Nachkommlinge
sollen uns und unserem Orden einen (oder mchr, jc nach Grofie) Diensc mic Pferd und
Harnisch nach dieses Landes Gcwohnheit zu alien Geschreien, Landwehren, Heerfahrten
und Reisen wann, wie dicke und wohin sie deshalb von uns unseres Ordens Briider werden
geheisdien, leiscen.
«о ОВЛ Regesta I 16.312, 1473 Marz 28.
100 cbd. 16.316, 1473 April 5.
101 ebd. 16.317, 1473 April 5.
Ю2 Einen Hinweis darauf, dafi oberlandische Gebietiger und Ritterschaft wohl in recht
starkem MaB gemeinsam handelcen, gibt auch der Sacz in dem Gewerbe der bciden Erbar-
leute an Musick, daB sie vorher in gleicher Sache im Auftrag des HM schon mic ,Gebie-
tigern, Landen und Stadcen* im Obcrland verhandelt hatten.
юз Schon am 7. Juni 1473 befindet sich Jarsdorf in Koln: OBA Regesta I 16.414, s. a.
16.455, 1473.
Ю4 Regesta II 3350, 1473 Juli 14. Nach der vom HM ausgcstelben Handfeste befanden
sidi am 14. Juli 1473 bei ihm der GroBkomtur, der Oberstc Spittler, der Oberste Trappier,
der (neue) Komtur von Holland und der Komtur von Ragnit. Lichtcnhain iibergibt sein
Amt am 14. Juli 1473 an Philipp von Angelach, dem bisherigen Obersten Kompan des
HM, ОВЛ Regesca I 16.417 und Voigt, Namen-Codex 110.
105 OBA Regesta I 16.429a, 1473 April 7. Lichtenhain wird als Zeuge iri^eincr vom Ober¬
sten Spittler ausgestellten Urkunde genannt und als Pfleger von Kreutzburg bezeidinet.
182
Anmcrkungen
OBA Regesta I 16.520, 1474.
107 gedr. bei Toppen, Acten V 273.
ioa OBA Regesta I 16.440, 1473 Nov. 4.
loo ebd. 16.442, 1473 Nov. 7.
no ebd. 16.446, 1473 Nov. 26.
in ebd. 16.445, 1473 Nov. 19.
и* ebd. 16.448, 1473 Dez. 4.
из ebd. 16.519, 1474.
m ebd. 16.471, 1474 Marz 13. Das Regest ist unvollstandig, die Antwort Cubas auf den
Konigsberger Brief ist auf das gleiche Blatt geschrieben, das zweite Blatt ist der Entwurf
des Briefes von Cuba, auf den die Konigsberger antworten.
и* Toppen, Acten V 281 f.
Kapitel II: Der Or den zwischen dem Wunsch nach Vergeltung and realen Moglichkeiten —
der Streit urn die Besetzung des ermlandischen Bischofsstuhls
1 Zum- Verlauf des Streites vgl.: Schmauch, Dcr Kampf, ders.: Das staatsrechtliche Ver-
haltnis, auch: Weise, Das Widerstandsrecht 282 ff,; Thunert, Acten Westpreufien, Riick-
blick 599 ff.
1. Die Zeit Heinrichs von Richtenherg — der Versuds, Neutralitat zu wahren
2 Auf dem Reichstag zu Peterkau, am 1. 12. 1469, hatte Kasimir HM Heinrich Reufi von
Plauen nur aufgefordert, Thiingen in keiner Weise Vorschub zu leisten. Als Thungen 1470
dann tatsachlich im Ermland erschien, mufite er kurz darauf fluchtartig das Land verlassen.
(vgl. Thunert, Acten Westpreufien 144, 6C6).
3 Thunert, Acten Westpreufien 2C0 f., 277; vgl. auch: OBA Regesta I 16.382 (1472) und
16.387 (1472) ?
a) Die Versuche Ricbtenbergs, zu vermitteln und Neutralitat zu wahren
< OBA Regesta I 16.345, 1472 Aug. 21.
* ebd. 16.781 (1478), zur Datierung vgl. Weise, Staatsvertrage III 37. Die — allerdings
eingeschrankte — Feststellung Weises, die Bedingungen waren Thungen nicht durch Rich-
tenberg iibermittelt worden, ist nicht stichhaltig, cbenso wie Thungen hatte auch die pol-
nische Seite ihm diese Bedingungen per Brief zustellen konnen und der HM hatte dann
die bciden Grofigebietiger mit der miindlichen Unterrichtung Thiingens liber die polnische
Vorstellungen bcauftragen konnen.
* Thunert, Acten Westpreufien 223.
i OBA Regesta I 16.405, 1473 April 24. vgl. auch OF 18d, fol. 3N
8 OBA Regesta I 16.412, 1473 Mai 24. und 16.413, 1473 Mai 25. Im iibrigen wurde von
polnischer Seite fast regelmafiig das Vertraucn in HM und Orden ausgedruckt, so z. B.
16.288 zu (1471) ?; 16.511, 1474 Okt. 12., 16.457 zu (1473) ?;f 16.567, 1475 Aug. 27.;
16.606, 1476 April 16.—19. u. a.
о So scheint er auf den Vorschlag Thiingens, eine vertragliche Regelung iiber die gegen-
seitige Abforderung von Baucrn zu treffen (OBA Regesta I 16.420, 1473 Aug. 6.) nicht
eingegangen zu sein, denn cinen derartigen Vertrag hatte er mit dem Bischof Nikolaus von
Thungen schliefien miissen, einem Bischof, den es nach Ansicht Kasimirs nicht gab. Im
Falle eines Vertragsabschlusses hatte Richtenberg daher fiir Thungen und gegen Kasimir
votiert.
10 vgl. Thunert, Acten Westpreufien 619 ff.; Nimmert, Danzigs Verhaltnis 109.
11 Weise, Staatsvertrage III 44 f.
12 ebd. 48 f.
I* Am 15. April 1474 schliigt der HM dem Danziger Rat und Stibor von Baisen cine ge-
meinsame Tagfahrt beider Landcsteile iiber die Verkehrssperre vor {Thunert, Acten West-
preuficn 365). Die Tagfahrt findet am 9. Mai 1474 in Marienburg statt. (ebd. 368 ff.; Top-
pen, Acten V 274 ff.). Wcircre Verhandltmgen dariiber 1474 in Heiligenbcil {Thunert,
Acten Westpreufien 371; Toppen, Acten V 280), 1476 in Marienburg (ebd. 285), Heiligen-
beil (ebd. 286 ff.) und Elbing (ebd. 291 ff.).
Anifierkungen
183
b) Die Politik der Kriegspartei und die Einflufinahme Thiingens auf den Hochmeister
14 OBA Regesta I 16.198, 1469 Nov. 4. Cuba warnt schon 1469 HM Heinrich Reufi von
Plauen, einem moglichcn Verlangcn des polnischen Konigs nach Hilfe gegen Ungarn zu
entspredien.
15 vgl. Weise, Staacsvertragc III 35 f., auch vorher 31 ff. Es handelt sich, wie Weise sage,
nur um Eventualurkundcn, die nicht verkiindet worden sind. Trotzdem kann man wohl
unterstelien, dafi ihr Inhale in ineeressiereen Kreisen Preufiens bekannt geworden isc.
ю Thunert, Acten Westpreufien 309.
« OBARegesca I 16.4C4, 1473 April 20.
is ebd. 16.411, 1473 Mai 13.
ie Tbuhert, Aceen Westpreufien 340 f.
*0 OBA Regesea I 16.432, 1473 Sepe. 27., auch Toppen, Aceen V 271 f. Meyer, Der Sereie
29 ff. meine zu der ,Steuervcrwcigerung‘ des Marschalls und dcs Komeurs von Holland,
dafi beide von Cuba zum Ungehorsam gegen des Meiseers Befehl odcr wenigstens dem
Versuch dazu ermuneerc worden seien, da sie ihm besonders nahe gescanden hatten. Nun
isc jedoch Konrad von Licheenhain, der Cuba catsachlich rcchc nahe gescanden hat, bereics
am 14. Juli 1473 als Komcur von Holland abgeseczc (OBA Regesta I 16.417) und auf den
Postcn des Pflegers von Kreuezburg abgeschoben worden (ebenda, 16.429a). An seine Scelle
crae mic Philipp von Angelach, zwischen 1470 und 1473 obcrscer Kompan des HM’s wohl
ein Vertraueer Richtenbergs (Voigt, Namen-Codex 110). Ein so schnelles Umsdiwenken
Angelachs in das Lager der Gegner Richcenbergs w*are rechc unwahrschcinlich. Moglicher-
weise will der Komcur von Oscerode, Marcin Truchsefi, mic seiner Bemerkung auch nur
Uneinigkeic zwischen dem HM und dem im Oberland ncuen Gcbieciger scifrcn, um so
einen verargercen Angelach leichter in die Reihe_ der opposicionellen Gruppe ziehen zu
konnen.
21 OBA Regesea I 16.439, 1473 Nov. 2.
22 ebd. 16.450, 1473 Dez. 13.
23 ebd. 17.691, 1492 Mai 3. und 17.693, 1492 Mai 4.
24 OBA Regesta I 16.522 (1474) Menzinger isc wahrscheinlich nach dem Tod Cubas nach
Livland gereisc, da er bcrichtet, er habe dem Meiseer in Livland zunachst davon unter-
riditet, was Cuba vorgenomraen habe (was scin (Cubas) vornemen gewest ist kegen unsern
hohmeister).
25 Thunert, Acten Westpreufien 366.
28 ebd. 369, auch Toppen, Acten V 274 ff.
27 OBA Regesta I 16.485, 1474 Juni 12.
28 Meyer, Der Screit 75, setzt den Termin der Flucht Lichcenhains vor den 28. Marz 1474,
dem Tag der Verhaftung Cubas. Der Termin scheint jcdoch zu friih zu liegen, im OBA
findet sidi die erste Nachricht iiber die Flucht Lichtenhains in OBA Regesta I 16.551, 1475
Juni 11.
29 OBA Regesta I 16.551, 1475 Juni 11.
30 ebd. 16.567, 1475 Aug. 27.; 16.572, 1475 Sept. 7.; 16.578, 1475 Okt. 22.; 16.606, 1476
April 16.—19.
31 ebd. 16.606, 1476 April 16.—Г9.
32 ebd. 16.567, 1475 Aug. 27.
33 ebd. 16.596, 1476 Febr. 11.
34 ebd. 16.449, 1473 Dez. 4.
35 ebd. 16.415, 1473 Juni 7.
38 vgl. Anmerkung 9.
37 Toppen, Acten V 28C; auch Thunert, Acten WestpreuBen 371.
38 OBA Regesta I 16.488, 1474 Juni 23. Thiingen bezieht sich in diesem Brief an den HM
auf das Gesprach, das sie ,nachstens‘ in Lauterhagen gehabc hatten.
за ebd. 16.488, 1474 Juni 23.
c) Die Entscheidung der Stande
40 Thunert, Acten Westpreufien 211.
184
Anmerkungen
41 vgl. 2. Teil., Кар. 1/2 a.
« ebd. 3.
43 Thunert, Acten Westpreufien 359 Anm. 1.
44 Toppen, Acten V 281 f.
45 vgl. Anmerkung 26. Die Tagfahrt ist auf Vorschlag des HM zustande gekommen, der
sich dazu auf einen Beschlufi der Beratungen mit Gebietigern und Stiinden bcrufc. (Thunert,
Acten Westpreufien 365). Dieser Beschlufi kann dann nur auf cincr — analog zu den Be¬
ratungen im Oberland — im Niedcrland erfolgten Tagfahrt zwischen HM, Gebietigern
und Standen erfolgt sein.
4e vgl. Toppen, Acten V 279 f.; OB A Regesta I 16.457 zu (1473)? Nach dem Inhalt fallt
dieses Gewerbc wohl eher in das letzte Viertel des Jahrcs 1475, da dem HM auch die
bevorstehende Heirat zwischen dem polnischen und brandenburgischen Herrscherhaus an-
gezeigt wird, eine Neuigkcit, die Kielbassa dem HM am 22. Oktober 1475 als ,neueste
Zeitung' mitteilc (OBA Regesta I 16.578, 1475 Okt. 22.). Ein Gewerbe des polnischen
Konigs an den HM, in dem er wieder zur Antworc in Sachen Verkehrssperre aufgefordert
wird. Der HM zieht sich erneut auf vorherige Beratungen mit Gebietigern und Standen
zuriick. Eine Antwort darauf ist jedoch nicht bekannt, doch kann sie nach den spateren
Standpunkten nicht andcrs ausgefallen sein als die vorhergehenden.
47 Moglicherweise wollte Richtenberg den saralandischen Erbarleuten mit dem Privileg
iiber ein verbessertes Erbrecht (Toppen, Acten V 283 f., 1476 Marz 27.) seinen Dank fur
ihre Unterstiitzung aussprechcn und den Erbarleuten des Oberlandes zeigen, dafi sich ihre
Gegnerschaft zum Landesherrn nicht bezahlt macht.
d) Das Scheltern der Neutralitatspolitik Richtenbergs
48 Toppen, Acten V 285.
48 ebd. 286 ff.
м ebd. 291 ff.
51 Thunert, Acten Westpreufien 398 ff.
« ebd. 400.
83 OBA Regesta I 16.613, 1476 Mai 27.
54 Thunert, Acten Westpreufien 590 f.
55 Weise, Staatsvertrage III 62 f.; auch Thunert, Acten Westpreufien 592.
58 Anders Weise, Staatsvertrage III 60 f., der das Biindnis nur als Verteidigungsbiindnis
sehen will.
87 Entwurf der Vollmacht fiir den Bischof von Samland und den Komtur von Osterode
bei OBA Regesta I 16.643, 1476, in dorso. Der HM hatte schon friiher Sendeboten beim
ungarischen Konig gehabt und zwar anlafilich der Waffenstillstandsverhandlungen in Bres¬
lau zwischen Mathias und Konig Kasimir (8. 12. 1474, Vertrag gedruckt bei Weise,
Staatsvertrage III 51 ff.), wie aus eincm Brief, den er danach an^den Bischof Gabriel von
Rangonc schreibt, hervorgeht (OBA Regesta I 16.518, 1474; zur Person des Empfangers
vgl. Weise, Staatsvertrage III 54). Er bemuhte sich damals, in einen — von Rangone fiir
moglith gehaltcnen — Frieden zwischen Kasimir und Mathias einbezogen zu werden, sein
Verantwortungsbewufitsein fur dcs ,Ordens Land und Leute' veranlafite ihn auch, den
Bischof zu bitten, sich um die Aufnahme des Ordenslandes in den Waffenstillstand zu be-
miihen, da Mathias selbst eine diesbeziigliche Frage ausweichend beantwortet hatte. Dieses
Bemiihen war verstiindlich, denn immerhin war das Biindnis zwischen Konig Kasimir und
Friedrich III. kurz vorher emeuert worden (Weise, Staatsvertrage III 48 f.) und er selbst
vom Kaiser aufgefordert worden, von ,Krieg und Aufruhr' gegen Kasimir abzusehen.
(OBA Regesta I 16.507, 1474 Sept. 17., vgl. Weise, Staatsvertrage III 50).
2. Die Entscbeidung iiber Krieg oder Frieden
88 Von ihm ging auch die Einladung zur Wahl dcs neuen HM’s aus: OBA Regesta I 16.659,
1477 Febr. 27.
88 OBA Regesta I 16.66S, 1477 Juni 1.; Toppen, Acten V 301 ff. Die Wahl Truchsefi’ zum
HM-Statthalter mufi also vor dem 1. Juni erfolgt sein.
Anmerkungen
18S
40 OBA Regesta I 16.669, 1477 Juni 10. Das Obergabeinventar ist gedruckt bei Ziesemer,
GAB 115 f. Voigt, Namen-Codex 96 fiihrt Lichtenhain erst ab 26. Februar 1478 als Pfle-
ger in Ortelsburg auf. Lichtenhain mufi mindestens einige Tage vor der Amtsiibernahme
in das Ordensland zuriickgekehrt sein, moglicherweise zum Zeitpunkt der Wahl Truchsefi*
zum HM-Statthalcer.
41 OBA Regesta I 16.606, 1476 April 16.—19. Es hat sich abcr wohl doch weniger um
finanzielle Unregclmafiigkeiten als vielmehr um anscheinend uniiberbriickbare politische
Gegensatze zwischen Richtenberg und Lichtenhain gehandelt, die den letzteren zur Flucht
nadi Polen veranlafiten.
42 ebd. 16.669, dieser Teil des Inventars ist bei Ziesemer nicht gcdruckt.
48 Toppen, Acten 302 ff.
64 Ganz so unvorbereitet, wie sie es dcm HM glauben machen wollen, trifft wohl auch
die Stande des Ordenslandes die Nachricht vom Biindnis nicht, immerhin hat man im
westlichen Preufien schon Anfang Marz 1477 erfahren, dafi der Komtur von Osterode
und der Bischof von Samland nicht nach Rom, sondern nach Ungarn gereist waren (Thu-
ncrt, Acten Westpreufien 417).
45 Die Tagfahrt soil am 12. Juni in Konigsberg stattfindcn. Dber ihren Vcrlauf wissen
wir nur, dafi die Stande dem Biindnis mit Ungarn keinen Widerstand entgegengesetzt
habcn, sie lassen es ,ein Ding sein*. (Toppen, Acten V 311).
44 Weise, Staatsvertrage III 79.
47 Toppen, Acten V 308 ft.
e8 Martin Trudisefi von Wetzhausen wurde am 4. August 1477 zum HM gewahlt. (Schrei-
her, Amtsdaten 738 f.).
ee Toppen, Acten V 316 f.
70 Da einc gemeinsame Tagfahrt der Stande beider Preufien erst im Oktober 1478 auf
Initiative der Stande dcs Ordenslandes zustandekommt, miissen auch die Stande der an-
deren Gebiete diese Tagfahrt abgelehnt haben.
n OBA Regesta I 16.651 (1476/1477), Brief an Konigsberg und 16.791, 1478, Brief an die
Stande dcs Samlandes. Der Brief an Konigsberg ist zeitlich falsch eingeordnet. Der Teil, der
nodi lesbar ist, entspridit dem Text in 16.791, er ist daher wohl von Tiefen gleichzeitig
mit 16.791 geschrieben worden.
72 Nach Frischhier, Preufiisches Worterbuch, wird das Wort Polack mcist in verachtlichem
Sinn verwandt; aus dem Kontext des Briefes geht hervor, dafi Tiefen es in dicsem Sinne
verwendet hat.
73 Der Waffenstillstand wurde am 28. November 1478 geschlossen, (vgl. Weise, Staatsver¬
trage III 117 f.) dabci wurde auch eine Tagfahrt fur den 2. Februar 1479 vereinbart; da
sie in den Bricfen ebenfalls erwahnt wird, miissen sie zwisdier. dem 28. November 1478
und (spatestens) 2. Februar 1479 geschrieben worden sein.
74 Tbunert, Acten Westpreufien 420 f. Die Danziger leiten dicsen Brief an die Stande des
westlichen Preufien weiter, die darauf auch von einer Tagfahrt aus antworten. Nach der
Reaktion des HM’s (ebd. 422) darauf scheint die Antwort fur ihn sehr enttauschend, aber
keineswegs erniichternd gewesen zu sein.
75 Weise, Staatsvertrage III 58 ff. vgl. zu der Haltung Danzigs nach diesem Zeitpunkt
Nimmert, Danzigs Vcrhaltnis 123.
76 Punktation vom 28. Marz 1478 bei Weise, Staatsvertrage III 96 f.; Annahme der
Punktation durch Mathias am 30. September 1478, ebd. 99 f. Vgl. zur polnischen Aufien-
politik wahrend der Thiingenkrise Caro, Geschichte Polens V, 1 S. 416 ff.
77 Im westlichen Preufien wird Ende September 1478 noch vermutet, dafi es dem Orden
gelungen sci, die Stande zur Unterstiitzung der kriegerischen Politik zu iiberreden (Thu-
nert, Acten Westpreufien 438).
78 Toppen, Acten V 332 f.
79 OF 18», fol. 10, datiert auf 1478 oder 1479. Nadi dem Inhalt, dem die Forderungen der
Stande auf der Tagfahrt weitgehend entspredien, sind diese Artikcl fur die Tagfahrt der
Stande beider Preufien vom HM aufgestellt und cinigcn Adligen, vor aHem wohl aus dem
Niederland und den Raten der Stadte Konigsberg personlich bekannt gcmacht — wenn
186
Anmerknngen
nicht sogar gemeinsam mit ihnen aufgestellt— worden und einer Reihe anderer Adliger
und den oberlandischen Stadten schriftlich zugesandt worden, die Namen der in OF 18»,
fol. 10 aufgefiihrten Adligen stellen wohl den Verteiler dar.
so vgl. Thunert, Acten Westpreufien 446, Brief Danzigs an Thorn.
8i Zumindest bei den kleinen Stadten wurde jedoch auch von Seiten der politisdi fuliren-
den Gruppen des westlichen Preufien eine gcwisse Neigung zum Orden befiirchtet, vgl.
Thunert, Acten Westpreufien 438.
8* Toppen, Acten V 352 ff. vgl. zur Beurteilung des Ergebnisscs dieser Tagfahrt im west-
lichen Preufien auch Thunert, Acten Westpreufien 461.
83 OB A Regesta I 16.774, 1478 Dez. 12. ♦
80 Thunert, Acten Westpreufien 466. Zum Waffenstillstand und der Tagfahrt von Olmiitz
vgl. Anmerkung 73.
8* OBA Regesta I 16.806, 1479 Febr. 18. vgl. auch Weise, Staatsvertrage III 113, der nur
die personliche Teilnahme des HM an den Verhandlungen als Standeantwort erkennt, die
Teilnahme von Standevertrctcrn jcdoch als Meinung des Komturs von Osterode wieder-
gibt. •
Die mit der Tagfahrt von Olmiitz zusammenhangenden Fragen scheinen gesondert in
den einzelnen Gebietigeramtern des Ordenslandes den Standen vorgelegt worden zu sein,
am 19. Februar iibersendet auch der Marschall dfem HM die Antwort der Ritterschaft
seines Gebietes (OBA Regesta I 16.807, 1479 Febr. 19.), diese Antwort, die dem Brief des
Marschalls beilag, ist jedoch nicht mehr vorhanden.
8* vgl. Weise, Staatsvertrage III ICO ff.
87 OBA Regesta I 16.798, 1479 Febr. 2.
88 Toppen, Acten V 370 f.
80 ebd. 371 f., die Stande vertagen die Frage der Zehrungskosten auf eine zahlreicher be-
suchte Tagfahrt. Mbglicherweise erfahren die Stande auf der Sdiippenbeiler Tagfahrt durch
den Brief des Grofikomturs von dem Versprechen des ungarischen Konigs.
so OBA Regesta I 16.852, 1479; Verzeichnis der im Marschallsgebiet von alien Bevolke-
rungsschichten geliehenen Geldbetrage. Die Bewohner dieses Gebietes scheinen besonders
,fromm‘ gewesen zu scin, im Gegensatz zu den Standen des hollandischen Gebiets batten
sie sich Mitte Marz 1479 bercit erkliirt, das geforderte Geschofi zu zahlen,- und zwar zeig-
ten sich ,Landschaft, Stadte und Bauer* willig, das Geschofi zu geben. (ebd. 16.182, 1479
Marz 13.).
91 vgl. Thunert, Acten Westpreufien 5C0 f., 501 Anm. 1.
92 Weise, Staatsvertrage III 121.
93 ebd. 125. Auf dieser Tagfahrt scheinen Gebietiger, Ordensbriider und Stande gemeinsam
zu tagen.
eo Polen versuchte wahrend dieser Zeit militarist massiven Druck auf Truchsefi auszuiiben.
Der Oberste Trapier und HM-Statthalter berichtet dem HM an? 3. August, dafi sich das
polnische Heer in das hollandische Gebiet gelegt und bereits 20 Dorfer zerstort habe. Der
HM-Statthalter hat Gebietiger und Stande einberufen, um zu beratschlagen, was dage-
gen unrernommen werden konne. Er hat das Gefiihl, dafi die Polen ,uns gerne reifien woll-
ten, dafi sie zu e. G. mochten Schuld haben*. HM-Statthalter und die anderen wollen
bei ihren Beratungen das Beste erkennen, damit dem Zug des HM’s (zu den Verhandlungen)
nicht Schaden entstehe. (OBA Regesta I 16.832, 1479 Aug. 3.).
95 Weise, Staatsvertrage III 136 ff. Im September 1479 ist Baisen noch der Ansicht, dafi
Truchsefi sich moglicherweise nicht unterwerfen werde, er befiirchtet, dafi sich die Sadie
dann ,zu Krieg ziehen* wurde. (Thunert, Acten Westpreufien 547).
90 vgl. Thunert, Acten Westpreufien 551, Ermahnung des polnischen Kanzlers besonders
an die Stande des Ordenslandes.
97 Truchsefi ist 1450 im Elbinger Konvent (Komtur ist Heinrich Reufi von Plauen), 1463
dann Kompan des HM’s Ludwig von Erlichshausen, vor und wahrend des Krieges also in
unmittelbarer Niihe der beiden Manner, die einen grofien Toil der Verantwortung fur den
Biirgerkrieg zu tragen hnbem (Schreiber, Amtsdaten 738 f.).
98 Toppen, Acten V 313; der HM versucht sparer, auch Unterstiitzung von den deutschen
Anmerkungen
187.
Fiirsten zu erhalten (ОБА Regesta I 16.703, 1478), doch war das ein vergebliches Bemiihen.
09 Recht deutlidi iiufiert sich die Abncigung gegen Polen beispielsweise in dem Konigsber-
ger Re2efi der Tagfahrt in Elbing vom 21. Juni 1476, in dem der Berichterstatter das Sich-
zuriick2iehen der Ordensgebietiger und der Polen von den Beratungen fur die Polen mit
tier Bemerkung kommentiert: ,wer.te sie zcur tagefart niche woren gerurfen*.. (Toppen
Acten V 294).
100 Toppen, Acten V 355.
101 Weise, Staatsvertrage III 63.
Ю2 Die ungarischen Stande erklaren sich zum Beitritt bereit (Weise, Staatsvertrage III 71 f.),
fur die Stande des Ordenslandes sollte anscheinend Rul Plaszdorf, der sdion fur Richten-
berg zusammen mit Schlieben die Verhandlungen mir Musick und den oberliindischen
Standen gefiihrt hatte, die Beitritrsverhandlungen fiihren. (OBA Regesta I 16.701 (1477) ?,
vgl. auth Weise, Staatsvertrage III 79 f.).
юз Toppen, Acten V 359 f.
104 OBA Regesta I 16.807, 1479 Febr. 19.
we ebd. 16.809, 1479 Marz 1.
we vgl. Gatise, Gcschichte Konigsbergs 187, 194.
w? vgl. SRP IV 686.
ice vgl. Perlbach, Simon Grunau II 334.
wo Wie wenig Truchsefi selbst nach der Eidesleistung das Spiel des ungarischen Konigs
durchschaute, wird deutlich, wenn man in der Instruktion des Hauskomturs (von Konigs-
berg vermutlich) fiir eine Reise zum Meister in Livland die Bemerkung findet, der ungari-
sche Konig habe erkannt, daft die Stande des Ordenslandes nicht ,kriegen‘ wollten und u. a.
daher die Hand vom Orden abgezogen. OBA Regesta I 16.841, 1479 Nov. 26.
Кар. Ill
Die inntnpolitisdjcn Verhdltnisse in PreufJen zwiscljen 1480 und 1497
1 Breysig, Die Entwicklung 16, urteilt aber wohl zu hart, wenn er meint, daft es Zeiten
der Lethargie waren und daft das standische Leben ebenso triige dahinfloft wie das des
Ordens.
2 vgl. Hofmann, H. H.: Der Staat, Vorbemerkungen und 1/2.
1. Die Reformversuche der Hochmeister im preufiischcn Ordenszweig
3 OBA Regesta I 16.596, 1476 Febr. 11. Es handelt sich bei der Aufzeichnung richt, wie
im Regest angegeben, um die Beschliisse einer Tagfahrt, sondern um die Beschliisse des
Kapitels und einige Mitteilungen iiber das Ergebnis einer Tagfahrt mit den Standen des
Landes. OBA Regesta I 16.872, 14S0 Marz 14. und 17.69C, 1492 April 23./24. Das von
Voigt, Geschichte IX 37 ff. fiir Ende 1470 angegebene, von Richtenberg abgehaltene Kapitel
ist von Joachim/Hubatsch, OBA Regesta I 18.059 (1498 Okt.) richtiger in das Jahr 1498
eingeordnet worden. Der Inhalt und die fiir den HM verwendete Anredc ,e. f. G.‘ deuten
auf die Zeit HM Friedrichs.
4 s. dazu Gause, Geschidite 20 f.; Breysig, Die Entwiddung 7; Thielen, Die Verwaltung 66;
Weise, Verfassungsgeschichte 13.
5 OBA Regesta I 16.872, 1480 Marz 14. Das Protokoll dieses Kapitels ist in zwei Aus-
fuhrungen unterschiedlicher Handschrift erhalten. Die Fassung 1 umfafit zwei Blatter und
bricht ab mit: und das sich eyn Iglicher. Die Fassung 2 umfafit ein Blatt und bringt alle
Bestimmungen der Fassung 1 mit Ausnahme des abgebrochenen Satzes. Fassung 1 ist
wahrscheinlich das unmittclbar bei den Verhandlungen angefertigte Protokoll, wiihrend
Fassung 2 die Endredaktion der Beschliisse darstellt. Abgesehen von unterschiedlichen
Schreibweisen und stilistischcr Uberarbeitung finden sich sachlichc Unterschicdc nur in
den beiden Beschliissen des Kapitels. Die Zitate erfolgen nach Fassung 2, Satzzeichen
sind dem heutigen Gebrauch angepafit, Grofischreibung erfolgt nur bei Namen und Satz-
anfangen, Doppelkonsonanten sind beseitigt.
e Eigenschaft ist hier im Sinn von ,Eigcntum haben* zu verstehen.
7 Zeugnis dafiir legen die vielen Schuldbriefe und Verpfandungen nach 1478 ab, die im
188
Anmerkungen
OBA vorhanden sind; die Bitte des HM urn ein Geschofi zur Befriedigung Musicks, Top-
pen, Acten V 308 ff.; die Aussage des HM in Sieradz, dafi der Konig von Ungarn „ettlich
geldt* auf den Schlossern Strasburg, Kulm und Althaus hat, Thunert, Acten Westpreufien
516.
8 Es ist nicht auszuschliefien, dafi Truchsefi finanziell nicht nur von den Standen, sondern
auch von den Gcbietigem und Amtsleuten des Ordens unabhangiger werden will.
9 Diese Formulierung ist von drittcr Hand im Protokoll nachgetragen.
10 Die Formulierung der Endredaktion „dann so sein wole billich alle Ding gemein* ist
im ursprunglichen Protokoll ebenfalls scharfer formuliert, dort heLfit es (durchgestrichen)
„Dann so muste wole*, dann bricht der Satz ab, es wird wohl fehlen, ,alle Ding gemeine
sein*.
и OBA Regesta I 17.690, 1492 April 23./24.
12 Heinrich Reufi von Plauen in: Voigt, Namen-Codex 48 Anm. 1, auch OBA Regesta I
17.599, 1497 April 7.
i* Hermann Koppe von Krischwitz, 1484, 1490 in: Voigt, Namen-Codex 80, auch OBA
Regesta I 17.556, 1490 Nov. 18. Koppe ist in der Jahresmitte 1490 bereits Komtur zu
Osterode; Georg Truchsefi von Wetzhausen in: Voigt, Namen-Codex 80.
14 Andreas Jakun in: Voigt, Namen-Codex 78, auch OBA Regesta I 17.949, 1496, Regesta
I 3750, 1497 Okt. 18. *
is Voigt, Namen-Codex 13 Anm. 42, audi Regesta II 3735 (30. 3. 1497), 3762 (29. 7. 1498).
i® Voigt, Namen-Codex 40 Anm. 7, auch OBA Regesta I 17.003 (um 1481) 17.097, 1483
Okt. 1., 17.099 f., 1483 Okt. 28., 17.164 (1484) ?, 17.166 (1484 ?).
17 Im Bericht von anderer Hand nachgetragen.
18 Tbielen, Die Verwaltung 84, meint fur die Zeit vor 1454, dafi zu den Gebietigern auch
Pflegei zahlen.
le Leidrr gibe es fur unsere Zeit noch keine Untersuchung fiber die soziale Einordnung
der Ordensbruder, wie sie Hellmann schon 1961 gefordert hat (Hellmann, Bemerkungen).
20 Regesta II 3532, 1484 Juli 25.
21 Voigi Namen-Codex 114.
22 s. den umfangreichen Briefwechsel zwischen dem HM und dem alteren Bruder des Or-
densherren Plauen, OBA Regesta I 17.320, 1487 Apr. 16., 17.322, 1487 Mai 8., 17.357,
1487 Okt. 75., 17.376, 1487 о. T., 17.398, 1488 April 21.
23 Voigt, Namen-Codex 98.
24 vgl. 1. Teil, Кар. 1/4 d.
2® Regesta II 3632, 1491 Juli 15.
2® Regesta II 3682, 1493 Dez. 27., 3697, 1494 Okt. 16.
87 Voigt, Namen-Codex 7.
28 OBA Regesta I 17.981, 1497 Juni 20.
29 ebd. 18.059 (1498 Okt.).
2. Die Gesetzgebung in Preufien
a) Die Landesordnungen
so Tdppen, Acten II 361 ff.
81 ebd. 616 ff., Art. 43 623. vgl. zu den beiden Landesordnungen Murawski, Tannenberg
108 ff.
82 Fur die Landesordnung von 1444 vermutet Tdppen allerdings in bescheidenen Grenzen
eine Mitwirkung vor allem der Ritterschaft, Tdppen, Acten II 616.
83 Tdppen, Acten V 282.
84 ebd. 326 f.
85 ebd. 384 ff. Grundiage dieser Landesordnung ist wohl die Landesordnung von 1441 und
nicht die von 1444.
3® Tdppen druckte sie ab nach Vorlagen, die sich im DOA fanden. Wenn HM und Gebie-
tiger irgendwelchen Einflufi auf die Gestaltung der Landesordnung genommen hatten, so
ware das in den vom Orden erstcllten Exemplaren sicher erwahnt worden.
87 Tdppen, Acten V 412 ff.
Anmerkungen
189
88 Plehn, Zur Geschidite 443.
89 Akta II 253 f., die Artikel werden am 4. Nov. 1490 der Versammlung iibermittelt.
40 OB A Regesta I 17.566, 1490 Nov. 9.
« Akta II 288.
« ebd. 288 Anm. 1.
« ebd. 465.
OBA Regesta I 16.450, 1473 Dez. 12.
45 z. B. Thunert, Acten Westpreufien 516, Truchsefl erklart den Vertretern des polnischen
Konigs, er ware kein Erbfurst, sondern ein gekorener Fiirst; Toppen, Acten V 420 f., die
Gesandten des HM sprechcn gegeniiber dem polnischen Konig vom HM als Fiirst and sa-
gen, dafi die Stande ihren Landesfursten nicht aus dem Land ziehen lassen wollen.
4® Toppen, Acten V 380 ff., 396 ff.
47 vgl. Mxrawski, Tannenberg 109 f.
b) Die Privilegien
48 Toppen, Acten V 283 f.
4® ebd. 396 ff., 404 ff.
89 ebd. 399.
si ebd. 407.
52 siehe zum Verhalten des Ordens in dieser Frage vor dem Krieg Murawski, Tannenberg
104 ff.
53 Toppen, Acten V 407.
84 OBA Regesta I 17.480, 1489 Juni 6.
55 Toppen, Acten V 466.
м ebd. 466.
3. Wege der Einfluflnahme auf den Landesherm durch Orden und Landstande
57 OBA Regesta I 17.690, 1492 April 23./24.
88 Toppen, Acten V 266, 313.
a) Der Gebietigerrat
89 vgl. Tbielen, Die Verwaltung 80 ff.
eo Toppen, Acten V 267, 302, 320.
®i ebd. 286, 308, 326, 328, 352.
®z OF 18J, fol. 2 b.
83 vgl. Tbielen, Die Verwaltung 82.
84 OBA Regesta 1 16.100, 1467 Juni 27.; 16.180, 1469 Apr. 11.; 16.182, 1469 Apr. 22.;
16.183, 1469 Apr. 23.; 16.205, 1470 Jan. 20.; 17.102, 1483 Nov. 3.; 17.400, 1488 Apr. 21.;
17.599, 1491 Apr. 7.; 17.895, 1496 Marz 25.
Regesta II: 1467: 3136, Juni 22.; 3140, Juli 4.; 3141, Juli 6.; 3144, Sept. 12.; 3146,
Okt. 7.; 3147, Okt. 17.; 3148, Okt. 18.; 1468: 3158 f., Jan. 20.; 3160, Jan. 26.; 3165,
Marz 12.; 3166, Marz 15.; 3169, April 5.; 3170, April 8.; 3175 Juni 22.; 3183, Sept. 1;
3185, Sept. 29.; 3186, Okt. 1.; 3187, 0*t. 2.; 1469: 3192, Jan. 17.; 3197, Marz 12.; 3201,
Marz 15.; 3210, Apr. 6.; 3213—3232, Apr. 9.—20.; 3236 f., Apr. 24.; 3239, Apr. 27.;
3241, Apr. 28.; 3244, Mai 15.; 3248, Juni 21.; 3254, Aug. 3.; 3259. Sept. 29.; 3262, 1469.
1470: 3292, Sept. 8.; 3293, Sept. 27. 1471: 3314, Okt. 31. 1472: 3321, Febr. 16.; 3324,
Marz 11. 1473: 3349, Juni 25.; 3350, Juli 14.; 3353, Nov. 28. 1473: 3372, Febr. 4.;
3376, Apr. 17.; 3378, Juni 16. 1476: 3395, Jnui 14. 1478: 3437, Juli 23. 1479: 3441,
Jan. 27.; 3446, Mai 22. 1480: 3461, Marz 10.; 3462, Marz 20.; 3463, Apr. 8.; 3466, Juni
21. 1481: 3482, Juli 3.; 3483, Juli 4. 1482: 3496, Juni 27. 1483: 3509, Febr. 17.; 3515,
Mai 6.; 3516, Juni 10. 1484: 3526, Febr. 13.; 3534, Sept. 28. 1483: 3549, Mai 26. 1486:
3559, Juni 12. 1488: 3580, Jan. 28.; 3582, Febr. 27.; 3584, Marz 27. 1491: 3627, Apr.
10.; 3632, Juli 15. 1493: 3666, Febr. 19.; 3677, Juni 25.; 3679, Aug. 10. 1494: 3686,
Marz 18.; 3697, Okt. 16. 1493: 3705, Apr. 28; 3708, Juni 6. 1496: 3723, }uli 22.; 3726,
Sept. 4. 1497: 3731, Febr. 19.; 3740, Mai 15.; 3742, Mai 26.
190
Anmerkungen
85 So ist der Unterschied zwischen der Zahl der Beratungen des ,inneren Rates* zu den
Zeiten Plauens und der anderen Hochmeister wohl nidit allein auf unterschiedliche Uber-
lieferungslage zuruckzufuhren, sondern auf Unterschiede in der Auffassung, die beide
von ihrer Stellung als Landesherr Prcuflens batten. Die Untersuchung des Zusammentritts
der Ratsorgane beruht zwar nur ausschliefllidi auf den in OBA Regesta I und Regesta II
zugiinglich gemachten Zeugenreihen, d. h. auf einer sehr schmalen Quellenbasis, doch diirfte
die — nicht im negativen, sondern im statistischen Sinn — willkiirliche Auswahl der Quel-
len eine ausreichende Basis dafiir bieten, wenigstens die Tendenz der Entwicklung dieser
Ratsorgane des Ordens anzugeben.
•® vgl. dazu die Briefe des HM an den Mcister in Livland aus den aditziger und neun-
ziger Jahren, in denen regelmiiflig erwiihnt wird, dafl HM und Gebietiger iiber die liv-
landischen Handel beraten hatten, dafl sie dem Meister nach ibrem Vermogen zu unter-
stiitzen beschlossen hatten und dafl die Stande des Ordenslandes eine finanzielle Hilfe fiir
den Meister in Livland abgelehnt hatten, so z. B. OF 18b, fol. 82 f., 10 f., 29 a.
97 vgl. die Forderung der Ordensbriider auf dem Kapitel von 1492 nach einer Beteiligung
an den inften- und auflenpolitischen Geschaften neben HM und Groflkomtur. OBA Re¬
gesta I 17.690, 1492 Apr. 23./24. Wahrend der Regierungszeit Plauens werden Verpfan-
dungen, Schuldbriefe und Zahlungsvereinbarungen zwischen HM und Soldnern meist auch
von Gebietigern bezeugt, spater nimmt der HM derartig*e Geschafte allein vor.
ee OBA Regesta I 16.147, 1468 Aug. 13.; 17.867, 1495 Nov. 20.; 17.949, 1496.
Regesta II: 1468: 3154, Jan. 7.; 3162, Marz 8.; 3163, Marz 9.; 3167, Apr. 3.; 3178, Aug.
8. 1469: 3199, Marz 13.; 3203, Marz 21.; 3211 f., Marz 9.; 3245, Mai 15.; 3247, Juni 21.;
3258, Sept. 14. 1470: 3264, Febr. 17.; 3265, Febr. 22.; 3268, Marz 27.; 3271—3276,
Apr. 12—23.; 3277—3282, Mai 6.; 3285—3287, Mai 16.; 3290, Sept. 25. 1471: 3302,
Mai 4. 1472: 3332, Juni 27. 1475: 3373, Marz 3. 1476: 3404, Nov. 30. 1480: 3457,
Marz 9. 1481: 3485, Nov. 24. 1482: 3487, Jan. 8. 1484: 3527, Marz 24. 1490: 3613,
Febr. 3.; 3615, Marz 24. 1491: 3633, Sept. 1. 1492: 3656, Mai 4.
b) Der Landesrat
99 vgl. dazu Weiset Das Widerstandsrecht 77 f.
™ ebd. 93.
ebd. 118
7* ebd. 123.
73 Murawski, Tannenberg 78.
74 Regesta II, 1469: 3212, Apr. 9.; 3214, Apr. 11.; 3216 ff., Apr. 12.; 3219, 3221, Apr. 13.;
3223 ff., Apr. 14.; 3227 f., Apr. 15.; 3230, Apr. 16.; 3231, Apr. 17.; 3232, Apr. 20.; 3262,
1469.
7« Toppen, Acten V 222, 234, 246, 259, 262, 273, 278, 288, 291, 329, 352, 373, 376, 378,
390, 392, 394, 400, 404, 409, 410.
7® Thunert, Acten Westpreuflen 18, 58, 60 f.
77 OBA Regesta I 16.520, 1474.
78 ebd. 16.716, 1478 Miirz 11.
78 ebd. 16.832, 1479 Aug. 3.
80 ebd. 17.000 (1481) ? Es handelt sich hier nicht um eine Werbung an den Konig von
Polen, es liegt auch eine Proposition des HM fiir eine Tagfahrt mit den Standen unter
dieser Nummer. In ihr ist u. a. die Rede von ,Herrn Wilkes Sadie*, die Proposition miiflte
demnach in das Jahr 1481 oder 1482 datiert werden.
ei OF 18b, fol. 82 f., 168 a.
82 OF 18c, fol. 64
83 Akta I 309, 315 HUB 11, 371.
84 OF 18b, fol. 82 f.
85 OBA Regesta I 17.783, 1493 Dez. 2./3.
ee OF 18b, fol. 168 a.
87 OBA Regesta I 17.783, 1493 Dez. 2./3., OF 18b, fol. 169.
ee OBA Regesta I 17.944, 1496 Nov. 15.
Anmerkungen
191
4. Der Tod Hochmeisters Hans von Tie fen und die Wahl eines Reichsfiirsten zum Ober-
haupt des Ordens
89 vgl. Akta I 304 ff.
90 vgl. Toppen, Acten V 394 ff.
91 OBA Regesta I 17.212 (1485) ? Das Gewerbe gehort in das Jahr I486, in ihm werden
nur nodi einmal die Ercignisse des Jahres 1485 im Einzelnen geschildert.
99 ebd.
93 Der Konig scheint dann doch auf die Hilfe des HM’s verzichtet zu haben, da nidus von
einem erneuten Zug des HM gcgen die Tiirken bekannt ist.
94 OBA Regesta I 17.480, 1489 Juni 10.
95 Vom Ergebnis dieser Tagfahrc erfahren wir leider nichts, dodi ist cs wohl audi diesraal
nidit zur Heeresfolge des HM gekommen.
99 OF 18b f0l. 29 a. Toppen Acten V 412, 420 ff.
•7 OF 18c, fd. Ю8 ff.
98 vgl. ,Liborius Nakers Tagcbuch* iiber den Zug HM Hans von Tiefens in SRP V 290 ff.
99 OBA Regesta I 17.994, 1497 Dez. 9.
im ebd. 18.000, 1497.
ioi Toppen, Acten V 265.
юг OBA Regesta I 17.944, 1496 Nov. 15.
Ю» Akta I 434.
104 OBA Regesta I 18.159 (1499 Juli 16.).
Register
193
REGISTER
Abgaben 10, 27, 29, 43, 45
Ablafl(-bulle) 98, 100, 103 ff., 180
— verkiindung 99, 103 f., 106
Adel (A Ordenslandes) 4, 6, 17, 25, 39,
40 ff., 51, 61, 65, 83, 86, 88, 91 ff., 103,
105, 107, 116, 118, 120, 124, 126 f., 135,
138ff., 146 f., 150 f., 159, 169 f., 178,
181, 185 f.
Adel (im Orden) 4, 6, 107, 114, 142,
150 f., 159
Albrecht v. Ansbach-Bayreuth (HM)
2, 59,170, 178
Albrecht (Fleischer Kneiphof) 72
Allenstein (Stadt) 168
Alreth, Lorenz (Burger Kneiphof) 69
Alte Domgasse (Kgsbg-Kneiphof)
68, 74 f.
Althaus (Stadt) 121, 188
Amt 3, 11 f., 15, 18, 26, 28, 30 ff., 34,
36 f., 40, 76 ff., 97, 100, 119, 124, 126,
134, 136, 150 f., 160, 165 ff.
Amtsleute 3 f., 13 f., 18 ff., 25, 33 f., 46,
48, 53, 83, 95 ff., 130, 132, 134, 136,
161, 163, 171, 180, 188
Andres (Keutel Kneiphof) 73
Angelach, Philipp v. (Ktr.) Ill, 181, 183
Arbeiter s. Lohnarbeiter
Arme 43, 46, 76, 177
Asche 56 ff., 173, 175
Aufsatzung s. Proposition
Ausgabenregister 28, 48, 166 f., 170 f.
Badranghof (Ort) 26
Backer 53, 65, 73
Backer (Burger Kneiphof) 73
Baisen, Hans v. 148
—, Niklas v. 138
—, Stibor v. Ill, 123f., 182, 186
Bajohrscbe (Wildnis) 40
Balga (Komturssitz) 11, 15, 25, 39 f., 96,
101, 104, 120, 132, 143, 166, 181
Bandemcr, Jacob (Burger Kneiphof) 69
Bartcz (Barbier Kneiphof) 73
Barren (Ort) 36, 136
Bartenstein (Ort) 35, 43, 61 f., 66 ff., 70,
76 ff., 86, 92, 103, 105, 119 f., 137, 175,
177 f., 180
Bauer 13 f., 25, 36, 39, 42 ff., 56, 60 f.,
63 ff., 83, 106, 124, 137, 141, 161, 168,
170 f., 175, 182, 186
Bauem- und Gesindeordnung 44, 137,
139 f., 146, 161, 175
Belgien 172
Bernstein 10 f., 54, 173
Betriebsgrofie s. Vorwerksgrofie
Bier 20, 28, 56, 64 ff., 68, 174
Binnenhandel 50, 62 f., 74, 170
Bischof v. Ermland 44 f., 93, 108, 111 f.,
if4, 117, 122, 137, 147, 150, 178 f., 182
— v. Kulmsee 43, 95 f., 113
— v. Heilsberg s. B. v. Ermland
— v. Pomesanien 132, 137, 174
— v. Samland 44 f., 87, 89, 97 ff., 101,
103 ff., 110 ff., 116 ff., 132, 137, 140,
146, 161, 174, 180 f., 184 f.
Bistum Ermland 47, 78, 98, 108, 113,
115, 118, 175
— Samland 16, 97 ff., 104, 132, 163
Bohmen 121, 125
Bogner, Peter (Burger Kneiphof) 177
Brake 59, 173 f.
— recht 58 f., 173 f.
Brandenburg (Komturssitz) 11, 15, 24 f.,
33, 36 ff., 104, 143, 165, 168, 181
Brandes (Sekretar d. poln. Konigs) 148
Brathean (Ort) 111
Brauer 53, 71, 74, 177
Braunsberg (Ort) 55
Brawn, Lodewig (Schoffe Kneiphof) 72
Breslau (Stadt) 109, 184
Brest (Ort) 62
Bruderschaft s. Ordensbruderschaft
Briider s. Ordensbriider
Brugge (Stadt) 173
Burger 17, 49, 55, 60 ff., 65, 67 ff.,
71 ff., 76 f., 79, 83, 87, 92, 161,
169, 176 f.
Biirgcrkrieg, preuftischer T, 9, 22, 42, 54,
58, 72, 88, 110, 135, 147, 168, 173, 186
194
Register •
Biirgermeister 65, 77, 174
Burgerschaft 67, 69, 71, 176
Caspar (Tolk Kneiphof) 73
Clcine Slawcke (Ort) 37
Cremitten (Ort) 35
Cromer, Hartwidi (Burger Kneiphof)
177
Christburg (Stadt) 59
Cuba, Dietrich v. (Prokurator DO,
Bischof v. Samland) 97 ff., 103 ff.,
109 ff., 114, 118, 146, 180 ff.
Czisemer, Cort (Ratsherr Kneiphof)
71 f.
Danemark 57, 174
Damerau (Wildnis) 40
Danzig (Stadt) 6, 10f., 18, 42f., 49,
57 ff., 63 f., 100, 108 f., 120 f., 143,
162, 170, 172, 174 f., 177, 181 f., 185 f.
Darlehen 14f., 19, 33, 168
Dcutsch Eylau (Ort) 168
Deutschland 121, 128
Dohna, Abraham r. 45, 111 f., 171
—, Stenzel 178
Dollstadt (Ort) 45, 111 f., 171
Domnau (Ort) 35
Egloffstein, Kunz v. (Erbarmann d.
Bischofs v. Samland) 100, 104 ff.,
168 f.
Eid 9, 31, 84 f., 110, 119 f., 122, 148, 178
Eidesleistung 116, 126, 128, 187
Eigenbetrieb (d. Adels) 41 ff., 45, 50 f.,
170
Eigenwirtsdiaft (d. Adels) s. Eigen¬
betrieb
— (d. Ordens) 10, 20 ff., 53, 164
Eilenburg, Bot v. (Erbarmann d. Ordens-
landes) 142 f.
—, Went v. (Erbarmann d. Ordens-
landes) 146
Einnahmeregister 25, 27 f., 48, 164,
166 f., 170
Eisen 26 ff., 32, 166
Eisenberg, Wilhelm Graf v. (Grofi-
komtur) 136, 150
Eisenwerk 26, 28, 31 f., 40, 166
Elbing (Stadt) 6, 10 f., 23, 39, 42 £., 49,
55, 60, 100, 116 f., 122 f., 161, 165,
168, 170, 175, 181 f., 186 f.
England 57, 174
Englander 48, 63
Entzebeck, Pankraz (Soldner) 38
Eppingen, Wilhelm v. (Groflkomtur)
Ilf.
Erbarleute 39, 50, 63, 90 f., ICO, 102,
104 r., 107, 140 ff., 146, 181, 184
Erbarmann s. Erbarleute
— schaft 6, 46, 143, 150
Erben 29, 36, 39, 44 f., 52, 62, 135,
165, 181
Erlichshauscn, Konrad v. (HM) 3, 137
—, Ludwig v. (HM) 88 f., 186
Ermland 35, 64, 108 ff., 118, 121 ff.,
147, 182
Ernte 14, 43, 52, 161
Ewerbecke, Tomas (Sdioffe Kneiphof)
71 f.
Fernhandcl 56 f., 60, 62, 74, 172
Fischhaueen (Ort) 98
Flach, Scifrid v. (Oberster Trapier) 146
Flachs 50, 56 f., 63 f.
Fleischer 65, 72, 74
Frankreich 57, 174
Freie 6, 43, 46 f., 61, 83, 86, 88, 90,
120, 124, 161, 171, 178
Frieden, ewiger s. Thorner Frieden
Friedensvertrag 9f., 47, 112, 115, 119
Friedland (Ort) 35, 165
Friedrich III. (Kaiser) 109, 184
Friedrich v. Sachsen (HM) 5, 15, 17, 19,
30, 32, 96, 136, 142 f., 149, 151, 163,
165, 187
Frisching (Ort) 168
Furst 9, 76, 85, 137, 140, 148, 151,
187, 189
Fuhrlohn 30, 48, 50, 166, 171 f.
Gabriel, Bischof v. Rangone 117, 184
Gartner 28, 40, 66, 68
Gautiken (Ort) 22
Gebesattel, Hieronymus v. (Ktr.) 165
—, Nikolaus v. (Oberster Marschall) 113
Gebietiger 14, 31, 83 ff., 87 f., 91 f.,
95 ff., 106 f., 110 f., 114 ff., 119 ff.,
127, 130 ff., 140 f., 143 ff., 149 f., 163,
179 ff., 183 f., 186 ff., 190
Gebietigerrat 103, 143
—, aufierer 143 ff.
—, innerer 143 ff., 190
Gemeinde 61, 72, 86 f., 94, 123
Gerdauen (Ort) 40, 170
Gerichtsgefalle 10, 15, 19 f.
Germau (Ort) 163
Geschofi 10, 15 ff., 26, 35, 61 f., 67 ff.,
71, 86ff., 91 ff., 96f., 99, 104, 111,
■>
Register
195
114, 120, 124, 162 f., 175, 177 ff., 186,
188
— bewilligung 92 f.
— ertrag 17, 61, 71, 80, 163
— forderung 16, 43, 93, 96, 99, 124
— register 67 f., 72, 74 ff., 176 f.
— zahlung 61, 71, 106, 162
Geselle 66 f.
Gesinde 18, 23, 51 f., 83, 137, 148, 161,
163, 166, 176
Gesindelohn 27, 32, 52, 172
Getreide 20 ff., 161, 166, 169 f., 172
— export 43, 169 f.
Gewand 19, 47, 56 f., 63 f.
— sdineider 61, 64, 74, 175
Gewerk 66 f., 73, 86, 176
Gidi, Veit v. (Oberster Spittler) 24, 105
Gilgenburg (Ort) 61 f., 89
Goldbach, Hans (Kotler Kneiphof) 73
Goya (Wildnis) 40
Graudenz (Stadt) 138
Gregor (Backer Kneiphof) 73
Grolag, Thomas (Burger Bartenstein) 77
Groftgebietiger 11, 89, 92, 95, 101, 117,
135, 143 f., 174, 182
Grofikomtur 11 f., 96, 99, 118, 120, 134,
136, 144 f., 147, 150, 162, 178 ff., 186,
190
Grundherrn 14, 41, 46, 50, 52, 60
— rente 41 ff., 45, 169
Guterrecht 121, 140 ff.
Gunter, Hans (Melzer Kneiphof) 73
GutsgroCe s. Vorwerksgrofie
Guttstadt (Ort) 148
Halle, Adam v. (Pfleger) 18
Hamburg (Stadt) 173
Handel 16, 18 f., 21, 32, 45, 48 ff., 55,
57 f., 62 ff., 78, 138, 168, 172, 175
Handelswaren s. Waren
Handler 49 f., 54, 61 f., 64, 74
Handfeste 14, 46, 62 f., 93, 102, 141,
175, 181
Handwerk 51, 63, 65
Handwerker 2,5, 55, 61, 64 ff., 73, 83,
137, 175
Hans (Kiirschner Kneiphof) 73
— (Sattler Kneiphof) 73
Hase, Nid (Burger Bartenstein) 77, 177
Haubitz (DO) 175
Hauskomtur 113, 134 f., 161, 187
Hebesatz s. Steuersatz
Heide fWildnis) 40
Heiligenbeil (Stadt) 35, 62, 84, 87, 92,
98 f., 104, 111, 115 ff., 119 f., 181 f.
Heilsberg (Stadt) 115, 122
Hermann (Msister Kneiphof) 73
Hinrich (Riemer Kneiphof) 72
Hintersassen s. Untertanen
Hochmeister 2ff„ 9 f., 12 ff., 18 ft.,.
26 f., 29 ff., 39, 41 ff., 49, 54, 56; 58 ff.,
64, 68, 76, 83 ff., 119 ff., 160 ff., 173:7.,
178 ff.
HochmeisterstattKalter Ilf., 17, 37, 40,
59, 84, 89, 118 f., 136, 142, 144, 146,
149 f., 179 f., 184 ff.
Hof 20 ff., 27, 40, 166
Hohenstein (Ort) 20 f., 61, 89
Holland (Komturssitz) 11, 15, 19 f., 36,
55, 57, 59 f., 62, 96, ICO f., 103, 110 f.,
113, 117, 144, 164, 169, 175, 173,
130f., 183
Honig (Wildnis) 40
Hufe 29, 36 ff., 42, 44, 46 f., 52, 60,
168, 170
Hufenzins 24, 26, 28, 31
Insterburg (Ort) 18, 52, 164, 172
Invemar 18 ff., 22 f., 26, 164 ff.
Jacob (Eiersner Kneiphof) 73
— (Muller Kneiphof) 72
Jakun, Andreas (Bischofsvogt) 188
Jarsdorf, Veit v. (Hauptmann u. Ktr)
12, 95, 100, 103, 110, 181
Johann (Bischof v. Samland) 116 f.
Johannisburg (Stadt) 12, 15
Jorge (Ricmcr Kneiphof) 72
— (Fleischer Kneiphof) 72
Joppel, Simon (Burger Bartenstein) 177
Kaiser 10, 120, 122, 125, 184
Kammeramt 26, 33, 92, 135, 171
Kaporn (Ort) 104 f., 181
Kapital 45 f., 48, 130
Kapitel (Landes-) 31, 33, 100, 128 ff.,
143, 160, 162, 187, 190
Kasimir (Konig v. Polen) 58 f., 98, 107,
109, 114 ff., 119, 121, 124, 148 f., 182,
184
Kaufleute 25, 48 f., 54 ff., 61, 63 f., 67,
71, 74, 80, 85, 95
Kaufmann 48 ff., 63 f., 101
Kaymcn (Ort) 35
Keller 68, 75 f., 78
Kielbassa, Vincenz (Bischof v. Kulmsee)
113, 184
Kinsberg, Ulrich v. (Oberster Marschall)
100 ff., 110 ff.
196
Register •
Kirsten (Schiffbauer Kneiphof) 73
Knecht 25, 28, 51 f., 86, 88, 145, 150,
163
Kobersee, Peter (Erbarmann d. Ordens-
landes 146
Koblenz (Stadt) 103
Koto (Stadt) 57, 181
Konig, polnischer 9f., 29, 31, 44, 59, 64,
87, 94 f., 98, 108, 110, 112f., 115 ff.,
119, 121 ff., 128, 136, 146 ff., 161, 169,
173, 179, 183 f., 189 ff.
—, ungarischer 94, 109 f., 117ff., 151,
184, 186 ff.
Konigsberg, Drei Stadte 1, 6, 9 f., 15 ff.,
25, 28, 35 f.,39, 43, 49, 53 ff., 84, 86 ff.,
91 ff., 101, 103 ff., 120 f., 123, 126, 136,
133 f., 142, 144, 146 ff., 162 f., 170 ff.,
180, 1S2, 185, 187
Konigsberg, Altstadt 17, 54 f., 59, 78,
126, 163, 173 f.
—, Kneiphof 17, 55 f., 59, 67 ff., 96,
126, 163, 173 f., 176 f., 179
—, Lobenicht 17, 54 f., 137, 163, 173
Konigga-rtengasse (Kgsbg-Kneiphof)
68, 75
Korc s. Wahl (d. HM)
Ivompan 33, 77 f., 112, 123, 135, 181,
183, 186
Komschen (Eisenwcrk) 166
Komtur 3 f., 11, 19 ff., 24 f., 33 f., 36,
59, 63, 89, 95 f., 100 f., 103 f., 110f.,
113, 115, 117 f., 124, 132, 134 ff.,
143 f., 150, 160 f., 164 ff., 174 f.,
178 ff., 183 ff., 188
Konrad, Hz. v. Masowien 149
Konusch (Ort) 26
Konvent 14, 130, 133, 164, 186
Korn 21, 30, 32, 43, 56 f.
Korporation s. Orden
Kostler, Andres (Burger Bartcnstein) 177
Kothenberg (Ort) 23, 28, 166
Kowno (Stadt) 57 f., 174
Kramer 61, 64, 175
Krebs, Heinrich (Burger Bartenstein) 177
Kretzem (Krug) 28, 31, 33, 38, 40, 51
Kreutzburg (Stadt) 12, 103, 160, 168,
1S1, 183
Krisdiwitz, Hermann Koppe v. (Vogt)
188
Krug s. Kretzem
Kruger 28, 51
Kulm (Stadt) 121, 188
Kulmer Handfeste 142
Kunheim, Daniel v. (Landriditer d.
brandenburg. Geb.) 146 f., 150
Kurland 35, 161
Labelanked (Wildnis) 40
Labiau (Ort) 19, 35
Lanaw (Ort) 26
Land 3, 5 f., 9 f., 13, 16 f., 28, 33 ff.,
38 ff., 43, 45, 48 f., 51 f., 61, 64 ff., 83,
85 ff., 89 ff., 97 f., 100 f., 103 f., 106 f.,
109, 111, 114, 116ff., 123, 128 f., 131,
134, 136, 137 ff., 145 ff., 161, 163,
168 f., 171, 175, 179, 181 f., 184, 187
Landcsausbau 12, 14, 46, 161
Landesherr 1, 3 ff., 14, 44 f., 47, 54, 58,
61 f., 65, 67, 69, 71 f., 77 f., 83 ff., 97,
99, 102 ff., 106 f., 118, 124, 126, 131,
133, 137 ff., 145, 147 ff., 162, 174,
184*190
Landesherrschaft 3 ff., 35, 42, 45 f., 51,
80, 89 f., 94, 129
Landeskapitel s. Kapitel
Landesordnung 47 ff., 51 f., 56, 62 ff.,
67, 136 ff., 151, 171 f., 175 f., 188
Landstadte 9, 49, 54, 60, 62 f., 65, 68,
78, 80, 86, 126, 165, 169
Landstande s. Stande
Landtag s. Tagfahrt
Landschaft 86, 90 f., 94, 102, 115, 186
Lang, Andres (Burger Bartenstein) 177
Langegasse (Kgsbg-Kneiphof) 68 f., 74 f.
Lautcrhagen (Ort) 113, 183
Lawgke, Hans (Burger Bartenstein) 177
Lemberg (Stadt) 149
Lenleuter, Christoph (Kompan) 33, 167
Leunenburg (Ort) 40, 170
Leute, arme s. Bauern
Lichtcnhain, Konrad v. (Ktr) 11, 100,
103, 110, 113, 119, 132, 134, 144, 181,
183, 185
Liebemiihl (Ort) 107
Liebstadt (Ort) 101
Lindenau (Ort) 24 f., 165
Litauen 9, 13 f., 35, 55, 57 f., 161, 173
Litauer 64, 171
Livland 14, 95, 101, 112, 128, 181, 183
Locaw, Michael (Burger Bartenstein) 177
Lochstadt (OrtJ 18, 22 f., 35, 52, 163,
165, 170, 172
Lohn 23, 30, 52 f.
Lohnarbeitcr 51, 67, 73 f., 76, 83, 137,
176
Lorenz (Beutler Kneiphof) 73
Luckau, Fritz (Erbarmann d. Ordens-
landes) 104 ff., 146
Register
197
Liibcck (Stadt) 55 ff., 100, 160, 173 f.
Lux (Dreher Kneiphof) 73
Lyck (On) 12, 25, 32, 166 f., 171
Malgc (Eisenwerk) 166
Malpoffe (On) 26 ff., 166
Maltzowen s. Malpoffe
Mannscfaaft 43,86,115,117
Maraune, Thomas (Burger Kneiphof) 69
Marienburg (Stadt) 111 f., 114 f., 162,
168, 182
Markt 43, 48 ff., 61, 63 f., 66 f., 106,
169 f, 175, 178
Marschall s. Ordensmarsdiall
Masowien 9, 13 f., 35, 57, 169
Masowier 46, 64, 67, 171, 175
Mathias Corvinus (Konig v. Ungam)
11C, 117 f., 121, 124 ff., 184 f.
Matz (Triiger Kneiphof) 73
Meister in Deutsdiland 10, 97, 99, 104
— Livland 10 f., 96 f., 99 ff., 104, 112,
143, 160 f., 180 f., 183, 187, 190
Memel (Stadt) 11, 54, 63, 93, 96, 100 f.,
144, 160 f., 172, 175, 181
Mcnzinger (Kompan) 112, 123, 181, 183
Meurer, Hans (Mcsserschmied Kneiphof)
73
Mewe (Stadt) 143
Meyer, Hinrich (Ratshcrr Kneiphof) 71
Mifiernte 47, 50, 148, 172
Mohrungen (Komturssitz) 11 f., 36, 95,
100 f., 103, 110, 132, 144, 160, 179
Moler (Burger Kneiphof) 72
Muhle 26 ff., 30 ff., 37, 40
Muhlhausen (On) 62, 92, 111, 137, 175
Muller 26, 72
Miinze 14, 18, 20, 96
Musidc v. Swynau (Soldncrhauptmann)
45, 60, 89ff., 98, 101 ff., 107, 111, 114,
181, 187 f.
Nadu 61, 76, 175, 177
Naker, Liborius (Sekretar d. HM) 191
Natangen 36, 41, 132, 143, 146
Naturalabgaben 24, 26 f., 30, 32, 37 f.
Narbe, Hans v. d. (Ktr) 11
Neidenburg (On) 11 f., 18, 23, 25 ff.,
35 ff., 46 f., 52, 60, 64, 144, 148, 160,
162, 166 f., 171 f., 178
Neuenburg (Stadt) 168
Neue Domgasse (Kgsbg-Kneiphof)
68, 74 f., 177
Ncuhaus (Ort) 35
Neuhof (Ort) 23
Neustadt Bartenstein 76, 78
— Korczyn (Stadt) 124
Nicl (Kiirsdmer Kneiphof) 72
— (Barbier Kneiphof) 73
Niederlage 58 f., 64, 173, 175
Niedcrland (nordl. Teil d. Ordenslandes)
102, 123, 137, 142, 144 f., 184 f.
Niederlande 54, 172
Nordenburg (Ort) 40
Nowgorod (Ort) 57, 174
Niirnberger 63
Oberland (sudl. Teil d. Ordenslandes)
13, 35, 39, 41, 90, 101 f., 107, 110,
113 ff., 144 f., 179, 181, 183 f.
Oberste Gebictigcr s. GroGgebietigcr
Oberster Spittler 11, 24, 105, 108, 135,
181
— Trapicr 11, 25, 33, 108, 120, 146,
181, 186
okonomisch (wirtschaftlich) 2, 6, 10 f.,
13 f., 18 f., 26, 33 f., 36 ff., 40 ff., 46 f.,
49, 53 f., 62, 65, 67, 74, 80, 83, 107f.,
118, 125 f., 129 ff., 136, 148 ff., 161,
167 ff.
Ostcrreich 30, 101
Oldcsloc (Ort) 173
Olmiitz (Stadt) 123 f., 186
Orden, Deutsdier 3 ff., 9 ff., 18 ff., 23
25, 32 ff., 37 ff., 44 ff., 48, 54, 60,
83 ff., 87 ff., 125 ff., 139 ff., 145 ff.,
161, 163 f., 166, 168 ff., 173, 178 f.,
181 f., 184 ff.
Ordensbriidcr 11 ff., 27, 30, 32 ff., 83,
95 f., 99 ff., 103 f., 110 f., 113 ff., 118 ff.,
125, 129 ff., 140, 143, 145 ff., 149 ff.,
160, 164, 170 f., 181, 186, 188, 190
Ordensbrudcrschaft 83, 85, 89 f., 92, 102,
108, 110, 112, 114, 118, 126, 129, 134,
141
— gebietiger s. Gebietiger
— land s. Preufien (Ordensland)
— marsdiall Ilf., 95 f., 100 ff., 110 f.,
113 f., 118, 128, 142, 144 f., 160, 171,
178, 183, 186
— prokurator s. Prokurator
— statuten s. Statuten
— vorwerk s. Vorwerk
Ortelsburg (Ort) 12, 23, 25, 30 ff., 52,
64, 97, 119, 160, 165 ff., 172, 180, 185
Osterode (Komturssitz) Ilf., 19 ff.,
36, 38, 61, 89, 96, 100, 110, 115, 117f.,
124, 143 f., 164 f., 170, 180, 183 ff., 188
Papst 9f, 85, 104 f., 110, П5 f., 119 f.,
122, 125
198
Register •
Passenheim (Stack) 32, 35, 64, 172, 175 f.
Pawdelcromer 49, 175
Pellen (Ort) 40
Perbandt, Brosien (Erbarmann d.
Ordenslandes) 146
Peter (Fleischer Kneiphof) 72
Peterkau (Ort) 59, 182
Petersplatz (Kgsbg-Kneiphof) 68 f., 751*.
Pflegeamt 11 ff., 18 f., 23 ff., 30, 33,
36, 53, 119, 160, 164
Pflegcr 12 f., IS ff., 22 f., 25 ff., 46 f.,
97, 103, 111, 130 ff., 160, 163 ff., 171 f.,
178, 181, 183, 185, 188
Pflug 13, 21 f., 29, 165
Pflughafer 24 f., 33, 37 f.
— korn 24 ff., 28 f., 166
Pfundmeister 17, 96, 163, 167
— zoll 10 f., 15, 17, 55, 163
register 17, 55 ff., 170, 173
Pilgrimsdorf (Ort) 37
Plaszdorf, Rul (Erbarmann d. Ordens-
1 .mdss) 90, 102, 187
Plauen, Heinrich v. (HM) 145, 180
Reufl v. (HM) Ilf., 17, 37, 40,
59, 89 f., 97, 100, 144, 179, 182 f.,
186, 190
(Ktr) 33, 132, 134 f., 150,
188
Pobcten (Ort) 35
Polacken 121, 185
Polen 2 f., 5, 9f., 13 f., 35, 98, 108 ff.,
113 ff., 123 ff., 128, 139, 149, 160,
185 ff.
Priilaten 85, 87 f., 96 f., 147
Preufie, Hans (Stadtschulze Neidenburg)
162, 178
Prcufien, konigl. Anteils 2, 35, 39, 56 ff.,
63 f., 79, 98, 109 ff., 116 ff., 120 ff.,
138, 145 ff., 162, 170, 173, 175, 185 f.
—, Ordensland 1 ff., 9 ff., 13 ff., 20, 23,
31, 35 ff., 47 f., 50 f., 54, 56 ff., 67, 78,
80, 83, 85 f., 88 f., 91, 93 f., 96 ff.,
108 ff., 114 ff., 128 f., 133, 135 ff.,
141 ff., 146, 148 ff., 160 ff., 167 ff.,
175, 183 ff., 190
— (Ureinwohner) 132, 134
Preuflisch Eylau (Stadt) 12, 33, 107,
132, 135
— Mark (Stadt) 107, 113
Privilegien 57 f., 65, 121, 129, 135 f.,
140 ff., 147, 150, 169, 184
Prokurator 97 ff., 103, 109 ff., 116
Proposition 131 ff., 190
Rade, Jacob v. (Seerauberkapitan) ICO
Radicke (Budcher Kneiphof) 74
R.agnit (Komturssitz) 11, 96, 101, 117,
143 f., 161, 181
Rameck, Georg Ramung v. (Ktr) 13
Rastenburg (Stadt) 15, 33, 35, 40, 148
Rat (d. Stadt, d. HM) 42, 56, 60, 62,
65, 67 f., 71 f., 76 ff., 86 f., 94, 103 f.,
106 ff., 123, 126, 131, 137 f., 143,
145 ff., 151, 160, 175 ff., 182, 185
Rebentczgasse (Kgsbg-Kneiphof) 68, 75
Recht, magdeburgisches z. beiden Kunnen
141 f., 150
Reformation (d. Ordens) 128 ff., 15C
Rentkammer 14 f., 32, 162, 165
Restordensland s. Preuflen (Ordensland)
Reuschen (Ort) 120
Reuflen 161
Rewicet, Peter v. 37
Rheden (Stadt) 143
Rhein (Komturssitz) 11 ff., 20, 22, 96,
144, 160, 167, 178
Richegarb (Burger Bartenstein) 177
Richtcnberg, Heinrich v. (HM) 84, 90 ff.,
97 ff., 101 ff., 139 ff., 144 ff., 150,
178 ff., 182 ff., 187
Rimini (Ort) 10
Ringenbrost (Ort) 40
Ritter 86, 88, 145 f., 150, 169
Ritterschaft 43, 45, 85 ff., 90, 101 f.,
105, 107, 117, 120, 123, 140, 146, 150,
181, 186, 188
Roschken (Ort) 38, 168
Rossel (Stadt) 111
Rom (Stadt) 97 f., 103 f., 109 f., 116,
185
Rostock (Stadt) 176
Rudau (Ort) 35
Rudolf, Bischof v. Lavant 9
Rufidorf, Paul y. (HM) 84, 118, 145,
148
Rutlaw (Burger Bartenstein) 177
Ruthner (Burger Bartenstein) 77, 177
Ryschaw s. Roschken
Sabraw (Ort) 37
Sagan, Hz. v. 168
SagcGen (Ort) 37
Salz 29, 32, 47 f., 56 ff., 63, 162, 171,
173
Samaicen 5S, 64, 161
Samland 13, 16, 35 f., 39, 61, 88 f., 101,
106, 121, 140, 142 f., 146, 167, 169,
173, 185
Schaakcn (Ort) 35
Scharwcrk 30, 46, 50
Register
199
Schiff 55 f, 163, 165, 173 f.
Schippenbeil (Stadt) 35, 62, 92, 178, 186
Schlesien 121
Schlieben, Georg v. (Erbarmann d.
Ordenslandes) 39, 43, 90 ff, 99, 102,
104 ff., 116, 150, 1*8 f, 179 f., 187
Schmidt, Lorenz (Burger Bartenstein)
77, 177
Schoffe 67, 72, 176 f.
Schoffenbank 68, 71 f., 76, 177
Schoneichc, Hans (Bannerfiihrer d. Geb.
Osterode) 101
Scholcze (Bogncr Kneiphof) 73
Scholcze, Peter (Sdiroter Kneiphof) 73
Scholze, Hans (Burger Bartenstein)
77, 177
Schottcn 48 f., 63, 175
Schuhgasse (Kgsbg-Kneiphof) 68 f., 74 f.
Schuldbricf 19, 39, 41, 169, 187, 190
— schein s. Sdiuldbrief
— verschreibung s. Sdiuldbrief
Sdiuster 65 f., 176
Schwab, Endres (Burger Bartenstein)
78, 177
Sdiweden 55, 57
Sdiwonau (Ort) 37 f., 168
Sdiwykopes (Ort) 37
Sculteti, Michael (Kanzler) 150
Seeburg (Stadt) 115
Sieradz (Stadt) 124, 126, 188
Slizaw, Hans (Burger Kneiphof) 69
Soldau (Ort) 60, 132
Soldner 10, 13, 19, 37 f., 40 f., 45, 60,
89, 94, 102, 119, 130, 190
— fiihrer s. Soldnerhauptleute
— hauptleute 4, 39 ff., 45 f., 60, 89 ff.,
95, 97, 102, 169
— hauptmann s. Soldnerhauptleute
Spannekrebs (Burger Bartenstein) 177
Sparncdc, Titz v. (Erbarmann d.
Ordenslandes) 147, 150
Speichcrsdorf, Paul (Burger Bartenstein)
77, 177
Stadt 6, 17, 27 f., 32, 35, 40, 43, 45,
48 ff., 54 ff., 60 ff., 65 ff., 71 f., 76 ff.,
83, 85 ff., 91 ff., 98, 101 f., 107, 111,
114, 116 f., 119, 121, 123 f., 126 f., 135,
137 ff, 142 f, 145 ff, 161, 163, 165,
172 ff, 176, 181, 186
—, hintcrlandischc s. Landstadte
— armut 68, 71 f, 77, 83
Stiinde (Gesamtpreuflen) 3f, 9, 116,
120, 137, 145, 185
— (Ordensland) 1, 5 f, 16 f, 19, 34,
39 f, 40, 43 ff, 51, 62, 65, 67, 83 ff.
87ff, 102ff, 107f, lllff, 129ff,
134, 137 ff, 145 ff, 162 f, 170, 175,
179 f, 184 ff.
— (Preufien konigl. Anteils) 39, 64,
108 f, lllff, 116 f, 120 ff, 138, 146f.
Scand 33, 46, 83, 129, 133, 135 f, 170 f.
Status s. Stiinde
Statuten 34, 97, 131 ff, 149, 150
Stauchwitz, Hans (DO) 30
—, Konrad (DO) 30 f.
Stenzel (Muller Kneiphof) 72
Steuerbewilligung 87, 94 f, 99, 162, 178
— ertrag (einnahmen) 16 f, 20, 68, 71,
79, 95, 163
— fordcrung 84, 88 f, 92, 95, 162
— leistung 35 f, 42, 47, 77
Steuern 15 f, 19, 36, 55, 6P: 76, 84,
89 ff, 93 ff, 99, 102 f, 139, 145, 148,
162 f, 173, 178 ff.
Steucrsatze 15 ff, 55, 61 f, 71, 76, 80,
162, 177 f.
— verhandlungen 69, 71, 78, 86, 88,
91 ff, 178 f.
— verwendung 91, 105, 107, 114
Stralsund (Stadt) 176
Strafiburg (Stadt) 121, 188
Sudauen (Landesteil d. Ordenslandes)
36
Siingen, Johann v. (Ktr) 101
Swene s. Sdiwonau
Synncn (Eisenwerk) 166
Tagfahrt 39, 42 ff, 51, 58 ff, 67, 78,
83 ff, 91 ff, 96, 98 ff, 103, 105, 109,
111 f., 115 ff, 131, 133, 137f, 141 ff,
146 ff, 162, 168, 174 f, 178 ff, 184 ff,
190, 191
Tannenbcrg (Ort) 2
Tapiau (Stadt) 103, 106, 146, 170
Taplaken (Ort) 53, 172
Tettau, Anselm u. Hans (Soldner¬
hauptleute) 168 f.
Teuernitz (Ort) 20 f.
Thomas (Fuhrmann Kneiphof) 73
Thorn (Stadt) 6, 9 f, 101, 143, 148, 186
Thorner Frieden 1 f, 9ff, 13, 31, 41,
59, 62, 85, 101, 110, 114 ff, 119 f,
122 ff, 130, 148 f, 159, 169, 175, 181
Thiingen, Nikolaus v. (Bischof v.
Ermland) 43 f, 98, 108 ff.. 119, 121,
123 ff, 147, 178 f, 182 f, 185
Thungen, Hans v. (Pfund- u. Rent-
meister) 96, 167, 180
Thyme, Andres (Burger Bartenstein) 177
200
Register
Tief (v. Saiga) 16, 55 f., 95, 138
Tiefen, Hans v. (HM) 49, 76, 85, 95,
111, 118, 121, 128, 131, 133, 135 ff.,
140, 143, 147, 149, 151, 164, 178, 180,
185, 191
Trager 73 f.
Trautlauken (Ort) 40
Truchsefi v. Wetzhausen, Georg (Vogt)
188
1 Martin (HM) llff., 19, 31,
44, 84 ff., 89, 93 ff., 97, 100, 110, 112,
115, 118 ff., 123 ff., 128, 130 f., 135,
139 f., 144, 147 f., 151, 160, 174 f., 180,
183 ff.
Tiirken 29, 33, 95, 125, 136, 148 f., 190
Uderwangen (Ort) 24 f., 165
Ungam 109, 116, 119, 121, 123 ff.,
183, 185
Untersassen s. Untertanen
Untertancn 10, 14, 20, 22, 24, 26, 35,
39, 41, 43, 45, 50, 61, 84, 101, 104,
109 f., 122, 132 ff., 141, H6, 149, 170
Urban (Trager Kneiphof) 73 f.
Verfassung 4 ff., 88, 128
Verkehrssperre 109, 113 f., 116, 182, 184
Verleihung 39 ff., 46, 165, 169
Vermogenskonzentration 69, 77, 79
— steuer 17, 69, 71, 77, 177
— verteilung 67 ff., 74, 77, 176 f.
Verpfandung 19, 37 ff., 41, 165, 169,
187, 190
Verschreibung 33, 39 ff., 59, 85, 94, 143
Verwaltung llff., 31, 160
Viehbestand 20 ff., 42, 61, 166
Vogt 15, 19, 130 ff., 155
—, Albrecht (Soldner) 40
Vorsdiofi 61, 68 f., 71, 73, 76 f., 177
— ertrag 71, 80
— satz 69, 71, 76
Vorstadt, Bartenstein 76, 78
—, Kgsbg-Kneiphof 68, 75
Vorwerk 20 ff., 25, 30, 32, 52, 164
Vorwerksgrofie 21, 42, 164, 166
Wachs 25, 29 f., 32, 66, 162, 166, 174
Waffenstillstand 121, 184 ff.
Wahl (Kore, d. HM) 2, 5, 121, 133, 143,
179 f., 184 f.
Waldau (Ort) 35
Waren 28, 36, 48, 56 f., 63, 130, 163,
173, 175, 178
Wassergasse (Kgsbg-Kneiphof) 68, 74 f.
Watzenrode, Lukas (Bischof v. Ermland)
147
Wehlau (Ort) 35
Weizen 23, 26, 29, 32, 37 f., 40, 56
Werder (Geb. i. Westpreufien) 170
Westpreufien s. Preufien konigl. Anteils
Wildenberg (Ort) 23, 28, i65 f., 171
Wildenburg s. Wildenberg
Wildnis 18, 40, 171
Wilke (Erbarmann d. Ordenslandes)
190
Willenberg s. Wildenbefg
Willendorf 26
Willkur 62, 66, 176
Wirt 25,62
Wirtschaft, wirtschaftlich s. okonomisch
Wismar (Stadt) 176
Wladislaw (Konig y. Bohmen)
109, 121, 125
Wohnsdorf (Ort) 168
Wolle 21 f., 63 f., 164, 174
Worien (Ort) 33, 135
Wugram (Vorwerk) 22
Zeise 10, 15 ff., 19, 35, 59, 61, 71, 78,
86, 88 ff., 95 f., 162 f., 165, 167, 173,
175
— ertrag (-einnahmen, -aufkommen)
17, 35, 54 f., 61, 163
— satz s. Steuersatz
Zins 10, 24 f., 28, 32 f., 36 f., 45, 60,
161, 163, 165 f., 168
— buch 24 f., 165, 168
— ertrag (-einkommen, -einkiinfte)
15, 20, 24 ff., 31, 36 ff., 40, 42, 165, 168
— hufen 24 f., 36 ff., 40
— leistung 19, 28 f., 40
— register 24 f., 36, 38, 165
— zahlung 33, 38, 62, 106
Zinten (Stadt) 35, 40
Zoll (-einnahmen) 10, 15, 19 f, 59, 62,
64, 173
Zuiderseeische 63