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                    Berichte des Bundesinstituts
für ostwissenschaftliche
und internationale Studien
Sowjetische Standpunkte zu einer
künftigen Gestaltung europäischer Sicherheit
Jobst Echterling

60-1990


I Die Meinungen, die in den vom BUNDESINSTITUT FÜR OSTWISSENSCHAFTLICHE UND INTERNATIONALE STUDIEN herausgegebenen Veröffentlichungen geäußert werden, geben ausschließlich die Auffassung der Autoren wieder. © 1990 by Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Köln Abdruck und sonstige publizistische Nutzung - auch auszugsweise nur mit vorheriger Zustimmung des Bundesinstituts sowie mit Angabe des Verfassers und der Quelle gestattet. Bundcsinslilut für ostwissenschaftliche und internationale Studien Lindenbornstraße 22, D-5000 Köln 30, Telefon 0221/5747-0
INHALT Seite Kurzfassung 1 Einleitung 7 Exkurs s Kollektive Sicherheit - grundsätzliche Überlegungen und frühere sowjetische Positionen 12 Das MeinungsSpektrum in der heutigen UdSSR 16 Das Verhältnis der Sowjetunion zu den USA und das sowjetische Selbstverständnis als Weltmacht 18 Das geeinte Deutschland und das künftige System europäischer Siucherheit 20 Die Rolle der NATO im künftigen System europäischer Sicherheit 24 Die Rolle der USA im künftigen System europäischer Sicherheit 27 Die Rolle der ostmitteleuropäischen Staaten im künftigen System europäischer Sicherheit 29 Die Rolle der westeuropäischen Integration im künftigen System europäischer Sicherheit . . 32 Die Rolle des institutionalisierten KSZE-Prozesses im künftigen System europäischer Sicherheit 34 Sowjetische Vorstellungen zur militärischen Ausgestaltung künftiger europäischer Sicherheit 36 Zusammenfassung und Ausblick 38 Anmerkungen 41 Summary 49 September 1990

Jobst Echterling Sowjetische Standpunkte zu einer künftigen Gestaltung europäischer Sicherheit Bericht des BlOst Nr. 60/1990 Kurzfassung Vorbemerkung Die vorliegende Studie stellt die Frage, welche unterschiedlichen Standpunkte heute in der UdSSR zur Gestaltung europäischer Sicherheit im ungefähren Zeitraum 1995-2000 erkennbar sind. Bei der Beantwortung dieser Frage sind folgende Hintergrundfaktoren von wesentlicher Bedeutung: 1. In Erkenntnis, daß ihre bisherige Politik unter sicherheitsund wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten kontraproduktiv war, ist die UdSSR heute auf dem Weg von totalitärer Militärpolitik zu einer Sicherheitspolitik im westlichen Sinn. 2. Die Voraussetzungen sowjetischer Europapolitik unterliegen einem fundamentalen Wandel. Ursachen hierfür sind die revolutionären Veränderungen in Ostmitteleuropa, in Deutschland und in der innersowjetischen Situation. 3. Antworten auf die der Studie zugrundeliegende Frage sind mit einem großen Maß an Unsicherheit behaftet. Diese sind darin begründet, daß - sich die UdSSR in einem chaotisch-verlaufenden Umbruch befindet, - die UdSSR nicht über ein gültiges Konzept nationaler Sicherheit verfügt, - die UdSSR ein völlig neues Bild der Meinungs- und Parteienvielfalt bietet, - in der UdSSR Begriffe mit unterschiedlichsten wie wechselnden Inhalten belegt werden, und daß - kurz-, mittel- und langfristige Ziele und Konzeptionen kaum zu unterscheiden sind. 4. Bis vor kurzem ließ sich das Meinungsspektrum in der UdSSR noch in folgende relativ homogen erscheinende Gruppen einteilen: - zivile Wissenschaftler als Vordenker,
- 2- die politische Führung, welche davon einiges übernahm und - die militärische Führung, welche mehr oder weniger überzeugt der politischen Führung - zumindest formal - folgte. Heute sind in allen Bereichen reaktionär-konservative Kräfte, Reformer und Radikalreformer deutlich erkennbar. Deren Zusammensetzung wechselt nach Zeit und Inhalt. Ihr jeweiliges Gewicht in den verschiedenen Bereichen ist unterschiedlich. Die Studie geht von der Annahme aus, daß es folgende Grundoptionen künftiger europäischer Sicherheit gibt: - ein Weiterbestehen der Konfrontation, - ein System kollektiver Sicherheit, - ein auf westlichen Integrationsvorstellungen und -erfahrungen aufbauendes System und - ein sich mehr zufällig ergebendes, wenig strukturiertes System von Nationalstaaten. Das Ergebnis läßt sich wie folgt zusammenfassen: 1. Der politischen Führung der UdSSR kommt es, soweit die übergreifend wesentlichen Fragen des Verhältnisses zu den USA und der eigenen Weltmachtkontrolle betroffen sind, darauf an, das Verhältnis zu den USA so entspannt aber auch gleichrangig vor allem auf nuklearstrategischem Gebiet - zu gestalten, daß die Voraussetzungen für eine positive Entwicklung der Beziehungen zu den europäischen Staaten und vor allem zu Deutschland gegeben sind. Für die sowjetische Wissenschaft treten Weltmachtüberlegungen mehr in den Hintergrund. Sie stellt oft die Frage nach den wahren sowjetischen Sicherheitsinteressen. Die Militärs scheinen sich nur schwer von den überkommenen Vorstellungen auf diesen Gebieten lösen zu können. 2. Die Standpunkte von Radikalreformern und Reformern in Fragen der Europapolitik unterscheiden sich meist nicht grundsätzlich. Differenzen sind vor allem aus dem Zwang zur politischen Durchsetzung bei letzteren erklärbar. Konservativ-reaktionäre Kräfte sind in Äußerungen zum Thema meist zurückhaltend. Soweit erkennbar, lassen sich kaum andere Alternativen als ein Zurück zur alten Ordnung ahnen. 3. Deutschland wird in großen Teilen der UdSSR immer noch vor allem als der mitteleuropäische Kernraum gesehen, von dem allein aus eine ernsthafte militärische Gefährdung der Sowjetunion mit nichtnuklearen Mitteln möglich ist. Sicherheit ist für die UdSSR deshalb wohl immer Sicherheit vor oder mit
- 3 Deutschland. Die politische Führung der UdSSR hat inzwischen erkannt, daß das Blockmodell der Sicherheit gescheitert ist, daß ein kollektives Sicherheitssystem z.Z. keine Realisierungschancen hat, daß Entscheidungen zu Deutschland künftige Sicherheitsstrukturen determinieren und daß die UdSSR Deutschlands zur wirtschaftlichen Gesundung bedarf. In dieser Erkenntnis hat sie sich durch ihre Entscheidungen zur Zukunft Deutschlands vom Juli 1990 und im Bewußtsein ihrer realpolitischen Möglichkeiten - zumindest für eine mittlere Frist - wohl auf eine europäische Sicherheitsordnung auf der Grundlage des westlichen Konzepts politisch-militärischer Integration eingelassen. Während die Masse der Wissenschaftler, welche den Radikalreformern zuneigt, diese Entwicklung schon früh vorhergesehen, ihre Vorteile erkannt und sie unterstützt hatte und sie auch durch führende Militärs akzeptiert wird, lehnen sie die konservativ-reaktionären Kräfte ab. 4. Stellungnahmen zur Zukunft der Bündnisse machen deutlich, daß die politische Führung deren langfristig prägende Rolle für das künftige Europa erkannt und - wenn auch wohl widerwillig - akzeptiert hat. Man ist sich dabei wohl klar, daß es hierbei de facto um die Elemente NATO und UdSSR (und nicht WP) gehen wird. Aussagen zum Warschauer Pakt gleichen Rückzugsgefechten zur Gesichtswahrung. Das Ideal der Ablösung von Bündnisstrukturen durch ein nicht näher ausgeführtes System kollektiver Sicherheit ist jedoch, wenn auch unterschiedlich intensiv, bei fast allen Vertretern der UdSSR erkennbar. Allein einige Radikalreformer scheinen deutlich ein auf NATO aufbauendes System zu wollen. 5. Fast alle sowjetischen Standpunkte beinhalten die Forderung oder zumindest die Akzeptanz einer mittelfristigen Beteiligung der USA an europäischen Sicherheitsstrukturen. Die zeitliche Begrenzung dieser Beteiligung wie ihre Beschränkung auf den nichtmilitärischen Bereich wird jedoch sehr oft deutlich gemacht. Am stärksten ist dies bei den Militärs, weniger deutlich bei den Reformpolitikern und am geringsten bei den radikalreformerischen Wissenschaftlern der Fall. Einige der letzteren lassen sogar die Forderung nach dauerhafter und militärischer Präsenz der USA in Europa erkennen. 6 . Die sowjetischen Standpunkte zur Rolle der ostmitteleuropäischen Staaten im künftigen System europäischer Sicherheit sind durch ein großes Maß an Unsicherheit und Konzeptionslosigkeit geprägt. Klar ist man sich nur über die Gefahr von Instabilitäten in den wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und demokratischen Entwicklungen dieser Staaten, denen man begegnen will. Darüberhinaus sieht man in diesen Staaten vor allem den Wirtschaftspartner, der ähnliche Probleme wie man selber hat. Der oft recht unreflektierte Hinweis auf die sowjetisch-finnischen Beziehungen als Vorbild scheint einer soliden Grundlage zu entbehren.
_ 4 7. Die sowjetischen Vorstellungen zur westeuropäischen Integration sind vor allem durch die Erkenntnis ihrer Unvermeidlichkeit und von der Angst gekennzeichnet, durch sie von Europa isoliert zu werden. Bei der politischen Führung sind aber Anzeichen zu erahnen, daß die Überwindung der EG als langfristiges Ziel nicht aufgegeben wurde. Radikalreformerische Kräfte betonen mehr das positive, friedenserhaltende Potential dieser Integration und setzen ihre Hoffnung in sie. Während man insgesamt in diesen Integrationsprozeß große Hoffnungen in bezug auf die wirtschaftliche Gesundung der UdSSR setzt, werden die mit ihm verbundenen Probleme wie z.B. Souveränitätsverlust nicht angesprochen. 8. Die sowjetischen Gedanken zum KSZE-Prozeß und seiner Institutionalisierung wandeln sich bzw. haben sich gewandelt von seiner Interpretation als Mittel der Politik der Friedlichen Koexistenz über seine Sicht als Form eines Systems kollektiver Sicherheit hin zur Vorstellung, daß er sich zu einem, andere Institutionen komplementierenden Element entwickeln soll. Diese Elemente sollen offensichtlich sowohl inhaltlich wie regional strukturiert werden. Ob der Gedanke der kollektiven Sicherheit damit auch langfristig aufgegeben wurde, scheint zumindest für die politische und militärische Führung zweifelhaft. Die Vorstellungen zur militärischen Dimension eines institutionalisierten KSZE-Prozesses sind noch wenig entwickelt, lassen aber eine Deutung als kollektives Sicherheitssystem ahnen. Die Grenzen, welche im KSZE-Ansatz liegen, werden nur von Wissenschaftlern angesprochen. Allerdings scheint auch ihnen eine klare, langfristige Vorstellung über die Umsetzung von erkennbaren Ansätzen zu fehlen. 9. Zur Frage der sowjetischen Vorstellungen über die militärische Ausgestaltung künftiger europäischer Sicherheit fällt einerseits auf, daß die Diskussion sich hier fast ausschließlich auf die Frage der sowjetischen Sicherheit beschränkt. Europäische Ansätze sind kaum erkennbar. Andererseits wird deutlich, daß die verschiedenen politischen Vorstellungen zur europäischen Sicherheit noch nicht erkennbar in militärische Vorstellungen umgesetzt werden. Die militärischen Vorstellungen sind gedanklich immer noch von der Blockstruktur - auch wenn diese aus NATO auf der einen und der UdSSR auf der anderen Seite bestehen wird - geprägt. Dabei hat man sich jedoch in unterschiedlicher Deutlichkeit den bisherigen NATO-Positionen angepaßt. Die Tatsache, daß auch diese aufgrund geänderter politischer Voraussetzungen ihrer Grundlage beraubt wurden, wird in der Diskussion bisher nicht deutlich. 10. Die behandelten Einzelfragen zur künftigen Gestaltung europäischer Sicherheit kurz zusammenfassend werden idealtypisch drei Grandpositionen deutlich:
- 5 - Erstens die Gruppe derjenigen, welche einen grundlegenden Wandel der alten Sicherheitsvorstellungen nicht akzeptieren und damit gewollt oder ungewollt die Erhaltung bzw. das Wiedererstarken konfrontativer Strukturen fördern, - zweitens die Gruppe derjenigen, welche den Übergang zu westlichem Sicherheitsdenken aus pragmatischen, vor allem innenpolitischen Motiven akzeptieren und - drittens die Gruppe derjenigen, welche den Wert dieses Sicherheitsdenkens an sich erkannt hat. Ein Mindestmaß an Kontinuität der Entwicklung in der UdSSR vorausgesetzt, wird die erste Gruppe langfristig wohl an Gewicht verlieren. Mittelfristig sollte sie aber nicht unterschätzt werden.

Einleitung Die sowjetische Außen- und Sicherheitspolitik hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Ziel der vorliegenden Studie ist es aufzuzeigen, welche verschiedenen Standpunkte in der UdSSR zur Gestaltung künftiger europäischer Sicherheit heute erkennbar sind und welche Entwicklungslinien sich aus der Vergangenheit über die Gegenwart hinaus in diese Zukunft (Zeitraum ca. 1995-2000) ziehen lassen.1 Wichtigster Anlaß für die Veränderung der sowjetischen Außenund Sicherheitspolitik war sicherlich die Erkenntnis, daß es der UdSSR nur so gelingen konnte, ihren Weltmachtsstatus auf andere als militärische Macht zu gründen, und daß nur so einer Gefährdung der wirtschaftichen und gesellschaftlichen Grundlage des diesen Status z. Z, begründenden Militärpotentials in Zukunft begegnet werden konnte. Diese Gefährdung hatte vor allem zwei Ursachen: Einerseits das im Vergleich zum Westen weit weniger leistungsfähige Wirtschaftssystem, mit langfristig daraus resultierenden geringeren Rüstungsmöglichkeiten quantitativer wie - besonders kritisch im Bereich der Informationstechnologie - qualitativer Art; andererseits eine Außen- und Sicherheitspolitik, welche militärische Überlegenheit über jede eventuelle Koalition möglicher Gegner anstrebte, was zur Konfrontation mit fast allen Staaten der Welt führte. Dies war eine Politik, die inzwischen durch die UdSSR als wirtschafts- wie sicherheitspolitisch kontraproduktiv erkannt wurde. Die Erkenntnis, daß die Welt vor globalen Problemen steht, welche nicht in einer Atmosphäre der ideologischen Konfrontation, sondern nur kooperativ gelöst werden können, und das Bewußtsein, daß nuklearer wie umfassender konventioneller Krieg aufgrund der von ihm ausgehenden Gefahr für den Fortbestand der
- 8 Menschheit nicht mehr Mittel der Politik oder des Klassenkampfes sein darf, haben sicherlich zum Wandel der sowjetischen Politik beigetragen. Aus der beschriebenen Situation zog die politische Führung der UdSSR die Folgerung, daß sie ihre Außen- und Sicherheitspolitik zu 'entideologisieren' und 'ökonomisieren' habe und daß Kriegsverhinderung vorrangiges sicherheitspolitisches Ziel sein müsse. Rückkehr nach Europa, Integration der eigenen Wirtschaft in die Weltwirtschaft, Kooperation mit dem Westen auf kulturellem, humanitärem, wirtschaftlichem und ökologischem Gebiet sind die jetzt gültigen Stichworte. Unter dem Begriff 'Allumfassende Sicherheit' wird nun einerseits die Abkehr weg von allein auf militärische Potentiale und Optionen gestützte Vorstellungen (Militärpolitik) und statt dessen die Übernahme westlichen Sicherheitsdenkens, welches Sicherheit auch politisch, wirtschaftlich und ökologisch definiert, verstanden; andererseits werden Sicherheitsüberlegungen nicht mehr ausschließlich auf den eigenen Staat (bzw. die Staaten der eigenen Gesellschaftsordnung) bezogen, sondern auch Vorstellungen und Ansprüche anderer Staaten als berechtigte Tatbestände in das Denken einbezogen. Dieser neue sowjetische Politikansatz hat naturgemäß auch entscheidende Bedeutung für sowjetische Standpunkte zur künftigen Gestaltung europäischer Sicherheit. Darüberhinaus haben die seit Herbst 1989 stattfindenden revolutionären Veränderungen in Ostmitteleuropa, in der Deutschlandfrage und in der innersowjetischen Situation - letztere besonders auch in der Frage der Rechtsstaatskontrolle von und der Beteiligung der Öffentlichkeit bei sicherheitspolitischen Entscheidungen - die Voraussetzungen sowjetischen Sicherheitsdenkens fundamental verändert. Die Studie geht in Anlehnung an eine These Gerhard Wettigs^ davon aus, daß die Entwicklung der künftigen sicherheitspolitischen Landschaft Europas einer der folgenden Grundlinien folgen könnte:
_ 9_ - der Fortsetzung des Neben- und Gegeneinanders zweier unterschiedlicher Sicherheitssysteme, welche beispielsweise aus einer veränderten NATO und einem dann wohl hauptsächlich aus Teilen der jetzigen UdSSR gebildeten Bündnisses bestehen könnten; - der Schaffung eines einheitlichen, gesamteuropäischen Sicherheitssystems, welches, soweit erkennbar, auf ein System kollektiver Sicherheit hinausliefe (zu den Grundsätzen kollektiver Sicherheit und den bisherigen sowjetischen Vorstellungen dazu siehe Exkurs); - der Schaffung einer Sicherheitsordnung, welche das westliche Konzept der politisch-militärischen Integration als Grundlage hat; - der sich mehr zufällig ergebenden und wohl kaum durch jemanden angestrebten Entstehung einer wenig strukturierten Ansammlung von Nationalstaaten, welche, in einer an die Zwischenkriegszeit erinnernden Weise, Sicherheitspolitik betreiben. Anhand der unterschiedlichen Standpunkte zu Kernaspekten europäischer Sicherheit wird in der Studie, vor dem Hintergrund der jeweiligen sowjetischen Vorstellungen zur Weltmachtrolle der UdSSR, zu klären versucht, welcher Grundlinie einzelne sowjetische Gruppen zuneigen und wie diese im einzelnen ausgestaltet werden soll. Abschließend wird kurz auf die mit den Vorstellungen zur militärischen Ausgestaltung künftiger europäischer Sicherheit verbundenen Probleme eingegangen. Aussagen zu den genannten Fragen sind allerdings mit einem großen Maß an Unsicherheit behaftet. Diese Unsicherheit bezieht sich einerseits auf die Richtigkeit einer Antwort und anderer-
- 10 seits auf die Möglichkeit, aus dieser Antwort Folgerungen für mögliche künftige Politik in der UdSSR zu ziehen. Die Unsicherheit ist gegeben, - weil sich die UdSSR in einem chaotisch verlaufenden inneren Umbruch befindet, dessen Ausgang nicht abzuschätzen ist, und sich folglich auch die Rahmenbedingungen sicherheitspolitischer Vorstellungen sowie diese Vorstellungen selbst in einem Wandlungsprozeß befinden; (Der Ausgang dieses Umbruchs wird so lange offen bleiben, bis sich greifbare Ergebnisse in der Frage der Wirtschaftsordnung - Marktwirtschaft ja oder nein -, der Beziehungen der Union zu den Republiken - Föderation, Konföderation oder Staatenbund - sowie ihres jeweiligen Gewichts abzeichnen. Die Frage zu Rolle und Gewicht der Republiken wird außerdem von dem noch nicht abzusehenden künftigen Gewicht islamisch-fundamentalistischer Vorstellungen in der UdSSR beeinflußt.) - weil die UdSSR zwar ihr ideologisch geprägtes Sicherheitskonzept aufgegeben hat, neue nationale Sicherheitskonzepte aber noch nicht entwickelt wurden und aufgrund der inneren Probleme - auch weil deren Lösung die sowjetischen Kapazitäten zur Erarbeitung neuer Politikkonzepte im wesentlichen zu absorbieren scheinen - z. Z. wohl nur wenig konkret entwickelt werden können; - weil in bisher ungeahnter Vielfalt Meinungen aus den Bereichen Politik, Öffentlichkeit, Militär und Wissenschaft vorliegen, für deren Einordnung und Bewertung Erfahrungen fehlen; (So sind z.B. zur Zeit Parteien im Entstehen begriffen, deren künftiges Gewicht auf Unions- wie Republikebene oft ebensowenig abzuschätzen ist wie die von ihnen vertretenen außenpolitischen Positionen.)
- 11 • - weil in der UdSSR die Neigung zu bestehen scheint, angesichts oft fehlender umfassender Konzepte, Worthülsen mit wechselnden, oft widersprüchlichen Inhalten zu füllen bzw. unreflektiert zu übernehmen (z.B. "Gemeinsames Europäisches Haus", "Vernünftige Hinlänglichkeit"); - weil es kaum möglich ist, zwischen taktisch konzipierten Aussagen und langfristigen operativ-strategischen Standpunkten zu unterscheiden, was exemplarisch an der Überraschung der meisten westlichen Beobachter über das Ergebnis des Gorbatschow-Kohl-Treffens Mitte Juli 1990 zur Deutschlandfrage deutlich wurde. Trotz der Vielzahl und des großen Gewichts der aufgezeigten Unsicherheiten scheint es zweckmäßig, sich schon heute mit den verschiedenen europapolitischen Standpunkten in der Sowjetunion zu beschäftigen. Zum einen werden laufend durch die Vertreter einiger dieser Standpunkte außenpolitische Fakten geschaffen, welche jedes künftige Handeln der UdSSR oder ihrer Nachfolger wesentlich mitbestimmen werden. Zum anderen ist Außen- und Sicherheitspolitik seit jeher ein Feld der politischen Eliten. Es scheint unwahrscheinlich, daß diese in absehbarer Zeit völlig ausgewechselt werden können. Zum Dritten ist zu vermuten, daß der Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik vergleichsweise lange und intensiv durch die Union und ggf. auch durch die RSFSR wesentlich bestimmt werden wird. Für beide Bereiche scheinen die Positionen in den betrachteten Fragen relativ deutlich zu sein.
- 12 Exkurs: Kollektive Sicherheit - grundsätzliche Überlegungen und frühere sowjetische Positionen Die Schaffung eines regionalen wie weltweiten Systems kollektiver Sicherheit (SKS) wurde und wird in der UdSSR immer wieder als Ziel formuliert. Ein solches System regelt nach westlicher Auffassung "wie ein Angreifer, der, gleich ob von außen oder innen, das Gebiet oder die politische Unabhängigkeit eines Mitglieds gewaltsam verletzt, unverzüglich mit der überlegenen Militär- und Wirtschaftsmacht der Mehrzahl der friedliebenden Mitglieder bestraft wird".-* Die Bestrafungsankündigung soll dabei schon vor Konfliktbeginn abhaltend auf mögliche Angreifer wirken. Die Abgrenzung des SKS zum System gemeinsamer Sicherheit wie zum System kollektiver Selbstverteidigung wird durch die Beantwortung der Fragen "Wann wirkt das System?" (Zeit) und "Wohin wirkt das System?" (Richtung) deutlich. Zeit/ Ri c h t w u j ^ - ^ nur vorbeugend/ im Frieden auch und aktiv im Konflikt-/Kriegsfall vorrangig in das System hinein System gemeinsamer Sicherheit System kollektiver Sicherheit (SKS) vorrangig nach außen System kollektiver Selbstverteidigung Während das System kollektiver Selbstverteidigung sich durch seine vorrangig nach außen gerichtete Wirkung vom SKS unterscheidet, ist gemeinsame Sicherheit als ein System gedacht, in dem "die gemeinsame Abwehr gegen einen Angreifer bzw. der (automatische) Beistand gegenüber dem Angegriffenen im Kriegsfall...
- 13 noch nicht vorgesehen" ist.4 Während das erste als nicht mit dem SKS vereinbar beurteilt wird, sieht man das zweite als einen Schritt auf dem Weg zu einem SKS. Der Begriff "gemeinsame Sicherheit" wird allerdings auch oft in sehr wenig abgrenzender Weise als Ausdruck des Willens, auch die Sicherheitsvorstellungen des Gegenübers zu berücksichtigen und Sicherheit zusammen wie auch immer - zu gewährleisten, genutzt. Folgende Eigenschaften können nach westlicher Auffassung darüber hinaus als charakteristisch für ein SKS gelten: - Es erfordert ein supranationales Steuerungsorgan und damit auch die Bereitschaft der Mitglieder zu substantiellem Souveränitätsverzicht. Dieses setzt voraus, daß sie die Konformität mit dem System über andere (auch ideologische) Interessen stellen. * - Das Streben nach Neutralität und nach einer kollektiven Selbstverteidigungsallianz widerspricht dem Geist eines SKS. - Der Gedanke, durch Bereitschaft zum "Krieg für den Frieden" von Aggressionen abzuhalten, muß durch die Mitglieder akzeptiert werden. - Das SKS erfordert ein gewisses Maß an interner Kräftebalance, welches sicherstellt, daß kein Mitglied militärisch oder wirtschaftlich so stark ist, daß es nicht mehr mit kollektiven Mitteln der übrigen Mitglieder von einer Aggression abgehalten werden kann. - Ein SKS ist tendenziell status quo orientiert und unter sich wandelnden Verhältnissen leicht instabil.5
t - 14 Die UdSSR stand dem Gedanken kollektiver Sicherheit bis 1933 reserviert bis ablehnend gegenüber. Bis 1938 trat sie dann zwar aktiv für dieses Prinzip ein, verstand es aber als mit der friedlichen Koexistenz identisches Mittel, die Sicherheit der UdSSR zu gewährleisten. Sie wollte nicht auf die Besonderheiten des Trägers eines neuen sozialökonomischen Gesellschaftssystems verzichten. Leitgedanke war der Aufbau eines kollektiven Verteidigungssvstems zur Eindämmung Deutschlands.° Während und kurz nach dem zweiten Weltkrieg war weiter die Eindämmung Deutschlands zentrales Ziel sowjetischen Handelns. Bei Bildung der Vereinten Nationen sorgte die UdSSR mit dafür, daß diese nicht zu einem SKS wurden, indem sie durch Kapitel VIII und XVII der UN-Charta sicherstellte, daß kollektive Maßnahmen gegen sie und ihre Machtsphäre ausgeschlossen wurden, einseitige Maßnahmen gegen Deutschland aber nicht verhindert werden konnten.^ Die Mitte und Ende der 50er Jahre erneut gemachten sowjetischen Vorschläge zu einem europäischen System kollektiver Sicherheit hatten in erster Linie das Ziel, den Status quo vor allem in Gestalt der Nichtbewaffnung Deutschlands und der deutschen wie damit auch der europäischen Teilung festzuschreiben. Kennzeichnend für die damaligen sowjetischen Vorschläge waren die Forderung nach - Fortbestehen der Viermächtekontrolle über Deutschland - zeitlichem und inhaltlichem Vorrang des europäischen SKS vor der deutschen Einheit.8 Die UdSSR nahm ihre Bestrebungen, den vor allem territorialen Status quo festzuschreiben und die wirtschaftlich-technische Zusammenarbeit mit dem Westen zu verbessern, ohne sich jedoch in die Weltwirtschaft integrieren zu wollen, im Jahr 1966 verstärkt wieder auf. In einer Entwicklungslinie, welche sich vom V
- 15 23. Parteitag der KPdSU (März 1966) über die Bukarester Erklärung des Warschauer Paktes (Juli 1966) bis zu KSZE ziehen läßt, spielt der Aspekt eines kollektiven Sicherheitssystems jedoch nur zu Anfang eine nennenswerte Rolle. Später wurde der Begriff weitgehend vermieden bzw. genutzt, um das Ziel damaliger Entspannungspolitik zu beschreiben: Friedliche Koexistenz.* Zusammenfassend lassen sich für die Zeit vor dem Wandel der sowjetischen Außen- und Sicherheitspolitik zu den Vorstellungen von kollektiver Sicherheit zwei wesentliche Tatbestände feststellen: Erstens wurde das SKS immer eng mit der Vorstellung von friedlicher Koexistenz verbunden, war nahezu mit ihr identisch. Es war damit taktisches Instrument auf einem ideologisch vorbestimmten Weg, nicht jedoch ein auf Dauer anzustrebendes Ziel, als welches es im Westen verstanden wird. Zweitens war ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen in West und Ost zugrundeliegenden Annahmen eines SKS erkennbar. Während westliche Vorstellungen davon ausgehen, daß theoretisch jedes Mitglied eines SKS ein potentieller Aggressor ist und daß daraus auch Folgerungen für den Aufbau des Systems zu ziehen sind (z.B. bezüglich der Stärke der einzelnen Mitglieder), war in den östlichen Vorstellungen der Aggressor ideologisch vorherbestimmt: Es konnte sich in keinem Fall um einen sozialistischen Staat handeln. Die geringe Betonung des Unterschiedes zwischen kollektiver Sicherheit und kollektiver Selbstverteidigung (Gegner vorrangig im System, aber nicht definiert bzw. Gegner vorrangig außerhalb des Systems und zumindest grob definiert) im sowjetischen Denken und die seit 1934 durchgängig erkennbare Tendenz, von kollektiver Sicherheit zu reden und kollektive Selbstverteidigung zu meinen, hat vermutlich auch hier ihren Ursprung.
- 16 Das Meinungsspektrum in der heutigen UdSSR Sehr viel deutlicher als in der Vergangenheit sind in der heutigen UdSSR bei verschiedenen politikwirksamen Gruppen unterschiedliche Auffassungen zu politischen Fragen erkennbar. Im Westen wurde dabei bis vor kurzem folgendes Muster erkannt: Zivile Analytiker verschiedener Institutionen entwickelten sehr frühzeitig neue Vorstellungen zu allen Fragen des politischen Lebens, besonders der Außen- und Sicherheitspolitik, Militärdoktrin und -Strategie, und diskutierten diese kontrovers auch in der Öffentlichkeit. Die politische Führung um Gorbatschow und Schewardnadse griff Anregungen aus diesem Bereich, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung, auf. Das Monopol der Militärs und besonders des Generalstabs in Fragen z.B. der Militärdoktrin war somit aufgehoben, was dazu führte, daß auch dessen führende Vertreter vermehrt in den öffentlichen Disput mit Wissenschaftlern eingriffen bzw. eingreifen ließen. Dabei war erkennbar, daß sie oft der Entwicklung hinterherliefen und sich - mehr oder weniger überzeugt - den neuen politischen Realitäten anpassen mußten. Die drei aufgezeigten Gruppen sind heute jedoch keineswegs mehr so einheitlich wie noch Mitte 1989. In allen sind Radikalreformer (Ziel: Systemwechsel), Reformer (Ziel: grundlegender Systemwandel,) und Konservative (Ziel: kein grundlegender Systemwandel) erkennbar. Das fällt besonders bei den Militärs auf, wo neben der genannten militärischen Führung sowohl Radikalreformer wie auch sehr konservative bis reaktionäre Strömungen erkennbar sind. Aber auch bei den 'Institutniki' werden sowohl Gorbatschowanhänger wie vermehrt Vordenker für radikalreformistische Kräfte deutlich. (Bogomolow und sein Institut scheinen beispielsweise jetzt vorrangig für Boris Jelzin zu arbeiten.)
- 17 Eine solche Einteilung in die Kategorien der Politiker, Wissenschaftler und Militärs einerseits und Radikalreformer, Reformer und Konservative andererseits darf jedoch nicht dazu verleiten, sich homogene Gruppen vorzustellen. Die Übergänge zwischen den Gruppen sind fließend. Militärs sind auch Wissenschaftler bzw. werden zu diesen (z.B. Proektor, Larionow). Wissenschaftler werden bzw. agieren vorrangig als Politiker1^ (z.B. Daschitschew, Bogomolow). Einzelne Personen gehören verschiedenen Gruppen an. Je nachdem um welchen Themenkreis es sich handelt, können sie sowohl als konservativ wie als reformerisch eingestuft werden. Darüber hinaus wandeln sich ihre Positionen im Laufe der Zeit. Selbst Personalunionen kommen vor, d.h. einzelne sind Mitglieder in unterschiedlich einzuschätzenden Kommissionen. Eine Teilung nach Art der Reformwilligkeit in drei Gruppen ist außerdem vorrangig auf dem Gebiet der Innenpolitik erkennbar. Auf dem Feld der Außenpolitik, und dort besonders in der Europapolitik, scheint es zwischen Reformern und Radikalreformern kaum grundlegende Meinungsunterschiede zu geben. Die erkennbaren Differenzen beziehen sich entweder auf Einzelaspekte oder sind Folge der Tatsache, daß die Reformer ihre Vorstellungen in der Öffentlichkeit durch- und umsetzen müssen. Sie sind deshalb oft gezwungen, schrittweise und Kompromisse mit konservativen Kräften eingehend vorzugehen sowie die in Teilen oft noch vom alten Denken geprägte öffentliche Meinung zu berücksichtigen. Es ist deshalb schwierig, die tatsächlichen Standpunkte der Reformkräfte aus ihren, oft in der innenpolitischen Auseinandersetzung vorgetragenen Äußerungen abzuleiten. Bei den konservativ-reaktionären Kräften wird das Erkennen des jeweiligen Standpunktes besonders dadurch erschwert, daß diese sich nur selten zum Thema Europa äußern und dann meist nur deutlich machen, was sie nicht wollen, anstatt eigene Alternativen vorzutragen. Vermutlich streben sie dann zumindest mittelfristig nur ein Zurück zur alten Ordnung an.
- 18 - Das Verhältnis der Sowjetunion zu den USA und das sowjetische Selbstverständnis als Weltmacht Sowjetische Standpunkte zur Gestaltung künftiger europäischer Sicherheit sind nicht von den jeweiligen Vorstellungen zur Weltmachtrolle der UdSSR im allgemeinen und dem sowjetisch-amerikanischen Verhältnis im besonderen zu trennen. Es ist deshalb notwendig, die verschiedenen sowjetischen Standpunkte zu diesen Themen kurz anzureißen, bevor auf das eigentliche Theme der Studie eingegangen werden kann. Die politische Führung der UdSSR macht seit längerem deutlich, daß ihr Verhältnis zu den USA von der Erkenntnis folgender zwei Kerntatbestände geprägt ist: Einerseits sind die USA die einzige Macht, die die UdSSR (vor allem aufgrund ihrer nuklearen Fähigkeiten) vernichten kann*1, andererseits ist ein gutes Verhältnis zu den USA Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Staaten Westeuropas.12 Diese gute Zusammenarbeit mit Westeuropa und vor allem mit Deutschland ist aber wohl, nicht nur nach sowjetischer Beurteilung, Voraussetzung für das Gelingen der neuen sowjetischen Wirtschaftspolitik. Gleichzeitig ist die UdSSR//jedoch nicht bereit, den Status einer zumindest militärischen Weltmacht aufzugeben.x3 Sie möchte diesen u.U. langfristig vielmehr auch auf das Gebiet der Wirtschaft ausdehnen.14 Es kommt für sie deshalb darauf an, das richtige Gleichgewicht im Verhältnis zu den USA zu finden. Ein Verhältnis, welches seit langem durch militärische - vor allem nuklearstrategische - Stärke und wirtschaftliche und z.Z. besonders durch innenpolitische Schwäche geprägt ist. Es scheint sicher, daß Vorstellungen einer schnellen und allgemeinen Abschaffung von Nuklearwaffen in diesem Zusammenhang für die praktische Politik der UdSSR zumindest mittelfristig keine bestimmen-
-19de Rolle spielen. Dies ist angesichts der Tatsache, daß die UdSSR ihre Weltmachtposition nahezu ausschließlich auf ihr nuklearstrategisches Potential stützt, auch verständlich. Die Standpunkte in der sowjetischen Wissenschaft unterscheiden sich in Fragen der Weltmachtrolle und des Verhältnisses zu den USA vor allem in zwei Bereichen von denen der führenden Politiker. Einerseits wird der Widerspruch zwischen dem Ziel einer nuklearwaffenfreien Welt und dem Willen, die eine, mit den USA gleichrangige, nukleare Supermacht zu sein, deutlicher herausgestellt. Dabei ist die Tendenz deutlich, sich für die überschaubare Zukunft auf den Erhalt der eigenen nuklearen Fähigkeiten in Parität mit den USA einzustellen.15 Andererseits wird, anders als bei den Politikern, oft ein Gegensatz zwischen den eigentlichen Interessen der UdSSR und ihrer Weltmachtrolle thematisiert. Dabei wird deutlich, daß einige das Ende jeglicher und besonders der sowjetischen oder russischen Weltmachtrolle als Möglichkeit prognostizieren (Kortunow, Kuwaldin)1^, andere für die Zukunft keine militärische Weltmachtrolle für die UdSSR (abgesehen von Parität mit den USA auf nuklearstrategischer Ebene) mehr wollen (Kunadse, Kolosow).17 Darüber hinaus wird mehrfach das Fehlen einer nationalen Sicherheitsdoktrin herausgestellt (Strelzow, Rasuwajew)1*^ welche als eine Voraussetzung vernünftiger sowjetischer Außenpolitik im Weltrahmen erkannt wird. Konservative und Militärs in der UdSSR äußern sich sehr selten direkt zur Frage einer sowjetischen Weltmachtrolle. Ihre Äußerungen zur Militärreform wie zur Deutschlandfrage machen jedoch deutlich, daß sie das Verhältnis zu den USA weiterhin vorrangig konfrontativ sehen und vom Status einer nuklearen, wie wenn möglich auch konventionellen, Militärweltmacht nicht abrücken wollen. 19
- 20 Westliche Beobachter sind sich fast ausnahmslos darin einig, daß die UdSSR - selbst wenn auf die RSFSR reduziert - weiter den Willen zur Weltmacht hat. Uneinigkeit besteht jedoch bezüglich ihrer Fähigkeit dazu. Auf militärischem und dabei vor allem nuklearstrategischem Gebiet werden diese Fähigkeiten meist als hinreichend bewertet, sehr skeptisch sind die Meinungen zur Fähigkeit mittelfristig auch auf anderen Gebieten den Weltmachtstatus zu erreichen. Das Verhältnis zu den USA hat nach der Auffassung der meisten Beobachter nicht an Gewicht verloren. Es wird dies auch nicht tun, nach ihrer Auffassung aber zunehmend durch das neue Kraftfeld der sowjetisch-europäischen Beziehungen - besonders auch im Bereich der Wirtschaft - ergänzt werden. Dabei wird deutlich gemacht, daß beide Regionen immer weniger isoliert voneinander betrachtet werden können, weil sie immer stärker miteinander verwoben sind.20 Das geeinte Deutschland und das künftige System europäischer Sicherheit In Fragen der eigenen wie der europäischen Sicherheit hatte und hat Deutschland für die UdSSR - und vor 1917 sicherlich auch für Rußland - immer entscheidendes Gewicht. Sicherheit wurde immer als Sicherheit vor oder mit Deutschland definiert. Dabei schien und scheint ebenfalls heute Deutschland - auch aus historischer Erfahrung - für den Raum Mitteleuropa zu stehen, für den Teil der Welt also, von dem allein aus die UdSSR mit nichtnuklearstrategischen Mitteln ernsthaft bedroht werden kann. Dies gilt vor allem dann, wenn dieser Raum der anderen Weltmacht USA zur Verfügung steht. Diese Einschätzungen der Bedingungen eigener Sicherheit zwang und zwingt die UdSSR, sicherzustellen, daß so große Teile Deutschlands/Mitteleuropas von ihr auf irgendeine Weise kontrolliert werden, daß der verbleibende Rest dieses Raumes, selbst wenn er sich mit anderen Mächten verbündet, als Bedrohung der
- 21 UdSSR neutralisiert wird. Das sowjetische Sicherheitsdenken kannte bisher offensichtlich nur zwei Grundmodelle, um dieses Ziel zu erreichen: Einerseits das die Teilung Mitteleuropas bewirkende und voraussetzende Blockmodell (d.h. Sicherheit mit und gegen je ein halbes Deutschland), andererseits ein noch nicht erfolgreich erprobtes Modell gesamteuropäischer kollektiver Sicherheit, welches sicherstellen soll, daß Mitteleuropa, wenn schon nicht von der UdSSR in wesentlichen Teilen allein kontrolliert, von ihr als Ganzes so mitkontrolliert wird, daß eine ernsthafte Bedrohung der UdSSR ausgeschlossen ist. Seit Herbst 1989 sah sich die politische Führung der UdSSR vor das Problem gestellt, daß sich zum einen die Grundlagen des bisher praktizierten Blockmodells der Sicherheit durch das Verschwinden der WP als militärische Größe auflöste und zum anderen die Realisierung des neuen Modells noch nicht abzusehen war. Dieses Dilemma wurde für die UdSSR dadurch besonders akut, daß sich die Einigung Deutschlands und damit auch die Auflösung des WP als militärische Größe in ungeahnter Geschwindigkeit vollzog. Damit war eine Synchronisation beider Entwicklungen (Bildung neuer Sicherheitsstrukturen und Einigung Deutschlands) nicht mehr möglich. Gleichzeitig aber war der UdSSR deutlich, daß Entscheidungen in der deutschen Frage die Struktur künftiger europäischer Sicherheit determinierten. In dieser Situation versuchte die UdSSR, Zeit zu gewinnen, indem sie - recht halbherzig - vorschlug, Deutschland zu neutralisieren oder es zumindest aus der militärischen Integration der NATO herauszulösen, um nicht gegen ein ganzes Deutschland zu stehen. So wäre dieses für eine Übergangszeit quasi aus dem Spiel der Kräfte herausgenommen worden. Als diese Versuche scheiterten, schlug man vor, das geeinte Deutschland solle Mitglied in beiden, aber im Charakter geänderten Zusammenschlüssen werden. Auch wenn die Möglichkeit besteht, daß es sich hierbei nur um eine neue Spielart der genannten Neutralisierungsvor*stellung handelte, scheint es wahrscheinlicher, daß dies als
- 22 Hebel gedacht war, die NATO zu verändern. Dieses fiel der UdSSR um so leichter, als sie durch die Entwicklung in Ostmitteleuropa ohnehin zum Wandel des WP gezwungen war, der sich dann als Vorbild für die NATO hinstellen ließ.21 Zu dem entscheidenden Schritt, von der Einstufung einer Deutschland/Mitteleuropa kontrollierenden NATO als potentiellen Aggressor abzugehen, konnte sich die politische Führung der UdSSR aber erst entschließen, als sie, parteipolitisch gestärkt durch den 28. Parteitag, die Londoner Erklärung der NATO als Beweis für deren Wandel vorzeigen konnte. Selbst falls ihr dieses Endergebnis schon früher klar gewesen war und unter Berücksichtigung ihrer realpolitischen Möglichkeiten akzeptabel erschien was in manchen früheren Äußerungen anzuklingen schien - hatte sie zuvor offensichtlich noch die innenpolitischen Reaktionen bei Bevölkerung, konservativer Opposition und Militär gefürchtet. Dies wurde besonders in Schewardnadses Rede bei der ersten 2 + 4-Konferenz in Bonn deutlich. Hier war man wohl von der eigenen Propaganda und Geschichtsklitterung eingeholt worden.22 Mit dem Ergebnis des Gorbatschow-Kohl-Treffens in Schelesnowodsk hat die UdSSR aber auch gleichzeitig langfristig wichtige Weichen für die künftige Struktur europäischer Sicherheit gestellt und somit ihren Standpunkt in dieser Frage erkennen lassen. Das Ergebnis ist Beleg für eine neue Sicht der Bündnisse als Organisationen, welche nicht mehr schnellstens durch ein kollektives Sicherheitssystem abgelöst werden sollen, sondern in einem neuen, durch Gemeinsamkeit geprägten, Verhältnis die europäische Sicherheit garantieren sollen. Auch wenn als Fernziel dabei immer noch die Vision eines Systems kollektiver Sicherheit genannt wird, deuten die Zugeständnisse angesicht des unterschiedlichen Zustands von WP und NATO darauf hin, daß ein auf die NATO aufbauendes System, wenn auch nicht angestrebt, so doch hingenommen wird.
- 23 Darüber hinaus ist das Ergebnis Beweis für die Tragfähigkeit, welche die UdSSR der wirtschaftlichen Dimension der Sicherheit zumißt. Indem sie Voraussetzungen für intensive Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland und dem ganzen Westen schafft, stärkt sie die gemeinsamen Interessen und fördert die zwischenstaatliche wie ihre eigene, innerstaatliche Stabilität. Gerade der kürzlich abgeschlossene deutsch-sowjetische Generalvertrag macht dabei auch deutlich, daß die UdSSR offensichtlich versucht, auf diesem Wege durch Sonderbeziehungen zu Deutschland, ihre eigene, jetzt umfassender verstandene Sicherheit wieder mit einem ganzen Deutschland zu gewährleisten. Dies geschieht auch in dem Bestreben in Zukunft nicht als der vereinsamte Juniorpartner der USA, also als Mittelmacht, dazustehen. Das sowjetische Handeln in der Deutschlandfrage gewinnt so Bedeutung auch für die Weltmachtmöglichkeiten der UdSSR.23 Auch die führenden sowjetischen Militärs akzeptierten den neuen Ansatz der sowjetischen Deutschlandpolitik offensichtlich recht frühzeitig. "Wenn es sich bei den beiden Bündnissen um politische und nicht um militärpolitische Bündnisse handeln würde, dann wäre die Frage (der Position des vereinten Deutschlands) relativ einfach zu lösen", sagte Marshall Achromejew beispielsweise schon im März 1990 im sowjetischen Fernsehen.24 i m gleichen Zeitraum hielt er auch die Mitgliedschaft des vereinigten Deutschlands in einer Organisation für möglich, die kein Gegner der UdSSR sei. Die Mitgliedschaft in einer unveränderten NATO wurde jedoch durch alle Militärs immer rigoros abgelehnt.25 Die überwiegende Mehrheit der oft den Radikalreformern zuneigenden Wissenschaftler in der UdSSR hat sich, zum Teil seit langem (Borko und Orlow z.B. in einem Artikel Mitte 1988)26, von der Fixierung auf Deutschland als dem Kern eines militärischen Aufmarschgebietes zum Zweck eines konventionellen Angriffs auf die Sowjetunion gelöst. Sie halten diese Vorstellung sowohl aus politischer, einzelne auch aus militärischer Sicht (Proektor, obwohl dieser kaum den Radikalreformern zuzurechnen ist),27 für
- 24 falsch. Sie haben schon vor den Politikern deutlich ausgedrückt, daß die Frage der sicherheitspolitischen Einbindung Deutschlands ein Hebel ist, um die NATO zu verändern und zu einem partnerschaftlichen Verhältnis der Bündnisse zu kommen. In Erkenntnis der geringen Möglichkeiten des WP scheinen sie dabei zum Teil der führenden Rolle der künftigen NATO im europäischen Sicherheitssystem eher zuzustimmen als die Politiker.28 Sicherlich gibt es auch weiterhin vor allem unter älteren Militärs und konservativen Gegnern Gorbatschows klaren Widerstand gegen die Einsicht, daß sowjetische Realpolitik der Mitgliedschaft Deutschlands in der NATO zustimmen mußte. Die Stärke dieser Strömung ist aber nicht klar einzuschätzen. Sie dürfte damit, eher unbewußt als bewußt, de facto mittelfristig für ein durch Blöcke bestimmtes europäisches Sicherheitsmodell stehen, auch wenn dies sicherlich nicht ihr langfristiges Ziel ist. Als solches kann ein System kollektiver Sicherheit gelten.29 Die Rolle der NATO im künftigen System europäischer Sicherheit Nicht nur die jüngsten sowjetischen Entscheidungen in der Deutschlandfrage, sondern auch direkte Äußerungen der politischen Führung der UdSSR zur künftigen Rolle von NATO und WP machen deutlich, daß man nicht nur deren stabilisierende und friedenserhaltende Rolle anerkennt, sondern daß man ebenso erkannt hat, daß ihr Fortbestand für längere Zeit notwendig ist, um eine neue europäische Friedensordnung gestalten zu können. Ihre partnerschaftliche Zusammenarbeit und nicht mehr ihre schnellstmögliche Auflösung ist aus sowjetischer Sicht die neue Grundlage der Gestaltung künftiger europäischer Strukturen. Langfristig sollen sie sich allerdings selbst überflüssig machen. Als Ziel wird eine einheitliche, auch die N + N-Staaten umfassende europäische Sicherheitsstruktur ohne sich gegenüberstehende oder auch nur nebeneinanderstehende Bündnisse angegeben. Allerdings werden in diplomatischen Kreisen der UdSSR auch Tendenzen
- 25 erkannt, welche die Bündnisauflösung am Ende der angestrebten Entwicklung nicht mehr als zwingend anzusehen scheinen (vgl. Wettig). 30 Der NATO allein wollte man bisher die 'führende Rolle' bei der anstehenden Entwicklung nicht überlassen. Die sowjetischen Zugeständnisse bei der künftigen sicherheitspolitischen Einordnung Deutschlands im Zusammenhang mit dem desolaten Zustand des WP lassen aber erkennen, daß es hierzu keine Alternative gibt. Es kann davon ausgegangen werden, daß der WP im für die Studie relevanten Zeitraum (1995-2000) nicht mehr existieren wird, weil er dann u.a. von den nichtsowjetischen Mitgliedern nicht mehr für Abrüstungsverhandlungen gewollt wird und diese in die nächsten KSZE-Runde 1992 unabhängig von der UdSSR eintreten wollen. Deshalb geht es bei den derzeitigen sowjetischen Äußerungen in der UdSSR de facto um die künftige Rolle der NATO und um das Verhältnis zwischen ihr und der UdSSR, welche sich vielleicht intern zu einem ähnlichen Bündnis wandeln könnte. Die NATO muß sich in diesem Zusammenhang nach sowjetischer Auffassung vom militärisch-politischen zum politisch-militärischen, neuerdings auch zum nur politischen Bündnis wandeln. Die jüngsten Entwicklungen, vor allem die Londoner Erklärung der NATO, betrachtet die politische Führung der UdSSR offensichtlich als Beleg dafür, daß diese Voraussetzung, zu der auch ein Wandel von Doktrin und Konzeption NATO gehört, jetzt dabei ist, erfüllt zu werden.31 Die Äußerungen der oft den Radikalreformern zuneigenden zivilen sowjetischen Experten zur künftigen Rolle von Bündnissen gehen meist weiter als die der politischen Führung. Ihre Notwendigkeit wie ihre partnerschaftliche Zusammenarbeit während einer langen Übergangszeit (mindestens bis Ende des Jahrhunderts) wird noch deutlicher herausgestellt. (De facto wird es sich hier um die Zusammenarbeit von NATO und den UdSSR handeln, was zunehmend erkannt wird.) Der Zwang zur langfristigen Auflösung
m 26 der NATO wird nur wenig (Fedossow, Karganow)32 _ ches Absterben" betont un - bisweilen in Frage gestellt d m e h r als e i n n a t ü r l i c h e s " a l l m ä h l i - (Baranowskij)33 gesehen. Bis v o r k u r z e m wurde d i e R o l l e , w e l c h e d e r W P b e i d e r B e i b e h a l t u n g v o n S t a b i l i t ä t in Ostmitteleuropa spielen sollte, stärker als bei der politischen Führung herausgehoben. E i n e n Zwang zur V e r ä n d e r u n g d e r N A T O s e h e n d i e z i v i l e n W i s s e n s c h a f t l e r n u r in g e r i n g e m U m f a n g . E i n e B e d r o h u n g d u r c h s i e w i r d nur selten angesprochen. nicht darum, daß die NATO Es geht für viele zivile Experten sich g r u n d s ä t z l i c h w a n d e l t , sondern darum, daß die NATO der politischen Führung der UdSSR Argumente a n d i e H a n d g i b t , so d a ß d i e s e d a s B i l d , w e l c h e s in d e r UdSSR von der NATO geschaffen wurde, der Realität anpassen kann. Die Bereitschaft, der NATO die des künftigen Modells 'führende R o l l e ' b e i d e r europäischer Sicherheit zu Gestaltung überlassen, s c h e i n t bei d e n r a d i k a l e n R e f o r m e r n w e i t v e r b r e i t e t zu s e i n und w e n i g e r a u s d e r U n f ä h i g k e i t d e s W P als d e r E i n s i c h t in d i e V o r züge d e r N A T O zu r e s u l t i e r e n . 3 4 A u c h d i e m i l i t ä r i s c h e F ü h r u n g d e r U d S S R b e t o n t in l e t z t e r Zeit i m m e r s t ä r k e r , d a ß es d e r B ü n d n i s s e b e d a r f , u m e i n e n e u e e u r o päische Sicherheitsstruktur zu b a u e n . "Ich g l a u b e " , s a g t e V e r - t e i d i g u n g s m i n i s t e r J a s o w am 1 8 . M a i 1990 in e i n e m I s w e s t i j a - I n t e r v i e w , "es w ä r e w o h l k a u m v e r a n t w o r t u n g s v o l l u n d w e i t s i c h t i g , das bestehende System, dessen Komponenten sowohl die NATO als a u c h d i e O r g a n i s a t i o n d e s W a r s c h a u e r V e r t r a g s s i n d , zu z e r s t ö r e n , o h n e z u v o r e i n n e u e s g e s c h a f f e n zu h a b e n . 3 5 Kennzeichnend i s t , d a ß G e n e r a l s t a b s c h e f M o i s s e j e w in seinem R e f e r a t b e i m W i e n e r D o k t r i n e n s e m i n a r im F e b r u a r 1990 d i e F o r d e r u n g n a c h B ü n d n i s a u f l ö s u n g n i c h t e r w ä h n t e , jedoch d i e N o t w e n d i g k e i t , b e i d e B ü n d n i s s e in p o l i t i s c h - m i l i t ä r i s c h e O r g a n i s a t i o n e n zu v e r w a n d e l n . 3 6 Die Militärs lassen darüberhinaus, wenn auch weniger deutlich und w e n i g e r b e t o n t a l s P o l i t i k e r und W i s s e n s c h a f t l e r , e r k e n n e n , daß das Verhältnis zwischen den Bündnissen künftig schaftlich gestaltet werden m u ß . Dieser Aspekt steht partnerjedoch im
- 27 Widerspruch zu den immer wieder vorkommenden Ausfällen, NATO und USA hegten aggressive Absichten bzw. ihre Doktrin und Struktur sei offensiv ausgerichtet. Hier tun sich vor allem militärische Führer aus dem zweiten Glied aber auch führende Militärs, sofern sie sich im eigenen Bereich äußern, wie konservative Politiker hervor.37 Bisher machen ihre Äußerungen nicht deutliche, daß sie sich gedanklich wirklich von einem auf zwei gegeneinanderstehenden Blöcken gegründeten Sicherheitssystem gelöst haben. Sie lassen darüber hinaus nur sehr selten erkennen, daß sie die sehr begrenzten Zukunftsaussichten der WP erfaßt haben. Dies mag darin begründet sein, daß sie einerseits das Scheitern des WP intern noch nicht glauben zugeben zu können, und daß sie andererseits hoffen, mit seiner endgültigen Auflösung weitere Zugeständnisse des Westens zu erlangen.38 Die Rolle der USA im künftigen System europäischer Sicherheit Die veränderte Sicht der Militärbündnisse und dabei vor allem der NATO durch die politische Führung der UdSSR spiegelt sich ebenfalls in der Frage wider, welche Rolle die USA künftig für und in einer europäischen Sicherheitsordnung spielen sollen, weil auch nach sowjetischer Sicht die NATO ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten nicht funktionsfähig ist. Die UdSSR ist auch hier zumindest mittelfristig von ihrer alten Position, die Abkoppelung Amerikas von Europa zu betreiben und die amerikanische Militärpräsenz in Europa als friedensgefährdend zu bezeichnen, abgegangen. Darüberhinaus hat sie erkannt, daß Abkopplungsversuche kontraproduktiv wirken, indem sie Westeuropa näher zusammenrücken lassen, Befürwortung der US-Präsenz hingegen geeignet ist, eigene Ansprüche in Europa zu legitimieren. Es ist heute zweifelsfrei erkennbar, daß die UdSSR nicht nur die amerikanische Mitwirkung beim Bau neuer europäischer Strukturen will, sondern daß es für sie auch "keine Diskussion darüber (gibt), daß die USA in Europa militärisch präsent sind", wie es Gorbatschow anläßlich des Washingtoner Gipfels Anfang Juni 1990 äußerte. 39
- 28 Bemerkenswert ist allerdings einerseits, daß die sowjetische Führung die Mitwirkung der USA immer besonders für die Phase des Aufbaus einer künftigen europäischen Ordnung herausstellt, nicht jedoch für diese Ordnung selbst - "was später wird, wird das Leben zeigen" äußerte Gorbatschow dazu am 12. Juni 1990 vor dem Obersten Sowjet.4® Andererseits geht die Führung nicht deutlich von ihrer Forderung ab, die USA müßten, wie die UdSSR, alle Stützpunkte im Ausland auflösen und alle Truppen fremden Territorien abziehen. Beides spricht dafür, daß die UdSSR die langfristige Perspektive, die USA zumindest militärisch aus Europa zu verdrängen, nicht aufgegeben hat. Eine solche Perspektive hat entscheidende machtpolitische Vorteile für die UdSSR. Sie bleibt angesichts ihrer unveränderbaren geostrategischen Lage - selbst wenn auf die RSFSR reduziert - die überragende europäische Macht. Damit steht diese Möglichkeit im Gegensatz zum Geist eines Systems kollektiver Sicherheit für Europa, da sie gegen eine seiner Grundbedingungen die interne Kräftebalance - verstößt. Zumindest mittelfristig spricht das Verhalten der sowjetischen Führung aber für die stillschweigende Akzeptanz auch militärischer US-Präsenz in Europa und damit de facto für die Duldung der führenden Rolle der NATO beim Aufbau einer neuen Sicherheitsstruktur.41 Deutlicher und eindeutiger als die politische Führung stellen sowjetische Wissenschaftler heraus, daß auch auf lange Sicht "eine neue Ordnung kaum ohne eine amerikanische Beteiligung stabil sein wird" (Dawydow).42 Man ist sich darüber einig, daß dazu für einen längeren Zeitraum (gem. Bajew u.a. mindestens zehn Jahre)43 auch die militärische Präsenz der USA in Europa notwendig ist. Ein amerikanischer Rückzug aus Europa wird vor allem als besonders gefährlich angesehen, weil er in dem Bestreben, ein Gegengewicht zur UdSSR zu bilden, zu westeuropäischer Aufrüstung führen könne. Expressis verbis wird eine dauerhafte amerikanische Militärpräsenz in Europa jedoch auch bei den Wissen-
- 29 schaftlern nur vereinzelt gefordert (Karganow u.a., gemäß Timmermann ) 4 4 , auch wenn sie ihr insgesamt positiver als die Politiker gegenüberzustehen scheinen.45 Sowjetische Militärs gehen auf die Frage der Präsenz der USA in Europa sehr viel seltener ein als Politiker und Wissenschaftler. Sie wiederholen dann meist die bekannten alten Positionen der konservativen Oppsosition, daß alle fremden Truppen abgezogen und alle Stützpunkte im Ausland aufgegeben werden sollten. Obwohl sie in letzter Zeit die Bündnisse als erhaltenswert für eine Übergangszeit ansehen, tun sie nicht den Schritt, die militärische US-Präsenz positiv zu bewerten. Auf Nachfragen machen sie im Gegenteil deutlich, daß sie die europäische Rolle der USA politisch und nicht militärisch sehen.4^ Die Rolle der ostmitteleuropäischen Staaten im künftigen System europäischer Sicherheit Ausgenommen einige konservative Politiker und einige meist ältere Militärs aus dem zweiten Glied sind die sowjetischen Standpunkte in bezug auf die ostmitteleuropäischen Staaten (hierunter werden alle nichtsowjetischen Warschauer-Pakt-Mitglieder außer der DDR verstanden) inzwischen wohl durch die Erkenntnis geprägt, daß diese Staaten, eventuell mit der Ausnahme Bulgariens, kaum noch mit der UdSSR gemeinsame, über das Ziel der allgemeinen Friedenserhaltung und Abrüstung hinausgehende militärische Sicherheitsinteressen haben. Dies gilt nach den jüngsten Entscheidungen zur Oder-Neiße-Grenze eindeutig auch für Polen. Vor allem Ungarn, CSFR und Polen wollen ihre Sicherheit nicht mehr mit der UdSSR, sondern in einer noch zu findenden Form mit dem Westen verbunden gewährleisten.
- 30 Gemeinsame Interessen sieht man in der UdSSR jedoch auf wirtschaftlichem und ökologischem Gebiet sowie auch bei der Notwendigkeit, die Folgen der stalinistischen und nachstalinistischen Zeit aufzuarbeiten. Vor allem von zivilen Wissenschaftlern (z.B. Kokoschin, Karaganow)47, aber auch von der sowjetischen politischen Führung wird als vitales Anliegen der UdSSR immer wieder eine stabile wirtschaftliche, kulturelle, soziale und demokratische Entwicklung in diesen Staaten herausgestellt. Auf den genannten Gebieten sieht man Zusammenarbeitsmöglichkeiten zum beiderseitigen Nutzen, welche die Kooperation mit dem Westen Europas jedoch keinesfalls ausschließen, sondern eher deren Erfolgsaussichten verbessern sollen. In diesem Zusammenhang ist wohl auch die verstärkte Betonung der Rolle des WP in wirtschaftlichen, ökologischen und rechtlichen Fragen zu sehen. Dies muß jedoch vermutlich eher als ein verzweifelter letzter Versuch gewertet werden, diese Organisation zu retten.4^ Die von westlichen Beobachtern und sowjetischen Wissenschaftlern bisweilen aufgezeigte Möglichkeit, daß das Verhältnis Finnland-UdSSR als Modell für die Beziehungen der UdSSR zu den ostmitteleuropäischen Staaten dienen könne oder solle4^, ist aufgrund des Standes der politischen Entwicklung in Ostmitteleuropa nicht mehr realistisch, falls es dieses je war. Die Zusammenarbeit mit Finnland auf wirtschaftlichem Gebiet ist durch die Unterschiedlichkeit der Wirtschaftssysteme - Marktwirtschaft/Planwirtschaft - geprägt worden, während heute sowohl die UdSSR wie die ostmitteleuropäischen Staaten auf dem Weg zur Marktwirtschaft sind. Die politischen Verhältnisse zwischen der UdSSR und Finnland sind durch ideologisch gegenteilige Grundauffassungen gekennzeichnet worden, heute haben sich die Sowjetunion, wie die übrigen Staaten Ostmitteleuropas, in ähnlicher Weise, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit von der kommunistischen Ideologie gelöst bzw. sind sie dabei, dieses zu tun. Die sicherheitspolitischen Beziehungen sind dadurch geprägt worden, daß Finnland, am Rande Europas gelegen, nur einen mächtigen Nachbarn hat, an dem es sich sicherheitspolitisch
- 31 (wie auch wirtschaftlich) so oder so orientieren mußte, während die ostmitteleuropäischen Staaten sich in einer Mittellage mit Wahlmöglichkeiten nach Ost oder West befinden. Darüber hinaus scheint es unwahrscheinlich, daß das aus über vierzigjähriger Dominanz resultierende antisowjetische Denken der Menschen in den ostmitteleuropäischen Staaten in absehbarer Zeit so weit überwunden werden könnte, daß die politische Umsetzung gemeinsamer sicherheitspolitischer Interessen mit der UdSSR akzeptiert werden würde, falls solche gemeinsamen Interessen vorhanden wären. Wenn es zu einer langfristigen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet kommen sollte, dann vermutlich in erster Linie, um die UdSSR (und die sich in ihr abzeichnenden Instabilitäten) einzubinden und so zumindest zum Teil zu kontrollieren. Insgesamt sieht man in der UdSSR die ostmitteleuropäischen Staaten also einerseits vorrangig als Wirtschaftspartner, die ähnliche Probleme zu lösen haben wie man selber, und andererseits als Staaten, in denen es zu politischen und sozialen Instabilitäten kommen kann, deren Aufkommen und Überspringen auf die UdSSR man durch Zusammenarbeit verhindern will. An ihrer Glacisfunktion wird wohl nur noch durch die konservativen Kräfte gedacht, die den "Verlust" dieser Staaten in der innenpolitischen Diskussion heftig beklagen. Ein echtes Konzept, wie die Beziehungen zu diesen Staaten künftig gestaltet werden sollen, ist weder bei den Reform- noch bei den Radikalreformkräften auszumachen .
- 3-2 Die Rolle der westeuropäischen Integration im künftigen System europäischer Sicherheit Westliche Beobachter sind sich seit längerem darüber einig, daß die UdSSR ihre Einstellung zur westeuropäischen Integration grundlegend in eine positive Richtung verändert hat. Die UdSSR sieht die EG offensichtlich nicht mehr in erster Linie als wirtschaftlichen Unterbau der NATO, sondern als Zusammenarbeitspartner bei vor allem der wirtschaftlichen Modernisierung der UdSSR und Ostmitteleuropas, Als Motive für diese Einstellungsänderung werden sowohl die notgedrungene Erkenntnis genannt, daß die positive Entwicklung der EG mit sich daraus ergebender wachsender Attraktivität für Ostmitteleuropa ohnehin nicht aufzuhalten sei (Wettig)5^, wie auch eine im Rahmen des "neuen außenpolitischen Denkens" veränderte Bewertung der westeuropäischen Integration insgesamt. Entsprechend der unterschiedlich angenommenen Motive gehen auch die Urteile über die Rolle auseinander, welche die UdSSR der EG im Rahmen künftiger europäischer Sicherheit zubilligt. Während Wettig als langfristiges sowjetisches Ziel vor allem das Einbringen der EG in ein anvisiertes gesamteuropäisches Ganzes und damit ihre Auflösung herausstellt, betonen andere (z.B. Timmermann, Bomsdorf)51 die aus sowjetischer Sicht der EG zugedachte Rolle des Zusammenarbeitspartners beim wirtschaftlichen Aufbau und die Sorge der UdSSR vor Isolation von Europa. Dem zuwiderlaufende langfristigere Ziele sprechen sie nicht an. 52 Auch neuere Äußerungen der sowjetischen Führung lassen zwar keine klare Entscheidung über deren langfristige Ziele zu, sie machen aber deutlich, daß es ihr, zumindest mittelfristig, darauf ankommt, die EG in großem Umfang zu nutzen, um die wirtschaftliche Sicherheit der UdSSR zu gewährleisten bzw. wiederherzustellen. Ihr Ziel ist es dabei, durch weitestgehende Zusammenarbeit einer Isolation der UdSSR von Europa entgegenzuwirken.
- 33 Eine solche Isolation, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet, wird eindeutig als eine der, wenn nicht sogar als die große Gefahr für die UdSSR angesehen.S3 In der sowjetischen Forschung wurde schon Ende 1988 sehr deutlich das beachtliche positive Potential herausgestellt, welches die europäische Integration auch aus sicherheitspolitischer Sicht beinhaltet. Für die UdSSR wird allerdings auch die Gefahr der Isolierung (Kortunow, Besrukow) wie die des Einflußverlustes (Kortunow)54 aufgrund der europäischen Integration gesehen. Gleichzeitig gibt es keinen Zweifel an dem ausschlaggebenden Einfluß, welchen die sowjetische Forschung der EG auf die Entwicklung künftiger europäischer Strukturen beimißt. Sie wird weit vitaler als RGW, WP und auch als die NATO bewertet. Smolnikow nennt sie das "Gravitationszentrum" des künftigen Europas.55 Ihrer wirtschaftlichen Integration wird eine starke friedenserhaltende Kraft zugesprochen (Goljakow, Smolnikow, Karaganow) .5*> Ein weiterer Beleg dafür ist, daß die KPdSU-Reformer offensichtlich Einfluß auf die Linke in Westeuropa nehmen, ihre Fundamentalopposition gegen eine EG-Integration aufzugeben (gem. Timmermann ) . 57 Insgesamt sieht man bei Radikalreformern wie Reformern in der EG die bestimmende Größe des künftigen Europas. Darüber, wie die UdSSR auf diese EG Einfluß nehmen kann und soll, gibt es kaum Vorstellungen. Auch Probleme europäischer Integration, wie z.B. Souveränitätsverlust, werden nicht angesprochen. Die Konservativen äußern sich zur gesamten Fragestellung kaum.
- 34 Die Rolle des institutionalisierten KSZE-Prozesses im künftigen System europäischer Sicherheit Für die politische Führung der UdSSR hat sich die Rolle der KSZE in den letzten Jahren - anfangs sicher gegen ihren Willen - grundlegend verändert. Diese ist für sie von einem Instrument zur Sicherung des territorialen und politischen status quo welches allerdings positive Veränderungen für die UdSSR im Rahmen ihrer Politik der friedlichen Koexistenz nicht ausschloß zu einem Mittel geworden, Veränderungen in Europa mitzusteuern und in Bahnen zu lenken, welche im Interesse der UdSSR liegen. Die KSZE wird damit zu dem entscheidenden Mittel für die UdSSR, ihre Rückkehr nach Europa sicherzustellen.5^ Spätestens seit Anfang 1990 ist, vor allem in den Äußerungen Außenminister Schewardnadses, auch zu ahnen, wie die UdSSR ein künftiges System europäischer Sicherheit durch eine Institutionalisierung des KSZE-Prozesses strukturieren will. Während der institutionalisierte KSZE-Prozeß anfangs noch ein die Bündnisse ersetzendes System kollektiver Sicherheit werden sollte5^, wird seit Schewardnadses Interview in der "Neuen Zeit" vom Juni 1990 klarer, daß die UdSSR erkannt hat, daß es sich nur um ein die Bündnisse bzw. die NATO komplementierendes Element handeln kann. Schewardnadse: "Hierbei gehen wir davon aus, daß politisch-militärische Bündnisse Bestandteil der künftigen europäischen Architektur bleiben."60 Die UdSSR sieht sich also offensichtlich aus Einsicht in ihre realpolitischen Möglichkeiten gezwungen, ihre Vorstellung von einem, auf der Grundlage des KSZE-Prozesses die Bündnisse ersetzenden Systems kollektiver Sicherheit, zumindest vorerst, aufzugeben. Statt dessen strebt sie jetzt immer deutlicher eine KSZE-Struktur an, unter der die verschiedenen Dimensionen der Sicherheit in unterschiedlichen Institutionen realisiert werden. Diese Institutionen können einerseits inhaltlich ausgerichtet sein wie die Bündnisse, der Eurorat (für z.B. rechtliche
- 35 und humanitäre Aspekte wie als parlamentarisches Gremium) und die EG. Sie können aber auch regional orientiert sein wie der Nordische Rat oder die Pentagonale als Zusammenschluß Italiens, Jugoslawiens, Ungarns, der CSFR und Österreichs. Alle diese Organe sollen wohl, zumindest für eine lange Übergangszeit, unter einem gemeinsamen, auch die N + N-Staaten umfassenden und dem Konsensprinzip verpflichteten Dach der KSZE wirken. Sie sollen aber durch die KSZE nicht ersetzt werden. Regelmäßige Außenministertreffen und Treffen der Führer aller KSZE-Teilnehmerstaaten (einschl. USA und Kanada) sollen mit Hilfe eines kleinen Stabes der einvernehmlichen Steuerung der europäischen Entwicklung in Frieden und Freiheit dienen. In einem Spannungsverhältnis zu diesem, der Ergänzung und Koordination von Bestehendem verpflichteten Ansatz könnte allerdings die starke Ausrichtung einiger durch die UdSSR vorgeschlagenen KSZE-Institutionen auf militärische Sicherheitsaspekte gesehen werden. Schewardnadse hat u.a. wiederholt Zentren zur Verminderung der Kriegsgefahr und zur Verhinderung von Überraschungsangriffen vorgeschlagen und auch die Aufstellung einer KSZE-Friedenstruppe nicht ausgeschlossen."1 Hier scheint die Abgrenzung zu Bündnisaufgaben schwierig. Es ist abzuwarten, ob und wie diese vielleicht auf ein kollektives Sicherheitssystem nach alten sowjetischen Vorstellungen deutenden Vorschläge in Zukunft weiter präzisiert werden. Äußerungen des vermutlich den Reformern zuzuordnenden Generalmajors Batenin (seit 1987 Konsultant des ZK der KPdSU für militärische Fragen) lassen ahnen, daß man weiter an eine durch die KSZE dominierte Struktur für die intereuropäische Sicherheit denkt und dem oder den gewandelten Bündnis(sen) nur den Schutz gegen außereuropäische Gefahren auftragen will.62 In der sowjetischen Forschung wurde teilweise schon recht früh erkannt, daß das Ziel, welches die UdSSR ursprünglich mit ihrer KSZE-Politik anstrebte, dem neuen außenpolitischen Denken nicht angemessen war (z.B. Orlow, Mitte 1988)63. Eine neue Aufgabenzu-
- 36 Weisung für einen institutionalisierten KSZE-Prozeß wurde aber erst Anfang 1990 erkennbar (Karaganow).64 Der Ersatz von vorhandenen Strukturen wie den Bündnissen wird dabei aufgrund noch fehlender Erfahrungen mit einer solchen Institutionalisierung zumindest mittelfristig abgelehnt. Statt dessen soll sich die künftige europäische Sicherheitsstruktur, ähnlich wie bei Schewardnadse, zumindest vorerst auf gewandelte Bündnisse (und damit de facto auf die gewandelte NATO) abstützen, welche miteinander kooperieren und durch eine konsultative KSZE-Struktur überwölbt werden (Karaganow, Davydow).65 Es fällt auf, daß die Wissenschaft, im Vergleich zu der politischen Führung, die begrenzte Leistungsfähigkeit einer KSZEStruktur deutlicher herausstellt. Eine klare Analyse der Stärken und Schwächen einer solchen Struktur scheint jedoch noch zu fehlen. Zum Teil ist man sich dieses Mangels bewußt und setzt deshalb auf ein schrittweises Vorgehen mit noch offenem Ausgang bezüglich der endgültigen Rollenverteilung bei der Gestaltung künftiger europäischer Sicherheit.66 Die Aufgabe, welche die konservativ-reaktionären Kräfte in der UdSSR dem KSZE-Prozeß zuordnen, ist aus den Quellen nicht erkennbar. Vermutlich sehen sie die KSZE immer noch als Instrument zur status-quo-Sicherung im Rahmen einer, auf der "zwei Lager"-Annahme aufbauenden, ideologisch bestimmten Politik der friedlichen Koexistenz. Sowjetische Vorstellungen zur miltärischen Ausgestaltung künftiger europäischer Sicherheit Der inneren Logik sicherheitspolitischer Überlegungen folgend, wäre davon auszugehen, daß sowjetische Vorstellungen zu der militärischen Ausgestaltung künftiger europäischer Sicherheit auf den im vorhergehenden Kapitel dargestellten jeweiligen Überlegungen zur politischen Sicherheitsstruktur aufbauten. Dies
- 37 scheint jedoch kaum der Fall zu sein. Während die in der UdSSR anvisierten politischen Strukturen - reaktionäre Vertreter ausgenommen - auf einem fundamental veränderten, partnerschaftlichkooperativen Verhältnis der Akteure in den künftigen europäischen Strukturen aufbauen, gehen alle militärischen Überlegungen immer noch von einem auf Interessengegensätzen fußenden Verhältnis aus. Die jeweiligen Streitkräfte sollen immer vorrangig zur Verteidigung der UdSSR (bzw. der jeweiligen europäischen Staaten) gegen einen Angriff anderer europäischer Staaten fähig sein. Zumindest formal ist man sich in der UdSSR dabei darin einig, daß die Verteidigungsfähigkeit mit qualitativ hochwertigen Streitkräften bei möglichst geringen Kosten und unter Beachtung der Bedrohungsgefühle, welche solche Streitkräfte bei den Nachbarn der UdSSR auslösen können, erreicht werden soll. Uneinigkeit besteht jedoch dahingehend, wie unter diesen Voraussetzungen die Eckwerte eigener Streitkräfte wie Finanzrahmen, Streitkräfteumfang und -struktur sowie der Grad der Offensivfähigkeit der Streitkräfte im einzelnen aussehen sollen. Darüber, wie diese Größen für die Streitkräfte der anderen betroffenen Staaten aussehen sollen, liegen, ausgenommen die deutschen Streitkräfte, keine über Allgemeines hinausgehende Aussagen vor. Es sollte deshalb unterstellt werden können, daß für sie die jeweiligen für die sowjetischen Streitkräfte vorgeschlagenen Werte im übertragenen Sinne gelten sollen. Insgesamt kann der Entwicklungsstand der sowjetischen Vorstellungen zur militärischen Ausgestaltung künftiger europäischer Sicherheit wie folgt dargestellt werden: Die verschiedenen Gruppen in der UdSSR sind dabei, ihre Standpunkte in unterschiedlicher Deutlichkeit auf eine Position hin zu wandeln, welche der bisherigen, an der Blockstruktur orientierten, NATO-Strategie ähnelt. Sie passen sich damit westlichem Denken an, beachten
- 38 aber nicht, daß auch dieses westliche Denken aufgrund sich ändernder Rahmenbedingungen veraltet und sich deshalb wandelt. Ansätze, auch die z.Z. vorgehende Wandlung der NATO-Strategie nachzuvollziehen, sind nicht erkennbar. Visionen, wie sie für den Bereich der künftigen politischen Strukturen erkennbar werden, liegen für den militärischen Bereich vermutlich nicht vor. Dies ist wohl u.a. auch dadurch zu erklären, daß man in der UdSSR aufgrund der innenpolitischen Umwälzungen und wegen der fundamentalen Veränderungen der außenpolitischen Rahmenbedingungen mit der Lösung akut anstehender militärischer Probleme schon jetzt ausgelastet oder überlastet ist. Insgesamt wird somit deutlich, daß sich die Vorstellungen zur militärischen Ausgestaltung der europäischen wie auch der sowjetischen Sicherheit noch in einem allerersten Diskussionsstadium befindet, in dem Positionen für den Beobachter kaum erkennbar sind. Diese Diskussion ist deutlich weniger weit fortgeschritten als diejenige über die politischen Dimensionen künftiger Strukturen. Zusammenfassung und Ausblick Kurz zusammengefaßt und ohne auf die Vielzahl von Unterschieden und Widersprüchen bei den Vertretern der verschiedenen Standpunkte in der UdSSR einzugehen, bilden sich idealtypisch betrachtet folgende Positionen zur Frage der künftigen Gestaltung europäischer Sicherheit heraus, deren Grenzen sich jedoch verwischen: Erstens ist die Gruppe derjenigen zu erkennen, welche das neue Verhältnis der UdSSR zu den USA, zur NATO und zu Deutschland offensichtlich nicht akzeptieren und weiter in konfrontativen Strukturen denken. Diese konservativ-reaktionäre Gruppe, zu der insgeheim wohl auch viele führende Militärs noch - zumindest in
- 39 Teilen ihrer Vorstellungswelt - zu gehören scheinen, hat sich offensichtlich nicht ganz von der Vorstellung getrennt, daß die europäische Sicherheit vor allem dann vollendet ist, wenn die Sicherheit der UdSSR über jeden Zweifel erhaben sichergestellt wird. In diesem Sinn entstellt sie auch das Modell eines Systems kollektiver Sicherheit. In der Realität wirken sie damit angesichts der Interessen der übrigen beteiligten Staaten auf die Erhaltung bzw. das Wiedererstarken konfrontative Strukturen hin. Zweitens ist die Gruppe derjenigen erkennbar, welche die Kontraproduktivität des "alten Denkens" mit seinen katastrophalen Folgen für die Wirtschafts- und Sozialstruktur der UdSSR klar erkannt haben und bereit sind, sich daraus ergebende Folgerungen konsequent umzusetzen. Diese Gruppe, zu der vor allem die politische Führung der Union gehört, verändert ihre Sicherheitsvorstellungen soweit, wie es zur Erreichung anderer Ziele, vor allem im Bereich der Wirtschaftspolitik und zum Erhalt des Weltmachtstatus, notwendig ist. Ob sie letztendlich den Wert einer veränderten europäischen Sicherheitsstruktur erkannt und akzeptiert hat, ist nicht zweifelsfrei zu erkennen. Es ist äußert schwer abzuschätzen, was Pragmatismus und Kompromiß nach innen und außen und was Grundüberzeugung ist. Es scheint aber so zu sein, daß sich die Überzeugungen in dieser Gruppe, beeinflußt durch die realpolitischen Entwicklungen und Möglichkeiten sowie durch den Einfluß der noch zu behandelnden dritten Gruppe, hin zu westlichen Vorstellungen von europäischer Sicherheit wandeln. Für die lange Perspektive bleibt jedoch ein gewisses Maß an Unsicherheit. Drittens ist die vor allem aus Wissenschaftlern und zu Politikern und unmittelbaren Politikberatern gewordenen Wissenschaftlern bestehende Gruppe derjenigen zu erkennen, welche europäische Sicherheit im westlichen Sinn denken. Für sie geht es nicht darum, wie sowjetische Sicherheitsvorstellungen auf Europa übertragen werden können, sondern darum, wie westliches, vor
- 40 allem durch die NATO geprägtes Sicherheitsdenken in der UdSSR bzw. in den aus ihr entstehenden Strukturen umgesetzt werden kann. Für sie ist neues sicherheitspolitisches Denken in der UdSSR kein Mittel, sondern ein Wert an sich. Die Frage, welche der drei Strömungen oder welche Mischung von ihnen sich durchsetzen wird, ist nicht Thema der vorliegenden Arbeit. Es spricht jedoch vieles dafür, daß, ein Mindestmaß an Kontinuität und geregelter Entwicklung in der UdSSR vorausgesetzt, die erste Gruppe auf lange Sicht zunehmend an Bedeutung verliert. Mittelfristig darf sie jedoch keinesfalls unterschätzt werden.
- 41 - I Anmerkungen 1 Ein Entwurf der vorliegenden Studie wurde Ende September 1990 im Rahmen des Arbeitskreises "Warschauer Pakt im Wandel" diskutiert. Für eine Vielzahl wertvoller Hinweise dankt der Verfasser den Arbeitskreismitgliedern: Herrn Dr. Heinrich BarteI, Ostkolleg der Bundeszentrale für politische Bildung, Köln; Herrn Dr. Dieter Bingen, Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (BlOst), Köln; Herrn Dr. Magarelidsh A. Hatschikjan, Konrad-AdenauerStiftung; Herrn Horst Hof mann, Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation, Waldbröl; Frau Ursel Hoppe, Institute for Security Studies der WEU, Paris; Dr. Stephan Kux, Universität Zürich;, Prof. Dr. H.G. Linke, Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation, Waldbröl; Fred Oldenburg, BlOst; Major i.G. Frank Richter, BlOst; Oberstleutnant i.G. Rothe, BMVg; Dr. Hans-Henning Schroeder, BlOst; Dr. Franz Walter, IABG, Ottobrunn; Dr. Gerhard Wettig, BiOst. 2 Vgl. u.a.: Wettig, Gerhard, Perspektiven für die Einigung Deutschlands und Europas in: Aktuelle Analysen des BlOst, Köln, Nr. 40/1990, S. 2f. 3 Zellentln, Gerda: Zur Brauchbarkeit des Systems Kollektiver Sicherheit (SKS) für die Friedenssicherung in Europa, in: Kollektive Sicherheit in und für Europa - Eine Alternative?, Dieter S. Lutz (Hrsg.), Baden-Baden 1985, S. 327-337; S. 328. 4 Lutz, Dieter S.: Lexikon Rüstung, Frieden, Sicherheit, München 1987, S. 134. Vgl, zum gesamten Abschnitt: Zellentin, Gerda: a.a.O.; Lutz, Dieter S.: Gemeinsame Sicherheit - das neue Konzept, in: S + F, Vierteljahreszeitschrift für Sicherheit und Frieden, 4/1985, S. 201-214; Ders.: Lexikon für..., S. 132-134 u. 165168; Lutz, Ernst (Hrsg.): Lexikon für Sicherheitspolitik, München 1980, S. 137-139; Mevn, Karl-Ulrich: Das Konzept der kollektiven Sicherheit, in: Sicherheitspolitik, Klaus-Dieter Schwarz (Hrsg.), Bad Honnef-Erpel 1976, S. 67-85; Uschakow, Alexander: Friedliche Koexistenz und kollektive Sicherheit, in: Der Donauraum, Zeitschrift für Donauraumforschung, 1/1973, S. 2-13; Pick, Otto u. Critchley, Julian: Collective Security, London 1974. ® Vgl. ebenda, S. 25ff.; Uschakow, Alexander: a.a.O., S. 6f. und besonders Handzik, Helmut: Formeln und Instrumente kollektiver Sicherheit in der sowjetischen Außenpolitik von 1917 bis 1948, in: Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik, Dezember 1969, besonders S. 6f. 7 Vgl. ebenda, S. 9f. 8 Vgl. Planck, Charles R.: Sicherheit in Europa, München 1968, S. 180 u. 216; Johnson, A. Ross: The Warsaw Pact's Campaign for "European Security", Bericht der Rand Corporation R-565-PR, November 1970, S. V; Wettig, Gerhard: Zur Sowjetischen Strategie der Europäischen Sicherheit, in: Berichte des BlOst 71/1970, S. 2f., Nr. 205; Schneider, Eberhard: Nach der KSZE das KSA?, in: Berichte des BlOst 41/1976, S. 7; Uschakow, Alexander: a.a.O. S. 8. Vgl. Pick, Otto u. Critchley, Julian: a.a.O. S. 87ff.; Uschakow, Alexander: a.a.O. S. 11; Gordon, Andrew: Soviet Westpolitik: Motivation and Aims, in: Strategie Review, 3/1974, S. 22-29; Schilling, Walter: Die Sowjetunion und kollektive Sicherheit in Europa, in: Europäische Wehrkunde, 8/1978, S. 389-393. 10 Ich danke Frau Dr. Olga Alexandrova für den Hinweis auf diese Entwicklung in Teilen der sowjetischen Wissenschaft. 11 Vgl. Schewardnadse. E., Artikel in: "Pravda" vom 26.9.1990, gem. BPA-Ostinformationen vom 28.6.1990, S. 11. 12 Vgl. ders.; Abschlußrede bei der 13. Allunionskonferenz zu Außenpolitik und Diplomatie am 27.7.1988, gem.: International Affairs, 10/1988, S. 58-64, S. 62/63; ders.: Rede im Komitee des Obersten Sowjet der UdSSR für Auswärtige Angelegenheiten am 20.9.1990, gem.: DW-Monitor, Deutscher Teil vom 21.9.1990, S. 3/4; ders.: Rede vor der 45. Sitzung der UNO-Vollversammlung am 25.9.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 26.9.1990, S. 7. Gorbatschow, M.S.: Bericht auf dem 28. Parteitag der KPdSU am 2.7.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 3.7.1990/Anhang, S. 22f.
-42- Vgl. Schewardnadse, E.: Einführungsrede bei der 19. Allunionskonferenz zur Außenpolitik und Diplomatie am 25.7. 1988, gem.: International Affairs, 10/1988, S. 2-34, S. 16; ders.: Rede bei der 21. Parteikonferenz im Außenministerium der UdSSR, gem.: "Neue Zeit", 18/1990, S. 31-35, S. 34. Gorbatschow, M.S., Rede auf der Russischen Parteikonferenz am 20.6.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 20.6.1990, S. 22; ders.: Rede im Militärbezirk Odessa, 17.8.1990, gem.: Auswertung der Rede von F. Waiter, IABG/ITS in Texte und Kommentare Nr. 25/1990 (unveröffentlicht), S. 6,12. Vgl. ebenda, S. 6. Vgl. Baranowsky, W.: Außenpolitische Neubewertungen in der Sowjetunion, in: Europa-Archiv, 21/1989, S. 635-644, S. 641f. Kortunov, S.: Stability in the Nuclear World, in: Internationa! Affairs, 3/1990, S. 3-12, S. 3f. Smoinikov, S.V.: Die __i * . v v neue Logik der europäischen Entwicklung, in: Mirovaja ekonornika i mezdunarodnye otnosenija, 6/1990, S. 18-29, gem.: Auszugsweise Übersetzung des BlOst. Rasuwajew, W.: Kann Moskau es sich leisten, ein drittes Rom zu sein? in: Neue Zeit, 32/1990, S. 16-17. Vgl. Kunadze, G.: Über das ausreichende Verteidigungsmaß des Rüstungspotentials der UdSSR, in: Mirovaja ekonornika i mezdunarodnye otnolhenija, 10/1989, S. 68-83, gem.: Unüberprüfte Übersetzung der Sprachmittlergruppe des DOKFIZBw, Nr. 97687; Kuvaldin, V.: The End of a Bipolar World, in: Moscow News, 6/1990. Vgl. Kunadze, G.: Über das ausreichende..., a.a.O.; Koiosov, A.: Reappraisal of USSR Third World Policy, in: International Affairs, 5/1990, S. 34-42, S. 40f. Vgl. Streltsov, Yu.: In einer Diskussion im "International Affairs Guest Club", gem.: International Affairs, 5/1990, S. 145f.; Rasuwajew, W.: Kann Moskau..., a.a.O. Vgl. Moissejew, M.A.: gem. Walter: Zum Thema Militärreform, in: IABG/ITS Texte und Kommentare Nr. 23-1 (unveröffentlicht), S. 30; vergleiche auch die Quellenhinweise in Anm. 25. Vgl. zum gesamten Absatz: Warner, Eduard L: The Defense Policy of the Soviet Union, A Rand Note, August 1989, S. 13f.; Vlahos, M.: Thinking about World Change, December 1989, Centre for the Study of Foreign Affairs, Foreign Service Institute US, Department of State, S. 82; Nygren, B.: New and Old in Gorbacev's "New Thinking", in: NJSEES, Vol 6:1, 1989, S. 3-26, S. 4ff.; Schulz, Eberhard: Gorbatschows Reformen und die Entwicklungsperspektiven der Ost-WestBeziehungen, Vortrag anläßlich eines Symposiums an der Führungsakademie der Bundeswehr im Dezember 1989; Bomsdorf, F.: Das "Neue Denken" in der Sowjetunion, Grundzüge und Verwirklichung, Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP-AP 2633, Januar 1990, S. 51ff., S. 1ff.; Müller, M. und Matthias, V.: Der Strukturwandel des internationalen Systems und die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland, Beiträge zu Lehre und Forschung 2/1990 der Fachgruppe Sozialwissenschaften der Führungsakademie der Bundeswehr, S. 7ff.; Lehman, R.F.: Vortrag als Leiter ACDA vor dem Senatskomitee für auswärtige Angelegenheiten am 7.3.1990, gem.: U.S. Policy Information and Texts vom 8.3.1990, S. 25-37, S. 30; National Security Strategy Report des Präsidenten der USA vom 20.3.1990, gem.: U.S. Policy Information and Texts vom 20.3.1990, S. 17-31, S. 20 (Kurzfassung); The International Institute for Strategie Studies, Strategie Survey 1989-1990, S. 12f., 15ff.; Hochschule für Recht und Verwaltung, Section Politische Wissenschaften/Internationale Beziehungen, Potsdam, Mai 1990, Arbeitspapier: Erosion des bipolaren Sicherheitssystems - Konsequenzen für die deutschen Interessenlagen im Vereinigungsprozeß, S. 14ff; Dayton, K.; The End of the Soviet Blue Water Navy, in: Soviet Defense Notes, Nr. 4/1990, S. 1f.; Nehrlich, U.: Das Atlantische Bündnis am Scheideweg, Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP-S357, Juli 1990, S. 35/36; Stürmer, M.: Es geht um Bündnisfähigkeit, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.9.1990; Naumann, K.: Sicherheitspolitik im Umbruch, in: Information für die Truppe, 9/1990, S. 5-28, S. 8/9, 12. Vgl. Gorbatschow: Interview in "Pravda" vom 20.2.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 21.2.1990, S. 1-5; ders.: Interview für TASS, DDR-Fernsehen und Fernsehen der Bundesrepublik am 6.3.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 7.3. 1990, S. 1-3; ders.: Rede nach Vereidigung als Präsident, gem.; BPA-Ostinformationen vom 16.3.1990, Anh. I, S. 9ff; ders.: In Ottawa Ende Mai 1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 30.5.1990, S. 1 ;ders.: Bei Pressekonferenz in Moskau am 25.5.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 30.5.1990, S. 4; ders.: Rede bei Treffen mit US-Kongreß-Abgeordneten, gem.: DW-Monitor, Allgem. Teil vom 5.6.1990, S. 6; Schewardnadse: Rede vor dem Politischen Ausschuß des
-43- Europäischen Parlaments am 19.12.1989, gem.: BPA-Ostinformationen vom 20.12.1989, S. 8-17; ders.: Europa - von Spaltung zur Einheit, in: "Izvestija" vom 18.1.1990, gem.: Nowosti, Dokumente 1/90, S. 11f.; ders.: Interview mit "Pravda" und "Izvestija", gem.: BBC Summary of World Broadcast (USSR) vom 5.2.1990, S.SU/0680/A2/2ff. - Ders.: In Ottawa am 14.2.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 15.2.1990, S. 1; ders.: Interview mit "Neue Berliner Illustrierte", gem.: DW-Monitor, Deutscher Teil, vom 8.3.1990, S. 1-6. - Ders.: Interview in "Ogonek" vom 10.3.1990, gem.: Nowosti Nr. 9 vom 12.3.1990, S. 4f. - Ders.: Towards a greater Europe - The Warsaw Treaty Organisation and NATO In a Renewing Europe, in: "NATO: Sixteen Nations", Juni 1990, S. 18-22; ders.: In Gespräch mit italienischem Außenminister am 17.4.1990, gem.: DW-Monitor - Deutscher Teil, vom 18.4.1990, S. 1; ders.: Interview in "Irish Times" vom 28.4.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 30.4.1990, S. 13-17. ders.: "Europa: Die Mission der Generationen", in: "Izvestia" vom 29.5.1990, gem.: DW-Monitor, Allgem. Teil, vom 30.5.1990, S. 7ff; ders.: Europa zwischen Vergangenheit und Zukunft, in: "Neue Zeit", 26/1990, S. 5-8; ders.: Interview mit Radio Moskau am 19.6.1990, gem.: DW-Monitor, Allgem. Teil, vom 20.6.1990, S. 1: Anonym, Handelsblatt, vom 13.2.1990, "Breite Zustimmung für deutsche Einheit"; Gerassimow, G.: Erklärung vom 13.3.1990, gem.: DW-Monitor, Deutscher Teil, vom 20.3.1990, S. 8-10; Falin, W.: Pressekonferenz in Straßburg am 14.2.1990, gem.: BPA/Ostinformationen vom 15.2.1990, S. 4; ders.: Im ZDF am 23.3.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 26.3.1990, S. 1; Ders.: Beitrag im "Handelsblatt" vom 2.4.1990; ders.: Interview in "New York Times", gem.: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12.4.1990; Primakow, J.: Interview mit Nowosti am 21.6.1990, gem. BPAOstinformationen vom 22.6.1990, S. 4. Vgl. Schewardnadse, E.: Rede bei 2 +4-Konferenz am 5.5.1990, gem. BPA/Ostinformationen vom 7.5.1990, S. 3ff.; ders.: Kommentar zu den Ergebnissen der NATO-Ratstagung vom 5.-6.7.1990, gem. Nowosti vom 10.7.1990. Vgl. ders.: Rede Im Komitee des Obersten Sowjet für Auswärtige Angelegenheiten am 20.9.1990, a.a.O. Achromejew, S.: In einer Diskussion des zentralen Sowjetischen Fernsehens am 9.3.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 12.3.1990, S. 7. Ders.: Interview mit Nowosti, gem.: BPA-Ostinformationen vom 15.3.1990, S. 4ff.; vgl. auch Jasow, B.: In Interview mit "Izvestija", gem.: BPA-Ostinformationen vom 21.3.1990, S. 15f.; ders.: Vor Mitgliedern des italienischen Verteidigungsausschusses, gem.: BPA-Ostinformationen vom 28.5.1990, S. 2; Kulikow, V.: In Interview in "Welt am Sonntag" vom 27.5. 1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 28.5.1990, S. 2; Moissejew, M.: In "Krasnaja Zvezda" vom 22.7.1990, gem.: BBC Summary of World Broadcast (USSR) vom 23.7.1990, SSU/0823 A1/3f.; Monin, M.: In 'Radio Moskau' am 10.6.1990, gem. DW-Monitor, Allgem. Teil, vom 11.6.1990, S. 1-3. Vgl. Borko, J A , Orlov, B.S.: Überlegungen zu den Geschicken Europas, in: Mirovaja ekonomika i mezdunarodnye otnolenija 9/1988, S. 45-58, Übersetzung des Bundessprachenamts Nr. 92708, S. 24f. Vgl. Proektor, D.: Vereinigtes Deutschland - Gefahr für Europa?, in: "Neue Zeit" 10/1990, S. 12-14. Daschitschew, W.J.: Das gesamteuropäische Haus und die deutsche Frage, in: MUT; November 1989, S. 28-37; ders.: Im ZDF am 10.2.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 12.2.1990, S. 15; ders.: Interview in "Bild am Sonntag", 18.3. 1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 19.3.1990, S. 15; ders.: Interview in "Die Welt" vom 20.3.1990; ders.: In "Kosomoiskaja Prawda" vom 15.5.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 16.5.1990, S. 3.; Bovkun, Y.: In "Izvestija" vom 2 7.11.1989, zitiert bei Peterson, Philip A.: The Emerging Soviet Visson of European Security, S. 8; Piotkovsky, A.: Bei einem Vortrag in Cambridge im Janaur 1990, bei Peterson a.a.O., S. 9. - Gladkov, P. und Nichols, T.: USSR, USA and New Europe, in: "Moscow News", 12/1990. - Pogorshelski, D.: Das deutsche Rätsel, in: "Neue Zeit", 16/1990, S. 16f; Danilov, D.: The Search for the Ideal Compromise, in: "Moscow News", 15/1990. - Baranovskij, V.G.: Das optimale Modell der Zusammenarbeit der Blöcke, in: "SSA" 3/1990, S. 36-39, Rohübersetzung des Bundessprachenamts Nr. 99211; ders.: The "German Question" and New Realities, in: "Moscow News", 51/1989. Vgl. Rahr, A.: Conservative Opposition to German Reunification, in: Report on the USSR, May 11, 1990, S. 15-17; vgl, zum gesamten Abschnitt auch die westlichen Bewertungen von Alexandrova, O.: Das Gipfeltreffen von Malta, Aktuelle Analysen des BlOst, 60/1989, S. 4f.; Riese, H.-P.: Die Geschichte hat sich ans Werk gemacht. Der Wandel der sowjetischen Position zur Deutschen Frage, in: Europa-Archiv, 4/1990, S. 117-126; Donoven, B.: Eastern Europe and German
-44- Unity, in: Report on Eastern Europa, March 2, 1990, S. 48-52; Wettig, G.: Bundesrepublik, NATO und Deutschland-Frage in der sowjetischen Politik, in: Berichte des BlOst, 60/1989; ders.: Der politische Wandel in Osteuropa und seine Auswirkungen auf die europäische Politik, Teil I: Systemwandel und Deutschlandfrage, in: Aktuelle Analysen des BlOst, 7/1990; ders.: Der Wandel des sowjetischen Standpunkts Zur Vereinigung Deutschlands, in: Aktuelle Analysen des BlOst, 26/1990; ders.: Aufschlüsse über den Hintergrund der neuen sowjetischen Osteuropa- und Deutschlandpolitik vom 14.2.1990 (unveröffentlichtes Manuskript); ders.: Stadien der sowjetischen Deutschland-Politik, in: Deutschland-Archiv, 7/1990, S. 1070-1078; Institut für Internationale Politik und Wirtschaft, (Hrsg.): Sicherheitspolitische Aspekte des deutschen Einigungsprozesses im Licht der 2 + 4-Verhändtungen, Berlin-Ost, April 1990, S. 7ff.; Oldenburg, F.: Vier Tage im Juni 1989 - Gorbatschow in Bonn, in: Osteuropa, 11/12/1989, S. 982-994; ders.: Sowjetische Deutschland-Politik nach der Oktober-Revolution in der DDR, in: Deutschland-Archiv, 1/1990, S. 68-76. Vgl. Wettig, G.: The Soviet Concept of Security in a "Common European House", in: Berichte des BlOst 13/1990. Vgl. Petrowski, V.: Interview in: "Le Figaro" vom 2.12.1989, gem.: BPA-Ostinformationen vom 4.12.1989; Debyabin, Y.: Milestones of the "Year of Europe", in: International Affairs, 2/1990, S. 56-67, S. 64ff.; Gorbatschow: bei Informationstreffen der Führer der WP-Staaten nach dem "Malta Gipfel" am 4.12.1989, gem.: DW Monitor, Allgem. Teil vom 5.12. 1989, S. 2; ders.: Interview in "Pravda" vom 20.2.1990, a.a.O.; ders.: Referat auf Februarplenum 1990 des ZK der KPdSU, gem. Knabe, Bernd, in: Aktuelle Analysen des BlOst, 17/1990, S. 1f; ders.: Interview im Time Magazin, gem.: BPA/Ostinformationen vom 28.5.1990yS. 45f. - Plattform des ZK der KPdSU zum XXVIII. Parteitag: "Zu einem humanen, demokratischen Sozialismus", gem.: BPA/Ostinformationen Sonderdienst vom 14.2.1990, S. 17-19; Schewardnadse: Rede for Politischem Ausschuß des Europäischen Parlaments am 19.12.1989, a.a.O.; ders.: Towards a greater Europe..., a.a.O.; ders.: Europa: Die Mission der Generationen, a.a.O.; ders.: Interview in: "Neue Zeit", 1/1990, S. 20-22. Vgl. Fedossow, P.: Die sowjetische Außenpolitik in der Ära der Perestrojka, in: Rissener Rundbrief, 11/1988, S. 390-393. - Karaganov, S.A.: The Year of Europe: A Sovjet View, in: Survival 2/1990, S. 121-128. Vgl. Baranovskij, V.G.: Das optimale Modell der Zusammenarbeit der Blöcke, a.a.O. Vgl. Bogaturov, A.D., Nosov, M.G., Plesakov, K.V.: Wer sind unsere Verbünden? Die Welt von heute: Tendenzen und Widersprüche, in: Kommunist, 1/1990, S. 105-114, Rohübersetzung des Bundessprachenamtes Nr. 99171; Kokosin, A.A.: Die Konturen der Veränderungen (Die Zukunft Europas), in: SSA, 2/1990, S. 31-33, unüberprüfte Übersetzung des Bundessprachenamtes, Nr. 99209; Davydov, Ju.P.: Zur neuen europäischen Ordnung, in: USA, 3/1990, unüberprüfte Übersetzung des Bundessprachenamtes, Nr. 92213; Mazing, V.A.: Die Freiheit der Wahl garantieren, a.a.O; Daschitschew: Interview in: "Die Welt", vom 20.3.1990. Vgl. Jazov, D.: Interview in "Izvestija" am 18.5.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 21.5.1990, S. 15f. Vgl. Moiseev, M.A.: On the Soviet Military Doctrine, Updated Version, Vienna, January 16,1990. Vgl. Lusev, P.G.: die Einheit der Verteidigungsanstrengungen der Länder des Warschauer Vertrages - Faktor des zuverlässigen Schutzes des Sozialismus, in: Voennäja mysl', 1/1990, S. 3-13, gem.: Walter, F., IABG/ITS in Texte und Kommentare, Nr. 19/1990 (unveröffentlicht), S. 9, 11; Orlov, S. und Kolpakov, M.: Myth and Reality of Soviet "Military Threat", in: Krasnaya Zvezda vom 1.3.1990, gem.: BBC Summary of World Broadcast (USSR) vom 7.3.1990, S.SU/ 0706 A 1/2; Moiseev, M.A.: Zadaci u nas adni, in: Krasnäja Zvezda vom 10.2.1990; ders.: Der welthistorische Sieg, in: Voennäja mysl', 5/1990, S. 9-19, gem.: Walter, F.: IABG/ITS in Texte und Kommentare, Nr. 24/1990 (unveröffentlicht), S. 4; Achromejew, S.: Rede vor dem Streitkräfteunterauschuß des amerikanischen Senats am 8.5.1990, gem.: U.S. Policy, Information and Texts vom 9.5.1990, S. 25; ders.: Beitrag auf einem Seminar über maritime Rüstungskontrolle Anfang Februar 1990 in Moskau, gem.: Nowosti, Militärbulletin vom 17.5.1990, S. 10; ders.; The Army Needs Protection. Against Whom? in: Komsomol'skaja Pravda vom 4.8. 1990, gem.: BBC Summary of World Broadcast (USSR) vom 16.8.1990, S.SU/0844 B 1/2; Lobow, W.: Interview für TASS am 30.8.1990, gem.: DW-Monitor, Allgemeiner Text vom 31.8.1990, S. 1; Jasow, D.T.: Rede am 17.8.1990 vor Offizieren im Übungsgebiet bei Odessa, gem.: Walter, F. IABG/ ITS Texte und Kommentare, Nr. 25/1990, (unveröffentlicht), S. 9; vgl, auch die westliche Bewertung von: Foye, S.: Military Hard-Liner Condemns "New Thinking" in Security Policy, in: Report on the USSR, July 13, 1990, S. 4-6 und ders.:
-45- Defense Issues at the Party Congress, in: Report on the USSR, July 27,1990, S. 1-5. Vgl. Lobow, W.: Interview mit TASS am 17.2.1990, a.a.O.; Achromejew: Interview mit "Rizospastis" (Griechenland) gem.: BPA-Ostinformationen vom 15.3.1990, S. 6; Roljatko, A.: Interview mit Radio Moskau am 31.5.1990, a.a.O., S. 4; Luschew, P.: Interview mit TASS am 11.5.1990, gem.: DW-Monitor, Allgemeiner Teil, vom 14.5.1990, S. 6; ders.: Interview mit TASS am 18.5.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 21.5.1990, S. 17; Jasow, D.: Rede bei Treffen von Militärdelegationen des WP in Moskau am 8.5.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 9.5.1990, S. 20; vgl. zum gesamten Abschnitt auch die westlichen Wertungen von Lapins, W.: Quo vadis - Warschauer Pakt?, Kurzpapier Nr. 34 der Friedrich-Ebert-Stiftung vom Dezember 1989, S. 8; Wettig, G.: West European Integration and Pan-Europeanism in Soviet Foreign Policy, in: Berichte des BlOst, 10/1990; ders.: Der politische Wandel in Osteuropa und seine Auswirkungen auf die europäische Politik, in: Aktuelle Analysen des BlOst, 8/1990; ders.: Zur Sowjetischen Strategie der europäischen Sicherheit, a.a.O., S. 3; ders.: Die NATO im amtlichen sowjetischen Denken und Handeln, in: Berichte des BlOst, 50/ 1990, S. 19ff.; Alexandrova, O.: Auswirkungen auf die amerikanische Ostpolitik, In: Umbruch in Osteuropa - Interdependenzen und Konsequenzen, in: Sonderveröffentlichung des BlOst, Januar 1990, Hrsg. Vogel, H., S. 67-72; ders.: Das Gipfeltreffen von Malta, a.a.O.; Linke, H.G.: Kontinuität und Wandel in der sowjetischen Außenpolitik - Friedliche Koexistenz und Breshnew-Doktrin, Schriftenreihe Akademie der Bundeswehr für psychologische Verteidigung, 2/1989, S. 55f.; Persen, P.A.: Emerging Soviet Vision of European Security, unveröffentlichter Arbeitsentwurf vom 10.4. 1990, S. 14f.; Timmermann, H.: Die Sowjetunion und Westeuropa: Perzeptionswandel und politische Neuausrichtung, in: Berichte des BlOst, 35/1989, S. 11f.; Reifenberger, J.: Die NATO als "Werkzeug des Wandels", in: Frankfurter allgemeine Zeitung vom 19.12.1989. Gorbatschow: Rede bei Treffen mit US-Kongreß-Abgeordneten, a.a.O. Ders.: Rede vor dem Obersten Sowjet am 12.6.1990, gem.: DW-Monitor, Allgemeiner Teil, vom 13.6.1990, S. 1-5. Vgl. Gorbatschow: Ansprache vor dem Obersten Sowjet am 1.8.1989, gem.: Meissner, B.: Gorbatschows Umbau des Sowjetsystems (V), Vierter Akt - Die Konstituierung und die erste Sitzungsperiode des neuen Obersten Sowjet der UdSSR, in: Osteuropa, 1/1990, S. 82; ders.: Rede vor der parlamentarischen Versammlung des Europarats am 6.7. 1989, gem.: BPA/Ostinformationen vom 7.7.1989; ders.: Interview im Time Magazine, a.a.O.; Schewardnadse: Interview mit "Izvestija", a.a.O., S. 9; ders.: The Road towards a Greater Europe, in: Moscow News weekly, 8-9/1990; Erklärung der sowjetischen Regierung zur Lage in Europa vom 11.2.1990, in: BPA-Ostinformationen vom 12.2.1990, S. 22f.; Kovalev, A.: Soviet Foreign Policy Priorities, Zusammenfassung der Diskussion bei The 19th All-Union CPSU Conference: Foreign Policy and Diplomacy' am 27.7.1988, in: International Affairs, 10/1988, S. 36f.; Petrowski, W.: Bei Pressekonferenz in New York gem.: DW-Monitor, Allgemeiner Teil vom 18.12.1989, S. 5.; Falin, V.: Interview in "Volksblatt" vom 11.2.1990. Vgl, zur westlichen Bewertung auch: Wettig, Gerhard: The Soviet Concept..., a.a.O.; ders.: Die sowjetische Politik der europäischen Sicherheit. Versuch einer Analyse nach Kriterien der Friedens- und Konfliktforschung, in: Berichte des BlOst, 46/1971, S. 7f.; Timmermann, H.: Die Sowjetunion und Westeuropa, a.a.O., S. 7ff.; Dawisha, Karen; Gordon, Lincoln; Kiser, John W.lll.: Change in Eastern Europe: Soviet Interests an Western Opportunities; The Atlantic Council of the United States, Occasional Papier, vom April 1989, S. 18ff.; Reifenberg, Jan: Die Sowjetunion wünscht die amerikanische Präsenz in Europa, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 20.2.1990. Vgl. Davydov, J.P.: Zur neuen europäischen Ordnung, a.a.O., S. 5f. Vgl. Bayev, P., Zhurkin, V., Karaganov, S., Shein, V.: Tactical Nuclear Weapons in Europe - The Problem of Reduction an Elimination, Moscow 1990, S. 12f. Vgl. Timmermann, Heinz: Die Sowjetunion und Westeuropa:..., a.a.O., S. 11, Anm. 23. Vgl. auch Baranowskij, W.G.: Das optimale Modell:..., a.a.O., S. 10; ders.: Kontinuität und Wandel in der sowjetischen Haltung zur europäischen Sicherheit, in: Wissenschaft und Frieden, 4/1989, S. 1-8, S. 8; Karaganov, S.: The USA and Common European Home, in: International Affairs, 8/1989, S. 17-26, S. 25. Vgl. Achromeev: Interview in "Time Magazine" vom 13.11.1989, S. 26; Moissejew: gem.: Frankfurter Allgemeine Zei-
tung, vom 5.2.1990. 47 Vgl. KokoJSin, A.A.: Die Konturen der Veränderung, a.a.O.; Karaganov, S.A.: The Year of Europe: a Soviet view, a.a.O. 48 Vgl. Schewardnadse, E.: Interview in: "Ogonek", vom 10.03.1990 a.a.O., S. 3; ders.: The Foreign Policy and Diplomatic Activity of the USSR, April 1985 - October 1989, in: International Affairs, 1/1990, S. 5-111, S. 64; Gorbatschow, S.: Ansprache im Präsidialrat der UdSSR am 27.3.1990, gem.: Presseagentur Nowosti, Nr. 15, vom 4.4.1990, S. 13; ders.: Bericht auf dem 28. Parteitag der KPdSU, gem.: BPA-Ostinformationen vom 3.7.1990, Anh., S. 24; Sowjetisch-polnische Erklärung vom 14.4.1990, gem.: BPA-Ostinformationen vom 17.4.1990, S. 48f.; Bogaturov, A.D.; Nosov, M.G.; Plesakov, K.V.: Wer sind unsere Verbündeten?, a.a.O.; Bezkrukov, M.E. und Kortunov, A.V.: Die Reform des Warschauer Paktes ist erforderlich, aus "SSA" 3/1990, S. 30-35, Übersetzung des Bundessprachenamtes Nr. 99210; Nelson, Daniel N.: Political Dynamics and the Bulgarien Military, in: Berichte des BlOst, 43/1990, S. II; Besrukow, M. und Koshokin, M.: Osteuropa, adieu, in: "Neue Zeit", 11/1990, S. 16-17; Weydenthal, Jan B. de: Changing Views on Security in Eastern Europe, in: Report on Eastern Europe, July 20,1990, S. 45-47. 49 Vgl. Petersen, P.A.: A new Security Regime for Europe?, in: Problems of Communism, March-April 1990, S. 91-97, S. 94ff.; Timmermann, H.: Ursachen und Perspektiven der Neuorientierung Moskaus gegenüber Staaten und Völkern in Osteuropa, in: Aktuelle Analysen des BlOst, 38/1990, §, 5f.; Blagowolin, S.: Sinn und Maß militärischer Macht, in: "Initial" 2/1990, S. 205-217, S. 215; Kerner, M. und Stopinski, S.: Finnlandisierung als Perspektive? in: "Osteuropa", 3/ 1990, S. 255-271; Wettig, G.: Der politische Wandel in Mittel- und Osteuropa und die Sowjetunion, in: Aktuelle Analysen des BlOst, 28/1990, S. 2; Kux, Stephan: Neutrality and New Political Thinking, unveröffentliches Vortragskonzept vom IV. World Congress for Soviet and East European Studies, Harrogate, 21-26 June 1990, vor allem S. 13ff. 50 Vgl. Wettig, G.: West European Integration and Pan-Europeanism, in: Soviet Foreign Policy, a.a.O.; ders.: Der politische Wandel in Osteuropa und seine Auswirkungen auf die europäische Politik, a.a.O. 51 Vgl. Timmermann, H.: Die Sowjetunion und Westeuropa: Perzeptionswandel und politische Neuausrichtung, a.a.O., S. 13ff.; ders.: Westeuropa und die Umbrüche in Osteuropa: Auf der Suche nach neuen gesamteuropäischen Strukturen, in: Aktuelle Analysen des BlOst, Nr. 5/1990; Bromsdorf, Falk: Das "Neue Denken" in der Sowjetunion, Grundzüge und Verwirklichung, Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP-AP2 633, Fo.Pi.2.2./90, Januar 1990, S. 44f. *>2 Vgl. Heinzig, D.: Soviet Foreign Policy under Gorbachev: Motivation, Practice, Theory, Perspektives, in: Berichte des BlOst, 66/1989, S. 11f.; Hausleitner, Mariana: Das gemeinsame Haus Europa - mit oder ohne UdSSFl?, Manuskript eines Aufsatzes aus: "Friedensanalysen", 1617, S. 8f. 58 Vgl. Schewardnadse, E.: The Foreign Policy and Diplomatie Activity of the USSR, a.a.O.; ders.: Europa - Von der Spaltung zur Einheit, a.a.O., S. 6; ders.: Rede vor dem Politischen Ausschuß des Europäischen Parlaments am 19.12.1989, a.a.O., S. 19 u. 26; ders.: Europa: Die Mission der Generationen, a.a.O.; Anonym: A Model of Economic Relations That Does Not Work?, Theme of The Month, in: International Affairs, 4/1990, S. 53-55; Gratschow, A.: Eine Chance für Europa, in: Sozialismus: Theorie und Praxis, 1/1990, S. 15-19, (Aus "Prawda"). 54 Vgl. Bezrukov, M.E. und Kortunov, A.V.: Eine Reform des Warschauer Pakts ist erforderlich, a.a.O.; Kortunov, A.: Wiederbelebung europäischer Politik, in: Neue Zeit, 51/1989, S. 19. Vgl. Smolnikov, S.V.: Die neue Logik der europäischen Entwicklung, in: Mirovaja ekonomika i mezdunarodnye otnosenija, 6/1990, S. 18-29, auszugsweise Übersetzung des BlOst; Schneider, Eberhard: Die Westforschung der UdSSR, IV: Leistungsfähigkeit, neues Denken und politischer Einfluß, in: Osteuropa, 4/1990, S. 350-365, S. 358. 56 Vgl. Goljakow, S.: Allein oder einsam, in: Neue Zeit, 20/1990, S. 8. Vgl. Timmermann, H.: Die KPdSU-Reformer und die Linke in Westeuropa: Auf der Suche nach Präferenzbeziehungen zur internationalen Sozialdemokratie, in: Aktuelle Analysen des BlOst, 37/1990, S. 7.; vgl. auch Davydov, Ju.P.: Zur neuen europäischen Ordnung, a.a.O.; Jelzin, B.: Äußerungen in München am 7.3.1990, gem.: BPA-Ostinformationen
-47- vom 8.3.1990, S. 7. 58 Vgl. Wettig, G.: Die Folgen der KSZE aus östlicher Sicht, in: Berichte des BlOst, 7/1977; Riese, H.P. a.a.O., S. 122; Baranowski, W.: Kontinuität und Wandel in der sowjetischen Haltung zur europäischen Sicherheit, in: Wissenschaft und Frieden, 4/1989, S. 1-8, S. 3f. 59 Vgl. Schewardnadse, E.: Rede vor dem Politischen Ausschuß des Europäischen Parlaments am 19.12.1989, a.a.O., S. 28f.; ders.: Europa - Von Spaltung zur Einheit, a.a.O., S. 11f.; ders.: Towards a Greater Europe, a.a.O. 60 Vgl. Schewardnadse, E.: Europa zwischen Vergangenheit und Zukunft, in: "Neue Zeit", 26/1990, vom 22.06.1990 (d.h. vor dem 28. Parteitag der KPdSUI), S. 5-8, Zitat siehe S. 6. 61 Vgl. u.a. Schewardnadse, E.: Towards a Greater Europe, a.a.O. °2 Vgl. Batenin, G.V.: Interview in: "Die Welt", vom 25.7.1990; vgl, zum gesamten Abschnitt auch: Gorbatschow, M.: Rede vor der parlamentarischen Versammlung des Europarats am 6.7.1989, a.a.O.; Schewardnadse, E.: Interview in: "Nowoje Wremja", gem.: BPA/Ostinformationen vom 23.2.1990, S. 1; ders.: Interview in "Pogled" (Bulgarien), gem.: BPAOstinformationen vom 2.7.1990, S. 12-16; ders.: Kommentar zu Ergebnissen der Londoner NATO-Ratstagung, gem.: Nowosti, vom 10.7.1990 63 Vgl. Orlov, B.: Überlegungen zu den Geschicken Europas, a.a.O., S. 17f. 64 Vgl. Karaganov, S.: The Year of Europe: a Soviet view, a.a.O. 65 Vgl. Ebenda und - Davydov, Ju.: Zur neuen europäischen Ordnung, a.a.O., S. 5f. 66 Vgl. auch Baranowski, W.: Kontinuität und Wandel in der sowjetischen Haltung zur europäischen Sicherheit, a.a.O., S. 3f.

Jobst Echterling - 49 - Soviet Views on the Future Design of European Security Bericht des BlOst Nr. 60/1990 Summary Preliminary Remarks: The present study looks into the various positions currently held by the USSR on the design of European security in the period between approximately 1995 and 2000. In addressing this issue, the following background factors are significant: 1. In the recognition that its previous policy was counterproductive on security and economic issues, the USSR is today moving from a totalitarian form of military policy to developing a security policy in the Western sense. 2. The underlying conditions of Soviet policy towards Europe are undergoing fundamental change due to the revolutionary upheavals in East Central Europe and Germany and to inner-Soviet developments. 3. The answers given to the central question of the study are couched in considerable uncertainty. This is due to the fact that: - the USSR is in the midst of chaotic upheaval, - the USSR does not have a valid concept of national security, - the USSR has an altogether new outlook on plurality, with respect to both opinion and political parties, - many terms used in the USSR have entirely different and at times changing definitions, and - it is practically impossible to differentiate between short, medium and long-term goals and concepts. 4. Up until recently, the spectrum of opinion in the USSR could be divided into the following, relatively homogeneous groups: - civilian scientists as the sources of innovation, - the political leadership, which took over some of their ideas, and - the military leadership which, more or less convinced, followed the political leadership, at least officially. Today, reactionary-conservative forces, reformers and radical reformers are clearly present in each group. The exact composition of each group varies from time to time and with respect to specific issues. Their respective importance in each of the groups differs depending on the specific area concerned. The study departs from the hypothesis that any future order of European security is faced with the following options: - a continued state of confrontation, - a system of collective security,
DU - - a system building on Western integration concepts and experience, - a more arbitrary and less structured system of nation states. The study arrives at the following findings: 1. With respect to the key issues of its relationship to the USA and its own superpower control, it is important for the political leadership in the USSR that its relationship to the USA be sufficiently free of tensions and on an equal footing - especially in terms of nuclear strategy ~ so as to ensure the prerequisites for a positive development of relations with the European states and above all with Germany. For Soviet intellectuals, superpower concerns are fading into the background and the question as to the true security interests of the Soviet Union is frequently raised. The military appears to be having more difficulty relinquishing its obsolete views in this domain. 2. Typically, the views of radical reformers and reformers on the question of European policy have not differed in any fundamental way. Differences can be found primarily with respect to the latter's need to implement policy. Conservative-reactionary elements are usually reserved in their statements on the subject. It would appear that they see no other real alternative than a return to the old order. 3. A great many in the USSR still view Germany as the only country within the Central European heartland from which a serious military threat to the Soviet Union could be launched without using nuclear weapons. For the USSR, security is therefore always either against or with Germany. In the meantime, the political leadership of the USSR has realized that the Soviet model of bloc security has failed, that a collective security system has no chance of realization at the moment, that decisions with respect to Germany will determine future security structures, and that to achieve economic recovery the USSR needs to rely on Germany. In this realization, in its decisions on the future of Germany in July 1990 and in the awareness of its real policy options - at least in the medium term -, the Soviet Union has accepted a European security order on the basis of the Western concept of political and military integration. Whereas the vast majority of intellectuals who sympathize with the radical reformers - predicted this development early on, recognizing its advantages and giving their support, and whereas leading military figures have also expressed their acceptance, conservative-reactionary forces still reject this approach. 4. Statements on the future of the alliances have made it clear that the political leadership has recognized and even if somewhat reluctantly - accepted their long-term role in shaping the Europe of the future. In this connection, NATO and the USSR (and not the WP) will clearly be the key players. Statements made concerning the Warsaw Pact look more like face-saving reversals. Almost all
- 51 Soviet representatives do, however, uphold the ideal of dissolving alliance structures in favour of a non-specified system of collective security. Only a few of the radical reformers appear to clearly prefer a system that builds on NATO. 5. Almost all Soviet positions call for, or at least demand the acceptance of, a medium-term involvement of the USA in European security structures. Emphasis is, however, often given to the need for limiting this participation in time and confining US involvement to non-military areas. This is the case most emphatically in military circles, less clearly so among reform politicians and least of all for intellectuals among the radical reformers. Some of the latter have even called for a standing US military presence in Europe. 6. Soviet positions on the role of East Central European states in the future system of European security have been marked by a considerable degree of uncertainty and confusion. Clarity exists only with respect to the dangers posed by instabilities in the economic, cultural, social and democratic developments in these states, which should be counteracted. Moreover, the Soviets view these states as economic partners who share similar problems. There would appear to be no solid basis for the frequent and unreflected reference to Soviet-Finnish relations as a model. 7. Soviet views on West European integration are characterized above all by the recognition of its inevitability and by the fear of becoming isolated from Europe as a result. The political leadership would not, however, appear to have abandoned its long-term goal of supplanting the EC. Radical reformers are placing more emphasis on the positive, peace-keeping potential of integration and are vesting their hopes in this process. Although the Soviets attach great expectations for the economic recovery of the USSR to the European integration process, the related problems,e.g. the loss of sovereignty, are not discussed. 8. Soviet thinking on the CSCE process and its institutionalization is changing, or has changed, from interpreting the CSCE as a political instrument of peaceful coexistence, to viewing it as a kind of collective security system, to finally considering it as a process that should develop into an element that complements other institutions. These elements should be both regionally and thematically structured. Whether this would in the long term mean abandoning the notion of collective security appears doubtful, at least for the political and military leadership. Notions on the military dimension of an institutionalized CSCE process have not been sufficiently developed, but already suggest a collective security system interpretation. Intellectuals have been alone in speaking of the limits inherent in the CSCE process. Nevertheless, they too would appear to lack a clear, long-term concept on how to translate existing approaches into coherent policy.
- 52 9. As regards Soviet concepts on the military structure of a future European security order, it is, on the one hand, apparent that the discussion is confined almost exclusively to the question of Soviet security. Any incorporation of European approaches is hard to detect. It is, on the other hand, evident that the various political notions of European security have not been clearly transformed into military concepts. Military thinking is still marked by a concern for bloc structures, even if these structures are to consist of NATO on the one side and the Soviet Union on the other. Previous NATO positions have, however, been adopted to varying degrees. The fact that the basis for these positions has disappeared due to altered political conditions does not emerge clearly from the discussion. 10. In summarizing the above-mentioned points on the future design of European security, three underlying positions emerge: - First, the group comprising those who reject radical change in former security concepts and thus, consciously or otherwise, support the retention or resurgence of confrontational structures, - second, the group comprising those who accept a transition to Western approaches to security thinking for pragmatic and, above all, for domestic policy reasons, and - third, the group comprising those who have recognized the value of Western security concepts as such. Given a minimum of continuity in the development of the USSR, the importance of the first group will certainly diminish in the long term. In the medium term, however, this first group should not be underestimated.

Neuere Arbeiten aus dem Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien Sowjetunion 1988/89 Perestrojka in der Krise? Carl Hanser Verlag, München/Wien 1989, 359 S. The Soviet Union 1986/87 Events, Problems, Perspectives. Westview Press, Boulder/London 1989, 373 S. Christopher Davis/Hans-Hermann Höhmann/Hans-Henning Schröder (Hg.) Rüstung - Modernisierung - Reform Die sowjetische Verteidigungswirtschaft in der Perestrojka. Bund Verlag, Köln 1990, 274 S. Hans-Hermann Höhmann/Gertraud Seidenstecher (Hg.) Die Wirtschaft Osteuropas und der VR China 1980-1990. Bilanz und Perspektiven. Verlag Weltarchiv, Hamburg 1988, 648 S. Carsten Herrmann -Pillath China - Kultur und Wirtschaftsordnung. Eine system- und evolutionstheoretische Untersuchung. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart/New York 1989, 420 S. Osteuropa und der internationale Kommunismus: Band 18: Joachim Glaubitz/Dieter Heinzig (Hg.) Die Sowjetunion und Asien in den 80er Jahren. Ziele und Grenzen sowjetischer Politik zwischen Indischem Ozean und Pazifik. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1988, 370 S.