Author: Kersten C.  

Tags: eisenbahnstrukturen  

Year: 1922

Text
                    DER
EISENBETONBAU
EIN LEITFADEN
FÜR SCHULE UND PRAXIS
VON
C. KERSTEN
VORM. OBERINGENIEUR,
STUDIENRAT AN DER STÄDTISCHEN BAU GEWERK SCHULE BERLIN
TEIL Ui
ANWENDUNGEN IM HOCH- UND TIEFBAU
MIT ANHANG:
Kohlesparende und wärmehaltende Betonbauweisen,
Schlackcnrerwertung, Leichtbeton u. a.
Mit G32 Textabbildungen
11. Auflage
BERLIN 1922
VERLAG VON WILHELM ERNST & SOHN

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten.
Vorwort zur 7. Auflage. (Auszug.) Das Buch soll dem Schüler einen Überblick über die mannig- fachen Anwendungsmöglichkeiten des Eisenbetons verschaffen und ihm Gelegenheit geben, das im Teil I1) Gebotene für die in der Hoch- und Tiefbaupraxis vorkommenden Fälle auszuwerten, so daß diese 7. Auflage mit der vor 7 Jahren erschienenen i. Auflage eigentlich nur noch Titel und allgemeine Stoffeinteilung gemein hat Die Umarbeitung des Buches war eine durchgreifende und in der Hauptsache bedingt durch die großen Fortschritte, die der Eisen- betonbau in den letzten Jahren genommen hat. Die Anzahl der Abbildungen und Abbildungsgruppen ist von 467 auf 593 gestiegen. Sehr viele Abbildungen sind mit schwarz angelegten Querschnitts- flächen in starker Verkleinerung ausgeführt, um eine größere Über- sichtlichkeit zu gewinnen und an möglichst vielen Beispielen — ohne große Umfangsvermehrung des Buches — die unbegrenzte Formgebungsmöglichkeit des Eisenbetons zu kennzeichnen. Für den Schulunterricht haben sie insofern noch besonderen Wert, als sie vom Unterrichtenden zum großen Teil zu Konstruktionsaufgaben fllr die Schüler zweckmäßig verwandt werden können, insbesondere zur Ausarbeitung von Eisenbiegeplanen und von Massen- und Schalungsauszügen. Für fast alle Anwendungsformen sind Beweh- rungsbeispiele gegeben. Der Ingenieur muß in seinen Technikern Hilfskräfte erhalten, die ihm die mehr elementaren Dinge, wie Ausarbeitung von Biegeplänen und Massenberechnungen, abnehmen können und die vor allem auch in der Lage sind, nach skizzen- haften Angaben des Ingenieurs die genaueren maßstäblichen Bau- pläne anzufertigen. i) Kersten. Der Eisenbetonbau, Teil I, Ausführung und Berechnung der Grundformen. 11. Auflage 1920. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn. Berlin W G6.
IV Vorwort Die Textorweiterungen sind besonders in den Abschnitten über den Hochbau erfolgt, insbesondere in dein Kapitel Über Dach- und Hallenbauten. Die Kenntnis zweckmäßiger Dachausbildungen in Eisenbeton ist für den Architekten ebenso wichtig wie für den Bau- ingenieur. In allem ist auf das rein Praktische besonderer Wert gelegt, z. B. auf die Ausführung wasserdichter Kelleranlagen, Maschinen- isolierungen, Fußböden, Eindeckungen von Beiondächern usw. In besonders eingehender Weise sind die Krag- und Konsolbauten behandelt worden, da diese gerade für den Eisenbetonbau besonders charakteristisch sind. Überall ist Einseitigkeit in der Behandlung des Stoffes nach Möglichkeit vermieden; es ist danach gestrebt worden, die Erfahrungen vieler in genügend ausführlicher Weise zu Papier zu bringen. Die Einteilung des ganzen Stoffes entspricht jetzt mehr den Unterrichtszwecken wie früher. Der Verfasser war bei dieser Neu- einteilung bemüht, den verschiedenen an ihn ergangenen Wünschen aus den Kreisen der im Lehrberuf stehenden Fachkollegen Rechnung zu tragen. Wie in den früheren Auflagen ist auch jetzt wieder auf 'eine leicht verständliche Behandlung des Stoffes besonderer Wert gelegt, so daß das Buch in seiner neuen Fassung auch zum Selbststudium und zum Gebrauch bei den vielfach in Mode gekommenen Eisen- beton-Sonderkursen wohlgceignet sein dürfte. Natürlich ist die Fülle des zu behandelnden Stoffes eine viel zu große, als daß der Leitfaden auch nur im entferntesten Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Um das Buch in dem vorgczcicbncten Rahmen zu erhalten, mußte sich der Verfasser nach wie vor starker Einschränkungen bei den einzelnen Kapiteln befleißigen und so manches Kapitel, welches für den Anfänger und den Nichtfachmaun weniger wichtig und lehrreich ist, ganz fortlassen oder nur in aller Kürze berühren. Dresden-N. 23, im September 1913. C. Kersten.
Vorwort zur 10. Auflage. Oer Inhalt des Buches ist in zeitgemäßer Weise umgearbeitet und ergänzt worden. So haben insbesondere die Kapitel, die die neuzeitlichen Deckenformen, die Dacheindeckungen und die Pfahlgründungen behandeln, eine durchgreifende Nebenbear- beitung erfahren. Der Schüler und Architekt muß die verschie- denen Gesichtspunkte kennen, welche für eine ungefähre Beurteilung der Vor- und Nachteile aller neuzeitlichen Bauweisen in Betracht kommen. Das gilt namentlich auch von den neuartigen Wand- ausbildungen, die bezüglich ihrer Zweckmäßigkeit vom Stand- punkt der Wärmehaltung und des Kohlesparens zu beurteilen sind. Alle diese Fragen sind ziemlich eingehend behandelt und durch viele Konstruktions- und Rechnungsbeispiele näher erläutert worden. Die Wichtigkeit dieser in einem besonderen Anhang gegebenen Besprechungen läßt es berechtigt erscheinen, wenn hier der Ver- fasser zum Zweck besseren Verständnisses auch Dinge bringt, die dem Eisenbetontechniker eigentlich etwas ferner liegen. Ein kleines Mehr an dieser Stelle ist aber zur schnelleren Klärung der für den Augenblick so ungemein wichtigen Fragen des Siedlungs- und Wohnhausbaues wohl besser als ein Zuwenig1). Daß bei dieser Gelegenheit auch die Herstellung und Verwendung von Schlacken- beton und Leichtbeton behandelt wurde, dürfte selbstverständlich erscheinen. Schließlich ist auch noch der Schiffs- und Waggonbau berücksichtigt worden, soweit es nach Ansicht des Verfassers den Bedürfnissen des Buches entspricht. Ausführungen mannigfachster Art haben gezeigt, daß der Eisenbetonschiffbau schon jetzt einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht hat Er wird namentlich *) Man vgl. meine Vorschläge über die zeitgemäße Neuordnung des Bau- achulunterrichtes in der Deutschen Bauzeitung 1920, S. 3, sowie in der Zeit- schrift für gewerblichen Unterricht 19J1, Nr. 11, 12.
VI Vorwort. für den Ersatz der eisernen Flußschiffe Uber 500 Tonnen, die nach dem Versailler Vertrag dun Alliierten nuszuliefern sind, ernstlich in Betracht kommen. Und auch der Waggonbau wird auf Grund der bisherigen guten Erfahrungen ernstere Beachtung verdienen. Die Anzahl der Abbildungen ist um 60 Stilrk vermehrt und älteres Material durch neuere Darstellungen ersetzt worden. Bei Abfassung des’ Anhanges, der sich vornehmlich mit den sogen, „sparsamen“ (besser „kohlesparenden“) Bauweisen beschäftigt, sind mir die Herren Obering. Gaßner, Reg.-Baumeister Halle •und Dipl.-Ing. von Schwarze in liebenswürdigem Entgegenkommen behilflich gewesen. Ich sage ihnen auch an dieser Stelle meinen Dank für alle Mühewaltung. Abschließend gibt der Verfasser der Hoffnung Ausdruck, daß auch diese 10. Auflage trotz der wirtschaftlichen Notlage neue Freunde in den Schüler- und Technikerkreisen finden wird. Eine italienische Übersetzung des* Buches erscheint-bei L. Avalle, Turin. Berlin W 35, im April 1921. C. Kersten. Vorwort zur 11. Auflage. Die durchgreifende Neubearbeitung der io. Auflage machte es möglich, sich bei der vorliegenden 11. Auflage auf kleine Berichtigungen und Verbesserungen des Textes zu beschränken. Das Buch bildet nunmehr auch eine wichtige Ergänzung des völlig neubearbeiteten III. Teiles „Rechnungsbeispiele“, auf dessen Erscheinen zu Anfang 1923 schon jetzt aufmerksam gemacht werden möchte. Das große Interesse des Auslandes an dem Werke „E\ynbcton- bau“ kennzeichnet sich dadurch, das außer einer franzÖMrfien und einer italienischen Übersetzung nunmehr auch eine spanische sich in Vorbereitung befindet. Berlin W35, im September 1922. * C. Kersten.
Inhalt. I. Anwendungen im Hochbau. A. Die Zwischendecke»« Seite Vorzüge der Eisenbetondecken, Wärmescfrutz, Schalldämpfung, Auflagerung, Deckenbelag, Verputz, Ausführung, Einteilung i i. Vollplatten im Eisenbeton. Gewöhnliche Eisenbetonplatten 7 Bimsbetonplatten .... 11 Wölb- und V outenplatten 13 2. Rippenhohlplatten in Eisenbeton. Allgemeines, Schalblecbe . . ......................... 14 Bauweisen Ast, Koenen (Plandecke), Giese . . 15 3. Eisensteindecken. Bauweisen Kleine, Förster, Bimsbetonsteine . 17 4. Hohlkörperplatten mit ebener Untersicht. Allgemeines . . . 19 Bimsbetondecken.......................................24 Bauweisen Rhenus, Ackermann, Wörner, Hermanns, Geißler, Sieg...................................... ... .25 Bauweisen Lehmann, Zöllner, Zübliu ...................27 Bauweise Wayss (Rohrzellendecke) . . . 28 Bacula (Kastendecke) . . . 30 « Wrissenberg.................................. ; 31 5. Werkmäßig hergestellte Hohldecken, ohne Schalung verlegt. Allgemeines......................................... 32 Bauweise Herbst (Zylinderstegdecke) ..................34 Bauweisen Tilrk, Kiefer, Bayer, Großmann, Gißhammer, Lehmann, Guske, Ortogen, Wünsch, Bimsbeton . . . . 35 Bauweise Siegwart..................... . 38 „ Visintini (Gitterträger)...................... «39
v! 11 Inhalt, h. Pl.ittenbalkendecken in Eisenbeton. Seite Allgemeines............................................. .41 Verschiedenartige Ausfllhrungsformen 44 7. Decken besonderer Formgebung. Kassettendecken . . 47 Pilzdecken............................................... so Außergewöhnliche Formen .... 51 Oberlichtdecken in Glaseisenbeton . 53 B. Die Stlttzeu. Allgemeines, Eiseneinlagen . . 55 Anschluß der Balken, Ausbildung des Säulenfußes ...............57 Umschnürter Beton, Schleuderbeton, Querschnittsverstärkungen . 59 C. Die Zwischenwände. Allgemeines 61 Bauweisen Monier, Rabitz; Drahtziegel-, Streckmetall-, Prüßwände, Glasbausteine . .62 D. Die Treppen. Allgemeines, Einteilung und Berechnung . 66 Ausführung von Kunststeinstufen . . .69 Auslührung ganzer Treppenanlagen . 73 Gewundene Wangenträger, Freitreppen . . . 76 E. Krag- and Konsolbauteii. Allgemeines .... . . Jl a) Balkone und Erker................................... 79 b) Galerien für Saal-, Kirchen- und Theaterbauten (Rang- « konstruktionen, Galerieeinbauten) . . Si c) Konsolen und Stützen für Kranbahnen 87 F. Sonstige Anwendungsfomien im ein fliehen Hochbau. Tür- und Fensterstürze, Gesimse...............................89 Schornsteinkasten bei eisenbewehrten Brandmauern, Decken- öffnungen ................................................9r Wandrahmenwerke in Eisenbeton mit dazwischenliegender Aus- mauerung .............................................. 95 Befestigung von Transmissionen und Lichtleitungen . 96 Rampen . . . ..... 98
Inhalt JX Seite Durchfahrten und Straßenüberbrückungen.....................99 Ganze Bauwerke in Eisenbeton............................... 100 Fußböden für Geschäfts- und betriebstechnische Räume 102 G. Dach- und Hallenbauten. i. Dachabdeckungen und -isolierungen 105 2. Dachhaut auf eisernem Tragewerk 109 3. Balkendächer ........................116 Zeltdächer........................ .... 11S Sheddächer (Laternen- und Sägesheds)............... 119 Vordächer . . .... . . . 124 Fachwerke . . . . 125 Mansardendächer . . ... .... 125 4. Hallen mit rahmenförmigen Balken- und Bogen- bindern. Einteilung, Fußgelenke, Ausführung . 129 Zweistielige Rabmenbinder . .... 131 Rahmenbinder, mit Mittelstütze.................... >34 „ für drei- und mehrschiffige Hallen 134 Einstielige Hallen (Bahnsteighallen) .... 138 Bogenbinder . . . . 139 5. Gewölbe . 141 6. Kuppeln . 148 II. Anwendungen Im Grund- und Mauerwerksbau. A. Grundbantßn. Flachgründungen....................*.....................151 Maschinenfundamente, Isoliermittel in Form elastischer Unter- lagen ............................................... 157 Gewölbe und Steifrahmen zur Abfangung von Lasten . 160 Werkmäßig erzeugte Rammpfähle ... . 160 Im Baugrund erzeugte Pfähle (Ortspfähle) a) Löcher durch Rammen hergestellt . 167 b) „ „ Bohren „ .169 Kranfahtbahnen auf Eisenbetonpfählen . 174 Landungsstege, Lösch- und Ladebühnen . 175 Senkbrunnen ... 175
Inhalt. Seite II. Intevkellerungeu, wasserdichte Kelleraulagen . 176 C. Mauern gegen Wind-, Erd- und Wasserdruck. 1. E infriedigungs- und Blendmauern 182 2. Schießwände (Kugelfänge) ... . z . . 184 3. Mauern gegen Erddruck (Stütz- und Futter mauern). Wandpfeiler mit dazwischen gespannten Platten . 185 Vollwände mit eingespannten Kragplatten . 186 Winkelstützmauern *.............................. 186 Stützmauern besonderer Ausführungsart 190 4. Spundwände .... 191 5. Mauern gegen Erd- und Wasserdruck (Bollwerke, Ufer- und Kaimauern) . 192 IIT. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. A. Röhren, Kanäle und Durchlässe . 194 B. Flüssigkeitsbehälter. Allgemeines.................. . . 198 Behälter mit rechteckigem Grundriß . 199 „ „ kreisförmigem „ .......... 203 Hochbehälter in Gebäuden und auf besonderem Traggestell (Wasser türme)....................................... 207 Schwimmbecken und Thermal Wasserbehälter . rj . 218 Turbinenkammern . . •' 220 C. Behälter zur Aufbewahrung fester Körper. Kalkbehälter, Eiskeller .... *221 Zellensilos, Kohlenbunker, Erztaschen 222 Güterwagen in Eisenbeton . 228 IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau. Wehre, Staudämme 230 Uferdeckungen . . . . 231 Landungs-, Seestege........................... . 233 Senkkasten (Schwimmblöcke), Schiffe . ..........233
Inhalt. XI Seite V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. a) Land- und forstwirtschaftliche Bauten. Stallungen, Scheunen, Landhäuser . 239 Grenzmauern, Futterkrippen nsw. 240 b) Straßen- und Eisenbahnbau. Schwellen, Verladebühnen, Putzgruben, Lokomotivschuppen 241 Auskragungen für Straßenverbreiterungen, Randsteine . . 244 c) Industrielle Bauten, Schornsteine (Kransäulen, Kühl- türme. Öfen, Schornsteine) . . . 244 d) Maste (Telegraphen-, Lichtmaste)....................248 e) Bauten für sportliche und wissenschaftliche Zwecke (Rennbahnen, künstliche Berge) . . . 249 f) Bergbau . 250 Anhang. 1. Neuzeitliche Wandauslührungen im Hochbau, a) Allgemeines......................................... 251 b) Hohlwände aus Betonplatten 253 c) Hohlblockwände................................... 260 d) Vollblock-(Leichtstein-) Wände 262 e) Gußbetonwände.................................... 264 f) Wände nach dem Thermosverfahren . . . 265 2. Feststellung des wärmetechnischen Wirkungsgrades einer Wand. Allgemeines , . . . 265 Rechnungsbeispiele................................ 268 Vergleichstabelle für die verschiedenen Bauweisen 270 Kobleverbrauch ... ... .271 3. Verwertung der Schlacke als Baustoff ... 272 4. Leichtbeton und leichte, auch kohlesparende Dach- eindeckungen . . ................. 277 5. Feuerfeste, feuersichere, glutsichere Bauweisen 281
Erklärungen für abgekürzte Zeitschriftentitel. B. u. E. « Beton u. Eisen, Verlag W. Ernst & Sohn, Berlin. Mitt. = Deutsche Bauzeitung- „Mitteilungen über Zement-, Beton- und Eisenbetonbau“ (Beilage). Arm. B. « Armierter Beton (Zeitschrift eingegangen). Bauing. = Der Bauingenieur (Verlag Jul. Springer, Berlin). Z. d. Bauv. = Zentralblatt der Bauverwaltung, Verlag \V. Ernst & Sohn, Berlin. Spars. Bauw. = Sparsame Bauweise, Sitzungsberichte des Arbeits- ausschusses im Reichsverband zur Forderung sparsamer Bauweise, Verlag R. Mosse. Berlin (eingegangen). II. f. E. = Handbuch für Eisenbetonbau, 3. Auflage, Verlag W. Ernst & Sohn, Berlin.
I. Anwendungen im Hochbau. A. Die Zwischendecken. Sowohl bei Geschäftshaus- als auch bei Speicher- und Fabrikbauten machen sich die Vorzüge der Eisenbeton- dedren1), namentlich der Eisenbeton-Rippendecken, immer mehr geltend. Zunächst bieten sie eine vollkommene Feuersicherheit; sie erleiden bei einem Brande keine schäd- lichen Formänderungen, bekommen keine Risse und können die Belastungen weiter tragen. Der umhüllende Beton schützt das Eisen gegen Rost, weshalb besondere Ummantelungen und Anstriche unnötig sind. Größtmögliche Sicherheit ist auch gegen Einbruchsgefahr vorhanden. Weiterhin besitzen die Decken aus Eisenbeton eine große Widerstandsfähigkeit gegen heftige Erschütterungen und eignen sich deshalb in bester Weise für Fabrikgebäude. Ihre Tragfähigkeit ist eine ganz bedeutende, ebenso ihre Steifigkeit gegen Durchbiegen. Die geringe Konstruktionshöhe bedingt eine Ersparnis an Umfassungs- und Scheidemauerwerk und eine Vergröße- rung der Raum- und Fensterhöhen, mithin mehr Luft- und Lichtzuftthrung (vgl. z. B. Abb. 191). Eine weitere Folge der geringen-Stärke und der günstigen baulichen Anordnung ist eine gewisse Billigkeit der Verbunddecken andern Decken gleicher Tragfähigkeit gegenüber. Bei Verwendung weit- gespannter Unterzüge sind sie billiger als reine Eisendecken, vor allem dann, wenn hygienische Gesichtspunkte praktisch berücksichtigt werden müssen. Gerade in dieser Hinsicht sind die Verbunddecken den Holzbalkendecken bei weitem überlegen. Ausfüllungsstoffe, welche der Gesundheit insofern ») Vgl. Leitfaden, Teil I, ll.Aufl. Kersten, Der Ei senbetonbau. II. ll.Aufl. 1
1. Anwendungen im *»I• .•< 1:i< h sind, als sie Brutstätten für Mikroorganismen bilden und l> Dichtigkeit festhalten, können vermieden werden. Eine Staubablagerung ist unmöglich, da freiliegende Träger- llanschen fehlen. Wasserdichtigkeit kann ebenfalls erzielt werden, und zwar entweder durch geeignete Betonmischung oder durch einen mindesten* 1,5 bis 2 cm starken Zement- estrich (1 TI. Zement -p 1 TI. Sand oder rTl. Zement + 2 TI. Sand + 0,5 TI. Kalk teig oder 1 TI. Zement 4- 3 TI. Sand + 1 TL Kalkteig). Ein weiterer Vorzug der Veibunddecken ist die kurze Herstellungsdauer. Die Rohstoffe werden in einfachster Weise angeliefert und schnell verarbeitet. Jedenfalls wird man Verbunddecken immer dort mit Vorteil anwendeÄ, wo es sich um umfangreiche Bauten handelt. Verschiedene Deckenformen, wie Visintini, Siegwart, Herbst usf., bezwecken durch fabrikmäßige Herstellung der einzelnen Deckenteile die Fortlassung der immerhin ziemlich kostspieligen und zeitraubenden Schalung und erreichen dadurch eine ganz bedeutende Verkürzung der Bauzeit. Dazu kommt noch der Vorteil größter Dauerhaftigkeit — Unterhaltungskosten fallen gänzlich fort — sowie der Umstand, daß die Gestaltungs- und Anpassungsfähigkeit der Verbunddecken, mag der Grund- riß noch so schwierig sein, eine ganz hervorragende ist (vgl. z. B. Abb. 160). Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Decken aus Eisenbeton eine vorzügliche Gebäude- verankerung abgeben, welche Tatsache insbesondere bei schlechtem Baugrund, in Bergwerks- und in Erdbeben- gegenden von großer Bedeutung ist. Wärmeschutz wird durch Anordnung von Hohlräumen erzielt, ebenso durch Linoleumbelag mit Gipsestrich oder mit 2 cm starken Korksteinplatten1) oder auch — was am vorteilhaftesten ist — durch Zwischenlagen von Schlacken- beton und Sand. Die gleichen Mittel sind anzuwenden, wenn es sich darum handelt, die Hellhörigkeit *) der eisen- l) Korkstein besteht aus einem Gemenge von zerkleinertem reinen Kork mit mineralischem Bindemittel, durchtränkt mit heißflussigem Pech. Er ist sehr bearbeitungsfähig, feuersicher, wärme- und schallisolicrend. *) Näheres vgl. Kerbten. Der Eisonbetonbau. Teil I. 11. Aufl.
]. Anwendungen du Hocbjbau. 3 verstärkten Betondecken zu mildem. Die Träger und Platten müßten von dem Mauerwerk abgetrennt werden, z. B. durch Filzunterlagqn, Korkstein usf. Filz, oft mit Paraffin durchtränkt, verwendet man auch gern bei Maschinenfundamenten, also bei starken Erschütterungen, Kork mehr bei starken Be- lastungen mit unbedeutenden Erschütterungen. Die Beurteilung der Schalldurchlässigkeit der Decken bereitet durch das Übergreifen in das Gebiet der Raumakustik große Schwierigkeiten. Ein und dieselbe Deckenbauweise bewährt sich in verschiedenen Bauwerken, bei verschiedenen Spannweiten, Dicken, Belastungen und Unterteilungen ganz verschieden. Es ist auch zu berücksichtigen, daß die Schallübertragung von oben nach unten größer ist als von unten nach oben; denn im letzteren Fall kommt nur der Luftschall in Frage. Das Zweckmäßigste bleibt in jedem Falle eine Überschüttung der Decke mit Schlacken- oder Bims- sand (Kiessand erhöht zu sehr das Eigengewicht). Außerdem ist auf genügende Koustruktionshöhe zu sehen, um starke Trägerdurch- biegungen zu vermeiden. Und schließlich sei noch an die vorteil- haften Eigenschaften der porösen rheinischen Schwemmsteine aus Bimssand erinnert1). Im übrigen sei aber ausdrücklich darauf auf- merksam gemacht, daß die eigentliche und wichtigste Aufgabe der Isolierung nicht das Behindern der bereits entstandenen Schall- wellen, als vielmehr das Behindern der Einleitung zur Sch all- en twicklung ist Welche Wirkung soll denn auch die beste Isolierung eines Kegelbahn-Hohlraumes ergeben, wenn die versteifen- den oder stützenden Teile der Isolierung beispielsweise mit der Massivdecke verbunden werden, die über der Kegelbahn liegt, oder mit der massiven Untergeschoßmauer, an die die Kegelbahn oft unmittelbar angrenzt? Hier ist es vor allem wichtig, die einlei- tenden Schallwirkungen (Anwerfen der Kugeln, Anschieben der Bahn- wandungen, Aufschlagen der um fallen den Kegel, Rücklauf der Kugel in der Rinne) abzudämpfen. Zur Auflagerung der Decken können i’/s oder 2 Stein starke Mauern (38 bzw. 51 cm) genommen werden. Nur bei Platten von ganz geringer Spannweite und Belastung sind Ausnahmen gestattet. Zwischenwände von 12 cm Stärke >) Eine gute Litornturübersioht zur Frage der SehaUdfi-mpfung und W Arm ©Isolierung bietet der 2 Ergänzungsbana des Handbuches für Eisen- betonbau (Böhm-Gera), S. 3. Berlin 1917. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn. 1*
4 I. Anwendungen im Horhbau. und sonstige sich nicht selbst tragende Scheidewände sind auch dann bei der Berechnung der darunter befindlichen Decken als Belastung zu berücksichtigen, wenn sie durch mehrere Stockwerke übereinander angeordnet sind. Werden dagegen die Wände in besonderer Weise mit Eisen verstärkt, so kann man sie bei der Deckenberechriuhg unberücksichtigt lassen (vgl. S. 63). Als Deckenbelag kann z. B. gewählt werden: a) 3 cm starker Holzboden (am besten Eiche) auf einbetonierten, schwalbenschwanzförmig geschnittenen Polsterhölzern 8X8, in Entfernungen 'von So bis 100 cm genagelt. Die Verwen- dung von Bauschutt oder Schlacke als Füllstoff ist nicht so empfehlenswert wie reiner, trockener S?nd oder Schlacken- wolle; b) Linoleum1) auf 2 cm starken, beiderseits gehobelten, pech- durchtränkten Korksteinplatten verkittet. Die Korkunterlage läßt sich sowohl auf 2 bis 3 cm starken, genuteten und ge- federten Blindböden aufhageln, als auch unmittelbar auf Beton in Mörtel oder heißflüssigem Korksteinkitt (Va cm stark) verlegen; c) Linoleum auf 2 bis 3 cm starkem Gipsestrich; d) Linoleum unmittelbar auf den — gut axisgetrockneten — Beton verklebt, und zwar mit Schellackkittmasse (nicht mit Dextrin oder Stärkekleister): e) Parkett (2,5 cm stark) in Asphalt (1 cm) oder auf Blindboden verlegt: f) Bohlenbelag mit Lagerhölzern im Beton. g) Fliesen auf Asphalt; h) Asbest in allen Farben; i) 2 bis 3 cm starker Asphalt- oder Zementestrich mit Fluat- an strich. Auch Gips, Sanitas, Terralith, Schoja, Xylolitli, Granito usf. Die Oberfläche kann glatt bleiben, aber auch gemustert werden. Meist auf Terrassen. Baikonen und in Keller räumen; k^ Asphalt auf gegossener, recht feüer Betonschicht. 9 Linoleum setzt sich aus zwei Schichten zusammen, einem kräftigen Jutegewebe, das unten lackiert ist, und einer Deckschicht von oxydiertem Leinöl, Korkmehl, Kolophonium und Kaurigummi. Dicke 1.6 bis 3.75 mm.
[. Anwendungen im Hochbau. 5 Bei größeren Flächen — Asphaltbelag ausgenommen — sind vorteilhaft Ausdehnungsfugen vorzusehen (vgl. Abb. 204). Zum Verputz nimmt man gewöhnlich Weißkalkmörtel, r Teil Kalk+2 bis 3 Teile Sand, welchem auch Gips bei- gegeben werden kann. In feuchten Räumen, Stallungen, Fabriken usw., ist ein Verputz aus verlängertem Mörtel (1 Teil Kalk +1 Teil Zement+4 bis 6 Teile Sand) zu empfehlen oder auch ein Putz aus reinem Portlandzement. Der Putz wird durch Rohr oder Drahtgeflecht festgehalten. Bei Zierdecken kann ein Holz- oder Gipsverputz vorgesehen werden. Doch genügt es auch, namentlich in Arbeitsräumen, die Deckenunterfläche ohne Verputz zu belassen oder nur zu weißen. Jedenfalls ist immer zu beachten, daß ein Verputz um so besser haftet, je rauher die Betonfläche ist. Der Putz ist kräftig an die rauhe Fläche anzuwerfen und mit einem Reibebrett zu glätten. Das Verputzen muß sofort nach dem Ausschalen beginnen1). Was nun die Ausführung der Decken selbst anlangt, so werden bei allen Bauarten, mögen sie in Einzelheiten noch so verschieden voneinander sein, die Eisen stets in den ge- zogenen Teil der Platten bzw. des Balkens gelegt, und zwar möglichst nahe der höchstbeanspruchten Zugfaserschicht Die Zugfestigkeit des Betons wird für gewöhnliche Fälle rechnerisch außer acht gelassen. Die Verschiedenartigkeit der praktischen Deckenausführung hat keinen nennenswerten Einfluß auf die Berechnung an sich; nur das in Rechnung zu setzende Eigen- gewicht wird sich von Fall zu Fall ändern. (Vgl. Teil I.) Spannweiten von mehr als 3 bis 4 m sind für ebene belastete Platten nicht zu empfehlen, weil in solchen Fällen die Anordnung von Unterzügen wirtschaftlicher sein würde. Es ist überhaupt falsch, bei Anwendung des Eisenbetons die sonst bei Holz- und Eisenkonstruktionen üblichen Decken- stützweiten wesentlich zu überschreiten. Die Einteilung der Decken erfolgt entweder nach Art ihrer Bauform oder nach Art ihrer Herstellung. Genaue i) Vgl. Kersten. Der Eisunbetunbuu. Teil I, U. Aufl.
G I. Anwendungen im Hochbau. Grenzen sind im allgemeinen schwer einzuhalten. In Abb. i sind die gebräuchlichsten Deckenformen schematisch zusammen- gestellt: Abb. 1 aus Zementmörtel zu tun; a) einfache Vollplatte, beiderseits eingespannt; b) .einfache Vollplatte, beiderseits frei aufliegend; c) gewölbte Vollplatte, in gleicher oder sich nur unwesentlich ver- ändernder Stärke durchgeführt; d) gewölbte Vollplatte mit ebener Rückenfläche; e) gewöhnlicher Plattenbalken mit sichtbar bleibenden Rippen; r’i* gewöhnlicher Plattenbalken mit angehängter Rabitzdecke zurEr- zielung einer ebenen Untersicht; g) Steineisenplatte (bewehrte Zie- gelsteindecken) ohne und mit Druckplatte; statt der Rippen hat man es hier nur mit Fugen h) Rippenplatte mit eingefügten Lcichtsteinen und einer Unter- sicht-Betonschicht ; i) Rippenplatte mit eingefügten Leichtsteinen, die unmittelbar auf die Schalung verlegt werden; an der Untersicht wird also nur der Rippenbeton zwischen den Steinen sichtbar; k) Rippenplatte mit eingefügten, im Querschnitt rechteckigen Hohl- körpern auf ebener Untersicht-Betonschicht; 1) Rippenplatte mit eingefügten, im Querschnitt runden Hohl- körpern auf ebener Untersicht-Be^schicht; m) Rippenplatte mit cingefügten Hodiplatten, sonst wie unter i) angegeben; n) Rippenplatte mit eingefugten Hohlkörpern,' die unten nasen- förmige Ansätze haben, um jegliche Betonschalung zu ver- meiden; der Beton tritt nach dem’ÄÜsrüsten der Decke nirgends in Erscheinung; o) Rippenplatte mit sichtbar bleibenden Rippen (Hohlplatten); die hohlraumbildenden Schalkörper (Bleche) werden wieder fortgenommen;
1. Anwendungen im Hochbau. 7 p) Plattendecke aus fabrikmäßig hergestellten und fertig an- gelieferten Formbalken, ohne und mit besonderer Druckschicht; q) Plattendecke wie vor, aber mit dazwischenliegenden Hohl- körpern' und einer nachträglich aufzubetonierenden Druck- schicht. Bei allen Platten, außer bei Platte o), verbleiben die hohlraum- bildenden Körper in der Decke; sie dienen als Seitenschalung für die Betonstege und als Unterschalung für die Druckschicht. 'fern ' 1« Vollplatten In Eisenbeton« Die Regeln zur Herstellung solcher Vollplatten sind im Teil I bereits eingehend besprochen worden. Es genüge an dieser Stelle die in Abb. 2 gegebene Darstellung einer Geschäftshausdecke. Alle Einzelheiten sind der Ab- bildung zu entnehmen. Zweckmäßig erscheint oft die Verwendung von ^ims- beton1). Bimsbetondecken haben ^ewfsse Vorteile. Sie sind leicht, ^ffo?(iern also kleinere J-Profile und geringere F^dämenifretten/ Sie haben eine große Isolierfiftngkelt, geben also einen guten „Abschluß gegen Wärme und Kälte ab. Infolge der Zellenstruktur' sind sie besonders scfillT** sicher. Putz und Stuck haften ausgezeichnet infolge der Porosität. Auch wird das Schwitzen und Tjopfen vermieden, wie langjährige Erfahrung gelehrt hat. Die Betonfestigkeit ist allerdings eine nur geringe, was zur Folge hat, daß der Bimsbeton, von Hohlkörperdecken gemäß Abb. 28 u. 29 ab- gesehen, zumeist nur für Dacheindeckungen in Frage kommen kann. Die sehr geringe Zugfestigkeit macht auch Risse- bildungen leichter möglich. Schließlich ist auch der Einwand nicht ganz unberechtigt, daß der Bimsbeton wegen seiner großen Porosität dem Eisen (selbst‘bei fetter Mischung) nur wenig Schutz bieten kann. Vgl. weiterhin S. 113, sowie Kersten, Der Eiaenbetonbau, Teil I, n. Aufl. Bisweilen sieht man Deckenausfühmngen gemäß Abb. 3, bei welchen der Bimsbeton in Deckenmitte in der Zugzone Verwendung J) Vgl. weiterhin die Seiten 1t, iS. 24, 110.
I. Anwendungen im Hochbau.
L. Anwendungen im Hochbau 9 findet. Man geht von dem Gedanken aus, den Kiesbeton nur an den Auflagern (wegen .der Schubspannungen) und in der Druckzone zu verwenden, den Bimsbeton aber dort wo Spannungen eigentlich Abb. < nicht auftreten, da die Zugspannungen ja allein vom Eisen auf- genommeu werden sollen. Derartige Ausführungen können nicht empfohlen werden, da leicht eine Trennung der beiden verschiedenen Betonsorten eintreten kann. Abb. 4. Werden gemäß Abb. 4 flußeiserne I-Eisen verwandt, so ist auf eine vorteilhafte Lagerung derselben im Mauer- werk zu ächten. Es empfiehlt sich gemäß Abb. 8 eine Auflagerlänge von 25 bis 30 cm und die Benutzung von Auflagersteinen bzw. 1 bis 2 cm starken flußeisernen Auflagerplatten, damit der Druck auf das Mauerwerk die zulässigen Grenzen nicht überschreitet. Außerdem sind Ver-
I" Anwendungen im Hochbau. ankerungen durch i m lange Ankerflacheisen 50 X 10 mm vorzusehen. Freiliegende Träger sind zum Schutz gegen Feuer mit einer Verkleidung von eigens ge- formten Ziegeln oder von Mörtelputz (ver- längertem Zementmörtel) auf Rohrung, Draht- geflecht oder Drahtziegeln1) oder mit einer 3 bis 5 cm starken Betonverklei- dung zu versehen (vgl. Abb. 4g). Ebenso kann man Streckmetall verwenden, wie Abb. 5 zeigt1). Wird keine ebene Unter- Ahb. 5. ansicht der Decken verlangt (z. B. in Fabriken und Lagerräumen), so können die Platten unmittelbar auf die eisernen Unterzüge gelegt werden (Abb. 4 a bis g). Man spart dann wesentlich an Deckengewicht und kann die Platte sogleich für den Fuß- bodenbelag verwenden. Legt man die Deckenplatte am Bauort durchlaufend über die oberen Trägerflanschen fort, so ist bei Anordnung der Einlagen zu berücksichtigen, daß über den Stützpunkten negative Momente auftreten (Abb. 4 c bis g). Will man sich die Schalung ersparen, f} können Platten in Breite der Trägerentfernung fabrikmäßig hergestellt und dann in abgebundenem Zustande an Ort und Stelle verlegt werden. Sie sind mit Falz versehen und werden nach dem Verlegen mit Zement gedichtet. Schließlich kann dann noch eine besondere Zement- oder Asphaltschicht aufgebracht werden, um den Boden fugenlos zu machen (Abb. 4 a). i) Die Herstellung des Drahtziegels erfolgt in Form ausgeglühter Draht- netze mit viereckigen Maschen, auf deren Kreuzungen ziegemärt gebrannte zum Festhalten dos Mörtels besonders geeignete Tonkörperchen auf gepreßt werden. Die Maschen weite des Limin starken Drahtgeweo es beträgt 20 mm Vgl. Abb. 130 auf S. 64. Es genügt schließlich auch ein heißer Steinkohlenteeranstrich. An die frisch geteerte Fläche wirft man zweckmäßig grobkörnigen, bis erbsgroßen Sand und schlämmt dann zweimal mit Kalkmilch.
L Anwendungen im Hochbau. 11 Bimsbeton-Kassettenplatten nach Ausweis der Abb. 6 bieten den Vorteil größerer Leichtigkeit und schöner Untersicht §ie werden in fertigem Zustand angeliefert und verlegt. Vgl. S. in u. na. Bei Decken ohne Nutzlast (z. B. beim Abschluß eines Treppenhauses gegen die Dachkonstruktion, vgl. z. B. Abb. 97) kann die Auflagerung auf die Unterflanschen der Träger erfolgen (Abb. 4n, o). Diese Unterflanschen können nun außerhalb der Decke liegen und müssen dann einen Ölfarbenanstrich erhalten, oder sie können von einem Rabitz- bzw. Drahtgeflechtmantel umhüllt sein. Besser ist es aber, wenn die Plattenunterfläche tiefer liegt als Trägerunterkante, so daß der ganze Unterflansch vom Deckenbeton eingehüllt ist. Die Einlagen sind dann entsprechend zu biegen (Abb. 4n, o, p). Zum Schutz der I-Eisen kann der Beton am Steg hochgeführt werden (Abb. 4n, p). Will man eine solche Unter- flanschdecke für die Anbrin- Abb. S. gung eines Fußbodens verwert- bar machen, so ist eine Über- tragung der Nutzlast durch Mager-, Schlacken- oder Bimsbeton notwendig. Lagerhölzer werden in die Auffüllung eingebettet (Abb. 7) oder auf die Oberflanschen gelegt. Um einen möglichst großen Schall- und Wärmeschutz zu erhalten, kann man Doppeldecken verwenden. Die Nutzlast wird dann von der oberen Decke aufgenommen, während die untere, wesentlich schwächer konstruierte Decke lediglich ihr Eigengewicht zu tragen hat. Man kann für die untere Platte auch eine einfache, 2 bis 3 cm
12 ]. Anwendungen im Hochbau. starke Gipsplatten- oder Rabitzdecke *) nehmen, die nötigen- falls ab und zu durch Bindedrähte an der’ Trageplatte auf- gehängt ist (Abb. 9). Der Zwischenraum beider Platten Abb. 9. tungsröhren aller Art. kann leer blei- ben und eignet sich dann be- sonders gut für die Durchfüh- rung von Lei- Andernfalls kann man schall- dämpfende, leichte Baustoffe, wie Gipsschutt, Asche, Bims- sand, Korkstein oder Schlacke, als Füllstoff verwerten (vgl. z Parkett , faenbefon 8tossaftf Abb. 10. auch die Deckenausführung nach Abb. 10). Bei größeren Träger- entfernungen als 3 bis 4 m wäre es unratsam, ebene Platten zu nehmen, da dann das Eigengewicht zu groß werden würde und deshalb zu starke Träger genommen werden müßten, die schließlich auch eine zu bedeutende Bauhöhe, verlangen. Man nimmt dann bisweilen Wölbplatten von .6 bis 12 cm Stärke mit Abb 11. Abb. 1’2 einem Stich V10 his l/u (Abb. 11 u. 12). Zu geringe Stichhöhen bedingen zu starke Horizontalschübe. Bei mittleren Gewölbe- stärken ist das Eisennetz an der Leibung angeordnet und in gleicher Weise zusammengesetzt wie bei den ebenen Platten, nur daß die Tragstäbe gebogen sind. Es entspricht solche Anordnung der Wirkung einer beiderseitigen, gleichmäßig ver- *) Dio Rabitzdecke besteht in der Regel aus einen) ungefähr SO mm- maschigen Gewebe von 1 bis 3 mm starken verzinkten Eisen drehten. Das Netz wird straff angezogen und mit einer Mischung von Kalkmörtel, Gips und KAlberiiaaren so lange beworfen, bis sich eine feste, genügend starke 3 bis 5 cm dicke Decke gebildet hnt. (Vgl. auch S. 64.)
L Anwendungen im Hochbau. 13 teilten Belastung. Doch können — bei einseitiger Belastung des Gewölbes oder bei Einzellasten — Zugbeanspruchungen auch in der Rückenzone auftreten. In solchen Fällen; empfiehlt sich eine Doppelbewehrung; Abb. 12 zeigt eine gewölbeartige Ausbildung der Deckenplatte mit ebenem Rücken; die Einlagen sind zum Teil um die Trägerflanschen gebogen worden. Die Wölbplatten stützen sich naturgemäß auf die Unter- flanschen der Träger. Zur Auffüllung nimmt man wiederum Schlacke, Mageibeton usw. Doppelgewölbe machen die Decke schall- und wärmesicher, sind aber reichlich teuer. Man kann auch hier, wie bei den ebenen Doppeldecken, für die untere Platte eine schwache Rabitzdecke nehmen und sie nötigenfalls durch Drähte am Gewölbe aufhängen (Abb. 4r). Voutenplatten gemäß Abb. 4I bieten den Vorteil eines größeren Einspannungsgrades. Bei der sogenannten Koenenschen Voutenplatte (Abb. 13) hängen die einzelnen, nahe aneinander liegenden Rundeisenstäbe im mittleren, unten ebenen Teil der Platte kettenlinienartig durch. An den Auflagern erheben sich die Einlagen mit entgegen- gesetzter Krümmung bis nahe an die Oberkante der Platte, woselbst sie um die 'Oberflanschen der Träger umgehakt oder — was besser ist — in das Nachbarfeld weiter- geführt weiten. Die in den berechneten Abständen an- geordneten Rundefeenstäbe zweier benachbarter Platten- felder sind gemäß Abb. 14 gegeneinander versetzt, damit sie über den Trägem an-_____________________i. . i 1 Abb. 13. Abb. 14. einander vorbeigehen und letztere von beiden Seiten um- klammern. Die Plattenoberkante muß mindestens 3 cm über Trägeroberflansch liegen. Durch die Befestigungsart der Tragstäbe und die Voutenbildung wird die Platte an den Auflagern eingespannt und das positive
i । I. Anwendungen im Hochbau. HivguiigMiiuinent in Plattenmitte vermindert. Die Verstärkung des ijnei’M hnitts nach den Auflagern hin entspricht auch der nach dorthin zunehmenden Schubkraft. Gleichzeitig schützen die Voutenkörper die von ihnen eingeschlossenen Träger vor Feuer und Rost, so daß nur noch der Unterflansch derselben ummantelt zu werden braucht Außer- dem erleichtert der voutenförmige .Anschluß an die Träger eine wirk- same architektonische Ausbildung der großen Deckenflächen. Wie zwischen Trägern kann die Voutenplatte auch unmittelbar zwischen die Wände mit Hilfe von Ankern eingespannt werden. Den Vorteilen der Voutendecken steht als Nachteil die umständliche und teure Schalung gegenüber,. Bezüglich der Decken zwischen I-Eisen vgl. weiterhin die Abb. 4, 23, 26, 45* 58 u. 971). 2. Rippenliohlplatten in Eisenbeton. In statischer Hinsicht hat man es hier mit Plattenbalken zu tun, deren Rippenteilung eine sehr enge ist (Abb. 15). Ihre Herstellung beruht auf *1 O Fl r h der künstlichen Schaffung von Abb 15 Hohlräumen (Aussparungen); die hierzu dienenden Schal- körper — in der Regel Bleche — können nach Fertigstellung der Decke zu weiterem Gebrauch wieder fortgeriommen werden. Man vermeide nach Möglichkeit Qlzu geringe Stegstärken, damit die Eiseneinlagen keine zu mangelhafte Betonumhüllung erhalten. Will man eine ebene Untersicht haben, so können an den Rippen Kanthölzer vermittels einbetonierter Drähte befestigt und an diesen der Rabitz- oder Stukkaturputz oder das Rohrgeflecht angeheftet werden. Abb. t6 zeigt Schalformen aus Schwarzblech mit Vorrichtungen zur genauen Einstellung der Voutenentfernung. Die Länge der Schalbleche beträgt im allgemeinen 1,0 m; doch können auch Bleche bis zu 2,5 m Länge geliefert werden. Die Bleche haben verschiedene Feststellmöglichkeiten. Nach a erfolgt die .Feststellung mit Holz- latten, nach b durch Umbiegungen und nach c durch Abkantungen Die Vollplatten zwischen oder auf eisernen Trägem haben für Dach- eiiidnckungen besondere Bedeutung (vgL S. 109), ebenso für Bröokentnfeln auf eisernem Tragwerk (vgl. Kersten, Balkenbrücken. 5. Auf!.).
I. Anwendungen im Hochbau. 15 der Schallbleche. Schräge Seitenflächen gemäß Abb. d haben eine be- sonders leichte Fortnahme der Bleche zur Folge. Zum Feststellen und Aussteifen der Bleche können auch Spannhaken oder Schließen verwandt Abb. 16. werden, welche in entsprechende Aussparungen greifen. Zum Aus-, gleich an den Enden werden Paßstücke mit oder ohne Kopfblech hergestellt. Die Formgebung dieser Paßstücke kann gemäß Abb. i6e, f erfolgen. Blechformen bedingen ein großes Anlagekapital, Holzformen dagegen viel Unterhaltungskosten. Die Bretter verquellen schnell und erschweren die Beseitigung der Schalformen. In Abb. 17 ist der Querschnitt einer Ast-Decke (Ed. Ast u. Co., Wien) dargestellt; die Rippen sind ungefähr 50 cm voneinander entfernt. Bekannt ist auch die 'Koenenschc PI an decke, eine mit Rippen bzw. Hohlräumen ver- sehene Platte, die mit einer unterhalb der Träger durchgehenden ebenen Decke verbunden ist. Quer- und Längsschnitt in Abb. 18 u. 19 zeigen, daß unter den Rippen freitragende oder aufgehängte Holzbalken oder Latten
16 I. Anwendungen im Hochbau. angeordnet sind, die eine verschiedene Höhe haben können. Die Latten ermöglichen sowohl eine leichte Ausführung der Rippen - platte als auch eine bequeme Befestigung der ebenen Unterdecke. e In die Rippen der Tragplatte sind Eisenstäbe von i cm Durchmesser eingebettet, natürlich so tief «als möglich. Stärke des Druckgurtes 5 bis io cm. Bei der geringen Rippenteilung von 25 cm wird die 4 ebene Untersicht durch angenagelte bzw. mit verzinktem Draht an- gebundene Rohrung und Putz (ohne Schalung) durch Gipsdielen, Tonplatten. Drahtputz u. dgl. gebildet oder’ als Zierdecke aus Stuck oder Holz unmittelbar befestigt. Die ebene Unterdecke geht unter- halb der Träger ununterbrochen durch, so daß ein Reißen der- selben entlang den Trägern oder ein Durchscheinen der letzteren nicht ein tritt. Zum Zwecke der Stampfarbeit tragen die Holzbalken etwa 1 m lange blecherne Lehren, die nach erfolgtem Stampfen wieder entfernt werden. Größte Trägerentfernung ist etwa 3,5 m. Bei starken Be- lastungen wird die Nutzhöhe (Ä— d) dadurch vergrößert, daß man die Betonrippen bis zur Unterdecke herunterfiihrt. Die entsprechend tiefer gelegten Holzbalken werden nach erfolgtem Stampfen nebst den Blechlehren wieder fortgenommen. Die Unterdecke wird an ein- betonierten Haftern aus verzinktem Eisendraht befestigt. > Die Giese-Decke (A. G. Dyckerhoff & Widmann) erscheint in- Abb. 26. nach Maßgabe der Abb. 20 verwendet wird, .allgemeinen 5 cm stark gemacht, während die sofern noch vor - teilhafte r, als die Stampfform, ein Bacula-Gewebe, gleichzeitig als spätere Unterdecke .Die Platte wird -im Stege in drei Höhen
L Anwendungen im Hochbau. 17 von 20, 25 und 30 cm zur Anwendung kommen. Bei 30 cm Höhe können Wbhnhausdecken bis 8 m weit gespannt werden. Vgl. weiter- hin Mitt. 1917. S. 6, sowie B. u. E. 1915, S. 29. 3. Eisensteindeeken1). Die Verwendung des Zementmörtels und des Betons be- schränkt sich hier auf die Ausfüllung von Steinfugen und die Einbettung der Eiseneinlagen, sowie auf die Herstellung einer tragfähigen Druckschicht. Die Steindecken sind also keine Eisenbetondecken im eigentlichen Sinne des Wortes, sollen aber trotzdem hier mit Erwähnung finden, zumal sie in statischer Beziehung den gewöhnlichen Decken aus Eisen- beton (namentlich bei starken Fugen) sehr ähnlich sind. Vorteile dieser Decken den Eisenbetondecken gegenüber: Gewinnung eines fußwarmen und schalldämpfenden Bodens (insbesondere bei Hohlsteinen nach Ausweis der Abb. 21) für Wohn- und Geschäftsräume. Den Abb. 21. Hohlkörperdecken gegenüber besteht der Nachteil des größeren Eigengewichtes. Die Steine selbst können Voll- und Hohlsteine sein, die Eiseneinlagen Rund- oderBandeisen. Abb. 22. Hochkant gestellte Bandeisen benötigen allerdings eine größere Deckenstärke, da die Nutzhöhe h* kleiner wird (Abb. 22). i) Man vgl. den Runderlaß des preußischen Staatakommissars für da» Wohnungswesen vom 23.11.1918 über die Berechnung ebener Steindecken hei Hochbauten (Zentralbl. d. Bauverw. 1918, S. 505, oder Beton-KalenJör). Kersten. Der Eisrnbetonbau. II. 11. Aufl. 2
18 I. Anwendungen im Huchbau. Am bekanntesten ist die Klein esche Decke (Ahb. 23) geworden. Bei Verwendung dieser Deckenform ist man an keine bestimmte Steinart gebunden; man kann sowohl Voll- oder Hohlziegel als auch poröse Loch- oder Schwemmsteine1) nehmen. In der Zug- zone sind zwischen den Steinen hochkantig gestellte Bandeisen vor- gesehen. Man nehme die Mörtelmischung nicht magerer als 1 TI. Zement + 1 TI. Kalk 4» 5 bis 6 TI. Sand; am besten ist aller- dings reiner Zementmörtel. Für die Herstellung der Decke ist °ine vollkommene Schalung erforderlich, welche bei Verwendung von I-Deckenträgem mittels Hängeeisen an diese befestigt werden kann. Werden gewöhnliche Ziegel verwandt, so nimmt man bei 1,5 m Spannweite Bandeisen von 1,2 mm Stärke, und zwar werden bei Wohnhausbelastung die Bandeisen in jede zweite Fuge, bei Geschäfts- hausbelastung in jede Fuge verlegt. Abb. 234 zeigt die Ausführung Abb. 24. einer kreuzweis bewehrten Decke. einer aufgestelzten Dachdecke in Kleinescher Bauweise. Vgl. auch Abb. 142. Bimsbetonsteine gemäß Abb. /(Bauweise Paul Dahm, Neuwred) sind besonders leicht; sie halben nur glatte Flachen. Einheitliches For- mat 15 • 20 • 25 cm. Dit Ab- bildung zeigt verschiedene Stellungen der Steine, je nach Spannweite und Belastung der Decke. Abb. 24 d veran- schaulicht die Ausführung Zur Vermeidung von Risse- bildungen im Putz muß dieser ziemlich kräftig angetragen werden (Steine nach Abb. 29 mit durchgängiger Steinuntersicht sind in dieser Beziehung vorteilhafter; sie sind auch leichter, lassen aber mehr Bruch entstehen). Die Förster-Decke kann ebenfalls mit Eiseneinlagen ausge- fllhrt werden. Der Raum für die Eismeinlagen wird geschaffen, indem der in dem Wölbstein an der Oberfläche zwischen den beiden Nuten liegende Steg nach Ausweis der Abb. 25 mit dem l) Der Schwemm- oder Bimssandstein. wird auR dem Bimssand durch Beimischung von hydraulischem Kalk hcrgehtellt
T. Anwendungen im Hochbau 19 Mauci hainmei beseitigt wird, so daß der Stein eine ausgehöhlte Form erhält. In diese Kanäle werden Rund* und Bandeisen ein- gcbracht, die dann mit Mörtel umhüllt weiden. Diese An- oidnung ist insofern vorteil- haft, als die Eiseneinlagen nicht nur in einer Mörtelfuge liegen, sondern vollständig durch Mörtel bzw. durch das Tonmaterial der Wölbsteine umschlossen sind, so daß eine Einwirkung’auf das Eisen durch Feuer oder durch andere schädliche Einflüsse nicht stattfinden kann. Abb. 26 zeigt eine solche Förster-Decke während der Aus- führung. 4. Hohlkörperplatten mit ebener Untersicht1)« Hohlkörperdecken aus Eisenbeton eignen sich vor- nehmlich für Wohn- und Geschäftshausbauten. Sie haben vor den unter 1 besprochenen Vollplatten mancherlei Vorteile. Man ist in der Lage, mit ihnen große Lichtweiten bei Fort- lassung sichtbarer Rippen zu überdecken, Lichtweiten, deren Uburdeckung mit Vollplatten selbst bei Berücksichtigung von Einspannungen und von kreuzweiser Bewehrung nicht mehr möglich ist. Sichtbare Rippen sind namentlich bei Wohn- häusern, sowie in öffentlichen Gebäuden aus architektonischen ') Der 2. Ergnnzungsband des Handbuches für Eisenbetunbau, bearbeitet v<jb K, Böhm-Oera (.»Neuere Hohlkörperdeoken”), enthält sehrljeuchtenswerte kritiHche Untersuchungen, weshalb auf diese Arbeit empfehlend hin gewiesen w»-rdon muß. Vgl. außerdem den Erlaß dos Berliner Polizeipräsidiums für Lisciihrtiin-Rippendcoken vom 22. 11. 1913. 2*
20 I- Anwendungen im Hochbau. Gründen oft nicht erwünscht, ebenso auch aus hygienischen und betriebstechnischen Gründen. Rippen stören die Licht- zufuhr und gestatten kein so gutes Durchlüften der Räume, wie das bei Decken mit ebener Untersicht der Fall ist. Der Vorzug solcher ebenen .Untersicht kann mehr oder minder dadurch erreicht werden, daß man an eine Vollplatte mit vortretenden Rippen nachträglich eine Rabitzverkleidung (vgl. Abb. 9) anhängt. Sobald es sich aber um Decken über Räumen mit hoher Innentemperatur und namentlich um solche mit hohem Feuchtigkeitsgehalt der Luft handelt, kann unter Umständen ein schnelles Schwellen und Faulen der Rabitzdecke eintreten. Hohlkörperdecken sind zweifellos auch tropfsicherer als andere Deckenarten, ein Umstand, der für die Ausführung in Stallgebäuden und gewissen Fabrikbetrieben von Wichtig- keit ist. Andere Decken könnten nur dann mit Vorteil in Frage kommen, wenn für eine in jeder Beziehung gute Durch- lüftung des Raumes gesorgt wird. schlechten Lüftungs- einrichtungen würden sich schließlicl.^auch Hohlkörperdecken nicht so gut bewähren können. Die Außenflächen der Steine müssen, um ein gutes Anhaften des Putzes und gleichzeitig ein einwandfreies Festsitzen der Steine im Beton zu ermöglichen, möglichst rauh und uneben sein. An solchen Flächen haftet der Putz stets besser als an Betonflächen. Anderseits ge- nügt bei diesen Betondecken oft ein Abgraten und Weißen der Fläche, während bei den Füllkörperdecken, und einem späteren Durchscheinen der Steine vorzubeugen, ein be- sonders guter und stark aufgetragener Putz verwandt werden muß. Es können Brennschäden an den Steinen sichtbar werden, und das Dunkelrot der gebrannten Steine wird nie ganz verschwinden. Die Betonstreifen bei Ausführungen nach Abb. 28a „schlagen durch“ was nur durch besondere Putz- halter nach Abb. 38 c vermieden werden könnte. Putzstreifen- bildungen vermeidet man vor allem durch Steine mit unteren Ansätzen gemäß Abb. 39, die gleichzeitig die Einhaltung eines stets gleichen Steinabstandes ermöglichen, allerdings auch die
I. Anwendungen im Hochbau. 21 Nutzhöhe h' etwas vermindern. Man mache diese Ansätze nicht zu dünn, da sie sonst leicht abbrechen und außerdem ein teilweises Durchdringen der weichen Betonmasse ermög- lichen, was dann nicht ohne Einfluß auf die untere Sichtfläche bleiben würde. Ein weiterer Vorteil dieser unteren Ansätze der Steine ist in dem Umstand zu suchen, daß ein Freiliegen der Eisen bei unvorsichtigem Stampfen von vornherein aus- geschlossen ist. Die Fußverbreiterungen müssen genügend groß sein, um ausreichende Rippenbreiten und damit auch ein sachgemäßeres Stampfen zu ermöglichen. Bei den Hohlkörperplatten kann beträchtlich an Schalungsholz gespart werden. Allerdings bezieht sich diese Ersparnis nicht etwa auf den Unterbau, sondern auf die eigentliche Schalfläche (Brettfläche), an der man 30 bis 50 vH. sparen kann. Zu berücksichtigen ist außerdem, daß auch kurze Bretter (Abfallstücke) Verwendung finden können, ebenso billigere Brettersorten. Teure Vouten- schalungen kommen nicht in Frage. Das Verlegen der Decken ist verhältnismäßig einfach, leicht zu überwachen und vollzieht sich schnell. Fehler beim Verlegen der Eiseneinlagen sind so gut wie ausgeschlossen (man vgl. z. B. Abb. 28 i, n). Müssen die Hohlkörper von weit hergeschafft werden, so können leicht Bauverzögerungen eintreten. Nachteilig ist auch der Umstand, daß nicht nur bei der Anfuhr, sondern auch beim Aufstapeln an der Baustelle durch Aufschlagen von Hölzern, Baugeräten u. dgl. viel Bruch veranlaßt werden kann. Je länger die Lagerzeit, um so größer in der Regel der Bruchverlust Es ist jedenfalls eine mißliche Sache, wenn nach erfolgter Ausschalung einer Deckenuntersicht zerbrochene Steine in die Er- scheinung treten. Man ist nicht immer in der Lage, die entstandenen Öffnungen ihrer Größe wegen einfach mit Mörtel zuzuwerfen. Ausbesserungen dieser Art erfordern jedenfalls beträchtliche Kosten, eine Tatsache, mit der bei Vollplatten nicht gerechnet zu werden braucht. Um all- zuviel Bruch zu vermeiden, müssen die Hohlkörper eine
22 I. Anwendungen im Hochbau, genügende Festigkeit haben und dürfen vor allem nicht zu dünnwandig ausgeführt sein. Bezüglich der Schall- und Wärmesicherbeit sei auf S. 3 ver- wiesen. Nicht in jedem Falle sind die Hohlkörperdecken schall- und wärmesicherer als Decken anderer Art. Die größere Kon- struktionshöhe der Decken ist an sich für Schallisolierung — der geringeren Durchbiegung der Tragelemente wegen — zweifellos von Vorteil. Schallmildemd s5nd Tone und Bims- steine. Doch kann in der Regel eine einwandfreie Schall- sicherheit nur durch Beschüttung erzielt werden, die aber die Ausführung verteuert und Eigengewicht wie Gesamtstärke der Decke erhöht. Jedenfalls kann man durch Schaffung von Hohlräumen allein keine Schällsicherheit erzielen; die Aus- sparungen können sogar gute Resonanzböden bilden. Die Kostenfrage ist schwer zu beantworten und hängt von sehr viel Nebenumständen ab. Bei großen Spannweiten sind die Hohlkörperdecken oft billiger als die Rippendecken in Eisenbeton, insbesondere dann, wenr hei diesen Rippondecken die Schaffung Jmer ebenen Untersicht durch angehängte Putzdecken verlangt wird. Der Wandanschluß der Decken erfordert aber verhältnismäßig viel Beton, da hier die Decke bei ihrer großen Konstruk- tionshöhe vollwandig ausgeführt werden muß. Man ist aber in der Lage, nach. Maßgabe der Abb. 27 die Gesamtbreite der Platte durch Steinvorkragung zu vermindern. Schließlich ist auch noch zu berücksichtigen, daß die bedeutenden Konstruktipnshöhen ein Mehr an Wand- mauerwerk bedingen, sofern die Geschoßhöhen nicht ent- sprechend herab gemindert werden können. Verwendet man z. B. zur Herstellung einer möglichst schallsicheren Decke eine Kiessandauffüllung, so wird man selbst in den einfachsten Fällen unter 20 bis 25 cm Konstruktionshöhe nicht auskommen. Alles in allem: Die Hohlkörperdecken können nur dann wirt- schaftliche Vorteile bieten, wenn bei großen Spannweiten eine
I. Anwendungen im Hochbau. 23 ebene Untersicht der Decke, eine einwandfreie Putzfläche und eine möglichst große Schall- und Wärmeisolierung verlangt wird. Nachteilig ist weiterhin der Umstand, daß man sich die Verminderung der Momente durch Berücksichtigung von Ein- spannungen lange nicht in dem Maße zunutze machen kann, wie das bei Vollplatten der Fall ist. Von Nachteil ist es auch, daß die Aufnahme von Wandlasten senkrecht zur Rippenlage schwierig ist, da die Anordnung von Querträgern nur dann erfolgen kann, wenn die offenen Seiten der Steine zuvor geschlossen werden. Daß die Ausführung solcher Querträger möglich ist, zeigt Abb. 29. Eine nachträgliche Anbringung schwerer Körper (Trans- missionen, Beleuchtungskörper usw.) ist bei Hohldecken nur sehr schwer möglich, zweifellos auch ein Nachteil gegenüber den Vollplatten. Die Eiseneinlagen der Rippen müssen durch Bügel oder besondere Abstandhalter in richtiger Lage erhalten bleiben. Namentlich muß bei Verwendung von Schlackenhohlsteinen darauf geachtet werden, daß die Eisen nicht in unmittelbare Berührung mit den Steinen kommen, da ein gelegentliches Zerfressen des Eisens durch die Säuren des Schlackenbetons sehr wohl möglich ist. Weiterhin ist darauf aufmerksam zu machen, daß mit dem Eisenquerschnitt bei Hohlkörperdecken nicht so sparsam vorgegangen werden kann als bei den Voll- platten, weil man bei den Hohlkörperdecken durch die Steine in der Seitenentfernung der Eisen festgelegt ist. Man spare auch nicht an Bügeln sowie an Verteilungsstäben, die, in der Druckschicht gelegen, namentlich dann von Wichtigkeit sind, wenn man es mit besonders breiten und dünnwandigen Steinen zu tun hat (Abb. 281). Je nach Belastung und Spannweite werden zumeist verschiedene Steinstärken verwendet und auch verschieden starke Druckplatten über den Steinen hergestellt. Werden Steine von großen Breiten genommen (im* allgemeinen nicht zu empfehlen), so ist die Druckplatte entsprechend zu bewehren (Abb. 35).
24 L Anwendungen im Hochbau. Abb. 28 zeigt verschiedene Ausfuhr ungsmöglichkeiten von Hohlkörperplatten, und zwar fast ausschließlich solche mit ebener Untersicht ’ Bimsbeton-Hohlkörperdecken nach ASb. 28a\ b, c, d bieten den Vorzug besonderer Leichtigkeit. Nachteilig ist bei a, daß kein allzu sicheres Sitzen der Steine im Beton ermöglicht werden kann; besser ist in dieser Beziehung eine Ausführung nach b. In beiden Fällen ist auch der Nachteil vorhanden, daß’- der genaue Steinabstand nur schwer eingehalten werden kann, schwerer jedenfalls als bei den in c und d gezeigten Steinarf- fhhrungen. Nachteilig ist außerdem noch der Umstand, daß bei a Abb. 29/30. und b, sofern nicht beson- ders kräftiger Verputz ge- nommen wird, ein Durch- scheinen der Rippen leicht möglich ist. Die Ausfüh- rung einer Remy sehen Decke zeigt Abb. 29. Abb. 30 liefert den Beweis, daß bei solcher
L Anwendungen im Hochbau. 25 Deckenart auch Querrippen eingefaßt werden können. Die LJ- Steine liegen zwischen zwei Hohlkörpern und umschließen die Querrippen, während die Längsrippen, wie bei der einfachen Bewehrung, von den Hohlkörpern eingeschlossen werden. Abb. 28 e: Bimsbetondecke des Schwemmstein Werks Heimbach, G. m. b. H., Neuwied a. Rhein. Auch diese Steine sind, zumal sie von Hohlräumen durchzogen werden, leicht handlich, billig im Transport und besonders schalldämpfend. Sal- peterausschläge sind unmöglich, da Bimssand ein reines vulkanisches Produkt ist. Im vorliegenden Falle werden die nach oben offenen Hohlräume der Steine mit trockenem Bimskies oder dgl. aus- gefüllt; erst dann kann die Druckschicht aufgestampft werden. — Eine Deckenausführung nach f ist noch leichter und billiger, aber nicht so schall- und wärmeisolierend. Die Hohlräume der Steine, nach unten liegend, bleiben unausgeftillt. Wird für die Steine fein- körniges Material genommen, so wird kein Verputz nötig. Eine glatte Untersicht kann man sich durch Annageln oder Anschrauben von etwa 3 cm dicken Bimsbetonplatten verschaffen. Der Beton ist möglichst feinkörnig zu verwenden. Zur Herstellung der Hohlräume verwendet man besonders leichte Stoffe, wie Bims- und Schlackenbeton, Tonkörper, Ziegel, Draht- und Rohrgewebe1), Bleche u. dgl. Alle diese Körper dienen gleichzeitig als Schalung fiir die Rippen der Platten und verbleiben dauernd in der Decke. Abb. 28 g zeigt die Ausführung der Rhenusdecke (E. U. Janssen & Co , G. m. b. U., Kalk-Höhenberg b. Köln). Die Hohlkörper sind aus Leichtbeton mit Eisenbewehrung her gestellt, und zwar mit Kern- form und Schablonen für die Außenwandungen, stellen also keine Maschinenarbeit dar. Es sind Rohrglieder, die in Längen bis zu 6 m geliefert werden, also eine bedeutende Ersparnis an Schalholz gestatten. (Die Rhenusdecke gehört eigentlich zu Abschnitt 5: vgl. z. B. die Siegwartdecke auf Seite 39.1 Hohlkörper nach Bauweise Ackermann (Abb. 28h) haben 10 bis • 28 cm Höhe, ermöglichen also ganz bedeutende Spannweiten. Bei den größeren Höhen ist die Ausführung der Steine allerdings vier- i) Wegen der leichten Schilfrohrkasten kann kein Stampfbeton, sondern muß Gußbeton verwandt werden. Das ist als ein Nachteil anzusehen und macht die Anwendung solcher Decken für große Belastungen und Spann- weiten fraglich. Auch saugt das Rohrgewebe die Feuchtigkeit des Betons zu schnell auf.
26 L Anwendungen im Hochbau. kammerig. Man gebraucht beispielsweise bei 25 em Steinhöhe und 5 cm Überbeton nur 0,10 cbm Betonmasse für die tragfähigo Decke. Die Abb. 28 h zeigt gleichzeitig einen Steinputzhalter, der in den in den Abb, a und b dargestellten Fällen zweckmäßig Verwendung finden könnte, ebenso bei Anordnung breiterer Rippen fllr Aufnahme von Wandlasten (vgl. Abb. 54)- . Die Wörnerdecke nach Abb. *28 i weist Eisenab- standhalter auf, Bandeisen von 10X1,5 mm Stärke, die auseinanderziehbare Spira- len bilden. Für kleine Spannweiten und Belastun- gen genügen Anordnungen nach Abb. 31 u. 32. Druck- schichten sind natürlich immer von besonderem Vorteil. Abb. 28 k stellt die „Sicherheitsdecke* von R. Hermanns dar. Die Hohlkörper bestehen aus ei’- yi Gemenge von Gips und Kokos- fasern und sind in der SohlpSftte mit einer Drahtgeilechteinlage versehen. Bemerkenswert ist die Festlegung der Zugeinlagen in den Rippen durch wagerecht liegende Eisenstäbchen, di<A alle gleiche Länge haben und an den Enden winkelrecht oder hakenförmig um- gebogen sind. Die in Abb. 28I veranschaulichte Geißler’sche Bauweise ist insofern bemerkenswert, als sie keine durchgehende Druckplatte aufweist. Der Druckgurt der Rippen ist seitlich durch die Schlacken- beton-Hohlplatten begrenzt. Die Siegdecke nach Abb. 28 m ist der Sicherheitsdecke von Hermanns (Äbb. k) sehr ähnlich. Die als Schalung wie als Unter- decke dienenden Hohlkörper bestehen aus einer Gipsmasse, in die Drahtgewebe und Schilfrohr so eingebettet sind, daß sie ein ge- nügendes Widerstandsvermögen erhalten. Das Verlegen der Hohl- körper von nicht mehr als 2 m Länge erfolgt auf Hölzern von etwa 12/14 vm Stärke, die unter dem Stoß angebracht werden müssen. Um die Hohlkörper gegen das Eindringen des Wassers beim Betonieren zu schützen, werden sie vor der Verwendung mit wasserabwehrenden Mitteln getränkt. Abb. 28 n veranschaulicht die Hohltondecke der Hohlton- Eisenbeton -Vertriebsgesellschaft m. b. H.» Köln a. Rh. Die rohr-
I Anwendungen im Hochbau. 27 artig geformten Steine zeigen besondere Ansätze ftlr ein gutes Haften im Beton und für die sachgemäße Verlegung der Bügeleisen. Bei der Leichtsteindecke Bauweise Lehmann bestehen die zwischen den Tragrippen eingebetteten Steine aus einem sehr porigen Gemisch von gesiebter Koksasche, Gips und Sägespänen. Die Steine (man vgl. auch Abb. 28b) werden in Formen gegossen, in welche vorher dünne Dach- teerpappe eingelegt -yr- ist. die dann die OmkQQQ äußere Umhüllung der Steine bildet. ÜLi | Die Pappe haftet gut II I an dem Stein fest II 1 und verhindert bei || j der Herstellung der Abb. 33. Decken die Auf- saugung des Wassers aus dem Beton. Die Herstellung der Decke ist aus Äbb. 33 ersichtlich. Bei der Zöllnerschen Zellendecke werden leichte, dünn- wandige Hohlsteine aus gebranntem Ton oder Bimsstein verwendet. Abb. 34. Die Hohlsteine können entweder unmittelbar auf die Schalung gelegt werden oder mittelbar durch eine vorher aufgebrachte Beton- schicht (Abb. 34)- Die Herstellungsweise der Hohlkörperdecke Bauweise Züblin (Abb. 35) ist die folgende: Auf ein rechtwinklig sich kreuzendes Gefüge von Schalbalken, welche zugleich die Bodenschalung für die Betonrippen • a bilden, werden kastenförmige, vorher betonierte Hohlkörper b mit der geschlossenen Seite nach unten
28 T. Anwendungen Im Hochbau. verlegt, so daß dazwischen sich kreuzende hohle Kanäle entstehen, in welche die Trageisen verlegt werden und die man dann aus- stampft. Gleichzeitig wird die obere offene Seite der Hohlkörper mit einer ebenfalls vorher angefertigten dünnen Eisen betonplatte c von 21/} bis 3 cm Stärke abge'Sckt. über welche dann noch eine obpre Schicht (zugleich Platte ^Knd Druckschicht des Trägers) von 5 bis 7 cm Stärke samt der nötigen Eisenverstärkung an Ort und Stelle und gleichzeitig mit der Betonierung der Träger av-fgebrächt wird. Zur besseren Verbindung des Hohlkörperdeckais mit der oberen Betonschicht wird ersterer mit vorstehenden Bügeln d versehen. Die Hohlkörper haben eine Größe von 96 X,96 cm und/oder 4 Versteifungsrippen, also entweder einen Querschnitt nach Abb. 36 oder Abb. 37. Dieselben sind aus Schlackenbeton gepreßt und mit einem Drahtgewebe verstärkt; die Wandstärke beträgt Tl/a bis 2 cm. Die Hohlkörper werden in Höhen von 17 bis 40 cm angefertigt, sn daß die Gesamthöhe der fertigen Decke 25 bis 50 cm und das Eigen- • gewicht derselben 215 bis 395 kg/qm beträgt. Abb. 38. Die Waysssche Rohrzellendecke (Abb. 38). Eigenartig an dieser Decke ist die Ausfüllung der Rippenzwischenräume durch
1. Anwendungen im Hochbau. 29 sog. Rohrzellen, welche die Begrenzung der Seitenfläche der Balken, der Schalung für die Platte und zugleich die Berohrung für die Unter- sicht bilden. Die Rohrzelle ist ein i m langer Hohlkörper aus Rohr- gcflecht,. welches über Holzrähmchcn gezogen wird, die etwa 25 cm voneinander entfernt sind. Das Rohr wird durch Stahlbänder an die Holzrähmchen gepreßt, so daß das Rohrgetlecht die während der Her- stellung der Decke nötige Tragfähigkeit erhält. Zur Herstellung der Zellen dient die Rohrzellenmaschine, auf welcher ein Arbeiter in 10 Std. 200 bis 250 Zellen erzeugen kann. Die zur Verwendung kommenden Materialien (Schilfrohrgewebe, 0,5 bis 0,8 cm stark, dicht geflochten — Stahlbänder, 12 X 0,2 bis 0,3 mm stark — Rahmenholz, 20 mm stark) sind nicht teuer und überall leicht zu beschaffen, so daß die Zellen an der Baustelle angefertigt werden können. Die Zellen sind außerordentlich leicht, etwa 5 bis 8 kg/qm Fläche. Bei Zellen von größeren Abmessungen kann ein Mittelstcg gemäß Abb. 39d notwendig werden, damit sie die Belastung durch den aufgebrachten Beton ohne Einschlag tragen können. Die Herstellung der Decke erfolgt auf einer ebenen Schalung, auf welcher die Rohrzellen in Abständen entsprechend der Balken- breite verlegt werden. Die Verbindung an den Stößen der Zellen geschieht durch leichtes Antreiben. Da, wo die Decke zugleich auch die Last einer Scheidemauer aufzunehmen hat, muß unter derselben in der Decke eine entsprechende Stegverbreiterung vor- genommen werden. Durch Verwendung von Zellen geringerer Höhe an diesen Stellen wird auf einfache Weise eine •Verstärkung des Druckgurtes gemäß Abb. 39a erzielt Abb. 39b zeigt die Herstellung eines für große mit Rostausbildung; durch Abb. 39. Lastaufnahme bestimmten Mauerträgers Aussparen mit Rohrzellen wird eine bedeutende Ersparnis an Beton und Gewicht erzielt. Will man eine Plattcnbalkendecke mit ebener Untersicht her- stcllcn, so ist die einfachste Art der Ausführung die in Abb. 39 c angegebene, wobei die äußersten Zellen mit ihren Wandungen die Begrenzung und Schalung für den Balken bilden. Eine solche Decke ist sogar kaum teurer als eine Decke ohne ebene Untersicht, da sie nur eine ebene Schalung ohne Holzverschnitt für die Stege erforderlich macht.
30 I AtiWMiihmtfvii un II «<• 111 »nu. bei Putz ist aut den Deckvnnntcr -ichten leicht aufzubringen. Will man eine vollkommen bewehite Unterricht haben, so bringt man vor dem Betonieren in die Stege Rohrgewebestreifen ein; diese bleiben dann nach dem Abbinden des Betons an demselben haften. Bei den Bacula-Decken (Abb. 40» wird statt des gegen Stampfarbeit nur wenig widerstandsfähigen Rohrgewebes ein Gewebe aus 6 bis 10 mm starken Holzstäbchen von quadratischem Quer- schnitt genommen, wobei die Stäbchen in Zwischenräumen von 5 mm durch Drahtgeflecht zu einer Matte miteinander ver- bunden werden. Diese Matten Abb. 40. werden auf die Seiten- uM^ Oberteile der rechteckigen Latten- rahmen genagelt. Abb. 41 zeigt Rüstung und Schalung (ter Decke; die Zelle liegt von einem Pfosten zum anderen Irei auf. Abb. 42 Bei der Kastendecke (Abb. 42) sind die unten offenen Kasten von 1 cm dicken Brettern gemacht. Eine 3 cm starke Unterschicht sorgt für eine gleichartige Untersicht der Decke, bedingt aber natur- gemäß — im Gegensatz zu Abb. 41 — volle Schalfläche. Die Eisenbeton-Hohldecke, Bauweise Wrissenberg (Abb. 43). zeigt Hohlkörper ans leichten, dünnen, durch Einschieben anein- andergefügten Rohren aus dünnem Schwarzblech.
I. Anwendungen hn Hochbau. 31 Auf der ebenen Schalung wird zunächst eine etwa I cm starke Streuschüttung aus Kiesbeton hergestellt; dann werden die einzelnen Rohre durch Ein- schieben zu von Auflager nach Auflager reichen- den Rohrsträngen aneinandergefügt und -«rttreh Dar- übcilegen von einfachen Rund- Abb. 43, 44. eisenbiigeln zu Paaien vereinigt In die Rundeisenbügel werden d;mn die Deckeneisen eingelegt. Soll die Decke über stutzende Wände oder Träger durchlaufen, so sind die Eisen gemäß Abb. 44 nach oben abzubiegen. Es werden dann die Ver- stärkungbrippen bis etwa Oberkante Blechrohr fcrtiggestellt und hierauf die Abstände von Rohrpaar zu Rohrpaar mit Schlacken- oder Bimsbeton ausgefüllt, der also mit den Einlagen selbst nicht in Berührung kommt. Nachdem die Blechrohre so mit Kiesbeton und Schlackenbeton allseitig umhüllt sind, wird die mindestens 5 cm starke Druckplatte aus Kiesbeton gestampft. Die Rohre müssen natürlich steif genug sein, um beim Stampfen den nötigen Widerstand zu leisten. Es ist auch darauf zu achten, daß die bewehrten Tragrippen stets mit ganz frischem Beton an die Decke an.bchließen, da eine Abbindenaht hier unter Umständen gefährlich werden könnte. Um das Eindringen des Betons in die Rohre zu Verhindern, kann man diese an den Enden gemäß Abb. 44 eindrücken. Abschließend die meisten der zwischen I-Eisen finden können. So zeigt Abb. 45 die Anwendung von Ackermann - Stei- nen für solchen hall (bei Kahn- eisenbewehrung). sei darauf aufmerksam gemacht, daß eben besprochenen Deckenarten auch und Eisenbetonunterzügen Verwendung Abb. 45. Abb. 46 zeigt die Anordnung ver- schieden hoher Rahmenzellen gemäß Abb. 38, um einen stärkeren Druckgurt für den als Plattenbalken ausgebil-
32 l. Anwendungen im 'Hochbau. Abb. 46. üJXMmnij pnaiiwTiinn; Ml» OWilWl gHIIIIIIHI 11111» am Abb. 47. deten Längsunterzug zu erhalten, wäh- rend in Abb. 47 die Anordnung der Rahmenzellen für eine Decke wieder- gegeben ist, deren Rippen als durch- laufende Balken berechnet sind (vgl. Teil I, 11. Aufl^ S. 240). Derartige An- ordnungen sind natürlich auch mit Hohl- körpern anderer Art möglich. 5. Wertmäßig hergestellte Hohldecken, ohne Schalung verlegt1). Bei den soeben besprochenen Hohikörperdccken er- folgte die Herstellung der eigentlichen Tragkörper auf der Baustelle, also nicht auf ebener Erde. Die fabrik- mäßig hergestellW Hohldecken sind in rein konstruktiver Beziehung nur^zum Teil, in wirtschaftlicher Beziehung aber nur in seltenen Fällen vorteilhafter. Vorteilhaft ist die Ersparnis an Schalung, * welcher Vorteil durch die Erfordernisse von Aufzugseinrichtungon oft wieder auf- gehoben wird. Außerdem werden zur Herstellung der Tragkörper zumeist besonders maschinelle Einrichtungen nötig, deren Anschaffung und Unterhaltung zumeist teuer ist. Vorteilhaft ist weiterhin die Möglichkeit de^ .schnellen Schaffung eines Arbeitsbodens, da die Tragkörper in er- härtetem Zustand vom Lager kommen. Die Herstellung der Tragkörper erfolgt in den Werkstätten zu ebener Erde, unter einer genaueren Aufsicht, als solche auf dem Bauplatz möglich ist. Hat der Unternehmer die Balken auf Lager, so kann die Bauzeit beträchtlich verkürzt werden. Man ist auch von der Jahreszeit nicht abhängig; ebenso wird eine Verzögerung der Maurerarbeiten vermieden. Die Nachteile der werkmäßig hergestellten Hohldecken sind im allgemeinen die folgenden: .Zumeist ist mit einem großen Gewicht der Einzelteile zu rechnen, das natur- gemäß das Deckengewicht erhöht (Aussparungen der *) Auch bezüglich dieser Deckenfonncn «ei auf die Arbeit von Böhm- Gera verwiesen (8. 19, Anmerkung 1).
I. Anwendungen im Hochbau 33 Stege nach Abb. 52 h vermindern das Gewicht, dürfen aber aus statischen Gründen nicht zu groß gemacht werden); oft kostspielige Transporte vom Werkplatz bis zur Baustelle (nur selten ist die Einrichtung fliegender Werkstätten am Bauplatz möglich); die Gefahr gewisser Bruchverluste (man spare nicht allzusehr an Bewehrungseisen und Bügeln und richte diese Bewehrung nicht nur für die Aufgabe der Balken als Trag- element, sondern auch für die Gefahren des Transportes ein; insbesondere müssen seitliche Konsolauskragungen gemäß Abb. 52c entsprechend bewehrt sein); die Erfordernis be- deutender Trägerhöhen, namentlich dann, wenn man Lager- hölzer für Brettboden benötigt. Eine gewisse Baustoff- verschwendung wird dadurch bedingt, daß man die Träger für gewöhnlich als freiaufliegende Balken konstruieren muß, daß man also nicht mit einer Verminderung der Biegungs- elemente infolge Einspannung an den Auflagern bzw. über den Stützen (wie bei durchlaufenden Trägem) rechnen kann. Werden keine seitlichen Verbindungen der Träger nach Maßgabe der Abb. 52f vorgesehen, so sind Einzeldurch Biegungen der Träger bei Wirkung von Einzellasten sehr leicht möglich; desgleichen die Bildung von Putzrissen. Überhaupt hattet der Putz am Beton schlechter als an der Unterseite v>n Füllkörpern. Die Decken geben keine so gute Ver- sinket ung der Umfassungsmauern ab und sind, sofern keine Auffüllung (Aufbetonschicht) vorgenommen wird, im all- wmcinen nicht schallsicherer als gewöhnliche Eisenbeton- <l< ( ken. Die im vorigen Kapitel besprochenen Füllkörper- <!r< ken sind in dieser Beziehung entschieden vorteilhafter. m hwicrigkeiten besonderer Art treten »leltarh dann ein, wenn man Unterzüge 1 e-finiigt; oft ist keine genügende Beton- • Ihp It/onc beim Balken vorhanden, und •rh.irUhrh ist es noch als ein Nach- »•»’ unzuschen, daß die Balken ver- •< lucdmcr Art und Länge in größerem I nilang auf Lager gehalten werden müssen, um gegebenen- •. i« mit einer Bauausführung nach Auftragserteilung sofort hilf. 1‘r i iM< nhi lOllblUL II. 11. Au.fl.
34 1. Anwendungen im Hochbau. beginnen zu können (Kapitalaufwand). Nach Ausweis der Abb. 48. sind bei unregelmäßig gestalteten Raumgrundrissen zur Abdeckung ganz verschiedene Balkenlängen notwendig. Noch größere Schwierigkeiten treten ein, sobald man genötigt ist, winkelrecht oder schräg verlaufende Wände abzufangen. Ebenso lassen sich nachträglicheÄnderüngv’ndes Bauprogramms nicht so einfach und leicht berücksichtigen wie bei den früher besprochenen Decken form en. Eine ausgleichende Mörtelschicht — etwa für Auf- bringung von Linoleum — wird zumeist nicht zu um- gehen sein. Soll diese Mörtelschicht, z. B. bei der Zylinder- stegdecke (Abb. 49), zu einer Druckschicht werden, so bleibt es . immer sehr. fraglich, ob sich der neue Auf- beton mit dem alten Balkenbeton sachgemäß verbindet. Man kann eigentlich nur von einem rein mechanischen Diese eben genannte Zylinderstegdeckc (Bau- weise ' Herbst) bildet ge- wissermaßen den Über- gang der Füllkörperdecken zu den Decken aus werk- mäßig hergcstellten Form- balken. Es ist eine Decken- Abb. 49. Abb. 50. art, welche zeitraubende Einschalung entbehrlich macht und nur etwas StUtzholz für die Mitten größerer Spannweiten benötigt. Die tragenden Stege aus Beton, bewehrt mit Bandciseneinlagen, sind in der Fabrik hergestellt und werden mit Füllzylindern aus Schlackenbeton oder gebranntem Ton gemeinsam verlegt. Die Stege haben eine Höhe von 20 cm und eine Mittenentfernung von
I. Anwendungen im Hochbau. 35 25 cm. Die Zylinder sind 25 cm lang und an den Seiten rauh ge- lassen, um die Haftfestigkeit zu erhöhen. Die ohne Unterschalung balkenmäßig verlegte Decke wird mit Zementmörtel vergossen und dann mit irgend einem Fußboden versehen. Die Bauhöhe einschließlich Deckenputz beträgt ungefähr 22 bis 26 cm. In statischer Hinsicht soll die ganze Decke ein einheitliches Tragwerk bilden; die aufgestampfte Deckplatte soll die nutzbare Trägeijiöhe vergrößern und den Druckgurt bilden. was aber in statischer Beziehung anzuzweifeln ist. Bevor die obere Betonschicht die entsprechende Festigkeit erlangt hat, darf jedenfalls die Decke nicht belastet werden. Abb. 62. Abb. 52a: Hohldecke Bauweise Türk (W. Türk und Sohn, Mannheim). Die Träger zeigen die Querschnittstorm eines J-Eisens, • itid also in rein statischer Beziehung durchaus zweckmäßig ent- worfen. Man hat eine glatte Untersicht; doch fehlt eine seitliche Ve: Bindung der Träger, weshalb bei Einzelbelastungen ein ver- »ihirdcnartiges Durchbiegen der Träger und demzufolge ein Reißen dei l’ulzcs eintreten kann. Es erscheint daher angebracht, den \ufbrtun mit quergelegten Verteilungseisen zu versehen und durch i und Quernuten dafür zu sorgen, daß der Auf beton sich gut 3»
36 I. Anwendungen irn Hochbau. mit dem Druckgurt der Balken verbindet. Den Schubspannungen in den Stegen ist durch Bügel Rechnung getragen. Bei der sta- tischen Berechnung kann die Druckbewehrung, die auch für den Transport der Balken nicht ohne Bedeutung ist, mit berücksichtigt werden. Trägerhöhe 16 cm. Herstellung der Träger in gewalzten, auf Brettern sitzenden Blechformen. Abb. 52b: Bauweise Kiefer. Der Vorteil der größeren Stärke der Druckflanschen wird wieder aufgehoben durch die Verminde- rung der Flanschbreite. Die Hohlräume können mit leichten Stoffen ausgefüllt werden. Der Überbeton füllt den Raum zwischen den Obergurten aus. Abb. 52c: Stegbalkendecke von Bayer. Hier ist, von an sich richtigen statischen Erwägungen ausgehend, der Untergurt der Träger ganz fortgelassen und lediglich durch eine Verstärkung des Steges zwecks Unterbringung der Zugeisen ersetzt worden. Die Träger sind also auch Verhältnis mäßig leicht. Da abeAwohl immer eine ebene UntersichJ,jder Decke verlangt wird, werden die Minder- kosten der Träger rfrch die Erfordernis eines nachträglichen An- biingens einer Putzdecke wieder aufgehoben. An den Enden werden die Träger zweckmäßig als volle Betonklötze »gefirmt. Druckschicht mindestens 2 cm stark. 4 Abb. 52d: Bauweise Großmann, Leipzig. ‘Eine kräftige Tliigerausbildung, auch für Decken mit Stoßlasten geeignet Einzel- durchbiegungen können aber nicht verhindert werden. In statischer Beziehung Ähnlichkeit mit dem Siegwartbalken (S. 39) und den eisernen Blechträger-Kastenquerschnitten. * • Abb. 52e: Bauweise Gißhammer, Wien. Eine mehrteilige Betondecke, deren leicht zu handhabende'Träger in 50 bis 100 cm Abb 53. Abstand verlegt werden. Die Formung der Stegbalken ist derart, daß die werkmäßig hergestellten Deckplatten in verschiedener Höhe
1. Anwendungen im Huchbau. 37 ungeordnet werden können.. Die Abbildung zeigt Holz- und Massiv- lußboden. Eingeschobene Gipsplatten zur Erzielung einer ebenen I ’n Ursicht verteuern die Ausführung, werden auch eine Putzstreifen- hildung nicht gänzlich ausschließen, da Einzeldurchbiegungen der Träger hier noch leichter möglich sind als bei den bisher be- sprochenen Ausführungen. Abb. 53 zeigt die — wohl nicht immer -befriedigende — architektonische Verwertung der Gißhammerdecke ivgl.^kindbch. f. E. IX. 1. Teil, S. 133). Abb. 52 f: Bauweise Lehmann, Karlsruhe, der in Abb. a ge- zeigten Bauweise Türk sehr ähnlich. Doch ist hier durch ent- sprechende Formgebung der Flanschen Vorsorge dafür getroffen, daß Einzeldurchbiegungen verhindert werden. Vgl. hierzu auch Dar- stellung g. Die Bügel sind schlecht geformt; weitaus besser ist die in Abb. c angegebene konsolgemäße Bügelanordnung. Ein Auf- beton ist nicht nötig; es genügt ein Vergießen der Fugen. Be- merkenswert ist schließlich noch die Tatsache, daß Aussparungen fies Steges gemäß Darstellung h vorgesehen sind. Abb. 52i: Dreiwandbalken von Guske, Karlsruhe. Im Grund- gedanken der Lehmanndecke ähnlich, nur daß hier der Steg nicht in der Mitte, sondern an der Seite — gelegentlich durch dünn- wandige Querstege ausgesteift — (Unterschied von I- und Q-Eisen). Jeder Balken stützt sich auf den Nachbarbalken. Beachtenswert ist die in Abb. 54 gezeigte Möglichkeit, einen unsichtbaren Unterzug in die Decke einzubauen. Abb. 52k: Oxtogenbalkendecke, Zürich. Winkelförmige, be- sonders leichte Balken, die sich gegenseitig abstützen. Nachteilig ist dis Nichtvorhandensein einer ebenen Untersicht sowie eine gewisse hwierigkeit bei der Maueiautlagerung.
38 1. Anwendungen im Hochbau. Abb, 521: Bauweise Wünsch, Budapest Balken mit kräftiger Druckzone und mit Querstegen, deren Ausbildung nach Auweis der Abbildung Einzel durchbiegungen verhindern hijft Abb. 52 m: Bimsbeton-Kassetten platt en nach Bauweise Dahm, Neuwied. Platten von 50 cm Breite mit Isolierhohlräumen und seitlichen Fühiungsleisten zur Vermeidung von Einzeldurchbie- gungen. Eine druck verteilen de Aufbetonschicht wird sich immer empfehlen, sofern die Platten nicht für Dacheindeckungen Ver- wendung finden (vgl. S. 11r). . Abb. 05. fabeton Bims, Schlacke, Asche Intel U---- 'W- tobi»! -. .. . / , Bunsdiele, . L “ 2,0m lang ™ Bimsbeton Abb. ift. Abb. 55 zeigt die Verwendung von Hohlbalken, der Firma Zement-Industrie „Glück aut“ G. m. b. H. Freiberg i. Safhsbn zur Herstellung von Decken nach Art der gewöhnlichen Wohnhaus- decken (vgl. Mitt. 1917, S. 170). Als guter Er- satz einer Holz- balkendecke kann die in Abb. 56 dar- gestellte Aus- führung gelten. Die eingefügten Bimsdielen werden bis zu 2 m lang gemacht. Die Trag- balken bestehen im unteren Teil aus nagelbarem Bimsbeton- Vgl. Sitzungsberichte des Reichsverbandes zur Förderung sparsamer Bauweise 1920, S. 108. Die in den Abb. 57 bis 59 dargestellte Siegwart-Decke besteht aus einzelnen, fabrikmäßig hergestellten, fertig und erhärtet in den Handel kommenden hohlen Balken aus Eisenbeton, den sog. Siegwart-Balken, die nur an den Auflagern nebeneinander ver-
I. Anwendungen Im Hochbau. 39 legt zu werden brauchen. Die Decke als solche ist eigentlich dann fertig und kann sofort belastet und als Arbeitsboden verwendet werden. Das Verlegen geht so schnell vor sich, daß vier bis sechs Abb. ö7. Mann in einem Tage mehr als 100 m* Decke fertig legen können. Die Herstellung der Balken erfolgt auf maschinellem Wege. Die Beweh- rung besteht aus Rundeisen, welche zum Teil bei den Auflagern nach oben geführt werden. Die Zwischen- räume der verlegten Balken werden mit Beton ausgc gossen, weshalb die Seiten- flächen der Balken rauh be- lassen sind. Die Siegwart« Decke kann sowohl bei freier Endauflagerung, als auch zwi- schen Unterzügen verwandt werden (vgl. Abb. 57 u. 58). Abb. 58. Dyckerhon \ Widmann A.-G. stellen in ihrer Karlsruher Fabrik sechs verschiedene Balkcnprofile her, Profil 12 bis 23, nach Balken- höhe (in cm) benannt. Bauweis« Visintini (Gitterträger). Visintini baut richtige Fachwerkträger in Eisenbeton von 15 bis 40 cm Höhe und cm Breite, bei welchen diejenigen Stäbe, die lediglich Druck- spannungen aufznnrbmen haben, nur aus Beton bestehen, während» alle anderen Stäbe, die ausschließlich oder bei entsprechender Be- lastung Zugspannungen erhalten, mit Einlagen versehen sind. Diese Einlagen bestehen in den Gurten aus durchgehenden Rundeisen, um die sich die Einlagen der Streben mit ihren umgebogenen Enden legen. Del umhüllende Betonkörper an den Knotenpunkten vcihindert ein Gleiten zwischen den Eisen der Gurtungen und Mi eben und wiikt somit ebenso wie eine Vernietung der Eisen- einUgvn untereinander. In den Stäben der Druckgurte wären zwar uh( Rücksicht aut deren Tragfähigkeit Eiseneinlagen nicht immer
I. Anwendungen im Hochbau. unbedingt nötig, doch erweisen sie sich erforderlich, um die Ver- bindung der Gurtungs- und Strebeneinlagen in einfacher Weise zu sichern. Beim Aneinanderstoßen zweier Balken in Längsrichtung bildet sich eine schwalbenschwanzförmige Nut, welche mit ^leinen Eisen- einlagen versehen ist und nachher, mit Zementmörtel vergossen, genügende Sicherheit gegen das einzelne Dnrchfedern der Balken, mithin gegen Längsrisse in der Decke gibt. Um einen Holzboden Abb. 6i.
I. Anwendungen im Huchbau. 41 anzubringen, werden in die schwalben sch wanzförmige Nut, noch bevor der Zementmörtel erhärtet, kleine Holzschwarten eingebettet, auf welche der Blindboden genagelt werden kann. Die Herstellung der Visintini-Balken erfolgt mittels hölzerner Kasten mit eisernen Kernen und braucht nicht immer in der ^abrik zu geschehen, sondern kann auch in unmittelbarer Nähe des Bahes vollzogen werden, wodurch an Transportkosten gespart wird. Die Herstellung selbst erfolgt derartig, daß die Balken in umgelegtem Zustande (Öffnungen nach obey) ausgegossen werden. Der zur Herstellung dienende Modellkern (Abb. 61) besteht aus drei Winkeln d, e, f, die mit dazwischenliegenden Schalbrettern //. A und i so vefbunden sind, daß durch Auswechseln der Schal- bretter von ver- schiedener Länge Modellkerne flh die Herstellung verschieden hoher Gitterträger ohne weiteres gebildet werden können. Abb. 62 zeigt eine Visintini-» Decke bei Ver- wendung von Unterzögen und Stützen. Über Verwendung dieser Träger im Brückenbau vgl. Kersten, Balkenbrücken» 5. Aufl. Abb. 6. Plattenbalkendecken In Eisenbeton. Decken in Plattenbalkenform, auf Schalung hergestellt, sind in Teil I eingehend besprochen worden. Abb. 63 u. 64 zeigen die Ausführung einer Werkstättendecke, mit genauer Angabe aller erforderlichen Eiseneinlagen. Außerdem sei auf die Abb. 2, 225 u. 276 verwiesen. Soll eine beliebig gestaltete Grundfläche abgedeckt werden, so ist zunächst — größere Raummaße voraus- gesetzt — die Säulenteilung festzulegen. Über die Säulen werden dann nach der einen Richtung die Hauptträger, nach der anderen Richtung je nach Bedarf die Neben- träger angeordnet, die ihrerseits wieder durch die kon-
42 I. Anwendungen im Hochbau.
//J» zzy% /xz» /zzr% ße^ehrung des Houp/vnterzüoes i WO%<Wn Z/jt7% z/jy% j^ r freiePfattMlag&'Mg CT ' **• ,^9^ 47»^ ____L - zw -J/dT- tr* wo 2» Belehrung (ferßecfenp/a/te. . — _.. ja X^-h 2&%L 2/93e_ Abb. 04. 'Wfo 2HT^ 2&3&L. 4f0 _i__ -2W - PZa/fe &ngesp(mqf T^2» MWfo i? ' ’. Anwendungen im Hochbau« ___XX»
44 1. Anwendungen im Hochbau. tinuierlich fortlaufende Platte verbu\den werden. So zeigen beispielsweise die Abb. 65 bis 97 verschiedenartige Decken- Abb. 66. 1200— Abb. 67. ausführungen für ein und den- selben Lichtraum. Es ist von Fall zu Fall zu untersuchen, welche Lösung die wirtschaft- lich beste ist. In Abb. 68 ist die Ausbildung der Zwischen- decke eines Wasserturmes dargestellt Die Ständer sind außen durch einen ringförmig laufenden' Randbalken miteinander verbunden. acht ver- Abb 68. Will man bei besonders weit gespannten oder stark belasteten Balken an Baustoff und Bauhöhe sparen, so können Doppel- balken gemäß Abb. 69 zur Verwendung gelangen (vgl. auch Abb. 171b). Sie werden auf den Fensterpfeilern angeordnet und er- Abb. 69. sparen diejenigen Träger, die sonst auf die Fenster- stürze zu liegen kämen. Da- mit die zusammengekup- pelten Balken auch äußer- lich als Ganzes wirken, kann man, wie die Abbildung zeigt, eine Rabitz- verspannung vornehmen, die /Andernfalls empfehlen sich zur Aussteifung besondere Querstege in gewissen Ab- ständen , desgleichen Hohl- körper gemäß Abb. 39. — Ein anderes Beispiel eines auch eine gute Querversteifung abgibt. Ahb. 70. s»
I. Anwendungen im Hochbau. 45 geteilten Steges, hier als Abschlußdecke gegen den Dachraum ge- dacht, bietet Abb. 70. Eine Ausführung gleichen Charakters, aber einfacherer Art veranschaulicht Abb. 71. Zur Verringerung der Deckenstärke in Raummitte und zur Erreichung einer festen ebenen Untersicht, die für eine nachträgliche steinhauermäßige Bearbeitung geeignet ist, können gemäß Abb. 72 verschieden schwere Auffüllungen genommen werden, und zwar in dem mittleren, niederen Teil Schlacke (800 kg/cbm) und in den Seitenfeldern Kiessand (1600 kg/cbm). Auf diese Weise konnte mechanisch eine volle Einspannung der mittleren Träger erzielt werden, trotzdem kein breiter Druckgurt vorhanden ist und trotz- dem die Nutzlast 500 kg/qm und die Spannweite 10,20 m betrug. Die fehlende Druckzone wurde durch eine entsprechende Druck einlage ersetzt (Vgl. Mitt 1911, S. 13.) Nachteilig ist bei allen vorgenannten Ausführungen, daß die Einschalungen bedeutende Kosten verursachen. Um nun diese Kosten etwas herabmindern zu können, kann man die Platten aus fertigen Dielen bilden, während nur die Rippen in der üblichen Weise auf Rüstupg herzustellen sind. Abb. 73 veranschaulicht eine dem Regierungsbaumeister Dr.-Ing. W. Kunze, Dresden, geschützte Bauart. Die Stoßfugen der rd. 25 cm breiten, an der Unterseite ausgesparten Dielen werden beim Verlegen satt mit Zementmörtel gefüllt; sie weisen eine Nut auf, so daß sich eine Art Mörteldttbel zwischen zwei parallelen Dielen bildet. Vgl. auch B. u. E. 1920, S. 116.
46 I. Anwendungen im Hochbau. Eine ähnliche Ausführung zeigt Abb. 74 (Bauweise Mertens). Die Dielen werden aus Leichtbeton hergestellt (1600 kg/cbm) und außerdem mit Hohlräumen versehen, so daß die Deckengewichte etwa den Kleineschen Hohlsteindecken entsprechen. Die Dielen kommen aus glatten Formen, werden auch mit glatter Unteransicht geliefert und machen jeden Deckenputz entbehrlich. • Abb. 74. Was die Bewehrung anbelangt, so sind in allen Fällen die Rundeisen am gebräuchlichsten. Für die - Breite----* Abb. 75. Platten kann auch Streckmetall (Abb. 75) Verwendung finden. Kahn- eisen nach Abb. 76 zeigen seitlich flache Lappen (Flügel), die je nach Bedarf auf besonderen Maschinen ab- getrennt und unter 55° als „Bügel“ abgebogen werden. Leschinsky ver- wendet neben den Rundstäben Profileisen, um die Schalung daran aufhängen zu können, also die Rüstung zu ersparen Abb. 77 Abb 7*
T. Anwendungen im Hochbau. 47 (Abb. 77). Den gleichen Zweck erreicht man bei Ver- wendung von sog. „Bulbeisen“ (Abb. 78), schienenförmigen Profileisen mit durchbrochenem Steg und ringförmigen Bügelschlingen, welche in den Lochungen stecken und bei größeren Bauwerken durch Eisenkeile fest angetrieben werden. I 7. Deeken besonderer Formgebung. Kassettendecken in Eisenbeton geben eine gute dekorative Wirkung ab; sie gestatten außerdem einen sparsamen Stoffverbrauch und sind für Räume jeder Größe anwendbar. Die Verschiedenheiten der architek- tonischen Ausbildung sind unbegrenzt. Die Trägerrippen werden entweder nach der einen Richtung nur blind an- geordnet oder — was das vorteilhaftere ist und sich namentlich bei nahezu quadratischem Grundriß sehr emp- fiehlt — nach beiden Richtungen zur Lastübertragung herangezogen.z Die auf eine Feldbreite entfallenden Ein- lagen werden in der betreffenden Rippe vereinigt, so daß jede Rippa für sich einen P attenbalken darstel’.t. Sollen A ob y
48 I. Anwendungen im Hochbau. besonders künstlerische Motive für die Kassettierung ge- wählt werden, so empfiehlt sich eine vorherige Herstellung der Platten in Gipsformen (Abb. 80). sehen Kunstgewerbeaussteilung in Dresden (Firma Dyckerhoff u. Widmann, A.-G.). Jeder Putz, jede Verkleidung ist vermieden. Die < »mamente sind vom Bildhauer bearbeitet. Die Kassettenplatten wurden in Gipsformen in der Werkstatt horgestellt, mit vergoldeten Mosaiksteinchen (im Bilde durch die Lichtwirkung erkennbar) ver- sehen und nach Abwaschung mit verdünnter Salzsäure am Bauort
I. Anwendungen im Huchbau. 49 in" das inzwischen fertiggestellte Tragegerippe verlegt. Mischungs- verhältnis 1:3:3; Vorlagemischung an den Sichtflächen 1: 3. Beim neuen Hauptbahnhof in Leipzig sind quadratische Kassetten platten nach Abb. 8 t zur Anwendung gelangt.. Sie wurden auf dem Boden fertig gestampft und dann in die Nuten der Rippen v» liegt. Für die Zwecke des Verlegens dienten zwei Bügel in den Umfassungen. Mischungsverhältnis 1 Teil Zement + 3 Teile Dolo- * mitgrus. Beispiele von Kassettenausbildungen an Ort und Stelle (in Schalungen) zeigen die Abb. 82 bis 84. Ein weiteres Beispiel ist in Abb. 85 dargestellt, die Überde'ckung des Auditorium Maximum im neuen Kollcgiengebäude der Universität Freiburg i. B. Der Grundriß der Decke ist eine Ellipse von 17,6 X 23,6 m. Nutzlast 500 kg qm. Gewählt wurde eine Kassettendecke aus sich kreuzenden Plattenbalken. Die Einlagen der kürzeren Spannweiten gehen glatt durch, während die Eisen der Längsträger an den Kreuzungsstellen über diejenigen ^ier Querträger hinweggeführt sind. Wegen der dadurch bedingten Verringerung der Nutzhöhen wurden an diesen Kreuzungsstellen Ergänzungsstäbe vorgesehen. Eingefaßt ist die Decke durch einen .in sich geschlossenen Auflager-Ringbalken von 90 cm Höhe. Näheres Mitt. 1911, S. 1. Beim Neubau des Museums für Völkerkunde in Hamburg wurden Kassettenschalen in Eisenbeton auf dem Boden hergestellt, die auf der Unterseite die gewünschte Architektur, auf der Ober- seite die nötige Deckenform zeigen (Abb. 86). Diese Kassetten- schalen waren im Spiegel 3 cm stark und erhielten als Bewehrung ein Geflecht von 6 mm-R.-E. und 100 mm Maschenweite. Die Herstellung der Schalen erfolgte in Holzformen, welche innen mit Weißblech ausgeschlagen waren. Die Kassetten schalen bildeten Kersten, Der Eisonbetonbau. IT. ll.Aufl. 4
50 I. Anwendungen im Hochbau. später die Schalung ihr die ^tragenden Eisenbetondecken. Das hier zur Anwendung gelangte Verfahren kann recht empfohlen werden. Näheres B. u. E. 1911, S. 219. Vgl. weiterhin Mitt. 1915, S. 154 (Zierdecken mit Balken Bauweise Oetimichen, Dresden). Neuerdings gelangen die trägerlosen Pilzdecken» namentlich in AirWika, mehr und mehr zur Anwendung. Die Bezeichnung „pilzdecke^ ist dadurch» gegründet, daß der Säulenanschluß an die Decke sehr an die AJntersicht Abb. 87. eines Pilzes erinnert (vgl. Abb. 88). Der Umständlichkeit der Einschalung dieser Säulenköpfe kann Idurcl) Ver- wendung fabrikmäßig her- gestellter Stahlformen ab- geholfen werden.*Die Vor- züge einer glatten Decken- untersicht (man vgl. auch S. 20) sind vor allem größere Reinlichkeit, bes- sere Raumbeleuchtung, Er- sparnis an Schalungs- und Putzkosten und größere Ausnutzung der ver- In Abb. 87 ist die Pilz- ftigbaren Stockwerkshöhe. decke einer gewöhnlichen Plattenbalkendecke gegenüber- Abb. 88.
I.' Amvrndungcn im Hochbau. gestellt, während Abb. 88 die schäftsraumes veranschaulicht. Die Säulen haben runden oder vieleckigen Querschnitt und sind zumeist mit Um- schnürung versehen (vgl. S. 56). Die Bewehrung der Decken- felder selbst kann nach Aus- weis der Abb. 89 kreuzweise erfolgen. Im übrigen vgl. die einschlägige Literatur (u.a. Be- ton u. Eisen 1914, S. 276 — 1915, S. 122, 195 — 1916, S. 143 — 1917, S. 132, 158, 212, 233 — 1918, S. 22 — 1919, 38, 99. — Mitt. 1919, S. 149, 155. - Der Bauingenieur 1920, S. 237). gute Lichtwirkung eines Ge- Abb. 89. S. 93, 118 — 1920, S. 13, Arm. Beton 1917, S. 29. — Für Räume unter 3 m Lichtweite nimmt man in der Regel einfache Plattendecken, andernfalls Rippendecken. Eine Verbindung beider Deckenarten zeigt Abb. 90. Eine Ausführung nach Abb. 91 entspricht besonderen Wünschen des Architekten. Nach Abb. 92 ist ein halbkreisförmiges Eisenbetongewölbe mit kassettierter Untersicht, im Quer- Alib. 90. Abb. VI. schnitt dargestellt, an Eisen- betonträgem aufgehängt. Be- sondere Vorkehrungen zur Auf- nahme des Horizontalschubcs Abb. 93. 4tl
52 I. Anwendungen im Hochbau. sind also nicht mehr nötig. Im linken Teil der Abbil- dung ist die Ausführung einer Fensterkappe dargestellt. 0,90 Mi/e/t* \ bunter 9.S0- - Z* Abb. 94. Decken bieten die Abb. 93 bis 95. ßacfrqftn tage* , Einige weitere Beispiele für die Möglichkeit der verschieden- artigsten Formgebungen von Die Backöfen der in Abb. 94 gezeigten Decke eines Bäckereigebäudes wiegen je 35 t; sie sind durch eine 15 cm starke Schlackenauffilllung und eine Schamotte- schicht nach unten hin isoliert. Abb. 95 zeigt die Formgebung einer Decke in einem Färbereigebäude. Eine Zwischengeschoßdecke IJbMwui Eine in Eisenbeton ausgeftihrte Abschlußdecke eines Treppenhauses zeigt Abb. 96. Aus Abb. 97 ist die Form- gebung einer zwischen I-Trägern aufgehängten Monier- decke im Neubau der Münchener Universität ersichtlich.
1. Anwendungen im Hochbau. 53 Der Mittelteil ist kassettiert; gegen die Wandumfassung fällt die Decke um etwa 1,0 m und ist gegen die Auflager zu konsolartig übergefUhrt. Bei den Oberlichtdecken in Glaseisenbeton werden ßie sonst üblichen guß- und schmiedeeisernen Rahmen und Rippen durch Eisenbeton ersetzt, der mit den Glas- prismen zu einer einheitlichen großen Platte zusammen- ’ gefügt ist. Vielfache Prüfungen und Probebelastungen haben die Zweckmäßigkeit solcher Ausführungen erwiesen. Frei- liegende Eisenteile, die verrosten können, fehlen hier; Zer- störungserscheiriungen infolge ungleichmäßiger Temperatur- ausdehnungen der verwandten Baustoffe sind nicht zu be- fürchten. Ein besonderer Kostenaufwand für zeitweilig zu wiederholende Anstriche erübrigt sich. Weitere Vorteile sind die erhebliche Unempfindlichkeit gegen chemische Zersetzung, die hohe Tragfähigkeit und Feuersicherheit, sowie die zumeist geringeren Kosten gegenüber Oberlichtern in gußeisernen Rahmen1). »Die Glasbetonkonstruktionen werden je nach dem Bestimmungszweck nach Stärke und Tragfähigkeit abgestuft, desgleichen nach den jeweilig zu beachtenden optischen Grund- sätzen. Die Herstellung der Glasbetonplatten kann entweder — bei geringeren Abmessungen — in der Werkstatt oder, wo dies nicht angängig ist, an Ort und Stelle erfolgen. Vielfach verwandt werden die Solfac-Glaseisenbeton • decken der Allg. Stern-Prismen• Gesellschaft, Berlin. Sie haben ein großes Widerstandsvermögen gegen Beschädigungen und geben eine gute Belichtung ab. Abb. 98 zeigt die Konstruktionsweise der Solfac-Decke, die Lagerung auf I-Eisen (mit Dehnungsfugen) und <liv Lagerung auf einen Betonunterzug. Zu besonders wirkungs- vollen harmonischen Raumabschlüssen können wechselweis kristall- helle und farbige Gläser in stilgerechter Gliederung verwandt werden. Abb. 99 stellt einen Schnitt durch zwei „Solfac-Kassett- köipci“ dar, wie solche von der genannten Gesellschaft neuerdings in den Handel gebracht werden. Die äußeren Flächen der Füße ’) Eiserne Rahmen müssen in der R»jgol nach Maß besonders nnge- 1 iiigl werden, amim oft eine erhebliche Verlängerung der Lieferfrist und bei «>uU»iHeii noch UesmuhTi» Kosten f ürModellfinderungen im Gefolge Laben kann.
I. An Wendungen im Hochbau. sind rar besseren Haftung zwischen Beton und Glas kreuzweise geriefelt1). Ausführungen des Deutschen Luxfer-Prismen -Syndikats (Bau- weise Keppler) zeigen die Abb. 100 u. ioi. Die Öffnungen werden, Abi). 98. wie bei der zuletzt genannten Solfac-Glasplatte, am Bau verschalt, darauf die einzelnen Glaskörper und Zugeisen eingelegt und die Fugen vergossen. Am Rande sind die Oberlichter gemäß Abb. 100 mit einer Ausdehnungsfuge umgeben« welche mit Goudron oder Gummizement gedichtet wird. Als Lagermittel dient in der Regel Asphaltpappe. Eine Ausführung mit Betonunterzügen zeigt Abb. 101, eine solche mit eisernen Unter- zügen Abb. 102. Schließlich sei noch ein in Abb. 103 dargestelltes Oberlicht i) Wenn an sieh auch Beton und Glas, namentlich wenn e» durch Sand- strahlgebläse aufgerauht ist, gut aneinander binden, so kann doch eine kreuzweise Riefelung der Tlaftflachcn nur vorteilhaft sein.
I. Anwendungen im Hochbau. 55 erwähnt, wie es beim Bau der New Yorker Untergrundbahn ange- wandt wurde. Die runden Glaskörper, unten flaschenbodenartig ausgehöhlt, liegen in einem Netzwerk von Eisenbetonbalken. Vgl. weiterhin B. u. E. 1918, S. 103 (Festigkeits- und Bruchversuche mit D uplex-Oberlichtplatten). B. Die Stützen. Über Ausführung und Berechnung von Stützen in Eisen- beton vgl. Teil I, 11. Aufl. Stützen dieser Art erfordern keine Unterhaltung und sind durchaus feuersicher. Jegliche Um- mantelungen, die für die Feuersicherheit eiserner Stützen notwendig sind, kommen in Fortfall. Der Querschnitt der Stützen ist zumeist quadratisch. Runde und vieleckige Querschnitte werden seltener verwandt, da die Einschalung umständlicher und teurer wird. Ebenso gelangen rechteckige Querschnitte (mit unsymmetrischer Ein- lage) nur in besonderen Fällen, namentlich bei exzentrischer Belastung und bei Rahmenpfosten, zur Anwendung. Um die Knicksicherheit der Stützen zu erhöhen, werden die Einlagen so weit als möglich vom Querschnittmittel- punkt entfernt gelegt; immerhin muß zwischen Betonaußen- fläche und Einlage noch ein genügender Abstand vorhanden sein, damit der Beton imstande ist, ein Rosten der einzelnen Stäbe zu verhindern und ihnen einen wirksamen Schutz gegen Feuersglut zu bieten. Die Einlagen sind zumeist Rundeisen, welche gleichgeteilt im Querschnitt und gleich- laufend zueinander angeordnet sind. Man nimmt für den Eisenquerschnitt der Längsstäbe vorteilhaft 0,8 bis 2 vH. des GesamtstützenquerschnittsJ). Die Anordnung von mehr als 4 tragenden Rundeisen ist nur bei besonders großen Querschnitts- flächen von praktischem Nutzen. Das Innere der Stützen kann man auch nötigenfalls zwecks Unter- bringung eines Leitungsrohres hohl gestalten (Abb. 104)’ 1) Unter 1 vH. zu gehen, ist im allgemeinen nicht vor- teilhaft; anderseits würde bei einem zu großen Eisengehalt d<.r Bctonquerschnitt zu gering ausfaUen und dementsprechend eine Knick- gotuhr um so leichter möglich sein. Abb. 104.
56 [. An wend äugen im Hochbau. Natürlich kann solche Querschnittverminderung eine gewisse Herab- setzung der Tragfähigkeit im Gefolge haben. Abb. 105. Die Kanten der Stütze können zum Schutz gegen Beschädigung gemäß Abb. 105 mit Winkeieisen (Vor- stoßschienen) verkleidet werden. Andernfalls empfiehlt sich ein Abschrägen der scharfen*Kanten, die sonst zu leicht abgeschlagen werden können; ein nach- trägliches Ausbessern bleibt stets eine mißliche Sache. Um einem Anlegen der einzelnen Stäbe vorzubeugen und einen gegenseingen Halt der Einlagen beim Stampfen zu erzielen, werden in Entfernungen von 20 bis 30cm Querverbindungen durch Rund- eisendrähte vorgesehen (vgl. Abb. 109 u. 115). Diese Drahtbügel können ver- schiedentlich angeordnet sein. Y)ie von Considdre eingeführten Stützen aus spiralförmig umschnürtem Beton bieten den großen Vorteil besonderer Schlankheit1) (Abb. 106 u. 107). Dünner und enger gewickelte Spiralen leisten bei gleichem Eisenaufwand mehr als dickere Spiralen bei größerer Ganghöhe. Durch Versuche ist außerdem festgestellt worden, daß die von der Querdehnung abhängige Wirkung der Umschnürung für fettere Betonsorten eine geringere ist als für magere von geringerer Druckfestigkeit, daß sich für den fetten Beton ein wesentlich stärkerer Abfall Abb. 106/107. in der Festigkeitszunahme! zeigt. So ergab sich gegenüber der gewöhn- lichen Eisenbetonsäule der Festigkeitszuwachs durch die Umschnürung beim fetten Beton zu 11, beim mageren zu i) Dio üblichen Eisenbetonstüteeu sind den eisernen Stützen gegenüber noch ziemlich stark, weil die verlangte Sicherheit Im allgemeinen eine ver- hältnismäßig hohe ist. Über Spiralnmschnürte Säulen vgl. Kersten, Der Eisenbetonbau, Teil 1. 11. Anil.
I. Anwendungen im Hochbau. 57 48 vH., war also mehr als 4 mal so groß für den Beton von fast nur der halben Druckfestigkeit. Gehen die Stützen durch mehrere Stockwerke, so ist nach oben hin der Querschnitt entsprechend der Be- lastungsabnahme geringer zu nehmen; es macht sich dadurch fein Abkj-öpfen der Einlagen in Höhe der Nutzdecke notwendig. Den Stoß der Längs- eisen lege man nicht in die untere Säule (Abb. 108 a), sondern gemäß Abb. 108 b in die obere Säule, indem man die Eisen etwa 30 bis 50 cm über Deckenoberkante hinausstehen läßt. Abb. 10S. Der Anschluß der Balken an die Stütze erfolgt zumeist durch geradlinig begrenzte Vouten1) nach Maßgabe der Abb. 109. Abb. 110. Abb. 87 (S. 50). Säulen und Balken bilden ein einheitliches Ganzes und wirken auch statisch als ein solches zusammen. Ein anderes Beispiel, nach welchem die obere Stütze gelenkartig aufgesetzt ist, bietet die Abb. 109. Architektonisch besonders ausgestaltete Balkenanschlüsse zeigen die Abb. 110 u. in. Abb. 111. i) Besser ..Trägeranlauf“ oder Schräge“.
5S I. Anwendungen im Hochbau. Was die Ausbildung des Säulenfußes anbelangt, so ist zu unterscheiden zwischen einer festen Verspannung mit dem Fundament gemäß Abb. 114U. 115 (Pfosten eingespannter Rahmen und einstieliger Bahn- steighallen), einem stumpfen Aufsetzen 4äuf das Fundament oder einer gAenkartigen Lage- ’ Abb. 118. Abb. 114. Abb. 115. rung gemäß Abb.116 (Pfosten ge- leqkartig gela- gerter Rahmen, Pendelsäulen). Steht die Stütze lose auf einem Stampf- betonfunda- ment, so ist eine Verbreiterung des Stützenfußes gemäß Abb. 112b und c notwendig; eine Ausführung nach Abb. 112a ist zu bean- Abb. IW. standen. Breitere Stützenfüße machen eine besondere Be- wehrung, etwa nach Abb. 113, nölig. In Abb. 116 sind gelenkartige Lagerungen dargestellt, wie solche insbesondere für Rahmenbinder in Frage kommen. Sie bezwecken, dem
I. Anwendungen im Hochbau. 59 Bauwerk jede Bewegungsfreiheit zu sichern. Nach Abb. 116g, h sind besondere Gelenkquadem vorgesehen, die in einem eisen- bewehrten Fundamentblock gelagert sind. In einfacheren Fällen genügt es, die Gelenkwirkung durch einfaches stumpfes Auf- setzen (d) oder durch Zusammenführung der Einlagen in eine Linie, also durch absichtliche Schaffung weniger widerstands- fähiger Querschnitte zu erzielen. Vorteilhaft sind in jedem Falle Zwischenlagen von Asphaltpappe oder Teerfilz1). Erhält die Stütze keinen Unterbau aus Stampfbeton oder Backsteinmauerwerk, sondern soll sie unmittelbar auf den Baugrund, bei Vermeidung einer Pfahl- gründung, gesetzt werden, so machen sich größere, allseitig ausladende Fundament- platten gemäß Abb. 117 nötig2). Derartige Platten können bei günstigem Baugrund Stützenlasten von 100 bis 300 t noch mit Abb. 117. Sicherheit aufftehmen. Sie sind derartig zu bemessen und zu bewehren, daß sie genügend biegungsfest werden und den Druck möglichst gleichmäßig übertragen. Säulen aus umschnürtem Gußeisen sind bereits im Teil I besprochen worden. Das an sich spröde Gußeisen wird durch Um- schnürung nach Maßgabe der Abb. ro6 biegsam gemacht. Bei Versuchen in Dresden (vgl.B. u. E. 19’16, S. 225) erzielte die Um- schnürung einer Eisenbetonsäule eine Festigkeitserhöhung von 122 auf 188 t.- Durch Zugabe von 10 vH. gewöhnlichem Gußeisen mit 6000 kg/qcm Würfel Festig- keit erreichte man 976 1, also die fünffache Bruchlast. Der Querschnitt der Säule ist aus Abb. 11S zu ersehen. Bisweilen gelangen auch Stützen aus Schiender- — m---------~ Abb. 118. 0 Über Pondclstützen vgl. Kersten, Balkenbrücken, 4. Aufl.. S. Ito. *) Vgl. den Abschnitt „Gründungen'*.
6Ü L Anwendungen Im Hochbnu. beton1) zur Anwendung. Die Abb. 119 bis 121 zeigen eine derartige Ausführung im Bflde (Neubau des Oppelner Textilosewerkes, Beton u. Eisen 1913, S. 58). Zunächst wurde das Eisengerippe aut maschinellem Wege hergestellt, dann dieses Gerippe unter Zuhilfenahme von Distanz- streifen aus Beton in die Holzform einge- bracht (Abb. 120) un^ darauf die genau be- messene Betonmenge. Du^ch das Schleudern des Betons erzielte man schließlich den aus Abb. 121 ersichtlichen Säulenquerschnitt. Zur Ermöglichung einer besseren Verbindung der aufgestellten Säulen mit den Shedbindem wurden schon bei der Herstellung in den Kopf der Säulen eine Anzahl Rundeisen mit einbetoniert, die etwa 60 cm weit hervorragten. Ist man nach dem Ausschalen einer gewöhnlichen quadratischen Abb. 128. Stütze aus irgendwelchen Gründen zu einer nachträg- lichen Querschnittsverstärkung genötigt, so kann man gemäß Abb. 122 die alte Säule mit Eisenbeton um- manteln, ein Mittel, das auch dann mit Vorteil angewandt n Über Sohlend erbet on im allgemeinen vgl. Teil L 11. Anfl.
I. Anwendungen Im Hochbau. 61 werden kann, wenn eine schon länger bestehende Säule in- folge größer gewordener Auflast zu stark beansprucht wird. Die Verstärkung bestehender Eisenstützen kann in einer aus Abb. 123 ersichtlichen Weise erfolgen; die Winkelstütze ist feuersicher, | gleichzeitig aber auch tragfähiger und knickfester geworden. C. Die Zwischenwände1). Die Verwendung eisenverstärkter Innen- und Außen- wände kann im Hochbau gewisse Vorteile bieten: sie sind feuer_und einbruchsicher* *), trocknen schnell aus und haben ein geringes Eigengewicht, da sie wesentlich dünner sind als Wände anderer Bauart (durchschnittlich 5 bis 8 cm Stärke und weniger). Infolge ihrer geringen Dicke gestatten sie größere Raumabmessungen. Sie besitzen eine große Trag- fähigkeit und haben besondere Unterzüge nicht nötig. Außer- dem bieten %ie keine Schwierigkeiten in der Behandlung der Ansichtsflächen (vgl. hierzu Teil I, n. Aufl.). Es lassen sich mit Leichtigkeit Stuckomamente, Marmorplatten u. dgl. an- bringen, ebenso Anstriche mit Weißkalk, Fluaten, öl usw. Auch kann man die Außenseiten des Wandkörpers mit Schlacken- oder Bimsbeton ausstampfen, welcher späterhin vom Steinmetz wie Sandstein behauen und profiliert wird. Trotz mancher Vorteile haben sich die Wände aus Eisenbeton noch nicht sehr eingebürgert, zumal sie in der Regel wegen der beträchtlichen Schalkosten recht teuer werden können. Man verwendet sie zumeist nur in Fabriken und Lagerhäusern. Für Wohnräume können sie insofern unvorteilhaft sein, als sie schlechte Wärmeleiter bilden und unter Umständen den Feuchtigkeitsgehalt der Luft erhöhen helfen. Außerdem sind sie nicht nagelbar; ein Einschlagen von Haken und Nägeln ist nur mit Zuhilfenahme von Steinbohrern und Holzdübeln mög- ') Über freistehende Wände vgl. Abschnitt 11, C, 1 und über Außenwände (Hohlblockwände) den Anhangaußerdem vgL die Abschnitte über Wasser- behälter, Silobauten und Stützmauern. *) W&nde in Eisenbeton sind schon von 3 cm ab glutsicher. (Vgl. die im Anhang wiedergpgebenen Feststellungen der Berliner Baupolizei.)
62 I. Anwendungen im Hochbau. lieh1). Sie haben in unbearbeitetem, ungeputztem Zustand ein schlechtes Aussehen, weshalb man des öfteren eine Back- steinverkleidung vorsieht. Da die Vertikalbelastung der Wände größtenteils eine sehr geringe ist, empfiehlt sich Ziegelmauer- werk als Füllung zwischen Eisenbetonpfeilem und -pfosten (vgl. Abb. 207). Man nehme in solchen Fällen das Mauerwerk höchstens einen Stein stark, da sonst die Kosten zu beträchtlich werden. Zur Ausfüllung verwendet man auch Schlacken- und Bimsbeton oder nagelbare Zementdieken, die auf dem Bauplatz angefertigt sind. Dadurch werden die Baukosten in oft be- trächtlichem Maße vermindert. Tür- und Fensteröffnungen .Ti können bei den Eisenbetonwänden durch wandstarke Hölzer oder durch” C-Profileisen eingefaßt werden. Die an diesen Einfassungen endigenden Einlagen sind fest mit ihnen zu verbinden. Zum Einschlagen fvon Nägeln dienen besondere Holzleisten, welche in den Beton eingebettet sind (vgl. Abb. 124). Schall-Xpnd Wärmeisolierung kann durch Verwendung von Hohlblo&en (s. Anhang) sowie durch Erstellung von Abb. 124 Doppelwänden mit Hohlraum oder Aus- füllung, oder durch Kork- bzw. Kork- steinbelag erzielt werden (namentlich bei Außenwänden). Man verwendetauch W andbekleidungen aus besonders vor- gerichteten Filzen, welche dann mit Rohrgewebeputz versehen werden (auch Torfoleum s. Anhang). Eisenbetonwände werden gemäß Abb. 125 mit wage- recht liegenden Trag- und lotrecht stehenden Verteilungsstäben versehen, die sich rechtwinklig kreuzen und wie bei den Platten- i) Nicht belastete WAnde können in Schlacken- oder Bimsbeton her- gestellt werden und sind dann nagelfAhig (vgl. den Anhang).
I. Anwendungen im Hochbau. 63 decken abwechselnd durch Drähte miteinander verbunden sind. In der Regel ist nur ein Einlagenetz in Wandmitte erforderlich. 'Treten noch Biegungsbeanspruchungen auf (durch Anschüttungen oder durch Winddruck), so empfiehlt sich die Anordnung zweier Netze, die den Außenflächen der Wand so nahe als möglich gelegt werden (vgl. Abb. 125). Ein guter Anschluß ans Mauer- werk wird dadurch erzielt, daß man die wagerechten Tragstäbe ungefähr 10 cm hineinragen läßt. Man nehme also in solchen Fällen bei der Netzteilung auf die Fugenlage Rücksicht. Bei Herstellung von Hohlwänden genügt eine innere Wandstärke von 3 und eine äußere von 5 cm bei 10 bis 15 cm Abstand (s. Anhang). Größere tragende Wandausführungen zeigen die Abb. 126 bis 128. Die erstgenannte Abbildung veranschaulicht die für eine Türöffnung zweckmäßige Sonder- bewehrung. Die in Abb. 127 dargestellte Eisenbetonwand ist 30 cm stark, 4.20 m hoch und 14 m weit gespannt, dient zur Aufnahme einer Deckenlast, sowie zum Abfangen ven Mauern und Deckenträgern. Abb. 12G. Das aufzunehmende Moment beträgt 355 mt. Die Beweh- rung ist eine doppelte: 4 = 98 cm2, /i' = 3o cm2. Eine Zf 50 4550 4f50 Zf50 alt Eisenbeton - Fach- werkträger mit steigen- den und fallenden Dia- gonalen ausgebildete Zwischenwand, gleich- lalh mit anschließenden Decken, 34 cm stark, 4f50 3f50 4f50 ----------3Q30------------ * Abb. 12a
64 L. Anwendungen im Hochbau. zeigt Abb. 128. Die Gesamtbelastung beträgt 230 t. Die Wand zeigt drei Unterbrechungen zum Einfügen von Zwischentüren. Der Wandträger ruht auf zwei Eisen- betonständern; die Lagerung selbst erfolgt auf Bleiplatten (vgl. Beton u Eisen 1911, S. 397). Hölzerne Türgestelle (-geschränkc) haben den Nachteil des Quellens und Werfens, während die gewöhnlichen t-Ei^nrahmen der Tür keinen siche- ren Anschlag bieten. Vorteilhafter sind für dünne Eisenbetonwande Tür- zargen aus besonders gewalztem Profil- eisen. Abb. 129 zeigt eine solche Tür- zarge, wie sie das Fassoneisen-Walzwerk L. Mannstaedt u. Cie. lietert. Der Grundgedanke der Rabitz-Bauweise1) ist der, die Festigkeit der Wand durch straffe Spannung des in Wandmitte befindlichen *Netzes (1 mm Drahtstärke bei 2 cm Maschen weite) zu erreichen. Haben die Wände eine bedeutende Länge, so werden noch besondere Ver- strebungen Vorgesehen. Beim Anschluß an Mauerwerk geschieht die Befestigung des Drahtnetzes an schwalben- schwanzförmigen Holzdübeln, welche in das Mauerwerk eingelassen sind. V Statt des teuren Betons nimmt man zumeist eine Mischung von Kalk, Gips (bis 20 vH.), Sand und Leimwasser. Hat der Bewurf auf einer Seite angezogen, sitzt er also fest in den Drahtmaschen, so wird sofort — vor seiner Erhärtung — die andere Seite beworfen. Diese Rabitzwände werden einfach (5 cm Dicke) oder doppelt (je 3 cm Dicke mit 5 cm Zwischenraum) hergestellt. Zwecks Anbringung von Kleider- und Bilderhaken wird eine durchgehende Latte auf dem Drahtgeflecht befestigt und späterhin mit verputzt. Die Herstellung der Drahtziegel-Wände*) weist den gleichen Grundgedanken auf: straffes Abb. 180. Anspannen des Drahtnetzes an den seitlichen Vgl. Fußnote S. 12. ) Vgl. Fußnote S. 10. *
Begrenzungen durch Haken. Auch hier wird nur selten Zementputz verwandt, sondern zumeist eine Mischung von i TI. Gips+ 2 TJ. Kalkmörtel (Abb. 130). Die Herstellung von Streckmetall-Wänden (vgl. Abb. 75) geschieht in folgender Weise: Bei Holzfachwerk wird das Streckmetall ohne weiteres seitlich auf Holzpfosten oder Bretter genagelt und in Entfernungen von 50 bis 80 cm durch 5-mm- Rundeisen verspannt. Bei vorhandenem Eisenfachwerk werden diese Rundeisen mittels Klammem an den Flanschen befestigt; das Streckmetall wird mit Drahtschlingen aufgebunden. Ist weder Holz- noch Eisenfachwerk vorhanden, so wird zunächst ein Gerippe aus Eisendrähten hergestellt und auf dieses das Streckmetall mit Drahtschlingen geheftet. Gewöhn- liche Wandstärke 4 bis 5 cm. Als Mörtel ist Kalkmörtel mit ao vH. Gipszusatz zu empfehlen. Besonders für landwirtschaftliche Bauten gut geeignet sind die eisenbewehrten Steinwände nach Bauweise Prüß. Dieselben werden gebildet aus senkrecht und wagerecht in zwei verschiedenen Ebenen straff nebeneinander gespannten Bandeisen von 26 X 1*/< mm Starke, deren Abstand voneinander 53 ein beträgt. Die so entstandenen quadratischen Felder werden mit porösen Steinen in Zement- mörtel ausgemauert, und zwar daß das Bandeisen voll- ständig in Zement eingebettet ei. Durch den innigen Ver- bind zwischen Stein, Eisen und Zement ist die Wand imstande, bei großer Widerstandsfähig- keit gegen seitlichen Druck ai< h von Stütze zu Stütze frei b»i tiagen. Abb. 131 zeigt eine ver- • » denlliche Ausmauerung des Bandeisennetzes: a = Trapezsteine, 6 Mauvi steine, hochkantig, c = Platten aus Stücksteinen, d=Kies- »• i..n| l.itu-n, e = Verblendsteine. • f. 11. Der Eisenhotonbau. II. 11 Autl. 5
66 T. Zuwendungen im Hochbau. fcuerdings verwendet man auch hohle Glasbausteine, Patent Falconnifcr (Glashüttenwerk Adlerhütte in Schlesien), welche sich ebensogut für Wände als auch für Oberlichter eignen (Abb. 132). Sie werden mit drahtdurchzogenem Beton gefugt, ersparen also eine besondere Einrahmung und sind nicht teurer als Doppelfenster, wohl aber dauerhafter als solche. Sie sind stets klar und hell und bilden einen vorzüglichen Schutz gegen Wärme und Kälte, Feuchtig- keit und Geräusch. Sie besitzen bei vierfacher Sicherheit eine Druck- festigkeit von 16 kg/cm2 und können bis auf 10 ma ohne besondere Versteifung verlegt werden. Eine Glasfüllung ^nach Bauweise des Deut- sehen Luxfer-Prismen-Syndikats Berlin ist aus Abb. 133 zu ersehen. **“ Abb. 133. Die gerade für die Jetztzeit sehr wichtigen * Hohlsteinwände sind im Anhang eingehend besprochen worden. Abb. 132. D. Die Treppen. Die Treppen aus Eisenbeton bieten in erster Linie den Vorzug größter Feuersicherheit (vgl. den Schluß des Anhanges). Bekanntlich ist es beim Brande von Wichtigkeit, daß die Treppe so lange wie möglich benutzbar bleibt. Treppen aus Eisen und Stein ohne Rabitz, Drahtziegel- oder Streck- metallumhttllung werden sehr bald vom Feuer zerstört und sind sogar gefahrbringender als hölzerne Treppen, weiche auch dann noch benutzt werden können, wenn sie bereits vom Feuer erfaßt worden sind. Granit und Sandstein zersplittern zu schnell1), und Eisen bedingt sogar bei den meisten Bränden eine gänzliche Zerstörung infolge des durch die Hitze er- zeugten Glühendwerdens. Die glühenden Eisenteile sind un- begehbar, biegen sich durch und verursachen beim Herab- stürzen nicht nur eine allgemeine Zerstörung des darunter be- i) Siehe auch .Bericht über die Feuergefährlichkeit von Steinmaterial bei' Treppen*; Beton u. Eisen 1905, S. 219u. 249; sowie Zement und Beton 1905. S. 121.
I. Anwendungen im Hochbau. 67 Endlichen, sondern auch in den meisten Fällen den Zu- sammenbruch des angrenzenden Mauerwerks. Alle diese Nachteile sind beim Eisenbeton ausgeschlossen. Die Her- stellung besonders abgetrennter Treppenhäuser, eine Be- dingung vollkommener Feuersicherheit, ist hier nicht nötig. Ein weiterer Vorzug, der Eisenbetontreppen ist ihre un- begrenzte Formgebung, die Möglichkeit, sie jedem noch so verwickelten Grundriß anzupassen. Man baut eingespannte, weit auskragende und aufgehängte Treppen, ebenso auch Wendeltreppen. Schwierige Steinschnitte kommen in Fortfall. Die Einteilung der Treppen kann nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen, nach der Art des Grundrisses, der Form der Achse, nach der Art der Ausführung oder auch nach der Zweckbestimmung. Am besten ist wohl die Ein- teilung nach statischen Gesichtspunkten und nach Ausführungs- weise. Man unterscheidet: i. Frei tragende Treppen aus einseitig ein- gespannten«Stufen (Abb. 134, 135). Jede Einzel- stufe, mind. 25 cm tief in die Wand eingelassen, ist als eingespannter Bal- ken von der Stärke (77 — 2 cm) x) und der Breite b zu be- rechnen. Die Eisens rtnlagen liegen in. der oberen Zone. Der Umstand, daß Abb. 134 u. 135. »ic h jede Stufe auf die darunter liegende Stufe stützt, dafi aIro die unterste Stufe die ganze Last des Treppenlaufes Auf den Podestträger oder den Fußboden überträgt, soll bei <kr Berechnung der Einzelstufe unberücksichtigt bleiben. Nur hri der Berechnung des Podestträgers soll dieser Umstand '.uh Eiliger nehme man ä=» 2 5*
Anwendung' n itn Hochbau. — im Hinblick auf die oft nicht ganz zuverlässige Ein- spannung der Stufen im Mauerwerk — Berücksichtigung •f den. Ungünstiger als gleichmäßig verteilte Nutzlast (zumeist ijJo kg/qm) wirken zwei Einzellasten von je 100 kg am Stufen- ende in einem Abstand von 50 cm. Die Podestplatte ist von Mauer bis Podestträger gespannt und kann bei geringer Spannweite mindestens mit - gerechnet werden. An den Auflagern ist etwa die Hälfte der Einlagen nach oben zu biegen und namentlich im Podestträger gut zu verankern. Der Podestträger, beiddfrseits im Mauerwerk frei auf- liegend, erhält als Belastung: a) Eigengewicht des Trägers selbst, b) Eigengewicht und Nutzlast der halben Podestplatte (einschl. Putz und Belag), % c) Eigengewicht und Nutzlast (etwa 500 kg für 1 qm Grundfläche) des halben steigenden Treppenlaufes. Diese Last wirkt also nur auf einer Seite des Trägers. ♦ Der Träger ist als Plattenbalken für freie Endlagerung zu berechnen. Die Platte liegt aber nur an einer Seite. Einige der Einlagen möchten an den a " Auflagern nach oben gebogen werden. ,d k Jx> p 2. Treppe mit beiderseits p < 7 • k. j -n frei auflie'genden oder teilweise d eingespannten Stufen (Abb. 136). Abb-1SÖ- Die Berechnung der Stufen erfolgt ftir gleichmäßig verteilte Nutzlast. 3. Treppen mit Laufplatten in Eisenbeton, die von Podest- zu Podestträger gespannt sind (Abb. 137a)? Die Stufen (aus Stampfbeton, Granit o. dgl.) werden nach- träglich aufgesetzt. Die Podestplatte ist hier einseitig eingespannt, muß also mit Schrägen an den Podestträger angeschlossen werden. Volle Einspannung liegt nur dann vor, wenn die Platte
I. Anwendungen im Hochbau. 69 Abb. 137. auch im Mauerwerk ganz eingespannt ist (was aber selten <u trifft). Für die Laufplatte gilt als Stützweite die wagerechte Entfernung l von den Mitten der Podestträger. Der An- schluß an die Podestträger hat ebenfalls mit Vouten zu erfolgen. Die negativen Momente sind durch entsprechende Anordnung der Einlagen genügend zu berücksichtigen. 4. Treppen mit Wangenträ- gern in Eisen- beton (Abb. 137 b). Die Laufplatte »pannt sich* von Wange zu Wange. Die Wangenträger gehen von Podest zu Podest und sind als Plattenbalken mit einseitig angeordneter Platte von der Durchschnittsstärke 1,4 >d zu berechnen. Die Nutzlänge ist im Grundriß zu messen. Die Berechnung der übrigen Bauteile erfolgt wie früher angegeben. 5. Treppen mit windschief verlaufenden Platten. Hier sind nur Annäherungsrechnungen möglich. Es sollen im folgenden die verschiedenen Arten der Treppenausführungen in Eisenbeton näher besprochen werden. Trittstufen aus Beton werden in der Regel fabrik- if.iüig hergestellt, sind billig und können in allen gangbaren Gi”lkn sofort geliefert werden. Sie sind Hihgct ah Stufen von Haustein und können jwwk;.:; t ir< h besonderen Belag aus Eichenholz, (rinh J/1), Torgament, Terrazzo, Marmor ‘rr Linoleum genügend widerstandsfähig X- Abnutzung gemacht werden. Andern- U " ‘ II- • \ 5 klithateinholz vgl. S. 104. Abb. i:*.
70 I* Anwendungen im Hochbau. * falls ist eine besonders fette Mischung (i : i bis i: 2) mit einem Zuschlagmaterial von besonderer Festigkeit (Granit, Basalt) als Abdeckung zu verwenden1)« Es dürfen an der Oberfläche keine großen Sandkörner sichtbar sein, da solche bei Benutzung der Treppe schnell herausgestoßen werden. Die Kanten der Stufen runde man ab oder schütze sie durch verankerte Winkeleisen oder durch Treppenvorstoßschienen. Abb. 138 zeigt die Anwendung einer Manstädt-Schiene. Die- selbe besteht aus poliertem Gelbmetall und wird durch ein- gestampfte Lappen, die mit der Schiene vernietet sind, gehalten. Die Befestigung I । r des Holzbelages geschieht zweckmäßig durch Holz- schrauben auf vorher ein- ' betonierten Holzdübeln Abb m (Abb. 139). Marmor- oder Granitplatten, etwa 4 bis. cm stark, befestigt man mit Kitt oder Traßmörtel. Ein Fluatanstrich -der seitlichen Stufenflächen und ein Bearbeiten derselben mit Hammer und Meißel kann sich für gewisse Fälle ebenso empfehlen wie ein Polieren nach dem Erhärten, durch welches ein marmorähnliches Aussehen erzielt wird. Eine besondere Bewehrung der Stufen ist bei kleinen Längen und geringen Belastungen nicht erforderlich. Bei größeren freien Längen aber wird eine Einlage durch Profileisen, besser durch zwei und mehr Rundeisen von 8 bis 12 mm Durchmesser notwendig. Die Stufen können nun an beiden Enden auf Wangen- träger aus Eisen oder Eisenbeton gelegt oder auch — bei freitragenden Treppen — an einem Ende fest im Mauerwerk eingespannt sein. Im letzteren Fall sind die Eisen in die obere, sonst in die untere Zone zu legen. Die Abb. 140 zeigt freitragende und die Abb. 141 beiderseits aufliegende Stiegenstufen. Die Einmauerung der- selben geschieht in gleicher Weise wie bei den Steinstufen. ’) Neuerdings hat man einen Zusatz von Knrbomndum für stark be- gangene Treppen mit gutem Erfolg verwendet.
1. Anwendungen im Hochbau. 71 Es genügt hierfür der dreieckige Querschnitt; besser ist aber die Auflagerung durch besonderen rechteckigen Ansatz. (»r ungute Emgritlstiefe ins Mauerwerk = 25 cm. Man erreicht natürlich die Einspannung am sichersten, wenn die Stufen w.ihrend des Aufbaues der Umfassungsmauern verlegt werden. Ki% zur Fertigstellung der Aufmauerung sind die freien Stufen- rntlen cinzurüsten bzw. zu stützen. Da aber diese Art der Aimiilhrung den Fortgang der Bauarbeiten recht behindern kann, begnügt man sich in der Regel mit Aussparungen von Schlitzen und einem nachträglichen Versetzen der Stufen. H ut ’ dann aber unbedingt notwendig, die Stufen durch Eisenkeile in ihrer Lage zu sichern und mit Zementmörtel gut zu vergießen. Ein Erlaß der Berliner Baupolizei vom 19. März 1913 »<li reibt lolgendes vor: A. Ein gespannte Stufen aus Kunststeinen, deren Tragfähig- keit unter der Voraussetzung der' festen Einspannung erprobt und demgemäß genehmigt worden ist, dürfen im allgemeinen nur mit <l«-m Fortschreiten des Treppenhauses eingebaut, aber nicht nach- 11.»glich eingefügt werden, da das nachträgliche Einfügen eine feste I mspannung nicht gewährleistet. Wenn dagegen in allen Podesthöhen die Podestträger oder Toclestplatten, auf die sich je ein Lauf stützt, mit wachsendem Bau »•idnungsmäßig eingespannt werden, dann können auch die Stufen ir* Trepp'enlaufs nachträglich eingelassen werden, wobei ein sorg-
72 I. Anwendungen im JJochbau. faltiges Auszwicken und Ausstampfen der Aussparungen nach Möglich- keit erfolgen muß. Die Podestträger sind für die Belastung des darauf ruhenden Treppenlaufes zu berechnen, wobei angenommen wird, daß die eine Hälfte des Laufes von der Wand aufgenommen wird, während die andere Hälfte den Träger belastet. B. Wenn Treppenläufe aus ansteigenden Steineisendecken gebildet werden, so müssen die dazugehörigen Podeste durch Trager unterstützt werden. Es ist also nicht zulässig, geknickte Läufe, welche teils Treppe, teils Podest bilden, als Steineisendecke zu konstruieren. Dagegen bestehen bei ihrer Ausführung in Eisenbeton keine Bedenken, wenn die Knickstellen durch Bügel und doppelte Eiseneinlagen genügend gesichert sind. Die Stampfform der fabrikmäßig erzeugten Stufen stellt man in der Regel aus Blechen her, die von kräftigen Holz- leisten umschlossen werden. Die Innenfläche bestreicht man mit Formöl. Man nimmt auch eiserne verstellbare Stufen- formen, ebenso hölzerne. Gewöhnliches Mischungsverhältnis ist 1:2:2 (auch 1:1: 2, wenn der Kies stark mit feinem Zusatzstoff versetzt ist). Die Stufen müssen mindestens 2 Monate alt sein, bevor sie zur Verwendung angeliefert werden. Sind fabrikmäßig hergestellte Stufen aus irgendwelchen Gründen, so z, B. im Hinblick auf eine zu lange Lieferzeit, nicht zu ver- wenden, so muß die Treppe nach vorheriger Einschalung an Ort und g; Stelle gestampft werden, fe? Das Stampfen erfolgt gewöhnlich erst dann, wenn die Treppenmauern bereits hochgeführt sind. Der nötige Einband im Mauer- werk wird ausgespart. Abb. 142 u. 143 stellen eine Treppenausbildung mit I-Profilen und Kleine- Abb. ui. -scher Platte dar (vgl. S. 18).
1. Anwendungen im Hochbau. 73 Die Anordnung und Verbindung der Wangen- und Podestträger geschieht in gleicher Weise wie bei den eisernen Treppen. Die Stufen sind aufgemauert und mit Holzbelag versehen. Im Verbundbau werden bei einfachen Treppen, deren Wangen aus I- oder E-Eisen bestehen (vgl. Abb. 144), eisen- bewehrte Platten zwischen diese Träger und die Umfassungs- wände verlegt und hierauf die einzelnen Trittstufen versetzt. Vorteilhaft ist dann eine feuersichere Ummante- lung der Trigereisen. Bei größeren Treppen- anlagen werden die Wangenträger fortge- lassen und die Stufen Abb. 146 u. 146. auf eine tragende, zwischen den Podestträgem verspannte Fiillungsplatte (Abb. 145) oder auf ein ansteigendes Monier- gewölbe (Abb. 146) gestampft. Abb. 147 zeigt die Ausbildung einer Treppe mit frei- tragender Laufplatte. Die Stärke der Platte beträgt 11 cm. Alle 14 cm liegt eine Rundstange von 10 mm Durchmesser. Die Podestplatte ist 10 cm stark und enthält alle 30 cm 1 Rundeisen von ebenfalls 10 mm Durchmesser. Die Bie-
74 1. Anwendungen im Hochbau. gungen der Eisen sind aus den genannten Abbildungen ersichtlich. Die Stufen sind mit Zementputz versehen und durch Vorstoßeisen geschützt. Eine Treppenausführung mit Wangenträgern und auf- betonierten Stufen zeigt Abb. 148. Podest- und Wangenträger können profiliert werden. Man versieht zu diesem Zwecke die Innenseite der Schalung in ent- sprechender Weise mit Leisten und erreicht dadurch eine gewisse Be- lebung derSchauflächen. Zu gleichem Ziel kann man schließlich auch durch steinmetzmäßige Bearbeitung der Betonflächen gelangen. Eine ähnliche Ausführung (Neubau einer Gemeinde- schule in Stettin) ist aus den Abb. 149 u. 150 ersichtlich. Abb. 149. Abb. 150. Die vorderen Teile der Stufen und die Ansichtsflächen sind
Anwendungen im Hochbau. 75 aus i Teil Zement und 2 Teilen gesiebtem Kies her- gestellt1). Die Wangenträger schließen die Stufen seitlich Abb. 152. ab, wodurch u. a. ver- mieden wird, daß beimTreppenreinigen das Schmutzwasser an den Wangen hin- abläuft. Die Form- gebung einer anderen Treppe beim glei- chen Bauwerk ist in Abb. 151 gekennzeich- 'net. Zur Unterstützung der Wangen- und Po- destträger mußte hier Abb. 153. Abb 154. *) Vgl. Beton u. Eisen 1911 S. 10. eine Stütze ange- ordnet werden, die eine Längsbeweh- rung aus Winkel- eisen erhielt. Eine andere Ausführung mit Zwischenstütze zeigt Abb. 152. Beim Vorhan- densein eines be-
76 1. Anwendungen im Hochbau. % sonderen Treppenhauses von rechteckigem Grundriß kann die Treppe, wie Abb. 153 zeigt, ohne und mit Zwischen- stützen ausgeführt werden. Im ersteren Falle sind die Stufen seitlich einge- spannt worden. Ist eine solche Einspan- nung aus gewissen Gründen nicht möglich, so muß man zu ge- brochenen Tragplatten oder Wangenträgem (Abb. 154) seine Zu- flucht nehmen. Soll eine Unterstützung Abb. 156. nach unten hin vermieden werden, so kann man auch noch Kon- solen für die Podestplatte vorsehen oder die Podeste nach oben an dort befindliche Stützpunkte (Eisenbetonträger) aufhängen.
1. Anwendungen im Hochbau. 77 In Abb. 155 ist eine Treppe mit gewundenem Wangen- träger zur Darstellung gebracht. Der Treppenlauf ist mit einer Eisen- betonwand ver- spannt. Einen in Eisenbeton her- gestellten, bis zum traglähigen Baugrund hin- abgeführten > Unterbau einer Freitreppe «eigt Abb. 156 Empfehlenswert (vgl. auch Beton u. Eisen 1910, S. 229). ist bei solchen Stufen, die gegen Nieder- •chläge nicht geschützt sind, ein leichtes Gefälle der Auftritts- flachen nach vorn. In Abb. 157 ist dielAusbildung eines Treppenaufganges fllr eine Balkenbrücke dargestellt (vgl. auch Kersten, Brücken ICiienbtton, Teile 1 und 11). IL ’frffpeiiftUfider sind gewöhnlich aus Eisen herge- Ml *<1 werden an hervorragenden Eisenteilen angeschraubt. Ü1R ritiimt auch 1 lol/gcliindcr, zu deren Befestigung zapfen- artlg* Vertiefungen im Beton vorgesehen werden. E. KrftÄj- und Konsolbauten. bür die Herstellung auskragender Bauteile erscheint der Eisenbeton besonders geeignet. Soweit es sich um den Hochbau handelt, kommen hier in Frage: Balkone und Erker, Auskragung ganzer Geschosse, Gesimse, Fabrik-, Saal- und Theatergalerien, Kirchenemporen, Rampen, Ladebühnen, Konsolen für Kranbahnen u. dgl. Auskragende Dadhformen, Vordächer, Bahnsteighallen, Straßenverbreiterungen usw. werden an anderer Stelle besprochen. Die einfachste Form einer Auskragung besteht in der Verlängerung der Decke über die Außenmauer hinaus,
1. Anwendungen im Hochbau. entweder als Platte (bei geringer Ausladung und geringer Belastung) oder als Plattenbalken (Abb. 158 a, b). Im ersteren Falle ist darauf zu achten, daß die Platten nach dem Rande zu nicht allzusehr geschwächt werden. Aus den genannten Abbildungen ist die zweckmäßige Anordnung der Zug* einlagen zu ersehen; die aufgebogenen Deckeneisen werden als Konsol- beifrehrung benutzt. Ein* Verlegen der Druckplatte an die Unterseite (Abb. 72) empfiehlt sich nur in be- sonderen Fällen, am wenigsten für Kragteile außerhalb des Gebäudes. Hat man es mit Freiträgern zu tun, so ist darauf zu achten, daß die zulässige Kantenpressung bei der Einspannung im Mauerwerk nicht überschritten wird1). Oftmals sind hier Eisenbetonstützen in den Mauern von Nutzen; die Bewehrung erfolge gemäß Abb. 158 c. Bei allen Kragteilen ist zu beachten, daß die Orte des Größt- moments und der Größtschubkraft fast immer zusammen fallen. Auf die Schubkräfte ist besonderer Wert zu legen: die Bügel und Eisenabbiegungen sind richtig zu verteilen. Bei Erkerträgern ver- teilen sich die Schubspannungen, sofern nur eine Kopfbelastung vorliegt, gleichmäßig bis ans Auflager. Als Tragstäbe verwende man viele und dünne Einlagen. Bei Rippenanordnung (Abb. 158d) sind ftlr die Platte genügende Verteilungspisen vorzusehen. Die Rippen selbst möchten möglichst in Eisenbetonfrontstützen einbinden (Abb. 172). Druckeinlagen ermöglichen hier eine Verminderung der Einspannungshöhe. *) Ein Erlaß der Berliner Baupolizei vom 19. März 1913 schreibt über eingespannte, tragende Bauteile folgendes vor: Eisenbetonkonstruktionen, deren Festigkeit mehr oder weniger auf der Wirksamkeit ihrer Einspannung im Mauerwerk beruht, z. B Konsolen, ein- gespannte Treppen, eingospannte Decken, sind nur dann zulässig, wenn der einzuspannende Bauteil mit dem Mauerwerk, das die Einspannung erzielen soll, zugleich hergestellt wird. Beton läßt sich in eine im Mauerwerk ausgesparte oder nachträglich ausgehauene Öffnung in der Regel nicht so fest hineinstampfen, daß ein voll- kommen einwandfreies Fe stiegen der nachträglich eingebrachten Konstruktion erzielt werden kann, wie es bei der Benutzung von anfänglich festen Bau- materialien, wie Eisen. Stein Kunststein im allgemeinen möglich Ist.
I. Anwendungen im Hochbau. 79 a) Balkone und Erker. Die Ausführungen können gemäß Abb. 159 erfolgen. Liegt eine einfache Balkoneinspannung im Mauerwerk vor, so muß die zur Einspannung nötige Auflast mit mindestens zweifacher Sicherheit (ohne Nutzlasten) vorhanden sein. Die Brüstung kann ebenfalls in Eisenbeton erstellt werden; für eiserne Brüstungen werden für die Befestigung der Eck- ständer Holzdübel einbetoniert. Abb. 160. Abb. 161. Bei Erkerausbildungen ist es fast immer nötig, die I rager bis zur nächsten Mauer durchzuführen (Abb. 159 a) tlcr mit einem besonderen Querträger im Deckenfeld ab uf.ingen (Abb. 159b). Man suche in jedem Falle die
80 1» Anwendungen im Hochbau. Brüstungsträger — durch Anordnung großer Fensteröffnungen und durch Verwendung von Leichtsteinen — nach Möglich- keit zu entlasten. Besonders empfehlenswert ist der Eisen- Abb. 162. $ tye 1Z5tmw) Front- Stein-’ haben Eine beton für Erker von nicht rechteckiger Grundrißform (Abb. 160). Abb. 161 zeigt eine Erkerausführung an einem Ge- schäftshause, des- sen Traggerippe ein steifes Rah- menwerk darstellt und dessen träger die ausfüllungen zu tragen (vgl. auch Abb. 207). Galerieanordnung an der Front- seite eines Fabrikgebäudes ist in Abb. 162 dargestellt. Einen andern Galeriequerschnitt zeigt Abb. 163. Unter der Platte sind zwei große geschweifte Kon- solen angebracht, die auf dem Bauplatz fertiggestellt und an Ort und Stelle ver- legt wurden, eine w —< Abb. 163. Ausführungsweise, die Abb Abb. 165. 104. allerdings nur selten empfohlen werden kann. Lm vorliegenden Falle handelt es sich um die Galerie im 7. Stock eines großen Hotels in Zürich (vgl. B. u. E. 1914, S. 25S). Abb. 164 gibt ein Beispiel für eine Loggia- ausführung. Abb. 165 zeigt, wie vorteilhaft sich der Eisen- beton für eine Auskragung der Obergeschosse — bei teurem oder felsigem Baugrund -7- eignen kann. ।
I. Anwendungen im Hochbau. 81 b) Galerien für Saal-, Kirchen- und Theaterbauten. Für Galeriebauten aller Art eignet sich der Eisenbeton in bester Weise: Die Feuersicherheit ist eine vollkommene. Es lassen sich sehr weite Auskragungen ermöglichen; im übrigen läßt sich die Zahl der Rangstützen auf einen Mindest- wert herabdrücken. Die Stützen sind dünn und schlank, nehmen also dem Theaterbesucher wenig Aussicht weg. Jedenfalls muß ’von jedem Punkte des Zuschauerraumes aus freier Ausblick auf die Bühne vorhanden sein. Decken und Wände können derartig geformt werden, daß sie gleichzeitig — durch Schaffung von Hohlräumen — für Heizungs- und Ventilationszwecke geeignet sind. Für Auskragungen von höchstens r,5 bis 2 m können einfache Platten in Frage kommen; größere Auskragungen machen besondere Trag- balken erforderlich. Zur Herabminderung der toten Last verwendet man Bimsbeton- oder hohle Stufen, ebenso auch möglichst leichte Brüstungen. Da die Galerien gegen den Zuschauerraum in der Regel steil abfallen, müssen die Trag- balken zumeist geknickt werden. Freiträgergemäß Abb. 158c können nur dann Anwendung finden, wenn Gewicht und Stärke der Umfassungsmauern zur Herstellung der Stabilität genügen. Einige Anwendungsbeispiele zeigen die Abb. 166 bis 172. Will man eine ebene Untersicht haben, so verwendet man Abb. 1GG. Abb. 1G8. Rabitz- oder Duroverkleidungen gemäß Abb. 168 u. 171a. Bemerkenswert sind die in letztgenannter Abbildung ver- anschaulichten Rippenkonsolen des 1. Ranges im Neuen Stadttheater Duisburg. Man hat hier Stahlgußlager, als Gleit- lager ausgebildet, verwandt, die'eine gute Ausdehnungs- Kersten. Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 6
82 I. Anwendungen im Hochbau. möglichkeit der Konstruktion schaffen und den Stützungen ledig- lich senkrechten Druck zuweisen (vgl. B. u. E. 1912, S. 437). Abb. 171 zeigt die Ausführung einer 4 m auskragenden Emporen- decke in der St. Marienkirche in Offenbach Abb. 169/170. a. M^in. Die feste Einspannung im Mauer- Abb. 171. werkspfeiler hätte hier statisch schon genügt Die Brüstung ist in Bimsbeton ausgeführt (vgl. B. u. E. 1912, S. 443). Abb. 172 zeigt einen von der Firma Gebrüder Rank, München, ausgeführten Galeriebau von 2,50 m Auskra- gung über Mauer- flucht. Die Kon- solen sindinEnt- femungen von 3 bis 4 m an- geordnet und stehen in Verbindung mit einem 64 cm breiten Unterzug, der auf den Mauerpfeilern liegt und die Mauerauflast zu tragen bat. Der Boden ist s.chräg gelegt; zu den Stufen ist Magerbeton genommen. Bei dem Tragwerk im 2. Rang des neuen Münchener Volks- Abb. 173 theaters ist die Untersicht durch
I. Anwendungen im Hochbau. 83 eine Rabitzdecke verkleidet (vgl. Abb. 173). Einmal wird dadurch — vom ästhetischen Zweck abgesehen — die Akustik ^des Raumes erhöht, und zweitens ist eine vorzügliche Venti- lation geschaffen, indem die verbrauchte Luft durch den hergestellten Hohlraum abgeführt wird. Rangbauten im Neuen Theater zu Frankfurt a. M. sind in den Abb. 174,175,176 zur- • Darstellung gelangt. Stützen sind durchweg vermieden worden, ebenso sichtbar bleibende Tragbalken. Die Kragplatten binden in einen über die Mauerpfeiler durch- laufenden Eisenbeton- balken ein und sind außerdem noch mit der anschließenden Korri- dordecke verspannt. Auch bei der in Abb. 176 dargestellten, fast 5 m auskragenden Rangkon- sole wurde von der Verwendung besonderer Tragbalken ab- gesehen. Die Platte mußte eine Stärke von 50 cm am Auf- Abb. 176. lager erhalten und mit der anschließenden massiven Eisen- betondecke über dem Vestibül in unmittelbare Verbindung gebracht werden. (Vgl. auch B. u. E. 1912, S. 41.) 6*
84 L Anwendungen im Hochbau. Im Neuen Stadttheat^r in Duisburg werden die Sitzreihen der Galerien von Zweigelenkrahmen getragen (Abb. 178), an Abb. 177. die sich die Unterzüge einer Foyerdecke anschließen. Der Rahmen selbst bleibt dem Besucher infolge einer Rabitzyerkleidung vördqpkt. Abb. 177 zeigt die Formgebung eines Auditoriumbinders mit Decken und Brüstungswänden in Eisenbeton; die Rabitz- wände dienen lediglich zur Herstellung von Räumen für Unterbringung von Putzzeug u. dgl. Für den Einbau einer Galerie in einen Saal können steife Rahmenbinder, will man Zwischenstützen vermeiden, gute Abb. 178. Dienste leisten. Sie kommen besonders auch für Kinotheater in Frage. So ist aus den Abb. 179 bis 181 die Formgebung eines Galerie-Einbaues für das Kolosseumtheater zu Pforzheim- ersichtlich. In den bestehenden Saal sollte, an den Seiten 8 bis 9 m, in der Mitte 5 m hervortretend, eine Galerie ein- gebaut werden, ohne durch Stützen den Raum zu teilen. Ein Balken war nur an einer Stelle statthaft, die durch den Grundriß der bestehenden Umfassungsmauer gegeben war;
I. Anwendungen im Hochbau. 85 Nebenbalken und Konsolen waren nicht erlaubt. Das Haupttragwerk wurde als Rahmen ausgebildet mit be- Abb. 179. außen hin übt dieses Tragwerk nur lotrechte Auflager- drücke aus; ein Schub auf die Seitenmauem ist also aus- geschlossen. Es beweist Rieses Beispiel in ganz hervor- ^««1- 4 wo m i <i ,* fyrrtnJwrurty ty28”%n § j Abb. 18u. tagender Weise, wie sich im allgemeinen der Eisenbeton gegebenen Verhältnissen bildsam anpassen läßt und wie er im besonderen dazu berufen ist, den einzig zweck- mäßigen Baustoff für die Innentragwerke unserer Theater- leuten abzugeben.
86 I. Anwendungen im Hochbau. Abb. 182 zeigt die Galeriedecke eines von der Firma M. Pommer, Leipzig, erbauten Kinematographentheaters. Abb. IM. Der Raum hat eine lichte Breite von 13 m; die Galeriedecke mit 2,70 bis 3 m Ausladung ist 6,70 X 13 m groß. Sie wird von fünf Kragbalken mit 25 X 44 cm mittlerem Querschnitt getragen. Der die Decke tragende Unterzug mit 13 m Licht- weite hat einen Querschnitt von 30 X 75 cm. Auch die Brüstung ist in Eisenbeton hergestellt, ebenso der hinter der Galerie befindliche Projektionsraum. Nach Abb. 183 kann der die Galerie tragende Unter- zug gleichzeitig als Balustrade dienen und die Galerie
I. Anwendungen im Hochbau. 87 nach dem Haupt- saale abschließen. Die Aussparungen des Pfostenfachwerks verringern das Eigengewicht des Trägers. Einen Schnitt durch die Brüstung einer Galeriedecke, mit dieser fest verspannt, zeigt Abb. 184. c) Konsolen und Stützen für Kranbahnen (Abb. 185). Verwendet man eiserne Träger für die Kranbahn, so genügen Konsolen in Eisenbeton, die mit der Stütze oder der Wand sinngemäß zu verankern sind. Einseitig wie beiderseits angeordnete Konsolen beanspruchen die Stützen auf Biegung, sofern keine seitliche Absteifung durch an- schließende Dachplatten (c) oder Zwischendecken (f) vor- handen ist. Eine durchgehende Unterstützung der eisernen Kranbahn durch einen kontinuierlich fortlaufenden Eisen- betonunterzug zeigt Abb. e. Ausführungsbeispiele von Kranunterzügen in Eisenbeton sind aus den Abb. f, h und i ersichtlich. Abb. k veranschaulicht die Formgebung einer Kranstütze in einem Bootsmagazin; die Stützen Stehen hier in Entfernungen von 7 m. Auf der einen Seite ist die Stütze geradlinig begrenzt, auf der andern seite, der Hallenseite, setzen die Säulenschäfte bei den
88 I. Anwendungen im Hoch bau. Auskragungen ab. — Bemerkenswert ist schließlich noch die in Abb. g dargestellte Konsolausftihrung für einen 10-t- -------to - — Abb. 186 r Kran in einer Stampfbetonwand. Die Konsolen binden in durch- laufenden Unterzügen em, die auf Verdrehung beansprucht sind und zur Erreichung der nöti- gen Verspannungsauflasf bei un- günstigster Kranstellung dienen sollen. Ein Beispiel für die nach- trägliche Anbringung einer Kon- sole an eine bestehende Eisen- betonstütze zeigt Abb. 186. VgL weiterhin die Abb. 72, 276 bis 279, 311, 326, 327, 526, 6or, 602, 605, 613.
I. Anwendungen im Hochbau. 89 F. Sonstige Anwendungsformen Im einfachen Hochbau. Tür- und *Fensterstürze, Gesimse. Die Überdeckung von Tür- und Fensteröffnungen kann entweder durch die im Bau an Ort und Stelle in Schalung hergestellten ‘Eisenbetonstürze oder durch fertig ein- gebrachte Betonstürze erfolgen. Letztere haben den Nach- teil, daß sie sehr schwer und deshalb auch schwierig zu verlegen sind. Man kann sie aber der Breite nach in mehrere Teile zerlegen (Abb. 188). Den Anschlag des Sturzes kann man entweder mit dem ersten Teilstück zusammen als ein Abb. 187. Abb. 168. Stück herstellen, oder man bildet den Anschlag dadurch, daß man ein Teilstück gemäß Abb. 188 b entsprechend tiefer legt. Die Ausführung in Eisen- » beton wird dann wohl immer billiger ausfallen als die Verwendung von Eisenträgern. Abb. 189. Stürze in Eisenbeton sind besonders dann am Platze, wenn sie in Verbindung mit der Decke her- gestellt werden können (Abb. 187). Aber auch bei Holzbalkendecken verwendet man vielfach Eisenbeton- stürze, zumal diese einen guten An- schlag für die Fenster geben. Man läßt vielfach die Eisenbetonstürze nach außen hin sichtbar und ver- Abb 190. zichtet auf Putz wie auf eine Verkleidung durch Mauerwerk.
90 I. Anwendungen im Hochbau. Abb. 18’9 zeigt eine fabrikmäßig hergestellte Fenstersohlbank, Abb. 190 einen an Ort nnd Stelle hergestellten Fensterbalken, der gleichzeitig als Wandbalken dienen soll (vg). auch S. 96), und Abb. 191 eine Saxoniadecke (Bauweise Wolle) mit verminderter Konstruktions- höhe nach den Fenstern zu. Sind besonders große Lichteinfallflächen nötig, so muß man den Fenstertlberlagen gemäß Abb. 192, 193, 195 möglichst kleine Höhen geben oder die Deckenträger im Sturzbalken aufhängen (vgl. Abb. 208 sowie Mitt. 1917, S. 13). Der Sturzträger kann völlig in der Decke ver- schwinden. Zweckmäßig ist es in diesem Falle, Abb. 191. Abb. 192—195, die Hauptträger senkrecht zur UmfassungsmaueiL zu legen und die Nebenträger parallel zu ihr; es ergibt^ich auf d free Weise eine starke Entlastung der Fenster üb erlagen. Abb. 194 zeigt die Formgebung einer Hauptgesimsauskragung. Ausführungen in reicherer Ausgestaltung bieten die Abb. 196 u. 197 (Fa. Kell u. Löser, Dresden). In dem einen Falle ist eine Verblendung der Eisenbetonkonstruktion nach außen hin vorgenommen worden; im anderen Falle (Abb. 197) hat man Vorsatzbeton gegen verwandt. Die Brüstungen, hier 12 cm stark, sind durch eine innere, 1/9 Stein starke Ziegelstein- wand isoliert worden. In beiden Fällen sind die Pfeiler der Umfassungswände aus Eisenbeton erstellt. negative Gipsmodelle Abb. 196. Abb. 197. Abb. 198. Gesimse in Eisenbeton können mit der Stockwerk- decke oder der Dachdecke in unmittelbarem Zusammen- hänge stehen. Andernfalls handelt es sich um einfache Kragplatten (Abb. 193), die gleichzeitig als Schutz an-
I. Anwendungen im Hochbau. 91 gehängter Profilformen, Terrakotten u. dgl. zu dienen haben. Durch Verwendung von Vorsatzbeton und j Kassettierung der Untersichtfläche lassen sich schöne architektonische Wirkun- gen erzielen. Ein Beispiel solcher Ausführung zeigt Abb. 198. Ge- schoßdecke und Fenstersturz lie- gen tiefer als die Gesimsplatte; sie sind durch eine fortlaufende Eisenbetonwand an der Mauer- rückseite miteinander verbunden. Abb. 199 zeigt die etwa 1,0 m weit ausladenden, auf schlanken Pfeilern auf- ruhenden Eisenbeton-Hauptgesimse der Deutschen Bücherei zu Leipzig (vgl. Mitt. 1917, S. 30). Schornsteinkasten bei eisen- bewehrten Brandmauern und D ecken Öffnungen. Gemauerte Schornsteine müs- sen an der Nachbargrenze in der Regel eine Wangenstärke von mindestens 25 cm erhalten. Für die Ausführung der Brandmauern m Beton oder Eisenbeton (Auf- lösung in Eisenbetonstützen und riegel mit dazwischenliegender \usmauerung, vgl. S. 95) be- nimmt die Berliner Baupolizei fol- gendes (Bestimmung vom 19. März ••”3): 1. Konstruktionsteile aus Beton oder Eisenbeton als Abschluß Rauchrohre gegen die Nachbargrenze sind in 25 cm Stärke 25 cm starken Mauerwerk gleichzustellen, wenn die nvinlagen gegen schädliche Einwirkungen der vorbeistreichenden
92 I. Anwendungen im Hochbau. Feuergase an allen Stellen durch eine Betonumhüllung von mindestens 4 cm geschützt sind. 2. Ein bloßes Anlehnen eines auf einer Seite offenen ge- mauerten Schornsteinkastens gegen Wände oder Konstruktionsteile aus Eisenbeton von größerer Höhe ist unzulässig, weil wegen der entstehenden langen vertikalen Stoßfugen leicht Abtrennungen des Schornsteinkastens von der Brandmauer besonders durch den Druck der heißen FeuÄgase ent- stehen können. Aus diesem Grunde müs- sen zur Vermeidung solcher bedenklichen Fugen die Rauch- rohre gegen die Betonwand oder Eisenbetonriegel ent- weder eine Wange von min- destens 12 cm Stärke erhalten, oder es muß der ganze Schorn- steinkasten aus Beton her- gestellt werden (Abb. 200). Die Anlehnung des Schomsteinka«.<ens an Riegel aus Eisenbet/Jl von mäßiger Höhe ohne dazwischenliegende gemauerte Wange ist nur dann zulässig, wenn noch eine besondere Verbindung als Sicherung gegen Lostrennen erfolgt und die senkrechten Anschlußfugen gut mit Zementmörtel geschlossen wdrden (Abb. 201)* Die Auflager der Eisenbetondecken an Schorn- steinkasten sind so auszufUhren, daß die Schornstein- wangen nicht belastet werden1). Ist keine Auskragung des Mauerwerks möglich, so sind die Auflager auf der ganzen Länge des Rohrkastens abzufangen. Bei fabrik- mäßig hergestellten Formbalken (S. 32) ist flir die Balken- auflager ein Rahmen aus Winkeleisen gemäß Abb. 202 zu VgL den diesbezüglichen Erlaß des Polizeipräsidenten von Berlin. Beton u. Eisen 1912, S. 220.
1. Anwendungen im Hochbau. 93 nehmen, der am Schomsteinkasten entsprechenden befestigen ist. Für gewöhnliche Eisenbetonplatten genügt eine kreuzweise Das Gesagte hat auch Gültigkeit für alle Decken- öffnungen; bei größeren Einsteigöffnungen, Licht- oder Fahrstuhlschächten sind die Seiten der Öffnungen durch einen eisernen oder einen Eisenbetonrahmen abzufangen, Ausdehnungsfugen1). jfr Ausdehnungsfugen dienen dazu, die durch Temperatur- änderungen, durch ungleichmäßige Setzungen der Gründungs- körper und durch die Verlängerung des Betons beim Abbinden entstehenden Nebenspannungen, die leicht zu Rissebildungen führen können, unschädlich zu machen. Bewegungsfugen sind auch vorteilhaft für den Baufortschritt. Der Zweck kann auf verschiedene Weise erreicht werden. Einige Ausflihrungsmöglichkeiten zeigt Abb. 204: a) Teilung des Unterzuges und der ganzen Stütze bis zum Funda- ment hinunter; b) Teilung des Unterzuges allein; Lagerung auf Eisenplatte; c) freie Endlagerung der Platte auf der einen Seite; d) freie Endlagerung des Balkens (samt Platte) auf der einen Seite; es genügt ein sauberes Abschleifen der Fuge; sonst nimmt man auch Metallstreifen oder Pappzwischenlageh; l) VgL auch Leitfaden. Teil 1,17. Aufl. sowie den Aufsatz des Ver- la ssers in der ..Bauwelt* 1918, S. 9 („Kisaefreie und bewegungsfähige Eisen- Betonbauten“).
94 I. Anwendungen im Hochbau. e) die Bewegungsfuge ist entgegen Ausführung d so angeordnet, daß der beiderseitige Voutenanschluß der Decke symmetrisch zu Abb. 204. Stützenachse bleibt; f) Auslegerträger mit ‘ eingehängtem Feld (vgl. auch Abb. 205); g) Ausführung wie a: die Stütze zeigt acht- eckigen Querschnitt; .Abb. 205. h) Fugendeckung mit Blechstreifen, in den Zementestrich verlegt; i) Fugeudeckung mit Zinkblech, das sich frei bewegen kann; es darf kein Reißen der darübergeklebten Pappe statttinden; k) Dehnungsfuge nach Art des Gerberträgers; die Fuge ist mit Fensterkitt ausgefüllt. Abb. 206. Insb»wndere machen es lange uebäudefronten notwendig, Dehnungs- fugen anzuordnen, und \zwar werden sie mög- lichst dort vorgesehen, wo sie weder architek- tonisch noch konstruktiv stören. So zeigt Abb. 206 die Ausbildung einer Dehnungsfuge in einer senkrechten Außen- wandflache der Deut- schen Bücherei zu Leipzig (Vgl. Mitt 1917, S. 28). Natürlich müssen solche Fugen durch alle getroffenen Teile hindurchgeführt werden, also auch durch Dachhaut, Gesimse und Decken. Ober Dehnungsfugen vgl. weiterhin die Abb. 248, 252, 463, 499 u. 530 sowie B. u. F. (912, S. 100, 194, 239, 263, 421,
J. Anwendungen im Hochbau. 95 1913, S. $, 235: 1915, S. 51; 1916, S. 95. — Mitt. 1912, S. 25, 162. 1918, S. 28. — Arm. B. 1912, S. 8, 377; 1917, S. 175. Wandrahmenwerke in Eisenbeton mit dazwischen- liegender Ausmauerung. Größtenteils werden die Außenmauern in gewöhnlichem Mauerwerk aufgeführt und nur die Decken, Unterzüge, Stützen, Dächer und Treppen (gegebenenfalls auch die Gründungen) aus Eisenbeton hergestellt (vgl. Abb. 224). Die Außenmauern müssen aber sehr stark ausgeführt und deshalb auch durch- gehend gegründet werden. Will man beim Aufbau der Außen- mauern an Baustoff sparen, so schafft man mittels Pfeiler und Schwellen steife Rahmen, die dann noch mit höchstens 1 Stein starkem Backstein- oder Schwemmsteinmauerwerk oder mit fabrikmäßig hergestellten Zementplatten auszufüllen sind. Ebenso nimmt man Ziegelwände, die mit ihrem dunklen Rot Abb. 20:. zu dem grauen Beton eine hübsche architektonische Wirkung geben.. Ist Luftisolierung verlangt, so können senkrecht gestellte Hohlsteine in zwei Lagen Verwendung finden
96 L Anwendungen im Hochbau. (vgl. Anhang). Das Vorteilhafte solcher Bauweise besteht (neben beträchtlicher Baustoffersparnis) auch darin, daß man zunächst das gesamte Baugerippe nebst Dach vollkommen fertigstellt und erst dann, wenn ein Arbeitsboden geschaffen ist, mit dem Ausfüllen der Zwischenfelder beginnt. Die Wände sind nagelbar. Außerdem können, da das Mauer- werk nur als Aus- füllung dient, Licht- öffnungen von be- liebiger Größe vor- gesehen werden. Ein Beispiel dieser Bauweise bildet das Bureaugebäude der A.-G. Wayss u. Freytag, Neustadt a. d. Haardt (Abb. 207). Die Aus- bildung eines Wand- trägers zeigt Abb. 208 a. Nach Abb. 2oSb ist ein Nebenträger am Wandträger der Fassaden- maucr aufgehängt worden. Den Übergang zu den rein gewerblichen Bauten bilden solche Häuser, welche — wie es in den Großstädten recht häufig der Fall ist — Wohn- und Geschäftsräume' vereint haben. Die Geschäftsräume liegen im Untergeschoß und stehen durch möglichst große Öffnungen mit der Straße in Verbindung. Von den oberen Wohnräumen sind sie durch feuersichere Eisen- betondecken abgeschlossen. Die Außenmauem, oft auch die Mittelmauem, sind im Untergeschoß soweit als möglich ver- schwunden und in Pfeiler aufgelöst. Man hat es gleichsam mit einem festen, einheitlich aus Eisenbeton bestehenden Unterbau zu tun, welcher das eigentliche Wohnhaus zu tragen hat. Befestigung von Transmissionen und Licht- leitungen. Umfangreichste Anwendung hat die neue Bauweise bei Anlage von Fabriken, Geschäftshäusern und anderen
I. Anwendungen im Hochbau. 97 gewerblichen Bauten gefunden. Hier handelt es sich in erster Linie um gute Raumausnutzung und große Helligkeit der Räume. Je größer die Erschütterungen durch Maschinen- betrieb sind, um so vorteilhafter ist es, viel Unterzüge, also eng gespannte Platten zu verwenden. Transmissionen lassen sich bequem an den Stützen und Unterzügen anbringen, Die Hängelager sind an der Decke (Abb. 209) *), die Konsollager an den Stützen zu befestigen (Abb. 210). Eine Lagerbefestr- .gung an Hängesäulen aus Eisenbeton zeigt Abb. 211. Es empfiehlt sich in jedem Falle, die beimAusrichten derTransmissionsanlage ein leichtes Verschieben .der Lager immer noch möglich ist. Schon beim Stampfen müssen für die Bolzen zum Befestigen der Traversen Guß- rohrstücke in die Bal- ken eingesetzt werden. - ft----- Für ge- wöhnlich kann aber die Lage der Transmis- sionen erst wäh- rend oder nach Beendigung des Abb. 212. ’) Besser ist eine ; Aus- führung n«ch Abb. 227. Kersten. Der Eisenbetonbau. XL U. Aufl.
98 I. Anwendungen itn Hochbau. Banes bestimmt werden. In dieser Hinsicht bieten die Ankerschienen Bauart Jordahl, Dr. Bauer oder Manz besondere Vorteile. Abb. 212 u. 213 zeigen die Jordahlschiene der Deutschen Kabneisen-Gesell- schaft Jordahl & Co., Berlin, die, zugleich als Bewehrungseisen dienend, an den Unterseiten der Unterzüge, oder auch an den Seiten- flächen derselben nach Ausweis der Abb. 214 u. 215 eingelegt werden kann. Besondere Vorteile: sichere Befestigung, Vermeidung aller Stemmarbeiten, Möglichkeit nachträglicher Verschiebungen der Transmissionsteile, Verwendung gewöhnlicher Hängelager, Bestellung der Walzprofile in beliebigen Längen. Lichtleitungen sind im Deckenfeld nach Möglichkeit parallel zu den Deckeneisen, also nicht Hf Abb. 216. senkrecht zu ihnen, anzuordnen. Die für die ^Befestigung notwen- digen Holzeinlagen sind aut der fertigen ISchalungl zu} verlegen. Eine andere Befestigungsart zeigt Abb. 216. Die Planung der Transmis- sions- und Lichtanlagen hat in jedem Falle frühzeitig genug zu erfolgen, um ein nachträgliches Versetzen immer kostspielig ist, zu vermeiden1). der Dübel und Eisen, das Rampen. Die Ausführung von Rampen nach gleichen Grundsätzen, wie bis 165) ange- geben. Abb. 217a zeigt den Unter- bau einer Güter- halle, auf Pfählen gegründet. Als Abschluß nach den Ladeseiten erfolgt im'^gemeinen auf S. 78 (Abb. *158 Abb. 217. hin kann, sofern keine Unterkellerung vorgesehen ist, auch eine tragende Eisenbetonwand gemäß Abb. 217b genommen i) Vgl. fluch B. u. E. 1910, 8. 202; 1013, 8. 248, 253, 442; 1914, S. 390; 1916, S. 111: 1919, S. 131; 1920, S. 30. 69. — Mitt. 1913. 8. 192. — Beton-Kalender 1920, S. 463.
I. Anwendungen ün Hochbau. 99 werden. Nach den Abb. 218 u. 219 sind besondere Grün- dungen der Rampe vorgenommen; Abb. 219 zeigt eine Ausführung, bei welcher der Randbalken der Rampe mit SchrägStreben gegen die Fundamente der Wandstützen ab- gestützt sind. Zum Schutz der Kanten der Rampenplatte dienen in der Regel durchlaufende Eisenschienen, C-Eisen (Abb. 220) oder Winkeleisen. Durchfahrten und Straßenüberbrückungen. Ein einfaches Beispiel einer Straßenüberbrückung zeigt Abb. 221 *), ein Beispiel einer Straßen durch fahrt Abb. 222. Im letzteren Falle dient das Brückenwerk zur Aufnahme eines zweigeschossigen Verbindungsbaues. Die Spannweite f beträgt 13 m, die Breite 10,35 Statisch wäre es am t vorteilhaftesten gewesen, fünf Rahmenbogen gemäß Abb. 2221 zu verwenden, man wählte jedoch ___________________________ — lediglich aus architektonischen 1 F| Fl IF1 IFI "1 Abb. 221. Abb. 222. ') Über Straßenüberbrückungen vgl. auch Kersten, Brucken in Eisen- beton. Teil T, 4. Auf!., Abschn. IX. ..Überdachte Brörkengänge“.
100 I. Anwendungen im Hochbau. Gründen — nur drei Rahmen und verstärkte die Decke an den entsprechenden Stellen, um den nötigen Druckgurt für die Rahmenträger zu erhalten1). Ganze Bauwerke in Eisenbeton. Abb. 223 stellt den Querschnitt eines Fabrik- neubaues der Firma Th. Lehmann, Halle, dar, Abb. 224 den Schnitt eines In- dustriepalastes der Firma A. Vetterlein & Co., Leip- zig. Das Dach der zuletzt genannten Ausführung ist Abb. 224. ’) VgJ. weiterhin B. u. E. 1U11, 8. 196.
F. Anwendungen im Hochbau. 101
102 I. Anwendungen im Hochbau. in Holz ausgeführt. Die Decken und Balken sind im Mischungsverhältnis i : 2% • 2VSt die Säulen 1 : iVa : il/2 hergestellt; für die Säulen wurde eine Höchstbeanspruchung von 45 kg/qcm zugelassen. Näheres vgl. Beton u. Eisen 1911, S. 381. Abb. 225 zeigt Bewehrungseinzelheiten für ein Lagerhaus (vgl. hierzu auch Abb. 64). , Hingewiesen sei noch auf die große Sicherheit der Eisen- betonbauten gegen Blitzgefahr. Die Baustoffe an sich bieten eine natürliche Blitzableitung; die ausgelöste Elektrizität verteilt sich Uber das ganze Dach (sofern es auch aus Eisenbeton besteht) in großer Fläche und kann infolge Bewehrung der Wände und Stützen in vielen Strahlen zur Erde gelangen. Besondere Fang- stangen und Erdleitungen sind also nicht unbedingt notwendig. Außerdem ist keine Lebensgefahr vorhanden, da die Leiter allseitig von Beton umgeben sind. Nur dort, wo keine unmittelbare Be- rührung von Eisen vorhanden ist, kann unter Umständen eine örtliche Zertrümmerung eintreten, die aber wohl nie die Festigkeit des Ganzen beeinträchtigen wird. Besteht . das Dach nicht aus Eisenbeton, so sind natürlich, wie bei allen Häusern, Auffange- stangen und Leitungen vorzusehen. Fußböden für Geschäfts- und betriebstechnische Räume. Über Belag von Zwischendecken vgl. S. 4. Fußböden für fabriktechnische Räume müssen vor allem widerstandsfähig gegen mechanische Abnutzung (Be- fahren in Textilfabriken) und gegen die dadurch hervor- gerufene Staubbildung sein. Ebenso müssen sie wider- standsfähig gegen Säuren, öle, Fäkalien u. dgl. sein. Um möglichste Wasserdichtigkeit zu erzielen, muß die Bildung von Haarrissen vermieden werden. Für nicht unterkellerte Räumlichkeiten genügt unter Um- ständen ein 1 bis 2 cm starker Zementestri-ch 1:2 bis 1:3 auf entsprechender Unterlage aus Eisenbeton oder 10 bis 20 cm starker Stampfbetonschicht 1:8 bis 1:12. Zu fette Estrichmischung (z. B. 1:1) hat nicht nur größere Staubentwicklung, sondern auch schnellere Rissebildung im Gefolge.
L Anwendungen im Huchbau. 103 Als Härtemittel verwendet man vielfach einen Zusatz von Eisenfeil spanen. Das metallische Eisen wird aber schon von ganz schwachen Reagentien angegriffen; an feuchter Luft und in reinem Wasser wird sogar das Eisen allmählich in pulvrigen Eisezrost verwandelt, der dem Beton schadet. Vorteilhafter ist ein Zusatz von Eisenoxydglanz, einem oxydierten Eisen, das gegen alle chemischen Reagentien wiederstandsfähig ist, dabei fettfrei ist und, der Mischung in beliebig feiner Mahlung zu- gesetzt, der Oberfläche den glitzernden Schimmer des echten Sandsteins verleiht Eisenoxydglanz wird von der Farbenfabrik S. H. Cohn, Berlin-Neukölln, in verschiedenen Tönen und Körnungen geliefert. Als ein weiteres brauchbares Mittel, die Widerstandsfähigkeit des Betons gegen mechanische Abnutzung zu erhöhen, hat sich das von der Firma Droese & Fischer, Berlin-Friedenau, in den Handel gebrachte Anstrichmittel „Betonmurolineum“ erwiesen1). Es verhütet nicht nur die Bildung von Staub, sondern auch die schädi- gende Einwirkung der in den Maschinenölen enthaltenen Fettsäuren. Das genannte Mittel geht mit dem Beton eine chemische, mechanisch also nicht trennbare Verbindung ein und erhöht sowohl die Wasser- dichtigkeit als auch die Druckfestigkeit des Betons. Ebenso wird die Bildung von Haarrissen eingeschränkt. Der Beton ist zweck- mäßig erst dann mit dem Murolineum zu streichen, wenn er drei bis vier Wochen alt ist. Ein Zusetzen des Mittels beim Anmachen des Betons darf hier nicht erfolgen. In Fabrikräumen, deren Fußböden dauernd starken Schlägen und Drücken ausgesetzt sind (Räume für Eisenbearbeitung, Schmieden usw.), eignet sich ein Holzfußboden aus Eichen-, Hart- holz- oder Steinholzklötzen in Würfel von etwa 8 cm Kantenlänge, in Asphalt oder Goudron mit konischen Fugen auf Asphaltpappe verlegt. Wichtig ist, sofern man auf den Holzfußboden verzichten will, in jedem Falle eine elastische Zwischenbettung aus Schlacken*, Sand- oder Bimsschüttung, oder aus Schlacken- oder Bimsbeton. (Schlackenbeton ist recht zu empfehlen; er weicht am wenigsten aus, ist leicht und billig.) Auf solche Zwischenbettung wird ein mindestens 3 cm starker, rauher Schotterbetonestrich aufgebracht i) Auf Veranlassung der genannten Firma sind Versuche im Staatl. Materialprüfung samt Groß-Lichterfelde vorgenommen worden. Sie ergaben, daß Betonkörper gleicher Beschaffenheit unter der Einwirkung eines Sand- strahlgebläses von 8 Atm. ohne Anstrich 56,7 g und mit Anstrich nur 33,0 g Abnutaungsverlnst erlitten.
104 !• Anwendungen im Hochbau. Bei Verwendung von Kleinpflaster genügt als Zwischenbettung schon eine satt gestampfte Schlacken- oder Sandunterlage. Für Schulen, Krankenhäuser und Geschäftsräume kommen neben den genannten Forderungen (Widerstand gegen mecha- nische und chemische Einwirkungen) noch andere in Betracht, die die Verwendung besonderer Beläge bedingen. Diese Beläge sollen feuer- und schwammsicher, schalldämpfend und fuß warm sein; sie sollen ein elastisches Begehen und ein sicheres Auftreten ermöglichen, desgleichen ein leichtes und gründliches Reinhalten. Das wöchentlich mindestens einmal erforderliche Nässen darf nicht ungünstig auf den Fußboden einwirken. t Stcinzeugplattcn sind fußkalt, können auch ihrer Glätte wegen als Belag oft nicht in Frage kommen. Steinholz1)» breifönnig auf den Beton aufgebracht, wird vielfach verwandt, verlangt aber eine gewisse Austrocknungsfrist und eine besondere Geschicklichkeit der Leute beim Aufträgen. Die im Steinholz enthaltene C hlormagnesiumlauge bann ^rlurch ihre Verunreinigungen schädlich wirken; es empfiehlt sich eine isolierende, abdichtende Zwischenschicht aus Asphalt oder Goudronmasse. die so rauh sein möchte, daß das Steinholz an ihr sicher haftet. Nötigen- falls genügt ein sorgfältiges Abgleichen der (»beriläche mit Zement- mörtel i: 3 oder ein Einbürsten von dicker Magnesitmilch unmittel- bar vor dem Auf bringen des Steinholzes. * Will man einen sofort begehbaren Arbeitsboden haben, so verwendet man vorteilhafter das Steinholz in Form fabrikmäßig, unter hohem hydraulischen Druck hergestellter Platten, die sogen. Xylolithplatten der Deutschen Xylolith(Steinholz-)fabrik in Pot- schappel bei Dresden. Diese Platten lassen sich vollkommen wie Holz bearbeiten, also sägen, fräsen, nageln und bohren und zeigen etwa die doppelte Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung als unsere besten Harthölzer. Dabei sind sie fußwarm, schalldämpfend und elastisch. Die Fugen sind vollkommen geschlossen, erweitern sich auch nicht. Die Platten werden, um Musterungen zu ermöglichen, in dreierlei Farben geliefert. Für Fußböden kommen fast aus- schließlich Stärken von 12 bis 14 mm in Frage, für Stutenbeläge 9 Steinholz besteht in der Hauptsache aus einem hochprozentigen Magnesit als Bindemittel, einer säurebeständigen Farbe und einer ent- sprechenden Auswahl von Füllstoffen (Sägespane. Qunrz.mebl. Glassand, Korkabffille, Asbest, Kieselgur 0. dgl).
1. Anwendungen im Hochbau. 105 vgl. S. 63) 20 bis 26 mm. Die Befestigung der Platten, in der Regel 20 20 oder 25 X 25 cm groß, erfolgt auf dem Beton durch Magnesia* Mörtelmassc. Verwendet man ftlr große Flächen einbetonierte, mit Karbolineum getränkte Lagerhölzer, so kann man Platten in Größe von^ioo < 100 cm nehmen. Über Fußböden vgl. B. u. E. 1912. S. 263, 342; 1913» S. 73, I44j 330; 1914. S. 23, 43, 1S2; 1915, S. 294; (916, S. 23; 1917, S. 25S; 19TS, S. 147; 1919, S. *223: 1920, S. 19, 59, 95, 115. — Mitt. 191S. S. 116. — Arm. B. 1919, S. 125. — Außerdem vgl. ..Beton- fußböden und Fußbodenplatten“ (Deutscher Zementbund). * G. Dach- und Hallenbauten. Die Dächer aus Eisenbeton bieten, sofern sie voll- kommen in Eisenbeton ausgeführt werden, den Vorteil größter Feuersicherheit. Bestehende Holzdachstühle können durch nachträglich angebrachte Rabitz- oder Monierver- kleidungen oder durch eine entsprechende Ausbildung der Bodendecke feuersicher gemacht bzw. vom oberen Raum abgetrennt werden (vgl. z. B. Abb. 96 u. 97). Von den Dächern in Eisen gilt das gleiche wie von den Treppen in Eisen: die glühenden Teile biegen sich durch, zerschlagen die Bodendecke und zerstören das darunter Befindliche. Sind auch die Anlagekosten einer Dachausführung in Eisenbeton zumeist höher als die eines Holzdaches, so werden die wirtschaftlichen Vorteile — namentlich bei industriellen Bauten — ausschlaggebender sein. Es lassen sich in be- wehrtem Beton weite, luftige Dachräume mit wenig oder gar keinen Stützen, Zangen und Streben herstellen. Die Unter- seite der Betonhaut kann in gleicher Weise behandelt werden wie bei den Decken. Will man den schädlichen Einflüssen der Außentemperatur vorbeugen, so empfiehlt sich die An- ordnung von isolierenden Luftschichten (vgl. Abb. 249, 251, 315 sowie S. 108). 1« Dachabdeckungen und -Isolierungen. Die Abdeckung eines jeden Daches erfordert besondere Aufmerksamkeit. Witterungseinflüsse und steter Temperatur- wechsel machen den Beton rissig und die Verwendung der
106 L Anwendungen im Hochbau Dachräume als Wohn- und Arbeitsstätte, wenn nicht gerade unmöglich, so doch im hohen Grade unbequem. Die Dächer bieten dann keinen Schutz gegen Regenwasser. Wasserdichte yerputze nützen im allgemeinen auch nicht viel, da sich bald Haarrisse einstellen werden. Auch Anstriche mit Teer, Asphalt und den dazugehörigen Zusammensetzungen machen den Eisenbeton nicht dauernd dicht. Man ist zur Ver- wendung besonderer bituminöser Abdeckungen genötigt, will man nicht seine Zuflucht zu den sonst üblichen Deckungs- arten (Schiefer, Metall, Ziegel usw.) nehmen. Ein gutes und brauchbares Eindeckungsmittel hat mancherlei Bedingungen zu erfüllen; es darf nicht rissig werden, muß Luft- und wasserdicht, isolierend, fäulnisfest, ab- tropffest, möglichst geruchlos, wetterbeständig, sturm- und hagelschlagsicher, schmiegsam (nicht steif und brüchig) und — billig sein. Es muß weiterhin auch fest gegen Ruß sein, sich leicht verlegen können, muß glatt und faltenlos bleiben (auch bei großer Sonnenbestrahlung), darf nicht austrocknen, muß späterhin wenig oder gar keine Anstriche benötigen, die besonders bei steilen Dächern viele Kosten verschlingen. Es muß möglichst für alle Klimata und» Zonen sowie für alle möglichen Neigungswinkel der Dachflächen geeignet sein. Die Klebemasse darf nicht durch Innenwärme des Gebäudes verzehrt werden; desgleichen darf keine all- mähliche Zersetzung der Imprägniermasse Getreten. Be- dingung für eine dauernd gute Bewährung jeder Eindeckung ist eine trockene, glatte und ebene Oberfläche des Betons; es genügt ein einfaches Abziehen mit dem Richtscheite. Verwendet man einfache Pappeindeckungen, so muß man darauf achten, daß die Pappe eine genügende Stärke erhält. Eine Tränkung mit Steinkohlenteer (und Produkten daraus) empfiehlt sich im allgemeinen nicht, da Steinkohlenteer zu schnell ausgezogen wird und auch riecht. Die allmähliche Zersetzung der Tränkungs- masse hat ein Auswaschen derselben zur Folge, das von Zeit zu Zeit Erneuerungsansprüche erforderlich macht. Werden diese Anstriche zu dick aufgetragen, so fließen sie unter Umständen bei starker Hitze ab und verunreinigen die Regenrinnen.
I. Anwendungen im Hochbau. 107 Vorteilhattier, aber auch nicht wärmeisolierend ist die Verwendung ein^r doppellagigen Asphaltpappeindeckung bzw. einer Asphaltfilz- deckung, die aber nur für Flachdächer in Frage kommen kann und etwa alle 2 Jahre neu geteert werden muß. Einen vorzüglichen Wärmeschutz bietet eine Holzzementein- deckung. Den Hauptbestandteil bilden drei bis vier Lagen Papier, welche durch eine dehnbare, wasserdichte Masse, den sogenannten Holzzement, verbunden und 8 bis 10 cm hoch mit kleinem Kiesel- schotter überschüttet sind. Zwischen der Betonfläche und den Papier- lagen liegt eine Pappschicht Soll zur Isolierung noch eine Korklage verwendet werden, so ist der Holzzement unmittelbar auf den Kork zu verlegen. Nachteilig für die Verwendung einer Holzzementein- deckung ist ihr großes Gewicht (160 bis 180 kg/qm) und der Umstand, daß sie nur für ganz flache Dächer in Frage kommen kann. Von den bituminösen Abdeckungsmitteln hat sich das Ruberoid der Ruberoid-Gesellschaft m. b. H., Hamburg, gut bewährt. Ruberoid ist eine zähe, lederartige Wollfilzpappe, die mit wasserfestem, wetter- beständigem Tränkungsstoff („Ruberoid“) gesättigt ist. Beiderseits ist ein Überzug von der gleichen Zusammensetzung, aber in härterer Form vorgesehen. Ruberoid wird mittels erhitzten, flüssigen Goudrons1) auf den trockenen Beton verklebt. Eine Auflösung der Klebe- und Imprägnierungsmasse ist selbst bei größter Sonnenhitze so gut wie ausgeschlossen. Die Klebemasse bleibt gleichmäßig zäh und elastisch. Die einzelnen Bahnen erhalten an den Kanten einen Überschlag von 5 bis 10 cm. Die Ruberoideindeckungen bleiben durchaus glatt und faltenlos und sind für jede Dachneigung geeignet. Sie haben zumeist eine mattgraue Färbung. Des weiteren kann man — besonders bei Mansarden- dächem — eine Schiefereindeckung verwenden. Man kann sie Entweder auf eine Holzschalung nageln, die an ein- betonierten Holzleisten oder an vorstehenden Eisenstäbchen befestigt ist, oder unmittelbar auf den Beton (Bimsbeton). Metall, ohne Zwischenlage auf den Beton verlegt, eignet sich wenig als Deckmittel, da es die Wärme zu gut leitet und deshalb schädliche Spannungen im Beton erzeugt, die sich im Auftreten von Rissen bemerkbar machen. Allenfalls 0 Goudron wird von Trinidat-Asphalt durch Mischen mit 25 vH. Rück- ständen von der Petroleumdestillation n er gestellt. Es ist jedenfalls nicht mit Pech, dem Rückstand von destilliertem Holzteer, zu verwechseln.
108 1. Anwendungen im Hochbau. empfiehlt sich noch Kupferdeckung bei Kuppeldächern, Kirchen und Grabmälern. Zinkblech ist ohne Holzschalung oder Papplage nicht zu verwenden, da es schnell von fettem Beton zerfressen wird. Schließlich kommen auch noch Ziegeldeckungen für Eisenbetondächer in Frage, und zwar für eine Dachneigung ctg a 5*1,25. Bei einer Werkstätte in Dresden liegt auf der Eisen- betondecke eine Flachschicht aus porösen ZiegelhQhlsteinen, deren Oberseite zur Aufnahme einer Ruberoidlage einen Zementglattstrich erhielt (vgl. Abb. 226 u. 227). Vielfach liegt ein Bedürfnis nach einer besonders wirkungsvollen Isolierung vor. Ein sehr gutes Isolier- mittel ist eine 3 bis 4 cm starke Korklage, die unmittel- bar auf den Beton gelegt und mit Ziegel oder Dachpappe wasserdicht abgedeckt wird1). Man kann auch Korkstein verwenden, eine Mischung von geschrotetem Kork und einem Bindemittel (Pech, harzsaure Tonerde und über- schüssiger Ton). Spezifisches Gewicht nur 0,3; Druck- festigkeit etwa 17 kg/qcm. Gleichfalls wärmeschützend ist eine 6 bis 8 cm starke, im ersten Monat noch nagelbare Schlacken- oder Bimsbetonschicht mit Dachpappenbelag, auch ein gutes Mittel, um das bei Winterkälte stattfindende Herabtropfen des eingedampften Wassers, verursacht durch Heizung des Dachraumes, zu verhindern. Zwecks Ver- Eino besondere Korkdecke, an dem Dachstuhl aufgehängt, Ist teuer und wenig wirksam, trotzdem sie einen isolierenden Hoblraum schafft.
I. Anwendungen im Hochbau. 109 meidung jeglicher Tropfenbildung empfiehlt sich dann noch did’ Anbringung von Löchern in den Seitenwänden unmittel- bar unter der Dachfläche, um eine Luftemeuerung möglich zu machen1). Die Entwässerungsanlagen für Betondächer bieten nichts Neues. Auch die Rinnen werden bisweilen in Eisenbeton ausgeführt (Abb. 241). Man kann auch, wie Abb. 22S, 229 Abb. 22*. Abb. 229. zeigen, die Häugerinne entbehren, wenn man durch entsprechendes Aufbetonieren das Wasser nach einzelnen Abfallrohren leitet. K 2. Dachhaut auf eisernem Tragewerk. Die Abb. 230 bis 233 zeigen verschiedene Ausführungs- möglichkeiten von Eisenbetoneindeckungen eiserner Dach- binder1). Solche Eindeckungen, zu- meist nur 6 bis 8 cm stark, werden ' — mit Holzschalung — in gleicher Weise hergestellt wie die ebenen Decken. Man tut im allgemeinen vorteilhaft, Zwischenpfetten einzuschalten, also nach Abb. 230 eine Unterteilung des Pfettenabstandes a vorzunehmen. Es werden zwar stärkere Obeigurtstäbe nötig; dafür wird aber die erforderliche Plattenstärke (in der Regel 5 cm) um so geringer. Bei größeren Flächen Abb. 230. 0 Über Verwendung von Biinsbctondeoken vgl. S. 11, 24. vun unter- gehängten Rabitz- oder Öurodecken. Abb. 251, 264, 344. 3) Vgl. auch Kersten, Der Eisenhochbau. 2. Aull., Verlag von Wilhelm Ernst <fc Sohn, sowie Beton u. Eisen 1907, S. 176.
110 I. Anwendungen itn Hochbau empfiehlt sich die Anordnung von i cm starken Aus- dehnungsfugen, die in etwa io m Entfernung zu legen Abb. 231. sind und mit Asphalt ausgefüllt werden. Eine aufgestelzte Dachdecke in K leine sch ef ^Bauweise mit Bims- oder Schlackenaufftillung (vgl. S. 18) zeigt Abb. 234.« Abb. 235 bietet Einzelheiten der Bimsbetoneindeckung für die Loko- ’Pariga'Loch, - oder Kcdksteuv Abb. 234. motiv-Reparaturwerkstätte Stendal; a zeigt den Schnitt durch die Dachplatte, den Schnitt durch den Oberlichtträger, c und d Schnitte durch die Oberlichtzargen. Man kann auch fabrikmäßig hergestellte Kassetten- hohlplatten (die Abb. 236 u. 237 zeigen die gewöhnliche
I. Anwendungen im Hochbau. 111 Abb. 236 u. 237. Abb. 238.
112 I. Anwendungen im Hochbau. Ausführung, Abb. 238 zeigt einen Oberlichtanscffluß) oder Kassettenvollplatten (Abb. 239 bis 243) verwenden, die 200 -----------'---------->J F V#\ i rk------------- 4Z» -------------SH Abb. 239. von Pfette zu Pfette gehen, eine Holzver- schalung entbehrlich machen und die Ein- deckungsarbeit zu jeder Jahreszeit ge- statten. Neuerdings verwendet man — des geringen Eigen- gewichts wegen — solche Kassettenplat- ten zumeist aus Bims- beton ; sie werden mit Hakenschrauben befestigt. In beson- ders umfangreichem Maße, namentlich in Westdeutschland, sind die Remyschen Kassettenplatten (Fr. Remy Nachf., Neu- wied a. Rh.) zur An- wendung gekommen (vgl. Abb. 239). Ein- zelheiten dieser Bau-
L Anwendungen im Huchbau. 113 weise bieten die Abb. 240 (Platte mit eiserner Kastenrinne), 241 (Platten als Kastenrinnen}, 242 (Platten mit Oberlicht- anschluß) und 243 (Firstpunkt). Bimsbeton wird, besonders in ^den Industrie- gegenden sehr viel angewandt; er ist sehr leicht, wärme- isolierend und oft billiger als Kies- beton. Die untere Sichtfläche wird | zweckmäßig mit ; Zementmilch abge- schlämmt und Abb. 242. dann zweimal mit Kalkfarbe gestrichen. Die obere Fläche wird mil Ruberoid oder einem gleich guten bituminösen Stoff ab- gedcckt1). Das Abdichten der Fugen erfolgt durch Zinkblech' (Nr. 14 bzw. 16), ebenso die Überdeckung der Dehnungsfugen. Bei Mischung 1 Teil Zement 4- 3 Teile Bimssand 4“ 3 Teile Quarzsand kann man mit etwa T40 kg/qcm höchster Druck- I fcstigkeit rechnen. Vgl. auch S. 7 u. 24, I sowie Teil I, 11. Auflage. Abb Abb. 244 zeigt eine Ausfüh- rung, bei welcher Eisenbeton- sparren (etwa 12 • 13 cm) in 60 cm Abstand verlegt und durch dünne Platten in sinnreicher Weise untereinander ver- bunden werden. Empfehlenswert erscheint weiterhin die Verwendung der patentamtlich geschützten Leichtsteindachdecke Bauweise Zomak (Firma Hans Zomak, Berlin ^30). Diese TJecke, die bis zu 3 m gespannt werden kann, besteht nach Maß- gabe der Abb. 246 aus nur 6 cm starken porösen Hohl- J) Bimsbeton ist porös, saugt also Wasser ein. Die Eindeckung der DachflAcho darf deshalb nur dann erfolgen, wenn der Beton vollkommen trocken ist Andernfalls ist zu befürchten, daß die Klebemasse aufgelöst wird. Kersten, Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 8
j [4 I. Anwendungen im Hochbau. steinen in Ton und hat ein Gewicht von nur etwa 50 kg/qm. per Hohlraum beträgt etwa 60 vH. des Steinquerschnitts, pie einzelnen Steine werden durch Zementmörtel zu einer flatte zusammengefügt, deren Längsfugen durch Rund- gisen bewehrt werden. Abb. 247 zeigt, daß die Decke kontinuierlich über ihre Untersttttzungsträger gespannt und somit vollkommen unabhängig von der Trägerlage ist. besonders geformte Windhaken schützen die Decke gegen ^bheben durch Unterwind. Die Schalung wird auf hochkant Abb. 244 u. 245. gestellte Bretter gelegt, die auf den unteren Flanschen der j.Träger stehen und mit Holzkeilen gegen den oberen j^nsch gepreßt werden. Die Oberfläche der Decke ist infolge des Ebenmaßes der Steine vollkommen glatt, weshalb ein besonderer Estrich behufs Aufklebens der Pappe im ^gemeinen nicht nötig ist. Zur Befestigung von Rinnen- den, Traufbrettern u. dgl. dienen Holzdübel. Die Stoß- keilen der Pappbahnen können nach Maßgabe der Abb. 246 ^ch Dreikantleisten gesichert werden. Abb. 248 zeigt schließlich, daß bei Verwendung von Steinen, die aus fettem ryon hart gebrannt sind und eine rötliche Farbtönung besitzen,
I. Anwendungen im Hochbau. 115 auf die Pappe verzichtet werden kann *). Alle Fugen werden mit wasserdichtem Zementmörtel ausgefiillt. Gewicht dieser, namentlich für Räume mit hoher Innentemperatur (Gene* ratorenhäuser u. ähnl.) geeignet erscheinenden Decken etwa 0 Neuerdings verwendet die Firma Zomak für die Abdeckung der Längs- fugen teilkreisförmig gebogene Kuppen, die sioh überdecken und der Dach- lliiche das Aussehen einer Eindeckung wie Mönch und Nonne geben. (Abb. a.) 8*
116 I. Anwendungen im Hochbau. 70 kg/qm, — Nach Mitteilung der ausführenden Firma sind beide Deckenarten bereits in großem Umfange zur An- wendung gekommen: vgl. auch Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe, 1918, Nr. 49. Über Abdeckungen mit Tektonplatten (Holzbeton) । vgl. den Anhang. Will man in Höhe der Pfetten- oder Gurtunterkante. eine glatte Sichtfläche (und gleichzeitig eine isolierende Luft- schicht) haben, so kann man gemäß Abb. 249 u. 250 entwerfen. Man starripft die Platten ent- weder — wie bei den Decken — von Pfette zu Pfette oder legt sie in fabrikmäßig hergestellten Stücken zwischen J-Eisen, die vM Gurt- zu GuAträger gehen. Schließlich genügt auch eine Rabitzverkleidung der hölzernen Pfetten. Sind die eisernen Binder gegen Feuer zu schützen, so kann man an den Untergurt eine leichte Rabitzdecke an- hängen, die dem Ganzen, vom Innenraum betrachtet, das Aussehen eines Bogendaches verleiht (Abb. 251). 3. Balkeudäclier. Balkendächer in Eisenbeton sind im allgemeinen nach den gleichen Regeln zu entwerfen wie die auf S. 41 be- sprochenen Balkendecken (aber für geringere Nutzlasten). Das gilt insbesondere von den Flachdächern, die für industrielle Anlagen sehr in Frage kommen. Die Gefahr, daß wegen Temperaturänderungen Risse- bildungen im Beton erzeugt werden, ist bei den Dach- flächen natürlich in höherem Grade vorhanden, als bei den Zwischendecken. Sind keine Isolierstoffe (vgl. S. 108) in ausreichendem Maße verwandt worden, so sind Aus-
I. Anwendungen im Hochbau. 117 dehnungsfugen in etwa 20 m Abstand vorzusehen, und zwar längs wie quer zur Gebäudeachse. Vgl. auch S. 93. Die Dichtung der Fugen geschieht entweder durch Ausfüllung derselben Knittels eines elastischen Stoffes oder durch ge- eignete Vorkehrungen in der Dachdeckung. Die Teilungsfuge kann quer durch die Platte gehen (Abb. 252). Besser ist eine durchgehende Teilung durch Balken und Stütze (Abb. 252a) oder auch nur durch einen Balken (Abb. 252b). Gleitfugen gemäß Abb. 252 c Fundamente sind nicht mit zu teilen. Bei Laternensheds können die Ober- lichter gemäß Abb. 267 zur Trennung ver- w;*idt werden. Das in Abb. 253 dargestellte Flach- dach ist mit Holz- zement eingedeckt; auch die Dachreiter sind in Eisenbeton ausgeführt. Abb. 254 zeigt eine Kinosaaldach decke mit gewölbter Untersicht Abb. 2M. Von der Verwen- dung von Steif rahm en mußte aus bestimmten Gründen bei der Pla- nung abgesehen wer- den, ebenso, wegen zu schwacher Außen- wände, von der Aus-
118 I. Anwendungen im Hochbau. Abb. 255. führung eines Gewölbes. — Abb. 255 bietet das Beispiel eines mit dem Maner werk fest verbundenen Dachbalkens. Von einer statisch einwandfreien Einspannung kann hier natür- lich, wegen zu geringer Auf last, keine Rede sein. Abb. 256 zeigt die Formgebung eines Dachvorsprunges; vgl. auch Abb. 198. — Abb. 257 zeigt die Verwendung von Visintini- balken, die fabrikmäßig hergestellt und in völlig ab- gebundenem Zustand an Ort und Stelle verlegt werden (vgl. S. 40). Ein Spitzdach ist in Abb. 258 dargestellt. Zeltdächer.* Abb. 259 u. 260 zeigen die Aus- yir f1s---------bildung des Zeltdaches des in Abb. 523 •LL -IL dargestellten Wasserbehälters. Das Abb. 258. g cm starke, ohne Rippen ausgeftihrte Dach hat an der Spitze und am unteren Auflager kräftige Verstärkungen. Gedeckt ist das Dach mit Ziegeln; es ist 3 cm hoch mit Bimsbeton aufgestampft, auf welchen die Biberschwänze genagelt werden. Ein Zeltdach mit überkragender Dachplatte zeigt Abb. 261. Eine andere, recht bemerkenswerte Ausführung einer Autogarage mit einem nach allen vier Seiten ab- fallenden Dach zeigt Abb. 262. Die Auflagerbalken (Fuß- pfetten) längs der Wände, als Zugbänder anzusehen, ruhen auf Stützen, die ins Mauerwerk eingelassen sind. Mittel- stützen sind trotz der beträchtlichen Raumabmessungen (20,74 x18,18 m) nicht vorgesehen worden; trotzdem üben die Dachflächen keinerlei Schub aus. In der Dachmitte ist eine vcglaste Laterne 5,3 X6,iom angeordnet
I Anwendungen im Hochbau 119 Abb. 259 u. 2G0. Sheddächer. Sheddächer sind lediglich als eine besondere Form der zuvor besprochenen Balkendächer anzusehen, die besonders für Textilfabriken (z. B. Webereien) in Betracht kommen. Die Räume dieser Fabriken benötigen wegen ihrer großen wagerechten Aus-
120 Anwendungen im Hochbau. dehnung eine Lichtzuführung von oben. Man unterscheidet zwischen Laternen- und Sägesheds. Sägesheds sind im allgemeinen nicht so zu empfehlen wie die Laternensheds, das sind Flachdächer mit auf- gesetzten Oberlichtern, die eine bessere Lichtwirkung haben und in ihrer Lage unabhängig von der Himmels- richtung sind, in der das Gebäude liegt. Die Entwässe- rung ist eine einfache. Die Oberlichter setzt man auf etwa 30 cm hohe bewehrte Balken, und zwär am besten auf eiserne Rahmen, die am Beton befestigt sind. An den Ober- lichtern ist die Dachplatte ausgespart, so daß an diesen Stellen diePlattenbalken als einfache rechteckige Träger frei durchgehen. Abb. 263. Es empfiehlt sich aus statischen Gründen, die Balkenhöhe an diesen Stellen gemäß Abb. 263 zfr vergrößern. Nach Abb. 264 ist am Dachgebälk eine leichte Rabitzdecke angehängt; an den Lichtöffnungen sind Zierlichter vorgesehen1). Weitere bemerkenswerte Vorbilder bieten die Abb 265 bis 268. Bei dem Bau einer Richtehalle der Daimler-Motoren-Gesellschaft Untertürk- heim (vgl. Mitt. 1920, S. 137) wurden zur Ersparnis an Zeit und Schalungsarbeit Abb. 265. 9 Bel einfachem Oberlicht kann Im Winter eine starke Schweißwasser- bildung eintreten. Die zweite Llchtdeoke gleiont die Temperaturunterschiede besser aus, beeinträchtigt allerdings die Liohtzufuhr.
1. Anwendungen im Hochbau. 121 nur die von Stütze zu Stütze laufenden Hauptträger an Ort und Stelle zwischen • Schalungen*- betoniert, die Nebenträger dagegen, in 2,5 m Abstand liegend und 10 m lang, auf dem Boden neben dem Bauwerk Abb. 266 u. 267. betoniert, dann mit Kran hochgehoben und verlegt Über diese Neben- träger wurden dann Remysche Bimsdielen gemäß Abb. 236 verlegt. Eine Autogarage in Wien (Abb. 269) setzt sich aus Steif- Abb. 26S. Abb. 269. Binderentfemung 5,10 m. Die rippenlose Dachplatte ist von Ober- lichtöffnungen 1,7 X 7»3 m unterbrochen, die zwischen den Bindern liegen. (Vgl. weiterhin Arm. Beton 1913, S. 8.)
122 I. Anwendungen im Hochbau. Bei den Sägesheds müssen die Glasflächen nach Norden gerichtet sein; ihre Ausführung ist etwas umständlicher als die der eben besprochenen Laternensheds. Eine dem Eisenbau entsprechende, in der Anordnung der Bewehrung aber Abb. 273. 1 nicht ganz vorbildliche Ausführung zeigt Abb. a 70. Nach Abb. 2 71 sind die .massiven Zug- balken durch freiliegende Eisenanker ersetzt; Binder- abstand 8,8 m. (Näheres vgl. Arm.Beton 1912,8.60.) Es entsteht auf diese Weise eine leichter aus- sehende, weniger schat- tenwerfende Konstruk- tion. Noch vorteilhafter
I. Anwendungen im Huchbau. 123
124 L Anwendungen im Hochbau. ist es in dieser Beziehung, auch die eisernen Zuganker fort- zulassen und gemäß Abb. 273 zu Steifrahmen mit geknicktem Obergurt überzugehen. Einfacher gestaltet sich eine Ausführung mit senkrecht stehendem Oberlicht gemäß Abb. 273. — Bemerkenswert sind schließlich noch die in den Abb. 274 u. 275 gezeigten Ausftthrunpsartcn. Besonders die in letztgenannter Abbildung gezeigte Shedform mit zwei schrägen Glasflächen in jedem Säulenfeld (Entwurf Dr. Bauer) kann für bestimmte Textilbetriebe gewisse Vorteile bieten. Vordächer. Vordächer in Eisenbeton sind einseitig auskragende Bauteile und als solche nach den auf S. 78 vermerkten An- gaben auszubilden. Am vSteilhaftesten ist es, wenn der Kragarm die * Fortsetzung einer Decke darstellt. Wie in solchem Falle die Bewehrung anzuordnen ist, zeigen Abb. 276 u. 277 in ausführlicher Weise. Bei einer Bäckerei in Bielefeld (vgl. Arm. Beton 1911, S. 277) wurde das Vordach gemäß Abb. 278 in Glas abgedeckt. Auch hier bilden die Kragbalken die Fort- setzung der Deckenbalken. Ein konsolartig mit dem Binderpfosten Abb. 278. in Verbindung stehendes Vordach ist aus Abb. 379 er- sichtlich (Güterschuppen auf Bahnhof Dortmund). Die Ent- fernung der einzelnen Rahmenbinder beträgt hier 4,50 m, die Spannweite der Tragrippen 10 m. Die Auskragungen des Schutzdaches betragen 3,16 m und sind auf beiden Seiten gleich. Über weitere Kragformen beim Erstellen von Dach- bauten in Eisenbeton vgl. die Abb. 266, 309 bis 311, 326, 337 u. 330.
I. Anwendungen im Hochbau. 125 Fachwerke. / Fachwerkbinder sind bisher nur vereinzelt ausgeführt worden. Sie kommen nur bei großen Spannweiten in Frage und bedingen unter gewöhnlichen Verhältnissen beträchtliche Herstellungskosten, die den wirtschaftlichen Vorteil der Bau- stoffersparnis zumeist in den Hintergrund stellen. Beispiele von Fachwerkausftihrungen ersichtlich. Bei dem in Abb. 282 gezeigten Binder, ein Gegen- stück zu dem in Abb. 353 dargestellten Binder, ist zwischen den unteren Gurtungen eine wagerechte Decke angeordnet, um Staubablagerungen auf den unteren Gurtstäben vorzubeugen -• —— Abb. 283. Abb. 283. (vgl. Arm. Beton 1912, S. 48). Abb. 383 bietet das Beispiel eines Pfostenfachwerkes (Bauweise Vierendeel, vgl. Kersten, Balkenbrücken), bei dem aber, entgegen den Angaben der Skizze, das Auflagerende unbedingt vollwandig gemäß Abb. 382 ausgeführt werden muß. Mansardendächer. In statischer Hinsicht hat man es hier zumeist mit allseitig geschlossenen Rahmen (Abb. 287) bzw. mit Bogenrahmen mit aufgenommenem Horizontalschub zu tun (Abb. 288). Wird der Raum gemäß Abb. 284 durch wagerechte Zwischendecken unterteilt, so spricht man von einem mehrgeschossigen, sonst von einem eingeschossigen Mansardendach. In jedem Falle werden nur senkrechte
126 I. Anwendungen hn Hochbau. Kräfte aufs Mauerwerk übertragen. Nach Ausweis der Abb. 384 sind trotz einer Spannweite von 12,5 m keine Stützen angeordnet. Abb. 285. hauses auf die Decke Abb. 28h> Eine Dachluke kann gemäß Abb. 285 in Eisen- beton ausgeführt werden. Abb. 286 zeigt eine Abstützung des zurück- springenden Dachge- schosses eines Waren- des darunter befindlichen Obergeschosses. Es wurde hier mit Rücksicht Ahl». 2SG. auf baupolizeiliche Bestimmungen bezüglich der Gebäudehöhe notwendig, mit dem oberen Teil der Straßenfronten hinter die Baufluchtlinie zurttckzutreten. Die symmetrische Form- gebung eines steifrahmi- gen Trapezdaches mit auf- gesetztem Holzbinder zeigt Abb. 287. Die Binderent- femung beträgt 3,90 m. Die Bogenrippen des Mansardendaches eines Fa- brikgebäudes haben, wie Abb. 288 zeigt, Parabel- form. Die Rippen wurden
I. Anwendungen im Hochbau. 127 t als elastische Bogen ohne Gelenke berechnet und haben in ihrer ganzen Länge gleichen Querschnitt und doppelte Ein- lagen. BesondereZug- stangen zur Aufnahme des Horizontalschu- bes waren nicht er- forderlich, da die Rundeisen der Rippen mit denen der dar- unterliegenden Rippen des vierten Geschosses in geeigneter Weise verbunden wurden. Es nimmt dann der Überschuß an Eisenquerschnitt der Deckenrippen den Horizontalschub auf. Es werden also auch hier nur senkrechte Kräfte aufs Mauerwerk übertragen. Abb. 290. Bei dem in Abb. 2S9 dargestcllten Dachbin- der wird der Mittel- teil von einem steifen Rahmenwerk gebildet, an welches sich zu beiden Seiten gebo- gene Balken (auf drei Stützen) anschließen. Binderentfernung 3,90 m. Nach Abb. 290 sind zwei Rahmenbinder, durch Bleiplatten ge- trennt, übereinander gesetzt. Das Zugband für den oberen Rahmen ist in den Riegel des unteren Rahmens verlegt, während das Zugband des unteren Rahmens mit der Geschoßdecke zusammenfällt. Ist man aus architektonischen Gründen zu einem spitzen Dachaufsatz genötigt, so empfiehlt sich oftmals — der Billigkeit halber — ein Aufbau in Holz. Er ist außerdem leicht, belastet also das eisenbewehrte Tragwerk in nur geringem Maße. Nach Abb, 291 wird das Dach durch Aneinanderreihen mehrerer Steifrahmen gebildet, bei Fortfall einer die Rahmen verbindenden Eisenbeton- dachhaut. Der untere Riegel kann entweder als Geschoß- decke oder auch, wie die Abbildung zeigt, als ein- fache Dachabschlußdecke ausgebildet werden (Mitt. 1911, s. 153)'
128 L Anwendungen im Hochbau. Abb. 293. Schnittansicht der Hälfte» des zweiten Obergeschosses und des Dachgeschosses vom neuen Hauptzollamtsgebäude in • Würzburg. In Höhe der Geschoßdecke ist H ein altanartiger Austritt vorgesehen, y । vikV 294 > Hgt eine andere Verbindungs- Abb. 29». möglichkeit der höl- zernen Dachhaut mit dem Eisenbetonrahmenwerk. Nach Abb. 295 erfolgt die Auf- lagerung der Platten durch Winkellaschen, die an der Seitenfläche des Binders be- festigt sind. Abb. 295. Schließlich sei noch auf die Ausführung von Mansarddächern mit aufgehängter Geschoß- decke aufmerksam gemacht. Abb. 296 zeigt ein Abb. 296. * Beispiel hierfür. Das darunterliegende Geschoß
I. Anwendungen im Hochbau. 129 sollte keine Stützen erhalten; außerdem sollte die Decke, hier also £er Rahmenzuggurt, keine zu großen Unterzugshohen erhalten. 4. Hallen mit rahmenförmigen Balken- und Bogenbindern. Steifrahmen sind Tragwerke aus geraden oder gebogenen Querbalken (Riegeln) und aus Pfosten (Stielen), die infolge starker Voutenverbindung ein in statischer Beziehung einheit- liches Ganzes bilden, unabhängig vom Mauerwerk und fähig, Q EZI ZZi CZ1 ZZ\ LaJ Abb. 297. * auch Winddruckkräfte zu übertragen. Abb. 297 zeigt einige der wichtigsten Grundformen, und zwar: 1. einstielige Rahmen mit eingespanntem Stiel (a); 2. zweistielige Rahmen (mit Fußgelenken) Querbalken parabolisch (b), gerade (c), einfach gebrochen (d), doppelt gebrochen (e), Dreieck- binder (f), Trapezbinder (g)t mit auskragendem Riegel (ä); 3. mehrstielige Rahmen (mit Fußgelenken) Grundform d mit einer Pendelstütze (i), Grund- form c mit zwei Pendelstützen (k), Grundform b mit zwei Fußgelenkstützen (Z). Die Pfosten nehmen nicht nur Achsialkräfte, sondern auch Biegungsmomente auf, müssen also stärkere Ab- messungen erhalten als bei freier Auflagerung der Balken (Abb. 298). Abb. 299 u. 300 zeigen die Momentenflächen für gleichmäßig ver- Abb. 299 u. 300. Abb. 2ÜR. Kersten. Der Eisenbotonbau IT. 11.Aufl. 9
I. Anwendungen im Hochbau. 130 9 ’ teilte und für Windbelastung, und zwar für einen Rahmen mit Fußgelenken. F uß gelenke bilden im allgemeinen die Regel. Die in jedem Falle auftretenden Seitenkräfte werden von den Fundamenten aufgenommen. Andernfalls (z. B. bei mangelhafter Gründung) sind Zugbänder gemäß- -^bb. 305 vorzusehen, die zumeist unterhalb Fußbodenkante liegen. Über Ausbildung der Fußgelenke vgl. S. 58. Beigrößeren Hallenbauten sind oft Stahlbolzengelenke nötig. Abb. 301 zeigt ein Beispiel hierfür (Bolzen- durchmesser 47 mm, Dachpappe in der Gelenk- fuge, Blei zwischen Winkeleisen und Bolzen). Die Rahmenecken sind besonders stark zu bemessen und zu bewehren, weil hier die größten negativen Momente auf- treten. Es sind genügend viel Bügel vorzusehen. Eisenstöße sind hier zu vermeiden. Die Häüpteinlagen des Riegels und des Pfostens müssen mög- lichst weit in den anderen Rahmen- teil hineingeführt werden. Die Riegel werden dann, da gemäß Abb. 299 teilweise Einspannung vorliegt, etwas entlastet. Um allzu große Vouten- höhen zu vermeiden, empfiehlt sich die Verwendung von spiralumschnürtem Beton gemäß Abb. 302 (vgl. Leit- faden Teil I). Die Dachplatte nimmt hier an der Aufnahme der Momente ebenso teil wie die Deckenplatte beim gewöhnlichen Plattenbalken. Sehr dünne Platten haben allerdings nur einen sehr geringen Einfluß. Plattenverstärkungen gemäß Abb. 222 auf S. 99 sind oft zweckmäßig. Der Platten- einfluß wird natürlich Null, sobald die Platte in den Zuggurt zu liegen kommt. Ausbildungen der Trauf- Abb. 303. kante zeigen die Abb. 303 u. 304. Abb. 30+. ß/d Abb. 301.
T. Anwendungen im Hochbau. 131 Zweistielige Rahmenbinder. Abb. 305 zeigt das System eines 16,60 m weit gespannten Rahmens, als Zweigelenkbogen mit aufgenommenem Horizontal- schub berechnet. Ein ähnlicher Rahmen, ebenfalls mit Zug- band, ist nach Abb. 306 auf einen darunter befindlichen ein- fachen Rahmen gesetzt. Man kann auch nach Maßgabe der Abb. 307 zwei Gelenk- setzen, daß der obere die Laterne bildet. Der untere ruht auf Pfahl- böcken mit Schrägpfählen (vgl. Mitt. 1915, S. 37). Bemerkens- wert ist schließlich noch der in Abb. 308 gezeigte Zweigelenkrahmen mit hoch- gelegtem Zugband; das Zugband hat hier Einzellasten aufzunehmen (Kleider- aufzüge in einem Zechenbetriebe)1). Abb. 309 zeigt die Ausbildung d£s Außen- und Mittelschuppens des neuen Fahrzeugdepots in der Persius- straße, Berlin. Die konstruktive Aus- bildung der Binder des Mittelschuppens ist aus Abb. 310 ersichtlich. Er hat eine Dachbreite von 13 m bei 9 m Stützenentfemung und beiderseitig 2 m Dachüberstand. Die Abb. 309. 9 Vgl. Betun u. Eisen 1912, S. 421. 9*
9 132 L Anwendungen Im Hochbau. Säulen sind gelenkartig auf Betonkappen mit Bleiunterlage aufgesetzt. Die Berücksichtigung der horizontalen und verti- kalen Kräfte bedingte einen kräftigen Voutenübergäng in die Binderbalken. Eine ganz bedeutende einseitige Auskragung zeigt der in Abb. 311 dargestellte Hallenbinder der Firma Dücker u. Co., Düssel- dorf (Holstenbrauerei, Altona). Die Kraglänge beträgt 9 m. Vgl. Abb. 312 zeigt den Eisenauszug sowie einige Querschnitte des Rahmens der Betonhalle in Leipzig (erbaut für die Iba)
9W Abh 312. 1 Anwendungen im Hochbau
134 L Anwendungen im Hochbau. und Abb. 313 die Ausbildung der Dachhaut. Binderentfernung 4,70 m. Rahmenbiuder mit Mittelstlitze. Abb. 314 stellt den Querschnitt einer Straßenbahn- Wagenhalle mit Pendelstütze für sechs nebeneinander- liegende Gleise dar (Ausführung der Firma Dyckerhoff u. Widmann, Akt.-Ges.). Vorliegender Ent- wurf erwies sich > auf Grund eines .Aus- schreibens zweck- mäßiger und billiger als eine Ausführung in Eisen. Die Binder liegen in 5,55 m Entfernung. Die Deckung ist aus Plattenbalken gebildet und trägt einen Dachreiter mit Drahtverglasung. Die Einzelfundamente der Seitenstützen sowie die Traufkante der Decke sind durch Wandträger mit- einander verbunden. Die Wandausfttllung erfolgt durch 12 cm starke Backsteine in verlängertem Zementmörtel. Der obere Teil der Wände ist verglast. Rahmenbinder für drei- und mehrschiffige Hallen. Die Systemfigur einer dreischiffigen Halle bietet Abb. 315. Der Hauptschiffbinder ist ein steifer Rahmen mit eingespannten Pfosten; die Rahmen der Seitenschiffe sind steif angeschlossen,
1 Anwendungen im Hochbau. 13.’r aber gelenkartig aufs Fundament gesetzt. Der in Abb. 316 dar- Abb. 31G. Abb. 315. gestellte Magazinbinder wird durch einen steifen Rahmen mit Gelenkfußpunkten gebildet; die Enden der Verlängerung des oberen Rahmenriegels lagern frei auf den am Fußende ein- gespannten Frontstützen. Binderabstand 5 m. An den Stützen der Rampenseite sind Konsolen für eine Laufschiene ange- bracht. Vgl. B. u. E. toi3» S. 62. Abb. 817. Abb. 317 zeigt den Querschnitt des Wagen- und Loko- motivschuppens der Salzburger Eisenbahn- und Tramway- Gesellschaft. Das Dach des Mittelschiffs ist so weit gehoben, daß ein seitlicher Lichteinfall möglich ist. Die Entfernung der Hauptbinder beträgt 5,50 m. Zwischen den Säulen der Umfassungswände befindet sich eine Ausfüllung durch 30 cm starkes Ziegelmauerwerk. Die in Abb. 318 veranschaulichte Halle stellt eine Rahmenkonstruktion ohne Zugband, mit Fußgelenken ver- sehen, dar. Die Binder treten seitlich oberhalb des Seiten- daches in die Erscheinung. Binderentfernung 5 m. Fundament-
. 136 I. Anwendungen im Hochbau. block und Pfostenfuß sind miteinander verankert, um eine ge- wisse Bewegungsfreiheit zu lassen. Näheres vgl. Mitt. 1912, S. 21. Einen Rahmenbinder mit Ausleger auf der einen Seite und durchgehender Entlüftungslaterne mit Oberlicht zeigt Abb. 319, eine Ausführung der Firma N^ax Pommer, Leipzig. Bei dem in Abb. 320 dargestellten Rahmenbau ist Abb. 320. die Mittelöffhung zur Laterne ausgebildet; die Eisenbeton- platte wird hier durch Oberlicht ersetzt. Jedes Haupt- binderfeld weist zwei Zwischenbinder auf, die auf starke Oberlichtträger und sind. Der letztere Abb. 321. einen hohlen Firstträger abgestützt dient sowohl zur Auflagerung des Oberlichtes als auch zur Schaffung eines Laufsteges. Bemerkenswert sind die großen Spannweiten der Seiten- binder l). Abb. 321 zeigt die Verwendung von zweistieligen Rahmen mit Konsolauskragung. i) BezftgUch statischer Berechnung > gl. Beton u. Eisen 1913, S. toi.
I. Anwendungen im Hochbau. 137 Eine Anlage, die in den Seitenschiffen noch besondere Galeriezwischendecken aufweist, zeigt Abb. 32a; es ist ein Querschnitt durch die Seitenräume der Betonhalle auf der Baufachausstellung Leipzig 1913, eine Ausführung des Zement- - baugeschäfts Rud. Wolle, Leipzig, Der linke Teil der Ab- bildung stellt einen Schnitt durch die Decken, der rechte Teil einen Schnitt durch den Binder selbst dar. Die Binder- entfernung beträgt 4,0 m. Eine ausgiebige Anordnung geräumiger Oberlichter zeigen die in Abb. 323 u. 324 dargestellten Hallenbinder (vgl. auch Beton u. Abb. 383 n. 324.
138 I. Anwendungen iin Hochbau. Eisen 1911, 8. 236). Die Stutzen, Unterzüge und die zwischen den Oberlichtern liegenden Kragplatten sind in Kiesbeton ausgeführt, die Dachdecken in der Zugzone in Bimsbeton. Jene Kragplatten erhielten zur Erzielung besserer Isolierfähigkeit einen etwa 3 cm starken Verputz aus Bimsmörtel. Die Stutzen sind, von den Wind- portalen der Endfelder abgesehen, gelenkartig gelagert1). Abb. 325. Die Dachbinder eines von der Firma Butzer, Dortmund, erbauten Tonerdesilos wurden nach Ausweis der A^b. 325 als zwei Zweigelenk- rahmen mit geknickten Querriegeln und zwischen ihnen liegendem, gelenkartig eingehaktem Dreiecksbinder konstruiert. Einstielige Hullen (Bnlinsteighullen)« Die Dachflächen werden entweder nach einer Seite fallend oder nach einwärts fallend angeordnet, Im letzteren Falle (bei Bahnsteighallen) können die Regenabfallrohre direkt an den Stützen hinabgeftthrt werden. Für die Berechnung auf einseitigen Schnee- und Winddruck sind die Säulen als auf- । rechtstehende, fest im Fundament ver- | spannte Konsolträger anzusehen. **-WO——900- | Abb. 326 zeigt zunächst eine .J f Rampenüberdeckung mit gleichlangen a Kragarmen, die steif mit dem Stiel verbunden sind. Die Stütze ist ein- Xzso^^6'1 gespannt; das anschließende Mauer- Abb. 32G. werk erhält keinerlei Belastung. Binder- entfernung 7,s m. In Längsrichtung werden die Stützen durch einen Versteifungsbalken miteinander verbunden. Abb. 327 zeigt den Querschnitt einer einstieligen und einer zweistieligen Bahnsteighalle für den Hauptbahnhof Nürnberg. Zur Überdeckung der Bahnsteige sind drei i) Die Hallen In Eisenbeton kosteten 57.50 Mark für 1 qm bebaute Fl&ohc; die alten Bauten (hölzerne Shedbinder auf eisernen S&ulen) kosteten 40 Mark.
1. Anwendungen im Hochbau. 139 große zweistielige Hallen und vier kleine einstielige Dächer ausgeführt worden. Die verhältnismäßig tiefe Fundierung war durch die erforderliche hohe Aufschüttung bedingt. Die Stützen sind 10,73 m voneinander entfernt angeordnet; berechnet sind sie für den ungünstigsten Fall einer einseitigen 1 Abb. 327. Schneelast auf dem Dach und gleichzeitigen horizontalen Winddrycks. Die Säulen wurden bis zum Kämpfer in Muschel- kalknachahmung — durch nachträgliches Scharrieren — her- gestellt. Oberhalb des Kämpfers wurden die Ansichtsflächen so belassen, wie sie aus der sorgfältig bearbeiteten Schalung kamen; sie erhielten nur einen Anstrich mit Zement, dem etwas Kalkmilch beigefügt wurde. Bogenbinder« Zweigelenk-Bogenrahmen von 20 m Lichtweite und 5 m Abstand weist die Montagehalle der Fahrzeugfabrik Ansbach auf (Abb. 328). Die Dachdecke ist zur Verringerung des Eigengewichts und zur besseren Isolierung des Tnnenraumes in Bimsbeton ausgeführt. Abb. 328. Abb. 329.
140 I. Anwendungen im Hochbau. Abb. 329 zeigt die Formgebung des Rahmenbogenbinders des Eispalastes Hannover (mit Zugband). An den Innen- seiten der Binderpfosten sind 2,5 m weit ausladende Galerie- konsolen angeordnet. Vgl. auch Abb. 170. Die in Abb. 330 dargestellte Bogenhalle (Güterhalle) mit beider- seitigen Auskragungen ist insofern bemerkenswert, als für die Platten beider Kragarme sowie für die Strecken b der Hauptöffnung Bimsbeton verwandt worden ist. Alle Rahmenteile, die Längsbalken sowie die dazu gehörigen Plattenstrecken a sind in Kies- beton ausgeführt. Über ähnliche Abb. 309 u. 316. Die neuen Viehhallen auf dem Schlachthof in Osnabrück (Firma P. Kossel u. Cie., Bremen) zeigen ein Mittelschiff und zwei kleine Seitenschiffe 7#bb. 331). Das Dach des Mittelschiffes Abb-331, ist so weit gehoben, daß ein seitlicher Lichteinfall möglich ist (vgl. auch Abb. Güterhallenbinder vgl. 317). In den Mittelstützen sind aber Gelenke angeordnet, so daß der obere Teil der Mittelhalle, vom Unterbau abgetrennt, einen Bogenrahmen für sich bildet. Sämtliche Füße sind gelenkartig ausgebildet1). Oberlichtanordnungen können ge- mäß Abb. 332 u. 333 ausgeführt werden, sind die Binderständer in den Seiten- Abb. 332 u. 333.- Nach Abb. 334 mauern durch starke Sturzbalken verbunden (Maschinenbaus der städtischen Müllverbrennungsanstalt Frankfurt a. M.). An* Binderunterkante ist ein Gewölbe zwecks Erzielung Bezüglich Berechnung vgl. Mitt. 1913, S. 11.
1. Anwendungen im Hochbau. 141 einer glatten Untersicht angehängt. Binderentfemung 5,2 m. Oben ist ein hölzerner Dachstuhl aufgesetzt. falls mit angehängter Decke und aufgesetztem Holzdach, zeigt Abb. 335 (Markthalle in Stockholm). Außerdem ist hier für seitlichen Lichteinfall gesorgt. Vgl. Beton u. Eisen 1912, S. 380. 5. Gewölbe« Glatte Bogendächer mit Zugband, den freitragenden gebogenen Wellblechdächern entsprechend, können bis 25 m freitragend gespannt werden. Die Dächer sind sehr leicht und gestatten die Beibehaltung der üblichen Mauerstärken. Die gewöhnliche Pfeilhöhe beträgt bis Z/7. Bei den ' größeren Spannweiten empfiehlt sich eine Netzeinlage in der , Leibungs- wie in der Rückenzone, sowie ein Stärkerwerden des Gewölbebogens nach den Kämpfern hin Bei kleinen Spannweiten werden die Trag- und Verteilungsstäbe in die Leibungszone gelegt; doch wird auch hier eine Doppelbewehrung an den Kämpferenden stets empfehlenswert sein. Der Horizontalschub wird durch ver- ankerte Trägerprofile oder durch besondere Eisenbetonträger aufgenommen, welche in den Kämpfern längs des tragenden Mauerwerks eingebettet und in wagerechtem Sinne biegungs- fest gemacht sind. Sie übernehmen den Gewölbescbub und übertragen ihn auf die Zugstangen, die die Kämpferbalken über den Raum hin miteinander verbinden. Diese Zugeisen (Abb. 338). Abb. 336.
142 * I. Anwendungen im Hochbau. können zur Verhütung eines Durchbiegens am Gewölbe aufgehängt sein (Abb. 338); sie können auch zum Tragen von Beleuchtungskörpern dienen. Bei größeren Spannweiten verwende man Spannschlösser (Abb. 338). Um vollkommenen Feuerschutz zu haben, können die Eisen mit Beton um- hüllt, durch Rabitzgewölbe vom Innenraum abgeschlossen (Abb. 344) oder auch mit einer abschließenden Nutzdecke (Abb. 353) in Verbindung gebracht werden. In jedem Falle ist auf eine durchaus zuverlässige Verankerung der Zugbänder besonderer Wert zu legen. Die in wagerechtem Sinne beanspruchten Kämpferbalken können Formgebungen gemäß Abb. 336 erhalten; nach Abb. 336c dient der Balken gleich- zeitig als Dachgesims. — Eine Lichtzuftihrung kann sowohl durch Laternen und shedförmige Oberlichter, als auch durch eingefügte Glasbausteine (vgl. S. 53 u. 66) erzielt werden. Abb. 337 zeigt die Auf- lagerung eines 19,2 m weit gespannten Eisenbetongewöl- bes auf 40 cm starker Ziegel- wand (Holzbearbeitungsfabrik Brüning u. Sohn bei Hanau). Die gegenüberliegenden Längsträger sind in Ab- ständen von 3,80 m durch den, die wiederum in den Abb. 837. flußeiserne Zugbänder Viertelpunkten der Spannweite am Gewölbe aufgehängt sind. Über Berechnung des Gewölbes vgl. Beton u. Eisen 1911, S. 290. Eine Gewölbeausführung der Firma Franz Schlüter-Dortmund ist in Abb. 338 dargestellt. Die Zugbänder sind hier paarweise an geordnet worden. Die genannte Firma führt auch Bogendächer mit gabelförmiger Anordnung der Zuganker aus, wie aus Abb. 340 ersichtlich ist. Die in Entfernungen von gewöhnlich 6 m liegenden, aus Winkeleisen gebildeten Hauptanker werden nahe der Seiten- mauer gabelförmig in Nebenanker auseinandergezogen, so daß die freitragende Länge der den Horizontalschub aufnehmenden Kämpfer-
I. Anwendungen hn Hochbau. 143 Abb. 338 u. 839. träger auf V3 der Entfernung der Hauptanker (d. i. gewöhnlich 2 m) vermindert wird1). Bisweilen ist es wünschenswert, das Zug- band höher zu legen. Beispiele von Bogen- dächern mit überhöhten Zugbändern bieten die Abb. 341 u. 342. Bei dem in Abb. 342 --- Abb. 341. war aus akustischen dargestellten Saalbau Gründen ein hoher Raum nötig; die Anbrin- i) Bei einfacher Anordnung der Anker ergeben sich bei weitgespannten Dächern derartig starke Profile für die L&ngstr&ger oder enge Teilungen für die Anker, daß ein erheblicher Mehraufwand an Baustoff sowie ;; ein wenig gefälliges Aussehen des Innenraumes infolge der engen Ankerteilung erzielt wird. Abb. 340.
144 I. Anwendungen im Hochbau. gung einer Putzdecke unterhalb des Zugbandes war deshalb nicht möglich. In beiden Fällen dienen die Zugbänder zum Tra- gen von Beleuchtungs- körpern. Ein gewölbtes Dach mit Oberlicht auf bewehr- ten Betontlägern, die in Entfernungen von 4,70 m durch Eisenbetonsäulen (45 • 45) gestützt sind, zeigt Abb. 343. (Maschinen- halle in Hanau.) Zug- stange und Hängeeisen be- stehen gleichfalls aus be- wehrtem Beton, so daß diese Ausführung voll- kommen feuersicher ist. Zur Aufnahme des Hori- zontalschubes in den Kämp- fern dienen 5 Rundeisen, die an der Außenseite der Eisenbetonbalken liegen. Abb. 343. Abb. 344 zeigt die Dachausführung für die Wandelhalle des Bades Johannisbad. Das obere Gewölbe ist das Traggewölbe. Zur Aufnahme des Horizontalschubes sind Schließen in Entfernungen
I. Anwendungen im Hochbau 145 von 3,21 m angeordnet. Das untere Scheingewölbe ist mittels Hängeeisen am Traggewölbe befestigt. Es schafft einen Wärme gegen Feuersgefahr. Die Eindeckung des Daches erfolgte mittels Zinkbleches, welches auf einer Holzschalung, die auf dem Beton mit Zwischenluftschichten angebracht wurde, befestigt ist. lin folgenden sollen noch einige Gewölbeformen besprochen werden, die im eigentlichen Sinne zu den Dächern nicht zu rechnen sind, sondern nur den Abschluß gegen ein eisernes oder hölzernes Dach bilden. Derartige Gewölbe finden sich nament- lich in den Längsschiffen von Kirchen. Sie sind in der Regel derartig steif gebaut, daß sie nicht nur sich selbst tragen, sondern auch imstande sind, im Falle eines Brandes die herabfallenden Teile des Holzdaches mit Sicherheit aufzufangen. Infolge großer Pfeilhöhe ist der Horizontalschub gering, weshalb Zugbänder zumeist unnötig sind, des Unterbaues fallen verhältnismäßig ge- ring aus, da auch das Eigengewicht klein ist. Das in Abb. 345 dargestellte Tonnen- gewölbe der St. Martinskirche in Ebingen (Württemberg) hat 14 m Spannweite. Ab- stufungen in Längsrichtung dienen zur Aufnahme der Holzschwellen des Dach- stuhles. Der Gewölbeschub wird durch Die Abmessungen Abb. 345. 10 Kersten. Der Eisenbeton bau. [I. 11. Aufl.
146 I. Anwendungen im Hochbau. wagerecht liegende, biegungsfeste Träger aufgenommen, die im Mauer- werke verankert sind. Ein Tonnengewölbe von ge- ringerer Spannweite (7 m) und Stärke (10 cm) zeigt Abb. 346. Die Tonnenkämpfer sind als hori- zontal liegende Balken ausgebildet und nehmen den sehr geringen Schub auf, den sie in die Stim- mauern übertragen (vgl? Beton u. Eisen 1910, S. 323). :i den Bogenbindern (Rippenbogen) sind die Gewölbe in einzelne Rippen aufgelöst, zwischen denen die Dachhaut wie bei Abb. 347 sind die zu einem Ganzen zusammengekuppel- ten Rippen eines Kirchengewölbes dem Beschauer in voller Höhe sichtbar einem Plattenbalken gespannt ist. Nach Abb. 347. geblieben, nach Abb. 348 dagegen verdeckt worden. Im letzteren Fall sind die Rippen immer dort, wo die nach oben gelegten Längsbalken angreifen, durch Querstege ausgesteift. Abb. 349. Abb. 350.
]. Anwendungen im Hochbau. 147 Bei einem gotischen Kirchengewölbe in Belgien (Abb. 349 u. 35°) erfolgte die Verstärkung der Rippen durch 15 mm- Eisen. Die Felder sind kreuzweise durch Rundeisen von 6 mm Durchmesser bewehrt; die Haupteinlage ist dabei die- jenige, welche, der Kappenform folgend, sich auf die Diagonalen abstützt (vgl. Beton u. Eisen 1905, S. 266). Abb. 351 zeigt das Bindersystem der neuen Magdalenen- kirche in Straßburg i. E. (vgl. Beton u. Eisen 1912, S. 79). Das System schließt sich an die Strebenbogenkonstruktion der gotischen Kirchen an, nur daß hier infolge Verwendung des Eisen- betons große Außenpfeiler entbehr- lich wurden. Abb. 35t. Abb. 852. Abb. 953. Abb. 352 veranschaulicht einen Dachaufbau von fast 7 m Höhe und Abb. 353 eine vereinigte Dach- und Decken- konstruktion für einen Kuhstall. Die Bogenrippen bilden hier allein das Tragwerk; das Dach ist in Holz aufgesetzt. Der Raum über dem Stall dient als Heu- und Bodenraum (Nutzlast 350 kg/qm). Abb. 954. Abb. 955. 10*
148 T. Anwenduirgen im Hochbau. Eine ebene freitragende Decke hätte sehr starke Umfassungs- mauern und wesentlich größere Konstruktionsmaße bedingt. Das Zugband liegt in der Decke; die Hängeeisen sind um- mantelt worden (Mitt. 1910, S. 33). Die Abb. 354 u. 355 zeigen zwei Beispiele von Großkon- jtruktionen in Eisenbeton, und zwar Abb. 354 die Bogenbinder der Markthalle in Breslau und 355 die Binder der evangelischen Garnisonkirehe in Ulm. Vgl. weiterhin die auf S. 139 bis 141 behandelten Rahmen- konstruktionen. 6« Kuppeln« Die Kuppeln in Eisenbeton sind entweder stark belastete Tragkuppeln oder weniger belastete Dach- und Zierkuppeln, wie man solche zur Vermeidung von angehängten Schein- konstruktionen verwendet. Sie werden entweder in Rippen- md Füllplattenform hergestellt oder in Form dünner Schalen. Letztere enthalten ein Gefüge von Meridianen und Ringen aus Rund- oder Profileisen. Die eigentliche Kuppelhaut be- steht dann aus einem Netz dünner Rundstäbe. Bei den glatten (Voll-) Kuppeln, die innerhalb eines Parallelkreises gleiche Wandstärke haben, sind die Tragstäbe gemäß Abb. 356 in Meri- dianrichtung und die Verteilungs- /__________________\ stäbe als konzentrische Horizontal- \ l rin£e anSeor^net Der Horizontal- |—ffl schub wird durch eine kräftige^ in I [T der Form den Verteilungsstäben ent- Ahb 356. sprechende Kämpfereinlage aufge- nommen, die in gewissen Abständen verankert ist. Derartige Kuppeldächer wurden vielfach mit Kupferplatten abgedeckt, die durch besondere Vorrichtung leicht und sicher im Beton befestigt werden können. An Stelle des nicht mehr zu beschaffenden Kupfers kann man verzinktes oder verbleites Eisenblech mit entsprechender Abtönung durch Beizen verwenden; doch darf das Blech dem Beton nicht unmittelbar anliegen, weil es durch alkalische Ausscheidungen leicht angegriffen wird. Emp-
I. Anwendungen im Hochbau. 149 fehlenswert ist auch warm aufgetragener Montanwachs oder Braunkohlenbitu m en. Im evangelischen Vereinshaus in rechteckiger Raum in einer aus Abb. 357 ersichtlichen Weise kuppelförmig über- deckt. Ein kreisrunder, 1,20 m hoher Laternennng weist einen Durchmesser von 8 m ‘auf und trägt vermittels eines unten befindlichen Konsolringes eine Zierverglasung. Auf den oberen Rand stützt sich ein kegelförmiges Oberlicht. Die. Rippenkuppeln zeigen ein System von Tragrippen und da- zwischen liegenden Scheiben. Die Tragrippen sind im Scheitel zumeist durch einen druck- und biegungs- festen Ring verbunden, desgleichen an den Fußenden durch einen zugfesten Kämpferring. Als Beispiel sei auf die in Abb. 358 dargestellte, 26,80 m weit gespannte Kuppel des Orpheum- theaters in Bochum verwiesen; ins- gesamt sind hier acht symmetrisch verteilte Doppelrippen angeordnet. Die Kuppel der Friedrichstraßen- passage in Berlin hat eine Spannweite von rund 30 m (Arm. B. 1909) und die des Pumpwerkes der alten Emscher in Duisburg* eine solche von rund 41 m (Mitt. 1913, S. 41)- ir bemerkenswerten Eisenbetonkuppel in St. Blasien (A.-G. Dyckerhoff u. Widmann) zeigt Abb. 359 (Beton u. Eisen 1912, S. 345). Auf ein zoseitiges Zeltdach mit einer Stützweite von 33,70 m stützt sich das eigentliche glatte Kuppelgewölbe von 15,40 m Durchmesser und 1,50 m ------** Stich. Im Fußring der Auflagerung p 7 wirkt ein Zug von 156 t. Der Scheitel ~ liegt 35 m über Fußboden. An Abb. .%9. Düsseldorf wurde ein Abb. 357. Abb. 35S. Den Schnitt einer
15U I. Anwendungen im Hochbau. diese Eiscnbetonkuppel ist eine Zierkuppel aus Duromaterial an- gchängt. Schließlich sei noch auf die in Abb. 360 dargestellte neue Festhalle in Breslau (Jahrhunderthalle) auf- merksam gemacht, die eine Kuppellichtweite von 65 m aufweist, die größte Kuppel- spannweite der Welt (A.-G. Dj'ckerhoff und Widmann). Höhe des Kuppelraumes 40 m, lichte Weite des Halleninnern 95 m, Fassungs- vermögen 9000 Personen. Abb. 361 zeigt ein Schnittmodell dieser gewaltigen Halle mit den dazu gehörigen Anbauten1). Vgl. Arm. B. 1914, S. 8. sr, 93- i) Vgl. den Aufsatz des Verfassers ..Unser heutiges Modellbauwosen*. Beton u. Eisen 1014. 8. 81.
TT. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. 151 II. Anwendungen im Grund* und Mauer* werksbau. A. Grundbauten. Ist der Baugrund ein schlechter oder die Belastung un- gleichmäßig, so wird ein zuverlässiges Fundament durch Herstellung breiter Stützen- und Mauerfüße, durch mecha- nische Verdichtung des Untergrundes (Zementeinspritzungen) oder auch, wenn fester Baugrund noch zu erreichen ist, durch Anwendung von Pfählen und Brunnen geschaffen. In allen diesen Fällen, also sowohl für unmittelbare als auch für mittelbare Gründung, wird der Eisenbeton — wie kein anderer Baustoff — in umfangreichstem Maße verwandt. Namentlich bieten die Flachgründungen ganz besondere Vorteile anderen Gründungsarten gegenüber. Sie verlangen nur wenig Bodenaushub, weil ihre Sohle nicht tief liegt und der Übergang der Tragwerk- breite zur Breite der Sohle nach Maßgabe i । der Abb. 363x) sehr schnell erfolgen kann. Tz yT Deshalb bedingen sie auch weniger Baustoff und sind daher zumeist billiger als Pfahl- .' 1 und Brunnengründungen. Außerdem bieten - - sie eine gleichmäßige Verteilung der Boden- Abb. 862. pressung und verhindern Teilsetzungen, weil sie ein einheitliches Ganzes bilden*). Bei Moorboden ist eine vorherige chemische Untersuchung hinsichtlich des Vor- handenseins schädlicher Stoffe nötig. Man lege in solchen Fällen die Gründungsplatte möglichst außerhalb des Grund- wassers (s. Arm. B. 1916, S. 159). J) Es ist aber zu berücksichtigen. daß bei tiefer Gründung oft größer angenommen werden kann als ; denn der zulässige Bodendruck nimmt mit zunehmender Baugrundtiefe im allgemeinen zu. 9) Die Belastung der Fundamentplatten ist stets eine ganz bedeutende. denn einer Bodenbeanspruchung von 1 kg/qcm entspricht eine Plattenbe- lastung von 10000 kg/qm. Dio Starken unserer üblichen Decken reichen hier also nicht im entferntesten aus.
152 IT Anwendungen im Grund- und Mauerwerkebau. Für gewöhnliche Verhältnisse sind folgende zulässige Belastungs- werte in Betracht zu ziehen: a) Weicher Ton- und sehr feuchter, feinkörniger Sandboden............................. . . bis 1,5 kg/qcm b) Lehm, mittelfester Ton- und mäßig feuchter oder stark tonhaltiger, jedoch trockener Sand- boden ............................................ ,3 c) Mergel, fester Ton- und trockener, wenig ton- haltiger Sandboden.................................„5 d) Festgelagerter, grober Sand, 'dann Kies und Schotter ... . . „ 6 Die Fundamentplatten werden zumeist — angenähert — in der Weise berechnet, daß man sie auffaßt als Träger auf zwei und mehr Stützen mit gleichmäßig verteilter Belastung. Die Mauer- werkskörper bilden die Stützpunkte, und die gleichmäßig verteilte Bodenpressung ist die Belastung Q. Handelt es sich*aber um eine sehr ungleiche Lastverteilung oder auch um wechselnde Boden- beschaffenheit, so müssen Trennungsfugen gemäß Abb. 382 vor- gesehen werden. Flachgründungen können gemäß Abb. 363 a bis d in Frage kommen für durchlaufende SiÄtiJÜ JJ----------1 L Ü Mauerwerkskörper (a, b, c), ftir , 'Sttitzenreihen (d), für Einzel- M ~ stützen (e) und in Form einer über den ganzen Grundriß sich Abb 3G3 ungeteilt erstreckenden Voll-, Rippen- oder Wölbplatte (f). Aufschluß über die Anordnung der Einlagen geben die in den Abb. 364 veranschaulichten Beispiele von Flach- Abb. 366 u. 366. gründungen. Abb. 364c, d setzen die unmittelbare Nähe eines Nachbargebäudes voraus. Ein Erlaß der Berliner
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. 153 Baupolizei (1912) bestimmt für diesen Fall folgendes (vgl. Abb. 365 u. 366): a) Bei allmählicher Verbreiterung des Stützenfußes unter 600 kann eine gleichmäßige Verteilung auch Air einseitig ausladende Fundamente angenommen werden. b) Bei Anordnung von besonderen Fußplatten muß darauf Rück- sicht genommen werden, daß die Platte biegungsfest konstruiert wird und daß die in dem Pfeiler oder in der Stütze auftretenden Biegungs- momente keine Lostrennung der Platte von der Stütze erzeugen; mithin ist auch eine Bewehrung der Stützen oder Pfeiler notwendig. Die Gründung von nicht bewehrten Mauerpfeilern auf einseitig aus- ladende ^Eisenbetonplatten ist deshalb unzulässig. Soll die Last einer fortlaufenden Mauer aufge- nommen werden, so legt man die Tragstäbe senkrecht und die Verteilungsstäbe gleichlaufend zur Mauerflucht. Längs- träger nach Abb. 367 mit Balkenbewehrung sollen ein ungleich- mäßiges Setzen der Wand verhindern und erscheinen immer recht zweckmäßig. Türöffnungen und besondere Einzelkräfte sind ebenfalls durch entsprechende Mehr- anordnung oder Verstärkung der Einlagen zu berück- sichtigen. Bei bedeuten- den Mauerwerkslasten emp- fiehlt sich auch eine Verstärkung der Druckzone. Keller- mauem sind noch 30 bis 50 cm unter den Kellerboden hinabzuführen. Abb. 368. *) Es wäre besser gewesen, die Tragstäbe des LAngebalkene über die der Platte zu legen, und zwar im Hinblick auf die Notwendigkeit einer ge- nauen Berücksichtigung der Kragwirkung der Platte.
154 H. Anwendungen im^Grund- und Mauerwerk sban. Nach Abb. 368 sind Säulenzüge durch einen durch- laufenden Balken verbunden. Bei Gründung einer Einzelstütze erfüllen beide Stab- arten, Trag- und Verteilungsstäbe, den gleichen Zweck. Die Hinzufügung diagonal angeordneter Eisenstäbe kann nur Stütze in bewehrtem Beton zeigt Abb. 370; die sonst allgemein übliche Fundierungsweise derselben Stütze ist ebenfalls aus Abb. 370 ersichtlich1). Vgh auch Abb. 362. Eine den ganzen Grundriß überdeckende Beton- platte empfiehlt sich dann, wenn der Baugrund möglichst wenig beansprucht werden soll, wenn man mit Wandbanketten gemäß Abb. 367 nicht mehr auskommt, wenn Mauerflucht und Grundstückgrenze zusammenfallen und wenn man bei starkem Abb. 371. Wasserandrang das Trockenlegen der Baugrube vermeiden will, Abb. 3712) zeigt zunächst das Beispiel einer Vollplatte. ’) Bezügl. Gründungen von Stützen vgl. auch S. 58. J) Es empfiehlt sich in allen Fallen eine vorherige Sand- oder Kiesschüttung von mindestens 10 cm Starke, damit dor Eisenbeton nicht unmittelbar auf das Erdreich zu Liegen kommt (das gilt insbesondere auch für Abb. 867, 308. 377. 379, SSO. 386).
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. 155 Allzu starke Platten ersetzt man zweckmäßig durch Rippenplatten gemäß Abb. 372 u. 373. Statisch vorteilhaft ist es natürlich, die Ver- stärkungsiippen, wie es die Ab- bildungen zeigen, nach oben zu legen; allerdings ist dann noch ein Ausgleich für den Kellerboden nötig. Liegen die Kippen gemäß Abb. 374 Abb. 372. unterhalb der Platte, so ist eine Auffüllung für den Kellerboden zwar nicht mehr Abb. 373. nötig; auch wird die Rippeneinschalung erspart. Trotzdem kann solche Ausführung weniger empfohlen werden. Abb. 374. Abb. 375. In Abb. 375 sind Quer- und Längsschnitt einer kastenartig gestalteten Gebäudegründung mit keilförmiger Grundplatte und nach oben gelegten Rippen dargestellt. Die Bordwände nehmen die Lasten der Hauptmauern auf. Eine derartige Gründungsart ist dann zweckmäßig, wenn unmittelbar danebenliegende Gebäude- fundierungen ein Überschreiten des Grundrisses unmöglich machen.
156 11« Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. Man hat es mit einem Träger aVf zwei Stützen mit größter Trägerhöhe in Trägermitte (an der Stelle des Größtmomentes) zu tun. Nach Maßgabe der Abb. 376 u. 377 sind die Felder zwischen den Rippen als Stichbogen- platte ausgebildet. Beim Neubau der Farben- fabrik von Günther Wagner. Hannover, wurde die Sohle Abb.
IT. Anwendungen im Grund- und Mauerwerk«bau. 15" gemäß Abb. 378 zu umgekehrten Kreuzgewölben ausgebildet, in deren Kämpferpunkten die Säulen aufsetzen. Der Grundwasser- stand lag ’/a m Über der Sohle des Bauwerks. Die Abb. 379 bis 381 geben zwei Beispiele für Turmfunda- mente, und zwar zeigt Abb. 379 die Gründungsplatte eines rund 30 m hohen Wasserturmes mit 600 cbm Beckeninhalt (Mitt. 1919, S. So), Abb. 380 die Gründung für den Turm der Markuskirche in Stuttgart1). Die Platte bedeckt eine Fläche von 144 qm und ist an der Oberseite kreuzweise bewehrt. Der Turm selbst ist 56 m hoch in Eisenbeton ausgeftihrt: 12 Rippen sind auf senkrecht stehende .Wände gegenseitig ausgesteift. MascMuenfnudamente« Größere Fundamentkörper für Maschinen sind mög- lichst von den eigentlichen Gebäudekonstruktionen abzu- trennen und auf besondere Unterlagen zu bringen, ins’ besondere dann, wenn starke Erschütterungen ein Setzen des Fundaments befürchten lassen. So ist nach Abb. 382 eine Trennung von Mauer- und Maschinenfundamentplatte und nach Abb. 383 eine scharfe Trennung der Säulen- und Turbinenfundamente vorgenommen worden (Mitt. 1919, S. 80). Betriebsstörungen können unberechenbare Folgen /Umfassungsmauer 1 Maschinenfundomente M jMTÜj ' ilii, j TI I sfflT^Trennungsfage Abb. 382. i) Bei Kirchen trenne man stets die Turmfundierung von der Übrigen Oriindung; vgl. auch Abb. 382.
II. Anwendungen im Grund- «JM Mnnerwerksbnu. IW haben; ein dauernd ruhiger Gang der Maschinen muß ge- währleistet werden. Zur sicheren Stoßaufhahme empfehlen Abb. 388. sich im allgemeinen große Massen; die Form derselben richtet sich nach der Art der Maschine, Auch auf hin- reichende Verankerungen ist Länge der Anker muß den je- weiligen Dicken der Fundament- teile entsprechen. Abb. 384 zeigt die Form- gebung des Fundamentes für eine Turbogeneratoranlage von großer Wert zu legen; die, 2500 kW Lei- stung , ausge- ftlhrt von der Firma Wiemer und Trachte, Dortmund. Um Betriebs- störungen zu vermeiden, ist das Funda- Abb. 384. ment von der
II. Anwendungen im Grund- und Mauorwerksbau. 159 Nutzdecke des Maschinenraums völlig abgetrennt. (Vgl. auch. Abb. 385.) Viele Maschinen (z. B. Rotationsmaschinen, Dieselmotoren) ver- ursachen ganz erhebliche Geräusche und Erschütterungen, belästigen die Nachbarschaft und gefährden den Bestand der Fundamentsohle. Man verwendet deshalb Isoliermittel in Form elastischer Unterlagen, um die ’Erschütterungen auf ihren Herd (die Ma- schine) zu beschränken. Müssen Maschinen (z. B. Druckpressen) auf eine Eisenbetündecke gestellt werden, so empfiehlt sich die An- bringung einer Holzbohlenlage zwischen Maschine und Isolierung, die auch einen guten Druckausgleich herbeiführt. Der Isolierstoff selbst muß genügend elastisch, haltbar und beständig sein und eine entsprechende Tragfähigkeit besitzen. Man verwendet vielfach Filzplatten, die sich aber dem Einfluß von Ölen, Fetten und Laugen gegenüber nicht immer als zuverlässig erwiesen haben1). Gummi ist noch unvorteilhafter. Sehr gut haben sich Kork unter- lagen3) bewährt, so z. B. die Kor fundplatten der Firma Emil Zorn, Berlin W35. Letztere bestehen aus geschnittenen Naturkork- streifen in eingelassenen Eisenrahmen, die beim Stoßfugen verhindern und den Platten ein tech- nisch sauberes Aussehen geben sollen. Die Platten sind gegen Wasser- ’eintritt und sonstige zerstörende Einflüsse, sowie zur Erhöhung der Elastizität und Widerstandsfähigkeit besonders imprägniert. Abb. 386 zeigt die Abb. 386. Verlegen offene Abb. 387. Isolierung eines Dampfmaschinenfundamentes mit Korkunterlage und seitlichen Lufträumen, die auch mit losem Kork ausgefttllt werden können. Den Schutz bei einem Dieselmotor (mit Rein- h Alle unter hydraulischem Druck hcrgestollten Stoffe sind auch zu wenig elastisch. Filz wird z. B. auf eine Härte gebracht, die noch für Be- lastungen von 50 kg/qcm ausreicht. In der wirklichen Praxis aber wird ein Druck von 2 kg/qcm nur selten überschritten. Man taucht auch Filssoheihen in eine warme flüssige Masse, die aus 2 Tin. Kolophonium (oder auch Teer mit etwas Sohuhmacherpecb) und 1 TL öl besteht, und erhält nach Erstarren eine feste Verbindung zwischen Maschine und Fundament bzw. Decke. Der Boden darf aber nie feucht sein. Korkholz ist sehr elastisch; ein Zermahlen desselben ist nicht zu befürchten. Kork stein dagegen, aus gemahlenen Korkabf allen mit hart- werdenden Bindemitteln hergestellt, wird zermahlen, scheidet also aus.
IßQ II. Anwendungen im Grund- 'frud Mauerworksbnu. * korkplatten der Delmenhorster Korkwerke) veranschaulicht Abb. 3S7. Hier ist der Umstand berücksichtigt, daß auch die Ankerbolzen die Erschütterungen übertragen können. Gewölbe und Steifrahmen zur Abfangung von Lasten kommen z. B. dann vorteilhaft zur Anwendung, wenn ein bestehender Kanal überbaut werden muß, dieser aber keine neue Belastung erhalten darf. Abb. 8S9. In solchen Fällen müssen sämtliche Haupt- und Tren- nungsmauem abgefangen wer- den. Nach Abb. 388 hat man hierfür einen parabo- lischen Bogen verwandt. Das Schraffierte in der Abbildung stellt den bestehenden Beton- kanal dar. Wertmäßig erzeugte Rammpfälile. Die Eisenbetonfifähle werden in unmittelbarer Nähe der Baustelle oder auf dem Werkplatz der Firma her- gestellt Bei der Verwendung auf dem Bauplatz ist man genötigt, besondere Rammen zu verwenden, die fahrbar, drehbar und kippbar sind, die ein genaues Einstellen ermöglichen und die Heranholung des schweren Pfahles (Gewicht bis 400 kg für 1 Ifd. m) ohne Abhängung des Bären gestatten. Ebenso sind zuverlässige Winden und entsprechend große Antriebsmaschinen erforderlich. Die Verwendung der Betonpfähle empfiehlt sich insbesondere in folgenden Fällen: 1. bei tiefliegendem guten Baugrunde und tiefem Grund- wasserstande, wo also bei anderen Gründungsformen große Erdmassen zu bewegen sind; 2. bei wechselndem Grundwasserstande, wo die Holz- pfählung durch Senkung des Grundwassers infolge Kanali- sation, Untergrundbahnbau oder Flußregulierungen gefährdet erscheint und wo die Eisenbetonpfählung einen Ersatz für teure Brunnen- oder pneumatische Gründung bietet;
* II. Anwendungen im Grund- und Mau erw orksbau. 161 3. bei Kai- und Dockanlagen, Molen, Landungsstegen, - Uferschutz- und anderen Bauwerken im Wasser, bei welchen • die Holzpfähle durch Bohrwürmer leiden1); 4. bei sehr schwer belasteten Gebäuden, durch größere Ausnutzung der Tragfähigkeit und innigeren Zusammenhang mit der Fundamentplatte; 5. bei sehr tiefliegendem guten Baugrunde, wo gewöhnliche Holzpfähle nicht mehr ausreichen; 6. an allen Stellen, wo die Baugrube durch Spundwände abgeschlossen werden muß, und wo durch Triebsand und Auf- trieb Rutschungen benachbarter Bauwerke zu befürchten sind. Die Vorteile der werkmäßig hergestellten Rammpfähle anderen Pfählen gegenüber sind in der Hauptsache die folgenden: Einwandfreie und leicht zu überwachende Her- stellung in liegenden Formen; — Verwendung als Schräg- pfähle und Zugpfahle (vgl. Abb. 403); — starke Verdichtung des Bodens zwischen den Pfählen; — Erzielung einer großen Biegungsfestigkeit; — Anwendung selbst im stehenden Wasser; — Möglichkeit der Anbringung einer Einspttlvorrichtung; — * Beurteilung der Bodentragfähigkeit aus den Rammhitzen (Täuschungen beim Antreffen von Findlingen, Holzstämmen oder bei fester Bodenschicht von nicht genügender Mächtig- keit sind aber nicht ausgeschlossen). Die Nachteile sind folgende: Lange Lieferfristen (mindestens sechswöchige Erhärtung) und teuere Transporte; dadurch Verlängerung der Bauzeit; — Lagerplatz- und Schalungskosten; — sehr großer Eisenaufwand, der aus- schließlich für die Rammtätigkeit nötig ist; — Verwendung großer und schwerer Rammaschinen, die teuere Transporte, Kohlen und viel Platz benötigen und demzufolge auch nur für umfangreiche Rammarbeiten in Frage kommen können; — Notwendigkeit einer vorherigen genauen Bodenunter- suchung, da die Pfahllänge auch bei wechselnder Tiefe des i) Durchtränken des Holzes mit Kreosotlösung oder durchgehender Be- schlag mit breitköpfigen Eisennägeln erfüllen nur unvollkommen den Zweck; besser sind schon Sohutzhülsen aus Stampfbeton. Vgl. auch Abb. 408. Kersten. Der Eisenbetonbau. II. 1t. Anfl. 11
162 LI? Aivw en dangen im 01010(1- uud'Mnuerwerksbnu. tragfähigen Baugrundes bekannt sein muß; — das Aufpfropfen zu kurzer Pfähle (Weitenpmmen erst nach 6 Wochen) und das Abschneiden zu langer Pfähle (Abschlagen mit Preßluft) sind kostspielige Arbeiten; — gewaltige Rammerschütterungen (Ein- sturzgefahr für benachbarte, unzureichend fundierte Bauwerke); — Belästigung der Nachbarschaft durch Rauch und Maschinen- soll, und Abb. 339 u. 890 lärm; — Unmöglichkeit einer Ausführung bei beeng- tem Raum (z. B. im Keller, unter bestehenden Brücken usw.); — geringe Mantel- reibung; — Möglichkeit einer Zerstörung des Betons durch Säuren (Verwendung von Hochofenzement ader Zusätzen, die die Beton- festigkeit nicht vermindern, empfehlenswert). Aus der Gegenüber- stellung der Abb. 389 u. 390 ist der wirtschaftliche Vor- teil des neuen Gründungs- verfahrens klar ersichtlich, um wieviel tiefer man bei ' «Sr-I i'Cl Man erkennt, Holzpfählen herabgehen muß, wenn das niedrigste Grundwasser erreicht werden um wieviel man die Anzahl der Pfähle bei Ver- Wendung von Beton bzw. Eisenbeton vermindern kann. Die Herstellung der Pfähle ist eine ähnliche wie die der Stützen im Hochbau; nur ist zu bedenken, daß der Pfahl weit höheren Beanspruchungen gewachsen sein muß, da die Schläge de« Rammbären außergewöhnlich hohe Spannungen hervorrufen. Die Pfähle haben zumeist dreieckigen, quadrati- schen oder fünfeckigen (Bauweise Züblin), selten runden (Schleuderbeton, vgl. S. 60) Querschnitt und sind genau so durch Rundstäbe verstärkt wie die Stützen; nur die Bügel liegen näher zusammen, mindestens in Abständen der kleinsten
II. Anwendungen im Grund- und Alauerwerksbnu. 1G3 Pfahldicke, am engsten am Kopf und an der Pfahlspitze. Die 1 .ängsbewehrung (i bis 3 vH. des Betonquerschnittes) hat vor allem den Zweck, den Pfahl für den Transport, das Abladen und das Hochziehen biegungsfest zu machen. I )er Pfahlkopf muß in der Regel durch Einfügung elastischer, schlagverteilender Stoffe, Sand, Blei, Sägespäne oder Holz, gegen die wuchtigen Schläge des Bären (1500 bis 6000 kg bei 80 bis 200 cm Fallhöhe) geschützt werden. Vgl. auch Abb. 473. An der Pfahlspitze werden die Eisen zusammengebunden (Abb. 402), zusammen geschweißt (Abb. 395) oder mit einem stählernen Schuh versehen (Abb. 399). Oft begnügt man sich mit einem Blechschuh gemäß Abb. 402. Soll Wasser- spülung zur Anwendung kommen, so kann ein Hohlkern in der Achse vorgesehen werden, durch welchen das Wasser gepreßt wird. Das Einstampfen der Pfähle erfolgt am Verwendungs- ort in liegenden Formkasten. Mischungsverhältnis 1:3 bis 1:5, je nach schnellerer oder kürzerer Ingebrauchnahme, die fettere Mischung für Kopf und Spitze. Die Pfähle müssen mindestens 6 Wochen nach ihrer Herstellung liegen bleiben und werden dann senkrecht oder schräg eingerammt, je nachdem die Beanspruchung durch Gewölbeschub oder durch Vertikalbelastung erfolgt. Eine Ramme kann bei etwa 10 m Pfahllänge bis 100 m in 10 stündiger Arbeit leisten. Bei Erreichung des festen Baugrundes kann den Pfählen eine Belastung von je 30 bis 50 t zugemutet werden l). Für die Bestimmung der Tragfähigkeit kann die Brixsche Formel verwandt werden: sie lautet: n_ Ä G OL 7 ne ’ IÖ+Q)S‘ Hierin bedeutet (vgl. weiterhin B. u. E. 1917, S. 25): P die zulässige Belastung des Pfahles in kg, h die Fallhöhe in cm, 9 Für gewöhnlich können auch die Bankette, sofern sie nicht allzu schmal aind. mit etwa 0,5 bis l.Okgqcm zur Lastübertragung herangezogen werden 11*
164 H. Anwendungen im Grund* und Mauerwcrksbau. n den Sicherheitskoeffizienten = 2 bis 3, e die Strecke in cm, um die *der Pfahl bei der letzten Hitze durchschnittlich pro Schlag noch ein gedrungen ist. G das Pfahlgewicht in kg, Q das Bärgewicht in kg. Nach Versuchen beim Bau des Stuttgarter Personenbahnhofs ergaben die Rammformeln von Brix zu geringe, von Eytelweih zu große und von Stern annähernd richtige Tragfähigkeiten (B. u. E. 1917, Nr. 14 bis 18). Aus den Abb. 391 bis 394 ist die Verwendung der Pfähle für Gebäudegrtindungen ersichtlich. Die Pfähle sind gruppen- weise gerammt und ihre Köpfe durch Balken, : • _La • ZS Platten oder Plattenbalken zu einheitlichen Jzz Gründungskörpem verbunden. Bei bedeuten- * »? /i den Mauerlasten kann gemäß Abb. 391a, c ... Pfahl an Pfahl (bei etwa 80 cm Mindest- abstand) gerammt werden; bei geringeren Lasten ist eine Ausführung gemäß Abb. 391b (vgl. auch Abb. 217) zumeist vorteilhafter als eine Ausführung nach Abb. 391 a, der es, sofem keine Querwände vorhanden sind, an Abb. 392. Abb. 393. Abb. 394. der nötigen Seiten- steifigkeit mangelt. Bei unmittelbar anschließendem Nach- bargebäude muß die erste Pfahlreihe aus praktischen Gründen um ein gewisses Maß von diesem entfernt an- geordnet sein. Die Bewehrung def Bankette hätte dann gemäß Abb. 392 zu erfolgen. — Werden die Kellerwände in Beton ausgeführt, so kann man sich die Bankette dadurch ersparen, daß man die Wände, oder doch wenigstens den unteren Teil derselben, zu Trägern ausbildet (Abb. 393).
II. Anwendungen im Grund- und -Mauerwerks bau. — Eine einheitliche Gründungsplatte auf Eisenbetonpfählen zeigt Abb. 394. Aus den Abb. 395 bis 398 ist die Formgebung von Eisenbeton- pfuhlen ersichtlich, wie sie beim Neubau des Amtsgerichts auf dem Abb. 395 u. 396. Wedding, Berlin, angewandt wurde. Der Querschnitt ist ein gleich- seitiges Dreieck mit abgestumpf- ten Ecken. Die Einlagen sind unten zusammen- geführt und mittels eines zwi- schengelegten EisenstUckes zu einer stumpfen Spitze ver- schweißt. Der Kopf ist seitlich abgeschrägt und mit einer kräfti- gen, 50 cm hohen und 2 cm starken eisernen Hülse versehen. Zwi- schen Pfahl und Hülse sind seg- Das Abb. 397 u. 398. mentartige Holzstücke gelegt. elastische, schlag verteilen de Polster setzt sich zusammen aus: einer 2V2 cm starken Bleiplatte unmittelbar über dem Kopf, einer 1 cm starken Eisen - platte, einem 5 cm starken Hirnholz und einer 7 cm starken Schlagplatte. Nach Abb. 399 werden die Eisen in einen stählernen Schuh geführt und durch einen Stahldorn fest gegen dessen innere Wandung gepreßt Ein Dom !umfcsttr«tbeA Abb. 399.
1G6 W. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. Beispiel für die Verbindung der Eisenbetonpfahle mit entsprechend be- wehrten Banketten zeigen Abb. 400 und Abb. 392. Vielfach legt man nach erfolgtem Einrammen die Eisen- einlagen des Pfahlkopfes (mit Preßluftmeißel) wieder frei, nm sie mit den Einlagen der Ban- kette in gute Verbin- dung zu bringen. Nach Maßgabe der Abb. 401 kann man solchem Vor- gehen von vornherein durch entsprechende Eisen anordnung gebüh- rend Rechnung tragen. Noch mehr als bei den Stutzen im Hochbau muß bei den Pfahlen auf eine genügende Quer- verstärkung gesehen . werden. Man hat fest- gestellt, daß der Bruch eines Pfahles zumeist nur dem Zerreißen der Bügel zuzuschreiben ist. Besonders empfehlens- wert sind in dieser Hin- Abb. 400. sicht die Pfähle aus spiralverstärktem Beton. Sie bieten den Vorteil einer besonders großen Widerstandsfähigkeit gegen den Stoß ' des Rammbären, so daß oft gar keine Schutzhauben nötig werden. Abb. 402 zeigt das Beispiel eines umschnürten Pfahles. Beim Neubau der Brücke über die alte Donau bei Wien wurden 20 m lange, spiralbewehrte Rammpfahle • mit achteckigem Querschnitt und 56 t Höchstbelastung I verwendet. Für Gründungen von Stützmauern und Brückenwider- “ £ lager sind vielfach Zugpfähle mit darüber betonierter \ß&\/ Eisenbetonplatte notwendig. Abb. 403 zeigt die Form solcher Pfähle, wie solche durch die A.-G. Wayss & Freytag Abb. 403.
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerkshau. 1K7 für Brückenverstärkungen bei Hannover zur Anwendung gelangten (Mitt. 1913, S. 43). Die Pfähle erhielten zur Sicherheit gegen Heraus- ziehen drei Übereinanderliegende, abwechselnd an je zwei einander gegenüberliegenden Seiten angebrachte Vorsprünge von S und 5 cm auf 80. cm Länge1). — Bemerkenswert ist die aus Abb. 404 •ersichtliche, der Baugesellschaft Möbus & Co. geschützte Verstärkung hölzerner Zug- pfähle durch Eisfenbetonringe.-Versuche zeigten, daß solche Pfähle mit ausreichender Sicherheit mit 25 t auf Zug beansprucht werden können (Mitt. 1920, S. 23). Im Baugrund erzeugte Pfähle (Ortspfähle)« Man ist bei dieser Art von Pfählen an keine bestimmte Lieferzeit gebunden; mit der Herstellung der Gründung kann sofort nach Auftragserteilung begonnen werden. Abb. 404. Lagerplatz und Schalkosten kommen in Fortfall. Die Verrohrung der Löcher verbleibt im Erdreich oder wird wiedergewonnen. a)*Löcher durch Rammen hergestellt. Diese Ortspfähle empfehlen sich insbesondere bei starkem Wasserandrang sowie in säurehaltigem Boden. Die Verrohrung (Lochausfütterung) wird gerammt und verbleibt im Erdreich (Bauweisen Stern, Mast) oder wird wiedergewonnen (Bauweise Simplex). Die Vorteile beim Verbleiben der Rohre im Erdreich sind folgende: Die Blechhülle schützt gegen Grundwasserandrang und Säure- einwirkung (solange die Hülle noch nicht verrostet ist); — Anwendbarkeit auch in freiem Wasser; — starke Ver- dichtung des zwischen den Pfählen liegenden Erdreiches; — Beurteilung der Güte des tragföhigen Baugrundes aus den Rammhitzen; — geringere Erschütterungen beim Rammen, sofern nach Abb. 405 die Spitze mit Jungfer gerammt und der Blechmantel naebgezogen wird. Nach- ’) Werden Straußpfühle auf ganzer Länge bewehrt, 90 erscheinen auch diese infolge großer Mantclreibung als Zugpnthle geeignet
/ 168 1L Anwendungen im (irund- und Mauer werk sbtiu. Abb. 405. teile: Leichtes Verbeulen und ^Verdrücken der Blech- hülle beim Transport, beim Eintreiben, sowie nach Ent- fernung der Rammjungfer; — Möglichkeit eines Mitziehens der Blechhülle beim Entfernen der fest im zylindrischen Rohr sitzenden Jungfer; — bedeutende Kosten der im Erdreich verblei- benden Rohre; — Notwendigkeit einer vorherigen Bestimmung der Pfahllängen; — ge- ringe Mantelreibung >bei zylindrischer Form; — für schwebende Gründung nur dann empfehlenswert, wenn eine konische Form gewählt wird; —nachträglichte Ver- längerungen der Pfähle schwierig und kostspieligx). Blechrohr-(Konus-)Pfahl der Bauweise Stern Der (Wien), nur für schwebende Gründung geeignet, zeigt nach Ausweis der Abb. 406 eine konische Form; es wird somit die ganze Ptahllänge (etwa 2,5 m) zur Lastver- teilung ausgenutzt. Zur Absenkung des Blechmantels (mit Zugramme) dient ein etwa 4 m langer, hölzerner Vor- treibpfahl. Abb. 407. Abb. Das Blechrohr wird durch schichtenweises Ein- stampfen von Beton etwa 1 :7 ausbetoniert. Beim Mastpfahl wird die Spitze durch Überlappung des eigenartig ausgeschnittenen untersten Bleches gebildet; PfahlhüUe zylin- drisch, Länge beliebig. Die Rammjungfer hat einen etwas geringeren Durchmesser als das Rohr. Das Simplexverfahren ist amerikanischen Ursprunges und sieht eine Wiedergewinnung der starkwandigen Vor- rammröhre vor. Beim Zurttckziehen derselben wird der Beton nachgefüllt und gestampft2). Die gußeisernen Pfahl- schuhe (Abb. 407) verbleiben im Erdreich. Die Er- schütterungen beim Rammen sind naturgemäß sehr be- deutend; doch ist dafür die Tragfähigkeit der Pfähle eine i) Vgl. weiterhin die allgemein beachtenswerten Erläuterungen zum Pfalilgründungssystem Zimmermann in Mitt 1917, S. 46 (Dr.-Ing. Nitzsohe). Im Hinbuck auf das stärkere Zusamm^npressen des Bodens beim Einrainmen der Rohre können sich natürlich keine so starken Ausbauchungen des Pfahles ergeben, wie z. B. beim Strauß verfahren.
II. Anwendungen im Grund- und Mauenvcvksbau 169 außerordentlich hohe. Dem Verfahren haften im übrigen, da auch der Blechmantel nicht im Boden verbleibt, viele der auf den Seiten 168, 170 angeführten Nachteile an. Das Simplexverfahren kann aus wirt- schaftlichen Gründen nur für umfangreiche Ausführungen in Betracht kommen. Beim t Heimbachschen Verbundpfahl handelt es sich gemäß Abb. 408 um eine Verbindung eines (unteren) Holzpfahles mit einem (oberen, aufgepfropften) Eisenbeton- pfahl. Der letztere wird an Ort und Stelle nach Rammung des Holzpfahles in einem verbleibenden eisernen Mantelrohr her- gestellt, dessen unteres Ende durch einen * Konus mit Keilring in dauernd feste und dichte Verbindung mit dem Holzpfahl gebracht wird. Der Holzpfahl nebst Stahl- rohraufsatz wird mit Jungfer bis auf den niedersten Grundwasserstand durch eine gewöhnliche Holzpfahlramme eingetrieben; > er kann von Säuren nicht angegriffen werden und ist billiger als ein gerammter Eisen- betonpfahl. Wichtig ist aber vor allem • eine durchaus zentrische Aufpfropfung, da sonst ein Ausknicken in Kopfhöhe des Holzpfahles zu befürchten ist Vgl. B. u. E. 1914, S. 244, sowie Mitt 1913, S. 150 und 1920, Nr. 17 und 19. Abb. 408. b) Löcher durch Bohren hergestellt. In diese Gruppe gehören vor allem die Straußpfähle, sowie die Preßbetonpfähle von Wolfsholz. Die Vorteile der Ortspfähle, deren Löcher durch Bohren hergestellt werden, sind die folgenden: Möglichkeit eines sofortigen Arbeits- beginnes; — besonders schnelles Herbeischaffen der leichten Arbeitsgeräte (keine schweren Rammen); — die Pfahllänge kann den örtlichen Verhältnissen angepaßt werden, weshalb eine vorherige Bestimmung der Pfahllängen nicht nötig ist; — Bodenproben durch das gewonnene Bohrgut; — keine Ramm- erschütterungen (Erschütterung durch Stampfen des Betons
170 II. Anwendungen yn Grund- und Mauerwerk ab au. I i i i Abb. 409. im Rohrinnern belanglos); — gifte Fuß Verbreiterung und Knollenbildung des Pfahles; — erhöhte Tragfähigkeit durch große Mantelreibung1) (besondere Eignung für schwebende Gründung); gleichzeitige Herstellung mehrerer Pfähle; — Möglichkeit einer Ausführung bei beschränkter Höhe des Arbeitsraumes (z. B. im Keller); — besondere Eignung für nachträgliche Unterfangungsarbeiten bei an sich schlecht fundierten Bauten (hier ein Rammen von vornherein aus- geschlossen); — Rückgewinnung der in einzelnen Schüssen zusammengefügten Vortreibrohre. Die Nachteile sind folgende: Möglichkeit von Ein- schnürungen bei ungenauer Arbeit (bei zu schnellem Hoch- ziehen des Futterrohres); — Schwierig- keiten beim Arbeiten im Grundwasser- bereich; — kein Säureschutz durch eine bleibende Hülle; Säureangriff auf den frischen Beton, namentlich in Höhe des Grundwasserspiegels (empfehlens- wert ist die Verwendung von Hochofen- zement); Abbindeprozeß kann durch un- mittelbare Einwirkung von Moorsäure ungünstig beeinflußt werden; — Fehlen der stark bodenverdichtenden Ramm- wirkung (ausgeglichen durch besonders starkes Stampfen des Betons); — keine Möglichkeit eines Baues im freien Wasser; — langsamer Arbeitsfortgang in steinigem Boden (beträchtliche Kosten- erhöhungen); — zumeist Unmöglich- keit der Aufnahme von Biegungsbean- spruchungen (schwierigere Einbringung einer Eisenbewehrung). Das Straußsche Verfahren besteht darin, daß in den zu be- 0 Nach Engel« kann'man hier mit einem Reibungswiderstand von etwa 2 t qm Vfahlumfang rechnen.
II. Anwendungen im Grund- und Mnuerwerksbau. 171 Abb. 410. festigenden Boden ein Loch gebohrt und zugleich ein Futter- rohr (ohne Rammen) eingetrieben wird. Dieses Bohrloch wird sodann unter gleichzeitigem Hochziehen des Rohres nach Maßgabe der Abb. 409 mit Beton ausgestampft. Dabei dringt der Beton durch das kräftige Einstampfen in die Hohl- räume dbs Bodens ein und bildet Wulste, die je nach dessen Widerstandsfähigkeit verschieden stark sind und infolge einer gleichmäßigen * Verdichtung der lockeren, nachgiebigeren Bodenschichten die Tragfähigkeit des Bau grundes erhöhen. Die wulstförmigen Aus- bauchungen erhöhen auch wesentlich die Reibung und lassen durch den erhöhten * Arbeitsaufwand einen Pfahl erstehen, der auf seiner ganzen Länge eine möglichst gleich hohe Tragfähigkeit besitzt. Abb. 410 zeigt einen ausgegrabenen Straußpfahl. Die Anzahl der Bohrstellen kann ent- । sprechend der Größe der Baustelle beliebig vermehrt werden. Man erhält für jeden ein- zelnen Pfahl einen wertvollen Aufschluß über * -die genaue Beschaffenheit der Bodenarten zu nächst durch die Bohrlöcher selbst, ferner aber auch durch Feststellung der Menge des für eine Längeneinheit eingestampften Betons. Die Köpfe der Pfähle werden durch eisen- bewehrte Platten miteinander ver- bunden, deren Einlagen in die oberen Teile der Pfähle hinabrei- chen und die den eigentlichen Fun- damentkörper für das auf- gehende Mauer- werk bilden.
172 ft« Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. Abb. 411 gibt einen Vergleich der ursprünglich vorgesehenen Fundation (schraffiert) eines Lokomotivschuppens mit Reinigungs- Abb. 412. gruben in St. Gallen (Sand- schüttung mit Stampf beton- fundamenten) mit der ausge- führten Straußpfahlgründung. Abb. 412 zeigt die nachträg- liche Unterfangung einer Säule mittels Siraußpfahlgründung. Unzweifelhaft bieten in solchem Falle Bohrpfähle infolge des Fortfalles jeglicher Rammarbeit ganz besondere Vorteile1). — Bei den Unterfangungsarbeiten im Kellergeschoß eines 5 stocki- gen Gebäudes, dessen Wände infolge Bodensetzungen allent- halben Risse zeigten, waren an- fänglich (in Abb. 413 gestrichelt angedeutet) Unter- zöge , welche auf den Pfahlköpfen lagern sollten, ge- plant. Nach Fer- tigstellung der Pfähle zeigte es sich jedoch, daß bereits infolge der Verdichtung des Bodens die nötige Tragfähig- Abb keit erreicht worden war, so daß man auf die Unterzüge verzichten konnte. Beim Bau des Deutschen Museums in München kamen Strauß- pfähle für 30 bis 50 t Belastung zur Verwendung: die Fußver- breiterung ging stellenweise bis über 1 m. Bemerkenswert ist schließlich noch der Preßbetonpfahl der Firma August Wolfsholz. Nachdem wie beim Strauß- verfahren ein zumeist 30 cm weites Bohrrohr abgeteuft i) Die beiden Abb. 411 u. 412 sind einem Aufsatz des Verfassers ..Strauß- pfahlgründungen in der Schweiz1*, Schweizerische Bauzeitung 1912, Bd. LIX entnommen. Vgl. weiterhin Gehler, Betonpfable Patent Strauß, 1913. Verlag \on Wilhelm Ernst A Sohn. Berlin.
II. Anwendungen im Grund- und Maucrworksbnu. 173 worden ist, wird zunächst die Eisenbewehrung (vgl. Abb. 414) als fertiges Ganzes eingesetzt, das oben mit einem Deckel verschlossen und dann Druckluft eingelassen, so daß nicht nur das im Rohr angestiegene Grundwasser fortgedrttckt, sondern auch das am unteren Rohrende befind- liche Erdreich entwässert und trocken gehalten wird. Jetzt wird die Betonspeise durch ein bis zum unteren Rohrende reichendes Preßrohr unter hohem Luftdruck eingepreßt und bis zu einer solchen Höhe ansteigen gelassen, daß sie dem Grundwasser das Gleichgewicht hält. Die dann von oben eingelassene Preßluft von etwa 10 Atm. Spannung drückt den Beton in das Erdreich und läßt einen verbreiterten Klumpfuß aus Beton erstehen. Es erfolgt schließlich das weitere Ein- Bohrrohr Abb. 414. drücken im Zementmörtel und endlich das Hochziehen des Rohres ohne irgendwelche Hebevorrichtungen in der Weise, daß der Druck der im Kopfstück des Preßrohres eingeschlossenen Preßluft so hoch gesteigert wird, daß sich das Rohr allmählich *nach oben bewegt. Der durch das Hochsteigen des Rohres freiwerdende Ringraum wird unter dem dauern- den Druck der Preßluft 5 & sofort ausgefüllt und außerdem das seitlich anste- hende Erdreich ge- hörig mit Mörtel durchtränkt. Einige charak- teristische Ausfüh- Abb. 415. Abb. 416.
174 11. Anwendungen im Grund- und Mftucrwerkebuu. rungsbeispiele sind durch die Abb« 414 bis 419 veranschaulicht. Abb. 414 zeigt zunächst die Formgebung eines auf Anordnung der Eisenbahndirektion Kattowitz hergestellten und ausgegrabenen Pfahles; das Bohrloch hatte 30,2 cm lichte Weite. Abb. 415 ver- Abb. 419. unter 14 m tief anstehendem Wasser Eisen 1916, S. 9 u. 33. anschaulicht die Abfangung eines gesunkenen Funda- mentes, Abb. 416 die Über- deckung eines Straßen- kanals, aut dessen Bauflucht nachträglich eine starke Stützmauer errichtet wer- den mußte. Abb. 417 u. 4 iS zeigen Möglichkeiten für eine Mauerunterfangung bei Untergrundbahnbauten selbst für den Fall, daß eine Pfahlreihe vor der Front- wand unmöglich ist. Abb. 419 stellt schließlich eine Fun- dierung in der Kieler Bucht dar. Vgl. weiterhin Beton u. Kranfahrbahnen auf Eisenbetonpfählen« Ein Beispiel für die Fundierung einer (binnenseitigen) Kranenlaufschiene ist in Abb. 420 dargestellt. Zur Er-
II. Anweiidungen-im Grund- und Mauerwerksbuu. 175 zielubg genügender Seitensteifigkeit sind in gewissen Ab- ständen nach Ausweis der genannten Abbildung Querböcke mit 2 Pfähle^ angeordnet. Abb. 421 zeigt eine Kranfahr- bahn für die Hafen- und Lagerhaus- A.-G., Aken a. E. Sämtliche Pfähle * Abb. 421. wurden mit Vorrichtung zum Einspiilen versehen. Es bewährte sich hier die Spülung durch den Kern der Pfahle besser als mit von außen am Pfahl befestigten Spülröhren. Die Pfahlböcke stehen in 4 m Entfernung voneinander. Vgl. weiterhin Beton u. Eisen ioit, S. 217. Über Landungsstege. Lösch- und Ladebühnen auf Eisenbetonpfählen vgl. Abb. 466, 481, 576, 577, sowie Kersten. Brücken in Eisenbeton, Teil I, 5. Aufl. Senkbruimen aus Eisenbeton sind gemauerten Brunnen gegenüber wider- standsfähiger gegen äußere Kräfte und erfordern größten- teils weniger Aushub. Man gibt ihnen gewöhnlich einen runden Querschnitt und stellt die Wände in Eisen- beton her. Sie werden durch künstliche Belastung ver- senkt, mit Beton ausgefüllt und dienen dann zur Fun- dierung von Gebäuden, Brückenpfeilern, Hafenmauem (vgl. Abb. 481) u. dgl.
176 II. Anwendungen im Grund- und Mauenverkabau. Der Durchmesser der Brunnen ist genügend groß zu machen, damit nur die Brunnen Füllung und nicht der Kranz belastet wird. Eine seht bemerkenswerte Brunnenausführung (Terner u. Chopard, Ingenieurbureau, Abb. 422. Zürich) ist in Abb. 422 dar gestellt. Ein Wohngebäude kam über einen Eisen- bahntunnel zu liegen, dessen Wan- dungen ab^r nicht höher belastet werden durften, als das bisher der Fall war. Der Höhenunterschied zwischen Tunnel- und Kellersohle beträgt 14 m. Für die Übertragung der Lasten des dem Tunnel zugekehrten Gebäudeteils auf die ge- wünschte Tiefe dienen zwei Brunnen von 3 m äußerem Durchm., die unten mit einem kräftigen flußeisernen Kranz versehen wurden. Die gesamte Ge- bäudelast wird durch Eisenbetonträger teils auf die Brunnen, teils auf das feste Erdreich übertragen1). B. rnterkelleruTigen, wasserdichte Keller- anlagen. Die Anlage trockener Kellenäume ist oftmals wegen ungünstiger Grundwasserverhältnisse recht schwierig, vor allem dann, wenn die Kellersohle unter Grundwasser- spiegel liegt. Eine nachträgliche Trockenlegung erfordert Abb. 423. Bemerkenswert ist ein Vergleich der Abb. 422 mit Abb. 418.
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerkebau. 177 beträchtliche Geldausgaben. Man vermeide jede unmittelbare Berührung des Betons mit dem Wasser, insbesondere dann, wenn letzteres^ gipshaltig ist. Zunächst sei in Abb. 423 eine Hofunterkellerung aus Stampf- beton zur Darstellung gebracht Die größte Nutzlast betrug 2000 kg/qm oder ein 8-t-Wagen mit 500 kg/qm Menschengedränge. Bei dem starken Auftrieb (3000 kg/qm) war möglichst großes Ge- wicht anzustreben und daher die starke Betonplatte der leichteren, dünneren Eisenbetonplatte vorzu- ziehen. Ein am Ende der Unter- kellerung befindliches Oberlicht sorgt für die Belichtung des Keller- raumes1). Eine zweistöckige Kelleranlage zeigt Abb. 424. Vorkehrungen gegen Gr und wasseran drang waren hier nicht nötig. Nach den Abb. 423 u. 424 erfolgte die Ausführung der Seitenwände der Unterkellerung Abb. 424. Abb. 425. in Stampfbeton. Liegt aber in unmittelbarer Nähe der Wand ein Bahngleis, so wird die horizontale Erddruckkraft in bedeutendem Maße erhöht, weshalb eine Wandausttihrung in Stampfbeton nicht mehr ausreicht. Abb. 425 zeigt die Ausführung solcher Wand in eisenverstärktem Beton mit Zuhilfenahme von Rippen. Auf diesen ruht ein Quer- Abb. 42C. balken, der gleichzeitig als Bord- stein für den Bürgersteig dient. Nach Abb. 426 übertragen stehende Gewölbe Pfeiler. u. Löser, Dresden) die Ho rizontalkräfte auf besondere Nach Abb. 427 (Firma Kell ist die Decke am Schaufenster als Kragplatte aus- gebildet. Die abschließende Eisenbetonwand erhält nach dem Kellerraum hin eine Isolierung durch eine lolo 4 71 Vj Stein starke Ziegelwand. Auf dem oberen Rand- >) Für die Beleuchtung von Hof kcller empfiehlt sich auch die gelegent- liche Einfügung von Glaa-Elaenbetondeoken; vgl. 8. 54. Keraten, Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 12
178 II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. balken der Eisenbetonwand ist eine Ziegelwand aufgesetzt. — Nach Abb. 428 besitzt das Kellergeschoß eines Spcichergebäudes Vor* bauten, deren Decke, in gleicher Höhe mit dem Erdgeschoßboden angeordnet, gleichzeitig als Rampe dient. Umfassung* • und Lichtschacht- wände der Papierfabrik Köslin A.-G. -IM----- Abb. 429. Abb. 498. sind zwecks Aufnahme eines bedeutenden Erddruckes durch eine Ladegleisböschung gemäß Abb. 429 als Winkelsttttzmauern (vgl. S. 18S) ausgebildet. Eine andere Lichtschachtansftthrung in Eisenbeton zeigt Abb. 434. Liegt die Kellersohle nur wenig unter Grund- wasserspiegel, so genügt eine Platte aus Eisenbeton (Abb. 430). Bei stärke- rem Wasserdruck übermittelt man den Auftrieb auf die Wandkörper durch Abb. 480. umgekehrte Tonnen- oder Kreuzgewölbe. Der Boden ist dann stets wagerecht abzugleichen. Ausführungen dieser Art zeigen die Abb. 431 bis 434, sowie 376 bis 378. Abb. 432
II. Anwendungen im Grund- und Mauenverksbau. 179 stellt eine Kellerbodenausftihrung der A.G. Wayss u. Freytag dar. Die Gewölbe ruhen wie l?ei Abb. 431 auf einer Stück- lage von 13 bis 15 cm Stärke; in gleicher Weise wird die Schalung für die Querbalken durch Stücklage bzw. durch Steinpackung gebildet. Der höchste zu berücksichtigende Grundwasserstand über dem Nutzungsboden beträgt 1,10 m. Liegt der höchste Grundwasserspiegel sehr viel höher als die Kellersohle, so müssen auch die Wände in zweckentsprechender Weise geschützt werden. Man tut am vorteilhaftesten, das gesamte Grtindungs- und Trage- werk gemäß Abb. 428 u. 434 ein- heitlich in Eisenbeton herzustellen. Die Unterkellerung bildet dann einen geschlossenen Behälter, welcher den Druck von außen erhält; Keller- wände und Kellerdecke werden mit zum Tragen herangezogen. Bei vor- handenem Stein- oder Betonmauerwerk Abb. 435 a, b durch Einfügung einer Wandverkleidung, die 12* Abb. 434. hilft man sich
180 II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. mit dem Fundament in innigem Zusammenhänge steht und an den Wänden gemäß Abb. 436 gut verankert ist. gen die Ausführung einer wasserdichten Kesselhausanlage. Die Umfassungswände, sind aus Abb. 437 u. 488. Stampfbeton, Zwischenwand, Decke und Bodenplatte (auf Magerbetonschicht) in Eisenbeton erstellt. Der wasser- 2 cm Putz 2cm Putz 90- Goudron-^ aff strich _ Gußasphah ß/eip/atten cm Schutzschicht \Aspha/tpappe ZcmZemefftfrinsducht \/2cmftftz ^r3cm Wkhirizbeton Abb. 439. dichte Verputz der Innenflächen ist durch eine Klin- kerschicht und derjenige der Bo- denplatte durch einen 8 cm star- ken Stampfbeton- boden geschützt. Die Verwendung besonderer Dich- tungsmittel zeigen die Abb. 439 u. 440. Es empfiehlt sich in der Regel, solche Mittel unterhalb der durchlaufenden Fundamentplatte zu legen (Abb. 439), damit diese gegen den Grundwasser an drang geschützt ist. Als Unter- lage dient eine Magerbetonschicht von etwa 10 cm Stärke. Nach Abb. 439 erhielt diese Betonschicht noch einen Zementfein- putz mit gut deckendem Goudronanstrich; darüber kamen zwei Lagen Asphaltfilzpappe, mit heißem Goudron aufeinander geklebt und oben nochmals gestrichen. Aut die Isolierung wurde eine
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. Ißl 1,5 cm starke Zementschutzschicht aufgebracht, um jene vor Ver- letzungen beim Verlegen der Rundeisen und beim Stampfen des Betons zu schützen. Legt man die Dichtungsmittel gemäß Abb. 440 Ahb. 440. auf die Eisenbetonplatte, so ist diese nicht mehr geschützt. Dem Vorteil einer einfacheren Nachprüfung und Ausbesserung der Isolierung steht der Nachteil gegenüber, daß sie bei besonders starkem Auftrieb abgehoben werden kann. Auch die Wände müssen gegen den unmittelbaren Angriff des Grundwassers geschützt werden. Nach Abb. 439 wurde in der Isolierung der Außenmauern die Asphaltfilzpappe durch Siebeis Asphaltbleiplatten1) ersetzt. Die Isolierung reicht bis 15 cm Über den höchsten Grundwasserspiegel; in dieser Höhe haben die Mauern eine Gußasphaltisolierung gegen aufsteigendes Grundwasser und außen einen Goudronanstrich bis Bodenhöhe. Die Bleiplatten- isolierung teilt die tragenden Außenmauern vertikal in der Mitte. Bequemer in der Anbringung, aber leichter Beschädigungen aus- gesetzt, ist eine Isolierschicht auf der Außenseite gemäß Abb. 440. Bringt man die Isolierung auf der Innenseite an (Abb. 440a), so muß man wieder mit der Möglichkeit eines Abdrückens bei starkem Wasserdruck rechnen. Der Vorteil einer dauernden Prüfung vom Kcllerraum aus ist oft nur von geringerer Bedeutung. Neuerdings nimmt man vielfach Ruberoid (vgl. S. 107), das zum Schutze gegen Beschädigungen einen fetten Anstrich mit heißflüssiger K lobe mässe erhält.
182 11. Anwendungen im Grund- und Mauerworksbau. C. Mauern gegen Wind-, Erd- und Wasserdruck1). 1. Einfrledigungs- und Blendmaueru. Einfriedigungsmauern in Eisenbeton sind zumeist billiger und dauerhafter als Ziegelmauem, die unver- hältnismäßig stark ausgeführt werden müssen und deshalb teure Ausschach- tungsarbeiten und ausgiebiges Grund- mauerwerk bedingen. Die Ausführung derselben kann gemäß Abb. 441 eine zweifache sein: a) die Ausführung als eine im Fun- dament verspannte Platte (Kragplatte), geeignet für kleine Wandhöhen; b) die Ausführung mit eingespannten Pfeilern und dazwischenliegenden Füll- platten, für größere Wandhöhen ge- eignet. Statt eines durchgehenden Abb. 441. Gründungsmauerwerks genügen Grundsockel für die Einzel- pfeiler, während die dazwischengespannten Wandfelder sich selbst tragen. Da der Winddruck von beiden Seiten wirken kann, ist eine Doppelbewehrung notwendig. Für die Füllplatten der unter b) genannten Ausftthrungsweise genügt bei enger Pfeiler- teilung eine Bewehrung in Plattenmitte (Abb. 443). Wichtig ist in allen Fällen die Anordnung von Dehnungsfugen, da die freistehenden Mauern allen Witterungseinflüssen sowie der Sonnenbestrahlung ständig ausgesetzt sind. Eine zweckmäßige Schalrüstung zu einer Betonwand ist aus Abb. 443 ersichtlich. Hölzerne Spreizen — entsprechend dem Fortgang der Betonierarbeit zwischen die Schalwände gelegt — sorgen für die genaue Einhaltung der Mauerstärke. J) Die Zwischenwände sind auf S. 61 bis 66 behandelt worden; über Behälter- und Silowände vgl. den Abschnitt III B. u. C. über Wider- Inge- und Flügelmauern: Kersten, Brücken in Eisenbeton. Teil I, 4. Auflage.
IT. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. 183 Beim Einbringen des Betons werden immer nur zwei oder drei Schalbretter aufein- andergesetzt, um be- quem stampfen zu können. Anordnung der Sueneüdagen. Abb. 442. Eine Steineisenwand nach Bauweise Lehmann zeigt Abb. 443. Zur Bewehrung dienen schwache Rundeisen in den Mörtelfugen. Die Verwendung von J-Trägern für die Pfeiler ist aus Abb. 444 zu ersehen. Vgl. hierzu die Deckenausführung gemäß Abb. 4. Q.1S 0.12 O.K 022 •Beim Bau der neuen Provinzial- heilanstalt zu Stralsund kam eine Umwehrung des Gebiets für inter- nierte Verbrecher mit einer 4,5 m hohen Wand zur Ausführung (Abb. 445). Nach der Hofseite, hin ist dieselbe vollkommen glatt, wäh- rend sie nach der durch Sockel, Pfeiler gegliedert ist Um versichtlich in der wurde etwa 50 cm unter der Erdoberfläche, un- mittelbar auf den Boden gestampft, eine besondere Abb. 444. Außenseite hin und Firstbalken die Wand zu- senkrechten Lage zu erhalten, Abb. 445. Fundamentspreize angeordnet
184 II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbnu. Abb. 446 zeigt die Formgebung einer Blendmauer auf der Teilstrecke Görz— Triest. Stärke der Wand durchweg 12 cm, Höhe der Pfeiler 2,4 und 6 m. Neuerdings werden die Einzel- teile vbn eisenverstärkten Einfriedi- gungsmauem vielfach fabrikmäßig hergesteilt, um die immerhin etwas kostspielige Schalungsarbeit zu er- sparen und sich gegebenenfalls bei Platzerweiterungen oder Grenzver- schiebungen die Mög- lichkeit eines Ausein- f ) andemehmens und Ver- ! ! Abb. 446. Abb. 447. Abb. 448. setzens der Mauer zu verschaffen. Nach Abb. 447 sind die beiderseits genuteten Pfeiler getrennt von den Füllplatten her- gestellt. Letztere bestehen aus 3 cm starken und 25 cm breiten Eisenbetonbohlen, die in die Pfosten eingeschoben werden. Bemerkenswert ist die in Abb. 448 dargestellte Trennmauer für das Depot der Allg. Omnibusges. in Berlin. Die 18 m hohe Mauer soll das Geräusch der Motorwagen vom Nachbargrundstück abhalten, welcher Zweck völlig erreicht wurde. Um den Verkehr der Wagen nicht zu behindern, wurden in 5 m Abstand Rahmenböcke mit oberen Kragarmen vorgesehen. 2. Schießwände (Kugelfänge). Handelt es sich nicht um reine Festungsbauten, sondern lediglich um Schutzwände für Schießstände, so kommt eine unmittelbare Geschoßwirkung nur in Aus- nahmefällen in Frage. Die Berechnung hat nur auf Wind-
II. Anwendungen im Grund- und Mnuerwerksbau. 185 druck zu erfolgen. Abb. 449 zeigt die Ausführung von Schieß wänden in Holtenau bei Kiel; Stützenentfemung 3 m; alle 30 m sind Deh- nungsfugen vorgesehen. Eine andere Ausführung zeigt Abb. 450; die Pfeiler- entfernung beträgt hier 4,7 m. 3« Manern gegen Erddruck (Stütz- und Futtermauern). Stützmauern in Eisenbeton eignen sich vornehmlich für Rutschboden. Sie sind auf Erddruck zu berechnen und so auszubilden, daß keine Horizontalverschiebung und kein Umkippen eintreten kann und daß die zulässige Druckbean- spruchung des Untergrundes nicht überschritten wird. Die Herstellung aus Bruchstein hat den Nachteil eines bedeutenden Baustoffverbrauchs, weil hier das Eigengewicht maßgebend ist für die Aufnahme des Erddrucks. Um die Standfestigkeit zu erhöhen, gibt man der Vorderseite der Stützmauern in der Regel eine kleine Neigung nach dem Erdkörper zu. Wandpfeiler mit dazwischengespannten Platten. Abb. 451 zeigt eine derartige Ausführung. Für ein- fachere Fälle, z. B. für Ver- laderampen, können Aus- führungen mit fabrikmäßig hergestellten Pfosten und Dielen gemäß Abb. 452 und 453 in Frage kommen (vgl. auch Abb. 475). Nach Abb. 454 sind Pfeiler und Platte in starrer Verbindung
186 II. Anwendungen im Grund- und Mauorworkibau. hergestellt, und zwar hat man die Pfeiler an der Vorderseite der Mauer angebracht, damit sie — als Rippe eines Platten- Abb. 455. balkens — besser befähigt sind, den dahinter gespannten Platten eine gute Einspannung zu bieten. Was die Eiseneinlagen anlangt, so gilt hier das gleiche wie bei den Behältern; die nach unten hin immer stärker werdenden Drücke verlangen eine entsprechend kräftigere Einlage, sei es durch engere Teilung bei gleichen Eisenstärken oder auch durch Wahl stärkerer Eisen bei gleich- bleibender Teilung. In jedem Falle empfiehlt sich aber ein Stärkerwerden der Mauer nach der Sohle hin. Vollwände mit eingespannten Kragplatten. Abb. 455 zeigt ein Beispiel hier- für. Die in Eisenbeton ausgeführte Kragplatte soll durch ihre Erdauflast m bemessenen Betonmauer verhindern ein Kippen der helfen. Winkelstützmaaern aus Eisenbeton, wie sie die Abb. 456 bis 464 zeigen, haben die besonderen Vorzüge geringer Gründungstiefe (mindestens aber 1 m) und, wie Abb. 456 zeigt, größter wirtschaftlicher Ausnutzung des Baustoffs. Der Fuß ist besonders breit aus- gebildet, damit das Eigengewicht der darauf wirkenden Erdmasse zum Ausgleich des Horizontalschubes der Hinter- füllung mit herangezogen werden kann. Eine solche Winkel- mauer wirkt auf den Boden genau wie eine gewöhnliche
11. Anwendungen im Grund- und Mauer werkst» au. 187 Stützmauer. Der Einheitsdruck der Mauervorderkante kann durch Anordnung eines Vorsprunges (Nase) am unteren Teil derselben bis auf den noch zulässigen Einheitswert herab- gedrückt werden. Nasen, wie sie die Abb. 456, 458, 461 zeigen, bieten auch in wirtschaftlicher Beziehung gute Lösungen. Abb. 45G. Abb. 457. Abb. 457 zeigt verschiedene Ausbildungen der Wand- platte, bedingt durch den nach unten hin zunehmenden Erddruck. Bei gleichbleibender Wandstärke (a) sind die Tragstäbe nach unten hin enger zu legen; bei allmählich oder sprungweise zunehmender Wanddicke nach unten hin (b, c, d) kann man auf die ganze Höhe mit gleicher Eisen- teilung auskommen. Löst man die Wand in ein System von Plattenbalken auf (e), so sind bei gleicher Rippenteilung die Füllplatten nach unten hin stärker zu machen. Gleich- bleibende Plattenstärken haben eine enger werdende Rippen- teilung nach unten hin zur Voraussetzung. Auf eine gute Entwässerung ist besonderer Wert zu legen (vgl. Abb. 457 ft g). Man versehe nötigenfalls die Hipterseite der Wand mit einem zweimaligen Goudron- anstrich und nehme dicht an der Mauer eine Hinterftlllungs- schicht aus grobem Kiessand. Die gefährlichste Belastung der Mauer tritt beim Gefrieren und Auftauen der Hinter- füllungsmassen ein. In Abb. 458 sind verschiedene Formgebungen von Stütz- mauern dargcstellt. Auf folgendes sei im einzelnen noch besonders aufmerksam gemacht: Abb. c. Die nasenartig in den Boden eingreifenden „Schürzen" sollen ein Gleiten der Mauer (z. B. bei Durchfeuchtung des Unter- grundes) verhindern.
188 II. Anwendungen im Grund- und MRuerwerksbRU. Abb. e. Stützmauer gemäß Abb. c mit einer zweiten Horizontal- platte in mittlerer Wandhöhe, die durch Rippen mit der Vorderwand fest verbunden ist (vgl. ^.bb. 462). Abb. f. Geneigte Wand und zwei Horizontalplatten zur besonders ausgiebigen Verwertung der Hinterfüllung. Die Fußplattc ist durch Längsbalken versteift; die zweite Platte ist gewölbt. Abb. h. Die Last der oberen breiten Horizontalplatte wird durch Rippen auf die Fußplatte übertragen. Abb. i. Kaimauer mit Spundwand und gepfählter Plattform, auf welcher sich eine durch Rippen abgesteifte Stützwand — als Fort- setzung der Spundwand — erhebt (vgl. auch Abb. 480). Abb. k. Stützmauer mit schwach ausgebildetem Fuß, aber kräftiger Verankerung. Der obere Teil der Stützwand kann — wie angegeben — abgeschrägt sein (vgl. Abb. 476).
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksb&u. 189 Bei Feststellung der in den einzelnen Bauteilen notwen- digen Bewehrung sind folgende Gesichtspunkte maßgebend: Die Wand hat den horizontalen Erddruck aufzunehmen, ist also auf Biegung zu berechnen (Stützweite — Rippenentfernung). Die horizontalen Tragstäbe liegen in Plattenmitte an der vorderen Wandseite. Verteilungsstäbe liegen lotrecht in Ab. ständen von io bis 30 cm und sind mit den Tragstäben ver- bunden. Die Hauptrippen bilden Plattenbalken, welche durch Zugeisen zu bewehren sind. Der Hauptzweck des Betons in den Rippen ist die gegenseitige Aussteifung von Wand und Fußplatte und der Schutz*der Zugeisen. Die kleinen Druck- rippen an Wandvorderkante (Abb. 462n) sind an der schrägen Seite mit Druckeisen zu versehen. Die Sohlplatte ist durch die Rippen gestützt und wird vom durch die von unten wirkende Bodenpressung, Hinten durch die Auf last bzw. durch den Unterschied zwischen Bodenpressung und Auflast beansprucht. Dement- sprechend ist auch die Anordnung der Eiseneinlagen vorzunehmen. Einige Beispiele für die Anord- nung der Haupteinlagen bieten die • Abb. 459 (Firma C. Brandt, Düssel- dorf) -bis 462. In Abb. 462 sind die
190 II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. Langgestreckte Mauern nungsfugen in Rippen- I I H l"l ”Ta Abb. 46S. Abb. 464. Tragstäbe der Wandplatte zur Erzielung einer besseren Über- sicht fortgelassen. bedingen die Anordnung von Tren- odcr Feldmitte. Bei Doppelrippen empfiehlt sich eine Verzahnung ge- mäß Abb. 463 c. Im Äußeren kann man die Fuge gemäß Abb. 463d durch Strebepfeiler, die gleichzeitig die Schauseite beleben, in den Schatten bringen. Man kann auch eine Über- deckung der Fuge mit Metallblech- leisten öder übergreifenden Dachpapp- streifen vornehmen. Die Fugen selbst sind mit Teerpappe aus- zufüllen. Über Brückenwiderlager in Winkels ttitzmauer form vgl. Kersten, Brücken in Eisenbeton, Teil I, 5. Aufl. Ein Beispiel zeigt Abb. 464. Stützmauern besonderer Ausftihrungsart bieten die Abb. 465, 466 u. 467. Abb. 465: Die Stützmauer steht hier in Verbindung mit einem Rahmenbinder (Wandelhalle auf Borkum, vgl. Mitt. 1912, S. 129). Abb. 465. Abb. 466. Abb. 466: Die Stützmauer steht in Verbindung mit einer Lösch- brücke (am Hohentorhafen in Bremen; Beton u. Eisen 1908, S. 259). Abb. 4G7. Abb. 467: Stützmauer mit Sparöffnungen für eine Portalkranschiene bei 6 m Pfeiler- abstand. Unter den Verbindungsbalken fällt das Erdreich mit natürlicher Böschung durch, es wird also hier ein großer Teil des Druckes der Hinterfüllungserde für die Mauer un- wirksam 1). Bezügl. Berechnung dieser Stützmauer vgl. Ann. Beton 1910, S. 309.
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. 191 4« Spundwände. Spundbohlen in Eisenbeton sind dauerhafter als höl- zerne Bohlen und gestatten eine bessere Verbindung der Bohlen untereinander. Sie können, um an Fugen zu sparen, bis r m breit ge- ______________________ macht werden. Die Führung ist zwangläufig und kann ge- | 70' * mäß Abb. 468 bis 474 in ver- schiedener Weise erfolgen. Zur besseren Aussteifung der ‘ l— Wand dienen besondere Leit- \ / pfähle gemäß Abb. 468. v Besser als keilförmige Füh- rung (Abb. 473) sind Nut und Feder mit verschiedenen Radien gemäß Abb. 469. Kreisrunde Nuten gemäß Abb. 470 werden Abb. 469. Abb. 470. zur Erzielung einer vollständigen Dichtigkeit mit Zementmörtel verfüllt. Abb. 471 zeigt eine zwangschlüssige Abdichtung (nach Lang) mit Wulst- und Hohleisen (a, d). Abb. 471. Abb. 479. In Amerika werden auch ummantelte Eisen-Spund- bohlen mit seitlichen Führungsleisten verwendet. Den Querschnitt einer solchen Bohle zeigt Abb. 472. Die Ummantelung dient hier lediglich als Schutz der eisernen Bohlen und erhöht außerdem die Festigkeit, Dichtigkeit und den Zusammenhang der Wand. Vgl. Beton u. Eisen 1915, S. 153.
192 II. Anwendungen im Brunel- und Mauerwerkebau. W Die Bohlen werden in der Regel auf der Breitseite liegend gestampft Zum Einrammen dient zumeist wie bei den Ramm- pfahlen (vgl. S. 165) ein hölzerner Rammkopf, der eine Ausfüh- rung nach Abb. 474 erhalten kann. Bei hartem Untergrund werden Pfahl- schuhe nötig. Die Bewehrung -er- folgt durch Längseisep und Bügel; auf letz- tere ist wie bei den Pfahlen be- sonderer Wert zu legen. Die fertig gerammte Spund- wand erhält in Abb. 473 u. 474. der Regcl obere Abdeckung durch einen wagerechten Balken (Holm).’ weiterhin die folgenden Abb. 476, 478 bis 480. eine Vgl. o. Manern gegen Erd- und Wasserdruck. (Bollwerke, Ufer- und Kaimauern.)1) Der Vorzug des Eisenbetons für die Herstellung von Ufermauem liegt vor allem in seinem günstigen Ver- Abb. 47ß. schnitt IV (Abb. 571 bis S75). Abb. 475.
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerkebau. 193 halten bei wechselndem Wasserstande. Nach Abb. 475 wurden Betonpfähle in 2,50 m Abstand eingerammt und hinter diese Betonplatten verlegt. Die Pfähle sind durch einen Holm miteinander verbunden. Bei größeren Wandhöhen können Zuganker gemäß Abb. 476 (und 458 k) verwandt werden, um ein Ausweichen nach vom zu verhindern. In einfacheren Fällen genügen für Abb. 477. mit dazwischen verlegten Platten (Abb. 476 a, b). Die Aus- führung einer Ankerplatte in Eisenbeton zeigt Abb. 477. Abb. 481. Kersten. Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 18
194 II. Anwendungen im Grund* und Mauerwerksbou. Bemerkenswert ist eine in Abb. 478 dargestellte Schleusen- kammerwand mit voller Auflast einer Böschung. Schrägpfähle und Spundwand sind starr mit der Deckplatte zu einem steifen Bock- gerüst verbunden. Den Querschnitt der Spundbohlen zeigte bereits Abb. 470. Bei Kaimauern sind die hinten (statt vom) angeordneten Spundwände gemäß Abb. 479 insofern vorteilhaft, als sie die durch den Erddruck erzeugten Zugkräfte infolge des großen Reibungs- widerstandes gut aufnehmen können. Man kann sich auf diese Weise Zugpfahle ersparen (B. u, E. 1913, S. 230), Ausführungen mit vorn angebrachter Spundwand sind allerdings üblicher; vgl. die Abb. 45S i u. 480. Die Verwendung von Brunnen — bei 13 m Mittenentfernung — zeigt Abb. 481. Landseitig Lt ein Kranbahnträger angeschlossen. Der Staropfbetonmauer ist ein Schleifleitungskanal angehängt (vgl. auch Abb. 420). Näheres in B. u. E. 1914, S. 1. III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. A. Röhren, Kanäle und Durchlässe. Die Erfahrung hat gezeigt, daß sich der Beton für die Herstellung von Kanalisationsröhren und Kanälen in bester Weise eignet, daß er vor allem genügend widerstandsfähig gegen chemische Einwirkungen der Abwässer und gegen die Reibung des mitgeführten Sandes und anderer Sinkstoffe ist. Verschiedene Säuren, wie Salzsäure, Salpetersäure, Essigsäure und Kohlensäure, sind in der Regel nur dann schädlich, wenn ihr "Gehalt größer als Vio vH. ist. Fäkalien üben keinen schädlichen Einfluß auf den Beton aus, ebenso heißes Wasser bis zu 50°. In allen solchen Fällen, wo schädliche Einwirkungen auf den Beton zu fürchten sind, empfiehlt sich eine innere Auskleidung mit hartgebrannten Klinkern oder Tonschalen bis zur Höhe des gewöhnlichen Wasserstandes. Die in Eisenbeton ausgeführten Röhren s.ind auch wider- standsfähiger gegen mechanische Einflüsse, insbesondere gegen Bewegungen des Erdreichs. Sie sind dauerhafter und erfordern
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 195 in der Regel weniger Anlagekosten. Man hat freie Hand in der Wahl des Profils und in der Ausbildung des Über- ganges vom hohen zum flachen Profil. Besondere Vorteile treten noch dann zutage, wenn mit schlechten Gründungs- Verhältnissen oder mit sehr gedrücktem Profil zu rechnen ist. Was zunächst die fabrikmäßig herzustellenden Betonröhren anbelangt, so haben die eisenbewehrten Betonröhren den unbewehrten Röhren gegenüber den Vorteil, daß sie erheblich dünnwandiger sind, demgemäß also auch leichter verlegt werden können. Sie sind weniger emp- findlich bei ört- lichen Senkun- gen in Längs- richtung, lassen sich auch ge- fahrloser trans- Abb. 482. portieren. Außerdem sind sie, entgegen den Zementröhren, imstande, einen von innen wirkenden Wanddruck auszu- halten. Die Anordnung der Einlagen ist abhängig davon, obb man es mit einem Druck von außen oder von innen zu tun hat: In der Regel kommen bei Außendruck die Ein- lagen an die Innenfläche und bei Innendruck an die Außenfläche. Bei kleineren Röhren nimmt man zumeist eine einzige, sich der Form des Querschnitts anpassende Eiseneinlage mit entsprechenden Längsstäben in Wand- c\ mitte, welche den Druck auf die Trag- ringe zu übermitteln haben (vgl. Abb. 482). Bei starker Inanspruchnahme durch Außen- und Innendruck und bei größeren Durchmessern ist zu- meist eine Doppeleinlage zweckmäßiger. Abb. 483 zeigt die gefährdeten Bruchstellen bei Einwirkung eines Außen- druckes; die Einlagen müßten dann also im Scheitel und an der Sohle an der inneren und an den Seiten an der Abb. 483. 13*
196 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. Abb. 484. äußeren Rohrwand liegen. Der Querschnitt der Röhren kann kreisförmig, eiförmig oder elliptisch sein. Ihre Her- stellung kann fa- brikmäßig1) oder in der Baugrube erfolgen. Im letz- teren Falle können statt der üblichen Holzschalun- gen beweg- liche eiserne Kem- formen verwendet werden. Zur Erhöhung der Widerstands- fähigkeit der Röh- ren empfiehlt sich eine Umhüllung mit feinem Sand oder ein Hinterstampfen mit Beton, wie es Abb. 484 zeigt. Die Wanddicke beträgt hier 30 cm bei 20 cm Druckhöhe. Kanäle und Durchlässe, in Eisenbeton bieten ge- mauerten Kanälen gegenüber den Vorteil schnellerer Her- M Vgl. „Leitsätze für Ausführung von Zementrohrleitungen“, aufgestellt vom Deutschen Beton«Verein
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 197 Stellung, was zur Folge hat, daß die unausbleiblichen Störungen im. Straßenverkehr abgekürzt werden können. Die Herstellung erfolgt fast ausschließlich auf der Baustelle. Dfe Kanäle können offen oder ge- il J schlossen sein und in letzterem Falle einen rechteckigen oder einen gewölbten g 1 Querschnitt haben. Abb. 485 gibt ein I Beispiel für einen offenen Kahal, Ebenso * Abb. 486 (Zuleitungsrinne auf der Mittel- ; p*** wand einer Kläranlage). Bei hohen Wänden empfehlen sich zur gegenseitigen * 4 Aussteifung der Wände Querbalken in Abb* 486, Höhe der oberen Wandkante. Nach Bauweise Eschenbrenner werden zur Herstellung der Wände und eines Teiles der Sohle Abb. 487. fabrikmäßig hergestellte Winkelformstücke verwandt (Abb. 487). Die Sohle wird an Ort und Stelle eingefügt; die aus den
198 Hl. Anwendungen im Ban von Leitungen und Behältern. Formstücken (Baulänge 75 cm) hervorragenden Einlagen sorgen für den nötigen Zusammenhang. Die Abdeckung des Kanals erfolgt ebenfalls durch vorher angefertigte Deckel- platten. Beispiele für gewölbte Kanäle (bzw. unterirdische Verbindungs- gänge) bei ungünstigem Baugrund bieten die Abb. 488 u. 489. Im letzteren Falle war eine Pfahlgrün- dung nötig1). Die Tatsache, daß der Eisen- beton eine durchaus genügende Widerstandsfähigkeit gegen die An- griffe heißer Rauchgase besitzt, hat Veranlassung zur, Herstellung von Rauchkanälen in Eisenbeton ge- geben3). Abb. 490 zeigt den Quer- schnitt eines in Kastenform ausgebildeten Kanals, der gleichzeitig als Träger für Spannweiten bis zu 16 m dienen muß. B. Flüssigkeitsbehälter. Der gegen Zugkräfte widerstandsfähige Eisenbeton er- scheint für die Herstellung von Behältnissen aller Art, namentlich von Wasserbehältern, besonders geeignet. Seine Formgebungsmöglichkeit ist eine unbegrenzte; bei beschränk- testen Raumverhältnissen werden infolge der geringen Wand- stärken die größten Nutzinhalte ermöglicht. Dort, wo ge- eigneter Sand und Schotter in der Nähe zu haben ist, bietet er insbesondere den Vorzug der Billigkeit und der schnelleren Ausführung. Ein gutes Mittel zur Erzielung der Wasser- dichtigkeit ist ein auf der Innenseite vorgesehener Überzug mit einer 1 bis 2 cm starken, fetten Mörtelschicht 1:1, die noch mit reinem Zement abgeglättet und mit einem Fluat- anstrich versehen werden kann. Anstriche mit Siderosthen, Teer, Testalin oder Magnesium-Fluorsilikat u. dgl. sind ebenso l) Vgl. weiterhin die Abschnitte ..Durchlässe“ und „Brüukcnkanäle“ in Kersten, Brücken I, 5. Aufl. und Brücken II. 4. Aufl. ’) Vgl. Leitfaden I, 11. Aufl. *
HL Anwendungen im Ban von Leitungen und Bc-hältem. 199 empfehlenswert, müssen aber von Zeit zu Zeit erneuert Averden. Bei versenkten Behältern wird eine Isolierung der Wände und der Decke von der Erdüberschüttung (0,70 bis 1,0 m hoch) durch Asphaltanstrich oder Teerpappe immer empfehlenswert sein. Die Hauptbedingung für dauernde Wasserdichtigkeit eines Behälters ist aber eine steife, unnachgiebige Konstruktion des Ganzen und eine einwandfreie Gründung. * Behälter, die zur Aufbewahrung von chemischen Substanzen dienen, benötigen zumeist eine säurefeste Auskleidung, am besten mit glasartigen Stoffen. Abb. 491 zeigt eine Auskleidung mit Drahtglas, dessen Ränder (r) niedergeschmolzen werden (Verfahren von Wuczkowski). Größere Behälter sind zumeist zweiteilig1); sie können dann be- quemer gereinigt und ausgebessert werden. Die Kammern liegen in der Regel nebeneinander (Abb. 493), bei runden Behältern bisweilen auch Abb. 491. ringförmig ineinander (Abb. 508). Schieberkammern sowie Entlüftungshauben (Abb. 505, 510) können gleichfalls in Eisen- beton ausgeführt werden. Die Behälter können eingeteilt werden in « a) solche von rechteckigem (polygonalem) und rundem Grundriß, b) offene und bedeckte Behälter, c) versenkte Behälter, Behälter zu ebener Erde und Behälter auf Turmgerüsten (Wassertürme) oder in Gebäuden. Behälter mit rechteckigem Grundriß. Die vorteilhafteste Form aller Behälter ist die Zylinder- form. Rechteckige Behälter gestatten aber eine bessere • ’) Die Zwischenwände bringen bei großen Wandlängen und -höben auch eine Verminderung der in den Wänden auftretenden Biegungsmumente mit sich; vgl. Abb. öOl.
200 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. Raumausnutzung; doch haben sie den Nachteil, daß die Ecken leicht undicht werden und daß einem Ausbiegen der Seitenflächen nach außen hin durch Anwendung starker Platten und Anbringung kräftiger Versteifungsrippen vor- gebeugt werden muß. Um kleinere Wandstärken zu erhalten, empfiehlt sich die Einschaltung von Zwischenwänden. Bei gutem Baugrund kann die Sohle in Stampf- beton (30 bis 50 cm stark) ausgeführt werden. Bei un- günstigen Bodenverhältnissen und bei starkem Auftrieb ist eine durchlaufende Eisenbetonplatte angebrachter; die Wand- glieder werden dann starr mit der Sohlplatte verbunden, was eine Verminderung der rechnerisch notwendigen Wand- stärken zur Folge haben kann. Zweckmäßig ist eine Ver- stärkung und Verbreiterung der Sohle unter den Stützen und Wänden gemäß Abb. 499 a. Eine Schutzschicht in Stampfbeton gemäß Abb. 510 — als Unter- lage — ist dann immer empfehlenswert. Not- wendig ist auch eine sorgfältige Drainage der und außerdem eine Ab- Abb. 492. Sohle wie der Umfassungswände leitung des zufließenden Oberflächenwassers. Die Außenwände können bei günstigen Bodenver- hältnissen in Stampfbeton gemäß Abb. 492 und 493 bis 495 ausgeführt werden. Eisenbeton ist dann vorteilhaft, wenn mit Grundwasserandrang zu rechnen ist. Bei kleineren Be- hältern genügen einfache nach unten hin stärker werdende Platten; größere Behälter bedingen die Einschaltung von Versteifungsrippen, die in der Regel außen liegen (Abb. 496). Für größere Höhen erweisen sich Winkelstützmauerprofile als vorteilhaft (vgl. auch 187). Die Trageisen der Wand verlaufen dann horizontal über die Rippen hinweg (Abb. 496). Bei Anordnung horizontaler Rippen (Abb. 497) verläuft die Tragbewehrung vertikal. Das gleiche gilt auch dann, wenn Einspannung in der Sohle vorliegt und die Wände oben in einen kräftigen Einfassungsrahmen gemäß Abb. 497
in. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 201 gespannt sind. Jede Ein Spannung setzt natürlich die An- ordnung kräftiger Vouten voraus, di& besonders am Bo- den — im Hin- blick auf einen dau- ernd wirksamen Verputz der Innen- wandung — sehr angebracht sind. Abb. 498 zeigt die Eckausbildung eines Behälters mit ge- wölbten Wandungen zwischen den Verti- kalstreben. Bei stärkeren Wän- den wird zunächst die eine Schalseite vollkom- men hochgefllhrt, die andere Seite dagegen mit der Betonier arbeit fort- schreitend aufgeführt. Bei kleineren Behältern (Viehtrögen, Badewan- nen u. dgl.) verwendet man Gipskeme oder auch äußere Holz wände, an die der Beton — nach Einbringung des Eisen- netzes — von innen her angeworfen und ange- drückt wird. Nötigen- falls nimmt man noch eine innere Schalung zu Hilfe. Die Zwischen- wände werden nur
202 III. Anwendungen im Bau von Leitungen und .Behältern. dann in Stampfbeton ausgeführt, wenn auch die Außen- wände in Stampfbeton hergestellt sind. Eisenbeton ist aber schon deshalb vorteilhafter, Abb. 496 u. 497. Abb. 498. weil bei der Bemessung der Zwischenwände zumeist mit einseitigem Wasserdruck ge- rechnet werden muß. Nach unten hin sind die Platten und Rippen stärker zu machen; nach Abb. 499a ist die Wand oben und unten eingespannt, desgl. in den Umfassungswänden. Abb. 499. für einen guten Verband Abb. 499 b zeigt die Zwischen- wand eines offenen Behälters (Kläranlage) mit Bedienungs- steg und Abb. 499 c die Doppel- wand einer anderen Kläranlage, die eine federnde Bewegung bei Temperaturänderungen möglich macht (Trennungsfuge). Bei einer Stampfbeton- sohle sorge man gemäß Abb. 500 it den Eisenbetonwänden, und zwar durch besonders eingelegte Eisen und durch Verwendung Abb. 500. einer fetteren Mischung für die be- treffenden Sohlstellen. Die Abdeckung dient zum Schutze vor Verunreinigungen und vor Witterungseinflüssen; sie erfolgt wohl ausnahmslos in Eisenbeton, und zwar in Form gewöhnlicher gerader Rippendecken (Abb. 501, 502) oder ge- wölbter Platten zwischen Unterzügen (Abb. 503). Sind keine Trennungswände vorgesehen, so werden — größere Grundrisse vorausgesetzt — Zwischenstützen erforderlich. Die Decke hat die Erdüberschüttung, die Schneelast oder etwa zu erwartende Einzellasten zu tragen; Verkehrslast kommt selten in Frage. Bei Behältern größeren Grundrisses, die der Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, sind Trennungsfugen nötig, die auch für die
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Beh&Reni. 203 Einteilung des Baubetriebes von Wert sein können und außerdem eine leichtere Überwachung und eine schnellere Ausbesserung ermöglichen. Abb. 601. Die Fugen werden mit Teerpappe ausgefüllt; der Anschluß der getrennten Bauglieder erfolgt durch Nut- oder Federverband oder durch Überlappung (vgl. auch Abb. 204). Abb. 503. Abb. 502. Behälter mit kreisförmigem Grundriß. Die Zylinderwandungen werden durch den Wasserdruck nur stuf Zug beansprucht, erfordern also nur geringe Dicken (oben 6 bis 8 cm, unten 10 bis 15 cm); die Ringbewehrung setzt sich aus horizontal liegenden Ringstäben und aus vertikal gestellten Verteilungs (Montage-)stäben zusammen. Die Ring- stäbe werden nach unten zu enger gelegt und mit den Vertikal- stäben zu einem Netz verbunden; man beanspruche das Eisen — seiner Dehnung wegen — nur mit 600 bis 800 kg/qcm. Die Abdeckung erfolgt gemäß Abb. 504 bis 506 durch eine ebene Decke mit und ohne Zwischenstützen wie bei den rechteckigen Behältern, durch ein Kuppelgewölbe (Abb. 507 bis 509) oder ein Kegeldach (Abb. 510, Behälter für 1000 cbm). Die Kuppelgewölbe benötigen einen kräftigen Zugring zur Aufnahme des Horizontalschubes, ihre Stärken sind zumeist
204 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. sehr gering. Wenn auch Einlagen rechnerisch oft gar nicht nötig werden, so nehme man doch stets aus Zweckmäßigkeits- gründen eine Bewehrung von mindestens o,6 vH. an (vgl. Abb. 507). Kleine versenkte Behälter bis etwa 200 cbm Fassungsraum werden bisweilen in Gestalt einer Halbkugel gemäß Abb. 511 ausgeflihrt Der in Abb. 505 u. 506 vorgeführte Sammelbehälter ist eine Ausführung der Firma Vetterlein u. Cie. Er hat einen Rauminhalt von 360 cbm bei einem Wasserstande von 2,70 m. In den Zwickeln der beiden Kammern ist je eine Schieberkammer sowie ein Wasser- messerschacht in Eisenbeton eingebaut.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 205 Bei dem in Abb. 507 u. 508 dargestellten Hochbehälter liegen die Kammern ringförmig ineinander; Fassungsraum iooö cbm. Schnitt R-b. Abb. 507. Grundriß. Abb. 509 zeigt einen Behälter von 8 m Lichtweite und 3 m Wasser- höhe, abgedeckt mit einem Rippenkuppelgewölbe. .Erhält der Boden eine Unterlage, so kann er als Platte ausgeftihrt werden (Abb. 510). Ist er dagegen, wie das in
206 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. Abb. 509. der Regel bei Wassertürmen der Fall ist (vgl. S. 207), freitragend, so hat der Boden die Wasserlast zu tragen. Man kann dann gemäß Abb. 512 eine Rip- pendecke (a), eine Kegel- form (6, c), eine Kugel- kalotte (d), eine Abb. 510. Abb. 511. und äußerem Kegelstumpf- boden (e) oder eine Form nach Abb. f zur Anwendung bringen. Abb. 512.
111. Auwondungen im Bau von Leitungen und .Behältern. 207 Die Abb. 513 u. 314 geben ein Ausführungsbeispiel für einen Gassammelb eh älter mit 22 m lichtem Durchmesser. Derartige Behälter müssen standfest und wasserdicht sein. Der Eisenbeton empfiehlt sich vor allem deshalb, weil die oben offenen Behälter Abb. 614. den Einflüssen schwankender Temperaturen ausgesetzt sind. Statt der ebenen Sohle kann auch eine gewölbte Sohle genommen werden. Hochbehälter In Gebäuden und auf besonderem Traggestell (Wassertürme). Ausführungsbeispiele für Hochbehälter in Gebäuden bigten die Abb. 515 bis 518. Abb. 515 zeigt einen Wasser- behälter für 30 cbm Fassungsraum, bei welchem die tragende Decke gleichzeitig als .Behälterboden dient; die Wände sind oben durch ±-Eisen verspannt. Die Bewehrung eines solchen Behälters kann gemäß Abb 615 u-516- Abb. 517 erfolgen. Abb. 518 zeigt einen Heiß Wasserbehälter mit einem besonderen Bodenteller, der eigene Entwässerung hat, um bei einem Überlaufen des Behälters die Benutzung des darunterliegenden Baumes nicht zu gefährden. Hochbehälter an Schornsteinen bestehen zumeist aus zwei konzentrischen Wänden und werden durch Konsolringe auf
208 IIL Anwendungen im Ban von Leitungen und Behältern. das Mauerwerk des Schornsteinschaftes abgestützt. Diese Konsol- abstützung kann gemäß Abb. 519 unmittelbar und getrennt oder _________________—200____________gemäß Abb. 520 unter steins eingehauen sind. Bei größeren Behältern dürften sich besondere Turmgerüste gemäß Abb. 521 emp- fehlen, deren Pfosten bis aut die Fundamente des Schorn- steins hinabreichen. In jedem Falle sind zwischen Behälter und Schorn- steinwand Isoliermittel (Asphaltpappe oder Luft- raum) vorzusehen. Vgl. auch Abb. 609. Abb. 520. oder aus Abb. 52L Bei den eigentlichen Was- sertürmen kann das Tragwerk Eisenbeton bestehen. Beispiele Abb. 519. aus Mauerwerk ersterer Art zeigen die Abb. 523 u. 523. Der Behälter kann von der Tragdecke getrennt oder fest mit ihr verbunden sein (vgl. Abb. 516 u. 517). Der in Abb. 522 dargestellte Behälter faßt 25 cbm, der andere Behälter (Abb. 533) 160 cbm; über Einzelheiten des Daches vgl. Abb. 259 auf S. 119. Traggestelle aus Eisenbeton bestehen aus einer Anzahl Stützen, die durch Querstreifen oder Zwischendecken verbunden sind. Will man das Tragwerk nicht offen lassen,
III. Anwendungen im Bau \ nn Leitungen und Behältern. 209 so verwendet man eine Ausrie^elung in gewöhnlichem Ziegel- mauerwerk oder in Ziegelhohlsteinen als Raumabschluß (Abb. 525). Die Pfosten können sichtbar bleiben, bündig mit der Aus- Abb. 522. riegelung abschließen oder von dieser gänzlich verkleidet sein. Das * Traggestell ist im Grundriß in der Regel ein Vieleck Abb. 525. oder auch ein Kreis. Die Gründung der Pfosten erfolgt durch Einzel- oder Kranzfundamente (vgl. auch Abb. 38 r Kersten, Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 14
210 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. u. 543) oder durch eine durchgehende Massivplatte (Abb. 380 u. 541). Der Behälter selbst ist entweder mit dem Tragwerk starr Abb. 526. Abb. 527. verbunden (Abb. 526a, b, c, d) oder von die- sem durch Fuge ge- trennt (Abb. 526 c, f). Die zuletzt genannte Anordnung bietet eine größere Gewähr für dauernde Wasserdich- tigkeit des Behälters, namentlich bei ungün- stigen Baugrundver- hältnissen. Die Behälter wer- den fast immer mit einem seitlichen Schutz- mantel gegen den un- günstigen Einfluß wechseln- der Witterungsverhältnisse umgeben. Für einfache Fälle genügt eine Torfmull- oder Sägespäneschicht, oder auch eine anliegende Back- stein- oder Korksteinwand1). Am vorteilhaftesten ist aber eine Luftisolierung, die gemäß Abb. 527 durch An- bringung eines besonderen Gehäuses in Form einer Eisenbeton- oder Backstein- wand, eines Holzfachwerkes oder einer Ausriegelung >) Beachtenswert erscheint auch eine in den Mitt. 1920, S. 82 näher be- schriebene Drahtglas-Umhüllung bei nur 12 cm lichtem Abstand von Behfilteraußenfläche.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 211 zwischen Eisenbeton- pfosten erzielt werden kann. Ein derartiges Gehäuse bietet auch den Vorteil eines Rund- ganges zur gelegent- lichen Kontrolle der Behälteraußenseite (vgl. Abb. 526); ebenso sind Abb. sso. besondere Aufsteigschächte gemäß Abb. 512c nicht mehr nötig. Nach Abb. 526d ist ein Tropfboden vor- gesehen, der gleichzeitig einen Witterungsschutz ftlr den Behälterboden abgibt. Ähnlich ist die Ausführung nach Abb. 526c; der Behälter ruht hier, durch Fuge getrennt, auf einer besonderen Plattform. Abb. $±6£ zeigt den Einbau eines Behälters von 200 cbm Fassungsraum (Firma Dittmar Wolfsohn u. Co., Breslau). Auch hier Beha/terwond Abb. 531. ruht der Behälter frei auf, und zwar mittels einer 3 cm starken Asphaltisolierschicht. IV
212 111. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. Der Turmschaft wird von 8 Säulen gebildet. Daches ist aus Abb. 532 c ersichtlich. Abb. 532 Die Ausbildung des Die Ausführung eines Be- hälters für 120 cbm Fassungs- raum (A.-G. Dyckerhoff u. Wid- mann) mit innerem Aufsteig- schacht ist aus den Abb. 528, 529 u. 530 zu ersehen. Insbesondere zeigt die Abb. 530 die Bewehrung des Behälters und des Auflager- ringbalkens mit anschließendem Abb. 533. Kegelboden für die Ummantelungswand. Be- merkenswert ist hier die schiefe Stellung der oberen Stützen, die den Zweck verfolgt, den kreisförmig gebogenen Auflagerringbalken in gleicher Teilung abzufangen. Nach Abb. 531 besteht der Turmschaft aus vier Einzelpfeilernf die eine Plattform zur Auf- nahme eines kleinen Behälters (15 cbm) tragen. Hier dienen kreuzweise gelegte Konsolträger zur gleichmäßigen Unterstützung des Behälterbodens. Abb. 534. Zur Abdeckung nimmt man Eisen- beton in Form von Flach-, Kegel- oder Kuppeldächern (Abb. 532 a, b), ebenso aber auch Holzschalung und Ziegel-
HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. Abb. 535 bis 538.
214 III« Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. Abb. 5J9.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und BehAltem. 215 Abb. 540.
21G HL Anwendungen im üau von Leitungen und Behältern. Abb. .541.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. *217 -50,60771
213 III- Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. dächer, die bei richtiger Farbengebung einen wirkungsvoll künstlerischen Gesamteindruck abgeben können1). Abb. 532 c zeigt das Turmgerippe des in Abb. g26f dargestellten Behälterbaues der Firma Wolfsohn u. Co., Breslau. niedrigen Behältern, obere Anschluß der Wirtschaftliche Vorteile, namentlich bei bietet eine Ausführung nach Abb. 533. Der Behälterwandung ist als steifer Rahmen ausgebildet; die Wandungen sind oben und unten eingespannte Platten mit vertikaler Haupt- bewehrung (vgl. auch Abb. 497). Per Be- hälter hat achteckige Grundrißform. Nach Abb. 534 bildet die Abschluß- decke des Turmschaftes gleichzeitig den Be- hälterboden. Das gleiche gilt von dem in den Abb. 535 bis 538 dargestellten Wasser- turm mit offenem Unter- Beckeninhalt. Abb. 543. &7, ; W ffr/agee bau und 120 cbm Einzeldarstellungen zu einem Wasser- tonn in Egeln, einer Ausführung der Union, G. m. b. H., Hannover, bieten die Abb. 539 bis 541, Einzelheiten zu einem Turmgerüst in Lehrte (Firma Robert Grastorf, Hannover) ftlr einen Behälter Abb. 542 u. 543. Der Behälter selbst ist im letzteren Falle in Eisen ausgeführt. Schwimmbecken und Thermalwasserbeh&lter* Auch für die Erstellung von Schwimmbädern bietet der Eisenbeton bauliche und wirtschaftliche Vorteile. Weder Sole noch Thermalwasser greifen den Zement an. *) Überhaupt muß beim Bau der Wassertürme in ganz hervorragendem Maße auf architektonische Wirkung gesehen werden. Turme beherrschen die Umgebung in weitem Umkreis; man baut sie stets in abgesonderter Lage, weshalb sie In künstlerischer Hinsicht oft bedeutungsvoller sind als Hausfassaden in der Straßenfront.
TU. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 219 Gegenüber den Stampfbetonausführungen vermindern -die geringen Stärken .der Behälterwände sowie eine kräftige Eiseneinlage die Gefahr der Bildung von Schwindrissen. Trennungsfugen zwischen Decke und Behälter (Abb. 545) geben diesen r W l./T die Möglichkeit, Temperaturbewegungen unge- •£> hindert auszuführen. Die nötige Wärmeisolation * , . , _ _ .... Abb. 544. der einzelnen Baderäume kann durch Anwen- dung von Höhlwänden und Hohldecken bewerkstelligt werden. Die als Tragwerk ausgebildete Behältersohle ruht zumeist auf Pfeilern, die die Last unmittelbar auf den Boden übertragen. Die Pfeiler können gemäß Abb. 544 a Gruppenfundamente (vgl. auch Abb. 368 auf S. 153) oder gemäß Abb. 544b Einzelfundamente erhalten. Den Ab- stand l der Pfeiler untereinander kann man dort am kleinsten annehmen, wo die größte Wassertiefe ist. Dünne Pfeiler können elastische Pen- delbewegungen am besten mit- machen. Abb. 545 zeigt die Formgebung eines Schwimm - bockens mit 510 cbm Inhalt, nur in 3 Punkten auf guß- stählernen Kugellagern gelagert. Diese sind so verteilt, daß jedes annähernd den gleichen Lastanteil erhält. Die Wände sind als Träger ausgebildet. Vgl. Mitt. 1913, S. 25. Querschnitte anderer Ausführungen sind aus den Abb. 546 u. 547 zu ersehen. Abb. 548 gibt schließlich noch ein Beispiel für eine vollkommen starre Verbindung des Behälters mit der Gebäude- konstruktion. Der Boden des Beckens dient hier gleichzeitig als Decke für ein Kinotheater (Metz). Es genügt bei Schwimmbecken im allgemeinen, die Innen- flächen mit einem glatt verschliffenen Zementputz zu versehen. Glasierte Fliesen (blau, weiß oder grün) geben dem Wasser eine
220 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. bessere Färbung; cs ist aber schwierig, ein späteres Abheben der Bodenplatten zu verhindern1). Abb. 549 zeigt ein Schwimmbecken in Verbindung mit einem In dem in Abb. 550 dargestclltcn Thermal- . u-ix /«r* v JT \ v x j n Stampfbeton /Ges Wasserbehälter (Wiesbaden) hat der Be- ™ hälter die Aufgabe, das den Quellen mit A,bb‘ o5ü- 580 C entströmende Wasser auf die gewöhnliche Badetemperatur von 300 zu bringen und dann aufzuspeichern. Vgl. auch Mitt. 1906, S. 86. Turbinenkammern. Für Turbinenkammern eignet sich der Eisenbeton besonders wegen seiner unbegrenzten Formgebungsmög- Abb. 551. x) Durch das Einlasson dos heißen Wassers tritt eine Erwärmung der Platten ein, was zur Folge hat, da« sich die Platten kräftiger zu dehnen suchen als das tragende Betonbett.
HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 221 lichkeit. Er kommt für die Ausführung vor allem auch dann in Frage, wenn der Raum beschränkt ist und wenn bei schlechtem Baugrund das Eigengewicht der Kammer verringert werden muß. Eine in ein bestehendes Gebäude in Alt-Thann hin- eingebaute Turbinenkammer zeigt Abb. 551 im Längsschnitt. C. Behsllter zur Aufbewahrung fester Körper. Abb. 552 zeigt die Formgebung eines rechteckigen Kalk- behälters. Der Kalk wird im Behälter ge- löscht und erst dann — durch Öffnungen in der Endwand — entfernt, wenn er durchgelöscht und steif ist. Die Öff- nungen können mit wagerecht übereinander- liegenden Boh- len geschlossen werden. Vgl. auch B. u. E. 1910, S. 362. Für Eis- keller emp- fiehlt sich die Anordnung zweier vonein- ander getrenn- ter, nur in ge- wissen Abstän- den miteinan- der verbunde- ner Wände, Abb. 553.
222 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. deren Zwischenraum mit trockenem Isolierstoff (z. B. Torfmull)1) ausgestampft wird. Auch Decke und Fußboden sind ent* sprechend zu isolieren. Luftschichten als Isolierung sind weniger angebracht. Abb. 553 zeigt eine Eiskelleranlage der Bayerischen Torfstreu- und Mullewerke. Andere Anlagen, die sich durchaus bewährt haben, erhielten Isolierungen durch Bimsbeton und Bimskies bzw. Bimslavaplatten. Vielfach wird auch die äußere Wand in gewöhnlichem Mauerwerk und nur die innere Wand in Eisenbeton ausgeführt. Vgl. Näheres Beton u, Eisen 1913, S. 95, 245. Silos. Silos sind große schachtartige Behälter, in welchen trockene Stückmassen (Sand, Kies, Steinschlag, Kohle, Erze, Asche usw.) oder Getreide aufbewahrt und nach Bedarf durch trichter- förmige Ausläufe abgelassen werden können. Es kommt hier darauf an, auf möglichst kleiner Bodjenfläche eine möglichst große Menge des aufzuspeichernden Stoffes unterzubringen. Aus diesem Bestreben heraus ergibt sich eine große Bauhöhe, also ein starker Druck nach unten und nach der Seite. Neben großen wirtschaftlichen Vorzügen des Eisenbetons kommt noch die unbedingte Feuersicherheit in Betracht, sowie der Umstand, daß durch die Eiseneinlage eine ausgezeichnete Verankerung der unter hohem seitlichen Druck stehenden Wände erreicht wird. Man teilt die Silos ein in Getreidesilos, Silos für Kohlen’), Erze, Kalkstein usw. und Silos für Kies, Sand, Steinschlag und Zement und nach der Ausführung selbst in Zellensilos und großräumige Silos. Zellensilos werden vornehmlich für Aufbewahrung von Getreide verwandt. Sie haben oben eine die Zellen abschließende Decke, die den Boden des Dachgeschosses bildet, wo die Fördermittel und Reinigungsmaschinen untergebracht sind. Unten sind die Behälter durch 9 Torfmull fault und zersetzt sich nicht, ist geruchlos und billig. >) In besonders umfangreichem Maße sind Silos für Kohlen ausgeführt worden. Vielfache Nachprüfungen älterer Bauwerke haben ergeben, daß irgendwelche Zerstörungsersoheinungen ah den von der Kohle berührten Betonfl&chen nicht vorhanden sind (vgl. Dor Bauingenieur 1920, S. 516).
III. Anwendungen Im Bau von Leitungen und Behältern. 223 Schieber abgeschlossen. Vorteile des Zellensilos: geringer Platzbedarf, billig in Herstellung und im Betriebe, einfache Abb. 554. mechanische Beschüttung und Entnahme. Die einzelnen im Grundrifl zumeist rechteckigen Schächte erhalten gemäfl Abb. 554 doppelt bewehrte Scheidewände, da die Biegungs- beanspruchung derselben verschiedenartig sein kann, je nachdem der eine Schacht leer und gefüllt ist oder umgekehrt. Bei Getreide- silos sind keine besonderen Umfassungs- wände in Backstein nötig; 8s genügen zumeist die äußeren, in Eisenbeton erstellten Zellenwände. Andere Grundrißformen, mit und ohne Backstein Verkleidung, zeigt Abb. 555. Eine besonders vorteilhafte Ausbildung eines Zellensilos ist aus Abb. 555c ersichtlich; in der Mitte liegen achteckige und quadra- tische Zellen und an den Seiten trapezförmige mit gewölbten Außenseiten. Die Auslauf- trichter bildet man entweder als hängende Pyramiden oder durch entsprechende Beton- schüttung auf dem Boden des Silos. Am vorteilhaftesten sind achtseitige Trichter. Abb. 556 zeigt verschiedene Anord- nungen der Zellenböden: a) Die Trichter schließen sich dem qua- dratischen Zellengrundriß an; Aus- lauföffnung 40-40 cm (Zementsilo); der danebenliegende Abb 555.
224 lil. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. b) Getreidesilos mit ebenfalls quadratischen Zellen; die Ab- stützung der Trichter erfolgt hier in anderer Weise; c) Getreidesilo, dessen Zellenböden paarweise in Neigung gegen die Längsscheidewände und dessen Ausläufe, ebenfalls paar- weise, dicht an die Längsscheidewände angeordnet sind; d) der untere Teil der Zwischenwände ist tragend ausgebildet; Abb. 556. e) Feinkohlensilo mit Kanalleitungen für Wasserzuführung. Der Boden ist hier aus einer kreuzweise bewehrten Horizontalplatte gebildet; zwischen den vier Ausläufen jeder Zelle ist eine pyramidenförmige Aufbetonierung (Magerbeton) vorgesehen; f) auch hier erhält der Horizontalboden zur Erzielung der nötigen Auslauftrichter eine Aufbetonierung wie bei e; Abb. 557. Abb. 55S
IlT. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 225 einem Backstein- zeigt die Form- Gipssilos , bei Bei dem in Abb. 557 im Längsschnitt darge- stellten Holzschnitzelsilo werden die großen Trichter- flächen durch eine eingespanntc Rippendeckc mit auf dieser errichteten Versteifungswänden unterstützt Der Silo ruht auf unterbau. Abb. 558 gebung eines welchem der Trägerrost gemäß Abb. 556 d durch entsprechende Wandverstärkungen gebildet wird. Der Silo besteht insgesamt aus acht Doppelzellen für zusammen 1200 m8 Fassungsraum. Großräumige Silos finden namentlich in Gasan- stalten und industriellen Be- trieben Verwendung, und zwar in bewahrung der Kohlen („Kohlenbunker“)« Die Entladung Abb. 559. Abb. 5G0. erster Linie zur Auf-
226 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern Abb. M2.
III. Au Wendungen im Bau von Leitungen und Beh&ltem. 227 kann man zweckmäßig so einrichten, daß sie unmittelbar vor den» Retorten bzw. Kesseln erfolgt (vgl, Abb. 559), Die Seiten- wände sind zumeist als Stützmauern’mit Strebepfeilern aus- gebildet. Als Beispiel einer Bewehrung sei auf Abb. 560 verwiesen. Für die Böden nimmt man Rippenplatten1) und stützt sie durch Säulen ab, die am besten durchgehende Fundamentplatten erhalten (Abb. 563). Um möglichst viel Raum freizubehalten, empfiehlt sich die Verwendung spiial- umschnürter Säulen. * Nähere Einzelheiten bietet der in der Abb. 561 u. 563 dargestellte Kohlensilo in Dankmarshausen, eine Ausführung der Firma Rob. Grastorf, G. m. b. H., Hannover. Abb. 5G3. Im Hüttenwesen spielen die sog. Erztaschen eine bedeutende Rolle. Nach Abb. 563 sind vier geneigte Bodenflächen vorgesehen. Die Querwände tragen in der Mitte eine Gleisbrücke und an den Seiten — in vertikaler Fortsetzung — die Rahmenpfosten für die Überdachung. Bei einer anderen Ausführung (Abb. 564) ragen die Bodenträger in den Innenraum hinein; auch hier • sind die Hochbahngleise unmittelbar über die Querwände hinweggeführt *). Den Siloausftthrungcn verwandt sind Erzverladerampen, die dazu dienen, die vom Schacht mit der Bahn ankommenden Rohstoffe 1) Böden mit ob inliegenden Rippen haben den Vorteil, daß die Platte an den Stellen der Größtmomentc (über den Stützen) zweckmäßig unten liegt und daß die Platten durch die Rippen insofern etwas entlastet werden, als sieh die Füllmassen in der Hauptsache auf den Rippen festlagprn. 2) Derartige Erzsilos, wie sie die Abb. 5B3 u. 584 zeigen, sind z. U. von der A.-G. Wayss & Freytag in großer Zahl ausgeführt; vgl. auch Handbuch für Eiscnbetonbau. 2. Aufl. 12. Bd., 8. 78. 15*
228 111. Anwendungen Im Bau von Leitungen und Behältern. -560 «* -330 Schnitt ou-b Abb. 565. in die einzelnen laschen zu stürzen und auf diese Weise unmittelbar in die untenstehenden Eisen- bahnwagen zu verladen. Die Abb. 565 zeigt eine Ausführung der Firma R. Grastorf, Hannover, und zwar mit festem und beweglichem Auslaufende. Efsenbahng’üterwagen wurden in Italien bereits in Eisenbeton vor dem Kriege gebaut; nach dem Kriege wurden solche auch in neutralen Ländern sowie in Amerika in den Verkehr gebracht. Sie erscheinen zunächst vornehmlich für den Privatverkehr im Bereiche eines Fabrikgeländes empfehlenswert; die Bahnbehörden bestehen zumeist noch auf Ein- haltung der üblichen Normalien. Die Unterhaltung eiserner Wagen erfordert wegen der an- dauernden Rostbildung ganz erhebliche Kosten. Das rasche Rosten als größtes Übel scheint hauptsächlich eine Folge der häufigen Erschütterungen zu sein und wird an stärker gebauten, also schwereren eisernen Wagen viel weniger beobachtet. Vielfache mehr monatliche Versuche haben gezeigt, daß hier der Eisenbeton mit seinem großen Eigengewicht den starken Erschütterungen be- sonders gut gewachsen ist. Von einer Bruchgefahr kann in höchstens demselben Maße gesprochen werden, als eine solche bereits bei jedem gewöhnlichen Eisenbahnfahrzeug besteht (Materialfehler, Achsbruch, Schienenbrüche). Bei Verwendung von Leichtbeton wiegt nach Mitteilungen von Kleinlogel (Mitt. 1920, S. 77) ein Eisenbetonwagen im beladenen Zustand nur etwa 7 vH. mehr als ein eiserner Wagen. Im übrigen ist das Eigengewicht des Eisen- betonwagens infolge des durch ihn bedingten — an sich aber ge- ringen — Mehrverbrauches an Betriebsstoff (Kohle) anscheinend der einzige Nachteil der neuen Bauweise. Dem steht der erheblich geringere Eisenverb rauch sowie die größere Wirtschaftlichkeit gegen- über. Entfällt eine innere Verblechung, so können sich die Eisen- betonkasten, serienweise hergestellt, um 50 bis 70 vH. gegenüber den eisernen Kasten verbilligen. Außerdem wird man die Aus- besserungskosten in hohem Maße vermindern können; die Wagen
IH. Anwendungen im Ban von Leitungen und Behältern. 229 werden dem Verkehr viel weniger oft und auch viel weniger lange entzogen und leisten somit mehr finanziell nutzbare Frachtkilometer. Abb. 566 zeigt den Quer- schnitt eines offenen Güterwagens von 15 t Ladefähigkeit der Deschi- wag, Berlin W 9. Der in Abb. 567 gezeigte Wagen wurde am 27. Mai 1920 in Dienst gestellt und legte in den ersten sechs Monaten an 5000 km zurück, ohne daß der Kasten irgend eine Ausbesserung erfordert hätte. Über eine sehr beachtenswerte praktische Erprobung eines Eisenbetonkohlenwagens in Österreich wird in B. u. E. 1920, S. 75 Abb. 567. u. 127 berichtet (Vgl. außerdem B. u. E. 1920, S. 52, 58, 237 und 1921, S. 6 sowie Mitt 1920, S. 6S u. 75.)
230 IV. Anwendungen im Wasser- und »Schiffsbau. IV. Anwendungen im Wasser* und Schiffsbau. Wehre dienen zur Hebung des Wasserspiegels und haben die Aufgabe, Wasserkräfte für gewerbliche Anlagen zu gewinnen oder eine Bewässerung der oberhalb des natürlichen Wasser- Spiegels gelegenen Gebiete zu ermöglichen. Ebenso werden Wehre für Fhißkanalisationen verwandt Was die Ausführung im allgemeinen anlangt, so empfiehlt es sich, die Druckkraft des Wassers — senkrecht zur unter- stützenden Fläche — zur Erhöhung der Standfestigkeit des Bauwerks mit heranzuziehen. Man erreicht dies durch Schräglegung der Druckfläche (Abb. 568). Größere, vom Wasser mitgeführte Körper können auch dann die Krone nicht so leicht beschädigen* 1). Aus Abb. 568 ist die Formgebung eines Wehres in Theresa (New York) er- sichtlich. Eine 15 cm starke Eisenbetonplatte (1:2:4) wird in Entfernungen von 1,83 m 'durch Betonpfeiler gestützt. Die Krone ist ----660 — Abb. 568. -630— Abb. 5G9. durch einen kräftigen Balken verstärkt worden. Zu den Pfeilern, die mit 90 cm langen und 3,2 cm dicken Bolzen im Felsen verankert sind, wurde eine Mischung 1:3:6 verwandt. Abb. 369 zeigt ein Beispiel, wie ein bestehendes gemauertes Wehr bei stärker werdendem Wasserverbrauch durch Eisenbeton in einfacher Weise erhöht und hinreichend standfest gemacht werden kann. Die eisenbewehrte Platte ist durch Strebewände in 2,5 m Entfernung gestützt worden. Die einzelnen Kammern stehen unter- halb des gewöhnlichen Wasserspiegels durch rechteckige Öffnungen miteinander in Verbindung, während unmittelbar unter der Krone kleine runde Öffnungen zur Fortleitung der beim Steigen des Wassers nach oben gedruckten Luft angeördnet sind. In der dem i) Eino Lotrcchtstellung der Druckfläche wurde sehr kräftige Ver- steifungen erfordern, um einem Horizontalversehieben des Wehres vorzu- beugen. Außerdem ist eine Beschädigung der Krone durch mitgeführte scharfkantige Körper sehr leicht möglich.
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau. 231 Ufer zunächst gelegenen Kammer ist dann ein Rohr angebracht, welches die Luft' ins Freie ftlhrt1). Die Formgebung eines massiv •ausgeführten Standamm6S in San Diego (Kalifornien) laufende^ Eisenblech von eingebettet und stützt sich auf einen Fundament- block. Die Eisenverstär- kung des Betone dient hier also gleichzeitig zur Dichtung des Dammes. ist aus Abb. 570 ersichtlich. Ein durch- 1,5 mm Stärke ist vollkommen in Beton Abb. 570. Über Turbinenkammern vgl. S. 158. Uferdeckungen sollen dem Erdreich Schutz gegen starken Wellenschlag gewähren. Bei Verwendung von Stein ist immer die Gefahr vorhanden, daß die Fugen mit der Zeit ausgewaschen werden. Deshalb ist es vorteilhafter, durch- gehende Platten aus Beton oder Eisenbeton zu verwenden, die durch eingerammte Spundwände gestützt oder doch wenigstens verankert sein müssen, damit keine Unterspülung der Deckung eintreten kann. Uferbefestigungen an der See erfordern natürlich größere Mittel zur Herstellung und Unter- haltung als die Uferbefestigungen an Kanälen und Flüssen. Abb. 571 veranschaulicht eine Ufer- deckung nach Bauweise Möller, Eine durch Drahtnetzeinlage verstärkte Beton- platte ist durch Erdanker am Erdreich befestigt. Die Anker werden in der Weise her gestellt, daß man zu- nächst mittels eines Eisendornes von 4 ein Durchmesser ein Loch schafft, in dieses dann einen Draht steckt und das Loch schließlich Abb. 671. >) Es wäre vielleicht vorteilhafter gewesen, die Plattenwand vollkommen zu schließen und statt der Kammeromteilung eine Ausfüllung des Hold- raumes vorzunehmen.
232 IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau. mit Zementmörtel ausftillt. Das obere Drahtende verbindet man dann mit deip Eisennetz. Teilfugen in Entfernungen von 2,5 m ver- hindern die Bil- dung von Rissen. Eine Ufer- befestigung (in Stettin) aus zu- sammensetzbaren Eisenbetohstticken, die gegebenenfalls nach einer Setzung wieder von neuem können, zeigen Die Fugen wurden Zement vergossen Abb. 572 u. 573. verlegt werden Abb. 572 u. 573. nachträglich mit (vgl. B. u. E. 1910, S. 141). Eine Seeböschung aus bewehr- tem Beton nach Bauweise Muralt ist im fang in Abb. 574 dargestellt. Treppenförmig ausgescblitzte Balken, die die Abdeckplatten zu tragen haben, sind durch Erdanker a befestigt Die Platten selbst können bei kleineren Ausführungen gemäß Abb. 57$ Abb. 574. Abb. 575. quadratisch sein und nach dem fertigen Verlegen abwechselnd durch Anker mit konischem Kopf befestigt werden. Auch bei Flußregulierungen und beim Bau von Häfen und Schiffahrtskanälen gelangt der Eisenbeton zu immer höherer Bedeutung. Schleusen, Befestigungen von Flußsohlen, Ufersicherungen, Molen, Kaimauern, Landungsstege, Buhnen, Wellenbrecher, Leuchttürme usw. bieten, aus Eisenbeton her- gestellt, mannigfache praktische und wirtschaftliche Vorteile. Über Kaimauern vgl. S. 194.
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau. 233 Abb. 576 zeigt den Bau eines Landungssteges, 4)ei welchem •einzelne Pfahlgruppen durch Streben miteinander verbunden sind. Die Pfähle stehen in 3 m 9 Entfernung und sind durch vier Eisenstäbe verstärkt. Abb. 577 zeigt die Gründung eines Seesteges durch eine doppelte Reihe Säulen von hohlem, zylinderförmigem Querschnitt mit verbreitertem Fußgestell. Diese Brunnen1), welche einen Durch- messer von 2,5 m und eine Wandstärke von 8 cm haben, sind mit Sand gefüllt und mit einer Tonschicht abgedeckt. Brunnenhöhe 8,75 m; Brunnenabstande in Längsrichtung 5 m, in Querrichtung 6,5 m. Querbalken von 30 cm Dicke und 1,2 m Mindesthöhe ver- binden je 2 Brunnen in Querrichtung und tragen eine ebene, 32 cm starke Deckplatte. Der Abschluß an der Landseite erfolgt durch eine Spundwand. An der Seeseite des Steges ist eine Schutzplatte vorgesehen. Senkkasten (Schwimmblöcke) in Eisenbeton finden zweckmäßige Anwendung beim Bau von Kaimauern. Die Blöcke werden auf Hellingen oder in Trockendocks her- gestellt, nach erfolgter Erhärtung ins Wasser gelassen und durch Dampfer an Ort und Stelle geschleppt, nach- dem vorher der Grund geebnet und entsprechend vor- bereitet wurde (Steinschüttungen u. dgl.). Die Kasten werden dann versenkt, mit Beton’) oder Sand angefüllt J) Uber Brunnengründungen vgl. S. 175. *) Für den Füllbeton kann man etwa 200 kg hydraulischen Kalk auf 1 cbm Sand verwenden.
234 IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau. und schließlich nach Maßgabe der Abb. 578 mit Erd- und Sandmassen hinterfüllt. Abb. 578. Man erspart also teure Ramm-, Brunnen- oder Preßluftgründungen und kann den ganzen Baukörper bei genauer Überwachung aller Einzelarbeiten an Land herstellen. Auch wird die Gesamtbauzeit wesent- lich abgekürzt. Abb. 579 zeigt den Querschnitt durch eine fertige Kaimauer in Kopenhagen (B. u. E. 1918, S. 32) und Abb. 5S0 drei verschiedene Stadien der Absenkung. Die Kasten haben bei etwa 10 m Höhe und 5 m Breite die bedeutende Länge von 50 m. Abb. 579. Abb. 5S0. Eine andere Ausführungs- weise zeigen die in Abb. 581 dargestellten, nur 10 m langen Schwimmkasten für eine Kai- mauer in Talcahuano (Chile). Nach Art der Winkelstützmauer (vgl. S. 1S7) wird die hinter der Mauer angebrachte Steinschüt- tung, die zunächst den Druck Abb. 581.
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau. 23.5 der Hinterfiilhing verringern soll, gleichzeitig auch zur Belastung der Grundplatte herangezogen. Abb. 582 veranschaulicht einen auf Wagen gesetztet Block fertig zum Ablaufen und 583 den Block in schwimmendem Zustande auf dem Wege zur Verwendungsstelle. Abb. 582. Linie a—b in Abb. 581 kennzeichnet die Schwimm- lage. Das Aufrichten der Blöcke am Bauort erfolgte durch einen Schwimmkran und das Versenken durch Wassereinpumpen. Abb. 588. Schiffe in Eisenbeton kommen in erster Linie dann in Betracht, wenn viel Raum erforderlich ist und die Geschwindig- keit keine große Rolle spielt. Schiffe in Eisenbeton gestatten eine beträchtliche Eisenersparnis, sind von langer Lebens- dauer, bieten einen hoheh Sicherheitsgrad, erfordern sehr geringe Unterhaltungskosten und keinerlei Anstriche und sind widerstandsfähig« gegen alle Stoßwirkungen. Nötigenfalls lassen sie, sich leicht ausbessern, da es sich bei Beschädi- gungen größtenteils nur um Rissebildungen, nicht aber um offene Löcher handeln würde. Die Herstellung eines Eisen- betonschiffes erfolgt mit Hilfe weniger Arbeitskräfte und geht schnell vonstatten. Man beschränke sich aber auf den Bau nur einiger bestimmter Typen. Die Außenflächen lassen eine nur geringe Bewachsung zu; ein Glattputz verhindert nicht nur das Bewachsen mit Algen, sondern auch den Bewegungs- widerstand. Die Herstellung ist überall möglich. Nachteilig ist — namentlich bei Flußschiffen — das große Gewicht, sofern kein Leichtbeton (Beton mit Traß, Hochofenschlacke, Bimskies, Schlackenlava usw.) Verwendung findet. Für See- schiffe dagegen kommt die bei Flüssen übliche beschränkte Wassertiefe nicht in Frage, weshalb hier — zur Erreichung größerer Festigkeiten — auf die Verwendung von Leichtbeton verzichtet werden kann.
23G IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau. Bei gleicher Tragfähigkeit den anderen Schiffen gegenüber müssen also hier die Abmessungen des Schiffskörpers vergrößert werden. Man kann den Schiffskörper durch Querschotten in wasserdichte Abteilungen zerlegen. Kräftige Längsversteifungen sorgen für die nötige Widerstandsmöglichkeit beim Stapellauf sowie bei späteren einseitigen Belastungen oder ungünstigen Stoß- einwirkungen. Die Wandstärken sind nur sehr gering: sie zwingen zumeist zur Herstellung nach dem Gußverfahren zwischen Schalung. Wichtig ist natürlich die richtige und sorgfältige Zusammensetzung einer durchaus dichten und fetten Mischung des Betons zur Erzielung einer einwandfreien Wasserdichtigkeit, am besten bei Traßzusatz. Traß steigert die Elastizität des Betons und seine Unempfindlichkeit gegen den Einfluß der Salze und Säuren des Meerwassers. Traß kommt also vor allem für die wasserdichten Teile in Betracht, während sich ein Bimszusatz vornehmlich für die nicht wasserdichten Teile zur Verringerung des spezifischen Gewichtes empfiehlt. Nach Mitteilungen Empergers in B. u. E. 1918, S. 18, wird bei einem Schiff von rooo t Gehalt das Gesamtgewicht bei voller Ladung eines Eisenschiffes etwa 1500 t und das eines Eisenbeton- schiffes etwa 1625 t ausmachen, und zwar wegen des um etwa 25 vH. größeren Eigengewichtes des Eisenbetonschiffes. Der Schiffsbau in Eisenbeton reicht bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück. Noch 1904 stand ein Boot aus Eisenbeton in Benutzung, das 1854 von Lambot erbaut worden war. Ein im Jahre 1887 in Holland erbautes Boot ist noch heute in gebrauchs- fähigem Zustand. Die Firma Gabellini in Rom befaßt sich seit 1896 mit dem Bau von Eisenbetohschiffen. Die größten Ausführungen finden sich in Amerika mit seetüchtigen 7000-t-Schiffen. Im November 1920 ist auf einer Rendsburger Werft der erste deutsche Motorsegler in Eisenbeton (Tragfähigkeit 220 t, Länge 33»5 Breite 8 m, Seitenhöhe 3,35 m) glatt vom Stapel gelaufen. (Vgl. B. u. E. 1921, S. 15.) Abb. 5S4 zeigt Längenschnitt und Grundriß eines im Jahre 1910 erbauten Pontons einer Flußbadeanstalt in Mannheim. Es sind 7 wasserdichte Schotten mit je einem Mannloch in der Decke vorgesehen. Die. Berechnung ergab einen Querschnitt des Pontons* von 1,50 m unterer Breite, 1,55 m oberer Breite und einer Höhe von 1.27 m von Unterkante Boden bis zum Scheitel des etwas ge-
IV Anwendungen im "SVaAser- und Schiffsbau. 237 Abb. 554. Betonmischung: i Teil Zement + 3 Teile Rheinsand + 3 Teile Bims- kies. (Vgl. Mitt. 1910, S. 49-> Abb. M3. Abb. 5S5 zeigt einen Blick in den Lastraum des Mittelschiffes eines 53 m langen und 8,20 m breiten Getrcideleichters mit einer Nutzwasser- verdrängung ton 500 t bei 2,30 m Tiefgang. (Vgl. B. u. E. 1920, S. 7.) Querschnitte verschiedener Schiffsausführungen bietet die Abb. 586, und zwar handelt es sich um die folgenden Bauten: a) Donaukahn von 60m Länge und 2,25m Tiefgang bei 670t Ladung: Wände, außen und innen mehrmals mit Incrtol gestrichen. Aus- führung: Wayss u. Freytag, A.-G. (Mitt. 1919, S. 153.) b) Schute von, 2i m Länge. 75 t Tragfähigkeit; Spantenentfernung i m. Ausführung: Eisenbetonschiffbau G. m. b. H. Hamburg. (Mitt. 1919» S. 143-'
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau. c- Rheinschiff von 525 t Tragfähigkeit, bei 2,15 m Tiefgang und 55,6 m Länge. Ausführung: Dyckerhoff u. Widmann, A.-G. (Mitt. 1920, S. 106.) d) Kiesschiff mit 35-PS-Benzinmotor; njnd 26 m lang; Geschwin- digkeit bei Belastung mind. 7V2 km in der Stunde. Aus- führung: Ed. Züblin u. Co. (B. u. E. 191S, S. 40.) e) Leichter für Kttstenschiffahrt von 17,50 m Länge und 150 t Ladefähigkeit. Tiefgang im vollbeladenen Zustand 2,60 m. (Vgl. B. n. E. 1918, S. 69.) Abb. 687. Abb. 587 bietet den Längsschnitt eines in Norwegen erbauten 6oo-t-Seedampfers von 44 m Länge, mit einem 320-PS-Antriebsmotor. (B. u. E. 1918, S. 89.)
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. 239. V. Sonstige Anwendungen ttn Hoch« und Tiefbau. a) Land- und forstwirtschaftliche Bunten« Die hierher gehörigen Bauten müssen in erster Linie feuersicher sein, da sie von anderen Wohnsitzen entfernt liegen, ein rechtzeitiges Zuhilfekommen beim Brande also schlecht möglich ist. Die Herstellung derartiger Bauten aus Eisenbeton geht schnell vonstatten, während Ziegel- und Bruchsteine oft meilenweit hergeholt werden müssen. Auch sind die Unterhaltungsarbeiten nur geringfügiger Art. Stallungsbauten zeigen keinen Rost und — wenn poröse Betonrohstoffe verwandt werden — auch kein Schwitzen der Wände, kein Kondensationswasser bei niedriger Außen- temperatur. Stallbauten in Eisenbeton ermöglichen peinlichste Sauberkeit. Bei Doppelständen erübrigen sich die sonst* in det Regel notwendigen, den Verkehr und die Stallarbeiten störenden Säulen im Mittelgang. Verwendet man Isolier- decken (vgl; S. 24), so dringt der Stalldunst nicht in den Bodenraum, kann also #das dort aufbewahrte Futter nicht verderbenx). Für Scheunenbauten, und zwar sowohl für Neubauten als auch behufs Umkleidung alter offener Feldscheunen, ist die Eisenbetonbauweise ebenfalls gut geeignet. Wenn sich auch in den meisten Gegenden Deutschlands die Baukosten etwas teurer stellen als für einfache Holzscheunen, so sind sie doch stets billiger als massive und Fachwerkscheunen, trotzdem auch hier alle Vorzüge des Massivbaues geboten sind. Den Massiv- und Fachwerkscheunen wird auch von vielen Landwirten der besondere Nachteil einer mangelhaften Lüftung bzw. Austrocknung des naß eingefahrenen Halmes vorgeworfen, was durch die dünnen Wände, die genügenden Luft- 1) Ist die Erstellung einer Hobldeoke nicht zu ermöglichen, so empfiehlt sich ein zweimaliges Bestreichen der Stampfdecke mit (Joudron, eine Lage Isolierasphaltpapne oder eine Vs cm starke Ghißaaphaltscbicht und darauf schließlich eine 5 bis 6 cm starke Schicht Kalkschlackenboton. Die Feuchtig- keit des Betons kann wegen der Isolierschicht an den Schlackenbeton nicht abgegeben werden, und dieser wiederum verhindert als schlechter Wärme- leiter ein Tropfen der Decke.
240 V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. wechsel gestatten, vollkommen vermieden wird. Nicht zu vergessen ist auch der Umstand, daß die Scheunen feuer- sicher und rasch herzustellen sind. Die Versicherungsprämien für den Bau wie für den Inhalt sind dementsprechend auch gering. Landhäuser nach gleicher Bauart erhalten doppelte Außenwände mit einer Isolierschicht von 13 bis 20 cm Stärke, welche hohl bleiben oder mit schlechten Wärmeleitern, wie Asche, Torfstreu, Sägemehl, Kieselgur oder Strohlehm, aus- gefüllt werden können1). Auch Grenz- und Obstspaliermau ent werden in Eisenbeton vielfach ausgeführt. Sie bieten den Vorzug, daß die zwischen den Stielen freitragenden Wände den Wurzeln des Spalierbaumes ge- statten, sich nach allen Seiten frei und ungehindert auszubreiten, also freien Wurzeldurchgang ermöglichen. Einfriedigungsmauern sind bereits auf S. 182 besprochen worden. Billiger gestaltet sich die Verwendung von Zaunpfählen mit dazwischen gespannten Drähten. Die Pfahle werden fabrikmäßig hergestellt, in •liegenden Formen eingestampft und nach genügender Erhärtung in den Boden gesetzt. Die Eckpfosten sind Abb- 588. 11 nach beiden Seiten hin genügend zu verspreizen (Abb. 588). Abb. 5S9 zeigt die Aus- Eisenbeton mit einer Schaft- J stärke 10 X 10 cm. Der Kragarm hat einen 1 Ösenansatz für den Spanndraht. Für den 1 Fall, daß die Rebe höher wächst, ist die 1 Möglichkeit zum Aufschrauben einer Fortsotz- n_____Stange gegeben. Kleine Stützmauern im Wein- l^^bau können, sofern die Berge gegen Süden t liegen, nach Ausweis r .1 der Abb. 590 über- V Abb. 580. hängend ausgeführt werden. Gegenüber einer vollen Bruchsteinwand wird an Ge- lände gewonnen. Etwa am Ort vorhandener ’) Vgl. s. 257. Abb. 590.
V. Sonstige Anwendungen im Huch- und Tiefbau. 241 Abb. 591. Bruchstein kann ab Fundament für kleinere Stützmauern Verwendung finden (vgl. B. u. E. 1915, S. 152). Futterkrippen (vgl. Abb. 591) und Viehtränken sowie Box- und Scheidewände aus Eisenbeton haben sich bestens bewährt, ebenso Dung- und Jauchrgruben, Wasser- und Pflanzenkübel sowie Kläranlagen (B. u. E. 1920, S. 33). b) Straßen- und Elsenbahnbuu. Eisenbetonschwellen werden bereits in größerem Umfange angewandt. Sie sind zwar schwer1), brauchen aber nicht viel fort- bewegt zu werden, da man sie am Verwendungsort her- stellt. Sie sind äußerst biegungsfest, dauerhaft, wetter- beständig, bei größerer Lieferung auch billig und erfordern weder Verputz noch Unterhaltungskosten. Allerdings kann Abb. 593. nicht bestritten wer- den, daß die Her- stellung einer ver- läßlichen Schienen- befestigung zu- meist recht schwie- rig ist, zumal die Schwellen in Eisenbeton wenige Elastizität beim Befahren zeigen. Eisenbetonschwellen sind in erster Linie für Klein- x) Das große Gewicht bedeutet ander* eite eine Vermehrung der Stabilität des Gleises und verbürgt eine ruhige Gleislage. Schwellen in Eisenbeton gewähren also auch eine größere Betriebssicherheit wie hölzerne oder eiserne Schwellen. Kersten, Der Eisenbetonbau. II. 11. Auf). IG
242 V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. Bahnstrecken zu empfehlen. Einmal sind dort die Abmessungen kleiner; das Schwellengewicht ist also geringer. Und zweitens sind die Schläge der Räder infolge geringer Fahrgeschwindigkeit unbedeutender, so daß der eben angegebene Nachteil der geringen Elastizität mehr in Fortfall kommt. Die Schwelle der A.-G. Dyckerhoff u. Widmann ist in den Abb. 592 bis 594 dargestellt. Sie ist 2,60 m lang, 24 cm breit und 16 cm hoch. In Schwellenmitte ist der Querschnitt _L-förmig. Zur Schienenbefestigung dienen imprägnierte Holzdübel in Form eines Pyramiden stumpfes, die infolge ihrer Größe jede Spurerweiterung zulassen. Eine Spiralumwicklung der Dübel hat sich als zweckmäßig erwiesen. Die in den Abbildungen dargestellte Schwellenart ist für einen Raddruck von 8 t berechnet. ' Eine andere vielfach zur Anwendung gekommene Schwellenart ist die Asbestonschw eile der Firma Rud. Wolle; bei dieser ist der Zementbeton am Schienenlager durch Asbestbeton1) ersetzt. Vgl. weiterhin den Aufsatz von Dr. Bastian -Neue Erfahrungen mit Eisenbetonschwellen“, B. u. E. 1913, S. 78 u. 107. ‘Über gute Erfahrungen mit Eisenbetonschwellen wird u. a. in der Schweizer Bauzeitung vom 14. August 1920 berichtet. Eine Verladebühne aus fabrikmäßig hergestellten Balken vgl. S. 39) zeigt Abb. 595. Die Böcke stehen in 5 m Abb. 595. Abstand. Zur Ab- deckung wurden Stampfasphaltplatten verwendet. Die Anlage von Reinigungsgruben Abb. 596. >) Neben dem langfaserigen Asbest aus Nordamerika und Sibirien wird neuerdings auoh der kurzfaserige Asbest aus Thüringen wirtschaftlich verwertet. Spez. Gewicht 2 bis 3. Asbest ist feuerbeständig (bei 1000° nur geringe Veränderung), säurefest und hat ein geringes Wärmeleitvermögen.
V. Sonstige Anwendungen im Hoch» und Tiefbau. 243 • (Putz-, Revisionsgruben) für Wagenhallen und Lokomotiv- schuppen ist aus Abb. 596 ersichtlich. Nach Abb. 597 ruhen die Schienen *8 / —100 । Sc/m/tta-b n L 7/18 T* \Aofr wie bei Abb. 596 auf Böcken aus Eisenbeton mit verbindendem Querbalken. Ihre Entfernung in Gleisrichtung beträgt 1,90 m. Der Zwischen- je 2 Gleisen wurde leicht abnehmbaren -W- - Abb. 597. WA Abb. 598. Abb. 599. raufti zwischen hier mit einem Dielenbelag überdeckt. Bei schlechtem Baugrund ’ empfiehlt sich eine kastenartige Ausführung auf Pfählen mit Erd- ausftillung der Zwischenräume (Abb. 598). Billiger infolge der einfacheren Schalung und geringeren Eisenmengen dürfte eine Ausführung mit glatten Wänden gemäß Abb. .411, 598b sein. Abb. 599 zeigt die Binderform eines ring- förmigen Lokomotivschup- pens im Rangierbahnhof Blockland bei Bremen und Abb. 600 die Gründung einer Drehscheibe bei auf- geschüttetem Boden. 10 Pfähle nehmen hier die Last des Königsstuhles (245000 kg) auf, Vgl. B. u. E. 1916, S. 26. 16* .*-3t50 Abb. 600.
244 V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. Auskragnngen zur Verbreiterung von Straßen über be- stehende Stützmauern hinaus zeigen die Abb. 6oi u. 602. Die zuerst genannte Abbildung zeigt eine Ausführung, bei welcher die Ver- ankerung in einem kräftigen, hinter der den Abb. 001. ---690— Mauer liegen- Betonklotz er- Abb. 602. folgt. Es handelte sich hier um die Verbreiterung einerStraße in Ha- nau, welche durch eine 4 m hohe Mauer gestützt ist. Eine andere Straß en Verbreite- rung mit bedeu- tender Kragweite (5,6 m) ist in Abb. 602 dargestellt. Als Gegengewicht dient hier eine Eisenbetonankerplatte, welche 5 m tief unter Straßenoberfläche liegt. (Mitt. 1909, S. 97.) Vgl. auch Kersten, Balkenbrücken, 5. Auflage. Randsteine (Bordsteine) in Eisenbeton dienen als Ersatz der teuren Granitbordsteine. Zur Sicherung gegen Anfahren dienen Schutzschienen in Eisen. Hohlsteine oder Auf- lösungen in Rippenform gemäß Abb. 603 bieten den Vorteil eines leichteren Fortbewegens und Abb. 603. Versetzens. Vgl. weiterhin die Normen ent- würfe für Bordschwellen und Bordsteine, sowie für Bürger- steigplatten aus Beton (B. u. E. 1920, S. 176). c) Industrielle Bauten, Schornsteine. Bauten dieser Art sind in den vorstehenden Ab- schnitten schon vielfach behandelt worden; insbesondere
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. 245 sei auf die Seiten 87, 95, 97, 102, 121, 159, 182 und 196 ver- wiesen. Weiterhin sei auf die Abschnitte VIII (Förder- und Verladebrücken), IX (Überdachte Brückengänge zwischen Abb. 604. Häusern), X (Überführung von Rohr- und Kabelleitungen) in Kersten, Brücken in Eisenbeton, Teil I, 5. Auflage, aufmerksam gemacht. So veranschaulicht z. B. die Abb. 604 ein von Ed* Züblin erbautes Ausziehgleis-Gerüst für eine Siloanlage. Abb. 605 zeigt die Verwendung von Eisen- beton-Kransäulen für hölzerne oder eiserne Dachbinder (siehe auch S. 88) und Abb. 606 Ansicht und Schnitt zu einem Kühlturm für 300 cbm stündlicher Lei- stung, bei quadra- tischem Quer- Md). OCn
246 v- Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau» Abb. 607. schnitt. Derartige Kühltürme sind schon in großem Um- fange und in verschiedentlichster Formgebung zur Ausführung gelangt1). In Amerika sind jetzt vielfach Werkzeugmaschinen ans Beton statt Eisen hergestellt worden (vgl. Dinglers Polytechn. Journal). Weiterhin sind Arbeiterschränke aus Schlackenbeton hergestellt worden (kein Ungeziefer, feuerfest, nicht leicht zu erbrechen). Einen Heiz- und Kochofen aus Eisenbeton zeigt Abb. 607. Der Unterteil a kann bei Heizung mit Koks, Anthrazit und dergl. aus feuerfesten Steinen in feuer- festem Mörtel gemauert wer- den. Die flam- menberührten Teile werdener- forderlichen- falls mit feuer- festen Platten ausgekleidct. Sonst genügt für dieAufsatzstÜcke b, c, d, e ein in- nererLehinüber- zug mit Draht- netzeinlage. Rei- nigungsöffnun- gen bei R er- möglichen die gründliche Reinigung aller Ofenteile. Ge- wicht des ganzen Ofens einschl. Lehmausklcidung 300 kg; Zementbedart 40 kg. Soll der Ofen nur zum Heizen dienen, so bleiben die Einbauten fort, und die Hohlräume werden als offene Nischen belassen. Vgl. B. u. E. 1920, S. 199. i) Vgl. u. k. den Bericht über die Verwendung von Eisenbeton beim Bau von Ruckküblanlagen (Arm. B. 18, S. 123 u. 14t). *
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. 247 Schornsteine aus Eisenbeton bieten gemauerten Schorn- steinen gegenüber mancherlei beachtenswerte Vorteile. Zu- nächst ist das Eigengewicht wesentlich geringer, mithin auch keine so breite Sohlfläche erforderlich. Wind und Wetter sind der Außenseite ebensowenig schädlich wie die heißen Gase der Innenseite. Schließlich ist auch die Standfestigkeit gemauerter Schornsteine bei weitem nicht so groß als diejenige der bewehrten Betonschornsteine, die biegungs- feste, im Erdboden eingespannte elastische Stäbe darstellen 9. Ein Klaffen von Fugen kommt hier in Fortfall. Die Standfestigkeit des Schornsteins ist auch dann gesichert, wenn die Mittelkraft aus Eigen- gewicht und Winddruck außerhalb eines be- 1 liebigen Querschnittes wirkt. Die lotrechten , Eiseneinlagen, welche die in den verschiedenen | I Schornsteinquerschnitten auftretenden Zug- und I Biegungsspannungen aufzunehmen haben, sind in I Gestalt von schwachen Stäben gleichmäßig im ! Betonkörper verteilt und in Abständen von etwa 50 cm durch Horizontalringe umschlossen. § । Abb. 608 zeigt das Aussehen des neuerbauten j-- Schornsteines einer Maschinenfabrik in Darm- Stadt. Die sonst übliche Verjüngung der Röhre | O fehlt; in 5- m Höhe ist der Schaft durch die Decke des Heizraumes gehalten. Vgl.B.u.E. 1913, S. 284. Abb* Bei größeren Höhen sind die Schornsteine zumeist doppel- wandig und bestehen aus zwei incinandergesteckten Röhren aus Eisen- beton. Das äußere Rohr hat den Winddruck aufzunehmen und ist entsprechend stark bewehrt. Das innere Rohr wird so eingebaut daß es sich unabhängig vom Außenrohr unter den Einwirkungen der heißen Gase ausdehnen kann2). i) Bei Eisenbeton-Schomsteinen ist wegen der Blegungsfestigkcit eine fünf fache Bruchsicherheit leicht zu erreichen; bei gemauerten Schornsteinen hat man gewöhnlich nur zweifache Sicherheit. 3) Durch die meist einseitige Zuführung der Rauchgase ist eine un- gleiche Wärmewirkung in der Nahe der Rnuchkanal-Einmiindungcn bedingt. Eino gleichmäßige Erwärmung der Schomsteinwände tritt ein. nachdem die Rauchgase eine zentrale Aufwärtsbewegung angenommen hoben. Deshalb ist auch eine Höherführung des inneren Mantels über ein gewisses Maß hinaus zwecklos.
248 Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. Nach Abb. 609 trägt ein 23 m hoher Eisenbetonschornstein mit Hilfe von 8 Kragbalken einen Wasserbehälter von so cbm Inhalt (vgl. auch Abb. 519). Der Behälter ist von einer Ziegelwand umgeben und durch Torfmull gegen Einfrieren geschützt. Der Schorn steinschaft selbst ist auf 15 m Höhe mit Scha- mottesteinen ausgekleidet und durch einen Luftschacht isoliert (B. u. E. 1916, S. 27). Brenzinger u. Cie., Freiburg i. B., führen Schornsteine aus einzelnen zylindrischen Trommeln aus (Mitt. 1920, S. ioi). Weiterhin vgl. „Neuere Ausführungen und Erfahrungen mit Eisenbeton-Schornsteinen“ (Mitt. 1914, S. 36 u. 42) sowie B. u. E. 1914, S. 93 u. 227. d) Maste. Telegraphenmaste aus Holz leiden unter dem Einfluß der Witterung, haben also eine kurze Lebensdauer. Infolge der Erdfeuchtigkeit werden zuerst die unter der Erde liegenden Teile faul, so daß schließlich der ganze übrige Pfahl, selbst wenn das Holz an sich noch gesund ist, wertlos wird. Besser ist es schon, den Holzpfahl an seinem unteren Ende mit Teer zu bestreichen, dann in ein geräumiges Loch auf einen flachen Stein zu setzen und ihn mit einer festgestampften Schicht Beton zu umgeben. Vorteilhafter jedoch ist die voll- kommene Herstellung des Pfahles in dauerhaftem und wetter- festem Eisenbeton. Abb. 610 zeigt die Formgebung eines Telegraphenmastes nach Bauweise Wolle (Saxoniamast). Die Maste sind im allgemeinen mit rechteckigem Querschnitt hergestellt. In der Längs- und Quer- richtung ist eine Rundeisenbewehrung vorgesehen, während in der neutralen Zone Aussparungen vorhanden sind, die nicht nur eine Baustoff- und Gewichtsersparnis bedeuten, sondern auch verursachen, daß der Mast dem Winde eine geringere Angriffsfläche entgegen- setzt und schließlich auch eine Besteigung der Maste ohne weitere
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. 249 Hilfsmittel ermöglicht. Die Aufstellung* der Maste erfolgt in der Weise, daß die Längsseite in der* Richtung der größten Beanspru- chung liegt Die Herstellung er- folgt in hölzernen oder eisernen Formen, gegebenenfalls in der Nähe der Verwendungsstelle. Siegwart (Zürich) sowie die Schleuderwerke1) stellen TTohlm asten fabrikmäßig her. Die Arbeitsmaschinen gestatte- ten jede konische Verjüngung und jede Länge. Die Wand- stärken schwanken zwischen 2,5 und 5 cm. Der Querschnitt ist ringförmig. Ein Beleuchtungsmast in Eisenbeton ist in Abb. 611 dargestellt. Zur nachträg- lichen Einziehung der elek- trischen Kabel ist in der Längsachse ein Gasrohr mit einbetoniert worden. Die Säulen wurden scharriert, die Bänke an der Oberseite geschliffen, geglättet und poliert. Die Arme für die Bogenlampen wurden aus Schmiedeeisen gefertigt. e) Bauten für sportliche r/wAnlr Abb. 611. und wissenschaftliche Abb. 612 zeigt die Formgebung eines Kurven- rahmenbinders mit eingebauter Radfahrkabine für die Rad- rennbahn in Zürich. Die Platte ist 6 cm stark. Zum Aus- gleich der Neigung bis auf die Horizontale dient eine untere Ausrundung. In statischer Beziehung hat man es mit einem i) An Schleudermastun sind von Dyckorboff u. Widmann in Cosschnndu bei Dresden bis zum Jahre 1919 rund 86 000 Stück hergesteilt worden. Vgl. au oh S. 60.
250 V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. Dreieckrahmen mit Kragarm zu tun. Die Neigung der äußeren Stiele ist der ungünstigsten Resultierenden der Abb. 612. Abb. 613. angreifenden Kräfte angepaßt. Bei schlechterem Baugrund wäre natürlich ein Zugband nötig gewesen. Die volle Sonnenbestrahlung machte die An- bringung mehrerer Dehnungsfugen er- forderlich. Auch zur Schaffung künst- licher Berge in Tiergarten eignet sich der Eisenbeton, wie Abb. 613 zeigt, in hervorragender Weise. Die Abbildung stellt einen Binder für die Tigerschlucht im Budapester Tier- garten dar; der Auslegerarm rechts ist in der Stützmauer verankert Nach ähnlichem Grundgedanken können auch Denkmäler in Eisen- beton hergestellt werden. f) Bergbau. Die Vorteile des Eisenbetons für Auskleidung der Schächte und Strecken sind: schnelle Fertigstellung, Wasser- dichtigkeit, guter Anschluß ans Gebirge, große Wider- standsfähigkeit bei geringen Wandstärken. Neben den Schachtausbauten kom- men noch bergbauliche Anlagen über Tage, wie Kühltürme, Fördertürme, Gebäude, Flugstaubkanäle usw. in Frage. Abb. 614 zeigt einen Schachtausbau in Eisenbeton. Der freie Raum zwischen dem Gestein und der 10 cm starken wasserdichten Eisenbetonwand ist mit Magerbeton ausgefüllt
Anhang. 251 Anbang. 1» Neuzeitliche Wandansführnngen im Hochbau1). a) Allgemeines. Die Wohnungsfürsorge ist eine der wichtigsten und dringendsten Aufgaben unserer Zeit. Es bestehen vor allem große Schwierig- keiten in der Brennstoffbeschaffung. Das erstrebenswerte Ziel ist in jedem Falle: ein Haus aus Wänden mit richtiger Wärme- isolierung, das sich bei geringem Kohlen verbrauch gut heiztl 2), dessen Einzelteile zu ihrer Herstellung wenig Kohle und wenig Transport benötigen und das nach Fertigstellung sofort beziehb ar ist. Bisher hat man auf eine gute Wärmahaltung im Wohnhausbau nur wenig Wert gelegt, hauptsächltch aus dem Grunde, weil die beim Ziegelbau üblichen • Wandstärken, die weit Über das statisch erforderliche Maß hinaus- gehen, in den meisten Fällen genügenden Schutz boten und — weil es Kohlen billig und ausreichend gab. Die Verhältnisse haben sich geändert. Man muß nach Bauweisen suchen, die eine geringere Wärmeleitungszahl besitzen, um trotz der Ersparnis an Baustoff — man will im allgemeinen nur so viel verwenden, als statisch unbedingt erforderlich ist — eine ähnliche oder gar bessere Wärmehaltung zu erzielen, als solche den Ziegelwänden eigen ist. Die Ziegelhersteliung wird durch Kohlenknappheit und Trans- portnot sehr erschwert, bedingt auch viel Arbeitslöhne. Bespielsweise würde man für 200 qm Wand von 38 cm Stärke 30000 Ziegelsteine benötigen, deren Brennen rd. 9000 kg Kohle erfordert. An Ambi- steinen wären nur 2600 Stück nötig (also 27 400 Steineinheiten weniger) und zum Brennen des Zementes 2500 kg Kohle. Man ist also imstande, l) Vgl. hieran auch ..Sparsames Bauen- (Druckschrift Nr. 4 des Reichs- kormnissars f. Wohnungswesen. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn), »Die Volkswohnung“ (Zeitschrift. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn), „Sparsame Bauweise“ (Zeitschrift dos Reichsverbandes zur Förderung spars. Bauweise, Verlag von R. Messe, Berlin). Boi Bearbeitung der folgenden Kapitel sind dem Verfasser die Herren Obering. Gaßner, Reg.-Baumeister Halle und Dipl.-Ing. von Schwarz«- In dankenswerter Weise behilflich gewesen. 2) Sehr wichtig ist allerdings auch eine Verbesserung der Ofen und d< r sonstigen Heizungsanlagen. Man vergleiche z. B. den auf S. 24C gezeigten Ofen in Eisenbetonausführung,
252 Anhang. mit der Zuweisung an Kohle eine mehr als 3 fache Mauerfläche und somit auch eine mehr als 3fache Zahl an Gebäuden bzw. Wohnungen beim Gebrauch solcher Hohlwände herzustellen. Unter 38 cm Wand- stärke, entsprechend 1V2 Ziegelstein Reichsformat, herabzugehen, er- laubt unser Klima nicht. Ziegelsteinmauerwerk hat sich zwar gut bewährt, ist keinesfalls aber unersetzlich und bietet auch noch andere Nachteile den neuen Bauweisen gegenüber. Zunächst erfordeft der Mauerstein, bis er zurechtgehämmert richtig in seinem Mörtelbette liegt, eine große Menge von umständlichen Handgriffen und kostspieligen Arbeits- leistungen eines hochbezahlten Bauhandwerkers. Dann haftet der Mörtel oft recht schlecht an der glatten und dichten Oberfläche des heute allgemein üblichen Maschinen vol Iziegels. Wird durch den Fugenmortel kein fester Zusammenhang des Mauerwerks erreicht, so ist Rissebildung zu befürchten, insbesondere bei kleinen’ Teilsetzungen des Bauwerks. Der Maschinenziegel wird in Pressen ans tonreichem Gemenge oder reinem Ton hergestellt, muß bei mindestens 6000 gebrannt werden (großer Kohlenverbrauch), ist luftarm und undurchlässig (Wassersättigung des Mauerwerks also schon bei geringem Feuchtigkeitsgehalt der Luft möglich: bedeutende Erhöhung des an sich schon großen Wärmeleitungsvermögens). Neubauten trocknen nur langsam aus. Nußbaum nennt den Ziegel auf Grund seiner vielfachen Versuche den in volkswirtschaftlicher Hinsicht „aller ungünstigsten“ Baustein. Hohlziegel sind etwas günstiger. Bei gleicher Gesamtwand- stärke wird der Wärmedurchgang um etwa 17% verringert. Die Steine sind leichter, also schneller fortzubewegen, gestatten> ein größeres Format (Ersparnis an Arbeitszeit, Löhnen und Mörtel) und benötigen einen geringeren Verbrauch an Kohle bei der Herstellung. Besser als die Maschinenvollziegel sind auch Handstreichziegel aus sandreichem Lehm, oder Vollziegel, die durch Beimengung von Kohlengrus oder dgl. weitzellig gemacht sind. Beide Arten werden aber nur ausnahmsweise erzeugt. Die Entwicklung der ganzen BaustoiTfrage in Verbindung mit der Wirtschaftlichkeit bei der Herstellung und im Gebrauch scheint nach der Seite der Vollblocksteine (vgl. S. 262) zu drängen, weil hier die besten Resultate erzielt werden können. Man wird nicht fehlgehen in der Erwartung, daß der Ziegelbau allmählich abstirbt, denn er ist nicht mehr entwicklungsfähig. Das ingenieur-
Anhang. * 253 mäßige Bauen wird eine Verbindung von Trageelementen aus Eisen- beton und Wandflächen aus Leichtsteinen entwickeln, die dem Schwemmstein möglichst nahekommen oder ihm gleich sind. Der Leichtstein, der Leichtblock wird ein auf kaltem Wege hergestellter hochporöser Stein sein von besten hygienischen Eigenschaften. Das ganze Bauen wird sich auf eine höhere Stufe heben; es wird so weit kommen, daß bei Bauten Rentabilitätsnachweise genau so geführt werdefl müssen wie heute bei jeder Maschine. Die Betonbauweisen haben das Verdienst, daß sie Anreger und Hauptträger dieser Be- wegung zur Wirtschaftlichkeit sind. Bezüglich der Verputze sei auf folgendes aufmerksam gemacht: Portlandzementmörtel ist wegen seiner Sprödigkeit nicht gut geeignet für Verputze, die eine große Dichte aufweisen müssen (Ziegelmauer- werk zeigt eine andere Wärmedehnung als der fette Zementverputz, der Putz wifd rissig). Am besten ist wohl Traßmörtel: i TI. Kalk “H i TI. Traßmehl + P/j bis 2 TI. Sand. Der Putz darf nicht zu fett sein; der Traßmörtel erreicht auch bei höherem Sandzusatz eine ausreichende Wasserabweisung. Traßmörtelputz haftet gut, ist wesentlich dehnbarer als Portlandzementputz, zeigt keine Haarrisse und ist namentlich gut für den Fall, daß die Putzarbeiten bei Frostwetter ausgeführt werden müssen1). Er bindet allerdings lang- samer ab; besser in dieser Beziehung ist Schlackenzemcntputz. Empfehlenswert ist außerdem ein Putz mit Antiaquazement (vgl. Anm. 1 auf S. 256). b) Hohlwände aus Betonplatten. Stellt man sich die Wand aus 2 Schalen mit einem Zwischen- raum gebildet vor, so hat man den Grundgedanken der Platten- bauweisen. Zur gegenseitigen Aussteifung der Schalen dienen Zwischenglieder, die entweder lose für sich eingesetzt sind (vgl. Abb. 615, 616) oder abwechselnd an die eine oder die andere Schale von vornherein mit angearbeitet werden (vgl. Abb. 617). Im letzten Falle kann man kleine und große Hohlräume miteinander ab- wechseln lassen; die kleinen könnten nötigenfalls mit Beton aus- ’) Prof. Nußbaum empfiehlt in diesem Falle, die Siedehitze dos frisch gelöschten Wcißkalks auszunutzon, indem man ihm Traßmehl und Sand sofort nach dem Löschen zufügt und die Verputzungen ausführt, oho da* Gemenge erkaltet ist
254 Anhang. gefüllt und als tragende Stutzen ausgebildet werden. Die Wan- dungen der kleinen Hohlräume dienen dabei als Lehre für die Aus- stampfung. Abb. 615: Bauweise Fi e big (Dipl. Ing. Fiebig, Breslau 2). Platten steine in Schlackenbeton 1:3:4. Bindersreine B mit kreuzweiser Bewehrung. Aus- füllung der Hohlr&ume. * Abb. 61«: U-Plattenb auweise (Ges. f. Beton- und Eisenbetonbau m. b. H.. Gießen). Außere Kiesbeton-, Innere Schlackenbeton platten, gegenseitig durch schwalDenschwanzförmig eingreifende Betonstege verankert. Hohlrftume werden ausgefüllt. Pfosten in besonderen Formsteinen. Abb. «17: Bauweise Tilgner (s. Mitt. 1920, S. 53). Ebenfalls Kies- und Schlackenbeton. Die in Plattenmitte schwalbensohwanzförmig eingreifenden Verbindungsstücke sind durch Ceresit- oder dgl. Zusatz wasserabweisend ge- macht. Riuenförmigo Aussparungen für den FugenmörteL Ausfüllung der Hohlrftume oder Abdeckung von jeweils 3 Steinschichten mit Papp lagen oder Betonpl&ttchen. Zu den Plattenbauweisen gehören noch 2 Abarten, deren eine — nach Maßgabe der Abb. 618 — die Außen- und Innenschale in jeder Schicht mit einer gleich großen Platte Überdeckt, wodurch die Lufträume häufig unterteilt werden. Infolge solcher Anordnung tragen Innen- und Außenschalen allein; ein besonderes Tragegerüst aus Eisenbetonstützen läßt sich nicht anordnen. Bei der 2. Abart sind Wandschalen und Zwischenstege so zusammengefaßt, daß an
Anhang. ein Schaleneldment sogleich eilt Stegelement fest angeschlossen ist. Es entstehen Winkelsteine, die einen Verband bilden, indem sie gegen- einander versetzt sind (Abb. 619—623). Die Vorteile und besonderen Merkmale der Hohlwände aus Beton- Platten sind die folgenden: 1. geringerer Kohlen verbrauch als beim gebrannten Ziegelstein, sowohl für Herstellung1) und Transport als auch für spätere Heizung der Innenräume. Während für die Ziegelherstellung die Kohlen und nach der Fabrikation die Fertigprodukte, die Ziegel; gefahren werden müssen, braucht für Zementbaustoffe nur die Kohle zum Brennen des Zements und nachher nur dieser gefahren zu werden, der an Raum und Gewicht leichter ist als der Ziegel- stein; Abb. 618: Platten-Hohl- wand Jur ko (J. und R. Koppe, Leipzig). Verbindung einer 21 cm starken Vollwand mit 32 cm starker Hohl- wand. Schlack enbeton- Slatten. Unterteilung es Luftraumes durch Vermauern von Hori- zontalplatteu. Hohl- r&ume werden auch mit Schlacke ausgefüllt 2. schnelle und bequeme Herstellung der Steine durch maschi- nelle Pressung am Bau ort, und zwar auf kaltem Wege, bei mög- lichster Verminderung der Zahl der Formstücke (vielfach nur eine Form nötig). Ziegel kann man nur da brennen, wo Ton vorkommt und wo Ziegeleien stehen; 3. genügende Druckfestigkeit der Steine: 4. Raschheit des Bauvorganges (Steine größerer Ausmaße, aber auch nur so groß, daß ein einzelner damit hantieren kann); Er- sparnis an Arbeitslöhnen (beim Maschinenbetrieb zwei- und dreifache Tagesleistung eines Arbeiters gegenüber dem vollen Ziegel- mauerwerk); Verwendung ungelernter Leute; 5. beschränkter Verbrauch von Fugenmörtel, da ein Vielfaches an Stoß- und Lagerfugen erspart wird. Guter Fugen- schluß nötig, um die Füllung trocken zu erhalten; die Steine werden vom Maurer in Üblicher Weise mit Kelle und Mörtel vermauert; M Man hat es ganz in dor Hand, durch fettere oder magerere Mischung, also durch Beigabe von mehr oder weniger Zement, mit der Kohle zur llor •tellung des Baustoffs zu sparen. Damit erhält man zugleich eine gute Slnff«*- lung der Festigkeiten. Man kann die Festigkeit der Bausteine so »Hihinfon. wie man sie für den einzelnen Bauzweck braucht, muß dann aber auch di« Verschiedenheit der Steine zur Vermeidung von Verwechslungen genügend kennzeichnen.
256 Anhang. 6. äußere Wandung druck- und wetterfest (Kiesbeton); unverputzt, verputzt oder mit Vorsatzschicht; Verwendung von Antiaqua-Zement1) oder wasserabweisenden Zusätzen; 7. innere Wandung nagelbar, porös und atmungs- fähig, aber auch nicht so locker, daß sich Ungeziefer einnistet; jeder innere Niederschlag soll verhindert werden. Baustoff: Leicht- beton aus Kohlen- oder Hochofenschlacke, Bimskies oder dgl., oder Anbringung einer Innen- wandung aus einem beUebi- gen nagel- baren Stoff (Sperrholz, Torfoleum- leichtplat- ten *), Scha- lung mit Roh- rung und Ver- putz, Schlak- ken- oder Bimsbeton- platten); S. Wasser- abweisende Verbindung beider Wan- Abb. G19: Bauweise Am bi (Ambi-Werke, Berlin-Johannis- thal). Außenbaut Kiesbeton 1:8: Tnnenbaut Koksaschebeton 1:2:6. Ausfüllung mit lockerem Füllstoff. Vgl. auch Abb. 620. >) Der Antiaqua-Zement der Rekord-Zement-Industrie, G. m. b. EL, Berlin NW40, wird h ergestellt durch Vermahlung eines ans bituminösem Ge- stein gewonnenen Zusatzes mit Portlandzementklinkern. In diesem Zusatz sind fäulniswidrige Stoffe enthalten, die selbst sehr lebensfähige Krankbeits- keime schnell ab toten (wichtig für Viehställe usw.). Antiaqua-Zement macht Beton und Putz wasserdicht (wichtig für Behälterbau, Wetterseitenputz), bietet die gleiche Festigkeit wie der Portlandzement, ist aber auch teurer als dieser. ») Die Torfoleum-Leichtplatten der Torfoleumwerke in Poggen- hagen bei Neustadt (Hannover) bieten infolge Kemimprägnierung einen ebenso guten W&rmeschütz wie Korkplatten und zeigen wasserabweisende Eigen- schaften. Torfoleum ist geruchlos, nagelbar und läßt sich mit Säge oder Messer leicht schneiden. Raum gewicht 200 kg/ebm. Eine 25 cm starke Mauer mit 2 cm Außenputz, 1,5 cm Innenputz und — zwischen Innenputz und Stein — Som Torf oleumplatte bietet den gleichen Wärmeschutz wie einein gleicher Weise verputzte 68 cm-Wand. Im ersteren Falle sind 100 Steine, im letzteren Falle 272 steine je qm "Wand * nötig- Plattengröße 50.100 cm, Stärken 2 bis 20 cm.
Anhang. 257 düngen (Verwendung von Antiaqua- zement, Zusätzen von Preolit, Ceresit oder dgl.); also stets trockene Innen- wandung. 9. Teilung der Luftschicht in lot- rechtem und wage rechtem Sinne (ruhende Luftschichten); auch Aus- füllung der Hohlräume mit Kies, Bims- sand, Schlacke, Sägespäne, Holzwolle, trockenen Lehmbrocken oder dgl. (am besten porige, trockene Füllstoffe nicht organischer Herkunft, die jeweilig am schnellsten und billigsten zu haben sind; Sägemehl ist zu hygroskopisch). Es wird vielfach mit Unrecht angenommen, daß ein mit Luft gefüllter Hohlraum in jedem Falle gut gegen Wärme und Schall isoliere. Trockene Luft ist aber nur dann ein vorzügliches Isoliermittel, wenn sie ruht (stagniert); zum mindesten müssen die Hohlräume, wie angegeben, in einzelne Luftkammern unterteilt sein. Gehen die Hohlräume, was bei vielen Bauweisen der Fall ist, in vertikalem Sinne durch, so empfiehlt es sich, die Luft in den Poren von einzutüllenden festen, grobzelligen Körpern, wieSchlacke, Kork, Sagemehl und dgl., einzuschließen. 10. Möglichst geringe Wärme- durchgangszahlen (vgl. S. 270), um bei der Heizung der Räume an Kohle sparen zu können. Eine 25 cm starke Hohlmauer mit 15 cm starker Asch en - füllung kann z. B. die gleiche Wärme- durchgangszahl wie eine 60 cm starke Ziegelmauer ergeben. Abb. 620: Bauweise Ambi (vgl. Abb. 619). Schnitt durch eine Außenwand. n = Balkengleioho, gleichzeitig Ringverankerung aus durchgehendem l-lieon- betonbalken; b = Balken gleiche, wie vor in Verbindung mit dem Fenmomun: c= Balken gleiche, wie vor aus einem durch Kies- und KoksmcheBoiuh- etelnen umhüllten Eisenbotonbalken; = Fenstersturz; « F<*imt«>re<>hl bank; f<= Ausfüllung mit lockerem Füllmaterial; 0 = Ausfüllung mit Kira beton 1:12. Kersten, Der Ehenbetonbau. II. 11. Aufl. 17
258 Anhang. Abb. 621: Bauweise Kell u Löser (Leipzig). Der Bauweise Am bl sehr wesensAhiiltcb. Eisenbewehrte Winkeihakensteine 49 • 24 • 24 cm, 5 cm stark. Balkon rind Stützen in Eisenbeton. u. Gutes Haften des Außen- und Innenputzes beim Wohn- hausbau. 12. Einfache Ausbildung der Eckpfosten, der Sohlbänke, Fenster- und Türstürze, Kaminanschlüsse usw. Möglichkeit der Anordnung von verstärkenden Eisenbetonkonstruktionen in vertikalem und hori- zontalem Sinne. * 13. Ermöglichung einer sicheren und bequemen Aufnahme von Decken- und Dachlasten, sowie gute Einbindung tragender Zwischen- wände. 14. Möglichst wenig Eisenteile für die Verbindung der Einzel- stücke. 13. Oft schwächere Grundmauern wegen der größeren Leichtig- keit der Wände (wichtig für schlechten Baugrund und für die Kohlenbedarfsfrage). 16. Möglichkeit eines sofortigen Beziehens des Hauses (fast trockener Aufbau). Nachteilig ist der Umstand, daß die Plattenbauweisen in vielen Fällen nicht einfach genug für die Arbeit des einfachen Handwerkers sind. Jede Ausführung in einer Plattenbauweise bindet den Ausführenden an glatte, sich rechtwinklig schneidende
Anhang. 259 Wände. Krümmungen, Vorlagen, Gesimse sind nur schwierig, oft überhaupt nicht ausführbar oder führen wegen des Verhaus der Platten zu Verlusten an Baustoff und Arbeitslohn. Dazu kommt die handwerkliche Schwierigkeit, die Stoßfugen von hohen Platten voll herzustellen. Schließlich ist die Frage des Verfüllens der Hohl- räume und die Trockenhaltung der Füllung nicht immer einwand- frei zu lösen. Um die Füllmasse tfocken zu erhalten, strich man bisweilen die innere Seite der Äußenschale noch mit Goudron an. Konstruktiv brauchte man innen die größere Festigkeit der Wand, da die innere Schale erheblich mehr durch Balkendrücke belastet wird. Außerdem war die Außenschale infolge der Kapillarwirkung des dichten Kiesbetons ungünstiger für die Trockenhaltung als der Schlackenbeton. Sehr viele Bauweisen nahmen daher mit gutem Erfolg durchweg Schlackenbeton für die innere und äußere Wand- schale. Ausführungen nach der Ambi-Bauweise1) (vgl. Abb. 619 11. 620) haben sich in der Praxis gut bewährt. Bei nur 50 Siedler- häusern können gegenüber der Ziegelbauweise (1,5 Mill. Ziegelsteine gegen 130000 Ambisteine) an 33 Waggon Kohle für die Volks- wirtschaft gespart werden; hierzu kommen dann noch die Erspar- nisse an Transportkosten, Mörtel, Lohn und Zeit. — Mit dem Mauern wird an den Gebäudeecken begonnen. Stoß- und Lager- fugen sind etwa bis 1 cm stark. Die Stoßfugen zwischen dem kurzen Schenkel im Innern der Wand und dem langen Schenkel, der die Wandfläche bildet, werden nicht mit Mörtel ausgefüllt, son- dern verbleiben als Luftfugen, wodurch eine einwandfreie Isolierung gegen Feuchtigkeit erzielt wird. Die Festigkeit einer Ambiwand reicht für alle bei zweigeschossi- gen Gebäuden vorkommenden Belastungen ohne jede konstruktive Verstärkung aus; ein Ausbetonieren der Hohlräume ist für Siedler- häuser nicht notig. Erscheint ein Außenputz zweckmäßig, so wird zugleich mit der Aufmauerung der Wand ein dünner Anwurf von verlängertem, grobkörnigem Zementmörtel gegeben und erst nach Fertigstellung des Rohbaues ein Weißkalkmörtel in üblicher Weise als Putz aut- getragen. l) In österreioh ist die gloiolie Bauweise als „Schni’ll-Bnuwei'ir (IhnNtr Jane sch und Schnell, Wien IV) bekannt und seit 1910 in unitanKreirhotn Man» zur Anwendung gelangt. Ir
260 Anhang. im allgemeinen bequemer und leichter 4 Abb. 622 u. 623: Bauweisen der A. G. Way s s u. Frey tag, und zwar a) Betonhohlsteine mit doppelter Luftieolle- rung. Geschalte, gerohrte und geputzte Wandverkleidung auf Latten, die durch Holzdübel im Stein gehalten sind. Eck- stütze in Eisenbeton. Ausfüllung der Hohlräume empfehlenswert. b) Betonhakenstein. Trennung von äußerer und innerer Wandfl&che. Auch hier Aus- füllung anzuraten. erhält, dessen Vertikalen die beiden c) Hohlblockwände. Hohlblöcke nach Maßgabe der Abb. 622, 624—629 versetzen sich als die eben besprochenen Wandplatten; auch kann mit größerer Sicherheit, als es bei den Platten möglich ist, für die Dichtigkeit der Stoßfugen gebürgt werden. Es ist dies ein Umstand von besonderer Wichtigkeit, insofern näm- lich, als die Füllstoffe un- bedingt trockenerhalten blei- ben müssen. Das Block- system hat noch eine Steige- rung zum ganz geschlossenen Block (Clusus-Stein, Abb.630) erlebt, dessen Wände aus Beton und dessen Füllung aus Schlacke bestehen. Sta- tisch am günstigsten wirkt das Blocksystem dann, wenn die Stoßfugen alle überein- anderstehen, so daß die Wand ein netzartiges Tragesystem Blockseitenwände zuzüglich der Stoßfugen und dessen Aussteifungen Boden, Decke und Lagerfugen der Blöcke bilden. Die Blöcke sind immer so groß wie ein Vielfaches vom Normalziegelstein, so daß auch besondere Bauteile wie Fenster- und Türanschläge aus ihnen gebildet werden können. Man muß bedenken, daß man im Blockbau zum Aus- gleich von Unregelmäßigkeiten die Fuge nicht so heranziehen kann wie im Ziegelbau. Schließlich müssen, solange es das Nor- malziegelmaß gibt, die Blockbauweisen auf dessen Grundmaße Rücksicht nehmen, zumal auch die Normen für Türen und Fenster auf das Ziegelmaß eingerichtet sind. Es sei auf die vom österreichischen Ausschuß für Beton und Eisenbeton aufgestellten. „Leitsätze für die Ausführung von Hohlmaucrn aus Betonsteinen“ (Beton-Kalender 1921 sowie B. u. E. 1919, S. 83) sowie auf die vom gleichen Ausschuß ge- machten „Vorschläge für die Vereinheitlichung der Be-
Anhang. 261 tonhohlstcine“ aufmerksam gemacht (B. u. E. 1920, S. 82). Weiterhin sei auf die Aufsätze „Die Normalisierung der Be- tonhohlsteine“ von Fr. von Emperger (B. u. E. 1920, S. 82 und 181) und „Die Beton-Hohlblock-Bau- weise“ von Dr. Nitzsche (Mitt. 1920, S. 113) hin- gewiesen. Der Hohlblock neuerer Zeit arbeitet nicht mit ver- muten Hohlräumen, dafür aber meist mit 2 oder 3 Luft- schichten. Der Baustoff ist homogen — Schlacken- beton. Das Matlerwerk ist richtig in Verband gearbeitet und die ^Vände ergeben einen leidlich guten Wärme- speicher(vgl. S.271). Die Abb. 624: Bauweise Booher (W. Czarnikow u. Co, Charlottcnburg). Schlackenbeton- Form steine. Traggerüst aus Eisenbeton. Ausfüllung der Hohlräume empfehlenswert. Abb. 625: Einzelheiten zu Abb. 624. a — S&ulenstein, b = Säulensiciu mit An- schluß für leichte Innenwände, c= Säulonstein mit Anschlag für Türen und Fenster, d = Trogstein für ELsenbetonbalken (unterer Ansatz nur beim Fenster- sturz), e = Ansicht und Querschnitt einer Platte. Blöcke sind dem Gewicht nach noch handlich. Die Technik des Versetzens ist eine Maurer technik, wenn auch von der allen ver- schieden, da der Block mit zwei Händen, also von einem zweiten Mann in sein Mörtclbett gerückt werden muß. Das Mauerwcik arbeitet sich infolge des großen Blockes schneller, es spait Möitel
262 Anhang. SHBEE W 29 -*1 Abb. 626: Germania-Bauweise (Germania-Industrie, G. m. h. H-, Berlin N24) Wand aus Betonhohl- stcinen mit versetzten Fugen und dreifachen Luftkanälen, die nach j eder 2. Schicht durch mitvermauerte horizontale Betonplatten abge- schlossen sind. kehren oder die Wand als Gan und Zeit und trocknet schneller aus. Es ist in bezug auf Formgebung weit elastischer als der Plattenbau. d) Vollblock- (Leichtstein-) Wände. Die Ausläufer aller Betonbau- weisen sind in den Versuchen zu erblicken, die entweder gänzlich zum geschlossenen vollen Block zurück- :s, als Monolith auffassen und sie gießen. Zu der ersten dieser beiden Arten gehören alle Bausteine, deren Gefüge und technische Beschaffenheit dem r h e ini-schen Abb. 627: Passt ein (Ersatz von vier nebeneinandergestellten Ziegeln). a, b. c — verschiedenartige Pfeilerbauten, d, e = Eckausbildungen für 80 und 45 cm-Wand. f— Abmessungen eines Paxstelnes, g, ä = Kamin bei 30 und 45 cm-Wand. Zur Herstellung der Steine am Bauort dient die Paxmaschiue, die au eh von Hand betrieben werden kann. Abhq628: Rexstein; vgl. hierzu den in Abb. 626 ge- zeigten Stein.
Anhang. 2G3 Schwemmstein1) angenähert sind, so z. B. der Scholsche Stein2), der Kölnerstein.3), der Schlackenstein. Bei diesen Steinen neigt die Abb. 629: n-Stein; Hohlhlöcke in Kiesbeton, Winkolkacheln aus Schlacken- beton. Verband durch Nasenans&tze. (Vgl. B.u.E. 1920, S. 181 u. Mitt. 1920, S.113. Entwicklung dazu, Zement als Binde- stoft in nur ganz geringem Maße anzuwenden und mehr die Steine mit Kalk aufzubereiten, der iin Verhältnis zum Zement zu seiner Herstellung noch bedeutend weniger Abb.6M: Cbi.u.stein Kohle gebraucht äls dieses, so daß die Betonhohlsteine mit Sehlackonfüi. ____________ lang. Steine mit Boden und Scitcn- „ , . , _ , wandung aus Schlackenbeton 1 : ö J) Der rheinische Schwemm- gestampft, mit Schlacke verfallt stein, im Rheingebict \iel verwandt, und mit Deckel verschlossen. Kanin- wird aus Bims mit Kalkbrei im Hand- inhalt von 6 Ziegelsteinen, betrieb in den Maßen 25.12.9Vo unter hydraulischem Druck oder mit zementzusatz hergestellt, erfordert zu dieser Herstellung sehr wenig Kohle, ist sehr leicht (10uo kg/cbm), grobkörnig und grobzellig, saugt nur wenig Wasser an (wenig Kapillarwirkung), und hat für Wohnhaus bauten genügende Druckfestigkeit (zul. Belastung 3 kg;qom). Dichlor Zementverputz der Wand ist ungünstig. Auch trocknet der Schwemmstein nicht schneller aus, als andere Baustoffe austrocknen. Für Außemnauern, im Verband vermauert, zu geringer Wärme schütz. Auf 1 cbm Mauerwerk 2U5 Stein» und 200 1 MörteL Ersatz der natürlichen Bimsschwemmsteine: Hochofen- Schwemmsteine (Patent Schol). Körnersteine, Schlackensteine (vgl. S. 272). ’j Nach Patent Schol werden die Steine aus Hochofen sch lacke h< r- gestellt. Vgl. Seite 275. 3) Herstellung der Körnersteine: Bilden von Körnern 1011 ’ Jo ihih Durchm. durch Rütteln (auf einem Siebe) von feingemahlener Nclihicko, Hand. Asche u. dgl. unter Zuführung von Kalkmörtel: in Formen gelhllt. gopn üt und an der Luft erhärtet. Stein- und Mörtclbedarf wie beim Schwmnm- stein. Nur bei 3S om starker Maner genügender Wärmesclnilz; sonst be- sondere W Ar meschutzsoh loht erforderlich. Stcinher Stellung im Anschinii au großstädtisch«* Müllverbrennungsanlagen.
264 Anhang. im vollen Block verarbeitete größere Masse im ganzen doch kohle- sparender auf bereitet ist als die geringere Masse des Hohlblocks. Natürlich weisen derartige Steine eine erheblich geringere Festigkeit, dafür abei eine bessere Warmhaltnng auf. Die besten Erzeugnisse dieser Art kommen in ihrer hygienischen Eigenschaft dem Schwemm- stein durchaus gleich (z. B. der Scholsche Stein). Die Schlacke, die für diese Steine verwendet wird, ist besonders ausgesucht und ver- arbeitet, um sorgfältigst vertMlte kleine Luftzellen zu erzielen und um gleichzeitig die hydraulischen Eigenschaften der Schlacke bei der Mörtelbildung aufs höchste auszunutzen1). Während die Festig- keit solcher Steine in der Regel für Wohnbauten bis zu 2 Vs Ge- schossen vollständig ausreicht, müssen bei größeren Beanspruchungen Eisenbetonstützen das Tragegerüst des Hauses bilden, die aus- gesprochenen Leichtsteine aber zur Bildung der eigentlichen Wände herangezogen werden, wozu sie hervorragend befähigt sind. Die Reihe der Entwicklung wird zur Zeit geschlossen durch die Steine, die aus Müllschlacke hergestellt werden und gewissermaßen den Höhepunkt an Wirtschaftlichkeit darstellen, indem die bei der Ver- brennung des Hausmülls frei werdenden Wärmeenergien zur Her- stellung von Elektrizität oder ähnlichem verwendet werden und gleichzeitig die Schlacke abfällt, aus der unter geringem Zusatz von Bindemitteln Steine gepreßt werden, deren Festigkeit durchaus ab- gestuft und allen Zwecken angepaßt werden kann. Versuche in großem Stile sind im Gange; es ist zu erwarten, daß die Herstellung dieser Steine den finanziell notleidenden Städten eine Einnahmequelle sichern und ihnen gleichzeitig die Sorge um die Müllbeseitigung ab- nehmen wird. Vgl. weiterhin S. 273. e) Gußbetonwände. Die letzte Gruppe der Zementbauweisen bilden die Gußbau- weisen. Das Vorbild hat Amerika gegeben, wo Edison zuerst ver- suchte, ganze Häuser zu gießen, also ein monolithisches Mauer- werk herzustellen. Die dort mißglückten Versuche wurden in Deutschland wiederaufgenom men. Der Grundgedanke ist, daß sämtliche zu gießenden Wände doppelt eingeschalt werden, was in Holz (Bauweise Loesch, vgl. Abb. 631) oder Eisen (Bauweise Manne- bach) erfolgt und wobei die Öffnungen durch Einsetzen von ent- x) Vgl. Seite 272
Anhang. 2G5 sprechenden Lehren gleich mit eine Reihe von Häusern auf d hat dabei trotz recht magerer Mischungen noch genügende Festigkeiten erzielen können, und auch die Befürchtung der häufigen Rissebildung hat sich bisher als unbegründet ge- zeigt. Es scheint, daß der Schlackengußbeton sehr er- heblich elastischer ist als Kies- beton. t) Wände nach dem Ther- mo sbauv erfahr en. Ganz außerhalb jeder Ent- wicklungsreihe .steht die Ther- mosbauweise. Man kann sie noch am ehesten zu den Platten- bauweisen rechnen, obschon sie ganze fertige, blockähnliche £ Baukörper als Elemente aut- v< ausgespart werden. Bisher sind >se Weise gegossen worden; man >. 631: Wohnhaus nach dem Gußver- •en Loesoh, Karlsruhe, Verwendung Holzformen mit Eisenblech!) esohlag. weist. Den Kern des Blocks bildet jedesmal ein Lattengerüst aus Holz, das mit Isolierpappe be- spannt ist Das Innere des Lattengerüstes ist durch Pappetafeln in einzelne Luftkammern zerlegt. Außen ist auf die Isolierpappe Rohr- gewebe gespannt , und an diesem verklammern sich die Leichtbeton- platten, welche Außen- und Innenschale der Wand darstellen. Ge- eignete Aussparungen im Innern der Baukörper lassen sich mit bewehrtem Beton ausfüllen und bilden dann die Säulen eines Ständer- werks. Das ganze Verfahren stammt aus dem Schiffbau und hat sich bei Ktrhlräumen auf Schiffen wohlbewährt. 2« Feststellung des w&rmeteelmisehen Wirkungsgrades einer Wand» Der Förderung der Statik muß diejenige des Wärmeschutzi^ ebenbürtig zur Seite stehen. Alleräußerste Sparsamkeit in bezug auf den Verbrauch an Heizstoffen ist eine sehr wichtige nationale Pflicht Die Feststellung des wärmetechnischen Wirkungsgrade* einer Wandkonstruktion beruht auf einfachen physikalischen Grund-
2CG Anhang. lagen1) und kann in verhältnismäßig einfacher Weise lechnerisch bewerkstelligt weiden. Als Grundsatz gilt die Forderung, daß jede Wandkonstruktion von zu beheizenden Gebäuden wärmetechnisch zum mindesten der sogenannten „Xormalwand“ äquivalent sein muß, d. h. der i’/a Stein starken Ziegelsteinwand mit beiderseitigem 2 cm starken Verputz. Diese ..Normalwand“ besitzt in lufttrockenem Zustand eine „Wärme- durchlässigkeitszahl von 1,15 bis 1,20. Allgemein wird unter der Wärmedurchlässigkeitszahl diejenige Wärmemenge ver- standen, welche durch 1 qm Wandfläche von der Stärke cf hin- durchgeht, wenn zwischen der Wandinnen-Ob er fläche und Wand- außen-Oberfläche der Temperaturunterschied von i° C besteht (nicht zu verwechseln mit der in der Heiztechnik Üblichen „Wärme- durchgangszahl k'!t die sich auf den Wärmedurchgang von Innen- luft zur Außenluft bezieht). Es handelt sich lediglich um die Errechnung von Zahlenwerten für Vergleinhszwecke mit der er- wähnten W'ärmedurchlässigkeitszahl .*/ für die Normalwand. Über- schreitet der gefundene Wert für / einer zu prüfenden Wand 1,20, so ist sie wärmetechnisch zu beanstanden, und es sind gegebenenfalls Maßnahmen zu treffen, welche den wärmetechnischen Wirkungsgrad auf mindestens ,/ = 1,20 verbessern. Die Wärmedurchlässigkeitszahl wird errechnet auf Grund der Formel: ,________________!____________ oder bei Vorhandensein von Lufträumen als besondere Konstruktions- elemente nach der erweiterten Formel: . 1 Ml + ^2 + • • • + l'Wl + + • • • Darin bedeuten: cTi, (f2, . die Schichtstärken der einzelnen Baustoffe der Wand, Av ^s» ^0» ••• die den Materialien entsprechenden „Wärme- leitzahlen“; vgl. Tabelle S. 267, ... die Luftwiderstände, hervorgerufen durch etwaige Lufträume als besondere Konstruktionselementc, und zwar im Mittel i) Vgl. Bayer. Industrie- und Gewerbeblatt 1919, Heft 7,8, Seite 1 und ff.
Tabelle der Wärmeleitzahlen für feste Körper (nach Knoblauch und Hencky, München). Lfd. Nr. Stoffe Wärme- leitzahl Z Raum- gewjfht kg/cbm Bemerkungen (Feuchtigkeitszustand) i 2 3 4 “ 6 - 7 o 8 9 3 IO ii 12 >3 <4 *5 16 v 17 iS 2 »9 S 20 — 21 22 Kiesbeton 1:4.. „ 1:12... Schlackenbeton ... Ziegelmauerwerk . . » • • Hohlziegelmauerwerk . Hochporöse Ziegel... Schwemmsteine . . . . 0,65 ' 0,70 0,40 o,45 0,78 o,35 0,17 °J3 o,37 0,22 o,6S 0,16 0,05—0,06 0,13, o,iS 0,10 2200 2050 1200 1600 1600 800 630 1250 Ö25 _ 1700 1180 200—280 55°. 825 590 _ 1850 1520 1640 1000 Lufttrocken „ (geringste Werte 0,25 bzw. 870) „ | Mittelwert für normal trocken feucht / Z — 0,60 etwa normal trocken lufttrocken n Gipsdiele, voll .... „ , mit Hohlräumen . . Verputz lufttrocken 9% Wassergehalt lufttrocken Linoleum ... Torfplatten ... Kiefern-, Eichenholz . Sperrholz .... Kies ... Bimskies . . Flußsand . . . . Koksasche . . ... Sagemehl . ... Torfmull . . lufttrocken r> _ __ _ lufttrocken } Wärmedurchgang _L Faser 0,32 0,10 0,28 0,97 0,15 0,055 0,07 trocken F» normal feucht trocken (Z = 0,15 bei 40 % Wassergehalt) Anhang.
268 Anhang. Lw einer Luftschicht bis 5 cm =0,173. „ von 5—10 cm = 0,204, « r » - 10-7-15 r, = 0,219. Zu der auf S. 267 gegebenen Tabelle sei nocK bemerkt, daß die Wärmeleitzahl um so größer wird, je größer das Raumgewicht oder der Gehalt an Wassej ist. Von einem lufttrockenen Zustand kann eigentlich nie die Rede sein, weshalb die in der Tabelle an- gegebenen Wärmeleitzahlen letzten Endes nur bedingten Wert für die Praxis haben. Abb. 632: W&rmetechn lecher Vergleich verschiedener Beton wände mit der Normalwand (al Beispiel i (Abb. 6321). Ist eine 4° cm starke Kiesbetonwand wärmetechnisch ein- wandfrei? Gegeben: <f = o,4o und x = 0,70. Gesucht: .7. Ergebnis*. Da der Normalwert 1,20 erheblich überschritten wird, ist die vorliegende Wand vom wärmetechnischen Standpunkt aus abzulehnen. Beispiel 2 (Abb. 6320). Ist eine 20 cm starke Eisenbetonwand mit einer 3 cm starken Verkleidung vermittels Torfoleumplatten (vgl. S. 256) ausreichend? Gegeben: ^=0,20; ^-0,70. Gesucht: (^ = 0,03 ; ^5 = 0,03. J = = 1,13. 0,20 . 0j03 — 0,70 ' 0,05 Ergebnis*. Die Wandkonstruktion ist ausreichend.
Anhang. 269 Beispiel 3 (Abb. 632b). Welche Stärke muß eine Schlackenbetonwand haben, um der Normalwand“ wärmetechnisch gleichwertig zu sein? Gegeben: ’./=r,2O. ^ = 040. Gesucht: cf. , 1 « X 0,40 ./ = - also </ = —= - = 0,33 m. d 1,20 — Ergebnis: Die Wand muß mindestens 33 cm stark sein. Beispiel 4. Wie groß ist ,1 für die in Abb. 632 c dargestellte Wand- konstruktion ? * Gegeben: di= 0,02, d2 = 0,07, cTs = 0,08, = 0,015, ^=0,05, ^2 = 0.70, i3 = sowie £10 = 0,173. di , dk . cf3 . . r *1 Xß Äg A4 0,02 . 0,07 ,'0,08 , 0,015 . „ „E + ’,7 + rr: + + * • <M73 0,05 0,70 0,40 0,00 Ergebnis: Die Wand ist wärmetechnisch zureichend. Beispiel 5. Ein Raum, der mit 8 cm starken Eisenbetonwänden umgeben ist und daher aus gesundheitlichen (feuchte Wände) sowie wärme- technischen Gründen nicht zur Wohnung geeignet ist, soll gemäß Abb. 632 c durch Verkleidung mit Torfoleumplatten in dieser Hin- sicht einwandfrei gemacht werden. Welche Stärke muß die Torfoleum- platte aufweisen? Gegeben: ,f=i,2o. d‘t für Beton 0,08, Ji „ „ 0,70 und Aa für Torfoleum 0,05. Gesucht: da für Torfoleum. 1 1 1 ^ = 7----T* also I’20 = ‘ Tq---- F vj . dg O,OS . (Tj Ä? ' 0,70 0,03 Ergebnis: Es ist mindestens eine Torfoleumplatten-Verkleidung von 4 cm erforderlich.
W&ruiedurchlässlgkeitszahlen nnd Kohleverbrauch fllr verschiedene Wandausfuhrungen. | Lfd. Nr. | a Bauweise der Mauer, beiderseits 1,5 cm Putz [Hv = Hohlräume verfallt] b Baustoff bedarf für 1 cbm bzw. 1 qm Mauerwerk ohne Putz und Füllstoff [St. = Steine. M. = Fugenmörtel] Wandstärke in cm Im Rohbau __ d Wärme- durch- lässig- keitszahl e Kohleverbi 1 qm 1 zur Her- stellung der Baustoffe kg L.. f rauch für Wand fürHeizung auf 1 Jahr kg I 25 —. 62 1 1 24 2 3 'Maschinenziegel (S. 252) 410 St. + 250 1 M. f. d. cbm 1,20 47 32 80 41 4 1 1 12 — 16 64 5 Hohlziegel (S. 252) . . desgl. 38 0.76 39 24 6 Handstrichziegel (S. 252) desgl. 38 — 43 27 7 Schwemmsteine (S. 263) 295 St. 200 1 M. f. d. cbm 25 0.79 10 25 8 desgl. 38 0,76 9 24 9 | Körnersteine (S. 263) desgl. 25 — 6 34 IO desgl. 12 — 4 55 ii 12 Jscholsteine (S. 275) . 38 25 0,53 o,79 8 < 6 — 13 Clusussteine (Abb. 630) 1 0312 cbm Schlackenbeton + 23 \ \ 1 M f. d. qm | 25 0,98 24 28 14 Ambi (Abb. 619) Hv rd. 30 kg Zement (13 St) f. d. qm 23 0,80 iS 25 15 >6 j-Jurko (Abb. 6r8) Hv / 0,23 cbm Schlackenbeton + 12 | \ 1 M. t. d. qm f 32 32 1,03 0,65 33 33 3> 21 >7 Fiebig (Abb. 615) Hv j 0.181 cbm Schlackenbeton -f- 10 ) \ 1 M. f. d. qm f 29 0,76 26 24 iS Wayss u. Freytag (Abb. 622) Hv 0,21 cbm Beton + 8 1 M. f. d. qm 25 0,81 30 25 19 Becher (Abb. 624) Hv . O»T32 - •» + 8 „ „ n n 25 0,89 21 28 20 U-Platten (Abb. 616) Hv . 0,10 „ + 8 „ , . 30 0,72 iS 23 21 Germaniasteine (Abb. 626) 0,14 w „ +18- . 30 0,9s 25 30 22 Thermos, 5 zellig (S. 265) . . . 0,10 „ - t. d. qm 160 kg Zement f. d. cbm 29 0,62 15 20 23 Gußbeton Mannebach (S. 264) 30 o,95 3> 29 Anhang.
Anhang. 271 1.*gänzend sei noch mitgeteilt, daß neben der^Wärmedurch- b»ssigkoil. also- der Fähigkeit eines Baustoffes, Wärmeverlusten W ider stand zu leisten, als sehr wesentliches Moment die Fähigkeit uncs Ihustoffcs hinzutritt, Wärme zu speichern. Diese Fähig- keit ist einmal abhängig von der Beschaffenheit des Baustoffes, nämlich davon, ob er die Wärme gut oder schlecht leitet. Je nach- <1< m wird er nämlich eine ihm übertragene Wärme schneller oder langsamer abgeben. Daraus geht also hervor, daß grobzellige Bau- stelle diu Wärme länger halten, den Innenraum also vor schnellen lempeiaturschwankungen bewahren. Ferner ist die Große der Wärmespeicherung abhängig von der Stärke der Wandteile. Hat man also ‘Blöcke oder Platten von nur dünner Wandung, so ist es gut, den Wärmespeicher durch Ausfüllen der Hohlräume mit grob- zelligen Füllstoffen zu verstärken. Aus diesen Überlegungen geht hervor, wie wichtig es ist, der Zusammensetzung der Wand die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Beispielsweise würde eine Vlattenwand, deren Hohlräume nur durch Pappestreifen unterteilt wären, zwar theoretisch einen leidlichen Wärmeschutz ergeben, praktiSqh aber nicht genügen; denn sie enthielten bei ihrer Zu- sammensetzung keinen ausreichenden W'ärmespeicher. Wenn ein von solchen Wänden umschlossenes Zimmer im Winter gelüftet würde, wäre es nach dem Schließen der Fenster lange Zeit kalt, weil die Wände zu wenig Wärme speichern konnten sie waren dazu zu dünn. Anderseits würden Wände tus Maschinenziegeln oder Kiesbeton, die sehr gut Wärme leiten, auch nur in sehr ge- ringem Maße Wärme aufspeichern können. Sie müßten, um in dieser Hinsicht zu genügen, außerordentlich stark sein, etwa wie alte KirehenmauernJ). Der Kohleverbrauch für die Herstellung der wichtigsten Baustoffe ist etwa folgender: Maschinenziegel 250 kg für iooo Steine, Handstrichziegel . . . 225 « 1000 Kalksandsteine (N. F.) ISO - „ 1000 Schwemmsteine 70 . 1000 Hochofenschlackensteine (9,5-12-25) 20 1000 Zement . ... 60 _ 100 kg Zement, l) Vgl. auch die Veröffentlichung von Prof. Nußbaum in den .Sitzung* berichten des Reichsverbandes zur Förderung sparsamer Bnuw« is<,# i S. 137.
272 Anhang. Kalk................................. Kalkmörtel 1:4 (30 kg in 100 1 Mörtel) 20 kg für 100 kg Kalk, 6 100 ., 1 Mörtel, Zementmörtel 1: 3 (47 kg in 1001 Mörtel) 29 100 „ „ „ Kies oder Schlackenbeton 1:6 bis 1: 10 | 160 bis 100 kg (Ur den cbm (260 bis 160 kg Zement für 1 cbm Beton) f Beton. Die auf S. 270 gegebene Tabelle gibt eine vergleichsweise Gegenüberstellung verschiedener Ausführungen von AußenmauernJ). Die Wärmedurchlässigkeitszahl A wird sehr viel ungünstiger (höher), sobald keine Verfüllung der Hohlräume vorgenommen wird. Man vgl. Nr. 15 und 16. Sowohl die Wärmedurchlässigkeitszahlen als auch die Angaben über den Kohlenverbrauch — insbesondere über den für die Raum- heizung — dürfen nur als Annäherungs- (Vergleichs-) Werte ange- sehen werden. Einmal spielt der jeweilige Feuchtigkeitsgehalt der Steine eine bedeutende Rolle; dann werden die Konstruktionen der einzelnen Wandarten dauernd verbessert und schließlich muß auch bei den Angaben über den Kohlen verbrauch die Art der Heizung und der verminderte Wirkungsgrad einer jeden Heizung berück- sichtigt werden. Vielfach nutzt die Heizung den Heizwert der Kohl« nur mit 50% aus. 1 3. Verwertung der Schlacke als Baustoff. Die Verarbeitung von Schlacken zu Baumaterial reicht weit zurück. Schon im Jahre 1865 wurden Schlackensteine fabrikmäßig in größeren Mengen fabriziert. Man verwandte dazu Hochofen- schlacke, die durch Wasser oder Dampf granuliert, d. h. so weit zer- kleinert wurde, daß sie mit dem Bindemittel Kalk sofort innig ge- mischt und verpreßt .werden konnte. Solcher Art hergestellte Steine erhärten in einigen Wochen an der Luft zu einem festen, ver- mauerungsfähigen Stein, der sich auch jetzt noch großer Beliebtheit erfreut, denn weit über 100 Millionen solcher Steine werden zur Zeit (1920/21) in etwa 25 Werken alljährlich fabriziert und versandt. Man hat auch versucht, die Kalkschlackensteine mit Dampf zu 9 Vgl. den Aufsatz von Halle und Krakau „Versuch eines wirtschaft- lichen Vergleiches alter und neuer Bauweisen“, Zeitschrift Sparsame Bau- weise 1910, S. 139, 190 — 1920, S. 23, C2. Außerdem sei auf den von Gaßner konstruierten Rechenstab zur Ermittlung des WArmeschutzes von Wänden und Decken aufmerksam gemacht (vgl. Sparsame Bauweise 1920, S. 65).
Anhang. 273 härten, wie die Kalksandsteine, um die Härtezeit auf Stunden ab- zuktirzen, und bat auch damit gute Resultate erzielt. 5 Die Fabrikation der Steine aus Hochofenschlacke ist natur- gemäß an die Gegend gebunden, wo die Hochofenindustrie zu Hause ist’ Nun gibt es aber auch noch viele Schlacken abfälle in der Gasfabrikation, im Eisenbahnbetrieb, bei Kesselschmieden usw., welche bis vor dem 'Krieg nur in Ausnahmefällen verarbeitet wurden, trotzdem die in Halden gelagerten Schlacken keiner Gegend zur Zierde gereichten. Man hatte eben an gebranntem Baumaterial reichlich genug und brauchte Ersatzbaustoffe aus Schlacken usw. nicht oder nur wenig. Die Kriegszeit und der nunmehr eingetretene Kohlenmangel und die Wohnungsnot, die allerorten vorhanden ist, haben hierin gründlich Wandel geschaffen. Viele Stadtverwaltun- gen haben die Verwertung ihrer Gaswerksschlacken selbst in die Hand genommen, viele inzwischen in das Leben gerufene Siedlungs- gesellschaften taten das gleiche. Überall im Deutschen Reich sind, zum Teil mit recht gutem Erfolg, Schlackensteinfabriken1) entständen, Jie ihre Schlacken mit Portlandzement, auch unter Zu- mischung von hydraulischem Kalk, verarbeiten. Man hat bei der Verwertung von Schlacken, die nicht im Hochofenbetrieb gewonnen werden, allerdings auch erst Erfahrungen sammeln müssen und ge- funden, daß für solche Schlacken ein zu großer Gehalt an freiem Schwefel bei der Verarbeitung mit Zement und hydraulischem Kalk unter Umständen gefährlich werden kann. Während nämlich freier Schwefel in der Hochofenschlacke, die in feuerflüssigem Zustand mit einer Temperatur von etwa 1200 Grad aus dem Hochofen fließt, nicht vorkommt, findet er sich aber in anderer Schlacke öfters vör, geht, durch die Atmosphärilien beeinflußt, in schwefel- saure Verbindungen über,’ die event. durch Feuchtigkeit einen all- mählich zerstörenden Einfluß auf die Produkte austtben können. Umfangreiche Versuche und Beobachtungen der Praxis ergaben, *) Das Schlackensteinwerk der Stadt Elberfeld leistet täglich 10 000 Htrino und verarbeitet in gleicher Zett 30 000 bis 50000 kg Schlacken, die au« den Gaserzeugern des Gaswerkes und außerdem aus Privatbetrieben und von der Eisenbahuverwaltung stammen. Für die Herstellung von 2,5 Mill. Steinen im Jahr werden bei achtstündiger Arbeitszeit nur 26 Arbeiter gebraucht. AI iNobung mit Zement 1.14; Festigkeit rd, 70 kg/qcm (bei Kalk nur 20 bis kg »irmi. Kohlenverbrauch * a) für 1 qm Mauerwerk in Ziegelsteinen.................. . III kg ' b) „ 1 „ Schlackensteinen aus Ilucholcneetm nt tu c) h 1 „ ., Poitlundr.«'iiienl »“ Kohlenerspamis nach 1» für ein dreigcschuSHigOK l'eihonhiHiM mit t. r Wohnungen 20000 kg. Kersten, Der Eiscnbeionbnu. II, 1(. Aufl. I*
274 Anhang. daß durch längeres Lagern solcher Schlacken im Freien beim öfteren Wenden der Masse der schädliche Schwefelgehalt durch Regen und Sonnenschein ausgelaugt oder wenigstens so ver- mindert werden kann, daß er unschädlich wird. Bei Vorkommen von freiem Schwefel bis 2 °/0 braucht man Befürchtungen in der angeregten Art nicht zu haben. Die Ausführungen sollen aber darauf hinweisen, daß man Schlacken, die nicht im Hoch- ofenbetrieb gewonnen werdenX immer auf ihren Schwefelgehalt untersuchen lassen muß, wenn man sie mit Zement usw. zu Bau- material zu verarbeiten gedenkt. Von wesentlichem Einfluß für die Druckfestigkeit von Schlackensteinen ist natürlich auch ‘die Festigkeit der Schlacken selbst. Wenn man nicht ausgesprochene Leichtsteine für nicht tragendes Mauerwerk fabrizieren will, so muß man möglichst harte, feste Schlacken bevorzugen. Es ist zumeist nötig, daß diese, weil zu grobstückig, mittels Schlacken- brechern' vorgebrochen und mit Walzwerk weiter zerkleinert werden müssen. Die Korngröße bis 12 mm zeigte bei Verarbeitung mit Dr. Gaspary-Stampfmaschinen für Hand- oder Kraftbetrieb die besten Ergebnisse; denn es wurden bereits im Städtischen Schlackenstein werk Berlin, das mit solchen Konstruktionen arbeitet, bei dem geringen Zusatz von Zement im Verhältnis i Teil Zement zu io Teilen Schlacken 35 bis 38 kg/qcm Druckfestigkeit erreicht. Geht man im Zusatz von Zement auf 1 : 8 oder 1 : 6 oder noch mehr in die Höhe, so dürften Druckfestigkeiten erzielt werden, welche die Steine für alle Bauzwecke des Hoch- und Tiefbauwesens geeignet machen. Da die Schlacken zumeist völlig ausgetrocknet sind* und obendrein mehr Hohlräume als beispielshalber Sand und Kies aufweisen, so ist es erklärlich, daß zu ihrer Verarbeitung mehr Wasser erforderlich ist als bei gewöhnlichem Sand- und Kiesbeton. Man sollte Schlackenbeton immer in Maschinen mischen. Es haben sich dazu die Dr. Gaspary-Kipptrogkonstruktionen mit und ohne Materialaufzug im Dauerbetrieb gut bewährt, denn sie weisen für diesen Zweck Stahlblechmäntel und Rührflügel aus besonderer Materialzusammensetzung auf, die dem scharfkantigen, größeren Verschleiß hervorrufenden Schlackenmörtel auf die Dauer besser widerstehen als die sollst übliche Ausführung. Die Eigenart der Schlacken bringt es mit sich« daß man auch der Weiterverarbeitung auf den eigentlichen Fornpiaschinen die größte Aufmerksamkeit widmen muß. Erprobt sind in der Praxis die Nestor- und Herkules-Stampfmaschinen der mehrfach erwähnten
Anhang. 273 Markranstädter Sonderfirma, die vielfach den von verschiedenen Seiten empfohlenen Preßeinrichtungen vorgezogen wurden. Infolge der nassen Verarbeitung des Mörtels müssen^ die Steine auf Unterlagen,, am besten aus Holz, weil diese zugleich als Trocken- regale dienen, fabriziert werden. Je nach Jahreszeit können die Steine von den Unterlagen nach 2 bis 3 Tagen entfernt und in Stapel gesetzt werden. ,Man wird vorteilhaft die Stapel anfänglich nicht gleich in ganzer Höhe aufführen, um die unteren Steine nicht gleich zu sehr zu belasten. Nach 4 bis 6 Wochen sind sach- gemäß hergestellte Schlackensteine zu vermauern. Es ist vielfach auch noch in Fachkreisen die Meinung verbreitet, daß mit Schlacken - mauersteinen errichtete Gebäude ständig feucht seien. Das ist durchaus nicht der Fall. Natürlich müssen die Mauern, wie bei jedem anderen Baustein, gegen aufsteigende Erdfeuchtigkeit isoliert werden. *Dem Schlagregen und dem Wetter besonders ausgesetzte Hausseiten müssen, wie dies auch sonst der Fall ist, entsprechend verputzt sein. In den großen und kleinen Poren eines solchen Steines kann sich regelrecht angeworfener Putzmörtel sicher viel besser halten als an einer ziemlich porenlosen Fläche. * Hochofenschlacke ist nicht immer von gleicher Giite; die ein- zelnen Gattungen weichen in chemischer wie auch in physikalischer Hinsicht voneinander ab, worauf in jedem Falle Rücksicht zu. nehmen ist. Man unterscheidet zwischen Gießerei- Roheisen- schlacke und Stahl-Roheisenschlacke. Die erstere ist sehr leicht: beim Granulieren entsteht ein stark poröser Schlackensand mit zackigen Brachflächen, der viel Wasser enthält. Die Stahlroh- eisenschlacke enthält stets kleinere Mengen von Metalloxydulen gelöst; sie ist deshalb schwerer. Der Sand zeigt hier rundliches Korn und die chemische Zusammensetzung weist eine gcringeie Basizität auf. Rohgang-Schlacken und die beim Erblasen von Spezialeisen fallenden Hochofenschlacken sind für die Schlackenvcrarbeitung durchweg nicht brauchbar. In welcher Richtung die einzelnen Hochofenwerke ihie Schlacken weiter verarbeiten, hängt einmal von der chemisch-physikalischen Beschaffenheit und außerdem von rein lokalen Verhältnissen. w»n der Nachfrage im jeweiligen Absatzgebiet ab. Auch hici ge.rhuht die Herstellung der Steine wohl dmchgchi-nd nach <!• in IS
276 Anhang. Lufterhärteverfahren; die Anlagen für die Dampferhärtung, von der schon einmal (S. 272) gesprochen wurde, mußten wegen des allgemeinen Kohlenmangels stillgelegt werden. Zweckmäßig mischt man mehrere Arten von Hochofenschlacken so, daß sie sich in ihrem spezifischen Gewicht ergänzen. Man mische also die leichte Gießerei-Roheisenschlacke mit schwerer Stahlroheisenschlacke. Wichtig ist es auch, daß man für die Stein- herstellung ohne Bedenken solche Schlacken verwenden kann, die bei langsamer Erstarrung infolge zu hoher Basizität zerfallen und somit für die Aufbereitung zu Schotterzwecken ausscheiden würden. Durch die Wassergranulierung wird der Zerfallprozeß unterbunden. Die Steine sind stets eben, scharfkantig und gut nagelbar. Trockengewicht etwa 2,8 kg, also unter den Werten für Mauerziegel II. Klasse liegend. Wasseraufnahme doppelt so groß, als für Back- steine vorgeschrieben, etwa 18 bis J9°/o in 24 Stunden (also gute Wärmehaltung und Luftdurchlässigkeit!). Druckfestigkeit 60 bis 45 5 kg/qcm, innerhalb eines Jahres bis auf 70 und mehr kg/qcm steigend. Luftdurchlässigkeit (Atmungsfähigkeit) liegt erheblich über dem Durchschnitt aller Backsteine. Wärmedurchlässigkeit geringer als beim Backsteinbau. Besonders zweckmäßig wäre eine Hohlwand, aus Schlackensteinen hochkant errichtet, mit 15 bis 20 cm Zwischenraum und Ausfüllung mit durchaus trockenem Schlackensand. Im Betrieb der Rheinischen Stahlwerke G. m. b. H., Mülheim a. d. Ruhr werden mit nur 15 Personen bis. 70 000 Steine im Tag hergestellt. Auf die allgemein amtliche Anerkennung der Hochofenschlacke als Zuschlagsstoffe für die Herstellungwvon Beton ist in den amtlichen Bestimmungen, sofern eine Eignungsprüfung voraus- geht, unter § 5, Ziffer 2 aufmerksam gemacht1). Vielfach wird die Hochofenschlacke als Mörtelzuschlag ver- wendet. Auf besonderen Kollergängen wird die granulierte Hoch- ofenschlacke gemahlen, mit Kalk und Wasser angemengt (etwa 1 Teil Zement + 5 Raumteile Schlackensand + 15% Wasser) 9 Den Berichten über die Versuche der vom preußischen Ministerium der Öffentlichen Arbeiten eingesetzten besonderen Kommission ist zu ent- nehmen, daß sich aus Hochofenschlacke ein ebenso guter Beton als mit Ries herstollen läßt, daß das eingebettete Eisen In keiner Weise leidet und die Schlacke keinen unmittelbaren Einfluß auf sein Rosten hat. Die verschiedenen Versuchsreihen erstreckten sich auf 3 und 5 Jahre Dauer.
Anhang. 277 und als fertiger Mörtel in Gruben abgelassen. Es können dann von ein und derselben Stelle aus viele Baustellen im Bezirk versorgt werden. .Untersuchungen haben gezeigt, daß ein solcher Schlacken- sandmörtel ganz erheblich leichter als Rheinsandmörtel, bezüglich der Festigkeit dem Rheinsandmörtel aber durchweg Überlegen ist. Für die Gewinnung von Schotter für weitere Verwendung zu Beton, Gleisbettung. und Straßenbau läßt man die Hochofenschlacke in «Kübeln erstarren, kippt sie ab und ü*|ennt sie nach Durchgang durch Brecher und Siebtrommel für die einzelnen Zwecke nach Korngröße. Wichtig ist nur, daß Schlacke, die zum Zerfallen neigt, vor der Aufbereitung ausgeschieden wird. Solche verdächtige Schlacke läßt man zweckmäßig S Tage lang liegen und beobachtet ihre Beständigkeit; zeigen sich nach 8 Tagen keine Zcrfallprodukte, so kann man auch diese Schlackenklötzc mitverarbeiten. Da aber meistens erheblich mehr Klotzschlacke zur Verfügung steht, als für die Aufbereitung entsprechend der Lieferverträge notwendig ist, wird man immer nur die beste Schlacke auswählcn. Neuerdings scheint das Verfahren mehr an Bedeutung zu ge- winnen, nach welchem man die flüssige Schlacke in gjoße Betten gießt und sie in mindestens 5 cm starken Lagen übereinander er- starren läßt, um auf diese Weise eine Temperung hcibeizul Uhren. Das so gewonnene Material wäre besonders für Gloisbcttung gut geeignet. Für Wegebauten wird grobe StÜckschlackc hantig zum Ver- sand gebracht; die erstarrte Ktotzschlacke wird von llnnd zer- kleinert, in Kippwagen gefüllt und direkt in Eisenbahnwagen ent- leert. Korngföße bis 25 cm. 4. Leichtbeton nnd leichte, auch kohlesparende Dacli- eindeeknngen. Der Leichtbeton ist namentlich für den Schiffs- und Waggon- bau von Wichtigkeit. Vom Beton werden hier die folgenden Eigen- schaften gefordert: Geringes Gewicht, Wasserdichtigkeit und genü- gende Festigkeit auf Druck, Zug, Schub und Stoß. !>.*% geling* Gewicht ist nötig, um die Tauchtiefe zu verringern. <•* cm sich in dieser Beziehung die Verwendung von Tiaß und Bimu*«d bzw. Bimskies. Geeignete Zusammensetzungen sind in drt
218 Anhang. Seite 279 gegebenen Tabelle angegeben (Versuchsergebnisse von Leichtbetonproben der A. G. Dyckerhoff & Widmann). Die Hinzufügung von Traß ändert das spezifische Gewicht der Mischung nur« unwesentlich, vermindert auch keinesfalls die Festigkeit, erhöht sie sogar in gewissen Fällen. Wichtig ist aber vor allein der Umstand, daß ein Traßzusatz die Mischung auch gegen Meerwasser widerstandsfähig und überhaupt gegen schädliche Agentien, wie Salze und Säuren, unempfindlicher macht. Der Beton wird dichter, zäher, elastischer und widerstandsfähiger gegen Stoß. Ein Ersatz des Flußsandes durch Schlackensand vermindert das spezifische Gewicht, anderseits aber auch die Festigkeit in ziemlich starkem Maße. Eine weitere Verminderung der Festigkeit würde eintreten, wenn man statt des Schlackensandes Bimssand verwenden würde. Das gleiche gilt von einem Ersatz des Fluß- kieses durch Bimskies. Schlackenlava stellt, sofern es sich um die Festigkeit handelt, einen vollwertigen Ersatz für Kies dar. Sämtliche in der Tabelle angegebenen Mischungen weisen einen derart reichlichen Zementgehalt auf, daß man die Mischungen als vollkommen dicht gegen Wasser bezeichnen muß. Weitere Dich- tungsmittel sind nicht nötig. Bei den Probeausführungen ist sogar bei einem Wasserdruck bis 2,5 at vollkommene Wasserdichtigkeit gewahrt geblieben. Besondere Stoß versuche durch Fallgewichte zeigten eine bedeutende Widerstandsfähigkeit und Zähigkeit des Betons. Der Leichtbeton weist zweifellos eine höhere Elastizität auf als der Kiesbeton. Es wurde auch eine hohe Haftfestigkeit zwischen Eiscneinlage und Beton festgestellt. Bemerkt sei noch, daß bei allen Proben Platten mit beiderseitiger schwacher Beweh- rung, wie solche bei den dünnen Platten im Schiffbau in Gebrauch ist, verwendet wurden. Die Tabelle zeigt den Einfluß der Verschiedenartigkeit der Zu- schläge; die Korngröße dieser Zuschläge beeinflußt die Geschmeidig- keit des Mörtels. Man erkennt außerdem die Herabminderung der Festigkeiten mit abnehmendem spezifischen Gewicht. Die vorstehend angegebenen Mitteilungen der Dyckerhoff und Widmannschen Versuche sind in den Mitt. 1920 S. 89» 105 ein- gehend behandelt worden. Auch die A. G. Wayss & Freytag hat derartige Versuche durchgeführt (vgl. Mitt. 1919 S. 141). Auf Grund dieser Versuche wurde für den Bau der in Frage kommen- den Schiffe mit einer Mischung aus 8/i Zement, l/fl Traß, 2% Zuschlags-
Leiehtbetonproben der A. G. Dyckerliofr & Widmann. » 1 LM- 1 Mischungs- । Verhältnis Mise c § £ M hungsverhältnisse in Raumteilen 1 Muschel- Rhein- 1 Rhein- Bims- Bims- kalk । sand kies sand kies 0—3 | 0—5 5 -10 0—5 5—io • Nach 4 ^Vochen ??ez‘ Zug . Druck »Gew. s | • Bemerkungen • I 2 3 4 5 N o m O 7ö O o rO fC 1 । o,5 __ 1 | o.5 , i 1 o,5 1 | o,5 i 0.25 O,ä | 1 1 1 1 " ! 1 1 1 1 * 0 1 e Q N « IC " R 1 ‘0 ‘0 1 । 1 0 o ' 1 1 - - ? «.55 ' «o 1.95 ’S i,95 26 i,6o 24 1.65 ,3 1 180 trotz fetter Mischung nur geringe Festigkeit1) 210 220 190 <75 schwer, aber gute Festigkeit desgl. Nr. 1 ähnlich, aber höhere Festigkeit schwerer, auch geringere Festigkeit als Nr. 4 »;i m.ix. i. i i• • . 1 u'ie F «Vf«• • *r < 1 t 4m BoHtaan i et*a zur Hälft«, durch Rheinland und -kies, so -% r4 ig *«"• «ru-eie«* sj-e*»a»eben fi**wicbt xrd 1.!*»». Anhang.
280 Anhang. stoffen eine Festigkeit von 200 bis 250 kg/qcm nach 45 Tagen bei einem spezifischen Gewicht von 1,6 bis 1,7 erzielt. (Die Tabelle von Dyckerhoff & Widmann gibt die Festigkeiten für nur 28 tägige Er- härtung an, was zu beachten ist). Bimsbetondiclen und -kassettenplatten sind bereits an anderer Stelle besprochen worden. Es sei auf die Seiten 11, uo, sowie die Abb. 6, 29, 52 m, 236 bis 240 aufmerksam gemacht. Solche Bims- betoneindeckungen erscheinen aber nicht in jedem Falk- vorteilhaft, weil die Festigkeit des Bimsbetons eine nur verhältnismäßig geringe ist und außerdem die Bimsdielen durch Dämpfe und Gase leicht leiden können. Ist keine genügende Bewehrung vorgesehen, so muß stets mit einem gewissen Bruchverlust gerechnet werden. Immer- hin haben die Abdeckungen mit Bimsbeton, namentlich in West- deutschland, sehr viel Anklang gefunden. Die Feuer ton platten (Bauweise Leschinsky) sind in reinem Ton hergestellt, 5 bis 7 cm stark, 1,0 m lang und 20 bis 25 cm breit. Sie sind mit Hohlräumen versehen und weisen eine genügende Bruchfestigkeit auf. Gewicht dieser Platten bei 6 cm Stärke nur 40 kg/qm. Gegen Wasser, Feuer, Frost, Gase und öle sind sie unempfindlich. Auch wirken Temperaturspannungen und Schwind- erscheinungen nicht ungünstig ein. — Bei größerem Spaltenabstand als 1,0 m gelangen Steineisendielen mit Eisenbewehrung in den Zementfugen zur Anwendung. Diese Dielen bestehen aus porigen Lochsteinen von 20 • 30 cm Fläche und ebenfalls 6 cm Stärke. Die Aufbringung von Dachpappe erfolgt etwa nach Maßgabe der Abb. 246 bis 248. Überhaupt sei an dieser Stelle auf die in ge- nannten Abbildungen veranschaulichte Zomaksche Bauweise empfeh- lend hingewiesen. Holz- und Schilfbeton. Neuerdings sind Versuche mit einer Bewehrung der Zugzone des Eisenbetons durch Holzstäbe oder Schilfrohr als Ersatz für Eisen unternommen worden1). Wenn die Versuche auch noch nicht als abgeschlossen gelten können, so haben sie doch ergeben, daß 1% Eisenbewehrung etwa die gleiche Tragfähigkeit erzeugt wie 15% Schilfquerschnitt. Die dem Holz im allgemeinen anhaftenden ’) Vgl. v. Emperger ..Holz und Schilf als Ersatz des Eisens in der Zugbewebrnng*- (Beton u. Eisen t919, Heft 1 und 3). — Weiterhin vgl. Mitt. 1921. S. 19.
Anhang. 281 unangenehmen Eigenschaften des Arbeitens im Mörtel können durch Auslaugung und Durchtränkung, also durch Vernichtung der orga- nischen, zur Fäulnis neigenden Bestandteile beseitet werden. Tektohplatten werden von den Deutschen Steinholzwerken (Berlin NW40) in den Handel gebracht. Es sind Platten, die in Längen bis zu 3,50 m, in Breiten von 40 cm und in Stärken von 16, 30, 35 und 45 mm, entweder mit vollem Querschnitt oder mit kassettenartigen Aussparungen auf der Unterseite, angefertigt werden. Die Fugenstöße erhalten Nut und Feder, die mit einer besonderen Kittmasse äbgedichtet werden können. Die zur Herstellung der Platten verwandten Stoffe bestehen aus Sägespänen und gemahlener Hochofenschlacke; als Bindemittel wird Magnesiazement verwandt. NacJ Maßgabe der Abb. 633 dienen zur Aufnahme der Zugspan- nungen Holzeinlagen aus gewöhnlicher Kleinschnittware, gelegentlich auch SclTilfrohre und andere langfaserige Stoffe. Die Platten kommen völlig erhärtet u Holz bearbeiten, können also, gesägt, genagelt und geschraubt werden, sind feuersicher und leicht. Beispielsweise beträgt das Gewicht einer 30 mm starken Diele mit gerillter Unterseite nur 21 kg/qm. dämpfend, schwamms!eher Tabelle S. 267). trocken auf den Bau, lassen sich wie Die Tcktonplattcn sind außerdem schall- und geruchlos. Wänncleitzahl <>,15 (vgl 5» Feuerfeste, feuersichere, glutsichoro Ihm weisen1). Auf Grund des Ergebnisses der Versuche der letzten Jahre* werden von der Städtischen Baupolizei in Berlin die in Nachstehender Zusammenstellung aufgeftthrten Bauweisen als feuer- fest, als feuersicher oder als glutsichere Ummantelung anerkannt. , Als feuerfeste (sprachlich verwechselungsfreier und zu- treffender „feuerbeständige“) Bauweisen sollen hierbei grundsätzlich solche gelten, die dem Feuer in gleicher Weise widerstehen, wie eine 12 cm starke Wand aus Ziegelsteinen oder eine 6 cm starke Diese Begriffsbestimmung der verschiedenen Grude do* b'oiii-i’Nehuix* « ist sehr wichtig. Die Zusammen Stellung erleichtert die Auswahl «Inor 1i»u weise für einen bestimmten Zweck. Das Berliner Raupuli/.eiinnt wird Mitteilungen über abweichende Erfahrungen entgcgcnnolinn n.|
282 Anhang. bewehrte Betenwand, wenn ihre Höhenmaße den üblichen Stock- werkhöhen entsprechen. Als feuersichere (Feuerschutz bietende) Bauweisen sollen solche gelten, die dem Feuer in gleicher Weise Widerstand leisten wie ein i Vs cm starker Kalkputz. Als glutsichere Ummantelung (oder besser: „erhöhten Feuerschutz bietende“ Bekleidung) sollen solche Bauweisen gelten, die dem Feuer den gleichen Widerstand leisten wie 3 cm starker bewehrter Beton. Als feuerfeste (feuerbeständige) Bauweisen gelten: a) Wände bis zu gewöhnlicher Stockwerkshöhe: 1. 12 cm starke Wände aus gebrannten Ziegelsteinen oder Kalksandsteinen, die eine Druckfestigkeit von mindestens 150 kg aufweisen. 2. 9 cm starke bewehrte Schlacken beton wände im Mischungs- verhältnis bis 1:5. 3. 8 cm starke bewehrte Wände aus Bimszementdielen. 4. 6,5 cm starke bewehrte Wände aus gebrannten Vollziegeln oder porösen Ziegeln (Prflßwände). Die zu verwendenden Ziegel müssen eine Druckfestigkeit von mindestens 150 kg und eine Porosität von weniger als io°/0 aufweisen. 5. 6 cm starke bewehrte Betonwände aus Kies, Kalkstein, Basalt bei einem Mischungsverhältnis von 1:4. Desgleichen bewehrte Zementplattenwände vom gleichen Mischungsver- hältnis. b) Treppen. r. Kunststein treppen (Stufen aus Zementkunststein mit Eisen- bewehrung). 2. Eisenbetontreppen (Stufen und Lauf gleichzeitig hergestellt mit Bewehrung und Mischungsverhältnis 1:4). c) Türen (feuerbeständige Türen müssen einer Feuersglut von 900 Grad Celsius mindestens Vs Stunde lang Widerstand leisten). Türen aus doppelten, mindestens 1 mm starken Eisenblech- platten mit Asbesteinlagen, die selbsttätig zufallen, in 15 mm breite Falze aus feuerbeständigem Baustoff schlagen und dicht schließen. (Systeme Berner, König u. Küken, Schwarze, Grinell-Springler, Ungerer, Gruhle, Renner, Kuppler, Panzer A.-G.)4. d) Verglasungen. Sie müssen den Einwirkungen des Feuers und Wassers so viel Widerstand bieten, daß innerhalb einer
Anhang. 2S3 halbstündigen Brenndauer (1000 Grad Celsius) ein Ausbrechen der Scheiben oder Verlorengehen de*» Zusammenhanges des Fensters nicht cintritt. ,* Drahtglas von mindestens 8 mm Dic'/e. ^Is feuersichere (Feuerschutz bietende) Bauweisen gelten: a) Wände. r. Bretterwände, die mit Mörtel abgeputzt oder in sonst gleich wirksamer VVejse gegen die Übertragung von Feuer gesichert sind. Wände aus^Gips, Kunststein oder dergleichen Platten. 3. Ausgemauerte Fachwerks wände, Rabitzwände, Drahtziegel- wände und dergleichen. b) Treppen. 1. aus natürlichem Sandstein. 2. aus Eisen oder Eichenholz. 3. q^is anderem Holz oder aus natürlichen Steinenw’enn die Unterseiten der Stufen bei ersteren gerohrt und geputzt, bei letzteren gejhitzt oder bei beiden mit einer gleich wirksamen Bekleidung versehen sind. c) Türen. Holzttiren aus 25 mm starken gespundeten Brettern mit beider- seitig laufgeschraubter oder aulgenietctffr Eisenblechbckleidung, miW unverbrennlicher Schwelle und Türwundung, in ma»ivc Faire schlagend und selbsttätig schließend. d) Verglasungen aus Glasbausteinen, Drahtglas, Glastufcln nach Art der elektrolytischen Verglasung und mit Eisenbetonspnuscn. Als glutsichere Umfnantelung (erhöhten Feuerschutz bietende Bekleidung) gelten: 1. 7 cm starke Gipsplatten (Mischung: Koksasche, Gips, Sand 1:4:5) mit Eisenbewehrung. 2. 5 cm starker Rabitzputz auf Drahtgewebe. • 3. 5 cm starke Bimszementdielen. 4. 4 cm starker Asbestzement auf Drahtziegelunterlage oder auf Drahtgeflecht. 5. 3 cm starker bewehrter Beton aus Kies, Kalkstein oder Basalt (Mischung 1 : 4).
Verlag von WILHELM ERNST & SOHN, BERLIN W66 Wilhelmstraße 90. BETON»EISEN Internationales Organ flir Betonbau Herausgeber: Dr. Ing. F. Emperger, Oberbaurat Jährlich 20 Hefte Preis I. bis IV. Vierteljahr Je 120 M. und Postgeld Seit 20 Jahren die führende Zeitschrift auf dem Gebiete des Eisenbetons Der Jubiläums-Jahrgang 1922 wird eine Reihe von Abhandlungen führender Fachmänner auf dem Gebiete des Eisenbetons bringen, insbesondere u. a. von Andersson, D., Obering., Malmö Bach, C., Staatsrat, Prof., 5)c.* 3nfl., Stuttgart Bechyne, H., Zlviling., Prof., Dr., Prag Boon, A., Obering., Amsterdam Brausewetter, V., Vorsitz, des österr. Beton Vereins. Wien Buchartz, H., Prof., Berlin- Dahlem Doelnck, Privatdozent, ©r.*3nß, Oliva b. Danzig Enyedi, B., Ing., Budapest ForselL C., Prof., Stockholm Gary, M., Geh. Rat, Prof., Er.'Sng., Lichterfelde Goldemund,Dr.,Baudirekt. aD., Wien Hawranek, A., Prof., Dr. Ing., Brünn Helm, Rm Obering., Wien Hotop, L.. Geh. Baurat, Prof.; ®r.»3nß.» Hannover Kardos, F., Zlviling, Dr. Ing., Budapest Kayser, Hm Prof., Darmstadt Kleinlogel, A>, Prof., Tr.*3ng., Darmstadt Kohnke, R., Prof.. Danzig Kreüger, H., Prof.. Stockholm Locher, Fr., Prof., Zürich Löser, B., Ing., Dozent, Dresden Lossier, H., Ing., Conseil Argenteuil Mautner, K. W., 2)r.»3nß., Düs- seldorf Melan, J., Hofrat, Prof., Prag Mllankovitch, Mm Univ.-Prof., Belgrad Miller, R. P., New York Möller, Mm Geh. Hofrat. Prof., Braunschweig Mörsch, E., Prof., Tr.»3itß., Stuttgart Nakonz, W., Reg.- u. Baurat, Tr.»3n<j., Berlin Datenfeld, A. »Prof, Kopenhagen Perrln, L., Prof.. Genf Petry, W., ®r.»3nß., Direktor. Obercassel Revere, J., Prof., Mailand Ribera, J. Em Madrid | Saliger, R., Prof., Dr. Ing., Wien ! Schnyder, M., Prof.. Burgdorf | Schäle, F., Prof., Dr.Ing., Zürich Spofford, M. ChM Prof, Boston Suenson, E., Prof., Kopenhagen Tedesco, M. de, Ing. Conseil. Paris Theiss, S., Baurat, Prof., Wien ] Thompson, S. EM Boston , M । ThulIIe.M., Hofrat, Prof., Lem- ! berg i Thumb, Rm Dipl.-Ing., München 1 Probeheft jederzeit zur Ansicht! Zu beziehen durch jede Buchhandlung, Postamt oder vom Verlag^. Buchdruckeroi Gebrüder Ernst, Berlin SW 68.