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INGO GEISLER
VERLAG • WILLMERING
Arbeits- und Fachkunde
für Schuhmacher
Von Max Sahm
6. Auflage 1994
(unveränderter Nachdruck der 4. Auflage 1960)
G
Ingo Geisler Verlag • 93497 Willmering
Mit Genehmigung des Verlages B. G. Teubner, Stuttgart, veranstalteter
reprographischer Nachdruck der „Arbeits- und Fachkunde für Schuhmacher" von
Max Sahm, 4. Auflage 1960. Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des
auszugsweisen Nachdruckes und der Wiedergabe, seitens B. G. Teubner, Stuttgart,
vorbehalten.
Gesamtherstellung: Neue Presse Druck GmbH • 94030 Passau
Max Sahm
Arbeits- und Fachkunde
für Schuhmacher
Vorwort zur 6. Auflage
Dieses Fachbuch soll dem lernenden, aber auch dem im Beruf Stehenden, hel
fen, indem es einen Überblick über die Techniken des Schuhemachens vermit
telt. Trotz der Problematik, die der unveränderte Nachdruck, mit freundlicher Li
zenz-Genehmigung des Teubner-Verlages, vor allem hinsichtlich der Abbildun
gen, birgt, findet der angehende Schuhfachmann für seine praktische Arbeit,
aber auch in der Theorie, viele Anregungen, die mit Vorteil verwendet werden
können.
Zwischenzeitlich weitergehende Arbeitsweisen, wie geklebte Böden, Zwicken
mit Zwicktacker, Einstechen mit Lippenband, Verarbeitung von Kunststoffkap
pen oder einzelne Schuhtypen und ihre Macharten usw., werden in loser Folge
in der, vom Verlag herausgegebenen, Fachzeitschrift „Der Schuhmacher" ver
öffentlicht und als Sonderdrucke erscheinen.
Der Werkstoff, der für das Schuhwerk hauptsächlich verarbeitet wird, ist Leder,
dessen richtige Behandlung und Verarbeitung im Betrieb nicht nur Kenntnisse
seiner Herstellung, sondern auch eine sorgfältige Beobachtung erfordert. Des
halb ist der Beschreibung dieses wichtigen Rohstoffes auch der gebührende
Raum gewidmet.
Alle, die in der Schuhbranche tätig sind, ob im Handwerk oder im Handel, dür
fen nie vergessen, in welch starkem Maße die Fußgesundheit von der rich1igen
Beschuhung abhängt. Deshalb sind fundierte Kenntnisse auf dem Gebiet der
Fußgesundheit Voraussetzung. Dieses Wissen wird in dem hier in 6. Auflage
vorgelegten, seit Jahrzehnten bewährten und für das handwerkliche Wirken im
mer noch gültigen Fachbuch hinreichend abgehandelt.
Ingo Geisler
V
VORWORT
Vielerlei Ursachen wirken sich auf die Gesundheit unserer Füße schädigend aus,
verändern schon beim Jugendlichen die Fußformen, machen unsere Füße lei
stungsschwach und zu einer Quelle von Beschwerden. Mit zunehmendem Alter
entwickeln sich daraus oft ausgeprägte, äußerst schmerzhafte Fußkrankheiten,
sogenannte Belastungserkrankungen, wie Knick-, Senk-, Platt-, Spreizfuß und deren
Begleiterscheinungen, wie Krampfadern, Venen- und Nervenerkrankungen. Viele
Mittel versprechen Linderung, doch versagen sie in den meisten Fällen, weil das
Grundübel nicht vom richtigen, fußgesunden Schuh aus angegangen wird. Dieser
aber spielt die Hauptrolle sowohl bei der Verhütung als auch bei der Bekämpfung der
Fußleiden und nicht die meist billigen, in unzweckmäßigem Schuhwerk getragenen
Behelfsmittel. Für die Gesunderhaltung des Fußes, für das volle Wiederherstellen
verlorengegangener Leistungsfähigkeit und besonders für das Beheben von
Fußbeschwerden gibt es kein besseres Mittel als den alle Eigenarten des Fußes
berücksichtigenden Schuh nach Maß. Für den Schuhmacher wird es sich somit
künftig vielfach darum handeln, für Fußkranke geeignetes Schuhwerk herzustellen;
und neben den Wiederherstellungs- und Korrekturarbeiten an Schuhen wird es
seine Aufgabe sein, die falsch Beratenen und der Hilfe Bedürftigen über ihre
Beschwerden aufzuklären. Dazu muß der Schuhmacher imstande sein, einen Schuh von
Grund auf selbst herzustellen. Erst dann beherrscht er die Arbeit seines Faches und
damit die Gmndlagen für eine Handwerkerexistenz mit goldenem Boden. Boden.
Das ist eine gewiß nicht leichte Aufgabe, denn zu jedem einzelnen Gebiet, wie dem
Boden- und Leistenbau, dem Modellieren und Schäftebau, dem Maßnehmen, der
Auswahl, Verarbeitung und Auswertung der Rohstoffe gehören umfangreiches
Wissen und Können. Vom Meister bzw. Orthopädie-Schuhmachermeisier muß
verlangt werden, daß er alle diese Gebiete beherrscht. Jedoch ist schon bei der
Ausbildung des Lehrlings mit dem Erlernen einer einwandfreien Bodenarbeit zu
beginnen. Denn es ist eine unerläßliche Forderung unserer Zeit an das Schuh
macherbandwerk, den höchsten Leistungsstand zu erreichen, damit es seine
wichtigen Aufgaben für die Fußgesunderhaltung erfolgreich bewältigen kann.
Die Besonderheit der Aufgabe, die Arbeit am Schuh und das dazu notwendige
Wissen darzustellen, machte es erforderlich, zahlreiche Photos und Bilder zur
Veranschaulichung heranzuziehen. Langjährige Erfahrungen· aus meiner Tätigkeit als
Schuhmacher- und Orthopädie-Schuhmachermeister im In- und Ausland und als
Lehrer kamen mir bei der Gestaltung dieser Arbeits- und Fachkunde zugute.
VII
Sie gibt dem Lernbeflissenen die Möglichkeit, sich, gestützt auf seine
Werkstatt-, Berufsschul- und Fachschulerfahrungen, die Grundlagen der
Anatomie, einer guten Bodenarbeit sowie der Leisten-, Modellier- und
Schäftearbeit anzueignen.
Ich hoffe, daß auch dieser 4. Auflage ein Erfolg beschieden ist und daß sie
zur unerläßlichen Leistungssteigerung im Schuhmacherhandwerk beiträgt.
Frankfurt (Main), Frühjahr 1960
VIII
MAX SAHM
INHALT
Erster Teil
Seite
1
A. Die Auswahl des Bodeuleders
I. Vom Bodenleder und seiner Gewinnung ................... ..
a) Vom Einkauf des Bodenleders.
b) Fehler der Haut ..... . ... . . .
1. Naturschäden ............
2. Schnittschäden . . . . . ......
c) Das .Altgerben ..............
II. Das Zerlegen der Haut und der
Bodenlederausschnitt .... . . .. . .
a) Die halbe Haut und ihre Zer
legung . ................... .
b) Der Ausschnitt des Bodenleders
aus der Haut ...............
c) Die Bodenlederzutaten ... ....
B. Das Zurichten des Boden1eders ... . .
I. Die Bodenlederteile werden für das
Zurichten vorbereitet . . ... . ....
II. Das Zurichten der Brandsohle ..
a) Werkzeuge für die Bodenarbeit
b) DieBrandsohle wird beschnitten
c) Das Einarbeiten der Einstech
bahn bei der Brandsohle .....
III. Das Zurichten der Hinterkappe .
IV. Das Zurichten der Rahmen .....
V. Das Zurichten der Steifkappen ..
VI. Das Zurichten des Fleck- oder
Absatzleders ..... . ..... . .. ....
VII. Das Zurichten der Keder ... . . . .
VIII. Das Zurichten des Gelenkleders ..
IX. Das Zurichten der Durchaussohlen
X. Das Zurichten der Überstemme ..
C. Das Aufzw:ickcn der Schäfte ........
I. Die Schäfte werden überprüft und
zum Aufzwicken vorbereitet ....
II. Die Schäfte werden aufgezwickt .
a) Das Vorholen ...............
b) Das Zwicken des Fersen- und
Gelenkteils ...... ...........
III. Das Einarbeiten der Steifkappen
a.) Die Steifka.ppe wird zwischen
Besatz und Zierkappe einge
bracht ....... ..............
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47
Seite
b) Die Steifkappe wird auf das
Futter gezwickt .... . .. ...... 49
D. Die Bodenbefestigung ... ......... .
I. Der Einstechdraht . . . .. . . . . . . .
II. Das Einstechen ..... ..........
III. Das Einbinden des Fersenteils ..
IV. Das Beschneiden des Rahmens ..
V. Das Einarbeiten des Gelenkleders
VI. Das Ausballen ............... .
VII. Das Aufrichten und Beschneiden
der Durchaussohlen ......... ..
VIII. Das Rißschneiden .... . ........
IX. Das Nähen und Doppeln der
Durchaussohlen. .... . . ..... . . . .
a) Die Nähmittel ............. .
1. Garne und Zwirne ... .... .
2.Seide .. . ........... . .....
3. Borsten .. ............ . . .
b) Das Nähen und Doppeln .....
X. Der Absatzbau ................
a) Die Nägel .........'.........
1. Holznägel ... .............
2. Metallnägel ............ ..
b) Der Absatzbau . ........... .
XI. Die Ausputza.rbeiten .... . ......
a} Die Ausputzmittel ..........
1. Glaspapier . ..... . . . . .....
2.Tragant ............. ... .
3. Kaltpoliertinte ........ ...
4. Wachse ..................
5. Oberlederschwär.i:e .... ....
6. Oberlededaok {Appretur) . .
b) Der Vorputz .. .............
c) Der Ausputz .......... .....
d) Der naturfarbige Ausputz ... .
e} Das Ausleisten . . ...... .... .
XII. Da.s Kittverfahren ............ .
XIII. Hilfsmittel für die Sohuhmacherarbeit ........................
a) Klebemittel ........... .... .
b) Kork ......................
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IX
Zweiter Teil
Sc!Le
A. Das Maßnehmen . .. .............. 86
I. Das Umzeichnen des Fußes und die
Abnahme der Trittspur .. ....... .
a) Ein Trittspurgerät wird benutzt .
b) Farbblätter werden verwendet ..
II. Das Abnehmen der Weiterunaße .. .
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B. Vom gesunden und kranken Fuß .. . !J0
I.Der gesunde Fuß ....... . .......
a) Das Skelett ...... .. ... ... ....
l . Das Bein- und Fußskelct.t . ..
2.Die Gelenke ..... ..........
3. Die Bänder . .... . . ...... ...
b) Die Muskeln ... . .... .. . . .....
II. Der kranke Fuß .... ... . . . . .. . . .
!J l
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102
C. Der Leistenbau .................. 109
I.Die Erarbeitung eines Maßleisterui
aus dem Roh.klotz ......... . ... . 109
a) Das Brandsohlenmuster wird her
gestellt . ...... ..... .......... 109
b) Das Leistenprofil wird entwickelt 110
II.Die maschinelle Leistenherstellung 113
III.Leistenformen .................. 116
IV. Leistenspitzenformen ............ 118
D. Das Schüftemachen .............. 119
I.Der Schuhmacher muß die Schäfte
selbst machen ..... . . . . . . . ......
II. Das Schäftezeichneo und Modellieren
a) Die Einzeichnungen am Leisten .
b) Die Entwicklung der Leistenkopie
c) Das Schaftzeichnen und Modellieren verschiedener Muster . . .. ..
X
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120
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124
1.Das Herrenschnürstiefel.
Muster mit Ringsbesatz .....
2. Das Herrenderbystiefel-Mustor
mit Blatt .... .. .. . .. .. .....
3.Das HerrenschnürschuhMuster ....................
4. Das Derbyschuh-Mustcr mit
Blatt . .... . ........... ....
5.Das DmnenschnürschuhMuster .... ................
6. Das Damcnspangcns<'huhMust.er ....... .. ...........
Seite
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III.Das Schäftemachen .........._ .. 142
a) Das Oberleder und seine Gerbung 142
1.Die vegetabile Gerbung .. ... 142
2.Die Alaun- oder Wcißgerbung 144
3.Die Mineralgerbung . ... . . . . . 144
4.Die Sämisch- öder Fettgerbung 145
5. Die gebräuchlichsten Oberleder
des Schuhmachers .......... 146
6. Die Koll\binationsgerbung . .. 150
b) Das Auslegen und Am,fellen .... 150
l. Das Auslegen .... . . ... ..... 150
2. Das Ausfeilen .. ............ 156
c) Das Futter . .......... ....... 160
d) Der Arbeitslauf bei der Anferti
gung einzelner Schaftartcn . .... 160
1. Der Herrenschnürstiefe1scha.ft
mit Ringsbesa� ............ 160
2. Der Damen-Derbyschuh mit
Kappenbcsatz .............. 169
Saohweiser .. ·. ... ... .... ...... . . ... . 173
ERSTER TEIL
A.Die Auswahl des Bodenleders
I.Vom Bodeoleder und seiner Gewinnung
Die Verwendung besten Werkstoffes, der je nach dem Zweck, den erzu erfüllen hat,
auszuwählen ist, und eine fachgemäße Verarbeitung beeinflussen die Güte des
Schuhwerks sehr. Was nützt z.B. dem Träger eines Maßstiefels die durch einen
guten Leisten bedingte Paßform, wenn sie durch Auswa� ungeeig neter Werk
stoffe und nicht fachgemäße Verarbeitung nach kurzerTragdauer verlorengeht�
Die Auswahl nur bester Ober-und Bodenlederist auch deshalb geboten, weil zur
Anfertigung guter, einwand
frei. gearbeiteter1\faßstiefel
eine Gesamtarbeitszeit von
durchschnittlich22 Stunden
gebraucht wird {= rund
drei Arbeitstage). Für eine
derart lange Arbeitszeit
dürfen nur erstklassige
Werkstoffe
zur
Ver
arbeitung kommen. Sonst
gerät die aufgewandte Ar
beitszeit in ein nicht zu
rechtfert,igendes :Mißver
hältnis zum verbrauchten
minderwertigen Werkstoff. 1.1 Der Schuhmacher bei der Auswahl desLeders
a)Vom Einkauf des Bodenleders
Der Einkauf fordert gute Fachkenntnis, Die Vielgestaltigkeit des auf dem Markte angebotenen
Bodenleders macht den Einkauf schwierig. Der Verkauf von Bodenleder nach Gewicht birgt die
Gefahr in sich, daß der Gerber das natürliche Gewicht des Bodenleders künstlich erhöht und die
Gerbdauerverringert. Beidesverändert zwar denPreis, verschlechtert aberauch die Güte desLeders.
Der „Kilopreis" ist nicht ausschlaggebend. Wer Bodenleder einkauft, sollte sich einprägen, daß es
falsch ist, den Kilopreisdes Leders als allein ausschlaggebend anzusehen. Denn „billiges" Lederist in
derRegelteurerals ein Leder,dessen An-
1
schaffungskosten im Kilopreis höher sind. Nicht die Tatsache, daß beispielsweise
ein Croupon 20,- DM und ein anderer 30,- DM kostet, darf beim Einkauf ent
scheidend sein, sondern ausschließlich die Überlegung, welches Bodenleder sich
in der Werkstatt am vorteilhaftesten verwerten läßt. Darum sind auch dlie Stärke
des Leders, die Stellung der Haut, vor allem aber das Gewicht im Verhältnis zur
Stärke z u berücksichtigen.
Auch ein gleichmäßig heller Narben darfnicht bestechen. Denn diese gleichmäßige,
schöne, helle Farbe wird fast nur durch B l e i c h e n des Leders mit chemischen
Mitteln erzielt. Jedes Bleichen schädigt aber den natürlichen Zustand der Haut.
Oft sind aber gerade die schönsten Leder wertmäßig die geringsten.
,,Schnellgegerhte" Leder sind schwerer. Die meisten heute im Lederhandel
käuflichen Bodenledersorten sind „moderngegerbt" bzw. ,,schnellgegerbt", und
diese Leder sind je Flächeneinheit viel schwerer als das nach altem Verfahren mit
Eichenlohe in Gruben in einer Dauer von 9···20 Monaten gegerbte
Bodenleder. Der Schuhmacher zahlt daher beim Einkauf von schnellgegerbtem
Leder nicht allein die Hautstoffe, die für ihn von Wert sind, sondern auch Gerbund andere Füllstoffe, die sich beim Eindampfen des Leders zum größten Teil
wieder auswaschen und bis zu 20% des Ledergewichts und darüber ausmachen
können. Eine Vergleichsrechnung zeigt folgendes Ergebnis :
Ein schnellgegerbtes Leder kostet z. B. 5,20 DM je kg, ein altgegerbtes 6,50 DM
je kg. Aus altgegerbtem Leder erhält man Herrensohlen, die 200 g je Paa.r wiegen,
während die Sohlen aus schnellgegerbtem Leder gleicher Größe um mindestens
10% schwerer sind, häufig aber noch viel mehr. Nimmt man zu Sohlen aus schnell
gegerbtem Leder ein Gewicht von 220 g an, so kosten sie bei dem genannten
Lederpreis 1,18 DM.
Die altgegerbten Sohlen, die nur 200 g wiegen, würden dagegen 1,30 DM kost.cn.
Während also das altgegerbte Leder im Kilopreis um 1,30 Dl\iI teurer war als das
schnellgegerbte, macht dieser Unterschied im Sohlenpreis nur noch 12 Dpf aus. ·
Dafür aber ist das altgegerbte Leder in der Güte, in der Haltbarkeit und nicht
zuletzt für die Gesundheit des Fußes jedem a n deren Leder weit überlegen.
Versuch:
Dampfe minderwertiges, billiges und bestes, altgegerbte.s EicheruohledP,r von gleicher Größe und
Stärke gleiclvmäßig wnge ein.
Das minderwertige Leder sche idet einen großen Teil des Gerbstoffes und der Füllmittel aus,
was an dem stark getrübten und schla-mmartig verwandelten Wasser erkenntlich ist.
Minderwertiges Leder hat viele Nachteile. Stark mitGerbstoff gefüllte Leder worden
mitunter mit einem chemischen :Mittel behandelt, um das Ausscheiden des über
schüssigen Gerbstoffes zu verhüten.
Dieses Leder wird im Trockenzustande äußerst hart, spröde und brüchig.. Kommt
Schuhwerk aus diesem Werkstoff mit ·wasser in Berührung, so saugt sich das
Leder schnell voll, und der Träger hat innerhalb kurzer Zeit nasse Füße,
andererseits trocknet es nur sehr langsam und 1mgleichmäßig.
Das im Trockenzustand sehr harte und spröde Leder unterbindet die Beweglieh
keit des Fußes. Das wirkt um so schädlicher, je dicker die Sohlen bzw. die Boden
werkstoffe beschaffen sind. Im nassen Zustand fügt es sich dem Drucke des Fußes
und trocknet in der dabei angenommenen Form. Solches Leder hat keine
Trag-enen Form. Solches Leder hat keine Trag-
2
kraft und unt,erwirft sich widerstandslos der krankhaften Veränderung der
Fußform. Eine Verwendung für :Maßschuhe und Orthopädieschuhwerk scheidet
somit ganz aus.
Altgegerbtes Leder kommt allein in Frage. Das Wa.sser, in dem das altgegerbte
Leder eingedampft wurde, hat an Klarheit kaum eingebüßt, ein Beweis da.für, daß
das Leder nicht mit überschüssigen Gerbstoffen beschwert ist und beim
Weiterverarbeiten sehr bald den gewünschten Trockengrad erreicht und sich
anstandslos nach altem Handwerksbrauch verarbeiten läßt.
Im fertig verarbeiteten Zustande, zur Neuarbeit wie zur Reparatur, erfüllt es in
bester Weise alle Erfordernisse. Das Leder folgt durch seine Elastizität den Be
wegungen des Fußes beim Abrollen, andererseits bietet es Halt und Stütze da, wo
es im Interesse der Gesunderhaltung des Fußes notwendig ist. Die Wasserdichtig
keit ist, ebenso eine Eigenschaft des guten Leders wie die Dauer11aftigkeit.
Leder ist haltbar gemachte, formfest gegerbte Tierhaut.
Während man in
früheren Jahrhunderten nur das altgegerbte Leder kannte, gibt es heute viele
Gerbarten :
Altgegerhtc Leder werden mit reiner Eichenlohe in Gruben gegerbt, in denen
der Gerbstoff langsam und allmählich in dünnen Lösungen die Haut durchdringt.
Dieses Gerhverfahren dauert mindestens 12 Monate.
Grubengegerbte Leder, bei denen die Eichenlohe nicht mehr der alleinige
Gerbstoff ist, sondern nur norh als Zwischen.streu für Auszüge und ausländische
Gerbstoffe dient, werden nur wenige Monate in Gruben gegerbt. Diese Leder
werden ,,iclfach fälschlich als „reine Eichenlohgrubengerbung" in den Handel
gebracht.
Gemischgcger li to Leder machen außer einer Grubengerbung noch eine Be
handlung mit Gerbstoffen im Faß durch.
R c h n e l lgegerbte Leder werden nur im Faß gegerbt.
Die Bodenlederarten unterscheidet man nach dem Gerbverfahren.
Beim Altgerhen bleiben die eigentlichen Hautstoffe erhalten. Im Gegensatz zu allen
anderen Gerbarten wird bei der alten Grubengerbung alles peinlichst vermieden,
was die Haut in ihrer Art oder ihrem Aufbau schädigen könnte. Die sogenannt-e
Substanz der Haut (die Eiweißstoffe), dr.r Leim oder, wie man auch sagt, der
„Lobensschleim" der Haut, sollen erhalten bleiben, denn in diesem Lebensschleim
sind die Pasern der Haut eingebettet, und er verleiht ihr die Schmiegsamkeit,
Biegsamkeit, Zähigkeit und die Wasserundurchlässigkeit bei voller Erhaltung der
Porigkeit, d. h. der Atmungsfähigkeit. Diese natürlichen, hochgeschätzten
Eigenschaften der rohen Haut werden beim Altgerben auch auf das Leder
übertragen. Deshalb darf die Haut aurh den Gerbstoff g,ir nicht so rasch
aufnehmen, sie muß ganz langsam und mit aller Vorsicht vorbereitet und
angegerbt werden.
Die Häute
europäischer Rinder (Ochse, Kuh und Kalbin) bezeichnet man als
„Zahmhäute", die der ausländischen Tiere als ,,\Vildhäute". Die letzteren wurden
vor allem aus den südamerikanischen Staaten Argentinien, Uruguay, Paraguay
und Teilen von Bolivien und Brasilien, den sogenannten „La-Plata-Staaten",
nach Europa einge. führt.
Für Bodenleder verwendet man vorzugsweise die Haut der Rinder.
3
Die frisch abgezogene Haut, Grünhaut genannt, ist bald zu Leder zu verarbeiten,
damit sie vor Fäulnis bewahrt wird. Zum Haltbarmachen verwendet man
vergälltes
Kochsalz. l\fit diesem Salz werden die von Blut und Schmutz befreiten Häute
lückenlos und satt bedeckt und Aasseite gegen Aasseite gestapelt. Konservierend
wirkt auch das vollständige Trocknen der Häute, das da angewandt wird, wo das
Salz nicht in genügenden Mengen zur Verfügung steht. Sie kommen unter der
Bezeichnung „Trockenhäute" in den Handel.
h) Fehler der Haut
Beim Einkauf von Ober- und Bodenleder ist auch auf die Hautfehler zu achten. Die
Haut des Tieres kann durch Schäden in ihrem Wert bed�utend gemindert werden.
1. Naturschäden
Die Dasselfliege verursacht großen Schaden (4.1). Ihre Eier legt sie etwa von Mitte
Mai bis Oktober, am meisten in den Monaten Juni und Juli, an den Haaren des
Weideviehs ab. Schon nach einigen Tagen schlüpfen daraus die jungen Larven, die
sich sofort in die Haut einbohren. Diese Larven wandern nun sechs bis sieben
Monate lang innerhalb des Tierkörpers.
Längere Zeit hindurch sind sie in gehäufter Men
ge am Schlund zu finden, von da aus wandern
sie dann zum Rückenmarkskanal, bis sie gegen
Ende des Winters und Anfang des Frühjahrs in
der Haut der Rücken- und Lendengegend ange
langt sind. Hier bohren sie sich Atemlöcher durch
die Haut und verkapseln sich dann. Dadurch ent
stehen die jedem Viehzüchter bekannten „Dasselbeulen".
Sind die Larven in diesen Dasselbeulen ausge
etwa in den Monaten Mai, Juni, Juli, dann
reift,
4.1 Dassellliego mH Larve
verlassen sie die Beulen durch das Atemloch und
fallen auf den Weideboden, in dem sie sich dann verpuppen.
Aus der Puppe entwickelt sich im Laufe von vier bis sechs Wochen die neue Fliege,
die wieder die Tiere zum Zweck der Eiablage befällt.
Die Dasselfliege verursacht riesigen Schaden, weil sie in manchen Gegenden sehr
zahlreich auftritt und jedes Weibchen bis 500 Eier ablegt. In einem Stück Vieh
entwickeln sich dann Hunderte von Larven, die die Haut zum Einschlüpfen
durchlöchern, um sich beim Verlassen des Tierkörpers erneut Atem
und Auskriechlöcher zu bohren.
Derartig beschädigte Häute sind zur Herstellung von Oberleder
kaum brauchbar. Für Bodenleder sind sie als ganz minderwertig
zu bezeichnen, weil durch das notwendige Umgehen der Bohr
löcher beim Bodenlederausschnitt zu große Verluste entstehen;
auch die Güte der Haut ist stark gemindert (4.2).
4.2 Lederausschnitt mit zum größten Teil vernarbten
Löchern, von den Larven der Dassel.fliege verursacht
4
Auch Hautverletzungen führen zu Schäden. Großen Schaden verursachen Stachel
drahtzäune um Wiesen und Weiden. Juckreize veranlassen die ·weidetiere, sich
am Einzäunungsdraht zu reiben, wobei sie sich die Haut verletzen; es entstehen
mehr oder weniger tiefe Hautrisse und blutende Wunden. Das gleiche ist der Fall,
wenn die Tiere auszubrechen versuqben. Die Stacheldrahtverletzungen sind auch
am fertigen Leder als tiefe Risse sicht
bar; sie liegen meist im besten Teil der
Haut : im Rücken (Kern und Schild). So
besr,hädigtesLeder, besonders Oberleder,
ist fast völlig wertlos. Auch am Tiere
abgeheilte und vernarbte Wunden und
Risse bleiben im Leder als dauernder
gleichen
Die
zurück.
Schaden
Hautschäden entstehen durch
Dornen- und Heckenrisse (5.1).
5.1 Sohllederstück
mit Dornenrissen
5.2 Vernarbtes ßra,ndmal
Die Besitzer der wilden Rinderherden von Übersee brennen ihren Rindern im besten Teil der
ommen
Haut ein Erkennungszeichen ein (5.2). Werden die Besitzer öfters gewechselt, dann k
immer neue Brandmale hinzu, was zu einer großen Wertminderung der Haut führt.
Schäden durch Ungeziefer und Hautkrankheiten. Kot und l\ilist verhärten und bilden
auf der Haut dicke, feste Krusten. Dadurch wird die Hautatmung gehemmt und
damit das Wohlbefinden der Tiere stark beeinträchtigt. Darüber hinaus
verursachen Kot und Mist, besonders unter 1\!Iitwirkung von Urin, Verätzungen
und Entzündungen der Haut. Das fertige Leder (Oberleder) ist an solchen Stellen
stark aufgerauht oder wird bei farbigen Ledern dunkelfieckig, wodurch es an Wert
verliert. Mangelhafte Reinlichkeit begünstigt auch das Auftreten von Insekten,
Milben sowie von Hautpilzen verschiedener Art. Läuse, Zecken, Milben, Haarlinge
stechen oder beißen das Vieh und saugen oder graben sich in die Haut ein; die
Hautpilze durchwachsen das Hautgewebe. Es entstehen Wunden, Krusten und
Beulen sowie haarlose, flechtenartige,
entzündete, vereiterte Stellen, und
mitunter löst sich die Haut in ganzen
Fetzen ab'.
Die befallenen Tiere werden durch Juck
reize veranlaßt, sich zu scheuern und zu
reiben, wodurch der Ausschlag und die
Wunden nur noch verschlimmert und auf
weitere, bisher gesunde Hautpartien
übertragen werden. Die fertigen Leder
sind durchlöchert oder dünn und
brüchig, der Narben des Leders ist
und
oder verborkt
eingesun ken
Schäden können
Die
vernarbt.
manchmal so weitgehende sein, daß das
Leder (Oberleder) nicht mehr den
geringsten Beanspruchungen standhält.
5.3 Schlecht abgezogene, mit Fleischerschnitten
übersäte Haut
5
2. Schnittschäden
Durch fehlerhaften Abzug der Häute und Felle werden alljährlich sehr große
Werte
vernichtet. Als Folge von unsachgemäßem, meist aber leichtfertigem Arlbeiten mit
dem Messer entstehen Schnitte, sogenannte „M:et,zger- oder Fleischerschnitte",
und Kerben in der Haut, die sie in jedem }!'alle entwerten, ganz besonders stark,
wenn sie im Kern, im besten Teil der Haut, liegen. Man kann oft Häute sehen, die
mit solchen Schnitten und Kerben buchstäblich übersät sind (5.3). An den Kerben,
an denen zu tief in die Haut eingeschnitten V\/urde, ohne sie ganz zu durchstoßen,
ist das Leder dünn und reißt bei der geringsten Beanspruchung.
c) Das .Altgerbcn
Der Aufbau der Haut. So wie die Haut nach d(lm Schlachten anfällt, kann sie
noch nicht zu Leder verarbeitet werden. Von der aus drei Schichten (Oberhaut;
Lederhaut, Unterhautbindegewebe) zusammengesetzten Haut verwendet der
Gerber nur die Lederhaut (6.1 u. 2), weshalb er die Oberhaut mit den Haaren
und das Unterhautbindegewebe entfernen muß.
Die Oberhaut, Epidermis ge
nannt, bestehtauseinerOber
fläehenschicht(Hornschicht),
-OberMul
einer mittleren Schicht {Kör
nerschlcht)und der den Über
Papillarschicht gang zur Lederhaut bilden
· } der Lederhaut den Schleimschicht .
}4.,
Relikulurschic:h
fder Lederhaut
�
-
....�
◄l-1 SolmiL& durch eine frische Kall>shn11t;,
et;wa 20faoh vergrößert
(Nach Dr. Fritz Stather, Haut- und
Lederfehler)
6.2 Vereinfachte DursteUuag
der Hautschichlen
6
!nferhuuf
bindegewebe
Beider Lederhaut unterschei
det man zwei Schichten: die
unter
der
Oberhaut
liegende ,,Papillarschicht", die
am fer. tigen Leder die
Bezeichnung Narben trägt.,
und die „Retikularschicht",
d. b.. netzförmigeSchicht.
DieanderOherflächeder
Papillarschicht vorhandenen
Durchbrechungen
sind
Haarlöcher
und
Aus
scheidungsgänge der Fett
und Schweißdrüsen. Sie be
stimmen am fert.igen Leder
das Narbenbild, woran auch
unter Benutzung einer starken Lupe die Haut,gat tung der einzelnen Leder, beson
ders Oberleder, festzustPllPn ist, (7.1 u, 2). Das UntPrhant hind<>gl,we>hc ist, für
die Lr<lerherstellung wertlos,
Rindshaut
Kalbshaut
7.1 Narhenh!l<ler
Schafshaut
Zicg�nhauf
Roßhaut
Sclmeinshaut
1.� N'arlw11bildt•r
Die Eichenlohgrubengerhung nach alten Verfahren. Die Hauptarbeit.sgänge wer
den an Hand von Bildern1), die bei der Herst,dlung altgegerhtfü Vacheleders
aufgenommen wurden, gPzc>igt. Die gesalzenen Häute komnH'l.1 zum \\'eiehPn in
T
I'<'C'ht.eckige \'i asst>rbchältcr, worin sie h<'i öfterem \Yoehsel tle;.; Wassers 'l.Wl'i
bis drei
Tage verbleiben. Die H äutr sincl dann ganz saulwr und haben clarnwh d wa
dic lksC'haffc>nheit ang<•nommc>n, wil' sie vom 'l'iPrc ahgezogPn \1'tJl'<lt·11.
7.3 Grs.1lzrnr lbutr
7.5 Enthaart wird cnLwcd�r von JI:UHl oder 111lt
J·1nthnarm:ischincn. Dei geschwödoten Häuten
werden die HMre auch durch ,.\Valken." im
Walkfäß gelocl,ert. Hierbei entsteht durch das
Drehen des mit lnuwnrniem Wasser aufgefüllten
Fasses eine gegenseitige Reibung der liiiutc,
woclon,h �ic sich vo11 selbst; cuthnaten,
'1.4 Die Haarlockerung im Äscher
1) Die Bilder wurden in der Va.chcledcrfabrik Jakob Pfeiffer, Inh. Fritz Pfeiffe r, in Eberstadt
bei Darmstadt a.ufgenommmen.
7
Bei der Herstellung von Vacheleder kommen die Häute zum Zwecke der Haar
lockerung in einen sogenannten „Äscher". Es sind dies mit verdünnter Kalkmilch
gefüllte Kästen oder Becken, in die die Häute eingehängt oder eingelegt werden.
Im allgemeinen kommen die Häute in drei Äscher, die von steigender Stärke
sind. Der Haarlockerungsvorgang selbst dauert etwa fünf bis zehn Tage.
Bei der Herstellung von Sohlleder
erreicht man dies durch Einlagern
<lcr Häute in Kammern. Von jeder
Luftzufuhr abgesperrt) kommen die
Häute darin zum „Schwitzen". Dies
ist die J;'olge eines Fäulnisvorgangs,
durch den die Haarwurzeln gelorkert
werden. Aber auch durch das
Auftragen eines Breies aus Kalk,
Schwefelnatrium,
Kalziumsulfhydrat
oder rohem Arsenik auf die Aasseite
der Haut läßt sich die Haarlockerung
erzielen. Diese Art
wird
mit,
,,Schwöden" der Haut bezeichnet.
8.1 Nach demEnthaaren werdendie Häuteabgespült.
S.2 Das Entfernen der Unterhaut wird auch mit
„Entlleischcn" bezeichnet. Hierbei wird die Haut
mit der Fleisehseite nach oben über dch
„Scherbaum" gelegt und die Unterhaut mit dem
sehr scharfen „Scherdegcn" entfernt.
S.3 Die Blößen gelangen nun in die „Farben" zur
Vorgerbung. Die llezelchnung .Farben" ist auf
die lederartige Färbung der Häute in diesen
ltästen zurückzuführen. Die Farben sind
gerbstoffhaltige Brühen, die je nach der Güt.,e des
Leders schwächer oder stilrkcr nngesetzt werden.
Die Häute laufen durch de!\ Fnrbengnng in
immer stärker werdende Brüllen. Je schneller die
Haut in Leder übergeführt werden soll, um so
stärl,er werden dfo Häute in den Farben angcgerbt.
8.4 Nnch dem Angerben in den Farben werden die
Häute oder Croupons In Gruben mit Lohe
„versetzt", d. h. die Räut-e werden entsprechend
ihrer Stärke mit Lobe bestreut. Nach jeder Haut
oder Jedem Croupon folgt eine Schicht L<>he. Die
Gruben aind im allgemeinen 2.60 m ticC unu
nehmen 60···100 Häute auf. Die Häute kommen je
nach Lederart und Güte zwei- bis vierm.:il zum
Ver• set.zen, bei einer jeweilig steigenden
Zeitdauer von drei bis zu sechs Monaten.
8
Nach nochmaligem Spülen werden die
Häute mit einem „Glättstein" und
einem scharfen, gekrümmten Messer
geglättet und gestrichen, um den noch
in der Haut befindlichen Kalk und
sonstige Unreinlichkeiten auf der
Narbenseite zu entfernen.
Nach diesen Arbeitsvorgängen
bezeichnet der Gerber die Haut
als ,,Blöße", fertig für das Gerben.
9.1
9.1 Nach dem \'ersetzen wird die Gru\Je mit einem
Deckel abgeschlossen und mit 8teinen beschwert.
Hieraufwird die Grube bis obenhin mit Lohbrühe
aufgefClllt. Durch das Beschweren mit Steinen
wird das Hochkommen drs Grubeninhaltes ver
hindert. An Stelle der Steine werden auch
oberenll.ande der Gruben
st,arkc
am
fü·ettcr(Planken) eingeklemmt.
9.2
Nach beendetem Gerbevorgang aus einem der
Sätze werden die Häute oder Croupons aus der
Grube gezogen.
9.3 Die zwischen den Häuten befindliche Lohe wird
nachdemEntleerender
GrubezurHerstellungvon
LohbrUhen in besonderen Behältern ausgelaugt.
9.4 Um die fertiggegerbte Ilaut leichter bcar\Jeiten
zu können, trennt mau sie über den Rücken in
zwei Hälften.
9.2
9.5 Nach dem Gerben wird die Haut auf der mit
einem Messerkopf (Reckwalze) versehenen Maschine
auf dl'r Aasseite von noch anhafteutlcn losen
Fleischteilen und Lohe:\nhiings,•ln befreit.
9.a
-� .
k;:::c.,....,
,.,._.w....,__....,...,
9
10.1 Um dom Letlcr eine ,•ollkouunen glatte lleschnlfen 10.� Die Unuch• und Halst.eile, die '<"On der StoUma
scbine nicht ,::cnügend erfaßt sind. werorn mit dem
belt >.u geben, richtet man die llinte nuf der
„Recken" auf die Tafel glatt aufgedrtlckt. Damit
Stoßmaschine zn. mn sich drehender Messerkopf',
das Leder einen glanzomlen und geschmeidigen
wle die über die .tlnut laufcndo gerillte Wnlzo
Xru-bcn crhillt, wird es hl<'rnnf abgl'iil L und in den
bezeichnet wird, druckt die Haut auf dcu mit,
'l'rockcnrnurn i:cbrachl.
einer lfetnllpl:itte versehenen drehbarrn Tisch
ft'llt. und reckt sie n:ich allen Seiten aus.
10.� Tro\'kr•ncs, nn�1•\\0:1lzh•s L,·,kr, cr�tnprlt
10.1 Jm aui.:cfcuchteten Zustand wird das Ledrr •uu,
Schluss., gewalzt,, d:uni� t':I gcnn:::�ndc
l,\,,ligkeit, und ::ut.r• .\ui;S('hrn Nhält.
U►.6 Die .Altgerber sind im .Altgcruer<•ctb:ind E.V." zusammfügc•scltlosscn.
Seine Mitglieder bedienen :,loh zur besontlcron KenntltchmMhung ihrer
nltgegerbtcn I,edcr eines vom Verband bernusgcbrachten, cesetzlich
geschützten .Alt�•rberstempds, womit auch undrrerseits der Verlxmd <'fne
Gewähr filr ,Ins ,·on s,,incn lliltgliedcm gelicfnte T.edrr Obemimmt.
Gerbmittel. Die EiC"hcnrindc liefert tlcn edelsten Gerbstoff, mit dem auch heute
noch wie in Urzeit,en das beste Leder hergestellt wird.
Auch die Fichtenrinde ist ein s<>hr brauchbarer Gerbstoff; sie liefert jedoch, allein
ou('r in überwiegendem 1Iaß angewandt, ein weniger gutes Leder.
]'ür die weitere Verwendung wird die Rinde gemahlen. Sie erhält dam1 clie
Bezeichnung „Eichenlohe" bzw. I◄'ichtenlohe (11.1).
Die fertigen Leder erhalten oinen Stempel, aus dem der Hersteller, die Güte des
Leders und seine Gerbdauer zu ersehen sind, z. B.:
10
Vacheledcrfabrik
P.P.
Garantiert
für
und
reine EichenlobGrubengerbung
in 1beste
½ · bis
2 jähriger
Gerbdauer
nach altem,
bewährtem Verfahren
11.1 Links: Fichtenrindebüodel,im Korb„Fichtenlohe"
Itecht&: Eichenriodebuodel, im Korb „Eichenlohe"
II. Das Zerlegen der Haut und der Bodenlederausschnitt
a) Die haThe Haut und ihre Zerlegung
Die Hautwerte werden eingeteilt. Für genähte Böden werden zweckmäßig eichen
lohgrubengegerbte Z a h m vachehäute verarbeitet, weil sie gute Festigkeit
und Haltbarkeit haben und außerdem noch besonders biegsam sind. Bei Neu
arbeit verwendet man
vorzugsweise
halbe
. en
Häute, weil in ilm
Bodenle
sämtliche
derteile
enthalten
·w erkstätten,
sind.
die in der Hauptsache
mit Aus besserungsar
beiten
beschäftigt
sind, verarbeiten mei
stens
Kerntafeln,
,,Croupons" genannt,
die -durch die Zerle
gung (Crouponieren)
einer Haut anfallen
(Croupon ist der französischen
Sprache
entlehnt und heißt
Hinterteil.)
11.2 Die Einteliung der Jfaut am lebenden Tier
Unter
Crouponieren
einer Haut versteht
man also das Freile
gen des wertvollsten
Hautteiles, des Ker
nes
oder
der
Kerntafel, durch das
Abschneiden
von
Kopf, Hals und Bauch. 1 1 .3 Die Einteilung der halben Raut
11
Wie die einzelnen Hautwerte eingeteilt werden, ist aus den Bildern 11.2 (am
lebenden Tier) und 11.3 (halbe Haut) ersichtlich.
Die Hautwerte werden abgegrenzt. Vor dem Zerlegen einer Haut muß eine
möglichst genaue .Abgrenzung der einzelnen Hautwerte zueinander erfolgen.
Am sichersten wird dies dadurch er
reicht, daß man zuerst die Seite
(Bauch) der Haut mit dem Narben
nach innen so weit flach aufgedrückt
in den Kern hineinschiebt, bis man
auf Widerstand trifft. Dies wieder
holt man an zwei bis drei Stellen der
Seite, kennzeichnet die Widerstands
grenze {12.1) und schneidet die Seite
hier ab. Hierbei empfiehlt es sich,
die Schnittstelle etwa 3·--4 cm wei
ter in den Kern hineinzuverlegen,
damit der Kernübergang zum Teil
noch an der Seite verbleibt1).
Im gleichen Sinne verfährt man mit
-��---�-�.-,
der Abgrenzung d e s Halses vom 12.1 Die Widerstandsgrenze wird gekennzeichnet
eigentlichen Kern (12.2). Ein Trennen des Halskernes vom Halsabfall erfolgt in der Praxis des Maßschuhmachers
nur selten. Man soll das Zerlegen einer Haut in viele Teile nach Möglichkeit
vermeiden, weil hierdurch zu große Verluste durch unvorteilhaftes Ausschneiden
der einzelnen Bodenteile entstehen.
D i e Regel sagt:
Je größer die Fliiche, deBlo varteilliafter das Auslegen, desto geringer die
Abfälle; je kll'iner die Fläche, um so größer die Abfälle, um so größer
die Verluste.
Nur beim Ausschneiden derjenigen Bo
denteile, die aus Halskern und Halsab
fall genommen werden müssen, wie auch
zur Berechnung derselben ist die Abgren
zung zu berücksichtigen. Anders beim Le
derhändler, welcher Halskern und Hals
abfall für den Yerkauf besonders trennt
und ent.'>prechend bewertet. Die Ausdeh
nung des Kopfes ist an der Haut leicht
zu erkennen. Gewöhnlich wird der
Kopf nach dem Abschl!ciden der Seite
entfernt.
12.2 Der Hals wird vom Kern abgegrenzt
",
1) In einigen Gegenden wird auch so verfahren, daß der Schuhmacher Hinterklauc, Yorderteil
und Hals nacheinander bis zum Kern drückt, wobei er mit dem Daumen die ·widerstands
stellen abfühlt. Diese Stellen werden dann verbunden, so daß der Kern herausgeschnitten
werden kann.
12
b) Der Ausschnitt des Bodenleders aus der Haut
Die zweckmäßige Hautauswahl ist wichtig. Unwirtschaftlich {unvorteilha,ft) ist es,
die zur Herstellung von ein Paar Böden benötigten Bodenzutaten in jedem Falle
aus ein und derselben Haut zu schneiden. Starke Häute eignen sich nicht zum
Ausschnitt von m.ittelstarken oder gar leichten Böden. Durch übermäßiges Aus
nehmen zu schwer geschnittener Zutaten entsteht ein nicht zu rechtfertigender
Wert- und Arbeitszeitverlust, wobei noch immer die Gefahr besteht, daß das
Schuhwerk zu schwer ausfällt. Umgekehrt verhält es sich bei der Verarbeitung zu
leichter Bodenleder, die in Ermangelung einer kräftigeren Haut aus der gerade
vorhandenen leichteren geschnitten werden. Leichte Zutaten für kräftiges Schuh
werk zeitigen dieselben Nach teile wie die Verwendung minderwertiger und un
fachgemäß verarbeiteter Bodenzutaten.
Hieraus ergibt sich die Forderung, stets mehrere Häute von verschiedenen Stärken
im Anschnitt zu haben {genau wie bei der Verarbeitung von Kerntafeln für
Reparaturzwecke), damit jeweils die geeignetste Zutat ausgeschnitten werden
kann.
Nun lassen sich aus ein und derselben Haut auch nicht 6, 7 oder 8 Paar vollständige
Bodenzutaten ausschneiden, sondern es wird entsprechend der Größe und Stellung
der Haut für diese Anzahl Böden immer an Unterfleckleder, Gelenkledler, guten
Brandsohlen und Hinterkappen fehlen. Diesem Mangel wird durch Sonderbe
schaffung einzelner Köpfe, Hälse und Seiten, woraus die fehlenden Bodenteile
geschnitten werden, abgeholfen.
In welchem Maße eine halbe Haut vorteilhaft ausgewertet werden kann, hängt-im
wesentlichen von ihrer „Stellung" ab. Hierunter versteht man nicht allein das
Mengenverhältnis vom Kern (Croupon) zum übrigen Teil der Haut, sondlern
auch, wie die Haut hinsichtlich ihrer Festigkeit und Gleichmäßigkeit beschaffen ist.
Dies gilt für alle Häute und Felle, gleich, ob zu Unter- oder Oberleder verarbeitet.
Lose, schlappige Häute können, ebensowenig wie beschädigte Häute, niemals eine
gute Stellung haben und wirken sich im Ausschnitt und Zuschnitt verlustbringend
aus. Die großen Nachteile schlechtgestellter Häute und Felle lassen sich sehr an
schaulich durch das unvorteilhafte Auslegen nachweisen, besonders aber durch
Gegenüberstellungen mit gleich schweren bzw. gleich großen, aber gutgestellten
Häuten und Fellen.
c) Die Bodenlederzutaten
Die Bodenlederzutaten für einfache Böden sind folgende:
7. Gelenkleder
1. Brandsohlen
4. Streifstände
5. Unterfleckleder
2. Hinterkappen
8. Durchaussohlen
9. Oberflecke
6. Keder
3. Rahmen
Aus Bild 14.l ist die allgemein übliche Art des Bodenlederausschnittes zu ersehen,
doch ist ein Abweichen von diesen Regeln in Sonderfällen nicht immer falsch;
Eine
zweckmäßige Verarbeitung anders ausgelegter Bodenteile behebt ohne Zweifel
manche Mängel, die sonst in Erscheinung treten müssen.
Brandsohlen. Man bezeichnet sie als die Grundlage des Schuhwerks, dessen
Tragfähigkeit und Lebensdauer in nicht geringem Maße von ihrer
Beschaffenheit
abhängig sind. Dünne, schlechte Brandsohlen bleiben auch im verarbeiteten Zu13
stande kraftlos, die Einstechnaht bekommt keine feste Auflage, die Rahmen fügen
sich nicht fest an den Schaft und Nässe und Schmutz dringen bereits nach kurzer
Tragdauer in das Schuhwerk ein. Brandsohlen müssen aber auch deshalb
kräftig sein, weil sie für den Schuh bei annähernd durchgelaufener Sohle den
einzigen Halt (Zusammenhalt) bedeuten. Versagen die Brandsohlen, dann
ist solches Schuhwerk schnell außer Form getreten, es wird, wie der
Fachmann sagt, verlatscht, weil die Brandsohlen zu schwach und somit zu
nachgiebig sind. Im allgemeinen schneidet man die Brandsohle aus der Seite
(Bauch), doch eignen sich
14.1 Der Bodenlederausschnitt aus der halben Haut. Natürlich muß die Haut viel ausgiebiger als hier darge
stellt. ausgelegt werden. Es soll hier nur angede ute t werden, in welcher Art bzw. aus welchem Hautteil die
einzelnen Bodenteile zu schneiden sind
auch dünne Hälse (Rinder- und Kuhhälse) besonders gut für Brandsohlen,
von
orthopädischem,
Sportund
vorzugsweise
bei
Anfertigung
Arbeitsschuhwerk, wasserdichtem Schuhwerk und Schuhen für Schweißfüße.
Selbst für die Herstellung von Damenluxusschuhen ist die Verwendung
leichter Halsbrandsohlen dringend zu empfehlen.
Hinterkappen. Sie sind als seitlicher Fersenhalt von besonderer Wichtigkeit
für die Erhaltung unserer Fußgesundheit. Man muß wissen, daß die meisten
Fußleiden durch die Knickfußbildung (eine krankhafte Drehung der Ferse
nach außen) eingeleitet werden. Dieser Drehung der Ferse kann durch das
Einbauen kerniger und doch elastisch wirkender Hinterkappen vorgebeugt
werden. Voraussetzung hierfür ist jedoch, daß die Leistenferse die richtige
Breite hat, dam'it die Kappe auch einen Halt gibt. Eine derartige Kraft können
aber nur kernige und gut verarbeitete Hinterkappen aus dem Halskern oder
Halsabfall aufbringen. Entsprechend der Hautbeschaffenheit lassen sich
mitunter auch Hinterkappen aus der Kratze schneiden. Der Ausschnitt von
Hinterkappen aus Bauch, Klaue oder Kopf ist abzulehnen; diese Hautteile sind
von zu loser Beschaffenheit.
14
Rahmen. An ihnen befestigt man die Durchaussohlen (Sohlen) durch Naht oder
Klebstoff. Die große Beanspruchung des Rahmens beim Gehen (Biegen), durch
Schmutz und Nässe verlangt somit kernigen und biegsamen Werkstoff.
Auch hierfür eignet sich Halskern am besten, nicht aber Seite oder Kopf.
Steifstände. Ein l\1ittel zur Formgestaltung und -erhalt,ung der Schuhspitze und
zum S c hutz der Zehen gegen Stoß und Verletzung sind die Steifstände. Unter
der Voraussetzung fachgemäßer Verarbeitung schneidet man sie allgemein aus der
Flemme (Wampe), doch bei stärkerer Beanspruchung (z. B. Sportschuhwerk}
auch aus dem unteren Teil des Halskernes oder Hals abfalles. Niemals aber
dürfen Steifkappen aus den Klauen geschnitten werden, weil sie dann zu ungleich
mäßig und spissig sind und sich nicht formgerecht verarbeiten lassen.
Unterfleckleder. Zum Bau der Absätze verwendet man Unterflcckleder. Es soll
in seiner Stärke gleichmäßig, doch nicht zu dick sein. Den festesten Absatz gibt
dünnes, gut verarbeitetes Fleckleder, weil sich dünne Unterflecke im Aufbau
besser und unsichtbarer verbinden und somit auch weniger Gefahr laufen, zu
springen, als solche aus dickem Unterfleckleder. Nicht zu starke Ausschnitte aus
Kopf und Flemme, aber auch aus Seitenabfall, eignen sich am besten. Keder.
Man verwendet sie beim Absatzbau als Ausgleich der Fersenrundung. Die
Keder sollen dieselbe Stärke wie das Unterfleckleder haben, doch vor allem von
fester Beschaffenheit sein, damit sich der Absatzbau leichter und fester
gestaltet. Sie werden vorzugsweise aus Kopf, aber auch aus Halsabfall ausge
schnitten.
Gelenkleder. li;ntsprcchcnd der Zweckbestimmung des zu hauenden H<:huhes
schncickt man das Gelenkleder ffu' flexible Schuhböden aus Halskern, für zu
versteifende H c h u h g e l c n k e , z . B. bei durchgetretenen Fußgewölben
(Pla.ttfuß), aus Klauen (Hinterklauen}, die sich wegen ihrer Spissigkeit hierfür
besonders eignen.
Durchaussohlen. Als Laufsohlen des Schuhwerks müssen die D.urchaussohlen
infolge ihrer starken Abnutzung von bester Beschaffenheit sein. Da der hintere
Teil der Sohlen unter den Absatz zu liegen kommt, ist es nicht notwendig, dlaß
sie bis hinten hinaus aus bestem Kernleder geschnitten werden. Zweckmäßig
schneidet man sie aus dem Seitenkern, und zwar so, daß der Absatzteil an
die Schnittstelle zwischen Kerntafel und Seite zu liegen kommt. Dieser Teil
der Haut ist noch nicht Vollkern und findet so seine beste Verwertung. Die
besten Durchaussohlen schneidet man aus dem Schildkern, mit dem
Absatzteil in die Kratze hinein. Leichtere Durchaussohlen (für
Damenschuhwerk) kann man aus Halskern schneiden, doch nur, wenn die
Struktur der Haut besonders gut ist.
Oberflecke. Den besten (festesten) Kern gebraucht man für Ober.flecke, weshalb
sie nach Möglichkeit dem Rücken der Kerntafel entnommen werden.
Halbsohlen. Der nach Ausschnitt der Durchaussohlen verbleibende Kern findet
für Halbsohlen und Ober.flecke Verwendung.
Ausschnittregeln. Durchaussohlen und Brandsohlen sollen im allgemeinen mit
ihrer Spitze dem Rücken entgegen gelegt werden, dem Zuge der Haut folgend. Auch
Hinterkappen und Rahmen soll man mit ihrer Länge nach Möglichkeit in dieser
Richtung auslegen, weil sich die im Leder vorhandene Dehnbarkeit n icht nach einer
falschen Richtung auswirken darf. Ein regelwidriger Ausschnitt des Bodenleders
kann ebenso wie sein n icht fachgemäßes Verarbeiten zu Fehlergebnissen führen.
15
B. Das Zurichten des Bodenleders
1. Die Boden]edcrteile werden für das Zurichten vorbereitet
Voraussctzm1g für ein einwandfreies Schuhwerk ist eine wirklich gute Boden
arbeit. Bei dt1re11 Ausführung ist deshalb mit besonderer SorgfalL und Überlegung
zu verfahren.
Beim Eindampfen kann das Bodenleder „versaufen". ,,Eindampfen" ist das
Einweichen des Bodenleders.
Rein eichcngrubengcgcrbte Leder werden beim Einweichen nicht so leicht zuviel ·wasser auf
nehmen, wie misch- oder schnellgegerbteLeder.Das liegt am Ger bstoffund an, derlangsameren
Gerbung, die den Zellenaufbau der Haut nicht beeinträchtigen.
Beim Einweichen werden die kernigen Teile des Leders zuerst in den Weichkübel
eingelegt; denn das Hautgewebe des Kernes ist dichter und fester als da..s anderer
Hautteile, wodurch eine langsamere Wasseraufnahme bedingt ist. Dann legt man
die weniger kernigen Teile und zuletzt die aus dem lockeren, schwammigen
Hautgewebe geschnittenen Teile ein. Somit ergibt sich für das Einlegen der
Teile folgende Reihenfolge: Zuerst Durchaussohlen und Oberflecke, dann die
Rahmen und Hinterkappen, das Fleckleder, die Keder, das Gelenkleder, die
Steifstände und zuletzt die Brandsohlen.
Wegen ihrer Bedeutung für das ganze Schuhwerk müssen die Erandsohlen be
sonders sorgsam behandelt werden. Vor allem dürfen sie nicht zuviel Wasser auf
nehmen. Weil öfters nachzusehen ist, ob sie genügend dampf sind, müssen sif•
schon aus diesem Grund im vVeichkübel obenauf liegen. Kleine Einschnitte
(Schnittproben) in die einzelnen Bodenteile lassen den Fortschritt des Dampf
werdens leicht erkennen. Richtig durchdämpfte Leder haben in der Schnittfläche
eine einheitliche braune Tönung (Farbe), nur teilweise durchdämpfte weisen in
der :Mitte der Schnittfläche einen helleren Streifen auf (16.1 u. 2).
�arben..
seite
16,1
Gut dutcll
cfümpftes
Lederstürk
Schnitt
fläche
Narben•
sctte
16.2
Nur teilweise
durchdämpftes
Lederstück
16
Schnitt•
fiiiche
Vor dem endgültigen Dampfwerden sind die Lederteile aus dem Wasser zu nehmen.
Vor der vollkommenen Durchsättigung der Lederteile mit Wasser entnimmt man sie
dem Weichkübel, um sie langsam nachziehen zu lassen. Dadurch wird nicht nur
ein allzu starkes Auslaugen der auswaschbaren Gerbstoffe verhindert, sondern
auch. das Trocknen des Leders beschleunigt.
Der Gerber walzt im letzten Arbeitsga-ng die Haut (10.4), um ihr die notwendige Festigk eit zu
geben. Wenn aber das dampfende Leder hin und 'l'.ieder aus dem Wasser genommen wird, um
es zur Beschleunigung der ,vasseraufnahme mit den Händen durchzuwalken, so verliert es
wieder die durch das Walzen des Gerbers erzielte Festigkeit; seine Güte wird sehr beeinträch
tigt.
Bodenleder soll fest und elastisch sein, nicht aber weich wie Oberleder.
Das durchdampfte Leder wird gereinigt. Unter dem Reinigen des Leders versteht
man vor allem das Entfernen der Faserbündel (Hautfasern, Muskelfasern) des
Unterhautbindegewebes, die der Aasseite zum Teil noch anhaften, durch das
Eindampfen gelockert und beim Scheren oder Falzen der Haut durch den Gerber
oftmals nicht gründlich genug entfernt werden. Zum Reinigen nimmt man am
zweck
mäßigsten ein gutes, scharfes Boden
lederschäifmesser,
mit
dem
auchgleichzeitig unebene Stellen
ausgeglichen werden können. Das
Abschärfen der Aasseite mit dem
Schärfmesser erfordert eine gewisse
Sicherheit; denn allzu schnell kann
das Messer zu tief eingreifen und
dadurch das Lederstück unbrauchbar
machen (17.1).
Das Verschärfen eines Lederteils durch
Verwendung ungeeigneter oder gar stumpfer
Messer ist unzweckmäßig, weil dann nämlich
der beim Schärfen auszuübende Druck
größer sein muß als bei scharfen Messern
und das Gefühl für die Schnittiefe verloren
geht. zum Reinigen des Leders eine
Wird
17,1 Beim Abschiirfen der Aasseite
Ziehklinge oder ein Glasstück genom
men, so kann zwar das Leder nicht ein
geschnitten werden, jedoch ist darauf
zu achten, daß nicht gegen den Zug des
Leders geschabt wird, da es sich sonst
auflockert und der Schaberfolg nur
unvollkommen ist (17.2).
Beim Schärfen des Leders ist auf den
Narben zu achten. Wo der Narben ent
fernt wird, fehlt dem betreffenden
Stück Leder der Stand bzw. die Kraft.
Vergleicht man zwei gleiche Leder
stücke (Hinterkappen- oder Brandsohlenstücke), so w ird man feststel-
n.2
Bier wird gegen den Zug geschabt.
17
len, daß da,s Lederstück mit ganz oder
ti>ilwciso entferntem Narben lappig, das
andere aber fest ist (18.1).
Hinterkappen,
Rahmen
Brandsohlen,
und Slcifständi> müssen aber Kraft und
Stand haben. Darum ist die möglichste
Erh1iltung
des
Xarhens
Gnmdbe
dingung.
Doch können gewisse Gesichtspunkte
dazu
führt'll,
ihn
l>ei
einzelnen
Bodenlederteilen zu cntfrrncn. InfolgA
18.l :r.wcl Lederstock�. Dns cino Ist lappig; !ler seiner glatten uncl festen Rcschaffenheit
Nnrben ist entfernt. D:,s nndcrc ist lht: der bindet sich der Narben nur schlecht. Dar
Narben ist nicht entfernt
um muß i>r an allen den Stellen, die
mittels Kleber mit anderen Lederteilen oder "'erkstoffen verbunden wi>r<len
solli>n, ganz oder teilweise entfernt sein, z. B. beim Fleckleder, Gelenkleder und
bei den Kedcrn.
�arben hat auch die unangenehme Eigenschaft, sich besonders bei dünnen oder
abgesdüi.rften Lederteilen durch Einfluß von Feuchtigkeit und Wärme
(Fußschweiß, Fußwärme oder durchnäßtem Schuhwerk) nach innen, also
nach derNarbenseite zu, einzurollen. Bei Hinterkappen und Steifständen müssen
die oberen Kanten des Narbens in einer Breite von mindestens l .. ·l¼ c m
a.bgeschärft werden, sonst kann der sich rollende Narben, wenn er dem Inneren
des Schuhes zugc-ki>hrt ist, am Fuß (Ferse und Zehen) reiben und die Haut
verletzen.
Vbcr dem Schoßbrett wird ausgereckt. Brandsohlen und Fleckleder müssen vor
ihrer weiteren Verarbeitung über dem Schoßbrett ausgereckt werden, und zwar
dann, wenn diese Bodenteilo aus zugigen oder dünnen Hautteilen geschnitten sind.
Bei festen Bra.ndsohlen aus der Seite der Haut, bei Halsbrandsohlen und bei
kräftigem Fleckleder aus dem Kopf erübrigt sich diese )faßnahmo. Das
Ausrecken geschieht zweckmäßig über dem Schoßbrott, wobei die · linke Hand
das Lederstück fest an das Brett drückt (festhält) und die rechte das Leder mit
der Zwickzange über die Kante des Brettes zieht. Auf diese Art wird das
Lederstück rundherum gercc-kt (18.2).
Das Aunecken
über dem
Scboßbrett
18.2
18
Das Klopfen und Walzen des Leders festigt das Bindegewebe. ·wenn nach dem
Schiirfon bri einzelnen Lederteilen ein Klopfen notwendig wird, so soll nur leicht
von cfor Aasseite aus da.s fast trnckene Leder geklopft werden; denn durch das
feste Klopfen noch feuchten Leders oder das Klopfen des Narbens kommt es zur
Lockerung des Bindegewebes, und der Stand des Leders geht zum großen Teil
verloren. Vorsichtiges, von der )litt e des Leders aus kreisförmig nach außen
durchgefiilirtes Klopfen führt bei Verwendung eines ganz flachen Klopfliammers
mit breiter l<'lächo am siclwrstm zm· Festigung des Bindegewebes (19.1) .
Das YValzcn des Leders
soll nur mit größter Vor- •
sieht erfolgen, doch nie>
dann, wenn das Leder noch
na.ß ist. Durch die jeweils
einseitige Dehnung wird
<la,s Bindegewebe beim
Walzen übermäßig gezerrt
uncl verliert seine wert
vollen Eigenschaften.
19.1
Das Klopfen des Leders von
innen nach außen
II. Das Zurichten der Brandsohle
a) Werkzeuge
für die Bodenarbeit
Güte
kommt
es
an.
Zur
Auf Form rmd
einwau<lfreien Bodenarbeit gehört vor allem ein
ausgesncht gutes Werkzeug. Der tatsächliche Wert eines
vVerkzeuges liegt nicht nur in seiner l!'orm, sondern
vor allem auch in der Güte des Stahles. Brenneisen
verlieren ihren Wert, wenn sie die Hitze nicht halten,
mögen sie auch noch so genau und formschön
ausgearbeitet sein. Messer sind wertlos, wenn der
Stahl zu weich oder zu hart ist, denn im ersten Fall
verlieren sie sofort an Schärfe und im zweiten
springen sie beim geringsten Widerstand aus, lassen sich
schlecht anfeilen und schärfen.
19.2 Messer (siehe auch Bild 69.2)
Kleines, handliches
a) Zuricht- und Beschneldmesser d) Bescbneidmesser
für Rahmen,
b) Stark gebogenes Schärfmesser
Riß, Schnitt, Gelenk usw.
c) Schwach gebogenes
e) Randmesser zum Ablassen von
Schärfmesser
Kanten
a)
b)
c)
d}
e}
19
Zu einem Werkzeugsatz für die Bodeuarheit gehfü·en folgende Werkzeuge :
1. Messer (19.2)
2. Zangen (20.1)
3. Raspeln und Feilen (20.2)
4. Brennwerkzeuge (20.3)
5. Sonderwerkzeuge (21.1,
22.1 u. 3)
20.1 Zangen
a) Beißzange
b) Sct1male Zwickzonge
c) Breite Zwlckzangc
d) Knips. oder Drahtzange
b)
o)
d)
c)
20.2
Raspeln u:nd Feilen
a) b) und c) Schnittraspeln
d)Absatzraspel
e)Absatzkanteufeile(dic
Anwendung ist ans Biltl 'l"l'
.2 ersichtlich)
f)Stiftenfeil�
g)ört<.1rfeile
h)Dreikantfeile zum
Anfeilen von Messern,
Ziehklingen nsw.
i)Stoßraspel wm
l,ntfernen von
Unebenheiten der
Brandsohlen nach dem
Ausleisten
a)
b)
c}
d}
e}
f)
g}
h)
20.3
Brennwerl<zeuge
a) Keileisen zum
Ausbrennen von
Keilabsiitzen und starken
Sohlenschnitten
b) Schnitteisen (gewölbt, mit
breiten Schnittkanten, für
Reparaturarbeiten geeignet)
c) Scbn!U,eisen (flach, m it
schmalen Schnittkanten,
f.ür Neuarbeit geeignet, l
Satz notwendig)
d) Gelenk- oder Hohl
schnitteisen (1 Satz notwendig)
e) Absatzplatte
f) Kantensetzer
g) Verzierungsrädchen
Damenböden)
h) Absatzlianteneisen mit
(je l für Herren- und
k)
20
Yerzierungs.rädchen
i) Stup prad (1 Satz not
wendig)
k) Auspulizstahl
g)
n)
a)
b}
c)
d}
21.1 Sonderwerkzeuge
a) Rlßötfner
b) Brandsohlenhobel (die
Anwendung Ist aus Bild 28.2
und 29.2 ersichtlich)
c) Spitzknochen
d) Putzholz (zum Beidrficken von
Sohlen• und Gelenkschnitt uml
Riß nach dem Nähen der
�ohlen)
e) Gfül!schiene (zum Anarbeiten
der Brandsohlen n<>rh dem
f)
h)
i)
Übenvalken
und
zum
Bearbeiten der Sohlen und
Durch• aussohlcn)
1 Hammer (hiervon eine·n
größeren zum Klopfen des
Bodenleders und
einen
kleineren für
die übrigen Klopfärbeiren)
g) Ziehklinge (zu Schabezwecken)
h) Beschneidhom (dfoAnwenduug
ist aus �9.3 ersichtlich)
{}
m)
i) Stiftensetzer(zumVorschlagcn
der Herrnstiftenreihe in die
Oberflecke)
k) Leistenbaken
l) Nagelort
m) Rahmenklopfer (die
Anwendung ist aus 59.1
zu.crsehep)
n) Rißrollcr (iur Yerbreiterung
des Sohlenrisses)
21,2 Aufbewahrung der Jlrennwerkzeuge
%1,3 Aufbewahrung der Näh- und
Nagelörter
21
Gutes Werkzeug bedarf einer entsprechend sorgfältigen Behandlung umd Pflege,
damit es seinen ursprünglichen '\Vert nicht verliert. Das Werkzeug kann nur dann
scharf erhalten werden, wen n es für seine Verwendung auf dem Arbeitstisch oder
in greifbarer Nähe gut übersichtlich untergebracht ist. Auf den Werktisch selbst
gehören nur die Werk22.1 Plattort, Aufsicht
zeuge,
die im ständigen
�
uud Seitenansicht
Gebrauch sind, und diese
2
ht
wieder so angeordnet,
22· �t?:ltena�::f��ct
22.3 Nagclörtcr, rund• daß die Messer mit den
Raspeln nicht in Berühuud flachkantig
tung kommen können.
Besonders ist auf das
Niederlegen der Messer
nach deren Ge. brauch
zu achten. Die Messer
spitze muß dabei so zu
liegen kommen , daß man
beim Ergreifen eines a n
deren Werkzeuges nicht
hineinfährt.
Auch das Ablegen von
Örtern auf dem Werk
tisch führt zu Verletzugen, da deren feine Spitzen in dem
Durcheinander eines unordentlichen
Werktisches leicht übersehen werden.
j
Örter sind nach Größe und Platt-,
Quer-, Bestech-, Stepp- und Nagel
örtern geordnet an einem Wandbrett
(21.3, 22.1 · .. 3) unterzubringen.
Schnitteisen, Gelenkeisen und alle üb
rigen Brenneisen werden ebenfalls ent
sprechend ihrer Zusammengehörigkeit
geordnet an einem Brett aufgehängt,
wozu noch alle übrigen Wcrkzeuge kom
men, die weniger gebraucht werden und
mit einem Griff zum Aufhängen und
Führen derselben versehen werden kön
nen (21.2). Haben alle Werkzeuge so
ihren bestimmten Platz, wohin sie nach
jeweiligem Gebrauch zurückgelegt wer
den, so ·wird man erstaunt sein, wie leer
und übersichtlich der Werktisch er
scheint (22.4). Das lästige und zeitrau
bende Suchen hört auf, Verletzungs
möglichkeiten sind ausgeschaltet, und
22
22.4 Werktisch
von dem typischen Bild
der„ Schusterwerkstatt"
(23.1) ist der Hauptdar
steller, der „Schuster
tisch", verschwunden,
keinesfalls aber zum
Nachteil des Schuh
macherhandwe.rks. Zur
Pflege des Werkzeuges
gehört auch das leichte
Einölen oder Einwach
sen von wenig gebrauch . tenBrenneisen, damitsie
vor dem Verrosten ge
schützt sind.
23.1 „Schusterwerkstatt"
h) Die Brandsohle wird beschnitten
Die Brandsohlen sind auf dem Narben einzustechen. Damit der glatte Narben beim
Einballen Bindekraft erhält und es späterhin nicht zum „Krachen" des Schuh
werks kommen kann, wird er leicht, bis etwa zur Hälfte, mit der Ziehklinge oder
mit Glas abgezogen.
Viele Schuhmacher stechen Brandsohlen auf der Aa.sseite ein, kehren also die Narbenseite
dem Fuße zu. Wenn auch in diesem Falle der Narben dem Schuh ein schöneres und gepfleg
teres Aussehen gibt, so sprechen doch wichtige gesundheitliche Erwägungen gegen eine solche
Bearbeitungsart. Der Schuhmacher muß meistens Schuhe für Füße krankhafter Art machen.
Bei der Gestaltung des Schuhwerkes und der Wahl der Werkstoffe muß das berücksichtigt
werden. Bei körperlichen Anstrengungen kommt es an der Fußsohle zu· stärkeren Schwei ß
absonderungen. Diese Schweißabsonderungen sind bei Plattfüßigen weg�n der allgemeinen
Fußschwäche besonders groß. Die im Schweiß enthaltenen Säuren (Essigsäure, Fettsäure)
führen zum Ätzen (Brandigmachen) der Brandsohlen. Nun ist der Narben gegen die Ein
wirkung der Säurnn besonders wenig widerstandsfähig. Er wird glasig h art, verliert seine
Elastizität und springt durch die Bewegung des Schuhwerkes beim Gehen.
Die Aasseite der Brandsohle aber verhält sich ganz anders. Sie ist schweißaufsaugend und läßt
eine sclmelJe Ausdünstung zu, da sie größere Zwischenräume zwischen den Faserbündeln (das
lockere Geflecht der Hautfaser) hat. Sie wird nicht glasig und springt auch nicht.
Wird die glasig harte �arbenfläche dem Fuße zugekehrt, so bietet sie ihm beim Gehen wenig
Halt unrl Ur<>ifmöglichkeit. Die Zehenarbeit kann dann aueh nur unvollkommen erfolgen. Die
Auftrittsfläehe des Fußes soll aber besondns für Zweckroäßigkeitsschuhwerk und bei Schuh
werk für kranke Füße rauh und saugfähig, nicht a,ber glatt, hart und luftabdichtcnd sein.
Sind die Brandsohlen auf der Aas- und Narbenseite abgezogen, so werden sie
nach dC'm Lrü;tcnumriß mit einer Zuga, be von etwa 1 cm rundherum ausl'inander
gcschnitten. Da.s YerfahrC'n , die Brandsohlen mit Hilfe eines vom Leisten ge
wom1enC'11 Bra,nrlsohlenmm;tcrs herauszuschneiden, die zweite Brandsohle nach
der erstf-n zu formen und auf dem Schoßbrett zu mngieren, darf höchstens für
Jeichtp,; Schuhwt>l'k ( Luxusschuhwerk) n,ugcwandt. werden, nicht aber für die Her
sklhmg von z,wckmäßi�kcitssclrnlnrcrk.
23
Die Brandsohle wird auf dem Leisten befestigt. Wenn der Brandsohle die Dehn
barkeit nicht genommen wird, kann es vorkommen, besonders bei dünne1·en, auch
bei dickeren losen Brandsohlen, daß sie im Tragen „wachsen". Die auf der Brand
sohle ruhende Last des Körpers drückt das Bindegewebe des Leders bei mangel
hafter Verarbeitung nach allen Seiten auseinander. Beim Feuchtwerden des
Schuhwerks (Schweiß oder Wasser) führt das schnell zum „Verlatschen". Das
schon erwähnte Ausrecken des Bra.ndsohlenleders über dem Schoßbrett sowie das
zusätzliche Klopfen genügen noch nicht, um das „Wachsen" der Brandsohle zu
verhindern. Darum mfü,sen die
Brandsohlen ordnungsgemäß über
die Leisten gewalkt werden. Erst
dann ist ihnen die letzte Dehnbar
keit genommen.
Zu diesem Zweck heftet man die
noch etwas feuchte, leicht "durch
geklopfte Brandsohle mit 3/ ,zölli
gen Stiften mit der Aasseite gegen
den Leisten. Ist der Leisten wie
in Bild 24.2, Pfeil, zur Abstützung
des Fußquergewölbes stäl'ker aus
gekehlt, so muß die Brandsohle an
dieser Stelle mit einem Kernstück
befestigt werden (Einwalken, 24.1),
bevor mit dem Auszwicken der
Brandsohle begonnen wird. Hier
nach erfolgt nun ein nicht allzu
kräftiger seitlicher Zug am Groß
zehenballen, darauf ein Gegenzug
am Kleinzehenballen. Na.eh jedem
24.l Die Brandsohle ist
24.2 Leisten mit A11skehlung
Zug wird die Brandsohle seitlich
über den Leisten
zum Abstütze11 des Fuß
gewalkt
quergewölbes bei Spreiz
am Lei!lten befestigt. Nun beginnt
fuß
das Auszwicken des Brandsohlengelenkes, an den Ballen beginnend
und abwechselnd einmal innen, einmal außen bis zur Stelle, wo der Absatz beginnt.
Dann erfolgt ein kräftiger Zug nach hinten über die Ferscnmitte und einige
Züge links und rechts davon, anschließend ein kräftiger Spitzenzug und dann
das abwechselnde Auszwicken der Seiten bis zu den Ballen. Nach dem Über
walken bearbeitet man die Narbenseite der Brandsohle mit der Glättschiene, wo
bei ein fester Druck ausgeübt werden muß (24.1).
Nach einern anderen Verfahren wird die Brandsohle zuerst an der Leistenspitze festgeheftet.,
den1 ein kräftiger Zug von der Fersenmitte nach hinten folgt. Durch diesen starken Längszug
entstehen besonders bei stärker gesprengten (im Gelenk ausgekehlten) Leisten große Längs
spannungen, die den Gelenkteil der Brandsohle nur sehr schwer cinzuwalken erlauben. Erst
recht ist dieses Verfahren bei stärk hinter den Groß- und Kleinzehenballen ausgekehlten Lei
sten für Spreizfüße verfehlt; denn in diesem Falle muß sich die Brandsohle in die ausgekehlte
Mulde zur Abstützung der durchgetretenen Mittelfußköpfchen anlegen (24.2, Pfeil). SViederum
verhindern große Längsspannungen dann das Einwalken. Bei Ausübung von Zw:ang durch
Presse oder Aufnageln eines harten, kernigen Lederstückes würde das Bindege'l'l"ebe leiden.
24
Die Brandsohlen müssen run Leisten seihst beschnitten werden. Wenn die Brand
sohlen vollständig trocken sind, werden die Walkstifte entfernt (nur die mittleren
Heftstifte bleiben), und das Beschneiden der Brandsohle hart an der Leistenkante
kann beginnen. Vor dem Beschneiden des inneren Gelenkes wird zweckmäßig
der Gelenkverlauf eingezeichnet, denn das freihändige Ausschneiden setzt eine
große Sicherheit in der Messerführung und Formgebung voraus.
Das äußere Gelenk soll nach Möglichkeit voll gelassen werden; denn ein volles
Brand-,ohlengelenk hat weit mehr Tragfähigkeit als ein schmales, eingezogenes,
das dem Fuße, der Hinterkappe und auch dem Absatz kein genügend starkes
Widerlager gibt.
Volle Gelenke sind aber nur dann angebracht, wenn es sich um Schuhwerk für durchge
tretene, ganz- oder teilversteifte Füße handelt und das Schuhgelenk zur Stüzte des durch
getretenen Fußes b r e i t und versteift gearbeitet werden muß. In Normalfällen und bei nicht
versteiften Knick- und Senkfußfällen sollen das innere Gelenk möglichst schmal und das ganze
Gelenk beweglich gehalten werden. Dies aber auch nur dann, wenn der Knick- bzw. Senk
fuß nach neuzeitlichen Erkenntnissen korrigiert wird.
Das Beschneiden beider Brandsohlen muß an dem Leisten selbst erfolgen, wobei
es zweckmäßig ist, an der inneren Fersenseite des linken oder der äußeren Fersen
seite des rechten Leistens zu beginnen. Dies hat den Vorteil, daß man nach Er
reichen einer gewissen Sicherheit die innere und äußere Brandsohlenseite in einem
Zug und somit auch genauer und sauberer beschneiden lernt.
Würde man die zuerst beschnittene Brandsohle vom Leisten abnehmen und auf dem Schoß
brett wieder glattstreichen, damit die zweite B�ndsohle danach geschnitten bzw. geformt
werden kann, wie dies leider noch so oft geschieht, so wäre die ganze Arbeit des Einwalkens
det· dem F\tße angepaßten Leistenform sinnlos.
c) Das Einarbeiten der Einstechbahn
bei der Brandsohle
Das Einarbeiten der Einstechbahn, auch Ran
gierungsbahn genannt, bei der Brandsohle ist
eine der schwierigsten Arbeiten beim ganzen
Bodenbau und muß darum besonders sorgsam
ausgeführt werden.
Die Absatzlänge wird festgestellt. Zunächst wird
die Absatzlänge für den herzustellenden Boden
festgestellt und l'Uf die Brandsohle übertragen.
Durchschnittlich kann für alle Absätze bis zu
höchstens fünf Stich ein Viertel der normalen
Leistenlänge gerechnet werden. Da <lie meisten
Maßschuhe das Gelenk des Fußes vom inneren
Fersenrand aus abstützen müssen, gibt ein
etwas länger als üblich gehaltener Absatz dem
Schuh bedeutend mehr Tragkraft als ein kür
zerer Absatz, bei welchem dann ein viel kräfti
geres Gelenk eingebaut werden muß. Es richtet
sich nach dem Einzelfall, ob bei der Absatzlänge
zu- oder abgegeben werden muß.
2�-1 Die Absatzlänge beträgt '/. der Lei
stenlänge
25
Nach der Fertigstellung des Schuhes muß der Absatz die Richtung zur Leisten
spitze annehmen, was voraussetzt, daß er im rechten Winkel zur Längsachse des
Leistens aufgebaut wird (25.1). Die durch die Spitzen- und Fersenmitte laufende
Längsachse der Brandsohle wird durch 4 geteilt und auf ein Viertel der Gesamt
länge von der hinteren Fersenkante aus berechnet. Dann wird im rechten Winkel
zur Längsachse die Absatzfront bezeichnet. Spitze Leisten habell ein sog. Über
maß von ein, zwei und mehr Stich, das vor der Vierteilung von der Gesamtlänge
abgezogenwerden muß. An der so festgelegten Absatzfront beginnen auch die Ein
stechbahn, der Anfang und das �nde für das Einstechen der Rahmen.
Häufig wird die Absatzlänge nach Augenmaß bestiill.lllt. Das führt aber zu .Absätzen, die zu
kurz oder zu lang sind, zu falschen Absatzstellungen und unsauberem Übergang vom Gelenk
zum Absatz. Oft bemerkt man erst beim Absatzbau diesen Grundfehler und macht nun den
Absatz entgegen der Rahmenanordnung länger oder kürzer. Durch ein nachträgliches Kür
zerhalten des Absatzes fehlt dann ein Stück Rahmen und durch ein Längerhalten kommt
ein Stück Rahmen unter den Absatz zu liegen, was einen exakten Gelenkverlauf vei:hindert.
Nach der im Leisten angeord
neten Lage des Groß- und Kleinzehenballens richtet sieb die innere und äußere
Gelenklänge. Ihre Anordnung zueinander kann sehr unterschiedlich sein (26.1 ).
Die innere und äußere GelenkJänge wird festgelegt.
'
y
1 . •·,i
t7l
a
26.1 Die Anordnung der inneren und äußeren Gelenkfänge
�ei verschiedenor Lai:c des Groß- und Kleinzehen
hallens
26.2 Das.Fcstle1:en derEin
stechbahn an der Ge•
lenkeiomundung
Beim Einstechen der Außeneinstechbahn muß darauf geachtet werden, daß das
innere und äußere Gelenk entsprechend der Gelenkform des Leisten verläuft, d. h. ,
das Innengelenk muß unmittelbar hinter dem Großzehenballen enden und das
Außengelenk unmittelbar hinter dem Kleinzehenballen. Bei mangelhafter Form
gebung der Einstechbahn ist schlechtes Tragen der Gelenke m1d des Schuhwerkes
die unausbleibliche Folge. Durch genaues Festlegen der Gelenkmündungen beugt
man derartigen Fehlern zweckmäßig vor (26.2, Pfeil a und b).
26
Da.s Festlegen der inneren und äußeren Gelenklänge mit Hilfe des Winkelsystems kann
höchstens für die mengenmäßige Herstellung in Frage kommen, nicht aber für den Schub
nach Maß bzw. für den Einzelfall. An getragenem, zur Reparatur übergebenem Schuhwerk
läßt sich sehr häufig in anschaulicher Weise die Auswirkung unzweckmäßig geformter Gelenke
nachweisen. In den meisten Fällen wird bei Schuhwerk mit vorstehendem Rand das innere
Gelenk zu kurz gehalten, d. h. die Sohle reicht zu weit über die Belastungsstelle des Groß•
zehenballens bei Punkt b in Bild 26.2 hinaus.Dieser Sohlenteil wird nicht mehr belastet, wölbt
sich und führt zum Abdrücken des Gelenkes.
Die Einstechbahn wird vorgezeichnet. Die Entfernung der Einstechbahn von der
Brandsohlenkante ist von zweierlei abhängig:
1. von der Dicke oder Stärke des Schaftmaterials,
2. von der Randgestaltung, ob anliegender oder vorstehender Schnitt.
Gut eingearbeitete Bodenarbeiter machen in dieser ljinsicht oftmals keinen
Unterschied zwischen anliegendem und vorstehendem Schnitt und gleichen den
Unterschied durch eine entsprechende
Führung des Einstechortes aus.
Bei Böden mit vorstehendem Schnitt und
bei Verwendung mittelstarker Oberleder
verläuft die äußere Rißlinie der Ein
stechbahn (vornherum, vom Groß- zum
Kleinzehenballen) im gleichmäßigen Ab
stand von durchschnittlich 4 mm von der
Brandsohlenkante (27.1 a).
Ein weiteres Einrücken der Einstechbahn uni die
Spitze herum ist unnötig, wenn die am Einzwick
gewöhnlich zu dick gehaltenen Steifkappen ord
nungsgemäß dünn ausgcschärftwerden, wodurch
sie nicht übermäßig auftragen können.
Wenn man stärkere Oberlederarten und
Schaftstoffe verwendet, kommt die äußere
Rißlinie weiter nach innen, also etwa
5.. . 6 mm von der Brandsohlenkantc zu
liegen (27.1 b ). Das gilt auch bei Böden
r
Die Binstecbb:tltn verlliuft bei a 4.. .5 mm
mit, anliegendem Schnitt. Zum \ orzeich- 27.1 bei
b 5. . -6 mm von der llrandsohlcnk:mte
nen de-r ii.nßercn Rißlinie ,•erwcndet man
entweder die Spitze des Beschneidmessers oder man umfährt mit dem ent
sprechend breit eingestellten Zirkel die Brandsohlenkante. Auch mit einem ge
nügend breiten Schnitteisen kann die Rißlinie eingezeichnet werden.
Die Rißlinie des inneren Gelenkes soll unabhängig von der Brandsohlenkante in
leichtem Bogen nach innen verlaufen. Hierbei ist zu beachten, daß ein zu volles ·
Gelmk das Schuhwerk übermäßig schwer gestaltet, auch plump wirkt, und eine
ungehemmte freie Abwicklung des Fußes verhindert.. Dadurch trägt sich das
Schuhwerk schlecht, das Nachaußentreten wird gefördert. :Für die Gelenkbreite
sind das Leistengelenk und der Zweck des herzustellenden Schuhwerkes entschei
dend. Eine Regel hierfül' gibt es nicht, denn die Brandsohlen werden, wie schon er
"·älmt, im Gelenk oft voll gelassen oder gar hochgewalkt. Nur in wenigen Fällen kann
sich die Gelenkrißlinie dem Verlauf der inneren Brandsohlengelenkkante anpassen.
27
Die Rißlinie des äußeren Gelenkes folgt am besten dem Verlauf der äußeren
Brandsohlengelenkkante. Ein geschweiftes äußeres Gelenk trägt sich nicht immer
gut und wird deshalb selbst bei leichter Damenarbeit heute kaum noch angewandt,
niemals aber bei Herrenarbeit.
Da die Hinterkappen stets kräftig gehalten werden sollen, tragen sie auch nach
dem Einzwicken im Gelenk sehr auf im Gegensatz zu vorn, wo nur das Oberleder
und die Schaftstoffe (Überstemme und Futter} in die Einstechnaht kommen.
Darum muß die innere und äußere Gelenkrißlinie, je näher sie beim Einstechen
an die Absatzfront kommt, mehr und mehr nach innen verlaufen (um etwa 2 mm
mehr, s. Bild 27.1), sonst würde das Gelenk an der Absatzfront zu breit werden.
Ein zu starkes Einrücken an dieser Stelle führt dazu, daß die Gelenkbreite und
somit auch der Absatz zu schmal werden, wodurch die Hinterkappen am ferti
gen Schuh wie übergetreten aussehen.
Die Rißlinie wird eingeschnitten und geöffnet. Die nunmehr in die Brandsohle ein
geritzte oder mit dem Schnitteisen bzw. Zirkel eingedrückte äußere Rißlinie wird
zweckmäßig mit einem Messer sehr vorsichtig eingeschnitten, im Sinne des Riß
schneidens bei den Sohlen. Nur beginnt man auf der linken Seite an der Absatz
front, die Leistenspitze sich zugekehrt, wobei die Messerspitze nach außen gehal
ten werden muß (28.1). Voraussetzung dazu ist allerdings, daß die Brandsohle
kräft.ig und kernig genug ist, daß man sie um etwa ein Drittel ihrer Stärke ein
schneiden kann; denn dünne oder lose Brandsohlen können diese Art des Ran
gierens nicht vertragen.
Mit einem Rißöffner wird der Riß dann geöffnet und die Brandsohlenkante ent
sprechend der Rißtiefe mit dem Brandsohlenhobel abgelassen (28.2). So wird ein
1
�
t.1
28.1 Das Einschneiden der Rlßlinie
28
:IS.2 Das Ablassen der Brnndsohlenkaote
29.1 Das Einzeichnen der zweiten Rißlinie
29.2 Das Ablassen der Rißlippe mit dem Brandsohlen
hobel
gutes Widerlager für die Rahmen geschaffen, und der Boden wird bedeutend trag
fähiger.
Zwar wird dieses Verfahren vielfach abgelehnt. Das liegt aber daran, daß die Verwendung
schlechten Brandsohlenleders gang und gäbe war und es leider auch heute noch vielerorts ist.
Die so geschaffene kantige
Abstufung rund um die Brandsohle gesti:i,ttet es, mit einem auf 7 mm Weite ein
gestellten Zirkel die zweite Rißlinie einzuzeichnen. Auch auf dieser Rißlinie schnei
den Wir die Brandsohle ganz leicht ein (29.1), öffnen den Riß und lassen die Riß
lippe mit dem Brandsohlenhobel ab (29.2). Die Messerhaltung und -führung ist
hierbei so wie bei der ersten Rißlinie, nur wird jetzt auf der rechten Seite ange
fangen. Das Einschneiden endet dort, wo bei der ersten Rißlinie zu schneiden
angefangen wurde .
. Das Messer darf nicht so in die Brandsohle einschneiden, .daß der Einstechdraht
beim Anziehen die Einstechbahn zum Einreißen bringt. Bild 29.1 zeigt die richtige
Messerhaltung.
In den Fällen, wo dünnes Brandsohlenleder zur Verarbeitung kommt, ist von dom
Erarbeiten der inneren und äußeren Rißlinie abzusehen, da die Einstechbahn hier
durch geschwächt wird und der Beanspruchung nicht standzuhalten vermag.
Man hilft sich, indem man die Einstechbahn mit Bleistift vorzeichnet oder mit
der Messerspitze leicht vorritzt, worauf das leichte Abstoßen (nicht Abschärfen)
der äußeren Brandsohlenkante erfolgt. Nach Möglichkeit vermeide man auch das
Vorstechen, vorausgesetzt, daß genügend Sicherheit im Einstechen besteht.
Die zweite Rißlinie wird eingezeichnet und geöffnet.
1
1
i
1·
l
29
Die Einstechbahn wird vorgestochen, wenn sie so fertiggestellt
ist. Die Abstände von Stich zu Stich sollen durchschnittlich
7 mm betragen. Für eine feste Gestaltung der Einstechnaht
ist auch die Richtung der Stiche von großer Bedeutung. Eine
rechtwinklige Anordnung der Stiche zur Einstechbahn ist die
allgemeine Forderung, doch lehrt auch hier ,�ieder die Er
fahrung, daß eine leichte Schrägstellung deshalb einen
festeren Stich ermöglicht und dem Rahmen einen noch festeren
Ha.lt bietet, weil durch die Schrägstellung der Rahmen fester
an die Einstechbahn herangezogen werden kann und hierdurch
eine größere Spannung erhält (30.l, s. auch S. 53 bis 57, Ein
stechen).
Die Tiefe des Stiches soll nicht meht· als zwei Drittel der
Brandsohlenstärke ausmachen. Tiefere Stichlagen können
unter Umständen durch die Belastung des Fußes zum Durch
drücken der Stiche nach innen führen, besonders da.rw., wenn
der zur Verwendung kommende Einstechdraht stark ist und
die Brandsohlen wenig kernig sind.
Die Stärke des Einstechortes muß stets der des Ein
30.1 Beim VorstA!Chen
stechdrahtes angepaßt sein, d. h. er soll immer ein wenig
der Einstechbahn
schwächer als der Draht gewählt werden. Ein zu feiner Ort
sollen die Stiche
eine
leichte
führt
zum Verbrennen des Drahtes und ein zu starker zur
Schräglage haben
Lockerung der Einstechnaht und Undichtigkeit <les Bodens.
Bereits beim Vorstechen muß Wert, darauf gelegt werden, daß der Einstechort
vorsichtig durch die Rangierungsba.hn ge
führt wird und die Spitze des Ortes nur
wenig aus der Bahn hervortritt, damit keine
zu großen Löcher entstehen, die sich kaum
mehr schließen können (30.2).
Die vielen beim Einstechen zu beobachtenden
Schwierigkeiten sind in der Mehrzahl auf die Ver
arbeitung ungeeigneten Brandsohlen- und Näb
matorials wie auch auf die ungenaue Einarbeitung
der Einstechbahn zurückzuführen. Ist dieselbe
zu breit gehalten, so muß der Stich sehr tief ge
führt werden, damit die Spitze des Einstechortes
die �ußere Rißlinie erreicht. Dadurch besteht
aber bei jedem Stich die Gefahr, die Brandsohle
durchzustechen. Was das bedeutet, stellt sich
erst nach dem Ausleisten heraus. Die Einstecb
stirhe liegen unschön auf der Brandsohle und
machen sie uneben. Das muß, besonders bei
empfindlichen und kranken Füßen, zu Bean
standungen führc-n.Bei zu schmalrangierten Ein
stechbahnen besteht die Gefahr, daß sie beim
festen Anziehen des Drahtes durchreißen oder
sich nach kurzer Tragdauer des Schuhwerks los
reißen. ::\fan sei deshalb sehr gewissenhaft bei
der Erarbeitung der Einstechbahn.
30.2 Das Yorstechen der Einstechbahn
lll. Das Zurichten der Hinterkappe
Auf die richtige Hinterkappenlänge und -höhe kommt es an. Die Grundform der
Hinterkappe ist von der Leistenform, dem Schaftschnitt und dem Zweck
des herzustellenden Schuhwerks abhängig. Allerdings unterscheiden sich
Hinterkappen für Herrenstra.ßenschuhwerk auch bei verschiedenen Schaftschnit
ten nur unwesentlich. :.Vleistens sind die Hinterkappen zu kurz und zu hoch gehal
ten. Die Länge der Hinter
kappe soll jeweils der Länge
des Leistens (ohne Übermaß)
entsprechen, wenigstens so
weit dies der Schaftschnitt zu
läßt. Schuhwerk (auch Damen
schuh,verk) trägt sich viel
besser, wenn die Hinterkappen
weit in die Gelenke hinein
1
'----'1
1
ragen. Schwache oder kranke
1
äußerelänge l--Füße bedürfen zur Stütze in
1
1
innere
Länge --J
fast allen Fällen einer genü
gend langenundkräftigen Hin
terkappe besonders auf der
inneren Seite. Darum muß sie
hier auch länger als außen ge
t-. -br-------..,....1.
--_i_t:1_� �
halten werden.
:
:,r
., .,
ere nappenlete 1
1 innere Kappenseife iI au
··
n
�
Die Höhe der Hinter
�
kappe kann nach folgender 31.1 Der Entwurf der Hinterkappenform
Formel berechnet werden:
Zur Leistenlänge (ohne Übermaß) des herzustellenden Stiefels zählt man bei allen
Größen die Zahl 6, teilt das Ergebnis durch 6 und gibt 2 Stich für Zwickeinschlag
hinzu. Beispiel :
f-�y
d-- �
{� -
e
�
J-
- � 11
§
- - �1:s [
t/
·,
, , .,, �
Die Lei9tenlänge ist 42 Stich
+ 6
48 : 6
8 Stich
+ 2 Stich Zwickeinschlag
10 Stich Kappenhöhe für Herrenstiefel, Größe 42.
=
Die Hinterkappenform für Herrenstiefel (Gtöße 42) wird entworfen (31.1).
1 . Ein Rechteck von 42 Stich Länge und 10 Stich Höhe zeichnen.
2. Die Hälfte der Leistenlänge (21 Stich
2 Stich Zugabe für die innere Gelenk
seite) von a nach b abtragen und Senkrechte c errichten.
3. Bei a und b an den Senk.rechten etwa 1¼ Stich seitliche Kappensprengung ab
tragen. (Bei Absätzen von 5 Stich Höhe aufwärts beträgt die seitliche Kappen
sprengung je nach Verlauf des Leistengelenkes 1 ¼ bis 2½ Stich.)
4. Kappenform einzeichnen. Der innere, längere Kappenflügel d läuft im leichten
Bogen nach unten aus, hingegen der äußere e kurz, rund. Für einen besseren
„Schluß" der Hinterkappe senkt man die obere Kappenlinie bei der Senkrechten c
um ½ Stich.
+
31
Bei Hinterkappen für Halbschuhe und Stiefel mit nicht durchgestepptem Futter
werden die Bogen d unde der beiden Kappen.flügel gleichmäßig in der Form (wie
der Kappen.flügel d) gehalten. Bevor das fertig
gestellte Kappenmuster verarbeitet wird, muß
man es an den Leisten halten, um es a.uf seine
Paßform zu prüfen. Beim Anlegen der beiden
Kappen.flügel am inneren und äußeren Gelenk
ist festzustellen, ob sie nicht zu weit über die
Vorrangierung der Brandsohle hinausgehen (32.1,
Pfeile), denn in diesem Falle fällt der abge
schärfte Zwickeinschlag zum großen Teil ab.
32.l Das Anlegen der beiden Kappenftügel
am inneren und :l.ußeren Gelenk
Wenn solche Kappenmuster verwendet werden, fällt der
niohtgeschärfte untere Teil des KappenfiügeJs· in die
Einstechnaht. Das führt zu einer Verbreiterung des
Gelenkes, und ein guter Übergang zur Fersenkante
(Absatzkante) wird hierdurch unmöglich gemacht.
Außerdem trägt sich ein solches Gelenk nicht,
denn die Stärke der Hinterkappe läßt an. der Einstechnaht eine feste Verbindung mit der lBrandsohle
nicht zu.
Nach dem Zuschneiden werden die Hinterkappen geschärft. Das Schärfen beginnt
an der Narbenseite. Der Narben gibt der Hinterkappedennotwendigen „ Stand",
er darf deshalb nur außen herum entfernt werden, und zwar in einer Breite von
etwa 2 bis 2¼ Stich. Det dunkle Teil der eingezeichneten Kappe (31.1) zeigt den
nicht ausgeschärften Narben. Die Stärke des abzuschärfenden Leders beträgt an
den Kanten etwa ein Drittel der Gesamtkappenstärke und lä-uft bis· zum stehen
bleibenden Narben hin aus.
Die teilweise Entfernung des Narbens ist notwendig, weil er sich bei Einfluß von Feuchtigkeit
(Schweiß) nach innen rollt, hart und glasig wird, das Futter und Oberleder durchscheuert
und Hautverletzungen verursacht.
Von der Aasseite erfolgt dann das breitere und unmerksam auslaufende
Schärfen nach den Kanten hin. Durch das nachträgliche Bearbeiten mit der Zieh•
klinge oder mit Glas werden bestehende Unebenheiten ausgeglichen.
Die Hinterkappe wird leicht geklopft. In halbtrockenem Zustand werden die Kap
pen von der Mitte der Aasseite aus leicht geklopft. Harte Schläge müssen vermie
den werden, damit da-s Bindegewebe der Ha11t nicht leidet. Die Kappe verliert
dadurch ihre Festigkeit. Um unnötige Faltenbildung beim Einzwicken der Hinter
kappe zu vermeiden, schneidet man bei Pfeil f (31.1) eine Kerbe in Höhe von nicht
mehr als 1 ¼ Stich ein. Wenn die Zwickzugabe richtig gewählt und wenn ordnungs
gemäß ausgeschärft wurde, erübrigen sich mehrere Kerben.
Das Walzen der Hinterkappe hat wegen der einseitigen Druckwirkung gewebezerstörenden
Einfluß auf die geschärfte Hinterkappe und verformt sie auch ; es ist darum nicht anzuwenden.
32
IV. Das Zurichten der Rahmen
Zuschnitt und Verarbeitung des Rahmens richten sich nach der Bodenart und
nach der Schnittart (ob anliegender oder vorstehender Schnitt, ob schmal oder
breit vorstehend).
Damenrahmen für anliegen
den Schnitt hält man durchschnittlich 8 mm und für vorstehenden Schnitt
8···10 mm breit, Herrenrahmen für anliegenden Schnitt 10 mm und für vorste
henden Schnitt 12· · · 14 mm breit. Beim Zuschnitt ist zunächst·auf genauen Schnitt
und Einhalten einer gleichmäßigen Breite zu achten. Die Länge wird zweckmäßig
an der vorrangierten Brandsohle abgemessen.
Länge und Breite des Rahmens werden abgemessen.
Solange noch keine genügende Erfahrung im Einstechen da istt werden der abgemessenen
Länge 3···4 mm zugegeben, da die Kappen und Schäfte auftragen und durch das„Einhalten"
des Rahmens im Gelenk und um die Spitze Längenverluste entstehen, die im voraus nur
ungenau bem.essen werden können. Es kann sonst vorkommen, daß der Rahmen angesetzt
oder übermäßig angezogen werden muß, damit er langt. Dadurch entstehen aber Spannungen
im Rahmen, besonders im Gelenk, das sich dann nicht gut anlegt und deshalb schlecht trägt
(s. S. 56: ,,Einstechen").
Vor dem Einstechen des Rahmens ist die innere oder äußere Gelenklänge genau ab
zumessen. Wenn das Außengelenk oder beide Gelenke im „Plattschnitt" herge
stellt werden sollen (z.B. bei schwerem und Sportschuhwerk), wird der Rahmen in
der ganzen Länge einheitlich rangiert. Soll der Gelenkschnitt jedoch dünner als
der Sohlenschnitt werden, dann ist es ratsam, einen schon starken Rahmen im
Gelenkteil um etwa 1/3 seiner Stärke abzulassen. Bei mittelstarkem Rahmen ist
ein Ablassen im Gelenk nicht zu empfehlen, weil er sonst an Haltbarkeit verliert.
Vor Beginn des Einstechens ist also ein genaues Abmessen der inneren oder äuße
ren Gelenklänge notwendig. Der Übergang vom Gelenk zum Schnitteil muß genau
abgegrenzt sein, wenn auf einwandfreie Arbeit Wert gelegt wird, Bei Gelenkhohl
schnitt muß einer genauen Abgrenzung noch mehr Beachtung geschenkt werden,
denn bei falschen Abmessungen fällt die 'Obergangsstelle vom Gelenk zum Schnitt
unsauber aus.
Die Rangierung des Rahmens richtet sich
nach der Bodenart. Die bekannteste Art
des Rangierens für den in den Platt
schnitt fallenden Teil des Rahmens ist
das einfache, schräge Ablassen der einen
Rahmenkante um etwa ein Drittel der
Rahmenbreite. Für leichtere Böden
und für Böden mit anliegendem Schnitt
ist diese Rangierungsart angebracht.
Schwere Böden mit vorstehendem
b
a
b
Schnitt benötigen eine festere Ver- a
ankerung, wie sie bereits bei der Ran- 33.1 Rnngiert� :&ahmen
a) für festeres Schuhwerk
gierung der Brandsohlen erwähnt wurb) für leichteres Schuhwerk
de, denn sie sind einer stärkeren Beanspruchung ausgesetzt. Der schräge Schnitt (33.l b) bietet dem Rahmen kein
festes Widerlager gegen Schaft und Brandsohle. Besser ist die Rangierungsart,
33
wie sie in Bild 33.1 a dargestellt ist. Das stufenmäßige Ablassen des Rahmens er
gibt eine Kante, die sich fest der auf gleiche Weise rangierten Brandsohlenkante
anzupassen vermag. So entsteht ein festes Widerlager. Die Gegenüberstellung
beider Rangierungsarten in Bild 34.1 läßt ihre Wirkungsweise gut erkennen.
,.
eingezwickter ,/
Schaft�11
/
,,
[in.sfechnoht
i
eing�zwiclrfer /
Schaft �/
I
I
1
1
Einsfechnahf
{
Brandsohle
he
+
..
····
---···
\�
rr-____is;;:;:_:...---..- \ -._-_Bra_._n_i_o-.-l__.
-i
_____-tLt---+. .A
-1
-�-----\
Rahmen
.
Einstechbahn
,_
:,
?
t ·
Rahmen
L.,,,.. .
s
Einslechbahn
3'l.l Brandsohlen uod Rahmen ; links für fcsoor�s Schuhwerk, rechts für leichteres Schuhwerk
Der Rahmen wird rangiert in derselben Weise, wie es bei der Herstellung der ersten
Rißlinie auf der Brandsohle besprochen wurde. Mit einem Zirkel wird zunächst
die Breite der abzulassenden Kante für den vorstehend zu arbeit enden Rahmen
teil gekennzeichnet. Unter leichtem, vorsichtigem und gleichmäßigem Druck
schneidet man mit einem scharfen Beschneidemesser eine Rißlinie ein. Das Riß
schneiden erfolgt genau so wie das für eine zu nähende Sohle. Die abzulassende
Kante liegt links. Das Messer wird in leichter Schrägstellung von rechts nach links
geführt (siehe die Messerhaltung in Bild 28.1). Nun wird der Riß mit dem Riß
öffner vorsichtig geöffnet und die Kante mit dem Brandsohlenhobel um etwa die
Hälfte der Rahmenstärke abgelassen. Der genau zu . bemessende Gelenkteil des
Rahmens wird von der Aasseite aus entsprechend dünn geschärft. Zum Schluß
wird die obere Schicht des Narbens vom ganzen Rahmen entfernt, damit sich die
Stiche leichter in den Rahmen einziehen können und die Ausputzfarben (Schwärze)
besser einzudringen vermögen. Auch die Aasseite muß gut mit Glas oder mit der
Ziehklinge abgezogen werden.
Der andere Gelenkteil des Rahmens wird zweckmäßig erst dann scharf begrenzt
und durch Unterlegen einer Glasplatte oder dünnen Schärfeplatte fertig geschärft,
wenn man mit dem Einstechen auf 2···3 cm an das Gelenk gekommen ist. Nur so
kann mit größter Sicherheit ein genauer Gelenkübergang erzielt werden ( siehe auch
Seite 57 „Das Einstechen").
V. Das Zurichten der Steifkappen
Die Form der Steifkappen wird bestimmt. Bei Steifständen entwickelt sich das
Muster aus der Leisten- und Schaftform. B e i Schäften mit g e r a d e n Z i e r kap
p e n bekommt die Steifkappe in den meisten Fällen die gleiche Form und Größe,
34
:,ic ist ihl' also im 1Iuster nur anzupassen. Nun kommt es aber vor, claß der Zwick
einschlag an den Schäften außergewöhnlich groß ist. Würde die Steifkappe mit
, lern gleichen großen Zwickeinschlag versehen, so wäre mit einer zu großen Falten
hildung an der Spitze zu rechnen und der geschärfte Zwickeinschlag der Steif
kappe würde zum großrn Teil abfallen. Dadurch würde der Rahmen zu weit nach
außen kommen, clenn der Zwickeinschlag fällt dann stark in die Einst,echnaht
hinein. Auch das Herausarbeiten einer guten Spit,zenform würde unmöglich ge
macht. Es ist deshalb notwenrlig, die Schäfte zunächst ordentlich überzustollen,
damit sie auf ihre Pu,ßform geprüft und vom übermäßigen Zwickeinschlag befreit
werden können. Von der jetzigen Größe der Zierkappe fertigt man ein Muster und
schneidet hiernach die Steifstände.
Steifstände, welche zwischen Zierkappe und Besatz oder Blatt ein
gearbeitet werden solleu, müssen mit ihrem Bogen (ober:e Kante) scharf gegen <lie
Steppnaht oder Kappenverzierung stoßen und somit auch genau die Bogenform
der Verzierungsnaht haben.
Steifstände über das Futter gezwickt müssen über die Verzierung bis
zur Kante der Verzierungskappe reichen . In diesem Falle wird also das Steifkap
penmuster um die Verzierungsbreite größer.
Schäfte ohn e Zierkappen erhalten im allgemeinen eine Steifkappe in der
Größe, als sei eine Zierkappe am Schaft vorhanden, nur wird der Kappenbogen
fast gerade gehalten und auch etwas dünner und langsamer verlaufeml· ausge
schärft.
Ste ifkappen für sog. ,,Flügel
kappen" bekommen ebenfalls eine
Flügelform, nur werden die Flügel
kurz gehalten (35.1). Die dunkleren
Flächen des Bildes stellen die einzel
nen Steifkappenformen und ihr Ver
hältnis zu den Zierkappen dar.
Die Steifkappen wei:den geschärft wie
die Hinterkappen, zunächst von der
Narbenseite aus und in einer Breite
von etwa 2···2½ Stich rundherum
(35.1 e). Von der Aasseite aus nimmt
man das restliche Schärfen vor, stets
daraufbedacht, daß derÜbergang von
der Mitte nach den Seiten hin ein kaum
merklicher ist und der Einzwick dünn
genug gehalten wird, damit er sich
leicht einzwicken läßt und die Falten
verteilung und Kantenbearbeitung
ohne Schwierigkeiten vor sich gehen
kann. Das Ausglasen und Klopfen
erfolgt wie bei der Hinterkappe.
n
35.1 Verschiedene Formen der $teifkappe
tl) Steifknppengrößc zum Aufzwlcken aufdas Futter
b) Steifkappengröße zum Einschieben
c) Steifkappengröße für Schäfte ohne Zierkappe
d) Flügelsteifka1ipe
e) Narbenseite eines geschärften Steifstandes
35
VI. Das Zurichten des Fleck- oder Absatzleders
Vor dem Zuschneiden muß geschärft und geklopft werden. Damit das unenvünschte
Platzen (Reißen) der Absätze vermieden wird, empfiehlt es sich, die Aasseite bis
zum Erscheinen des Bindegewebes der Haut zu reinigen bzw. abzuschärfen. Auch
der Narben muß fast restlos abgezogen werden, da seine Sprödigkeit und Festigkeit einer festen Verbindung entgegenwirkt. Das
Fleckleder wird zweckmäßig von der Aasseite aus
geklopft, und zwar in fast trockenem Zustand.
Die Größe des Fleckleders wird bestimmt. Das
Rangieren der einzelnen Unterflecke richtet sich
nach dem Oberfleck oder dem Oberfleckmuster.
Die Größe des Oberfleckes ist im allgemeinen
durch die Höhe des Absatzes bestimmt. ·
Flache Absätze bis zu 4 Stich Höhe werden
breit und lang gehalten (englische Form). Für
den Musterentwurf benutzt man die rangierte
Brandsohle, indem man die Ferse bis zur ein
gezeichneten Absatzlänge mit einem Zirkel um
fährt, und zwar mit einer Zugabe von ungefähr
l Stich (36.l a). Nach diesem Muster werden die
Unterflecke rangiert, jedoch gibt man in der
Länge, an der Absatzfront, etwa ¼ Stich zu,
damit das Beschneiden der Absatzfront nach
dem Aufbau des Absatzes genauer durchgeführt
36_1 verschiedene Größen und Formen
der Absätze
werden kann. Übermäßiges Größerschneiden der
Unterflecke ist unzweckmäßig_ und erübrigt sich
überhaupt dann, wenn an der Brandsohle die endgültige Absatzlänge festgelegt
wurde. Nach der Höhe des zu bauenden Absatzes und der Stärke des Fleckleders
richtet sich die zu rangierende Anzahl der Unterflecke.
Absätze von 5 · · · 6 Stich Höhe (amerikanische Form) müssen entsprechend
der Breite und Form der Leistenferse schmal gehalten, untersetzt und in der Form
gefällig gehalten werden. Das Oberfleckmuster wird also schmaler als die rangierte
Brandsohlenferse entworfen, und zwar um annähernd l Stich. Durch das Unter
set,zen und Schmalhalten des amerikanischen Absatzes verkürzt sich zwangsläufig auch der Oberfleck, und zwar um
1½···2 Stich (36.lb u. 36.2a).
36.2 Der amerikanische Absatz
36
Eine feste Regel für das Einrücken des Ober
fleckes, die Gestaltung der Oberfleckenbreite
und -lä-nge gibt es nicht, denn bei Verwen
dung starken Schaft- und Kappenwerkstolfes
entsteht eine größere Fersenbreite als bei
dünnen Werkstoffen. Da aUe Regeln für
Oberfl.eckberechnung von der Brandsohlen-
breite und -länge ausgehen, würden die nach solchen Regeln geformten Oberflecke im oben
erwähnten Falle zu klein (schmal und kurz) ausfallen, wodurch dann der Absatz eine U-Omög
lirhe Form erhalten wfüde.Entscheidend für die eigentliche Form und Stellung des Absatzes
ist die gesamte Bodenbreite, wie sie sich nach dem Nähen und Beschneiden der Durchaus
sohlen ergibt. Die Oberfleckformung nach der Brandsohlenbreite kann nur als eine behelfs
mäßige bezeichnet werden, und nur der erfa.h.rene Bodenarbeiter ist in der Lage, ein Ober
flec-kmuster schon bei der Rangierung des Fleckleders annähernd passend zu gestalten.
VII. Das Zurichten der Keder
D i e Länge der Keder errechnet sich aus dem Umfang der Leistenfersenkante
unter Zugabe von 2,.. 3 Stich für das Verkürzen des Keders bei der Formgebung.
Die Breite des Kederstreifens soll unter Berücksichtigung eines Vf!rlustes
durch das Spalten 4 · ··5 Stich betragen. Der gespaltene Keder ist durchschnittlich
31/t .. ·4 Stich breit.
Zu schmal gehaltene Keder behindern oft
eine genaue Aufbauarbeit, weil die Holz1üigel zu nahe an der Kante eingeschlagen
werden müssen und die Gefahr besteht,
daß sie bei der weiteren Bearbeitung her
auskommen oder die Keder wegen ihrer
keilförmigen Beschaffenheit beim unfach
gemi1ßon Aufnageln im Verlaufe des Tra
gens des Schuhwerks herauswachsen.
�·
�,s,�;,�eff{'N
a)
....
•
............
__, ......f
b)
Yor dem Spalten zieht man die
31,1 Kederstrelfen a) gespalten b) geformt
Karben- und .Aasseite ordentlich ab,
um eine gute Bindefähigkeit für das
spätere Kleben zu schaffen. Nach dem Spalten bringt man die Kcderstreifen unter
ständiger Bearbeitung mit dem Hammer in die Hufeisenform und klopft sie
leic-bt durch {37.1).
Vlß. Das Zurichten des Gelenkleders
Das entweder aus dem Halskern oder den Hinterklauen zu schueiden<le Gelenk
leder (s. auch K. 15 und 60) wird von beiden Seiten gut gereinigt, und <ler Narbc-n
wircl dabei gut aufgerauht, um das „Krachen" der Gelenke zu ,·erhindern.
Dann klopft man es in fast trockenem Zustand ordentlich durc-h. Die
Breite und Länge richten sich nach
dem innerhalb der Einstech- und
Einhindena.ht, verhleibenden Raum.
Yorn sollen <lie Gelenkstücke etwa
2 1 {,.. .3 cm über die Ballenliniehinaus
r�gen, was zur besseren Formhaltung'
des C:elenkesund desSchuhes wesent- 31,2 Die GelenkstOcke gehen 2'/,· ..3 cm liber die Ballen
llnie hinaus
lic-h beiträgt {37.2).
37
rx. Das Znricbten dt>r Dur<'hanssohlt'D
Die Durchaussohlen werden zugeschnitten. Der Zuschnitt erfolgt nac·h ücm Brnud
sohlcmmuster. Zunächst wird die Aasseite gut gereinigt, und Vnterschiede in <ler
Sohlenstärkc werden durch Ausschärfru ausge&rlfrhen. Das BrandsoMenmu:-tc•r
wird auf die Durchn,ussohle gelegt und mit dem Zirkd nl.Ilfahrm.
Bei mittelmäßig Yorstehendem Schnit.t und mittclstarkem ScJiaft- t11Hl
Kappenwerkstoff muß die Durchaussohlc rundherum <.>twa 1 Stich hrriter gehal
ten werden als das Brandsohlenmuster.
Durchaussohlcn für anliegenden Schnitt bekommrn eine Zugab<.> Yon
-1 . ••5 mm. Vor dem Umzeichnen muß clcsluilb die Zirkek•instellung entsprcchcncl
erfolgen.
Damit der Gelenkhohlschnitt nicht zu dick ausfällt, nimmt. man ,om Gelenk der
Durchaussohle seitlich in einer Breite von 2½--·3 Stich im Verhältnis der. rnrge
sehenen Hohlschnittstärke etwas ab. Vorher jedoch muß die innere und äußere
Gelenklänge an der Durchaussohle genau gekennzeichnet werden, um einen schlie
ßenden Übergang vom Hohlschnitt zum Plattschn.itt der Sohle zu gewä.hrleisten.
In halbtrockenem Zustand werden die Durchaussohlen nunmehr Yon der �litte
aus kreisförmig nach außen hin geklopft.
Der jetzt fertig rangierte Boden muß vor dem Austrocknen bewahrt werden, wenn
er nicht sofort zur Verarbeitung kommt. Zur Aufbewahrung eignen sich Stein�t
behälter. Auch das Auflegen der Zutaten auf Steinplatten, Einpacken in feuchtes
Papier usw. sind zulässig. Das Austrocknenlassen und gelegentliche Wiederbe
feuchten schadet dem Leder und dessen Weiterverarbeitung.
X. Das Zurichten de1· Überstemme
Die Auswahl des richtigen Leders ist wichtig. Überstemme dienen dem Schaft als
seitliche Stütze. Sie müssen deshalb aus standhaftem Oberleder geschnitten wer
den. Durch die stete :Bewegung
des Schuhwerks bei der Abwick
lung sackt ein loser Überstemm
sehr bald zusammen und führt zu
Faltenbildung, die nicht nur dem
Fuß, sondern auch dem Aussehen
des Schuhwerks schadet. Wenn
auch die Überstemme zwischen
den Schaft zu liegen kommen und
somit nicht sichtbar sind, so darf
doch dafür kein Oberlederabfall
verwendet werden, wie das leider
häufig geschieht.
38.1 Überstemme mit Hinterkappe und Steifkappe
Die Länge u n d Form der
Ü b e r s t e m m e werden be
stimmt. Sie richten sich nach dem Schaftschnitt und der Länge der Hinter
kappen und Steifstände, denn sie sollen vorn um etwa 1 cm über die Steifkappen
38
und hinten 1¼·· · 2 cm über die Hinterkappen hinausreichen. Die Gesamtbreite
(also einschließlich 2 Stich Zwickeinschlag) beträgt durchschnittlich 5 · · · 6 Stich
für Damenüberstemme, 6···7 Stich für Herrenüberstemme. Der untere :Bogen der
Überstemme muß dem Schaftverlauf folgen. Vorher aber muß vom Schaft der
übermäßige Zwickzuschlag entfernt sein, damit ein einwandfreies Überstemm
muster erarbeitet werden kann (38.1).
Das Schärfen der Überstemme soll von der A.asseit.e aus erfolgen, doch ist
es bei Verwendung kerniger Überstemme ratsam, auch die Kante des Narbens
leicht abzustoßen, da sich der Narben des Oberleders durch Einfluß von Feuchtig
keit (Schweiß) und Wärme rollt und zur Faltenbildung führen kann.
C. Das Aufzwicken der Schäfte
I. Die Schäfte werden überprüft und zum Aufzwicken vorbereitet
Das Überholen der Schäfte geht dem Zwicken voraus. Vor dem Einbringen der
Hinterkappen und Überstemme müssen die Schäfte auf richtigen Sitz überprüft
werden, d. h. es muß festgestellt werden, ob die Zierkappen und Hinternähte
(Hinterriemen) eine gerade Anordnung haben.
Dies läßt sich nur durch ein ordnungsgemäßes Überholen der Schäfte erreichen,
worunter man ein Überzwicken der Schäfte über die Leisten mit nur wenigen
Zwickstiften versteht. Hierdurch läßt sich feststellen,
ob die Zwickzugabe am Schaft nicht übermäßig groß
ist, besonders an der Ferse und der Spitze, wo sie beim
Zwicken wegen zu großer Faltenbildung störend wirkt
und einer guten Kantenausarbeitung hinderlich ist.
Der überschüssige Zwickzuschlag wird etwa ein Stich
hinter den nicht weiter als zwei Stich von der Leisten
kante entfernt eingeschlagenen Zwickstiften abgeschnit
ten (49.2).
Wenn durch das Überholen festgestellt wird, daß die Zierkap
pen schief angebracht sind, soll mau nicht durch stärkeres Vor
holen des etwas zurückstehenden Kappenfiügels versuchen,
diesen Fehler unsichtbar zu machen, denn dies führt meistens
zu Zwickfalten, die nach dem Ausleisten noch störender wer
den. Richtiger und in allen Fällen zeitsparender ist es, Fehler
am Schaft auch am Scho.ft selbst zu beheben. Die Paß- und
Tragform des Schuhes würde dagegen sehr leiden, wenn man
versuchte, Nähte, Hinterriemen oder Zierkappen durch einseitige
Zwickmaßnahmen in die richtige Lage zu zerren.
Der Untertritt muß abgeschärft werden, wenn er zu breit
ist. Durch das Überholen, das
dem eigentlichen Zwicken
vorausgeht, nehmen die Schäfte teilweise die Leisten-
39.1 Breiter,
ungeschiirfter
Quartier-Untertritt
39
form an (besonders wichtig bei Schäften für Ortho
pädiefälle), wodurch das Zwicken bedeutend erleich
tert wird. Bei nicht ordnungsgemäß gearbeiteten
Schäften ist der zwischen dem Oberteil und dem
Ringbesatz oder Blatt liegende Untertritt oft zu
breit und nicht ausgeschärft (39.1). Es zeichnen sich
dann die unteren Kanten der Schaftoberteile am Be
satz oder Blatt ab, wirken bei zu großer Stärke und
Härte des Oberleders im vorderen Teil aufBallen und
Zehen als Druckstellen und können Hautentzündun
gen hervorrufen. In solchen Fällen müssen der Besatz
oder das Blatt umgeklappt und der Untertritt auf
etwa 1 cm Breite abgeschärft werden.
Die Hinterkappen werden eingehi:acht. Vor dem
Einbringen der halbfeuchten Hinterkappen durch
näßt man noch einmal besonders deren Zwickein
schlag, denn das Einzwicken wird dadurch wesent
lich erleichtert. Nunmehr bestreicht man die Aas seit e der Hinterkappe in ihrer ganzen Höhe mit frisch
DasEinldebenderHinterkappe
und dünn angerührtem Wiener Kleber (die beiden 40.1 ·in
den llingsbesatzschäften
Flügelenden müssen in einer Breite von 2···2½ cm
von Kleber frei bleiben, damit sich die Kappen seitlich nicht auszeichnen) und
klebt sie mit dem Narben nach innen gegen den Besatz. Hierbei ist auf die rich
tige Verteilung der inneren und äußeren Kappenlänge zu achten. (Die Kappen
mitte ist gewöhnlich durch den Keilausschnitt im Zwickeinschlag gekennzeichnet.
Siehe die Herstellung des Kappenmusters, 31.1.)
Bei Schäften mit durchgesteppten Ring
besätzen muß das Hauptaugenmerk auf
das genaue Abschließen der oberen Kap
penkante mit. der Besatznaht gerichtet
werden. Die Kappen sind hierbei so fest
wie möglich gegen die Besatznaht zu
schieben. Der Untertritt der Oberteile
muß hierbei auf die Narbenseite der
Kappe zu liegen kommen (40.1), sonst
zeichnet er sich nach außen ab oder hil
det eine Wulst.
Das Einbringen der Hinterkappen mit dem Nar
ben na.ch innen gibt ihnen eine größere Festig
keit, hervorgerufen durch das Zusammenpres
sen des Narbens beim Umbiegen nach innen.
40.2 Das Spannen des Schaftes Ober dem Knie
40
Nun bestreicht man auch die Narben
seite in der gleichen ·weise wie die Aas
seite mit nicht zu dünnem Kleber, damit
er nicht durch das Futter dringen kann,
schlägt das Futter wieder zurück auf die
Kappe und drückt es unter gleichmäßiger Verteilung
der Futterfalten gut an. Nachträglich spannt man
den Schaft leicht über das Knie, damit sich Oberle
der und Futter durch den Längszug entsprechend ver
teilen können (40.2). Damit die eingeklebten Hin
terkappen während des Zwickens nicht aus ihrer
Lage können, empfiehlt es sich, sie am Zwickein
schlag, hinten und an den beiden Flügeln durch ein
Drahtende mit dem Oberleder und dem Futter zu
befestigen.
Das Einbringen der Üherstemme. Die Überstemme
sollen mit der Narbenseite gegen den Scha:.ft liegen.
Sie werden nur hinten und· vorn festgeklebt. E:inten
können sie bis etwa 2 cm über die Kappenflügel
ragen, vorn jedoch nicht mehr als 1 cm über die
Steifkappe (41.1). (Siehe auch Abschnitt „Über
stemme", Seite 38, Bild 38.1.}
41 .1 Das Einkloben der trbentemme
II. Die Schäfte werden aufgezwickt
Zum Zwicken verwendet man für leichtere Arbeiten seitlich
und vornherum ¾zöllige, für schwerere Arbeiten und für den Fersenteil 1/1zöllige Zwick.
stifte, wodurch keine zu großen Löcher in der Brandsohle entstehen und auch die Leisten ge
schont werden.
a) Das Vorholen
Der Schuh muß sich später
gut ausleisten lassen. Vor
dem Aufzwicken bestreut
man das Schaftfutter leicht
mit Talkum (Streupulver),
besonders den hinteren Kap
penteil und die Spitze, um
ein Festkleben des Futters
an den Leisten zu verhindern
und ein gutes Ausleisten zu
ermöglichen.
Zweckmäßig heftet man auch
die Brandsohle außenherum
mit einigen Zwickstiften an
den Leisten, um besonders bei
dünnem oder losem Brand
sohlenleder ein Abdrücken
der Brandsohlen.kante durch
das Einzwicken des Schaftes
zu verhindern (41.2).
41.2 Das Festheften der
Brandsohle an den
Leisten
41.S Das Beilegen eines Rutschriemens
41
Damit sich der Schaft später leichter vom Leisten herunterholen läßt und Falten
bildungen im Futter vermieden werden, legt man dem Schaft im Fersenteil einen
Rutschriemen aus einem kernigen Stück Abfalleder bei (41.3).
Ein Heftstift wird eingeschlagen. Der zum Aufzwicken vorgerichtete Schaft wird
gerade auf den Leisten gesetzt. Damit das Vorholen erleichtext wird und der
Stiefel einen guten „Schluß" (Sitz) bekommt, muß der Schaft hinteu hochgesetzt werden, d. h. die untere
Schaftkante wird mit der Lei
stenfersenkante auf gleiche Höhe
gesetzt und mit einem 1& oder
¾zölligen Stift seitlich der Hin
ternaht oder beieinem Schaft mit
Hinterriemen in dessen Mitte be
festigt. Der Heftstift da.rf -jedoch
nur im Zwickeinschlagteil ange
�bracht werden, nicht aber in
,·
�
_;:,i,,;,--..
:-�
_,,,,_
�
halber Kappenhöhe oder in der
Naht selbst, weil dies zu einer
Beschädigung derselben oder des
42.I I>ns Hochseli�n d�s Schaftes zum Vorholen
Oberleders führt (42.1).
e::
Schäfte aus kräftigem Oberleder und Futter lassen sich schwerer vorholen als solche, die aus
leichteren Zutaten geschnitten sind. Denn je kräftiger und fester die Schaftzutaten, desto
weniger zugig sind sie. Zur Rrleichterung des Vorholens setzt man solche Schäfte 2···2½ cm
höher als die Leistensohlenkante.
Mit der Zwickzange wird der Schaft über den Leisten gezogen. Die Zwickzange
muß nun genau in der Mitte der Schaftspitze angesetzt werden, und der erste
Zug c.'rfolgt nach vorn über die Mitte der Leistenspitze. Nur so ist, es möglich, daß
die Kappe bereits beim ersten Zwickzug ,geracle zu liegen
kommt und die Verschnürung genau die Mitte des Leistens
einnimmt (42.2).
Damit das Vo rholen des zweiten Schaftes in der gieichen
Stärke erfolgen kann, empfiehlt es sich, die Zierkappe- oder
Besatzhöhe sofort nach dem Vorholzug zu messen und das
):faß aufzuschreiben.
Der zweite Zug liegt seitlich der Spitze, aber doch ziemlich
vorn. Dieser Zug muß vorsichtig und nicht zu kräftig erfolgen ,
da sich der Schaft (Kappe) mangels Halt. auf der gegenüber
liegenden Seite drehen kann.
Der dritte Zug, unmittelbar gegenüber, kann etwas kräftiger
sein. Zum Ausgleich zieht man den Zwickstift des zweiten
Zuges wieder heraus (die Schaftspitze mit der linken Hand
fest umklammernd, damit der Schaft nicht zurück kann) und
wiederholt den zweiten Zug mit derselben Stärke wie eben
beim dritten Zug.
t
42.2 Das Yorholen des
Schaftes
42
Wenn die Schäfte Zierkappen haben, müssen diese nunmehr
gerade sitzen, oder die beiden seitlichen Spitzenzüge müssen
entsprechend der Zierkappenstellung wiederholt werden, bis
das der Fall ist. Erst dann folgen die beiden Querzüge an
der inneren und äußeren Zierkappennaht, wovon der erste
Zug ·wieder weniger kräftig gehalten wird als der zweite.
:N"ach dem zweiten Zierkappenzug wird dann der erste wieder
holt-, jedoch diesmal kräftiger als beim ersten Male. Wieder muß
der Verlauf des Zierkappenbogens überprüft werden. Sollte die
Kappe ein wenig schief sitzen, so ist die etwas zurückliegende
Kappenseite erneut kräftig nach vorn zu ziehen. Niemals darf
aber ein Zug nach hinten geführt werden, da dies zur Bildung
von Zerrfalten führt.
Der nächste Zug, der sechste also, liegt etwa 1¼ cm hinter
der Zierkappe und ihm gegenüber der siebente. Der Blick richtet
sich von nun ab nach jedem Zug auf den Blatt- oder Besatz
bogen, daß derselbe genau in der :Mitte des Leistens liegt bzw.
durch einseitige Zwickzüge nicht verzerrt wird. Abwechselnd
folgt nun in einem Abstand von ungefähr 2½ cm Zug um Zug
bis hinter den Groß- und Kleinzehenballen. Nachdem der vor
dere Schaftteil fest am Leisten anliegt, (43.1), beginnt man mit
dem Einzwicken des Fersen- und Gelenkteiles .
43.1 Die O.bergeholt-e
Vorfußpartie
.N"ach einer anderen Arbeitsfolge kann man zunächst mit dem Einarbeiten der Steifkappe
beginnen und den vorderen Schafttcil vollständig fertig zwicken, um zuletzt zum Zwicken des
hinteren Schaftteiles überzugehen. Einen besonderen Zwickvorteil hat dieses Verfahren nicht.
Richtiger ist es, den Fersenteil so schnell wie möglich zum Einzwicken ·zu bringen, damit die
Hinterkappe nicht trocken wird und der Kleber binden kann.
h) Das Zwicken des Fersen- und Gelenkteils
Futter und Oberleder werden einzeln ausgezwickt. Nachdem der hintere, Heftstift
entfernt ist, wird der Schaft, indem man mit der breiten Zwickzange den hervor
stehenden Rutschriemen faßt, so weit heruntergeholt', daß der genau bemessene
Zwickeinschlag über die Leistenkante herausragt. Der Rutschriemen ,vird dann
herausgezogen, und es werden Futter und Oberleder im Fersenteil zunächst ein
zeln ausgezwickt.
Durch da-s Herunterholen des Schaftes kann sich daa Futter seitlich und hintenherum in
Falten legen, besonders wenn die Hinterkappen an Oberleder und Futter nicht oder nur mangel
haft angeheftet wurden. Auch das Oberleder, das infolge des Vorholens und Herunterziehens
des Schaftes in die Länge gespannt wurde, muß durch Querzüge am KappenteH wieder in
der Länge ausgeglichen werden.
Bei Schäften mit nicht durchgestepptem Futter bedarf daa Auszwicken des Oberleders und
des Futters besonderer Vorsicht, weil sich bei ungleichmäßigem Z,vicken Futter- und Ober
lederfalten bilden können, wodurch der ganze Schaft verzerrt wird.
Zweckmäßig hält man den oberen Schaftteil (Innen- und Außenteil zusammen
fassend) mit der linken Hand über dem linken Knie fest und zwickt zunächst das
Futter mit vorsichtigen, leichten Zügen nach unten aus. Dasselbe geschieht an
schließend mit dem Oberleder (44.1).
43
Futter und Oberleder
müssen nun gleichmäßig
ausgespannt sein, doch
kann es vorkommen, daß
Unterschiede in der
Spannung zwischen bei
den bestehen. Es ist des
halb notwondig, den hin
teren Schaftteil noch
mals besonders zu span
nen. Hierzu hält man den
Fersenteil mit der linkrn
Hand fest und streckt
mit der reen.ten den
Schaft nach oben aus
(44.2}.
Das
Einzwicken
des
Fersenteils beginnt. Zu
erst wird der Schaft an
den Stellen eingezwickt,
wo die beiden Kappen
flügel auslaufeJ1 bzw. wo
«.1 Das .\u�zwi<·ken d{'S l'utters in ul'r Fcrscoparile
sie seitlich mit Futter
und Oberleder zusammengeheftet. sind (44.3). l!utter, Kappe, Überstemme und
Oberlc<ler mfü;,-c>n ab<'r zus:imm.en in die Zwirkzange genommen werden.
Ein fesl<'s Hrrunl<'nwit•k<'n des Srhaft<'s darf jPdoth nicht Prfolgen. denn sonst g<'ht die im
\'or hoI<· n rrreiC'hte Lä.nf.(s9pannung (aurh „Schluß" g<'nanut) -verloren, und das gute Passen
des Stiefels wird in Frage gestellt.
Bei Schäften mit Ringsbesätzen
mußbeimEinzwickendesseitlichen
Fersenteiles und des Gelenkes auf
den geraden Verlauf der seitlichen
Besatznaht geachtet werden (45.1,
Pfeil).
Die Hinterkappe wird einge
zwickt. Nach dem Festheft,en
der beiden Kappen.ß.ügel be
ginnt man mit dem Ein
zwicken der Hinterkappe, und
zwar zuerst hinten in der
Fersenmitte. Der die Hinter
kappe mit dem Oberleder ver
bindende Heftstich wird zuvor
aufgeschnitten. Mit der breiten
Zwickzangefaßt man zunächst
den Rutschriemen des Futters
und zwickt ihn unter leichtem
Zuge bei. Hierauf erfolgt das
Beizwicken der Hinterkappe,
doch derart, daß der Zwickzug
nicht von oben nach unten,
sondern waagerecht verläuft.
Die Kappe muß nach dem Ein
zwicken fest an der unteren
Leistenkante anliegen, was
zweckmäßig durch leichtes
Beiklopfen mit dem Hammer
während des Beizwickens er
folgt (45.2).
45.1 Die Besatznnht und Ihr Yerlauf beim Gelenkzwicken
Bei nicht fest an den Leist-en bei
gezwickten Hinterkappen ent
stehen a-n der Absatzkante durch
den später folgenden Absatzbau
Wulstbildungen (Hohlraum zwi
schen Kappe und Leisten), die den
Absatzbau erschweren und die
Form des Schuhwerks ungünstig
beeinflussen.
Die Kappe wird in Form ge
bracht. Während die linke
Hand die Leistenferse um•
klammert und der Zeigefinger
gegen die beigezwickte Hinter
kappe drückt, löst man die
Zange, um nun das Oberleder
45.2 Das Elnzwicl<en Mr Hlnt.:-rl<appe
-15
(Kaht oder Hinterriemen) beizuzwicken und mit einem 1/izölligen Stiften zu be
festigen (45.1). Auf die gleiche Art werden jetzt die beiden Seiten und dann die
beiden Ecken der Ferse beigezwickt, stets zuerst das Futter, dann die Kappe
und zuletzt das Oberleder erfassend. Mit der Spitzzange verteilt man dann die
in den Zwischemäumen liegenden Falten und bearbeitet mit dem Hammer den
eingezwick:ten Kappenteil. Besonderer Wert muß auf das Herausarbeiten eines
gleichmäßigen und flachen An
schlages für die Durchaussohle
und denAbsatzkeder gelegt wer
den (49.2), weil ein runder An
schlag den Absatzbau wesent
lich erschwert.
Solange die Kappe noch feucht
ist, soll sie in ihrer ganzen Aus
dehnung durch leichtes Anklop
fen an den Leisten in Form ge
bracht, gewissermaßen anmo
delliert werden, wodurch sie
formschöner, formbeständiger
und tragfähiger wird.
Die nun an den Kappenenden
einsetzenden, zum Groß- und
Kleinzehenballen führenden Gelenkzüge müssen abwechselnd
�
und in Abständen von 2--· 2¼
cm erfolgen.
4G.l Das E!nzwlcken des Oberleders und Futters
Im Innengelenk soll der Schaft mehr an
gelegt a.ls mit besonderer Zugwirkung ein
gezwickt werden. Ein festes Auszwioken des
Innengelenkes hat oft zur Folge, daß der dem
Stiefel durch das Vorholen eingearbeitete
.,Schluß" wieder verlorengeht.
Das Nach:r;wicken beginnt. Die kräftig
•
46.2 Das Nachzwlcken des Vorfußteiles
46
sten und auch letzten Gelenkzüge liegen
unmittelbar hinter dem Groß- und
Kleinzehenballen. Mit diesen beiden
Zügen beginnt gleichzeitig das Nach
zwicken des bereits bis zu den Ballen
eingezwickten vorderen Schaftteiles.
Die Zwickzüge erfolgen wiederum ab
wechselnd, wobei Futter, trherstemme
und Oberleder zunächst zusammengefaßt werden.
Alsdann werden Futter und Oberleder jeweils allein nachgezwickt, wobei der
Daumen der linken Hand fest gegen das Oberleder drückt, um ein Zurückgehen
des Schaftes zu verhüten (46.2).
Zum Schlusse faßt man Futter, Überstemme und Oberleder nochmals zu einem
gemeinsamen festeren Zwickzuge zusammen. Die Züge sollen in der Richtung zur
Spitze geführt werden und enden an der Zierkappennaht bzw. am Anfang der
Steifkappe.
lll. Das Einarbeiten der Steifkappen
a) Die Steifkappe wird zwischen Besatz und Zierkappe einge:hrncht
Die Zie1·k appe wird zuerst bis zur Naht zm·ückgeschlageu. Dazu zieht man zuerst
den Zwickst.iften der Spitze heraus, um ihn nach Freigabe der Zierkapp� sofort
wieder in Besatzteil und Futter einzuschlagen, da.mit sich der Besatz oder das
Blatt nicht zurückziehen kann.
Es folgen auf die gleiche Weise die Zierkappensciten und dann die Spiitzenecke,
so daß zum Schluß die Zierkappe frei wird und der darunterliegende Besatz- oder
Blatteil mit Futter faltenlos eingezwickt werden kann. Ein jetzt vorhandener
Zwicküberschuß muß kurz hinter den Zwickstiften abgeschnitten werden.
Die Steifkappe wird festgeheftet und eingezwickt. Die eingezwickte Spitze wird
nunmehr bis zur Kappennaht mit Wiener Kleber bestrichen und die S.tejfkappe
unter Mitverwendung eines Spitzknochens so fest gegen die Kappennaht gcdrüekt.,
daß der Kappenbogen ohne den geringsten Zwischenraum mit der Zierkappen
naht abschließt. Für eine gleichmäßige Verteilung des Zwickeinschlages auf bei
den Seiten ist vorher Sorge zu tragen.
Dann heftet man die Steifkappe oben mit zwei halbzölligen Stift,en fest (47.1,
Pfeil a) und zwickt die beiden Ecken des Kappenbogens ein (Pfeil b). Auch hier
ist darauf zu achten, daß sich Kappenbogen und Zierka,ppennaht genau decken.
Beim Einzwicken der beiden Steifkappenfl.ügel kann ein leichter Zug rüclrni.irts
gegen die Kappennaht erfolgen, damit auch beim ·
restlichen Zwicken des Steifstandes kein Zwischen
raum entstehen kann (Pfeil b in 47.1).
Hierauf folgen ein nicht zu kräfüger Spitzenzug
(47.2, Pfeil a und 48.1, Pfeil a) und die beiden Sei
tenzüge (47.2. Pfrile b und c).
41.l
Das Einbringen
der Steifkappe
47.2
Die Ha11ptzwick
z1igc Lei der
;;1eifkappe
Schwieriger ist es jct zt,
dit' beitlc-n Erken dc-r
Spitze sauber cinzuzwik
ken (48.1, Pfcilr b und
c). Zur möglich. t glrich
mäßigrn Vert(•ilung der
Falten muß die brl'ite
Zwirk z angli g<>n,rn in
Ül•r ::\litte der SpitzP1wk
ken angl·:setzt W('r<h•n
{48.�). Dil• sich nun bil
denden kleineren Falten
wc-rden mit der Spitz z a n g e, die jewöils genau
die :Mitte der Falte cr
faßt,, verteilt. Auf dic-se
Weise gelingt es, alle
Falten wulstfrei einzn
z,yirken.
4S.l Die Zwirk,.ügc
no den l<pilzene�kro
41!.2 l>ie Fnllenvertfllung
mit der breiten Zwkk1,1nge
Der Steifkappe wird sorgfältig gute Form gegeben. Das geschieht durch A.nhäm
mern und Formklopfen mit einem kleinen Hammer, dessen Platte ganz flach ge
staltet ist, damit sich beim Hämmern keine Unebenheiten (Mulden) im Leder
bilden kö1men. )fit einer feinen flachen Raspel wird die letzte Form gegeben,
wobei auf das Herausarbeiten ein('r scharfen Kante besonderer Wert zu legen
ist (48.3 u. 4, 49. 1).
Bei wulstigem und ungleichem Steifstandcinsehlag ist es unmöglich, eine glatte
Einstcchna.ht herzu
stellen und einen
gleichmäßigen Rah
menverlauf zu erar
beiten .Weiterhin füh
ren derartige Zwick
einschla�ste zu
. Wasserunclichtigkeit
des Schuhwerks und
Lockerung des Rah
mens.
48,4 Die gle!chmäßig und scharf ausgear•
beitete K:1nto
4R
48,3 Die fertig gezwickte Sleifkappo
Etwas schwach aus
gefallenen Steifstä.n
den kann man nach
der
Formgebung
durch
Verbrennen
und Einbrennen von
gutem Ausputzwachs mit Hilfe der Ausputzplattc er
höhte, federnde Widerstandskraft geben oder sie mit
einem Agoaufstrich versehen.
Die Zierkappe wird wieder eingezwickt. Nun erfolgt das
Einzwicken der Zierkappe, wozu die Zwickstifte wieder
entfernt werden müssen. Es verbleiben nur die beiden
Stifte an den Flügeln der Steifstände und je einer kurz
vor der Spitzenrundung.
Die Steifkappe wird gut mit Wiener Kleber bestri
chen und die Zierkappe ohne starken Zug vorge
zwickt. Es folgen die beiden Seiten unmittelbar hinter
den noch festgehefteten Kappenflügeln, zwei weitere
Seitenzüge etwas weiter vom und dann die beiden
Spitzenecken. Anschließend werden die kleineren F11l
ten mit der Spitzzange gleichmäßig verteilt.
Gutes Formgeben ist wichtig. Die letzte und auch
gründlichste Formgebung geschieht nunmehr mit dPm
leichten, fla.clien Hammer. Diese Arbeit muß nicht
nur äußerst gefühlvoll, sondern auch mit genügend
Zeitaufwand durchgeführt werden. Nähte, Übergangs
stellen von Hinterka.ppe ins Gelenk und vom Steif.
stand in den nicht versteiften vorderen Schaftteil,
Kanten und Einzwickteil, alles muß durch leichtes
Anklopfen an den Leisten gefestigt und in eine gefäl
lige Form gebracht werden. Der Abschluß der Zwick
arbeit besteht im Abschneiden des hinter den Zwick
stiften stehenden Zwickeinschlagcs (49.1 und 2).
49.1 I>n bis ,ur Spitze fertig ge
zwickte Schaft nach Entfer
nung des überl!üssigeo
Zwickcinschlagcs
b) Die Steifk.appe wird auf das Futter gezwickt
Das Oberleder wird zurückgeschlagen. Hierbei sind die 'Arbeiten des Vorholens die
gleichen wie schon vorher besprochen . Damit die Steifkappenhöhe genau der Zier
kappenhöhe entspricht, klopft man mit dem Hammer auf die Ziernaht. Sie drückt
sich dadurch auf das darunterliegende Futter ab. Nun folgt das Zurückschlagen
49.2 Der fertig gezwickte und auf
Kanten angearbeitete Schaft
49
der Zierka.ppe mit dem daruntel"liegenden Besatz- oder
Blatteil. Hierzu zieht man die Zwickstifte, an <ler
Spitze beginnend, einzeln heraus, um das Oberleder
freizugeben. Die Stifte werden aber sofort wieder im
Futter befestigt, damit es sich nicht wieder zurück
ziehen kann. Das Oberleder darf aber nur bis 1.11rz
hinter die Zierkappennaht zurückgeschlagen werden.
Alle Zwickstifte, die die innere und äußere Scbaftseite
festhalten, müssen im Oberleder verbleiben (50.1).
:.o.i Die Zw!ckarbei� beim Eln•
kleben der Steifkappe auf
das Futter
Falsch ist es, das Oberleder bis zum Groß. und Klein
zebenballcn freizugeben und nur das Futter aufgezwickt
zu lassen. Hierdurch entstehen Unterschiede zwischen der
Spannung des Fut;t-crs zum Oberleder, denn es ist kaum
möglich, beim zweiten Vorholen des Oberleders obpe Futter
dieselbe Zugkraft und Zugwirlnmg zu erzielen wie beim ersten
gemeinsamen Vorholen und Kachzwicken mit dem Futter.
Zerr- und Futterfalten sind oft die Folgen dieser Zwickart.
Das Aufzwicken der Steifkappe auf clas Futter erfolgt
nun in der gleichen Weise wie bei dem Einarbeiten
der Steifkappe zwischen Zierkappe und Besatz. oder Blatteil. Auch das nach
folgende Zwicken der Zierkappe mit dem Blatt- oder Besatztcil ist wieder das
gleiche wie vorher. Beim Zwicken des zweiten Stiefels oder Schuhes wiederholen
sich alle Arbeitsvorgänge. Dabei sind die dem ersten Stiefel oder Schub gegebene
Ka.ppenhöhe sowie die vordere und hintere Besa.tzhöhe einzuhalten. Sie dürfen
keine Unterschiede aufweisen .
50
D. Die Bodenbefestigung
I. Der Einstechdraht
Vom einwandfreien Einstechen ist die Tragfähigkeit und Wasserdichtigkeit des
Schuhwerks in großem Maße abhängig.
Dem Einstechdraht fällt die Aufgabe zu, den Schaft mit Hinterkappen, Steifstand
und Rahmen so fest an die Brandsohle zu binden, daß eine Lockerung auch nach
längster Tragdauer des Schuhwerks kaum möglich wird. Feuchtigkeit (Wasser,
Schweiß), auch eindringender Schmutz bei nicht festgefügter Einstechnaht zer
mürben vorzeitig den nicht fachgemäß oder aus minderwertigen Vi'erkstoffen her
gestellten Draht der Einstechnaht.
Nur ein aus bestem, frischem Hanfgarn (Einstechgarn) unter Verwendung ein
wandfreien Peches hergestellter Einstechdraht bietet die Gewähr größter Haltbar
keit. Die Stärke des Einstechdrahtes richtet sich nach der Stärke des Schaft
und Bodenstoffes und nach dem Zweck des herzustellenden Schuhwerks.
Kräftige und große Böden (z. B. Sport- und Arbeitsschuh·werk) sollte man stets
mit zwei Drähten, die vor der Spitze gewechselt werden, einstechen.
Der Draht verliert beim Durchziehen durch die Einstechlöcher immer mehr an
Festigkeit, die Reibung der Drähte führt hierbei zu ihrer Erhitzung, besonders
dann, wenn der Einstechort zu dünn gewählt ist. Der Draht verbrennt
dadurch, d. h. er wird mürbe.
Der Einstechdraht wird angefertigt. Zunächst muß der Draht „abgewor
fen" werden, worunter man das Nebeneinanderfügen der geWtiru;chten
Anzahl Fäden vom Hanfgarnknäuel (auch Hanfgarnklingel genannt) zu
einem Draht versteht. Man kann sich hierbei des Ar.mes in Beugestel
lung bedienen oder, was zweckmäßiger ist, die Fäden durch Ausspreizen
der Arme bemessen. Die durchschnittliche Länge eines Drahtes liegt um
3···3,50 m. Dieses Maß wird mit einem zweimaligen Ausspreizen der
Arme erreicht.
Das Ende des ersten Fadens soll nicht abgerissen, sondern auf dem
Knie aufgedreht und zugleich zur Verfeinerung der Fadcnspitze ausge
zupft werden. Auf diese Art gewinnt man sofort die Spitze für den zwei
ten Faden, die auch nochmals besonders ausgezupft und um etwa 4 cm ,
über die Spitze des ersten Fadens hinausgelegt wird (51.1). So geht es
nun auf jeder Seite weiter, bis durch das Zusammenfügen einer entspre
chenden Anzahl Fäden die gewünschte Drahtstärke erreicht ist.
Die eine Seite der Drahtspitze wird nun mit den Fingerspitzen leicht an
gefeuchtet, mit der Hand ausgestrichen und dann gepicht. Auf dem Knie
wird sie alsdann gedreht und nochmals mit der Hand gut ausgestrichen. 51.1
51
-
-
-- •
- 1
r,
picht und dann die zweite Spitze üher das Knie gedreht. Erst, jetzt wird der Dra.ht
in der bekannten Weise durch einen in der Wand befestigten Ring gezogen und
am besten mit einem fet.tgaren Stück Oberleder ausgestrichen, um il1m Gleich
mäßigkeit und Glätte zu geben.
EiustPr-h- und J)oppeldrii.hte dürfen ni<'11t übermäßig gedreht werden, weil sie sich sonst nicht
fla,ch gE>m1g a,n den Rahmen anlegen können und somit zu sehr auftragen. Auch rollt sich ein
zu stark gedrehter Draht und behindert hierdurch das Nähen sehr.
Ein flottes Einstechen ist nur dann möglich, wenn die Drahtspitze (auch Kleispe
genannt) einen gleichmäßigen, nicht zu dünnen, aber auch nicht zu dicken Aus
lauf hat.
�\
rückläufiges, wende/
förmiges !1ufdrehender
i Draht.spitze aufdie&r.sfe
Borstenspitze
(Wurzel)
Zu dünn und lang auslaufende Spitzen reißen sehr leicht ab, besonders wenn der Draht beim
Nähen irgendwo hängenbleibt. Bei zu dick und zu kurz auslaufenden Spitzen reißen die Bor
sten ab, oder man muß, um dies zu vermeiden, den Einstechort (Ahle) viel zu weit durch die
Einstt>chbabn führen, was wieder der Wasserdichtigkeit und Haltbarkeit Abbruch tut.
Das richtige Einsetzen der Borsten ist besonders wichtig.
Die verbreitetste Art, nach der die Borste zum Einsetzen zur Hälfte gespalten wird, schwächt
sie schon im Anfang. Auch finden die mit der einen Borstenhälfte gedrehte Drahtspitze und
die darüber gedrehte andere Borstenhälfte kein genügend festes Widerlager beim Durch2.iehen durch die Einstech- oder Nählöcher. Seht häufig führt dies bereits nach wenigen
Stichen zum Strippen der Drahtspitze, oder die Borste reißt bei Anwendung von Zwang ab,
oder sie löst sich vom Draht.
52
die Zwickstiftenreihe der dem Nähanfang gegen
überliegenden Seite bis zur Spitze um (56.1 u. 2).
Zum Einstechen spannt man den Schuh mit dem
Spannriemen über das linke Knie, die Spitze des
Schuhes gegen den Körper gepreßt, und beginnt
mit dem ersten Stich hinter der Absatzlinie.
Zweckmäßig führt man zuerst einen Leerstich aus,
d. h. im Absatzteil und ohne Rahmen (54.1, Pfeil a).
Mit dem zweiten Stich erfaßt man nun den Rah
men, darauf bedacht, daß er genau auf die bezeich
nete Absatzlinie zu liegen kommt. Auf diese Weise
ist der Rahmenanfang gut verankert, wodurch die
Tragfähigkeit des Gelenkes erhöht wird.
Beim Durchstechen des Plattol'tes durch Kappe,
Oberleder und Rahmen muß die Spitze des Ortes
die Rangierungskante des Rahmens treffen. Bei
der abgesetzten Rangierungsform wird die Ort
spitze in der Rille des Rahmens angesetzt (54.2). su Der ,\nfang des Einstecbens
Während des Durchstechens muß der Daumen der
linken Hand fest gegen Rahmen und Oberleder drücken. Andernfanls kann ein
Zwischenraum zwischen Schaft und Brandsohle entstehen, wodurch ein un
behindertes Nachführen der Borste beim Herausziehen des Nähortes schlecht
möglich ist. Auch wird in solchen Fällen die Verbindung von Schaft und Rah
men mit der Brandsohle nie fest genug werden. Im Gelenk wird der Rahmen für
HohL5chnittgelenke wie auch für Böden mit anliegendem Schnitt rundherum
flach gegen das Oberleder gedrückt (54.3).
Bei Gelenkplattschnittund für
Böden mit vorstehendem Schnitt
muß der Rahmen in waagrechter
Halt�ng gegen den Schaft gepreßt
werden (55.1). Hierdurch legt sich
der Rahmen im ersteren Falle flach
an, im zweiten Fall steht er dagegen
vom Schaft ab.
54.2 Der Durchstich durch den Rahmen
Beim Einstechen folgt die in der
linken Hand geführte Bol'ste (vor
her leicht gebogen) sofort dem her•
ausziehenden Ort (55.2), damit sich
.....
54.3 Das BeidrQcken des Rahmens Im Gelenk
54
das Einstechloch nicht zuziehen
kann, was bei manchenVverkstoffen
möglich ist. Gleich nach dem Aus
tritt der Borstenspitze a.us der
Brandsohle muß die ebenfalls leicht
gebogene Borste des anderen Draht
endes durch die itangierungsbahn
geführt werden, wobei der Rahmen,
ohne seineLage zu verändern, leicht
gegen den Schaft gedrückt wird,
bis die Borste aus dem Rahmen
heraustritt.
Xach dem beiderseitigen Durchzie
hen der Drahtspitzen muß derDraht
,.überlegt" werden (53.2). Hier
durch erreicht man eine noch festere
Verbindung, da sich eine gut schlie
ßende Schlinge bildet. Das „Über
legen" wird so ausgeführt, daß die
auf der linken Seite liegende Drahtschlinge über die nur kurz herausgezogene ·Borste gelegt und dann
der Stich zugezogen wird (53.2).
Nach dem Zuziehen des Stiches
legt man die linke Drahtseite um
die linke Hand über das Handleder
und wickelt die rechte Drahtseite
kurz hinter dem Stich ein- bis
zweimal um den Griff des Nähor
tes. In dieser Haltung wird der
Stich nochmals fest zugezogen.
Hierbei kann der Zug mit dem Griff
des Nähortes etwas fester sein als
der der linken Hand (55.3). Das
Herausziehen der Zwickstifte zum
Zwecke des Einstechens soll nie zu
früh geschehen, weil sich der be
t,reffende Schaftteil sonst wieder
zurückziehen kann.
Im weiteren Verlauf des Einstechens
ist darauf zu achten, daß der Rah
men im Innengelenk und um die
Spitze hernm nicht angezogen,
sondern lose haltend beigedrückt
wird. Beim rechten Schuh soll der
Rahmen vom Großzehenbailen bis
zur Spitze und von seiner anderen
Seit.e bis zum Kleinzehenballen an
gespannt werden. Im äußeren Ge
lenk wird der Rahmen nur dam1
angezogen, wenn es voll gehalten,
d. h. nicht eingekurvt ist oder wenn
der Schnitt bis zum Absatz vor
stehend als Plattschnitt gearbei
tet werden soll.
f
'
55,l Das Beidrücken des Rahmens bei vorstehendem Schnitt
!;S,2 Die Führung der Borste �eim l:!instcchen
55.3 )Iandleder und JS'ähort beim Stichanziehen
55
Beim linken Schuh beginnt das .Anspannen des
Rahmens am Kleinzehenballen (bei vollem Ge
lenk und bei Gelenh-plattschnitt bereits nach
den ersten Einstichen) und hört wieder kurz vor
der Spitze auf, um auf der anderen Seite kurz
hinter der Spitze erneut zu beginnen. Hinter
dem Großzehenballen, im Innengelenk, wird der
Rahmen, wiederum ohne angespannt zu werden,
beigedrückt.
Rahmen, die im Gelenk und um die Spitze herum
(oder bei Innen- und Außenkurven) angespannt wer
den, bekommen Spannungen, die zum Abstehen des
Gelenkschnittes und zur schlechten Anarbeitung des
Rahmens an die Sohlen führen.Beim Nähen ist darauf
zu achten, daß Hammer, Zange oder sonstige Werk
zeuge (auch Lederschnitzel) nicht auf dem Boden her
umliegen, weil sie sich in die Schlingen des Drahtes ver
fangen können und Anlaß zum Abreißen der Borsten
und Drahtspitzen geben. Dadurch wird der Draht oft
unbrauchbar.
""
56.1 Das Beilegen \nes Drahtendes bei
eng angeordnet.eo Stichen
Bei spitzem Schuhwerk liegen die Einstechlöcher um die Spitze herum sehr eng
beieinander, wodurch es zum Durchreißen der Rangienmgsbahn kommen kann.
In solchen Fällen (auch bei
schwachen Brandsohlen) legt
man den Stichen ein Drahtende
bei, damit die Schlingen ein
festeres Widerlager bekommen
(56.1).
L
56
Ist der Rahm�n um die Spitze
herum (bis etwa zur Zierkappen.
naht) eingestochen, so muß fest
gestellt werden, ob die Gelenk
rangierung des Rahmens die
Gelenkmarkierung der Brand
sohle genau trifft. Wo dies nicht
der Fall ist, kann man jetzt noch
auf leichte Art den Rahmen zur
genauenAbgrenzungdes Gelenk
überganges· nachrangieren. Der
Gelenkanfang wird auf der
Narbenseite des Rahmens durch
Einritzen mit der Messerspitze
oder dem Nähort festgelegt und
auf einer untergelegten Glas
platte entsprechend nachran
giert (56.2).
56.2 Das Nachrn.ngieren des Rahmens
für den Gelenkteil
Häufig kommt es vor, daß der für den Plattschnitt rangierte Ra.hmenteil zu lang bemes
sen wurde, was sich aber erst herausstellt, wenn der Schuh um die Spitze herum einge
stochen ist. Schärft man diesen zu dicken, in das Gelenk hineinreichenden Rahmenteil
nicht ordnungsgemäß aus, dann ist die Erarbeitung eines gleichmäßigen Hohlschnittes
nie möglich. Wird das Abschärfen aber erst nach dem Einstechen vorgenommen, dann
liegt der Hohlschnitt nicht fest an und wird trotzdem zu dick und zu rund. Ein solcher
Fehler kann auch durch keine sonstigen }faßnahmen, gleich welcher Art, beseitigt werden.
Das Rahmenende muß ebenfalls genau mit der festgelegten Absatzlinie abschließen,
die letzten Stiche müssen ebenso geführt werden wie die ersten. Der letzte Stich
i<,t wieder ein Leerstich. Die Drahtenden werden, sofern sie nöch lang und kräftig
genug sind, nicht abgeschn itten, sondern man verbraucht sie anschließend zum
Einbinden.
Will man nun feststellen, ob die Einstechnaht fest ist, so drückt- man den Rahmen nach oben
und unten. Bewegen sich die Stiche hierbei nicht, dann ist die Einstechnaht fest, andernfalls
hält sie nicht, und Staub und Wasser können in das Schuhwerk eindringen.
III. Das Einbinden des Fersenteiles
Hierunter versteht man das Annähen des unter dem Absatz liegenden Schaft- und
Kappenteiles. Zum Einbinden kann entweder der „Überkantstich" (auch Über
wmdlingsstich genannt) oder der Kettenstich angewendet werden.
Beim Oberkantstich wird nur mit einem Drahtende gearbeitet. Der Plattort wird
hierbei hinter dem Rahmenende, nach dem Leerstich, von der Schaftseite aus in
die Brandsohle eingestochen und kommt gleich hinter der eingezwickten Kappen
kante heraus. Nun wird die Spitze des frisch gepichten Drahtendes durch das vor
gestochene Loch geführt, der Draht nachgezogen und fest angezogen (57.1).
Mit dem Hammer werden dieKappeund der Stich sogleich leicht festgeklopft. Es
folgt der zweite Stich in einem Abstandevon etwa 1 cm, immer v0n der Schaftseite
aus, von wo auch stets das gleiche Drahtende durchgeführt, angezogen und der
Stich festgeklopft wird. So geht es rings um
den Fersenteil herum bis zum Rahmenanfang,
wo das Drahtende auf irgendeine Art verwahrt
wird.
Beim Kettenstich wird mit zwei Drähten gear
beitet, wovon abwechselnd die eine, dann die
andereDrahtspitzeaußenzu liegen kommt. Man
beginnt mit dem auf dei· Außenseite liegenden
Drahtende und sticht, wie bei der gewöhn
lichen Einbindenaht mit einem Draht, mit dem
Einstechort von der Oberlederseite aus vor und
zieht das Drahtende a (58.1) nach.
Das Drahtende b wird vor dem festen Zuziehen
des Drahtendes a unter dessen Schlinge durch
geführt. Jetzt wird in einer Entfernung von
1 cm ein zweites Vorstechloch von der Ober
lederseite aus gemacht, diesmal aber das
GT,1 Da,s Einbinden der l•'erse mit Über•
kaotstich
57
,.
Vor&techloc
Oro/Jle!!__de
�
�·
Voröfechl
fürDrahte
äS.1 Das Einbinden der Ferse mit Kettenstich. Die
Stiebe sind zum besseren Verstiindnis der Schlln
genbildung nicht zugezogen
Das Abdrücken des Rahmens vom Ober
leder erfordert größte Vorsicht. Die Spitze
des Spitzknochens muß ziemlich flach, nicht
scharfkantig und vor allen Dingen vollkom
men glatt und unbeschädigt sein, andern
falls das Oberleder sehr leicht beschädigt
werden kann.
Der über die Einstechnaht hinausra
gende Zwickeinschlag von Jiutter,
Überstemme, Steifkappe und Oberle
der wird mit einem scharfen i\1esser
bis zur Höhe der Einstechstiche säu
berlich abgeschnitten. Diese Arbeit
muß besonders vorsichtig ausgeführt
werden, kommt es doch zu oft vor,
daß die Stiche hierbei zum Teil dem
i\'Iesser zum Opfer fallen und die Ein
stechnaht an diesen Stellen trennt.
IV. Das Beschneiden des
Rahmens
Drahtende b durchgezogen und das
Drahtende a unter der Schlinge durch
geführt. So geht es rundherum weiter
(in der Fersenrundung müssen die
Stiche näher zueinander angeordnet
werden als seitlich) bis zum Rahmen
anfang, wo die beiden Drahtenden ver
wahrt \Verden.
Die Kettennaht kann auch so angeordnet
werden, daß die Verschlingung der Stiche
nach innen auf die Brandsohle zu liegen
kommt.(Vgl. die beiaen Arten in den Bildern
58.1 und 3.)
Nachdem die Kappe eingebunden ist,
klopft man �en Rahmen rundherum
mit dem Hammer leicht und vorsichtig
an (harte Schläge können zur Verlet
zung und Schwächung der Stiche füh
ren) und drückt ihn mit nicht zu großem
Druck mit dem Spitzknochen vom Ober
leder ab.
aS.2 Der Gelenkeinbau
Zum einwandfreien Beschneiden des
58.3 Die mlt KeUenstich eingebundene Ferse
Rahmens ist ein haarscharfes Messer
nötig. Ferner muß <ler Rahmen Stand haben, d. h. er muß in sich fest sein, damit
er dem Druck des l\fessers nicht nachgibt, wie dies bei losen und dünnen Rahmen
58
der Fall ist. Daswird erreicht
durch leichtes Klopfen mit
dem Rahmenklopfer (59.1).
Den Rahmenklopfer fertigt man
sich zweckmäßig aus einer alten, �
breiten Flachraspel selbst an. Sie
wird ausgeglüht, die Raspelhiebe
werden ausgefeilt, das eine Ende 1
in einer Breite von 2 cm, glühend,
1
im Schraubstock rechtwinklig
umgeschmiedet.Hierauf wird der
umgebogene Teil hergefeilt, d. h.
es wird nach der vorderen Kante
zu flach zugefeilt und die Run
dung des umgebogenen Ra.spei
endes fast gerade gefeilt, damit es
sich gut an den Rahmen und den
Schaft anlegen kann. Die Kante 59.1 Das Rahmenklopfen
muß dann geglättet werden, damit sie das Oberleder nicht beschädigt. Behelfsmäßig kann man den Rahmen, anstatt ihn
zu klopfen, auch mit einer geraden Z,,;ckzange zusammenpressen.
'
L
Nun kann der Rahmen beschnitten werden. Bei Verwendung eines gleichmäßig
breit rangierten Rahmens und bei gleichmäßigem Verlauf der Einstecbnaht bleibt
zum Beschneiden nicht viel übrig, und man kann eher von einem Ausgleichen
(Egalisieren) des Rahmens sprechen.
Der Rahmen des anliegenden Schnittes soll vornherumgenau mit der Leistenkante
59.3 Das U.ahmcnbcschneidcn mit dem Boschneidhorn
59
abschließen. Der vorstehende Rahmen soll von oben gesehen auf der äußereu Seite
und vorn herum gleichmäßig breit vorstehen, hingegen auf der inneren Seite fast
oder ganz unsichtbar sein. Denn der Boden soll nach außen herausgearbeitet und
nach innen untergearbeitet- werden, wa.s bereits in der Leistenform zum Aus
druck kommen muß (59.2, 78.l u. 2).
Das Beschneiden des Rahmens im Gelenk ist für den Anfänger eine nicht ganz un
gefährliche Arbeit, da das Messer nur allzuleicht das Oberleder treffen kann. l\Ian
verwendet deshalb ein schmales Stück Zinkblech oder ein Beschneidhorn, das dem
Rahmen beim Beschneiden untergelegt wird (59.3). Danach werden die Kanten
des beschnittenen Rahmens im Gelenk etwas abgelassen (worunter ein schmales
Abschärfen zu verstehen ist,), vorausgesetzt, daß die Gelenke anliegend., d. h. auf
Hohlschnitt gearbeitet werden sollen. Bei Plattschnittgelenken dürfen die Rah
menkanten nicht abgelassen werden, da sich Rahmen und Sohle nicht fest miteinander verbinden würden.
V. Das Einarbeiten des Gelenkleders
Unter „Gelenk" versteht man eine bewegliche Verbindung zweier Körper, deren
es im Fuß zur Erfüllung seiner Aufgaben, Tragen und :Fortbewegen des Körpers,
mehrere gibt (s. S. 94, Abschn. ,,Die Gelenke").
Beim Bau des Schuhes für den gesunden Fuß als auch für den biinderschwa.chen,
korrigierbaren Knickfuß ist deshalb darauf zu achten, daß das Muskelspiel
und die Gelenkbewegungen des ]'ußes durch den Schuh keine Einschränkung er
fahren. Das Schubgelenk soll also biegsam und auch nach den Seiten beweglich
gestaltet werden. Je schmaler und :flacher (dünner) ein Gelenk ist, desto weniger
leistet es den Gelenkbewegungen des l!'ußes Widerstand, desto mehr trägt es zur
Stärkung und Gesundung des Fußes bei. Auch verhindert ein ßlastisches Schuh
gelenk das so lästige Übertreten des Schuhes nach außen, weil es den dreiseitigen
Bewegungen des Fußes im Gehen keinen Widerstand entgegensetzt. Dadurch
kommt es auch nicht zu dem unaufhörlichen „Kamp( des Fußes mit dem Schuh",
welcher Zehendeformierungen, Haut- und Nagelschäden verursacht. Weniger
bekannt ist auch, daß ein elastisches Schuhgelenk häßliche Faltenbildung im
Vorfußteil weitestgehend verhindert, d. h. zur guten Paßform des Schuhes we
sentlich beiträgt.
Wo es sich um Schuhwerk für bänderschwache, aber noch voll korrigierbare
Knickfüße handelt, ist das elastische Schuhgelenk ebenso erforderlich wie bei
Schuhwerk für gesunde Füße, nur ist dabei die Abstützung- des Fersenbeins auf
der Innenseite des Fußes, unterhalb der Durchbruchstelle des Sprungbeines,
vermittels eines Fersenkorrektors aus Elastrakork oder Porokrepp unerläßlich;
siehe hierzu auch Bild 61.1, Pfeile a und b, und Bild 61.2.
Hat sich das Fußgewölbe aber schon soweit gesenkt, daß der Belastungsdruck
des Körpers in den Bereich des Schuhgelenkes fällt, so muß dieses als Stütze des
durchgetretenen Fußgewölbes versteift werden, und zwar je nach Stärke des
Belastungsdruckes in unterschiedlichem Maße.
Hilfsmittel zur besonderen Verstärkung oder Versteifung des Schuhgelenkes sind Gelenk
federn verschiedener Größe, Breite und Stärke, Versteifungsstoffe, zusätzliche Nagelung des
60
Gelenkes, der verfängerte Absatz, der ::lti>gabsatz oder noch wirksamer der Keilabsatz bis
zum Groß- und ]Geinzehenballen auslaufend. Es handelt sich hierbei um Konstruktionen,
die zum Arbeitsbereich des Orthopädie5chuhmachers gehören.
Das Gelenkstück, je nach
/ l
Zweckbestimmungein-oder
1
1
zweischichtig, reicht seitlich
J
.,,1
__
...
bis zurEinstechnaht,hinten
bis zur Einbindung und
vorne etwa 2¼···3 cm über
dieBallenliniehinaus (61.3).
·wurden die Rahmen aufder
Gl.2 Abstützung des Fersenbeins zur Korrektur
�arbenseite der Brandsohle
de• Knic.kfußes
b
eingest-ochen, dann muß der
Gl.l Gelenkform
:Xarben derselben vor dem
!1) schmales Schuhgelenk ohne Versteifungsmittel
EinbringendesGelenkleders
b) allgemein übliche Gelenkform
gut aufgerauht werden, da
mitGelenkstück und Brand
Gl,3 Der Einbau des Gelenkleders,
sohle eine gute Bindung bei
ein- oder zwelsch!cht!g
der Verklebung eingehen ,
können. Zum Verkleben
verwendet man heute vor
zugsweise einen Einkompo
nenten-Schnellkleber, was
voraussetzt, daß nur voll
kommen trockenes Gelenk
leder zur Verarbeitung
kommt. Wo ein doppeltes
Gelenkstück notwendig ist,
oftmals wenn der Hohlraum
zwischenBrandsohle und Rahmenhöhe miteinem Einzelgelenkstück nicht genügend
ausgefüllt wird, muß der Narben des ersten Gelenkstückes ebenfalls gut aufge
rauht werden, auch deshalb, u m das „Knarren" oder „Krachen" des Gelenkes
zu verhüten. Nach kräftigem Anklopfen oder Pressen des eingeklebten Gelenk
leders erfolgt das Abschärfen. Es wird so geschärft, daß das Gelenk eine nach den
Seiten hin leicht abfallende Form erhält. Nach vorn zu soll es flach auslaufen.
Es darf zwischen Groß- und Kleinzehenballen, an der Auftrittsfläche also, keine
Rundung aufweisen, weil der Schuh an dieser Stelle flach wie ein Brett aufstehen
muß, wenn er sich gut tragen und dem Träger das Gefühl <:1es sicheren Stehens
und Gebens vermitteln soll.
Ein rundes, nach den Seiten kurz abfallendes Gelenk wirkt plump und beeinträchtigt das gute
Aussehen des Schuhes.
Das Gelenkteil unter der Ferse wird ebenfalls flach ausgeschärft, damit für den
Absatzbau eine sichere Aufbaufläche geschaffen wird. Nun folgt das Bera.speln
und besondere Aufrauhen des fertig geformten Gelenkstückes, damit es sich
mit der nachfolgenden Durchaussohle gut verkleben läßt (62.1).
Wenn eine Gelenkfeder eingearbeitet werden soll, so verankert man diese zweck
mäßig zwischen zwei Gelenkstücken, wobei besonders auf die gute Verklebung
61
zu achten ist (trockenes, gut aufgerauhtes Gelenkleder
und vorschriftsgemäße Trockendauer des Klebstoffes vor
dem Einmontieren, Anklopfen oder Pressen).
Damit die Gelenkfeder ihre Lage beim Tragen des
8chuhes beibehält, befestigt man die Gelenkstücke zu
beiden Seiten <ler Feder mit einer Reihe Holznägel.
VI. Das Aushallen
Der durch das Einstechen entstandene Leerraum zwischen
Brandsohle und Rahmenhöhe ist auszufüllen, auszuballen.
Der hierfür zur Verarbeitung kommende Werkstoff soll
nicht nur eine gute Tragfestigkeit haben, sondern auch
elastisch sein, damit sich die Härte der Lederbrandsohle
nicht zu ermüdend auf den Fuß auswirkt. Hierzu sind
am besten geeignet Teerfilz, alter Hutfilz und Korkstoff.
Das Einarbeiten hat so zu geschehen, da.ß die Ausballung
die Rahmenhöhe nicht übertrifft, auch in der Mitte nicht
höher wird als an den Seiten. Seitlich und an der Spitze
schließt die Ausballung mit der Einstechnaht a.b, hinten
62.l Das ausgearbeitete Gelenk reicht sie, dünn auslaufend, bis an den Gelenkanfang
nnd die A.usballung
(62.1). Vor dem Einkleben muß die Brandsohle, wenn
auf dem Narben eingestochen wurde, ebenfalls aufge
rauht werden. Teerfi.lz wird entweder mit Wiener Kleber oder mit Pech eingeklebt,
Hutfilz und Korkstoff am besten mit hochwertiger Gummilösung oder Ein
kornponenten-Schnellkleber.
VII. Das Aufrichten und Beschneiden der Durchaussohlen
Die Durehaussohle wird aufgerichtet. Die halbfeuchte Durchaussohle wird bis nahe
an die Kante mit Wiener Kleber bestrichen und mit drei dünnen 3/�zölligen Stiften
an der Spitze, im Gelenk und in der :B'ersenmit,te aufgerichtet. Ein gleichmäßiges
Anklopfen der Kanten und der gesamten Sohlenfläche ist notwendig, damit eine
gute Bindung mit dem Gelenkstück, der Ausballmasse und dem Rahmen zustande
kommt.
Das Gelenk wird unter Zuhilfenahme des fest anzuspttrmenden Spannriemens
Stück um Stück mit leicht geführten Hammerschlägen gegen den Spar_mriemen
angearbeitet. Den Fersenteil der Durchaussohle nagelt man, um sie besser be
schneiden zu können, mit. einigen Holznägeln gut 1 cm von der Kante entfernt an.
Hierauf folgt das Ausglätten der Sohle mit der Glättschiene und das Arnh·üc,ken
des Rahmens an die Durchaussohle mit. dem Spitzknochen.
Die Durchaussohle wfrd beschnitten. Bei ordnungsgemäß durchiteführtel· Rangie
rung der Durclrnussohl.e bedarf es eigentlich nur noch ihres l€'ichten Besc-lmcidens.
Wenn aufPlattschnitt gearbeitet, wir d, ist bis dicht an den R"'hmen zu beschneidE>n.
Der Schnitt soll senkiecht zur Bodenfläche verlaufen, kann ahei: a,uf der Außen
seite eine leichte Nachaußenstellung bekommen, etwa in demselben �faße wie der
Absatz.
62
Im Gelenk darf die Sohle
bei Hohlschnitt keinesfalls
bis an den Rahmen heran
geschnitten werden, sie muß
vielmehr eine Kleinigkeit
darüber hinausragen (63.1).
Durch das Unterarbeiten des
Rahmens im Gelenk legt es
sich nicht nur fester an, son
dern es gestaltet sich auch
im Hohlschnitt flacher, weil
der Rahmen nicht mit hineinfällt.
63.1 Der im Gelenk unterarbeitete Rahmen
Das Messer muß im Gelenk besonders vorsichtig geführt werden. Die messerhaltende Hand
liegt während des Beschneidens fest auf dem rechten Oberschenkel auf, während sich der
Daumen zur sicheren Führung des }fossers an das Gelenk des Bodens anlegt und stützt
(63.2). Nach dem Beschneiden von Schnitt und Gelenk wird die .Absatzkante beschnitten.
Hierbei folgt man dem am Scha� sichtbaren Verlauf der Leistenkante unter Belassung von
etwa 2 mm Zugabe. Alsdann wird die Kante im Abstand von l Stich mit einer Reibe Holz
nägel angenagelt (65.2 und 69,1).
.Auch beim Beschneiden der Durcbaussoble ist mit einem sehr scharfen Messer z.u arbeiten,
ebenso beim nachfolgenden Rißschneiden, denn nur dann läßt sich der Schnitt schön glatt
und gleichmäßig formen. Bei wenig scharfen Messern muß ein besonderer Druck ausgeübt
werden, damit es überhaupt :i;u einer Schnittwirkung kommt. Der Schnitt kann auch nicht
lang gezogen werden, er wird immer wieder unterbrochen, weil das stumpfe .Messer nicht greili.
Dies führt zu einer ungleichmäßigen Schnittbildung.
VIIJ. Das Riischneiden
,,.
Der Riß in die Sohlenkante
dient der Einbettung der Soh
lennaht,die dadurch vor früh
zeitiger Beschädigung ge
schützt werden soll. Gewöhnlich wird der Riß in einer
Entfernung von 2 mm von
der Sohlenka.nte angebracht,
doch ist die Kantenbreite des
zur Verwendung kommen
den Schnitt- bzw. Gelenk
eisens hierfür ausschlagge
bend. Mit der Messerspitze
wird der Riß meistens in sei
nem Verlauf festgelegt.
Die Tiefe des Schnittes rich
tet sich nach der Sohlen
stärke. Je dicker die Sohle,
...
63.2 Das Beschneiden der Durchaussohle im Gelenk
\
63
'.....
desto tiefer der Schnitt und
um so gerader die Messerhal
tung. Die Schnittiefe soll i m
allgemeinen die Hälfte der
Sohlenstärke betragen. Bei
dünneren Sohlen muß der
Stich aber ebenfalls gut ein
gebettet sein, und man hilft
sich dann durch entspre
chend schrägere Haltung des
Messers. Ebenso verfährt
man beim Schneiden des Ge
lenkrisses (64.1).
Die Durchaussohlen sind bei
fachgemäßer Rangierung an
den Seiten des Gelenkes
dünner ausgeschärft, wenig
stens auf der Seite des Hohl
schnittes.
Vornherum wird das Messer
nur wenig schräg gehalten,
die Fingerspitzen gleiten dabei zur sicheren Führung des Messers am Sohlen
schnitt entlang (64.2).
Zum Rißöffnen eignet sich am besten der besonders zugerichtete Rillöffner. Not-
falls kann ein l Stich breiter Schraubenzieher hierzu Verwendung finden. Das Riß
öffnen hat mit großer Vorsicht z u geschehen, denn allzu leicht kann das \.Verkzeug
ausrutschen und das Leder
beschädigen . (65.1). Dann
wird dei- Riß mit dem Spitz
knochen gut ausgerieben und
mit dem Rißriller oder, wenn
man einen solchen nicht zur
Verfügung hat, mit der Spitze
des Plattortes nach unten
noch etwas verbreitert, wo
durch sich der Draht gut ein
zubetten vermag (65.2).
Mit demVorstuppen oder Vor
radeln des Rahmens wird
die Stichgröße für das Nä
hen und Doppeln der Sohlen
besonders vom Anfänger vor
64.1 Die Messerhaltung beim Rißschneiden im Geleoktell
her festgelegt. Hierzu wird
64.2 Die Messerhaltung beim Rißschneiden vornherum
6-!
der Rahmen mit einer Zahn
bürste leicht angefeuchtet
und dann mit dem Stupprad
vorgeradelt. Es wird beim
65.1 Das Rißötfoen
65.2 Die zum Nähen
vorgerichtete
Durchaussohle
linken Schuh am inneren Gelenkanfang, beim rechten am äußeren angesetzt (bei
Gelenkplattenschnitt mit vorstehendem Rand bis zum Absatz, jedoch vom Ab
satzanfang aus) und das Stupprad ohne abzusetzen unter festem Druck bis zum
anderen Gelenkanfang herumgeführt. Ein Unterbrechen oder Absetzen des Stupp
rades führt z u lmgleichmäßigem Verlauf der Stichanordnung.
IX. Das Nähen und Doppeln der Durchaussohlen
a) Die Nähmitte]
1. Game und Zwil'ne
Der Rohstoff der Schuhmachergarne und -zwirne, welche von besonderer Güte
sein müssen, ist der Flachs.
Flachs, auch Lein genannt, ist eine 1 m hohe, feinstengelige Pfia�ze, die im gemäßigten
Klima, besonders im nördlichen Europa, gedeiht. Der Flachsstengel ent.hält im Innern die zur
Herstellung der Garne notwendige Bastfaser. Zu ihrer Gewinnung muß der auf dem Felde
gelbreif gewordene Flachs mit der \Yurzel ausgezogen und an der Luft getrocknet werden.
Damit sich die Bastfaser von der Rinde und Holzschicht des röhrenförmigen Flachs
stengels außen und innen lösen kann, wird der Flachs auf großen Wiesenflächen a'll.!lgebreitet,
wo er wochenlang liegenbleibt. Unter dem Einfluß von Sonne, Tau und Regen gedeiht
auf den Halmen ein winziger Pilz; mit seiner Hilfe verwittern die holzigen Schichten, ihr
Gefüge lockert sich und löst sich vom Bast.
Nach einem anderen Verfahren stellt man die Flachsbündel aufrecht in große, heizbare
Zementbottiche und beschwert sie, damit sie nicht nach oben treiben können. Im ,�asser und
65
in der Wärme werden die holzigen Stengel ausgela.ugt; Gärung entsteht; das Wasser trübt
sich und fä.i:bt sich wie dunkles Bier. Gasblasen steigen auf und bilden Schaum, l\Iilliarden
von Bakterien arbeiten an der Zersetzung des Pflanzenleims. Nach einigen Tage11 ist die
Aufschließung der Fasern beendet. Nun wird der Flachs an der Luft sorgfältig getrocknet.
Die Verarbeitung von Flachs
zu Garn.
1. Damit die holzigen Stengel
von den Faserbündeln a.bge
streift werden können, müssen
sie geknickt werden. Schicht
weise werden sie in die Knick
maschine (66.1) geschoben
und zwischen geriffelten Eisen
walzen durchgedreht. Ein gro
ßer1'eil der zerbrochenen Holz
teilchen - man nennt sie
„l::lcheben" - wird schon in
CG.2 Schwiogll!o.chs
dieser Maschine abgestreift 66•1 Knlckflachs
Schimmernd wie blondes
Frauenhaar kommen die Faserbündel an den Tag. Ergebnis: K nickflachs.
2. Auf der Schwingmaschine werden die
„Scheben" durch schnellkreisende Holzmesser
oder durch eiserne Schlagwellen YOn der Faser
abgestreift (66.2). Die gereinigte Faser bildet den
Rohstoff für die Leinenspinnerei. Ergebnis :
S c h w ingflachs.
3. Auf der Hechelmaschine wird der Schwing
flachs durch zahlreiche Stahlnadeln, die aufrund
laufenden Lederbahnen angebracht sind, ausge
kämmt {,,gehechelt"), Unreinigkeiten und kurze
Fasern (,,Werg") werden dabei abgestreift (66.3).
Ergebnis : Hechelflachs.
4. Der Hechelflachs kommt nun zur Herstellung
von Flachsgarn in die Lcinenspinnerei, wo er zu
nächst dachziegelförmig übereinandergelegt und
in ein endloses Faserband verwandelt wird (66.4).
(Aus dem Werg wird Werggarn hergestellt.) Er
66.S HechclOachs
gebnis : Anlegeband.
5. Die Faserbündel werden auf verschiedenen
Streckmas c h i n e n verzogen (gestreckt) und ge
doppelt. Dadurch werden sie feiner und gleic·h
mäßiger (67.1). E.'rgebnis: Streckband.
6. Die Bänder werden von der Vorspinn ma
schine lose zusammengedreht. Noch aber ist das
so gewonnene Garn der ersten Verarbeitungsstufe
locker, verhältnismäßig dick und wenig reißfest
(67.2). Ergebnis: Vorgarn.
06.( Aolegeband
66
6T.1 Streckband
61.2 \'orcnm
7. Beim Durchlaufen durch ein heißes Wasserbad wird der Pflanzenleim gelöst,
dann drnhen die schnellaufenden Spindeln der F e i n s p i n n m a s c h i n e n das
Vorgarn zu einem festen Faden zusammen (67.3). Ergebnis: Feingarn.
8. Das Feingarn wird auf der Zwirnmaschine „ge
zwirnt", d. h., es werden zwei oder mehr Feingarn
fäden von den Zwirnspindeln zu eineru zweifachen
oder mehrfachen „Zwirn'' zusa.mmengedreht (67.4).
Ergebnis: L e i n e n z w irn.
Es sind vetschiedene Zwirnarten im Handel. Durch
das Zwirnen werden kleine Unebenheiten des Fein
garnes ausgeglichen, der Faden gewinnt an Gleich
mäßigkeit und gleichzefüg an Festigkeit. Die Game
können -je nach dem Verwendungszweck des Leinen
zwimes - fest oder lose, in Rechtsdrehung „S"
oder Linksdrehung „Z" gezwirnt werden.
Auch die verschiedenartige Weiterbehandlung des .
Leinenzwirnes muß sich sorgfältig den Zwecken anpassen, denen er als zuverlässiger Nähfaden dienen
soll. Durch Auskochen wird der Leinenz,\irn von
den letzten Unreinigkeiten befreit. In der Bleiche
werden aufkünstlichem oder natürlichem Wege die
Farbstoffe und Pflanzenleime der Fla.chsfaser ent
G7.3 l-'elognrn
fernt.
Lcinenzwirne können in den ,erschiedenst.en Far
ben, auch ind:inthren, gefärbt werden. Jfänige Zwirn
sorten erhalten dureh die „Appretur" Geschmeicüg
keit und eine besondere Glätte zm Verbesserung
ihrer yähfähigkeit, andere Zwirnsorten werde11 weich
erhalten, sie kommen in l\Iat,tausführung in den Han
del. T)ie Leinenzwirne für die Schuhherstellung er
halten eine besondere Aufnahmefähigkeit für Pech
und Gleitmittel.
GT.4 Leincnzwim
67
GS,l Einst.ech•
Doppel-
BesLecbgnrn
Die Handelsaufmachung der Leinen
garne und -zwirne ist verschiederui.rtig.
Sie werden teils nach Längen in Stück
oder Strangaufmachung, teils nach
Gewicht, auf Knäueln, Holzrollen,
Papphülsen und Pappsternen aufge
wickelt, zum Versand gebracht (68.1
und 68.2).
2. Seide
Man unterscheidet echte und „unechte Seide", letztere trägt die Bezeichnung
,,Schappeseide".
Echte Seide wird aus dem Seidengehäuse (Kokon) der Seidenraupe gewonnen. Im
allgemeinen liefert ein Kokon einen sehr dünnen Seidenfaden bis zu· 3000 m
Länge, von der aber nur 300···500m abgewickelt werden können. Mehrere dieser
dünnen Seidenfäden vereinigt, ergeben einen einfachen Seidenfaden. Zur Gewin
nung des eigentlichen, gebrauchsfertigen Seidenfadens werden zwei, drei und mit
unter noch mehr solcher einfachen Seidenfäden zu einem Faden vereinigt, der als
gewöhnlicher Faden bezeichnet wird. Er kommt roh oder gefärbt in den verschie
densten Stärken in den Handel. Echte Seide findet vorzugsweise zum Steppen
der Schäfte Verwendung.
Schappeseide ist an sich auch echte Se.ide.
Kokons, welche durch das Ausschlüpfen
der Schmetterlinge beschädigt wurden
und somit keinen durchlaufenden Sei
denfaden liefern, sowie nicht fertig ge
sponnene Kokons, verletzte usw. werden
Sch:ippeseide zu Schappeseide verarbeitet. Da der
68,2 Leinenzwirne
Rohstoff derselbe ist wie bei der echten
Seide, steht die erste Güte Schappeseide der echten Seide nicht viel nach. Sie
eignet sich besonders zum Steppen von Schaftgarnituren (68.2).
Seidenersatz ist ein mehrfach gezwirnter (gedrehter) Nähfaden aus bester ägyp
tischer Baumwolle von besonders gleichmäßiger, glatter Beschaffenheit, zur
Verwendung als Ober- und Unterfaden für Schaftarbeiten aller Art wie auch für
Nadelarbeiten. Seidenersatz ist ziemlich reißfest, doch wenig elastisch, wo
durch der Faden beim festen Auszwicken einer Naht brechen kann. Er kommt
na.turfarbig, schwarz und braun in den Handel.
3. Borsten
Die besten Borsten werden vom älteren Wildschwein gewonnen, wobei die längs
des Rückgrates wachsenden Borsten, die sogenannten „Ka.mmborsten", die be
vorzugten sind. Sie müssen bei guter Beschaffenheit genügend stark, in sich fest
und federnd, glatt, rund und möglichst durchscheinend (glasig) sein.
Die Borsten des zahmen Schweines sind weniger stark. Sie werden vor dem
Brühen des geschlachteten Schweines ausgezogen. Zum Geschmeidigmachen der
Borsten verwendet mau Glyzerin, Tragant oder ähnliche :Mittel.
68
b) Das Nähen und Doppeln
Das richtige Nähen gliedert sich in das Gelenknähen und in das Sohlennähen·
oder Doppeln.
Die Beschaffenheit der Drähte. Das Gelenk wird bei Hohlschnitt stets schlank
genäht. Ein schlanker Stich hat mehr auszuhalten als ein kurzer. Schon aus diesem
Grund muß der Gelenkdraht stärker sein als der zum Kurznähen bestimmte.
Da nun das Gelenk mehr auszuhalten hat als die Sohle und noch viel mehr, wenn
- endig, für das Ge
es mit einer starken Gelenkfeder ausgestattet ist, ist es .notw
lenknähen einen besonders guten und vor allem frischen Draht zu verwenden.
Vollkommen falsch ist jedoch die Verwendung von Drahtenden, denn sie sind
durch das ständige Erhitzen beim Durchziehen des Drahtes durch die Löcher ver
brannt und haben keine Kraft mehr. Das Trennen der Gelenke ist in den meisten
Fällen auf die Verarbeitung derartiger Drahtenden zurückzuführen.
Nur einen Draht für die ganze Durchausso hle zu verwenden, ist ebenso falsch.
Wird der Draht dünn gehalten, dann ist er vielleicht für das Doppeln recht, für
das Gelenk aber zu schwach, und wird er stark gehalten, dann ist er vielleicht
für das Gelenk gut, aber für das Doppeln zu dick. Wird der Draht aber in einer
mittelmäßigen Stärke gehalten, dann ist er weder für das Gelenk nocb für das
Doppeln geeignet und verliert erst recht seinen Wert, wenn er, fast aufgebraucht
und mürbe, die andere Seite des Gelenkes noch durchnähen soll. Deshalb die For
derung: für jedes Gelenk einen kurzen und frischen
Draht, ebenso für die Sohlen.
Das Nähen der Gelenke. Man beginnt stets mit dem
Nähen der Gelenke. Hierzu verwendet man einen
Plattort, dessen Stärke sich nach der Gelen kstärke
und der Drahtstärke richtet. Genäht wird mit schlan
ken Stichen.
Um das Oberleder vor Beschädigungen durch den Ort
und den Draht zu bewahren, reibt man bei schwarzen
Oberledern und bei Lack ein Stück Kernseife oder
Bienenwachs unmittelbar oberhalb des Rahmens da
gegen. Bei farbigen Ledern ist das Beilegen eines dün
nen Oberlederstreifens zu empfehlen.
Vor dem Nähen werden Rahmen und Riß leicht an
gefeuchtet. Der Plattort muß so gehogen sein, daß er
ohne besondere Anstrengung (Abdrücken des Rahmens
und der Sohle) und ohne Druck gegen das Oberleder
durch den Rahmen in den Gelenkriß geführt werden
kann.
Beim Durchstechen des Leders drückt der Daumen der
linken Hand fest gegen die Soblenka.nte unmittelbar
neben dem Durchstich, damit das Gelenk nicht ab
gedrückt wird. Die Borsten sind stets so durchzu
führen, daß die Drahtenden beim Durchziehen vorn zu
G9.l Die .Anordnung der Gelenb:
und Doppelstiche
69
liegen kommen. In dieser Lage der
Drahtenden muß auch der Stich zu
gezogen werden.
In der Gleichmäßigkeit des Nähern,,
aber besonders auch im gleichmäßigen
Anziehen der Stiche, liegt der tadellose
Verlauf einer Naht begründet (69. 1
und 70.1).
10.I Doppelnaht
die Drahtst,ärke abgestimmt
seinundeine scharfe Schneid
fläche an der Spitze haben.
Rahmen und Riß werden an
gefeuchtet; der Spannriemen
hält den Schuh auf dem lin
ken Oberschenkel in gerader
Stellung fest, der Ort durch
sticht mit einem festen, aber
sicheren Druck und ohne
Drehbewegung den Rahmen
und die Sohle und soll genau
aus der Rißmitte heraus
treten. Dabei drückt der Dau-
Das Doppeln der Sohle. Der zum
Doppeln bestimmte Querort muß auf
10.2 Die Handhaltung beim Doppeln
men der linken Hand wie beim Nähen
der Gelenke fest gegen die Sohle. Die
Spitze des ·. Ortes darf höchstens ¼
Stich durch die Rißbahn treten, da das
Loch andernfalls zu groß wird und die
Stiche bei enger Anordnung durchreißen
können.
Auch beim Doppeln müssen die Draht
enden beim Durchziehen vorn laufen.
Ferner soll man sich nie angewöhnen,
die Borsten nach jedem Stich mit dem
Munde festzuhalten oder gar fallen zu
lassen, um sie jedesmal wieder aufzu
greifen. Borsten. und Ort Yerbleiben bei
jedem Stich in der Hand (70.2 u. 3).
Nun werden die Stiche mit dem Spitz
knochen ausgerieben, der angefeuch
tete Riß wird mit Wiener Kleber be• 10.3 Der Laufder Drahtenden heim Doppeln
70
su1c-Len und mit dem Spitzknochen beigedrückt. Die Kanten, die sich infolge
des Druckes mit dem Querort etwas abgehoben haben, ,,.erden leicht, aber gleich
mäßig angeklopft. Im Gelenk wi.rd, wie beim Aufrichten der Durnhaussohle, der
Spannriemen zum Anklopfen zu Hilfe genommen.
Nun folgt das Beidrücken des Sohlen- und Gelenkschnittes mit dem Putzholz,
worauf die leicht angefeuchtete Sohle mit der Glättschiene geglättet wird.
Beim Überprüfen muß die Sohlenfläche vollkommen flach in der Vorfußpartie
sein, und die Kanten müssen einen gleichmäßigen Verlauf nehmen. Der Boden
ist jetzt für den .Absatzbau vorbereitet.
Nach einem anderen Arbeitsverfahren kann man den Sohlenriß auch mit hochwertiger Gummi
lösung schließen. Hierzu muß die nach dem Nähen noch feucht ausgeriebene RißriJle voll
kommen trocknen. Danach wird sie zweckmäßig vermittels eines schmalen Borstenpinsels
mehrmals mit Gummilösung bestrichen. Nach ihrem Eintrocknen wird die R.ißrille wieder
leicht angefeuchtet, vermittels des Spitzknochens, des Putzholzes und der Glättscbiene bei
gedrückt und mit dem Hammer angeklopft.
X. Der Absatzbau
a) Die Nägel
1. Holznägel
Es gibt deutsche und amerikanische Holznägel. Deutsche sind zweiseitig zuge
spitzt, und amerikanische haben eine pyramidenförmige, vierseitige Spitze. Die
deutschen Holznägel, auch „Berliner" genannt, schonen die Leisten mehr als die
amerikanischen, da die Nagelspitzen weniger große Löcher verursachen.
Holznägel werden vorzugsweise aus Birkenholz erstellt, aber auch aus Buche und
Ahorn.
Zu ihrer Herstellung werden die entrindeten Stämme entsprechend der Holznagellänge mit
der Kreissäge in einzelne Stammabschnitte (Scheiben) zerlegt. Von hier aus gelangen die
Scheiben oder Platten zur Streifenschlagroascbine und dann zur Spitzenmaschine. In der
Stiftsch.lagma.sehine werden die angespitzten Streifen in einzelne Holznägel zerlegt. Nun
werden die Holznägel in schwefeliger Säure gebleicht. worauf sie in kreisende, geheizte Trom
meln zum Trocknen kommen. Rchlechte Holznägel werden durch die Sortiermaschine aus
geschieden.
Gute Holznägel müssen von heller Farbe, leicht glänzend, scharfkantig und beim
Gebrauch trocken sein, weshalb sie an einem t.rockenen Orte aufbewahrt werden
müssen. Trockene Holznägel brechen bei der Probe kurz ab und biegen sich
nicht. Feucht vcrarbeit€'te Holznägel lösen sich bei T1·ockenheit schon bei ge
ringfügiger Bewegung des Schuhwerks aus ihrer Verbimlung, bieten also keinen
Halt.
Zur Verarbeitung kommen meistens sechs Größen , von 5· ·30 mm Länge und
1,4···2,4 mm Dicke.
2. Metallnägel
Metallnägel werden im Schuhmacberhandwerk für vielerlei Arbeiten benötigt,
wonach sich auch ihre Beschaffenheit richtet.
71
Zum Zwicken und Absatzbau benötigt man Drahtstifte in den Größen von 1/2, ¾
und 1 Zoll. Wie die Bezeichnung sagt, sind sie aus Stahldraht geschnitten, gleich
mäßig dünn, von verschiedenen Dicken und haben kleine, flache Köpfe (72.1).
Die zum Zwicken noch im Handel befindlichen blauen Stahlzwecken (S-Zwecken genannt)
finden immer weniger Anwendung, da sie nicht allein die Brandsohle zu sehr durchlöchern,
sondern auch die Leisten stark verbrauchen (72.1).
f
'
$-Zwecke
72.1
l
Tackse
72.2
!1
�
Dmhtstlftc
�
�
Herren- und Damen•
Absatzstifte
Gegen das vorzeitige Ablaufen der Oberflecke ver
wendet man Absatzstifte. Hiervon gibt es die SO·
genannten Damenstifte von runder Form und in
verschiedenen Größen und Sfärken. Für Herren
absätze verwendet man entweder die geschnit
tenen oder die keilförmigen Absatzstifte, die eben
falls in verschiedenen Größen und Stärken geführt
werden (72.2).
Tackse sind im Schuhmacherhandwerk weniger im
Gebrauch. Sie finden nur gelegentlich als Heftnägel
gute Verwendung, wie beispielsweise zur Erarbeitung
der Leistenkopie beim Schäftemodellieren, bei Klebe
arbeiten, Befestigung von Weitungen an Leisten und
Blöcken. Ihre Hauptverwendung finden sie zum Re.
parieren minderwertigen Schuhwerks (72.2).
Messingstifte sind weicher als Stahlstifte, sie dienen darum als 0berfl.eckstifte für
leichtes und Luxusschuhwerk. Mit Messingstiften beschlagene Oberflecke wirken
nicht so hart im Auftritt, weshalb sie
mit gutem Erfolg in der 0rthopädie
schuhmacherei zur Verarbeitung
kommen.
'l'2.3 Sohlennägel
Sohlennägel finden· als Verschleiß
schutz der Sohlen und Oberflecke
von Sport- und Berufsschuhwerk
Verwendung. Dementsprechend sind
sie geformt und bezeichnet (72.3).
Nägel für Hochgebirgsschuhwerk.
'l'2.4 Hochgebirgsnägel
72
Hochgebirgsschuhwerk erfordert ei
nen besonderen Sohlen- und Absatz.
beschlag, damit ein Ausgleiten ver
hindert wird. Die besten Nägel für
diese Zwecke sind geschmiedet. Es
gibt flach-, rund-, spitzköpfige,
solche mit langem Stiel zum Um.
nieten um die Sohlenkante, andere
mit kurzem Stiel zum einfachen
Einschlagen, ferner einschraubbare
oder sogenannte Stollen (72.4).
b) Der Ahsatzbau
Man beginnt mit dem Auf
richten des Keders. Zuvor
wird die Sohlenkante, An
schlag genannt, flach aus
geschärft oder geraspelt. Ein
gewölbter Anschlag bietet
dem Keder kein festes Auf
lager und verhindert eine
gute Bindung mit dem Ab
satz.
Der beraspelte Anschlag wird
mit WienerKleber bestrichen
und dann der Keder hinten
in der Mitte mit einem Holz
nagel geheftet. Von hier aus
wird zunächst die eine und
dann die andere Seite des 73.1 Das Aufoagelo des Keders
Keders mit der Anschlagkante gleichgelegt und stellenweise mit Holznägeln geheftet.
Nun wird der Keder beschnitten und mit etwa 1 cm langen Holznägeln genagelt.
Die Nagelreihe soll nach dem formgerechten Beschneiden des Keders nicht weiter
als 1 Stich von der Kante verlaufen. Die vordersten Holznägel schlägt man eben
falls 1 Stich vor der auf der Durchaussohle bezeichneten Absatzfront ein (73.1).
Das Abschärfen und Beraspeln des Keder!!. Sollte der Keder nicht kräftig genug
gewesen sein, um die Fersenrundung der Durchaussohle auszugleichen, so kann
ein zweiter Keder aufgenagelt werden; a,ndernfalls wird der erste Unterfleck mit
Kleber bestrichen, hinten
und seitlich mit je einem
Holznagel geheftet, ange
klopft und beschnitten.
Nun folgt das Aufnageln mit
einer Reihe Holznägel, das
feste gleichmäßige Anklopfen
der Kanten, das Abschärfen
des Fleckes und das Bera.s
peln. Der zweite Fleck
kommt in der gleichen Weise
zum Aufbau (73.2).
Besonders sorgfältig muß das
Niederklopfen der Kanten
durchgeführt werden. Die
Schläge sollen gleichmäßig
fest sitzen und dicht neben-
73.2 Das Aufo:,gel.n des erst-On UoterOecks
73
einanderliegen. Stellen sich hiernach Unebenheiten heraus, so müssen diese durch
Abschärfen und Abraspeln ausgeglichen werden, nicht aber durch einseitiges,
gewaltmäßiges Niederklopfen von Erhöhungen, was zu einem schlechten Tragen
des Absatzes führt.
Falsch jst es auch, ilie durch da.s Niederklopfen der Kanten elll.,stehende Wölbung
in der Fleckmitte flachklopfen zu wollen . Dadurch bekommen die Absa.tzkanten
Spannungen, diefür ein Platzen des Absatzes mit verantwortlich sind. Der erhöhte
Teil muß vollkommen abgeschärft und der Fleck hierauf beraspelt werden (74.1).
Zum weiteren Aufbau des
Absatzes kommen je zwei
Flecke zum Aufkleben und
A�fnageln, vorausgesetzt,
74.1 Das Ausschärfen des aufgenagelten Unterflecks
14.2 Das Beschneiden des Absatzes
74
daß nicht zu dicke Flecke
verwendet werden: An
Stelle der Holznägel ver
wendet man jetzt ½- bis
¾zöllige Drahtstifte. Tore
Größe muß so gewählt
werden, daß sie nicht bis
zur Brandsohle durchdrin
gen können.
Nach dem Aufnageln müs
sen die Köpfe der Draht
nägel mit dem Versenker
versenkt werden, denn sie
stören beim Abschärfen und
Beraspeln der Flecke. Da
sich dieDrahtnäge1, weil sie
rund und glatt sind, mit
der Zeit lockern, ist das
Einschlagen einiger langer,
kräftiger Holznägel zwi
schen die Stiftreihe an
gebracht.
BesondereVorsicht ist beim
Einschlagen der Drahtnägel
an den Flecken des Absatzes
geboten; sie müssen etwas
schräg nach innen, hinten
zum Einschlag kommen, in
der Richtung also, die dem
Verlauf der Absatzfront am
fertigen Absatz entsprioht.
Es kann sonst leicht vor
kommen, daß man beim
Beschneiden des Absatzes
auf ilie Nägel trifft.
Drahtnägel, welche beim
Einschlag eine falsche oder
fraidiche Richtung genom
men haben, soll man besser
hl-'rausschneiden und sie
nicht belassen. Das spä
tere Hervorkommen eines
Drahtstiftes erfordert mehr
Arbeit, wirkt sich aurh
nac:hteilig für das Aussehen
des Absatzes aus. Zwischen
durch wird der Absatz au
ßen herum roh beschnitten
(74.2).
75.I l>as Ub�rprüfen des Absatzea auf scioon wuagerechteo Aufbau
Nachdem die gewünschte Absatzhöhe erreicht ist, wird der mit Kleber be
strichene Oberfleck mit drei Drahtstiften, die verdeckt eingeschlagen werden,
aufgehcftet. Das Hauptaugenmerk ist hierbei auf die Stellung des Oberfleckes zur
Schuhspitze zu legen, denn der Absatz soll zur Schuhspitze hin gerichtet sein (siehe
auch S. 25: ,,Die Absatzlänge wird festgestellt").
Der Schuh ,vird nun auf eine glatte, waagerechte Fläche gestellt, um zu prüfen,
ob der Absatz überall gleichmäßig aufsteht (75.1). Unwesentliche Erhöhungen be
seitigt man durch leichte Hammerschläge, größere jedoch durch Abheben des
Oberfleckes und neue Ausrichtung der Absatzoberßäche (75.1).
Der Absatz wird leicht angefeuchtet und in Form
geschnitten. Flache Absätze erhalten gerade, volle Seitenflächen, und nur bei
höheren Absätzen ist es angebracht, die Flächen etwas zu ziehen, d. h. leicht ein
zubuchten. Die jeweilige Form ist in der Hauptsache vom Zweck des Schuhes und
vom besonderen Wunsch
des Kunden abhängig, falls
sie nicht von der Mode be
stimmt wird.
Da.-. Beschneiden des Absatzes.
Heim
BesC'hneiden
an
der
&>hlenkantc ist das Mitführen
desBeschneidhoros zum Schut
ze des Oberleders anzuraten.
Nachdem der Absatz außen
herum beschnitten ist, wird
dieAbsatzfront beschnitten
(75.2). Der Schnitt muß
nach Möglichkeit in einem
Zuge geführt werden und
dem Verlauf der Oberfleck
kante folgen.
Vorsicht ist beim Erreichen
der Durchaussohle geboten,
damit sienichteingeschnit
ten wird. Der überstehende
6 },'aohk. f. Schuhmacher
-'tli.2 Das .Frontbeschnelcleo d"s Absatzes
75
Keder wkd zweckmäßig von der Seite durchschnitten. Das Messer bekommt
hierbei eine leichte Schrägstellung, auch die Absatzkante muß schräg verlaufen,
wenn der Absatz nicht plump wkken soll. (76.1). Hierauf wird der Oberfleck in
der bekannten Weise gestiftet.
Das Bearbeiten des Absatzes und der Absatzkante. Wiederum wird der Absatz
leicht angefeuchtet, die Absatzkante mit dem Spitzknochen leicht vom Oberleder
abgedrückt und danach gleichgerichtet bzw. abgelassen. Hierzu verwendet man
das Randmesser (76.2).
Eine vorsichtige Handhabung dieses Messers ist geboten, da der Dorn des Messers
leicht in das Oberleder eindringen kann und es beim Ablassen der Kante mit
durchschneidet.
Hierauf wird der Absatz
mit der Kehrseite des
Hammers bearbeitet,. damit
sich clie Absatzflecke noch
fester gegeneinanderpres
sen. Auch die Absatzkante
wird beigeklopft, damit eine
gute Verbindung zwischen
Keder und Durchaussohle
entsteht (77.1).
Die Absatzkante wird
mjt der Absatzkantenraspel
gleichgerichtet, so daß
sie einen ununterbrochenen
Verlauf mit der Rahmen
kante nimmt (77.2).
Nun wird. die Hinterkappe
angeklopft, dicht oberhalh
der Absatzkante. Diese Ar
'16.1 Das Schrägschneiden der vorclcrco Absatzkaote
beit hat den Zweck, die
Absatzkante für die nach
folgenden Arbeiten an det
selben freizulegen. Um die
Ahsatzkante nicht zu tref
fen, setzt man die Hammer
schläge auf einen guten
Kernlederstreifen, der an
der Absatzkante entlang.
geführt wird (77.3). Damit.
ist der Absatz zum Beras
peln fertig.
Das Gelenk- und Schnitt
l - --16.2 Das Ablassen der Sohlenkante mit dem Rauurn�ssn
76
beschneiden. Diese �<\..rbeit
kann ebensogut -vor wie
nach dem Absatzbau ge
leistet werden. Für den
Anfänger ist das Gelenk
beschneiden nach dem Ab
satzbau ratsamer, denn
hierdurch wird vermieden,
daß das Gelenk zu tief in
den Anschlag hinein ge
formt wird, wodurch das
Ausarbeiten einer einwand
freien Absatzkante unmög
lich ist. So aber legt die
fertige Absatzkante die
Länge des Hohlschnittes
fest.
Das Gelenk \\ird entspre
chend der Form des zur
Verwendung kommenden
Hohlschnitteisens beschnit
ten. Zweckmiißig läßt man
zunächst die Sohlen.kante
miteinemMesserzugeschräg
nach unten ab, doch darf
die untere Sohlenkantehier
bei nichts verlieren (78.1).
Alsd,in n setzt man das Ge
lenkeisenversuchsweiseauf,
wodurch festgestellt. werden
kann, oh und wo noch zu
viel steht. Zur Vermeidung
eines zu dicken Hohlsclmit
tes setzt man das Eisen
möglichst flach auf, ,,,.o.
durc,h der Druck mehr von
oben nach unten geführt
wird, als von vorne gegen
die Sohlenkante. Erst wenn
dns Eisen den Hohlschnitt
gut. und lückenlos aus
d rürkt, kann er leicht hr
raspelt und mit, der Zil'h
klinge noch etwas nac·h
gezogcn werden. Das Be
arbeiten mit Glasprtpier
erübrigt sich (78.2).
Der Schnitt wfrd nach dem
Nähen nochmals Icichtna<'h
heschnittcu, worauf clas Ah
st uppen bzw. Ahrn,deln dm·
'\j
1
.
j
1
�..J
77.1 Das Anklopfen des Absatzes
17.2 J)ie Bearbeitung der Sohlenkante mit der Absatzkantenraspel
17.3 Das Anklopfon der Hinterkappe
77
Doppelstiche folgt. Der Rahmen
wird leicht angefeuchtet und
das erwärmte Stupprad am An
fang der Doppelstiche aufge
setzt. Als Unterlage dient das
Schoßbrett, gegen das die Soh
lenkante beim Abradeln ge
drückt ·wird, damit sie sich
nicht abheben kann.
Das Stupprad soll beim ersten
Umfahren nicht abgesetzt wer
den, weil dies zu ungleichmäßi
gen Sticheindrücken führt. Beim
Nachradeln besteht diese Gefahr
weniger, weil die Rillen des
Stuppra.des sofort in die des
vorgestuppten Rahmens eingreifen (78.3).
;s.1 Das Beschneiden des Geleukea
farbiger
Abradeln
Beim
Schuhe ist das Beilegen eines dünnen Oberlederstreifen.� rundherum notwendig,
damit das Oberleder durch das Stupprad nicht befleckt wird.
Das Absatz- und Schnittberaspeln. Ein gut beschnittener Absatz und Schnitt
erfordert nicht. mehr viel Raspelarbeit. Sie dient nur zum Ausgleich von kleinen
Unebenheiten, die beim Beschneiden
nicht behoben werden können. Beim
Beraspeln des Absat,zes ist das �Iit
führen des Beschneidhorns zum
Schutz des Oberleders zu empfehlen
(79.1 ).
Die Ra.spei soll bei der Bearbeitung
von gradwandigen Absätzen breit
sein, einen feinen Hieb haben, wo
durch allzu tiefe Rillen im Leder
vermieden werden und das nachfolgende Ausglasen erleichtert wird.
Für das Beraspeln des Schnittes
verwendet man besser eine schmale
Schnittraspel, denn sie ist handlicher
und läßt sich sicherer führen. Am
Schnittverlauf ändert sich beim Be
raspeln nichts. Das Abfeilen des
Oberfleckes beschließt die Raspel
arbeiten.
1s.2 JJas frrtig IJearbuitcte <;e1�111<
Das Beschaben und Ausglasen. Die
durch das Beraspeln verursachten
Rillen werden durch die Bearbeitung
mit einer scharfen Ziehklinge besei-
78
1$.3 Der mit. dem Stupl)rad a.bg<•�i..u1,1HP. R..ihrncu
tigt. Ein guter Ausputz
kann nur dann erzielt wer.
den, wenn diese Arbeit mit
peinlichster Sorgfalt durch
geführt wircl. Dies gilt, ganr.
besonders für den Absatz,
denn durch flüchtiges Aus
schaben übersehene Rillen
treten am Ausputz 1111ci·
hittlich hervor und heein
t.rächtigen das Ausr-rhen
cles ganzen Bodens.
Beim Ausschaben von Ab
satz und Schnitt müssen
limge Züge geführt werden,
wodurch eine einheitlich
glatte Fläche erzielt wird.
Nun folgt mit gleicher
79.I Das Bcra.speln dPS Ahsot.z..,
Sorgfalt das Bcschaben der
Bodenfläche.
Schnitt und Absatz werden noch mit feinkörnigem Glaspapier ausgeglast, um
jede Rauhigkeit dfä, Leders zu beseitigen. Zum Ausglasen der Bodenfläche ver
wendet man ein handgroßes Stück gradflächigen Kork, um den das Glaspapier
gelegt wird. Die Bodenfläche bearbeitet mn.n unter festem Druck in kreisför
migen Bewegungen so lange, bis alle Rillen oder Unebenheiten beseitigt sind.
Zur Erzielung eines tadellosen Ausputzes ist das Nachglasen mit feinstem Glas
papier zu empfehlen.
XI. Die A usputzarbeiten
a) Die Ausputzmittel
1. Glaspapier
Zum Ausglasen der Schnitt-, Gelenk-, Absatz. und Sohlenflächen verwemiet man
Glaspapier. Pulverisierte Glasabfälle werden in verschiedenen Körnungen, fein bis
grob, auf geleimtes Papier gestreut. Das Waspapier wird z1.1 gebrauchsfertigen
Stücken zweckmäßig so zerschnitten, daß man die Bogen auf der Papierseite mit
der Spitzenrückseite eines alten Messers anreißt, worauf sich die Stücke glatt ab
reißen lassen.
2. Tragant
Für einen einwandfreien Ausputz müssen die nach dem Ausglasen noch vorhan
denen feinen Lederfasern geglättet werden. Hierzu verwendet man Tragant. Es
ist diC's getrockneter Pflanzenschleim von besonderen Sträuchern Griechenlands
und Kleinasiens mit hornartigem, durchsichtigem Aussehen.
Zu seinem Gebrauch muß er je nach seiner Dicke einige Tage im Wasser auf.
gelöst werden, bis er zu einer dickflüssigen Masse geworden ist, die leimartige
Eigenschaften hat. Hiermit werden die auszuputzenden Bodenteile vor dem Vor
brennen leicht eingerieben.
79
3. Kaltpoliertinte
Für einen guten Bodenausputz verwendet man Kaltpoliertinte. S c hwarze
Kaltpoliertinte besteht aus einer Lackemulsion (milchähnliche, schleimige Flüssig
keit) mit Zusatz von Anilinfarben.
Braune Kaltpoliertinte wird aus emulgierten (zu einer schleimigen Flüssig
keit verwandelten) Lacken und vVachsen unter Zusatz von natürlichen u. nd künst
lichen Farbstoffen hergestellt.
4. Wachse
An Stelle von Hartwachs o der zum Nachwachsen ausgeputzter Böden verwendet
man Schmierwachs. Es wird aus besonderen Wachsverbindungen (Tulineral- und
Pflanzenwachs) unter Zusatz von Terpentinersatz hergE:Jstellt.
Beschädigungen am Schaft können durch _R epa
rierwachs, das in Schwarz und allen Farbenab
stufungen hergestellt wird, unsichtbar gemacht
werden, falls sie geringfügiger Natur sind. Es
kommt als Knetwachs oder in Form sogenannter
,,Reparierstifte" in den Handel (80.1).
Ausputzwachs besteht aus mehreren \Vachssorten, welche ein Schmelzverfahren durchmachen
80,1 Oben: Reparierwa.chs
und mit Teerfarbstoffen gefärbt sind. Es ist unter
unten: Ausputzwa.chs
der Bezeichnung „Hasenwachs", ,,S<Jhlangen
wachs" usw. in runden, rechteckigen und ovalen
Stücken im Handel und findet als allgemeines Ausputz
wachs Verwendung (80.1).
5. Oberlederschwärze (Blitzschwärze)
80,2
Oberlederschwärze
Zum Schwärzen farbigen Schuhwerks verwendet man Blitz
schwärze {80.2), die aus Anilinyerbindungen und Kohlen
wasserstoffen zusammengesetzt ist. Das zu färbende Schuh
werk muß YOr dem SchwäJ:zen mit lauwarmer, guter Seifen
brühe entfettet werden, da die Schwärze sonst nicht in die
Hautporen eindringen kann. Das Waschen mit scharfen Mit
teln, wie Salmiakgeist, scharfe Sodalösung, Azeton usw., ist
nach Möglichkeit zu vermeiden, da das Oberleder hierdurch
brüchig und hart wird.
6. Oberlederlack (Appretur)
Aus Harz oder Schellack, die in Spiritus aufgelöst werden, stellt, ma.n Oberleder
lack her. Reine Spiritusappreturen sind aber brüchig, weshalb sie noch einen Zu
satz von Firnis und Terpentinöl erhalten. Diese Appreturen verleihen dem Ober
leder nach dem Ausbügeln des Schaftes einen milden Glanz, doch ist ein zu reich
liches Auftragen zu vermeiden, da das Schuhwerk andernfalls einen lackierten
Charakter erhält, was dem Aussehen nur abträglich ist. Je dünner die Appreturen
aufgetragen werden, desto schöner w:iJ:d der Glanz und desto besser hält die
Appretur. Sie kommt in kleinen Fläschchen in den Handel.
80
b) Der Vorputz
Das Vorbrennen von Absatz, Gelenk und Schnitt. Zunächst wir<l der Sohlenschnit.t
leicht angefeuchtet und die Sohlenkante mit dem Spitzknochen glattgedrückt. Die
abgest:uppte Rahmenkante wird wenig und äußerst gleichmäßig mit dem Rand
messer abgelassen, etwas befeuchtet und ebenfalls mit dem Spitzknochen leicht
geglättet und nach unten gedrückt. Das Schnitteisen wird ausgewählt, vorsichtig
aufgesetzt und festgestellt, ob es der Schnittstärke entspricht und ob de1· Schnitt
rundherum eine gleichmäßige Stärke aufweist. Machen sich Veränderungen am
Schnitt zum Anpassen an das Schnitteisen notwendig, so sind sie von der Sohlen
kante, nicht aber vom Rahmen aus vorzunehmen.
Auf den mit Tra,gant eingeriebenen Schnitt setzt man das nicht zu heiße Eisen
erst leicht auf und umfährt den Schnitt unter vorsichtigem Hin- und Herführen
des Eisens. Erst nachdem der Schnitt leicht vorgedrückt ist, wird diese Arbeit mit
vermehrtem Druck wiederholt, bis der Schnitt voll und gleichmäßig ausgedrückt
ist.
In gleicher "\II/eise werden die Gclrnke vorgebrannt, nur ist, ein vorheriges Ablassen
von Kanten nicht mehr notwendig. Auch der Absatz wird mit Tragant befeuch
tet und mit dem nicht sehr heißen Absat.zeisen vorgebrannt. Hierbei wird gleich
zeitig die Oberfleckkante mit ausgedrückt,.
Soll der Ausputz schwarz oder farbig werden, so empfiehlt sich auch das Vorbren
nen der Sohlen- und Oberfl.eckfl.äche mit dem Polierstahl. Das vorherige Befeuch
ten mit Tragant ist hierhei ebenfalls notwendig. Der Vorputz schließt mit dem
Auf.setzen des „6, bsatzkanteneisens an den beiden vorderen Absatzkanten und an
der Absatzsohlenkahte.
c) Der Auspulz
Der Ausputz schützt den Boden gegen Feuchtigkeit uncl gibt dem: Schuh ein form
vollendetes Aussehen. Der durch das Vorbrennen bewirkte Glanz verhindert das
Eindringen der Schwärze oder der Farbe in das Leder, weshalb das Bestreichen
aller vorgebrannten Teile, auch des abgestuppten Rahmens, mit nicht zu schar
fem Salmiakgeist notwendig ist. Erst wenn der Salmiakgeist vollständig einge
trocknet ist, kann das Schwärzen oder Färben beginnen.
Der Auspntz vollzieht sich am besten und einfachsten, wenn er mit Kaltpoliertinte
ausgeführt wird. Deckt die Schwärze oder Farbe beim ersten Auftragen nicht ge
nügend, muß es wiederholt werden.
Beim Ausputz wird so vorgegangen wie beim Vorbrenncn. Sohle und Oberfleck
werden nach gutem Eintrocknen der Kaltpoliertinte mit dem nicht zu heißen Aus
putzstahl bearbeitet, und zwar so lange, bis überall ein matter Glanz entstanden
ist. Hierauf wird Schmierwachs oder gute Schuhkreme aufgerieben. Absatz, Ge
lenk- und Sohlenschnitt werden auch gebrannt, worauf dann eine hauchdünne
Schicht Ausputzwachs aufgetragen wird. Zwischendurch wird der Rahmen ab.
geradelt, zuerst ohne und dann mit leichtem Einfügen von Wachs, und hiernach
nochmals Absatz, Gelenk und Schnitt. Mit dem Aufsetzen des Kantensetzers
schließt die eigentliche Ausputzarbeit. Das Wachs wird mit einem weichen, wolle
nen Lappen verrieben, a.lle a.usgeputzten Teile nochmals mit Schmierwachs oder
81
Creme bestrichen und dann leirht
nachgerieben. Wurden alle Vornrhci.
ten µcinlichst durrhgeführt, muß sieh
jetzL ein einwandfreier Ansputz erge
ben. Das Aufsct1.cu eines Yerziern ngs
räd<'hens ist dann nur noch im Gelenk
und an der Absn.tzkante angebracht,
denn zm·iel Ver-.i:ierung hat zu,icl zu
v-enlccken! (82.l u. 82.2).
82.1 MustergOltig l\bge,ituppter Rahmen
d) Der naturfarbige Ausputz
Für eiuen er$lklassigen �aturausputz
eignet sich nur hestes grubengcgcrbtes
EichenlohJcder. Auch muß der Absat1.
mit gleichmäßig starkem l<'leckledcr
aufgebaut sein, da man bei dieser
Ausputzart jeden Fleck sieht. Schnitt,
Abstuppung, Gelenk und Absatz wor
den na.ch dem Beglasen mit Anilin
farbe, die auf die Farbe des Oberleders
genau abgestimmt sein muß, 1.weimal
82.2 Der Verlauf des vorst�henden Schnittes
bestrichen. Nach dem Einziehen der
Farbe wird Tragant aufgetragen, nun
in üblicher Weise erst ohne und clann
mit farbigem Ausputzwarhs ,.usge
hra.nnt. Nach
dem Verreiben
des Wachses
zeigt sich ein
einheitlicher,
aber auch
82,3 Der nnturfarhige Ausputz
durchsichtiger
Ausputz, der schöner wirkt als der beste Ausputz mit, far
biger Kaltpoliertinte (82.3). Die Sohlen- und Oherfle<'k
fl.ächen werden mit einer :\Iischung von Tragant und Klee
salz oder Zuckersäure abgerieben, wodurch sie glatt werden
und eine einheitliche helle Färbung erhalten. Das Ausar
beiten genauer Kanten iclt beim naturfarbigen Ausputz
beson ders notwendig, da sie einen gut sichtbaren Abschluß
bilden (82.4, 83.1 und 2).
Ein flach ausgearbeiteter Boden ist für einen sicheren Auf
tritt und für ein gutes Tragen notwendig (83.3).
e) Das Ausleisten
Wenn die Leistenkanten bei neuen Leisten vor dem Auf
zwicken mit Glaspapier abgerundet und das Schaftfutter
82
2.4 BodcniinskMdcsna.,urfarblg
ausgoput:r;ten
Bodens
im unteren Teil mit Talkum bestreut
wurden, kann die Arbeit nicht sch,,·er
fa.llen. Sollten sich dennoch Schwierig
keiten zeigen, so helfen einige vorsich
tige Hammerschläge auf das Gelenk,
dicht beim Absatz, nach. Auch ein vor
sichtiges Klopfen gegen die Seiten der
Zierkappe hilft den Leisten lockern.
Durch das Einhängen des Spannrie
mens in oder um den Griff des Leisten
hakens erhöht sich die Zugwirkung
beim Ausleisten. Dabei wird der Schuh
im Schoß festgehalten, die beiden
Hände umklammern die Fersenpartie
{nicht ;i.m Absatz anfassen), Schuh
spitze gegen sich gerichtet. worauf der
Spannriemen mit dem Fuße anirezogen
wird.
Sollte der Leisten noch immer nicht
nachgeben, muß mit den Schlägen auf
das Gelenk unter gleichmäßigem An
ziehen des Spannriemens fortgefahren
werden.
Ka.ch dem Ausleisten entfernt man mit
der Stoßraspel alle Unebenheiten der
Brandsohle und glättet sie hierauf mit
der Glättschiene. Nun kommen die
Deckbrandsohlen oder Klappenstücke
zum Einkleben, wozu nur frischer Wie
ner Kleber verwandt werden soll.
Mit dem Säubern und Ausbüge ln des
Schaftes mit einem mäßig warmen Ab
satzeisen schließt die Bodenarbeit ab.
S3.1 Die Raarkaot.en beim cntklasslgen Boden
83.2 Das fcstanUogonde Gelenk, der vorbil<lllclle Yer·
lauf der Sohlenkante
83.3 Die !loch ausgearbeitete Sohlenfü(che
XII. Das .Kjttverfahren
Dem Kitt,erfahren liegt der Gedanke zugrunde, zur Herstellung und Reparatur
von Schuhen an Stelle von Garn und Nägeln ein chemisches Bindemittel zu be
nutzen.
Auch das Kittverfa.hren erfordert sachgemäße und gewissenhafte Arbeit. Der
Schuhmacher muß deshalb mit dem Wesen und der Technik des KittYerfahrens
voll und ganz vert,ra.ut sein, a.nderenfa.11s bleiben Mißerfolge nicht aus. Die Güte
einwandfrei gearbeiteter, genähter Böden (Rahmenarbeit) wird auch durch das
Kittverfahren angestrebt. Die altbewährte Arbeit des genähten Bodens muß auf
jeden Fall erlernt sein, wenn die Anwendung des Kittverfahrens den gewünschten
Erfolg haben soll.
83
XIII. Hilfsmittel für die Schuhmacherarheit
a) Klebemittel
Zelluloid-Klebestoffe. Aus Zellulose (aus Holzstoffen gewonnen), die mit einem
Gemisch von Salpeter- und Schwefelsäure behandelt zur Kollodiumwolle wird,
entsteht unter weiterer Verwendung von Kampfer und Alkohol Zelluloid. Dieses
trockene Zelluloid mit Lösungsmitt,el (Aceton, Essigsäure) vermischt, ergibt den
flüssigen Zelluloidklebestoff.
Die Zelluloidklebestoffe zeichnen sich in der Vcrarbeitung durch rasches Trocknen,
große Dehnbarkeit und außergewöhnlich hohe Haltbarkeit aus. Weder Feuchtig
keit noch Kälte oder Wärme können die damit hergestellten Verbindungen
trennen.
Je nach dem Verwendungszweck des Klebemittels sind in der Zusammen.setzung
verschiedene Abänderungen notwendig. So ist ein Klebestoff für leichtes Damen
schuhwerk nicht. verwendbar zum Kleben von Hausschuhen aus Kamelhaarstoff
und Filzsohlen. Ebenso ist für stark gefet,tetes Chromleder ein besonders geeigne
ter Klebest,off geschaffen worden. Dieser Kitt eignet sich auch für alle anderen
Leder, da er schnell trocknet und überall da verwendbar ist, wo auf schnelle Ar
beit Wert gelegt wird.
Wiener Kleber ist infolge seiner guten Klebekraft, Dehnbarkeit und Ausgiebigkeit
der geeignetste für den Schäfte- und Bodenbau. Gewonnen wird er aus Weizen,
der im gequollenen Zustande zerquetscht und hierauf ausgewaschen wird,
damit die Bestandteile des Weizens, Stärke und Kleber, voneinander getrennt
werden .
Guter vViener Kleber, dPsscn Vcrhreihmg von Vlicn ausging, worauf auch cli<'
Bezeichnung zurückzuführen ist, hat eine wC'ißgraue, clurchscheinendc :Farbe und
ist dünnblättrig.
Er wird zweckmäßig in <1iucr flachen Porzolla.nschale mit Wasser angeset,zt, da. :,;
nach etwa ½···¾. Stunden abgegossen wird, worauf der Kleber durch kräftiges
Umrührnn m:it, einem Holzstäbchen so lange bewegt· wird, bis er Klebkraft be
kommt. Da.mit der Kleber über Niwht, nieht eintrocknet,, überschüttet man ihn
mit etwas Wasser, d:ts 11m a.nder<'n Morgen wieder abgegossen wird, worauf der
Kleber wieder tüchtig umgerührt werden muß, his er Fäden zieht.
Dextrin-Kleber. Die als Ersat,z für den hochwertigen Wiener Kicher auf dem
Markte befindlichen Kleber (meist fertig in Blechdosen) sind mehr oder weniger
Dextrinklel;>er. Dextrin wirrl u. a. durch Erhitzen von Kartoffelstärke gewonnen
und ist ein im Wasser leicht lösliches, hellgelbes Pulver. Dext,rinkleber ist im trok
kenen Zustande sehr spröde uml ha,t geringe Bindekraft. Mit Dextrin geklebte
Gegenst,ände sind anfangs steif, durch Bewegungen (Schn.ft und Boden) pulveri
siert sich der getrocknete Kleber, wodurch auch die Bindekraft aufgehoben wird.
Als Schuhmacherkleber ist er somit wenig geeignet.
Schwarzes und braunes Pech. Schw,trzcs Pech wird am; H, ür.kstii.nclc'11 clcs Holz
teeres gewonnen. Schwarzpech ist von geringer Bindekraft.
Braunes Pech wird aus Fichtenharz bereitet. Durch Erhitzen wird dem Harz der
Terpentingehalt entzogen, worauf es durch Zufügen von anderen Ölen geschmeidig
84
ZWEITER TEIL
A. Das Mafinehmcn
unter Maßnehmen verstPht nrn11 <hs ('mzr•id111Pn clt>s FuBe,;, \n>durch man <las
Längenmaß, clic Breite und die Fußsohlenform erhält, ferner die Abn:1hme des
Trittspurbilde!'l, welches die Belastungsfläche rlcr Fußsohle deutlich mn,cht, und
das Messen dm; Fußumfa,nges, woclutch tlie WeitP1unnß
, e festgestellt werden.
l. Das Umuichnen des Fufü,s und die AhnahmP der Trittspur
Beide Arbeitsgänge werden gleic·bzeit,ig im,;geführt., Ma,11 bedient sich hierbei ent
weder des ,,'rritt_spurgcrätes" oder der „ Anilinfarbhlätter".
a) Ein Trittspurgerät wird benutzt
Es wird in sitzender Körperhaltung gearbeitet. Unter die mit 8te.mpelfarbe ver
sehene Gummiplatte des Ge1•iit8 wird ein i\Jaßhlatt von rtwa der gleichen Größe
gelegt. �un wird der :Fuß in waage
rechter Haltung hei sPnkrecht.er Bein
stellung auf die Gummiplatte aufgesetzt
(Pernon in sitzender Körperhaltu, ng,
den Fuß leicht belastet), und mit dem
clem Gerät beigefügten Laufrädchen
senkrecht umfahren (86.1).
B<.'im Aufsetzen des Fußes a.uf die Gummi
platt<' ist darauf zu achten, daß die Zehenlage
nicht <lurch zu kur-.te oder zu spitze Strümpfe
beengt wird. Das fort.ige Rchuhwerk könnte
sonst spät�r vom Kunden als zu kurz oder zu
S<'hmal ahgc!C'hnt WC'rdt'n.
S6.l Die Trittspurabnahme
86
Das Fußumrißzeichnen und Trittspur
abnehmen in stehender, also vollbela
steter Körperhaltung führt ebenfalls
zu Fehlergebnissen, weil das hiernach
gebaute Schuhwerk in der Regel zu
weit wird. Auch wenn man den Leisten
schmaler halten würde, als die stehend
genommene Fußumrißzeichnung breit
ist, erhielte man unvollkommene Er-
gemacht wird. Zu diesem Zweck bringt man es in Tongefäßen zum Kochen, was
vorsichtig geschehen muß, da sich hierbei Luftblasen bilden, so daß es leicht über
läuft. Unter dauerndem Umrühren wird dem Harz das Öl zugesetzt, um danach
in kaltes Wasser gegossen zu werden. Hierbei wird die Masse mit den Händen tüch
tig geknetet und gezogen. Je länger dies geschieht, desto besser. wird die Verbin
dung von Harz und Öl und um so besser wird das Pech. Gutes Pech muß imWasser
schwimmen und darf bei der Verarbeitung nicht springen. Das im Wasser zu einem
Strang gezogene Pech wird in kleine, handliche Stücke zerschnitten (Schere) und
zweckmäßig mit Talkum bestreut, in pergamentähnliches Papier gehüllt und
an einem kühlen Ort aufbewahrt. In dieser Aufmachung kommt es auch in den
Handel.
Isolierkitt. Zum "\Vasserdichtmachen von Nähten an Schaft und Böden verwendet
man Isolierkitt. Er wird auf die Nähte mit einem weichen Borstenpinsel mehr
mals aufgetragen und schließt nach dem Trocknen die Nahtlöcher vollkommen ab.
b) Kork
Für Ausgleichsebenen im Schuhwe.rk wird Kork verarbeitet, Gewonnen wird er
von der Korkeiche, die vorzugsweise in Algerien, Spanien und Portugal vor
kommt. Die Korkgewinnung beginnt im allgemeinen an 15jährigen Bäumen.
Von diesem Alter ab können sie in Zeit
räumen von acht bis zehn Jahren
100···150 Jahre lang geschält werden.
Die abgeschälten Korkschichten wer
den zu Stößen übereinandergelegt, mit
Steinen beschwert und getrocknet, wor
auf die· äußere und die innere Schicht
entfernt werden kann. In großen Kes
seln setzt man den Kork etwa 5 l\liinu
ten siedendem Wasser aus, wodurch
seine Güte verbessert wird. Klima, Alter
der Korkeiche und die Zubereitung be
stimmen die Güte des Korkes, der in
ganzen Stücken oder in Form von ge
schliffenen Platten in den Handel
85,1 Das Schälen der Korkeiche
kommt.
Kunstkorkplatten (Elastra-Korkplatren) übertreffen den Naturkork bedeutend
an Güte. Sie lassen sich einfacher verarbeiten und sind dauerhaft,er. Es wird
Korkschrot aus besonders elastischem Korkholz neben anderen Stoffen mit
Bindemitteln, wie z. B. Kautschukmilch, in geeignetem Verhältnis gemischt.
Die Massen machen dann ein Reifeverfahren durch und kommen nach einiigen wei
teren Arbeitsgängen in Plattenform zum Vertrieb. Elastra-Korkplatten werden
hauptsächlich in der Orthopädie-Schuhmacherei zur Herstellung von Ausgleichs
ebenen und elastischen Einlagen verwendet. Leichter, aber nicht so druckfest
und dauerhaft wie Elastra-Kork ist Flexokork, ebenfalls in Plattenform ver
schiedener Stärken im Handel.
85
gebnisse, die zu Beanstandungen führen. Jeder Fuß hat seine besondere Eigen
art; er muß durch das Schuhwerk mehr oder weniger zusammengehalten werden.
Der vollbelastete schwache Fuß liefert als Umrißzeichnung eine krankhafte Fuß
form, die dem Schuhmacher niemals als Unterlage für den Leistenbau dienen
kann. Nur das Längenmaß ist vom vollbelasteten Fuß für die Leistenarbeit zu
verwenden.
Eine Gegenüberstellung richtig und falsch ab
genommener Fußumrißzeichnungen (87.l ).
Zeichnung a wurde von einem jugendlichen
Knick-Senk-Spreizfuß in stehender, also
voller Fußbelastung genommen, Zeichnung
b in sitzender, leichter Belastung. Zeich
nung c zeigt die Unterschiede.
Die äußere gestrichelte Linie stellt die
Fußlänge und Breite des krankhaft ver
formten Fußes dar. Die größere Länge
c)
b)
und Breite, durch das schwarze Feld
u)
ung
ac
111.1 Richtige unu falsche Fußzeichnuni::c,,
gekennzeichnet, istdurchdieVerfi h
des Fußgewölbes in stehender Stellung
zu erklären. Der Pfeil weist auf die Gefahrenstelle des Knick-Senkfußes hin.
Hiernach gebautes Schuhwerk fällt zu breit a,us; das Fußleiden verschlimmert
sich also trotz Tragens von Maßschuhen.
Bei Verwendung der Fußzeichnung b, bei der der Fuß die sogenannte „Konek
turstellung" einnahm, kann der Leisten bei fachgemäßer Erarbeitung nicht zu
breit ausfallen, und der bänderschwache Fuß bekommt seitlichen Halt, a.ußerdem
bei sonst richtiger Leistenformung und Bodenarbeit Stütze von unten her.
h) Farbblätter werden verwendet
Das Arbeitsverfahren verändert sich nichL Die den Farbblättern beigefügten Papp
tafeln werden mit Wasser leicht durchtränkt. 11an läßt sie etwas anziehen und
nach dem Auflegen des Farbblattes, das für jeden Fuß erneuert werden muß, vom
Fuß wie bei Benut,zung des Trittspurgerätes belasten. Die Feuchtigkeit des Kartons
löst die Farbe des aufgelegten Anilinblattes und überträgt sie je nach deT Druck
stärke, die auf den gesunden oder kranken Belastungsstellen der Fußsohle ruht,
mehr oder weniger stark aufdie Papptafel. So ent, steht die 'frittspur, die die Eigen
art der Fußbelastung wiedergibt.
Die Unterschiede der I<'üße erfordeni, <laß von beiden Füßen die Umrißzeichnung und Tritt
spur abgenommen wird, und jeder Leisten muß danach gearbeitet werden. Nux bei der end
gültigen Formgebung richtet man den einen Leisten nach d0m anderen, soweit dies ohne
Beeinträchtigung der Paßform möglich ist.
Anilin-Farbblätter kann roan auch selbst berst()llcn. Man schneidet zweckmäßig aus hell
farbigem Schreibpapic-r l3X 35 cm große Stücke, die auf der einen Seite mit einer Lösung
von etwa 10 Gramm violettem, wasserlöslichen Anilin und 1,'4 Liter \Vasscr bestrichen werden.
Nach dem Trocknen erfolgt ein zweiter Anstrich. Dann sind die Blätter gebrauchsfertig. Als
Unterlage dient weißer Karton.
87
II. Das Abnehmen der Weitenma&e
Die abgenommenen Weitenmaße wer,len in einer Zeichnung vermerkt. Fußumriß
zeichnung und Trittspurbild genügen noch nicht als Unterlagen für den Leisten
bau. Von der genauen .Abnahme
der Weiten- oder Umfangmaße des
Fußes ist das gute Passen des an
zufertigenden Maßschuhes sehr ab
hängig.
Höcker des
5. Mittelfufiknochens
88.l l!'ußweltenmaßc
l Großzehenballenrnnß
4 Fersenmaß
2 Kleinzehenballenmaß
5 Knöchel- oder Beinlllaß
3 Reihen- oder Spannmaß 6 Scha!t-liöhenrnaß
Von den Fußweiten.maßen wird
entsprechend der herzustellenden
Schiihart am Leisten „abge
brochen", d. h., der Leisten wird
an den Stellen, wo der Fuß Halt
benötigt und auch Halt vei·tragen
kann, schwächer gearbeitet, als das
Fußmaß angibt. Um wieviel das
:Niaß schwächer �halten werden
ka.nn, entscheidet auch vor allem
die jeweilige Beschaffenheit des
Fußes, was beim Maßnehmen
sofort festgestellt werden muß.
Die abgenommenen Maße vermerkt
man zweckmäßig an den Stellen der
Fußzeichnung, wo sie :auch am
Fuße genommen wurden.
Das erste abzunehmende Maß ist das „Großzehenballenmaß". Es führt über den
Großzehenballen und über die kleine Zehe (88.1). Beim Abnehmen der Vorfuß
weitenmaße soll der Fuß ebenfalls leicht auftreten (Person sitzend). Das Maßband
wird ohne besondere Anspannung um den Fuß . herumgelegt, es soll also
nur gut anliegen. Das so
ermittelte Ballenmaß gibt
dem Vorfuß bei ordnungs
gemäßer Übertragung f!.uf
den Leisten die passende
Vorfußweite, d. h. Groß
zehenballen und kleine Zehe
haben genügend Raum, um
ihre Aufgaben beiBelastung
erfüllen zu können (88.2).
Das zweite Vorfußmaß geht
ül1er den KJeinzehenballen
und hinter den Großzehen
ballen. Es wird zweckmäßig
88,2 Das Abnehmen der iVeltenmnße
88
als „Kleinzehenballenmaß" bezeichnet. Von diesem Maß bricht
man für den Leisten durchschnittlich P/2 Stich ab, denn hier
benötigt der Fuß (besonders der Spreizfuß) genügend seitlichen
Halt, auch damit eine weitere Spreizung der Mittelfußknochen
nach außen vermieden und der Ballendruck gegen das Oher
leder verringert wird.
Da aber nicht jeder Fuß gleichmäßig viel Abbruch vertragen
kann, hilft man sieb zweckmäßig durch entsprechendes An
spannen des Maßbandes, bis sich ein Widerstand bemerkbt�r
macht, und vermerkt neben dem erst,genommcnen Klcinzehen
ballen.maß das durch Anspannen erhaltene Leisten.maß (89.1).
Aufdiese Art ist mo.n vor Schaden bewahrt, denn es gibt I<'iUle, wo mehrere
Stiche abgebrochen werden könne n (fleiachigo, fette, lockere l!'üße), und
solche, wo kaum ein Stich Abbruch Vt'rtrag<'•t wird (knochige, sehnige und
atärkcr ausgeprägte Hohlfüße).
Das dritte Maß ist das „Reihenmaß" oder „Spannmaß", das
!'19.l TrltlSf)UJ' mit cln
gdragencn \\'�i
tt1nrnaßen
vor dem Höcker des fünften Mittelfußknochens über den Reihen oder den Spann
führt. Der Höcker ist bei den meisten Füßen sichtbar und fühlbar ausgeprägt
und an der Fußumrißzeichnung durch eine Ausbuchtung am äußeren Gelenk
erkennbar (s. auch Bild 87.1 u. 89.1, Pfeile). Wie beim vorhergehenden, bricht
man auch an dieRem Maß für den Leistenbau entsprechend dem "Ergebnis durch
das Anziehen des .Maßbandes ab.
.Beide :;}fuße müssen nebeneinander vermerkt werden, <las Leistenmaß am besten cingt'•
�ammert, denn so hat man stets eine genaue Kontrolle, wieviel vom eigentlichen F11ßmaß
abgebrochen wurde.
Nun wird das „Fersenmaß" o!lcr „Backenmaß" abgenommen. Dazu wird die :Ferse
um die vorgesehene Höhe des Absatzes angehoben. Der Vorfuß bleibt da.bei
leicht aufgetreten. Das Maßband wird um den hinteren unteren Fersenrand ge
führt und geht zur Fußbeuge. Es liegt auch hier am. Fuße fest an, ohne ange
spannt zu werden. Von dem ermittelten Maße bricht· man nichts ab, denn der
l!'uß benötigt in diesem Teile des Stiefels genügend Bewegungsmöglichkeit. Bei
Halbschuhleisten ist dasAbbrechen von durchschnittlich einem Stich zu empfehlen.
Bei hochgestellter Ferse kann sich das Fersenmaß in einzelnen Fiillen bis zu zwei Stich
gegenüber dem Maß bei aufstehender Ferse verringern. Wenn bei aufstehender Ferse ge
messen wurde, kann der Stiefel oder Halbschuh im Fersenteil viel zu weit werden.
Für Stiefel benötigt man weiterhin das „Knöchel- oder Beinmaß". Es wird an
der dünnsten Stelle des Beines genommen, oberhalb des Schien- oder Waden
beinknöchels, etwa in halber Höhe der Fußlänge, seitlich außen gemessen. Für
die Schaftweite (Schaftmuster) bricht man von diesem Maße durchschnittlich
einen Stich ab, jedoch nur dann, wenn es bei der Abnahme nicht angespannt wurde.
Bei dünnem Schaftstoff bricht man von den gesamten Fußweiten für den Leisten
bau zusätzlich noch etwas ab, bei stärkerem Leder weniger, da es aufträgt und
nicht so zügig ist. Leisten zur Herstellung von schwerem Schuhwerk benöt-igen
umgekehrt eine Zugabe bei allen Maßen; sie muß beim Kleinzehenballenma.ß und
H.eihenmaß zu den angespannt genommenen Maßen gegeben werden.
89
B. Vom gesunden und kranken Fufi
Die dem Schuhmacher in Auftrag gegebene :Maßarbeit ist heute vorzugsweise
für Menschen bestimmt, die durch eine Fußkrankheit in ihrer Leistungsfähigkeit.
gehemmt sind. Diese Aufgabe kann aber ohne Kenntnis vom Bau des menschlichen
Fußes und seinen Jn-ankhaften Veränderungen nicht übernommen werden.
Die Lehens- 1uid Beschäftigungsart besonders der Städter ist grundverschieden von
der unserer Vorfahren. Das Wechselspiel der Muskeln, das den Körper gesund er
hält, ist bei unserer heutigen Lebens- und Arbeitsweise oft ungenügend. Anderer
seits gewinnen aber die Muskeln durch häufige Arbeit an Stärke, und je mehr a.lle
Muskeln des Körpers zu gewöhnlichen täglichen Leistungen mit Erholungspausen
herangezogen werden, desto gesünder, ebenmäßiger und kräftiger entwickelt sich
der Körper. Meist haben sich unsere Füße zu Formen entwickelt, ilie i�lles andere
als die Bezeichnung „gesund", ,,ebenmäßig" und „kräftig" verdienen. An dieser
Entwicklung trägt der Mißbrauch unserer Füße die Hauptschuld.
Der Bau <les menschlichen Fußes und seine Muskelanordnung sind zum Gehen
auf dem Erdboden eingerichtet, doch wirkt sich die ebene und harte Beschaffenheit
des Bodens der Straßen, del· Wohnung, der Arbeitsstätte und nicht zuletzt des
Schuh,�rerkes zermürbend auf den Fuß aus. Menschen mit vorzugsweise stehender
Berufstätigkeit sind nun doppelt der Gefahr einer Fußerkrankung ausgesetzt, weil
das ständige Stehen noch schädlicher ist, als das fußschwächt:mde Gehen auf
flachem und hartem Boden.
Landbewohner sind Fußerkrankungen weniger ausgeset,zt, weil si.e mit dem glatten
Asphalt- und Steiupß.asterboden weniger in Berührung kommen als die Städter.
Ihre Fuß- und Beinmuskeln, aber auch die übrigen Üi-gane, können sich auf dem
ungleichmäßigen Boden der Mutter Erde bei ihren täglichen Leistungen kräftigen.
Die Vielgestaltigkeit der ]'uß- und Beinbewegungen sorgt, für eine gut,e Durch
blutung.
Für gesunde oder normale Füße fertigt der Schuhmacher nur noch selten Miaßschuhe
an. Den weitaus größten Anteil an der Verdrängung des M�1ßschuhes hatte die Ent
wicklung der Technik, wodurch es möglich wurde, Schuhwerk in großen Mengen
schneller, billiger und vielgestaltiger anzufertigen. 1\1.Iit der Verdrängung der reinen
Handwerksarbeit durch die Maschine bekam auch der Begriff „l\fode" eine andere
Bedeutung. Der im Verhältnis zu anderen Gebrauchsgegenständen des täglichen
Lebens immerhin teure, aber sehr haltbare Maßschuh konnte nicht so oft ge
wechselt werden. Darum änderte sich die Mode früher auch viel langsamer.
Dies wurde aber mit der Einfühiung des in großen Mengen hergestellten und
billigeren Schuhwerks anders. Die hierzu verwandten Werkstoffe waren aber auch
allgemein von geringerer Güte, es entstanden Nachahmungen aller bis dahin vom
Schubmacherhandwerk verarbeiteten Ober- und Unterleder und Stoffe,, wodurch
jedoch die Tragdauer derartigen Schuhwerks bedeutend herabgesetzt wurde.
90
Scholl
Von jetzt aber vollzog sich ein schnellerer ·wechsel, bald
,vurde diese, bald jene neu in Erscheinung getretene Schuh
form als Ersatz für das verbrauchte oder unansehnlich ge
wordene alte Schuhpaar gewählt. Der Wettbewerb zwang
die Schuhfabriken untereinander sehr bald, nach immer
neuen Mustern, Schnittarten, Farben, Farbenzusammenstel
lungen zu suchen, die Preise durch noch bessere Arbeitsverfahren, größere Einkäufe usw. weiter herabzusetzen,
damit ein noch größerer Absatz erzielt werden konnte.
Aus der Mode wurde ein Schnellauf um den größten Absatz,
und nur teuere Markenschuhe haben heute noch einen Teil
{
� der Eigenschaften, die ein wirklich guter Maßschuh hat. Um
[ so mehr hat der Schuhmacher, der Maß-Schuhwerk in Auf
i- trag nimmt, die Pflicht, sich die Kenntnisse anzu eignen, die
zur ordnungsmäßigen und besten Durchführung allerArbeiten
vorausgesetzt werden müssen.
;\ ln
•·
Vertiefung filr
den oberen Teif
der Kniescheibe
\.-- Ob,rschenhe/knorren
I. Der gesunde Fun
a) Das Skelett
Wadenbein
Das fest e Gerüst des menschlichen
Körpers nennt man Skelett; es besteht
aus Knochen, Knorpeln und Bändern.
l
i
,\
1
Zwi,chenknochenbona -4Wl,1!11,I
-
- -Schienbein
Äußerer oder
Innerer oder
Schienbcin
�nuchcl --f:ft
,j-11,11
b}
91.1 Fuß- und Beinskelett
Knöchelgobet
1. Das Bein- und Fußskelett
Das Beinskelett wird aus dem Ober
und Unterschenkelskelett gebildet.
Das Oberschenkelskelett besteht aus nur
einem Knochen, dem „Oberschenkel
bein". Das ist ein Röhrenknochen (so
genannt, weil er hohl ist), sehr stark,
hart und fest wie alle- Röhrenknochen
des Skeletts. Das Oberschenkelbein ist
der mächtigste Knochen des ganzen
Körpers. Am oberenTeil, auf der inneren
Seite, befindet sich der mit einem Hals
versehene „Gelenkkopf", der in die
„Ffanne" des Hüftbeins paßt und so
das „Hüftgelenk", ein Kugelgelenk,
bildet. Der mittlere Teil trägt die Be
zeichnung „Schaft" und der untere ver
breiterte Teil „Oberschenkelknorren".
In einer Vertiefung daran findet ein
Teil der Kniescheibe Aufnahme (91.la).
91
und zwar
aus dem Hauptknochen, dem „Schienbein", dem „Wadenbein" und der „Knie
scheibe". Schien- und Wadenbein sind ebenfalls Röhrenknochen, die durch Bänder
und Gelenke fest miteinander verbunden sind. Das auf der Innenseite liegende
Schienbein hat einen di-eieckigen Querschnitt und ist bedeutend stärker als das
außen liegende schlanke Wadenbein, das den Muskeln als Stütze dient.
Das Uotel'schenkelskelett setzt sich aus mehreren Knochen zusammen,
f,;-- '- Oberschenhelbein
l
Kniescheib•
BeriJhrungslläch•
des
, Oberschenkel·
knochens
lcnochenl
Pfanne
.
·"/
- Schienbein
- J
92.l Dns Kniegelenk in Beugestellung
Das obere, verbreiterte Ende des Schien
beines bildet zwei Mulden (,,Pfannen"),
die sich mit den Berührungsflächen des
Oberschenkelknochens decken (92.1).
Oberschenkelknochen, oberes Schien
beinende una" Kniescheibe bilden zu
sammen das Kniegelenk. Das untere
erweiterte Ende des Schienbeins bildet
den inneren Knöchel, den „Schienbein
knöchel", und das untere Ende des
Wadenbeines den äußerenKnöchel, auch
Wadenbeinknöchel genannt (91.lb) .
Obgleich Schien- und Wadenbein von
gleicher Länge sind, liegt der äußere
Knöchel tiefer als der Schienbein
knöchel , was durch die tiefere Anord
nung des Wadenbeines bedingt ist.
Dies ist bei der Herstellung von Halbschul1en
besonders zu beachten. Damit die äußere
Schaftkante nicht am Wadenbeinknöc:hel
reibt und auch ein guter „Knöchelschluß"
zustande kommt, muß die äußere Schaftkante
genügend tief'verlaufon.
Form und Anordnung des Schien- und "\Vadenbeinknöchels bilden die „Knöchel
gabel" zur Einfügung des Fußskeletts (91.la.). Schien- und Wadenbein sind durch
das „Zwischenknochenband" fest miteinander verbunden (91.lb) .
Das Fußskelett ist äußerlich mit einem Gewölhebau zu vergleichen. Es wird gebil
det von 26 Knochen zuzüglich der zwei unter dem Mittelfußköpfchen angeordneten
Sesambeine. Sie werden in drei Gruppen gegliedert : a) Fußwurzelknochen, b) Mit
telfußknochen und c) Zehenknochen (93.1 ···4).
Zu a) Zur Fußwurzel gehören sieben Knochen:
1. das Fersenbein, ein mächtiger Fußknochen
2. das Spnmgbein, der oberste, in der Knöchel
gabel angeordnete Knochen
3. das Kahn- oder Schiffbein
92
4.
5.
6.
7.
das erste
das zweite 1 Keilbein
das di-itte
das Würfelbein
Zehenhnochen
Hil//eres - ��••·
Zeheng/ied
Zehengrundglied-+-4,11.
Zehenhnochen
Nagelgl1ed
der Großu.>e
Großzehengrundglitd
2 Sesambeine
Großzehen
Grundgelenh
Kleinzehen
Grundg•lenh
Knochen 1 - 5
Hillelluß-
Drilles Keilbei
Kahnbein
Würfelbein
Sprungbein
Fersenbein
93.2 Skelett von oben
93.1 Skelett von unten
Zu b) Der Mittelfuß wird von
fünf Mittelfußknochen ge
bildet:
1. Erster oder Großzehenmittelfußknochen
2. zweiter lVIittelfußknochen
3. dritter l\fittelfußknochen
4. vierter Mittelfußknochen
5. füntter oder Kleinzehenroittelfußlrnochen.
Sprungbein
Xohnbtir,
Gro8zthM-Crundg�fenlf
FuJwurul
93.3 Skclcttinnenscite
Die unteren verdickten Enden der
Mittelfußknochen heißen „1\fütel
fußköpfoben".
Zu c) Zur Zehengruppe ge
hören 14 Zehenknochen.
Die Großzehe hat zwei und die
übrigen Zehen drei Zehenglie
der. Die a n die lVIittelfußköpf
chen stoßenden Zehenglieder
werden als „Zehengrundglie
der" bezeichnet, die nächst-
93.4 Skelettaußenseit,e
93
fulg<'nden als „miLLlcre Zehengliccler'. und. die vorderen als ,.:Xagclglie<ler".
Unter dem Köpfchen des Großzehemnittelfußkuochens hcfinclcn sich z,1·ei Sesam
hcine. .An ilmen setzen �ich Muskeln des Großzchenballc115 an. Sie clü-ncu dem
Großzchcnballen gleichzeitig als „Rolle'-.
Das Fußskelett hat einen inneren und eiucn äußeren Gewölbebogen. Der äußci·e
wird �chil<let Yon dem l<'crscnhcin-\\'iirfelhein 11n1l <km fünften Mit.telfußknoc·hcn;
Außerer Gewölbebogen
Innerer Gtwolbebogon
9�. I a und b G,•wüll>cbogen dl'S J."ull•kcletls
<las innereLängsgewölbe vom schräg nach oben stehenden Fersenbein, dem ihm aufliegenden Sprungbein, dem Kahnbein, dem er
sten Keilbein und dem ersten :i\Iittelfußknochen (94.la u. b).
r
Diedrei tief,;ten Punkte des normalen Fußskeletts sind das Fersen
bein, der Großzehenballen und der Kleinzehenba.llen (94.2). Die /
fünf l\Iittelfußlrnochen bilden unterei.t1u.nder
t
'f
(wenn der Fuß nicht belastet ist) vome bei
<len Köpfchen einen Querbogen. :Bei der Be
lastung des Fußes verflacht er sich, so daß nun
jedes l\fittelfußköpfchen ebenfalls zu einem
Stützpunkt wird (94.2).
Ouer•
bogen
2. Die Gelenke
Gelenke verbinden die für die Bewegung be
stimmten Knochen miteinander, und Bänder
halten sie zusa,mmen . Die GelenJ-enden
sincl mit eitler Knorpelschicht über
zogen, damit sich die Gelenkereibungs
los bewegen können. Gleichzeitig dient
dieKnorpelschicht auch als nachgiebige
Pufferschieht.
Umschlossen wird da.s ganze Gelenk
von einer aus beiden Knochenenden
herauswachsenden Gelen,kkaspel (94.3).
Auf der Innenseitehat sieeine Sehleim94
-��
c
a
94.2 Die drei Haup�stützpunkt e des Fuß•
sk�letts
G1/onkonde
Gelenkkap�•I
GtltnHapsel
94.3 Das Gelenk
Ge/tnkhöhle
haut zur Absonderung der Gelenkschmiere, die als schlei martige Flüssigkeit die
Gelenkhöhle ausfüllt.
Hüftgelenk und Kniegelenk sind die stärksten und festesten Gelenke des mensch
lichen Körpers.
Entsprechend den mit einem Gelenk zu vollziehenden Bewegungen unterscheidet
man das „freie Gelenk", ,,straffe Gelenk", ,,Sattelgelenk", ,,Scharnier- oder Win
kelgelenk" und „Drehgelenk". Die Bewegungsarten kommen durch die verschie
denen Bezeichnungen zum Ausdruck. Das Kniegelenk ist ein einfaches Schar
niergelenk, in gebeugter Stellung aber auch ein Drehgelenk, da mit dem Knie in
der Beugestellung eine „Nachinnendrehung" ausgeführt werden kann. Die Haupt
bewegungen, die im Kniegelenk ausgeführt werden können, sind Beugen und
St.recken des Unterschenkels.
Die Hauptbewegungen des Fußes gehen im Sprunggelenk vor sich. Hierbei unter
scheidet man die Bewegungen im „oberen Sprunggelenk", gebildet von der Knö
chelgabel (91.lb)
und dem oberen
Schiet>bein __
_
Teil des Sprungbeines mit der
sogenannten
Sprungbein
Sprungbein-, Fer�enbein•
,,Rolle" (91.la).
Kahnbein-Gelen/rflächen
Dieses Gelenk
gestattet nur ein
Kahnbein
2. Keilbein
Fußheben und
1. Keilbein
-senken. Die seitliehen Fußbewegungen vollzie- Großzehen Hillelfußkncchen
hen sich im un'-"
chen und
teren
Sprung- Köpf
Gol.nklläche
gelenk an den des GroßzehenBerührungsflä- millelfußknochens
Plonnenbond
2 s,sambeine
eben des Sprung
beines mit dem 95.1 Fußwurzelgelenke
Fersenbein (hinterer Abschnitt) und den Berührungsflächen des Sprungbeines mit dem Fersen
bein und Kahnbein (vorderer Abschnitt) (95.1).
Die übrigen Fußwurzelknochen sind untereinander durch straffe Gelenke ver
bunden ; ebenso wie der Fußwurzelknochen mit dem l\'Iittelfuß.
Die Verbindung von Mittelfuß mit den Zehengrundgliedern (Berührungsstelle der
Yrittelfußköpfchen mit den ersten Zehengliedem) wird durch Kugelgelenke vermittelt, die von straffen Kapseln umschlossen sind.
Die übrigen Zehenglieder haben Scharniergelenke, durch die Beugen und Strek
ken der beiden Zehenglieder möglich ist.
3. Bänder
Bänder dienen den Gelenkkapseln a1s Verstärkung und halten die Knochen zu
sammen. Sie bestehen aus einem fasrigen Bindegewebe und haben eine große Zug
festigkeit. Das Skelett würde ohne Bänder keinen Zusammenhalt haben
95
.,I
.
Zwischenknochenband
€,
,..
Wadonbom
Knöchelbiinder
Fußrücken•
bönder
96.1 Fußwurzelbändor
und müßte auseinanderfallen. Die
kräftigsten Bänder des Fußes sind
die Gabelbänder zwischen Schien- und
Wadenbein (Verbindung der Knöchel
gabel), dann die Knöchelbänder, die
den Zusammenhalt des Schien- und
Wadenbeines mit den Fußwurzelkno
chen bewirken (96.1).
Von besonderer Bedeutung für die
Ifußgesundheit ist das „Untere Fersenbein-Kahnbein-Band". Es verbin
det das Fersenbein mit dem Kahnbein.
Beide Knoclien stoßen aber nicht, zu
sammen, sondern sind durch eine
Lücke voneinander getrennt, die das
Band überbrücken muß. In dieser
Lücke ruht ein Teil des Sprungbein
kopfes, es wird von unten her durch
das vorerwähnte, mit einer Knorpel
einlage versehene wichtige Band
(auch „Pfannenband" genannt) ge
stützt (95.1). Es hat die Aufgabe, das
Sprungbein vor dem Abwä.rtssinken
an dieser offenen und somit gefährdeten Stelle zu schützen.
Eine Schwächung der Bänder bedeutet
stets eine Gefahr fü,.- <lie Fuß- und
Köi:pergesundheit. Die Gelenk.fläche
9G.2 Skelett des gesunden l'ußcs
9G.3 Skelett des Plattfußes
96
des Fersenbeines für das Sprung
bein hat eine etwas schräg nach vorn
und innen verlaufende Form (mit
einer nach vom und innen abschüssig
verlaufenden Ebene zu vergleichen)
(95.1). Das belastete Sprungbein
rutscht auf dieser schl'ägen. Gelenlcfläche nach innen vorn ab. Hierdurch
entsteht eine Mehrbelastung der Bän
der und Muskeln, was auf die Dauer
das gesamte Gehwerk schwächen muß.
Das Sprungbein zwängt sich immer
mehr zwischen Fersenbein und Kahn
bein (96.2 u. 96.3, Pfeil), wodurch es
zu einer Nachaußendrehung des Fer
senbeines (Knickfußstellung der Ferse,
Bild 97.1) und des Vorfußes kommt.
So entwickelt sich aus dem Knickfuß
der Senkfuß (meist verbunden mit
dem Spreizfuß) und hieraus schließlich der Plattfuß, ,1·ie er
sich oft mit Zehenentartungen in den verschiedensten Ab
stufungen und Formen zeigt.
Aueb die übrigen Bänder von Fuß und Bein haben mebr oder weniger
starke Belastungen auszuhalten, und dies ganz besonders bei ein
seitiger stehender Berufstätigkeit, wie es z.B.bei Schlossern, Bäckern,
Schreinern, Friseuren, Ärzten, Krankenpflegern der Fall ist.
b) Die Muskeln
Muskeln sind aus Muskelfasern zusammengesetzte Bündel,
welche sich zu Muskelschläuchen vereinen. Sie sind reichlich
von Blutgefäßen durchdrungen und mit Nerven verselien.
Die Enden eines Muskels gehen in Sehnenfasern über, die
sich schließlich zu einer Sehne zusammenschließen. An ihrem
Ende spaltet sich die Sehne wieder in Sehnenfasern auf,
welche eine innige Verbindung mit dem Knochen (Ansatz
stelle) eingehen.
Die Muskeln vollführen die Bewegungen. Zu jedem Muskel
gehen Bewegungsnerven. Sie verteilen sich zu sehr feinen
]'ädchen. Jedes Fädchen läuft in eine Nervenendplatte aus
und stellt hier eine Verbindung mit einer Muskelfaser her.
Durch einen Nervenreiz wird in der Muskelfaser eine Zu
sammenziehung bewirkt.
9r.1 links: cerade Fuß- u.
Beinstellung bzw.Achse
rechts: Knickuog der Ferse
nach außen und Nach
außeodrellung d.Vorfußes
Durch Verletzung oder Erkrankung kann es vorkommen, daß der zuführende Nerv an irgend
einer Stelle unterbrochen wird. Dann kann sich der zu diesem Nerv gehörige Muskel nicht
mehr willkürlich zusammenziehen. Man spricht von einer l\1uskellähmung.
Auf einen Nervenbefehl hin kann sich ein Muskel zwar zusammenziehen,, nie aber
selbständig wieder ausdehnen. Beim Zusammenziehen verkürzt sich der Muskel
und wird dicker. Das Strecken eines Muskels bewirkt·. jeweils ein Gegenmuskel.
So gibt es daher
Beuger - Strecker
Heber - Senker
Anzieher - Abzieher
Einwärtsdreher - Answärtsdreher usw.
Besonders wichtig ist das Kennenlernen der wesentlichsten Unterschenl.{el- und
Fußmuskeln und ihrer Wirkungsweise.
Muskeln und Sehnen am Untefschenkel und Fuß
A. Vordere }1nskeln des Unterschenkels (dorsale Muskeln, rückwärts, hinten)
1.Vorderer Schienbeinmuskcl (musculus tibialis anterior) Bild 98.1 (12)
Wirkung bei Spielbein: Dorsalflexion = Heben der Fußspitze
Wirkung bei Standbein: Unterschenkel wird an den Fußrücken herangezogen. Bei
Lähmung der Gegenspieler entsteht ein Spitzfuß.
Ursprung: Von der oberen Hälfte der äußeren Schicnbeinfläche ·und. der angrenzenden
Zwischenknochenhaut
Ansatz : Am ersten Keilbein - und vor allem am ersten Mittelfußknochen
97
2.Langer Zehenstrecker (musculus extensor digitorum longus) Bild 98.l (8)
Wirkung bei Spielbein: Dorsalflexion = Heben des ganzen l!'ußes
\Virkung bei Standbein : Unterschenkel wird an Fußrücken herangezogen
3.Langer Großzehenstrecker (musculus extensor hallucis long1.1s) Bild 99.1 (10)
Wirkung bei Spielbein: Strecken der Großzehe und Heben des Fußes
Wirkung bei Standbein : Unterschenkel wird an Fußrücken herangezogen
Ursprung, Verlauf und Ansatz: Langer Zehenstrecker und Langer Großzehenstrecker
entspringen abgestuft von der Vorderfläche dl:ls Wadenbeines und vom Zwischenlu1ochen
band, der eine auch noch vom äußeren Knochen des Schienbeins. Die Sehnen werden
unter dem queren Band und durch Leitkanäle (Sehnenscheiden) unter dem Kreuzband
des Unterschenkels hindurch über den Fußrücken zu den Zehen geführt, deren End
glieder sie erreichen.
B. Seitliche (laterale) Muskeln des Unterschenkels (dorsale Muskeln, rückwärts,
hinten)
1. Langer Wadenbeinmuskel (musculus peronaeus longus) Bilder 98.l (6) und 99.1 (12)
Wirkung bei Spielbein: Sen
kel} des Fußes (Pla.ntarflexion)
bei gleichzeitiger Drehbewe
gung des Fußes, Hebung des
äußeren und Senkung des
inneren Fußrandes,(Auswärts
kant1.1I1g) und Abdu1.-tion, Be
wegung des :Fußes .von der
Körpermitte nach außen
Zu 98.l
1 Wadenheinköpfche11
2 Zwillingswadenmuskel
3 Schollenmuskel
9S.l Fuß- und lleirunuskelu')
•) Nach Frohses Anatomischen Wandtafeln
98
4 Sohlenspanner
5 Sehne des Solllenspanocrs
6 Langer Wadenbeinmuskel
7 KurzerWadenbe.inmuskel
8 Lanp:er Zehenstrecker
9 Dritter Wadenbeinmuskel
10 Langer Großzehenbeugcr
11 Achillessehne
12 vorderer Schlenbeinmnsk�I
13 Queres Unterschenlrnlband
l4 Kreuzband des Unterschenkels
und Fnßes
15 Oberes Halteband der Waden
belnmuskel
16 Unteres Halteband der Wadenbeinmuskel
17 Fersenbeln
18 Kurzer Zehenstrecker
19 u. 20 Kleinzehenab,ziebcr
21 Kleillzehengegensteller
22 Langer Zehenbeuger
23
des hinteren Schienbein
. Sehne
muskels
Wirkung bei Standbein: Andrücken des Fußes auf Boden. Bei Lähmung des Muskels
entsteht ein Spitzklumpfuß
Ursprung, Verlauf und Ansatz: vom oberen, seitlichen Teil des Wadenbeins (Fibula)
und verläuft unter dem äußeren Knöchel zum äußeren Fußrand. Hier biegt er hinter
der Rauhigkeit des 5. Mittelfußknochens in eine Furche des Würfelbeins ein und läuft
quer zur Fußsohle bis zum Keilbein 1 und 1. Mittelfußknochen, wo er gegenüber dem
vorderen Schienbeinmuskel ansetz-t. Zu�ammen mit dem vorderen Schienbeinmuskel
bildet er eine Art Steigbügel (100.1 b), worin das Fußgewölbe gesichert ruht, und der das
Abweichen des stark belasteten 1. Mittelfußknochens nach der Seite verhindern soll.
2. Kurzer Wadenbeinmuskel (musculus peronaeus brevis) Bild 98.1 (7)
Wirkung bei Spielbein: Plantarflexion = Senken der Fußspitze, Pronation = Drehbe
wegung des Fußes bei gleichzeitiger Hebung d�s äußeren und Senkung des inneren Fuß
randes (Auswärtskantung) und Abduktion = Bewegung des Fußes von der Körper
mitte nach außen. Bei Lähmung der Gegenspieler zieht der Muskel den Fuß in Platt
knickfußstellung.
Ursprung, Ansatz: An der Hinterfläche des Wadenbeins (Fibula), oberer Teil. Rauhig
keit des 5. Mittelfußknochens
C. Tiefe Mus k e l n d e r
Hinterseite d e s U n
t e r s c he n k e ls
1. Hinterer
Schienbeinmuskel (musculus tibia
lis posterior) Bilder 99.1
(6) und 98.l (23)
Wirkung bei Spielbein:
Supination = Drehbe
wegung des Fußes bei
gleichzeitiger Hebung
des inneren Fußrandes,
die Fußsohlen werden
Zu 99.1
1 Dreiköpflger Wadenmuskel
(Zwillingswadenmuskel Schollenmuskel)
2 Sehne des Sohlenspanners
3 Schollenmuskel
4 Achillessehne
5 Langer Zehenbeuger
6 Hinterer Schienbeinmuskel
7 Langer Beuger der großen Zehe
8 Zipfelband
9 Vorderer Schienbeinmuskel
10 Langer Strecker der großen Zehe
11 Langer Zehenstrecker
12 Langer Wadenbeinmuskel
13 Queres Unterschenkelband
14 Kreuzband des Unterschenkels
und Fußes
15 Kurzer Zehenstrecker
16 Zwischenknochenmuskel
17 Abzieher der großen Zehe
99.1 Fuß- und Beinmuskeln')
') Nach Frohses Anatomischen Wandtafeln
99
dabei einander zugekehrt (Einwärtskantung), Abduktion = Bewegung des Fußes von
der Seite nach der Körpermitte hin und Plantarfiexion = Senken der Fußspitze
Wirkung bei Standbein: Unterschenkel wird Ferse und Fußsohle genähert
Ursprung, Verlauf und Ansatz: Auf der Rückseite des Schienbeins (Tibia) und Waden
beins (Fibula) und ihrer sehnigen Zwischenwand.Er verläuft unter dem inneFen Knöchel
und setzt an der Rauhigkeit des Kahnbeins (Tuberositas navicularis) und an der Unter
seite der drei Keilbeine an.
2. Langer Großzehenbeuger (musculus flexor hallucis longus) Bilder 98.1 (10) und 99.1 (7)
Wirkung bei Spielbein: Plantarflexion = Senken der Fußspitze, Supination = Dreh
bewegung des Fußes bei gleichzeitigem Heben des inneren Fußrandes, die Fußsohlen
werden dabei einander zugekehrt (Einwärtskantung) und Abduktion = Bewegung des
Fußes von der Seite nach der Körper
mitte hin
Wirkung bei St-1,ndbein : nähert den Un
terschenkel der Fußsohle, ·wird also
wirksam beim Zehenstand und AbSehne deslangen
Wadepbeinmuske!s
wickeln des Fußes
Sehne deshinleren
Sehne deskurzen
Schienbeinmuskels
Bei Schwäche oder Lähmung des Mus
W!1denbeinmuskels
kels ent-steht ein Plattknickfuß.
Ursprung, Verlauf und Ansatz: An der
Sehnedesvorderen
Hinterfläche des ·wadenbeins (Fibula),
Sdlienbeinmuske/s
greift auf das Zwischenkmochenband
über, verläuft hinter dem inneren Knö
chel (MaUeolus medialis), unter dem
Vorsprung des Fersenbeins auf der
inneren Seite, genannt „Balkon", zu
dem Endglied der Großzehe
3.Langer Zehenbeuger (musculus flexor
digitorum longus) Bilder 9S.l (22) nnd
100.l Die Sehne des langen Wadenbeinmuskels t-rittam 99.1 (5)
äußeren Rand des Fußes in die Rinne des Würfel
beines ein und läuft schief durch die Fußsohle Wirkung bei Spielbein: Supination =
hindurch zum ersten Keilbein
Drehbewegung des Fußes bei gleichzeitiger.Hebung des inneren Fußran
des, die Fußsohlen werden dabei einander zugekehrt (Einwärtskantung), .Abduktion =
Bewegung des Fußes von der Seite nach der Körpermitte hin und Plantarfle:rion =
Senken der Fußspitze
Wirkung bei Standbein: unterstützt sehr wesentlich die Abwicklung und den Zehen
stand. Der l\1uskel ist ein wichtiger Gewölbespanner.
Ursprung, Verlauf und Ansatz: Er entspringt an der Rückseite des Schienbeins ('l'ibia),
geht unter dem inneren Knöchel hindurch und zu den Endgliedern der Zehen 2 bis ein
schließlich 5. Auf der Unterfläche der Zehenglieder sind die Sehnen durch feste, derbe,
fll8erige Scheiden festgehalten, so daß sie bei Beugung derselben nicht von den Kno
chen abschnellen können.
D.Oberflächliche Muskeln d e r Hinterseite d e s Unterschenkels, W a d e n m u s k e l n
Die folgenden drei Muskeln bilden die Wade und gehen in eine gemeinsame Sehne über,
die Achillessehne.
1. Schollenmuskel (musculus soleus) Bilder 98.1 (3) und 99.1 (3)
Wirkung beim Standbein: verhindert durch seinen Zug am Fersenbein das Vornüber
fallen im Fußgelenk
100
Ursprung und Ansatz: Die Fasern seines mächtigen, plattovalen l!'leischbauches gehen
von den Hinterflächen beider Unterschenkelknochen und von zwei Sehnenstreifen dieser
Knochen aus, welche sich in die Fleischmasse einsenken.Die Fasern gehen in die Achil
lessehne über, die die obere glatte Hinterfläche des Fersenbeinhöckers überläuft und
sich erst am mittleren, rauhen Teil des Höckers ansetzt.
2. Musculus plantaris (in der Abbildung nicht sichtbar)
Dieser Muskel gehört zu den rückgebildeten. Seine Ausbildung ist wechselnd; mit der
Achillessehne verschmolzen, kann er sogar ganz fehlen.
3.Zwillingsmuskel (musculus gastroonemius) Bilder 98.l (2) und 99.1 ( 1 )
Die Wirkung istvielseitig und erstreckt
sich aufKnie und Fußgelenk.Er kann
den Fuß senken, von der Seite an den
Körper heranziehen und den Fuß ein
wärtskanten. Er kann aber auch die
Wirkung des Schollenmuskels unter
stützen.
Abzieher der
4.Achillessehne (tendo calcaneus Achil
Abzieher der
großen Zeh•
les) Bilder 98.l (11) und 99.1 (4)
·kleinen Zehe
Sie ist die dieser Muskelgruppe gemein
Gemefoscho/1/icher
same kriiJUge Sehne, die am hinteren
Zehembeuger
- .......;IU
Kurzer oberen Teil des Fersenbeins ansetzt, um Großz,hen-B•ug,r
Zwischonknochon
in den Zwillingsmuskel und Schollen
Muskeln
langon
du
Sehne
muskelüberzugehen.Sieistdie stärkste
Großzehen-8,ugers
Sehne im menschlichen Körper.
).I
Fußmuskeln (101.1)
A. Am Rücken:
Kurzer gemeinschaftlicher Zehenstrecker
(gemeinschaftliche Zehenstreckung)
'
B.An der Sohle:
101.1 Fußsoblenmuskeln
a) Am inneren Fußrand:
Der Abzieher der großen Zehe (.Abziehen der Großzehe)
Der kurze Beuger der großen Zehe (Beugen der Großzehe)
Der Anzieher der großen Zehe (Anziehen der Großzehe)
b) Am äußeren Fußrand sind zwei, nur die kleine Zehe betreffende Muskeln angeordnet:
Der Abzieher der kleinen Zehe (Abziehen der kleinen Zehe)
Der J.71rze Beuger der kleinen Zehe (Beugen der kleinen Zehe)
C.I n der Mitte der Sohle liegen:
Der kurze gemeinschaftliche Zehenbeuger (Beugen des zweiten Gliede s der zweiten bis
fünften Zehe)
Die Zwischenknochenmuskeln
a) Drei äußere (Abzieher der Zehen)
b) Vier innere (Anzieher der Zehen)
(Nicht alle vorstehend angeführten Muskeln sind in den Abbildungen sichtbar, da sie zum Teil
tief liegen.)
Im Zusammenhang mit den Darlegungen über die Anatomie des Fußes siehe auch : M o l lie r, S :
Plastische .Anatomie. Die konstruktive Form des menschlichen Körpers.2.Aufl.München 1938
und Eckhardt, H.: Medizinische Fachausdrücke.
101
II. Der kranke Fu.6
Meistens hört die Körperpflege beim Fuße auf, obwohl er bei einseitiger und
schwerer Arbeitsweise, besonders bei stehender Berufstätigkeit, den ersten An
spruch auf gründlichste Pflege haben sollte.
Sind unsere Füße infolge fortgesetzter Überbeanspruchung geschwächt, so er
fahren sie durch ungenügende Säuberung eine weitere Schwächung.
Zur ordnungsgemäßen Fußpflege gehört, außer derReinhaltung, zweckentsprechen
des, gut gepflegtes, die gesunde Fußform nicht beeinflussendes Schuhwerk.
Zu schmales, spitzes, kurzes Schuhwerk unterbindet die normale Fuß- und Bein
tätigkeit ebensosehr wie Damenschuhwerk mit unvernünftig hohen und schmalen
Absätzen. In solchem Schuhwerk ist ein ausgleichendes Spiel der Muskeln nicht
möglich, denn die eine Muskelgruppe wird in der zwangsläufigen Fehlstellung
dauernd entspannt und die Gegengruppe überdehnt. Dies bedeutet eine Störung
des Muskelgleichgewichtes ; außerdem kommt es zu Gelenkverlagerungen.
Den Gelenkbändern ergeht es durch dieFehlstellung
des Fußes eben so wie den Muskeln ; auch sie werden
einseitig überdehnt oder entspannt. So sind es also
mannigfacheEinflüsse,diedenehemalsgesundenFuß
in die eine oder andere Fehlform hineinzwingen,
wenngleich auch schwererwiegende Ursachen in dem
einen oder anderen Falle ausschlaggebend für eine
Fußerkrankung sein können, auf die aber an dieser
Stelle nicht eingegangen werden kann.
J
Die verbreitetste Fehlform des Fußes ist der erwor
bene Plattfuß (102.1). Er entwickelt sich aus dem 102.1 Pbttfuß
Knickfuß. (Der Veränderungsvorgang am Skelett
wurde unter dem Abschnitt „Bänder" Bild 96.2 u. 3, 97.1, erläutert). Der auf
die innere Seite des Sprungbeines verlagerte einseitige ;Druck des Körpergewichtes
führt nicht nur zur Abknickung der Ferse nach außen, sondern gleichzeitig zur Sen
kung des Längsgewölbes.
So entsteht der Knick
Senkfuß. (Beachte auch
das Trittspurbild in Bild
102.2.) Wird dem Senkfuß
nicht die richtige Hilfe zu
teil, verflacht sich das
Längsgewölbe mehr und
mehr, bis es schließlich
vollkommen platt auf
liegt. Der Fuß wird so
zum
Knick-Plattfuß
(siehe auch Bild 102.1).
Dieser Entwicklungsgang
a)
b)
d)
c)
hat allerdings viel mehr
102.2 Trittspuren a.) vom gesunden Fuß, b)vom leichten Hohlfuß, c) vom
Abstufungen als hier darschweren Hohlfuß, d) vom Plti.ttfuß
·--
102
gestellt, doch interessieren uns zunächst nur die
augenscheinlichsten.
Der Spreizfuß ist erkenntlich an der außergewöhn
lichen Verbreiterung des Vorfußes, des Ballenteils
(103.1). Das Röntgenskizzenbild eines „Knick-Platt
Spreizfußes" (103.2) zeigt eine „Spreizung" der
Mittelfußknochen, besonders des ersten und fünften
(siehe Pfeilrichtung!). Die Ursachen sind ebenfalls
in einer Störung der Muskelarbeit zu suchen. In
den meisten Fällen ist der Spreizfuß eine Begleiter
scheinung des Knick-Senk- und Knick-Plattfußes,
doch kann er sich auch ohne Knickfußerkrankung
entwickeln. Dann handelt es sich um den Spreiz
fuß des Hohlfußes. Die krankhafte Spreizung der
Mittelfußknochen ist auf eine Dehnung und somit
Lockerung der Bandverbindung der Mittelfußköpf
chen zurückzuführen.
103.1 Spreizfuß
Die Ballenhildung ist eine weitere Folge des Spreizfußes durch die Verdrängung
der Großzehe nach außen. Durch das gestörte Muskelgleichgewicht und die Ein
wirkungen des Bodendruckes kommt es zu dieser Schrägstellung der Großzehe,
wobei in vielen Fällen auch die übrigen Zehen in Mitleidenschaft gezogen ,verden.
Fest gegeneinandergepreßt, ohne Spielraum müssen sie ihre nicht leichte Aufgabe
erfüllen.
Die Zehenlage ist jetzt keine schöne breite, wie die des gesunden Fußes, sondern
eine spitz zulaufende. Dadurch, daß der Großzehenmittelfußknochen nach innen
spreizt, die Großzehe sich aber nach außen verlagert, entsteht am Großzehenbal
len ein kugelförmiger Vorsprung,
der volkstümlic·h mit „Eallenbil
dung" bezeichnet wird (103.2).
Knic•sl•l/ ng d•r
Ferse nach außen
Zu spitzes Schuhwerk trägt zur
Herausbildung und Verschlimme
Hervorlrelen des
rung der Ballenbildung viel bei
inneren Fußrandes
(104.1). Verbildungen der Zehen
infolge Ourchlrel•ns
des Sprungbeines,
und Nägel sind weitere Begleit
Xahnbet'nes und
erscheinungen des Spreizfußes
u
1. Keilbtines
Spreizen --f-11.'1'
des 5. Millelfuß
knochens
noch außen
noch innen
Di• sogenannlt
.,Bol/enblldung"
Schrägsle/lung dtr
Großzehe noch außen
103.2 :Knick-Platt-Spreizfuß-Skelett
(104.2).
Das Einsinken des Querbogens ist
häufig zu beobachten. Bei der Be
sprechung des Fußskeletts wurde
erwähnt, daß die fünf Mittelfuß
köpfcheneinen Querbogen bilden.
Durch das Lockern der Bandver
bindung der Mittelfußköpfchen
bei der Spreizfußbildung kommt
eshäufigzumEinsinkendes Quer
bogens (104.3).
103
Nach fachä-rztlichen Darstellungen handelt es
sich aber nicht um ein Einsinken des Querbo
gens o der „Durchtreten" der Mittelfußköpf
chen, sondern um eine Hebung der Groß- und
Kleinzehenmittelfußköpfcben, hervorgerufen
durch die erwähnte Störung des Muskelgleich
gewichtes bei Beginn eines· Fußleidens.
Der Hauptdruck des belasteten Vorfußes ruht
jetzt nicht mehr auf dem Groß- und Klein
zehenballen, sondern hauptsächlich auf dem
zweiten, dritten und vierten liittelfußköpf
chen. Häufig liegt der Hauptdruck in der
Mitte, also unterhalb cles dritten Mittelfuß.
köpfchens, dae. sich mit der Zeit in die Brand
sohle eine l\Iulde bohrt (104.4).
I04.I
Gegenüberstellung der Zehen.Jage In
vernünftigem und zu spitzem Sehnil
werk
links:
Gesunde Zellenlage und Sprei1.mög
lichkeit der Zehen in d�r Vorfußbe
lastung, ausgeglichene lfuskelarbeit
rechts: Zusammengepreßte ZeheJJlagc, keine
Sprelzmöglichkeit der Zehen, weitere
Verkiimmerung derselben, . gestörte
Muskefarbelt,zunehmende Fußerluan
k,:mg
104.2 Ve.rkUmmerte
Zehen durch
spitzes Schuh
werk
Druckstelle
104.3 Der Querbogen Querbogen „durchgetreten"
104
104.4
durch dcnkonzent.rier
ten Druck des 3. Mit
telfußköpfchens ver
ursachte Mulde
........
, j.
.... . tt
\J
\> . 1,..
fJtfldrp1.1nld
.
[._.._
IOä,l :Kennzeichen des Spreizfußes
I0ä.2 Steilstellun!l des :\!iLtelfußes durch Tragen unvcr
niinWg bohcr Absätze
Wie stark dieses Leiden Yerbreitet ist, läßt
sich in jeder Werkstatt an getragenem Schuh
werk feststellen. Der „Dienst am Kunden"
erfordert es, den Fußkranken auf sein Leiden
und auf die weiteren Folgen hinzuweisen.
Auch das kreisrunde Durchlaufen der Sohlen
an dieser Stelle rührt daher (105.1 ) . Bei un
vernünftig hohen Absätzen kommen die Mit
telfußknochen in eine Steilst.ellung (105.2).
In solchen Fällen wird der kräftigste Teil
des Fußes, die Fußwurzel, der Hauptauf
gabe, die Last de'> Körpers aufzufangen,
entzogen und diese Last auf die kleine
Vorfußfläche übertragen. Jeder Schritt, be
sonders aber das �tehen, wird zur Q,ual, denn
Schwielen, Hühneraugen und sehr schmerz
hafte Entzündungen sind die Folgen diesrr
einseit,igen Vorfußbelastung (105.3).
I05.3 Schwielen und Entzündun�en als Mnflge
Begleiterscheinungen des �prcizfußes
Der Hohlfuß zeichnet sich aus
durch einen ausgeprägt hohen
Reihen, ein übertrieben hohes
Gelenk, die mehr oder weniger
starke Klauenstellung der Zehen
und die in der Belastung stark
gespannte Achillessehne (105.4).
Die beim Hohlfuß verkürzten
Sohlenmuskeln ziehen die Ferse
nach unten, weshalb die sich am
10$.4 Der Hohlful.\
iJ
1�-- gespannte
' Achillessehne
105
:Fersenbein ansetzende .Achillessehne übermäßig gespannt wird
(zu kurz erscheint) und somit eine gestreckte Haltung einnimmt.
Hohlfüßler laufen daher auf Absätzen von mittelmäßiger Höhe viel
leichter als auf niedrigen, weil hierdurch die Achillessehne mit der Wa
denmuskulatur eine Entspannung erfährt.
106.1 Hohlfuß
(rechts) mit
Drehung der
Ferse
nnch
innen
Im Trittspurbild fohlt die Gelenkbelastung oder tritt nur
schwach hervor (102.2). Die Fußstellung ist mehr o der weniger
stark gekrümmt, eine Art Sichelfußstellung. Der Großzehen
ballen nähert sich der Ferse und der äußere Fußrand ist ge
krümmt. Die Ferse, von hinten gesehen, nimmt die entgegen
gesetzte Stellung der Knickfußferse ein (106.1). Meist ist der
Hohlfuß vom Spreizfuß und den vorerwähnten zusätzlichen
Leiden begleitet.
Die Beschwerden des stark ausgeprägten Hohlfußes oder Hohl
Spreizfußes können mitunter Formen annehmen, die ärztliche
(operative) Eingriffe erzwingen. Doch auch dann ist eine be
friedigende Behebung aller noch verbleibenden Beschwerden
ohne den zwe.-:kmäßig gearbeiteten orthopädischen Schuh kaum
möglich, denn diese Fehlform ist weit schwieriger durch ärzt
liche Mittel zu behandeln als der Plattfuß.
Der Klumpfuß ist diejenige Formveränderung des Fußes, bei der in schweren
Fällen das gesamte Fußskelett um die Längsachse des Fußes gedreht ist. Es
ist zu unterscheiden zwischen angeborenen und nach der Geburt erworbenen
Klumpfüßen. .Angeborener Klumpfuß kann sich vererben. Er ist diejenige Fehl
form des Fußes, die von allen angeborenen Fehlformen am häufigsten vorko mmt
(106.2 u. 3).
Die nach der Geburt erworbenen Klumpfüße sind zum größte°: Teil auf Erkran
kungen des Nervensystems zurückzuführen, zum anderen Teil auf Verletzungs
folgen, wie schlecht geheilte Knöchel-, Fußwurzel- und Unterschenkelbrüche.
Nach fachärztlichen Dar
stellungen sollen etwa drei
Viertel aller Klumpfüße
angeboren sein und bei
Knaben doppelt so oftvor
kommen wie bei Mädchen.
Infolge der Verdrehung
des Klumpfußes ist der
Gang sehr erschwert. Bei
geringeren Verformungen
und Verwendung zweck
mäßig gebauten Schuh
werks kann das sonst
mühsame Gehen sehr er
leichtert werden, da es ja
noch über dem äußeren
106.3
106.2
Fußrand möglich ist.
Angeborener Klumpfußfall
Erworbener Klumpfuß (operiert)
106
Bei den schwersten Formen jedoch, wo der Fußrücken als Auftrittsfläohe dient,
ist die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit sehr beschränkt, zumal der Schuh
auch noch die Fehlform des Fußes nach Möglichkeit verbergen soll. Eine zwar
mühevolle, viel Übung und Erfahrung vor
aussetzende, dafür aber auch eine große
und dankbare Aufgabe des Orthopädie
Schuhmachers !
10'7.l Spitzfuß
Der Spitzfuß ist eine Daue1form des Fußes
im Zehenstand, wobei also nur die Fuß
spitze im Stand und beim Gehen den
Boden berührt, die Ferse hingegen mehr
oder weniger in die Höhegezogenist (107.1 ).
Meist entsteht er durch Verletzungen und
hieraus folgende Verkürzungen der Waden
muskulatur. Besonders sind Schwerver
letzte infolge des langen Stilliegens der Ge
fahr einer Spitzfußbildung ausgesetzt. Da
die Abwicklung des Fußes fehlt (die Ferse
tritt nicht auf), ist der Gang beim Menschen
mit Spitzfüßen stapfend, nicht nachgiebig federnd. Dieser Mangel läßt sich bei
leichteren Verkürzungsfällen durch eine im orthopädischen Schuh eingebaute
Ausgleichsebene fast unsichtbar beheben, größere Verkürzungen werden. durch
Verkürzungsgeräte oder Hilfsglieder (Prothesen) ausgeglichen.
Der Hakenfuß bietet das umgekehrte Bild des Spitzfußes. Die Fußspitze steht
und ist in die Höhe gerichtet, die Ferse allein kommt zum Auftritt {107.2). Der
Hakenfuß wird in der Mehrzahl durch Lähmungen oder Verletzungen der Waden
muskulatur (Durchschneiden der Achillessehne) verursacht, kommt aber auch
angeboren vor.
Der Gang des Hakenfüßlers ist unbeholfen. Die Ferse stampft hart auf, ein Er
heben auf die Zehenspitzen ist nicht möglich. Besondere Schwierigkeiten bestehen
beim Treppensteigen und Bergaufgehen,
Ermüdung tritt rasch ein.
Je nachdem der Hakenfuß locker oder
versteift ist, der Vorfuß in Platt- oder
Hohlfußstellung steht, hat man die Ortho
pädiehilfsmittel zum Erleichtern der Ab
wicklung auszuwählen. Durch Unterar
beiten einer Ausgleichsebene aus Kork
oder korkähnlichen Werkstoffen, welche
am Vorfuß am höchsten ist (Vertiefung,
Einbetten der Ferse im sehr niedrig ge
haltenen Absatz) ,kann dem Hakenfuß zur
Leistungsfähigkeit zurückverholfen wer
den. Mit Gummizügen, die am hinteren
Fersenteil des Schuhes angebracht und
unterhalb des Knies an einer Kniebau-
101.2 Hakenfuß
107
dage verstellbar befestigt werden, gelingt es, die ausgefallene Fähigkeit der Wa
denmuskulatur, die Ferse nach oben zu ziehen, zu ersetzen.
Der Schuh für Fußkranke kann kein „Bekleidungsstück" im üblichen Sinne sein,
sondern muß einer „Prothese" gleichgestellt werden, die nicht nur passen, sondern
vor allen Dingen Erfordernisse der Orthopädie erfüllen soll. Fehlstelluugen des
Fußes müssen nach Möglichkeit verbessert, bei unverbesserlichen Formen und
Stellungen soll mit Hilfe von Ausgleichsebenen ein möglichst normales Aussehen
erreicht werden. (108.la···c).
a)
b)
c)
108.1:l-•·C Die verbesserte Fehlstellung des Fußes
a) Jugendlicher Knickfuß. b) Derselbe Fuß Im Serieuschnh ruit verordneten Einlagen. Die Fehl
stellung ist mit diesem Mittel nicht behoben. c) Der,iclbe Fuß im Korrekturstiefel nach Maß, i11
ges1mdcr Fuß- und Beinst.ellung
Nicht immer läßt sich ein gutes Arbeitsergebnis ohne Mitarbeit eines Facharztes
erzielen. Fachärztlichen Beratungen muß der Schuhmacher aber zu folgen ver
mögen. Hieraus ergibt sich von selbst die dringende Forderung, nicht nur ein
tüchtiger Facharbeiter zu werden, sondern in gleich starkem Maße sich fach
ärztliches Denken zu eigen zu machen. Nur so hat der Nachwuchs des Schuh
macherhandwerks die Gewähr, eine voll befriedigende .und auskömmliche Lebens
giundlage zu finden.
108
C. Der Leistenbau
Fußumrißzeichnungeu, Trittspurbilder w1d Weitenwaße dienen im allgemeinen als
Unterlagen für den Leistenbau, doch finden bei der Herstellung von Leisten für
besonders schwierige Orthopädie:fälle auch Fußmodelle aus Ton, Gips oder an
deren Stoffen Verwendung.
Mit Hilfe diese1· Unterfagen ist es nun mög
lich, einen,Leisten aus dem „Rohklotz" zu
entwickeln, falls dies notwendig ist, wie
beispielsweise für schwer deformierte Füße.
Leisten für normales .Maßschubwerk und leicht<'
orthopädische Arbeiten stellt man schneller und
einfacher aus ,,Rohleisten" her. Diese sind in
allen Größen und Formen zu beziehen und ba.bcn
genügend Holz, um dem Leisren die gewünschte
Form anzuarbeiten (109.l).
I. Die Erarbeitung eines l\1a6•
leistens aus dem Rohklotz
Eine Leistenform wird aus dem Rohklotz
an Hand des besonderserarbeiteten Brand
sohlenmusters und des Leistenlängsschnit
tes, welcher auch als Leistenprofil be
zeichnet wird, herausgearbeitet.
Roh/eisten
109.t Rohklotz und .Rohleisten
a) Das Brandsohleumuster wird hergestellt
Man benutzt die Fußumrißzeiehnuug und die Trittspur. Damit der Vorfuß in der
Abwicklung, im Augenblick der vollen Belastung genügend Raum in der Schuh
spitze hat, muß das Brandsohlenmuster mindesten 2 .. ·2¼ Stiche über die Fuß
spitze hinausreichen. Diese Zugabe wird auch zur Erarbeitung einer gefälligen
Spitzenform benötigt. Schlanke, halbrunde und spitze Schuhformen erfordern
eine entsprechend größere Spitzenzugabe. Z"reckmäßig beginnt man mit der Ar
beit bei der Brandsohleneinzeichnung mit der Spitzenzugabe an der großen Zehe
(110.1). Von hier aus folgt man dem Trittspurumriß der Großzehe, am Groß
zehenballen vorbei bis hinter denselben und läßt die Linie für Herrenbrandsohlen
in ein breiteres, für Damenbrandsohlen in ein schmaleres Gelenk auslaufen.
Besonderer Wert ist darauf zu Jegen, daß der Gelenkbogen an der Stelle, wo er
den Absatz trifft (¼ der normalen Leistenlänge), wieder an die Umrißzeichnung
109
der Ferse heranreicht, d. h., man bleibt etwa ¼···¾ Stich
davon entfernt und folgt der Fersenumrißlinie bis zumK.lein
zehenballen im gleichen Abstande.
Das Einrücken (Schma.lerbalten) derj Brandsohlenzeicbnung im
l!'ersenteil bezweckt einen guten Sitz des Schuhwerks und wirkt
sich bei Verwendung kräftigenKappenstoffes als seitlicher Halt für
Knick- und Senkfußleidende aus.
Vom Kleinzehenba.llen a.us folgt die Brandsohlenlinie eine
kurze Strecke der Zehenumrißzeichnung, um dann ent
sprechend der Spitzenform schmaler oder breiter in die
Spitzenrundung mit der vorerwähnten Spitzenzugabe aus
zulaufen.
Das Erarbeiten von Brandsohlenmusrern nach geometrischen
Grundlagen muß für das Maßschuhmacherhandwerk abgelehnt wer
den, da sich individuelle anatomische Gegebenheiten geometrisch
nicht erfassen lassen.
110.1 Br11.ndsohlenelnr.eichnun11
b) Das Leistenprofil wird entwickelt
Man bedient sich des „Fußprofils", das in der gewünschten Absatzstellung und
Reinhaltung vom Fuße abgezeichnet wird (110.2). Hierbei wird die Fuß- oder
Fersenbeuge am gezeichneten Fußprofil besonders gekennzeichnet, weil an dieser
Stelle das Fersenmaß des Fußes beim Ausarbeiten des Leistens angelegt werden
muß (110.2). Nun beginnt man mit dem Einzeichnen des Leistenprofils (110.3).
Zunächst zieht man sich von der hinteren unteren Fersenkante, der Absatz.
höhe also, = Punkt a, eine Verbindungslinie zum Fersenpunkt b und verlängert
sie um etwa. 2½ bis 3 Stiche,wodurch man zu Punkt c gelangt.
Es handelt sich hlerbei um eine Vorverlegung des Fersenpunktes, denn die Leisten, besonders
die Halbschuhleisten, werden im „Kamm" schmaler gehalten, als der Fuß breit ist, wodurch
ein guter Sitz oder „Schluß", wie sich der Fachmann ausdrückt, erzielt wird. Mit „Kamm"
bezeichnet man den oberen Teil des Leistens, vom oberen
Reihenteil zum hinteren oberen Fersenteil führend. Halbschuh-
__J_____
:,/--Kammlinie
fuß- oder
Fersenbeug
110
I I0.3 J-:111zrirhn�n
,les Leist,·n11rottl,
In das l•"11llprofU
d
leisten haben einen schmalen Kamm, Stiefelleisten dagegen einen breiten (111.1). Denn
Stiefel gehen über die Knöchel hinaus, weshalb die obere Leistenpartie entsprechend der
Knöchelstärke breiter sein muß, damit die Knöchel genügend Raum ün Stiefel haben. Halb
schuhe schließen unterhalb der Knöchel ab, wodurch ein schmalerer Kamm begründet ist.
a)
b)
Von der
hinteren Fersenkante a (110.3) wird die hintere
Leistenhöhe nach Punkt d abgetragen.
Die hintere Leisteuhöhe wird ermittelt.
Für die Berechnung der hinteren Leistenhöhe bedient
man sich der gleichen Formel wie für die Berechnung
der Hinterkappenhöhe (S. 31). Danach wird die Hinter
kappe für eine Schuhgröße von 42 Stich einschließlich
2 Stich Zwickeinscblag 10 Stich hoch. Diese Höhe bnn
auch als normale Leistenhöhe für einen Leisten von
42 Stich Länge bezeichnet werden. Sonderleisten für
kranke Füße und Reitstiefelleisten fallen nicht unter
diese Berechnungsart.
Etwa drei Stich
oberhalb des vorverlegten Fersenpunktes c be
ginnt man mit der Reihenlinie. Sie verläuft in
einem leichten Bogen nach unten in dieProfil.
111.1 a) breiter Kamm bei Stiefelleisten linie des Vorfußes, deckt sich dann mit dem
b) schmaler Kamm bei Halbschuhleisten
Zehenprofil, wird bei Punkt e um etwa 2... 3 Stich
in leicht abfallendem Bogen über die Großzehe
hinaus verlängert und schließt hier mit der Sohlenbahn des Vorfußes ab. Punkt /
ist der Ballenauftrittspunkt, wo das Gelenk seinen Anfang nimmt. Von / nach
a führt die Gelenklinie.
Die Reihenlinie wird festgelegt.
Da fast jeder Fuß, mit Ausnahme des Hohlfußes, eine mehr oder weniger starke Gelenkstütze
benötigt, aber auch der schöneren Form willen erhält die Profillinie des Leistengelenkes
eine etwas stärkere Sprengung als die des Fußprofils. Ferner.muß sich die Gelenklinie dem
Gesamtbild des Leistenprofils anpassen, wobei der Zweck des Schuhwerks, die Absatzhöhe,
die Festigkeit des Schaft- und Bodenstoffes mit zu berücksichtigen sind.
Abschließend wird die Kammliuie eingezeichnet. Sie beginnt bei Punkt d und verläuft
in leichtem Bogen zum Anfang der Reihenlinie, oberhalb des Punktes c.
DaserarbeiteteLeistenprofilwird dann
ausgeschnitten und mit Reißbrett
stiften auf dem Leistenklotz befestigt
(111.2).
Der Leisten wird geschuitteu. DieForm
des Leistens wird von Hand oder mit
�iaschine geschnitten.
Mancherorts bedient man sich des
Druckmessers, da es auf einem
feststehenden Arbeitstisch aufgebaut
-
�-____·:.___...
·h=-__,/.,
111.2 An den Rohklotz geheftetes Leistenprofil
lll
112.2 Dos Leistenformen an der Itaspelschci!Je
ist (112.1). Hiermit wird geschnitzt,
wozu allerdings gründlicheÜbung gehört.
Einfäoher ist das Bearbeiten des Leistenklotzes mit der groben Raspelscheibe
(112.2), die behelfsmäßig auf der Welle der Ausputzmaschine befestigt werden
kann. Bild 112.3 zeigt ein ausgearbeitetes Leistenprofil.
Die nächste Arbeit ist das Herausarbeiten des Brandsohlenumrisses. Dazu wird das
Brandsohlenmuster auf die Sohlenbahn des Leistenklotzes geheftet. Der Holz
klotz erhält nach Abschluß dieser Arbeit die grobe Leistenform (112.4).
112.1 Das Leistenformen ml� dem Druckmesser
11:M
Dl\8 at.LBgeubeitetc
Leistenprofil
Längs
achse
112.4
Braodsohlenscbnltt
des Rohklotzes
112.5 Die Längsachse
112
Es folgt nunmehr das Herausarbeiten
des Leistenkammes, der am besten
in der Leistenmitte liegt. Durch das
Einzeichnen einer „Leistenlängs
achse", von der Spitzenmitte zur
Fersenmitte (über Reihen und
Kamm) (112.5), wird die Kamm.
Mitte genau festgelegt. Nun wird
113.1 Der fertige Rohlelsten
die weitere Formgestaltung
des Reihens durchgeführt,
derZehen-undBallenpartie,
bis der Rohleisten heraus
gearbeitet ist (113.1). Mit
dem Ausschneiden des
Keiles ist die Rohleisten
arbeit erledigt.
Es beginnt das Herausarbei
ten der Weitenmaße. Von
großer Wichtigkeit ist hierbei das genaue Übertragen
der Fußmaße auf den Rohleisten. Auch diese Arbeiten
C
�-'
[!.: . _
113.2 Die letzte Formgebung am Leistenbock
werden au der Raspelscheibe ausgeführt, d: h. so weit, bis die
Maße annähernd herausgearbeitet sind. Die letzte l\fa,ßein
arbeitung und endgültige Formgestaltung· wird auf dem
Leistenbock durchgeführt (113.2). Es ist dies ein am Boden
fest verankerter Arbeitstisch oder Ständer, auf den ein halb
kreisförmig ausgekehlter und mit Leder gepolsterter Bock
gestellt ist, auf dem der zu bearbeitende Leisten in allen Stel
lungen mit Spannriemen festgehalten werden kann.
Auf diese Art entsteht das den jeweiligen Verhältnissen
entsprechend gearbeitete Leistenpaar (113.3).
II. Die maschinelle Leistenherstelltmg
Es handelt sich hierbei um das Herstellen von Leisten für
die Schuhindustrie sowie von „Handelsleisten" und „Roh
leisten" für das Schuhmacherhandwerk.
113.3 Der fertige
Maßleist,in
Der Schuhmacher braucht auch Roh- und Handelsleisten.
Handelsleisten sind Fertigleisten in allen gangbaren Formen,
die dem Schuhmacher das Selbstherstellen von Leist.an er
sparen soll.Rohleisten hingegen sind rohgedrehteLeisten,
113
fast in der Form, wfo sie aus
der Leistendrehbank heraus
kommen, jedoch ohne vordere
und hintere Ansatzteile, mit
denen sie in der Kopiermaschine
eingespannt waren (111.1).
Diese Rohleisten haben „Holz",
rl. h., sie haben überall reichlich
Übermaß, so daß das Aufar1Jeiten von Lederdecken, ge
nannt Weitungen , und das Ver
breitern von Leisten durch An
schläge erspart bleibt.
114,1 Transport der Buchenstämme
Handels- und Rohleisten werden
hergestellt
Für Handelsleisten und Rohleisten
verwendet man i n Deutschland fast
ausschließlich Rotbuchenholz. Die
Baumstämme werden in den Win
termonaten gefällt. In der Leisten
fabrik (114.1) werden sie mit der
Pcndelkreissäge in einzelne, der
Länge eines Leistens entsprechende
Stammabschnitte zerteilt (114.2).
Aus diesen Abschnitten wird mit
einer Bandsäge sodann die Form
des
Rohklotzes ausgeschnitten
(114.3).
114.2 Zerschneiden der Stämme mit der Pendelkreissiige
114,3 Ausschneiden des Rohklotzes
114
Die Rohklötze haben ein langes
Trockenverfahren durchzuma
chen. Zunächst werden sie in so
genannten
„Holzdämpfern"
einem Dampfdruck von etwa
zwei Atmosphären ausgesetzt,
wodlU'ch dem frischen Holz ein
großer Teil seines Feuchtigkeits
gehaltes entzogen wird.
Das Lufttrocknen der Roh klötze, das an das Dämpfen an
schließt, dauert je nach der
Größe eines Klot,zes bis zu 11/z
Jahre. Auch jetzt sind die Klötze
(auch als Rohlinge bezeichnet)
noch nicht zur endgültigen Be
arbeitung fertig. Sie kommen
nunmehr nochmals in Trocken
kammern, die mit Dampf er
wärmt werden.
Yollständig trocken darf der
Leisten nicht sein, da er sonst
während der weiteren Arbeits
gänge wieder}feuchtigkeit auf
nehmen und quellen würde.
Die dauernde Überwachung
der Rohklötze während der
Trocknung erfordert peinlich
ste Gewissenhaftigkeit. Eine
Leistenfabrik muß, wenn sie
einen einwandfreien, maßbe
ständigen Leisten herstellen
will, dauernd einen Bestand
an Rohhölzern auf etwa l 1/2
,Tahre eingeschnitten am Lager 11r..1 Teilansicht des Trockenlagers
haben (115.1).
Nach dem Trocknungsverfahren in den 'frockenkammern werden die Rohklötze
gestapelt, um sich der gewöhnlichen Temperatur wieder angleichen zu können.
Erst jetzt kann die Weiterverarbeitung, die mit dem Drehen beginnt, ihren An
fang nehmen.
Das Drehen des Leistens wird auf der sogenannten „Leistendrehbank", dei: wich
tigsten Maschine in der Leistenherstellung, vorgenommen.
Die Drehbank (115.2 u. 116.1) besteht aus einem sehr kräftigen Gestell, auf dem ein
Schlitten, der das sogenannte Kopierrad und den Messerkopf trägt, beweglich an
geordnet ist.
Ein pendelnder Rahmen, in dem das
l\fosterdes zu drehendenLei!'tens sowie
der Rohklotz eingespannt wird, ist so in
der Maschine aufgehängt, , daß das
Muster vor das Kopierrad und der
Rohklotz vor den Messerkopf zu liegen
kommt. Beim Inbetriebsetzen der Lei.
stendrehbank drehen sich das Muster
und der Rohklotz, während sich der
Schlitten mit Messerkopf und Kopier
scheibe langsam von rechts nach links
bewegt. Das Kopierrad liegt während
des Drehvorganges fest an dem Muster
und der Messerkopf entsprechend an
dem Rohklotz an.
Durch die drehende Bewegung des
Musters und die Verschiebung des
Kopierrades wird dn.s Muster von dem
Kopierrad in allen Teilen abgetastet
und der Leisten entsprechend durch
den Messerkopf aus dem Rohklotz 11s.2 Die Drehbank
115
hcrnusgeschält,. Die .Drehbank
ist weiterhin mit einer Längen
und Weit,eneinstellung ver
sehen, so daß mit Hilfe eines
Musters Leisten mit verschiede
nen Längen und Weiten herge
stellt werden können.
Weiterhin kann man Muster
und Rohklotz in gleicher und
Richtung
entgegengesetzter
chehen lassen. Durch diese Maß
nahme lassen sich mit, Hilfe
eines Musters rechte und linke
Leisten herstellen (116.1). Bild
116.2 stellt eine Teilansicht der
Dreherei dar.
116,2 Teilansicht der Dreherei
116.1 Die Arbeit an der l>rehl.Jank
Nach dem Dreheu werden zunächst die
Drehansätze an Spitze und Ferse des ge
drehten Leistens durch Sondermaschi
nen entfernt. Nachdem die Kammlöcher
gebohrt sind (zumAusleisten des Schuh .
werks), wird der Keil des Leistens aus
geschnitten (116.3).
Die Befestigung des Keiles ist dann
die nächste Arbeit. Nach dem 1<:inschla
gen von Musternummer, Länge und
Weite auf dem Karnrn des Leistens
wird geschliffen, eine Arbeit, die wohl
die größte Übung und Erfahrung in de!'
Leistenherstellung erfordert. Diese Ar
beitsstufe Ült allerdings nur dann not
wendig, wenn die bis jetzt erstellten
Rohleisten zu HandelsleisLen weiter
verarbeitet werden.
Durch das Schleifen (117.1) werden die
während des Drehens entstandenen
Drehrillen entfernt. Der Leisten wird
dann noch :mit einem besonderen Wachs
an Lederscheiben poliert (117.2).
Eine letzte Überprüfung beendet die
zahlreichen Arbeitsgänge, die zur Her
stellung eines Serienleistens als auch
einzelner lVfaßpa.are erforderlich sind
(117.3).
116
ltG.3 Keila.usschaeiden
117.1 Schlcücn
117.S') Der Wcrdegnng des ScrieDleistcns
III. Leistenformen
Man unterscheidet „flachgesprengte" und „starkgesprengte" Leisten. Erstore finden
für die Herstellung von Schuhwerk mit flachen Absätzen Verwendung, die stark
gesprongten fürsolches mit hohen Absätzen. UnterLeistensprengung versteht man
1. die hochgestellte Leistenferse zumUnterbaueines entsprechend hohen Absatzes,
auch mit „Absatzsprengung" bezeichnet {ll8.l),
2. die leicht vom Boden abstehende Leistenspitze, auch „Spitzensprengung"
genannt (118.2).
Diese ist zum gefahrlosen Gehen notwendig (besonders für die Herstellung kräfti
geren Schuhwerks), damit die Schuhspitze beim Abstoßen des Fußes, vornehmlich
bei unebenem Boden, nicht hängenbleibt, a.lso einen Spielraum hat, und sich nicht
vorzeitig abläuft. Ferner verhindert die Spitzensprengung die Bildung allzu starker
--
1) Die Bilder 114.1··•117.3 wurden in der Schuhleistenfabrik von Gg. Hartmann in Arfeld
aufgenommen.
117
l 18.1 Der starkgcsprengte Damenleisten
�:'?JJ}
118.2 Der tlaehgesprengte Herrenleisten
Gehfalten in der Fußpartie d!.es Schuh
werks (118.2).
Die Rege) sagt: Je niedriger die Absätze
und je stärker der Stoff für Schaft und
Boden, desto zweckmäßiger ist eine
höhere Spitzensprengung des Leistens ;
je höher die Absätze und je leichter der
Stofffür Schaft und Boden, desto niedri
ger kann die Spitiensprengung sein.
Leichtes Schuhwerk und Damenschuh
werk mit hohen Absätzen erhalten be
sonders bei Luxusausführung kaum eine
oder gar keine Spitzensprengung. Für
festeres Straßenschuhwerk kommen
solche von durchschnittlich 7.:. s mm
in Anwendung. Die Spitzensprengungen
für kranke Füße werden persönlichen
Erfordernissen angepaßt.
IV. Leistenspitzenformen
Für den 1\laßscbuhmacher kommen nur
,,gesunde" Formen in Frage. Leistenfor
men und Leistenspitzenformen sollen
im besonderen Maße den gesundheit
lichen Erfordernissen des Fußes und
dem Zweck des herzustellenden Schuh
werks angepaßt sein. Eine Beeinflus
sung durch die mehr oder weniger
fußschädliche „Mode" muß vom Maß
schuhmach�rhandwerk abgelehnt wer
den. Sie k�nn sich in reichgestaltiger
Weise und ohne Schaden zu stiften am
Schuhoberteil, dem Schaft, entfalten.
Für das Maßschuhmacherhandwerk
kommen somit nur sogenannte „ge
Leistenformen" und „Leisten
sunde
118.3 I..eisteorormen
spitzenformen" in Betracht (118.3).
1. Die breit-runde Form, für ]'üße mit breit-runder Zehenlage, gibt den Zehen
eine gute Spreizmöglichkeit im Stand und in der Abwicklung. Besonders geeignet
zur Herstellung von Berufs-, Sport-, Straßenschuhwerk und Korrekturschuh
werk für Fußkranke.
2. Die gezogene, schlanke, halbbreite Form für entsprechend geformte Füße eig
net sich besonders für die Herstellung von zweckmäßigem, dabei a.ber doch
modisch wirkendem Schuhwerk.
3. Die ovale Form für die gleichartige Fußform mit spitz-runder Zehenlage ist für
Sportschuhwerk wie für Zweckmäßigkeitsschuhwerk und Luxusausführung
gleich gut geeignet.
118
D. Das Schäftemachen
I. Der Schuhmacher mu.fi die Schäfte selbst machen
Mit der Einführung der Nähmaschine wurde der Schäftemacher selbständig. In
früheren Zeiten stellten die Schuhmacher ihre Schäfte fast ausnahmslos selbst her.
Die Nähte wurden mit der Hand gemacht, was in Anbetracht der hierbei aufzu
wendenden Sorgfalt eine stets mühevolle Arbeit war.
Durch die Einführung der Nähmaschine, insbesondere der Schuhmacher-Sonder
maschinen, wie Linksarm-, Säulen-, Knopfloch- und Zylindermaschine, trat gegen
Ende des vorigen Jahrhunderts eine Wandlung ein.
Bisher selbständige Schuhmacher, mit besonderer Eignung für Schäftemachen,
verlegten sieb ausschließlich auf dieses Arbeitsgebiet, zumal sich auch mit der Ein
führung chromgegerbter, leichterer Ledersorten die Technik des Schäftebaus
ändern mußte. So erlebte das Schuhmacherhandwerk eine Berufsspaltung, die mit
der Zeit als ganz selbstverständlich hingenommen wurde.
Diese Entwicklung hatte zur Folge, daß sich der Schuhmacher· um die Schäfte
macherei kaum oder überhaupt nicht mehr bemühte. Das minderte aber die
Wirtschaftlichkeit des Schuhmacherhandwerks stark herab.
Das Herausnehmen eines Arbeitsgebietes bedeutet eine störende Unterbrechung
des Arbeitsablaufes. Das Hin und Her zum Schäftemacher erfordert viel Zeit.
Sind die Schäfte zur vereinbarten Zeit nicht fertig geworden oder nicht auf
tragsgemäß ausgefallen, stellen sich beim Überholen oder Zwicken Mängel oder
Fehler heraus (schiefe Naht, schiefe Kappen, zu kurze �appen, zu große oder enge
Schaftweite, Zerreißen des Futters oder des Oberleders beim Zwicken, Ausreißen
einer Naht und dergleichen mehr), dann ergibt sich nicht nur ein neuer Zeitver
lu.st, sondern auch eine neue Arbeitsunterbrechung. Wie oft wird hierdurch ein
vereinbarter Lieferzeitpunkt für bestelltes Schuhwerk nicht eingehalten, wie oft
wird die Kundschaft dadurch verärgert und geht dem Meister in Wiederholungs
fällen schließlich verloren. Derartige Mängel tragen keinesfalls zur Erhaltung und
Steigerung der Berufsfreude bei, denn nicht nur die Kundschaft ist der notleidende
Teil, sondern in weit größerem Maße der Meister selbst.
Durch das Herausnehmen der Schäftemacherei aus dem Schuhmacherbetrieh geht
ihm auch der Teil der Arbeitsaufträge verloren, der an den Schäftemacher weiter
geleitet werden muß. Der dem selbständig arbeitenden Schäftemacher zu ent
richtende Schäftemacherlohn ist nicht nur ein Arbeitslohn, sondern ein aus Ar
beitslohn, Geschäftsunkosten und Gewinn zusammengesetzter Aufwand.
Würde der Schuhmacher seine Schäfte selbst herstellen, d. h. innerhalb seines Be
triebes, könnte er auch die ruhigere Geschäftszeit nutzbringend auswerten. Durch
das Vergeben der Schäftearbeit entstehen dem Schuhmacher weitere Verluste,
119
falls der Schäftemacher auch das Leder zu den Schäften liefert. Es gehen ihm
nämlich alle mit der Haltung eines eigenen Lederlagers verbundenen Vorteile ver
loren, wie beispielsweise Einsparungen durch Großeinkauf, Gelegenheitskäufe,
vorteilhafteres Auslegen der Schaftteile usw.
II. Das Schäftezeichnen und Modellieren
Ausgangspunkt f"ür das Schäftemodellieren ist der Leisten. Nach seiner Fertigstel
lung·muß er für das Erarbeiten des Schaftgrundmusters vorbereitet werden.
Das Schaftgrundmuster soll die :flächenmäßige Form des Leistenkörpers mit den
eingezeichneten Teilmustern wie Oberteil oder Quartier, Hinterteil, Besatz oder
Blatt, Kappe oder sonstige Unterteilungen darstellen. Zum Entwurf des Grund
musters dient in vielen Fällen ein aus Linien zusammengesetztes Gerüst, das
allgemein als „Winkelsystem" bezeichnet wird.
Die Werkstatterfahrung spricht jedoch gegen die ausschließliche Anwendung des
Winkelsystems, da ein aus dem hiernach entwickelten Schaftmuster gearbeiteter
Schaft vielfach nicht so paßt, wie es notwendig ist. Besonders aber gilt dies für
die Anfertigung von Schäften für Orthopädie-Schuhwerk.
Es ist nun einmal nicht möglich, das jeweils einem Fuß angepaßte räumliche
Liniennetz des Leistenkörpers mit Hilfe einer Winkelzeichnung in ein flächen
haftes nachträglich noch zu übertragen, oder es sei, daß das nach dem Winkel
system erarbeitete Grundmuster an den Leisten angeglichen wird. Das aber er
fordert genügend Erfahrung im Schäftebau, da sonst mehr verdorben als gebessert
wird.
Für den Anfänger im Scbäftemodellieren bedeutet die Verwendung von Hilfslinien eine
große Erleichterung, doch soll er nach Erreichung genügender Sicherheit bemüht sein, sich
ihrer nur in beschränld;em Maße zu bedienen, damit die Fä-bigkeiten zur eigenen Form
gestaltung gefördert werden.
r .�
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Das einfachste Hilfsmittel
für die �rstellung eines
.paßgerechten Schaftmu
sters ist „die Leistenkopie"
unter Anwendung weniger
Hilfslinien. Unter Leisten
kopie versteht man die flä
chenhafte Abwicklung des
Leistenkörpers, d. h. seiner
Innen- und Außenseite.
a) Die Einzeichnungen am
Leisten
120.1 Die Leilltenlitngsachsc
120
l28.2 Einzeichnen
des Gelenk
Vt:l'laufes
Man beginnt mit dem Ein
zeichnen der Längsachse
des Leistens, wie dies be
reits bei der Erarbeitung
des Leistens erläutert wurde
(120.1). Durch Anlegen eines biegsamen, etwa 2 ...2½ cm breiten Lineals (am be
sten aus Zinkblech) läßt sich die Achsenmitte über Spitzenmitte und Kamm-Mitte
einwandfrei einzeichnen. Sie wird dann von der hinteren Kamm-Mitte zur unteren
Fersenmitte als Fersenachse weitergeführt (120.1 u. 2).
Nunmehr wird der Verlauf des inneren und äußeren Brandsohlengelenkes festgelegt,
denn die herzustellende Leistenkopie muß bis zu den Brandsohlenkanten reichen,
weshalb das Einzeichnen der Gelenk.breite notwendig ist (120.2). An der Leisten
längsachse müssen hoch die Zier- oder Vorderkappenhöhe (falls solche angebracht
werden soll), die Blatt- o der Besatzhöhe und die Fuß- oder Fersenbeuge ge
kennzeichnet werden (120.1).
Das Abtragen der Kappenhöhe und der Blatt- oder Besatzhöhe wird zweckmäßig
nach Augenmaß am Leisten durchgeführt. Zunächst kennzeichnet man die Höhe
für den Besatz oder das Blatt, etwa am Ende des Reihens, da, wo die obere Kante
des Maßba.ndes beim Abnehmen des Großzehenballenmaßes zu liegen kommt.
Entscheidend für die Bestimmung der Blatt- oder Besatzhöhe sind aber auch die Leistenform
und die an das Schuhwerk gestellten Anforderungen. So benötigen z.B. teilweise oder ganz
versteifte Füße einen leichten Einschlupf, der nur durch einen kurzen Besatz oder ein Blatt
möglich gemacht werden kann.Ein Schuh, derandererseit-sschlankwirkensoll, bra.ucht ein langes
Blatt oder einen langen Besatz. Eine allgemeine Festlegung ist darum nicht empfehlenswert,
weil sie in vielen Fällen zu Fehlergebnissen führt.
Die Zier- oder Vorde.-kappenhöhe kann
nach Augenmaß in die Mitte zwischen
Leistenspitze und Blatt- oder Besatz
höhenpunkt angeordnet werden ; maß
lieh soll sie ungefähr zwei Drittel der
Blatt- oder Besatzhöhe ausmachen.
Der Fersenbeugepunkt kann (siehe Ab
schnitt „Leistenbau", S. 109) vermittels
des Fußprofils übertragen werden, indem
man den Leisten auf das Fußprofil auf
legt. Da man dieses Verfahren aber nur
in besonderen Fällen (Orthopädie) anzu
wenden braucht, kann man sich zur
Bestimmung des Fersenbeugepunktes
auch des Winkelmessers bedienen. Die
Fersenbeuge liegt nämlich bei gerader
Fußstellung (ohne Absatzunterstellung)
durchschnittlich bei 35 Grad (121.la),
bei starkgesprengten :Bußtypen (Hohl
füßen) bei 40 Grad (121.lb) und bei
Plattfüßen bei 30 Grad (121.lc).
Durch das Hochstellen der Ferse er
höht sich der Fersenwinkel, und zwar
je Stich um 1 Grad. Das heißt also,
daß die Fersenbeuge bei einer Normal
form mit vier Stich Absatzunterstellung
a) Fersenbeuqepunkt
b) Fersenbeuqepunkt
'
121.1 a--·c Die Lage des Fersenbeuge]!)unktes bei
verschiedenen Fußtypen
121
bei 39 Grad liegt. Winkelmäßig wird der Fersenbeugepunkt im Verlaufe des
Schaftmusteraufbaues übertragen.
b) Die Entwicklung der Leistenkopie
1 . Man legt den Leisten mit seiner Innenseite auf ein doppelt liegendes Stück
Musterpapier (denn es müssen die beiden Leistenseiten kopiert werden) und
umzeichnet ihn mit senkrecht gehaltenem Bleistift (122.1).
2. Diese Leistenprofillinien reichen aber beim AnJegen an den Leisten nicht über
die untere Leistenkante und über die am Leisten festgelegte Längsachse hin
aus, was aber notwendig ist, um
die Leistenkopie zu erarbeiten.
Deshalb ist eine entsprechend große
Zugabe zum abgezeichneten Lei
stenprofil erforderlich. Sie ist nicht
überall gleich (122.2). Die Zugabe
ist durch die gestrichelte Linie
122.1 Umzeichnen des Lcislenproflls
dargestellt. An der Kammlinie des
Leistens bekommt die Profillinie
keine Zugabe.
3. Nun wird das doppelt gelegte Pa
i 7cm
pier ausgeschnitten. Damit es sich
i
i
gut an den Leisten anschmiegt,
muß es keilförmige Ausschnitte er
halten, wobei das Papier ebenfalls
doppelt liegt (122.3).
122.2 Zugaben zum Leistenprofil
4. Eines der keilförmig ausgeschnit
tenen Papiere heftet man jetzt mit
4...5 Stiftehen, welche mit kleinen
Lederscheibchen unterlegt sind, da
mit das Papier während des Arbeits
vollzuges nicht einreißt, gegen die
innere oder äußere Leistenseite.
Am zweckmäßigsten fängt man
dabei an der Fersenpartie an.
122.3 Kcilausschociden
Das Papier muß hinten über die
Fersenachse und unten über die
Leistenkante etwa 1½ cm hinaus
reichen. Hierauf drückt man es in
der vorderenKammpartie so an den
Leisten, daß es oben und vorne an
der Spitze ebensoviel über die ein
gezeichnete Längsachse hinausragt
wie an der unteren Leistenkante.
In dieser Lage wird es mit einem
zweiten Stiftehen geheftet. Jedes
12%.4 Heften des zugerichteten Musterpapiers an den
weitere Anheften mit Stiftehen
Leisten
122
muß so durchgeführt werden, daß das Papier von selbst in seine Lage fällt,
d. h., es darf nicht mit Zwang an seinen Platz geschoben werden, da die Kopie
sonst eine falsche Form bekommt und das hiernach gebaute Schaftmuster n icht
paßt. Stellt man nach dem Heften des zwei
ten Stiftchens fest, daß die Papierverteilung
nach vorne nicht gleichmäßig ist, muß das
zweite Stiftehen wieder entfernt und das
Papier in die richtige Lage gebracht werden
(122.4).
j
5. Es folgt die Übertragung der Leistenlängs
achse auf die einzelnen Papierzacken. Dabei
ist zu bedenken, daß keine Zacke bei der
Übertragung eine falsche Stellung einnimmt
(123.1). Die am Leisten bezeichnete Kappen
und Besatzhöhe wird bei der Achsenüber
tragung mit übernommen, desgleichen die
Fersenbeugelage, sofern sie am Leisten fest
gelegt ist. Auf dieselbe Art wird die untere
Leistenkante von der Spitze bis zur Fersen
mitte übertragen, ebenfalls der Verlauf der
Brandsohlen- Gelenkpartie (123.2).
6. Das Papier wird nun wieder herunterge
nommen und dem Verlaufe derübertragenen
Linien folgend ausgeschnitten (123.3). In
gleicher Weise verfährt man mit der anderen
Leistenseite.
123.1 tlbertragen der Längsachse auf das
Musterpapier
,...
7. Die beiden Ergebnisse sollen zu einer Ein
heit umgewandelt werden, zur sog. ,,Mittel
kopie" oder „Leistenkopie" .
Die Unterschiede zwischen innerer und äußerer Ko
pie sind bei geradegehaltenen Leisten meist unwesent
lich, weshalb man sich in solchen Fällen mit der einen
Seite (Innenseit�) als Leistenkopie helfen kann. Man
benötigt dann also keine Außenkopie und keine Mittel
kopie. Bei weniger geraden und krummen Leisten ist
jedoch die Erarbeitung der Mittelkopie zu empfehlen.
123.2 tlbertragen der GelenkJinie und der
Sohlenkante auf das ;',fusterpapier
Man legt die Innenkopie, als eile meist
längere, auf ein Stück Modellpapier und
umzeichnet sie genau. Nachdem man sie
weggenommen hat, legt man die Außen
seite derart auf die gezeichnete Innen123.3 Das Au3SOhnelden der Leistenkopie
123
---r4"J,// ,
Hitte/kopielinie
�
�
,,,
1
fersenbeugepunkl
\
1 8esalLNihe
��e
l'liffe/kopitlime
124,l Die Erarbeitung der Mittelkopie
124.2
\
�
��
Miffelkopiefinie
kopie, daß sich die Umrisse nach
Möglichkeit decken (124.l). Kleine
Abweichungen sind nichtvon Belang.
Die nächste Arbeit besteht nun dar
in, eine Mittellinie zwischen beiden
Kopielinien einzuzeichnen, soweit sie
sich nicht decken, wie z. B. bei der
hinteren Fersenlinie (124.2) . Kappen.
124.S Die fertige Lelitenkopie
höhe, Besatzhöbe und die Fersen.
beuge, sofern sie am Leisten festgelegt ist, werden wiederum auf die :Mittelkopie
zeichnung übertragen. Auf der l\fittelkopielinie wird nun ausgeschnitten, womit
die Leistenkopie fertig ist (124.3).
Ba.llenma.ß und Fersenmaß sind in der fertigen Leistenkopie enthalten, weshalb sie beim
Musterzeichnen nicht mehr besonders übertragen werden müssen.
c) Das Schaft.zeichnen und Modellieren verschiedener Muster
1. Das Herreoschnürstiefel-1\luster mit Ringsbesatz (125.1)
Das Zeichnen des Musters
Zum Schaftzeichnen soll man möglichst mattes, hellfarbiges und festes Papier verwenden.
Als Schneidunterlage dient ein gla.ttes Zuschneidebrett (Ahorn oder Stirnholzbrett) oder, was
weniger bekaunt, aber besonders geeignet ist, eine Zinkblechplatte, worauf sieb äußerst ge
naue Sohnittk&nten ergeben. Sie ist dem Messer keinesfalls schädlich.
Der Arbeitsablauf beim Zeichnen (125.1)
1. Grundlinie und Senkrechte aufzeichnen (a)
2. An der Senk.rechten die erforderliche Absatzhöhe abtragen (b)
3. Leistenkopie abzeichnen (c). Die Sohlenbahn der Leistenkopie berührt am
Ballen die Grundlinie, hinten die Absa,tzhöhe.
4. Festlegen des Fersenpunktes : Falls er a.m Leisten nicht bezeichnet ist,
trägt man zwei Drittel der Leistenlänge vom Absatzhöhenpunkt b nach der
Grundlinie ab und verbindet beide Punkte durch eine Linie (Gelenklinie d).
Auf der Gelenklinie legt man im Absatzhöhenpunkt b den Winkelmesser an
und bezeichnet den 39. Grad, worüber von Punkt b aus eine Linie (e) zum
124
·-----
�1
125
so ermittelten Fersenbeugepunkt f gezeichnet wird. Bei Scha.ftmuster für
Platt- oder Hohlfüße muß ein entsprechend niederer oder höherer Winkel
abgetragen werden (S. 121).
5. D i e Schaftstellungsl i n i e : Das Schaftoberteil, auch „ Quartier" genannt,
muß eine dem Verlauf des Beines angepaßte Stellung bekommen, d. h., am
fertigen Stiefel darf es weder eine Neigung nach vorne noch nach hinten ha
ben, da sich der Schaft sonst verzerren würde. Der Schaft muß „Stellung"
haben, wie der Fachmann sagt. Sie wird erreicht, indem man die Fersenlinie e
balbiert ; dadurch erhält man den Punkt g, durch welchen man eine Senk
rechte zur Grundlinie zieht (h), die sog. ,,Schaftstellungslinie". An ihr wird
auch die Schafthöhe abgetragen.
6. Die Sehanhöh e : Als normale Schafthöhe kann man für Knaben- und
Herrenschäfte die Hälfte des Leistenlängenmaßes verwenden. Mit dieser Höhe
trifft man die dünnste Stelle des Beines, oberhalb des inneren Knöchels, die
sich als Schafta.bschluß am besten eignet. Außerdem steht diese Schafthöhe
im richtigen Verhältnis zur Stiefellänge. Das Abtragen der Schafthöhe geht
nicht von der Grundlinie aus, sondern von der Sohlenbahn der Leistenkopie,
wodurch man zu Punkt i gelangt.
7. D i e Schaftabschluß l i n i e : In Punkt i wird an der Schaftstell'ungslinie
der 98. Grad abgetragen, worüber die Scha.fta.bschlußlinie k nach vorne und
hinten gezogen wird.
8. Abtragen der Beinweit e : Da. nur eine Schaftseite gezeichnet wird, be
nötigt man auch nur die Hälfte des Beinmaßes. Beträgt dasselbe z. B. 34
Stich, so verwendet man für das Schaftmuster 17 Stich. Die Hälfte hiervon,
also 81/i Stich, trägt man von Punkt i nach vorn und 81/2 Stich nach hinten
ab und gelangt zu den Punkten l und m.
9. Einzeichnen der vorderen und hinteren Quart i e r l i n i e : Durch An
legen des rechten Winkels an die Schaftabschlußlinie. in Punkt i zieht man
eine kleine Hilfslinie zum Einzeichnen der vorderen Quartierlinie n. Soll die
vordere Scbaftlinie einen paßgerechten Verlauf nehmen, läßt man sie nicht
in den Fersenpunkt f auslaufen, sondern führt sie etwa 1/2 Stich darüber YOr
bei. Sie mündet unmittelbar unter dem Ferseupunkt f in die Reihenlinie der
Leistenkopie ein.
Zu ihrer Berechnung bedient man sich wieder der Regel, wie sie für die Er
rechnung der Hinterkappenhöhe angewandt wurde : Zur normalen Leisten
länge, in Stichen ausgedrückt, zählt man immer die Zahl 6 und teilt das Er
gebnis durch 6.
Beispiel:
Leistenlänge = 42 Stich, plus 6 = 48, geteilt durch 6 = 8 Stich für die hintere Besatzhöhe
des 42er Stiefels.
126
Dies so errechnete l\'.faß wird an der hinteren Fersenlinie, vom Absatzhöhen
punkt b nach oben, Punkt o, abgetragen. Nun kann die hintere Quartierlinie
p von Punkt m na.ch o eingezeichnet werden. Diese Linie darf nicht zu stark
im Bogen verlaufen, da der Schaft sonst in diesem Teil zu eng wird.
Beim Zeichnen der Schaftlinien muß man sich bewußt sein, daß es sich um flächenmäßige
Linien handelt, die erst a.uf dem Leisten, ganz besonders aber am Fuße die schärfer gekurvten
Linienführungen erhalten. So kann eine gerade Schnittlinie am Muster aJs leicht gebogene
Linie am Schuh oder Stiefel in Erscheinung treten, eine leicht gebogene Musterlinie als stärker
gebogene Schaftlinie hervortreten usw. Wo also die Schaftzeichnung bereits durch körperhaft
wirkende Linien ausgezeichnet wird (siehe Skizze 125.l a), muß sich der Schaft am Fuß z u
eng und somit fehlerhaft aus'l\'1l'ken.
10. D i e Besatz l i n i e: Hierfür wird eine weitere Hilfslinie benötigt. Vom Be
satzhöhenpunkt q zieht man nach der Grundlinie die allgemein als „Ballen
linie" bezeichnete Hilislinie r. Sie mündet jeweils am Ballenpunkt der Leisten
kopie, das ist die Stelle, wo die Sohlenbahn der Leistenkopie die Grundlinie a
am Ballen trifft. Durch Halbieren der Ballenlinie kommt man bei Verwendung
kräftiger Oberledersorten {Sportleder usw.) zur seitlichen Besatz- oder Blatt
höhe. BeiVerwendung leichter bis mittelkräftiger Ledersorten, wie beispielsweise
Chevreau und Boxcalf, geht man 1 Stich über die halbierte Ballenlinie, Punkt s.
Leichtes Schaftmaterial ist zugiger und gibt im Zwickprozeß nach, was beim Festlegen der
seitlichen Besatz- oder Bla.tthöhe berücksichtigt werden muß. Andernfalls fällt der Besatz
oder bei Halbschuhen da.s Blatt seitlich zu niedrig aus.
11. Das E i n z e i c h n e n der Besatzbruc h l i n i e : ZumAusmodellieren des Rings
besatzmusters mit den beiden Besatzflügeln muß eine Modellierlinie ( u), welche
die Mitte des Ringsbesatzes darstellt, eingezeichnet werden. Sie geht durch
den Besatzhöhenpunkt q und verläuft nach hinten und vorn parallel mit der
Besatzhilfslinie t.
Bei Verwendung dünner Oberleder oder zugigen Materials ist es zweckmäßig, die Besatz
bruchlinie nach hinten um etwa 8 bis 10 mm zu senken. Hierdurch gestaltet sich der Besatz.
ausschnitt hinten schmaler als vorne am Besatzbogen, was eine bessere Paßform ergibt.
Die Besatzbruchlinie (u) in Bild 125.1 hat diesen nach hinten gesenkten Verlauf.
Je nach Höhe der Leistenspitze verläuft die Besa.tzbruchlinie nach vorne a u f der Leisten
kopiespitze wie in Bild 125.1, ü b e r derselben bei flachen Leistenspitzen und darunter
bei hohen, was durchaus seine Richtigkeit hat, auch wenn die Linienführung bei Eigen
entwurf eine andere ist als in Bild 125.1 dargestellt.
12. Die Zwic k z u g a b e : Sie beträgt durchschnittlich 2¼ Stich. Zunächst wird
die Leistenkopiespitze auf die Besatzbruchlinie übertragen. Man gelangt so
zu Punkt v. Von hier aus wird die Zwickzugabe nach vorn und unten (w)
gegeben.
Je nachdem die Besatzbruchlinie über oder unterhalb der Leistenkopiespitze verläuft, muß
an der Zwickzugabe entsprechend abgebrochen oder zugegeben werden. Allgemein gibt man
am äußeren Ballen etwa l Stich mehr Zwickzugabe als innen, weil die äußere Leistenseite
gewöhnlich etwas breiter ist als die innere.
13. Die Zier- oder Vorderkappe: Der an der Leistenkopie festgelegte Zier
kappenhöhenpunkt wird auf die Besatzbruc hlinie übertragen, Punkt x. Eine
rechtwinklige Linie in Punkt x zur Besatzbruchlinie führt zur soeben ein
gezeichneten Zwickzugabe. Von hier wird 1 cm nach links Punkt y festgelegt,
worin der von Punkt x kommende Zierka.ppenbogen einmündet.
14. Das E i n z e ic h n e n des Besatzbogens: Es ist die letzte Verrichtung, am
Schaftmuster. Etwa 2... 3 mm oberhalb des Besatzböhenpunktes r beginnend,
127
berührt der kurz-rund zu haltende Bcsatzbogen die Ballenlinie s und mündet
in die Besatzhilfslinie t ein. Der Verlauf der eigentlichen Besatzlinie z soll aber
· nicht gerade, sondern leicht nach oben gebogen sein. Das „Heben" der Besa.tz
linie, wie dieser Vorgang bezeichnet wird, beträgt in der Mitte des Besatzflügels
etwa 3 mm, von der Hilfslinie t aus gemessen.
Würde die Besatzlinie am fertigen Scha.ft gerade verlaufen, so hätte die Besatz:naht xricht
genügend Spannung für das Zwicken und könnte nach unten fallen, wodurch der neue Stiefel
schon das .Aussehen eines getragenen Serienstiefels bekommt.
Das A u s m o dellieren
Zunächst wird das Schaftmuster auf seinen äußersten Linien rundherum ausge
schnitten. Man erhält so das sog. ,,Grundmuster", denn es dient als Unterlage
zur Herstellung aller Teilmuster, wie Quartier, Besatz, Kappe, und ist gleichzeitig
auch das Futtermuster.
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1
Das Quartiermuster wird zugeschnitten. Man unterlegt dem
Grundmuster ein genügend
großes Stück Modellpapier, umzeichnet die hintere, obere und
vordere Kante des Quartiers und
kopiert den Besatzvedauf mit
dem Kopierrädchen durch . Nach
Wegnahme des Grundmusters
gibt man zur durchkopierten
Besatzlinie l cm Zugabe als
128.1 Das Modellieren des llJngsbesatz-Musters
„Untertritt" für das Auflegen
und Ansteppen des Besatzes,
worauf das Quartiermuster ausgeschnitten wird (128.l , Strichlinien). Um Uneben
heiten bei der Schaftarbeit zu vermeiden, schneidet man am fertigen Quartier die
hintere untere Ecke in Höhe und Breite von einem Stich ab. Die obere vordere
Kante wird mit einem Bogen versehen.
....-'/
,..
Zu den Quartieren gehören die Ösenstreifen. Sie dienen zur Verstärkung der vor
deren Quartierkanten und zum Abschluß des Futters. In Fällen, wo eine Ösen
Verzierungsnaht angebracht werden soll, benutzt man das entsprechend gehal
tene Ösenstreifenmuster als Richtmuster für den Verlauf der Verzierungsnaht.
Es ist etwa 2 c m breit und läuft nach unten in einem leichten Bogen aus (Punkt
linie in Bild 128.1 ).
Das Besatzmuster wird ausgeschnitten. Ein Stück Musterpapier in der Größe von
25 c m X 35 cm wird in derMitte der Länge nach gefalzt. Die Bruchlinie des gefalzten
Papiers wird genau unter die ausgeschnittene und eingezeichnete Besatzbruch
linie des Grundmusters gelegt, der Zwickzugabe entlang und hinten umzeichnet,
und die Besatzlinie mit dem Kopierrädchen durchkopiert. Nachdem wird das
Muster in der gefalzten Lage, wie umzeichnet und durchkopiert, herausgeschnit
ten (Voll-Linie in Bild 128.1).
128
Da der Besatz dw·ch seine Länge viel Zugigkeit beim Zwicken aufweist, fällt er
bei Belassung seiner ganzen Länge zu lang aus, weshalb man bei dünnen, dehn
baren Ledern gut 1 cm hinten am Muster kürzen kann.
Zur Herstellung der Zier• oder Vorderkappenmuster wird in der gleichen Weise wie
beim Besatz die Bruchlinie eines entsprechend großen, gefalzten Papierstückes
mit der des Grundmusters gleichgelegt. Der Kappenbogen wird durchkopiert, die
Zwickzugabe im Spitzenteil um.zeichnet und herausgeschnitten.
Um das Grundmuster als Futtermuster verwenden zu können, muß man es nach
Fertigstellung aller Teilmuster im vorderen Teil etwas verändern. Da da.s Futter
hei Ringsbesatzschäften vorn eine Naht erhält, schneidet man das Grundmuster
vom Besatzhöhenpunkt r (Bild 125.l, schraffierte Linie) bis zur Spitze auf der
Leistenkopielinie aus.
Die Kundenmuster werden aufbewahrt. Nachdem die Teilmuster in der R!;lihen
folge G111ndmuster, Quartier, Besatz, Kappe aufeinandergelegt sind, Kappe auf
geklappt, durchschneidet man sämtliche Muster mit zwei parallel angeordneten
Schnitten und schiebt das Ösenriemenmuster zum Zusammenhalt aller Muster
hindurch (129.1). So werden die Kundenmuster, alphabetisch geordnet, in einem
besonderen Musterschränkchen aufbewahrt.
Hinterriemenmuster,
Rutschriemenmuster
und Bordürenmuster
st.ellt man nur dann
besonders her, wenn
sie außergewöhnliche
Größen oder Formen
erhalten sollen, andern
falls bedient man sich
bereitliegender Fertig
muster.
129.1 Das fertige, zusammengelegte �1uster
2. Das Berrenderbystiefel-1\luster mit Blatt
Das Zeichnen d e s Musters
Gezeichnet wird genau wie beim Herrenschnürstiefelmuster mit Ringsbesatz. Es
tritt lediglich an Stelle des Ringsbesatzes das Derbybbtt. Die Strichlinie:n (130.1)
zeigen, wieweit für den Entwurf des Derbymusters der Aufbau des Herrenschnür
stiefelmusters Anwendung findet.
Der Derbybogen nimmt seinen Anfang am Blatthöhenpunkt a (130.1), geht
etwa ¼ Stich über den oberen Teil der Ballenlinie hinaus und stößt ¼··-1 Stich
hinter derselben bei Punkt b auf die Besatzhilfslinie c.
Der B l attbogen. An der Gelenklinie der Leistenkopie von Punkt d nach e trägt
man etwa ein Drittel ihrer Länge ab, wodurch man die Blattlänge bei Punkt f
erhält. Der Blattbogen verläuft von Punkt b über / bis zw· Grundlinie.
129
\
'
I
I
/
I
I
I
/
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130
Die Blattbruchlinie. Sie führt über die höchste Stelle der Leistenkopiespitze
(g) und durch den Blatthöhenpunkt a, wo sie noch 7... 8 Stich nach Punkt h wei
tergeführt wird. Von Punkt n, aus wird die Laschenzunge eingezeichnet (130.1). Da
das Blatt unter das Quartier zu liegen kommt, muß es am Blattbogen eine Zugabe
(Untertritt) von etwa 1 cm bekommen. Sodann wird die 2½ Stich breite Zwick
zugabe eingezeichnet.
Die Zier- oder V o r d e r k appe. Die Einzeichnung ist die gleiche wie beim
Herrenstiefelmuster.
D a s Ausmodellieren
Das Quartiermuster. Der Arbeitsgang ist der gleiche wie beim Modellieren
des Herrenschnürstiefelmusters. Das dem Grundmuster unterlegte Stück Modell
papier wird entsprechend dem Verlauf des Quartiers umzeichnet und der Derby
und Blattbogen mit dem Kopierrädchen durchkopiert. Hierauf wird ausge
schnitten (131.1).
Der Ö se n riemen, 2 cm breit, wird entsprechend dem Verlauf der Punktlinie im
Quartiermuster eingezeichnet und ausmodelliert.
Das Derbyl:ilatt. Die Bruchlinie des gefalzten Papierstückes wird mit der des
Grundmusters gleichgelegt, die untere Schaftkante umzeichnet und der Verlauf
der Lasche mit der Zugabe über den Untertritt durchkopiert (131.2). Ausgeschnit
ten wird auf der umzeichneten
und durchkopierten Linien
führung.
Im Blattmuster müssen noch die
Punkte a, b, c festgelegt werden,
die man alsdann mit einer kleinen
Lochnadel durchlocht. Sie zeigen
an, an welcher Stelle des Blattes
das Quartier zum Aufsteppen
aufgelegt (aufgeklebt) werden
muß. Die Punkte werden am
Grundmuster bezeichnet und
beim Durchkopieren des Blattes
mit einem Stepport durchstochen.
131,1 Das Modellieren des Quartiers und Ösenrlemens
3. Das Herrenschnürschuh-Muster
Das Zeichnen d e s Musters
Durch den Wegfall des oberen Schaft
teiles tritt für das Entwerfen von
Halbsohuhmlllltem eine wesentliche
Vereinfachung im Aufbau der Hilfs
linien ein (132.1).
131.2 Das Modellieren des Derbyblattes
131
1
1
1
\
1
\
\
\
\
l. Hauptlin ien u n d
-punkte fostlegen.
Grundlinie und Senkrechte
abtragen (a).
An der Senkrechten dieer.
förderliche Absatzhöhe be
zeichnen (b).
Leistenkopie einzeichnen
(c), Kappenhöhe d, Blatt
höhe e und Fersenbeuge.
punkt f festlegen.
2. Die hin tere Schuh-·
höhe vom Absatzhöhen
punkt b nach g abtragen.
Sie errechnet sich auf der
gleichen Grundlage, wie si�
zur Bestimmung der hinte
ren Leistenhöheangewandt
wird:
Zur Leistenlänge,inStichen
ausgedrückt, die Zahl 6 ge
ben, das Ergebnis durch 6
teilen und 2 Stich hinzu.
geben.
Somit beträgt die hintere
Schuhhöhe bei einem Herren
halbschuh von 42 Stich Größe
10 Stich.
DieseHöhe ist als äußerste
hintere Schuhhöhe zu be
·. zeichnen. Eine größere
Höhe führt zu unschönem
Schaftschnitt und trägt
sich auch nicht g11t, weil sie
:,m sehr in die Beuge der
Achillessehne hineinreicht,
worin sich ihre Streck- und
Beugebewegungen bei der
Abwicklung des Fußes voll
ziehen. Hautverletzungen
und Entzündungen können
die Folgen des zu hohen
hinteren
Schaftschnittes
sein.
13:t.1 Der Entwurf des Herrenhalbschu.b•)!usters
132
In vielen Fällen genügt eine
hintere Schuhhöhe von 9 Stich
für die Größe 42, jedoch ist die
Fuß- und Fersenbeschatfenheit für die richtige Höhenbemessung entscheidend, wie auch die
Gestaltung der Leistenferse eine nicht unwesentliche Rolle hierbei spielt.
3. Die vordere Schuhhöhe. Die Fersenbeuge t ist die höchste zulässige Stelle
für die vordere Schuhhöhe. Im allgemeinen schließt der geschlossene Schnürschuh
etwa 1 cm unterhalb der Fersenbeuge ab, Punkt h. Durch Anlegen des rechten
Winkels auf der Reihenlinie in Punkt h gelangt man vermittels einer zur Grund
linie führenden Hilfslinie zu Punkt i. Sie begrenzt in ihrem oberen Tern die vor
dere Schuhhöhe.
4. D i e seitliche Schuh höhe. Von Punkt i wird an einer Senkrechten nach
Punkt k die seitliche Schuhhöhe abgetragen.
Auch sie wird in der bekannten Weise errechnet, jedoch fällt die Zugabe von
zwei Stich weg. Demnach kann die seitliche Schuhhöhe für die Schuhgröße 42
acht Stich betragen. Dieses Maß ist füi· die äußere Schullhöhe bestimmt,
damit der tiefliegende Wadenbeinknöchel nicht berührt wird. Die Schuhkante
führt bei zu großer seitlicher Schuhhöhe zu Knöchelverletzungen, ferner ist sie
einem guten Schuhschluß hinderlich. Soll die hintere Schuhhöhe niedriger als nach
dem Beispiel errechnet werden, so muß auch die äußere, seitliche Schuhlb.öhe ent
sprechend tiefer fallen. Bei Verwendung von Schuhleisten mit runden Fersen {pla
stischer Sohle) muß die äußere Schuhhöhe um 1 Stich niedriger gehalten werden,
bei Schuhgröße 42 also höchstenfalls 7 Stich. Die innere Schuhseite· soll etwa 1 cm
höher sein als die äußere, womit der Fuß auf der belastungsgefährdeten Innen
seite einen festeren (sichereIJ.) Halt bekommt; außerdem liegt der Schienbein
knöchel bedeutend höher.
5. Einzeichnen der oberen Schuhkante. Punkt g wird mit Punkt k durch
eine Hilfslinie verbunden, die bis zur Verbindungslinie h-i weitergeführt wird.
Es verbleibt das Einzeichnen der im leichten Bogen verlaufenden oberen Schuh
kante, bei Punkt h beginnend, wo sie im Bereiche des Punktes k in die Hilfslinie
nach Punkt g verläuft. Der Verlauf der inneren Schuhoberkante ist aus der Zeichnung ersichtlich.
6. Einarbeiten des Schaftschlusses. Der gute Knöcbelschluß am Schuh wird
durch eine gute Leistenform, einen im Schaft eingearbeiteten „Schaftschluß" und
durch eine fachgemäß durchgeführte Zwickarbeit gewährleistet.
Den Schaftschluß erzielt man durch ein von Fall zu Fall bemessenes Engerhalten
der Schuhquartiere im oberen Teil. Dünne, zugige Leder vertragen hierbei mehr
Abbruch als festere oder stärkere.
Erreicht wird das Engerhalten, indem man bei der hinteren oberen Schaftkante
bei Punkt g ½ Stich einrückt, um etwa 3 bis 3½ Stich tiefer wieder in die Fersen
linie der Leistenkopie einzumünden. Dasselbe geschieht an der Reihenlinie bei
Punkt h, nur daß die Einmündung in die Reihenlinie der Leistenkopie etwas tie
fer, also 5 bis 6 Stich unterhalb des Punktes h, vorgesehen wird. Die obere Schaft.
ecke bei Punkt h wird durch einen leichten Bogen abgerundet.
Der in Schluß gearbeitete obere Schaftteil wird beim •überzwicken über den Lei.sten stark
gespannt, da er jetzt enger als die Leistenkopie ist. Dies wirkt sich nach dem Ausleisten des
Schuhes als eine Spannung aus, wodurch sich die Seitenteile fest an den Fuß anlegen.
7. Der Blattbogen. Vom Blatthöhenpunkt e nach der Sohlenbahn der Leisten
kopie die bei Bild 125.1, Abschnitt 10, näher besprochene „Ballenlinie" 1 einzeich133
nen. Sie wird wie beim Ringsbesatzstiefelmuster halbiert und bekommt nach oben
einen Stich Zugabe, doch nur, wenn dünnes Schaftmaterial zur Verarbeitung
kommen soll, Punkt m. Bei stärkerem bzw. wenig zugigem Schaftmaterial begrenzt
die halbierte Ballenlinie die Breite des Blattbogens oder Blattausschnittes ohne
einen Stich Zugabe nach oben. Von Punkt m aus wird eine kurze Hilfslinie in
Richtung zur hinteren Schuhhöhe gezogen. Nun trägt man an der Gelenklinie
etwa ein Drittel ihrer Länge von der Ballenlinie nach hinten ab, wodurch die
Blattlänge bei Punkt n festgelegt wird. Jetzt wird der Blattbogen eingezeichnet,
bei Punkt e beginnend, bei Punkt m in kurz-rundem Bogen auf die kurze Hilfs
linie stoßend, um alsdann nach Punkt n hin im schön verlaufenden Bogen in die
Grundlinie auszulaufen.
8. Die Blattbruchlinie u n d Zwickzugabe. Wie beim Herrenderbymuster
mit Blatt führt sie von der höchsten Stelle der Leistenkopiespitze bei Punkt o
nach dem Blatthöhenpunkt e. Nach vorn erhält sie wie bei den vorhergehenden
Mustern eine Zwickzugabe von 21/2 Stich, desgleichen an der Sohlenbahn der
Leistenkopie. Das Kappenmuster wird wie üblich eingezeichnet.
9. Einzeichnen eines Kappenbesatzes. Soll das Halbschuhquartier mit
einem Kappenbesatz versehen werden, so zieht man 2 Stich unterhalb eine Par
allele zu der Hilfslinie g-k (p). Durch das Einzeichnen zweier Bogen q und r erhält
man eine gefällige Kappenbesatzform. Eine Verzierungsnaht im Ösenteil (s),
welche in einem Abstand von 2½ bis 3 Stich von der Verschnürungskante in
leichter Bogenform verläuft, vollendet das HeITenschnürschuhmuster.
Das Ausmodellieren
Das Quartier- oder Hinterteilmuster wird ausgeschnitten. Das Blatt
wird „aufgelegt", wofür man dem Hinterteil einen 1 cm breiten Untertritt für die
Auflage des Blattes geben muß (134.1). Der Verlauf der hinterei1, oberen und vor
deren Schuhkante wird auf das
untergelegte Musterpapier durch
kopiert, desgleichen die vordere
Kante des Untertrittes.
Nach Umzeichnen der EinzwickQuarti,r
kante wird das Muster ausge
schnitten. Soll ein inneres und ein
äußeres Quartierteil geschnitten
werden, so muß am Grundmuster
auch der Verlaufder höher liegen134.1 Das Modellieren des Quartiers und Blattes
den, oberen Schaftkante einge
zeichnet werden, die ebenfalls durch.kopiert wird. Ausgeschnitten wird dann mit
doppelt gelegtem Musterpapier, doch geht die Schnittführung über die höher
liegende Schaftkante. Nach dem Ausschnitt wird an dem einen Teil der Unter
schied weggeschnitten, wodurch man das Außenteil erhält. Durch den doppelten
Ausschnitt wird das zweifache Ausmodellieren überflüssig.
Der Kappenbesatz kann auf die ganz belassenen Quartiere aufmon
tiert werden, so daß in diesem Falle die Quartiermuster unverändert bleiben.
134
Zweckmäßig gibt man jedoch
am Muster unterhalb des Kap
penbogenverlaufes 1 cm Unter
trittund schneidet den unteren
Fersenteil ab, wodurch Leder
gespart wird (135.1). Das
Quartiermuster wird durch
kopiert, umzeichnet und aus
geschnitten.
135.1 Das Modellieren des Quartiers für
Kappenbesatz
Für d a s Blatt m u s t er wird
die Bruchlinie des gefalzten
Musterpapieres mit der Bruch
linie des Grundmusters gleich
gelegt, der Blattbogen durch.
kopiert, die Zwickzugabe um
zeichnet und ausgeschnitten.
Das Kappenmuster wird, wie
besprochen, ausmodelliert.
/
/
/
/
( <...>
\
\,(
\
4. Das Derbyschuh-lUuste:r mit
Blatt
Das Z e i c h n e n des Musters
Der Aufbau ist zunächst der
selbe wie beim Schnürschuh
muster. An Stelle des Blatt
bogens tritt die Einzeichnung
des Derbybogens, wie sie beim
Herrenderby - Stiefelmuster
mit Blatt erklärt wurde. Die
135.2 Der Entwurf
des Derby
schuh-Musters
mit matt
135.3 Das l\lOdellieren des D�rbyschuh
Musters
135
Blattbruchlinie führt über die höchste Stelle der Leistenkopiespitze, Punkt a,
durch den Blatthöhenpunkt b bis zur Hilfslinie c (135.2). Hier beginnt der Laschen
bogen, falls Blatt und Lasche in einem Stück gearbeitet werden sollen, und endet
2 cm vor dem Derbybogen. Da das Derbyblatt unter dem Quartier zu liegen
kommt, benötigt das Blatt einen Untertritt von 1 cm. Die Kappeneinzeichnung
ist die übliche.
Das Ausmodellieren
Das Quartiermuster wird entsprechend dem Verlauf der Voll-Linie (135.3)
durchkopiert und ausgeschnitten, das Blattmuster gemäß der Strichlinie.
5. Das Damenschnürschuh-Muster
Das Zeichnen des Muste1·s
Der Aufbau ist im wesentlichen derselbe wie der des Herrenschnürschuh-Musters
(137.1).
1. Hauptlinien und -punkte festlegen.
Grundlinie und Senkrechte aufstellen.
Absatzhöhe an der Senkrechten abtragen, a.
Leistenkopie mit Blatthöhe und Kappenhöhe einzeichnen.
2. Fersenbeugepunkt festlegen. Vom Absatzhöhenpunkt a nach der Grund
linie zwei Drittel der Leistenlänge übertragen und durch Linie (Gelenklinie) ver
binden. Auf derselben im Absatzhöhenpunkt a Winkel von 42 Grad abtragen
(35 Grad zuzüglich 7 Grad für die Absatzhöhe = 42 Grad).
Fersenlinie zur Vermeidung überflüssiger Hilfslinien nicht einzeichnen, sondern
durch Anlegen des Lineals über den 42. Grad den so ermittelten Fersenbeuge
punkt b an der Leistenkopie festlegen (137.1).
3. Abtragen der hinteren Schuhhöhe wie beim Herrenhalbschuh-Muster c.
Beispiel:
Schuhgröße 40 Stich; 40 plus 6 = 46; 46 : 6
+ 2 = 72 + 2 == 9
/3
2/
3
Stich.
4. Einzeichnen der Ballenlinie. Im Blatthöhenpunkt d rechten Winkel auf
Leistenkopie anlegen und wie bisher die Ballenlinie einzeichnen. Durch Halbieren
derselben und 1 Stich Zugabe nach oben gelangt man zum seitlichen Blatthöhen
punkt e, den man mit der hinteren Schuhhöhe c durch eine Hilfslinie verbindet.
5. Die Bemessung der vorderen Schuhhöhe. Wie beim Herrenschnürschuh
Muster erwähnt, ist der Fersenbeugepunkt die höchste Stelle für den vorderen
Schuhabscbluß. Soll der Schuh einen tieferen Ausschnitt erhalten, wie dies im
vorliegenden Beispiel der Fall ist, so legt man den rechten Winkel entsprechend
tiefer an der Reihenlinie der Leistenkopie an, Punkt /, und zieht eine Verbindungs
linie na.ch der Sohlenbahn der Leistenkopie. Von Punkt f aus beginnt das Einzeich
nender oberen Schuhkantena.ch Punkte.Bei Punkt c und/werden noch, wie schon
beim Herrenhalbschuh erwähnt, der Schuhschluß eingezeichnet und d!ie obere
Schaftecke in Punkt f abgerundet.
6. Die Blattlänge. Sie wird in der gleichen Weise wie bei den Herrenschuh
Mustern erzielt, Punkt g. Hierauf wird dem Blattbogen vom Blatthöhenpunkt d
nach g die Form gegeben.
136
137.1 DerEntwurf desDamenschnür•
sc'huh-Musters
7. Die Blattbruchlinie.
Bei gesprengten Damen
leisten empfiehlt es sich,
die Blattflügel so zu schnei
den, daß sie näher zusam
menkommenund nicht aus
einanderstehen (137.2). Die
Strichlinie stellt die Flügel
stellung ohne Schluß dar,
die Voll-Linie dieselbe mit
Schluß. Durch diese Form
gestaltung erzielt man den
sog. ,,Blattschluß", d.h.,das
Blatt legt sich beim Zwicken
nicht nur leichter oben an
den Leisten an und verhin
dert Spannungen an der
Blattnaht, sondern es be
kommt auch einen besseren
seitlichen Schluß. Erreicht
wird dies, indem man die
/
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·o
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-·-·7
\
i
'
1'
1'
1
'
1
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\
137.2 Das Modellieren des
Damen-lllatt,os
137.3 Das Modellieren des
Damen-Blattes
Blattbruchlinie vorn an der höchsten Stelle der Leistenkopiespitze, Punkt h, um
etwa l Stich hebt und von hier aus nach dem Blatthöhenpunkt d führt.
Nach der üblichen Zwickzugabe ist das Muster fertiggestellt, falls der Schuh nicht
noch eine Zierkappe, Ösennaht, Kappenbesatz oder andere Verzierungen erhal
ten soll.
137
D a s Ausmodellieren
Unter der üblichen Zugabe
für den Untertritt wird wie
beim Herrenschnürschuh
Muster verfahren. Bild
137.3 zeigt in der Strich
linie das Quartiermuster
und in der Voll-Linie das
Blatt.
6. Das Damenspangen
schuh-Muster
D a s Z e i c h n e n d-es
Musters
1. Hauptlinien u n d
-pu nkte festlegen. Lei
stenkopie mit festgelegter
Blatthöhe und Fersen beuge
auf Grundlinie und Senk
rechte in entsprechender
Absatzhöhe
einzeichnen
(138.1).
Hintere Schuhhöhe abtra
.......
gen (a).
Ballenlinie wie üblich ein
zeichnen und halbieren,
Punkt b.
Hilfslinie von der hinteren
Schuhhöhe a nach b ein
zeichnen.
·2. Die Spangenhöhc soll
höchstens bis an den Fer
senbeugepun.kt c reichen,
doch erzielt man bei tieferer
Anordnung im allgemeinen
bessere Paßformen, beson
138.l Der Entwurf des Damenders bei weniger stark ge
1-Spangcn-Mustcrs (Blat.t
untergelegt)
sprengten Leisten: Auch
richtet sich die Spangen
höhe wesentlich nach der Blatthöhe. Soll z.B. das Blatt kurz werden, muß auch
die Spange entsprechend tiefer angeordnet sein, damit der Raum zwischen Blatt
höhe und Spange nicht zu groß wird und dadurch das Gesamtbild stört. Je
höher das Blatt, desto höher auch die Spange. Bei einer Durchschnittsblatthöhe
kann man die Spange 1 cm unterhalb des Fersenbeugepunktes festlegen, Punkt d.
Wie bei den übrigen Schuhmustern, wird auch hierbei in Punkt d der rechte Win
kel zur Reihenlinie angelegt und eine Verbindungslinie (e) nach der Hilfslinie
a-b gezogen.
138
� - Die Spangenbreite. Von Punkt b zieht man zur Hilfslinie e eine Parallele
zur Reihenlinie. Im Schnittpunkt / wird der 80. Grad abget.ragen, worüber von
Punkt f eine über den Reihen hinausgehende Hilfslinie g zum Abtragen der Span
genlänge gezogen wird.
Zu diesen Hilfslinien zieht man 1 cm tiefer eine Parallele h. Wenn die Spange entsprechend
breiter werden soll, muß diese Parallele in größerem Abstande von der Hilfslinie g einge•
zeichnet werden.
4.DieSpangenlänge.Die
Entfernung von Punkt f
nach Punkt d unter Zurech
nung von zwei Stich von
Punkt d auf die Spangen
hilfslinie g übertragen.
Punkt i ist sodann die
Spangenlänge.
-----·-------- ·7
1.
1
.
1
5. D a s E i n z e i c h n e n der
Spange. Zweckmäßig be
ginnt man beim Spange n
längenpunkt i, indem man
zunächst den Spangenkopf
einzeichnet. Dann folgt man
dem VerlaufderHilfslinie g,
wodie Spangenlinie alsobere
Schuhkante an Punkt/ vor
bei weitergeführt wird. Den
gleichen Verlauf nimmt die
Spange bei der Hilfslinie h,
berührt alsdann die Hilfs
linie b-f, um im ovalen
Bogen in den Blatthöhen
punkt k einzumünden.
1
.
1
1
6. Das Einzeichnen des
Blattes. Das Blatt kann
unterlegt oder aufgelegt
werden. Im ersteren Falle
139.1 Das Modellieren des Damen-1-Spangen-Muster
139.2 Entwurf
desDamen
Spangen
Mustersmlt
aufgeleg
tem Blatt
139
geht man vom Blatthöhenpunkt k 1 Stich tiefer, Punkt 1, und folgt in stets
breiter werdendem Abstand dem ovalen Blattausschnitt, um, wie bei den übrigen
Halbschuhmustern, im guten Drittel der Gelenklinie bei Punkt m in flachge
haltenem Bogen einzulaufen.
7. Die B l a t tbruchli n ie. Tor Verlauf ist der gleiche wie bei dem vorausge
gangenen Damenschnürschuhmuster und aus der Zeichnung ersichtlich.
8. Zwickzugabe und Untertritt. DieZwickzugabe ist die übliche. Der Unter
tritt beginnt bei Punkt J�
und ·wird bei unterlegtem
Blatt an dieser Stelle
knapp 1 Stich breit ge
halten, verbreitert sich
1'
jedoch nach der Seite
· 1
und unten hin auf 1 cm.
'
Nachdem der Schuh
schluß beim hinteren
1
Schafthöhenpunkta ein
gezeichnet ist, wird die
1
Knopfbefestigungsstelle
auf der Hilfslinieb-f bei
\
1
'
Punkt n festgelegt.
\
A
2 bis 2½ Stich oberhalb
1
/ \
des Punktes n bekommt
\
1
das äußere Quartierteil
\
einen bogenförmigen Ab
schluß, der in seinem
vorderen Teil aber nicht
breiter als clieSpangesein
darf, damiternichtsicht
barwird.Hältman diesen
Auslauf kürzer, dann ist
/
eine Knopfversetzung
�
nach vorn mit Schwierig. /
1 �/
keiten verbunden, für die
sonst genügend Spiel
raum vorhanden ist.
/
-----.:.::;;----�-:.=:::::--·-·1
.
.
,,.
,,
.........____________"""I\
\
1
1
1
------------J
'
I
1
1
140.1
140
Das Modellieren des Damen-Spangen-Musters mit
aufgelegtem Blatt
140.2
Entwurf des
2-Spangen
Musters
,,.,,,.
D a s Ausmo dellieren
Die Voll-Linie (139.1) zeigt den Modellschnitt des Spangen- und Knopfteiles, die
Strichlinie den des „unterlegten Blattes". In Bild J.39.2 ist der Entwurf für das
Spangenmuster mit „aufgelegtem Blatt" dargestellt.
Modelliert wird in der bisher besprochenen Weise. Der Verlauf der Blattlinie
wird in Bild 140.1 durch die Voll-Linie veranschaulicht und der des Quartieres
durch die Strichlinie.
Der Zweispangenschuh (Bild
140.2) hat denselben Aufbau wie
der Einspangenschuh, nur wer
den für die zweite Spange zwei
weitere, parallel zur ersten Span
ge laufende Hilfslinien einge
zeichnet.
Auch der sog. ,,Bindeschuh"
(141.l) wird wie die vorerwähn
ten Halbschuhmuster entwik
kelt. Die seitlichen Verzierungs
ausschnitte müssen sich der Ge
samtlinienführung des Schaftes
anpassen und werden am Schluß
freihändig eingezeichnet.
Mit der Leistenkopie werden die
Schaftmuster paßgerechter. Ver
mittels des Leistenkopierverfah
rens lassen sich unter teilweiser
Mitbenutzung desWinkelverfah
rens alle Schaftarten in paßge
rechter und auch formvollende
ter Weise zusammenstellen. Vor
aussetzung ist jedoch, daß die
Herstellung der Leistenkopie
fleißig geübt und der Aufbau des
Grundmusters für Stiefel und
Schuhe so erlernt wird, daß die
Anordnung der wenigen Hilfs
linien auswendig erfolgen kann.
Das Herrenderbyschuh-Muster
mit Quartierverzierung und
„Flügelkappen" (142.1) zeigt in
klarer ,veise, daß es vermittels
der Leistenkopie entschieden
einfacherist, formschöneund vor
allem paßgerechte Schaftmuster
zu entwickeln als unter Zugrun
delegung eines rein geometrisch
aufgebauten Winkelsystems.
141,l Entwurf des Bindeschuhes
141
m. Das Schäftemachen
a) Das Oberleder
und seine Gerbung
.o:,
.o.,
.0.1
.o.1
.r
?
0
·o·I
o·r
.eil
1•
Für die gebräuchlichsten Ober
leder verwendet man leichte
Rindshäute, Kipse (Bezeichnung
für die Häute des Zeburindes),
Kalb-, Ziegen- , Schaf-, Reh-,
Gems-, Antilopen-, Renntier- und
Reptilienfelle.
Entsprechend der Art der Haut,
dem zur Anwendung kommenden
Gerbverfahren und der .Art der
)fachbehandlung erhält ma,n Le
der von verschiedenem Aussehen
und mit verschiedenen Eigen
schaften, wie schwarzes oder far
biges, mattes oder glänzendes,
rauhes oder glattes, grob- oder
feinnarbiges „ dünnes oder kräf
tiges, trockenes oder fettiges
(wasserdichtes), mehr oder weni
ger zugiges, geschmeidiges und
dehnbares Leder usw. Die zur Ge
,rinnung der Blößen notwendigen
Vorarbeiten sind im wesentlichen
dieselben wie• die bei der Boden
ledergerbung (s. S. 6 bis 8). Für
das Gerben werden verschiedene
Verfahren angewendet.
l. Die vegetabile Gerbung
Hierbei finden Gerbstoffe aus dem
Pflanzenreich Verwendung, die
aus Rinden, Holz, Wurzeln,
Früchten und Gallen gewonnen
werden. (Siehe auch S. 7 bis 10.)
Rinden als Gerbstoffe. Eich en
rin dewit-d von 15-bis20jährigen,
in besonderen Schälwäldern her
angezogenen Eichenstämmchen
14%.1 Entwurf des Herrendetbyschuh•llusters mit FIOgelkappen und Knppenbes:1.tz
gewonnen. Geschält wird gewöhn
lich Anfang Juni, weil dann die
größte Menge Saft vorhanden ist, wodurch das Schälen leichter fällt.
Fichtenrinde wird von 30- bis 60jährigen oder älteren Bäumen gewonnen.
142
Ferner finden Verwendung W e i d e n r i n d e , T a n n e n
r i n d e , Mimosenrinde (von verschiedenen tropischen
Akaziensorten gewonnen), Mangrovenrincle (von
tropischen Sträuchern stammend) u. a. m.
Auch Hölzer finden als Gerbstoffe Verwendung, und zwar
besonders Eichenho l z , K a s t a n i e n h o l z und Que
brachoho lz.
Quebrachoholz ist von allen Hölzern das wichtigste. Der
Quebrachobaum wächstnicht in Wäldern, so ndern findet
sich in Gruppen in den Ebenen Uruguays, Paraguays
und Brasiliens. Das Holz ist von roter Farbe, sehr fest
und schwer, fast steinart,ig. Die jungen Stämme sind
reicher an Gerbstoffen als die älteren. In Verbindung
mit anderen Gerbstoffen ist Quebracho ein sehr wert
voller Gerbstoff und ko mmt meist in Form von trocke
nem oder flüssigem Auszug in die Gerbereien.
H3.l Yalonea
10.2 Myrobaw.neu
Von Blättern, die als Gerbstoff dienen, ist der Sumach zu
nennen. Er besteht aus Blättern und jungen Trieben
mehrerer verwandter Pflanzen, die vorzugsweise in den
Mittelmeerländern wild wachsen. Von grünlicher Farbe,
kommt er vollständig getrocknet in Form zerkleinerter
Blätter oder zu Pulver gemahlen in den Handel.
143,3 Dividivi
Verschiedene Früchte sind als Gerbstoff wertvoll. V a l o n e a nennt man die Frucht
becher der namentlich in Kleinasien beheimateten immergrünen Eiche (143.1).
Valonea ist ein für die Sohlledergerbung sehr wertvoller Gerbstoff, doch wird er wegen seines
hohen Preises meist nur als zusätzliches Einstreumittel mit der Eichenlohe verwendet. Er
vermittelt dem Narben des gegerbten Leders einen hellen Belag (die „Blume"), der ein Zeichen
der Güte des Leders darstellt.
Myr o b a l a n en sind die Früchte einer in Indien beheimateten Baumgattung, ge
nannt „Terminalia" (143.2).
Dividivi ist die Schotenfrucht eines in Zentral- und Südamerika wildwachsenden
Strauches. Die Schoten haben im getrockneten Zustande eine S-Form und sind
außen von rötlicher Farbe (143.3).
Algarobilla ist die Schotenfrucht einer in Südamerika wildwachsenden Kiefern
art. Die Farbe ist ocre (hell ockergelb). Algarobilla findet auch zur KombinatioBS
gerbung mit Mineralgerbmitteln Verwendung.
Von den Gallengerbstoffen seien Knoppern und Galläpfel genannt. Durch den Stich
der Knoppernzellwespe in die jungen Eicheln der Stieleichen verkümmert die
Eichel und erhält eine größere und unregelmäßigere Form von gelblichbrauner
Farbe. Diese verkümmerte Frucht i�t sehr gerbstoffhaltig und trägt die Bezeich
nung „Knoppern".
G a l l ä p f e l sind runde, krankhafte Auswüchse auf den Blättern und jungen Ästen
der Eiche, hervorgerufen durch den Stich der Gallenwespe, die in die Öffnung
143
ihre Eier ablegt. Es bilden sich bräunliche Anschwellungen, die sich mit dem
Wachstum der Larve bis zu 2½ cm vergrößern. Die Galläpfel müssen noch vor
dem Ausschlüpfen der Insekten eingesammelt werden.
Bei der vegetabilen Oberledergerbung werden aus den genannten Gerbmitteln
Brühen bereitet, in denen die Blößen so lange angegerbt werden, bis sich der Narben
gleichmäßig entwickelt hat, worauf in der Hauptsache im Fasse ausgegerbt wird.
Für das Anger ben in den Brühen verwendet man Eichen- oder Fichtenlohe und
für das Ausgerben im Faß Auszüge von Quebracho, Fichten usw.
Damit das fertige Leder mehr die Eigenschaften der besten Lohgerbung, der
Eichengerbung, erhält, bringt man sie nochmals in ein Versenk mit Eichenlohe
und Gambierbrühe oder in eine Brühe mit einer starken Lösung von Gambier,
Katechu oder Sumach. Je nach der zu erzielenden Beschaffenheit des Oberleders
ist die Gerbausführung, die Zusammensetzung der Brühen, die Nachbehandlung
usw. eine verschiedene. Nach der Gerbung wird das Leder weiter zugerichtet.
2. Die Alaun- oder Weißgerbung
Die Bezeichnung stammt von der Verwendung des weißen Alaunsalzes, dem noch
Kochsalz zugesetzt wird. Schon den alten Ägyptern war bekannt, daß bestimmte
Salze, wieKochsalz und .Alaun, erhaltende (konservierende) Eigenschaften haben.
Man bezeichnet diese Gerbung auch a.ls „Weißgerbung", weil das Leder hierbei
eine weiße Farbe annimmt. Weißgegerbtes Leder ist nach dem Gerben hart
und steif und bekommt erst durch die Nachbehandlung (Strecken und Stollen)
Weichheit und Geschmeidigkeit. Im Wasser verliert es aber seine Gerbung und
geht hei längerem Kochen in Leim über. Weißgegerbtes Leder eignet sich für
Schuhzwecke nicht besonders und findet vorzugsweise für Luxusschuhwerk Ver
wendung.
3. 1'1inera1gerbung
Sie ist das bedeutendste Gerbverfahren unserer Zeit, denn die meisten Oberleder
werden heute mineralgegerbt (chromgegerbt). Chromgegerbtes Leder unterscheidet
sich vom lobgegerbten sehr. Seine für Oberleder so wichtige Zugfestigkeit ist viel
größer, und es ist auch gegen äußero Einflüsse, wie Wasser, Hitze und Kälte, als
auch gegen Laugen und Säuren viel widerstandsfähiger. Gewichtsmäßig ist es
leichter als lohgegerbtes Leder, was gerade für Oberleder von besonderem Wert ist.
Gut gegerbtes Chromleder wird selbst in kochendem Wasser kaum beeinflußt.
Das Gerbverfahren geht schnell vor sich (4 bis 12 Stunden), entsprechend der
Haut- bzw. Fellstärke und dem angewandten Gerbverfahren.
Bei der Chromgerbung unterscheidet man das Einbad- und Zweibadverfähren.
Beim Einbadverfahren kommen die Blößen, ähnlich wie bei der Lohgerbung,
in eine fertige Chromlösung, wobei sich das Chromsalz auf der Hautfaser nieder
schlägt.
Beim Zweibadverfahren wendet man zwei Bäder an. Im ersten Bad dringt
die Chromsäure in die Blößen ein, wodurch sie eine gelbliche Färbung erhalten.
Hierauf kommen die Blößen in ein zweites Bad, in dem die Chromsäure zu
144
Chromoxyd verwandelt wird, das sich mit der Hautfaser innig verbindet und
nicht mehr entfernen läßt.
Im Zweibad gegerbte Leder zeigen im Schnitt eine mehr grünliche, die im Einbad
gegerbten eine mehr bläuliche Färbung.
Nach der Gerbung werden die Leder entsäuert, für schwarz oder farbig weiter
verarbeitet, und erhalten durch eine sachgemäße Zurichtung die dem Chromleder
wertvollen Eigenschaften, wie Weichheit, Zugigkeit, Schönheit des Narbens usw.
4. Die Sämisch- oder Fettgerbung
Die Sämischgerbung wird vorzugsweise mit Tranen (Dorschlebertran und Ton
fischtran) durchgeführt, ferner kommen Gehirnfett, Eidotter, Kuhbutter, Rüböl
und Leinöl in Anwendung. Andere Fette, wie z. B. Klauenöl, Rinderfett unq. Talg,
dienen mehr als Schmier- und Füllmittel.
An Häuten finden vorzugsweise die Felle des Wildes (Hirsch, Reh, Gemse, Anti
lope, Gazelle, Renntier) Verwendung, doch eignen sich hierzu auch schwache
Rindshäute, Kalb-, Ziegen- und Schaffelle sowie Spalte.
Der Gerbvorgang. Die Narbenschicht wird zum besseren Eindringen des Öles bzw.
Fettes beim Enthaaren mit entfernt oder aber auf der Spaltmaschine abge
spalten. Nachdem durch die übrigen Arbeiten in der Wasserwerkstatt die Blößen
erarbeitet sind, werden sie gut gewässert und hierauf unter der Presse ausgepreßt.
Danach werden die Blößen mit Tran bestrichen, worauf sie in einem Walkgerät
¼ bis 1 Tag gewalkt werden.
Hierbei verbindet sich der Tran mit dem in den Blößen noch vorhandenen Wasser
und dringt durch das Walken in das Zellgebilde des Felles ein. Um das Wasser zum
Teil verdunsten zu lassen, werden sie nunmehr in einem warmen Raum aufgehängt.
Hierauf werden sie, wiederum in einem warmen Raum, zu Häufen geschichtet
und weiter erwärmt. Damit sie sich nicht über 40 Grad erwärmen, werden sie zwi
schendurch umgeschichtet. Sobald eine weitere Selbsterwärmung über 40 Grad
nicht mehr eintritt, ist die Gerbung beendet. Die gerbende Wirkung kommt da
durch zustande, daß die Trane und Fette den Sauerstoff der Luft aufnehmen und
hierdurch oxydieren und ranzig werden. Die Leder bekommen dadurch eine gelbe
Farbe und einen eigentümlich scharfen Geruch.
Nun folgt das Entfernen des überschüssigen Fettes mit einer Soda- oder Pott
aschelösung, worauf die Felle unter der Presse ausgepreßt, mit Wasser gut nachge
waschen und getrocknet werden. Die nachfolgende mechanische Bearbeitung gibt
dem Leder die gewünschte Weichheit und Geschmeidigkeit. :fliiit dem Glattschleifen
auf besonderen Maschinen sind die Leder fertiggestellt.
145
5. Die gebräuchlichsten Oberleder des Schuhmachers
Oberlederart
Fahlle der
Hautart
Rindshäute (Jungtiere)
Chromsport
Rindshäut;e (Jungtiere)
(auch Rindsport
genannt)
Hauptsächliche Gerbarl
Lohgerbung und mit Tran geschmiert
Chromgerbung
Waterproof
Rindshäute (Jungtiere)
Juchten
Rindshäute und leichtere Kuhhäute
Rindbox
Rindshäute und leichtere Kuhhäute Reine Chromgerbung
Mastbox
Mastkalbfelle von 2 bis 5 Monate Reine Chromgerbung
alten Kälbern
Boxcalf
Kalbfelle von Kälbern, welche nur Reine Chromgerbung
mit Muttermilch ernährt wurden
Chevreau
Ziegenfelle
Rind\ack
Leichte Rindshäute, besonders Kuh- Chromgerbung
häute, Fresscrhäute, das sind Häute
von älteren Kälbern bis zu etwa.
l Jahr, l\1astka.lbhäute
Kalblack
Chromgerbung oder Chrom mit Lohe
verbunden, besonders kräftig gefett�t
Mit Weiden- u.Birkenrinde. Schmieren
mit . einer 1\1ischung von Tran- und
Birkenteeröl, auch „Juchtcnöl" genannt
N a c h a h m u n g : Lohgerbung und mit
Birkenteeröl durchsetztem Fett nachbehandelt. Juchtengeruch ist nicht von
langer Dauer.
Reine Chromgerbung
Kalbfelle
Chromgerbung
Chevreaulack
Feine Ziegenfelle
Chromgerbung
Roßla.ck
Pferdefelle
Chromgerbung
FoWenlack
Junge Tiere (Fohlen)
Chromgerbung
146
1
Eigenschaften
1Erkennungsmerkmale
Verwendung
Geschmeidig, widerstandsfähig Halbe Häute, feinkörniger dichter Schuhwerk für Industriegegen äußere Einflüsse, wasser- Narben durch die Behandlung mit arbeiter u. dgl. mehr
dicht und sehr dauerhaft
Tran. Naturfarbig (lohfarbig) und
schwarz (wird nach Gewicht bewertet)
Kräftiges, aber doch geschmei- Halbe Häute mit grobem Preßnar- Sportschuhwerk aller Art
diges, widerstandsfähiges Leder ben (Perlnarben)
schwarz und farbig
Gut wasserabstoßendes Leder Halbe Häute, glatter Naturnarben Berg- und Wintersportschuhwerk
äußerst geschmeidig und haltbar schwarz und farbig
Kräftiges, aber besonders mildes, Halbe Häute, Narben glatt oder ge- Jagdstiefel, Fischerstiefel,
wasserdichtes, krispelt oder aufgepreßt in schief- Touristenschuhwerk, Kageschmeidiges,
dauerhaftes und gegen äußere winkligen Quadraten oder Recht- nalarbeiterschuhwerk
ecken. Narben dieser Art werden
Einflüsse widerstandsfähiges
auch „Juchtennarben" genannt.
Leder
Sehr angenehmer Geruch
meist schwarz u. braunrot gefärbt
Sehr zähes, festes, aber doch noch Halbe Häute mit grobem Boxcalfnar- �farschstiefel und festeres
geschmeidiges Leder
ben, schwarz und farbig
Gebrauchsschuhwerk
Volles, kerniges Leder, nicht so Große Felle (100··· 160 dm 2) mit �farschstiefel und festeres
kräftig wie Rindbox, strapazier- Boxcalfnarben und gröber.Am Hals- Herrenstraßenschuhwerk
fähig
teil stark sichtbare Streifen „Mastriemen" genannt
schwarz und farbig
Weiches, aber doch festes, zähes Ganze Felle (70· · · 100 dm2) mit fei- Herren-, Damen- und
nem, mildem, durch „Krispeln" er- Kinder-Straßenschuhwerk
und widerstanruifähige s Leder
zeugtem Boxcalfnarben
schwarz und farbig
Sehr weiches, geschmeidiges und Ganze Felle (40···60 dm2) mit glat- Leichtes Herren- u. Kinim Verhältnis zur Stärke sehr tem, sehr mildem Naturnarben. Mitderschuhwerk, besonders
einer Lupe in Gruppen angeordnete aber für Damenschuhwerk
dauerhaftes Leder
Haarporen erkennbar
aller Art
schwarz, braun und feinfarbig
Glatt.es, hochglä.nzendes Lede1·, Halbe Häute, Naturnarben
Lackrei tstiefol, Herren-,
krä.ftig, aber doch geschmeidig. schwarz und feinfarbig
Damen-, Kinder- und
Die Narben.körnung ist bei �fastLuxusschuhwerk
ka.lblack feiner als bei Rindlack
Voiles, kerniges, geschmeidiges Ganze Felle, Naturnarben
und hochglänzendes Leder
schwarz und feinfarbig
Luxusschuhwerk a,ller Art
Weiches, geschmeidiges und halt- Ganze Felle mit Chevreaunarbung Vorzugsweise für Damenbares Leder
schwarz und feinfarbig
Luxusschuhwerk
Glattes, hochglänzendes und ge- Halbe Häute mit etwas grobem Billigeres Straßen- und
schmeidiges Leder
Naturnarben
Luxusschuhwerk aller Art
schwarz und feinfarbig
Sehr weiche s, besonders ge- Ganze Felle mit sehr feinem Natur- Hochwertiges Herren- und
schmeidiges, hochglänzendes und narben. 70· . . 130 dm2, von größeren Damen-Luxusschuhwerk
haltbarst.es Lackleder
Tieren bis 140 dm2
schwarz und feinfarbig
147
D i e g e b r ä u eh 1 i c b s t e n O b e rI e d e r d e s S e h u h m a c h e r s (Fortsetzung)
Oberlederart
Wildleder
Hautart
.A.ntilopenfelle
Gazellenfelle
Rehfelle
Hirschfelle
Hauptsächliche Gerbart
Sämischgerbung
(Gerbung mit Tranen, am besten mit Dorschlebertrau und Thunfischtran)
WildlederRindshäute
Nachahmungen,
sogenanntes
Kalbfelle
,,Sämischleder"
Sämischgerbung
Nubukleder
Alaun-Weißgerbung, auch teilweise kombinierte
Gerbung
Ziegenfelle
Rindshä.ute
Kalbfelle
Reptilleder
Eidechsenhäute
Alaun- und Vegetabilgerbung
Schlangenhäute
Krokodilhä.ute
.Kalbfelle
ReptillederNachahmungen Ziegenfelle
Mineral-, Vegetabil- oder Kombinationsgerbung
Futterleder
Kalbfelle
Vegetabilgerbung
Ziegenfelle
Chromgerbung
148
1Eigenschaften
Erkennungsmerkmale
Verwendung
Äußerst geschmeidig, sehr halt- Ganze Felle, samtartig im Griff und Vorzugsweise z u Damenbar, wenig sehmutzempfindlich Aussehen, auf der Fleischseite ZU· Luxus- und Straßenund leicht zu reinigen
schuhwerk und Einsätze
gerichtet
für Herrenschuhwerk
Sehr geschmeidig, weniger haltbar und schrnutzempfindlicher als
Antilopen- und Gazellenfelle
Weich und geschmeidig, von Halbe Häute
guter Tragfestigkeit, trägt aber
infolge der Dicke sehr auf
Ganze Felle
Gut zu reinigen
Ganze Felle
Fester als Sämischleder, da der Halbe Häute
Narben zum Teil erhalten, geschmeidig und dauerhaft
Schmutzempfindlicher und
Halbe und
schwieriger z u reinigen als
ganze Felle
Sämischleder
auf der Fleischseite Billigeres Herren-, Dazugerichtet, tuch- men- u. Kinderschuhwerk
artiges Aussehen, und für Einsätze
rauher als WildJeder und nicht so
weich irn Griff
Der Narben ist Herren- und Damenganz fein geschlif- schuhwerk und für
fen, daher das Einsätze
Aussamtartige
sehen
Infolge der hornartigen Narben- Je nach Gattung verschiedene Vorzugsweise z u Damen-,
beschaffenheit weniger geschmei- Zeichnungen. Runde bis ovale, horn- Luxus- und -Straßendig als andere Leder, von teil- artige Narbuog, welche sich seitlich schuhwerk und für Einweise beschränkter Haltbarkeit. verfeinert
sätze
die aber durch Aufbügeln vo� Ganze Felle, schwarz u. feinfarbig
Guttaperchastoff erhöht werden
kann
Je nach Gattung verschiedenartige
Wenig schmutzempfindlich,
Zeichnungen der „Schuppen", woran
leicht zu reinigen
echtesSchlangenleder z u erkennen ist
Ganze Häute, schwarz u.feinfarbig
Ganze Häute, Schuppen in der
Rückenpartie sind groß u. viereckig,
seitlich dagegen rund bis oval
Ganze Häute, schwarz u.feinfarbig
Festes, wenig zugiges, aber <lauer- Ganze Felle, wie Kalbleder und Che- Wie bei Reptilleder
hafteres Leder als Reptilleder vreau, fest irn Griff, wenig elastisch,
An stark beanspruchten Stellen gleichmäßig starkes Leder, da die
schwindet die künstliche Nar- Felle egalisiert. Die Reptilnarbung
ist künstlich aufgepreßt.Bei Schlanbung mit der Zeit
gen- und Krokodilnarbung sind die
Schuppennachahmungen nur oberOächlich betont, während die Schuppen bei echtem Reptilleder tief in die
Haut eindringen
Festes, aber doch geschmeidiges Vorzugsweise minderwertige oder be- Als Futterleder ffü Schuhund haltbares Leder
schädigte Felle, auch als Stückware werk aller Art
im Handel
Weiches, geschmeidiges und sehr braun und feinfarbig
haltbares Leder
149
6. Die Kombinationsgerbung
Mit diesem Gerbverfahren sollen die Eigenschaften der einen Gerbung mit denen
einer anderen Gerbung vereinigt, ergänzt werden, um ein noch hochwertigeres oder
zweckmäßigeres Leder zu gewinnen. So vereinigt man z. B. die Lohgerbung mit
der Mineralgerbung. Die erstere bringt ein volles, festes Leder hervor, hingegen
die Mineralgerbung ein weiches, zartes und zugiges Leder. Weitere häufig ange
wandte Kombinationsgerbungen sind die Verbindung von Alaunvorgerbung mit
Chromhauptgerbung, Chromhauptgerbung mit vegetabiler Nachgerbung usw. (Be
a,chte auch die Oberledertafeln S. 146 bis 149.)
b) Das Auslegen und Ausfeilen
1. Das Auslegen
Die Teile sind auszulegen, wie es ihrer Beanspruchung entspricht. Beim Auslegen
kommt es zunächst darauf an, nicht nur möglichst viele Teile aus einem Fell her
auszuholen, vielmehr sollen die Teile auch bezüglich ihrer Beschaffenheit allen An
forderungen eines guten Maßschuhes entsprechen. Sie sollen also haltbar sein und
ein schönes Aussehen haben. Dies gilt besonders für die Kappen-, Besatz- und
Blatteile, denn sie unterliegen der größten Abnutzung und gehören zum „Gesicht"
des Schuhwerks. Der Kern ist der widerstandsfähigste und auch schönste Teil des
Felles, weshalb die genannten Teile aus ihnen geschnitten werden.
Die Oberteile oder Quartiere des Stiefels und die Hinterteile des Halbschuhes sind
an gewissen Stellen ebenfalls einer starken Beanspruchung unterworfen. Sie müs
sen deshalb so im Fell ausgelegt werden, daß sie am fertigen Schuh nicht frühzeitiger als die Kernteile verbraucht werden.
Oberteile dürfen aber auch nicht kernig sein, da der Schaft sonst zu s, teif wird,
was die Bewegungen in der Knöchelpartie stark behindern würde. Hinterteile
brauchen ebenfalls nicht zu kernig zu sein, da sie ja durch die Hinterkappen ge
sichert sind. Quartiere und Hinterteile schneidet man aus dem weniger kernigen
Teil des Felles, aus Hals, Kopf und den Seiten, soweit sich die letzteren hierzu
eignen.
muß man es auf „Stellung",
d. h. auf seine Beschaffenheit untersuchen, denn nicht alle Felle sind gleich stark
und fest. Gleichzeitig muß das Fell genau überprüft werden, ob keine versteckten
Narbenfehler oder Schnitte auf der Aasseite vorhanden sind. Auf der Narbenseite
sind entdeckte Fehler mit einem Lederfarbstift zu umgrenzen, damit man sie
beim Auslegen der Muster nicht übersieht.
Bevor man mit dem Auslegen eines Felles beginnt,
Werden derartige Fellbeschädigungen nicht gleich festgestellt, so kann es vor
kommen, daß sie in das eine oder andere Schaftteil mit hineinfallen und vielleicht
erst im Zwickprozeß zum Vorschein kommen. In solchen Fällen entsteht unter
Umständen ein größerer Verlust, denn die Arbeit muß wieder aufgetrennt, ein
neues Teil ausgeschnitten und die Arbeit wiederholt ·werden.
150
Diese Fehlerquellen, meist an min
derwertigen Häuten, vorzufinden,
,erursacht in manchen Fällen ein
äußerst verlustreiches Ausfällen. Der
Kaufpreis für solche Ware ist im
Vergleich zu dem einer erstklassigen
meist wesentlich geringer und er
scheint somit günstig. Eine genaue
Überprüfung der Auswertungser
gebnisseläßt aber erkennen, daß sich
solche Felle in der Endrechnung
teurer stellen als das beste Marken
leder.
Beispiel für gute und schlechte Fellaus
nutzung (151.1).
151.1 Das Auslegen eines hochwertigen Felles
1. Ein erstklassiges Boxcalffell von 10¾
Quadratfuß
l Fuß kostet 5,00 Dl1, zusammen also
53,75 DM. Ausgelegt wurden:
2 Paar Herren-Ringsbesatzschäfte mit
Kappen
1 Paar Herrcn-Derbystiefel mit Blatt
und Kappen und
4 Herrenderbyschuh-Quartiere.
Das sind zusammen rund 3½ Paar
Herrenschäfte mit gut 3 Fuß je Paar.
l Paar stellt sich demnach auf 53,75 DM
: 3,5 rund = 15,36 D:.\1.
2.Ein minderwertiges, fehlerhaftes Fell
mit lappigem Kopf und lappigen Seiten
(151.2 u. 3). Die Ausfellmöglichkeit ist
infolge starker Narbenbeschädigung und
stark hervortretender Halsfalten und
Adern entsprechend gering.Fellgröße =
11 ½ Fuß. 1 Fuß kostete 3,35 DM, zu
sammen 38,52 DM.
Es können aber nur 2 Paar Schäfte aus
gefe!Jt werden, nämlich
1 Paa;r Herren-Ringsbesatzschäfte mit
Kappen und
1 Paar Herren-Derbyschuhe mit Kappen.
Auf l Paar Schäfte entfallen somit 11 ½
Fuß: 2 = 5¼ Fuß, oder 1 Päät stellt sich
a,uf38,52 DM : 2 = 19,26 DM.
i'lfit demAbfalldieses minderwertigen
Felles läßt sich nichts Besonderes an-
151.2 Verlustreiches Auslegeneines minderwertigen Felles
151.S Schäden eines minderwertigen Felles
151
fangen. Kaum verwendbar für Lederfutter, kann es bestenfalls zu Klappenstücken,
Rutschriemen und dergleichen verarbeitet werden, wofür aber die Preise für Ab
falleder zugrunde gelegt werden müssen.
Das Beste ist doch das Billigste. Die Minderwertigkeit des Felles (151.2) bezieht
sich nicht nur auf seine schlechte Stellung, sondern auch auf die Güte. Schlecht
gestellte Felle oder Häute erfahren nicht die sorgsame und eingehende Pflege bei
der Lederherstellung, welche die Güte eines Markenleders begründet. Schlechtes
Tragen und vorzeitiges Abnutzen sind die Kennzeichen der nur scheinbar billigen
Lederarten, durch deren Verarbeitung auch noch der Kunde geschädigt wird.
Von großem Vorteil ist auch, wenn mau stets mehrere Felle Zll.ID Auslegen bereitlegt
und mehrere Schäftepaare zugleich auslegt. Dies kommt vorzugsweise bei schwar
zem oder gleichartigem farbigen Leder in Betracht.
Die Erfahrung lehrt nämlich, daß beim Ausfällen einzelner Schäftepaare aus gut
gestellten Fellen durchschnittlich drei Quadratfuß je Paar benötigt werden, hin
gegen können beim Ausfällen von sechs, acht, zehn Paar Schäften und mehr in
einem Arbeitsgang und aus mehreren Fellen Ersparnisse von ½ bis 3/4 Fuß je
Paar erzielt werden. Es wird dies durch das viel vorteilhaftere Ineina.nderlegen
größerer und kleinerer Teilmuster mit verschiedenen Formen ermöglicht.
So gibt es schmale, lange Felle und auch breite, kurze (153.1). Es kann sich ein
Fell bereits durch seine Form zum Auslegen bestimmter Muster eignen, weshalb
die Felle und Muster beim Auslegen gegeneinander abgestimmt werden müssen.
Beim Auslegenist zu berücksichtigen, daß einige Teile besonderem Verschleiß unter
worfen sind, wie z. B. die Blätter und Besätze, die man aus diesem Grunde aus
dem besten Teil des Felles oder der Haut, nämlich dem Kern, schneidet.
Quartiere oder Oberteile für Stiefelschäfte werden weniger stark beansprucht,
müssen auch geschmeidig sein, damit die Bewegungen in der Knöchelpartie nicht
gehemmt werden und der Schaft sich gut anlegt. Hals, Kopf und die Seiten eignen
sich hierfür am besten, sofern die letzteren nicht zu lose im Gefüge sind. Auch die
Hinterteile für Halbschuhe werden in diesen Teilen des Felles ocier der Haut ausgelegt.
Betrachtet man bei getragenem Schuhwerk die Stellen, die am häufigsten überholt
werden müssen, so findet man bei Stiefeln, daß sie am Quartier, hinten, oberhalb der
Hinterkappe brüchig werden. Es ist dies eine Bewegungsstelle der Achillessehne
beim Abwickeln des Fußes. Die Bewegung ist hier um so größer, je niedriger der
Absatz ist. Zwar ist frühzeitige Abnutzung nicht immer hieraus abzuleiten, son
dern sehr häufig auch aus einer schlechten Stellung der Leistenferse oder des
Schaftmusters ocl.er aus dem gleichzeitigen Einwirken aller Einflüsse.
Immerhin muß dieser besonders beanspruchten Stelle durch eine entsprechende
Anordnung des Quartiermusters beim Auslegen Rechnung getragen werden. An
dieser Stelle des Quartiers muß das Leder möglichst kernartig sein.
Ist es einmal nicht möglich, das Teil so zu legen, dann hilft man sich damit, die gefährdete
Stelle durch Unt.erkleben eines dünnen Kernstückes mit verstärkter Gummilösung zu festigen.
Dasselbe gilt bezüglich der Halbschuhqua.rtiere an der oberen hinteren Schaft.
kante, die weniger durch die Bewegungen des Fußes als durch das An.ziehen ohne
Schuhlöffel in Mitleidenschaft gezogen werden.
152
Sind diese Stellen nicht fest genug ausgeschnitten oder unterlegt, dann geht zu
nächst der im Schuh eingebaute Schluß verloren, und durch die Überbeanspru
chung des Schuhes beim nachlässigen Anziehen kommt es zum Brechen der hin
teren Naht.
Diese besonders gefährdeten Stellen sind an den Quartiermustern und den Besatzmustern
(153.1) durch schraffierte Linien gekennzeichnet.
153.1 Vorteilhafte• Auswerten des :F'cllcs durch Auslegen mehrerer Schäftepaare in einem Arbeit,Sgang
Beispiel für das Auslegen mehrerer Schäftepaare aus mehreren Fellen, 5 Chevreaufelle von
a) 4¼ Fuß, b) 5 Fuß, c) 4¼ Fuß, d) 4 Fuß und e) 4¼ Fuß (153.1), zusammen also 22¼
Quadratfuß. Ausgelegt sind nachstehende Schä.ftepaare, die zur Überprüfu ng auf jedem
Schaftteil nurneriert sind:
=
=
=
1 Paar Herren-Ringsbesatzschäfte mit Kappen
Nr. 1
Gr.42
-Derbyhalbschuhe
1
2
" 43
1
3
42
-Ringsbesatzschäfte „
4= 1
" 43
,, -Derbyhalbschuhe ,,
43
............. ..
5 =1
6 = 1 ,, Da.rnen-Knöchelspangenschuhe ......... . . ......... ... " 40
7= 1
-Zweispangenschuhe ........... . .......... . .. . " 39
8 = 1 ,, Herren-Blatthalbschuhe mit Kappen ........... . ......
43
9=1
,, 43
9=1
,,
,,
" 42
,, 10 = 1 „ Knabenschnürschuhe,,
" 40
.
153
Das sind zehn Paar Schäfte aus 22½ Quadratfuß oder 209,02 dm2 Leder � 2¼
Fuß oder 20,90 dm2 je Paar, obwohl die Felle nicht immer ganz ausgewertet
sinrl.
154.1 und 2 DerOcksichtigung der Zugrichtung des Felles beim A11slegen
Beim Auslegen soll auch die Zugrichtung des Felles berücksichtigt werden. Der
Zug geht vom Rücken nach den Seiten. Der Zug in den Klauen und in den Flem
men entspricht dem Richtungsverlauf der vorderen und hinteren Klauen, ist
also ein etwas schräger (154.1 und 2).
Ein Fell muß nach Möglichkeit auch so ausgelegt werden, daß die einzelnen Teile
gleichmäßig zum Ausschnitt kommen, d. h. das Fell wird in der Mitte gebrochen
oder geknickt, damit der Verlauf dieser „Rückenlinie" deutlich 1?ichtbar ·wird. (In
den Abbildungen durch die weiße Linie veranschaulicht.)
Wenn z. B. ein Besatz auf der einen Fellseite ausgelegt wird, soll der zweite auf
die andere Seite zu liegen kommen .
Die Teile sollen also spiegelbildlich, d. h. gleichmäßig im Fell,
ausgelegt werden, damit sie zusa=enpassen und sich.am Schub
vor allen Dingen gleichmäßig tragen.
Teile üher den Rücken hinwegzulegen, ist grundsätzlich
falsch, denn der ist spröde und brüchig, zeichnet sich am
fertigen Schuh durch erhöhten Glanz aus und reißt sehr
leicht bei schärferem Zwicken (154.3).
IG4.3 Falsches Auslegen
154
Blatt- oder Besatzteile, die eine Zier- oder Vorderkappe
erhalten, läßt man nur 1---1¼ cm unter die Kappen
gehen. Dementsprechend knickt man das Muster im
Spitzenteil um, wodurch unter Umsi;änden die Kappen
für diese Schäfte gewonnen werden (151.1 und 154.1).
b
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111
l 11
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1&5.1 Die gebr:iuchlichsfon SchäftemacherwerkzeUge
a) Knopfbefestigung3za.nge
f) Umbughamrner
b) Verzierungsloohzange
g) Kopierrädchen
h) Schuhmacherscliere
c) Knopflochzange
d) Ösenlochza�iie
l) gebogene Ablaßschere
k) schmale Zuschneidemesser
e) Zirkel zum Ubertragen der
1) breites Oberlederschärfmesser
Abmessungen von einem
auf dec anderen Schaft
m) schmales Oberlederscbärfmesser
r
n) Bleibesoliwerer
o) Klo.mmern zum Festbalten der
Scbaftmusoor an dWumzubugen
den Scbaftteile
p) Stepport
q) Ausrelbbolz
r) Abzieh- oder Scbmirgelbolz
155
2. Das Ausfällen
Das roheAusschneiden der
ausgezeichneten Schaft.
teile .bezeichnet man als
Ausfeilen. Beim Ausle
.,.,.
gen der Muster ist schon
zu berücksichtigen, daß
sie keine Umbugzugabe
haben, was beim Ausfällen
erst recht zu beachten ist.
Ging es beim Auslegen
knapp zu, dann ergeben
sich beim Ausfeilen immer
noch Möglichkeiten, das 156.1 Das Ausziehen des Oberlederteiles
eine oder andere Teil etwas
vorteilhafter zu drehen bzw. das Fell an der fehlenden Stelle etwas auszuziehen,
wodurch Fläche gewonnen wird.
Die Oberteile werden nach allen Seiten ausgezogen. Als Oberteile werden alle Ober
lederteile des Schaftes, wie Kappen, Blatt oder Besatz, Quartier oder Hinterteil und
sonstige äußere Gamiturteile, bezeichnet. Nachdem die Oberteile ausgefällt sind,
müssen sie ausgezogen werden, und
zwar nicht nur in Zugrichtung, son
dern nach allen Seiten. Wird diese
Arbeit unterlassen, so haben die Teile
am fertigen Schuh Gelegenheit zum
„Wachsen", d. h.- das Oberleder gibt
dem Druck des Fußes nach, dehnt
sich infolge des ihm belassenen Zuges
aus, worauf sich das bekannte Bild
des „verlatschten'' Schuhes ent
wickelt. Ausgezogen wird mit der
breiten Zwiokzange auf dem Zu
schneidebrett (156.1 ).
156.2 Das Zuschneiden mit Bugzugabe
156.3 Das offenkantige Zuschneiden
156
Nach dem Ausziehen werden die
Oberteile zugeschnitten. Kanten, die
umgebugt werden sollen, erhalten
eineBugzugabevon5--- 6mm (156.2),
alle übrigen Kanten werden mit dem
aufgelegten Muster gleich geschnit
ten, wofür der Ausdruck „offen
kantig" gebraucht wird (156.3).
Chevreau-Zierkappen und -besätze
wird man stets umbugen, hingegen
Boxcalf-pierkappen und -besätze in
den meisten Fällen „offenkantig"
schneiden, da. sich das Boxcalfleder
infolge seiner festeren Beschaffenheit im Kern zum Umbugen schlecht eignet.
Beim Zuschneiden ist darauf zu achten, daß das Messer nach Möglichlrnit nicht
abgesetzt wird, so daß der Schnitt in einem Zuge verläuft. Dies wird erreicht,
indem das auf dem Schaftteil liegende Muster mit einem abgerundeten, flachen
Metallstück (am besten Blei) beschwert wird, wobei das auszuschneidende Schaft
teil nun so gelegt werden muß, daß das Umschneiden des Musters ohne Verkramp
fung der Handstellung gelingt. Dies gilt vor allem für den offenkantigen Ausschnitt
von Besätzen, Blättern und sonstigen offenkantigen Verzierungsschnitten, wie
Flügelkappen, Hinterbesätzen usw. (156.3).
Beim Schneiden aufHolz kann die Messerspitze infolge des ausgeübten Druckes zu
tief eindringen, oder sie findet durch das ungleichmäßige Gefüge des Holzes un
gleichmäßigen Widerstand, was zu einem unsauberen Schnitt führt. Zwar weiß
ein erfahrener Zuschneider diesen Mängeln zu begegnen, doch dem weniger ge
übten gelingt das nicht so leicht. Anders aber beim Schneiden auf Zinkblech,
in das die Messerspitze nur den Bruchteil eines Millimeters einzudringen vermag,
was sich auch bei ungleichmäßigem Druck nicht ändert-, so daß jeder Anfanger
sehr bald in der Lage ist, genaue, offenkantige Schnitte herzustellen.
Zum Schneiden auf Zinkblech sind dünne und dünn ausgeschliffeneMesser nicht
angebracht, da die Spitze beim Schneiden schwankt. Am besten eignen sich hierzu
kurz geschliffene Messer mit dickem Rücken.
Das Schneiden auf einer Zinkblechplatte ermöglicht besonders glatte Schnittkanten.
Vierkantholz, das an einem Ende in einen Griff ausläuft. Die vier Flächen werden
mit Schmirgelpapier {besser noch mit Schmirgelleinen) beklebt, jedoch so, daß
die erste Fläche das gröbste Schmirgelpapier erhält, die nächstfolgende eine
Nummer feineres und so weiter bis zur vierten Fläche.
Das Messer wird nun aufder gröbsten Seite des Abziehholzes abgezogen, wobei auf
eine gerade Messerhaltung zu achten ist, damit die Schneide nicht 111nd wird. Es
wird dann die nächstfeinere ]fläche benutzt und so weiter bis zur feinsten, auf
der das Messer etwas länger als auf den übrigen abgezogen wird, d. h. so lange,
bis die Messerschneide keinen Grat mehr hat. Ist das Messer wieder stumpf ge
worden, so ist es nicht notwendig, es
wiederum auf allen vier Flächen abzu
ziehen, sondern es genügt das Abziehen
auf den beiden feineren (155.1).
Zum Scharfhalten der Messer benutzt man ein etwa 40 cm langes und 3 cm breites
Die Kanten offenkantig geschnittener
Schaftteile müssen gebrochen werden,
damit sie nicht zu dick wirken und
wie umgebugte Teile aussehen. Ent
sprechend dem Arbeitsvorgang ge
braucht man auch die Bezeichnung
„Abstoßen der Kanten". Es wird auf
der Schärfeplatte durchgeführt-, wobei
die Spitze des Zusohneidemessers bei
flacher Messerhaltung die Sohärfplatte
151.l Dus Abstoßen der Kanten
157
ganz leicht berührt (157.1) und die
Kante von sich wegstößt. Ein äußerst
scharfes Messer ist für diese Arbeit un
erläßlich.
Die abgestoßenen Kanten werden hier
auf geschwärzt oder gefärbt und, was
weniger bekannt ist, geleimt. Ein über
den Zeigefinger gezogenes, feuchtes Lei
nenläppchen wird so lange auf einer
Leimplatte gerieben, bis sich etwas
Leimmasse gelöst hat, die dann in die
Kanten von der Aasseite aus fest ein- 1ss.1 Das Kantenbearbeiten
gerieben werden. Der Schärfstein dient
hierbei als Unterlage (158.1). Derart bearbeitete Kanten sind von um.gepugten
kaum zu unterscheiden.
Die Kanten müssen äußerst gleichmäßig ausgeschärft werden, denn hiervon ist die
Erarbeitung einer tadellosen Umbugkante und Steppnaht im besonderen Maße ab
hängig. Die Schärfbreite bei dünneren Lederarten beträgt 5... 7 mm, bei stärkeren
8,. ,10 mm. Das Hauptaugemnerk ist beim Schärfen darauf zu legen, daß das Leder
an der Stelle, w o die Steppnaht liegen wird, nicht zu dünn ausgeschärft wird,
da sonst die Gefahr des Ausreißens beim Zwicken oder Ausleisten besteht.
Das Schärfmesser muß
dünn und möglichst stark
gebogen sein, wodurch das
Schärfen k:urzrunder Aus
schnitte bedeutend erleich
tert wird. Geschärft wird
ebenfalls . auf der Schärf
platte, niemals aber auf dem
_Zuschneidebrett (158.2).
Gradlinige Kanten werden
ohne Zuhilfenahme von
Werkzeogen umgebugt. Die
geschärften Teile werden
mit Umbugzement oder
Gummilösung bestrichen.
Nach dem Trocknen wird
auf der Schärfplatte umge
158,2 Das Schii.rfen
bugt, wobei auf Gleich
mäßigkeit das Hauptaugenmerk zu richten ist. Es empfiehlt sich, das Schaft
muster des umzubugenden Teiles genau auf seine Narbenseite aufzulegen und
mit kleineren Klammern (155.1, 158.2) festzuhalten, wodurch ein genaues Um
bugen möglich ist.
Zweckmäßig führt man beim Umbugen die umzubugende Kante durch die auf der
Schärfeplatte ruhende linke Hand, wobei der Zeigefinger die Kante i n der ge
wünschten Breite umlegt. Der nachfolgende Daumen der rechten Hand drückt
alsdann die umgelegte Kante fest an (159.1).
158
Innere Bogen, wie Blatt
oder Besatzausschnitte, wer
den auf die gleiche Weise um
gebugt, nur müssen die Kan
t.en zur Behebung von ,
Spannungen beim Umlegen
eingeschnitten werden. Die
Tiefe der Einschnitte richtet
sich nach der Umbugbreite,
soll abei' nie mehr als
zwei Drittel derselben be
tragen.
Die Abstände der Einschnitte
sollen so eng wie möglich
angeordnet sein,dennjeenger
sie zueinander liegen, desto
schöner wird der Bogenum
bug. Weit voneinander und
ungleichmäßig liegende Ein
schnitte führen zu ungleich
mäßigenund eckigenUmbug
kanten (159.2 und 3, 166.2,
170.1).
Äußere Bogen, wie Span
genköpfe, Blattbogen, wer
den mit einer spitzen Messer
spitze oder mit einem Stepp
ort umgebugt. Das Wichtig
ste ist hierbei das gleich
mäßigeFalt.enlegen, wodurch
allein eine schöne Rundung
erzielt wird. Der Arbeitsvor
gang ist in Bild 159.3 wieder
gegeben.
Nachdem die Teile umgebugt
sind, werden die Kanten mit
dem Umbughammer leicht
angeklopft. Soweit die Teile
mit Untertritt versehen sind,
muß dieser ebenfalls ausge
schärft werden, damit er sich
am aufliegenden Teil nicht
abzeichnet und am Fuße nicht
drückt. Damit sind die Ober
teile zum Steppen vorgerich
tet.
1!;9,1 Das Bugen
159.2 Das Bugen innerer Bogen_ (Besatzbogen)
159.3 Das Bugen äußerer Bogen
159
c) Das Futter
Gutes Drellfutter ist aus dreifach gezwirntem Baumwollgarn geweht. Das Gewebe
muß sehr dicht (geschlossen) sein, wodurch das Futter Stand und Festigkeit erhält.
Bei minderwertigen Futtern werden diese ganz. oder teilweise fehlenden Eigenschaften durch
,,Appretieren" (Zoriohten) vorgetäuscht.Durch festes Reiben und Zerdrücken solchen minder
wertigen Futters bröckelt die Appretur ab und das Gewebe erscheint danach durchsichtig,
verliert seine Festigkeit- (Stand) und wird lappig.
Aber auch das gute Futter bedarf einer leichten Zurichtung, gewöhnlich aus Dex
trin und Kartoffelmehl, damit es sich besser verarbeiten (zuschneiden) läßt. Denn
nicht zugerichtete Futter rollen sich an den Schnittkanten, das Gewebe öffnet
sich hier und gibt somit Anlaß zum Einreißen. Bei der Reib- und Zerdrückprobe
bleiben aber gute Drelle in sich fest und werden nicht' durchscheinend.
Das Futter ist durch die Ausscheidungen des Fußes, besonders des feuchten Fußes,
starkem Verschleiß unterworfen. Die im Fußschweiß enthaltene Essigsäure und
Fettsäure zermürbt die Faser des Futtergewebes sehr schnell, hauptsächlich aber,
wenn das Schuhwerk nicht genügend Zeit zum Ausdünsten bekommt. Maßschuhe
sind dieser Gefahr weit mehr ausgesetzt als Schuhe aus dem Kasten. Da sich
nicht jeder ein zweites Paar Maßschuhe erlauben kann, so bekommt sie der zu
friedengestellte Kunde nicht mehr vom Fuße, was naturgemäß zu einem vorzeiti
gen Verschleiß führen muß.
Ein vom Fußschweiß verbranntes und zerfetztes Schuhfutter läßt sich nicht aus
wechseln oder sonstwie ausbessern. Ist das Futter zerstört, fehlt dem Oberleder
der Schutz vor den erwähnten zerstörenden Einflüssen, es wird ebenfalls vorzeitig
mürb und brüchig.
Das Futter wird entsprechend der Schaftart zugeschnitten. Stiefelschäfte erhalten
im allgemeinen ein Durchausfutter und Halbschuhschäfte aus Futterleder und
Drell zusammengesetzte Futter, falls sie nicht ganz mit Futterleder ausgestattet
werden sollen. Die Art des Zuschnittes ist aus dem. Arbeitsgang des Schäfte
machens zu ersehen.
d) Der Arbeitslauf bei der Anfertigung einzelner Schaftarteo
l. Der Herrenschnürstiefelschaft mit Ringsbesatz
Das Futter wird zugeschnitten und eingelegt. Das Futter wird nach dem Grund
muster ausgeschnitten und erhält hinten eine Nahtzugabe von 1 cm, ebenso vorn
von der Leistenkopiespitze bis etwa 1 cm oberhalb des Besatzhöhenpunktes
(161.1).
Unter „Einlegen des Futters" versteht man das Einbringen der Rutschriemen,
der Ösenriemen, der Bordüren und Struppen.
Rutschriemen dienen dem guten Einschlupf des Stiefels als auch zum Schutz
des Futters. Das Muster dafür wird nicht für jedes Paar Schäfte neu erstellt, son
dern ist ein Einheitsmuster. Es wird in der Höhe um 1 ... 1¼ cm niedriger als der
160
SJa;snwpun.19
sap 3/U!//JDlFJS
llfDU.lalJnJ
8/>f:J(!Jaliu_,a a.10
l6l.l Der Zuschnitt des
Stiefelfutters
Schaft gehalten, ist oben
2¼••-3 cm breit und er
weitert sich nach unten im
allgemeinen auf 5,.. 6 cm.
Weil das Schuhfutter in sehr
vielen Fällen beiderseits der
Ferse achnell durchgescheuert
und viel zu früh auabesserungsbedürftig wird, sollen die
Rutschriemen im unteren Teil
genügend breit, etwa 10··· 12
cm, gehalten werden, damit sie
die gefährdeten Futterstellen
ge�ügend abdecken (161..2).
Die Ösenriemen �erden
entsprechend dem Ösenrie
menmuster geschnitten und
bekommen keinerlei wei
tere Zugaben, wenn das Mu
ster 2 cm breit gehalten ist.
Bordüren werden zum
Abdecken des Futters an
der oberen Schaftkante b e
nötigt. Sie werden, teils mit
der Firmenbezeichnung be
druckt, fertig bezogen oder
aus Futterleder und Abfall
leder, wie die Rutsch- und
Ösenriemen, geschnitten.
Ihre Breite beträgt durch
·schnittlioh 2¼ cm, die
Länge entspricht dem Maß
der Beinweite in der ge
wünschten Sohafthöhe.
Vor dem Einlegen dieser
Teile muß das Futter hinten
znsammengesteppt werden.
IGl.2 Das Einkleben der Futt-ergarnlturen
Damit das Futter nicht zu
füllig wird, denn es nimmt
ja den Innenraum des Stie
fels ein, der um etwas enger
ist als die Schaftaußenseite,
steppt man es hinten eim�
Kleinigkeit ab (161.1), und
zwaroben3mm, in derMitte
etwa 4 mm, nach unten
5 mm.
161
162.I Da9 Aufsteppen der Futtergarnituren
l62.2 Die gesteppte Futtergarnitur
J
162.3 Dl>S Na.htausrelben
162
Nun versieht man die abgesteppte
Futterzugabe im mittleren Teil mit
1 cm breiten E:inschnitten, um Span
nungen zu beheben, dann legt man
sie auf dem sog. Ausreibeholz mit dem
Umbughammer um, worauf zunächst
die Rutschriemen, 1 cm von der obe
ren Kante entfernt, leicht mit Kleber
eingeheftet werden.
Es folgen die an den Enden abge
schärften Bordüren und hierauf die
Ösenriemen, die man vorn
und oben etwa 2 mm über
das Futter hin,�usgehen
läßt. Zum Schlusse werden
die Struppen eingebracht,
dazu wird scharf unter der
Bordüren.kante in dem
Rutschriemen und durch
das Futter hindurch ein der
Breite der Struppe ange
paßter Einschnitt gemacht,
durch welchen die Struppe
herausragt (161.2). Nach
demEinlegenwirdgesteppt,
und zwar ohne Unterbrechung der Steppkante fol
gend. Das Futter wird da
nach ein Stich von der oberen Bordü
renkante abgeschnitten, damit es
nicht �o�steht (162.1 u. 2, 163.2).
Das Futter wird in die Quartiere ein
gebracht. Die umgebugten Quar tierteile werden h:inten -durch eine
1 mm breite Naht von der Aasseite
aus zusammengesteppt, die Naht aus
gerieben (162.3) und dann ein Hinter
riemen mit guter, echter Seide aufge-
steppt (163.1). Der Hinterriemen er
hält oben eine Zugabe von 1 cm zum
Einschlagen um die Quartierkanten.
Die Quartiere werden nun rundherum
in einer Breite von etwa. 2 cm mit
Gummilösung bestrichen, desgleichen
die Futter, und nach dem Trocknen
gegen die zusammengesteppten Quar
tierteile geklebt. Hierbei beginnt man
an der Hinternaht der
Quartierteile, die genau
auf die Hinternaht des
Futters aufgelegt wird;
gleichzeitig bleibt man
bedacht, daß die Ober
kante der Quartiere mit
der Bordüre genau ab
schließt (163.2).
Nun werden die oberen
Quartierkanten auf die
obere Bordürenkante ge
legt, zunächst nach der
einen und dann nach
der anderen Seite hin.
Diese Arbeit wird zweck
mäßig über dem Knie
erledigt, wodurch sich
der Schaft der Fußru n
dung besser anpaßt und
auch verhütet ·wird, daß
das Futter zu weit e i n
gelegt wird.
Zuletztwerden dieÖsen
teile des Quartiers ge
gen die Ösenriemen des
Futters gedrückt, doch
so, daß die letzteren vorn
und oben 2 mm vorste
hen. Dieser vorstehende
Teil wird zum Ablassen
der Naht nach dem
Absteppen der Kanten
benötigt (163.3). Sollte
das Futter im Ösenteil
über die Quartierkanten
herausragen, muß der
überstehende Teil abge
schnitten werden.
IG3.1 Der aufgesteppte lllntertleruen
163.2 Das Einlegen des Futters
Nun werden die Kanten
rundherum mit dem
IG3.3 Das eingelegte Futter
Umbughammer flachgeklopft und gesteppt
(164.1). Hierauf wird der überstehende Teil der Ösenriemen mit der Scheren
spitze abgela-ssen, was jedoch sehr vorsichtig geschehen muß, damit die Stiche
nicht beschädigt werden (164.2).
163
Die gesteppte Kante wird
nochmals leicht geklopft,
geschwärzt oder gefärbt und
von der Futterseite aus mit
dem bereits besprochenen
Leimläppchen bearbeitet.
Damit die Struppen einen
festeren Halt bekommen,
steppt man sie im Anschluß
an dieseArbeiten nochmals
mit Quartier und Futter
zusammen (164.2).
Der Schaft wird zusammen
genadelt. Die demFutter an
der Schaftspitze bis oberhalb des Besatzhöhenpunktes belassene Nahtzugabe wird nach a.ußen ungeklebt
umgebugt, die beiden Quartierteile oberhalb der Fersenbeuge mit einer Kfammer
zusammengehalten und von der Fersenbeuge aus bis zur Futterspitze zusa.m.men
genadelt. Von der Fersenbeuge bis zur Besatzhöhe der Quartiere werden große
Stiche gemacht, da sie ja nach der Fertigstellung des Stiefels wieder amfgetrennt
werden, und von hier ans bis zur Spitze kleine (164-.3). Mit dem Ausreiben der
Futterhandnaht ist der Schaft fertig zum Überstellen.
164.1 Die gest.eppten Quarticrkanten
Der Schaft wird über den Leisten gestellt,
d. h. der bis hierhin gearbeitete Scha,ft
164.2 Das Ablassen des überstehenden ösenriemena
164.3 Der zusammeugenadcUc Sch.aft
164
wird für das Aufsetzen des Ringsbesatzes übergezwickt, aber nicht sehr fest
und mit wenigen Heftstellen.
Das Futter wird hinten leicht hochgesetzt oder es schließt mit der Fersenkante
des Leistens ab. In dieser Lage wird es festgeheftet und dann so weit vorgezwickt,
bis die Zange auf größeren Widerstand beim Anziehen des Futters stößt. Ein
schärferes Zwicken ·würde nicht allein den Schaft zu weit vorfallen lassen, sondern
auch zum Zerreißen des Futters führen.
Hieraufführt man je einen Zug zu beiden Seiten der Spitze aus, dann beiderseits
abwechselnd bis zu den beiden Ballen in Abständen von 3 ... 4 cm die folgenden
Züge. Das Futter muß jetzt fest aufliegen.
Sollen die Obe!'teile einen guten Schluß bekommen, d. h. eine für ihren festen
Sitz um die Knöchelpartie erforderliche Spannung, dann müssen die Quartiere
in dieser Schaftstellung leicht nach vorn ausgezwickt w�rden.
Der Quartieruntertritt wird rundherum mit Kleber bestrichen, worauf im vor
deren Teil vorgezwickt wird. Die Zwickzange erfaßt zunächst das untere Ende
am Ösennahtteil, zieht es leicht nach vorn, doch so, daß sich keine Zerrfalten
bilden, tmd dann wird angeheftet. Dasselbe wiederholt sich auf der Gegenseite.
Der zweite Zug folgt etwa 2½ cm neben dem ersten, der nächste wieder
um auf der anderen Seite. Dies wiederholt sich in gleichen Abständen 3- bis
4-mal (165.1). Die Arbeit
muß schnell vor sich ge
hen, damit der Kleber
am seitlichen Untertritt
nicht eintrocknet. Nun
wird der Schaft hinten
zur vorgesehenen Höhe
und
heruntergezogen
festgeheftet, das Futter
an den Seiten leicht an
gezogen und im Gelenk
befestigt, worauf die
165.1 Der teilweise übergestelltc Schaft
Quartierseiten ebenfalls
leicht angezwickt und
nach jedem Zug an das
Futter angeklopft, wer
den (165.2).
Die Ringshesatzschäfte
werden besätzt oder auf
montiert. Fertig umge
bugt oder offenkantig
beschnitten, muß der
Besatz zunächst auf
seine Länge überprüft
werden. Hierzu wird der
Besatzbogen im Besatz
höhenpunkt aufgelegt,
der Besatz nach beiden
165.2 Der Qbergestellte Schaft
165
Seiten zugleich angespannt
und dann mit je einem Stift
am Groß- und Kleinzehen
ballen geheftet (166.1).
Nun umfaßt die linke Hand
mit festem Griff im Besatz
bogenteil den Leisten,
während die rechte den
einen Eesatzfl.ügel fest nach
hinten zur Nahtmitte zieht,
um festzustellen, ob die
Flügellänge stimmt. Sollte
sie sich als zu lang heraus
stellen, so bezeichnet man
durch einen Eindruck mit
l6G.1 Das Abmessen der Besatzlänge
dem Daumennagel die rich
tige Länge (166.1). Dasselbe geschieht mit dem anderen Besatzflügel.
Die Schnittkanten werden darauf hin abgestoßen und die beiden Besatzflügel durch
eine Naht verbunden (166.2).
Der vordere Teil des Quartieruntertrittes wird jetzt mit Kleber bestrichen und,
damit er nicht zu schnell trocknet, mit Wasser leicht betupft. Dasselbegeschieht
am hinteren Teil des Quartieruntertrittes, worauf der Besatz an der bezeichneten
hinteren Besatzhöhe, in genauer Nahtmitte, aufgelegt und so weit vorgeholt wird,
daß der Besatzbogen den festgelegten Besatzhöhenpunkt erreicht.
Hierauf wird der Besatz vorn mit einem Zwickstift geheftet, mit Daumen und
Handballen beiderseits gleichmäßig angespannt und geheftet. Dieser Arbeitsvor
gang (166.3) wird als das „überholen" des Besatzes bezeichnet.
Der Besatz wird zu beiden Seiten der Spitze heruntergeholt, dall;Il, ebenso etwas
weiter zurück und abwechselnd, einmal hüben, einmal drüben bis zu den beiden
166.2
Die Bcsatzuaht
166,3
166
Das 1Jberholen (Besätzen) des Schaftes
Zchenballen. Dies erst ist eigentliches „Überstellen".
Nach jedem Zug muß der Besatzbogen überprüft
werden, ob er schön rund und gleichmäßig ver
läuft, so, wie er am Schaftmuster ge,1,;eichnet und
auch ausmodelliert wurde. Beim seitlichen Herunter
ziehen der Besatzfl.ügel ist ebenfalls aufeinen gleich
mäßigen Verlauf der oberen Kanten Wert zu legen.
In dieser Lage werden sie leicht geklebt, und die
Kanten rundherum angeklopft.
Die Zierkappen werden an der Zierkante ebenfalls
leicht mit Kleber bestrichen, auf dem im Besatz
bezeichneten Zierkappenhöhenpunkt gerade an
gelegt und die beiden Kappenfl.ügel seitlich ange
drückt, wobei ein leichter Zug beiderseits nach
rückwärts ausgeübt mrd. Hierdurch legt sich die
Zierkappenspitze fest an die Leistenspitze an, wo161.1 Das trberstellen der Zierdurch eine allzu große Faltenbildung an der Spitze
kappe
vermieden wird. Das Hauptaugenmerk muß darauf
gerichtet sein, daß die Zierkappe ge
rade aufgerichtet wird, wa,s durch
ein teilweises Einzwicken gut zu
überprüfen ist (167.1).
Nachdem Kappe und Besatz gut an
getrocknet sind, wird der Schaft vom
Leisten heruntergenommen und ge
steppt. Damit der Besatz am Anfang
der Verschnürung nicht einreißen
kann, was ja schon du.roh ein
schweres Ausleisten, besonders aber
bei zu scb,malen Besatzausschnitten,
möglich ist, wird an dieser Stelle ein
161.2 Der gesteppte SchafL
kleines, nach oben abgerundetes
Lederscheibchen unterlegt, das mitgesteppt wird (167.2, Pfeil a).
Besatz und Kappe werden gesteppt. Gute und
starke Seide für den Oberfaden und ein fester
Unterfaden sind ebenso Grundbedingung für
Q.'7CJ
·
""
das Halten einer Besatz- und Kappennaht, wie
!111111 1
eine gut geregelte Spannung des Ober- und
o,.,,....,.,,,"''·"'"''""'"'""""'•"""'"'
Unte,fadens. Eine gu<e Sp•nnung liegt vo,, wenn
.
l�
sich Ober- und Unterfaden gleichmäßig stark
anziehen lassen, wodurch sich die Fäden oben
�
und unten auch gleichmäßig ins Leder oder
u,,,,,.,,,.,.,,.<l>l,Ob,c/aden ,....
,,, ...,.,,,,,
Futter einziehen.
Durch eine gleichmäßige, aber zu leichte Span
nung bleibt die Naht locker. Das führt zu denOb,r-undV,r.,fad,og/•i"'"•'•9"P••nt
selben Folgen wie eine ZU lockere Einstech- oder
Doppelnaht.
16'1.8 Richtige und fal5che Spa.D.llUilgen
t:)c::J
!iE··II 4L ;a
.n.
167
Ist an einer Naht der untere Fa.den nach
oben durchgezogen, dann ist entweder die
obere Spannung übermäßig star.k oder die
untere z u schwach. Kommt der Oberfaden
unten zur Sicht, ist die Schiffchenspannung zu
stark oder die Spannung des Oberfadens zu
schwach.Nähte mit durchkommendem Ober
oder Unterfäden können nie haltbar sein,
weil die Stiche hervorstehen undl sich daher
leicht durchscheuern oder sonst beschädigt
werden können (167.3).
168,1 Die Linksarmmaschine
Die zweckmäßigste Maschine für das
Schäftesteppen ist die „Linksarmma
schine". Mit ihr lassen sich fast alle
Schäftearbeiten ausführen (168._l).
Sondermaschinen kommen vorzugs
weise in Betrieben zur .Anwendung,
welche sich mit der Herstellung von
Reit-, Marsch-, Jagd- und Sportschuh
werk befassen.
rigsten Stepparbeiten am Schaft, kommt
es doch darauf an, daß die Naht bzw.
die Doppelnaht, falls der Besatz eine
solche erhalten soll, genau ausfällt.
Hierzu gehört eine durch viel Übung
zu erreichende Sicherheit.
Besondere Schwierigkeit ,,erursacht das
Steppen des Besatzbogens, der
ohne Unterbrechung durchgesteppt
werden muß, andernfalls der Naht
verlauf leicht ungleichmäßig ausfallen
kann, was zu einer starken Beeinträch
tigung des Gesamtbildes führt.
Beim Steppen der Besatzflügel muß
168.2 Die Handhaltung beim Steppeo des Besatzes
der Schaft mit beiden Händen fest an
spannt werden, damit sich die Naht nicht einsteppt (168.2). Ist die Spannung an
der Maschine nämlich eine feste, wie dies für das Steppen von Besätzen, Blättern
und Kappen notwendig ist, dann wird die Naht eingehalten. Das hat zur Folge,
daß besonders der weniger dehnbare Unterfaden beim tüchtigen Auszwicken des
Schaftes reißt, wodurch die Naht keinen Halt mehr hat und bereits nach kurzem
Tragen des Schuhwerks aufgeht.
Dasselbe gilt bezüglich der Zierkappennaht. Ihr wird außerdem beim Steppen
ein Streifen Futter unterlegt, damit sie gegen ein Ausreißen beim Zwicken besser
gesichert ist (aus Bild 40.1 ersichtlich).
Das Besatzsteppen ist eine der schwie
Das Lochen der Ösenteile zum Befestigen der Ösen und Haken folgt und als
Abschluß das Untersteppen der Lasche. Die Steppnaht für die Lasche verläuft
168
im Besatzbogen auf den Quartierteilen, dicht hinter der Besatzkante (167.2,
Pfeil b).
Nicht zu vergessen ist das Abzeichnen der Schäfte im vorderen Futterteil auf links
und rechts, da durch eine Verwechslung der Schäfte die Paßform des Schuhwerks
in Frage gestellt werden kann. Damit sind die Schäfte für die Bodenarbeit fertig.
2. Der Damen-Derbyschuh mit Kappenbesatz
Der Schaft für diese Schuhart setzt sich zusammen aus Bla,tt, Quartieren oder
Hinterteilen, Kappenbesatz, Zierkappe, Futterleder und Blattfutter.
Oberteile und Futter werden ausgeschnitten. Das Ausfeilen geschieht nach den
beschriebenen Regeln. Hiernach werden alle Oberteile ausgezogen, nach den Teil
mustern zugeschnitten und zum Steppen vorgerichtet.
Als Futterleder kommt vorzugsweise Chevreau- und Kalblcderfutter zur Ver
arbeitung. Es wird auch aus den Abfallteilen nicht
voll ausgewerteter CheTTeau- und Kalblederfelle
geschnitten.
Auch die Futterlederteile müssen vor dem eigent
lichen Zuschnitt nach allen Seiten gut ausgezwickt
werden.
Das Blattfutter soll aus dem Futterstück so ausge
schnitten werden, daß die Blattbruchlinie des Mu
sters schräg, etwa unter 45 Grad, zum Fadenverlauf
des lt'utters liegt, ,vodurch das Futter eine größere
Dehnbarkeit erhält, sich leichter zwicken läßt und
auch im Tragen weniger Roißmöglichkeit bietet L.,,
(169.1 ).
Die
vorgerichteten
Schaftteile werden zu
sammengesetzt. Zu
erst nimmt man das
Blatt und das Blatt
futter vor. Da sich ein
aus Drell geschnitte
nes Blattfutter zum
Abdecken der durch
die Verlängerung des
Blattes gebildeten
Lasche nicht eignet,
erhält das Futter im
Blattbogen nur einen
kleinen Ansatz von
1 cm Breite zum An
kleben und Anstep
pen eines Lederla
schenfutters (169.2).
Dieses Laschenfutter
169.1 Der Ausschnitt dc.s '.Blllitrutt.ers
IG9.2 Die zugerichteten Einzelteile des Do.men-Derby-Schuhes
169
bekommt außen herum eine Zugabe von 2 ... 3 m m zum Ablassen der Kante nach
dem Steppen. (169.2 b) sind Verstärkungsscheibchen aus kernigem, mittelkräf.
tigem Oberleder oder aus Köperfutter, clie als Nahtschutz für die Derbyecken
dienen.
Nun wird das Blatt auf das Blattfutter aufgeklebt, wobei aber nur die Laschen
mit der Aasseite gegeneinandergeklebt werden dürfen. Dann wird die Laschen
kante abgesteppt (170.1).
Nach dem Ablassen des überstehenden Laschenfutters werden auf der Narben
seite des Blattes die im Blattmuster festgelegten Punkte für das Einlegen der
Quartiere mit Bleistift übertragen (170.1 u. 172.1).
Die Quartierlederfutter
erhalten oben, vorn und
Eisen9arnband
beigelegt
Die abgesteppte
Laschenkante mit
überstehendem
Laschenfutter
110.l Zuaerichtete Scho.ftteile
apercho/einen
ufgebügelt
im Derbybogen eben
falls eine Abfaß-zugabe
von 2... 3 mm und unten
i m Blattbogen des Quar
tiers eine solche von
1 cm (170.2).
Die Hinternahtkanten
werden abgestoßen, da
mit die Naht nicht
drückt, die Teile Narben
gegen Narben genau zu
sammengelegt und hin
ten zusammengesteppt.
Nachdem die Naht aus
gerieben ist, sind die
Quartjerfutter zum Ein
legen in die Quartier
oberi,eile fertig.
Die Quartieroherleder
teile werden mitunter aus
weichem oder wenig
standhaftem Oberleder
geschnitten, z. B. Wild
leder, dünnes Chevreau
leder, auch Schlangen-,
Eidechsen-, Krokodilleder usw. Man verstärkt dann die hieraus geschnittenen Teile
durch Aufbügeln von Guttaperchaleinen auf die Aasseite. Diese Leinenteile werden
ohne jede Zugabe, genau wie das Muster, ausgeschnitten und mit dem heißen
Bügeleisen aufgebügelt (169.2 u. 170.1).
170.2 Zugaben am Quartierlederfutter
Damit die Ösen einen festen Halt bekommen, verstärkt man die Ösenteile durch
Unterkleben von 2 cm breiten Futterstreifen (169.2, Pfeil d u. 170.1). Sollen die
Verschnürungslöcher ohne Ösen bleiben, so verstärkt man mit dünnen, aber ker
nigen Oberlederstreifen. Untergeklebt wird ebenfalls mit Gummilösung, damit die
Ösenteile nicht zu steif werden.
170
Die umgehugten Teile iur Kappcnhesätze erhalten hinten eine Naht, worauf die
Kanten 1 cm breit mit Kleber bestrichen und gegen die Quartiere geklebt werden.
Die Kappenbesä.tze bekommen hinten, oben, eine Zugabe von 1 cm zum Ein
schlagen um die Quartierkanten (169.2 u. 170.1). Die Zugabe muß gut a.usgeschä.rft
sein, damit die durch die Quartiere und den Kappenbesatz gebildete Oberkante
nicht zu dick ausfällt und hin.durchdrückt. Nach dem Aufklebenwird derKappen
besatz abgesteppt. (170.2)
Da die Hinternaht des Schuhes sowohl durch falsches Anziehen als auch durch
unfachgemäßes Ein.leisten bei Ausbesserungsarbeiten sehr in Mitleidenschaft ge
zogen wird, schützt man sie durch Beilegen eines Eisengarnbandes, wozu sich ein
in der Mitte geteiltes Stück Struppenband am besten eignet. Es wird mit Gummi
lösung dicht an die Oberkante geklebt, damit es beim Absteppen der Kanten noch
mitgefaßt wird (170.1).
Die Zugabe des Kappenbesatzes wird dann um die Quartierkante und den Eisen
garnstreifen geschlagen und mit Gummilösung festgeklebt.
Die Quartiere werden in das L;derfotter eingelegt. Quartiere und Futterteile werden
an den oberen und vorderen Kanten 2 cm breit mit Gummilösung bestrichen und
dann nach dem Trocknen gegeneinandergeklebt. Man verfährt hierbei genau so wie
beim Einlegen der Quartiere in die Stiefelfutter. Die Hinternabt der Quartierteile
muß auf die des Futters zu liegen kommen, wobei das Futterleder um die Ablaß
zugabe an der Oberkante herausragt. Alsdann wird die eine Quartierseite gegen
das Lederfutter geklebt, wobei auf das gleichmäßige "Überstehen der Ablaßzugabe
des Lederlutters oben und vorn am Osenteil zu achten ist; in gleicher Weise
wird die andere Seite eingelegt (170.2). Die Kanten werden noch geklopft und
abgesteppt (170.2), die Futterkanten abgelassen, gefärbt und geglättet.
Das Blatt wird jn die Quartierteile eingelegt. Das im Blattbogen des Quartieres
1 cm überstehende Lederfutter (170.2) muß zum Einlegen des Blattes einge
schnitten werden.
Der Verlauf des Ein
schnittes wird am l\fo
ster bezeichnet. Hierzu
legt man das Blatt
muster
entsprechend
den Einzeichnungen im
Grundmuster genau auf
das Quartiermuster auf
(der Blattbogen des
Quartiers muß auf die
Kennpunkte des Blattes
zu liegen kommen), hält
die beiden Muster mit 2
Klammem indieser Lage
a
fest und sticht mit dem
Stepport am Ausgangs
punkt des Laschenbo- Die durchschnittene Lederfutterzugabe
gens durch das Quar- 111.1 Das Einlegen des Blattes in die Quartlerteile
171
'
172.l Das auf die Markieruugspunkte eingelegte Quartier
tiermuster (171.1). Von
diesem Punkte aus wird
ein schräg nach unten,
vorn, verlaufender Ein
schnitt in das Quartier
muster gemacht. Dieser
Einschnitt wird dann am
Lederfutter bezeichnet
und beim Einschneiden
des Futters durch die er
wähnte Zugabe weiterge
führt (171.1). Der am
Auslauf des Derbyhogens
überstehende Teil der Zu
gabe wird abgeschnitten
(171.1). Nun ist das Ein
legen des Blattes möglich.
Der Blattbogenteil des
Quartiers wird mit Kleber
auf die Kennpunkte des
Blattes aufgeklebt(l72.l),
der Schaft herumgedreht
und dieZugabedles Leder
futters an das Blattfutter
geklebt (172.2).
Da.mit das Blatt an den
Derbyecken nicht einrei
112.2 Das auf das Blattfutter aufgeklebte Quartierfutter
ßen kann, bekommt es an
diesen Stellen etwa 2 cm
breite, runde, kernige Lederscheibchen unterklebt (169.2, Pfeil b). Zuerst wird
die linke Blattseite in das Quartier eingelegt und gesteppt, dann die rechte.
Das Steppen des Blattes. Nachdem der Kleber gut trocken ist, steppt man zweck
mäßig zuerst nur das Oberleder, wobei das Futter mit dem Futterquartier zurück
geschlagen wird. Beste starke Seide bzw. bestes Nähmaterial und gute gleich
mäßige Fadenspannung sind bei diesen Nähten Grundbedingung, wenn sie halten
sollen. Hierauf wird das Futter gesteppt, und zum Schluß folgt eine Durchstepp
naht, im Bedarfsfalle auch eine Doppelnaht, die das Futter mit dem Oberteil ver
bindet; d iese jedoch nur von der Mitte des Blattbogens aus, weil das Futter für
das Einbringen der Hinterkappen im Gelenk offenbleiben muß (173.1). In gleicher
Weise geht das Einlegen und Steppen auf der anderen Blattseite vor sich.
Nachdem die Ösenteile zur Aufnahme der Ösen gelocht sind, schließt die Schaft
arbeit mit dem Zusammennadeln oder Zubinden der Ösenteile (173.2).
Derby-Schaftschnitte können in vielen Abarten erstellt werden, denen sich auch
die Stepparbeiten anzupassen haben. Der Derbyschaft (173.3) hat außer der
Kappenbesatzverzierung noch eine Ösennahtverzierung und eine Zierkappe. Fer-
172
Crouponieren 11. 12
Damenstiften 72
Dasselfliege 4
Dextrin-Kleber 84
Doppeln 69·--71
Drahtnägel 72
Durchaussohlen 15. 62···63
Eichenlohe 10. 143
Einbinden 57. 58
Eindampfen 16. 17
Einstechbahn 27···30
Ein.stechen 53···57
Entfleischen 8
Enthaaren 7
Fatbblätter 87
Feilen 20
Fersenbein 93···96
Fersenbeuge 110. 111. 121
Fichtenlohe 10. 143
Flügelkappen 35
Fußkrankheiten 102··· 108
Fußwurzelbänder 96
Fußwurzelknochen 93
Futter 160. 161. 170
Futtereinlegen 163··· 165
Futtersteppen 162. 163
Garne 65···68
Gebirgsnägel 72
Gelenkbeschneiden 76. 77
Gelenkeinbau 37. 60···62
Gelenkfeder 6 1
Gelenkleder 13. 15. 37
Gelenknähen 69
Gerbarten (Bodenleder) 3
- (Oberleder) 143. 144. 151
Gerbstoffe 3. 10. 143···151
Glaspapier 79
Grünhäute 3
Haarlockerung 7
Hakenfuß 107
Hand.Jeder 55
Hauteinteilung 11. 12
Hautfehler 4···6
Hautkrankheiten 5
Herrnstiften 72
Hinterkappe 31. 32. 38···41
Hohlfuß 105. 106
Hohlschnitt 77
Holznägel 71
Kahnbein 93. 95. 96
174
Kaltpoliertinte 79. 80
Keder 15. 73. 74
Keilbeine 93. 95. 96
Kern 11. 12. 15
Kettenstich 57
Klebemittel 84
Klebeverfahren 83
Klopfen 18. 19
Klumpfuß 106. 107
Knickfuß 97. 102
Kniegelenk 92
Kombinationsgerbung 151
Kork 85
Korrektionsschuhwerk 108
Leisten (Maß) 109···113
- (Roh-, Handelsware) 113
Leistenformen 118
Leistenkopie 120···124
Leistensprengung 117. 118
Linksarmmaschine 168
Loh- oder Altgerbung 2. 3. 6
Maßnehmen 86···89
Metallnägel 71. 72
Mineralgerbung 145
Modellieren 122··· 142
Muskeln 97···101
Nägel 71.72
Narbenbeschaffenheit 6
Narbenfehler 4···6
Oberfleck 13. 15. 36
Oberlederarten (Tabellen)
146···149
Oberlederlack 80
Oberlederschwärze 80
Oberlederverarbeitung
156···159
Örter 21. 22
Sämischgerbung 145
Scha.ftgarnituren 161. 162
Schappeseide 68
Schärfen (Bodenleder) 17. 32.
35
- (Oberleder) 39. 158
Schnittberaspeln 78
Schnittbeschneiden 76. 77
Schwärze 80
Schwielenbildung 105
Schwöden 8
Seide 68
Seidenersatz 68
Senkfuß 102
Skelett 91···96
Sohlen 13···15
Sohlennägel 72
Spitzfuß 107
SpittLzange 20
Spreizfuß 103. 104
Sprungbein 91. 93. 95. 96
Steifstand 16. 34. 35. 47
Stuppen 77. 78
Tackse 72
Tragant 79
Trittspur 86. 89. 102. 109
Übei.-holen 39. 166
Überkantstich 57
Überstellen 165·..167
Überstemme 38. 39
Unterflecke 15
Veget.abilgerbung ( Oberleder)
143 ·
Vorholen 41. 42
Vorputz 8-1
· Wachse 80
Wadenbein 91. S2
Walzen 19
Weitenmaße 88. 89
Werktisch 22. 23
Pech 84. 85
Pflege des Werkzeuges 22. 23 Werkzeuge (BodeDt) 19···22
- (Schäfte) 155
Plattfuß 102
Wiener Kleber 84
Würfelbein 93
Rahmen 15. 33. 34
Rahmenbeschneiden 58···60 Zehenerkrankungen 102
Rahmenklopfen 58···60
Zehen1..,1ochen 93
Rangieren 23···38
Zelluloid-Kleber 84
Raspeln 20···22
Zierkappen 35.42. 43.46···49.
Rißöffnen 64
121
Ri.ßschneiden 63. 64
Zuschnitt 156, 157
Rohklotz 109
Zwi.ckstifte 72
Rohleisten 109. 113
Zwirne 65···68