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Text
CARL
JÄRKE
Ehrenobermeister der Berliner Herrenschneider-Innung
*Öont -¿LefitHLng tum.
^Leistet
Leitfaden für den praktischen Teil
der Vorbereitung auf die Meisterprüfung
im Herrenschneiderhandwerk
TECHNISCHER
VERLAG H E R B E R T
BERLIN
1954
CRAM
Satz: Walter de Gruyter & Co., Berlin W 35
Druck. Otto v. Holten, Berlin
Geleitwort
Das vorliegende Buch ist von einem berufenen Kenner des deutschen Herrenschneiderhandwerks geschrieben worden. Der Verfasser hat sich immer durch
seine gleichzeitige praktische und theoretische Kenntnis des Berufes ausgezeichnet. Von besonderer Bedeutung ist dabei, daß dieser alle Stufen der handwerklichen Arbeit in der Herrenschneiderei ebenso wie in der Organisation dieses
Handwerks aus persönlichem Erleben kennt. Der Wert dieser Arbeit ist dabei
darin zu erkennen, daß hier ein Versuch zur umfassenden Darstellung aller Aufgaben und Probleme des deutschen Herrenschneiderhandwerks vorliegt. Die
Fachtechnik im Herrenschneiderhandwerk wird hier in bezug auf Zuschnitt und
Verarbeitung ebenso behandelt, wie die Fragen der Betriebswirtschaft und der
Kundenbehandlung. Das Buch wird daher das ganze deutsche HerrenSchneiderhandwerk ansprechen.
Ich wünsche deshalb diesem Buche den besten Erfolg. Für die Praxis des Maßschneiders wird diese Arbeit ein hervorragender Helfer sein. Weiterhin bin ich
aber auch davon überzeugt, daß damit dem Herrenschneider der Alltag der
Arbeit wesentlich erleichtert wird und für das Maßschneiderhandwerk daraus
ein großer Vorteil erwachsen wird.
gez. B. S e i b o l d
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft des
Bekleidungshandwerks im Bundesgebiet
Es stände um das Handwerk nicht schlecht, wenn seine bedeutendsten Meister
der mannigfaltigen Handwerksberufe ihr Wissen und ihre Erfahrungen, ihre
Beobachtungen und ihre Studien zu Papier brächten und zu Nutzen und Frommen des Handwerksnachwuchses überlieferten. Das ist besonders heute wichtig,
wo in der ländlichen Enge das Fachbuch vielfach das frühere traditionelle Gesellenwandern überbrücken helfen muß.
Das vorliegende Buch ist nicht als einundzwanzigstes zu zwanzig bestehenden
Fachbüchern geschrieben, denn es nimmt insofern als Fachbuch eine SonderIII
Stellung ein, als das fachtheoretische beinah wissenschaftlich untermauert ist.
Es gibt gewiß eine ganze Anzahl guter Bücher, die den Lehrlingen und Gesellen
eines Berufes den Weg zur Meisterschaft weisen wollen.
Das vorliegende Buch ist aber nicht nur ein Lehrbuch schlechthin, es zeigt aus
einer reichen Quelle von Erfahrungen und meisterlichem Können auch Wissensgebiete auf, die abseits vom üblichen und konträr dem Normalfall liegen.
Dieser besondere Inhalt des Buches gibt ihm das Prädikat eines ausgezeichneten Ratgebers und Nachschlagewerkes, für das die Kammer mit gutem Gewissen ihre Empfehlung ausspricht.
Handwerks- und Gewerbekammer zu Berlin e. V.
Dr. S c h n u r
Der Präsident
Der Verfasser dieses Buches, der Ehrenobermeister der Berliner Herrenschneider-Innung,
Kollege C a r l J ä r k e ,
hat sich die Aufgabe gestellt, durch sein Buch nicht nur die jungen Berufskollegen anzusprechen, sondern darüber hinaus auch diejenigen, die schon eine
längere Berufspraxis haben.
Die großen exakten Berufskenntnisse des Verfassers erstrecken sich nicht nur
auf das praktische Schneiderhandwerk, sondern auch auf betriebswirtschaftliche
Aufgaben.
Um in dem gegenwärtigen und zukünftigen Existenzkampf bestehen zu
können, liegt es im eigenen Interesse aller Berufsangehörigen sich im besonderen
der Betriebswirtschaft und Betriebslehre zu widmen.
Jeder Leser dieses Buches, der den festen Willen hat, etwas zu lernen, kann
großen Nutzen für seine berufliche Laufbahn ziehen.
Deshalb schließen wir unser Geleitwort mit dem Wunsche:
Möge das vorliegende Werk dem Wohle des gesamten Schneiderhandwerks
dienen.
Modering des Bekleidungshandwerks Berlin
Gurt Mose
IV
Vorwort
Mit dem Abschluß der Gesellenprüfung ist die offizielle Lehrzeit beendet.
Jeder Angehörige unseres Berufsstandes, der nun durch die Abschlußprüfung
den Titel „Geselle" erworben hat, muß sich zunächst darüber klar werden, daß
die Lehrzeit beendet ist, die Lernzeit jedoch erst beginnt.
In der Lehrzeit ist das Fundament für unsere weitere Berufsausbildung gelegt
worden. Mit den rein manuellen Tätigkeiten unseres schweren aber schönen
Berufes ist der Lehrling vertraut gemacht worden. Nun gilt es, in den folgenden
Jahren auf diesem Fundament weiterzubauen. Während der Lehrzeit hatte der
M e i s t e r die Verpflichtung des Lehrens übernommen und war für den Erfolg
verantwortlich. Auch die Erziehung zu einem brauchbaren, ordentlichen und
fleißigen Menschen lag bis zum Schluß der Lehrzeit in den Händen des Meisters.
Der in der M e i s t e r l e h r e erzogene junge Mann war in väterlicher Obhut und
wurde sowohl in fachlicher als auch in menschlicher Hinsicht geleitet.
Mit der Ablegung der Gesellenprüfung gehen alle diese Aufgaben auf den
jungen Gesellen selbst über.
E r muß nun auf den gegebenen Grundlagen weiterbauen.
E r muß mit allen Kräften bemüht sein, sich weiterzubilden, um die mögliche
Vervollkommnung in unserem Beruf zu erreichen.
E r muß getreu seinem Gelöbnis bei Ablegung der Gesellenprüfung bestrebt
sein, seinem Beruf Ehre zu machen, ein tüchtiger, fleißiger, ordentlicher und
ehrlicher Angehöriger dieses Berufsstandes zu werden.
E r übernimmt nun für die Zukunft die Verantwortung für sein weiteres
berufsübliches, sittliches, geschäftliches und damit allgemein menschliches
Fortkommen.
E r allein ist zunächst der Gestalter seiner wirtschaftlichen und menschlichen Zukunft.
E r übernimmt von nun an die Verantwortung, ob sein erlernter Beruf nur
eine Quelle des notwendigen Broterwerbs sein wird oder zur wahren Berufung
V
sich entwickelt, welche nicht nur seine wirtschaftliche Existenz sichert, sondern auch innere Befriedigung, fachlichen Erfolg und berufliche Ehrungen
einbringt.
Die Saat für unseren Lebenserfolg ist in der Lehrzeit gelegt. In den Gesellenjahren gilt es, zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln, damit diese Saat reiche
Früchte trägt und damit
„Berufsstolz und Lebensfreude"
vermittelt.
Nicht auf dem Gelernten ausruhen, sondern weiterstreben, getreu dem GoetheWort:
„So mancher könnte noch vieles lernen,
glaubte er nicht i m m e r , schon alles zu wissen!"
Dieses Buch hat es sich nicht nur zur Aufgabe gestellt, dem Lehrling oder
Gesellen den Weg zu einem „vollkommenen Schneider" zu zeigen, sondern es
soll auch eine Stütze sein zur Erreichung des höchsten Zieles in unserem Beruf,
dem „Meister"- Titel.
Der Verfasser.
VI
Inhaltsverzeichnis
Seite
Der Meister unseres Berufes
1
Mode-Bekleidungskunst und Kleidkultur
2
Verkaufstechnik und Kundenberatung in der Herren-Maß-Schneiderei
4
Die richtige Farbenzusammenstellung in der Kleidung unter zwei Gesichtspunkten
betrachtet
6
Das Maßnehmen in der Herren-Schneiderei
9
Die Schnittzeichnung
13
Die Proportionslehre und ihre Anwendung auf unseren Beruf
13
Proportions-Tabelle für Längenmaße
15
Proportions-Tabelle für Breitenmaße und Rundmaße
15
Die Gegenüberstellung der genommenen Maße mit den proportionellen Größen . . . 17
Der gleiche Maßsatz bei verschiedenen Körpergrößen und seine Nutzanwendung
beim Weitenberechnen
20
Die Proportion im Dienste der Schnittaufstellung (Zeichnung des unmodernen
Schnittes)
25
Längen- und Breitenmaße
27
Rücken- und Vorderteilaufstellung (modern)
29
Aufstellung des Bauchsackes
30
Der Ärmel
35
Die Weste und ihre Einzeichnung in das Sackomodell
38
Der Zuschnitt der Einlage
43
Die Abänderung des Normalmusters für hängende Achsel
45
Wuchsabweichungen
51
Maßverhältnisse eines normalen Körpers
54
Die linksseitig höhere Schulter
57
Die Formgebung des Revers
59
Verschiedene Kragenaufstellungen
64
Kragenverarbeitung
64
Die Berechnung des Materialverbrauchs
65
Etwas über sparsame Stoffeinteilung
71
Die Brustausnäher-Gestaltung bei gestreiften und karierten Stoffen
71
Der Achselabnäher im Rückenteil
74
Die Schoßkleidung
78
Der Mantel
87
Oberweitenverteilung und Ärmelloch
98
Der Schlüpfermantel
103
Etwas über die Verwendungsmöglichkeiten noch vorhandener guter Kleidungsstücke
111
VII
Die Rundbundhose und ihr Zuschnitt unter Zuhilfenahme proportioneller Gleichungen
Dickbauch-Hose
Hosenträger-Hose
Die Shorts für Damen und Herren
Die Geh-Breeches oder Stiefelhose
Die weitfallende und stark überhängende Knickerbocker
Die 0- und X-Bein-Hose
Die Hose für Hämorrhoiden-Leidende
Die Hose für Hodenbruch
Verschiedene Formen der Gesäßpartie und ihre Berücksichtigung bei der Schnittaufstellung
Fehler an der Rundbundhose
Die rechts stärkere Hüfte und ihre Berücksichtigung bei der Schnittaufstellung
Die Hose für den Herrn mit nach außen gedrückten Waden
Richtlinien für Kalkulation im Herrenschneider-Handwerk
Das Berechnen und die Rechnungsgestaltung von Reparaturen, Änderungen und
Wendearbeiten
Materialkunde
Größentabelle
VIII
Seite
130
145
149
149
151
154
155
157
157
160
167
168
170
171
184
188
Der Meister unseres Berufes
Alle Betrachtungen über dieses Thema gipfeln in der Erkenntnis, daß der
Meister unseres Berufs da anfängt, wo der Geselle aufhört, d. h. nicht der gilt als
Meister, der als tüchtiger Geselle seinen Beruf ausfüllt, sondern Meisterschaft
bedingt ganz besonderes Können, ganz andere Voraussetzungen. Der Meister
soll nicht der beste Näher im Betrieb sein, sondern der G e s t a l t e r des Werkes.
Wie ein Architekt muß er das fertige Werk im Geiste sehen, durch Planlegung
(Schnittzeichnung) richtig erdenken, in seiner weiteren Gestaltung überwachen,
um zum Schluß mit Hilfe guter geschickter Näharbeit ein einmaliges individuelles
Kleidungsstück zu schaffen. Dieses Werk muß dem Kleidbild unserer Zeit entsprechen, in Form und Linie schön sein, kurzum allenAnf orderungen, die ein Kunde
an ein modernes Kleidungsstück stellt, entsprechen. ZurErreichung diesesZieles gehört nicht nur die fertige Hand und das Kennen der Anwendung von Werkzeugen,
sondern in erster Linie Geschmack und Schönheitssinn. Der Wert dieser meisterlichen Leistung steigt in dem Grade, in dem die wissenschaftliehe Durchdringung
und die Kenntnisse unseres Berufes vorhanden sind.
Als Grundbedingung allen Planens und Erdenkens ist die Kenntnis eines guten
Zuschneide-Systems erforderlich. Nicht das alleinige Erlernen eines solchen
genügt, sondern auch hier muß das richtige Erfassen und die richtige Nutzanwendung des Erlernten ausschlaggebend sein. Die Arbeit des Maßschneiders
ist immer Einzelwerk und niemals Serienware. Deshalb muß auch der jeweilige
Plan oder Schnitt des Werkes ein einzelner, speziell für diese eine Figur gerichteter sein. Der Schnitt muß immer individuell sein, die Verarbeitung dagegen
möglichst gleich. Das erlernte System ist hier einem Fundament gleich zu betrachten. Dieses muß gut sein, um darauf weiter bauen zu können im richtigen
Verständnis des Erlernten. Jede nur schematische Anwendung wird nie voll
befriedigen, sondern nur der Berufskamerad, der seine Tätigkeit nicht nur
materiell betrachtet, sondern aus dem Innersten heraus als seine wahre Berufung
empfindet, wird auch seelisch befriedigt und in seiner Arbeit erfolgreich sein.
Schon bei der Berufswahl muß der junge Mann sich darüber klar sein, ob diese
Liebe und Hingabe auch vorhanden ist.
Berufswahl ist nicht nur eine eigene Angelegenheit, sondern eine Angelegenheit der Gesamtwirtschaft. Auf den Schultern des guten Meisters ruht der Bestand des gesamten Berufs. Auch die wirtschaftliche Kraft eines Handwerksstandes liegt in der Tüchtigkeit aller seiner Glieder.
1
Jarke
1
Nicht Hoffnungslosigkeit und Gleichgültigkeit helfen weiter, sondern gesunder
Optimismus und Leistungsfähigkeit der leitenden und ausübenden Persönlichkeiten.
Der wahre Meister wird immer ein L e h r e n d e r sein, aber auch ein L e r n e n d e r
bleiben! Hier liegt das Geheimnis so manchen Erfolges. Die L e h r z e i t geht einmal zu Ende; die L e r n z e i t nie!
Wer dauernde Erfolge erzielen will, muß sich immer weiter ausbilden. Nicht
auf dem Gelernten ausruhen, sondern mit der Zeit, mit den Neuerungen unseres
Berufes Schritt halten. Immer danach streben,
erst Gutes und Bestes zu leisten, dann
auch g u t e Preise zu fordern.
Der umgekehrte Weg ist falsch und führt nicht zum Erfolg. Eine umfassende Allgemeinbildung verbunden mit Intelligenz, Auffassungsgabe und Schönheitssinn, dazu ein moderner, l e i c h t f a ß l i c h e r S c h n i t t , werden den Kunsthandwerker schaffen, den unser Beruf braucht. Mit diesem Gedanken und in
diesem Gedanken wollen wir den Weg suchen zur:
W a h r e n Meisterschaft!
Mode — Bekleidungskunst und Kleidkultur
Mode und Herrenschneider
Skeptiker könnten hier sagen, es gäbe keine Herren-Mode. Der Vergleich
zwischen der Kleidung unserer Großväter und unserer heutigen Kleidung beweist
jedoch, daß es eine Herren-Mode gibt, nur wechselt sie nicht so schnell und so
augenfällig wie z. B. die Damen-Mode. Ein augenfälliger Wandel in der HerrenMode macht sich erst von Generation zu Generation bemerkbar. Mode ist die
mit dem Zeitgeschmack wechselnde Art und Weise der äußeren und inneren
Lebenshaltung, im besonderen sich zu kleiden und ist zugleich das Wandelbarste
und Beständigste im Leben der Menschen; trotz mancher scheinbaren Spielerei,
immer Ausdruck des jeweiligen Zeitalters. Im Gegensatz zur Damen-Mode ist
die Gestaltung der Herren-Mode robuster, weil eben männlich. Sie versucht
immer wieder, das Idealbild des männlichen Körpers durch breite Schultern,
schmale Hüften, kraftvolle Gesamterscheinung zum Ausdruck zu bringen. Wo
die natürlichen Voraussetzungen für die Gestaltung der modischen Kleidung
fehlen, müssen die Schneider den weniger normal gebauten Körper idealisieren
und durch die äußere Hülle (den Anzug) der normalen Erscheinung nahebringen.
Gelingt dies dem Fachmann, so sprechen wir von Bekleidungskunst.
B ekleidungskunst
Einen passenden Anzug für eine gut gewachsene Figur herzustellen, kann
nicht unter den Kunstgedanken fallen, sondern ist eine selbstverständliche Ausführung guter Handwerksarbeit. Gelingt es jedoch dem Schneider, den schlecht
gebauten Körper durch sein Werk dem idealgebauten menschlichen Körper
2
nahezubringen, so ist er ein Kunstschaffender. Mit Hilfe handwerklicher Vorarbeiten kann er dem betr. Kleidungsstück Schönheit und Linie geben und
erhebt es vom reinen Selbstwerk zum Kunstwerk. Er ist ein aus dem gegebenen
Material Schaffender; entweder aus unbewußtem Antrieb (Genie) oder auf
Grund bewußter Durchdenkung (wissenschaftliche Ausbildung). Mit dem Genie
wollen wir uns nicht weiter beschäftigen, sondern es ehren und beneiden; wir
wollen vielmehr versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Kunstschaffen
zu ergründen. Wir verstehen darunter die Lernmöglichkeit einer These und den
folgerichtigen Aufbau einer geistigen oder handwerklichen Arbeit. Dazu sind
drei Voraussetzungen nötig: Erkenntnis des Normalen (Proportion), Verwendung dieser Erkenntnis zur Idealisierung des zu bekleidenden Körpers, modische
Gestaltung, geschmackvolle Materialverwendung und rein manuelle Tätigkeit.
Durch die Erfüllung dieser drei Punkte entsteht durch unsere Arbeit ein Werk,
welches den schlecht gebauten Körper so umhüllt, daß er einfach gesagt, gut aussieht und damit die Bedingungen des Kunstschaffens in unserem Beruf erfüllt.
Modische Gestaltung und Kunstschaffen ergeben den Begriff Kleidkultur.
Die Entwicklung der modischen Kleidung geschieht aus dem Zeitgeschehen
heraus. Die damit verbundene Idealisierung des menschlichen Körpers ist
Künstlerarbeit und damit Ausdruck der kulturellen Höhe eines Volkes. Ohne
Mode und ohne Kleidkunst müßte die Kleidung zur Bekleidung, d. h. zur kulturlosen Umhüllung unseres Körpers werden. Die jetzigen Notzeiten unseres Volkes begünstigen dieses all zu sehr.
Zur Verwirklichung kultureller Bestrebungen gehören zwei Voraussetzungen:
erstens einen gewissen Wohlstand und damit Neigung zum Luxus und zweitens,
fachliches Können und künstlerische Begabung der Angehörigen unseres Berufes. Die erste Voraussetzung können wir nur durch Fleiß und unermüdliche Arbeit erfüllen. Die Erfüllung der zweiten Voraussetzung liegt in unserem Willen
zur Weiterbildung. Durch fachliche Tätigkeit und künstlerische Gestaltung
müssen wir befähigt sein, Erzeugnisse herzustellen, welche sich modisch an internationale Formen angleichen, aber doch eine eigene Note aufweisen. In fachlicher Beziehung müssen diese Arbeiten mustergültig sein. Wir schaffen damit
eine Kleidkultur, die unserem Zeitalter entspricht und handwerklich und geschmacklich auf der Höhe steht. Durch das wechselnde Bild der Kleidkultur
schaffen wir Daseinsfreude und Schönheit der menschlichen Erscheinung. Ohne
Kultur wäre jede Kleidung und jede Mode nur ein Jahrmarkt der Eitelkeit. Ein
unter vorstehenden Voraussetzungen geformtes Kleidungsstück hat Seele und
hebt sich unter den Massenerzeugnissen hervor, gibt seinem Träger Sicherheit
des Auftretens und läßt ihn vorteilhaft erscheinen, als ein einmaliges für die
Person des Trägers konstruiertes Kleidungsstück, eine durch äußere Hülle
erzeugte Charakterisierung des Trägers, eine Stilisierung menschlicher Gestalt
und menschlichen Umgangs. Der Schneider muß den Träger seiner Erzeugnisse
so herausbringen, daß er dem Kleidbild der Zeit und doch dem Geschmack des
Trägers im Rahmen dieses Kleidbildes entspricht, also eine Komposition von
Mode, Bekleidungskunst und Kleidkultur.
1
3
Verkaufstechnik und Kundenberatung in der
Herren-Maß-Schneiderei
Jeder Selbständige unseres Berufes muß bestrebt sein, als richtiger Vollhandwerker zu gelten. Vollhandwerker sein heißt, die Gestaltung des Bekleidungsstückes von der Lieferung des Materials bis zur vollständigen Fertigstellung in
unsere Hand zu bekommen. Wir müssen alles daran setzen, die Lieferang der
Stoffe und Zutaten an unsere Kundschaft wieder in eigene Regie zu übernehmen.
Durch die in vielen Ladengeschäften ausgestellten Stoffe wird die Kundschaft
vielfach angeregt, die benötigten Materialien für ihre Bekleidung selbst einzukaufen und damit zum Schneider zu gehen, der nun die zugebrachten Stoffe verarbeiten soll. Jede fachmännische Beratung betr. Materialien wird hierdurch
unterbunden; dabei ist es eine der Hauptaufgaben des guten Schneiders, den
Kunden bei der Auswahl der Stoffe beratend zur Seite zu stehen.
Der gute Meister muß so viel Menschenkenntnis besitzen, damit er dem Kunden
den für seine Person und für den gedachten Zweck richtigen Anzug verkaufen
kann. Für sportliche Zwecke wird man immer gern lebhaftere Muster bevorzugen, doch ist auch hier auf Figur und Alter des Kunden Rücksicht zu nehmen.
F ü r j ü n g e r e , schlanke F i g u r e n werden wollige, auffällig gemusterte, im
Zuschnitt durch Querteilung (Passen, Sattel, Gürtel) gearbeitete Stoffe immer gut
wirken. F ü r ä l t e r e H e r r e n m i t s t ä r k e r e n F i g u r e n müssen wir rahigere
Muster wählen und den Zuschnitt möglichst auf senkrechte Linien einstellen.
F ü r den Tages-Anzug können wir schlanken Leuten aus den uns zur Verfügung stehenden Mustern alle Stoffarten, vom rauhen Cheviot bis zum glatten
Kammgarn, empfehlen. Hier wäre hauptsächlich die Farbe des Stoffes zu berücksichtigen. Braune und grüne Töne sind immer kleidsamer für dunkle Haarfarben
und bei frischer Gesichtsfarbe, für s t ä r k e r e u n t e r s e t z t e H e r r e n sind rahige
Farben mit feinen Streifenmusterungen zu bevorzugen. Graue Töne in allen
Schattierungen, mit möglichst dicht beieinanderliegenden unauffälligen Streifen
werden immer ein gutes Kleidbild ergeben.
F ü r die Abend- und G e s e l l s c h a f t s k l e i d u n g kommen nur schwarz,
marengo und blau in Frage. Diese Farben eignen sich in allen Stoffarten, auch
feingemustert, für alle Figuren. Hier liegt die Kunst im Schnitt und in der
Linienführung. In einem gut geschnittenen Frack kann jede Figur gut aussehen.
Daß bei der Beratung des Kunden der Garderobenbestand desselben, seine evtl.
vorhandene "Überkleidung und sein Geldbeutel zu berücksichtigen sind, ist selbstverständlich. Wer nicht über reichliche Garderobe verfügt, sollte nicht ausgeprägt moderne Stoffe tragen. Gerade bei .Winteranzügen ist die Farbe des Mantels zu berücksichtigen. Es sieht immer noch besser aus, zu einem dunkleren
Anzug einen hellen, sogar stark gemusterten Mantel zu tragen als umgekehrt,
einen helleren stärker gemusterten Anzug zu einem dunklen Mantel. Auch hier
zeigt sich Verkaufstechnik.
Die Rücksicht auf den Geldbeutel des Kunden darf nun nicht so weit führen,
daß der Kunde schließlich den Preis macht. Hier muß der Meister dem Kunden
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in liebenswürdiger, aber bestimmter Form klar machen, daß er doch etwas Gutes
liefern will, aber doch auch nichts verschenken kann. Ein Hinweis auf seine
richtig errechneten Preise wäre hier angebracht. Der Verkäufer sollte auch
nicht in den alten Fehler verfallen, den Stoffpreis zu betonen, der den Anzug so
teuer macht. Reeller Stoff- und richtiger Fassonpreis werden den Kunden das
Zwecklose des Stoffzubringens erkennen lassen.
Bei dieser Gelegenheit ist es auch durchaus angebracht, unsere anderen Materialien, (Einlagestoffe, Futter usw.) etwas mehr herauszustellen, damit der Kunde auch von deren Güte und Qualität etwas hört und sieht. Im Einkauf der Stoffe
und Zutaten, in der Geschmacksentwicklung, bei der Auswahl der Stoffmuster
liegt schon ein großer Teil des geschäftlichen Erfolges. Immer wird der Meister
bei der Bedienung des Kunden im Vorteil sein, der geschmackvolle Stoffe mit
ruhiger, ausgeglichener Musterung führt. Wer glaubt, sein Geschäft mit billigen
Qualitäten machen zu können, wird selten auf langjährige Stamm-Kundschaft
rechnen können. Der Maß-Anzug, eine verhältnismäßige teuere Anschaffung, soll
und muß lange getragen werden. Deshalb muß er in Musterung und modischer
Ausführung vornehm und ruhig wirken. Nicht auffällig darf ein Anzug sein, sondern g u t . Um diesen Eindruck zu unterstützen, ist es notwendig, daß der
Schneider es versteht, auch im Beiwerk der Kleidung (Hemd, Krawatte, Schuhe
usw.) dem Kunden beratend zur Seite zu stehen. Dieses überaus schwierige Gebiet verlangt vom Schneider zunächst selbst einen guten Geschmack, der sich in
seiner eigenen Kleidung offenbaren muß. Wer selbst gut aussieht, hat es viel
leichter, das Vertrauen seiner Kundschaft zu erwerben und wird mit seiner Ansicht über modische Angelegenheiten und auch über Paßform (Rollfalten usw.)
viel leichter durchdringen. Sicheres Auftreten und wenn nötig, energisches Vertreten des modischen Standpunktes, sind immer besser als falsches Nachgeben.
Der Kunde will von uns einen Anzug, in dem er gut aussieht und ist für liebenswürdige Batschläge immer dankbar. Der Erfolg unserer größten Geschäfte liegt
nicht zuletzt darin, daß ihre Leiter es verstanden haben, ihren Erzeugnissen
einen gewissen Stil und eine vornehme Verarbeitung zu geben.
Zu einem guten Stil gehört Linienführung. Die Lage der Nähte, ihre zweckmäßige Anordnung in proportioneller Beziehung, ergeben das Kleidbild. Nähte
sind nicht nur dazu bestimmt, das Kleid zusammenzuhalten, sondern wirken in
ihrer Linienführung, wenn modisch richtig, auch schön. Hierzu gehören auch die
Gestaltung der Revers und des Kantenabstichs. Die Verarbeitungsart ist zumindest ebenso wichtig. Die heutige Mode verlangt eine weiche, gefällige Verarbeitung, die den Körper in seinen Bewegungen nicht hindert, sondern die
natürlichen Faltenbildungen in angenehmer Form unterstützt. Jedes steif und
hart verarbeitete Kleidungsstück wirkt unschön und plump. Der Träger fühlt sich
beengt und unbequem. Selbstverständlich muß ein guter Anzug auch ausgleichend wirken. Wenn die Natur einen Körper vernachlässigt hat, muß die Kunst
des Schneiders den Ausgleich schaffen. Die Schönheit des Körpers ist hervorzuheben, aber seine Mängel müssen verdeckt werden. Hier geht es nun nicht
immer ohne Ausgleichsmaterial. Eine starke Hängeschulter, gar noch einseitig,
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ohne Watteauflage arbeiten und ausgleichen zu wollen, dürfte wohl selbst dem
geschicktesten Schneider nicht gelingen. Hier gilt es, nicht zu übertreiben und
durch vorteilhaften Schnitt und richtige Anwendung und Auswahl des Ausgleichsmaterials das Richtige zu treffen. Weiche leichte Unterlagen, Wollwatte,
Watteline usw. müssen hier zur Anwendung kommen. Alles Harte und Steife
gehören nicht in eine moderne Verarbeitung. Hier gilt es noch, viel Erziehungsarbeit am Schneider und am K u n d e n zu leisten.
In jedem Falle muß ein guter Schneider es verstehen, durch modernen Zuschnitt die individuelle Kleidform zu gestalten. Dazu gehört ein feines Stilgefühl
und eine ausgeprägte Beobachtungsgabe beim Maßnehmen des Kunden.
Alle vorstehend erwähnten Funktionen gehören zur meisterlichen Verkaufstechnik und Kundenberatung.
Nun eine kleine Abhandlung zur Farbenwahl.
Die richtige Farbenzusammenstellung
in der Kleidung unter zwei Gesichtspunkten betrachtet
1. Welche Farben können zusammen getragen werden und
2. Wer darf welche Farben tragen!
Zu 1 ist grundlegend zu sagen, daß ein geschmackvoll gekleideter Herr
nicht mehr als drei Farben in seiner Kleidung vereinigen soll. Alle Übertreibungen sind zu vermeiden. Da Krawatte, Hemd und Strümpfe, sowie das Taschentuch in der äußeren Brusttasche die Farbflecke des Anzugs darstellen, müssen
wir die uns durch dieses Beiwerk gegebenen Möglichkeiten der Farbenzusammenstellung auch benutzen. Es mag nicht schlecht aussehen, wenn ein Herr zum
mittelgrauen Flanellanzug graue Krawatte, graues Hemd und Strümpfe und
nun vielleicht auch noch grauen Hut sowie graue Schuhe trägt. Diese scheinbare
Korrektheit wirkt wohl doch etwas bequem und lieblos.
Welche Farben wählen wir nun für unser Beiwerk? Betrachten wir uns in
diesem Zusammenhang den auf S. 9 stehenden Farbenkreis, so können wir daraus
ersehen, daß von rot nach grün die rechte Kreishälfte alle Farben enthält, welche
zu grauen Anzügen passen, während die linke Hälfte mit braunen Tönen im
Anzugstoff gut zu kombinieren ist.
Beispiel:
I. Grauer Anzug:
Hemd: blau, rotlich, beige und grünlich.
K r a w a t t e : blau, rot, grün oder ein Muster, welches diese drei Farben
enthält.
S t r ü m p f e : Zur Krawatte oder zur Farbe des Anzugs passend.
B r u s t t a s c h e n t u c h : Im Grundton weiß, mit Farbeffekten im Ton der
Krawatte.
Schuhe: Schwarz oder braun, letztere bei hellgrauen Anzügen.
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Wer starke Kontraste liebt, kann auch stark abweichende, aber harmonierende Farben in Hemd und Krawatte zusammenstellen, z. B . :
zum rötlichen Hemd blau — blaugrüne Krawatte,
zum blauen Hemd rot- und blaugemusterte oder rote Krawatte,
zum beige Hemd Krawatten von sattroter Farbe.
Bei starken Farbabweichungen zwischen Hemd und Krawatte wirkt ein weißer
Kragen immer ausgleichend und beruhigend.
Graue Anzüge von Hellgrau über Pfeffer und Salz bis zum Dunkelgrau können
sowohl von dunklen als auch von blonden Typen getragen werden.
Beispiel:
I I . B r a u n e A n z ü g e von Havanna bis zum Kaffeebraun können ebenfalls von
blonden als auch von dunklen Typen getragen werden, doch ist frische
Gesichtsfarbe bei braunen Stoffen Voraussetzung.
Farbenzusammenstellung zu braun:
Blonder Typ:
H e m d : mattgrün, blau-blaugrau, bei frischem Taint auch beige und gelb.
K r a w a t t e : grün, blaugrün, rot, rotorange.
S t r ü m p f e : zur Krawatte oder zum Anzug passend.
B r u s t t a s c h e n t u c h : im Grundton weiß mit Farbeffekten im Ton der
Krawatte.
Dunkler Typ:
H e m d : gelb in allen Schattierungen sowie grau und blau.
K r a w a t t e : silbergrau, mausgrau-blauviolett, grün.
S t r ü m p f e : zur Krawatte oder zum Anzug passend.
B r u s t t a s c h e n t u c h : wie oben.
B l a u g r ü n e u n d g r ü n e F a r b t ö n e im Anzugstoff eignen sich gut für dunkle
Typen mit schwarzem Haar.
H e m d : schwarzweiß über silbergrau - gelb.
K r a w a t t e : gedämpftes rot - rotorange, silbergrau, zitronengelb.
P f l a u m e n b l a u e u n d b l a u e S t o f f e eignen sich gut für Männer mit blondem Haar, blauen Augen und frischer Gesichtsfarbe.
H e m d : weiß und beige, hellblau, rot.
K r a w a t t e : orange, weiß und rot.
S t r ü m p f e : zum Anzug passend.
B r u s t t a s c h e n t u c h : weiß.
S c h u h e : schwarz.
Den Eindruck des weißen Haares bei älteren Herren sollte man nicht durch
schreiende Farben stören.
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Braune und graue Töne wirken vorteilhaft.
K r a w a t t e : schwarz-weiß, russischgrün.
S t r ü m p f e : zum Anzugstoff passend.
B r u s t t a s c h e n t u c h : weiß oder weiß mit Farbeffekten im Ton der
Krawatte.
Schuhe: schwarz.
Schwarze Anzüge können sowohl von dunklen als auch von blonden Typen
getragen werden.
H e m d : weiß - mattgrau und schwarzweiß gemustert.
K r a w a t t e : silbergrau, leicht gelb getönt und schwarzweiß.
B r u s t t a s c h e n t u c h : weiß oder schwarzweiß.
Die sogenannte Fliege wirkt hier an Stelle der langen Krawatte sehr gut.
D u n k l e T y p e n dürfen in der Wahl lebhafter, kontrastreicher Farben freizügiger sein als Blonde. Erstere können ohne Bedenken zu ihrem dunklen Haar
und braunem Teint beige-, hellmode-, rost- und terrafarbene Stoffe tragen, während blonde Typen diese Farben meiden sollten.
Außerdem ist die Farbenzusammenstellung in der Herrenkleidung auch Temperamentssache.
Jugendliche lebhafte Menschen können sich extravagante Zusammenstellungen leisten, wahrend ruhige, bedächtige Menschen ihre Individualität auch in
ihrer Kleidung zum Ausdruck bringen sollen.
Zum Schluß noch einige Beispiele extravaganter Zusammenstellungen:
I. Anzug: braun.
H e m d : hellblau.
S t r ü m p f e : braun mit blau.
K r a w a t t e : terrafarben oder rot mit blauen Streifen.
Schuhe: hellbraun — gelb.
IT. Anzug: blau mit beigefarbener Weste und blauen und roten Effekten.
H e m d : mattgrün.
S t r ü m p f e : rotbraun.
B r u s t t a s c h e n t u c h : grünblau.
III. A n z u g : hellgrau.
Hemd: grün.
K r a w a t t e : braun.
S t r ü m p f e : grau.
Schuhe: braun.
Jüngere schlanke Männer können alle Kombinationen, sofern sie zwischen
dunklen und blonden Typen die feinen Unterschiede beachten, tragen. Untersetzte und dicke Figuren sollten ihre weniger schöne Erscheinung nicht noch
durch schreiende Farben besonders augenfällig machen.
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Hier der richtige Berater zu sein und die Wünsche des einzelnen Kunden in
die für ihn passende Richtung zu lenken, ist eine dankenswerte Aufgabe für den
Schneider. Die Erfüllung dieser Aufgabe setzt nicht nur große Kenntnisse voraus, sondern verlangt in erster Linie einen guten Geschmack und eine große_
Menschenkenntnis zur richtigen Einschätzung der verschiedenartigen Menschentypen.
Das Maßnehmen in der Herren-Schneiderei
Die Schneider resp. Zuschneider der ganzen Welt sind sich trotz der verschiedenen Auffassungen in der Schnittmustergestaltung darüber einig, daß das
Maßnehmen des zu bekleidenden Körpers eine unerläßliche Voraussetzung der
Planlegung ist.
Es ist bestimmt nicht einfach und erfordert ein großes Können, die an einem
dreidimensionalen Körper genommenen Maße auf einen zweidimensionalen
Schnittplan zu übertragen.
Wie sollen wir nun Maß nehmen?
Bei Beantwortung dieser Frage gehen die Meinungen schon stark auseinander.
Wir unterscheiden hier zwei Ansichten von guten Fachleuten. Die eine Gruppe
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steht auf dem Standpunkt, durch genaues Ausmessen und Verwendung vieler
Hilfsmaße bei der Schnittaufstellung den Körper möglichst genau im Schnittmuster wiederzugeben.
Die andere Gruppe ist der Ansicht, daß wenige Maße, deren Reihenfolge genau
feststeht, genügen, um ein passendes Schnittmuster herzustellen. Beide Methoden
führen bei richtiger Anwendung zu Erfolgen. In jedem Fall jedoch muß der
konstruierende Zuschneider bestrebt sein, die Figur des Kunden zu idealisieren,
d. h. bei noch so starker Wuchsabweichung dieselbe dem
Normalen möglichst nahe zu bringen.
Nur das Normale ist schön und jede Bekleidung hat den Zweck,
die Schönheiten des Körpers hervorzuheben und seine Mängel zu verdecken.
Meine Meinung neigt zur zweiten Gruppe. Ein guter Schnittkonstrukteur
muß in der Lage sein, mit wenigen Maßen zunächst ein Normalmodell herzustellen und dieses dann der Körperform entsprechend abzuändern.
Zur Aufstellung eines Normalschnittmusters genügen folgende Maße:
1. Körpergröße,
2. Taillenlänge und ganze Länge
des betr. Kleidungsstückes,
3. Oberweite,
4. Unterweite,
5.
6.
7.
8.
Gesäßweite,
Rückenbreite,
Schrittlänge,
Seitenlänge.
Als Kontrollmaße: Anschließend an die Rückenbreite Ellbogen und ganze
Ärmellänge. Diese vorstehend genannten Maße müssen genau genommen werden
und sind immer in gleicher Reihenfolge zu ermitteln. In der Regel geht dem Maßnehmen das Aussuchen des Stoffes und die Besprechung der Kleidform voraus.
Zum Maßnehmen bleibt in vielen Fällen nicht mehr viel Zeit übrig. Aber hier
zeigt sieh schon der kluge Fachmann. Auf keinen Fall lasse man sich durch
eilige oder nervöse Kunden von dieser so wichtigen Tätigkeit ablenken oder
selbst nervös machen. Die wenigen Maße richtig nehmen, ist die Voraussetzung
jeden Erfolges.
Über die Methode selbst sind die Ansichten umstritten. Ob ich nun die Maße
von vorn oder von hinten nehme, ist Gewohnheitssache. Nach meiner Ansicht
ist dem Maßnehmen von rückwärts der Vorzug zu geben. Alle Maße, auch für
Überkleidung (Mäntel, Ulster usw.), werden grundsätzlich über die Weste genommen. Man stelle den Kunden vor den Spiegel und messe in Stellung hinter dem
Kunden. Diese Art des Maßnehmens gibt uns Gelegenheit, die Figur des Kunden
im Spiegel zu beobachten und evtl. Wuchsabweichungen schon mit dem Auge
festzustellen. Ferner können wir besser darauf achten, daß der Kunde seine
Körperstellung nicht verändert, sondern sich natürlich gibt. Der fertige Anzug
10
soll ja schließlich auf den ungezwungenen Körper passen und nicht auf eine
Haltung, welche der Kunde nur gelegentlich annimmt. Erscheint der Kunde in
Begleitung seiner Gattin zur Anzugbestellung, so versuche der Schneider, während des Maßnehmens die Aufmerksamkeit der Frau von diesem Vorgang abzulenken. Der besorgte Zuruf der Gattin:
Emil, steh' gerade!
ist wohl jedem Schneider bekannt.
Zur Feststellung der genauen Taillenlinie ist zu empfehlen, dem Kunden
einen Taillengürtel umzulegen, der genau waagerecht um den Körper laufen
muß und mit seinem unteren Eand auf dem Hüftknochen aufliegt.
Als erstes Maß haben wir nun die K ö r p e r g r ö ß e . Dieselbe messen wir vom
Scheitel bis zur Erde. Der Kunde hat dabei Schuhe an, so daß sich seine natürliche Körpergröße, z. B. Militärmaß, um die Höhe der Absätze vergrößert.
Die einfachste Methode ist, ein Maßband an der Wand zu befestigen, welches
60 cm von der Erde beginnt. Wir stellen den Kunden davor, legen ein Linial
flach auf seinen Scheitel und lesen nun am Maßband die entsprechende Zahl ab,
zu welcher wir die unteren 60 cm zuzählen (Maß 1). Es gibt aber auch im Handel
Größenmeßapparate, wie sie u. a. auch Ärzte verwenden. Als nächstes Maß
haben wir die Taillenlänger (Maß 2). Vom Wirbelpunkt, d. h. dem 7. Halswirbel
ab messen wir bis zum unteren Rand des Taillengürtels. Da der Kunde beim
Maßnehmen einen Wäschekragen trägt, nehmen wir als Ausgangspunkt den
Ansatz des Wäschekragens. Anschließend an die Taillenlänge messen wir gleich
die ganze Länge des bestellten Kleidungsstückes. Diese Längen sind modisch
bedingt und werden am sichersten nach der Körpergröße errechnet. (Siehe Proportion.)
Maß 3. Die O b e r w e i t e messen wir hinter dem Kunden stehend waagerecht
um den Körper dicht unter dem Arm. Wir achten im Spiegel darauf, daß das
Maßband über die höchste Stelle der Brust läuft. Die evtl. starken Schulterblätter werden nicht mitgemessen, da dieselben ja oberhalb der Oberweitenlinie
liegen und zu den Wuchsabweichungen gehören.
Maß 4. Die U n t e r w e i t e wird an der Stelle des Maßgürtels gemessen oder,
wenn dieser nummeriert ist, abgelesen.
Maß 5 gibt uns die G e s ä ß w e i t e und wird über die stärkste Stelle des Gesäßes
waagerecht ringsherum gemessen.
Maß 6. Die R ü c k e n b r e i t e ist eines der am schwersten zu nehmenden Maße.
Es empfiehlt sich, dieses Maß quer über die höchste Stelle des Rückens von Armansatz zu Armansatz zu nehmen und dann zu halbieren. Dieses Maß muß sehr
genau genommen werden, da es uns bei der Schnittaufstellung wichtige Anhaltspunkte für die Körperhaltung gibt. Die Rückennaht des Westenrückens ist nicht
immer auch die Rückenmitte. Zur richtigen Ermittlung derselben empfiehlt es
sich, das Maß vom Wirbelpunkt oder Kragenknopf senkrecht herabfallen zu
lassen und sich dann den Verlauf der Rückenmitte zu merken.
11
Mit der halben Kückenbreite messen wir bei leicht gebeugtem Arm weiter bis
zum Ellbogen und weiter die ganze Armellänge bis zur Handwurzel.
Maß 7. Die Schrittlänge messen wir, indem wir den oberen Hand des Maßbandes mit dem oberen Rand des Zeigefingers der linken Hand abschließen
lassen, diesen scharf in den Schritt führen und bis zum Fußboden das Maß
ablesen.
Maß 8. Die Seitenlänge wird vom o b e r e n Rand des Taillengürtels bis zum
Fußboden gemessen. Von Maß 7 und 8 werden für die normale Hosenlänge 4 cm
abgerechnet.
Die Bundweite ist 2—4 cm enger als die Unterweite. (Je nachdem ob die Hose
mit oder ohne Schnallgurte gearbeitet wird.) Wollen wir dieselbe messen, so wird
die Weste hochgeschlagen und das Maßband glatt und etwas angezogen um den
Hosenbund gelegt.
Die Fußweite wäre ein weiteres Kontrollmaß, welches allerdings modisch
bedingt ist, sich aber auch nach der Schuhgröße des Kunden richten sollte.
Bei Knickerbocker benötigen wir noch das Maß des Kniebandes, d. h. die
Stelle unter dem Knie, an welcher das Strumpfband sitzt.
Für die Breeches sind weiterhin nötig:
K n i e weite über die höchste Stelle des Knies bei leicht gebeugtem Knie.
K n i e b a n d wie vorstehend beschrieben.
W a d e n w e i t e über die stärkste Stelle der Wade.
K n ö c h e l w e i t e kurz über den Knöchelknochen.
Mit den acht Hauptmaßen haben wir nun die Maße, welche wir zur Aufstellung eines Schnittmusters benötigen. Alle übrigen Maße werden am sichersten
aus der Proportion errechnet. Das Maßnehmen von Kontrollmaßen, wie Armlochtiefe, Bückenhöhe, Armvortritt, Schulterhöhe usw. ist nicht nur schwierig,
sondern auch unsicher und birgt bei falscher Anwendung in der Schnittaufstellung sehr viele Fehlerquellen.
Die Westenausschnitt- und Längenmaße können zur Kontrolle genommen
werden. Am sichersten jedoch ist es, die Weste in das Vorderteil des Sakkos
einzuzeichnen.
Das Maßnehmen ist, wie schon gesagt, eine der Hauptarbeiten des konstruierenden Schneiders. Es ist bei weitem keine rein manuelle Tätigkeit, sondern
eine mit größter Aufmerksamkeit und geistiger Schärfe vorzunehmende Arbeit.
Das Auge muß hier beinahe mehr arbeiten als die Hand. Genaues Beobachten
der Körperhaltung und Wuchsabweichungen ist Voraussetzung des nachfolgenden sicheren Zuschnittes. Hierzu gehört fleißiges Üben und Schulen des Auges.
Genaues Notieren unserer Wahrnehmungen hilft uns später beim Vergleich der
genommenen Maße mit dem Proportionsmaßsatz, die Abweichungen des maßgenommenen Körpers vom Normalen festzustellen und in der Abänderung des
Normalschnittmusters zu berücksichtigen. Offene Augen und wache Sinne beim
Maßnehmen helfen mehr als viele meist unsichere Kontrollmaße.
12
Die Schnittzeichnung
Dieses Buch hat nicht die Aufgabe, das Aufstellen eines Grundschnittes nach
irgend einem der vielen Systeme zu lehren, sondern -will lediglich die Abänderungen des Normalmusters für die verschiedenen Wuchsabweichungen aufzeigen.
Über den Begriff der Normalfigur kann man streiten. Durch genaue und zahlreiche Messungen ist es gelungen, den Normaltyp des Mitteleuropäers festzustellen und diese Maßverhältnisse als normal oder p r o p o r t i o n e i l richtig zu
bezeichnen.
Damit soll nun nicht gesagt sein, daß andere Volksstämme, welche nicht in
dieses Schema passen, als anomal zu bezeichnen wären. Ich denke in diesem
Zusammenhang an die Japaner. Diese haben in der Regel einen schmaleren
Rücken und eine kürzere Taillenlänge als unsere Proportionsberechnung ergibt.
Auch landsmannschaftlich gesehen gibt es schon wesentliche Unterschiede. So
gleichen sich beispielsweise die Figuren des bayerischen Hochlandes und der
Menschen an der Wasserkante in ihrer Haltung. In der Regel haben die
männlichen Figuren dieser Landstriche stärker ausgeprägte Rückenpartien,
vorgeschobene Schulterknochen und dementsprechend mehr vorgeneigte Haltung. Diese Tatsache bestätigt aber nur die Theorie, daß es notwendig ist, den
Begriff des Normalen zumindest erst einmal theoretisch zu umreißen, um dann
auf Grund der genommenen Maße die Abänderungen des Normalmusters vornehmen zu können. Die Lehre und Erkenntnisse der Proportion sind doch schließlich in jedem nach einem modernen Zuschnittsystem hergestellten Normalschnittmuster enthalten. In der richtigen Erkenntnis dieser Tatsache sind die
nachfolgenden Schnittzeichnungen auch nicht nach einem bestimmten System
entwickelt, sondern durch Verwendung proportioneller Gleichungen aufgestellt.
Diese Gleichungen entnehmen wir der Lehre von der Proportion.
Die Proportionslehre und ihre Anwendung auf unseren Beruf
Die Proportion ist die Lehre vom Verhältnis der einzelnen Teile zueinander.
Auf unseren Beruf angewendet, würde das heißen, daß der Körper als normal zu bezeichnen wäre, dessen Breitenmaße im richtigen Verhältnis zu seiner
Länge oder Größe stehen.
Was wir nun als normal bezeichnen, sind die mehr oder weniger häufig auftretenden Durchschnittszahlen bei normaler Körpergröße. Stimmen diese Durchschnittszahlen von Breite und Größe überein, so sprechen wir von gut oder
normal gebauten Menschen.
Sind wesentliche Abweichungen in den Durchschnittszahlen festzustellen, so
haben wir es mit einem weniger gut gebauten oder unnormalen Körper zu tun.
Die Aufgabe eines guten Schneiders oder Bekleidungsarchitekten ist es nun,
die Maßverhältnisse des gut gebauten Körpers auf den weniger gut gebauten zu
übertragen resp. dem normalen Körperbau möglichst nahezubringen.
13
Also nicht den unnormalen Körper allein passend bekleiden, sondern ihn zu
idealisieren, d. h. dem Normalen anzugleichen.
Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist die Kenntnis des Normalen unbedingt erforderlich, und dieses Normale ist die Lehre von der Proportion.
Die genaueste Kenntnis dieser Lehre ist das
Einmaleins
jeden Zuschneiders oder konstruktiv Tätigen in unserem Beruf und sollte als
selbstverständliche Voraussetzung jeden Zuschneideunterrichts gelten.
Daß diese Voraussetzung in den meisten Fällen bisher nicht erfüllt wurde,
steht unbestritten fest.
Festzustellen ist lediglich, daß die Proportionslehre im Gegensatz zur Lehre
des genauen Maßnehmens gestellt wurde und beide Lehren über Wert oder Unwert in Streit gerieten.
Ein überaus bedauerlicher Irrtum beider Ansichten.
Zur Ausübung einer Bekleidungskunst, wie der gute Schneider sie ausübt,
gehören beide Methoden zusammen.
Es ist selbstverständlich und unumgänglich notwendig, beim Ausmessen
eines unnormalen Körpers neben den üblichen noch Hilfs- und Kontrollmaße zu
nehmen, ja sogar die Anwendung von guten Meßapparaten wäre nicht abzulehnen, da freihändiges Maßnehmen von Hilfsmaßen schwer erlernbar und
immer individuelle Tätigkeit sein wird.
Ebenso unbestritten ist, daß jedes gute und moderne Zuschneidesystem,
soweit es vom Ausübenden richtig beherrscht wird, nach den genommenen
Maßen auch ein brauchbares und passendes Schnittmodell ergibt.
Leider ist das Stück oft so gut passend, daß die Hauptsache der Bekleidungskunst, die Schönheiten des Körpers hervorzuheben und seine Mängel zu verdecken, außer Acht gelassen wird.
Den Körper möglichst normal, d. h. schön erscheinen zu lassen, ist die große
Kunst aller Kleidung herstellenden Berufe. Dazu gehört die Kenntnis des den
genommenen Maßen am nächsten liegende Normal-Maßverhältnisses.
Viele unserer besten Kollegen haben durch jahrelange Berufsausübung ihr
Sehen und Einfühlen so stark ausgebildet, daß sie auch ohne Proportionskenntnisse schöne Kleidung herstellen können und auf diesem Gebiet große Erfolge
haben. Sie sind die Genies unseres Berufes. Aber diese Kunst oder geniale
Begabung kann leider nicht auf unseren Nachwuchs übertragen werden, sondern
ist nur wieder in jahrelanger, mühevoller Arbeit von wenigen erlernbar. Die
Wissenschaft vom Normalen soll hier helfend eingreifen und dem jungen Kollegen durch wissenschaftliche Erkenntnisse das Können übermitteln, welche das
Genie aus innerer Erleuchtung erfühlt und sieht.
Im Gegensatz zum Genie soll hier der fachwissenschaftlich gebildete Schneider stehen.
Die erfolgreichsten und fähigsten unserer Kollegen müssen hier mitarbeiten.
14
Auch die nachfolgenden Aufzeichnungen sollen dazu beitragen, das Wissen
um die Geheimnisse unseres Berufes zu vertiefen.
Betrachten wir uns zunächst die proportioneilen Zeichnungen.
Proportionstabelle für Längenmaße
Normale Körpergröße 1,76 m. Normale Oberweite 102 cm,
Taillenlänge % der Körpergröße.
Rückenhöhe % der Oberweite + % der Taillenlänge.
Ärmellochtiefe % der Oberweite + 8 cm. Für je 4 cm größer -f y 2 cm,
für je 4 cm kleiner — y 2 cm.
Vordere Ärmellänge = Taillenlänge + 1 cm.
Westenlänge = Taillenlänge -f- der Oberweite, bei Bauchfiguren + 1—2 cm.
Schrittlänge der Hose = % Körpergröße — 7 cm.
Leibhöhe der Hose = % der Gesäßweite, bei Rundbund —1—2 cm; bei
Bauchhosen %
1 cm.
Schrittlänge und Leibhöhe zusammengerechnet ergeben die Seitenlänge.
Ganze Länge der verschiedenen Kleidungsstücke:
Sakkolänge
= l/2 Körpergröße — 11 cm
Rockjackett
= y 2 Körpergröße + 22 cm
Frack
= y 2 Körpergröße + 24 cm
Paletot
= y 2 Körpergröße + 34 cm
Ulster
= y 2 Körpergröße + 38 cm
Diese Maße gelten als Normallängen, welche je nach der Mode verlängert
oder verkürzt werden.
Proportionstabelle für Breitenmaße
Ärmellochvortritt = % Oberweite + 9 cm inkl. Nähte und Bequemlichkeit.
Rückenbreite = 1 / 5 Oberweite + 1 cm auf der Oberweitenlinie gemessen.
Halslochweite = Ys Oberweite + 3 cm, das Ganze X 3 (Wäschekragen —5 cm).
Rundmaße
Schlanke Figuren: Unterweite 10 cm schwächer als Oberweite; Gesäßweite
4 cm stärker als Oberweite.
Beispiel: Oberweite 92 cm, Unterweite 82 cm, Gesäßweite 96 cm.
Normale Figuren: Von 96 cm Oberweite aufwärts für je 4 cm stärkere Oberweite 1 cm mehr Unterweite als —10 cm wie bei den schlanken Figuren.
Beispiel: Oberweite 104 cm, Unterweite 96 cm, Gesäßweite 108 cm.
Untersetzte Figuren: Unterweite 5 cm kleiner als Oberweite; Gesäßweite
5—6 cm mehr als Oberweite.
Beispiel: 102 cm Oberweite, 97 cm Unterweite, 108 cm Gesäßweite.
Korpulente Figuren: Ober- und Unterweite gleich; Gesäßweite 6—8 cm stärker als Oberweite.
15
B e i s p i e l : 104 cm Oberweite, 110 cm Gesäßweite resp. 112 cm Gesäßweite.
Bauchfiguren: Oberweite 102 cm beginnend; Unterweite 2 cm größer als Oberweite; Gesäß weite 2—4 cm größer als Unterweite.
B e i s p i e l : 102 cm Oberweite, 104 cm Unterweite, 106 cm Gesäßweite resp.
108 cm Gesäßweite. Je 4 cm mehr Oberweite bedingen 1 cm mehr Unterweite.
B e i s p i e l : 106 cm Oberweite = 109 cm Unterweite, 120 cm Oberweite
= 126% cm Unterweite, 130 cm Oberweite = 139 cm Unterweite. Gesäßweite
je 2—4 cm stärker als Unterweite.
B e i s p i e l zur Errechnung der Hosenlängenmaße bei 102 cm Oberweite,
96 cm Unterweite, 106 cm Gesäßweite für Rundbundhosen. Körpergröße
1,76 m, % Körpergröße = 88 — 7 = 81 cm Sehrittlänge; Leibhöhe = % Gesäßweite — 1 — 2 cm = 25 cm Leibhöhe; zusammen 106 cm Seitenlänge. Hosenträger und Bauchhosen % Gesäßweite + 1 cm.
B e i s p i e l zur Errechnung der Westenlängen: Körpergröße 1,76 m = Taillenlänge 44 cm; Oberweite 102 cm = % Oberweite = 25% cm; zusammen 6 9 % cm
halbe Westenlänge und gleichzeitig Länge des ganzen Ausschnittes. Bei Bauchfiguren 1 cm mehr.
B e i s p i e l zur Errechnung der Halsweite:
Vs = 1 2 % cm + 3 cm = 1 5 % cm X 3 = 47% cm
Wäschekragen — 5 cm = 4 2 % cm.
Oberweite 102 cm, davon
Halslochweite. Für den
B e i s p i e l e zur Errechnung aller notwendigen Maße aus Körpergröße und
Oberweite für eine n o r m a l e Figur von 104 cm Oberweite und 1,76 m Körpergröße.
104 cm Oberweite, 96 cm Unterweite, 108 cm Gesäßweite, d. h. 4 cm größer
als Oberweite.
Bei 96 cm Oberweite ist die Unterweite 10 cm kleiner als die Oberweite.
Für je 4 cm mehr Oberweite ist die Unterweite 1 cm größer als 10 cm Differenz.
104 cm Oberweite = 2 X 4 cm mehr als 96 cm Oberweite = 2 cm mehr Unterweite, also 96 cm.
Taillenlänge = % Körpergröße = 44 cm
Sakkolänge = % Körpergröße — 1 1 cm = 77 cm
Rückenbreite = 1 j 5 Oberweite und 1 cm = 21,4 cm auf der Oberweitenlinie.
Ärmellänge (vorn) = Taillenlänge und 1 cm = 45 cm.
Ärmellänge, über die Kugel gemessen = Vorderlänge 45 cm und % Ärmellochumfang und 1 cm für die Wattenauflage = 6 3 % cm.
W e s t e : Taillenlänge und % Oberweite = 70 cm, die Hälfte davon für den
Ausschnitt = 35 cm ( % Länge).
H o s e : Schrittlänge = % Körpergröße — 8 cm. % Körpergröße = 88 cm
— 8 cm = 80 cm Schrittlänge. Leibhöhe = % Gesäßweite — 2 cm.
Bei R u n d b u n d h o s e n : % Gesäßweite — 2 cm = 25 cm. Schrittlänge und
Leibhöhe ergeben die Seitenlänge = 106 cm. Bundweite 2 cm weniger als
Unterweite = 94 cm. Gesäßweite = 108 cm.
16
Die Gegenüberstellung der g e n o m m e n e n Maße
mit den proportioneilen Größen
Körpergröße 1,76 m
Genommene Maße
Taillenlänge.
Oberweite. .
Unterweite .
Gesäßweite .
Seitenlänge .
Schrittlänge.
.
.
.
.
Proportionsmaße
Sakko:
46 cm
102 cm
98 cm
104 cm
44 cm
102 cm
94 cm
106 cm
Hose:
106 cm
79 cm
106 cm
81 cm
Der Vergleich der Proportionsmaße mit den genau genommenen Maßen ergibt
folgendes Körperbild: Etwas zu langen Oberkörper und entsprechend kiüzere
Beine, Bauchansatz, flaches Gesäß und O-Bein-Neigung.
Zur näheren Erklärung dieser Schlußfolgerung sei folgendes gesagt: Die
Taillenlänge ist 2 cm länger als normal und die Beine entsprechend kürzer.
Die Unterweite ist 4 cm größer als normal, also Bauchansatz.
Die Gesäßweite ist 2 cm kleiner als normal. Die Seitenlänge ist zwar der
normalen gleich, ergibt aber im Vergleich zur Schrittlänge u n d zur T a i l l e n l ä n g e ein zu langes Seitenlängenmaß.
Folgerung: Nach außen gewölbte Beine und Verlagerung der Gesäß weite
zur Hüftpartie, also O-Bein-Neigung.
Wie korrigieren wir nun diese Figur?
Zunächst der Sakko: Auf alle Fälle proportioneile Taillenlänge verwenden,
damit Taschen, Taillen- und Knopfstellung in die normale Lage kommen. Die
Beine können wir nicht länger machen; aber den Oberkörper können wir idealisieren, d. h. normal gestalten. Die Hose ist auf O-Bein zu konstruieren, um
diesen körperlichen Fehler zu beseitigen.
Den gleichen Maßsatz nehmen wir noch zu einem Beispiel, nur daß wir die
Schrittlänge anstatt mit 79 cm mit 81 cm, also normal, annehmen.
Hier ergibt der Maßvergleich folgendes: Die 2 cm längere Taille beruht hier
auf vorgeneigter Haltung. Bauchansatz und flaches Gesäß bleiben bestehen.
Beine normal. Die Taillenlänge wird auch hier normal, d. h. 44 cm, aufgestellt
und nach oben verlängert und der Wirbelpunkt nach vorn gestellt, um den
Rücken der geneigten Haltung anzupassen. Das Vorderteil ist in Brusthöhe
gemäß der Verlängerung des Rückens verkürzt.
Nun noch eine Gegenüberstellung genommener Maße zu den proportionellen
Größen und die daraus entstehenden Folgerungen bezüglich der Körperhaltung:
2
Jurte
17
Körpergröße 1,76 m
Genommene Maße
Taillenlänge....
Oberweite
Unterweite . . . .
Gesäßweite . . . .
Seitenlänge . . . .
Schrittlänge....
42 cm
96 cm
88 cm
100 cm
106 cm
83 cm
Proportionsmaße
44
96
88
100
106
81
cm
cm
cm
cm
cm
cm
Folgerung: Kurzer Oberkörper, lange Beine. In der Aufstellung des Schnittes
Taillenlänge normal, d. h. 44 cm nehmen, damit der Oberkörper normal erscheint.
Ein weiteres Beispiel:
Körpergröße 1,76 m
Taillenlänge....
Oberweite
Unterweite . . . .
Gesäßweite . . . .
Seitenlänge . . . .
Schrittlänge....
Genommene Maße
Proportionsmaße
42 cm
96 cm
82 cm
104 cm
106 cm
81 cm
44 cm
96 cm
88 cm
100 cm
106 cm
81 cm
Folgerungen: Aufrechte Haltung, schwache Unterweite mit eingezogener
Leibpartie, starkes, nach hinten gestrecktes Gesäß, flache Hüften, gerade Beine.
Untersetzte Figur:
Körpergröße 1,68 m
Genommene Maße
Taillenlänge....
Oberweite
Unterweite . . . .
Gesäßweite . . . .
Seitenlänge . . . .
Schrittlänge. . . .
44 cm
102 cm
97 cm
104 cm
102 cm
77cm
Proportionsmaße
42 cm
102 cm
97 cm
108 cm
100 cm
77cm
Folgerungen: Vorgeneigte Haltung, flaches Gesäß, starke Hüften und O-Beinneigung.
Der Vergleich der Proportionsmaße mit den genommenen Maßen führt zu
den oben angegebenen Folgerungen aus folgenden Gründen: Die Breitenmaße
stimmen nur in Ober- und Unterweite, während das Gesäßmaß zu klein ist.
Die Taillenlänge ist zur Körpergröße zu lang, während die Schrittlänge stimmt.
Hier ist also kein langer Oberkörper und entsprechend kürzere Beine vorhanden.
18
Folglich ist die größere Taillenlänge nur durch vorgeneigte Haltung zu erklären.
Die Seitenlänge ist im genommenen Maß zu lang, wodurch die starken Hüften
und die Neigung zu O-Beinen bewiesen sind.
Untersetzte und korpulente Figuren haben oft einen zu dicken Hals, auf
dessen Auswirkung in bezug auf die Schnittaufstellung ich noch später zurückkomme.
Beispiel einer korpulenten Figur:
Körpergröße 1,72 m
Genommene Maße
Taillenlänge....
Oberweite
Unfcerweite . . . .
Gesäßweite . . . .
Seitenlänge . . . .
Schrittlänge....
41 cm
104 cm
104 cm
106 cm
105 cm
78 cm
Proportionsmaße
43 cm
104 cm
104 cm
110 cm
105 cm
78 cm
Folgerungen: Aufrechte Haltung mit nach vorn geschobener Leib- und Gesäßpartie. Gesäß- und Hüftpartie flach.
Die nach hinten geneigte aufrechte Haltung bei einer korpulenten Figur
muß bei der Stellung des Bauchpunktes besonders berücksichtigt werden. Wir
folgen der Bewegung des Körpers nach vorn durch Vorstellen des Bauchpunktes.
Die Größe des vorzustellenden Betrages errechnen wir wie folgt: Unterweite
8 cm größer als normal, davon 1 / 10 = 0,8 cm für die Schräglage dieser Figur
mehr als die normale Aufstellung verlangt, nach vorn gestellt.
Bei den Bauchfiguren ist die Schräglage des Körpers ganz besonders zu
beachten. Die Größe derselben ergibt sich wiederum aus der Gegenüberstellung
der genommenen mit den proportionellen Maßen.
Körpergröße 1,80 m
Genommene Maße
Taillenlänge....
Oberweite
Unterweite . . . .
Gesäßweite . . . .
46 cm
106 cm
112 cm
110 cm
Proportionsmaße
45
106
109
112
cm
cm
cm
cm
Folgerungen: Starke Schräglage mit weit vorgestrecktem Leib und flachem
Gesäß.
Bei der Schnittaufstellung ist das übernormale Vorstellen des Bauchpunktes
zu berücksichtigen.
Zum besseren Verständnis des Vorstehenden nun noch einen anderen normalen
Maßsatz, der schon im Altertum als Normalfigur (Apoll) bezeichnet wurde:
19
Körpergröße 176 cm
Die Breitenmaße betragen bei dieser Figur:
Oberweite
Unterweite . . . .
Gesäßweite . . . .
96 cm
88 cm
100 cm
64,5% der Körpergröße
50,0% der Körpergröße
56,8% der Körpergröße
Bei diesem Maßsatz wird die Normalaufstellung eines jeden guten Zuschneidesystems ein passendes Schnittmuster ergeben und die Wirkung des danach
gefertigten Kleidungsstückes wird eine modisch richtige und für das Auge
schöne sein.
Nehmen wir nun eine überschlanke, sogenannte Jungmännerfigur:
Körpergröße 184 cm
Die Breitenmaße betragen bei dieser Figur:
Oberweite
Unterweite . . . .
Gesäßweite . . . .
90 cm
90 cm
96 cm
48,9% der Körpergröße
43,5% der Körpergröße
52,2% der Körpergröße
Der Vergleich beider Maßsätze zeigt uns, daß die Breite der letzten Figur in
einem zu kleinen Verhältnis zur Körpergröße steht. Dieses Mißverhältnis muß
nun durch lockere Bekleidung, eventuell durch eine weiche Auflage in der Brustpartie, ausgeglichen werden. Die Hüftpartie ist knapper und die Brustpartie
loser zu bekleiden.
Der gleiche Maßsatz bei verschiedenen Körpergrößen und seine
Nutzanwendung beim Weitenberechnen
Um eine normale, d. h. schöne Kleidwirkung zu erzielen, ist es eine der Hauptaufgaben des guten Schneiders, die Breitenmaße des zu Bekleidenden in das
richtige Verhältnis zu seiner Körpergröße zu bringen. Auch hier ist es zunächst
notwendig, das richtige oder proportionelle Verhältnis zwischen Körperlänge
und Körperbreite zu kennen, um alle Abweichungen sofort zu erkennen und die
Nutzanwendung aus dieser Erkenntnis zu ziehen. Wie ist nun das normale
Verhältnis?
Nehmen wir eine Normalfigur von Körpergröße 1,76 m. Die Breitenmaße
betragen bei dieser Figur: Oberweite 1,02 m = 57,9% der Körpergröße; Unterweite 96 cm = 54,5% der Körpergröße; Gesäßweite 1,06 m = 60,2% der Körpergröße.
Die Errechnung dieses Prozentsatzes erreichen wir dadurch, daß wir die
Breitenmaße mit 100 multiplizieren und durch die Körpergröße teilen.
1. Beispiel:
102 cm Oberweite
96 cm Unterweite
106 cm Gesäßweite
20
X 100
X 100
X 100
= 10200:176 = 57,9%
= 9600:176 = 54,5%
= 10600:176 = 60,2%
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(D
K n ö p f e für a l l e A n s p r ü c h e O K n ö p f e für a l l e A n s p r ü c h e 9
Durch dieses Beispiel haben wir nun das prozentuale Verhältnis bei normaler
Körpergröße. Diese Figur ist jeweils nach normalen Grundsätzen zu bekleiden.
Wir nehmen nun als Beispiel eine Figur von Körpergröße 1,90 m. Die
Breitenmaße betragen bei dieser Figur: Oberweite 102 cm = 53,7% der Körpergröße; Unterweite 96 cm = 50,5% der Körpergröße; Gesäßweite 106 cm = 55,8%
der Körpergröße.
190
Abb. 1
Nun als Beispiel eine Figur mit Körpergröße 156 cm. Die Breitenmaße
betragen bei dieser Figur: Oberweite 102 cm = 65,4% der Körpergröße; Unterweite 96 cm = 61,5% der Körpergröße; Gesäßweite 106 cm = 68% der
Körpergröße. Beachten Sie zu diesem Thema die Abb. 1 A-B-C.
Vergleichen wir diese drei Ergebnisse miteinander, so ergibt sich folgendes:
Körpergröße
176 cm
190 cm
158 cm
Oberweite. . . .
57,9%
53,7%
65,4%
Unterweite . . .
54,5%
50,5%
61,5%
Gesäßweite . . .
60,2%
55,8%
68,0%
23
Der Prozentsatz der Körpergröße 176 cm ist als normal anzusehen. Bei
Körpergröße 190 cm fehlen am Norm aisatz zwischen Körperlänge und Körperbreite etwa 4%. Bei Körpergröße 156 cm ist dieKörperbieite im Verhältnis zur
Körperlänge etwa 7,5% zu groß. Um bei dem 190 cm und dem 156 cm großen
Körper die gleiche modische Linienführung und Kleidwirkung zu erzielen, muß
der gute Schneider den großen Menschen loser oder weiter bekleiden und den
kleinen Menschen enger anziehen.
Den Grad dieser weiter oder enger zu arbeitenden Kleidung haben wir in
Prozenten errechnet. Danach müßten wir zur Erzielung einer normalen Wirkung
zwischen Körpergröße und Körperlänge den großen Körper etwa 4% weiter
und den kleinen Körper etwa 7% enger als den normalen Menschen bekleiden.
Bei großen Figuren ist diese Praxis anzuwenden. Bei kleineren Figuren beträgt
die Maßabänderung nur die Hälfte des Prozentsatzes.
Die Praxis hat ergeben, daß die beste Wirkung dann erzielt wird, wenn man
bei großen Figuren für jede 4 cm über Normalgröße die normalen Breitenmaße
um 1 cm vergrößert und bei kleinen Figuren um jede 4 cm kleiner, um % cm
verkleinert.
Beispiel: 190 cm groß = 14 cm größer als normal oder Vergrößerung der
Breitenmaße um 3 2 / 3 cm. 156 cm groß = 20 cm kleiner als normal oder Verkleinerung der Breitenmaße um 2,5 cm. Dieses Ergebnis der Praxis richtig
angewandt, wird immer ein gutes Kleidbild ergeben, (s. hierzu Abb. 1 A-B-C.)
Die vorstehend beschriebenen Beispiele waren auf normale Breitenmaße
aufgebaut. Interessanter und schwieriger wird nun die Nutzanwendung der
prozentualen Vergleiche bei vom Normalen abweichenden Breitenverhältnissen.
Nehmen wir als ersten Maßsatz: Körpergröße 176 cm. Die Breitenmaße
betragen bei dieser Figur: Oberweite 98 cm = 55,7% der Körpergröße; Unterweite 94 cm =• 59% der Körpergröße; Gesäßweite 108 cm = 61,4% der Körpergroße.
Da der prozentuale Unterschied zwischen Ober- und Gesäßweite normalerweise nur 2,3% beträgt (siehe Beispiel 1) und der Prozentsatz im obigen Maßsatz 4,4% beträgt, so müssen wir zur Erzielung eines normalen Eindrucks des
fertigen Kleidungsstücks einen Ausgleich zwischen der Ober- und Gesäßweite
herstellen. Die Gesäßweite ist zu groß. Da wir dieselbe jedoch nicht kleiner
machen können, müssen wir die Oberweite um soviel in der Schnittaufstellung
vergrößern als der prozentuale Unterschied zwischen Normalsatz und gemessenem
Maß ausmacht. In diesem Falle 4,4%. Im Verhältnis zu 98 cm Oberweite
wären dies etwa 4 cm. Das Schnittmodell wird nun nach folgenden Maßen
aufgestellt: Genommenes Maß = Oberweite 98 cm + 4,4% = 4 cm; 98 cm
+ 4 cm = 102 cm. Der so abgeänderte Maßsatz ist nun 102 cm Oberweite,
94 cm Unterweite, 108 cm Gesäßweite.
Durch die loser als normal bekleidete Oberpartie dieser Figur ist der mögliche
Ausgleich zwischen der etwas zu kleinen Oberweite und der zu großen Gesäßweite geschaffen.
24
Die Proportion im Dienste der Schnittaufstellung
Zur einwandfreien Herstellung eines Normalschnittes benötigen wir nur
drei Maße, und zwar Körpergröße, Ober- und Unterweite. Alle übrigen Unterteilungen ergibt die Proportion.
Der zu verwendende Maßsatz ist: Körpergröße 176 cm — Oberweite 96 cm —
Unterweite 88 cm. Alle übrigen Maße der Normalfigur ergibt die proportioneile
Errechnung aus diesen drei Maßen.
1. Längenmaße:
Taillenlänge = % Körpergröße
Kückenhöhe y4 Taillenlänge und Ys Oberweite . .
Ganze Länge x/2 Körpergröße —11 cm
Achselhöhe % Oberweite
2. Breitenmaße:
Rückenbreite = 1/5 Oberweite
Halslochweite 1/8 Oberweite und 3 x 3
Rückenhalslochspiegel 1/e Halslochweite — 1 cm.
Armvortritt y 3 Oberweite
Brustbreite % Oberweite — 3 cm vom Ärmellochvortritt
Ärmellochdurchmesser = 1/8 Oberweite
Bauchpunkt y 4 Unterweite vom Armvortritt . .
Halslochtiefe vordere Mitte 1/16 Oberweite . . .
y 2 Oberweite im Schnitt = y2 0 . W. u. 6 cm. . .
y 2 Unterweite im Schnitt = % U. W. u. 6 cm . .
Ärmellochumfang y2 Oberweite
(s. Abb. 2 und 3.)
= 44 cm
= 23 cm
= 77 cm
= 24 cm
auf der Achselrichtungslinie
= 19 cm
= 45 cm
= 7 cm
= 32 cm
=
=
=
=
=
=
=
21 cm
12 cm
22 cm
6 cm
54 cm
49 cm
48 cm
Zeichnung des unmodernen Schnittes
W - AT = Ys OW + y4 TLg + 23 cm
W — TLg = y 4 K.Gr. = 44 cm
W - Lg = i/2 K.Gr. - 1 1 = 77 cm
W — a = 1/6 Halsweite — 1 = 7 cm
m = Mitte W — AT
Rückenbreite auf Linie m = 1/5 OW = 19,1 cm
Rückenmitte — AV = y 3 OW = 32 cm
AV — BBr = y 4 OW - 3 = 21 cm
AV — y 2 OW durch 2 geteilt + 2 cm nach rechts gibt die Achselspitzenlinie
y 4 OW auf dieser Linie gibt Achselhöhe VL
VL - Hz = W - a + 1 cm
BP = y 4 UW vom Hüftpunkt. Alle übrigen Punkte nach Abb. 2.
25
Jeder des Zuschneidens Kundige wird sofort erkennen, daß die Abb. 2 einen
für heutige Begriffe unmodernen Sakko darstellt.
Es ist der Normalschnitt, der den Körper anliegend bekleidet und lange Zeit
dem modischen Geschmack entsprach. Die Brusteinarbeitung wurde von der
vorderen Kante vorgenommen. Der Klappenausnäher zog die Achselspitze
nach vorn. Die Achsel wurde in der Achselnahthöhlung und am Ärmelloch
gedehnt. Durch das Einarbeiten von vorn wurde der Streifen über der Brust
rund, und der Achselstreifen lief im Bogen zum Halsloch. Wir mögen diesen
Schnitt aus der Großväterzeit belächeln, und trotzdem ist er der Ursprung
und Ausgangspunkt unseres heutigen modernen Schnittes. Alle Unschönheiten
dieses Urschnittes und seine komplizierte Verarbeitungsweise veranlaßten doch
26
erst die guten Schneider und Zuschnitt-Techniker zu Umstellungen auf einfachere Verarbeitung. Die Mode, sowie der sich immer mehr entwickelnde gute
Geschmack der Männerwelt taten das übrige, doch grundlegend hat sich nichts
geändert. Nach denselben Proportionen können wir auch noch heute einen
modernen Sakko in schöner Linienführung und Streifenverarbeitung zuschneiden.
Wir müssen uns nur darüber klar sein, was wir anders resp. besser gestalten
wollen. Der moderne Sakko verlangt: Füllige Rücken- und Brustpartie, höher
gelegte Achselnaht. Geraden Streifenlauf, der wiederum eine gerade Kante
im Schnitt verlangt. Achseldressur vom Halsloch, weiche gefallige Verarbeitung.
Aus diesen Voraussetzungen heraus wurde der Schnitt umgestellt und unsere
moderne Schnittform entstand.
Beachten Sie nun bitte die Umstellungen:
Abb. 2 (unmodern)
Abb. 3 (modern)
Längenmaße
verändern sich nur in bezug auf die moderne Sakkolänge und durch Nahtverlegung entstandenes Maß der Achselhöhe. Letztere auf Armvortrittslinie
gemessen = J/8 Oberweite und 7 cm beim modernen Schnitt.
Breitenmaße
(unmodern)
Eückenbreite 1/b Oberweite
Rückenhalslochspiegel
Halslochweite — 1 cm
Armvortritt % Oberweite
Brustbreite % Oberweite — 3 cm
Ärmellochdurchmesser 1/s Oberweite
Bauchpunkt % Unterweite
y 2 Oberweite und 6 cm im Schnitt,
y 2 Unterweite und 6 cm im Schnitt,
y 2 Gesäßweite und 6 cm im Schnitt
Ärmelloch-Umfang y 2 Oberweite
(modern)
1/
5
Oberweite und 2 cm
1/ Halslochweite
6
% und 4 cm
% Oberweite — 1 cm
1/ Oberweite und 3 cm
8
% Unterweite und 1 cm
y 2 Oberweite und 10—11 cm
y 2 Unterweite und 5—6 cm
x/ Gesäßweite und 5—6 cm
2
y 2 Oberweite und 2 cm
Der Vergleich der beiden Zeichnungen zeigt uns, daß wir nach den gleichen
proportionellen Größen den modernen Schnitt hergestellt haben, nur dem
modernen Geschmack entsprechend die obere Partie fülliger gehalten ist. Die
Zugabe beträgt 5—6 cm mehr auf die halbe Oberweite, gleichmäßig verteilt auf
Rückenbreite, Ärmellochdurchmesser und Brustbreite. Das Ärmelloch ist zwar um
3 cm vergrößert, aber 1 cm wird am Seitenteil wieder herausgenommen. Dieser
modern umgestellte Schnitt wird, ich möchte sagen, gegenteilig verarbeitet.
Das Halsloch wird etwas gedehnt und damit der Streifenlauf vom Halsloch
abgewendet.
Das Ärmelloch und die Seitenteilpartie des Vorderteils werden eingebügelt.
Diese Arbeiten in Verbindung mit der Herausnahme aus dem Brustausnäher
27
geben genügend Brustwölbung. Die vordere Kante darf auf keinen Fall eingearbeitet werden; ebenso fehlt jeder Klappenausnäher.
Wir haben somit den modernen Schnitt mit denkbar einfachster, immer
gleichbleibender Verarbeitung. Diese hier bezeichnete Verarbeitung muß immer
8H
die gleiche bleiben. Alle Wuchsabweichungen müssen durch Umstellen des
Normalschnittes erreicht werden. Ob dies nun gleich in der Aufstellung des
Schnittes oder durch Manipulationen am Normalmodell geschieht, ist Sache
des betr. Systems, welches wir erlernt haben. Alle modernen Systeme bieten
hierzu eine durchaus brauchbare Grundlage.
Verwendung der Proportionsgrößen für die Aufstellung der Schnittzeichnung
wie Abb. 3.
28
Rücken
Winkellinie W.D. HL.
W - AT = Ys OW + 1 / 4 TLg = 23 cm
W — T = y 4 K.Gr. = 44 cm
W — HL = y 2 K.Gr. - 8 = 80 cm
m Mitte W — AT
Winkellinien in m AT.T, HL
Bei T 3 u. bei HL 3% cm einstellen.
Vollende Kückenmittelnaht.
R — Rb = Ys OW + 1 cm
W — a = Yso O.W. + 3 cm = 7,8 cm
a RH = Yio W - AT
b — Rb geteilt durch 4 gibt C
C — S = 1% cm ah — ab = 1 cm
T 2 = 2 cm einstellen
K l — K 2 = l c m mehr als T 1 - T 2
Vollende den Rücken nach Vorlage.
Vorderteil
6 cm Zwischenraum RB — Ad
Ad — Av = Ys OW + 3 cm
Av — B Br = i/4 OW — 1 cm
B B — e = Yio OW = 9,6 cm
Winkellinie in AV nach oben gibt Punkt D nach unten Hü
Hü - LV = y 4 UW + 1 cm
LV - f = Yio UW = 8,8 cm
f über e verbunden gibt Richtungslinie für die Achselspitze. In dieser Linie
mit Punkt D den Winkel angelegt, gibt Punkt VL. die vordere Höhe.
VL — Hz = W — a + 1 cm
Hz — Ht = Yie OW (höchstens 7 cm)
AV — Ah = Yg OW + 7 cm = 19 cm
Zirkelschlag um AV
VL - Ab = RH - ab - 1 cm
Ad — S = Rb — C. Vollende das Armloch.
Hü - Hg = AV - HÜ
Hg - G = Ys GW - 1 cm = 15% cm
Verbinde Ad mit G
T 3 2 cm einstellen.
Vollende Seitennaht T 3 über Ad nach S und über G nach unten — K 3
T 3 - K 3 = T2 — K2
LV - VL = T — K 1 + 1 cm
Bei LV stellen wir 2 cm nach rechts und teilen den Betrag bis T3 in drei
gleiche Teile für die Lage der Ausnäher.
29
Taschentiefe = % TLg — 1 cm = 10 cm.
Brust-Ausnäher fadengerade nach Zeichnung. Herausnahme in der Taille
1,5 cm.
Übertritt 1% cm und vollende die Zeichnung nach Vorlage.
Eines muß auch festgehalten werden:
Der moderne Zuschnitt bedingt für alle Figuren eine fadengerade geschnittene
Kante. Alle Einarbeitung hat von hinten aus zu erfolgen. Dies trifft auch auf
die größten Bauchfiguren zu, wie nachfolgende Abhandlung zeigen soll. Abb. 4
zeigt uns die Veränderungen bei Bauchbildung. Die Haltung der Figur bleibt
bis zu einer Bauchentwicklung von 2—6 cm mehr Unter- als Oberweite in den
meisten Fällen die gleiche. Der Körper setzt vorn mehr Fülle an und das Kleidungsstück braucht entsprechend mehr Bauchvortritt und mehr Schluß unterhalb des Bauches. Für den Bauchpunkt genügt hier 1 j i Unterweite + 1 cm.
Bringen wir bei der Bauchfigur einen Brustausnäher an (s. Abb. 4), so
stellen wir den Betrag des Brustausnähers noch zusätzlich nach vorn. In unserer
Zeichnung also % Unterweite -f- 2 cm. Anders wird jedoch die Berechnung,
wenn infolge stärkeren Bauches Schräglage des Körpers eintritt. Normalerweise
geschieht dies, wenn der Unterschied zwischen Ober- und Unterweite mehr als
6 cm beträgt. Durch das Gewicht des Bauches veranlaßt, drückt die Figur das
Kreuz ein und steckt den Bauch mehr heraus als maßmäßig feststellbar. Danach
ruckt auch das Gesäß mehr nach vorn. Es entsteht ein sogenanntes flaches
Gesäß und nun wird der Bauchpunkt, normal aufgestellt, leicht zu knapp.
Bei der Anprobe zeigt sich folgendes:
Der Schließknopf, d. h. der mittlere, ist sehr knapp, während der obere ziemlich weit von der Kante steht. Ein Auslassen über den Bauch oder Abnehmen
nach oben ist bei gestreiften Stoffen nicht möglich und nun entstehen allerlei
andere Fehler.
Bei derartiger Körperhaltung muß der Bauchpunkt noch mehr nach vorn
gerückt werden. Die proportioneile Berechnung dieser Größe ist folgende:
Oberweite 100 cm
normale Unterweite 92 cm
gemessene Unterweite 108 cm
Differenz zwischen normaler und gemessener Unterweite 16 cm. Hiervon 1 j 10 =
1,6 cm stellen wir von Punkt B.P. nach B.P. 1 in unserer Abb. 4. Nun wird
die Kante auch beim dreiknöpfigen Sakko vom untersten bis zum obersten
Knopf gerade laufen.
Aufstellung des Bauchsakkos
Maßsatz: KGr 1,68 m
TL 0,42 m
HL 0,76 m
30
OW 1,08 m
UW 1,14 m
GW 1,18 m
Zunächst rechter Winkel und wir zeichnen den Rücken."
W — AT = Ys OW = 13,5 + Vi TL = 10,5 = 24 cm
W — TL =
KGr. = 42 cm
W —HL = 76 cm
TL — H = der Länge AT — TL
TL — T 1 = 2,5 cm
HL — K 1 = 3 cm
W — AT in vier gleiche Teile. Verbinde K 1 über T1 bis zum obersten Winkel
für die Rückenmittelnaht, gibt auf der Oberweitenlinie Punkt R.
R — Rb = 21,8 cm. Berechnung: Bis 100 OW = Rückenbreite 1 j 5 OW + 1.
Dazu Yio des Betrages über 100, hier 8 cm = 0,8 cm zusammen 21,8 cm. Rechter
Winkel in Rb nach oben und unten gibt auf der Grundlinie Punkt b und auf der
Taillenlinie Punkt t.
t — T2 = 1,5 cm
b - a h = Y i 0 W - A T = 2,4cm
ah — ab = lcm
c ist % zwischen a h und R b
c — S = 1,5 cm
K1— K 2 = TJ — T2 + 1 cm W — a = Yao OW + 3 cm = 8,4 cm
a - RH = Yio W — AT = 2,4 cm.
Vollende den Rücken nach Vorlage indem wir bei K 1 den Winkel anlegen und
damit die Länge der Rückenseitennaht erhalten (K2).
Das Vorderteil
Zwischenraum R b — A d 5 cm.
A d — A V = Ys OW + 3 cm = 16,5 cm
A V — B B = Yi o w — 1 c m = 2 6 c m
B B — e = Yio OW = 10,8 cm.
Winkellinie in AV nach oben und unten gibt auf der Grundlinie Punkt D, auf
der Taillehlinie Punkt Hü und auf der Hüftlinie Punkt Hg.
Hü — LV = % UW - f - 1 cm > dazu noch den einen cm, welchen wir aus dem
Brustabnäher herausnehmen, = 30,5 cm. In LV rechter Winkel nach oben und
unten gibt auf der OW Linie Punkt B B 1 und unten Punkt B.
Der Betrag B B 1 — B B wird geteilt, die Hälfte über LV nach unten verbunden gibt Punkt A für die untere vordere Mitte des Sakkos.
L V - f = Yio OW = 11,4 cm
f mit e verbunden für die Richtungslinie der Achselspitze.
An diese Linie mit Punkt D den rechten Winkel angelegt gibt VL.
VL — Hz = Betrag W — a + 1 cm = 9,4 cm
Hz — Ht = 6 cm.
Hz mit LV verbinden wir zur oberen vorderen Mitte.
AV — Ah = Ys OW + 7 cm = 20,5 cm.
31
Mit AV als Scheitelpunkt kurzen Zirkelschlag nach rechts und übertragen auf
diese Linie von VL — Ab für die Achselnaht
den Betrag der Hinterteilachsel minus 1 cm = 16,5 cm
Ad - S» = Eb - c.
Vollenden Ärmelloch und Halsloch nach Vorlage.
Hg - G = V6 GW - 1 cm = 18% cm.
Ad wird mit G verbunden gibt auf der Taillenlinie t 1
t l — T33= 1,5 cm. Vollenden die Seitennaht von S1 über T3 und 6
nach K .
Die Länge von T2 — K 2 am Rücken übertragen wir
von T 3 nach K 3 , die Länge TL — HL
von LV nach VL + 1 cm für die vordere Länge des Vorderteils. Verbinden
K 3 mit VL zur unteren Länge des Sakkos. Für die Anlage des Ausnähers gehen
Teile. Erstes Drittel Brustabnäher endet 7 cm unter der Oberweitenlinie und
läuft parallel zur vorderen Mitte. Wir ziehen die Linie nach unten durch zu
Punkt C. Herausnahme in der Taille 1 cm. Verbinden über 1 cm zur Taschenlinie, welche vorn % Taillenlänge und hinten % TL — 1 cm von der Taillenlinie
entfernt liegt. Die Herausnahme auf der Taschenlinie beträgt 2 cm. Der Betrag
von A — B 4 cm auf der unteren Linie wird zwischen C + D plus der 2 cm
Herausnahme auf der Taschenlinie, also mit 6 cm herausgenommen. D mit der
3
J a rk e
33
Taschenlinie verbunden gibt den Bauchabnäher des Sakkos. Aus dem Seitenabnäher nehmen wir im Ärmelloch 1 cm und in der Taille 2 cm heraus. Das Seitenteil trennen wir ab und nehmen aus dieser Naht auf der unteren Längenlinie 1 cm
für den nötigen Schluß heraus. Vollenden den Seitenteilausnäher nach Vorlage.
Die Tasche beginnt 1 cm vor dem Brustabnäher, ihre Größe beträgt 1 / 1 0 OW +
6 cm. Der Überschlag ist 1,5 cm. Der Abstich bei A 2 cm. Vollende die vordere
Kante nach Vorlage. Reversbreite in Knopflochhöhe 10 cm.
XVCKeM-e#£tr£
OW
22
cm
120 cm
Ab b.
I
Die Einzeichnung der Brusttasche ist folgende:
Bei Ad 3 cm höher. Bei A V 1 cm tiefer. Hintere Kante der Brusttasche 3,5 cm von der Armvortrittslinie. Größe der Tasche 12 cm. Breite
der Leiste 3 cm.
Nun noch einiges zur proportionellen Rückenbreitenberechnung bei größeren Weiten. Die Erfahrung lehrt, daß bei fast allen Aufstellungen
von Schnittmustern bei größeren Weiten die
Rückenbreite zu groß wird.
Bei 100 cm Oberweite stimmt J / 5 und 2 cm auf
der Rückenbreitenlinie gemessen.
Bei größeren Weiten verlegen wir die Rückenbreitenberechnung auf die Oberweiten-Linie
I (s. Abb. 6).
Wir nehmen nun für die Rückenbreite bis
100 cm Oberweite 1 / 5 und 1 cm.
Alles was über 100 cm hinausgeht, wird für
jeden cm mehr 1 mm zum Fünftel + 1 der
Rückenbreite zugegeben.
Abb. 5 zeigt das schnittfertige Muster. Siehe
hierzu auch Abb. 20 (Bauchansatz)
Beispiel:
Oberweite
Oberweite
Oberweite
Oberweite
104 cm
110 cm
120 cm
130 cm
=
=
=
=
Rückenbreite
Rückenbreite
Rückenbreite
Rückenbreite
21,4 cm
22 cm
23 cm
24 cm
gemessen auf der Oberweitenlinie.
Die normale Achselbreite, auf der Vorderteilachselnaht gemessen, beträgt
14—16 cm.
Auch die Brustbreitenberechnung bei Bauchfiguren erfährt bei größeren
Maßen ab 100 cm Oberweite eine Veränderung.
Haben wir bis zu 100 cm Oberweite eine Brustbreitenberechnung von % Oberweite — 1 cm, so gilt ab 104 cm Oberweite folgender Grundsatz:
34
Die Brustbreite wird um die H ä l f t e des Betrages schmaler aufgestellt, den
die Rückenbreite über die Grundzahl 21 cm (auf der Oberweitenlinie gemessen)
breiter aufgestellt wurde.
Beispiel:
Oberweite 112 cm
Oberweite 120 cm
Oberweite 130 cm
Unterweite 118 cm
Unterweite 128 cm
Unterweite 140 cm
112 cm Oberweite hat eine Rückenbreite von 22,2 cm = 1,2 cm mehr als
Normalriickenbreite bei 100 cm Oberweite mit 21 cm.
120 cm Oberweite hat eine Rückenbreite von 23 cm = 2 cm mehr als Normalrückenbreite bei 100 cm.
130 cm Oberweite hat eine Rückenbreite von 24 cm = 3 cm mehr als Normalrückenbreite bei 100 cm Oberweite.
Die Hälfte dieses Überbetrages wird nun bei Bauchfiguren von der Brustbreite
zusätzlich abgerechnet.
Beispiel:
112 cm Oberweite = Brustbreite % Oberweite — 1 cm + 0,6 cm = % Oberweite —1,6 cm.
120 cm Oberweite = Brustbreite
Oberweite — 1 cm + 1 cm = 1 / i Oberweite — 2 cm.
130 cm Oberweite = Brustbreite % Oberweite — 1 cm -f-1,5 cm = % Oberweite — 2,5 cm.
Der Ärmel
Die Aufstellung des Ärmelschnittes kann nach verschiedenen Methoden erfolgen. Die Hauptsache ist, daß seine Form der jeweiligen Mode entspricht und der
Körperhaltung angepaßt wird.
Der Ärmel war schon immer das Schmerzenskind in der Schneiderei. Der Ausspruch, daß der Rock solange passe, wie keine Ärmel eingesetzt sind, ist so alt wie
die Schneiderei selbst. Hier ist aber auch schon die Fehlerquelle ausgesprochen.
Wenn der Rock ohne Ärmel paßt, so muß er bei richtig geschnittenem Ärmel
und richtig zurechtgezeichnetem Ärmelloch doch auch passen. Es gibt Kollegen,
welche sich von ihrem alten Ärmelmodell durchaus nicht trennen können. Diese
„Herrgötteis" werden sorgsam behütet und leider auch immer wieder benutzt.
Das Einheften dauert stundenlang und gehört zu den anstrengendsten Arbeiten
der Schneiderei. Und doch kann ein Ärmel so geschnitten bzw. umgestellt werden, daß er ganz leicht zu verarbeiten und einzusetzen ist. Vor allem muß der
Ärmelschnitt m o d e r n sein. Er muß die Watteauflage berücksichtigen und der
Körperhaltung Rechnung tragen. Über die richtige Aufstellung finden wir in den
modernen Systemen genügend Aufklärung und Anleitung.
Die Hauptsache beim modernen Ärmel ist die Kugelhöhe. Normalerweise,
also ohne Watte, beträgt die Entfernung von der tiefsten Stelle des Unterärmels
bis zur höchsten Stelle der Kugel % Armloch-Umfang.
3
35
Bei mäßiger Watteauflage (2—3mal) 1 cm Zugabe. Je 3 m a l W a t t e mehr
bedingen eine Erhöhung von % c m - Niemals soll man den Unterärmel tiefer
ausstechen, sondern die Kugel erhöhen, evtl. durch Umschneiden des Ärmels
nach der Probe. Der moderne Ärmel muß weit sein. Die Oberärmelbreite beträgt
s c h r ä g g e m e s s e n von der vorderen Mitte bis zur hinteren Naht% ÄrmellochUmfang. Dadurch erhält der fertige Ärmel eine Zugabe von 5 — 6 cm, welche
angehalten werden müssen. Je 2 cm auf der vorderen und der hinteren Kugelhälfte und den Rest verteile man auf den Unterärmel. Wenn früher der vordere Fall des Ärmels
allein ausschlaggebend war, so muß heute auch
die hintere Partie des Ärmels möglichst glatt
fallen. Dies erreichen wir durch richtige Kugelhöhe und Anhalten des Unterärmels. Ein richtig
geschnittener Ärmel kann und muß in derselben,
am Vorderteil vorher bestimmten Stelle angesetzt werden.
Auch beim g l a t t f a l l e n d e n Unterärmel muß
man vorsichtig sein. Einen glattfallenden Unterärmel ohne Rollfalte am Rücken gibt es nicht.
Je größer die Rollfalte, desto kürzer darf der
Unterärmel sein. Schließlich handelt es sich
hier nur um eine Weitenverschiebung. Das, was
dem Unterärmel an L ä n g e genommen wird,
muß der Rücken an W e i t e dazu bekommen,
beim modernen Schnitt die „ R o l l f a l t e " . Der
Unterärmel muß zur Erzielung eines schönen,
anrollenden Falles angehalten werden, und zwar
etwa 1V2 cm von der tiefsten Ausstichstelle bis
zur Ellenbogennaht.
Es ist wohl selbstverständlich, daß wir bei
Stoffen, welche sich schwer verbügeln lassen,
dem Ärmel evtl. etwas weniger Weite geben,
aber dieser Betrag darf 1—1% cm nicht übersteigen. Bei derartigen Stoffen empfiehlt es sich, die Weite vor dem Einsetzen
mit einem Faden einzuziehen und zu verbügeln (s. Abb. 7).
Alle Abweichungen der Armhaltung müssen innerhalb des Ärmels selbst vorgenommen werden. Wir haben bei der a u f r e c h t e n Körperhaltung sehr oft nach
hinten durchgedrückte Ellenbogen und dementsprechend mehr nach hinten
gehaltene Arme. Scheinbar müßte der Ärmel für solche Haltung t i e f e r eing e s e t z t werden. Wird der Ärmel n o r m a l geschnitten und eingesetzt, so ergeben
sich folgende Fehler: Der Ärmel erscheint in seiner oberen Partie als zu hoch
eingesetzt, die vordere Naht kippt vor. Auf der Hand ist der Ärmel vorn zu kurz
und steht an der Manschette ab. Die hintere Naht zeagt unschöne Länge und
vorn erscheint die Naht zu kurz. Ein Tiefersetzen des Ärmels als normal würde
36
diese Fehler scheinbar beseitigen. Aber beim Tragen zeigen sich Unbequemlichkeiten und in der vorderen Kugelpartie unschöne, tief eingedrückte Falten.
Alles Folgen des tiefer eingesetzten Ärmels, der beim Vorwärtsbewegen des
Armes zu tief s i t z t . Niemals soll man den Einsatz der Kugel verändern. Wenn
wir den Arm des Menschen bis etwa 5 cm unterhalb der Ärmellochtiefe abschneiden
würden, könnte niemand mehr feststellen, ob der betreffende Mensch seinen Arm
melir nach hinten oder vorn fallen ließ. Folglich ist die Veränderung des Ansatzpunktes am Ärmelloch für die verschiedenen Haltungen f a l s c h . Die Haltungsänderung erfolgt innerhalb des Ärmels selbst. Für
den nach hinten gehaltenen Arm schneiden wir das
Ärmelmodell in Muskelhöhe querüber auf und legen
in der vorderen Mittel cm auseinander bis zur Mitte
des Oberärmels. Von dort nach hinten zur Ellenbogennaht 1 cm übereinander und unten auf der
Hand fällt der Ärmel etwa 3 cm nach hinten. Die
normal geschnittene untere Kante des Ärmels wird
dadurch vorn etwas länger und hinten etwas kürzer,
ist also für diese Armhaltung jetzt richtig. Umgekehrt müssen wir das Ärmelmodell für nach vorn
gehaltene Arme drehen. Wir verkürzen die vordere
Naht des Ärmels und verlängern die hintere Naht.
Der Ärmel fällt nun an der Hand mehr nach vorn
und die sich hochschiebende Länge in der vorderen
Partie des Ärmels ist verschwunden. Diese Drehungen des Ärmelmodells sollen 3 cm an der H a n d
nicht überschreiten (s. Abb. 8).
Unentbehrlich sind diese Drehungen bei Raglanärmeln, denn hier kann man sich durch Höher- oder
Tiefersetzen nicht mehr helfen. Also Achtung! Beim
Maßnehmen auch auf die Armhaltung des Kunden
Obacht geben.
Wir hätten nun die Annhaltung nach vorn oder
hinten besprochen. Es verlohnt sich, in diesem Zusammenhang noch einen sehr oft vorkommenden Fehler zu besprechen, und
zwar den rechten Ärmel bei rechts hängender Körperpartie.
Wir setzen wohl meist den linken Ärmel zuerst ein und haben bei richtigem
Zuschnitt kaum Schwierigkeiten. Diese beginnen immer erst beim rechten
Ärmel zumal dann, wenn der Kunde rechts hängt. Wir setzen den rechten Ärmel
genau an die gleiche Stelle im Vorderteil wie den linken, und trotzdem sitzt er zu
hoch. Wir setzen ihn etwas tiefer und gleich sitzt er zu tief und schiebt sich vorn
hoch. Wir stechen nun den Ärmel von ca. 5 cm über der vorderen Mitte im Verlauf des Unterärmels bis über die Ellenbogennaht verlaufend 1—1/4 c m aus >
und nun müssen wir feststellen, daß der Ärmel oben jetzt gut paßt, dafür aber
unten um den ausgeschnittenen Betrag zu kurz ist. Wenn der Kunde rechts
37
hängt, so müssen •wir die Kugel des rechten Ärmels um die Hälfte des Betrages,
den das rechte Ärmelloch größer ist (etwa 1 bis 1% cm), höher stellen. Dies tun
wir nach der zweiten Probe, indem wir den Unterärmel verlaufend zum Oberärmel bis 5 cm über die vordere Mitte, um diesen Betrag ausstechen und unten
an der Hand länger machen. Wenn wir nun noch den so geänderten Ärmel in der
vorderen Naht l / 2 cm einrücken, verlaufend von oben auf eine Länge von etwa
10 cm nach unten, so bekommen wir die vordere Mitte des rechten Ärmels mehr
nach innen und können nun denselben auf die gleiche Stelle ansetzen wie den
linken. Die Furcht vor dem Einsetzen des rechten Ärmels braucht nicht mehr
zu sein.
Bei Figuren mit flacher Brust hat der Ärmel in seiner vorderen Kugelpartie
oft zu viel Weite. Obwohl wir nicht mehr angehalten haben als normal, stört
uns diese Erscheinung. Die Änderung am fertigen Stück besteht nun darin, daß
wir dasÄrmelloch etwas ausstechen und die Weite ist verschwunden. Aber die
Ärmellochnaht läuft nicht mehr gerade, sondern hohl nach oben, was nicht besonders vorteilhaft für eine flachbrüstige Figur ist.
Hier ist zu empfehlen, die vordere Partie der Ärmelkugel etwas flacher zu halten
als normal, und dieser sehr oft vorkommende Fehler wird verschwinden.
Wir sehen, daß Kleinigkeiten die Ursachen großer Fehler sind. Genauer Zuschnitt und gewissenhafte Beobachtung der Körperhaltung beim Maßnehmen
ersparen uns viel Zeit und Ärger. Genaues Studium des erlernten Systems erleichtern unsere Arbeit und steigern den Ertrag derselben.
Wer modern, also glatt verarbeitet, braucht nicht erst glatt zu bügeln und
erspart beim Abbügeln viel Zeit.
Moderner Z u s c h n i t t im Verein mit m o d e r n e r g l a t t e r V e r a r b e i t u n g
ersparen unnötige Arbeit und sichern den Erfolg. D i e A u f s t e l l u n g des
Ä r m e l s ztigtunsAbb. 7.
Die Weste und ihre Einzeichnung in das Sakkomodell
Die Weste ist wohl das kleinste und anscheinend auch unkomplizierteste
Kleidungsstück, kann uns jedoch in unserer Arbeit viel Ärger und Mühe bereiten.
Wir alle wissen aus Erfahrung, daß gerade eine schiecht sitzende Weste schwer in
Ordnung zu bringen ist.
Es gibt sowohl im Publikum als auch in der Fachwelt einen großen Kreis, der
die Weste als überflüssig oder gar unnötig betrachtet. Das ist nun nicht der Fall.
Zum korrekten Anzug gehört nun doch die Weste. Außerdem ist eine gut geschnittene Weste auch ein schönes Kleidbild. Es muß wohl sehr schwer sein, eine
Weste richtig Maß zu nehmen, sonst könnte man als aufmerksamer Beobachter
nicht so viel häßliche Westenformen antreffen. Die moderne Weste hat einen
nicht zu kleinen Ausschnitt, lange Ecken und läßt den unteren Knopf offen.
Wenn auch die Wünsche des Kunden berücksichtigt werden sollen, so muß doch
der Schneider auch hier beratend und gestaltend wirken. Am besten ist auch
bei der Westenformung die Zugrundelegung der Proportion. Wir rechnen den
38
Ausschnitt und die Westenlänge nach der Taillenlänge und % Oberweite. Ftt*
den Ausschnitt nehmen wir die Hälfte der ganzen Länge.
Unserer Aufstellung liegt folgender Maßsatz zu Grunde:
Körpergröße
176 cm
Oberweite
104 cm
Unterweite
96 cm
Gesäßweite
108 cm
Nachdem wir das Sakkomodell aufgestellt haben, zeichnen wir die Weste ein.
Die Länge wird errechnet durch
Taillenlänge
44 cm und
% der Oberweite . . . . 26 cm
zusammen 70 cm
oder doppelt gemessen 140 cm.
Der Ausschnitt ist also 70 cm doppelt oder 35 cm einfach. Zur Einzeichnung
benutzen wir als Kante der Weste die Mittellinie des Sakkomodells, (s. volle
Linie in der Abb. 9.)
Bei Punkt 11 legen wir den Betrag des Rückenhalslochspiegels, hier 8,2 cm,
heraus und übertragen nach 12 die halbe Ausschnittlänge mit 36 cm und nach
Punkt 13 die halbe Westenlänge mit 70 cm.
Der unterste Schließknopf liegt in der Taillenhöhe, und wir machen von dort
nach 13 verlaufend einen Abstich von 2 bis 2% cm.
14 ist von der Taillenlänge 6 bis 7 cm entfernt, verbinden 13 und 14 durch
eine mäßig geschweifte Linie. Als Abgrenzungslinie des Westenvorderteils benutzen wir den Ausnäher unter dem Arm am Sakkomodell. 16 liegt 3 cm unter
der Ärmellochlinie.
11 —15 = 9 bis 10 cm und zeichnen das Westenarmloch nach Zeichnung. Der
Brustausnäher wird wie im Sakkovorderteil angebracht, nur empfiehlt es sich,
an der unteren Kante der Weste nichts herauszunehmen, weil diese sonst leicht
zu eng wird (s. Abb. 9).
Zur Rückenzeichnung messen wir das Westenvorderteil in der Oberweite aus,
hier 27 cm, legen diesen Betrag an Punkt 6 an und übertragen nach 7 die Hälfte
der Oberweite und 4 cm = 56 cm. Die Unterweite des Vorderteils legen wir bei
8 an und übertragen nach 9 die Hälfte der Unterweite + 4 cm = 52 cm.
Die Hinterteilachsel ist 1 cm länger als die Vorderteilachsel und stellen wir
Punkt 10 1% cm tiefer, weil ja die Weste keine Watteauflage erhält.
Das Ärmelloch zeichnen wir nach Vorlage aus und gehen bei Punkt 7 einen cm
tiefer als bei 16.
Der Westemücken kommt dadurch etwas länger, was für die Weste sehr vorteilhaft ist. Durch das Zusammenziehen der Schnallgurte geht diese Mehrlänge
wieder verloren.
Auch im Westenrücken bringen wir einen Taillenabnäher von etwa 2 cm an,
weil dadurch das Schulterblatt genügend Weite und Länge bekommt. Fehlt diese
39
Länge, so entsteht gerade bei starken Schulterblättern ein sehr häßlicher Fehler
im Ausschnitt der Weste.
In sitzender Stellung des Kunden klafft der Ausschnitt vorn, und hinten
rutscht die Weste vom Halse ab. Derselbe Fehler kann aber auch entstehen wenn
der Bauchpunkt der Weste zu weit zurückgestellt wird. Durch das Schließen der
unteren Westenknöpfe wird die Weste vom Hals am Rücken weggezogen und
der Ausschnitt bekommt Länge. Mit anderen Worten: Die Hinterbüste wird zu
kurz und die Vorderbüste zu lang, ein häufig vorkommender Fehler. Auch das
Aufsetzen der Schnallgurte geschieht oft falsch. Die Schnallgurte sind zu % über
und zu 2 / s unterhalb der Taillenlinie anzubringen. Die nach vorstehenden Angaben
gezeichnete Weste liegt neben dem Wäschekragen, was bei dem flachliegenden
40
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Sakkokragen durchaus richtig ist. Soll nun die Weste auf dem Wäschekragen
liegen, so müssen noch 1 bis 1% cm Stehkragen zugegeben werden.
Wer nun trotzdem durchaus die Weste extra aufstellen will, soll dies tun. Die
Halslochspitze des Vorderteil; muß bei glatter Verarbeitung genau so liegen wie
beim Sakko, d. h. y i 0 Ober- und 1 /, 0 Unterweite von der vorderen Kante zurückgestellt und durch eine Linie verbunden, geben die Halslochspitze (Punkt 11).
Kontrolle der Ober- und Unterweite je % + 4 cm.
Bei der Frackweste stellen wir die Achsel 1 bis l 1 /, cm gerader, machen im
Armloch einen Ausnäher und bringen den Rücken noch 1 cm länger hinein. Wir
erzielen dadurch einen gut sitzenden Ausschnitt. Die Frackweste ohne Rücken
erleichtert uns die Arbeit wesentlich (siehe gestrichelte Linie. Abb. 9 und 10).
Die Frackweste ist kürzer als die Sakkoweste und richtet sich nach dem Frackvorderteil. Sie schließt auf drei Knöpfe, von denen der mittelste in der Taille
sitzt.
Der Zuschnitt der Einlage
Die Einlage muß genau nach dem Oberstoff zurecht gezeichnet werden. Die
Berechnung und die Anlage der Ausnäher hat so zu erfolgen, daß an der fertig
genähten und mit Plack versehenen Einlage nichts mehr eingebügelt werden
darf. Nach dem Pikieren ist lediglich ein Glattbügeln der Einlage nötig.
Zunächst müssen wir uns klar werden, was mit einem modern zugeschnittenen
Vorderteil vor dem Unterschlagen geschieht. Wir schließen den Brustausnäher,
indem wir im Kreidestrich nähen. Unter dem Arm bügeln wir etwas kurz.
43
Das Ärmelloch wird in seiner vorderen Rundung mit einem Faden kurz gehalten und verbügelt. Das Letztere soll nicht dazu dienen, Brust einzuarbeiten, sondern verhindert das Ausziehen beim Ärmeleinheften und -einnähen.
Das Halsloch wird etwas gedehnt, um für den Schulterknochen Raum zu schaffen.
Diese Verarbeitungsvoraussetzungen zeigen uns nun den Weg zur Ausnäherberechnung der Einlage.
Wir legen das zugeschnittene Vorderteil auf den Einlagestoff und stecken
am Ärmelloch B und unter dem Arm A eine kleine Falte ab. (s. Abb. 11.)
Beide Fältchen sollen den Betrag von iy2 cm nicht übersteigen. Hierdurch öffnet
sich der Brustausnäher im Stoffvorderteil um 2—3 cm mehr als herausgezeichnet.
Wir übertragen nun den so vergrößerten Stoffausnäher genau auf die Einlage
und haben dann die richtige Größe des unteren Brustausnähers. Erfahrungsgemäß verringert sich die Brustwölbung der Einlage immer etwas durch das
Aufnähen des Placks und des oftmaligen Bügeins während der Verarbeitung.
Aus diesem Grunde ist es ratsamer, etwas mehr Brustwölbung in die rohe Einlage hineinzuarbeiten. Dieses Mehr erreichen wir durch einen Ausnäher von
oben. Dieser nimmt seinen Ausgang von dem Einschnitt, den die Einlage für die
Schulterverarbeitung erhält. Dieser Einschnitt geht vom Halsloch über % der
Achselbreite und endet mit einem kleinen Schrägschnitt nach unten. Durch
diesen Schrägschnitt wird ein weicherer Übergang zur Schulterknochenweite
gegeben. Aus diesem Einschnitt zeichnen wir einen Ausnäher von 2 cm Größe
verlaufend zur Oberweitenlinie und 3 cm oberhalb derselben endend. Der untere
Abnaher endet 5 cm unterhalb der Oberweitenlinie. Die Brustwölbung ist nun
richtig placiert. Der untere Teil der Einlage reicht etwa 2 cm über den Tascheneingriff. Abb. 11 zeigt uns alles weitere.
Verarbeiteter Oberstoff und richtig berechnete und verarbeitete Einlage
passen jetzt genau zueinander. Das Unterschlagen ist nun eine leichte und mühelose Arbeit. Abb. 12 zeigt den Zuschnitt einer Einlage für Bauchsakko. Die
Grundberechnung ist die gleiche. Hinzu kommt die Anlage des Bauchausnähers
in der Einlage.
Im Stoff können wir denselben nur in der Taschenhöhe anbringen. Anatomisch gesehen liegt er dort zu tief. In der Einlage können wir denselben jedoch
richtig anbringen, d. h. in der Unterweitenlinie. Eine Herausnahme von 1% cm
ist hier genügend und bringt die Bauchrundung der Einlage dort hin, wo dieselbe
am Körper liegt. Die Bauchweite des Stoffes drücken wir mit dem Bügeleisen
etwas nach vorn und nach oben.
Oberstoff und Einlage passen nun gut aufeinander. Wenige Heftreihen genügen, um beide miteinander zu verbinden. Oftmals wird der Bauchausnäher
der Einlage auch von vorn gemacht. Er bügelt sich aber leichter durch und sieht
dann häßlich aus. Die Achsel braucht bei Bauchfiguren weniger ausgearbeitet zu
werden, da die meist fleischige Schulter dies nicht benötigt.
Für die Watteauflage schneiden wir alle Einlagen zum Rücken übergreifend
wie die Zeichnungen zeigen. Die Watteauflage liegt dann je zur Hälfte auf dem
Vorder- und dem Rückenteil. Die folgenden Abb. zeigen die Fertigeinlage.
44
m auffälligsten
prägt sich der
Zug zur Leichtigkeit in der G e sellschaftskleidung
des Herrn aus. Seit
langem wählt man
fast
ausschließlich
leichte Panamas und
luftige Freskos für die
Kleidung am A b e n d .
Die rückenfreie Weste
gilt als
obligatorisch,
wenn sie nicht ganz weggelassen werden kann.
Zum weniger konventionellen Smoking, zu dem sich
sogar die weiche Wäsche allgemein durchgesetzt hat, verzichtet man vielfach auf die
Weste oder ersetzt sie durch
den Cummerbund, der die Hose
nach o b e n korrekt abschließt.
Dieser modischen Entwicklung hat
sich die Verarbeitung angepaßt.
Watteauflagen werden so wenig
wie möglich verwendet und auch
die sehr dekorativen Steppfutter für
hochwertige Gesellschaftsgarderobe
sind allmählich in Vergessenheit geraten. Weiche, legere Verarbeitung gilt
als Prinzip; der Träger soll sich bei aller
Korrektheit des Anzuges unbeengt wohlfühlen.
Die Einlage für solche Ansprüche muß mit
Überlegung und Bedacht gewählt werden.
Die H A N S E L - W e r k e haben mehrere ausgesucht feingarnige, luftige Einlagestoffe von
höchster Sprungelastizität und bester Formerhaltungskraft entwickelt.
O b Sie eine der leichten Haarlastik- Sorten,
H A N S E L - K a m e l h a a r oder die neue leichtere
Wollastine-Qualität bevorzugen, können nur Sie
selber an Hand des zu verwendenden Oberstoffes
entscheiden. Ihr Großhändler wird Ihnen dabei
gern beratend zur Seite stehen.
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FACHTECHNIK UND BETRIEBSWIRTSCHAFT",
MÜNCHEN,
hat aus der großen Zahl der H A N S E L - Q u a l i t ä t e n eine Auswahl für die gute
und beste Maßschneiderei getroffen.
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weiche Freskos oder leichtes
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leichter als d i e Standardqualität,
w a h r e n d d i e schwerste A u s f u h r u n g durch d e n m i t v e r w e b t e n
Rofjhaarzwirn noch widerstandsfähiger u n d elastischer ist.
W a r u m ist H X N S E L W o l l a s t i n e so g u t !
Weil das gerade gewachsene,
naturelastische Ziegenhaar in der
besten und immer gleichbleibenden Qualltat zur Verarbeitung kommt, und die Wolle in der Kette durch einen hauchdünnen Baumwollfaden umzwirnt wird,
damit sie dauerhaft in der gestreckten Lage erhalten bleibt, die sie im Spinnprozefj a n g e n o m m e n hat.
Garne aus reiner W o l l e haben nur zu leicht das Bestreben, ihre Form unter Einfluß von Feuchtigkeit und Wärme wieder zu verändern, denn die gekräuselt gewachsene Wollfaser zeigt notwendigerweise nach d e m Strecken in der Verarbeitung immer wieder die Neigung, in ihre
ursprungliche Lage zurückzugehen. Ziegen- und Roßhaare werden in ihrer naturgegebenen,
gerade gewachsenen Struktur verwendet und haben daher im Garn gar nicht das Bestreben,
ihre Form zu verändern. Die Wolle dagegen mul; In der Form, in der sie versponnen
ist, erst fixiert werden, und das geschieht zweckmäßig durch das Umzwirnen mit
einem hauchdunnen Baumwollfaden.
Auch die Verwendung von Baumwolle hat in diesem Zusammenhang ihren
guten Grund. Nicht nur, dafj man sie unglaublich fein ausspinnen kann,
sie läfjt sich auch ohne große Schwierigkeiten absolut krumpffrei machen.
So entsteht e i n Einlagestoff, der zuverlässig d e m f e i n e n W o l l s t o f f
als G e r ü s t d i e n t u n d i h m erlaubt, alle seine V o r z ü g e richtig zur
Geltung zu bringen.
A u s 80 c m Breite einzeln zu schneiden, ist tür
einreihige S a k k o s selten vorteilhaft.
Bis zur
O b e r w e i t e 112 c m u n d Leibweite 118 c m wie
in u n s e r m Beispiel ergibt der Einlagenzuschnitt
auf halber Breite eine erhebliche Ersparnis:
Statt 85 c m für einen S a k k o sind in halber Breite
nur 1,45 m erforderlich, o b w o h l g e n ü g e n d grofje
Achselauflagen berücksichtigt sind u n d — b e s o n d e r s im fortlaufenden Zuschnitt — ausreic h e n d grolje Stücke als Bauchstutze abfallen.
Für eine solche Einsparung a m Maf; k ö n n e n
Sie sich eine bessere Qualität leisten I
Für größere W e i t e n u n d zweireihige
werden
im
HANSEL
Einzel-Zuschnitt
gebraucht.
formen.
1,70 m
bis 1 m
Schneidet m a n d i e Ein-
l a g e n übereinander, s o v e r b l e i b e n
genügend
Formen
0,95 m
daneben
breite Teile für einreihige
Sakko-
Für 2 Einlagezuschnitte s i n d d a n n nur
HANSEL
sind g e n ü g e n d
Auch
hierbei
grofye A c h s e l a u f l a g e n
vorge-
sehen.
HUUi Oft du CtuaUtäl spatzn!
notwendig.
Für doppelreihige Mäntel d a g e g e n schneidet
man a m besten aus der ganzen Breite. Hier
e r g e b e n sich Einsparungsmöglichkelten nur an
der L ä n g e , indem man die unleren Stücke quer
schneidet u n d d a n n ansetzt. Bei d e n letzten 30
bis 40 c m an der L ä n g e ist das zu verantworten.
Die Einsparung beträgt in diesem
Falle etwa 15 cm.
Lassen S i e auch d i e s e Differenz d e r Qualität
zugute k o m m e n !
Bei schweren oder ständig der Witterung ausgesetzten Uberkleidungsstücken sind die Q u a l i tätsmerkmale d e s . G e r ü s t e s " v o n besonderer
Bedeutung. Schon deshalb sollte der durch d e n
Zuschnitt eingesparte Betrag tür d e n Einkauf
einer besseren H A N S E L - S o r t e verwendet
werden.
Als Faustregel
für
den Verbrauch
ist a u s r e i c h e n d f ü r d i e L a n g e v o n
Mantellänge
80 c m
breitem
m i n u s 10 c m
H A N S E L
Für eine einreihige Damenjacke braucht man
normalerweise etwa 10 c m mehr H A N S E L als
die Jackenlänge beträgt. Dieses Mafj reicht bis
zu einer Oberweite v o n 108 cm (Beispiel) auch
d a n n aus, wenn der Rücken eine Hüfteinlage
erhält. Für die Achselverstärkung bleibt trotzd e m noch g e n ü g e n d Material übrig.
Wird eine Hüfteinlage nicht gebraucht, ist auch
hier der Zuschnitt In halber Breite wesentlich
vorteilhafter (Beispiel 2). Adiselstützen sind
aus d e n A r m l o c h r u n d u n g e n herauszunehmen.
Bei einem Einzelverbrauch v o n 70 c m sind nach
diesem Beispiel für 1 Jacken nur 1.15 m erforderlich, was je Stück eine Einsparung v o n '
10—15 c m ergibt.
HÄNSEL-Nachrichten
HÄNSEL-Complet Senta
mit v e r b r e i t e r t e r A c h s e l :
Die schnittechnische Entwicklung zeigt die Tendenz, wieder eine wenig schräger
gestellte Achsel im Zuschnitt zu bevorzugen. Um sowohl der bisherigen Methodik
als auch der Entwicklung Rechnung zu tragen, wird das H Ä N S E L-Complet „Senta"
künftig mit einer nach der Seite verbreiterten Achsel geliefert, so dafj es ohne
weiteres auch dann verwendbar ist, wenn dem Stoffzuschnitt eine schräger gestellte
Achsel zugrunde liegt.
HÄNSEL-Complet:
Die Sorten K a p i t ä n und A d m i r a l
werden in den Gröben 1 und 2 auch künftig in der bisherigen Schnittform mit
e i n e m , von der Taille ausgehenden Brustabnäher geliefert.
L e d i g l i c h d i e G r ö f j e 3 wird, um die Verwendbarkeit für Bauchfiguren zu erleichtern, mit einem zweiten Brustabnäher angefertigt, der vom Achseleinschnitt
ausgeht.
Fach-Tonfilm:
Im Auffrag des Instituts für Film und Bild, Berlin, ist der Fach-Tonfilm
„Ein Streifzug durch die Proportionslehre der Herrenschneiderei"
nach einem Manuskript von Ehrenobermeisfer J ä r k e , Berlin, hergestellt worden.
Schulen und Innungen können diesen Film von den örtlichen Büros der staatlichen
Bildstelle anfordern. Die notwendigen Vorführgeräte werden von dieser Institution
ebenfalls leihweise zur Verfügung gestellt.
H Ä N S E L-Vortragsdienst:
1.) Für den Unterricht in den Berufsschulen und für die Fachabende in den
Innungen stehen mehrere Dia-Serien mit Bildern aus den H Ä N S EL-Werken
zur Verfügung.
Serie 1: Kammgarnspinnerei (23 Bilder)
Serie 2 und 3: Weberei und Ausrüstung (20 Bilder)
Serie 4 b i s 6: Herstellung von Roljhaarzwirn - Näherei - Technische
und soziale Einrichtungen (22 Bilder)
Diese Dia-Serien werden auf Anforderung leihweise zur Verfügung
gestellt unter Beifügung eines bebilderten Vortragstextes.
2.) Außerdem steht für die Innungsversammlungen ein abendfüllender F a c h v o r t r a g mit Lichtbildern: „Modegerechte und zweckmäßige Innenverarbeitung" zur Verfügung, der durch einen Fachreferenten der H Ä N S E L - W e r k e
gehalten wird.
Die Schulen und Innungen werden gebeten, im Bedarfsfalle ihre Terminwünsche so
frühzeitig wie möglich an den „HANSEL-Vortragsdienst „Iserlohn/Westf., gelangen
zu lassen. Der H Ä N S E L-Fachvortrag wird bevorzugt für geschlossene Vortragsreisen in den einzelnen Landesverbänden eingesetzt.
HERAUSGEGEBEN VOM:
HÄ NS EL - DI E NS T HENSCHKE & CO.
H Ä N S E L - R O S S H A A R GMBH. I S E R L O H N
Der HÄNSEL-Dienst steht Ihnen jederzeit in Verarbeitungsfragen mit
gutem Rat zur Verfugung.
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit besonderer Genehmigung
gestattet.
Druck
Rick & Geldsetzer, K - G , Iserlohn
Die Abänderung des Normalmusters für h ä n g e n d e Achsel
Die Hängeschulter, hauptsächlich die rechts hängende Seite, ist wohl eine der
am häufigsten vorkommenden Wuchsabweichungen. Bei unsachgemäßer Behandlung kann dieser Fehler uns große Schwierigkeiten bereiten. Die richtige
Erkenntnis der Ursachen des Wuchsfehlers und entsprechende Abänderung des
Schnittmusters führen jedoch immer zum Erfolg. Mit den nachfolgenden Ausführungen verlassen wir das Gebiet des Normalmodells und beschäftigen uns
mit der ausgleichenden Schneiderkunst. Es ist bestimmt nicht zuviel gesagt,
wenn wir diese Schneiderei eine o r t h o p ä d i s c h e nennen, denn wir beschäftigen
uns in ihr mit den Formstörungen des menschlichen Körpers und deren weitmöglichste Verdeckung durch die von uns gearbeiteten Kleidungsstücke. Wie
entsteht nun eine Hängeschulter? Zunächst müssen wir unterscheiden zwischen
Figuren mit langem Hals und sogenannten Dachschultern und solchen mit
Hängeschultern (hauptsächlich einseitig). Nicht immer ist die rechts oder links
45
niedrigere Schulter eine Hängeschulter. Es gibt Fälle, in denen die niedrigere
Achsel die normale und die andere eine hohe Schulter ist. Diesen Fall behandeln
wir in einem anderen Abschnitt. Eine Hängeschulter erkennen wir am sichersten
an dem damit verbundenen s t ä r k e r e n S c h u l t e r b l a t t .
Wäre die hängende Schulter nur niedriger als die andere, so genügte ein Einrücken der Achselnaht oder eine stärkere Watteauflage, und der Fehler müßte
behoben sein. Dies ist jedoch nicht der Fall, sondern durch eine derartige Ände-
rung entstehen gleich mehrere neue Fehler. Der Kragen steht an der hängenden
Seite ab. Im Kücken ziehen vom Schulterblatt nach unten Schrägfalten, unter
dem Arm zwischen Taille und Oberweitenlinie zeigt sich Länge und das Ärmelloch ist vorn zu voll. Alle diese Erscheinungen zeigen uns die Ursache dieser
Wuchsabweichung. In Abb. 13 wollen wir uns diese Ursache klarmachen.
Vom Wirbelpunkt 1 nach 2 in der Mitte zwischen Ober- und Unterweitenlinie
knickt der Körper um den Betrag ein, um welchen die Achsel hängt (in unserer
Abb. etwa 2 cm). Durch diese Einknickung erscheint die Taillenbiegung
46
oder, besser gesagt, die Partie oberhalb der Taillenlinie geschweifter und es
entsteht der Eindruck einer stärkeren Hüftpartie. In Wirklichkeit jedoch wird
die Hüfte nicht stärker. Durch diese Veränderung des Körpers wird gleichzeitig das
Schulterblatt mehr herausgedrückt und die hängende Seite in der Rückenpartie
ist hier klar erkennbar. In der Vorderpartie spielt sich der umgekehrte Vorgang
ab. Die Brustpartie wird flacher und schmaler, und zwar um den Betrag, um
welchen die Rückenpartie stärker geworden ist. Wenn wir uns diesen natürlichen Vorgang klar gemacht haben, so ist eine Abänderung des Schnittmusters
keine Schwierigkeit. Wir übertragen diesen Vorgang einfach auf das normale
Schnittmuster. Vom Wirbelpunkt 1 des Schnittmusters nach Punkt 2 ziehen
wir eine schräge Linie und kniffen auf dieser den Betrag der Hängeschulter
(hier 2 cm) ab. Dadurch rückt der Wirbelpunkt nach innen, der Zusammensetzungspunkt des Rückens nach unten, und die Achsellinie wird schräger
(Abb. 14). Die Seitennaht wird in der oberen Partie enger. Im Vorderteil
(Abb. 15) nehmen wir ebenfalls eine sinngemäße Abänderung des Schnittmusters
vor.
47
Vom Punkt 11 nach Punkt 12 läuft eine schräge Linie zum Seitenausnäher,
auf welcher ebenfalls 2 cm abgeknifft werden. Das Seitenteil empfehle ich,
nicht abzukniffen, weil dadurch die Seitenteilspitze 0 a leicht zu tief kommt.
In der Praxis zeigt sich doch leicht folgende Erscheinung:
Beim Zurechtschneiden des Ärmelloches fehlt sehr oft bei 0 a der Stoff. Die
bekannte Redensart: „Da müssen Sie ganz knapp abnähen" ist wohl jedem
Fachmann bekannt. Meistens ist diese Stelle nicht nur knapp, sondern es f e h l t
einfach. Die Folge davon ist, daß der Ärmel nach dem Einsetzen an diesem
Punkt häßliche Falten wirft, weil eben das Armloch zu weit vom Körper entfernt
ist. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, nicht abzukniffen, damit 0 a nicht zu
tief kommt, und im Seitenausnäher von der Taille nach oben etwas einrücken,
damit 0 a näher an den Körper gelangt. Durch diese Abänderung zeigt sich nun
folgendes Schnittmusterbild: Die Halslochspitze wird schräger. Die Achselspitze
am Ärmelloch wird eingerückt. Im Ärmeldruck und in der Tiefe muß herausgeschnitten werden und der Klappenbruch wird zurückverlegt. Der Rücken kommt
48
an der hängenden Seite länger herein. Dieses sind alles Erscheinungen, welche dem
guten Anprobierer aus seiner Praxis bekannt sind. Er macht meist dieseÄnderung,
weil seine Erfahrung sie von ihm verlangt, ohne sich in vielen Fällen über ihre
Ursache im klaren zu sein. Das gleiche Resultat kann man erzielen, wenn das
Schnittmuster quer abgekniffen wird, wie die punktierte Linie in Abb. 16
zeigt. Hier ist auch die Umstellung des Rückens geändert. Die Rückenbreitenlinie
wird bis zu einem Drittel zum Ärmelloch hin eingeschnitten und von diesem Punkt
Abb. 16a
werden die 2 cm zur Seitennaht abgeknifft. Diese Umstellung ergibt eine größere
Länge über das Schulterblatt. Ich habe zunächst den ersteren Weg erklärt, um die
anatomischen Ursachen dieses Wuchsfehlers verständlich zu machen. Noch kürzer
gesagt: Die kleine Seite, d. h. der Betrag zwischen Oberweiten- und Unterweitenlinie, wird um den Betrag kürzer, um welchen die Schulterpartie hängt. Genau umgekehrt ist es bei der hohen Schulter, die wir später behandeln werden. Nun ist es
die Aufgabe des guten Schneiders, die hängende Seite nicht etwa genau passend zu
bekleiden, sondern der normalen anzupassen. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich,
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von der Rücken- und Vorderteilachsel gar nichts oder nur weniger abzunehmen und
durch stärkere Watteauflage zu ergänzen. Das Ärmelloch wird dann um so viel
größer als das andere, und dies muß beim Ärmelzuschnitt berücksichtigt werden.
Die Kugel des rechten Ärmels muß um 1 bis V/2 cm höher gestellt werden, wo-
50
durch der Ärmel mehr Weite enthält. Die vordere Länge des Ärmels gleicht dann
der des anderen, während die Länge über der Kugel um den erhöhten Betrag
größer wird. Haben wir es mit einer Figur mit besonders stark hängender Seite
zu tun, so empfiehlt es sich, auch zum Ausgleich des Kleidbildes die hängende
Brustseite etwas zu wattieren. Abb. 16a zeigt das schnittfertige Muster für
Hängeschultern.
Eines müssen wir immer bedenken: „Der gute Schneider soll die Schönheiten
des Korpers hervorheben und seine Mängel verdecken."
Wuchsabweichungen
Die nachfolgenden Zeilen behandeln verschiedene W u c h s a b w e i c h u n g e n .
Bei der normalen Figur ergibt sich bei normaler Haltung folgendes: Schulterblatt,
Gesäß und Wade berühren eine hinter die Figur gestellte gerade Fläche (Wand
oder Leiste). (Abb. 17 u. 17a). Der Wirbelpunkt und die Tailleneinbiegung weichen
4'
51
von dieser geraden Fläche ab. Die Halsgrube liegt etwa 3% cm unter der Wirbelpunktlinie. Die Körpergröße ist 176 cm bei allen gezeichneten Figuren. Oberweite 100 cm, Unterweite 92 cm und Gesäßweite 104 cm.
Die Rückenhöhe beträgt bei Normalfiguren 1 / s Oberweite + % der Taillenlänge. Taillenlänge % Körpergröße = 44 cm. Abb. 18 stellt eine Figur mit vorgeneigter Haltung dar, bei der Rückenhöhe und Taillenlänge 2 cm länger ge-
messen sind als normal. Der Rücken ist länger und gewölbter. Der Wirbelpunkt
rückt mehr nach oben und nach innen, und zwar um den Betrag, um welchen
die Rückenhöhe bzw. Taillenlänge länger gemessen ist. Um die Hälfte dieses Betrages wird der Rücken breiter und die Brust schmaler, da ja die Oberweite die
gleiche geblieben ist. Den gleichen Betrag, den die Rückenbüste länger wurde, muß
die Vorderbüste kürzer werden und die Neigung nach vorn mitmachen. Abb. 18a
zeigt dem aufmerksamen Beobachter alle diese Veränderungen. Man beachte auch
die Veränderungen zwischen dem Wirbelpunkt und der Halsgrube. Die Beach52
tung dieser Veränderung ist für den Uniformschneider noch wichtiger als für
den Zivilschneider. Nehmen wir an, der Wuchsfehler ist im Zuschnitt nicht berücksichtigt, so können wir den Kragen wohl hinten höher setzen, aber vorn
gibt es die berühmte Stauchfalte am Kragenschluß und der Kragen selbst drückt
trotz genügender "Weite auf den Kehlkopf. Bei aufrechter Haltung zeigt sich
der umgekehrte Fall. Der Kragen hat vorn einen Ausschnitt, sitzt also zu tief
und drückt dem Träger auf den Wirbelpunkt, erscheint also hinten zu eng.
Abb. 19 u. 19a zeigen uns diese aufrechte Haltung. Die Rückenhöhe ist kürzer,
der Rücken wird schmaler, die Brust breiter und die Vorderbüste um den Betrag
länger, um den wir die Hinterbüste verkürzen. Der Schulterblattpunkt berührt
die gerade Fläche nicht mehr. Die Halsgrube rückt höher und der Wirbelpunkt
liegt tiefer. Also genau der umgekehrte Vorgang wie bei Abb. 18 u. 18a. Um den
Grad der Wuchsabweichung festzustellen, bedarf es eines guten Augenmaßes oder
genommener Kontrollmaße. Beides erfordert eine gewisse Übung und Erfahrung.
53
Die Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse über diese Wuchsabweichungen
auf das Schnittmuster dürfte für den erfahrenen Fachmann nun nicht mehr
schwer sein.
Nehmen wir zuerst die
Maßverhältnisse eines normalen Körpers
Zunächst die Körpergröße, dann die Breiten- und Rundmaße und zum Schluß
die aus Körpergröße und Oberweite herzuleitenden Längenmaße.
Die Körpergröße war vor nicht allzu langer Zeit ein wenig beachtetes Maß
und dünkt mir doch eines der Hauptmaße zu sein. Nur mit seiner Hilfe ist es
möglich, die Breite und Länge in das richtige Verhältnis zu bringen. Stellen wir
zunächst fest, welche Maße unumgänglich notwendig sind, um die Proportionen eines Körpers festzustellen und aus dieser Feststellung ein Schnittmuster
zu konstruieren.
Breitenmaße:
Oberweite
Unterweite
~ Gesäßweite
Rückenbreite
Achselbreite
Längenmaße:
Körpergröße
Taillenlänge
Ganze Länge
Ärmellänge
Westenlänge
Hosenlänge
Die sorgfältige Feststellung dieser Maße genügt, uns die evtl. Wuchsabweichungen vor Augen zu führen unter der Voraussetzung, daß wir in der Lage
sind, den, dem genommenen Maß am nächsten liegenden proportioneilen Maßsatz zum Vergleich heranzuziehen. Ein idealer Maßsatz nach der oben angegebenen Reihenfolge ist:
Körpergröße
Oberweite
Unterweite
Gesäßweite
Rückenbreite
Taillenlänge
Normale Sakkolänge
Westenlänge
1,76 m
1,02 m
0,94 m
1,06 m
0,20,5 m
0,44 m
0,77 m
1,38 m
Hosenlänge:
Schrittlänge
Seitenlänge
0,81 m
1,06 m (Rundbund)
Diese Maße sind als proportionell richtig für den normalen Körper zu betrachten. Wir stellen nun zu diesen Normal-Maßen den genommenen Maßsatz
für einen Kunden zum Vergleich:
54
Körpergröße
Oberweite
Unterweite
Gesäß weite
Taillenlänge
Sakkolänge
Schrittlänge
1,76 m
1,02 m
0,96 m
1,04 m
0,46 m
0,80 m
0,81 m
Der Vergleich dieses Maßsatzes zeigt uns deutlich die Wuchsabweichungen.
Körpergröße und Oberweite stimmen überein. Die Unterweite ist 2 cm größer,
zeigt also vorgedrückten Leib. Die kleinere Gesäßweite ergibt flaches Gesäß.
Die Taillenlänge zeigt bei normaler Schrittlänge ein Übermaß von 2 cm. Um
diesen Betrag ist die Figur vorgeneigt und das Normalmuster muß für diese
Figur nach diesen Feststellungen umgestellt werden, wie uns Abb. 18a zeigt.
Was geschieht nun durch diese Umstellung: Die Rückenhöhe und der Wirbelpunkt rücken um den Betrag höher, welchen die Taillenlänge größer wird. Gleichzeitig rückt der Wirbelpunkt mehr nach innen. Das Vorderteil wird in der Oberweitenlinie mit dem Drehpunkt C um den gleichen Betrag verkürzt, dadurch
rückt der Bauch- und Gesäßpunkt mehr nach vorn, und diese Umstellung genügt, das Normalmodell der den genommenen Maßen entsprechenden Figur anzupassen. Die vollen Linien stellen den fertigen Schnitt dar.
Nicht immer braucht eine längere als proportionale Taillenlänge, vorgeneigte
Haltung zu bedeuten. Nur im Zusammenhang mit der Schrittlänge läßt sich
diese Wuchsabweichung einwandfrei feststellen. Ist die Schrittlänge so viel
kürzer als die Mehrlänge des Taillenlängenmaßes ausmacht, so sind längerer
Oberkörper und kürzere Beine vorhanden. Die Beine können wir bei diesen
Kunden nicht länger machen oder normalisieren, aber den Oberkörper können
und müssen wir normalisieren und gemäß der normalen Taillenlänge, also 44 cm,
bekleiden. Warum sollen zwei gleich große Körper, mit gleicher Oberweite und
nur verschiedenen Bein- oder Unterkörperlängen in der Oberpartie verschieden
bekleidet werden?
Warum sollen die Taille, die Taschen und auch die Knöpfe hier durch Verwendung der größeren Taillenlänge verschieden aussehen? Hier gilt es, die proportionelle Taillenlänge anzuwenden, um ein gleichmäßiges Kleidbild zu erzielen.
Nehmen wir noch ein anderes Beispiel: die stark aufrechte Haltung:
Körpergröße
1,76 m
Oberweite
1,02 m
Unterweite
0,90 m
Gesäßweite
1,08 m
Taillenlänge
0,42 m
bei normaler Schrittlänge von . 0,81 m
Rückenbreite
0,19 m
55
Der Vergleich der genommenen Maße mit den proportioneilen Normalmaßen
zeigt Abweichungen in der Unter- und Gesäßpartie, sowie in der Taillenlänge
und Eückenbreite. Was folgern wir aus diesem Vergleich? Die um 2 cm kürzere
Taillenlänge in Verbindung mit dem schmalen Kücken deuten auf aufrechte Haltung. Die Leibpartie ist schwächer als normal und die Gesäßpartie stärker. Das
Normalmodell muß für diese Figur in der Taillenlänge um den Betrag gekürzt
werden, um welchen die gemessene gegen die proportioneile kürzer ist. Hier
2 cm. Der Rücken wird um die Hälfte dieses Betrages in der Mittelnaht, verlaufend zum Gesäßpunkt, verschmälert.
In der Oberweitenlinie wird das Vorderteil wieder mit dem Drehpunkt C geöffnet und um den gleichen Betrag, um welchen der Rücken verkürzt wurde,
auseinandergelegt. Der Gesäßpunkt wird etwas herausgestellt und die Herausnahme aus dem Brustausnäher vergrößert, bis àie Entfernung vom Hüftpunkt
zum Bauchpunkt % Unterweite bei geschlossenem Brustausnäher beträgt (siehe
Abb. 19a).
Am Normalschnitt Abb. 17a kontrollieren wir vor der U m s t e l l u n g dieEntfernung von Punkt A bis Punkt B über die Achsel gemessen (hier 93 cm). Nach der
Umstellung muß diese Entfernung den gleichen Betrag ausmachen, dann ist die
Balance gegeben. Beachten Sie bitte auch die Veränderungen im Ärmelloch.
Bei der geneigten Haltung wird es tiefer und bei der aufrechten höher. Bei der
Abänderung für die geneigte Haltung (Abb. 18a) haben wir die Möglichkeit,
das Vorderteil zu idealisieren. Zu diesem Zweck nehmen wir nur die Hälfte des
übereinander zu legenden Betrages in der Oberweitenlinie hinweg und ersetzen
die dadurch entstehendee Länge durch Fries- oder Watteauflage auf die Brust.
Die bei diesen Figuren auch vorhandene abfallende Achselpartie erhält eine
Watteauflage.
In der Zuschneide-Technik haben wir hauptsächlich folgende Wuchsabweichungen zu beachten:
Oberkörper:
1. Vorgeneigte Haltung
2. Aufrechte Haltung
3. Hohe Schultern
4. Hängende Schultern (oft einseitig)
5. Langen, dünnen Hals mit schräger Schulter
6. Kurzen, dicken Hals mit gerader Schulter
Unterkörper:
1. Breite Hüfte mit flachem, zur Seite ausgeprägtem Gesäß und nach vorn
gedrücktem Leib.
2. Schmale Hüfte mit nach hinten gerücktem Gesäß und eingezogenem
Leib.
3. 0- und X-Beine mit den jeweils veränderten Waden- und Schulterpartien.
56
Dazu kommen die verschiedenen Körpergrößen und ihr Verhältnis zur Körperbreite, das Verhältnis des Ober- zum Unterkörper usw. Der Grad dieser
Wuchsabweichungen ist verschieden und muß maßmäßig festgestellt werden.
Die Proportionslehre gibt hierüber erschöpfend Auskunft.
Die linksseitig höhere Schulter (Abb. 21)
Wenn eine Figur zwei verschieden hohe Schultern aufweist, so ist es unsere
erste Aufgabe, festzustellen, welche von beiden Schultern die normale ist. Eine
hängende Achsel steht immer in Verbindung mit einem stärkeren Schulterblatt.
Ist dieses nicht vorhanden, so ist die niedrige Achsel die normale und die andere
ist höher als normal. Bei der Anprobe zeigt sich nun, daß die höhere Achsel zu
fest liegt und demzufolge der Kragen an dieser Stelle absteht. Richtig geändert
wäre nun, wenn wir bei der Anprobe die Achselspitze etwas gerader legen und
einrücken um den Betrag, um welchen der Kragen absteht. Lassen wir die Achselnaht nach dem Ärmelloch zu aus, so geht der Kragen wohl an den Hals heran,
aber das Ärmelloch wird um den ausgelassenen Betrag zu tief und das Kleidungsstück nach dem Einsetzen des Ärmels unbequem. Eine höhere Achsel braucht
57
immer ein höher gestelltesÄrmelloch wie im entgegengesetzten Falle eine t i e f e r e
Achsel ein tief er es Ärmelloch benötigt. Haben wir den Achselfehler vor dem
Zuschneiden richtig erkannt, so brauchen wir am Modell nur die Achselspitze
etwas gerader, die Achselhöhe zum Ärmelloch hin größer machen und um denselbenBetrag d a s Ä r m e l l o c h h ö h e r s t e l l e n als auf der normalen Seite. Es
ist immer vorteilhafter und bei der Anprobe zeitersparend, wenn man Wuchsabweichungen vor der Anprobe schon beim Zuschnitt beachtet. Um gleiche
Höhe beider Schultern im fertigen Stück zu erzielen, ist es notwendig, auch
hier die tiefere Schulter durch Watteauflage zu erhöhen. Die Watte braucht
Platz, wir müssen auch die niedrige Schulter etwas weiter machen und haben
nun auch bei dieser Achselveränderung zwei verschieden große Ärmellöcher. Die
niedrigere Achsel, die durch Watteauflage der höheren angeglichen wurde,
weist ein größeres Ärmelloch auf und muß somit auch eine größere Kugelhöhe
haben. Wir sehen hier die gleichen Voraussetzungen imÄrmelloch wie beider einseitigen Hängeschulter. Der Unterschied besteht nur darin, daß die kleine Seite,
d. h. die Höhe von der Taille bis zurÄrmelochtiefenlinie nicht, wie bei der Hängeschulter, verkürzt wird, sondern auf der tieferen Seite normal bleibt, während
die höhere Seite sogar länger wird. Höhere Schultern entstehen durch Herausheben des Oberkörpers aus den Hüften und dadurch verlängerter kleinen Seite.
So unwesentlich diese Abweichungen zuerst erscheinen, um so wesentlicher
sind ihre Auswirkungen am fertigen Stück. Hat die höhere Schulter nicht genügend Spielraum amÄrmelloch, so schiebt sich der Kragen beim Sitzen zu stark
in die Höhe, steigt über den Wäschekragen, und unter dem Kragenansatz zeigt
sich eine häßliche Querfalte. Man sagt: Der Rock liegt zu fest auf d e r Achsel.
Läßt man die Achsel aus, so wird dasÄrmelloch zu tief und der Ärmel liegt beim
Bewegen des Armes zu fest auf dem Oberarm.
Beim Hochheben des Armes geht der ganze Rock mit. Eine richtige Abänderung des fertigen Stückes ist sehr schwierig und endet meistens mit Einstückeln
unter dem Arm. Oder aber die Taschen-, Knopfloch- und Revershöhe erlauben
uns ein Hochrücken des ganzen Vorderteils um den Betrag, den dasÄrmelloch
zu tief ist. Bestimmt keine angenehme und recht kostspielige Änderung. Also
wieder: Augen auf beim Maßnehmen und bei der Anprobe. Studium des Körperbaues und Berücksichtigung der Wuchsabweichungen. Die Höhe des Ärmellochs
ist gerade bei den großen Ärmellöchern der jetzigen Mode äußerst wichtig. Durch
die Dressur des Halsloches bei der modernen Verarbeitung werden die Ärmellochtiefen schon leicht zu groß.
Bei der Probe scharf darauf achten und eventuell die Vorderteile beim Zurechtzeichnen gleich höher rücken, und manche zeitraubende Änderung kann
erspart werden. Gerade beim faltenreinen Ärmel muß dasÄrmelloch in der Tiefe
unbedingt richtig liegen, da wir ja sonst den Ärmel wiederum tiefer ausstechen
müssen und nun zweimal Bequemlichkeitslänge weggenommen haben. Einmal
durch zu tiefes Ärmelloch und zweitens durch zu tiefen Ärmelausstich. Diese
Wuchsabfaeichung kann auch beiderseits vorkommen. Die Abänderung gilt
dann für beide Seiten.
58
Die Formgebung der Revers
Es gibt sehr viele Arten der Aufstellung von korrekten Reversformen. Wir
zeigen eine Aufstellung die sehr einfach ist und dem jeweiligen Modestil leicht
anzupassen ist.
Die Breite und Länge der Revers richtet sich nach den jeweiligen herausgegebenen Moderichtlinien. Dieselben sind jedoch immer für Normalfiguren (Kör-
pergröße 1,76 m, Oberweite 1,02 m) maßgebend. Der geschickte Meister muß nun
individuell nach Größe und Stärke des betreffenden Kunden die Revers umgestalten, also jeweils schmaler oder auch breiter zuschneiden.
Abb. 22 zeigt die Aufstellung eines Normalrevers für einreihigen Sakko.
An einer schräggestellten Linie mißt man die Länge des Revers ab, hier 30 cm.
An dem oberen Punkt legen wir den Winkel an und ziehen die Winkellinie
nach rechts. Auf dieser Linie messen wir für die Reversbreite 10,5 cm ab. Dieser
Punkt wird nach unten mit dem Ausgangspunkt des Revers verbunden. An
diese Linie den rechten Winkel angelegt, gibt auf der Bruchlinie Punkt a.
59
a — b = 4 cm und verbinden b mit c zur Reversnahtlinie. Diese Linie wird
in drei gleiche Teile aufgerechnet. 1 / 3 davon ist die Ausschnittgröße des Revers
und derselbe Betrag gilt für die vordere Breite des Kragens. Der Ausschnitt
zeigt die Form eines etwas spitzen Winkels. Hintere Kragenbreite 3,6 cm. Das
Revers für den zweireihigen Sakko wird in ähnlicher Weise aufgestellt. Reverslänge 37 cm. Wirikellinie nach rechts, auf welcher wir 12 cm für die Breite abmessen. Auf der Mitte dieser Linie 7 cm nach unten, b liegt 1,5 cm über dem
Winkel. Die Kragenbreite beträgt 2 / 3 des Reverseinschnittes. Der Klappenbruch
erhält eine Höhlung von 1,5 cm. Der gleiche Betrag wird an der Außenkante
des Revers wieder herangestellt und wir vollenden nach Abb. 23. Das moderne
Revers für einen einreihigen Sakko zeigt uns Abb. 22a. Das moderne Revers
ist nicht nur kürzer, sondern auch breiter. Die Maße sind 27 cm Länge und 11 cm
Breite auf der Winkellinie. Die Spiegelnaht ist gerade gehalten. Erhöhung a — b
nur 2 cm. Das Revers erhält außen eine kleine Wölbung.
Abb. 24 zeigt ein Ulsterrevers zum offen und geschlossen tragen. Die Aufstellung ist folgende:
Schräglinienlänge c — a = 34 cm. Bei a rechter Winkel,
a — b = 17 cm
b — d = 5 cm
a — e = 2,5 cm
e — f = 2,5 cm verbinden a mit f und
f mit d. Die Außenkante des Revers erhält 1 cm Bogen.
h ist 1,5 cm von der Bruchlinie entfernt h —g = 8 cm. g mit d verbinden zur
äußeren Kragenlinie.
Vollenden das Ulsterrevers nach Abb. 24.
Verschiedene Kragen-Aufstellungen
I. N o r m a l
Bruchlinie nach oben verlängern, indem wir bei a 2 cm Stehkragen herausstellen.
b — c = Halslochweite + 1,5 cm.
Zirkelschlag mit b von c nach d
c —d = 1,5 cm
d —e = 2 cm Stehkragen.
In d rechter Winkel nach oben und unten.
d mit b zur Kragenbruchlinie verbinden
d —f = 4 cm. Vollenden den Unterkragen nach Vorlage.
II. H o h e S c h u l t e r
Diese benötigt etwas runderen Kragen, Aufstellung die gleiche wie nach Abb. 26
Nur von c—d = 2,5 cm.
60
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63
III. A b f a l l e n d e S c h u l t e r n u n d l a n g e n Hals
Aufstellung die gleiche wie in Abb. 25 und 26, aber bei c keine Herausstellung
(geraderen Kragen fast ohne Dressur), (s. Abb. 27).
IV. U l s t e r k r a g e n
Aufstellung wie die vorstehenden. Bei a 2,5 cm Stehkragen
c—d = 3 cm. Sonst wie Abb. 28.
In Achselnahthöhe teilen wir den Kragen und stellen an der Außenkante je
2,5 cm nach rechts und links. Vollenden den Unterkragen nach Vorlage.
Es folgt nun eine kurze Abhandlung über
Kragen-Verarbeitung
Diese Arbeit erfordert größte Sorgfalt und Berufserfahrung.
Der Kragen schließt das Halsloch so ab, daß auf jeden Fall noch ein Streifen
vom Wäschekragen hervorragen muß, auch dann, wenn der Kunde einen ganz
niedrigen Kragen trägt. Die Stehkragenhöhe beträgt höchstens 2 cm.
64
Die moderne Verarbeitung verlangt einen reichlich lang aufgesetzten Kragen.
Niemals darf das Halsloch erst durch den Kragen Schluß bekommen. Das Halsloch muß bei hochgeschlagenem Kragen vollkommen glatt am Körper liegen.
Nur unter dieser Voraussetzung erhalten wir einen flach am Körper liegenden,
ruhig sitzenden Kragen. Wir setzen voraus, daß dieser richtig zugeschnitten ist
und achten nun darauf, daß wir denselben nicht zu rund bügeln. Bei der zweiten
Probe wird die notwendige Länge genau abprobiert und beim Zurechtzeichnen
durch Merkstriche kurz hinter dem Klappenbruch markiert. Trotz aller dieser
Maßnahmen haben wir doch oft am fertigen Stück einen zu kurzen Kragen.
Hier liegen ohne Zweifel Verarbeitungsfehler vor.
Versuchen wir, diese zu ergründen:
Der Kragen ist genau so lang aufgesetzt, wie es bei der zweitenProbe markiert war.
Nachdem der Unterkragen außen aufgenäht ist, wird der Einschlag des Halsloches innen befestigt und hier beginnt schon der erste Fehler. Es gibt eine
große Anzahl Schneider, die den Einschlag zu dicht und fest annähen. Niemals
sollen die Stiche bei dieser Arbeit fest angezogen werden, denn dadurch wird
der Unterkragen zusammengezogen. Auch sollten die Achselnähte bis zum Stehkragenrand geöffnet werden. Der aufgenähte Unterkragen muß in der Länge
federn. Alles mit Nahstichen zusammengezogene wird beim Fassonbügeln verbügelt und der Kragen wird um diesen Betrag kürzer. Der Fehler wird noch verstärkt durch einen im Kragenbruch zu stramm aufgesetzten Oberkragen. Auch
der Oberkragen muß lose auf dem Unterkragen liegen. Man beachte einmal, um
wieviel länger der Oberkragen wird, wenn man ihn auf der Büste aufsteckt im
Gegensatz zu dem auf dem Tisch aufgehefteten. Das Resultat des zu kurzen
Kragens ist ein vorn steigendes Teil und unruhige Achsel- und Kragenlage. Also
nochmals: Langaufgesetzte Kragen, und die Länge nicht durch zu festes Verarbeiten wieder einziehen. Auch das Abstehen des Ärmellochrückenspiegels ist
oft auf den zu kurzen Kragen zurückzuführen. Das Abtrennen des Oberkragens
und Lösen des Unterkragens über den Rückenspiegel bis zum Klappenbruch
mit nachfolgendem Öffnen der Unterkragenmittelnaht beseitigen schon die entstandenen Fehler. Ein kurzer Ruck nach unten bringt Vorderteil und Rücken
wieder in die richtige Lage. Der Unterkragen springt auseinander und muß durch
Einsetzen in der Mitte verlängert werden. Hat man nun am vorderen Ende des
Oberkragens Einschlag gelassen, so kann der alte Oberkragen wieder verwendet
werden.
Die Berechnung des Materialverbrauchs für einen
einreihigen Sakko-Anzug
Die ordnungsmäßige Kalkulation eines Anzugs verpflichtet uns, bei jeder Neuanfertigung nur das allernotwendigste an Material zu verwenden und preismäßig anzusetzen. Wenn auch bei Maßanfertigung der Kunde vielfach Anspruch
auf Reste und Flicken stellt, so wollen wir doch daraus keine Regel oder Verpflichtung unsererseits machen.
5
Ja rk e
65
Wird jedoch die Lieferung von einem Ersatzoberkragen und Flickmaterial
bei der Bestellung zur B e d i n g u n g gemacht, so ist dies extra zu berechnen.
Für den Stoffverbrauch gibt es viele Berechnungen. Der Maßschneider ist verpflichtet, Einschläge zu schneiden, damit bei Veränderungen der Figur Umarbeitungsmöglichkeiten gegeben sind.
Diese Verpflichtung ist ein wesentliches Merkmal der Maßarbeit.
Die einfachste Stoffberechnung ist wohl die aus dem Maßsatz des betreffenden Kunden abgeleitete.
Nehmen wir folgenden Maßsatz an:
K ö r p e r g r ö ß e 1,80 m
Sakko:
Hose:
Taillenlänge . . 0,45m
S e i t e n l ä n g e . . 1,10m
G a n z e L ä n g e . . 0,80m
Schrittlänge . . 0,83m
Kückenbreite . . 0,22 — 0,54 — 0,82m
Bundweite. . . ,1,08m
Oberweite
1,10 m
G e s ä ß w e i t e . . 1,14 m
Unterweite . . . 1,12 m
Fußweite
. . . 0,54 m
Wir rechnen nun den Stoffverbrauch nach folgenden Maßen aus:
Sakkolänge
0,80 m
stärkste Weite
1,14 m
Seitenlänge der Hose mit
einfachem Saum . . . . 1,10 m
für umgebügelten Saum. + 0 , 1 0 m
Gesamtverbrauch
3,14 m
Diese Berechnung gilt bis 1,20 m stärkste Weite. Alles was über diese Zahl
hinausgeht, muß extra hinzugerechnet werden.
Folgende Maße als Beispiel:
K ö r p e r g r ö ß e 1,76 m
Sakko:
Taillenlänge
GanzeLänge
Rückenbreite
Oberweite. .
Unterweite .
0,44 m
0,80 m
0,22 — 0,54
1,20 m
1,30 m
• 0,80 m
Stoffberechnung nach folgenden Maßen:
Sakkolänge:
stärkest Weite
Seitenlänge
Umgeb. Saum
66
Hose:
Seitenlänge
Schrittlänge
Bundweite .
Gesäßweite .
Fußweite . .
0,80 m
1,30 m
1,12 m
0,10 m
3,32 m
1,12 m
0,81m
1,28 m
1,26 m
0,54 m
Dazu nun den Betrag, der über 1,20 m stärkste Weite liegt, in diesem Falle
10 cm =
+ 0,10 m
Gesaintverbrauch:
3,42 m
Ein weiteres Beispiel für eine schlanke Figur:
K ö r p e r g r ö ß e 1,88 m
Sakko:
Hose:
Taillenlänge . . 0,47 m
Seitenlänge
Ganze L ä n g e . . 0,82 m
Schrittlänge.
Rückenbreite 0,20 — 0,54 — 0,82 m
Bundweite .
Gesäßweite
0,98 m
Oberweite.
Unterweite
0,88 m
1,11 m
0,88 m
0,84 m
1,02 m
Stoffberechnung
Sakkolänge
0,82 m
Seitenlänge
1,11 m
stärkste Weite =
1,02 m
Umgeb. Saum
0,10 m
Gesamtverbrauch
3,03 m
M a ß s a t z einer k o r p u l e n t e n F i g u r
K ö r p e r g r ö ß e 1,64 m
Hose:
Sakko:
0,41m
Seitenlänge
Taillenweitr .
0,73 m
Schrittlänge.
Sakkolänge
0,22 — 0,50 - 0,78 m
Bundweite .
Rückenbreite
1,04 m
Gesäßweite
Oberweite. .
1,04 m
Unter weite .
1,01m
0,74 m
1,02 m
1,10 m
Stoffberechnung
Sakkolänge
0,73 m
Seitenlänge
1,01 m
stärkste Weite
1,10 m
Umgeb. Saum
0,10 m
Gesamtverbrauch:
2,94 m
Die verschiedenen Körpergrößen regulieren sich nach diesen Berechnungen
durch Sakkolängen- und Seitenlängenmaß, brauchen also nicht extra berücksichtigt zu werden.
Allen vorstehenden Berechnungen ist eine Stoffbreite von 1,48—1,50 m zu
Grunde gelegt. Für je 2 cm schmaler sind 2 cm je Meter mehr für die Stofflänge
zu berechnen.
Beispiel: Für den Anzug mit 1,30 m stärkste Weite (II. Beispiel) brauchten
wir demnach bei einer Stoffbreite von nur 1,44 m, d. h. 4 cm schmaler als Nor6*
67
malbreite, je 4 cm mehr pro Meter an Länge, das sind bei einem Normalstoff verbrauch bei 1,48 m Breite 3,42 m. 3,42 m X 4 cm = 13,68 cm oder abgerundet
14 cm.
Also 3,42 m + 0,14 m = 3,56 m
Bei größerer Stoffbreite als 1,48 m, sagen wir 1,52 m Breite, wäre der gleiche
Betrag, also ca. 14 cm von 3,42 m Normalverbrauch, abzurechnen.
3,42 m — 0,14 m = 3,28 m Stoffverbrauch bei 1,30 m stärkster Weite + 1,52m
Stoffbreite.
Wir ersehen aus diesen Beispielen, daß die Stoffbreite eine wesentliche Rolle
spielt und vor der Mengenberechnung festgestellt werden muß. Bei großkarierten
Sachen empfiehlt sich eine Mehrberechnung von 3% der angegebenen Mengen.
Auch die Mengenmaße
Bei Paletot:
Bei Mänteln:
Bei Ulstern:
bei
2x
2x
2X
Mänteln werden ähnlich errechnet:
die Länge + 0,20 m
die Länge + 0,30 m
die Länge + 0,40 m
Beispiel: Einreihiger Paletot 1,20 m lang = Stoffverbrauch
2 x 1,20 m = 2,40 m + 0,20 m = 2,60 m
Stoffbreite 1,48 m.
Bei kleinerer oder größerer Stoffbreite die gleiche Berechnung wie beim Anzug
Auch bei der Stoffberechnung für Mäntel gilt der Grundsatz der stärksten Weite
bis 1,20 m. Alles was über 1,20 m stärkste Weite maßmäßig festgestellt wurde,
muß extra hinzugerechnet werden.
Beispiel:
Stärkste Weite = 1,32 m
Ulsterlänge
= 1,26 m
Stoffvertraueh = 2 X l , 2 6 m = 2 , 5 2 m + 0 , 4 0 m = 2,92m. Dazu rechnen
wir den Betrag, welcher über 1,20 m stärkste Weite hinausgeht, in diesem Falle
0,12 m.
Endverbrauch: 2,92 m + 0,12 m = 3,04 m.
Alle vorstehend errechneten Stoffmengen stellen Normallängen dar, welche
ohne große Überlegung bei den üblichen Schnittmusterauflagen zureichen.
Im Notfall müssen wir auch mit kürzeren Längen auskommen. (Siehe auch
,.Etwas über sparsame Stoffeinteilung").
Wenn wir nun den Oberstoff in seiner Menge errechnet haben, müssen wir
aueh noch die Zutaten mengenmäßig feststellen.
Bei einer stärksten Weite bis zu 1,10 m + Körpergröße 1,76 m brauchen wir
folgende Maße für die Zutaten:
Sakko:
0,£0 m Leibfutter. . . 1,40 m breit
0,70 m Äimelfutter . . 1,00 m „
68
Weste:
0,40 m Westenrücken . 1,40 m breit
0,60 m Zwischenfutter . 0,80 m „
0,60 m
0,10 m
0,15 m
0,85 m
0,45 m
Sakko:
Taschenfutter .
Zwischenfutter .
Leinen . . . .
Einlagestoff . .
Roßhaar . . .
0,80 m breit
0,80 m „
0,80 m ,,
0,80 m
„
0,40 m ,,
0,20 m
0,55 m
0,20 m
0,15 m
Hose:
Hosenfutter . .
Taschenfutter .
Leinen . . . .
Köper . . . .
1,40 m breit
0,80 m ,,
0,80 m „
0,80 m „
Weste:
0,80 m Innenfutter. . . 1,00 m breit
0,25 m Taschenfutter . 0,80 m
„
2,20 m
0,20 m
1,20 m
0,90 m
0,40 m
0,25 m
0,15 m
Mantel:
Innenfutter . .
Leinen . . . .
Einlagestoff . .
Roßhaar . . . .
Taschenfutter .
Sammettaschen
Zwischenfutter .
1,40 m breit
0,80 m
0,80 m
0,40 m
0,80 m
0,80 m
0,80 m
Der Verbrauch an Nähfäden ist folgender:
Maschinenseide
Handnähseide
A oder B
Heftgarn
Knopflochseide
Knopfzwirn
Sakko
200 m
29 m
200 m
10 m
6m
Weste
80 m
20 m
50 m
8m
6m
Hose
140 m
Mantel
350 m
48m
50 m
6m
8m
48 m
230 m
12 m
12 m
Nicht vergessen wollen wir bei der Berechnung der Zutaten:
Knöpfe — Schnallen — Hosenhaken •—Ösen — Eggenband.
Knöpfe — Schnallen — Hosenhaken und — Ösen — Eggenband.
Alle diese errechneten Mengen verwenden wir nur kalkulatorisch und zwar bei
jeder einzelnen Bestellung eine extra Kalkulation.
Etwas über sparsame Stoffeinteilung
Hier zeigt sich wieder der Meister unseres Berufes. Bei Lagerhaltung sind die
einzelnen Stücke in den meisten Fällen 3,10—3,20 m lang, und nun heißt es,
damit auskommen.
Bei allem guten Willen ist es oft gar nicht möglich, ein längeres Maß zu bekommen oder etwas nachzukaufen. Der Kunde will einen bestimmten Stoff^
und wir haben nur 3,10—3,20 m am Lager. Hier muß nun eine geschicktere
Stoffeinteilung Platz greifen.
Nehmen wir an, es handelt sich um eine uni Ware mit keinem fühlbaren Strich.
Da kann uns nun eine Stoffeinteilung, wie sie Abb. 29 zeigt, von großem Nutzen
sein. Wir haben eine Stoffbreite von 1,50 m. Zur Tischkante gelagert ist der
Stoffbruch. Der Anfang des Stoffes liegt linker Hand. Wir legen zunächst das
69
Abb. 29
Vorderteil auf. Das Yorderhosenmodell wird
genau in der Bruchlinie zusammengelegt und
diese Bruchlinie des Modells an die Bruchkante
des Stoffes gezeichnet. Die zweite Vorderhose
•wird darüber wieder mit der Bruchkante
gleich gelegt und nun das Stück bis zum Ende
abgerollt. Am anderen Ende nun zunächst im
Bruch den Oberkragen, dann die Hinterhose.
Dem Oberkragen gegenüber an der Webekante
liegt der Kücken, dann Unter- und Oberärmel.
Anschließend an die Hinterhose kommt die
Weste. Vom Sakkoärmelloch bis zum Westenärmelloch fällt das Besetzen heraus, welches
möglichst nicht gestückt werden soll. Alle
übrigen Teile sind aus der Abb. ersichtlich.
Diese Stoffeinteilung ist sehr sparsam und ohne
viele Stückelei.
Der Maßsatz beträgt:
44 — 75 — 22 — 54 — 78 —120 —124.
Normalerweise brauchen wir 3,30 m, die wir
aber nicht haben. Wir müssen mit 3,15 m auskommen.
Abb. 30 zeigt eine vorteilhafte Einteilung
für einen zweireihigen Ulster. Der Stoff ist im
Bruch auseinandergelegt und wir können nun
an der Zeichnung die Auflage der einzelnen
Schnitteile genau verfolgen. Wir haben ein
schönes großes Besetzen und wenig Stückelung.
Diese Einteilung ist auch sehr gut anzuwenden bei einem Mantel mit angeschnittenen Besetzen, wo die Stoffbreite bei größeren Weiten
nicht reicht. Für solch einen Mantel braucht
man zweimal die Länge + 0,20 m.
Bei einer Mäntellange von 1,20 m würden
wir 2,60 m Stoff benötigen. Der Mantel hat
dann ein 13—14 cm breites Besetzen und wird
ganz auf Futter gearbeitet.
Diese beschriebenen Stoffeinteilungen sind
äußerst sparsam im Verbrauch und auch sehr
gut bei gestreiften Stoffen anzuwenden (vgl.
Abb. 29), immer unter der Voraussetzung, daß
die Ware keinen merkbaren Strich hat. Bei
Strichware müßten alle Teile in gleiche Rieh-
tung gelegt werden und es ergibt sich bei gleicher Schnittmuster-Auflage ein Mehrverbrauch von 0,10 m. Daß wir nur dort Stückelungen vornehmen dürfen, wo sie
erlaubt sind, ist selbstverständlich. In diesen Fragen gibt uns die Broschüre
der Arbeitsgemeinschaft „Richtlinien über
schneiderhandwerk" erschöpfend Auskunft.
das Berufsübliche im
Herren-
Die Brustausnäher-Gestaltung bei gestreiften
und karierten Stoffen
Bei gestreiften Stoffen entstehen bei der Herausnahme aus d3m Brustausnäher oft Schwierigkeiten.
Die Streifen sollen möglichst auch in der Taschenlinie miteinander passen.
Dies bedingt eine Herausnahme des Ausnähers auf der Taschenlinie um Streifenabstand.
Abb. 31 zeigt ein Normal-Modell nach folgenden Maßen:
Körpergröße
170 cm
Oberweite
96 cm
Unterweite
86 cm
Gesaßweite
100 cm
71
Das Seitenteil wird abgetrennt. Wir haben nun die Möglichkeit, durch den
eingezeichneten Querkniff die Öffnung des Brustausnähers auf der Taschenlinie
so zu regulieren, daß dieselbe dem Streifenabstand entspricht. Wir haben nur
Nehmen wir an, der Streifenabstand beträgt 2 cm, so kniffen wir so viel ab,
bis sich der Ausnäher auf der Taschenlinie um diesen Betrag öffnet. Nach Schließung des Brustausnähers passen nun die Streifen wieder in der Taschenlinie.
Bei einem Streifenabstand von 1 cm können wir auch zwei Streifenbreiten abkniffen. In solchen Fällen erübrigt sich dann das Einbügeln des Vorderteils
unter dem Arm. Bei größerer Herausnahme als 2 cm, z. B. bei einem Streifenabstand von 3 cm, empfiehlt es sich, den Rücken um den Betrag, der über 2 cm
liegt, länger hinein zu bringen, da durch die starke Herausnahme auf der Taschenlinie der Rücken heruntergezogen und leicht zu kurz wird. Wir stellen in solchem
Falle den Zusammensetzungspunkt bei m um 1 cm höher und gleichen die
untere Länge entsprechend aus.
72
Es ist auch darauf zu achten, daß durch stärkeres Abkniffen Punkt P 1 nicht
zu tief kommt, evtl. erhöhen -wir das Armloch an dieser Stelle etwas. Bei stärkerem Unterschied zwischen Ober- und Unterweite müssen wir schon in der
Aufstellung mehr als normal herausnehmen. Abb. 32 zeigt ein solches Modell.
Abb. 32
Der Maßsatz ist folgender:
Körpergröße
Oberweite
Unterweite
Gesäßweite
Taillenlänge
184 cm
102 cm
84 cm
106 cm
46 cm
Haben wir es nun in diesem Falle mit einem großkarierten Stoff zu tun, so
wäre es falsch und würde das Karobild verzerren, wenn wir den anfallenden
Betrag aus dem Brustausnäher herausnehmen würden. "Wir müssen hier durch
Manipulationen den Ausnäher bis auf die normale Herausnahme (in der Taillen73
linie 1,5 cm und auf Taschenlinie knapp ausnähend) wieder zusammenlegen.
Dies geschieht in der Weise, wie sie uns Abb. 33 veranschaulicht. Wir öffnen
das Schnittmuster bei A und B und legen so viel auseinander, bis sich der Brustausnäher aus der Taschenlinie wieder schließt (Abb. 33). Bevor wir nun den
Brustabnäher zunahen, bügeln wir bei A und B so viel im Stoff ein, als wir vorher im Schnittmuster geöffnet haben. Der
Ausnäher öffnet sich durch das Einbügeln
wieder und wir kontrollieren das eingebügelte Teil nach dem Schnittmuster. In
diesem betrug die Öffnung nach Abb. 32
auf der Taschenlinie 3,5 cm. Wenn wir
durch Einbügeln bei A und B diese
Sperrung + 1 cm für normales Einbügeln
unter dem Arm wieder erreicht haben
(also 4,5 cm), können wir den Brustabnäher schließen und haben nun genügend
Brustwölbung ohne das Karobild, hauptsächlich im Querstreifen, zu verzerren.
Dieselbe Verarbeitung können wir bezüglich des Streifenabstandes bei gestreiften Stoffen anwenden. Die gestrichelten
Linien am Ärmelloch und Seitenteilsnaht
zeigen die Form des Vorderteils nach dem
Einbügeln. Die Einlage wird nach der Ausnäherform, wie in Abb. 32 gezeigt, zugeschnitten, um in derselben die nötige
Brustfülle zu erhalten.
Ob wir nun das Seitenteil noch abtrennen, ist Ansichtssache. Die Verarbeitung mit abgetrenntem Seitenteil ist einfacher. Wir haben auch die Möglichkeit,
z
Abb. 33
- B- bei rechts hängender Seite, die Regulierung in der Seitenteilsnaht vorzunehmen und behalten dadurch die Karos in der Seitennaht passend.
Unter dem Arm fällt eine Verschiebung des Karobildes nicht auf. Beim Brustausnäher ist darauf zu achten, daß seine auslaufende Spitze in der Mitte zwischen
zwei Streifen liegt. Die Spitze im Streifen auslaufen zu lassen, gibt kein gutes
Bild.
Der Achselabnäher im Rückenteil
Dieser Abnäher ist eine bisher nicht übliche Nahtanlage. Bei schwierigen
Rückenpartien ist seine Anbringung jedoch zu empfehlen. Wir wissen ja aus
Erfahrung, daß neuartige Nähte zunächst auf Ablehnung sowohl beim Kunden
74
als auch beim Fachmann stoßen. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an den
Brustabnäher, das durchgeschnittene Seitenteil usw.
Mit der Zeit gewöhnten sich die Kunden an diese außergewöhnlichen Nähte
Stück gehörend. Im allgemeinen sollte man bei Anbringung derartiger Hilfsnähte nicht so ängstlich sein. Wie unsere Abb. 34—36a darstellen, kann dieser Abnäher auf verschiedene Art und unter verschiedener Zielsetzung angebracht
werden. Denselben einfach nur einschneiden zu wollen und einen Betrag herauszunehmen, wäre wohl doch eine etwas primitive Behandlung dieser Angelegenheit.
75
Abb. 34 ist für eine Figur mit hohlem Nacken und in der oberen Partie sehr
starken Schulterblättern. Bei solchen Figuren entsteht unter dem Kragen eine
Querfalte. Über die Schulterblätter fehlt dem Rücken die Länge und dadurch
entstehen Schrägfalten an der Rollfalte des Rückens. Bei solchen Figuren öffnen
wir die Hinterachsel im oberen Drittel von A — B etwa 6 cm lang und kniffen
von C — D (oberes Drittel der Rückenhöhe) 2 cm ab. Dadurch öffnet sich der
Ausnäher, wie aus Abb. 34a zu ersehen ist. Die gestrichelten Linien sind das
Normal-Modell, während die vollen Linien die für solche Figuren notwendigen
Abänderungen zeigen.
76
Abb. 35 zeigt diesen Ausnäher und seine Auswirkung, ich möchte sagen, von
der entgegengesetzten Seite. Hier handelt es sich um eine Figur mit einem sogenannten Stiernacken und runden, etwas schrägen Schultern. Bei diesen Figuren wird immer der Armlochspiegel des Rückens zu lang. Hier verlegen wir die
Kürzung C — D zum Armloch und erreichen damit die Öffnung des Ausnähers
und seine Auswirkung, wie sie uns Abb. 35a veranschaulicht.
Abb. 36 geht bei der Konstruktion dieses Abnähers wieder von anderen Voraussetzungen aus. Hier handelt es sich um eine Figur mit Hängeschultern und
dementsprechend starken Schulterblättern. Hier gilt es vor allem, die kleine
77
Seite, d. h. die Entfernung zwischen Oberweiten- und Unterweitenlinie, zu verkürzen. Wir öffnen das Normalmodell von A — B bis zur Mitte der Rückenhöhe
(siehe Abb. 36), kniffen von B zur Mitte zwischen Ober- und Unterweite bei
C — D 2 cm ab und erreichen damit die Kürzung der kleinen Seite und die
Öffnung des Abnähers. Abb. 36a zeigt uns die Auswirkungen dieser Umstellung.
Die gestrichelten Linien zeigen jeweils das Normal-Schnittmuster. Die Länge
des Ausnähers beträgt auch hier nur ungefähr 6 cm.
Diese drei Hinweise zeigen uns die verschiedenen Zweckbestimmungen dieses
neuartigen Ausnähers; sie erbringen aber zugleich den Beweis, daß dieser Abnäher nur in anormalen Fällen angebracht werden sollte. Er wird zunächst als
Hilfsnaht behandelt werden müssen und kann uns bei verwachsenen Figuren
besonders gute Dienste leisten. Diese Tatsache allein müßte schon genügen, uns
mit ihm zu beschäftigen und für seine Anerkennung zu sorgen.
Zu empfehlen wäre noch, den Ausnäher in Zweifelsfällen nicht einzuschneiden,
sondern mit einem Filzstreifen nur abzunähen, damit evtl. Reklamationen des
Kunden berücksichtigt werden können.
Die Schoßkleidung
Die sogenannte Schoßkleidung in der Herrenmaßschneiderei umfassen den
Frack, den Cut, den Gehrock und den Rockpaletot, der im Schnitt dem Gehrock
gleicht.
Der König aller männlichen Bekleidungsstücke ist der Frack. An seiner Raumgestaltung und Linienführung erkennt man den guten Schneider. Die Vorderteile dieses Kleidungsstückes müssen möglichst kurz gehalten sein, desgleichen
die Weste, damit die Beine lang erscheinen. Die Schöße sind lang und schmal.
Die Linienführung derBogennaht im Rücken ermöglicht es uns, die Figur größer
oder kleiner wirken zu lassen (letzteres bei lang aufgeschossenen, überschlanken
Figuren). Wir brauchen zu diesem Zweck den Punkt S am Rücken nur höher
oder tiefer zu setzen, um ein längeres oder kürzeres Seitenteil zu erhalten und
damit die Raumgestaltung zu verändern. Beachten sie immer, daß die Nähte in
unserer Kleidung nicht nur zweckbedingt sind, sondern architektonische Ornamente darstellen, welche in ihrer Führung schön und figürlich bedingt sein
müssen. Auch die Linienführung der Weste ist hier mitbestimmend.
Die Aufstellung des Fracks
Der Maßsatz unserer Schnittzeichnung (Abb. 37) beträgt:
Körpergröße
1,80 m
Taillenlänge
0,45 m
Hosenlänge
1,12 m
Ein Maßsatz mit verhältOberweite
1,00 m
nismäßig enger Unterweite
Unterweite
0,86 m
Gesäßweite
1,04 m
Alle übrigen Maße sind proportionell errechnet.
78
Zunächst rechter Winkel:
W - AT = V 8 OW + i/ 4 TL = 23% cm
W — W 1 — 1 cm für die abzunähenden Bogennähte
W 1 — TL = i/ 4 KG = 45 cm
TL — T 1 = 2 cm
T 1 mit W verbinden gibt auf der OW-Linie Punkt R
W — a = V20 OW + 3 cm = 8 cm
a — RH = V10 W — AT = 2,4 cm
R — R B = Vs OW + 1 cm = 21 cm
Rechter Winkel nach oben in R B gibt auf der Grundlinie Punkt b
b — AH = Vio W — AT = 2,4 cm. 1 cm nach links
S ist die Mitte R B — AH + 2 cm nach oben
Rn ist die Mitte R — R B - f 1 cm nach rechts
T 1 — T 2 = Betrag W — a — 2 cm = 6 cm
Verbinden S mit R n und R n mit T 2 .
Auf der Mitte zwischen S und Rn stellen wir 2 cm hoch und vollenden den
Rücken nach Vorlage.
Auf Linie 100 ist der Hinterschoß 1,5 cm breiter als von T 1 — T 2 .
W — HL = hintere Länge = 112 cm d.
y 2 Körpergröße + 22 cm. Verbinden T 2 mit K 1 und gehen bei T 2 eine Nahtbreit zurück und zeichnen von HT 3 einen kleinen Bogen an den Hinterschoß.
HT 2 liegt den Betrag AT — T nach unten = 20 cm
R B - AV = V 8 OW + 3,5 cm = 16 cm
AV - BBr = i/ 4 OW - 1 cm = 24 cm
BBr — e = V10 OW = 10 cm
BBr rechten Winkel nach unten gibt auf der Taillenlinie Punkt LV
L V - f = VioUW = 8,6 cm
Verbinden f über e nach oben zur Richtungslinie für die Achselspitze. An diese
Linie mit Punkt D den Winkel angelegt, gibt den Punkt VH.
VH — Hz = Entfernung W — a am Rücken + 1 cm = 9 cm. Hz — Ht =
7 cm. In AV Winkellinie nach oben und unten gibt auf der GrundliniePunkt D, auf der Taillenlinie Punkt Hü. AH von AV = Vs OW + 7 cm.
Mit AV kurzen Kreisbogen in AH nach rechts. Übertragen auf diesen Bogen
von VH die Achsellänge mit V10 OW + 6 cm = 16 cm.
Vollenden Halsloch und Achsel nach Vorlage.
Bei S gehen wir für das Seitenteil 2 cm nach links und vollenden das Armloch
nach Zeichnung.
Punkt N (Seitenteil) ist V t zwischen R B und AV. Rechter Winkel nach unten.
Normal Herausnahme aus dem Brustabnäher 1,5 cm. Bei dieser kleinen Unterweite kommt dann Punkt LV 1 1,5 cm weiter zurückzuliegen. Wir nehmen diesen
Betrag, hier 1,5 cm, zusätzlich aus dem Brustabnäher heraus, also 1,5 cm normal + 1,5 cm zusätzlich = 3 cm. Die Entfernung Hü — LV 1 beträgt nun bei
79
geschlossenem Brustausnäher % Unterweite. Die halbe Unterweite und 7 cm
werden von LV 1 nach LW übertragen. Der zwischen LW und T 1 bleibende Betrag wird zur Hälfte zwischen T 2 + T 3 und zur anderen Hälfte zwischen T 4 + T 5
herausgenommen.
Wir vollenden die Bogennaht des Seitenteils, indem wir bei Rn 1 cm nach
links gehen, verbinden diesen Punkt mit T 3 und zeichnen die Nahtlinie nach
Vorlage. T 4 + TB verbinden wir mit N zur Seitenteilsnaht (s. Abb. 37). Das
RH
80
6 Járke
E I N L A G E N
Erkennbar an den drei
roten Kanten - Streifen
O L B O - Qpfl'ma
OHLIGSER
Wolleinlagen
O L B O - J Icrold
Rosshaareinlagen
O L B O - Spczial
Sondereinlagen
Belieferung durch
den
LEINEN-
und
A K T I E N - G E S E L L S C H A F T
Großhandel
B A U M W O LLW EBER EI
S O L I N G E N - O H L I G S
A. RONDHOLZ
KommanditGesellschaft
Großhandlung fürfeinste
Herrenstoffe
Berlin W 3 0
Kurfurstendamm 16
T e l e f o n : 91 87 65
Z w e i g s t e l le:
Köln am Rhein
Goebenstraße 16
T e l e f o n : 57 366
in dieser Abb. befindliche zweite Seitenteil trennen wir 2,5 cm hinter AV ab und
nehmen in der Taille 1,5 cm heraus. Die hintere Naht des Brustabnähers liegt
3 cm von Hü. Herausnahme 3 cm. Wir kontrollieren die Unterweite von T 1 über
T2 T 3 T 4 T 5 bis LV^mit y 2 Unterweite ohne Zugabe.
Der fertige Frack steht dann vorn 6—8 cm auseinander.
LV — S = 9 —10 cm. Reversbreite oben 9 cm.
Wir vollenden die Kante, indem wir das Revers 5 cm oberhalb der Taille ausrollen lassen.
S wird mit T 5 und T 4 mit T 3 verbunden.
Bei T 3 gehen wir x/2 cm tiefer und zeichnen die Schoßnaht des Vorderteils.
Die Richtung des Brustausnähers läuft paralell zur vorderen Kante. Die Brusttasche liegt 3 cm vor AV und im hinteren Teil etwa 2 cm unter der Oberweitenlinie, ist ca. 12 cm lang und vorn 4 cm unter der Oberweitenlinie. Sie ist mit
diesen Maßen tiefer gelegt als beim Sakko und auch etwas schräger gestellt.
Dies ist notwendig, damit die Brusttasche nicht vom Revers verdeckt wird. Das
zweite Seitenteil wird am Armloch um zwei Nähte überschnitten, damit der
Armlochdurchmesser nicht kleiner wird. Bei dem zweiten Seitenteil und dem
Brustabnäher ist Kreide immer fertige Naht.
Der Vorderschoß wird folgendermaßen berechnet:
Bei T 3 eine Naht zurück und rechten Winkel nach unten, gibt auf dar Hiftlinie HT 1 . Der Betrag HT 2 — HT 3 wird ausgemessen, bei HT angelegt und nach
G y 2 GW + 6 cm übertragen. Der Schoßpunkt bei T 3 wird über G nach unten
verbunden. Bei G 1 cm Bogen heranstellen und die Schoßnaht wird nach Zeichnung vollendet.
Bei S2 2 cm Abstich für den Schoß. Verbinden diesen Punkt mit T 3 durch eine
gerade Linie. Der Betrag
T 3 — T 4 -f- T 5 — T 8 und T7 — zum Ausnäher wird ausgemsssen und auf
die Schoßlinie von T 3 — S 1 übertragen. In Höhe vom T 4 wird 1 cm aufgestoakt
und die Schoßnaht nach Vorlage gezeichnet.
Aus den beiden Abnähern wird je 1 cm abgenäht, also nicht herausgeschnitten.
Die Breite des Schoßes auf Linie 100 beträgt y 2 der oberen Breite + 2 cm. Verbinden diesen Punkt mit S 1 zur unteren Schoßlänge, welche 2 cm längar ist als
die Länge des Hinterschoßes. In Schenkelhöhe stellen wir 1 cm Bogen heran und
vollenden die Schoßkante nach Vorlage.
Die Kontrolle der OW = V a + 9 — 1 0 cm.
„ UW = 7a UW ohne Zugabe.
GW = 7 a GW und 6 cm.
Betrachten sie immer wieder die Linienführungen des Schnittes, schulen sie ihr
Auge und üben sie fleißig im Zeichnen und Rechnen.
Der Cut
Der Cutaway, kurz gesagt der Cut, ist ein rockartiges Kleidungsstück mit
vorn rund weggeschnittenen Schößen. In seiner früheren Form ward;
>;: jackett genannt. Die Aufstellung gleicht der das Fracks, ebarm die gansa] Länge.
6
83
Das Schließknopfloch ist 1—2 cm über der Taillenlinie, der Überschlag beträgt
1,5 cm. Der Betrag LV — LV 1 = 3 cm. DerBrustausnäher liegt in der Mitte der
Brusttasche senkrecht nach unten. Herausnahme aus dem Brustausnäher in der
Taille 2 cm. Alles übrige ist aus der Zeichnung zu ersehen (Abb. 38).
84
D e r Gehrock
Der Gehrock ist eines der vornehmsten Kleidungsstücke. Er wird 2-reihig
übereinander geknöpft oder zum Offentragen gearbeitet. Die Aufstellung des
Oberteils gleicht der des Cuts. An Stelle des zweiten Seitenteiles ist in dieser
Zeichnung ein Taillenausnäher angebracht. Zur Schoßkonstruktion ziehen wir
85
von T 3 , wo wir eine Naht breit zurückgehen, im rechten Winkel nach HT 1 . Bei
H T 1 1 cm nach rechts und ziehen von S 3 über den 1 cm bei HT 1 nach unten K 2 .
Der Betrag HT — HT 3 wird bei HT angelegt und bis G messen wir 1 / g GW +
6 cm.
Im leichten Bogen verbinden wir G mit S 3 nach oben und mit K 2 nach unten.
Die Weite des Oberteils von T 3 über T 4 T B bis LV unter Abrechnung des Brustabnähers übertragen wir für den Schoß von S 3 nach S 2 . Im rechten Winkel
zur Taillenlinie ziehen wir nach unten für die vordere Schoßkante (gestrichelte
Abb. 39a
Linie). Nachdem wir bei S 2 zwischen Oberteil und Schoßnaht 1,5 cm herausgenommen haben, übertragen wir die Schoßlänge S 3 — K 2 von S 2 nach VL. Bei
VL stellen wir 1 cm heraus und ziehen die vordere Schoßkante nach Zeichnung.
Der Abstich bei S 3 beträgt y 2 cm. Wir zeichnen die obere Schoßnaht nach dem
Nahtverlauf des Oberteils (s. Abb. 39).
Wir haben nun einen engen Schoßschnitt, welchen wir für den Glockenschoß
entsprechend erweitern müssen.
Zu diesem Zweck legen wir den ersten Einschnitt 11—12 cm von der vorderen
Kante, desgleichen den hinteren Einschnitt. Der dritte liegt in der Mitte zwischen
beiden. Diese Einschnitte enden nach oben 5 cm unter der Schoßnaht. Auf
Linie 100 öffnen wir diese Einschnitte vorn 4 cm, in der Mitte 6 cm und hinten
5 cm. Nach oben legen sich die Einschnitte übereinander. Dadurch wird der
Hüftabnäher des Schoßes wieder geschlossen. Der durch das Übereinanderlegen
86
der oberen Schoßnaht noch verloren gegangene Betrag (ca. 1,5 cm) wird durch
Dehnen wieder ersetzt und wir haben nun.einen auf Linie 100 mit 15 cm Glocke
fallenden Schoß, wie ihn uns Abb. 39a zeigt.
Der Mantel
Der Herrenmantel als Überkleidungsstück tritt in verschiedenen Formsn auf.
I. Der S h e s t e r f i e l d (benannt nach einem englischen Grafen). Derselbe
wird in einreihiger Form mit verdeckter Leiste gearbeitet.
I I . Der S t a d t m a n t e l in ein- und zweireihiger Form. Mit verdeckter Leiste
und auch durchgeknöpft. Derselbe wird weit fallend oder leicht tailliert gearbeitet.
I I I . Der U l s t e r , so genannt nach einer Landschaft in Nord-Irland, ist ein
längerer, weit fallender Mantel in zweireihiger Form mit und ohne Rückengurt.
IV. Der R a g l a n ist ein weiter Mantel mit an den Ärmeln angeschnittenen
Schulterteilen (Raglanärmel). Der Name stammt von dem englischen General
Raglan.
V. Der S c h l ü p f e r , ein weiter Mantel mit stark vergrößertem und vertieftem
Armloch. Die Weite ist so gehalten, daß der Mantel evtl. über einem Shesterfield
getragen werden kann (Staubmantel). In der Hauptsache dient diese Form als
Regenmantel. E r wird mit Raglanärmel oder auch mit Kugelärmeln gearbeitet.
(Kugelschlüpfer). Die Grundform des Shesterfield im Schnitt zeigt Abb. 40.
Die Aufstellung gleicht der eines Sakkos, nur vergrößert. Das Armloch ist 2 cm
tiefer und 2 cm breiter. Der Rücken und die Brustbreite sind je 1 cm breiter als
der Sakko, also auf die Hälfte 4 cm größer als der Sakkoschnitt nach gleichen
Maßen. Die normale Länge ist y2 Körpergröße + 24 cm.
Die Aufstellung zu Abb. 40
Rücken
Zunächst rechter Winkel:
W — AT = Vg Ow + i/4 TL + 2 cm = 2 b % cm
W — TL = i/4 K G + 2 cm
= 4 7 % cm
T L — H = Der Länge AT —TL
W — Punkt 100 = 100 cm
W — HL = 2 K G + 24 cm
= 114 cm
In diesen Punkten ziehen wir Winkellinien nach vorn.
Bei 100 stellen wir 5 cm herein zur neuen Konstruktionslinie für den Rücken.
W — a = 1/20 OW + 3y 2 cm = 8y 2 cm für den Rückenspiegel
a — R — H = Vio W — AT = 2,6 cm
T ist 2,5 cm von der Grundlinie entfernt.
Auf Linie 100 stellen wir gleichfalls 2,5 cm nach vorn.
M ist die Mitte von W — AT.
Wir verbinden W über m. R T nach K zur Rückenmittelnaht.
R _ Rb = V 5 OW + 2 cm = 22 cm
y
87
Winkellinie in Rb nach oben und unten gibt auf der Grundlinie Punkt b und in
der Taille Punkt t.
b — ah = Vio W — AT = 2,6 cm
ah — ab = 1,5 cm
c ist 1 / 4 von ah — Rb
c — S = 2 cm
t — T 1 = 1,5 cm. Den Betrag T — T 1 übertragen wir auf Linie 100 mit
2 cm Zugabe für die untere Rückenbreite. Vollenden den Rücken nach Zeichnung. Schlitzlänge bis 5 cm unter die Hüftlinie.
Vorderteil
Etwa 6 cm Zwischenraum vom Rücken.
Ab — AV = V8 OW + 5 cm = 17,5 cm
AV — BB = V4 OW
= 25 cm
BB — e = Vio OW + 1 cm = 1 1 cm
In BB rechten Winkel nach unten gibt auf der Taillenlinie LV und unten B.
LV — f = x/io OW
= 9 , 2 cm
f mit e verbinden zur Richtungslinie für die Achselspitze. In AV Winkellinie nach oben und unten gibt auf der Grundlinie Punkt D, auf der Taillenlinie
H und auf der Hüftlinie Hg.
AV — Ah = a / 8 OW + 7 cm + 2 cm für das vertiefte Ärmelloch = 21,5 cm.
Bei VL legen wir mit Punkt D den rechten Winkel an und haben die vordere
Höhe mit VL.
VL — Hz = Rückenspiegelbreite + 1 cm = 9,5 cm
Hz — Ht = 6 — 7 cm.
Bei LV gehen wir % c m nach vorn und verbinden Hz mit BB über LV1 zur
vorderen Mitte.
Mit AV kurzen Zirkelschlag von Ah nach rechts.
Übertragen auf diese Linie von VL die Vorderachsel mit 17 cm, d. h. 1 cm
weniger als die Hinterachsel.
Ad — S 1 = Rb — C am Rückteil
Hg — G = V« GW = 177s cm.
Ad mit G verbinden. T2 ist 1,5 cm von dieser Linie entfernt und zeichnen wir
die Seitennaht nach Vorlage. Das Armloch vollenden wir gleichfalls nach Vorlage. Die Länge der Rückenseitennaht von T 1 nach K 1 übertragen wir von T 2
nach K 2 . Die Länge TL — HL übertragen wir -f 1 cm von LV 1 nach vL und
vollenden die untere Längenlinie.
LV1 — T 2 teilen wir in drei gleiche Teile. Im ersten Drittel liegt der Brustabnäher, aus welchem wir in der Taille 1,5 cm herausnehmen. Im zweiten Drittel
liegt der Seitenabnäher, aus welchem wir 2,5 cm herausnehmen. Die Tasche liegt
7 4 Taillenlänge — 1 cm unterhalb der Taille, vorn 72 c m mehr. Die Tascheneingrifflänge beträgt 18 cm und beginnt vorn vor dem Brustabnäher. Derselbe
endet ca. 6 cm unterhalb der Oberweitenlinie und hat auf der Taschenlinie eine
Herausnahme von zwei Nähten. Der Seitenabnäher liegt 3 cm hinter AV. Wir
88
zeichnen beide Abnäher nach Vorlage und nehmen aus dem Seitenabnäher im
Armloch 1 cm heraus. Unterhalb der Taschenlinie bringen wir in Richtung des
Seitenabnähers einen kurzen Abnäher an, der die beiden Nähte am Brustabnäher ausgleicht. Am vorderen Taschenende ziehen wir eine Linie nach unten
Punkt c.
89
Den Betrag AB auf der unteren Linie übertragen wir von C nach D und kniffen
eine Falte im Schnitt ab. Dadurch öffnet sich der Schnitt in der Taschenlinie
um etwa 1 cm (kleiner Bauchabnäher). Der Überschlag beträgt 7 cm.
Die Reversbreite ist etwa 11 cm, d. h. 1 / 10 OW + 1 cm.
Die Verarbeitung des Mantelschnittes erfolgt in der üblichen Weise, indem wir
am Vorderteil das Armloch und die Naht des Seitenausnähers etwas kurz bügeln.
90
Das Vorderteilshalsloch wird etwas gedehnt, um für den Schulterknochen Platz
zu schaffen. Der Kücken wird am Armloch kurz gebügelt und der Bogen an der
Mittelnaht bei m gleichfalls etwas eingebügelt, um Raum für das Schulterblatt
zu erhalten.
Die vordere Kante ist glatt zu verarbeiten. Der Rückenschlitz beginnt 3—5 cm
unterhalb der Hüftlinie.
Abb. 41 gibt einen zweireihigen Mantel mit verhältnismäßig kleiner Unterweite und hoher Brust wieder. Derartige Mäntel zeigen oft in der unteren Partie
91
unschöne Weite, sogenannte Schürze, die wir schnittechnisch beseitigen müssen.
Die Aufstellung des Schnittmusters gleicht der in Abb. 40. Die Anlage des Brustabnähers muß geändert werden, um den nötigen Schluß in der Leibweite zu
erhalten.
Normalerweise beträgt die Entfernung von Hü — L Y 1 1 / i der Unterweite +
1 cm. In unserer Abb. 41 ist dieser Betrag 1,5 cm größer (siehe Entfernung
LV — LV1.) Dieses Mehr nehmen wir aus dem Brustabnäher zusätzlich heraus.
Den gleichen Betrag, hier 3 cm, auch auf der Taschenlinie. Diese Umstellung
ist nur möglich, wenn wir den Tascheneinschnitt, ähnlich wie bei Damenmänteln,
bis zur Seitennaht durchschneiden. Auf der Längenlinie nehmen wir den Betrag
von A — B zusätzlich der Herausnahme auf der Taschenlinie heraus und kniffen
den Papierschnitt um diesen Betrag ab. Dadurch öffnet sich im Tascheneinschnitt ein Querabnäher, welcher diese unschöne Weite (Schürze) beseitigt. Damit die Quernaht hinter den rückwärtigen Taschensticheln kürzer wird, verbreitern wir den Rücken um 2 cm und machen das Vorderteil um den gleichen
Betrag schmäler (siehe gestrichelte Linien in Abb. 41).
Abb. 42 zeigt uns das schnittfertige Modell für diese Umstellung.
Der Ulster
In Abb. 43 ist ein moderner Ulster in weiter Form dargestellt. Bei diesen
Mänteln ist besonders darauf zu achten, daß die Rückenmittelnaht im richtigen
Verhältnis zur Seitennaht steht. Sehr häufig müssen wir hier die Beobachtung
machen, daß die Mittelnaht zu kurz erscheint, so daß der Schlitz unruhig fällt,
in den meisten Fällen etwas übereinandergeht. Hier fehlt dann die nötige Länge
der Mittelnaht. Diese erreichen wir, wenn wir auf Linie 100 die Grundlinie um
5 cm einstellen (vgl. Abb. 43). Ferner zeigen weitfallende Mäntel häufig vorn
Glockenbildung. Um diese zu beseitigen, stellen wir bei LVV2 nach vorn und
ziehen über diesen Punkt die Mittellinie. Den hierdurch gewonnenen Betrag in
der unteren Weite kniffen wir am vorderen Taschensticheln nach unten ab.
Dadurch öffnet sich im Tascheneinschnitt ein etwa 1 cm großer, sogenannter
Bauchabnäher, der diese häßliche Faltenbildung beseitigt.
D i e Aufstellung
Der Rücken
Zunächst Winkellinie.
W — AT
W — TL
W —100
W — HL
m ist die
92
= V8 OW + V 4 TL + 2 cm Vertiefung für den Mantel = 26,5 cm
= VJ KG + 2 cm für den Mantel = 48 cm
= 100 cm
= hintere Länge 120 cm
Mitte zwischen W + AT.
Bei 100 stellen wir 5 cm herein und verbinden diesen Punkt mit m zur Rückenmittelnaht gibt auf der OW Linie Punkt R und auf der unteren Linie K.
W — a = Vzo OW + 3 cm und V 2 cm für den Mantel = 8,7 cm
a — RH = V , 0 W — A T = 2,65cm
R — Rb = VsOW + 2 cm für die Rückenbreite = 22,4 cm.
In Rb Winkellinie nach oben gibt auf der Grundlinie Punkt b.
b — ah = Betrag a — RH oder 1/10 Rückenhöhe
ah — ab = 1,5 cm. Ziehen die Achselnaht
c ist 1 j i von ah — R B
Rb — Rb 1 = x/3 Ärmellochdurchmesser = 61/3 cm.
Der Betrag der Rückenbreite von R — Rb 1 wird ausgemessen und auf Linie
100 + 3 cm zur unteren Rückenbreite übertragen. In K den rechten Winkel
angelegt gibt die untere Rückenlänge mit Punkt K 1 und vollenden den Rücken
nach Abb. 43. Zwischenraum Rb 1 —Ad ca. 10 cm.
Vorderteil
Ad — Av = Rest des Ärmellochdurchmessers.
Derselbe beträgt 1/s OW + 3 cm beim Sakko und nochmals 3 cm für den
Mantel.
Wir stellen also von Rb — Av1/ 8 0 W + 6 cm = 19 cm.
Davon ist bereits V3 am Rücken, also beträgt die Entfernung von
Ad — Av 2/3 des Ärmellochdurchmessers = 122/3 cm
Av — B B = 1 j i OW = 26cm
B B — e = V10 OW + 1 cm für den Mantel = 11,4 cm.
In Av rechten Winkel nach oben und unten gibt auf der Grundlinie Punkt D.
und auf der Taillenlinie Punkt Hü.
Av — ah = 118 OW + 7 cm und 2 cm für den Mantel = 22 cm.
Mit Av kurzen Zirkelschlag nach rechts.
In B B rechten Winkel nach unten gibt auf der Taillenlinie LV.
LV — f = 1 j 1 0 UW = 9,4 cm.
Verbinden f mit e zur Richtungslinie für die Achselspitze. An diese Linie mit
Punkt D den rechten Winkel angelegt gibt die vordere Büst'enhöhe Punkt VL.
VL — Hz = Betrag W — a am Rücken + 1 cm = 9,7 cm
Hz — Ht = 7 cm.
Bei LV stellen wir 1/2 cm vor und verbinden B B über diesen Punkt nach unten
und nach oben mit Hz und haben so die vordere Mittellinie.
VL — Ab = Betrag RH — ab am Rücken = 17 cm.
Der Betrag von Ad — B B wird ausgemessen und mit einer Zugabe von 3—4 cm
von A 1 — B 1 zur unteren Weite auf Linie 100 übertragen. Ad verbinden wir
mit B 1 zur Seitennaht des Vorderteils. Die Länge T — K 1 am Rücken übertragen
wir von T 1 nach K 2 auf das Vorderteil. Die vordere Länge erhalten wir, indem
wir die Länge TL — HL an der Rückenmitte ausmessen und von LV nach VL
+ 1 , 5 cm übertragen. Vollenden die untere Länge nach Abb. 43. Den Betrag
A — B kniffen wir vom vorderen Taschensticheln beginnend nach unten ab,
93
C — D. Die Tasche ist 18 cm groß, d. h. i/ 10 OW + 8 cm und liegt mit V4 hinter
der Armvortrittslinie. Die Taschentiefe beträgt von der Taillenlinie auf der Armvortrittslinie 1 j i Taillenlänge — 1 cm, vorn 1 cm mehr. Der Seitenabnäher wird
94
2,5 cm hinter AV und 1,5 cm hinter Hü gelegt. Herausnahme im Ärmelloch 1 cm.
Vollenden Ärmelloch-Achsel- und Ausnäher nach Abb. 43. Überschlag 12 cm.
Eeversbreite oben 15 cm. Unterster Knopf in Höhe des Pattenrandes, mittelster Knopf etwa 1 cm unter der Taillenlinie. Den obersten Knopf in gleicher
Entfernung. Vollenden die Zeichnung nach Abb. 43.
Der Dickbauch-Ulster
Die Kückenaufstellung gleieht der für den schlanken Ulster in Abb. 43,
nur wird der Betrag von W — AT nicht in der Mitte, sondern durch drei geteilt
und die Mittellinie des Rückens mit dem oberen Drittel verbunden. Die Aufstellung des Vorderteils weicht infolge des Bauchansatzes von der normalen Aufstellung wesentlich ab.
Wir beginnen mit Ad. Der Ärmellochvortritt beträgt von KB—Av 1 / 8 OW
-f 6 cm = 21 cm.
1
/ 3 davon ist am Rücken der Betrag RB — RB1 mit 7 cm.
Ad — Av = 2 / 3 Ärmellochdurchmesser = 14 cm.
Av — BB = V4 OW = 29 3 / 4 cm
BB — e = Vio OW + 1 cm = 12,8 cm
LV ist von Hü 1 / i UW + 1 und 1 cm für die Schräglage bei Dichbauchfiguren = 34 cm
LV —f = Vi 0 UW = 12,8 cm.
In LV rechter Winkel zur Oberweitenlinie und nach unten gibt auf der OWLinie Punkt BB1 und unten Punkt B.
BB1 — BB wird geteilt. Von der Mitte über
LV nach unten gibt die neue Mittellinie.
In Av Winkellinie nach oben und unten gibt auf der Grundlinie Punkt D und
auf der Taillenlinie Hü.
Av — Ah = V8 OW + 7 cm und 2 cm für den Mantel = 23s/4 cm.
Mit Av kurzer Zirkelschlag nach rechts.
f mit e verbunden gibt Richtungslinie für die Achselspitze.
An diese Linie mit Punkt D den Winkel angelegt gibt die vordere Höhe
Punkt VL.
VL — Hz = W — a am Rücken + 1 cm = 10,4 cm
Hz — Ht = 7 cm
LV mit Hz verbinden zur Brustmitte
VL — Ab Achselnaht = Rückenachsel — 1 cm = 17 cm.
Vollenden Halsloch-Achselnaht undÄrmelloch nach Abb. 44. Bei Ad im rechten
Winkel bis zur Taille gibt Punkt t. Bei t 1 cm heraus und zeichnen über
diesen Punkt die Seitennaht. Die Breite LV — t wird ausgemessen und auf Linie
100 von A 1 nach B 1 mit 4 cm Zugabe kontrolliert.
Die Länge T — K1 wird nach t — K2 übertragen. Die Länge von TL — HL
wird von LV nach VL + 1 cm übertragen.
95
Abb. 44
Rechten Winkel nach rechts und links. Der Betrag von A — B wird von C
nach D übertragen und bis 4 cm unterhalb der Taillenlinie abgeknifft. Um nun
die vordere Kante ganz gerade zu bekommen, wird bei LV noch zusätzlich 1 cm,
verlaufend von a nach b abgeknifft; der Betrag von c nach d bleibt im Teil und
wird nicht herausgenommen (siehe Abb. 44).
Seitenabnäher bei Av 2,5 cm nach hinten, bei Hü 1,5 cm.
Herausnahme im Ärmelloch 1 cm.
96
Taschentiefe
TL — 1 cm vorn 1 cm mehr.
Taschengröße 20 cm, beginnend 3 cm hinter dem Seitenabnäher-Überschlag
12 cm — Reversbreite 16 cm.
Abb. 44a zeigt das schnittfertige Vorderteil. Gestrichelte Linien zeigen den
Zuschnitt der Einlage.
7
Jarke
97
Oberweiten-Verteilung und Ärmelloch
Vergrößerung bei der Überbekleidung
Die Berechnung der Verteilung der Oberweite ist bei allen Systemen verschieden, ergibt aber bei der jetzigen modischen Form die gleichen Verhältnisse.
Im Normalschnitt des Sakkos ergibt die Kontrolle auf der Oberweitenlinie
folgende Zahlen:
1
Rückenbreite
j s OW + 1 cm
(bis zur Konstruktionslinie der
Rückenbreite)
1
Ärmellochdurchmesser
/ 8 OW -f 2 cm
1
Brustbreite
/ i OW — 1 cm
Der Maßsatz, der zu diesen Ausführungen gehörenden Zeichnungen ist folgender:
Körpergröße
1,76 m
Oberweite
1,02 m
Unterweite
0,94 m
Gesäßweite
1,06 m
Durch die Verteilung der Oberweite nach obigen Angaben erhalten wir folgende Größen:
Rückenbreite
Vs o w + 1 c m = 21 > 40 c m
1
Ärmellochdurchmesser
j 8 OW + 2 cm = 14,75 cm
1
Brustbreite
/ i OW — 1 cm = 24,40 cm
Zusammengezählt ergibt 60,55 cm
Durch die Auszeichnung der Rücken- und Rückenseitennaht kommt zu diesem Betrag noch dazu. . 1
cm
Die halbe Oberweite beträgt also
Öl,55 cm
Bei 102 cm ganzer oder 51 cm halber Oberweite hätten wir bei Abb. 45
eine Zugabe von 10,55 cm. Dieser Betrag entspricht der Zugabe, welche zur
Erzielung eines normalen, der heutigen Mode entsprechenden Kleidungsstückes
notwendig ist.
98
Die Überkleidung muß nun entsprechend ihrer einzelnen Formen größer sein.
Betrachten wir folgende Tabelle:
Sakko
Paletot
Ulster
Schlüpfer
Rückenbreite:
Vs + 1 cm
/8+2cm
Vs + 1.5 cm
Vs + 2 cm
Ärmellochdurchmesser :
1
/ s + 4 cm
Vs + öcm
Vi — 1 cm
Brustbreite :
Abz.
V4 0. AbZ.
1
Vi
1/5 + 2 cm
7 8 + 9cm
1
j i 0. Abz.
Beim Sakko beträgt die Zugabe
V2 OW + 10,55 cm.
Beim Paletot beträgt die Zugabe
V2 OW + 14 cm, also 3,5 cm mehr.
Beim Ulster beträgt die Zugabe
V2 OW + 15,55 cm, also 5 cm mehr.
Beim Schlüpfer beträgt die Zugabe
V2 OW + 19,55 cm, also 9 cm mehr
als beim Sakko.
Wir ersehen aus dieser Aufstellung, daß der Hauptanteil der Mehrweite im
Ärmelloch liegt. Betrachten wir uns die Abb. 46,47 und 48, so können wir genau
die Verteilung der Mehrweite erkennen. Der Halslochrückenspiegel wird bei
allen Uberkleidungsstücken um 0,5 cm verbreitert, die Yorderachsel um 1 cm,
und zwar am Ärmelloch. Die Achselspitze liegt 1 cm schräger als beim Sakko.
Das Ärmelloch ist 2 cm tiefer und beim Schlüpfer kommt noch eine zusätzliche
Vertiefung von 3 cm hinzu.
Wenn wir uns vor Augen halten, daß vorstehende Maßsätze ein Schnittmuster
mit normaler Weite ergeben, so können wir bei evtl. Wünschen des Kunden
auch gewisse Veränderungen vornehmen. Soll der Mantel sehr weit und lose
fallen, so kann die Zugabe um 2 cm bis 3 cm vergrößert werden, deren Aufteilung mindestens bis zur Hälfte im Armloch liegen muß.
Dieselbe Einteilung wäre bei sehr starken Stoffen (Winterulster) anzuwenden.
Beispiel eines Ulsters aus starkem Velour. Mehrzugabe 3 cm, also auf die
Hälfte 18,5 cm.
Rückenbreite
Vb OW + 2,5 cm
(auf der Oberweitenlinie)
Ärmellochdurchmesser . .
Vs OW + 6,5 cm
Brustbreite
V4 OW + 1 cm
Besonders auffällig ist in Abb. 48 die Vergrößerung des Schlüpferärmelloches.
Wir müssen hier genau den Unterschied zwischen Raglanmantel und Schlüpfer
mantel beachten.
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Jeder Mantel kann ohne Erweiterung auch als Raglan konstruiert werden,
indem dem Ärmel die Raglanteile hinzugefügt werden. Ein Schlüpfer jedoch ist
ein Mantel, der sich durch besondere Weite und Tiefe des Ärmelloches auszeichnet und dadurch so bequem wird, daß man ihn im .Notfall auch ohne Mühe über
einen Paletot ziehen kann. Die besondere Eigenart des Schlüpfermantels ist im
besonderen Abschnitt behandelt worden.
Der Schlüpfer
Der Schlüpfermantel ist wohl das am meisten vernachlässigste Kleidungsstück in der Maßschneiderei. Viele Kollegen stehen auf dem Standpunkt, diesen
Mantel sollen die Kunden ruhig fertig kaufen. Diese Ansicht entspringt in vielen
Fällen der Überzeugung, ihn selbst nicht richtig machen zu können, weil Erfahrung und Übung fehlen. Kommt doch einmal ein schlecht gewachsener oder
mit starkem Bauch versehender Kunde, der keine Fertigkleidung tragen kann,
so setzen die Schwierigkeiten und der Ärger ein. Ich bin der Meinung, daß der leistungsfähige.Meister oder Zuschneider in seinem Schnittmusterschatz auch einige
gut abprobierte Schlüpfermodelle haben muß, welche er dann jeweils für die
anomale Körperhaltung sinngemäß abändern kann. Die nachfolgende Schnittaufstellung bringt deshalb diesen Mantel mit voller Achsel, weil die vollgeschnittene Achsel mit dem darauf gehefteten Raglanärmel ein leichtes Anprobieren und Abprobieren des Schnittmusters ermöglicht. Ist das Muster in Ordnung, so können wir ja später die Achsel wegschneiden. Es wäre durchaus angebracht, wenn wir auch den Kugelschlüpfer mehr empfehlen würden. Bei richtiger Linienführung gibt derselbe ein gutes Kleidbild. Der hauptsächliche Unterschied zwischen Mantel und Schlüpfer liegt in der größeren Weite des letzteren.
Diese Mehrweite liegt ausschließlich im Ärmelloch und beträgt gegenüber dem
Mantel 3 bis 4 cm. Die Form der Raglannaht kann man je nach der Figur verändern, sowohl am Vorderteil als selbstverständlich dann auch am Ärmel. Abb. 49
zeigt die richtige Linie für normale Figuren. Bei langhalsigen oder Figuren mit
starken Hängeschultern empfiehlt es sich, die Raglannähte mit mehr Bogen zu
versehen, weil dadurch die Schultern linienmäßig höher erscheinen. Bei sehr
hoher Schulter und kleiner Rückenhöhe kann man die Nähte des Raglans tiefer
legen und weniger Bogen anstellen, dadurch erscheint die Rückenhöhe und die
Achselpartie länger und wird dem Normalen mehr angeglichen. Selbstverständlich muß der Ärmelschnitt dementsprechend geändert werden, d. h., was wir
an den Raglannähten des Mantels ändern, müssen wir an den Raglannähten des
Ärmels abnehmen oder zugeben. Wer richtig zuschneiden gelernt hat und sein
System beherrscht, wird hiermit keine Schwierigkeiten haben. Alle unsere Ausführungen setzen eine genaue Kenntnis der Zuschneidekunst voraus, bedingen
also ein richtiges Erlernen des Zuschneidens. Niemals sollte der gute Schneider
den Schlüpfer mit Quertaschen (Pattentaschen) arbeiten. Zum Schlüpfer gehört eben die Längsttasche mit Durchgriff zur Sakko-bzw. Hosentasche. Nichts
ist bei einem Wettermantel unangenehmer als das Aufknöpfen desselben, wenn
103
der Träger in die Sakko- oder Hosentasche greifen will. Die Quertasche darf
auch am Dickbauchschlüpfer nicht gemacht werden. Gerade der dicke Herr
neigt zur Bequemlichkeit und kein Fachmann wird ernstlich behaupten können,
daß Quertaschen an einem Wettermantel als bequem und zweckmäßig anzusprechen sind.
RH
Maßsatz:
Körpergröße
Oberweite
Unterweite
Gesäßweite
Wir beginnen mit der Aufstellung:
Zunächst Winkellinie
W — AT = Ärmellochtiefe = 27 cm
W — Tlg = Taillenlänge = 47 cm
m ist die Mitte von WAT.
104
180 cm
106 cm
98 cm
110 cm
Bei T stellen wir 2 cm herein und bei 100 stellen wir 5 cm herein und vollenden die Rückenmittelnaht nach Zeichnung.
W —a =
Halsweite + 1 / 2 cm
a — RH = Vi» Rückenhöhe
R — RB = 1 / 6 OW + 2 cm für den Schlüpfer.
Senkrechte für die Rückenbreite bis zur Oberweitenlinie.
b — ab = Vio R Höhe von der Grundlinie entfernt und 1 cm nach außen.
11 ist die Mitte von RB — m1. Bei 11 stellen wir 2 cm für die Rückenbreite
heraus.
RB — AV = V8 OW + 6 + 4 für den Schlüpfer
AV —BB = V 4 O W - l
BB — e = V i o O W + l = 11,6cm
HÜ — LV = V4 der Unterweite 24V2 cm + 1 cm
LV — f = Vi« der Unterweite = 9,2 cm + 1 = 10,2 cm
f mit e verbunden gibt die Halslochspitze.
BB mit LV verbunden gibt die vordere Mitte. 12 ist die Mitte von RB — AV.
Bei 12 vertiefen wir das Ärmelloch um 3 cm und vollenden das Ärmelloch nach
Abb. 49. 13 liegt 4 cm von 12 entfernt und wir trennen hier den Rücken ab.
Auf Linie 100 übertragen wir für die untere Rückenbreite den Betrag von 13 —
R + 2 — 3 cm und vollenden die Seitennaht des Rückens, indem wir in der
Taille 1 cm hohlen, um einen besseren Fall der Seitennaht zu erzielen. Zwischen
Vorderteil und Rücken 1 cm Zwischenraum.
Auf Linie 100 des Vorderteils übertragen wir für die untere Breite des Vorderteils den Betrag 14 —15 + 4 bis 5 cm. Der Überschlag ist gleichmäßig von
oben bis unten 6 cm.
Die Seitennaht des Vorderteils schweifen wir in Taillenhöhe ebenfalls 1 cm.
Punkt AI liegt 4 cm über AV.
Bei VL brechen wir soviel ab, als wir das vordere Raglanteil des Ärmels breit
machen wollen, hier 2 cm, und haben Punkt A II. A II mit A I verbunden. Bei
c 1 cm Erhöhung und zeichnen die Raglannaht des Vorderteils. Für die Raglannaht des Rückens stellen wir Punkt e soweit von RH ab, wie wir die Breite des
hinteren Raglanteils des Ärmels haben wollen, hier 1 cm. e mit 11 verbunden und
bei d 1V2 c m erhöht, gibt die Raglannaht des Rückens.
Der Tascheneingriff liegt mit seiner oberen Spitze 1 cm über der Taillenlinie
und 10 bis 11 cm von der Armvortrittslinie entfernt. Länge des Tascheneingriffs
19 bis 20 cm und untere Entfernung von der Armvortrittslinie 6—' cm. Leistenbreite 3 bis 3V2 cm. Wir "vollenden die Zeichnung nach Abb. 49.
105
Der Ärmel
Der Ärmel wird zunächst als Kugelärmel gezeichnet.
Winkellmiel—4—11
1 — 2 = 1 U des Ärmellochumfanges — 2 cm (nicht des Raglanumfanges)
2 — 3 = 2 cm
3 — 4 = 1I2 Umfang — 2 cm
5 ist die Mitte von 1 — 4
Winkellinie von 5 nach oben und unten gibt Punkt 7
7 — 6 = x / 3 Umfang ohne Zugabe
6 mit 4 verbunden
9 ist die Mitte von 6 — 4 und wird 17 2 cm erhöht
8 ist die Mitte von 1 — 5 und 1 cm nach vorn
Wir vollenden die Kugel von 4 — 9 — 6 — 8 nach Punkt 2 (s. Abb. 50).
2 — 1 0 vordere Ärmellänge = Taillenlänge + 2 cm = 48 cm
10 — 1 1 — 3 7 2 ran
12 ist die Mitte von 2—10
10 —15 = untere Ärmelbreite = 20 cm
Bei 12 stellen wir 17 2 cm herein und zeichnen die vordere Mitte des Ärmels.
13 ist 172 cm von der Grundlinie entfernt
15 über 13 nach oben verlängert gibt 14.
Bei 14 stellen wir 2 cm herein und vollenden die hintere Naht des Oberärmels.
4—16 = 6 cm. Der Betrag von 16 —17 = dem Betrag von 14 — 16 + 3 cm.
Wir vollenden den Unterärmel nach Vorlage.
Wir haben nun den Kugelärmel für den Schlüpfer.
Die Raglanteile des Ärmels errechnen wir folgendermaßen: Der Betrag des
Vorderteils A I — A II wird ausgemessen und + 1 cm von 2 nach 18 am Ärmel
übertragen.
18 —18 a = 3 cm
18 —18 b = 3 cm, 18 a —19 b = 2 cm
1 — b = 172 cm, nach Vorlage auszeichnen
6 —19 = 2 cm.
18 b —19 ist Achsellänge (hier 17 cm)
6 — 20 ebenfalls Achsellänge.
Der Zwischenraum von 18 b — 20 =
OW + 6 bis 8 cm.
Bei 20 stellen wir den hinteren Teil des Oberärmels so breit, wie wir vom
Rückenspiegel abgenommen haben (hier 1 cm). Wir vollenden die Raglannaht
von 20 über 4 nach 14.
Die Entfernung von 18 b nach 20 richtet sich nach der Watteauflage der Anzugschulter. Folgende Rechnung liegt der Größe des Ausnähers 18 b — 20 zugrunde:
Für den Ausnäher eines Kleidungsstückes, welches direkt auf dem Körper getragen wird, sagen wir eine Ärmelweste mit Raglanärmel, nehmen wir 1 / s OW +
2 cm
106
Für einen Sakko ohne Watte
+ 4 cm
Für einen Sakko mit Watte ^g = 6 cm
Für einen Mantel x / 8 -f 6 — 8 cm, wie in unserer Zeichnung.
Um nun den zweinähtigen Kaglanärmel zu konstruieren, bedarf es keiner
extra Aufstellung. Wir haben lediglich die Breite des Unterärmels je zur Hälfte
vorn und hinten an den Oberärmeln anzusetzen (s. Abb. 50). Wir übertragen
also von: 2 nach A die Hälfte des Unterärmels und von
107
D nach C die Hallte des Unterärmels
Punkt C wird gefunden durch einen Zirkelschlag von B mit der Basis 15.
15 — E = 1 / 2 Breite des Oberärmels an der Hand
10 — F = I2 Breite des Oberärmels an der Hand
vollenden die Nahte nach Zeichnung.
Mit Abb. 51 will ich versuchen, noch eine andere Konstruktion des Raglanärmels klar zu machen. Wenn wir einen Kugelschlüpferärmel haben, so brauchen
wir zur Raglankonstruktion vom Vorderteil und Rücken nur die Teile abzutrennen, welche die Form unserer Raglanspitze
darstellen (siehe schraffierte Teile Abb. 51). Wir
brauchen diese Teile nur an denÄrmel des Kugelschlüpfers anzukleben, indem wir in Achselnahthöhe 1—IV2 cm Spielraum lassen und den Bogen
der Raglanmittelärmelnaht nach Vorlage auszeichnen. Zur Kontrolle messen wir die Entfernung der Raglanspitzen voneinander mit
Ys OW + 8 cm aus.
Diese Methode gibt uns auch Gelegenheit,
Passenstück (gestrichelte Linien) und Ärmel in
einem Stück zu schneiden. Diese Art des Zuschnittes wird bei Wettermänteln (Loden) häufig
angewandt. Als Beispiel soll Ihnen Abb. 51 zeigen, daß der Raglan- oder Schlüpferärmel gar
nicht ein so großes Problem darstellt, wie oft
angenommen wird. Etwas Nachdenken und
Wissen über die Zusammenhänge erleichert
vieles und gibt Sicherheit im Zuschnitt.
In Abb. 52 bringen wir noch eine vereinfachte
Aufstellung des zweinähtigen Raglan-Ärmels.
Nachdem wir den dreinähtigen Raglanärmel aufgestellt haben, legen wir den Oberärmel, in Kugelhöhe in der Mittelnaht 1 cm übereinander (siehe
Abb. 52). Der Betrag von A — B wird geteilt und
1 cm nach rechts der Punkt für die gestrichelte LiAbb. 52
nie markiert. Wir lassen sowohl vorn als auch hinten genügend Papier überstehen und kniffen dieses in den gestrichelten Linien
(vgl. Abb. 52) nach innen. Jetzt radeln wir den Unterärmel und die Mittelnaht des
Oberärmels auf diesem umgeschlagenen Papier durch und haben nun den Unterärmel übertragen. Der in den geradelten Linien umgeschlagene Papierbetrag
wird zurückgeklappt und die durchgeradelten Linien zeigen uns den Betrag des
Unterärmels, der rechts und links an den Oberärmel herangestellt ist. Es empfiehlt sich, in der Mittelnaht des Unterärmels an der Handkante 1 bis 1Y2 cm
verlaufend zur vorderen und hinteren Mitte des Ärmels abzunehmen, da sonst
der Ärmel innen zu lang wird (vgl. auch Abb. 50).
108
Der Schlüpfer für den Dickbauch
Der vorstehende Schnitt (Abb. 49) zeigte uns den Schlüpfer für die schlanke
Figur. Vorstehend gemachte allgemeine Angaben gelten auch für den Schlüpfer
einer Bauchfigur. Hier ist auf die schräge Tasche noch mehr Wert zu legen.
Auf keinen Fall darf ein solcher Mantel Quertaschen haben. Die Konstruktion des Bauchnähers bringen wir in der Aufstellung. Dieser Ausnäher ist jedoch
nur dann zu machen, wenn wirklich maßmäßig Bauch vorhanden ist, also mindestens 6—8 cm mehr Unterweite als Oberweite. Es gibt aber auch Figuren
mit gleicher Ober- und Unterweite, die eine große Schräglage haben, d. h. hohles
Kreuz und nach vorn geschobene Leibpartie. Auch hier ist dann dieser Ausnäher
zu empfehlen.
Abb. 53 gibt uns noch einmal die Aufstellung, welche sich an Abb. 49 des
vorstehenden Artikels anlehnt. Die Berechnung der Rückenbreite ist anders,
und zwar ziehen wir bei Dickbauchigen von der normalen Rückenbreite den
Betrag ab, welchen die verschiedenen Systeme ihrer Berechnung zugrunde
legen. In unserer Abb. 53 2 cm.
Wir beginnen mit der Aufstellung:
Maßsatz:
Körpergröße
Taillenlänge
ganze Länge
Oberweite
Unterweite
Halslochweite
180 cm
45 cm
116 cm
120 cm
132 cm
54 cm
Zunächst Winkellinie
W — AT — Ärmellochtiefe = 1 j s OW + V4 der verl. Taillenlänge + 2 für
den Mantel 29 cm.
WTLg — Taillenlänge = 45 + 2 für den Mantel = 47 cm
1 — 4 ganze Länge = 1 / 2 Körpergröße + 30 cm = 120 cm
Länge 100 cm stellen wir 5 cm herein
W — a = 1 / 6 Halslochweite = 9 cm + 1 / 2 für Mantel
a - R H = 7i0W-AT.
Die Rückenbreite R — RB errechnen wir nach der gleichen Berechnung wie
für den Sakko. Bis 100 OW = 1 / 5 + 1. Für jeden cm über 100 cm OW je 1 mm
mehr für die Rückenbreite. Also hier:
120 OW = 21 + 2 = 23 + 1
für den Schlüpfer also 24 Rückenbreite.
Hü — LV = Vi der Unterweite + 1 für die Schräglage des Körpers. Auf
Linie 100 übertragen wir für die untere Rückenbreite den Betrag der Rückenbreite auf der Oberweitenlinie und 2 bis 3 cm und zeichnen die Rückenseitennaht nach Vorlage.
109
110
Auf Linie 100 des Vorderteils übertragen wir die Breite des Vorderteils in
der U n t e r w e i t e n l i n i e + 3—4 cm für die untere Breite des Vorderteils. Die
vordere Mitte finden wir beim Bauchschlüpfer wie beim Bauchsakko. Wir winkeln von LV nach oben zur Oberweitenlinie, erhalten BB1, nehmen die Hälfte
von BB — BB 1 und verbinden diesen Punkt über LV nach unten. Die auf Linie
100 entstehende Differenz 7 a — 6 kniffen wir zwischen c — d ab, nachdem wir
den Ausnäher unter dem Arm und den Tascheneingriff geöffnet haben. Der
Tascheneingriff liegt in der Höhe der normalen Taillenlinie und ist oben 12 cm
von der Armvortrittslinie entfernt, Punkt 14. Länge des Tascheneingriffs 20 cm
und untere Entfernung von der Armvortrittslinie 6 cm, Punkt 15.
15 a liegt 3 cm von der Vortrittslinie entfernt. Von 15 gehen wir 2 cm nach
oben und verbinden diesen Punkt mit 15a für den Ausnäher unter dem Arm.
Wir schneiden das Modell in der Ausnäherlinie und dem Tascheneingriff aW,
und haben dann den Bauchausnäher, wie ihn Abb. 53a zeigt. Die schwarz gezeichnete Ecke am Bauchausnäher setzen wir genau im Muster an. Der Tascheneingriff wird mit Scherenstichen gegeneinander geheftet und der Ausnäher in
der Kreide genäht. Der Mantel hat nun genügend Bauchwölbung. Nach dem
U n t e r s c h l a g e n bringen wir in der Einlage in Höhe der Unterweitenlinie einen
Ausnäher von 1 cm an, verheften und verbügeln den Oberstoff an der gleichen
Stelle und haben eine gutschließende Kante. Die Taschenleiste ist 3V2 bis 4 cm
breit und wird in der Nahtkante etwas rund geschnitten, indem wir von der Mitte
der Leiste nach beiden Enden je 3 mm abnehmen. Wir erzielen damit einen guten
Schluß am Tascheneingriff (siehe Abb. 53a). Die gestrichelten Linien zeigen uns
den Schnitt der Einlage. Der Brustausnäher wird von oben angebracht und endet
3—4 cm oberhalb der Oberweitenlinie. Die Herausnahme oben beträgt 4—5 cm.
Das Einzeichnen der Raglannähte geschieht in der gleichen "Weise wie in der
vorigen Zeichnung. Überschlag beim einreihigen Schlüpfer 7 cm. Die vordere
Länge beim Bauchschlüpfer = T — HL + 3 von LV — vL. Die Wattierung für
den Schlüpfer schneiden wir nach den gestrichelten Linien in Abb. 53a. Den Bauchausnäher in Höhe der Taillenlinie allerdings nur für Bauchfiguren. Der Halsausnäher wird sowohl im Stoff als auch in der Wattierung angebracht, wenn der
betr. Schlüpfer mit kurzem Revers gearbeitet wird. Bei hochgeschlossenen Mänteln kommt Halsausnäher in Fortfall.
Etwas über die Verwendungsmöglichkeiten noch vorhandener guter Kleidungsstücke
Mit der fachmännischen Beratung fängt es an. Ein geübter Blick gehört unbedingt dazu, um festzustellen, ob sich eine Änderung bzw. Umarbeitung lohnt
oder überhaupt möglich ist. Keine halben Sachen machen, sondern ganze Arbeit
leisten. Ein umgearbeitetes Kleidungsstück soll und darf nicht umgearbeitet
aussehen, sondern soll möglichst neuwertig erscheinen.
Wenn wir uns in diesem Kapitel an Hand von Schnittzeichnungen, mit der
Umarbeitung eines Anzuges und Mantels eines starken Herrn für eine schlanke
111
Figur beschäftigen, so wollen wir uns darüber' klar werden, daß der Zuschnitt
auch bei Umarbeitung die Hauptsache ist. Auf alle Fälle ist für den neuen Träger
ein Schnittmuster zu machen, und zwar für Sakko, Weste und Hose (beim Mantel
auch Mantelmodell). Der umzuarbeitende Anzug muß dann sorgfältig zertrennt
werden, und zwar: Rücken und Ärmel heraustrennen, den Oberkragen nach
einer Seite ab- und den Unterkragen in der Mitte durchschneiden. Die Seitentaschen müssen herausgetrennt werden und der Ausnäher unter dem Arm ist
zu öffnen. Ich kenne meine Kollegen gut genug, um zu wissen, daß ich mit dieser
Forderung auf nicht geringen Widerstand stoßen werde. Schlecht placierte
Taschen jedoch geben immer ein häßliches Kleidbild. Wenn bei einem umgearbeiteten Sakko oder Mantel die Taschen zu weit nach hinten sitzen und womöglich mehr von hinten als von vorn zu sehen sind, so sieht selbst der Laie,
daß hier eine Umarbeitung vorliegt. Wenn die Söhne so ungern die für sie umgearbeiteten Sachen ihrer Väter anziehen wollen, so liegt das zum großen Teil
an der unsachgemäßen, oft sogar lieblosen Ausführung dieser Arbeiten. Arbeiten
sparen wollen, die unbedingt nötig sind, verderben ein Kleidungsstück und rauben
dem Träger jegliche Freude daran. Ein solches Resultat unserer Tätigkeit entspricht in keiner Weise den uns gestellten Aufgaben und ist selbst bei billigster
Preisberechnung ein schädliches und zweckloses Beginnen. Damit kommen wir
zu der P r e i s b e r e c h n u n g bei U m a r b e i t u n g e n . Die Aufgabe eines guten
Fachmannes und wirklichen Meisters unseres Berufes besteht auch darin, dem
Kunden klarmachen zu können, daß gute und richtige Arbeit nicht nur billig
sein kann, sondern preiswert und richtig errechnet werden muß.
U n b e d i n g t ist bei Umarbeitungen der u n g e f ä h r e Preis mit dem Kunden
zu besprechen. Ein Spielraum nach oben ist einzusetzen. Der Laie kann sich in
den meisten Fällen gar keine Vorstellung von den entstehenden Kosten machen,
und nun muß die Tätigkeit und Tüchtigkeit des Meisters einsetzen. Wie oft hat
es gerade in der Preisfrage recht unliebsame Auseinandersetzungen gegeben, nur
weil vorher der Preis nicht besprochen ist. Wir müssen den Kunden davon überzeugen, daß das in seinen Händen befindliche Material viel zu wertvoll ist. Umänderungen eines Kleidungsstückes erfordern fast den gleichen Arbeitsaufwand
wie eine Neuanfertigung, um es wieder voll verwendungsfähig zu machen. Durch
nur billige, d. h. weniger sorgfältig vorgenommene Arbeiten, kann dies nicht erreicht werden. Jeder angehende Schneidermeister sollte sich zeitig mit diesen
Preisen beschäftigen und nicht erst dann darüber nachdenken, wenn der Kunde
vor ihm steht und nach dem Preis fragt. Dann fehlt oft die Zeit zum Überlegen,
und die Preisrechnung fällt zu Ungunsten des Schneiders aus. Der umgekehrte
Fall ist zumindest ebenso schlimm, denn eine reelle Preisbildung ist die Grundlage jedes Vertrauens und damit des geschäftlichen Erfolges.
Über den Preis der Meisterstunde muß sich jeder Betriebsleiter im klaren sein,
und die auf dieser errechneten Umarbeitungspreise müssen für jeden Fall festliegen. Meisterstunde multipliziert mit geleistete Arbeitsstunden ergibt den
Preis der jeweiligen Arbeit. Auch die Zeit für das Trennen, Zuschneiden und
Wiederzusammennähen der einzelnen Nähte können wir uns schon jetzt auf
112
Grund unserer Betriebserfahrung errechnen, um dann dem Kunden den ungefähren Preis bei der Auftragsbesprechnung mitteilen zu können. Sehr wichtig
und unerläßlich erscheint mir auch eine richtige und beizeiten einsetzende Werbung für vorstehend angeführte Arbeiten zu sein. Wir müssen unsere Kundschaft
überzeugend darauf hinweisen, daß wir gern derartige Arbeiten übernehmen und
Abb. 54
ausführen. Ein guter Hinweis hierauf wird manchem Kunden Veranlassung
geben, in seinen Kleidbeständen Umschau zu halten und den Batschlag seines
Schneiders einzuholen. Geeignetes Reklamematerial ist an den einschlägigen
Stellen gewiß vorhanden. Nicht erst mit der Werbung für zusätzliche Arbeiten
beginnen, wenn die Neuanfertigung bereits zu Ende gegangen sind, sondern vorher und immer wieder in diesem Sinne an die Kundschaft herantreten. Auch
diese Arbeit ist wahre Meistertätigkeit in unserem Beruf.
Nun wollen wir diese Arbeiten vom rein schnitt-technischen Standpunkt aus
betrachten.
Als erste Umarbeitung wollen wir aus einem großen Sakko einen kleineren
arbeiten.
8
Jarke
113
Die Maße des großen Sakkos sind:
Körpergröße 1,76 m — 44 — 76 —108 —118 —116.
44 — 76 — 96 — 86 —100 = Körpergröße 1,76 m
sind die Maße des kleineren Sakkos.
Nachdem wir den größeren Sakko sauber zertrennt und glatt gebügelt haben,
legen wir das kleinere Schnittmuster auf und zeichnen neu aus. Wie aus der
Abb. 54 zu ersehen ist, lassen wir Revers und vordere Kante unzertrennt und
benutzen beides gleich für den neuen Sakko. Alle überflüssige Weite wird durch
Abb" 55
Abb. 56
die unter dem Arm durchgelegte Naht entfernt. Der Brustausnaher wird neu
angebracht und die unteren Taschen richtig placiert und neu eingearbeitet. Auch
die Brusttasche wird bei so großen Maßunterschieden, wie wir sie hier haben,
herausgetrennt und weiter nach vorn gerückt werden müssen. Die Naht der
Brusttasche wird bis zum Armloch durchgeschnitten und abgenaht, evtl. randeriert. Durch den neu eingearbeiteten Brustausnaher, der selbstverständlich
114
auch in der Einlage gemacht werden muß, wird die ganze vorher in dem Stück
befindliche Bauchwölbung aufgehoben. Die Auflage des Schnittmusters fiir das
Seitenteil ist aus Abb. 54 zu ersehen.
Der Rücken Abb. 55 wird ebenfalls neu zugeschnitten. In den meisten Fällen
wird man die Rückenmittelnaht lassen können. Es kann jedoch vorkommen, daß
der Rücken im größeren Sakko schmaler war, als er im kleinen werden soll. Ist
dies der Fall, so müssen wir den Einschlag der Mittelnaht zur Verbreiterung benutzen. Zu beachten ist beim Zuschnitt: Die Rückenhöhe muß kürzer werden, das
Halsloch enger. Sehr oft sind bei älteren Sachen auch die Achselnähte noch sehr
schräg nach hinten gestellt. Wir müssen dann den Betrag, welcher an der Hinterachsel fehlt, an die Vorderachsel heranstellen. Erst alles a u f z e i c h n e n und dann
z u s c h n e i d e n . Der Rücken wird hierbei höher angesetzt und dann unten verstürzt. Ein nochmaliges Kurzhalten des Armlochspiegels und der Rückenmittelnaht in Schulterblatthöhe ist zu empfehlen, da die schlankeren Figuren meist
stärkere Schiuterblätter haben. Ein so umgeschnittenes Kleidungsstück wird bei
der Anprobe ein gutes, formschönes Bild ergeben, an welchem Schneider und
Kunde ihre Freude haben.
Beim Umschneiden des Ärmels empfiehlt es sieh, die vordere Naht zu öffnen.
Wir können dann den Ärmel von oben bis unten enger machen und den Ärmelschlitz unberührt lassen. Am Unterärmel setzen wir oben einen Keil an, damit
der Ausstich vorn nicht zu tief wird. Auch die untere Weite des Ärmels muß bei
der schlankeren Figur kleiner sein als bei der stärkeren. Wenn wir bei 108 Oberweite eine untere Ärmelweite von 16 cm haben, so darf dieselbe bei 96 Oberweite
höchstens 14 V2 betragen. Ein zu weiter Ärmel läßt die Umarbeitung zu leicht
erkennen und wirkt unschön, (s. Abb. 56).
Die Umarbeitung der W e s t e
Maßsatz der kleineren Weste:
Maßsatz der großen Weste:
70 —136— 96— 86
68 —142 —108 —118
Die richtige Umarbeitung der Weste macht die relativ größten Schwierigkeiten. Bei diesem vorliegenden großen Maßunterschied müssen wir alle Taschen
heraustrennen und nach vorn rücken. Die Vorderteilachselspitze legen wir bei
schlanken Figuren nicht auf den Kragen, sondern neben den Kragen. Das ermöglicht uns, die alte Achselspitze unverändert benutzen zu können. Das Kürzermachen des Vorderteils geschieht von oben, da sonst die unteren Taschen zu
tief kommen würden. Die Achsel wird wesentlich schmaler und das Armloch
reichlieh ausgeschnitten, wie unser modernes Westenmodell zeigt (vgl. Abb. 57).
Der Tascheneinschnitt der oberen und unteren Taschen wird nach hinten abgenäht. Der in einer Bauchweste befindliche, von unten eingeschnittene Bauchausnäher wird durch einen bis zur Brusthöhe eingeschnittenen Ausnäher aufgehoben. Da der Bauchausnäher in der unteren Kante meist keinen Einschlag
hat, muß die untere Kante für die schlanke Weste gedehnt werden, da dieselbe
6'
115
sonst an dieser Stelle zu fest anliegt. Sehr häufig wird dem Träger der schlanken
Weste auch der Ausschnitt zu kurz sein. Ein zu kleiner Ausschnitt sieht nicht
gut aus. Hier hilft weiter nichts, als ein Knopfloch oben herauszunehmen und
ein Stückchen dasselbe kunststopfen zu lassen. Der Rücken wird so umgeschnit-
ten, wie dies Abb. 57 zeigt. Ein Ausnäher nimmt die überflüssige Weite in der
Taillenlinie weg und gibt der unteren Kante die notwendige Länge. Eine so umgearbeitete Weste macht den gleichen Eindruck wie eine neue und ergibt ein
gutaussehendes Kleidbild. So unbedeutend manchem die Weste auch erscheinen
mag, für das gute Aussehen eines Anzuges ist ihre Form und ihr Aussehen von
größter Bedeutung.
116
Die Umarbeitung der Hose
Maßsatz der kleineren Hose: 106 — 82 — 82 —100 — 54
Maßsatz der größeren Hose: 108 — 79 —118 —116 — 54
Bei der Hose zertrennen wir die Schrittnaht und die Kreuznaht, die Seitennaht nur von oben bis ungefähr 5 cm unterhalb des unteren Taschenstichelns.
Ferner sind der Untertritt und die Schlitzleiste abzutrennen. Bei der Vorderhose
legen wir das kleinere Schnittmuster so auf, daß wir möglichst viel an Schrittlänge gewinnen (siehe Abb. 58). Evtl. kann an die Vorderhosenschrittspitze
der kleineren Hose ein kleines Stück angesetzt werden. Die Leibhöhe darf nicht
zu hoch ausfallen, da sonst die Hose nicht als Gürtelhose zu tragen ist (1/4 Gesäßweite — 1 bis 2 cm für die Leibhöhe); die Seitentaschen können unzertrennt
bleiben, wenn die Leibhöhe dies gestattet. Falsch ist es, die Hose hinten in der
Kreuznaht viel enger machen zu wollen.
117
Bei Bauchhosen geben wir beim Zuschnitt vorn zu, folglich müssen wir diesen
Betrag auch beim Umarbeiten vorn wieder abnehmen. Machen wir dies in nicht
genügendem Maße, so geht die Hose auseinander und die Bügelfalten fallen nach
außen. Wenn die Vorderhosenbreite groß genug ist, können wir auch zwei Bundfalten anbringen. Das Schnittmuster der Hinterhose wird nach Abb. 58 aufgelegt. Schwierigkeiten entstehen hier meistens in der Schrittspitze. Hat die
größere Hose ein Schrittstück, so können wir dieses entsprechend höher rücken
oder aber wir müssen ein Stück ansetzen. Die Schrittlänge muß unbedingt erreicht werden. Die zweite Schwierigkeit ergibt sich bei der Placierung der Gesäßtaschen. Diese können bei der Bundbundhose eher etwas höher sitzen als bei
der Bauchhose. Auch erzielen wir einen besseren Schluß im Gesäß, wenn wir in
der Hinterhose noch einen zweiten Ausnäher anbringen (siehe Abb. 58). Sollten
die Gesäßtaschen in ihrer alten Lage nicht zu verwenden sein, so müssen sie
herausgetrennt und der alte Einschnitt abgenäht werden. Das Neueinarbeiten
kann dann ohne weitere Schwierigkeiten erfolgen. Da die Hinterhose für stärkere
Figuren meist in der Schenkelpartie stark dressiert ist, muß diese Dressur erst
vollkommen glatt gebügelt werden; die schlanke, geradefallende Hose braucht
keine Dressur. Hier ist nur die Gesäßnaht etwas zu dehnen. Alle übrige Dressur
gibt nur Länge im Schenkel und Gesäß und es entsteht dadurch der so häßlich
aussehende „Hängeboden".
Die Umarbeitung des Mantels
Maßsatz wie beim umgearbeiteten Sakko.
Die Trennarbeiten sind die gleichen wie beim Sakko. Ärmel und Rücken heraus. Oberkragen nach einer Seite (zu empfehlen ist nach rechts) und den Unterkragen in der Mitte durchschneiden.
Das Auflegen des kleineren Modells erfolgt, wie Abb. 59 darstellt. Den Tascheneingriff schneiden wir bis zur Seitennaht durch, nähen den über die notwendige
Taschengröße hinausgehenden Betrag mit der Naht ab und bügeln diese aus.
Sollte uns der Bauchausnäher noch zu groß erscheinen, so bringen wir einen
Brustausnäher in Keilform an (siehe Abb. 59). Den Betrag des Ausnähers (bis
zu 2 cm) geben wir an der Naht unter dem Arm wieder zu. Wenn wir den vorhandenen Bauchausnäher zu groß lassen, schlägt der Mantel bei schlanken Figuren in der unteren Kante zu sehr an das Bein und stört beim Gehen. Also nicht
diese verhältnismäßig kleine Arbeit scheuen.
Das Se itenteil wird neu so zugeschnitten, wie aus Abb. 59 zu ersehen ist. Beträgt der Brustausnäher nach erfolgtem neuen Zuschnitt nicht mehr als 1 cm,
so erübrigt sich der Brustausnäher. Alle Bilder in diesem Abschnitt zeigen modern
geschnittene und verarbeitete Stücke. Leider müssen wir sehr oft mit einem
unmodernen, machmal geradezu unmöglichen Zuschnitt und ebensolcher Verarbeitung rechnen. Hier heißt es: „Augen auf!" Das umzuarbeitende Stück vor
dem Trennen genau betrachten und lieber auf die Arbeit verzichten, als etwas
118
annehmen, das immer nach Umarbeitung aussehen muß und nach Fertigstellung
den Unwillen des Kunden erregt. Sehr häufig werden wir gezwungen sein, an
die zu schräg liegende Achselspitze ein Stück anzusetzen. Das Ärmelloch wird
in der Höhe auch oft angesetzt werden müssen. Wenn dies geschickt gemacht
Abb. 59
wird, so ist es durchaus richtig, denn ein zu tiefes Ärmelloch erfordert wiederum
einen weiten Ärmel, und das Bild des fertigen Stückes ist unschön. Ist beim
Mantel der Kücken zu schmal, müssen wir am Vorderteil den fehlenden Betrag
zugeben. Also erst alles aufzeichnen und dann schneiden. Der Tascheneingriff
ist bei dem schlanken Mantel genau so wie beim Sakko nach vorn zu verlegen.
Die beim Mantel geschilderten Schwierigkeiten können selbstverständlich auch
beim Sakko auftreten. Die Geschicklichkeit und das fachliche Können des Mei-
119
sters müssen dieser Schwierigkeiten Herr werden. Zu erwähnen wäre noch, daß
die untere Kante der Ärmel in vielen Fällen aufgetrennt werden muß, da die
schlanke Figur längere Ärmel braucht.
Den Rücken werden wir in der unteren Kante wohl fast immer verstürzen
müssen, um die erforderliche Länge gegenüber dem Vorderteil zu erhalten.
D i e Umarbeitung eines unmodernen Frack-Anzuges
Wie ist ein älterer Frackanzug, schnitt- und modemäßig gesehen, beschaffen:
Die Taille ist zu lang, die Schöße zu kurz, Rücken und Brust zu eng und die
Unterweite zu groß, so daß der Frack als Kleidbild oben zu schmal und unten zu
breit wirkt. Die Hose ist in den Beinen zu eng; sie müßte durch eine neue ersetzt
werden oder aber die sehr oft vorhandene Hose von dem neueren Smokinganzug
müßte auf ihre Verwendbarkeit geprüft werden. Nach vorstehender Schilderung
wäre folgende Änderung vorzunehmen: Wir machen zunächst einen modernen
120
vorm Gebr. Walbaum
seit 1886
die
LONDON
schönsten
AACHEN
Mede wechselt-
\llimiim
bleibt.
Herstellerfirma:
CARL FREUDENBERG
Abteilung Villedon
W e i n h e i m - Bergstraße
KG
Frackschnitt. Der alte Frack wird zertrennt. Ärmel heraus, Schoß ab, Kragen
ab und Rücken heraus. Die Bogennähte im Rücken wird man in den meisten
Fällen zusammenlassen können. Auf die glattgebügelten Teile wird der neue
Frackschnitt aufgelegt, wie die Abb. 60 zeigt. Der meist vorhandene Einschlag
in der Mittelnaht des Rückens dient zu Verbreiterung. Durch Verkürzen der
Taillenlänge von oben erreichen wir eine gerade Hinterachselnaht und höher-
Abb. 61
gelegte Bogennähte. Beim Auflegen des Vorderteilschnittes berücksichtigen wir
zunächst den Armvortritt. Die Vorderbüste muß stark verkürzt, an der Achselspitze zumeist ein Stück angesetzt werden. Die Brustverbreiterung erreichen
wir durch Verlegen des Klappenbruchs und Ansetzen an das Revers, das doch
meist neuen Seidenbelag erhalten muß. Da in den älteren Frackschnitten aus
123
dem Ausnäher von unten wenig herausgenommen worden ist, vergrößern wir
denselben und nehmen diesen Betrag nur nach hinten heraus, damit der Schoßansatz möglichst weit nach hinten rückt, denn schmale Schöße sind modern.
Was an Unterweite zuviel ist, wird vorn abgenommen, denn der moderne Frack
soll bequem, aber in der unteren Partie des Vorderteils knapp gehalten sein, damit er reichlich auseinandersteht (etwa 8—10 cm) und die weiße Weste zur
Geltung kommt. Zur Erreichung des notwendigen größeren Ärmellochdurchmessers wird der normale Einschlag in die Seitenteilnaht des Vorderteils wohl
selten ausreichen. Die Schnittzeichnung (Abb. 61) zeigt ein zweites Seitenteil,
nach welchem wir jede notwendige Ärmellocherweiterung mühelos erreichen
können. Der notwendige neue Schoß und Hinterschoß wird aus der alten Hose
genommen. Das Schoßfutter wird wieder verwendet und die notwendige Länge
oben angestückelt, damit die Naht beim Umklappen der Schöße nicht sichtbar
wird. Der Hinterschoß wird in Hakenhöhe mit der Naht angesetzt. Der notwendige neue Oberkragen kann ebenfalls aus der alten Hose geschnitten werden.
Ein Umschneiden und Erweitern des Ärmels ist notwendig. In den meisten Fällen
wird der Ärmel unten verlängert werden müssen. Das Schnittmodell eines modernen Fracks zeigt in der Oberweite eine Zugabe von 8—9 cm zur halben Oberweite, in der Unterweite genügt die halbe Unterweite. Die meisten Besitzer eines
Frackanzuges haben auch mehrere weiße Westen, von denen der Schneider die
für eine Umarbeitung am besten geeigneste heraussuchen muß. Zu erwähnen
wäre noch, daß die Placierung der Brusttasche bei der Frackumarbeitung weniger
Sorgen macht, da die alten Fracks meistens keine Brusttasche haben und wir
die neue nun an die richtige Stelle setzen können.
Vom Sakkoanzug zum Kostüm
Im weiteren beschäftigen wir uns mit der Anfertigung eines Kostüms aus
einem Sakkoanzug.
Maßsatz Herrenanzug: 102 — 96 —108
Seitenlänge 106, Schrittlänge 82.
Kostüm: 96 — 70 —100, Rückenlänge 71.
Auch bei dieser Umarbeitung muß der gewissenhafte Schneider vor dem Zertrennen genau prüfen, ob das vorhandene Material aus dem Anzug auch reicht
und wie er den Schnitt der Damenjacke einzurichten hat. Voraussetzung für
einen einwandfreien Zuschnitt des Kostüms ist, daß der Anzug in der OW 4—6 cm
und in der Hüftpartie 6—8 cm größer als das Maß für den Kostümschnitt ist.
Ist diese Voraussetzung gegeben, so verwenden wir als Schnittmuster ein Modell
mit Brustausnäher von ungefähr 2 cm und einem Ausnäher unter der Klappe
von etwa 4 cm. Wenn wir auch im modernen Zuschnitt bestrebt sind, die Brustwölbung sowohl bei Herren- als auch bei Damensachen nur von unten einzuarbeiten durch einen Brustnäher, so müssen wir bei diesem Maßsatz doch auf
den Klappeneinschnitt zurückgreifen. Wir legen das Damenmodell so auf, wie
das Abb. 62 und 63 zeigt.
124
Ist das Anzugmaß in der Oberweite wenigstens 9 cm grjßer und in der Hüftweite 12—14 cm, so können wir auch ein Modell mit durchgelegter Vorderteilsnaht benutzen.
Besondere Sorgfalt ist auf die Placierung der Taschen und des Brustausnähers
zu verwenden. Wenn die Brusttasche im Herrensakko zu groß ist (über 11 cm),
so trennen wir dieselbe heraus und nähen die Naht bis zum Armloch durch. Die
Abb. 62
Abb. 63
neue Brusttasche wird dann in der richtigen Größe (10 cm) neu eingearbeitet
und das übrige Stück Naht überranderiert. Eine zu große Brusttasche gibt ein
weit schlechteres Bild als das Stück Naht zum Armloch. Auch die Knopflöcher
im linken Teil machen uns oft Schwierigkeiten, da von der Kante nicht immer
soviel abgeschnitten werden kann. Es empfiehlt sich in solchen Fällen, die Damenjacke auf zwei Knöpfe zu arbeiten, damit das obere Knopfloch überrollt. Das
untere Knopfloch stimmt mit dem Knopf überein und das mittlere muß kunstgestopft werden. Den Brustausnäher müssen wir bei der Damenjacke dahin
legen, wo er sich bei der Herrenjacke befindet. Wir können aus vorstehenden
Zeilen ersehen, daß vieles zu beachten ist. Der gute Schneider muß gerade bei
Umarbeitungen große Sorgfalt anwenden, damit das fertige Stück richtig und
125
126
formschön wirkt. Der Zuschnitt des Rückens ist am einfachsten. Den Ärmel
(Abb. 64) legen wir so auf, daß wir den Schlitz möglichst unberührt lassen können.
Dei Oberärmel des Damenmodells wird in den meisten Fällen breiter ausfallen
als der Herrenärmel. In solchen Fällen müssen wir den fehlenden Betrag an
dem Unterärmel zugeben.
Der Eock wird aus der Hose geschnitten. Das Modell muß immer ein Vierbahnrock sein. In den meisten Fällen müssen wir denselben gegen den Strich
zuschneiden. Die Hinterbahn setzen wir mit glatten Nähten ein, während die
Vorderbahn unten in Falten ausspringt. Den Betrag für die Falten schneiden wir
soviel als möglich an oder setzen die entsprechenden Stoffteile extra an. Das
linke Besetzen und den Oberkragen nehmen wir aus dem übrigbleibenden Stoff
der Hose, den Oberkragen evtl. mit Naht. Zu beachten ist noch, daß bei Damensachen die Kreide immer die Naht anzeigt, die Nähte also zugegeben werden
müssen. (Abb. 65)
Vom Pelzbezug zum Sakko
Wir wollen nun die Verwendung eines alten Pelzbezuges behandeln. Sehr oft
sind diese gar nicht abgertagen, sondern nur mit Rücksicht auf die moderne
Form erneuert worden. Das Material ist in den meisten Fällen noch sehr gut
und verwendungsfähig. Wir haben vor dem Zuschneiden folgendes zu beachten:
Erstens, ob die Außenseite noch keine abgetragenen Stellen hat. Wenn ja,
wäre die Wendemöglichkeit des Stoffes zu untersuchen. Sehr oft sind Pelzbezugsstoffe links leicht angerauht und für die Verwendung zum Sakko sehr gut
geeignet. Im allgemeinen bereitet die Stoffeinteilung keine großen Schwierigkeiten, wie aus Abb. 66 zu ersehen ist. Da die untere Partie des Pelzbezuges
zumeist am besten erhalten ist, verwenden wir diesen Teil möglichst für das Vorderteil des Sakkos. Der Tascheneinschnitt des Pelzbezuges kommt dabei unter
die Klappe des Sakkos und wird dort abgenäht. Sollte der alte Bezug keine
Knopflöcher haben, so kann das Vorderteil mehr zur Kante gelegt werden und
der Tascheneingriff liegt dann außerhalb des Revers. Es ist immer darauf zu
achten, ob die Kante des Pelzbezuges abgetragen ist oder dieser Teil mit verarbeitet werden kann. Die Auflage des Schnittmusters ist so vorzunehmen, wie
uns Abb. 66 zeigt. Der Oberkragen ist hier mit Naht. Sehr oft hat der Pelzbezug
einen breiten Umschlag, der dann zum Oberkragen reichen würde.
Das Besetzen fällt evtl. auch vom Rücken ab, und man könnte dann versuchen,
den Oberkragen oben vom Vorderteil zu nehmen, und zwar schräg geschnitten.
Auch hier ist es vorteilhaft, wenn der Pelzbezug keine Knopflöcher hatte.
Das Umschneiden desÄrmels (Abb. 67) macht kaum Schwierigkeiten. Die Erfahrung lehrt, daß die untere Partie des Bezugsärmels meist abgetragen ist. Hier kann
man sich mit einem abgenähten Aufschlag gut helfen. Den Stoff dazu müßte
die untere Partie des Rückens liefern. Die Einlagen des Pelzbezuges läßt sich
ohne weiteres für den Sakko nach entsprechendem Umschneiden verwenden.
127
An Futterstoffen wäre zu berechnen:
Leibfutter, Ärmel- und Außentaschenfutter für den Sakko. Ricken-, Innenund Taschenfutter für die Weste.
Der Bezug eines alten Sportpelzes ist für die Umarbeitung zu einem Sportsakko ebenfalls gut geeignet. Stoff für aufgesetzte Taschen und Gürtel ist reichlich vorhanden da die Weste fortfällt.
Abb. 67
Die Umarbeitung eines Pelzbezuges zu einem Herren- oder Damenmantel ist
eine selbstverständliche Möglichkeit und braucht wohl nicht näher erläutert
zu werden. Aber auch dabei ist zu empfehlen, grundlegende Umarbeitungen vorzunehmen um dem neu zu arbeitenden Stück eine schöne moderne Form zu geben.
Alte Pelzbezüge haben oft geradezu unmögliche Schnittformen und hier setzt
die Aufgabe des guten Schneiders ein. Durch moderne Formgebung und gewissenhafte Verwendung des vorhandenen Materials wirklich aus Alt — Neu
zu machen.
8
J&rke
129
Die Rundbund hose und ihr Zuschnitt unter Zuhilfenahme
proportioneller Gleichungen
In den fachlichen Abhandlungen der verschiedensten Fachzeitungen wird dem
Großstück immer mehr Raum gegeben als der Hose. Doch auch diese macht
dem Meister oft große Sorgen. Die "Wünsche des Kunden sind verschieden und
vielseitig. Der eine legt den Hauptwert auf Bequemlichkeit, der andere sieht das
Ideal einer guten Hose im möglichst faltenreinen Fall der Hinterhose. Mit diesen
verschiedenen Ansichten haben wir zu rechnen. Wir müssen uns mit unserem
System den verschiedenartigen Wünschen der Kunden anpassen. Das System selbst
behandelt zunächst nur die als normal zu bezeichnenden Ansprüche der Kunden.
Alles was darüber hinaus verlangt wird, muß der Meister durch lebendige Gestaltung und Anpassung seines Systems erreichen. Eifriges Studium unserer
Fachzeitschriften wird manches Problem leichter lösen helfen. Aufmerksames
Maßnehmen unter Berücksichtigung der Körperhaltung und Beinstellung des
Kunden ist die wichtigste Voraussetzung des Erfolges.
Beim Maßnehmen des Oberkörpers können wir schon Schlüsse auf die Beinform des Kunden ziehen. Haben wir eine Figur mit Hängeschultern und starken
Schulterblättern, so werden wir bei der Hose O-Beinneigung, starke Hüften und
flaches Gesäß finden. Bei geraden Schultern und flachem Rücken zeigt die Beinpartie schmale Hüften, nach hinten herausgestrecktes Gesäß, gerade Beine und
starke Wade. Wir sehen daraus, daß die Struktur des Oberkörpers die Beinform
erkennen läßt. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Nun zum Maßnehmen selbst. Richtiges Hosenmaß zu nehmen, speziell Seiten- und Schrittlänge messen, ist sehr schwer. In den meisten Fällen wird die Schrittlänge zu
kurz und dadurch die Leibhöhe zu hoch. Die moderne Rundbundhose darf auf
keinen Fall zu hoch im Leib sein. Da zur Rundbundhose keine Träger benutzt
werden sollen, muß die Hose richtig in der Höhe sitzen. Der Bundansatz soll
da anfangen, wo der Bauchnabel sitzt. Ist die Hose höher, so rutscht sie ab
und wird unten zu lang. Durch festes Anziehen der Schnallen oder des Gürtels
soll nun das Abrutschen verhindert werden und die Hose wird nun unbequem,
weil sie im Leib zu fest sitzt. Außerdem drückt der obere Bundrand an die unterste Rippe und der Kunde bekommt Atembeschwerden. Er lockert den Gürtel
und die Hose rutscht oben wieder ab. Zum Schluß greift der Kunde wieder zum
Hosenträger und schimpft auf die Rundbundhose. Andere tragen Gürtel u n d
Hosenträger.
Ein häßlicher Anblick, wenn über dem Gürtel noch ein ganz Stück Hose heraussieht. Jeder gute Schneider sollte versuchen, seinen Kunden das Tragen von
Hosenträgern abzugewöhnen. Erstens sieht es nicht gut aus und zweitens erzwingen Hosenträger die unschönen Kniebeulen. Wenn wir unsere Maße für die
Hose genommen haben, müssen wir dieselben mit der Proportion vergleichen.
Die hier folgenden Angaben geben einen Anhalt für diejenigen, die im Maß-
130
nehmen der Hosen nicht restlos sicher sind und gerne Angaben zu Hilfe nehmen,
die die Möglichkeit zu Vergleichen gestatten, um danach abzuändern oder auszugleichen.
Nehmen wir eine Normalfigur von 1,76 m Körpergröße und errechnen nun
die Hosenmaße:
Die Schrittlänge beträgt:
1
/ 2 Körpergröße von der Erde bis zum Scheitel
minus Absatz und minus 6 cm. Absatz 2 cm, also = 8 cm,
d. h. bei 1,76 m groß:
% 0,88 m minus 8 cm
ergibt = 0,80 m Schrittlänge.
Die Leibhöhe ist richtig für die Rundbundhose, wenn sie 1 / i Gesäßweite —
1—2 cm beträgt. Nehmen wir 106 cm Gesäßweite, so beträgt 1 / i 26 1 / 2 cm — 2 =
24% cm. Schrittlänge und Leibhöhe ergeben Seitenlänge.
Beispiel:
80 cm Schritt und
24 1 j 2 cm Leibhöhe
ergeben 105% cm Seitenlänge.
Diese Längen stehen im richtigen Verhältnis zueinander, und die Hose braucht
nicht fest im Leib zu sitzen und rutscht trotzdem nicht ab. Sie ist also bequem
und im Tragen angenehm.
Wir haben nun für normale Beine die Längenmaße festgestellt. Nun müssen
wir auch die Breitenmaße zur Schnittaufstellung haben. Der moderne Schneider
wird zur Aufstellung eines Großstückschnittes ohne das Maß der Gesäßweite
und der Körpergröße nicht mehr auskommen. Genau so notwendig ist für das
Aufstellen eines guten Hosenschnittes das Maß der O b e r w e i t e und der Körpergröße.
Die Unterweite und Gesäßweite allein können uns kein richtiges Bild von dem
Körperbau des betreffenden Kunden geben, sondern erst die Verbindung beider
Maße mit der Oberweite zeigen uns die richtige Figur. Nehmen wir als Beispiel
folgende Maßsatze:
Körpergröße 1,76 m, N o r m a l f i g u r :
I. Maßsatz (normal):
Oberweite
104 cm
Unterweite
96 cm
Gesäßweite
108 cm
Taillenlänge
44 cm (also normal)
Seitenlänge
105 cm
Schrittlänge
80 cm
Bundweite
92 cm (Unterweite — 4 cm)
Die Normalaufstellung jeden guten Zuschneidesystems ergeben hier ein einwandfreies Resultat.
131
II. Maßsatz (normal):
Oberweite
Unterweite
Gesäßweite
Taillenlänge
Seitenlänge
Schrittlänge
Bundweite
102 cm
104 cm
108 cm
44 cm
105 cm
80 cm
100 cm
Diese Maße zeigen uns eine Bauchfigur und die Schnittaufstellung für die
Hose muß nach den Regeln der Systeme für Bauchfiguren erfolgen.
III. Maßsatz aus der Praxis:
Oberweite
Unterweite
Gesäßweite
Taillenlänge
Seitenlänge
Schrittlänge
Bundweite
108 cm
104 cm
108 cm
42 cm
105 cm
80 cm
100 cm
Nur der Vergleich mit der Oberweite zeigt uns, daß wir es hier mit einer korpulenten Figur zu tun haben und keineswegs mit einer Bauchfigur.
Durch den Vergleich der Rundmaße miteinander stellen wir fest, daß obiger
Maßsatz für eine korpulente Figur bestimmt ist. Durch Hinzuziehung des Maßes
der Taillenlänge stellen wir weiter fest, daß diese Figur eine aufrechte Haltung
hat. Normalerweise hat eine Figur von 1,76 m Größe eine Taillenlänge von
44 cm und eine Schrittlänge von 80 cm. Obiger Maßsatz hat nur 42 cm Taillenlänge bei normaler Schrittlänge, also keinen kurzen Oberkörper und entsprechend
längere Beine. Das verkürzte Taillenmaß ergibt sich vielmehr aus der aufrechten
Körperhaltung.
Aufrechte Körperhaltung bedingt in den meisten Fällen nach hinten gedrückte
Gesäß- und Wadenpartie, flache Hüften und gerade Beine. Diese Figuren zeigen
auch keinen vorgestreckten Leib, sondern sehr oft eingezogene Leibpartie. Alle
diese Umstände müssen bei der Aufstellung der Hose, hauptsächlich der Hinterhose, Berücksichtigung finden.
Die richtige Erkenntnis der Körperhaltung mit Hilfe der Proportionslehre,
richtige Schlußfolgerung daraus auf die Schnittaufstellung der Hose bewahren
uns vor Fehlern und Enttäuschungen, an welchen das Zuschneidesystem in den
meisten Fällen unschuldig ist.
Wir kommen nun zu den Wuchsabweichungen der Beine und ihre Erkenntnis aus den genommenen Maßen im Vergleich zu den proportionellen Größen.
132
I. Beispiel:
Körpergröße 1,76 cm
Oberweite
Unterweite
Gesäßweite
Taillenlänge
Seitenlänge
Schrittlänge
Bundweite
104 cm
96 cm
108 cm
44 cm
108 cm
81 cm
92 cm
Ein Vergleich dieses Maßsatzes mit der Proportion zeigte eine 2 cm zu große
Seitenlänge. Die Leibhöhe beträgt normal y 4 Gesäßweite — 2 cm, also hier
25 cm. Leibhöhe und Schrittlänge ergeben die Seitenlänge.
25 cm Leibhöhe und
81 cm Schrittlänge
106 cm Seitenlänge
Die genau genommene Seitenlänge ist aber 108 cm. Es wäre nun unbedingt
mit einem Mißerfolg verbunden, wenn wir nach 108 Seitenlänge unser Modell
aufstellen würden. Wir dürften damit nur eine zu hohe Leibhöhe erreichen und
nicht der Beinstellung Rechnung tragen. Die zu große Seitenlänge ist bedingt
durch die nach außen gewölbten Beine vom Hüftknochen angefangen. Ob es
sich nun um sogenannte Hohlsehenkel oder direkte O-Beine handelt, ist für die
Schnittaufstellung unwesentlich. Die Hauptsache ist, daß die Seitennaht entsprechend der anomalen Beinform verlängert wird (siehe Abb. 81 für O-Beine).
Der Hosenschnitt wird am besten er3t einmal normal aufgestellt, daß heißt:
106 Seitenlänge
81 Schrittlänge
92 Bundweite
108 Gesäßweite.
Um nun eine Seitenlänge von 108 cm zu erhalten, kürzen wir das Modell in
der Schnittnaht um den Betrag, welchen die maßgenommene Seitenlänge zu
groß ist, also hier 2 cm. Um den gleichen Betrag wird das Modell unten verlängert, damit wir wieder 81 cm Schrittlänge erhalten. Die Seitenlänge wird nun
kontrolliert und ergibt den Betrag des genommenen Maßes von 103 cm ] Seitenlange. Gleichzeitig ist das Modell auf Hohlschenkel bzw. O-Bein umgestellt. Bei
X-Beinstellung oder proportionell zu kurzer Seitenlänge wird die Seitennaht
der Hose entsprechend verkürzt und damit der Normalschnitt nach außen gedreht und die X-Beinstellung findet ihre Berücksichtigung.
Man kann auch in direkter Aufstellung nach jedem guten System ein passendes Modell für O- oder X-Beinstellung konstruieren. Der Zweck obiger Ausführungen ist die Klärung des Unterschiedes zwischen Narmil u a i Arn n i mit
Hilfe der Proportion.
133
Nun noch einige Maßvergleiehe:
Körpergröße 1,84 cm
Genommene Maße
Schlanke
Proportionsmaße
Figur:
Taillenlänge
44 cm
46 cm
Oberweite.
92 cm
92 cm
Unterweite
82 cm
82 cm
Gesäßweite
96 cm
96 cm
Seitenlänge
111 cm
109 cm
Schrittlänge
87 cm
85 cm
F o l g e r u n g : Kurzer Oberkörper, lange Beine. Zu ersehen aus Vergleich
zwischen Tallienlänge und Schrittlänge.
Bei übernormalen Größen, d. h. Uber 1,76 m, empfiehlt es sich, für die Leibhöhe von 1 / 4 der Gesäßweite nicht 2 cm für die Leibhöhe abzubrechen, sondern
für jede 4 cm größer als normal 1 j 2 cm weniger. Im obigen Beispiel also 1 / i Gesäßweite minus 1 cm = 23 cm.
Für Körpergrößen unter 1,76 m trifft dieser Lehrsatz nicht zu. Hier bleiben
wir bei der Regel 1 / 4 Gesäß minus 2 cm.
Körpergröße 1,68 m
Dickbauch-Figur:
Taillenlänge
Oberweite
Unterweite
Gesäßweite
Seitenlänge
Schrittlänge
.
.
.
.
.
Genommene Maße
45 cm
110 cm
114 cm
118 cm
101cm
72 cm
Proportionsmaße
42 cm
110 cm
114 cm
118 cm
103 cm
74 cm
F o l g e r u n g e n : Längerer Oberkörper, kürzere Beine. Die etwas zu große
Seitenlänge zeigt uns, daß wir es bei dieser Figur nicht wie gewöhnlich bei
Bauchfiguren, mit X-Beinneigung zu tun haben, sondern umgekehrt, Neigung
zu O-Bein vorhanden ist. Eine Erscheinung, die wir bei kleinen, dicken Leuten
verschiedentlich finden.
Aus vorstehenden Ausführungen ersehen wir, daß zur Aufstellung eines richtigen Hosenschnittes die Oberweite zum Vergleich herangezogen werden muß.
Die Unterweite und Gesäßweite allein können uns kein Bild von der Figur
des zu Bekleidenden geben. Seiten- und Schrittlänge in Verbindung mit der
Taillenlänge zeigen uns die normale oder unnormale Längeneinteilung des Körpers (langer oder kurzer Oberkörper, lange oder kurze Beine). Schritt- und Seitenlänge miteinander verglichen, lassen uns die Beinstellung erkennen. Die Kenntnis der normalen Maßverhältnisse verbunden mit geübtem Blick und genaueste
Beobachtung des einzelnen Kunden werden auch dem Anfänger in unserem
Beruf den richtigen Weg zeigen. Bei Bauchfiguren sollte man sich auch nicht
verleiten lassen, die Hinterhose zu gerade zu stellen. Glattfallende Hinterhosen
sind bei dicken Menschen nicht gut möglich oder nur bei unatürlich weit ge-
134
haltenem Schenkelmaß. Hier ersetzt dann die überflüssige Weite die fehlende
Länge. Die Figur wirkt so sehr plump. Bei Korpulenten und Bauchfiguren
würde eine glatte Hinterhose zu häßlichen Fehlern und Faltenbildung in sitzender Stellung führen.
Der dicke Mensch braucht infolge seiner Schräglage schon eine gewisse Hinterhosenlänge, um erst einmal die normale Körperhaltung zu erlangen und darüber hinaus noch Länge, die das Sitzen und Blicken ohne Faltenbildung ermöglicht.
Eine gutsitzende Hose soll auch beim Bewegen (Gehen, Sitzen, Treppensteigen) nicht nur bequem sein, sondern auch gut aussehen.
Also auch bei der gutsitzenden Hose ist Vorbedingung:
Genaueste Beachtung der Körperhaltung,
korrektes Maßnehmen, hauptsächlich von Seiten- und Schrittlänge und
Vergleich der genommenen Maße mit den proportionellen, um dadurch
Wuchsabweichungen festzustellen.
Ohne genaue Kenntnis des Normalen ist auch bei der Hose ein Erkennen der
Abweichungen vom Normalen nicht möglich.
Die Gegenüberstellung der genommenen Maße mit den proportionellen Größen:
Körpergröße 176 m
Genommene Maße
Proportionsmaße
Sakko:
Taillenlänge. . . .
46cm
44cm
Oberweite
102 cm
102 cm
Unterweite . . . .
98 cm
94 cm
Gesäßweite . . . . 104 cm
106 cm
Hose:
Seitenlänge . . . . 106 cm
106 cm
Schrittlänge . . . .
79 cm
81 cm
Der Vergleich der Proportionsmaße mit den genau genommenen Maßen ergibt folgendes Körperbild: Etwas zu langen Oberkörper und entsprechend kürzere Beine, Bauchansatz, flaches Gesäß und O-Beinneigung.
Zur näheren Erklärung dieser Schlußfolgerung sei folgendes gesagt: Die
Taillenlänge ist 2 cm länger als normal und die Beine entsprechend kürzer.
Die Unterweite ist 4 cm größer als normal, also Bauchansatz. Die Gesäßweite
ist 2 cm kleiner als normal. Die Seitenlange ist zwar der normalen gleich, ergibt
aber im Vergleich zur Schrittlänge u n d zur T a i l l e n l ä n g e ein zu langes Seitenmaß.
F o l g e r u n g : Nach außen gewölbte Beine und Verlagerung der Gesäßweite
zur Hüftpartie, also O-Beinneigung.
Wie korrigieren wir nun diese Figur?
Zunächst den Sakko:
Auf alle Fälle proportionelle Taillenlänge verwenden, damit Taschen, Taillenund Knopfstellung in die normale Lage kommen. Die Baine könnan wir nicht
135
länger machen, aber den Oberkörper können wir idealisieren, d, h. normal gestalten. Die Hose ist auf O-Bein zu konstruieren, um diesen Fehler zu beseitigen.
Den gleichen Maßsatz nehmen wir noch zu einem Beispiel, nur daß wir die
Schrittlänge anstatt mit 79 cm mit 81 cm, also normal annehmen.
Hier ergibt der Maßvergleich folgendes:
Die 2 cm längere Taille beruht hier auf vorgeneigter Haltung. Bauchansatz
und flaches Gesäß bleiben bestehen. Beine normal. Die Taillenlänge wird auch
hier normal, d. h. 44 cm aufgestellt und nach oben verlängert und der Wirbelpunkt nach vorn gestellt, um den Rücken der geneigten Haltung anzupassen.
Das Vorderteil ist in Brusthöhe gemäß der Verlängerung des Kückens verkürzt.
Nun noch eine Gegenüberstellung genommener Maße zu den proportionellen
Größen und die daraus entstehenden Folgerungen bezüglich der Körperhaltung.
Körpergröße 1,76 m
Genommene Maße
Proportionsmaße
Taillenlänge . . . .
42 cm
44 cm
Oberweite . . . .
96 cm
96 cm
Unterweite . . . .
88 cm
88 cm
Gesäßweite . . . . 100 cm
100 cm
Seitenlänge . . . . 106 cm
106 cm
Schrittlänge . . . .
83 cm
81 cm
F o l g e r u n g : Kurzer Oberkörper, lange Beine. In der Aufstellung des Schnittes
Taillenlänge normal, d. h. 44 cm nehmen, damit der Oberkörper normal erscheint.
Ein weiteres Beispiel:
Körpergröße 1,76 m
Genommene Maße
Proportionsmaße
Taillenlänge . . . .
42 cm
44 cm
Oberweite . . . .
96 cm
96 cm
Unterweite . . . .
82 cm
88 cm
100 cm
Gesäßweite . . . . 104 cm
Seitenlänge . . . . 106 cm
106 cm
Schrittlänge . . . .
81 cm
81 cm
F o l g e r u n g e n : Aufrechte Haltung. Schwache Unterweite mit eingezogener
Leibpartie, starkes nach hinten gestrecktes Gesäß, flache Hüften. Gerade Beine.
Untersetzte Figur:
Körpergröße 1,68 m
Genommene Maße
Proportionsmaße
42 cm
Taillenlänge . . . . 44 cm
Oberweite . . . . 102 cm
102 cm
Unterweite . . . . 97 cm
97 cm
Gesäßweite . . . . 104 cm
108 cm
Seitenlänge . . . . 102 cm
100 cm
Schrittlänge . . . . 77 cm
77 cm
136
F o l g e r u n g e n : Vorgeneigte Haltung, flaches Gesäß, starke Hüften und
O-Beinneigung.
Der Vergleich der Proportionsmaße mit den genommenen Maßen führt zu
den oben angegebenen Feststellungen aus folgenden Gründen:
Die Breitmaße stimmen nur in Ober- und Unterweite, während das Gesäßmaß zu klein ist. Die Taillenlänge ist zur Körpergröße zu lang, während die
Schrittlänge stimmt. Hier ist also kein langer Oberkörper und entsprechend
kürzere Beine vorhanden. Folglich ist die größere Taillenlänge nur durch vorgeneigte Haltung zu erklären. Die Seitenlänge ist im genommenen Maß zu lang,
wodurch die starken Hüften und die Neigung zu O-Beinen bewiesen sind.
Beispiel einer korpulenten Figur:
Körpergröße 1,72 cm
Genommene Maße
Proportionsmaße
Taillenlänge . . . .
41 cm
43 cm
Oberweite . . . . 104 cm
104 cm
Unterweite . . . . 104 cm
104 cm
Gesäßweite . . . . 106 cm
110 cm
Seitenlänge . . . . 105 cm
105 cm
Schrittlänge . . . .
78 cm
78 cm
F o l g e r u n g e n : Aufrechte Haltung und nach vorn geschobene Leib- und
Gesäßpartie. Gesäß- und Hüftpartie flach.
Die nach hinten geneigte aufrechte Haltung bedingt ein Vorstrecken der Leibpartie; diese Haltung bei einer korpulenten Figur muß bei der Stellung des
Bauchpunktes besonders berücksichtigt werden. Wir folgen der Bewegung des
Körpers nach vorn durch Vorstellen des Bauchpunktes. Die Größe des vorzustellenden Betrages errechnen wir wie folgt:
Normalfigur = Oberweite 104, korpulente Figur = 104
Unterweite 96
104
Unterweite also 8 cm größer als normal, davon 1 / 10 = 0,8 cm für die Schräglage dieser Figur mehr als die normale Aufstellung verlangt, nach vorn gestellt.
Bei den Bauchfiguren ist die Schräglage des Körpers ganz besonders zu beachten. Die Größe derselben ergibt sich wiederum aus der Gegenüberstellung
der genommenen mit den proportioneilen Maßen.
Körpergröße 1,80 cm
Genommene Maße
Proportionsmaße
Taillenlänge . . . .
46 cm
45 cm
Oberweite . . . . 106 cm
106 cm
Unterweite . . . . 112 cm
109 cm
Gesäßweite . . . . 110 cm
112 cm
F o l g e r u n g e n : Starke Schräglage mit weit vorgestrecktem Leib und flachem
Gesäß.
Bei der Schnittaufstellung durch übernormales Vorstellen des Bauchpunktes
berücksichtigen.
137
Die moderne Rundbundhose
Die Aufstellung der modernen Hose gleicht der bisher üblichen. Nur Fußweite und Kniebreite werden enger, während die Weite im Schenkel die gleiche
bleibt. Der Übergang von der unteren Weite des Sakkos zur oberen Weite der
Hose muß ohne Unterbrechung sichtbar sein.
Die Länge der Hose ist um 2 cm verkürzt. Die Umschlagbreite des umgebügelten Saumes beträgt 5—6 cm.
Der Maßsatz ist folgender:
Oberweite 96 cm, Unterweite 86 cm, Gesäßweite 100 cm,
Seitenlänge 105 cm, Schrittlänge 80 cm, Fußweite 48 cm.
Unterweite — 4 cm gibt die Bundweite mit 84 cm.
Zur Aufstellung nehmen wir von den Längenmaßen 2 cm ab, also 103 Seitenlänge, 78 Schrittlänge. Die Aufstellung beginnen wir mit dem rechten Winkel
(siehe Abb. 68).
1 — 2 = Seitenlänge = 03 cm
3 — 6 = 1 / 4 Gesäßweite
2 — 3 = Schrittlänge -f 1 = 79 cm 2 — 7 = 1 / i Gesäßweite + 2 cm
4 ist V2 2 — 3 + 6 cm
2 — 9 = % Gesäßweite
1 — 5 = V4 Gesäßweite
7 — 8 = % Fußweite — 2 cm
9 mit 5 verbunden gibt Richtungslinie für die Winkelanlage an der Schrittspitze Punkt 11.
Die Hälfte von 11 — 3 wird von 11 nach 1 + 1 cm übertragen. Von Punkt 1
2 1 / 2 cm zurück gibt das rechte Teil der Hose oder den Ausstich.
11 — 6 wird ausgemessen und von 5 nach 10 übertragen, gibt den Bauchpunkt.
Von 10 übertragen wir 1 / i Bundweite und 6 cm für zwei Falten nach Punkt 1
und erhalten den Hüftabstich. Die Hälfte des Hüftabstichs wird an der Seitennaht erhöht und durch eine etwas gehöhlte Linie die Bundnaht ausgezeichnet.
Die Mitte der vorderen Falte liegt 1 / 2 -f-1 cm der Vorderhosenweite. Vordere
Falte 4 cm, hintere Falte 2 cm. Schlitzpartie nach Vorlage auszeichnen. Rechtes
Teil mit Punkt 7 verbunden, gibt die Schrittnaht der Vorderhose.
3 mit 8 verbunden gibt die Seitennaht, die in Kniehöhe um 1 cm enger gezeichnet wird.
Die Falten im Bund werden von hinten nach vorn gelegt. Kontrollmaß für
den richtigen Fall der Vorderhose für normale Beine ist folgendes:
An Punkt 10 der Konstruktionslinie der oberen Hosenkante wird der Winkel
angelegt und der eine Schenkel nach Punkt 7 verlängert. Bei einer Fußweite
von 52 — 54 cm muß diese Linie die Schrittnaht an der Fußweite treffen. Bei
engerer oder weiterer Hose etwas nach innen bzw. nach außen gehen. Stimmt
diese Kontrolle, so ist das richtige Verhältnis zwischen Seitennaht und Schrittnaht vorhanden (s. Abb. 68).
Wir schneiden nun die Vorderhose heraus und beginnen mit der Konstruktion
der Hinterhose.
138
Punkt A ist die Mitte der vorderen Falte. Die Höhe der Hinterhose Punkt C
richtet sieh immer nach der Gesäßweite. Bei der Hosenträgerhose übertragen
wir von A nach B 1 / s der Gesäßweite — 2 cm. Bis C brechen wir von diesem
Betrag die Länge ab, die wir für die sog. Verlängerungsstrippen berechnen (ungefähr 6—7 cm). Von C 2 cm nach rechts gibt Punkt E. Diesen Punkt mit dem
rechten Teil verbunden ergibt die Richtungslinie für die Gesäßnaht.
Von 6 nach D = 1 / 8 Gesäßweite + 2 cm für die Schrittspitze der Hinterhose.
Vorderhosenbreite wird mit 201/2 an Punkt E herausgelegt und wir messen
bis F ^ Bundweite und 5 cm.
Hüftenabstich wie an der Vorderhose bei F 2 cm und Abnäherherausnahme
2 cm.
139
Im Knie stellen wir von der Vorderhose 1 cm heraus. An der Fußlänge 2 cm.
Wir legen die Vorderhosenbreite mit 2 cm an Punkt 2 an und übertragen die
Fußweite mit 48 cm + 3 cm für die Nahte zur Schrittnaht. Die entstehende Differenz zwischen Vorderhose und Hinterhose messen wir aus (hier 4 cm) und übertragen diesen Betrag in Kniehöhe. Nun vollenden wir die Schrittnaht nach Abb. 69.
Seitennaht und Gesäßnaht werden gleichfalls nach Abb. 69 vollendet. Den Zuschnitt des Bundes zeigt Abb. 70; er wird in halber Bundweite + 1 cm zugeschnitten. Über die Hüfte, von der zweiten Falte der Vorderhose bis zum Aus-
Abb. 70
näher der Hinterhose, wird die Hose etwas an den Bund angehalten, damit sich
die Rundbundhose gut über die Hüften legt.
Abb. 71 zeigt uns verschiedene Kontrollmaße der Hose. Zunächst den Gesäßdurchmesser. Vorderhose und Hinterhose werden in der Schrittnaht im Kniepunkt und Schrittspitze zusammengelegt. Wir messen nun in Höhe der Gesaßlinie von D nach A x/4 Gesäßweite und 1 cm für die Nähte. Der Gesäßdurchmesser ist für die Hose genau so wichtig wie der Ärmeldurchmesser für den Sakko.
Er darf weder zu groß noch zu klein sein. Die Gesäßweite von A nach B und
C — D beträgt 1 j 2 Gesäßweite + 9 bis 10 cm, d. h. 1 / 2 Gesäßweite = 50 cm +
6 cm Vorderhosenfalten + 2 cm Nähte -f- 2 cm Gesäßbequemlichkeit, also 1 / 2 Gesäßweite + 1 0 cm. Die Schenkelweite beträgt in 5 cm Höhe von der Schrittspitze gemessen von F nach E 2 / 3 Gesäßweite -f- 6 cm. Diese Aufstellung der
Hose ist für eine normale Figur mit normaler Körperhaltung berechnet.
140
ALS
ARBEIT
UND LEISTUNG
ist das Tuchweben seit vorgeschichtlicher Zeit bekannt
und anerkannt! Uber die
Jahrhunderte bewahrten
die handwerklichen Zünfte
die hohe Kunst des Tuchmaehens. Heute wird das Tuch
preiswürdiger und hochwertiger industriell gefertigt, aufbauend a u f
den a l t e n E r f a h r u n g e n ,
g e p a a r t mit neuzeitlichen Erkenntnissen!
Ein
Zeugnis
meisterlichen
Könnens
deutscher
Tuchmacher!
Die moderne enge Hose (Abb. 72)
Die moderne enge Hose ist im Knie und auf dem Fuß wesentlich enger. Eine
weite Hose darf nicht kurz sein, sondern muß auf dem Schuh in einer Stauchfalte aufliegen. Eine enge Hose darf auf keinen Fall lang sein, sondern muß ent-
weder nur auf dem Schuh aufliegen oder den oberen Schuhrand freigeben. Eine
Verkürzung der bisherigen Hosenlänge von 2—4 cm wird durch letztere Voraussetzung notwendig.
Im Gesäß und der oberen Schenkelpartie soll die moderne Hose nun so weit
gehalten sein, daß der untere Sakkorand und die Hosenweite zueinander passen.
143
Bei der engeren Form werden wir auch wieder die Hose in Knie und Wade etwas
dressieren müssen. In der Bundweite genügt eine Bundfalte, es können jedoch
auch zwei angebracht werden.
Die Aufstellung geschieht am einfachsten in Form der engeren Hose ohne
Bundfalten und wir geben in der Bruchlinie durch Öffnen derselben das an Weite
zu, was wir in ein oder zwei Bundfalten enthalten haben wollen. Und nun zur
Aufstellung:
Vorderhose:
Maßsatz:
Körpergröße 180 cm
Oberweite
102 cm
Unterweite
Gesäßweite
Seitenlänge
Schrittlänge
Knieweite
Fußweite
Rechter Winkel:
1 — 2 = Seitenlänge 107 cm
2 — 3 = Schrittlänge 82 und 1 cm für den
Schrittabstich
86 cm
104 cm
107 cm
82 cm
54 cm
48 cm
2 — 4 = Knie 47 = V2 Schrittlänge • 6 cm
1 — 5 = 1 / i Gesäßweite — 2 cm
3 —6 =
Gesäßweite — 2 cm
2 — 7 = ^ Gesäßweite + 2 cm
2 — 9 = V 2 Gesäßweite
7 - 8 = 7 2 Fußweite — 2 cm
5 — 9 verbinden gibt auf der Schnittlinie 11
Bei 11 rechter Winkel. Die Hälfte von 3 — 11 wird von 11 zur Schriitspitze
der Vorderhose übertragen. Für das linke Teil 1 cm vor und für das rechte l 1 / 2
zurück. Der Betrag von 11 zur Schrittspitze wird nach oben übertragen, durch
eine Schräglinie verbunden als Hilfslinie für den Schlitz.
11— 6 wird von 5 nach 10 übertragen, gibt den Bauchpunkt. Zeichne Schlitzpartie nach Vorlage.
Von 10 übertragen wir 1 / i Bundweite in Richtung Punkt 1 und erhalten den
Hüftabstich. Hier erhöhen wir die Hüfte um 1 — 1% cm. 3 mit 8 verbunden und
Einstellung von 1 cm bei Punkt 4 ergibt die Seitennaht der Vorderhose.
K:
Rechtes Teil mit 7 verbunden gibt Schrittnaht der Vorderhose. Wir schneiden
nun die Vorderhose heraus und zeichnen danach die
Hinterhose:
Auf der Mitte der Vorderhose die Linie A— B = l j 8 Gesäßweite — 2 cm.
B — C = 6 — 7 cm
C — E = 2 cm
6 — D = 1 1 8 Gesäßweite + 2 cm.
Verbinde C mit rechtem Teil und D zur Gesäßnaht. Vorderhosenbundweite
bei E anlegen und übertragen nach F % Bundweite + 6 cm.
Bei 8 stellen wir die Hinterhose 2 cm nach rechts, bei Punkt 4 die Hinterhose
1 cm nach rechts. Verbinden F über 4 zur unteren Weite der Hinterhose und erhalten die Seitennaht. Hüftabstich bei F 2 cm. Etwas Wade anzeichnen und
144
vollenden die Seitennaht nach Abb. 72. Fußweite der Vorderhose an die Seitennaht der Hinterhose anlegen und übertragen zur Schrittnaht der Hinterhose
Fußweite 48 + 3 cm für die Nähte. Den Betrag von Punkt 7 bis zur Schrittnaht
der Hinterhose übertragen wir in Kniehöhe und zeichnen die Schrittnaht der
Hinterhose nach Vorlage aus.
Die Hinterhose erhält im Bund 2 Abnäher von je l l j 2 cm. Die Gesäßweite
kontrollieren wir mit 1 / 2 Gesäßweite + 5 — 6 cm.
Um nun die Weite für die Bundfalte zu erhalten, öffnen wir die Bruchlinie
der Vorderhose bis zur W a d e n h ö h e und legen oben den Betrag auseinander,
den wir für die Bundfalte brauchen. In Wadenhöhe entsteht durch diese Öffnung
in Seiten- und Schrittnaht etwas Länge, die wir abkniffen. Wir vermeiden
durch dieses Abkniffen die oft vorkommende Höhlung des Vorderhosenbruches
in Schienbeinhöhe, die nicht gerade gut aussieht. Dies ist auch der Grund, weshalb das Aufschneiden des Vorderhosenbruches nicht bis unten durchgeführt
werden soll. Die Zeichnung hat eine Längenverkürzung von 2 cm, fällt also auf
den Schuh ohne Stauchfalte. Die weitere Verarbeitung ist die gleiche wie bisher,
(s. Abb. 73)
Dickbauch-Hose
(starke Schräglage)
Als Bauchhose bezeichnen wir die Hose, bei welcher die Unter weite größer
ist als die Oberweite. Wir haben für unser nebenstehendes Modell den Maßsatz:
105 — 77 —116 —112 — 52 Fußweite.
Diese Maße müssen nun in Verbindung mit der Oberweite kontrolliert werden.
Die Oberweite der Figur, für welche wir dieses Hosenmodell aufgestellt haben,
beträgt 110 cm. Da die Unterweite 116 beträgt, ist zweifellos Bauch vorhanden.
Der Vergleich zwischen der Oberweite und der Gesäßweite zeigt, daß auch
schwächeres Gesäß vorhanden ist. Die Proportionslehre sagt: Normal ist die
Gesäßweite 4 cm größer als die Oberweite und unser Maßsatz hat nur 2 cm mehr
Gesäßweite. Wir ersehen aus diesem Vergleich, daß zum Aufstellen eines Hosenmodells unbedingt die Oberweite bekannt sein muß. Genau so wenig wie wir
einen modernen Sakko ohne Gesäß Weitenbenutzung richtig zuschneiden können,
so wenig können wir eine gutsitzende Hose ohne Hinzunehmen der Oberweite
aufstellen. Die Unter- und Gesäß weite allein könnten uns kein richtiges Bild von
der Körperbeschaffenheit des Kunden geben, sondern erst die Verbindung beider
Maße mit der Oberweite zeigen»uns die Figur. Nehmen wir an, unser Maßsata
116 —112 hätte eine Oberweite von 120 cm. Dann wäre nicht nur kein
Bauch vorhanden, sondern ein verhältnismäßig schwacher Unterkörper einschließlich Gesäß und demgemäß verhältnismäßig hohe Brust, welche wiederum
einen eingezogenen Leib voraussetzt. Für eine solche Figur die Hose nach den
Regeln der Bauchhosenaufstellung zu machen, würde wohl ein wenig gutes Resultat zeitigen. Dieser Vergleich soll uns die Notwendigkeit vor Augen führen,
10
Järke
145
immer die genommenen Maße untereinander zu vergleichen, um ein richtiges
Bild von der Figur und der Körperhaltung unseres Kunden zu bekommen.
Wenn wir nun die Hose nach nebenstehender Abb. 74 aufgestellt haben, so
kontrollieren wir die Leibhöhe für die Rundbundhose.
Für die schlanke hatten wir:
Gesäßweite — 1 — 2 cm ohne Bund.
Bei der Bauchhose nehmen wir:
Vi Gesäßweite ohne Abzug und ohne Bund.
Also die Leibhöhe ist bei Bauchfiguren höher.
Gemessen wird das Kontrollmaß immer an der Seitennaht gerade hoch. Die
vordere Erhöhung der Hose richtet sich nach dem Lehrsatz und ist ohne Berücksichtigung des Kontrollmaßes durchzuführen. Das in Abb. 68 beschriebene
Kontrollmaß der richtigen Schrittnahtlänge verändert sich bei der Bauchfigur
ebenfalls etwas, wie aus Abb. 74 ersichtlich ist.
Bei allen Bauchfiguren müssen wir den Betrag der Schräglage, d. h. den Betrag, welchen die Figur durch reine Haltungsänderung noch mehr hervorstreckt,
vom vordersten Bauchpunkt zurückgehen und verbinden nun diesen Punkt
(in Abb. 7 4 = 2 cm) mit der unteren Fußweite. Wie schon beschrieben, legen wir
den Winkel an die Konstruktionslinie an, gehen für die Schräglage der Figur 2 cm
zurück und verlängern den einen Schenkel des Winkels nach unten und treffen
auf der Fußweitenlinie den Punkt 7. Dieser Punkt liegt von der Kontrollinie
etwa 1 cm nach außen (vgl. Abb. 74). Diese Differenz ist bedingt durch die
leichte Neigung aller Bauchfiguren zum X-Bein. Sind gerade Beine oder gar
O-Bein-Neigung vorhanden, so muß im ersteren Falle die Linie bei einer Fußweite von 54 cm den Punkt 7 treffen und im zweiten Fall (also O-Bein-Neigung)
muß Punkt 7 von der Kontrollinie nach innen liegen. Der Grad dieser Abweichungen richtet sich nach der Stärke der X-Bein- bzw. O-Bein-Neigung. Bei stärkerer
X-Bein-Neigung muß Punkt 7 selbstverständlich von der Kontrollinie mehr nach
außen liegen. Wir haben durch die Kontrollinie die Möglichkeit, unseren fertigen
Schnitt noch einmal in bezug auf Beinhaltung und entsprechender Schrittnahtlänge zu kontrollieren.
Nun noch einiges zu der schon erwähnten Schräglage der Bauchfiguren. Jeder
Mensch mit Bauchanlage wird seine Haltung mehr oder weniger schräg nach
vorn stellen. Die Schwere des Bauches zwingt ihn, das Kreuz einzudrücken und
den Bauch herauszudrücken. Zur Illustration dieses Vorganges möchte ich den
Paukenträger in der Militärkapelle anführen. Auch er kann nicht so gerade marschieren, wie die anderen Musiker, sondern das Gewicht der Pauke vor seinem
Leib zwingt ihn zu einer Schrägstellung des Körpers. Den gleichen Vorgang
können wir bei dicken Leuten beobachten. Diese Schräglage schwankt zwischen
2—4 cm. Mehr als 4 cm sind nicht anzunehmen. Eine noch größere Schräglage
würde das Kreuz zu sehr eindrücken und Kreuzschmerzen hervorrufen. Wir
können die Schräglage so errechnen, daß normalerweise bis zu einem Unterschied
von 8 cm zwischen Ober- und Unterweite 2 cm Schräglage vorhanden ist und
bei stärkerem Unterschied zwischen oben und unten sich dieses Maß vergrößert,
146
bis 4 cm erreicht werden. Für unsere Kontrollinie lernen wir aus diesem Vorgang,
daß wir bei größeren Maßdifferenzen zwischen Ober- und Unterweite als — 8 cm
mit der Anlage unserer Kontrollinie weiter als 2 cm zurückgehen müssen. Je
nach der Größe des Unterschiedes 3, ja sogar 4 cm. Genaues Zahlenmaterial
hier anzugeben, ist nicht möglich ! Hier muß der geübte Blick des Zuschneiders
das richtige Maß erkennen.
Körperhaltungsstudien und genaue Beobachtung des einzelnen Kunden werden
auch dem Anfänger in unserem Beruf den richtigen Weg zeigen. Bai Bauchfiguren sollte man sich auch nicht verleiten lassen, die Hinterhose zu gerade
zu stellen. Glattfallende Hinterhosen sind bei dicken Menschen nicht gut möglich
oder nur bei unnatürlich weit gehaltenem Schenkelmaß. Hier ersetzt die übermäßige Weite dann die fehlende Länge. Die ganze Figur allerdings sieht nun
durch die zu weite Hose auch recht plump aus. Schlanken oder gar dünnen Figuren eine glatte Hinterhose zu machen, ist ohne weiteres angebracht. Bei korpulenten und Bauchfiguren würde eine glatte Hinterhose zu häßlichen Sitzfehlern
bei der Bewegung führen. Der dicke Mensch braucht infolge seiner Schräglage
schon eine gewisse Hinterhosenlänge, um erst die normale Körperhaltung
zu erlangen und darüber hinaus Länge, die das Sitzen und Bücken ohne Faltenbildung ermöglichen. Eine gut sitzende Hose soll auch beim Bewegen (Gehen,
Sitzen, Treppensteigen) nicht nur bequem sein, sondern auch gut aussehen.
Die vorn und hinten glatt fallende Hose, welche bei schlanken Figuren auch in
der Bewegung gut aussieht, würde bei dicken Figuren nur in der Ruhestellung
gut wirken, während bei natürlichen Bewegungen sofort unschöne Falten erzeugt würden.
Wie beim Großstück muß auch bei der Hose genauestens beachtet werden:
I. M a ß s a t z und das V e r h ä l t n i s der einzelnen Maße zueinander.
II. Körperhaltung.
III. Wuchsabweichungen.
Ohne genaue Kenntnis des Normalen ist ein genaues Erkennen der Abweichungen vom Normalen nicht möglich.
A u f s t e l l u n g der D i c k b a u c h h o s e .
Maßsatz:
1,72 Körpergröße, 110 Oberweite, 116 Unterweite, 112 Gesäßweite,
105 Seitenlänge, 0,77 Schrittlänge, 0,32 Faßweite.
Vorderhose:
1 — 2 Seitenlänge 105 cm
2 — 3 Schrittlänge 0,77 + 1 cm
2 — 47a Schrittlänge + 6 cm = 0,447 2
Winkellinien von 1 , 3 , 4 + 2 nach links.
1 — 5 7 i Gesäßweite — 1 cm
3 — 6 74 Gesäßweite — 1 cm
2 — 7 7 4 Gesäßweite + 2 cm
2 — 9 7 8 Gesäßweite.
10'
147
Richtungslinie 5 nach 9 gibt auf der Schnittlinie Punkt 11. Bei 11 Winkel
angelegt gibt den Abstich zu Schrittspitze. Die Hälfte des Betrages von 3 nach
11 nach links übertragen gibt die Schrittspitze der Yorderhose. Für das linke
Teil 1 cm nach vorn und für das rechte Teil 1% zurück. Wir übertragen auf der
Bundlinie den Betrag von 11 — 6 auf der Schrittlinie von Punkt 5 nach 11.
Bei 11 eine Zugabe von 2 cm gibt den Bauchpunkt. Von dort 1 / 4 Bundweite + 1 cm und
4 cm Zugabe für die Bundfalte zurückgemessen ergeben den Hüftabstich der
Vorderhose (hier l 1 ^ cm). Die Schlitzpartie
•wird nach Abb. 74 fertiggestellt.
3 mit 8 verbunden und auf der Knielinie
1 cm eingestellt gibt die Seitennaht der
Vorderhose. Von 8 nach 7 = 1 j 2 untere Fußweite — 2 cm = 24 cm. Rechtes Teil der
Schlitzpartie mit Punkt 7 bei 1 cm Knieeinstellung verbunden gibt die Schrittnaht.
Bei 11 erhöhen wir die Leibhöhe um 2 cm
und zeichnen die Bundlinie der Vorderhose
nach Abb. 74 fertig.
Hinterhose:
Richtungslinie für die Gesäßnaht der
Hinterhose bei flachem Gesäß 1 / 3 der Vorderhosenbreite gibt Punkt A. A — B = V s Gesaßweite — 2 cm für die Hosenträgerhose.
Für Rundbund minus 6 — 7 cm. Hier
stellen wir 2 cm nach links und haben damit den Gürtelpunkt der Gesäßnaht. Von
6 nach D — 1 j 8 Gesäßweite + 2 für die
5 chrittspitze der Hinterhose. Beim Gürtelpunkt der Hinterhose legen wir den Betrag
der Vorderhosenbreite mit 1 / i Gesäßweite
+ 1 cm heraus und übertragen nach Punkt
C 1 / 2 Bundweite + 2 cm und zeichnen die
Bundnaht der Hinterhose nach Abb. 74.
Abb. 74
Bei C stellen wir 1 1 / 2 cm für den Huftabstich heraus, von 8 nach E = 2 cm.
Im Knie stellen wir von der Vorderhose 1 cm nach rechts und verbinden diese
3 Punkte zur Seitennaht der Hinterhose. In Schenkelhöhe etwas hohl zeichnen
und in Wadenhöhe etwas Bogen für die Wade heranstellen. Vollenden Seitennaht nach Abb. 74. Die Fußbreite der Vorderhose 8 — 7 wird bei E angelegt
und nach F Fußweite + 3 cm für die Nähte übertragen. 7 — F, hier 4 cm auf
der Knielinie herausgestellt, gibt den Kniepunkt der Hinterhosenschrittnaht.
148
Die Schnittnaht ist nach Vorlage fertig zu zeichnen, Gesäßnaht gleichfalls nach
Abb. 74. Gesäßweitenkontrolle = 1J2 Gesäßweite + 8 cm, d.h. 4cm Vorderhosenfalte, 2 cm Bequemlichkeit für die Hinterhose + 2 cm für die Nähte. Bei
Gesäßweiten unter dem Maß der Bundweite erhält die Hinterhose keinen Ausnäher in der Bundnaht, da sonst unnötige Länge unterhalb der Gesäßtasche entstehen würde, da bei einer solchen Figur
die Gesäßwölbung der Normalfigur fehlt.
Die Hosenträger-Hose (Abb. 75)
Da es noch immer ein Teil unserer
Kundschaft verlangt, müssen wir auch
die Hosenträger-Hose anfertigen. Diese
Hose muß wenigstens 1 / i Gesäßweite als
Leibhöhe haben, kann aber auch noch
höher sein, bis zu 1 / i + 2 cm. Die manchem Kunden zu niedrige Leibhöhe der
Rundbundhose ist zumeist der Grund zur
Rückkehr zur alten Form der Trägerhose.
Die Aufstellung ist für korpulente
Figur ohne Bundfalte. Die Vorderhosenbreite 1 — 5 beträgt % Gesäßweite —
1 cm. Die Hinterhose ist etwas schräger gestellt und die Bundspitze der
Hinterhose A — B beträgt 1 j 8 Gesaßweite — 2 cm. Die Hosenträger begünstigen das Bilden von Kniebeulen und
sollten für moderne Herren nicht gearbeitet werden.
Schlanken Figuren sollte man von
einer solchen Hose abraten. Der häßlichste Anblick ist wohl eine Trägerhose
mit Gurtschlaufen und Gürtel. Etwas
f ü r Pessimisten: Eins hält bestimmt.
Abb. 75
Die Shorts für Damen und Herren
Die Modernisierung der Herren- und Damenbekleidung hat es mit sich gebracht, daß die kurze Hose, Shorts genannt, viel mehr in unserem Kleidbild
auftaucht als in früheren Jahren.
Diese Hosenart darf auf keinen Fall zu lang gearbeitet werden. Eine zu lange
Shorts sieht spießig aus.
Aus unseren Abb. 76 ersehen wir, daß für Herren die Länge vom Schritt
nach unten höchstens 18 — 20 cm betragen darf und für Damen 16 — 18 cm.
149
Die Verarbeitung ist mit Bundbund und 2 Bundfalten. In der Schrittnaht
empfiehlt sich eine Verlängerung von 1 cm, da die Schrittnaht sonst leicht zu
kurz wird. Die Aufstellung der Herren-Shorts erfolgt im allgemeinen wie die
einer langen Hose.
Die Leibhöhe 1 j i Gesäßweite — 2 em. Vom Schritt zur Länge 18 — 20 cm. Von
der Winkellinie stellen wir auf der unteren Längenlinie 2 cm ein. Im Schritt
legen wir am rechten Teil den Winkel an und nehmen unten l 1 ^ cm ab (siehe
Abb. 76
Abb. 77
Abb. 76). Die Hinterhose stellen wir auf 1 / 3 der Vorderhose. Der Abstand der
Seitennaht der Hinterhose beträgt auf der Längenlinie 4 cm und der Abstand
der Schrittnaht 4 cm. Sonst nach Abb. 76.
Die Damen-Shorts ist in der Aufstellung der Herren-Shorts ähnlich (Abb. 77).
1 — 3 = Sitzhöhe (am Körper gemessen oder 1 / i Hüftweite)
3 — 4 = Ganze Länge (von der Sitzhöhe 16 —18 cm)
1 — 2 = 7 4 Hüftweite
3 — 6 = 7 4 Hüftweite
5 — 6 = 3 cm
2 — 7 = 3 cm
7 — 8 = 7i Taillenweite + 6 cm für die Falten, vorn 4, hintere Falte 2 cm
Bei 4 1 cm einstellen zur Seitennaht der Vorderhose
Bei 8 172 cm erhöhen.
5 — 9 = 1 j 2 3 — 5 für die Schrittspitze der Vorderhose
Bei 5 rechter Winkel
Bei 9 rechter Winkel für die untere Weite der Schrittnaht.
Zeichne die Vorderhose nach Vorlage.
Hinterhose:
A — B = 7 8 Hüftweite — 2 cm
A — C = 4 - 5 cm.
150
Vorderhosengürtelbreite bei C anlegen und übertragen nach D 1 / 2 Giirtelweite
und 2V2 c m für den Hinterhosenabnäher.
8 Hüftweite für die Schrittspitze der Hintarhose
4 — G = 4 cm
Z — F = V2 Hüftweite + 7 — 8 cm.
Vollende Seitennaht der Hinterhose 10 — H = 4 cm.
Wir vollenden die Hinterhose nach der Vorlage.
Die Shorts können auch mit einem schmalen etwa 3 l / 2 cm breiten Aufschlag
gearbeitet werden.
Die Geh- Breeches oder Stiefelhose (Abb. 78 und 79)
Die Gehbreeches ist in der Hiiftpartie genau so konstruiert wie jede andere
Hose. Sie unterliegt auch in bezug auf Wuchsabweichungen des Hüftringes
sowie der Beinform (0 oder X) denselben Abänderungsarten wie eine lange Hose.
Die Bequemlichkeit für das gebeugte Knie erreichen wir durch Länge, welche
wir der Vorderhose zwischen Knie und Schritthöhe geben. Diese Länge richtet
sich sowohl nach der Dicke als auch der Festigkeit des verwendeten Materials
und schwankt zwischen 3 — 5 cm. Diese Mehrlänge wird durch einen Kniekehlenabnäher in der Hinterhose wieder herausgenommen, und die gewünschte
Länge über dem Knie ist gegeben. Die Bogenform der Seitennaht ist modisch
bedingt und Wandlungen unterworfen. Im Knieband muß die Hose fest ansitzen,
während Wade und unterer Abschluß das Bein glatt umschließen. Der Verschluß
in der Seitennaht reicht bis zum Kniekehlenausnäher und wird mit Reißverschluß, Schnürsenkel oder Knöpfen gearbeitet. Die Aufstellung ist zunächst wie
die einer langen Hose.
Vorderhose:
Rechter Winkel bei 1.
1 — 2 = Seitenlänge 106 cm
2 — 3 = Schrittlänge 81 cm
2 — 4 = Kniehöhe 46 1 / 2 Berechnung: 1 / 2 Schrittlänge -f- 6 oder genommenes Maß
4 — 5 = Bequemlichkeitslänge hier 5 cm. Diese Linie galt als neue Knielinie
5 — 6 = Knieband = 5 cm
6 — 7 = Wade = 11 cm
8 cm Verkürzung der ganzen Länge für die Breeches, Winkellinien in
diesen Punkten nach vorn
1 — 9 = 1 / i Gesäßweite 9 mit 11 verbunden gibt Richtungslinie für die
Schrittspitze
3 — 6 = V4 Gesäßweite
2 — 11 = 7 8 Gesäßweite
Bei 12 Winkelanlage nach vorn. Der Betrag von 3 nach 12 wird halbiert und
die eine Hälfte nach vorn übertragen zur Schrittspitze. Punkt 13 = 1 cm vor
151
und das rechte Teil l 1 ,^ zurückstellen gibt den Ausstich. Der Betrag von 12 bis
zur Schrittspitze wird nach oben übertragen und beide Punkte durch eine Schräglinie verbunden. In der Mitte dieser Linie wird 1 cm vorgestellt zum Auszeichnen
der Schlitzpartie. Der Betrag
12 — 6 wird von 9 —14 übertragen und die
Schlitzlinie nach Abb. 78 vollendet.
14 —15 = 1 / i Bundweite und 4 cm für die Falte. Der übrigbleibende Betrag ergibt den Hüftabstich. Hüftpunkterhohung 1 cm. Die Falte wird von der
Mitte der Vorderhose gleichmaßig nach links und rechts abgetragen. Von der
Mitte der Vorderhose im rechten Winkel nach unten. Diese Linie wird im Knie
2 cm nach innen gestellt und ergibt die über 2 gezogene Linie die Mitte der Vor152
derhose der Breeches. Diese Einstellung darf nicht bei der Reithose gemacht
werden, da sonst die Schrittnaht zu kurz wird. Bei der Gehbreeches erzielen
wir damit einen besseren Fall der Schrittnaht. Die Vorderhosenbreite berechnen
wir durch 1 j i — 7 der Beinmaße.
Knie
von 39 = 191/2 — 7 = 121/2 cm gleichmäßig von der Mitte verteilt
Knieband 1 / 2 von 32 = 16 — 7 = 9 cm gleichmäßig von der Mitte verteilt
Wade 1 / 2 von 38 = 19 — 7 = 12 cm gleichmäßig von der Mitte verteilt
In der Wadenlinie legen wir den rechten Winkel an und nehmen auf der gewonnenen senkrechten Linie in der Seitennaht 2 cm und in der Schrittnaht
1 1 / 2 cm ab. 4a liegt 4 cm über 4. Bei 3 stellen wir 3 cm heraus und vollenden
die Seitennaht der Vorderhose nach Vorlage. Für die Schrittnaht verbinden wir
das rechte Teil mit dem Kniepunkt und zeichnen nach Vorlage fertig. In Kniehöhe empfielhlt es sich, an Seiten- und Schrittnaht etwas Bogen anzuzeichnen,
welcher durch Einziehen mit dem Faden eingearbeitet und zur Mitte verbügelt
wird.
Hinterhose.
Wir verlängern die Mittellinie der Vorderhose nach oben. A — B = 1 / 8 Gesaßweite — 2 cm abzüglich der Verlängerungsstrippen. Diesen Punkt verbinden
wir mit dem rechten Teil zur Richtungslinie für die Gesäßnaht.
6 — D - 1 / 8 Gesäßweite + 2 cm = 15 cm für die Hinterhosenschrittspitze.
Im Kreuzpunkt stellen wir 2 cm nach links und vollenden die Gesäßnaht der
Hinterhose.
Der Betrag der Vorderhosenbreite im Bund mit 1 / 4 Bundweite legen wir bei
2 an und übertragen nach C x / 2 Bundweite und 4 cm. C 1 von C = 2 cm, welche
wir an der Vorderhose anhalten, damit der Breechesbogen nach vorn gedrängt
wird. 2 cm Herausnahme aus dem Hüftabnäher. Die Beinweiten verteilen wir
von der Mittellinie nach Abzug der Vorderhosenbreite und Zugabe von 3 cm
für die Nähte gleichmäßig nach rechts und links.
Knie . . 39 c m + 3 für die Nähte = 42 abzügl. 127 2 Vorderhose = 29% cm
Knieband 32 cm -f 3 für die Nähte = 35 abzügl. 9 Vorderhose = 26 cm
Wade. . 38 cm + 3 für die Nähte = 41 abzügl. 12 Vorderhose = 29 cm
Von der Wadenlinie im rechten Winkel nach unten. 2 cm Abnahme in der
Seitennaht und 1% cm in der Schrittnaht. Der übrigbleibende Betrag wird in
einem Abnäher für die Wade herausgenommen. Dieser Ausnäher darf 6 cm nicht
übersteigen, sonst verteilen wir die Weite auf 2 Wadenabnäher.
F ist 4 cm von 4 a entfernt
E ist 4 cm von 3 entfernt
Wir vollenden die Seitennaht der Hinterhose nach Vorlage. Die Kniekehlenabnähergröße entspricht der Verlängerung der Vorderhose von 4 nach 5. In
unserem Falle 5 cm. In der Seitennaht beginnt der Abnäher im ersten Drittel
von oben des Betrages von 5 nach 6 in der Schrittnaht im ersten Drittel von
unten. Nach Vorlage auszeichnen und die obere Nahtkante x / 2 cm kürzer zeichnen,
153
die durch Ausdehnen wieder ersetzt wird. Diese leichte Dehnung ist notwendig,
damit der Abnäher nicht so eckig fällt. Der Kreidestrich ist die fertige Naht.
Diese Breechesform ist eine gut aussehende und gut fallende Stiefelhose, welche
keinen Anspruch auf eine vollendete Reitbreeches erhebt. Eine richtige Reitbreeches ist Spezialistenarbeit und sollte man auch diesen Spezialisten überlassen.
Die weitfallende und stark überhängende Knickerbocker (Abb. 80)
Die Aufstellung ist in ihren Grundzügen
die einer langen Hose. Seitennaht in der
Winkellinie 1 — 2 . Verkürzung von 2 — 5
= 8 cm. Zur Schrittnahtlinie legen wir auf
der Winkellinie der Schrittlänge am rechten
Teil den Winkel an und verlängern nach
Punkt 7.7 a von 7 = 2 cm und zeichnen die
Schrittnaht der Vorderhose nach Vorlage.
Der Abstich der Vorderhose für die untere Weite Seitennaht und Schrittnaht beträgt je 6 cm, die Bündchenbreite unten
3 — 4 cm.
Die Hinterhosengesäßlinie liegt auf dem
vorderen Drittel der Vorderhose. Berechnung wie bei der langen Hose. Der Huftabstich gleicht dem der Vorderhose.
Bei 3, 4 und 8 stellen wir je 4 cm für
die Seitennaht der Hinterhose heraus und
vollenden die Seitennaht der Hinterhose.
6 — D = V 8 GW + 2 cm für die Hinterhosenschrittspitze. Auf der unteren Linie
von der Vorderhosenschrittnaht 4 cm nach
links für die Hinterhose. Auf der Knielinie
1 cm mehr = 5 cm und verbinden diese
Punkte zur Schrittnaht der Hinterhose.
Der noch übrigbleibende Betrag der Kniebandweite wird in einem 10 —12 cm langen Ausnäher in der Mitte der Vorder- und
Abb. 80
Hinterhose herausgenommen (s. Abb. 80).
Die Hinterhose kann bei der Knickerbocker
sehr gerade gestellt werden, damit dieselbe hinten glatter fallt. Die Länge zum
Bücken gibt der große untere Überfall und die reichliche Schenkelweite.
154
Die O- nnd X-Bein-Hose
Die O-Beinhose sowohl wie auch die X-Beinhose sind die am häufigsten vorkommenden Wuchsabweichungen der Beine. Hohlschenkel ist in seiner Auswirkung für den Hosensitz der O-Beinstellung gleichzusetzen. Wie erkennen wir
nun 0- oder X-Beine? Es ist selbstverständlich, daß hier der geschulte Blick,
das Sehen der Fehler, am zuverlässigsten ist. Aber schon beim Maßnehmen des
Oberkörpers können wir die Beinform in den meisten Fällen erkennen. Hängeschultern mit starken Schulterblättern ergeben zumeist O-Beinneigung bzw.
Hohlschenkel, während flacher Rücken mit hoher Brust gerade Beine, evtl. sogar
Neigung zu X-Beinen voraussetzen. Maßmäßig lassen sich beide Wuchsabweichungen im Vergleich mit der Proportion ebenfalls leicht feststellen. Zunächst
O-Bein:
Am Körper genommene genaue Maße:
(Wir stellen die Proportionsmaße den genommenen Maßen gegenüber)
Körpergröße . . . . 176 cm
Körpergröße . . . . 176 cm
Oberweite . . .
104 cm
Oberweite . . . . . 104 cm
Unterweite . . . . . 96 cm
Unterweite . . . . 96 cm
Gesäßweite . . . . 108 cm
Gesäßweite . . . . 108 cm
Seitenlänge. . .
108 cm
Seitenlänge . . . . 106 cm
Schrittlänge . . . . 81 cm
Schrittlange . . . . 81 cm
Fußweite . . . . . 52 cm
Fußweite . . . . . 52 cm
Die proportionsmäßige Schrittlange beträgt bei der bisher üblichen Hose mit
2 cm Stauchfalte auf dem Schuh 1 / 2 Körpergröße — 7 cm. 1 / 2 Körpergröße =
88 cm — 7 cm = 81 cm Schrittlange. Die Leibhöhe der Rundbundhose beträgt
Vi Gesäßweite — 2 cm = 25 cm. Zur Schrittlänge 81 hinzugezählt ergibt eine
normale Seitenlänge von 106 cm. Diese normale Seitenlänge benutzen wir zunächst zur Aufstellung.
Also:
105 Seitenlänge
80 Schrittlänge
Nach Fertigstellung des Vorderhosenmodells kniffen wir in der Schrittnaht
im oberen Drittel des Schenkels den Betrag ab, welchen die Seitenlange m a ß m ä ß i g länger sein muß (in unserer Abb. 81 = 2 cm) und verlängern die ganze
Yorderhose um diesen Betrag. Eine neuerliche Maßkontrolle ergibt nun 81 Schrittlänge und 108 Seitenlänge (Abb. 81). Abb. 82 zeigt uns den Grad der O-Beinbtellung der Vorderhose (gestrichelte Linie ist das Normalmodell). Die Hinterhose wird nun nach der abgeänderten Vorderhose in der üblichen Form aufgestellt (beachter Sie bitte hier die Abhandlung über Formabweichungen des
Beckenringes).
X-Beinhose:
Die genau malgenommene Seitenlänge betragt hier nur 104 cm. Sie ist also
2 cm kürzer als die proportionelle Seitenlänge. Wir machen hier die Änderung
welche wir bei der O-Beinhose im Schritt gemacht haben, in der Seitennaht,
155
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156
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indem wir dieselbe um 2 cm, also den Betrag, welchen die maßgenommene Seitenlänge kürzer als die proportioneUe ist, abkniffen. Eine Längenveränderung ist
hier nicht nötig, da beim Nachmessen Schritt- und Seitenlänge stimmen (siehe Abb.
83). Abb. 84 zeigt uns die Auswirkung dieser Änderung in bezug auf X-Beinneigung. Voraussetzung für diese Abänderungen ist immer die genaue Kenntnis und Verwendung der Leibhöhe bei der Eundbundhose. Sie muß stimmen und
alle Berücksichtigung evtl. Wuchsabweichungen geschieht innerhalb des Beines
selbst. Die Hinterhose wird auch hier nach dem abgeänderten Vorderhosenmodell
in üblicher Form vorgenommen. Selbstverständlich kann man auch Vorder- und
Hinterhose zusammen erst normal aufstellen und dann gemeinsam abkniffen.
Wir hätten dadurch den Vorteil, ein
Normal-Modell zu besitzen, welches wir
dann jeweils abändern können. Der Grad
beider Wuchsabweichungen schwankt je
nach ihrer Stärke zwischen 1 und 4 cm.
D i e Hose
für Hämorrhoiden-Leidende
Die Abänderung für die Hose geschieht
nur an der Hinterhose. Wir schneiden das
Modell im Spaltdurchgang der Hinterhose
etwa 15 cm tief ein, legen etwa 2 cm auseinander und den sich dadurch ergebenden Betrag an der Seitennaht übereinander. Durch Dehnen der Seitennaht bis
über die Mitte der Hinterhose und gleichzeitiger Dehnung des oberen Teiles der
Schrittnaht erreichen wir an der aufge^ ^ g6
schnittenen Stelle der Hinterhose die
Länge und Weite, die es verhindern, daß die Hose dem betreffenden Herrn zu
dicht an den Körper kommt und sich störend bemerkbar macht. Die gleiche
Umstellung empfiehlt sich bei Figuren, die sich leicht wundlaufen (sog. Wolf).
Bei richtiger Verarbeitung ergibt sich an dieser Stelle eine Länge und Weite,
welche dem eines eingesetzten Zwickels gleichkommt. Die gestrichelten Linien
zeigen das abgeänderte Modell, welches nach der Dressur wieder die normale
Lage des Original-Modells mit Ausnahme der Länge an der in unserer Abb. 85
angegebenen Stelle haben muß.
Die Hose für Hodenbruch (linksseitig)
Die Schrittlänge an einer solchen Hose ist 2 — 4 cm kürzer als normal. Würde
man diese genommene Schrittlänge zur Aufstellung verwenden, so müßte nach
dem Maßsatz unserer Abb. 86 die Leibhöhe zu hoch werden. Auch bei Hoden157
bruchhosen darf die Leibhöhe nicht größer sein als 1 / 4 Gesäßweite — 1 cm (an
der Seitennaht gemessen).
Wir stellen am besten zunächst ein N o r m a l m o d e l l nach der Seitenlänge
und Gesäßweite auf und haben dann in diesem eine Schrittlänge von 80 cm,
Maß genommen ist aber nur 76 cm.
Die Abänderung ist nun folgendermaßen vorzunehmen: Wir öffnen das Normalmodell im Schlitzbogen der Vorderhose des linken Teiles in einer Länge von
15 —18 cm und legen das Modell am oberen Ende des Einschnittes je nach der
Stärke des Hodenbruchs 3 — 5 cm auseinander. Am Ende des Einschnittes legen
wir den Betrag übereinander, welcher sich durch die Längsöffnung von selbst
ergibt. (In der Regel 2 — 4 cm.) Die gestrichelten Linien in Abb. 86 zeigen uns
die Veränderung des Normalmodells. Wir zeichnen nun die neue Linie des linken
Teiles dergestalt aus, daß wir ungefähr 6 cm von oben anfangend durch die Mitte
des auseinandergelegten Betrages unsere neue Schlitzlinie ziehen. Zu beachten
ist dabei noch, daß die Hälfte des auseinandergelegten Betrages des Längseinschnittes von der Normalschrittspitze abgenommen wird. Die Schrittnaht gleicl" en
wir zum Kniepunkt verlaufend nach Abb. 86 aus.
Abb. 87 zeigt uns das fertige linke Teil mit der genommenen Schrittlänge
von 76 cm. Um einen Ausgleich in der Weite der Schrittpartie zu erhalten,
nehmen wir für das r e c h t e Teil der Hodenbruchhose das l i n k e Teil des Normalmodells. Da bei derartigen Wuchsveränderungen die Bügelfalte des rechten
Beines sehr oft nach außen fällt, drehen wir das rechte Bein nach innen und erreichen damit zugleich eine Verkürzung der rechten Schrittnaht. Zu diesem
Zwecke kniffen wir in der oberen Schenkelpartie des Normalmodells 2 — 3 cm
ab, wie dies Abb. 87 zeigt. Die gestrichelten Linien sind das fertig abgeänderte
rechte Bein. Die Schrittlänge des rechten Beines ist bei der Kontrolle 1 — 1% cm
länger als die des linken Beines, weil ja die Hose rechts stärker in den Spalt
geht.
Die normale Hinterhose wird vom Kniepunkt nach oben für das linke Bein
um soviel verkürzt, wie es die abgeänderte linke Vorderhose erfordert. Die nun
tiefer liegende Schrittspitze der Hinterhose muß um soviel erweitert werden, daß
sie in der Weite der höher gelegenen Normalspitze entspricht. Zum Ausgleich
der Weite des rechten Beines erweitern wir auch rechts die Hinterhosenschrittspitze um l x / 2 — 2 cm. Das Abkniffen der rechten Vorderhose in der Schrittnaht
wird selbstverständlich auch auf die rechte Hinterhose ubertragen, damit dieselbe ebenfalls mehr nach innen gestellt wird (s. Abb. 88).
Die Verarbeitung der Schlitzpartie ist im allgemeinen die gleiche wie bei einer
normalen Hose. Für die richtige Placierung der Mehrweite für den Hodenbruch
muß jedoch die linksseitige Schlitzpartie im Schlitzbogen um etwa 1 — l x / 2 cm
eingearbeitet werden. Die linke Vorderhosenpartie muß an der Bundlinie vom
Bauchpunkt beginnend 2 cm zur Hälfte verlaufend abgebrochen werden, da
sonst die linke Seite der Schlitz- und Gesäßpartie im Verhältnis zur rechten zu
lang wird und sich infolge der unteren Bruchwölbung in der oberen Partie der
Schlitzleiste unschöne Länge ergeben würde. Bruchleidende haben auch zumeist
158
159
nach vorn geschobene Leibpartie und demgemäß flaches Gesäß. Hierauf ist beim
Maßnehmen besonders zu achten und wenn diese Voraussetzung zutrifft, muß
die Hinterhose in der Gesäßnaht in Gesäßhöhe verkürzt werden, also eine geradere Hinterhose geschnitten werden (siehe auch Abschnitt über verschiedene
Beckenformen).
Verschiedene Formen der Gesäßpartie und ihre Berücksichtigung
bei der Schnittaufstellung
Bei gleicher Bund- und Gesäßweite können wir oft grundverschiedene Formen
der Gesäßpartie feststellen, wie die drei nachstehenden Zeichnungen uns vor
Augen führen wollen.
Abb. 89. A zeigt die normale Beckenform;
Abb. 89. B zeigt die seitliche verlagerte Beckenform;
Abb. 89. C zeigt die nach hinten verlagerte Beckenform.
Für die normale Form wird die Aufstellung nach einem modernen Normalsystem ein gutes Modell ergeben (s. Abb. 68, Seite 139).
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Schwieriger wird die richtige Aufstellung bei Formen nach Abb. 89 (B).
Bei diesen Figuren ist die Gesäßweite mehr nach der Seite, d. h. in die Hüftenund Schenkelpartie verlagert. Die nach außen gewölbten Schenkel ergeben im
Schritt den sogenannten H o h l s c h e n k e l . Gegenüber der Normalhose muß für
eine derartige Figur die Hose mehr nach innen, also auf O-Beine, gestellt werden.
Der Hüftenabstich muß größer gehalten werden und dementsprechend der Hinterhosenabnäher kleiner. Die Hinterhose muß gerader gestellt werden und erhält
dadurch in der Gesäßpartie mehr Kürze, wodurch der sogenannte Hängeboden,
welcher bei dieser Körperform sehr leicht in Erscheinung tritt, behoben wird.
Die Schenkelpartie erhält durch den größeren Hüftabstich mehr Weite in der
Seitennaht und trägt der Körperform mehr Rechnung. Die Seitenlänge der
Hose ist gegenüber der proportionell errechneten länger (ca. 2 cm), da die gebogene Seitennaht mehr Länge ergibt (vgl. Abb. 89 (B) und siehe hierzu auch den
Abschnitt über O-Beinhosen mit Abb. 81).
Anders verhält es sich bei Abb. 89 (C). Hier sind flache Hüften und nach
hinten herausgedrücktes Gesäß vorhanden. Obwohl die Bund- und Gesäßweite
wie in Abb. 89 (A) ist, haben wir es doch mit einer anderen Körperform zu tun.
Bei der Aufstellung der Hose müssen wir den flacheren Hüften Rechnung tragen,
indem wir den Hüftabstich verkleinern. Die Hinterhose selbst ist schräger als
normal zu stellen, damit die Gesäßnaht genügend Länge erhält. Die Hose darf
nicht nach innen gestellt werden, da sie sonst in der Schrittnaht zu kurz und in
der Seitennaht zu lang wird. Durch die seitlich flachen Schenkel wird die Hose
leicht in der Seitennaht zu weit und zu lang. Es empfiehlt sich bei solchen Figuren, die Seitennaht etwa 1% cm zu kürzen, da derartige Figuren eher zu X-Beinstellung neigen. (Siehe Abschnitt über X-Beine mit Abb. 82.) Auch der nach hinten durchgedrückten Wade muß genügend Beachtung geschenkt werden. Wir
sehen an diesen Beispielen, daß bei gleicher Körpergröße, gleichen Maßverhältnissen im Bund und Gesäß doch verschiedene Körperformen vorhanden sein
können, und zwar: Die n o r m a l e , die seitlich v e r l a g e r t e und die nach h i n t e n g e l a g e r t e Gesäßweite.
Wo nun die eine Form aufhört und die nächste anfängt, kann zahlenmäßig
nicht festgestellt werden. Hier setzt die Beobachtungsgabe des einzelenen ein,
welche nur durch Übung und Erfahrung zu erlangen ist. Hier zeigt sich der
Schneider als Techniker.
Wenn wir mit offenen Augen und wachen Sinnen unseren Beruf ausüben,
werden wir auch bald so geschult sein, daß wir die Formabweichungen der einzelnen Körper sofort erkennen und danach handeln lernen.
Abb. 90 zeigt uns nun den Schnitt für normale Haltung und normale Beckenform. Das Maßverhältnis ist also normal im Sinne der Proportionslehre anzusehen.
Körpergröße 188 cm, Oberweite 104 cm, Unterweite 94 cm, Gesäßweite 108cm,
Seitenlänge 113 cm, Schrittlänge 87 cm, Fußweite 50 cm. Normale Schrittlänge
bei 1,88 m Körpergröße wäre 1 / 2 Körperweite — 8 cm = 86 cm. Hinzu käme als
Leibhöhe normalerweise 1 / 4 Gesäßweite — 2 cm, d. h. bei 1,76 m Körpergröße.
Für jede 4 cm größer rechnen wir 1 j 2 cm mehr Leibhöhe als normal. 1,88 m
n
163
Körpergröße = 12 cm größer als normal. Je 4 cm 1 j 2 cm -f 3 x V2 c m = IV2 em «
cm
Demnach wäre bei dieser Figur die Leibhöhe
Gesäßweite — % c m =
86
Schrittlänge
+ 26V2 cm Leibhöhe
112x/2 cm Seitenlänge
Wi r stellen nun nach diesen Maßen eine Normalhose auf.
Die Abänderung des Schnittmusters für die in Abb. 89 (B) gezeigte Beckenform zeigt uns Abb. 92. Die gestrichelten Linien zeigen die Form der normalen
Hinterhose. Durch Kürzung der Gesäßnaht um etwa 2 cm in der GesäJJnaht erreichen wir eine geradere Hinterhose mit mehr
Hüftwölbung. Dadurch verlagert sich die Gesäßweite mehr zur Seite und die Hinterhose
wird in der Gesäßpartie kürzer. Anders ausgedrückt, eine geradere Hinterhose (etwa 3 cm).
Umgekehrt ist die Änderung des Schnittes für
die in Abb. 89 (C) gezeigte Beckenform. Hier
wird durch Aufschneiden und Auseinanderlegen
der Hinterhose dieselbe schräger gestellt. Der
Hüftabstich wird kleiner, die Gesäßweite mehr
nach hinten verlagert und die GesäJJnaht wird
länger. Die Schrittspitze der Hinterhose rückt
im ersteren Falle nach außen und im zweiten
Falle mehr nach innen. Abb. 91 zeigt uns eine
Kontrollinie für die Nachprüfung des Gesäßpunktes B in seinem Verhältnis zu dem Taillenpunkt C.
Wir finden diese Kontrollinie durch Verbindung des Kniepunktes A mit dem Punkt B.
Durch Verlängerung dieser Linie nach oben erhalten wir auf der Taillenlinie den Punkt C.
Normalerweise muß die Gesäßnaht bei C 2 cm
von dieser Kontrollinie entfernt sein. Bei breiten
Hüften und flachem Gesäß verringert sich dieser
Abstand, während er sich bei schmalen Hüften
und nach hinten verlagertem Gesäß vergrößert
(siehe Abb. 91 und 92). Die vorstehend beschriebene Kontrolle ist auch wichtig für die
Abb. 90
richtige Weitenverteilung der Bundweite. In der
Praxis kommt es häufig vor, daß die Rundbundhose beim Sitzen trotz richtiger
Bundweite auf dem Bauch drückt und zu eng erscheint, während die Hinterhose
hinten im Bund absteht und sich herunterzieht. Hier ist die Hüftform des Kunden
nicht genügend berücksichtigt und Punkt B und C stehen nicht im richtigen
Verhältnis zueinander. Auch die Bildung übermäßiger Länge in der Schlitz-
164
165
partie trotz richtiger Leibhöhe ist auf die falsche Stellung der Hinterhose zurückzuführen. Abb. 93 zeigt uns dies deutlich. Aufrechte Haltung, d. h. hohe Brust,
eingezogener Leib und nach hinten gedrücktes Gesäß verlangt eine schrägere
Hinterhose mit längerer Gesäßnaht als bei normaler Haltung. Punkt B und C
Abb. 94
stehen hier in ganz anderem Verhältnis zueinander als bei umgekehrter Haltung
(vgl. Abb. 92). Bei der Konstruktion der Vorderhose sollte man in der Leibpartie von der Normalaufstellung nicht abgehen. Die Formveränderung des Leibringes und der Gesäßpartie sind lediglich bei der Aufstellung der Hinterhose
bzw. deren Abänderung durch öffnen oder Übereinanderlegen in der Gesäßhöhe vorzunehmen (vgl. Abb. 93 und 94).
166
F e h l e r an der R u n d b u n d h o s e .
Wir wollen uns im Folgenden mit zwei der hauptsächlichsten Fehler an der
Rundbundhose beschäftigen.
Erstens die Schrittspitze und zweitens das Festliegen auf der Hiifte und im
Zusammenhang damit das Sperren der Tascheneingriffe und der Bundfalten.
Die Schrittspitze ist sehr oft zu eng, d. h. die Hose zieht in den Spalt hinein
und nach hinten geht die Kreuznaht zu nahe an den Körper, oder anders gesagt:
Der Kunde reitet auf der Naht. Bei dieser Fehlererscheinung wird nun oftmals
die Schrittspitze nur in den oberen 10 —12 cm ausgelassen und der Gesäßbogen
tiefer ausgenäht. Die Hose ist nun wohl bequemer, aber ein neuer Fehler ist entstanden. Zunächst sehen wir zwischen den Beinen im Spalt Schrägzüge, welche
wir durch Anheben der Hinterhose zu beseitigen versuchen. Am besten wäre es,
wenn wir 3—4 cm unterhalb der Gesäßnaht einen Halbmond von 1 cm Durchmesser abnähen würden. Wir haben hier dieselbe Fehlererscheinung, die sich
am Unterärmel zeigen würde, wenn wir bei zu engem Ärmeldurchmesser den
Ärmel in der vorderen Naht weiter machen würden. Ist die Schrittspitze zu eng,
so muß bei sachgemäßer Änderung die Schrittnaht von oben bis unten ausgelassen und das Zuviel an Knie- und Fußweite an der Seitennanht weggenommen
werden. Oder andres gesehen, die Hinterhose muß schräger gestellt werden. Voraussetzung bei dieser Änderung ist, daß der Fehler tatsächlich in der Schrittspitze liegt und nicht durch eine zu enge Hüftpartie hervorgerufen wird. Die zu
enge Hüftpartie finden wir hauptsächlich bei Figuren mit breiten, hervorstehenden Hüften und demgemäß flachem Gesäß. Der Fehler ist zu erkennen am
Sperren der Bundfalten und Auseinanderziehen der Seitentascheneingriffe.
Trotz richtiger Bund- und Gesäßweite zeigt sich dieser häßliche Fehler. Hier
liegt bestimmt kein Verarbeitungs- sondern ein Zuschnittfehler vor. Bei solcher
Hüftform muß man beide Abstiche, nämlich den Hüftabstich der Yorderhose
und den der Hinterhose möglichst auf den-gleichen Boden bringen. Nicht die
Yorderhose zu sehr abstechen und die Hinterhose beinahe gerade halten, sondern
Vorder- und Hinterhose möglichst gleichmaßig abstechen.
Wir erhalten dadurch einen Hüftabnaher, welcher sich dem Körper besser anschmiegt (ähnlich dem Hüftabnäher beim Damenrock). Auch sollte man bei
solchen Figuren den Bund niemals anschneiden, sondern immer extra aufsetzen.
Der Bund ist als gerader Streifen in
Bundweite + 1 cm Zugabe zu schneiden.
Die Hose wird nun in der Bundweite um etwa l 1 / 2 cm auf die halbe Bundweite
weiter gehalten und diese Mehrweite zwischen Hinterhosenausnäher und vorderer Bundfalte an den Bundstreifen gleichmäßig angehalten. Die Hose hat nun
in der Hüftpartie genügend Spielraum, sitzt trotzdem im Bund fest und die
Schrittpartie wird nicht verzogen. (Siehe auch Abschnitt über moderne Rundbundhose.) Hier lag also der schlechte Sitz der Schrittspitze hauptsächlich in
der Hüftpartie. Ein gedankenloses Auslassen der Schrittspitze bringt wohl die
erwünschte Bequemlichkeit, aber eine häßlich aussehende Schrittpartie. Auch
die zu weite Schrittspitze ist ein Fehler. Erstens fällt die Hose im Schritt zu
167
voll und sieht plump aus und zweitens fallen die Bügelbrüche zu weit nach
außen. Ein Engermachen der Schrittspitze an der Vorderhose bis hinauf zum
Bauchpunkt wird diesen Fehler beseitigen. Die auch in der Bewegung gutsitzende Rundbundhose muß im Schritt festsitzen, darf in der Schrittlänge nicht
zu kurz und demgemäß in der Leibhöhe nicht zu hoch sein. Ein zu großer Schrittdurchmesser läßt die Hose bei sitzender Haltung nach vorn rutschen und unnötige Länge in der Leibpartie ist die Folge. Bei der Reitbreeches haben wir
diese Erscheinung als richtige Voraussetzung des guten Reitsitzes. Ein zu kleiner
Schrittdurchmesser zieht die Hose in den Schritt hinein und die Hose kneift und
beengt den Träger. Eine zu hohe Leibpartie oder zu kurze Schrittlänge bringt
die Hose bei sitzender Stellung aus ihrer Lage und der Träger hat nach dem
Aufstehen das Gefühl, die Hose erst wieder richtig anziehen zu müssen. Auch
das übermäßige Hochrutschen der Hosenbeine beim Sitzen ist auf diesen Schnittfehler zurückzuführen. Wir haben bei der Hose fast die gleichen Fehlererscheinungen und Fehlerursachen wie beim Ärmelloch und Ärmel. Ein zu tiefes Ärmelloch bringt den Rock aus der Lage (Hose: zu hohe Leibpartie). Der Ärmel wird,
um glatt zu fallen, tiefer ausgestochen und rutscht nun beim Bewegen hoch
(Hose: zu kurze Schrittlänge).
Ein zu großer Ärmellochdurchmesser läßt den Rock am Körper hin und her
rutschen (Hose: zu großer Spaltdurchmesser), ein zu eng eingesetzter Ärmel verzieht die ganze Lage des an sich richtigen Armlochs (Hose: zu enge Hüftpartie).
Aus diesen Vergleichen erkennen wir einen gewissen Zusammenhang von
Fehler und Fehlererscheiningen, so auch die der Abänderungen zwischen Oberund Unterkörper. Ein Thema, über welches sich lohnt, nachzudenken.
Die r e c h t s s t ä r k e r e H ü f t e
u n d i h r e B e r ü c k s i c h t i g u n g bei der A u f s t e l l u n g des S c h n i t t m u s t e r s .
Diese häufig vorkommende Wuchsabweichung findet nicht immer genügende
Beachtung, die sehr oft im Zusammenhang mit der rechts hängenden Schulter
steht. Das genaue Maßnehmen beider Seitenlängen zeigt uns den Grad dieser
Abweichung vom Normalen.
In Abb. 94 haben wir rechts 2 cm mehr Seitenlänge. Die Hose wird nun nach
der kürzeren Seite aufgestellt und die rechts fehlenden 2 cm im Bund von der
vorderen Falte anfangend zur Hüfte aufgestockt. Die Hälfte dieses Betrages,
hier 2 cm, geben wir an der Seitennaht der Vorder- sowie der Hinterhose zu.
Die Hinterhose wird gleichfalls (vgl. Abb. 94, gestrichelte Linien) aufgestockt.
Eine verhältnismäßig einfache Umstellung. Schwierig wird es jedoch den Fehler
zu beseitigen, wenn wir ihn erst an der fertigen Hose bemerken. Während das
linke Bein gut fällt, geht der rechte Bügelbruch nach außen und die Schrittnaht und die Schlitzpartie zeigen infolge der zu engen und zu kurzen Hüfte
häßliche Falten. Die einfachste Methode ist hier die, an der fertigen Hose die
Länge dort abzustecken, wo sich Falten zeigen. Dies ist zumeist in der oberen
Hälfte des Schenkels der Fall. Den gleichen Betrag, welchen wir am fertigen
168
Hosenbein abgesteckt haben, kniffen wir im Schnittmuster ab. Nachdem wir
Bund und Untertritt abgetrennt haben, legen wir das abgeänderte Muster auf
und zeichnen das rechte Bein neu zurecht. (Abb. 95)
Die vordere Bundfalte muß etwa 1 cm ausgelassen werden, während die zweite
Bundfalte um den gleichen Betrag tiefer gelegt wird. Die untere Länge des
rechten Beines muß um die nun fehlende 2 cm länger gemacht werden. Wir haben
mit dieser notwendigen Änderung, nur zeitraubend, das erreicht, was wir bei
aufmerksamer Beobachtung der Körperform während des Maßnehmens auf einfache Art schnell hätten umstellen können. Man kann sich auch gegen die geschilderte komplizierte Änderung schützen, indem man in der Bundhöhe Einschlag schneidet und diesen dann zur Verlängerung der Seitenlänge benutzt.
169
Selbstverständlich kann diese Änderung auch zweiseitig gemacht werden, wenn
wir beim Maßnehmen die starken Hüften nicht beachtet haben und die Bügelbrüche nach außen gehen.
Die Hose f ü r den H e r r n m i t n a c h a u ß e n g e d r ü c k t e n W a d e n .
Im Folgenden wollen wir uns mit einem sehr häufig vorkommenden Fehler
beschäftigen, nämlich der stark nach hinten oder seitwärts durchgedrückten
Wade und dem Festliegen der Hinterhose auf der Wade. Von vorn gesehen, zeigt
sich dieser Fehler durch Schrägfalten in der Schrittnaht der Hinterhose. In der
Seitenansicht zeigen sich gleichfalls Schrägfalten auf der Hinterhose vom Taschen
eingriff bis zur Wade. Die rückwärtige Ansicht der Hose zeigt eine stark ausgeprägte Wadenpartie, welche so fest auf der Wade aufliegt, daß der Bügelbruch
über der Wadenrundung fast verschwindet. Außerdem geht der Bruch vom Knie
nach unten über die Hinterhose nach i n n e n , während er auf der Vorderhose
nach a u ß e n fällt. Unsere sonst gutsitzenden Hosen zeigen in einem solchen
Falle ein wenig gutes Aussehen.
Forschen wir nun nach den Ursachen dieser Erscheinung, so müssen wir feststellen, daß die Beinpartie des Kunden anormal ist. Wir haben es hier mit einer
starken Verlagerung der Wadenmuskel zu tun. Das Bein erscheint innen, oberhalb des Knies angefangen bis zum Knöchel, hohl. Alle Muskulatur ist nach
außen bzw. nach hinten verlagert. Eine O-Beinstellung ist nicht gegeben, wohl
aber eine Verdrehung der Beinform von innen nach außen. Eine starke Dressur
der Hinterhose in Knie- und Wadengegend k ö n n t e diesen Fehler abstellen. Die
fertige Hose mit 54 — 56 Fußweite und entsprechender Knieweite sieht aber
stark dressiert nicht gut aus. Die weite Hose soll und muß hinten möglichst gerade fallen und nicht die dressierte Form einer engen Hose zeigen. Außerdem
zeigen die Streifen bei stark dressierter Wadenpartie eine gewölbte Linie, was
wiederum unnatürlich und darum häßlich aussieht. Es ist für eine solche Beinform richtig, der Seitennaht der Hinterhose etwas R u n d u n g in Wadenhöhe
zu geben und diese nach hinten zurückzubügeln, aber nur wenig, damit das
Streifenbild nicht gestört wird. Bei der Fertiganprobe einer solchen Hose haben
wir oft das Bestreben, die Hinterhose nach oben anzuheben. Die fertige Änderung
dieser Art zeigt auch kein gutes Bild, und der Bügelbruch der Hinterhose geht
immer wieder zu weit nach innen. Hier hilft nur, der Schrittnaht beim Zusammensetzen der Hose eine D r e h u n g nach a u ß e n zu geben.
Wenn wir die Seitennaht geschlossen haben und die Hose zusammenlegen, um
die Schrittnaht zusammenzuheften, so machen wir unser normales Zusammensetzungszeichen auf Vorder- und Hinterhose und ziehen dann die Hinterhose
1 — 1 1 / 2 cm nach unten, so daß die Zusammensetzung in der Vorderhose höher
liegt als das gleiche Zeichen der Hinterhose und nahen nun unsere Schrittnaht
zusammen. Selbstverständlich dreht sich die so zusammengesetzte Schrittnaht,
aber das soll sie ja auch. Sie soll und muß sich nach außen hin zur Wade drehen,
damit die Wade Platz hat und der Bruch nach außen fällt. Auch an der fertigen,
170
vorstehende Fehler zeigenden Hose, läßt sich diese Änderung leicht ausführen und
wird immer den gewünschten Erfolg haben. In der Kreuznaht oben an der Schrittspitze müssen wir genügend Einschlag haben, damit die heruntergerückte Hinterliose nicht zu kurz wird. Wir finden diesen Schönheitsfehler hauptsächlich an
den Hosen für korpulente oder starkleibige Personen. Wenn wir von Anfang an
diesem Fehler die nötige Beachtung schenken, sparen wir uns und dem Kunden
Zeit und Ärger.
Richtlinien für die
Kalkulation im Herrenschneider-Handwerk
Grundlagen der Kalkulation:
dazu als Wagnis oder
I. Löhne,
II. Unkosten, ergeben zusammen Selbstkosten
III. Gewinn, ergeben zusammen
die F e r t i g u n g s k o s t e n
Hierzu Materialverbrauch (Oberstoff und Zutaten) gibt zusammen den Verkaufspreis.
Beispiel:
Löhne sind feststehend und ergeben sich beim Gehilfen
I. aus den tariflichen Löhnen oder
II. aus den lt. Lohnzettel tatsächlich gezahlten Löhnen (bei Stücklöhnen).
Beim Alleinmeister ergibt sich aus dieser Tatsache, daß er alle Arbeiten, welche
er als Gehilfenarbeit leistet, also die reinen Näharbeiten, fiir sich selbst nach dem
Gehilfenlohn zu berechnen hat, daneben hat er noch eine Reihe von Arbeiten
zu machen, welche vom Gehilfen nicht ausgefühlt werden. Diese sogenannten
Meisterarbeiten sind in der Kalkulation extra zu berechnen. Wir verstehen darunter:
Beratung des Kunden beim Kauf und Maßnehmen,
Materialbesorgung, des betr. Kleidungsstückes,
Zuschneiden desselben,
Anprobieren
Zurechtzeichnen und Fertigprobe.
Diese Arbeiten sind ausgesprochene Meisterarbeiten, die auch als Meisterstunden zu berechnen sind. Maßgebend für diese Berechnung ist nur eine gleichgeartete Tätigkeit, wie z. B. die eines Zuschneiders. Das Gehalt eines Zuschneiders
bewegt sich zwischen 300,— und 600,— DM monatlich, je nach Leistung und Lage
171
des Geschäfts. Die Arbeitsleistung eines Zuschneiders berechnen wir mit 200
Stunden im Monat und teilen nun Gehalt durch Arbeitsleistung:
Monatsgehalt 300,— DM geteilt durch 200 = 1,50 DM Meisterlohn
Monatsgehalt 450,— DM geteilt durch 200 = 2,25 DM Meisterlohn
Monatsgehalt 600,—DM geteilt durch 200 = 3,—DM Meisterlohn
Die Gehilfenstunde ist in der Berechnung einfacher und erfolgt unter Zugrundelegung der feststehenden tariflichen Löhne X geleisteter Arbeitszeit oder
dem Zeitschema unseres Lohntarifs für die einzelnen Kleidungsstücke im Stücklohn.
Die Löhne in Berlin betragen zur Zeit:
Extra-Klase = 1,41 DM
I. Tarif-Klasse = 1,28 DM
II. Tarif-Klasse = 1,22 DM
III. Tarif-Klasse = 1,17 DM lt. Tarifvertrag v. 20. Jan. 1953.
Diese Löhne gelten als Mindestlöhne und werden von einzelnen Geschäften
überschritten. Geschieht dies, so können in der Kalkulation die nachweisbar gezahlten Löhne eingesetzt werden. (Bisher war dies nicht erlaubt, sondern es
durften für die Kalkulation nur die tariflichen Löhne eingesetzt werden.)
Wer N ä h h i l f e n ( Z u a r b e i t e r i n n e n ) beschäftigt setzt für deren Arbeitszeit
die wirklich gezahlten Löhne ein.
Die Errechnung der L e h r l i n g s s t u n d e erfolgt nach den Richtsätzen der
Meisterstundenerrech nung.
Beispiel: Da der Lehrling in der Woche nicht 48 Stunden arbeitet, sondern
die Zeit für Schulbesuch, Fehlzeiten usw. abgezogen werden müssen, bleiben
wöchentlich wohl höchstens 35 Stunden, d. h. monatlich 140 Stunden.
Die Erziehungsbeihilfe beträgt
im 1. Jahr monatlich 25,— DM
im 2. Jahr monatlich 35,— DM
im 3. Jahr monatlich 45,— DM
Diese Erziehungsbeihilfe
von 25,— DM geteilt durch 140 = 0,18 DM
von 35,— DM geteilt durch 140 = 0,25 DM
von 45,— DM geteilt durch 140 = 0,32 DM
Lohnmäßig ist nun die Lehrlingsstunde nach vorstehendem Schema zu berechnen.
Wir unterscheiden also:
I. Lohnkostenschema für Alleinmeister:
. . . Gehilfenstunden ä DM . . . = . . . . DM
. . . Meisterstunden ä DM . . . =
DM
ergeben zusammen die Gesamt-Lohnkosten.
172
II. Lohnkostenschema, wenn Gesellen und Lehrlinge beschäftigt werden:
. . . Gehilfenstunden
. . . Lehrlingsstunden
. . . Meisterstunden
z u s a m m e n die G e s a m t - L o h n k o s t e n
III. Lohnkostenschema, wenn Zuschneider, Gehilfen, Nähhilfen und Lehrlinge beschäftigt werden:
. . . Zuschneiderstunden
. . . Gehilfenstunden
. . . Nähhilfenstunden
. . . Lehrlingsstunden
z u s a m m e n die G e s a m t - L o h n k o s t e n
IV. Lohnkostenschema bei Stückarbeitern:
. . . Zuschneider- oder Meisterstunden ä DM . . . =
DM
Stücklohn des Sakko
Stücklohn der Weste
Stücklohn der Hose
z u s a m m e n die G e s a m t - L o h n k o s t e n
Aus dieser Aufstellung ersehen wir, daß zwischen Meister- und Gehilfenarbeit
der Unterschied darin besteht, daß unter Meistertätigkeit nur diejenigen Arbeiten fallen und nach dem Meisterstundensatz verrechnet werden dürfen, welche
außerhalb der Gehilfentätigkeit liegen. Alle Gehilfenaibeiten, nämlich die reinen
Näharbeiten, müssen nach dem Gehilfenlohn berechnet werden, auch wenn sie
vom Meister ausgeführt werden.
Als reine Meistertätigkeit werden im Durchschnitt für Anzüge, Mäntel,
Kostüme, Sportanzüge je nach Art des Geschäfts 5—10 S t u n d e n angenommen.
Wir fassen zusammen:
Z u s c h n e i d e r ist der A l l e i n m e i s t e r dann, wenn er Maß nimmt, Modell aufstellt, zuschneidet, anprobiert, zurechtzeichnet.
Gehilfe ist der A l l e i n m e i s t e r , wenn er näht und bügelt.
Als Z u s c h n e i d e r hat er die M e i s t e r s t u n d e zu berechnen.
Als Gehilfe lediglich den ortsüblichen Stundenlohn eines Gehilfen nach der
für das betreffenden Geschäft zuständigen Ortsklasse.
Werden Gehilfen und Lehrlinge beschäftigt, so wird je nach Zahl dieser Gehilfen die Zuschneidetätigkeit mehr Zeit in Anspruch nehmen, so daß unter Umständen nur noch eine Zuschneidertätigkeit in Frage kommt. Dann wird die gesamte Meisterarbeit nach den Sätzen der Meisterstunden berechnet.
Wird der Betrieb so groß, daß evtl. ein oder gar mehrere Zuschneider beschäftigt werden, so wird die Tätigkeit des Geschäftsinhabers eine rein kaufmännische
Tätigkeit. Nun ist die Arbeit keine p r o d u k t i v e mehr und kann unter L ö h n e
keine Berücksichtigung finden.
173
Die richtige Errechnung der Lohnsumme geschieht folgendermaßen:
I. Stellen wir fest, ob die Lohnsumme, welche wir unserer Buchführung entnehmen, auch wirklich nur der p r o d u k t i v e Bruttolohn ist. Dies ist der
Fall, wenn Urlaubsgelder sowie Feiertagsbezahlungen aus der Bruttolohnsumme herausgezogen sind und den Unkosten zugeschlagen wurden.
II. Zu dieser Lohnsumme rechnen wir den eigenen p r o d u k t i v e n L o h n und
den errechneten Lohn für unbezahlt mitarbeitende Familienangehörige
(z. B. die produktive Tätigkeit der Meisterfrau). Sind Urlaubs- und Feiertagsgelder in der Lohnsumme enthalten, so muß diese zur Ermittlung des
echten produktiven Lohnes berichtigt werden.
Beispiele:
Die buchmäßige Lohnsumme enthält den gesamten Brottulohn:
a) Wir berichtigen:
Brutto-Lohnsumme
minus:
Urlaub- und Feiertagsbezahlung
ergibt die w a h r e p r o d u k t i v e L o h n s u m m e .
b) Die Lohnsumme enthält nur den N e t t o l o h n :
Wir berichtigen:
Netto-Lohnsumme
plus:
Soziallasten (Arbeitnehmeranteil)
plus:
Lohnsteuer
minus:
Bezahlung der Feiertage und des Urlaubs
ergibt die w a h r e p r o d u k t i v e L o h n s u m m e.
c) Die buchmäßige Lohnsumme enthält nicht nur den B r u t t o l o h n , s o n d e r n
auch noch die g e s a m t e n S o z i a l l a s t e n :
Dann ist zu berichtigen:
Gesamt-Lohnsumme
minus:
Soziallasten (Arbeitgeberanteil)
minus:
Urlaub- und Feiertagsbezalilung
ergibt wiederum die p r o d u k t i v e Bruttolohnsumme.
Nehmen wir an, ein Gehilfe erhält im Jahr einen
Gesamtbruttolohn von
3000,— DM
in rund 300 Arbeitstagen pro Tag
10,— DM
In Abzug zu bringen sind 12 Urlaubstage
und an bezahlten Feiertagen 10 Tage
22 Tage ä 10,— DM
=
220,— DM
Bruttolohn
3000,— DM
abzüglich
220,— DM
= 2780,— DM rein produktiver Lohn und
220,—DM unproduktiver Lohn.
L e t z t e r e r ist den Unkosten hinzuzurechnen.
Beim L e h r l i n g ist die Berechnung die gleiche,
Ein Lehrling erhalt 35,— DM monatlich
= 420,— DM im Jahr
420,— DM durch 300 Tage =
1,40 DM pro Tag
174
Abzuziehen sind 24 Urlaubstage
und 10 Feiertage
zusammen 34 Tage ä 1,40 = 47,60 DM
= 420,— DM
— 47,60 DM
rein produktiver Lohn = 372,40 DM
Also auch hier sind 47,60 DM unproduktiver Lohn und damit U n k o s t e n .
Jahreslohnsummen-Errechnung für verschiedenartige Betriebe:
Alleinmeister:45 Std. als Gehilfe und 8 Stdals Z u s c h n e i d e r p . Woche
45 Std. mal Gehilfenlohn mit
1,21 DM pro Stunde =
54,45 DM
16,— DM
8 Std. mal Zuschneiderlohn mit 2,— DM pro Stunde =
somit Wochenlohn
=
70,45 DM
mal 50 Wochen im Jahr — Jahreslohnsumme
= 3725,— DM
Ein Betrieb beschäftigt Gehilfen. Der Meister muß mehr zuschneiden und anprobieren. Er hat weniger Zeit zur praktischen Arbeit, sagen wir nur noch
12 Stunden in der Woche. Wir rechnen als Beispiel nun:
12 Gehilfenstunden mal
1,21 DM
=
14,25 DM
36 Meisterstunden mal Zuschneiderlohn . . 2,— DM
=
72,— DM
Wochenlohn
86,25 DM
mal 50 Wochen = J a h r e s l o h n s u m m e :
4332,50 DM
In einem g r ö ß e r e n G e s c h ä f t hat der Meister keine Zeit zur Näharbeit. Er
schneidet nur noch zu. Wir berechnen nun:
48 Std. wöchentlich x Zuschneiderlohn = 2,—pro Std. = 96,—DM.
Im Jahr 96 x 50 = 4800,— DM produktiver Lohn des Meisters.
Der G e s c h ä f t s i n h a b e r beschäftigt einen oder mehrere Zuschneider, er arbeitet praktisch nicht mehr mit, sondern ist nur noch kaufmännischer Leiter.
Der gesamte Unternehmerlohn ist unproduktiv und gehört in die Unkosten.
Wir fassen zusammen:
A l l e i n m e i s t e r : die eigene p r o d u k t i v e Tätigkeit = Lohnsumme.
A l l e i n m e i s t e r mit m i t h e l f e n d e n Familienangehörigen = eigene
produktive Tätigkeit
plus: produktiver Lohn der Familienang. = G e s a m t l o h n s u m m e .
Meister m i t Gehilfen u n d L e h r l i n g e n = eigene produktive Tätigk.
plus: bezahlte produktive Gehilfentätigkeit
plus: bezahlte produktive Lehrlingstätigkeit = G e s a m t l o h n s u m m e
Beispiel eines Lohnkostenschemas bei S t ü c k l o h n a r b e i t e r n eines mittleren
Geschäfts:
Stücklohn des Sakkos lt. I. Tarif = 36 Std. 25 Min.
Stücklohn der Weste lt. I. Tarif = 10 Std. — Min.
Stücklohn der Hose
lt. I. Tarif = 14 Std. 10 Min.
60 Std. 35 Min.
dazu Meistertätigkeit
= 8 Std. — Min.
68 Std. 35 Min.
175
Lohnkostenberechnung nach vorstehenden Beispiel:
Gehilfenlohn
dazu Meistertätigkeit
60 Std. 35 Min. p. Std. 1,21 DM =
8 Std.
pr. Std. 2,— DM =
Gesamtlohnkosten:
73,30 DM
16,— DM
89,30 DM
Errechnung der Stundenzahl nach dem tariflichen Positionsschema
I. Sakko: Grundlohn
26 Std.
Pos. 81) II. Probe
2 Std. 10 Min.
Pos. 124) Durchgenähte Kante
1 Std. 30 Min.
Pos. 167) Achselnähte mit Hand
15 Min.
Pos. 168) Ärmel mit Hand
30 Min.
Pos. 91) VI. Tasche im Futter
35 Min.
20 Min.
Pos. 93) Zungentaschen mit Paspel . . .
Pos. 180) Ärmelschlitz offen
50 Min.
Pos. 181) 3 Paar Ärmellöcher
1 Std.
Pos. 270) Langer Plack
30 Min.
Pos. 273) Brustausnäher
30 Min.
Pos. 275) Bauchausnäher
30 Min.
Zusammen 34 Std. — Min.
II. Hose: Grundlohn
10 Std. — Min.
Pos. 377) 2. Gesäßtasche
40 Min.
Pos. 382) Uhrtasche mit Patte
40 Min.
Pos. 396) Kniefutter
45 Min.
Pos. 399) Schrittbesatz über 20 cm . . . .
30 Min.
Posl. 421) Verlängerungsstrippen
30 Min.
Pos. 412) Nähte umstechen
20 Min.
Pos. 415) Doppelschnallen
30 Min.
Pos. 418) Verlängerter Bund
20 Min.
Pos. 419) 3 Paar Gurtschlaufen
24 Min.
Pos. 420) 2 Paar Bundfalten
30 Min.
Zusammen 15 Std. 9 Min.
III. Weste: Grundlohn
Pos. 299) Durchgenähte Kante
Pos. 299) IV. Tasche im Stoff
Pos. 315) Innentasche mit Patte
8 Std. 30 Min.
45 Min.
40 Min.
40 Min.
Zusammen 10 Std. 35 Min.
Alle übrigen Positionen für die einzelen Kleidungsstücke siehe Tarif-Vertrag
für die Herren-Maßschneiderei.
176
Aufrechnung:
Sakko: 34 Std. —Min.
Weste: 10 Std. 35 Min.
Hose: 15 Std. 9 Min.
Gesamtzeit
= 59 Std. 44 Min. Arbeitszeit
für einen I. Sakko-Anzug nach Tarif I.
Unser Beispiel zeigte uns die laut Lohnzettel tatsächlich gezahlten Löhne, die
auch kalkulatorisch zu verwenden sind. Diese liegen höher als das Positionsschema
unseres Tarifes ergibt. Die Berechnung dieser höheren Löhne ist neuerdings erlaubt, sofern ihre Höhe nachweisbar ist.
Die anfallenden Änderungsstunden sind unproduktive Löhne und gehören demnach zu den Unkosten. Ihre ungefähre Höhe beträgt durchschnittlich pro Anzug
3 Stunden. Die wahre Höhe ergibt sieh aus den durch die Buchführung nachweisbaren Kosten.
Die
Unkostenberechnung.
Über die Höhe der anfallenden Unkosten sind sich die meisten Geschäftsinhaber selten im Klaren. Am besten ist es, diese durch einen Buchprüfer oder
Steuerberater, wie ihn jedes Geschäft heute hat, feststellen zu lassen. Die l a u f e n d w i e d e r k e h r e n d e n U n k o s t e n sind noch am leichtesten feststellbar. Zu
ihnen gehören:
1. G e s c h ä f t s m i e t e (soll normalerweise nicht mehr als 4% des Umsatzes betragen). Ist das Geschäft mit der Wohnung verbunden, so ist ein entsprechender Anteil unter Geschäftsunkosten aufzunehmen.
2. S t r o m k o s t e n u n d G a s k o s t e n . Beleuchtung der G e s c h ä f t s r ä u m e ,
Bügelstrom.
3. H e i z u n g der Geschäftsräume
4. E i n b r u c h , D i e b s t a h l , F e u e r - V e r s i c h e r u n g . Warenbestand, Geschäftseinrichtung, Kundenware.
5. H a f t p f l i c h t v e r s i c h e r u n g innerhalb der Geschäftsräume.
6. K r a f t f a h r z e u g - V e r s i c h e r u n g für den Anteil, welcher für das Kraftfahrzeug auf das Geschäft entfällt.
7. U m s a t z s t e u e r , wenn dieselbe nicht an die Kalkulation zum Schluß angehängt wird.
8. G e w e r b e s t e u e r , aber nicht Einkommen-, Kirchen- und Vermögenssteuer.
9. K r a f t f a h r z e u g s t e u e r anteilmäßig wie unter 6.
10. I n n u n g s b e i t r ä g e , Berufsverbands-, Berufsgenossenschafts- und Handwerkskammerbeiträge.
11. F a c h z e i t u n g e n (nicht Tageszeitungen).
12. Gar a g e n m i e t e (anteilig wie unter 6. und 9.).
13. Miete oder P a c h t z a h l u n g e n für Maschinen und Geschäftseinrichtung
sofern diese nicht Eigentum sind.
14. S c h u l d z i n s e n (nicht Zinsen des Anlagekapitals).
12
Jarke,
177
15.
16.
17.
18.
T e l e f o n g e b ü h r e n unter Abzug der Privatbenutzung.
G e h a l t f ü r B ü r o p e r s o n a l (nicht Zusehneider und Lehrling).
G e h a l t f ü r k a u f m ä n n i s c h e s Personal.
E n t g e l t e für anfallende Änderungen, sofern diese nicht schon in der allgemeinen Kalkulation enthalten sind.
Sonstige, nicnt immer in gleicher Höhe wiederkehrende Unkosten:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
Modezeitungen und Fachbücher.
S c h r e i b m a t e r i a l für Geschäftszwecke.
D r u c k s a c h e n für Geschäftszwecke.
P o r t o für Geschäftszwecke.
Reklamekosten.
B e r u f l i c h e W e i t e r b i l d u n g (Kurse, Fachabende, Schulbesuche).
S o z i a l v e r s i c h e r u n g s b e i t r ä g e (nur Arbeitgeberanteil).
T r i n k g e l d e r in nachweisbarer Höhe.
F a h r g e l d e r und T r a n s p o r t k o s t e n in nachweisbarer Höhe.
K l e i n w e r k z e u g e : Stecknadeln, Nähnadeln, Kreide, Maßbänder usw.
R e i s e s p e s e n für berufliche und der Berufsausbildung dienende Reisen
(Modetagungen, Wareneinkauf, Besuch auswärtiger Kunden, Besuch auswärtiger Kurse).
R e c h t s - und S t e u e r b e r a t u n g .
A b s c h r e i b u n g e n an Maschinen, Werkzeugen und Einrichtung.
I n s t a n d h a l t u n g der Geschäftsräume und Einrichtung.
evtl. W e c h s e l s p e s e n , Verzugszinsen usw.
U r l a u b s - und F e i e r t a g s b e z a h l u n g an die Gehilfen.
Heimarbeiterzuschläge.
Die Berechnung der Reisespesen kann nach den tatsächlich erfolgten Ausgaben
erfolgen, doch sind die Verpflegungskosten um die im Haushalt erzielten Ersparnisse zu kürzen (bei Ledigen 40%, bei Verheirateten 20%).
N i c h t u n t e r U n k o s t e n zu v e r r e c h n e n sind:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Lebensversicherung.
Angestelltenversicherung.
Strafen jeglicher Art.
Spenden, soweit dieselben nicht als U m l a g e für Berufsverbände gelten.
Krankengeld für den Betriebsinhaber und seine Familie
Vermögens-, Einkommen- und Kirchensteuer.
Zinsen des Anlagekapitals.
Der U n k o s t e n s a t z zum L o h n beträgt im allgemeinen:
bei Kleinbetrieben 30—70% vom Lohn,
bei größeren und großen Betrieben bis 150% evtl. auch darüber (siehe
Buchführung).
178
Haben wir nun unsere Unkosten nach vorstehendem Schema selbst berechnet
oder durch einen Buchprüfer feststellen lassen, so setzen wir die Summe der
anfallenden Unkosten in das Verhältnis zum gezahlten Lohn und erhalten damit
den in der Kalkulation zu verwendenden Prozentsatz.
1. Beispiel: (kleineres Geschäft)
Die Höhe der Unkosten ist mit
850,— DM jährlich festgestellt
Die Höhe der gezahlten Löhne mit 1700,— DM jährlich festgestellt
so berechnen wir nach folgender Formel:
Unkosten x 100 "I
„
,
, ,
„
>
= Prozent TT
Unkosten auf TLohne.
T
Lohne
J
Die Unkosten betragen 850 DM X 100 = 85000 DM,
85000 geteilt durch Löhne
1700 = 50 = 50% Unkosten v. Lohn.
2. Beispiel: (größeres Geschäft)
Die reinen Löhne betragen 23 000 DM
Die Unkosten betragen
32 000 DM = 136,31% Unkosten vom Lohn.
Oder eine a n d e r e R e c h n u n g s a r t :
Auf 23 000 DM produktiven Lohn entfallen 32 000 DM Unkosten
Auf
1 DM produktiven Lohn entfallen an Unkosten:
3200 DM geteilt durch 23 000 DM = 136,31 auf 100 DM.
136,31 geteilt durch 100 = 1,36 DM Unkosten auf 1 DM
produktiven Lohn, also die Selbstkostenstunde 2,36 DM.
Aus diesen beiden Beispielen ersehen wir bereits, wie verschieden der Unkostensatz prozentual sein kann. Die Ermittlung der meisten Unkostenfaktoren
dürfte keine großen Schwierigkeiten machen, während die Errechnung der unproduktiven Löhne schon wesentlich mehr Aufmerksamkeit verlangt. Wir wollen
uns noch einmal mit diesem Faktor beschäftigen.
Zu den unproduktiven Löhnen gehört zunächst die kaufmännische Führung
des Betriebes. Auch der kleinste Betrieb verlangt neben der produktiven Arbeit
(Nähen und Zuschneiden) eine ganze Anzahl von Schreibarbeiten, Warenbesorgung usw., für welche vom Kunden keine Bezahlung verlangt werden kann,
weil diese Arbeiten nicht als produktiv bezeichnet werden können.
Zählen wir diese Faktoren auf, so haben wir:
I. Die Änderungen nach der Fertigprobe
II. Geschäftliche Besorgungen
\ jjauS(jjener
III. Reinigen und Heizen der Geschäftsräume j
IV. Buchführung und geschäftliche Schreibarbeiten
V. Besuch von Fachversammlungen und Kursen.
Es ist nun gleich, ob diese Arbeiten vom Geschäftsinhaber selbst ausgeführt
werden oder ob eine bezahlte Kraft dafür verwendet wird. Für die Berechnung
dieser Arbeiten, auch wenn dieselben vom Inhaber oder seinen Farnilenange12'
179
gehörigen ausgeführt werden, ist immer der Betrag zugrunde zu legen, den eine
bezahlte Kraft für die gleiche Arbeit erhalten würde oder erhält. Die für derartige Arbeiten aufgewendeten Beträge richten sich nach der Größe des betr.
Geschäfts.
Beispiele:
Der Inhaber beschäftigt Zuschneider und Gehilfen, kommt also nicht mehr
zur praktischen Arbeit, sondern leitet sein Geschäft nur kaufmännisch. D e r
gesamte Unternehmerlohn ist unproduktiv.
Der Betrieb beschäftigt mehrere Gehilfen, die Meisterfrau führt die Bücher,
Liefergänge und Warenbesorgung sowie Heizung und Instandhaltung der Geschäftsräume besorgt ein Hausdiener.
Wir rechnen nun:
Unprodukt. Tätigkeit des Meisters
6 Std. ä 2,— DM =
12,— DM
Unprodukt. Tätigkeit der Meisterfrau 10 Std. ä 1,40 DM =
14,— DM
Wochenlohn des unproduktiv tätigen Hausdieners
=
40,— DM
wöchentlich
66,— DM
mal 50 Wochen = 3300,—DM
jährlich unproduktive Lohnsumme.
Ein Alleinmeister arbeitet wöchentlich unproduktiv:
5 Std. Meisterlohn
ä 2,—DM
=
10,— DM
Seine Frau ist mit der Instandhaltung der Geschäfts
räume, Ausgänge usw., wöchentlich 8 Std. beschäftigt
ä 0,90 DM
7,20 DM
wöchentlich
17,20 DM
mal 50 Wochen = 860,— DM jährlich unproduktive Lohnsumme.
Haben wir Löhne und Unkosten richtig ermittelt, so müssen wir auf diese
Zahlen noch einen G e w i n n z u s c h l a g hinzurechnen. Mit diesem werden abgegolten:
Die Verzinsung des Anlagekapitals, das Geschäftsrisiko, welches mit dem
Auftrag verbunden ist und der Geschäftsgewinn oder Unternehmernutzen.
Dieser Gewinnzuschlag beträgt je nach Art und Lage des Geschäfts 10—20%
von L o h n u n d U n k o s t e n .
Errechnen wir zunächst die Höhe der Meisterstunde nach dem I. Tarif in
Berlin:
Tariflicher Stundenlohn = ] ,21 DM. Errechneter Unkostensatz
80% auf Lohn
= 0,96 DM
2,17 DM
+ 15% Gewinn
= 0,32 DM
2,49 DM rund 2,50 DM.
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Die Anwendung des Stundenverrechnungssatzes bei Reparaturen und Änderungen ist wie folgt vorzunehmen:
Der Meister selbst oder der Geselle beginnen eine der obigen Arbeiten um
8 Uhr und beenden dieselbe um 12 Uhr = 4 Std. x 2,50 DM = 10,— DM.
Dies ist der dem Kunden zu berechnende Preis, über welchen detaillierte Rechnung zu legen ist.
Zum Beispiel: 1 Anzug repariert, gebügelt, neuen Hosenschoner, Handbesetzen, mittleres Knopfloch
neu, Knöpfe nachgenäht = 4 Std. ä 2,50 DM
Summa:
10,— DM
Errechnung des Fassonpreises für einen einreihigen Sakko-Anzug nach dem
I, Tarif:
Gehilfenstunden 60
Zuschneiden usw. 8
68 St. X 2,50 DM = 170,— DM Fasson.
Preisberechnung für einen ganzen Anzug, also Material- und Fassonpreis:
Materialberechnung: Stärkste Weite
108 cm
Sakko-Länge
82 cm
Seitenlänge
106 cm
und für umgebügelten Saum . . .
10 cm
Oberstoff = 3,06 m
Maßsatz: 104 Oberweite
96 Unterweite
108 Gesäßweite
44 Taillenlänge
82 ganze Länge
106 Seitenlänge
81 Schrittsänge
3,06 m ä 42,—DM
Zutaten zum Anzug
= 128,50 DM
= 30,— DM
158,50 DM
Verdienstaufschlag 20%
bei lagerhaltenden Firm. = 31,70 DM
Gesamtmaterial
190,20 DM
170,— DM Fasson + 190,20 DM Material = Verkaufspreis
360,20 DM.
Kontrollieren wir diesen kalkulierten Preis noch einmal, indem wir folgende
Dreiteilung vornehmen:
Material = 40% vom Verkaufspreis (360,— DM)
= 144 — DM
Gehilfen-Arbeitslohn u. Unkosten = 40% v. Verk.-Preis = 144,— DM
Wagnis und Risiko = 20% vom Verkaufs-Preis
=
72,— DM
zusammen 360,— DM
182
M a t e r i a l 144,—DM
tatsächlich ausgegeben 158,50 DM = ein Minus von
A r b e i t s l o h n u n d U n k o s t e n 144,— DM
tatsächlich ausgegeben 150,68 DM = ein Minus von
zusammen
Gehilfe 60 Std. ä 1,21 DM = 72,60 DM
Meister 8 Std. ä 2,50 DM = 20,— DM
80% Unkosten auf Gehilfenlohn v. 72,60 = 58,08 DM
=
14,50 DM
5,32 DM
19,82 DM
150,68 DM
Diese 19,82 DM haben wir mehr ausgeben müssen als nach normaler Berechnung herauskäme. Wir müssen dieselbe nun vom dritten Faktor 72,— DM in
Abzug bringen: 72,— DM —19,82 DM = 52,18 DM.
Dies ist der wahre Verdienst und beträgt im Verhältnis zum Verkaufspreis
von 360,— DM knapp 14%.
Ein anderes Beispiel: II. Winter-Ulster der Sonderklasse.
Durch Lohnzettel nachweisbare Anfertigungszeit:
54 Std. Gehilfenlohn, pro Std. lt. Tarif 1,34 DM x 54 Std.=
Der Betrieb hat 120% Unkosten auf Lohn
=
Risiko und Verdienst 20%
=
72,30
126,86
199,16
39,82
238,98
21,60
260,58
260,60
DM
DM
DM
DM
DM
DM
DM
DM
Meister- oder Zuschneidertätigkeit 6 Std. ä 3,60 DM
=
Fassonpreis ~
Fassonpreis für einen zweireihigen Winter-Ulster
=
Material: 3 m Stoff ä 60,— DM = 180,— DM
Zutaten
35,— DM
215,— DM
Verdienstaufschlag 20%
43,— DM
Materialpreis:
258,—DM
+ Fassonpreis:
260,60 DM
518,60 DM ist der Mantel-Verk.-Preis
Machen wir auch bei diesem Preis die Verdienstkontrolle und teilen den Verkaufspreis von 518,60 DM durch 3 Teile, d. h.:
vom Verkaufspreis 40% für Material
207,44 DM
vom Verkaufspreis 40% f. Lohn u. Unkost. 207,44 DM
20% Verdienst
103,72 DM =
518,60 DM
Ausgaben haben wir für Material:
215,— DM = ein Minus von 7,65 DM
Für Lohn und Unkosten:
199,16 DM = ein Plus
von 8,28 DM = Überschuß 0,72 DM.
183
Diese 0,72 DM rechnen wir den 103,72 DM hinzu = 104,44 DM. Verdienst,
wenn der Meister selbst zuschneidet und anprobiert oder ca. 20%. Beschäftigt
der Betrieb einen Zuschneider, so geht dessen Verdienst von der letzten Summe
ab. Nehmen wir als Zuschneidergehalt 450,— DM im Monat, so macht dieses
bei 200 Std. Arbeitszeit im Monat pro Std. 450 : 200 = 2,25 DM. 6 Std. Zuschneidertätigkeit = 2,25 DM X 6 = 13,50 DM, so daß in diesem Fall ein Verdienst von 91,— DM verbleibt.
Zum Abschluß beschäftigen wir uns noch mit den sogenannten feststehenden
Preisen. Ein Geschäft kann nach Lage seiner Kundschaft nicht mehr erzielen
als einen Fassonpreis von 100,— DM ohne Zutaten. Auch hier müssen wir kalkulieren: Das Geschäft hat einen Unkostensatz auf den Lohn von 50% und einen
Gewinnzuschlag von 10% auf Lohn und Unkosten.
Wir r e c h n e n : Anfertigungspreis = 100,—DM minus Gewinn von 10% im
Abschlag nur 9% = 9,— DM, bleibt 91,— DM für Löhne und Unkosten. Wir
ziehen die Unkosten ab, die wir mit 50% Aufschlag berechnet haben.
50% Aufschlag = 33V8% Abschlag.
33V 8 % von 91,— DM = 30,33 DM bleibt 60,67 DM.
Für 60,67 DM muß der Anzug zugeschnitten, anprobiert und genäht werden.
Rechnen wir für Zuschnitt usw. nur 15% des Lohnes = 9,— DM, so bleiben für
einen Nählohn ca. 51,— DM geteilt durch Stundenlohn 1,20 DM, verbleiben
42% Std. für reine Näharbeit.
Wenn man mit diesen Arbeitszeiten nicht auskommen kann, gibt es nur zwei
Möglichkeiten:
1. die Unkosten zu senken, und da dies in den meisten Fällen nicht möglich sein wird,
2. die Arbeiten zu rationalisieren.
Diese Maßnahme wird durch die Erkenntnis aus unserer Kalkulation immer
zwingender, wenn wir unsere Geschäfte erhalten und unsere, in der Kaufkraft
stark geschwächten Kunden behalten wollen.
Das B e r e c h n e n u n d die R e c h n u n g s g e s t a l t u n g von
Änderungen und Wendearbeiten.
Reparaturen,
Da wir für die Berechnung der oben angeführten Arbeiten keine tariflichen
Unterlagen haben, müssen wir den Preis in jedem Betrieb nach der Höhe des
jeweiligen Meisterstundenbetrages errechnen. Die Meisterstunde multipliziert mit
geleisteter Arbeitszeit wird immer als Grundlage der Preisgestaltung zu verwerten sein. Die Höhe des Meisterstundenbetrages ist in jedem Geschäft verschieden.
Sie richtet sich jeweils nach dem gezahlten Gehilfenlohn zuzüglich Unkosten.
Die Unkosten ersehen wir aus einer richtigen Buchführung, welche die Grundlage jeder geordneten Kalkulation ist.
184
Nur in einem geordneten Betrieb mit sorgfältigster Buchführung ist eine Errechnung der wirklichen Unkosten möglich. Unseren zukünftigen Meistern und
vor allem den Jung-Meistern unseres Berufes kann nicht oft genug gesagt werden,
daß Ordnung in der Geschäftsführung eine der wichtigsten Voraussetzungen für
den Erfolg ist.
Es gibt auch unter den Jungmeistern noch viele, die den Begriff des Fleißes
im rein Nähtechnischen sehen. Sie arbeiten von morgens früh bis abends spät
in ihrer Werkstatt und erzielen auch, rein berufstechnisch gesehen, beachtliche
Erfolge. Trotzdem will sich bei vielen der g e s c h ä f t l i c h e E r f o l g nicht einstellen.
Sie vergessen bei allem Fleiß, daß der Meister und Betriebsleiter sich vom
Gesellen gerade dadurch unterscheiden muß, daß er seiner Arbeit die genaueste
P r e i s e r r e c h n u n g z u g r u n d e legt.
Diese ist für das Bestehen des Geschäfts ebenso notwendig wie die Herstellung eines gut gearbeiteten und einwandfrei sitzenden Anzuges. Auch der Einkauf der Materialien bedarf größter Beachtung und muß preismäßig immer im
richtigen Verhältnis zum erzielten Verkaufspreis des fertigen Anzuges stehen.
Hier kann sich wahre Meisterschaft zeigen und darum die Mahnung:
Rechnet richtig!
Nicht Richtpreise, von Innungen festgesetzt, können uns helfen, sondern die
Fähigkeit des einzelnen Meisters, die für seinen Betrieb richtigen Preise richtig
zu errechnen. Man mache keine Preise aus dem Handgelenk heraus. Richtig errechnete Preise der Kundschaft abverlangen, werden den geschäftlichen Erfolg
garantieren, wenn
der Kunde auch in rein handwerklicher Arbeit und in bazug auf
F o r m und Linie das erhält, was er von einem Maßschneider erwartet.
Kalkulieren heißt:
Den für seinen Betrieb r i c h t i g e n Preis r i c h t i g errechnen.
Ale U n k o s t e n werden prozentual vom G e h i l f e n l o h n errechnet.
Bei A l l e i n m e i s t e r n und K l e i n b e t r i e b e n bis zu zwei Gehilfen beträgt der
Unkostensatz
40—70% vom G e h i l f e n l o h n ,
und steigt bei g r ö ß e r e n B e t r i e b e n bis zu 150% vom Gehilfenlohn.
Als sichere Grundlage zur Errechnung des Unkostensatzes dient die Buchführung.
Wir legen den III. Tarif unserer Berechnung zugrunde:
Gehilfenlohn
= 1,17 DM
Unkostensatz, 40% vom Lohn
= 0,47 DM
Selbstkosten der Gehilfenstunde
1,64 DM
15% Meisterverdienst
0,25 DM
1,89 DM
185
DM 1,89 ist ckr Preis der M e i s t e r s t u n d e für die Preisberechnung unserer geleisteten Arbeiten.
Mindestsatz bei kleinsten Unkosten.
A n w e n d u n g s - B e i s p i e l bei R e p a r a t u r - A r b e i t e n
Der Meister als sein eigener Gehilfe beginnt des Morgens um 8 Uhr mit der
Reparatur eines Anzuges.
Um 12 Uhr mittags ist die Reparatur fertig und der Meister berechnet nun
dem Kunden die geleistete Arbeistzeit von 4 Stunden:
Meisterstunde X geleisteter Arbeitszeit
= Betrag der Rechnung für die betreffende Arbeit.
Die Anführung der einzelnen Arbeiten (z. B. Knopflocherreparatur usw. wäre
zu empfehlen.
Bei Umarbeiten un Änderungen ist dasselbe Prinzip anzuwenden wie bei den
Reparaturarbeiten. Selbstverständlich muß sich die aufgewendete und berechnete Zeit im Rahmen des Berufsüblichen halten, da wir sonst Gefahr laufen, mit
der Kundschaft in Konflikt zu geraten.
In diesem Zusammenhang wird noch sehr viel gesündigt. Es ist absolut falsch,
dem Kunden eine Rechnung zu schicken, auf welcherbeispielsweise steht:
„Ein Anzug repariert, gereinigt und gebügelt = DM 27,50".
Aus solcher Rechnung ersieht der Kunde gar nichts und die evtl. angerufene
Preisüberwachungsstelle erst recht nichts. Eine sachverständige Stelle (Innung)
soll nun feststellen, ob der Preis gerechtfertigt ist. Beide Parteien werden gehört.
Der Kunde behauptet, an dem Anzug wäre fast gar nichts zu arbeiten gewesen.
Der Schneider spricht genau das Gegenteil. Eine genaue Prüfung des strittigen
Kleidungsstückes ist die Folge. Wieviel einfacher wäre es für alle Beteiligten,
wenn die Rechnung nach dem folgenden Muster ausgestellt worden wäre (geleistete Arbeitsstunden X Meisterstundenbetrag). Die Höhe der geleisteten Arbeitsstunden kann jeder gute Fachmann leicht kontrollieren. Die Höhe des Meisterstundenbetrages ist durch Einsicht in die Buchführung des Schneiders leicht
festzustellen. Die Schlichtung eines solchen Streitfalles ist verhältnismäßig einfach und überzeugend.
Rechnungs-Beispiel:
Herrn K u r t Müller
Bln.-Wilmersdorf, Nestorstraße 4
Juli 10.
1 Anzug repariert und gebügelt:
Sakko:
Handkante neu, mittelstes Knopfloch ausgebessert, Oberkragen gereinigt, in Ärmelfutter Stücke eingesetzt, Leibfutter repariert
Std.
Weste:
Rücken ausgebessert, Steg erneuert, Knöpfe neu angenäht Std.
186
41/2
2
Hose:
Neuer Saum mit Schoner, Gesäßfutter neu, Knöpfe nachgenäht
. . . .
Std. 3
Den Anzug gebügelt
Std. 3
Std. n y 2
Arbeitszeit 11 Std. ä DM 2,50
27,50 DM
Bei der Berechnung von Wendearbeiten ist es am zweckmäßigsten, die jeweiligen Anfertigungspreise als Grundlage zu nehmen.
Beispiel: Ein Geschäft erzielt einen Anfertigungspreis für einen Sakko-Anzug von 145,— DM mit Zutaten. Der Preis für das "Wenden eines Anzuges müßte
nun in der gleichen Höhe liegen. Setzen wir den Preis der Zutaten in diesem
Falle mit 25,— DM fest, so deckt sich dieser Betrag mit den Kosten für Trennen,
sauber machen usw. Die Theorie, den Preis für Wendearbeiten dem Anfertigungspreis einschließlich Futterzutaten gleichzustellen, läßt sich für jedes Geschäft anwenden. Es wird auch nicht zu schwer fallen, dem Kunden diese Preisgestaltung
klarzumachen. Geschickte Meistertätigkeit erleichert jedes Geschäft und hilft
Differenzen zu vermeiden.
Nicht nur Schneider sein, sondern auch „Geschäftsleiter".
187
Materialkunde
Frage:
1. Woher stammt die reine Wolle?
2. Wieviel Sorten Schafe gibt es?
3. Welches sind die besten Schafe?
4. Wieviel Kreuzungen?
5. Welche Schafe liefern das beste Material?
6. Welche sind Niederungsschafe ?
7. Was für Wolle liefert dieses Schaf?
8. Wo lebt das Merinoschaf?
9. Woher stammt das Cheviotschaf?
10. Woher stammt die Heidschnucke ?
11. Wieviel Sorten Wolle gibt das Schaft?
12. In welchem Alter ist die Wolle der
Schafe am besten?
13. Welches ist die beste Wolle?
14. Was für Wolle liefert die Kreuzung?
15. Wo finden die größten Wollauktionen
statt?
16. Wie nennt man die geschorene Wolle ?
17. Wieviel Schafe kann ein Mann in
8 Stunden elektrisch scheren?
18. Wie oft und wann wird geschoren ?
19. Was ist Wolle?
188
Antwort:
1. Vom Schaf.
2. 2 Sorten: Höhen- oder Landschafe
und Niederungsschafe.
3. Das schlesische Landschaf und das
Merinoschaf.
4. 1 Kreuzung von Land- und Merinoschaf = Electroralschaf.
5. Das schlesische Landschaf und das
Merinoschaf.
6. Englisch Cheviot, Marschschaf, Heidschnucke.
7. Kammgarn, Cheviot, die Wolle ist
lang, stark, wenig gekräuselt.
8. Stammt aus Spanien und ist überall
außer in Deutschland zu finden.
9. Aus Schottland am Fuße des Cheviotgebirges.
10. In der Luneburger Heide, Pommern,
Schlesien.
11. Es gibt 3 Sorten:
1. Hals, Schulter, Flanke;
2. Nacken, Rücken;
3. Kehle, Bauch.
12. Im Alter von 2—6 Jahren.
13. Die vom lebenden, gesunden Tiere
(tot minderwertig, Gerber- und Sterblingswolle).
14. Sie liefert kürzeres, stark gekräuseltes,
feines, weiches, stark verfilzungsfahiges Material.
15. In England, Deutschland, Australien.
16. Vliess.
17. 125 Schafe.
18. Einmal im Frühling.
19. Wolle ist an sich ein hornartiges, trokkenes Gebilde, das bis zu 30% Eigengewicht Wasser und Luft annehmen
kann, ohne sich feucht anzufühlen.
20. Womit erkennt man Wolle ?
21. Gefühl?
Geruch?
Gehör?
Geschmack ?
Gesicht?
22. Chemische Untersuchung?
23. Was sind Kammgarne ?
24. Was sind Streichgarne?
2B. Was muß mit dem Stoff vor der Verarbeitung geschehen?
26. Welche Stoffe sind am haltbarsten?
27. Gibt es noch andere Tiere die Wolle
liefern ?
28. Alpaka-Lama?
29. Das Vikuna?
30. Die Kaschmirziege?
31. Die Angoraziege?
20. Mit den 5 Sinnen
21. Fettiges, weiches Gefühl.
Riecht bei der Brennprobe nach Fett.
Knistert.
Kitzelt, wenn man den Faden über die
Zunge zieht.
Schuppig, Dachziegelartig.
22. In 40% Natronlauge gekocht, wirkt
langsam auflösend.
23. Kammgarne sind aus längeren Wollen
hergestellt, daher glatt und fein.
Kammgarnfaden zeigen an den Außenseiten wenig abstehende Haarenden.
Durch Verarbeitung der langen Wollen
sind Kammgarne sehr haltbar und
eignen sich hauptsächlich für feine
und leichte Gewebe.
24. Streichgarne sind aus kürzeren Wollen hergestellt und sind an den Außenseiten rauh oder moosig. Eignen sich
hauptsächlich für tuchartige Stoffe.
Streichgarne sind bei gleicher Stärke
weniger haltbar als Kammgarne.
25. Er muß geprüft werden, auf Fehler
und Nadelfertigkeit, evtl. reklamieren.
26. Gezwirnte Stoffe.
27. Alpaka-Tier, Süd-Amerika.
2. Kamel
Hoch3. Das Vikuna-Schafkamel
und
4. Die Kaschmir-Lama-Ziege Mittel5. Die Angora-Ziege
Asien.
28. Liefert seidig-glänzende Wolle, hauptsächlich Alpakagarne.
29. Ist ein Schafkamel und liefert ein
sehr feines, weiches Haar, mit hohem
Glanz von einer Länge bis zu 13 cm;
echte Vikuna wird immer seltener, ist
daher sehr wertvoll. Dient zur Herstellung feinster Tuchstoffe und Vigognewolle.
30. Von der Kaschmirziege nimmt man
das Flaumenhaar und macht daraus
Schals, Tücher und feine Damenstoffe.
31. Liefert Mohär und Angorawolle. Man
macht daraus Plüsch, Lüster, Krimmer, Borde, ganz feine Sorten werden
auch zur Kammgarnspinnerei verwandt.
189
32. Das Kamel?
32. Liefert Kamelhaar: Verwertung sind
Decken, Wettermäntel, Ulster usw.
Bauchhaar zur Wattierung.
33. Liefert vom Schweif und Mähne das
Roßhaar, welches für Gewebe verwebt wird, die zur Einlage dienen.
33. Das Pferd?
Baumwolle:
Frage:
Antwort.
1. Was ist Baumwolle ?
2. Wie hoch wird die Staude ?
3. Welche Staude liefert die beste Baumwolle?
4. Welche Baumwolle ist die beste?
5. Beurteilung der Baumwolle?
6. Faserlänge?
7. Mikroskopische Untersuchung?
8. Chemische Untersuchung?
9. Was ist mercerisieren ?
10. Was geschieht dadurch?
1. Ist ein pflanzliches Produkt und wird
aus der Baumwollstaude, welche aus
Ostindien stammt, gewonnen. Die
Faser liegt in der Fruchtkaspel und
wird nach der Reife durch Pflücken
gewonnen.
2. 75 cm — 6 m.
ß. 1—5 jährige. Ihr Anbau erfolgt hauptsächlich in tropischen Gegenden.
4. Die ägyptische, sie liefert die feinen
Macofäden.
5. Die Baumwolle wird beurteilt nach
Länge, Durchmesser, Feinheit, Weichheit, Glanz, Elastizität, Farbe und
Festigkeit.
6. 1—5 cm.
7. Sieht die Baumwollfaser wie ein bandartiges Gebilde mit schraubenbenzieherartigen Windungen aus.
8. In Schwefelsäure löst sich Baumwolle auf.
9. Ist eine Behandlung mit Natronlauge.
10. Sie erhält dadurch einen seidenartigen
Glanz und eine erhöhte Festigkeit und
wird nun als Effektfaden bei Herrenstoffen verwandt.
Kunstwille oder Lumpenwolle?
Frage:
1. Was ist Kunstwolle?
2. Wie nennt man dieses Verfahren?
190
Antwort:
1. Ist aus alten und neuen Lumpen hergestellt. Die Lumpen werden nach Art
und Herkunft sortiert, entfärbt, von
Baumwoll- und Seidenfaden gereinigt.
2. Karbonisieren. Die so gewonnenen
Wollenden werden neu versponnen
und gewebt.
3. Besseres Aussehen und Festigkeit?
4. Geringe Qualitäten?
5. Wie nennt man die drei SortenKunstwolle?
6. Wie erkennt man Kunstwolle?
7. Mikroskopische Untersuchung
8. Brenn- und Säureprobe?
3. Wird Kunstwolle meistens mit reiner
Schafwolle verwebt.
4. Auch Baumwolle gemischt.
5. 1. Shoddy: aus reinwollenen Stoffen
die nicht gewalkt sind und Strickund Webwaren.
2. Mungo: aus gewalkten tuchartigen
Stoffen.
3. Tibet: aus halbwollenen Stoffen,
aus denen Baumwollfasern durch
Karbonisieren entfernt sind.
6. Sehr schwer, totes Aussehen, fast
keinen Glanz, vielfach einen unangenehmen öligen Geruch, Teer, Petroleum und harten Griff.
7. Der Kunstwollfaden hat eine ungleiche, zerrissene Struktur.
8. Gleiches Resultat wie bei reiner Wolle.
F l a c h s oder L e i n e n
Frage:
1. Wo wächst, gedeiht der Flachs?
2. Verarbeitung?
3. Kunstliche Verarbeitung?
4. Rohflachs?
5. Abfall?
6. Festigkeit?
7. Gleichmäßigkeit des Gewebes?
8. Was für pflanzliche Spinnfasern gibt
es noch?
Antwort:
1. Feuchtes, kühles Klima, russische
Ostseeprovinzen, Polen, Ostpreußen,
Schlesien, Österreich, Alpenländer.
2. Das Rosten dauert bei feuchter Luft
14 Tage, bei trockener Luft 2 Monate.
3. Durch Dampf oder Sauren 3—4, höchstens 8 - 1 0 Tage.
4. Durch sogenannte Brechmaschinen
wird das geröstete Flachsstroh auseinander gerissen und gebrochen. Um
alle anhaftenden Holzteilchen zu entfernen, wird der Flachs geschlagen,
der so gewonnene Schwungflachs ist
fertige Handelsware.
6. Schwingwerg.
6. Größer als Baumwollgewebe.
7. Ein gegen das Licht gehaltenes FlachsLeinengewebe ist nie so gleichmäßig
wie Baumwollgewebe, zeigt vielfach
Knoten und Verdickungen und fühlt
sich immer kühl an, hat stets einen
angenehmen, frischen Geruch.
8. Hanf, Jute, Nessel.
Ist dem Flachs sehr ähnlich. Ist
durch den Krieg bei uns sehr verbreitet. Gewebe davon kommen durchweg als Leinen in den Handel.
191
8 a. Jute liefert eine grobe, holzige Faser.
Verwendung hauptsächlich: Packmaterial, Möbelstoffe, LinoleumUnterlage und auch Papierfabrikation.
9. Stammt aus Indien und China. Anbau
Art und Ernte ist dem Flachs sehr
ähnlich.
10. Verwendung: Glühstrümpfe, Banknotenpapier, in der Schneiderei für
Hosentaschen und Kittel, nach jedem
Waschen wird Nessel weißer und
weicher.
8a. Jute?
9. Kalkuttahanf?
10. Nessel auch Ramie genannt ?
10 a. Brennessel wird wenig benutzt.
Reine Seide
Frage:
1.
2.
3.
4.
5.
Woher stammt die Seide (echte)?
Was ist Maulbeerspinner?
Lebensdauer des Maulbeerspinner ?
Wieviel Eier legt der Maulbeerspirmer ?
Wie lange leben die daraus entschlüpfenden Raupen?
6. Wie oft häuten sie sich?
7. Woher kommt der Spinnsaft?
8. Wie lang ist der Kokonfaden ?
9. Verarbeitung?
10. Ursprungsland?
11. Seiden-Marken?
12. Abfallseide?
13.
Erkennungsmerkmale?
192
Antwort:
1.
2.
3.
4.
5.
Vom Maulbeerspinner.
Ein schmutzig grauer Schmetterling.
Etwa 8 Tage.
Ca. 600 hirsekorngroße Eier.
4—6 Wochen.
6. Vier mal und spinnen sich vor dem
Verpuppen ein.
7. Aus 2 Drüsen, die sich neben dem
Freßwerkzeug befinden. Die ausgestoßenen zwei Seidenfäden erhärten
sofort an der Luft und kleben durch
den Seidenleim innig zu einem Faden
zusammen.
8. 3— 4000 m, von dem nur ca. 800 m
abgehaspelt werden kann.
9. Die Kokons werden im warmen
Wasser aufgelöst und mit Ruten geschlagen, um den Anfang des Fadens
zu bekommen. Beim Abhaspeln werden 5—6 Fäden vereinigt.
10. China — Seidenindustrie 2 i / 2 tausend
vor Christi. Außer China, Japan,
Spanien, Italien, Frankreich und
Schweiz. Deutschland wenig erfolgreich.
11. Edle oder echte Seide, Tussa oder
wilde Seide.
12. Chappe und Borettseide.
13. Echte Seide ist glatt, im Faden fast
endlos. Entgummiert von schönem,
hohem Glanz.
14. Verbrennungsprobe?
15. Beschwerung?
14. Wie bei reiner Wolle, Knötchen.
15. Bis 30% durch Zinnsalz-Antimon und
Bisen, schwarze Seide bis 400%, Kleiderseide 100% gute Regenschirmseide
nicht beschwert.
16. Erschwerte Seide weniger haltbar,
unbeschwerte Seide am haltbarsten.
17. Weniger gleichmäßig, meist in der
Farbe dunkel.
18. Ist Abfallseide aus kurzem Fädenstumpf und wird nach Kammgainart
versponnen.
19. A m minderwertigsten, letzter Abfall.
20. Liefert die Tussaseide. Diese ist von
gelber Farbe, hart und unregelmäßig
aber sehr haltbar.
21. Wird in den wenigsten Fällen vom
Maulbeerspinner gewonnen, sondern
vom Rizinusspinner und heißt Erinseide oder chinesische Roh- oder Bastseide.
22. Eichenspinner liefert
die der
echten Seide ähnliche Jamaguseide.
23. Gibt die im Mittelmeer lebende
Schnecke; der Faden ist 30—60 mm
lang, goldig, glänzend-grob. Für Kleider keine Verwertung, nur Galanteriesachen und Handschuhe.
16. Haltbarkeit?
17. Tussaseide?
18. Chappeseide?
19. Borettseide?
20. Tussaspinner ?
21. Roh- oder Bastseide ?
22. Eichenspinner?
23. Byssusseide?
Kunstseide.
Frage:
Antuort:
1. Was ist Kunstseide?
1. Ein chemisches Produkt und wird
hauptsächlich aus Zellstoff hergestellt,
die Veredelung der Kunstseide hat
in den letzten Jahren so große Fortschritte gemacht, daß sie ein wesentlicher Bestandteil des Textilmarktes
geworden ist. Fast alle Gewebe der
reinen Seide werden mit Kunstseide
gemischt.
2. Mit was mischt man Kunstseide ?
3. Fabrikation?
2. Mit reiner Wolle, Baumwolle, Chappe.
3. Der Kunstseiden-Zellstoff wird durch
Wasser und Alkalilauge in eine breiige Masse verwandelt und mit Schwefelkohlenstoff behandelt. Dieses Rohprodukt wird durch feineDüsen getrieben und erhärtet beim Durchlaufen.
Der Faden und das Produkt ist fertig.
13
Jarke
193
4. Abfall?
5. Prüfung?
6. Arten der Kunstseide ?
7. Vistra-Spinnfasern?
8. Wollstra-Spinnfasern?
9. Vistra und Wollstra?
10. Wie ist Kunstseide in der Beschaffenheit?
4. Der Abfall der Kunstseide wird mit
Stapelfasern bezeichnet.
5. Wie Baumwolle.
6. 1. Viskose;
2. Baumwollabfälle, Linters (Bemberg);
3. Acetaseide, am haltbarsten und ist
eine chemische Produktion mit
Fabrikationsgeheimnis.
7. Sind Kunstspinnfasern, welche in
50— 60 cm lange Enden geschnitten
werden und durch chemische Prozeduren (Kräuseln, Aufrauhen usw) der
Wolle gleich gemacht werden. Man
benutzt dazu die sogenannte Stapelfaser. Rohmaterial wie bei Kunstseide,
Zellstoff oder Baumwolle.
9. Wird mit reiner Wolle versponnen,
und zwar mit 60—80% Wolle und ergeben sodann ein gutes StoffmateriaL
10. Kalt.
Nähseiden
Frage:
1. Echte Seide?
2. Chappe-Seide?
Antwort:
1. Rechts gedreht, weichen Glanz, für
Handnäherei sehr haltbar.
2. Links gedreht, stumpfen Glanz, für
Maschinennäherei.
Zwirn
Frage:
1. Wieviel Arten.?
Antwort:
1. Flachs oder Leinen, Baumwollzwirn,
Baumwollzwirn stumpf, Leinenzwirn
glänzend und wesentlich hatlbarer.
Spinnerei
Die gründliche Reinigung der Wolle geschieht in der Fabrik. Sie wird in Soda und
Seife gespült und getrocknet. K a r b o n i s i e r t , d. h. von dem letzten Rest der Holz- und
Strohteilchen befreit. Dann wird die Wolle maschinell durch sogenannte Wölfe aufgelockert. In Ölwölfen wird dann die Wolle angefettet, um sie spinnfertig zu machen. —
Spinnen heißt, durch Zusammendrehen kurzer Wollfasern beliebig lange Fäden zu erhalten. — Man unterscheidet Hand- und Msachinenspinnerei. Industrie und Maschinen-
194
Spinnerei ist sehr vervollkommnet. — Nach dem Spinnen wird das Garn gehaspelt,
cL h. der lange Faden wird in einzelne Strähnen und Gebinde eingeteilt. Eine neuere
Art ist das Zwirnen der Fäden. — Das gesponnene Garn wird von 2—4—8 Fäden durch
Drehung gezwirnt. Das Zwirnen wird im nassen Z u s t a n d ausgeführt.
Das Gewebe
Antwort:
Frage:
1. Wie entsteht ein Gewebe?
2. Wieviel Grundbindungen gibt es ?
3. Leinenbindung?
4. Köperbindung?
5. Satin oder Atlas?
6. Panama oder Mattenbindung?
7. Ripsbindung?
1. Durch Verflechtung zwei sich rechtwinklig kreuzender Fäden.
2. Drei.
1. Leinenbindungen;
2. Körperbindungen;
3. Satin- oder Atlasbindungen.
3. Ist die einfachste und gleichmaßigste in der Verflechtung u. sieht links u.
rechts gleich aus und heißt bei Futterstoffen Taftbindung.
4. Uberspringen mehrerer Fäden des
Schusses und mehrere Fäden der
Kette. — Man unterscheidet 2-, 4-,
5-bindigen Köper, Köpergewebe sind
weicher und schmiegsamer als Leinengewebe.
5. Ist ein Köpergewebe mit zerstreuten
Bindungen. — Die Effektstoffe, Zickzack und Diagonale sind immer Köperbindungen und man nennt sie Diagonalstoffe.
6. Ist von der Leinewand abgeleitet.
Die Starke des Panama entsteht dadurch, daß Kette und Schuß mehrmals
übersprungen werden. 2—6 mal.
7. Ist abgeleitet von Köperbindung. —
Es gibt Kette- und Schußrips. Auch
Diagonal-Rips-Wippcord. Die Starke
des Rips wird dadurch bestimmt, wieviel Kettfäden übersprungen werden.
Längsgerippt. Manchester.
Veredlungs v e r f a h r e n
Um dem Stoff ein gutes Aussehen zu geben, wird er 1. appretiert, 2. dekatiert.
13»
195
Bürgerliches Qesetzbuch
nebst Einführungsgesetz
Textausgabe mit ausführlichem Sachregister
21 Auflage. Oktav. 8 9 0 Seiten
Nachdruck 1 9 4 9 .
Gebunden DM 6 , 5 0
(Guttentagsche
Sammlung
von Textausgaben
ohne Anmerkungen
mit
Sachregister)
H andelsgesetzbuch
nebst Einführungsgesetz v o m 10. M a i 1 8 9 7
Textausgabe mit Sachregister
1 6 . Auflage
C Guttentagsche
Sammlung
Oktav. 1 5 6 Seiten. 1 9 4 9
von Textausgaben
DM2,80
ohne Anmerkungen
mit
Sachregister)
Volkswirtschaftlich
richtige Kostenrechnung
Von L o t h a r
Mann
Oktav. 1 1 8 Seiten. 1 9 5 0 . D M 4 , 8 0
Die Qrundzüge
der betrieblichen Organisation
Von O t t o
Stumpfte
Oktav. Mit Tabellen und graphischen Darstellungen
1 4 8 Seiten. 1 9 5 0 . D M 5 , W A L T E
R
DE
F.
Q R U Y T E R
&
C O .
/
B E R L I N
W
35
Triebe!
Praktisches Rechnen nach Beispielen
Rechen-Leitfaden für alle Berufsstande nebst einem Verzeichnis
der unteilbaren Zahlen (Primzahlen) bis 1 0 0 0 0
und
einem
A n h a n g für Papierberechnung
5 . Auflage. Qroß-Oktav
6 4 Seiten. 1 9 4 9
DM 1 , 8 0
Teilbar durch?
K ü r z e n v o n B r ü c h e n durch A b l e s e n d e r T e i l e r
2 . Auflage. 2 7 Seiten
TECHNISCHER
VERLAG
1949. DM 1,50
HERBERT
CRAM / BERLIN W
35
Barschengrößen
Größe
Oberweite
Unterweite
Taillenläuge
x
/ 2 Rückenbreite
Ellenbogen
Ganze Ärmellänge . . . .
Westenlänge
Hosen, Seitenlänge . . .
ohne Bund gemessen
Schrittlänge
Bundweite
Gesäßweite
Sporthosen, Knieweite
über Knie gemessen
Kniekehle
Wadenweite
Knöchelweite
38
40
42
43
Normale Größen
84
86
80
42
17%
50
78
128
93
70
68
84
96
72
72
88
99
74
76
92
100
76
78
94
100
77
76
88
103
79
78
92
33
28
31
10
36
29
33
20
37
30
34
21
38
31
35
22
36
29
34
20
37
30
35
21
56
68
60
62
108
104
46
21%
51%
85
142
113
112
112
47
22%
52
86
146
114
116
118
47
23
62%
87
14B
115
120
122
48
23%
63
88
160
116
124
126
48
24
53%
89
152
117
88
90
82
84
43
44
18
18V
50% 61
82
80
130
132
107
105
74
80
96
38
76
84
100
39
78
88
104
40
80
92
108
41
82
96
112
43
83
102
116
44
84
110
120
46
84
116
124
46
84
120
128
47
85
124
130
48
79
.80
94
38
81
82
98
39
31
36
22
32
37
23
34
38
24
35
39
25
36
40
26
37
41
27
38
42
27
39
43
28
40
44
29
31
36
22
32
37
23
44 S
46 S
48 S
88
82
42
m
i
49
76
128
100
46
48
60
52
54
Bauch-Übergrößen
Größe
Oberweite
Unterweite
Taillen] änge
J
/a Rückenbreite
Ellenbogen
Ganze Ä r m e l l ä n g e . . . .
Westenlänge
Hosen, Seitenlänge . . .
ohne Bund gemessen
Schrittlänge
Bundweite
Gesäßweite
Sporthosen, Knieweite
über Knie gemessen
Kniekehle
Wadenweite
Knöchelweite
65
55%
57
57%
59
61
104
73
114
120
44
38
42
27
44
38
42
27
109
77
118
124
m
39
42%
28
105
74
118
124
44%
39
42%
28
110
78
124
126
46
40
43
29
112
79
128
132
45%
41
43%
30
90
41
44%
30
Sport-Größen
63
65
114
122
130
HO
110
114
118
126
136
116
116
120
120
126
130
140
44
43
45
44
45
46
46
47
22
22
22% 22% 23
23% 24
24%
51
52% 53
53% 54
61% 50% 52
82
83
81
84
85
86
87
88
142
152
140
144
142
146
148
160
107
76
114
120
Sch
92
96
100
104
94
86
90
98
44
45
46
43
21
20
18% 19%
60% 51
49% 50
83
84
78
81
130
134
136
138
111
103
105
108
44
76
84
80
84
86
70
74
78
78
80
37
38
42
41
40
1
16
15'/,
167, IV /. 167«
46
46 V, 47
48
49
76
73
74
75
77
124
126
116
120
128
Normal-Übergrößen
113
80
134
136
46
42
44
30
114
80
138
142
46%
43
44%
31
50 S
52 S
88
80
42
92
100
104
96
82
90
94
86
43
44
45
46
20%
17% 18% 19% 20
49
50% 51
49% 50
76
83
84
78
81
128
130
134
136
138
100
103
105
108
111
54 S
88 S
90 S
94 S
98 S
108
88
90
94
98
100
78
80
84
88
44
45
46
46
43
20
21
18
18% 19
51% 52
61% 60% 51
85
80
82
84
86
132
134
138
142
130
107
110
113
113
105
74
78
96
38
76
80
100
39
78
84
104
40
80
88
108
41
82
92
112
43
83
98
118
44
79
76
92
38
81
78
96
39
83
82
100
40
85
86
104
41
31
36
22
32
37
23
34
38
24
35
39
25
36
40
26
37
41
27
31
36
22
32
37
23
34
38
24
35
39
25
Schlanke Größen
90
94
98
94
98
¡8
90
92
32
84
88
46
13
44
45
19
20
18
18%
51% 52
>054 51
82
84
86
30
134
30
132
138
107
110
113
)5
Untersetzte Großen
102
106
102
106
102
98
47
48
20% 21%
53
88
87
142
140
119
116
m
22
88
84
40
m
48
77
126
97
23
24
25
26
Bauchgrößen
27
100
96
43
18% 19% 20
49
79
78
80
128
130
132
102
104
99
104
100
44
21
50
81
134
106
108
106
44
21%
50%
82
136
108
92
88
41
96
92
42
m
m
45
90
92
40
18
49
77
132
99
47
49
51
517»
53
53%
94
96
41
19
49 •/,
78
134
101
102
106
43
197» 207»
50
507»
79
80
136
138
103
104
102
106
42
207»
49V»
78
136
100
106
110
43
21
51
82
140
106
106
110
42
21
50
80
138
102
98
102
42
79
30
34
38
81
82
98
39
83
86
104
40
85
90
106
41
87
96
110
42
89
100
112
43
72
82
98
38
73
86
102
39
75
90
106
40
76
94
110
41
78
98
114
43
79
104
116
44
71
90
98
39
72
94
102
40
73
100
106
41
74
104
110
42
71
104
110
42
75
108
114
43
72
108
114
43
31
36
22
32
37
23
34
38
24
35
39
25
36
40
26
37
41
27
31
36
22
32
37
23
34
38
24
35
39
25
36
40
26
37
41
27
33
37
23
34
38
24
35
39
25
36
40
26
36
40
26
37
41
27
37
41
27
Größe
Oberweite
Unterweite
Taillenlänge
Rückenbreite
Ellenbogen
Ganze Ärmellänge
Westenlänge
Hosen, Seitenlänge
ohne Bund gemessen
Schrittlänge
Bundweite
Gesäßweite
Sporthosen, Knieweite
über Knie gemessen
Kniekehle
Wadenweite
Knöchelweitc
Größen-Tabelle für Knaben-Oberbekleidung
S
98 S 102 S 106 S
98
88
46
20
4 52
86
138
113
102
106
98
94
47
48
20% 21%
52% 53
88
87
142
140
116
119
85
86
104
41
87
92
108
42
89
96
110
43
35
39
25
36
40
26
37
41
27
Größe
Oberweite
Unterweite
Taillenlänge
1
/ 2 Rückenbreite
Ellenbogen
Ganze Ärmellänge
Westenlänge
Hosen, Seitenlange
ohne Bund gemessen
Schrittlänge
Bundweite
Gesäßweite
Sporthosen, Knieweite
über Knie gemessen
Kniekehle
Wadenweite
Knöchelweite
Größe
Alter (Jahr)
Oberweite
Unterweite
Taillenlänge
% Rückenbreite..
Ellenbogen
Ganze Ärmellänge
Westenlänge
Hosen, Seitenlänge ohne Bund
gemessen
Schrittlänge
Bundweite
Gesäßweite
Leibhöhe
0
1
1
52
54
23
10,4
28
42
2
54
56
24
10,
29
44
3
56
58
25
11,2
30
46
84
54
58
56
60
• 00
2
3
4 5
58 60
60 61
26 27
11,6 12
31 32
28 61
87 90
4
5
6
62
62
28
12,4
32
53
93
7
64
63
29
12,8
33
55
96
55 58% 62 65% 69
37 40 43 46 49
58 60 61 62 63
62 64 66 69 72
18 18% 19 19% 20
6
7
8
8
9 10
66 67 68
64 65 66
30 31 32
13,2 13,4 13,
34 36 38
57 69 62
99 101 103
73
52
64
74
21
9
10
11 12
69 70
67 68
33 34
13, 14
40 41
64 66
105 108
11
12
13 14
72 74
69 70
35 36
14,4 14,8
42 43
68 70
111 114
78 80% 83 85% 88 90%
56 58 60 62 64 66
65 66 66 67 67 68
75 76 78 80 82 84
22 22% 23 23V» 24 24%
Rückenbreiten sind den modischen Erfordernissen entsprechend individuell zu erweitern.