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Text
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c
ü
Wenn Mücken sich bücken
seh ich mit Entzücken
ihren kleinen, feinen Rücken
In diesem Buch ist alles möglich:
Ein Haus hat Kopfweh
und zieht aufs Land,
ein Kaktus rasiert sich
und fährt ans Meer,
ein Frosch will im Jaguar
nach Afrika,
und eine Glückskugel
rollt durchs Land
und verwandelt alles.
ab 7 Jahre
JUNGBRUNNEN
EinGcschcnk
dcrßqittlW
CMaraw
Heinz Janisch
Ich schenk dir einen Ton
aus meinem Saxofon
Heinz Janisch
aus meinem Saxofon
Mit Zeichnungen von
Linda Wolfsgruber
Jungbrunnen
N. ü tff
Guten Morgen!
Schneckenschnell
wirds draußen hell,
drinnen ists noch dunkel
-ein Gemurmel und Gemunkel,
-ein Ohhhund Uahhh,
und langsam sind wir wieder da,
wo wir gestern eingeschlafen sind.
W$'..
BcepoccMücKafl
rocyflapcTBeHHafl fataiera
KHOCTpaHHßü nmepaTypti
HM. M.W. Pyaomhho
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme
Janisch, Heinz:
Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon / Heinz Janisch. -
Wien: Jungbrunnen, 1999
ISBN 3-7026-5709-6
Einband: Linda Wolfsgruber
2. Auflage 2000
Gesetzt nach den Regeln
der neuen deutschen Rechtschreibung
© Copyright 1999 by Verlag Jungbrunnen Wien München
Alle Rechte vorbehalten - Printed in Austria
Druck und Bindung: Druckerei Theiss GmbH,
A-9400 Wolfsberg
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„Guten Morgen!", sagt der Wind
und rüttelt unser Haus.
Aufstehn, aus den Federn, raus!
Nur schön langsam, nur nicht schnell,
noch ist der Schlaf ein warmes Fell,
das um unsren Körper liegt,
noch ist der letzte Traum nicht ganz besiegt,
noch schlafen wir im Stehen!
Also: Langsam, langsam gehen,
jetzt ein Schritt, und eins, zwei, drei,
bald ist die Nacht wirklich vorbei.
Man steht im Bad, das Licht so grell,
weg ist der Traum, weg ist das Fell,
weg ist der schöne, warme Schlaf.
War ich heut Nacht nicht ein richtiger Graf?
Egal - man schlüpft in Hose, Hemd und Socken,
man lässt sich in die Küche locken.
Man sagt nicht viel, nur „Ja" und „Nein".
Frühstück ist gut, Frühstück muss sein.
Jetzt ist es draußen richtig hell.
Du gehst in die Schule, schneckenschnell.
Komm rein!
Schnecken haben niemals Eile,
aber manchmal Langeweile.
Dann macht sich eine ganz klein,
sie hebt ihr Haus und sagt: Komm rein!
Fragen über Fragen Wohin läuft die Wut mit Stock und Hut? Wer kämpft da mit dem Degen gegen den strömenden Regen? ß 1 Wer lehrt die Ziegen endlich das Fliegen? Hat der Sturmwind h . H auch ein Kind? V' O B Tun dem Schnee B. "^0* die Schuhe weh? \ B Ist dem Eis manchmal heiß? Wann wird aus dir-im Traum- ein Apfelbaum? 89 . i! 7 > ? A-, X /-/ • ’• \ tM‘ % |}i l / _Zgfffiny Mi*' ö", T V Was macht der Dompteur beim V'/ yJ ’ V\ Was macht der Dompteur m ' beim Friseur? |l Er bändigt seine Löwenmähne- jede einzelne Strähne. .JK' k' JttS x 9 l * VH ' v 11V 1 kwMB? id F \ Wi^^Gv"«. u flf
Ausflug
War ein feiner Tag,
war ein Tag, wie ich ihn mag.
Habe viel gelacht,
Wind-das hast du gut gemacht.
duckt er sich
wird klein wie ein Kind
Dann kannst du ihm
ganz ohne Bedenken
deine Lieblingsmütze schenken
/
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Wenn der Wind schlafen geht
Wenn der Wind schlafen geht
und die Welt sich weiterdreht
leise leise ohne Laut
kommt der Schlaf als weiße Braut
Er kommt zu allen Dingen
Tische und Stühle lässt er singen
das Haus den Felsen den Baum
In jedem Ding wohnt jetzt ein Traum
Der Wind träumt vom Sturm
das Haus vom Turm
der Felsen träumt von der Schlucht
der Baum von der Frucht
der Kern träumt vom Stern
die Zitrone von der Krone
der Streifen träumt vom Reifen
die Glocke von der Locke
So lässt der Schlaf
jedes Traum-Schaf
auf seine Weide
Sanft wie Seide
hart wie Stein
können Träume sein
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-s
Wenn der Wind schlafen geht
und die Welt sich weiterdreht
leise leise ohne Laut
kommt der Schlaf als weiße Braut
wunderbare Schlafenszeit
kleine Schlaf-Traum-Ewigkeit
12 13
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Im Wolkenzoo
Habt ihr den Wolkenesel gesehen?
Erwill und will nicht weitergehen,
bleibt einfach so am Himmel stehen!
Mein Haus hat Kopfweh und zieht aufs Land
Mein Haus hat Kopfweh
und zieht aufs Land.
Es hat schon die Koffer gepackt
„Zu viele Abgase hier!", hat es gesagt
und ist erst einmal spazieren gegangen,
dreimal ums Haus des Nachbarn.
„Und dauernd das Gerangel der Autos
um einen Parkplatz, direkt vor meiner Nase!"
Es war nichts zu machen.
Mein Haus hatte die Nase voll,
vom Keller bis zum Blitzableiter.
„Man lebt nicht ewig", sagte es gestern früh,
kurz nach dem Frühstück.
„Ich will meine letzten hundert Jahre
zumindest im Grünen verbringen, ohne Autos,
im Schatten von blühenden Bäumen!"
Ich habe sogar den Hausarzt holen lassen.
Er ist aufs Dach gestiegen und hat gesagt:
„Kein Zweifel, so wahr ich der Hausarzt bin!
Ihr Haus hat Kopfweh, weil es so unglücklich ist!"
Natürlich kann ich mein Haus
nicht allein ziehen lassen.
Jetzt wohnen wir beide auf dem Land-
mein Haus und ich.
Wir hausen zwischen drei Kirschbäumen,
einem Apfelbaum
und zwei Birnbäumen.
Du kannst gern vorbeikommen!
Ich liege meist barfuß im Garten
-im hohen Gras-
und diskutiere mit meinem Rasenmäher
über den Urwald.
Das ist sein Spezialgebiet!
Er hat angeblich sogar ein Buch darüber
geschrieben,
eine Doktorarbeit,
aber ich weiß nicht, ob ich ihm das glauben soll.
Rasenmäher haben viel Fantasie...
Seitdem wir auf dem Land wohnen,
ist auch mein Haus wieder besser gelaunt.
Es lacht und summt vor sich hin
wie in alten Zeiten.
fcepoccMw
HHOcipanhuj- WT’paiypH
16 17
Ich schenk dir einen Ton
aus meinem Saxofon
Ich schenk dir einen Ton
aus meinem Saxofon
ein dunkles Brummen
ein lautes Schrummen
Schon wächst in deinem Bauch
ein tönender Strauch
Unterm Flieder
Derblühende Flieder
singt mir duftende Lieder
Das schönste Mädchen aller Zeiten
Das schönste Mädchen aller Zeiten
wollt ich gern begleiten.
Doch leider, leider, leider
ging es allein zum Schneider.
Jetzt weiß ich, dass du ein Engel bist
Wir standen auf einem Hügel,
ich küsste sanft deine Schulterflügel.
Da bist du mir auf- und davongeflogen.
Auf der Schaukel \\
Dieser lange, lange Nachmittag.
Ich sitze im Garten, auf der Schaukel.
Ich möchte davonfliegen,
in den Himmel hinein.
Jetzt weiß ich, dass du ein Engel bist,
auch wenn du es selber manchmal vergisst.
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<•.
Setz mich manchmal hin
Besuch bei mir selbst
Manchmal ist es so still in mir,
dass selbst mein Schweigen
zu laut ist.
Setz mich manchmal hin,
will wissen, wer ich bin.
Kenn mein Gesicht, meinen Namen,
weiß, ich wuchs aus einem Samen
-so wie ein Baum, ein Strauch.
Und verblühen, welken tu ich auch.
Werde dann sehr alt und klein,
werd ein Kind mit tausend Falten sein.
Will auch dann in Wiesen liegen,
ab und zu eine Gänsehaut kriegen,
will noch spüren, dass es mich gibt
und dass nur der lebt, der auch liebt.
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Mach mir gerne einen Zopf
Schau in jeden Topf
Hüpfe wie ein Känguru
Habe Streifen wie ein Gnu
Springe über jeden Hügel
Bin dünner als ein Kleiderbügel
Steig auf jeden Turm
Kitzle jeden Wurm „a
Grüße alle Käfer /'''
Wecke alle Schläfer
Fahre in die Ferne
Zähle alle Sterne
Spring ins große Meer
Verbieg jedes Gewehr
Bemale alles bunt
Streichle jeden Hund
Füttere die Katzen
Lass mich gerne kratzen
Lass mich gerne küssen
(es soll nur niemand küssen müssen)
Bohr gern in der Nase
Bin schneller als ein Hase
Schlafe wie ein Stein
Fresse wie ein Schwein
Kaue wie die Kuh
Laufe ohne Schuh
Bin ein Blatt, ein Baum, ein Gedicht
Binein Riese, ein Zwerg, ein Wicht
Bin ein König, ein Bettler, eine Frau
Bin eine Maus, eine Wiese, ein Tropfen Tau
Bin alles und nichts und das dazwischen
Wohne in Burgen, in Höhlen und Nischen
Wohn in der Erde, im Himmel, im Zelt
Bin da und dort, bin auf der Welt
Bin ich und du, bin sie und wir
Bin eine Trompete, eine Flöte, ein Klavier
Dreh mich wie ein Kreisel zu jeder Zeit
Komme ganz nahe, gehe ganz weit
Und hab ich tausend Jahr verbracht
Bin ich selbst die längste Nacht
Bin der Schlaf, die Morgensonne
Bin die Wiege, das Fass, die Regentonne
Leuchte heller als der hellste Stern
Hab das ganze Leben furchtbar gern
Das Auf und Ab, das Ja und Nein
Ich möcht noch lange am Leben sein.
Was ich gerne können möchte
Durch eine Schaumrolle kriechen
Überden Regenbogen springen
Durch die Milchstraße schwimmen
Die Wolkenwand hochklettern
Sonderbar
Vergessen
Verhauen
Versinken
Verlassen
Verraten
Versagen
Sich verlaufen
Sich verschreiben
Sich versprechen
Sich verschätzen
Sich was verrenken
Sternenkarte
Die Sommersprossen in deinem Gesicht
störn mich nicht
Die dunklen Sterne auf deiner Haut
sind mir längst vertraut
Dein Gesicht ist eine zarte
wunderschöne Sternenkarte
Sich verlieben
Wenn es schneit
Wenn es schneit
hat das ganze Land
Wintersprossen
Wenn wir lieben, lieben wir
besonders gern auf dem Papier.
„Bin am Meer,
du fehlst mir sehr!1',
schreiben wir auf Karten.
Der andre wird schon warten.
„Ist am Meer und denkt an mich,
sehnt sich sicher fürchterlich!11
Wenn wir lieben, lieben wir
besonders gern auf dem Papier.
Sind wir nachher selber da,
ist alles irgendwie-na ja...
32 33
Liebesgedicht
Aber komm zurück!
Ich bin die Palme.
Sei du die Wolke.
«Mein Haus steht Kopf
Mein Haus
ist immer gut
für Überraschungen.
Eines Tages
kam ich nach Hause
-und mein Hausstand Kopf.
Es stand da,
inmitten all der anderen Häuser,
und machte einen Kopfstand.
„Ich werde alt.
Ich brauche Bewegung!11,
rief mir mein Haus
schon von weitem entgegen.
„Mein Hausarzt hat gesagt,
ich soll mehr turnen."
Und außerdem -
ich wollte mir schon immer die Welt verkehrt herum
anschauen!"
Natürlich
wurde auch ich neugierig.
Ich ließ die Schultasche fallen
-und machte einen Kopfstand.
Und plötzlich
standen alle Kopf.
Die Häuserin unserer Straße,
die Nachbarin,
der Briefträger,
der Polizist,
der Herr Bürgermeister,
seine Frau.
Sie alle
waren neugierig geworden,
wie die Welt verkehrt herum aussieht.
Sogar der Dackel des Bürgermeisters
stand Kopf.
„So, und jetzt ausschütteln!",
rief mein Haus,
und dann machte es ein paar
Kniebeugen,
und dann noch einen Purzelbaum
und dann einen Handstand.
„Wir brauchen Bewegung",
rief der Bürgermeister
einem Mann zu,
der auf seinem Fahrrad vorbeifuhr
und aus dem Staunen nicht herauskam.
Bald darauf
turnten alle in der Stadt.
Der Kirchenturm und das Rathaus
liefen um die Wette,
36 37
Gestern war mein Haus betrunken
die Brücke
versuchte sich im Weitspringen,
und die Gartenhäuser
spielten Bockspringen und
Tempelhüpfen.
Es war eine wunderbare Stimmung
in unserer kleinen Stadt.
Und dabei
hatte es so harmlos begonnen.
Mit einem kleinen Kopfstand.
„Das nächste Mal“,
sagte mein Haus,
„spielen wir Zirkus.
Da werde ich
auf dem Seil tanzen!“
Gestern war mein Haus betrunken!
Stand da und wankte und schwankte und grölte
und sang ganz laut!
War das eine Überraschung!
Soviel ich auch meckerte - es hörte mir gar nicht zu.
Stand da und kicherte und erzählte Witze.
Die ganze Nacht hab ich kein Auge zugetan.
Alles wankte und schwankte wie auf einem Schiff
bei hohem Wellengang.
Richtig seekrank bin ich geworden.
Und heut früh?
Da war das Haus ganz blass.
Stand da und rührte sich nicht. War ganz weiß
im Gesicht und unrasiert.
Stand da, und der Wind blies ihm bei einem Ohr
hinein und beim anderen wieder hinaus.
Heut trinkt das Haus nur Regenwasser.
Ich höre, wie der Wind und die Wolke leise lachen.
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39
Maus und Elefant
Du bistelefantenleicht.
Ob das zum Schaukeln reicht?
I
Ich bin mäuseschwer.
Das wiegt schon mehr.
Die Maus
Ich bin ein kleines Tier,
leicht wie Papier.
Aber in meiner Hand
schläft ein Elefant.
Nach dem Streit
Nach dem Streit
tut's mir Leid.
Trotzdem:
Mir den Rüssel verknoten,
das ist verboten.
Geschenk
Vor dir steht
ein Elefantenpaket.
Jetzt gehör ich dir.
Sei lieb zu mir.
42 43
Was macht die Maus besonders gerne?
Sie schaut in die Ferne.
Denn hinter jeder Wand
ist noch ein Land.
I
Was macht die Maus in der Nacht?
Sie gibt Acht.
Sie bewacht den Mond
und den Elefanten, der dort wohnt.
46
47
Maus und Elefant
Da gehen die beiden.
Ich kann sie gut leiden.
Noch aus der allergrößten Ferne
hab ich sie gerne.
Die Liebe ist ein weites Land
-auch für Maus und Elefant.
Nach allen Seiten kann man gehen.
Man muss einander nur verstehen.
48 49
1
1
'.y Mein Haus hat einen Schnupfen
Heute früh
wurde ich durch ein lautes
„Haaaaaa-tschi!"
geweckt.
Mein Haus
wackelte dabei so stark,
dass ich aus dem Bett fiel.
„Was ist denn los?
Wer war das?11,
rief ich laut.
Aberda
wackelte das Haus
schon wieder
wie bei einem Erdbeben.
Ich hielt mich
-so gut ich konnte -
am Bett fest.
„Haaaaaa-",
war zu hören.
Ich machte die Augen
fest zu
und klammerte mich
an das Bettgestell.
Aber nichts geschah.
Es blieb still.
Vorsichtig
ließ ich das Bett los.
,,-tschil",
trompetete es da los,
so stark,
dass ich durch die Luft
geschleudert wurde.
Und dann
-mit einem unfreiwilligen Salto -
landete ich wieder auf meinem Bett.
„Entschuldige",
sagte mein Haus
mit heiserer Stimme.
„Ich habe einen Schnupfen.
Ich bin furchtbar erkältet."
Und dann schnäuztees sich so laut,
dass ich mir die Ohren zuhalten musste.
„Du musst dich wärmer anziehen",
schlug ich vor.
„Allesschon probiert",
brummte mein Haus.
„Da hilft die größte Zipfelmütze nichts."
Und dann musste mein Haus
so stark niesen
-gleich dreimal hintereinander-,
52 53
dass ich kreuz und quer
durchs Zimmer wirbelte.
Nach dem dritten
-und stärksten -
„Haaaaaaa-tschi!"
landete ich sogar auf dem Kasten.
Auf einmal
-ich kletterte gerade herunter-
begann es draußen zu regnen.
Aber-
es regnete nur auf mein Haus.
Alles andere ringsum
blieb vollkommen trocken.
Ich hielt rasch eine Hand aus dem Fenster,
um zu kosten.
Fast hätte ich mir
die Finger verbrannt.
Es war Tee,
süßer, heißer, gesunder Kamillentee!
Ein wunderbarer Tee-Regen
fiel auf mein verschnupftes Haus.
„Hmmmmm",
hörte ich mein Haus seufzen.
Und über meinem Haus
stand die Regen-Tee-Wolke
und freute sich.
Ich hatte es Immerschön geahnt:
Die kleine Wolke
war verliebt.
Sie war verliebt in mein Haus...
Ich schlüpfte wieder ins Bett.
Im ganzen Haus
war es jetzt schön warm.
Vom Rauschen des Regens
muss ich wohl eingeschlafen sein.
Nur einmal glaubte ich
- ganz von fern-
ein leises „Haaa-tschi!"
zu hören.
Aber als ich erwachte,
hatte es zu regnen aufgehört.
Draußen schien die Sonne.
Und mein Haus
war munter und gesund
wie eh und je.
Weit und breit
keine Spur von einem Schnupfen.
Ob ich das alles
nur geträumt habe?
Beim Geschirrabtrocknen
(Zum Schnellsprechen)
Klirr Klack Klick
Klick Klack Klirr
Hin ist das Geschirr!
Nass nass nässer
Gut gut besser
Ich die Gabel, du das Messer
Nass nass nässer
Gut gut besser
Hell hell heller
Schnell schnell schneller
Hell hell heller
Schnell schnell schneller
Ich die Gläser, du die Teller
Versteckspiel
Im WORT
steckt
der ORT
in der GIRAFFE
der AFFE
im TRAUM
der RAUM
im BRAUCH
der RAUCH
im STRAND
der RAND
in der BRILLE
die RILLE
in der HECKE
die ECKE
in der FLIEGE
die LIEGE
im SCHOTTER
der OTTER
Ä im KELCH
X der ELCH
im REIS
das EIS
in den KLIPPEN
die LIPPEN
t
I
in der HERDE
die ERDE
im STREIFEN
der REIFEN
in der TASCHE
die ASCHE
im BROT
das ROT
in der PERLE
die ERLE
in den GLOCKEN
die LOCKEN
im SCHWEIN
58
59
in der SPRACHE
die RACHE
in der ZEHE
die EHE
im NAMEN
ein AMEN
im REISEN
das EISEN
im KNIE
ein NIE
im HAUS
steckt AUS.
Weißt du, wie kleine Fliegen liegen,
wenn sie einen Schnupfen kriegen?
Sie liegen auf dem Rücken.
Du darfst sie nicht zerdrücken.
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Wünsche
sagte der Karpfen.
„Ich möchte
ein ganz, ganz toller Hecht werden",
Wenn Mücken sich bücken
seh ich mit Entzücken
ihren kleinen feinen Rücken
„Ich möchte
eine ganz normale Maus sein",
sagte die Fledermaus.
„Ich möchte
mich endlich entscheiden können",
sagte der Ameisenbär.
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Die Schnecke und der Tiger
Die Schnecke und der Tiger
spielen Verlierer und Sieger.
Der Tiger besiegt die Schnecke,
die Schnecke bringt den Tiger zur Strecke.
Dann wechseln sie wieder.
Auch Verlierer sind manchmal Sieger.
Die Reise
Nach dem Urlaub
Das Meer-so blau.
Die Stadt-grau in grau.
4
Da fuhr er dann auch hin.
Mit seinem grünen Jaguar
wollte ein Frosch nach Afrika.
Doch mitten in Fröschau
stand eine wundergrüne Frau.
Die wollte nach Berlin.
! /
Dort: alles zu Fuß.
Hier: 1 000 in einem Bus.
Autos, wohin man schaut.
Und alles, alles so laut.
Hier haben sogar die Wolken vier Ecken.
Ich möchtmich am liebsten verstecken.
64
65
Das Meer sprang aus der Badewanne
Gefährliches Spiel
Das Meer sprang aus der Badewanne,
föhnte sich sein Wellenhaar
und gingspazieren.
„Heeh", rief der Strand,
„Du bist ja nackt!
Dein Bademantel!"
Zu spät.
Das Meer war schon
um die Ecke gebogen.
„Wird das wieder ein Geschrei geben
in Lützlbrunn",
sagte der Strand
und seufzte.
Der Fisch
auf dem Tisch
stellt sich frisch
‘i
Es war einmal... (Eine traurige Geschichte)
Im Schweinestall
Die Schweine im Schweinestall
spielen Schweineball
Es war einmal ein Hund, der bellte mit dem
Schwanz und wedelte mit der Schnauze.
Als Schal trug er eine bunte Leine um den Hals
gewickelt, die lustig im Wind wehte, wenn er
über die Straße lief.
Die Ohren sahen sich das an, sagten aber
kein Wort.
„Ich bin die schönste Katze weit und breit!“,
schrieb er ins Gästebuch des Tierarztes.
Der gab ihm zwei Beruhigungsspritzen.
Seitdem bellt der Hund mit der Schnauze,
ganz normal, wie jeder andere Hund auch.
Er wedelt mit dem Schwanz, aber nur noch
manchmal.
Und die Leine ist kein Schal mehr, sie ist um
den Hals gebunden wie eben eine Leine, und
die hält jemand in der Hand.
Liebesgeflüster
Gib mir Honig,
mein Bienenbär.
Der Kaktus
Der Kaktus stand auf dem Fensterbrett.
„Ich hab es satt, hier rumzustehen
und mit Wasser begossen zu werden!",
sagte er eines Tages.
Er marschierte ins Badezimmer,
rasierte sich
und verließ das Haus.
Wohin er gegangen ist?
Das wusste zunächst niemand.
Aber heute, heute
kam ein Brief aus Tahiti:
„Helles Fensterbrett mit Blick aufs Meer gefunden!
Schöne Gegend, gutes Klima!
Nette Frau kennen gelernt, geheiratet!
PS: Ich habe mir wieder einen Bart wachsen lassen."
Ein Bild war auch dabei:
Er mit seiner Frau.
Vielleicht, hat Papa gesagt,
Das Gewitter
Der Regenwurm im Garten
muss nicht länger warten.
Anna, Maria und Klaus
holenden Gartenschlauch raus.
Als Geburtstagsgruß an den Wurm
folgt ein Gewitter mit Regen und Sturm.
Die Brille
Immer in der Stille
stört mich meine Brille.
Ja, ich könnte schwören:
Ohne Brille kann ich besser hören!
Die Glückskugel
War klein, war groß,
fiel mir in den Schoß.
War eckig, war rund,
war plötzlich da-ohne Grund.
War rot, war blau,
sagte nur: „Schau!"
Ein roter Himmel,
ein blauer Schimmel.
Eine gelbe Wiese,
ein grüner Riese.
EinStein aus Papier,
ein gemaltes Klavier.
Ein Apfel aus Schnee,
ein milchweißer See.
Ein Prinz aus Seide,
ein Engel aus Kreide.
Eine Stille aus Tönen,
ein Kuss zum Versöhnen.
Eine Kugel aus Glück,
wer bringt sie zurück?
War klein, war groß,
fiel mir in den Schoß.
War eckig, war rund,
♦
♦ >
war plötzlich da-ohne Grund.
War rot, war blau,
sagte nur: „Schau!"
War gestern bei mir,
ist heute bei dir...
*• >
FS
74 75
Im Wolkenzoo
U Mein Haus hat Geburtstag
y
Vorige Woche
war ein Foto
von mir und meinem Haus
in der Zeitung zu sehen.
Und darunter war zu lesen:
„Das schönste Fest aller Zeiten."
Mein Haus
hatte seinen Geburtstag gefeiert.
Seinen hundertsten Geburtstag!
Schon in der Früh
♦
kamen die ersten Häuser vorbei,
um zu gratulieren.
Aus allen Ländern der Erde
waren sie gekommen,
um mitzufeiern.
„Alles Gute!",
rief das Hochhaus aus Amerika
und blies in sein Saxofon.
„Lang lebe unser Freund, das Haus!",
sangen drei Bambushütten aus Afrika.
Ein Baumhaus war mit seinem Baum gekommen
und spielte Schlagzeug.
Ein Iglu aus Eis klimperte auf dem Klavier.
Bald (
war ein großes Fest im Gange.
Auch die Menschen und Häuser
aus unserem Dorf
kamen zum Fest.
Sie tanzten
und lachten,
dass es eine Freude war.
Das Hochhaus tanzte Tango
mit einem Kirchturm,
der ohne Kirche gekommen war.
(Die musste zu Hause bleiben,
wegen einer Hochzeit.)
Ein Holzhaus tanzte eng umschlungen
mit einem Glashaus.
Und sogar ein Kugelhaus
war gekommen.
Es rollte lachend um die Tanzenden herum.
Mein Haus und ich
übten Rock'n Roll.
„Endlich ist mal was los!",
riefen die Leute.
Auch sie tanzten wie wild.
Sogar der Bürgermeister
war da.
Die Leute von der Zeitung
machten viele Fotos.
Schließlich
waren alle müde.
Der Bürgermeister
schlief im Baumhaus,
der Fotograf
lag im Iglu.
Und ein Polizist
mit dickem Bauch
lag kugelrund
im Kugelhaus.
Das Hochhaus und der Kirchturm
schliefen im Stehen,
Rücken an Rücken gelehnt.
Sie schnarchten beide
so laut,
dass ich nicht einschlafen konnte.
Am besten von allen
schlief mein Haus-
ohne auch nur einmal aufzuwachen.
Es erwachte erst wieder,
als alle Gäste
schon gegangen waren.
Es streckte und reckte sich,
es gähnte und seufzte,
und dann sagtees leise:
„War das ein Fest!
Ich glaub, ich hab morgen
schon wieder Geburtstag!11
Beim Heimkommen
Das Haus ist müde.
Es schläft.
Die Fenster und die Türen schlafen.
Die Treppen und die Vorhänge.
Alles schläft.
Sogar die Blumen in den Vasen.
Pssst.
Ich geh lieber noch eine Runde.
Dann schau ich wieder vorbei.
80
81
Warum mein Großvater müde ist
Mein Großvater
ist müde
vom Sternezählen
vom Apfelschälen
vom Kuchenbacken
vom Holzzerhacken
vom Flötenschnitzen
vom Bleistiftspitzen
vom Mit-mir-Pferde-Stehlen
vom Dir-den-Kopf-Verdrehen
vom Liedersingen
vom Geschenkebringen
vom Spazierengehen
vom Zigarettendrehen
vom Brillenputzen
vom Stockbenutzen
vom Andenkenaufbewahren
vom Go-Cart-Fahren
vom Schokoladekaufen
vom Um-die-Wette-Laufen
vom Schatzvergraben
vom Kopfwehhaben
vom Rucksacktragen
vom Wie-bitte-Sagen
vom Drachensteigen
\
» vom Zungezeigen
vom Rätselraten 1
vom Maronibraten
vom Wasserholen
vom Mir-fast-den-Hintern-Versohlen
vom Geschichtenerfinden
vom Blumenbinden
vom Schmalzbrotstreichen
vom Fotosvergleichen.
Mein Großvater
mit seinen achtzig Jahren
ist manchmal auch müde
I
vom Rennradfahren.
I
I
i
82 83
Das Kopftuch meiner Großmutter
Meine Großmutter
hat ein schwarzes Kopftuch.
Darin hat sie einmal
den Wind eingefangen.
Und zwei weiße Eier und ein
Huhn
und eine mittelgroße Kuh.
Ah, ja.
Und dann noch eine Hand voll
Regen
und einen kleinen Sturm
und einen Regenwurm,
eine Blaumeise,
eine Riesenameise
und vierundvierzig winzige
Reiskörner.
All das
hat meine Großmutter
in ihrem schwarzen Kopftuch
eingefangen.
Aber weil Sonntag war
und weil die Kirchenglocken
so schön geläutet haben,
hat sie das Kopftuch
im Hof
84 85
flattern lassen
wie eine Fahne.
Und da sind auf und davon
Und dann auch die Hand voll
der Wind und die zwei weißen
Eier
und das Huhn
und die mittelgroße Kuh.
Seit damals
hat meine Großmutter
unter ihrem schwarzen Kopftuch
nur noch ihre weißen, weißen
Haare
und das schöne Gesicht
mit den freundlichen Augen
(und natürlich alles sonst,
was zu meiner Großmutter gehört).
und der kleine Sturm
und der Regenwurm
und die Blaumeise
und die Riesenameise
und alle vierundvierzig winzigen
Reiskörner.
Anna und der Birnbaum
Jeden Sommer verbringt Anna bei ihren
Großeltern auf dem Land.
Anna mag das Leben auf dem Bauernhof.
Sie mag die Tiere im Stall, die Kühe und Pferde.
Sie mag das aufgeregte Gackern der Hühner,
das Schnattern der weißen Gänse.
Aber Annas bester Freund ist der hohe Birnbaum
im Hof.
Er ist mehr als hundert Jahre alt.
Der Birnbaum wirft einen großen Schatten.
Er streut ihn über das Gras der Wiese, über die
angelehnte Leiter, über die grünen Scherben
der herabgefallenen Früchte.
Anna holt den schwarzen, großen Regenschirm
des Großvaters aus dem Schuppen.
Sie schüttelt den Staub vom alten Schirm,
spannt ihn auf.
Da steht sie, die kleine Anna mit dem großen
Schirm unterm hohen Baum.
Anna schaut unterm Schirmrand hervor, hinauf
zu den Birnen, hinauf zur Sonne am Himmel.
Sie steht da und wartet. Wartet, dass es Birnen
regnet. Lange steht sie so da und wartet.
Bis es dunkel wird.
I
I
88|S9
Bis zwei, drei Birnen auf den Schirm poltern und
Anna vor die Füße rollen.
Schnell läuft sie ins Haus, zur Großmutter.
Annas Großmutter sitzt auf der schmalen Bank
neben dem Ofen.
Der Großvater ist beim Lesen eingeschlafen.
Auf dem Tisch liegen jetzt drei grüne,
saftige Birnen.
Der Birnbaum draußen vor dem Haus hat ein
Geheimnis.
Anna träumt davon.
Punkt Mitternacht verwandelt er sich
$ in einen Apfelbaum...
Es gibt so kirschrote Tage
Es gibt Tage, an denen ist alles rot.
Kirschrot. Dein Haar, deine Ohren, deine Hose,
deine Schuhe-alles glänzt rot und saftig
wie eine Kirsche.
Die ganze Stadt ist rot.
Und dann - kaum hast du dich daran gewöhnt -
ist alles gelb.
Bananengelb. Gelbe Zunge, gelbe Lippen, gelbe
Blätter auf den gelben Bäumen. Die Steine am
Wegrand sind so gelb wie das Haus und das Auto.
Sogar das Meer ist gelb, und gelb sind auch die
Wolken am Himmel.
Du staunst, wie viele Arten von Gelb es gibt.
So, wie du vorher überrascht warst, dass es
so viele unterschiedliche Rottöne gibt.
Kaum fühlst du dich wohl in all dem Gelb,
da wird plötzlich alles grün.
Grasgrün, moosgrün, pfefferminzgrün.
Hat da irgendwer zu viel Pfefferminzlikör
getrunken?
Alles ist so grün - der Fingernagel, das Zifferblatt
der Uhr, das Buch dort, der Tisch, das Brot
in deiner Hand.
Es gibt Tage, an denen machen die Farben,
was sie wollen.
Wie der Regenbogen entstanden ist
(Ein Lügenmärchen)
„Oje", sagte der Regen.
„Der See da vorne
ist schon ganz voll.
Um den mach ich lieber
einen großen Bogen."
Ja, und so ist der
Regenbogen entstanden.
Schlaflied
Schlaf ruhig ein,
kleiner Stein.
In hundert Jahren
wird alles anders sein.
Inhalt
Guten Morgen! 5
Komm rein! 7
Fragen über Fragen 8
Was macht der Dompteur beim Friseur? 9
König 10
Ausflug 11
Wenn der Wind müde wird n
Wenn der Wind schlafen geht 12
Im Wolkenzoo 14
Mein Haus hat Kopfweh und zieht aufs Land 16
Unterm Flieder 18
Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon 19
Das schönste Mädchen aller Zeiten 21
Jetzt weiß ich, dass du ein Engel bist 22
Auf der Schaukel 23
Setz mich manchmal hin 24
Besuch bei mir selbst 25
Ich 26
Was ich gerne können möchte 29
Sonderbar 30
Sternenkarte 31
Wenn es schneit 31
Wenn wir lieben 32
Liebesgedicht 33
Im Wolkenzoo 35
Mein Haus steht Kopf 36
Gestern war mein Haus betrunken 39
Maus und Elefant 40
Die Maus 41
Geschenk 42
Nach dem Streit 43
Für jeden Käfer auf der Wiese 45
Was macht die Maus besonders gerne? 46
Was macht die Maus in der Nacht? 47
Die Liebe ist ein weites Land 48
Maus und Elefant 49
Im Wolkenzoo 50
Mein Haus hat einen Schnupfen 52
Beim Geschirrabtrocknen 57
Versteckspiel 58
Weißt du, wie kleine Fliegen liegen 61
Wünsche 62
Wenn Mücken sich bücken 63
Die Schnecke und der Tiger 64
Die Reise 65
Nach dem Urlaub 65
Das Meer sprang aus der Badewanne 66
Gefährliches Spiel 67
Im Schweinestall 68
Es war einmal... 69
Liebesgeflüster 70
Der Kaktus 71
Die Brille 72
Das Gewitter 73
Die Glückskugel 74
Im Wolkenzoo 76
Mein Haus hat Geburtstag 78
Beim Heimkommen 81
Warum mein Großvater müde ist 82
Das Kopftuch meiner Großmutter 84
Anna und der Birnbaum 88
Es gibt so kirschrote Tage 90
Wie der Regenbogen entstanden ist 92
Schlaflied 93