Author: Janisch H.  

Tags: kinderliteratur   belletristik  

ISBN: 3-7026-5709-6

Year: 2000

Text
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Wenn Mücken sich bücken
seh ich mit Entzücken
ihren kleinen, feinen Rücken
In diesem Buch ist alles möglich:
Ein Haus hat Kopfweh
und zieht aufs Land,
ein Kaktus rasiert sich
und fährt ans Meer,
ein Frosch will im Jaguar
nach Afrika,
und eine Glückskugel
rollt durchs Land
und verwandelt alles.
ab 7 Jahre

JUNGBRUNNEN

EinGcschcnk dcrßqittlW CMaraw Heinz Janisch Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon
Heinz Janisch aus meinem Saxofon Mit Zeichnungen von Linda Wolfsgruber Jungbrunnen
N. ü tff Guten Morgen! Schneckenschnell wirds draußen hell, drinnen ists noch dunkel -ein Gemurmel und Gemunkel, -ein Ohhhund Uahhh, und langsam sind wir wieder da, wo wir gestern eingeschlafen sind. W$'.. BcepoccMücKafl rocyflapcTBeHHafl fataiera KHOCTpaHHßü nmepaTypti HM. M.W. Pyaomhho Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Janisch, Heinz: Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon / Heinz Janisch. - Wien: Jungbrunnen, 1999 ISBN 3-7026-5709-6 Einband: Linda Wolfsgruber 2. Auflage 2000 Gesetzt nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung © Copyright 1999 by Verlag Jungbrunnen Wien München Alle Rechte vorbehalten - Printed in Austria Druck und Bindung: Druckerei Theiss GmbH, A-9400 Wolfsberg /
„Guten Morgen!", sagt der Wind und rüttelt unser Haus. Aufstehn, aus den Federn, raus! Nur schön langsam, nur nicht schnell, noch ist der Schlaf ein warmes Fell, das um unsren Körper liegt, noch ist der letzte Traum nicht ganz besiegt, noch schlafen wir im Stehen! Also: Langsam, langsam gehen, jetzt ein Schritt, und eins, zwei, drei, bald ist die Nacht wirklich vorbei. Man steht im Bad, das Licht so grell, weg ist der Traum, weg ist das Fell, weg ist der schöne, warme Schlaf. War ich heut Nacht nicht ein richtiger Graf? Egal - man schlüpft in Hose, Hemd und Socken, man lässt sich in die Küche locken. Man sagt nicht viel, nur „Ja" und „Nein". Frühstück ist gut, Frühstück muss sein. Jetzt ist es draußen richtig hell. Du gehst in die Schule, schneckenschnell. Komm rein! Schnecken haben niemals Eile, aber manchmal Langeweile. Dann macht sich eine ganz klein, sie hebt ihr Haus und sagt: Komm rein!
Fragen über Fragen Wohin läuft die Wut mit Stock und Hut? Wer kämpft da mit dem Degen gegen den strömenden Regen? ß 1 Wer lehrt die Ziegen endlich das Fliegen? Hat der Sturmwind h . H auch ein Kind? V' O B Tun dem Schnee B. "^0* die Schuhe weh? \ B Ist dem Eis manchmal heiß? Wann wird aus dir-im Traum- ein Apfelbaum? 89 . i! 7 > ? A-, X /-/ • ’• \ tM‘ % |}i l / _Zgfffiny Mi*' ö", T V Was macht der Dompteur beim V'/ yJ ’ V\ Was macht der Dompteur m ' beim Friseur? |l Er bändigt seine Löwenmähne- jede einzelne Strähne. .JK' k' JttS x 9 l * VH ' v 11V 1 kwMB? id F \ Wi^^Gv"«. u flf
Ausflug War ein feiner Tag, war ein Tag, wie ich ihn mag. Habe viel gelacht, Wind-das hast du gut gemacht. duckt er sich wird klein wie ein Kind Dann kannst du ihm ganz ohne Bedenken deine Lieblingsmütze schenken
/ ' $ Wenn der Wind schlafen geht Wenn der Wind schlafen geht und die Welt sich weiterdreht leise leise ohne Laut kommt der Schlaf als weiße Braut Er kommt zu allen Dingen Tische und Stühle lässt er singen das Haus den Felsen den Baum In jedem Ding wohnt jetzt ein Traum Der Wind träumt vom Sturm das Haus vom Turm der Felsen träumt von der Schlucht der Baum von der Frucht der Kern träumt vom Stern die Zitrone von der Krone der Streifen träumt vom Reifen die Glocke von der Locke So lässt der Schlaf jedes Traum-Schaf auf seine Weide Sanft wie Seide hart wie Stein können Träume sein / ar*» *.• '' IM’’) w -s Wenn der Wind schlafen geht und die Welt sich weiterdreht leise leise ohne Laut kommt der Schlaf als weiße Braut wunderbare Schlafenszeit kleine Schlaf-Traum-Ewigkeit 12 13
14 15 Im Wolkenzoo Habt ihr den Wolkenesel gesehen? Erwill und will nicht weitergehen, bleibt einfach so am Himmel stehen!
Mein Haus hat Kopfweh und zieht aufs Land Mein Haus hat Kopfweh und zieht aufs Land. Es hat schon die Koffer gepackt „Zu viele Abgase hier!", hat es gesagt und ist erst einmal spazieren gegangen, dreimal ums Haus des Nachbarn. „Und dauernd das Gerangel der Autos um einen Parkplatz, direkt vor meiner Nase!" Es war nichts zu machen. Mein Haus hatte die Nase voll, vom Keller bis zum Blitzableiter. „Man lebt nicht ewig", sagte es gestern früh, kurz nach dem Frühstück. „Ich will meine letzten hundert Jahre zumindest im Grünen verbringen, ohne Autos, im Schatten von blühenden Bäumen!" Ich habe sogar den Hausarzt holen lassen. Er ist aufs Dach gestiegen und hat gesagt: „Kein Zweifel, so wahr ich der Hausarzt bin! Ihr Haus hat Kopfweh, weil es so unglücklich ist!" Natürlich kann ich mein Haus nicht allein ziehen lassen. Jetzt wohnen wir beide auf dem Land- mein Haus und ich. Wir hausen zwischen drei Kirschbäumen, einem Apfelbaum und zwei Birnbäumen. Du kannst gern vorbeikommen! Ich liege meist barfuß im Garten -im hohen Gras- und diskutiere mit meinem Rasenmäher über den Urwald. Das ist sein Spezialgebiet! Er hat angeblich sogar ein Buch darüber geschrieben, eine Doktorarbeit, aber ich weiß nicht, ob ich ihm das glauben soll. Rasenmäher haben viel Fantasie... Seitdem wir auf dem Land wohnen, ist auch mein Haus wieder besser gelaunt. Es lacht und summt vor sich hin wie in alten Zeiten. fcepoccMw HHOcipanhuj- WT’paiypH 16 17
Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon ein dunkles Brummen ein lautes Schrummen Schon wächst in deinem Bauch ein tönender Strauch Unterm Flieder Derblühende Flieder singt mir duftende Lieder
Das schönste Mädchen aller Zeiten Das schönste Mädchen aller Zeiten wollt ich gern begleiten. Doch leider, leider, leider ging es allein zum Schneider.
Jetzt weiß ich, dass du ein Engel bist Wir standen auf einem Hügel, ich küsste sanft deine Schulterflügel. Da bist du mir auf- und davongeflogen. Auf der Schaukel \\ Dieser lange, lange Nachmittag. Ich sitze im Garten, auf der Schaukel. Ich möchte davonfliegen, in den Himmel hinein. Jetzt weiß ich, dass du ein Engel bist, auch wenn du es selber manchmal vergisst.
* t <•. Setz mich manchmal hin Besuch bei mir selbst Manchmal ist es so still in mir, dass selbst mein Schweigen zu laut ist. Setz mich manchmal hin, will wissen, wer ich bin. Kenn mein Gesicht, meinen Namen, weiß, ich wuchs aus einem Samen -so wie ein Baum, ein Strauch. Und verblühen, welken tu ich auch. Werde dann sehr alt und klein, werd ein Kind mit tausend Falten sein. Will auch dann in Wiesen liegen, ab und zu eine Gänsehaut kriegen, will noch spüren, dass es mich gibt und dass nur der lebt, der auch liebt. 24 25
Mach mir gerne einen Zopf Schau in jeden Topf Hüpfe wie ein Känguru Habe Streifen wie ein Gnu Springe über jeden Hügel Bin dünner als ein Kleiderbügel Steig auf jeden Turm Kitzle jeden Wurm „a Grüße alle Käfer /''' Wecke alle Schläfer Fahre in die Ferne Zähle alle Sterne Spring ins große Meer Verbieg jedes Gewehr Bemale alles bunt Streichle jeden Hund Füttere die Katzen Lass mich gerne kratzen Lass mich gerne küssen (es soll nur niemand küssen müssen) Bohr gern in der Nase Bin schneller als ein Hase Schlafe wie ein Stein Fresse wie ein Schwein Kaue wie die Kuh
Laufe ohne Schuh Bin ein Blatt, ein Baum, ein Gedicht Binein Riese, ein Zwerg, ein Wicht Bin ein König, ein Bettler, eine Frau Bin eine Maus, eine Wiese, ein Tropfen Tau Bin alles und nichts und das dazwischen Wohne in Burgen, in Höhlen und Nischen Wohn in der Erde, im Himmel, im Zelt Bin da und dort, bin auf der Welt Bin ich und du, bin sie und wir Bin eine Trompete, eine Flöte, ein Klavier Dreh mich wie ein Kreisel zu jeder Zeit Komme ganz nahe, gehe ganz weit Und hab ich tausend Jahr verbracht Bin ich selbst die längste Nacht Bin der Schlaf, die Morgensonne Bin die Wiege, das Fass, die Regentonne Leuchte heller als der hellste Stern Hab das ganze Leben furchtbar gern Das Auf und Ab, das Ja und Nein Ich möcht noch lange am Leben sein. Was ich gerne können möchte Durch eine Schaumrolle kriechen Überden Regenbogen springen Durch die Milchstraße schwimmen Die Wolkenwand hochklettern
Sonderbar Vergessen Verhauen Versinken Verlassen Verraten Versagen Sich verlaufen Sich verschreiben Sich versprechen Sich verschätzen Sich was verrenken Sternenkarte Die Sommersprossen in deinem Gesicht störn mich nicht Die dunklen Sterne auf deiner Haut sind mir längst vertraut Dein Gesicht ist eine zarte wunderschöne Sternenkarte Sich verlieben Wenn es schneit Wenn es schneit hat das ganze Land Wintersprossen
Wenn wir lieben, lieben wir besonders gern auf dem Papier. „Bin am Meer, du fehlst mir sehr!1', schreiben wir auf Karten. Der andre wird schon warten. „Ist am Meer und denkt an mich, sehnt sich sicher fürchterlich!11 Wenn wir lieben, lieben wir besonders gern auf dem Papier. Sind wir nachher selber da, ist alles irgendwie-na ja... 32 33 Liebesgedicht Aber komm zurück! Ich bin die Palme. Sei du die Wolke.

«Mein Haus steht Kopf Mein Haus ist immer gut für Überraschungen. Eines Tages kam ich nach Hause -und mein Hausstand Kopf. Es stand da, inmitten all der anderen Häuser, und machte einen Kopfstand. „Ich werde alt. Ich brauche Bewegung!11, rief mir mein Haus schon von weitem entgegen. „Mein Hausarzt hat gesagt, ich soll mehr turnen." Und außerdem - ich wollte mir schon immer die Welt verkehrt herum anschauen!" Natürlich wurde auch ich neugierig. Ich ließ die Schultasche fallen -und machte einen Kopfstand. Und plötzlich standen alle Kopf. Die Häuserin unserer Straße, die Nachbarin, der Briefträger, der Polizist, der Herr Bürgermeister, seine Frau. Sie alle waren neugierig geworden, wie die Welt verkehrt herum aussieht. Sogar der Dackel des Bürgermeisters stand Kopf. „So, und jetzt ausschütteln!", rief mein Haus, und dann machte es ein paar Kniebeugen, und dann noch einen Purzelbaum und dann einen Handstand. „Wir brauchen Bewegung", rief der Bürgermeister einem Mann zu, der auf seinem Fahrrad vorbeifuhr und aus dem Staunen nicht herauskam. Bald darauf turnten alle in der Stadt. Der Kirchenturm und das Rathaus liefen um die Wette, 36 37
Gestern war mein Haus betrunken die Brücke versuchte sich im Weitspringen, und die Gartenhäuser spielten Bockspringen und Tempelhüpfen. Es war eine wunderbare Stimmung in unserer kleinen Stadt. Und dabei hatte es so harmlos begonnen. Mit einem kleinen Kopfstand. „Das nächste Mal“, sagte mein Haus, „spielen wir Zirkus. Da werde ich auf dem Seil tanzen!“ Gestern war mein Haus betrunken! Stand da und wankte und schwankte und grölte und sang ganz laut! War das eine Überraschung! Soviel ich auch meckerte - es hörte mir gar nicht zu. Stand da und kicherte und erzählte Witze. Die ganze Nacht hab ich kein Auge zugetan. Alles wankte und schwankte wie auf einem Schiff bei hohem Wellengang. Richtig seekrank bin ich geworden. Und heut früh? Da war das Haus ganz blass. Stand da und rührte sich nicht. War ganz weiß im Gesicht und unrasiert. Stand da, und der Wind blies ihm bei einem Ohr hinein und beim anderen wieder hinaus. Heut trinkt das Haus nur Regenwasser. Ich höre, wie der Wind und die Wolke leise lachen. 38 39
Maus und Elefant Du bistelefantenleicht. Ob das zum Schaukeln reicht? I Ich bin mäuseschwer. Das wiegt schon mehr. Die Maus Ich bin ein kleines Tier, leicht wie Papier. Aber in meiner Hand schläft ein Elefant.
Nach dem Streit Nach dem Streit tut's mir Leid. Trotzdem: Mir den Rüssel verknoten, das ist verboten. Geschenk Vor dir steht ein Elefantenpaket. Jetzt gehör ich dir. Sei lieb zu mir. 42 43

Was macht die Maus besonders gerne? Sie schaut in die Ferne. Denn hinter jeder Wand ist noch ein Land. I Was macht die Maus in der Nacht? Sie gibt Acht. Sie bewacht den Mond und den Elefanten, der dort wohnt. 46 47
Maus und Elefant Da gehen die beiden. Ich kann sie gut leiden. Noch aus der allergrößten Ferne hab ich sie gerne. Die Liebe ist ein weites Land -auch für Maus und Elefant. Nach allen Seiten kann man gehen. Man muss einander nur verstehen. 48 49 1

1 '.y Mein Haus hat einen Schnupfen Heute früh wurde ich durch ein lautes „Haaaaaa-tschi!" geweckt. Mein Haus wackelte dabei so stark, dass ich aus dem Bett fiel. „Was ist denn los? Wer war das?11, rief ich laut. Aberda wackelte das Haus schon wieder wie bei einem Erdbeben. Ich hielt mich -so gut ich konnte - am Bett fest. „Haaaaaa-", war zu hören. Ich machte die Augen fest zu und klammerte mich an das Bettgestell. Aber nichts geschah. Es blieb still. Vorsichtig ließ ich das Bett los. ,,-tschil", trompetete es da los, so stark, dass ich durch die Luft geschleudert wurde. Und dann -mit einem unfreiwilligen Salto - landete ich wieder auf meinem Bett. „Entschuldige", sagte mein Haus mit heiserer Stimme. „Ich habe einen Schnupfen. Ich bin furchtbar erkältet." Und dann schnäuztees sich so laut, dass ich mir die Ohren zuhalten musste. „Du musst dich wärmer anziehen", schlug ich vor. „Allesschon probiert", brummte mein Haus. „Da hilft die größte Zipfelmütze nichts." Und dann musste mein Haus so stark niesen -gleich dreimal hintereinander-, 52 53
dass ich kreuz und quer durchs Zimmer wirbelte. Nach dem dritten -und stärksten - „Haaaaaaa-tschi!" landete ich sogar auf dem Kasten. Auf einmal -ich kletterte gerade herunter- begann es draußen zu regnen. Aber- es regnete nur auf mein Haus. Alles andere ringsum blieb vollkommen trocken. Ich hielt rasch eine Hand aus dem Fenster, um zu kosten. Fast hätte ich mir die Finger verbrannt. Es war Tee, süßer, heißer, gesunder Kamillentee! Ein wunderbarer Tee-Regen fiel auf mein verschnupftes Haus. „Hmmmmm", hörte ich mein Haus seufzen. Und über meinem Haus stand die Regen-Tee-Wolke und freute sich. Ich hatte es Immerschön geahnt: Die kleine Wolke war verliebt. Sie war verliebt in mein Haus... Ich schlüpfte wieder ins Bett. Im ganzen Haus war es jetzt schön warm. Vom Rauschen des Regens muss ich wohl eingeschlafen sein. Nur einmal glaubte ich - ganz von fern- ein leises „Haaa-tschi!" zu hören. Aber als ich erwachte, hatte es zu regnen aufgehört. Draußen schien die Sonne. Und mein Haus war munter und gesund wie eh und je. Weit und breit keine Spur von einem Schnupfen. Ob ich das alles nur geträumt habe?
Beim Geschirrabtrocknen (Zum Schnellsprechen) Klirr Klack Klick Klick Klack Klirr Hin ist das Geschirr! Nass nass nässer Gut gut besser Ich die Gabel, du das Messer Nass nass nässer Gut gut besser Hell hell heller Schnell schnell schneller Hell hell heller Schnell schnell schneller Ich die Gläser, du die Teller
Versteckspiel Im WORT steckt der ORT in der GIRAFFE der AFFE im TRAUM der RAUM im BRAUCH der RAUCH im STRAND der RAND in der BRILLE die RILLE in der HECKE die ECKE in der FLIEGE die LIEGE im SCHOTTER der OTTER Ä im KELCH X der ELCH im REIS das EIS in den KLIPPEN die LIPPEN t I in der HERDE die ERDE im STREIFEN der REIFEN in der TASCHE die ASCHE im BROT das ROT in der PERLE die ERLE in den GLOCKEN die LOCKEN im SCHWEIN 58 59
in der SPRACHE die RACHE in der ZEHE die EHE im NAMEN ein AMEN im REISEN das EISEN im KNIE ein NIE im HAUS steckt AUS. Weißt du, wie kleine Fliegen liegen, wenn sie einen Schnupfen kriegen? Sie liegen auf dem Rücken. Du darfst sie nicht zerdrücken. 60 61
Wünsche sagte der Karpfen. „Ich möchte ein ganz, ganz toller Hecht werden", Wenn Mücken sich bücken seh ich mit Entzücken ihren kleinen feinen Rücken „Ich möchte eine ganz normale Maus sein", sagte die Fledermaus. „Ich möchte mich endlich entscheiden können", sagte der Ameisenbär. 62 63
Die Schnecke und der Tiger Die Schnecke und der Tiger spielen Verlierer und Sieger. Der Tiger besiegt die Schnecke, die Schnecke bringt den Tiger zur Strecke. Dann wechseln sie wieder. Auch Verlierer sind manchmal Sieger. Die Reise Nach dem Urlaub Das Meer-so blau. Die Stadt-grau in grau. 4 Da fuhr er dann auch hin. Mit seinem grünen Jaguar wollte ein Frosch nach Afrika. Doch mitten in Fröschau stand eine wundergrüne Frau. Die wollte nach Berlin. ! / Dort: alles zu Fuß. Hier: 1 000 in einem Bus. Autos, wohin man schaut. Und alles, alles so laut. Hier haben sogar die Wolken vier Ecken. Ich möchtmich am liebsten verstecken. 64 65
Das Meer sprang aus der Badewanne Gefährliches Spiel Das Meer sprang aus der Badewanne, föhnte sich sein Wellenhaar und gingspazieren. „Heeh", rief der Strand, „Du bist ja nackt! Dein Bademantel!" Zu spät. Das Meer war schon um die Ecke gebogen. „Wird das wieder ein Geschrei geben in Lützlbrunn", sagte der Strand und seufzte. Der Fisch auf dem Tisch stellt sich frisch ‘i
Es war einmal... (Eine traurige Geschichte) Im Schweinestall Die Schweine im Schweinestall spielen Schweineball Es war einmal ein Hund, der bellte mit dem Schwanz und wedelte mit der Schnauze. Als Schal trug er eine bunte Leine um den Hals gewickelt, die lustig im Wind wehte, wenn er über die Straße lief. Die Ohren sahen sich das an, sagten aber kein Wort. „Ich bin die schönste Katze weit und breit!“, schrieb er ins Gästebuch des Tierarztes. Der gab ihm zwei Beruhigungsspritzen. Seitdem bellt der Hund mit der Schnauze, ganz normal, wie jeder andere Hund auch. Er wedelt mit dem Schwanz, aber nur noch manchmal. Und die Leine ist kein Schal mehr, sie ist um den Hals gebunden wie eben eine Leine, und die hält jemand in der Hand.
Liebesgeflüster Gib mir Honig, mein Bienenbär. Der Kaktus Der Kaktus stand auf dem Fensterbrett. „Ich hab es satt, hier rumzustehen und mit Wasser begossen zu werden!", sagte er eines Tages. Er marschierte ins Badezimmer, rasierte sich und verließ das Haus. Wohin er gegangen ist? Das wusste zunächst niemand. Aber heute, heute kam ein Brief aus Tahiti: „Helles Fensterbrett mit Blick aufs Meer gefunden! Schöne Gegend, gutes Klima! Nette Frau kennen gelernt, geheiratet! PS: Ich habe mir wieder einen Bart wachsen lassen." Ein Bild war auch dabei: Er mit seiner Frau. Vielleicht, hat Papa gesagt,
Das Gewitter Der Regenwurm im Garten muss nicht länger warten. Anna, Maria und Klaus holenden Gartenschlauch raus. Als Geburtstagsgruß an den Wurm folgt ein Gewitter mit Regen und Sturm. Die Brille Immer in der Stille stört mich meine Brille. Ja, ich könnte schwören: Ohne Brille kann ich besser hören!
Die Glückskugel War klein, war groß, fiel mir in den Schoß. War eckig, war rund, war plötzlich da-ohne Grund. War rot, war blau, sagte nur: „Schau!" Ein roter Himmel, ein blauer Schimmel. Eine gelbe Wiese, ein grüner Riese. EinStein aus Papier, ein gemaltes Klavier. Ein Apfel aus Schnee, ein milchweißer See. Ein Prinz aus Seide, ein Engel aus Kreide. Eine Stille aus Tönen, ein Kuss zum Versöhnen. Eine Kugel aus Glück, wer bringt sie zurück? War klein, war groß, fiel mir in den Schoß. War eckig, war rund, ♦ ♦ > war plötzlich da-ohne Grund. War rot, war blau, sagte nur: „Schau!" War gestern bei mir, ist heute bei dir... *• > FS 74 75
Im Wolkenzoo
U Mein Haus hat Geburtstag y Vorige Woche war ein Foto von mir und meinem Haus in der Zeitung zu sehen. Und darunter war zu lesen: „Das schönste Fest aller Zeiten." Mein Haus hatte seinen Geburtstag gefeiert. Seinen hundertsten Geburtstag! Schon in der Früh ♦ kamen die ersten Häuser vorbei, um zu gratulieren. Aus allen Ländern der Erde waren sie gekommen, um mitzufeiern. „Alles Gute!", rief das Hochhaus aus Amerika und blies in sein Saxofon. „Lang lebe unser Freund, das Haus!", sangen drei Bambushütten aus Afrika. Ein Baumhaus war mit seinem Baum gekommen und spielte Schlagzeug. Ein Iglu aus Eis klimperte auf dem Klavier. Bald ( war ein großes Fest im Gange. Auch die Menschen und Häuser aus unserem Dorf kamen zum Fest. Sie tanzten und lachten, dass es eine Freude war. Das Hochhaus tanzte Tango mit einem Kirchturm, der ohne Kirche gekommen war. (Die musste zu Hause bleiben, wegen einer Hochzeit.) Ein Holzhaus tanzte eng umschlungen mit einem Glashaus. Und sogar ein Kugelhaus war gekommen. Es rollte lachend um die Tanzenden herum. Mein Haus und ich übten Rock'n Roll. „Endlich ist mal was los!", riefen die Leute. Auch sie tanzten wie wild. Sogar der Bürgermeister war da. Die Leute von der Zeitung machten viele Fotos.
Schließlich waren alle müde. Der Bürgermeister schlief im Baumhaus, der Fotograf lag im Iglu. Und ein Polizist mit dickem Bauch lag kugelrund im Kugelhaus. Das Hochhaus und der Kirchturm schliefen im Stehen, Rücken an Rücken gelehnt. Sie schnarchten beide so laut, dass ich nicht einschlafen konnte. Am besten von allen schlief mein Haus- ohne auch nur einmal aufzuwachen. Es erwachte erst wieder, als alle Gäste schon gegangen waren. Es streckte und reckte sich, es gähnte und seufzte, und dann sagtees leise: „War das ein Fest! Ich glaub, ich hab morgen schon wieder Geburtstag!11 Beim Heimkommen Das Haus ist müde. Es schläft. Die Fenster und die Türen schlafen. Die Treppen und die Vorhänge. Alles schläft. Sogar die Blumen in den Vasen. Pssst. Ich geh lieber noch eine Runde. Dann schau ich wieder vorbei. 80 81
Warum mein Großvater müde ist Mein Großvater ist müde vom Sternezählen vom Apfelschälen vom Kuchenbacken vom Holzzerhacken vom Flötenschnitzen vom Bleistiftspitzen vom Mit-mir-Pferde-Stehlen vom Dir-den-Kopf-Verdrehen vom Liedersingen vom Geschenkebringen vom Spazierengehen vom Zigarettendrehen vom Brillenputzen vom Stockbenutzen vom Andenkenaufbewahren vom Go-Cart-Fahren vom Schokoladekaufen vom Um-die-Wette-Laufen vom Schatzvergraben vom Kopfwehhaben vom Rucksacktragen vom Wie-bitte-Sagen vom Drachensteigen \ » vom Zungezeigen vom Rätselraten 1 vom Maronibraten vom Wasserholen vom Mir-fast-den-Hintern-Versohlen vom Geschichtenerfinden vom Blumenbinden vom Schmalzbrotstreichen vom Fotosvergleichen. Mein Großvater mit seinen achtzig Jahren ist manchmal auch müde I vom Rennradfahren. I I i 82 83
Das Kopftuch meiner Großmutter Meine Großmutter hat ein schwarzes Kopftuch. Darin hat sie einmal den Wind eingefangen. Und zwei weiße Eier und ein Huhn und eine mittelgroße Kuh. Ah, ja. Und dann noch eine Hand voll Regen und einen kleinen Sturm und einen Regenwurm, eine Blaumeise, eine Riesenameise und vierundvierzig winzige Reiskörner. All das hat meine Großmutter in ihrem schwarzen Kopftuch eingefangen. Aber weil Sonntag war und weil die Kirchenglocken so schön geläutet haben, hat sie das Kopftuch im Hof 84 85
flattern lassen wie eine Fahne. Und da sind auf und davon Und dann auch die Hand voll der Wind und die zwei weißen Eier und das Huhn und die mittelgroße Kuh. Seit damals hat meine Großmutter unter ihrem schwarzen Kopftuch nur noch ihre weißen, weißen Haare und das schöne Gesicht mit den freundlichen Augen (und natürlich alles sonst, was zu meiner Großmutter gehört). und der kleine Sturm und der Regenwurm und die Blaumeise und die Riesenameise und alle vierundvierzig winzigen Reiskörner.
Anna und der Birnbaum Jeden Sommer verbringt Anna bei ihren Großeltern auf dem Land. Anna mag das Leben auf dem Bauernhof. Sie mag die Tiere im Stall, die Kühe und Pferde. Sie mag das aufgeregte Gackern der Hühner, das Schnattern der weißen Gänse. Aber Annas bester Freund ist der hohe Birnbaum im Hof. Er ist mehr als hundert Jahre alt. Der Birnbaum wirft einen großen Schatten. Er streut ihn über das Gras der Wiese, über die angelehnte Leiter, über die grünen Scherben der herabgefallenen Früchte. Anna holt den schwarzen, großen Regenschirm des Großvaters aus dem Schuppen. Sie schüttelt den Staub vom alten Schirm, spannt ihn auf. Da steht sie, die kleine Anna mit dem großen Schirm unterm hohen Baum. Anna schaut unterm Schirmrand hervor, hinauf zu den Birnen, hinauf zur Sonne am Himmel. Sie steht da und wartet. Wartet, dass es Birnen regnet. Lange steht sie so da und wartet. Bis es dunkel wird. I I 88|S9 Bis zwei, drei Birnen auf den Schirm poltern und Anna vor die Füße rollen. Schnell läuft sie ins Haus, zur Großmutter. Annas Großmutter sitzt auf der schmalen Bank neben dem Ofen. Der Großvater ist beim Lesen eingeschlafen. Auf dem Tisch liegen jetzt drei grüne, saftige Birnen. Der Birnbaum draußen vor dem Haus hat ein Geheimnis. Anna träumt davon. Punkt Mitternacht verwandelt er sich $ in einen Apfelbaum...
Es gibt so kirschrote Tage Es gibt Tage, an denen ist alles rot. Kirschrot. Dein Haar, deine Ohren, deine Hose, deine Schuhe-alles glänzt rot und saftig wie eine Kirsche. Die ganze Stadt ist rot. Und dann - kaum hast du dich daran gewöhnt - ist alles gelb. Bananengelb. Gelbe Zunge, gelbe Lippen, gelbe Blätter auf den gelben Bäumen. Die Steine am Wegrand sind so gelb wie das Haus und das Auto. Sogar das Meer ist gelb, und gelb sind auch die Wolken am Himmel. Du staunst, wie viele Arten von Gelb es gibt. So, wie du vorher überrascht warst, dass es so viele unterschiedliche Rottöne gibt. Kaum fühlst du dich wohl in all dem Gelb, da wird plötzlich alles grün. Grasgrün, moosgrün, pfefferminzgrün. Hat da irgendwer zu viel Pfefferminzlikör getrunken? Alles ist so grün - der Fingernagel, das Zifferblatt der Uhr, das Buch dort, der Tisch, das Brot in deiner Hand. Es gibt Tage, an denen machen die Farben, was sie wollen.
Wie der Regenbogen entstanden ist (Ein Lügenmärchen) „Oje", sagte der Regen. „Der See da vorne ist schon ganz voll. Um den mach ich lieber einen großen Bogen." Ja, und so ist der Regenbogen entstanden. Schlaflied Schlaf ruhig ein, kleiner Stein. In hundert Jahren wird alles anders sein.
Inhalt Guten Morgen! 5 Komm rein! 7 Fragen über Fragen 8 Was macht der Dompteur beim Friseur? 9 König 10 Ausflug 11 Wenn der Wind müde wird n Wenn der Wind schlafen geht 12 Im Wolkenzoo 14 Mein Haus hat Kopfweh und zieht aufs Land 16 Unterm Flieder 18 Ich schenk dir einen Ton aus meinem Saxofon 19 Das schönste Mädchen aller Zeiten 21 Jetzt weiß ich, dass du ein Engel bist 22 Auf der Schaukel 23 Setz mich manchmal hin 24 Besuch bei mir selbst 25 Ich 26 Was ich gerne können möchte 29 Sonderbar 30 Sternenkarte 31 Wenn es schneit 31 Wenn wir lieben 32 Liebesgedicht 33 Im Wolkenzoo 35 Mein Haus steht Kopf 36 Gestern war mein Haus betrunken 39 Maus und Elefant 40 Die Maus 41 Geschenk 42 Nach dem Streit 43 Für jeden Käfer auf der Wiese 45 Was macht die Maus besonders gerne? 46
Was macht die Maus in der Nacht? 47 Die Liebe ist ein weites Land 48 Maus und Elefant 49 Im Wolkenzoo 50 Mein Haus hat einen Schnupfen 52 Beim Geschirrabtrocknen 57 Versteckspiel 58 Weißt du, wie kleine Fliegen liegen 61 Wünsche 62 Wenn Mücken sich bücken 63 Die Schnecke und der Tiger 64 Die Reise 65 Nach dem Urlaub 65 Das Meer sprang aus der Badewanne 66 Gefährliches Spiel 67 Im Schweinestall 68 Es war einmal... 69 Liebesgeflüster 70 Der Kaktus 71 Die Brille 72 Das Gewitter 73 Die Glückskugel 74 Im Wolkenzoo 76 Mein Haus hat Geburtstag 78 Beim Heimkommen 81 Warum mein Großvater müde ist 82 Das Kopftuch meiner Großmutter 84 Anna und der Birnbaum 88 Es gibt so kirschrote Tage 90 Wie der Regenbogen entstanden ist 92 Schlaflied 93