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Author: Sulyma Myron G.
Tags: wörterbuch wortschatz medizinische terminologie
ISBN: 3-923866-03-8
Year: 1983
Text
Lexikon kardiologischer Abkürzungen
Mit freundlicher Empfehlung
überreicht durch
PFIZER GmbH Karlsruhe
Pfizer
MYRON G. SULYMA
KARDIOLOGIS
f.
ABKÜRZUNG*!
MEDIKON VERLAG MÜNCHEN 1983
Myron G. Sulyma
Lexikon-Redaktion, Medikon-Verlag
ISBN 3-923866-03-8
© 1983 by Medikon-Verlag, München
Berner Straße 144, D-8000 München 71, Tel. 089/7559590
Printed in Germany
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie
der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in
irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne
schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert werden.
Umschlag: Ewald Loris, München
Satz: Fotosatz Stummer, München
Druck: Verlag und Druckerei G. J. Manz, Dillingen
Alle Daten sind in der Medikon-Datenbank EDV-gespeichert
Vorwort
Über „Sinn und Unsinn von Abkürzungen im medizinischen Sprachgebrauch“ wird
in der deutschsprachigen und internationalen medizinischen Literatur häufig
geklagt und/oder polemisiert. „Kürzelsucht, progrediente Kürzelmanie, Aküfi
- Abkürzungsfimmel, Abkürzungsepidemie und -trend“ sowie „acronymophobia,
ghastly abbreviations“ sind nur einige Beispiele aus Glossen, Editorials,
Rezensionen und anderen Beiträgen medizinischer Fachzeitschriften der letzten
Monate.
Abkürzungen sollen einen Text komprimieren. Ihr Zweck besteht darin, ständige
und damit störende Wiederholungen längerer Wortverbindungen zu vermeiden.
Auf diese Weise tragen sie dazu bei, ein Manuskript zu kürzen und den maximalen
Seitenumfang einzuhalten, wie er von den Manuskriptrichtlinien der meisten
Originalien-Zeitschriften gefordert wird. Abkürzungen waren daher als eine
begrüßenswerte, die Arbeit des Autors und Lesers gleichermaßen erleichternde
Einrichtung gedacht.
Wie sieht es aber in der Wirklichkeit des medizinischen Alltags aus? Die
Kürzelmanie scheint sich zu einem relativ neuen progressiven Krankheitsbild in
der Medizin, vor allen Dingen in einigen Fachdisziplinen, zu entwickeln.
Ein nichteingeweihter Allroundmediziner steht dieser Inflation von Abkürzungen
nur zu häufig fassungslos gegenüber. So entwickeln Kardiologen, Pneumologen,
Immunologen, Mikrobiologen, Onkologen und Biochemiker ihre eigenen
Nomenklaturen, die sich durch zwei Fakten besonders auszeichnen. Erstens
versteht sie der Nichtspezialist meist überhaupt nicht (manchmal tun sich sogar
Spezialisten schwer), zweitens werden die Nichtspezialisten damit - gewünscht
oder ungewünscht - in die Rolle der Sachunkundigen gedrängt.
Besonders in der modernen Kardiologie und da insbesondere im internationalen
(sprich: amerikanischen) und deutschen Schrifttum scheint dieser Trend
auszuufern. In Anbetracht der ständigen Fortschritte in allen Bereichen der
Kardiologie ist es daher nicht verwunderlich, daß man in deutschsprachigen
Fachtexten sehr häufig auf neue Anglizismen und Abkürzungen stößt und daß sich
auf manchen Teilgebieten (z. B. Echokardiographie, Herzschrittmacher, HisBündel-EKG und Nuklearkardiologie) sogar mittlerweile eine nur noch Insidern
verständliche deutsch-englische Fach- und Kürzelsprache entwickelt hat.
Selbst professionellen Fachjournalisten und Lexikon-Redakteuren fällt es schwer,
mit dem Innovationstempo Schritt zu halten. Was gestern noch Insider-Jargon,
Laborfloskel oder saloppe Umschreibung war, ist heute in die Fachliteratur
infiltriert und zählt unter den Experten schon zur Umgangssprache.
In die traditionellen allgemeinmedizinischen Nachschlagewerke wird normalerweise nur ein Bruchteil der neuen Abkürzungen aufgenommen - und diese
erscheinen dann aufgrund der Intervalle neuer überarbeiteter Auflagen, meist mit
mehrjähriger Verspätung. Die derzeit über den Buchhandel angebotenen
medizinischen Abkürzungslexika beschränken sich darauf, Abkürzungen
aufzulösen.
Das vorliegende Lexikon schließt hier eine Lücke. Es enthält Abkürzungen aus
allen Bereichen der Kardiologie und den interdisziplinären Fachgebieten
einschließlich der Pneumologie. Jede Abkürzung wird aufgelöst, wenn notwendig
übersetzt und vor allem ausführlich definiert und erklärt.
Für dieses Lexikon wurde die kardiologische Originalliteratur der letzten 10 Jahre
systematisch ausgewertet. Neben den führenden deutschen, angelsächsischen
und anderen internationalen Fachzeitschriften wurden auch die neuesten
Auflagen angelsächsischer und deutschsprachiger Handbücher, Monographien,
Symposiumsbände und Industrieveröffentlichungen ausgewertet.
Neben den bisher in Abkürzungslexika vermißten Definitionen und Erklärungen
lag der Schwerpunkt auf der Erfassung und Gegenüberstellung der in der
Kardiologie leider so zahlreichen synonymen Bezeichnungen und den sich daraus
ableitenden unterschiedlichen Abkürzungen und. Schreibweisen für ein und
denselben Begriff sowie der Abkürzungen, die mehrere Bedeutungen haben.
820 Literaturstellen (ab 1970) umfaßt eine Dokumentation der Medikon-Lexikonredaktion, die sich mit Terminologie, Nomenklatur, Klassifikationen, Standardisierungen, Normung, Richtlinien und Empfehlungen in der Kardiologie befassen. Bis
auf eine Empfehlung in der Echokardiographie und den Herzschrittmacher-Code
gibt es keine weiteren national oder international verbindlichen Empfehlungen
über die Verwendung standardisierter Abkürzungen in der kardiologischen
Literatur.
Solche Regeln würden bestimmt alle begrüßen - Autoren, Schriftleiter von
Fachzeitschriften und die vielen Leser. Daß eine derartige Standardisierung
machbar und vor allem durchsetzbar ist, haben die Biochemiker bewiesen. Die
„Tentative Rules and Recommendations of the Commission on Biochemical
Nomenclature, IUPAC-IUB“ haben sich seit 1962 gegen manche Widerstände
weltweit durchgesetzt. Sie dienen nicht zuletzt einer besseren Verständigung
unter den forschenden Wissenschaftlern und einer verständlicheren Verbreitung
von Forschungsergebnissen und neuen Erkenntnissen.
Eine zusätzliche Aufgabe würde dieses Lexikon erfüllen, wenn es auf dem
kardiologischen Sektor dazu einen möglichen Anstoß gibt.
Vorschläge, Anregungen und Kritik der Benutzer dieses Nachschlagewerkes für
eventuelle spätere erweiterte Ausgaben nimmt die Lexikon-Redaktion dankend
entgegen.
München, im September 1983
Myron G. Sulyma
1
AAF
A = Atemarbeit Arbeit, die nötig ist, die elastischen Widerstände von Lunge und Thorax, die nichtelastischen Widerstände von Lunge und Thorax
und den Strömungswiderstand der Atemwege zu überwinden. A = Kraft
x Weg bzw. Druck x Volumen (engl.: work of breathing)
A(a) = acceleration Beschleunigung des Blutes beim Auswurf aus den
Ventrikeln in die Aorta und in die A. pulmonalis
A2(AII) = Aortenkomponente des zweiten Herztones
AA = Aortenareal 1. und 2. Interkostalraum am rechten Sternalrand. Auskultationspunkt der Aortenklappe
AABF = afferent arteriole blood flow Durchblutung der afferenten Arteriolen
AAD = atrial pacing and sensing, inhibited (AAI) plus atrial triggered (AAT)
Nach dem von der American Pacemaker Study Group und der ICHD (InterSociety Commission for Heart Diseases Resources) empfohlenen
Herzschrittmacher-Code Kurzbezeichnung für einen vorhofprogrammierten, inhibierten (= AAT) und vorhofprogrammierten, getriggerten (= AAI)
Herzschrittmacher
aADCO2 = Arterio-alveolarer COrDruckgradient Die sich aus der Differenz
von arteriellem und alveolarem COz-Partialdruck zu berechnende arterioalveolare COrDruckdifferenz sollte 4 mm Hg nicht überschreiten
AaDO2 = Alveolo-arterieller O2-Druckgradient Alveolo-arterielle Sauerstoffdifferenz. Verhältnis von OrPartialdruck der Einatmungsluft zu demjenigen im arteriellen Blut. Der Sollwert berechnet sich nach der Formel:
AaDO2(mmHg) = 8,8 + 0,002 x Alter2
AAF = Antiatelektase-Faktor Oberflächenaktive Substanz der Lunge, welche die Oberflächenspannung der Lungenalveolen stark herabsetzt und
dadurch in der Exspiration die Rückwirkung der Oberflächenspannung auf
die Lungenmechanik verringert. Dadurch werden Atelektasen vermieden.
Das Fehlen führt bei Neugeborenen zur Ausbildung hyaliner Membranen
(Hyaline-Membran-Syndrom, Atemnotsyndrom des Neugeborenen). Es
handelt sich um ein lecithin- und sphyngomyelinhaltiges, an Globulin gebundenes Phospholipid, das überwiegend in den Alveolen gebildet wird.
Synonyme Bezeichnung: Surfacant
AAG
2
AAG = Aortoarteriographie Röntgenologische Gefäßuntersuchung mittels injizierter Kontrastmittel, wobei z. B. die Aorta abdominans, die großen Becken-, Oberschenkel- und der Unterschenkelgefäße und die Fußarterien dargestellt und auf auffällige Lumenveränderungen untersucht werden
AAI = atrial pacing and sensing, inhibited mode Nach dem von der American Pacemaker Study Group und der ICHD (Inter-Society Commission for
Heart Diseases Resources) empfohlenen Herzschrittmacher-Code Kurzbezeichnung für einen vorhofprogrammierten, inhibierten Herzschrittmacher
A’-A-Intervall (= PA) Das erste intrakardiale Potential ist das A-Potential
des Sinusknotengebiets (A’> hohes rechtes Vorhofpotential) und stimmt
mit dem Anfang der P-Welle überein. Das tiefe rechte Vorhofpotential (A)
im His-Bündel-EKG (HBE) stellt sich später ein. Das Intervall zwischen den
beiden Vorhofpotentialen (A’-A-Intervall) entspricht der internodalen (intraatrialen) Erregungsleitung vom Sinusknotengebiet zum tiefen Vorhofgebiet. Es beträgt normalerweise 28 ± 17 msec
AAL = anterior axillary line Vordere Axillarlinie
AAT = atrial pacing and sensing,'triggered mode Nach dem von der American Pacemaker Study Group und der ICHD (Inter-Society Commission for
Heart Disease Resources) empfohlenen Herzschrittmacher-Code Kurzbezeichnung für einen vorhofprogrammierten, getriggerten Herzschrittmacher
A-Banden Im Myokard stellen die Myofibrillen das eigentliche strukturelle
Substrat des kontraktilen Apparates der Zellen dar. Die einzelne Myofibrille hat einen Durchmesser von etwa 1 /zm und ist aus identischen, in der
Längsrichtung der Fasern hintereinandergeschalteten Struktureinheiten,
den Sarkomeren, aufgebaut. Die einzelnen Sarkomeren haben im ruhenden Herzmuskel eine Länge von 2-2,5 mm und sind durch schmale, optisch dichte Scheiben (Z-Scheiben) voneinander getrennt. Angrenzend an
die Z-Scheiben liegen auf beiden Seiten etwa 1 /zm breite, helle isotrope
Zonen, die sog. I-Banden (I = isotrop). Die anschließenden dunkleren, etwa 1,5 /zm breiten Zonen im mittleren Teil der Sarkomeren sind stark doppelbrechend (anisotrop) und werden daher als A-Banden bezeichnet
ABC-Schema (Kardiopulmonale Wiederbelebung) Das amerikanische ABC
der ersten Maßnahmen in akuten Notfällen (wie z. B. bei einem erst kurz zuvor eingetretenen Herz-Kreislauf-Atemstillstand) im Sinne einer erfolgreichen Wiederbelebung heißt: Airways = Atemwege, Breathing = Atmung,
Circulation = Kreislauf. Gordon und Safar haben unabhängig voneinander das bekannte ABC der kardiopulmonalen Wiederbelebung geprägt, um
die Kombination der notwendigen Sofortmaßnahmen auszudrücken. Das
Alphabet wurde von Safar über Drogen (drugs = Arzneitherapie), Elektrokardiographie, Fibrillationsbehandlung, Gauging (Beurteilung der Prognose und Grundkrankheit), Hypothermie und Intensivtherapie fortgeführt,
3
A, B, C, D, E,
das später als D = definitive Therapie zusammengefaßt wurde, um die enge Beziehung von schneller Wiederherstellung der Spontanzirkulation und
Nachbehandlung zu unterstreichen. Die Reihenfolge der Einteilung ist besonders wichtig, weil es nur bei entschlossener und schneller Anwendung
der ABC-Maßnahmen gelingt, den schmalen Spielraum für weitere diagnostische und therapeutische Bemühungen offenzuhalten. Diese mnemotechnische Merkregel zur kardiopulmonalen Wiederbelebung wurde von
verschiedenen Autoren ergänzt, erweitert und modifiziert. Alphabetische
Gliederung der Sofortmaßnahmen:
Airway: Atemwege Atemwege freimachen und freihalten
Breathing: Beatmung Mund-zu-Mund-Beatmung, Mund-zu-Nase-Beatmung, Mund-zu-Tubus-Beatmung
Circulation: Zirkulation Erkennung des Herzstillstandes, Voraussetzungen
und Durchführung der externen Herzmassage (C = Compression des Herzens bei Kreislaufstillstand)
Drugs: „Drogen“ (= Arzneimitteltherapie). In modifizierten Schematas
wird D gleichgesetzt mit: Diagnose, Defibrillation und Dosierung von Arzneimitteln
ECG: EKG Diagnostik, Defibrillation, Schrittmacher
Fluids: Flüssigkeitszufuhr Elektrolytlösungen, Plasmaexpander, Blut. In
anderen Schematas hat F mnemotechnisch die Bedeutung von „Fibrillation behandeln“
Gauging: Gespräch über die Aussichten auf Erfolg (Beurteilung der Prognose und der Grundkrankheit)
Hypothermia: Hypothermie bis 30 - 32°C wenn das ZNS sich nicht erholt
Intensive Care: Intensivpflege Tracheotomie, künstliche maschinelle Beatmung, Blutgasanalysen, Beseitigung der Ursachen des Herzstillstandes
ABC-Schema (Kontraindikationen für Antikoagulantien) Mnemotechnische Merkregel der Kontraindikationen für Antikoagulantien und Fibrinolytika:
Augenhintergrundveränderungen
Blutdrucksteigerung über 200/100 mm Hg
Cerebrovaskuläre Insulte (in den letzen 3 Wochen)
Debilität oder Demenz des Patienten
Eingriffe an parenchymatösen Organen in den letzten
5 bis 10Tagen
Floride Blutungen an inneren Organen
Gravidität (nicht gegen Heparin, nicht gegen Streptokinase
ab der 14. Schwangerschaftswoche)
Hämorrhagische Diathese (außer Verbrauchskoagulopathie)
Inkompentenz des behandelnden Arztes
Konsumierende Erkrankungen mit infauster Prognose
Leberinsuffizienz
Malignome im Endstadium
Niereninsuffizienz
A, B, C, D, E, = In der Echokardiographie Benennung des Bewegungsablaufs des vorderen Mitralsegels (AML = anterior mitral leaflet)
A’, B’, C’, D’, E’
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A’, B’, C’, D’, E’ = In der Echokardiographie Benennung des Bewegungsablaufs des hinteren Mitralsegels (PML = posterior mitral leaflet)
ABE = acute bacterial endocarditis Akute bakterielle Endokarditis
ABP = arterial blood pressure Arterieller Blutdruck
abPV = Aberrierende Pulmonalvene(n) Abnorme Mündung der Pulmonalvenen in den rechten Vorhof, führt zu Links-Rechts-Shunt
ABS = Aortenbogen-Syndrom Thrombotisches Verschluß-Syndrom des
Aortenbogens und der großen Arterien, die vom Aortenbogen abgehen. Je
nach Lokalisation, Ausdehnung der Obliteration und Entwicklung des Kollateralkreislaufs sind Beschwerdefreiheit, brachiale Beschwerden oder
zerebrale Ausfallserscheinungen möglich. In ca. 93% der Fälle ist das Leiden ursächlich durch arteriosklerotische und in etwa 6% durch entzündliche Veränderungen (Takayasu-Syndrom) bedingt. In der angelsächsischen
Literatur sind diese und ähnliche Krankheitsbilder unter folgenden Bezeichnungen beschrieben worden: Martorell’s syndrome, Martorell-Fabre
syndrome, Takayasu’s disease, Takayasu-Onishi syndrome, arcus aortae
syndrome, brachial arteritis, chronic subclavian carotid obstruction syndrome, obliteration of the supra-aortic branches, obliterative brachiocephalic arteriitis syndrome, pulseless disease, young female arteritis syndrome
AC = alternating current Wechselstrom (z. B. beim AC-Verstärker). Verwendung in der kardiologischen Meßtechnik. Synonyme Abkürzung: a/c
a-c Intervall in der Jugularvenen-Pulskurve. Beim AV-Block ist das Intervall
verlängert
AC = arrythmie complete (frz.) Absolute Arrhythmie. Regellose Schlagfolge der Kammern ohne erkennbaren Grundrhythmus
ACA = anterior cerebral artery In der angelsächsischen Literatur gelegentlich verwendete Abkürzung, wird auch synonym für anterior communicating aneurysm gebraucht
ACC = anodal closure contraction Anodenschließungszuckung
acci = anodal closure clonus Anodenschließungszuckung. In der amerikanischen Literatur wird die Schreibweise ACC(L) bevorzugt. Synonyme
Schreibweisen: ACC, acc, AnCC
ACD = absolute cardiac dullness Absolute Herzdämpfung. Von der relativen kann die absolute Herzdämpfung unterschieden werden. Diese entspricht der unmittelbaren Berührungsfläche von Herz und Brustwand, weshalb sie weniger von der Größe des Herzens als vom Zustand der Lunge abhängt. Die absolute Herzdämpfung wird sich nur bei leiser Perkussion gut
5
A. c. d.
abgrenzen lassen. Die rechtsseitige Begrenzungslinie entspricht in den
meisten Fällen der relativen Dämpfung, links liegt die Begrenzung 1-2
Querfinger medial vom Herzspitzenstoß. Die linksseitige Begrenzungslinie
verläuft von diesem Punkt in einer Bogenlinie nach oben bis etwa zum Unterrand der 4. Rippe
A. c. d. = Arteria coronaria dextra Rechte Koronararterie, rechte Kranzarterie. Die A. coronaria dextra verläuft an der Grenze zwischen rechtem
Vorhof und rechter Kammer in einem großen Bogen nach rechts vorn unten. Sie besitzt im Gegensatz zur linken Koronararterie einen langen
Hauptstamm, der bei einem angiographischen Durchmesser von ca. 3 mm
über eine Strecke von 5-7 cm kaum Kaliberabnahme erkennen läßt. Kurz
nach dem Ostium zweigen zunächst als erster kleinerer Ast ein Ramus coni
arteriosi, anschließend mehrere Äste zum rechten Vorhof ab. Wichtigster
dieser Äste ist die Sinusknotenarterie; sie zieht, verdeckt vom rechten Herzohr, nach kranial und dorsal zum Sinusknoten. In einer kleinen Zahl der
Fälle entspringt die Konusarterie nicht von der rechten Kranzarterie, sondern verfügt über ein eigenes Ostium im rechten Sinus Valsalvae. Diese
Normvariante ist insofern von besonderer Bedeutung, als Kontrastmittelinjektionen, die unter der Annahme, es handle sich um den Hauptstamm
der rechten Kranzarterie, in eine isolierte Konusarterie erfolgen, nicht selten gravierende Rhythmusstörungen (Kammerflimmern) nach sich ziehen
können. Im weiteren Verlauf gehen ein oder mehrere Äste nach kranial und
dorsal zum rechten Vorhof und zwei meist kräftigere Äste in entgegengesetzter Richtung nach vorn links unten zur Vorderwand des rechten Ventrikels ab. Im Bereich des Margo acutus verläßt ein meist kräftig ausgebildeter Ramus marginalis dexter den Stamm der rechten Kranzarterie und zieht
entlang dem Margo acutus zur Spitze hin. Die rechte Koronararterie biegt
anschließend auf die dorsale Seite des Herzens und verläuft wenige Zentimeter im Sulcus coronarius und endet als Ramus interventricularis posterior im gleichnamigen Sulcus. Kurz vor oder im Bereich der Crux cordis,
selten danach, teilt sich die rechte Kranzarterie in diesen hinteren interventrikulären Ast und einen Ramus atrioventricularis, der nach kurzem
Verlauf die AV-Knotenarterie und ein oder zwei unterschiedlich kalibrierte
Rami postolaterales abgibt. Im Hinblick auf koronarangiographische Befunde wurde 1970 von einem internationalen Nomenklaturkomitee folgende Benennung der Äste der rechten Koronararterie vorgeschlagen (in der
Reihenfolge ihres Abgangs von proximal nach distal):
RCA
Arteria coronaria dextra, rechte Koronararterie
RCO
Ramus coni arteriosi, Konusarterie
RNS
Ramus nodi sinuatrialis dexter, Sinusknotenarterie
RVD
Ramus ventricularis dexter, rechtsventrikuläre Arterie
RAD
Ramus atrialis dexter, rechte Vorhofarterie
RMD
Ramus marginalis dexter
RNA
Ramus nodi atriventricularis, AV-Knotenarterie
RIVP
Ramus interventricularis posterior
RSP
Ramus septalis posterior
RPLD Ramus posterolateralis dexter
RCD
Ramus circumflexus dexter
ACE
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ACE = angiotensin-converting-enzyme Angiotensin-I-Converting-Enzym.
Enzym, das vom Angiotensin I das endständige Dipeptid Histidyl-L-Leucin
abtrennt. Dadurch entsteht das Oktapeptid Angiotensin II, eines der am
stärksten gefäßverengend wirkenden Peptide, die biologisch vorkommen.
Außer der vasokonstriktorischen Wirkung wird dem Angiotensin II ein stimulierender Effekt auf die Corticosteroidsynthese in der Nebennierenrinde zugeschrieben. Dieses Enzym, das Angiotensin I zu Angiotensin II umwandelt, wurde „converting enzyme“ genannt. In der Internationalen
Enzym-Nomenklatur hat das Angiotensin-I-Converting-Enzym die Bezeichnung E.C. 3.4.15.1 und gehört zur Gruppe der Peptidyl-dipeptidHydrolasen. Da es auch das Nonapeptid Bradykinin inaktiviert, das im Gegensatz zum Angiotensin II vasodilatatorisch wirkt, wird das ACE auch von
manchen Autoren als Kininase II bezeichnet. Aufgrund des unterschiedlichen biochemischen Verhaltens können drei Isoenzyme des ACE unterschieden werden. Das aACE ist im Blutplasma vorhanden und stammt vorwiegend aus den Endothelzellen der Lungengefäße, ß- und y-ACE kommen
in verschiedenen Strukturen der Niere vor. Synonyme Bezeichnung: SACE
= serum angiotensin converting enzyme
ACE-inhibitor
=
angiotensin-converting-enzyme-inhibitor
Inhibitor
(Hemmstoff) des Angiotensin-I-Converting-Enzyms. Ein oral zu verabreichender ACE-lnhibitor, Captopril, chemisch d-2-Methylproionyl-L-Prolin),
ist ein spezifischer Hemmstoff des Angiotensin-Converting-Enzyms, das
die Umwandlung von Angiotensin I in Angiotensin II bewirkt. Auf molekularer Ebene besetzt Captopril die aktiven Zentren des Konversions- bzw. Umwandlungsenzyms und blockiert auf diese Weise die enzymatische Bildung von Angiotensin II, dem stärksten Vasokonstriktor im menschlichen
Organismus. Da Angiotensin II gleichzeitig ein physiologisches Stimulans
für die Bildung des Salz- und Wasser-retinierenden Mineralcorticoids Aldosteron ist, hemmt Captopril nicht nur die Vasokonstriktion durch Angiotensin II, sondern verhindert auch eine vermehrte Salz- und Wasserretention. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand setzt Captopril über drei Mechanismen den Blutdruck in den Widerstandsgefäßen (Arteriolen) und den Kapazitätsgefäßen (Venen) herab: 1. Hemmung der Angiotensin-Ilvermittelten Vasokonstriktion, 2. Hemmung der Aldosteron-vermitteiten
Natrium- und Wasserresorption und 3. Beibehaltung der Bradykininvermittelten Vasodilatation
ACG = angiocardiography Angiokardiographie. Röntgenologische Darstellung der Ein- und Ausflußbahnen und der Binnenräume des Herzens
sowie der Lungengefäße nach Injektion eines Kontrastmittels in den rechten Vorhof
ACG = apexcardiogram, apexcardiography Apexkardiogramm, Apexkardiographie (AKG). Registrierung des Herzspitzenstoßes, d. h. der durch die
Thoraxwand fortgeleiteten Bewegung der linken Ventrikelspitze mit einem
elektrischen Druckwandler oder auf photoelektrischem Weg. Das AKG läßt
Veränderungen der Hämodynamik des linken Ventrikels, besonders bei
Rhythmusstörungen, erkennen
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ACS
ACh = Acetylcholin Physiologische Überträgersubstanz an den muskulären Endplatten im parasympathischen Nervensystem und im ZNS. Acetylcholin wirkt wie eine Vagusstimulation negativ chronotrop (Verlangsamung der Frequenz des Sinusknotens) und an den Herzvorhöfen inotrop
(die Kontraktilität senkend)
ACI = acute coronary insufficiency Akute Koronarinsuffizienz, koronare
Mangeldurchblutung. Verschiedene Autoren verwenden diesen Begriff synonym für Angina pectoris gravis
AC-Intervall In der Echokardiographie werden die markanten Punkte des
typischen Bewegungsmusters des vorderen Mitralsegels (dem ursprünglichen Vorschlag von Edler folgend) allgemein mit den Großbuchstaben
A — F bezeichnet. Innerhalb dieses Bewegungsablaufs ist das AC-Intervall
die Geschwindigkeit der endgültigen Schließungsbewegung des vorderen
Mitralsegels. Die Ermittlung des Wertes erfolgt durch Anlegen einer Tangente, welche die Punkte „A“ und „C“ des Bewegungsablaufes des vorderen Mitralsegels verbindet. Normalwert: 125-250 mm/sec. Ein verlängertes AC-Intervall und eine B-Inzisur weisen bei Patienten mit einer Erweiterung des linken Ventrikels auf eine linksventrikuläre Dysfunktion und einen Kammerdehnungsverlust bei erhöhtem enddiastolischem Druck hin.
Da die Dauer des AC-Intervalls von der atrioventrikulären Überleitungszeit
abhängig ist, wird dieser Wert in Beziehung zur PQ-Zeit des EKG gesetzt
(-> PQ-AC-Intervall).
Gelegentlich findet man die Schreibweise: A - C-Intervall (engl.: AC-siope,
frz.: intervalle AC)
AC-Schock (ac = alternating current) Kardioversion mit Wechselstrom.
Der Elektroschock wird heute nur noch mit Gleichstromstößen (DCSchock) durchgeführt; die früher angewandte Kardioversion mit Wechselstrom (AC-Schock) ist infolge einer etwas höheren Komplikationsrate verlassen worden. Dabei sind Energien zwischen 50 und 400 Wsec mit Spannungen zwischen 500 und 7000 Volt erforderlich
AC-slope Endgültige Schlußgeschwindigkeit der Mitralklappe. Siehe
AC-Intervall, -* DE-slope
ACS = Automated (Heart) Catheterization System Automatisches
Herzkatheter-Laborsystem für den erweiterten Herzkatheter-Meßplatz einschließlich Patienten-Überwachungssystem unter Einbeziehung der Fernsehtechnik bei der Darstellung von Kurven, Daten und Kamerabildern.
Über die Symboldarstellung des Herzens auf dem Bedienerpult sind Drucktasten verteilt. Während der Herzkatheterisierung gibt der Untersucher
dem Datenverarbeitungssystem die jeweilige Lage der Katheterspitze
durch Betätigung der entsprechenden Drucktaste an. Die KatheterMeßwerte werden damit dieser Position zugeordnet. Es können Blutdruck,
EKG, Sauerstoffsättigung und Verdünnungskurven verarbeitet werden. Berechnet werden auch Druckgradienten, Herz-Zeitvolumen, Klappenflächen, Shunts und Herzvolumen
8
A. c. s.
A. c. s. = Arteria coronaria sinistra Die linke Koronararterie läuft, verdeckt
durch den Truncus pulmonalis, nach vorn. Sie weist einen angiographischen Durchmesser von 3-4 mm auf. Im Koronarangiogramm kommt der
Stamm der linken Koronararterie am besten in rechter schräger (RAO) oder
halbaxialer kaudokranialer Position zur Darstellung. Nach 10-30 mm teilt
sich die A. coronaria sinistra in ihre beiden Hauptäste, den im Sulcus interventricularis anterior zur Spitze hin verlaufenden Ramus interventricularis
anterior ("gebräuchliche Abkürzungen: RIVA, LAD, RIA) und den über den
Margo obtusus nach dorsal zum Sulcus coronarius verlaufenden Ramus
circumflexus. Der Ramus interventricularis anterior stellt die direkte Fortsetzung des linken Hauptstammes dar und verjüngt sich bis zur Spitze auf
einen angiographischen Durchmesser von 1-2 mm. Der R. interventricularis anterior ist gewöhnlich für das Schicksal des Koronarkranken entscheidende Gefäß, er wird deshalb etwas pathetisch auch als „Schicksalsgefäß
des Herzens“ bezeichnet. Nach dem Vorschlag des internationalen Nomenklaturkomitees gelten für die Äste der linken Koronararterie folgende
Benennungen und Abkürzungen:
LCA
RIVA
RAS
RMS
RPLS
RAVS
RCS
RSA
RA VD
Arteria coronaria sinistra, linke Koronararterie
Ramus interventricularis anterior (LAD, RIA)
Ramus atrialis sinister, linke Vorhofarterie
Ramus marginalis sinistef
Ramus posterolateralis sinister
Ramus atrioventricularis sinister
Ramus circumflexus sinister
Ramus septalis anterior
Ramus atrioventricularis dexter
ACVB = aorto-coronary venous bypass Aorto-koronarer Venenbypass.
Heute stehen der Koronarchirurgie die Verfahren der direkten Revaskularisation stenosierter oder verschlossener Koronararterien durch aortokoronaren Venenbypass (ACVB) oder durch direkte Anastomosierung der
A. mammaria interna mit der Kranzarterie (MIA) zur Verfügung.
Die alleinige Endarteriektomie mit und ohne lokale Flickenerweiterungs plastik wird so gut wie nicht mehr verwendet. In Kombination mit einer Venenbypassoperation kann zur Verbesserung der peripheren Abstrombahn
gelegentlich eine lokale Endarteriektomie angezeigt sein.
Die Resektion von Postinfarktaneurysmen und die postoperative Korrektur
eines durch Infarkt entstandenen Ventrikelseptumdefektes, eine durch Infarzierung des Papillarmuskels entstandene Mitralinsuffizienz umfassen
ebenso wie die dauerhafte Elektrostimulation durch Schrittmacherimplantation die chirurgische Behandlung der Infarktfolgen.
Die Operationsmethoden der indirekten Revaskularisation durch
Mammaria-interna-lmplantation nach Vineberg und Sewell werden heute
nur noch vereinzelt angewandt. Synonyme Bezeichnungen: aorto-coronary
venous graft(ing), aorto-coronary saphenous vein bypass (veingraft)
A/D-Index = Diastolischer A-Wellen-Index Im Apexkardiogramm wird der
Index errechnet vom Verhältnis der A-Welle zur gesamten Diastolenhöhe,
9
AEC
d. h. der Abstand von Punkt 0 bis zum Maximum der A-Welle wird als Prozentzahl der gesamten Diastolenhöhe (OC) angegeben. Normalwert:
31,4% ±11,4 (Manolas et al. 1979). Das Verhältnis von A-Welle zur diastolischen Höhe sowie das Verhältnis der diastolischen Höhe zum Gesamtausschlag des Apexkardiogramms (A/D bzw. D/H) gibt bei Erhöhung über
den Normwert Hinweise auf die Schwere einer Herzinsuffizienz
ADH = Antidiuretisches Hormon Vasopressin, Hormon des Hypophysenhinterlappens mit Angriffspunkt in der Niere.
ADH-Test Funktionsprüfung der Harnkonzentrierung. Am gebräuchlichsten ist der Volhard-Konzentrationsversuch: Als Maß der konzentrativen
Nierenleistung dient hier das nach 12-24 Stunden Dursten (Hydropenie)
maximal erreichbare spezifische Harngewicht (1026- 1032). Da es jedoch
nur ungenügende Parallelität zur osmotischen Konzentration des Harns
aufweist, stellt die maximal im Durstversuch erreichte, kryoskopisch gemessene Harnosmolalität einen genaueren Parameter dar (850-1200
mOsm/kg H2O), während der maximale osmotische U/P-Quotient keine zusätzliche Information bietet. Ersetzt man den Durstversuch durch einen
ADH-Test (1-5 mE ADH/kg Körpergewicht i. v.), um den Patienten, z. B.
Kindern, Belästigung oderZeit zu ersparen, fallen die genannten maximalen Parameter regelmäßig niedriger aus. Der ADH-Test soll deshalb nur zur
Prüfung auf ADH-Refraktärität bei der Unterscheidung des nephrogenen
vom zentralen Diabetes insipidus angewandt werden.
Der Konzentrationsversuch ist eine einfache, qualitative Methode zur approximativen Erfassung gröberer Konzentrierdefekte. Er gibt keinen Hinweis auf das quantitative Ausmaß des Defektes und gestattet, ebenso wie
der ADH-Test — abgesehen vom Diabetes insipidus — keine Differenzierung von ADH-abhängigen Störungen der Phase II bzw. Ill und ADHunabhängigen Störungen der Phase I der Harnkonzentrierung
AEB = atrial ectopic beat Vorhofextrasystole. Vorhofextrasystolen können in verschiedenen Anteilen der Vorhöfe enstehen, wodurch sich die
Konfiguration und der Vektor der P’-Wellen in entsprechender Weise ändern. Die heterotope P-Welle wird der Sinus-P-Welle ähneln, wenn die Extrasystole aus einem Fokus in der Nähe des Sinusknotens kommt; sie wird
retrograd geleitet werden, wenn das Automatiezentrum mehr distal in der
Nähe des AV-Knotens gelegen ist. Die ektope P-Welle kann sich in den
Extremitäten-Ableitungen positiv biphasisch oder negativ darstellen. Im
EKG sind Vorhofextrasystolen charakterisiert durch den vorzeitigen Einfall deformierter und in ihrer Amplitude veränderter P-Wellen (P’-Wellen).
Die PQ-Zeit einer Vorhofextrasystole hängt hauptsächlich vom Status des
AV-Knotens und somit von der Frühzeitigkeit ihrer Entstehung ab. Je frühzeitiger eine Vorhofextrasystole einfällt, um so mehr wird sie den AVKnoten im Stadium der relativen Refraktärität vorfinden und um so verzögerter wird sie auf die Kammern fortgeleitet werden
AEC = atrial ectopic contraction Seltener verwendete Abkürzung für APB
= atrial premature beat und AEB = atrial ectopic beat
10
AERP
AERP = atrial excitation
Repolarisationsphase
repolarization
phase
Vorhoferregungs-
AES = aortic ejection sound Aortaler Austreibungston
AF = atrial fibrillation (auricular fibrillation) Vorhofflimmern. Extrem rasche und unkoordinierte Tätigkeit der Vorhöfe (350 - 700/min), deren Erregung unregelmäßig auf die Kammer übergeleitet wird. Das EKG zeigt folgende Merkmale: 1. Fehlen der P-Zacken, 2. Auftreten von Flimmerwellen:
kleine, unregelmäßig in Größe, Form und Frequenz fortwährend wechselnde Wellen mit einer Frequenz von 350 - 700/min, die in Vi am deutlichsten
erkennbar sind, 3. Vollständig regellose Schlagfolge (absolute Arrhyhthmie) von Kammerkomplexen supraventrikulärer Morphologie, sofern nicht
gleichzeitig ein Schenkelblock entsteht oder die Kammern aberrierend erregt werden
AF = Auswurffraktion Die Differenz zwischen dem enddiastolischen und
endsystolischen Volumen ist das gesamte Schlagvolumen des linken Ventrikels. Die Division des gesamten Schlagvolumens durch das enddiastolische Volumen ergibt die Auswurf- oder Austreibungsfraktion. In Ruhe werden ungefähr 2/3 des enddiastolischen Volumens des linken Ventrikels
ausgeworfen. ZurZeit ist die Auswurffraktion die am häufigsten verwendete Größe zur Beschreibung der Funktion des linken Ventrikels. Es ist nachgewiesen, daß sie von prognostischer Bedeutung bei verschiedenen Arten
von Herzerkrankungen ist. Weitere allgemein gebräuchliche Parameter der
globalen Funktion sind: mittlere normalisierte systolische Austreibungsrate = Gesamtschlagvolumen / (enddiastolisches Volumen x Austreibungszeit) sowie die mittlere Geschwindigkeit der zirkumferentiellen Faserverkürzung = (enddiastolischer Durchmesser minus endsystolischer Durchmesser) / (enddiastolischer Durchmesser x Austreibungszeit). In Anlehnung an die englische Abkürzung ET = ejection time für Austreibungszeit,
wird in der deutschen Literatur überwiegend die englische Abkürzung EF
= ejection fraction für Auswurf- oder Austreibungsfraktion verwendet
a-f = Kennzeichnung des Bewegungsablaufs der normalen Pulmonalklappe Zur Kennzeichnung des Bewegungsablaufs wird die von Weyman
et al. (1974) vorgeschlagene Bezeichnung mit den Kleinbuchstaben a-f
verwendet, die sich an die Benennung des Mitralklappenbewegungsmusters anlehnt. Während der Diastole verläuft das Pulmonalklappenecho
als feiner Strich in der Mitte des Gefäßes (e - f-Abschnitt) und ähnelt damit
demjenigen der geschlossenen Aortenklappen. Nach der Vorhofkontraktion (Ende der P-Welle im EKG) wird im Echokardiogramm der hinteren Pulmonalklappentasche eine Dorsalbewegung geringer Amplitude, die sog.
a-Welle, beobachtet. Diese a-Welle ist echokardiographischer Ausdruck einer geringen Öffnungsbewegung der Pulmonalklappe als Folge der durch
die Vorhofkontraktion geänderten Druckverhältnisse zwischen rechtem
Ventrikel und Pulmonalarterie. Je niedriger der diastolische Pulmonalarteriendruck und je kräftiger die Vorhofkontraktion, um so ausgeprägter
kommt die a-Welle zur Darstellung. Die Tiefe der a-Welle, die mit der Atem-
11
AG
phase schwanken kann, beträgt beim Erwachsenen im Mittel 3 mm (0-7
mm)
AF-murmur = Austin Flint’s murmur (Flint’s murmur) Austin-FlintGeräusch. Tiefes, rumpelndes diastolisches und/oder spätsystolisches
Geräusch bei Aorteninsuffizienz, das durch eine funktionelle Mitralstenose hervorgerufen wird (Au s t in Fl in t 1812- 1886, amerikanischer Physiologe und Internist)'
AFA-Stimulation (AFA-Pacing) = Stimulation mit automatischer Frequenzanpassung Zur Behandlung von brady- und tachykarden ventrikulären
Rhythmusstörungen wird ein neuer, externer orthorhythmischer Pacemaker (AFA) mit variabler Hysterese benutzt. Bei diesem AFA steigt die
Demandfrequenz stufenweise temporär an, sobald ein vorzeitiger QRSKomplex auftritt. Wird keine Extrasystole detektiert, so sinkt die Demandfrequenz (DF) automatisch stufenweise (alle 12 see) bis zum gewählten
Grundrhythmus wieder ab. Die automatische DF-Steigerung dauert nach
der ersten Extrasystole 4 see, nach der zweiten Extrasystole 12 see und
nach der dritten ES meist 1 min, sofern das Intervall zwischen konsekutiven ES weniger als 12 see beträgt (nach der dritten konsekutiven ES ist die
Stimulationsdauer zwischen 12 see und 6 min regelbar). Der Zeitraum der
ES-Auswahl ist prozentual regelbar bezogen auf die Dauer des vorausgegangenen Herzzyklus; zumeist wird eine Einstellung von 90% vorgenommen. Die verwendeten Frequenzstufen sind 65, 75, 85 und 100 Stimulationen/min,
AFORMED phenomenon (alternating failure of response mechanical to
electrical depolarization) AFORMED-Phänomen. Von E. Corday et al. [Circulation, 38 (suppl. 6):60, 1968] beschriebenes Phänomen, bei dem bei supraventrikulären und ventrikulären Tachykardien nicht jeder elektrischen
Kammererregung eine mechanische Systole folgt. Dieses Phänomen führt
zu längerer diastolischer Füllungszeit und dadurch auch zu normalem
Herzminutenvolumen und Blutdruck
AFRD = acute febrile respiratory disease Akute fieberhafte entzündliche
Erkrankung der oberen Luftwege (Synonyme Abkürzung: AFRI = acute febrile respiratory illness)
AG = atrial gallop Präsystolischer Galopprhythmus. Der präsystolische
Galoppton ist sehr niederfrequent und gewöhnlich am besten im unteren
Bereich des Sternums oder gelegentlich über der Herzspitze zu hören. Er
geht dem ersten Herzton mindestens 0,08 see voraus. Da er mit der Vorhofkontraktion zusammenfällt, stellt er wahrscheinlich einen akzentuierten
Vorhofton dar. Als Beweis für die Entstehung dieses Galopptones im Vorhof wird dessen Verschwinden oder Fehlen bei Vorhofflimmern angeführt.
Atmung, Lageveränderung des Körpers und Arbeitsleistung verändern den
präsystolischen Galopp in Fällen von arterieller Hypertension und Koronarsklerose. Anhalten des Atems, sitzende Körperstellung, venöse Stauung mittels Tourniquet-Test und intravenöse Verabreichung von Amino-
12
AGS
phyllin können den präsystolischen Galoppton (Vorhofton) abschwächen
oder zum Verschwinden bringen. Der präsystolische Galopp kann bei systolischer Überlastung, besonders arterieller Hypertension, bei Myokardinfarkt, Aortenstenose, pulmonaler Hypertonie, Pulmonalstenose und bei
verschiedenen Kardiomyopathien festgestellt werden.
AGS = Adrenogenitales Syndrom Einige der enzymatischen Defekte der
Cortisolsynthese führen zur Produktion relativ großer Mengen mineralocorticoidwirksamer Substanzen, die ihrerseits eine gesteigerte Natriumund Wasserretention und somit eine Hypertension verursachen.
Man unterscheidet zwei verschiedene Formen, welche beide mit Hypokaliämie und Hypertension einhergehen: 11-Hydroxylase-Mangel und
17-Hydroxy lase-Mangel.
Die Diagnose des 11-Hydroxylase-Mangels wird bei Kindern gestellt durch
Nachweis einer Virilisierung in Kombination mit hohen Sekretionsraten
von 11-Deoxycortisol und Deoxycorticosteron.
Beim 17-Hydroxylase-Mangel fehlt die Virilisierung, da durch den
17-Hydroxylase-Defekt nicht nur die Cortisol-, sondern auch die Androgensynthese gestört sind. In der Regel wird die Diagnose während der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter durch Kombination von Hypertension, Hypokalämie, primärer Amenorrhoe oder männlichem Pseudohermaphroditismus gestellt.
'
Sowohl beim 11-Hydroxyläse- als auch beim 17-Hydroxylase-Mangel besteht die Therapie in der Gabe von glucocorticoidwirksamen Substanzen
AGW = Atemgrenzwert Das maximale Luftvolumen, das innerhalb von 12
oder 15 see ventiliert werden kann; es wird auf L/min hochgerechnet. Synonyme Bezeichnung: Atemzeitvolumen bei maximal forcierter willkürlicher
Hyperventilation (engl.: MBC = maximal breathing capacity, MBV = maximal voluntary ventilation; frz.: ventilation maximale minute, VMM)
A-H-Block = Vorhof-His-Block Nach der differenzierten topographischen
Einteilung der AV-Blockierungen sowie der Aufschlüsselung der AVÜberleitungsstörungen nach Lokalisation und Grad (in Anlehnung an
Puech et al.) unterscheidet man:
1. Sinunodaler Block (Sinus-A V-Block): P-A-Block (frz.: bloc sinusonodal)
2. Vorhof-Sinus-Block: A-H-Block
Synonyme Bezeichnungen: Block von Vorhof und AV-Knoten, Block innerhalb des AV-Knotens, Block zwischen AV-Knoten und Stamm des HisBündels (frz.: bloc supra-hisien)
3. His-Block: H-Block
Synonyme Bezeichnungen: Block im oberen Anteil des His-Bündels, Block
im mittleren Anteil des His-Bündels: Doppel-H-Komplex (H + H oder Hi +
H2), Block im distalen Anteil des His-Bündels, Hi + H2 nahe der Bifurkation (frz.: bloc intra-hisien, bloc trunculaire)
4. His-Ventrikel-Block: H-V-Block
Selten Block im distalen Anteil des His-Bündels, meist Block eines oder
mehrerer Faszikel = uni-, bi- oder trifaszikulärer Block (frz.: bloc infrahisien)
*
13
AIUM
A/H-Index Bestimmt wird dieser Index durch die prozentuale Höhe der AWelle zum Gesamtausschlag des Apexkardiogramms; d. h., die A-Welle
wird in Prozent zur Gesamtausschlagshöhe des Apexkardiogramms angegeben. Normalwert: bis 15%
AH-Intervall (AH-Zeit) Intervall im His-Bündel-EKG vom Beginn der ersten
schnellen Deflektion des atrialen Potentials bis zum Beginn der ersten
schnellen Deflektion des His-Potentials im HBE. Dieses Intervall entspricht annähernd der Leistungszeit durch den AV-Knoten. Normwert: 92
± 38 msec. Das AH-Intervall ist somit ein Maß für die Erregungsleitungsgeschwindigkeit
im
proximalen
Abschnitt
des
AV-Erregungsüberleitungssystem. Bei Leitungsverzögerungen proximal vom verzweigten His-Bündel-Teil ist das AH-Intervall verlängert. Das AH-Intervall zeigt
eine deutliche Frequenzabhängigkeit, d. h. es kommt bei steigenden Herzfrequenzen zu einer zunehmenden Verlängerung des AH-Intervalls (physiologische Blockfunktion des AV-Knotens)
AHA = American Heart Association Wörtlich: Amerikanische HerzGesellschaft (Vereinigung). Die Abkürzung AHA wird auch für American
Hospital Association (Amerikanische Krankenhaus-Vereinigung) verwendet
AI = aortic insufficiency Aorteninsuffizienz, Aortenklappeninsuffizienz.
Schlußunfähigkeit der Aortenklappen. Synonyme Bezeichnungen: Aortenregurgitation (engl.: aortic insufficiency, aortic regurgitation, Corrigan’s
disease)
AIS = Aortenisthmus-Stenose Krankheitsbild bei angeborener Stenose im
Isthmusbereich der Aorta zwischen dem Abgang der A. subclavia sinistra
und der Einmündungsstelle des Ductus arteriosus. Aortenstenosen mit
hiervon abweichender Lokalisation werden häufig in diesen Begriff einbezogen. Synonyme Bezeichnungen: Coarctatio aortae, präduktale (und
postduktale) Isthmusstenose
AIUM = American Institute of Ultrasound in Medicine Amerikanisches Institut für Ultraschall in der Medizin. Die amerikanische Gesellschaft für
Echokardiographie (American Society of Echocardiography, Room No.
567, University Hospital, 1100 West Michigan Street, Indianapolis, Indiana
46202) hat sich im März 1978 auf Regeln für quantitative Messungen in der
M-mode-Echokardiographie sowie über die Art der Darstellung von zweidimensionalen echokardiographischen Bildern geeinigt. Diese Vereinbarung wurde Ende 1978 auf dem jährlichen Treffen des AIUM (6161 N. May
Avenue, Suite 260, Oklahoma City, Oklahoma 73112) verabschiedet. Es ist
anzunehmen, daß sich alle Veröffentlichungen — zumindest in der amerikanischen Literatur — zukünftig danach richten werden. Für die Grundlagendiskussion zur quantitativen Messung M-mode-echokardiographischer
Ergebnisse siehe: Recommendations Regarding Quantitation in M-Mode
Echocardiography: Results of a Survey of Echocardiographic Measurements, David J. Sahn, Anthony DeMaria, Joseph Kisslo and Arthur Wey-
AIVR
14
mann; The Committee on M-Mode Standardization of the American Society of Echocardiography (Circulation 58,1978,1072 - 1083)
AIVR = accelerated idioventricular rhythm Beschleunigter (akzelerierter)
idioventrikularer Rhythmus. Nach der Art der Entstehung, der Frequenz
und der klinischen Manifestation lassen sich zwei unterschiedliche Formen der ventrikulären Tachykardie unterscheiden, die allerdings nicht immer streng voneinander zu trennen sind: eine idioventrikuläre Tachykardie
(idioventrikularer Rhythmus) und eine extrasystolische ventrikuläre Tachykardie.
Die idioventrikuläre Tachykardie entsteht durch Akzeleration eines tertiären Ersatzzentrums, das infolge Steigerung seiner Frequenz über die des
Sinusknotens hinaus die Führung über die Kammern übernimmt. Der Mechanismus entspricht dem der idionodalen AV-Knotentachykardie. Da keine parasystolische Schutzblockierung vorliegt, kann der Sinusknoten jederzeit intervenieren und die Kammern mit einer höheren Frequenz wiederum einfangen.
In den meisten Fällen besteht eine AV-Dissoziation, wobei jedoch übergeleitete Erregungen (ventricular capture) und Kombinationssystolen
(„Dressier beats“) häufig sind. Bei den langsamen Formen der idioventrikulären Tachykardie (sog. .idioventrikuläre Rhythmen) ist mitunter eine
Rhythmusfolge nach Art einer Interferenzdissoziation zu beobachten.
Auch ist es möglich, daß die Kammererregungen den Vorhof erreichen und
dort mit der Sinusknotentätigkeit interferieren und sogar ganz die Schrittmacherfunktion über die Vorhöfe übernehmen.
Bei Patienten mit einem totalen AV-Block entstehen idioventrikuläre Tachykardien nicht selten durch eine passager beschleunigte Erregungsbildung des tertiären Ersatzzentrums
AJR
=
accelerated
junctional
rhythm
Beschleunigter
AVVerbindungsrhythmus. Verliert z. B. der Sinusknoten, d. h. das primäre
Reizbildungs- bzw. Automatiezentrum, die Fähigkeit zur selbständigen
rhythmischen Reizbildung, dann übernimmt der AV-Knoten als das sekundäre Automatiezentrum die Schrittmacherfunktion. Da der Rhythmus jedoch nur von der oberen oder unteren Verbindungszone (AN- oder NHRegion) herstammt, sollte dieser nicht, wie früher, als AV-Knotenrhythmus
bezeichnet werden. Die amerikanische deskriptive Bezeichnungsweise:
junctional rhythm = A V-Verbindungsrhythmus ist hier vorzuziehen
AKB = Aorto-koronarer Bypass Seltener verwendete Abkürzung. Immer
häufiger liest man die englische Abkürzung: ACVB = aortocoronary venous bypass, aortocoronary (saphenous-) vein bypass, aortocoronary vein
bypass graft
AKG = Angiokardiographie Röntgenologische Darstellung der Ein- und
Ausflußbahnen und der Herzbinnenräume nach Injektion eines Kontrastmittels. Die intravenöse AKG ist heute von der sog. selektiven AKG verdrängt worden. Dabei wird das Kontrastmittel über einen Katheter direkt
vor die vermutete Läsion injiziert
15
AMIS
AKG = Apexkardiographie Aufzeichnung der Brustwandpulsation im Bereich der Herzspitze. Die Kurven stellen Schwingungen mit einer Frequenz
von 0,1 bis 20 pro see dar, die hauptsächlich durch Bewegungen der linken
Kammer gegen die Brustwand verursacht werden. Zur Aufzeichnung der
Schwingungen wurden auch andere Methoden verwendet, so die Kinetokardiographie und die Vibrokardiographie. Das AKG ist vor allem als Bezugssystem für das Phonokardiogramm von Bedeutung, zur zeitlichen
Festlegung der Austreibungsphase der linken Kammer. Die indirekte Karotispulskurve ist zur Erfassung der Aktivität des linken Herzens während
der Diastole nicht befriedigend. Das AKG wird mit einem piezoelektrischen
Mikrophon registriert, das durch einen Gummischlauch mit einem Standardmikrophon verbunden ist. Das gleiche Pick-up dient zur Aufnahme des
AKG und des Phonokardiogramms. Mit dieser Methode lassen sich beide
Verfahren gleichzeitig von derselben Stelle der Brustwand ableiten, verstärken und registrieren
AL = anterior axillary line Vordere Axillarlinie, Linea axillaris anterior. Die
vom Beginn der vorderen Achselfalte vertikal nach unten gezogene vordere Achsellinie (frz.: ligne axillaire antärieure)
ALCAPA = anomalous origin of the left coronary artery from the pulmonary artery Fehlabgang der linken Koronararterie aus der Pulmonalarterie
ALZ = Arm-Lungen-Zeit Zeit von der Injektion eines Indikators in die Vena
cubitalis bis zum Erscheinen in den Lungenkapillaren, durch einen Hustenstoß angezeigt nach Lobelininjektion oder durch eine tiefe Inspiration
nach Papaverininjektion. Die ALZ ist verkürzt bei hohem, verlängert bei
niedrigem Herzminutenvolumen. Nur allgemein orientierenden Charakter
hat die früher übliche Messung der Arm-Lungen bzw. Arm-Zungen-Zeit mit
Ätherdecholin, die normalerweise 4-8 see bzw. 10-16 see beträgt und
stark von der individuellen Reizschwelle abhängt. Im Gegensatz dazu wird
bei den Indikator-Verdünnungesmethoden die Ankunft des Indikators am
Registrierort objektiv registriert. Die klinisch wichtige Erscheinungszeit
bezieht sich auf den kürzesten Weg und die schnellsten Indikator-Partikel.
Die Arm-Lungen-Zeit wird als Differenz der Arm-Ohr und der Lungen-OhrErscheinungszeit gemessen. Normwert: 5-7 see
AMI = acute myocardial infarction Akuter Myokardinfarkt, akuter Herzinfarkt
AMIS = Aspirin Myocardial Infarction Study In den USA durchgeführte
Studie, die den prophylaktischen Wert der Azetylsalizylsäure als Thrombozytenaggregationshemmer bei der Reinfarktprophylaxe ermitteln sollte. Es
geht hier nicht um die Prävention der Hirn-, sondern die der Koronarthrombose. Die Azetylsalizylsäure ist in den USA unter dem Bayer-Warenzeichen
Aspirin bekannt geworden; die vom National Heart and Lung Institute unterstützte Doppelblindstudie heißt deshalb Aspirin Myocardial Infarction
Study (AMIS). Neben einer in Großbritannien noch laufenden Studie des
British Medical Research Council wird in den USA neben AMIS eine weite-
AML
16
re Studie unter der Bezeichnung PARIS durchgeführt. -> PARIS =
Persantiri-Aspirin Reinfarction Study
AML = anterior mitral leaflet Vorderes (anteriores) Mitralklappensegel,
vordere Mitralklappe. In der amerikanischen Literatur wird die synonyme
Abkürzung AMVL bevorzugt (V = valve)
A-Mode = Amplitudenmodulation Bezeichnung für ein echokardiographisches Bildwiedergabeverfahren. Bei dieser Standarddarstellung werden
zurückkommende Echos als aufrechte Wellen dargestellt, deren Amplitude der Intensität der Echosignale proportional ist. Der Bewegungsablauf
der Herzstrukturen wird durch die Hin- und Herbewegung der Echoamplitude auf der Basislinie sichtbar. Für einen exakte Bildeinstellung ist das ABild von besonderer Bedeutung. Siehe auch -»• B-mode (brightness modulation) und -> M-mode (motion modulation)
AMV = Atemminutenvolumen Produkt aus Atemvolumen und Atemfrequenz in der Zeiteinheit; es gibt an, wieviel ml Luft bei ruhiger Atmung in
einer Minute von der Lunge ventiliert wird. Atemvolumen x Atemfrequenz
pro Minute (engl.: minute ventilation; frz.: döbit ventilatoire)
AMVL = anterior mitral valve leaflet Vorderes Mitralsegel. Synonyme Abkürzung: AML = anterior mitral leaflet
A2-MVO-lntervall Aortenschlußton-Mitralöffnungsintervall, gemessen als
Zeitintervall vom Aortenschlußton bis zur Öffnung der Mitralklappe mittels
kombinierter Phono-Echokardiographie. Das Intervall gibt zusätzliche Hinweise für eine Klappendysfunktion, insbesondere bei Fehlen des Öffnungsklicks. Das Intervall liegt normalerweise zwischen 0,08 und 0,12 see.
Mitralstenose oder Obstruktion einer Mitralprothese heben den linksatrialen Druck, bewirken ein frühzeitiges Öffnen der Mitralklappe und führen
somit zu einer Verkürzung des A2-MVO-lntervalls. (MVO = mitral valve opening). Synonyme Abkürzung: Az-MÖT-Intervall
ANP = Ankunft des negativen Potentials Umkehrpunkt des QRS: im
Brustwand-EKG als oberer Umschlagpunkt die R-Spitze in \/^3 als Beginn
der sog. größten Negativitätsbewegung (intrinsic deflection). Die aufwärts
gerichteten R-Anteile bilden als extrinsic deflection den „unteren Umschlagpunkt“. Die größte Negativitätsbewegung ist eine schnelle Abwärtsbewegung vom Gipfel der größten Positivität. In dem Augenblick, in dem
die Erregungsfront die Elektrode eben erreicht, ist die Positivität am größten. Ist die Elektrode erreicht, fällt das Potential sofort auf Null ab und
wird nach Passage der Erregungsfront negativ. Liegt die Elektrode am äußersten Ende der Muskelfaser, so erreicht die Abwärtsbewegung die isoelektrische oder Null-Linie, wird aber nicht negativ. Liegt die Elektrode nicht
direkt an der Muskelfaser, sondern etwas entfernt in einem leitfähigen Medium, können ganz ähnliche Ausschläge beobachtet werden. Da sich die
Erregungsfront aber'in einer gewissen Entfernung unter der Elektrode befindet, fällt das Potential etwas langsamer von der größten Positivität zur
17
AOO
Null-Linie bzw. zur größten Negativität ab. Im Gegensatz zur intrinsic deflection wird diese etwas langsamere Abwärtsbewegung als intrinsicoid
deflection bezeichnet. Wahrscheinlich tritt die intrinsicoid deflection nicht
zur gleichen Zeit wie die intrinsic deflection auf, sondern etwas später im
absteigenden Schenkel oder sogar an dessen tiefstem Punkt. Synonyme
Bezeichnungen sind: oberer Umschlagpunkt (-* OUP, oUP), Beginn der
größten Negativitätsbewegung (-> GNB), Beginn der endgültigen Negativitätsbewegung (-► ENB) und intrinsic deflection
AN-Region = Atrio-nodale Region Oberer Teil des AV-Knotens. Am AVKnoten kann man einen oberen (atrio-nodale Region), einen mittleren (nodale Region) und einen unteren Teil (Nodal-His-Region) unterscheiden. Der
obere und der untere Teil stellen eine Verbindungszone zum Vorhof bzw.
His-Bündel dar. Deshalb werden sie im angelsächsischen Sprachgebrauch
als junctional region bezeichnet. Die atrio-nodale (AN) und Nodal-HisRegel (NH), d. h. der obere und der untere Teil des AV-Knotens, enthalten
Schrittmacherzellen, die Automatie besitzen; die nodale Region (N), also
der eigentliche AV-Knoten, enthält keine. Eine der wichtigsten Funktionen
des AV-Knotens ist es, die vom Sinusknoten ausgehende Erregung verzögert weiterzuleiten. Diese Funktion wird ausschließlich der AN- und NHRegion zugeschrieben. Die Erregung läuft weiter kaudalwärts im Stamm
des His-Bündels, das sich normalerweise als einzige muskuläre Verbindung zwischen dem Vorhof und den Kammern befindet
ANS = Atemnotsyndrom Seltener verwendete Abkürzung; geläufiger sind
auch in der deutschsprachigen Literatur die Abkürzungen: ARDS bzw. RDS
= (adult) respiratory distress syndrome
AOC = anodal opening contraction Anodenöffnungszuckung. Muskelzuckung, die bei Unterbrechung eines Gleichstroms von der Anode ausgeht
AOD = arterial occlusion disease Arterielle Verschlußkrankheit
AOLVT = aortico-left ventricular tunnel Aortiko-Iinksventrikulärer Tunnel.
Abnorme Verbindung zwischen Aorta ascendens und linkem Ventrikel. Der
pathogenetische Mechanismus ist nicht eindeutig geklärt. Die hämodynamischen Auswirkungen und klinischen Symptome sind nicht von denen einer valvulären Aorteninsuffizienz zu unterscheiden. Verschiedene diagnostische Methoden, wie Angiokardiographie und die Echokardiographie, erlauben eine genaue Abklärung der kardialen Verhältnisse. Da im frühen
Säuglingsalter Zeichen der Herzinsuffizienz auftreten können, ist eine chirurgische Intervention Fällen bereits in diesem Alter indiziert. Die Methode
der Wahl ist ein Patch-Verschluß des aortalen Tunnelostiums
AOO = atrial pacing, no sensing Nach dem von der American Pacemaker
Study Group und der ICHD (Inter-Society Commission for Heart Diseases
Resources) empfohlenen Herzschrittmacher-Code Kurzbezeichnung für eine den Vorhof stimulierenden Schrittmacher ohne Steuerung
AOP (AoP, AP)
18
AOP (AoP, AP) = aortic pressure Aortendruck. Der von Kammerdruck,
Windkesselfunktion der Aorta und dem peripheren Widerstand abhängige
Blutdruck in der Aorta (systolisch maximal 120, diastolisch 80 mm Hg).
Durch die Windkesselfunktion in der Aorta verändert sich der systemarterielle Druck von der Aortenklappe aus bis zur Peripherie mit einem zunehmend steileren, frühsystolischen Druckanstieg, einer Erhöhung des systolischen Gipfels und einer Abnahme des diastolischen Wertes bei kontinuierlichem Sinken des Mitteldruckes. Erhöht ist der systolische und diastolische Druck in der Aorta ascendens bei arterieller Hypertension im gesamten Systemkreislauf sowie bei Aortenisthmusstenose und supravalvulärer
Aortenstenose (proximal der Obstruktion) erniedrigt bei Aortenstenose,
Herzinsuffizienz
und
Hypotension
mit
verminderter systolischdiastolischer Amplitude. Die Amplitude vergrößert sich durch Senkung
des diastolischen Druckes bei Aorteninsuffizienz und bei großem LinksRechts-Shunt auf Aortenebene (Ductus arteriosus persistens, aortopulmonales Fenster, Truncus arteriosus communis, perforiertes SinusValsalva-Aneurysma). Der systolische Druckanstieg der Aortendruckkurve
ist beschleunigt bei Aorteninsuffizienz und subvalvulärer muskulärer Aortenstenose, verzögert bei Aortenklappenstenose. Ein zweigipfliger systolischer Aortendruck findet sich bei Aorteninsuffizienz und bei der idiopathischen hypertrophischen subvalvulären Aortenstenose (-* IHSS)
AOZ = Arm-Ohr-Zeit Zeit von der Injektion eines Farbstoffes (Evans blue
oder Cardiogreen) in die Kubitalvene bis zum Erscheinen des Farbstoffes
im Ohr. Normalwert der Arm-Ohr-Erscheinungszeit: 8-12 see, abhängig
von der Injektionstechnik. Die AOZ ist verkürzt bei erhöhtem Herzminutenvolumen und Rechts-Links-Shunt, verlängert bei erniedrigtem HMV und erhöhtem zentralen Blutvolumen
a.p. = antero-posterior In der Röntgendiagnostik übliche Angabe der Aufnahmerichtung bzw. der Richtung des Strahlenganges während der Untersuchung. Bei a.p.-Aufnahmen befindet sich die Vorderseite des Untersuchungsobjektes röntgennah, die Rückseite filmnah
a.-p.-Achse Die elektrische Achse (oder der räumliche Vektor) des Herzens
kann durch Rotation des Herzens aus seiner normalen Lage um drei Achsen verlagert werden:
1. Die Längs-(oder longitudinale) Achse (von der Basis bis zur Herzspitze.
Das Herz wird betrachtet, als stehe man der Spitze gegenüber. Das Herz
rotiert im Uhrzeiger- oder Gegenuhrzeigersinn um diese Achse. Man stellt
sich dabei eine an der Spitze des Herzens angebrachte Uhr vor.
2. Die a.-p.-Achse. Man stelle sich vor, die vordere Fläche des Herzens zu
betrachten und eine Uhr sei auf dieser Fläche gegenüber dem Betrachter
angebracht. Um diese Achse rotiert das Herz im Uhrzeiger- oder Gegenuhrzeigersinn. Bei Rotation im Gegenuhrzeigersinn wird das Herz quergestellt; bei Rotation im Uhrzeigersinn stellt es sich in der Frontalebene senkrecht.
3. Die transversale (oder Quer-) Achse. Eine Rotation um diese Achse verlagert die Herzspitze nach vorne oder nach hinten
19
AP-Projektion
APB = atrial premature beat Vorhofextrasystole. In der angelsächsischen
Literatur findet man auch folgende synonyme Bezeichnungen: atrial ectopic beat (AEB), atrial premature contraction (APC), atrial ectopic contraction (A EC)
APD = atrial premature depolarization Vorzeitige Vorhofdepolarisation
APGAR-Index Punktsystem zur Beurteilung des Vitalitätszustandes eines
Neugeborenen anhand der Befunde einer Minute nach beendeter Geburt
(A = Atmung, P = Puls, G = Grundtonus, A = Aussehen, R = Reflexe)
APNPB = alternating positive-negative pressure breathing Alternierende
positiv-negative Druckbeatmung, Wechseldruckbeatmung. Diese Druckbeatmung unterscheidet sich von der intermittierenden positiven Druckbeatmung durch einen in der Exspiration wirksam werdenden negativen Druck.
Bei dieser Beatmungsform wird die Exspiration aktiv unterstützt und
gleichzeitig durch Reduzierung des mittleren intrapulmonalen Druckes die
Herz-Kreislauf-Beeinflussung durch die Beatmung reduziert. Deshalb wurde früher diese Beatmungsform bevorzugt. Die ungünstige Einwirkung auf
die Lunge ist jedoch-deutlich größer als bei der -> IPPB. Diese Form der
Wechseldruckbeatmung wird auch alternating positive-negative pressure
ventilation (APNPV), positive-negative pressure respiration (PNPR) und
Wechseldruckbeatmung (WOB) bezeichnet
A-Potentiale Beim normalen His-Bündel-Elektrogramm (-► HBE) werden
das A-Potential (Vorhofpotential), das H-Potential (His-Bündel-Potential)
und V-Potential (Kammerpotential) registriert. Das aus dem Sinusknotengebiet abgeleitete Vorhofpotential wird als hochatriales A-Potential (Ah
oder A’), das aus dem His-Bündel-Gebiet abgeleitete Vorhofpotential als
tiefes rechtes A-Potential (At oder A) bezeichnet. Aus dem linken Vorhof
kann man mit einem zusätzlichen Katheter am Foramen ovale apertum direkt oder aus dem Sinus coronarius Lokalpotentiale (An) ableiten. Das HPotential repräsentiert die Erregung des His-Bündels und das V-Potential
die Kammerdepolarisation. Das erste intrakardiale Potential ist das APotential des Sinusknotengebietes (A’) und stimmt mit dem Anfang der PWelle überein. Das tiefe rechte Vorhofpotential (A) im HBE stellt sich erst
später ein. Das Intervall zwischen den beiden A-Potentialen (A’-A-Intervall)
entspricht der internodalen Erregungsleitung und beträgt normalerweise
28 ± 17 msec. Das linke atriale Vorhofpotential (Ah ) tritt zusammen mit
oder 5 bis 15 msec nach dem A-Potential während der P-Welle auf. Das
A’-Aij-IntervalI kennzeichnet die gesamte intra-atriale Leitung
APP = Druck der A. pulmonalis Normalwerte: systolisch 20-25, diastolisch 10 - 15 mm Hg; Mitteldruck 15-20 mm Hg. In der angelsächsischen
Literatur findet man häufiger die Abkürzung PAP = pulmonary artery pressure. Die Abkürzung Pp.a. wird gelegentlich verwendet
AP-Projektion Die antero-posteriore Projektion wird zur Messung der linksventrikulären Kammerwanddicke und zur Bestimmung der davon abgelei-
APSD
20
teten Myokardmasse vorgeschlagen. In der AP-Projektion zeigt der linke
Ventrikel ein schmal-elliptisches Aussehen. Das Septum wird schräg angeschnitten, die räumliche Längsachse bildet mit der Projektionsebene im
Mittel einen Winkel von ca. 20 Grad, wodurch die Kammern im Vergleich
zur -► RAO-Projektion leicht gestaucht dargestellt wird. Siehe auch ->
LAO-Projektion
APSD = aorto-pulmonary septal defect Aorto-pulmonaler Septumdefekt,
aorto-pulmonales Fenster (APW)
ARD = acute respiratory disease Akute Atemwegserkrankung
ARDS = adult respiratory distress syndrome Atemnot-Syndrom des Erwachsenen. Dieses Syndrom ist bisher in der Literatur unter zahlreichen
synonymen Bezeichnungen beschrieben worden, z. B. Schocklunge, Beatmungslunge, Perfusionslunge, akutes progressives Lungenversagen,
Fettembolie-Syndrom, Traumalunge. Die nicht spekulative, rein deskriptive amerikanische Bezeichnung adult respiratory distress syndrome wird
von den meisten Autoren seit einigen Jahren bevorzugt. Das ARDS ist die
gefährlichste pulmonale Komplikation, die zur -> ARI (akute respiratorische Insuffizienz) führt. Bestimmte Trigger-Mechanismen, wie Sepsis,
Schock, hypertensive Krisen, können bei einem Patienten mit entsprechend verletzlicher Konstellation (wie z. B. erniedrigte -> FRC, ein low flow
syndrome, Linksherzinsuffizienz, Hypervolämie, großer dritter Raum (third
space) oder positive Wasserbilanz) oder bei schwerer Verbrauchskoagulopathie die Durchlässigkeit der Lungenkapillaren für Plasma erhöhen und
das sog. pulmonary capillary leak syndrome auslösen. Weitere Synonyme:
Schocklungen-Syndrom, wet lung, traumatic wet lung, pump lung, respiratory syndrome und hemorrhagic lung syndrome
ARF = acute renal failure Akutes Nierenversagen (ANV). Der klinische Begriff des akuten Nierenversagens besitzt ätiologisch, pathogenetisch und
morphologisch kein einheitliches Korrelat. Grundsätzlich kann zwischen
einem sekundären ANV bei anderweitigen renalen Grundleiden und einem
primären ANV unterschieden werden. Die häufigsten Ursachen eines sekundären ANV sind Glomerulonephritis, akute Pyelonephritis und maligne
Nephrosklerose. Den Begriff des primären ANV beschränken die meisten
Autoren auf diejenigen Fälle, die eine akute, grundsätzlich voll reversible
Niereninsuffizienz entwickeln. Die früher stark divergierenden Auffassungen verschiedener Autoren beim primären ANV haben sich nach Einführung der Nierenbiopsie, welche die Beurteilung von Frühveränderungen erlaubt, weitgehend einander angenähert. Synonym mit primärem ANV wird
auch der Begriff der akuten Tubulusnekrose (acute tubular necrosis) verwendet, was aber aufgrund der Analyse frühmorphologischer Veränderungen der Erkrankung nicht gerechtfertigt und damit abzulehnen ist
ARF = acute respiratory failure Akute respiratorische Insuffizienz, akute
Ateminsuffizienz. ARF wird synonym verwendet mit -+ ARI = acute respiratory insufficiency (akute respiratorische Insuffizienz)
21
ASCVD
ARG = Aortenrenographie Röntgenologische Gefäßuntersuchung mittels
Kontrastmittel; gleichzeitige Darstellung der Aorta abdominalis, bei der
Arteriae renales und deren Aufzweigungen innerhalb der Nieren. Für die
Diagnostik von Tumoren und Gefäßanomalien der Nieren wichtige Untersuchungsmethode
ARI = acute respiratory insufficiency Akute respiratorische Insuffizienz.
Die akute respiratorische Insuffizienz („Lungeninsuffizienz“, im Unterschied zur Ventilationsstörung) mit erniedrigtem PaO2 und/oder erhöhtem
PaCO2 ist bei chirurgischen Patienten meist durch Atelektasen oder Bronchopneumonien verursacht. Das ->• ARDS ist die gefährlichste pulmonale
Komplikation, die zur ARI führt. In der Praxis bewährt es sich, auf folgende
Frühsymptome zu achten: Abfall der Vitalkapazität unter 15 ml/kgKG (als
Ausdruck der erniedrigten -> FRC), Abfall des PaC>2 bei spontaner Raumluftatmung unter 60 mm Hg bzw. 8 kPa (als Ausdruck eines intrapulmonalen
Rechts-Links-Shunts oder einer regionalen Hypoventilation) und Anstieg
der Spontanatmungsfrequenz über 25/min (als Ausdruck der erniedrigten
Compliance)
ARP = absolute refractory period Absolute Refraktärphase. Während des
Ablaufs einer Herzaktion weist die Erregbarkeit der einzelnen Herzmuskelfasern bedeutsame Schwankungen auf. Während des Erregungsablaufs
ist der Herzmuskel für Reize hoher Intensität unerregbar. Diese absolute
Refraktärphase beginnt mit zunehmender Depolarisation, also mit dem
aufsteigenden Schenkel der R-Zacke und endet mit zunehmender Repolarisation, also etwa mit dem Gipfel der T-Welle. Die Dauer dieser absoluten
Refraktärphase der Erregbarkeit, wie auch die absolute Höhe der Reizschwelle selbst sind von zahlreichen Faktoren abhängig, wie der Herzfrequenz, dem Elektrolyt-, Säure-Basen- und Hormonstatus, organischen Veränderungen des Myokards und autonom-nervalen Einflüssen. Siehe auch:
- RP, - ERP, - FRP
ARVD = arrhythmogenic right ventricular dysplasia Rhythmusstörungen
bei rechtsventrikulärer Dysplasie
ARVW = anterior right ventricular wall Vordere rechtsventrikuläre Wand.
Seltener verwendete Abkürzung. Bevorzugt wird RVAW
AS = aortic stenosis Aortenstenose. Angeborene oder erworbene Verengung der Aorta
ASA = acetylsalicylic acid Acetylsalicylsäure (ASS)
ASCVD = arteriosclerotic and cerebral vascular disease Zerebrale Arteriosklerose
ASCVD = arteriosclerotic cardiovascular disease Arteriosklerotische
Herz-Kreislauf-Erkrankung, arteriosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung
22
ASD
ASD = atrial septal defect Atriumseptumdefekt, Vorhofseptumdefekt. Offene Verbindung zwischen beiden Vorhöfen im Bereich des Septum secundum bzw. der Fossa ovalis (Ostium-secundum-Defekt) oder ein Defekt des
Septums zwischen den rechtsseitigen oberen Lungenvenen und der Einmündungsstelle der oberen Hohlvene in den rechten Vorhof (Sinusvenosus-Defekt). Der mit einer Fehlentwicklung des Septum primum in
Verbindung stehende tiefe Vorhofseptumdefekt. Siehe auch: -* VSD =
Vorhofseptumdefekt
ASH = asymmetric septal hypertrophy Asymmetrische Septumhypertrophie (obstruktive oder nichtobstruktive) als Vorstufe der -> IHSS (idiopathischen hypertrophen Subaortenstenose). Der Begriff asymmetrische Septumhypertrophie wurde zunächst im Zusammenhang mit der -> HOCM gebraucht. Echokardiographisch spricht man von einer ASH, wenn das Verhältnis der Septumdicke zur Dicke der Hinterwand 1,3 und mehr beträgt.
Da die ASH bei verschiedenen kardialen und extrakardialen Erkrankungen
vorkommt, sollte dieser Begriff nur als Ausdruck einer Beschreibung der
anatomischen Dickenverhältnisse des Septums und der Hinterwand verstanden werden. Eine ASH wird auch bei Kindern mit zunächst normal entwickeltem Herzen und bei Patienten mit kongenitalen Herzfehlern und ventrikulären Druckerhöhungen gefunden, z.B. bei Aortoatresie und Pulmonalisatresie mit intaktem Ventrikelseptum, wobei in der Regel wesentliche histologisch faßbare Zellabnormitäten fehlen. Die obstruktiven Formen mit
muskulär-funktioneller systolischer Einengung der Ausflußbahn des linken Ventrikels wurden bisher in wechselnder Nomenklatur als funktionelle
Obstruktion des linken Ventrikels, asymmetrische Hypertrophie des Herzens, muskuläre Subaortenstenose, hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie und schließlich als idiopathische hypertrophische subaortale
Stenose bezeichnet. In neuerer Zeit hat sich für die nicht obstruktive Form
die Bezeichnung hypertrophische nicht obstruktive Kardiomyopathie
(ASH) und schließlich bei Vorliegen einer zusätzlichen linksventrikulären
Ausflußtraktobstruktion und einer diffusen sekundären Hypertrophie des
linken Ventrikels die Bezeichnung idiopathische hypertrophische Subaortenstenose (IHSS) durchgesetzt
ASHD = arteriosclerotic heart disease Arteriosklerotische Herzerkrankung
ASHD = atrial septal heart defect Gelegentlich verwendete synonyme Abkürzung für ASD = atrial septal defect, Vorhofseptumdefekt
AST = Atemstoßtest Gemessen wird das Luftvolumen, das nach tiefster
Inspiration während der ersten Sekunde ausgeatmet werden kann, ausgedrückt in Prozent der Vitalkapazität. Synonyme Bezeichnungen und Abkürzungen: -> FEV1t FEV0, forciertes exspiratorisches Volumen, forced expiratory volume, Tiffeneau-Test
*
AST = atrial Stimulation Seltener verwendete Abkürzung für Vorhofstimulation
23
AVA
ASZ = Anspannungszeit Sie setzt sich zusammen aus Umformungszeit
plus Druckanstiegszeit und bezeichnet die Zeit zwischen Beginn der elektrischen Erregung und Beginn der Auswurfphase links. Die Anspannungszeit wird auch als Differenz von elektromechanischer Systole (QS2-Zeit)
und Austreibungszeit (ATZ) angegeben. Normalwerte: 500- 100 msec. Die
Anspannungszeit spiegelt hauptsächlich Veränderungen der isovolumetrischen Kontraktionsphase wieder. Es besteht eine umgekehrt proportionale Beziehung zur Inotropie und zur maximalen linksventrikulären Druckanstiegsgeschwindigkeit, zum Kontraktilitätsparameter, zum Füllungsdruck,
zum venösen Rückfluß und zur Dauer der vorangegangenen Diastole sowie
eine direkt proportionale Beziehung zum diastolischen Aortendruck und
zum peripheren Widerstand. Synonyme Bezeichnung: Präejektionszeit;
engl.: pre-ejection time, pre-ejection period (PEP)
AT = appearance time Erscheinungszeit (EZ) des zirkulierenden Farbstoffs. Begriff aus der Diagnostik mit der Indikatorverdünnungsmethode
bei Mikrokatheter-Untersuchungen in der kardiologischen Vorfelddiagnostik. Die Erscheinungszeit entspricht der Reisezeit derzuerst am Registrierort erscheinenden Indikatorteilchen und damit dem ersten feststellbaren
Abweichen der geschriebenen Kurve von der Null-Linie. Synonyme Bezeichnung: appearance time of recirculated dye
ATPD = ambient temperature and pressure, dry Gas bei Umgebungsdruck
und Umgebungstemperatur, trocken
ATPS = ambient temperature and pressure, saturated Gasvolumen bei
Umgebungstemperatur, Umgebungsdruck, wasserdampfgesättigt
ATVL = anterior tricuspid vaive leaflet Vorderes Trikuspidalsegel. In der
Echokardiographie verwendete Abkürzung
ATZ = Austreibungszeit Die zweite Hälfte der Herzsystole von der Öffnung der Aortenklappen bis zum Beginn des 2. Herztones; normal
0,2-0,31 see. In der Karotispulskurve Beginn des steilen Anstiegs bis zur
Inzisur der Karotispulskurve
AUZ (ATZ) = Austreibungszeit des linken Ventrikels In der deutschen Literatur wird immer häufiger die englische Abkürzung und Bezeichnung verwendet: ET = ejection time oder synonym: LVET = left ventricular ejection time, linksventrikuläre Austreibungszeit; die Bezeichnung Ejektionszeit liest man in letzter Zeit häufig
AV = Atemvolumen Luftvolumen, das bei jedem Atemzug ein- und ausgeatmet wird. Synonyme Bezeichnung: Atemvolumen (engl.: tidal volume;
frz.: volume courant)
AVA = apparent valve change Linksherzhypertrophie infolge eines chronischen Aortenklappenfehlers nimmt nach erfolgreichem Klappenersatz
nachweislich ab; zuvor beeinträchtigte Myokardfunktion und -reserve erho-
AVA (avA)
24
len sich deutlich, so daß die Wiederaufnahme einer normalen Lebensführung ohne pektanginöse Beschwerden und Herzinsuffizienz möglich wird.
Dies schließt zwangsläufig Streßsituationen ein. Die Vollwertigkeit des
eingesetzten jeweiligen Klappentyps wird nicht zuletzt durch sein funktionelles Verhalten auch unter den Bedingungen einer Belastung bestimmt.
Postoperative Belastungsuntersuchungen zeigen, daß die hämodynamischen Meßwerte, die in liegender Stellung unter Ruhebedingungen gewonnen wurden, nicht repräsentativ sind für die hämodynamische Situation
der Patienten unter Normalbedingungen. Der Klappenersatz hat sich bisher nicht als die perfekte Therapie erwiesen — bekanntlich haben alle aortalen Klappenprothesen einen residualen Gradienten: Eine geringgradige
Ausflußtrakt-Obstruktion bleibt also auch postoperativ bestehen. Eine Gesetzmäßigkeit der Beziehung von Determinanten der kalkulierten Aortenklappenfläche für den individuellen Patienten konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Die Erkenntnis, daß die stenosierte Aortenklappe, sei es
prä- oder postoperativ, sich nicht unter allen hämodynamischen Bedingungen wie eine fixierte Öffnung verhält, ist als Phänomen des apparent valve
change in die Literatur eingegangen
AVA (avA) = arteriovenous anastomosis Arterio-venöse Anastomose. Die
av-Anastomosen sind direkte Verbindungen zwischen kleinen Arterien und
kleinen Venen bzw. Arteriolen und.Venolen. Ihre Wände weisen zahlreiche
Muskelfasern auf. Arteriovenöse Anastomosen finden sich in vielen Geweben; sie kommen besonders häufig im Bereich der akralen Hauptgebiete
(Finger, Zehen, Ohrläppchen) vor, in denen sie thermo-regulatorische
Funktionen erfüllen
AV-Block Atrioventrikulärer Block. Störung der Erregungsleitung von den
Vorhöfen zu den Kammern. Die Einteilung erfolgt üblicherweise nach den
drei Schweregraden:
AV-Block I. Grades (AV-block first degree): Verlängerung der PQ-Zeit. Alle
vom Sinusknoten her die Vorhöfe erregenden Impulse werden auf die Kammer übergeleitet
AV-Block II. Grades (AV-block second degree): Überleitungen zum Teil
blockiert, so daß Kammerkomplexe manchmal ausfallen
AV-Block III. Grades (AV-block third degree): Blockierung der VorhofKammer-Überleitung; Vorhof- und Kammeraktionen fallen ohne Beziehung
zueinander ein.
AV-Block I. und II. Grades werden als partieller A V-B/oc/c zusammengefaßt.
Der AV-Block III. Grades wird auch als totaler AV-Block bezeichnet. Innerhalb des AV-Blocks II. Grades werden nach Mobitz zwei Formen unterschieden: Beim Typ I mit Wenckebach-Periodik verlängert sich die PQ-Zeit
zunehmend, bis schließlich eine Vorhof-Kammer-Überleitung ausbleibt.
Beim Typ II, auch als Mobitz-Typ-Il-Block bezeichnet, zeigen alle übergeleiteten Schläge eine konstante und oft normale PQ-Zeit; die Überleitungen
auf die Kammern fallen in regelmäßigen Intervallen aus
AVC = aberrant ventricular conduction Abnorme ventrikuläre Erregungsausbreitung
25
AV-dissociation
AVCS = atrioventricular conduction system Atrioventrikular-System,
atrioventrikuläres Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem. Die
zwischen Vorhof und Kammer gelegene Strecke des spezifischen Erregungsleitungssystems des Herzens
AVD = aortic valvular (valve) defect Aortenklappenfehler, -defekt,
Aortenklappen-Schlußunfähigkeit
AVD = arterio-venöse Konzentrationsdifferenz Für alle am Herzstoffwechsel beteiligten Substrate (Sauerstoff, Fettsäure, Lactat, Ketonkörper) besteht zwischen arteriellem und koronarvenösem Blut eine Konzentrationsdifferenz. Diese erlaubt Rückschlüsse auf den Substratverbrauch bei bekannter Koronardurchblutung: Bei erhöhter Arbeitsleistung des intakten
Herzens fällt die AVD für Glukose, steigt die AVD für Sauerstoff und Lactat
durch Zunahme der arteriellen Lactat-Konzentration infolge Muskelarbeit
und durch vermehrtes Ausschöpfen des arteriellen Sauerstoffangebotes
AVD = AV-dissociation, atrioventricular dissociation Seltener verwendete
Abkürzung für -* AV-Dissoziation
AV-Diagramm Die Interpretation häufig auftretender Herzrhythmusstörungen bereitet meist keine größeren diagnostischen Schwierigkeiten und die
richtige Diagnose kann von Erfahrenen oft auf einen Blick durch Erkennung einer typischen Rhythmusfolge gestellt werden. Komplexere Arrhythmien bedürfen jedoch der genauen Analyse aller erkennbaren Einzelheiten
und können auch den Experten vor eine schwierige Aufgabe stellen. In diesen Fällen kann die Verwendung eines AV-Diagramms (Leiterdiagramm)
von großem Nutzen sein. In einem AV-Diagramm lassen sich alle aus dem
EKG entnehmbaren Ereignisse eintragen und in zeitliche Beziehung zueinander bringen. Das vollständige Diagramm gibt die Geschehnisse von der
Entstehung einer Sinusaktion bis zur Depolarisation der Herzkammer wieder. Bei der Ausfüllung eines AV-Diagramms ist eine grundsätzliche Regelung zu beachten: Die einzige direkt den Rhythmus betreffende Information, die aus dem EKG zu entnehmen ist, ist das zeitliche Auftreten der
Vorhof- und der Kammerdepolarisation. Auf die Relation beider zueinander
und die Ereignisse, die sich innerhalb der stummen Zone der AVÜberleitung abspielen, kann nur indirekt geschlossen werden. Das Diagramm wird direkt unter oder (bei transparentem Papier) über den EKGStreifen gelegt. Es werden dann zunächst alle erkennbaren Vorhofaktionen in der A (Atrium)-Ebene und alle R-Zacken zeitgerecht in der V
(Ventrikel)-Ebene markiert. Die Vorhof- und die Ventrikelperioden (Frequenz) werden bestimmt und in das Schema eingetragen
AV-dissociation AV-Dissoziation. Vorhöfe und Kammern zeigen eine nebeneinanderlaufende selbständige Tätigkeit. Sie schlagen unabhängig
voneinander (= dissoziert). Es besteht keine konstante Beziehung zwischen den Vorhof- und Kammererregungen. Die AV-Dissoziation kann sowohl bei intaktem als auch bei geschädigtem Erregungsleitungssystem
auftreten. Eine willkürliche Trennung des Begriffs der AV-Dissoziation von
AV-Dissoziation, inkomplette
26
dem des AV-Blocks (aus didaktischen Gründen gelegentlich in Lehrbüchern) ist definitionsgemäß nicht richtig. Der AV-Block und der SA-Block
können ein integrierender Bestandteil einer AV-Dissoziation sein. Man
kann zwischen frequenz- und blockbedingten Ursachen unterscheiden.
Einteilung der frequenzbedingten AV-Dissoziation:
1. Für kurze Zeitabschnitte auftretende AV-Dissoziation. Im deutschen
Sprachraum kennen wir sie auch als „einfache“ AV-Dissoziation
2. Über längere Zeit auftretende AV-Dissoziation. Diese Art der AVDissoziation wurde und wird vielfach mit dem Ausdruck „komplette“ AVDissoziation bezeichnet (auch „isorhythmische“AV-Dissoziation)
3. Über längere Zeit auftretende AV-Dissoziation mit sporadischer AVÜberleitung (Interferenz-Dissoziation, A V-dissociation with ventricular
capture). Für diese Rhythmusstörung verwendete Bezeichnungen wie „inkomplette“ AV-Dissoziation bzw. incomplete AV-dissociation sollten nach
Ansicht einiger Autoren aufgegeben werden, da sie nicht ganz korrekt
sind.
In der kardiologischen Literatur wurden auch folgende synonyme Bezeichnungen für die Interferenz-Dissoziation benutzt: Doppelrhythmus, AVRhythmus mit AV-Dissoziation und AV-Dissoziation mit Interferenz, AVdissociation with capture beats, AV-dissociation with interference, AVdissociation with ventricular capture
AV-Dissoziation, inkomplette Eine „inkomplette AV-Dissoziation“ liegt vor,
wenn es einem Automatiezentrum für einen oder mehrere Schläge gelingt,
die Führung über das ganze Herz zu übernehmen. Charakteristisch ist das
Auftreten von capture beats und/oder Kombinationssystolen im EKG. Von
ventrikulären capture beats spricht man, wenn eine Vorhoferregung über
das AV-System die Kammern depolarisiert, bevor das ventrikuläre Erregungsbildungszentrum einspringen konnte. Von atrial capture beats
spricht man, wenn der Vorhof retrograd über das AV-System depolarisiert
wurde, bevor das supraventrikuläre Erregungsbildungszentrum einspringen konnte. Ventrikuläre capture beats werden bei der inkompletten AVDissoziation häufiger beobachtet als atriale capture beats. Dies ist dadurch bedingt, daß die retrograde AV-Leitung einer Erregungswelle langsamer ist als die anterograde Erregungsleitung. Synonyme Bezeichnungen: Interferenzdissoziation, AV-Dissoziation mit Interferenz, AVDissoziation mit capture beats
AV-Dissoziation, komplette Der Begriff „komplette AV-Dissoziation“ sagt
deskriptiv aus, daß Vorhöfe und Kammern unabhängig (dissoziiert) voneinander schlagen. Vorhöfe und Kammern werden getrennt von einem eigenen Erregungsbildungszentrum geführt, so daß P-Zacken und QRSKomplexe im EKG keine konstante Beziehung aufweisen. Die voneinander
unabhängige Schlagfolge von Vorhöfen und Kammern kann nur einzelne
Herzaktionen (z. B. ventrikuläre Extrasystolen) betreffen, sie kann kurzfristig auftreten oder aber längere Zeit nachweisbar sein
■ k
AV-dissociation with capture beats Synonyme Bezeichnung der inkompletten AV-Dissoziation
a.v. Fisteln (av-, a.-v.-, AV-Fisteln)
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AV-dissociation with interference Synonyme Bezeichnung für die inkomplette AV-Dissoziation
AV-dissociation with ventricular capture Synonyme Bezeichnung für die
inkomplette AV-Dissoziation
AVDO2 (AVD-O2, AVD02) = arteriovenous oxygen content difference Arteriovenöse Sauerstoffdifferenz im Vol.-%. Arteriovenöse Differenz des Sauerstoffgehaltes. Die AVDO2, d. h. die Menge Sauerstoff, die dem arterialisierten Blut durch den Organismus in einer bestimmten Zeiteinheit entzogen wird, ergibt sich im Systemkreislauf aus der Differenz des Sauerstoffgehaltes des arteriellen (Ao = Aorta, SA = Systemarterie) und des gemischtvenösen Blutes (MVB), im Pulmonalkreislauf aus der entsprechenden Differenz des Pulmonalvenenblutes (PV) und des Pulmonalarterienblu tes (PA). Sie beträgt normal 3-5 Volumen-%. Zur Berechnung des effektiven Kleinkreislauf-Minutenvolumens wird die Differenz des Sauerstoffgehaltes zwischen pulmonal-venösem und system-venösem Blut zugrunde
gelegt. Aus der Sauerstoffaufnahme und der arterio-venösen Differenz des
Sauerstoffgehaltes (AVDO2) lassen sich mit Hilfe des F/c/r-Prinzips das Minutenvolumen im Systemkreislauf, im Lungenkreislauf sowie das effektive
Kleinkreislaufvolumen errechnen. Die Sauerstoffaufnahme (VO2) ist nur
exakt zu bestimmen, wenn sie zum Zeitpunkt der Herzkatheteruntersuchung bzw. der Blutabnahm gemessen wird. Ist dies technisch nicht möglich, kann sie als Durchschnittswert unter Berücksichtigung von Körperoberfläche und Alter der Patienten aus Tabellen entnommen werden. Berechnung der arterio-venösen Sauerstoff-Differenz:
AVDO2system.
=
AVDO2puim.
AVDO2puim.eff.
=
=
Ao /SAO2 — MVBO2 (ml/100 ml)
PVO2 — PAO2 (ml/100 ml)
PVO2 — MVBO2 (ml/100 ml)
AV-escaped beat AV-Ersatzsystole. Springt das Gewebe um den AVKnoten als Schrittmacher für einen einzelnen Schlag ein, so bezeichnet
man dies als AV-Ersatzsystole; wirkt er rhythmusbestimmend für längere
Zeit, so bezeichnet man den Ersatzrhythmus als AV-Ersatzrhythmus
AV-Extrasystolen Finden sich bei einer Extrasystole in mindestens zwei
Ableitungen des Extremitäten-EKG (II, III) negative P-Zacken, handelt es
sich um eine AV-Extrasystole. Bei der oberen AV-Extrasystole liegen die
negativen P-Zacken vor dem Kammerkomplex, die PQ-Zeit ist meist verkürzt (Ausnahme: Sinus-coronarius-Extrasystole). Bei der mittleren AVExtrasystole folgt sie dem QRS-Komplex nach. Den AV-Extrasystolen folgt
eine nicht kompensatorische Pause
aVF = augmented volt foot Verstärkte unipolare Extremitätenableitung
nach Goldberger vom linken Fuß zum elektrischen Nullpunkt des Herzens
a.v. Fisteln (av-, a.-v.-, AV-Fisteln) Unter arterio-venösen Fisteln versteht
man pathologische Kurzschlüsse zwischen großen oder kleinen Arterien
AVHD
28
und Venen. Davon zu trennen sind die physiologisch vorkommenden
arterio-venösen Anastomosen, die das Blut von einer mikroskopisch kleinen Arterie zu einer entsprechenden Vene leiten. Sie weisen kaum einen
Stoffaustausch auf und sind anders gesteuert als die kapilläre Strombahn.
Typischer Sitz der a.v.-Anastomosen ist die akrale Haut, in welcher sich
bevorzugt thermoregulatorische Vorgänge abspielen. Die a.v. Fisteln lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten wie Ursache, Kaliber,
Shuntvolumen, Lokalisation oder Morphologie einteilen. Nach ihrer Entstehung unterscheidet man erworbene und kongenitale a.v. Fisteln. Die
kongenitalen dominieren in einem Verhältnis von 3:1. Synonyme Bezeichnungen: Arteriovenöses Aneurysma, zirsoides Aneurysma, Aneurysma serpentinum, Aneurysma arteriale racemosum, arterio-venöse Varize, pulsierendes venöses Angiom. Für die arterio-venösen Fisteln im kleinen Kreislauf gelten folgende Bezeichnungen: Arteriovenöses Lungenaneurysma,
arterio-venöses Rankenangiom der Lunge und arterio-venöse Lungenangiomatose
AVHD = acquired valvular heart disease Erworbene Herzklappenerkrankung, erworbener Herzklappenfehler
AVI = air velocity index Ventilationsgröße, Ventilationsleitungsquotient.
Verhältnis von Atemgrenzwert (AGW) zur Vitalkapazität (VK, VC), wenn beide in Prozent ihres Sollwertes aubgedrückt werden. Der Quotient läßt erkennen, ob der AGW und damit zugleich die erreichbare Atemgeschwindigkeit infolge Einengung der Vitalkapazität oder infolge Vergrößerung der
Strömungswiderstände im Bronchialbaum eingeschränkt ist
AV-junction AV-Region. Der proximale Abschnitt des AV-Erregungsleitungssystems ist die eigentliche AV-Region, welche die proximal vom Verzweigungsteil des His-Bündels gelegenen Erregungsleitungsbahnen einschließt. Synonyme Bezeichnung: junctional tissues. Das AVErregungsableitungssystem wird in zwei Abschnitte unterteilt. Der proximale (AV-junction, junctional tissues) reicht bis zum Beginn der Verzweigung; der distale Abschnitt (subjunctional tissues), auch His-PurkinjeSystem (HPS) bezeichnet
AV-junctional escape rhythm „Passive“ AV-Heterotopie. Eine Abnahme
der Geschwindigkeit der diastolischen Depolarisation der Zellen des Sinusknotens oder eine Störung der Überleitung vom Sinusknoten auf die
Vorhöfe führt zu einer Störung des normalen Rhythmus. Sinkt die Frequenz der Sinusknotenautomatie signifikant ab und wird langsamer als
die eines sekundären Schrittmachers, so wird dieses sekundäre Zentrum
die Automatie übernehmen, und es folgt ein Ersatzschlag (escape beat)
oder ein Ersatzrhythmus (escape rhythm). Bestehen Sinusbradykardie und
etwas schnellerer AV-Rhythmus nebeneinander, so resultiert eine AVDissoziation. Bei vollständigem Sinus-Stillstand (sinus arrest) oder -» SABlock übernimmt der sekundäre Schrittmacher die Führung und man
spricht von einer „passiven“ AV-Heterotopie und nach amerikanischem
Sprachgebrauch von einem A V-junctional escape rhythm
29
AV-Knoten
AV-junctional extrasystole Die AV-junktionalen Extrasystolen gleichen
den EKG-Bildern der AV-junktionalen Ersatzsystolen, sie fallen aber verfrüht ein. Die Vorhöfe werden von der ektoopen Erregung retrograd, die
Kammern anterograd erregt. Die Kammerkomplexe sind deshalb nicht deformiert, außer bei sehr frühzeitigem Einfall, d. h. noch während der relativen Refraktärphase des spezifischen Systems. Dagegen sind die PZacken, entsprechend der von kaudal nach kranial gerichteten Erregungswelle in II, III und aVF negativ. Wie auch die Vorhofextrasystolen werden
die AV-junktionalen Extrasystolen auf die Kammern in Abhängigkeit vom
momentanen Depolarisationszustand des Gewebes unterhalb der Erregungsstelle mit normaler oder aberranter Leitung übertragen. Die Unterscheidung zwischen einer His-Bündel-Extrasystole mit aberranter Leitung
und einer Kammerextrasystole ist mit konventionellem EKG oft nicht
möglich
AV-junctional rhythm In Anbetracht gewisser struktureller Unterschiede
im AV-Knoten und bestimmter zeitlicher Koppelungen der P-Wellen an die
QRS-Gruppe wurde für die im AV-Knoten entstehenden Heterotopien ein
oberer, mittlerer und unterer Reizursprung postuliert. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, daß der AV-Knoten keine Schrittmacherzellen besitzt, sondern daß diese lediglich im Übergang vom AV-Knoten zum angrenzenden unteren Vorhofbereich (AN-Region) einschließlich des Koronarsinusknotens am Übergang vom AV-Knoten zum His-Bündel (NHRegion) und im His-Bündel selbst vorkommen. In der angelsächsischen Literatur setzt sich deshalb für AV-Rhythmus die Bezeichnung A V-junctional
rhythm (A V-junktionaler Rhythmus) durch
AVK = Arterielle Verschlußkrankheit Englische Bezeichnung: AOD = arterial occlusion disease
AV-Knotenleitungszeit Das A-H-Intervall in der intrakardialen Ableitung;
Normalwert: 92 ± 38 msec
AV-Knotenregion Aufgrund von elektrophysiologischen Eigenschaften
wird das AV-Erregungsüberleitungssystem in zwei funktionelle Abschnitte
unterteilt. Der proximale Abschnitt ist die eigentliche AV-Region, welche
die proximal vom Verzweigungsteil des His-Bündels gelegenen Erregungsleitungsbahnen einschließt. Hierzu gehören: die zuführenden Leitungsfasern vom Vorhof zum AV-Knoten, der AV-Knoten selbst und die vom
AV-Knoten abgehenden Fasern zum His-Bündel. Die AV-Knoten-Region
ist somit nur ein Teil des proximalen Abschnittes des AV-Er
regungsüberleitungssystems. In der angelsächsischen Literatur wird
der proximale Abschnitt als junctional tissues oder AV-junction bezeichnet
AV-Knoten-Rhythmus Bei der ektopen Erregungsbildung im AV-Knoten
werden die Vorhöfe entgegengesetzt der ursprünglichen Erregungsrichtung von unten nach oben erregt (retrograde Erregung), so daß negative PWellen entstehen. Diese lassen sich meist gut in Ableitung II, III und aVF
aVL
30
nachweisen. Da die vom AV-Knoten ausgehende Erregung die Ventrikel
auf dem regelrechten Wege über das His-Bündel via ventrikulärem Erregungsleitungssystem erreicht, ist QRS nicht verbreitert und T ist konkordant. Der AV-Knotenrhythmus kann vom oberen, mittleren oder unteren
Knotenabschnitt ausgehen. Die Unterteilung folgt allein den elektrokardiographischen Kennzeichen der den QRS-Gruppen vorausgehenden, in ihnen verborgenen oder nachfolgenden negativen P-Zacken:
Oberer AV-Knoten-Rhythmus: Die Erregungsbildung erfolgt im oberen
Knotenabschnitt (AN-Region). Sie wird retrograd den Vorhöfen und anterograd dem Ventrikel zugeleitet. Im EKG treten negative P-Wellen mit einem
Abstand zum QRS-Komplex von weniger als 0,12 see in Ableitung II, III,
aVF auf. In den Brustwandableitungen ist P in V1( V'2 biphasisch bzw. angedeutet negativ, in V5 und V6 positiv
Mittlerer AV-Knoten-Rhythmus: Die im mittleren Knotenabschnitt gebildete Erregung wird gleichzeitig retrograd den Vorhöfen und anterograd den
Ventrikeln zugeleitet. Im EKG ist die P-Welle im QRS-Komplex verborgen
und nicht sichtbar. Eine leichte Deformierung des QRS-Komplexes durch
die P-Welle ist möglich
Unterer AV-Knoten-Rhythmus: Der im unteren Knotenbereich gebildete
Reiz wird schneller anterograd dem Ventrikel und verzögert retrograd den
Vorhöfen zugleich. Im EKG liegt die negative P-Welle hinter dem QRSKomplex in der ST-Strecke. Sie läßt sich meist gut in Ableitung II, III, aVF,
V5, V6 nachweisen
aVL = augmented volt left (arm) Richtungsbezeichnung der verstärkten
(= augmented) unipolaren Extremitätenableitung nach Goldberger
AVP = Aortoventrikuloplastik Trotz bedeutender Fortschritte in der Herzchirurgie gibt es immer noch angeborene Herzfehler, die wegen ihrer ungünstigen anatomischen Struktur auch nach Anwendung konventioneller
Operationsverfahren hämodynamisch nur unzureichend korrigiert werden
können. Zu dieser Problemgruppe von Patienten gehören auch verschiedene Formen angeborener Stenosen im Bereich des linksventrikulären Ausflußtraktes und der Aorta. Die hier erzielten Langzeitergebnisse nach konventioneller Resektion fibromuskulärer stenotischer Segmente mit oder
ohne Myotomie waren zum Teil unbefriedigend. Im Jahre 1975 wurde erstmals über ein neues operatives Verfahren zur Behandlung des engen Ausflußtraktes des linken Ventrikels berichtet, das in einer Patch-Plastik des
Aortenringes bis in das Septum unterhalb der Stenosierung, eines Aortenklappenersatzes sowie einer kompensatorischen Erweiterung des rechtsventrikulären Ausflußtraktes ebenfalls durch einen Patch besteht. In der
deutschen Literatur wird dieses Verfahren als Aortoventrikuloplastik bezeichnet (engl.: aortoventriculoplasty)
AVR = accelerated ventricular rhythm Beschleunigter Kammerrhythmus
aVR = augmented volt right (arm) Richtungsbezeichnung der verstärkten
( = augmented) unipolaren Extremitätenableitung nach Goldberger vom
rechten Arm zum elektrischen Nullpunkt des Herzens
31
AZZ
AV-Rhythmus mit AV-Dissoziation Synonyme Bezeichnung für die Interferenzdissoziation bzw. AV-Dissoziation mit Interferenz
AVS = aortic valve Stenosis Aortenklappenstenose
AWAR = anterior wall of the aortic root In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für die vordere Wand der Aortenwurzel
A-Welle 1. Vorhofwelle des Venenpulses. Präsystolische Aufwärtsbewegung des Spitzenstoßes als Ausdruck der Ventrikelfüllung durch die Vorhofkontraktion. 2. Welle der Jugularvenenpulskurve, verursacht durch die
Systole des rechten Vorhofs, zeitlich verzögert durch die venöse Pulswellenlaufzeit (giant a-waves = hohe a-Wellen)
AWMI ss anterior wall myocardial infarction Vorderwand-Myokardinfarkt
AZ = Anspannungszeit Summe von Umformungszeit und Druckanstiegszeit (prä- und isovolumetrische Kontraktionszeit). Die Anspannungszeit ist
verlängert bei Abnahme der Herzfrequenz, der Kontraktionsgeschwindigkeit bzw. Kontraktilität des linken Ventrikels (engl.: -> PEP = pre-ejection
period)
AZQ = Atemzeitquotient Verhältnis von Inspirations-zu Exspirationszeit.
Normalwert: 1:1,2 (bis 1,5)
AZV = Atemzeitvolumen Die Ventilation (Volumen/Zeiteinheit) des Atemtraktes wird Atemzeitvolumen (AZV), auch Ve genannt. Es setzt sich aus
der Totraumventilation (Vd ) und alveolarer Ventilation (VA) zusammen; beide bisher meist pro Minute angegeben. Die alveolare Ventilation erhält
man aus der Formel: VA = Ve - VD, wobei Ve aus den Volumenänderungen
am Spirometer abgelesen werden kann und VD aus VD x f (f = Atemfrequenz) gewonnen wird. Das AZV zeigt große individuelle Schwankungen.
Bei Erwachsenen von normaler Körpergröße werden Volumina zwischen
350 und 850 ml gemessen. Entsprechend schwankt die Atemfrequenz zwischen etwa 7 und 20 Atemzügen pro Minute. Kinder atmen, je jünger sie
sind, umso frequenter. Die Atemfrequenz Neugeborener liegt bei 60-70
Atemzügen/min. Unterschiedliche Lungenelastizität scheint die Ursache
dieser großen Differenzen zu sein. Es wird angenommen, daß Atemtiefe
und Atemfrequenz individuell so eingestellt sind, daß die zur Aufrechterhaltung des .Atemminutenvolumens (AMV) geringste Atemarbeit aufgebracht wird
AZZ = Arm-Zungen-Zeit Zeit von der Injektion eines Geschmackstoffes
(z. B. Decholin) in die Kubitalvene bis zum Auftreten der ersten bitteren
Geschmackssensationen. Normalwert 10 bis 18 see. Die AZZ ist verkürzt
bei hohem Herzminutenvolumen und großem Rechts-Links-Shunt, verlängert bei niedrigem HMV und großem zentralen Blutvolumen
BA
32
B
BA = bronchial asthma Asthma bronchiale. In der amerikanischen Literatur wird die Abkürzung BA auch für basilar artery (A. basilaris) und für brachial artery (A. brachialis) benutzt
BAH = Biatriale Hypertrophie Bezeichnung für eine kombinierte rechtsund linksatriale Hypertrophie. Vermehrte Druck- oder Volumenbelastungen der Vorhöfe führen zu einer Dilatation und äußern sich in Form von Erregungsleitungsstörungen mit entsprechenden Formveränderungen der PZacke. EKG-Bild der biatrialen Hypertrophie: P-cardiale (Synonyma: Pbiatriale, P-sinistro-pulmonale); P in Vi und V2 biphasisch; P in I, aVL, V5
und V6 linksbetont und verbreitert; P in II, III und aVF rechtsbetont und
überhöht. Siehe #uch: -» RAH = rechtsatriale Hypertrophie, -* LAH =
linksatriale Hypertrophie, -» RVH = rechtsventrikuläre Hypertrophie und
-* BVH = biventrikuläre Hypertrophie
BAS = Ballon-Atrioseptostomie Mit der Vorhofumlagerung nach Mustard
ist seit einigen Jahren eine operative Behandlung der Transposition der
großen Arterien (TGA) verfügbar, die die Prognose dieser Erkrankung erheblich verbessert hat. Zur Überbrückung des Zeitraums bis zur Durchführung dieser Operation sind verschiedene Pallativmaßnahmen hilfreich, von
denen die Ballon-Atrioseptostomie (BAS) nach Rashkind und Miller (1966)
ganz im Vordergrund steht.
Die Ballon-Atrioseptostomie ist ein palliativ-operatives Verfahren zur Vergrößerung der interatrialen Verbindung (Rechts-Links-Shunt), das bei einigen angeborenen Herzfehlern bei Neugeborenen im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung durchgeführt wird. Hierbei wird ein in der Regel
über die Vena communicans oder Vena femoralis, seltener über die Nabelvene eingeführter, meist einlumiger Septostomie-Katheter vom rechten
Vorhof aus über die interatriale Lücke in den linken Vorhof dirigiert, dort
nach Sicherung der richtigen Katheterlage durch Sondierung einer Lungenvene oder Kontrolle der Katheterposition bei Durchleuchtung im seitlichen Strahlengang der Ballon mit steigender Mengen von 1,5 ml bis auf
durchschnittlich 2,5 ml Kontrastmittel und Kochsalzlösung (1:1) gefüllt
und dann das Vorhofseptum durch wiederholten ruckartigen Rückzug des
Katheters aus dem linken über das Vorhofseptum in den rechten Vorhof
eingerissen. Der Erfolg des Eingriffs wird durch erneute Registrierung von
Druck- und Sauerstoffsättigungswerten überprüft. Indikationen für dieses
Verfahren sind: Transposition der großen Arterien (TGA), Totale Lungenvenenfehlkonnektion (TAPVC), Trikuspidalatresie, Aortenklappenatresie, Kritische Pulmonalklappenstenose und Pulmonalklappenatresie mit intaktem Ventrikelseptum
33
BBBB
BASH = body acceleration given synchronous(ly) with heart beat Körperbeschleunigung, die gleichzeitig mit dem Herzschlag erteilt wird. Methode
zur Förderung der Leistung eines insuffizienten Herzens nach dem RückstoBprinzip
BB = blue bloater In der angelsächsischen Literatur werden nach klinischen Gesichtspunkten zwei Emphysemtypen unterschieden: blue bloater
(Typ BB) und pink puffer (Typ PP). Im Deutschen hieße das so viel wie
„blauer Blähbalg“ und „rosa Schnaufer“. Der Typ BB, auch als non-fighter
oder zyanotischer Typ bezeichnet, entspricht dem obstruktiven Emphysem
mit Globalinsuffizienz. Der Typ PP, auch fighter genannt, zeichnet sich bei
ähnlichen spirometrischen Befunden durch eine viel stärkere Dyspnoe,
insbesondere bei Anstrengung, eine fehlende oder nur geringe Hyperkapnie, eine in Ruhe nur leichte Hypoxämie und ein gegenüber der Norm deutlich reduziertes Herzzeitvolumen aus. Der blue bloater hat im Gegensatz
zum pink puffer meist eine Polyglobulie, einen deutlich erhöhten intrakraniellen Druck, injizierte Konjunktiven und ist zudem normal- oder übergewichtig, während der Typ PP meist ausgesprochen mager ist. Das obstruktive Emphysem kann zur Blasenbildung (bullöses Emphysem) führen, deren extremstes Krankheitsbild auch als vanishing lung bezeichnet wird.
Die vanishing lung oder progressive Lungendystrophie wurde auch ohne
vorbestehendes Emphysem beschrieben
BB = buffer base Pufferbase. Summe der für die Pufferung maßgebenden
Pufferbasen im Vollblut
BBB = blood-brain barrier Bluthirnschranke, Blut-Liquor-Schranke, System der Blut-Hirn- und -Liquor-Schranke
BBB = bundle branch block Schenkelblock. Die Erregung läuft vom AVKnoten kaudalwärts durch den Stamm des His-Bündels in den linken und
rechten Schenkel. Dann werden die Ventrikel erregt, was gewöhnlich insgesamt 0,06 bis 0,10 see (maximal 0,11 see) dauert. Besteht eine Störung
oder Leitungsverzögerung im Bereich der Schenkel, ist vor allem der QRSKomplex in seiner Form deformiert und verbreitert. Beispiele dafür sind
vollständiger und unvollständiger Rechts- oder Linksschenkelblock, Verzweigungsblock, Fokalblock und Hemiblock. Am häufigsten ist der unvollständige Rechtsschenkelblock
BBBB = bilateral bundle branch block Trifaszikulärer Block. Ein trifaszikulärer Block ist durch eine Blockierung in allen drei Faszikeln charakterisiert. Ist diese Blockierung vollständig, so liegt ein totaler AV-Block vor. Ist
die Blockierung in einem Faszikel unvollständig, so kann über diesen Faszikel die Erregung in den Vorhöfen noch — wenn auch verzögert — (AVBlock I und II) — zur Ventrikelmuskulatur weitergeleitet werden. Die Kammerkomplexe selbst sehen wie bei einem bifaszikulären Block aus. Die
Tatsache, daß der dritte Faszikel auch teilweise blockiert sein muß, sieht
man daraus, daß die AV-Überleitung verzögert erfolgt. (Möglicherweise ist
auch der AV-Knoten und nicht der letzte der drei Faszikel, der leitet, für die
bc-Amplitude
34
PQ-Verlängerung verantwortlich zu machen. Diese Frage ist jedoch nicht
anhand des EKG zu klären: hierzu ist ein His-Bündel-EKG notwendig, das
durch Spezialableitung bei einer Rechtsherzsondierung abgeleitet werden
kann
bc-Amplitude In der Echokardiographie die Öffnungsamplitude der hinteren Pulmonalklappentasche. Gemessen wird der senkrechte Abstand zwischen den Punkten „b“ und „c“ im Bewegungsablauf der hinteren Pulmonalklappentasche. Normalwert: 13,9 ± 1,8 mm. Alle Messungen des Pulmonalklappenechos variieren stark mit der Atemphase und sollten daher
bei weitgehender Exspiration vorgenommen werden
BCG = ballistocardiogram Ballistokardiogramm, Ballistokardiographie
(BKG)
BD = Blutdruck In der deutschen kardiologischen Literatur setzt sich die
englische Abkürzung BP = blood pressure immer stärker durch
BEN = Beginn der endgültigen Negativitätsbewegung Oberer Umschlagpunkt (OUP). Die Bestimmung des Beginns der Negativitätsbewegung ist
wichtig, um die Erregungsverspätung eines Ventrikels bei Hypertrophie
oder Schenkelblock zu erkennen, da hier die Laufzeit der Erregungsausbreitung bis zum Auftreten der größten (bzw. der letzten deutlichen) RZacke in bestimmten Ableitungen in charakteristischer Weise verlängert
sein kann. Während bei reinem QRS-Komplex der Beginn der Negativitätsbewegung mit dem Gipfelpunkt von R eindeutig festliegt, lassen wir bei
zwei- oder mehrgipfliger Kammeranfangsgruppe, die bei Schenkelblockbildern nicht selten ist, die letzte deutlich positive R-Zacke (also R’ oder r’
bzw. R” oder r’) oder auch eine deutliche Schulterbildung im abfallenden
Schenkel von R als Beginn der Negativitätsbewegung gelten und sprechen
dann vom Beginn der endgültigen Negativitätsbewegung (B.E.N.). Von
praktisch gleicher Bedeutung sind: Beginn der größten Negativitätsbewegung (Holzmann 1965), oberer Umschlagpunkt = O.U.P. (Gillmann 1959),
Ankunft des negativen Potentials = A.N.P
BGN = Beginn der größten Negativitätsbewegung Von Holzmann 1965 geprägter Begriff. Umschlagpunkt des QRS. Synonyme Bezeichnungen:
OUP = oberer Umschlagpunkt, -* ANP = Ankunft des negativen Potentials, Beginn der endgültigen Negativitätsbewegung (BEN)
BHL-Syndrom (bilateral hilar lymphoma) Bezeichnung für das LöfgrenSyndrom. In der englischsprachigen Literatur findet man die Abkürzungen:
BH A = bilateral hilar adenopathy oder benign hilar adenopathy
BIP = bronchiolitic interstitial pneumonitis Form der chronischen interstitiellen Pneumonie. Siehe auch -> DIP, -> UIP
BKG = Ballistokardiographie Graphische Darstellung der Körperbewegungen, die durch die ballistischen Kräfte (Rückstoß und Stoß) während
35
BT-Syndrom
der Herzkontraktion und des Blutauswurfes und durch die Geschwindigkeitsminderung der Blutströmung in den großen Gefäßen verursacht werden. Diese quantitativ sehr geringfügigen Bewegungen können mit einer
geeigneten technischen Einrichtung abgeleitet, in ein elektrisches Potential umgewandelt und nach Verstärkung mit einem üblichen Elektrokardiographien registriert werden. Um die Körperbewegungen zeitlich festzulegen, wird gleichzeitig ein EKG, ein Phonokardiogramm oder eine Jugularvenenpulskurve registriert. Ballistokardiographisch können die Körperbewegungen als Distanz, als Geschwindigkeit oder als Beschleunigung erfaßt werden
B-mode (brightness modulation) Die echokardiographischen Signale werden gewöhnlich nach drei Methoden bildlich festgehalten: -> A-mode(amplitude modulation), B-mode (brightness modulation) und -> M-mode {motion modulation). Betrachtet man die aufrecht stehenden Wellen der BMode von oben, entsteht eine Folge von Lichtpunkten, deren Helligkeit der
Intensität der zurückkommenden Echosignale proportional ist. Auf diesem
Verfahren beruht auch die zweidimensionale Bilddarstellung mit Hilfe der
Multielement-Technik
BOL = begin of life Funktionsbeginn eines Herzschrittmachers
BP = blood pressure Abkürzung für arterieller Blutdruck
BPC-CSNS In der englischsprachigen Literatur verwendete Abkürzung für
blutdruckkontrollierte Karotissinusnervenstimulation
BP & P = blood pressure and pulse Arterieller Blutdruck und Puls
BSA = body surface area Körperoberfläche
BT = build up time Konzentrationszeit (KZ) bei der Farbstoffverdünnungstechnik
BTA = Blalock-Taussig-Anastomose Shuntoperation bei zyanotischen
Herzfehlern
mit
verminderter
Lungendurchblutung.
End-zu-SeitAnastomose einer Arteria subclavia mit dem gleichseitigen Pulmonalarterienast
BTPS = body temperature, pressure, saturated Körpertemperatur bei Barometerdruck und Wasserdampfsättigung. Kennzeichnung für atemphysiologische Größen, die unter Körperbedingungen (Temperatur 37° C, Luftdruck 760 mm Hg, Wasserdampfsättigung) als „Lungenwerte“ gemessen
oder auf diese umgerechnet sind
BT-Syndrom Synonyme Bezeichnung für das bradycardia-tachycardiasyndrome. Bradykardie-Tachykardie-Syndrom. Von Lown 1967 beschriebene, wechselnd bradykarde und tachykarde, supraventrikuläre
Reizbildungs- und Erregungsleitungsstörung infolge Ausfalles oder Dys-
BUN
36
funktion des Sinusknotens. Das BT-Syndrom ist neben einer persistierenden Sinusbradykardie und dem Sinusstillstand (sinus arrest) oder SABlock mit Asystolie Bestandteil des Symptomenkomplexes, der unter der
Bezeichnung -* sick sinus syndrome (Sinusknoten-Syndrom, Syndrom des
kranken Sinusknotens) zusammengefaßt wird
BUN = blood urea nitrogen Blut-Harnstoff-Stickstoff. Normalwert: 10-20
mg/100 ml
BVE = biventricular enlargement Von einigen amerikanischen Autoren bevorzugte Bezeichnung und Abkürzung für biventricular hypertrophy (BVH)
BVH = Biventrikuläre Hypertrophie Bilaterale Kammerhypertrophie. Eine
reine Muskelhypertrophie führt zu einer Veränderung der elektrischen Herzachse und zu einer Amplitudenveränderung des QRS-Komplexes. Bei zusätzlicher Muskelschädigung finden sich Störungen der Erregungsausbreitung (Verspätungskurve, inkompletter Rechts- oder Linksschenkelblock) und Störungen der Erregungsrückbildung (Rechts- bzw. Linksschädigungszeichen). Eine Druck- oder Widerstandsbelastung entspricht einer
systolischen Überlastung (systolic overloading) und führt zu einer Hypertrophie der Arbeitsmuskulatur. Diese äußert sich im EKG in hohen schlanken R-Zacken sowie in .ST-Senkungen und T-Abflachungen bis zu
-Inversionen in den rechts- bzw. linkspräkordialen Ableitungen über den
betroffenen Ventrikeln. Bei der Druckbelastung des rechten Ventrikels bestehen zwischen der Höhe der R-Zacken rechtspräkordial und der Höhe
der intrakardialen systolischen Drucke keine strengen Korrelationen. Das
wichtigste Kriterium für die Erkennung der rechtsventrikulären Hypertrophie ist die Verspätung des oberen Umschlagpunktes (OUP) der R-Zacke
rechtspräkordial bei entsprechender Verfrühung des oberen Umschlagpunktes linkspräkordial. Zur Beurteilung einer linksventrikulären Hypertrophie als Folge einer Druck- oder Widerstandsbelastung sind in erster Linie
die Höhe der linkspräkordialen R-Zacken und der rechtspräkordialen SAusschläge verwertbar, zusätzlich die Verspätung des oberen Umschlagpunktes und die ST-Senkung mit spitznegativen T-Wellen linkspräkordial.
Eine Volumenbelastung als diastolische Überlastung führt zu einer Dilatation des Herzmuskels mit Leitungsverzögerung, d. h. Verlängerung der
QRS-Dauer und Verspätung des oberen Umschlagpunktes über der voiumenbelasteten Kammer
BWA = Brustwandableitung In der Elektrokardiographie gebräuchliche
Methode für die präkordialen Ableitungen. Die Bezeichnung Brustwandableitung wird im allgemeinen Sprachgebrauch synonym für die unipolare
Brustwandableitung nach Wilson verwendet
BWG-Syndrom = Bland-White-Garland-Syndrom Fehlabgang der linken
Koronararterie aus der Arteria pulmonalis. Bei normalem Abgang der rechten Koronararterie entspringt die linke aus der Pulmonalarterie. Bis zur Geburt gewährleistet der hohe Druck in der A. pulmonalis eine normale Myokardperfusion im Versorgungsgebiet der linken Koronararterie. Sinken der
37
BWG-Syndrom (Fortsetzung)
Lungengefäßwiderstand und damit der Druck in der Lungenschlagader
nach der Geburt ab, reicht der Perfusionsdruck der linken Koronararterie
nicht mehr aus, so daß sich eine Myokardischämie entwickelt. Die Ausbildung von Kollateralgefäßen zwischen rechter und linker Koronararterie
führt zwar zu einer besseren, retrograden Durchströmung der linken Koronararterie und zum Links-Rechts-Shunt zwischen Aorta — rechter Koronararterie — linker Koronararterie — Pulmonalarterie. Gleichzeitig entweicht
aber Blut, dem Weg des geringsten Widerstandes folgend, in diese Shuntverbindung und wird so dem Myokard entzogen. Die Folge dieser Strömungsverhältnisse ist eine Myokardischämie. Im entsprechenden Versorgungsgebiet ist das Myokard verdünnt und vernarbt, während nicht betroffene Myokardbezirke des linken Ventrikels hypertrophieren. Eine sekundäre Endokardfibrose ist die Regel. Die Möglichkeiten der chirurgischen Therapie variieren zwischen der Ligatur der linken Koronararterie, der Rekonstruktion mit einem Venen-Bypass, der Anastomose der Koronararterie mit
einer Systemarterie und der Implantation des aberrierenden Koronargefäßes in die Aorta
c
X
38
C = compliance Compliance. Maß für die Dehnbarkeit des Lungengewebes. Volumenänderung, die pro Einheit Druckänderung bewirkt wird
Ccw = Compliance der Brustwand Änderung des Lungenvolumens, die
durch eine Erhöhung des transthorakalen Druckes bewirkt wird, d. h. durch
die Druckdifferenz zwischen intrapleuralem Raum und Umgebungsluft (cw
= chest wall)
Cdyn = Dynamische Compliance Compliance der Lunge während der Atmung, d. h. das Verhältnis von Atemvolumen zur Änderung des transpulmonalen Druckes zwischen End-Exspiration und End-Inspiration
Cl = Compliance der Lunge Die Volumenänderung, die durch eine Änderung des transpulmonalen.Druckes, d. h. der Druckdifferenz zwischen Intrapleuralraum und Mund, um 1 Einheit bewirkt wird. Sie wird angegeben
in L/cmHaO
Cst = Statische Compliance Compliance, die bei Atemstillstand von 1 bis
2 see bestimmt wird. Der transpulmonale Druck wird auf das absolute Lungenvolumen bezogen, und zwar im gesamten Bereich zwischen -* TLC und
Residualvolumen (RV). Sie wird angegeben in L/cmHaO
C(a-v)O2 = arterio-venöse Sauerstoff(gehalts)-Differenz Die Differenz der
Sauerstoffkonzentration zwischen arteriellem und venösem Blut. Synonym wird auch die Abkürzung -» AVDO2 verwendet
CA2 = Mechano-akustische Systole Der Wert der mechano-akustischen
Systole ist abhängig von der Herzfrequenz. Beginn des Punktes C der
Apex-Kurve bis zum aortalen Anteil des 2. Herztones (wahre mechanische
Systole)
CAA = Coarctatio aortae abdominalis Von einigen Autoren benutzte Abkürzung für die atypische Stenose der Aorta abdominalis
CAD = coronary artery disease Koronare Herzkrankheit (KHK), Koronarkrankheit. Häufiger wird die synonyme Abkürzung -► CHD = coronary
heart disease benutzt
CAG = Carotisangiographie Mittels direkter Gefäßpunktion vorgenommene Kontrastmitteluntersuchung der A. carotis interna und ihrer intrakraniellen Aufzweigungen. Dieses Verfahren erlaubt eine ausgezeichnete
39
CBF
Beurteilung der Gefäßverhältnisse auf der seitengleichen Hirnhälfte und
ist vor allem für den Nachweis intrakranieller Aneurysmen, Gefäßlumeneinengungen und auch in der Hirntumordiagnostik unentbehrlich. Die Abkürzung CAG wird selten verwendet
CARD = coronary atherosclerotic heart disease Arteriosklerose der Herzkranzgefäße
CAO = chronic airway obstruction Chronische Atemwegsobstruktion
Ca02 = arterial oxygen content Arterieller Sauerstoffgehalt
CAPD = continous ambulatory dialysis Kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse. Dialyseverfahren, bei dem die Patienten permanent 2 Liter
Dialysat im Peritonealraum mit sich tragen und frei beweglich sind. Die Behandlung wird nur durch einen Dialyseaustausch in 6-stündigen Abständen unterbrochen. Man kann demnach bei der Peritonealdialyse unterscheiden zwischen dem konventionellen Verfahren, das intermittierend
durchgeführt und mit IPD abgekürzt wird und dem neuen Verfahren, das
dauernd stattfindet, der CAPD. Will man die umständlich lange wörtliche
Übersetzung von CAPD meiden, so wäre als terminologischer Vorschlag
die Bezeichnung Dauer-Peritonealdialyse angemessen
CARA = chronic aspecific (nonspecific) respiratory ailment Chronische
unspezifische Atemwegserkrankung (In letzter Zeit seltener verwendete
Abkürzung)
CARNA = computer-assisted radionuclide angiography In der englischsprachigen nuklearmedizinischen Literatur verwendete Abkürzung
CASS = Coronary Artery Surgery Study Über den aortokoronaren Bypass
laufen seit 1978/79 sechs verschiedene randomisierte, kontrollierte Studien: Baylor University Veterans’ Administration; University of Oregon; Veterans’ Administration Study; National Coop-Study of Unstable Angina;
European Coronary Surgery Study Group und Coronary Artery Surgery Study (CASS)
CAV = cusp of the aortic valve Klappentasche der Aortenklappe; in der
Echokardiographie verwendete Abkürzung
CB-Ableitungen Halbunipolare EKG-Ableitungen (mit gleichen Anlegestellen 1-6 der Elektroden wie bei der Wilson-Ableitung) von der Brustwand
(= ehest) gegen eine indifferente Elektrode auf der Wirbelsäule (= back)
in Herzhöhe
CBF = cerebral blood flow Gehirndurchblutung; zerebrale Durchblutung
in der Zeiteinheit
CBF = coronary blood flow Koronardurchblutung in der Zeiteinheit
CBV
40
CBV = cerebral blood volume Zerebrales Blutvolumen
CC = cardiac catheter Herzkatheter
CC = closing capacity Verschlußkapazität. Das Gasvolumen, das sich
noch in der Lunge befindet, wenn sich die Konzentration eines „Testgases“ während einer langsamen Exspiration (nach maximaler Inspiration)
vom Alveolarplateau plötzlich ändert (dieses Volumen gilt als intrapulmonales Gasvolumen zum Zeitpunkt, zu dem die Atemwege sich zu verschließen beginnen)
CC = common cold Erkältung, Erkältungskrankheit; banaler Erkältungsinfekt der oberen Luftwege
CC5 = Reduzierte Ableitungen Die Elektroden liegen in der vorderen Axillarlinie beiderseits in Höhe des 5. ICR, rechts die indifferente, links die differente Elektrode. Diese Ableitung entspricht ungefähr der Ableitung X
des orthogonalen Ableitungssystems und ähnelt der Ableitung I. Die Ableitung CC5 (und MX) ist weniger „empfindlich“ und daher für telemetrische
Untersuchungen besser geeignet. Sie weist nur eine geringe Ausschlaghöhe der R-Zacke auf, so daß sich bei Magnetband-Speicherverfahren, bei denen der Triggerimpuls zur Herzfrequenzmessung von der R-Amplitude abhängt, Schwierigkeiten ergeben '
C2/C1-Methode Systematische Untersuchungen zur nuklear-medizinischen Diagnostik von Links-Rechts-Shunts wurden erstmals 1962 von
Folse und Braunwald veröffentlicht. Die Autoren injizierten Patienten
J-131-markiertes Diodrast in die Vena femoralis und registrierten den zeitlichen Verlauf der Aktivität über der Lunge mit einem kollimierten Szintillationsdetektor. Zur Kurvenauswertung benutzen sie das C2/C1-Verfahren,
das in der Kardiologie bzw. Farbstoffverdünnungstechnik von Carter 1960
vorgeschlagen wurde: C1 ist die Kurvenhöhe im Maximum der Indikatorverdünnungskurve; T ist die Zeit von der Erscheinung des Tracers bis zum
Kurvenmaximum und C2 ist die Kurvenhöhe zum Zeitpunkt 2T, also ein
Kurvenpunkt im abfallenden Schenkel der Indikatorverdünnungskurve. Bei
Vorliegen eines Links-Rechts-Shunts fällt die Indikatorverdünnungskurve
langsamer ab, da ein Teil des Indikators immer wieder durch die Lunge
fließt: C2/C1 steigt je nach Größe des Shunts
CCAVC = common complete atrioventricular canal Kompletter gemeinsamer AV-Kanal, komplette Form einer AV-Kanal-Fehlbildung
CCBV = central circulating blood volume Zentrales zirkulierendes Blutvolumen
CCF = congestive cardiac failure Stauungsherz; Herzinsuffizienz mit
Stauungszeichen in den dem Herzen vorgeschalteten Gefäßgebieten
u
I
CCI = chronic coronary insufficiency Chronische Koronarinsuffizienz
41
CCT
CCM = congestive cardiomyopathy (COCM) Kongestive Kardiomyopathie.
Nach der neuesten Klassifikation wird diese Form der Kardiomyopathie
als dilatative Kardiomyopathie (DCM) bezeichnet. Die Klassifizierung der
Kardiomyopathien in kongestive, hypertrophe und restriktive Formen, die
ursprünglich von Goodwin vorgeschlagen wurde, determiniert in hämodynamischer Hinsicht ein Spätstadium, wobei der Terminus „kongestiv“ die
klinische Manifestation der Herzinsuffizienz apostrophiert. Da jedoch die
Dilatation ein frühes Charakteristikum des Krankheitsbildes darstellt und
nicht unbedingt mit dem klinischen Bild der Herzinsuffizienz vergesellschaftet sein muß, wurde im Juni 1980 von der WHO der Terminus dilatative Kardiomyopathie anstelle von kongestiver Form vorgeschlagen. Während der Evolution zum Vollbild der kongestiven Kardiomyopathie werden
verschiedene hämodynamische Stadien durchlaufen, wobei die gestörte
Hämodynamik mit dem klinischen Verlauf, den morphologischen Veränderungen des Myokards und der Prognose unterschiedlich korreliert. Bei der
kongestiven Kardiomyopathie liegt die fundamentale Störung in einer Verminderung der kontraktilen Funktion; im Gegensatz zur hypertrophen Kardiomyopathie, bei welcher die kausale Störung der Myokardmorphologie
ganz wesentlich zum Verständnis der Ventrikelfunktionsstörung beiträgt,
ist bei der kongestiven Form die primäre Läsion, welche zur Störung des
Kontraktionsablaufes führt, weitgehend unklar. Insgesamt ist das hämodynamische Bild der kongestiven Kardiomyopathie die Resultante aus verschiedenen kausalen Faktoren, wobei die Klinik dieser gestörten Hämodynamik aus der Beziehung zwischen Schweregrad der gestörten Inotropie
und Interaktion mit adaptiven Kompensationsmechanismen resultiert. Siehe auch: -► DCM
CCP = critical closing pressure Kritischer Verschlußdruck. Die DruckStromstärke-Kurven verlaufen häufig nicht durch den Nullpunkt, sondern
entspringen von einem positiven Druckwert, dem sog. kritischen Verschlußdruck. Er beträgt bei Perfusion mit Blut durchschnittlich 20 mm Hg,
kann aber bei stark erhöhtem Tonus der Gefäßmuskulatur bis auf 60 mm
Hg ansteigen und bei aufgehobenem Tonus auf 1 mm Hg absinken. Das
Phänomen des kritischen Verschlußdruckes beruht auf einem Kollaps der
Gefäße im Bereich der Arteriolen. Es soll dadurch verursacht werden, daß
bei Drucksenkungen wegen der damit verbundenen Abnahmen des Gefäßradius nach dem Lap/ace-Gesetz die dehnenden Kräfte stärker als bei alleiniger Drucksenkung abnehmen. Darüber hinaus dürften an der Unterbrechung der Strömung auch Zunahmen der scheinbaren Viskosität bei niedrigen Strömungsgeschwindigkeiten beteiligt sein. Der kritische Verschlußdruck muß daher bei Ermittlung der effektiven arterio-venösen
Druckdifferenz im Gefäßsystem von den gemessenen Werten subtrahiert
werden. So kann bei hohen kritischen Verschlußdrücken die Blutströmung
unter Umständen schon unterbrochen werden, wenn überhöhte Blutdruckwerte lediglich in den Normbereich zurückgeführt werden
CCT = congenitally corrected transposition Angeborene korrigierte Transposition der großen Arterien. Beim Fehlbildungskomplex der angeborenen korrigierten Transposition der großen Gefäße besteht durch eine In-
ecu
42
version zweier getrennter Ventrikel mit getrennten AV-Klappen eine atrioventrikuläre Diskordanz, also eine Transposition der großen Gefäße in bezug zu den Ventrikeln. Das venöse Blut gelangt aus dem rechten Vorhof
über die Mitralklappe in den morphologisch linken Ventrikel (MLV) und von
hier aus in die Pulmonalarterie, das arterialisierte Blut aus den Lungenvenen über den linken Vorhof und die Trikuspidalklappe in den morphologisch rechten Ventrikel (MRV) und dann in die Aorta. Der durch Rotation
der Ventrikel und Drehung der Ebene des Ventrikelseptums in eine sagittale Richtung rechts vorne gelegene linke Ventrikel nimmt als systemvenöser Ventrikel die Funktion des rechten Ventrikels ein, während der rechte,
links dorsal gelegene, pulmonalvenöse Ventrikel die Funktion des linken
Ventrikels hat. Durch die Transpositionsstellung der großen Gefäße bzw.
die ventrikulo-arterielle Diskordanz ist die anatomische Inversion funktionell korrigiert
CCU = coronary care unit Kardiologische Intensiv-Überwachungsstation,
Herzüberwachungsstation
CE-Amplitude Die schematische Darstellung des echokardiographischen
Bewegungsablaufs des vorderen Mitralsegels werden, dem ursprünglichen Vorschlag von Edler folgend, allgemein mit den Großbuchstaben
A - F bezeichnet. Zu dem Zeitpunkt, zu dem der Druck in der linken Herzkammer am Ende der Relaxationäphase des linken Ventrikels denjenigen
des linken Vorhofes (Punkt D) unterschreitet, kommt es zur schnellen Öffnung der Mitralsegel mit Beginn der frühdiastolischen Füllungsphase.
Hierbei bewegen sich das vordere Segel zum Schallkopf hin und das hintere Segel vom Schallkopf weg. Der Punkt der maximalen Öffnung wird mit
E, der senkrechte Abstand der Punkte D - E als DE-Amplitude bezeichnet.
Als Folge des Rückganges der schnellen frühdiastolischen Füllungsphase
des linken Ventrikels tritt eine frühdiastolische Rückschlagbewegung beider Mitralsegel in Richtung auf eine halbgeschlossene Stellung (Punkt F)
ein. Die Vorhofkontraktion verursacht eine erneute Öffnungsbewegung
(Punkt A), die jedoch bei physiologischen Druckverhältnissen nicht so ausgeprägt ist, wie die frühdiastolische Öffnungsbewegung (Punkt E). Am Ende der Vorhoferschlaffung befindet sich die Mitralklappe in einer weitgehend geschlossenen (Punkt ß)-Position, wobei der (Punkt ß) unter physiologischen Bedingungen im Verlauf der AC-Linie nicht besonders hervortritt. Mit dem Einsetzen der Ventrikelsystole (Punkt C) geht die Mitralklappe in eine vollständig geschlossene Stellung über, in der beide Segel einander anliegen. Als DE-Amplitude des vorderen Mitralsegels bezeichnet
man die senkrechte Entfernung vom Beginn der Mitralklappenöffnung
(Punkt D) bis zur maximalen Öffnung (Punkt E). Die DE-Amplitude sollte an
der Stelle eines Standard-Sweeps gemessen werden, an der sich beide
Mitralsegel voll darstellen. Die von einigen Autoren anstelle der DEAmplitude bestimmte CE-Amplitude vermittelt eine vergleichbare Aussage, jedoch geht in diesen Wert die systolische Mitralbewegung mit ein. Da
ihre Messung mit.einem höheren Standardfehler behaftet ist, wird heute
die Ausmessung der DE-Amplitude derjenigen der CE-Amplitude vorgezogen. Die DE-Amplitude ist das Maß der Beweglichkeit der Mitralklappe
43
CL
CF = chest, foot Halbunipolare EKG-Ableitung von der Brustwand (C =
ehest) gegen das linke Bein (F = foot)
CHB = congenital heart block Seltener verwendete Abkürzung für angeborenen Herzblock
CHD = chronic heart disease Chronische Herzkrankheit
CHD = congenital heart disease Angeborene Herzkrankheit
CHD = coronary heart disease Koronare Herzkrankheit (KHK). Synonyme
Verwendung der Abkürzung mit CAD = coronary artery disease. Siehe
auch: -> KHK
CHF = chronic heart failure Chronische Herzinsuffizienz. Die Abkürzung
wird auch synonym für. congestive heart failure (Stauungsherzinsuffizienz)
verwendet
CI = capacite inspiratoire Inspirationskapazität (IK); Luftvolumen, das von
der Atemruhelage aus maximal eingeatmet werden kann (engl.: inspiratory
capacity, IC)
CI = cardiac index Herzindex (Hl); Index aus Herzminutenvolumen und
Körperoberfläche (HMV/m2 Körperoberfläche). Wegen der großen Schwankungsbreite des HMV unter Ruhe- bzw. Belastungsbedingungen, bedingt
durch den Einfluß von Körpergewicht und Körpergröße, wird in der internationalen kardiologischen Literatur das HMV in der Regel zur Körperoberfläche als cardiac index in Beziehung gesetzt. Es beträgt durchschnittlich
3 bis 3,5 L/min/m2 Körperoberfläche
CI-ORFW-lndex Gewonnen wird dieser Index durch Subtraktion des Intervalls vom Punkt 0 des Apex-Kardiogramms zur schnellen Füllungswelle
(RFW = rapid filling wave) von der Cl-Zeit. Normwert: deutlich <0. Dieser
Index ist positiv mit der Schwere einer Mitralstenose und umgekehrt mit
der Klappenöffnungsfläche korreliert. Bei einem Index von 0 mißt die Mitralklappenöffnungsfläche >1,77 cm2. Ein Index von > -3 zeigt gewöhnlich eine Klappenöffnungsfläche von weniger als 0,79 cm2 an
CK-MB = creatine kinase-muscle brain (type) Die Kreatinkinase (ATP:
Creatin-Phosphotransferase, EC-Nr. 2.7.3.2., Abkürzung: CK) ist ein
Schlüsselenzym des Muskelstoffwechsels. Sie kommt im menschlichen
Organismus in Form von Dimeren der Untereinheiten M und B vor. Man findet daher drei Isoenzyme: CK-MM (Skelettmuskeltyp), CK-BB (Gehirntyp)
und das Hybrid CK-MB (Herzmuskeltyp). Alle drei Typen der KreatinkinaseIsoenzyme kommen in Geweben des menschlichen Körpers vor. Siehe
auch: -> CPK
CL = chest-left Halbunipolare EKG-Ableitung von der Brustwand gegen
den linken Arm
44
Cl
Cl = clearance Clearance. Das Plasmavolumen (ml), das in 1 Minute durch
die Nierentätigkeit von einem bestimmten Stoff befreit wird
CLBBB = complete left bundle branch block Kompletter Linksschenkel block. In der englischsprachigen Literatur häufig verwendete Abkürzung.
Gelegentlich findet man die Schreibweisen: cLBBB oder LBBBC. Siehe
auch: -> LSB. Er findet sich in erster Linie bei einer Unterbrechung des linken Tawara-Schenkels. Gelegentlich ist jedoch auch die Leitungsverzögerung bei Linkshypertrophie, sowie degenerative oder entzündliche Schädigungen Ursachen eines Linksschenkelblockes. Je nach Länge der QRSDauer unterscheidet man einen kompletten und inkompletten Linksschenkelblock sowie eine Linksverspätung. Beim Linksschenkelblock ist aber
nicht nur die QRS-Gruppe verändert, sondern auch die ST-Strecke, d. h. es
besteht auch eine abnorme Erregungsrückbildung mit diskordantem Verhalten von ST und T.
Der Linksschenkelblock kommt vor allem vor bei schwerer Herzmuskelinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit, Hochdruckkrankheit, Myokarditis und
Aortenklappenfehler.
Die Definition des inkompletten Linksschenkelblocks ist nicht einheitlich.
Der Begriff wird synonym mit Linksverspätung verwandt, die ihre Ursache
vor allem in der Linkshypertrophie oder in einer Leitungsstörung durch Läsion hat
9
CLC-syndrome Clerc-Lävy-Cristesco syndrome, syndrome de CLC. Im französischen Sprachraum nach den Erstbeschreibern früher verwendete Bezeichnung für das -* LGL-Syndrome. Gängiger ist heute die Bezeichnung
LGL-Syndrom, die an die Autoren der ersten umfassenden Darstellung dieses Präexzitationssyndroms erinnert. Im englischsprachigen Schrifttum
findet man auch die Bezeichnung: syndrome of short P-R interval
CM = cardiomyopathy Kardiomyopathie, Myokardiopathie. Mit dem Sammelbegriff Kardiomyopathien werden ätiologisch nur teilweise geklärte Erkrankungen der Herzmuskulatur bezeichnet, die nicht auf mechanische
Überlastung oder Mangeldurchblutung zurückzuführen sind. Man unterscheidet nach hämodynamischen Kriterien: -» COCM = congestive cardiomyopathy (kongestive Kardiomyopathie), die -> HOCM = hypertrophic
obstructive cardiomyopathy (hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie und -► ROCM = restriktiv-obliterative Kardiomyopathie. Nach den neuesten Vorschlägen zur Klassifikation der Kardiomyopathien wird anstelle
der COCM die Bezeichnung dilatative Kardiomyopathie (dilated cardiomyopathy, DOM) verwendet. Die neue Klassifikation berücksichtigt die restriktive Form nicht mehr. Die HOCM entwickelt sich oft über ein primär
nicht obstruktives Stadium. Mit zunehmender Verfeinerung der Untersuchungsverfahren hat die hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie — in
den USA häufig auch als -► IHSS = idiopathic hypertrophic subaortic stenosis (idiopathische hypertrophe Subaortenstenose) bezeichnet — weil
sie viel häufiger den linken Ventrikel allein als beide befällt — wegen ihres
prognostisch und' funktionell wechselhaften Charakters immer wieder
neues Interesse gefunden
45
CMRO2
CM5 (CM5) Bei Verwendung eines Drei- bzw. Vierkanalgerätes in der Aufzeichnung eines Belastungs-EKG werden die Ableitungen (V2), V4, V5, V6
und ggf. zusätzlich die Extremitätenableitungen I, II, III und aVF empfohlen. Nach Erfahrungen verschiedener Autoren haben sich auch drei bipolare Brustwandableitungen (CM5, CB5, CC5) bewährt. Bei den bipolaren
Brustwandableitungen wird jeweils die positive Elektrode auf die Position
V5 gebracht. Bei der Ableitung C5 liegt die negative Elektrode auf dem Manubrium sterni, bei CC5 die negative Elektrode in Position V5r bei der Ableitung CB5 im Bereich des rechten unteren Skapularwinkels. Bei der Verwendung der Standardableitungen werden zur weitgehenden Reduzierung störender Muskelartefakte die Extremitätenelektroden am Stamm befestigt.
Dies wird nach dem Vorschlag von Rosenkranz und Drews (1964) durch das
Anlegen des „verkleinerten Einthoven-Dreiecks“ (Abi. Di, D2, D3) erreicht;
rotes Kabel = rechte Schulter, gelbes Kabel = linke Schulter, grünes Kabel = linker Beckenkamm, schwarzes Kabel = rechter Beckenkamm
C-MOS-IC = complementary metal oxide semiconductor IC Elektronische
Schaltung mit speziellen Transistoren in monolithisch integrierten Schaltkreisen, die sich durch besonders niedrigen Stromverbrauch, Temperaturkonstanz und weitgehende Unabhängigkeit von Schwankungen in der Versorgungsspannung auszeichnen. Die Entwicklung implantierbarer Herzschrittmacher ist unmittelbar an die Fortschritte in der Halbleitertechnologie gekoppelt. Mit der Erfindung des Transistors im Jahre 1948 war die
technologische Grundvoraussetzung für die zur Implantation nötige Miniaturisierung gegeben. Der schaltungstechnische Aufwand ist prinzipiell
durch die Wahl der Funktionsweise festgelegt (festfrequent, demand,
standby und sequentiell). Der limitierte Faktor in der Komplexität der
Schaltung ist der Stromverbrauch bei der gewählten Technologie und/oder
die Zuverlässigkeit der einzelnen Schaltungskomponenten. Die Überprüfung der einzelnen elektronischen Bauteile auf ihre Zuverlässigkeit ist am
ehesten in einem diskreten Aufbau möglich. Daneben schließt die Zusammenfassung bestimmter Schaltungsfunktionen in ein integriertes Bauteil
Mängel in den sonst nötigen Lötverbindungen aus und erlaubt unter Umständen eine Reduzierung des Stromverbrauchs. Aus diesen Überlegungen ist die Hybridtechnik zur Realisierung komplexer Funktionen für die
Schrittmacherelektronik angewandt worden. Hierbei werden die elektronischen Bauteile und deren Verbindungen untereinander entweder im Dünnfilmverfahren auf einen Keramikträger aufgebracht oder mit diesem nach
thermischen oder mechanischen Verfahren verbunden. Die aktiven Komponenten können dabei in stromsparender C-MOS-Technologie ausgebaut
werden. Durch Verwendung hochintegrierter Halbleiterbauteile besonders
für die Steuerung des Funktionsablaufs läßt sich der Eigenstromverbrauch der Schaltung von etwa 20 pA auf etwa 3/zA reduzieren
CMRO2 = cerebral metabolic rate for O2 Zerebraler Sauerstoffverbrauch
im ml O2/100 g Gehirn/min. Der Sauerstoffverbrauch des Gehirns eines Erwachsenen beträgt etwa 0,16 mmol/100 g/min (3,5 ml/100 g Gehirn/min d. s.
2,3 mmol/min, bzw. 49 ml/min für das gesamte Gehirn); das Gehirn beansprucht ca. 20% der gesamten Ruhe-O2-Aufnahme des Körpers in Ruhe
CMV
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CMV = controlled mechanical ventilation Sammelbegriff für die Methoden der kontrollierten Beatmung
CNP = continuous negative pressure Kontinuierlicher negativer Druck.
Unterdruckbehandlung mit vermindertem Thoraxdruck in der Unterdruckkammer
CNSLD = chronic non specific lung disease Chronische unspezifische
Lungenkrankheit. Sammelbezeichnung für ätiologisch nicht näher zu charakterisierende Lungenkrankheiten, die mit Husten, erhöhter Sputumproduktion und/oder Dyspnoe in Ruhe und/oder körperlicher Belastung einhergehen
CO = cardiac output Herzminutenvolumen (HMV). Die von jedem Ventrikel
pro Herzaktion geförderte Blutmenge wird als Schlagvolumen, die Schlagzahl pro Minute als Frequenz und die Förderleistung des Herzens pro Minute (Schlagvolumen x Frequenz) als Herzminutenvolumen bezeichnet.
Die Anpassung des HMV an die jeweiligen Erfordernisse erfolgt vorwiegend durch eine Änderung der Herzfrequenz, zum anderen aber auch
durch Variation des Schlagvolumens. Bei zu hoher Frequenz kann sich die
Füllung der Herzkammern verschlechtern und damit die Herzarbeit unökonomisch werden. Bei der Berechnung der Herzarbeit spielt sowohl das
Schlagvolumen als auch der artehelle Mitteldruck (Arbeit = Kraft x Weg
oder Druck x Volumen) eine wichtige Rolle. Arbeit und Leistung (Arbeit pro
Zeiteinheit) des Herzmuskels läßt sich aus dem bei der Systole entwickelten Druck und dem ausgeworfenen Volumen ermitteln
COAD = chronic obstructive airway disease Chronische obstruktive
Atemwegserkrankung
COCM = congestive cardiomyopathy Kongestive Kardiomyopathie, kongestive Myokardiopathie. Nach der neuesten, von der WHO vorgeschlagenen Klassifikation bezeichnet man diese Form der Kardiomyopathie jetzt
als dilatative Kardiomyopathie (DCM). Mit dem Begriff Kardiomyopathie
werden jene Herzmuskelerkrankungen bezeichnet, die nicht Folge einer arteriellen oder pulmonalen Hypertension, einer koronaren Herzkrankheit
oder eines Herzfehlers sind. Ätiologisch unbekannte Herzmuskelerkrankungen sind begrifflich als primäre Kardiomyopathien festgelegt. Bei infektiöser, toxischer, hormoneller oder infiltrativer Ätiologie wird von sekundärer Kardiomyopathie gesprochen.
Die primären Kardiomyopathien wurden nach einer 1981 getroffenen Vereinbarung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie neu eingeteilt:
1. Dilatative (kongestive) Kardiomyopathie (DCM)(= COCM, CCM)
2. Hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie (HOCM) (= IHSS)
3. Hypertrophische nicht obstruktive Kardiomyopathie (HNCM)
4. Latente Kardiomyopathie (LCM)
Im Vergleich zur bisherigen Einteilung (Goodwin 1970; Loogen 1972) wird
die COCM als dilatative Kardiomyopathie bezeichnet. Diese neue Begriffsbestimmung berücksichtigt die Erfahrung, daß die Dilatation des Herzens
47
CPAP
nicht obligat mit einer Kongestion vergesellschaftet ist, wenngleich sie im
Verlauf dieser Erkrankung auftreten kann. Da eine Stauungsherzinsuffizienz auch bei den hypertrophischen Kardiomyopathien bestehen kann, ist
die Kongestion ein uncharakteristisches Merkmal. Zudem wird mit dem
Begriff „kongestiv“ eine hämodynamisch, klinisch und prognostisch ungünstigere Situation beschrieben als mit „dilatativ“. So bleibt die Terminologie kongestive Kardiomyopathie dem klinischen Vollbild der dilatativen
Kardiomyopathie mit Kongestion vorbehalten. Die restriktive (obliterative)
Kardiomyopathie wird in dieser neuen Klassifikation nicht mehr berücksichtigt, da eine Peri- oder Endokarderkrankung zugrunde liegt. Siehe
auch: -* CCM, -> COCM
COLD = chronic obstructive lung disease Chronische obstruktive Lungenerkrankung
CO/LVET-lndex Gewonnen wird dieser Wert durch Division der totalen mechanischen Systole (CO) durch die linksventrikuläre Austreibungszeit
{LVET = left ventricular ejection time). Normwert: 1,51 ± 0,06. Dieser von
Willems und Kesteloot (1967) eingeführte Index bleibt auch bei größeren
Frequenzänderungen konstant. Diese konstante Korrelation wird durch
ein r = - 0,93 (p< 0,0001) ausgedrückt. In dertäglichen Praxis hat sich dieser Index sehr gut bewährt aufgrund seiner Stabilität bei Gesunden und
Patienten. Vor allem die Vergrößerung des Wertes bei heart failure fällt ins
Auge. Erniedrigung dieses Index kommt nur bei obstruktiven Herzerkrankungen vor, sofern nicht eine ausgeprägte myokardiale Insuffizienz hinzukommt (Pseudonormalisierung bei der Aortenstenose). Dieser Index hat
differentialdiagnostische Bedeutung bei Herzkrankheiten mit und ohne
Obstruktion. Außerdem korreliert der Grad der Vergrößerung dieses Index
mit dem klinischen Schweregrad der Herzinsuffizienz. Größere Bedeutung
erlangt der Index CO/LVET in der Prognose von Herzerkrankungen, insbesondere nach Herzinfarkt bzw. im Rahmen einer Kardiomyopathie
COPD = chronic obstructive pulmonary disease Chronische obstruktive
Lungenerkrankung. Diese Abkürzung wird häufig synonym mit -> COLD =
chronic obstructive lung disease gebraucht
COPE = chronic obstructive pulmonary emphysema Chronisches obstruktives Lungenemphysem
CPAP = continuous positive airway pressure Kontinuierlicher positiver
Atemwegsdruck (Atmung gegen erhöhten Druck). Form der assistierten
Beatmung. Hier erfolgt das Assistieren nicht dadurch, daß das Gerät bei
der Inspiration einen zur Atemgrundlinie zusätzlichen Druck aufbaut, sondern ein gegenüber Atmosphäre erhöhter Druck liegt von vornherein vor.
Wenn der Patient inspiriert, sinkt der Druck in der Trachea ab, exspiriert er,
so muß er gegen den Druck, den das Gerät liefert, anarbeiten, wodurch die
Exspiration verzögert wird. Es handelt sich also um eine assistierte Beatmung, bei der der Inspirationsdruck in die im Vergleich der CPPB entgegengesetzte Richtung weist. Bei der CPPB wird eine gegenüber der Atmo-
CPC
48
Sphäre erhöhte Atemgrundlinie eingestellt, von der sich der Druckvektor
zum Positiven hin richtet. Beim CPAP ist der Druckvektor bei der Inspiration von der erhöhten Atemgrundlinie zum negativen hin gerichtet, soll
aber jederzeit größer als Null sein. Dies bedeutet, daß die Atemmittellage
bei CPPB sehr viel höher ist als bei CPAP
CPC = Cor pulmonale chronicum Chronisches Cor pulmonale, chronic cor
pulmonale. Unter dem Begriff Cor pulmonale chronicum versteht man, entsprechend der Definition der WHO von 1961, ein Herz mit einer Hypertrophie des rechten Ventrikels. Diese Hypertrophie muß die Folge einer pulmonalen arteriellen Hypertension sein, die primär auf die Funktion oder
die Struktur der Lunge einwirken. Nicht einbezogen sind Lungen- bzw. Lungengefäßveränderungen, die durch primäre Erkrankungen der linken Herzabschnittes mit pulmonalvenöser Druckerhöhung oder durch angeborene
Herzfehler mit Rezirkulation entstanden sind. Schließlich können auch intermittierende pulmonale Druckanstiege bei zwischenzeitlich mehr oder
weniger normalem Druck zum chronischen Cor pulmonale führen, womit
Übergänge von der akuten zur chronischen Form gegeben sind. Man
spricht von einer pulmonalen Hypertension, wenn unter Ruhebedingungen
der intravasale Druck in der Pulmonalarterie von normal etwa 22/10 mm Hg
(Mitteldruck 15 mm Hg) einen Wert von 30/15 mm Hg (Mitteldruck 22 mm
Hg) überschreitet. Bei der Definition des Cor pulmonale handelt es sich um
eine vorwiegend pathologisch-anatomisch orientierte Begriffsbestimmung. Sie umgreift darüber hinaus die gesamte Dynamik kardiopulmonaler Funktionsstörungen (WHO-Definition: Wld. Hlth., Org., Techn. Rep.
Ser., 1961,213)
CPK Von einigen Autoren verwendete Abkürzung für Karotispulskurve. Um
Verwechslungen zu vermeiden, sollte die Abkürzung CPK der CreatinPhosphokinase vorbehalten bleiben
CPK = Creatin-Phosphokinase Aus den nekrotischen bzw. ischämischen
Myokardarealen gelangen verschiedene, zellständige Enzyme ins Blut.
4-6 Stunden nach dem Myokardinfarkt steigt ihre relative Serumaktivität
an. Es handelt sich um die Creatin-Phosphokinase (CPK) — in neuerer Zeit
CK
=
Creatinkinase genannt
—, die Glutamat-OxalatacetatTransaminase (GOT), die Lactat-Dehydrogenase (LDH), die GlutamatPyruvat-Transaminase
(GPT)
und
die
Alpha-Hydroxy-ButyratDehydrogenase (HBDH). Das Maximum des Aktivitätsanstiegs liegt meist
am zweiten Tag. Nach zwei bis sieben Tagen sind die Werte wieder normalisiert. Die Creatinphosphokinase ist in der gesamten quergestreiften Muskulatur vorhanden. Mit der Bestimmung des aus dem Herzmuskel stammenden Isoenzyms CK-MB kann die Diagnose auch dann gestellt werden,
wenn die Herkunft der CPK nicht zweifelsfrei ist. Von den drei Isomeren
CK-MM (Muskeltyp), CK-BB (Gehirntyp) und CK-MB (Herzmuskeltyp) ist die
CK-MB für die Früherkennung des Herzinfarktes wegen der weitgehenden
Spezifität besonders geeignet. Da die Aktivitätskurven einen unterschiedlichen Ablauf zeigen, ist mit dem „Enzymmuster“ nicht nur mit gewisser Sicherheit der Nachweis einer Herzmuskelnekrose zu führen, sondern auch
49
CRBBB
das Stadium in etwa festzulegen. Das Ausmaß eines Infarktes ist jedoch
nur mit Vorbehalt, eine Lokalisation nicht zu erfassen. Siehe auch: -> CKMB
CPPB ss continuous positive pressure breathing Spontanatmung mit kontinuierlich positivem Atemwegsdruck
CPPV = continuous positive pressure ventilation Überdruckbeatmung mit
positivem endexspiratorischem Druck (CPPV = IPPV + PEEP)
CPR = cardiopulmonary resuscitation Kardiopulmonale Wiederbelebung
CPT (CP-Test) = Cold-Pressure-Test Kälte-Druck-Test. Kreislaufregulationstest in Form von Blutdruckkontrollen während und nach Eintauchen
einer Hand in Eiswasser zur Beurteilung der individuellen Blutdruckreaktionsweise des Gefäßsystems und seiner vegetativen nervös-humoralen
Steuerung. Die eine Hand des Patienten wird für die Dauer von 1 min in ein
Wasserbad mit Eiswürfeln eingetaucht. Nach 30 bzw. 60 see werden Puls
und Blutdruck gemessen. Ein erheblicher Anstieg des Blutdrucks weist
auf eine labile essentielle Hypertension hin. Da jedoch unter gleichen Bedingungen ein Blutdruckanstieg auch bei anderen Hochdruckkrankheiten
zu beobachten ist, verliert dieser Test an Zuverlässigkeit
CPTPP = continuous positive transpulmonary pressure Kontinuierlicher
positiver transpulmonaler Druck
CPUE = capacite pulmonaire utilisable ä l’effort (frz.) Lungenkapazität bei
Anstrengung
CPVC = common pulmonary venous chamber Gemeinsame pulmonalvenöse Kammer (in der Echokardiographie verwendete Abkürzung)
CR = chest/right arm Halbunipolare EKG-Ableitung von der Brustwand
(ehest) gegen den rechten Arm (right arm)
CR = coronary reserve Seltener verwendete Abkürzung für Koronarreserve. Unter Koronarreserve versteht man das Verhältnis von koronarem Gefäßwiderstand unter den Ausgangsbedingungen zu demjenigen bei maximaler Dilatation der Koronargefäße. Bei konstantem Perfusionsdruck
kennzeichnet ihre Größe den Spielraum, über den ein Herz maximal verfügt, um sich hämodynamischen und energetischen Belastungen durch einen Anstieg der Myokarddurchblutung anzupassen. Die Ausgangsbedingungen können je nach Fragestellung und Untersuchungsausgang wechseln, sind aber in der Regel durch Normoventilation, hämodynamische
Steady-state-Bedingungen und seelische und körperliche Entspannung
bei Verzicht auf eine Prämedikation hinreichend festgelegt
CRBBB = complete right bundle branch block Kompletter Rechtsschenkelblock. Diese Blockform wird von einigen Autoren unterteilt in: a) den
CRF
50
Wilson-Block und b) den „klassischen“ Rechtsschenkelblock. In der angelsächsischen Literatur häufig verwendete Abkürzung mit abweichenden
Schreibweisen: cRBBB oder RBBBC. Siehe auch: -* RSB
CRF = capacite residuelie fonctionelle (frz.) Funktionelle Residualkapazität (FRK). Luftvolumen, das sich bei Atemruhelage in der Lunge befindet.
Dimension: Liter (engl.: functional residual capacity, FRC)
CRF = chronic respiratory failure Chronische respiratorische Insuffizienz
CRM = capacite respiratoire maximale (frz.) Maximale Atemkapazität
CRST-Syndrom Form des sekundären Raynaud-Syndroms: Kombination
von subakuter Kalzinosis, Raynaud-Syndrom, Sklerodermie und Teleangiektasien (auch an Gesicht, Lippen und Zunge)
CRVT = chronic recurrent ventricular tachycardia Chronisch rezidivierende ventrikuläre Tachykardie. Sie weist trotz antiarrhythmischer Therapie
eine hohe Rezidivquote auf. Dies führt zu häufigen stationären Aufenthalten und ist mit der Gefahr des Überganges in Kammerflattern und
-flimmern verbunden. Die Wirksamkeit von Antiarrhythmika wird anhand
ihres Effektes auf die Häufigkeit ventrikulärer Extrasystolen beurteilt. Dieses Vorgehen wird jedoch durctr’Spontanschwankungen der Häufigkeit
der Extrasystolen erheblich erschwert. Das gilt um so mehr für ventrikuläre
Tachykardien selbst, die in der Mehrzahl der Fälle nur intermittierend auftreten. In den letzten Jahren sind elektrophysiologische Stimulationsverfahren im Rahmen invasiver Diagnostik im Herzkatheterlabor eingesetzt
worden. Es erwies sich, daß die Mehrzahl chronisch-rezidivierender ventrikulärer Tachykardien durch zeitgerecht einfallende Einzel- oder Doppelimpulse im rechten Ventrikel ausgelöst und beendet werden können. Diese
Methoden sind auch zur Akut-Testung von Antiarrhythmika benutzt worden. Synonyme Bezeichnungen aus dem englischsprachigen Schrifttum:
recurrent ventricular tachycardia, recurrent tachyarrhythmia, recurrent sustained ventricular tachycardia
CSF = coronary sinus flow Koronarsinus-Fluß. Die KoronarsinusflußMessung wird nach der Thermodilutionsmethode von Ganz durchgeführt.
Als Indikator verwendet man 5% Glukoselösung bei Zimmertemperatur.
Die kontinuierliche Indikatorinfusion erfolgt über eine Infusionspumpe mit
konstanter Leistung bei einer Infusionsgeschwindigkeit von 36 ml/min
bzw. 72 ml/min bei hohen Flußraten. Die Temperaturänderungen werden
überWiderstandsänderungen der beiden Thermistoren des Flußkatheters
mit einer Wheatstone-Brücke gemessen und auf einem Zweikanalschreiber registriert
CSBF = coronary sinus blood flow Koronarsinus-Durchblutung
CSMI = cardiogenic shock (after) myocardial infarction Kardiogener
Schock nach akutem Myokardinfarkt
51
CTG
CSNRT (C-SNRT, c-SNRT) = corrected sinus node recovery time Frequenzkorrigierte Sinusknoten-Erholungszeit (kSKEZ, korrigierte SKEZ). Eine Störung der Sinusknotenfunktion kann Ursache verschiedener Rhythmusstörungen sein, die unter dem Begriff Syndrom des kranken Sinusknotens
(sick sinus syndrome) zusammengefaßt werden. Die Diagnose dieses Syndroms bereitet nicht selten Schwierigkeiten, da die Rhythmusstörungen
häufig nur intermittierend auftreten. Zur Prüfung der SinusknotenAutomatie bietet die Bestimmung der Sinusknoten-Erholungszeit einen
geeigneten indirekten Parameter. Die Bestimmung der SKEZ beruht auf
der Beobachtung, daß die Sinusknoten-Automatie durch hochfrequente
Stimulation des Vorhofs, möglichst in Nähe des Sinusknotens, unterdrückt werden kann (overdrive supression). Die Stimulation des Vorhofs erfolgt mit verschiedenen Frequenzen (60 bis 140 min-1) für die Dauer von etwa zwei Minuten. Die SKEZ ist definiert als das Intervall zwischen der letzten stimulierten Vorhofaktion und der ersten nachfolgenden SinusknotenAktion. Da die SKEZ auch von der spontanen Herzfrequenz abhängig ist,
wurde von verschiedenen Autoren vorgeschlagen, die SKEZ auf die spontane Sinusknoten-Periodendauer zu beziehen. Die frequenz-korrigierte
Sinusknoten-Erholungszeit (kSKEZ, cSNRT, SNRTC) wird ermittelt, indem
die der Stimulation vorausgehende spontane Periodendauer von der SKEZ
subtrahiert wird. Die Sinusknoten-Erholungszeit beträgt bei Gesunden
durchschnittlich etwa 1000 msec, die frequenzkorrigierte SKEZ etwa 260
± 98 msec
CT = capacite pulmonaire total (frz.) Totalkapazität der Lunge (TK). Luftvolumen, das sich nach einer maximalen Inspiration in der Lunge befindet.
Dimension: Liter (engl.: total lung capacity, TLC)
CT = concentration time Konzentrationszeit. Zeit vom Auftreten des Farbstoffs bis zum Erreichen seiner größten Konzentration in der Farbstoffverdünnungsmethode
CTD = cardiac transverse diameter Herzquerdurchmesser
CTG = cardiotocography Kardiotokographie. Kontinuierliche Aufnahme
und elektronische Registrierung der Kontraktionen des Uterus und der
kindlichen Herztöne. Durch die Kardiotokographie ist die synchrone Registrierung der Wehen und der fetalen Herzfrequenz durch Phono, Ultraschall oder fetales EKG möglich. Das CTG ist zur Zeit der beste Parameter,
eine akute fetale Gefährdung während der Gravidität und unter der Geburt
zu erfassen. Den externen Ableitungsmethoden (Phonokardiographie,
Echokardiographie, externe Tokometrie) stehen die internen (direkte fetale
Elektrokardiographie durch Elektrode am vorangehenden Kindesteil, intraamniale Druckmessung) gegenüber. Die externe Ableitung des fetalen
EKG vom Abdomen der Mutter stößt zur Zeit noch auf technische Schwierigkeiten und ist daher als Routineverfahren noch nicht einsatzbereit. Die
internen Methoden sind exakter, weniger störanfällig und geben eine technisch bessere Registrierung, sind aber nur nach Fruchtblasensprung oder
-Sprengung, d. h. also nur unter der Geburt, möglich
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CTI
CTI = Cardio-Thorakaler-Index Herz-Thorax-Quotient. Es sind verschiedene Verfahren entwickelt worden, die Größe des Herzens im Röntgenbild
objektiv zu erfassen. Die bekannteste Methode zur metrischen Herzbeurteilung ist die Berechnung des Herz-Thorax-Quotienten. Dabei werden die
Werte für die Breite des Herzschattens dividiert durch den Wert des inneren Thoraxdurchmessers. Derartige Messungen können jedoch nur auf
Thoraxaufnahmen vorgenommen werden, die bei einem Abstand zwischen
Fokus und Film von 1,5 bis 2 m (im Säuglingsalter von mindestens 1,2,
zweckmäßigerweise bei 1,5 m) erstellt werden. Diese bezeichnet man als
Herzfernaufnahme
CTR = cardio-thoracic ratio Englische Abkürzung für den Herz-ThoraxQuotienten. Synonyme Bezeichnung: Groedel-Quotient
CV = closing volume Verschlußvolumen. Gasvolumen, das nach der plötzlichen Konzentrationsänderung des „Testgases“ vom Alveolarplateau bei
einer langsamen Exspiration (nach maximaler Inspiration) noch ausgeatmet werden kann
CV = capacity vitale (frz.) Vitalkapazität (VK). Maximales Luftvolumen,
das nach einer maximalen Exspiration durch größte Anstrengung eingeatmet werden kann (inspiratorische Vitalkapazität) bzw. das nach maximaler
Inspiration ausgeatmet werden Rann (exspiratorische Vitalkapazität}. Dimension: Liter (engl.: vital capacity, VC)
CVA = cerebral vascular accident Apoplex, zerebrale Ischämie, zerebrale
Blutung
CVD = cardiovascular disease Kardiovaskuläre Erkrankung, Herz-GefäßErkrankung
CVI = Chronisch-venöse Insuffizienz Als chronisch-venöse Insuffizienz
werden vorwiegend im Knöchelbereich oder am distalen Unterschenkel lokalisierte Stasezeichen bezeichnet. Das Spektrum reicht von Dilatation
und Schlängelung oberflächlicher Venen (Corona phlebectatica) über
Hyper- und Depigmentierung, bakterielle, chronisch-rezidivierende Gewebsentzündung (Hypodermitis) bis zum Ulcus cruris. Diese gelegentlich von
ausgeprägter Schwellneigung begleiteten Veränderungen können auf verschiedene Art und Weise zustande kommen: durch Stammvarikosis mit
der ohne Insuffizienz von Klappen der Verbindungsvenen, durch Klappeninsuffizienz der Verbindungsvenen (Vv. communicantes) allein bzw. durch
postthrombotische Veränderungen der tiefen Venen. Die Genese läßt sich,
besonders bei fehlender Thromboseanamnese, oft nur mit Hilfe der Phlebographie erfassen
CVP = central venous pressure Zentraler Venendruck (ZVD). Normalwert:
5 bis 15 cm H2O
* t
CVR = coronary vascular resistance Koronarwiderstand. CVR = Pao /CSF
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CVR = cerebral vascular resistance Zerebraler Gefäßwiderstand
CW = cardiac work Herzarbeit in m/kg/min
C'wave c-Welle. Welle des Jugularvenenpulses
c-wave
D
54
D = Symbol für Totraum (dead space) Der Bereich des Ventilationstraktes,
in dem kein Gasaustausch mit dem Blut stattfindet. Man unterscheidet: 1.
anatomischer Totraum: Trachea und Bronchien und 2. Alveolargebiete, die
ventiliert, aber nicht durchblutet werden, in denen also kein Gasaustausch
stattfindet. Lungenfunktionsstörungen, bei denen ein zu kleiner Anteil der
eingeatmeten Luft über den Totraum bis zum Alveolarbereich vordringt,
um am Gasaustausch teilzunehmen, haben eine alveolare Hypoventilation
(ineffektive Atmung mit Hypoxämie und Hyperkapnie) bei Totraumhyperventilation zur Folge
D = derivation (frz.) Ableitung im EKG
D = Diastole
D = Symbol für diastolische Füllungswellenamplitude Diese Amplitude
wird gemessen vom tiefsten Punkt des Apexkardiogramms (Punkt 0) bis
zum Gipfel der A-Welle
D = Diffusionskapazität Diffusionsfaktor (DF). Gasstrom in ml/min, der
bei einem Unterschied des Partialdrucks von 1 Torr von den Alveolen in
das Blut übergeht. Dimension: ml/min1 Torr1 (engl.: diffusing capacity;
frz.: capacity de diffusion)
D = displacement Verlagerung, z: B. Verlagerungsballistokardiogramm
D = Symbol für Ableitung D (D = dorsal) im Nehb-EKG In der bipolaren
Ableitung nach Nehb entspricht die Ableitung D (D = dorsal) der Ableitung I der Standardableitung; sie soll vorwiegend die Potentialdifferenzen
der Hinterwand des Herzens wiedergeben
Dd = diameter, diastole Durchmesser des linken Ventrikels in der Diastole; enddiastolischer Durchmesser. Die Schreibweise ist nicht bei allen Autoren einheitlich; benutzt wird auch: Dd, Dd. Verwechslungsmöglichkeit
mit dem in der Echokardiographie verwendeten Symbol -> Dd. Siehe auch:
-* LVEDD = left ventricular enddiastolic diameter
Dd = distance, diastole Distanz vom Perikard der rechtsventrikulären Vorderwand zum Perikard der linksventrikulären Hinterwand während der Ventrikeldiastole (in cm)
Dl = O2-Diffusionskapazltät der Lunge
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DCM
Oi_co2 = Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid Fähigkeit der Lunge, Kohlenmonoxid aus der Alveolarluft in das Lungenkapillarblut übertreten zu
lassen. Sie wird angegeben in ml/min/mbar (bzw. Torr)
Ds = diameter, systole Durchmesser des linken Ventrikels in der Systole
DAA = Ductus arteriosus apertus (sive persistens). Ductus arteriosus
apertus (engl.: patent ductus arteriosus, PDA)
DAB = Ductus arteriosus Botalli
DAH = disordered action of the heart Herzneurose; allgemeine Bezeichnung für Herzrhythmusstörungen
DAP = diastolic aortic pressure Diastolischer Aortendruck. Synonyme Abkürzung: DPao
DAV = difference arterio-veineuse (frz.) Arteriovenöse Differenz
DAZ = Druckanstiegszeit Anspannungszeit minus Umformungszeit. Unabhängig von Herzfrequenz. Anstieg bei Abnahme der linksventrikulären
Kontraktilität und bei Erhöhung des diastolischen Blutdrucks
DBA = Ductus Botalli apertus Offener Ductus Botalli
DBP = diastolic blood pressure Diastolischer Blutdruck. In den letzten
Jahren wird die Schreibweise BPd bevorzugt
DBP/IVCT-Quotient Quotient diastolischer Blutdruck/isovolumetrische
Kontraktionszeit (isovolumic contraction time)
DC = debit cardiaque (frz.) Herzminutenvolumen, -+ HMV (engl.: CO =
cardiac output)
DCM = dilatative Kardiomyopathie (dilated cardiomyopathy) Nach einer
1981 von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie getroffenen Vereinbarung und nach einer 1980 von der WHO/ISFC vorgeschlagenen neuen
Klassifikation der Kardiomyopathien wird die bisherige Bezeichnung der
kongestiven Kardiomyopathie (COCM und CCM) durch dilatative Kardiomyopathie (DCM) ersetzt. Diese kürzlich publizierten Einteilungen sehen
vor, daß Kardiomyopathien im engeren Sinne unterschieden werden sollen
von Herzmuskelerkrankungen. Dabei wird der Begriff Kardiomyopathie reserviert für Herzmuskelerkrankungen unbekannter Ätiologie, wohingegen
Herzmuskelerkrankungen im engeren Sinn durch ätiologische Hinweise
gekennzeichnet sein soll. Demzufolge werden unter dilatativen Kardiomyopathien Herzmuskelerkrankungen mit Ventrikeldilatation unbekannter Ursache verstanden und durch das Beiwort dilatativ abgegrenzt von hypertrophischen und restriktiven Kardiomyopathien. Siehe auch: -> COCM, ->
HOCM, - ROCM,
CM
DC-shock
56
DC-shock = direct current shock Gleichstromschock, Kardioversion. Anwendung von elektrischem Strom zur Wiederherstellung des Sinusrhythmus. Entladung durch QRS-Komplex des Patienten, getriggert oder nicht
synchronisiert, zur Beendigung von Kammerflimmern oder-flattern
DD = diastolic diameter Diastolischer Querdurchmesser des Herzens (gelegentlich findet man die Schreibweise: Do und Dd)
Dd = diametre tälediastolique (frz.) Enddiastolischer Durchmesser, ->
EDD (engl.: enddiastolic diameter)
DDD = Digitalis-Diuretika-Diät Mnemotechnische Merkregel für die
Grundelemente der Folgetherapie bei chronischer Herzinsuffizienz
DE-Amplitude In der Echokardiographie Bezeichnung für die frühdiastolische Öffnungshöhe des vorderen Mitralsegels. Die Ausmessung erfolgt im
Longitudinal-Scan an der Stelle, an der sich beide Mitralsegel voll darstellen. Es handelt sich um die senkrechte Entfernung vom Beginn der Mitralklappenöffnung (Punkt D) bis zur maximalen Öffnung (Punkt £). Besonders
in früheren Arbeiten wurde von einigen Autoren die frühdiastolische Öffnungshöhe nicht vom Punkt D sondern vom Punkt C des Mitralklappenbewegungsablaufs bis zum Punkt E, gemessen. Im letzten Wert geht neben
der frühdiastolischen Öffnungshbhe des vorderen Mitralsegels die systolisch leicht nach anterior gerichtete Bewegung des gesamten Mitralringes
mit ein. Siehe auch: -> CE-Amplitude
Delta-VCF Die Delta-VCF wird aus der Differenz von VCFmax (maximale zirkumferentielle Faserverkürzungsgeschwindigkeit) und VCFmean (mittlere
zirkumferentielle Faserverkürzungsgeschwindigkeit) gebildet und zeichnet
sich, wie regressionsanalytische Berechnungen ergaben, durch FrequenzUnabhängigkeit aus. Bei Herzgesunden konnte gezeigt werden, daß die
Regressionsgrade für die VCFmax und VCFmean in Abhängigkeit zur Ruheherzfrequenz etwa parallel verlaufen. Danach ergibt sich, daß die Differenz
aus beiden Größen im Unterschied zu den anderen Funktionsindizes der
Austreibungsphase frequenzunabhängig ist. Auch bei Vorhofstimulation
wird diese Frequenzunabhängigkeit bestätigt; diese Größe wird von Änderungen der Nachlast kaum beeinflußt. Normalwert: 1,14 ± 0,25 see-1. Siehe
auch: -* VCFmax, ~* VCFmin
DEMS = debit expiratoire maximum second (frz.) Maximales Atemsekundenvolumen (FEVi)
DF = Diffusionsfaktor (Diffusionskapazität, D) Gasstrom in ml/min, der
bei einem Unterschied des Partialdrucks von 1 Torr von den Alveolen in
das Blut übergeht (engl.: diffusing capacity; frz.: capacity de diffusion)
dF/dt Differentialquotient. Differentialableitung 1. der Kraft (force)-ZeitBeziehung der Ventrikelmuskulatur und 2. der Fluß (flow)-Zeit-Beziehung in
der Aorta
57
DKSG
DFP = Druckfrequenzprodukt Produkt aus HF (Herzfrequenz) SBD (systolischer Blutdruck)/100
DFSS = discrete fibromuscular aortic stenosis Subvalvuläre fibromuskuläre Aortenstenose (Typ II nach Kelly). Die zum Formenkreis der IHSS (Idiopathische Hypertrophische Subaortenstenose) gehörende subvalvuläre
Aortenstenose in ihrer fibromuskulären Form (discrete fibromuscular subaortic stenosis) und die subvalvuläre Tunnelstenose (tunnel subaortic stenosis) ohne zusätzliche valvuläre Aortenstenose sind klinisch kaum von
der ->■ IHSS zu unterscheiden, vor allem, wenn sie zusätzlich mit einer
asymmetrischen Septumhypertrophie oder einer diffusen Hypertrophie
der linksventrikulären Muskulatur in Form der IHSS kombiniert sind. Beide
Formen wurden zwar voneinander abgegrenzt, gleichzeitig aber dem Formenkreis der IHSS zugeordnet
DGSS = Darier-Groenblad-Stranberg-Syndrom Seltene, ätiologisch und
pathogenetisch weitgehend ungeklärte autosomal-rezessiv hereditäre Systemerkrankung des Bindegewebes. Das Syndrom ist charakterisiert
durch die typische Trias: 1. an der Haut: Pseudoxanthoma elasticum (PXE),
2. am Augenhintergrund: „angioid streaks“ und 3. am kardiovaskulären System: Elastorrhexis. Die morphologisch vorwiegend als Elastorrhexis erfaßbare Erkrankung kann diese drei Organsysteme einzeln oder in beliebiger Kombination befallen (engl.: Groenblad-Strandberg syndrome)
D/H-Index Bei diesem Index wird das Verhältnis der diastolischen Füllungswellenamplitude (D) zur totalen Höhe des Apexkardiogramms (OE)
angegeben. Der Index korreliert mit dem linksventrikulären enddiastolischen Druck bei der koronaren Herzerkrankung während simultaner invasiver Messung. Normwert: 23% ± 4,3
DIN 13 401 Um eine Standardisierung der EKG-Ableitungstechnik zu erreichen, wurden von Normenausschüssen in Zusammenarbeit mit Kardiologen bestimmte Mindestqualitätsanforderungen an die Elektrokardiographen aufgestellt, die im wesentlichen in der Bundesrepublik Deutschland
durch das Normblatt 13 401 wiedergegeben werden. Für die USA gelten
diesbezügliche Empfehlungen der AHA (American Heart Association)
DIP = desquamative interstitial pneumonia Desquamative interstitielle
Pneumonie. Von der von Liebow und Gaenssler beschriebenen usual interstitial pneumonie (UIP), die auch unter folgenden Synonyma bekannt ist:
diffuse, idiopathische, interstitielle Lungenfibrose, Hamman-RichSyndrom und fibrosing alveolitis, muß die von denselben Autoren 1965 beschriebene, desquamative interstitielle Pneumonie abgegrenzt werden.
Nach Ansicht einiger Autoren handelt es sich bei der DIP nicht um eine
selbständige Krankheit, sondern um ein Frühstadium der chronischen interstitiellen Lungenfibrose
DKSG = diastolische Klappenschlußgeschwindigkeit Von einigen
deutschsprachigen Autoren verwendete Abkürzung (engl.: EF-slope)
d-loop
58
d-loop d-Transposition. Man spricht von einer d-Transposition oder d-TGA,
wenn bei der Transposition der großen Arterien die primitive Herzschleife
nach rechts (d = dexter) gewandt ist. Ist sie nach links (laevus) gerichtet,
so spricht man von einer I-Transposition oder l-loop. Diese ist meist hämodynamisch korrigiert. Die einfache d-Transposition der großen Arterien
kann mit einem linken oder seltener einem rechten Aortenbogen (Arcus
aortae dexter) vorkommen; dieses dann fast immer mit Ventrikelseptumdefekt und Pulmonalstenose. Siehe auch: -> TGA
DMSS = discrete fixed membranous subaortic stenosis Subvalvuläre
membranose Aortenstenose. Synonyme Bezeichnungen: Subaortenstenose, Ringleistenstenose, Konusstenose der Aorta. Eine Form der linksventrikulären Ausflußbahnobstruktion wird durch die subvalvuläre Aortenstenose (discrete fixed subaortic stenosis) gebildet: hier springt direkt unterhalb des Aortenklappenringes eine fibröse Endokardleiste oder Membran
(discrete membranous subaortic stenosis, Typ I nach Kelly) oder etwas tiefer ein fibromuskulärer Wulst (discrete fibromuscular subaortic stenosis,
Typ II nach Kelly) zirkulär oder halbkreisförmig in die Ausflußbahn des linken Ventrikels vor oder schnürt diesen ringförmig ein. Da sich diese Leiste
oder Membran bis an den Ansatz des anterioren Mitralsegels erstrecken
kann, wird ätiologisch eine versprengte Basis des aortalen Mitralsegels
diskutiert. Eine Mitralinsuffizienz ist daher die häufigste Begleiterscheinung. Nicht selten wird darüber hinaus eine Aorteninsuffizienz leichteren
Grades festgestellt, die sich infolge einer bakteriellen Endokarditis jedoch
wesentlich verstärken kann.
Da die diaphragma-ähnliche, membranose Stenose unmittelbar der Aortenklappe mit strukturell normalem linksventrikulärem Ausflußtrakt (Typ I
nach Kelly) in der klinischen Symptomatik schwer von der Aortenklappenstenose zu unterscheiden ist, andererseits die klinische Abgrenzung der fibromuskulären Form mit der tiefer gelegenen, meist langstreckigen fixierten Obstruktion des linksventrikulären Ausflußtraktes (Typ II) von der dynamischen, funktionell-obstruktiven Erkrankung des linksventrikulären
Myokards in Form der asymmetrischen Septumhypertrophie (ASH) bzw.
der idiopathischen hypertrophischen Subaortenstenose (IHSS) oftmals
kaum möglich ist, zumal in Einzelfällen auch eine Kombination von subvalvulärer Aortenstenose mit IHSS vorkommt, wird nach internationaler Übereinkunft die fibromuskuläre Form der subvalvulären Aortenstenose dem
Formenkreis der IHSS bzw. der primären hypertrophischen obstruktiven
Kardiomyopathie (HOCM) zugeordent. Siehe auch: -+ IHSS, -> ASH
DOE = dyspnea on exertion Belastungsdyspnoe
DOLV = double outlet left ventricle Ursprung der beiden großen Arterien
aus dem linken Ventrikel. Fehlt ein subaortaler oder ein subpulmonaler Konus weitgehend oder vollständig oder besteht nur ein kurzer, stenosierender subpulmonaler Konus, so liegen Aorten- und Pulmonalostium an der
Herzbasis mehr dorsal und stehen in direkter Verbindung mit dem Mitralostium; beide großen Arterien entspringen damit überwiegend aus dem anatomisch linken Ventrikel (double outlet left ventricle). Der Ursprung der
59
dp/dtmax
Pulmonalis liegt dabei meist links neben oder hinter der Aorta und in der
Mehrzahl der Fälle läßt sich eine Pulmonalstenose nachweisen. Der rechte
Ventrikel steht in der Regel über einen Ventrikelseptumdefekt mit den großen Gefäßen in Verbindung
DORV = double outlet right ventricle Ursprung der beiden großen Arterien
aus dem rechten Ventrikel. Bei dieser Fehlbildung entspringen die Aorta
und die Pulmonalarterie ausschließlich oder überwiegend, d. h. eines der
beiden großen Gefäße mit mehr als der Hälfte seiner Klappenöffnung und
das zweite Gefäß vollständig, aus dem rechten Ventrikel. Damit wird auch
der sog. Taussig-Bing-Komplex mit einer über dem Ventrikelseptum überreitenden Pulmonalarterie und Ursprung der Aorta aus dem rechten Ventrikel als DORV Typ II mit in diesen Fehlbildungskomplex einbezogen. Bei Ursprung beider großer Arterien ausschließlich aus dem rechten Ventrikel
hat der linke Ventrikel nur den Ventrikelseptumdefekt als Auslaß
DP = diastolic pressure Diastolischer Blutdruck. Diese Abkürzung wird
immer seltener verwendet; bevorzugt wird jetzt BPd (BP = blood pressure),
gelegentlich auch RRd (RR = Riva-Rocci)
dp/dt Symbol für den Differentialquotienten der Druckänderung nach der
Zeit, d. h. für die Druckänderungsgeschwindigkeit bei nichtlinearer Funktion. In Analogie zur Mechanik des isometrisch kontrahierenden isolierten
Papillarmuskels wurden aus der isovolumetrischen Kontraktionsphase
der mit Kathetertipmanometer registrierten linksventrikulären Druckkurve
verschiedene Geschwindigkeitsindizes abgleitet. Obwohl keine dieser
Meßgrößen wegen mehrerer methodischer Begrenzungen und Annahmen
Anspruch erheben kann, die eigentliche basale Kontraktilität des Herzmuskels direkt quantitativ wiedergeben zu können, hat sich ihre Verwendung aufgrund reiner Empirie doch als nützlich erwiesen, um Patienten mit
ungenügender Myokardfunktion von solchen mit guter Funktion unterscheiden zu können.
Unter den linksventrikulären isovolumetrischen Geschwindigkeitsindizes
ist die maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit (dp/dtmax) die am einfachsten zu bestimmende Größe. Sie ist nicht nur vom kontraktilen Myokardzustand abhängig, sondern wird zudem von der Vorbelastung und der Muskelmasse des Ventrikels beeinflußt. Außerdem ist zu beachten, daß
dp/dtmax unterschätzt wird, wenn sie in die Austreibungsphase fällt, wie z.
B. bei tiefem diastolischem Aortendruck. Im Gegensatz zu dp/dtmax ist der
Quotient dp/dtmax/P (Quotient aus dp/dtmax) und linksventrikulärem Druck
am Punkte von dp/dtmax) vom Ausmaß der Vorbelastung weitgehend unabhängig, erwies sich aber auch als wenig sensitiv bei der Erfassung inotroper Veränderungen
dp/dtLv Druckanstiegsgeschwindigkeit im linken Ventrikel
dp/dtmax Maximale systolische Druckanstiegsgeschwindigkeit des linken
Ventrikels. Normwert: >1350 mm Hg/sec. Diese für die Kontraktilität des
Herzmuskels wichtige Parameter ist mit der -* SUT (r = -0,81) und mit
X
dp/dtmin
60
der -> TIVC (r = - 0,78) korreliert, wobei niedrige Werte für TIVC (true isovolumic contraction time, wahre isovolumetrische Kontraktionszeit) und
SUT (systolic upstroke time, systolische Aufstrichzeit) auf den hohen kontraktilen Status hinweisen. Es wurde für dp/dtmax folgende Regressionsgleichung aufgestellt:
dp/dtmax = 3607,1 — 17,86 x SUT
dp/dtmin Maß der maximalen Erschlaffungsgeschwindigkeit im linken Ventrikel
dp/dv Symbol für Volumenelastizitätskoeffizient
DPTI = diastolic pressure time index Diastolisches Druckdifferenzzeitintegral. Größe zur Abschätzung der Koronardurchblutung
DPTI/PTM = diastolic pressure time index/pressure time per minute Quotient aus diastolischem Druck-Zeit-Index und dem systolischen Druck-ZeitIndex. Bevorzugt wird die Schreibweise: -> DPTI/TTI
DPTI/TTI ratio =; diastolic pressure time index/tension time index Quotient
aus diastolischem und systolischem Druck-Zeit-Index. Der diastolische
Druck-Zeit-Index (DPTI) wird als Produkt von diastolischem Mitteldruck minus dem linken Vorhofdruck multipliziert mit der Diastolendauer berechnet. Da der subendokardiale Koronarfluß zu über 80% auf die Diastole beschränkt ist, kann der DPTI als Äquivalent für das myokardiale O2-Angebot
angesehen werden. Der systolische Druck-Zeit-Index (TTI oder STTI) ist
das Flächenintegral unter dem systolischen Abschnitt der Druckkurve und
entspricht dem myokardialen O2-Bedarf. Die subendokardiale O2-Bilanz
gibt der Quotient DPTI/TTI wieder. Er fällt bei myogener Insuffizienz infolge subendokardialer Ischämie unter 0,7
Ds = diametre telediastolique (frz.) Endsystolischer Durchmesser
DSA = Digitale Subtraktionsangiographie Die digitale Subtraktionsangiographie ist eine neue Anwendungsform der intravenösen Kontrastmittelinjektion für die Darstellung arterieller Gefäße und Weiterentwicklung der
konventionellen Subtraktionstechnik.
Bei der konventionellen Subtraktionstechnik findet die Weiterverarbeitung
der Filmbilder erst in einem zweiten Arbeitsgang nach der Patientenuntersuchung statt. Das Bildergebnis ist also erst zu einem späteren Zeitpunkt
beurteilbar. Mit der digitalen Subtraktionstechnik können diese Nachteile
weitgehend vermieden werden. Eine Grundlage dieser Methode ist die digitale Röntgenbildverarbeitung vor dem elektronischen Subtraktionsvorgang; sie setzt den Einsatz von Computern voraus. Die andere Grundlage
ist die photographische Subtraktionsangiographie. Das analoge
Bildverstärker-Videosignal der Röntgenfernsehkette wurde digitalisiert
und elektronisch subtrahiert. Damit können selbst kleinste Kontrastdichte-Unterschiede sichtbar gemacht werden, was eine routinemäßige Anwendung der Intravenösen Kontrastmittel-Applikation auch zur
61
d-TGA (D-TGA)
Darstellung peripherer arterieller Gefäße erlaubt. Die „intravenöse Arteriographie“ wurde zwar schon früher durchgeführt, die Darstellungsmöglichkeiten waren trotz Verwendung großer Kontrastmittelmengen wegen der
Durchmischungsvorgänge auf die großen herznahen Gefäße beschränkt
DSAS = discrete subaortic Stenosis Subvalvuläre Aortenstenose
dS/dt Diffusionsrate pro Zeiteinheit
DSR = Dynamic Spatial Reconstructor Im konventionellen ComputerTomogramm (CT) lassen sich die relativ stationären Organe wie das Gehirn gut darstellen. Für die Wiedergabe von Bewegungen im Körperinneren (Herzschlag, Ausdehnung und Kontraktion der Lunge) ist das Gerät zu langsam. Dieser Mangel wird durch eine high-speed-Variante des
konventionellen Tomographen, den Dynamic Spatial Reconstructor/DSR)
behoben: mit Hilfe von 28 Strahlungsquellen, die innerhalb von 0,016 see
(16 Millisekunden) eine Querschnittsdarstellung sichtbar machen.
Die Strahlungsquellen, mit deren Hilfe die Dichteverhältnisse im Körperinneren bestimmt und zur Auswertung an den Computer weitergegeben werden, lassen sich durch Mikroprozessoren steuern. Diese Technik erlaubt
es, das Gerät individuell und organspezifisch zu programmieren. Sie erfüllt
auch die Bedingungen, die von der Mayo-Klinik für die adäquate Wiedergabe innerer Organe gestellt werden: 28 Strahlungsquellen als Minimum, um
die gewünschte Auflösung von 1 mm zu erreichen, und eine Aufnahmedauer von 16 Millisekunden, die erforderlich ist, um sich verändernde Organe
hinreichend genau in ihrer Veränderung zu erfassen. Der Computer kann
außerdem so programmiert werden, daß er ein dreidimensionales Bild gibt.
Die dargestellte Bewegung läßt sich überdies stoppen, die mögliche Änderung des Blickwinkels und die Abgrenzung eines bestimmten Untersuchungsfeldes erlauben, eine Herzklappe zu studieren. Außerdem sind Informationen über die Ausdehnung des Muskelschadens nach einer Herzattacke, die Struktur kongenitaler Herzfehler und die Stenosierung von Arterien zu erwarten
d-TGA (D-TGA) = d-Transposition der großen Arterien Die Einteilung des
Fehlbildungskomplexes der Trikuspidalatresie nach dem Ursprung der
großen Gefäße und dem Ausmaß der Lungenperfusion wurde durch Differenzierung der Transpositionsstellung der großen Arterien in eine d- und IStellung erweitert, wobei einmal die Aorta vorne rechts vor der Pulmonalarterie (d-TGA, Typ II) und einmal vorne links vor der Pulmonalarterie
(l-TGA, Typ III) entspringt. Bei der Gruppe mit l-TGA werden eine Form mit
subpulmonaler Stenose (Typ Illa) und eine Form mit subaortaler Stenose
(Typ lllb) unterschieden. 1974 wurde diese ursprüngliche Einteilung ergänzt. Unterteilt werden die Formen mit Transpositionsstellung der großen Gefäße (Typ II) je nach Vorliegen eines singulären subaortalen oder
subpulmonalen Konus (Typ IIA) und einer d-TGA bzw. l-TGA oder eines
doppelten Konus (Typ IIB) in weitere Untergruppen; die Kombination einer
Trikuspidalatresie mit einem Truncus arteriosus communis persistens
wird als Typ III bezeichnet. Siehe auch: -» d-loop
DTI
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DTI = diastolic time intervals Diastolische Zeitintervalle (DZI). DTI-Werte
können durch die gleichzeitige Registrierung von EKG, PKG und AKG
und/oder durch Echokardiographie nicht invasiv bestimmt werden. Die folgenden DTI-Werte können aus den Aufzeichnungen erhalten werden: Isovolumetrische Relaxationszeit (IRT oder IVR), Periode der schnellen Füllung (RFP = rapid filling phase) und die Periode der langsamen Füllung
(SFR = slow filling phase).
Die IRI (oder auch abgekürzt: IVR) kann durch Messung der Zeit von der
aortalen Komponente des 2. Herztons bis zum Nullpunkt des Apexkardiogramms bestimmt werden. Alternativ erhält man die IRT auch durch Messung von der aortalen Komponente des 2. Herztons bis zum Beginn der
schnellen Vorwärtsbewegung des vorderen Mitralsegels (D’-Punkt) im
Echokardiogramm.
Die RFP wird durch die schnelle Füllungswelle im AKG (RFW) repräsentiert. RFP ist das Intervall vom Nullpunkt des AKG bis zum Maximum der
RFW (rapid filling wave). SFP ist das Intervall zwischen dem Peak der RFW
bis zu dem Beginn der a-Welle des AKG; ihr entspricht die SFW (slow filling
wave) im AKG
DVI = Digital Vascular Imaging Die digitale Subtraktionsangiographie (-*
DSA) mit Hilfe des DVI (= digitale Gefäßabbildung) ist eine neuartige Methode zur Darstellung und sofortigen Darbietung von angiographischen
Bildserien mit der Möglichkeit zu hoher Kontrastverstärkung, so daß eine
Arteriographie bei intravenöser Kontrastmittelinjektion ermöglicht wird.
Zur Erreichung dieses Zieles werden Subtraktionen und Additionen von
Bildern angiographischer Serien angefertigt. Um die notwendige hohe Genauigkeit und kurzzeitige Ausführung dieser Subtraktionsserien zu ermöglichen, werden die einzelnen Bilder jeder Serie zunächst in eine digitale
Darstellung gebracht. Eine besondere Art der periodischen Nachsubtraktion, die man als TID-Methode (time interval difference) bezeichnet, ermöglicht eine Verdeutlichung vor allem der Füllungs- und Auswurfphasen der
Herzkammer. Dabei wird zwischen Bildern der Serien ein fester zeitlicher
Abstand gewählt und jeweils das in diesem Abstand vorausgehende Bild
als Maske subtrahiert. Als Serie ist die Subtraktionsserie des kontinuierlichen Modus anzusehen. Besonders wirksam ist die TIB-Methode, wenn
man den zeitlichen Abstand im Herzrhythmus wählt, so daß gleiche Herzphasen, aber unterschiedliche Füllungszustände subtrahiert werden. Kleine zeitliche Abstände hingegen verdeutlichen die Bewegung der Herzwand.
Die digitale Subtraktionsangiographie mit dem DVI-System erweitert das
Indikationsspektrum der Angiographie. Anwendungsmöglichkeiten sind
bereits heute die Halsarterien, die Nierenarterien, die Lungengefäße, die
Herzventrikel, periphere Gefäße sowie postoperative Kontrollen und Untersuchung von Risikopatienten
DZ = Druckanstiegszeit Anspannungszeit minus Umformzeit. Normalwerte: Männer 38,10 msec, Frauen 39,9 msec. Anstieg bei Abnahme der linksventrikulären Kontraktilität (Druckanstiegsgeschwindigkeit der linken
Kammer) und bei Erhöhung des diastolischen Blutdruckes
63
ECC
E = Elastance Maß des elastischen Widerstands von Lunge und Thorax.
Transpulmonale Druckdifferenz dividiert durch Volumenänderung, d. h.
Druck pro Einheit Volumenänderung. Reziprokwert der Compliance. Dimension: cmHaOL-1
EABF = efferent arteriole blood flow Efferenter Blutstrom (-fluß) in den Arteriolen
EAG = Elektroatriogramm Innerhalb des EKG wird der Vorhofteil (Elektroatriogramm) vom Kammerteil (Elektroventrikulogramm, EVG) unterschieden. Der Vorhofteil umfaßt den Abschnitt zwischen P-Beginn und Q- bzw.
R-Anfang, der Kammerteil den folgenden Abschnitt bis zum Ende von T
bzw. U. Die sehr geringen Aktionspotentiale des Sinus- und des AVKnotens kommen in den üblichen Ableitungen der Erregungsausbreitung
in beiden Vorhöfen vor. P ist im allgemeinen positiv, kann jedoch in Ableitung III negativ, d. h. nach unten gerichtet, oder wechselseitig sein. Der erste P-Anteil ist Ausdruck der Erregung des rechten, der zweite Anteil vorwiegend Ausdruck der Erregung des linken Vorhofs. Das Intervall zwischen Erregungsbeginn von Vorhöfen und Kammern, entsprechend dem
Abstand von P-Beginn bis Q-(oder R-)Anfang, wird als PQ-(oöerPR-)Dauer
(PQ- oder PR-Zeit oder A V-Intervall) bezeichnet. Die PQ-Strecke dauert von
P-Ende bis Q-Beginn (bei fehlendem Q auch als PR-Strecke bezeichnet).
EART = early apexcardiographic relaxation time Frühe apexkardiographische Erschlaffungszeit. Die EART reicht vom aortalen Anteil des 2. Herztons bis zum negativen Gipfel der 1. Ableitung des Apexkardiogramms.
Normwert: 3 ± 12 msec. Der Relaxationsindex dP/dtmjn (= maximale
Druckabfallgeschwindigkeit im linken Ventrikel) korreliert mit einem r =
- 0,93 mit dP/dtmax und mit einem r = - 0,87 bzw. r = - 0,84 mit der EART
und der -> TART (= total apexcardiographic relaxation time, totale apexkardiographische Relaxationszeit)
EB = ectopic beat Extrasystole (ES). Siehe: -» ES
EBF = estimated blood flow Geschätzte Durchblutung
ECC = emergency cardiac care Kardiale Reanimation, kardiale Intensivpflege
ECC = extracorporeal circulation Extrakorporaler Kreislauf. Blutstromumleitung außerhalb des Körpers zur temporären Ausschaltung des Herzens
ECF
64
oder eines Gefäßabschnitts bei operativen Eingriffen, entweder als pumpenloser arterio-arterieller Shunt nach Ausklemmen des erkrankten Abschnitts, oder als veno-arterielle Umleitung des Gesamtkreislaufs mittels
Herzlungenmaschine
ECF = extracellular fluid Extrazelluläre Flüssigkeit. Die extrazelluläre
Flüssigkeit besteht aus der interstitiellen Flüssigkeit und dem Blutplasma. Änderungen ihres Volumens können deshalb zu Veränderungen des
Blutvolumens und damit zur Umstellung der Kreislaufregulation führen.
Bestimmung des extrazellulären Flüssigkeitsvolumens: Zur Messung des
extrazellulären Flüssigkeitsvolumens (ECF) eignet sich besonders Inulin.
Da Inulin ausschließlich und schnell durch die Nieren ausgeschieden wird,
führt man es durch konstante intravenöse Dauerinfusion zu, bis das Verteilungsgleichgewicht erreicht wird. Dann nimmt man eine Blutprobe zur Analyse ab, spült das Inulin aus der Harnblase und bricht die Infusion ab. In
den folgenden Stunden sammelt man den ausgeschiedenen Harn und bestimmt die in ihm enthaltene Inulin-Menge. Außer Inulin werden auch Thiosulfat, Thiocyanat, Mannit und markiertes Sulfat sowie markierte ChlorIsotope verwendet.
EFCV(EFC-volüme) = EFC-Volumen Extrazellulär-Flüssigkeitsvolumen
ECG = electrocardiogram Elektrokardiogramm (EKG). Siehe: -> EKG
ECG body surface mapping Elektro-Karto-Kardiographie (EKKG). Die Ableitung der Potentiale, die bei der Herzaktion entstehen, mittels zahlreicher
Elektroden von der vorderen und auch hinteren Brustwand, geht in
Deutschland auf Franz Kienle (1911 - 1983) zurück (1955), der über die Aufzeichnung der zwischen den einzelnen Ableitungspunkten auftretenden
Gradienten ein „elektrisches Herzporträt“ gewann. Durch elektronische
Auswertung erhält man elektrische Feldkarten, die für den gewählten Zeitpunkt der Herztätigkeit eine Abbildung des Feldes der PotentialgradientVektoren auf der Körperoberfläche wiedergeben. Abweichungen gegenüber „Normal“-Feldern geben diagnostische Hinweise
ECG-gated (cardiac) blood pool imaging (scanning) = EKG-gesteuerte
Szintigraphie der Herzinnenräume Dem Kardiologen stehen in zunehmendem Maße verschiedene Methoden zur Beurteilung der regionalen Myokarddurchblutung und der Ventrikelfunktionen zur Verfügung. Darunter
gibt es Techniken, bei denen radioaktive Substanzen und Szintillationskameras verwendet werden: 1. koronare Perfusionsszintigraphie mit radioaktiv markierten Partikeln, 2. Bestimmung der regionalen Myokarddurchblutung mittels Auswaschung von Edelgasen, 3. Radionuklidangiographie,
4. EKG-gesteuerte Szintigraphie der Herzinnenräume, 5. Darstellung akut infarzierter Gebiete mittels radioaktiv markierter Phosphatverbindungen und
6. Myokardszintigraphie mit Substanzen wie Thallium-201. Die Mehrzahl
dieser Methoden sind nicht invasiv, da die radioaktiven Substanzen intravenös verabreicht'werden. Somit können diese einfachen Untersuchungen
in jedem Stadium der koronaren Herzerkrankung durchgeführt und so oft
65
ED
wie notwendig wiederholt werden. In der nuklearkardiologischen Literatur
findet man auch die Abkürzung: ECG-GBPS (gated blood pool scanning)
ECG syndromes EKG-Syndrome. Bezeichnung für Krankheitsbilder, die
nach ihren charakteristischen Zeichen im EKG klassifiziert werden. Das
sind zum einen die Präexzitations-Syndrome, genauer gesagt das WoiffParkinson-White(WPW)-Syndrom und das Lown-Ganong-Levine(LGL)Syndrom, zum anderen das Syndrom der verlängerten QT-Zeit. Von
Präexzitation spricht man, wenn die Erregungen ganz oder teilweise über
akzessorische AV-Bahnen geleitet werden und dadurch das ganze oder
Teile des Ventrikelmyokards vorzeitig erregt werden. Man findet dabei
anomale Bündel: Kent-, Mahaim- und James-Bündel. Zu den Syndromen mit verlängerter QT-Zeit gehört das QT-syndrome mit der Trias von angeborener Taubheit oder Innenohrschwerhörigkeit, verlängertem QT und
synkopalen Anfällen. Ist die Trias komplett, spricht man vom JervellLange-Nielsen-Syndrom; es hat einen autosomal-rezessiven Erbgang. Bei
einem verlängerten QT spricht man vom Romano-Ward-Syndrom, das mit
unterschiedlicher Penetranz autosomal dominant vererbt wird
ECMO = extracorporeal membrane oxygenation Extrakorporale Membranoxygenation. Die akute respiratorische Insuffizienz (ARF = acute respiratory insufficiency) als häufig lebensbedrohliches Krankheitsbild ist mit
der Entwicklung dieser Beatmungsmethode behandlungsfähig geworden.
Die Pathophysiologie der akuten respiratorischen Insuffizienz ist gekennzeichnet durch eine zunehmende alveolar-arterielle Sauerstoffdifferenz,
Gasverteilungsstörungen im Sinne einer Totraumvergrößerung, Zunahme
der intrapulmonalen Shuntfraktion, Abfall der Lungen-Compliance und der
funktionellen Residualkapazität (FRC), vor allem aber durch Störungen
des Ventilations-Perfusionsverhältnisses. Mit der Membranoxygenation
kann die Lunge die gegenüber konservativer Therapie resistente Gasaustauschstörung überwinden. Dazu tragen bei die Versorgung der Lunge
selbst mit gut oxygeniertem Blut, die Senkung des Lungenperfusionsdrucks, die Senkung gefährlicher hoher Beamtungsdrucke, die Senkung
der inspiratorischen Sauerstoff-Fraktion aus dem toxischen Bereich und
die Erleichterung einer Zusatztherapie der Lunge (frz.: /’assistance respiratoire par circulation extracorporelle avec poumon artificiel aux membran)
ED = Erhaltungsdosis Die Erhaltungsdosis ist diejenige kleinste Glykosidmenge, welche täglich parenteral oder als resorbierter Anteil eines oral
gegebenen Glykosids zugeführt werden muß, um eine bestimmte Wirkdosishöhe aufrecht zu erhalten. Die ED ersetzt den innerhalb von 24 Stunden
durch Abbau und Ausscheidung des Glykosids entstandenen Wirkungsverlust. Sie ist kein konstanter Wert in Milligramm, sondern ein der Abklingquote des jeweiligen Glykosids entsprechender Prozentsatz derjenigen Wirkdosis, welche beizubehalten gewünscht wird. So beträgt die ED
zur Erhaltung einer Vollwirkdosis von 1,75 mg bei einer entsprechenden
Abklingquote des verwendeten Glykosids von z. B. 20% 0,35 mg; zur Erhaltung einer
WD von z. B. 80% der -> VWD des gleichen Glykosids wiederum 20% (von 1,4 mg) = 0,28 mg (engl.: daily maintenance dose)
EDD
66
EDD = end-diastolic diameter Enddiastolischer (Innen-)Durchmesser.
Zahlreiche Autoren verwenden diese Abkürzung neuerdings synonym mit
-+ LVEDD(= left ventricular end-diastolic diameter, linksventrikulärer enddiastolischer Durchmesser). Der Durchmesser des rechten Ventrikels wird
am Ende der Ventrikeldiastole (-» RVEDD = right ventricular end-diastolic
diameter) bestimmt, wo im dahinterliegenden Ventrikel die Mitralsegel in
die Sehnenfadenregion übergehen. Der Normalwert des rechtsventrikulären Durchmessers von maximal 20 mm wird bei Krankheitsbildern mit
Druck- oder Volumenbelastung im kleinen Kreislauf überschritten. Die
Durchmesser des linken Ventrikels werden ebenfalls an der Stelle bestimmt, an der die Mitralsegel in die Sehnenfadenregion übergehen. An
dieser Stelle entspricht der echokardiographisch, gemessene Durchmesser am besten der angiokardiographisch bestimmten kleinen Halbachse
des linken Ventrikels. Die Ausmessung des enddiastolischen Durchmessers wird von vielen Autoren zum Zeitpunkt des Maximums der R-Zacke im
simultan aufgezeichneten EKG durchgeführt. Nach Empfehlungen des
Standardisierungskomitees der Amerikanischen Gesellschaft für Echokardiographie sollte der enddiastolische linksventrikuläre Durchmesser zu
Beginn des QRS-Komplexes im EKG ausgemessen werden, da sich dieser
Zeitpunkt unabhängig vom Vorliegen von intraventrikulären Erregungsausbreitungsstörungen am besten definieren läßt. Obwohl der Beginn der
Kammererregung im EKG nicht zwangsläufig mit dem Ende der mechanischen Diastole zusammenfällt, muß aus praktischen Erwägungen heraus
das EKG als Bezugspunkt gewählt werden. Siehe auch: -► ESD = endsystolic diameter und -> LVESD = left ventricular end-systolic diameter
EDP = end-diastolic pressure Enddiastolischer linksventrikulärer Druck.
Von zahlreichen Autoren wird die Schreibweise -► LVEDP (left ventricular
end-diastolic pressure) bevorzugt. Gelegentlich findet man die Schreibweise: EDPl v
EDPAP = end-diastolic pulmonary artery pressure Enddiastolischer Pulmonalarteriendruck
EDTA = European Dialysis and Transplant Association
EDV = end-diastolic volume Enddiastolisches Volumen des linken oder
rechten Ventrikels in ml. Von den meisten Autoren wird diese Abkürzung
zur Benennung des linksventrikulären Volumens verwendet; in älterer Literatur findet man die Schreibweise EDVLv- EDV ist das größte Ventrikelvolumen am Ende der Diastole oder anders definiert: das Ventrikelvolumen bei
Beginn der Kammerdepolarisierung (QRS-Komplex).
Am Ende der Diastole erreichen die beiden Ventrikel ihr größtes Volumen.
Das angiographisch gemessene EDV des linken Ventrikels beträgt beim
Menschen durchschnittlich 70 ± 20 ml/m2 Körperoberfläche. Das EDV des
rechten Ventrikels läßt sich beim lebenden Menschen angiokardiographisch nicht so exakt bestimmen, da der rechte Ventrikel keinem definierbaren geometrischen Körper ähnelt.
Das größtmögliche EDV wird im Ruhezustand in liegender Körperposition
67
EF
erreicht. Der Übergang in stehende oder sitzende Körperposition führt zu
einer Abnahme des EDV. Während der Austreibungsperiode der Systole
führt die Verkürzung der Herzmuskelfasern zum Auswurf des Schlagvolumens (-> SV). Es beträgt 45 - 55 ml/m2 Körperoberfläche. Das am Ende der
Systole in den Ventrikeln verbleibende Blut wird als endsystolisches Volumen (-* ESV) bezeichnet, es stellt das Restblut der Ventrikel dar. Zwischen
EDV, SV und ESV besteht beim gesunden Herzen eine durchschnittliche
Beziehung. Durchschnittlich werden 67% des EDV während der Systole
als Schlagvolumen ausgeworfen. Der Normbereich liegt bei Verwendung
eines angiokardiographisch gemessenen EDV zwischen 60 und 75%. Dieses Verhältnis SV/EDV wird als ejection fraction (-> EF), Auswurf- oder
Ejektionsfraktion, bezeichnet.
Von den nicht invasiven Methoden ist für die Bestimmung des EDV die
Echokardiographie als am besten geeignet anzusehen
EDV/BSA = end-diastolic volume/body surface area Enddiastolisches Volumen in ml/Körperoberfläche in m2
EDVI = end-diastolic volume index Enddiastolischer Volumenindex ml/m2
E-E’ In der Echokardiographie Bezeichnung für die maximale frühdiastolische Mitralklappenseparation. Es ist der senkrechte Abstand zwischen
dem Punkt „E“ des vorderen und dem Punkt ,,E’“ des hinteren Mitralsegels,
der ein Maß für die Klappenöffnung darstellt. Normwert: >20 mm
EEV = encircling endocardial ventriculotomy Elektrische Isolation des
Herzens. Gegen schwere, chronisch-rezidivierende ventrikuläre Tachykardien sind Antiarrhythmika oft nicht ausreichend wirksam. In diesen prognostisch besonders ungünstigen Fällen wird immer häufiger operiert. Besonders die EEV führt zu guten Ergebnissen. Hierbei wird der verantwortliche Herd nicht entfernt, sondern mit einem tiefen zirkulären Schnitt durch
Endo- und Myokard lediglich elektrisch isoliert. Erregungen werden dann
von ihm aus nicht mehr weitergeleitet. Die ischämischen Bezirke, die eine
Tachykardie auslösen, sitzen vor allem im subendokardialen Myokard. Der
maximalen Ausdehnung dieses Defekts entspricht die Fibrose des Endokards; an deren Rand entlang muß man also in den Herzmuskel schneiden,
um den Herd einzukreisen
EF = ejection fraction Auswurffraktion, Ejektionsfraktion. Quotient aus
dem Schlagvolumen (SV = stroke volume) und dem enddiastolischen Ventrikelvolumen (EDV = end-diastolic volume), ausgedrückt in Prozent nach
Multiplikation mit 100. Der Quotient ist das Maß der Ventrikelentleerung.
Je größer dabei das Schlagvolumen im Verhältnis zum enddiastolischen
Volumen ist, desto größer ist der Quotient und desto besser ist die Ventrikelfunktion. Durch neuere Methoden ist es möglich, die prognostisch
wichtige Auswurffraktion auch nicht-invasiv, nuklearmedizinisch bzw. mit
digital-venöser Angiographie, mit guter Korrelation zu angiokardiographisch gewonnenen Werten zu berechnen. Die prognostische Bedeutung
von ventrikulären Arrhythmien ist ebenfalls davon abhängig, ob eine links-
X
E, F, A, B,C
68
ventrikuläre Funktionsstörung vorliegt. Abhängig vom Grad der ventrikulären Arrhythmie kann man durch die Auswurffraktion Risikopatienten bezüglich plötzlichen Herztod erkennen und diese Patienten einer elektrophysiologischen Untersuchung sowie einer antiarrhythmischen Therapie
zuführen. Normalwert in Ruhe: 66 ± 8% (frz.: fraction d’ejection, FE)
EDV — ESV
SV
EF =-------------------=---------- x 100 (%)
EDV
EDV
EDV = Enddiastolisches Ventrikelvolumen (ml), größtes Volumen des linken Ventrikels am Ende der Diastole
ESV = Endsystolisches Ventrikelvolumen (ml); Volumen des linken Ventrikels am Ende der Systole
SV = Schlagvolumen (ml); diejenige Blutmenge, die während einer Ventrikelkontraktion ausgeworfen wird (SV = EDV — ESV)
E, F, A, B, C In der Echokardiographie Kennzeichnung des Mitral- und Trikuspidalklappenechos
EFl v = left ventricular ejection fraction Linksventrikuläre AuswurfEjektionsfraktion. Seltener verwendete Abkürzung; gebräuchlicher ist EF
f
”
s
EFA = essential fatty acids Essentielle Fettsäuren (EFS)
EFF = effusion Auf echokardiographischen Bildern und in Bildlegenden
Kurzbezeichnung für einen Perikarderguß
EFP = effective filtration pressure Effektiver Filtrationsdruck. Als effektiven Filtrationsdruck bezeichnet man den Nettobetrag der treibenden Kraft
für die glomerulare Filtration. Er resultiert aus der hydrostatischen Druckdifferenz zwischen Kapillarlumen und Bowmannscher Kapsel, vermindert
um den mittleren kolloid-osmotischen Druck des glomerulären Kapillarblutes. Der effektive Filtrationsdruck bewirkt, daß in den arteriellen Abschnitten ca. 0,5% des durch die Kapillaren fließenden Plasmavolumens in den
interstitiellen Raum filtriert werden, von denen jedoch wegen des etwas
niedrigeren effektiven Reabsorptionsdrucks in den venösen Abschnitten
nur ca. 90% reabsorbiert und die restlichen 10% über die Lymphgefäße
aus dem interstitiellen Raum abtransportiert werden
EF-slope EF-Slope. Unter einem EF-Slope versteht man die Geschwindigkeit der frühdiastolischen Rückschlagbewegung des vorderen Mitralsegels im Gefolge des Rückgangs der frühdiastolischen schnellen Füllung
des linken Ventrikels. Durch Verbindung der Punkte E und F und Verlängerung dieser Linie kann deren Steilheit direkt anhand der in die Registrierung eingeblendeten Zeit- und Tiefenmarkierung bestimmt werden.
Die Messung erfolgt durch Verlängerung der Linie, die durch die Punkte E
und F geht. Diese bildet die Hypothenuse eines rechtwinkligen Dreiecks.
Die Gegenkathete wird von der eingeblendeten Tiefenkalibrierung und die
69
El
Antikathete vom eingeblendeten Zeitmaßstab (1 see) gebildet. Die Berechnung ergibt sich aus dem tg a, d. h. dem Verhältnis von Gegenkathete : Ankathete, wobei die Maßeinheit in mm/sec angegeben wird. Normwert: über
70 mm/sec
E-Fo-slope Gelegentlich wird ein zweizeitiges Bewegungsmuster der frühdiastolischen Rückschlagbewegung des vorderen Mitralsegels beobachtet. In diesen Fällen findet sich bei Patienten mit Sinusrhythmus meist eine kurze, relativ langsame E-F0-Bewegung, die von einem steileren Segment (Fo-F) gefolgt ist. Die genaue Ursache dieser zweizeitigen Bewegung
ist nicht klar. Zur Bestimmung des EF-Slopes wird von der überwiegenden
Anzahl der Autoren der steilere Anteil, d. h. der F0-Abschnitt gewertet, weil
bei dieser Bewegungskonstellation der E-F0-Abschnitt im wesentlichen
durch die Bewegung des Mitralringes und nicht durch die Rückschlagbewegung des Klappensegels selbst verursacht wird. Bei Patienten mit kombiniertem Mitralvitium, insbesondere nach Kommissurotomie und gleichzeitig bestehendem Vorhofflimmern wird häufig ein umgekehrtes Bewegungsmuster, nämlich ein steilerer E-F0-Abschnitt beobachtet, dem ein flacherer Fo-Anteil folgt
e-f-slope (ef-slope) Geschwindigkeit der diastolischen Dorsalbewegung
der hinteren Pulmonalklappentasche, gemessen vom Punkt „e“ zum Zeitpunkt der frühen Diastole bis zum Punkt „f“, der unmittelbar vor der Vorhofkontraktion liegt. Normwert: 36,9 — 25,4 mm (Bereich: 6-15 mm). Die
diastolische Bewegung der geschlossenen Pulmonalklappen (e-f-Slope),
die parallel zur Bewegung der Pulmonalarterienwand verläuft, ist bei Patienten mit pulmonaler Hypertension meist vermindert, häufig verläuft sie
parallel zur vorderen Thoraxwand, in einigen Fällen wird ein negativer efSlope, d. h. eine diastolisch leicht nach vorn gerichtete Bewegung der Pulmonalklappen beobachtet. (Zur Kennzeichnung des Bewegungsablaufs
der normalen Pulmonalklappe wird die von Weyman et al. (1974) vorgeschlagenen Bezeichnung mit den Kleinbuchstaben a-f verwendet, die
sich an die Benennung des Mitralklappenbewegungsmusters anlehnt.
Während der Diastole verläuft das Pulmonalklappenecho als feiner Strich
in der Mitte des Gefäßes, e-f-Abschnitt, und ähnelt damit demjenigen der
geschlossenen Aortenklappe
EH = enlarged heart Herzvergrößerung
EHR = evoked heart rate response Audiometrische Herzfrequenzänderung. Impendanzmessung mit ERA (= evoked response audiometry) ist eine objektivierende audiologische Untersuchungsmethode
El = eccentricity index Exzentrizitätsindex. Einer quantitativen Auswertung des Aortenwurzelechos zugänglicher Parameter. Der Index wird ermittelt: El = Halbe Weite des Aortenlumens / Minimalabstand der diastolischen Segelechos zur näher gelegenen Wand (El = 0,5 internal aortic diameter / minimum distance between either aortic cusp and the closest aortic wall). Der Exzentrizitätsindex sollte stets bei asymmetrischer Lage des
EICT
70
diastolischen Aortentaschenechos errechnet werden, um eine Aussage
über das mögliche Vorliegen einer bikuspidal angelegten Klappe (bicuspid
aortic valve) machen zu können. Bei der dreizipfligen Klappe liegt der Index stets unter 1,3, bei der bikuspidal angelegten Klappe werden meist
Werte über 1,3 beobachtet. Nanda, N. C. et al. Echocardiographic Recognition of the Congenital Bicuspid Aortic Valve. Circulation 49 (1974),
870 - 875
EICT = external isovolumetric contraction time Gleichbedeutend mit DAZ
= Druckanstiegszeit (Anspannungszeit minus Umformungszeit). Anstieg
bei Abnahme der linksventrikulären Kontraktilität und bei Erhöhung des
diastolischen Blutdrucks
E-IVS = Mitralsegel-Septum-Abstand Distanz zwischen dem Punkt „E“,
d. h. dem Punkt der maximalen frühdiastolischen Auslenkung des vorderen Mitralsegels und dem Kammerseptum. Normwert: = 5 mm
EJP = Exzitatorische Junktionale Potentiale Glatte Muskeln, in denen
adrenerge Impulse exzitatorisch wirken, zeigen bei Reizung adrenerger
Nerven kleine Endplattenpotentialen ähnlichen Teil-Depolarisationen (exzitatorische junktionale Potentiale), diese werden bei wiederholter Reizung summiert. Ähnliche Potentiale bilden glatte Muskeln, auf die Acetylcholin exzitatorisch wirkt. In Muskeln, die durch adrenerge Impulse gehemmt werden, entstehen hyperpolarisierende inhibitorische junktionale
Potentiale (IJP)
EKG (Ekg) = Elektrokardiographie, Elektrokardiogramm. Aufzeichnung
der zeitlichen und örtlichen Potentialdifferenzen des Herzmuskels. Das
EKG registriert die bei jeder Herzkontraktion auftretenden elektrischen Aktionsströme des Herzmuskels als Funktion der Zeit. Ein transmembraner
lonenstrom, der sich mit der lonenverteilung an der Zellmembran der Herzmuskelzelle ändert, dient als Spannungswelle. Die Summierung dieser Einzelpotentiale ergibt das von der Körperoberfläche abgeleitete Elektrokardiogramm. Die Änderung des Aktionsstromes wird auf einem mit konstanter Geschwindigkeit vorgeschobenen Papierstreifen oder auf einem Oszilloskop als Kurve aufgezeichnet. Die charakteristische Form der Stromkurve entspricht dem rhythmischen Vorgang während jeder Herzaktion sich
wiederholender Depolarisation und Repolarisation der Vorhof der Kammermuskulatur (engl.: ECG = electrocardiography, electrocardiogram)
EKKG = Elektro-Karto-Kardiographie Ableitung der bei der Herzaktion
entstehenden Potentiale mittels zahlreicher Elektroden von der vorderen
und hinteren Brustwand. Obwohl man bei EKKG die vom Herzen stammenden Potentialdifferenzen gleich wie die V-Ableitungen beim Standard-EKG
mißt, werden hier statt sechs mehr als hundert Ableitungen von der Brust
und vom Rücken des Patienten abgenommen, was mit der modernen elektronischen Technik leicht zu bewältigen ist. Die Methoden der Auswertung
sind jedoch beim EKKG völlig andere als beim Standard-EKG. Während
beim EKG die Meßwerte als Zeitfunktion der Potentialdifferenzen regi-
71
ELS
striert und betrachtet werden, stellt man die Meßergebnisse beim EKKG
meist in Form von elektrischen Feldkarten dar, d. h., es wird für jeden gewünschten Zeitpunkt der Herztätigkeit eine Abbildung des skalaren elektrischen Feldes auf der Körperoberfläche aufgezeichnet. Wie in der Physik
der skalaren Felder üblich, können die Feldstrukturen dargestellt werden
entweder als Isopotentialkarten mit untereinander verbundenen Punkten
mit gleichem Potential oder als Gradientenkarten, wobei z. B. Pfeile die
Richtung und den Betrag des Gradienten des Feldes angeben. Die Auswertung des EKKG erfolgt zur Zeit durch visuelle Beurteilung der typischen
elektrischen Feldstrukturen zu verschiedenen Zeitpunkten der Herztätigkeit. Computerunterstützte Darstellungs- und Auswertungsverfahren befinden sich noch in der Entwicklung (engl.: -> ECG-body surface mapping)
EKV = Elektrokardioversion Unter Kardioversion versteht man die Anwendung kurzer, EKG-gesteuerter Gleichstrom- oder Wechselstromstöße hoher Energie zur Behandlung ventrikulärer und supraventrikulärer tachykarder Herzrhythmusstörungen. Dabei werden zwei Wirkungsprinzipien angenommen. Einmal kann es zu einer vorübergehenden elektrischen Lösung
aller zur spontanen Depolarisation fähigen Strukturen kommen (Fokusgenese). Zum anderen werden alle zum Zeitpunkt der Kardioversion nicht refraktären und deshalb leitfähigen Myokardabschnitte nicht depolarisiert
(Reentry-Genese). In diesem Moment erhält der physiologische Schrittmacher Gelegenheit, die Erregungsbildung des Herzens wieder zu übernehmen. Bei Wechselstromrhythmisierung besteht die Gefahr der Auslösung
von Kammerflimmern. Deshalb werden heute nur noch Kondensatordefibrillatoren benutzt, bei denen der Kondensator unmittelbar vor Anwendung der Elektrotherapie über einen Hochspannungstransformator mit
Gleichrichter aus dem Lichtnetz aufgeladen wird. Ob bei Auslösung des
Elektroschocks dann eine Kardioversion oder eine Defibrillation durchgeführt wird, hängt von der Steuerung des Gerätes durch das EKG ab. Ist der
Patient nicht an das Ableitkabel angeschlossen oder ist die Amplitude des
Steuersignals nicht groß genug, so wird das Gerät nicht getriggert, und es
erfolgt eine Defibrillation zum Auslösezeitpunkt. Wenn das Gerät über einen Kammerkomplex gesteuert wird, dann wird eine Kardioversion durchgeführt, wobei der Elektroschock erst nach Ende der vulnerablen Phase
abgegeben wird
Eky (EKyG) = electrokymography Elektrokymographie. Methode zur Feststellung der Herzrandbewegung. Die Helligkeitsunterschiede des Leuchtschirmbildes werden mittels Photozelle registriert, in Stromschwankungen umgewandelt und aufgezeichnet
EKZ = Extrakorporale Zirkulation Seltener verwendete Abkürzung. Siehe:
-► ECC = extracorporeal circulation
ELS = Erregungsbildungs- und Erregungsleitungs-System Sinusknoten
(SA-Knoten), Atrioventrikulär-Knoten (AV-Knoten), His-Bündel mit rechtem
und linkem Schenkel und das Purkinje-System bilden zusammen das ELS.
Normalerweise ist die Impulsbildung im Sinusknoten am raschesten, so
EMC-Syndrom
72
daß sich die Depolarisationswelle von oben über die anderen Teile des
Herzens ausbreiten kann, bevor diese sich spontan entladen können; der
Sinusknoten ist dabei der eigentliche Schrittmacher des Herzens und bestimmt durch seine Impulsfrequenz die Frequenz, mit der das Herz
schlägt; im Sinusknoten gebildete Impulse laufen über die Vorhofmuskulatur zum AV-Knoten, durch diesen zum His-Bündel und durch dessen
Schenkel überdas Purkinje-System zur Ventrikelmuskulatur. Im klinischen
Gebrauch wird das ELS auch oft — ungenau — als „Reiz“-Bildungs- und
„Reiz“-Leitungs-System bezeichnet und mit RLS abgekürzt
EMC-Syndrom = Enzephalomyok(c)arditis-Syndrom Virusbedingte Infektionskrankheit mit der klinischen Kombination von Enzephalitis und Karditis. Zeichen der akuten diffusen fieberhaften Enzephalitis ohne Beteiligung der Hirnhäute. Zeichen der Myokarditis mit ausgesprochener Herzinsuffizienz
EMF = Elektromagnetischer Flußmeßkopf Elektromagnetische Flußmeßköpfe werden zur Durchblutungsmessung am Koronargefäßsystem verwendet. Als Meßprinzip liegt das Faraday-Gesetz der elektromagnetischen
Induktion (Faraday, 1831) zugrunde. Das Gesetz besagt, daß in einem veränderlichen Magnetfeld die induzierte Spannung proportional dem Produkt aus der Änderungsgeschwindigkeit des magnetischen Flusses und
der Windungszahl der Spule ist. Öer Elektromagnet befindet sich im Meßkopf des EMF. Er wird mit Wechselstrom betrieben. Der Blutstrom dient
als beweglicher elektrischer Leiter. Zu diesem Zweck muß das Blutgefäß
im Meßkopf so ausgerichtet sein, daß seine Achse senkrecht zu den magnetischen Feldlinien steht. Die Größe der Spannung, die der Blutstrom induziert, ist dem Produkt aus der momentanen mittleren Strömungsgeschwindigkeit und der vorgegebenen magnetischen Feldstärke porportional. Die induzierte Spannung wird von Elektroden abgegriffen, welche senkrecht zu Blutstrom und Magnetfeld angeordnet sind
EMF = endomyocardial fibrosis Endomyokardfibrose (in der amerikanischen Literatur verwendete Abkürzung)
EMMA = Engstrom Multigas Monitor (für die) Anästhesie Ein hochempfindlicher und schneller on-line Multigas-Monitor für die kontinuierliche
Anästhesiegas-Überwachung. Messung, Anzeige und Überwachung der
genauen Konzentration von Halothan, Enfluran, Trichloräthylen und Methoxyfluran in jedem Beatmungskreis. Der Monitor ist für den Einsatz im
halbgeschlossenen und halboffenen System geeignet. Die Messung erfolgt mit einem Transducer, der an jeder beliebigen Stelle in den Patientenkreis adaptiert und über ein Kabel mit dem Anzeigegerät verbunden wird.
Akustische und optische Alarme gewährleisten, daß nur die gewünschte
Narkotikumkonzentration den Patienten erreicht. EMMA kann daher bei
eventuellem Defekt des Narkoseverdampfers lebensrettend sein
EMS = Elektromechanische (Ventrikel-)Systole Linksventrikuläres Zeitintervall. Beginn der zur Q-Zacke führenden Negativitätsbewegung im EKG
73
EPSP
bis Inzisur der Karotispulskurve, die für die Laufzeit der Pulswelle korrigiert werden muß. Häufig wird die EMS als Intervall zwischen Q-Zacke und
aortaler Komponente des zweiten Herztones (QA2-Zeit) angegeben.
Zwischen EMS und Herzfrequenz besteht eine umgekehrt proportionale
Beziehung. Bei Konstanz von Vor- und Nachbelastung beeinflußt fast ausschließlich die Dauer der vorangegangenen Diastole die nachfolgende
elektromechanische Kontraktionsphase. Die isovolumetrische Kontraktionszeit bleibt dabei nahezu unverändert. Sie verkürzt sich jedoch deutlich, wenn der Füllungsdruck ansteigt. In diesem Fall wird die Austreibungszeit verlängert, die Dauer der gesamten Systole nimmt deswegen zu.
Andererseits wird die Austreibungszeit durch einen starken Anstieg der
Nachbelastung oder eine gesteigerte sympathische Innervation verkürzt,
so daß die aktuelle Systolendauer durch die momentan dominierenden
kardialen oder extrakardialen Faktoren bestimmt wird
EOL = end of life Definiertes Betriebsende eines Herzschrittmachers
EPH-Gestose(-Syndrom) = edema, proteinuria, hypertension Neuere Bezeichnung für Schwangerschaftstoxikose, Spätgestose nach ihren Hauptsymptomen: Ödeme, Proteinurie, erhöhter Blutdruck
EPL = essential phospholipids Essentielle Phospholipide. Sie bestehen
aus natürlichen Cholinphosphorsäurediglyceridestern mit hohem Gehalt
an essentiellen Fettsäuren. EPL-haltige Arzneimittel werden bei Gefäßerkrankungen verwendet
EPP = equal pressure point Punkt des Druckgleichgewichts. Die Stelle in
den Atemwegen, an der bei einer forcierten Exspiration der Druck in den
Atemwegen gleich groß ist wie der Druck in den umgebenden Geweben
EPSP = excitatory post-synaptic potential Exzitatorisches postsynaptisches Potential. Bei der chemischen Erregungsübertragung kommt es
beim Eintreffen von Aktionspotentialen an einer Synapse zur Ausschüttung von Transmittern durch die präsynaptische Zelle in den Synapsenspalt hinein. Dieser Stoff diffundiert zur gegenüberliegenden „subsynaptischen“ Membran der postsynaptischen Zelle, wo er relativ langandauernde Potentialänderungen unterschiedlicher Höhe hervorruft. Diese lokale
Antwort kann in einer Depolarisation bestehen, die bei genügender Höhe
Aktionspotentiale auslöst, oder in einer Hyperpolarisation, die die Bildung
von Aktionspotentialen erschwert oder verhindert. Im ersten Fall spricht
man von einem exzitatorischen postsynaptischen Potential (EPSP) und einer exzitatorischen Synapse, im zweiten Fall von einem inhibitorischen
postsynaptischen Potential (IPSP) und einer inhibitorischen Synapse. Als
lokale Antwort werden weder das EPSP noch das IPSP fortgeleitet. Die
subsynaptische Membran ist gegenüber dem Transmitter selektiv empfindlich, dagegen gar nicht oder kaum elektrisch erregbar. Ob es an ihr zur
Ausbildung eines EPSP oder eines EPSP kommt, hängt vom Transmitter
ab. Eine Nervenzelle kann jeweils nur einen einzigen Transmitter synthetisieren und an allen ihren synaptischen Endigungen ausscheiden (Dale-
E-Punkt
74
Prinzip). Allerdings kann derselbe Transmitter an einer Zelle exzitatorisch
und an einer anderen inhibitorisch wirken.
Der bekannteste Transmitter ist Acetylcholin (ACh). Es sorgt z. B. für die
neuromuskuläre Erregungsübertragung an der quergestreiften Muskulatur. Die Synthese des ACh erfolgt in der gesamten Nervenzelle. Sie benötigt ATP. Im Synapsenspalt beseitigt eine Acetylcholinesterase rasch das
Acetylcholin durch Spaltung in Cholin und Acetat, um eine erneute Erregungsübertragung zu ermöglichen
E-Punkt In der Echokardiographie werden die markanten Punkte des typischen Bewegungsmusters des vorderen Mitralsegels, dem ursprünglichen
Vorschlag von Edler (1956) folgend, allgemein mit den Großbuchstaben
A-F bezeichnet. Zu dem Zeitpunkt, zu dem der Druck in der linken Herzkammer am Ende der Relaxationsphase des linken Ventrikels denjenigen
des linken Vorhofs (Punkt D) unterschreitet, kommt es zur schnellen Öffnung der Mitralsegel mit Beginn der frühdiastolischen Füllungsphase.
Hierbei bewegen sich das vordere Segel zum Schallkopf hin und das hintere Segel vom Schallkopf weg. Der Punkt der maximalen Öffnung wird mit
E, der senkrechte Abstand der Punkte D - E als -* DE-Amplitude bezeichnet. Als Folge des Rückganges der schnellen frühdiastolischen Füllungsphase des linken Ventrikels tritt eine frühdiastolische Rückschlagbewegung beider Mitralsegel in. Richtung auf eine halbgeschlossene Stellung
(Punkt F) ein. Die Vorhofkontrakt'ion verursacht eine erneute Öffnungsbewegung (Punkt A), die jedoch bei physiologischen Druckverhältnissen
nicht so ausgeprägt ist, wie die frühdiastolische Öffnungsbewegung
(Punkt E). Am Ende der Vorhoferschlaffung befindet sich die Mitralklappe
in einer weitgehend geschlossenen Position (Punkt B), wobei der Punkt B
unter physiologischen Bedingungen im Verlauf der AC-Linie nicht besonders hervortritt. Mit Einsetzen der Ventrikelsystole (Punkt C) geht die Mitralklappe in eine vollständig geschlossene Stellung über, in der beide Segel einander anliegen
ERC = expiratory reserve capacity Exspiratorische Reservekapazität, exspiratorisches Reservevolumen. Luftvolumen, das nach Abschluß einer
normalen Ausatmung bei maximaler Exspiration noch weiter ausgeatmet
werden kann. Die ERC ist identisch mit der Bezeichnung exspiratorisches
Reservevolumen. Sieh: -* ERV
ERI = elective replacement indicator Definierter Indikator für einen elektiven Herzschrittmacherwechsel
ERICA = Engstrom Respirator for Intensive Care Mikroprozessorunterstützter Respirator für die Intensivpflege. Neben den derzeit angewandten
Beamtmungsformen, wie kontrollierte maschinelle Ventilation -> CMV mit
und ohne Seufzer, assistierte kontrollierte Ventilation, synchronisiertes ->
IMV (SIMV), Spontanatmung, arbeitet das ERICA-Prinzip auch mit zwei
neuartigen Beatmungsformen: a) EMMV, das erweiterte mandatorische
Minutenvolumen, ein intelligentes IMV, und b) IHS, die Inspirationshilfe für
Spontanatmung, die unerwünschte Hechelatmung verhindert
75
ERPF
ERP = Effektive Refraktärperiode Die Bestimmung der einzelnen Anteile
des Erregungsleitungssystems ist durch programmierte atriale Einzelstimulation möglich geworden. Sie ermöglicht einerseits die Deutung verschiedener abnormer Erregungsleitungen und zum anderen die Beeinflussung der Erregungsleitung durch verschiedene Antiarrhythmika. Zu unterscheiden sind die verschiedenen Refraktärzeiten des Vorhofes, des AVKnotens und des His-Purkinje-Systems. Die Bezeichnung der verschiedenen Refraktärzeiten des menschlichen Erregungsleitungssystems ist
nicht einheitlich und stimmt auch mit den elektrophysiologischen Termini
nicht überein. Die ERP wird definiert als das längste A1-A2- bzw.
SrS2-lntervall zwischen zwei elektrischen Impulsen, bei dem der vorzeitige
Impuls keine Erregung des Gewebes mehr auslöst. Sie entspricht der absoluten Refraktärzeit der Elektrophysiologie.
Die einzelnen Refraktärzeiten des AV-Leitungssystems sind frequenzabhängig und weisen im einzelnen unterschiedliche Veränderungen auf. Mit
Steigerung der Grundfrequenz verkürzen sich die ERP und FRP des Vorhofes, die ERP des AV-Knotens wird verlängert, die ERP und FRP des HisPurkinje-Systems sowie die ERP des Ventrikels verkürzt. Siehe auch: ->
FRP, -* RP, -* RRP(engl.: ERP = effective refractory period)
ERP-A = Effektive Refraktärphase (-zeit), Atrium Effektive atriale Refraktärzeit, effektive Refraktärzeit des Vorhofs. Das längste SrS2-lntervall, bei
dem S2 nicht zu einer Vorhofdepolarisation führt. Die Stimuli werden jeweils mit doppelter Schwellenstromstärke appliziert. Synonyme Schreibweisen: ERP A, ERPa
ERP-AVN = Effektive Refraktärphase (-zeit), AV-Knoten Effektive Refraktärzeit des AV-Knotens. Das längste Intervall AV-Knoten nach abgeleiteter
Vorhofpotentiale (A1-A2), bei dem A2 nicht von einer His-BündelDepolarisation gefolgt ist. Synonyme Schreibweisen: ERP EVN, ERPa v n
ERP-HPS = Effektive Refraktärphase (-zeit) des His-Purkinje-Systems Das
längste HrH2-lntervall, bei dem die zweite Erregung nicht zu einer Ventrikeldepolarisation führt (Blockierung distal H2). Das Auftreten von
Schenkelblock- oder Hemiblockbildern wird auch als ERP dieses Faszikels
bezeichnet. Dies ist nicht ganz korrekt (Seipef), da eine solche Leitungsstörung sowohl auf einer Blockierung als auch auf nur einer Leitungsverzögerung in einem Faszikel ohne Blockierung beruhen kann. Daher sprechen andere Autoren beim Auftreten von Schenkelblock- oder Hemiblockbildern unter vorzeitiger Stimulation von einer funktionellen oder relativen
Refraktärzeit dieses Faszikels. Synonym: ERP HPS, ERPHps
ERPr v = Effektive Refraktärphase (-zeit) des rechten Ventrikels Von mehreren Autoren werden folgende Schreibweisen bevorzugt:
ERP-V, ERP V
ERPF = effective renal plasma flow Effektiver renaler Plasmafluß. Der renale Plasmafluß wird üblicherweise mit PAH (Paraaminohippursäure) bestimmt, indem deren Harn- und Plasmakonzentration gemessen werden.
PAH wird durch die Glomerula filtriert und von den Tubuluszellen sezer-
ERP-V
76
niert; ihre renale Extraktionsrate (arterielle Konzentration minus Konzentration in der Nierenvene / arterielle Konzentration) ist hoch. Bei geringen
Dosen werden 90% der PAH des arteriellen Blutes bei einmaligem Durchfluß durch die Nieren ausgeschieden. Es ist daher üblich, den renalen
Plasmafluß mittels Division der PAH-Menge im Harn durch den PlasmaPAH-Spiegel zu berechnen, wobei die Konzentration im Nierenvenenblut
unberücksichtigt bleibt. Es kann peripheres venöses Plasma verwendet
werden, da seine PAH-Konzentration der des arteriellen Plasmas, das die
Niere erreicht, im wesentlichen gleich ist. Der so erhaltene Wert wird effektiver renaler Plasmafluß genannt. Die durchschnittliche ERPF-Werte des
Menschen liegen bei 10 ml/sec (625 ml/min)
ERP-V = Effektive Refraktärphase (-zeit) des rechten Ventrikels Das längste SrS2-lntervall, bei dem der S2-Impuls nicht mehr von einer erkennbaren
Ventrikeldepolarisation beantwortet wird. Beginn der relativen Refraktärzeit des Purkinje-Systems während retrograder Erregungsleitung: Das
längste Vorzeitigkeits-Intervall S1-S2, bei dem zum ersten Mal eine HGruppe von der V-Gruppe im His-Bündel-EKG während vorzeitiger Reizung
der Kammern abgegrenzt werden konnte. Synonyme Schreibweisen:
ERPr v ,ERPV x
ERT = elective replacement time Zeitpunkt für den Austausch des Impulsgebers in einem implantierten Hetzschrittmacher
ERV = expiratory reserve volume Exspiratorisches Reservevolumen (ERV)
Das maximale Gasvolumen, das nach einer normalen Exspiration, also
vom Niveau der funktionellen Residualkapazität (FRK, FRC), ausgeatmet
werden kann (engl. ->• ERC = expiratory reserve capacity, frz.: -> VRE =
volume de reserve expiratoire)
ES = Extrasystole Extrasystolen sind vorzeitige Kontraktionen des ganzen oder einzelner Teile des Herzens. Der Ursprungsort kann supraventrikulär oder ventrikulär gelegen sein. Besteht bei der vorzeitig ausgelösten
Systole keine zusätzlich intraventrikuläre Störung der Erregungsausbreitung, kann das Oberflächen-EKG wesentliche Hinweise über die Lokalisation des ektopen Zentrums liefern. Bei Extrasystolen mit gestörter Erregungsausbreitung wird durch Registrierung eines His-Bündel-EKG die Differenzierung von supraventrikulären Rhythmusstörungen mit gleichzeitiger intraventrikulärer Leitungsstörung von ventrikulären Extrasystolen erleichtert. Extrasystolen stellen die Hauptursache von Rhythmusstörungen
dar und können bei klinisch Gesunden wie bei Herzkranken jeglichen
Schweregrades vorkommen.
Über den Entstehungsmechanismus der Extrasystolen gibt es verschiedene Deutungen. Meist handelt es sich um eine ektope Reizbildungsstörung,
die durch ihr vorzeitiges Einfallen den Rhythmus des Herzens stört. Der
Grundrhythmus (Sinusrhythmus) braucht dabei aber keine Verschiebung
zu erfahren. Die Tendenz zur ektopen Reizbildung ist besonders dann gesteigert, wenn lokalisierte oder disseminierte Herzmuskelschädigungen
vorliegen, die zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Ruhepotentials
77
ET
bzw. der elektrischen Stabilität und der Repolarisationsphase einzelner
Herzmuskelzellen führen (engl.: escaped beat, premature beat)
ESAO = European Society for Artificial Organs Europäische Gesellschaft
für künstliche Organe
ESC = early systolic closure (of the aortic valve) In der echokardiographisehen Literatur verwendete Abkürzung für den vorzeitigen Aortenklappenschluß
ESD = end-systolic diameter Endsystolischer Querdurchmesser des linken Ventrikels. Von den meisten Autoren wird die Abkürzung -► LVED =
left ventricular end-diastolic diameter bevorzugt
ES-IMV = expiration synchronized IMV Patienten-synchronisiertes IMV.
Siehe: -»IMV = intermittent mandatory ventilation, intermittierende Positivdruckbeatmung
ESP = Erregungs-Schwellenpotential Die nicht automatisch tätigen Herzmuskelfasern (sog. Arbeitsmuskulatur) weisen während der gesamten Diastole ein stabiles Ruhe-Membranpotential auf. Unter normalen Bedingungen bedarf es zur erneuten Erregung eines Abbaues des Ruhe-Membranpotentials (-> RMP) über ein Erregungs-Schwellenpotential (ESP) von etwa
-60 mV. Dieser Abbau des Ruhe-Membranpotentials wird durch ein Aktionspotential hervorgerufen, das der Herzmuskelfaser vom aktuellen
Schrittmacher herzugeleitet wird. Die automatisch tätigen Fasern weisen
dagegen ein instabiles diastolisches Membranpotential auf, das sich sofort nach der Repolarisation langsam wieder abbaut. Infolge der allmählichen Zunahme der Na + -Durchlässigkeit der Membran nähert es sich dem
ESP, bei dessen Überschreiten die Erregung der Zelle ausgelöst wird
ESS = end-systolic shoulder Endsystolische Schulter im Apexkardiogramm
ESUT = ejectional systolic upstroke time Die ESUT wird gewonnen durch
Subtraktion der true isovolumic contraction time (-» TIVC) von der systolic
upstroke time(-> SUT). Normwert: 39 ± 12 msec. ESUT = SUT — TIVS
ESV = end-systolic volume Endsystolisches Volumen. Volumen des am
Ende der Systole in den Ventrikeln verbleibenden Bluts
ESV/EDV ratio Quotient aus dem endsystolischen und dem enddiastolischen Blutvolumen, Residualvolumen-Fraktion, Restblutfraktion
ESVI = Endsystolischer Volumenindex (ml/m2)
ET — ejection time Auswurfzeit, Austreibungszeit, Ejektionszeit. Auch in
der deutschen Literatur wird die englische Abkürzung ET oder synonym -*
LVET = left ventricular ejection time verwendet
EVG
78
EVG = Elektroventrikulogramm Innerhalb des EKG wird der Vorhofanteil
(Elektroatriogramm oder EAG) vom Kammerteil (Elektroventrikulogramm
oder EVG) unterschieden. Der Vorhofteil umfaßt den Abschnitt zwischen
P-Beginn und Q- bzw*. R-Anfang, der Kammerteil den folgenden Abschnitt
bis zum Ende von T bzw. U
EWGCP = European Working Group on Cardiac Pacing
EZ = Erscheinungszeit Die Erscheinungszeit entspricht der Reisezeit
(transit time) der ersten am Registrierort feststellbaren Indikatorpartikel
(engl.: appearance time, AT)
79
FDeff
F = flow Durchfluß, Durchblutung
F = foot, Fuß (linkes Bein) Die Brustwandableitungen wurden früher stets
mit einem C (Chest = Brust) gekennzeichnet, doch wird der Buchstabe C
bei Ableitung mit der Wilson-Elektrode (V-Elektrode) häufig fortgelassen,
während er bei den semiunipolaren Ableitungen immer noch vorangesetzt
wird. Der sich anschließende Buchstabe gibt die Lage der gewählten herzfernen Elektrode wieder, d. h. für die semiunipolaren Ableitungen: F (Foot
= Fuß; hier = linkes Bein), R (Rechter Arm), L (Linker Arm), B (Back =
Rücken)
FA In der echokardiographischen Aufzeichnung des Bewegungsablaufs
Benennung für die spätdiastolische Öffnungshöhe des vorderen Mitralsegels
FA/DE-Relation (FA/DE-Quotient) Verhältnis zwischen der spätdiastolischen (a-Welle) und der frühdiastolischen Öffnungshöhe des vorderen Mitralsegels. Gemessen wird die senkrechte Verbindung zwischen der Höhe
des Punktes A und F; der erhaltene Wert wird durch den Meßwert der DEAmplitude dividiert. Der Quotient beträgt bei Sinusrhythmus normalerweise 0,65 — 0,28. Bei Mitralstenose ist dieser Wert auf 0,18 — 0,016 vermindert und kann bei leichteren Formen besonders mit initialer Gegenbewegung des hinteren Mitralsegels die Diagnose stützen
FC = frequence cardiaque (frz.) Herzfrequenz, HF (engl.: heart rate, HR)
FCF = frequence cardiaque foetale (frz.) Fetale Herzfrequenz
FCM = frequence cardiaque maternelle (frz.) Mütterliche Herzfrequenz
FD = Füllungsdruck Seltener verwendete Abkürzung (engl.: filling pressure, FP)
FDeft = Effektiver Filtrationsdruck Als effektiven Filtrationsdruck bezeichnet man den Nettobetrag der treibenden Kraft für die glomeruläre Filtration. Er resultiert aus der hydrostatischen Druckdifferenz zwischen Kapillarlumen und Bowmanscher Kapsel, vermindert um den mittleren kolloidosmotischen Druck des glomerulären Kapillarblutes. Das Konzept des effektiven Filtrationsdruckes basiert auf der Modellvorstellung von Starling
über den Flüssigkeitsaustausch im Bereich der Blutkapillaren in den Geweben. Dabei entspricht die Glomeruluskapillare weitgehend dem arteriel-
FE
80
len Schenkel einer gewöhnlichen Kapillare, wo ebenfalls ein eiweißarmes
Filtrat aus dem Blutplasma in das Interstitium abgepreßt wird.
Bei ausreichend hohem Druck im arteriellen System und bei konstanter
Durchblutung der Glomeruli, die normalerweise durch die Autoregulation
der Nierendurchblutung gewährleistet ist, beträgt der Druck in der Bowmanschen Kapsel etwa 15 mm Hg. Der kolloidosmotische Druck des Blutplasmas steigt in den Glomeruluskapillaren durch den Entzug von eiweißartigem Filtrat von 22 mm Hg auf etwa 30 mm Hg (Mittelwert 26 mm Hg) an.
Der FD steht er als treibende Kraft für den Filtrationsprozeß zur Verfügung.
Er bestimmt die Größe der glomerulären Filtrationsrate
FE = fraction d’ejection (frz.) Auswurffraktion, Ejektionsfraktion (engl.:
-> ejection fraction, EF)
FEF = forced expiratory flow Forcierte exspiratorische Atemstoßstärke.
Die maximale exspiratorische Atemstromstärke (MEF) ist die größtmögliche Stromstärke, unabhängig von der exspiratorischen Kraft. Die forcierte
exspiratorische Atemstromstärke (FEF) bezieht sich auf die maximale exspiratorische Anstrengung, unabhängig von der Größe der Stromstärke.
Weil in der Regel nicht bekannt ist, ob die Anstrengung oder die Stromstärke maximal waren, wird der Begriff MEF aus praktischen Gründen für die
maximale forcierte exspiratorische Atemstromstärke benutzt.
Wenn die Beziehung zwischen ekspiriertem Volumen Ve und exspiratorischer Stromstärke VE am Mund gemessen wird, so nimmt der Unterschied
zwischen maximaler und forcierter exspiratorischer V-V-Kurve zu, wenn die
exspiratorische Kraft ansteigt. Dies hängt mit der Kompression des Gases
in der Lunge zusammen. Eine Änderung des Alveolardruckes von z. B.
10 kPa (100 cm H2O) bewirkt eine Änderung des Lungenvolumens von etwa
10%. Die dadurch bewirkte Änderung der Lungendehnung (Retraktionskraft) beeinflußt die flußlimitierende Funktion der Atemwege und damit
den exspiratorischen Fluß.
Ein Anstieg der exspiratorischen Kraft führt zu einem Anstieg des Pleuradruckes, wodurch eine Atemwegskompression bewirkt wird. Die Gaskompression führt zu einer Verkleinerung des Lungenvolumens. Dies bewirkt
wiederum eine Abnahme der treibenden Kräfte stromaufwärts vom EPP,
so daß der Durchmesser der nicht-komprimierten Atemwege sich verkleinert. Alle diese Faktoren haben eine Abnahme des exspiratorischen Flusses zur Folge, sobald die Exspiration stärker forciert wird. Am besten wird
eine V-V-Kurve mit einem Bodyplethysmographen gemessen, weil dabei
die Kompression des Gases in der Lunge berücksichtigt wird und das Ergebnis nur wenig von der exspiratorischen Kraft abhängt
FEF50 = Forcierte exspiratorische Atemstromstärke bei 50% der exspiratorischen Vitalkapazität. FEF50 = MEF50
FEF200-1200
=
forced expiratory flow (in volume segment between
200-1200 ml) Forcierte exspiratorische Atemstromstärke (im Volumenabschnitt von 200 -1200 ml) der gesamten forcierten Exspiration
81
FF
FEKG = Fetale Elektrokardiographie Fetales Elektrokardiogramm. Synonyme Schreibweisen: fEKG, fEkg
F-EKG = Funktions-EKG Spezielle EKG-Technik, die metabolischen Zellstoffwechselstörungen und Zellmembranänderungen des Myokards zu differenzieren und daraus eine myokardiale Frühinsuffizienz zu erkennen versucht
FES = Forciertes exspiratorisches Spirogramm Kurve, bei der das Volumen gegen die Zeit während einer forcierten Exspiration aufgezeichnet
wird
FEVi = forced expiratory volume Forciertes Exspirationsvolumen in einer
Sekunde. Das forcierte exspiratorische Volumen in einer Sekunde (FEVi)
ist dasjenige Gasvolumen, das nach einer kompletten Inspiration in den
ersten Sekunden einer maximalen forcierten Exspiration ausgeatmet werden kann. Der Zeitraum von einer Sekunde ist willkürlich, aber in den meisten Fällen angemessen. Im Anfang der forcierten Exspiration beginnt die
Kompression der Atemwege, und die Stromstärke erreicht ihr Maximum.
Diese Phase ist sehr anstrengungsabhängig. In der nächsten Phase, wenn
20-30% der Vitalkapazität schon exspiriert sind, ist die Kompression der
großen Atemwege eingetreten und begrenzt den weiteren Fluß. Infolgedessen hat diese Phase nur eine geringere Abhängigkeit von der exspiratorischen Kraft. Der Fluß während dieser Phase vermittelt Informationen über
die intrathorakalen Atemwiderstände, vor allem in den kleinen, nicht komprimierten Atemwegen. Er hängt von den elastischen Eigenschaften des
Lungengewebes und von der Größe der Vitalkapazität ab. Der FEVi kann
auch in Prozent der Vitalkapazität ausgedrückt werden und wird so als Index für eine exspiratorische Atemwegsobstruktion benutzt. Wenn aber
auch die Vitalkapazität vermindert ist, kann diese Meßgröße das Ausmaß
der Flußbegrenzung unterschätzen. Synonyme Bezeichnungen: Sekundenkapazität, Einsekundenwert, Tiffeneau-Test, Atemstoß in der ersten Sekunde, Atemstoßwert, absolute Sekundenkapazität (frz.: volume expiratoire maximal, VEM)
FF = filtration fraction Filtrationsfraktion. Bezeichnung für die Fraktion
des durch die Nieren fließenden Plasmas, die in den Bowmanschen Raum
filtriert wird. Die FF ist das Verhältnis der glomerulären Filtrationsrate (-»
GFR) zum renalen Plasmafluß (-» RPF). FF = GFR/RPF. Die Filtrationsfraktion errechnet sich auch aus dem Quotienten Clin/ClpAH. Dieser Wert
wird allgemein in Prozent ausgedrückt. Der Wert FF gibt an, in welcher Beziehung die Intensität der glomerulären Filtration zu der Plasmadurchströmungsintensität durch die Niere steht. Unter normalen Umständen beträgt
dieser Wert etwa 20%.
Die Bestimmung der FF ist wichtig für die differentialdiagnostische Beurteilung von Nierenerkrankungen. Allerdings sind für die Beurteilung des
Einzelfalles lediglich Extremwerte als diagnostische Kriterien brauchbar.
Eine stark erniedrigte FF (<0,14) spricht für eine vorwiegend glomeruläre
Schädigung, eine hohe FF (>0,21) für vorwiegend vaskuläre Erkrankungen
82
Fo-F-slope
Fo-F-slope = Fo-F-lntervall (-Slope, -Gefälle) In der Echokardiographie Benennung der zweiten Phase des -> EP-Slopes (frühdiastolische Rückschlagbewegung des vorderen Mitralsegels, Schließungsgeschwindigkeit
des vorderen Mitralsegels).
Unter dem EF-Slope versteht man die Geschwindigkeit der frühdiastolischen Rückschlagbewegung des vorderen Mitralsegels im Gefolge des
Rückgangs der frühdiastolischen schnellen Füllung des linken Ventrikels.
Durch die Verbindung der Punkte E und F und Verländerung dieser Linie
kann deren Steilheit direkt anhand der in die Registrierung eingeblendeten
Zeit- und Tiefenmarkierungen bestimmt werden.
Gelegentlich wird ein zweiphasiger EF-Slope unterschieden. Er besteht
aus einem kurzen, relativ langsamen E-Fo-Anteil, gefolgt von einem steileren Fo-F-Slope. Die genaue Ursache dieser zweiphasigen Bewegung ist
nicht bekannt. Zur Bestimmung des EF-Slopes wird von der überwiegenden Anzahl der Autoren der steilere Anteil, d. h. der F0-F-Abschnitt gewertet, weil bei dieser Bewegungskonstellation der E-Fo-Abschnitt im wesentlichen durch die Bewegung des Mitralringes und nicht durch die Rückschlagbewegung des Klappensegels selbst verursacht wird
FHF = Fetale Herzfrequenz (engl.: fetal heart rate, FHR)
FHR = fetal heart rate Fetale Herzfrequenz (FHF)
*
FHS = fetal heart sounds Fetale Herztöne (FHT)
FIO2 = fractionated inspired oxygen concentration Inspiratorische Sauerstoffkonzentration
FlVi = forced inspiratory volume (in one second) Forciertes inspiratorisches Volumen in einer Sekunde. Das FIV-i ist dasjenige Gasvolumen, das
in der ersten Sekunde einer maximalen forcierten Inspiration nach einer
kompletten Exspiration eingeatmet werden kann. Bei diesem Manöver ist
der intrathorakale Druck stark subatmosphärisch, und die großen, intrathorakalen Atemwege sind maximal gedehnt. Der FIV-i ist anstrengungsabhängig. Bei extrathorakalen Einengungen der Atemwege wird der inspiratorische Fluß begrenzt, weil die extrathorakalen Atemwege distal
der Obstruktion infolge des’ erheblichen Unterdruckes kollabieren. Wenn
FIV1 als Prozentsatz der Vitalkapazität ausgedrückt wird, ist es
ein Index der inspiratorischen Atemwegsobstruktion
FIVC = forced inspiratory vital capacity Forcierte inspiratorische Vitalkapazität
FLSB = Frequenzabhängiger Linksschenkelblock Seltener verwendete
Abkürzung. Englische Bezeichnung: rate-dependent-LBBB, frequencydependent left bundle branch block
FMEF = forced mid-expiratory flow Forcierter mitt(el)-exspiratorischer
Fluß. Siehe: -> FMF
83
FRP
FMF = forced mid-expiratory flow Forcierte mitt(el)exspiratorische Atemstromstärke im Mittelteil (25% — 75%) der Ausatmung. Luftvolumen pro
Zeiteinheit im Mittelteil, d. h. im Volumenabschnitt von 25% bis 75% der
gesamten forcierten Exspiration. Synonyme Schreibweisen: -> FMEF, -*
MMFR und
MMF = maximale mitt(el)-exspiratorische Atemstromstärke. Gelegentlich findet man die Schreibweise: FMF25-750/0
FMFT = forced mid-expiratory flow time Forcierte mitt(el) exspiratorische
Atemstoßzeit. Zeit der forcierten Atemstromstärke im Mittelteil, d. h. im
Volumenabschnitt von 25% bis 75% der gesamten forcierten Exspiration
Fi O2 = fraction of inspiratory oxygen concentration Anteil von Sauerstoff
am Inspirationsgas
F-peak Kleine Spitze am Ende der schnellen Füllungswelle (RFW) und Anfang der langsamen Füllungswelle (LFW, -+ SFW) im Apexkardiogramm
F-Punkt Im typischen Bewegungsmuster des vorderen Mitralsegels der
Punkt einer halbgeschlossenen Stellung der Mitralsegel
FRC = functional residual capacity Funktionelle Residualkapazität (FRK).
Luftvolumen, das sich am Ende einer normalen Exspiration (Atemruheoder End-Exspirationslage) in der Lunge befindet. Die FRC macht normalerweise etwa 40% der -> TLK aus und besteht aus dem Exspiratorischen
Reservevolumen, dem maximalen Luftvolumen, das von der FRC noch ausgeatmet werden kann (etwa 15% der TLK) und dem Residualvolumen (-►
RV), dem Luftvolumen, das sich am Ende einer maximalen Exspiration
noch in der Lunge befindet (etwa 25% der TLK). Der Begriff Kapazität bezeichnet einen Lungenfüllungszustand, der sich aus zwei oder mehreren
Einzelvolumina zusammensetzt. Die FRC beträgt normalerweise 40 - 50%
der Totalkapazität (-* TC, TK). Die FRC entspricht dem intrathorakalen
Gasvolumen (-> ITGV). Dimension: Liter (frz.: capacity rdsiduelle fonctionelle, CRF)
FRK = Funktionelle Residualkapazität Siehe: -> FRC
FRP = functional refractory period Funktionelle Refraktärperiode (-zeit).
Durch die programmierte atriale Stimulation können die Refraktärzeiten
bestimmt werden. Sie ermöglicht einerseits die Deutung verschiedener abnormer Erregungsleitungen und zum anderen die Beeinflussung der Erregungsleitung durch verschiedene Antiarrhythmika. Zu unterscheiden sind
die verschiedenen Refraktärzeiten des Vorhofs, des AV-Knotens und des
His-Purkinje-Systems. Die funktionelle Refraktärperiode (FRP) ist das kürzeste Kopplungsintervall S1-S2 zwischen zwei elektrischen Impulsen, das
gerade noch eben eine Erregungsleitung, also distal des untersuchten
Herzteiles oder Abschnittes des Erregungsleitungssystems eine Erregung
erlaubt. Die einzelnen Refraktärzeiten des AV-Leitungssystems sind frequenzabhängig und weisen im einzelnen unterschiedliche Veränderungen
auf. Mit Steigerung der Grundfrequenz verkürzen sich die ERP und FRP
84
FRP-A
des Vorhofs, die ERP und FRP des His-Purkinje-Systems sowie die ERP
des Ventrikels werden verkürzt. Siehe auch: -» ERP, -> RRP, ->• RP
FRP-A = functional refractory period, atrium Funktionelle Refraktärperiode (-zeit) des Vorhofs, Kennzeichnung für das kürzest mögliche
Ai-A2-Intervall. Synonyme Schreibweisen: FRPA, FRP A
FRP-AVN = functional refractory period, AV-node Funktionelle Refraktärperiode (-zeit) des AV-Knotens. Das kürzest erreichbare HrH2-lntervall unabhängig von der Länge der Ai-A2-Intervalle. Synonyme Schreibweisen:
FRPAVN, FRPAVN
FRR-HPS = functional refractory period, His-Purkinje system Funktionelle
Refraktärperiode (-zeit) des His-Purkinje-Systems. Kennzeichnung des kürzest möglichen VrV2-lntervalls. Synonyme Schreibweisen: FRPHPS, FRP
HPS
FRPRA = functional refractory period, right atrium Von einigen Autoren
benützte synonyme Kennzeichnung für die funktionelle Refraktärperiode
des rechten Vorhofs. Siehe: -> FRP-A
X
FRT = full recovery time Vollständige Erholungszeit. Von englischen Autoren benützte Abkürzung für die
RRP = relative Refraktärperiode
FRT-HPS = full recovery time, His-Purkinje-system Vollständige Erholungszeit des His-Purkinje-Systems. Siehe: -> FRT
FS = fractional shortening Prozentuale systolische Verkürzung des linksventrikulären Durchmessers. Differenz zwischen dem enddiastolischen
und dem endsystolischen linksventrikulären Durchmesser dividiert durch
den enddiastolischen Durchmesser. Die FS liefert dieselbe Information
wie die gebräuchlichere Austreibungsfraktion (-> EF = ejection fraction)
und ist daher die unmittelbarste, aus dem Echokardiogramm einfach zu
gewinnende Information.
LVEDD — LVESD
FS =--------------------------- x 100 (%)
LVEDD
FVC = forced vital capacity Forcierte Vitalkapazität. Luftvolumen, das
nach tiefster Einatmung vollständig und so schnell wie möglich (forciert)
ausgeatmet werden kann
85
GFR
G
Gaw = Atemwegconductance Atemwegleitfähigkeit, d. h. die Atemstromstärke (in Liter/sec), die bei einer Druckdifferenz zwischen Alveolen und
Mundöffnung von 1 cm H2O erreicht wird. Dimension: L/sec/cm/H2O. Die
Conductance ist in einem großen Bereich dem Lungenvolumen direkt proportional, so daß auch oft die spezifische (volumische) Conductance (sGaw
= Gs w /Vl ) benutzt wird. Die Conductance ist der Reziprokwert des Atemwegwiderstandes (Gaw = Räl/)
Gaw/VL = Spezifische Conductance Volumische Conductance. Sie ist in einem großen Bereich ein von der Lungengröße unabhängiges Maß der
Atemwegleitfähigkeit. Synonyme Schreibweise: sGaw
Gx = Konversionsfaktor Der Konversionsfaktor eines Röntgenbildverstärkers gibt das Verhältnis der Leuchtdichte des Ausgangsbildes zur Dosisleistung in der Eingangsebene an. Die Leuchtdichte wird in Candela/m2
(cd/m2) und die Dosisleistung in m R/s gemessen
GAS = general adaption syndrome Allgemeines Adaptionssyndrom
GBPS = gated blood pool scanning EKG-gesteuerte Szintigraphie der
Herzbinnenräume
GF = glomerular filtrate Glomeruläres Filtrat
GFR = glomerular filtration rate Glomeruläre Filtrationsrate, Glomerulumfiltrat. Unter glomerulärer Filtrationsrate versteht man das pro Zeiteinheit
von den Nieren gebildete Filtratvolumen. Sie beträgt beim Mann ca. 125
ml/min und bei der Frau 110 ml/min, bezogen auf 1,73 m2 Körperoberfläche.
Auf den Tag umgerechnet entspricht dies etwa 180 Ud. Dies bedeutet, daß
das gesamte Plasmavolumen von etwa 3 L innerhalb von 25 min filtriert
bzw. 60mal am Tag renal „geklärt“ wird. Entsprechend wird demnach die
gesamte extrazelluläre Flüssigkeit (14 L) täglich etwa 12mal der renalen
Kontrolle unterzogen.
Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) bleibt bei Änderungen des Druckes
im arteriellen System recht konstant (Autoregulation der GFR). Dies ist
Folge der myogenen Reaktion der Gefäßmuskulatur in den Vasa afferentia, die auch die Autoregulation der Nierendurchblutung und die Konstanz
des glomerulären Kapillardruckes bzw. des effektiven Filtrationsdruckes
(s. o.) bewirkt. Da hier derselbe Mechanismus für die Konstanz von renalem Plasmafluß und glomerulärer Filtrationsrate verantwortlich ist, resultiert zugleich auch die Konstanz der Filtrationsfraktion (FF). Hierunter ver-
GIK
86
steht man den Anteil des renalen Plasmaflusses, der zum Filtrat wird
(FF = GFR/RPF)
GIK = Glukose-Insulin-Kalium-Lösung Von verschiedenen Autoren wird
die Verabreichung der GIK-Lösung bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt mit und ohne Schock empfohlen. Die Empfehlung dieser Therapie beruht auf der Überlegung, daß das ischämische Myokard zur Energiegewinnung nicht mehr so wie das normale Myokard freie Fettsäuren utilisieren
kann, sondern ausschließlich auf Glukose angewiesen ist. Bei gradueller
Verringerung der O2-Versorgung wird zunächst noch die Energie aus der
Utilisation von Glukose durch aerobe Glykolyse gewonnen, womit eine
Verringerung des O2-Bedarfs, aber auch eine geringere Energieausbeute
verbunden ist. Dagegen ist bei hochgradiger Ischämie das Myokard allein
auf die durch anaerobe Glykolyse freigesetzte Energie angewiesen.
Der Akzent bei dieser Therapieform liegt somit auf dem erhöhten Substratangebot an die ischämischen Myokardzellen und nicht auf der Behebung
einer Elektrolytstörung in den ischämischen Zellen, wie ursprünglich von
Sodi-Pallares angenommen wurde. Nach dem Konzept von Sodi-Pallares,
der als erster Glukose-Insulin-Kalium-Lösungen bei der Therapie der koronaren Herzkrankheit verwendet hat, sollten diese „polarisierenden“ Lösungen den Kaliummangel im ischämischen Myokard ausgleichen und dabei
vor allem die Neigung des erkrankten Herzens zu ventrikulären Tachyarrhythmien unterdrücken
GIP = interstitial pneumonia with giant cells Chronische oder subakute
Form einer interstitiellen Pneumonie, die hauptsächlich bei Kleinkindern
und Jugendlichen auftritt und durch sog. multinucleate giant-cell inclusion bodies charakterisiert ist. Synonyme Bezeichnungen sind: Hecht's
pneumonia, interstitial giant-cell pneumonia
GKW = Gesamtkörperwasser Bestimmung des Gesamtkörperwassers.
Hierzu eignen sich als Indikatoren Antipyrin, schweres Wasser (D2O) und
mit Tritium oder mit 18O-markiertem Wasser (THO bzw. H218O). Diese Substanzen vermögen durch die Zellmembranen zu diffundieren und haben innerhalb von zwei Stunden das Verteilungsgleichgewicht erreicht. Die Ausscheidung der Wasser-Isotopen (mit dem Harn oder durch die Atmung)
fällt nicht ins Gewicht, dagegen muß man die Ausscheidung von Antipyrin
berücksichtigen. Die Menge an Gesamtkörperwasser hängt von der Masse
des Körperfettes ab und beträgt beim Erwachsenen 50 bis 70% des Körpergewichtes (engl.: total body water, TBW)
GNB = Größte Negativitätsbewegung (Beginn der) größten Negativitätsbewegung. Der Augenblick, in dem sich die Vektorschleife endgültig von
einem bestimmten Ableitungspunkt abwendet, ist an dem Umschlag der
Aufwärts- in die Abwärtsbewegung des Kammerkomplexes zu erkennen.
Gemessen wird die Zeit vom Beginn der Kammeranfangsschwankung bis
zum oberen Umschlagpunkt. Basisnahe Kerbungen des absteigenden RSchenkels werden nicht berücksichtigt. Eine Verspätung des GNB gilt als
Ausdruck einer Erregungsverspätung, bzw. einer ungleichmäßigen Erre-
87
GPT
gungsausbreitung in den Kammern. Die Bestimmung des GNB ist zur Analyse von Verspätungskurven und zur Erkennung einer Hypertrophie und eines Schenkelblocks bedeutsam. Normalwert: 0,03 see in Vv2, 0,05 in V5.6.
Gleichbedeutend mit der GNB sind: -> ANP = Ankunft des negativen Potentials,
BEN = Beginn der endgültigen Negativitätsbewegung,
OUP
= Oberer Umschlagpunkt (Gillmann, 1959), QR(R’)-Zeit (Heinecker, 1961),
ID = intrinsic deflection (Lewis, 1921)
GOT = Glutamat-Oxalacetat-Transaminase EC (2.6.1.1.) Enzym, das bei
Herzinfarkt von praktischer Bedeutung ist. Die Transaminase GOT ist in
den meisten Geweben zu finden, jedoch in jeweils recht unterschiedlicher
Konzentration. Als bilokuläres Enzym ist sie Bestandteil des Zytoplasmas
und der Mitochondrien und findet sich nach abnehmender Konzentration
geordnet in folgenden Organen: Herzmuskel, Gehirn, Leber, Magen, Fettgewebe, Skelettmuskulatur, Niere und Blut. Im Rahmen des Proteinstoffwechsels katalysiert GOT die Übertragung der Aminogruppe von Aspartat
auf a-Ketoglutarat. In reversiblen Reaktionen entstehen Oxalacetat und
Glutamat. Aufgrund der unterschiedlichen zellulären Verteilung ist die
GOT im Verband mit anderen zellständigen Enzymen dazu geeignet, Aussagen über den Schädigungsgrad der betroffenen Parenchymzelle zu
treffen. Grundsätzlich liefert die Aktivitätsbestimmung mehrerer Enzyme eindeutigere Aussagen als die Bestimmung nur eines Enzyms. Frühere Bezeichnung: ASAT = Aspartat-Aminotransferase (L-Aspartate :
2-oxoglutarate-aminotransferase). Englische Bezeichnung: glutamic oxalacetic transaminase
GPT = Glutamat-Pyruvat-Transaminase (EC 2.6.1.2.) Als monolokuläres
Enzym findet sich die GPT im Zytoplasma der Gewebszellen nach abnehmender Konzentration geordnet in folgenden Organen: Leber, Niere, Herz,
Skelettmuskel, Pankreas, Milz, Lunge und Blut. Als Transaminase katalysiert die GPT die reversible Übertragung der Aminogruppen von Alanin auf
a-Ketoglutarat. Dabei entstehen Glutamat und Pyruvat. Das größte Anwendungsgebiet der GPT-Bestimmung ist die Diagnostik der Leberkrankheiten. Auch im Rahmen der Diagnostik der Herzerkrankungen wird bei Verdacht auf Leberstauung die Aktivitätsbestimmung dieses Enzyms angewandt. Die Aussagekraft der diagnostischen Information wird in jedem
Fall erhöht, wenn die veränderte GPT-Aktivität parallel zu anderen Enzymen — meist ist es die GOT — bestimmt wird. Die Relation beider Enzyme
GOT/GPT wird durch den De-Ritis-Quotienten ausgedrückt, dessen diagnostische Bedeutung in dem Aussagevermögen über die Zellintegrität
des Parenchyms liegt. Während der De-Ritis-Quotient bei einer akuten Entzündung als Ausdruck einer gesteigerten GPT-Ausschüttung abnimmt,
steigt er durch den zusätzlichen Austritt mitochondriaaler GOT bei verstärkter Zellschädigung an. Pathologische Veränderungen werden somit
entweder durch einen erniedrigten oder durch einen erhöhten De-RitisQuotienten angezeigt, wobei der erniedrigte Quotient ein Entzündigsstadium, der erhöhte ein Nekrosestadium charakterisiert. Frühere Bezeichnung: ALAT = Alanin-Aminotransferase. Englische Bezeichnung: glutamic pyruvic transaminase
GPW
88
GPW = Gesamter peripherer (Strömungs-)Widerstand Seltener verwendete Abkürzung. Gebräuchlicher ist auch in der deutschen Literatur die Bezeichnung totaler peripherer Widerstand, abgeleitet vom englischen total
peripheral resistance' (-> TPR). Quotient arterieller Mitteldruck (MAP =
mean arterial pressure) minus mittlerer Druck im rechten Vorhof (MRAP)
dividiert durch das Herzminutenvolumen (HMV)
G-wave G-Welle im Ballistokardiogramm (BKG)
GZ = Gipfelzeit Zeit von der Injektion bis zum Maximum der Farbstoffkonzentration bei der Indikatorverdünnungsmethode. Summe von Erscheinungszeit (appearance time of recirculated dye).und Konzentrationszeit
(concentration time)
89
HBB
H
H Symbol zur Bezeichnung der anatomischen Herzachse. Von Einthoven
auch zur Bezeichnung des Hauptvektors des QRS-Komplexes in seiner
Frontalprojektion gebraucht
h In der räumlichen Vektorkardiographie gebräuchliches Symbol zur Bezeichnung der Elevation des Winkels zwischen der Vektorrichtung und der
Transversalebene
H-Ableitung Elektrisches Funktionsbild; eine nach Kienle erstellte Darstellung der EAH. Unterschieden werden ein H-(horizontales), V-(vertikales)
und ein D-(diagonales) Funktionsbild. Synonyme Bezeichnung: H-Ableitung nach Kienle-Ernsthausen
HB = heart block Herzblock. Seltener verwendete, an und für sich wenig
aussagende, Abkürzung und Bezeichnung für eine Herzrhythmusstörung.
Die Abkürzung wurde im allgemeinen für den kompletten AV-Block verwendet
HB = His-Block Synonyme Abkürzung für -> HBB = His-Bündel-Block
HB = His-Bündel Am unteren Stamm des Septums membranaceum verläuft der Stamm des His-Bündels und umsäumt dort das ehemalige Foramen interventriculare. Am kaudalen Rand dieses Septums teilt sich der
Stamm in die beiden Schenkel, die dann auf dem muskulären Kammerseptum reiten. Mikroskopisch besteht der Stamm des His-Bündels aus dem
Knotengewebe, indem sich das Netz streckt und die Fasern annähernd parallel zu liegen kommen (engl.: His bundle; frz.: le faisceau de His, tronc du
faisceau de His)
HBB = His bundle block His-Bündel-Block. Bei der intrakardialen AVBlock-Lokalisation haben sich verschiedene Einteilungen und Nomenklaturen durchgesetzt. Man unterscheidet: A. Intraatrialer Block (IAB), B. Intranodaler Block (INB), C. His-Bündel-Block (HBB) und D. Infrahisischer
Block (IHB). Der intraatriale und der intranodale werden zusammen auch
als Supra-His-Block (SHB) bezeichnet. Der His-Bündel-Block ist meistens
Ausdruck einer ischämischen, entzündlichen oder primär degenerativen
Erkrankung des His-Bündels. Der HBB ist durch die Verbreiterung oder
Verdoppelung der H-Welle (split-H) zu erkennen. Normalerweise ist das HPotential nicht breiter als 15-20 msec. Bei über 25 msec Dauer oder bei
Verdoppelung spricht man von HBB. Siehe auch: -* IAB, -* IHB, -> INB und
- SHB
HBDH
90
HBDH = (Alpha-) Hydroxybutyrat-Dehydrogenase Das Enzym HBDH, das
als Teilfraktion die Aktivität der Isoenzyme LDHi und LDH2 erfaßt, ist vorwiegend im Herzmuskel, den Erythrozyten und Nieren zu finden. Die am
schnellsten anodisch wandernden Enzymgruppen (LDH1 und LDH2) zeigen
innerhalb der 5 verschiedenen Isoenzymfraktionen die größte Substratspezifität für die Reduktion von 2-Oxobutyrat zu 2-Hydroxybutyrat. Aufgrund
des organspezifischen Musters der Isoenzyme ist die Bestimmung der
HBDH vorwiegend zur Diagnostik das Myokardinfarktes und von Bluterkrankungen geeignet. Eine gute Bewertung der Isoenzym-Aktivität für die
diagnostischen Schlüsse ermöglicht der HBD/LDH-Quotient. Er steigt bei
Herzmuskelnekrosen deutlich an. Bei Leberbeteiligung tendiert der Quotient zu niedrigeren Werten, da hier der Anteil des Isoenzyms LDH5 überwiegt
HBDH/LDH-Quotient Der Quotient steigt bei Herzmuskelnekrosen deutlich
an. Der HBDH/LDH-Quotient liegt im Herzmuskelgewebe höher als im Serum, so daß die Bestimmung der HBDH im Rahmen der HerzinfarktDiagnostik viel aussagekräftiger ist, als diejenige der Gesamt-LDH. Innerhalb der ersten Stunden nach Infarktereignis steigen die HBDH-Aktivitäten
im Serum an, nach 12 Stunden werden in den meisten Fällen bereits deutliche Erhöhungen gemessen. In dieser Zeit ist der HBDH/LDH-Quotient größer als im Normalfall. Das Maximum wird nach dem 2. bis 3. Tag erreicht.
Der diagnostische Wert der HBDH-Bestimmung beschränkt sich nicht auf
den Herzinfarkt. Jede aktive Myokarditis und alle aktiven Läsionen der
Herzmuskulatur führen zu Aktivitätssteigerungen dieser Enzymfraktion
und verändern das normale Serumbild
HBE = His bundle electrogram His-Bündel-Elektrogramm, His-BündelEKG. Bipolare Ableitung der Potentiale des atrioventrikulären Faszikels
mit Hilfe eines über die V. femoralis eingeführten Registrierkatheters im
rechten Ventrikel (während im Vorhof ein Stimulationskatheter zur künstlichen Frequenzsteigerung liegt. Giraud, Puech und Latour leiteten erstmals 1960 mittels eines intrakardial eingeführten Elektrodenkatheters Potentiale vom His-Bündel ab. Nach tierexperimentellen Voruntersuchungen
konnten Scherlag et al. eine Technik entwickeln, die es erlaubt, die HisBündel-Potentiale innerhalb des PQ-Intervalls auch beim Menschen relativ
leicht abzuleiten. Methodisch wird ein bipolarer Katheter mit zwei bis
sechs Ringelektroden transkutan über die V. femoralis nach der SeldingerTechnik bis in den rechten Ventrikel unter Röntgenkontrolle vorgeschoben. Dann wird der Katheter so weit zurückgezogen, bis die Registrierung
der biphasischen oder triphasischen Aktivität des His-Bündels möglich
ist. Die Elektroden müssen kurz unterhalb des septalen Segels der Trikuspidalklappe im Ventrikelseptum anliegen. Gleichzeitig werden herkömmliche Ableitungen registriert, mit deren Hilfe exakt der früheste Beginn des
QRS-Komplexes bestimmt werden kann. Gemessen werden -* PA-, -* AH-,
HV- und -* PH-Intervall. Französische Bezeichnungen sind: l’electrocardiographie hisienne, l’enregistrement du faisceau de His
H-Block = His-Block Synonym für-> HBB = His-Bündel-Block
91
HDL
HBP = high blood pressure Hoher, erhöhter Blutdruck (von einigen amerikanischen Autoren bevorzugte Abkürzung)
HC = hypertrophic cardiomyopathy Von einigen amerikanischen Autoren
bevorzugte Abkürzung als übergeordnete Bezeichnung für hypertrophe
Formen der Kardiomyopathien. Diese unterteilen sich in Kardiomyopathien mit Obstruktion (-► HOCM, -> IHSS) und Formen ohne Obstruktion.
Synonyme Schreibweise: HCM. [In his original description, Teare applied
the term asymmetrical hypertrophy of the heart to this condition. Subsequently, other terms including functional subaortic stenosis, diffuse muscular subaortic stenosis, idiopathic hypertrophic subaortic stenosis, hypertrophic obstructive cardiomyopathy, and asymmetric septal hypertrophy (ASH) have been applied. The terms which include the word stenosis
or obstruction appear inappropriate, because obstruction is more often
absent than present. The terms which emphasize asymmetry of the walls
bordering the left ventricular cavity have served a useful purpose in emphasizing the characteristic morphologic feature of this condition, but it is
now apparent that the ventricular septum may be thicker than the left ventricular free wall in an occasional patient with a condition other than HC.
In addition, a few patients with HC do not have ASH (i. e., septum thicker
than free wall), and on rare occasion the left ventricular free wall may not
be hypertrophied in HC]
HCM = Hypertrophe Kardiomyopathie Die Hypertrophe Kardiomyopathie
(HCM) mit und ohne Obstruktion ist gekennzeichnet durch eine idiopathische Vermehrung von Myokardstrukturen, die oft mit einem hyperdynamen Kontraktionsverhalten des linken Ventrikels verbunden ist. M-scanechokardiographische Studien haben ein oft asymmetrisch verdicktes
Septum beschrieben, das immobil sei und demnach nicht an der Kontraktionsbewegung des linken Ventrikels teilnehmen soll
HCVD = hypertensive cardiovascular disease Hochdruck mit sekundären
kardialen und vaskulären Veränderungen
HDF = Herz-Dämpfungs-Figur Präkordiales Brustwandareal mit deutlicher perkutorischer Klopfschalldämpfung, entsprechend der Größe des
auf die Brustwand projizierten Herzumfanges
HDFP = Hypertension Detection and Follow up Program Antihypertensive
Behandlung von Männern und Frauen mit leichter oder GrenzwertHypertonie. Ergebnis nach 5 Jahren: Blutdrucknormalisierung in 64%,
mittlerer diastolischer Druckabfall von 96 auf 83 mm Hg, Rückgang der Gesamtmortalität um 20%
HDL = high density lipoproteins Lipoproteine hoher Dichte, «-Lipoproteine. Von den physiologischen Funktionen der HDL ist bekannt, daß
sie durch Abgabe von Apo-C, vorwiegend von Apo-C II, an triglyzeridreiche Lipoproteine diese für die Lipoproteinlipase aktivieren. Sie stellen somit einen Co-Faktor für den Abbau der Lipoproteine dar.
HE
X
92
Weiter reagiert die menschliche Lecithin-Cholesterin-Acyl-Transferase
(LCAT) mit dem Lecithin und dem unveresterten Cholesterin in der HDL
des Plasmas, wobei Lysolecithin und Cholesterylester gebildet werden.
Während das dabei gebildete Lysolecithin größtenteils mit dem Albumin
des Plasmas abtransportiert wird, werden die bei der Reaktion gebildeten
Cholesterinester im HDL-Substrat selbst transportiert, und an die LDL
und an die VLDL abgegeben. Auf diese Weise erhöhen die LDL und VLDL
als Akzeptoren diese Transesterifikation von Cholesterin in den HDL.
Apo-Ai von den HDL stimuliert als Co-Faktor ganz wesentlich die Produktion von Cholerinester, möglicherweise durch Aufnahme (Bindung) des bei
der Reaktion entstehenden Cholerinesters. Zusammensetzung: HDL haben eine Dichte von 1,063-1,210 g/ml. Sie wandern in den meisten Trägern im elektrischen Feld mit den a-Globulinen und werden deshalb als aLipoproteine bezeichnet.
Mit Hilfe der Ultrazentrifugation lassen sich zwei größere HDL-Klassen unterscheiden, nämlich die HDL2 (d = 1,063 — 1,125 g/ml) und die HDL3 mit
einer hydrierten Dichte von d = 1,125 — 1,210 g/ml. HDL1 ist im normalen
Serum nur in ganz kleinen Konzentrationen anzutreffen und hat eine ähnliche Dichte wie LDL.
Im Elektronenmikroskop erscheinen HDL als sphärische Partikel mit einem Durchmesser von 75 - 95 A, das Molekulargewicht beträgt 150 000 bis
400 000 Daltons. HDL2 enthalten 23% Cholesterin, 7% Triglyceride, 30%
Phospholipide und 40% Protein, Während HDL3 vergleichsweise mehr Protein (53%) und weniger Cholesterin (16%) enthalten. Das Apolipoprotein
der HDL besteht vorwiegend aus Apo-A^ das etwa 70-75% des Proteinanteils ausmacht, und Apo-A2. Daneben enthalten die HDL aber auch noch
das Apo-C I, Apo-C II und Apo-C III
HE = Horizontalebene in der Bruswandableitung nach Wilson
HF = Herzfrequenz, high frequency
HFA = Herzfernaufnahme Eine bei großem Fokus-Film-Abstand gefertigte sagittale oder transversale Thoraxaufnahme, welche die Herzfigur ohne
schwerwiegende projektive Verzeichnung, vor allem ohne wesentlichen
Vergrößerungseffekt, wiedergeben soll. Die HFA wird in der Röntgendiagnostik meist bei 2 m, seltener auch bei 3 m FFA (Film-Fokus-Abstand) angefertigt
HFPPV = high frequency positive-pressure ventilation Hochfrequenzbeatmung mit positivem Druck. Technik der künstlichen Beatmung
HGZ = Halbgipfeizeit in der Karotispulskurve. Normwert: 0,06 — 0,08 s
HHK = Hypertensive Herzkrankheit Chronisches Hochdruckherz
HH’-Potential Gedoppeltes (gespaltenes) oder erheblich verbreitertes HPotential: Verzögerung der Erregungsleitung im His-Bündel (= mittlerer
AV-Block oder His-Block I. Grades). Das Auftreten eines doppelten His-
93
HIJK-Komplex
Potentials (H H’) wird als Ausdruck einer umschriebenen Störung der Erregungsleitung im His-Bündel angesehen, wofür auch tierexperimentelle Befunde sprechen. Ein derartiges biphasisches His-Potential kann bei breiten P-Wellen und intakter intranodaler Leitung auch so interpretiert werden, daß der erste Anteil des Potentials der Ausdruck der letzten atrialen
Depolarisationphänomene darstellt. Dies kann durch hochfrequente Vorhofstimulation überprüft werden. Bei zunehmender Verlängerung der
Überleitung im AV-Knoten bis zur Wenckebach-Blockierung muß der proximale Potentialanteil des biphasischen Signals verschwinden, wenn es
sich um ein atriales Potential handelt. Die Umkehr des Potentialhauptausschlages im HBE kann durch Umkehr der Erregungsrichtung oder durch
Änderung der Katheterlage und damit der Vektorprojektion bedingt sein.
Synonyme Bezeichnungen: split H, split His, split-H-lntervall
HHR = Hinterherzraum Siehe: -► HKR = Holzknechtscher Raum
HHS = Hyperkinetisches Herzsyndrom Synonyme Abkürzung: HKS; kreislaufdynamisch gekennzeichnet durch überhöhte Werte des Herzminutenvolumens, der Pulsfrequenz, der Blutdruckamplitude, der kardialen Kontraktilität und der Muskeldurchblutung bei vermindertem Gefäßwiderstand. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt, dosierte Belastung führt zu einem übermäßigen Anstieg der Pulsfrequenz und des systolischen Blutdrucks. Es fehlen pathologisch-anatomisch oder hormonell
faßbare Ursachen. Im Vordergrund stehen Beschwerden von Seiten des
Herzens
Hl = Herzindex Index aus Herzminutenvolumen und Körperoberfläche
(HMV/m2 Körperoberfläche). Wegen der großen Schwankungsbreite des
HMV unter Ruhe- bzw. Belastungsbedingungen, bedingt durch den Einfluß
von Körpergewicht und Körpergröße, wird in der internationalen kardiologischen Literatur das HMV in der Regel zur Körperoberfläche als cardiac
index in Beziehung gesetzt. Es beträgt durchschnittlich 3 bis 3,5 L/min/m2
Körperoberfläche (engl.: cardiac index, Cl)
HI = Herzinsuffizienz Seltener verwendete Abkürzung
HIJK-Komplex Das normale Ballistokardiogramm (BKG) besteht im wesentlichen aus einer Reihe sich folgender Wellen, die sich deutlich unterscheiden und mit den Buchstaben H, I, J, K, L, M, N und O bezeichnet werden. Die aufwärts gerichteten Wellen H, J, L und N stellen kopfwärts gerichtete Stöße oder Gegenstöße des Körpers dar, während die abwärts gerichteten Wellen I, K, M und O fußwärts gerichteten Bewegungen entsprechen. Die Wellen H bis K erscheinen während der Systole und die Wellen L
bis O während der Diastole. Der H-Welle geht eine Gruppe kleiner Wellen
voran, die mit den Buchstaben F und G (oder j und k) bezeichnet werden
und der ballistischen Wirkung der Vorhofkontraktion entsprechen. Die FWelle ist kopfwärts und die G-Welle fußwärts gerichtet.
Die ballistokardiographischen Wellen, vor allem I und J, werden während
der Inspiration größer und während der Exspiration kleiner. Diese phasi-
HKR
94
sehen Veränderungen kommen bei älteren Personen deutlicher zum Ausdruck als bei jüngeren und sind auch bei herzkranken Patienten deutlich
vorhanden.
Bei leichter Arbeitsleistung gesunder Personen nimmt die Amplitude des
HIJK-Komplexes zu, ohne daß sich dessen Konfiguration ändert
HKR = Holzknechtscher Raum In der Röntgendiagnostik gebräuchliche
Bezeichnung für den Raum, der sich auf seitlichen Thoraxübersichtsaufnahmen zwischen Herz und Wirbelsäule darstellt. Er ist besonders bei Mitralklappenstenose durch Erweiterung des linken Vorhofes eingeengt. Synonyme Bezeichnung: Hinterherzraum (HHR)
HKS = Hyperkinetisches Herzsyndrom Gelegentlich auch als -► HHS abgekürzt
HL = Herzlänge Ein röntgenologisches Herzmaß
HLAE = high left atrial electrogram Hohe linksatriale Ableitung im HisBündel-Elektrogramm. Siehe auch: -* HRAE
HLF = Heart and Lung Foundation (USA)
HLH-Syndrom = Hypoplastisches Linksherzsyndrom Das Fehlen einer
Klappenanlage im Bereich des Aortenostium bzw. ein kompletter Verschluß der Aortenklappe mit hypoplastischem Klappenring führen zur Hypoplasie der an normaler Stelle entspringenden Aorta, meist bis zum Abgang des Truncus brachiocephalicus, seltener bis zur Mündung des weit
offenen Ductus arteriosus. Die hyperplastische Aorta ascendens fungiert
dann mit umgekehrter Strömungsrichtung als gemeinsame Koronararterie
bis zu dem hypoplastischen Sinus von Valsalva. Der Abstrom aus dem
Pulmonal- zum Systemkreislauf erfolgt als Links-Rechts-Shunt über eine
interatriale Lücke — meist über ein offenes Foramen ovale oder einen kleinen Vorhofseptumdefekt (76% der Fälle, Freedom 1978), seltener über einen größeren Vorhofseptumdefekt (17%) — und als Rechts-Links-Shunt
über einen weit offenen Ductus arteriosus einerseits zur normal weiten
deszendierenden Aorta, andererseits retrograd über den Aortenbogen zur
oberen Körperhälfte und über die hypoplastische, jedoch immer durchgängige Aorta descendens zu den Koronararterien
Lev hat 1952 diese Gruppe der kongenitalen Herzfehlbildungen mit Stenosierung des Einfluß- und Ausflußtraktes des linken Ventrikels und Hypoplasie des linken Herzens bei Hypertrophie des rechten Herzens unter dem
Begriff „hypoplasia of the aortic tract complexes“ zusammengefaßt. Noonan und Nadas prägten 1958 den Begriff des „hypoplastic left heart syndrome“ für diesen Fehlbildungskomplex mit Hypoplasie oder Atresie der
Aorten- und Mitralklappe, Hypoplasie der Aorta ascendens und Hypoplasie oder Atresie des linken Ventrikels. Je nach Beteiligung der linksseitigen Herzklappen wurde eine Einteilung in vier Typen (I — IV) vorgeschlagen, wobei nur Fälle mit einem nicht funktionsfähigen linken Ventrikel in
diesen Komplex eingeschlossen werden
95
HNCM
HLP = Herz-Lungen-Präparat Von Starling wurde eine Präparation des
Säugetierherzens angegeben, bei der Aortendruck und venöser Zustrom
unabhängig voneinander in weiten Grenzen verändert und mit der enddiastolischen Ventrikelgröße korreliert werden können. Das Herz behält dabei
seine natürlichen Verbindungen zur künstlich belüfteten Lunge. Der große
Kreislauf ist durch ein blutgefülltes Meßsystem mit einstellbarem Widerstand ersetzt. Der venöse Zustrom kann von einem Reservoir aus beliebig
variiert werden. Da die Bluttemperatur konstant gehalten wird und die
Herznerven durchtrennt sind, schlägt das Herz mit konstanter Frequenz
HLQ = Herz-Lungen-Quotient Herzvolumenleistungsquotient. Herzvolumen/maximaler Sauerstoffimpuls. Mit Hilfe dieses Herzvolumenleistungsquotienten wird beim Vorliegen eines Vorhofseptumdefektes eine Aussage darüber möglich, ob das Verhältnis von Herzvolumen zur Leistung
durch eine myokardiale Schädigung oder durch den Shunt gestört ist. Die
Größe des Shunts muß jedoch bekannt sein. Bei gesunden Personen liegt
der Quotient zwischen 40 und 70. Quotienten über 70 sind Ausdruck eines
krankhaften Geschehens. Mit Größerwerden des Quotienten vermittelt das
Ausmaß der Abweichungen einen objektiven Hinweis auf den Grad der
Störung
HMV = Herzminutenvolumen Bezeichnung für die von der linken oder
rechten Herzkammer in der Zeiteinheit (Minute) geförderte Blutmenge.
Englische Bezeichnung cardiac output (CO). Die Bezeichnung „heart minute volume“, die in einigen englisch-deutschen medizinischen Wörterbüchern verwendet wird, ist ein typisch „deutsches“ Englisch und im angelsächsischen Sprachraum unbekannt
HMVI = Herzminutenvolumen-Index
HNCM = hypertrophic non-obstructive cardiomyopathy Hypertrophische,
nicht obstruktive Kardiomyopathie. Bei der HNCM handelt es sich um eine
ätiologisch ungeklärte Hypertrophie in der Regel der gesamten Ventrikelmuskulatur mit verkleinerten Ventrikelvolumina und normaler bzw. gesteigerter Auswurffraktion. Im Gegensatz zur HOCM besteht weder in Ruhe
noch unter körperlicher Belastung eine linksventrikuläre Obstruktion mit
intraventrikulärem Druckgradienten.
Die hypertrophische nicht obstruktive Kardiomyopathie (HNCM) wurde
aus klinischer Sicht bisher meist nicht als eigenständige Erkrankung des
Herzens, sondern lediglich als Formvariante der hypertrophischen obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) angesehen, die sich von dieser durch
den fehlenden Nachweis einer subaortalen Obstruktion des linken Ventrikels und einem anderen Verteilungstyp fehlangeordneter Herzmuskelfasern unterscheidet. Widersprüchliche Bezeichnungen wie z. B. „HOCM
without obstruction“ charakterisieren diese Situation. Mitteilungen über
Patienten mit hypertrophischer Kardiomyopathie ohne nachweisbare Obstruktion beziehen sich in der Literatur ganz überwiegend auf meist nicht
invasiv untersuchte Patienten mit echokardiographisch verdicktem Ventrikelseptum (asymmetrische Septumhypertrophie, ASH) ohne echokardio-
HNKM
X.
x
96
graphische Hinweise auf eine Obstruktion, bei denen es sich um Familienangehörige von Patienten mit HOCM handelt und bei denen häufig unklar
ist, ob tatsächlich eine Herzerkrankung vorliegt. Für diese Patienten wurde
ebenfalls die Bezeichnung „hypertrophische Kardiomyopathie ohne Obstruktion“ verwendet.
Die HNCM ist nur einer konservativen Therapie zugängig. Dabei werden
analog zur HOCM Betarezeptoren-Blocker, wie z. B. Propranolol oder
Kalzium-Antagonisten, wie z. B. Verapamil, in den beschriebenen Dosierungen angewandt. Die Dauerbehandlung der HNCM gründet sich auf die
Annahme, daß somit eine Progredienz der Erkrankung mit zunehmender
Dehnbarkeitsstörung und Anstieg des linksventrikulären Füllungsdrucks
verhindert werden kann
HNKM = Hypertrophische nichtobstruktive Kardiomyopathie Von einigen
deutschsprachigen Autoren verwendete Abkürzung für -► HNCM
HOCM = hypertrophic obstructive cardiomyopathy Hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie. Die hypertrophisch-obstruktive Kardiomyopathie (HOCM), im amerikanischen Schrifttum häufig als idiopathisch hypertrophische Subaortenstenose (-► IHSS) bezeichnet, ist durch eine funktionelle Obstruktion im Bereich des linksventrikulären Ausflußtraktes mit einem Druckgradienten zwischen dem Spitzenbereich und dem subaortal
gelegenen Anteil des linken Ventrikels gekennzeichnet.
Diese Herzmuskelerkrankung ist durch eine überproportionale Hypertrophie häufig nur des Kammerseptums, seltener auch der gesamten Kammermuskulatur, mit systolischer Ausflußbahn-Obstruktion und daraus resultierendem intraventrikulärem Druckgradienten gekennzeichnet. Von
der subaortal gelegenen Ausflußbahn-Obstruktion, die als typische HOCM
bezeichnet wird, ist die atypische mit medioventrikulär oder apikal gelegener Obstruktion zu unterscheiden.
Pathophysiologisch ist die HOCM einerseits durch eine chronische, intraventrikuläre systolische Druckbelastung mit prästenotischem Spitzendruck und erhöhtem enddiastolischen Druck und andererseits durch eine
eingeschränkte Dehnbarkeit der Kammermuskulatur während der Diastole
charakterisiert. Aufgrund der für die HOCM typischen irregulären Hypertrophie mit wirrer Anordnung der Myokardfasern kommt es im Stadium der
Dekompensation zu keiner Dilatation des linken Ventrikels, jedoch zum kritischen Anstieg des linksventrikulären Füllungsdruckes.
Aus den pathophysiologischen Gegebenheiten leitet sich die Beschwerdesymptomatik des Patienten ab. Belastungsdyspnoe, präkordiales Druckgefühl, Schwindel und Synkopen als Folge der diastolischen Füllungsdrucksteigerung bzw. systolischen Ausflußbahn-Obstruktion werden in
der Regel angegeben
HOT = hyperbaric oxygen therapy Bezeichnung für hyperbare Oxygenation. Überdruckbeatmung des unter gleichem Druck in einer Druckkammer
Liegenden mit reinem O2. Diese Überdruckbeatmung bewirkt verstärkte
physikalische Lösung des Sauerstoffs im Blut und bis zu 20fache Sauerstoffspannung im Gewebe
97
HPX
H-Potential Aktionspotential des His-Bündels im His-Bündel-Elektrogramm (HBE). Das H-Potential selbst reflektiert die Depolarisation des
gesamten His-Bündels und stellt ein Oberflächen-Nahpotential dar. Die
Breite des His-Bündels (H-Potential), die normal 15 msec beträgt,
reflektiert bei bekannter Länge des Bündelstammes die wahre Leitungsgeschwindigkeit in der Größenordnung von 1,5 msec im His-Bündel. Bei entsprechender Plazierung des Katheters oder bei Auswählen entsprechender
Elektroden bei Mehrfach-Elektrokathetern läßt sich das Zeitintervall zwischen H-Potential und ventrikulärer Depolarisation, das normalerweise in
der Größenordnung von 40-55 msec liegt, durch Registrierung eines Potentials vom rechten Schenkel unterteilen. Dieses Potential erfolgt 15-20
msec nach dem H-Potential. Es bleibt bei Stimulation vom His-Bündel
erhalten, verschwindet aberbei Auftreten eines Rechtsschenkelblocks
HPS = His-Purkinje-System Das His-Bündel-Elektrogramm erlaubt eine
differenzierte Betrachtung der PQ-Zeit (PR-Zeit). Diese zwischen dem Beginn der Vorhoferregung und dem der Kammererregung liegende Zeit umfaßt die Erregung der Vorhöfe, des AV-Knotens, des His-Bündels, der
Tawara-Schenkel und der Purkinje-Fasern (His-Bündel, Tawara-Schenkel
und Purkinje-Fasern werden üblicherweise als His-Purkinje-System =
HPS zusammengefaßt)
HPVD = hyptertensive pulmonary vascular disease Synonyme Bezeichnungen für diese Form der pulmonalen Hypertension sind: primary vascular pulmonary hypertension, Cor pulmonale vasculare, obliterative pulmonary hypertension, obliterative cor pulmonale und pulmonary vascular obstruction syndrome
HP-Welle = His-Purkinje-System-Welle Positive Welle innerhalb der PQStrecke bei ösophagoapikalen Ableitungen von Oberflächen-HisPotentialen
HPX = Hancock Porcine Xenograft HPX-Klappe. Klappenprothese, Bioprothese nach Hancock. Nach der 1979 erarbeiteten international einheitlichen Terminologie biologischer Herzklappen („Münchener Terminologie“,
Sebening et al.) werden die prothetischen Herzklappenmodelle zwei
Hauptgruppen zugeordnet: den biologischen Herzklappen (biological valves) und den mechanischen oder künstlichen Herzklappen (prosthetic valves), Die biologischen Herzklappen lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: die Bioprothesen und die Grafts. Der Begriff Bioprothese wurde eingeführt, um die chemische Vorbehandlung des Gewebes zu charakterisieren.
Demgegenüber ist ein Graft als durch antibiotische Lösungen sterilisiertes Gewebe definiert, das in einer Nährlösung vital erhalten wird. Innerhalb des Grafts werden unterschieden: 1. Autograft (das Gewebe stammt
vom selben Individuum), 2. Allograft (das Gewebe stammt von einem Spender der selben Spezies, welche auch der Empfänger angehört, 3. Xenograft
(das Gewebe stammt von einem Spender, der nicht mit der Spezies des
Empfängers identisch ist). Entsprechend können bei den Bioprothesen je
nach Speziesherkunft des verwendeten Gewebes die Begriffe Xenobio-
HQ-Zeit (HQ-lntervall)
X
98
prothesen oder Allobioprothesen verwendet werden. Weiter lassen sich
die Grafts nach der Art des verwendeten Gewebes in Herzklappen-Grafts,
Perikard-Allografts und Faszien-Allografts einteilen
HQ-Zeit (HQ-lntervall) Zur Bestimmung der HV-Zeit muß der früheste Beginn der Ventrikelerregung, der sich im His-Bündel-Elektrogramm oder im
Oberflächen-EKG darstellt, gewählt werden. Normalerweise beginnen VKomplex
(im
His-Bündel-Elektrogramm)
und
QRS-Komplex
(im
Oberflächen-EKG) gleichzeitig. Bei intraventrikulären Erregungsleitungsstörungen können jedoch leichte Unterschiede vorkommen.
Liegt der Beginn der Kammeranfangsgruppe im His-Bündel-Elektrogramm
hinter dem im Oberflächen-EKG oder ist der Beginn des V-Komplexes im
His-Bündel-Elektrogramm nicht scharf abgegrenzt, ist man also auf das
Oberflächen-EKG angewiesen, sollte exakter von einer HQ-Zeit (bei fehlendem Q auch HR-Zeit) gesprochen werden
HR = heart rate Herzfrequenz. Zahl der Herzzyklen pro Zeiteinheit, normalerweise mit der Pulszahl übereinstimmend
HRA = high right atrial (electrogram) Hohes rechtsatriales Elektrogramm.
Hohe atriale Ableitung im His-Bündel-Elektrogramm. Potential der Erregung oberer Anteile des rechten Vorhofs. Siehe: -* HRAE
*
«
HRA-A Im -> HRAE Bezeichnung für die Leitungszeit vom hohen zum basalen Vorhof (A = Atrium). Siehe auch: -> HRA-LRA
HRAE = high right atrial electrogram Bezeichnung für eine hohe atriale
Ableitung beim His-Bündel-Elektrogramm (HBE)
HRA LLRA = high right atrium — low lateral right atrium Intervall zwischen den Potentialen vom oberen systemvenösen Vorhof zum unteren lateralen systemvenösen Vorhof im HBE
HRA-LRA = high right atrium — low right atrium Leitungsintervall vom
oberen, hohen Vorhofpotential bis zum basalen Vofhofpotential im HBE
HRA-VA’ = retrograde right atrial activation Synonyme Schreibweise:
V-A’(HRA)
HRC-CSNS = Herzratenkontrollierte Carotissinusnerven-Stimulation Abkürzung aus der Elektrokardiologie. Neben der HRC-CSNS gibt es auch die
BPS-CSNS = blutdruckkontrollierte CSNS
HRH = high renin hypertension Essentielle Hypertension mit erhöhter
Plasmareninaktivität
HRV = Hohes atriales Vorhofelektrogramm Von einigen Autoren bevorzugte synonyme Abkürzung und Bezeichnung für -> HRAE = high right
atrial electrogram
99
H V-lntervall
HR-Zeit Synonyme Bezeichnung für -> HQ-Zeit
HSCS = Hypersensitiver Karotissinus Von einigen Autoren verwendete
Abkürzung
HSS = Herzspitzenstoß Bei der externen Untersuchung des Brustkorbes
meist tastbare und zuweilen auch sichtbare fortgeleitete Pulsation, die der
Herzspitzenbewegung entspricht. Normalerweise soll der HSS innerhalb
der Medio-Clavicular-Linie (MCL) liegen
HT = Herzton, Herztöne
HTA = hypertension arterielle (frz.) Arterieller Bluthochdruck, Hypertension (Hypertonie)
HTP = hypertension portale (frz.) Portale Hypertension
HV = heart volume Herzvolumen
HV = hyperventilation Forcierte Überbeatmung, Hyperventilation
HV-Block = His-Ventrikel-Block Leitungsstörung im Bereich der Aufzweigung der His-Brücke oder doppelseitiger Schenkelblock. Im His-BündelElektrogramm Verlängerung des HV-Intervalls oder Ausfall der V-Gruppe
nach der H-Gruppe.
Steigerung der Herzfrequenz durch elektrische Stimulation der Vorhöfe
führte zu einer kontinuierlichen Verlängerung des AH-Intervalls. Das HVIntervall bleibt konstant. Adrenalin verkürzt sowohl das AH- als auch das
HV-Intervall. Isoproterenol und Atropin verkürzen das AH-Intervall bei
gleichbleibendem HV-Intervall, sofern die Herzfrequenz konstant gehalten
wird. Vagusreizung, Digitalisglykoside und Propranolol verlängern das AHIntervall. Lidocain in therapeutischen Dosen beeinflußt beide Intervalle
nicht. Procainamid verlängert in erster Linie die HV-Zeit. Diphenylhydantoin dagegen verkürzt das AH-Intervall. Siehe auch: -► AH-Block, -> HBlock, -> PA-Block (frz.: bloc infra-hisien)
HVD = hypertensive vascular disease Hochdruck unter Einbeziehung von
Gefäßveränderungen. Hypertensive Vasopathie
HV-Intervall Intervall vom Beginn der ersten schnellen Deflektion des HisPotentials bis zum frühesten Beginn des ventrikulären Potentials, sei es
im His-Bündel-Elektrogramm oder im Standard-EKG. Dieses Intervall ist
ein Maß für die Leitungszeit vom His-Bündel bis zum Myokard der Ventrikel. In dieser Arbeit wird ein atrioventrikulärer Block (AV-Block als proximal bzw. oberhalb oder distal bzw. unterhalb des His-Bündels gelegen beschrieben. Es sei jedoch darauf hingewiesen, daß ein Block proximal oder
distal des registrierten His-Potentials durchaus noch im proximalsten
bzw. distalsten Anteil des His-Bündels gelegen sein kann. Normwert: 43 ±
12 msec
H-Welle
100
H-Welle Bezeichnung für die erste systolische Welle im Ballistokardiogramm
h-Welle Bezeichnung für eine flache Füllungswelle der Venenpulskurve im
y/a-Anstieg kurz vor der a-Welle, nur bei langsamer Frequenz deutlich von
der a-Welle abgesetzt
HWI = Hinterwandinfarkt Von einigen Autoren wird auch die englische
Schreibweise bevorzugt -* PWI = posterior wall infarction
HWI + LPFB = Hinterwandinfarkt + Linker posteriorer Faszikelblock
Hinterwand- oder Diaphragmal-Infarkte können eine Läsion des LPF, bzw.
eine Läsion der aus dem LPF entspringenden Fasern des terminalen Netzwerkes im Bereiche der Infarzierung verursachen.
EKG-Kriterien: Bild eines Hinterwandinfarktes (oderdiaphragmalen Infarktes) mit zusätzlichen Kriterien eines LPFB.
Differentialdiagnose: Bei HWI oder LPFB sind die Kammerhauptschwankungen nicht so extrem rechtsgerichtet.
Von deutschsprachigen Autoren wird als Abkürzung für HinterwandInfarkt häufig die englische Schreibweise -► PWI = posterior wall infarction verwendet
HZV = Herzzeitvolumen im L/miri HZV wird in der deutschen kardiologischen Literatur synonym mit -» HMV = Herzminutenvolumen (cardiac output, CO) verwendet (HZVI = Herzzeitvolumenindex)
HZW = Herz-Zwerchfell-Winkel Basaler Komplementärraum, der vom Herzen und Diaphragma begrenzt ist
101
IAB
I
IA2 Abkürzung für die akustische Systole. Bedeutung hat das Intervall lediglich bei der Bestimmung der IVC. Gemessen wird das Intervall vom Beginn der ersten hochfrequenten Schwingungen des 1. Herztones bis zum
aortalen Anteil des 2. Herztones (= A2)
IAA - interruption of the aortic arch (interrupted aortic arch) Unterbrochener Aortenbogen. Diese Fehlbildung ist charakterisiert durch eine vollständige Trennung zwischen zwei Segmenten der thorakalen Aorta bzw. einem
Fehlen des Aortenisthmus, so daß weder die Media noch die Intima der
beiden Aortenbogenanteile Kontinuität zueinander haben. Der proximale
Anteil der Aorta mündet in die Brachiozephalgefäße, der distale Anteil
wird als Fortsetzung des offenen Ductus arteriosus von der Pulmonalarterie aus perfundiert.
In einzelnen Fällen bildet ein fibröser Strang ohne Lumen eine Verbindung
zwischen proximaler und distaler Aorta. Dieser ist nicht — wie bei ausgeprägter Hypoplasie oder Atresie des Aortenbogens — wie ein obliteriertes
Gefäß aufgebaut. Einige Autoren beziehen — ausgehend von hämodynamischen Gesichtspunkten — die Bezeichnung „unterbrochen“ in erste Linie auf die Diskontinuität des Lumens, weniger auf den morphologischen
Befund und ordnen auch diese Obstruktion dem „unterbrochenen Aortenbogen“ zu, während andere diese Fälle als Atresie des Aortenbogens bezeichnen und damit der Aortenisthmusstenose als Extremform zurechnen.
Aufgrund der Beziehungen der Aortenbogenunterbrechung zu den Brachiozephalgefäßen werden 3 Haupttypen unterschieden:
Typ A mit Unterbrechung distal der linken Arteria subclavia. Er entspricht
damit der Extremform der Aortenisthmusstenose mit großer Distanz der
Aortensegmente.
Typ B mit Unterbrechung zwischen der linken Arteria carotis communis
und der Arteria subclavia sinistra.
Typ C mit Unterbrechung proximal der Arteria carotis communis sinistra
bzw. distal des Truncus brachiocephalicus bzw. der Arteria carotis communis dextra
IAB = intraatrial block Intra-atrialer Block. Man unterscheidet 1. IAB I:
Verzögerung des A’-A-Intervalls bzw. des -» P-A-Intervalls über 55 msec.
Dieser Block ist selten, seine klinische Bedeutung ist noch nicht geklärt. 2.
IAB II: I/Venckeöac/J-Periodizität: progressive Verlängerung des A’-AIntervalls mit Ausfall eines Kammerkomplexes, wobei auf der intrakardialen Aufnahme die A-, H- und V-Wellen fehlen. Dieser Block ist bei hochatrialer Schrittmacherstimulation beobachtet worden. Synonmye Bezeichnung: Supra-His-Block
102
IABC
IABC = intraaortic balloon counterpulsation Intra aortale Ballongegenpulsation. Von einigen Autoren bevorzugte Bezeichnung und Abkürzung
für die sonst überwiegend benannten -* IABP = intraaortic balloon pumping (intra-aortale Ballonpumpe). Folgende Synonyma werden verwendet:
intraaortic counterpulsation with a balloon, percuteneous intraaortic balloon pumping, aortale Ballonpulsation, assistierte Zirkulation mit Ballonpumpe, Ballonpulsation, Counterpulsation, intra-aortale Gegenpulsation,
intra-aortale Ballongegenpulsation
IABP = intraaortic balloon pumping Intra-aortale Ballonpumpe. Künstliche mechanische Gegenpulsation durch Aufpumpen eines Ballons in der
Aorta während der Diastole und Entleerung in der Systole zur temporären
Verminderung der Druckarbeit des Herzens. Durch Verminderung der Impendenz der Aorta wird die Nachbelastung des Herzens (afterload) herabgesetzt. Voraussetzung ist ein arbeitender linker Ventrikel. Durch Senkung
der Nachlast bewirkt die IABP eine Verringerung des myokardialen Sauerstoffbedarfs und durch Anheben des diastolischen Aortendrucks eine Zunahme der Myokarddurchblutung.
Indikationen für die IABP: Kardiogener Schock und schwere Herzinsuffizienz nach akutem Herzinfarkt, Ruhe-Angina-pectoris (refraktär auf medikamentöse Therapie), Ruhe-Angina in der Postinfarktphase. Siehe auch:
IABC
S
9
IAS = intraatrial septum Septum interatriale. In der Echokardiographie
verwendete Abkürzung für Vorhofscheidewand, Vorhofseptum. Von vielen
Autoren wird die Bezeichnung atrial septum bevorzugt
IASD = intraatrial septal defect Vorhofseptumdefekt, Vorhofscheidewandeffekt. Seltener verwendete Abkürzung; bevorzugt wird
ASD = atrial
septal defect. Auch in der deutschsprachigen Literatur findet man für
VSD = Vorhofseptum immer häufiger die englische Abkürzung ASD
IAV = intermittent assisted ventilation Bezeichnung für intermittierende
patientengetriggerte Beamtung. IMV-Beatmungsverfahren (-* IMV = intermittent mandatory ventilation, intermittierend angewandte kontrollierte
Beatmung)
I-Banden Im Myokard wie im quergestreiften Skelettmuskel stellen die Myofibrillen das eigentlich strukturelle Substrat des kontraktilen Apparates
er Zellen dar. Die einzelne Myofibrille hat einen Durchmesser von etwa
1 /zm und ist aus identischen, in der Längsrichtung der Fasern hintereinandergeschalteten Struktureinheiten, den Sarkomeren, aufgebaut. Die einzelnen Sarkomeren haben im ruhenden Herzmuskel eine Länge von 22,5 /zm und sind durch schmale, optisch dichte Scheiben (Z-Scheiben) voneinander getrennt. Angrenzend an die Z-Scheiben liegen auf beiden Seiten
etwa 1 /zm breite, helle isotrope Zonen, die sog. I-Banden (I = isotrop).
Die anschließenden dunkleren, etwa 1,5/zm breiten Zonen im mittleren Teil
der Sarkomeren sind stark doppelbrechend (anisotrop) und werden daher
als A-Banden bezeichnet (engl.: l-bands)
103
ICT
IC = inspiratory capacity Inspirationskapazität (IK). Das maximale Luftvolumen, das vom End-Exspirationsniveau (FRC, FRK) bis zum Erreichen
der Totalkapazität der Lunge (TLC, TLK) eingeatmet werden kann; die IC
macht normalerweise im Durchschnitt 60% der -► TLC (TLK) aus. Zu dieser
Kapazität gehört auch das Atemvolumen (IC = IRV + Vt ). Französische
Bezeichnung: capacity inspiratoire (CI)
IC = intensive care Intensivpflege, Intensivüberwachung
ICA = internal carotid artery Arteria carotis interna. Sie verläuft im Trigonum caroticum, dann tiefer in der Fossa retromand. und durch den Can.
caroticus ins Schädelinnere, im Sulcus caroticus der Sella aufwärts durch
die Dura zum Gehirn
ICF = intracellularfluid Intrazelluläre Flüssigkeit, ICF-Volumen. Das ICFVolumen kann nur direkt bestimmt werden, indem man das ECF-Volumen
vom Gesamt-Körper-Wasser abzieht. Das Gesamtwasser wird nach demselben Verdünnungsprinzip erfaßt wie die anderen Flüssigkeitsräume. Am
häufigsten benützt man schweres Wasser (D2O) als Testsubstanz. Zwar
unterscheidet sich dieses etwas von H2O, doch genügt es, um verläßliche
Resultate zu erhalten. Auch Tritiumoxyd und Antipyrin wurden für den gleichen Zweck verwendet.
Der Wassergehalt der fettfreien Körpergewebe (lean body tissue) liegt konstant bei 71-72 ml/100 g Gewebe; da aber Fett fast wasserfrei ist,
schwankt die Relation Gesamtkörperwasser / KG je nach dem Fettgehalt
des Körpers. Bei jungen männlichen Erwachsenen beträgt der Wassergehalt etwa 60% des KG. Die Werte für Frauen liegen etwas niedriger. Bei
beiden Geschlechtern sinkt der Wassergehalt mit zunehmendem Alter
ICHD = Inter-Society Commission for Heart Disease Resources (USA)
ICP = intracranial pressure Intrakranialer Druck, Hirndruck
ICR = Intercostalraum Raum zwischen zwei benachbarten Rippen (engl.:
Intercostal space (ICS)
ICSPE = International Council of Sports and Physical Education Eine Arbeitsgruppe in der ICSPE (die zur UNESCO gehört) hat 1981 auf dem IV. Internationalen Seminar für Ergometrie Standardisierungsvorschläge für die
Ergometrie empfohlen. (Revised Guidelines für Standardization of Ergometry 1981; Minimal and Compromise Program of the Working Group for
Ergometry, ICSPE. Herz 7,1982, 40)
ICT = isovolumic contraction time Isovolumetrische Kontraktionszeit. Direkt oder indirekt ermittelte Druckanstiegszeit im linken Ventrikel. Normwert: 40 ± 8 msec bzw. 38 ± 10 msec. Bestimmt wird die isovolumetrische
Kontraktionszeit aus der Subtraktion der linksventrikulären Austreibungszeit von der akustischen Systole, d. h. vom ersten hochfrequenten Schwingungston des 1. Herztons bis zum aortalen Anteil des 2. Herztons (ICT =
104
ICU
IA2-LVET; ICT = S1S2-LVET). Die ICT schließt den Druckanstieg unmittelbar vor dem Mitralklappenschluß nicht ein. Bei Patienten mit Herzkrankheiten kann es Schwierigkeiten bei der Identifikation des genauen Beginns des ersten Herztons geben. Entsprechend kann die Dauer der ICT
sehr stark schwanken. Die sog. „wahre isovolumetrische Kontraktionszeit“ (-* TIVC = true isovolumic contraction time) kann aus der gleichzeitigen Ableitung von EKG, PKG, AKG und Karotispulswelle erhalten werden.
Die linksventrikuläre Auswurfszeit wird von dem Intervall vom Beginn des
ventrikulären Anstiegs im AKG bis zu den ersten hochfrequenten Schwingungen des aortalen 2. Herztons abgezogen. Bei dieser Art der Messung
wird die Verzögerung der Pulswelle ausgeschaltet. Alternativ ist eine Messung dieses Intervalls vom initialen ventrikulären Anstieg im EKG bis zum
„E“-Punkt dieser Kurve oder dem Anstieg der Karotispulskurve möglich. Im
allgemeinen führen jedoch die Messungen bis zum „E“-Punkt nicht zu befriedigenden Ergebnissen. Wenn man den Anstieg der Karotispulswelle
verwendet, dann muß die Pulsverzögerung abgezogen werden; dies ist das
Intervall zwischen der Inzisur und den ersten hochfrequenten Schwingungen des 2. Herztones. Für die isovolumetrische Kontraktionszeit bevorzugen verschiedene Autoren die Abkürzung -► IVC. Siehe auch: -► DAZ =
Druckanstiegszeit
ICU = intensive care unit Intensivpflegestation
* ’
ICU-syndrome = Intensive Care Unit-syndrome IntensivbehandlungsSyndrom. In den vergangenen Jahren wurde in der Literatur wiederholt auf
die psychologischen Probleme in Intensivbehandlungseinheiten hingewiesen. Es wurden die besonderen Belastungen von Patienten, Pflegepersonal und Ärzten in diesen Einheiten herausgestellt, die in Beschreibungen
wie „Die Internistische Intensivstation — eine Grenzstation?“, ihren Niederschlag fanden und zur Aufstellung eines Aufgabenkataloges für den
Psychosomatiker auf den Intensivstationen führten. Im angelsächsischen
Schrifttum wurde der Begriff Intensive Care Unit-syndrome, Intensivbehandlungsyndrom, eingeführt. ICU-Syndrome wurden nicht nur bei Patienten, sondern auch bei Pflegepersonal und Ärzten beschrieben. Während
die psychischen Belastungen der Patienten auf Intensivstationen allgemein anerkannt werden, wird jedoch die generelle Häufung von schwereren psychiatrischen Komplikationen angezweifelt, mehr noch wird die Ursächlichkeit des Intensivbehandlungsmilieus für die beschriebenen ICUSyndrome, die der Begriff impliziert, in Frage gestellt.
Die ersten Beobachtungen gehäufter psychischer Störungen stammen
von chirurgischen Wach- bzw. Intensivstationen, auf denen bei 40-60%
bzw. 30-70% der Patienten nach einer Herzoperation Psychosyndrome
gefunden wurden. Die beschriebenen Psychosyndrome waren vornehmlich Delirien aber auch schizophrenieähnliche Zustände sowie leichtere
psychomotorische Störungen mit verschiedenen Graden der Verwirrung,
der Apathie bis Lethargie. Im deutschen Sprachraum werden solche Psychosyndrome, sofern sie im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen auftreten, als Durchgangssyndrome bezeichnet. Frühere Umschreibungen
waren
catastrophic
reaction,
Postkardiotomie-Delirium,
105
IET
Postkardiotomie-Psychose bzw. psychotische Reaktion nach Kardiotomie
und new madness of medical progress
ID = intrinsic deflection Beginn der größten Negativitätsbewegung im
EKG. Die größte Negativitätsbewegung ist eine schnelle Abwärtsbewegung vom Gipfel der größten Positivität. In dem Augenblick, in dem die Erregungsfront die Elektrode eben erreicht, ist die Positivität am größten. Ist
die Elektrode eben erreicht, fällt das Potential sofort auf Null ab und wird
nach Passage der Erregungsfront negativ. Liegt die Elektrode am äußersten Ende der Muskelfaser, so erreicht die Abwärtsbewegung die isoelektrische oder Null-Linie, wird aber nicht negativ. Liegt die Elektrode nicht direkt an der Muskelfaser, sondern etwas entfernt in einem leitfähigen Medium, können ganz ähnliche Ausschläge beobachtet werden. Da sich die Erregungsfront aber in einer gewissen Entfernung unter der Elektrode befindet, fällt das Potential etwas langsamer von der größten Positivität zur
Null-Linie bzw. zur größten Negativität ab. Im Gegensatz zur intrinsic deflection wird diese etwas langsamere Abwärtsbewegung als intrinsicoid
deflection bezeichnet. Wahrscheinlich tritt die intrinsicoid deflection nicht
zur gleichen Zeit wie die intrinsic deflection auf, sondern etwas später im
absteigenden Schenkel oder sogar an dessen tiefstem Punkt. Synonyme
Bezeichnungen sind: oberer Umschlagpunkt (-* OUP, oUP), Ankunft des
negativen Potentials (ANP), größte Negativitätsbewegung (-> GNB) und
endgültige Negativitätsbewegung (-» ENB)
ID = inside diameter Innendurchmesser des Herzens
IDM = idiopathic disease of myocardium Bezeichnung für idiopathische
Myokarderkrankung (Kardiomyopathie), die sich klinisch in ungenügender
hämodynamischer Leistungsfähigkeit des Herzens äußert
IDT = indicator dilution technique Indikatorverdünnungstechnik. Seltener
verwendete Abkürzung. Bevorzugt wird bei Verwendung nicht-radioaktiver
Substanzen die Bezeichnung dye dilution technique. Die IndikatorDilutionstechnik wird vor allem zur Bestimmung der Kreislaufzeit (circulation time), der Förderleistung des Herzens und der Erfassung intrakardialer Kurzschlüsse bei angeborenen Herzfehlern angewendet. Auch bei Bestimmung des Regurgitationsvolumens einer Klappeninsuffizienz und der
Bestimmung des Blutvolumens leistet sie wertvolle Hilfe
IDV = intermittent demand ventilation Intermittierende patientengetriggerte Beatmung (eine Form der assistierten Beatmung, bei der die maschinelle Ventilation in fester Relation zur Spontanatmungsfrequenz gesetzt
wird)
IET = Isovolumetrische Erschlaffungszeit Isovolumetrische Relaxationszeit. Zeit vom A2 im Phonokardiogramm zum Punkt D im Echokardiogramm
(= Mitralklappenöffnung). Inzisur der Karotispulskurve (korrigiert für die
Laufzeit der Pulswelle) bis zum „o“-Punkt des Apexkardiogramms. Normalwert: linksventrikulär durchschnittlich 82 msec (Bereich 50-120 msec),
IGV
106
rechtsventrikulär im Mittel 49 msec. Von einigen Autoren wird die Abkürzung -* IVR = Isovolumetrische Relaxation(s) (-zeit) bevorzugt. Auch die
Schreibweise//?? = isovolumic relaxation time wird verwendet
IGV = Intrathorakales Gasvolumen Das bodyplethysmographisch bestimmte intrathorakale Gasvolumen ist definiert als der Luftraum in der
Lunge, der nach normaler Exspiration in ihr verbleibt, und entspricht damit
der funktionellen Residualluftkapazität. Aus methodischen Gründen wird
bei der Bodyplethysmographie auch diejenige Luftmenge erfaßt, die in der
Lunge nicht oder nur sehr erschwert über einen Bronchus mit der Außenluft in Verbindung steht. Daraus ergeben sich zwischen funktioneller Residualluftkapazität, die mit den Fremdgasmethoden bestimmt wird und dem
intrathorakalen Gasvolumen Differenzen. Bei Vermehrung der funktionellen Residualluftkapazität werden in Abhängigkeit von dessen Vergrößerung im allgemeinen die intrathorakalen Gasvolumina immer größer gemessen. Synonyme Abkürzungen: -* ICV, -> ITGV, ITG,
TGV
IHB = Infra-His-Block Block im Tawara-Schenkel. Bei den intrakardialen
AV-Blocklokalisationen werden verschiedene Nomenklaturen verwendet.
Man unterscheidet: 1. IAB = Intra-atrialer Block, 2. -► INB = Intranodaler
Block. (IAB und INB werden zu den Formen des -* SHB = Supra-His-Block
gezählt), 3. -> HBB = His-Bündel-Block und 4. IHB = Infra-His-Block. IHB
wird auch infrajunktionaler Block'genannt. Nach einer anderen Nomenklatur (topographische Einteilung der AV-Blockierungen, sowie Aufschlüsselung der AV-Überleitungsstörungen nach Lokalisation und Grad, nach
Puech) wird diese Blockform als H-V-Block (His-Ventrikel-Block) bezeichnet.
IHD = ischemic heart disease Ischämische Herzerkrankung (IHE)
IHDR = Ischaemic Heart Disease Register (WHO)
IHSS = idiopathic hypertrophic subaortic stenosis Idiopathische hypertrophe Subaortenstenose. Synonyme Bezeichnungen: hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (-> HOCM), asymmetrische Septumhypertrophie und hyptertrophisch-obstruktive Kardiomyopathie. Die HOCM, im
amerikanischen Schrifttum häufig als IHSS bezeichnet, ist durch eine
funktionelle Obstruktion im Bereich des linksventrikulären Ausflußtraktes
mit einem Druckgradienten zwischen dem Spitzenbereich und dem subaortal gelegenen Anteil des linken Ventrikels gekennzeichnet. Die typischen diagnostischen Kriterien der hypertrophisch-obstruktiven Kardiomyopathie bestehen im Nachweis einer asymmetrischen Verdickung des
Kammerseptums bei nur mäßiger Verdickung der linksventrikulären Hinterwand, wobei das Verhältnis der Dicke von Septum zu Hinterwand mindestens den Wert von 1,3 annimmt und im Mittel zwischen 1,8 und 2,0 liegt
IIT = integrated isometric tension Integrierte isometrische Anspannung
(innerhalb der isovolumetrischen Kontraktionsphase). Die IIT korreliert mit
dem Sauerstoff(Substrat-)Verbrauch des Herzens
107
INB
UP = Inhibitorische junktionale Potentiale Glatte Muskeln, in denen adrenerge Impulse exzitatorisch wirken, zeigen bei Reizung adrenerger Nerven
kleine, Endplattenpotentialen ähnliche Teil-Depolarisationen (exzitatorische junktionale Potentiale, EJP); diese werden bei wiederholter Reizung
summiert. Ähnliche Potentiale bilden glatte Muskeln, auf die Acetylcholin
exzitatorisch wirkt. In Muskeln, die durch adrenerge Impulse gehemmt
werden, entstehen hyperpolarisierende inhibitorische junktionale Potentiale (UP)
IK a Inspirationskapazität Luftvolumen, das von der Atemruhelage aus
maximal eingeatmet werden kann (engl.: inspiratory capacity, -* IC; frz.:
capacity inspiratoire)
IMED = idiopathic mural endomyocardial disease Beckersche Erkrankung; pathogenetisch unklare Endomyokardfibrose und -Sklerose mit
Thrombusformation
IMLT = Intermittent multiple load test Belastungstest, bei dem nach fünf
Minuten Pause Belastung und Erholungsphasen von jeweils fünf Minuten
Dauer aufeinander folgen bis zur Ausbelastung des Patienten
IMV = Intermittent mandatory ventilation Intermittierende Ventilation. Die
Technik der IMV hat seit einigen Jahren zunehmendes Interesse als Beatmungsverfahren gefunden. Die Bezeichnung IMV wurde zunächst gewählt,
um die Funktion des Baby-Bird-Ventilators zu kennzeichnen, sodann jedoch auf die Kombination von Spontanatmung mit maschineller zwangsweiser Applikation von einzelnen Atemhüben nach vorgewählten Pausen
auch bei Erwachsenen ausgedehnt. Als wichtige Indikationsgebiete der
IMV haben sich neben der Verwendung als intermittierend gesteuerte Zusatzbeatmung (IGZ) während respiratorischer Insuffizienz die kritische
Phase der Entwöhnung vom Respirator nach Langzeitbeatmung wegen
neurogener respiratorischer Insuffizienz, wegen chronisch-obstruktiver
Lungenerkrankungen, wegen respiratorischer Insuffizienz nach extrakorporaler Zirkulation oder bei erschwerter Koordination von Zwerchfell- und
Atemhilfsmuskulatur herausgebildet
INB = intranodal block Intranodaler Block (oberhalb des His-Bündels im
AV-Knoten). Die Leitungsstörung liegt im AV-Knoten zwischen den A- und
H-Teilen. Bei den intrakardialen AV-Blocklokalisationen haben sich verschiedene Nomenklaturen durchgesetzt. In einer Nomenklatur wird ein
Supra-His-, His- und ein Infra-His-Block unterschieden (-► SHB,
HB,
-► IHB). Der SHB wird unterteilt in einen -> IAB (Intra-atrialer Block) und einen -> INB (Intranodaler Block). Beim INB werden 3 Grade unterschieden:
INB I. Grades: Die PQ-Verlängerung ist durch eine A-H-Verzögerung verursacht
INB II. Grades: Wenckebach, Mobitz Typ 1 und Mobitz-2-Block
INB III. Grades: Unabhängiger Vorhof- und Kammerrhythmus, wobei in den
intrakardialen Ableitungen die P-Wellen durch A-, die QRS-Komplexe
durch H- und nachfolgende V-Wellen repräsentiert werden
INPV
108
INPV = intermittent negative pressure ventilation Intermittierende Negativdruckbeatmung. Wie bei -> CNP steckt der Patient bis auf Kopf und
Hals in einer Kammer, in der rhythmisch Unterdrück erzeugt wird (Prinzip
der Eisernen Lunge). Ein künstlicher Atemweg ist nicht erforderlich. Diese
Beatmungsform ist insofern die physiologischste, als das Druckgefälle
durch Pleuraspalt, Lunge und Atemwege demjenigen bei natürlicher Atmung entspricht und die ungünstigen Auswirkungen auf den venösen
Rückstrom etwas geringer sind als bei IPPV
IP = instantaneous pressure Augenblicklicher, momentaner Druck. Mit
Hilfe des IP kann der Kontraktilitätsindex nach Veragut und Kreyenbühl
(dp/dtmax)/IP bestimmt werden. Bei diesem Verfahren wird am linksventrikulären Druckablauf die maximale isovolumetrische Druckanstiegsgeschwindigkeit (dp/dtmax) und der zu diesem Zeitpunkt erreichte Ventrikeldruck (instantaneous developed pressure) bestimmt. Aus diesen Größen
wird dann der Quotient (dp/dtmax)/lP, der sog. Kontraktilitätsindex gebildet,
der von hämodynamischen Einflüssen vollkommen unabhängig ist
IPKG = Intrakardiale Phonokardiographie Bei der intrakardialen Phonokardiographie werden die im Herzen vorhandenen Herzschallphänomene
registriert. Prinzipiell stehen für die IPKG zwei Methoden zur Verfügung:
Einmal können die Herzschallphänomene, über die Flüssigkeitssäule eines Herzkatheters fortgeleitet, vön einem außerhalb des Herzens an diesem Katheter befestigten Herzschallrezeptor empfangen, durch diesen in
Pulsänderungen umgewandelt und nach entsprechender Verstärkung registriert werden. Bei der zweiten Methode ist ein kleines Mikrophon (Membranmikrophon, Barium-Titanatkugel) an der Spitze eines Spezialkatheters
befestigt. Durch dieses werden die Schallphänomene innerhalb des Herzens in elektrische Stromschwankungen umgewandelt, die dann extrakardial nach entsprechender Verstärkung sichtbar gemacht, gespeichert oder
registriert werden. Die erste Methode hat den Vorteil, daß an jeder Stelle
des Herzens, die mit Hilfe eines normalen Katheters erreicht wird, mit der
intrakardialen Druckmessung gleichzeitig die IPKG möglich ist. Sie hat jedoch den Nachteil, daß die Herzschallphänomene durch die Fortleitung innerhalb der Flüssigkeitssäule gedämpft und damit abgeschwächt werden.
Außerdem kommen die Herzschallphänomene wie die Druckkurven zeitlich verzögert am Mikrophon an. Die Vorteile beider Methoden vereinigt in
sich die IPKG mit Hilfe eines Kathetertipmanometers. Die IPKG ist wesentlich empfindlicher und aussagefähiger als die Auskultation und die übliche Phonokardiographie an der äußeren Brustwand. Mit Hilfe des IPKG
können der Entstehungsort eines Geräusches genau lokalisiert und die
Fortleitung dieses Geräusches im rechten und linken Herzen und in den
Gefäßen genau erfaßt werden. Pharmakodynamische Untersuchungen
können auch hier zur Differenzierung verschiedener Geräusche beitragen
IPNPV = intermittent positive-negative pressure ventilation Intermittierende positive-negative Druckbeatmung, Wechseldruckbeatmung. Diese
Beatmungsform wurde in der Hoffnung eingeführt, die zirkulatorischen
Nebenwirkungen der IPPV durch einen exspiratorischen Sog ausgleichen
109
IPPV
zu können. Dieser Sog erzeugt aber rasch Atelektasen und damit einen intrapulmonalen R-L-Shunt, weshalb die Wechseldruckbeatmung heute wieder verlassen ist
IPPA = inspection, palpation, percussion, auscultation Untersuchung,
Palpation, Perkussion, Auskultation
IPPB = intermittent positive pressure breathing Bezeichnung für die assistierte Beatmung> mit intermittierendem Überdruck. Synonyme Bezeichnung: intermittent positive pressure ventiiation
IPPV). Bei der intermittierenden positiven Druckbeatmung wird in der Inspirationsphase durch
Aufbau eines Druckes in den oberen Luftwegen das Atemgas in die Lunge
insuffliert, während die Exspiration passiv erfolgt. Dieser Beatmungsform
wird heute der Vorzug gegeben. Die kardiozirkulatorischen Einflüsse sind
größer als bei der Wechseldruckbeatmung. Die Einflüsse auf Herz und
Kreislauf sind jedoch nicht nur vom inspiratorischen Druck abhängig, sondern die entscheidende Größe ist der mittlere pulmonale Druck, der definiert ist als Quotient aus dem Flächenintegral der Druckkurve und der Zeitdauer des Atemzyklus. Der intrapulmonale Mitteldruck ist von nahezu allen Beatmungsparametern abhängig. Die Einflüsse von IPPB auf die Lungen können durch sinnvolle Einstellung des Respirators gering gehalten
werden. Im Unterschied zur kontrollierten Methode IPPV ist die IPPB eine
assistierte, genauso wie der CPPV der assisitierten Methode CPPB entspricht. Die IPPB ist genau wie die IPPV eine Standardmethode. Ihr Druckkurvenverlauf, das sind die in der Trachea gemessenen Drucke, entspricht
dem der IPPV, nur wird das Gerät vom spontan atmenden Patienten gesteuert. Der Patient muß ans Gerät adaptiert sein, besser aber wäre es zu
sagen, das Gerät muß die Fähigkeit haben, den Atembewegungen des Patienten prompt zu folgen und diese zu unterstützen. Die Bird- und BennettVentilatoren sind dazu geeignet. Es ist auch möglich, IPPB und PEEP zu
kombinieren, dann hat man die continuous positive pressure breathing
eingestellt. Man kann auch die IPPB mit der IPPV kombinieren, d. h. der Patient atmet zwar spontan und wird assistiert, im Falle eines verzögerten
Atemintervalls würde die Maschine aber zur kontrollierten Beatmung, vielleicht für einen Atemzug pro drei, vier oder fünf spontane Atemzüge, übergehen. Ebenso kann man die CPPB mit der CPPV kombinieren, also den
Patienten mit IPPB und PEEP spontan atmen lassen und bei verzögertem
Atemintervall würde die Maschine einen kontrollierten Atemzug beisteuern. Die Kombination zwischen assistierter Beatmung und einem, wenn erforderlich, aufgezwungenen Atemzug, bezeichnet man als intermittent
mandatory ventilation als IMV mit IPPB und als IMV mit CPPB
IPPR = intermittent positive pressure respiration Intermittierende Druckbeatmung, Überdruckbeatmung. Manuelle oder apparative Beamtung, bei
der nur während der Inspiration ein erhöhter Druck angewendet wird, während die Exspiration passiv erfolgt
IPPV = intermittent positive pressure ventilation Intermittierende positive
Druckbeatmung. Synonyme Bezeichnung und Abkürzung: -> IPPB = inter-
IPSP
110
mittent positive pressure breathing. Die Einatmung erfolgt durch maschinelles Aufblasen der Lunge, die Ausatmung durch die Eigenelastizität des
Thorax bis zu einem Atemwegsdruck von Null. IPPV führt bei Langzeitbeatmung, abhängig von FiÜ2 und Beatmungsdruck, zu einer Schädigung des
oberflächenaktiven Films der Alveolarwand und zur Atelektasenbildung.
Diese Nebenwirkung ist mindestens teilweise durch den Ausfall des exspiratorischen Glottiswiderstandes bedingt. Dieser Widerstand ist durch einen positiven endexspiratorische Druck (PEEP) von 2 cm H2 (0,2 kPa) kompensierbar. IPPV sollte daher ohne zwingenden Grund nie ohne einen
PEEP von wenigstens 2 cm H2O (0,2 kPa) angewendet werden
IPSP = inhibitory postsynaptic potential Inhibitorisches postsynaptisches Potential. Bei der chemischen Erregungsübertragung kommt es
beim Eintreffen von Aktionspotentialen an einer Synapse zur Ausschüttung bestimmter Stoffe (Transmitter) durch die präsynaptische Zelle in den
Synapsenspalt hinein. Dieser Stoff diffundiert zur gegenüberliegenden
„subsynaptischen“ Membran der postsynaptischen Zelle, wo er relativ langandauernde Potentialänderungen unterschiedlicher Höhe hervorruft. Diese lokale Antwort kann in einer Depolarisation bestehen, die bei genügender Höhe Aktionspotentiale auslöst, oder in einer Hyperpolarisation, die
die Bildung vorf Aktionspotentialen erschwert oder verhindert. Im ersten
Fall spricht man von einem exzitatorischen postsynaptischen Potential
(EPSP) und einer exzitatorischen Synapse, im zweiten Falle von einem inhibitorischen postsynaptischen Potential (IPSP) und einer inhibitorischen
Synapse.
Als lokale Antworten werden weder das EPSP noch das IPSP fortgeleitet.
Die subsynaptische Membran ist gegenüber dem Transmitter selektiv
empfindlich, dagegen gar nicht oder kaum elektrisch erregbar. Ob es an ihr
zur Ausbildung eines EPSP oder eines IPSP kommt, hängt vom Transmitter
ab. Eine Nervenzelle kann jeweils nur einen einzigen Transmitter synthetisieren und an allen ihren synaptischen Endigungen ausscheiden (DalePrinzip). Allerdings kann derselbe Transmitter an einer Zelle exzitatorisch
und an einer anderen inhibitorisch wirken
IRDS = idiopathic respiratory distress syndrome Kindliches Atemnotsyndrom. Synonyma: Atemnotsyndrom des Neugeborenen, Hyaline-MembranKrankheit, Hyaline-Membran-Syndrom
IRINS = Irreversible ischämische neurologische Symptome Stadium IV
bei zerebralen Durchblutungsstörungen. Postapoplektischer Endzustand,
vollständiger Schlaganfall (completed stroke)
IRSB = Inkompletter Rechtsschenkelblock Der inkomplette Rechtsschenkelblock als rechtsventrikuläre Leitungsverzögerung ist Ausdruck der diastolischen rechtsventrikulären Überlastung durch Hypertrophie der Muskulatur des rechtsventrikulären Ausflußtraktes bzw. der Crista supraventricularis. Seine diagnostische Bedeutung betrifft daher vor allem die rechtsventrikuläre Hypertrophie. R’-Zacken von über 0,7 mV in V1 in Verbindung
mit tiefen oder breiten S-Zacken in Vß und einem Rechtslagetyp oder aber
111
IVG
ein plötzlicher Übergang von qR in RS in den Brustwandableitungen weisen auf eine rechtsventrikuläre Hypertrophie hin.
Eine M-förmige Deformierung des QRS-Komplexes rechtspräkordial mit
Überwiegen der primär auftretenden R-Zacke gegenüber der sekundären
R-Zacke (Rr’) ist im Kindesalter physiologisch und wird als angedeuteter
inkompletter Rechtsschenkelblock bezeichnet
IRT = isovolumic relaxation time Isovolumetrische Relaxations-, Erschlaffungszeit. Zeit von A2 im Phonokardiogramm zum Punkt D im Echokardiogramm (= Mitralklappenöffnung). Siehe auch: -* IET, -* IVR
IRV = inspiratory reserve volume Inspiratorisches Reservevolumen. Maximales Luftvolumen, das nach einer normalen Inspiration noch zusätzlich
eingeatmet werden kann. Frühere Bezeichnung: Komplementärluft (frz.:
volume de reserve inspiratoire, VRI)
ISA = intrinsic sympathetic (sympathomimetic) activity Intrinsische sympathikomimetische Aktivität, sympathomimetische Eigenwirkung
ISDN = isosorbide dinitrate Isosorbid-Dinitrat
ISF = interstitial fluid Interstitielle Flüssigkeit
ITGV = Intrathorakales Gasvolumen. Das im Zustand des Gleichgewichts,
bei normalem Exspirationsende, im Thorax verbleibende Volumen wird als
intrathorakales Gasvolumen (ITGV) oder als funktionelle Residualkapazität (FRK) bezeichnet. Dasjenige Luftvolumen, das auch nach maximaler
Exspiration noch in den Lungen verbleibt, ist das Residualvolumen (RV).
Es läßt sich nur ganzkörperplethysmographisch als funktionelle Residualkapazität, von der man das exspiratorische Reservevolumen subtrahiert,
bestimmen
IVC = inferior vena cava Vena cava inferior
IVCT = isovolumic contraction time Isovolumetrische Kontraktionszeit
(IKZ), Druckanstiegszeit. c-Punkt des Apexkardiogrammes oder Gipfel der
R-Zacke des EKG bis Beginn des steilen Anstiegs der Karotis-Pulskurve,
der für die Laufzeit der Pulswelle zu korrigieren ist. Siehe auch -► ICT. Bestimmt wird die IVCT aus der Subtraktion der linksventrikulären Austreibungszeit (-> LVET) von der akustischen Systole, d. h. vom ersten hochfrequenten Schwingungston des 1. Herztones bis zum aortalen Anteil des
2. Herztones (IVC = IA2 — LVET). Die IVC schließt den Druckanstieg unmittelbar vor dem Mitralklappenschluß nicht ein
IVD = insuffisance ventriculaire droite (frz.) ventricular incompetence
right, Herzinsuffizienz
IVG = insufficience ventriculaire gauche (frz.) right ventricular incompetence, Linksherzinsuffizienz
IVK
112
IVK = Indikatorverdünnungskurve Seltener verwendete Abkürzung (engl.:
dye dilution curve)
IVPFC = isovolume pressure flow curve Isovolumen-Druck-Fluß-Kurve.
Wenn simultan Atemvolumen, Atemstromgeschwindigkeit und Pleuradruck registriert und viele VK-Manöver mit unterschiedlicher Intensität
durchgeführt werden, kann man IVPFC konstruieren. Bei gleichen Volumina werden durch verschiedene Pleuradrucke verschiedene Atemstromgeschwindigkeiten erreicht, so daß theoretisch für jedes Volumen eine eigene Druck-Fluß-Relation konstruiert werden kann. Jedem Volumen ist aber
außer seiner Druck-Fluß-Beziehung auch ein bestimmtes Vmax zugeordnet.
Plateaus der IVPFC werden bei Gesunden bis zu Volumina von 70 bis 80%
der VK erreicht. Den Druck bis zu diesen Maxima kann man als flowwirksamen Pleuradruck bezeichnen. Wird er weiter gesteigert, kann die
Atemstromgeschwindigkeit sogar abnehmen.
Aus den verschiedenen Vmax bei bestimmten Volumina kann die maximalexpiratory-flow-volume-curve (-* MEFVC) wie auch die maximal-inspiratory-flow-volume-curve (-» MIFVC) konstruiert werden. Da sich diese
Kurven leichter direkt schreiben lassen, haben sie zu Recht die IVPFC aus
der praktischen Lungenfunktionsdiagnostik verdrängt
IVR = isovolumic relaxation (time) Isovolumetrische Relaxations-, Erschlaffungszeit. Die Abkürzung iVR wird synonym mit -» IET und -» IRT
verwendet
IVS = Interventrikularseptum (engl.: interventricular septum)
IVSd In der Echokardiographie Kurzbezeichnung für die diastolische Dicke
des Ventrikelseptums
IVSex In der Echokardiographie Kurzbezeichnung für die Amplitude der systolischen Dorsalbewegung des Kammerseptums
IVSs In der Echokardiographie Kurzbezeichnung für die diastolische Dicke
des Kammerseptums bzw. für die prozentuale systolische Dickenzunahme
des Kammerseptums
IVS: LVPW-relation interventricular septum: left ventricular posterior wallrelation. Relation: Interventrikuläres Septum: Linksventrikuläre Hinterwand
IVSV In der Echokardiographie Kurzbezeichnung für die mittlere Septumgeschwindigkeit. IVSV = IVSex /LVET (cm/sec)
IZ = Injektionszeit bei der Indikatorverdünnungsmethode
113
JVP
J
JGA = juxtaglomerular apparatus Juxtaglomerulärer Apparat. Dieser Apparat besteht aus spezialisierten Epithelzellen direkt am Anfang des distalen Tubulus, den sog. Macula-densa-Zellen und den spezialisierten sekretorischen oder granulierten Zellen an der Stelle, an der die afferente und
die efferente Arteriole in das Glomerulum eintritt bzw. es verläßt. Der JGA
besteht also aus einer Kombination von spezialisierten tubulären und vaskulären Zellen. Die Macula-densa-Zellen kommen in enge Berührung mit
den granulierten Zellen derjenigen Arteriolen, die zu demselben Nephron
gehören. Dies ist das Ergebnis der embryonalen Entwicklung und nicht die
Folge irgendeines magischen Prozesses, durch den der distale Tubulus
sein eigenes Glomerulum ausfindig macht. Es wird angenommen, daß der
JGA Renin sezerniert, das zu der Bildung von Angiotension führt und letzten Endes an der Ausschüttung von Aldosteron teilnimmt. Man vermutet,
daß der JGA möglicherweise Teil eines Rückkopplungssystems ist, das
die Autoregulation der glomerulären Filtration und der Nierendurchblutung erklärlich macht
J-point = junction point, junctional point J-Punkt. Im Vektorkardiogramm
(VKG) kommen drei verschieden große und geformte Vektorschleifen entsprechend dem elektrischen Erregungsablauf des Herzens zur Darstellung: die P-Schleife, die QRS-Schleife und die T-Schleife. Der Beginn der
QRS-Schleife wird als O-Punkt (isoelektrisch), das Ende der QRS-Schleife
als J-Punkt (junction = Übergang von QRS zu T) bezeichnet. Im normalen
VKG fällt der J-Punkt mit dem Anfangspunkt der T-Schleife zusammen, so
daß der diese beiden Punkte verbindende ST-Vektor sehr klein und nicht
bestimmbar ist. Im EKG ist er der Beginn der ST-Strecke
J-tip electrode J-tip-Elektrode. Bezeichnung für eine transvenöse endokardiale Vorhofelektrode. Der Elektrodenschaft unterteilt sich in einen intravenösen Teil von 54 cm Länge und eine J-förmige, vorgebogene intraatriale Komponente. Der distale bzw. aufsteigende Schenkel ist mit drei
Reihen von jeweils drei Silikonfortsätzen behaftet
JVP = jugular venous pulse Jugularvenenpuls. Während der VorhofSystole steigt der Vorhofdruck. Dieser Druckanstieg dauert während der
isometrischen Ventrikel-Kontraktion an (Einbuchten der AV-Klappen in die
Vorhöfe). Wenn dann die AV-Klappen durch die Kontraktion der VentrikelMuskulatur herabgezogen werden (Verschiebung der Ventilebene nach unten), fällt der Vorhofdruck schnell und steigt dann bei Einströmen des Blutes in die Vorhöfe solange wieder an, bis die AV-Klappen in der frühen Diastole geöffnet werden. Die Rückkehr der Ventilebene in die Ausgangslage
J-wave
X
114
trägt — durch Verringerung des Fassungsvermögens der Vorhöfe — ebenfalls zum Druckanstieg bei. Die Druckänderungen im Vorhof setzen sich in
die großen Venen fort und verursachen charakteristische Druckwellen in
der V. jugularis (physiologischer oder „negativer“ Venenpuls).
Die a-Welle (atriale Systole) entsteht durch die Vorhof-Systole. Bei dieser
strömt — trotz Konstriktion der Ostien der großen Venen — eine gewisse
Blutmenge vom Vorhof in die Venen zurück, aber auch die durch den venösen Einstrom-Stop bedingte Venendruckerhöhung trägt zur Entstehung
der a-Welle bei. Die c-Welle (isometrische ventrikuläre Kontraktion) ist
durch die Vorwölbung der Trikuspidal-Klappe in den Vorhof während der
Anspannungsphase des Ventrikels verursacht. Anschließend sinkt der Venendruck steil ab (systolischer Kollaps durch Verschiebung der Ventilebene während der Auswurfphase des Ventrikels, x-Welle) und es folgt die abschließende v-Welle (Anstieg des Vorhof-Druckes vor Öffnung der Trikuspidalklappe, Rückverschiebung der Ventilebene). Die Pulswellen der V. jugularis sind durch respiratorische Schwankungen des Venendruckes überlagert. Während der Inspiration fällt der Venendruck infolge des verstärkt
subatmosphärischen (negativen) intrathorakalen Druckes
J-wave J-Welle. Bezeichnung für die systolische Welle im Ballistokardiogramm
x
115
KO
K
KBP = Kreislauf-Belastungsprüfung (seltener verwendete Abkürzung)
KE = Katzeneinheit (Hatcher-Dosis) Biologische Standardisierungseinheit für Digitalis und Digitaloid-Präparate. Eine KE ist die Digitalismenge,
die nach 30 bis 50 min noch zum Herzstillstand führt
KHK = Koronare Herzkrankheit Koronarinsuffizienz. Eine Koronarinsuffizienz besteht, wenn dem Herzmuskel weniger Sauerstoff zugeführt wird,
als er zur vollen Deckung seines Bedarfs in Ruhe oder unter Belastung benötigt. Dabei wird vom Begriff her nicht unterschieden, ob die mangelhafte
Versorgung durch ein nicht ausreichendes Sauerstoffangebot, durch einen überhöhten O2-Verbrauch oder durch die Kombination von beiden bedingt ist. Der Begriff „koronare Herzkrankheit“ stellt die mangelhafte Sauerstoffversorgung des Myokards durch degenerative Veränderungen der
Koronargefäße in den Vordergrund, umfaßt aber auch die Folgekrankheit
wie Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Herzwandaneurysma, kardiogenen
Schock und plötzlichen Herztod.
Der klinische Begriff „Koronarinsuffizienz“ geht auf die Zeit vor der Koronarangiographie und des Studiums der Ventrikelfunktion zurück und wird
vorwiegend dann verwendet, wenn das EKG in Ruhe und besonders unter
Arbeitsbelastung bestimmte Veränderungen (z. B. eine horizontale oder
absteigende Senkung der ST-Strecke) aufweist. Man weiß heute, daß solche EKG-Veränderungen häufig ischämischen Ursprungs sind und außerdem, daß die Ischämie recht verschiedener Ätiologie sein kann. Die Untersuchung der allgemeinen und lokalen Herzkammerdynamik, die angiographische Darstellung des Koronargefäßbaumes, die myokardiale Blutflußmessung, das Studium der Lactat-Produktion erlauben intra vitam verschiedene Krankheitsbilder zu differenzieren und für die, meist nur unter
Belastung auftretende, Myokardischämie verantwortlich zu machen. Bei
Kenntnis der Resultate dieser Methoden kann man in der Klinik den etwas
vage erscheinenden Begriff „Koronarinsuffizienz“ wie folgt aufschlüsseln:
Die Anamnese ergibt Vorhandensein oder Fehlen eines Angina-pectorisSymptoms; bei Fehlen einer Angina pectoris darf allerdings eine ischämische Herzkrankheit nicht ausgeschlossen werden. Siehe: -> CHD
KMV-EF = Kontrastmittel-ventrikulographisch bestimmte linksventrikuläre Auswurffraktion (EF = ejection fraction, Ejektionsfraktion). Siehe:
-> RNV-EF
KO = Körperoberfläche in m2 Englische Bezeichnung: BSA = body surface area
116
KO-Ableitung
KO-Ableitung = Korrigierte orthogonale Ableitungen nach Frank Diese
Ableitungen unterscheiden sich in ihren Schaltungen prinzipiell von den
uni- und bipolaren Ableitungen, die man heute auch als „konventionelle“
den korrigiert orthogonalen gegenüberstellt. Sie heißen korrigiert, weil
durch ein zwischen Patient und EKG-Gerät geschaltetes Widerstandsnetz
quantitativ vergleichbare Amplituden erzielt werden. Die Bezeichnung orthogonal wurde gewählt, weil die 3 Ableitungslinien senkrecht aufeinanderstehen und den Raumachsen entsprechen. Statt den üblichen bis zu 15
EKG-Ableitungen (also Abi. I, II, III, Vi bis V6, Ableitungen nach Goldberger
und Nehb) kommt man mit den drei Ableitungen x, y und z, die den x-, yund z-Achsen entsprechen, aus:
1. In der Frontal-(F)Ebene von rechts nach links horizontal verläuft die
transversale x-Achse
2. In der Sagittal-(S)Ebene von kranial nach kaudal verläuft die vertikale
y-Achse
3. In der Horizontal-(H)Ebene verläuft von ventral nach dorsal die sagittale
z-Achse
KP-Index = Kardiopulmonal-Index Index zur Beurteilung von Herz, Kreislauf und Lunge, errechnet aus Pulsfrequenz, systolischem und diastolischem Blutdruck, Vitalkapazität, maximalem Exspirationsdruck, maximaler Atemanhaltezeit und Lebensalter
f
KSKEZ = Korrigierte Sinusknotenerholungszeit Von zahlreichen deutschsprachigen Autoren wird als Abkürzung die aus dem Englischen abgeleitete Schreibweise (SNRT = sinus node recovery time) verwendet. Die korrigierte (corrected) SNRT wird unterschiedlich abgekürzt (CSNRT, SNRTc,
cSNRT). Siehe unter: -* cSNRT
KSS = Karotissinus-Syndrom Durch Übererregbarkeit der Presso- bzw.
Baro-Rezeptoren am Karotissinus hervorgerufene Symptomatologie; anfallsweise auftretender, kurzzeitiger Bewußtseinsverlust (Synkope)
KZ = Konzentrationszeit in der Indikator-Verdünnungsmethode Zeit vom
Auftreten des Farbstoffes bis zum Erreichen seiner größten Konzentration
117
LAD
L
LA — left atrium Linker Vorhof. In der echokardiographischen Literatur
verwendete Abkürzung. Die von einigen deutschsprachigen Autoren verwendete Abkürzung LV (linker Vorhof) kann zu Verwechslungen mit „linksventrikulär“ und „linker Ventrikel“ führen
LA = left atrium (diameter) Linker Vorhofdurchmesser. Die ursprüngliche
Abkürzung LAD wurde wegen Verwechslungsmöglichkeiten mit -> LAD =
left anterior descending (artery) und -» LAD = left axis deviation zur LA
verkürzt.
Der Durchmesser des linken Vorhofs wird zu Ende der Ventrikelsystole gemessen. Es handelt sich hierbei um jenen Zeitpunkt, zu dem die hintere
Aortenwand die am weitesten nach anterior gerichtete Bewegung vollzogen hat und damit der linke Vorhof seine größten Durchmesser aufweist.
Entsprechend der leading-edge-Methode erfolgt die Ausmessung als der
senkrechte Abstand zwischen der Vorderkante des hinteren Aortenwandechos bis zur Vorderkante des rückwärtigen Vorhofwandechos, die Dicke
der hinteren Aortenwand geht also mit in die Messung ein.
Die meisten Untersucher geben das Verhältnis zwischen dem Durchmesser des linken Vorhofes und demjenigen der Aortenwurzel (LA: Ao) an, welches bei Herzgesunden zwischen 0,8 und 1,3 liegt. Der Durchmesser des
normal großen linken Vorhofes beträgt maximal 40 mm, eine nur relative
Vergrößerung des linken Vorhofes liegt vor, wenn der Quotient LA : Ao bei
einer Vorhofgröße unter 40 mm über 1,3 liegt. Normwert: 20 — max. 40 mm
(engl.: ratio of left atrial diameter/aortic diameter)
LAB = Links-anteriorer Faszikelblock Links-anteriorer Hemiblock, überdrehter Linkstyp. Bei einer Unterbrechung der Erregungsleitung im linksanterioren Faszikel des linken Tawara-Schenkels wird das linke Myokard
über den posterioren Faszikel des linken Tawara-Schenkels erregt. Der
QRS-Hauptsummenvektor wird nach links oben abgelenkt. Die Nomenklatur ist nicht einheitlich. Als Abkürzungen werden verwendet: -* LAFB =
links-anteriorer Faszikelblock, -» LAH und LAHB = links-anteriorer Hemiblock (engl.: left anterior fascicular block, left anterior hemiblock, anterolateralparietal block)
LAD = left anterior descending (coronary artery) Ramus interventricularis
anterior, Ast der A. coronaria sinsitra. Gelegentlich verwendete synonyme
Bezeichnung: Ramus descendens anterior. Die linke Kranzarterie läuft,
verdeckt durch den Truncus pulmonalis, nach vorn. Sie weist in diesem Bereich einen angiographischen Durchmesser von 3-4 mm auf. Im Koronarangiogramm kommt der Stamm der linken Kranzarterie am besten in rech-
LAD
118
ter schräger oder halbaxialer kaudokranialer Position zur Darstellung.
Nach 10-30 mm teilt sich die A. coronaria sinistra in ihre beiden Hauptäste, nämlich den Sulcus interventricularis anterior zur Spitze hin verlaufenden Ramus interventricularis anterior und den über den Margo obtusus
nach dorsal zum Sulcus coronarius verlaufenden Ramus circumflexus.
In der angelsächsischen Literatur werden zusätzlich folgende Abkürzungen verwendet: -> RIVA, RIA = Ramus interventricularis anterior. Eingebürgert hat sich die Einteilung der Stenosen des Ramus interventricularis
anterior in eine LAD-1-, LAD-2- und LAD-3-Stenose, d. h. bei einer
LAD-1-Stenose liegt die Verengung vor dem Abgang des ersten Septumastes, bei der LAD-2-Stenose vor dem Abgang des zweiten Septumastes
usw.
LAD = left axis deviation Abweichung der elektrischen Herzachse in der
Frontalebene nach links oben. Überdrehter Linkstyp. Der QRSHauptvektor verläuft fast parallel der Ableitung aVL und zeigt daher hier
den größten positiven Ausschlag. In den diametralen Ableitungen III, aVF
und II daher negativer Ausschlag. Synonyme Bezeichnungen: Ungewöhnlicher Linkstyp, Illusionärer Linkstyp, Diskrepanztyp der R-Zacke, Sn-Sur
Typ, marked left axis deviation
LAF = Linker anteriorer Faszikel Aus dem Verzweigungsteil des HisBündels entspringen folgende Faszikel:
LPF — Linker posteriorer Faszikel: dieser entspringt am weitesten proximal und ist breit
LAF — Linker anteriorer Faszikel: dieser ist schmal und entspringt etwas
weiter distal. Es können aber auch Fasern des LPF und LAF in einem ganz
kurzen präfaszikulären Stamm vom Verzweigungsteil des His-Bündels gemeinsam abgehen. Die Aufteilung in die beiden Faszikel erfolgt etwas später
LSF — Linker septaler Faszikel: Aus Fasern vom proximalen Teil des LPF
und LAF gehen Fasernetze ab, die den linken septalen Faszikel bilden.
Alle drei Faszikel enden als terminales Netzwerk (rasch leitende Fasern
vom Purkinje-Typ)
LAFB = Linker anteriorer Faszikelblock Links-anteriorer faszikulärer
Block. EKG-Kriterien:
1. Verspätung der intrinsicoid deflection in den Ableitungen aVL und/oder I
(erkennbar an einer Stufe im absteigenden Schenkel der R-Zacke) um mindestens 0,015 Sek., gegenüber der Abi. V6)
2. qR-Typ in aVL/l und rS-Typ in III, aVF und II (überdrehte frontale QRSLinkslage), wobei AQRSf meist zwischen -30° und -70° liegt
3. RS-Typ oder qRs-Typ in Ableitung V6
4. Relativ hohe R-Zacke in V2 und V3 (nicht obligat)
5. Positive diskordante T-Welle in III, aVF und II (nicht obligat)
Links-anteriorer Faszikelblock wird heute von zahlreichen Autoren der früheren Bezeichnung „linker anteriorer Hemiblock“ vorgezogen, da diese
deskriptive Benennung nicht so sehr zu Begriffsverwechslungen führen
dürfte
119
LAO
LAH = left anterior hemiblock Linker vorderer Hemiblock. In der angelsächsischen Literatur wird die Abkürzung -► LAHB bevorzugt
LAHB = Linker anteriorer Hemiblock Links-anteriorer Hemiblock. Synonyme Bezeichnung: Linker anteriorer Faszikelblock (-+ LAFB). Nach der Abzweigung des links-posterioren Schenkels vom Hauptstamm trennt sich
der links-anteriore Schenkel ab, der zur antero-lateralen Wand des linken
Ventrikels nach oben verläuft. Das charakteristische EKG-Bild einer
Blockierung in diesem Faszikel ist ein überdrehter Linkstyp mit QRSWinkel > - 30° (links-anteriorer Hemiblock), der nicht durch die nach links
überdrehte Herzachse allein erklärt werden kann. Dieses Phänomen
kommt dadurch zustande, daß die elektromotorischen Kräfte beim linksanterioren Hemiblock zum Schluß der Ventrikelerregung nach links oben
ziehen. Der QRS-Komplex ist nicht verbreitert. Die von Rosenbaum geprägten Ausdrücke „linker vorderer bzw. linker hinterer Hemiblock“ werden
heute vielfach abgelehnt. Es wird empfohlen, von einem -> LAFB = Linker
anteriorer Faszikelblock, -> LPFB = Linker posteriorer Faszikelblock und
-* LSFB = Linker septaler Faszikelblock zu sprechen, da diese deskriptiven Bezeichnungen nicht so sehr zu Begriffsverwechslungen führen dürften
LAHB + LPHB (LAFB + LPHB) = Linker anteriorer und linker posteriorer
Hemiblock Blockierung der Reizleitung im vorderen und hinteren Faszikel
des linken Tawara-Schenkels. Im Gegensatz zu den vorangehend besprochenen bifaszikulären Blöcken, die bilateral-bisfaszikulär sind, handelt es
sich hier um eine unilaterale-bisfaszikuläre Blockierung. Ist sowohl der
vordere wie der hintere linke Faszikel blockiert, resultiert das elektrokardiographische Bild des vollständigen Linksschenkelblockes. Ob also eine
prädivisionale trunkuläre Blockierung, d. h. ein echter Linksschenkelblock
oder eine postdivisionale Blockierung beider linker Faszikel (LAHB +
LPHB) vorliegt, ist aus einem einzigen EKG nicht zu entscheiden. Geht allerdings ein LAHB oder ein LPHB in einen Linksschenkelblock (Verbreiterung des QRS auf größer als 0,12 see) über, so kann eine zusätzliche Schädigung des anfangs nicht betroffenen Faszikels vermutet werden
LAMP = left atrial mean pressure Links-atrialer Mitteldruck
LAO = left anterior oblique projection Aufnahme im zweiten Schrägdurchmesser (Boxerstellung). Die Angiokardiographie kann in einer oder in zwei
Ebenen durchgeführt werden. Generell ist die biplane Darstellung vorzuziehen, da sie eine umfassende Beurteilung ermöglicht. Allgemein gilt als
Regel, daß die zu untersuchende Struktur am vorteilhaftesten im Profil darzustellen ist. Die Standardprojektionen bei der Ventrikulographie sind: die
antero-posteriore (a.p.), die laterale, die rechte vordere schräge (RAO oder
Fechter-) (30-45 Grad) und die linke vordere schräge (LAO oder Boxer-)
(60 - 75 Grad) Projektion.
Für die biplane RAO/LAO-Darstellung werden gewöhnlich die Einstellungen 30° RAO und 60° LAO verwendet. Die RAO-Projektion hat Vorteile gegenüber der a.p.-Darstellung, da sie das Überlagern des Ventrikels durch
LAP
X
120
die Wirbelsäule ausschließt und den Mitralring im Profil zeigt. In der LAOProjektion wird das Überlagern der Aortenklappe durch die Wirbelsäule
vermieden und die Darstellung des Ventrikelseptums möglich.
Die zur RAO-Projektion orthogonale, links-schräge bzw. links-anteriore
Projektion (LAO) von etwa 40 bis 60 Grad zeigt die linke Kammer meist
stark verkürzt, oft fast kugelförmig dargestellt. Sie eignet sich besonders
gut zur Trennung des linken vom rechten Ventrikel, da das interventrikuläre Septum hier orthograd getroffen wird
LAP = left atrial pressure Druck im linken Vorhof. Synonyme Schreibweise: PLA
LBBB = left bundle branch block Linksschenkelblock. Gelegentlich findet
man in der Literatur die Abkürzung LBBsB = left bundle branch system
block. Bei der Blockierung sowohl des anterioren als auch des posterioren
Faszikels des linken Schenkels kommt es zu einem Bild, das von einer Unterbrechung im kurzen Stamm des linken Schenkels nicht zu unterscheiden ist. Die Erregung erreicht die linke Kammer überden rechten Schenkel
des His-Bündels. Die Erregungsverzögerung bewirkt hier eine Verbreiterung des QRS-Komplexes auf mehr als 0,14 see. Die QRS-Morphologie ist
infolge Wegfalls des Initialvektors stark verändert. Klinisch unterscheidet
man den konstanten Linksschenkelblock, der meist Ausdruck einer tiefgreifenden Schädigung des linksseitigen Reizleitungssystems ist, am häufigsten durch die idiopathische Fibrose des linksseitigen Reizleitungssystems (Lev’s disease), vom intermittierenden Linksschenkelblock, der eine
erhöhte Refraktärzeit des linken His-Bündels anzeigt. Ursachen können
Anoxie oder toxische Schädigungen sein. Am häufigsten wird die intermittierende Form bei Tachykardie bzw. nach Extrasystolen beobachtet
LBCD = left border cardiac dullness Herzdämpfung am linken Rand
LBD = left border of dullness Linker Rand der Herzdämpfung. Die Abkürzungen LBD und LBCD werden synonym verwendet
LBF = liver blood flow Leberdurchblutung
LBP = low blood pressure Niedriger Blutdruck (seltener verwendete Abkürzung)
LCA = left coronary artery Linke Koronararterie. Siehe: -» A. c. s.
LCA-MBF = left coronary artery — myocardial blood flow Durchblutung
der linken Koronararterie. Synonyme Bezeichnung: left coronary blood
flow, left coronary flow
LCF = left circumflex A. circumflexa (Ramus circumflexus sinister)
LCM - Latente Kardiomyopathie Neben den Patienten mit HOCM, HNCM
und CCM gibt es Patienten, bei denen ebenfalls eine ätiologisch unklare
121
LDD
Herzerkrankung vorliegt, bei denen jedoch im Gegensatz zu den genannten drei idiopathischen Kardiomyopathien die Wanddicke der Ventrikel
und die systolischen und diastolischen Volumina in Ruhe normal sind.
Diese Patienten zeigen erst unter Belastung verschiedene Funktionsstörungen. Auch die systolischen Drucke im großen und kleinen Kreislauf
sind normal.
Für die Herzerkrankung dieser Patienten wurde die Bezeichnung latente
Kardiomyopathie (LCM) vorgeschlagen. Die Bezeichnung „latent“ soll in
Anlehnung an die Bezeichnung „latente Herzinsuffizienz“ zum Ausdruck
bringen, daß im Gegensatz zu den anderen idiopathischen Kardiomyopathien die Herzerkrankung bzw. die gestörte Myokardfunktion erst unter Belastungsbedingungen zu diagnostizieren ist. Die Zuordnung dieser Patienten zur Gruppe der Patienten mit Kardiomyopathien erscheint gerechtfertigt, da eine ätiologisch unklare Erkrankung des Herzmuskels, also definitionsgemäß eine Kardiomyopathie, vorliegt. Von anderen Autoren wird die
Bezeichnung V. a. small vessel disease, V. a. Zustand nach Myokarditis
oder im Falle einer typischen nitratpositiven Angina pectoris im Sinne einer koronaren Herzerkrankung die Bezeichnung Syndrom der Angina pectoris bei normalen Koronararterien oder Syndrom X vorgeschlagen. Die Bezeichnung Syndrom X erscheint nach Ansicht einiger Autoren aus klinischer Sicht problematisch, da sie wenig deskriptiv ist, von einem nicht
exakt objektivierbaren diagnostischen Kriterium (nitratpositive typische
Angina pectoris) abhängig ist und die gleichen abnormen Befunde (Funktionsstörung des Ventrikels unter Belastung, abnorme Lactatextraktion)
auch bei Patienten ohne typische Angina pectoris gefunden werden
LCT = long chain triglycerides Triglyceride langkettiger Fettsäuren (Kettenlänge Ou—-C20). Exogene Triglyceride langkettiger Fettsäuren werden
mit der Nahrung in einer täglichen Menge von 1 bis 2 g/kg zugeführt. Im
Dünndarm erfolgt in Gegenwart von Gallensäuren unter der Einwirkung
pankreatischer und intestinaler Lipasen die Hydrolyse der Triglyceride zu
Monoglyceriden, Fettsäuren und Glycerin. Diese Spaltprodukte erleichtern
die Bildung wasserlöslicher Aggregate (Mizellen) von Lipiden und Gallensäuren, welche die Digestion und Resorption begünstigen. Nach Resorption der Hydrolyseprodukte werden diese in den Mukosazellen des Dünndarms zu Triglyceriden resynthetisiert. Triglyceride in Verbindung mit geringen Mengen von Cholesterin, Phosphatiden und Protein treten als Partikel mit einer Größe von 0,1 bis 1,0 //m von den Mukosazellen in die Lymphgefäße des Darms über und werden als Chylomikronen über den Ductus
thoracicus dem Blut zugeführt. Die Partikelgröße der Chylomikronen bewirkt bei genügender Anzahl der Teilchen durch Streuung des Lichts eine
Serumtrübung. Aus den „primären“ Fetteilchen der Lymphe entehen nach
Eintritt in die Blutbahn durch Kontakt mit dem Serum „sekundäre“ Teilchen (mit geringfügig verändertem Fettsäuremuster und vermehrtem Proteingehalt). Die Fettsäurenzusammensetzung der Chylomikrontriglyceride
entspricht weitgehend derjenigen der resorbierten Nahrungsfette.
LDD = Langsame diastolische Depolarisation Im gewöhnlichen Arbeitsmyokard der Vorhöfe und der Ventrikel ist das Ruhepotential zwischen den
LDH
122
Aktionspotentialen konstant. Erregungen werden hier unter natürlichen
Verhältnissen nur durch Zuleitung ausgelöst. Die schwellenwertige Depolarisation kommt durch lokale Ausgleichsströme zwischen dem noch unerregten Gewebe und der bereits von der Erregung ergriffenen Nachbarschaft zustande. Ohne diesen Anstoß von außen würde sich das Ruhepotential des Arbeitsmyokards nicht verändern, d. h. es würde keine Erregung entstehen. Anders liegen die Verhältnisse in den automatisch tätigen bzw. zur Automatie befähigten Zellen des Sinusknotens, des AVKnotens und des ventrikulären Erregungsleitungssystems, die zu keinem
Zeitpunkt ein konstantes Ruhepotential aufweisen. Im Anschluß an die Repolarisation erfolgt sofort wieder eine langsame Entladung. Das Membranpotential nimmt, genauer gesagt, von dem sog. maximalen diastolischen
Potential (MDP) aus in Form einer langsamen diastolischen Depolarisation (LDD) allmählich ab, erreicht das kritische Schwellenpotential (SP)
und löst ein neues Aktionspotential aus. Indem sich derselbe Vorgang
nach der Repolarisation jedes Aktionspotentials wiederholt, resultiert eine
automatische, rhythmische Erregungsbildung. Die langsame diastolische
Depolarisation, also die spontane Abnahme des Membranpotentials im Erregungsintervall, stellt den eigentlichen bioelektrischen Elementarvorgang der Schrittmacherautomatie dar
LDH =k Lactat Dehydrogenase (EC 1.1.1.27) Da die LDH funktionell im
Energiestoffwechsel eine wichtige Rolle spielt, ist sie in fast allen Körperzellen — allerdings in recht unterschiedlicher Konzentration — anzutreffen. Nach abnehmender Konzentration geordnet findet sich die LDH in folgenden Organen: Niere, Herz, Skelettmuskel, Pankreas, Milz, Leber, Lunge
und Blut. Typisch ist der relativ hohe LDH-Gehalt der Erythrozyten.
Mit Hilfe der Elektrophorese konnte nachgewiesen werden, daß die LDH
aus fünf Fraktionen besteht, deren katalytische Funktion hinsichtlich der
Umwandlung von Pyruvat zu Lactat gleichwertig ist. Jede Fraktion setzt
sich aus typischen Untereinheiten zusammen, die durch die Symbole H ( =
Herz) und M (= Muskel) nach ihrer Herkunft charakterisiert sind. Insgesamt bilden je 4 dieser Untereinheiten ein Isoenzym. Die vornehmlich aus
H-Untereinheiten aufgebauten LDH-Isoenzyme sind auch als HBDH bekannt (HBDH = Hydroxybutyrat-Dehydrogenase). Durch die organspezifische Verteilung dieser 5 LDH-Isoenzyme ergibt sich ein charakteristisches
Enzymmuster. Dadurch kann die differentialdiagnostische Aussagekraft
vergrößert werden, wenn Isoenzyme ganz oder teilweise bestimmt werden.
Bei LDH! und LDH2 (= HBDH) überwiegt die Herzspezifität, während LDH5
relativ leberspezifisch ist. Die LDH1 hat eine Halbwertszeit von ca. 113
Stunden, die LDH5 eine von ca. 10 Stunden, woraus sich ein Hinweis auf
die größere Eignung der LDH1 für die Spätdiagnose ableiten läßt. In der Regel werden jedoch die gesamte LDH und zur Differenzierung der HBDHAnteil bestimmt.
Der diagnostische Wert dieser Bestimmung beruht darauf, daß nach einem Herzinfarkt erhöhte LDH-Aktivitäten über längere Zeit meßbar sind.
Während die Aktivität von GOT (ASAT) und CK normalerweise innerhalb
von 3-7 Tagen in den Normalbereich zurückkehren, bleibt die LDH 10-14
Tage erhöht. Somit eignet sich diese Bestimmung zur Kontrolle des Krank-
123
LEOPARD-Syndrom
heitsverlaufs und zu Spätdiagnosen. Bei klinisch- und elektrokardiographisch stummen oder von atypischen Symptomen begleiteten Infarkten ist
die LDH-Bestimmung zur Sicherung und Abgrenzung der Diagnose eine
entscheidende Hilfe
LDL = low density lipoprotein Lipoproteine niedriger Dichte. Eiweißpartikel von geringer Dichte und einem höheren Eiweißanteil (25%). Ihr Durchmesser von rund 200 - 250 Ä variiert wenig, so daß im elektronenoptischen
Bild der Eindruck gleichmäßig runder Teilchen entsteht, die im Vergleich
zu Chylomikronen und VLDL sehr einheitlich ausgebildet sind.
Die LDL enthalten die Hauptfraktion des Transport-Cholesterins (42%, davon etwa 8%. als freies Steroid). Die Menge des in den LDL enthaltenen
Cholesterins kann als Bezugsgröße bei der Einordnung dieser Lipoproteinfraktion in einem bestimmten Hyperlipoproteinämietyp dienen und wird in
diesem Falle als „^-Cholesterin“ bezeichnet. Einen relativ großen Anteil
am Aufbau der LDL haben auch die Phospholipide (22%), während Triglyceride nur noch mit 10% vertreten sind.
Bei der Elektrophorese bewegen sich die LDL mit den ^-Globulinen und
sind daher auch die ^-Fraktion der Lipoproteine. Ihre Eiweißkomponente
wird durch das Apoprotein B vertreten. Die Low-Density-Lipoproteine werden in der Leber abgebaut. Der hohe Gehalt an Cholesterin, den diese
Fraktion aufweist, bringt es mit sich, daß enge Beziehungen zum intrahepatischen Cholesterinstoffwechsel bestehen.
Im Schwerefeld der Ultrazentrifuge lassen sich zwei Unterfraktionen unterscheiden. Die Fraktion mit der Dichte D = 1,019 bis 1,063 g/ml fällt durch
ihre Partikelgröße auf, die zwischen 900 und 1200 Ä liegt. Wahrscheinlich
entstehen diese LDL-Moleküle, welche zudem reich an freiem Cholesterin
und Lecithin sind, durch Abbau der VLDL
LEOPARD-Syndrom Autosomal dominant vererbte Erkrankung, der Gorlin
et al. (1969) den mnemotechnischen Namen LEOPARD-Syndrom gegeben
haben (Lentigo, Elektrokardiographische Überleitungsstörung, Okulärer
Hypertrelorismus, Pulmonalstenose, Abnormes Genitale, Retardiertes
Wachstum, Taubheit vom sensoneuralen Typ (engl.: lengtigines, electrokardiographic conduction defects, ocular hypertelorism, pulmonary stenosis, abnormalities of genitalia, retardation of growth, deafness).
Die multiplen Lentigoflecken sind generalisierte, kleine, dunkle, braune
Flecken, die hauptsächlich über dem Nacken und der oberen Rumpfhälfte
verteilt sind. Die Schleimhäute sind nicht betroffen. Die Taubheit ist kein
konstantes Symptom. Die genitalen Anomalien bestehen aus Hypospadie
oder abnormen Ovarien und verspäteter Pubertät. Die Anomalien des Herzens bestehen sowohl aus anatomischen Fehlbildungen als auch aus
elektrokardiographisch faßbaren Überleitungsstörungen. Es findet sich eine mäßige, meistens atypische valvuläre Pulmonalstenose, eine Subaortenstenose oder andere valvuläre Anomalien. Die EKG-Veränderungen bestehen aus einer pathologischen elektrischen Herzachse, einem verbreiterten QRS-Komplex mit Schenkelblock, abnormen P-Wellen und verlängertem AV-Intervall. Diese nosologischen Beziehungen zum NoonanSyndrom sind nicht klar
LF
124
LF = low frequency Niedrige Frequenz. In der Ballistokardiographie werden Ultra-N-F-(ULF-)Ballistokardiographen verwendet
LFP = Langsame Füllungsphase Die LFP (auch LFW = langsame Füllungswelle genannt) schließt sich direkt an die rasche Füllungsphase
(-> RFP) an und endet mit dem Beginn der a-Welle. Flach ansteigender Kurvenverlauf der diastolischen Ventrikelfüllung, normalerweise deutlich abgesetzt von der frühsystolischen raschen Füllungswelle und der steileren
präsystolischen Vorhofswelle (engl.: SFP = slow filling phase)
LGL-syndrome = Lown-Ganong-Levine-Syndrom Dieses Syndrom ist eine
Variante des Präexzitationssyndromes, die keine QRS-Deformierungen im
EKG aufweist. Dabei werden akzessorische Leitungsbahnen zwischen der
Vorhofmuskulatur und dem H/s-Stamm (James-Bündel) ursächlich angenommen. Die Folge ist eine Beschleunigung der atrioventrikulären Überleitungsgeschwindigkeit bei sonst normalem intraventrikulärem Erregungsablauf. Im EKG besteht eine Verkürzung der PQ-Dauer unter 0,12 see ohne
Veränderungen am elektrokardiographischen Kammerkomplex. Das LGLSyndrom prädisponiert ebenso wie das -> WPW-Syndrom zur Entwicklung
von paroxysmalen tachykarden Herzrhythmusstörungen auf dem Boden
eines Re-entry Mechanismus
LHQ = Lungen-Herz-Quotient Groedel-Quotient. Quotient Lungenbreite
zur Herzbreite auf Röntgenaufnahmen mit sagittalem Strahlengang. Die
Herztransversale beträgt durchschnittlich etwa die Hälfte der Lungentransversale
LIHD = limited isovolemic hemodilution Limitierte isovolämische Hämodilution
LIMA = left internal mammary artery A. mammaria interna (BNA), A. thoracica interna (PNA). Die Arterie entspringt aus der A. subclavia, verläuft unter der 1. Rippe nach medial, auf der Pleura costalis abwärts und endet jenseits des Trigonum sternocostalis an der vorderen Bauchwand als A. epigastrica superior
LIP = lymphoid interstitial pneumonia Lymphoide interstitielle Pneumonie. Synonyme Schreibweisen: Lymphozytäre, Lymphofollikuläre interstitielle Pneumonie, Form der chronischen interstitiellen Pneumonien. Siehe
auch: ->• UIP
LIVT = left idiopathic ventricular tachycardia Idiopathische Tachykardie
im Bereich des linken Ventrikels
Lixiscope = Low Intensity X-Ray Imaging Scope Das Lixiscope ist ein
Röntgenbildgerät mit niedriger Strahlungsintensität und ist nicht größer
als ein Fahrradscheinwerfer. Es handelt sich um ein neuartiges Kompaktröntgengerät, das mit einer kleinen radioaktiven Strahlenquelle arbeitet
und zu jedem beliebigen Einsatzort mitgenommen werden kann.
125
L-MGA
Das Gerät ist auch für solche Aufgaben einsetzbar, für welche bisher
nur große, schwere Röntgenapparate benutzt werden konnten
LLBCD = left lower border of cardiac dullness Linke untere Herzdämpfungsgrenze
LLL = left lower lobe Linker Unterlappen der Lunge
L-loop (l-loop) = L-Transposition Durch eine Entwicklungsstörung des embryonalen Conotruncus, durch eine Störung der vektoriellen Bulbusdrehung oder der Entwicklung des aorto-pulmonalen Septums entspringt die
Aorta beim Fehlbildungskomplex der kompletten Transposition der großen Arterien (TGA) bei Persistenz eines subaortalen Konus anterior aus
dem ihr nicht zugehörigen, morphologisch rechten Ventrikel, die Pulmonalartiere posterior aus dem ihr ebenfalls nicht zugehörigen, morphologisch
linken Ventrikel.
Die großen Gefäße überkreuzen sich nicht, sondern steigen parallel auf;
die Aorta verläuft in der Regel bei viszero-atrialem Situs solitus unmittelbar vor oder gering rechts der Pulmonalarterie (D-TGA) bei vorne rechts gelegenem, rechten Ventrikel (D-Ioop) und nur selten vorne links (L-TGA), bei
viszero-atrialem Situs inversus vorne links der Pulmonalarterie (L-TGA) bei
vorne links liegendem, rechten Ventrikel (L-loop) und auch hier seltener als
D-TGA. Siehe auch: -> TGA, -> L-MGA, - L-TGA
LLQ = left lower quadrant Linker unterer Quadrant
LLSB = lower left sternal border Linker unterer Rand des Sternums
LMCA = left main coronary artery Hauptstamm der A. coronaria sinistra
LMSV = left maximal spatial vector Die Verstärkung der linksventrikulären Aktionspotentiale bei der Druck- und Volumenbelastung des linken
Ventrikels hat, abhängig vom Lebensalter, eine mehr oder weniger starke
Potentialzunahme der nach links und posterior orientierten Vektoren bei
gleichzeitiger Verlagerung der QRS-Schleife nach links und posterior zur
Folge. Die charakteristischen vektorkardiographischen Veränderungen
bei LVH kommen am besten in der HE zur Darstellung. Zwischen der linksventrikulären Drucksteigerung und dem linksmaximalen, räumlichen Vektor (LMSV = left maximal spatial vector) könnt eine signifikante Korrelation festgestellt werden. Die Rotation der QRS-Schleife ist bei reiner
Druckbelastung des linken Ventrikels in der FE normal, d. h. im Uhrzeigersinn, bei Volumenbelastung des linken Ventrikels wird jedoch häufig eine
Drehung im Gegenuhrzeigersinn in der FE beobachtet
L-MGA = Lävo-Malposition der großen Gefäße Der Begriff „Malposition
der großen Arterien“ bezeichnet eine Situation, bei der die großen Arterien
mit jeweils mehr als der Hälfte ihrer Klappenöffnung aus einem Ventrikel
entspringen, wobei es sich um einen rechten Ventrikel (double outlet right
ventricle), einen linken Ventrikel (double outlet left ventricle) oder einen
LOP
126
singulären Ventrikel handeln kann. Eine Malposition der großen Arterien
kann jedoch auch bei ventrikulo-arterieller Konkordanz vorliegen, und zwar
dann, wenn die Beziehung eines großen Gefäßes oder beider großer Gefäße zu ihren Ventrikeln und damit die Beziehung ihrer Semilunarklappen zueinander infolge einer kono-trunkalen Fehlbildung bzw. einer abnormen
Persistenz oder Involution eines Konus nicht der normalen Situation entspricht. Für diese Fälle hat sich die Bezeichnung „anatomisch korrigierte
Malposition der großen Arterien“ durchgesetzt.
Die normale Position des Pulmonalostiums links anterior, des Aortenostiums rechts posterior und ein Verlauf der Pulmonalarterie links vor der Aorta wird als „solitus“ bezeichnet. Eine Lage des Aortenostiums rechts vor
dem Pulmonalostium bei Verlauf der Aorta ascendens rechts vor der Pulmonalarterie entspricht einer „Dextro-Transposition der großen Arterien“
(D-TGA) oder „Dextro-Malposition der großen Arterien“ (D-MGA), eine Lage
des Aortenostiums links vor dem Pulmonalostium bei Verlauf der Aorta ascendens links vor der Pulmonalarterie einer „Lävo-Transposition der großen Arterien“ (L-TGA) oder einer „Lävo-Malposition der großen Arterien“
(L-MGA). Siehe auch:
TGA, L-TGA, -> L-Ioop
LOP = left oblique position Darstellung der Herzkranzarterien in schräger
Linkslage bei der Koronarangiographie
LOZ = Lungen-Ohr-Zeit Zeit vonrT Beginn der Atmung nach einer apnoeischen Pause bis zum Beginn des Wiederanstieges der Sauerstoffsättigung im Ohrblut bei densitometrischer Bestimmung. Die Lungen-Ohr-Zeit
kann nach Apnoe bis zum Einsetzen der Aufsättigung bestimmt werden
(Normalwert 3-5 Sekunden). Durch Subtraktion der Lungen-Ohr-Zeit von
der Arm-Ohr-Zeit kann leicht die Arm-Lungen-Zeit errechnet werden. Während eine Verlängerung der Lungen-Ohr-Zeit auf das Vorhandensein einer
Linksinsuffizienz hinweist, ist bei der Rechtsinsuffizienz namentlich die
Arm-Lungen-Zeit verlängert. In der Regel sind allerdings als Ausdruck einer Globalinsuffizienz beide Zeiten verlängert
LPA = left pulmonary artery Linke Pulmonalarterie
LP-A = Lipoprotein-A Die Einteilung der pathogenen Hyperlipoproteinämien wird heute aufgrund verschiedener Trennungsverfahren vorgenommen. Mit der Lipoproteinelektrophorese in Agarose und mit der analytischen Ultrazentrifuge können verschiedene Dichteklassen der Lipoproteine isoliert werden. Es sind die sog. very low-density lipoproteins (VLDL),
die low-density lipoproteins (LDL) und die high-density lipoproteins (HDL).
Hinzu kommen die Chylomikronen mit einer Grenzdichte bei d = 0,95 g/ml.
Die VLDL nehmen die Bereiche bis 1006 ein, die LDL-Fraktion wurde bei
der Dichte 1019 g/ml und die HDL-Fraktion bei der Dichte von 1125 g/ml
aufgegliedert.
Elektronenmikroskopisch erscheinen die Lipoproteinfraktionen als Partikel von unterschiedlicher Größe. Unterschiede dieser Stoffklassen bestehen in ihrer relativen Lipidzusammensetzung sowie in ihrem Apoproteingehalt.
127
LPF
1. Das Lipoprotein-A (LP-A) findet sich zum größten Teil in der HDLFraktion und Alpha-Lipoproteinbande
2. Das Lipoprotein-B (LP-B) ist Hauptbestandteil der LDL-Klasse mit ßMobilität
3. Das Lipoprotein-C (LP-C) ist als „reine“ Familie wohl nur in der HDLFraktion zu isolieren
Die Apoproteine D und E finden sich im gesamten Dichtebereich, also in
der VLDL-, LDL- sowie HDL-Fraktion. Die VLDL und Chylomikronen stellen
bezüglich ihrer Apoproteinkomposition heterogene Makrokomplexe dar,
die ein Molekulargewicht bis zu mehreren Millionen Daltons zeigen können. Es ist in den letzten Jahren gelungen, diese Apoproteine durch die
Kombination aufwendiger physikochemischer Verfahren in reiner Form zu
isolieren und sie somit der weiteren biochemischen und physiochemischen Analytik zugänglich zu machen. Von allen Apoproteinen (Apo-A I,
Apo-A II, Apo-B, Apo-C I, Apo-C II, Apo-C III, Apo-D und Apo-E) kennt man
heute die Aminosäurezusammensetzung, ihre Kohlenhydrate, von einigen
die Primärstruktur. Die Molekulargewichte dieser Apoproteine reichen von
7-30 000 Daltons
LPB = linksposteriorer (Faszikel-)Block Von einigen Autoren verwendete
Abkürzung für -> LPFB
LP-B = Lipoprotein-B Siehe: -+ LP-A
LP-C = Lipoprotein-C Siehe: -* LP-A
LPEP = Linksventrikuläre Präejektionsperiode Von einigen Autoren verwendete synonyme Abkürzung für -> PEP; die Schreibweise PEPl v wird gelegentlich verwendet
LPEP/LVET Quotient aus der Präejektionszeit (Anspannungszeit) und der
linksventrikulären Austreibungs-(Ejektions-)Zeit
LPF = Linker posteriorer Faszikel Der sog. Verzweigungsteil des HisBündels wurde als derjenige Anteil der Fasern definiert, welcher sich vom
Abgang des linken posterioren Faszikels des linken Schenkels (der LPF
geht am weitesten proximal ab) bis zum Ursprung der Fasern des rechten
Schenkels bzw. des linken anterioren Faszikels erstreckt. Hier beginnt die
Aufzweigung der Fasern, die weiter distal in drei verschiedenen Leitungsschenkeln (RS, -* LAF, -> LPF) verlaufen.
Distal vom His-Bündelstamm erfolgt die Erregungsüberleitung von den
Vorhöfen auf die Kammern über das linke bzw. rechte intraventrikuläre Erregungsleitungssystem (linker und rechter Tawara-Schenkel). Aus dem
Verzweigungsteil des His-Bündels entspringen folgende Faszikel:
Linker posteriorer Faszikel (LPF): Dieser entspringt am weitesten proximal
und ist breit
Linker anteriorer Faszikel (LAF): Dieser ist schmal und entspringt etwas
weiter distal. Er können aber auch Fasern des LPF und LAF in einem ganz
kurzen präfaszikulären Stamm, vom Verzweigungsteil des His-Bündels ge-
LPFB
128
meinsam abgehen. Die Aufteilung in die beiden Faszikel erfolgt später
Linker septaler Faszikel (LSF): Aus Fasern vom proximalen Teil des LPF
und LAF gehen Fasernetze ab, welche den linken septalen Faszikel (LSF)
bilden
LPFB = left posterior fascicular block Linker posteriorer Faszikelblock.
Beim seltenen LPFB findet man folgende EKG-Veränderungen:
1. Verspätung der intrinsicoid deflection (Stufe im absteigenden Schenkel
der R-Zacke) in III, aVF, II und häufig auch Vß um mindestens 0,015 bis
0,020 see im Vergleich zu aVL und I.
2. Frontale QRS-Steil- bis Rechtslage mit einem ÄQRSf zwischen +70°
und +100°, einem rS-Typ in aVL und einem qR-Typin III, aVF und II.
Synonym mit LPFB werden von verschiedenen Autoren auch die Bezeichnung linker hinterer (posteriorer) Hemiblock (-» LPH, -» LPHB) verwendet.
Diese Bezeichnungen werden heute vielfach abgelehnt. Es wird empfohlen, von einem linken anterioren (posterioren, septalen) Faszikelblock zu
sprechen, da diese deskriptiven Bezeichnungen nicht so sehr zu Begriffsverwechslungen führen dürften
LPFB 4- LAFB = Linksanteriorer und linksposteriorer faszikulärer Block
Unilateraler, bisfaszikulärer Block. Blockierung der Reizleitung im vorderen und hinteren Faszikel des linken Tawara-Schenkels. Im Gegensatz zu
den bisfaszikulären Blöcken, die 'bilateral-bisfaszikulär sind, handelt es
sich hier um eine unilaterale-bisfaszikuläre Blockierung. Ist sowohl der
vordere wie der hintere Faszikel blockiert, resultiert das elektrokardiographische Bild des vollständigen Linksschenkelblocks. Ob also eine prädivisionale trunkuläre Blockierung beider linker Faszikel (LAHB + LPFB) vorliegt, ist aus einem einzigen EKG nicht zu entscheiden. Geht allerdings ein
LAHB oder ein LPFB in einen Linksschenkelblock (Verbreiterung des QRS
auf größer als 0,12 see) über, so kann eine zusätzliche Schädigung des anfangs nicht betroffenen Faszikels vermutet werden
LPFB + RSB = Linksposteriorer Faszikelblock und Rechtsschenkelblock
Blockierung der Erregungsleitung im rechten und im hinteren Faszikel des
linken Tawara-Schenkels. In den Extremitätenableitungen Bild des linksposterioren Hemiblocks mit q-Zacke und hohem R in II, III und aVF. In den
Brustwandableitungen Bild des Rechtsschenkelblocks mit verbreitertem,
in Vi M-förmig gesplittertem QRS, bei verspäteter endgültiger Negativitätsbewegung in Vi, s in V5 und Ve
Diese Blockform kommt nur sehr selten vor, da diese beiden Faszikel anatomisch weit auseinander liegen. Bei der früher üblichen Unterscheidung
der Rechtsschenkelblöcke in einen häufigen „Wilson“ und einen seltenen
„klassischen“ Typ, handelte es sich bei letzterem, dem sog. „rechtstypischen Rechtsschenkelblock “ z. T. um das Bild des RSB + LPFB.
Da der Lagetyp der Extremitätenableitungen beim Rechtsschenkelblock
erheblich variieren kann, ist die Diagnose RSB + LPFB nur dann sicher,
wenn, bei bekanntem RSB, akut oder intermittierend, z. B. im Rahmen eines Myokardinfarktes, ein zusätzlicher Rechtstyp als Zeichen der Leitungsstörung im hinteren linken Faszikel auftritt
129
LRS
LPH = Linksposteriorer Hemiblock Linker hinterer Hemiblock (engl.: left
posterior hemiblock). Von verschiedenen Autoren wird diese auf Rosenbaum zurückgehende Bezeichnung abgelehnt. Empfohlen wird -* LPFB
= Linksposteriorer Faszikelblock (engl.: left posterior fascicular block).
Siehe: -> LPFB
LPHB = Linker posteriorer Hemiblock Siehe: - LPH, - LPFB
LRH = low renin hypertension Essentielle Hypertension mit verringerter
Plasmareninaktivität
LRQ = lower right quadrant Linker unterer Quadrant
LRR = Licht-Reflexions-Rheographie Neben der Phlebodynamometrie
und Plethysmographie steht für die Diagnostik der peripheren venösen Abflußstörungen als nicht invasives Verfahren die Licht-ReflexionsRheographie (LRR) zur Verfügung. Sie ermöglicht — für den Patienten
nicht belastend und völlig schmerzlos — eine physikalische, quantitative
Erfassung der Hämodynamik des venösen Systems im Bereich der unteren
Extremität. Schnelle und einfache Handhabung, ortsunabhängiger Einsatz, fremdfaktorunabhängige, reproduzierbare Messung sind einige weitere Vorteile des Systems
LRS = Links-Rechts-Shunt (LR-Shunt) Eine abnorm hohe Sauerstoffsättigung in der A. pulmonalis erweckt Verdacht auf einen Links-Rechts-Shunt.
Der Nachweis abnormer Verbindungen zwischen großem und kleinem
Kreislauf sowie deren Quantisierung kann aufgrund des Fickschen Prinzips erfolgen. Dabei wird der Nachweis von Veränderungen des Sauerstoffgehaltes im Bereich von Gefäßen oder Herzabschnitten (ohne daß wesentliche Kapillargebiete dazu beitragen können) ausgenützt. Man unterscheidet eindirektionale und bidirektionale Shunts. Falls wesentliche
Druckunterschiede zwischen zwei, durch eine abnorme Verbindung kommunizierenden Kreislaufabschnitten besteht, resultiert meist ein monodirektionaler Shunt. Bestehen aber beinahe Druck- und vor allem weitgehender Widerstandsangleich zwischen Kreislaufabschnitten mit abnormer
Verbindung oder phasischer Druckumkehr, so resultieren bidirektionale
Shunts.
In solchen Fällen sollte Blut in rascher Folge aus beiden Pulmonalästen,
dem Hauptstamm der Lungenschlagader, dem rechten Ventrikel (eventuell
Ausfluß- und Einflußtrakt) dem rechten Vorhof und vor allem aus der V. cava inferior und superior entnommen werden. Die Berechnung der mittleren
Sättigung der Hohlvenen erfolgt wiederum unter der Annahme, daß beim
Erwachsenen im Ruhezustand die Sättigung in der V. cava inferior zu zwei
Dritteln, die der V. cava superior zu einem Drittel beiträgt. Besteht zwischen mittlerer Sättigung der Hohlvenen und Lungenschlagader ein Sauerstoffsättigungsanstieg von mehr als 5% (~ 1 Vol%), so darf ein LinksRechts-Shunt angenommen werden, wobei die Lokalisation des Shunts
durch den Ort des größten Anstieges gegeben ist. Der Links-Rechts-Shunt
wird üblicherweise in % des Lungenkreislaufs angegeben.
LSA-LCA-Anastomose
130
Beim monodirektionalen Shunt gilt natürlich Links-Rechts-Shunt =
Lungenzeitvolumen — Körperzeitvolumen
Bei bidirektionalem Shunt gilt dementsprechend Körperzeitvolumen
+ Links-Rechts-Shunt = Lungenzeitvolumen + Rechts-Links-Shunt
LSA-LCA-Anastomose Anastomose zwischen der linken A. subclavia (left
subclavian artery) und der linken Koronararterie (left coronary artery)
LSB = left sternal border Linker Sternalrand
LSB = Linksschenkelblock Unterschieden wird ein kompletter und ein inkompletter Linksschenkelblock.
1. Linksschenkelblock, kompletter: Blockierung der Erregungsleitung im
trunkulären Anteil des linken Tawara-Schenkels bzw. postdivisional
gleichzeitige Unterbrechung der Erregungsleitung im vorderen und hinteren linken Faszikel.
EKG: QRS auf 0,12 see oder mehr verbreitert und deformiert, in I, aVL und
V5/V6 oft M-förmig und immer positiv. Verspätung der endgültigen Negativitätsbewegung (= Zeitpunkt des letzten Überganges einer Aufwärts- in eine Abwärtsbewegung des QRS-Komplexes) in Ableitung Vß/Vß auf über
0,055 see. Rechtspräkordial breite, plumpe, tiefe S-Zacken (\f1IV2)
Der komplette LSB ist meist degenerativ-ischämischer Natur (KHK). Aber
auch bei hämodynamischer Linksü'berlastung mit Linkshypertrophie (z. B.
Aortenklappenfehler, Hochdruck), seltener Ausdruck einer „idiopathischen“ Degeneration des spezifischen Leitungssystems (Lenegresche Erkrankung, Lev-Syndrom). Englische Bezeichnung: left bundle branch
block, -> LBBB
2. Linksschenkelblock, inkompletter: Leitungsverzögerung im linken
Tawara-Schenkel. Hämodynamische Überlastung des linken Ventrikels
mit Linkshypertrophie und sekundärer Störung der Erregungsleitung, z. B.
bei Hypertonikerherzen und Aortenklappenfehlern.
EKG: Verspätung der endgültigen Negativitätsbewegung in V5, Vß wie beim
kompletten Linksschenkelblock, jedoch QRS weniger als 0,12 see. Oft
linkspräkordiale Hochspannung
LSE = Links-Sagittal-Ebene im VKG Das heute klinisch weitverbreitetste,
vektorkardiographische System ist das korrigierte, orthogonale (k. o.) System nach Frank. „Korrigiert“ heißt dieses System deshalb, weil durch ein
experimentell ermitteltes Widerstandsnetzwerk die exzentrische Herzlage
im Thorax weitgehend kompensiert wird. Da das Referenzsystem rechtwinklig und dreidimensional ist, liegt ein orthogonales System vor.
Mit Hilfe von 7 Elektroden können sowohl die drei skalaren Ableitungen (x,
y, z) als auch die VKG der drei Ebenen (FE = Frontalebene, HE = Horizontalebene, LSE = Links-Sagittal-Ebene) registriert werden. Die z-Ableitung
wird allgemein entsprechend den Empfehlungen der AHA posterior positiv
gepolt, obwohl eine generelle Einigung darüber noch nicht vorliegt.
LSF = Linker septäler Faszikel Distal vom His-Bündelstamm erfolgt die
Erregungsüberleitung von den Vorhöfen auf die Kammern über das linke
131
L-System
bzw. rechte intraventrikuläre Erregungsleitungssystem (linker und rechter
Tawara-Schenkel). Aus dem Verzweigungsteil des His-Bündels entspringen folgende Faszikel:
Linker posteriorer Faszikel (LPF): Dieser entspringt am weitesten proximal
und ist breit
Linker anteriorer Faszikel (LAF): Dieser ist schmal und entspringt etwas
weiter distal. Es können aber auch Fasern des LPF und LAF in einem ganz
kurzen präfaszikulären Stamm, vom Verzweigungsteil des His-Bündels gemeinsam abgehen. Die Aufteilung in die beiden Faszikel erfolgt etwas später (Rosenbaum et al.)
Linker septaler Faszikel (LSF): Aus Fasern vom proximalen Teil des LPF
und LAF gehen Fasernetze ab, welche den linken septalen Faszikel (LSF)
bilden. Die Existenz eines echten septalen Faszikels ist heute noch umstritten
LSFB = Linker septaler Faszikelblock Die Existenz eines separaten septalen Faszikels ist heute noch umstritten. Von manchen Autoren wird das
EKG-Bild einer isolierten Leitungsblockierung im septalen Faszikel
beschrieben.
Das Kammerseptum wird normalerweise über die septalen Fasern, welche
von LAF und LPF kommen, immer von links nach rechts erregt. Diese Erregung des Septums manifestiert sich als initiales kleines q in Ableitung I,
aVL sowie initiales kleines r in V2
L/S-Quotient = Lecithin-Sphyngomyelin-Quotient Hauptursache für das
Atemnotsyndrom ist eine herabgesetzte Stabilität der Alveolen, die auf einem Mangel an oberflächenaktiven Phospholipiden, den sog. surfacants,
beruht. Schon pränatal kann man Aufschluß über das Vorhandensein der
Phospholipide gewinnen, indem man den Lecithin/Sphingomyelin
(US)-Quotienten im Fruchtwasser bestimmt. (Ein Quotient von weniger als
2,0 gilt als Zeichen verzögerter Lungenreife.)
LSVC = left superior vena cava Anomalie der V. cava superior: linksseitige
V. cava superior. Persistenz der linken oberen Kardinalvenen und des Ductus Cuvieri, meist bei Einmündung der regulären in den Koronarsinus; oft
kombiniert mit anderen Herzmißbildungen (Transposition der großen Arterien, Pulmonalvenenanomalie, ASD oder VSD, offener Ductus arteriosus)
L-System Als sarkoplasmatisches Retikulum, auch „longitudinales“
(L-)System genannt, wird ein Netzwerk von membranumgebenden Hohlräumen bezeichnet. Fast der gesamte Interfibrillärraum um die Myofibrillen ist von sarkoplasmatischem Retikulum ausgefüllt.
Zum T-System hin, an den Diadoiden und Triadoiden, sind schmalere Zisternen des sarkoplasmatischen Retikulums zu finden: Dort bilden die
Membranen beider Systeme spezialisierte Kontakte, die auch unter der
oberflächlichen Zellmembran als subsarkolemmale Zisternen vorliegen.
Im sarkoplasmatischen Retikulum kann durch eine aktive lonenpumpe die
intrazelluläre Ca-Konzentration im Myofibrillenraum gesenkt werden, in
dem das Kalzium in die Zisternen aufgenommen wird. Im Skelettmuskei ist
L-TGA
132
dieses sarkoplasmatische Kalzium unerläßlich für die Muskelkontraktion,
beim Herzmuskel spielt es eine modulierende Rolle, da die Kalziumaufnahme vorwiegend von der Zellmembran gesteuert wird. Die Kontraktion der
Myofibrillen wird durch Kalzium vom Extrazellulärraum und sarkoplasmatischen Retikulum bewirkt, wenn es in den interfibrillären Raum und an die
Myofibrillen diffundiert. Zur Relaxation wird das Kalzium wieder durch die
Membranen gepumpt und im sarkoplasmatischen Retikulum gespeichert
L-TGA = Lävo-Transposition der großen Gefäße Die Beziehung der großen
Gefäße zueinander richtet sich nach der Position der Semilunarklappen in
der anterior-posterioren und in der lateralen Ebene. Die normale Situation
mit Lage des Pulmonalostiums links anterior und des Aortenostiums
rechts posterior und Verlauf der Pulmonalarterie links und vor der Aorta
wird als „Solitus“ bezeichnet; eine sog. „Transpositionsstellung der großen Arterien“ mit Lage des Aortenostiums rechts und anterior dem Pulmonalostium und Verlauf der Aorta rechts und vor der Pulmonalarterie entspricht einer „Dextro-Transposition der großen Arterien“ (D-TGA) oder
„Dextro-Malposition der großen Arterien“ (D-MGA), eine Lage des Aortenostiums links vor dem Pulmonalostium bei Verlauf der Aorta links vor der
Pulmonalarterie einer „Lävo-Transposition“ (L-TGA) oder „LävoMalposition“ (L-MGA). Zur Vereinfachung und Abkürzung dieser Terminologie wurde ergänzend eine Symbolik für die drei wichtigsten Segmente
des Herzens vorgeschlagen:
'
1. Viszero-atrialer Sinus solitus = S, viszero-atrialer Sinus inversus = I,
Situs ambiguus — A
2. reguläre Ventrikelposition = D entsprechend D-Ioop,
Inversion der Ventrikel = L entsprechend L-loop
3. D-Transposition bzw. D-Malposition = D,
L-Transposition bzw. L-Malposition = L
Lage des Aortenostiums bzw. der Aorta unmittelbar vor der Pulmonalarterie = A entsprechend Anterior-Transposition bzw. Anterior-Malposition;
eine umgekehrte spiegelbildliche Beziehung des normalen Ursprungs und
Verlauf der großen Arterien = I entsprechend „Inverted“
LUQ = left upper quadrant Linker oberer Quadrant
LV = left ventricle Linker Ventrikel
LVes d = Linksventrikulärer endsystolischer Durchmesser Verschiedene
Schreibweisen werden in der Literatur synonym verwendet: ESDl v , LVESD
LVmass = Linksventrikulärer Muskelmassenindex Aufgrund der Möglichkeit, Durchmesser und Wandstärke des linken Ventrikels mittels der Echokardiographie zu bestimmen, kann neben den Ventrikelvolumina auch die
linksventrikuläre Muskelmasse nicht invasiv ermittelt werden. Aus der Differenz zwischen Gesamtvolumen der linken Kammer und dem enddiastolischen Volumen wurde nach Multiplikation mit dem Faktor 1,05 (spezifisches Gewicht des Herzmuskels) die linksventrikuläre Muskelmasse errechnet. Synonyme Abkürzungen: -> LVM, -► LVMM
133
LVEDP
LVAT = Linksventrikulärer Ausflußtrakt Seltener verwendete Abkürzung.
Die meisten deutschsprachigen Autoren verwenden die englische Schreibweise der Abkürzung:
LVOT = left ventricular outflow tract
LVAW = left ventricular anterior wall Linksventrikuläre Vorderwand
LVAZ = Linksventrikuläre Austreibungszeit Nicht gebräuchliche Abkürzung für -> LVET = left ventricular ejection time (Ejektionszeit)
LVC = left ventricular contraction Linksventrikuläre Kontraktion
LVC dp/dt = left ventricular contraction dp/dt — dp/dtmax
LVD = leftventriculardiameter Linksventrikulärer Durchmesser
LVD% Prozentuale linksventrikuläre Dimensionsänderung
LVE = left ventricular enlargement Erweiterung des linken Ventrikels
LVEDD = left ventricular end-diastolic diameter Linksventrikulärer enddiastolischer Durchmesser. Der linksventrikuläre enddiastolische Durchmesser wird beim Jugendlichen und beim Erwachsenen an der Stelle bestimmt, an der die Mitralsegel in die Sehnenfäden übergehen. Die Spitze
des vorderen Mitralsegels sollte an der Meßstelle frühdiastolisch gerade
noch erkennbar sein. Für die Ausmessung des linksventrikulären Durchmessers ist eine möglichst senkrechte Schallwandlerposition anzustreben. Die Messung des enddiastolischen Durchmessers erfolgt zu Beginn
des QRS-Komplexes im EKG, wobei als Bezug diejenige EKG-Ableitung gewählt wird, auf der der QRS-Komplex eine möglichst hohe Amplitude aufweist. Der Patient befindet sich in Rücken- oder leichter Linksseitenlage,
er sollte ausgeatmet haben, ein Pressen ist zu vermeiden. Die Ausmessung erfolgt wiederum nach der „leading-edge“-Methode von der Vorderkante der Echolinie, die die linksventrikuläre Septumbegrenzung darstellt,
bis zur Vorderkante des Endokards der linksventrikulären Hinterwand als
direkte senkrechte Verbindung. Der so ermittelte Durchmesser ist um ein
bis zwei Millimeter kleiner als der maximale enddiastolische Durchmesser
zu Beginn der Anspannungsphase des linken Ventrikels
LVEDFL = left ventricular end-diastolic fiber length Linksventrikuläre enddiastolische Faserlänge
LVEDP = left ventricular end-diastolic pressure Linksventrikulärer enddiastolischer Druck (Füllungsdruck). Als Referenz für den Füllungsdruck des
linken Ventrikels werden sowohl der diastolische Pulmonalarteriendruck
als auch der mittlere Pulmonalarteriendruck herangezogen: Bei gesunden
Personen in Ruhe wurde eine gute Übereinstimmung des diastolischen
Pulmonalarteriendruckes (-> PADP oder -* PAEDP) mit dem linksventrikulären Füllungsdruck (LVEDP, gemessen nach der A-Welle im linken Ventrikel) gefunden.
LVEDF
134
Für Personen mit Lungenerkrankungen, also pulmonaler Hypertension
und konsekutivem Druckanstieg im rechten Ventrikel, ebenso wie für Personen mit linksventrikulärer Dysfunktion besteht jedoch keine verwertbare
Korrelation zwischen PADP und LVEDP.
Für gesunde Personen ist anzunehmen, daß der LVEDP um 2 bis 4 mm Hg
höher liegt als der mit dem linksatrialen praktisch identische Pulmonalvenendruck. Der Normalbereich des LVEDP bei gesunden Personen liegt
zwischen 8 und 12 mm Hg.
Bei linksventrikulärer Dysfunktion allerdings liegt der LVEDP wesentlich
höher. Dies ist bereits durch die verminderte Dehnbarkeit hypertrophierter
oder ischämisch geschädigter Herzen bedingt. Ein im Normalbereich liegender LVEDP muß für ein solches Herz bereits als zu niedrig eingestuft
werden: Für Patienten mit akutem Myokardinfarkt gilt ein LVEDP von 21
bis 24 mm Hg als optimaler Füllungsdruck, bei dem das Herz seine höchste Auswurfleistung erbringt. Für den PCV liegen die entsprechenden Werte bei 18 - 20 mm Hg. Gelegentlich findet man die Schreibweise: Pl v ed
LVEDF = left ventricular end-diastolic volume Linksventrikuläres enddiastolisches (Innen-)Volumen. Funktionskurven des Herzens, speziell des linken Ventrikels^ d. h. Beziehungen zwischen Druck-Volumen-Arbeit
(mkp/Schlag) und dem enddiastolischen Volumen des linken Ventrikels
(LVEDV) oder — vereinfacht — zwischen Herzminutenvolumen und LVEDV
sind, beim Menschen nicht meßbär, da LVEDV nicht nach Belieben in den
gegebenen Grenzen variiert werden kann und insbesondere eine Konstanz
von Aortendruck und Herzfrequenz während einer induzierten Veränderung von LVEDV nicht erreichbar ist. Als relativ leicht meßbarer Ausdruck
der Funktion des linken Ventrikels und somit als gewisser Ersatz für Funktionskurven kann aber die Auswurffraktion (EF) des linken Ventrikels angesehen werden. Zu ihrer Berechnung sind Messungen des enddiastolischen
und des endsystolischen Ventrikelvolumens notwendig.
Das enddiastolische Volumen des linken Ventrikels, d. h. die Ausgangsfüllung, stellt einen Index der enddiastolischen Faserlänge des Herzmuskels
dar und repräsentiert die sog. preload. Es läßt sich mit Hilfe von mono- und
biplanen Kineangiokardiogrammen messen. Aufwendiger, aber genauer,
sind die biplanen Bestimmungsmethoden, wobei entsprechend der Simpsonschen Regel das Ventrikelvolumen aus einzelnen Scheibchen nach einer Formel berechnet wird. In gleicher Weise wie das enddiastolische Volumen läßt sich auch das endsystolische Volumen des linken Ventrikels
(LVESV) und aus beiden die Auswurffraktion des linken Ventrikels (LVEF)
bestimmen
LVEDVI = left ventricular end-diastolic volume index IJnksventrikulärer
enddiastolischer Volumenindex
LVEF = left ventricular ejection fraction Linksventrikuläre Auswurffraktion. LVEF = (EDV — ESV) I EDV. Siehe auch: -► EF
LVEF/LVET = left ventricular ejection fraction I left ventricular ejection
time Quotient aus linksventrikulärer Auswurffraktion und linksventrikuläler
135
LVETI
Auswurf-(Austreibungs-)Zeit. LVEF/LVET = MNSER = mean normalized
systolic ejection rate. Siehe auch: — MNSER
LVESD = left ventricular end-systolic diameter Linksventrikulärer endsystolischer Durchmesser. Der endsystolische linksventrikuläre Durchmesser wird an der gleichen Stelle wie der enddiastolische Durchmesser bestimmt, d. h. unmittelbar unterhalb der Mitralsegelebene. Schwierigkeiten
ergeben sich gelegentlich, wenn die maximale systolische Dorsalbewegung des Kammerseptums und die maximale systolische Vorwärtsbewegung der linksventrikulären Hinterwand zeitlich nicht genau übereinstimmen.
Aus der Differenz zwischen dem enddiastolischen und dem endsystolischen linksventrikulären Durchmesser dividiert durch den enddiastolischen Durchmesser wird die für die Beurteilung der linksventrikulären
Funktion entscheidende prozentuale systolische Durchmesserverkürzung
(FS) berechnet. Der Normalwert liegt zwischen 25 und 45%. Werte für FS
zwischen 20 und 24% weisen auf eine mäßiggradige, Werte unter 20% auf
eine höhergradige linksventrikuläre Funktionsstörung hin
LVESV = left ventricular end-systolic volume Linksventrikuläres endsystolisches Volumen. Siehe auch: -► ESV
LVET = left ventricular ejection time Linksventrikuläre Auswurfzeit vom
Beginn des Steilanstiegs bis zur Inzisur der Karotispulskurve. Der Normalwert der LVET beträgt bei Erwachsenen 0,28 see. Sie hängt stark von der
Herzfrequenz ab. Deshalb wird zur Bestimmung die Formel für die Q-TDauer von Hegglin und Holzmann benutzt und festgestellt, ob das Ende
von T, d. h. die sog. elektrische Systolendauer, oder besser Aktivitätszeit,
sich im Rahmen des Normalen bewegt. Der II. Ton, d. h. die Beendigung
der Austreibung, soll nicht mehr als 0,02 see in beiden Richtungen von diesem Wert abweichen. Eine starke Vorverlagerung des II. Tones finden wir
beim sog. Hegglin-Syndrom, bei dem Kaliummangel zu einer relativen Verkürzung der mechanischen Systole bei absoluter Verlängerung der QT-Zeit
führt. Bei der Aortenstenose finden wir ohne Diskrepanz zwischen der QTZeit und Beendigung der mechanischen Systole besonders starke Verlängerungen der Austreibungszeit. Gemessen wird die Austreibungszeit in
der Karotispulskurve vom Beginn des Steilanstieges bis zur Inzisur. Natürlich braucht bei der Messung die zentrale Pulswellenlaufzeit nicht berücksichtigt zu werden, da beide Meßpunkte aus der Karotispulskurve gewonnen werden. Siehe auch: -> PEP/LVET
LVETI = Frequenzkorrigierter Index für LVET Von Weissler wurden frequenzkorrigierte Normalwerte für PEP und LVET angegeben. Die Regressionsgleichungen für die Aufstellung von Normalwerten lauten nach
Weissler et al. für PEP 131 - 0,4 x Herzfrequenz (Männer), bzw. 133 - 0,4 x
Herzfrequenz (Frauen); für LVET 413-1,7 x Herzfrequenz (Männer), bzw.
418- 1,6 x Herzfrequenz (Frauen). Es wurde vorgeschlagen, mit Hilfe dieser Regressionsgleichungen die Zeitintervalle auf eine Herzfrequenz von
70 zu korrigieren
LVFP
136
LVFP = left ventricular filling pressure Linksventrikulärer Füllungsdruck
LVH = Linksventrikuläre Hypertrophie Die Verstärkung der linksventrikulären Aktionspotentiale bei der Druck- und Volumenbelastung des linken
Ventrikels hat, abhängig vom Lebensalter, eine mehr oder weniger starke
Potentialzunahme der nach links und posterior orientierten Vektoren bei
gleichzeitiger Verlagerung der QRS-Schleife nach links und posterior zur
Folge. Die charakteristischen vektorkardiographischen Veränderungen
bei LVH kommen am besten in der Horizontalebene zur Darstellung. Zwischen der linksventrikulären Drucksteigerung und dem linksmaximalen,
räumlichen Vektor (LMSV = left maximal spatial vector) konnte eine signifikante Korrelation festgestellt werden. Die Rotation der QRS-Schleife ist
bei reiner Druckbelastung des linken Ventrikels in der Frontalebene, d. h.
im Uhrzeigersinn, bei Volumenbelastung des linken Ventrikels wird jedoch
häufig eine Drehung im Gegenuhrzeigersinn in der FE beobachtet
LVHW = Linksventrikuläre Hinterwand Weniger gebräuchliche Abkürzung. Auch von deutschsprachigen Autoren wird die englische Schreibweise LVPW bevorzugt. Siehe: -► LVPW = left ventricular posterior wall
LVID = left ventricular internal dimension (diameter) Linksventrikulärer Innendurchmesser des linken Vorhofs. LVIDd = enddiastolischer linksventrikulärer Innendurchmesser zum Zeitpunkt der R-Zacke im EKG. LVIDs =
endsystolischer linksventrikulärer Innendurchmesser zum Zeitpunkt der
maximalen anterioren Bewegung der linksventrikulären Hinterwand
(LVPW)
LVM = Masse des linken Ventrikels Linksventrikuläre Muskelmasse. Normalwert: 70-200 g
LVmax — dp/dt Maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit im linken Ventrikel
LVMI/EDVI Quotient aus dem linksventrikulären Wandmassenindex und
dem enddiastolischen Volumenindex
LVMM/BSA = Linksventrikuläre Muskelmasse und Körperoberfläche (BSA
= body surface area)
LVMM/EDV Quotient aus linksventrikulärer Muskelmasse und dem enddiastolischen Volumen. Der Quotient stellt die Masse-Volumen-Relation dar
LVOT = left ventricular outflow tract Linksventrikulärer Ausflußtrakt. Die
Weite des Traktes wird in der Echokardiographie entweder enddiastolisch
als der senkrechte Abstand zwischen dem Punkt C der Mitralklappenbewegung und dem interventrikulären Septum oder endsystolisch als der senkrechte Abstand zwischen dem Punkt D der Mitralklappenbewegung und
dem Septum ausgemessen. Eine Verkleinerung des linksventrikulären
Ausflußtraktes (enddiastolisch unter 20 mm) wird besonders bei Patienten
137
LV-ROI
mit hypertrophisch-obstruktiver Kardiomyopathie, häufig auch bei Patienten mit hypertrophisch nicht obstruktiver Kardiomyopathie oder bei konzentrischer Hypertrophie beispielsweise infolge einer valvulären Aortenstenose beobachtet. Eine Bestimmung der Weite des linksventrikulären
Ausflußtraktes bei Patienten mit Mitralvitien, bei denen ein prothetischer
Klappenersatz ansteht, ist von Bedeutung, nachdem Untersuchungen gezeigt haben, daß die Verwendung von Ballprothesen bei Patienten mit engem Ausflußtrakt mit einer signifikant höheren Komplikationsrate behaftet ist, als bei Verwendung von Scheibenprothesen
LVOTs Weite des linksventrikulären Ausflußtraktes während der Systole.
Senkrechter Abstand zwischen dem Punkt D des Mitralklappenbewegungsablaufes und der linksventrikulären Septumbegrenzung. Normwert: >23
mm
LVOTd Weite des linksventrikulären Ausflußtraktes während der Diastole.
Senkrechter Abstand zwischen dem Punkt C des Mitralklappenbewegungsablaufs und der linksventrikulären Septumbegrenzung. Normwert: >26
mm
LVOTO = left ventricular outflow tract obstruction Linksventrikuläre Ausflußtraktobstruktion. Gelegentlich wird auch die Abkürzung LVOO verwendet
LVP = left ventricular pressure Linksventrikulärer Druck. Synonyme
Schreibweise: Pl v
LVPEP/RVPEP Quotient aus links- und rechtsventrikulärer Präejektionsperiode. (-* PEP = pre-ejection period)
LVPW = left ventricular posterior wall Linksventrikuläre Hinterwand.
LVPWd = Diastolische Dicke der linksventrikulären Hinterwand. LVPWex
= Amplitude der systolischen Anteriorbewegung der linksventrikulären
Hinterwand. LVPWs = Systolische Dicke der linksventrikulären Hinterwand
LVPWP = left ventricular posterior wall velocity Mittlere linksventrikuläre
Hinterwandgeschwindigkeit. LVPWP = LVPWex /LVET(cm/sec)
LV-ROI = Linksventrikuläre Regions of Interest Die linksventrikuläre Auswurffraktion errechnet sich in der Radionuklid-Ventrikulographie nach
Festlegung der linksventrikulären „region of interest“ (LV-ROI) aus der Differenz zwischen enddiastolischer und endsystolischer Zählrate, dividiert
durch die enddiastolische Zählrate mit oder ohne Untergrundkorrektur. Die
LV-ROI wird manuell entweder ausschließlich enddiastolisch oder enddiastolisch und endsystolisch festgelegt. Die automatische Bestimmung der
enddiastolischen und endsystolischen LV-ROI erfolgt mit Hilfe von Rechenprogrammen, welche die Ventrikelgrenzen innerhalb einer manuell
vorgegebenen enddiastolischen LV-ROI durch Analyse der Anstiegsein-
LV/RVOC
138
heit oder des Wendepunktes des ventrikulären Aktivitätsprofils definieren.
Radiär-segmentale linksventrikuläre Auswurffraktion: Zur Berechnung der
radiär-segmentalen linksventrikulären Auswurffraktion wird der linke Ventrikel innerhalb der manuell festgelegten enddiastolischen LV-ROI in zwölf
radiär angeordnete Segmente von etwa 30°, ausgehend vom automatisch
bestimmten Mittelpunkt eines um die enddiastolische LV-ROI gelegten
Rechtsecks, unterteilt. Für jedes der zwölf Segmente wird innerhalb der
enddiastolischen bzw. endsystolischen LV-ROI die regionale Auswurffraktion aus den jeweiligen Zählraten, entsprechend der Berechnung der globalen linksventrikulären Auswurffraktion, ermittelt
LV/RVOC systolic gradient between left ventricle and right ventricular outlet chamber
LVSI = left ventricular systolic (output) index Linksventrikulärer systolischer Auswurfvolumen-Index. Synonyme Abkürzung: L VSOI
LVSO = left ventricular systolic output Linksventrikuläres systolisches
Auswurfvolumen
LVSP = left ventricular systolic pressure Linksventrikulärer systolischer
Druck
LVSP/ESVI Verhältnis von linskventrikulärem Spitzendruck und endystolischem Volumenindex (mm Hg/ml x m-2)
LVSV = leftventricular stroke volume Linksventrikuläres Schlagvolumen
LVSWI = left ventricular stroke work index Linksventrikulärer Arbeitsindex. Linksventrikuläre Arbeit pro m2 Körperoberfläche berechnet aus CI x
MAP (CI = cardiac index, Herzindex; MAP = mean arterial pressure, mittlerer arterieller Druck)
LVWI = left ventricular work index Synonyme Abkürzung für -> LVSWI
LVWT = left ventricular wall thickness Linksventrikuläre Wanddicke. Die
englische Abkürzung wird auch von den meisten deutschsprachigen Autoren vorgezogen. Gelegentlich findet man die Schreibweise LVWD (WD =
Wanddicke)
139
MAS-Syndrom
M
MA = Mitralareal Auskultationspunkt der Mitralklappe
MABP = mean arterial blood pressure Mittlerer arterieller Druck in mm
Hg. Häufiger wird die Abkürzung
MAP = mean arterial pressure verwendet
MAC = minimal alveolar concentration Minimale alveoläre Konzentration
MAP = mean arterial pressure Mittlerer arterieller Druck; graphisch oder
elektronisch über die Zeit gemittelter Druck (Druck-Zeit-Fläche/Zeit). Rechnerische Annäherungsformel: diastolischer Blutdruck plus ein Drittel der
Blutdruckamplitude. Der arterielle Mitteldruck wird auch nach folgender
Formel berechnet: MAP = CO x TPR, d. h. er bildet das Produkt aus den
Faktoren Herzminutenvolumen (CO = cardiac output) und dem peripheren
Gesamtwiderstand (TPR = total peripheral resistance)
MAS-Syndrom = Morgagni-Adams-Stokes-Syndrom Als Morgagni-AdamsStokes- (oder als Adams-Stokes-)Syndrom werden die klinischen Folgeerscheinungen einer kurz dauernden zerebralen Minderdurchblutung aufgrund einer akuten Herzrhythmusstörung zusammengefaßt. Die meist lebensbedrohlichen und klinisch hochdramatischen Symptome sind in erste
Linie abhängig von der Dauer der akuten Hirn-Ischämie, aber auch vom
vorbestehenden Funktionszustand der zerebralen Blutversorgung (Zerebralsklerose, Karotisstenose). Sie gehen von kurz dauerndem Schwindel
(Dauer des Kreislaufstillstandes 3-4 see) und Schwarzwerden vor den Augen über echten Bewußtseinsverlust bzw. Synkopen (10-20 see) und
Krämpfe (25 - 30 see) bis zum Atemstillstand (60 see) oder Exitus (kritische
Grenze 3-4 min, kürzer bei vorgeschädigtem Hirnkreislauf). Gegebenenfalls bleiben, besonders wenn die Anfälle sich häufen, definitive neurologische Störungen zurück.
Die Pathogenese der Anfälle besteht entweder in einem potentiell reversiblen Herzstillstand (Lähmungsform) oder in einer durch sehr hohe Kammerfrequenzen (Erregungsform) bedingten massiven Verminderung des
Herzminutenvolumens. Die Lähmungs- und Erregungsform des MASSyndroms können auch nebeneinander auftreten (Mischform des MASSyndroms), das heißt, ein Kammerstillstand kann ein Kammerflimmern
auslösen oderein Kammerflimmern kann in einen Kammerstillstand übergehen.
Bei der Lähmungsform bzw. asystolischen oder adynamischen Form wird
die Hirn-Ischämie verursacht durch folgende nur im EKG sicher erfaßbaren
Störungen:
MAT
140
1. Extrem bradykarder (> 20/min) Sinusrhythmus oder ein langsamer Kammerersatzrhythmus bei totalem AV-Block
2. Stillstand des ganzen Herzens (totale Asystolie) infolge Sinusstillstands
oder sinuaurikulären Blocks ohne oder mit verspätet einspringendem (lange präautomatische Pause) atrio-ventrikulärem oder ventrikulärem Ersatzrhythmus
3. Stillstand der Kammer (ventrikuläre Asystolie) bei AV-Block II. Grades
mit extremer Kammerbradykardie und bei AV-Block III. Grades ohne oder
mit verspätet einspringender tertiärer Automatie
MAT = myocardial appearance time Myokardiale Erscheinungszeit in der
Indikator-Verdünnungsmethode (interval between arrival of a tracer with
myocardial affinity in the aortic root and the onset of its extraction in different myocardial areas). Siehe auch:
MTT
MAWM = mean anterior wall motion Mittlere Funktion der(links-)ventrikulären Vorderwand. Synonyme Bezeichnung: left ventricular wall dynamics
MBC = maximal breathing capacity Atemgrenzwert (AGW), maximale willkürliche Ventilation. Das maximale Luftvolumen, das innerhalb von 12
oder 15 see ventiliert werden kann, d. h. das durch willkürliche Hyperventilation maximal mögliche Atemminutenvolumen. Es wird auf L/min hochgerechnet.
''
Der Atemgrenzwert (AGW) wurde definiert als das maximal bei willkürlicher Hyperventilation zu leistende Atemminutenvolumen. Er wurde als
Lungenfunktionsgröße in die Klinik eingeführt mit dem Gedanken, die ventilatorische Reserve einer Lunge zu bestimmen. Da beim Gesunden unter
physiologischen Bedingungen diese Ventilationsgröße auch bei schwerster Arbeit nicht erreicht wird, handelt es sich nur um eine theoretische
Größe, die kein Maß darstellt für die tatsächlichen Ventilationsverhältnis se und Reserven. Außer von apparativen Einflüssen ist dieser Wert vor allen Dingen von der Art der Durchführung abhängig, eine Tatsache, die zu
Kontroversen Anlaß gab. Besonders die Frage nach einer für die Bestimmung optimalen Atemfrequenz und einer günstigen Atemtiefe hat zu den
verschiedensten Meinungen geführt.
Der Atemgrenzwert hat enge Beziehungen zur 1-Sekundenkapazität und
zur Ist-Vitalkapazität. Die strenge Korrelation zu beiden Größen wird für
die Sollwertberechnung ausgenutzt (Englische synonyme Abkürzung:
MW = maximal voluntary ventilation; frz.: VMM = ventilation maximale
minute)
MBP = mean blood pressure Mittlerer arterieller Blutdruck. Seltener verwendete Abkürzung; bevorzugt werden -> MABP und -» MAP = mean arterial pressure
MCCU = mobile coronary care unit Mobile Koronar-Intensivpflegestation
MCH = mean corpuscular hemoglobin Absoluter Hämoglobulingehalt des
einzelnen Erythrozyten (Hbe). Der Hämoglobingehalt der Erythrozyten wur-
141
MCT
de durch die Bestimmung des Färbeindex (Färbekoeffizienten) angegeben.
Besser ist es, den absoluten Hämoglobingehalt des Einzelerythrozyten
(MCH) zu berechnen. Er ist definiert als Quotient aus dem Hämoglobinwert
in g/100 ml Blut x 10 und der Erythrozytenzahl//zl.
Der Begriff des Färbeindex verschwindet allmählich. Er liefert nichts anderes als eine relative Zahl für das MCH, mit dem er direkt korreliert. Das Hämoglobin wird in % ausgedrückt, unter der Annahme 16 g/100 ml = 100%
und dividiert durch die Erythrozytenzahl in Millionen multipliziert mit 20
MCHC = mean corpuscular hemoglobin concentration Mittlere Hämoglobinkonzentration der Erythrozyten. Der MCHC-Wert unterscheidet sich
vom Hbe-Wert dadurch, daß der Hämoglobingehalt des Erythrozyten nicht
als Menge, sondern als Konzentration angegeben wird. Zur Berechnung
des MCHC-Wertes bezieht man den Hämoglobingehalt einer Blutprobe auf
das Volumen der „gepackten“ Erythrozyten, d. h. auf den Hämatokritwert.
Daraus ergibt sich, wieviel Hämoglobin in einem Erythrozyten volumen von 100 ml Blut enthalten ist.
MCL = midclavicular line Linea medioclavicularis; von der Mitte des
Schlüsselbeins senkrecht nach abwärts gedachte Linie
MCR = metabolic clearance rate Die metabolische Clearance-Rate gibt
die (theoretische) Plasmamenge an, die in der Zeiteinheit von einer Substanz befreit wird. Sie ist somit ein Maß der Elimination einer Substanz
durch Metabolisierung, Konversion und Ausscheidung in Urin und Galle.
Ihre Bestimmung geht von der Voraussetzung aus, daß ein Gleichgewicht
zwischen dem Neuzugang einer Substanz seiner Plasmakonzentration und
seiner Elimination besteht. Eine weitere Voraussetzung ist, daß eine geringe radioaktive Menge der zu untersuchenden Substanz (Steroid) im Organismus sich so verhält, wie das endogene nicht markierte. Unter dieser
Voraussetzung kann die MCR des infundierten radioaktiv markierten Steroids, welches mit diesem Verfahren bestimmt wird, der des endogenen
Steroids gleichgesetzt werden. Um ein Gleichgewicht möglichst schnell zu
erreichen, wird nach einer Injektion (Startdosis) das radioaktiv markierte
Steroid über einen Zeitraum, der eine gleichmäßige Durchmischung in allen Verteilungsräumen sicherstellt, infundiert. Die Berechnung des MCR
wird nach folgender Beziehung durchgeführt: MCR = r/x.
MCR: Metabolische Clearance-Rate (L/d), r: Infusionsrate (CPM/d), x: Plasmakonzentration des infundierten Steroids (CPM/L)
MCT = mean cell thickness Mittlere Erythrozytendicke. Die mittlere Erythrozytendicke ergibt sich aus dem mittleren Volumen des einzelnen Erythrozyten und dem mittleren Erythrozytendurchmesser
MCT = mean circulation time Mittlere Zirkulationszeit (MZZ) bei Farbstoffbzw. Indikatorverdünnungsmethode. Mittlere Passagezeit der Farbstoffpartikel vom Injektions- zum Registrierort. Die MZZ kann physikalisch
(Schwerelinie der Primärkurve, senkrecht zur Zeitachse) oder mathematisch (Integral von Konzentration x Zeit dividiert durch Integral der Konzen-
142
MCT
tration) ermittelt werden. Bedeutung: Messung des Blutvolumens zwischen Injektions- und Meßort (z. B. des intrathorakalen Blutvolumens)
MCT = medium chain triglycerides Mittelkettige Triglyceride
MCV = mean corpuscular volume Mittleres Volumen des einzelnen Erythrozyten, mittleres korpuskulares Volumen. Die Berechnung erfolgt
nach der Formel: MCV = Hämatokrit (%) x 10/Erythrozytenzahl (106/mm3)
MDF = myocardial depressant factor Myokard-Depressor-Faktor. Körpereigener toxischer Faktor, der bei Schock entsteht. Es wurde erstmals im
Jahre 1966 darüber berichtet. Es bezeichnet ein im Plasma verschiedener
Spezies bei unterschiedlichen Schockmodellen nachgewiesenes humorales toxisches Polypeptid, dem kardiotoxische Wirkung zugeschrieben
wird: negative Inotropie am isolierten Papillarmuskel, Vasokonstriktion
der glatten Muskulatur. Es wird angenommen, daß MDF bei Minderperfusion im Splanchnikusgebiet durch das Einwirken lysosomaler und zymogener Proteasen im Pankreas entsteht. Vermutlich handelt es sich hier um
ein Peptid, das unter allen hämodynamischen Bedingungen die Herzkontraktilität herabsetzt. MDF soll auch Verengung der Widerstandsgefäße im
Splanchnikusgebiet und Verminderung der retikuloendothelialen Phagozyten bewirken
>*
MDP = Maximales diastolisches Potential Der Erregungsvorgang der
Herzmuskulatur in Form des Aktionspotentials folgt einem Alles-oderNichts-Gesetz, d. h. er tritt sofort voll in Erscheinung, wenn der auslösende
Reiz eine kritische Schwelle überschreitet. Die Erregungsauslösung geschieht im Herzmuskel — wie in anderen erregbaren Geweben — durch eine genügend rasche Verminderung des Membranpotentials bis zum Wert
des sog. Schwellenpotentials (schwellenartige Depolarisation).
Im gewöhnlichen Arbeitsmyokard der Vorhöfe und der Ventrikel ist das Ruhepotential zwischen den Aktionspotentialen konstant. Erregungen werden hier unter natürlichen Verhältnissen nur durch Zuleitung ausgelöst.
Die schwellenwertige Depolarisation kommt durch lokale Ausgleichsströme zwischen dem noch unerregten Gewebe und der bereits von der Erregung ergriffenen Nachbarschaft zustande. Ohne diesen Anstoß von außen
würde sich das Ruhepotential des Arbeitsmyokards nicht verändern, d. h.
es würde keine Erregung entstehen. Anders liegen die Verhältnisse in den
automatisch tätigen bzw. zur Automatie befähigten Zellen des Sinusknotens, des AV-Knotens und des ventrikulären Erregungsleitungssystems,
die zu keinem Zeitpunkt ein konstantes Ruhepotential aufweisen. Im Anschluß an die Repolarisation erfolgt sofort wieder eine langsame Entladung. Das Membranpotential nimmt von dem sog. maximalen diastolischen Potential (MDP) aus in Form einer langsamen diastolischen Depolarisation (LDD) allmählich ab, erreicht das kritische Schwellenpotential (SP)
und löst ein neues Aktionspotential aus. Indem sich derselbe Vorgang
nach der Repolarisation jedes Aktionspotentials wiederholt, resultiert eine
automatische rhythmische Erregungsbildung. Die langsame diastolische
Depolarisation, also die spontane Abnahme des Membranpotentials im Er-
143
MEFV
regungsintervall, stellt den eigentlichen bioelektrischen Elementarvorgang der Schrittmacherautomatie dar
MEAS = Maximale exspiratorische Atemstromstärke Größtmögliche exspiratorische Atemstromstärke in einem bestimmten Abschnitt einer forcierten Exspiration. Englische Bezeichnungen -► MEF (R) = maximal expiratory flow (rate), peak flow rate. Gängige französische Bezeichnung: ddbit
expirato ire de pointe
MEF = maximal expiratory flow (rate) Maximale exspiratorische Flußgeschwindigkeit. MEF 75, 50, 25 = maximal expiratory flow bei 75, 50 und
25% der -* FVC. Die maximale exspiratorische Atemstromstärke (MEF) ist
die größtmögliche Stromstärke, unabhängig von der exspiratorischen
Kraft. Die forcierte exspiratorische Stromstärke (FEF) bezieht sich auf die
maximale exspiratorische Anstrengung, unabhängig von der Größe der
Stromstärke. Weil in der Regel nicht bekannt ist, ob die Anstrengung oder
die Stromstärke maximal waren, wird der Begriff MEF aus praktischen
Gründen für die maximale forcierte exspiratorische Atemstromstärke benutzt.
Wenn die Beziehung zwischen exspiriertem Volumen Ve und exspiratorischer Stromstärke Ve am Mund gemessen wird, so nimmt der Unterschied
zwischen maximaler und forcierter exspiratorischer V-V-Kurve zu, wenn die
exspiratorische ansteigt. Dies hängt mit der Kompression des Gases in
der Lunge zusammen. Eine Änderung des Alveolardrucks von z. B. 10 kPa
(100 cm H2O) bewirkt eine Änderung des Lungenvolumens von etwa 10%.
Die dadurch bewirkte Änderung der Lungendehnung (Retraktionskraft)
beeinflußt die fluß-limitierte Funktion der Atemwege und damit den exspiratorischen Fluß
MEFmex = Maximalwert MEF Der pneumotachographisch gemessene maximale exspiratorische Fluß
MEFR = maximal expiratory flow rate Maximale exspiratorische Atemstromstärke (MEAS). Atemstromstärke in einem bestimmten Abschnitt einer forcierten Exspiration. Synonyme englische Bezeichnung: peak flow
rate (frz.: döbit expiratoire de pointe)
MEFV = maximal expiratory flow-volume curves Maximale exspiratorische Fluß-Volumen-Kurve; die graphisch dargestellte Beziehung zwischen
Atemstromstärke (Fluß) und Volumen bei Ausführung des forcierten
Vitalkapazitäts-Manövers. Wenn man während einer maximal forcierten
Ausatmung nach vollständiger Einatmung exspiratorischen Flows —- bezogen auf das ausgeatmete Volumen — registriert, bekommt man die maximale exspiratorische Flow-Volumenkurve (MEFV). Am Anfang der forcierten Ausatmung steigt der exspiratorische Flow schnell an. Diese Akzeleration wird hauptsächlich durch die Geschwindigkeit der Kontraktion der
Ausatmungsmuskeln bestimmt. Nachdem ein Spitzenwert erreicht ist
(peak expiratory flow, PEF), sinkt der exspiratorische Flow allmählich auf
Null ab. Der Nullpunkt bezeichnet den Endpunkt der forcierten Vitalkapazi-
M-Form
144
tät. Der ansteigende Teil der Kurve, etwa ab 70% der VK, ist in gewissen
Grenzen unabhängig von der ausgeübten Ausatmungskraft und wird deshalb auch als kraftunabhängig (effort independent) charakterisiert. DieserTeil der Kurve ist reproduzierbar, wenn man die Kurven unterschiedlicher
forcierter Ausatmungen übereinander legt, auch wenn es durch verschiedene Kraftanwendung Unterschiede im PEF gibt. Die Flows in diesem Teil
der Kurve stellen die Plateauwerte von Flows auf Isovolumendruck-Flowkurven dar
M-Form Triphasische Form des QRS-Komplexes mit zwei positiven Ausschlägen
MFP = mean filling pressure Mittlerer Füllungsdruck des Kreislaufs
MF-Rate = Maximale Flow-Rate Maximale Ausatmungsgeschwindigkeit
in L/min, gemessen während einer forcierten Exspiration
MFVEB = multifocal ventricular ectopic beats Multifokale ventrikuläre
Extrasystolen. Siehe auch: -> VEB, -> VES
MGA = malposition of the great arteries Malposition der großen Arterien.
Der Begriff Malposition der großen Arterien bezeichnet demgegenüber eine Situation, bei der die großen Arterien mit jeweils mehr als der Hälfte ihrer Klappenöffnung aus einem Ventrikel entspringen, wobei es sich um einen rechten Ventrikel (double outlet right ventricle), einen linken Ventrikel
(double outlet left ventricle) oder einen singulären Ventrikel handeln kann.
Eine Malposition der großen Arterien kann jedoch auch bei ventrikuloarterieller Konkordanz vorliegen, und zwar dann, wenn die Beziehung eines großen Gefäßes oder beider großen Gefäße zu ihren Ventrikeln und damit die Beziehung ihrer Semilunarklappen zueinander infolge einer konotrunkalen Fehlbildung bzw. einer abnormen Persistenz oder Involution eines Konus nicht der normalen Situation entspricht. Für diese Fälle hat
sich die Bezeichnung „anatomisch korrigierte Malposition der großen Arterien“ durchgesetzt
MGA = malposition of the great arteries with atrio-ventricular concordance
Bei der „anatomisch korrigierten Transposition der großen Arterien“ benannten Fehlbildung gehen die großen Arterien aus getrennten und ihnen
morphologisch zugehörigen Ventrikeln ab, das heißt, es besteht eine
ventrikulo-arterielle Konkordanz. Durch eine isolierte Konusinverson mit
einem meist zusätzlich zum subpulmonalen Konus persistierenden subaortalen muskulären Konus ist jedoch ihre Beziehung zueinander gestört.
Die Diagnose lautet daher korrekter „anatomisch korrigierte Malposition
der großen Arterien“.
Grundsätzlich sind zwei Formen zu unterscheiden: eine hämodynamisch
korrigierte „konkordante“ Form mit atrio-ventrikulärer Konkordanz, zum
anderen eine hämodynamisch nicht korrigierte „diskordante“ Form mit
atrio-ventrikulärer Diskordanz. Bei dieser diskordanten Form gelangt das
pulmonal-venöse Blut aus dem linken Vorhof über den morphologisch
145
MLAP
rechten Ventrikel in die Pulmonalarterie und das system-venöse Blut aus
dem rechten Vorhof über den morphologisch linken Ventrikel in die Aorta.
Als zusätzliche Fehlbildungen können eine Juxtaposition der Herzohren,
ein Ventrikelseptumdefekt und eine Atresie der Trikuspidalklappe nachweisbar sein.
MIAS = Maximale inspiratorische Atemstromstärke Atemstromstärke in
einem bestimmten Abschnitt einer forcierten Inspiration (engl.: MIFR =
maximal inspiratory flow rate; frz.: döbit inspiratoire de pointe)
MIFR = maximal inspiratory flow rate Maximale inspiratorische Atemstromstärke, MIAS. Atemstromstärke in einem bestimmten Abschnitt einerforcierten Inspiration. Siehe auch: -» MIAS
MIVP = mean intraventricular pressure Mittlerer intraventrikulärer Druck
MKPS = Mitralklappenprolaps-Syndrom Klinisches Leitsymptom ist der
auskultatorisch oder phonokardiographisch erbrachte Nachweis eines systolischen Klicks. Als Ursachen bestehen bindegewebeartige Degenerationen der Mitralklappensegel, die entweder angeboren sein können oder
erst im Verlauf einer entzündlichen oder degenerativen Herzklappenerkrankung erworben wurden. Durch substantielle Schädigung oder indirekt
durch inhomogene Kammererregungen wird ein geordneter Ablauf der Papillarmuskelfunktion verhindert. Treten ein oder mehrere dieser Gründe zusammen auf, dann kann es während der Kammerkontraktion zu einem
„Durchschlagen“ eines Mitralsegels in den linken Vorhof kommen mit dem
charakteristischen Klangphänomen eines systolischen Klicks. Der Beweis
eines Mitralklappenprolaps erfolgt im Echokardiogramm.
Das Syndrom ist in der angelsächsischen und deutschsprachigen Literatur bisher unter zahlreichen Synonyma beschrieben worden: mitral valve
prolaps, floppy valve syndrome, flail valve syndrome, billowing mitral leaflet syndrome, ballooning of the mitral valve, systolic click — late systolic
murmur syndrome, ballooning syndrome, Barlow-Syndrome. Synonyme
Abkürzungen: MKP, MVP
MKT = Mittelkettige Triglyceride Weniger gebräuchliche Abkürzung. Bevorzugt wird die englische Abkürzung -» MCT verwendet
ML = Mittellappen der rechten Lunge (in der Lungendiagnostik und Thoraxchirurgie verwendete Abkürzung)
MLAD = marked left axis deviation Überdrehter Linkstyp. Siehe: -» LAD =
left axis deviation
MLAO = modified LAO, modified left anterior oblique (position) Modifizierte LAO-(linksschräge)Projektion. Siehe auch: -> LAO, ->• RAO und ->•
RAO-equivalent
MLAP = mean left atrial pressure Mittlerer Druck im linken Vorhof
MLV
146
MLV = Muskelmasse des linken Ventrikels Seltener verwendete Abkürzung. Bevorzugt wird -> LVM und -* LVMM. Die Muskelmasse des linken
Ventrikels errechnet sich als Differenz des linksventrikulären Gesamtvolumens Vtot und des Innenvolumens V : MLV = (Vtot — V) x 1,05 (g)
MMEAS = Maximale mittelexspiratorische Atemstromstärke Atemstromstärke in der mittleren Hälfte des forcierten Exspirationsvolumens. Weniger gebräuchliche Abkürzung. Unterschiedliche Schreibweisen der Abkürzung sorgen für Verwirrung. Folgende gleichbedeutende Abkürzungen
werden in der Literatur verwendet: -► MMEF, -* MMF und -> MMFR
MMEF = Maximaler mittelexspiratorischer Fluß Die mittlere Atemstromstärke, gemessen zwischen 25% und 75% der forcierten Vitalkapazität,
FVC, FVK. Die Abkürzung ist gleichbedeutend mit -► MMEAS, -> MMF und
- MMFR
MMF = maximal midexpiratory flow (rate) Maximale mittelexspiratorische
Atemstromstärke; die mittlere Atemstromstärke im Bereich 25% und 75%
einer forcierten Vitalkapazität. Synonyme Abkürzungen: MMFR = maximal midexpiratory flow rate und MMFR25-75. Die Abkürzung der deutschen
Bezeichnung (MMEAS) wird nicht empfohlen
MMFR = maximal midexpiratory' flow rate Maximale mittelexspiratorische Atemstromstärke. Die Abkürzung ist gleichbedeutend mit — MMEAS,
MMEF und - MMF
M-mode = motion modulation M-Mode, M-Bildverfahren. In der Sonographie gelten heute die eindimensionalen A- und M-Bildverfahren sowie verschiedenartige zweidimensionale B-Bildverfahren als Standardmethoden.
Das A-Bild (A: amplitude modulation) wird mit einem auf die Körperoberfläche aufgesetzten Wandler gewonnen. Auf einem Bildschirm, dem sog. ASkop, wird die Amplitude der Echosignale als Funktion der Tiefe dargestellt. Sich bewegende Grenzflächen im Körper erkennt man an der Hinund Herbewegung der entsprechenden Echoamplituden auf dem A-Skop.
Das A-Bild wird in der Echoenzephalographie eingesetzt. In der Kardiologie dient es zum Aufsuchen und zur Vorbeobachtung von Strukturen.
Das M-Bild (M: time motion) wird ähnlich wie das A-Bild gewonnen. Der Unterschied besteht darin, daß die Echos im B-Mode (B: brightness modulation) dargestellt werden: Die Echos werden als Bildpunkte abgebildet, deren Leuchtdichte auf dem Bildschirm bzw. deren Schwärzung auf Fotopapier von der Größe der Echoamplituden abhängt. Durch Aneinanderreihen
zeitlich aufeinanderfolgender Echozeilen auf einem Speicherskop (MSkop) oder auf UV-empfindlichem Papier (M-Recorder) wird der zeitliche
Verlauf von Bewegungen im durchschallten Objekt erkennbar und auswertbar. In der Echokardiographie wird heute das M-Bild-Verfahren als
Standardmethode angewendet
MNSER = mean normalized systolic ejection rate Mittlere normalisierte
Auswurfrate. Quotient aus der linksventrikulären Auswurffraktion (LVEF)
147
MÖH/MSH
und der (linksventrikulären) Austreibungszeit (LVET, ET). Als Kontraktilitätsindex der Auswurfphase werden routinemäßig die Auswurffraktion (EF),
die mittlere zirkumferentielle Faserverkürzungsgeschwindigkeit (Vcf) und
die mittlere normalisierte systolische Auswurfrate (MNSER) bestimmt.
Während die Auswurffraktion sich direkt proportional der Preload und umgekehrt proportional der Afterload ändert, ist die Vcf nur von der Afterload
abhängig. Eine Kombination, aber auch eine Ergänzung von beiden, ist die
MNSER.
Die Auswurffraktion wird aus dem Angiogramm als Quotient von Schlagvolumen und enddiastolischem Volumen bestimmt und in Prozent angegeben, die mittlere zirkumferentielle Faserverkürzungsgeschwindigkeit als
die prozentuale Verkürzung der mittleren Halbachsen von Enddiastole zu
Endsystole pro Auswurfzeit, die simultan mit aufgezeichnetem Aortendruck in msec abgemessen wird; die Dimension ist see1. Sie wird angegeben in Zirkumferenzen/Sekunde. Die mittlere systolische Auswurfrate wird
als prozentuale Volumenänderung in der Auswurfphase berechnet und als
Vol/sec angegeben, die Dimension ist ebenfalls see*1.
Eine Auswurffraktion unter 50% bedeutet grundsätzlich eine verminderte
Funktion des linken Ventrikels, während bei stark erniedrigter Afterload,
wie z. B. bei schwerer Mitralinsuffizienz und auch bei einer Aorteninsuffizienz mit sehr niedrigen diastolischen Drücken, eine schon erheblich beeinträchtigte Muskelfunktion mit noch normaler oder annähernd normaler
Auswurffraktion einhergehen kann. Die mittlere normalisierte systolische
Auswurfrate ist als Summe einer dimensionalen Änderung in der Auswurfphase zu betrachten und deshalb der mittleren zirkumferentiellen Faserverkürzungsgeschwindigkeit in all den Fällen vorzuziehen, die mit abnormen Wandbewegungen einhergehen, wie z. B. die koronare Herzerkrankung oder die Herzinsuffizienz. MNSER = EF/ET (see1)
MÖF = Mitralöffnungsfläche Mitralklappenöffnungsfläche. Die Bestimmung der Öffnungsfläche bei stenosierten Mitral- oder Aortenklappen erfolgt nach der von Gorlin angegebenen Formel
MÖH = Mitralöffnungshöhe Als Mitralöffnungshöhe wird in der Echokardiographie der senkrechte Abstand vom Beginn der Mitralklappenöffnung
(Punkt D) bis zur vollständigen Öffnung (Punkt E) bezeichnet. Sie ist ein Indikator für die Mobilität der Mitralsegel. Ihre Amplitude beträgt im Normalfall mehr als 20 mm. Sie ist frequenzunabhängig. Sollte Punkt D im Echokardiogramm nicht exakt abgrenzbar sein, kann als Fußpunkt der MÖH jener Punkt am Mitralechogramm herangezogen werden, der zeitlich mit
dem Beginn des 2. Herztones korrespondiert (engl.: MVE = mitral valve excursion). Siehe auch: -* MÖH/MSH, -► MSH
MÖH/MSH Quotient aus Mitralöffnungshöhe und Mitralschlußhöhe. Die
Mitralschlußhöhe stellt die Amplitude zwischen der vollständigen Klappenöffnung (E) und dem ersten, teilweisen Klappenschluß (F) dar. Sie wird als
Maß für die Schlußfähigkeit des vorderen Mitralsegels angesehen. Aus
diesen zwei Größen läßt sich ein Quotient MÖH/MSH bilden, welcher ein
guter Parameter für die Beurteilung einer Mitralstenose bzw. eines kombi-
MÖT
148
nierten Mitralvitiums darstellt. Normalerweise liegt dieser Quotient bei 1
oder etwas darüber. Eine weite, diastolische Separation der Mitralsegel
bei Mitralinsuffizienz ist Ausdruck eines erhöhten Flows durch die Klappe,
der jedoch auch bei Shuntvitien und beim hyperkinetischen Herzsyndrom
vorkommt. Bei relativer Mitralinsuffizienz steigt die Mitralöffnungshöhe an
(MÖH/MSH >1), während bei der organischen Mitralinsuffizienz eher eine
Reduktion der MÖH infolge Sehnenfadenverkürzung beobachtet wird
MÖT = Mitralöffnungston Der Mitralöffnungston entsteht durch die Anspannung der Mitralsegel bei ihrer Schwingung von der vorhofkonvexen in
die vorhofkonkave Stellung in der frühen Diastole. Dies ist der umgekehrte
Vorgang, der zur Entstehung des paukenden I. Tones bei der Mitralstenose
führt. Die Voraussetzungen für die Entstehung beider Phänomene sind eine Verkürzung der Ränder und Verklebung der beiden Klappen untereinander. Die freie Beweglichkeit der Segelflächen muß dabei erhalten sein. Mitralstenosen mit ganz verhärteten Segelflächen, die durch Vernarbung und
Verkalkung schwer beweglich sind, besitzen daher keinen Mitralöffnungston. Oft ist bei solchen Stenosen wegen der narbigen Schrumpfung auch
eine Mitralinsuffizienz vorhanden.
Der Zeitpunkt des MÖT ist von den Druckverhältnissen im Vorhof und in
der Kammer abhängig. Ein erhöhter Vorhofdruck verkürzt die normalweise
0,07 see betragende Mitralöffnungszeit. Eine systolische Druckerhöhung
in der Aortenwurzel führt zu einer'Verlängerung der Mitralöffnungszeit, da
für die Unterschreitung des Ventrikeldrucks unter den Vorhofdruck längere Zeit benötigt wird. Weil der Druck im großen Kreislauf bekannt ist, gelingt die unblutige Abschätzung des Drucks im linken Vorhof durch die
Messung der Mitralöffnungszeit. Aus dem Phonokardiogramm, besonders
aber aus der Amplitude und der zeitlichen Lage des Mitralöffnungstons
können weitgehende Aufschlüsse über die Hämodynamik und die
pathologisch-anatomischen Verhältnisse einer Mitralstenose gewonnen
werden (engl.: MOS = mitral opening sound)
MOS = mitral opening sound Mitralöffnungston. Siehe: -» MÖT
MPAP = mean pulmonary artery pressure Mittlerer Pulmonalarteriendruck
MPS = Mukopolyssaccharidose Mukopolysaccharidosen sind hereditäre
Erkrankungen des Bindegewebes, bei denen verschiedene lysosomale Enzymdefekte zu intrazellulärer Speicherung von sauren Mukopolysacchariden führen. Derzeit können nach biochemischen, genetischen und klinischen Kriterien mindestens acht verschiedene Typen unterschieden werden. Bis auf den X-chromosomal rezessiven Typ II werden sie alle autosomal rezessiv vererbt. Anomalien des Kardiovaskulärsystems kommen bei
Typ I, II, IV, V, VI vor, bisher jedoch nicht bei Typ ill.
Der Prototyp dieser Gruppe ist die Mukopolysaccharidose Typ I (HurlerSyndrom), charakterisiert durch einen letalen Krankheitsverlauf, geistige
Retardierung, Hepatosplenomegalie, Hornhauttrübung, schwere Skelettveränderungen, erhöhte Ausscheidung von Dermatansulfat und Heparansulfat im Urin. Mukopolysaccharidose Typ II (Hunter-Syndrom): klinisch
149
MRP
ähnlich wie Hurler-Syndrom, aber weniger schweres klinisches Bild. MPS
III (Sanfilippo-Syndrom): relativ geringe äußere Verschlechterungen der
Patienten, aber schwere geistige Retardierung. MPS IV (MorquioSyndrom): Zwergwuchs, ausgesprochene Platyspondylie, Kyphose, Hornhauttrübungen, erhöhte Ausscheidung von Keratansulfat im Urin. MPS V
(Scheie-Syndrom): steife Gelenke, grobe Gesichtszüge, Hornhauttrübung,
relativ normale intellektuelle Entwicklung, erhöhte Ausscheidung von Dermatansulfat im Urin. MPS VI: Wachstumsretardierung nach dem 2. - 3. Lebensjahr, kurzer Rumpf und Glieder, Genu valgum, lumbale Kyphose, vorgewölbtes Sternun, Hepatosplenomegalie und Hornhauttrübung, normale
geistige Entwicklung. Als Anomalien des Kardiovaskulärsystems bei Typ I
und II findet man eine Verdickung der Aorten- und Mitralklappen, der Chordae tendinae sowie der Koronararterien. Auflagerungen von Mukopolysacchariden auf der Intima zahlreicher Gefäße einschließlich der Aorta, der
Pulmonalarterien und peripherer Arterien führen zu einer erheblichen Einengung des Lumens. Die Beteilgung der Herzklappen (Mitral-, Aorten-,
Trikuspidal-, Pulmonalklappen) folgt der gleichen Reihenfolge wie beim
rheumatischen Fieber. Eine eigentlich angeborene Fehlbildung des Herzens findet sich also bei den Mukopolysacchariden nicht. Bei Typ IV, V und
VI kann es zu Aorteninsuffizienz infolge abnormer Aortenklappen kommen
MPCP = mean pulmonary capillary pressure Mittlerer Pulmonalkapillardruck. Siehe auch -> PAWP
MR = Rechter Medianabstand Röntgenologisches Herzmaß
MRP = membrane resting potential Membranruhepotential, Membranpotential am Ende der Repolarisation. Im Ruhezustand (Diastole) ist das Innere einer intakten Myokardzelle im Vergleich zur Membranaußenschicht
negativ aufgeladen. Das Membranruhepotential beträgt etwa -80 bis
-90 mV. Die Membranoberfläche der ruhenden Zelle erscheint somit gegenüber dem Zellinneren positiv. Das negative Membranruhepotential wird
mit lonengradienten an der Zellmembran erklärt (Membrantheorie von
Bernstein, 1902). Die intakte Membran hält nämlich einen hohen Konzentrationsunterschied zwischen intra- und extrazellulärem Kalium (Gradient
bzw. Konzentrationsquotient etwa 20:1) und Natrium (Gradient umgekehrt
1:30) aufrecht. Die Membran der ruhenden Zelle ist für Natriumionen weitgehend impermeabel und für Kaliumionen gut durchlässig.
Wird eine Myokardfaser zur Erregung gebracht, so wird das Ruhepotential
über den Schwellenwert (Schwellenpotential) angehoben, und es kommt
zur plötzlichen Depolarisation: Aus dem negativen Ruhepotential bricht
ein steiler Aufstrich (spike, auch als Phase 0 bezeichnet) mit überschießender Umladung der Membran (initiale Spitze mit Umpolarisation =
overshoot = heraus, die Membranoberfläche wird gegenüber dem Zellinneren elektrisch negativ. Der Gipfelpunkt des Overshoots erreicht + 20 bis
+ 30 mV. Daran schließt sich an die Erregungsrückbildungsphase mit zunächst schneller (steiler) Repolarisation (auch als Phase 1 bezeichnet),
dann langsamer (flacher) Repolarisation mit einem mehr oder weniger
deutlich ausgeprägtem Plateau (auch als Phase 2 bezeichnet), während-
MS
X
150
dessen das Membranpotential um 0 mV liegt. Darauf folgt wiederum eine
schnellere (steilere) Repolarisation (auch als Phase 3 bezeichnet) zum ursprünglichen Ruhepotential (das auch als Phase 4 bezeichnet wird). Während der Repolarisation wird also das negative Ruhepotential erneut aufgebaut
MS = mitral stenosis Mitralstenose; angeborene oder (durch rheumatische Karditis, bakterielle Endokarditis) erworbene Einengung des Mitralostiums
MSA = Membranstabilisierte Aktivität Unter der membranstabilisierten
Aktivität — früher auch als „lokalanästhetische“ bzw. „chinidinartige“ Wirkungskomponente bezeichnet — wird eine unspezifische Hemmung der
transmembranären lonenströme verstanden. Diese bewirkt eine Verminderung der Anstiegssteilheit des Aktionspotentials, eine Abnahme der Leitungsgeschwindigkeit der Fasern und eine Verlängerung der Refraktärzeit.
Die elektrischen Stimulationsschwellen des Herzens werden erhöht, Kontraktilität und Herzzeitvolumen vermindert. Die MSA ist dementsprechend
mit antiarrhythmischen und kardiodepressiven Effekten verbunden
MSER = mean systolic ejection rate Mittlere systolische Auswurfgeschwindigkeit in Milliliter pro Sekunde
MSER-Index Mittlere systolische Auswurfrate pro Quadratmeter Körperoberfläche (ml x see *1 x m-2); Normalwert: 159 ± 39 (Gorlin)
MSH = Mitralschlußhöhe Die Mitalschlußhöhe stellt die Amplitude zwischen der vollständigen Klappenöffnung (E) und dem ersten, teilweisen
Klappenverschluß (F) dar. Sie wird als Maß für die Schlußfähigkeit des vorderen Mitralsegels angesehen. Aus diesen zwei Größen läßt sich ein Quotient MÖH/MSH bilden, welcher ein guter Parameter für die Beurteilung einer Mitralstenose bzw. eines kombinierten Mitralvitiums darstellt. Normalerweise liegt dieser Quotient bei 1 oder etwas darüber. Siehe auch: ->
MÖH, -> MÖH/MSH
MSKEZ = Maximale Sinusknotenerholungszeit Bei der schnellen atrialen
Stimulation wird mit Stimulationsfrequenzen, die geringfügig oberhalb
des Eigenrhythmus des Patienten liegen, begonnen. Die Dauer des einzelnen Stimulationsimpulses beträgt 2 msec und die Reizstärke das Doppelte
der diastolischen Schwellenreizstromstärke. Nach einer Stimulationsperiode von 1 min wird der externe Schrittmacher abgeschaltet. Die Sinusknotenerholungszeit (SKEZ) ist definiert als das Zeitintervall zwischen der
letzten stimulationsbedingten Vorhoferregung und der ersten, durch spontane Sinunsknotenaktivität ausgelösten Vorhofaktion. Die der Unterbrechung der Stimulation folgenden 10 spontanen Herzaktionen werden zusätzlich analysiert. Nach einer 1 bis 2minütigen Pause wird eine erneute
Stimulationsperiode angeschlossen, wobei eine Frequenzsteigerung um
10 Schläge/min vörgenommen wird. In dieser Weise wird fortgefahren bis
zum Erreichen einer maximalen Stimulationsfrequenz von 160-180/min
151
MTF
(nach anderen Autoren 180 - 200/min).
Die maximale Sinusknotenerholungszeit (MSKEZ) stellt das längste Zeitintervall (längste präautomatische Pause) dar, das nach Anwendung verschiedener Stimulationsfrequenzen beobachtet wurde.
Sofern die Periode der Vorhofstimulation nicht 30 see unterschreitet, ist
die Dauer der atrialen Stimulation zur Unterdrückung der Sinusknotenaktivität klinisch ohne bedeutsamen Einfluß. Da insbesondere bei gestörter Sinusknotenfunktion das Ausmaß der Schrittmacherdepression stark abhängig sein kann von der gewählten Stimulationsfrequenz, setzt die Messung der MSKEZ voraus, daß tatsächliche Stimulationsfrequenzen, beginnend von knapp oberhalb des Spontanrhythmus bis zu 160-180/min, in
Frequenzschritten von 10/min ausgetestet werden.
Da die Sinusknotenerholungszeit auch von der Spontanfrequenz beeinflußt wird, ist eine Frequenzkorrektur der gemessenen Erholungszeit vorgeschlagen worden. Diese korrigierte Sinusknotenerholungszeit (KSKEZ)
ist gleich der maximalen Erholungszeit abzüglich des Spontanzyklus vor
Stimulation.
Für die Abkürzung der Sinusknotenerholungszeit findet man verschiedene
Schreibweisen. Auch von deutschsprachigen Autoren wird in letzter Zeit
die englische Abkürzung bevorzugt verwendet: -> SNRT = sinus node recovery time. Von amerikanischen Autoren wird auch die Schreibweise SRT
= sinoatrial recovery time benutzt. Für die frequenzkorrigierte SKEZ findet
man folgende Schreibweisen: -> SNRTc. Siehe auch: -► SKEZ, -> SNRT
MS/LVET Quotient aus der Dauer der mechanischen Systole und der linksventrikulären Austreibungszeit. Zusätzlich zu den systolischen Zeitintervallen (-> STI = systolic time Intervalls) werden auch einige andere Zeitintervalle angewendet, z. B. das Intervall Q-Aufwärtsbewegung der Karotispulskurve (Q-U); die Dauer der mechanischen Systole (MS), die als Intervall von C bis O des LAC bestimmt wird. Einige Quotienten wurden auch
entwickelt, wie z. B. Q-U/LVET, PEP/LVET und MS/LVET. Alle diese Quotienten haben den Vorteil, relativ unempfindlich auf Veränderungen der
Herzfrequenz zu reagieren, so daß eine Frequenzkorrektur nicht notwendig
ist, wenn die Schwankung der Herzfrequenz weniger als 20 Schläge/min
beträgt. Lediglich der Quotient MS/LVET bezieht auch die isovolumetrische Relaxationsperiode des Herzens mit ein, und der hat sich zur Festlegung einer Herzinsuffizienz als nützlich erwiesen
MSP = maximum systolic peak Steiler Anstieg der systolischen Welle mit
ihrem höchsten Punkt, dem E-Punkt (= ejection point). Der E-Punkt entspricht der Öffnung der Aortenklappe; in der Karotispulskurve ist es der
Beginn des systolischen Anstiegs
MSPG = mean systolic pressure gradient Mittlere systolischer Druckgradient
MTF = modulation transfer function Modulationsübertragungsfunktion.
Die MTF gibt Auskunft über die Fähigkeit eines CT-Scanners, die Details
der örtlichen Verteilung der Radioaktivität wiederzugeben. Wenn die Li-
MTT
152
nienbildfunktion L(x) symmetrisch ist, kann die Modulationsübertragungsfunktion MTF als Fouriertransformierte aus L(x) berechnet werden. Die Linienbildfunktion L(x) (engl.: line spread function, LSF) ist das Profil des Bildes einer Linienquelle, quer zu ihrer Längsachse
MTT = minimal (cardiac) transit time Minimale kardiale Transitzeit. Differenzen der Indikator-Erscheinungszeiten in den nachgeordneten Herzabschnitten können nach intravenöser Injektion eines geeigneten radioaktiven Indikators mit Hilfe einer Gammakamera durch externe Messung bestimmt werden
MUGA = multiple gated (blood pool) acquisition Herzbinnenraumszintigraphie. Durch die einfache Datenerhebung während zweier Zeitpunkte des Herzzyklus geht ein wesentlicher Anteil an Informationen, die während der Untersuchung anfallen, verloren. Deshalb fertigen heute Datenaufnahme- und Wiedergabesysteme nicht nur Szintigramme in Enddiastole und Endsystole an, sondern zu unterschiedlichen Zeiten der Kammerkontraktion bis zu 100 hintereinanderfolgende Szintigramme innerhalb
eines Herzzyklus. Diese Methode wird als quantitative Sequenzszintigraphie des Herzens bzw., wie im amerikanischen Schrifttum üblich, als „multiple gated acquisition“, MUGA, bezeichnet.
Die Bildsequenz der Füllungs- und Entleerungsphase des Herzens kann,
wie bei der Kontrastventrikulographie, als Film auf dem Sichtschirm wiedergegeben werden. Zur kinematographischen Erfassung von Ventrikelwandbewegungsstörungen werden Aufnahmen in anterioren und linksschrägen Ansichten durchgeführt.
Für die Anfertigung der Bildfolge werden einmal die Aktivitätsänderungen
über dem Herzen, die den Volumenänderungen entsprechen, in einer
schnellen szintigraphischen Sequenz vom Kamera-Computersystem über
mehrere hundert Herzaktionen registriert. Nach Abschluß der Datenaufnahme erfolgt anhand des vom Patienten abgeleiteten und mitgespeicherten EKG eine additive Zuordnung der Einzelbilder zu einem repräsentativen Herzzyklus. Die R-Zacke des Elektrokardiogramms dient als Triggersignal für den Rechner.
In der nuklearmedizinischen Literatur werden folgende synonyme Bezeichnungen verwendet: Gleichverteilungsmethode, Equilibrium-RadionuklidVentrikulographie, EKG-getriggerte Herzbinnenraum-Szintigraphie, Kamera-Kinematographie, gated blood pool und multiple-gated-data-acquisition
MUO = myocardiopathy of unknown origin Myokardiopathie (Kardiomyopathie) unbekannten Ursprungs, selten verwendete Abkürzung
MUROI = multiple regions of interest Im Gegensatz zu früher geübten
Techniken
liegt
der verbesserten
Equilibrium-Radionuklid-(Cine)Ventrikulographie die Auswahl multipler ROI’s (region of interest) des linken Ventrikels (MUROI-Technik) zugrunde
MV = mitral valve Mitralklappe, Valva atrioventricularis sinistra s. mitralis.
Valvula bicuspidalis (BNA, JNA)
153
MW
MVB = mixed venous blood Gemischt venöses Blut. Berechnung erfolgt
nach der Formel: MVB = 3 SVC + HIVC/4. (SVC = superior vena cava,
obere Hohlvene; HIVC = high inferior vena cava)
MVCF = Mittlere zirkumferentielle Faserverkürzungsgeschwindigkeit Seltener verwendete Abkürzung, bevorzugt wird -» Vcf, -► VCFmean
MVCI = mitral valve closure index Mitralklappenschließungsindex. Die
Anwendung der M-Mode-Echokardiograpie hat sich bei der Diagnostik von
Mitralvitien durchgesetzt. Dabei wird insbesondere die frühdiastolische
Rückschlaggeschwindigkeit des vorderen Mitralsegels (AML), der sog. -»
EF-Slope, zur Beurteilung herangezogen. Das Ausmaß der Verminderung
des EF-Slopes wurde über lange Zeit als alleiniges Maß für die Bestimmung des Schweregrades einer Mitralstenose angesehen. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch, daß der EF-Slope zwar vom Ausmaß der Mitralstenose abhängt, darüber hinaus aber auch von der Mitralringbewegung
als auch entscheidend von der Geschwindigkeit der linksventrikulären Füllung beeinflußt wird. Dementsprechend fanden sich nur lockere Korrelationen bei neueren Studien, die den EF-Slope mit intraoperativ gemessenen
Mitralöffnungsflächen oder bei Herzkatheteruntersuchungen errechneten
Mitralklappenöffnungsflächen verglichen. Mit der Bestimmung des Ausmaßes der früh- und spätdiastolischen Mitralsegelseparation sowie der
Diastolendauer, dem sog. Mitralklappenschließungsindex (MVCI), soll eine
sehr gute Abschätzung des Schweregrades einer Mitralstenose möglich
sein
MVE = mitral valve excursion Mitralöffnungshöhe. In der Echokardiographie verwendete Abkürzung. Siehe auch: -» MÖH, -► MÖH/MSH, -> MSH
MVO = mitral valve opening n der Echokardiographie verwendete Abkürzung für den Beginn der Mitralklappenöffnung
MVO2 = myocardial oxygen consumption Myokardialer Sauerstoffverbrauch. Die Berechnung erfolgt aus dem Produkt von Koronarsinusfluß
(CSF = coronary sinus flow) und der linksventrikulären arteriokoronarvenösen Sauerstoffdifferenz (AVDO2). MVO2 = CSFXAVDO2
MVP = mitral valve prolaps Mitralklappenprolaps. Siehe auch: -» MKPS
MVR = mitral valve replacement Mitralklappenersatz
MVSV = mitral valve stroke volume Mitralklappenschlagvolumen. Neue
Methode, um in der Echokardiographie aus dem Mitralechogramm das
Schlagvolumen zu berechnen
MW = maximum voluntary ventilation Atemgrenzwert (AGW). Luftvolumen in Liter, das bei maximaler und forcierter Atmung in der Minute einund ausgeatmet werden kann. Synonyma: Maximales Atemminutenvolumen, maximale willkürliche Ventilation. Die Abkürzung MWV sollte wegen
X
MWVso
154
der Vielzahl an Bezeichnungen und Abkürzungen vermieden werden. Synonyme englische Abkürzung: MBC = maximal breathing capacity (frz.:
VMM = Ventilation maximale minute)
MWV30 = Maximale willkürliche Ventilation Die MVV30 ist die maximale
Gasmenge, die während einer Minute geatmet werden kann, wenn der Proband für höchstens 20 Sekunden mit einer Frequenz von 30/min so tief wie
möglich atmet. Bei einer Atemfrequenz von 30/min steht für jede In- und
Exspiration je 1 Sekunde zur Verfügung. Das Atemzugvolumen während
MVV30 kann deshalb indirekt aus FEV1 und FIVt berechnet werden. Beide
unterscheiden sich erheblich im Hinblick auf die Atemlage und das verdrängte Volumen (FEV1 und FIV1). Am günstigsten ist es, wenn Inspiration
und Exspiration zusammen das größte Volumen ergeben (FEV1 und FIV1)
MZZ = Mittlere Zirkulationszeit Mittlere Passagezeit der Farbstoffpartikel
vom Injektions-zum Meßort. Von Bedeutung für die Messung des Blutvolumens zwischen Injektions- und Meßort. Siehe auch: -» MTT = mean transit time
155
NH-Region
Na + -Ioad Na + -Beladung des Glomerulum-Filtrates
Nap Vorschlag für neue Bezeichnung der I-Ableitung in der bipolaren Brustwandableitung nach Nehb. Die A-Ableitung soll Nst und die D-Ableitung
Nap bezeichnet werden. Vorteil: Verwechslung mit D (allgemein für Ableitung) und mit I (Ableitung) wird vermieden
NCGA = normally connected and related great arteries Normal konnektierte große Arterien
ND = Nehb-D-Ableitung
NEEP = negative end-expiratory pressure Negativer endexspiratorischer
Druck. Synonym mit
PNPV = positive-negative pressure ventilation
(positiv-negativ-Druck-Beatmung), wobei der endexspiratorische Druck negativ ist
NEFA = non-esterified fatty acids Freie Fettsäuren, unveresterte Fettsäuren. Sie entstehen unter Einfluß der Lipoproteinlipase und werden zum Teil
direkt in energieliefernden Prozessen verbrannt, z. B. im Herzmuskel und
in der quergestreiften Muskulatur, wo ca. 70% des Sauerstoffverbrauchs
für die Verbrennung freier, unveresterter Fettsäuren aus dem Serum benötigt werden. Synonyme Bezeichnung: FF A = free fatty acids, manchmal
auch als UFA = unesterified fatty acids bezeichnet. Die Abkürzung NFS
= nichtveresterte Fettsäuren wird gelegentlich verwendet
NEN = New England Nuclear Hersteller von Radiopharmazeutika für die
nuklearkardiologische Diagnostik
NHI = National Heart Institute Nationales Herzinstitut in den USA. Organisation der -► NHLI = National Heart and Lung Institute (USA)
NHLBI = National Heart, Lung and Blood Institute (USA)
NHLI = National Heart and Lung Institute (USA)
NH-Region Nodal-His-Region. Bezeichnung für den unteren Teil des AVKnotens. Der obere Teil des AV-Knotens wird AN-Region (atrionodale Region), der mittlere Teil nodale Region genannt. AN- und NH-Region werden
als Verbindungszone zum Vorhof bzw. His-Bündel auch als junctional regions bezeichnet
Ni/Cd-Zellen
X
156
Ni/Cd-Zellen = Nickel-Kadmium-Batterien Transkutane auf ladbare Ni/CdAkkumulatoren für Herzschrittmacher
NIH = National Institutes of Health Dem Public Health Service des USDepartment of Health, Education and Welfare unterstehende Organisation
aus mehreren Einzelinstituten, die sich der Forschung widmet, Forschungsaufgaben vergibt und Bezugswerte für histologische Substanzen festlegt
(NIH-Standards)
NOCM = non-obstructive cardiomyopathy Nicht-obstruktive hypertrophe
Kardiomyopathie. Seltener als die isolierte muskuläre Ausflußstenose findet sich eine exzessive Hypertrophie des gesamten linken Ventrikels. Man
nennt dieses Krankheitsbild „idiopathische hypertrophische nichtobstruktive Myokardiopathie“ (NOCM). Durch die konzentrische Hypertrophie wird die Restblutmenge verkleinert, die Schlagvolumenreserve nimmt
ab. Gleichzeitig wird die diastolische Dehnbarkeit (Compliance) des linken
Ventrikels herabgesetzt. Im EKG ist T von V4-V6 negativ. Synonyma: HNCM
= hypertrophic non-obstructive cardiomyopathy, hypertrophische nichtobstruktive Kardiomyopathie. Im weiteren Sinne als primäre NOCM: Endokardfibroelastose, primäre infantile Fibroelastosis endocardica, Endomyokardfibrose
NPN = non protein nitrogen Rest-N, Rest-Stickstoff
NRH = normal renin hypertension In der angelsächsischen Literatur gelegentlich verwendete Abkürzung für eine Hypertension mit normaler
Plasma-Renin-Aktivität
NSR = normal sinus rhythm Normaler Sinus-Rhythmus; normaler Rhythmus der Herztätigkeit unter dem Einfluß des Sinusknotens
NVD = neck vein distension Gefüllte Halsvenen, mit Angabe der Oberkörperposition, z. B. im Liegen (0°), in halbsitzender Stellung (45°) oder im Sitzen (90°). Grober Anhaltspunkt für den zentralen Venendruck; nur verwertbar bei freiem Abfluß zum rechten Vorhof
N-Welle Frühdiastolische Welle im Ballistokardiogramm
NYHA I - IV = New York Heart Association Die von der NYHA im Jahre
1945 vorgenommene Definition und Klassifikation der Herzinsuffizienz
wird in der deutschen Literatur häufig als Referenz angeführt. Die NYHA
unterscheidet eine functional classification und eine therapeutic classification. Die Angabe der Grade (classes) I bis IV bezieht sich auf die funktionelle, die der Grade A bis E auf die therapeutische Klassifikation.
Da sich herausgestellt hat, daß die Patienten mit einer fortgeschrittenen
Symptomatik nicht nur eine schlechtere Spontanprognose haben als solche mit geringerer Symptomatik, sondern daß auch zum Beispiel bei Patienten mit Klappenerkrankungen die perioperative Mortalität vom präoperativen NYHA-Stadium beeinflußt wird, hat sich die funktionelle Klassifika-
157
NYHA IV
tion nach der New York Heart Association (NYHA) als einfache Methode
durchgesetzt, die Symptomatik sowohl eines einzelnen Patienten in Form
eines Kürzels anzugeben, als auch um größere Patientenkollektive zu beschreiben. Zum Beispiel kann der Prozentsatz der Patienten in den einzelnen NYHA-Klassen genannt oder eine mittlere NYHA-Klasse für ein Kollektiv angegeben werden.
Darüber hinaus kann nach operativer oder medikamentöser Therapie das
Ausmaß des Therapieerfolges (oder -mißerfolges) in Form der Verbesserung oder Verschlechterung auf der NYHA-Skala angegeben werden. Die
Einfachheit dieser Einteilung, die auf der Funktionseinschränkung im täglichen Leben beruht und der Verzicht auf invasive Meßdaten oder sonstige
Laboruntersuchungen hat dazu beigetragen, daß diese Einteilung weiten
Eingang in die klinische Praxis ebenso wie in die Literatur gefunden hat:
NYHA I: Patienten mit Herzerkrankung, aber keiner Limitation der physischen Aktivität. Normale physische Aktivität erzeugt keine Dyspnoe, keine
Angina, Müdigkeit oder Palpitationen
NYHA II: Patienten mit geringer Limitation der physischen Aktivität. Sie
sind beschwerdefrei in Ruhe und bei geringer Belastung. Sie werden symptomatisch nur bei vermehrter Belastung
NYHA III: Patienten mit deutlicher Einschränkung der physischen Aktivität. Sie sind in Ruhe beschwerdefrei, werden aber selbst bei geringer Aktivität symptomatisch
NYHA IV: Patienten, die keine physische Aktivität ohne Beschwerden ausführen können. Symptome der kardialen Insuffizienz oder Angina pectoris
können selbst in Ruhe auftreten und verstärken sich bei Belastung
X
OD
158
0
OD = outside diameter Äußerer Durchmesser des Herzens
OHD = organic heart disease Organische Herzerkrankung. Diese ursprünglich aus dem Klinik-Jargon stammende Abkürzung findet sich auch
gelegentlich in der kardiologischen Literatur
OHP = oxygen under-high-pressure Abkürzung für die hyperbare Oxygenation
OKM = obliterierende Kardiomyopathie Nach der neuen Einteilung der
Kardiomyopathien selten verwendete Abkürzung. Dieses, in Europa fast
nur im Kindesalter als angeborene Störung vorkommende, im Erwachsenenalter hingegen extrem seltene Krankheitsbild, ist Folge einer Endomyo- .
kardfibrose des linken und rechten Ventrikels. Frühzeitig tritt eine therapierefraktäre Herzinsuffizienz mit Mitral- und Trikuspidalinsuffizienz ein.
Röntgenologisch erscheint das Herz normal groß oder klein.
Die in Europa seltenen Formen der obliterierenden Kardiomyopathien sind
vorwiegend in Süd- und Ostafrika beheimatet und zeigen Fibrosierungen
des Myokards, die hämodynamisch zu einer zunehmenden Restriktion eines oder beider Ventrikel führen (restrictive heart failure). Synonyme Abkürzung: OCM
OMC-Syndrom = Oculo-muco-cutanes-Syndrom Durch Practolol hervorgerufene Exantheme und ein Lupus-erythematodes-artiges-Syndrom mit
Arthralgie, Polyserositis (Perikarditis, Pleuritis), Fieber und in seltenen Fällen mit Nierenbeteiligung
OPD = Ostium-primum-Defekt Sonderform des Vorhofseptumdefektes,
Primumdefekt. Primumdefekte sind tiefsitzende Vorhofseptumdefekte, deren Bild häufig durch einige zusätzliche Symptome gekennzeichnet sind.
Das persistierende Ostium primum ist überwiegend Teilmanifestation einer beeinträchtigten Ausbildung der atrioventrikulären Ostien, so daß
gleichzeitig Schäden im Bereich der Mitral- und Trikuspidalklappe und
hochsitzende Ventrikelseptumdefekte vorkommen. Mißbildungen der AVKlappen bestehen in Spaltbildungen des vorderen Mitral- und septalen Trikuspidalsegels. Die klinisch faßbaren Symptome eines Links-RechtsShunts sind häufig ausgeprägter als bei Sekundumdefekten. Defekte im
Vorhofseptum lassen sich einteilen in: Ostium-primum-Defekte, offenes
Foramen ovale, Defekte im Boden der Fossa ovalis (Ostium-secundumDefekte) und Sinus:venosus-Defekte.
Bei der Differentialdiagnose des Ostium-secundum-Defekts und des OPD
159
OUP
spielt der Lagetyp des EKG eine große Rolle. Beim gewöhnlichen Vorhofseptumdefekt (Ostium-secundum-Defekt) besteht meist ein Vertikaltyp
oder ein Semivertikaltyp. Beim OPD liegt ein überdrehter Linkstyp vor. Die
QRS-Achse befindet sich auf der frontalen Ebene weiter links als -30°.
Die genaue Differentialdiagnose ist klinisch wichtig, weil der Ostiumsecundum-Typ in Hypothermie operiert werden kann, wogegen sich der
OPD nur mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine korrigieren läßt
OS = opening snap Öffnungston, Klappenöffnungston. Kurze scharfe Eröffnungstöne entstehen in der Frühdiastole bei Mitral- und Trikuspidalstenose. Je kürzer der Abstand zwischen A2-OS, desto schwerer die Stenose.
Sie treten nicht auf, wenn die Klappenbewegung wie bei der verkalkten
Stenose schwer behindert ist. Normale Klappen können Öffnungstöne verursachen, wenn die Oberfläche der Klappen vergrößert ist und die Öffnung
sehr abrupt verläuft aufgrund eines großen Durchstroms durch die Klappe.
Dies betrifft oft die Trikuspidalklappe bei großen Vorhofseptumdefekten
OSm = Osmolarität Der osmotische Druck hängt ab von der Anzahl der gelösten Teilchen im Lösungsmittel. 6,06 x 1023 gelöste Teilchen (= 1 Mol einer nicht-dissoziierenden Substanz) entsprechen der Maßeinheit 1 Osm.
Man spricht von Osmolarität, wenn die osmotische Konzentration auf das
Volumen des Lösungsmittels bezogen wird (Osm/L); von Osmolalität,
wenn die Bezugsgröße das Gewicht des Lösungsmittels ist (Osm/kg H2O)
OUP = oberer Umschlagpunkt im EKG Beginn der größten Negativitätsbewegung. Verschiedene synonyme Bezeichnungen werden in der deutschen und angelsächsischen Literatur verwendet: -* intrinsic deflection,
Ankunft des negativen Potentials (-+ ANP), größte Negativitätsbewegung
(-> GNB) und endgültige Negativitätsbewegung (ENB).
Die Messung des OUP in Vi oder V6 ermöglicht es, eine verlangsamte Erregungsausbreitung im rechten oder linken Ventrikel zu erfassen (ungleiche
Erregungsausbreitung in einem Ventrikel, siehe Verspätungskurven bei
Kammerhypertrophie und Schenkelblock).
Die große Negativitätsbewegung setzt dann ein, wenn an einem gegebenen Ableitungspunkt (in der Regel für das rechte Herz Vi, für das linke Herz
V6) der letzte Umschlag der Aufwärtsbewegung im QRS-Komplex in eine
Abwärtsbewegung übergeht. Zu diesem Zeitpunkt des EKG wendet sich
die Vektorschleife von diesem Ableitungspunkt ab. Die Messung des OUP
in Vi oder Vß ermöglicht es, eine verlangsamte Erregungsausbreitung im
rechten oder linken Ventrikel zu erfassen (ungleiche Erregungsausbrei tung in einem Ventrikel, siehe Verspätungskurven bei Kammerhypertrophie und Schenkelblock). Für genaue Bestimmungen des OUP empfiehlt
sich die synchrone Registrierung von Vi und V6.
Für die praktische Bestimmung des OUP ist bedeutsam, daß bei einem
„eingipfligen“ QRS-Komplex der größte OUP mit dem Gipfelpunkt von R
identisch ist. Bei zwei- oder mehrgipfligen Kammerschwankungen ist die
letzte deutliche positive R-Zacke oder die deutliche Schulterbildung im abfallenden Schenkel von R als Meßwert zu benutzen
p
X
160
P Symbol für Druck (Pression, pressure). Wenn der Terminus Druck im Zusammenhang mit der Atemmechanik benutzt wird, bezeichnet er den absoluten Wert des Gesamtdruckes in einem Gas, einer Flüssigkeit oder im Gewebe. Folgende Arten von Druck werden unterschieden: kolloidosmotischer Druck, hydrostatischer Druck, Gewebedruck, Oberflächendruck. Der
Barometerdruck beträgt z. B. 760 mm Hg (101 kPa), der Pleuraldruck 1020
cm H2O (100 kPa). Eine Druckdifferenz zwischen zwei Punkten x und y wird
als Px.y bezeichnet. Statt Druckdifferenz kann man vereinfachend „Druck“
sagen, wenn die Definition klar zum Ausdruck bringt, daß es sich um eine
Differenz handelt. Ein Beispiel ist Paw = resistiver Druck in den Atemwegen = Pmo-A- Eine Druckänderung im Verlauf der Zeit an einem Punkt x
wird mit APX bezeichnet. Ein Beispiel ist APpi. Damit wird die zeitliche Änderung in der Pleura bezeichnet. APtp ist die zeitliche Änderung der Druckdifferenz zwischen Mund und Pleuraraum (der transpulmonale Druck). Einen negativen Druck gibt es nicht,'wohl aber eine negative Druckdifferenz
P Der erste Zackenkomplex im EKG, welcher vor der QRS-Gruppe auftritt.
Siehe: -* P-Zacke
P2 Pulmonalkomponente des 2. Herztones. Der 2. Herzton hat eine aortale
(A2) und eine pulmonale (P2) Komponente, die mit dem Schluß der entsprechenden Klappen in der frühen Diastole zusammenfallen. Das A2-P2Intervall erhöht sich bei der Pulmonalarterienstenose und proportional
dem Grad der Stenose. Das A2-P2-Intervall ist bei Patienten mit großem
Vorhofseptumdefekt von der Atmung unabhängig
Pa Symbol für Alveolardruck. Der mittlere Druck in den peripheren Teilen
eines Lungenazinus
PaCO2 Siehe: -» PaCO2
Pa CO2 Siehe: -» PACO2
PaO2 Siehe: -»PaO2
Pa O2 Siehe: -* PAO2
Pap = Druck in der Arteria pulmonalis Mitteldruck: Pa p . Oberer Normwert
in Ruhe: 20 mm Hg. Synonyme Schreibweise: PAPm (engl.: mean pressure
in the pulmonary artery). In der Literatur findet man auch: -» PAP, -> PAMP
und -> PAPM
161
Pr a
P8w = Bronchialer, strömungsresistenter Druck Munddruck minus Alveolardruck (Paw = Pmo-A)
Pbr = Bronchialdruck Der Druck in den Atemwegen. Unter dynamischen
Bedingungen besteht eine Druckdifferenz zwischen Mund und Alveolen
auch zwischen großen und kleinen Atemwegen
Pl = Lungengewebedruck Der Druck im Lungenparenchym
Pl a = left atrial pressure Druck im linken Vorhof. Synonyme Schreibweise:
PLA
Pl .g i = Elastischer Retraktionsdruck der Lunge Differenz zwischen Alveolardruck und Pleuradruck, der meist im Ösophagus gemessen wird
Pl v = left ventricular systolic pressure Systolischer linksventrikulärer
Druck. Die Abschätzung des Pl v bei Kindern mit Aortenstenose erfolgt
nach der Formel: Pl v = c x LVPWs /LVESD. c = empirisch bestimmte Konstante, numerischer Wert: 225 LVPWs = systolische Dicke der linksventrikulären Hinterwand LVESD = linksventrikulärer enddiastolischer Durchmesser. Aus der Differenz zwischen dem geschätzten Pl v und dem unblutig nach RR am Arm gemessenen Blutdruck kann der Gradient an der Aortenklappe größenordnungsmäßig bestimmt werden
Pmo = Munddruck Unter statischen Bedingungen der gleiche wie der Barometerdruck (PB) bei offenen Atemwegen. Bei geschlossenen Atemwegen
entspricht er dem Alveolardruck (PA), wenn alle Lungengebiete mit dem
Mund in Verbindung stehen. Wenn bei offenen Atemwegen kein Gas
strömt, ist Munddruck = Barometerdruck = Bronchialdruck = Alveolardruck
pmu8 = Thorakaler Muskeldruck Der durch die Kraft der Atemmuskeln in
der Thoraxwand erzeugte Druck
pPA = Druck in der Arteria pulmonalis Keine internationale Einigung über
die Schreibweise. Angelsächsische Autoren bevorzugen PpA(PA = pulmonary artery), deutschsprachige Autoren PAp(AP = Arteria pulmonalis). Die
Schreibweise PAMP und PAPm für Mitteldruck in der A. pulmonalis findet
man häufig in der Literatur
Ppc v = Pulmonaler kapillarvenöser Druck Lungenkapillardruck. Mitteldruck: Ppcv. Obere Normgrenze: 12 mm Hg (engl.: pulmonary capillary venous pressure)
Ppi = Pleuradruck Der Pleuradruck entspricht bei Apnoe und offenen Luftwegen der Retraktionskraft (Pei) des Lungenparenchyms
Pr a = right atrial pressure Druck im rechten Vorhof. Synonyme Schreibweise: PRA
X
Pr v
162
Pr v = right ventricular pressure Druck im rechten Ventrikel
Ps = Systolischer Blutdruck Gelegentlich verwendete Abkürzung. Ps — Pd
= Blutdruckamplitude. Die Schreibweise Psyst wird von einigen Autoren
verwendet
Pst = Statischer Druck Statischer pulmonaler Druck bei einem bestimmten Lungenvolumen
Psyst = Systolischer Blutdruck Von einigen Autoren als Abkürzung für den
systolischen linksventrikulären Ventrikeldruck verwendet; gelegentlich
auch mit Psyst.Lv abgekürzt
Pth = Thorakaldruck Der Druck im Thorax außerhalb des respiratorischen
und zirkulatorischen Systems. Der Thorakaldruck entspricht dem mittleren
Pleuradruck (Ppi) und wird meistens indirekt im Ösophagus gemessen
(Ösophagusdruck, Poes)
Ptm = Transmuraler (transbronchialer Druck) Differenz zwischen Bronchialdruck und Peribronchialdruck. Für die extrapulmonalen Atemwege ist
Ptm ungefähr gleich Pbr.pi. Für die kleineren intrapulmonalen Atemwege
entspricht der Peribronchialdruck etwa dem Alveolardruck (= Lungendruck), SO daß Ptm = Pbr.A ist
Ptp = Transpulmonaler Druck Differenz zwischen Munddruck und Pleuradruck, der gewöhnlich im Ösophagus gemessen wird (in kPa oder cm H2O)
Ptp.TLc = Transpulmonaler Druck bei TLC Der transpulmonale Druck bei
TLC (Ptp.TLc) ist ein Maß für die Lungendehnung bei maximaler Expansion
des Thorax. Ptp.TLc pro Liter Lungenvolumen wird Retraktionsindex
(Ptp.TLc/TLC in kPa/L) genannt. Einige Autoren ziehen den transpulmonalen
Druck bei 90% TLC vor. Als stress relaxation bezeichnet man das Phänomen, in welchem der transpulmonale Druck (Ptp.TLc) nach maximaler Inspiration abnimmt, ohne daß das Volumen sich ändert. Dies beruht auf der
Hysterese. Die inspiratorische Kurve wird von folgenden Faktoren bestimmt: a) Inspiratorische Kraft, Brustwand und Inspirationsmuskeln;
b) Elastizität der Lunge, Größe der Lunge und Eigenschaften des Parenchyms; c) Volumen-Vorgeschichte, d. h. Größe und Richtung der vorausgehenden Atembewegung
Ptp 90% TLC = Transpulmonaler Druck bei 90% TLC Der pulmonale Retraktionsdruck wird davon bestimmt, wie stark der Thorax die Lunge dehnt, also von der Beziehung zwischen Thoraxdehnung und Lungendehnbarkeit.
Die Lungendehnbarkeit hängt von ihrer Größe und den Gewebeeigenschaften ab. Wachstum und Alter beeinflussen die Beziehung zwischen
Thoraxdehnung und Lungendehnbarkeit. Der transpulmonale Druck bei
TLC (Ptp.TLc) «st ein gutes Maß für diese Beziehung. Ein Nachteil dieser Größe ist aber, daß sie von der Zeit abhängt, über die die maximale Inspiration
aufrechterhalten wurde (stress relaxation, Volumen-Vorgeschichte). Au-
163
P-abgeflachtes
ßerdem ist der Wert anstrengungsabhängig. Aus praktischen Gründen
wird deshalb oft der Retraktionsdruck bei 90% TLC (Ptp.90% t l c ) benutzt. Bei
diesem Wert sind aber die Einflüsse des Wachstums und des Alters nicht
so deutlich wie bei TLC
Ptp.Tic/TLC = Pulmonaler Retraktionsindex Der transpulmonale Druck bei
TLC (Ptp.TLc) pro Liter Lungenvolumen in kPa/L
Ptrs = Transrespiratorischer Druck Druckgradient überdas gesamte respiratorische System. Druckdifferenz zwischen Munddruck und thorakalem
Muskeldruck. Ptrs — Pmo-mus
Ptth - Transthorakaler Druck Pleuraldruck minus Barometerdruck, so daß
Ptth = Ppi-B ist. Gewöhnlich wird der Ösophagusdruck für den Pleuraldruck
eingesetzt
PA = Pulmonalareal 2 ICR links parasternal. Auskultationspunkt der Pulmonalklappe
PA = pulmonary artery Pulmonalarterie, Arteria pulmonalis
P & A = percussion and auscultation Perkussion und Auskultation
P (A-a) O2 = Alveolo-arterielle Sauerstoff-Partialdruck-Differenz Ein Summenmaß für die Lunge als Gasaustauscher. Bei einem perfekten
Belüftungs-Durchblutungssystem wäre PAO2 = PaO2- Bei Gesunden beträgt die A-a-Partialdruck-Differenz 7-20 mbar (5 - 15 Torr)
P-A-Block Sinunodaler Block, Sinus-AV-Knoten-Block (topographische
Einteilung der AV-Blockierungen und Aufschlüsselung der AVÜberleitungsstörungen nach Lokalisation und Grad in Anlehnung nach
Puech et al.). Siehe auch: -> A-H-Block, -* H-Block, -> H-V-Block (frz.: bloc
sinusonodal)
P-abgeflachtes Abgeflachte P-Zacken kommen in Ableitung III bei einem
Linkstyp als Befund ohne Krankheitswert vor. Sind die P-Zacken in allen
Ableitungen deutlich abgeflacht, ist die Möglichkeit eines ektopen Vorhoferregungsbildungszentrums in Betracht zu ziehen. Als weiteres kennzeichnendes Kriterium findet sich dann zusätzlich eine kurze PQ-Zeit. Abgeflachte und angedeutet doppelgipflige P-Zacken findet man besonders
bei langsamer Herztätigkeit. Ein Vagotonie-EKG geht zusätzlich mit einer
Bradykardie, meist einer grenzwertigen AV-Überleitungszeit, sowie hohen,
spitzen T-Wellen in den Ableitungen I, II (III), sowie den Ableitungen V3 bis
V6 einher. Die linkspräkordialen Ableitungen V4 bis V6 zeigen leichte konkavbogige ST-Hebungen. Ein Vagotonie-EKG wird meist bei Herzgesunden
mit gut trainiertem Kreislauf vorgefunden. Eine abgeflachte P-Zacke ist als
vagusbedingt zu interpretieren (sog. Vagus-P), wenn es während der Dauer
einer reflektorischen Vaguserregung (z. B. Karotis-Sinus-Druckversuch,
Bulbusdruckversuch, Valsalva-Manöver) intermittierend auftritt. Abge-
PAC
164
flachte P-Zacken werden auch im EKG bei Patienten mit Hypothyreose, bei
Hypoproteinämien und der Amyloidose des Herzens beobachtet
PAC = plasma aldosterone concentration Konzentration des Aldosterons
im Blutplasma
PAC = premature atrial concentration Vorzeitige Vorhofkontraktion, Vorhofextrasystole. In der angelsächsischen Literatur werden neben PAS einige synonyme Bezeichnungen und Abkürzungen verwendet: atrial ectopic
beat (AEB), atrial premature contraction (APC) und atrial ectopic contraction (A EC)
P-Achse = P-Hauptsummenvektor Abweichungen der P-Achse von der
Norm (-60°) weisen darauf hin, daß die Vorhöfe nicht vom Sinusknoten,
sondern von einem ektopen Erregungsbildungszentrum erregt werden.
Liegt zum Beispiel die P-Achse bei - 90°, so weist dies darauf hin, daß die
Vorhöfe nicht von rechts oben (Sinusknoten), sondern von links unten (lowatrial-, AV-Knoten-Bereich) erregt werden
PaCO2 = Arterieller Kohlensäure-Partialdruck CO2-Partialdruck im arteriellen Druck in mm Hg (engl.: arterial partial pressure of CO2). Folgende abweichende synonyme Schreibweisen findet man in der Literatur: paCO2,
PaCO2
PACO2 = Kohlensäurepartialdruck in der Alveolarluft Partialdruck für CO2
in der Alveolarluft. Synonyme Schreibweise: Pa CO2
PAD = Primär afferente Depolarisation Aktivierung der axo-axonischen
Synapse induziert auf deren postsynaptischen Seite eine Depolarisation.
Diese Depolarisation kann von primär afferenten Fasern des Rückenmarks
intrazellulär registriert werden. Sie wird dann als primär afferente Depolarisation, abgekürzt PAD, bezeichnet. Da sich die PAD elektrotonisch entlang
der afferenten Fasern in die Hinterwurzel ausbreitet, kann sie dort auch extrazellulär abgeleitet werden. Dieses Potential wird dorsal root potential,
DRP, genannt. Der Zeitverlauf der PAD, und damit des DRP, entspricht
dem Zeitverlauf der präsynaptischen Hemmung. Die PAD ist also ein postsynaptisches Potential in einer primär afferenten Faser, das während der
präsynaptischen Hemmung dieser Faser an der subsynaptischen Membran der axo-axonischen Synapse auftritt und sich passiv elektrotonisch
über die Afferenz (antidrom) ausbreitet. Die PAD ist wahrscheinlich hauptsächlich durch eine Zunahme der Na + -Permeabilität der subsynaptischen
Membran verursacht. Bei starker Aktivierung der axo-axonischen Synapse
kann es durch die steil ansteigende PAD zur Auslösung antidromer Potentiale in den primär afferenten Fasern kommen (sog. Hinterwurzelreflexe,
dorsal root reflexes, DDR). Sie wurden bei der experimentellen Analyse der
präsynaptischen Hemmung als Zeichen starker PAD benutzt
PAD = pulsatile assist device Der physiologische, pulsierende Blutfluß im
Kreislauf wird bei der heute üblichen Perfusionstechnik der extrakorpora-
165
PAEDP
len Zirkulation durch einen mehr oder weniger konstanten Blutfluß ersetzt.
Verschiedene Untersuchungen weisen aber auf den günstigen Einfluß eines pulsierenden Blutflusses (pulsatile flow) hin. Als besondere Vorteile
erscheinen verminderter peripherer Widerstand, geringes venöses Pooling
und verbesserter Metabolismus. Eine Reihe von Ventrikelpumpen, speziellen Rollenpumpen und besonders geformten Pumpenschläuchen wurde
inzwischen dazu konstruiert. Sie konnten jedoch in der Klinik die einfach
und sicher zu betreibende Rollenpumpe nicht verdrängen, um so weniger,
als bei den üblicherweise relativ kurzen Perfusionszeiten (weniger als 2
Stunden) die Vorteile des pulsierenden Flows im Verhältnis zum Aufwand
offenbar doch zu gering sind.
In letzter Zeit wurde ein neues, einfacher Gerät (pulsatile assist device,
PAD) zur Erzeugung von Pulsationen auf der arteriellen Seite des extrakorporalen Kreislaufs in Verbindung mit einer üblichen Rollenpumpe empfohlen. Eine zusätzliche Möglichkeit, mittels synchronisierter arterieller Gegenpulsation das Weggehen von der extrakorporalen Zirkulation (weaning
off bypass) zu erleichtern, was z. B. bei Patienten nach koronarchirurgischen Eingriffen von Vorteil ist
PADP = pulmonary artery diastolic pressure Diastolischer Pulmonalarteriendruck (Ruhemittelwert: 8,8 ± 1,8 mm Hg). Siehe auch: -> PAMP,
-> PASP
PAEDP = pulmonary artery end-diastolic pressure Enddiastolischer Pulmonalarteriendruck. Der PAEDP, der den linksventrikulären enddiastolischen Druck wiederspiegelt, zeigt in der Frühphase der ersten 2-4 Stunden des Infarktes einen typischen Stadienablauf. Er ist eine Resultante
aus Zunahme der Ventrikeldehnbarkeit und Abnahme der Myokarddehnbarkeit. Der PAEDP liegt in dieser Zeit mit 15 mm Hg oder mehr deutlich
über den Normwerten. Er fällt nach der 12. Stunde ab und steigt nur an,
wenn sich eine Insuffizienz der linken Kammer entwickelt. Schlagarbeitsindex und Herzindex verhalten sich analog. Die später Verstorbenen haben initial und im Verlauf einen niedrigeren Schlagarbeitsindex als die
Überlebenden (<30 gm/m2). Man kann die Patienten anhand der initialen
Meßwerte für den PAEDP und den Cardiac-Index in verschiedene hämodynamische Gefährdungsgruppen einteilen. Die Grenzen für die beginnende
Minderperfusion liegen bei einem Herzindex von 2,2 L/min x m2, für die beginnende Lungenstauung bei einem PAEDP von 18 mm Hg. Patienten mit
normaler Hämodynamik (Herzindex über 2,2 L/min x m2 und PAEDP unter
18 mm Hg) sind als Gruppe I a, solche mit Hyperkinetik (Herzindex über 3,5
L/min x m2) als Gruppe I b zusammengefaßt. Beide machen zusammen etwa 50% aus. Die Prognose ist gut.
In Gruppe II finden sich die Patienten mit isolierter Lungenstauung
(PAEDP über 18 mm Hg), aber normalem Herzindex; in Gruppe ill die Patienten mit einem reduzierten Herzindex (unter 2,2 L/min x m2), aber normalem Füllungsdruck. In beiden ist die Mortalität mit ca. 15% leicht erhöht.
Patienten mit Stauung und Minderperfusion (PAEDP über 18 mm Hg,
Cardiac-Index unter 2,2 L/min x m2) bilden Gruppe IV (Mortalität ca. 70%).
Ein kardiogener Schock liegt bei einem Cardiac-Index unter 1,8 L/min x m2
PA-FA-Volumen
166
und einem PAEDP über 22 mm Hg (Mortalität 80-90%) vor. Etwa 5% der
Patienten haben einen überwiegenden Rechtsinfarkt. Der Herzindex kann
zwischen 1,4 und 4,4 L/min x m2 schwanken. Charakteristisch ist der deutlich erhöhte, rechtsventrikuläre Füllungsdruck bzw. rechte Vorhofdruck
(über 10 mm Hg) bei normalem (< 18 mm Hg) PAEDP
PA-FA-Volumen Intrathorakales Blutvolumen. Das intrathorakale Blutvolumen wurde als wichtigster Faktor für das Auftreten klinischer Krankheitszeichen bei der Stauungsinsuffizienz betrachtet, insbesondere bei Herzkrankheiten, die mit einem Linksversagen einhergehen. Das intrathorakale Blutvolumen ist mittels Farbstoffverdünnungsmethoden bestimmt
worden, wie sie zur Messung des Herzminutenvolumens Anwendung fanden. Der Indikator Evans-Blau, Cardiogreen, mit siCr-markierte Erythrozyten, 131J-markiertes Humanserumalbumin wird durch einen Katheter in die
Pulmonalarterie (PA) injiziert und Blut aus der Femoralarterie (FA) entnommen, um daraus das PA-FA-Volumen zu bestimmen; dieses Volumen wird
intrathorakales Blutvolumen, „zentrales“ oder pulmonales Blutvolumen
genannt. Wird dieser Indikator auch in den linken Vorhof (linkes Atrium —
LA) und in den linken Ventrikel (LV) injiziert und aus der Femoralarterie entnommen, so lassen sich das LA-FA und das LV-FA-Volumen bestimmen
und es ergibt sich die Möglichkeit, die verschiedenen Komponenten des
zentralen Blutvolumens zu.erfassen. Das Blut zwischen Injektions- und
Entnahmestelle kann berechnet werden, indem das Minutenvolumen mit
der mittleren Lungenzirkulationszeit multipliziert wird, die aus der
Indikator-Zeit-Konzentrations-Kurve bestimmt werden kann. Das PA-PVVolumen ergibt sich aus der Subtraktion des LA-FA-Volumens vom PA-FAVolumen. Das PA-LA-Volumen läßt sich durch Subtraktion des LV-FAVolumens vom PA-FA-Volumen erhalten. Die verschiedenen Komponenten
des zentralen Blutvolumens sind auch nach intravenöser Injektion von
131J-Humanserumalbumin und Bestimmung der Radioaktivität mittels eines oder mehrerer Szintillations-Zähler bestimmt worden
P-A-Intervall (PA-Zeit) Intra-atriale Leitungszeit im His-Bündel-EKG (HBE).
Bei simultaner Registrierung des His-Bündel-EKG und des OberflächenEKG kann das PQ-Intervall in folgende Zeitintervalle unterteilt werden:
PA-Intervall: Intra-atriale Leitungszeit (20 - 60 msec). Zeit der Erreungsausbreitung vom Sinusknoten über das spezifische Erregungsleitungssystem
der Vorhöfe bis zu den basalen Vorhofabschnitten.
AH-Intervall: Leitungszeit im AV-Knoten: 50-120 msec. Zeit der Erregungsausbreitung von den basalen Vorhofabschnitten, Leitung der Erregungsfront über den AV-Knoten bis zum Stamm des His-Bündels.
AV-Intervall: 35-45 msec. Zeit der Erregungsausbreitung vom Beginn der
His-Bündel-Depolarisation und dem Beginn der Ventrikelerregung.
Das PA-Intervall ist die Zeit zwischen der P-Welle im Extremitäten-EKG
oder Beginn des hohen Vorhofpotentials bis zum Beginn des Vorhofpotentials (Beginn des A-Ausschlages) im HBE. Dieses Intervall entspricht annähernd der intra-atrialen Leitungszeit. Wird gleichzeitig ein intrakardiales
Elektrogramm vom oberen rechten Vorhof abgeleitet, so gibt das Intervall
vom Beginn der ersten schnellen Deflektion des atrialen Potentials zu
167
PAP syst.
demjenigen im His-Bündel-Elektrogramm ein besser definiertes Maß der
intra-atrialen Leitungszeit. Siehe auch:
HBE, -> AH-, -* HV- und -► PHInterval I
PAL = posterior axillary line Hintere Achsellinie, Axillarlinie
PAMP = pulmonary artery mean pressure Pulmonalarterienmitteldruck,
Mitteldruck in der Arteria pulmonalis. Ruhemittelwert: 14,4 ± 2,7 mm Hg
PaO2 = Arterieller Sauerstoffpartialdruck Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Druck in mm Hg. Die Berechnung erfolgt nach der von Ulmer ei al.
angegebenen Formel: PaO2 (mm Hg) = 109,4 — 0,26 x Alter — 0,0098 x
Broca ± 14,14. Synonyme Schreibweise: PaO2, paO2
PAO2 = Alveolärer Sauerstoffpartialdruck Der ideale Sauerstoffpartialdruck in der Alveolarluft, der sich aus dem Sauerstoffpartialdruck der Inspirationsluft (Pio2), dem arteriellen CO2-Partialdruck (Paco2) und dem respiratorischen Quotienten (RQ) mit Hilfe der Alveolarluftformel errechnen
läßt. Diese lautet in vereinfachter Form: PAO2 = PIO2 — (PaCO2/RQ). Synonyme Schreibweise: Pa o 2
P-aortales Der Begriff des P-sinistroatriale ist im allgemeinen identisch
mit dem des P-mitrale oder aortale oder P-sinistrokardiale. Ob sich eine
Differenzierung zwischen den beiden Typen allgemein durchsetzen wird,
bleibt noch abzuwarten. Das gleiche gilt für die landläufig als identisch angesehenen Begriffe des P-dextroatriale (P-dextrokardiale) und des Ppulmonale. Auf keinen Fall dürfen die Bezeichnungen mitrale, aortale und
pulmonale zu der Vorstellung Anlaß geben, die Formveränderungen seien
pathognomonisch für Mitralvitiun, Aortenvitium oder pulmonalen Hochdruck. Selbst stärkere neurovegetative Einflüsse können vorübergehend
zu P-Veränderungen führen. Dabei erzeugt die Vagotonie ein dem Psinistroatriale ähnliches Bild, während die Sympathikotonie ein überhöhtes P hervorrufen kann, das dem P-dextroatriale gleicht
PAoW = posterior aortic wall In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für hintere Aortenwand
PAP = pulmonary artery pressure Pulmonalarteriendruck. Synonyme'
Schreibweise: P^p. Die Schreibweise PAPm für den mittleren Pulmonalarteriendruck wird noch von einigen Autoren verwendet; die neueren
Schreibweisen sind: -► PAMP und -> PAPM
PAPdia(st) = pulmonary artery diastolic pressure Diastolischer Druck in der
Arteria pulmonalis. In letzter Zeit seltener gebräuchliche Abkürzung; bevorzugt wird:
PAPD
PAPsyst = pulmonary artery systolic pressure Systolischer Druck in der Arteria pulmonalis. In letzter Zeit häufig gebräuchliche Abkürzung; bevorzugt
wird: -* PAPS
PAPD
168
PAPD = pulmonary artery diastolic pressure Diastolischer Pulmonalarteriendruck. Die Messung des Pulmonalarteriendruckes erfolgt über einen
elektrischen Druckwandler mit Hilfe von Einschwemmkathetern. Hierfür
können dünne einlumige Katheter nach Grandjean benutzt werden oder
mehrlumige Katheter nach Swan-Ganz, welche unmittelbar hinter der Öffnung an der Spitze mit einem aufblasbaren Ballon versehen sind. Dieser
Ballonkatheter kann zur Messung des transkapillären Pulmonalvenendruckes benutzt werden. Der zweilumige Swan-Ganz-Katheter enthält nur 1
Lumen zur Druckmessung. Der dreilumige ein weiteres Lumen etwa 20 cm
hinter der Spitze, welches zur simultanen Druckmessung des zentralvenösen oder des rechtsatrialen Druckes oder als Einspritzöffnung zur Messung des Herzzeitvolumens nach der Farbstoffverdünnungs- oder der
Thermodilutionsmethode benutzt werden kann.
Als Referenz für den Füllungsdruck des linken Ventrikels (also des linksventrikulären enddiastolischen Druckes) werden sowohl der diastolische
Pulmonalarteriendruck als auch der mittlere Pulmonalarteriendruck herangezogen: Bei gesunden Personen in Ruhe wurde eine gute Übereinstimmung des diastolischen Pulmonalarteriendruckes (PADP oder PAEDP) mit
dem linksventrikulären Füllungsdruck (LVEDP, gemessen nach der AWelle im linken Ventrikel) gefunden.
Für Personen mit Lungenerkrankungen, also pulmonaler Hypertension
und konsekutivem Druckanstieg im rechten Ventrikel, ebenso wie für Personen mit linksventrikulärer Dysfuhktion besteht jedoch keine verwertbare
Korrelation zwischen PADP und LVEDP
PAPm = Mittlerer Pulmonalarteriendruck Nicht mehr gebräuchliche Abkürzung. Siehe: -► PAP, -> PAPM, -* PAMP
PAPM = Mittlerer Pulmonalarteriendruck Die Schreibweise der Abkürzung
ist nicht einheitlich. Folgende Versionen werden verwendet: PAP, PAPm,
PAMP
PA-projection = posteroanterior projection PA-Projektion, posterioranteriore Projektion. In der PA-Projektion liegt der nicht-koronare Sinus
hinten unten rechts, der rechts-koronare vorne unten und vorwiegend zur
Mitte hin orientiert, jedoch etwas höher als der nicht-koronare, während
der links-koronare nach links und nach oben hinten gerichtet ist
PAPS = pulmonary artery systolic pressure Systolischer Pulmonalarteriendruck. Systolischer Druck in der Arteria pulmonalis. Es besteht keine
Einigung über die Schreibweise. Siehe auch: -► PASP
PASP = pulmonary artery systolic pressure Systolischer Pulmonalarteriendruck. Systolischer Druck in der Arteria pulmonalis. Ruhemittelwert:
21,5 mm Hg ± 3,9 mm Hg. Unterschiedliche Schreibweise der Abkürzung
werden in der Literatur gefunden: -* PAPS, -> PAPsyst.
PAT = paroxysmal atrial tachycardia Paroxysmale Vorhoftachykardie. Anfallsweise auftretende Vorhoftachykardie. Sie ist die häufigste Form von
169
PBF
immer wiederkehrendem Herzklopfen, das mit sehr hoher, aber ganz regelmäßiger Herzfrequenz einhergeht. Man beobachtet sie weit häufiger als
die Kammertachykardie. Eine Unterscheidung zwischen paroxysmalen Tachykardien, die vom AV-Knoten ausgelöst werden, und solchen, die irgendwo in den Vorhöfen entstehen, ist äußerst schwierig oder sogar unmöglich. Sie können gemeinsam besprochen werden, da ihre klinischen Zeichen, ihr Ansprechen auf Belastung, Karotissinusreiz und Medikamente
im allgemeinen übereinstimmen
PAT mit Block = Paroxysmale atriale Tachykardie mit Block Vorhoftachykardie mit AV-Block. Sonderform der supraventrikulären Tachykardie, welche in den meisten Fällen digitalisinduziert ist, so daß ein Behandlungsversuch dieser Rhythmusstörung mit Digitalis fatale Folgen hat. Die Prognose der Vorhoftachykardie mit AV-Block gilt selbst bei konsequenter Behandlung als ernst.
EKG: Frequenz der Vorhofaktion gewöhnlich zwischen 150 bis 250/min.
Abstände zwischen den P-Wellen nicht immer konstant (------ 0,12 sec). PWellen meistens mit niedriger Amplitude, oft deformiert. P-Wellen meistens durch eine isoelektrische Grundlinie voneinander abgesetzt. Fast
immer Kombination mit einer AV-Überleitungsstörung: Partieller Block Typ
Wenckebach, 2:1 AV-Block bis 4:1 AV-Block, totaler AV-Block selten. Häufig frühzeitige ventrikuläre ES.
Ursache: Meistens Digitalisintoxikation (70-85% der Fälle mit Vorhoftachykardie mit AV-Block), besonders im Alter, bei Cor pulmonale, Hypokaliämie; selten bei Herzinfarkt, Myokarditis, Hyperthyreose. In Ausnahmefällen bei Jugendlichen ohne erkennbare Herzerkrankung (benigne Form)
PAWP = pulmonary artery wedge pressure Pulmonaler kapillarer Verschlußdruck. Pulmonaler Kapillardruck. Druck bezogen auf den Atmosphärendruck, gemessen mittels eines Katheters, der das Lumen eines kleinen
Astes der Pulmonalarterie kurzeitig verschließt (verkeilt). Der gemessene
Druck entspricht dem linken Vorhofdruck (LAP) und damit dem diastolischen Füllungsdruck des linken Ventrikels
PAQ = Puls/Atem-Quotient Er dient zur zeitlichen Abstimmung verschiedener Funktionssysteme aufeinander im Sinne einer verbesserten Ökonomie
PARIS = Persantin-Aspirin-Reinfarction Study Persantin-Acetylsalicylsäure-Re-lnfarkt-Studie. Bezeichnung für eine in den USA und in Großbritannien 1975 bis 1979 in 20 Kliniken mit insgesamt 2026 Patienten durchgeführte, randomisierte Doppelblindstudie, um die Wirksamkeit der Kombination von Acetylsalicylsäure (ASS) plus Persantin im Vergleich zur ASS
oder Placebo zur Reinfarktprophylaxe zu untersuchen
PB = pressure breathing Druckbeatmung
PBF = peripheral blood flow Periphere Durchblutung. Gemessen wird mit
Verschluß-Plethysmographie oder Isotopen-Clearance
P-biatriale
170
P-biatriale Synonyme Bezeichnung für -> P-cardiale
P-biphasisches Formanalytisch lassen sich in Anlehnung an Friese folgende von der Norm abweichende biphasische P-Zacken unterscheiden:
1. Das + /--biphasische P: In der Ableitung V, ggf. in Ableitung V2, ist die
+ /--Biphasie von P mit dem Begriff des P-sinistrocardiale verbunden. Infolge der dabei auftretenden verspäteten Erregung des linken Vorhofs ist
die P-Zacke über 0,11 see verbreitert und der negative Teil deutlich ausgeprägt (tiefer 0,15 mV, breiter 0,08 see). Durch die Verlängerung der P-Zacke
kann sich die PQ-Strecke relativ verkürzen, die PQ-Zeit bleibt jedoch unverändert (Mittelwert der P-Breite zur PQ-Strecke = 1,5). Bei einem
4-/--biphasischen P in Ableitung Vi findet sich'in den Ableitungen I, II
und in V5 und V6 meist ein P-mitrale.
2. Das + +/--biphasische P: Diese Form der Vorhoferregung findet man
in Ableitung Vi und V2. Sie wird als P-dextrocardiale bezeichnet. Das Pdextrocardiale muß nicht über 0,11 see verbreitert sein, da die Erregung
des linken Vorhofs die des rechten Vorhofs überdauert. Ein P-pulmonale
muß nicht gleichzeitig nachweisbar sein.
3. Das -/ +-biphasische P: Diese Formvariante des P ist selten. Erscheint
sie in Ableitung Vi zugleich meist mit einer Verlängerung der PQ-Zeit und
mit negativen P-Zacken in Ableitung II, III verbunden, so ist eine Läsion der
linksatrialen Leitungsbahn (Bachmann-Bündel) in Betracht zu ziehen. Bei
einem akuten Ereignis ist ätiologfsch ein Vorhofinfarkt in Erwägung zu ziehen. Differentialdiagnostisch kann die gleiche Formänderung der P-Zacke
durch ein rechtsatriales, ektopes Erregungsbildungszentrum erfolgen
P-cardiale Die Überlastung beider Vorhöfe führt zu einer Kombination der
für das P-sinistro- und P-dextrocardiale typischen Veränderungen. Man findet also nicht nur eine Verbreiterung der P-Zacke, sondern gleichzeitig
auch eine Überhöhung in den entsprechenden Ableitungen. Synonyme Bezeichnung: P-biatriale.
Das P-cardiale wird beobachtet bei Mitral- und Aortenfehlern mit Rechtsdekompensation, beim Vorhofseptumdefekt, bei Hypertonie im großen
und kleinen Kreislauf. Das P-cardiale ist gekennzeichnet durch:
1. Verbreiterung der P-Welle in I, aVL und V5 — V6
2. Überhöhung von P in II, III und aVF
3. diphasisches P in V-i und V2, wobei der erste Teil überhöht und spitz, der
zweite Teil negativ und breit ist
4. Doppelgipfligkeit, besonders in Ableitung II, V5 — V5. Der Abstand beider Gipfel beträgt hierbei mindestens 0,03”
5. Abnahme der Amplitude von V2 bis Vß, wobei der zweite Gipfel relativ
größer als der erste wird
PCA = posterior cerebral artery Arteria cerebri posterior. Endast der Arteria basilaris, der sich auf der Unterseite des Schläfen- und Hinterhauptlappens verästelt
PCAVC = persistent common atrioventricular canal Partieller gemeinsamer AV-Kanal. Fehlbildung des AV-Kanals. Eine Wachstumshemmung der
171
PCO2
Endokardkissen mit unvollständiger Verschmelzung und mangelhafter
kranio-kaudaler Ausbreitung führt zu Fehlbildungen der Atrioventrikularklappen (AV-Klappen) mit einem abnorm tiefen, ventrikelwärts verlagertem
Ansatz des Klappenrings, zu Defekten im atrioventrikulären Septum durch
Fehlen des kaudalen Anteils des Vorhofseptums (Septum primum) sowie
von Teilen des membranösen und des posterioren muskulären Ventrikelseptums (Einlaßseptum), und zu einem partiellen Fehlen der basalen Hinterwand des linken Ventrikels.
Je nach Form der Fehlbildung der AV-Klappensegel erfolgt eine Unterteilung dieser Atrioventrikular-Defekte bzw. der Fehlbildungen des Atrioventrikularkanals mit einer bisher allerdings uneinheitlichen Nomenklatur: Besteht bei getrennten und vollständig angelegten AV-Klappen und bei einem Defekt im kaudalen Anteil des Vorhofseptums ein Spalt (cleft) im
anterior-septalen Mitralsegel, gelten die Bezeichnungen Ostium primumDefekt, partielle Form einer AV-Kanal-Fehlbildung und partieller gemeinsamer AV-Kanal (PCAVC). Fehlt der Spalt im anterior-septalen Mitralsegel
bei abnorm tiefem Ansatz der Mitralklappe, so wird dies als „korrigierte
AV-Kanal-Fehlbildung“ bezeichnet.
In etwa 30% der Ostium primum-Defekte bzw. der partiellen Formen der
AV-Kanal-Fehlbildungen besteht unterhalb des anterior-septalen Segels,
seltener unterhalb des posterioren Segels der Mitralklappe, zusätzlich zum
Vorhofseptumdefekt ein kleinerer Ventrikelseptumdefekt. Ein isolierter
Ventrikelseptumdefekt vom AV-Kanal-Typ mit Beteiligung der ebenfalls
getrennten und abnorm tief ansetzenden AV-Klappe, jedoch ohne Vorhofseptumdefekt vom Primum-Typ, wird als „Übergangsform“ der partiellen
AV-Kanal-Fehlbildungen zugeordnet
PC-Druck = Pulmonal-Kapillardruck Siehe: -* PCP = pulmonary capillary
pressure, -> PAWP = pulmonary artery wedge pressure, -> PCWP = pulmonary capillary wedge pressure
P-cells Pacemaker-Zellen. Schrittmacherzellen im Zentrum des Sinusknotens (= pale cells, blasse Zellen; pacemaker cells). In der Arbeitsmuskulatur des Herzens lassen sich histologisch Zelltypen unterscheiden, die für
die Reizbildung und Erregungsleitung wichtig sind. Dieses sog.
Reizbildungs- und Erregungsleitungssystem des Herzens unterscheidet
sich histologisch von der Arbeitsmuskulatur durch mehr Sarkoplasma und
Zellkerne und weniger Myofibrillen. Eine Häufung derartiger spezifischer
Muskelzellen (P-Zellen, Pacemaker-Zellen) findet sich im Sinusknoten. Dieser liegt im rechten Vorhof zwischen der Einmündung der oberen Hohlvene
und dem rechten Herzohr
PCG = phonocardiogram, phonocardiography Siehe: -> PKG = Phonokardiographie
PCO2 = pastial pressure of carbon dioxide Partialdruck vori CO2. Arterielle
Kohlensäurespannung in mm Hg. Synonyme englische Bezeichnung: carbon dioxide tension. Unterschiedliche Schreibweisen der Abkürzung werden verwendet: PCO2, Pco? PCO2
X
P-congenitale
172
P-congenitale Bei dieser P-Variante ist der Vektor des rechten Vorhofes
vergrößert. Da das Herz aber horizontal liegt, ist der Summationsvektor
des rechten Vorhofes nicht so steil gerichtet wie der des P-dextrocardiale
und läuft mehr auf Ableitung II zu. Der linksatriale Vektor ist von normaler
Größe und nach links, hinten und oben gerichtet.
Ein P-congenitale wird beobachtet bei angeborenen Herzfehlern mit reiner
oder zumindest vorwiegend Rechtsherzbelastung. Neben diesen charakteristischen Abwandlungen der P-Welle finden sich gelegentlich noch Verbreiterungen, Splitterungen, unregelmäßige Kerbungen und diphasisches
Verhalten der P-Zacke, ohne daß einer dieser Vorhofhypertrophietypen vorliegen muß. Es handelt sich hierbei um atriale Leitungsstörungen aufgrund toxischer und degenerativer Erkrankungen des Herzens. Da die PZacke dabei oft auch gleichzeitig abgeflacht ist, gelingt die Abgrenzung
von einer durch Vagotonie veränderten P-Zacke nicht immer. Das Pcongenitale ist gekennzeichnet durch:
1. höhere P-Wellen in I als in III
2. höchste Amplitude in II
3. fehlende oder nur angedeutete Kerbungen
Französische Bezeichnung: onde P congenitale
PCP = pulmonary capillary pressure Pulmonal-Kapillardruck. Synonyme
Abkürzung: -> PCWC
"*
sf
PCWP = pulmonary capillary wedge pressure Pulmonal-Kapillarverschluß-Druck (-► PAWP). Verkeilungsdruck (Verschlußdruck); indirekt
gemessener Druck des linken Vorhofs. Der Katheter wird durch die Pulmonalarterie so weit vorgeschoben, daß die Katheterspitze bis in die Kapillaren stößt und das Gefäß völlig schließt. Der an der Katheterspitze gemessene Druck entspricht dem Druck des linken Vorhofs und damit dem Füllungsdruck des linken Ventrikels. Der so gemessene Pulmonalkapillardruck wird englisch bezeichnet mit: pulmonary capillary pressure (PCP)
Pd = pression diastolique (frz.) Diastolischer Blutdruck. In der deutschsprachigen Literatur findet man auch die Schreibweise: Pd, Pdiast.
PDA = patent ductus arteriosus Offener Ductus Botalli, persistierender
Ductus arteriosus, Ductus arteriosus persistens Botalli. Vor der Geburt
dient der Ductus Botalli der Umgehung des Lungenkreislaufes. Das Blut
fließt vom rechten Ventrikel über den Stamm der Arteria pulmonalis und
den Aortenbogen vorwiegend in die absteigende Aorta. Bleibt der Ductus
nach der Geburt offen, so fließt das Blut aus der Aorta über die Arteria pulmonalis in den Lungenkreislauf, sobald dessen Strömungswiderstand
nach Entfaltung der Lunge abgesunken ist. Die Größe des Links-RechtsShunts wird, wie im VSD, durch das Kaliber der Verbindung und durch den
Widerstand im Lungengefäßbett bestimmt. Meistens besteht während der
Systole und der Diastole ein Druckgefälle von der Aorta zur Pulmonalis,
daher ein kontinuierlicher Shunt und ein kontinuierliches Geräusch. Der
Shunt und die Rezirkulation im Lungenkreislauf sind aber nur eine Seite
der pathologischen Hämodynamik. Die andere wird bedingt durch das
173
P-dome-and-dart
Leck im Windkessel der Aorta. Das Blut strömt zu schnell aus der Aorta in
die Lunge. Hier hat der Ductus Gemeinsames mit einer Aorteninsuffizienz:
Belastung des linken Ventrikels, niedriger, diastolischer Blutdruck, große
Blutdruckamplitude (lebhafte Pulse, Wasserhammer-Puls, Kapillarpuls).
Besteht infolge von Lungengefäßveränderungen ein hoher Strömungswiderstand im Lungenkreislauf, so kann es zu einem Rechts-Links-Shunt
kommen
P-dextroatriale Ist die intra-atriale Erregungsausbreitung im rechten Vorhof durch Überdrehung oder Schädigung beschädigt, so erreicht sie ihr
Maximum zusammen mit dem normalerweise etwas später liegenden Maximum der Erregungsausbreitung des linken Vorhofs. Die Überlagerung
der Potentiale beider Vorhöfe bedingt höhere Amplituden der P-Welle. Eine
vermehrte Druckbelastung des rechten Vorhofs, wie sie besonders bei angeborenen Vitien vorkommt, verursacht ein schmales P-dextroatriale mit
hohen Amplituden und kann als Ausdruck der muskulären Hypertrophie
des rechten Vorhofs angesehen werden. Eine vermehrte Volumenbelastung führt zu einer zusätzlichen Verbreiterung der P-Welle mit einer Verspätung des oberen Umschlagpunktes. Exakt ist der obere Umschlagpunkt der P-Welle meist jedoch nur in den Ösophagus-Ableitungen ausmeßbar und hat klinisch deswegen nur eine untergeordnete Bedeutung.
Nach Festlegung der AHA spricht für eine Hypertrophie des rechten Vorhofs, wenn die größte P-Welle in den Extremitäten-Ableitungen 3 mm und
in den Brustwandableitungen 2,2 mm beträgt
P-dextrocardiale Das P-dextrocardiale ist Ausdruck einer verzögerten Erregungsausbreitung im rechten Vorhof. Der erste P-Wellenanteil fällt später
ein, rückt an den zweiten Anteil heran und überhöht diesen in den Ableitungen, zu denen der Vektor bei rechtsseitiger Vorhofhypertrophie hinzeigt. Durch die Überlastung des rechten Vorhofes wird der Summationsvektor der Vorhöfe nach rechts, vorn und unten abgelenkt. Das Pdextrocardiale wird beobachtet bei Druck- oder Volumenüberlastung des
rechten Vorhofes, z. B. durch Cor pulmonale (P-pulmonale) und verschiedene kongenitale Vitien. Das P-dextrocardiale ist gekennzeichnet durch:
1. spitzen P-Wellengipfel mit erhöhter Amplitude (über 0,25 mV)
2. Auftreten der Veränderungen in II, III und aVF
(Vektorrichtung in der Frontalebene!)
3. höhere Amplituden des initialen positiven Anteils der rechtspräkordialen Brustwandableitungen
P-dome-and-dart = dome-and-dart-configuration Linker Vorhofrhythmus.
Vom linken Vorhofrhythmus nimmt man an, daß der Reiz nicht, wie normal,
vom Sinusknoten im rechten Vorhof, sondern im linken Vorhof gebildet
wird. Diese Rhythmusstörung besteht, wenn in Vi eine „dome-anddart“-Konfiguration („Bogen und Pfeil“) besteht: Zunächst steigt P langsam, bogenförmig und flach, später aber plötzlich an. Zusätzlich ist oft ein
negatives P in I und Vß vorhanden. Als Ursache wird eine Schädigung der
linken Vorhofmuskulatur infolge Ischämie oder rheumatischer Affektion
angenommen
PEEP
174
PEEP = positive end-expiratory pressure positiver endexspiratorischer
Druck. Überdruckbeatmung, kontinuierliche Überdruckbeatmung, Beatmung mit positivem endexspiratorischem Druck. PEEP bewirkt eine Vergrößerung der funktionellen Residualkapazität, eine Abnahme intrapulmonaler Rechts-Links-Shunts, eine Eröffnung von Mikroatelektasen und möglicherweise auch eine bessere Surfacant-Ausbreitung. Schocklunge und
Atemnotsyndrom des Erwachsenen sind die wichtigsten Indikationen für
die PEEP-Überdruckbeatmung.
Während der Ausatemphase wird der Atemwegsdruck auf einem positiven
Druckplateau gehalten. Wie bei CPAP ist dies durch Ausatmung über ein
Wasserschloß oder ein drucklimitierendes Ventil möglich, das den Exspirationsschenkel des Respirators abschließt. Die physiologischen Wirkungen von PEEP sind die gleichen wie die von CPAP. Durch PEEP lassen sich
die schädigenden Einflüsse einer IPPV auf die Lungenfunktion hintanhalten, weshalb normalerweise nicht ohne PEEP beatmet werden sollte. Hoher PEEP behindert den venösen Rückstrom in den Thorax und damit die
Füllung des rechten Vorhofs nennenswert. Siehe auch: -► CPPB, -> CPPV
PEF = peak expiratory flow Maximale Atemstoßstärke. Die größte Atemstromstärke, die bei einer forcierten Exspiration (nach maximaler Inspiration) erreicht wird. Synonym: PEFR = peak expiratory flow rate.
Die maximale Strömungsgeschwindigkeit während einer forcierten Exspiration wird auch Spitzenfluß (peäk flow) genannt, wenn sie mit einer der
folgenden Methoden gemessen wird:
1. Forcierte Exspiration durch ein Rohr mit festem Widerstand. Die Druckdifferenz über diesen Widerstand ist ein Maß der Strömungsgeschwindigkeit des Gases. Dieses Prinzip wird in dem Pneumometer von Hadorn benutzt, das den Maximaldruck mißt.
2. Forcierte Exspiration durch ein Rohr mit einer variablen Öffnung bei annähernd konstantem Druck. Die Öffnung vergrößert sich, wenn die Strömungsgeschwindigkeit zunimmt. Die bei maximaler Strömung bestehende
Öffnung wird festgehalten, so daß daran der peak flow abgelesen werden
kann
PEFR = peak expiratory flow rate Synonyme Abkürzung für -> PEF
PEFV-Kurve = Partielle exspiratorische Fluß-Volumen-Kurve der peak
flow und die maximale exspiratorische Fluß-Volumen-Kurve (MEFV-Kurve)
können simultan gemessen werden, wenn man ein peak-flow-Meter und einen Pneumotachograph hintereinanderschaltet. Wenn der Proband eine
forcierte, schnelle Exspiration aus verschiedenen Atemlagen ausführt,
können beide Werte über einen großen Bereich verglichen werden. Der Begriff partielle exspiratorische Fluß-Volumen-Kurve (PEFV-Kurve) ist gebräuchlich, wenn die Exspiration nicht am Punkte maximaler Einatmung
beginnt. Die Abbildung zeigt solche Kurven mit dem peak flow (PEF), dem
maximalen Fluß (MEFmax.) und der Fluß-Volumen-Kurve bei Ruheatmung
(FRC). Bei hoher Strömungsgeschwindigkeit sind peak flow (PEF) und maximaler Fluß (MEFmax.) etwa gleich groß. Bei niedrigeren Stromstärken ist
PEF kleiner als MEFmax.} wahrscheinlich weil das peak-flow-Meter bei klei-
175
PEP/RVET-ratio
7
neren Flüssen etwas ungenau ist. Wenn die Atemlage in exspiratorischer
Richtung verschoben wird, ändert sich die Form der PEFV-Kurve. Der Anteil, den die bronchiale Kompression zum peak flow beisteuert, nimmt im
Verhältnis zur alveolaren Volumenverdrängung zu. Diese Formänderung
ähnelt derjenigen, die mit zunehmendem Alter beobachtet wird, und korreliert auch mit der Formveränderung bei zunehmender Atemwegsobstruktion
PEIP = positive end-inspiratory pressure Positiver endinspiratorischer
Druck
P en plateau Bezeichnung für eine breite und gekerbte P-Zacke. P en plateau ist typisch für eine chronische Perikarditis mit Konstriktion und Verkalkung
PEP = preejection period Präejektionsperiode, Anspannungszeit (AZ).
Summe von prä- und isovolumetrischer Kontraktionszeit (Umformungszeit
plus Druckanstiegszeit). Die PEP ist das Intervall vom Beginn der ventrikulären Depolarisation bis zum Beginn der linksventrikulären Auswurfphase.
Sie wird errechnet, indem man die -> LVET vom QS2-lntervall abzieht und
dadurch die Verzögerung der Überleitung der arteriellen Pulswelle von der
proximalen Aorta bis zur Karotis eliminiert. Die PEP kann durch die Bestimmung des Intervalls vom Beginn des Anstiegs der Karotispulskurve
abgeleitet werden, wenn man die Pulsüberleitungszeit abzieht
PEP/ET Weniger gebräuchliche Schreibweise für -> PEP/LVET
PEPI = preejection period adjusted to heart rate Frequenzkorrigierte PEP.
Von einigen deutschsprachigen Autoren wird die Schreibweise PEPC verwendet
PEPI/LVETi = PEP/LVET-ratio adjusted to heart rate Frequenzkorrigierter
Quotient PEP/LVET. Von einigen deutschsprachigen Autoren wird die
Schreibweise PEPc/LVETc verwendet
PEP/LVET-ratio PEP/LVET-Quotient (-Index). Ein Parameter für die Kontraktilität der linken Herzkammer. Der Quotient wird durch positiv inotrope Einflüsse, wie Herzglykoside und Beta-Rezeptoren-Stimulation, verkleinert,
durch Beta-Rezeptoren-Blockade, myokardiale Schädigung unterschiedlicher Genese und intraventrikuläre Blockierungen der Reizleitung vergrößert. Synonyme Bezeichnung: Weissler-Index
PEP/RVET-ratio = PEP/RVET-Quotient Quotient aus der Präejektionsperiode (preejection period) und der rechtsventrikulären Austreibungsphase
(right ventricular ejection time). Die Echokardiographie ist die einzige
nicht-invasive Methode zur Ermittlung der rechtsventrikulären systolischen Zeitintervalle, d. h. der Präejektionsperiode (PEP), der Austreibungsperiode (RVET) sowie des Indexes PEP/RVET. Da beim Erwachsenen das
Pulmonalklappenecho meist nur unvollständig registriert wird, sind derar-
PETT
176
tige Messungen nur bei Kindern aussichtsreich. Die rechtsventrikuläre
Präejektionsperiode ist — analog derjenigen des linken Ventrikels — definiert als Abstand vom Beginn der Q-Zacke des EKG bis zum Punkt der Pulmonalklappenöffnung (Punkt b). Die rechtsventrikuläre Ejektionszeit wird
vom Beginn der schnellen Öffnungsbewegung bis zum Ende der schnellen
Schließungsbewegung der Pulmonalklappe (Punkt b bis e) gemessen
PETT
=
positron emission transverse tomography ComputerTomographie mit positronen-emittierenden Substanzen. Szintigraphie mit
positron-emittierenden Substanzen. Radioisotope wie z. B. Kohlenstoff
(C-11), Stickstoff (N-13), Sauerstoff (0-15), Fluor (F-18) und Gallium (Ga-68)
emittieren bei ihrem Zerfall Positronen. Trifft ein Positron mit einem Elektron zusammen, wird ein Zerstrahlungsvorgang ausgelöst, bei dem zwei
Photonen in entgegengesetzter Richtung ausgesandt werden. Die in ein
System von Detektoren einfallenden Photonen werden nur registriert,
wenn sie in zwei sich jeweils gegenüberliegenden Detektoren gleichzeitig
eintreffen. Mit einem oder mehreren rotierenden Detektorenpaaren ist es
möglich, den Ursprungsort des radioaktiven Zerfalls zu bestimmen und damit das Herz tomographisch darzustellen. Da die Strahlenabsorption zwischen einem Detektorpaar unabhängig von der Lokalisation des radioaktiven Zerfalls ist, läßt sich der Absorptionskoeffizient eines zu untersuchenden Körpers bestimmen, dessen Kenntnis die Voraussetzung für quantitative Aussagen ist. Synonyme Bezeichnung: cardiac positron tomography
PF = peak flow Spitzenfluß. Maximale Strömungsgeschwindigkeit der
Ausatmungsluft in Liter/sec. Eine Ergänzung zum Tiffeneau-Test stellt die
Bestimmung der maximalen exspiratorischen Atemstromstärke (Pneumometer, L/s) bzw. des Spitzenflusses (peak flow, PF) dar. Die Meßwertanzeige des PF gibt den maximalen Fluß in L/sec, gemessen bei einer Zeitkonstante von 10 msec an. Obwohl dieser Test nur ein Bruchteil des Ablaufs
der forcierten Exspiration erfaßt und normale Werte trotz.Vorhandensein
von Bronchialobstruktionen liefern kann, repräsentiert er dennoch ein gutes Maß für die Atemstromstärke beim Hustenstoß. Niedrige peak flowRaten finden sich bei Kindern, die nicht kräftig abhusten können
PFC-syndrome = persistent fetal circulation syndrome PRC-Syndrom.
Sinkt bei reifen Neugeborenen der Lungengefäßwiderstand nach der Geburt nicht ab — möglicherweise in Folge einer chronischen intrauterinen
Hypoxie und einer reaktiven Hypertrophie der Media und der Lungenarteriolen —, so persistiert eine der Fetalzeit entsprechende kardiopulmonale
Zirkulation (persistence of the fetal circulation, PFC-syndrome) mit einem
Rechts-Links-Shunt über das Foramen ovale und über den weiterhin offenen Ductus bei erheblich eingeschränkter Lungenkapillar-Durchblutung.
Dies führt zu einem schweren Krankheitsbild mit anhaltender respiratorischer und metabolischer Azidose und ausgeprägter zentraler Zyanose
P-fehlendes Läßt sich im EKG eine P-Welle nicht auf den ersten Blick erkennen, muß überprüft werden, ob sie scheinbar nicht vorhanden ist oder
ob sie wirklich fehlt. Hilfreich ist die genaue Inspektion der Ableitungen II,
177
P-I-Zeit
Vi und V2, da in diesen Projektionen die P-Welle am besten zur Darstellung
kommt. In unklaren Fällen kann zur Aufdeckung von, im Oberflächen-EKG
nicht nachweisbaren, P-Wellen ein Ösophagus-EKG oder ein intrakardiales EKG weiterhelfen
pHa = Arterieller pH-Wert. Der pH-Wert des arteriellen Blutes zeigt keine
wesentliche Änderung mit dem Lebensalter, Geschlecht oder konstitutionellen Merkmalen. Sein Normbereich liegt zwischen 7,35 und 7,43. Liegt
aber bei einem pH-Wert von 7,35 der arterielle Pco2 ebenfalls an der unteren Normgrenze oder bei einem pH-Wert von 7,43 der Pco2 an der oberen
Normgrenze, so errechnen sich daraus Basen-Überschuß-Werte von mehr
als ±4 mval/L, die als pathologisch anzusehen sind. Hierbei müssen auch
der arterielle Po2-Wert und der Hb-Wert berücksichtigt werden
P-H-Intervall Summe von PA-Intervall und AH-Intervall im His-Bündel-EKG.
Siehe auch:
PA-, -► AH-, -► HV-Intervall, -> HBE
PHS = Primäres Hypoventilations-Syndrom Das PHS ist Ausdruck einer
hochgradigen Störung im Bereich der chemosensiblen Atemregulation. Es
muß von dem bekannten Pickwick-Syndrom abgegrenzt werden, welches
ebenfalls mit einer Atemregulationsstörung verbunden ist, aber ausschließlich bei extrem adipösen Patienten vorkommt. Nach dem Beispiel
dieser aus Charles Dickens" „Pickwick Papers“ entliehenen Bezeichnung
haben Severinghaus und Mitchell das primäre Hypoventilations-Syndrom
mit dem phantasievollen Namen Ondine’s-curse-syndrome (Undines Fluch
oder Zauber) belegt. Diese Bezeichnung ist dem Schauspiel „Undine“ des
Franzosen Jean Giradoux aus dem Jahre 1939 entlehnt, das ein über 100
Jahre älteres Kunstmärchen des Deutschen Friedrich de la Motte-Fouquä
neu gestaltet. Hier verfällt ein junger Ritter dem Charme von Undine, einer
Wassernixe. Die Liebe der beiden scheitert an den Inkompatibilitäten ihrer
verschiedenen Herkunftselemente. Bei der Rückkehr der Fee in ihre viel
unkompliziertere Natur verliert der arme Ritter mit ihrer Liebe alle automatischen Lebensfunktionen und damit auch die Fähigkeit zu unreflektiertem
Atmen. Er muß sterben. Von Fluch ist nirgends die Rede. Man sollte also
besser vom Undine-Verlustsyndrom oder einfach vom Undine-Syndrom
sprechen. Es kommt an Patienten mit tumorösen, entzündlichen, posttraumatischen oder embolischen Hirnerkrankungen vor. Dabei „vergessen“ die
Betroffenen zu atmen, wenn sie nicht bewußt daran denken, insbesondere
im Schlaf. In der Literatur wird dieses Krankheitsbild als primäre alveoläre
Hypoventilation bezeichnet. Synonyme Bezeichnungen sind: failure of respiratory center automatism, primary alveolar hypoventilation syndrome,
Phänomen des vergessenen Atmens
PIE = pulmonary interstitial emphysema Interstitielles Lungenemphysem
P-I-Zeit = Umformungszeit Der Normalwert beträgt bei Erwachsenen ca.
0,05 — 0,06 see. Normalwerte für das Kindesalter liegen frequenz- und altersbezogen vor. Die Umformungszeit wird vom Beginn der Kammerinitialschwankung des EKG bis zum Beginn des hochfrequenten Anteils des I.
PKG
178
Tones gerechnet. Zur Bestimmung der Umformungszeit ist der Frequenzgang m2 am günstigsten. Bei erschwerter Füllung des linken Ventrikels, z.
B. durch eine Mitralstenose oder Ausfall der Vorhofaktion (auch beim AVBlock oder Vorhofflimmern), ist dieser Wert verlängert. Beim Myxödem finden sich übernormale Werte für die Umformungszeit. Sie können 0,08 oder
sogar 1,0 see betragen
PKG = Phonokardiogramm, Phonokardiographie Die Phonokardiographie
ist eine Untersuchungsmethode, mit deren Hilfe Auskünfte über die mechanischen Vorgänge der Herzarbeit erhalten werden können. Sie wird
meistens zugleich mit der Registrierung verschiedener Pulskurven (Sphygmogrammen) ausgeführt. Indirekte Karotispulskurve (Karotissphygmogramm), „Spitzenstoßkurve“ (Ventrikelsphygmogramm vom linken und
rechten Ventrikel), Venen- und Leberpulskurven (Venen- und Lebersphygmogramme) sind die am häufigsten angewendeten. Sie vermitteln ziemlich
gute, wenn auch meistens nur relative Aufschlüsse über die veränderte
Hämodynamik. Die Herzschall- und Pulskurvenschreibung zusammen wird
als Mechanokardiographie bezeichnet, da es sich in beiden Fällen um die
Registrierung mechanischer Vorgänge handelt.
Neben der Phonokardiographie haben die mechanokardiographischen Bezugskurven, wie z. B. die Ventrikelsphygmographie, an Bedeutung gewonnen. Die Mechanokardiographie erfordert eine gemeinsame Darstellung,
nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich einer gemeinsamen Aufnahmeapparatur bedient. Die intrakardiale Phonokardiographie hat zwar in den letzten Jahren Bedeutung auch für die klinische Diagnostik erlangt. Sie setzt
aber die Katheterisierung des Herzens, und damit ein besonderes Instrumentarium, voraus. Die physikalischen Bedingungen der Schallausbreitung sind bei der intrakardialen Phonokardiographie prinzipiell verschieden von denjenigen der externen Phonokardiographie. Wir haben uns in
diesem Rahmen daher auf die Darstellung des prinzipiell Wichtigen beschränkt
PLAW = posterior left atrial wall In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für die hintere Wand des linken Vorhofs
PLF = pulmonary lesion factor Bezeichnung für einen postulierten, bisher
noch nicht nachgewiesenen Faktor. Im Plasma von Tieren soll im Schock
eine Substanz mit einem Molekulargewicht von 1000 bis 10 000 zirkulieren,
für deren Bildung Peptidasen verantwortlich gemacht werden. Diese Verbindung soll den Pulmonalarteriendruck erhöhen und zum interstitiellen
Lungenödem führen. Ferner soll sie durch Reduktion des -► surfactant einen Alveolarkollaps erzeugen können. Siehe auch -> myocardial depressant factor (MDF)
PLV = left ventricular pressure Linksventrikulärer Druck, Druck im linken
Ventrikel. Verwendet wird auch die Schreibweise: - Pl v
PLVW = posterior left ventricular wall In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für die hintere Wand des linken Ventrikels
179
PND
PM = presystolic murmur Präsystolisches Geräusch
PM (p.m.) = Punctum maximum Punkt der besten Geräuschwahrnehmung
über der Herzgegend. Siehe auch: -* PMI
PMI = point of maximal impulse Punctum maximum. Punkt der maximalen Intensität eines Tones oder eines Geräusches. Siehe auch: -> PM (p.m.)
PMI-Syndrom = Postmyokardinfarkt-Syndrom Dressier-Syndrom. Das
Postmyokardinfarkt-Syndrom als besondere Form der Komplikation nach
einem Myokard-Infarkt wurde 1944 von Dressier erstmalig beschrieben. Es
ähnelt dem Syndrom, das bereits 1953 nach Mitralkommissurotomie beobachtet wurde. Obwohl das klinische Bild sehr vielseitig ist, finden sich
doch typische, meist rezidivierend auftretende Symptome, wie Schmerzen
im Brustkorb, Perikarditis, Pleuritis, Pneumonie, Fieber und seltener Arthralgien. Die Pathogenese ist auch heute noch ungeklärt. Als Ursache
des Postkommissurotomie-Syndroms vermutete man eine Reaktivierung
des rheumatischen Fiebers. Dagegen spricht das gleiche klinische Bild
nach Operationen von kongenitalen Vitien ohne positiven rheumaserologischen Befund. 1959 äußerte Dressier anläßlich einer erneuten Beschreibung des nach ihm benannten Syndroms die Vermutung, daß beiden Syndromen, dem Postmyokardinfarkt- und Postkardiotomie-Syndrom die gleiche Ursache zugrunde liegt, nämlich Autoantikörper gegen Antigene, die
durch traumatisiertes oder nekrotisches Myokardgewebe entstehen. Unklar bleibt, warum dieser immunologische Prozeß nicht in jedem Fall einem Myokardinfarkt oder einer Kommissurotomie folgt und nicht immer
mit einem Antikörpernachweis einhergeht. Synonyme Bezeichnungen: mitral commissurotomy syndrome, postmyocardial infarction syndrome
P-mitrale Verbreiterung von P (Vorhofwelle im EKG), Doppelgipfligkeit besonders in Ableitung I, breit negative Anteile in rechtspräkordialen Ableitungen. Bei linksatrialen Leitungsstörungen Hypertrophie und Dilatation
des linken Vorhofs. Synonyme Bezeichnungen: P-sinistrocardiale,
Linksüberlastungs-P, linksbetontes P
PML = posterior mitral leaflet In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für das hintere Mitralsegel. In der angelsächsischen Literatur werden zwei weitere synonyme Abkürzungen verwendet: -> PMV und -► PMVL
PMV = posterior mitral valve In der Echokardiographie verwendte Abkürzung für das hintere Mitralsegel. In der angelsächsischen Literatur werden
zwei weitere synonyme Abkürzungen verwendet: -* PML und -* PMVL
PMLV = posterior mitral valve leaflet In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für das hintere Mitralsegel. In der angelsächsischen Literatur werden zwei weitere Synonyme verwendet: -* PML und -> PMV
PND = paroxysmal nocturnal dyspnea Anfallsweise auftretende nächtliche Dyspnoe
P-negatives
180
P-negatives Bei Perikarditis, Myxödem und schweren degenerativen oder
entzündlichen Krankheiten des Herzens sieht man oft eine allgemeine Verkleinerung der P-Zacke. Uncharakteristische Aufsplitterung, Doppelgipfligkeit und Wechselsinnigkeit werden als atriale Erregungsausbreitungsstörungen bezeichnet; sie sind pathologisch, aber nicht typisch für
spezielle Krankheiten.
Die P-Zacke fehlt bei sinusatrialem Block; bei Extrasystolen und anderen
Rhythmusanomalien ist sie oftmals im Kurvenzug der Kammern verborgen. Das Vorhofflimmern erzeugt statt einer P-Zacke bizarre Deformierungen der Kurve; beim Vorhofflattern folgen deformierte Wellen unmittelbar
aufeinander. Ein negatives P in Ableitung I (II) ist typisch für Dextrokardie
und linksatrialen Rhythmus. Bei atypischem Reizsprung in niederen Zentren (z. B. AV-Knoten) sind die P-Zacken in Ableitung II und III negativ
PNPB = positive-negative-pressure breathing Wechseldruckbeatmung.
Synonyme Bezeichnungen und Abkürzungen: PNPV = positive-negativepressure ventilation und PNPR = positive-negative-pressure respiration
PNPR = positive negative pressure respiration Positiv-negative Wechseldruckbeatmung
PNPV = positive negative pressure ventilation Positiv-negative Druckbeatmung. Bei der positiv-negativen Druckbeatmung wird die Atemgrundlinie
auf negative Werte verschoben und damit gleichzeitig auch die Atemmittellage verringert. Eine Sonderform der PNPV ist die Wechseldruckbeatmung. Beide Methoden dürfen, falls überhaupt, nur kurzfristig angewendet
werden, um ein Kollabieren der Bronchiolen nicht entstehen zu lassen.
Echte Indikationen für beide Methoden gibt es nicht, höchstens lassen sie
sich während kurzer Fristen für die Schockbehandlung noch rechtfertigen.
PNPV und WDB werden nur aus historischen Gründen erwähnt. Aus einem
Fehlverständnis der Lungenfunktion wurden beide früher angewendet
Pnx Im amerikanischen Klinikjargon verwendete Kurzschreibweise für
Pneumothorax
PO2 = partial pressure of oxygen Sauerstoffpartialdruck. Synonyme
Schreibweise: pÜ2
POD = pression d’oreillette droite (frz.) Druck im rechten Vorhof (engl.:
right atrial pressure, RAP, Pr a )
PP = pink puffer Bezeichnung für eine der beiden klinischen Formeln des
Emphysems. Siehe auch: -► BB = blue bloater
p.p.a. = palpation, percussion and auscultation Palpation, Perkussion
und Auskultation
PPA = pulmonary artery pressure Pulmonalarteriendruck. Synonyme
Schreibweise: Ppa
181
PQ-AC-lntervall
PPB = positive pressure breathing Positive Druckbeatmung
PPC = pulmonary capillary pressure Pulmonal-kapillärer Druck
PPCV = pulmonary capillary venous pressure Lungenkapillardruck
PPL = posterior pulmonic leaflet In der Echokardiographie Abkürzung für
die hintere Pulmonalklappentasche (Pulmonalklappensegel). Synonyme
Abkürzung: -»PPVL
PPPPP (PPPPPP) = pain, pallor (= paleness), paresthesia, pulselessness,
paralysis, prostration Mnemotechnische Merkregel für die fünf P bzw.
sechs
P
als
Symptomenkomplex
eines
akuten
GliedmaßenArterienverschlusses. Der akute embolische Verschluß (totales Ischämiesyndrom) einer Extremitätenarterie bewirkt einen plötzlich einsetzenden,
starken, peitschenden Schmerz, verbunden mit Kraftlosigkeit, Kältegefühl,
Gefühlsstörungen, gelegentlich sogar Lähmung. In schweren Fällen kann
ein schmerzbedingter Schockzustand hinzutreten. Die Haut ist kalt, anfänglich blaß, später zyanotisch marmoriert. Die Kältezone beginnt ungefähr eine Handbreit unterhalb der Okklusion. Die Pulse sind distal des Verschlusses ausgelöscht. Albright und Leonard formulierten 1950 die fünf
diagnostischen „P“, die 1954 von Pratt durch Hinzufügen von prostration
zu den sechs P erweitert wurden:
pain
pallor
(paleness)
paresthesia
= Schmerz
= Blässe
= Gefühlsstörung
pulselessness
paralysis
prostration
= Pulsverlust
= Bewegungsunfähigkeit
= Schock
P-pulmonale Überhöhtes und spitzes P (höher als 0,3 mV). Das Ppulmonale findet man in Ableitung II, III, aVF (rechtstypisches P). Diese
Form der Vorhoferregung ist auffällig spitz mit schmaler Basis. In Anlehnung an die Terminologie der Baukunst wird sie deshalb je nach Aussehen
auch als gotisches oder romanisches P bezeichnet.
Die Bezeichnung „P-pulmonale“ ist nach Ansicht verschiedener Autoren irreführend, da nicht allein pulmonale Faktoren zu einer Überlastung des
rechten Vorhofs führen, sondern auch Herzvitien. Außerdem wird auch ohne eine vermehrte Belastung des rechten Herzens eine Betonung der PWelle beobachtet bei: Sympathikotonie, Tachykardie, Arbeits- und Stehbelastung, Hypoglykämie, Coma diabeticum, Astheniker mit tiefstehendem
Zwerchfell
PPVL = posterior pulmonary valve leaflet In der Echokardiographie Abkürzung für hinteres Pulmonalklappensegel. Synonyme Abkürzung: -» PPL
PQ-AC-lntervall Differenz der PQ-Zeit im EKG und der AC-Dauer des Mitralklappenbewegungsablaufs im Echogramm. Da die Dauer der atrioventrikulären Überleitung eine Rolle spielt, wird als Meßwert das Intervall PQ mi-
182
PQ-Segment
nus AC genommen. Normalerweise ist das PQ-Intervall etwa 0,06 see oder
60 msec länger als das AC-Intervall. Ein PQ-AC-Intervall von 0,06 see oder
weniger weist auf eine Erhöhung des enddiastolischen Drucks im linken
Ventrikel auf mindestens 20 mm Hg hin sowie auf eine Vorhofkomponente
des Ventrikeldruckes von mindestens 8 mm Hg. Synonyme Abkürzung: PRAC-Intervall
PQ-Segment PQ-Strecke im EKG. Die Strecke zwischen P und Q, wobei als
Bezugspunkt für Senkung, Anhebung etc. der terminale Abschnitt gilt
PQ-Zeit (-Dauer, -Intervall) Atrioventrikuläre Überleitungszeit im EKG. Die
Zeit zwischen dem Erregungsbeginn der Vorhöfe und dem der Kammern
(sog. Überleitungszeit). Sie wird gemessen vom Beginn der Vorhofschwankung (P-Welle) bis zum Beginn der Kammeranfangsgeschwindigkeit (QZacke). Normalwert unter physiologischen Bedingungen bei mittlerer
Herzfrequenz 0,12 bis 0,2 see. Synonyme Bezeichnungen: AV-Intervall, PRIntervall (wenn keine Q-Zacken vorhanden sind)
PRA = plasma renin activity Plasmareninaktivität
PRA = right atrial pressure Druck im rechten Vorhof. Synonyme Abkürzung: PRA
s’
PR-AC-Intervall Synonyme Bezeichnung für das
PQ-AC-Intervall (das
PQ-Intervall wird auch als PR-Intervall bezeichnet, wenn keine Q-Zacken
vorhanden sind). Differenz der PQ-Zeit im EKG und der AC-Dauer des Mitralklappenbewegungsablaufs im Echogramm.
Bei koronarer Herzkrankheit besteht ein gesteigerter linksventrikulärer
Druck nach der atrialen Kontraktion und eine fibrotisch bedingte verminderte linksventrikuläre Compliance, womit dem ventrikulären Bluteinstrom
Widerstand entgegengesetzt wird. Der linksventrikuläre Druck übersteigt
den linksatrialen Druck früher als normal, worauf für eine gewisse Zeit eine annähernde Druckgleichheit zwischen Ventrikel und Vorhof eintritt.
Hieraus resultiert eine Unterbrechung des Mitralklappenschlusses AC in
Form eines Plateaus, wobei der endgültige Mitralklappenverschluß verspätet ist. Das sog. AC-Intervall, welches auch durch die AV-Leitung beeinflußt wird, ist demnach verlängert. Wird die Differenz zwischen dem Abstand PR am EKG und AC am Echogramm der Mitralis hergestellt, darf diese Differenz 60 msec nicht unterschreiten, andernfalls ein linksventrikulärer enddiastolischer Druck von über 20 mm Hg bei einer atrialen Komponente von 8 mm Hg angenommen werden muß
PRI = pressure rate index Robinson-Index. Wenn bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit durch körperliche oder psychische Belastung ein
Angina-pectoris-Anfall ausgelöst wird, so kommt es zu einer Zunahme der
Herzarbeit und des Sauerstoffverbrauchs, wobei drei Faktoren maßgeblich
beteiligt sind, nämlich ein Anstieg des Schlagvolumens, eine Zunahme der
Herzfrequenz und ein Blutdruckanstieg. Erwartungsgemäß führt die Belastung bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung zu einer stärkeren Zu-
183
PRIND
nähme des 02-Verbrauchs als bei Normalpersonen. Diese Unterschiede
sind statistisch signifikant (P. >als 0,01). Zur Erfassung pathophysiologischer Zusammenhänge wird seit einigen Jahren vielfach der von Robinson
eingeführte sog. Robinson-Index herangezogen, der in der angelsächsischen Literatur als PRI = pressure rate index bezeichnet wird. Er basiert
auf der Beobachtung, daß bei denselben Koronarkranken der Anginapectoris-Schmerz stets bei dem gleichen Produkt von Herzfrequenz und arteriellem systolischen Blutdruck auftritt — und zwar unabhängig davon,
ob eine solche Schmerzattacke durch doppelte Belastung, durch psychischen Stress oder auch spontan ausgelöst wurde. Dieser Index zeigt zwar
von Patient zu Patient erhebliche Schwankungen, doch für den einzelnen
Kranken erweist er sich als erstaunlich konstant, und zwar auch dann,
wenn die zu einem anginösen Anfall führenden Stenosen hinsichtlich Art,
Dauer und Intensität beträchtliche Unterschiede aufweisen. Aus der Konstanz des Robinson-Index für den jeweiligen Patienten mit koronarer Herzkrankheit läßt sich ableiten, daß 1. normalerweise die Ursache des Angina
pectoris-Schmerzes in einer Zunahme des O2-Verbrauchs auf einen kritischen Wert zu suchen ist, der für jeden Patienten eine mehr oder weniger
fixierte Größe darstellt, 2. dieser Wert durch die Arbeit des Myokards bestimmt wird und nicht durch die Arbeit, die der Kranke leistet
PRIND = prolonged reversible ischemic neurologic deficit Prolongierter
reversibler Insult. Stadium III der zerebralen Mangeldurchblutung.
Transistorisch-ischämische Attacken können Vorboten und Vorstadien
sein oder progressiv übergehen in länger als 24 Stunden anhaltende,
ischämisch bedingte, zerebrale Ausfallserscheinungen, die im Englischen
als reversible ischemic neurological deficits (RIND) bezeichnet werden.
Bei diesen reversiblen ischämisch bedingten neurologischen Ausfallserscheinungen (RIND) können sich Störungen noch voll zurückbilden. Halten
die Ausfallserscheinungen länger als einige Tage bis zu etwa zwei Wochen an, wird vorzugsweise der Begriff der prolonged reversible ischemic
neurological deficits (PRIND), also der prolongierten, reversiblen, ischämisch bedingten, neurologischen Ausfallserscheinungen gebraucht; die
Übergänge zwischen RIND und PRIND sind fließend und subjektiven Wertungen unterworfen.
Sowohl die transistorisch-ischämischen Attacken (TIA), als auch die (prolongierten) reversiblen, ischämisch bedingten neurologischen Ausfallserscheinungen [(P)RINDJ definieren klinische Bilder teilweise unter Zuhilfenahme pathophysiologischer Begriffe, denen von der tatsächlichen Pathogenese her durchaus an Art und Ort unterschiedliche Durchblutungsstörungen zugrunde liegen. So können transistorisch-ischämische Attacken
und prolongierte reversible ischämisch bedingte neurologische Ausfallserscheinungen (PRIND) gleichermaßen auf einer Mikroembolisation wie
auf einem plötzlichen Verschluß einer A. carotis interna beruhen. Obwohl
letzterer primär pathophysiologisch im Vergleich zu einer Mikroembolisation anmutet, können nur vergleichsweise geringe klinische Störungen
auftreten. Die Zeitdauer der Reversibilität dieser Störungen richtet sich
dann nach den Möglichkeiten einer sich ergebenden Ausnutzung vorhandener Kollateralen. Geschieht dies innerhalb kurzer Zeit, resultiert klinisch
PRINS
184
nur eine transistorisch-ischämische Attacke (TIA). Kommt jedoch der
Funktionsstoffwechsel bei gleichzeitiger Erhaltung des Strukturstoffwechsels bis zur Ausbildung eines entsprechenden Umgehungskreislaufes länger zum Erliegen, entspricht das klinische Bild den prolongierten,
reversiblen, ischämisch bedingten, neurologischen Ausfallserscheinungen (PRIND). Erst eine zusätzliche Beeinträchtigung des Strukturstoffwechsels mit bleibenden neurologischen Störungen bewirkt das klinische
Bild des vollständigen, auf einem Hirn-Infarkt beruhenden, echten Schlaganfalls. Kommt es stufenweise zur Verschlechterung des klinischen Bildes, eventuell auch mit zwischenzeitlichen Remissionsphasen, spricht
man von einem progressiven Schlaganfall, im Englischen von progressive
stroke oder stroke in evolution. Pathophysiologisch kann ein progressiver
Schlaganfall ausgelöst werden durch rezidivierende, gravierende Mikroembolien, aber auch durch einen Gefäßverschluß mit nachfolgenden
hämodynamischen Komplikationen, die mit einem Hirnödem vergesellschaftet sein können
PRINS = partially reversible ischemic neurologic symptoms Partiell reversible, ischämische, neurologische Symptome
PR-Intervall Das Intervall zwischen Erregungsbeginn von Vorhöfen und
Kammern, entsprechend dem Abstand von P-Beginn bis Q-(oder
R-)Anfang, wird als PQ-(oder PR-)Öauer(PQ- oder PR-Zeit oder AV-Intervall)
bezeichnet. Der Normwert ist abhängig von Lebensalter und Herzfrequenz.
Er liegt bei Erwachsenen mit mittlerer Herzfrequenz zwischen 0,12 und 0,2
see.
Für die Abmessung soll bei Einfachschreibern das längste AV-Intervall
(meistens in Ableitung II) benutzt werden. Genauer noch ist bei Simultanschreibung mehrerer Ableitungen die Begrenzung des AV-Intervalls einmal
durch die Ableitung mit dem frühesten P-Beginn, zum anderen die Ableitung mit dem frühesten Anfang von QRS.
Die PQ-Strecke dauert vom P-Ende bis zum Q-Beginn (bei fehlendem Q
auch als PR-Strecke bezeichnet). Das Ende dieser Strecke (O-Punkt) gilt als
Bezugslinie für die Entscheidung, ob die ST-Strecke normal beginnt oder
aber gesenkt oder angehoben verläuft
PRVED = right ventricular end-diastolic pressure Rechtsventrikulärer enddiastolischer Druck. Seltener verwendete Abkürzung; bevorzugt wird von
der Mehrheit der Autoren: -» RVEDP. Gelegentlich findet man die Schreibweise: Pr v ed
PS = pulmonary stenosis Pulmonalstenose. Eine inkomplette Obstruktion
im Ausflußtrakt des rechten Ventrikels kann verursacht sein durch eine
Stenose der Pulmonalklappen, eine subvalvuläre infundibuläre oder subinfundibuläre oder eine supravalvuläre, zentrale oder periphere Stenose der
Pulmonalarterie oder ihrer Äste. Diese Stenosen kommen isoliert, miteinander kombiniert, mit einem Vorhof- oder Ventrikelseptumdefekt assoziiert oder als Bestandteil komplexer Herz-Gefäß-Fehlbildungen vor, insbesondere bei der Fallot’schen Tetralogie und den verschiedenen Formen
185
P-sinistrocardiale
der Transpositions- und Malpositionskomplexe. So findet sich bei
25-30% aller angeborenen Herzfehler — isoliert oder assoziiert — eine
Pulmonalstenose
P-Schleife (P-Vektorschleife) Im Vektorkardiogramm (VKG) kommen drei
verschieden große und geformte Vektorschleifen entsprechend dem elektrischen Erregungsablauf des Herzens zur Darstellung: die P-Schleife, die
QRS-Schleife und die T-Schleife. Der Beginn der QRS-Schleife wird als OPunkt (isoelektrisch), das Ende der QRS-Schleife als J-Punkt (junction =
Übergang von QRS zu T) bezeichnet. Im normalen VKG fällt der J-Punkt mit
dem Anfangspunkt der T-Schleife zusammen, so daß der diese beiden
Punkte verbindende ST-Vektor sehr klein und nicht bestimmbar ist.
Die normale P-Schleife ist schmal und klein, nach inferior, links und sowohl anterior als auch posterior orientiert. Letzteres unterliegt Alterseinflüssen
PSE = Portale systemische Enzephalopathie Die PSE tritt im fortgeschrittenen Stadium einer Leberzirrhose auf, besonders bei postsinusoidaler
portaler Hypertension und spontanen oder operativ gesetzten portocavalen Entlastungsanastomosen. Nach Shuntoperationen besonders gefürchtet, vor allem bei schlechter Leberfunktion. NH3 ist wesentliche Ursache
P-sinistro-atriale (P-mitrale) Ein doppelgipfliges, oft verbreitertes P, dessen
2. Gipfel betont ist, weist auf eine hämodynamische Überlastung des linken Vorhofs hin: Mitralvitien (P-mitrale), Aortenvitien, Hypertension, konstriktive Perikarditis.
Durch Überwiegen der elektrischen Spannung des linken Vorhofs weicht
der Summationsvektor beider Vorhöfe nach links und dorsal ab. Infolge
der Hypertrophie und Dilatation des linken Vorhofs ist hier die Erregungsausbreitung verzögert, so daß die Erregungsspitzen beider Vorhöfe weiter
auseinanderrücken. Daher erscheint Pdoppelgipflig und ist verbreitert
P-sinistrocardiale Beim P-sinistrocardiale besteht infolge einer Druckoder Volumenüberlastung eine Verzögerung der Erregungsausbreitung im
linken Vorhof, die über die physiologische hinausgeht. Die beiden Vorhofanteile rücken jetzt gut erkennbar voneinander ab. Es kommt zu einer Verbreiterung des P über 0,10 see. Die Hypertrophie des linken Vorhofes führt
zur Zunahme des linksatrialen Vektors. Der Summationsvektor beider Vorhöfe wird daher nach links und hinten abgelenkt.
Ein P-sinistrocardiale wird am häufigsten beobachtet bei Mitralvitien (Pmitrale), bei Aortenklappenfehlern, bei der Hochdruckkrankheit und der
Perikarditis constrictiva. Das P-sinistrocardiale ist gekennzeichnet durch:
1. eine Verbreiterung der P-Welle über 0,10 (0,11 see)
2. deutliche Doppelgipfligkeit besonders in I und II
3. eine diphasische P-Welle rechtspräkordial (Vi und V2), wobei der zweite
(= terminale) Anteil breit und negativ ist
4. ein positives doppelgipfliges P linkspräkordial, wobei der zweite Gipfel
nach links hin an Höhe zunimmt und den ersten übertrifft
PSM
186
PSM = pression systemique moyenne (frz.) Arterieller Mitteldruck, mittlerer arterieller Druck (engl.: MAP = mean arterial pressure)
PSP = post stimulation potentiation (phenomenon) Die Unterbrechung einer schnellen Stimulation des Herzens führt zu einer Potenzierung der
Kontraktionskraft während der ersten Schläge nach Stimuiationsende.
Dieses durch die Frequenzänderung bedingte Phänomen wird als
Woodworth-Treppeneffekt (Woodworth staircase phenomenon) bezeichnet.
Ein erhöhtes enddiastolisches Volumen und damit der Frank-StraubStarling-Mechanismus werden zur Erklärung herangezogen ebenso wie eine Abnahme der Nachbelastung, die dem ersten Herzzyklus nach Stimulationsende vorausgeht. Die meisten Autoren sehen jedoch in der Potenzierung der Herzkraft nach Stimulationsende eine Erhöhung der Kontraktilität. Daher wird dieser Effekt auch mit der postextrasystolischen Potenzierung und dem Effekt der gepaarten Stimulation gleichgesetzt. Dagegen
wird in tierexperimentellen Untersuchungen eine reine Steigerung der
Kontraktionskraft und nicht der Kontraktiliät nach Stimulationsende gefunden.
Der Bowditch-Effekt und der Woodworth-Treppeneffekt können beim Menschen nachgewiesen werden. Während der Bowditch-Effekt eine Kontraktilitätssteigerung darstellt, entspricht der Woodworth-Effekt im wesentlichen einer Steigerung der Kontrak’tionskraft auf einer durch den BowditchEffekt hervorgerufenen Verschiebung der Funktionskurve des Herzens
nach links. Englische synonyme Bezeichnung: post-stimulation enhancement
PSVT = paroxysmal supraventricular tachycardia Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie. Die paroxysmalen supraventrikulären Tachykardien
sind am häufigsten Re-entry-Tachykardien. Sie werden durch eine kreisende Erregung ausgelöst. Der Ort der kreisenden Erregung liegt in der Mehrzahl der Fälle im AV-Knoten mit und ohne akzessorischer Leitungsbahn,
weiterhin mit oder ohne Vorhofbeteiligung. Der Re-entry-Kreis kann aber
auch im rechten oder linken Vorhof liegen, weiterhin hat man in der letzten
Zeit Sinus-re-entrant-Tachykardien beschrieben. Typisch für die Tachykardien ist die präzise reguläre Frequenz und die Auslösbarkeit und Einstellbarkeit durch programmierte Vorhofstimulation. Das Intervall zwischen
der frühesten und spätesten vorzeitigen Stimulation, durch die die Tachykardie auslösbar ist, wird als Tachykardie-Fenster (tachycardia window)
oder Echozone bezeichnet
PT = paroxysmal tachycardia Paroxysmale Tachykardie. Die paroxysmalen Tachykardien, auch anfallsartiges Herzjagen genannt, beginnen und
enden in der Regel ganz plötzlich. Ihre Dauer geht von Sekunden bis zu Minuten, Tagen und Wochen, und ihre Frequenz liegt zwischen 120 und 250,
in der Regel um 180/min. Im EKG werden entsprechend ihrem Reizursprung eine supraventrikuläre und daneben eine seltener ventrikuläre
Form, ferner eine essentielle und eine extrasystolische Form unterschieden. Die essentielle Form (Typ Bouveret-Hoffmann) ist meistens supraven-
187
P-vagotones (P-vagotonicum)
trikulären Ursprungs, beginnt und endet ganz abrupt und wird überwiegend bei Herzgesunden beobachtet. Extrasystolen werden weder am Anfang noch am Ende der in ganz regelmäßigen Abständen sich folgenden,
gleichgestaltigen Kammerkomplexe, noch im anfallsfreien Zustand festgestellt. Die seltenere extrasystolische Form (Typ Gallavardin) ist meist
ventrikulären Ursprungs. Gewöhnlich gehen ihr Extrasystolen voraus, die
sich anfallsweise stark häufen bzw. in eine eigentliche extrasystolische
Tachykardie übergehen
PTCA = percutaneous transluminal coronary angioplasty Perkutane
transluminale koronare Angioplastie. Von Grüntzig entwickeltes neuartiges Verfahren zur Beeinflussung einer der koronaren Herzkrankheit zugrunde liegenden Koronarstenose. Mit diesem Vorgehen, das als perkutane transluminale Angioplastik bezeichnet wird, gelingt es, mittels eines Dilatationskatheters bei noch nicht verkalkten atheromatösen Stenosen der
Koronararterien die atheromatösen Plaques zusammenzudrücken. Ein vorgeformter Führungskatheter wird in die betroffene Koronararterie eingeführt. Dann wird der Dilatationskatheter bis zum Stenose-Areal nachgeschoben. Durch Aufblähung mit 5-8 atm des aufblasbaren Spitzensegmentes für die Dauer von 3-4 see wird dann das atheromatöse Material
wandständig komprimiert. Das zusammengequetschte Material wird im
weiteren Verlauf vom Organismus resorbiert. Die Voraussetzung zur Anwendung dieses Verfahrens liegt in der nur umschriebenen Ausbildung einer Stenosierung sowie in dem Fehlen einer Verkalkung im Stenosebereich. Der Verschluß darf nur aus einem noch hinreichend weichplastischen atheromatösen Material bestehen. Zu den unter dieser Voraussetzung gestellten Indikationen zählen vor allem funktionell erheblich
umschrieben Stenosen, die mittels Koronarkinematographie Verkalkungen vermissen lassen. Ferner zentral gelegene Stenosen, sofern eine
Bypass-Operation mit einem hohen Risiko belastet ist
PTM = pressure time per minute Systolischer Druck-Zeit-Index. Maß für
die Druckarbeit und damit für den Sauerstoff- und Substratverbrauch des
Herzens
PTM x ESV = pressure time per minute x end-systolic volume Maß für die
Wandbelastung der Ventrikel
PTR = pulmonary total resistance Gesamtlungenwiderstand. Weniger gebräuchliche Abkürzung
PUFA = (cis-)polyunsaturated fatty acids Mehrfach ungesättigte Fettsäuren
PUFA : SFA-ratio = polyunsaturated fatty acids : saturated fatty acids
Quotient aus mehrfach ungesättigten und gesättigten Fettsäuren
P-vagotones (P-vagotonicum) eine Verlängerung der PQ-Zeit bei gleichzeitiger Verformung der P-Zacke tritt bei ausgeprägter Vagotonie ein. Die P-
PVB
188
Zacke ist meist abgeflacht, mäßig verbreitert und deformiert (intra-atriale
Leitungsverzögerung).
Das Vagotonie-EKG ist durch folgenden elektrischen Stromkurvenverlauf
gekennzeichnet: 1. Mäßig verbreiterte abgeflachte P-Zacken („vagotones“
P), 2. Sinusbradykardie, 3. AV-Block I. Grades, 4. Girlandenförmige Hebung
der ST-Strecke mit spitz positiven T-Wellen in den Extremitäten und linkspräkordialen Brustwandableitungen.
Ein Vagotonie-EKG wird häufig bei Hochleistungssportlern beobachtet. Infolge des exzellenten Trainingszustandes werden Sinusbradykardien bis
30 Schläge/min und AV-Zeitverlängerungen bis zu 0,56 see beobachtet.
Auch nach künstlichen Vagusreizen (Valsalva-Preßmanöver, Karotissinusdruck, Bulbus-Druck in der gegenregulatorischen Phase nach intravenöser
Injektion von Sympathikomimetika) kann vorübergehend eine Verlängerung der PQ-Zeit beobachtet werden. Wenn sich eine in Ruhe verlängerte
PQ-Dauer während Belastung nicht normalisiert oder zunimmt noch in einen totalen AV-Block übergeht, so ist eine atrioventrikuläre Leitungsstörung von Krankheitswert anzunehmen
PVB = premature ventricular beat Ventrikuläre Extrasystole, Kammerextrasystole. Die synonyme Abkürzung PVC = premature ventricular contraction ist weniger gebräuchlich. Siehe auch: -* VEB und ->■ VES
PVD = peripheral vasculardiseas'e Periphere Gefäßerkrankung. Gemeint
sind meistens die peripheren Venenerkrankungen
P-Vektor Der Vorhof-Hauptvektor ist bei normaler Lage und Größe der Vorhöfe von oben nach unten und nach vorne gerichtet. Er entspricht im Normalfall der Richtung des Hauptvektors der Kammer. Er entsteht als Resultante aus dem Kräfteparallelogramm des rechten und linken Vorhofs. Der
Teilvektor des rechten Vorhofs weist nach unten, gering nach rechts und
vorne (Ableitung III, aVF, II, Vi). Der Teilvektor des linken Vorhofs weist
nach links hinten (Ableitung I, aVL, V6)
P-Vektorschleife Das normale Vektorkardiogramm setzt sich aus drei unterschiedlich großen Schleifen, der P-, QRS- und T-Schleife zusammen. Sie
beginnen und enden im Nullpunkt und sind normalerweise geschlossen.
Von einer sog. geöffneten Schleife spricht man, wenn das Ende der QRSSchleifen bzw. der Beginn der T-Schleifen, genannt der J-Punkt, verlagert
ist. Elektrokardiographisches Äquivalent ist die Verlagerung der STStrecke.
P-Vektorschleife: Der erste Teil der Schleife ist überwiegend durch Vektoren des räumlich vorne liegenden rechten Vorhofs bedingt, während der
letzte Abschnitt durch die Vektoren des hinten gelegenen linken Vorhofs
entsteht. Im Mittel hat die P-Schleife die räumliche Richtung links unten
hinten. Die Rotationsrichtung ist normalerweise in allen drei Ebenen im
Gegenuhrzeigersinn. Siehe auch: -> P-Schleife
PVO = pulmonary venous obstruction Pulmonalvenenobstruktion. Eine
PVO ist in 32% bis etwa 50% aller Formen der -> TAPVC (= total anoma-
189
PWAR
lous pulmonary venous connection) nachweisbar und kann ihre Ursache
zum einen in einer Stenose an der Einmündung der Venen in den Pulmonalvenensinus, zum anderen aber auch in zusätzlichen Einengungen des
Sammelgefäßes von außen haben, außerdem vor allem bei Verlauf des Gefäßes zwischen dem linken Hauptbronchus und der linken Pulmonalarterie
bei Typ I A und beim Zwerchfelldurchtritt der intrakardialen Form (Typ ill)
oder aber wiederum in Stenosen im Bereich seiner Mündung in die Hohlvenen. Darüber hinaus beeinflußt die Länge und der Durchmesser des Verbindungsgefäßes den Schweregrad der Obstruktion
PVPH = Primäre vaskuläre pulmonale Hypertension Seltener verwendete
Abkürzung (engl.: primary pulmonary hypertension)
PVR = pulmonary vascular resistance Pulmonaler Gefäßwiderstand, pulmonaler vaskulärer Widerstand, Gefäßwiderstand im kleinen Kreislauf,
Lungengefäßwiderstand. Die PVR wird gemessen aus der Druckdifferenz
der mittleren -> PAP- und -> LAP-Werte. Der PVR ergibt sich auch aus der
Differenz zwischen mittlerem und enddiastolischem Pulmonalarteriendruck, multipliziert mit 80 und dividiert durch das Herzminutenvolumen
(HMV)
PVT = paroxysmal ventricular tachycardia Paroxysmale Kammertachykardie. Wie die supraventrikulären Tachykardien können auch die Kammertachykardien einen ektopen oder re-entry-Ursprung haben. Re-entryKreise bilden sich häufig in der Purkinje-Faser-Myokardfaserjunktion und
in den Tawara-Schenkeln aus. Das EKG zeigt eine auf 150-200/min beschleunigte Kammertätigkeit. Die Kammerschlagfolge ist etwa 60% präzis
regelmäßig wie bei den supraventrikulären Tachykardien. In den übrigen
40% findet man auf den mit größeren Papiergeschwindigkeiten (50, 100
mm/sec) geschriebenen Streifen kleine (30-40 msec) Unterschiede zwischen den R-R-Intervallen. Analog zu den Kammerextrasystolen sind die
Kammerkomplexe verbreitert, deformiert und dissoziiert. Rechtsventrikuläre Tachykardien zeigen ein linksschenkelblockartiges, solche des linken
Ventrikels ein rechtsschenkelblockartiges Bild. Handelt es sich um eine
Tachykardie im höheren septalen Gebiet, so ist die Deformierung des
Kammerkomplexes gering oder fehlend.
Die P-Zacken erscheinen, wenn sie erkennbar sind, entsprechend dem
langsameren Sinusrhythmus ohne fixe Relation zur QRS innerhalb der raschen Folge der Kammerkomplexe und gestatten eine Differenzierung der
Kammertachykardie gegenüber der supraventrikulären Tachykardie mit
vorbestehendem oder funktionellem Schenkelblock. Bei Vorhofflimmern
fehlen die P-Zacken.
Bei retrograder Leitung werden die Vorhöfe rückläufig erregt (negative P
hinter QRS in II, III und aVF). In diesen Fällen kann man aufgrund des EKG
die Kammertachykardie von der AV-junktionalen Tachykardie mit aberranter Leitung nicht unterscheiden
PWAR = posterior wall of the aortic root In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für die Hinterwand der Aortenwurzel
190
PWC170
PWC 170 = physical working capacity Die auf eine Herzfrequenz von 170
Schlägen pro Minute bezogene submaximale Leistungsfähigkeit am Fahrradergometer (Leistung, die in einem relativen steady state in bezug auf
Herz, Kreislauf und Atmung absolviert werden kann). Als Normwert gilt ein
Bereich von 150 bis 200 Watt. Die PWC 170, im neueren Schrifttum auch W
170 (work of rate) genannt, ist eine international gebräuchliche Größe zur
Beurteilung der kardiozirkulatorischen Leistungsfähigkeit, die sich in der
Arbeitsmedizin vielfach bewährt hat. Sie wurde von Wahlund 1948 erstmals beschrieben und aus drei aufeinanderfolgenden, um 50 Watt gesteigerten Leistungsstufen von jeweils 6,5 Minuten Dauer (steady state) mit
Hilfe eines Diagramms durch Intra- bzw. Extrapolation ermittelt. Sie läßt
sich ebenfalls rechnerisch bestimmen und gibt die Leistung in „Watt“ bzw.
„mkp/min“ an, bei der ein Proband eine Herzfrequenz von 170/min erreicht
(Absolutwert der W 170). Bezogen auf das Körpergewicht ergibt sich die relative W 170 in „Watt/kg Körpergewicht“.
Die Normalwerte betragen nach Mellerowicz etwa 3 Watt/kg Körpergewicht (± 0,5) für Männer, 2,5 Watt/kg Körpergewicht (± 0,5) für Frauen. Die
W 170 hängt vom zirkadianen Rhythmus ab, nicht jedoch vom Menstruationszyklus. Sie beruht auf dem experimentell belegten Prinzip, daß Leistung, Sauerstoffaufnahme und Herzfrequenz in enger Korrelation zueinander stehen. Diese lineare Beziehung besteht jedoch nur in Leistungsbereichen von 1-3 Watt/kg Körpergewicht
s*
P-wechselndes Ein Wechsel in der P-Wellen-Konfiguration kann auftreten
bei: wanderndem Schrittmacher im Sinusknoten, wanderndem Schrittmacher zwischen Sinus- und AV-Knoten, wanderndem Schrittmacher im AVKnoten, respiratorischer Formänderung der P-Welle, wechselnder P-Welle
nach Extrasystole, Vorhoffusionssystolen, Herzrhythmusstörungen
PWG = Pulswellengeschwindigkeit Fortpflanzungsgeschwindigkeit der
arteriellen Druckwelle. Abhängig vom Volumen und vom Volumenelastizitäts-Koeffizienten (engl.: PWV = pulse wave velocity)
PWI + LPFB = posterior wall infarction and left posterior fascicular block
Hinterwand-Infarkt und linker posteriorer Faszikelblock. Hinterwandinfarkte können eine Läsion des -► LPF, bzw. eine Läsion der aus dem LPF entspringenden Fasern des terminalen Netzwerkes im Bereich der Infarzierung verursachen. EKG-Kriterien: Bild eines Hinterwandinfarktes mit zusätzlichen Kriterien eines LPFB
PWLA = posterior wall of the left atrium In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für die Hinterwand des linken Vorhofs
PWP = pulmonary (artery) wedge pressure Pulmonaler Kapillardruck.
Pulmonal-Kapillarverschlußdruck. Synonyme Abkürzungen: -► PAWP,
PCWP
t .
PWT = posterior wall thickness In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für die Dicke der Herzhinterwand
191
P-Zellen
PWTd = diastolic thickness of the posterior wall Diastolische Dicke der
Herzhinterwand
PWTS = systolic thickness of the posterior wall Systolische Dicke der
Herzhinterwand
PWV = pulse wave velocity Pulswellengeschwindigkeit. Siehe: -> PWG
PWZ = Pulswellenlaufzeit in der Karotispulskurve Zeit von der Aortenkomponente des 2. Herztones bis zur Inzisur der Karotispulskurve
PXE = Pseudoxanthoma elasticum Autosomal rezessiv erbliche Erkrankung. Die pathologischen Veränderungen betreffen drei Gebiete: die Haut,
das Auge und das Kreislaufsystem. Hier finden sich Zeichen einer allgemeinen arteriellen Insuffizienz, einschließlich Dilatation der Aorta. Es
kommt zu frühzeitiger Kalzifizierung der Media der peripheren Arterien mit
Blutungen und arteriellem Hochdruck. Die Gefäßveränderungen nehmen
mit dem Alter zu und können im frühen Kindesalter fehlen.
Die charakteristischen Hautveränderungen bestehen in Verlust der Elastizität und Faltenbildungen. Sie kommen vor allem in Gegenden erhöhter
mechanischer Beanspruchung vor, zum Beispiel am Nacken, in der Axilla
und anderen Gelenkbeugen. An der Netzhaut bilden sich angioide Streifen
und ausgedehnte Blutungsherde mit Ischämie. Gastrointestinale Blutungen sind häufig
P-Zacke Die P-Zacke entspricht der Ausbreitung der vom Sinusknoten
kommenden Erregungswelle in den Vorhöfen (Vorhofdepolarisation). Der
erste Teil der P-Zacke wird vorwiegend vom rechten, der zweite vorwiegend
vom linken Vorhof gebildet, da dieser später erregt wird. Der Ausschlag
der Vorhofdepolarisation (TA) ist nicht erkennbar, da er vom QRS-Komplex
überdeckt wird. Er kann aber unter pathologischen Verhältnissen (z. B. AVBlock) oder in den Ösophagusableitungen sichtbar werden
P-Zellen = Pacemaker-Zellen Die P-Zellen sind licht- und elektronenmikroskopisch blaß (pale = P-Zellen), d. h. mit wenig Organellen und spärlichem Glykogen ausgestattet. Sie sind die kleinsten Myokardzellen und
kommen am häufigsten im Sinusknoten vor, sind jedoch auch im AVKnoten reichlich vorhanden und werden vereinzelt in den Vorhofleitungsbahnen und in der Kammermuskulatur gefunden. Ihre Form ist polygonal
bis abgerundet; mehrere Zellen sind knoten- oder strangförmig durch eine
Basalmembran aneinandergeordnet. Innerhalb der Basalmembran sind sie
direkt durch eine Plasmamembran verbunden. Die intrazelluläre Verbindung ist einfach und unspezialisiert: Im Gegensatz zum Arbeitsmyokard
ist kein Discus interscalares, kein Nexus und nur wenige Desmosomen zu
erkennen. Interzelluläre Kontakte bestehen nur untereinander und zu den
Transitionalzellen. Das endoplasmatische Retikulum ist gering entwickelt;
die Mitochondrien sind klein, ungeordnet, sie enthalten nur wenige Cristae. Die geringe Anzahl von Myokardfibrillen ist nicht parallel organisiert
und besitzt weniger Filamente. Im Verhältnis zur Zellgröße erscheinen die
P-zweigipf liges
192
Zellkerne voluminös. Die P-Zellen gelten heute als die eigentlichen
Pacemaker-Zellen, d. h. als Ort der elektrischen Impulsbildung. Aus ihrer
spezifischen intrazellulären Organisation (kleine Zellen, gering entwickeltes sarkoplasmatisches Retikulum, wenige Mitochondrien, wenige Myokardfibrillen) und der besonders interzellulären Verbindung (Fehlen des
Discus interscalares, des Nexus und der geringen Anzahl der Desmosomen) ergeben sich ihre wichtigsten Eigenschaften: sie kontrahieren sich
weniger als das Arbeitsmyokard, sie benötigen weniger Sauerstoff und die
intra- und interzelluläre Impulsleitung ist vergleichsweise langsam
P-zweigipfliges Die Zweigipfligkeit eines nicht über 0,11 see verbreiterten
P besitzt keinen Krankheitswert. Diese Form der P-Zacke kommt bei langsamer Herzschlagfolge vor und prägt sich meist in der Ableitung II betont
aus. Vi kann gleichzeitig eine Biphasie beinhalten
193
QI-A20S-lndex
Q
Q Bezeichnung für die erste negative Ausschlagrichtung des Kammerkomplexes im EKG
Q Symbol für Herzzeitvolumen in Liter/min
Ql a d Stromzeitvolumen im Ramus descendens anterior (LAD = left anterior descending)
Ql c a Stromzeitvolumen im Ramus circumflexus
QA Die Zeit von der Q-Zacke im EKG bis zum Beginn des Steilanstieges der
Karotispulskurve; Summe von Anspannungszeit (AZ) und zentraler Pulswellenlaufzeit (PWT). Weitgehend gleichbedeutend mit der Anspannungszeit
QA2 = Elektroakustische Systole Gemessen wird vom Beginn der Q-Zacke
im EKG bis zur ersten hochfrequenten Schwingung des aortalen Anteils
des 2. Herztones (A2). Synonyme Schreibweise: QA2
QC = Elektromechanisches Intervall Gemessen von Q bis Beginn des Anstieges des Apexkardiogramms (C-Punkt), der genau mit dem Druckanstieg im linken Ventrikel koindiziert. Bei Verlängerung Hinweis auf Leitungsverzögerung
QEs-Dauer Kopplungsintervall : Zeitspanne vom Beginn der QRS-Gruppe
bis zum Beginn der Extrasystole (Es). Die QEs-Dauer dividiert durch die
QT(n)-Dauer (Zeitspanne vom Beginn der QRS-Gruppe bis zum Ende der
normale(n) folgenden T-Welle ergibt den Vorzeitigkeitsindex
Ql = Elektroakustisches Intervall Von Q bis zur ersten hochfrequenten
Schwingung des 1. Herztones. Dieses Intervall schließt den Druckanstieg
vor dem Mitralklappenschluß mit ein und beinhaltet außerdem die elektromechanische Kopplung und die präisovolumetrische Zeit
QI-A2OS-lndex Dieser Index dient zur Abschätzung des Schweregrades einer Mitralstenose und ist umgekehrt mit der Klappenöffnungsfläche korreliert (Wells, 1954, Craige, 1957). Bei einer Herzfrequenz von 75 Schlägen/min (RR-Intervall von 0,8 see) wird dieser Index errechnet aus der Subtraktion des Ql-Intervalls abzüglich des Intervalls vom aortalen Anteil des
II. HT bis zum Mitralöffnungston (OS = opening snap). Werte von 0,02 oder
+ 2 sind immer mit einer starken Mitralstenose assoziiert (Mitralklappen-
Qm-Linkstyp
194
Öffnungsfläche <1,2 cm2, während Werte negativer als 1 mit nur einer milden Mitralstenose korreliert sind (Mitralklappenöffnungsfläche >1,5 cm2).
Beim Auftreten von Vorhofflimmern sollte dieser Index nur während eines
RR-Intervalls von 0,8 see gemessen werden, oder so nah als möglich zu
diesem Zeitintervall. Während eines Sinusrhythmus, der die Frequenz von
75 Schlägen/min nicht hat, muß dieser Index auf einen RR-Abstand von 0,8
see interpoliert werden. Bei längeren RR-Intervallen werden je 0,1 see mehr
als die vorgegebene Zeit von 0,8 see, 0,005 sec zum gemessenen QlIntervalI addiert und 0,005 see vom gemessenen A2OS-lntervall abgezogen.
Bei kürzeren Zyklen als 0,8 see erfolgt die Korrektur im umgekehrten Sinne. Bei fehlendem Mitralöffnungston genügt für die klinischen Belange
das Einsetzen der IVR bzw. TART statt A2OS. Normwert: < - 2
Qm-Linkstyp Die pathologische Bedeutung eines Q in III ist sehr wahrscheinlich, wenn die folgenden von Pardee aufgestellten Forderungen erfüllt sind: Amplitude von Q größer als 1/4 der größten R-Zacke in den Extremitätenableitungen, reiner QR-Komplex (also keine noch so kleine positive
Zacke vor dem Q und somit kein S) und kein begleitender Rechtstyp. Eine
zusätzliche Sicherung gibt ein deutliches Qu, eine Verbreiterung von Q in
III, aVF und Nehb-D auf mindestens 0,04 s und schließlich in den gleichen
Ableitungen eine Q-Amplitude, welche die Hälfte des folgenden R überschreitet. Betont sei, daß Q-Zacken, die diese Kriterien erfüllen, auch beim
WPW-Syndrom, bei starker Rechte- oder Linkshypertrophie und auch bei
der hypertrophischen Kardiomyopathie auftreten können.
Die Differentialdiagnose zwischen einem alten Hinterwandinfarkt und einem ausgeprägten Linkstyp mit deutlichem Q in III (Qm-Linkstyp) kann
manchmal durch die Anfertigung eines EKG nach tiefer Einatmung gefördert werden. Im Gegensatz zur Mehrzahl der Hinterwandinfarkte wird beim
Qm-Linkstyp Q unter Inspiration in der Regel sehr deutlich kleiner. Beim
Qm-Linkstyp erreicht die Q-Dauer zudem meistens nicht 0,03 see, und in
aVF fehlt ein Q. Jedoch kann auch beim alten Hinterwandinfarkt Qm kürzer
als 0,04 see sein und in aVF ein deutliches Q fehlen, oder unter Inspiration
wird ausnahmsweise das zuvor deutliche Q unscheinbar, so daß die Inspiration keine völlig sichere Unterscheidung zwischen dem läge- und dem infarktbedingten Qm erlaubt
Qi-Qm-Typ Seltener Lagetyp: bei einer Drehung um die Transversalachse
mit Verlagerung nach vorn finden sich in allen drei Standardableitungen QZacken (in den korrigierten, orthogonalen Ableitungen: Qx-Oy-Typ)
Q-rechtspräkordiales Ein rechtspräkordiales Q in V^ ist bedingt durch
morphologische Veränderungen im Septumbereich, die zu einer Änderung
des initialen Vektor der Erregungsausbreitung (0,02 see) führen: 1. Septuminfarkt, 2. Septumhypertrophie (idiopathische, hypertrophe subvalvuläre
Aortenstenose, 3. Links-anteriorer Hemiblock. Das Septum wird normalerweise durch beide Faszikel des linken Tawara-Schenkels erregt. Der initiale Vektor weist nach vorne rechts. Bei einem Block im vorderen, oberen
Faszikel erfolgt die Septumerregung zuerst über den hinteren, unteren
Faszikel. Der initiale Vektor verläuft dann nach hinten, rechts unten
195
QRS-Achse
QR(R’)-Zeit Die QR(R’)-Zeit (Heinecker, 1961) ist gleichbedeutend mit ->
OUP, -> ANP, -> GNB, -> BEN und -> intrinsic deflection. Die Bestimmung
des Beginns der Negativitätsbewegung ist wichtig, um die Erregungsverspätung eines Ventrikels bei Hypertrophie oder Schenkelblock zu erkennen, da hier die Laufzeit der Erregungsausbreitung bis zum Auftreten der
größeren (bzw. der letzten deutlichen) R-Zacke in bestimmten Ableitungen
in charakteristischer Weise verlängert sein kann. Während bei reinem
QRS-Komplex der Beginn der Negativitätsbewegung mit dem Gipfelpunkt
von R eindeutig festliegt, lassen (wie bei zwei- oder mehrgipfliger Kammeranfangsgruppe), die bei Schenkelblockbildern nicht selten ist, die letzte
deutliche positive R-Zacke (also R’ oder r’ bzw. R” oder r”) oder auch eine
deutliche Schulterbildung im abfallenden Schenkel von R als Beginn der
Negativitätsbewegung gelten und sprechen dann vom Beginn der endgültigen Negativitätsbewegung (BEN). Von praktisch gleicher Bedeutung
sind: Beginn der größten Negativitätsbewegung (Holzmann, 1965), oberer
Umschlagpunkt = OUP (Gillmann, 1959), Ankunft des negativen Potentials = ANP
Der zeitliche Abstand vom Beginn der Kammererregung (also vom QBeginn) bis zum Beginn der endgültigen Negativitätsbewegung, kurz
QR(R’)-Zeit, liegt für jeden Ableitungspunkt in bestimmten Grenzen. Sie
soll bei Vi und/oder V2 0,03 see nicht über und 0,01 see nicht unterschreiten, bei V5 und/oder V6 0,045 - 0,05 see nicht über- und 0,03 see nicht unterschreiten. Die Differenz der Zeitwerte für V5 bzw. V6 und Vi bzw. V2 soll
nicht unter 0,01 und nicht über 0,03 see liegen
qrs Höheramplitudige Zacken werden — symbolisch — mit großen Buchstaben (QRS) bezeichnet, niederamplitudige sinngemäß mit kleinen (qrs).
Da die Zackenamplituden in den verschiedenen Ableitungen schon unter
normalen Bedingungen stärker differieren, lassen sich allerdings keine festen Grenzwerte für diese Nomenklatur angeben. Empfohlen wurden große Buchstaben für Zackenamplituden ab 4 mm (0,4 mV)
QRS Der QRS-Komplex (Kammeranfangsschwankung) ist bedingt durch
die Depolarisation beider Kammern und besteht gewöhnlich aus einer kleinen negativen Q-, einer schlanken, größeren, positiven R- und einer nicht
obligaten kleinen, negativen S-Zacke. Q soll weniger als ein Viertel der Amplitude von R sein und nicht länger als 0,04 see dauern. Die mittlere Dauer
der QRS-Gruppe beträgt 0,08 see. Eine Verbreiterung auf mehr als 0,10 see
ist pathologisch.
Nomenklatur des QRS-Komplexes: Bei mehreren positiven oder negativen
Ausschlägen werden große Amplituden mit großen, kleine Amplituden mit
kleinen Buchstaben bezeichnet. Der erste positive Ausschlag ist eine Roder r-Zacke, die ihr folgende negative eine S- oder s-Zacke. Ein einer Soder R-Zacke folgender positiver oder negativer Ausschlag heißt R’ oder r’
bzw. S’ oder s’. Nur negative Komplexe werden mit QS bezeichnet
QRS-Achse QRS-Hauptsummenvektor. Bedeutung bei Lagetypbestimmung, bei Beschreibung eines Typenwandels und zur Erhärtung eines
links-anterioren Hemiblocks
QRS-Alteration
196
QRS-Alteration Typische EKG-Veränderungen von QRS beim Myokardinfarkt. Die EKG-Veränderungen des Myokardinfarktes zeigen einen Ablauf
in typischen Stadien und — unabhängig von Ätiologie, Pathogenese und
Lokalisation — in den Ableitungen, die das infarzierte Gebiet repräsentieren, ein mehr oder weniger konstantes und sehr charakteristisches Verhalten von QRS, ST und T. Ähnliche EKG-Bilder sind aber auch bei neoplastischer Myokardinfiltration, bei Herzamyloid, bei entzündlicher oder traumatischer Nekrose des Myokards usw. zu beobachten.
Die QRS-Alteration ist die Folge der Muskelnekrose. Der nekrotische Myokardbezirk bewirkt als elektrisch inaktive Zone einen Ausfall der normalerweise in ihm entstehenden QRS-Partialvektoren. Der QRS-Summationsvektor wendet sich infolgedessen durch Überwiegen der Partialvektoren des gesunden Myokards vom Nekrosezentrum gegen den
Nullpunkt ab. Es entsteht der „Nekrosevektor“ (Q), dessen Richtung mit
derjenigen des T-Vektors bei transmuraler Ischämie übereinstimmt und
der sich, je nach Lokalisation des Partialvektorausfalls und je nach Projektionsverhältnissen, in bestimmten Ableitungen sehr deutlich zu erkennen
gibt. Bei einem Vorderwandspitzeninfarkt wird der Ausfall der nach links
und vorn gerichteten Vektoren durch eine Ablenkung des QRS-Vektors
nach rechts und hinten begleitet, so daß in I und aVL sowie in V2.5 ein Potentialverlust entsteht. Es kommt zu einer Abnahme oder zu einem Verschwinden von R und zum Auftreten eines Q oder zur Zunahme eines bereits vorhandenen Q. In entgegengesetzten Ableitungen dagegen finden
sich Spiegelbilder dieser Deformierungen. Umgekehrt führt der Hinterwandinfarkt durch Ausfall der unten und hinten gelegenen Partialvektoren zu
einer Ablenkung der QRS-Vektoren nach oben und vorn, so daß tiefe Q in
III, II und aVF und überhöhte R bzw. kleinere S in den präkordialen Ableitungen erscheinen. Da die ventrikuläre Leitung wegen des Infarktes oft abnorme (muskuläre) Wege geht, in den Randzonen durch metabolische und
andere Störungen verlangsamt ist und auch die nekrosebedingte Ablenkung der QRS-Vektoren zu „verspäteter“ Projektion auf die das direkte Infarktbild zeichnenden Ableitungen führen kann, ist QRS nicht selten verbreitert (Bild des periinfarction block)
QRS-Amplitudenänderungen Die QRS-Amplituden der einzelnen Extremitätenableitungen variieren je nach Lagetyp. Präkardial ist R am kleinsten
in Vi (rS); seine Amplitude nimmt bis zu V^-sj, um gegen V(ß.)ß wieder abzufallen (Rs). S ist in Vi größer als R, in V2 gewöhnlich am größten, wird nach
links kleiner und fehlt in Vß eventuell ganz. Eine Q-Zacke findet sich in V4.6
(qRs) unter normalen Bedingungen, aber nie in den vorwiegend negativen
Ableitungen Vi.3(rS). Wichtig ist das regelrechte Verhalten des Quotienten
R/S von rechts nach links. Dieser nimmt von Vi bis V5 zu, überschreitet in
V3.4 die Übergangszone (R = S oder R/S-Quotient = 1,0) und sinkt von Vß
an wiederab
QRS-Knotung (Sockelbildung) Formunregelmäßigkeiten von QRS werden
je nach ihrem Ausmaß als Kerbungen oder Splitterungen, wenn sie basal
liegen, auch als Knotungen oder Sockelbildung bezeichnet. Im Bereich der
Übergangszone (V3.4) sowie in Vi sind Kerbungen physiologisch
197
QS-Form
QRS-Schleife Das normale Vektorkardiogramm (VKG) setzt sich aus drei
unterschiedlich großen Schleifen, der P-, QRS- und T-Schleifen zusammen.
Sie beginnen und enden im Nullpunkt und sind normalerweise geschlossen. Von einer sog. geöffneten Schleife spricht man, wenn das Ende der
QRS-Schleife bzw. der Beginn der T-Schleife, genannt der J-Punkt, verlagert ist; elektrokardiographisches Äquivalent ist die Verlagerung der STStrecke. Die QRS-Schleife, Ausdruck der Kammerdepolarisation, ist die
größte Schleife. Sie ist in der Regel länglich und ohne Konturunregelmäßigkeiten. Ihre Hauptachse ist nach links hinten unten gerichtet, d. h. in
die Richtung des linken Ventrikels, des Herzabschnitts, der infolge seiner
größeren Muskelmasse elektrisch dominiert
QSi Elektromechanische Umformungszeit vom Beginn des QRSKomplexes bis zu den ersten Schwingungen hoher Frequenz des 1. Herztones
QS2 Totale elektromechanische Systole, elektromechanische Systolendauer (EMS, QA2) vom Beginn des QRS-Komplexes bis zu den ersten
Schwingungen hoher Frequenz des Aortenklappenschlußtones
QS2c Abkürzung für die nach den Regressionsgleichungen von Weissler
frequenzkorrigierte Gesamtsystolendauer
QS-Form Einer QS-Form der Kammeranfangsschwankungen (Fehlen der
R-Zacke) in aVF und V1 kommt kein bedingter Krankheitswert zu. Bei einer
vermehrten Linksbelastung mit Linkshypertrophie des Herzens und beim
kompletten Linksschenkelblock können in den Ableitungen V2 — V4 kleine
R-Zacken, bzw. in V! und V2 sogar eine QS-Form nachweisbar sein.
Differentialdiagnostisch zum Vorderwandinfarkt ist zu fordern, daß dann
gleichzeitig in den Ableitungen I und aVL kein tiefes und breites Q nachweisbar ist. Häufig ist eine sichere Entscheidung, ob ein Infarkt abgelaufen ist, nicht möglich.
Eine QS-Form in Ableitung III, aVF ist gleichbedeutend mit einem pathophysiologischen Q in diesen Ableitungen und deutet auf einen Hinterwandinfarkt hin. Bei vorbestandenem Normaltyp und/oder Linkstyp kann ein
Typenwandel zum Links- und/oder überdrehten Linkstyp eintreten. Die
gleichzeitige Beurteilung der ST-Strecke und T-Welle zeigt das Stadium
des Infarktes an. Ein R-Verlust in anderen Ableitungen ist gleichbedeutend
einem pathologischen Q und weist auf einen transmuralen Herzinfarkt hin.
Beim Vorderwandspitzeninfarkt kann sich eine QS-Form der Kammeranfangsschwankung in Ableitung I ausbilden. Bei vorbestandenem Linkstyp
tritt dann gleichzeitig ein Typenwandel zum Rechtstyp ein. Zusätzlich findet sich regelmäßig eine QS-Form der Kammeranfangsschwankung in V2
— V4 (V5), meist bei erhaltener R-Zacke in V1.
Das Auftreten eines R-Verlustes (QS-Form) ist Folge einer transmuralen
Herzmuskelnekrose. Der nekrotische Myokardbezirk ist elektrisch inaktiv
und bewirkt einen Ausfall der normalerweise in ihm entstehenden QRSPartialvektoren. Bei einer transmuralen Nekrose führt dies in den über dem
Nekrosebereich liegenden Ableitungen zu einem Potentialverlust, was
Qi-Sin-Typ
198
sich elektrokardiographisch in einer pathologischen Q-Zacke oder einem
R-Verlust (QS-Form) wiederspiegelt
Oi-Sm-Typ Seltener Lagetyp. Vom Blickpunkt des Betrachters einer vor der
Herzspitze gedachten Uhr, durch deren Mittelpunkt die Längsachse des
Herzens verlaufen soll, kann eine Drehung um die Längsachse nach rechts
als im „Uhrzeigersinn“, die gegenläufige Bewegung als im „GegenUhrzeigersinn“ bezeichnet werden.
Drehungen im Gegen-Uhrzeigersinn: Durch Rotation des Herzens nach
rechts dorsal wird die rechte Kammer stärker nach rechts, die linke mehr
nach vorne verlagert. Jetzt verläuft der Initialvektor Q von Ableitung I und
der Kammer-Hauptvektor von Ableitung III weg (Qf-Sm-Typ).
In den Brustwandableitungen nach Wilson Verlagerung der Übergangszone nach rechts (V1/2/3), wobei Q bis in Ableitung V4, selten sogar in Ableitung V3/2 nachweisbar sein kann. Vorkommen: Zwerchfellhochstand, Hypertrophie des linken Ventrikels, Kyphoskoliose mit Verlagerung des Herzens nach links von der Wirbelsäule
QT-Dauer Im EKG ist die QT-Dauer von der Herzfrequenz abhängig, falls
nicht krankhafte Veränderungen vorliegen. Die relative QT-Dauer gibt die
jeweilige prozentuale Abweichung von der frequenzbezogenen Dauer an
= korrigierte QT-Dauer = QTC
QT-Intervall Elektrische Systolenzeit vom Beginn der Q-Welle bis zum Ende
der T-Welle. Dauer abhängig von der Herzfrequenz, kann unter pathologischen Bedingungen abnorm verlängert (Hypokalzämie) oder verkürzt (Hyperkalzämie) sein
QT-Syndrom (QTU-Syndrom) Paroxysmales familiäres Kammerflimmern.
Die Einheit angeborene Schwerhörigkeit, synkopale Anfälle, plötzliche Todesfälle und Verlängerung des QT-Intervalls erkannten und dokumentierten erstmals A. Jervell und F. Lange-Nielsen 1957 in Norwegen (JervellLange-Nielsen-syndrome). Wenige Jahre später beschrieben unabhängig
voneinander Romano et al. 1963 in Italien sowie Ward in Irland 1964 ein
gleiches Krankheitsbild ohne begleitende Schwerhörigkeit (RomanoWard-syndrome). Beide Symptomenkomplexe werden heute unter dem
Oberbegriff QT-Syndrom zusammengefaßt. Angeborenes Leiden mit Taubheit bzw. Taubstummheit (sog. cardio-auditives Syndrom), bei dem häufig
Kammertachykardien und Kammerflimmern auftreten. Eine Variante ohne
Taubheit wird als Romano-Ward-Syndrom bezeichnet. Neben diesen
schon länger bekannten idiopathischen Formen wurden in neuerer Zeit
QTU-Anomalien auch im Zusammenhang mit koronarer Herzkrankheit, Mitralklappenprolaps und nach Gabe von Antiarrhythmika sowie trizyklischen Antidepressiva beschrieben.
Auffallende Verlängerung der QT- bzw. QU-Zeit (QTU-Syndrom) ohne zugrunde liegende Elektrolytstoffwechselstörungen (normale SerumKalzium- und Kaliumwerte). Eine abnorme Verlängerung der vulnerablen
Phase bewirkt, daß Extrasystolen besonders leicht zu Kammertachykardien und Kammerflimmern führen. Diese treten vielfach als sog. „Torsades
199
Q-U/LVET
de pointes“ in Erscheinung. Häufige Synkopen, bei den idiopathischen
Formen bereits im Kindesalter auftretend, meist nach physischer Belastung oder psychischer Erregung. Oft als zerebrales Anfallsleiden (Epilepsie) fehlgedeutet, plötzliche Todesunfälle (Sekunden-Herztod) durch Kammerflimmern
QU-Strecke Die QU-Strecke wird vom Beginn des QRS-Komplexes bis zum
Ende der U-Welle gemessen. Sie ist wie die QT-Strecke frequenzabhängig
*
Q-U/LVET Quotient aus dem Intervall Q-Aufwärtsbewegung der Karotis—
pulskurve (Q—U) und der linksventrikulären Austreibungszeit. Neben den
klassischen systolischen Zeitintervallen (-> STI) werden einige andere Intervalle verwendet, z. B. das Intervall Q-Aufwärtsbewegung der Karotis—
pulskurve (Q—U); die Dauer der mechanischen Systole (MS), die als Intervall von C bis O des LAC bestimmt wird. Einige Quotienten wurden auch
entwickelt, wie z. B. Q—U/LVET, PEP/LVET und MS/LVET. Alle diese Quotienten haben den Vorteil, relativ unempfindlich auf Veränderungen der
Herzfrequenz zu reagieren, so daß eine Frequenzkorrektur nicht notwendig
ist, wenn die Schwankung der Herzfrequenz weniger als 20 Schläge/min
beträgt. Lediglich der Quotient MS/LVET bezieht auch die isovolumetrische Relaxationsperiode des Herzens mit ein, und er hat sich zur Festlegung einer Herzinsuffizienz als nützlich erwiesen. Der Quotient PEP/LVET
ist empfindlich gegenüber Veränderungen des kontraktilen Zustandes,
und zwar dann, wenn PEP und LVET sich in entgegengesetzte Richtungen
verändern, wie es in den meisten Fällen von Herzinsuffizienz geschieht
V
R
200
R
R Die erste positive Zacke des Kammerkomplexes im EKG
R = resistance Atemwegswiderstand, d. h. die erforderliche Druckdifferenz je Einheit Atemzeitvolumen (cm/Hz/L/sec). Erforderliche Meßwerte:
Druck und Atemstromstärke. Synonyme Schreibweise: Ra und Raw
Raw = airway resistance Atemwegswiderstand. Der Strömungswiderstand
ist ein Maß für die Weite der Atemwege und zeigt sehr gut die Änderung
an, die z. B. durch bronchialwirksame Medikamente hervorgerufen werden.
Der Atemwegswiderstand wird bei offenen Atemwegen gemessen und ist
definiert als der Quotient des resistiven Druckes in den Atemwegen (Paw =
Pmo-A) und der korrespondierenden Gasströmung (V), so daß gilt: Raw =
Paw/V = Pmo-A/V.
Die Gasströmung wird am Mund mit einem Pneumotachographen gemessen. Der Atemwegswiderstand ist'definiert als der Quotient von bronchialem resistivem Druck (Paw) und der Strömung (V), so daß Raw = Paq/V ist.
Der resistive Druck in den Atemwegen ist der Druckgradient zwischen Alveolarraum und Mund, so daß Paw = Pmo-A ist. Bei offenem Mund ist Pmo
gleich dem Barometerdruck und konstant. Somit ist der Alveolardruck ein
Maß des resistiven Druckes in den Atemwegen. Eine Änderung dieses
Druckes wird über die Druckänderung in einem volumenkonstanten Plethysmographen gemessen
Rds = downstream resistance Stromabwärts-Widerstand. Die Druckdifferenz zwischen dem Punkt des Druckgleichgewichts (EPP) und der Mundöffnung, die erforderlich ist, um eine Vmax von 1 L/sec zu bewirken.
Sie wird angegeben in cm HzO/L/sec
Ri. = total pulmonary resistance Atembewegungswiderstand. Das Verhältnis der Druckdifferenz zwischen intrapleuralem Raum und Mund und
der Atemstromstärke am Mund. Es wird angegeben in cm HzO/L/sec
Rt = Totale Resistance Strömungswiderstände in den Atemwegen. Die totale Resistance wird nach Ulmer aus der Neigung der Verbindungslinie
zwischen den Druckextrempunkten des Druckströmungs-Diagramms bestimmt. Aus 3 Einzelmessungen wird der arithmetische Mittelwert berechnet. Von Amrein et al. wird der Sollbereich mit 1,8 ± 1,2 cm H2O/(L/s) angegeben. Der Bereich über 3,5 cm H2O/(L/s) gilt als Grenzbereich
Rus = upstream resistance Stromaufwärts-Widerstand. Die Druckdifferenz
zwischen Alveolen und dem Punkt des Druckgleichgewichts (EPP), die er-
201
RAAS
forderlich ist, um eine Vmax von 1 L/sec zu erreichen. Sie wird angegeben in
cm H2/L/sec
Rvisc = viscance Strömungswiderstand. Die Viscance entspricht der Summe der Strömungswiderstände, gebildet aus aerodynamischem Atemwegswiderstand (Resistance) und Gewebsdeformationswiderstand: Rvisc
= Ra + Rt- Dieser Wert läßt sich relativ einfach mittels Ösophagussonde
und Pneumotachograph messen.
Auch die Viscance wird nach Möglichkeit für die Stromstärke von
1000 ml/sec angegeben, was einer leicht forcierten Normalatmung
entspricht. Die Resistance beträgt bei Mundatmung 70 bis 80%
der Viscance. Die Resistance entspricht dem Quotienten Alveolardruck/Stromstärke und kann mittels Ganzkörper-Plethysmographie
ohne besondere Beeinträchtigung des Patienten gemessen werden.
Er ist eine Funktion der Gasviskosität, der Gasdichte und der
Atemwegsergometrie
RA = right atrium Rechter Vorhof, Atrium dextrum
RAA = right atrial appendage Rechtes Herzohr
RAAS = Renin-Angiotensin-Aldosteron-System Das RAAS stellt ein bedeutsames Kontrollsystem bei der Regulation des Elektrolyt- (Na+/K+ und
Volumenhaushalts sowie des arteriellen Blutdrucks dar. Die Reaktionskette schließt mehrere Organe wie Leber, Niere und Nebenniere ein. Nieren
und Nebennieren sind dabei Bildungsstätten wichtiger Teilkomponenten
(Renin und Aldosteron), andererseits aber auch Effektor-Organe der gebildeten Wirkstoffe selbst. Rückkopplungsvorgänge garantieren einen homoeostatischen Regelkreis. Darüberhinaus interferieren Renin- und
Angiotensin-Wirkungen mit denen des sympathiko-adrenalen Systems.
Renin, ein Enzym mit einem Molekulargewicht von 40 000, wird im juxtaglomerulären Apparat der Nieren erzeugt und unter dem Einfluß verschiedener Stimuli in das nierenvenöse Blut abgegeben, dessen Reninspiegel
ca. 24% über dem des peripheren Blutes liegt. Renin bewirkt die Bildung
von Angiotensin I (Dekapeptid) aus dem Reninsubstrat, dem Angiotensinogen (a2-Globulin, in der Leber erzeugt). Das vorwiegend in der Lunge wirksame Converting
enzyme führt Angiotensin
I (PlasmaspiegelKonzentration 50-100 pg/ml) in Angiotensin II (Plasma-Konzentration
5-20 pg/ml) über, das durch Angiotensinasen in inaktive Peptide katabolisiert wird.
Angiotensin II (Halbwertzeit < 1 min) stimuliert die Aldosteron-Sekretion in
der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde mit Förderung der distaltubulären Natriumabsorption und verminderter Reninfreisetzung (sog. intrarenaler Feedback-Mechanismus). Renin und Aldosteron-Sekretion sind
übereinen weiten Bereich direkt korreliert.
Das RAAS ist für die Homöostase des Kreislaufsystems und des WasserElektrolyt-Haushalts verantwortlich. Natriumrestriktion, Saluretika, Orthostase, verminderter renaler Perfusionsdruck bewirken einen Anstieg von
Renin, Angiotensin I und II mit Antidiurese und Antinatriurese beim Ge-
RAD
202
sunden, mit der gegenteiligen Wirkung bei Hypertonikern. Umgekehrt löst
eine Natriurese über osmosensible Rezeptoren in der Macula densa der distalen Tubuli eine vermehrte Reninproduktion aus. Die radioimmunologisch bestimmten Vasopressinspiegel sind bei Flüssigkeitsrestriktion erhöht, bei Hydrierung erniedrigt. Die Reninsekretion hängt vom mittleren renalen Perfusionsdruck und vom extrazellulären Flüssigkeitsvolumen ab
und wird über den Barorzeptormechanismus in den afferenten Arteriolen
geregelt. Neben renalen gelten auch extrarenale Reninwirkungen als gesichert
RAD = Ramus atrialis dexter Rechte Vorhofarterie, Ast der Arteria coronaria dextra
RAD = right axis deviation Rechtsachsendeviation, Rechtstyp. Synonyme
Bezeichnung: Vertikaletage. Die elektrische Herzachse bzw. der Lagetyp
entspricht dem Winkel a zwischem dem QRS-Hauptvektor in der Frontalprojektion und der Horizontalen. Beim Rechtstyp liegt der Schwankungsbereich des Winkels a von 4-90° bis 4-120°.
Merkmale des Rechtstyps: Verlauf des QRS-Hauptvektors in Richtung Ableitung aVF und III (größter positiver Ausschlag). In den entgegengesetzten Ableitungen Kammerhauptschwankung negativ (in I und aVL biphasisch oder negativ).
Vorkommen: Bei gesunden Kleirikindern normal. Im übrigen Hinweis auf
starke Überlastung der rechten Herzkammer (Mitralstenose, Cor pulmonale chronicum) oder Zustand nach großem Lateralinfarkt
RAH = Rechtsatriale Hypertrophie Bei Überlastung des linken Vorhofs,
vor allem bei einer Überlastung durch erhöhten Druck (z. B. bei Mitralstenose oder langdauernder schwerer Überlastung des linken Ventrikels),
kommt es zur Muskelhypertrophie. In der Regel gesellt sich eine Dilatation
hinzu. Eine Dilatation kann auch ohne Hypertrophie bei vorwiegender Volumenüberlastung (z. B. bei Mitralinsuffizienz oder offenem Ductus Botalli)
oder bei allgemeiner Schädigung entstehen.
Als Folge der Hypertrophie der Muskulatur des linken Vorhofs wird der auf
seine Erregung zurückgehende Hauptvektor größer und stärker nach links
und hinten, oft auch nach oben abgelenkt. Der Gesamtvektor der Erregung
beider Vorhöfe liefert die höchsten Ausschläge in Ableitung I, II und aVL.
Die bei der Dilatation des linken Vorhofes verlängerte Erregungsausbreitungsphase führt zu einer Verbreiterung der P-Welle, da das Ende von P
ausschließlich durch den linken Vorhof gestellt wird. Bei der Erregungsverzögerung im linken Vorhof erreichen beide Vorhöfe ihr Erregungsmaximum zu verschiedenen Zeiten, so daß P häufig doppelgipflig ist. Der erste,
dem rechten Vorhof zuzuordnende Gipfel zeigt einen Steiltyp, wogegen der
zweite, der Erregung des linken Vorhofs entsprechende Gipfel, ausgeprägt
linkstypisch ist
RAMP = right atrial mean pressure Rechtsatrialer Mitteldruck, Mitteldruck im rechten Vorhof. In der Literatur findet man einige synonyme
Schreibweisen: PRA, PRA, RAM, RAPm
203
RAS
RAO = right anterior oblique (projection) Rechter vorderer schräger
Durchmesser, rechtsanteriore Projektion, „Fechterstellung“. Die rechtsvordere Schrägprojektion zwischen 30° und 45° liefert den größten Informationsgehalt über den linken Ventrikel. Eine Mitralinsuffizienz wird in
dieser Projektion am besten erkannt. Die Mitralklappe wird im Profil getroffen, und der linke Ventrikel ist vom linken Vorhof getrennt. Die Mitralklappenbeweglichkeit ist gut beurteilbar. Ebenso eignet sich diese Projektion
zur Abschätzung des Schweregrades einer Aorteninsuffizienz aus der Geschwindigkeit, mit der sich der linke Ventrikel retrograd beim Aortogramm
mit Kontrastmittel anfärbt. Darüber hinaus ist diese Projektion besonders
geeignet für die monoplane Ventrikelvolumenbestimmung, da der Ventrikeilängsdurchmesser (Entfernung zwischen Klappenebene und Ventrikelspitze) annähernd unverkürzt dargestellt wird
RAO-equivalent = RAO-Äquivalent Wird die Schallebene bei über dem
Herzspitzenstoß aufgesetzten Schallkopf entgegen dem Uhrzeigersinn um
90° gedreht und die Schallrichtung etwas nach medial, etwa in Richtung
auf die Mitte zwischen oberer Brustwirbelsäule und linker Schulter hin gerichtet, stellen sich der linken Ventrikel, die Mitralklappe und der dahinter
liegende linke Vorhof dar. Linker Ventrikel und linker Vorhof werden in der
Längsachsenebene von apikar her durchschallt. Die Projektion des Ventrikels entspricht annähernd derjenigen, wie sie bei 30° RAO-Projektion im
Angiokardiogramm erhalten wird, wobei die Darstellung spiegelbildlich erfolgt. Diese Projektion wird von einigen Autoren auch als „RAOÄquivalent“ oder „2-Kammerblick“ bezeichnet. Die dargestellten Wandanteile des Ventrikels entsprechen der Vorder- bzw. Vorderseitenwand und
der Hinterwand, deren Kontraktionsfähigkeit im gesamten Verlauf bis einschließlich in den Spitzenbereich hinein gut beurteilt werden kann
RAP = right atrial pressure Rechter Vorhofdruck, Druck im rechten Vorhof. Synonyme Abkürzungen: PRA, PRA- Mitteldruck im rechten Vorhof.
Siehe: -* RAMP
RAS = Ramus atrialis sinister Linke Vorhofarterie, Ast des Ramus circumflexus sinister (Ast der Arteria coronaria sinistra)
RAS = rapid atrial stimulation Rasche Vorhofstimulation, schnelle atriale
Stimulation. Neue Methode zur Unterbrechung tachykarder ektoper Vorhofrhythmusstörungen (Vorhoftachykardien mit konstanten oder wechselnden Blockierungen, paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien und
Vorhofflattern). Ein bipolarer Elektrodenkatheter mit zwei 1-2 mm breiten
Ringelektroden an der Spitze wird mittels Seldinger-Technik über die rechte Vena femoralis eingeführt. Das Elektrodenpaar wird unter Röntgenkontrolle am Kammerseptum unterhalb des septalen Segels der Trikuspidalklappe lokalisiert zur Registrierung eines His-Bündels-Potentials.
Ein zweiter quadri- oder hexipolarer Elektrodenkatheter wird ebenfalls
über die Vena femoralis rechts oder über die Vena basilica in den rechten
Vorhof eingeführt. Ein Elektrodenpaar liegt der lateralen Wand des rechten Vorhofs an; zur Vorhofstimulation von dieser Stelle aus wird dieses
R-auf-T-Phänomen
204
Elektrodenpaar an einen externen, programmierbaren Schrittmacher angeschlossen. Über ein weiteres, möglichst sinusknotennahe am Übergang
von der oberen Hohlvene in den rechten Vorhof gelegenes Elektrodenpaar,
wird ein bipolares kraniales Vorhofpotential abgeleitet. Vorhofpotential
und His-Bündel-Elektrogramm (untere Frequenzbestimmung 20 Hz) werden zusammen mit den Extremitätenableitungen I, II und III sowie der
Brustwandableitung Vy auf einem 6- oder 8-Kanal Photo-, UV- oder DüsenDirektschreiber bei einem Papiervorschub von 100 mm/sec registriert
R-auf-T-Phänomen Siehe: -> R on T phenomenon
RAVD = Ramus atrioventricularis dexter Ast der Arteria coronaria dextra.
Beim Rechtsversorgungstyp, welcher sich bei ca. 60% aller Fälle vorfindet, überquert die rechte Koronararterie die Crux cordis beträchtlich nach
links bzw. dem die Crux cordis überschreitenden Ramus posterolateralis
dexter (RPLD) entspringt ein relativ großer Ramus atrioventricularis dexter
(RAVD), welcher im Sulcus atrioventricularis sinister zur Herzbasis hinzieht. Ferner entspringen ihm auch mehrere große Äste zur Lateralwand
des linken Ventrikels. Synonyme Schreibweise: R.a.v.d.
RAVO = right atrioventricular orifice Rechtes Atrioventrikular-Ostium
*
»
RAVS = Ramus atrioventricularis sinister Ast der Circumflexarterie (A. circumflexus sinister, RCS), die von der Arteria coronaria sinistra abzweigt.
Synonyme Schreibweise: R.a.v.s.
RBBB = right bundle branch block Rechtsschenkelblock. Der Rechtsschenkelblock wird unterteilt in einen vollständigen und einen unvollständigen Block. Der W/7son-Block und der klassische Rechtsschenkelblock
gehören zum vollständigen Rechtsschenkelblock. Differentialdiagnostisch wird der unvollständige Rechtsschenkelblock nach der Form des
QRS-Komplexes in Vi in drei Typen unterteilt, die Rückschlüsse auf die
Ätiologie zulassen: Typ I: rSr’-Form, Typ II: RSR’- oder rSR-Form und Typ
III: rsR’-Form. In der deutschen kardiologischen Literatur wird neben der
deutschen Abkürzung (RSB) häufig auch die englische Schreibweise
(RBBB) verwendet. Siehe auch: -» RSB
RBBB + LAFB(LAHB) Siehe: -» RSB + LAFB
RBBB + LPFB (LPHB)Siehe: - RSB + LPFB
RBD = right border of dullness Rechte Dämpfungsgrenze
RBF = renal blood flow Nierendurchblutung, renaler Blutfluß. Unter Nierendurchblutung versteht man die gesamte Blutmenge, die entweder die
Nierenarterie oder die Nierenvene in einer bestimmten Zeiteinheit durchfließt. Der Unterschied zwischen der Stromstärke in der Arterie und der in
den Venen entsteht durch die Harnmenge, die im Verhältnis zu der gesamten durchfließenden Blutmenge vernachlässigt werden kann. Beim er-
205
rCBF
wachsenen Menschen fließen ungefähr 1300 ml Blut (ca. 25% des Herzminutenvolumens) pro Minute durch die beiden Nieren, obgleich ihr Gewicht
weniger als 0,5% des gesamten Körpergewichts ausmacht. In jeder Minute durchlaufen ca. 1299 ml Blut die Nierenvenen. Das bedeutet, daß der
normale Harnfluß ungefähr 1 ml/min beträgt. Die Bezeichnung renaler
Plasmafluß (RPF) bezieht sich auf die Plasmamenge, die entweder die Nierenarterie oder die Nierenvene in einer bestimmten Zeiteinheit durchläuft.
Da der Hämatokrit 45% beträgt, ist es klar, daß der renale Plasmafluß 55%
der Nierendurchblutung ausmacht
RBFD = renal blood flow distribution Intrarenale Durchblutungsverteilung
RB-Potential Biphasisches Potential des rechten Tawara-Schenkels zwischen H-Potential und V-Komplex im -► His-Bündel-Elektrogramm (-» HBE)
RC = resistance-capacitance Widerstands-Kapazität, z. B. RC-Kopplung
von Verstärkerstufen
RC = resistance/compliance Zeitkonstante. Bezeichnung für ein Analogon aus der Elektrizitätslehre für die Impedanz der Lunge; dieses ist das
Produkt aus Resistance/Compliance. Die Verteilung der Inspirationsluft
auf die einzelnen peripheren Lungeneinheiten hängt von der Impendanz
ab, die bei der Inflation der einzelnen Einheiten vorhanden ist. Sie wird bestimmt vom Produkt der Compliance der einzelnen Lungeneinheiten und
dem Strömungswiderstand der zu ihnen führenden Atemwege. Dies ist ein
Analogon zu dem Produkt aus Widerstand und Kapazität eines elektrischen Stromkreislaufs und wird als Zeitkonstante (RC) bezeichnet. Ungleichmäßig verteilte Änderungen der elastischen Eigenschaften oder des
Strömungswiderstandes der peripheren Lungeneinheiten, d. h. ungleichmäßig verteilte Zeitkonstanten der Lunge, beeinflussen die Verteilung der
Inspirationsluft in der Lunge und auch die Meßwerte für die Compliance
während der Atmung (= dynamische Compliance)
RCA = right coronary artery Rechte Koronararterie, Arteria coronaria dextra. Synonyme Schreibweise: A.c.d. Siehe auch: -+ A.c.d.
R.c.a. = Ramus coni arteriosi Konusarterie, Ast der Arteria coronaria dextra. Um Verwechslungen mit RCA = right coronary artery (rechte Koronararterie) zu vermeiden, wurde im Hinblick auf koronarangiographische Befunde von einem internationalen Nomenklaturkomitee 1970 vorgeschlagen, die Konusarterie mit -> RCO abzukürzen
RCA-MBF = myocardial blood flow of the right coronary artery Myokarddurchfluß der rechten Koronararterie
rCBF = regional cerebral blood flow Regionale zerebrale Durchblutung.
Mit der rCBF-Technik wird multiregional der zerebrale Blutfluß des Kortex
registriert. Damit lassen sich ideographische Karten verschiedenster zerebraler Aktivitäten darstellen.
RCC
206
Eine mit einem schwachen Gamma-Strahler, 133Xe, markierte Tracerlösung
wird in die Carotis interna injiziert. Dann mißt man meist auf der linken Seite des Kopfes (dominante Hemisphäre) die Radioaktivität mit einer Batterie von Detektoren. Die Präzision der Methode ist abhängig von der Anzahl
der Kristalle, erfüllt aber heute mit 254 Einheiten hohe Ansprüche. Ein
Rechner nimmt die Kinetik der Perfusion auf und integriert — da Blutdurchfluß und Metabolismus eng gekoppelt sind — ein realitätsnahes Abbild der neuronalen Aktivität.
Die Hirndurchblutung wird in letzter Linie durch die neuronale Aktivität reguliert. Diese „metabolische Regulation“ der Durchblutung hängt von
mehreren Faktoren ab, deren wichtigster wahrscheinlich die von den Nervenzellen gebildete CO2 ist. Eine Aktivitätszunahme führt zu einem Anstieg des PCO2, was eine Erniedrigung des extrazellulären pH bewirkt; dies
wiederum resultiert in einer Vasodilatation und einer Durchblutungszunahme. Eine herabgesetzte Aktivität ruft die gegenteilige Wirkung hervor.
Der Wert der rCBF kann deshalb unter normalen Bedingungen als Index
für den Funktionszustand in umschriebenen Teilen des Gehirns verwendet
werden
RCC = right coronary cusp In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für Aortenklappentasche aus dem rechtskoronaren Sinus
*
«
RCD = Ramus circumflexus dexter Ast der rechten Koronararterie, Arteria
coronaria dextra
RCD = relative cardiac dullness Relative Herzdämpfung
RCM = red cell mass Masse oder Volumen der Erythrozyten, Erythrozytenmasse (oder -volumen)
RCM = restrictive cardiomyopathy Restriktive Kardiomyopathie. Als Kardiomyopathien wurden bisher solche Erkrankungen des Herzmuskels zusammengefaßt, die entweder idiopathisch oder familiär (primäre CMP)
oder auch im Rahmen von Systemerkrankungen (sekundäre CMP) vorkommen. Nicht eingeschlossen wurden dabei die rheumatische Karditis und
die Myokardveränderungen bei Hypertension und koronarer Herzerkrankung. Diese Erkrankungsgruppe wurde nach einem Vorschlag von Good'
win klassifiziert in hypertrophische nicht-obstruktive Kardiomyopathie
(HNCM), restriktive Kardiomyopathie (RCM) und kongestive Kardiomyopathie (CCM). Die sekundären KMP waren ganz überwiegend in der Gruppe
der CCM zu finden
Nach einer neuen Klassifikation (Siehe: -> COCM, -* CMP, -> DCM, -»
ROCM) werden die restriktiven (obiiterativen und infiltrativen) Kardiomyopathien nicht mehr berücksichtigt, da hier Perikard- oder Endokarderkrankungen zugrunde liegen. Synonyme Abkürzung: -+ ROCM
RCO = Ramus corn arteriosi Konusarterie. Die zum Conus pulmonalis hinziehende Konusarterie weist in ca. der Hälfte der Fälle ein selbständiges
Ostium von ca. 1 mm Durchmesser oberhalb des Abganges der rechten
207
RCT
Koronararterie auf. Nicht selten entspringt sie auch einem gemeinsamen
Stamm mit der Sinusknotenarterie. In den übrigen Fällen nimmt sie ihren
Ursprung aus dem rechten Hauptstamm, wenige Millimeter unterhalb des
rechte Ostiums. Die Konusarterie stellt bei Verschluß des Ramus interventricularis anterior einen relativ häufigen Kollateralweg dar, welcher schon
von Viessens beschrieben wurde. Sowohl wegen ihres häufig separaten
Ursprunges, aber auch wegen des meist sehr hoch sitzenden Abganges
aus dem rechten Hauptstamm, direkt unterhalb des Ostiums, kommt die
Konusarterie während der Angiographie nicht regelmäßig zur Darstellung
RCR = Retrokardialraum Holzknechtscher Raum, Herzhinterraum (HHR).
In der Röntgendiagnostik gebräuchliche Bezeichnung für den Raum, der
sich auf seitlichen Thoraxübersichtsaufnahmen zwischen Herz und Wirbelsäule darstellt. Er ist besonders bei Mitralklappenstenose durch Erweiterung des linken Vorhofes eingeengt Auch RKR wurde als Abkürzung verwendet
RCS = rabbit aorta contracting substance Die RCS wurde erstmals 1969
von Piper und Vane bei der Allergenprovokation der sensibilisierten Meerschweinchenlunge nachgewiesen. Sie bewirkt eine kräftige Kontraktion
der Kaninchenaorta, aber auch isolierter menschlicher Bronchiolen. Wegen der extrem kurzen Halbwertszeit (1-3 min) ist ihre Analyse sehr kompliziert. Möglicherweise handelt es sich um ein instabiles Intermediärprodukt der Prostaglandinsynthese
RCS = Ramus circumflexus sinister Hauptstamm der Circumflexarterie.
RCS verläuft nach Abgang aus dem linken Hauptstamm in der atrioventrikulären Grube zwischem linkem Vorhof und linkem Ventrikel parallel zum
Koronarsinus zur Lateral- und Hinterwand des linken Ventrikels. Die als
posterolaterale Äste bezeichneten, seitlich beinahe im rechten Winkel abgehenden, sich über die Lateralwand verbreitenden Arterien entspringen
in unterschiedlicher Zahl und mehrfachen Verzweigungen aus dem Hauptstamm des Ramus circumflexus, wobei nicht selten der 2. oder 3. posterolaterale Ast scheinbar in der direkten Fortsetzung des Hauptstammes der
Circumflexa liegt, und das weiter in der AV-Grube zur Crux cordis hin verlaufende, als AV-Ast der Circumflexa bezeichnete Gefäß nur noch als kleines Kaliber aufweist. Synonyme Abkürzungen: R.c.s., RCX und CX
RCT = radionuclide computerized tomography Bei der transaxialen
(Emissions-)Computer-Tomo-Szintigraphie wird die aus dem Körper emittierte Gammastrahlung gemessen. Im Unterschied dazu wird beim bekannteren CAT-Verfahren (Computerized Axial Tomography) die Schwächung
von Röntgenstrahlen in Transmission gemessen. Die Begriffe „Transmissions CT“ werden für die Röntgenverfahren und „Emissions CT“ für die
szintigraphischen Verfahren benutzt. Diese Nomenklatur wird noch nicht
ausschließlich verwendet. Im Laufe der Entwicklung wurden für die Emissionsverfahren mit Radionukliden unter anderem die Begriffe transverse
section tomography, transaxial tomography, emission tomography oder
radionuclide computerized tomography, RCT benutzt
RCX
208
RCX = Ramus circumflexus sinister Hauptstamm der Circumflexarterie.
Von einem internationalen Nomenklaturkomitee wurde 1970 die Abkürzung ->■ RCS vorgeschlagen
RD = Ramus diagonalis (Rami diagonales) Ast bzw. Äste des Ramus interventricularis anterior (RIVA, LAD, RIA, RDA). Der Ramus interventricularis
anterior gibt sehr selten Äste zur freien Wand des rechten Ventrikels ab.
Im Angiogramm, vor allem in der schräg-linken Projektion, scheinbar nach
rechts hin verlaufende, vorwiegend hoch abziehende Äste, erweisen sich
in anderen Projektionen, vor allem schräg-rechts oder seitlich bzw. halbaxial, stets als septale Gefäße. Im Gegensatz dazu finden sich in der Regel
mehrere nach links, weit über die freie Wand des linken Ventrikels hinziehende Äste; sie werden wegen ihres schrägen Verlaufes zwischen Ramus
interventricularis anterior und Ramus circumflexus als Rami diagonales
(RD) bezeichnet. Der erste große diagonale Ast entspringt in der Regel aus
dem oberen Drittel des Ramus interventricularis anterior, vor oder direkt
nach Abgang des I. septalen Astes. Er weist meistens mehrere Verzweigungen auf und hat einen leicht geschlängelten Verlauf
RDA = Ramus descendens anterior Ast der Arteria coronaria sinistra. Die
Aufteilung des linken Hauptstammes erfolgt in zwei, nicht selten sogar
drei bis vier Äste, den Ramus descendens anterior, Ramus circumflexus,
Ramus diagonalis und häufig noch einen Ramus marginalis. Der Ramus
descendens gibt Verzweigungen in drei Richtungen ab: Zur Vorderwand
des linken Ventrikels, zur Vorderwand des rechten Ventrikels und in das
Septum interventriculare. Er versorgt also von allen Kranzarterien den
größten Teil der Herzmuskulatur und ist deshalb treffend — auch weil in
ihm am häufigsten koronarsklerotische Stenosen zu finden sind, von Hegemann als Schicksalsarterie des Menschen bezeichnet worden. Der Verlauf, die Länge und der Durchmesser des Ramus descendens anterior ist
im Vergleich zum Ramus circumflexus und zur rechten Kranzarterie recht
konstant. Nur sehr selten findet sich ein „kurzer“, in der Mitte der Vorderwand auslaufender Ast. In ca. 50% liegt die Endverzweigung an der Herzspitze, in 40-60% biegt der Ramus descendens anterior um die Herzspitze in den Sulcus interventricularis posterior und versorgt einen unterschiedlich großen Teil der Hinterwand und des hinteren Septum. Die nach
rechts abgehenden Äste sind sehr klein und versorgen nur einen schmalen
Streifen der Vorderwand des rechten Ventrikels.
In der englisch- und deutschsprachigen Literatur werden neben RDA noch
drei weitere gleichbedeutende Namen und synonyme Abkürzungen verwendet: -> LAD = left anterior descending, -» RIA = Ramus interventricularis anterior und -» RIVA = Ramus interventricularis anterior
RDA = recommended dietary allowance Abkürzung für die vom USA National Research Council, Unterkomitee „Food and Nutrition Board“, herausgegebenen, von Zeit zu Zeit ergänzten Empfehlungen über die nach Art
und Menge wünschenswerte Höhe der Nahrungszufuhr (Menge an Kalorien, Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Wasser, Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen)
209
RG
RDLBBB = rate dependent left bundle branch block Frequenzabhängiger
Linksschenkelblock. Synonyme Bezeichnung: rate related LBBB, frequency dependent LBBB
RDS = respiratory distress syndrome Kindliches Atemnotsyndrom. Das
Atemnotsyndrom, auch Membransyndrom, hyalines Membransyndrom
oder idiopathisches Membransyndrom genannt, ist die wichtigste Lungenfunktionsstörung des Neugeborenen, insbesondere des Frühgeborenen.
Es handelt sich hierbei um eine in den ersten Stunden post partum manifest werdende, unterschiedlich stark ausgebildete, pulmonale Insuffizienz
mit den klinischen Hauptsymptomen Tachypnoe und Dyspnoe mit inspiratorischen Einziehungen und exspiratorischem Stöhnen. Mit rund 10%
stellt es die häufigste Todesursache des unreif geborenen Kindes dar. Neben diesen klassischen Symptomen erlaubt die Beurteilung der Hautfarbe
eine zusätzliche Aussage über eine Hypoxämie und über Zirkulationsstörungen. Veränderungen der Motorik, des Muskeltonus und der Bewußtseinslage weisen auf eine zerebrale Beeinträchtigung hin. Die verschiedenartigen Lungenalterationen, die der Pathologe erhebt, sind — geordnet
nach der Häufigkeit — Atelektasen, hyaline Membranen, Lungenblutungen, Aspiration, Lungenödem, Aspirationspneumonie und Emphysem
RDS-score Punkteschema zur Schweregradeinteilung des -♦ RDS beim
Neugeborenen. Siehe auch: -»• APGAR
RF = Residualfraktion Verhältnis von endsystolischem zu enddiastolischem Ventrikelvolumen. Bestimmung erfolgt aus der Farbstoffauswaschkurve in der Aorta bei Injektion in den linken Ventrikel oder aus angiokardiographisch bestimmten Kammervolumina. Die RF ist bei myokardialer
Insuffizienz erhöht
RF = respiratory failure Respiratorische Insuffizienz
RFP = rapid filling phase Rasche Füllungphase; O-Punkt des Apexkardiogramms bis Ende der raschen Füllungswelle. Normalwert: 90 bis 100 msec.
Siehe auch -» RFW
RFW = rapid filling wave Schnelle Füllungswelle im Apexkardiogramm.
Sie reicht vom Punkt 0 bis zum Gipfel der Einwärtsbewegung des Herzens
bei der frühen Ventrikelfüllung, oder vom Punkt 0 bis zum Gipfel der
schnellen Aufwärtsbewegung des Apexkardiogramms. Dieser Gipfelpunkt
koindiziert mit dem III. HT. Wenn der Ventrikel nachgiebig ist, d. h. eine gute Compliance besitzt, resultiert eine ausgeprägte RFW bzw. sogar eine
überschießende Auswärts-Einwärtsbewegung. Bei Abnahme der Compliance (u. a. Aortenstenose, linksventrikuläre Hypertrophie, älterer
Mensch) erscheint diese Welle abgeflacht. Besondere Bedeutung gewinnt
das Intervall ORFW bei der Abschätzung der Mitralstenose
RG = Rasselgeräusche Auskultatorisch über der Lunge wahrnehmbare
Geräusche; trockene Rasselgeräusche bei zähem Schleim in den Bron-
RGF
210
chien; feuchte Rasselgeräusche bei gleichzeitiger Infiltration des Lungengewebes, vor allem bei Tuberkulose; Knister-Rasselgeräusche bei beginnender und abklingender Pneumonie (Crepitatio indux und Crepitatio redux)
RGF = regurgitation fraction Regurgitationsfraktion. Methode zur Bestimmung der Residualfraktion (Verhältnis von endsystolischem und enddiastolischem Ventrikelvolumen). Sie basiert auf der Messung vom Amplitudendifferenzen. Es werden für zwei aufeinanderfolgende Herzzyklen die
Differenzwerte aus den drei enddiastolischen (oder endsystolischen) Amplituden ermittelt. Das Verhältnis der kleineren zur größeren Differenz ist
die Restfraktion (rf) des Kontrastmittels. Im Falle einer Klappeninsuffizienz ist die regurgitierende Kontrastmittelmenge eingeschlossen. Die
ventrikuläre Residualfraktion (RF) errechnet sich dann unter Berücksichtigung der Regurgitationsfraktion (RGF): RF = (rf — RGF) / (1 — RGF).
In gleicher Weise können noch ein oder zwei weitere Zyklen analysiert werden. Bei Auftragung der Werte (Differenzwerte) auf semilog-arithmetischem Papier sollten diese auf einer Geraden liegen
RGPD = range-gated pulsed Doppler(echo-cardiography) Beim Pulsed
Doppler-System handelt es sich bei der Schallentstehung und -abgabe um
dasselbe technische Prinzip, wie bei allen ein- oder zweidimensionalen
echokardiographischen Geräten. Tausendmal je Sekunde oder öfter wird
ein kurzer Ultraschallimpuls vom Sendekristall ins Gewebe gesendet (pulsed). Das Echo des gesendeten Signals wird dann durch denselben Kristall wieder empfangen. Damit unterscheidet sich diese Methode prinzipiell von der Methode des Continuous Wave Doppler, der häufig zur peripheren Gefäßdarstellung benutzt wird, bei dem ein Sendekristall einen
kontinuierlichen Ultraschallstrahl sendet und ein 2. Kristall die Echos
empfängt, um sie hinsichtlich des Dopplershifts zu analysieren. Unterschiedlich ist die Range-Gated Pulsed Doppler-Echokardiographie im Vergleich zur üblichen ein- und zweidimensionalen Echokardiographie erst in
der Analyse der empfangenden Echos: Der größte Teil der zurückkommenden Echos (die Pulsrate liegt bei der RGPD-Echokardiographie wesentlich
höher: 3000 — 10 000/sec) wird hinsichtlich der Dopplerinformation analysiert. Ein kleiner Teil wird zur anatomischen Darstellung benutzt, um ein
übliches M-Mode-Bild aufzubauen (ca. 300 Impulse/sec). Da man nur aus
einer bestimmten Region die Analyse des Dopplershifts bekommen möchte, werden nur die aus diesem Teil zurückkommenden Echos analysiert*
Dies ist möglich, weil Echos aus unterschiedlicher Tiefe unterschiedlich
schnell zurückkommen. Um also das Dopplerphänomen einer bestimmten
Tiefe zu analysieren, darf man nur den entsprechenden Zeitraum der zurückkommenden Echos analysieren. Dieser zu analysierende Zeitraum
wird elektronisch durch das sog. Time-Gate oder Range-Gate = RangeGated Pulsed Doppler-Echokardiographie festgelegt. Durch unterschiedliches Setzen des Range-Gates lassen sich unterschiedliche Zeiträume
bzw. Tiefen und damit unterschiedliche Herzanteile untersuchen. Die Lokalisation des Range-Gates wird durch eine Linie in der M-ModeRegistrierung mitgeteilt. Als Beispiel nehme man die Aorta, die in 5 cm Tie-
211
RIM,
fe liegt. Die Schallgeschwindigkeit im Herzen beträgt ca. 1,5 mm/^s. Der
Schallimpuls wird also 75 //s brauchen, um vom Transducer zum entsprechenden Gebiet zu gelangen: und weitere 75 //s, um zum Transducer zurückzukommen. Durch das Range-Gate werden dann nur die Impulse registiert, die um 150 /l is nach Angaben des Impulses zurückkommen. Durch
ein genaues Range-Gate läßt sich das Sammelvolumen für die Analyse
des Dopplershifts in der Längsachse des Ultraschallstrahls genau bestimmen. In der Breite entspricht das Volumen der Weite des Ultraschalls des
jeweils verwendeten Transducers
RHD = rheumatic heart disease Rheumatische Herzerkrankung
RHWB - Regionale Herzwandbewegung In der Nuklearkardiologie verwendete Abkürzung (engl.: regional wall motion)
RIA = Ramus interventricularis anterior Ast der Arteria coronaria sinistra.
Weniger verwendete Abkürzung; Verwechslungsmöglichkeit mit Radioimmunoassay. Synonym werden folgende Abkürzungen verwendet: -> RDA
= Ramus descendens anterior, -> LAD = left anterior descending und ->
RIVA = Ramus interventricularis anterior
RIHSA = radio iodinated human serum albumin 131 j-markiertes menschliches Serumalbumin. Es dient in der Isotopendiagnostik als Indikator zur
Bestimmung des Plasmavolumens, zur Messung der Leberdurchblutung
und Lokalisationsdiagnostik von Tumoren.
Das totale Blutvolumen ist definiert als Summe des totalen Zeitvolumens
und des totalen Plasmavolumens im Gefäßbett. Alle Methoden zur Bestimmung des totalen Blutvolumens beruhen auf der Verdünnung eines geeigneten Indikators, d. h., daß das Verteilungsvolumen des Indikators das
ganze Gefäßbett und nur dieses betrifft. Aus diesem Grund eignen sich am
besten Indikatoren, welche an das Serumalbumin oder an die roten Blutkörperchen gebunden werden. Als Indikatoren für das Plasmavolumen
werden vorwiegend verwendet: Evansblau (= T-1824), 125J, 131J (RIHSA =
radioactive iodinated human serumalbumin). Für die Messung des Erythrozytenvolumens werden verwendet: 59Fe, 32P, 51Cr
RIM = Ramus intermedius Vom Ramus interventricularis anterior (RIVA)
zweigen mehrere nach links, weit über die freie Wand des linken Ventrikels
hinziehende Äste; sie werden wegen ihres schrägen Verlaufes als Rami
diagonalis bezeichnet. Der erste große diagonale Ast entspringt in der Regel aus dem oberen Drittel des Ramus interventricularis anterior, vor oder
direkt nach Abgang des I. septalen Astes. Er weist meistens mehrere Verzweigungen auf und hat einen leicht geschlängelten Verlauf. In ca. einem
Drittel der Fälle nimmt ein großer „diagonaler“ Ast seinen Ursprung direkt
aus dem linken Hauptstamm, der dann nicht in eine Bi-, sondern Trifurkation ausmündet. In diesem Fall wird er als Ramus intermedius (RIM) bezeichnet, da er zwischen Ramus interventricularis anterior und Ramus circumflexus über die freie Wand des linken Ventrikels in Richtung Herzspitze verläuft
212
RIMA
RIMA = right internal mammary artery Arteria mammaria interna (BNA),
Arteria thoracica interna (PNA). Sie zweigt ab aus der Arteria subclavia
und zieht unter der 1. Rippe nach medial, auf der Pleura costalis abwärts
und endet jenseits des Trigonum sternocostalis an der vorderen Bauchwand als Arteria epigastrica superior
RIN - Radioisotopen-Nephrographie Die RIN wird heute in erster Linie in
Verbindung mit Clearance-Verfahren zum quantitativen Seitenvergleich
der Nierenfunktion eingesetzt. Auf diese Weise kommt dem erweiterten
Radioisotopen-Nephrogramm ein beachtlicher Aussagewert für die diagnostischen Erfordernisse der Nephrologie und Urologie zu. Mit der RIN
sind folgende Informationen zu erhalten:
1. Vorhandensein funktionstüchtiger Nieren (z. B. vor geplanter Nephrektomie der kranken Niere der Gegenseite, ferner bei TransplantatnierenSpendern)
2. Abflußverzögerungen bzw. -behinderungen sowie deren erfolgreiche Beseitigung (z. B. nach Nierenstein-Operation, Strahlentherapie intraabdominaler Tumoren)
3. die Seitenlokalisation der besser funktionierenden Niere (z. B. bei geplanter Nierenfistelung von Zystennieren) und — in begrenztem Umfang
— die Effektivität medikamentöser Behandlung (z. B. Antibiotika-Therapie)
4
RIND = reversible ischemic neurological deficit Reversible Ischämiebedingte neurologische Ausfallserscheinungen. Stadium 3a einer zerebralen Ischämie. Die Störungen können sich zurückbilden. Halten die Ausfallserscheinungen länger als einige Tage (bis etwa zwei Wochen) an, wird
vorzugsweise der Begriff der prolonged reversible ischemic neurological
deficits (-» PRIN), also der prolongierten, reversiblen, ischämisch bedingten neurologischen Ausfallserscheinungen gebraucht. Die Übergänge zwischen RIND und PRIND sind fließend und subjektiven Wertungen unterworfen. Siehe auch: -► PRIND, -» TIA
RIVA = Ramus interventricularis anterior Ast der linken Koronararterie,
Arteria coronaria sinistra (LCA = left coronary artery), die im amerikanischen Klinikjargon auch als „main left“ bezeichnet wird.
Die linke Kranzarterie läuft, verdeckt durch den Truncus pulmonalis, nach
vorn. Sie weist in diesem Bereich einen angiographischen Durchmesser
von 3-4 mm auf. Im Koronarangiogramm kommt der Stamm der linken
Kranzarterie am besten in rechter schräger oder halbaxialer kaudokranialer Position zur Darstellung. Nach 10-30 mm teilt sich die Arteria coronaria sinistra in ihre beiden Hauptäste, nämlich den im Sulcus interventricularis anterior zur Spitze hin verlaufenden Ramus interventricularis anterior
(gebräuchliche Abkürzungen: RIVA, LAD, RIA) und den über den Margo obtusus nach dorsal zum Sulcus coronarius verlaufenden Ramus circumflexus. Der Ramus interventricularis anterior stellt die direkte Fortsetzung
des linken Hauptstammes dar und verjüngt sich bis zur Spitze auf einen
angiographischen Durchmesser von 1-2 mm. Gelegentlich greift er um
die Spitze herum atif die Hinterwand über. Der Ramus interventricularis anterior ist gewöhnlich das für das Schicksal des Koronarkranken entschei-
213
rMBF
dende Gefäß, er wird deshalb etwas pathetisch auch als das „Schicksalsgefäß des Herzens“ bezeichnet
Außer RIVA werden andere gleichbedeutende Namen und synonyme Abkürzungen verwendet:
LAD = left anterior descending, -> RDA (R.d.a.)
= Ramus descendens anterior und gelegentlich auch -» RIA = Ramus interventricularis anterior
RIVP = Ramus interventricularis posterior Distaler Ast des rechten Hauptstammes der Arteria coronaria dextra. In der amerikanischen Literatur
wird auch synonym die Abkürzung -► RPD = right posterior descending
verwendet. Der Ramus interventricularis posterior weist zahlreiche kurze
septale Äste auf, welche meistens nicht mehr als 1 - 2 cm tief in das untere Septum vordringen, wobei die hinteren die vorderen an Länge deutlich
übertreffen. Der Ramus interventricularis posterior durchblutet dementsprechend einen relativ kleinen, dreieckförmigen Bezirk des interventrikulären Septums, welcher — wie sich am besten anhand der kapillären Phase des Angiogrammes in schräg-rechter Projektion zeigt — die hintersten
und unteren Partien umfaßt. Im Gegensatz zum Ramus interventricularis
posterior, welcher in seinem Verzweigungsmuster nur wenig Varianten
aufweist, zeigt der über die Crux cordis hinaus nach links hinziehende Ramus posterolateralis dexter ein wesentlich stärker unterschiedliches Verhalten, indem er sich oft in mehrere Seitenäste aufteilt
RIVT = right idiopathic ventricular tachycardia Idiopathische ventrikuläre
Tachykardie im Bereich des rechten Ventrikels. Gelegentliche Schreibweise: right ventricular VT
RKR = Retrokardialraum Holzknechtscher Raum -» HHR
RLAS = rapid left atrial stimulation Rasche linke Vorhofstimulation.
Siehe auch: -» RAS
RLBCD = right lower border of cardiac dullness Rechte untere Grenze der
Herzdämpfung
RLL = right lower lobe Linker Unterlappen der Lunge
RLQ = right lower quadrant Rechter unterer Kreisausschnitt oder Quadrant
RLS (R-L-Shunt) = Rechts-Links-Shunt Besteht eine Untersättigung des
arteriellen Blutes (Ü2Hb <94%) bei normaler Atmung, so muß ein RechtsLinks-Shunt angenommen werden. Ein extrapulmonaler Shunt wird durch
Vergleich der Lungenvenensättigung mit der arteriellen Sättigung bewiesen. Die Beimischung kann auf Vorhof-, Ventrikel- oder Gefäßebene erfolgen. Der Rechts-Links-Shunt wird üblicherweise in % des Körperzeitvolumens angegeben
rMBF = regional myocardial blood flow Regionale Myokarddurchblutung
RMCA
214
RMCA = right middle cerebral artery Linke Arteria cerebri media (PNA);
der stärkste Endast der Arteria carotis interna seitlich vom Chiasma. Bei
Zirkulationsstörungen kommt es zum Cerebri-media-Syndrom
RMD = Ramus marginalis dexter Marginaler Ast aus dem distalen Ende
der Arteria coronaria dextra. Er versorgt die diaphragmalen Abschnitte des
rechten Ventrikels und gibt zeitweise auch noch septale Äste ab
RML = right middle lobe Rechter mittlerer Lungenlappen
RMP = Ruhe-Membran-Potential Siehe: -* MRP = membrane resting potential
RMS = Ramus marginalis sinister Ast des aus der Arteria coronaria sinistra abzweigenden Ramus interventricularis sinister (RIVA)
RMSV = right maximal spatial vector Rechtsmaximaler räumlicher Vektor
im Vektorkardiogramm
RNA = Ramus nodi atrioventricularis AV-Knotenarterie. Kurz vor oder im
Bereich der Crux cordis, selten danach, teilt sich die rechte Kranzarterie in
diesen hinteren interventrikulären Ast und einen Ramus atrioventricularis,
der nach kurzem Verlauf die A\/-Knotenarterie und ein oder zwei unterschiedlich kalibrierte Rami posteriolateralis abgibt.
Die AV-Knotenarterie ist leicht daran zu identifizieren, daß sie nebst ihrem
typischen Abgang, in schräg-linker Projektion auf den in ihrer Verlängerung liegenden rechts-koronaren Sinus der Aortenklappe hin orientiert ist
RNS = Ramus nodi sinuatrialis (dexter) Sinusknotenarterie. Vom Ostium
zieht der rechte Hauptstamm, dem Sulcus zwischen rechtem Vorhof und
rechtem Ventrikel folgend, in einem großen, nach ventral hin orientierten
Bogen nach unten. Kurz unterhalb des Ostiums finden sich mehrere rechtsatriale resp. Vorhofäste, die als kurz angelegte, geschlängelte, schmale
Gefäße erkennbar sind und in schräg-rechter Projektion sich deutlich nach
hinten in Richtung des rechten Vorhofes resp. der Wirbelsäule orientieren.
Häufig nimmt kurz unterhalb des Ostiums auch die Sinusknotenarterie ihren Ursprung. In schräg-rechter Projektion (RAO) verläuft sie als ein nach
dorsal und kranial hin orientiertes und nicht selten sich mehrfach verzweigendes Gefäß zur Einmündungsstelle der Vena cava superior in den rechten Vorhof, wobei sie häufig die Vena cava superior noch bogenförmig umrankt. Sie weist in der Regel eine beträchtliche Länge von mehreren Zentimetern bei einem Durchmesser von ca. 1 mm auf. In schräg-linker Projektion (LAO) erscheint die Sinusknotenarterie zwar ebenfalls nach hinten
und gegen die Basis der Aorta und der Vena cava superior hin orientiert,
läuft aber scheinbar auch auf den Conus pulmonalis zu
RNV-EF = radionuclide ventriculographically (determined left ventricular)
ejection fraction Radionuklid-ventrikulographisch gemessene linksventrikuläre Auswurffraktion
215
R on T phenomenon
ROCM = restrictive obliterative cardiomyopathy Restriktive obliterierende Kardiomyopathie. Unter hämodynamischen Gesichtspunkten lassen
sich nach Oakley bei den primären Kardiomyopathien drei Formen unterscheiden, denen auch ein unterschiedliches pathologisch-anatomisches
Substrat zugrunde liegt:
a) systolischer Pumpfehler; kongestive Kardiomyopathie (congestive cardiomyopathy, COCM). Nach den neuesten Nomenklaturvorschlägen wird
diese Form der Kardiomyopathie als „dilatative Kardiomyopathie“ bezeichnet (-> DCM)
b) diastolischer Compliance-Fehler; hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie (hypertrophic obstructive cardiomyopathy, HOCM)
c) restriktive (obliterative) Kardiomyopathie (restrictive obliterative cardiomyopathy, ROCM)
Für die ROCM ist charakteristisch, daß die diastolische Füllung des Herzens behindert ist. In dieser Gruppe werden die verschiedenen Formen der
Endokardfibrosen eingeordnet. Sie umfaßt zumindest drei Sonderformen:
Endocarditis parietalis fibroplastica Löffler, die Endomyokardfibrose und
die Fibroelastose. In den neuesten Nomenklaturvorschlägen werden diese
Formen der Kardiomyopathie nicht mehr berücksichtigt
R.OI = regions of interest Zur quantitativen Auswertung von Szintigrammen muß das Datensystem die Möglichkeit bieten, auf einem szintigraphischen Bildschirm ausgewählte Bereiche zu markieren (regions of interest).
Durch die Bestimmung des zeitlichen Verlaufes der Impulsraten in solchen
Bereichen werden Zeitaktivitätskurven gewonnen, die die Grundlage für
die weitere quantitative Auswertung bilden. Das Vorgehen ist für die einzelnen klinischen Fragestellungen sehr unterschiedlich und entwickelt
sich häufig mit dem methodischen Fortschreiten. Deshalb ist es vorteilhaft, wenn szintigraphische Datensysteme nicht nur vorgefertigte Basisfunktionen erfüllen, sondern darüber hinaus noch programmierbar sind.
Basisfunktion der Datensysteme sind: Aufnahme der szintigraphischen
Daten, unter Umständen einschließlich bestimmter physiologischer Signale. Speicherung der Primärdaten und im Zuge der Auswertung hinzukommende Daten. Darstellung szintigraphischer Matrizen auf einem Bildschirm. Umranden der ROI auf dem Bildschirm. Bestimmung von Zählratenintegralen in den ROIs. Bestimmung von Zeitaktivitätskurven in den ROIs
R on T phenomenon R-auf-T-Phänomen. Frühes Einfallen einer ventrikulären Extrasystole, deren R-Zacke auf die T-Welle des vorhergehenden
Schlages trifft. Während der Repolarisationsphase der Herzmuskelzelle
besteht kurzfristig ein Zustand, in dem es zu einem kritischen Abfall der
sog. Flimmerschwelle kommt. Während dieser Phase kann das Herz durch
einen minimalen Reiz in ein Flimmern übergeführt werden. Dieser Zeitpunkt liegt kurz vor dem Gipfel der T-Welle (vulnerable phase). In Situationen, in denen aus krankhafter Ursache die Erregbarkeit des Herzens erhöht ist und die Flimmerschwelle abnorm erniedrigt ist, kann so eine ektope Herzaktion zum Kammerflimmern führen. Quantitative Angaben zur Lokalisation einer Extrasystole in der vulnerablen Phase im elektrischen
Herzzyklus lassen sich durch den sog. Vorzeitigkeitsindex machen. Dieser
RP
216
Quotient wird aus dem Kupplungsintervall Normalschlag zur Extrasystole
und der QT-Dauer des vorausgehenden Normalschlags errechnet (Smirk
und Palmer, 1960; Büchner und Effert, 1965)
RP = refractory period Refraktärperiode, Refraktärzeit, Refraktärphase.
Die Zeit nach Beginn einer elektrischen Erregung, in der die Zellen auf einen elektrischen Reiz nicht mit einem Aktionspotential antworten. Zu unterscheiden sind die verschiedenen Refraktärzeiten des Vorhofes, des AVKnotens und des His-Purkinje-Systems. Die Bezeichnungen der verschiedenen Refraktärzeiten des menschlichen Reizleitungssystems sind nicht
einheitlich und stimmen auch mit den elektrophysiologischen Termini
nicht überein. Heute sind im allgemeinen folgende Definitionen gebräuchlich:
a) Effektive Refraktärperode (ERP): Sie ist das längste Intervall zwischen
zwei elektrischen Impulsen, bei dem der vorzeitige Impuls keine Erregung
des Gewebes mehr auslöst. Sie entspricht der absoluten Refraktärzeit der
Elektrophysiologie
b) Relative Refraktärperiode (RRP): Sie ist definiert als das längste Intervall
zwischen Grundrhythmus und vorzeitigem Impuls, bei dem die Leitungszeit der vorzeitigen Erregung gerade noch gegenüber dem Grundrhythmus
verlängert ist
c) Funktionelle Refraktärperiode ,(FRP): Bezeichnung für das kürzeste Intervall zwischen zwei elektrischen Impulsen, bei dem die vorzeitige Depolarisation noch geleitet wird und zu einer nachweisbaren Erregung distaler
Gewebsabschnitte führt
In der Herzschrittmacher-Terminologie wird unter Refraktärzeit das Zeitintervall zu Beginn der Periodendauer eines synchronen Herzschrittmachers
verstanden, währenddessen der Detektorkreis des Schrittmachers geschlossen, d. h. nicht aufnahmebereit ist
RPA = right pulmonary artery Rechte Arteria pulmonalis
RPD = right posterior descending Synonyme Abkürzung und Bezeichnung
für -► RIVP = Ramus interventricularis posterior (Ast der Arteria coronaria
dextra)
RPF = renal plasma flow Plasmadurchströmung der Niere. Unter Nierendurchblutung (renaler Blutfluß, RBF) versteht man die gesamte Blutmenge, die entweder die Nierenarterie oder die Nierenvene in einer bestimmten
Zeiteinheit durchfließt. Der Unterschied zwischen der Stromstärke in der
Arterie und der in der Vene entsteht durch die Harnmenge, die im Verhältnis zu der gesamten durchfließenden Blutmenge vernachlässigt werden
kann. Beim erwachsenen Menschen fließen ungefähr 1300 ml Blut (etwa
25% des Herzminutenvolumens) pro Minute durch die beiden Nieren, obgleich ihr Gewicht weniger als 0,5% des gesamten Körpergewichts ausmacht. In jeder Minute durchlaufen ca. 1299 ml Blut die Nierenvenen. Das
bedeutet, daß der.normale Harnfluß ca. 1 ml/min beträgt. Die Bezeichnung
renaler Plasma fluß (RPF) bezieht sich auf die Plasmamenge, die entweder
die Nierenarterie oder die Nierenvene in einer bestimmten Zeiteinheit
217
RRPA
durchläuft. Da der Hämatokrit 45% beträgt, ist es klar, daß der renale Plasmafluß 55% der Nierendurchblutung ausmacht
RP-HPS = Refraktärperiode des His-Purkinje-Systems Synonyme Schreibweisen: RP HPS, RPh p s
RPLD = Ramus posterolateralis dexter Ast des Ramus circumflexus dexter (ROD). Als Ramus posterolateralis dexter wird das Gefäß bezeichnet,
welches über die Crux cordis hinaus nach links zieht und sich dabei fächerförmig auf die diaphragmalen Abschnitte des linken Ventrikels ausbreitet. Als wesentlich ist dabei zu beachten, daß der distale Teil der rechten Koronararterie in einem U-förmigen Bogen die Crux cordis überbrückt,
eine Struktur, die sowohl in schräg-linker als auch schräg-rechter Projektion erkennbar ist und mehrheitlich vom Ramus posterolateralis dexter,
seltener auch vom Ramus circumflexus dexter oder Ramus interventricularis posterior gebildet wird
RPLS = Ramus posterolateralis sinister Ast des aus der linken Koronararterie abzweigenden Ramus circumflexus sinister (RCS). Beim Linksversorgungstyp stellt der AV-Ast allerdings die eigentliche Fortsetzung des
Hauptstammes der Circumflexa dar. Er zieht dann mit großem Kaliber bis
zur Crux cordis, wo er noch den Ramus posterolateralis dexter und Ramus
interventricularis posterior sowie die AV-Knotenarterie abgibt
RQ = respiratory quotient Respiratorischer Quotient, Atmungsquotient.
Der RQ wird definiert als das Volumenverhältnis von abgegebenem Kohlendioxid zum aufgenommenen Sauerstoff: RQ x CO2/O2- Man spricht auch
von respiratorischer Austauschrate, wenn der Quotient sich als Funktion
der Zeit ändert. Aus dem respiratorischen Quotienten und dem gemessenen Gaswechsel läßt sich der Anteil der am Stoffwechsel beteiligten Nährstoffe und die dabei erzeugte Wärmebildung berechnen
RR = respiratory rate Atemfrequenz bzw. Beatmungsfrequenz
Rr-Intervall Abstand zweier aufeinanderfolgender R-Zacken im EKG,
gleichbedeutend mit Pulsperiodendauer, postextrasystolisches Intervall
RRP = relative refractory period Relative Refraktärperiode (oder -zeit).
Längstes Kopplungsintervall zwischen Grundrhythmus und Extrastimulus
(S1S2), das zu gerade beginnender Verlängerung der Leitungszeit des vorzeitigen Schlages im Vergleich zum vorangehenden Schlag führt. Die full
recovery time der Englänger ist mit der RRP praktisch identisch. Siehe
auch: -> ERP, -> FRP, ->• RP
RRP A = Relative Refraktärperiode des Atrium Ein zweiter atrialer Zusatzimpuls (A3), der nach dem blockierten ersten Extraschlag (A2) abgegeben
wird, kann den AV-Knoten erst dann wieder passieren, wenn er einen deutlich längeren Abstand vom letzten atrialen Grundimpuls (Ai) hat, als es der
ERP AVN entspricht. Dieser Abstand wird auch als sekundäre Refraktäri-
RRPAVN
218
tätszone der verborgenen Leitung (secondary concealment zone, SCZ) bezeichnet. Bei sehr kurzen Kopplungsintervallen des Extrastimulus (S2) wird
dieser nicht mehr von einer elektrokardiographisch nachweisbaren atrialen Depolarisation beantwortet, d. h. die effektive Refraktärzeit des Atriums (ERP A) ist erreicht. Vorher kann es noch zu einer Verlängerung des
Abstandes zwischen dem Stimulus und dem hierdurch ausgelösten atrialen Potential (A2) kommen. Dieser Punkt wird auch als relative Refraktärphase des Atriums (RRP A) bezeichnet. Er ist insofern von Bedeutung, als
in diesem Bereich häufig atriale Arrhythmien ausgelöst werden
RRP AVN = Relative Refraktärperiode des AV-Knotens Längstes
ArA2-lntervall mit einer gegenüber dem Grundrhythmus verlängerten
A2-H2-Zeit. Praktisch wird die RRP des AV-Knotens dann erreicht, wenn bei
zunehmend vorzeitiger Stimulation die HrH2-lntervalle länger als die
ArA2-lntervalle werden. Wenn man bei konstanter Grundfrequenz (S1 — S1)
das Kopplungsintervall des Zusatzstimulus (S2), beginnend spät in der Diastole, zunehmend verkürzt, ergibt sich ein typisches Verhaltensmuster der
atrioventrikulären Überleitung. Bei einem Kopplungsintervall, das nur geringfügig kürzer als die Periodendauer der Grundfrequenz ist, sind die Leitungsverhältnisse des Extrastimulus gegenüber der Grundstimulation
praktisch unverändert. Dies bedeutet, daß der Abstand Ph — H2 und V! —
V2 identisch mit dem atrialen Kopplungsintervall (Ai — A2) ist. Bei weiterer
Verkürzung des Kopplungsintervälles (zunehmender Vorzeitigkeit) kommt
es zu einer Verlängerung der Leitungszeit des Zusatzimpulses im AVKnoten. Entsprechend wird bei verlängerter A2 — H2-Zeit das Hi — H2 und
Vi — V2-Intervall gegenüber At — A2 verlängert. Dieses Kopplungsintervall
kennzeichnet die relative Refraktärphase des AV-Knotens (RRP AVN).
Trägt man fortlaufend die Hi — H2 und Vj — V2-Intervalle in Abhängigkeit
vom atrialen Kopplungsintervall (Ai — A2) auf, so ergibt sich an diesem
Punkt eine Abweichung von der 45°-Linie. Bei weiterer Verkürzung des
Kopplungsintervalls tritt normalerweise eine Blockierung distal von A2 auf,
ohne daß es vorher zu einer Leitungsverzögerung oder Blockierung im HisPurkinje-System gekommen ist, d. h. die effektive Refraktärperiode des
AV-Knotens (ERP AVN) ist erreicht
RRP HPS = Relative Refraktärperiode des His-Purkinje-Systems Längstes HrH2-lntervall mit einer gegenüber dem Grundrhythmus verlängerten
H2-V2-Zeit. Praktisch wird die RRP des HPS dann erreicht, wenn bei zunehmend vorzeitiger Stimulation die VrV2-lntervalle länger als die
HrH2-lntervalle werden
RS = right septal border In der Echokardiographie verwendete Abkürzung
für rechtsventrikuläre Septumbegrenzung
RSA = Ramus septalis anterior (Rami septales anteriores) Aus dem Ramus interventricularis anterior (RIVA) entspringen einige Äste, welche die
vorderen und oberen zwei Drittel des Septum versorgen. Von wesentlicher
Bedeutung, insbesondere für den klinischen Verlauf der koronaren Herzkrankheit, ist vor allem der 1. septale Ast. Dieser zeichnet sich vorwiegend
219
RSB + LAHB(LAFB)
durch seine Größe resp. seine zahlreichen, sich fächerförmig über das
obere Septum ausbreitenden Seitenäste aus. Bei Verschluß der rechten
Koronararterie bilden sich daraus häufig septale Kollateralen zum Ramus
interventricularis posterior, während umgekehrt bei Verschluß des Ramus
interventricularis anterior, ausgehend vom Ramus interventricularis posterior, sich zuführende Kollateralen zu den septalen Ästen entwickeln. Der 1.
septale Ast nimmt seinen Ursprung in der Regel 2-3 cm nach Beginn des
Ramus interventricularis anterior. Dabei dringt er fast senkrecht bzw. in einem rechten Winkel in das Septum ein, weshalb er auch häufig als perforierender septaler Ast bezeichnet wird
RSß = Rechtsschenkelblock Unifaszikulärer (monofaszikulärer) Block.
Unterschieden wird eine komplette und eine inkomplette Form. Der komplette (vollständige) Rechtsschenkelblock wird in 2 Typen eingeteilt:
a) Rechtsschenkelblock vom Wilson-Typ und b) „Klassischer“ Rechtsschenkelblock (Bayley-Block). Diese Unterscheidung ist nach Ansicht einiger Autoren nicht mehr üblich.
Rechtsschenkelblock, kompletter: Blockierung der Reizleitung im rechten
Tawara-Schenkel, daher wird die rechte Kammer verspätet, von links her,
auf ungebahntem Wege erregt. Meist degenerativ-ischämischer Natur
(KHK). Aber auch im Rahmen einer akuten (Lungenembolie) oder chronischen Rechtsherzüberlastung (Vorhofseptumdefekt).
EKG: QRS auf 0,12 see oder mehr verbreitert, deformiert und in Vi M-förmig
gesplittert. Verspätung der endgültigen Negativitätsbewegung (= Zeitpunkt des letzten Überganges einer Aufwärtsbewegung in eine Abwärtsbewegung des QRS-Komplexes) in Ableitung Vi auf mehr als 0,03 see. Hohes
R und breites, plumpes U in Ableitung I (und aVL). Die genannten Kriterien
treffen auch auf die linksventrikuläre Extrasystole zu. Sie unterscheidet
sich vom Rechtsschenkelblock durch die Vorzeitigkeit ihres Einfalls, das
Fehlen einer vorangehenden Vorhoferregung (P-Zacke) und das Episodenhafte ihres Auftretens. Die Unterscheidung eines Rechtsschenkelblocks
vom Wilson-Typ und eines „klassischen Rechtsschenkelblocks “ ist heute
nicht mehr üblich.
Rechtsschenkelblock, inkompletter: Verzögerte Reizleitung im rechten
Tawara-Schenkel mit verspäteter Erregung der rechten Herzkammer. Häufig bei Herzgesunden, Vagotonikern und Asthenikern, dann spricht man,
vor allem wenn QRS normal breit ist, auch von „physiologischer Rechtsverspätung der Erregung“. Ein inkompletter Rechtsschenkelblock kann, wie
der komplette RSB, im Rahmen einer koronaren Mangeldurchblutung und
einer hämodynamischen Rechtsherzüberlastung (z. B. Vorhofseptumdefekt) auftreten.
EKG:\N\e beim kompletten Rechtsschenkelblock. Von diesem unterscheidet sich der inkomplette RSB lediglich durch das schmälere QRS, welches
nicht bzw. nur auf 0,11 see verbreitert ist. Englische Abkürzung: RBBB =
right bundle branch block
RSB + LAHB (LAFB) Rechtsschenkelblock und linksanteriorer Hemiblock
(linksanteriorer Faszikelblock). Blockierung der Erregungsleitung im rechten und vorderen Faszikel des linken Tawara-Schenkels. Häufigste Form
RSB + LAHB + LPHB
220
des bifaszikulären Blocks, da diese beiden Schenkel anatomisch benachbart sind und gemeinsam von derselben Arterie, nämlich den septalen
Ästen des Ramus interventricularis anterior (RIVA), versorgt werden. Häufigste Ursache ist die ischämische Degeneration bei koronarer Herzkrankheit bzw. akut der frische (Vorderwand-)lnfarkt. Auch die Lenegresche
Krankheit tritt initial oft unter dem Bild eines RSB + LAHB in Erscheinung.
EKG: In den Extremitätenableitungen Bild des linksanterioren Hemiblocks
mit „überdrehtem“ Linkstyp und hohem R in I und aVL sowie tiefem S in II,
III und aVF. In den Brustwandableitungen Bild des RSB mit verbreitertem,
in Vi M-förmig gesplittertem QRS bei verspäteter endgültiger Negativitätsbewegung. Tiefes S in V5 und V6
RSB + LAHB + LPHB (RSB + LAFB + LPFB) Leitungsunterbrechung in
allen drei Faszikeln. Synonyme Bezeichnungen: Trifaszikulärer kompletter
Block, totaler Block.
EKG: Kriterien des totalen AV-Blocks, d. h. schnellere P-Zacken und langsamere QRS-Komplexe schlagen unabhängig voneinander im Eigenrhythmus. Ein trifaszikulärer Block unterscheidet sich vom höhersitzenden totalen AV-Block durch einen ventrikulären Ersatzrhythmus mit niedriger Frequenz (20-40/min) und verbreiterte, schenkelblockartig deformierte Kammerkomplexe. Je höher das Ersat?zentrum, desto proximaler der Block, d.
h. suprabifurkale Automatie spricht für Blockierung im AV-Knoten oder
His-Bündel. Mit Sicherheit läßt sich im konventionellen EKG ein trifaszikulärer Block vom totalen AV-Block nur dann unterscheiden, wenn sich seine
Entwicklung aus einem bifaszikulären oder inkomplett trifaszikulären
Block nachweisen läßt (engl.: bilateral bisfascicular block)
RSB + LPHB (LPFB) Rechtsschenkelblock und linksposteriorer Hemiblock (linksposteriorer Faszikelblock) bisfaszikulärer Block, Blockierung
der Erregungsleitung im rechten und im linken Faszikel des TawaraSchenkels. Kommt nur sehr selten vor, da diese beiden Faszikel anatomisch weit auseinander liegen. Bei der früher üblichen Unterscheidung der
Rechtsschenkelblöcke in einem häufigen „Wilson“ und einem seltenen
„klassischen“ Typ, handelte es sich bei letzterem, dem sog. „rechtstypischen Rechtsschenkelblock “, zum Teil um das Bild des RSB + LPHB.
Da der Lagetyp der Extremitätenableitungen beim Rechtsschenkelblock
erheblich variieren kann, ist die Diagnose RSB + LPHB nur dann sicher,
wenn, bei bekanntem RSB, akut oder intermittierend, z. B. im Rahmen eines Myokardinfarktes, ein zusätzlicher Rechtstyp als Zeichen der Leitungsstörung im hinteren linken Faszikel auftritt.
EKG: In den Extremitätenableitungen Bild des linksposterioren Hemiblocks mit q-Zacke und hohem R in II, III und aVF. In den Brustwandableitungen Bild des Rechtsschenkelblocks mit verbreitertem, in
M-förmig
gesplittertem QRS, bei verspäteter endgültiger Negativitätsbewegung in
V1( s in V5 und Vß
RSP = Ramus septalis posterior Ast des aus der rechten Koronararterie
stammenden Ramus interventricularis posterior (RIVP)
221
RV
RSR = Retrosternalraum Raum zwischen Sternum und vorderer Kontur
des Herzens bei seitlicher Thoraxaufnahme. Der RRS ist eingeengt bei
Trichterbrust und ausgefüllt bei Rechtshypertrophie
RS-Relation (R/S-Quotient) Die R-Zacken-Amplituden nehmen von Vi bis zu
V4 zu und weiter linkspräkordial wieder ab. Das größte S findet sich meist
in V2. Den Bereich, in dem R und S etwa gleich groß sind, nennt man
Umschlags- oder Übergangszone. Sie liegt normalerweise zwischen V3 und
V4. Leichte Verschiebungen — lagebedingt — haben keine Bedeutung. Die
Breite der Umschlagszone soll von der Stellung des Ventrikelseptums abhängig sein. Bei senkrecht zur vorderen Brustwand stehendem Septum
soll ein plötzlicher RS-Umschlag beobachtet werden, bei schrägstehendem Septum sind über zwei bis drei Wilson-Ableitungen annähernd gleich
große R- und S-Zacken vorhanden. Wichtig ist, daß das Verhältnis R:S,
auch RS-Relation genannt, vom rechten zum linken Präkordium von Ableitung zu Ableitung größer wird, zumindest gleich groß bleibt. Rechts der
Umschlagszone ist der Quotient R:S kleiner als 1, links größer. Ausnahmsweise kann ein R in einer Ableitung niederamplitudiger sein als in den benachbarten, dem rechten Präkordium zu gelegenen Ableitungen, ohne pathologisch zu sein. In diesen Fällen ist dann auch das S deutlich kleiner als
in den beiden benachbarten Ableitungen und die RS-Relation somit nicht
gestört. Eine Verkleinerung der Gesamtamplitude wird vor allem bei Trainierten mitunter in V3 beobachtet. Die RS-Relation kann ab Vß (nach dorsal
zu) wieder kleiner werden
RST Im EKG der Abschnitt vom Beginn der R- bis zum Ende der T-Zacke
RS-Übergang In der Übergangszone, die etwa V3 oder auch V4 entspricht,
wird P eindeutig positiv, R größer und S kleiner. Bei einem RS-Typ (also bei
gleich großem R und S) wird vom RS-Übergang gesprochen. Bisweilen
zeigt sich hier schon ein kleines Q. ST verläuft meistens schon in oder nur
noch wenig Ober der Isoelektrischen, T erreicht hier oft die höchste Amplitude
R/T-Vektor-Differenzwinkel Winkeldifferenz zwischen Hauptsummationsvektor QRS (Erregungsausbreitung) und Hauptsummationsvektor T (Erregungsrückbildung). Ein Differenzwinkel von über 60° wird als pathologisch
angesehen. Er kann als Kriterium über das Ausmaß zum Beispiel einer
Links- oder Rechtsbelastung herangezogen werden. Die Achsendivergenz
von QRS und T nimmt mit der Steilheit der elektrischen Herzachse zu
RUL = right upper lobe Rechter Oberlappen der Lunge
RV = Residualvolumen Residualluft. Luftvolumen, das sich nach einer
maximalen Exspiration noch in der Lunge befindet. RV = TLK-VK; RV =
FRK-ERV (engl.: residual volume, RV; frz.: volume residual, VR)
RV = right ventricle Rechter Ventrikel, rechte Herzkammer, Ventriculus
dexter (PN A)
RVAW
222
RVAW = right ventricular anterior wall In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für die rechtsventrikuläre Vorderwand
RVD = Ramus ventricularis dexter Rechtsventrikuläre Arterie, Ast der Arteria coronaria dextra. Im mittleren Drittel des rechten Hauptstammes lassen sich in der Regel mehrere nach vorne, auf die freie Wand des rechten
Ventrikels hinziehende, als rechtsventrikuläre Äste (RVD) bezeichneten
Gefäße mit einem Durchmesser von ca. 1 mm erkennen. Sie sind in der Regel stark geschlängelt und geben meistens mehrere kleine Seitenäste ab
RVD = right ventricular diameter In der Echokardiographie verwendete
Bezeichnung für den rechtsventrikulären Durchmesser. Synonyme Bezeichnung: right ventricular dimension. Der Durchmesser wird am Ende
der Ventrikeldiastole mit Beginn des QRS-Komplexes an der Stelle bestimmt, wo im dahinterliegenden linken Ventrikel die Mitralsegel in die
Sehnenfadenregion übergehen. Besonders bei Kindern und schlanken Erwachsenen liegt die Vorderwand des rechten Ventrikels gelegentlich im
Nahfeld des Schallkopfes und läßt sich in diesen Fällen nicht oder nur unsicher abgrenzen. Eine Messung der bei rechtsventrikulärer Druck- oder
Volumenbelastung deutlich verdickten freien Wand des rechten Ventrikels
läßt sich jedoch oft bei Registrierungen durchführen, die durch subxiphoidale Beschallung erhalten-werden. Der Normalwert des rechtsventrikulären Durchmessers von maximal 20 mm wird bei Krankheitsbildern mit
Druck- (Drehung der anatomischen Achse des Herzens) oder Volumenbelastung im kleinen Kreislauf überschritten. Bei der Ausmessung des rechten
Ventrikels ergeben sich viele Fehlermöglichkeiten. Eine quantitative Angabe sollte in allen Fällen vermieden werden, in denen sich das Endokard der
rechtsventrikulären Vorderwand nicht eindeutig abgrenzen läßt
RVE = right ventricular enlargement In der amerikanischen Literatur verwendete synonyme Bezeichnung für -> RVH = Rechtsventrikuläre Hypertrophie
RVEDD = right ventricular end-diastolic diameter Rechtsventrikulärer
enddiastolischer Durchmesser
RVEDL = right ventricular end-diastolic fiber length Rechtsventrikuläre
enddiastolische Faserlänge
RVEDP = right ventricular end-diastolic pressure Rechtsventrikulärer enddiastolischer Druck. Synonyme Schreibweise: RVe d p
RVEDV = right ventricular end-diastolic volume Rechtsventrikuläres enddiastolisches Volumen
RVEF = right ventricular ejection fraction Rechtsventrikuläre Auswurffraktion (Ejektions-Fraktion). Berechnung: RVEF = (RVEDV — RVESV) /
RVEDV (%). Die gleichbedeutende Schreibweise -► EF wird von zahlreichen Autoren vorgezogen
223
RVOTO
RVESL = right ventricular end-systolic fiber length Rechtsventrikuläre
endsystolische Faserlänge
RVET = right ventricular ejection time Rechtsventrikuläre Austreibungszeit (Ejektionszeit). Zeit vom Beginn der Öffnung bis zum Schluß der Pulmonalklappe
RVH = right ventricular hypertrophy Rechtsventrikuläre Hypertrophie. Eine reine Muskelhypertrophie führt zu einer Veränderung der elektrischen
Herzachse und zu einer Amplitudenveränderung des QRS-Komplexes. Bei
zusätzlicher Muskelschädigung finden sich Störungen der Erregungsausbreitung (Verspätungskurve, inkompletter Rechts- oder Linksschenkelblock) und Störungen der Erregungsrückbildung (Rechts- bzw. Linksschädigungszeichen).
Eine Druck- oder Widerstandsbelastung entspricht einer systolischen
Überbelastung (systolic overloading), und führt zu einer Hypertrophie der
Arbeitsmuskulatur. Diese äußert sich im EKG in hohen, schlanken RZacken sowie in ST-Senkungen und T-Abflachungen bis zu T-Inversionen
in den rechts- bzw. linkspräkordialen Ableitungen über den betroffenen
Ventrikeln.
Bei der Druckbelastung des rechten Ventrikels bestehen zwischen der Höhe der R-Zacken rechtspräkordial und der Höhe der intrakardialen systolischen Drucke keine strengen Korrelationen. Das gleiche gilt für den druckbelasteten linken Ventrikel. Das wichtigste Kriterium für die Erkennung
der rechtsventrikulären Hypertrophie ist die Verspätung des oberen Umschlagpunktes der R-Zacke rechtspräkordial bei entsprechender Verfrühung des oberen Umschlagpunktes linkspräkordial
RVID = right ventricular internal diameter Rechtsventrikulärer Innendurchmesser
RVOC = right ventricular outlet chamber Rechtsventrikuläre Ausflußkammer
RVOT = right ventricular outflow tract Rechtsventrikulärer Ausflußtrakt
RVOTO = right ventricular outflow tract obstruction Obstruktion des
rechtsventrikulären Ausflußtraktes. Durch eine Rotation des Infundibulums und eine Deviation des Infundibulum-Septums kann sich eine rechtsventrikuläre Ausflußbahnobstruktion (RVOTO) entwickeln. Sie wird —
überwiegend als Kombination einer valvulären und subvalvulären, infundibulären Pulmonalstenose — in 47% der Fälle bei allen Formen der DORV
angetroffen.
Obstruktionen des rechtsventrikulären Ausflußtraktes sind verursacht
durch Stenosen der Pulmonalklappe und des subvalvulären muskulären
Bereichs — hier als infundibuläre und subinfundibuläre Pulmonalstenose
oder anomale Muskelbündel zwischen Einfluß- und Ausflußtrakt des rechten Ventrikels —, aber auch durch supravalvuläre Stenosen des Pulmonalarterienhauptstammes und seiner Äste in Form von zentralen und peri-
224
RVP
pheren Pulmonalstenosen. Bei intaktem interventrikulärem Septum und
normalem Ursprung der Aorta überwiegt dabei die valvuläre Pulmonalstenose in ihrer isolierten Form, während die subvalvulären infundibulären
Stenosen meist als assoziierte Formen bei den kompletten kardiovaskulären Fehlbildungen wie Fallotsche Tetralogie und Transposition oder Malposition der großen Gefäße dominieren. Isoliert oder assoziiert kommen
diese rechtsventrikulären Ausflußtraktobstruktionen in einem Viertel aller
kardiovaskulären Fehlbildungen vor
RVP = right ventricular pressure Druck im rechten Ventrikel
RVPEP = right ventricular preejection period Rechtsventrikuläre Präejektionsperiode. Rechtsventrikuläre isometrische Ausspannungsphase. Zeitdauer vom Beginn des QRS-Komplexes im EKG bis zum Beginn der Pulmonalklappenöffnung
RVSP = right ventricular systolic pressure Rechtsventrikulärer systolischer Druck
RVSV = right ventricular systolic volume Rechtsventrikuläres systolisches Volumen
t
RZ = recirculation time Rezirkulationszeit in der Indikatorverdünnungskurve. Die Zeit, welche vom Beginn der Injektion bis zum Eintreffen der ersten feststellbaren Farbstoffteilchen am Registrierort verstreicht, heißt Erscheinungszeit (EZ). Die Zeit, während der die Farbstoffkonzentration bis
auf ihren größten Wert zunimmt, Konzentrationszeit (KZ). Die Zeit, welche
bei geradliniger, steilster Abnahme der Farbstoffkonzentration bis zum Erreichen des Nullwertes verstreichen würde, Verdünnungszeit (VZ). In Wirklichkeit erfolgt dieser Konzentrationsabfall jedoch nicht geradlinig, sondern er folgt eine Zeitlang einer Exponentialfunktion, bis die Rezirkulation
einfällt. Die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Konzentrationsmaximum nennen wir die Rezirkulationszeit (RZ)
R-Zacke Die erste positive Zacke des Kammerkomplexes im EKG
225
SACT
S
S Symbol für sound, Herzton
S Terminal der negativen Zacke des QRS-Komplexes im EKG. Siehe auch:
-* S-Zacke
SAB = Subarachnoidalblutung Blutung im Raum zwischen den beiden
Grenzschichten der Leptomeninx (Pia mater und Arachnoidea); seltener
verwendete Abkürzung
SA-Block = Sinuatrialer Block Störung, bei der die atriale Reaktion verzögert ist oder wegen einer partiellen oder kompletten Beeinträchtigung der
Ausbreitung der Erregung vom Sinusknoten zu den Vorhöfen ausfällt.
Trotz einer regelmäßigen Reizbildung im Sinusknoten kommt es in keinem
der beiden Vorhöfe oder der Kammern zu einer Reaktion, da die Erregung
diese Partien nicht erreichen kann. In der klinischen Praxis kann ein derartiger sinuatrialer Block meist nicht von einer Sinuspause oder einem Sinusstillstand (sinus arrest) unterschieden werden, wenn es zu einem Versagen der Reizbildung kommt. Man unterscheidet folgende Blockformen:
SA-Block I. Grades: Die Erregung im Sinusknoten kann im EKG nicht festgestellt werden, weshalb ein Nachweis nicht möglich ist. ■
SA-Block II. Grades, Typ I: Infolge zunehmender Leitungsverzögerung im
Sinne einer Wenckebach-Periodik kommt es zum totalen Ausfall. Die entstehende Pause ist kürzer als zwei PP-Intervalle. Das elektrokardiographische Bild ähnelt dem einer Sinusarrhythmie.
SA-Block II. Grades, Typ II: Es treten intermittierend totale Leitungsblockierungen auf. Eine oder auch mehrere komplette Herzaktionen (P und
QRS) fehlen. Die Pausen dauern zwei PP-Intervalle oder ein Vielfaches davon. Bei längeren Ausfällen springt meist ein Ersatzrhythmus ein, dessen
Zentrum im Vorhof, AV-Bereich oder in den Kammern liegt.
SA-Block III. Grades: Die SA-Leitung ist vollständig unterbrochen. Zur Aufrechterhaltung des Kreislaufs muß ein sekundärer oder tertiärer Ersatzrhythmus einspringen. Synonyme Bezeichnung: totaler SA-Block
SABP = systemic arterial blood pressure Arterieller Blutdruck. Synonyme
Abkürzungen: ABP, BP
SACT = sinoatrial conduction time Sinuatriale Leitungszeit (SALZ). Zur
Bestimmung der SACT wird die dank retrograder Überleitung vom rechten
Vorhof auf den Sinusknoten und anschließender antegrader sinuatrialer
Überleitung verlängerte Pause bei vorzeitiger Vorhofstimulation verwendet. Nach Strauss und Wallace (1976) wird die sinuatriale Leitungszeit
SACTa + r
226
während nicht kompensatorischer Zyklen aus der Länge der postextrasystolischen Pause und der Periodendauer des spontanen Grundrhythmus
berechnet. Als Normalwerte werden 80 ± 20 msec mit einem oberen Grenzwert von 120 msec angegeben. Die Zeitwerte sind bei Dysfunktion des Sinusknotens oft verlängert, selten bis über 200 msec
SACTa + r = antegrade and retrograde sinoatrial conduction time Antegrade und retrograde sinuatriale Leitungszeit. Differenz zwischen A2A3/A1A1
und A1A2/A1A1 (A1A1 = Grundintervall bei Sinusrhythmus; A2 = Vorhofextrasystole; A2A3 = atriales Poststimulationsintervall)
SACTc = sinoatrial conduction time, calculated Kalkulierte (nach der von
Strauss et al. 1973 angegebenen Methode), sinuatriale Leitungszeit. Für
die Klinik ist ein vereinfachtes kostengünstiges Verfahren zur Bestimmung der sinuatrialen Leitungszeit, vor allem bei Patienten mit Störungen
im Bereich des Sinusknotens, relevant. Idealerweise sollte dieses Verfahren neben einer hohen Spezifität möglichst auch am Krankenbett einer Intensivstation und in der Auswertung ohne großen Zeitaufwand durchführbar sein.
Die Bestimmung der SACT durch programmierte Einzelstimulation nach
Strauss ist selbst bei rechnergestützter Auswertung in der klinischen Routine wegen des hohen Zeitaufwandes kaum durchführbar. Die direkte Messung der SACT ist mit einem hohen Kosten- und Zeitaufwand verbunden.
Das 1978 von Narula mitgeteilte Verfahren, die SACT mittels kontinuierlicher Vorhofstimulation zu bestimmen, ist nach Placierung einer Vorhofstimulationssonde und synchroner Registrierung eines EKG zeitlich ohne
großen Aufwand und unter Verwendung eines kommerziellen elektrischen
Stimulators mit verstellbarer Frequenz — wie er für die passagere
Schrittmacher-Therapie benützt wird — bestimmbar. Nach der Methode
von Narula wird eine hohe rechtsatriale Stimulation von 8 Stimuli knapp
oberhalb des spontanen Grundrhythmus durchgeführt. Die sinuatriale Leitungszeit wird dann aus der postextrasystolischen Pause minus spontaner Periodendauer ermittelt.
Strauss, H. C., A. L. Saroff, J. T. Bigger, E. G. V. Giardina: Premature atrial
Stimulation as a key the understanding of sinoatrial conduction in man.
Circulation 47, 86(1973)
SACTn = sinoatrial conduction time, Narula Nach der Methode von Narula ermittelte sinuatriale Leitungszeit. Die sinuatriale Leitungszeit berechnet sich als halbe Differenz von Poststimulationsintervall und mittlerer
Spontanzykluslänge (A2A3 — Ai Ai). Siehe auch: — SACTc.
Narula, O. S., N. Shantha, M. Vasquez, W. D. Towne, J. W. Linhart: A new
method for measurement of sinoatrial conduction time. Circulation 58, 706
(1978).
Narula, O. S.: A new technique for measurement of sinoatrial conduction
time. The sinus node. Ed. F. I. M. Bonke. Martinus Nijhoff Med. Div. (1978)
SAFT = Societe des Accumulateurs Fixes et de Traction Französische
Herstellerfirma von Lithiumbatterien für Herzschrittmacher
227
SBE
SALZ = Sinuatriale Leitungszeit SA-Leitungszeit. Von zahlreichen
deutschsprachigen Autoren wird die englische Abkürzung (SACT) verwendet. Siehe: - SACT, -* SACTc,
SACTN
SAM = systolic anterior movement of the mitral valve Systolische Vorwärtsbewegung des vorderen Mitralsegels. Beim Gesunden bewegen sich
systolisch beide Segel einander parallel verlaufend entsprechend der Bewegung des Mitralringes mit einer Geschwindigkeit von ca. 20 bis 30
mm/sec weitgehend linear nach vorn. Abweichungen von diesem typischen Bewegungsmuster finden sich bei Patienten mit hypertrophisch obstruktiver Kardiomyopathie (HOCM = -> IHSS), bei denen eine systolisch
nach anterior konvex gerichtete Bewegung (systolic anterior movement),
die in ausgeprägten Fällen zum Septum reichen kann, beobachtet wird.
Beim Mitralklappenprolaps-Syndrom findet sich dagegen eine spät- oder
holosystolische Dorsalbewegung eines oder beider Mitralsegel, bei dem
die entsprechenden Segelanteile systolisch in den linken Vorhof prolabieren
SAN3A3 Antegrade sinuatriale Leitungszeit. [The duration of the A2A3 cycle
is determined by the retrograde conduction time (A2SAN3) and the antegrade conduction time (SAN3A3) and is used to estimate the sinoatrial conduction time. The estimation of the sinoatrial conduction time is based on
the assumption that the sinus node return cycle equals the spontaneous
sinus cycle (SAN1SAN1) and the corresponding spontaneous atrial cycle
(AiA-i). Hence A2A3 — A-1A1 should equal the sum of the retrograde
(A2SAN2) and antegrade (SAN3A3) conduction times]
Sao2 Arterielle Sauerstoffsättigung, ausgedrückt in %. Synonyme Schreibweise: Sao2
SAP = systolic arterial pressure Systolischer arterieller Blutdruck. Synonyme Abkürzung: SABP (B = blood). Andere Autoren bezeichnen mit SAP
= systemic arterial (blood) pressure
SAR = systemic arteriolar resistance Systemischer Arteriolenwiderstand
(MAP-CVP)/CI mm Hg/L/min/m2
SBE = subacute bacterial endocarditis Subakute bakterielle Endokarditis.
Im Gegensatz zu den rheumatischen Endokarditiden, bei denen man nie einen Erreger in der endokardialen Vegetation finden kann, sind bei bakteriellen Karditiden im histologischen Präparat der Klappen immer Keime
nachweisbar.
Eine akute bakterielle Endokarditis ist eine Organlokalisation bei Sepsis
und wird von verschiedenen Erregern, einschließlich Pilzen, verursacht.
Die subakute Endokarditis ist eine bakterielle Entzündung, die meist die
Mitral- und Aortenklappe betrifft und in 90-95% der Fälle durch Alphaoder Gamma-Streptokokken
hervorgerufen
wird. StaphylokokkenEndokarditiden sind seltener. Die subakute bakterielle Endokarditis (SBE)
ist seltener geworden. Fast immer handelt es sich bei diesen Patienten um
SBP
228
Kinder mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern. Im pädiatrischkardiologischen Krankengut, in dem die kongenitalen Vitien bei weitem
überwiegen, findet sich eine subakute bakterielle Endokarditis beim Ventrikelseptumdefekt, beim offenen Ductus Botalli, der bikuspidaleln Aortenklappe mit und ohne Stenose sowie bei der Fallotschen Tetralogie nach
Anastomosenoperationen. Das Vorkommen ist selten; man schätzt die
Häufigkeit auf 0,5% im allgemeinen Krankenhausgut, bei Patienten mit
angeborenen Herzfehlern auf höchstens 2%.
In den letzten Jahren sind als Erreger der subakuten und akuten bakteriellen Endokarditis in 50 bis 95% der Fälle Streptokokken aus der ViridansGruppe nachgewiesen worden. Enterokokken und Staphylokokken stehen
an zweiter Stelle. Andere Keime sind sehr viel seltener.
Die Viridans-Streptokokken definiert man als Gruppe, die kein spezifisches Antigen besitzt. Hierzu gehören Streptocuccus salivarius (mit fünf
Typen), S. equinus, S. thermophilus, S. SBE (subacute bacterial endocarditis) und der Stamm MB. Die große Mehrzahl der humanpathogenen Streptokokken gehört zur Antigen-Gruppe A. Sie ruft meist die akuten Endokarditiden hervor. Auch Streptokokken der Gruppe B erzeugen eher akute als
subakute Fälle. Die biochemisch differenzierte Untergruppe Streptococcus humanus C führt ebenfalls zu Entzündungen der Herzinnenhaut
SBP = systolic blood pressure Systolischer Blutdruck. Synonyme
Schreibweise: -> BPS
SBPS = Sinu-broncho-pulmonales Syndrom Gleichzeitig oder auch in relativem zeitlichem Zusammenhang nacheinander auftretende Nasen- und
Nasennebenhöhlen-Affektionen und pathophysiologische Störungen der
bronchialen Lungenfunktion werden in der Literatur oft unter der Sammelbezeichnung SBPS beschrieben. Dieses SBPS ist kein einheitliches Krankheitsbild, und ätiologisch wie symptomatologisch bestehen ganz verschiedene Erscheinungsbilder, was sich unter anderem auch in Bezeichnungen wie sinubronchiales Syndrom, Sinubronchitis, Asthma-Sinusitis,
Broncho-Rhinits oder Asthma-Sinupathie ausdrückt
sC = Spezifische Compliance Die spezifische Compliance (sC) wird auch
volumische Compliance (C/V) genannt, weil sie auf die Volumeneinheit bezogen ist. Bei Ruheatmung ist AV das Atemzugvolumen (Vy) und Vo das
funktionelle Residualvolumen (FRC). Die Elastizität der Lunge wird durch
a) das Stützskelett der Lunge und der Atemwege (Zellstrukturen, elastische Gewebe, Kollagen, Blutgefäße und interstitielle Flüssigkeit) bestimmt, b) durch die Geometrie und Einheitlichkeit der bronchialen und alveolaren Strukturen, c) durch die Größe und den Dehnungsgrad der Lunge,
d) durch die Oberflächenspannung der Alveolen und der respiratorischen
Bronchiolen und e) durch die „Volumen-Vorgeschichte“ (volume history),
d. h. die Geschwindigkeit, Richtung und Größe der unmittelbar vorausgehenden Volumenänderung. Da die Lunge kein idealer elastischer Körper
ist, kann man die elastischen Eigenschaften der Lunge nicht durch einen
einzigen Index beschreiben. Auch die Meßbedingungen müssen genannt
sein
229
SEV
SCZ = secondary concealment zone Sekundäre Refraktäritätszone der
verborgenen Leitung. Die verborgene Leitung (concealed conduction) kann
nur dadurch nachgewiesen werden, daß die eindringende Erregung zu einer zusätzlichen Verlängerung der effektiven Refraktärzeit des AVKnotens führt, die sich zu der normalen ERP AVN noch hinzuaddiert. Praktisch bedeutet dies, daß ein zweiter atrialer Zusatzimpuls (A3), der nach
dem blockierten ersten Extraschlag (A2) abgegeben wird, den AV-Knoten
erst dann wieder passieren kann, wenn er einen deutlich längeren Abstand
vom letzten atrialen Grundimpuls (A^ hat, als es der ERP AVN entspricht.
Dieser Abstand wird auch als sekundäre Refraktäritätszone der verborgenen Leitung (secondary concealment zone, SCZ) bezeichnet. Bei sehr kurzen Kopplungsintervallen des Extrastimulus (S2) wird dieser nicht mehr
von einer elektrokardiographisch nachweisbaren atrialen Depolarisation
beantwortet, d. h. die effektive Refraktärzeit des Atriums (ERP A) ist erreicht. Vorher kann es noch zu einer Verlängerung des Abstandes zwischen dem Stimulus und dem hierdurch ausgelösten atrialen Potential (A2)
kommen. Dieser Punkt wird auch als relative Refraktärphase des Atriums
(RRP A) bezeichnet
SD = stroke dimension Echokardiographische Meßgröße. Differenz aus
LVIDd und LVIDs(LVIDd = enddiastolischer linksventrikulärer Querdurchmesser zum Zeitpunkt der R-Zacke im EKG; LVIDs = endsystolischer
linksventrikulärer Querdurchmesser zum Zeitpunkt der maximalen anterioren Bewegung der linksventrikulären Hinterwand, LVPW)
SEM = systolic ejection murmur Systolisches Austreibungsgeräusch
SERP = segmental early relaxation phenomenon Segmentale frühzeitige
Relaxation des linken Ventrikels. Der Begriff „segmental early relaxation
phenomenon“ (= SERP) wurde von Altieri et al. geprägt. Sie deuteten diese frühdiastolische, vorzeitige und umschriebene Auswärtsbewegung der
Ventrikelwand als eine normale Variante der linksventrikulären Relaxation. Wilson et al. haben eine Beziehung zwischen dem Auftreten eines
SERP und Koronargefäßveränderungen angenommen. Aus methodischen
Gründen kann es schwierig sein, den Beginn einer vorzeitigen segmentalen Auswärtsbewegung zeitlich genau festzulegen. Er braucht nicht
zwangsläufig in die isovolumetrische Phase der Diastole zu fallen, sondern kann bereits in der späten Systole beginnen. Dementsprechend beschrieben Theroux et al. bei experimentellem Koronarverschluß ein solches late systolic bulging
SES = supraventrikuläre Extrasystole Weniger gebräuchliche Abkürzung.
Häufiger wird die Abkürzung -► SVES verwendet
SEV = Sekundär-Elektronen-Vervielfacher Der Szintillationszähler ist für
den Nachweis von y-Strahlung bzw. die Zählung ihrer Quanten der optimale
Detektor. Zählrohre und Halbleiterdetektoren (trotz deren sehr hoher Energieauflösung) weisen geringe Wirkungsgrade auf und werden in der Funktionsdiagnostik bei Messungen am Patienten selten eingesetzt.
SEVM (SEVm)
230
Der Szintillationszähler besteht aus einem Kristall, meist NaJ (TI), und einem Sekundär-Elektronen-Vervielfacher (SEV), auch Photomultiplier genannt; beide sind mit Hilfe eines zähflüssigen Silikon-Öles aufeinander gekittet. Die hohe Dichte von 3,67 g/cm3 gewährleistet gute y-Zählausbeuten.
Der Zusatz von 1 % TI verschiebt das Luminiszenzmaximum zur Wellenlänge 450 nm, die dem Empfindlichkeitsmaximum der Cs-Sb-Photokathode
entspricht. Der zylindrische Kristall ist von dünnem Al-Blech mit einer diffus reflektierenden Innenbeschichtung umkleidet, damit Licht und Luftfeuchtigkeit (NaJ ist hygroskopisch) abgehalten werden.
Für den Nachweis von Partikeln gibt es spezielle Szintillatoren, die gegen
den NaJ-Kristall ausgetauscht werden können: für «-Strahlung haben sich
CaF2(Eu)-Kristalle bewährt, für/?-Strahlung solche aus Anthrazen (C14H10).
Der Sekundär-Elektronen-Vervielfacher SEV ist eine Kombination von Photozelle und Verstärker. Er hat die Aufgabe, jedes an der Photokathode
durch ein Lichtquant ausgelöstes Photoelektron zu vervielfachen und damit jeden Lichtblitz im Kristall in einen Spannungsimpuls proportionaler
Höhe umzuwandeln. Beim Zählrohr geschieht das durch Gasverstärkung
(lonenlawine)
SEVM (SEVm) = systolic endocardial velocity Maximale endokardiale Geschwindigkeit; in der Echokardiographie verwendete Abkürzung
SF = shortening fraction Verkürzungsquotient; echokardiographischer
Kontraktilitätsparameter. Von mehreren Autoren wird die synonyme Abkürzung -> FS = fractional shortening vorgezogen
S-Fragmente Nach der Gleit-Theorie (Huxley) werden die Actinfilamente
durch Bewegungen der Myosinquerbrücken in die Sarkomerenmitte geschoben. Dieses Gleiten der Actinfilamente führt zu der Verkürzung des
Sarkomers. Nach einem Modell dieses Vorganges sollten die Querbrücken
des Myosins (S-Fragmente) bei der Erhöhung des Kalziums im Interfibrillärraum und bei Aktivierung des enzymatischen Anteils des Myosinmoleküls, der Myosin-ATPase, sich so bewegen und mit dem Actin verbinden
und lösen, daß die Actinfilamente aktiv an den Myosinfilamenten vorbeigeschoben werden. Die Aktivierung dieser Querbrücken bedeutet Kontraktion. Bei der Relaxation werden die Actinfilamente durch die verminderte
Querbrückenaktivität wieder aus der Sarkomerenmitte zurückgeschoben.
Dieser Vorgang ist allerdings passiv und durch die Dehnung beim Bluteinstrom in das Herz in der Diastole bedingt. So wechselt beim Kontraktionszyklus und beim wechselnden Blutvolumen in den Herzkammern die Sarkomerenlänge in einer aktiven Verkürzung und einer passiven Verlängerung
SFP = slow filling phase Langsame Füllungsphase. Siehe: -> LFP
SFR = stroke with full recovery Schlaganfall mit vollständiger Wiederherstellung, meist innerhalb von drei Wochen. Die Voraussetzung ist jedoch,
daß der Schweregrad II noch nicht überschritten ist. Reversible ischämische Attacken lassen sich in zwei Gruppen einteilen: in die Gruppe der
231
S2H2-lntervall
„Transienten Ischämischen Attacke“ (TIA), in der die fokalen Symptome
weniger als 24 Stunden dauern, und in eine Gruppe mit einer späteren,
aber vollständigen Wiederherstellung, die meist innerhalb dreier Wochen
vor sich geht. Diese Form des Schlaganfalls führt im angelsächsischen
Sprachgebrauch die Kurzbezeichnung SFR (stroke with full recovery). Möglicherweise ist der Unterschied zwischen TIA und SFR rein klinischer Natur, mit einer identischen Pathogenese. Nicht auszuschließen ist, daß beiden Gruppen verschiedene Mechanismen zugrunde liegen. Entscheidend
für die Einstufung in die Gruppe der reversiblen ischämischen Attacken ist
jedenfalls die vollständige Normalisierung des EEG wie des ComputerTomogramms, vor allem, wenn beide vorher positiv waren.
Klinisch wirkt sich eine TIA in der Karotis folgendermaßen aus: Schlagartiges Auftreten, unilaterale motorische Beeinträchtigung und/oder Aphasie,
Hypästhesie und/oder Parästhesie, eine Seite des Körpers betreffend
und/oder das Gesicht. Synonyme Bezeichnung: TRINS = total reversible
ischemic neurologic symptoms
SFW = slow filling wave Langsame Füllungswelle (-> LFW) des Apexkardiogramms. Vom Gipfel der ersten diastolischen Aufwärtsbewegung des
Apexkardiogramms bis zum Beginn der A-Welle bzw. C-Punkt bei absoluter
Arrhythmie. Dieser Ausdruck beinhaltet das Erreichen der diastolischen
Stase, welche bei einer Mitralstenose je nach Schweregrad auch nach 1
see nicht erreicht wird
sGaw = Spezifische (volumische) Conductance Der Reziprokwert des
Atemwegswiderstandes (SRaw, sRaw) ist die Atemwegsleitfähigkeit (Conductance): Gaw = R'aJ. Die Conductance wird manchmal der Resistance
vorgezogen, weil sie über einen weiten Bereich dem Lungenvolumen proportional ist. Die spezifische (volumische) Conductance (sGaw = Gaw/VL)
ist in einem großen Bereich ein von der Lungengröße unabhängiges Maß
der Atemwegsleitfähigkeit. Die Referenzwerte für Resistance und Conductance hängen bei erwachsenen Männern und Frauen fast ausschließlich
von der Größe der Lunge (thorakales Gasvolumen) ab. Für Kinder kann
man die Referenzwerte aus der Körpergröße berechnen. Synonyme
Schreibweise: SGaw. Siehe auch: -> Gaw/VL
SGOT = Serum-Glutamat-Oxalacetat-Transaminase Frühere Bezeichnung
ASAT = Aspartat-Aminotransferase. Siehe: -> GOT
SGPT = Serum-Glutamat-Pyruvat-Transaminase Frühere Bezeichnung
ALAT = Alanin-Aminotransferase. Siehe: -* GPT
SHB = Supra-His-Block Bei der intrakardialen AV-Blocklokalisation existieren verschiedene Nomenklaturen. Nach der Lokalisation gehören der
-> IAB = intraatriale Block und der -> INB = intranodale Block zu den
Supra-His-Blockformen
S2H2-Intervall Leitungszeit vom Arbeitsmyokard überdas Purkinje-TawaraSystem bis zum His-Bündel
SHR
232
SHR = spontaneously hypertensive rat(s) Spontan hypertensive Inzuchtratten. Besondere Rattenstämme, die bei der experimentellen Hypertensionsforschung verwendet werden
SHWB = Segmentale Herzwandbewegung In der Nuklearkardiologie verwendete Abkürzung (engl.: SVWM = segmental ventricular wall motion)
SI = Schockindex Index, der bei Patienten nach Herzinfarkt genauere
prognostische Aussagen ermöglicht. Die Berechnung erfolgt nach der Formel: SI = (SAP-PAEDP) x CI / (PAEDP x AVDO2). SAP = systolischer arterieller Druck, PAEDP = enddiastolischer Pulmonalarteriendruck, CI = cardiac index, AVDO2 = arteriell-zentralvenöse-Sauerstoffdifferenz
SIADH = syndrome of inappropriate antidiuretic hormone secretion Das
Syndrom geht mit renalem Salzverlust trotz Hypoanträmie einher. Es findet sich eine Urinosmolalität, die höher ist als die Serumosmolalität. Bei
Wasserbelastung bleibt die Urinverdünnung aus. Trotz Überhydrierung zeigen diese Patienten meist keine Ödeme. Das SIADH wurde bei Bronchialkarzinomen und anderen malignen Tumoren beschrieben. In diesen Fällen
konnte aus den Tumoren eine ADH-ähnliche Substanz extrahiert bzw. ADH
im Plasma erhöht gemessen werden.
Eine inappropriate ADH-Sekretion. scheint auch bei anderen Hyponaträmien, z. B. bei Morbus Addison, Myxödem, HVL-Insuffizienz, Herzinsuffizienz, Leberzirrhose und anderen Krankheitsbildern, sowie idiopathisch
vorkommen zu können. Krankheitsbilder mit inappropriater Oxytocinsekretion sind bisher nicht bekannt
S-IMV (IS-IMV) = synchronized -+ IMV, inspiration-synchronized IMV patientensynchronisiertes IMV, Inspirationsphase-getriggertes IMV (IMV =
intermittent mandatory ventilation = intermittierend angewandte kontrollierte Beatmung)
SIVT = septal idiopathic ventricular tachycardia Idiopathische ventrikuläre Tachykardie im Bereich des Septums
SJMP = St. Jude Medical Prothesis Doppelflügelklappe. Neuer Typ einer
künstlichen Herzklappe. Bei diesem vollständig aus Pyrolit gefertigten
Ventil wird vom bisherigen Prinzip des Kippscheibenmechanismus, wie es
von der Björk-Shiley-Klappe und dem Lillehei-Kaster-Ventil beispielsweise
bekannt ist, abgegangen. Durch Parallelstellung der beiden Scheiben werden eine optimale Ausnutzung der Öffnungsfläche und ein nahezu ungehinderter zentraler Durchfluß erzielt.
Dieses Doppelflügelventil erlaubt einen zentral ungehinderten Blutdurchfluß mit nahezu laminarer Strömung und geringer Turbulenz. Die Klappe
wurde 1977 eingeführt. Bewegliche und nicht bewegliche Klappenanteile
bestehen aus Pyrolit, der Nahtring aus Dacronvelourgewebe. Die beiden
Achsen, um die sich die Flügel drehen, liegen nahe der Mittellinie des
Klappenringes zueinander parallel. Jeweils zwei halbrunde kleine Vorsprünge an den Flügelenden sind in entsprechenden Kerben am Einfluß-
233
SKEZ
ring (sog. „Ohren der Klappe“) eingepaßt. Bei geöffneter Prothese stellen
sich die beiden Flügel parallel zur Stromrichtung und unterteilen die Öffnungsfläche der Klappe in annähernd drei gleiche Teile. Bei geschlossener Stellung befinden sich die beiden Flügel in der Klappenringebene, wobei sie zueinander einen stumpfen Winkel bilden.
SK = Sinusknoten Der menschliche Sinusknoten (sinuatrialer Knoten, sinuaurikulärer Knoten, Keith-Flack-Knoten) liegt im obersten Teil des rechten Vorhofes an der Einmündung der Vena cava superior unter einer als
Sulcus terminalis bezeichneten Furche. Er reicht vom Winkel zwischem
rechtem Herzohr und Mündungstrichter der oberen Hohlvene nach rechts
kaudal gerichtet bis zur Mitte des Sulcus terminalis. Der Knoten mißt beim
Erwachsenen 10 bis 20 mm in der Länge, mit Abweichungen bis 30 mm, die
Durchmesser sind konstant zwischen 2-3 mm. Auf Querschnitten ähnelt
er einem gleichschenkligen Dreieck, dessen Spitze zur Cava superior und
dessen Basis zum rechten Vorhof orientiert ist. Er nähert sich dem Epikard
bis auf 1 mm oder weniger; zum Endokard hin ist der Abstand etwas größer. Die Verlaufsrichtung des Sinusknotens ist durch die Sinusknotenarterie gekennzeichnet, die leicht schräg oder quer zum Cavatrichter verläuft.
Der Sinusknoten ist reich an Bindegewebe, ohne dadurch vom übrigen
Vorhofmyokard abgegrenzt zu sein. Es überwiegen kollagene Fasern, die
besonders dicht um die Arterie angeordnet sind und deren Geflecht zur Peripherie hin zarter wird. Zwischen diesem bindegewebigen Maschenwerk
sind die eigentlichen Parenchymzellen des Sinusknotens angeordnet.
Licht- und elektronenmikroskopisch lassen sich vier Myokardzellen unterscheiden: P-Zellen, Transitional-Zellen, Purkinje-Zellen, Zellen des Arbeitsmyokards
SKEZ = Sinusknotenerholungszeit Die SKEZ ist definiert als Intervall zwischen letzter stimulus-induzierter P-Zacke und erster durch spontane Sinusknotenaktivität ausgelöste Vorhofaktion. Die längste Sinusknotenerholungszeit nach Austestung aller Frequenzstufen wird als maximale Sinusknotenerholungszeit (MSKEZ) bezeichnet. Sie liegt bei normaler Sinusknotenfunktion im Durchschnitt bei 1000 msec. Werte über 1400 msec
weisen auf eine Störung der Sinusknotenfunktion hin. Bei gesunden Kontrollkollektiven wurden von verschiedenen Arbeitsgruppen folgende Normalwerte ermittelt: 1073 ± 67, 1100 ± 190(221), 1122 ± 158(355), 1073 ±
63 (250), 958 ± 149. Bei normaler Sinusknotenfunktion scheint die Dauer
der präautomatischen Pausen vom Lebensalter der untersuchten Probanden ziemlich unabhängig zu sein. Sowohl bei Kindern als auch bei älteren
Menschen (50 - 72 Jahre) liegen die Sinusknotenerholungszeiten im Streubereich der oben angegebenen Norm.
Bei normaler Sinusknotenfunktion besteht eine lineare Korrelation zwischen spontaner Periodendauer (Grundfrequenz) und präautomatischer
Pause, d. h. die präautomatische Pause nimmt mit zunehmender (spontaner) Periodendauer gleichmäßig zu. Um dieser Bezeichnung Rechnung zu
tragen, wird von verschiedenen Autoren statt der Sinusknotenerholungszeit die „korrigierte Sinusknotenerholungszeit“ (CSRNT = corrected sinus
node recovery time) angegeben. Sie wird berechnet aus der Differenz von
SKS
234
absoluter Sinusknotenerholungszeit minus durchschnittlicher PP-Dauer
vor Stimulationsbeginn. Als Normwerte für die maximale CSRNT werden
präautomatische Pausen von 210 msec bis 525 msec angesehen. Es gibt
leider keine Übereinkunft über die Schreibweise der Abkürzung. In der
deutschsprachigen Literatur findet man sowohl SKEZ als auch die englischen Abkürzungen -> SNRT = sinus node recovery time und -► SRT = sinoatrial recovery time.
Die frequenzkorrigierte Sinusknotenerholungszeit wird in der deutschsprachigen Literatur wahlweise mit KSKEZ und mit -> cSNRT, CSNRT, SNRTC
oder -> CSRT = corrected sinoatrial recovery time abgekürzt; die maximale Sinusknotenerholungszeit mit MSKEZ, mSNRT, SKEZmax, SNRTmax und
SKEZm
SKS = Sinusknoten-Syndrom Unter dem Begriff „Sinus-Knoten-Syndrom“
werden verschiedene kombinierte Formen von Rhythmusstörungen zusammengefaßt, denen die Störung der Sinus-Knoten-Funktion (Reizbildung, Erregungsleitung) gemeinsam ist. Häufig treten atriale Arrhythmien
hinzu. Das zunächst vielfach nur intermittierend in Erscheinung tretende
Leiden, das sich vor allem in Form verschiedener Bradykardien (gelegentlich Wechsel zwischen Bradykardien und Tachykardien) manifestiert, zeigt
meist eine langsame Progredienz. Synonyme Bezeichnungen: Syndrom
des kranken Sinusknotens, Brfidykardie-Tachykardie-Syndrom. Siehe
auch: -> SSS = sick sinus syndrome
SMD = submanubrial dullness Dämpfung unter dem oberen Teil des
Brustbeins
SN EB = sinus node entrance block Sinusknoteneintrittsblock. Synonyme Schreibweise: SANEB
SNGFR = single nephron filtration fraction Einzelnephronfiltrationsrate,
Filtrationsrate einzelner Glomeruli
SNRT = sinus node recovery time Sinusknotenerholungszeit (SKEZ). Zeit
zwischen der letzten vom Schrittmacher ausgelösten P-Welle und der ersten spontanen Vorhoferregung. Synonyme Abkürzung: SRT = sinoatrial
recovery time. Siehe auch: -♦ CSNRT, — SKEZ, -> cSNRT
SNRTmax Maximale Sinusknotenerholungszeit. Von deutschsprachigen
Autoren wird auch die Schreibweise MSKEZ verwendet. Siehe auch: ->
SKEZ
SO2AO Sauerstoffsättigung in der Aorta. Synonyme Schreibweise: So^o
SOB = shortness of breath Atemnot, Dyspnoe
SO2MBV Sauerstoffsättigung im gemischt-venösen Blut (MBV = mixed
venous blood). Synonyme Schreibweise: So2MBV (engl.: mixed venous
blood oxygen saturation)
235
S|i-Sin-pattern
SO2PA Sauerstoffsättigung in der Pulmonalarterie. Synonyme Schreibweise: So 2PA (engl.: pulmonary artery oxygen saturation)
SO2PV Sauerstoffsättigung in der Pulmonalvene. Synonyme Schreibweise:
So2PV (engl.: pulmonary vein oxygen saturation)
SP = Schwellenpotential Im Arbeitsmyokard der Vorhöfe und der Ventrikel ist das Ruhepotential zwischen den Aktionspotentialen konstant. Erregungen werden hier unter natürlichen Verhältnissen nur durch Zuleitung
ausgelöst. Die schwellenwertige Depolarisation kommt durch lokale Ausgleichsströme zwischen dem noch unerregten Gewebe und der bereits von
der Erregung ergriffenen Nachbarschaft zustande. Ohne diesen Anstoß
von außen würde sich das Ruhepotential des Arbeitsmyokards nicht verändern, d. h. es würde keine Erregung entstehen. Anders liegen die Verhältnisse in den automatisch tätigen bzw. zur Automatie befähigten Zellen
des Sinusknotens, des AV-Knotens und des ventrikulären Erregungsleitungssystems, die zu keinem Zeitpunkt ein konstantes Ruhepotential aufweisen. Im Anschluß an die Repolarisation erfolgt sofort wieder eine langsame Entladung. Das Membranpotential nimmt von dem sog. maximalen
diastolischen Potential (MDP) aus in Form einer langsamen diastolischen
Depolarisation (LDD) allmählich ab, erreicht das kritische Schwellenpotential (SP) und löst ein neues Aktionspotential aus. Indem sich derselbe Vorgang nach der Repolarisation jedes Aktionspotentials wiederholt, resultiert eine automatische rhythmische Erregungsbildung. Die langsame diastolische Depolarisation, also die spontane Abnahme des Membranpotentials im Erregungsintervall, stellt den eigentlichen bioelektrischen Elementarvorgang der Schrittmacherautomatie dar
Si-Qm-Typ Von einem Sagittaltyp spricht man, wenn die Hauptsache der Erregungsausbreitung sich nicht in Vertikalebene projiziert, sondern in die
Horizontalebene, also in die Ebene, die mit den Brustwandableitungen
nach Wilson abgegriffen wird. Hierzu gehören der SiSnSm-Typ (S-Zacken
am Ende des QRS-Komplexes in den Ableitungen I, II und III) und der S|-QmTyp (S-Zacke am Ende des QRS-Komplexes in Ableitung I entspricht in ihrer Größe in etwa der Q-Zacke in Ableitung III. Synonyme Bezeichnung:
McGinn-White-Syndrom, akutes Cor pulmonale
SR = sinus rhythm Sinusrhythmus; physiologischer, vom Sinus oder Sinusknoten bestimmter Herzrhythmus
Sii-Rin-Typ Einfacher Rechtspositionstyp bei Steillage (z. B. Tropfenherz)
beim Lungenemphysem
Sii-Sin-pattern Synonyme Bezeichnung für einen überdrehten Linkstyp. Der
QRS-Hauptvektor verläuft fast parallel der Ableitung aVL und zeigt daher
hier den größten positiven Ausschlag; in den diametralen Ableitungen III,
aVF und II daher negativer Ausschlag. Weitere Synonyma sind: ungewöhnlicher Linkstyp, illusionärer Linkstyp, Diskrepanztyp der R-Zacke und marked left axis deviation
236
sss
SSS = sick sinus syndrome Syndrom des kranken Sinusknotens, Sinusknotensyndrom. Unter den Begriffen des sick sinus syndrome, lazy sinus
syndrome und sluggish sinus syndrome wird im angelsächsischen
Sprachgebrauch eine Vielzahl atrialer Arrhythmien zusammengefaßt, die
primär auf eine chronische Störung der Sinusknotenfunktion zurückzuführen sind. Wegen der so häufigen Kombinationen bradykarder und tachykarder Arrhythmien findet auch die Bezeichnung Bradykardie-TachykardieSyndrom Verwendung. Patienten mit diesem SSS weisen Anomalien der
Herzschlagfolge auf:
a) eine persistierende Sinusbradykardie
b) sinuatriale Blockierungen
c) ein unerwartetes Aussetzen der Sinustätigkeit (Sinusarrest)
d) Knoten-Ersatzrhythmen
e) tachykarde ektopische Vorhofrhythmen (Vorhof- und Knotentachykardien, Vorhofflattern und -flimmern bzw. atrioventrikuläre Knoten- und
Vorhof-Extrasystolien)
Aufgrund klinischer wie pathologischer Beobachtungen und insbesondere
durch die H/s-Bündel-Elektrographie ließ sich zeigen, daß bei Patienten
mit dem Sinusknotensyndrom nicht nur der Sinusknoten, sondern nicht
selten auch der Atrioventrikularknoten (binodal disease) und die distal gelegenen Abschnitte des Erregungsleitungssystems (panconductional disease) in ihrer Funktion gestört sein können. Da aber auch bei dieser Patientengruppe die Symptome des „kranken Sinusknotens“ im Vordergrund
stehen, sollte auch weiterhin der Begriff des Sinusknotensyndroms als terminus technicus beibehalten werden
STd = systolic thickness of the interventricular septum Enddiastolische
Kammerseptumdicke. Analog bedeutet STs endsystolische Kammerseptumdicke
ST-Dauer, verlängerte Eine verlängerte ST-Dauer infolge Zunahme der STStrecke ist spezifisch für die Hypokalzämie. Die T-Welle erscheint dabei
der verlängerten ST-Strecke wie ein „Napoleonshütchen“ aufgesetzt.
Eine ST-Verlängerung wird bei einem Blutkalziumspiegel von ^4,5 mval/L
nachweisbar. Die Korrelation zwischen Serumkalziumionen und EKG-Bild
ist recht gut. Als Ursachen einer Hypokalziämie sind zu nennen: TetanieSpasmophilie, Hypoparathyreoidismus, chronische Niereninsuffizienz, renal tubuläre Azidose, Coma hepaticum, Hypoproteinämie.
Charakteristisch für ein Hypokalziämie-EKG ist somit die verlängerte QTDauer auf Kosten von ST bei unverändertem QRS und T. Das gleiche gilt
für die Hyperkalziämie, nur mit umgekehrten Vorzeichen (Verkürzung von
QT infolge isolierter Verkürzung von ST). Werden zusätzliche Veränderungen des QRS-Komplexes, der ST-Strecke oder der T-Welle bei einem Hypokalziämie und/oder Hyperkalziämie-EKG beobachtet, müssen zusätzliche
Krankheiten in Betracht gezogen werden, die zu diesen Veränderungen geführt haben
*
ST-H-Intervall Zeit zwischen Schrittmacherstimulus und dem Beginn des
His-Potentials
237
ST-T-Alteration
STI = systolic time intervals Systolische Zeitintervalle. Auf der Suche
nach nicht-invasiv zu erhaltenden Meßwerten, die möglichst eng mit Parametern korrelieren, die mit invasiven Methoden gewonnen werden und die
zur Beurteilung der Leistung des linken Ventrikels herangezogen werden
können, kamen A. M. Weissler et al. in den USA in den letzten Jahren zu
den systolic time intervals. Damit wurde eine Renaissance der alten, in
Deutschland besonders durch die Arbeiten von K. H. Holldack seit langem
bekannten, mechanokardiographischen Verfahren zur Bestimmung der
Herzzeitintervalle eingeleitet. Bei den STI handelt es sich nicht um prinzipiell neue Meßwerte, sondern vor allem um eine andere Meßtechnik zur Ermittlung der Herzzeitwerte. Bei der Ermittlung der STI nach Weissler werden folgende Herzzeitwerte bestimmt:
a) total electromechanical systole (QS2) = Systolendauer
b) left ventricular ejection time (LVET) = Austreibungszeit
c) preejection period (PEP) = Anspannungszeit
ST-NA = ST segment negative area Fläche der ST-Strecken-Senkung
ST-PA = ST segment positive area Fläche der ST-Strecken-Hebung
STPD = standard temperature and pressure dry Standardtemperatur und
-druck, trocken. Das entspricht 0°C, 101 kPa = 760 mm Hg und trocken.
Diese Formel wird bei Messungen des Transporters der Atemgase zwischen Umgebung und Körper benutzt
ST-P-Intervali Zeit zwischen Schrittmacherstimulus und Vorhofpotential
im His-Bündel-Elektrogramm
ST-Strecke Die ST-Strecke dauert vom Ende der S-Zacke bis zum Beginn
der T-Welle und entspricht der Phase 2 des Aktionspotentials. Im Idealfall
sollte die ST-Strecke in der isoelektrischen Linie verlaufen. Ein leicht ansteigender Verlauf ist jedoch häufig. In den Extremitäten- und linkspräkordialen Ableitungen verläuft ST isoelektrisch oder ist maximal 1 mm (= 0,1
mV) von der Nullinie (bezogen auf die PQ-Strecke) verlagert. In den rechtspräkordialen Brustwandableitungen ist ST meist leicht angehoben. Bei
Tachykardie kann ST leicht gesenkt beginnen, zeigt aber dann immer einen ansteigenden Verlauf. Bei fehlendem S geht ST oft leicht gehoben
vom absteigenden Schenkel von R ab (sog. J-Punkt) und erscheint nach
oben etwas konkav. Bei vertieftem Ansatz der ST-Strecke von der isoelektrischen Linie (bezogen auf die PQ-Strecke) kann als Faustregel gelten:
Der unter der isoelektrischen Linie (PQ-Strecke) liegende ST-Abschnitt
sollte nicht länger als die QRS-Breite sein (ca. 0,08 see)
ST-T-Alteration Die infolge des Koronarverschlusses auftretende Myokardischämie, welche nur eine metabolische, nicht strukturelle Myokardstörung darstellt, und die Myokardverletzung (Läsion), welche bereits einer histologisch erkennbaren Myokardreaktion entspricht, alterieren in typischer Weise den ST-T-Abschnitt.
Ischämie- und Verletzungssymptome im EKG sind prinzipiell reversibel
ST-T-Verschmelzung
238
und bedeuten noch nicht Myokardnekrose. Die Folge der Ischämie ist eine
primäre Veränderung der T-Welle. Zu Beginn des Infarktes, zum Zeitpunkt
der subendokardialen Ischämie, zeigt der Ischämievektor vom Nullpunkt
gegen das Zentrum der Ischämie, so daß sich die Positivität von T flüchtig
verstärkt. Die ST-Strecke ist in diesem frühen Anfangsstadium, das klinisch nur selten erfaßt wird, gewöhnlich noch nicht alteriert, eventuell gehoben oder gesenkt. Bei der sich anschließenden transmuralen und auch
bei der subepikardialen Ischämie (Perikarditis) ist der Ischämievektor vom
Zentrum der Ischämie gegen den Nullpunkt gerichtet, so daß in den entsprechenden Ableitungen negative T entstehen. Diese terminalen, spitzgleichschenklig negativen oder koronaren T sind typisch für das Folgestadium des Infarktes, kommen aber auch (vorübergehend) bei Angina pectoris und bei entzündlichen oder toxischen Myokardstörungen vor.
Die Läsion des Myokards bewirkt — besonders in den Randzonen des infarzierten Muskelbezirkes — einen Verletzungsstrom, der mit einer monophasischen Deformierung des EKG (ST-Hebung) identisch ist. Der einer
Verminderung der Polarisation entsprechende Läsionsvektor zeigt bei
transmuraler und auch bei der subepikardialen Verletzung (Perikarditis)
vom Nullpunkt gegen das Zentrum der Läsion und bei subendokardialer
Läsion (Innenschichtinfarkt, Angina pectoris) von der Läsion weg gegen
den Nullpunkt hin. Im akuten Stadium eines transmuralen Infarktes entsteht daher ein vom absteigenden R-Schenkel hoch abgehende, starke STHebung, die nach oben konkav (Kuppelform) oder plateauförmig verläuft
und die T-Zacke mit einbezieht. ST und T verschmelzen zu einer einheitlichen Welle. Im Zwischenstadium lassen sich ST und T wieder differenzieren, indem sich T relativ rasch gegensinnig zur ST-Verlagerung investiert,
ST aber langsamer zur isoelektrischen Linie zurückkehrt. Im Endstadium
ist T schließlich negativ in denjenigen Ableitungen, in denen ST gehoben
war, und umgekehrt; ST verläuft wieder isoelektrisch
ST-T-Verschmelzung Gehen die ST-Strecken in breitem Schwung in eine
nicht sicher abgrenzbare T-Welle über, so liegt meist eine Elektrolytstörung vor. Auch bei zerebralen Erkrankungen wird diese Veränderung beobachtet, ohne daß man den Zusammenhang zu erklären weiß
ST-Vektor Unter normalen Bedingungen besteht nach Beendigung der Depolarisation keine Potentialdifferenz. An der Zellmembran finden zu diesem Zeitpunkt keine lonenverschiebungen mehr statt. Dieser vektoriellen
Ruhe entspricht der Verlauf der ST-Strecke in der Nullinie. Sie beginnt im
Punkt J und endet mit dem Beginn derT-Welle. J = junction (Punkt, in dem
der QRS-Komplex endet und die ST-Strecke beginnt).
ST-Strecke, Hebung: Infolge der tiefgreifenden subepikardialen Stoffwechselstörung im ersten Infarktstadium (bzw. bei einer Perimyokarditis) wird
dieser Bezirk im Vergleich mit der Innenschicht nur unvollkommen depolarisiert. Die somit auftretende Potentialdifferenz verursacht nach beendeter
Depolarisation während der ST-Strecke einen Vektor, der von innen nach
außen gerichtet ist. ST erscheint daher in den Ableitungen über dem Außenschichtläsionsbezirk stark angehoben (Prototyp der AußenschichtAlteration)
239
SVAS
ST-Senkung: Die Innenschicht des Myokards ist gegenüber den verschiedenartigen hämodynamischen, metabolischen, toxischen oder vegetativen Einflüssen besonders anfällig („letzte Wiesen“ der Durchblutung,
Beeinträchtigung des Koronardurchflusses durch erhöhten intraventrikulären Druck). Eine Beeinträchtigung besonders der Durchblutung führt daher
in der Innenschicht zu einer Herabsetzung der elektrischen Erregbarkeit.
Sie verhält sich demgemäß während der Vollerregung gegenüber der Außenschicht relativ positiv. Es entsteht somit nach Abschluß der Depolarisation ein nach ihnen gerichteter Vektor, der sich von den frontalen Ableitungen und von den präkordialen Ableitungen abwendet und hier eine Senkung (= Negativität) der ST-Strecke hervorruft. Bei einer InnenschichtAlteration nur einer Kammer beschränkt sich die ST-Senkung auf die hinter dem nach innen gerichteten ST-Vektor liegenden Ableitungen
SUT = systolic upstroke time Systolische Aufstrichzeit. Normwert: 104 ±
15 msec. Die „systolische Aufstrichzeit“ ist definiert aus Zeitintervall von
Beginn (C-Punkt) bis zum Ende (E-Punkt) des protosystolischen Aufstriches des Apexkardiogramms. In Abwesenheit eines scharf markierten Cund/oder E-Punktes wird die SUT gemessen, indem die erste Ableitung
(dA/dt) des Apexkardiogramms benutzt wird. Dieses Intervall liegt zwischen dem Punkt, wo dA/dt von der Nullinie sich erhebt bis zu dem Punkt,
wo dA/dt wieder die Basislinie erreicht, nachdem der maximale Ausschlag
erfolgt ist. Dieser Wert korreliert mit einem r = - 0,81 mit dp/dtmax
SV = stroke volumen Schlagvolumen. Aus der Differenz des enddiastolischen und des endsystolischen Innenvolumens des linken Ventrikels ergibt sich das linksventrikuläre Schlagvolumen. SV = LVEDV — LVESV
(ml). Setzt man das Schlagvolumen zum enddiastolischen Volumen in Beziehung, erhält man die sog. Auswurffraktion oder Ejektionsfraktion (EF) in
Prozent (nach Multiplikation mit 100). EF = (SV/LVEDV) x 100 (%)
SVAS =
supravalvuläre Aortenstenose Nach der pathologischanatomischen Einteilung unterscheidet man: 1. die supravalvuläre Stenose oder Isthmusstenose der Aorta ascendens, die durch einen vollständigen fibrösen Ring aus konstringierendem Gewebe auf Höhe des Sinus aortae gebildet wird. Die poststenotische Aorta ist etwas dilatiert und die
Wand stark oder leicht verdickt. 2. Die supravalvuläre Stenose kann auch
durch eine diffuse Verdickung von den Aortenklappen bis in den transversalen Anteil (hypoplastische Form) bedingt sein. 3. Gewöhnlich besteht
nur eine dünne Membran mit einer zentralen Öffnung unmittelbar über die
Aortenklappe (membranose Form). Die supravalvuläre Aortenstenose wird
häufig von zusätzlichen arteriellen Stenosen begleitet. Beschrieben wurden außerdem supravalvuläre, zentrale und periphere Pulmonalstenosen
und Klappenanomalien. In ca. 8% der Fälle finden sich weitere kardiovaskuläre Fehlbildungen wie Aortenisthmusstenose, Subaortenstenosen und
Vorhof- oder Ventrikelseptumdefekte. Die supravalvuläre Aortenstenose
und die peripheren Pulmonalstenosen treten ohne weitere Dysplasien sporadisch und familiär gehäuft und mit autosomaler Dominanz und herabgesetzter Penetranz auf, wobei Facies und geistige Entwicklung normal sind
X
SVAS/WBS
240
und nur vereinzelt körperliche Retardierung, degenerative Stigmata und
psychische Abwegigkeiten beobachtet werden. Zusammenhänge mit einer idiopathischen Hyperkalzämie werden diskutiert. In Verbindung mit eigentümlichem Gesichtsausdruck (Kobold-, Gnomen- oder Fauns-Gesicht
bzw. „elfin-facies“) geistiger Retardierung, tiefer metallischer Stimme, Minderwuchs, Strabismus, Zahnmißbildungen und Leistenhernie tritt die supravalvuläre Aortenstenose sporadisch auf und steht als Williams-BeurenSyndrom in Verbindung mit dem idiopathischen Hyperkalzämie-Syndrom.
Das Fortbestehen der Vitamin-D3-Hypersensibilität, die bei Vitamin DBelastung einen Anstieg des Kalziumspiegels bis auf das fünffache bewirkt, prägt das progrediente Krankheitsbild der schweren idiopathischen
Hyperkalzämie mit Zunahme der kardiovaskulären Veränderungen, der geistigen Retardierung und der Wachstumsstörung, schließlich mit Auftreten
endokriner Störungen in der Pubertät, wobei Einflüsse des Vitamin D auf
den Östrogenspiegel oder eine Kalzinose der Schädelbasis mit Beeinträchtigung der Hypophyse diskutiert werden
SVAS/WBS Kombination von supravalvulärer Aortenstenose mit dem
Williams-Beuren-Syndrom (Syndrom der frühkindlichen Hyperkalziämie)
SVC = superior vena cava Vena cava superior. Die obere Hohlvene als unpaare, kurze, klappenlose, dünnwandige Sammelvene der oberen Körperhälfte (aus dem Zusammenfluß der Vv. brachiocephalicae). Sie zieht an der
Innenseite der rechten Pleurakuppel abwärts, nimmt — außer kleinen Zuflüssen von Perikard und vorderem Mediastinum — vor Eintritt in Herzbeutel und rechten Vorhof die Vena azygos auf
SVCS = superior vena cava syndrome Vena-cava-superior-Syndrom. Venöse Zirkulationsstörung durch Abflußbehinderung (selten reine Thrombose,
meist Einengung durch Mediastinalfibrose, Tumor, Aortenaneurysma):
Einflußstauung der oberen Körperhälfte (hier erhöhter Venendruck bis
>400 mm H2O), Zyanose, Gesichts-, Hals- und Armödem, Schwindel,
Kopfschmerzen, Somnolenz, Beklemmungsgefühl, Brustschmerzen und
Atemnot; evtl. Schleimhautblutungen
SV/EDV = stroke volume / enddiastolic volume Auswurffraktion (-» EF =
ejection fraction)
SVES = Supraventrikuläre Extrasystolen Vorhofextrasystolen. Vorzeitiger
Einfall einer vom Vorhof ausgehenden Erregung.
Häufig bei hämodynamischer Überlastung der Vorhöfe (z. B. Mitralstenose) hier als Vorläufer von Vorhofflimmern anzusehen. Bei entzündlichen
und degenerativen Myokardalterationen (Myokarditis, KHK), seltener bei
Digitalisüberdosierung; Vorkommen: auch bei nachweislich Herzgesunden, dann allerdings meist bei Frequenzsteigerung (körperliche Belastung,
Alupent) verschwindend.
EKG: Vorzeitig einfallende deformierte P-Zacke, bedingt durch fehlortigen
Reizursprung und veränderte Reizausbreitung im Vorhof. Fällt P sehr früh
ein, so kann es mit dem vorangehenden T verschmelzen. Normale, nicht
241
SWI/LVEDP-Quotient
deformierte QRS-Komplexe. Die postextrasystolische Pause bis zum nächsten Normalschlag ist nicht kompensatorisch
SV = systemic vascular resistance Systemischer peripherer arterieller Gesamtwiderstand. Berechnung erfolgt nach der Formel: SVR = MAP-RA
multipliziert mit 80 und dividiert durch das Herzminutenvolumen (dyn, see
cm-5 m-2)
SVI = stroke volume index Schlagvolumenindex. Schlagvolumen pro m2
Körperoberfläche
SVR = systemic vascular resistance Systemischer Gefäßwiderstand
SVRT = supraventricular re-entry tachycardia Supraventrikuläre Tachykardie
SVT = supraventricular tachyarrhythmia Supraventrikuläre Tachykardie,
Vorhoftachykardie. Ektope, nicht dem Sinusknoten entstammende, tachykarde Vorhoferregung konstanter Frequenz (100-250/min). Ist bei tachykardiebedingter Verschmelzung von P mit der vorhergehenden T-Welle eine Unterscheidung von einer Knotentachykardie elektrokardiographisch
nicht möglich, so spricht man besser von supraventrikulärer Tachykardie.
EKG: Völlig regelmäßig einfallende, meist in Ableitung Vi am besten erkennbare, leicht deformierte P-Zacken. Die Deformierung der P-Zacke ist
umso geringer, je näher der Reizursprung am Sinusknoten liegt. Charakteristisch ist die Isoelektrische, welche zwischen T und P bzw. zwischen P
und QRS abgegrenzt werden kann. QRS ist in der Regel nicht deformiert,
es sei denn, es liegt ein Ermüdungsblock vor. Gelegentlich ist zur genaueren Abgrenzung der P-Zacken ein Ösophagus-EKG erforderlich
SVWM = segmented ventricular wall motion Segmentale Ventrikelwandbewegung. Synonyme Abkürzung: SH WB = Segmentale Herzwandbewegung (SVWMI = segmental ventricular wall motion index)
SW = stroke work Schlagarbeit eines Ventrikels. Die Berechnung erfolgt
nach der Formel: SW = SV x Psyst. x 0,0136 (g x m/m2)
SWI = stroke work index Schlagarbeits-Index. Die Berechnung erfolgt
nach der Formel: SWI = SVIX (MAP — PAEDP) x 0,0136 g x m/m2. Der
Schlagarbeitsindex ist auch das Produkt aus Schlagindex (SW) und dem
mittleren arteriellen Blutdruck (MAP)
SWI/LVEDP-Quotient Quotient Schlagarbeitsindex/Füllungsindex.
Quotient ist ein Index für die Pumpleistung
Der
Tmax
242
T
Tmax = maximale Spannung des Herzmuskels Sie steigt ebenso wie die
maximale Spannungsanstiegsgeschwindigkeit dp/dtmax bei Erhöhung der
preload an
T Der erste sich von der ST-Linie abhebende positive oder negative Ausschlag im EKG
TA Trikuspidalareal : 4.-5. ICR am linken Sternalrand. Auskultationspunkt der Trikuspidalklappe
T-abgeflachtes Bei der Beurteilung einer abgeflachten T-Welle muß zunächst ein Projektionseffekt ausgeschlossen werden. Bei einem Indifferenz-, Steil- oder Rechtstyp ist das flache Tm unbedeutend.
Vorübergehende Abflachungen, wie sie bei der vegetativen Labilität, beim
Trainingsmangel, unter körperlichen Belastungen und bei Tachykardien
beobachtet werden, sind bedeutungslos. Sie werden fälschlich als „Myokardschaden“ interpretiert.
Konstante Abflachungen der T-Welle sind dagegen ein wertvoller diagnostischer Hinweis. Sie sind vor allem unter folgenden Bedingungen zu erwarten: Myokarditis, toxische Myokardschädigung, Perikarditis (Zwischenstadium), Myokardosen, Koronarinsuffizienz (gleichzeitig STSenkung), orthostatische Dysregulation, beginnende Linkshypertrophie,
Vorderwandinfarkt
TAC = Truncus arteriosus communis Beim Fehlbildungskomplex des
Truncus arteriosus communis (TAC) entspringt von der Basis des Herzens
eine singuläre große Arterie, das sog. Trunkusgefäß, mit einer für beide
Ventrikel gemeinsamen Semilunarklappe. Aus diesem Trunkus nehmen
mindestens eine Koronararterie und eine oder zwei Pulmonalarterien ihren
Ursprung, bevor er sich in die Aorta ascendens und den Aortenbogen mit
Abgang der Brachiocephalgefäße fortsetzt
T-Achse Gesamtvektor der T-Zacken im Oberflächen-EKG, z. B. links gerichtet bei höchstem Ti und negativem Tm
TAP = Transluminale Angioplastik Perkutane, nicht-operative Dilatation
kritischer Koronararterienstenosen. Siehe auch: PTCA = percutaneous
transluminal coronary angioplasty
TAPE = temporary atrial pacemaker electrode Spezialvorhofkatheter mit
Drahtschlingen-Elektrode
243
TA-Wellen
TAPVC = total anomalous pulmonary venous connection Bei der totalen
Lungenvenenfehlkonnektion finden die vier Lungenvenen infolge früher
Agenesie, Involution oder Atresie der embryonal gemeinsamen Pulmonalvene bei noch bestehenden Verbindungen zwischen Pulmonal- und Systemvenen keinen Anschluß an den linken Vorhof und fließen in einem dorsal an der Hinterwand des linken Vorhofes gelegenen Pulmonalvenensinus zusammen. Je nach Form und Lage der persistierenden Verbindung
zwischen dem Pulmonalvenensinus und den Systemvenen bzw. dem rechten Vorhof unterscheidet man einen suprakardialen, einen kardialen, einen
intrakardialen und einen gemischten Typ
TAPVD = total anomalous pulmonary venous drainage Total anomale
Pulmonal-Venen-Drainage.
Total
anomale
Lungen-VenenFehleinmündung. Synonyme Bezeichnung für -> TAPVC
TART = total apexcardiographic relaxation time Totale apexkardiographische Relaxationszeit. Dieser Index entspricht der IVR, jedoch sollte man
besser von totaler Apexkardiogramm-Relaxationszeit sprechen, da der
Punkt 0 des Apexkardiogramms nicht genau mit der Öffnung der Mitralklappe zusammenfällt. Die TART wird gemessen von Beginn des aortalen
Anteiles des 2. HT (A2) des Phonokardiogramms bis zur Rückkehr — nach
dem negativen Gipfel — der ersten Ableitung (dA/dt) des Apexkardiogramms zur Nullinie. Dabei ergeben sich gute Korrelationen mit dem maximalen Druckabfall im linken Ventrikel (min/dP/dt) und mit der Austreibungsfraktion (EF) mit einem r = -0,84 bzw. -0,75. Besondere Bedeutung erhält die TART bei der Beurteilung des Schweregrades der Mitralstenose, da bei Verkürzung mit einem deutlichen Anstieg des Vorhofdruckes
zu rechnen ist. Normwert 93 ± 16 msec
TAVB = total atrioventricular block In der amerikanischen kardiologischen Literatur gelegentlich verwendete Abkürzung für den totalen AVBlock (A V-Block III. Grades)
TA-Wellen Negative Wellen des Vorhofes. Die für das Vorhofflattern charakteristischen sägezahnartigen Wellen (sog. F-Wellen) entstehen durch
die Aufeinanderfolge der positiven P-Welle und der negativen T-Welle des
Vorhofs (sog. TA-Welle). Die TA-Welle projiziert sich bei normaler Herzfrequenz in dem QRS-Komplex und ist im Oberflächen-EKG nicht erkennbar.
Mit zunehmender Vorhoffrequenz tritt sie aus dem QRS-Komplex heraus
und nimmt in ihrer Amplitude zu. Bei der dem Vorhofflattern typischen Frequenz zwischen 220 und 350 Schlägen/min erreicht die Amplitude der TAWelle die der P’-Welle, was zu dem typischen sägezahnartigen Bild der
F-(Flatter-)Welle führt. Zu diesem charakteristischen Bild des Vorhofflatterns gibt es fließende Übergänge. Im unteren Frequenzbereich der Vorhoftätigkeit (220 - 250 Schläge/min) ähnelt es häufig einer Vorhoftachykardie mit Block (P’-Wellen mit isoelektrischen Zwischenstrecken), in hohen
Frequenzbereichen (300-400 Schläge/min) bestehen fließende Übergänge zum Vorhofflimmern. Man spricht dann von unreinem Vorhofflimmern
und/oder FibriIloflattern der Vorhöfe
T-biphasisches, terminal negatives
244
T-biphasisches, terminal negatives In Verbindung mit einer ST-Hebung
Kennzeichen für das 2. Infarktstadium. (Hinterwandinfarkt: Abi. II, III, aVF,
D; Vorderwandinfarkt: Abi. I, aVL, V2-4). Vorkommen bei abklingender Perikarditis, Myokarditis, Intoxikationen (Schlafmittel, Sublimat, Phosphor,
Lösungsmittel, Dichloräthan).
TBV = total blood volume Gesamtes Blutvolumen
TBW = total body water Gesamtkörperwasser. Das Gesamtkörperwasser
des Erwachsenen macht etwa 60% des Körpergewichts aus. Der gegenüber den Männern verringerte Gesamtwasserhaushalt der Frau beruht
hauptsächlich auf dem höheren Anteil von Fettgewebe, da dieses weniger
als 30% Wasser enthält und somit der intrazelluläre Anteil des Gesamtkörperwassers verkleinert ist. Jenseits des 60. Lebensjahres nimmt durch Verminderung der intrazellulären Flüssigkeit das auf das Gewicht bezogene
Körperwasser ab
TC = total capacity Totalkapazität der Lunge. Synonyme Abkürzung für
die in der englischsprachigen Literatur häufiger verwendete -> TLC = total lung capacity. In der deutschsprachigen Literatur wird entweder die
englische Schreibweise benutzt oder die Abkürzung TK bzw. -> TLK = Totalkapazität der Lunge gebrauchV Die Totalkapazität der Lunge ist das Volumen, das sich bei maximaler Einatmung in der Lunge befindet. Es läßt
sich in zwei große Teilvolumina unterteilen: in die Vitalkapazität (-+ VC,
VK) und in das Residualvolumen (-> RV)
TCA = transluminal coronary angioplasty Transluminale koronare Angioplastie (Angioplastik). Synonym für die geläufigere Abkürzung -> PTCA =
percutaneous transluminal coronary angioplasty
99mTc-HSA-Radionuklidkardioangiographie Die Radionuklidkardioangiographie mit 99mTC-HSA (Humanserum-Albumin) erlaubt eine Darstellung
der Ventrikelhohlräume auf nicht-invasivem Wege. Durch Ausmessung der
Ventrikelachsen lassen sich enddiastolisches und endsystolisches Volumen, als Differenz der beiden das Schlagvolumen und die Auswurffraktion
bestimmen. Abweichungen von der normalen Ventrikelgeometrie können
besser mit Hilfe von Studien der Aktivitätsverteilung als mit Hilfe anderer
Methoden der Ventrikulographie beurteilt werden. Bei dieser Methode der
Ventrikulographie tritt nämlich zur üblichen biplanen Aufzeichnung des
Ventrikelhohlraums die Dimension der Tiefe hinzu. Die Ventrikelvolumina
lassen sich sowohl aus der Ausmessung der Ventrikelachsen berechnen
wie auch aus der Aktivitätskonzentration, wozu — wie auch bei anderen
Methoden der Ventrikulographie — in der Regel die Hilfe von elektronischen Rechenanlagen benutzt wird
99mTc-PYP = technetium-99m stannous pyrophophosphate imaging
Technetium-99m-Pyrophosphat. Zur Erfolgsbeurteilung einer aortokoronaren Bypass-Operation stehen uns heute invasive wie nicht-invasive Methoden zur Verfügung. Bei den nicht-invasiven Methoden haben in den letzten
245
TEG
Jahren vor allem die Radionuklidventrikulographie mit Technetium-99m
bzw. die Thallium-201-Myokardszintigraphie an Bedeutung gewonnen.
Die Technetium-99m-Pyrophosphat-("mTC-PYP-)Szintigraphie des Herzens wurde ursprünglich zum Nachweis frischer Myokardinfarkte in die
Diagnostik eingeführt. Als Ursache der Pyrophosphatanreicherung wurde
eine strukturelle Schädigung der Myokardzelle angenommen.
Gemäß dieser Vorstellung wäre auch zu erwarten, daß nach narbiger Umwandlung des Infarktareals die Pyrophosphateinlagerung abnimmt bzw.
völlig verschwindet. In der Folge zeigte sich aber, daß in etwa 40 bis 50%
der Fälle auch nach Heilung des Myokardinfarkts weiterhin Pyrophosphat
in das Myokard eingelagert wird. Neuere Untersuchungen ergaben, daß
auch ohne abgelaufenen Infarkt eine große Anzahl von Patienten mit koronarer Herzkrankheit Pyrophosphat ins Myokard einlagert
"mTc-RBC
"mTc-Erythrozyten (RBC = red blood cells)
TCpO2 Transkutan gemessener Sauerstoffpartialdruck. Die Registrierung
des transkutan gemessenen Sauerstoffpartialdrucks (TCpO^ hat sich als
sehr aussagekräftig erwiesen. Dabei wird eine geheizte modifizierte ClarkElektrode auf die Haut aufgesetzt. Die damit erreichte Hyperämisierung
der Haut führt dazu, daß nahezu arterielles Blut durch die geöffneten Kapillaren fließt. Der dabei durch die Haut hindurchdiffundierte Sauerstoff
wird von der Elektrode gemessen. Die Korrelation mit dem blutig bestimmten O2-Partialdruck ist gut. Bei zentralisierten Patienten ist wegen der verminderten Hautdurchblutung transkutan keine zuverlässige O2-Messung
möglich; jedoch kann über die Heizleistung der O2-Elektrode, die um so höher wird, je besser die Hautdurchblutung ist, eine beginnende Zentralisation des Patienten sehr frühzeitig erkannt werden. Synonyme Schreibweise: tcpO2, tCPÖ2
t-dp/dt = Intervall vom Kontraktionsbeginn bis zum Zeitpunkt des Maximums der Druckanstiegsgeschwindigkeit. Empfohlenes Maß zur Erfassung der Kontraktilität im intakten Organismus
TEDD = total end-diastolic diameter Totaler enddiastolischer Durchmesser. Durchmesser des linken Ventrikels einschließlich Septum- und Hinterwanddicke
T-Ende Weiterführung des abfallenden Schenkels von T in Form einer symmetrisch gestalteten Welle bis zur Bezugslinie (Unterteilung der STStrecke im Belastungs-EKG)
TEG = Thromboelastogramm Durch das TEG nach Hartert wird der
Gerinnungs- und Fibrinolysevorgang von Vollblut photokymographisch registriert. Die Zeit bis zum Gerinnungseintritt oder Reaktionszeit (r-Zeit) ist
ein Parameter für das endogene Gerinnungssystem und die Thrombozyten. Die Gerinnselbildungszeit oder Koagulationszeit (k-Zeit) läßt Schlüsse
auf Thrombozytenzahl und -funktion zu. Die maximale Amplitude (mo) als
Maß für die Gerinnselfestigkeit hängt von Thrombozytenzahl und
T-en dome
246
-funktion, Fibrinogengehalt, Faktor-Xlll-Aktivität und fibrinolytischer Aktivität ab. Die Bestimmungsdauer von 1-2 Std. ist bei schnellen Schockabläufen nachteilig; der Test ist apparativ und personell aufwendig. Für den
Erfahrenen ist das TEG ein wertvoller Globaltest zur Abschätzung des gesamten Ablaufs von Fibrinbildung und Fibrinolyse, im Einzelfall sind nützliche diagnostische Rückschlüsse möglich
T-en dome Das klassische Bild des frischen Vorderwandinfarktes bzw. des
Vorderwandspitzeninfarktes ist durch einen stark erhöhten Abgang von ST
I und einen gesenkten von ST II gekennzeichnet, während der Herzhinterwandinfarkt einen gesenkten Abgang von ST I und erhöhtem ST III aufweist, jeweils mit monophasisch deformiertem T. In den späteren „reaktiven“ Stadien resultiert beim Vorderwandinfarkt ein deutliches Q I und negatives T I, präkordial ein tiefes Q in V2 und V4. Der ältere Hinterwandinfarkt zeichnet sich durch tiefes und breites Q III, das nur selten vermißt
wird und im Gegensatz zum lagebedingten betonten Q III nicht hinsichtlich
seiner Amplitude atmungsphasenabhängig ist, ferner durch ein spitznegatives T III (Koronares T) aus. Über V2 und evtl. V4 findet sich neben einer
Senkung von ST und einem knickförmigen Übergang von ST in T ein spitzpositives T („T-en döme“ oder „zeltförmiges“ T genannt)
TESD = total end-systolic diameter Totaler endsystolischer Durchmesser
TG = Triglyceride Verbindungen des dreiwertigen Alkohols Glycerin, in
denen die drei Hydroxylgruppen mit Fettsäuren verestert sind
TGA = Transposition der großen Arterien Der Komplex der „Ursprungsanomalien der großen Arterien“ umfaßt sowohl Herz-Gefäß-Fehlbildungen
mit abnormer Sequenz der Ventrikel und der großen Arterien, d. h. mit
„ventrikulo-arterieller Diskordanz“ bzw. „Transposition der großen Arterien“, als auch Fehlbildungen mit normaler Sequenz der Ventrikel und der
großen Arterien, d. h. mit „ventrikulo-arterieller Konkordanz“, jedoch mit
Lageanomalien der großen Gefäße (Malposition der großen Arterien), und
schließlich auch Fehlbildungen mit Ursprung der beiden malponierten großen Gefäße überwiegend aus einem Ventrikel (double outlet ventricle).
Bei der häufigsten Form der Fehlbildungskomplexe mit ventrikuloarterieller Diskordanz, der „kompletten Transposition der großen Arterien“, nehmen die großen Gefäße — bei Fehlen der „schraubigen Umschlingung“ von Aorta und Arteria pulmonalis — ihren Ursprung „auf der
anderen Seite des Ventrikelseptums“ aus den ihnen morphologisch nicht
zugehörigen Ventrikeln. Durch Persistenz eines subaortalen Konus sind
dabei die arteriellen Ostien in anterior-posteriorer Richtung verschoben;
das Aortenostium liegt in der Mehrzahl der Fälle vorne rechts vor dem Pulmonalostium (D-Ioop) und die Aorta verläuft vorne rechts vor der Pulmonalarterie (D-TGA), seltener vorne links vor dem Pulmonalostium (L-Ioop) und
mit Verlauf vorne links der Pulmonalarterie (L-TGA). Der Pulmonalklappenring weist — anstelle des Aortenklappenrings — eine fibröse Kontinuität
zum Mitralostium auf. Pulmonal- und Systemkreislauf sind damit parallel
und nicht in Serie geschaltet, so daß nur bei Vorliegen einer größeren
247
THM-Wellen
Querverbindung mit adäquater Mischung der beiden Kreisläufe ein Überleben möglich ist.
Bei der sog. „angeboren korrigierten Transposition der großen Arterien“
ist dagegen die Kreislaufsituation funktionell normal, da die Aorta zwar
aus dem morphologisch rechten Ventrikel entspringt, dieser jedoch durch
eine Ventrikelinversion vom vorgeschalteten linken Vorhof arterialisiertes
Blut erhält. Damit bestehen bei diesem Fehlbildungskomplex sowohl eine
atrio-ventrikuläre Diskordanz als auch eine ventrikulo-arterielle Diskordanz. Übereinstimmend werden von mehreren Autoren diesem Fehlbildungskomplex nur diejenigen Formen zugerechnet, die zwei identifizierbare, durch ein interventrikuläres Septum bzw. ein Einlaßseptum getrennte
Einflußbahnen und zwei getrennte, durchgängige Atrioventrikularklappen
besitzen. Dagegen werden Fehlbildungen mit singulärem Ventrikel, Inversion der Auslaßkammer (L-Ioop) und L-Transposition der großen Gefäße
bei Situs solitus bzw. D-Ioop und D-TGA bei Situs inversus dem Fehlbildungskomplex des „singulären Ventrikels“ bzw. des „univentrikulären Herzens“ zugeordnet. Die klinische Bedeutung der angeborenen korrigierten
Transposition liegt in den zahlreichen assoziierten kardiovaskulären Fehlbildungen und in der Anomalie des Reizleitungssystems. Siehe auch:
-► l-loop, -> l-TGA,
d-TGA (engl.: transposition of the great arteries; frz.:
la transposition complete des gros vaisseaux)
TGA-HS = transposition of the great arteries associated with horizontal
(ventricular) septum Transposition der großen Arterien mit horizontalem
interventrikulärem Septum
TGA/VSD Transposition der großen Arterien kombiniert mit einem Ventrikelseptumdefekt
TGC = time gain compensation An allen handelsüblichen Echokardiographien gibt es eine Vielzahl von Reglern, die das Echokardiogramm modifizieren. Diese Regler können die Echo-Darstellung beeinflussen; sie sind
für die Registrierung bestimmter kardialer Echos unabdingbar notwendig.
Nötig ist ein Mechanismus zur Verstärkung weit entfernter Echos, weil Ultraschall auf seinem Weg durch den Körper abgeschwächt wird und an Intensität verliert. Solche Vorrichtungen haben viele verschiedene Bezeichnungen, wie zum Beispiel: time gain compensation, TGC (ZeitVerstärkungs-Ausgleich), depth compensation (Tiefenausgleich) oder
electronic distance compensation (elektronischer Tiefenausgleich)
TGV = thorakales Gasvolumen Das Ganzkörper-plethysmographisch bestimmte TGV entspricht dem Luftvolumen, das nach normaler Exspiration
im Thorax verbleibt. Unter der Voraussetzung, daß alle lufthaltigen intrathorakalen Räume mit der Außenluft in Verbindung stehen, entspricht das
thorakale Gasvolumen der funktionellen Residualkapazität (-> FRC)
THM-Wellen = Traube-Hering-Meyersche Wellen Blutdruckschwankungen, die reflektorisch bedingt sind durch Einflüsse des Atemzentrums auf
das vasomotorische Zentrum
TIA
248
TIA = transient ischemic attack TIAs sind Ausdruck passagerer fokaler
zerebraler Ischämien und eine wichtige Manifestation zerebrovaskulärer
Erkrankungen. Sie haben eine besondere Bedeutung, weil vielen Fällen eine behandelbare Krankheit zugrunde liegt. Unbehandelt bekommt etwa jeder Dritte dieser Patienten in den nächsten fünf Jahren einen Schlaganfall.
TIA gelten daher als typische Vorboten des zerebralen Insultes.
Klinisch äußern sie sich als Episoden mit flüchtigen fokalen zerebralen
Ausfällen, wobei die Symptome plötzlich einsetzen, in der Regel nur kurz
wenige Minuten bis zu einer halben Stunde anhalten und sich immer vollständig zurückbilden. Dauert die Attacke länger als 24 Stunden, so wird
nicht mehr von einer TIA gesprochen, sondern von einem prolongierten reversiblen Insult (PRIND), obwohl ätiologisch, pathogenetisch, prognostisch und auch hinsichtlich der therapeutischen Möglichkeiten keine
grundlegenden Unterschiede zwischen einer TIA und einem PRIND bestehen. Die Häufigkeit der Attacken wechselt. Neben Fällen mit Einzelattacken gibt es Patienten mit multiplen TIA in unterschiedlichem zeitlichen
Abstand.
Die klinische Symptomatik hängt vom Ort der temporären fokalen Ischämie ab. TIA im Karotiskreislauf äußern sich typischerweise als brachiofaziale oder brachtofazial betonte Hemiparesen mit oder ohne analog angeordneten Sensibilitätsstörungen, als Aphasie, wenn die dominante Hemisphäre betroffen ist, oder als flüchtige monokuläre Erblindung (Amaurosis
fugax), wenn die Ischämie das gleichseitige Auge betrifft. TIA im
Vertebralis-Basilariskreislauf haben eine reichhaltigere Symptomatik, weil
dieser Hirnkreislauf Medulla oblongata, Kleinhirn, Brücke, Mittelhirn sowie Temporal- und Okzipitallappen versorgt.
Als typische Symptome der vertebro-basilären Insuffizienz gelten seitenwechselnde Hemiparesen, analog verteilte Sensibilitätsstörungen, „bulbäre“ Ausfälle wie Doppelbilder, Drehschwindel, Dysarthrie, periorale Sensibilitätsstörungen und Blitzsynkopen, aber auch Zeichen einer koordinatorischen Instabilität oder vorübergehende Gesichtsfeldausfälle
TIH = time interval histogram Eine Form der Analyse des Dopplershifts ist
das kürzlich entwickelte sog. Time-Interval-Histogramm (TIH), in dem keine komplizierten Filtersysteme notwendig sind. Im TIH wird jeweils die
mittlere Frequenz, d. h. der mittlere Dopplershift jedes zurückkommenden
Impulses, gemessen und als Punkt registriert. Je nach Pulsfrequenz (abhängig von verwendeter Sendefrequenz und eingestellter Untersuchungstiefe) werden 3000-10 000 Impulse analysiert und als Punkte aufgetragen. Die sich ergebende Punkteschar beschreibt den Verlauf der mittleren
Frequenz während eines jeden Herzzyklus und wird TIH genannt. Die Frequenz wird gemessen als Zeitintervall zwischen den Nullinien-Kreuzungen
der Schallwelle. Das TIH ist so angelegt, daß höhere Frequenzen = höherer Dopplershift = höhere Blutströmungsgeschwindigkeit weiter von der
Nullinie entfernt aufgetragen werden. Die Richtung des Blutstromes wird
erkennbar durch das Aufträgen des gemessenen Dopplershifts bei Strömung vom Ultraschallkopf weg oberhalb der Nullinie und bei Strömung
zum Ultraschallkopf hin unterhalb der Nullinie. Während eine laminare
Störung ein einheitliches Muster und damit ein einheitliches TIH zeigt,
249
TLC
kommt es bei ungeordneter Strömung, z. B. bei Klappenstenosen, zu sehr
variierenden mittleren Tonfrequenzen und damit zu einer mehr oder weniger starken, unregelmäßigen Verbreiterung des TIH
T-infantile Im Anschluß a ndie konvexbogig gesenkte ST-Strecke präterminal negatives, mit terminal kleiner positiver Welle. Normalbefund trotz
Ännlichkeit mit der Hypertrophieform des Erwachsenen
TIVC =true isovolumic contraction time Wahre isovolumetrische Kontraktionszeit. Bestimmt wird die TIVC durch die Subtraktion der linksventrikulären Austreibungszeit von der mechanoakustischen Systole (TIVC = CA2
— LVET). Dabei korreliert die TIVC mit einem r = -0,78 bis 0,69 mit
dp/dtmax- Die wahre isovolumetrische Kontraktionszeit ist die genaueste,
nicht-invasive Messung der Periode des Druckanstieges im linken Ventrikel, da der Punkt C des Apexkardiogramms genau mit dem Druckanstieg
im linken Ventrikel — invasiv gemessen — zusammenfällt. Normwert: 74
± 12 msec. Siehe auch:
IVS
TIVC/LVET-lndex Gemessen wird dieser Wert vom Beginn des Aufstrichs
des Apexkardiogramms (C-Punkt) bis zum Anstieg der Karotispulskurve,
die aber hier nicht an typischer Stelle, sondern im Jugulum abgenommen
wurde. Dividiert wird die so gewonnene TIVC durch LVET. Normwert 0,22
± 0,065
TK = Totalkapazität der Lunge Die Summe aller Lungenvolumina oder das
Gasvolumen, das sich nach maximaler Inspiration in der Lunge befindet.
Siehe auch: -* TC, -► TLC
T-koronares In den über dem infarzierten Myokard liegenden Ableitungen
ergeben sich für die verschiedenen EKG-Stadien charakteristische „direkte“ Infarktbilder. In den vom infarzierten Myokard abgewendeten Ableitungen zeigen sich spiegelbildliche „indirekte“ Infarktbilder. Im subakuten
oder Zwischenstadium wird die T-Welle als Folge der transmuralen Ischämie zunehmend spitz-gleichschenklig oder symmetrisch negativ (sog. koronares T, terminale T-Negativität). Gleichzeitig — oder häufiger etwas
später — bildet sich der Verletzungsstrom zurück; die ST-Strecke kehrt zur
isoelektrischen Linie zurück. Unter Umständen kann bereits wieder ein
kleines R sichtbar oder ein versenktes R wieder größer werden
TL = maximum total load Nach Hood wird die Nachbelastung des Ventrikels (afterload) definiert als sog. „maximum total load“. Die Nachbelastung wird bestimmt als Produkt aus dem linksventrikulären Spitzendruck
und der inneren Oberfläche des zugrundegelegten Rotationsellipsoiden
zum Zeitpunkt des Spitzendrucks.
Hood, W. P., Jr., C. E. Rackley, E. L. Rolett: Wall Stress in the Normal and
Hypertrophied Human Left Ventricle. Amer. J. Cardiol. 22,550 - 558 (1968)
TLC = total lung capacity Totalkapazität der Lunge. Der pulmonale Gastransport hängt davon ab, wie schnell und wie stark das Lungenvolumen
TM
250
sich ändern kann. Statische Lungenvolumina werden mit Methoden gemessen, bei denen die Geschwindigkeit der Gasströmung keine Rolle
spielt. Die Messungen, die bei schnellen Atemmanövern durchgeführt werden, nennt man dynamische Lungenvolumina. Wenn zwei oder mehr Teilvolumina zusammen gemessen werden, spricht man von einer Kapazität.
Die totale Lungenkapazität (TLC) ist das Gasvolumen in der Lunge am Ende einer tiefen Einatmung. Sie ist die Summe des Residualvolumens (-+
RV) und der Vitalkapazität (-* VC, -> VK). Sie wird mit der Indikatorgasmethode in Kombination mit der Spirometrie gemessen, soweit nicht anders
angegeben. Die Totalkapazität ist wichtig, weil sie ein Maß der maximalen
Lungengröße darstellt. Unter pathologischen Bedingungen kann das aktuelle Lungenvolumen von der TLC, die mit der Verdünnungsmethode gemessen wird, abweichen.
Von deutschsprachigen Autoren wird wahlweise als Abkürzung TK, TLK
und TLC verwendet. Synonyme englische Abkürzung:
TC = total capacity (frz.: capacite pulmonaire totale, CT)
TM = time motion Time-motion-Verfahren; „Weg-Zeit“-Verfahren; ZeitPositions-Verfahren. Für einige Bewegungsvorgänge im menschlichen
Körper, z. B. das pulsierende Herz, ist das Time-motion-Verfahren interessant. Mit einem modifizierten A-Bildverfahren lassen sich Bewegungsvorgänge funktionsgerecht darstellen.
Gleichzeitig mit dem Ultraschallimpuls wird in Y-Richtung die Laufzeitmessung (Tiefenmaßstab) gestartet. Ein Echo wird als Lichtpunkt in entsprechender Entfernung von der oben liegenden „Null-Linie“ dargestellt.
Die Helligkeit des Lichtpunkes ist ein Maß für die reflektierte Intensität.
Zugleich mit diesem Vorgang erfolgt eine gleichmäßige und kontinuierliche Bewegung des Lichtpunktes (und damit des gesamten Bildes) nach
rechts (Zeitmaßstab in X-Richtung). Ist die reflektierende Fläche in Ruhe,
beschreibt der „Echo-Leuchtpunkt“ eine zur X-Richtung parallele Gerade.
Bewegt sich diese Fläche, so beschreibt der „Echo-Leuchtpunkt“ eine Kurve.
Die Kurven können gespeichert und auf dem Fernsehschirm sichtbar gemacht werden. Die Zeitachse verläuft in dieser Darstellung waagerecht.
Die wichtigsten Bewegungsgrößen wie Geschwindigkeit, Beschleunigung
und Auslenkung können dem Diagramm entnommen werden.
Die Echokardiographie erlaubt, Time-motion-Kurven kardialer Strukturen
mit hoher zeitlicher Auflösung zu registrieren, die Dimensionen der Herzanteile zu ermitteln und die räumliche Relation verschiedener kardialer
Gebilde zu erfassen. Synonyme Bezeichnung: T-M-mode
T-negatives Negative T-Wellen gelten im allgemeinen als Ausdruck einer
„Ischämie“, die jedoch
nicht
ausschließlich
im
pathologischphysiologischen Sinne als Durchblutungsmangel des Myokards verstanden werden darf. Die T-Umkehr beruht auf einer örtlichen Verzögerung der
Erregungsrückbildung, so daß dieser Bezirk länger elektronegativ bleibt
als das übrige Myokard. Als Ursache kommt nicht nur eine „Ischämie“ in
Frage (Myokardinfarkt,-Angina-pectoris-Anfall, Lungenembolie), sondern
auch eine Perikarditis, Myokarditis, toxische und rheumatische Einflüsse
251
T-sekundär negatives
sowie ein Neoplasma des Herzens, unmittelbar nach der Schrittmacherimplantation durch „Nidation“ der Elektrode (traumatischer Herdschaden),
Mitralklappenprolaps
Torr = Torricelli Maßeinheit für Druck; entspricht dem Druck von 0,133 kPa
( = 1 mmHg) = 1,3335 mb = 1/760 atm
TP = threshold potential Schwellenpotential. Siehe: -> SP
T-P-Phänomen EKG-Veränderung, bei der die P-Welle unmittelbar im Anschluß an die T-Welle der vorhergehenden Herzaktion folgt, gelegentlich
sogar auch schon in den abfallenden T-Schenkel fällt; das ST-Segment
ist dabei verlängert, so daß T verspätet einfällt. Es tritt auf bei Alkoholikern
als Ausdruck einer metabolischen oder respiratorischen Alkalose.
Alexander, C. S.: T-P Phenomenon: An Electrocardiographic Clue to Unsuspected Alkalosis, Arch. Intern. Med., 116:220,1965
TPR = total peripheral resistance Peripherer (vaskulärer) StrömungsGesamtwiderstand. Quotient aus arteriellem Mitteldruck (-> MAP) und
Herzminutenvolumen (HMV). Vom arteriellen Mitteldruck ist zur genauen
Bestimmung der mittlere Druck im rechten Vorhof zu subtrahieren. Siehe
auch -* GPW
TP-Strecke T-P entspricht der elektrischen Herzdiastole oder Erregungspause und mißt sich vom Ende des T bis zum Beginn des P. Bei starker
Tachykardie oder bei AV-Block nähern sich P und T oder können sich sogar überlagern
TRFR = tubular rejection fraction ratio Tubuläre Rejektionsfraktion. Ausgeschiedenes Natrium in Prozent des filtrierten Natriums zwischen dem
linken und rechten Ureterharn
TRINS = Totale reversible ischämische neurologische Symptome TRINS
werden den Stadien II und III einer akuten zerebralen Durchblutungsstörung zugeordnet. TRINS wird auch synonym für stroke with full recovery
(Stadium II) verwendet. Siehe auch: -> PRIND, -* RIND
T-Scan Zur eindimensionalen Darstellung aller Herzanteile wie Hohlräume,
Herzwand und Klappen hat sich die von Feigenbaum und Henry eingeführte T-Scanning-Methode durchgesetzt, die gleichzeitig den Vorteil einer
Standardisierung der Echountersuchung hat, womit die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse verbessert wird. Diese Methode wird auch als „MMode-Scan“ des Herzens bezeichnet. Das Wort „Scan“ deutet darauf hin,
daß der Schallkopf bewegt wird. In diesem Falle bleibt der Schallkopf auf
einem Punkt des Thorax fixiert, wird jedoch von diesem Ort aus in Form eines Bogenabschnittes bewegt. Daher rührt auch der Name „Sektorscan“
T-sekundär negatives Störungen der Depolarisationsabläufe (Schenkelblock, ventrikuläre Extrasystolen, WPW-Syndrom) gehen mit einer Störung
TSVR
252
der Repolarisationsabläufe einher. Der T-Vektor verhält sich zu der Richtung des größten QRS-Momentanvektors entgegengesetzt, die T-Welle negativ. Die Ursache liegt jedoch nicht in einer primären Repolarisationsstö rung, sondern in der intraventrikulären Leitungsstörung selbst, die einen
„Umweg der Erregungsrückbildung“ zur Folge hat.
Beim Linksschenkelblock ist der T-Vektor steilgestellt und in der horizontalen Ebene nach vorne gerichtet. Wird die Elektrodenlage der Ableitung
Vß in der frontalen Ebene nur gering verschoben, verändert sich die Polarität und Konfiguration der T-Welle wesentlich. Durch eine zu tiefe Lokalisation der Elektrode in Ableitung Vß kann sogar bei einer biphasischen TWelle mit initialer Negativität in Ableitung I, eine positive T-Welle in Ableitung V6 auftreten.
Eine zusätzliche, z. B. koronarinsuffizienz-bedingte sekundäre Repolarisationsstörung kann exakt nur durch die Bestimmung des Ventrikelgradienten ausgeschlossen werden. Diese Methode ist jedoch zu umständlich. In
der Praxis wird daher die Überprüfung auf häufige EKG-Verlaufskontrollen
unter Einbeziehung klinischer Kriterien beschränkt
TSVR = total systemic vascular resistance Peripherer Gesamtwiderstand.
Synonyme Abkürzungen: -> TVRund -> TPR
T-System Unter T-System verstehtman die schlauchförmigen, meist transversalen Einstülpungen des Sarkolemm in das Innere der Muskelzelle. TTubuli beginnen an einer trichterartigen Öffnung und schlängeln sich um
die Myofibrillen, beim Herzmuskel jeweils auf der Höhe des Z-Streifens.
Man unterscheidet Tubuli mit einem Durchmesser von 100-200 nm, bei
denen auch das äußere Sarkolemm (Lamina basalis) eingestülpt ist, und
dünnere Tubuli des inneren Sarkolemm von 80- 120 nm Durchmesser, die
häufig auch longitudinale Äste aufweisen. Die T-Tubuli verzweigen sich,
laufen auch längs von Sarkomer zu Sarkomer und bilden so ein dreidimensionales Netzwerk. Dadurch sind die Myofibrillen überall dicht in Kontakt
mit dem „in die Zelle verlagerten“ Extrazellulärraum. Entlang der Membran
des T-Systems breitet sich die Erregung von der Oberfläche in das Zellinnere aus. Weiter dienen die Tubuli dem Stoffaustausch von Extrazellulärraum zu Intrazellulärraum. Abschnitte des T-Systems sind in dichtem Kontakt mit dem sarkoplasmatischen Retikulum. Diese Strukturen werden als
Diadoide oder Triadoide bezeichnet. Sie sollen die weitere Phase der Erregungskontraktionskoppelung in der Zelle, nämlich die Erregungsübertragung auf das sarkoplasmatische Retikulum, gewährleisten
TTD = transverse thoracic diameter Querdurchmesser des Thorax
T|-Tm-Diskrepanz-Typ Eine konstante Abflachung oder Negativität der TWelle in Ableitung I bei stark positivem Tn und Tm weist auf einen beginnenden oder vernarbenden Vorderwandinfarkt hin. Dieser Diskrepanz-Typ
von T darf jedoch nur als diagnostischer „Wegweiser“ gewertet werden. Sicherheit bringen erst Querschnittsbeobachtungen sowie die unipolaren
Ableitungen und Brustwandableitungen. Das gleiche Bild findet sich natürlich bei einem Situs inversus, wobei neben einer Verschiebung der
253
T-Vektor
„Übergangszone“ nach rechts auch linkspräkordial negative T-Wellen auftreten können
T-terminales Das terminal negative T gilt zwar als wichtiges, jedoch nicht
spezifisches Indiz für einen Infarkt. Als zusätzliche Beweisstücke gelten,
abgesehen von dem hoch positiven „Erstickungs-T“, das nur einige Minuten bis Stunden anhält, die monophasische Deformierung der ST-Strecke
sowie der R-Verlust bzw. das Nekrose-Q
T-terminal negatives Das terminal negative T wird durch die Randzone des
Infarktes gebildet. Sie ist so geschädigt, daß der Erregungsrückgang verzögert ist, aber so wenig geschädigt, daß sie noch an der Erregung teilnimmt
TTI = tension time index Spannungszeitindex. Produkt aus mittlerer Myokardfaserspannung und Systolendauer oder Produkt aus der Fläche unter
dem systolischen Aortendruck und der Herzfrequenz und dem Sauerstoffverbrauch des linken Ventrikels. Dieser Parameter wurde von Brettschneider (1967) durch den Näherungswert „mittlerer systolischer Aortendruck“
mal Wurzel aus Herzfrequenz“ für die klinische Anwendung modifiziert
T-time Halbgipfelzeit. Die Halbgipfelzeit ist die Zeit, die die Karotispulskurve benötigt, um zur Hälfte ihrer totalen Höhe aufzusteigen. Auch hier muß,
wie bei der U-time, ein Korrekturfaktor angewendet werden. Die nach der
Frequenz korrigierte Normgrenze liegt bei 0,04 see
T-U-Verschmelzungswelle Überlagerung des T-Wellen-Endes mit dem UWellen-Beginn. Wenn die T-Welle flacher wird und die U-Welle ansteigt,
kann die TU-Verschmelzungswelle ein breites T und somit eine verlängerte
QT-Dauer vortäuschen. Kennzeichen: Einkerbung im absteigenden Schenkel der „scheinbaren“ T-Welle. Ursache: Metabolische Störungen, insbesondere Hypokaliämie
TV = tidal volume Atemvolumen, Atemzugvolumen. Luftvolumen, das bei
jedem Atemzug ein- und ausgeatmet wird. Synonyme Abkürzung: Vt (frz.:
volume courant)
TVE = tricuspid valve excursion In der Echokardiographie verwendete Abkürzung für Trikuspidalklappenöffnungshöhe
T-Vektor Die T-Welle entsteht mit der Rückbildung der Erregung (Repolarisation). Sie verläuft im gesamten Herzmuskel — im Gegensatz zur Einzelmuskelzelle — inhomogen. Sie beginnt dort, wo die Erregungswelle endet,
nämlich in den epikardialen Bereichen des Muskels. Der T-Vektor verläuft
daher normalerweise (links von QRS) etwa in der gleichen Richtung wie der
größte Vektor der Erregungsausbreitung. Die T-Vektorschleife liegt innerhalb der QRS-Schleife. T verhält sich also zu QRS konkordant.
Der R- und T-Vektor-Differenzwinkel liegt bei ca. 20°. Beim Erwachsenen
soll er nicht mehr als 60° betragen. Abweichungen sind sowohl nach links
T-Vektorschleife
254
als auch nach rechts möglich. Infolge dieser großen Variabilität gibt es in
Abhängigkeit vom Lagetyp T-Abflachungen und Negativierungen ohne
pathologische Bedeutung. In Ableitung I und II verhält sich T unter normalen Bedingungen stets positiv. Ein negatives T in Ableitung I gilt immer als
pathologisch. Bei einer Drehung der elektrischen Herzachse nach links
wandert der T-Vektor ebenfalls nach links. Bei einer Wanderung der elektrischen Herzachse nach rechts bleibt der T-Vektor jedoch zurück, so daß Tm
bei einem Rechtstyp flach bis negativ sein darf
T-Vektorschleife Im Vektorkardiogramm kommen drei verschieden große
und geformte Vektorschleifen entsprechend dem elektrischen Erregungsablauf des Herzens zur Darstellung: die P-Schleife, die QRS-Schleife und
die T-Schleife. Der Beginn der QRS-Schleife wird als O-Punkt (isoelektrisch), das Ende der QRS-Schleife als J-Punkt (junction = Übergang von
QRS zu T) bezeichnet. Im normalen VKG fällt der J-Punkt mit dem Anfangspunkt der T-Schleife zusammen, so daß der diese beiden Punkte verbindende ST-Vektor sehr klein und nicht bestimmbar ist.
Die T-Vektorschleife zeigt hinsichtlich ihrer Orientation ebenfalls eine Altersabhängigkeit. In der Neonatalperiode zeigt die T-Schleife gewöhnlich
nach inferior und anterior sowie nach links als auch nach rechts. Während
der ersten Lebensmonate kommt es zu einer Änderung nach posterior und
links, bei weiterhin inferiorer Orientation. Normalerweise zeigt die TSchleife die Form einer Ellipse. In der HE rotiert die T-Schleife meistens im
Gegenuhrzeigersinn, ebenso die LSE, während die Rotation in der FE sehr
wechselnd ist. Siehe auch:
VKG, -► P-Vektorschleife, -> QRSVektorschleife
TVR = tricuspid valve replacement Trikuspidalklappenersatz
T-Welle Die T-Welle ist Ausdruck der Repolarisation der Kammern und erscheint im letzten Abschnitt der Systole. Sie ist in den Ableitungen I und II
normalerweise positiv, in der Ableitung III positiv oder negativ. Ihre Höhe
beträgt durchschnittlich 3 mm in Ableitung II, 2 mm in Ableitung I und 1
mm in Ableitung III. In den Brustwandableitungen ist die T-Welle gewöhnlich 3 bis 8 mm hoch. Bei Männern etwas höher als bei Frauen. Man spricht
von „Hochspannung“ (high voltage) der T-Welle, wenn diese in einer Standardableitung 7 mm (0,7 mV), in einer unipolaren Extremitätenableitung 5
mm oder in einer Brustwandableitung 20 mm überschreitet. Eine „Niederspannung“ (low voltage) der T-Welle liegt vor, wenn die höchste T-Welle in
allen Extremitätenableitungen weniger als 1 mm und in den üblichen
Brustwandableitungen weniger als 2 mm beträgt
T-Wellen-Umkehr Umwandlung eines negativen in ein positives T oder
auch umgekehrt eines positiven in ein negatives T
T-Zacke Synonyme Bezeichnung für -* T-Welle
255
ULF
u
UCT-Barnard-Scheibenklappe Linsenförmige Scheibenklappe mit einem
Haltebügel für den Trikuspidal- und Mitralklappenersatz und einem doppelten Haltebügel für den Aortenklappenersatz
UFA = unesterified fatty acids Unveresterte Fettsäuren (UFS). Identisch
mit freien Fettsäuren. Sie entstehen unter dem Einfluß der Lipoproteinlipase und werden zum Teil direkt in energieliefernden Prozessen verbrannt, z.
B. im Herzmuskel und in der quergestreiften Muskulatur, wo ca. 70% des
Sauerstoffverbrauchs für die Verbrennung freier, unveresterter Fettsäuren
aus dem Serum benötigt werden. Synonyme Bezeichnung: -> NEFA =
non-esterified fatty acids
UFS = Unveresterte Fettsäuren Siehe: -» UFA
UIP = usual interstitial pneumonia Undifferenzierte oder klassische interstitielle Pneumonie. Im deutschen Sprachraum wird außerdem neben dem
neutralen Begriff Lungenfibrose auch häufig von einem Hamman-RichSyndrom gesprochen. Nach Liebow wird diese Form der Lungenfibrose
von angelsächsischen Autoren meist als usual interstitial pneumonia oder
pneumonitis bezeichnet und von ihr aufgrund des dominierenden Zelltyps
der Infiltration und weiterer Kriterien einige Sonderformen abgegrenzt: Neben der sehr seltenen lymphoiden (LIP), plasmazellulären (PIP) und interstitiellen Riesenzell- oder „giant cell“-Pneumonie (GIP) ist insbesondere
die desquamative interstitielle Pneumonie (DIP) von Bedeutung. Die bronchiolitische interstitielle Pneumonie (BIP) stellt vermutlich lediglich eine
besondere Verlaufsform der klassischen Lungenfibrose dar
U-Kurve Im Hinblick auf die Funktion des Ganzherzens und die KraftGeschwindigkeits-Relation
beanspruchen
die
Längen-SpannungsBeziehungen bei der Unterstützungskontraktion besonderes Interesse. Im
Unterschied zu den isometrischen und isotonischen Maxima, die jeweils
nur eine Kurve im Längen-Spannungs-Diagramm liefern, liegen die sog.
Unterstützungsmaxima für die gegebene Ausgangslänge auf einer anderen Kurve (sog. U-Kurven). Der Definition entsprechend verbindet eine UKurve jeweils das zugehörige isotonische mit dem isometrischen Maximum. Man erhält diese Kurve, indem man bei gegebener Vorbelastung die
Nachbelastung stufenweise erhöht. Ist die Nachbelastung Null, erfolgt eine isotonische Kontraktion
ULF = ultra low frequency Ultraniedrige Frequenz (Begriff aus der Ballistokardiographie)
ULQ
256
ULQ = upper left quadrant Linker oberer Quadrant
U-Negativierung Pathologische Belastungsreaktion im EKG. Sie tritt selten isoliert, häufiger kombiniert mit ST-Senkung, meistens in Ableitung V3
und V4 auf. Negative oder biphasische U-Wellen sind stets pathologisch.
Vorkommen bei Linkshypertrophie, Hypertonie, Aortenvitien, insbesondere bei Aorteninsuffizienz, hauptsächlich in Abi. I, V4_6. Überlastung des
rechten Herzens: Abi. II, III, Vi_2. Angina pectoris (oft gleichzeitige STSenkung): Negative U-Wellen in Vs_6 können jedoch der einzige Hinweis
auf eine Koronarinsuffizienz sein. Folgezustand nach einem Herzinfarkt
(Beteiligung des vorderen Papillarmuskels) und nach einer Lungenembolie. Schenkelblock, Extrasystole
UNFB = Ultra-NF-Ballistokardiograph (NF = niedrig frequenter)
URI = upper respiratory infection Infektion der oberen Atemwege
us = upstream stromaufwärts
U-time = upstroke time Aufstrichzeit. Gemessen wird die U-time vom Fußpunkt bis zur größten Höhe der Karotis-Pulskurve. Die Messung dieses Parameters ist von limitiertem Wert bei der Beurteilung der Schwere eine Aortenstenose, weil in vielen Fällen die tidal wave höher ist als die percussion
wave. Weiter muß die upstroke time durch einen Korrekturfaktor geändert
werden: In der Literatur ist die am häufigsten genannte Formel die sog.
Bazeff-Formel, wobei das RR-Intervall den Abstand zwischen zwei RZacken des EKG und das gemessene Intervall die aktuelle Messung vor
der Korrektur beinhaltet. Diese Intervalle werden in Sekunden ausgedrückt. Normwert: bis 170 msec
U-time/LVET-Quotient = Anstiegszeit Dieser phonokardiographische Index von 0,42 oder mehr weist auf einen Druckgradienten an der Aortenklappe von mehr als 45 mm Hg hin. Normalwert: 0,2 bis 0,36. Wie bei der Utime und T-time bedeutet jedoch ein normaler Anstiegsindex nicht den
Ausschluß einer schweren Aortenstenose. (U-time = upstroke time, Aufstrichzeit; LVET = left ventricular ejection time, linksventrikuläre Austreibungszeit)
UVEB = unifocal ventricular ectopic beat Unifokale ventrikuläre Extrasystole
U-Welle Die U-Welle setzt kurz nach dem Ende der T-Welle ein und ist vor
dem 2. Herzton zu Ende. Es ist besonders auf eine Verschmelzung der UWelle mit der vorausgehenden T-Welle zu achten (vorgetäuschte Doppelgipfligkeit der verbreiterten T-Welle). Die Entstehung der U-Welle ist noch
nicht geklärt. Möglicherweise handelt es sich um ein Nachpotential im Zusammenhang mit der Rückwanderung der Kaliumionen in das Zellinnere
während der Diastole. Sie entspricht einer geringen Hyperpolarisation des
monophasischen Aktionspotentials. Sie wird auch als negatives (intrazel-
257
UZ-Umformungszeit
luläres, hypokaliämisches bzw. azidotisches) Nachpotential bezeichnet.
Die U-Welle ist am besten in den Brustwandableitungen
bis V4 (insbesondere V3) und den Extremitätenableitungen II und aVL zu beurteilen. In
Ableitung III kann sie eventuell negativ sein. T- und U-Wellen sind bei Simultanschreibern, auch bei TU-Verschmelzung, meist gut trennbar. Eine
Trennung von T und U ist auch mit Hilfe des Phonokardiogramms möglich.
Fällt der 2. Herzton nicht verspätet ein, geht er am Ende der TUVerschmelzungswelle voraus
U-Zacke U setzt kurz nach dem Ende der T-Welle ein und ist vor dem 2.
Herzton zu Ende. Es ist besonders auf eine Verschmelzung der U-Welle mit
der vorausgehenden T-Zacke zu achten (vorgetäuschte Doppelgipfligkeit
der verbreiterten T-Zacke)
UZ-Umformungszelt Zeit vom Beginn der Q-Zacke im EKG bis zum Beginn
der Hauptkomponente des 1. Herztones. Abhängig von der diastolischen
Füllung des Herzens und von der Herzfrequenz
Va
258
V
Va = Alveoläre Ventilation Alveolarvolumen. Der Anteil des Atemminutenvolumens (Ve ), der am Gastaustausch teilnimmt
Va , t Das funktionelle Alveolarvolumen, das am Gasaustausch beteiligt ist
Va , d Das alveolare Totraumvolumen, d. h. dasjenige Gasvolumen in den Alveolen, welches nicht am Gasaustausch beteiligt ist
Vd = Totraum oder physiologischer Totraum Der Anteil des Atemvolumens (Vt ), der nicht am Gasaustausch teilnimmt. Da bei Füllung der Lunge
mit reinem O2 bis zur TLK der anatomische Totraum (Vd ) gänzlich mit O2
gefüllt ist, kann der ausgeatmete Stickstoff nur aus der Alveolarluft stammen. Wenn man die Gesamt-N2-Menge berechnet, die mit der exspiratorischen Vitalkapazität ausgeatmet wurde (Vn 2), kennt man das Gasvolumen,
das aus den Alveolen exspiriert wurde. Wird dieses Volumen von der VK
subtrahiert, erhält man das Volumen des anatomischen Totraums
Ve = Atemminutenvolumen Luftvolumen, das pro Minute ventiliert wird
Vivs Normierte Septumgeschwindigkeit in der Echokardiographie. Die Berechnung erfolgt nach der Formel: Vivs = IVSex / (LVET x LVEDD)
(circ./ses.)
Vl Lungengasvolumen, d. h. das gesamte Gasvolumen in der Lunge und in
den Atemwegen
VL. d Das intrapulmonale Gasvolumen, das nicht an der Ventilation beteiligt ist: abgeschlossene Alveolen, Bullae und Zysten
Vo e = Ösophagusableitungen Die Ableitung erfolgt zwischen einer Ösophaguselektrode und der Wilsonschen Sammelelektrode. Bei einer systematischen Untersuchung vom Ösophagus aus werden 7 Ableitungen gewählt. Die Ableitungsreihe beginnt mit einem Punkt, der 28 cm von der
Zahnreihe entfernt liegt. Holzmann empfiehlt in Anlehnung an die Nomenklatur der Brustwandableitungen folgende Benennungen der Ösophagusableitungen Vo e 28, Vo e 30 — Vo e 4o - Die Bezeichnung (V) ist darauf zurückzuführen, daß über die Wilsonsche Sammelelektrode abgeleitet wird.
Das Ableitungssystem der Ösophagusableitungen ist in Angleichung an
die Brustwandableitungen so gestaltet, daß ein nach abwärts gerichteter
Ausschlag entsteht, wenn sich die herznahe Elektrode auf der negativen
Seite des Dipols befindet.
259
V-Ableitung
Die Bedeutung der Ösophagusableitungen liegt in der günstigen Erfassung des linken Vorhofs und der Hinterwand der linken Kammer. Potentiale am linken Vorhofbereich werden am besten bei einer Katheterlage von
34-38 cm ab Zahnreihe, Potentiale aus dem Kammerbereich bei einer
Katheterlage von 38 - 40 cm ab Zahnreihe erfaßt.
Da die Einführung der Elektrodensonde von dem Patienten subjektiv unangenehm empfunden wird, werden Ösophagusableitungen nur selten angewandt. Bei frischem Myokardinfarkt sind sie kontraindiziert
Vl v pw = Normierte Hinterwandgeschwindigkeit in der Echokardiographie.
Berechnung erfolgt nach der Formel: Vl v pw = LVPWex / (LVET x LVEDD)
(circ./sec.)
Vmax = Maximale Atemstromstärke Diese wird im allgemeinen für ein bestimmtes Lungenvolumen angegeben. Gebräuchlich sind die Angaben der
Atemstromstärke bei einem intrathorakalen Gasvolumen von 50% und
25% der Vitalkapazität
Vt = tidal volume Atemzugvolumen (AZV), Atemhubvolumen. Luftvolumen, das während der Atmung pro Atemzug ein- und ausgeatmet wird
V-A’ (HLA) Retrograde conduction time in milliseconds from the onset of
ventricular activation to the atrial potential as seen on the HLAE
V - A’ (HRA) Retrograde conduction time in milliseconds from the onset of
ventricular activation to the retrograde atrial potential as seen on the
HRAE
V-A’ (LA) Retrograde conduction time in milliseconds from the onset of
ventricular activation to the atrial potential as seen on the HLAE
V-A’ (RA) Retrograde conduction time in milliseconds from the onset of
ventricular activation to the atrial potential as seen on the HRAE
V-Ableitung Brustwandableitungen nach Wilson. Die unipolaren Ableitungen werden nach Wilson V-Ableitungen genannt. Die gebräuchlichsten
sind V-Ableitungen von der Brustwand. Damit EKG-Kurven von verschiedenen Menschen und beim selben Menschen zu verschiedenen Zeiten verglichen werden können, mußten die Abnahmepunkte, also die Anlagestellen
für die Elektroden, standardisiert werden. Sie sind nach den Vorschlägen
der American Heart Association, denen sich auch die Deutsche Gesellschaft für Kreislaufforschung angeschlossen hat, ohne Berücksichtigung
von Herzgröße und Herzlageanomalien wie folgt festgelegt:
Abgriffpunkt ist
V1 Rechter Sternalrand in Höhe des 4. ICR
V2 Linker Sternalrand in Höhe des 4. ICR
V3 Mitte zwischen V2 und V4 in Höhe der 5. Rippe
V4 Linke Medioklavikularlinie im 5. ICR
V5 Vordere linke Axillarlinie in Höhe von V4
VA-Blockierung
260
V6 Mittlere linke Axillarlinie in Höhe von V4
V7 Hintere linke Axillarlinie in Höhe von V4
V8 Skapularlinie links in Höhe von V4
V9 Linke Paravertebrallinie in Höhe von V4
Spiegelbildlich zu den linksthorakalen Ableitungen können Aufnahmen
von der rechten Brustwand gefertigt werden. Sie werden mit den gleichen
Zahlen numeriert wie die Ableitungen von der linken Thoraxseite, erhalten
zur Unterscheidung aber als Zusatz im Index ein „r“. Vi liegt bereits auf der
rechten Thoraxseite, spiegelbildlich zu V2. Somit ist die erste mit „r“ zu bezeichnende, auf der rechten Thoraxhälfte gelegene Ableitung
(oder Var).
Manche Kurven verlangen die Klärung durch zusätzliche Ableitungen
unter- und oberhalb dieser „Wilson-Standardpunkte“. Die dafür gewählten
Bezeichnungen entsprechen den oben beschriebenen, nur wird zusätzlich
im Index die Höhe der Elektrodenanlage in der Vertikallinie angegeben. Sie
ist durch Zusatz der betreffenden Rippe (c = costa), auf der die Elektrode
liegt, zu kennzeichnen. ViC2/3 würde also heißen, daß vom 2. ICR rechtsparasternal gegen den Wilson-Punkt abgeleitet wird.
Vt3 und Vrf sind für die Diagnostik der rechtspräkordialen Erregungsausbreitungsstörungen und der Vorderwandinfarkte wichtige Ableitungen. Sie
sollten in ein erweitertes Routineprogramm aufgenommen werden. V7 und
V9 werden dagegen routinemäßig nicht vorgeschrieben. Eine wichtige Ableitung erhält man in der Vertikaltinie von Vs, aber 2 ICR tiefer als üblich.
Sie wird, da ICR am Rücken schlecht auszuzählen sind, meist vereinfacht
als „V8 2 ICR tiefer“ bezeichnet. Davon abweichende Wilson-Ableitungen
sind Ve (vom oder in Höhe des Processus ensiformis) und Voe (28 - 55) (vom
Ösophagus). Bei Voe gibt die nachfolgende Zahlenangabe den Abstand
von der vorderen Zahnreihe in cm an.
Die differente Elektrode kann aber auch noch herzferner angelegt werden,
z. B. an Extremitäten. Diese unipolaren Ableitungen werden nach Wilson
VL (differente Elektrode am linken Arm), VR (differente Elektrode am rechten Arm) und VF (differente Elektrode am linken Unterschenkel bzw. Fuß)
benannt. Sie waren wegen anderer Ableitungslinien neben den Standardableitungen von gewissem Interesse, konnte sich wegen ihrer kleinen Amplituden für den klinischen Gebrauch aber nicht allgemein durchsetzen
VA-Blockierung Retrograde AV-Blockierung. Bei schnellen Kammertachykardien treten analog den Vorhoftachykardien, bedingt durch die Refraktäritätsverhältnisse des AV-Knotens, retrograde AV-Blockierungen (synonym: VA-Blockierung) der verschiedensten Schweregrade auf. Neben einem VA-Block I. Grades (RP >0,11 see) kommt es beim Erwachsenen auch
zum Auftreten eines VA-Blocks II. Grades, entweder in Form einer Wenckebachschen Periode oder eines Mobitz Typ II. Formkritisch erkennt man eine retrograde Wenckebachsche Periodik an der progressiven Zunahme der
dem deformierten QRS-Komplex nachfolgenden negativen P-Wellen. Die
negativen P-Wellen zeigen eine „irregular regularity“. Das Ende eines retrograden Wenckebachs besteht manchmal in einem Kammerecho mit normalisiertem QRS-Komplex.
Bei einem retrograden AV-Block II. Grades, Mobitz Typ II, der meist ein 2:1-,
3:1, 4:1-Überleitungsverhältnis zeigt, folgen nur jeder 2., 3. oder 4. Kammer-
261
VC
aktion negative P-Zacken. Das Überleitungsverhältnis kann wechseln. Vielfach sind längere EKG-Streifen erforderlich, um die wechselnden Rückleitungsverhältnisse zu erkennen. Häufig bringen aber erst intra-atriale oder
Ösophagusableitungen die Klärung. In 50% der Fälle ventrikulärer Tachykardien tritt keine Überleitung der retrograden Erregungswelle zu den Vorhöfen ein. Vorhöfe und Kammern schlagen dissoziiert. Es besteht eine AVDissoziation. Formkritisch erscheinen die positiven P-Zacken des langsameren Sinusrhythmus ohne fixe Relation zu QRS innerhalb der rascheren
Folge der Kammerkomplexe
VAT = ventricular activation time Von einigen amerikanischen Autoren
verwendete synonyme Bezeichnung für -> ID = intrinsic deflection. Siehe
auch: -* OUP. [The time required for the spread of the impulse from the stimulated end to the opposite end of the muscle strip can be correlated with
the electrogram by measuring the interval from the onset to the peak of the
depolarization wave. In clinical electrocardiography this has been termed
the intrinsic (or intrinsicoid) deflection, the ventricular activation time
(VAT), or the R-peak time.]
VAT = ventricular pacing and atrial sensing, triggered mode (atrial synchronous) Ventrikelstimulierend, Vorhof-getriggert. Nach dem von der American Pacemaker Study Group und der ICHD (Inter-Society Commission for
Heart Diseases Resources) empfohlenen Herz-Schrittmacher-Code Kurzbezeichnung für einen vorhofgesteuerten Ventrikelschrittmacher. Arbeitsweise: Atriales P-Wellen-Sensing mit getriggerter Ventrikelstimulation. Indikation: AV-Block mit intakter Sinusknotenfunktion
VC = vital capacity Die Vitalkapazität (VC) ist das maximale Volumen, das
nach einer kompletten Exspiration inspiriert werden kann (inspiratorische
VC : VC|). Die exspiratorische Vitalkapazität (VCe ) ist das Volumen, das
nach einer tiefen Inspiration exspiriert werden kann. Die Zwei-StufenVltalkapazität (VCe , i ) ist die Summe der inspiratorischen Kapazität und
des exspiratorischen Reservevolumens. In der anglo-amerikanischen Literatur wird mit Vitalkapazität gewöhnlich die exspiratorische Vitalkapazität
bezeichnet. In den kontinental-europäischen Ländern bezeichnet der Begriff Vitalkapazität dagegen in der Regel die inspiratorische Vitalkapazität.
Da bei Patienten mit obstruktiven Lungenerkrankungen die statischen Volumina aus der exspiratorischen Vitalkapazität nicht korrekt berechnet
werden können, ist die Messung der inspiratorischen Vitalkapazität vorzuziehen.
Die Zwei-Stufen-Vitalkapazität ist unpraktisch und wird bei Routineuntersuchungen selten gebraucht. Die Vitalkapazität umfaßt folgende Volumina:
1. Atemzugvolumen (Vt ): das Gasvolumen, das während eines Atemzyklus
ein- und ausgeatmet wird
2. das inspiratorische Reservevolumen (IRV): dasjenige Volumen, das nach
einer normalen Einatmung noch maximal inspiriert werden kann
3. das exspiratorische Reservevolumen (ERV): das Volumen, das von der
funktionellen Residualkapazität aus maximal noch exspiriert werden kann
Vcfmean/VCf .mean,
262
4. die inspiratorische Kapazität (IC): das Volumen, das von der funktionellen Residualkapazität aus maximal inspiriert werden kann
Vcfmean (Vcf.mean) = mittlere Faserumfangsverkürzungsgeschwindigkeit.
Wichtiger klinischer echokardiographischer Meßwert. Er ist ebenfalls von
der Angiokardiographie entlehnt und ähnelt der Austreibungsfraktion, weil
man für sie den Unterschied zwischen diastolischem und systolischem
Durchmesser dividiert. Der Hauptunterschied besteht darin, daß man bei
der mittleren Geschwindigkeit der Faserverkürzung die Messung von Umfängen statt von Volumina anstrebt. Da der linke Ventrikel in seiner kurzen
Achse einen praktisch kreisrunden Querschnitt hat, genügt ein einzelner
Durchmesser zur Berechnung des Kammerumfanges. Um die Geschwindigkeit der Umfangsveränderung zu berücksichtigen, muß man die Austreibungszeit kennen. Englische Bezeichnung: velocity of circumferential
fiber shortening. Die Schreibweise der Abkürzung ist in der internationalen
Literatur leider bisher noch nicht einheitlich: folgende Schreibweisen werden gefunden: VCF, Vcf, VCf, Vfc, VfC
VCG = vectorcardiography = Vektorkardiographie (VKG) Die VKG stellt
eine nicht-invasive Registriermethode der kardialen elektrischen Potentialdifferenzen an der Körperoberfläche dar. Sie ermöglicht die dreidimensionale kontinuierliche Aufzeichnung'dieser Spannungen in Form von Vektorschleifen. Eine Vektorschleife ist die Resultante der auf zwei oder mehrere
Ableitungsachsen projizierten Momentanvektoren der elektrischen Herzaktivität. Voraussetzung der Vektorkardiographie ist, daß das Herz als
Spannungsquelle — als Dipol — angesehen werden kann. Diese Dipoltheorie wird heute mit Einschränkung, jedoch weitgehend als Arbeitshypothese der VKG anerkannt. Das heute klinisch weitestverbreitete vektorkardiographische System ist das korrigierte orthogonale System nach Frank.
Korrigiert heißt dieses System deshalb, weil durch ein experimentell ermitteltes Widerstandsnetz die exzentrische Herzlage im Thorax weitgehend
kompensiert wird. Da das Referenzsystem rechtwinklig und dreidimensional ist, liegt ein orthogonales System vor. Mit Hilfe von sieben Elektroden
können sowohl die drei skalaren Ableitungen (x, y, z) als auch die VKG der
drei Ebenen (FE = Frontalebene, HE = Horizontalebene, LSE = LinksSagittal-Ebene) registriert werden. Die z-Ableitung wird entsprechend den
Empfehlungen der -> AHA posterior positiv gepolt, obwohl hierzu noch keine international verbindliche Empfehlung oder Einigung vorliegt
VD = vessel disease Es hat sich eingebürgert, die koronare Herzerkrankung in „Stamm-Erkrankungen“ aufzugliedern. Ist nur ein Koronararterienast kritisch stenosiert, so spricht man von einer 1-Gefäß-Erkrankung
(„1-vessel-disease“ = 1-VD). Finden sich zwei kritisch stenosierte Koronararterienäste, so liegt eine 2-Gefäß-Erkrankung (2-VD) vor und bei Befall
von drei Ästen spricht man von einer 3-VD. Die Stenose des Hauptstamms
der linken Kranzarterie ist zwar nur eine „1-VD“, da diese Stenose aber
zwei Versorgungsgebiete betrifft und prognostisch besonders ernst zu bewerten ist, wird diese Hauptstammstenose gesondert aufgeführt. Synonyme Schreibweise: one-, two-, three-vessel disease
263
VF
VDD = ventricular pacing and atrial sensing Optimierter P-Wellensynchronisierter Ventrikelschrittmacher. Nach dem von der American Pacemaker Study Group und der ICHD (Inter-Society Commission for Heart
Diseases Resources) empfohlenen Herzschrittmacher-Code Kurzbezeichnung für einen P-Wellen-synchronisierten Ventrikelschrittmacher. Arbeitsweise: Ventrikuläre Bedarfstimulation bei zweifachem Sensing sowohl auf
Vorhof- als auch auf der Ventrikelebene. Indikation: AV-Block bei intakter
Sinusknotenfunktion
VDH = valvular disease of the heart Herzklappenerkrankung. Seltener verwendete Abkürzung; bevorzugt wird: -> VHD = valvular heart disease
VD/VT = dead space/tidal volume Totraumquotient. Anteil des funktionellen Totraumvolumens (Vd ) am Atemzugvolumen (Vy). Synonyme Schreibweise: Vd /Vt
VED = ventricular ectopic beats Ventrikuläre Extrasystolen. Siehe auch:
- VES
VEM = volume exspiratoire maximal (frz.) Forciertes Exspirationsvolumen
(-> FEV^, absolute Sekundenkapazität, Tiffeneau-Wert, Atemstoßwert.
Das anschließend an eine volle Inspiration während eines bestimmten Zeitintervalls in einer vollständigen forcierten Exspiration ausgeatmete Gas.
Synonyme französische Abkürzung: VEMS = volume exspiratoire
maximum-seconde (engl.: FEVj = forced expiratory [oder: expired] volume
in one second)
VES = Ventrikuläre Extrasystolen Kammerextrasystolen. Vorzeitiger Einfall einer von den Kammern ausgehenden ektopen Erregung. Kammerextrasystolen (VES) sind vorzeitige Kammerkomplexe. Bei einem Sinusrhythmus führt eine retrograde Vorhoferregung durch die VES in der Regel zu einem Neubeginn des Sinuszyklus, während ein retrograder Block — durch
eine Refraktärität in der AV-Junktion bedingt — die antegrade Überleitung
des anschließenden Sinusimpulses entweder verlangsamt oder blockiert.
Wie bei Vorhofextrasystolen können VES uni- oder multiform sein. Eine
Unterteilung der VES erfolgt nach der Lown-Klassifikation
VES = volume d’ejection systolique (frz.) Schlagvolumen. Siehe: -* SV
(engl.: stroke volume, SV)
VF = ventricular fibrillation Kammerflimmern. Völlig unkoordinierte fibrilläre Zuckungen des Myokards ohne jede hämodynamische Effizienz. Das
Kammerflimmern geht oft aus dem Kammerflattern hervor. Wie bei Kammerflattern Ausdruck schwerster Herzschädigung. Kammerflimmern bedeutet hämodynamisch Herzstillstand ohne Förderleistung, da keine Ventrikelkontraktion mehr zustande kommt
VF Abkürzung bzw. kardiologisches Symbol für die unipolare Extremitätenableitung nach Wilson (F = foot)
VFC
264
VFC = ventricular function curve Ventrikuläre Funktionskurve. Beziehung
zwischen Ausgangsfaserlänge und Kontraktionsleistung
VHD = valvular heart disease Herzklappenerkrankung, valvuläre Herzerkrankung
VIA = Vielkanal-Impulshöhen-Analysator VIA bestehen aus einer großen
Zahl feststehender und lückenlos aneinandergrenzender Kanäle, die ständig „offen“ bleiben, so daß jeder ankommende Impuls in seinem Kanal gezählt wird. Da es sich um sehr viele Zähler handelt, muß man auf die Ziffernanzeige verzichten. Stattdessen werden die Impulssummen der Kanäle
(Energieintervalle) in einem System von Magnetkernspeichern — neuerdings mit Halbleiterspeichern — festgehalten. Ihre Gesamtheit kann sodann als Impulssummenverteilung auf einem Oszillographen in rascher zyklischer Folge abgebildet werden. Das ist die anschaulichste Darstellung,
die sich auch durch Fotografie oder durch Ausdruck auf einem X-YSchreiber festhalten läßt. Wird höchste Genauigkeit verlangt, so kann man
die Impulssummen jedes einzelnen Speichers auch als Folge mehrstelliger Zahlen mittels einer elektrischen Schreibmaschine ausdrucken oder
(kodiert) auf einen Lochstreifen stanzen.
Eine hohe Kanalzahl ermöglicht die Aufnahme feiner aufgelöster Spektren. Oftmals kann man auch nureinen Teil (Hälfte/Viertel) der Kanäle füllen und diese Spektren zum leichteren Vergleich wahlweise aufeinander
projizieren, addieren oder voneinander abziehen (Subtraktion eines Leerwertspektrums oder einer vermuteten Komponente bei zu analysierenden
Nuklidmischungen). Die quantitative Analyse solcher Mischspektren ist
ohne Rechenautomat ungenau und umständlich.
Das eigentliche Anwendungsgebiet der VIA ist die y-Spektroskopie, d. h.
die physikalische Analyse unbekannter Strahlergemische, wie sie etwa bei
der Aktivierungsanalyse oder bei sonstigen Analysen radioaktiver Spuren
notwendig wird
VIVSmax Geschwindigkeit der maximalen systolischen Dorsalbewegung
des Kammerseptums. Siehe auch: -► Vivs (normierte Septumgeschwindigkeit)
VK = Vitalkapazität Siehe: -* VC = vital capacity
VKG = Vektorkardiogramm, Vektorkardiographie Siehe: -* VCG
VLDL = very low density lipoproteins Lipoproteine sehr niedriger Dichte.
Die Lipoproteinklassen mit „sehr geringer Dichte“ vereinigt Partikel, die
gegenüber den Chylomikronen einen höheren Eiweißgehalt, 5-10%, haben. Die Lipo-Apoprotein-Zusammensetzung lautet: Apoprotein B, Apoprotein C und Apoprotein A. Insgesamt 6 spezifische Peptide sind hier zu weitreichenden Funktionen vereinigt. Sie bilden die späteren Eiweißgerüste
der Low-Density und High-Density-Lipoproteine, welche aus den VLDL hervorgehen werden. Die VLDL werden in der Leber synthetisiert und transportieren endogene, ebenfalls in der Leber gebildete Triglyceride (60%).
265
V3-Phänomen
Die Gewichtsanteile von Cholesterin (15%, davon 5% verestert) und Phosphatiden (15%) sind annähernd ausgeglichen.
Die Größe der VLDL-Partikel liegt im Bereich zwischen 300 und 700 Ä, mit
fließendem Übergang zu den Chylomikronen auf der einen Seite und andererseits zu ihren Stoffwechselmetaboliten, den Low-Density-Lipoproteinen
(LDL). Im elektrischen Spannungsfeld der Elektrophorese bilden die VLDL
eine eigene Bande, die wegen ihrer räumlichen Nachbarschaft zu den ßLipoproteinen als „prä-/?“ bezeichnet wird. Stattdessen wird diese Position
auch als „02" (entsprechend den a2-Globulinen) klassifiziert. Die Wanderungsgeschwindigkeit der VLDL ist im Gel-Medium größer als diejenige
der LDL (/J-Mobilität), sie lagern sich daher von der Auftragsstelle aus gesehen jenseits der /?-Bande.
Das Dichte-(Konzentrations-)Spektrum der Very-Low-Density-Lipoproteine
reicht von 0,940 bis 1,006 g/ml. Alle Körperorgane, besonders Fettgewebe
und Muskulatur, bedienen sich des VLDL-Angebotes, in erster Beziehung
als Triglyceridlieferanten. Für die Lipoproteinlipase und andere Phospholipasen sind die Lipid-Bestandteile der VLDL-Substrat. Die Cholesterinester
der VLDL stehen im Austausch mit den Cholesterinestern der Zellmembranen, so auch der Erythrozyten. Im Gegensatz zu den Chylomikronen finden
sich die VLDL im Nüchternblut, jedoch besteht zeitlich eine quantitative
Abhängigkeit von der Fettaufnahme
VMM = ventilation maximal minute (frz.) Atemgrenzwert (AGW). Das durch
willkürliche Hyperventilation maximal mögliche Atemminutenvolumen
(engl.: MBC = maximal breathing capacity, MW = maximal voluntary
Ventilation)
VOO = ventricular pacing, no sensing Ventrikelstimulierend, keine Steuerung. Nach dem von der American Pacemaker Study Group und der ICHD
(Inter-Society Commission for Heart Diseases Resources) empfohlenen
Herzschrittmacher-Code Kurzbezeichnung für einen festfrequenten Ventrikelschrittmacher. Arbeitsweise: Festfrequente Ventrikelstimulation, kein
Sensing. Dieser SM-Typ hat bei bradykarden Rhythmusstörungen keine
Bedeutung mehr
VPB = ventricular premature beats Ventrikuläre Extrasystolen, Kammerextrasystolen. Siehe: -> VEB und -> VES
VPC = ventricular premature contraction In der angelsächsischen Literatur gelegentlich verwendete synonyme Abkürzung für ventrikuläre Extrasystole (-systolie). Auch die Abkürzung VPB — ventricular premature beat
wird häufig für ventrikuläre Extrasystolie verwendet
V3-Phänomen Wird eine vorzeitige Kammerreizung während eines stimulierten Kammerrhythmus durchgeführt, so kommt es zu einer spontanen
ventrikulären Extrasystole (V3-Phänomen). Es handelt sich um ein physiologisches Phänomen, das künstlich — durch die Auslösung einer vorzeitigen Elektrosystole — induziert wurde. Es hat keinen Krankheitswert und
keine prognostische Bedeutung.
VR
266
Die Entstehung der Vß-Erregung ist im wesentlichen von drei elektrophysiologischen Größen abhängig. 1. von einer kritischen Leitungsverzögerung der vorzeitig ausgelösten Kammererregung im His-Purkinje-System,
2. von der Frequenz des Grundrhythmus und 3. von der Höhe der diastolischen Reizschwelle des Myokards. Die Inzidenz der Vß-Erregung nahm bei
starker Verlängerung der Leitungszeit der vorzeitigen Kammererregung im
His-Purkinje-System zu. Eine Erhöhung der Herzfrequenz oder eine Zunahme der diastolischen Reizschwelle korrelierte dagegen mit einer Abnahme
der spontanen Extrasystolieneigung (V3). Die Entstehung der V3-Erregung
nach vorzeitiger Kammerreizung wird aufgrund der geschilderten elektrophysiologischen Befunde auf eine Wiedereintrittserregung im Bereich der
Kammer unter Beteiligung des spezifischen Leitungssystems zurückgeführt
VR = volume residuel (frz.) Residualvolumen (RV), Residualluft. Luftvolumen, das sich nach einer maximalen Exspiration noch in der Lunge befindet (engl.: residual volumen, RV)
VRE = volume de reserve expiratoire (frz.) Exspiratorisches Reservevolumen (-> ERV), Reserveluft. Maximales Luftvolumen, das nach einer normalen Exspiration noch zusätzlich ausgeatmet werden kann (engl.: expiratory
reserve volume, ERV)
VRI = volume de reserve inspiratoire (frz.) Inspiratorisches Reservevolumen. Frühere Bezeichnung: Komplementärluft. Maximales Luftvolumen,
das nach einer normalen Inspiration noch zusätzlich eingeatmet werden
kann (engl.: inspiratory reserve volume, IRV)
VRP = volume resistance breaking point Widerstandsanstiegsvolumen.
Bei gesunden Probanden wie bei Patienten ist während der Ausatmung
der Vitalkapazität deutlich der Volumenwert zu erkennen, von welchem ab
die Strömungswiderstände in den Atemwegen bei weiterer Ausatmung
steil ansteigen. Dieses „Widerstandsanstiegsvolumen“ (VRP) zeigt klar an,
wieviel des exspiratorischen Reservevolumens für die Ventilation genutzt
werden kann und wo somit im Bereich der Totalkapazität dieser „breaking
point“ liegt. Dieser Punkt entspricht dem closing volume (-» CV) bzw. der
closing capacity (-> CC)
VRV = ventricular residual volume Ventrikuläres Residualvolumen (endsystolisches Volumen)
V-RVA-Intervall Zeit von der ersten Erregung des Ventrikelseptums bis zur
Aktivierung der Spitze des rechten Ventrikels im His-Bündel-Elektrogramm
VSD = Ventrikelseptumdefekt Der VSD stellt eine Verbindung zwischen
linker und rechter Herzkammer dar. Eine klinisch praktische Einteilung der
Defekte erfolgt nach ihrer Lage ober- und unterhalb der Crista supraventricularis in suprakristale bzw. subpulmonale und infrakristale Formen. Die
Crista supraventricularis trennt die Einflußbahn von der Ausflußbahn des
267
VT
rechten Ventrikels und liegt als kräftiges Muskelbündel zwischen der
Trikuspidal- und Pulmonalklappe. Ihr septales Band zieht als deutlich prominenter Muskelwulst entlang des rechtsventrikulären Septums von dorsobasal nach apikal und ventral, um hier an das Moderatorband Anschluß
zu gewinnen. Das nach rechts lateral ziehende parietale Muskelband der
Crista supraventricularis bildet das muskuläre Dach der rechten Herzkammer. Die darunter gelegene Trikuspidalklappenebene stellt die dorsale Begrenzung des rechten Ventrikels dar. Die Mehrzahl der VSD ist unmittelbar
unterhalb und dorsal der Crista supraventricularis gelegen (subkristaler
VSD). Diese subkristalen Defekte betreffen hauptsächlich die ventral an
die Pars membranacea angrenzende rechtsventrikuläre Konus- bzw. linksventrikuläre Scheidewandmuskulatur. Teile des membranösen Septums
können in den Defekt einbezogen sein. Stets ist aber der atrioventrikuläre
Abschitt des membranösen Septums erhalten und bildet in Verbindung
mit dem Trikuspidalansatzring die dorsale Defektbegrenzung. Der Defekt
wird nach rechts vom septalen Trikuspidalsegel überlagert. Aus linksventrikulärer Sicht sind diese Defekte unterhalb der rechten Hälfte der linkskoronaren sowie der anliegenden Hälfte der rechtskoronaren Aortenklappe gelegen. Größere Defekte erstrecken sich hauptsächlich unterhalb der
rechtskoronaren sowie der angrenzenden Hälfte der hinteren akoronaren
Aortenklappe (engl.: ventricular septal defect, VSD)
VSD = Vorhofseptumdefekt Siehe: -► ASD = atrial septal defect
VT = ventricular tachycardia Eine ventrikuläre Tachykardie (VT) kann Ausdruck einer gesteigerten Automatie mit nur willkürlichen Frequenzdifferenzen gegenüber einem AVR sein (langsame VT), beruht aber häufiger auf
einer durch eine VES induzierten, kreisenden oder getriggerten Erregung.
Bei einer VT ist der Rhythmus gewöhnlich regelmäßig, und die Frequenz
variiert zwischen 130 und 170/min, kann aber über 200/min steigen. Paroxysmale VT können von wenigen Sekunden bis zu mehreren Stunden anhalten. Besonders beim akuten Myokardinfarkt geht eine VT häufig in
Kammerflimmern über. Bei einer retrograden Vorhoferregung folgen
P’-Wellen dem QRS-Komplex. Häufiger besteht aber ein retrograder Block,
und die Vorhöfe werden unabhängig durch ihren eigenen Schrittmacher erregt. Da das AV-Überleitungssystem durch ein schnelles Eindringen ventrikulärer Impulse refraktär gehalten wird, werden die meisten oder alle das
AV-Überleitungssystem erreichenden Vorhofimpulse blockiert. Dies führt
zu einer AV-Dissoziation. Hin und wieder kann eine P-Welle zu einem Zeitpunkt auftreten, in dem die reizleitenden Gewebe sich genügend erholt haben, um eine Leitung zu den Kammern und deren Erregung zu erlauben.
Dies ergibt ein sog. ventrikuläres Capture, („Einfangen“ der Kammerdurch die Vorhofaktion). Ein anderes Mal kann der supraventrikuläre Impuls die Kammern in einem Augenblick erreichen, wenn sie schon teilweise vom nachfolgenden Impuls der Tachykardie aktiviert sind. Eine solche
gleichzeitige oder fast gleichzeitige Kammererregung durch zwei Reize unterschiedlichen Ursprungs resultiert in einem gemischten (= Kombinationssystole) oder Verschmelzungskomplex (= fusion complex), ersichtlich an einer QRS-Form, die zwischen der eines ventrikulären und der eines
X
V&T
268
supraventrikulären Komplexes liegt. Ferner sollte ein solcher gemischer
Komplex dann auftreten, wenn beide Erregungen tatsächlich auch erwartet werden können
V & T = volume and tension (of pulse) Schlagvolumen und Pulsspannung
VTmax = maximales Atemvolumen Gleichbedeutend mit Vitalkapazität
(Vrmax)
VTD = volume telediastolique (frz.) Enddiastolisches Volumen
VT-VP = Ventrikuläre Tachykardie der vulnerablen Phase Das Auslösen einer Tachykardie durch eine ventrikuläre Extrasystole, die in die vulnerable
Phase fällt (R-auf-T-Phänomen, Vorzeitigkeitsindex unter 1), spricht für einen ventrikulären Paroxysmus. Dieser Entstehungsmechanismus einer
ventrikulären Tachykardie ist von Lown als ventrikuläre Tachykardie der
vulnerablen Phase (VT - VP) bezeichnet worden.
Die prognostische Bedeutung der Extrasystolen ist nicht ohne weiteres an
klinischen Zeichen abzulesen, vielmehr muß hierzu eine Klassifizierung
der Rhythmusstörungen und eine Berücksichtigung der klinischen Situation herangezogen werden. Unmittelbar bedeutsam sind vor allem ventrikuläre Extrasystolen. Besönders*öefürchtet sind solche ventrikulären Extrasystolen, die in die vulnerable Phase fallen wegen der Gefahr der Auslösung von hämodynamisch kritischen Tachykardien (ventrikuläre Tachykardie der vulnerablen Phase, Kammerflimmern).
Diese Erscheinung wird im angelsächsischen Schrifttum als R-auf-TPhänomen bezeichnet, im deutschsprachigen Raum durch den Vorzeitigkeitsindex definiert (Effert). Dabei wurde versucht, eine feste Bindung zwischen dem Zeitpunkt des Einfalls der Extrasystole im Verhältnis zur Länge
der normalen Systole aufzustellen. Der sog. Vorzeitigkeitsindex berechnet
sich aus: Kupplungsintervall/QT-Dauer des Normalschlages
VVI = ventricular pacing and ventricular sensing, inhibited mode (ventricular inhibited) Ventrikelstimulierend, Ventrikelinhibiert. Nach dem von
der American Pacemaker Study Group und der ICHD (Inter-Society Commission for Heart Diseases Resources) empfohlenen HerzschrittmacherCode Kurzbezeichnung für einen ventrikulären Demand-Schrittmacher. Arbeitsweise: QRS-inhibierte Ventrikelstimulation
VV-Kurve = Fluß-Volumen-Kurve Die Atmung wird wesentlich von den mechanischen Eigenschaften der Atemwege und der elastischen Retraktionskraft der Lunge beeinflußt. Die letztere ist eine Funktion des Dehnungsgrades der Lunge. Es ist daher sinnvoll, den Fluß (V) gegen die zugehörige Volumenänderung (V) der Lunge aufzutragen. Diese Darstellung
wird Fluß-Volumen-Kurve (V-V-Kurve) genannt. Es gibt zwei Meßmethoden:
1. Der Fluß wird mit einem Pneumotachographen am Mund im offenen System gemessen. Das Volumen wird mittels elektronischer Integration bestimmt. Umgekehrt kann das Volumen in einem geschlossenen System
(dynamisches Spirometer) gemessen und der Fluß durch elektronische Dif-
269
VZ
ferenzierung ermittelt werden. In beiden Fällen muß das Lungenvolumen
(Vl ) getrennt mittels Bodyplethysmographen oder Fremdgasverdünnung
ermittelt werden.
2. Die Volumenänderung des ganzen Körpers wird in einem druckkonstanten Bodyplethysmographen gemessen. Die so bestimmte Volumenänderung ist die Summe der am Mund gemessenen Veränderung und der Volumenänderung durch Kompression bzw. Expansion des intrathorakalen
Gases
VVT = ventricular pacing and ventricular sensing, triggered mode Ventrikelstimulierend, Ventrikel-getriggert. Nach dem von der American Pacemaker Study Group und der ICHD (Inter-Society Commission for Heart Diseases Resources) empfohlenen Herzschrittmacher-Code Kurzbezeichnung für einen ventrikulären Standby-Schrittmacher. Arbeitsweise: RZacken-getriggerte Bedarfsstimulation
V-Welle Teil des Jugularvenenpulses. Stellt den ansteigenden Vorhofdruck
während der Ventrikelsystole dar. Fällt in die späte Systole oder durch die
Pulswellenverzögerung in die frühe Diastole
VWI = Vorderwandinfarkt Auch von deutschen Autoren wird in letzter Zeit
die Schreibweise der englischen Abkürzung bevorzugt. Siehe: -> AWI =
anterior wall infarction
VWI + LAHB = Vorderwandinfarkt mit linksanteriorem Hemiblock Sowohl für Vorderwandinfarkt als auch für den linksanterioren Hemiblock
werden unterschiedliche Schreibweisen der Abkürzung in der Literatur verwendet. Wegen der Schreibweise von LAHB siehe -► LAHB und -> LAFB.
Die aktuellste Schreibweise ist: AWI + LAFB = anterior wall infarction
and left anterior fascicular block (Vorderwandinfarkt und linksanteriorer
Faszikelblock)
VZ = Verdünnungszeit Nach der Injektion (Injektionszeit = IZ) setzt bestimmte Zeit später mit der Erscheinungszeit (EZ) ein Konzentrierungsanstieg des Indikators (Konzentrationszeit = KZ) an der Meßstelle bis zu einem Gipfel (Zeit bis zur 1. Maximalkonzentration = EZ + KZ) ein. Der anschließende Konzentrationsabfall folgt zunächst einer Exponentialfunktion, bis die Rezirkulation des Indikators aus den einzelnen Organkreisläufen einsetzt und weitere Konzentrationsmaxima entstehen. Die Zeit zwischen 1. und 2. Konzentrationsmaximum wird als Rezirkulationszeit (RZ)
bezeichnet. Zur Berechnung des Herzzeitvolumens müssen die Rezirkulationseffekte durch Extrapolation des abfallenden Verdünnungsschenkels
eliminiert werden. In der Praxis erfolgt das einfach graphisch durch Darstellung des Konzentrationsabfalls in logarithmischem Maßstab. Durch
Verlängerung der dabei entstehenden Geraden ergibt sich die sog. Primärkurve, d. h. die Kurve, die ohne Rezirkulationseffekte entstehen würde. Der
Abstand zwischen der 1. Maximalkonzentration und dem Schnittpunkt der
Geraden mit der Nullinie entspricht der Verdünnungszeit (VZ). Die Summe
aus KZ + VZ stellt die Passagezeit (PZ) dar
270
VZI
VZI = Vorzeitigkeitsindex, Frühzeitigkeitsindex Neben anderen Gesichtspunkten (Häufigkeit, Polymorphie) ist der Zeitpunkt des Einfallens ventrikulärer Extrasystolen ein wesentliches Kriterium ihrer klinischen Bedeutung: je kürzer die Kupplung an den vorangehenden Normalschlag, desto
gefährlicher sind Extrasystolen zu bewerten. Der sog. Vorzeitigkeitsindex
ist ein Parameter für die Annäherung an die vorhergehende T-Welle. Zum
Zeitpunkt des Übergangs von der absoluten zur relativen Refraktärzeit befindet sich das Myokard kurzfristig in einem Stadium besonderer Verletzlichkeit. Diese „vulnerable Phase“ entspricht im EKG etwa dem Gipfel und
absteigenden Schenkel der T-Welle. Sehr frühzeitige Extrasystolen können
in dieser vulnerablen Periode der Herzaktion einfallen und Salven von Extrasystolen, Kammertachykardie und Kammerflimmern provozieren. Der
Vorzeitigkeitsindex errechnet sich als Quotient aus Kupplungsintervall der
Extrasystole (Q-Normalschlag bis Q-Extrasystole) und Gesamterregungsdauer (QT-Zeit eines Normalschlages) nach der Formel:
VZI = (Qn — Qes ) / (Qn — Tn )
wobei Qn — Qes das Kupplungsintervall und Qn — Tn die Gesamterregungsdauer eines Normalschlages darstellt. Ein Vorzeitigkeitsindex über
1 weist die Extrasystole als ungefährlich aus. Indizes zwischen 0,5 und 0,9
beweisen einen Einfall in die Gegend der vulnerablen Phase und gelten als
problematisch
VZ/KZ-Quotient In der Farbstoffverdünnungsmethode sind die Absolutwerte der Konzentrationszeit (KZ) und der Verlängerungszeit (VZ) allein von geringer Aussagekraft. Bedeutung hat vor allem die Quotient VZ/KZ (Hegglinscher Quotient) erlangt (Normwert < 1,8), der sowohl bei dekompensierter
Herzinsuffizienz wie im Gefolge einer Klappeninsuffizienz oder eines
Shunt-Vitiums mit wirksamem Links-Rechts-Shunt signifikant erhöht ist
271
W170
W Symbol für äußere Arbeit oder Energie (J; kPa x I; N x m)
W Symbol für Watt, Einheit der Leistung (J/s; kg x m2/s3; V x A)
W Symbol für Leistung, Arbeit pro Zeit (J/min, W)
Wl Symbol für Arbeit an der Lunge (J; kPa x I)
Wth Symbol für Arbeit an der Thoraxwand (J; kPax I)
Wrs Symbol für Arbeit am respiratorischen System (J; kPa x I)
W¥|S Symbol für visköse Atemarbeit (J; kPa x I)
sWvis Symbol für spezifische (volumische) visköse Atemarbeit (J/l)
W 170 = work of rate (working capacity) Arbeitskapazität, Arbeitsbelastungsprüfung. Die PWC 170 (physical working capacity), im neueren
Schrifttum auch W 170 (work of rate) genannt, ist eine international gebräuchliche Größe zur Beurteilung der kardiozirkulatorischen Leistungsfähigkeit, die sich in der Arbeitsmedizin vielfach bewährt hat. Sie wurde von
Wahlung 1948 erstmals beschrieben und aus drei aufeinanderfolgenden,
um 50 Watt gesteigerten Leistungsstufen von jeweils 6,5 Minuten Dauer
(steady state) mit Hilfe eines Diagramms durch Intra- bzw. Extrapolation
ermittelt. Sie läßt sich ebenfalls rechnerisch bestimmen und gibt die Leistung in „Watt“ bzw. „mkp/min“ an, bei der ein Proband eine Herzfrequenz
von 170/min erreicht (Absolutwert der W 170). Bezogen auf das Körpergewicht ergibt sich der relative W 170 in „Watt/kg Körpergewicht“.
Die Normalwerte betragen nach Mellerowicz etwa 3 Watt/kg Körpergewicht (± 0,5) für Männer, 2,5 Watt/kg Körpergewicht (± 0,5) für Frauen. Die
W 170 hängt vom zirkadianen Rhythmus ab, nicht jedoch vom Menstruationszyklus. Sie beruht auf dem experimentell belegten Prinzip, daß Leistung, Sauerstoffaufnahme und Herzfrequenz in enger Korrelation zueinander stehen. Diese lineare Beziehung besteht jedoch nur in Leistungsbereichen von 1-3 Watt/kg Körpergewicht.
Die in der Literatur zumeist empfohlenen Leistungsstufen von 6 Minuten
Dauer zum Erreichen eines „steady state“ sind für die tägliche Routine wegen des Zeitaufwandes nachteilig. Vergleichende Messungen zeigten jedoch, daß Leistungsstufen von 50 Watt je 6 Minuten und 25 Watt je 2 Minuten keine statistisch signifikanten Unterschiede der graphisch ermittelten
W 170 ergaben, so daß das zeitsparende Verfahren mit Belastungsstufen
WAK
272
von 2-Minuten-Schritten für die tägliche Routine für ausreichend angesehen wird.
Die W 170 kann für die Beurteilung der kardiozirkulatorischen Leistungsfähigkeit bei jüngeren, gesunden Probanden als zuverlässige Meßgröße angesehen werden. Für ältere Personen (über 40 - 50 Jahre) ist sie jedoch nur
ein theoretischer Wert, da die maximale Herzfrequenz mit zunehmendem
Alter abnimmt. Dennoch nimmt diese theoretische W 170 nach Mellerowicz mit fortschreitendem Alter nicht ab. Der Mittelwert von ca. 3 Watt/kg
Körpergewicht (bzw. 2,5 Watt/kg) trifft auch für ältere gesunde Männer und
Frauen zu. Jedoch ist die reale altersgemäße „W“ bei einer entsprechend
kleineren Herzfrequenz anzunehmen, zum Beispiel bei 50jährigen eine
Herzfrequenz von 150/min im Sinne einer sog. W 150. Synonyme Schreibweise! W770, PWC170
WAK = wearable artificial kidney Tragbare künstliche Niere
W-Form (der QRS-Phase) Ausgeprägte Q- und S-Zacken in Abi. II und III
oder „versenkte R-Zacken“ in den vorderen Brustwandableitungen. An das
Vorliegen von Septuminfarkten sollte hierbei gedacht werden
WHVP = wedge hepatic venous pressure „Geblockter“ Lebervenenver schluß. Von der V. femoralis aus wird ein Katheter in eine kleine Lebervene
vorgeschoben, bis er das Lumen des sondierten Gefäßes voll verschließt
und damit einen Abfluß aus den davor liegenden Leberabschnitten, den Sinusoiden, verhindert. Der bei dieser Katheterposition gemessene Druck ergibt den sinusoidalen Druck. Wird der Katheter etwas zurückgezogen,
kann der freie Lebervenendruck gemessen werden, der für den postsinusoidalen Bereich repräsentativ ist. Normalwert: 5 mm Hg
WPW-Syndrom = Wolff-Parkinson-White-Syndrom Anfälle von paroxysmaler Tachykardie. Die EKG-Veränderungen dieses Syndroms sind: a) eine
abnorm kurze PQ(PR)-Strecke bei nicht verkürzter PS-Dauer, b) eine Verbreiterung von QRS auf 0,12 see, selten darüber, c) eine Knotung im aufsteigenden Schenkel von R (Delta-Welle). Man unterscheidet einen Typ A
des WPW-Syndroms mit großen, oft zweigipfligen R-Zacken in den rechtspräkordialen Ableitungen von einem Typ B mit breiter geknoteter Q-Zacke
in den rechtspräkordialen Ableitungen. Die Verkürzung der PQ-Strecke und
die initiale Verformung des QRS-Komplexes erklärt man sich als Folge einer Kombinations-Systole. Ein Teil der Kammer wird vom Vorhof vorzeitig
über aberrierende Bündel erregt, der Rest aber durch eine normale über
das H/s-Bündel geleitete Erregung
WT = wall thickness Wanddicke, Muskelvolumen des Herzmuskels
273
X-Syndrom (Syndrom X)
X
x-Achse Die orthogonal korrigierten (o. k.) Ableitungen nach Frank gewinnen auch in der Praxis zunehmend an Bedeutung. Diese elektrophysiologisch adäquatere Methode, die zudem leichter klassifizierbar ist, dient als
Grundlage der automatischen EKG-Analyse. Man kommt mit den drei Ableitungen x, y, z, die den x-, y-, z-Achsen entsprechen, aus.
Man geht von der Annahme aus, daß sich diese drei Achsen im sogenannten Massenmittelpunkt (MM) des Herzens schneiden. Dieser MM wird in
Höhe des V.ICR 2 cm links neben dem Sternum angenommen. Die PStromrichtung und Polung ergibt sich aus dem Spannungsgefälle von positiv (+) zu negativ (-). Durch die von Korth-Schmidt beschriebenen Anlagepunkte der o. k.-Ableitungen ergibt sich für die Ableitung gemäß der
Achse x ein Bild wie im üblichen EKG Ableitung I. Für die y-Achse ist eine
Analogie mit dem EKG-Bild in aVF, für die z-Achse eine solche für das EKG
über V2 augenfällig. Trotz dieser Ähnlichkeiten handelt es sich bei den orthogonal korrigierten Ableitungen nach Frank jedoch um eine korrekte EKG-Wiedergabe
Xe-washout Xenon-133-Clearance, Xenon-Auswaschtechnik. Diese stellt
eine Modifikation der Fremdgastechniken mit Analyse multipler regionaler
Auswaschkurven dar. Für ein besseres Verständnis dieses Verfahrens
kann man sich vorstellen, daß nach Bolusinjektion des frei diffusiblen radioaktiven Edelgases eine sofortige Verteilung des Indikators im Myokard
erfolgt. Entsprechend der Quantität des nachströmenden, nicht radioaktiv
markierten Blutes wird nun das Xenon aus dem Myokard mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ausgewaschen, so daß die Neigung der präkordial
registrierten regionalen Auswaschkurven einen Index der regionalen Myokarddurchblutung darstellt. Zusätzlich zur Analyse der regionalen Auswaschdynamik als Maß der Durchblutung werden häufig die initiale
Xenon-Verteilung während der ersten 10 see nach der Injektion als Indikator der koronaren Blutverteilung szintigraphisch dargestellt
X-ray cap of Zinn Ein nicht immer vorhandenes, aber doch charakteristisches röntgenologisches Zeichen eines offenen Ductus arteriosus ist das
Hervorspringen des Pulmonalbogens im linken oberen Teil der Herzshilhouette. Man nennt sie Zinn-Röntgenkappe (X-ray cap of Zinn). Die sich
vorbuckelnde Zinn-Röntgenkappe entspricht der dilatierten Pulmonalarterie. In anderen Fällen ist die Pulmonalarterie nur leicht dilatiert, und der
Pulmonalbogen ist röntgenologisch weniger auffällig
X-Syndrom (Syndrom X) Das Syndrom pektanginöser Beschwerden bei Patienten mit normalem Koronarogramm. In den letzten Jahren ist mehrfach
X
x-Tal
274
über Patienten mit typischer Angina-pectoris-Symptomatik, aber unauffälligem Koronarogramm und normaler linksventrikulärer Funktion in Ruhe
berichtet worden. Als' Ursache werden eine Erkrankung der intramuralen
kleinen Gefäße, eine small vessel disease, rezidivierende Spasmen im Bereich der großen Koronararterien, eine abnorme Affinität des Hämoglobins
gegenüber Sauerstoff oder aber Frühformen einer Kardiomyopathie diskutiert
x-Tal Das x-Tal in der Jugularvenenpulskurve entsteht im wesentlichen
durch die atriale Relaxation. Am Ende der Vorhofkontraktion, ausgelöst
durch das geringe Volumen des rechten Vorhofs zu diesem Zeitpunkt, ist
der atriale Druck auf seinem niedrigsten Niveau während der Vorhof relaxation. Durch die Elastizität der Ventrikelwand wird Blut in Richtung des Vorhofes bewegt und trägt damit zur Schließung der AV-Klappen bei. Je höher
die a-Welle ist, desto tiefer ist das x-Tal. Dies kann durch die Tatsache erklärt werden: Je mehr Blut durch die Vorhofkontraktion befördert wird, desto niedriger ist der Druck innerhalb einer gegebenen Längen-DruckBeziehung. Die Senkung des Niveaus der AV-Klappen während der Ventrikelkontraktion ist von geringerer Bedeutung für die Entstehung des xTales. Dieses Tal fehlt oder ist kaum vorhanden in Fällen von Vorhofflimmern
*
*«
x-wave x-Welle. Dieser Teil der Jugularvenenpulskurve entsteht meist
durch Vorhofrelaxation und Verschiebung der Ventilebene zur Ventrikelspitze. Sie fehlt oder ist umgekehrt bei Trikuspidalinsuffizienz
275
y-Welle
y-Ableitung -» x-Achse
y-Achse ->■ x-Achse
y-Tal Das y-Tal in der Jugularvenenpulskurve entsteht durch die Entleerung des Vorhofs während der ventrikulären Diastole. Seine Tiefe wird
durch den Füllungswiderstand des Ventrikels bestimmt. Alle Erkrankungen, die sich auf die diastolische Dehnbarkeit des rechten Ventrikels auswirken, beeinflussen damit auch die Tiefe des y-Tales. Je höher der Füllungswiderstand, desto flacher das y-Tal, das in fast allen Fällen von Trikuspidalstenose überhaupt vorhanden ist
y-Welle Teil des Jugularvenenpulses. Sie beginnt mit der Trikuspidalöffnung, wird bei hoher Herzfrequenz von der a-Welle des folgenden Schlages
überlagert, ist abgeflacht (Trogbildung) bei der Trikuspidalstenose. Dementsprechend spricht eine y-Trogbildung in der Druckkurve des linken Vorhofes für eine Mitralstenose
z-Ableitung
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z-Ableitung -»x-Achse
z-Achse -♦ x-Achse
ZEEP = zero end-expiratory pressure Überdruckbeatmung, wobei der endexspiratorische Druck = 0 ist
ZPB = zero pressure breathing Spontanatmung ohne Beeinflussung des
Atemwegdrucks
ZPW = zentrale Pulswellenzeit (seltener verwendete Abkürzung)
Z-Streifen Die Hauptmasse des Myokards besteht aus dem kontraktilen
Apparat. Faserbündel, wie sie beihn Skelettmuskel durch makroskopische
oder Lupenpräparation erhalten werden, können im Herzmuskel nur
schwer dargestellt werden. Lichtoptisch sind aber Fasern (Zellreihen) und
Myofibrillen (rundliche, quergestreifte Fibrillen) zu erkennen. Die Myofibrillen sind elektronenmikroskopisch als regelmäßiges Bündel von Elementarfilamenten auflösbar. Auch die Elementarfilamente können in ihrem
Grundbau aus fädigen Makromolekülen ultramorphologisch analysiert
werden. Die beiden Grundmoleküle aus Actin und Myosin bilden die dünnen und dicken Filamente, die im Sarkomer (Grundeinheit des kontraktilen
Apparates) parallel, überlappt und periodisch abwechselnd zu finden sind.
Man erkennt einen dunklen Z-Streifen an beiden Seiten des Sarkomers, in
dem die Actinfilamente jeweils zweier benachbarter Sarkomere an ihren
Enden befestigt sind. Zu der Sarkomerenmitte hin überlappen sich die Actinfilamente mit den Myosinfilamenten. Die Actin- und Myosinfilamente
sind in der Überlappungszone durch mobile Querbrücken verbunden
ZVD = zentraler Venendruck Der Venendruck vor dem rechten Vorhof (V.
cava superior, V. cava inferior, V. anonyma, V. subclavia). ZVD steigt bei
Verminderung der Herzleistungsfähigkeit, Hypervolämie, Zunahme des intrathorakalen Drucks, mechanischen Hindernissen in der zentralen Strombahn, vasokonstriktiv wirkenden Arzneimitteln und zentralnervöser Reizung an; er wird erniedrigt bei Hypovolämie, gefäßerweiternden Arzneimitteln und nach bestimmten Analgetika. Englische Bezeichnung: central venous pressure (CVP)
z-Welle Teil des Venenpulses. Flacher Kurvenverlauf nach rascher Kammerfüllung und vor Vorhofkontraktionen. Die z-Welle ist nachweisbar nur
bei niedriger Herzfrequenz
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Notizen für neue Abkürzungen
Notizen für neue Abkürzungen