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Tags: waffen
Year: 1939
Text
fcnie/fen
PISTOLEN-PATRONEN
dürfen an Personen im Mindestalter von 18 Jah-
ren entgeltlich und unenfgeltlichohneMunifions-
erwerbsschein abgegeben werden.
Pistolen dürfen nur gegen Aushändigung eines
Waffenerwerbsscheins überlassen oder erworben
werden. Dies gilt aber nicht für das Oberlassen
von Pistolen auf einem polizeilich genehmigten
Schiehstand zur Benutzung lediglich auf diesem
Schiefjstand. Inhaber von Waffenscheinen oder
Jahresjagdscheinen bedürfen desWaffenerwerbs-
scheins beim Erwerb von Pistolen nicht.
Gebrauchsmäßiges
PISTOLEN
SCHIESSEN
Oberreicht von der Gustav Genschow & Co.
AKT I E NGESE LLSCHAFT
1939
Inhaltsverzeichnis
1. Die Waffen............................................ 3
2. Die Munition......................................... 14
3. Die Wirkungsweise der Selbstladepistole...............22
4. Die Handhabung der Pistole............................25
5. Das Schießen..........................................31
1. Die Schießstellung............................31
2. Das Zielen....................................35
3. Das Halten der Waffe..........................40
4. Das Abkrümmen.................................41
6. Die Waffenpflege..................................... 42
7. Lehrgang des Pistolenschießens........................48
8. Das Tragen und Ziehen der Pistole.....................52
9. Das sportliche Pistolenschießen in Deutschland ... 57
10. Internationales Pistolenschießen......................62
11. Schlußwort............................................64
Nachdruck, auch auszugsweise, verboten
Urheberrechtlich goschOtzt
V&W. 100. o. oo.
Die Waffen
Schußwaffen zum einhändigen Gebrauch heißen Pistolen.
Wir unterscheiden nach ihrem Verwendungszweck Schelben-
plsfolen und Gebrauchspistolen.
Erstere sind gewöhnlich unter besonderer Berücksichtigung
aller Punkte, welche für die Genauigkeit des Schusses von
Bedeutung sind und ohne Rücksicht auf praktische Brauch-
barkeit als Waffe konstruiert. Sie haben daher lange Läufe,
um durch eine lange Visierlinie ein genaueres Zielen zu
erleichtern, eine leicht und genau einstellbare Visierung,
eine der Hand besonders angepaßte Schäftung und eine
fein einstellbare Abzugsvorrichtung, die ein erschütterungs-
freies Abziehen mit geringster Kraftanstrengung ermöglicht.
Auf Handlichkeit, Sdiußwirkung und Feuergeschwindigkeit
ist keine Rücksicht genommen.
Abb. 1 Moderne Höchstleistungs-Scheibenpistole
Die Scheibenpistole ist meist eine einläufige und einschüs-
sige Pistole mit Blockverschluß.
Gebraudispisfolen dagegen müssen, je nachdem, ob sie
für den Taschengebrauch bestimmt sind oder am Koppel
getragen werden, mehr oder weniger handlich sein. Sie
3
müssen eine für ihren Verwendungszweck ausreichende Ge-
schoßwirkung geben und eine schnelle Aufeinanderfolge
mehrerer Schüsse, ohne neu laden zu müssen, ermöglichen.
Weiter sollen sie eine Visierung haben, die auch bei ungün-
stigem Licht ein hinreichend sicheres Schießen zuläßt und
die Konstruktion muß einfach, zuverlässig und sicher sein,
so daß der Mechanismus störungsfrei arbeitet und Unfälle
vermieden werden.
Schließlich soll die Handhabung so einfach sein, daß auch
ein wenig geübter Benutzer mit ihr kein Unheil anrichtet
und sie nicht falsch handhaben kann.
Die Gebrauchswaffe hat sich im Laufe der Zeit vom ein-
fachen, meist paarweise geführten, „Sackpuffer" über die
Doppelpistole und den Revolver schließlich zum modernen
Selbstlader entwickelt.
Beim Selbstlader werden Gasdruck und Rückstoß zum selbst-
tätigen Auswerfen der abgeschossenen Hülse, Spannen des
Schlosses und Zuführen einer neuen Patrone in den Lauf
ausgenutzt, so daß die Tätigkeit des Schützen sich auf das
Beobachten des Gegners, sowie auf das Zielen und Abziehen
des Schusses beschränken kann, solange er noch Patronen
in der Waffe hat.
Da das Schießen mit der Gebrauchswaffe infolge der teuren
Munition kostspielig ist, hat man in den letzten 20 Jahren
eine Reihe von Selbstladepistolen für die Randfeuerpatrone
Kal. .22 (5,6 mm) lang für Büchsen geschaffen, die ein bil-
liges Oben ermöglichen und weitgehend für sportliches
Schießen verwendet werden, nachdem der Deutsche Schüt-
zenverband diese Waffe für das „gebrauchsmäßige Pistolen-
schießen" zugelassen hat.
Diesen Waffentyp bezeichnen wir als Sftlbstlade-Sport-
pistolen. Eine dieser Pistolen, die besonders für das Olym-
pische Schnellfeuerschießen geschaffen ist, verwendet die
4
Randfeuerpatrone .22 (5,6 mm) kurz, die infolge ihres außer-
ordentlich geringen Rückstoßes eine noch schnellere Schuß-
folge ermöglicht, als die Kleinkaliberpatrone .22 Ig. f. B.
Die wichtigste Abart des Pistolenschießens ist das Schießen
mit der Gebrauchswaffe und mit einer Patrone, deren Wir-
kung stark genug ist, einen Angreifer kampfunfähig zu
madien. Diese Art des Schießens ist keine «brotlose Kunst”,
denn sie dient zur Verteidigung von Leben und Eigentum.
Diese kleine Schrift soll sich daher in erster Linie mit der Aus-
bildung in der Handhabung und Führung der Gebrauchs-
waffe befassen. Als solche kommt in Deutschland nur die
Selbstladepistole in Frage. Wir wählen als Waffen die bei-
den modernsten Typen, die Walther Polizeipistole (Abb. 3)
und die Selbstladepistole Mod. 1938 mit Innenhahn und
Spannhebel von J. P. Sauer & Sohn (Abb. 4).
Außer diesen neuesten Pistolenmodellen trifft man im Privat-
besitz natürlich auch die verschiedenen älteren in der Praxis
durchaus bewährten Pistolen an, teilweise auch Waffen aus-
ländischer Herkunft. Sollen diese Waffen bei der Ausbildung
benutzt werden, so empfiehlt sich die Beschaffung der von
den Herstellern herausgegebenen Gebrauchsanweisungen.
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Die meisten Waffen sind in dem Buche „Moderne Faust-
feuerwaffen und ihr Gebrauch” von Gerhard Bock, Verlag
J. Neumann, Neudamm, beschrieben, das voraussichtlich im
Laufe des Jahres 1939 in neuer Auflage erscheint.
Ohne genaue Kenntnis der Waffe ist ihre erfolgreiche und
sichere Handhabung und Führung unmöglich, deshalb wol-
len wir uns zunächst mit dem Bau und der Wirkungsweise
der genannten Waffen beschäftigen.
Beide Pistolen gehören zur Klasse der Selbstlader mit Feder-
verschluß. Dieser Typ hat sich wegen seiner Einfachheit für
Taschenpistolen allgemein durchgesetzt.
Lauf und Verschluß sind beim Schuß nicht starr miteinander
verbunden, sondern eine kräftige Feder drückt das Ver-
schlußstück gegen den Lauf. Trägheit des Verschlusses, Rei-
bung der an die Patronenlagerwandung gepreßten Hülse
und Federkraft wirken zusammen, um den Bodendruck der
Patrone aufzunehmen und bremsen die Rückwärtsbewegung
des Verschlußstückes so, daß die Patronenhülse sich nur erst
wenige Millimeter zurückbewegt hat, wenn das Geschoß
die Mündung verläßt. Daher wird ein Ausströmen von Treib-
gasen während des Durchganges des Geschosses durch den
Lauf vermieden und das Treibmittel für die Vorwärtsbewe-
gung des Geschosses voll ausgenützt.
Der Hauptunterschied der beiden Pistolen besteht in ihrer
Schloßkonstruktion, d. h. in dem Bau und der Anordnung
der Teile, welche durch Vortreiben des Zündstiftes oder
Schlagbolzens den Schuß abfeuern.
Alle Selbstladepistolen mit Federverschluß bestehen in der
Hauptsache aus 3 Teilgruppen:
1. dem Griffstück,
2. dem Verschlußstück,
3. dem Laderahmen (dem Magazin).
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Abb. 5 Griffstück, Versehtufj stück, Laderahmen der Walther PPK
1 = Griffsfüdc, 1 a = Lauflager, 1 b = Lauf, 1 c = Vorholfeder, 1 d = Abzugsbügel,
!• = Anschlag, 1 f = Hahn, 1 g = Verschlufjfangstüdc, 1 h = Auswerfer, 2 = Versddufj-
stüdc (SdiliHen), 2a = Schlagbolzensicherung, 2b = Visier, 2c = Korn, 3 = Magazin,
3a = Zubringer, 3b = Bodenplatte mit Verlängerungsstück
Das Griffstück enthält das Schloß das aus einem Hahn mit
Schlagfeder und der Abzugsvorrichtung besteht. Auf einer
Gleitbahn, durch Leisten geführt, bewegt sich dasVerschlufj-
stück, das man auch wegen seiner Gleitbewegung beim
Schuf; als „Schlitten” bezeichnet. Vorn ist in einem beson-
deren Lager des Griffstückes der Lauf befestigt, in dem die
Patrone zur Entzündung kommt und das Gescholj seine Ge-
schwindigkeit, Führung und Drehung erhält.
Der Lauf ist ein Stahlstab, der der Länge nach durchbohrt
ist. In die innere Laufwandung sind schraubenförmige Ver-
Abb. 6 Lauf im Längsschnitt
tiefungen, die sogenannten Züge eingeschnitten (Abb. 6).
Die zwischen den Zügen stehen gebliebenen Materialstrei-
fen werden als Felder oder Balken bezeichnet. Die Drehung
der Züge bezeichnet man als Drall. Die Drallänge, d. h. die
Länge, auf welche die Züge sich einmal um die Seelenachse
drehen, beträgt bei den hier beschriebenen Pistolen rund
22 cm. Das Geschoß erhält dadurch, daß es sich in die Züge
einschneidet und ihnen folgen muß, eine Drehung, durch die
seine Achse beim Fluge durch die Luft stabil gehalten und
ein Überschlagen des Geschosses verhindert wird.
Hinten im Lauf befindet sich eine glatte Erweiterung vom
Durchmesser der Patronenhülse, in dem die Patrone lagert,
wenn die Waffe geladen ist und die als Patronenlager be-
zeichnet wird.
Der Lauf dient gleichzeitig als Führung und Widerlager für
die Verschlußfeder, die man auch als Vorholfeder bezeich-
net, und für das vordere Ende des Schlittens.
Das Schloß ist ein Hahnschloß. Der Hahnkopf liegt bei der
Walther PPK hinter dem Schlitten, bei der Sauer-Pistole im
Schlitten. Er läßt sich also bei der Walther direkt spannen,
bei der Sauer dagegen indirekt durch Druck auf einen Hebel,
dessen Griff mit dem Daumen der die Waffe haltenden
rechten Hand niedergedrückt werden kann.
Zum Entspannen drückt man bei der Walther einen im Schlit-
ten liegenden Hebel nach unten, wodurch zunächst der
Schlagbolzen festgelegt und dann der Hahn entspannt wird.
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Man kann ihn natürlich auch, wie bei jeder Hahnwaffe, so
entspannen, daß man den Hahn festhält, den Abzug durch-
zieht und den Hahn vorsichtig vorgehen läßt.
Bei der Sauer-Pistole drückt man die im Schlitten liegende
Sicherung nieder, drückt dann den Spannhebel nach unten
und läßt ihn wieder hochgehen. Um die Pistole schußfertig
zu machen, schaltet man die Schlagbolzensicherung (durch
Hochdrücken bei Walther, durch Niederdrücken bei Sauer)
aus. —
Bei den beiden hier beschriebenen Pistolen läßt sich der
Hahn auch durch einfaches Durchziehen des Abzuges span-
nen und abfeuern, falls man einmal bei einem überraschen-
den Angriff keine Zeit mehr zum Spannen des Hahnes von
Hand hat. Beide Pistolen bieten also bei höchster Sicherheit
(entspanntes Schloß) größte Feuerbereitschaft durch die so-
genannte „Abzugsspannung".
Das Griffstück enthält weiter das Lager für den Laderahmen.
Dieses Lager bildet gleichzeitig den Griff.
Zum Festhalten des Laderahmens im Griff dient ein Riegel,
der quer durch den Griffrahmen geht und der in eine Aus-
sparung im Laderahmen eingreift. Das links aus dem Griff-
rahmen (hinter dem Abzug) hervorstehende Ende dieses
Riegels ist gerauht. Ein Druck auf diesen „Druckknopf" löst
den Magazinhalter aus, so daß der Laderahmen frei wird.
Zwei mit Fischhaut versehene Griffschalen schließen das Rah-
menlager ab und geben der Hand einen guten Halt, um den
Griff fest und gleichmäßig zu erfassen und eine natürliche
und ungezwungene Lage der Pistole in der Hand zu gewähr-
leisten.
Vor und über dem Griff liegt die Abzugsvorrichtung, die
aus der Abzugszunge, der Abzugsstange, welche den Hahn
in Spannstellung hält, und der Verbindungsstange besteht,
welche die Abzugssfange mit der Abzugszunge verbindet.
10
Die Abzugszunge wird durch den Abzugsbügel gegen zufäl-
lige Betätigung (Hängenbleiben und dergleichen) gesichert.
Der Abzugsbügel ist bei der Walther-Pistole um einen an
seinem hinteren Ende befindlichen Stift drehbar. Eine kräf-
tige Feder drückt das vordere Ende des Abzugsbügels stets
nach oben in sein Lager im Griffstück. An dem Vorderteil
des Abzugsbügels befindet sich ein Ansatz, der in die Ver-
schlußbahn ragt und als Anschlag für den Schlitten dient.
Zum Abnehmen und Aufsetzen des Schlittens muß der Ab-
zugsbügel nach unten bewegt werden, um den Schlitten
soweit zurückziehen zu können, daß er außer Eingriff mit
seinen Führungsleisten hinten am Griffstück kommt.
Bei der Sauer-Pistole ist der Abzugsbügel fest und der An-
schlag ist ein senkrecht nach oben und unten beweglicher
Schieber, der vorn im Abzugsbügel gelagert ist.
Die Walther-Pistole hat im Griffstück noch einen Hebel, der
durch Einwirkung des Zubringers des Laderahmens den Ver-
schluß nach dem Verfeuern der letzten Patrone offen hält
(Verschlußfangstück). Ein kleiner Ansatz dient als Auswerfer.
Die Sauer-Pistole hat kein Verschlußfangstück. Dafür hat
sie aber eine Magazinsicherung, durch die bei nicht voll-
kommen eingeschobenem Laderahmen die Betätigung des
Schlosses verhindert wird.
Der Schlitten oder das Verschlußstück ist ein Stahlkörper,
der auf dem Griffstück geführt ist und Lauf, Vorholfeder und
Schloßmechanismus nach außen abdeckt. Sein hinteres Drittel
ist soweit massiv gehalten bzw. durch das Schlagbolzen-
gehäuse ausgefüllt, daß es den Lauf abschließt und die Pa-
trone beim Schuß abstützt. In diesem Teile liegt auch der
Zündstift oder Schlagbolzen, der den Schlag des Hahnes auf
die Patrone überträgt. Bei der Walther-Pistole läßt sich der
Schlagbolzen durch eine Sicherung festlegen, wodurch gleich-
11
zeitig der Hahn entspannt wird. Die Sauer-Pistole hat eine
an der gleichen Stelle liegende Sicherung, die den Hahn
feststellt.
Am vorderen Ende des eigentlichen Verschlußstückes, hinter
dem Patronenauswurf, liegt ein gefederter Haken, der sich
in die Rille der Patronenhülse legt und sie bei der Rück-
wärtsbewegung mitnimmt, der Auszieher. Auf der rechten
Seite (neben dem Lauflager des Griffstückes bei zusammen-
gesetzter Pistole) ist der Schlitten mit einer Öffnung ver-
sehen, durch welche die abgeschossenen Hülsen ausgewor-
fen werden. Diese Öffnung ist etwas länger als eine scharfe
Patrone, sie hat eine ovale Form. Man bezeichnet sie als
„Patronenauswurf". Im Innern des Schlittens unter dem
Schlagbolzenlager befinden sich 2 Leisten, welche in Füh-
rungsnuten des Griffstückes eingreifen und in Verbindung
mit dem Loch am vorderen Ende des Schlittens letzteren
auf dem Griffstück sicher führen. Ober dem Schlagbolzen ist
im Verschlußstück ein Stift angeordnet, der hinten aus dem
Schlitten herausragt, wenn sich eine Patrone im Lauf befin-
det, der Signalstift.
Schließlich befindet sich auf dem Schlitten, der mit einer
sich über die Schliftenfläche etwas erhebenden Schiene ver-
sehen ist, die Visierung, bestehend aus einem Standvisier
mit halbrunder Kimme und einem Korn von rechteckigem
Querschnitt (Balkenkorn).
Der Laderahmen (das Magazin) ist ein aus Stahlblech ge-
preßter Behälter, dessen lichter Querschnitt der Größe einer
Patrone entspricht. In seinem Inneren befindet sich eine
Blechplatte mit Führungsstücken, die eine falsche Stellung
der als Zubringer bezeichneten Platte verhindern. Eine
Drahtfeder drückt den Zubringer stets nach oben. Dort sind
die Seitenwände des Rahmens etwas nach innen gebogen.
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Diese „Lippen" hallen den Zubringer und die auf ihm be-
findlichen Patronen fest, so daß letztere nur nach vorn her-
ausgeschoben werden können. Unten ist der Laderahmen
durch eine Bodenplatte geschlossen, die als Widerlager für
die Zubringerfeder dient. Der Laderahmen nimmt 8 Patronen
auf (das Walther PPK-Modell, die Dienstwaffe des Poli-
tischen Leiters, 7 Patronen). Dem Laderahmen kommt bei
der Selbstladepistole eine besondere Bedeutung zu. Er ist
nicht nur ein Behälter zur Unterbringung der Patronen, son-
dern ein für das zuverlässige Arbeiten der Waffe maßgeben-
der Bestandteil, der ebenso wie alle anderen Teile eine
sorgfältige Pflege beansprucht. Wer die Magazine seiner
Waffe nicht sauber hält oder sie womöglich fallen läßt oder
sonst grob behandelt, darf sich über Ladehemmungen nicht
wundern.
Der Laderahmen wird durch den sogenannten Magazinhal-
ter, der sich im Griffstück zwischen Abzugsbügel und linker
Griffschale befindet und die Form eines Druckknopfes hat,
in seiner richtigen Lage gehalten, so daß er auch durch den
Rückstoß beim Schießen nicht aus dem Griff fallen kann.
Ubungswaffen. Da das Schießen mit der Originalmunition
(Pistolenpatrone 7,65 mm) ziemlich teuer ist, so hat die Firma
Walther ihre Polizei-Pistolen auch für die Randfeuerpatronen
Kaliber .22 (5,6 mm) lang für Büchsen hergestellt. Ein Schuß
mit dieser Munition ist so billig (ca. 2 Pfg.), daß man bei
häufigem Oben den Preis für die Pistole schon nach kurzer
Zeit erspart hat. Die Arbeitsweise dieser Pistolen ist bei Be-
nutzung der Spezialpatrone .22 lang für Büchsen Marke „R"
für Selbstladewaffen absolut zuverlässig. Sie werden daher
für Ausbildungszwecke weitgehend benutzt (Formationen,
Banken usw.).
13
Die Munition
Gebrauchsplstolen, die ausreichende Geschoßwirkung
geben sollen, um auch einen kräftigen Gegner kampfunfähig
zu machen, haben mindestens das Kaliber 7,65 mm. Sie sind
für die sogenannte Pistolenpatrone 7,65 mm (Abb. 7) ein-
gerichtet. Diese Patrone hat eine Gesamtlänge von rund
245^ mm. In einer Messinghülse von rund 17 mm Länge
befindet sich eine Ladung von 0,165 g rauchlosen Pistolen-
öldlchf
Abb. 7 Pistolenpatrone 7,65 mm (öldicht) und Bodenstempel
pulvers, die dem 4,8 g schweren Vollmantelgeschoß, je nach
Länge des Laufes, eine Mündungsgeschwindigkeit von 280
bis 300 ms erteilt; d. h. wenn das Geschoß seine Mündungs-
geschwindigkeit beibehalten könnte und seine Geschwin-
digkeit nicht durch den Luftwiderstand verringert würde,
so würde es in einer Sekunde 280 bis 300 m zurücklegen.
Daraus ergibt sich an der Laufmündung eine Auftreffwucht
von 19 bis 22 mkg. Diese Auftreffwucht (£) errechnet sich
aus der Geschoßgeschwindigkeit(V) am Ziel, dem Geschoß-
gewicht (p) in kg und der Fallbeschleunigung (g — 9,808)
nach der Formel E = p • V?
2g
14
Ihrer Zündung nach gehör! diese Patrone zur Klasse der
Zentralfeuerpatronen. Abb. 8 zeigt einen Schnitt durch eine
Zentralfeuerpatrone. Bei der Zentralfeuerpatrone befindet
sich der Zündsatz in einer als Zündhütchen bezeichneten
— Geschoßmantel
Hülse
Zündlöcher
Zündsatz
Abb. 8 Schnitt durch eine Zentralfeuer-Pistolenpatrone 7,65 mm
(2:1)
kleinen Kapsel, die in eine „Glocke" genannte Vertiefung
des Hülsenbodens eingeprefjt ist. In der Mitte der Glocke
befindet sich der sogenannte „Ambofj", auf dem das Hüt-
chen aufsitzt, so dalj der Zündsatz beim Aufschlagen des
Schlagbolzens oder Zündstiftes gequetscht und zur Explo-
sion gebracht wird. Die dabei entstehende Stichflamme
schlagt durch Zündlöcher im Boden der „Glocke" in die
Pulverladung und entzündet sie.
Der Zündsatz selbst hat in den letzten Jahrzehnten wesent-
liche Verbesserungen erfahren, die der deutschen Pistolen-
munition eine führende Stelle in der Welt verschafft haben.
15
Schon im Anfänge dieses Jahrhunderts stellte die RWS-
Nürnberg einen rostfreien Zündsatz her, der das stark rost-
bildende Kaliumchlorat durch andere Bestandteile ersetzte,
die keine Rostbildung verursachten. Die Verbrennungsrück-
stände wirkten aber stark abschleifend und ausbrennend auf
das Laufmaterial. Diese Zündsätze wurden daher ständig
verbessert, eine grundsätzliche Neuerung brachte aber erst
der vor ca. 10 Jahren von der RWS-Nürnberg entdeckte
und jetzt in den RWS- und Geco-Patronen durchweg an-
zutreffende SINÖXID-Zündsatz. Bei diesem Zündsatz wurde zu-
erst das sonst allgemein in rostfreien Zündsätzen benutzte
Knallquecksilber durch andere, besser geeignete, Rohstoffe
ersetzt. Dieser Zündsatz beseitigte die Ausbrennungserschei-
nungen vollständig. Er schuf eine absolute Rostfreiheit für
den Lauf durch die beim Schuf; entstehenden Vorgänge und
hat außerdem noch den Vorteil, dal; für ihn inländische Roh-
stoffe verwendet werden können. Außerdem ist er unbe-
grenzt lagerbeständig, was bei Knallquecksilber-Zündsätzen
nicht in gleichem Maße der Fall ist.
Das Treibmittel in der Patrone ist ein gelatiniertes rauch-
schwaches Pulver, das von den Pulverfabriken speziell für
die Pistolenpatronen nach bestimmten Anforderungen her-
gestellt wird, um bei mäßigem Gasdruck möglichst hohe Ge-
schwindigkeiten und regelmäßige Verbrennung zu geben.
Das Geschoß besteht aus einem Bleikern, der mit einem
Blechmantel umgeben ist. Dieser Mantel, der gegen atmo-
sphärische und andere Einflüsse durch Vernickelung geschützt
ist, gibt dem Vorderteil der Patrone eine für die glatte
Zuführung in das Patronenlager möglichst günstige Form.
Geschosse mit Teilmantel zu verwenden, bei denen der
Bleikern an der Spitze des Geschosses freiliegt, hat wenig
Zweck, da die Geschoßgeschwindigkeiten bei Pistolenpatro-
nen zu niedrig sind, um das Geschoß beim Auftreffen auf
den menschlichen Körper so deformieren zu lassen, daß
16
es infolge seines vergrößerten Querschnittes stärkere Ver-
letzungen hervorruft. Um derartige Deformationen zu ver-
ursachen, müßte schon der ganze aus der Hülse heraus-
ragende Teil des Geschosses aus Weichblei bestehen. Bei
solchen Geschossen würde aber auch mit Beschädigungen
des Geschosses beim Übergang aus dem Magazin in den
Lauf gerechnet werden müssen, was zu Ladehemmungen
führen würde.
Man verwendet allgemein für Selbstladepistolen nur Patro-
nen mit Vollmantelgeschossen.
Olsldierheit. Bei Patronen, die längere Zeit in Pistolen
getragen wurden, beobachtete man früher häufig schlappe
Schüsse; ja bisweilen kam sogar ein Steckenbleiben von Ge-
schossen im Lauf vor. Anfangs nahm man an, daß Lufffeuch-
Abb. 9 Oldlchte Geco-Pistolen-Patronen
17
♦igkeit oder Körperausdünsfungen diese Erscheinungen durch
Beeinflussung der Zündung und Pulverladung hervorgerufen
hätten. Weitere Versuche zeigten aber, daß sie auf Eindrin-
gen von öl in die Pulverladung zurückzuführen waren, und
zwar stellte sidi heraus, daß das öl am Geschoß- und Zünd-
hütchensitz in das Innere der Hülse eindringen und dort ein
Trägwerden des Pulvers bewirken konnte. In langjährigen
Versuchen haben die Firmen Gustav Genschow & Co. in
Durlach und RWS-Nürnberg eine Lackabdichtung entwickelt,
welche auch bei monatelangem Lagern der Patronen in öl
das Eindringen desselben in die Patrone verhindert. Es sei
bemerkt, daß nicht jeder Lack die erforderlichen Eigen-
schaften besitzt und daß daher ein Lackring am Hülsenmund
und an der Zündhütchenrille allein noch keine Gewähr für
Ölsicherheit bietet, wie sie bei den RWS- und Geco- SIHOXID-
Pistolenpatronen (Abb. 7) vorhanden ist.
Die nachstehende Zusammenstellung gibt eine Übersicht
über die gängigsten deutschen Pistolenpatronen in den
Fabrikaten Geco und RWS, die sämtlich SINOXID-Zündung und
Öldichtung haben und in beiden Fabrikaten gleiche bal-
listische Leistungen aufweisen.
Die besonders zu Ausbildungs- und Übungszwecken ge-
schaffenen Walther-Polizeipistolen Kal. .22 (= 5,6 mm) ver-
feuern Randfeuerpatronen. Abb. 10 zeigt eine derartige
Randfeuerpatrone im Schnitt. Die Hülse hat keine Glocke.
Der Zündsatz ist in den Boden der leichten Tombak-Kapsel
eingepreßt und muß durch einen Schlag des Schlagbolzens
auf den Kapselrand, der das zum Quetschen des Zündsatzes
erforderliche Widerlager in der Randausfräsung des Laufes
findet, entzündet werden. Die Stichflamme des Zündsatzes
schlägt direkt in die Pulverladung und leitet damit ihre Ver-
brennung ein.
18
Abb. 10 Randfeuerpatrone im Schnitt (2:1)
Abb. 11 Packungen
der .22 Ig. für Büchsen und
kurz für Selbstladewaffen
19
Patrone Kaliber mm Ladung g v« ms Eo mkg V»: ms Ev mkg Vjoo ms E,.u mkg
Gescbofj i 2 Laut- länge der Pidole mm
6.35 0,078 3,25 80 1 230 8,8 212 i i 7,4 196 6,4
7.65 0,165 4,8 88 297 21,2 273 17,8 252 15,2
9 kurz 0,20 6,0 88 265 21,5 246 18,5 228 15,9
Mauser 7,63 . . 0,52 5,5 140 437 53,5 376 39,6 333 31,1
Parabellum 7,65 0,36 6,0 102 358 39,2 330 33,3 305 28,5
Parabellum 9 0,36 8.0 102 327 43,6 303 37,4 284 32,8
20
Flugbahner bei 25 m | 1 -b 5,9 cm + 19,2 cm “h 3,1 cm 4" 11,1 cm 4- 4,0 cm 4" 14,0 cm 4- 1,1 cm 4- 5,0 cm 4- 1,4 cm 4“ 5,9 cm 4" 2,3 cm 4~ 8,6 cm hebung über V m Fl eck sch 50 rr> | © 4" 26,9 cm © 4- 1 5,8 cm © 4“ 19,6 cm © 4* 7,9 cm © 4- 10,5 cm © 4- 12,6 cm isierlinie jIj 100 m — 54,0 cm © — 31,5 cm © — 39,5 cm © — 16,0 cm © — 21,0 cm © — 25,0 cm © Abbildung
21
Das Geschoß ist ein Bleigeschoß mit mehreren Fettrillen und
zwischen ihnen liegenden Führungswulsten.
Abmessungen, Gewichte und Leistungen sind die gleichen
wie bei der Kleinkaliberpatrone „ R" siNOXlö Kal. .22 (5,6 mm)
lang für Büchsen, die wegen ihrer vorzüglichen Schuß-
genauigkeit in der ganzen Welt höchstes Ansehen ge-
nießt. Die Pistolenpatrone weicht lediglich im Material
und Aussehen der Hülse (vernickelt) von der Kleinkaliber-
patrone ab.
Bei der Selbstladewaffe kommt es darauf an, daß die Hülse
der Patrone sich nicht im Lager festschießt, sondern beim
Schuß glatt ausgeworfen wird. Dies ist bei der Randfeuer-
patrone WR" siNOXlD Kal. .22 (5,6 mm) lang für Büchsen für
Selbstladewaffen der Fall.
Abb. 11 (S. 19) zeigt die Packungen der für Selbstladewaffen
bestimmten Randfeuerpatronen R-siNOXlD» die durch einen
grünen Verschlußstreifen mit einem besonderen Hinweis auf
ihren Verwendungszweck kenntlich gemacht sind.
Die Wirkungsweise der Selbstladepistole
Durch Druck auf den Abzug wird das Schloß ausgelöst. Der
Hahn schlägt vor und treibt den Zündstift gegen die Patrone,
wodurch der im Zündhütchen enthaltene Zündsatz gegen
den Amboß der Zündglocke gepreßt und zur Entzündung
gebracht wird.
Die entstehende Stichflamme schlägt durch die Zündlöcher
in den Pulverraum der Hülse und entzündet die Pulver-
ladung; die einzelnen Pulverkörner oder Blättchen verbren-
nen von außen nach innen und werden in Gas verwandelt.
In dieser Form braucht die Pulverladung einen bedeutend
größeren Raum, so daß in der Hülse ein Druck entsteht, der
11
Gasdruck. Dieser wirkt nach allen Seiten gleichmäßig, kann
aber zunächst sich nur nach der Seite des geringsten Wider-
Standes auswirken. Das ist die Seite, an der das Geschoß
den Pulverraum abschließt. Das Geschoß wird also aus der
Hülse in den Lauf getrieben. Hier findet es zunächst einen
größeren Widerstand durch die Felder, d. h. durch die zwi-
schen den Zügen stehen gebliebenen Streifen des Lauf-
materials, die sich in das Geschoß einschneiden und ihm
ihre Drehung, den Drall, übertragen. Das Geschoß bewegt
sich dann mit zunehmender Geschwindigkeit durch den Lauf.
Der auf den Boden der Patrone wirkende Gasdruck hat in-
zwischen die Trägheit des Schlittens und der Schließfeder,
sowie die Reibung der fest gegen die Patronenlagerwan-
dung gepreßten Hülse überwunden und dem Schlitten eine
gewisse Geschwindigkeit erteilt, die auch dann nicht auf-
hört, wenn das Geschoß den Lauf verlassen hat und damit
der Gasdruck im Lauf auf den Luftdruck gesunken ist. Die
lebendige Kraft des Schlittens treibt denselben weiter zurück,
bis sie durch die zunehmende Spannung der Vorholfeder
und den Anschlag am Griffstück aufgezehrt ist.
Dabei hat der Auszieher die abgeschossene Hülse mit-
genommen bis letztere, kurz bevor der Schlitten seinen
Rücklauf beendet hat, an einen Anschlag (Auswerfer) in der
Schlittenbahn stößt und dadurch nach rechts durch den Patro-
nenauswurf ausgeschleudert wird. Sobald der Schlitten auf
seinem Wege das Magazin passiert hat, werden die Patro-
nen im Laderahmen von der Zubringerfeder gehoben, so
daß die oberste in die Bahn des von der Vorholfeder wieder
vorgetriebenen Schlittens trift und von ihm zwischen den
Lippen des Laderahmens nach vorn herausgeschoben wird.
Das Geschoß wird auf der schrägen Zuführungsbahn des
Griffstückes in das Patronenlager geführt, so daß die Patrone
dem Stoße des Schlittens nur ins Patronenlager ausweichen
kann.
23
Beim Vorgehen des Schiiltens ist auch der Auszieher wieder
in die Rille der Patronenhülse eingetreten.
Der Schlitten hat natürlich den Hahn bei seiner Rückwärts-
bewegung mitgenommen und ihm noch eine Eigenbewe-
gung erteilt, die ihn soweit zurückbewegt, daß die Abzugs-
stange wieder in die Hahnrast eintreten und den Hahn im
gespannten Zustande festhalten kann. Das ist jedoch nur
dadurch möglich, daß gleich nach Begihn der Rückwärts-
bewegung des Schlittens die Verbindung zwischen Abzugs-
zunge und Abzugsstange durch Abwärtsdrücken der Ver-
bindungsstange unterbrochen wurde. Diese Unterbrechung
zwischen Abzug und Stange muß jede Selbstladepistole
haben, die auch bei leichtem Abzugswiderstand zuverlässig
arbeiten soll. Ist eine solche Unterbrechung nicht vorhanden,
so «doppelt" die Pistole, d. h. bei einem Druck auf den
Abzug werden mehrere Schüsse hintereinander ausgelösf,
unter Umständen sogar der ganze Magazininhalt. Dabei sitzt
aber nur der erste Schuß richtig, wenn er mit richtigem Ab-
kommen abgegeben war, während die anderen Schüsse viel
zu hoch sitzen, unter Umständen in der Decke des Schieß-
standesl Diese Vorrichtung verhindert gleichzeitig auch die
Abgabe eines Schusses, solange der Verschluß der Waffe
nicht weit genug vorgegangen ist, da nur dann eine Aus-
sparung im Schlitten über dem Unterbrecher bzw. dem An-
satz der Verbindungsstange liegt, so daß letztere wieder
ihre Feuerstellung in Verbindung mit der Abzugsstange ein-
nehmen kann.
Durch Druck auf den Abzug wiederholt sich der beschrie-
bene Vorgang solange, bis die letzte Patrone aus dem
Magazin verfeuert ist. Dann hebt der Zubringer des Maga-
zins das Verschlußfangstück bei der Walther-Pistole, so daß
es sich in die Versdilußbahn legt und den Schlitten im
offenen Zustande festhält. Dadurch wird man augenfällig
24
darauf aufmerksam gemacht, daß das Magazin leergeschos-
sen ist.
Bei der Sauer-Pistole ist das Verschlußfangstück fortgelassen,
da ein Schnellfeuer mit Magazinwechsel ja normalerweise
kaum nötig ist. Daß sich keine Patrone mehr im Laufe be-
findet, zeigt hier bei leergeschossenem Magazin lediglich
der Signalstift dadurch an, daß er nicht mehr aus dem Schlit-
ten hervorragt.
Die Handhabung der Pistole
Bei den geringen Abmessungen und dem niedrigen Gewicht
der Pistole, deren Mündung man ohne Kraftaufwand und,
was besonders zu beachten ist, ohne daß es Unbeteiligten
besonders auffällt, einen ganzen Kreis beschreiben lassen
und somit die ganze Umgebung gefährden kann, muß die
Erziehung zu größter Vorsicht und Sorgfalt zum vordring-
lichsten Punkt der ganzen Schießausbildung gemacht werden.
Den gut ausgebildeten und sachkundigen Pistolenschützen
erkennt man nicht an der sorglosen Handhabung der Waffe,
sondern an der sorgfältigen Beachtung aller nur erdenk-
lichen Vorsichtsmaßregeln. Der Schießlehrer muß durch sein
Verhalten dem Auszubildenden ein ständiges Beispiel für
den vorsichtigen Umgang mit der Waffe sein und darf Ver-
stöße des Schülers, auch in der Handhabung der ungela-
denen Waffe, auf keinen Fall durchgehen lassen. Er präge
dem Schüler einige Grundregeln unvergeßlich ein und mache
darauf aufmerksam, daß ihre Nichtbeachtung die meisten
Unfälle mit Schußwaffen verschuldet hat:
1. Befrachte jede Pistole als geladen I
2. Wenn Du eine fremde Waffe in die Hand nehmen mufft,
so ziehe zuerst das Magazin heraus und öffne dann
den Verschluß (durch Zurückziehen des Schlittens)! Diese
25
Reihenfolge ist unbedingt einzuhalten, um zu verhüten,
daß beim Auswerfen der Patrone aus dem Lauf etwa eine
Patrone aus dem Magazin in den Lauf neu eingeführt
xwird.
3. Richte Deine Waffe nie auf einen Menschen, wenn Du
ihn nicht treffen willst, also nicht in Notwehr oder berech-
tigter Abwehr bist.
4. Der Zeigefinger bleibt außerhalb des Abzugsbügels,
wenn die Waffe geladen oder entladen wird.
Wenn diese Regeln so in Fleisch und Blut übergehen, daf;
der Schütze sie auch in der Erregung des Kampfes oder
Wettkampfes beachtet, wird er seine Pistole stets erfolgreich
und sicher führen.
Dazu ist es weiter nötig, daß der Schütze alle für das Schuß-
fertigmachen seiner Waffe erforderlichen Griffe so häufig
übt, daß er sie auch ohne besondere Aufmerksamkeit gewis-
sermaßen reflexmäßig ausführt, auch dann, wenn eine Stö-
rung in der normalen Funktion der Waffe eintritt. Diese
Sicherheit ist nur durch häufiges planmäßiges üben zu er-
langen.
1. Das Schußfertigmachen derPistole besteht aus mehreren
Handgriffen:
a) Magazin herausnehmen (Abb. 12). Pistole in der rechten
Hand; der Daumen greift soweit vor, daß er den Maga-
zinhalter niederdrücken kann. Die linke Hand fängt das
herausfallende Magazin auf.
b) Magazin füllen: Die linke Hand hält den Laderahmen
so, daß die runde Seite nach rechts zeigt. Die rechte Hand
hält eine Patrone so, daß der Boden nach links zeigt,
drückt mit der Patrone den Zubringer nach unten und
schiebt die Patrone unter die Lippen des Magazins, bis
26
Abb 12 Das Herausnahmen des Magazins
27
der Patronenboden an der flachen Rückseite des Maga-
zins anliegt (Abb. 13). Dieser Vorgang wiederholt sich,
bis das Magazin gefüllt ist. Dabei kann der linke Daumen
Abb. 13 Das Füllen des Magazins
beim Herunterdrücken der obersten Patrone helfen. Stets
ist der Zubringer bzw. die oberste Patrone soweit ein-
wärts zu drücken, dafj die nächste Patrone ohne Gewalt-
anwendung unter die Magazinlippen geschoben werden
kann.
28
c) Laderahmen einführen: Der gefüllte Laderahmen wird
so in die linke Hand genommen, daß die runde Seite
nach vorn (vom Körper weg) zeigt. Die Pistole nimmt
man wie zum Schienen in die rechte Hand, Lauf schräg
nach vorn und abwärts, und schiebt kräftig nachdrückend
das Magazin in den Griff, so daß die Magazinsperre
sicher einrastet. Anfänger machen häufig den Fehler, daß
sie das Magazin nicht richtig hineindrücken. Wenn der
Magazinhalter nicht richtig eingetreten ist, wird entweder
beim Zuführen der ersten Patrone diese nicht gefaßt, weil
das Magazin nach unten ausgewichen ist, oder beim
ersten Schuß springt das Magazin nach unten und die
zweite Patrone wird dann nicht zugeführt.
d) Laden: Bei der Walther-Pistole die Schlagbolzensiche-
rung nach unten drehen, so daß der rote Punkt verdeckt
ist. Bei beiden Pistolen mit Daumen und Zeigefinger der
linken Hand den Schlitten kräftig an seinen gerieften
Grifflächen fassen und den Schlitten scharf zurückreißen
und loslassen, sobald er das Ende seiner Rückbewegung
erreicht hat. Er schnellt dann unter dem Druck der Vor-
holfeder nach vorn und führt die oberste Patrone aus
dem Magazin in den Laut ein. Man nennt das „Durch-
laden". Falsch ist es, den Schlitten festzuhalten und lang-
sam vorzulassen, da hierdurch die Zuführung nur un-
günstig beeinflußt werden kann.
Bei der Walther-Pistole entspannt sich der Hahn infolge der
Einwirkung der Schlagbolzensicherung, man muß also den
Sicherungshebel wieder waagerecht stellen, um schießen zu
können.
Bei der Sauer-Pistole ist die Waffe nach dem Vorgehen des
Schlittens geladen und gespannt. Man entspannt den Hahn
durch Herunterdrücken des Spannhebels und Hochgehen-
lassen desselben.
29
Beide Waffen sind nun geladen aber entspannt, also für das
Tragen ungefährlich und doch sind sie sofort schußfertig, da
ein kräftiger Druck auf den Abzug mit einer Weglänge von
ca. 1 cm genügt, um den Hahn zu spannen und abzu-
drücken.
Das Vorhandensein einer Patrone im Lauf wird durch den
hinten aus dem Schlitten herausstehenden Signalstift an-
gezeigt. Den entspannten Zustand des Hahns erkennt man
bei der Walther-Pistole direkt, da der Hahn ja außen sicht-
bar ist, bei der Sauer-Pistole an der Stellung des Abzuges
in der Mitte des Bügels.
Das Entladen: Vor dem Reinigen oder dem Ablegen zur
Aufbewahrung ist die Waffe zu entladen.
Dazu wird zunächst das Magazin aus dem Griff genommen.
Die rechte Hand hält die Pistole am Griff, Mündung schräg
nach vorn und unten. Zeigefinger außerhalb des Abzugs-
bügels. Der rechte Daumen greift soweit um den Griff, daß
er den Magazinhalter hineindrückt. Die linke Hand fängt
den Laderahmen auf, nimmt ihn heraus und legt ihn auf den
Tisch. Dann faßt man mit Daumen und Zeigefinger der lin-
ken Hand den Schlitten in seinen gerauhten Grifflächen
und zieht ihn zurück, bis die Patrone aus dem Lauf aus-
geworfen wird. Dabei dreht man die Pistole so nach rechts,
daß die Patrone auf den Tisch fällt, nicht auf den Boden,
dreht die Pistole zurück und überzeugt sich durch einen Blick
in den Patronenauswurf, daß Rahmenlager und Patronen-
lager leer sind und läßt den Schlitten wieder vorschnellen.
Dann entspannt man den Hahn.
Will man das Magazin entladen, so nimmt man es wie zum
Füllen in die linke Hand, Rundung nach rechts und streift
nun mit dem rechten Daumen unter leichtem Druck nach
unten die einzelnen Patronen nach rechts aus dem Magazin.
30
Das Schießen
Voraussetzung für gute Schiefjleistungen sind:
1. eine gute Schiefstellung und ein
ungezwungener Anschlag,
2. richtiges Zielen,
3. ruhiges Hallen und
4. ruhiges Abkrümmen.
1. Die Schiefstellung: Von der Grundstellung, Front zur
Scheibe, macht der rechtshändige Schütze eine Achtelwen-
dung links und setzt den linken Fufj etwa 20 cm nach links.
Eine zu breite Fufstellung ist nicht zu empfehlen, weil der
Schütze dann nicht „wendig" genug ist, wenn eine Front-
änderung nötig wird.
Der Schwerpunkt des Körpers ruht zwischen beiden Füfen,
der Körper wird gerade aufgerichtet gehalten. Die rechte
Hand hält die Pistole fest, aber ungezwungen. Die Mün-
dung der Pistole zeigt etwa 1 m vor dem rechten Fufje auf
den Boden (Abb. 14). Der rechte Arm ist gestreckt, aber
nicht etwa krampfhaft durchgedrückt. Der linke Arm hängt
am Körper herunter; er kann auch auf die Hüfte gestützt
oder auf den Rücken gelegt werden.
Die Körperhaltung mufj jedenfalls ungezwungen sein, ohne
daf irgendwelche Muskelgruppen besonders angespannt
werden. Der Blick ist auf das Ziel gerichtet.
Aus dieser Stellung hebt der Arm die Pistole (Abb. 15 u. 16)
und bringt sie so in die auf das Ziel gerichtete Blicklinie,
dafj das Korn gestrichen, d. h. mit der Oberkante des Visiers
abschneidend, in der Mitte der Kimme steht.
Diese Anschlagstellung ist so zu üben, daf möglichst keine
Korrekturen nötig sind, um das richtige Zielbild zu geben.
31
32
Dazu ist in erster Linie erforderlich, daß die Pistole stets
gleichmäßig gefaßt wird. Die Hand greift die Pistole mög-
lichst hoch, so daß sich die Handgabel zwischen Daumen
und Zeigefinger fest gegen die Handstütze der Pistole legt,
d. h. gegen die Ausladung des Griffstückes unter dem Hahn,
bzw. unter dem hinteren Ende des Schlittens. Der Daumen
liegt an der linken Seite des Griffes mit dem vorderen
Gliede auf der Spitze des Mittelfingers, auf dem der Ab-
zugsbügel der Pistole ruht. Der Zeigefinger liegt ausgestreckt
außen am Abzugsbügel.
Beim Inanschlaggehen spannt der Daumen den Hahn. Dann
erst geht der Zeigefinger in den Abzugsbügel und nimmt
Fühlung mit der Abzugszunge.
2. Das Zielen: Unter Zielen versteht man das Einrichten
der Waffe über Kimme und Korn auf den Zielpunkt oder
Haltepunkt, d. h. auf den Punkt, auf den die Waffe ein-
gerichtet werden muß, um die Kugel auf den Punkt zu brin-
gen, den man treffen will (Treffpunkt).
Die Visierung der Pistole besteht aus dem Visier, einem im
wesentlichen rechteckigen Stahlkörper, der in der Mitte sei-
ner Oberkante einen Einschnitt hat, die sogenannte Kimme.
Diese Kimme hat verschiedene Formen (Abb. 17), wie Drei-
eck-Kimme, halbrunde oder U-Kimme und rechteckige
Kimme. Für das Pistolenschießen ist eine halbrunde Kimme
von 2—2,5 mm Breite vorteilhaft. Bei manchen Pistolen ist
die Kimme in eine Erhöhung des Schlittens eingeschnitten,
bei anderen ist das Visier seitlich verschiebbar in den
Schlitten eingepaßt und zwar nahe dem hinteren Ende des
Schlittens.
Das Korn ist ein häufig mit dem Schlitten aus einem Stück
bestehender Körper am vorderen Ende des Schlittens. Auch
die Korne haben — den Kimmen entsprechend — verschie-
35
Formen von Kimme und Korn
Dadikorn
Perlkorn
Dreieck-Kimme Rechteck-K imrr.n U-Kimme
Haltepunkt:
Spiegel aufsitzen
mit »geslrichen Korn”
Regeln für das Einschieben von Waffen
Bei Hochschuß: Visier tiefer.
Bei Tiefschuß: Visier höher.
Bei Linksschuß: Korn nach links oder Visier nach rechts.
Bei Rechtsschuß: Korn nach rechts oder Visier nach links.
Abb. 17 Verschiedene Visier- und Kornformen
36
dene Formen: Dachkorn, Perlkorn, Balken- oder Rechteck-
korn. Man verwendet bei Gebrauchspistolen gern ein Recht-
eckkorn von 2,0—2,5 mm Breite, da es gut zu erkennen ist
und ein schnelles und genaues Abkommen ermöglicht. Zum
Zielen wird das Korn so in die Kimme genommen, dal; die
Oberkante des Korns in gleicher Höhe liegt wie die Ober-
kante des Visiers; man nennt das „gestrichen Korn". Gleich-
zeitig mulj das Korn auch seitlich in der Mitte der Kimme
liegen. Der Visierkamm mulj dabei genau waagerecht sein
(siehe Abb. 17 Mitte).
Die Genauigkeit des Zielens ist bedingt durch die Fähigkeit,
Visier, Korn und Ziel scharf genug zu erkennen. Bekannt-
lich ist es dem menschlichen Auge nicht möglich, mehrere
verschieden weit vom Auge entfernte Gegenstände gleich-
zeitig scharf wahrzunehmen. Das Auge stellt sich daher
nacheinander auf die verschiedenen Punkte durch Akkom-
modation scharf ein und zielt dann mit einer „mittleren
Unschärfe".
Die Erfahrung hat nun gezeigt, daß die Augen normalsich-
tiger Menschen recht verschieden sehen, so daß ein und
dieselbe Visiereinstellung für einen Schützen „gestrichen
Korn" für einen anderen vielleicht etwas Fein- oder Vollkorn
bedeutet. Dazu kommen noch Augenfehler, die das genaue
Erkennen der Visierung oder des Zieles erschweren, wie
z. B. Astigmatismus (unregelmäßige Krümmung der Horn-
haut), Kurzsichtigkeit, Alterssichtigkeit, Weitsichtigkeit. Es ist
daher verständlich, daß ein und dieselbe Einstellung der
Visierung bei verschiedenen Schützen sehr verschiedene
Treffpunktlagen ergeben kann, so daß jeder Schütze für
sich seinen genauen Haltepunkt ermitteln muß, wenn er die
höchstmögliche Ringzahl erreichen will.
Aber auch andere Umstände beeinflussen die Treffpunkt-
lage, z. B. die Beleuchtung der Visierung und der Scheibe
37
können Änderungen des Haltepunktes nötig machen, um die
Mitte des Zieles zu treffen.
Beim Schienen auf große dunkle Scheiben, wie sie für das
Schienen mit der Gebrauchswaffe verwendet werden, bietet
das Erkennen von Kimme und Korn häufig große Schwie-
rigkeiten, weil sich diese Teile von einer großen dunklen
Fläche nicht deutlich genug abheben. Man hat sich dadurch
zu helfen gesucht, daß man das Korn weiß oder gelb und
das Visier rot gefärbt hat, um eine genügende Kontrast-
wirkung gegen die dunkle Scheibe zu erzielen. Das hat sich
im allgemeinen bewährt. Wird die Scheibe aber hell be-
leuchtet, so versagt dieses Mittel. Man kommt dann mit einer
einfachen schwarzen Visierung besser zurecht. Die Firma
Gustav Genschow & Co. hat ein Korn herausgebracht, das
diese Mängel beseitigt und unter allen Lichtverhältnissen ein
gutes Erkennen der Visierung ermöglicht. Dies sogenannte
„Kontrast körn” (Abb. 18) besteht aus einem Rechteckkorn
neben dem seitlich je eine helle Kontrastfläche angeordnel
Ä
Abb. 18 Geco-Kontrastkorn
ist, d. h. eine schräge Ebene, die weiß gehalten ist und das
einfallende Licht nach dem Visier zu bricht, so daß sich die
normale schwarze Kimme gut von diesen Kontrastflächen
abhebt. Ebenso hebt sich die weiße Kontrastfläche gut von
der dunklen Scheibe ab und damit auch das zwischen den
Kontrastflächen liegende schwarze Balkenkorn. Das Korn
projiziert also gewissermaßen die helle Kontrastfläche auf
die dunkle Scheibe. Ist die Scheibe hell beleuchtet, so ge-
38
nügf das dunkle Korn, um den nötigen Kontrast gegen die
helle Scheibe zu geben, aber dieser Kontrast wird noch
durch die weiten Leuchtstreifen des Kornes gehoben.
Das Erlernen und üben des Zielens erfolgt in der
gleichen Weise wie beim Kleinkaliberschießen durch das
sogenannte Dreieckzielen. Man nimmt dazu am besten eine
Kleinkaliberbüchse, da die Kürze der Visierlinie der Pistole
das Zielen unnötig erschwert. Oder man baut sich selbst
einen einfachen Zielapparat bestehend aus einer 50 cm lan-
gen quadratischen Holzleiste von etwa 5X5 cm Querschnitt,
an deren einem Ende ein Visier, am anderen Ende ein Korn
aus Blech befestigt wird. Das Gewehr bzw. der Zielapparat
wird auf einem Zielbock so angebracht, daß er seine Lage
nicht verändern kann und auf eine 10—15 m entfernte weiße
Tafel eingerichtet. Der Schüler tritt dann hinter den Ziel-
apparat, ohne ihn aber zu berühren.
Ein Gehilfe mit einer kleinen Zielkelle (Abb. 19), in deren
Mitte sich ein Loch befindet, steht an der Tafel. Nach den
Anweisungen des Zielenden verschiebt der Gehilfe seine
Zielkelle solange, bis sie richtig zur Visierung steht. Dann
macht er mit einem Bleistift einen Punkt durch das Loch in
der ZielkeNe.
39
Dies wiederholt sich noch zweimal, so daß 3 Punkte auf der
weiten Tafel entstehen, die ein Dreieck bilden; der Abstand
der Punkte voneinander, bzw. die Seitenlange des aus
ihnen gebildeten Dreiecks, ist der Maßstab für die Genauig-
keit des Zielens.
3. Das Halten der Waffe. Niemand kann eine Waffe längere
Zeit absolut ruhig halten. Herztätigkeit und Pulsschlag lassen
sich nie ausschalten; aber davon abgesehen, kann man durch
entsprechendes Training sehr viel zum ruhigen Halten der
Waffe im Anschlag beitragen.
Zunächst gilt es, die Ermüdung des Armes in der Anschlag-
stellung durch entsprechende Obungen zu überwinden.
Dazu ist es nötig, den rechten Arm längere Zeit in der
Anschlagstellung zu halten und durch ein Gewicht, das
möglichst etwas höher sein soll als das der Pistole, die Mus-
keln zu kräftigen. Die Hand soll dabei geschlossen sein und
die Finger sollen möglichst die gleiche Lage einnehmen wie
beim Hallen der Pistole und die gleiche Muskelspannung
haben. Am zweckmäßigsten ist es daher mit der Pistole
selbst zu üben, die man durch Anbinden eines Gewichtes.
Eisenstückes oder dergleichen um ca. % kg beschwert. Man
kann natürlich auch andere Gegenstände in entsprechendem
Gewicht nehmen, z. B. Hanteln, Bügeleisen und dergleichen.
Die ganze Stellung und Körperhaltung soll dabei möglichst
genau der Anschlagstellung entsprechen. Man halte den
Arm zunächst 20 Sekunden in der Anschlagstellung, setze
ab, ruhe sich eine halbe Minute aus und gehe wieder auf
20 Sekunden in Anschlag und wiederhole das 15 Minuten
lang. Allmählich verlängert man die Anschlagzeiten bis stär-
keres Zittern der Hand eine zu große Ermüdung anzeigt.
Es hat keinen Zweck, die Anschlagsdauer zu übertreiben.
Die Hauptsache ist die regelmäßige Durchführung dieser
40
Obungen. Nach einiger Zeit wird man finden, dal; die Zitter-
bewegungen der Hand und die unwillkürlichen Bewegungen
des Armes geringer werden, und daß die ganze Stellung
ruhiger wird.
Anfangs atme man bei diesen Übungen ruhig und gleich-
mäßig. Später, wenn man merkt, daß die Bewegung der
Hand geringer geworden ist, halte man immer für 10 bis
20 Sekunden den Atem im spannungsfreien Zustande des
Brustkorbes an, um auch gleich die richtige Atemtechnik,
die zur Abgabe eines gut gezielten Feinschusses nötig ist,
zu üben.
Schließlich übe man das Halten mit der Waffe selbst in Ver-
bindung mit dem Abkrümmen. Dabei soll sich stets eine
Exerzierpatrone im Laufe befinden, um zu verhindern, daß
der Schlagbolzen hart aufschlägt und Schaden leidet.
4. Das Abkrümmen ist die Hauptschwierigkeit beim Schießen
und die Voraussetzung für wirklich gute Ergebnisse. Der
Schütze kann noch so genau zielen und die Pistole noch so
ruhig halten: wenn er beim Auslösen des Abzuges reißt, so
wirft er durch das Zusammenzucken der Handmuskeln die
Pistole vollständig aus der Richtung und der Schuß fehlt auf
kürzeste Entfernung die ganze Figurscheibe. Die Pistole muß
beim Schuß fest in der Hand liegen, der Zeigefinger liegt
mit dem vorderen Gelenk am Abzug und übt einen zu-
nehmenden Druck auf den Abzug aus, und zwar gerade
nach rückwärts, nicht auch seitlich.
Beim langsam gezielten Präzisionsschuß krümmt man lang-
sam und vorsichtig durch, indem man den Druck allmählich
verstärkt. Sobald die Visierung infolge der Körperschwan-
kungen vom Haltepunkt wegwandert, hält man den Zeige-
finger unbeweglich und erst wenn die Visierung auf den
41
Hallepunkt zeigt, steigert man den Druck wieder. Bei die-
ser Methode des Abkrümmens wird der Schütze durch den
Schuß überrascht, er kommt also nicht in die Gefahr, den
Schuß zu verreißen oder zu .mucken", d. h. eine dem Rück-
stoß entgegengesetzte Bewegung zu machen.
Empfehlenswert ist es, den Anfänger, der überhaupt noch
nicht geschossen hat, zunächst das Zielen und Abkrümmen
mit der Kleinkaliberbüchse üben zu lassen, damit er sieht,
daß die Begleiterscheinungen des Schusses, Knall und Rück-
stoß, harmlos sind.
Beim Schießen mit der Gebrauchswaffe hat man für die
Betätigung des Abzuges nicht unbeschränkte Zeit, man wird
daher entschiedener durchkrümmen und den Druck schnel-
ler verstärken, um eine schnellere Schußabgabe zu erzielen.
Niemals aber darf man reißen, d. h. den Druck plötzlich
verstärken. Auch hier muß der Knall den Schützen über-
raschen, dann ist man sicher, daß das Geschoß dort sitzt,
wohin die Visierung im Augenblick des Schusses zeigte.
Dieses schnelle Erfassen des Zieles in Verbindung mit ruhi-
gem, aber doch ungesäumtem Abkrümmen muß fleißig
geübt werden, wenn der Schütze bei seinen ersten Übun-
gen keine Munition verschwenden will. Zur Schonung des
Schlosses hat man dabei immer eine Exerzierpatrone im
Lager.
Die Waffenpflege
Jede Schußwaffe, die dauernd einwandfrei arbeiten und
schießen soll, muß entsprechend gepflegt werden.
Beim Schuß werden im Lauf Pulver- und Geschoßrückstände
abgelagert, die zwar bei der SINOXID-Munition keine Rost-
bildung hervorrufen, aber immerhin bei längerer Nichtbeach-
tung die Funktion der Waffe beeinträchtigen können. Das
42
gleiche gilt von den Verbrennungsrückständen der Pulver-
ladung, die sich bei Selbstladern auf den arbeitenden Teilen
der Waffe ablagern. Nach jedem Schienen mulj daher
1. der Lauf,
2. das Griffstück und der Schlitten
gereinigt werden.
Voraussetzung für eine sachgemäße Reinigung ist die Zer-
legung der Pistole in ihre Hauptbestandteile. Die Pistole
wird zunächst entladen oder man überzeugt sich wenigstens
davon, daß die Pistole ungeladen ist (s. S. 30). Dann zieht
man den Abzugsbügel (bei Walther) nach unten, drückt
ihn nach links und stellt ihn gegen die Unterseite des Griff-
stückes fest (Abb. 20). Bei Sauer zieht man den Anschlag-
Abb. 20 Das Auseinandernehmen der Pistole
a) Das Herunterziehen und Festslellen des Abzugsbügels
43
Schieber vorn im Abzugsbügel nach unten. Nun faßt man
Griff und Schlitten der Pistole wie zum Laden, zieht den
Schlitten ganz zurück und hebt ihn hinten vom Griffstück
ab. Unter dem Druck der Vorholfeder läßt man den Schlitten
nun langsam nach vorn gehen und nimmt ihn vom Griff-
stück ab.
Abb. 20 Das Auseinandernehmen der Pistole
b) Das Zurückziehen und Abheben des Schlittens
Man reinigt den Lauf, indem man ein mit einem guten
Waffenreinigungsöl (Geco-Ol) getränktes Wergpolster durch
den Lauf schiebt und dann das Griffstück beiseite legt, da-
mit das 01 die Rückstände löst.
Nun wischt man mit einem Lappen den Schlitten innen und
außen ab. Zum Reinigen der Ecken nimmt man den Lappen
44
auf einen Holzspan. Der Lappen kann einige Tropfen neu-
trales Ol (Knochenöl oder dergleichen) bekommen, das
nicht verharzt, so dafj der Schlitten einen Olhauch erhält.
Dann reinigt man in ähnlicher Weise das Magazin, dem man
von Zeit zu Zeit einen Tropfen Ol gibt. Um dje inneren
Magazinwände zu reinigen, drückt man den Zubringer mit
einem Schraubenzieher oder dergleichen nach unten und
steckt einen Nagel oder starken Draht durch das unterste
Schauloch in den Magazin-Seitenwänden. Dann läfjt sich der
über dem Zubringer liegende Raum desMagazins mit einem
um den Wischstock gewickelten Lappen reinigen. Ist das
Magazin stark verschmutzt, so drückt man auf den in der
Bodenplatte des Magazins liegenden Halteknopf und zieht
die Bodenplatte nach vorn ab, worauf Halteplatte, Feder
und Zubringer herausgenommen werden können. Vorsicht,
dafj die Feder nicht herausfliegfl
Jetzt geht man an das gründliche Reinigen des Laufes. Zu-
nächst wird der Lauf trocken gewischt (mit mehrfach er-
neuerten Polstern). Dann wischt man den Lauf solange mit
der Messingdrahtbürste aus, bis der Mefallansatz entfernt
ist. Das ist bei Randfeuerpatronen mit ihren Bleigeschossen
sehr einfach, da der Bleiansatz sich mit einer Messingdraht-
bürste leicht entfernen läfjt. Wir finden nun aber im Patro-
nenlager der Selbstladewaffen Kal. .22 in der oberen Hälfte
des Gescho^raumes einen festen Ansatz, der eine kräf-
tigere Anwendung der Drahtbürste verlangt, als etwaiger
Bleiansatz im gezogenen Teil des Laufes.
Die Messingdrahtbürsten werden gewöhnlich falsch ange-
wendet und die meisten Leute verwenden auch ungeeignete
Messingdrahtbürsten. Für Läufe Kal. .22 sind nicht die ge-
wöhnlich im Handel erhältlichen Messingdrahtbürsten Kali-
ber 6 mm zu verwenden, sondern die 9 mm Tesching-Mes-
singdrahtbürsten zum Aufschrauben auf Sandberg-Putzstöcke
6 mm (Abb. 21). Die Messingborsten dieser Bürsten haben
45
einen Durchmesser von beinahe 10 mm. Schieb! man diese
Bürsten in den Lauf, so legen sich die Drähte nach hinten um,
federn also gegen die Laufwandung und die richtige Anwen-
dung ist nun so, daß man die Laufmündung aufstützt, die
Bürste bis zum Anschlag vorschiebt und dann zurückzieht. Bei
diesem Zurückziehen haken die Messingborsten das Blei aus
den Zugecken heraus. Wenn es besonders festsitzt, so wie-
derholt man die Prozedur einige Male. Da der Laie keine
Abb. 21 Messingdrahtbürste für Läufe Kal. 5,6—6,35 mm
(nafürl. Grofjo)
Möglichkeit hat, diesen Bleiansatz zu erkennen, geht man
am besten mit der Messingdrahtbürste 6—8 mal hin und
her durch den Lauf, insbesondere durch den hinteren Teil
des Laufes, in dem der Übergang liegt. Im allgemeinen ist
dann auch der Ansatz im Patronenlager, den wir oben er-
wähnt haben, beseitigt. Wenn nicht, wird die Messingdraht-
bürste noch einige Male mehr angewendet. Irgend welchen
Nachteil hat diese Anwendung der Drahtbürste nicht. Un-
richtig ist es, die Messingdrahtbürste, womöglich noch geölt,
nur durch den Lauf nach vorn zu schieben und dann vom
Wischstock abzunehmen. Dadurch drückt man den Ansatz
höchstens noch fester und außerdem verschmiert man die
Messingdrahtbürste mit dem Öl unnötig.
Läufe, aus denen Pistolenpatronen mit Mantelgeschoß
verfeuert werden, zeigen einen bedeutend fester sitzenden
Metallansatz, der teilweise durch Abschmelzen des Mantel-
materials durch vorbeiströmende Gase im Augenblick des
46
Eintritts des Geschosses in den gezogenen Teil bzw. in den
Übergang sich gebildet hat. Dieser Ansatz läßt sich ohne
eine sehr kräftige Anwendung der Messingdrahtbürste nicht
entfernen. Man nehme hierzu Messingdrahtbürsten im Durch-
messer des Borstenteiles von 10—12 mm für Kal. 7,65 bis
9 mm (Abb. 22). Auch hier legen sich die Borsten nach hinten
um und haken den Metallansatz los. Diese Anwendung der
Messingdrahtbürste ist natürlich nur dann nötig, wenn eine
Abb. 22 Messingdrahtbürsfe für Läufe Kal. 7,65—9 mm
(nolurl. Grofje)
größere Schußzahl aus dem betreffenden Lauf abgegeben
ist. Wenn nur die wenigen, in den Schießbedingungen an-
gegebenen Schüsse abgefeuert wurden, läßt sich der Ansatz
im allgemeinen durch Anwendung von Wergpolstern undOl
entfernen. Nachdem der Metallansatz aus dem Lauf entfernt
ist, was man natürlich nur bei trockengewischtem Lauf fest-
stellen kann, wird der Lauf neu eingefettet, und zwar nur
hauchartig, so daß das Laufmaterial gegen den Einfluß der
Luftfeuchtigkeit geschützt ist.
Dann entfernt man den Pulverhauch von dem oben liegen-
den Teil des Griffstückes, besonders von der Gleitbahn aus
dem Rahmenlager in den Lauf. Auch die Ausziehernut wird
unter Benutzung eines Holzspanes mit Lappen gereinigt.
Dann gibt man dem Lauf sowie dem oben liegenden Teil
des Griffstückes einen hauchartigen Fettüberzug unter Ver-
wendung eines neutralen Oles (Knochenöl) und achte darauf,
daß auch die Leisten und Nuten, welche die Führung des
47
Schlittens auf dem Gehäuse besorgen, leicht gefettet sind,
um die Reibung beim Arbeiten dieser Teile zu verringern.
Von Zeit zu Zeit gibt man auch einen Tropfen 01 in die
Hahnrast sowie an die Hahnachse. Dazu ist aber stets ein
nicht verharzendes neutrales 01, nicht ein Laufreinigungsöl,
zu verwenden. Eine derartig behandelte Waffe wird stets
gebrauchsfertig sein und den Schützen auch im Ernstfall nicht
im Stich lassen.
Lehrgang des Pistolenschießens
Für die Ausbildung ist stets die Einheitlichkeit der Waffe
erwünscht. Der Lehrer erklärt zunächst Aufbau, Wirkungs-
weise und Handhabung der Waffe und Munition und läßt
den Schüler dann unter seiner Aufsicht alle für die Hand-
habung der Waffe in Frage kommenden Handgriffe solange
üben, bis er vollkommene Sicherheit zeigt und gleichzeitig
beweist, daß er mit der Waffe vorsichtig umgeht. Dabei
sind stets Exerzierpatronen zu verwenden, keine scharfen
Patronen.
Anschließend werden Anschlagsübungen, Zielübungen und
Obungen im Halten der Waffe und Abkrümmen vorgenom-
men, bis auch dabei keine Fehler mehr beobachtet werden.
Erst dann wird der Schütze zum Schießen mit scharfer Muni-
tion zugelassen. Die erste Bedingung wird sitzend am An-
schußtisch vorgenommen (Abb. 23). Hier sind 5 Schüsse au.
die 15 m entfernte Figurscheibe (Abb. 31) abzugeben. Eine
bestimmte Ringzahl wird nicht gefordert. Der Schütze soll
nur zeigen, daß er die Waffe vorschriftsmäßig bedienen
und den Schuß ruhig abgeben kann. Die Patronen werden
einzeln geladen und zwar mit Benutzung des Laderahmens.
Der Schießlehrer steht stets einen Schritt rechts neben dem
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Schützen, so daf$ er imstande ist, bei Unvorsichtigkeit des
Schützen dessen rechte Hand zu fassen und zu verhindern,
da^ die Waffe auf Menschen gerichtet wird. Ist die Pistole
geladen, so darf sie nicht mehr aus der Hand gelegt und
auch möglichst nur im gesicherten oder entspannten Zu-
stande aus der Hand gegeben werden, falls eine Störung
an der Waffe das Eingreifen des Schiefjlehrers nötig macht.
Genau wie beim Stehendanschlag nimmt der Schütze beim
Sitzendanschlag die rechte Schulter vor, so dal; sich der
rechte Arm frei heben läfjt.
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Hat der Schütze sich bei dieser Übung vorschriftsmäßig be-
nommen, so schießt er die gleiche Bedingung noch einmal,
wobei kein Schuß unter 7 Ringen vorkommen darf und eine
Gesamtringzahl von 40 Ringen gefordert wird. Jeder Schuß
Abb. 24 Figurscheibe für die Schießausbildung
(lOringigo deutsch© Sporf-Einhoilssdieib©)
wird einzeln geladen und angezeigt. Nach dem Anzeigen
wird neu geladen, indem eine Patrone in das Magazin
geladen und durch Schlittenbewegung („Durchladen") in
den Lauf eingeführt wird.
Hat der Schütze hierbei ein gutes Ergebnis gehabt, so wird
zum stehend freihändigen Schießen übergegangen.
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3. Bedingung: 15 m. 5 Einzelschüsse stehend freihändig.
4 Treffer in der Figur.
Die Patronen werden einzeln in das Magazin geladen.
Anzeigen nach jedem Schuß.
4. Bedingung: 20 m, 5 Patronen im Magazin.
Die 5 Schüsse sind in 30 Sekunden abzugeben.
5 Treffer in der Figur, 40 Ringe.
Nach jeder nicht erfüllten Bedingung sind wieder Übungen
im Zielen, Halten und Abkrümmen vorzunehmen.
Durch Zielübungen allein läßt sich aber das Schießen nicht
lernen. Da aber zu Schießübungen mit scharfer Munition
immer ein polizeilich genehmigter Schießstand aufgesucht
werden muß und das immer Zeitverlust und Kosten verur-
sacht, hat man eine Möglichkeit gesucht, Schießübungen im
Hause vorzunehmen. Das geht unter Verwendung von Ein-
steckläufen für „Zielmunition 20" (Abb. 25). Diese Patronen
bestehen aus einer kleinen Kupferkapsel, die als Treibmittel
Abb. 25 Zielmunition M 20 im Ladelöffel
nur Zündsatz enthält und als Geschoß eine kleine Blei-
rundkugel von 4 mm Durchmesser. Knall und Durchschlag
sind bei dieser Munition sehr gering, so daß der Schuß im
Hause nicht stört und sich ein ausreichender Kugelfang leicht
selbst herstellen läßt. Man nimmt eine Kiste von ungefähr
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40X40 cm, legt auf den als Rückwand dienenden Boden ein
Eisenblech von etwa 2 bis 3 mm Stärke und stopft die ganze
Kiste fest mit Zeitungspapier aus. Die Vorderseite schließt
man durch eine aufgenagelte Pappe ab, auf der man die
Scheibe anbringt. Von Zeit zu Zeit ersetzt man das zer-
schossene Zeitungspapier durch neues.
Als Scheiben nimmt man entweder Ringscheiben oder kleine
Figurscheiben, die jede Waffenhandlung liefern kann.
Das Tragen und Ziehen der Pistole
Die Gebrauchswaffe trägt man zweckmäßig im Futteral, nicht
in der Anzugstasche. Zum Dienstanzug wird die Pistole ge-
wöhnlich am Koppel übergeschnallt an der rechten oder
linken Seite des Koppelschlosses getragen und zwar in
einem mit Deckel versehenen Futteral. Ein derartiges Fut-
52
feral zeigt Abb. 27. In diesem Futteral, das von dem be-
kannten Kriminalisten, Dr. Erich Anuschat, erfunden ist, liegt
die Pistole vollkommen geschützt. Öffnet man den Deckel,
so fällt der unter dem Griff liegende Teil des Futterals, der
aus weichem Leder besteht, nach unten, so dafj der Griff
frei liegt.
Abb. 27 Pistolenfutteral Modell Anuschat
Die praktische Tragweise für den rechtshändigen Schützen
ist die vor der linken Körperseite (Abb. 28). Zum Ziehen
der Pistole geht die linke Hand an die Deckelschlaufe, löst
sie und hebt den Deckel. Gleichzeitig geht die rechte Hand
an den Griff der Pistole. Die drei letzten Finger legen sich
unter den Griff und ziehen die Pistole heraus, der Zeige-
finger bleibt ausgestreckt außerhalb des Abzugsbügels. Die
Hand richtet die Pistole auf das Ziel. Der Daumen spannt
dabei den Hahn, bzw. drückt den Spannhebel bei der Sauer-
Pistole nach unten, sobald die Pistole auf das Ziel zeigt.
Trägt man die Pistole vor der rechten Körperseite (Abb. 29),
so sind die Bewegungen der Hände die gleichen, aber der
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rechte Arm mulj beim Herausziehen der Pistole stärker an-
gewinkelt werden.
Der Privatmann, Jäger öder Forstbeamte wird vorziehen,
die Pistole unsichtbar zu tragen. Hier hat man verschiedene
praktische Tragweisen und Futterale.
Abb. 30 Geco-Pistolenfutteral zum Tragen am Koppel
Bei den Geco-Futteralen (Abb. 30), die in erster Linie für
die Walther PP und PPK und die Sauer & Sohn-Pistole
Modell 1938 geeignet sind, wird die Pistole nur durch einen
schmalen Riemen gehalten. Der ganze Griff der Pistole liegt
also frei. Man trägt sie untergeschnallt entweder am Koppel
oder an einem Schulterriemen. In letzterem Falle wird das
Futteral mit einem Halteriemen am Beinkleid angeknöpft,
damit es beim Ziehen nicht mitgenommen werden kann.
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Man trägt das Futteral an der rechten Seite. Zum Ziehen
der Pistole streift man mit der rechten Hand die Jacke hoch.
Während Daumen und Zeigefinger den Halteriemen lösen,
fassen die 3 anderen Finger unter den Griff und ziehen die
Pistole.
In einer driften Ausführungsform dieses Futterals wird die
Pistole unter der linken Achsel getragen. Das Futteral läßt
sich zu dem Träger in einem Winkel verstellen, um den
Schützen ein möglichst bequemes Fassen der Pistole zu er-
möglichen. Diese 3 Futterale sind mit Einsätzen versehen,
die verhindern, daß sich das Magazin durch einen unbe-
absichtigten Druck auf den Halteknopf löst und daß sich die
Schlagbolzensicherung ungewollt einschaltet.
Das sportliche Pistolenschießen In Deutschland
Das sportliche Pistolenschießen in Deutschland wird vom
Deutsdien Schützenverband im NSRL. sowie von der Partei
und ihren Gliederungen gepflegt. Beim Deutschen Schützen-
verband hat man in der Hauptsache 3 Bedingungen, auf
denen jede Schießausbildung aufgebaut sein muß.
1. Die Bedingung Genauigkeit, bei der 3X5 Schuß in je
30 Sekunden abzugeben sind. Der Schütze erwartet
das Kommando zum Feuern in der Bereitschaftsstellung
(Abb. 14, S. 32). Die Waffe ist mit 5 Patronen geladen
und schußfertig.
2. Die 2. Bedingung wird als Fertigkeit bezeichnet. Bei
ihr hat der Schütze die mit einer Patrone im Maga-
zin geladene Pistole im geschlossenen Futteral über-
geschnallt oder im offenen Futteral untergeschnallt. Die
Arme hängen am Körper herab. Auf das Kommando
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„Feuer" zieht der Schütze die Pistole, macht sie schuß-
fertig und gibt den Schuß ab. 5 Sekunden nach „Feuer"
wird „Halt" kommandiert. Jede Schußreihe besteht aus
Abb. 31 Figurscheiben für das Pisfolen-Schießen
mit Gebrauchswaffen (links) und Sportwaffen (rechts)
5 derartigen Einzelschüssen. Im ganzen werden 3 Schuß-
reihen abgegeben.
3. Die 3. Bedingung wird als Schnelligkeit bezeichnet. Bei
ihr befindet sich die mit 5 Patronen im Magazin gela-
58
dene Pistole im Futteral. Auf das Kommando «Feuer’
wird sie gezogen, schußfertig gemacht und die 5 Schuß
abgegeben. Die Schulzeit betragt hierfür bei Sport-
waffen (Selbstladepistolen und Revolvern im Kaliber
unter 7 mm) 9 Sekunden für eine Reihe, bei Gebrauchs-
waffen (Selbstladepistolen und Revolvern im Kaliber
über 7 mm) 12 Sekunden. In der Bedingung Schnellig-
keit sind gleichfalls 3 Reihen zu 5 Schuß abzugeben.
Abb. 32 10 kreisige Pistolenringscheibe für 50 m
Alle 3 Bedingungen werden in getrennten Wettbewerben
mit Sportwaffen (unter 7 mm) und mit Gebrauchswaffen
(über 7 mm) geschossen. Diese Bedingungen werden auf
eine 10 kreisige Figurscheibe (Abb. 31) geschossen. Für das
Schießen mit der Sportpistole (unter 7 mm) ist in die Figur-
scheibe ein Kreis von 4 cm Radius eingezeichnet der mit X
bezeichnet wird. Dieser Kreis zählt auch 10 Ringe, soll aber
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beim Schießen mit den sehr genau schießenden Sportpisto-
len (Olympia-Pistole und dergleichen) besonders notiert
werden, um bei gleicher Ringzahl ein Stechen zu vermeiden.
Die neue Figurscheibe unterscheidet sich von der alten
außerdem durch die Größe der Zahlen. Auf der alten Scheibe
bilden die großen Zahlen ein deutliches Abkommen. Das
entspricht nicht dem Gebrauchszweck, da im Ernstfall der
Gegner ja auch kein deutlich sichtbares Abkommen auf der
Brust hat.
Die Scheiben-Entfernung beträgt einheitlich 25 m.
Der Deutsche Schützenverband pflegt außerdem das sport-
liche Genauigkeitsschießen mit Scheibenpistolen (sogenann-
ten freien Pistolen), das auf 50 m auf die internationale
10kreisige Pistolen-Ringscheibe (Abb. 32) vorgenommen
wird. Die näheren Schießregeln sind in den Sportordnungen
des Deutschen Schützenverbandes veröffentlicht. Diese kön-
nen von der Lehrmittelabteilung des Deutschen Schützen-
verbandes, Berlin-Halensee, Kurfürstendamm 152, bezogen
werden. Das gebrauchsmäßige Schießen ist im Teil VII der
Sportordnung, das Genauigkeitsschießen mit Scheibenpisto-
len in Teil VI der Sportordnung behandelt.
Auch die Deutsche Jägerschaft hat das Pistolenschießen in
das Programm ihrer Schießausbildung aufgenommen, da ja
die Pistole als Verteidigungswaffe gegen Wilddiebe unter
gewissen Verhältnissen in Frage kommt. Die Bedingungen
sind denen des früheren Kartells für Jagd- und Sportschießen
angeglichen, die ja auch der Deutsche Schützenverband für
das gebrauchsmäßige Pistolenschießen übernommen hat.
Die Entfernung ist aber auf 15 m verkleinert und als Scheibe
wird eine Wilddiebskniescheibe, die in 10 Zonen eingeteilt
ist, verwendet (Abb. 33). Es werden gewöhnlich 5 Schuß in
M
10 Sekunden (einschließlich Ziehen und Schußfertigmachen)
geschossen, dann 5 Einzelschüsse in 3 Sekunden für jeden
Schuß und schließlich 10 Schuß „Fertigkeit", d. h. Pistole im
Futteral mit 1 Patrone im Magazin. Auf „Feuer" wird die
Abb. 33 Pistolenscheibe
der Deutschen Jägerschaft
Pistole gezogen, schußfertig gemacht und geschossen. 5 Se-
kunden nach Feuer wird „Halt" kommandiert.
Auch die Deutsche Jägerschaft läßt für ihre Schießen Waffen
für die Randfeuerpatrone .22 lang für Büchsen zu. Die
M
Firmen Carl Walther, Zella-Mehlis, und Erma, Erfurt, haben
für diese Schienen Spezialpistolen Kal. .22 mit einer Lauf-
länge von 10 cm (ohne Patronenlager), wie sie von der
Jägerschaft als hochstzulässige Lauflänge vorgeschrieben ist,
auf den Markt gebracht, die von den besten Schützen fast
ausschließlich verwendet werden.
Internationales Pistolenschießen
Die Internationale Schützen-Union pflegt das Pistolenschießen
1. als Genauigkeitsschießen mit freier Pistole auf die lOkrei-
sige Pistolenringscheibe (Abb. 32). Dabei sind von jedem
Schützen 6X10 Schuß stehend freihändig auf 50 m ab-
zugeben. 18 Probeschüsse, die entweder vor Beginn der
Kampfserien oder zwischen den Zehnerserien abgegeben
werden können, sind zugelassen.
2. Als Olympisches Schnellfeuerschießen auf Schattenriß-
scheiben (Abb. 34) auf 25 m. Sechs derartige Scheiben
stehen nebeneinander mit einem Abstand von 0,75 m
von Mitte zu Mitte. Der Schütze steht in der Bereitschafts-
stellung und geht auf Kommando bzw. bei Drehscheiben
beim Erscheinen der Scheiben in Anschlag und gibt auf
jede Scheibe einen Schuß ab.
Schußzeiten und Scheiben haben auf der Hauptversamm-
lung der Internationalen Schützen-Union im Juli 1939 in
Luzern Änderungen erfahren. Die Scheibe (Abb. 34) hatte
ursprünglich eine Breite von 0,50 m. Diese Breite ist auf
0,45 m verringert. Außerdem ist, um das Stechen nicht
zu lange hinauszuziehen, in der Brust der Figur, 10 cm
unter dem Kopf beginnend, ein Rechteck von 15 cm
Breite und 25 cm Höhe eingezeichnet. Dieses Rechteck
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wird als „Mouche" bezeichnet. Die Schußreihen sind wie
folgt festgesetzt:
1 Reihe zu 6 Sekunden
3 Reihen ,, 4 ,,
5 „ „3
Bei gleicher Gesamttrefferzahl wird mit 3 Reihen zu 3 Sekun-
den gestochen. Dabei geht der Schütze, der die größere
Trefferzahl in der „Mouche" hat, vor.
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Wie jede Waffenübung erzieht das Pistolen-
schießen zu Selbstbeherrschung und Kaltblütig-
keit. Es erfordert in erhöhtem Maße Beherrschung
der Nerven und Schulung des Auges.
Das Gefühl, mit der Waffe auch einem körper-
lich überlegenen Gegner gewachsen zu sein,
verleiht dem Schützen Selbstvertrauen, das zu
besonderen Leistungen befähigt.
Dazu ist aber eine vollkommene Beherrschung
der Waffe nötig, die nur durch fleißiges üben
und Erwerbung gewisser theoretischer Vorkennt-
nisse zu erreichen ist.
Solche Vorkenntnisse sowie Hinweise für eine
zweckmäßige Ausbildung will die vorliegende
kleine Schrift dem Schützen und dem, der Schüt-
zen auszubilden hat, vermitteln. Daß sie in die-
sen Kreisen eine freundliche Aufnahme finden
möge, ist der Wunsch der Herausgeber.
wonen
H.
///.
HöheXBreifö
♦ f Sdiuß auf 20 m 3,7x6,Ocm
II. ! Schuf) auf 20 m 5,8x2,3 cm
IV.
Höhe X Breite
III. 8 Schuß auf 25 m 5,6x5,4 cm
IV. 8 Schuß auf 25 m 6,2x5,Ocm