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Author: Wolk-Gerche Angelika
Tags: kinderliteratur kultur spiele indianer indisches leben
ISBN: 978-3772517860
Year: 1999
Text
Angelika Wolk-Gerche
Die Indianer
Ihre Kultur spielend kennenlernen
Indianer» - welch ein Zauberwort für groß und
klein! Doch die romantischen Vorstellungen,
die wir aus Westernfilmen und Romanen ken-
nen, sind Darstellungen und Phantasien der
\\ Weißen. Auch wenn die ursprüngliche Kul-
tur der Indianer Nordamerikas durch die
«g? nach Westen vordringenden Europäer
‘'v praktisch zerstört wurde, ist ihre Kultur
nicht untergegangen. Die Indianer haben
»erlebt und sind sich heute ihres kulturellen
Erbes mehr denn je bewusst.
Mit ihrem Spiel- und Erlebnisbuch möchte Angelika Wolk-Gerche
Kindern und Jugendlichen die Kultur der Indianer möglichst
authentisch nahebringen. Über Spiele, handwerklich-künstlerisches
Arbeiten, Malen, Basteln und durch eine ganze Reihe von spannen-
den Geschichten führt sie die Leser an die Kultur der nordamerikani-
schen Indianer heran und räumt dabei vorhandene Klischees aus. Die
Vorschläge und Anregungen zum Spielen sind eingebettet in Infor-
mationen über den Alltag, das religiöse Empfinden, die Erziehung,
Feste, Jagd, Kunst und Spiele früher und
Angelika Wolk-Gerche, geboren 1951,
Dipl. Designerin. Studium an der Fach-
hochschule für Kunst und Design
Hannover. Anschließend Arbeit im Schul-
dienst im Fach Kunsterziehung. Danach freiberufliche
Tätigkeit als Textildesignerin und Malerin, daneben Leitung zahl-
reicher Mal- und Werkkurse. Das Interesse an anthroposophischen
und waldorfpädagogischen Fragen erwachte Mitte der siebziger
Jahre. Seitdem überwiegend als Autorin und Illustratorin tätig. Sie
lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Stuttgart.
«Was ist Leben?
Es ist das Blinken eines Leuchtkäfers in der
Nacht.
Es ist der Atem des Büffels im Winter.
Es ist der kleine Schatten, der über das Gras
läuft und sich im Sonnenuntergang verliert.»
Worte des Blackfoot-Kriegers Croufoot
Einführung
Indianer - welch ein Zauberwort für Groß und Klein!
Die Weite der Prärie, ein freies, ungebundenes Leben
im Einklang mit der Natur, im Tipi wohnen, Abende am
Lagerfeuer - all diese romantischen Vorstellungen ver-
binden wir Europäer mit dem Wort «Indianer».
Aus Westemfilmen und Romanen kennen wir Indianer
entweder als «edle Wilde», stereotype Idealbilder ei-
ner untergegangenen Welt, oder als unberechenbare
Skalpjäger, die johlend um den Marterpfahl herumtan-
zen. Es sind Darstellungen und Phantasien von Wei-
ßen. Solche Klischees bergen immer Gefahren in sich.
Eine falsche Sicht der Vergangenheit führt zu Fehlein-
schätzungen der Gegenwart. Fehleinschätzungen kön-
nen eine ganze Reihe weitere, negative Faktoren nach
sich ziehen: Vorurteile, Arroganz. Ignoranz, Gleichgül-
tigkeit etc.
Die Indianer Nordamerikas sind zum Glück nicht un-
tergegangen, obwohl die europäischen Eroberer
nichts unversucht ließen, ihre Kultur für immer zu zer-
stören. Sie haben überlebt und sie sind sich ihrer Her
kunft und ihres besonderen kulturellen Erbes heute
mehr denn je bewusst. Doch sie leiden im «weißen»
.Amerika und Kanada unter den oben aufgezählten ne-
gativen Faktoren. Ihr Kampf um ein selbstbestimmtes
Leben hält bis heute an, seit dem Zeitpunkt als vor
mehr als 500 Jahren Kolumbus in .Amerika landete.
So wenig man von den Europäern oder den Weißen
reden kann ohne zu differenzieren, so verfehlt ist es
auch, von den Indianern oder der Kultur der Indianer
zu sprechen. Die indianischen Stämme bzw. Nationen
sind so verschieden wie beispielsweise Finnen und
Griechen oder Isländer und Kroaten. Bei aller Gegen-
sätzlichkeit ist allen Ureinwohnern aber eines gemein-
sam: Sie trennen sich und ihre Existenz nicht ab von
der übrigen Schöpfung wie die Weißen es oft tun. son-
dern fühlen sich innig mit ihr verbunden. Ihre Kirchen
sind die Wälder, die Berge, die Flüsse, die Winde, das
Himmelszelt und das Meer. Das ist das Erbe ihrer alten
Kultur mit ihrer intuitiven, spirituellen Kraft.
Das Wort «Indianer» muss nichts von seiner Faszinati-
on verlieren, es erscheint nur in einem anderen, klare-
ren Licht, und der Blick wird frei auf bisher nicht
Währgenommenes, wenn wir unser verschobenes Bild
etwas zurechtrücken. Sich mit indianischer Kulntr zu
befassen muss heißen, ihr mit Liebe und besonderem
Respekt zu begegnen. Dazu gehört auch, nicht die Au-
gen zu verschließen vor der problematischen Situati-
on, in der die meisten der Ureinwohner .Amerikas heu-
te leben müssen.
Wissenschaftler sind sich heute sicher, dass auch die
Indianer einst Einwanderer waren. Bisher stießen Ar-
chäologen auf kein einziges Fundstück, das aus der
Zeit vor den Einwanderungswellen stammt. Vor 40 000
- 50 000 Jahren waren noch große Teile Nordameri-
kas von riesigen Eismassen bedeckt. Der Meeresspie-
gel stand tiefer, so dass eine Landbriicke zwischen dem
asiatischen und amerikanischen Kontinent freilag, zwi-
schen .Alaska und Sibirien. Hier beträgt der Abstand
auch heute nur 85 Kilometer. Die «ersten Indianer»
kamen in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler
über diese Beringbrücke und breiteten sich im Laufe
der Jahrtausende fast über den gesamten Kontinent
aus.
Zu diesem Buch
Kinder über Spielen, handwerklich-künstlerisches Ar-
beiten, Malen, Basteln und Geschichten an eine andere
Kultur, in diesem Fall an die Kultur der Indianer Nord-
amerikas heranzuführen, und dabei gleichzeitig evtl,
vorhandene Klischees auszuräumen, ist das Anliegen
dieses Buches. Die Vorschläge und Anregungen sind
eingebettet in Informationen über den Alltag, das reli-
giöse Empfinden, die Kindererziehung, Feste, Jagd.
Kunst und Spiele der Ureinwohner früher und heute.
Vieles ist so angelegt, dass unsere Kinder das Erfahrene
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mit ihrem eigenen Alltag verbinden können. Wir als
Eltern, Großeltern, Lehrer, Paten, Erzieher usw. dürfen
sie dabei begleiten und unterstützen. Manche der Din-
ge können schon Vorschulkinder herstellen, andere
erfordern ein wenig handwerkliche Erfahrung, dann
sollten die «Großen» den «Kleinen» helfen. So weit es
möglich ist und gewünscht wird, sollten die Küider
authentische Materiahen in die Hände bekommen:
Federn, Holz, Leder. Glasperlen usw.
Die Anleitungen sind als Vorschläge zu betrachten, an
die man sich je nach Wunsch und Geschicklichkeit
mehr oder weniger halten kann. Vieles lässt sich ab-
wandeln, vereinfachen oder auch ausbauen.
Im Folgenden werden drei ganz unterschiedliche
nordamerikanische Gesellschaften vorgestellt. Sie ste-
hen stellvertretend für die große Vielfalt indianischen
Lebens:
die Weiten der Prärie, immer den Bisonherden auf der
Spur, von denen sie abhingen. Es waren freiheitslie-
bende, großzügige Menschen und Individualisten. Be-
rühmt sind ihre wunderschönen, perlenbestickten Le-
derkleider, das Werk kunstfertiger Frauen und die ein-
fachen aber gut durchdachten Lederzelte, die «Tipis».
Im trockenen Südwesten Nordamerikas schließlich
begegnen uns die Pueblo-Indianer. Ihre kastenförmi-
gen Lehmhäuser kleben an- und übereinander, daran
erkennt man ihre lange Sesshaftigkeit und den engen
Zusammenhalt der Gemeinschaften. Die Pueblo-India-
ner waren und sind nicht nur erfolgreiche Feldbauern,
sondern auch begabte Töpfer. Ihrer Mythologie zufolge
stiegen sie einst aus der Unterwelt hinauf in das helle
Land der Mesas und der roten Tafelberge, das seitdem
ihre Heimat ist.
Am Ende des Buches kommen Indianer von heute zu
Won.
Die Völker der Nordwestkiiste, die sich in einer hierar-
chisch gegliederten Klassengesellschaft organisiert
hatten, gehörten zu den wohlhabendsten unter den Ur-
einwohnern Sie lebten hauptsächlich vom Fischfang
und dem Reichtum ihrer Zedernwälder. Die Nordwest-
küsten-lndianer wohnten in festen Dorfgemeinschaf-
ten. Ihre hochentw ickelte Kunst, besonders die Relief-
schnitzerei, Lst einzigartig auf der Wrelt.
«Es sind schon wunderliche Menschen.
Sie haben den Tag in Stunden unterteilt,
wie die Monde das Jahr.
Sie messen wirklich alles.»
Charles A. Eastman, Sioux, (1902) über die Weißen
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Die bekannteste Indianer-Nation, die Bisonjäger der
Prärien und Plains, gelten als die Indianer schlechthin.
Tatsächlich existierte ihre Kultur in der Form wie wir
sie kennen, bzw. zu kennen glauben, nur rund 150
Jahre Die Prärie- und Plains-Indianer waren Noma-
den Ganze Dörfer zogen mit «Sack und Pack» durch
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Die Nordwestküsten-Indianer
Zedern. Lachs und große Feste
Die Nordwestküsten-Indianer hatten das Glück, nicht
in dem Maße wie siele andere indigene Gruppen von
den europäischen Kolonialherren aus ihren Luide ver-
trieben zu werden, obwohl sie in einer von der Natur
begünstigten Landschaft lebten. Diese erstreckt sich
über einen relativ schmalen, von zahlreichen Fjorden,
Schären und Buchten eingeschnittenen Küstenstreifen.
Er reicht von Südostalaska bis hinunter zum Columbia
River, dem Grenzfluss zwischen den Bundesstaaten
Washington und Oregon. Viele verschiedene Völker
mit unterschiedlichen Sprachen und Dialekten leben
hier. Die wichtigsten bzw. größten Gruppen, zu denen
wiederum zahlreiche Untergruppen gehören, heißen:
Tlingit, Tsimshian, Haida. Bella Coola, Kwakiud, Nuu-
chah-nulth. Quileute und Coast-Salish.
Der warme Pazifikstrom. Kuroshio genannt, bringt ein
mildes, feuchtes Klima hervor, eine ideale Vorausset-
zung für üppige Wälder und reichhaltige Fischgründe
In regelmäßigen Abständen kommen große Lachs-
schwärme zum Ablaichen in die Küstengewässer. Die
Ureinwohner entwickelten ausgeklügelte Fischfangme-
thoden. Sie verstanden es, die delikaten Geschenke der
Natur durch Räuchern, lufttrocknen und Einlegen
nicht nur zu konservieren, sondern auch in kulinari-
sche Köstlichkeiten zu verwandeln. Aus dem begehr-
ten. aalförmigen Candlefish gewann man z.B. durch
Auspressen ein vitaminreiches, antibiotisches Öl. und
der reichlich vorhandene Seetang ergab eine jodreiche
Beilage. Berge von Muschelschalen findet man noch
heute dort, wo einmal die alten Dörfer lagen. «A Taste
of Grcase», ein intensiver Fischölduft, hing in der Luft
und verriet die Existenz eines Dorfes, lange bevor man
es erblicken konnte. Doch nicht nur das Meer hielt
reiche Gaben für die Menschen bereit. In den dichten
alten Wäldern, die bis zum unwegsamen Bergland hin-
aufreichten, lebten Elche. Bären. Bergziegen, Rehe
und anderes jagdbares Wild, das Fleisch und Felle
lieferte. Die Walder waren zudem reich an Beeren,
Pilzen, Nüssen. Kräutern, Holzäpfeln u.v.m. Gern sam-
melte man die Innenrinde von bestimmten Nadel-
Oben: Westküste von Vancouver-Island, dem Gebiet
der Kwakiutl.
I nten: Zedern im primären Regenwald auf Van-
couver-Island.
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bäumen. Sie wurde geröstet und als knusprige, süßli-
che Beilage zu Beeren gegessen und half sogar auch
gegen Halsweh. Das Holz der Zedem aber war und ist
bis heute von herausragender wirtschaftlicher Bedeu-
tung. Da es relativ gut zu bearbeiten ist und ihm Feuch-
tigkeit weniger anhaben kann als anderen Holzarten,
eignet es sich besonders zum Bau von Kanus. Aus der
faserigen Rinde und den Wurzeln stellten die Urein-
wohner Matten, Hüte und andere Dinge für den tagh-
ellen Gebrauch her. Ihre geräumigen Planken- oder
Langhäuser bauten sie ebenfalls aus Zedemholzbret-
tern. Sie hatten ein Verfahren entwickelt, ebenmäßige
Bretter vom lebenden Baum abzuspalten.
Durch die günstigen Lebensumstände blieb den Men-
schen Kraft und Zeit übrig für ein eindrucksvolles kul-
turelles Leben, prachtvolle Feste und künstlerisches
Schaffen.
Adlige. Künstler und Sklaven
Die gesellschaftliche und familiäre Struktur der l rein-
wohner war und ist äußerst komplex und kann hier
nur ganz oberflächlich beschrieben werden. Es war
eine Klassengesellschaft wie wir sie so bei anderen in-
digenen Völkern nicht finden. In den meisten Gruppen
waren alle männlichen Mitglieder über die Mutterlinie
miteinander verwandt. So kam es. dass z.B. der älteste
Onkel mütterlicherseits größeren Einfluss auf die Kin-
der ausübte als deren leiblicher Vater. Mehrere dieser
Linien bildeten einen Klan. Innerhalb dieser Gemein-
schaften gab es genau festgelegte Hierarchien und Auf-
gabenverteilungen. Die Gesellschaft setzte sich zusam-
men aus dem priviligierten Adel, normalen Stanunes-
mitgliedem, die Krieger und Handwerker waren, und
angesehenen Künstlern, meistens Holzschnitzern. Am
Ende standen eine arme Unterschicht und Sklaven. Sie
hatten schlechte Lebensbedingungen und damit auch
nur eine geringe Lebenserwartung. Die meisten Skla-
ven waren bei Überfällen auf benachbarte Dörfer ge-
fangen genommen w orden Oft stammten sie aus ange-
sehenen Familien. Ihre Versklavung brachte Schmach
über den gesamten Klan Die Krieger der Nordwestkü-
ste galten als kampferprobt und listenreich, sie sollten
weder Gnade noch Humor keimen. Äußerst gewalttäti-
ge Auseinandersetzungen zwischen benachbarten Dör-
fern und rivalisierenden Klans, einhergehend mit Plün-
derungen und Blutrache, waren keine Seltenheit.
Adler heiratet Wolf
Jeder Klan führte seine Herkunft auf die Begegnung mit
einem Tiergeist zurück. Diese Begegnung hatte einst in
mythischen Zeiten stattgefunden. Dabei waren die be-
sonderen. spirituellen Kräfte des Tiergeistes auf die
Gruppe übergegangen. Diese hatte damit das Recht er-
halten, das Abbild des Tiergeistes als Totem zu benut-
zen und ihn als «Spirit Helper», Geisthelfer, zu be-
trachten. Zu jedem Klan gehörte auch ein bestimmtes
Wappentier, das damit in Verbindung stand. Man kennt
bei den Tsimshian z. B. vier Hauptwappenliere: Adler,
Rabe, Wolf und Wal, denen jeweils drei weitere, rang-
niedrigere Wappentiere zugeordnet sind. Eheschlie-
ßungen finden nur zwischen unterschiedlichen «Wap-
pentieren- statt, nie würde z.B. eine «Adlerfrau» einen
«Adlermann» heiraten und umgekehrt.
Die bekannten, geschnitzten und bemalten Totempfäh-
le der Nordwestküsten-lndianer sind eigentlich Wap-
penpfähle. Sie waren als Zeichen der Klans weithin
sichtbar aufgestellt, meistens schauten sie aufs offene
Meer hinaus. Manche dieser baumartig aufragenden
Skulpturen bildeten den Mittelpfosten eines Planken-
hauses und hatten als Eingangsloch den geöffneten Ra-
chen oder Schnabel eines mythischen Tieres. Auch im
Inneren der Häuser waren teilweise solche Pfähle auf-
gestellt. Besonders geachteten Verstorbenen errichtete
man prachtvolle Gedenkpfähle. Oben waren oft Kästen
oder laden zum Aufnehmen der Asche des Verstorbe-
nen angebracht. Die Errichtung eines solchen Gedenk-
pfahles ging mit besonderen, festlichen Zeremonien
einher. Das Schnitzen und Bemalen all dieser Pfähle
Die vier Wappentiere sind: Adler, Rabe. Wal und
Wolf Rechts daneben zwei Totempfiihle moderner
indianischer Künstler im Stanley Park. Vancouver
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oblag Berufskünstlern, die ihre Aufträge sowie die In-
struktionen von den Klanchefs erhielten. Die Darstel-
lung von Wappen- und Totemtieren oder auch ganz
individueller Schutzgeister beschränkte sich jedoch
nicht nur auf die Pfähle. Man findet sie auch auf Kultge-
genständen, Rasseln, Masken, Kopfschmuck, Dingen
des täglichen Gebrauchs, wie Angelhaken. Schöpflöf-
feln. Ölschalen. Bentwoodkisten, Amuletten etc. Diese
Gegenstände waren aus unterschiedlichen Holzarten
geschnitzt und oft zusätzlich bemalt. Essgeschirr be-
stand aus Ahorn. Erle oder Birke, denn diese Hölzer
übertragen keinen Nachgeschmack auf die Speisen.
Abbilder der Totems und damit verbundene Masken-
tänze und Lieder waren geistiges Eigentum der Klans
und durften von keiner außerhalb des Klans stehenden
Person übernommen werden. Lieder konnten z.B. nur
durch Vererbung, Heirat, Kauf oder Schenkung ihre
Besitzer wechseln. Niemand wagte es daher, das Lied
eines anderen zu singen, denn das galt als Diebstahl’
An den Stufen zu einer Hochkultur
Die strenge soziale Gliederung der Nordwestküstenge-
sellschaften drückt sich auch in ihrer Kunst aus, be-
sonders in der Reliefschnitzerei, die oftmals noch be-
malt ist. Wir finden graphisch klare Aufteilungen der
Fläche, immer wiederkehrende, genau festgelegte Mo-
tive, die meisterhaft abstrahiert und reduziert sind. Es
sind Werke von expressiver Ausdruckskraft in einer
Ausgereiftheit, die auf eine lange Entwicklungsge-
schichte schließen lässt. Die Kunst der Nordwestküs-
ten-Indianer ist in ihrer Eigenständigkeit einzigartig
auf der Welt. Tatsächlich haben w ir es hier mit Gesell-
schaften zu tun. die an den Stufen zu einer Hochkultur
standen, bevor die englischen Kolonialherren diese
Entwicklung mit Nachdruck stoppten. Verheerend
wirkten sich auch die von europäischen Händlern ein-
geschleppten Krankheiten aus. gegen die die Urein-
wohner kaum Abwehrkräfte hatten. Vor allem Grippe-,
Pocken- und Masemepedemien rafften die Bevölke-
rung dahin und dezimierte sie teilweise bis auf 10%
ihrer ursprünglichen Zahl. Man kann sich vorstellen.
welche Erschütterungen das gesamte, komplizierte So-
zialgefüge durchzog, wenn geistige Führer, ganze
Klans, Künstler und Schamanen in kürzester Zeit ein-
fach wegstarben und ein Vakuum hinterließen. Zu all
dem zwangen die weißen Eroberer den ohnehin schon
geschwächten Ureinwohnern rigorose Gesetze auf, wo-
durch sie ihre Identität noch mehr verloren.
Die Gegenwart
Von 1867 bis 1951 war den Ureinwohnern das Selbst-
bestimmungsrecht von den kanadischen und amerika-
nischen Behörden aberkannt worden. Das schloss Ver-
bote mit ein, ihre traditionellen Zeremonien durchzu-
führen. Kunst- und Kultgegenslände, viele von hoher
Qualität und für die Indianer von großer Bedeutung,
wurden kurzerhand beschlagnahmt. Welch eine De-
mütigung für die einstmals so stolzen und unabhängi-
gen Gesellschaften! Dank ihrer gut ausgeprägten Sozi-
alordnung blieb ihr W iderstandsw ille jedoch ungebro-
chen. Sie kämpfen bis heute um das Recht, die natürli-
chen Ressourcen (Holz. Fisch etc.) ihres angestamm-
ten Lebensraumes zu nutzen. Erst 1990 kam es, nach
langem innenpolitischen Druck, zu Landrechtsver-
handlungen zwischen British Columbia und den india-
nischen Nationen. Diese Verhandlungen brachten vie-
len Indianern aber bis heute keine befriedigenden Er-
gebnisse. Allein das 6000 Menschen umfassende Volk
der Nishga halte bis heute von allen Ureinw ohnern den
größten Erfolg. Nach mehr als 100 Jahren Kampf und
zähen Verhandlungen um eigenes Land und ein selbst-
bestimmtes Leben unterzeichnete es 1997 einen Ver-
trag mit der kanadischen Regierung, der ilun die Ver-
fügungsgewalt über nahezu 2000 Quadratkilometer
Lind und weitreichende Selbstverwaltungsrechte si-
chert.
Der Hauptwiderstand gegen die Interessen der India-
ner kommt aus dem Lager der Wirtschaft. Man ist nicht
gewillt, ihnen Land zu überlassen, auf dem Boden-
schätze nachgewiesen wurden und das reich an wert-
vollen Hölzern ist. Kanada ist das größte Exportland
für Nadelholz. Zellstoff und Papier Dafür wurden und
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werden uralte indianische Regenwälder abgeholzt.
Diese Abholzung hat umweltgefährdende Ausmaße er-
reicht. Die Indianer sagen: «Seit Jahrtausenden haben
wir den natürlichen Reichtum an Holz, Pflanzen und
Meeresfrüchten verantwortlich genutzt. Wir haben we-
der Tiere ausgerottel noch die Wälder kahlgeschlagen.
Wir haben großen Respekt vor der Natur und wissen
besser mit ihr umzugehen als die Weißen. Deshalb
verlangen wir das uneingeschränkte Verfügungsrecht
über unsere alten Gebiete.» Das Volk der Nuu-cha-
nulth («.Alle Menschen, die entlang der Berge woh-
nen.») sind von den Abholzungsmaßnahmen am
stärksten betroffen. Sie sehen ihre Existenz untrennbar
mit dem Regenwald verbunden. Er ist für sie die Kirche
für ihre Gebete und ein Ort, an dem sie ihre geistigen
Verbindungen mit allen Lebewesen aufrecht erhalten
können.
Das Leben in den Reservationen ist problematisch.
Trotzdem ist eine Revitalisierung der indianischen Kul-
tur zu beobachten und ein zunehmendes Selbstbe-
wusstsein wird sichtbar. Es gibt wieder ein reichhalti-
ges Kunstschaffen an der .Nordwestküste. Malerei,
Bildhauerei, Musik. Tanz und Literatur sind heute ein
wichtiges Mittel, um das Gefühl indianischer Zusam-
mengehörigkeit auszudrücken. Viele Künstler mussten
sich, weil die alten Lehrer fehlten, ihr Handwerk auto-
didaktisch aneignen. Um die Kunstschätze ihres eige-
nen Volkes studieren zu können, besuchten sie Muse-
en und bereisten andere Länder, denn die wertvollen
Objekte sind fast über die ganze Welt verteilt. Ihre Fer-
tigkeiten und ihr Wissen gaben sie an begabte junge
Menschen weiter. Heute studieren die talentierten jun-
gen Indianer an ganz normalen, »weißen» Kunstaka-
demien, aber sie schöpfen darüberhinaus aus einem
reichen, kulturellen Fundus, was ihre Werke einzigar-
tig und modern macht.
«So kann doch wiedergeboren werden, was noch im
Herzen bewahrt worden ist.»
Dr. Winkler, aus: Flensburger Hefte Nr. $7, Seite 116
«Das Land weiß es.
Wenn du ihm Schlechtes antust, weiß es das ganze
Land. Es versteht, was mit ihm geschieht.•
Worte eines Ureinwohners aus Zentral-Alaska
Kleine Malschule - frei nach dem Stil
der .Nordwestküsten-Indianer
Die Malerei und Reliefschnitzerei der Nordwestküsten-
indianer sind von schlichter Schönheit. Auffallend ist
eine Umrisslinienstruktur aus verschieden dicken Lini-
en, die sanft und rund auseinandergehen und harmo-
nisch wieder zusammenfließen. Diese Umrisse schlie-
ßen andere Formen in verschiedenen Größen ein oder
verbinden sie miteinander Traditionelle Künstler
bedienen sich nur einer beschränkten Anzahl von
standarisierten Gestaltungselemenien (Ovale, S-Linien,
U-Formen). Oft wirken die Kompositionen schablo-
nenhaft, wichüg Lst die Ausnutzung der gesamten Bild-
fläche sowie eine gewisse Symmetrie. Originell ist der
sogenannte «Röntgenstil». Dabei schaut man gewisser-
maßen in das Innere z.B. der dargestellten Tierfigur
lünein und entdeckt abstrahierte Organformen. Kno-
chen und Gelenke. Moderne indianische Künstler ver-
wenden zwar immer noch die überlieferten Stilele-
mente, setzen diese aber viel freier und kühner ein und
fügen andere, eigene, hinzu, um das auszudrücken,
was sie heute bewegt.
Die häufigsten Formen smd:
das Oval oder Ovoid (Augen, Füllelemente, «Gefäß»
für andere Formen, Gelenke). Je nach Bedarf kann es
in die Länge gezogen, zusammengedrückt oder auch
eingebuchtet werden, um einer weiteren, kleineren
Form Platz zu geben. Mehrere, verschieden große
Ovoide liegen ineinander, wobei ihre Linien verschie-
den dick gemalt werden.
Die Schenkel der U-Formen verjüngen sich zu den En-
den hin und laufen dort oft in einer sanft nach außen
gebogenen Spitze aus. Im Mittelteil sind sie am dick-
sten. Mehrere U-Formen liegen ineinander geschach-
telt oder nebeneinander geschoben. Manche sind
breit, manche filigran dünn, andere gespalten. Dieses
Gestaltungselement wird meistens zur Darstellung von
Federn verwendet.
S-Formen oder -Linien werden sehr vielseitig einge-
setzt. Immer haben sie harmonische Schwünge mit
zwei allmählich spitz zulaufenden Enden. Manche zei-
gen in der Mitte Hohlräume, in die noch andere Ele-
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Grundformen
Hand
mente hineingesetzt werden können, andere liegen in
größerer Zahl parallel nebeneinander. Es gibt breite,
kurze und langgezogene, dünne S-Formen
Stellt ein Künstler der Nordwestküste z.B. ein Vogel-
bein oder eine Wolfskralle dar. bedient er sich der
oben beschriebenen und abgebildeten Formen auf
eine ganz bestimmte, festgelegte Art. Dort, wo wir viel-
leicht nur eine Menge dekorativer Ornamente sehen,
die alles mögliche bedeuten könnten, erkennt das ge-
übte Auge anhand der Behandlung und Anordnung der
.Stilelemente z.B. Frosch. Raubwal oder Tintenfisch.
Wenn es die Fläche verlangt, etwa die vorgegebene
Form einer zu bemalenen Bentbox, wird die Darstel-
lung auseinander gezogen oder komprimiert, so dass
die ganze Fläche zwar ausgefüllt, die Proportionen
aber verzerrt sind.
Es macht sehr viel Freude, nach Art der Nordwest-
küsten-lndianer zu malen, aber es ist gar nicht so
einfach, man muss sich erst hineinfinden. Dabei soll-
te nicht peinlich genaues Kopieren nach Abbildungen
oder Museumsstücken im Vordergrund stehen, son-
dern vielmehr der spielerische, individuelle Umgang
mit den Gestaltungselementen. Als Anregungen und
Vorschläge sind die im folgenden vorgestellten Dinge
gedacht: Wappenpfahl. Strohhüte, bemalter Kasten
etc. Bei manchen halten wir uns etwas enger an histo-
rische Vorlagen, bei anderen entfaltet sich mehr un-
sere eigene Phantasie. Beim Malen bekommen wir
einen Eindruck von der Kunstfertigkeit der Norwest-
küsten-Indianer und ihrem sicheren Gefühl für Har-
monie - und vielleicht auch eine Ahnung davon, wie
sie das Leben betrachten.
Der Rabe als «Trickstet»
In den Mythen der Nordwestküslen-Indianer spielt der
Rabe eine besondere Rolle. Er wird als listenreich, ver-
schlagen und selbstsüchtig beschrieben. Darüber hin-
aus verfugt er über mythische Kräfte und Intelligenz.
Man bezeichnet ihn als amoralisch. Weil er sich selbst
-auch oft in schwierige Situationen bringt, schmunzelt
man über ihn, respektiert ihn aber gleichzeitig. W ie der
Coyote der Prärie- und Plains-Indianer gehört der Rabe
der Nordwestküstenvölker zu jenen ambivalenten,
schillernden Göttern und Geistern in Tiergestalt, die
man als «Trickster» bezeichnet. Sie können den Men-
schen einerseits Jagdglück. Gesundheit und W ohlstand
bringen, andererseits aber die Weltordnung in ihrer töl-
pelhaften Art gehörig auf den Kopf stellen. Dadurch bre-
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Der Rabe und die ersten Menschen. Holzplastik des
indianischen Künstlers Bill Reid. Vancouver.
Typische Langhäuser im Museum of Anthropology.
Vancouver. nachgebaut von Bill Reid.
chen sie aber auch Erstarrtes immer wieder auf. so dass
sich neue Perspektiven auftun. Die Geschichten, die
man sich vom Raben Yel erzählt, variieren von Stamm zu
Stamm ein wenig, hier ist eine von ihnen:
Rabe Yel und die ersten Menschen
Eine Schöpfungsgeschichte
Der Rabe Yel trieb sich einmal gelangweilt am Strand
hemm. Plötzlich entdeckte er eine Muschel, in der
sich etwas bewegte und aus der krächzende Laute
drangen. Neugierig ging er näher und spähte in den
Spalt zwischen den Muschelhälften. Da sah er merk-
würdige, blasse, nackte Gestalten eng aneinander ge-
schmiegt. Sie hatten runde, schnabellose Köpfe und
lange schwarze Haare. Anstelle von Flügeln hingen
dünne, ungelenke Gliedmaßen seitlich an ihren Kör-
pern. Es waren äußerst schreckhafte, scheue Geschöp-
fe. Trotzdem gelang es dem Raben Yel, sie mit schmei-
chelnder Stimme alle aus der Muschel herauszu-
locken. Er war sehr erfreut über seine neuen, zwei-
beinigen Spielgefährten und zeigte ihnen die Welt Mit
der Zeit brachte er ihnen alles bei, was sie als
lebenstüchtige Menschen wissen mussten.
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Große Häuser aus Zedernholz
Die Häuser der Nordweslküsten-lndianer wurden aus
Zedemholzbrettem gebaut Ihre Form variierte von
Gegend zu Gegend ein wenig. Die meisten hatten ein
Giebeldach und einen rechteckigen Grundriss. Das
Aufrichten der vielen Stützpfeiler, der riesigen Haus-
pfosten und das Plazieren der Dachbalken geschah mit
Hilfe von Seilen. Hier waren Spezialisten gefragt und
daher lag der Hausbau in Händen von ausgebildeten
Zimmerleuten. Die Gebäude waren sehr geräumig, mit
einer Wohnfläche zwischen 60-300 qm. Vor den Häu-
sern standen die bekannten, geschnitzten Wappen-
pfähle als Wahrzeichen der einzelnen Klans Manchmal
waren die Frontwände der Häuser bemalt, auch das
Innere schmückten Wandmalereien und Wäppen-
oder Totempfahle. In einem Großhaus lebten mehrere
Familien eines Klans zusammen. Jede Familie bewohn-
te einen bestimmten, ihrem Rang entsprechenden Be-
reich des Hauses Die einzelnen Wohnparzellen teilte
man mit Zedembastmatten. die häufig sehr schön be-
malt waren, ab. Bei den Coast-Salish im Süden hatte
jede Familie ihr eigenes Feuer, in den Häusern der
Nuu-chah-nulth dagegen, brannte ein zentrales Feuer
in einer rechteckigen Vertiefung in der Mitte des Hau-
ses. Der Rauch zog durch das Dach ab, das man öffnen
und schließen konnte. Die Nordvvestküsten-Indianer
lebten im Sommer und im Winter in verschiedenen
Dörfern. Die Sommersiedlung lag nahe am offenen
Meer oder an den fischreichen Flüssen. Die Winterdör-
fer befanden sich in geschützten Buchten, oberhalb
der Hochwassermarke, denn in dieser Jahreszeit wa-
ren schwere Stürme, die das Meer aufpeitschten, nicht
selten. Alle Häuser standen dicht nebeneinander in ei-
ner Reihe, die Giebelfronten schauten -alle zum Meer
hin.
•Rohbau • aus Kartons
Spiel haus mit Wappenpfahl
Material:
Ein großer Pappkarton (Hauskorpus),
mehrere große Kartonplatten (zerlegte Kartons für das
Dach und die Hügel des Donnervogels),
mehrere verschiedene kleinere Kartons (kommen
übereinander und bilden den Wappenpfahl), darunter
ein besonders stabiler Kanon (z. B. Obstkarton. vom
laden um die Ecke, als Eingang). Sehr große Kartons
bekommt man im Möbelmarkt und an Wertstoff-Sam-
melstellen.
Rauhfasertapete, eine Rolle Packpapier,
Tapeten kleister
Alleskleber, Paketklebeband. Paketschnur
Cuner, z.B. Teppichschneidemesser, Schere
Bastel- oder Abtönfarben,
Pinsel in verschiedenen Stärken
Evtl, zw ei Tischtennisbälle als Augen des Donnervogels
20
Die einzelnen Teile des auseinandernehmbaren Hauses u erden mit Bindfaden aneinandergeknüpft.
Den großen Karton, aus dem das Haus entstehen soll,
ganz mit Rauhfasertapete beziehen, auch die Deckel,
die später Giebel und Dachunterbau bilden (siehe .Ab-
bildung «Rohbau»). Die Tapete ergibt einen guten
Maluntergrund, gleicht Inebenheiten aus und erhöht
die Stabilität. Nach dem Trocknen des Tapetenkleisters
den Eingang in das Haus schneiden. Er sollte so groß
sein, dass ein Schulkind gerade noch hinein krabbeln
kann. Der Eingang wird in die Mitte der Breitseite des
Kartons geschnitten, am besten mit einem kräftigen
Cutter. Die kleineren Kartons und Schachteln für den
Wappenpfahl probeweise aufeinander stellen, der
Pfahl soll das Haus später deutlich überragen (Abb.),
[bann ebenfalls jeden einzelnen Karton sorgfältig mit
Tapete überziehen. Der untere Karton, in den der Ein-
gang geschnitten wird, muss besonders stabile Seiten-
wände haben, denn er trägt ja die ganze Last des Pfah-
les. Die Größe dieses Eingangs entspricht der des Ein-
schnitts am Hauskorpus. Wer als Krönung einen mäch-
tigen Donnervogel oben aufsetzen will, schneidet zwei
große Flügel aus Kanon aus und beklebt sie ebenfalls
mit Rauhfasertapete Die einzelnen Schachteln des
Wappenpfahlswerden nun noch nicht miteinander ver-
bunden, sondern erst einmal bemalt. Das kann eine
schöne Gemeinschaftsarbeit sein. Man sollte sich aber
vorher einigen und in Grundzügen festlegen, wie die
ganze Gestaltung aussehen soll. Dazu zwei Tips:
Die Malereien sollten von Kasten zu Kasten aneinander
anschließen, damit der Pfahl «aus einem Guss» ist.
Also die Übergangspunkte anzeichnen und z. B. die
l’mrisslinien der Figur des oberen Kastens mit denen
des unteren Kastens verbinden oder die Krallen des
Donnenogels bis in den darunter liegenden Karton
weiter malen Die Kartons während der Malarbcit im-
mer wieder einmal miteinander vergleichen.
Die Bemalung sollte einigermaßen symmetrisch wer-
den, also zur Orientierung eine senkrecht verlaufende,
durchgehende Mittellinie auf alle Schachteln zeichnen.
21
Das fertige Plankenbaiis wird eingeueibt.
Donnervogel
Der Körper wird über Eck aufgestellt, so erhält der
Donnervogel eine schöne, plastische Brustform (siehe
Foto). In die beiden seitlichen Kanten werden senk-
rechte Schlitze geschnitten, zum Hineinkleben der Hü-
gel. Die Flügel so lang bemessen, dass noch ein Stück
von mindestens 10 cm in den Körper hineinragt. Die-
ses Stück über die ganze Länge einschneiden und ent-
gegengesetzt knicken. Die beiden so entstandenen La-
schen nun in die Schlitze schieben und innen, jede an
eine andere Seite des «Brustkastens» kleben (Alleskle-
ber und zusätzlich Klebeband) Man arbeitet von oben
durch den noch offenen Karton, zum Schluss den Dek-
kel zukleben und schwarz anmalen. Hier wird dann
später der ferüge Kopf aufgesetzt, ebenfalls über Eck.
Den Schnabel aus zwei Pappteilen ausschneiden, mit
Tapete überziehen, dann von außen an den «Koplka-
sten» kleben. Dort, wo die Augen sein sollen, schnei-
det man mit dem Cutter je ein Kreuz in den Karton,
drückt und klebt die Tischtennisbälle etwa bis zur Hälf-
te hinein. Dann erst wird der Kopf bemalt. Ganz oben
sitzen noch zwei kleine bunte Schachteln. Achtung!
Kopf. Brust und Flügel fertig bemalen, dann erst zu-
sammenselzen.
Anmerkung:
Der Donnervogel ist em mächtiges, übernatürliches
Wesen, Herrscher über Donner und Blitz.
Das Haus selber haben wir rundherum mit einem
Holzplankenmuster bemalt, damit es an Zedernholz-
bretter erinnert. Die Klappen des Kartons, die Giebel
und L nterbau des Daches bilden, werden durchbohrt,
damit man sie hochklappen und mit Paketschnur an-
einander binden kann. Später kann man die Schnur
dann wieder aufknüpfen und die Dachteile zusammen
klappen. Das eigentliche Dach wird nur aufgelegt und
mit Paketschnur an die Giebel und die Seiten des Hau-
ses gebunden. Es ist mit Packpapier beklebt und eben-
falls mit einem Holzplankenmuster bemalt. Oben, in
die Mitte, haben wir ein Rauchloch geschnitten und die
Ränder schwarz bemalt, das soll Ruß von der «Feuer-
stelle» im Hausinneren darslellen. Der ganze, fertige
Wappenpfahl wird wiederum mit Hilfe von Paket-
schnur an den Hauskorpus gebunden. Er besieht aus
zwei Teilen, die auch nur aneinander geknüpft werden.
Die anderen Schachteln sind aneinander geklebt. Wie
man auf den Fotos sieht, kann das ganze «Gebäude»
zerlegt und das Dach zusammengeklappt werden, da-
mit es sich besser transportieren und verstauen lässt.
Kopfschmuck des Häuptlings
Die Häuptlingstanzhaube war (und ist) eines der drei
Insignien, die zur Ausstattung eines Würdenträgers der
Nordwestküste gehörten. Die anderen beiden wichti-
gen Gegenstände waren eine kostbare Schulterdecke
und eine kunstvoll geschnitzte Rassel.
Die Stirnseite der Haube bildete eine geschnitzte und
bemalte Hartholzmaske. Meistens stellte sie ein Tier
dar, das mit der Ahnenkultur des Häuptlings in Bezie-
hung stand. Manche der Masken schmückten Einlege-
arbeiten aus Abalonemuscheln (Augen. Zähne). So
glänzte und schimmerte der Kopfschmuck im Feuer-
schein. Rund um die Haube hingen Streifen von Her-
melinfellen herab, und oben, als Krönung, befanden
sich aufrecht stehende Seelöwenbarthaare. In diese
Barthaare legte man locker Schwanen- oder Adlerdau-
nen hinein. Wenn der Häuptling tanzte, wirbelten die
Daunen aus seinem Kopfschmuck heraus tmd schweb-
ten um ihn herum und durch den Raum Dann hatte
man den Eindruck, als würde ihn etwas Lbematürii-
ches umgeben. Daunen galten außerdem als ein Frie-
denssymbol.
23
Tanzhaube
Material:
2 Kartonstreifen, 12 cm breit, die Länge richtet sich
nach dem Kopfumfang, bitte knapp ausmessen! (Oder
nur 1 Kartonstreifen und 1 Filzstreifen mit gleichen
Maßen)
Bastelfarbe, Pinsel, Alleskleber
Peddigrohr oder dünne, gerade Zweige (Seelöwen-
barthaare) , etwa 30 Stück, je 30 cm lang
etwas Fell oder Holzwolle
Stoffbänder oder dicke Wollfäden (Behang rund um
die Haube), je etwa 30 cm lang
Lederband oder Schnur, ca. 100 cm lang, zum Ver-
schließen und Regulieren der Weite am Hinterkopf.
Den Karlonstreifen, der die Außenseite bildet, bema-
len. Motive der Nordwestküste verw enden, auf Symme-
trie achten. Wenn die Malerei getrocknet ist, den Strei-
fen umdrehen und glatt hinlegen. Unten, an die Innen-
seite, von einem Ohr zum anderen, Gesichtsbereich
natürlich freilassen, die Stoflbänder oder Wöllfaden
(das sind unsere «Hennelinfelle») ankleben. Oben,
also gegenüber, die Zweige oder Peddigrohrabschnitte
ankleben. Nun den zweiten Kartonstreifen. der vorher
dick mit Klebstoff eingestrichen wurde, darüber legen.
Das Ganze beschweren und trocknen lassen. .Anstelle
des zweiten Kartonstreifens kann man auch Filz ver-
wenden (siehe Abb, rechts), der schmiegt sich besser
an als der starre Karton. Dann die Enden der Haube
mit je 2 Löchern versehen und die Lederschnur als
Verschluss durchziehen. (Rückseite siehe Abb. rechts)
(Iber der Stirn zum Schluss noch ein Fellstückchen
oder ein Büschel Holzwolle zwischen die «Seelöwen-
barthaare» aus Peddigrohr stecken oder leicht dage-
gen kleben.
Chef-Haube und Kassel. Insignien eines Würdenträgers
I erscbnürung an der Rückseite
24
Rassel
Für einen Schamanen oder Klanchef
Rasseln gelten bei den Ureinwohnern als Zeichen von
Macht und Würde. Sie werden von den Anführern zere-
monieller Versammlungen auch heute noch getragen.
Material:
Käseschachtel aus Span oder Karton (z.B. vom Ca-
membert) oder eine Spanschachtel aus dem Bastelge-
schäft als Klangkörper
Stück von einer Holzleiste oder Rundholz, ca. 20 cm
lang (Griff)
Holzleim oder Alleskleber
Bastelfarbe. Pinsel, evtl. Klarlack
Bast oder Holzwolle
Ein paar Maiskörner, Perlen oder ähnliches
Taschenmesser oder Cutter, Tacker
Einige Maiskörner oder/und Perlen in die Schachtel fül-
len, die Hälften zusammenleimen, damit sie sich nicht
mehr öffnen lässt. Nachdem der Klebstoff getrocknet ist,
in die Mitte einer Schmalseite mit dem scharfen Ta-
schenmesser oder Cutter vorsichtig ein Loch schneiden,
das dem Durchmesser oder der Größe des Griffes ent-
spricht. Die Öffnung zunächst sehr knapp schneiden
und vorsichtig so weil vergrößern, bis der Griff gut hin-
einpasst. Holzleiste (Griff) vorn an der Schnittkante mit
einem Tropfen Leim versehen und ganz in die Schachtel
hinein schieben bis sie an der gegenüberliegenden In-
nenseite klebt. Von außen eine Heftklammer dagegen
tackern, damit der Griff stabil bleibt. Auch um die Öff-
nung herum etwas Leim streichen. Wenn alles getrock-
net ist, wird die Schachtel mit einer Grundfarbe gestri-
chen. .Als nächstes überlegt man sich das Motiv. Es sollte
flächenfüllend sein und etwas typisches des Nordwest-
küstenstils darstellen. .Am besten macht man einige
Skizzen auf Papier und überträgt dann das endgültige
Motiv auf den Rasselkörper. Dann kann mit dem Atisma-
len begonnen werden. Es verlangt eine ruhige Hand und
einen dünnen Pinsel, die Nordwestküstenkünstler ar-
beiteten und arbeiten bis heute sehr exakt. Zum Schluss
die Rassel evtl, mit Klarlack überziehen. Um den Griff
hemm etwas Bast wickeln oder Holzwolle kleben, das
soll Zedernbast darstellen.
25
Der Potlach
(Potlach. sprich «Podätsch», heißt geben, schenken)
Die Potlachfeste der Ureinwohner der Nordwestküste
waren soziale, religiöse und auch politische Ereignis-
se, die in ihrer Kultur sehr fest verwurzelt waren. Sie
halten viele Funktionen, trat z. B. ein junger Häuptling
sein neues Amt an, veranstaltete er ein Geschenkvertei-
lungsfest, eben ein Potlach. Alle geladenen Gäste, zu
denen in erster Linie ranghohe Würdenträger anderer
Klans, aber auch Mitglieder der Unterschicht zählten,
erkannten dadurch, dass sie der Einladung gefolgt
waren und Geschenke annahmen, den neuen Häupt-
ling an. Der Potlach war so etwas wie eine öffentliche
Beglaubigung und Manifestierung von Rangpositionen.
Weitere Anlässe zum Feiern eines Potlaches waren u.a.
Namensgebung bei der Geburt eines Kindes der Ober-
schicht, Hochzeiten, Gedenken Verstorbener, oft in
Verbindung mit dem Aufstellen eines Erinnenmgs-
totempfahls, sowie Rückgewinnung von verlorenem
Prestige. Daneben diente das Fest auch zur Abwicklung
von Geschäften. Um ein Potlach veranstalten zu kön-
nen, mussten Unmengen von Nahrungsmitteln ange-
sammelt werden, denn das Fest konnte bis zu 10 Tage
dauern. Oft wurde sogar ein neues Haus aus Zedern-
holz gebaut. Hochrangige Gäste wohnten in dem
herausgeputzlen neuen Haus. Man sang ihnen Will-
kommenslieder und ließ als Friedenszeichen Adler-
daunen auf die Besucher herabschweben. Dann gab es
Begrüßungsreden, Danksagungen und Sympatiebe-
kundungen. Beim anschließenden Festmahl wurden
alle aufs Beste bewirtet. Darauf folgten eindrucksvolle,
vom Klanchef kommentierte Maskentänze, die die
Stammesiegenden der Gastgeber darstellten. In der
Mitte des Langhauses lagen die Geschenke, kostbare
Güter aus dem Stammesbesitz. Dazu zählten z.B kunst-
voll gewebte Decken und Umhänge, Pelze und Felle,
Schmuckstücke, prächtige Masken. Kanus. Kupferplat-
ten, verzierte Gebrauchsgegenstände und ganz früher
sogar Sklaven. Alle Gäste wurden, ihrem Ansehen ent-
sprechend, beschenkt So demonstrierte der Klan
seinen Reichtum und seine grenzenlose Großzügig-
keit. Man scheute keine Kosten, denn ein gelungener
Kleid der Chilkat, einer Untergruppe der Tlingit.
Gewebe aus Zedemrinden-Fasern und Bergziegen
wolle. Solche Kleider waren sehr kostbar.
Der Auftraggeber lieferte dem Weber auch den
Entwurf.
Potlach hob das Sozialpreslige ganz gewaltig. Die Gäste
ihrerseits sparten dann auch nicht mit Lob und An-
erkennung über das prachtvolle Fest. Danach war der
Klan nicht selten bankrott. Dieser Zustand währte je-
doch nicht lange, denn beim nächsten Potlach, zu dem
ein anderer Stamm einlud, wurde man ebenfalls über-
reich bewirtet und beschenkt. Die Klanchefs versuch-
ten sich bei den Potlaches gegenseitig zu übertrump-
fen. In ihrem Überfluss und prahlerischem Übermut
begannen sie. die wertvollen Güter «zu Eliten der
26
Gäste» zu zerstören oder ins Meer zu werfen. Den
kanadischen und amerikanischen Behörden waren die
Potlaches bald ein Dom im Auge, deshalb waren sie
jahrzehntelang verboten. Viele Indianer mussten sich
vor den Gerichten der Weißen verantworten, weil sie
dennoch, im Geheimen, ihre Feste gefeiert hatten.
Unzählige Potlachgüter von hohem Wert wurden
beschlagnahmt und über alle großen Völkerkunde-
museen der Welt verstreut. Die meisten Gegenstände
wurden zum Glück später wieder zurückgefiihrt und
sind nun in Museen an der Nordwestküste ausgestellt.
Heute werden wieder Potlaches gefeiert, wenn auch in
modernerer Form und mit bescheideneren Geschen-
ken.
Spielvorschlag «Potlach»
Dazu braucht man:
Das Plankenhaus mit dem Wappenpfahl,
für den Klanchef die Tanzhaube sowie eine Decke oder
ein Fell als Umhang,
Geschenke für die Gäste, z.B. etwas Essbares. Bücher,
die man schon gelesen hat. Spielzeug, das einen nicht
mehr interessiert, ein T-Shirt, aus dem man herausge-
wachsen ist, etwas Selbstgemachtes etc.
So könnte das Potlachspiel im Einzelnen ablaufen:
Ein Häuptling wird gewählt, z.B. von allen, die am Bau
des Plankenhauses beteiligt waren. Ein paar Tage
später lädt der Häuptling seine Gäste ein. Wer es ganz
förmlich» machen möchte und die Mühe nicht
scheut, stellt Einladungskarten her. Am Festtag emp-
fängt der Klanchef seine Gäste. Er sitzt würdevoll, an-
getan mit Chefhaube und U mhang vor seinem präch-
tigen Haus. Die Geschenke für die Gäste Legen im
Inneren des Hauses. Sind alle versammelt, begibt sich
der Klan-Chef ins Haus, ruft jeden Gast einzeln herein
und überreicht ihm sein Geschenk. Danach setzen sich
alle vor das Haus und schauen dem Häuptling zu, wie
er seinen - selbst ausgedachten - Häuptlingstanz vor-
führt und dazu sein - selbst ausgedachtes - Lied singt.
Klanchef und Gäste beim Potlachspie!
In dem Text z.B. lobt und begrüßt er seine Gäste,
erwähnt jeden Namen, vergisst auch das Scherzen und
das humorvollen Selbstlob nicht.
Marko, unser Klanchef auf den Abbildungen, hatte an
diesem Tag das Sagen. Er beschenkte seine Gäste mit
Brezeln und Äpfeln. Wer das Plankenhaus betreten
w ollte, musste erst den Klanchef fragen. Dieser durfte
auch bestimmen, welche Spiele man spielte. Marko
entschied sich für Ballspiele und das «Gedächtnistrai-
ning» mit den gelben Kieselsteinen, beschrieben auf
Seite 92.
Am Ende des Festes legt der Häuptling fest, wer beim
nächsten Potlach Chef oder Chefin sein darf. Das Pot-
lach kann man so oft spielen, bis jeder einmal an der
Reihe war. Da das Haus zum Auseinandernehmen ist.
kann man es auch transportieren, z.B. in den Garten
des neuen Häuptlings.
27
Maskentänze
Die Gemeinschaften der Nordwestküste lebten während
der heiligen Winterzeit, von November bis März, von
den eingelagerten Vorräten. W ichtige traditionelle, reli-
giöse Zeremonien beherrschten diese Jahreszeit. Es war
die Zeit der Schamanen und Geheimbünde. Sie waren
nicht idenüsch mit den Hierarchien im normalen sozia-
len Zusammenleben, sondern hatten ihre eigene Rang-
ordnung. Nur eingeweihte, auserwählte Tänzer durften
die beeindruckenden, oft riesigen Masken tragen, die
Totemtiere und verschiedene Schutzgeister aber auch
Dämonen darstellten. Es waren Aufführungen von gro-
ßer Dramatik und Theatralik. Sie erzählten Legenden
von der Erschaffung der Welt und stellten dar. wie sich in
mythischer Zeit die Begegnung zwischen den Menschen
und ihrem Totemtier abgespielt hatte. Die Tänzer stell-
ten so die Verbindung zwischen den Menschen und ih-
ren Schutzgeistern jeden Winter aufs Neue her und emp-
fingen frische Kräfte des Totems, also des Schulzgeistes,
für ihr Volk. Die Winterzeremonien fanden in den gro-
ßen Gemeinschaftshäusem des Winlerdorfes statt. Man
arbeitete mit allerhand Effekten, die die Zuschauer ver-
blüfften und mit Respekt erfüllten. Es gab versteckte Ver-
senkungen im Plankenboden, aus denen maskierte Ge-
stalten unvermittelt auftauchten, oder in die sie plötzlich
verschwanden. Manche Masken konnten in spannen-
den Momenten aufgeklappt werden, so dass ein zweites
Gesicht zum Vorschein kam. Eindrucksvoll und Furcht
einflößend zugleich muss es gewesen sein, wenn im
flackernden Feuerschein riesige, unheimliche Schatten
die Wände endangglitten oder Adler und Raiten durch
das Langhaus schwebten und hüpften. Mit bestimmten
Blasinstrumenten, Schwirrhölzem und Flöten erzeugte
man geheimnisvolle Laute von übernatürlichen Wesen
und Dämonen. Die Zeremonien dauerten fast die ganze
Nacht und die Zuschauer waren aufgewühlt und voller
Ehrfurcht.
Heute finden wieder Winterzeremonien mit Masken-
tänzen statt, nach dem sie, wie auch der Podach, lange
Zeit verboten waren. Die mythischen Dramen werden
mehr und mehr unter Wahrung traditioneller Regeln
aufgefiihrt und die Träger der Masken werden sorgfäl-
tig ausgewühlt.
Maske aus Papiermache
Im Leben der Nordwestküsten-Indianer hatten Masken
eine wichtige kulturelle Funktion. Es gab sie in vielge-
staltigen Formen, jede halte eine ganz spezielle Aufga-
be. Wir finden u.a. heraldische Figuren, die auch auf
den Wappenpfihlen zu sehen waren, z.B. Wal, Wolf,
Bär. Biber, häufig den Donnervogel und andere. Scha-
manen der Tlingit benötigten Masken zur Krankenhei-
lung. Diese Masken stellten Geister dar, Yeks genannt,
die aussahen wie wütende Männer, junge Frauen, alte
Häuptlinge, Dämonen mit Grimassen usw. Die Gesich-
ter konnten menschliche wie auch tierische Züge
gleichzeitig tragen. Alle Masken wurden, und werden
heute wieder, von begabten, ausgebildeten Holzschnit-
zern angefertigt.
Wir begnügen uns damit, Masken aus Papiermache
herzustellen, denn dazu braucht man kein besonderes
handw erkliches Geschick und das Material kostet fist
nichts. Das Ergebnis kann, wie das Beispiel zeigt, trotz-
dem sehr eindrucksvoll sein.
28
.Material:
Karton
Zeitungspapier
Leere Rollen von Toiletten-oder Küchenpapier
Tapetenkleister, breiten Borstenpinsel
Alleskleber. Klebefilm
Bastelfarben (Waco oder Deka), Pinsel in verschiede-
nen Stärken
Holzwolle oder Bast
Papiercutter oder Teppichschneidemesser
Aus dem Karton die ovale Grundform in der gewünsch-
ten Größe ausschneiden, fieber etwas größer als zu
klein. .An Slim und Kinn ca. 5 cm einschneiden. Die
Schnitte leicht übereinander kleben, so entsteht eine
sanfte Wölbung. Augenlöcher abmessen, anzeichnen
und ausschneiden, nicht zu groß! Von der Papprolle
zwei schmale Abschnitte abschneiden, Augenwinkel
kniffen und über die Augenlöcher kleben. Aus Zei-
tungspapier eine feste Rolle formen (Augenbrauen)
und mit .Alleskleber und Klebefilm über die Augen kle-
ben Einen größeren Abschnitt der Toilettenpapierrol-
le mit Zeitungspapier bewickeln, ausstopfen und als
Nase auf die Form kleben. Zwei Papierkugeln links
und rechts ankleben (Nasenflügel). Der Mund wird,
wie die Augenbrauen, aus zwei Zeitungspapierwürsten
(Ober- und Unterlippe) geformt und angeklebt. Links
und rechts große Ohren von hinten gegen die Maske
kleben. Dann wird alles mit Tapetenkleister dick ein-
gepinselt und mit Toilettenpapierstückchen beklebt.
Man klebt mindestens drei Lagen übereinander, auch
die Augen innen überziehen! .Anschließend das Ganze
gut durchtrocknen lassen, danach in einer Grundfarbe
anstreichen und nach Wunsch bemalen.
Cnsere Maske soll einen «Yek* (Geist) darstellen
Zum Schluss kann man noch Bast oder Holzwolle um
die Maske kleben und zwei Haltehänder anbringen.
Die Bänder müssen über den Ohren des Maskenträ-
gers verlaufen, sonst rutscht die Maske herunter.
Alle .Arbeitsschritte sind den Abbildungen zu entneh-
men.
Zähne und Zunge:
Bei der abgebildeten Maske wurde die Zahnleiste se-
parat aus einem Kartonstreifen ausgeschnitten, bemalt
und mit einem Papiercutter soweit eingeschnitten, bis
die Zunge hineinpasste - dann zwischen die fertig an-
gemalten Lippen geklebt.
Tip:
Solange die Pappzunge noch feucht ist von der roten
Farbe, biegt man sie in die gewünschte Form.
29
Sarah bemalt einen Strobbut frei nach dem Stil der Haida
30
Bemalte Hüte
Da« Kanu
Die Haida leben ungefähr in der Mitte des Nordwest-
küstenstreifens, auf den Queen Charlotte Islands und
den Prince of Wales Islands. Die Frauen der Haida
flochten kunstvolle, große Hüte aus Binsen oder Ze-
dembasl. Die Hüte hatten ein hohes, schmales Kopfteil
und eine sehr breite Krempe. Die Frauen bemalten sie
mit klaren, grafischen Mustern im bekannten Stil die-
ser Region, wir wollen das auch einmal versuchen.
Material:
Strohhut aus dem Kaufhaus
Bastelfarben, z. B. Deka oder Waco
Einen dünnen und einen dicken Pinsel
Das Muster mit Bleistift leicht auf dem Hut vorskizzie-
ren. dann sorgfältig farbig ausmalen. Nicht mehr als vier
Farben verwenden und auf fließende, schwane Umriss-
linien achten Ist der Hut etwas grober geflochten, geht
die Arbeit langsamer voran, weil alle Unebenheiten gut
mit Farbe ausgefiillt werden müssen. Schon ist ein unge-
wöhnlicher Sonnenhut für die Sommerferien fertig!
Die Nordwestküsten-Indianer bauten ihre Kanus aus
dem Holz der Roten Zeder. Es ließ sich gut bearbeiten
und spalten und war unempfindlich gegen Nässe. Sie
benötigten einen Stamm von etwa 2 m Durchmesser
mit einer Länge von 5-20m, je nachdem ob ein Fischer-
boot, ein Handels- oder Kriegskanu entstehen sollte.
Der Stamm wurde der länge nach halbiert und ergab
Material für zwei Kanus. Zuerst haute man die Rumpf-
außenseite mit dem Boden zu, und allmählich entstand
die charakteristische Bootsform. Danach drehten die
Handwerker den Stamm um und höhlten das Innere
aus. Diese .Vrbeit erforderte große Sorgfalt und Erfah-
rung, denn Wände und Boden brauchten bestimmte,
aber verschiedene Stärken. Nun war aus dem halbier-
ten Stamm ein Einbaum geworden, jedoch noch nicht
das typische Kanu der Nordwestküste! In die Aushöh-
lung füllte man Wasser, das zuvor mit heißen Steinen
erhitzt worden war. Zusätzlich entfachte man kleine
Feuerstellen rund um den Rumpf, damit sich das Holz
von außen zusätzlich erhitzte und weich wurde. Dann
31
konnte das Kanu geweitet werden. Zu diesem Zweck
fugte man dicke Streben in regelmäßigen Abständen
ein, die die weichen Bootswände auseinander drück-
ten und die später gleich als Sitzbretter dienten. Nun
fehlten noch Bug- und Heckaufbauten. Der Bootsbau-
er fertigte sie separat an, befestigte sie mit Holzdübeln
und nähte sie zusätzlich nut biegsamen Zweigen an den
Kanukörper. .Anschließend wurde das Kanu mit rauher
Haifischhaut und Sand ausgiebig geschliffen und po-
liert. Zum Schluss erhielt es die traditionelle Bema-
lung.
All diese Arbeiten führten die indianischen Handwer-
ker in voreuropäischer Zeil mit einfachen aber zweck-
mäßigen Werkzeugen aus. Hämmer, Meißel, Keile,
Äxte, Beitel etc. fertigten sie aus Stein, Muscheln. Hom
und Holz an.
Die Kinder der Nordwestküsten indianer spielten mit
kunstvoll bemalten, kleinen Kanus, in der .Art wie das
abgebildete, die sic von Verwandten geschenkt beka-
men.
Schnitzen eines ModelIkanus
Material und Werkzeug:
Linden- oder Pappelholz, 35-40 cm lang, 8 x 8 cm im
Querschnitt, oder entsprechendes Rundholz
3 oder 4 Leisten 80 x 10 x 2 mm
Hobel- bzw. Werkbank
2 Schnitzmesser, halbrund und flach mit Klöppel
Hobel und/oder grobe Raspel, Feile. Schleifklotz und
Schleifpapier. Farbe
Zunächst rundherum die Mittelachse des Kanus an-
zeichnen (Abb. a). Während des Bearbeitens immer
wieder auffrischen, damit sie nicht verloren geht. Bis
zum Schluss sollte sie an Bug, Heck und Boden sicht-
bar sein. Siehe Skizzen!
Die Außenkontur vorzeichnen und mit dem Hobel
(bzw. der Raspel) bearbeiten - Abb. b. Dabei die
Spitze an Bug und Heck noch nicht ausformen,
sondern einen etwa 1 cm breiten Streifen stehen las-
sen. Hier kann man das Werkstück gut einspannen.
Im nächsten Schritt wird die Rumpfunterseite bearbei-
tet - .Abb. c. Zur Orientierung: Auf etwa 5 cm Breite
(Bootsmitte) braucht der Boden nicht bearbeitet zu
werden. Dieser Teil bleibt eben.
Die Rumpfoberseite mit der Raspel oder dem flachen
Schnitzmesser bearbeiten - .Abb. d. In der Bootsnütte
ist die Seitenwandhöhe etw a 4 cm. Darauf achten, dass
der Verlauf zum Bug hin flacher, zum Heck hin steiler
ist.
Mit dem halbrunden Schnitzmesser nun die Vertiefung
ausarbeiten bis etwa noch 1 cm Boden stehen bleibt.
Vorne und hinten eine kleine Sitzbank herausarbeiten.
Die Seitenwände sollen etwa 5 mm stark bleiben. Ach-
tung! Immer auf die richtige Bearbeinmgsrichtung
achten! Abb. e
Nachdem die Bearbeitung der Innenkontur abge-
schlossen ist. können Bug und Heck in die charakteri-
stische Form gebracht werden, am besten mit der Ras-
pel - Abb. f. Nach dem Glätten der Oberflächen mit
Feile und Schleifpapier (Abb. g) kann das Kanu bemalt
werden (Abb. h).
Hinweis:
Das Kanu muss zum Bearbeiten immer fest einge-
spannt sein. Ein häufiges Umspannen ist dabei unver-
meidlich. Gegen Ende, wenn das Kanu «dünnwandi-
ger» wird. Unterlegklötze verwenden, damit der Druck
auf die Seitenwände nicht zu stark wird. Siehe Abb. f.
32
c 8
d b
33
Seitenansicht
Holzklotz
kann-
Unterseite
34
Unsterblicher Lachs
Die verschiedenen Lachsarten nahmen als Nahrungs-
lieferanten eine zentrale Stellung im Leben der Nord-
westkiisten-Indianer ein. Zum Ablaichen suchen Lach-
se die Oberläufe der Flüsse auf. Einem rätselhaften
Drang folgend, kehren sie immer wieder in großer
Schar in ihre Heimatgewässer zurück. Dort, wo sie als
Jungfische geschlüpft sind, setzen sie ihre Eier ab, um
bald darauf zu sterben. Bei der Rückkehr, wenn sie
erschöpft sind, beim Aufwärtswandern und Springen
über Hindernisse (Lachssprung) werden die wohl-
schmeckenden Fische zur leichten Beute, nicht nur für
Menschen, sondern auch für Bären. Adler und andere
Tiere. Es gibt Filmaufnahmen, da springen sie den Bä-
ren buchstäblich in den Rachen hinein. Die Ureinwoh-
ner der Pazifikküste betrachteten den Lachs allerdings
nicht als eine Beute, sondern sie waren davon über-
zeugt. dass die Lachse freiwillig und absichtlich zu ih-
nen kamen, um ihre Ernährung zu sichern. Sie hatten
jedoch einige Regeln im Umgang mit dem Lachs zu
beachten. Für sie waren die Lachse unsterbliche, men-
schenähnliche Wesen, die weit draußen im Pazifik in
einem großen Meereshaus zusammen lebten. Im Früh-
ling zogen sie ihre Lachskleider an und machten sich
auf den Weg zu den Menschen, um sich ihnen als Nah-
rung anzubieten. Die ersten Lachse der Saison wurden
von den Fischern mit Dankgebeten und feierlichen Ri-
tualen empfangen. Ein Gebet klang etwa so: «Oh
Freund, oh Schwimmer, oh Überaalüriicher, wir dan-
ken dir, dass du gekommen bist. Wir wissen, dass nur
dein Körper tot ist. uns als Nahrung dienend, doch
deine unsterbliche Seele wacht über uns.» Alle nicht
essbaren Teile des Lachses, Gräten, Skelett. Haut-
schuppen und dergleichen wurden sorgfältig einge-
sammelt und wieder in den Fluss geworfen. Wenn der
Fluss sie ins Meer zurück trug, nahmen dort, nach dem
Glauben der Ureinwohner, die Lachsseelen die Über-
reste wieder an sich. Nur dann konnten sie sich im
großen Meereshaus wieder in Lachsmenschen zurück
verwandeln und der Kreislauf begann von neuem. Es
gibt Geschichten von nachlässigen Menschen, die die
Überreste nach einem Mahl nicht vollständig dem Was-
ser übergeben hatten. Da erschienen ihnen anklagend
die Lachsmenschen und boten einen erschütternden
Anblick, denn ihnen fehlten Gfiedmaßen, Schulterblät-
ter. Augen. Dieser Frevel halte zur Folge, dass sie nicht
mehr als Lachse zurückkehren konnten und für die
Menschen schwere Zeiten anbrachen. Wenn man diese
Hintergründe kennt, versteht man, warum die Urein-
wohner den Weißen früher keinen Lachs verkaufen
wollten.
Die folgende, etwas gruselige Geschichte, in der auch
Lachs eine Rolle spielt, erzählen sich die Tsimshian.
Die Geschichte zeigt, dass für die Ureinwohner der Tod
nichts Endgültiges war und dass sie von der Unsterb-
lichkeit der Seele überzeugt waren.
35
Brown Eagle, der Lachsesser
Eine Geschichte der Tsimshian
Brown Eagle, ein Häuptlingssohn, aß leidenschaftlich
gern und ausschließlich Lachs. Als er gerade erwach-
sen geworden war, ereilte ihn eine Krankheit, an der er
schließlich starb. Seine untröstlichen Eltern legten
Lachs auf sein Grab. Bald darauf zog das Dorf an einen
anderen Ort. Nach wenigen Jahren kamen junge Leute
des Stammes zum Sammeln von Knollen und Wurzeln
dorthin zurück, wo einst das alte Dorf gelegen hatte.
.Als Abendessen gab es Lachs. Da rief ein Junge: »Das
ist doch Brown Eagles Lieblingsessen!» Alle lachten
und scherzten voller Übermut und einer meinte: «Wir
können ihn ja rufen und zum Lachsessen einladen.»
Einer der jungen Männer nahm sogleich einen Lachs
und bot ihn mit einer übertriebenen Geste an Brown
Eagles Grab dar. Den jungen Frauen wurde ganz schau-
erlich zumute und sie ermahnten die Männer, sich
nicht über Tote lustig zu machen. Da öffnete sich auch
schon das Grab unter schrecklichen Geräuschen und
Brown Eagles Skelett erschien. Er streckte die .Arme
aus und brüllte mit einer unnatürlichen, dumpfen
Stimme: «Gebt mir den Lachs.» Die jungen Leute er-
schraken entsetzlich und der furchtbare Atem des
Geistes tötete sie allesamt. Die .Angehörigen im Dorf
waren erschüttert und man fragte den Schamanen um
Rat. Er hatte gespürt, dass die Seelen der jungen Leute
im Hause des Geisterhäuptlings festgehalten wurden.
Er rief alle Schamanen der umliegenden Dörfer zu-
sammen und sie schüttelten alle gleichzeitig ihre Ras-
seln und magischen Amulette. .Als die Geisterhausscha-
manen ihrerseits antworteten und aus dem Haus ihres
Häupdings kamen, eilten die Dorfschamanen ins Geis-
terhaus hinein. Dort ergriffen sie schnell die Seelen
ihrer jungen Stammesmitglieder und gaben sie den je-
weiligen Körpern zurück. Es dauerte noch einige Tage,
bis sie sich wieder erholt hallen und der geisterhafte
Dunst sich endgültig von ihnen hob.
Anmerkung:
Schamanen sind Menschen, die eine Begabung fiir
Magie haben. Sie können sich in tranceähnliche Zu-
stände versetzen und Traumreisen unternehmen, bei
denen sie Kontakt zur Welt der Geister aufnehmen.
Schamanen nutzen ihre Fähigkeiten ausschließlich po-
sitiv, beispielsweise um Spannungen im sozialen Leben
des Stammes zu lösen oder um Krankheiten zu heilen.
«Der Tod?», sagte ich.
«Es gibt keinen Tod. nur einen Wechsel der Welten.
Unsere Welt besteht weiter.»
Indianische Weisheit
Die Bentbox
(bent = biegen)
Für ihren Einfallsreichtum und ihre Geschicklichkeit
sind die Ureinwohner der Nordwestküste ja bekannt.
So entwickelten sie z.B. eine ganz ausgefallene Tech-
nik, um aus dem extrem langfaserigen Holz der Roten
Zeder sehr hochwertige Vorratskisten, Kleiderbehälter
und dergleichen herzuslellen. Dazu wurde ein exakt
zurechtgeschnittenes Brett an drei Stellen (den späte-
ren Kanten) aufs Sorgfältigste eingekerbt. Unter Ein-
wirkung von Hitze und Wasser konnte das weiche,
links: geschnitzte Schamanenrassel
36
durchfeuchtete Holz an den Einkerblinien entlang um
90c gebogen werden. Das Werkstück wurde mit Hilfe
von Seilen zusammen gehalten und fixiert bis es tro-
cken war. Die vierte Kante schloss man durch Zu-
sammmennähen mit biegsamen Zedemzweigen und
durch Verdübeln. Ein genuteter, präzise eingepasster
Boden machte die Bentbox wasserdicht, so dass man
auch Fischöl und -suppe darin aufbewahren konnte.
Gesteigert wurde der Wert einer Bentbox noch durch
die traditionelle Bemalung und Relief-Schnitzerei.
Bemalen einer Bentbox
Material:
1 stabiler Karton, am besten mit Deckel
Bastelfarben (Waco, Deka oder Abtönfarben aus dem
Malergeschäft) in schwarz, weinrot. ocker und weiß
(weiß wird leicht mit ocker abgetönt, also gebrochen,
damit es nicht so hart wirkt.)
Pinsel in verschiedenen Stärken
Architektenpapier
Sehr weichen Bleistift, schwarzen Filzschreiber
Unser Kasten soll an die bekannten, vorher beschrie-
benen Bentwoodkisten erinnern. Weil diese Kiste aus
Karton statt aus Zedemholz ist, müsste sie eigentlich
«Bentpaperbox» heißen! Wir verwenden sie als Aufbe-
wahrungskasten für die Klanchefhaube, Schamanen-
rassel. die Maske und das Kanu.
Zuerst erhält der ganze Kasten eine ockerfarbene Grun-
dierung. Dann wird der Entwurf gemacht. Auf der relaüv
großen Fläche kann man einmal ganz großzügig mit den
Stilelementen der Nordwestküste experimentieren.
Dabei lässt man sich von den im Buch abgebildeten
Beispielen anregen, schaut in Indianerkunstbände oder
besucht das nächste Völkerkundemuseum, das in s-
einer Sammlung Ausstellungsstücke von der Nordwest-
küste hat, und macht sich dort ein paar Skizzen.
Folgendes ist beim Entwerfen zu beachten:
Deudiche, schwarze i'mrisslinienstniktur. die Linien
sind mal dicker, mal dünner.
Symmetrie.
Häufig wiederkehrende Formen, Oval, stilisierte Fe-
dern etc., die immer wieder anders kombiniert und
variiert werden können. Dabei darf man durchaus
auch «selbst ausgedachte« Formen verwenden.
Beschränkung auf höchstens vier Farben.
Flächenfiillend arbeiten.
übertragen eines Entwurfes auf den Karton:
Ein komplexes Muster, wie das auf der großen abgebil-
deten Kiste, kann man kaum aus freier Hand auf den
Karton vorzeichnen, zumal ja alles symmetrisch sein
muss. Besser, man macht einen Entwurf auf Zeichen-
papier.
Dabei zeichnet man erst einmal nur die Hälfte des
.Musters, die andere Hälfte wird später spiegelbildlich
angesetzt. Dieser Entwurf wird auf ein doppelt so gro-
ßes Architektenpapier durchgezeichnet, dann spiegel-
bildlich geklappt und die zweite Hälfte ebenso durch-
gezeichnet. (Siehe Abbildung der Entwurfsblätter).
Dazu verwendet man einen schwarzen Filzstift, der
nicht verwischt. Anschließend die Rückseite des Archi-
tektenpapier mit weichem Bleistift dick schraffieren,
so erhallen wir einen Pausbogen! Diese Vorlage auf
dem zu bemalenden Karton mit wenigen Klebestreifen
befestigen, damit beim Durchzeichnen nichts verrut-
schen kann. Nun mit einem harten Stift die Konturen
sorgfältig nachfahren, die sich dank der schraffierten
Papierunterseite auf den Kanon durchdriicken. Da-
nach kann mit dem Ausmalen begonnen werden.
Anmerkung:
Kinder und alle, die sich nicht gleich an eine große
Aufbewahrungskiste wagen und ein einfaches Muster
möchten, bemalen z.B einen Schuhkanon. Den Kar-
ton vorher mit weißem Papier oder Packpapier bezie-
hen, dann hat man gleich einen guten Maluntergrund.
38
Die Bewohner der Plains
und Prärien
Die Prärie und Plains umfassen ein riesiges Gebiet in
der Mitte des nordamerikanischen Kontinents. Es liegt
zwischen dem Mississippi im Osten und den Rocky
Mountains im Westen. Das Land dehnt sich in Nord-
Süd-Richtung von den kanadischen Provinzen Alberta,
Saskatchewan und Manitoba bis ins mildere Texas im
Süden aus. Die Prärie bildet den östlichen Streifen. Er
erstreckt sich entlang des Mississippi und des fischrei-
chen Missouri. Dieses Gebiet ist fruchtbar und an den
Flüssen waldreich. In den Wäldern aus Eichen. Limen.
Pappeln. Erlen und Weiden lebten .Antilopen. Hirsche,
Dachse. Kojoten, Hasen. Füchse, Biber. Präriehunde
und mehr. Das dominierende Wildtier dieser Gegend
aber war der imposante Bison. In den Wäldern sam-
melten die Frauen die unterschiedlichsten Beeren, wil-
des Obst, Pilze, Wurzeln und Kräuter. Der Wald war
ihre «Apotheke».
Ein Meer von Gras
Westlich dieses Landschaftsstreifens schließt sich das
höher gelegene Gebiet der Plains an. Hier gibt es weni-
ger Niederschlag und die Vegetation ist dementspre-
chend spärlicher. Aus den Ebenen ragen zerklüftete
Höhenzüge hervor und ein Meer von Gras erstreckt
sich über schier unendliche Weiten. Die Plains steigen
ganz allmählich in Richtung Osten bis auf 1 800 Meter
an und enden schließlich am Fuße der Rocky Moun-
tains. In heißen, trockenen Sommern brausen häufig
Hurrikans über die Ebenen hinweg und während der
sehr kalten Winterzeit toben sich hier die gefürchteten
Blizzards (schwere Schneestürme) aus.
Der Übergang der Rocky Mountains in die Ebene der
Plains bei Browning /Montana
39
Eine Sprache für alle
Zeichensprache
Es lebten folgende Nationen hier: Iowa, Wichita, Black-
foot. Plains-Cree, Ojibvva, Assiniboin, Crow, Cheyenne,
Arapaho, Kiowa, Comanche, Pawnee verschiedene Si-
oux-Völker u.a.. Die Existenz der meisten war untrenn-
bar mit der Nutzung des Bisons verbunden. Der Besitz
der Bisonjäger beschränkte sich nur auf die Dinge, die
leicht zu transportieren waren. Es waren großzügige
Menschen, die gerne Geschenke machten und mit an-
deren teilten. Materieller Besitz war ihnen nicht so
wichtig, Land- und Ressourcebesitz (Wild, Wasser,
Holz etc.) unvorstellbar. Es gab lediglich ein Nutzungs-
recht. Spirituelle Kraft. Mut, Jagdglück. Tapferkeit,
Großzügigkeit und die Bereitschaft Schwächere zu
schützen, zeichneten einen angesehenen Mann aus. .An
Frauen schätzte man besonders Besonnenheit, Kunst-
fertigkeiten, Fleiß und Geschick im Eingang mit Kin-
dern. Gruppen, die am Rande der Prärie lebten, z. B.
die Mandan, Omaha und Osage betrieben neben der
Jagd Feldbau. Ihre landwirtschaftlichen Produkte
tauschten sie bei den Bisonjägem gegen andere Dinge
ein. Der Tauschhandel war eine große Leidenschaft
der Völker hier, dafür ließen sie sogar die W affen ru-
hen. Da sie aber verschiedenen Sprachfamilien ange-
hörten, war die Verständigung nicht immer einfach. So
entwickelten sie eine gemeinsame Zeichensprache.
Später erlernten auch die weißen Händler und Trapper
diese Zeichensprache.
Die Prärierose
Seite 41 und 42
Erprobte Kämpfer mit Federschmuck
Die Bewohner der Plains und Prärie werden als die
Indianer überhaupt betrachtet: Kampffreudige, stolze
Ritter im Federschmuck, die in kegelförmigen Leder-
zelten wohnen. Sie hatten von allen indianischen Völ-
kern ganz besonders unter den Kolonisatoren, dem
Landraub und den eingeschleppten Seuchen zu leiden.
Die Indianer erzogen ihre Kinder zur Aufrichtigkeit,
denn Aufrichtigkeit hatte einen besonderen Stellenwert
in einer Gesellschaft, in der Abmachungen und Verein-
barungen nur mündlich getroffen wurden. Die Weißen
brachen aber immer wieder Verträge, die sie mit den
Ureinwohnern getroffen hatten, sobald sich ihre Inte-
ressen änderten und sie sich Vorteile versprachen. Da-
mit demütigten sie die Indianer und verloren ihr Ver-
trauen. In den Augen der Indianer waren die Weißen
unmoralische Menschen, die ihnen Unglück und Elend
brachten. Kinder wurden angehalten sofort Marrn zu
geben, sobald sie einen Weißen sähen. Im Gebiet der
Plains und Prärie war es unruhig. Weil inzwischen
auch viele Stämme, die sich sonst nur am Rande dieses
Territoriums aufhielten über Pferde verfugten und zu
den Bisonherden und den anderen Wildbeständen
drängten, kam es immer wieder zu Konflikten. Pelze,
(jeder und Felle stellten ein begehrtes Tauschgut dar,
um Waren der Weißen zu erwerben: Waffen, Munition,
Tuch und Glasperlen. Die Wildbestände schrumpften
mehr und mehr. Territoriale, blutige Auseinanderset-
zungen der Indianer untereinander nahmen an Härte
zu. Die Weißen nutzten die Feindseligkeiten zwischen
den Stämmen zu ihrem Vorteil.
40
nach • RauchzeichenDokumentation. Indianer-Museum. Stadt Zürich
Das Ende
Die Prärie- und Plainsvölker kämpften bis zum Schluss
verzweifelt gegen die amerikanische Armee, um ihre
Freiheit und ihren Lebensraum zu verteidigen. Aber sie
mussten doch unterliegen. Das letzte freie Prärievolk,
ein Siouxstamm unter ihrem Häuptling Big Foot wurde
im Dezember 1890 vom 7. Regiment der l'S-Kavallerie
am Wbunded Knee niedergemacht.
Heute leben die Nachkommen der Prärie- und Plains-
Indianer in verschiedenen Reservationen, die über
ihre altangestammten Gebiete verteilt sind.
»Der weiße Mann gehorcht dem Großen Geist nicht;
Das ist der Grund, weshalb wir Indianer nicht mit ihm
übereinstimmen können -
Zitat eines Oglalki
Das Tipi
Das kegelförmige Stangenzelt aus Leder, Tipi genannt,
gilt für viele als die typische Wohnstätte der nordameri-
kanischen Indianer. Das Tipi bestand in der Regel aus
3-4 Geriiststangen. die auf einem leicht eiförmigen
Grundriss in den Boden gerammt wurden. Die restli-
chen 10-20 Stangen lehnten nur dagegen. Alle Stangen
band man oben zusammen .Als Zeltplane dienten ent-
haarte und gegerbte Büffelhäute. Je nach Größe des
Tipis waren 6-20 Büffelhäute nach einem halbkreisför-
migen Schnitt aneinander genäht. Durch ausgiebiges
Räuchern konservierte man sie. In voreuropäischer
Zeit, als die Ureinwohner noch ohne Pferde auskom-
men mussten, waren die Tipis relativ klein Ohne das
Pferd war die Bisonjagd bescheidener, also verfügten
die Menschen auch nicht über so viele Felle, darüber
hinaus wurden alle Lasten, auch Tipiplanen und -Stan-
gen nur von Hunden transportiert und deren Tragfä-
liigkeit war begrenzt. Später gab es Tipis, die für Zere-
monien und Versammlungen benutzt wurden, sie wa-
ren oft bis zu 13 Meter hoch und fassten 50 Personen.
Besonders die Zeremonialtipis waren mit religiösen
Motiven wie auch mit Kriegs- und Jagdszenen bemalt.
Das Familientipi gehörte meistens der Frau. Auch das
Gerben und Nähen der Planen sowie das Errichten war
ihre Sache. Man stellte ein Tipi so auf, dass Eingang und
Rauchloch in eine Richtung, nämlich nach Osten zeig-
ten. Das hatte zwei Gründe: Einmal wollte man den Son-
nenaufgang und damit den Einzug des neuen Tages erle-
ben. zum Zweiten diente es als Schutz vor den frischen
Winden, die meistens von Westen kamen. Der Außen-
rand der Plane wurde mit Pflöcken oder, wenn man nur
kurz an dem Ort verweilen wollte, mit Steinen befestigt.
Das Innere des Tipis war zweckmäßig und wohl geord-
net eingerichtet, die Bewohner und alle Dinge hatten ih-
ren festen Platz. Auf dem Boden lagen Häute und Felle.
Weiche, warme Feilager dienten als Schlafplätze. Es gab
bequeme Sitzplätze mit Rückenlehnen, sogenannte
«Backrests». Backrests fertigten die Indianer aus Wei-
denruten an. sie erinnern ein wenig an einen Liegestuhl.
In einer Vertiefung in der Mitte des Raumes brannte das
Feuer. Im Winter isolierte man das Tipi mit einer zw eiten
Planenwand, im Sommer regulierte man das Innenkli-
ma durch Hochrollen der Plane. Im Tipi herrschten be-
stimmte Benimm-Regeln, hier sind einige davon: Kein
Besucher durfte zwischen dem Feuer und einem ande-
ren Menschen durchgehen, man ging immer hinter den
Sitzenden entlang. Gäste warteten am Eingang, bis ihnen
der Hausherr einen Gästeplatz zu seiner Linken anbot.
Jüngere durften sich erst dann an einem Gespräch betei-
ligen. wenn sie von einem Älteren dazu aufgefordert
wurden. Die Besucher verabschiedeten sich, wenn der
Gastgeber seine Pfeife reinigte.
.Als sich der Bisonbestand durch das Vordringen der
weißen Eroberer drastisch verringerte, stellte man Ti-
pis nach und nach aus Leinenstoff her, die europäische
Händler ins Land brachten. Sie waren natürlich nicht
von der Qualität w ie die Bison haut-Tipis. Schon Anfang
des 20. Jahrhunderts, in der frühen Reservatszeit, ver-
schwanden die traditionellen Tipis. Sie wurden abge-
löst von Armeezelten oder Blockhütten. Das l-eben in
diesen Behausungen reichte an die Wohnqualitäl, die
die alten Tipis boten, bei weitem nicht heran, sondern
erinnerten eher an Slum-Unterkünfte.
Wenn sich die Indianer heute zu ihren Tanzfesten, den
Powwows, treffen, bringen manche ihre Tipis mit, die
heute mehr eine Freizeitunterkunft als eine dauerhafte
Wohnstätte sind. Auch die neuen Tipis aus Baumwoll-
köper sind von ihren Besitzern meistens farbenpräch-
tig bemalt, oft mit traditionellen Motiven, wie z.B. dem
Siebengestirn (Plejaden). Die Plejaden kommen in
zahlreichen Geschichten der Ureinwohner vor, Heute
sind Tipis relativ teuer, viele Indianer körnten sie sich
deshalb nicht leisten.
Heutiges Tipi bei Browning / Montana
Spieltipi
Spieltipis waren unter den Indianerkindern ein sehr
beliebtes Spielzeug. Sie bastelten sich Puppen dazu
und Einrichtungsgegenstände, fast so wie die Abbil-
dung zeigt.
Zur Herstellung eines Spieltipis brauchen wir:
Rupfen, bzw. Sackleinen
Tapeten kleister und hellbraune Abtönfarbe aus dem
Malergeschäft zum Grundieren.
Bastelfarben, Deka oder Wäco zum Bemalen
5-7 Zweige oder Äste, ca. 80 cm lang
Kurze, dünne Hölzchen zum Zusammenstecken der
Plane (Wir haben Zahnstocher verwendet)
Schnur
Dicken Faden und Nadel
Nach der Skizze den Stoff abmessen und zuschneiden,
evtl, einen Schnitt aus Papier machen.
Rauchklappen annähen.
Tipi-Lager
Die Tipiplane wird angestrichen
-H
Lüftungsklappen
14 cm
Schnitt Tipi-Plane
Die Plane und die Tür mit einem Gemisch aus Tapelen-
kleisler und hellbrauner Abtönfarbe dick einstreichen
(Abbildung). So entsteht eine steife Plane, die fast
schon von selbst steht. Die Farbe soll an altes, geräu-
chertes Biiffclledcr erinnern
Nachdem alles gut getrocknet ist, die ausgebreitete
Tipihaut nach Wunsch bemalen.
Stangen aufstellen und oben zusammen binden.
Plane dantm legen und zusammen stecken. Man muss
meistens eine Weile herum probieren, bis alles passt.
Wir haben die Stangen mit Schnur zusätzlich von innen
an der Plane befestigt. Das ist zwar nicht ganz stilge-
recht, aber so kann man das ganze Zelt mitsamt der
Stangen zum Spielen besser transportieren, ohne das
alles zusammenfällt. Die Stangen an den Lüftungsklap-
pen nicht vergessen.
Tür mit ein paar großen Stichen über der Öffnung an-
bringen.
Tip:
Nach diesem Originaltipischnitt kann man Tipis in al-
len Größen, natürlich auch aus Leder, anfertigen. Das
Leder müßte dann gestückelt und zu dem Halbkreis
zusammen genäht werden. Das sieht natürlich sehr
«authentisch» aus, ist aber auch eine Kostenfrage.
Indianerpuppen
Material:
Puppenrohlinge aus dem Bastelgeschäft (die «Erwach-
senen» sind 15 cm, die «Kinder» 10 cm groß), Filz für
die Kleider, kleine Glasperlen (Seed-beads),
kleine Federn, Textilkleber,
Nähseide. Nadel, ungesponnene, braune Schafwolle,
schwanes Wollgarn (Haare),
Bastelfarben (Wäco oder Deka), Pinsel.
W ir haben die Holzteile, Körper. Kopf und Hände mit
hellbrauner Farbe bemalt und die biegsamen Anne
und Beine aus Sisaldraht mit hellbrauner, ungesponne-
ner .Schaftvolle bewickelt, die Holzfuße wurden durch
Bemalen gleich «mit Mokassins bekleidet». Die Klei-
dung besteht aus Filz. Schnitte siehe Skizzen. Die Figu-
ren können nun ganz liebevoll gestaltet werden: Be-
sticken der Kleider mit Glasperlen, geometrische For-
men aus andersfarbigem Filz aufkleben (Textilkleber),
Stirnbänder mit Perlen- oder Federschmuck usw. Die
Fedem lieferte uns unser Wellensittich und der Nym-
phensittich. Taucht man die Spitzen in schwarze Far-
ben, verwandeln sie sich in «Mini-Adlerfedem».
46
Halsschlitz
Schurz
Bruch
Schurz zwischen den
Beinen durchziehen und
um den Bauch mit einer
Schnur Zusammenhalten.
fertiges Hosenbein
(Leggin)
Textilkleher verwenden.
Leggin wird gleich um
das Bein gelegt, dann die
Nabt geschlossen
Schnitte Puppenkleider
Originalgröße passendför Puppenrohlingg
von 15 cm (für Puppenkinder etwas verkleinern!)
47
Leggin / Leggin
Schurz
HalsscNitz
48
Pferdchen
(Schnitt nach Karin Neuschütz, «Stofftiere»)
Material:
Waschleder (Fensterleder) ca. 3o x 40 cm groß, ca.
80 g ungesponnene, gezupfte Schafwolle zum Füllen,
dünne Wollfäden für Mähne und Schweif. Texülmallär-
be.
Skizze c:
Nach der Vorlage einen Schnitt aus Papier herstellen
und zwei Körperhälften und ein Unterteil aus dem
Waschleder ausschneiden, mit einer Nahtzugabe von
ca. 0,5 cm. Ohren ohne Nahtzugabe zuschneiden.
Die Beine der einen Seite hochschlagen und die Beine
des Unterteils rechts auf rechts daran feststecken. Be-
achten. was vom und was hinten ist.
Skizze a:
Die Körperhälften aufeinander legen und mit je einer
Stecknadel bei Punkt A und am Kopf bei Punkt C zu-
sammen heften. Die Mähne zurechtlegen: Garn wieder-
holte Male um zwei Finger wickeln, abstreifen und hin-
ten am Hals zwischen die beiden Körperhälften ste-
cken. Jedesmal mit einer Nadel feststecken, hinten,
den ganzen Hals hinunter von Punkt C bis D. Den
Rücken weiter bis Punkt B stecken.
Skizze b:
Die ganze Naht A bis B schließen, wobei gleichzeitig
die Mähne festgenäht wird. Achtung! - An der Rücksei-
te des Halses und nicht aus Versehen vom'
Beim Zusammennähen der Beine wird die eine Bauch-
naht zum Wenden offen gelassen. Nahtzugabe in den
Krümmungen einschneiden, .Arbeit wenden und aus-
stopfen. Die Beine und die Flanken oberhalb davon
besonders sorgfältig füllen, damit das Pferdchen
standhaft wird,
Pferdescbuanz:
Garn zu einem Strang um die Hand wickeln. Diesen als
Schwanz so annähen, dass er schwungvoll nach außen
steht.
Ohren:
Das Ohr der Länge nach falten und seitlich ganz oben
neben ein paar Ponyfransen am Kopf festnähen.
Augen, Nüstern und Maul mit feinem Pinsel und Stoff-
malfarben aufmalen.
Zaumzeug:
Das Zaumzeug besteht aus dünnen Lederbändern. .An
den Mundwinkeln ist es mit Knoten versehen. Mit
49
O -------Löcher zum Durchziehen des Bauchriemens--- O
aufgeklappt
Tipilager
Nadel und Faden von Mundwinkel zu Mundwinkel und
durch jeden Knoten stechen, evtl, noch eine Perle mit
auffiideln und anschließend Faden vernähen, so kann
nichts mehr verrutschen.
Schabracken und Satteldecken:
Schabracken und Sattel aus Lederresten oder Filz aus-
schneiden (Skizze, links oben). Nach Wunsch bemalen
oder besticken.
Zubehör:
Travois, Transportrutsche:
Dazu braucht man 2 Äste oder Rundstangen, je ca. 40
cm lang, 2 kürzere Äste, ca. 17 und 15 cm lang, ein
kleines Stück Stoff oder Leder, Schnur und Alleskleber.
Das Zusammensetzen des Gestells ist der Abbildung zu
entnehmen
Pferdchen mit Traivis
51
Gestell für Trockenfleisch:
Wie aus der Abbildung ersichtlich besteht dieses Ge-
stell aus 6 kleinen Zweigen, die zusammengeklebt und
-geschnürt sind. Fleisch: Stoff oder Filzstückchen mit
roter, brauner und ganz wenig weißer Farbe einpin-
seln, damit es richtig wie rohes Fleisch aussieht. Solan-
ge die Farbe noch feucht ist, die Stückchen über das
Gestell hängen.
Was ist Pemmikan?
Die Frauen der Präriestämme verstanden es, die
Fleischmassen, die nach erfolgreicher ßisonjagd anfic-
len, durch Trocknen zu konservieren. Dazu hängten
sie die Fleischstücke über schnell zusammengebaute
Gestelle aus Ästen. Wenn das Fleisch ganz und gar
durchgetrocknet war, wurde es in Mörsern zerstoßen
und pulverisiert. Nun konnte es zu Pemmikan weiter-
verarbeitet werden. Dazu mischten die Frauen es mit
zerlassenem Hirsch- oder Bärenfett und zerstampften
Beeren. Diese Masse füllten sie in flache Lederbeutel,
dort trocknete das Gemisch und wurde zu harten Fla-
den, dem Pemmikan. Es war lange haltbar, von hohem
Nährwert und vitaminreich. Auf Reisen, Jagdzügen und
als Notration, wenn Nahrungsnüttel knapp wurden,
war Pemmikan ein wichüger Energielieferant. Man
konnte das Konzentrat mit heißem Wasser überbriihen
und hatte eine kräftige Speise.
len, oben zusammenschnüren und auf die Pappschei-
be kleben. Holzstückchen und runde, braune Stoff-
stückchen (sollen Bisondung darstellen) auf der Feu-
erstelle verteilen. Mit etwas roter und gelber Farbe
(Glut) betupfen. An dem Dreibein einen Drahthaken
zum Einhängen eines Kessels befestigen.
Rahmen zur Fellbearbeitung:
Einen Lederrest in Form eines Tierfelles zurecht-
schneiden. Aus 4 Zweigen einen passenden Rahmen
kleben und zusammenbinden. 2 Zweige als Stütze von
hinten daran befesügen. Mit dünnen Fäden das Fell in
den Rahmen spannen.
Die Bearbeitung der Tierhäute zu hochwertigem Leder
und feinen, weichen Fellen war Aufgabe der Frauen.
Die Häute wurden in Rahmen gespannt oder auf den
Boden gepflockt. Mit speziellen Fellkratzem schabten
sie Fleisch- und Fetueilchen von der Haut. Wurde sehr
dünnes, geschmeidiges Leder gewünscht, z. B. für Fest-
tagskleider, schabte man mehrere Hautschichten ab.
Durch Gerben mit Hirn, Färben und Räuchern gewann
man verschiedene Lederqualitäten, die auch bei Nässe
nicht zusammenschrumpften und begehrte Tauschwa-
ren darstellten.
Trophäenstangen:
Bedeutende Krieger, Medizinmänner und Häuptlinge
pflanzten Stangen vor ihren Tipis auf. Daran hing alles
Mögliche: Waffen, besonders die erbeuteten, Feder-
bündel, Medizinbeutel, Skalpe von überwältigten Fein-
den, Rossschweife usw.
Wir verwenden einen kleinen, gegabelten Zweig. Auf
ein Pappstück kleben wir einige Kieselsteine, dazwi-
schen kommt die Stange. .An unserer «Trophäenstan-
ge» hängen z. B. «Adlerfederbündcl» (vom Sittich),
«Skalphaarc» (vom Pferdeschweif) und ein kleines,
bemaltes Schild.
Feuerstelle, Kochstelle:
Eine feste, runde Pappscheibe ausschneiden, schwarz
anmalen und rundherum kleine Kieselsteine darauf
kleben Aus Zweigen ein dreibeiniges Gestell herstel-
Eine Miistangberde in Browning/Montana
Die Pferde der Ureinwohner
Als die ersten nomadisierenden Jäger einst über eine
Landbriicke kamen, die über das Beringmeer führte
und den amerikanischen mit dem asiatischen Konti-
nent verband, soll es in Nordamerika noch große
Wildpferdeherden gegeben haben. Doch schon 7000 v.
Chr. starben sie aus unerklärlichen Gründen aus. So
blieb der Hund lange Zeit das wichtigste Transport-
und Lastender der Indianer. Ende des 16. Jahrhunderts
brachten spanische Kolonisten neben anderen Haus-
tieren wie Rindern. Schweinen und Hühnern auch
Pferde nach Amerika. Der .Anblick der ersten spani-
schen Reiter flößte den Ureinwohnern verständlicher-
weise Furcht ein. Ihnen erschienen sie wie Ungeheuer
oder Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier und sie
nannten die Pferde «Große Hunde» auch «Geister-
hunde» oder «Medizinhunde».
Im 17. Jahrhundert hatten dann im Südwesten der
Plains die Nävahos, Apachen und andere mit Pferden
zu handeln begonnen. Dabei handelte es sich um von
den Spaniern gekaufte, aber auch gestohlene oder ver-
wilderte Tiere. Über die ersten Reinersuche der India-
ner gibt es amüsante Berichte So sollen die Krieger.
die das Reiten lernen wollten, sich auf zwei lange Stan-
gen, wie auf Skistöcke gestützt haben, um auf dem
Pferderücken die Balance zu halten. Die Einführung
des Pferdes griff tief in das Leben der Plainsbewohner
ein und die Kunde vom Nutzen dieses Wundertieres
breitete sich in Windeseile unter den Ureinwohnern
aus. Stämme, die zuvor Ackerbau betrieben und in
grasgedeckten Erdhäusern gelebt hatten, gaben diese
Lebensweise auf und wurden zu Nomaden, die zu Pfer-
de den Bisonherden folgten und in Tipis lebten. Bison-
jäger, die früher nur kurze Jagdausflüge unternehmen
konnten, erhielten durch das Pferd die Möglichkeit,
den Herden bis in entlegene Gebiete zu folgen. Die
Bisonjagd zu Pferde war sehr viel erfolgreicher. Dank
der großen Tragfähigkeit des Pferdes konnten die Vor-
ratshaltung erweitert und die Tipis vergrößert werden.
Wie früher die Hunde, zogen nun Pferde die Transport-
gestelle, auch TravoLs oder Rutschen genannt. Sie
bestanden aus zwei langen Stangen, meistens Tipi-
stangen, zwischen die eine Ladefläche gespannt wurde.
Nicht nur Gegenstände, sondern auch Kleinkinder, .Alte
und Kranke transportierte man mit dem Travois, Letz-
tere in einem geflochtenen Käfig, so konnte niemand
verloren gehen. Auch die Verbände am Rande der
53
Plains gewannen durch das Pferd enorm an Mobilität -
man konnte pro Tag mit -Sack und Pack» bis zu 50
Kilometer zurücklegen - und erweiterten ihre Territo-
rien beträchtlich. Alle drängten zu den Bisonherden.
Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Stäm-
men um die besten Jagdgründe blieben daher nicht
aus. Pferdebesitz war mit hohem Prestige verbunden,
denn er sicherte nicht nur das Jagdglück, sondern
auch Erfolg im Kampf. Pferdediebslähle kamen des-
halb immer wieder vor, besonders da es im Norden
deutlich weniger Pferde gab als im Süden. Die Indianer
bewiesen großes Geschick im Umgang mit Pferden
und den Comanchen gelang die Zucht eines begehrten,
zähen, wendigen Ponys, das dem Leben in der Prärie
gut angepasst war. Besonders mutige und zuverlässige
Mustangs bildete man zu «Büffelpfcrden» aus. Sie tru-
gen die Jäger bei der halsbrecherischen Büffeljagd.
Die Kultur der Prärie-Indianer blühte durch die
Einführung des Pferdes in kürzester Zeit auf und die
Bevölkerungsrate stieg stark an.
Unzählige Lieder, Gedichte und Geschichten erzählen
von der Achtung und Wertschätzung der Indianer für
diese Tiere. Die Crow schmückten sie mit farbenfro-
hen, perlenbestickten Schabracken. Zeichen, die
Kampfesmut, Schnelligkeit und Unverletzbarkeit sym-
bolisierten, malte man auf die Flanken der Pferde. Bei
großen Festen tanzten die Krieger zur Ehre und zum
Gedenken an besonders tapfere Pferde, die sie einmal
besessen hatten und die im Kampf verwundet worden
waren. Der Hunkpapakricger No Two Horn schnitzte
beispielsweise mehrere Holzpferde zur Erinnerung an
sein mutiges Pferd, das nach sieben Schüssen in einer
Schlacht starb.
Die Liebe zu seinem Tier fasste ein Crow-Indianer in
folgende Worte:
«Mein Pferd kämpft mit mir und es hungert mit mir.
denn wenn es mich in den Kampf trägt. muss es mein
Herz kennen und ich muss das seine kennen oder wir
werden me Brüder werden, Man hat mir erzählt, dass
die W eißen, die sich wie Götter fühlen und trotzdem gro-
ße Narren sind, nicht daran glauben. dass das Pferd eine
Seele hat. Das kann nicht wahr sein! Ich habe die Seele
meines Pferdes oft in seinen Augen gesehen.»
Und doch hatte die von Pferd und Bison geprägte Kul-
tur der Plains nicht einmal 150 Jahre Bestand gehallt.
Durch das Vordringen der europäischen Eroberer
wurde sie systematisch zerstört. Weiße Büffeljäger de-
zimierten die Herden fast bis zur Ausrottung und ent-
zogen den Indianern ihre Lebensgrundlage. Die stol-
zen, freiheitsliebenden Präriebewohner, die zuletzt
noch am leben waren, hatten schließlich keine andere
W ald mehr, als in den Reservationen von den Almosen
der Regierung zu leben. Ihre letzten Pferde wurden vor
ihren Augen erschossen oder versteigen.
Das Zauberpferd
Nacherzählung einer Legende aus den Plains
.Am Rande eines Dorfes lebte einmal ein Junge mit sei-
ner Großmutter in tiefster Armut. Ihre Not war so
groß, dass sie in den Abfällen der anderen Dorfbewoh-
ner nach Essbarem suchen mussten. Um nicht verhun-
gern zu müssen, aßen sie sogar das Leder von wegge-
worfenen, alten Mokassins. Der Junge besaß aber ein
mitfühlendes Herz und als er eines Tages beobachtete,
wie junge Männer auf ein Adlemest schossen, war er
sehr bestürzt und den Tränen nah.
Nach einiger Zeit, als er wieder einmal auf der Suche
nach Nahrung war, kam ein Adler geflogen und setzte
sich zu ihm nieder. «Du haltest Mitleid mit uns,» sagte
der Adler, «deshalb wollen wir dir etwas schenken.»
Der Junge erhielt von dem Adler ein Bündel Pfeile und
ein altes Pferd mit angeschwollenen Fesseln. Obwohl
es elend und verwahrlost aussah, besaß es magische
Kräfte, denn es hatte einmal einem wichtigen Häuptling
gehört.
Kurze Zeit später wurde das Dorf in einen Stammes-
krieg verwickelt. Da befahl das Pferd dem Jungen, es
zu einer Schlucht zu führen. Dort wälzte sich das Tier
im Staub und verwandelte sich vor den Augen des Jun-
gen in einen starken, jungen Hengst. .Aks Zeichen sei-
ner übernatürlichen Herkunft bemalte der Junge die
Flanken des Tieres mit BÜtzen. Dann rin er auf dem
Rücken des Zauberpferdes in die Schlacht. Er griff den
Häuptling der Feinde an und tötete ihn. Daraufhin ver-
54
schwand er mit seinem Werd ebenso schnell wie er
gekommen war, ohne das es jemand bemerkte.
Als er im Dorf von seiner Tat erzählte, lachten sie über
ihn und verhöhnten ihn, denn das Werd haue wieder
seine alte Gestalt angenommen. Ein weiterer Kampf
folgte und wieder griffen der Junge und sein Zauber-
pferd so mutig ein, dass die Feinde die Flucht ergriffen.
Am Ende der dritten, ebenso siegreichen Schlacht
schließlich, scharten sich sämtliche Werde plötzlich
hinter dem Zauberpferd zusammen und folgten ihm
nach wie einem Heerführer.
Endlich erkannten die Krieger des Dorfes den Ver-
dienst und die Macht des Jungen und seines Werdes an
und w ählten ihn zu ihrem großen Häuptling.
Bisons
Bisons sind Verwandte unseres europäischen Wisents.
Ausgewachsene Bullen können eine Schulterhöhe von
180 cm erreichen und mehr als 1000 kg schwer wer-
den. Ihre Lebenserwartung liegt bei 20-30 Jahren. Sie
ernähren sich von den verschiedenen Grasarten der
Prärie und ziehen in Herden umher.
Bisonberde der Blackfoot-Indianer bei Calgary
Als Hauptlieferant von Nahrung spielte der Bison eine
zentrale Rolle im Leben der Prärie-Indianer. Eine Kio-
wafrau drückte die Abhängigkeit ihres Volkes von die-
sem Tier so aus: «Alles, was die Kiowa besaßen, kam
vom Bison. Unsere Zelle waren aus Bisonhaut, unsere
Kleider und auch unsere Mokassins. Wir aßen das
Fleisch des Bisons. Der Bison war das Leben der Kio-
wa.»
Den Ureinwohnern waren die Bisons heilig. Religiöse
Zeremonien, bei denen man die Bisons um Verzeihung
bat und reinigende Schwitzbäder in den Schwitzhütten
waren vor jeder Jagd erforderlich. Das Tier galt dem
Menschen als cbenbünig Die Indianer verwerteten al-
les vom Bison, nichts wurde verschwendet. Neben den
Dingen, die die Kiowafrau oben aufgezählt hat, wurde
z.B. die Bisonwolle zur Herstellung von Stricken und
Schnüren und als Füllmaterial verwendet. Aus den
Knochen stellte man Messer, Schaber und Spatel her.
das Schulterblatt diente als Hacke, die Sehnen benutzte
man zum Bespannen des Bogens und als Nähzwirn.
Magen und Blase fanden Verwendung als Koch- und
Vorratsbehälter und der getrocknete Dung wurde zu
Brennmaterial.
55
Die weiße Büffelkuh-Frau
Ein Mythos der Lakota-Sioux erzählt. wie W’ankan Tan-
ka, der große Geist, einst eine schöne, weiß gekleidete
Frau zu ihnen geschickt hatte. Es war die weiße Büffel-
kuh-Frau. die den Lakota die Heilige Pfeife brachte
und sie viele wichtige Riten lehrte. .Als ihre Mission
beendet war, verwandelte sie sich in ein weißes Bison-
kalb und verschwand.
Als die Kolonialisten mit dem Bau der Eisenbahn im-
mer w eiter nach Westen, in indianisches Land vordran-
gen, begann ein unvorstellbares Gemetzel an den Bi-
sons. War es den Eroberern bisher noch nicht gelun-
gen, den Widerstand und Freiheitswillen der Prärie-
Indianer durch Waffengewalt und Vertreibungen zu
brechen, so hatten sie nun eine ebenso wirkungsvolle
wie grausame Möglichkeit entdeckt Das Abschlachten
der Bisons um den Ureinwohnern die Lebensgrundla-
ge zu entziehen. Sie sahen fassungslos mit an, wie die
ihnen heiligen Tiere sinnlos getötet wurden. Manchmal
schnitten die Weißen nur die Zungen heraus, die als
Delikatesse galten, oder zogen nur das Fell ab. Alles
andere blieb in der Prärie hegen und verfaulte an der
Sonne. Die Indianer hatten den Eindruck, als hassten
die W eißen die Natur.
« Sind die Weißen zu Kindern geworden, dass sie un-
bekümmert töten und nichts davon essen? Wenn die
Kiowa das Wüd töten, dann deshalb weil sie leben wol-
len und nicht verhungern.»
Salanta, Häuptling der Kiowa
1890 waren von den einstmals ca. 50 Millionen Bisons
weniger als 1000 Tiere übrig gebüeben. Damit war
auch das Schicksal der Prärie- und Plainskulnir besie-
gelt. Die Indianer hanen keine andere Möglichkeit
mehr als sich in die Reservationen zu begeben. Ihr
Land fiel in die 1 Lände der Eroberer.
Die Trauer der Menschen über den Verlust ihrer Frei-
heit spiegelt die Vision einer jungen Indianerin wider:
« Die Morgennebel stiegen noch über dem Madison
Creek auf und als ich über das Wasser sali, wie es schim-
merte durch den Dunst, sah ich die letzte Büffelherde
erscheinen wie einen Geistertraum Das Leittier der
Herde lief geradewegs auf den Mount Scott zu. Hinter
ihm Hefen die Kühe und ihre Kälber und die wenigen
jungen männlichen Tiere, die überlebt hatten. Ich sah,
wie sich das Gesicht des Berges öffnete. Im Inneren des
Mount Scott war die W elt grün und frisch, wie sie einmal
war, als ich noch ein kleines Mädchen war. Das W asser
der Flüsse floß klar dahin, die wilden Pflaumen waren in
voller Blüte. Ihre roten Blüten wirbelten die Hänge im
Inneren hinauf. In diese W elt der Schönheit Hefen die
Büffel hinein, um nie wieder gesehen zu werden.»
Ein Hoffnungsschimmer
Zum Glück hatte die .American Bison Society dafür Sor-
ge getragen, dass die wenigen überlebenden Bisons
unter Schutz gestellt wurden. Heute gibt es wieder ca.
200 000 Plainsbisons. Davon leben etwa 30 000 Tiere
in wilden Herden in den Nationalparks und in indiani-
schen Reservationen, alle anderen auf Bisonfarmen
Auf einer solchen Farm wurde 1996 ein weißes Bison-
kalb geboren, ein äußerst seltenes Phänomen. Viele
Indianer sehen darin die Verheißung, dass ihre Kultur
am Anfang einer neuen Blüte stehl, einer Revitalisie-
rung in moderner Form.
Bison-Fangspiel
••Bisonjagd» hieß ein beliebtes Spiel indianischer Jun-
gen. Mehrere Mitspieler (die «Bisons») laufen über
eine weite Fläche, z.B. eine große Wiese. Sie tragen
etwas Essbares bei sich. Nach einiger Zeit folgen ihnen
die anderen nach und versuchen sie zu fangen und
ihnen die Essvorräte abzunehmen. Die Indianerkinder
hatten früher bei diesem Spiel ein Stück getrocknetes
Büffelfleisch dabei.
Vorschlag:
W ir hängen den «Bisonkindern» einen kleinen Holzbi-
son um. den man nach der Vorlage aus Sperrholz aus-
sägen und bemalen kann. Zusätzbch tragen sie z. B.
einen Apfel, einen Landjäger (Dauerwurst) oder etwas
ähnUches bei sich, damit die «Büffeljäger» auch rich-
üg «Beute machen können.» Dieses Spiel kann man
gut mit größeren Kindergruppen im Freien spielen.
56
Bemalte Bisons zum Umhängen (Bison-Fangspiel)
Holzbison
(Skizze in Originalgröße)
Vorlage
zum Aussägen aus Sperrbolz
57
Adier,
König der Lüfte
Sorgte der Büffel für Nahrung und Kleidung,
also die für Grundlagen des irdischen Übens, '
so war der Adler Bote zwischen den erdverhafteten
Menschen und den Himmelsmächten. Zu den wichtig-
sten Requisiten einer heiligen Zeremonie der Plains-
völker gehören neben der Pfeife auch Adlerfedem und
eine Flöte aus den Flügelknochen des Adlers. Diese
Dinge sind erforderlich um Verbindung zur spirituel-
len Welt aufzunehmen. Nur dem Adler ist es möglich,
sich frei und weit über die Wölken zu erheben und in
die Nähe des großen Schöpfergeistes zu gelangen.
Die folgende Geschichte, die sich die Indianer erzäh-
len, berichtet davon, wie der Adler zu seinen schwar-
zen Schwanzfederspitzen kam:
W eil nur der Adler die Fähigkeit besaß, sich hoch über
die Wölken zu erheben, baten ihn einmal die anderen
Tiere, ihr Gebet zur Sonne zu tragen. Der Adler war gern
dazu bereit und trug also das Gebet zur Sonne. Die Son-
ne war sehr gerührt und bat ihn: «Gib mir eine von dei-
nen Federn.» Der Adler rupfte eine seiner Schwanzfe-
dern aus und die Sonne küßte die Feder. Daher kommt
es, das Adlerfedem am Ende schwarz sind, sie sind von
der Sonne versengt! Und die Sonne sagte: «Nimm diese
Feder und bringe sie den Menschen unten auf der Erde.
Sie wird für alle Zeiten das Erkennungszeichen meines
auserwählten Volkes sein.»
l ’S'
ner interessiert. Wir könnten es auch, fast so wie die
Indianer, als eine seelische Unterstützung betrachten,
um den Mut und das Selbstvertrauen des Trägers zu
stärken.
Material:
Zwei «Adlerkrallen», wir verarbeiteten Krallenimita-
tionen aus Horn (Bezugsquelle siehe .Anhang). Man
kann die Krallen auch aus sehr starkem Karton oder
Sperrholz herstellen und schwarz lackieren
Ein Stück Leder
Stickperlen in rot und schwarz, dazu eine feine Nadel
und Faden
Einige größere Glasperlen in rot, schwarz und weiß
Zwei Messingglöckchen
Eine durchlöcherte Muschel oder einen schönen,
durchbohrten Stein
Zwei Lederbänder, je etw a 45 cm lang
Ein etwas dünneres Lederband, etwa 70 cm lang (zum
Umhängen)
Schere
Adlerkrallen-.Amulett im Stil der
Crow-Indianer
Amulette dieser .Art sollten dem Träger Mut und Kraft
des Adlers verleihen.
Unser .Amulett wäre z.B. ein wunderbares Geschenk
für einen Jungen, der sich für die Geschichte der India-
Adlerkralle» mit Befestigungsfortsatz (1:1)
58
Lage der Adlerkrallen im Lederpäckchen
Das Lederstück um die «Adlerkrallen» spannen (Skiz-
ze), evtl. Kräuter mit hinein wickeln. Das Leder dann
hinten und seitlich, soweit nötig, zusammen nähen.
Über die Seiten des so entstandenen Päckchens die
beiden je 45 cm langen Lederbänder kleben oder mit
wenigen Stichen fixieren. Diese Bänder mit zwei Rei-
hen Perlen einrahmen (Lazy-Stich. siehe Seite78) Die
vier Enden der herabhängenden Lederbänder spitz zu-
schneiden und einige große Glasperlen aufziehen, wie
die Abbildung zeigt. Mitten auf den Beutel eine Mu-
schel oder einen besonderen Stein, z.B. den Geburts-
tagsstein des zu Beschenkenden, befestigen. .An die
Beutelrückseite das schmale Lederband zum Umhän-
gen anbringen, daran kann man noch zwei Messing-
glöckchen und zwei schwarze Glasperlen befestigen -
und fertig ist ein eindrucksvolles Schmuckstück!
.Adlerfedern wurden als Sinnbild der Sonnenstrahlen
sowie als Symbol des Donnervogels, der Regen und
Gewitter sendet, betrachtet. Nur hervorragende Krie-
ger und Häuptlinge durften sich mit den Federn des
göttlichen Vogels schmücken. Gleichzeitig, so glaubte
man, gingen Mut, Kraft und Schönheit des .Adlers auf
den Krieger über. .An der Menge der Federn, die man
am Kopfe tmg und auch an der Art. wie man sie auf-
steckte, färbte und zurechtschnitt, war abzulesen, wel-
cher Taten im Kampf sich der Träger rühmen konnte
und welche Verdienste er sich erworben hatte. In der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden die be-
rühmten großen Federhauben mit den Schleppen, die
fast bis zum Boden reichten. Je prächtiger und länger
eine solche Schleppe war. um so bedeutender war das
.Ansehen, das der Träger genoss.
Adlerkrallenamulett nach alten Vorbildern
Bei wichtigen Festen und Zeremonien tragen die India-
ner auch heute wieder ihre herrlichen Federhauben.
Damals wie heute haben nur verdienstvolle Männer
das Recht und das Privileg, sich damit zu schmücken
und so ihr .Ansehen zu demonstrieren.
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Plainsindianer in festlichem Aufzug beim Poicuxnc in Browning / Montana
Federhaube
Material:
Leder, nicht zu weich, eine Ledemadel
Filz aus dem Bastelgeschäft
Stickperlen und eine feine Nadel, die durch die Löcher
der Perlen passt
Einige größere Glas- oder Keramikperlen
Große Federn und einige kleine Federn
Fellstreifen oder dicke Wollbänder
Lederschnur
Locher, Schere, Nähseide, Nähzwirn
Nach dem Kopfumfang (bitte knapp messen) einen Le-
derstreifen von ca. 6 cm Breite zuschneiden. Der Le-
derstreifen auf der Abbildung ist z. B. 47 cm lang.
Auf ein Filzstück die Perlen im Lazy-Stich (siehe Skizze
Seite 77 und 82) aufsticken. Erst nach der Fertigstel-
lung der Perlenstickerei den Filz zu einem Streifen
schneiden, etwas kleiner als den Lederstreifen (im -ab-
gebildeten Beispiel misst der Filzstreifen 22 x 4,5 cm),
anschließend mittig auf das Lederstimband nähen.
Dazu eine Ledemadel, nicht zu dick, verwenden. Nun
das Band probeweise um den Kopf legen und Ohren
markieren, denn ungefähr hier, in Ohrenhöhe, bringen
wir ausgeschnittene Filzkreise (Rosetten), Durchmes-
ser ca. 5 cm, an das Stirnband an. Es sieht sehr anspre-
chend aus, wenn über dem größeren FilzkreLs noch
ein kleinerer, andersfarbiger liegt.
Aus Filzstücken von em 9 x 3.5 cm kleine Röhrchen
längs rollen und zusammennähen. Sie sollen die Feder-
kiele eng umschließen. .An unserer abgebildeten Fe-
derhaube sind es 13 Stück’ Die Röllchen in regelmäßi-
gen Abständen innen gegen das Lederband nähen, sie
sollten noch ca. 3 cm über den Rand hinausragen (Ab-
bildung). Beim Aufnähen bitte nicht ganz durch das
Lederband stechen, denn die Stiche sollen ja nicht auf
der Vorderseite zu sehen sein. Ledernadel verwenden!
.An die Rosetten überden Ohren lange Lederbänder befe-
stigen. dazu einen stabilen Faden (Zwirn) verwenden
und ganz durch das Lederband stechen, sonst halten sie
nicht. Nach Wunsch größere Glasperlen auf die Leder-
bänder ziehen und in jede Perle zusätzlich eine oder
mehrere kleine Federn stecken, das Ganze soll recht
60
prächtig werden! Ein dünner, langer Streifen Kaninchen-
fell oder dicke Wollbänder (Die Indianer verwendeten
Hermelinfell) ebenfalls in der Rosettenmitte annähen.
Dann die großen Federn sortieren Die größten kom-
men in die Mitte der Haube, die kleineren nach außen.
Alle Federn in die Röhrchen stecken. Sitzen die Federn
zu locker, die Kiele mit einem Tropfen Klebstoff verse-
hen. Dann mit einem Locher an den Seiten (HinterkopO
des Lederbandes je zwei Löcher zum Durchziehen einer
Lederschnurstanzen. Die Punkte vorher markieren und
beim Lochen ganz genau hinschauen, damit zum
Schluss nicht noch etwas verdorben wird. Die Leder-
schnur durchziehen wie die Abbildung «Klan-Chef-
Haube», Seite 24 zeigt! Nun kann der Kopfschmuck
der Kopfgröße ganz genau angepasst w erden.
Anmerkung:
Das vorgeschlagene Perlenmuster stellt den Morgen-
stern dar. ein häufiges Motiv der Prärie-Indianer. Die
großen Federn an der Haube sind vorwiegend Gänse-
federn. Wir haben ihre Spitzen mit Farbe betupft, so
sehen sie hist wie echte Adlerfedern aus. Zwei der Fe-
dern, die in der Haube stecken, sind allerdings echte
Adlerfedern. Ein Vögelpfleger in einem Tierpark hatte
sie den Kindern geschenkt.
61
So ein Glück hat man natürlich nicht alle Tage, deshalb
hier ein paar Tips, wo man Federn herbekommen kamt:
Am besten draußen in der Natur die Augen aufhalten,
beim Bauern, der Federvieh hat, nachfragen, bei Falk-
nereien, die oft Schauflüge veranstalten, nachfragen,
Vogelparks verkaufen manchmal Federn an ihren Kios-
ken. in Bastelgeschäften gibt es ebenfalls Federn, sie
sind oftmals leider sehr grell gefärbt oder bei der Be-
zugsadresse im .Anhang bestellen. Gefundene, ver-
schmutzte Federn kann man übrigens in Seifenwasser
waschen.
Die Schildkröte als Trägerin der Erde
Eine Schöpfungsgeschichte
Eine der unzähligen indianischen Schöpfungslegenden
erzählt, wie der erste Mensch vom Himmelsdorf auf
die Erde hinunterfiel. Es war eine Frau. Im Fallen sali
sie, dass die Erde vollständig mit Wasser bedeckt war,
es gab noch kein land! Die Wasservögel sahen zum
Himmel hinauf und entdeckten das seltsame, fallende
Viesen. Eine Ente sagte: «Wir sollten diesem Lebewe-
sen einen Rastplatz schaffen.» Da tauchten die Here
eilig ins Meer hinab und brachten Erde an die Oberflä-
che, jedes so viel wie es tragen konnte. Die Erde
stampften sie auf dem Rücken einer Schildkröte fest.
Auf diese kleine Insel fiel die Frau. Dort brachte sie auf
geheimnisvolle Weise Kinder zur Welt, aus denen sich
das Menschengeschlecht auf Erden entw ickelte.
So kam die Schildkröte zu ihrer Rolle als Trägerin der
Erde und Beschützerin der Frau.
Die Irokesen bezeichnen übrigens Nordamerika als
«Schildkröteninsel.»
Neugeborenen Mädchen legte man ein kunstvoll mit
Perlen oder Stachelschweinborsten besticktes .Amulett
in Form einer Schildkröte in die Trage. Dieser Leder-
beutel barg die getrocknete Nabelschnur des Kindes.
Sie war das symbolische Band, das das Kind nut seinen
Vorfahren verband. Nabelschnur-Amuletten schrieb
man eine hohe Schutzfunktion zu und sie waren dar-
über hinaus ein Sinnbild für Fruchtbarkeit. Man hielt
sie ein Leben lang in Ehren. Neugeborene Jungen er-
hielten ein Nabelschnur-Amulett in Form einer Echse.
Die Frauen der Prärieindianer stellen bis heute, bzw.
heute wieder, Nabelschnur-Amulette für ihre Kinder
und Enkelkinder her.
Nabelschnur-Amulette
Material:
Ein Stück Waschleder (Fensterleder)
Stickperlen aus Glas in verschiedenen Farben und Na-
deln
Größere Glasperlen, evtl, ein paar kleine Fedem für
die Beine
Nach der Vorlage die Umrisse des Tieres auf das
Waschleder zeichnen, aber noch nicht ausschneiden!
Das gewünschte Perlenmuster evtl, leicht anzeichnen.
Die abgebildeten Muster sind nur als .Anregungen ge-
dacht, jeder sollte nach Möglichkeit sein eigenes Mu-
ster entwickeln. Als Orientierung eine Mittellinien vom
Kopf bis zum Schwanz zeichnen. Beim Besticken mit
dem Lazy-Stich kann eigentlich nicht viel schief gehen,
solange man sich an die Umrisslinien hält und die Per-
len genau abzählt. Man bestickt nur Kopf, Rücken und
62
63
Sabelschnur-Amulette mit Glasperlen im Lazy-Sticb bestickt
Schwanz. Dann erst die Figur ausschneiden, rundher-
um ca. 5 nun zugeben. Für die Unterseite ein entspre-
chendes Lederstück ausschneiden. Die Bauchseite
wird nicht bestickt.
Beine:
Als Schildkrötenbeine zwei, ca. 11 cm lange, schmale
Lederstreifen der Länge nach zu Röllchen formen und
zusammenheften. Beim Füllen und Zusammennähen
des Körpers werden sie mit eingefiigt und ergeben die
vier Beine, die zusammenhängend und waagerecht
durch den Körper laufen. Erst ganz zum Schluss be-
stickt und umwickelt man die Beine mit Perlenschnur-
reihen und steckt einige kleine Federn in die Enden.
Die Beine der Echsen bestehen aus einfachen Leder-
streifen, auf die einige große Glasperlen aufgezogen
und die am Ende nur mit Knoten versehen werden. Die
Füllung der Körper besteht aus Schafwolle. Man
schließt sie mit überwendlichen, also sichtbar bleiben-
den Stichen von außen.
Auf der Abbildung sicht man drei Nabelschnur-.Amulet-
te, zwei Echsen, also für Jungen und eine Schildkröte.
Die dunkelgrüne Echse stammt aus der Pine-Ridge-
Reservation in South-Dakota und wurde 1998 von Cin-
dy Catches, .Angehörige der Oglalla-Sioux angefertigt.
Das Geheimnis der Medizinbündel
Wenn die Indianer von «Medizin» sprechen, so ist das
nicht im Sinne von «.Arznei» zu verstehen.
Viele Plainsgemeinschaften bewahrten in ihren Dör-
fern Heilige Bündel, «Medizinbündel» auf, die der
«Große Geist» einst ihren Vorfahren zum Geschenk
gemacht hatte und von dem besondere Kräfte, «medi-
cine power» und Schutzfunktionen für den gesamten
Stamm ausgingen. .Alle Gegenstände, die das Bündel
enthielt, standen in irgendeiner Beziehung zum Gro-
(h
Medizinbeutel mit Inhalt: Kräuter. Muscheln. Stein
ßen Geist. Meistens gehörten eine Heilige Pfeife, Ta-
bak, Knochen, Federn, getrocknete Nahrungsmittel
und anderes zum Inhalt.
Die Heiligen Bündel wurden von Generation zu Gene-
ration weiter gegeben, nur an besonderen Plätzen auf-
bewahrt und sorgsam gehütet. Zu ganz bestimmten
Anlässen durften eingeweihte Männer das Medizinbün-
del feierlich öffnen. Dann brachte man den ausgebrei-
teten, heiligen Gegenständen Opfer in Form von Rauch
aus der Zeremonialpfeife dar. Der geweihte, aufstei-
gende Rauch brachte die Gebete zum Großen Geist.
Diese, mit dem ganzen Stamm verbundenen Medizin-
bündel, könnte man als -soziale Bündel» bezeichnen,
denn es gab und gibt auch ganz persönliche Medizin-
bündel, meistens in Beutelform. Ein persönlicher Me-
dizinbeutel kann ebenfalls verschiedene Objekte ent-
halten, Steine, Federn, Pflanzenteile etc., die in Verbin-
dung mit dem ganz individuellen Schutzgeist eines ein-
zelnen Menschen stehen.
Um zu seinem Schutzgeist zu gelangen, begibt sich ein
Indianer auf Visionssuche. Hat er das Glück, seinem
Schutzgeist zu begegnen, so empfängt er von ihm die
unterschiedlichsten geistigen Gaben und Lehren, z.B.
Rituale. Lieder. Versprechen von Hilfe in Krisenzeiten,
aber auch Tabuvorschriften und Läuterung. Später
sucht er die Gegenstände, die mit dieser heiligen Be-
gegnung in irgendeiner Beziehung stehen zusammen
und bewahrt sie fortan in seinem Medizinbeutel auf.
Indianer tragen nach wie vor ihre Medizinbeutel bei
sich und verbinden so das Visionserlebnis mit ihrem
Alltagsleben. In manchen Fällen werden die Medizin-
bündel und die damit verbundene Kraft an andere
Menschen weiter gegeben.
Heilige Gegenstände, von denen «medicine power»
ausging, befestigten die Krieger früher auch an ihren
Kampf- und Ritualschilden. Sie sollten Unheil abwen-
den und Unverwundbarkeit im Kampf sicher stellen.
65
Medizinbeutel herstellen
Wenn wir einen «Medizinbeutel» herstellen, wissen
wir, dass es sich nur um etwas «Nachgemachtes» han-
deln kann, denn uns europäischen Menschen steht die
ganz besondere, spirituelle und intuitive Kraft der
nordamerikanischen Ureinwohner nicht so einfach
zur Verfügung. Trotzdem muss unser «.Medizinbeutel»
nicht sinnentleert sein, denn er könnte doch etwas ent-
halten. das wirklich eine Bedeutung für den Träger hat,
etwas, das ihn im Alltag durchaus seelisch unterstützen
kann. Was könnte das sein? Ein Stein vielleicht, den
einem ein Freund geschenkt hat, etwas, das an beson-
dere Ereignisse, Träume, an geliebte .Menschen erin-
nert oder mit einem besonderen Wunsch zusammen
hängt...
Material:
Ein Stück Leder, nicht zu dick, z.B. Waschleder
Ein langes, dünnes Lederband
Aus dem Leder einen Kreis, Durchmesser etwa 25 cm,
ausschneiden.
2 cm vom Rand entfernt, rundherum, in gleichmäßi-
gen Abständen kleine Löcher in das Leder bohren.
Lederband durch die Löcher ziehen, zusammenziehen,
eine große Perle als Abschluss über beide Enden
schieben, lockeren Knoten machen-fertig!
Vier möchte, bemalt oder bestickt seinen Beutel, bevor
er zusammen gezogen wird.
Die Sehnsucht nach Visionen
Die Sehnsucht der Indianer nach Visionen ist die Sehn-
sucht nach spirimeller Kraft. Deshalb war und ist bis
heute liir die Menschen der Prärie und Plains die Visi-
onssuche von großer Bedeutung. Wer sich auf Visions-
suche begibt, sucht nach bestimmten Vorbereinmgen
einen einsamen Ort in der Natur auf. Durch Fasten und
eine strenge geistige Disziplin erlangt er nach einigen
Tagen einen «durchlässigen» Zustand, der ihn emp-
findlich und empfänglich werden lässt für spirituelles
Erleben. In dieser außergevvöhnüchen psycho-physio-
logischen Situation erkennt er seinen Schutzgeist.
SchutzgeLster sind von ganz unterschiedlicher Gestalt.
Es können Here sein, bestimmte Bäume, Felsen, Ster-
ne, Wölkenformationen usw. Während einer Vision
empfangt der Mensch manchmal Lieder, die später, im
«Normalzustand», an die Stammesmitglieder weiterge-
geben werden, oder er erhält Anweisungen, wie ein
neues, heiliges Rimal durchzuführen ist. Es können
auch Hinweise sein, die es dem Menschen erleichtern,
aus einer schwierigen Lebenssituation herauszufinden
und vieles mehr. Bei der Rückkehr in das alltägliche
Leben fühlt sich der Mensch meistens gekräftigt und
erfrischt. Dann sucht er die heiligen Gegenstände zu-
sammen, die in irgendemer Verbindung zu seinem
Schutzgeist stehen und legt sie in seinen Medizinbeu-
tel, wie oben bereits beschrieben. Manchmal wird
nach einer Vision der Name geändert. Der berühmte
Oglalfa-Sioux Crazy Horse (wildes, verrücktes Pferd)
verdankt seinen Namen z. B. einer bedeutsamen Visi-
on. in der er auf einem tänzelnden, sich aufbäumen-
den Pferd saß und mit ihm über ein überirdisch schö-
nes, lichtdurchflutetes Land ritt.
Es gibt in Nordamerika bestimmte Plätze in der Natur,
Berge. Flüsse, Seen etc., die für die Indianer von hoher
religiöser Bedeutung sind, etwa so wie Kathedralen für
Christen. Diese Orte werden bevorzugt von Visions-
suchenden aufgesucht. Die Berge Chief Mountain in
Montana und Bear Butte in Süddakota sind z.B. solch
heilige Orte. .Am Bear Butte sollen die Vorfahren der
Lakota und Cheyenne vom «Creator», dem Großen
Schöpfergeist, einst wichtige religiöse Unterweisungen
erhalten haben. Der Hügel ist heute zu einer Touristen-
attraktion heruntergekommen. Visionssuchende In-
dianer werden von weißen Ausflüglem neugierig be-
obachtet, fotografiert und anderweitig belästigt. Die
Touristen hinterlassen ihre Abfälle an diesem heiligen
Ort und stören die Indianer durch Radio- und Moto-
renlärm. Zu den religiösen Ritualen gehört, dass die
Indianer ihre Heiligen Pfeifen als Opfergaben am Bear
Bune zurück fassen. Diese werden kurzerhand von
den Weißen als Souvenirs entwendet. Mitglieder der
Cheyenne und Lakota versuchten wiederholt, durch
66
Chief Mountain, einer der berühmten Visions-Plätze der Blackfoot-Indianer
Klagen vor LS-Gerichten, die Juristen davon zu über-
zeugen, dass es sich um eine heilige Stätte handelt, die
es zu respektieren gilt und die unter besonderen
Schutz zu stellen ist. Bis heule fanden sie kein Gehör!
Die Heilige Pfeife
(auch Kalumet genannt)
Black Elk (Schwarzer Hirsch), der große Oglalla-Si-
oux Häuptling, verfügte über große Weisheit und hei-
lende Kräfte. Nach einer Beratung mit den Ältesten ent-
schloss er sich die sieben geheimen, heiligen Riten
seines Volkes in einem indianischen Weisheitsbuch zu
beschreiben. Ein Sakrileg befürchtete er nicht, denn
«die Wahrheit schütze sich kraft ihres eigenen Wesens
vor Entweihung.»
Eine der sieben heiligen Riten ist die Pfeifenzeremonie.
Die Heilige Pfeife wurde den Prärievölkern der Legen-
de nach von einer sehr schönen l akanfrau. einer heili-
gen, geweihten Frau gebracht. Es war die «Weiße Büf-
felkuh-Frau». (Siehe Abschnitt «Bisons»), In Black
Elks Mitteilungen steht: «Bald meldeten die jungen
Männer, die das Erscheinen der geheimnisvollen Frau
zu beobachten hatten, sie sähen diese aus der Ferne in
wunderbarer Weise daherkommen; und dann betrat
die heilige Frau plötzlich das Zelt, schritt im Sinne der
Sonnenbahn rundum und trat vw Stehendes Hohlhorn
(der damalige Häuptling). Und die heilige Frau sagte:
«Mit dieser heiligen Pfeife sollt ihr auf der Erde leben;
denn die Erde ist eure Altmutter und Mutter und heilig.
Jeder Schritt, der auf ihr getan wird, sollte wie ein
Gebet sein. Der Pfeifenkopf ist aus rotem Stein: er ist
die Erde. In den Stein geschnitten und gegen die Mitte
gerichtet ist dieses Büffelkalb: es vertritt alle Vierbeini-
gen, die auf eurer Mutter leben. Der Pfeifenstil ist aus
Holz, und er stellt all das dar, was auf der Erde wächst.
Und diese zwölf Federn, die hier hängen, wo der Stiel
im Kopf sitzt, sind von dem gefleckten Adler; sie vertre-
ten den Adler und alle Geflügelten in der Luft. Alle
67
diese Völker und alle Dinge des Weltalls gesellen sich
zu dem, der die Pfeife raucht - alle senden sie ihre
Stimmen zu Uakan-Tanka. dem Großen Geist. Wenn
ihr mit dieser Pfeife betet, so betet ihr für alle und mit
allem.»
Die erste «Heilige Pfeife», die ihnen einst die weiße
Büffelkuh-Frau brachte, befindet sich bis heute im Be-
sitz der Sioux-Indianer.
Heute wird das Pfeifenrimai wieder sehr gepflegt. Es
gibt viele unterschiedliche Anlässe ein Pfeifenrimai zu
vollziehen. Mit der Pfeife wurden und werden gemein-
same Beschlüsse geweiht und verbindlich gemacht.
Man denke an das Rauchen der «Friedenspfeife» nach
den entsprechenden Verhandlungen. Ira heutigen .All-
tag vollziehen Indianer ein Pfeifenritual z.B. vor einem
neuen Unternehmen, um positive, göttliche Kräfte dar-
auf zu konzentrieren; um eine Versöhnung, eine Ent-
schuldigung zu bekräftigen, um Gedanken und Emo-
tionen zu klären und zu beruhigen oder als ein Zei-
chen der Gastfreundschaft. Ich erlebte eine Pfeifen-
zeremonie 1998 in Stuttgart anlässlich der Eröffnung
einer Ausstellung indianischer Künsder. Sie wurde voll-
zogen von einem .Angehörigen des Volkes der Ani-
shinabe. Er bat mit dieser feierlichen Handlung den
«Creator» um seinen Segen für diese Veranstaltung.
Eine geweihte Pfeife wird immer zweigeteüt aufbe-
wahrt, das Zusammensetzen von Pfeife und Stiel gehört
schon zum Rimal. Den Rauch bläst man ehrfurchtsvoll
in alle sechs Richtungen: nach Westen, Norden, Osten,
Süden, zum Himmel und zur Erde.
Eine Pfeife zum Spielen
Material:
Abschnitte von einer Pappröhre (Küchenpapierrolle
etc. oder selber herstellen) als Pfeifenkopf
1 Rundholz oder Bambusstock, ca. 40 cm lang, als
Pfeifenstiel
Zum Verzieren: Federn. Perlen, Lederbänder, Farbe
sowie etwas Karton und Alleskleber
Die Pappröhre 2 x durchbohren, die Löcher müssen
sich gegenüber liegen. Das Rundholz durchschieben,
so dass es 2-3 cm aus dem Pfeifenkopf herausschaut,
mit etwas Alleskleber fixieren.
.Als Boden des Pfeifenkopfes eine kleine, runde Papp-
scheibe unten ankleben.
Kopf und Stiel nach Wunsch bemalen.
Süel mit Lederbändern, Perlen und Federn schmücken.
Ausrüstung eines Kriegers
Pfeil und Bogen waren die wichtigste Waffe der Prärie-
Indianer. Damit verfehlten sie ihr Ziel auch noch auf
100 Meter nur selten. Mit dem Bogen konnte man sehr
viel schneller schießen als mit einem Gewehr. Gute
Bogen und Pfeile hatten einen hohen Wert. Kriegspfeile
versah man mit Widerhaken, Jagdpfeile dagegen halten
eine glatte Spitze. Jeder Krieger markierte seine Pfeile
mit individuellen Zeichen. So konnte man den erfolg-
reichsten Jäger leicht herausfinden.
Einen Rogen bauen
Pfeile herstellen
Material:
Einen ca. 90 cm langen, geschmeidigen Zweig (z.B.
Weide oder Haselnuss), 1,5 - 1,8 cm dick,
Paketschnur oder gewachste Kunstsehne für die Be-
spannung,
Lederband, Federn und Perlen zum Verzieren,
Taschenmesser und .Alleskleber.
In den Zweig nach Wunsch und Geschick einfache geo-
metrische Muster ritzen, etwa 2 cm von den Enden
entfernt rundherum einkerben. Ein Ende der Paket-
schnur oder Sehne mit einer Schlinge versehen und in
eine der Einkerbungen legen. Den Bogen leicht span-
nen und das andere Ende der Sehne in der entgegenge-
setzten Einkerbung festschnüren. Die Mitte des Bogens
dicht mit dem Lederband bewickeln (Handgriff). Vor-
her liier den Bogen evtl, mit etwas Alleskleber einstrei-
chen. Beide Bogenenden mit Federn, Perlen oder an-
deren Naturmaterialien verzieren.
Achtung!
Dieser Bogen ist eine echte Waffe. Wer unachtsam da-
mit umgeht, gefährdet Mensch und Tier. Beim Schie-
ßen sollte immer ein Erwachsener anwesend sein. Dar-
auf achten, dass sich niemand in der Schusslinie auf-
häll. Niemals, auch nicht zum Spaß, auf Mensch oder
Tier zielen. .Allzu leicht löst sich ein Pfeil versehentlich!
.Als Ziel könnten z. B. eine Schuppenvvand oder ein
Strohballen dienen, woran eine Zielscheibe aus Papier
befestigt ist.
Material:
Gerade Zweige oder Rundstäbe, ca. 50 cm lang und
0,5 - 0,8 cm dick,
Federn,
Bastelfarben, Pinsel, Papiercutter, Taschenmesser,
Schmirgelpapier,
.Alleskleber, dünne Schnur, Flaschenkorken,
evtl, eine kleine Säge.
In das Ende des Zweiges, bzw. des Rundholzes, eine
kleine Kerbe schnitzen oder sägen, zum Einlegen der
Bogensehne, vorne anspitzen, glatt schmirgeln, nach
Wunsch bemalen. Federn, sie dürfen nicht zu klein
sein, spalten. Dazu benutzt man den Cutter und fährt
mit leichtem Druck mitten auf dem Federkiel endang.
69
an der dicksten Stelle angefangen. Aus einer Feder er-
hält man mehrere »Steuerfedern», zur Verbesserung
des Pfeilfluges. Wir benötigen pro Pfeil drei dieser Fe-
derstiicke, je 8 - 9 cm lang. Die Federn mit Klebstoff
am Pfeilende ansetzen, bitte nicht ganz an das Pfeilen-
de, sonst bleibt kein Platz zum .Anfassen und Auszie-
hen. zusätzlich mit dünner Schnur oben und unten
festbinden ( Abbildung). Aus Sicherheitsgründen einen
Korken auf die Pfeilspitze stecken.
Köcher
Material;
Eine Versandrolle, 35 - 38 cm lang, etwa 6 cm im
Durchmesser,
Tonpapier, Bastelfarbe,
Lederband. 1 m lang, Lederreste,
evtl. Perlen und Fedem, Schere und Alleskleber.
Die Versandrolle mit einer Farbe grundieren oder mit
Tonpapier beziehen. Geometrische Formen darauf ma-
len oder aus Papier ausgeschnittene Motive aufkleben.
Zusätzlich den Köcher mit Fransenbändern aus Leder-
resten schmücken. Etwa 2 cm von oben und 12 cm von
unten je ein Loch in den Köcher bohren. Die Löcher
müssen auf einer Linie hegen, hier wird das Lederband
als Umhängeschnur festgeknotet. Die Schnur oben mit
Perlen und Federn verzieren.
Tip:
Die Flaschenkorken beim Schießen auf den Pfeilspit-
zen belassen. Sie werden in kleine Näpfchen mit Was-
serfarbe getunkt und dann gleich abgeschossen. Jeder
Schütze hat seine eigene Farbe. .An den Farbtupfen auf
der Zielscheibe sieht man dann, wer am besten getrof-
fen hat.
Schilde
Die Ureinwohner verwendeten für ihre Schilde die ex-
trem derbe, dicke Haut vom Bisonnacken. Die schö-
nen Schilde sollten zum einen ganz konkret vor Verlet-
zungen schützen, indem sie Pfeile und Speere abfin-
gen, zum anderen gingen von ihnen, nach Auffassung
der Indianer, auch magische Schutzfunktionen aus.
Siehe dazu Seite 64 «Das Geheimnis des Medizinbün-
dels».
Ein Schild herstellen
Material:
Ein großes Stück starken Karton.
ein großes Stück festen Stoff in einem Braunton,
Stoffmalfarbe. Borstenpinsel, Lederbänder. Perlen
(Crow-beads), Fedem, Filz, Reißfesten Faden und pas-
sende Nadel,
Messingglöckchen, Knochen, Muscheln, Schnecken-
Itäuser.
Lederbiindelchen, gefüllt mit Tabak oder Kräutern und
dergleichen,
Cutter (Teppichschneidemesser), Schere, Alleskleber.
Prächtiger Schild. Speer und Pfeifentomahawk
Scbildriickseite
Aus dem siarken Karton einen Kreis von 48 - 50 cm
Durchmesser ausschneiden (Cutter). L m die Stabilität
zu erhöhen, evtl. 2 Kreise übereinander kleben. 4 Lö-
cher hineinbohren, zum Anbringen der Haltebänder
aus Leder (Abb. Schildrückseile). Die Scheibe auf den
Stoff legen und mit einer Zugabe von 8 - 9 cm rundher-
um einen Stoffkreis anzeichnen und ausschneiden
(Bezug des Schildes). Die Schnittkanten etwa 1 cm
nach innen kniffen und hier, am Rand entlang, einen
reißfesten Reihfaden einziehen. Den Überzug um das
Schild legen und an der Rückseite zusammen ziehen.
Nun kann mit der Gestaltung des Schildes begonnen wer-
den. Wir haben die gewünschten Motive zuerst auf Papier
gezeichnet, ausgeschnitten und auf dem Schild verteilt,
um die W irkung zu begutachten. Ist man dann zufrieden,
werden die Papierschablonen mit einem weichen Blei-
stift umfahren und schon ist das Motiv übertragen und die
Malerei kann beginnen. Auf dem abgebildeten Schild bil-
det ein stilisierter Adler das Hauptmotiv, darüber
71
Häuptling «Little Eagle Featber»
schwebt ein großer, roter Halbmond, darunter sieht man
das Siebengestirn (Plejaden). Eine dünne, braune Linie
und vier grüne Hügel rahmen das Ganze ein.
Solange die Stoffmalfarbe trocknet, bereitet man die
Federbündel und all die anderen Dinge, die an das
Schild gehängt werden sollen, vor. Die Federkiele sind
mit Filzstreifen umwickelt, die weißen Gänsefedern
durch Betupfen der Spitzen mit schwarzer Farbe in
«Adlerfedern» verwandelt worden. .Als «Medizin» hän-
gen am Schild Lederbeutel, gefüllt mit Kräutern und
Tabak, sowie Fellstückchen. Muscheln und Knochen,
alles an Lederschnüren befestigt. Die Schwingen des
gemalten Adlers sind mit Messingglöckchen an Leder-
streifen geschmückt. Das Rosshaar «spendete» uns
das Pferd Carino, zu sehen auf Seite 83, den Tierschä-
del fanden wir in einem Bach. Die schweren Dinge
befestigt man an der Rückseite des Schildes, indem
man den Karton durchbohrt, die leichteren Teile näht
man nur an den Stoff. Im Ganzen sollte auf eine einiger-
maßen ausgewogene Gestaltung geachtet werden.
Speer
Material:
Rundstab, 1 m lang, 1 cm Durchmesser.
1 Stückchen dünnes Sperrholz oder Holzbrettchen,
Etwas Holzleim,
Lederbänder, Filz, Perlen, Federn etc.,
Schmirgelpapier, kleine Säge.
Das Rundholz ca. 1,5 cm tief einkerben. Kerbe ent-
spricht der Stärke des Sperrholzbrettchens. Die Klinge
(Skizze) aussägen, schmirgeln und in die Kerbe lei-
men. Den Stab mit den oben aufgezählten Dingen nach
Geschmack verzieren.
.Anmerkung:
Die Hinge könnte man auch aus stabiler Pappe her-
stellen und bemalen.
Speerspitze aus Sperrholz (Originalgröße)
"2
Pfeifentomahawk
Ein Beil, das gleichzeitig als Pfeife zu benutzen war,
tauschten die Prärie-Indianer gegen Leder und Felle
bei den Weißen ein.
Wir bauen ein Spieltomahawk. Im Stiel ist. im Gegen-
satz zu den echten Tomahawks, natürlich kein Rauch-
kanal gebohrt. (Abb. siehe Seite 71 rechts oben neben
Schild).
Material:
Sperrholz, ca. 4 mm dick,
Rundstab, etwa 2 cm im Durchmesser als Stiel, Wir
haben z. B. einen fertigen Hammerstiel aus dem Bau-
markt verwendet),
Silberfarbe. Pappröllchen, falls vorhanden, sonst
selbst herstellen (Pfeifenkopf),
Laubsäge, kleine Fuchsschwanzsäge,
Evtl. Bohrer, Feile, Sandpapier und Holzleim.
Nach der Skizze die Klinge aussägen. Wer handwerk-
lich geschickt ist, sägt das Motiv heraus, hier ist es ein
stilisierter Bisonkopf. Wer nicht so geschickt ist oder
nicht über das entsprechende Werkzeug verfügt, malt
das Motiv nur auf. Die Schneide der Beilklinge nut
einer Feile anschrägen und mit Sandpapier alles glät-
ten. Oben in den Stiel eine Kerbe sägen, ca. 4 - 5 cm
Klinge des Pfeifentomabauks
lang und so breit, dass die Klinge gerade so hinein-
passt. Die andere Seite des Stieles (Mundstück) mit
der Feile etwas verjüngen. Dann die Klinge in die Kerbe
leimen. Oben, gegenüber der Klinge, den Pfeifenkopf
ankleben. Wer möchte, bohrt 1 - 2 kleine Löcher in
den Stiel zum Befestigen von Lederbändern, Fedem
etc. Zum Schluss werden Klinge. Pfeifenkopf und
Mundstück mit Silberfarbe angemalt.
Musik und Tanz
Ein besonders wichtiges Instrument war die Trommel.
Es gab kleinere Handtrommeln, in der Art von Tam-
bourins, andere waren so groß, dass mehrere Men-
schen gleichzeitig darauf schlagen konnten. Die Trom-
meln klangen zu ganz verschiedenen Anlässen: Bei re-
ligiösen Festlichkeiten und zur Begleitung von Jagd-
und Kriegstänzen. Weitere Instrumente waren Rasseln,
hergestellt aus Flaschenkürbissen, Schildkrötenpan-
zem oder Tierhufen, sowie Flöten aus Holz oder Kno-
chen.
Flötenmusik galt als Liebeszauber. Halte ein junger
Krieger seine Liebe zu einem Mädchen entdeckt so
spielte er nächtelang Flötenmelodien vor ihrem Tipi, in
der Hoffnung sie damit heraus zu locken.
Die meist einstimmigen Gesänge wurden von den mo-
notonen Trommelrhythmen begleitet. Der gleichförmi-
ge, herzschlagähnliche Trommelklang, ließ viele Tän-
zer in einen tranceähnlichen Zustand fallen. Die Lieder
wurden oft von einem Rasseltremolo eingeleitet. Der
Gesang begann mit hohen Tönen und stieg langsam zu
immer tieferen Klängen ab. Das Ende wurde wieder
mit einem Rasseltremolo abgeschlossen Je nach An-
lass waren die Tänze und Lieder ruhig, getragen, be-
schwörend (religiöse Tänze, Klagegesänge) oder wild,
aufwühlend (Kriegstänze). Alle Tanzschritte mussten
ganz exakt ausgefiihrt werden, ihr Ablauf erfolgte nach
einem genau festgelegten System. Oft wurde stunden-,
ja tagelang getanzt
73
Indianer-Mädcben heute beim Powwow in Browning / Montana
Einige Tänze und Lieder haben überlebt, neue sind
hinzu gekommen. Die Powwows, die Tanzfeste der In-
dianer von heute, sind ein Forum, auf dem diese Kultur
gepflegt wird.
Trommeln bauen
Material:
I große, feste Versandrolle (Fachhandel für Ver-
packungsbedarf)
Wir haben von einer großen Versandrolle einen ca.
11 cm breiten Ring abgesägt und daraus noch eine
zweite, kleine Trommel hergestellt.
Ein Stück Rohhaut, Ziege oder Hirsch, Bezugsadresse
im Anhang
Oder ein Stück Waschleder (klingt nicht so gut wie
Rollhautbespannung)
Feste Schnur, z.B. Paketb-and
Zum Bemalen und Verzieren: Bastelfarben (Waco oder
Deka), evtl. farbiges Papier und Alleskleber. Nach
Wünsch Federn. Fellstreifen. Lederbänder, Perlen
(Crow-Beads) etc. Handbohrer. Papierlocher, Schere.
In den Trommelkörper an einer Seite (unten) etwa
2 cm vom Rand entfernt, im Abstand von 3 - 4 cm Lö-
cher bohren, so groß, dass die feste Schnur durchpasst.
Die große Trommel auf der Abbüdung wurde mit geo-
metrischen Formen, aus Tonpapier ausgeschnitten,
beklebt. Den kleinen Trommelkörper zieren nur drei
weiße, aufgemalte Streifen. Beide Trommeln erhielten
vorher eine ockerfarbene Grundierung.
Die Rohhaut zuschneiden, nicht zu knapp, und 1-2 cm
vom Rand entfernt, im Abstand von 3-4 cm Löcher
hinein stanzen (Papierlocher). Anschließend die Haut
em 15 Minuten ins Wasser legen, sie muss vollständig
bedeckt sein. Dann gut ausdrücken, nicht wringen,
und gleich mittig auf den Trommelkörper legen. Damit
beim Bespannen das Trommelfell nicht verrutscht, mit
Schnur rundherum festbinden.
74
Die Trommeln haben dank des Ziegenfells einen guten Klang
Reichlich Paketschnur abschneiden und den Anfang
an einem Loch an der Innenseite des Trommelkörpers
festknoten. Die Schnur hochfuhren und durch das er-
ste Loch des Trommelfells fädeln, dann wieder zurück
gehen zum Rand, die Schnur ganz um den Rand ziehen
und aus dem nächsten Loch von innen nach außen
wieder heraus kommen, zum Fell hochziehen usw. So
werden rundherum Haut und Körper miteinander ver-
bunden.
Aufgepasst: Die Haut muss zwar gut gespannt sein, die
Löcher dürfen aber auf keinen Fall ausreißen! Manch-
mal muss man die Schnurvielleicht durch zwei Löcher
im Fell fädeln und eine kleine Falte legen, damit die
Schnur parallel am Trommelkörper entlang läuft. Das
Ende wieder gut verknoten. Bitte nicht auf die Trom-
mel schlagen, solange das Fell nicht vollkommen tro-
cken ist!
Zum Schluss nach Wunsch mit Lederbändem. Perlen,
Federn. Fellstückchen, evtl. Messingglöckchen und
Schneckenhäusern schmücken.
Das Trommelfell der kleinen Trommel haben wir nach
einem historischen Vorbild mit einem Sternenhimmel
bemalt.
Trommelstöcke:
Auf zwei .Äste oder Rundhölzer einen Klumpen Wachs
oder Knete stecken, Stoffreste darum wickeln und gut
festschniiren.
Die Kleidung der Prärie-
und Plains-Indianer
Die Häute der von den Männern erlegten Wildtiere ver-
arbeiteten die Frauen zu feinem, weichem Leder für
Bekleidungszwecke. Je nachdem, ob eine Bisonrobe,
Mokassins, Kinderhemden oder Leggins entstehen
sollten, verwendete man enthaarte .Antilopenfelle,
weißes Bighomleder. Hirsch-, Bison- oder Elchleder.
Die Frauen der Great Plains und Prärie waren bekannt
75
für ihre kunstvollen Stickereien aus Quill und Glasper-
len. In voreuropäischer Zeit bestickten sie die Festtags-
gewänder ausschließlich mit Quill oder Porcupine,
das sind die Borsten eines Stachelschweins, genauer
gesagt des Baumstachlers. Die Stacheln dieses Tieres,
das bei vielen Stämmen obendrein als Leckerbissen
galt, wurden geglättet, gefärbt, manchmal gefaltet und
dann auf das Leder appliziert. Diese Technik erforder-
te Zeit und besondere Geschicklichkeit. Junge Mäd-
chen gingen bei älteren, erfahrenen Frauen in die Leh-
re, um sich dieses Kunsthandwerk anzueignen. Die
Quillwork-Muster sowie die späteren Glasperlen-Mu-
ster waren weitgehend abstrakt gehalten. Man arbeite-
te flächenfiillend mit geometrischen Elementen, stili-
sierten Wolken. Sternen. Adlern, Bergen. Tipis, Pferde-
hufen usw. So wie das .Ansehen eines Kriegers mit sei-
nen Heldentaten und Jagderfolgen stieg, hob sich das
Ansehen einer Frau mit der Anzahl und Qualität ihrer
kunsthandwerklichen Objekte. Diese Arbeit gab ihr die
Möglichkeit sich künstlerisch auszudrücken und zu
entfalten. Man sagt, dass sich die Zuneigung einer Frau
zu ihrem Mann auch daran ablesen ließ, wie prachtvoll
sie seine Festtagskleider gestaltet hatte. Quill- und per-
lenbestickte Kleidung und Zubehör wie Tabaks- und
Pfeifenbeutel. Messerscheiden. Babytragen etc. waren
bei anderen Stämmen und auch bei den Weißen sehr
begehrt und so entwickelte sich dieses Kunsthandwerk
mit der Zeit zu einem Wirtschaftsfaktor. Die prächtigs-
ten Perlengewänder entstanden in der frühen Reserva-
tionszeit. Manche waren über und über mit Perlen be-
deckt und hatten deshalb ein beträchtliches Gewicht.
Mit den vielfarbigen Glasperlen, die die Europäer ins
Lind gebracht hatten, ging die Arbeit viel schneller und
leichter von der Hand, sehr zum Vorteil des Baum-
stachlers, dem nun nicht mehr so stark nachgestellt
wurde. Auch wenn die Ureinwohner dank der kleinen,
bunten Glasperlen ihre Kunst zum Blühen brachten,
machten sie doch einen denkbar schlechten Tausch:
Billige Glasperlen aus europäischer Massenprodukti-
on gegen hochwertige Felle und sogar Land!
Quill- und Perlenstickereien werden bis heute ausge-
übt und gepflegt.
'6
Die Abbildung (Seite 76) zeigt gefärbte Borsten des
Baumstachlers (Quill), das traditionelle und vor der
Ankunft der Europäer einzige Stickmalerial. Daneben
liegen Secd- (klein). Pony- (mittel) und Crow-Beads
(groß). Die Glasperlen sind in Bastelgeschäften oder
im Fachhandel (siehe Anhang) erhältlich.
Webstich
Für diesen Stich benötigt man keinen Untergrund aus
Stoff oder Leder, denn die Perlen werden praktisch
«aneinander gewoben». Dabei braucht man aber kei-
ne webtechnische Vorrichtung, sondern nur Nadel und
Faden. Am Ende hat man daher auch keine Kettfäden
zu versorgen. Weitere Vorteile des Webstichs sind:
viele Mustermöglichkeiten.
sehr exakte Optik.
schnell zu erlernende, einfache Technik,
besonders stabiles W erkstück.
Perlenarbeiten im Webstich kann man auf Lederstim-
bänder und Kleidungsstücke aufnähen oder an den
Enden mit Schnüren versehen und als Hals- und Arm-
bänder tragen. .Am besten arbeitet man mit reißfestem
Nyfonfaden. Da beim Webstich sehr viel Faden ver-
braucht wird, muss man von Zeit zu Zeit einen neuen
anknoten. Den Knoten durch vorsichtiges .Anbrennen
verschmelzen.
So wirds gemacht:
Man beginnt mit einer beliebigen Anzahl Perlen. Für
ein schmales Armband fädelt man z. B. nur 5 Seed-
Beads auf, soll es breiter werden, nimmt man entspre-
chend mehr. Den kurzen Anfangsfaden festhallen, da-
mit die Perlen nicht gleich wieder herunterrutschen.
2. Reihe: Eine Perle auffädeln, dann durch die entspre-
chende Perle der Vorreihe stechen. Achtung! Richtung
beachten. Anschließend noch einmal durch die neu
aufgenommene Perle stechen. Den Fäden stets sehr
fest anziehen! Die nächste Perle aufiadeln. durch die
darunter liegende Perle der Vorreihe fahren und wie-
77
der durch die zuleßt aufgenommene Perle stechen.
(Skizzen 1 -4) Am Ende der zweiten Reihe den .Anfangs-
faden verknoten. Alle folgenden Reihen wie oben be-
schrieben.
Achtung:
Besonders die 2. Reihe ist für Anfänger etwas knifflig.
Später ist das Ganze stabiler und lässt sich besser
handhaben, also nicht den Mut verlieren! Die .Arbeit
immer fest zwischen Daumen und Zeigefinger der lin-
ken Hand halten. Siehe dazu Mustervorschlag S. 83
und Abb. S. 82 «Schmuck».
np
Muster auf Kästchenpapier farbig aufzeichnen. Es sieht
schöner aus, wenn man das Muster nicht ganz bis an
den Rand laufen lässt, sondern eine einfarbige Perlen-
reihe als «Rahmen» lässt.
Lazy-Stich
(Fauler Stich, weil dabei mehrere Perlen aufeinmal
aufgenommen werden)
Mil dem Lazy-Stich stickt man die Perlen (Seed-Beads)
auf Stoff, Filz oder Leder. Muster dünn vorzeichnen
und in Reihen mit Perlen ausfiiUen. Nachdem eine An-
zahl von Perlen aufgefädelt wurde, nicht mehr als 5-8
auf einmal, in den Stoff zurück stechen und knapp
davor wieder hochstechen, neue Perlen aufnehmen
usw. Die Perlen sollen lückenlos dicht aneinander und
nebeneinander liegen Siehe dazu z.B. die Nabel-
schnuramulette auf Seite 64.
Leggins und Love-Mokassins
Die traditionelle Bekleidung des Mannes bestand aus
einem Lederhemd, das neben der oben beschriebenen
Stickerei oftmals noch mit Hermelinstreifen und ge-
färbten Pferdehaaren geschmückt war. Erfolgreiche
Krieger hängten sich auch die Skalplocken überwältig-
ter Feinde an das Gewand. Manche der Hemden waren
zusätzlich mit kosmischen Symbolen oder Motiven, die
auf die Heldentaten des Trägers bezug nahmen, be-
malt. Die Alltagskleidung dagegen war schlicht. Die
Beinkleider des Mannes, Leggins genannt, bestanden
aus zwei separaten Röhren mit seitlich herabhängen-
den Fransen und längs verlaufenden, gestickten Be-
satzborten. Diese «Beinlinge» waren seitlich, nach
oben, mit Lederriemen verlängert. Die Riemen knüpfte
man an einen Gürtel, der um den nackten Leib ge-
schlungen war. So rutschte die Leggins nicht herunter.
Ein Lendentuch, in Form eines weichen Lederstreifens,
machte die «Hose» vollständig. Dieses Tuch schob
man hinten unter den Gürtel, führte es zwischen den
Beinen durch und zog es vom durch den Gürtel hoch.
Die Enden hingen hinten und vom wie ein Schurz her-
unter. Wahrscheinlich handelt es sich hier um ein ural-
tes Kleidungsstück der Menschheit, denn auch «Ötzi»,
der etwa 5300 Jahre alte Leichnam eines Mannes aus
dem Eis der Ötztaler .Alpen, war mit solch einer
«Hose» bekleidet.
An den Füßen trug man die bekannten, praktischen
Mokassins, oft aus allen Bisonroben oder Bisonzelt-
decken angefertigt. Mokassins erlaubten es den Urein-
wohnern, weich und leise aufzutreten. Zu besonderen
.Anlässen wurden reich bestickte und zusätzlich mit
Quasten, Fransen und Ledertroddeln versehene Mo-
kassins getragen. Besonders kunstvoll waren die soge-
nannten «Love-Mokassins», bei denen sogar die Soh-
len über und über mit Glasperlen bestickt waren. Jun-
ge Frauen stellten Love-Mokassins als besondere Lie-
besgabe für ihren Bräutigam her, es waren seine Hoch-
zeitsschuhe. Als begehrte Handelsware verbreiteten
sich Mokassinsrohlinge über weite Gebiete. Sie gelang-
ten vorgefertigt, bestickt und mit Zunge in den Handel
Die Ferse blieb offen und so konnte der Schuh seinem
neuen Besitzer individuell angepasst werden.
Muschelpasscn auf Hirschhaut
Die Kleider der Frauen waren häufig aus zwei weich
gegerbten, hellen Hirschhäuten zusammengesetzt Da-
bei blieb die Tierfonn immer erkennbar, es wurde
nichts begradigt. Die Kleider reichten bis zu den Knö-
cheln hinab und wurden in der Taille gegürtet. Fest-
tagskleider waren überaus üppig bestickt und mit Ap-
78
plikationen und Gehängen versehen Manche Kleider-
passen zierten sogar Kaurimuscheln in großer Zahl.
Im Winter trugen auch die Frauen Leggins unter ihren
Kleidern, Mokassins das ganze Jahr über.
Kinder waren im allgemeinen genauso gekleidet wie
Erwachsene. Ihre Kleidung und Tragewiegen (Cradle-
boards) waren besonders aufwendig und liebevoll be-
stickt, ein Zeichen für die hohe Wertschätzung des Kin-
des in den indianischen Gesellschaften.
Auf den heutigen Povvwows, den Tanzfesten der Urein-
wohner, kann man ihre schönen Gewänder immer
noch, bzw. wieder, bewundern Da eine lebendige Kul-
tur nichts Starres ist, so haben sich auch die Kleider im
Laufe der Zeit verändert. Aber damals wie heute sind
sie ein Ausdruck für die Identität und den starken
l berlebenswillen der indianischen Gemeinschaften.
Das aufgeklappte Skalp-Hemd zeigt noch deutlich
«Skalp-Hemd» für Jungen
Besonders erfolgreiche Krieger hängten die Haarlok-
ken ihrer skalpierten Feinde an ihre Lederhemden; wir
nahmen Pferdehaare von Carinos Schweif (siehe S. 83),
dünne Wollfäden tun es auch!
Material:
Ein Rehfell, vom Kürschner, aus örtlichen Gerbereien,
Branchenverzeichnis' Wer kein echtes Rehfell verwen-
den möchte oder wem es zu klein ist, nimmt fest ge-
webten. nicht zu dünnen Baumwollstoff in hellbeige
und schneidet ihn in Fellform zu.
Wasch- oder Fensterleder (Fransenbesatz an den
Schultern), 4 Streifen zu ca. 15x8 cm
4 Lederbänder, je 80-100 cm lang (seitlicher Ver-
schluss)
Glasperlen (Crow-Beads)
Stoffmalfarbe, Borsten- und Haarpinsel
Federn, Pferdehaare, falls vorhanden, ansonsten Woll-
fäden, dünne Fellstreifen oder Wollbänder in weiß
(sollen Hermelinfelle darstellen)
2 dünne Lederschnüre für die Rosetten
Das abgebildete Rehfell mit den vorgegebenen Maßen
von 84 x 47 cm ergibt ein Hemd für ein '-8-jähriges
die Tierfellform
Hat man keinen echten Mustang, tut es auch ein
Steckenpferd
79
Kind. Die Haut wurde nicht weiter beschnitten, sondern
in seiner natürlichen Form belassen. Die Schere wurde
nur gebraucht, um den Halsschlitz (23 cm lang) und die
Fransen zu schneiden. Vi er das Hemd aus Stoff herstellt,
ist flexibler, was die Maße anbetrifft. Der Halsschlitz ei-
nes Stoffhemdes wird mit einem Formstreifen unterlegt,
siehe Mädchenkleid. Ein Beispiel der Bemalung mit
Textilmalfarben zeigt die Abbildung. Vorder- und Rück-
seite sind nahezu identisch bemalt. Bei der Gestaltung
wurde auf Symmetrie geachtet und das Motiv dünn mit
Bleistift auf das Leder vorgezeichnet. Die Schultern er-
hielten je zwei separate, aufgenähte Fransenstreifen aus
dünnem Waschleder. Aus der gemalten Rosette auf
Brust und Rücken hängt eine dünne Lederschnur her-
aus, an der schwarze Crow-Beads und Hahnenfedern
befestigt sind. Die Pferdehaarstränge sollen Skalphaare
darstellen, daher der Same «Skalphemd». Sie wurden
zur Hälfte umgebogen und oben fest mit rotem Garn
umwickelt. So entsteht oben eine Schlinge, die an einer
Glasperle befestigt ist. Die Glasperle wiederum wurde
an das Lederhemd genäht. Außen hängen dünne Strei-
fen Kaninchenfell (als Hermelinfellersatz). Zum
Schluss schneidet man das Hemd rundherum in Fran-
sen, nicht zu tief und schön gleichmäßig, und zieht 4
lange Lederbänder zum Verschließen an den Seiten ein:
Kleines Loch in das Leder schneiden. Lederband mit
Knoten versehen und durchziehen. Das Hemd wird wie
ein kleiner Poncho über den Kopf gezogen.
.Anmerkung:
Hermeline galten bei den Kriegern als besonders muti-
ge tmd ausdauernde Jäger, daher schmückte man sich
gern mit ihren Fellen.
Reich verziertes und bemaltes Kleid aus Stoff
.Mädchenkleid
Die Maße des abgebildeten Kleides entsprechen etwa
Kleidergröße 152. Jeweils am Kind Maß nehmen und
den Stoff danach abschneiden.
Rocklänge: Von knie- bis knöchellang
.Ärmellänge: Vom halben Unterarm bis Handgelenk,
ganz nach Wunsch!
Der T-fÖrmige Schnitt besteht aus zwei Stoffteilen
•Smilingface» im Sonntagskleid
80
T-förmiger Schnitt
Maße entsprechen etwa Größe 152
beschneiden und Fransen einscbneiden
Passe-Ärmelteil,
aufgeklappt und fertig
bemalt. Nun u-ird der
Halsschlitz aufgescbnitten
und das Rockteil angesetzt.
81
(Skizze), die Unterseiten der Ärmel bleiben offen! Man
bemalt das Kleid vor dem Zusammennähen!
Material:
Baumwollstoff In hellbeige, fest gewebt und nicht zu
dünn. Unser Stoff hat einen leichten Stretchanteil, wir
fanden ihn in einem Kaufhaus.
Stoffmalfarbe, Borsten- und Haarpinsel in verschiede-
nen Stärken
Glasperlen (Crow-Beads und Seed-Beads) und etwas
Filz, passende Nadeln
Lederbänder, Lederschnüre z.B. vom Waschleder ab-
geschnitten
Große und kleine Federn, Muscheln, falls vorhanden.
So wird's gemacht:
Stoff waschen und bügeln. Die beiden Teile zuschnei-
den. Das Passe-Ärmelteil auf glattem Papieruntergrund
ausbreiten.
Gewünschtes Muster dünn auf den Stoff vorzeichnen,
Halsschlitz markieren (in unserem Beispiel 25 cm
breit), aber noch nicht einschneiden! Man zeichnet
zur Orientierung eine dünne Bleistiftlinie mittig auf
den Sloffstreifen, über die Schultern, von einem Ärmel
zum anderen. Auf dieser Linie liegt auch der HaLs-
schlitz. Vor und hinter dieser Linie (Vorder- und Rü-
ckenteil) ist das Muster ungefähr spiegelbildlich.
Bemalen mit Sloffmalfarbe.
Nachdem die Farbe getrocknet ist, wird sie durch Bü-
geln fixiert.
Rockteil am Saum nach Wunsch bemalen, auf jeden Fall
sehr viel sparsamer als das Oberteil und daran denken,
dass der Saum noch in Fellform beschnitten wird.
Schmuck aus G!as[)erlen und verschiedenen Natur-
Materialien
Rockteil hinten zusammennähen, beim Bemalen also
schon berücksichtigen, dass die Naht hinten verläuft!
Halsschlitz in das Oberteil schneiden.
Aus einem Stück Filz einen Formstreifen schneiden,
unter den llalsschlitz legen, entsprechend einschnei-
den, feststecken und mit einigen großen, dekorativen
Stichen von links anheften. Das gibt dem Ausschnitt
mehr Stabilität.
Fertiges Passe-Ärmelteil an derSchulter-Halsschlitzlinie
entlang falten und das Rockteil rechts auf rechts daran
stecken. Achtung! Rocknaht nach hinten. Die Teile mit
großen Vorstichen aneinander heften, Kleid umkrem-
peln. anprobieren, alles überprüfen, dann erst endgül-
tig zusammennähen. Aufgepasst! Die .Ärmelunterseiten
bleiben offen.
82
Ärmel und Saum in Fellform beschneiden und Fransen
hineinschneiden.
Das Kleid zusätzlich zur Bemalung nach Wunsch und
Geschmack mit Lederbändem, Perlen. Fedem und
Muscheln verzieren, ein Beispiel zeigt die Abbildung.
Wir haben zwei runde Fdzstücke im Lazy-Stich (siehe
Seite 78) mit Perlen bestickt und auf Brust- und Rü-
ckenteil geheftet. Aus der Mitte dieser Rosetten fuhren
dünne Lederschnüre heraus, an denen Crow-Beads
und Federn hängen. Die Fedem werden in die Perlen
gesteckt. Aus einem Stoffstreifen zum Schluss einen
Gürtel herstellen.
Stirnbänder
Material:
Lederstreifen, Lederbänder (zum Verschließen
hinten), Glasperlen, Filz, Textilmalfarben.
Die Stirnbänder von «Smiling Face» (links) und
-Lovely Evening Sun» (rechts) sind in der Webstich-
technik (siehe Seite 77) entstanden und dann auf den
Lederstreifen aufgenäht worden. Die Haube des
kleinen Häuptlings erhielt eine Perlenstickerei im
Lazy-Stich auf rotem Filz (siehe Seite 77 und Skizze
Seite 82 unten). «Sister Quick Tongue- und ihr Mus-
tang Carino tragen Slimschmuck in gleichen Farben:
Lederband und Lederkreis sind mit Textilmalfarben
bemalt. An der Seite des Stirnbandes hängt als
Schmuck eine Lederschnur herab, an der Federn. Per-
len und Schneckenhäuser angebracht sind. Verschlüs-
se aller Stirnbänder zeigt die Abbildung auf Seite 82.
Mokassins
Material:
Leder, die Menge richtet sich nach der Fußgröße. W er
kein Leder verwenden möchte, nimmt ganz dicken
Wollstoff. .Ansonsten verwendet man Hirschnackenle-
der. das Material aus dem zum Teil auch die Ureinwoh-
ner ihre Mokassins fertigten. Bezugsquelle im Anhang!
Preiswerter sind z. B. Lederreste aus dem Lederwaren-
geschäft oder der Fabrik. Die abgebildeten hellen Mo-
kassins bestehen aus Hirschnackenleder, die grünen
Kindermokassins aus einem Ledertest. Wichtig bei der
Auswahl des Leders ist, dass man mit der Kürschner-
nadel noch gut durchstechen kann, ohne sich die Fin-
ger zu verletzen, ansonsten muss man die Löcher mit
einer Ahle vorstechen Wenn durch mehrere Lagen ge-
näht werden muss (z.B. Ferse) die Nadel ggf. mit einer
Zange herausziehen.
Des weiteren wird benötigt: Festes Garn, zum Beispiel
Stemzwim, doppelt genommen, oder Baumwollstick-
twist oder Kunstsehne. Glasperlen (Seed -Beads) und
Filz als Stickuntergrund, 2 Lederbänder, ca. 80 cm
lang, als Schnürsenkel und eine Kürschner- bzw. Le-
dernadel.
Schnittmuster:
Einen Bogen Papier falten, den Fuß darauf setzen und
den Umriss nachfahren. Die Fußinnenseite sollte dabei
ca. 1,0-1,5 cm von der Faltstelle entfernt sein. Rund-
herum ebenso viel zugeben, an der Ferse jedoch ca.
3 cm zugeben, bei größeren Schuhen noch etwas
mehr! Form ausschneiden. (Abb. 1)
84
libertiendlicber Stieb
Das Papier aufklappen, nun liegen Schuhoberteil und
Sohle, denn dieser Mokassin besteht aus einem Stück,
vor uns! Am Oberteil wird eine Linie eingezeichnet
i spätere Schuhöffnung). Diese Linie verläuft mittig,
angefangen an der Ferse, senkrecht hoch bis etwa zur
Fußmitte (ausmessen!). Dort zeichnen wir eine ca. 5
cm lange, waagerechte Linie dagegen. An den beiden
Ecken der Sohlenhälfte zeichnen wir zwei Quadrate an,
in diesem Fall 2,5 x 2,5 cm. Sie werden später beim
Leder weggeschnitten, so dass der Fersenlappen, der
dann hochgenäht wird, entsteht. Dieser Fersenlappen
entspricht etwa der Fersenbreite des Fußes, vorsichts-
halber nachmessen! (Abb. 1 a)
Schnitt 2 x aus Leder zuschneiden. Gestrichelte Linie
anzeichnen, noch nicht ein- bzw. ausschneiden! Darauf
achten, dass ein linker und ein rechter Schult entsteht,
nicht aus Versehen z. B. zwei linke herstellen! Hälften
mit überwendlichen Stichen zusammennähen (Skiz-
ze). Ferse offenlassen! Man muss sich entscheiden, ob
man die Stiche sichtbar lässt, also gleich rechts näht
(Grüne Kindermokassins) oder lieber eine unsichtba-
re Saht haben möchte und den Schuh dann umkrem-
pelt (siehe helle Hirschleder-Mokassins). Zwei Leder-
zungen, ca. 7,5 x 5 cm zuschneiden. (Abb. 2)
Gestrichelte Linie an der Fußoberseite aufschneiden.
Fuß in den Rohling stellen und vorsichtshalber über-
prüfen. ob die kleinen Quadrate an der Sohle richtig
angezeichnet sind. Dann erst die Quadrate abschnei-
den. (Abb. 3)
Lederkanten des Oberteils an der Ferse zusammennä-
hen. Den Fersenlappen hochklappen und dagegen nä-
hen. An den Knickstellen die Ecken ein wenig nach
innen drücken und formen, damit ja kein Loch bleibt!
Zungen an den waagerechten Schnitt nähen.
Mokassins aus Hirscbnackenleder, daneben Spiel-
zubehör
Das fettige Perlenmotiv auf den Schuh heften. W ir ha-
ben die Perlen auf Filz (Bastelgeschäft) gestickt, das
geht leichter als auf Leder! Das Kreuz, das die Kinder-
mokassins schmückt, ist leicht im Lazy-Stich zu sti-
cken. Man beginnt in der Mitte mit 3 parallel zueinan-
der liegenden Reihen von je 4 roten Seed-Beads. .An
dieses Quadrat werden nacheinander die 11 Reihen
eines jeden «Flügels» angefiigt, zunächst 4 weiße Per-
len, dann 5 usw. Man gibt bei jeder Reihe also 1 Perle
dazu, so werden die Flügel allmählich breiter.
Für die Schnürsenkel 1-2 an vom Rand entfernt etwa
6-8 kleine Löcher in das Leder schneiden. Lederband
durchziehen - fertig! (Abb. 3 a).
Mokassins-Spiel
Mokassins-Spiele gab es bei den Indianern in verschie-
denen Variationen. Hier ist eine davon:
Man braucht 4 Mokassins, am schönsten ist es, wenn
wir unsere selbstgemachten dazu verwenden, anson-
sten tun es auch normale Schuhe. 4 kleine, bemalte
Steine, drei sind gleich, einer ist anders bemalt, 20
Stäbchen, z.B. aus kleinen Ästen geschnitten; siehe
Abb. oben.
Dieses Spiel kann man nur zu zweit spielen, sind meh-
rere Mitspieler dabei, bildet man zwei Mannschaften
85
und spielt nacheinander. Die Gruppe, die zum Schluss
die meisten Stäbchen hat, hat gewonnen. Jeder Mit-
spieler bekommt zu Beginn 10 Stäbchen.
Und so geht s:
Zwei Spieler sitzen sich gegenüber. Zwischen ihnen,
fein säuberlich in einer Reihe, liegen die 4 Mokassins
mit den Sohlen nach oben. Der erste nimmt die 4 klei-
nen Steine in eine Hand. Mit der anderen Hand streicht
er immer wieder über die Sohlen, hebt die Schuhe
auch manchmal an, und versucht durch allerlei Reden
und Ablenkungsmanöver die Konzentration seines Ge-
genüber zu stören. Dabei versteckt er die 4 Steine un-
ter je einem Mokassin. Der andere muss nun raten,
unter welchem Mokassin sich der anders bemalte
Stein befindet. Er darf 3 x raten. Findet er ihn beim
ersten Versuch, so verliert er 4 Stäbchen. Findel er ihn
beim zweiten Versuch, verliert er 3 Stäbchen Wenn er
erst beim dritten Versuch auf den richtigen Mokassin
tippt, gewinnt er 4 Stäbchen. Ist aber der richtige Stein
unter dem vierten Mokassin versteckt, muss er 4 Stäb-
chen abgeben. Wer zuerst alle 20 Stäbchen zusammen
hat, ist der Gewinner.
Spielend lernen
Zu der Natur des Menschen überall auf der Welt gehört
die Freude am Spielen. Die nordamerikanischen Ur-
einwohner sind da keine Ausnahme, sie spielen sogar
besonders gern und viel Würfel-, Rate- und W ettspiele
waren früher unter den Erwachsenen weit verbreitet.
Die Kinder bereiteten sich «spielend- auf das Erwach-
senendasein vor. Künftige Jäger und Krieger übten ihre
Geschicklichkeiten im Ringkampf. Wettlauf. Bogen-
schießen. Speerwurf, lautlosen Anschleichen. Schwim-
men. Ponyreiten usw. Sie spielten mit Kreiseln und Rei-
fen und ließen sich auf einem umgedrehten Bisonfell
oder der glatten Innenseite einer dicken Baumrinde
die Hügel lünabsausen. Sie lernten ihre Mimik zu kon-
trollieren und Himmelserscheinungen zu beobachten
und zu deuten. Schweigen und Zuhören können galt
als eine Tugend, das ist besonders wichtig in einer Er-
zählkultur, wie sie die der Ureinwohner darstellte. Die
Kinder lauschten gebannt, immer wieder und wieder,
wenn ihnen die .Alten die Ursprungslegenden und an-
dere Geschichten ihres Volkes erzählten. So konnten
sie ein stabiles Identitätsbewusstsein entwickeln, das
ihnen Selbstvertrauen und Zuversicht im alltäglichen
Leben gab. Die Mädchen übten spielerisch allerlei
Kunstfertigkeiten, die sie als Frauen und Mütter einmal
beherrschen mussten. Die Mütter und Großmütter fer-
tigten ihnen verschiedene kleine Werkzeuge an, damit
sie «richtig mittun» konnten, aber nur soviel wie ihre
Kräfte es zuließen. Schon früh lernten sie. Kleidungs-
stücke aus Häuten zu nähen und zu besticken, natür-
lich im Kleinformat, für die Puppen. Sie herrschten
über ihr eigenes kleines Spiellipi, das sorgfältig und
originalgetreu aus Bisonkalblcdcr hergestellt und im
Inneren liebevoll mit allem Nötigen eingerichtet war.
Die kleinen Kinder spielten mit Rasseln, häufig von
Klapperschlangen, es gab kleine Schneeschaufeln,
kleine Fellschaber, Spielzeugschüsseln, Puppentragen,
Knallbüchsen, Miniaturkanus, Spieltotempfähle und
sogar «Plüschüere». Sie waren z.B. aus Tierfellen ge-
näht und mit Wildreis oder anderem gefüllt. Eltern und
Großeltern legten großen Wert darauf, die Kinder
durch gutes Vorbild und gute Worte zu erziehen, mög-
lichst ohne Zwang und Strafen. Sic sollten nur durch
Nachahmung und Spiel lernen. Eine sehr moderne und
erfolgreiche Methode, davon konnten die Kinder der
W eißen im 19. Jahrhundert wohl nur träumen.
Puppen, wie die nun folgende, wurden früher von den
Großmüttern für ihre Enkeltöchter aufs Sorgfältigste
und mit echten Haaren der Puppenmutter angefertigt.
Sie hielten sie oft ihr Leben lang in Ehren. Diese Pup-
pen waren auch bald bei den Kindern der Weißen sehr
begehrt. Heute sind einige der «Prärie-Dolls» in Muse-
en zu bewundern. Unsere Puppe entstand in Anleh-
nung an alte Vorbilder.
86
Prärie-Doll
Material:
Waschleder (Fensterleder), 2 Stück zu je etwa 45 x 30
cm (Körper, Kleid),
I Stück zu etwa 30 x 20 cm (Mokassins, Leggins,
Kopf). Waschleder wird in unterschiedlichen, un-
gleichmäßigen Abschnitten angeboten, man muss sich
die passenden Teile heraussuchen (HaushalLswaren-
geschäft). Außerdem braucht man ungesponnene
Schafwolle zum Stopfen,
Nähseide in hellbeige,
Pferdehaare oder Wollgarn (Haare).
Perlen (Seed-Beads) zum Besticken des Kleides, pas-
sende Nadel, Lederbänder, Pony-Beads (sind etwas
größer als Seed-Beads) für Halskette und Rockverzie
rang, nach Wunsch: Messingglöckchen, Feder.
Anmerkung:
Man kann den Körper auch aus Puppentrikotstoff nä-
hen und nur für die Kleidung Leder nehmen, das wäre
allerdings weniger «authentisch».
Die Körperteile mit 0,5 an N-ahtzugabe zuschneiden,
zusammennähen (kleine Handstiche. Nähseide dop-
pelt nehmen) und umkrempeln.
Körper gleichmäßig mit der gut gezupften Wolle stop-
fen, ohne Klumpen und ohne hohle Stellen!
Kopfteile zusammennähen, stopfen und in die Halsöff-
nung schieben. Achning! Schultern und Hals besonders
gut Hillen, damit es keinen abgeknickten Wackelkopf
gibt! Mit kleinen, gleichmäßigen Stichen annähen.
Wöllfäden oder Pferdehaare glatt, parallel geordnet
vor uns hinlegen. Einen schmalen, dunklen Stoffstrei-
fen quer mitten unter diese Lage schieben und hier mit
kleinen Stichen durch Haar und Stoff den Scheitel nä-
hen. Diese «Perücke» nun an den Kopf nähen, nicht zu
weit ins Gesicht. Zöpfe flechten. Gesicht mit Perlen auf-
sticken. evtl. Wangenrot und Augenbrauen nüt Farbstif-
ten aufmalen.
Das Waschleder des Kleides wird mit Seed Beads im
Lazy-Stich (siehe Seite 78) bestickt. Vorder- und Rü-
ckenteil sind gleich. Die Muster, sowie der Schnitt und
das Zusammensetzen der Kleidung, sind den Abbildun-
gen zu entnehmen. Aufgepasst' Einschneiden der Fran-
sen erst ganz zum Schluss, nach dem Besticken und
Zusammennähen! Die kleinen Teile. Mokassins, Leg-
87
Trärie-Doll Kleidung
Alle Teile ohne Nabtzugabe aus Waschleder zuschneiden!
GÜRTEL
Loch für die
Bindescbnur
Fransen am Ärmel
Schnitt Prärie-Dou und Hopi-Doll
Originalgröße
Kopf2 X rundherum
0,5 cm zugehen
hier üherlaptien sich
Kopf und Körper
Körper 2 X rundherum 0.5 cm zugeben
90
aufgeklappte, fertig mit Perlen bestickte Passe des
Prärie-Doll-Kleides
Spielen mit der Prärie-Dol!
so weit überlappen
sich Kopf und Körper
gins, Gürtel, lassen sich besser besticken, bevor man
sie aus dem Leder ausschneidet. Das Armband besteht
aus sehr kleinen Seed-Beads und ist im Webstich.
Seite 77 hergestellt.
Anmerkung:
Wir verwendeten als Haar ungesponnene, schwarz-
braune Alpakawolle, gemischt mit schwarzen Schweif-
haaren vom Pferd.
Die Ohrringe bestehen aus gefärbten Sucheischwein-
borsten. Sie sind innen hohl, so dass man mit Nadel und
Faden durchfahren kann. Wir haben sie abwechselnd
mit kleinen lederrechtecken aufgefädelt. Ohrringe
kann man natürlich auch aus Glasperlen herstellen.
Die allermeiste Arbeit, aber auch sehr viel Freude,
macht natürlich das Besticken der Bekleidung mit
Seed-Beads Am Ende hat man aber eine ganz beson-
dere. wertvolle Puppe, mit der kleine Mädchen gerne
spielen.
91
Legespiele, Sternbilder,
Gedächtnistraining
Die Indianer verfügten über außerordentliche Ge-
dächtniskräfte, die sie von klein auf schulten. Darüber
hinaus waren sie sehr feine Naturbeobachter. Ein Spiel,
bei dem die Kinder beide Fälligkeiten entwickeln
konnten, war das Stembilder-Legespiel. Dabei ver-
suchten sie aus dem Gedächtnis, und oft im Wettbe-
werb, Sternbilder, die sie in der Nacht am Himmel
gesehen hatten, mit Kieselsteinen zu legen. Die Urein-
wohner saften das Himmelszelt als einen Spiegel des
irdischen Daseins an. Die Bahnen der Sterne im Jah-
reslauf standen nach ihrer Auflassung mit den Naturer-
eignissen und dem alltäglichen Leben auf der Erde in
direktem Zusammenhang. Daher war es sehr wichtig,
dass die Kinder schon sehr früh die «HimmeLsbilder
lesen» lernten.
Eine einfache Version des Sternbilder-Legespiels für
jüngere Kinder ist das »Muster legen». Zaierst sam-
meln die Kinder viele ungefähr gleichgroße Kieselstei-
ne und malen sie evtl, farbig an. Zwei Kinder hocken
nebeneinander, das eine schaut weg, während das
zweite mit den Steinen ein Phantasiemuster legt. Nun
darf sich das erste Kind umdrehen und für einige Se-
kunden das fertige Muster betrachten, um es sich ein-
zuprägen. (Man zählt z. B. bis 10!) Dann wird das
Muster mit einem Tuch zugedeckl. Das Kind muss ver-
suchen, es daneben exakt nachzulegen. Zum Schluss
deckt man das erste Muster auf und vergleicht beide.
Siehe dazu die Abbildungen!
Stammes-Chronik
Die Stammes-Chroniken oder Wintererzählungen
(Wintercounts) waren für einige Plains-Stamme wichti-
ge Dokumente, in denen besondere Ereignisse, Epide-
mien, Kriege, besondere Naturerscheinungen etc. fesl-
gehalten wurden. Solche «Kalender» erstreckten sich
häufig über mehrere Jahre, w obei jedes Jahr durch ein
bestimmtes Zeichen charakterisiert wurde, z.B. «Das
Jahr der großen Büffelherden». «Jahr der Sonnenfin-
sternis», «Jahr der Scharlach -Epidemie» usw.
Das Siebengestirn (Plejaden}
Diese -Chronik- erzählt Ereignisse aus dem Alltag
eines Jungen
92
Daniele legt das Muster. das sich unter dem Tuch befindet, aus dem Gedächtnis nach
Bei diesen Stammes-Chroniken handelte es sich um
Bildergeschichten, Bilderzeichen, Piktogramme. die
meistens in Spiralform auf eine Tierhaut gezeichnet
wurden. Beim Lesen, wie auch beim Aufzeichnen,
musste man in der Mitte beginnen und in einer Spirale
im Uhrzeigersinn den Zeichen folgen.
Eine Chronik hcrstellen
Material:
Tonkarton in hellbraun, gelb oder orange.
Pinsel und Wasserfarben oder Farbstifte.
Schere.
Den Tonkarton in Fellform schneiden, denn er soll ja
eine Tierhaut darstellen. Dieses «leere Fell» wird sich
nun über Wochen und Monate mit Zeichen füllen. Man
beginnt in der Mitte, dann geht es spiralförmig im Uhr-
zeigersinn weiter, bis die ganze Fläche ausgefüllt ist.
Diesen «Weg» kann man mit einem Farbstift leicht
schraffieren, wie auf der Abbildung zu sehen ist. So wie
es die Indianer taten, zeichnen wir Ereignisse aus un-
serem persönlichen oder weiteren L nifeld, eben alles,
was uns wichtig erscheint, mit einfachen Strichen auf.
Es macht sehr viel Spaß, seine eigenen Zeichen zu er-
finden und in dieser Form einen bestimmten Zeitab-
schnitt zu dokumentieren. Es reicht, wenn man 1-2
Eintragungen pro Woche macht. .Als Beispiel sind fol-
gende Ereignisse aus dem Leben eines kleinen Jungen
auf die «Haut» gezeichnet, nun versuche jeder, sie zu
«lesen»:
Die ganze Woche Regen, alle haben Schnupfen. Brief
von der Großmutter, sie möchte uns besuchen. Groß-
mutter vom Bahnhof abgeholt. Mein kleiner Bruder
Max hatte seinen 3. Geburtstag. Susi, meine Nebensit-
zerin. ist auf dem Schulhof gestürzt und hat sich den
Ann gebrochen. Sie hat sehr geweint. .Am Abend eine
Sternschnuppe gesehen und etwas gewünscht. Heute
gab es Ärger in der Schule, weil der Lehrer mir nicht
geglaubt hat Papa und ich haben endlich unsere
Nachtwanderung gemacht. Große Freude! Minka, un-
sere Katze bekam drei niedliche Kinder. Neue Nach-
barn, der Junge ist so alt wie ich, haben uns sofort
93
Die -Sörth American Indian Days» in Browning /Montana
angefreundet. Endlich Ferien am Meer. Zum ersten
Mal geritten. Max und ich haben Windpocken.
Um eine lang zurückliegende Zeit zu beschreiben, sa-
gen die Kiowa: «Nun, es geschalt, als die Hunde noch
sprechen konnten.»
Was ist ein Powwow?
Powwows sind große Feste, die die heutigen Indianer
regelmäßig an verschiedenen Orten feiern. Es sind
stammesiibergreifende Veranstaltungen, die Traditio-
nen und indianische Wertvorstellungen in Erinnerung
rufen und immer wieder mit neuem Leben erfüllen.
Das Powwow bietet die Gelegenheit. Kontakte zu pfle-
gen und neu zu knüpfen, zu diskutieren, zu tanzen, zu
singen und sich in neuen, prachttollen Festgew ändern
zu präsentieren. Es werden Preise verliehen für die
schönsten Kostüme und die besten Tänze. Die Lieder,
Gewänder und Tänze haben sich un Laufe der Zeit ver-
ändert, denn eine lebendige Kultur erneuert sich stän-
dig. Die Indianer legen großen Wert darauf, dass das
Powwow nicht zu einer folkloristischen Touristenver-
anstaltung absinkt. Weiße Besucher und Zuschauer
sind zwar willkommen, aber das Powwow bleibt doch
ein Fest der Indianer für die Indianer. Man feiert die
eigene Kultur und stärkt das Zusammengehörigkeits-
gefühl.
Frybread
Zu dem reichhaltigen und bunten Beiwerk des Pow-
wows gehört unter anderem der Genuss von Fry bread.
einer Art Fladenbrot aus der Pfanne. Jede indianische
Hausfrau hütet ihr ganz spezielles Frybread-Rezept.
Auf den Powwows w erden die besten Fladenbrote prä-
miert. Frybread wurde von den Frauen in der frühen
Reservaüonszeit aus einer Not heraus entwickelt, denn
sie mussten sich etwas einfallen lassen, um das Beste
aus den kärglichen Nahrungsmittelzuteilungen der Re-
gierung zu machen. Zur Bereitung dieses Brotes benö-
tigten sie nur Wasser, Mehl, wenig Salz oder Zucker
Frybread
und Öl. Jede haue ihre eigene Methode, Frybread zu
backen. So war keines wie das andere, denn durch
unterschiedliche Mischungsverhältnisse, Knettechni-
ken. Formen und Ölsorten gab es viele verschiedene
Variationsmöglichkeiten. Zeitweise buk man das Fry-
bread in Bären- oder Hirschfett. Die großen. tiefen,
eisernen Pfannen, in denen das Gebäck gut schwim-
men konnte, waren bald überall erhältlich.
Hierein Rezept zum Ausprobieren:
Zutaten:
( Menge ergibt 8-10 kleine oder 5 große Fladen)
2 Tassen Mehl
3 Teelöffel Backpulver
1/2 Teelöffel Salz (oder Zucker, wenn man süßes Ge-
bäck wünscht)
1/2 Tasse Milch (oder Wasser)
1 Teelöffel öl
Reichlich Öl für die tiefe Pfanne (oder den Wok). denn
das Gebäck muss schwimmen.
Mehl und Backpulver sieben, mit der Milch und den
anderen Zutaten vermengen. 'Senn nötig, noch Milch
oder Mehl dazu geben, bis ein Teig entsteht, der sich
gut handhaben lässt und nicht klebt. Die Masse kneten,
bis sie glatt und geschmeidig ist. Etwa faustgroße Men-
gen abnehmen und zu handtellergroßen, dünnen Fla-
den formen. Die Mitte sollte deutlich dünner sein oder
sogar ein Loch haben, wie inan möchte! Die Fladen
schwimmend in heißem Öl von beiden Seiten backen,
bis sie goldgelb sind.
Das Brot wird allein und zu allen Speisen gegessen.
Kinder lieben es mit Puderzucker bestäubt oder mit
Marmelade oder Honig in der Vertiefung.
95
Die Pueblo-Indianer
im Südwesten
Der Südwesten Nordamerikas ist ein abwechslungs-
reiches Lind mit Buschsteppen, grünen Flusslandschaf-
ten, Grasweiden, Wüsten, zerklüfteten Bergen und
Hochebenen. Das Kemland durchschneiden zwei große
Fluss-Systeme mit zahllosen Zuflüssen: Der Rio Grande
und der Colorado River. Die Ostkette der Rock) Moun-
tains trennt den Südwesten von den südlichen Great
Plains. An den wenigen Pässen, den einzigen Berüh-
rungspunkten zwischen den Stämmen der Great Plains
und des Südwestens, blühte ernst der Tauschhandel.
Kürbis statt Gold
Die heutigen US-Bundesstaaten Arizona. New Mexico,
Utah und Colorado waren und sind die Lebensräume
u.a. der Pueblo-Indianer. Zu ihnen zählen die Acoma,
Zuni, Taos Pueblo, Hopi und andere. .Als die spani-
schen Eroberer auf der Suche nach Gold in dieses
Land vordrangen, staunten sie nicht schlecht über die
mehrstöckigen, verschachtelten Wohnanlagen dieser
alten, bäuerlichen Kultur. Sie fanden umfangreiche Ge-
müsegärten mit ihnen unbekannten Pflanzen sowie
eine blühende Stadtkultur vor. aber kein Gold! Ohne zu
differenzieren, nannten sie alle hier lebenden Men-
schen «Pueblos« (span.: «Dorf»), obwohl die ver-
schiedenen Siedlungsgemeinschaften ihre eigenen
Traditionen pflegten und teilweise sogar unterschiedli-
chen Sprachfamilien angehörten. Trotz aller Unter-
schiede hatten sie doch eines gemeinsam: Alle fühlten
sich eingebunden in den ewig wiederkehrenden, jah-
reszeitlichen Zyklus der Natur. Dieser große Lebens-
rahmen gab ihnen Sicherheit und Schaffenskraft. Ihre
Ruhe. Besonnenheit und der ausgeprägte Gemein-
schaftssinn sind ein Kennzeichen der Pueblo-Indianer.
Als fleißige, sesshafte Feldbauern fühlten sie sich zu-
tiefst mit ihrem land und der Natur verbunden, das ist
zum größten Teil bis heute so, denn die Pueblo-India-
ner bewohnen immer noch ihre ahangestammten Ter-
ritorien. Doch nicht nur als Bauern waren und sind sie
außerordentlich erfolgreich, sie verfügen auch über
besondere künstlerische und kunsthandwerkliche Fä-
higkeiten. Ihre exzellenten Keramiken, Textilien und
Kadtina-Figuren. weltweit bekannt und bei Sammlern
begehrt, sind dafür ein eindrucksvolles Beispiel.
Aus der Unterwelt emporgestiegen
Die Ursprungslegende der Hopi berichtet, wie die ersten
Menschen einst verschiedene Unterwelten durchwan-
dern mussten, bis sie endlich in die Welt des Lichts hin-
aufklettem konnten. Es heißt, dass die Hopi («Hopi»
von «hopitu» = «Die Friedlichen») am Zusammenfluss
des Colorado und des Little Colorado aus der finsteren
Unterwelt emporstiegen. Die Welt erschien ihnen un-
glaublich hell und schön und sie Üebten das Land vom
ersten Augenblick an. Doch sie waren noch nicht am
Ziel, sondern mussten auf Befehl des Schutzgeistes noch
weiter umherwandem. bevor sie sich endgültig nieder-
lassen konnten. Viele alte Geschichten der Pueblovölker
erzählen daher von den großen W anderungen ihrer Vor-
fahren. Die oftmals runden, kuppelfömtigen Kultstätten
der Hopi und Zuni, «Kivas» genannt, haben in der Mitte
des Bodens eine kleine Öffnung. Dieses Loch symboli-
siert die Stelle, durch welche in alter Zeit die Vorfahren
ans Licht stiegen.
96
Canyon-Landscbaft
Colorado Kirer
97
Leben auf roten Tafelbergen
Die Hopi und Zuni leben bis heute auf den aus der
Hochebene aufragenden Tafelbergen ( Mesas) in Ari-
zona. Hier gibt es milde Winter und heiße, trockene
Sommer. Am Fuße der Mesas dehnt sich karge Step-
penlandschaft aus. Diese von den Ureinwohnern als
heilig angesehene Landschaft ist von eigentümlicher
Schönheit. Sie wechselt im Laufe eines Tages unter den
verschiedenen I.ichtverhältnissen mehrfach ihr Ausse-
hen und ihre Farben: Von Zartrosa am frühen Morgen
bis Dunkelrostrot am Abend.
Bedrohung durch Spanier
und Navaho
.Als die Spanier ins Land kamen, halten die friedlichen
Pueblo-Indianer viel zu erdulden, denn sie mussten
den Eindringlingen hohen jährlichen Tribut in Form
von hochwertigen Textilien und anderen Erzeugnissen
zahlen. Übereifrige Missionare versuchten ihnen das
Christentum aufzuzwingen und sich in die Erziehung
ihrer Kinder einzumischen. Schließlich wurde der
Druck unerträglich und es kam 1680 zu einem Auf-
stand der Urbevölkerung. Innerhalb der Pueblos blie-
ben die traditionellen Strukturen jedoch stabil, so be-
wahrten die Indianer ihre kraft und Identität bis heute.
Ihre Autonomie wurde später, etwa um die Mitte des
19. Jahrhunderts, noch einmal ernsthaft bedroht und
zwar von den Xavahos. Die Gebiete der Hopi über-
schneiden sich mit denen der Xavahos. Fast ein Jahr-
hundert herrschte zwischen diesen beiden Gruppen,
wobei die Hopi die weitaus kleinere darstellte, der
Kriegszustand.
«Appartcmentkomplexe» aus Lehm
Die Pueblo-Indianer gelten als die geschicktesten Bau-
meister Nordamerikas. Die Geschichte ihrer Bauent-
wicklung lässt sich über zwei Jahrtausende zurückver-
folgen. Manche der alten Wohnkomplexe sind seit
1000 Jahren ununterbrochen bewohnt.
Als die spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert von
Süden her nach Arizona und Xcw Mexico vordrangen,
trafen sie auf eine bäuerliche Gesellschaft, die in kas-
tenförmigen Lehmhäusern lebte. Sie nannten die Sied-
lungen und der Einfachheit halber auch gleich die
Menschen «Pueblos». Die würfelartigen Häuser waren
aus Adobesteinen, manchmal in mehreren Ebenen auf-
getürmt. Adobesteine werden aus einem Lehm-Stroh-
gemisch geformt und luftgetrocknet. Die Dachkon-
struküonen bestanden aus Baumstämmen, die waage-
recht auf dem Mauerwerk lagen und meistens außen
sichtbar waren. Darauf verteilte man eine dicke Lage
Stroh und Reisig, bevor das Ganze mit Lehm beworfen
wurde. Die Häuser erweiterten sich terrassenförmig
nach oben, das Dach eines Hauses diente als Eingangs-
bereich oder Fußboden des nächsten Oft fehlten im
Erdgeschoss Fenster und Türen, um Hitze und Staub,
aber auch Eindringlinge femzuhalten. Der Eingang be-
fand sich dann auf dem Dach und wurde nur über eine
Leiter erreicht, die die Bewohner leicht einziehen
konnten. Im Hausinneren waren die Stockwerke eben-
falls durch Leitern miteinander verbunden. »Ohne auf
eine Straße zu treffen, kann man über die Dächer des
Dorfes spazieren», wunderte sich ein Spanier.
Die Ureinwohner wählten als Bauplätze bevorzugt Fels-
98
Alle Puehlo-Siedlung aus Adohe-Steinen
vorsprünge auf Hochebenen und Tafelbergen (Mesas).
Einige der Pueblos waren (und sind) so dicht, kom-
pakt und verschachtelt aneinandergesetzt, dass sie ei-
nen gesamten Stamm aufnehmen konnten. Wenn sich
die Familie vergrößerte, setzte man einfach einen wei-
teren Kasten an oder auf. Das Klima in diesen Lehm-
\ppartements war und ist gesund und angenehm:
Nachts warm, tagsüber kühl.
Die modernen Kastenhäuser der Pueblo - Indianer von
heute, ähneln sehr den traditionellen, alten Bauten.
Spiel-Pueblos
Material:
Kartons in verschiedenen Größen.
Rauhfasertapete, Tapetenkleister.
lehmbraune Farbe (Abtönfarbe aus dem Malerfachge-
schäft),
große Pinsel.
Holzleim.
Rundstangen und Äste für Dachbalken und Leitern,
anstelle von Ästen kann man auch Pappröllchen als
Dachbalken verwenden,
Cutter (Teppichschneidemesser), Alleskleber.
Aus kleinen Schachteln baut man «Mini-Pueblos-, wer
sehr große Kartons und viel Platz zur Verfügung hat,
baut die Pueblos so großzügig, dass mehrere Kinder
darin Platz finden. Unser Pueblo ist von milderer Grö-
ße, geeignet z. B. zum Spielen mit Puppen.
99
( • l
«
Karton-Pueblos lassen sieb beliebig, erweitern
Die Kartons probeweise aneinander stellen. Die ausge-
wählten mit Rauhfasertapete beziehen, das ergibt eine
schöne, einheitliche Oberfläche. Dann die Kästen
lehmgelb streichen oder auch weiß lassen, denn die
Zuni tünchten ihre Häuser. Fenster- und Türöffnungen
hineinschneiden. Unterhalb der Dächer bzw. Fußbö-
den Löcher in regelmäßigen Abständen bohren und
hier lange Äste, Zw eige oder Pappröllchen durchschie-
ben, wie bei der Dachkonstruktion der echten Pue-
blos. Damit die Räume auch innen Verbindung mitein-
ander haben, entsprechende Öffnungen hineinschnei-
den. .Manche der Schachteln klebt man dann mit Alles-
kleber zusammen, andere werden nur aneinander ge-
schoben, so kann man sie besser handhaben, beson-
ders bei großen Pueblos. Leitern dürfen natürlich
nicht fehlen. Sie werden aus Rundstangen oder gera-
den Ästen hergestellt, Sprossen mit Holzleim anleimen.
Tip:
Kommen Freunde zum Spielen zu Besuch, baut man
das Kartonpueblo einfach aus und an, so dass jeder
sein «Appartement» bekommt.
Erfolgreiche Bauern
Zu Zeiten der ersten Kontakte mit den Spaniern, um
1540, betrieben die Hopi, Zuni und andere Pueblostäm-
me schon eine hochentwickelte Landwirtschaft. Sie pro-
duzierten Überschüsse an Mais, Bohnen, Kürbissen,
Sonnenblumen, Melonen, Baumwolle und Tabak. Wei-
tere Kulturpflanzen, diewirden amerikanischen Urein-
wohnern verdanken und die heute aus keiner europäi-
schen Küche wegzudenken sind, sind z. B. Tomate, Kar-
toffel und Kakao. Ihren Speisezettel ergänzten die Men-
schen des Südweslens durch Kleinwild, besonders Ka-
ninchen und Hirsch. Das trockene Klima ihres Lebens-
raumes zwang sie, ausgeklügelte Bewässerungsmetho-
den zu entwickeln. Sie legten verzweigte Bewässerungs-
kanäle, Terrassenfelder und «Waffelgärten» an. Bei den
Waffelgärten der Zuni handelte es sich um Beetanlagen,
die von kleinen, wasserdurchtränkten Erdwällen einge-
fasst waren. Die Wälle wurden sehr exakt, rechteckig
angelegt und sahen wie ein Waffelmuster aus. In die Ver-
tiefungen legte man die Samen, die hier viel weniger
leicht austrockneten und die kostbare Feuchtigkeit bes-
100
(nser Waffelbeet mit vier Parzellen
ser nutzen konnten. Neben die Waffelbeete steckte man
häufig Zweige dicht an dicht in den Boden, sie spende-
ten den jungen Pflanzen Schatten und schützten sie vor
austrocknenden Winden.
«Der Große Geist ist unser Vater,
aber die Erde ist unsere .Mutter
Sie ernährt uns;
Vias wir in den Boden legen,
gibt sie uns zurück.»
Worte von Big Thunder. Wabanaki Nation
Ein Waffelbeet mit vier ty pischen
Pflanzen des Südwestens
Man braucht ein kleines Stück Garten,
Samen von Kürbis, Mais, Sonnenblumen und Bohnen,
Spaten und Zollstock.
I nser Waffelbeet besteht aus 4 Quadraten, 50 x 50 cm
groß. Die Wälle aus festgeklopfter, durchfeuchteter
Erde darum hemm sind etwa 12 cm breit und 10 cm
hoch. Die Indianer bestellten natürlich sehr viel um-
fangreichere Waffclgärten. Nach ein paar Wochen sali
unser Waffelbeet schon sehr viel versprechend aus,
denn -alle Pflanzen waren gut gekeimt, wie man auf der
Abbildung sieht. Links oben wächst Kürbis, daneben
Bohnen, vom links erkennt man .Maispflanzen und da-
neben Sonnenblumen. Auch w ährend der heißen Som-
merzeit trocknete der Boden nicht aus. er blieb nach
dem Regen oder Gießen sehr viel länger feucht als auf
den normalen Beeten. Insgesamt gab es dann auch
eine gute Ernte!
101
Kalebassen-Geschirr selbst ziehen
Aus getrockneten Flaschenkürbissen kann man form-
schöne, haltbare Gefäße herstellen. Die Pueblo-India-
ner benutzten früher neben Tonwaren auch Kalebas-
sen-Geschirr in Form von Schalen und Schöpflöffeln,
wie die abgebildeten. Diese wuchsen übrigens in ei-
nem Garten in Südwestdeutschland. Große Kalebassen
zu ziehen gelingt in unseren Breiten nur in langen,
wannen Sommern. Die Pflanzen am besten in einem
Saatkasten vorziehen und später an einem Spalier oder
Zaun auspflanzen, damit ihre Ranken Halt bekommen.
Die weißen Blüten verströmen einen zarten, süßen
Melonenduft. Man darf die Flaschenkürbisse erst dann
ernten, wenn sie ganz ausgereift sind. Dann trocknen
sie einige Monate an einem warmen Ort, aber bitte
nicht auf die Heizung legen! Erst wenn sie sich hölzern
anflihlen und die Samen im Inneren rascheln, kann
man eine Öffnung hineinsägen. Das muss ganz vorsich-
tig geschehen, damit die Schale nicht platzt.
Flaschenkürbis am Gartenzaun
Schale und Schöpflöffel aus selbstgezogenen Kalebassen
102
Kürbiscremesuppe
Dieses Rezept ist nicht unbedingt typisch indianisch.
Aber immerhin verarbeiten wir dafür ein typisch india-
nisches Gemüse, nämlich den Kürbis und außerdem
ist diese Suppe ausgesprochen wohlschmeckend.
Zutaten:
Speisekürbis, Butter, Fleisch- oder Gemiisebriihe, Sah-
ne, Salz, Pfeffer, etwas Essig.
Kürbiswürfel und Kürbisrauten schneiden. Die Rauten
nicht zu groß und recht gleichmäßig schneiden, denn
sie werden später sichtbar in der Suppe schwimmen'
Die Butter erhitzen und Kürbiswürfel dazugeben.
Dann Fleischbrühe darüber gießen, die Würfel sollten
etwa 2-fingerbreil bedeckt sein.
Viel Sahne hineingeben. .Alles ca. 10 Minuten köcheln
lassen, dann pürieren und passieren.
Ist die Creme zu dickflüssig, etwas Brühe dazutun. Die
Rauten noch etwa 2 Minuten mitköchein lassen, sie
müssen bissfest sein!
Die Suppe mit Salz, Pfeffer und etwas Essig abschme-
cken.
Zum Schluss einige Butterwürfel hineingeben.
Töpferkunst
Die Bewohner des Südwestens sind Meister in der Her-
stellung von Töpferwaren. Diese Kunst soll um das Jahr
•00 von Mexiko aus in das Gebiet der Pueblo-Indianer
gelangt sein. Sie stellten Keramik nicht nur für den
eigenen, häuslichen Bereich her, sondern auch für den
Tauschhandel, als Zeremonialgeföße und Grabbeiga-
ben. Tonart, Techniken und die Art der Verzierung und
Bemalung waren von Ort zu Ort verschieden. Wir fin-
den lineare Muster, Spiralen, gestreifte Flächen,
Schachbrettmuster, Punkte, stilisierte Tiere, häufig Vö-
gel, Mäanderbänder und vieles mehr Die Dekorvielfalt
scheint unendlich groß zu sein. Die Klarheit der meist
geometrischen Gestaltung wird verstärkt durch Farb-
beschränkung: Schwarz auf Weiß, Schwarz auf Rot
(Hier polychrome Ton-in-Ton Bemalungen. Die Motive
der Bemalung waren eine Mischung aus üef verwund-
Keramik-Bemalungen
Pa/xigeienpärchen
Schmetterling auf einer Wolke
Kolibris an einer Hlüte
103
ten Überlieferungen der Stamrnesgruppe und ganz per-
sönlichen Inspirationen der einzelnen Töpferin. Die
Gefäße wurden ohne Töpferscheiben, frei in der Wulst-
ringtechnik aufgebaut und im Freien gebrannt. .VI die-
se Fertigkeiten erlernten die jungen Mädchen unter
der Anleitung einer älteren Frau aus ihrer Familie.
Kleine Tongefäße formen
und bemalen
Wem das Heranziehen von Kalebassen zu langwierig
ist. fertigt seine Schalen und Tiegel aus Ton an.
Material:
Mageren Ton.
Bastelfarben von Waco oder Deka (Acryl-Mattfarben).
Einen feinen und einen mittleren Haarpinsel.
Eine glatte Arbeitsfläche, z. B. ein Holzbrett
Kinder arbeiten sehr gern in der Spiralwulsttechnik,
wie sie auch die Ureinwohner des Südwestens anwen-
deten und zum Teil bis heute anwenden.
Zuerst formt man eine kleine Kugel und klopft sie
flach, das ist die Bodenplatte, deren Größe sich nach
dem Umfang des Gefäßes, das wir aulbauen möchten,
richtet. Für jeden Wulst oder Ring wieder zuerst eine
Kugel, dann eine Wälze und schließlich eine dünne
«Nudel» oder «Wurst» rollen. Die Wülste spiralförmig
zu Ringen aufeinander legen. Siehe Abbildung! Einen
neuen Wulst einfach an das Ende des alten ansetzen.
Die Ringanschlüsse dürfen nicht jedesmal übereinan-
der liegen. Nach drei bis vier Wülsten streichen wir
den Ton von den Rundungen aus in die Rillen, um eine
gute Verbindung und eine glatte Fläche zu erhalten.
Achtung! Wer seine Gefäße später brennen will, muss
aufpassen, dass kein Lufteinschluss entsteht. Nicht mit
nassen Händen und auch nicht mit einem Schwamm
arbeiten. Ein noch so kleiner Lufteinschluss würde
sich beim Brennen ausdehnen und das Gefäß spren-
gen.
Ganz kleine, rundliche Gefäße macht man so: Eine
Tonkugel formen, ein Loch hineindrücken und mit
dem Finger immer mehr aushöhlen. Wer möchte,
formt kleine Tterfiguren in Schalenform.
.Alle Gefäße, ob gebrannt oder ungebrannt, können wir
bemalen. Dabei richten wir uns nach alten Pueblo-
104
Mustern (Völkerkundemuseen. Bildbände) oder er-
finden unsere eigenen, wobei man beide Möglichkei-
ten auch mischen kann. Die große Schale auf der Ab-
bildung kommt aus einer Töpferwerkstatt. Sie ist ge-
brannt aber nicht glasiert. Nun wird sie in der Art der
Acoma-Pueblo bemalt.
Diese Schale aus einer Töpferwerkstatt wird im Stil
der Acoma-Pueblo bemalt.
Tip:
Für die feinen Konturen einen wasserfesten Faserstift
benutzen.
In Bastelgeschäften gibt es verschiedene Modellier-
massen, die an der Luft trocknen und sich ebenfalls
sehr gut bemalen lassen.
Hopi-Doll
mit Kürbisblüten-Haartracht
Wie innig sich die Hopi mit dem Land, dem Boden und
den Pflanzen, die sie ernährten, verbunden fühlten,
verdeutlicht sogar die Haartracht junger Mädchen. Die
Squash-Blossom-Haartracht. Kürbisblüten-Frisur, tru-
gen nur junge, heiratswillige Frauen, die auf diese Wei-
se ihren Wunsch für alle sichtbar machten. Nach der
Heirat frisierten sie sich wieder normal. Bei dieser ori-
ginellen Haartracht wurde das Haar um einen U-förmi-
gen Knochen geschlungen Etwa eine Stunde arbeitete
Die Hopi-Doll ist alten Vorbildern nachempfunden
eine andere Frau daran, die damit gleichzeitig ihre
Qualitäten als Hausfrau unter Beweis stellte.
Die kleinen Mädchen der Hopi bekamen Stoffpuppen
zum Spielen, die genauso wie eine kleine Frau angezo-
gen und frisiert waren.
Material:
Puppentrikotstoff, etwa 30 x 45 cm.
Hautfarbene Nähseide,
Schafwolle zum Füllen,
Schwarzbraune Wolle, ungesponnen und langfaserig
oder Wollgarn (Haare),
Indigoblauen Stoff (Kleid), etwa 32 x 18 cm,
Etwas blaues und rotes Wollgarn (Kordel, Gürtel),
Secd -Beads für Hals- und Armschmuck, türkisfarbene
Glasperlen für den Ohrschmuck, Textilmalfarben für
das Gesicht,
2 runde Pappscheiben. Durchmesser 5 cm, Innenkreis
von ca. 1,5 cm Durchmesser ausschneiden, so entste-
hen zwei Ringe, «Innenleben» der Kürbisblüten-Frisur.
105
Kiirbisblüte
Kopf in die Öffnung schieben. Den Körperstoff hier
etwas nach innen kniffen, alles mit Stecknadeln fest-
stecken und mit sielen, sehr kleinen Stichen Kopf und
Körper miteinander verbinden. (Siehe auch «Prärie-
Doll»).
Anmerkung:
L ngesponnene Wolle, wie sie zum Stopfen von Puppen
und Tieren angeboten wird, möchte ich hier nicht emp-
fehlen, denn dabei handelt es sich um nicht so gute,
kurzfaserige Qualitäten, die beim Füllen leicht Klumpen
bilden. Man verwende lieber langfaserige Wolle in guter
Spinnqualität. sogenannte «Kardenbänder».
Nach dem Schnitt der «Prärie-Doll», Seite 90 Körper
und Kopf 2 x zuschneiden, mit 0,5 cm Nahtzugabe. Die
Teile rechts auf rechts zusammennähen, Kanten ketteln.
Alles sorgfältig mit gut gezupfter (kardierter. gekämm-
ter) Schafwolle ausstopfen, ohne Klumpen oder holde
Stellen. Besonders gut den Hals- und Schulterbereich
füllen.
Squash-Blossom-Frisur
(Kürbisblüten-Haartracht)
Eine Wbllage von ca. 12 x 7 cm um den Kopf spannen,
von einem Ohr zum anderen und mit einer Naht am
Mittelscheitel anbringen, nicht zu weit in die Stirn! Im
106
Nacken und an den Ohren ebenfalls festheften. Das ist
die Grundfrisur.
Einen weiteren, längeren und schmaleren Wöllstrang
wieder mitten über dem Scheitel annähen und vorerst
links und rechts über den Ohren hängen lassen, siehe
Abbildung.
Die Pappringe separat, gleichmäßig mit Wolle bewi-
ckeln und am Kopf anbringen, wobei man die zuletzt
angenähten Haarstränge ebenfalls glatt in die Ringe
wickelt, notfalls mit Hilfe einer dicken Nadel. Sollten
die «Kürbisblüten» noch zu locker sitzen, näht man sie
mit einigen Stichen zusätzlich am Kopf fest.
Zum Schluss das Gesicht mit Textilmalfarben malen,
bitte vorher leicht anzeichnen. Wenig W'angenrot mit
dem Zeigefinger auftupfen.
Puppenkleid
Den Stoff in der Mitte falten, so dass an einer Seite ein
Bruch entsteht. Alle Schnittkanten knapp nach innen
kniffen und den Stoff bügeln. .Alles weitere ist der Skiz-
ze zu entnehmen.
Kinderkleid aus einem rechteckigen
Stoffstück
Drapierter Stoff und angefangener Gürtel fiir ein
Kinderkleid
Naht Schema Hopi-Puppenkleid
(rechte
offen ^chidter)
Nach diesem «Schnitt» kann man Ge-
wänder in allen Größen herstellen. Die °ffen
Abbildung zeigt z.B. einen drapierten (rechtes *
Stoff für ein Kinderkleid. Am Saum kön- Armloch)
nen wir ein rotes Band applizieren, der
Gürtel wird selbst gewebt. Die üppige
Halskette besteht aus mehreren Glasper- /
lensträngen (sie sollen echte Türkise
darstellen). Die Stränge enden alle in Naht ’
zwei gehäkelten Dreiecken mit Ver
schluss (Öse und Schlaufe). Solche Kel-
ten gibt es auch zu kaufen. Wer möchte. i
stellt noch ein Armband im W ebstich und "ße" |
Ohrschmuck her.
16 cm
---------------------15 cm ---------------------
Saum und Nahtzugaben berücksichtigen!
107
Einen Gürtel weben
Als mit den Spaniern im 16. Jahrhundert Schafe in den
Südwesten kamen, standen den Pueblo-Indianern ne-
ben der von ihnen angebauten Baumwolle auch Schaf-
wolle zur Verfügung. Die Weberei war in dieser Region
schon sehr gut entwickelt und wurde vorwiegend von
Männern ausgeübt. Früher brachte ein junger Mann
von ihm selbstgewebte Stoffe. Decken. Umhänge
(Mantas) etc. mit in die Ehe. Die Gewebe entstanden
an einfachen Hochwebstiihlen.
Unser Kleid im Stil der Hopi soll von einem handge-
webten Gürtel, bzw. einer Schärpe gehalten werden
Die Kette, das sind die längs verlaufenden Spannfäden,
besteht aus dünnem, festem Baumwollgarn. Den
Schuss, also die dickeren Wollfäden, die waagerecht
zwischen die Kettfäden eingelegt werden, haben wir,
wie die Ureinwohner, mit Pflanzen gefärbt und handge-
sponnen. .Als Webgerät dient ein Webblatt auch Gatter-
kamm genannt. ( Bezugsquelle im Anhang) Zum .An-
schlägen des Gewebes kann man ein Lineal ö. ä. benut-
zen.
So wird’s gemacht:
Je nachdem, wie breit die Schärpe werden soll, legen
wir die Anzahl der Kettfäden fest. In unserem Beispiel
wurden 60 Kettfäden eingezogen.
Die Kettfäden müssen zunächst alle gleich lang zuge-
schnitten werden. Dazu verwendet man zwei Stühle mit
108
den Beinen nach oben. Um die Stuhlbeine werden die
Kettfäden gewickelt, der Abstand zwischen den Stuhl-
beinen entspricht der gewünschten Länge der Kettfä-
den, man gibt noch ca. 30 cm dazu.
Dann die Fäden durch das Webblatt fädeln, immer ei-
nen Faden durch das Loch und den nächsten durch
den Schlitz usw. Da die Randfäden später beim Weben
besonders strapaziert werden, zieht man auf jeder Sei-
te zwei ein (in Loch und Schlitz!), also beim Ablängen
deshalb 8 Fäden extra rechnen.
Sind alle Fäden eingezogen, schlingt man hinter dem
Blatt den ganzen Strang zu einem Knoten. Hier wird
der Webanfang sein.
Das lange Ende der Kettfäden sortieren, damit sich
nichts verwirrt und verknotet. Diesen Kettstrang in Ab-
ständen abbinden und an einen Pfosten oder derglei-
chen anbinden.
Das andere, kurze Ende mit dem dicken Knoten, mit
Hilfe eines Stoffgürtels um den Körper schlingen, denn
mit dem Körper des Webers werden die Kettfäden ge-
spannt, wie man auf der Abbildung sieht.
Wenn man das Webblatt hochzieht, rutschen alle Fäden
in den Schlitzen nach unten, die Fäden in den Löchern
bleiben unbeweglich und liegen oben. In diesen Zwi-
schenraum, in der Webersprache «Fach» genannt, le-
gen wir den ersten Wollfaden und drücken ihn mit dem
Lineal an. Anschließend drücken wir das Webblatt
nach unten, so rutschen alle Schlitzfäden an den Loch-
fäden vorbei nach oben und die unbeweglichen Loch-
Eiden liegen diesmal unten. Der nächste Schussfaden
wird eingelegt und angedrückt, so geht es im Wechsel
immer weiter. .Am .Anfang ist das Gewebe noch etwas
schmaler und ungleichmäßig, das gibt sich mit fort-
schreitender Arbeit.
Immer darauf achten, dass alles gut gespannt bleibt.
Möglichst einen gleichmäßigen Rand weben: Weder
Schlingen stehen lassen, noch den Rand zu fest einzie-
hen. Ist ein Schussfaden zu Ende, legt man den .Anfang
des neuen einige Zentimeter über das Ende des alten.
Man kann jederzeit die .Arbeit unterbrechen. Dann
wird einfach der Stoffgürtel abgebunden und das Ge-
webe hängen gelassen, siehe Foto.
Kückentrage (Cradleboard)
mit Lumpenpuppe
Sicher und komfortabel lagen die Jüngsten tagsüber in
ihren «Cradleboards», den Tragewiegen, auch «dritte
Mutter» genannt. Ausgepolstert waren diese Babytragen
mit Fellen und Moos. Die Kinder lagen wann und gut ver-
schnürt, das Köpfchen unter einem Baldachin. So wur-
den sie auf dem Rücken der Mutter überallhin mitge-
nommen. manchmal auch gegen eine Wand gelehnt
oder an einen Ast oder den Pferdesanei gehängt, so dass
die Mutter sie immer im Blick hatte. Kleine Mädchen
trugen ihre Puppen in kleinen Spielzeug-Cradleboards.
Indianische Mütter und auch Väter benutzen heute
noch, bzw. wieder, die praktischen Babytragen.
Spiel-Rückentrage
Unser Tragebettchen ist eine ganz einfache Ausfüh-
rung. Das Puppenkind wird nur mit Lederbändem ge-
halten Wer möchte, gestaltet es etwas komfortabler,
indem er ein Säckchen aus Leder oder Stoff an dem
Tragebrett befestigt und die Puppe da hineinsteckt.
109
Im Cradleboard ist die Puppe gut aufgehoben
Material:
Sperrholz. Bastelfarben.
Lederbänder. Perlen, ein Stück Fell,
Sandpapier. Feile, Laubsäge.
Nach der Skizze das Brettchen aus Sperrholz aussägen,
an den markierten Punkten Löcher lüneinbohren, zum
Durchziehen der Lederschnüre. Das Holz mit der Feile
an den Kanten etwas abrunden und glatt schmirgeln
Nach Wunsch bemalen und lackieren. Lederbänder
zum Umhängen und zum Festschniiren der Puppe an-
bringen, ein Stückchen Fell als Unterlage darunter
schieben. Enden der Lederbänder dünn zuschneiden
und Perlen aufziehen,
Lumpenpuppe
Material:
Stoffreste, wie der Name schon sagt.
Wolle für die Haare,
Etwas ungesponnene Wolle zum Polstern,
2 gerade Zweige oder Stöckchen, etwa 15 und 11 cm
lang
Die Zweige wie ein Kreuz übereinander legen und zu-
sammen binden. Mit Stoffstreifen den Puppenkörper
wickeln, wie die Skizze zeigt, evtl, etwas Schafwolle mit
einwickeln, Kopf und Hände zusätzlich mit Schahvolle
rund wickeln.
Anmerkung:
Solche simplen Puppen
werden von Kindern oft
sehr geliebt, besonders
wenn ein Heber Mensch,
z.B. die Großmutter oder
Tante sie in ihrem Beisein
anfertigt.
Aus Zu eigen und Stoffresten
entsteht eine Lumpenpuppe
HO
Hopi-Schlangenpriester uni 1900
Was sind Kachinas?
(sprich: Kaischina» von «Qacina» = Hopi-Wort für
«übernatürlich»)
In den Dörfern der Zuni und Hopi finden bis heute
•alljährlich verschiedene religiöse Zeremonien statt,
bei denen eindrucksvolle Kachina-Tänze aufgcfiihrt
werden. Kachinas sind götlerähnliche Ahnenwesen.
Wesen aus der Unterwelt, auch Tiere, Pflanzen, Steine,
Steme und Wolken. In früheren Zeiten sollen die Ka-
chinas viel öfter die Dörfer besucht haben, tun die
Bewohner zu unterstützen. Dann übernahmen Men-
schen mehr und mehr diese Rolle. Es sind ausgebilde-
te Mitglieder von Geheimbünden, also Eingeweihte.
Sobald sie Maske und Kostüm einer Kachina überstrei-
fen, verwandeln sie sich in diesen Geist und legen alles
Menschliche ab. Als Vermittler zwischen Menschen
und Göttern bitten die Kachina-Tänzer um Regen, gute
Ernte, um Gesundheit, Schutz vor Unglück und um
Strafen für Missetäter. Kachinas symbolisieren darüber
hinaus den Lebenszyklus von Geburt. Tod und Wieder-
geburt. aber auch den Vegetationszyklus von der Win-
tersonnenwende bis zur Ernte im Herbst.
Verantwortlich für die verschiedenen Kachina-Kulte
sind die Kiva-Gemeinschaften Kivas sind häufig unter-
irdische, runde Gebetsräume mit einer Kuppel. Die
Priester der Kiva-Gemcinde haben unter anderem die
Aufgabe, die Kachina-Masken zu pflegen und zu «füt-
tern» (mit Blütenpollen), denn sie gelten als lebendige
Wesen. Daher ist cs verständlich, dass die Pueblo-In-
dianer es nicht gerne sehen, wenn Kachina-Masken in
Museen auibewahrt werden und hier gewissermaßen
in Gefangenschaft leben. Früher war es verboten, Ka-
chinamasken und -puppen an Außenstehende zu ver-
kaufen, weil man befürchtete, dass es Unheil bringen
könnte.
Es gibt weit über 350 verschiedene Kachinas. Damit
die Kinder sie möglichst bald voneinander unterschei-
Mittelpunkt einer Kina
Brettchen-Kachinasfiir die Jüngsten
111
Bretteben -Kacbina
(Originalgröße)
Vorlage zum Aussägen aus Sperrholz
112
den lernen, schnitzen ihnen Vater oder Onkel Kachina-
Puppen aus Cottonwood und Pappelholz. Die Figuren
werden bemalt und angezogen. Man hängt sie Zuhause
an die Wand und hat sie so immer vor Augen. Kachina-
Puppen haben auch erzieherische Funktionen, durch
sie werden die Kinder mit den Traditionen und Wert-
Vorstellungen ihrer Kultur vertraut gemacht. Die ganz
Kleinen bekommen einfache Brettchen-Kachinas (sie-
he die folgende Arbeitsanleitung), die größeren kom-
pliziertere, plastisch ausgefiihrte Figuren. Dadurch,
dass die Kinder Kachinas schon früh in Form von Pup-
pen kennenlemen, wird ihnen die Angst genommen,
wenn sie die echten, großen Kachina-Tänzer. die oft
sehr furchterregend aussehen, zu Gesicht bekommen.
Auch heute sind die meisten Hopi und Zuni Feldbauern
und nach wie vor sehr eng mit ihrem Land verbunden.
Einige halten kleine Schaf-und Rinderherden und ferti-
gen nebenher kunsthandwerkliche Produkte an. u. a.
die bei Touristen sehr begehrten Kachina-Puppen.
Manche arbeiten in den nahegelegenen Städten wie
Flagstaff. Phoenix und Santa Fe. Aber alle kehren in
ihre Dörfer zurück, wenn dort die Kachinas tanzen.
Brettchen-Kachina herstellen
Einfache Brettchen-Kachinas in dieser .Art bekamen
(und bekommen) die kleinen Kinder der Zuni- und
Hopi-lndianer Wer solch eine Kachina herstellen
möchte, braucht:
Sperrholz. 3-4 mm dick,
Bastelfarben, Klarlack,
Laubsäge. Sandpapier,
Flaumfeder.
Nach der Skizze die Form übertragen, aussägen, gut
schmirgeln, besonders die Kanten. Bemalen wie die
Abbildung zeigt oder nach eigenen Vorstellungen ab-
wandeln. Die Rückseite einfarbig bemalen. Zum
Schluss die ganze Figur mit Klarlack überziehen und
eine Flaumfeder an die Stirn kleben.
113
Phantasievolle Tonfiguren und eine
Geschichte am Abend
Bei der Erziehung der Kinder hat das Erzählen von
Geschichten und Legenden in allen indianischen Ge-
meinschaften einen hohen Stellenwert.
An drei, vier, fünf .Abenden, nie tagsüber, werden im-
mer die gleichen Legenden erzählt, nur solange, wie
die Aufmerksamkeit der Kinder es zulässt.
Im Rückblick auf sein Leben, berichtet Allen Quetone,
.Angehöriger der Kiowa, habe er erkannt, wie sein
Charakter und seine Persönlichkeit durch Geschichten
beeinflusst und geformt wurden, die ihm seine Groß-
eltern als Kind Abend für Abend erzählt hatten.
Bei den Pueblo-Indianern werden die Geschichten
manchmal durch kleine Tonfiguren, in der .All wie die
hier abgcbildeten, untermalt und anschaulich ge-
macht.
Das Erzählen von Geschichten abends am Bett des Kin-
des hat auch in unserer Kultur Tradition. Den Tag mit
einer Geschichte abzuschließen, die Vater oder Mutter
erzählen, ist für jedes Kind eine große Bereicherung.
Diese schöne Gew ohnheit sollte bis weit in das Schulal-
ter hinein beibehalten werden. Kleine Kinder hören
gern mehrere Abende hintereinander die gleiche Ge-
schichte. Lassen wir uns von den Pueblo-Indianern
anregen und formen wir mit den Kindern einfache
kleine Tonfiguren, die die «Helden- einer Geschichte
darstellen und die nur am Abend, während des Erzäh-
lens, in Erscheinung treten.
Die abgebildeten Figuren bestehen aus ungebranntem
Ton, sind bemalt und zum Schluss mit Klarlack überzo-
gen worden.
Waschbär, Hase. Ente und Frosch aus Ton gelingen auch Ungeübten!
114
Die Rückkehr der Maismädchen
Eine Geschichte der Zuni-Indianer
L m diese Geschichte besser verstehen zu können sollte
man zuvor «Was sind Kachinas?» auf Seite 111 lesen.
Beim Stamm der Zuni herrschte seit langem eine Hun-
gersnot. Die Maismädchen waren fongelaufen, weil
die Leute so achtlos mit dieser Fracht umgingen. Sie
hatten sich in das Dorf der maskierten Götter, der Ka-
chinas. geflüchtet. Die Leute spielten mit Maisbrot und
warfen es fort. Sie legten die Maiskolben nicht sorgsam
auf dem Speicher ab. sie stapelten sie nicht auf. wie sie
es heute tun. Deshalb kam das Gelbe Maismädchen
eines Nachts in alle Häuser und sagte zu den Maismäd-
chen. sie sollten mit ihr kommen. «Gut», sprachen sie,
«gehen wir». Nun wussten sie aber nicht, wohin, Pauti-
wa im Dorf der Kachinas hörte davon und sagte zu dem
Gelben Maismädchen: «Ich habe davon gehört, dass
ihr euch entschlossen habt, davonzulaufen und wisst
nicht wohin. Ich mag nicht, dass ihr geht. Kommt mit
mir. damit mein Volk nicht für immer bestraft wird. Es
wird schon wieder den rechten Umgang mit dem Mais
lernen.» Pautiwa wollte nicht, dass sie zu einem an-
dern Stamm gingen. Deshalb sprach er: «Kommt mit
mir Ich werde euch verstecken.» Also folgten ihm alle
Maismädchen. Das Mädchen des Gelben, des Blauen,
des Roten. Weißen, Gesprenkelten und Schwarzen
Mais folgten ihm. Am Ende lief das Schw arze Maismäd-
chen. Es verdunkelte die Straße, damit die Leute nicht
sahen, wohin sie gingen. Pautiwa hieß sie, sich mitten
im Heiligen See hinlegen und sprach: «Nun, meine
Kinder, seid ganz still und redet nicht. Ich will nicht,
dass jemand hier unten merkt, dass ihr da seid.» Pau-
tiwa aber blieb selbst vor dem Heiligen See stehen, und
als die Leute kamen und ihn befragten, merkten sie
nicht, dass er die Maismädchen verbarg Nun besaßen
die Leute in Itiwana. dem mittleren Platz, zwar noch
eine Menge Mais, aber er taugte nicht. Es war kein
Fruchtfleisch mehr darin. .Alle Maiskolben sahen
krank aus. und als sie aussäten, wuchs nichts. Das
Herz des Mais haue sich davongemacht in das Dorf der
Kachinas. Ein Jahr verging und das nächste kam, und
die Leute hatten nichts zu essen. Nein, jene, die mit
dem Mais sorgsam umgegangen waren, hatten sehr
wohl noch etwas. Die anderen aber mussten für diese
Leute arbeiten. Sie mussten weben und spinnen und
Mais mahlen für sie, sonst wären sie verhungert. End-
lich hauen sie alles, was sie besaßen, im Tausch für
einen Korb Mais weggegeben. So waren sie bestraft
worden. Nun wussten ihre Priester zwar, dass die Mais-
Indianischen Mais gibt es in verschiedenen Farben
115
mädchen fortgelaufen waren. aber sie wussten nicht,
wohin. Und erst recht wussten sie nicht, wie sie sie
wieder zurückholen konnten. Sie beriefen einen
Häuptlingsrat ein und der entschied, dass die Medizin-
bhimen-Jungen, die sehr schlau sind, sich auf die Su-
che nach den Maismädchen machen sollten. Sie zogen
also aus, sie suchten alle Seen und den Ozean ab. sie
schauten in alle Himmelsrichtungen und konnten sie
doch nirgends finden. Da riefen sie den Unkrautjun-
gen. Auch er sah sich überall um, aber ohne Erfolg.
Nun versuchten sie es mit den Kriegsgöttem. Sie
schickten ein Fliege nach Westen, eine kleine schmut-
zige Hausfliege. Im Dorf der Kachinas wussten die We-
sen, dass sich die Maismädchen versteckt hielten. Alle
Kachinafrauen kochten im Haus Essen, und die Kinder
spielten draußen. Die Kinder kamen ins Haus gerannt
und riefen: «Die Fliege kommt!» Nun sind die Ka-
chinafrauen sehr kluge Wesen. Sie wussten sogleich,
dass die Kriegsgötter die Fliege ausgesandl hatten, um
nach den Maismädchen zu suchen. Und so sagten sie
zu ihren Kindern: «Hier, nehmt dieses Kürbisgemüse,
stellt es draußen vor euch hin. Wenn die Fliege vorbei-
kommt, wird sie davon naschen wollen und sich die
Zunge verbrennen.» Und so geschah es. Die Fliege
kam angesummt und stürzte sich gleich auf das Gemü-
se, denn cs war süß. Sie verbrannte sich die Zunge.
Und daher kommt es, dass die Fliege seither nicht
mehr reden kann und den Kriegsgöttem auch nicht
berichten konnte, wo sich die Maismädchen versteckt
hielten. Die Kriegsgötter schickten Pfeile hinauf in den
Himmel. Die Pfeile suchten alles ab, aber sie fanden
nichts außer Wind. Also begaben sich die Kriegsgötter
am Ende zu den Priestern, die in den Zeremonien-
räumen fasteten und beteten, und sprachen zu ihnen:
«Wir sind nicht so weise Väter wie jener, der die Mais-
mädchen versteckt hat. Bisher haben wir euch immer
helfen können, aber jetzt müsst ihr euch nach jeman-
dem umschauen, der klüger ist.» So sprachen sie,
denn es waren die Kriegsgötter gewesen, die das Volk
aus der Unterwelt heraufgefiihrt hatten, als die Welt
noch jung war. Und seitdem hatten immer sie dem Volk
geholfen.
«Versucht es mit Newekwe», sprachen sie. «W ir halten
gehört, dass er so klug sein soll wie wir.» Also riefen
sie einen Newekwe-Mann. und er pflanzte Gebets-
stöcke, damit Newekwe selbst komme. Nun muss man
wissen, dass Newekwe immer inmitten der Milch-
straße sitzt und alles sehen kann, was auf Erden ge-
schieht Nach Sonnenuntergang kam er also und fragte
die Priester, warum sie nach ihm geschickt hätten.
«Wir hungern seit vier Jahren», sprachen die Priester,
«wir haben es schon dreimal versucht, die Maismäd-
chen aufzuspüren, aber keines unserer Kinder hat da-
bei Erfolg gehabt.»
Darauf erwidert Newekwe: «Wenn ihr wirklich wollt,
dass die Maismädchen wieder zurückkommen, will
ich sehen, was ich für euch tun kann. Aber ihr dürft
nicht essen noch trinken, und müßt vier Jahre w arten
(er meinte vier Tage), bis ich wieder zurück bin.» Das
versprachen sie, obwohl sie da schon sehr hungrig
und durstig waren. W as blieb ihnen auch anderes üb-
rig. Newekwe sagte: «Ich breche auf. Säubert eure Ge-
danken und eure Sinne, dann komme ich vielleicht mit
den Maismädchen zurück.» Darauf nahm er Asche von
der Feuerstelle und brach auf.
Im Freien warf er die Asche in die Luft, und aus ihr
wurde wieder eine Milchstraße am Himmel. Diese
kam zu ihm herab, und er setzte sich auf ihr nieder. Sic
trug ihn nach Süden und dann nach Osten. Es sind
zwanzig Tage Weg. wenn jemand bis zum südlichen
Ozean gehen will, aber er war klug und schaffte diese
Strecke in einem Tag und kam auch in dieser Zeit noch
wieder zurück. Er fuhr nach Norden, Osten und Wes-
ten. und im Westen sprang er wieder von der Milch-
straße herab. Dann sagte er zu der Milchstraße: «Ich
habe dich geschaffen, um mein Volk zu beschützen. Du
wirst am Himmel stehenbleiben, damit dich jeder
sieht.» Newekwe kam aus dem Westen herab und ließ
sich in den Heifigen See fallen. Wie wir schon wissen,
hatte dort Pautiwa die .Maismädchen versteckt. Newe-
kwe fief durch den See und wurde dabei nicht nass. Er
kam zu Pautiwa und sprach: «Wie geht es dir, mein
.Alter? Sind die Mädchen hier?» Pautiwa war froh, dass
er kam. Bals würde er seine Ruhe haben. Er sagte zu
den .Maismädchen: «Geht jetzt zum milderen Platz zu-
rück. Sie brauchen euch dort. Sie werden euch gut
behandeln, weil sie euch wirklich brauchen. Sie haben
nichts mehr zu essen.» Newekwe lief voran, und die
116
Maismädchen folgten ihm. Pautiwa aber erhob sich,
tauchte seine Wasserflasche in den See und folgte ih-
nen. «Ich komme mit euch. Ich nehme heiliges Wasser
mit. 'K enn mein Volk wieder Mais pflanz, muss ja w ohl
auch Regen fallen», sagte er. Und deswegen bringt der
Newekwe nach Shalako immer wieder die Maismäd-
chen, und Pautiwa führt in seiner Wasserflasche, w enn
wir Glück haben, das kostbare Nass mit sich, das mit
dem Sommerregen fällt.
© Fischer Taschenbuch Verlag
Indianennärchen der Pueblo. Hopi und Navajo
berausgegeben und übersetzt r. Frederik Hetniann
Die Vision Black Elks
(Schwarzer Hirsch)
und die Indianer von heute
Im Alter von fünf Jahren hatte Black Elk, der große
Häuptling und letzte heilende Weise der Oglalla-Sioux.
eine Vision, in der zwei Männer, mit Donnerstimmen
singend, aus den Wolken auf ihn zuflogen.
Vier Jahre später kamen Stimmen in einer Vision zu
ihm und sagten: «Es ist Zeit! Deine Großväter rufen
dich!» Dann erschienen die beiden Männer aus der
früheren Vision und nahmen ihn in einen Himmel voll
tanzender Pferde mit. Sie gingen durch ein Tor in ei-
nem Regenbogen und Ivegegneten den Geislern des
Himmels, der Erde und der vier Himmelsrichtungen;
alle machten ihm ihre besonderen Fähigkeiten zum
Geschenk. Als der junge Black Elk den Erdgeist an-
blickte, erkannte er sich selbst als alten Mann. Vom
Aussichtspunkt eines Berges sali er den heiligen Reifen
der Sioux zerbrochen und einen heiligen Baum ohne
Vögel, w as das zukünftige Elend seines Volkes bedeute-
te. Doch plötzlich blühte der Baum wieder, und Stim-
men erhoben sich zu einem mächtigen Gesang.
Später, als sein Volk verfolgt wurde und die Bisons fast
ausgerottet waren, klammerte sich Black Elk an diese
Vision. Im hohen Alter blickte Black Elk mit Trauer
zurück. Er sah sein Leben als die mächtige Vision eines
Mannes, der zu schwach war, diese zu verwirklichen,
und als den Traum eines Volkes, der im blutigen
Schnee von Wounded Knee endete.
Die Indianer leben noch heute in Reservationen. Diese
Hegen oft in strukturschwachen Gegenden, es gibt
kaum .Arbeit. Wer keine Arbeit hat und auch sonst kei-
ner sinnvollen Beschäftigung nachgehen kann, landet
offensichtlich schnell bei Alkohol und Drogen, im Ge-
fängnis und im Grab, oder er fällt in Depression und
Lethargie. Die Säuglingssterblichkeit und die Selbst-
mordrate ist unter den Ureinwohnern im Vergleich zur
Gesamtbevölkerung erschreckend hoch. Sich ihrer in-
dianischen Kultur und Sprache schämen zu müssen, ist
noch tief und schmerzhaft im Bewusstsein der Men-
schen verwurzelt. Die Wunden heilen schlecht und
langsam. Unter einer dünnen, empfindlichen Kruste
Gegenwart sitzt noch immer die Vergangenheit, die Zeit
des Landraubs, der Massaker, der Seuchen, der bruta-
len Zwangsumsiedlungen und Erniedrigungen. Die
Narben müssen immer wieder aufbrechen, denn bis
heute werden indianische Heiligtümer nicht unter
Schutz gestellt, sondern häufig geschändet. Man ver-
weigert den Indianern immer noch weitgehend die
Nutzungsrechte von Ressourcen auf indianischem
Land. Kulturschätze, die in Museen liegen, werden
nicht zurückgegeben. Elteminitiativen müssen kämp-
fen, damit ihre Kinder auch in ihrer indianischen Mut-
tersprache unterrichtet werden können, Indianer, die
vor dem Richter stehen, haben in der Regel mit härte-
ren Strafen zu rechnen als W eiße. Diese Liste könnte
noch endlos fortgesetzt werden! Es ist paradox, dass in
einem Land des Überflusses (land of plenty - Näüonal-
hyrnne der USA), einstmals autarke und gesunde Ge-
sellschaften heute in armseligen Verhältnissen leben
müssen.
117
«Als der Bison getötet war und wir zum Leben auf
Reservationen gezwungen wurden, konnte ein Mann
nicht mehr jagen, und er verlor seine Selbstachtung.
Und jedes Mal. wenn ein Indianer eine Flasche an den
Mund führt, reitet General Custer von Neuem - und er
gewinnt.»
Sidney Keith. Lakota Sioux
.Anmerkung:
General George Custer, ein ehrgeiziger Mann und Be-
fehlshaber des 7. US-Kavallerieregiments war dafür
bekannt, dass er mit äußerster Härte gegen die Urein-
wohner vorging. Als er 1876 ein Sommerlager am Lin-
ie Big Hom überfiel, fand er selbst den Tod.
Doch es gibt in Amerika fortschrittliche Sümmen, die
darauf aufmerksam machen, wie notwendig das Land
die intuitiven Fähigkeiten seiner indigenen Kulturen
hat: Drogenkonsum. Rassenkonflikte und Gewalttätig-
keiten hätten in diesem reichen, großen Land besorg-
niserregende Ausmaße angenommen, Geld und Macht
ständen an oberster Stelle. .An intellektuellen und tech-
nischen Fähigkeiten mangele es nicht, wohl aber am
intuitiven Erfassen qualitativer Werte. Dazu gehörten
z.B der klare Blick für die Zusammenhänge mensch-
lichen Lebens, das Streben nach echten Werten, echter
Liebe. ... Die «weiße», kalte, analytische Verstandes-
kultur stehe konträr zur spirituellen, intuitiven see-
lischen Kraft der Indianer.
Dr. Franz Winkler, von den Indianern sehr geschätzt
und geachtet, sagte auf einer Tagung im Jahre 1972
u.a. folgendes: «Ich persönlich bin überzeugt, dass die
Zukunft dieses landes unauflösbar mit dem Überleben
indianischer Kultur verknüpft ist. Solch ein Überleben
erfordert eine ungeheure .Anstrengung von Seiten der
Indianer selbst, denn es kann weder durch eine Er-
neuerung der Vergangenheit noch durch ein Vergessen
der Vergangenheit gestehen werden, sondern nur da-
durch, dass man den unterirdischen Strom der india-
nischen Kultur aufsucht und ihn an die Oberfläche
hebt, nicht an dem Ort, wo er früher war, sondern an
der Stelle, wo er nun in den verborgenen Bereichen
der indianischen Seele fließt...»
«Unsere Zukunft», so sagen viele Indianer heute, «liegt
in unserer Vergangenheit, wir sind das Gewissen Ame-
rikas, wir haben überlebt als das Gewissen Amerikas.»
Eine neue Generation indianischer Rechtsanwälte,
JournaÜsten. .Ante, Politiker. Lehrer und Künstler bei-
derlei Geschlechts ist herangewachsen. Sie bietet paro-
li und versucht sich an der schwierigen Gratwande-
rung zwischen den Welten. Diese Generation ist kantig,
selbstironisch, oft wütend, dabei aber humorvoll und
manchmal voller Sarkasmus, auch Ausdruck einer
Überlebensstrategie? Sie. die kritischen, jungen India-
ner von heute, sind besonders sensibel und beobach-
ten sehr genau sich selbst und ihr Verhältnis zu den
Weißen. Ohne Zweifel kennen sie die Weißen sehr viel
besser als umgekehrt. Und sie wissen um ihre beson-
dere Kulmr und ihren besonderen Platz in der Welt. Sie
sind sich darüber im Klaren, dass sie anderen viel an-
zubieten haben, wenn diese nur zuhören wollten, so
dass in Zukunft ein reicher Austausch stattfinden
könnte.
Lassen wir zum Schluss einige von ihnen zu Wort
kommen. Es folgt eine lose Aneinanderreihung von
Äußerungen indianischer Menschen aus ganz unter-
schiedlichen Lebensbereichen:
Vom politisch korrekten Begriff «Native Americans»,
Uramerikaner also, den der gebildete Amerikaner zu
verwenden gelernt hat und der Behörden zwingend
vorgeschrieben ist, halten viele Indianer gar nichts.
Der Autor, Dichter und Filmemacher Sherman .Alexie
vom Stamm der Spokane erklärte in einem Zeitungsin-
terview’ 1998, dass er dies als ein Zeichen des weißen
liberalen Schuldkompiexes sähe. «Wir nennen uns
selbst Indianer», sagt er. Dass der Begriff ewig an die
Ignoranz und Arroganz der Eroberer erinnert - Ko-
lumbus glaul ja, 1492 Indien erreicht zu haben - ist
Alexie nur recht. «Ein anderes Denkmal werden wir
nicht bekommen - ein Dokumentationszentrum, ein
Mahnmal wie zum Holocaust wird es in Amerika nicht
geben. Solch ein Denkmal würde ja die ganze amerika-
nische Gesellschaft, Besitzaufteilung, das ganze Selbst-
verständnis grundsätzlich in Frage stellen.»
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Besonderen Humor und Ironie kennzeichnet
folgende Begebenheit:
Am 24. September 1973 stieg der Indianer Chippewa
Happy Eagle, der auf den «weißen» Namen Adam
Nordwall hört, in Rom aus dem Flugzeug, stieß einen
Speer in die Erde und sagte: «Wenn es wahr ist, dass
Christoph Kolumbus .Amerika entdeckt hat. obwohl
dort seit Tausenden von Jahren Indianer leben, dann
liabe ich heute Europa entdeckt!»
Vier Tage später erklärte er Journalisten gegenüber,
die «italienischen Eingeborenen», die ihn sehr gast-
freundlich behandelt hätten, seien durchaus in der
Lage, ihr Land selbst zu regieren. Darauf kehrte Happy
Eagle nach San Francisco zurück. (Aus: Taschenkalen-
der Indianer 92, Lamuv Verlag)
Eine Sioux-Frau aus der Pine Ridge Reservation erklär-
te folgendes: «Manchmal denke ich sie (die Weißen)
sind verrückt. Lnentwegt rennen sie hinter einem Ziel
her, das sie nicht kennen und nicht erreichen, ohne zu
begreifen, dass sie nur ein winziger Teil der Schöpfung
sind, die sehr gut ohne sie auskommt! .. Auf jeden
Fall müssen wir ihnen helfen, unterscheiden zu lernen,
was im Leben wichtig ist und was unwichüg ist.»
Edward Benton-Benai. Ojibwa-Angehöriger sagt:
«Krieger sind Männer und Frauen, die .Alkohol und
Drogen bezwungen und die wahren Wege der Spiritua-
lität wiedergefunden haben.»
Vielleicht ist es die neue indianische Generation, durch
die sich Black Elks Vision vom Erblühen des Baumes
des Lebens eines Tages doch noch erfüllt, zumindest
könnte sie ihn zum Knospen bringen. Viele verfügen
heute über beide Seiten, die einen wirklich reifen, mo-
dernen Menschen ausmachen: Spiritualität und Demut
als seelische Qualitäten und Erbe ihrer Kultur auf der
einen Seite und einen kühlen, analytischen Intellekt
auf der anderen Seite - eine Mischung, die «Power» in
sich trägt!
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Quellen und Literaturhinweise
Tlx Native Americans
Collin Toyior
Indianerstämme
Bill Yenne. Lechner
Indianermäreben
Frederik Heimann, Fischer Taschenbuch
Indianische Legenden aus Nordamerika
Ella Elisabeth Clark, Diederichs Gelbe Reihe
Indianer der Prärien und Plains
Lindenmuseum Stuttgart
Indianer
Flensburger Hefte. Nr. 37
feminine Fuhr Trade Fashions
by Wilson and Hanson, Crawford. Nebraska
Nordwestküsten-Indianer
Gerber/Ammann, Pestalozaanum, Zürich
Prärie- und Plains-Indianer
Gerber/ .Ammann, Pestalozzianum. Zürich
Dolls & Toys of Native America
Don and Debra McQuiston, Chronicle Books
Kachina-Dolls
Publication Number 4, Museum of Northern Arizona
Die Heilige Pfeife
Schwarzer Hirsch (Black Elk), Lamuv Taschenbuch 19
Die Welt der Indianer
Geschichte mit Pfiff, Heft 1/98
Regenmacher. Erzählungen
Goldmann TB 42665
Reservation Blues
Goldmann TB 43550
Beide Taschenbücher von Sherman Alexie
In den Tagen des Hitzemondes
Jutta Grimm. Esslinger Edition
Kinder- und Jugendbücher:
«Fliegender Stern»
Ursula Wölfel, Ravensburger
Erstes Lesealter bzw. zum Vorlesen.
«Die Söhne der großen Bärin»
Lieselotte Welskopf-Henrich
6 Bände, Altberliner Verlag
ab 10-12 Jahren
«Rollender Donner»
Scott O'Dell
.Arena Verlag
ab 12 Jahren
Indianische Kunst Nordamerikas
David W. Penney, Könemann
Die Macht des Totems
Time-Life
Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses
Dee Brown, Knaur Taschenbuch
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