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Text
WlCCA
Lebenskunst und Magie
weiser Frauen
Faszinierende Einblicke
• •
und praktische Übungen,
die Ihr Leben verändern.
Inspirieren Sie sich!
Inhalt
Wicca ist.......................3
Die Ursprünge...................7
Warum Wicca?...................11
Wicca praktizieren.............13
Die Elemente...................18
Die Natur......................33
Magie..........................46
Gottheiten.....................62
Rituale........................74
Zum Schluss....................90
Wicca ist...
Hexenkunst ist nicht bloß Magie. Wicca ist eine heidnische
Mysterienreligion von Göttin und Gott. Außerdem ist es auch
eine Naturreligion.
Eine Hexe betreibt Magie und verehrt eine Göttin - die Große
Muttergöttin - und den Gehörnten Gott, den Pan der griechi-
schen Mythologie, den Herne oder Cernunnos der Kelten. Wicca
basiert auf den Überresten einfacher heidnischer Traditionen wie
sie in Legenden und ländlichen Bräuchen erhalten blieben.
Darauf aufbauend wurden anspruchsvollere Glaubensinhalte aus
den eher formellen heidnischen Religionen Roms, Griechenlands
und Ägyptens und aus den initiatorischen Mysterienreligionen
übernommen. Wicca lehrt die Entwicklung magischer über-
sinnlicher Kräfte, stets jedoch Hand in Hand mit dem klugen und
verantwortungsbewussten Gebrauch. Ein Initiationssystem der
spirituellen Entwicklung ist ureigener Bestandteil der Tradition.
Für uns Frauen ist Wicca ein spiritueller Weg, auf
dem wir das Göttliche in seiner weiblichen Form
verehren können - als die Göttin. Viele Frauen
kommen vom Feminismus zu Wicca. Sie be-
werten das Wort „Hexe" neu und erkennen, dass
es den Gebrauch der den Weisen Frauen ange-
borenen Kräfte meint. Auch Männer fühlen sich
von der wicca-typischen Sicht des Göttlichen als
Göttin und Gott angezogen. Entgegen land-
läufiger Meinung können Männer und Frauen
Hexen sein. Die klassische männliche Hexe ist
der ländliche Mann. Er lebt in innerer Verbun-
denheit mit den Elementen, hat den Boden
bearbeitet, den gebrochen Flügel eines Vogels
oder die Krankheit eines Kindes geheilt; er liebt
die Göttin und kennt beide, Göttin und Gott.
4 ... Wicca
In der modernen Gesellschaft macht das wachsende Umweltbewusst-
sein Wicca zunehmend attraktiver. Wicca ehrt das Göttliche als in der
Natur manifest. Die Erde ist unsere spirituelle Mutter, und wir spüren,
dass das Göttliche nicht „da oben" ist, sondern um uns herum. Die
Natur selbst ist heilig, eine Manifestation der Göttlichen Lebenskraft.
Greenpeace, Vegetarismus und die Tierschutzbewegung sind Mani-
festationen einer wieder erwachenden Ehrfurcht vor der Erde. Für
unsere Ahnen war das etwas ganz Natürliches, Instinktives; Jahrhun-
derte urbanen Lebens haben dieses Empfinden jedoch verdrängt.
Die Initiation im Sinne einer persönlichen transformierenden Erfah-
rung des Göttlichen macht für manche zweifellos die große Attraktivität
des Wicca aus. Einige Richtungen im Wicca kennen drei oder mehr Ini-
tiationsriten, die jeweils einen Übergang durch spirituelles Wachstum
markieren. Diese Riten können spirituell wie psychisch kraftvoll wir-
kende Ereignisse sein, die das Leben verändern und schöner machen.
Wicca ist... 5
Die Ursprünge
Die Geschichte des Wicca ist die Geschichte der Naturmagie, heid-
nischer Mysterienschulen wie der von Ägypten und Eleusis und der
keltischen Spiritualität. Wicca greift zurück auf Mystik, Astrologie,
Runen, Tarot und heute auch auf Erkenntnisse aus der Psychologie.
Auch wenn die Praktiken, die ich hier beschreibe, europäischen
Ursprungs sind, spiegelt Wicca universelle Glaubensinhalte. Ähnliche
Traditionen gibt es auf der ganzen Welt; überall dort, wo einheimische
Spiritualität nicht unterdrückt wurde. Die Renaissance des Wicca im
20. Jahrhundert begann in England, im heiligen Albion, der Heimat von
Glastonbury, Stonehenge und der Gralslegende. Das ist wohl kein
Zufall. Die Vorstellung, dass die westlichen Inseln Europas geweihtes
Land und heiliger Boden sind, ist uralte Tradition. Die größten .
Druidenschulen der keltischer Ära befanden sich in Britannien und
Irland, und im Mittelalter behaupteten die Gelehrten, Britannien sei
ihren Ahnen von der Göttin Diana geschenkt worden. Diese Verbindung
zum Heidentum ist einer der Gründe, warum die Hexenkunst in
England schneller wieder erwachte als in anderen Teilen Europas. Ein
weiterer Grund liegt in der großen Distanz zwischen England und Rom
Das bedeutet, dass England später christianisiert wurde als andere
Teile Europas und sich im Zuge der Protestantischen Reformation
leichter von Rom löste. Der englische Protestantismus hatte nichts
Fanatisches. Er führte Hexenverfolgungen nicht mit derselben
Verbissenheit durch wie seine katholischen und protestantischen
Nachbarn. Oft wird angenommen, Europa sei bereits seit 2000 Jahren
christlich, aber das trifft nicht zu. Auch nach tausend Jahren lagen
Christentum und Heidentum noch im Kampf miteinander An den
Rändern Westeuropas überdauerten viele heidnische Vorstellungen in
einer Art und Weise, die anderswo unmöglich gewesen wäre Hexen-
kunst und Heidentum lebten in ländlichen Gebieten als Bestandteil
von Sitten, Gebräuchen und Volksmedizin fort. Das bedeutet nicht
dass nicht auch die herrschenden Gesellschaftsschichten von diesem
8 ..Wicca
Volksglauben wussten. Gemeinschaftliche Feiertage wie der 1. Mai wur
den von allen gefeiert. Dennoch wäre die Hexenkunst ohne das Werk
eines Mannes im Verborgenen geblieben: Gerald Gardner, der durch
seine Medienpräsenz berühmt wurde. Er zählte zu den ersten Hexen
des 20. Jahrhunderts, die öffentlich von ihrer Überzeugung sprachen.
Gerald Gardners bekannteste Bücher, Witchcraft Today (1954, deutsch
1965 als Ursprung und Wirklichkeit der Hexen) und The Meaning of Witchcraft
(1959, nicht ins Deutsche übersetzt) führten zur Bildung einer
Bewegung, die sich über die ganze Welt verbreitete.
Warum Wicca?
Zu Wicca kommen die Menschen aus vielerlei Gründen.
Manche suchen okkultes Wissen und geheime Kräfte. Andere
fühlen sich durch den Feminismus und die Rolle der Göttin zu
Wicca hingezogen, wieder andere durch das lebendige Umwelt-
bewusstsein und die Achtung vor der Natur, und schließlich
gibt es Menschen, die hier spirituelle Transformation suchen.
Auch die Magie übt große Anziehungskraft aus. Gerald Gardner,
einer der Gründerväter des modernen Wicca, schrieb:
„ Die Hexenkunst war und ist kein Kult für jedermann. Ohne Begeisterung für
das Okkulte, ohne einen Sinn für das Wunderbare und das Gefühl, ein paar
Minuten lang aus dieser Welt heraus in die Welt der Zauberei schlüpfen zu
können, ist Hexenkunst zwecklos."
Wicca praktizieren
Bevor Sie sich nun eingehender mit Wicca beschäftigen,
versuchen Sie es einmal mit einer Übung in diesem Buch
und achten Sie darauf, wie Sie sich dabei fühlen. Stellen Sie
fest, dass diese einfachen Einführungen in die Welt des Wicca
eine Bereicherung für Ihr Leben sind, dann möchten Sie
vielleicht tiefer in die Hexenkunst einsteigen. Wie macht
man das?
Es gibt zwei Einzelwege
• Der erste ist der der klassischen Hexe, auch „Weise Frau" oder
„Weiser Mann", „Kräuterhexe" oder heute oft „Naturhexe" genannt. In
der Naturhexerei geht es weniger um Rituale als vielmehr um das
Handwerk der Hexerei. Wenn Sie diese Richtung einschlagen wollen,
bieten Marian Greens Bücher Das geheime Wissen der Hexen (1996) und
Naturmagie (1997) einen guten Einstieg. Zu dem Wissen, das Sie sich
auf diesem Weg aneignen müssen, gehört die Kräuterkunde. Hierzu
gibt es viele gute Bücher sowie Kurse von renommierten Veranstaltern.
Sie sollten über umfassende Kenntnisse bäuerlicher Wetterregeln ver
fügen, hilfreich ist außerdem eine Begeisterung fürs Gartnern
• Der zweite Einzelweg ist der modernere der im Selbststudium erwor-
benen Hexenkunst, den man sich mit Hilfe von Büchern und vielleicht
durch den gelegentlichen Besuch von Workshops oder Zusammen-
künften von Hexen erarbeitet Die 1999 verstorbene Britin Doreen
Valiente gehörte zu den ersten Fürsprecherinnen der Idee, dass m<jn
keinem Coven beitreten muss, um Hexe zu werden sondern sich auch
selbst ausbilden kann Von ihren zahlreichen Büchern die eine Brücke
schlagen zwischen der traditionellen Hexenkunst und moderneren
Theorien ist leider keines ms Deutsche übersetzt Auch der vor weni-
gen lahren verstorbene Amerikaner Scott Cunningham eine männliche
Hexe zählte zu den modernen Vertretern dieser Richtung Sem Buch
Wien Eutr Einführung in die weiße erscheint im Ium 2001
Außerdem gibt es zwei Arten der Hexenkunst im Coven
• Die eine ist die moderne Do-it-yourself-Variante die besonders in den
USA eine Blütezeit efiebt häufig beeinflusst vom Feminismus Wenn S c
mit em poaf Freunden einen Co.en gründen aber keinem mit arofi^hen
Kreis be treten möchten finden Sie im Buch der amerikanischen Hexe
Starhawx Der HewMitUr sß Ur-R/t&r Genun i I9e ii Anleitungen
für einen modernen eklektischen, femin ^t tsch orientierten Coven
14 *C4O
• Der zweite Typ der Hexenkunst im Coven ist stärker strukturiert. Er
wird heute oft als „Traditionelle Initiatorische Hexenkunst" bezeichnet.
Dazu gehört die Aufnahme in einen Coven, der einer initiatorischen
Tradition angehört.
Dieser Weg eignet sich für alle, die lieber strukturierter vorgehen und
gern von erfahreneren Menschen lernen. Ausführlichere Informationen
über diesen Typ der Hexenkunst finden Sie in meinem Buch Wiccfl: Die
alte Religion im Neuen Zeitalter (1998). Einige traditionellen initiatorischen
Gruppen nennen sich schlicht „traditionell", andere folgen den über-
lieferten Regeln bestimmter Coven. Die deutschen Coven werben
nicht öffentlich, sondern sind der Auffassung, wer einen Coven suche,
der werde auch den richtigen finden. Hinweise lassen sich der Literatur
entnehmen, und natürlich gibt es auch im Internet zahlreiche
Wicca-Seiten.
Gruppen und Solohexen
Auch wenn wir Mitglied einer Gruppe sind, ist es gut, die rituelle Arbeit
zuweilen allein durchzuführen. Ebenso wichtig ist die Interaktion mit
anderen. Die Arbeit in der Gruppe, bei der etwas entsteht, das so viel
größer ist als die Summe seiner Teile, hat einen ganz besonderen
Zauber. Der Einzelweg kann, wie der Name andeutet, auch sehr einsam
sein. Es ist sehr hilfreich, sich mit ähnlich Denkenden über seine
Hoffnungen und Erwartungen auszutauschen. Dazu muss man nicht
unbedingt einer Gruppe beitreten. In Ländern, in denen Wicca bereits
etabliert ist, ist es häufig möglich, an Workshops teilzunehmen.
Initiatorische Traditionen
Man braucht nicht initiiert zu sein, um einer Gruppe beizutreten oder
sich von anderen zur Hexe ausbilden zu lassen. Man kann eigene
Sprüche und Rituale kreieren, die auch wirken, vorausgesetzt, magische
Fähigkeiten und spirituelle Intention sind gut. Ein wichtiges Prinzip in
Hexenkunst und Magie lautet jedoch: „Das Alte ist das Gute." Sprüche,
die Mal um Mal gesprochen, und Rituale, die wieder und wieder voll-
zogen wurden, entwickeln eine eigene Energie. Wenn Menschen auf
der ganzen Welt wiederholt dasselbe Ritual vollziehen, wird es immer
leichter.
Die meisten Wicca-Traditionen haben drei Initiations-
stufen. Vor dem ersten Grad kennen einige Coven
zusätzlich eine Neophyten-Initiation. Dazu gehört eine
Zeit engagierten Lernens. Die zukünftige Hexe darf den
Sabbaten des Coven beiwohnen und die Mitglieder
kennen lernen, damit Coven und Auszubildende fest-
stellen können, ob sie zueinander passen.
Wicca praktizieren ... 17
Die Elemente
Das Universum des Wicca ist ein holisti-
sches. Alles in der Schöpfung ist lebendig.
Menschen, Tiere, Pflanzen, Bäume, Steine,
Kristalle, Moleküle, sogar Atome haben
eine eigene Bestimmung und spirituelle
Kraft. In unserem holistischen Universum
sind aber nicht nur Tiere, Pflanzen und
Mineralien lebendig. Auch der Planet selbst
lebt. Diese Vorstellung entwickelte der an-
erkannte Wissenschaftler James Lovelock in
seiner Gaia-Hypotfiese. Pflanzen, Tiere und
Mineralien interagieren auf eine Weise mit-
einander, die sie als Teile eines lebendigen
Wesens, eines größeren Ganzen erscheinen
lässt. Das ist die Biosphäre oder Gaia.
18... Wicca
Innerhalb unseres holistischen Universums gibt es verschiedene Ener-
giearten, die kategorisiert werden können. Jede spirituelle Tradition hat
ihre eigene Sicht des Universums. Im magischen Universum lebt
jedoch eine Idee aus dem antiken Griechenland fort - die Idee, dass
das materielle Universum aus Energien in vier Grundzuständen be-
steht: Erde, Luft, Feuer und Wasser. Jenseits der materiellen Schöpfung
gibt es einen fünften Zustand - den Äther oder Geist.
Luft
Luft ist das Reich des Verstandes, des Gehirns, des Intellekts und
des logisch-linearen Denkens. Unsere Luft-Seite möchte lernen, ist
neugierig und möchte die Beschaffenheit der Dinge erkennen können.
Sie ist jung, leicht und energiegeladen. Luft kann rasches Denken
bedeuten, die Leichtigkeit des Seins, Humor und Lebensfreude. Luft
schätzt das Neue und bisher Unversuchte und möchte um jeden Preis
Neues kennen lernen. Luftzeichen fällt es leicht, einen neuen Anfang
zu wagen und Altes hinter sich zu lassen. Luft kategorisiert die Dinge.
Sie trennt das eine vom anderen. Sie formuliert treffsicher und denkt
nie „nebulös". Die Arbeit mit dem Element Luft kann die Entwicklung
von Objektivität fördern. Zuweilen unpersönlich und unverbindlich, ist
Luft das Zeichen des Gesetzes und kann sogar abgebrüht erscheinen.
Luft regiert die Sternzeichen
Wassermann, Waage und Zwillinge
20 ... Wicca
Feuer
Feuer wärmt das Blut und regiert die Sexualität. Feuer bedeutet
Aktivität, Unternehmungslust, Aufregung, Unterhaltung, Lebendigkeit
und die Schnelligkeit des Pfeils. Feuer ist wichtig, wenn wir in der Welt
etwas bewirken sollen. Es erneuert und reinigt. Feuer transformiert und
zerstört, bereitet dabei aber den Boden für neues Wachstum. Außer-
dem wird es mit Erregbarkeit und allem Kriegerischen assoziiert. Feuer
kann einen Streit vom Zaun brechen, bringt aber auch Energie, neues
Leben und Schwung. Feuer ist leuchtend und farbenfroh. Die
Leidenschaft des Feuers nährt die Liebe zum Leben und die Kreativität.
Feuer bedeutet Freiheit und Leidenschaft: Kraft und Wärme der Liebe
ebenso wie verzehrendes Verlangen. Auch Risikobereitschaft gehört zu
den Aspekten von Feuer - Mut oder Tollkühnheit, wie man's nimmt.
Feuer regiert die Sternzeichen
Widder, Löwe und Schütze
Die Elemente... 23
Wasser
Wasser ist flüssig, verständnisvoll und tolerant. Wasser überwindet
Schwierigkeiten, indem es sie umfließt, statt sie frontal anzugehen.
Wasser bringt Tränen der Freude und des Leids. Es ist Liebe, Mitgefühl,
Empathie und Erbarmen. Es ist das Meer - verträumt und grüblerisch.
Es ist die negative Seite des Träumerischen - Ängste und Phobien. Es
verbindet Menschen, kann sie aber auch überwältigen. Manche haben
„nah am Wasser gebaut". In der keltischen Mythologie war Wasser das
Tor zur Anderswelt. Die Kelten assoziierten mit Wasser auch die Rück-
kehr zu den Ursprüngen. Wasser besitzt die Kraft der Erosion - es kann
*
Felsen abtragen. Es kann Widerstände abtragen. Die Kraft des Wassers
kann alles überwinden. Wasser ist ein tiefer Brunnen der Erkenntnis -
Erkenntnis jedoch aus der Meditation, nicht aus Bücherwissen.
Wasser regiert die Sternzeichen
Skorpion, Krebs und Fische.
24 ... Wicca
-
Erde
Erde ist das Element des physischen Körpers, das Element von Fleisch
und Knochen. Erde besitzt Standhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Aus-
dauer und hat Beschützerqualitäten. Sie ist realistisch und boden-
ständig'. Aber sie hat auch eine vergnüglichere Seite. Sie ist Sex und
Sinnlichkeit, zuweilen übersprühend. Erde kann auch Gier entwickeln
auf Nahrung oder Geld. Bei heidnischen Initiationsriten ist Erde
wichtig. Steinzeitliche Felszeichnungen dienten magischen Zwecken.
Zu ihnen gelangte man nur über dunkle, schwierige Höhlenpfade. Hier
erzählte man den jungen Menschen die Mythen ihres Stammes:
Geschichten, die den Stamm mit seinen Göttern verbanden.
In Erdmeditationen stellt sich oft ein Gefühl tiefen Friedens ein, aber
auch das destruktive Potential von Erde ist nicht zu vergessen
Erde regiert die Sternzeichen
Stier, Jungfrau und Steinbock
Die Elemente ... 27
Übung:
Die Elemente erleben
1 Wicca ist eine erdverbundene Religion, daher ist es wichtig, sich auf
die Natur und die Jahreszeiten einzustimmen. Tun Sie zwei Tage lang
so viel wie nur irgend möglich, um die physische Präsenz aller vier
Elemente zu spüren. Gehen Sie auf der Erde, berühren Sie sie, graben
Sie darin, riechen Sie sie. Fühlen Sie Sonne und Wind auf Ihrer Haut.
Paddeln Sie auf einem Fluss, oder gehen Sie im Regen spazieren.
2 Achten Sie auf die Beschaffenheit der Erde, auf der Sie gehen; der
Luft, die Sie atmen; des Wassers, das Sie trinken oder als Regen
spüren; der Sonne, die Sie wärmt. Meditieren Sie darüber.
3 Wenn Sie die Erde und ihre Energie spüren wollen, legen Sie die
Hand auf den Boden und versuchen Sie, den Puls der Erde zu ertas-
ten. Wenn Sie nicht aus der Stadt heraus können, gehen sie in einen
Park. Wo auch das nicht möglich ist, gehen Sie durch die Straßen
und versuchen Sie, sich mit der Erde unter dem Asphalt zu ver-
binden. Wenn Sie nicht nach draußen können, benutzen Sie eine
Schale mit Erde oder einen Stein.
28 ... Wicca
4 Tun Sie dasselbe auch mit den anderen Elementen. Wasser ist
Meere, Flüsse, Teiche und Regen. Wiederum gilt: Wenn Sie nicht
nach draußen können, meditieren Sie über eine Schale Wasser.
5 Luft ist natürlich der Wind. Spüren Sie ihn auf dem Körper, sowohl
physisch wie in der Meditation.
6 Für das Element Feuer sollten Sie ein Feuer entzünden, draußen
oder im Herd. Denken Sie daran, dass auch die Sonne Feuer
ist und Sie beim Abbrennen einer Kerze über Feuer meditieren
können.
7 Behalten Sie ein Symbol jedes Elements bei sich zu Hause: eine
Schale mit Erde, eine zweite mit Wasser, eine Kerze für das Feuer, für
die Luft vielleicht eine Vogelfeder oder ein Windspiel.
8 Verbringen Sie einen Tag in der Meditation über jedes dieser
Elemente. Welche Elemente haben Sie in Ihrer Persönlichkeit im
Überfluss? Welche sollten Sie stärker entwickeln und warum? Halten
Sie alle Gedanken und Erkenntnisse zu den Elementen fest.
Die Elemente... 29
Übung:
Die Elemente im Alltag
1 Ein Wicca-Altar trägt gewöhnlich Symbole aller vier Elemente; es
kann aber Momente im Leben geben, wo Sie die Energie eines
bestimmten Elements verstärkt benötigen.
2 Eine Möglichkeit ist, für das Element, von dem Sie zu wenig haben,
einen Altar zu errichten. Fehlt es Ihnen an Energie, sind Sie ängstlich
und unsicher, errichten Sie einen Feuer-Altar. Verwenden Sie dazu ein
rotes Altartuch, rote Blumen, eine rot blühende Topfpflanze, rote
Beeren, rote Kerzen. Suchen Sie als Repräsentanten der Erde ein
Stück roten Sandstein. Das Wasser füllen Sie in eine rote Glas-
schale. Entzünden Sie für die Luft Räucherwerk, das heiß und feurig
wirkt. Legen Sie Tarotkarten der Kleinen Arkana („Stäbe") auf den
Altar.
3 Ist der Altar eingerichtet, entzünden Sie Kerzen und Räucherwerk.
Setzen Sie sich vor den Altar, und meditieren Sie darüber, wie und
wo Sie mehr Feuer in Ihr Leben bringen können. Bitten Sie die
Blumen des Feuers um Hilfe, damit Sie sie weise und gut am rich-
30 ... Wicca
tigen Ort, aber nicht im Übermaß, einsetzen können. Meditieren Sie
eine Woche lang täglich über Feuer.
4 Tragen Sie in der zweiten Woche die Feuer-Energie in Ihren Alltag. Stel-
len Sie etwas von Ihrem Feueraltar, den roten Stein oder die Pflanze, an
Ihren Arbeitsplatz. Tragen Sie etwas Rotes, wenn Sie Ihre Feuer-Energie
zeigen müssen. Gewöhnen Sie sich an, einen roten Stift zu benutzen!
Dies alles sind schlichte Kleinigkeiten, aber sie funktionieren.
5 Sollten Sie jedoch mehr Liebe und Mitgefühl zeigen, richten Sie sich
einen Wasser-Altar ein. Wollen Sie Ihr Denken schärfen, bedienen Sie
sich der Luft. Wünschen Sie sich Stabilität, innere Stärke und
Frieden, arbeiten Sie mit dem Element Erde.
Die Natur
Die Einstimmung auf den Kreislauf der Jahreszeiten gehört für
eine Hexe zum Wichtigsten. Das mag überraschen, aber Wicca
ist schließlich eine Naturreligion. Das Göttliche wohnt der
Natur inne, die Natur ist ihm Hülle und Gewand. Durch das
Feiern der Jahresfeste verbinden wir uns mit den Rhythmen
der Natur und dem Göttlichen.
Die Feste
Wicca kennt acht große Jahresfeste. Sie beginnen bei Sonnenuntergang
und dauern bis zum Sonnenuntergang des nächsten Tages. Vier davon
sind Sonnenfeste, deren Datum von der Beziehung zwischen Sonne und
Erde bestimmt wird. Es sind: Wintersonnenwende oder Jul (der kürzes-
te Tag) um den 21./22. Dezember; Sommersonnenwende oder Mitt-
sommer (der längste Tag) um den 21./22. Juni; Frühlings- und Herbst-
Äquinoktium, die Tagundnachtgleichen, wenn Dunkelheit und Licht
gleich viele Stunden herrschen, um den 20./21 März und 21./22 Septem-
ber. In der südlichen Hemisphäre, in Australien zum Beispiel, verlaufen
die Jahreszeiten umgekehrt. Dort ist Wintersonnenwende am 21. Juni.
Die vier übrigen Wicca-Feste sind keltischen Ursprungs. Es sind:
Imbolc oder Lichtmess am 1./2. Februar; Beltane oder Walpurgisnacht
am 30. April/1. Mai; Lughnasadh oder Lammas, das Erntedank- oder
„Brotfest" am 31. |uli/l. August; Samhain (gesprochen So-in), auch
Winteranfang oder Allerheiligen am 31. Oktober/1. November.
Idealerweise feiern Hexen ihre Feste genau an den Tagen, auf die sie
fallen; ist das nicht möglich, können sie auch an einem anderen Tag
begangen werden, der jedoch so nahe wie möglich am eigentlichen
Datum liegen sollte.
34 ... Wicca
Imbolc
In den gemäßigten Breiten der nördlichen Hemisphäre bringt Imbolc
oder Lichtmess mit dem Erscheinen der ersten grünen Triebe das
Erwachen der Lebenskraft. Es ist eine Zeit der Hoffnung. Das Leben regt
sich wieder. Die Tage werden merklich länger. In der englischen Tradi-
tion bezeichnen Hexen dieses Fest immer noch mit seinem christlichen
Namen „Candlemas" - Lichtmess das Fest der Kerzen/Lichter. Das
heidnische wie das christliche Fest sind der Jungfräulichen Göttin
gewidmet, deren Bild in der christlichen Maria aufgenommen wurde.
Magisch gesehen ist Imbolc eine gute Zeit für neue Pläne und die
ersten Schritte zu ihrer Umsetzung. Traditionell gehören Kerzenmagie
und Magie für einen neuen Anfang zu dieser Zeit. Man sollte jedoch
vorsichtig vorgehen.
Frühjahrs-ÄQuinoktium
Die Frühjahrstagundnachtgleiche ist der Wendepunkt im Jahreslauf,
an dem das Licht die Dunkelheit überwindet. Länger werdende Tage
bringen neues Wachstum. Die Säfte steigen. Bei Tieren und Menschen
erwacht der Sexualtrieb. Die Frühjahrstagundnachtgleiche feiert die
Fruchtbarkeit des Bodens. Es ist die Zeit der Aussaat, im wörtlichen
wie im übertragenen Sinn. Oft werden zum Fest der Frühjahrstagund-
nachtgleiche Samen ausgesät, denen ein magisches Ansinnen mit-
gegeben wurde. Psychologisch gesehen fungiert die Pflege der
Sämlinge als ständige Erinnerung an den magischen Wunsch, der bei
ihrer Aussaat ausgesprochen wurde. Der Frühling will verändern und
Neues schaffen.
Beltane
Beltane ist gälisch und bedeutet „helles Feuer"
In Irland entzündete man um diese Zeit große
Feuer und trieb das Vieh hindurch, um Para-
siten auf der Haut zu verbrennen. Wer über
das Feuer springt, nimmt die Flamme in sich
auf. Auch heute noch springen Wicca-Paare,
die sich ein Kind wünschen, über das Beltane-
Feuer. Traditionell ist Beltane die Zeit der
Fruchtbarkeitsmagie. Zu den Feiern in der
Walpurgisnacht gehörte der Tanz von Männern
und Frauen um phallische Maibäume. Nach
europäischer Tradition erscheint der Gott in
der Walpurgisnacht ganz in Grün gekleidet als
der „Grüne Mann". Englischem Brauchtum
enstprechend war der Grüne Mann vollständig
in ein Blätterkleid gehüllt und konnte in dieser
Verkleidung unerkannt tun, was er wollte.
Dabei mag so manches Fruchtbarkeitsproblem
gelöst worden sein.
Mittsommer
Die Sommersonnenwende, der längste Tag, ist die
Zeit des Eichenlaubs und der Rosen, Symbole des
Gottes und der Göttin. Zwar sind Gott und Göttin
an Beltane und an Mittsommer zugegen, dennoch
erscheint Beltane eher als Feier der Göttin, Mitt-
sommer als Fest des Gottes. Mittsommer-Rituale
erzählen oft die Geschichte des Sonnenkönigs,
der jetzt gekrönt wird und seine männlichen
Energien in den Dienst der Göttin, ihres Volkes
und ihres Landes stellt. Paradoxerweise bezeich-
net dieser Zeitpunkt zugleich den höchsten Stand
der Sonne wie den Beginn ihres Abstiegs. Nach
dem Gipfel kann der Weg nur noch nach unten
führen. Mittsommer ist bei Männern eine gute
Zeit für Magie als Hilfe zur Alltagsbewältigung
und bei beiden Geschlechtern für Magie als Hilfe
in weltlichen Dingen - Karriere, Wohnung, Geld.
Diese Dinge sind weltlich, aber wesentlich für
unsere materielle Existenz.
Lughnasadh
Lughnasadh ist das irische Wort für das Fest am Vorabend des August.
Die alternative Bezeichnung Lammas ist westsächsisch und bedeutet
„Brotfest". Zum „Brotfest" wurde das erste Brot aus dem neuen Weizen
des Jahres gebacken. Reifer Weizen besitzt nicht mehr die
Geschmeidigkeit der Jugend, jedoch die Reife des Alters. Er ist trocken,
aber neues Leben kann aus ihm entspringen. Das Fest Lammas
bedeutet auch, dass wir uns Veränderungen stellen müssen. Das mit-
tlere Lebensalter und der Tod gehören zu den Realitäten des Lebens.
Magie an Lammas kann dem Loslassen dienen. Jetzt ist Zeit, altes Leid
und vergangene Wut loszulassen. Es ist eine gute Zeit für Scheidungen.
Paradoxerweise ist es aber zugleich eine gute Zeit zur Heirat für
Menschen, die einander spirituelle Partner sein wollen.
Herbst-ÄQuinoktium
Der Herbst ist die Zeit der Apfelernte, die Zeit des Hopfens und der
Trauben. Die Herbsttagundnachtgleiche ist ein Fest, bedeutet zugleich
aber das Ende des Sommers und die Vorbereitung auf die kommende
Kälte. Magie im Herbst ist Magie des Verstandes, letzt ist Zeit zum
Lernen, denn die Nacht bricht früh herein und die Außenwelt bietet
weniger Ablenkung. Da nun die nächtliche Welt das Jahr regiert, ist dies
die Zeit, unsere magischen und übersinnlichen Fähigkeiten zu schulen.
In der ersten Jahreshälfte geht es um die äußere Welt. In der zweiten
geht es nun um die innere Welt und das Reich des Geistes. Den Herbst
kann man feiern, indem man zum Beispiel eine Kerze einen Fluss
hinabtreiben lässt zum Zeichen, dass die Sonne nun eine Zeit lang
von uns geht. Jetzt feiern wir den Abstieg der Göttin in die Unterwelt
Samhain
Samhain ist der irische Begriff für „das Ende des
Sommers". In Irland und anderen westeuropäi-
schen Ländern, die vom Golfstrom erwärmt wer-
den, setzt der Winter später ein. Samhain ist das
Fest der Toten. Die moderne Gesellschaft tut, was
in ihren Kräften steht, um den Tod vom Alltag abzu-
trennen, und viele Menschen haben kaum Kontakt
zu denen, die uns vorangingen. Es ist aber wichtig,
dass wir ein Gespür dafür entwickeln, wer wir sind
und woher wir kommen. Wir sollten die Vergangen-
heit und unsere Ahnen ehren. Ihre Hoffnungen,
ihre Ängste, ihre Freuden und ihre Sorgen sind
dicht verwoben im Stoff unserer Psyche. Zur Feier
von Samhain kann man einen Ahnen-Altar errich-
ten: Suchen Sie alte Fotos, Erinnerungsstücke und
Medaillons, und geben Sie ihnen einen Ehrenplatz.
Unsere spirituellen Vorfahren sind all die, deren
Träume und Visionen das spirituelle Leben des
Wicca, wie wir es heute kennen, geschaffen haben.
Natur... 41
Wintersonnenwende
Die Wintersonnenwende ist der Tiefpunkt des Jahres, nach Tageslicht
und Energie bemessen. In geheizten Wohnungen und bei ausreichender
Lebensmittelversorgung können wir heute die Härten des Winters kaum
noch nachvollziehen. In der Vergangenheit aber bestand immer die Ge-
fahr, dass die Nahrungsmittelvorräte zu Ende gehen konnten. Zur Win-
tersonnenwende erreicht das Rad des Jahreslaufs seinen tiefsten Punkt,
den kürzesten Tag, und dann - das große Wunder - werden die Tage
allmählich wieder länger. Die Wintersonnenwende oder Jul war die Zeit
des Feierns. Es war die Zeit, in der man die Häuser mit Immergrün und
rotbeerigen Stechpalmen schmückte, in der man die dicksten Scheite
verfeuerte, Honigkuchen buk und den Kindern Süßigkeiten schenkte.
Übung:
Zwiesprache mit der Natur
Wenn wir den Jahreslauf feiern wollen, wie fangen wir am besten an?
Die Sabbate feiern das sich wandelnde Gesicht der Natur. Wenn wir sie
verstehen wollen, müssen wir nach draußen gehen. Unternehmen Sie so
nahe am Sabbat wie möglich einen Spaziergang, im Idealfall auf dem
» l
Land, sonst auch in einem Stadtpark. Beobachten Sie, was in der Natur
um Sie herum vor sich geht. Treiben die Bäume Knospen, stehen sie in
der Blüte, tragen sie Früchte, hängen sie voll abgestorbenen Laubs oder
stehen sie kahl? Was machen die Vögel, die anderen Tiere, die Blumen?
Ein Aufenthalt in der Natur kann heilsam sein. Das Leben in der
Stadt ist unnatürlich und hektisch. Wo viele Ratten sind, greifen sie
sich gegenseitig an. Wo zu viele Menschen sind, kommt es zu Gewalt
und Brutalität. Wicca rät nachdrücklich zu Einsamkeit, Stille und einer
natürlichen Umgebung. Das Alleinsein mit der Natur, Zeiten der Stille,
der Einsamkeit und des Friedens - all das öffnet uns für die Stimmen
der Götter, macht uns empfänglich für ihren Willen und schenkt uns
Ideen, wie wir besser und weiser leben können.
Natur... 43
• 4
Übung:
Einen lahreszeitenaltar
gestalten
Ein Altar ist eine Stelle, an der sich Anbetung und Verehrung der
göttlichen Kräfte im Universum konzentrieren. Ein Altar kann überall
sein. Sie schaffen ihn, indem sie Symbole der vier Elemente, auf einem
Tisch zu Hause, am Arbeitsplatz oder im Garten arrangieren.
1 Bestimmen Sie den Ort. Wicca-Altäre befinden sich meist im Norden
oder in der Mitte eines Zimmers mit dem Rücken nach Norden.
2 Sie können einen Tisch, ein Regal oder eine Kommode zum Altar
machen. Bedecken Sie ihn mit einem zur Jahreszeit passenden Tuch
3 Sie brauchen Gegenstände, die die vier Elemente repräsentieren:
Kerzen für Feuer-, Räucherwerk, Feder oder Glocke für Luft; eine Was-
serschale für Wasser; eine Schale mit Erde oder einen Stein für Erde
4 Damit ist der Anfang für Ihren Altar gemacht. Jetzt benötigen Sie
noch eine jahreszeitlich passende Dekoration. Gehen Sie spazieren,
und suchen Sie Blumen oder Grünzweige der Jahreszeit.
44 ... Wicca
5 Ist Ihr Altar fertig, meditieren Sie eine Zeit lang davor. Feste
beginnen bei Sonnenuntergang, daher ist das eine gute Zeit zur
Meditation.
6 Zünden Sie zuerst eine Kerze und, wenn vorhanden, etwas Räucher-
werk an. Denken Sie an das Motiv des Festes. Welche Rolle spielt
es in Ihrem Leben? Bitten Sie die Gottheiten um Hilfe bei allen
Schwierigkeiten, die Sie gerade haben. Nehmen Sie ein Blatt
Papier zur Hand, und schreiben Sie Ihre Probleme auf. Verstecken
sie es irgendwo, oder legen Sie es unter Ihren Altar. Wenn es
Zeit ist, den Altar zu verändern, lesen Sie das Geschriebene noch
einmal durch und denken darüber nach, ob sich Ihre Situation
gewandelt hat. Verbrennen Sie danach Ihre Bitten über einer
Kerzenflamme.
7 Die Zwiesprache mit der Natur und die Gestaltung eines Jahres-
zeitenaltars sind Möglichkeiten, die Sabbate zu feiern. Später können
Sie auch Sabbatrituale kreieren (siehe Seite 84).
Natur... 45
Magie
Manche Menschen fühlen sich stärker von Wicca als
Naturreligion, andere mehr von Wicca als magischer Tradition
angezogen, wieder andere von der Verbindung aus beidem.
Was aber ist Magie?
Magie ist das Herbeiführen von Veränderungen mit Mitteln, die
von der Wissenschaft noch nicht anerkannt sind. Es gibt zwei
Arten von Magie - Naturmagie und Hohe Magie. Die Hohe
Magie wenden wir an, um uns in höher entwickelte Menschen
zu transformieren. Im Wicca umfasst die Hohe Magie Initiations-
und Anbetungsriten, die uns mit dem Göttlichen im Inneren
und Äußeren verbinden. Doch dazu später.
46 ... Wicca
Naturmagie
Die Naturmagie möchte Veränderungen eher auf der materiellen als
auf der inneren Ebene bewirken. Sie macht sich die Eigenschaften be-
stimmter äußerer Dinge wie Kristalle, Metalle und Kräuter sowie den
Einfluss von Planeten und Mond zunutze. Dazu bedient sie sich deren
Energien und fließt mit ihren Rhythmen. Magie kann aber auch das
Einwirken Dritter beinhalten - Engel, Geistwesen, Elementargeister.
Im Wicca ist das aber weniger verbreitet als in bestimmten Formen
ritueller Magie.
Divination
Das moderne Wicca arbeitet mit den Kräften der Parapsychologie und
fördert sie auch. Dazu gehören Telepathie - erkennen, was ein anderer
denkt oder fühlt; Hellsichtigkeit, Hinweise auf die Zukunft erhalten;
Psychometrie - durch Berühren Informationen über einen Gegenstand
erspüren; Rutengehen - mit einem Pendel oder einer Wünschelrute
Dinge finden - und Psychokinese - mit geistiger Kraft physische
Veränderungen bewirken. Letzteres wird oft als „Magie" oder „Zauberei"
bezeichnet, die anderen Fähigkeiten unter dem Oberbegriff „Divination"
oder „Wahrsagen" zusammengefasst. In der Magie geht es um den
aktiven Gebrauch und die Projektion unserer inneren Kräfte. Hellsich-
tigkeit bedeutet, Stille, Passivität und Aufnahmebereitschaft zu erler-
nen. Hellsichtige sind Menschen, die von Geburt an oder durch eine
entsprechende Ausbildung subtile Signale besser wahrnehmen können
als andere. Im Wicca wird auch die Fähigkeit zur Wahrnehmung
„schwacher" Signale geschult. In der Entspannung, im Traum oder in
der Meditation erscheinen uns diese Signale stärker. Wenn wir lernen,
unsere Träume zu erinnern, werden wir auch im Wachbewusstsein offen-
er für die Botschaften aus unserem Unbewussten. Es sind die Vor-
ahnungen, Träume und Gefühle, die wir alle haben, aber oft ignorieren.
48 ... Wicca
Wer kann Magie ausüben?
In den meisten traditionellen Gesellschaften war die Hexenkunst das
Vorrecht eines besonders dazu ausgebildeten Mitglieds - des
Schamanen, Medizinmanns, Hexendoktors, des Weisen Mannes oder
der Weisen Frau, der Hexe. Sie hatten ihren „Beruf" oft von Mutter oder
Vater übernommen. In manchen Gesellschaften waren dies Menschen,
die eine besondere spirituelle Krise durchlebt hatten. Sie waren von
den Göttern auserwählt und ausgesondert worden.
Traditionelle Hexen vertraten häufig die Meinung, Hexen würden
geboren und nicht gemacht. Inzwischen hat sich diese Haltung geändert.
Deshalb führten erfahrene Lehrer dieser Kunst Außenstehende in ihre
Traditionen ein; sie sollten nicht zu „ausgebildeten Hexen" werden, aber
doch lernen, die magischen Künste in ihren Alltag zu integrieren.
Menschen, die zu Wicca kommen, sagen häufig: „Ich möchte schon ger-
ne eine Hexe werden, aber ob ich es in der Magie zu was bringe, das weiß
ich nicht." Die meisten Hexen im Wicca haben ihre Stärken und Schwä-
chen. Aber gewisse magische Fähigkeiten können wir alle entwickeln.
Es ist nicht einmal notwendig, dass Sie von der Wirkung überzeugt
sind, bevor Sie mit der Ausübung beginnen. Wichtig ist nicht uner-
schütterlicher Glaube, sondern Aufgeschlossenheit.
Magie... 49
Wie übt man Magie aus?
Viele Gegenstände, die in der Magie benutzt werden, haben keinen eige-
nen Wert, sondern sind Energieträger und Konzentrationsstütze. Zu den
klassischen Gegenständen gehören Schnüre, Kerzen und Wachsbilder.
Dies sind nützliche Krücken, wichtiger aber sind die inneren Prozesse,
die sich in der Hexe abspielen. Dazu gehören vier wichtige Dinge:
• Visualisation • Trance
• Konzentration • Ätherische Energie
□ Visualisation
Magie funktioniert über visuelle Bilder. Menschen mit einer lebendigen
Phantasie visualisieren leicht. Andere brauchen etwas Übung. Sehen
Sie sich in Ihrem Zimmer um. Schließen Sie die Augen, und visua-
lisieren Sie einen Ausschnitt des Zimmers und die Gegenstände darin.
Öffnen Sie die Augen und prüfen Sie, wie gut Sie waren.
□ Konzentration
Magie erfordert Konzentration. Das kann schwierig sein, besonders,
wenn wir nur schwer „abschalten'' können. Machen Sie sich keine allzu
großen Sorgen, wenn Ihre Gedanken bei den ersten Versuchen mit der
50 ... Wicca
Magie noch abschweifen. Sobald Sie merken, dass Ihre Gedanken
anderswo sind, holen Sie sie einfach sanft zurück.
□ Trance
Trance bedeutet, sich in einen veränderten Bewusstseinszustand und in
einen zeitlosen Raum zu begeben. Das muss nicht heißen, dass man
die Welt um sich herum nicht mehr wahrnimmt, aber die Aufmerksam-
keit konzentriert sich auf etwas anderes. Alles, was zur Entspannung
führt - Räucherwerk, Kerzenlicht, Feuerschein, Chakra-Übungen, sanfte
Musik, Chants, Tanz und Trommeln - hilft beim Übergang in den
Trancezustand.
□ Ätherische Energie
Seit jeher sind Hexen überzeugt, dass der Körper über Energien verfügt,
die zu einem bestimmten Zweck eingesetzt werden können. Wir besitzen
einen physischen und einen ätherischen Körper. Er ist ein Energiefeld,
das den physischen Körper umgibt und durchdringt. Der ätherische
Körper hat eigene Energiezentren, die auf Sanskrit „Chakras" (Räder)
genannt werden. Im Körper gibt es sieben Haupt-Chakras.
Magie.. .51
Übung:
Die Chakras öffnen
Wenn wir Magie ausüben wollen, ist es hilfreich, die Chakras zu öffnen.
So ist sichergestellt, dass wir Energie aussenden können, ohne unsere
eigenen Energiereserven zu erschöpfen.
1 Zur Öffnung der Chakras visualisieren Sie zuerst einen Kreis
pulsierenden roten Lichts am unteren Ende der Wirbelsäule. Stellen
Sie sich nun vor, dass Sie einen Energiestrom in das Chakra ziehen.
Es wird warm und beginnt zu leuchten, rote Energie und rotes Licht
pulsieren. Visualisieren Sie nun, wie dieses Wurzelchakra größer wird,
bis es die gesamte untere Wirbelsäule ausfüllt.
2 Lassen Sie zu, dass sich der einfließende Energiestrom in Ihrem
Körper aufwickelt wie eine Schlange. Lassen Sie diese sich stets wei-
terwindende Energieschlange bis in Bauchhöhe aufsteigen.
3 Visualisieren Sie dabei, wie Ihr Sakralchakra in der Bauchmitte in
einem orangen Lichtwirbel erglüht. Lassen Sie den orangefarbenen
Kreis immer größer werden, voller wirbelnder Energie.
52 ... Wicca
4 Gehen Sie so im Körper immer weiter nach oben: Ziehen Sie
Energie am unteren Ende der Wirbelsäule in den Körper
hinein. Von dort aktiviert sie so nach und nach jedes Chakra.
5 Auf der Höhe des Solarplexus liegt das Solar-Plexus-Chakra,
das in goldgelbem Licht leuchtet.
6 In der Mitte des Brustbeins befindet sich ein grünes, feuriges
Leuchten, das Herzchakra.
7 Beim Kehlkopf ist ein pulsierendes blaues Zentrum, das
Kehlkopfchakra.
8 In der Mitte der Stirn liegt ein violetter Fleck, das Dritte Auge.
9 Wenn sich der violette Schein des Dritten Auges immer
schneller dreht, lassen Sie den Energiestrom durch das
Kronenchakra an der Schädeldecke heraussprudeln.
Lassen Sie die Energie nun wie einen Wasserfall am Körper
herabstürzen und in einem weißen Strom zu den Füßen
fließen.
Magie... 53
Übung:
Ätherische Energie spüren
Sobald Sie die Chakras geöffnet haben, können Sie sich mit dieser
einfachen Übung Ihrer ätherischen Energie bewusst werden.
Öffnen Sie Ihre Chakras. Stellen Sie sich vor, wie das Solarplexus-
Chakra Ihre Körpermitte aktiviert. Lassen Sie nun die Energie aus dem
Solarplexus-Chakra in Arme und Hände fließen. Visualisieren Sie, wie
Ihre Hände in gelbem Licht erglühen. Empfinden Sie das Weiter-
strömen der Energie als ermüdend, gehen Sie in Gedanken häufiger
zum Wurzelchakra und ziehen Energie in sich hinein.
Schließen Sie die Augen, und führen Sie die Handflächen langsam
zusammen, bis Sie spüren, wie die Energie der einen Hand gegen die
der anderen drückt. Öffnen Sie die Augen, und achten Sie auf den
Abstand zwischen Ihren Händen in dem Augenblick, als Sie die Energie
zu spüren begannen. Wenn Sie diese Übung häufig machen, werden
Sie bald feststellen, dass Ihre Fähigkeit, Energie von der einen Hand
zur anderen zu projizieren, stärker wird.
54 ... Wicca
Übung:
Die Chakras schließen
Wenn wir die Chakras geöffnet haben, müssen wir sie auch wieder
schließen. Das geht schneller als das Öffnen. Zu den einfachsten
Methoden gehört, sich jedes Chakra als Glasfenster in der entsprechen-
den Farbe vorzustellen.
1 Führen Sie einen Strahl weißen Lichts vom Kronenchakra außen am
ganzen Körper entlang nach unten. Lassen Sie ihn über das Dritte
Auge fließen, wobei er das Chakra komplett schließt, als würde ein
weißer Fensterladen davor geklappt.
2 Führen Sie dann noch mehr weißes Licht vom Kronenchakra am Dritten
Auge vorbei zum Kehlkopfchakra, und schließen Sie auch dieses.
3 Führen Sie noch mehr Licht vom Kronenchakra bis zum Herzchakra,
zum Solarplexus-Chakra und über das Sakralchakra bis zum unteren
Ende der Wirbelsäule.
4 Versuchen Sie nicht, das Wurzelchakra oder das Kronenchakra zu
schließen. Sie sollten offen bleiben, um Energie aufnehmen zu können.
Magie... 55
Wofür sollte man
Magie anwenden?
Magie ist eine Kraft, eine Macht, ist Weisheit und Wissen. Sie ist zu-
gleich mächtiger und weniger mächtig als Unwissende annehmen. Im
Wicca wird die Magie nach strengen ethischen Grundsätzen ausgeübt.
Magie ist keine Krücke für die Schwachen, und wer sich lediglich damit
aufplustern will, ist ungeeignet. Magie ist eine Fähigkeit, und wir
müssen lernen, weise und gut mit ihr umzugehen.
Zu Wicca kommt man nicht, weil man Magie zur Erlangung von Macht
und Reichtum erlernen will. Das Problem liegt nicht darin, dass Men-
schen negative Magie ausüben, sondern darin, dass sie ihre neu entdeck-
ten Kräfte dazu nutzen wollen, die Welt ein wenig gerechter zu machen.
Manche Coven vertreten die Überzeugung, dass Magie nie allein aus-
geübt werden sollte. In den meisten Coven jedoch können die
Mitglieder auch allein arbeiten, wenn die Gruppe es für richtig hält.
In der Hexenkunst gibt es einen überlieferten Leitspruch: „Wenn es
niemandem schadet, tu, was du willst/'
56 ... Wicca
Welches ist die
beste Zeit?
Traditionell geht in der Hexenkunst die
Redensart: „Besser ist es, wenn der Mond voll
ist." Der Mond übt eine starke Anziehungs-
kraft auf unsere Welt aus. Er ist der einzige
natürliche Satellit der Erde und spiegelt Licht
und Energie der Sonne. Der Mond beeinflusst
viele Körperrhythmen. Für Religionen wie
Wicca, die ihre Riten zumeist nachts im Freien
vollziehen, hat der Vollmond auch praktische
Vorteile. Bei Vollmond sieht man einfach
besser. Außerdem beeinflusst der Mond die
außersinnlichen Fähigkeiten. Das mag an
seiner physiologischen Wirkung liegen; auf
jeden Fall ist Magie bei Vollmond viel ein-
facher.
Planeteneinflüsse
Zu den weiteren Faktoren, die unseren magischen Zeitplan beein-
flussen, gehören die Planeten. Erfahrene Astrologen berechnen den
richtigen Zeitpunkt für eine magische Handlung auf die Minute genau,
damit die Planetenenergien bestmöglich genutzt werden können. Aber
auch wir können mit diesen Planetenenergien arbeiten.
Wochen- tag Regierender Planet Planeten- symbol Öle Farbe Passende Magie
Sonntag Sonne Weihrauch Gelb, Gold Wohlstand, Gesundheit
Montag Mond D Kampher Weiß, Violett Übersinnliches, Heilung
Dienstag Mars Ingwer Rot Starke
Mittwoch Merkur Lavendel Gelb, Orange Weisheit, Verstandeslehren
Donnerstag Jupiter 1 Zeder Blau Gluck, Reichtum, Zuversicht
Freitag Venus 9 Mandel Grün Liebe
Samstag Saturn 1'"^ Storax Braun Stabilität, Erdung, Ersparnisse
58 ... Wicca
Übung:
Kerzenmagie
Die Kerzenmagie ist eine einfache, lang überlieferte magische Technik.
Sie ist angezeigt, wenn Sie positive Energie in Ihr Leben bringen
möchten. Kerzenmagie ist immer dann nützlich, wenn andere uns
bitten, Magie für sie auszuüben. Eine Kerze kann geweiht und gesalbt
werden, und die Fragenden können sie selbst für sich abbrennen.
1 Formulieren Sie zunächst klar Ihr Ansinnen. Stellen Sie sich dann
bildlich vor, dass Sie dieses Ansinnen erreicht haben.
2 Wählen Sie eine Kerze in der entsprechenden Farbe, und bestimmen Sie
einen geeigneten Tag, an dem Sie mit der Magie beginnen wollen. Ori-
entieren Sie sich dabei an der Tabelle auf der gegenüberliegenden Seite.
3 Bereiten Sie sodann einen Altar mit den Symbolen der vier Elemen-
te. Dazu brauchen Sie Kerzen als Lichtquelle und eine neue Kerze
für die Magie. Außerdem brauchen Sie Öl und einen zusätzlichen
Kerzenhalter. Besorgen Sie sich ein geeignetes Aromatherapie-Öl,
ein magisches Öl oder verwenden Sie reines Olivenöl.
Magie... 59
4 Schließen Sie die Fensterläden, damit kein Außenlicht mehr ein-
dringt, und entzünden Sie die Kerzen auf dem Altar. Räucherwerk
und sanfte Musik fördern die Entspannung.
5 Öffnen Sie Ihre Chakras.
6 Visualisieren Sie Ihr Ansinnen, und leiten Sie zugleich Energie in
Ihre Hände. Nehmen Sie die Kerze in die Hand, und konzentrieren
Sie sich auf Ihr Ansinnen.
7 Geben Sie nun einen Tropfen Öl auf Ihre Finger. Laden Sie das
Wurzelchakra mit Energie auf, und leiten Sie noch einmal Energie
in Ihre Hände. Salben Sie die Kerze: Streichen Sie dazu das Öl von
der Mitte aus in beiden Richtungen über die Kerze. Konzentrieren
Sie sich beim Salben der Kerze auf Ihr Ansinnen, und erschaffen Sie
ein visuelles Bild, wie Ihr Wunsch sich erfüllt.
8 Entzünden Sie nun Ihre neue Kerze an einer bereits brennenden.
Stecken Sie sie in den Kerzenhalter. Bitten Sie Göttin und Gott um
den Segen für Ihr magisches Ansinnen.
9 letzt können Sie die Kerze brennen lassen. Die Kerzen werden meist
nicht in einer Sitzung abgebrannt, sondern entweder im Laufe einer
Woche, wobei man am selben Tag beginnt und endet, oder eines
Mondmonats.
60 ... Wicca
10 Der schwierigste Teil der Kerzenmagie ist die Disziplin. Zunächst
sind alle sehr eifrig, aber nur wenige verfügen über die Konzen-
tration, so etwas Einfaches wie das allabendliche Entzünden einer
Kerze acht Tage hintereinander durchzuhalten.
11 Bei der Kerzenmagie brauchen wir uns nicht auf die Kerze zu
konzentrieren, solange sie brennt. Wir müssen jedoch bei jedem
Entzünden und bei jedem Löschen der Kerze an unser Ansinnen
denken.
12 Beim Löschen der Kerze können Sie
folgende Worte sprechen:
Wenn diese Flamme auf Erden verlischt,
brenne heller sie fort im geistigen Reich
und gebe meinem Ansinnen Gestalt.
Stark wie der Wind ist mein Wille,
stark wie das Feuer ist mein Wunsch,
stark wie das Meer ist mein Spruch,
stark wie die Erde, die alles gebiert.
So sei es!
Gottheiten
Im Wicca gilt Erleben mehr als Glauben,
Lehre und Dogma. Unsere heidnischen
Vorfahren vollzogen Riten, aber bekannten
sich nicht zu einem Glauben odereiner
Lehre. Die Göttin ist das Prinzip, an dem
wir unser Leben ausrichten. Wir glauben
nicht an sie; sie ist einfach. Wicca ist die
Alte Religion. Wir verehren die frühesten
Formen des Göttlichen, die Geist und
Herz der Menschen erfassten - die Große
Muttergöttin und ihren Gefährten, den
Gehörnten Gott. Sie sind für uns eine
Möglichkeit, uns dem unbeschreiblichen
Mysterium zu nähern - dem Einen Großen
Geist, der dem Universum Leben gibt. Im
62 ... Wicca
Wicca wird er oft „die Lebenskraft" genannt, „das Göttliche", die
Essenz, die Macht, die das Universum bewegt. Er ist außerhalb,
jenseits von uns und doch zugleich in unserem Innersten. Wir
sehen sein Wirken im sich wandelnden Gesicht der Natur, im
Zyklus der Jahreszeiten, der den Rhythmus des Universums wider-
spiegelt- Schöpfung, Reifung, Verfall, Tod und Wiedergeburt.
In Wirklichkeit sind unsere Götter geschlechtslos. Wir bezeich-
nen sie als „Göttin und Gott", weiblich und männlich, aber das
dient dem menschlichen Verstand nur als Hilfsmittel, sich mit
der göttlichen Kraft, die alles Menschliche übersteigt, auseinan-
der zu setzen und sie intuitiv zu erfassen.
Zur weiteren Entwicklung gehört im Wicca die Fähigkeit, eine
persönliche Beziehung zu den Gottheiten herzustellen. Mit dem
Wechsel der Jahreszeiten verehren wir jeweils einen anderen
Aspekt von Gott und Göttin.
Gottheiten ... 63
Die Große Muttergöttin
Unsere frühesten Ahnen fertigten derbe Götterfiguren. Diese Göttinnen
waren dicke Frauen. Ihr Bauch war rund, ihre Sexual- und Frucht-
barkeitsorgane - Brüste und Vulva - besonders hervorgehoben; denn
Fruchtbarkeit war wesentlich für das Leben der Menschen.
Im Wicca wird die Göttin auch heute noch mit ihren uralten Namen
verehrt - als Aradia, Cerridwen, Isis, Astarte, Dione, Melusine, Aphro-
dite, Dana und Arianrhod. Traditionell wird die Wicca-Göttin in ihrer
dreifachen Form verehrt - als die Jungfrau, die Mutterschaft noch nicht
kennt, als die Mutter und als die Weise Frau, die jenseits der Mutter-
schaft steht, die der Mutter als Hebamme dient und die Toten für das
Begräbnis vorbereitet. Modernen Frauen aber entspricht diese drei-
fache Göttin oft nicht mehr. Im Wicca kann man sich die Göttin des-
halb nicht nur als Dreieinigkeit, sondern auch als das wicca-gemäßeste
aller Symbole denken - als das Pentagramm.
64 ... Wicca
Dunkelmond
Ceister/Äther
Urgroßmutter/Weiße Frau
Abnehmender Mond Zunehmender Mond
Erde
Großmutter
Feuer
Liebhaberin - Königin
Das Leben einer Frau kann man sich als Reise durch das Pentagramm vorstellen.
Gottheiten ... 65
Die fünffache Göttin
Göttinenphase Mondphase Göttin Element
Mädchen Neumond Persephone Luft
Liebhaberin zunehmend Aphrodite, Bride, Freya, Kali, Nephtys Feuer
Mutter Vollmond Hera, Iris Wasser
Großmutter abnehmend Demeter, Frigga Erde
Weiße Frau, Großmutter Dunkelmond, Schwarzmond Hekate, Cerridwen Äther/Geist
66 ... Wicca
Jahreszeit Eigenschaft
Imbolc Freude, Schöpfung, Gesang, Kopf
Frühjahrs- tagundnacht- gleiche, Beltane Leidenschaft, Vereinigung, Vagina
Mittsommer, Jul Liebe, Nahrung, Gebärmutter
Lammas, Herbst- tagundnacht- gleiche Sorge, Trennung, Loslassen
Samhain Weisheit, Tod, Ruhe, Transformation, Wiedergeburt, Initiation
Magischer Inhalt Magisches Werkzeug
Wissen (das Denken erweitern) Messer
Wollen (sich durchsetzen und sich ausdrücken) Stab
Wagen (äußerer Unbill trotzen und Angst über- winden) Kelch
Schweigen (um zu verarbeiten und zu lernen) Schild
Lehren, Offenbaren Kessel, Kristallkugel
Gottheiten ... 67
Der Gott
Im Wicca ist der Gott der Göttin gleichgestellt und wesentlicher
Bestandteil der Weltanschauung. In den tiefsten Höhlen findet man
Felszeichnungen des Gottes der Jagd und des Waldes, des Gehörnten
Gottes. Für unsere Ahnen waren Hörner ein Symbol von Macht und
Kraft und daher des Göttlichen. Der Gehörnte Gott erscheint in vielen
unterschiedlichen Kulturen auf der ganzen Welt. In Indien ist er Parvati,
der Gott der Tiere, er ist der griechische Pan und der Cernunnos der
Kelten, der in England als „Herne" bezeichnet wird. Am einfachsten
lassen sich im Wicca die verschiedenen Aspekte des Gottes mit den
Begriffen des Jahreszyklus und der Elemente umschreiben. Der Gott
wird im tiefsten Winter als das Sonnenkind geboren und durchschreitet
die Lebensphasen, um in die Dunkelheit im Zentrum einzugehen. Aus
der Dunkelheit taucht er ins Licht und wird wiederum zum Sonnenkind.
Das ist sein zyklischer Tanz.
68 ... Wicca
Herbst
Alter
Jul
Das Sonnenkind
Frühling/Beltane
Der phallische Cott
Die Reise des Gottes durch die Sabbate
Gottheiten ... 69
Der fünffache Gott
Jahreszeit Gottphase Element Eigenschaft
Jul, Imbolc Kind, junger Gott Luft Freude, Schöpfung, der Kopf
Frühjahrstagund- nachtgleiche, Beltane Liebhaber, der Grüne Mann, phallischer Gott Feuer Leidenschaft, Vereinigung, Phallus
Mittsommer, Jul Ehemann, Vater, König Wasser Liebe, Nahrung
Lammas, Herbsttagund- nachtgleiche Alter Gott, Opfer Erde Sorge, Trennung, Loslassen
Samhain Dunkler Gott, Initiator, der Herr des Todes Äther/Geist Weisheit, Tod, Ruhe, Transfor- mation, Wieder- geburt, Initiation
70.. .Wicca
Magischer Inhalt
Wissen
(das Denken
erweitern)
Wollen
(sich durchsetzen
und sich ausdrücken)
Wagen
(äußerer Unbill
trotzen und Angst
überwinden)
Schweigen
(um zu verarbeiten
und zu lernen)
Lehren,
Offenbaren
Mondphase Magisches Werkzeug
Neumond Das Schwert des Nuada
zunehmend Stock, Stab, der Speer des Lugh
Vollmond Kelch
abnehmend Schild
Dunkelmond/ Schwarzmond Kessel, Kristallkugel
Gottheiten... 71
Übung:
Geführte Meditationen
Diese beiden Übungen sind innere Reisen, bei denen Sie Kontakt mit
der Göttin und dem Gott aufnehmen können. Beginnen Sie mit dem
Öffnen der Chakras, und schreiben Sie am Ende Ihre Erlebnisse auf.
Schließen Sie dann Ihre Chakras, und erden Sie sich, indem Sie etwas
essen und trinken. Machen Sie die beiden Übungen nicht am selben Tag.
Übung mit der Göttin
1 Visualisieren Sie, wie Sie vor einem schwarzen Vorhang mit einem
silbernen Mond stehen.
2 Stellen Sie sich nun vor, dass dieser Vorhang zu einem transparenten
schwarzen Schleier wird. Hinter dem Schleier sehen Sie eine Land-
schaft, durch die ein Weg führt.
3 Bitten Sie die Göttin um Erlaubnis, ihr Reich betreten zu dürfen.
Teilen Sie den Schleier, treten Sie hindurch und folgen Sie dem Pfad.
Sobald Sie das Gefühl haben, an der richtigen Stelle zu sein, bleiben
Sie stehen und warten auf die Göttin und ihre Botschaft.
72 ... Wicca
4 Wenn Sie bereit sind, den Ort wieder zu verlassen, sagen Sie der
Göttin Lebewohl. Kehren Sie zum Schleier zurück, und treten Sie hin-
durch nach draußen.
Übung mit dem Gott
1 Visualisieren Sie, wie Sie bei aufgehendem Vollmond auf einer
Hügelkuppe stehen.
2 Sie sehen einen Kreis aus Menhiren. Auch Menschen sind dort. Sie
kommen näher, und man bietet Ihnen einen Platz im Innern an.
3 Eine Gestalt erscheint und tritt in die Kreismitte. Er ist sehr groß,
auf dem Kopf trägt er ein Hirschgeweih. In der Nähe der Kreismitte
brennt ein Feuer, und der Feuerschein erleuchtet sein Gesicht.
4 Sie hören ihn mit sanfter Stimme sprechen. Er ruft Sie zu sich.
5 Sie durchschreiten den Kreis, und der Gott streckt Ihnen die Hand
entgegen. Sie setzen sich neben ihn ans Feuer.
6 Beide sitzen Sie da und schauen in die Flammen. Lassen Sie zu, dass
er Ihnen alles sagt, was Sie seiner Meinung nach wissen müssen.
7 Der Himmel wird heller. Der Morgen naht. Sagen Sie ihm Lebewohl,
und verlassen Sie den Steinkreis, wenn die ersten Strahlen der
Morgensonne den Tau trocknen.
Gottheiten ... 73
Rituale
Jetzt, wo Sie bereits ein wenig über die Götter und über den
Jahreskreis im Wicca wissen, können Sie Anbetungsriten
entwickeln.
Was brauche ich?
□ Kleidung
Um ein Ritual zu kreieren, müssen wir uns von der physischen Welt
lösen. Dazu gibt es bestimmte hilfreiche Konventionen. Eine ist, dass
wir keine Armbanduhr tragen. Eine weitere, dass wir uns anders an-
ziehen. Wir können eine bestimmte Robe oder das Himmelskleid tragen,
also nackt sein, oder wir ziehen einfach die Schuhe aus. Zu Anfang der
rituellen Praxis genügt es, sich die Schuhe auszuziehen und sich zu
waschen. Wenn Ihnen die Rituale gefallen, können Sie sich eine Robe
kaufen oder nähen. Am vielseitigsten sind eine schwarze für draußen
und eine weiße für drinnen, an die jeweils Schnüre in verschiedenen
Farben geheftet werden können. Seide oder Baumwolle ist für die Arbeit
74 ... Wicca
in Innenräumen ideal. Für draußen sind Wolle oder Samt geeignete,
da es warme Materialien sind. Geben Sie natürlichen Materialien den
Vorzug vor Kunstfasern. Aber nicht jeder fühlt sich in einer Robe wohl.
Eine Alternative ist einfache Kleidung, die Sie nur zu den Ritualen
tragen. Tai-Chi-Kleidung oder etwas Ähnliches ist ausgezeichnet.
□ Schnüre
Ob in der Robe oder im Himmelskleid, Hexen tragen meist eine Schnur
um die Taille. Sie ist Symbol ihrer Verbundenheit mit den Gottheiten
und ihrer Hingabe an die Kunst. Die Länge beträgt drei Meter. In vielen
Traditionen bezeichnen die Farben bestimmte Initiationsstufen. Sicher
möchten Sie nicht den Anschein erwecken, als beanspruchten Sie
einen Status, den Sie gar nicht haben. Neutrale Farben sind Braun (für
die Erde) und Weiß (symbolisch für die Reinheit der Absichten).
□ Schmuck
Viele Hexen tragen den fünfzackigen Stern oder das ägyptische Henkel-
kreuz, den Ankh. Weibliche Hexen tragen häufig auch eine Bernstein-
kette. Die Kreisform der Kette erinnert an alle Zirkel und Zyklen, auch
an den von Empfängnis, Geburt, Tod und Wiedergeburt.
Rituale... 75
□ Wasser und Salz
Hexen bewahren oft Quellwasser für Rituale auf. Salz wird dem Wasser
zur Weihe und zur Reinigung beigegeben. Nicht verwendetes Wasser wird
am Ende des Rituals an einer Stelle in den Boden gegossen, wo das Salz
dem Pflanzenwachstum nicht schadet. Gießen Sie es keinesfalls in den
Ausguss! Was Sie geheiligt haben, müssen Sie achtsam behandeln.
□ Räucherwerk
Natürlich können Sie für Räucherungen Stäbchen verwenden, aber
loses Räucherwerk, das auf Kohle verbrannt wird, riecht deutlich bes-
ser. Bei Wicca-Ritualen wird zu einem frühen Zeitpunkt mit Räucher-
werk gearbeitet, denn es gehört zum Reinigungsprozess, der den Weg
für die aufsteigenden magischen Energien frei macht.
□ Kerzen
In Innenräumen wird der heilige Ort mit Kerzen beleuchtet. Meist stellt
man eine oder zwei Kerzen auf den Altar. Vier Kerzen werden am Rand
des heiligen Ortes positioniert - eine in jeder Himmelsrichtung - Blau
im Osten (Luft), Rot im Süden (Feuer), Blaugrün im Westen (Wasser)
und Braun im Norden (Erde).
□ Stab
Ein altes magisches Werkzeug zur Kanalisierung der magischen Energie
ist der Stab. Mit dem Stab werden der Kreis gezogen und die vier
76 ... Wicca
Himmelsrichtungen ange-
rufen. Auch ein geweihtes
Messer, die Athame, kann
man dazu benutzen. Der Stab
hat den Vorteil, dass er we-
sentlich leichter erhältlich ist
als eine Athame. Auf Seite 78
finden Sie eine Übung, wie
Sie Ihren Stab finden können.
□ Kelch und Teller
Sie brauchen einen Kelch aus
Metall oder Glas und einen
Zierteller oder einen kleinen
Korb zum Segnen von Kuchen
oder Brot und Wein. Idealer-
weise werden Brot oder
Kuchen selbst gebacken und
auch der Wein selbst ge-
keltert. Ebenso gut können
Met oder Bier verwendet
werden. Wer keinen Alkohol
trinkt, nimmt Trauben- oder
Apfelsaft.
Übung:
Einen Stab finden
Sie haben bereits gelernt, Energie in die Hände zu leiten. Das ist
wichtig für die Ausübung der Magie. Im nächsten Schritt lernen Sie,
Energie in einen Stab zu leiten.
Schlagen Sie zur Wahl der Holzart die Symbolik der verschiedenen
Bäume in einem Buch nach, etwa in Robert Graves' Die weiße Göttin oder in
Dietmar Findlings Botschaft der Bäume. Ein keltisches Baumorakel, oder
erspüren Sie einfach, welcher Baum Sie besonders anzieht.
Suchen Sie zuerst den Baum. Schneiden Sie das Holz nach Möglichkeit
nicht. Liegt frisch gefallenes Holz um den Baum, nehmen Sie das. Müssen
Sie aber Holz schneiden, meditieren Sie zuerst eine Zeit lang und nähern
Sie sich dann achtsam dem Baum. Erklären Sie ihm, wofür Sie das Stück
Holz möchten, und bitten Sie ihn um Erlaubnis. Schneiden Sie es dann so
sauber wie möglich ab. Nehmen Sie nur so viel Sie brauchen.
Manche Hexen schnitzen komplizierte Muster, Figuren und Symbole
in ihren Stab; andere passen die natürliche Schönheit des Holzes lieber
nur leicht ihren Bedürfnissen an. Tun Sie, was Ihnen richtig erscheint.
78 .. .Wicca
Übung:
Ihren Stab weihen
Wenn Sie Ihren Stab haben, müssen Sie ein Weiheritual entwerfen.
Schreiben Sie ein paar Worte auf, mit denen Sie den Stab den Gott-
heiten als Werkzeug zur Kanalisierung ihrer Energie und Macht dar-
bieten. Bitten Sie die Gottheiten um Hilfe, damit Sie Ihren Stab stets
weise und gut gebrauchen. Errichten Sie an einem Tag zwischen Neu-
und Vollmond einen Altar. Öffnen sie Ihre Chakras, und leiten Sie Energie
in die Hände. Weihen Sie Ihren Stab mit den Elementen, indem Sie ihn
durch Räucherwerk und eine Kerzenflamme führen, ihn mit Wasser
besprenkeln und auf die Erde drücken. Bitten Sie jedes Element, Ihren
Stab zu segnen, während Sie ihn hindurchführen, und sprechen Sie dabei
Ihre Weiheworte. Richten Sie Ihren Stab nach unten auf den Altar. Leiten
Sie Energie in die Hände und dann den Stab entlang. Visualisieren Sie,
wie die Spitze Ihres Stabes von Ihrer Energie und Macht erglüht. Zeich-
nen Sie nun mit Ihrem neuen Stab das Anrufungspentagramm des Feuers
(siehe Seite 80) über dem Altar in die Luft. Visualisieren Sie dieses Pen-
tagramm so lange wie möglich, und bannen Sie es dann, indem Sie das
Rituale... 79
Bann-Pentagramm (das
umgekehrte Anrufungspenta-
gramm) zeichnen. Ziehen Sie
dabei die Energielinien in
Ihren Stab zurück. Schließen
Sie jetzt Ihre Chakras, und
löschen Sie die Kerzen auf
dem Altar und das Räucher-
werk. Wickeln Sie den Stab
in ein Tuch aus Seide, Baum-
wolle oder Wolle, und legen
Sie ihn beiseite. Machen Sie
sich Notizen über dieses, Ihr
erstes, einfaches Ritual. Was
haben Sie empfunden, was
gesehen?
Das Anrufungspentagramm des Feuers
80 ... Wicca
Sabbatriten
Hexen feiern die acht Jahresfeste im
Wicca und die 13 Vollmonde. Dies ist
die Zeit der Götterverehrung und der
magischen Arbeit. Mit der Ritualpraxis
wird man vertrauter, wenn man sich im
Laufe des Jahres acht Jahreszeiten-
rituale kreiert. So kommt das eigene
Leben in Einklang mit den Rhythmen
der Natur und des Kosmos.
Im Wicca sollte man Rituale und
Sprüche auswendig kennen. Zunächst
erscheint das entmutigend. Lernen
Sie einfach jedes Mal ein bisschen. Mit
der Zeit können Sie sich dann auch
komplexe Riten mühelos einprägen.
Rituale... 81
Übung:
Invokationen entwerfen
In einem Ritual müssen wir Göttin und Gott anrufen, invozieren
können. Eine Invokation ist eine Einladung an die Macht der Göttin
oder des Gottes, sich im Kreis und in unserem Leben zu manifestieren.
In Büchern findet man viele Invokationen, aber es ist besser, sie selbst
zu schreiben. Wie kann eine Invokation für einen Sabbat aussehen?
Denken wir einmal an Lammas. Was sehen wir, wenn wir aufs Land
gehen? Vielleicht wogen Felder mit reifem Weizen im Wind. Über uns
blauer Himmel, hier und da ein Wölkchen. Nach monatelangem
Sonnenschein fühlt sich die Erde warm an. Vielleicht braut sich ein
Sommergewitter zusammen - schwarze Wolken und Hagel, der den
Weizen zu brechen droht.
Wie könnten wir uns um diese Jahreszeit den Gott vorstellen? Als die
hohen, geraden Weizenhalme, die sich nach der Sonne recken? Wie
könnten wir uns die Göttin vorstellen? Als die warme Erde, aus deren
Schoß das Getreide sprießt? Als die Frauen mit Sicheln, die in uralter
Zeit das Getreide ernteten und die Spreu vom Weizen trennten?
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Aus diesen Bildern können wir eine Invokation entwickeln:
Sei gegrüßt, Herr des Goldenen Weizens,
groß und stolz in der Sommersonne.
Sei gegrüßt, Stimme des Windes, der sein Schicksal ruft,
gib Dich hin dem Willen der Menschen.
Sei gegrüßt, Große Mutter allen Lebens,
Dein Symbol ist die Sichel, die das Leben nimmt.
Aus Deinem Schoß entspringt Leben im Überfluss,
Weizen und Blumen, Nahrung und Schönheit,
aus der tiefen, reichen Erde, die auch aller Grab sein wird.
Wir rufen Dich an.
Nun versuchen Sie es selbst - führen Sie sich die Bilder des nächsten
Sabbats vor Augen, und spielen Sie damit. Lassen Sie sie vor Ihrem
inneren Auge lebendig werden, und fassen Sie Ihre Gefühle dann aus
dem Herzen heraus in Worte.
Rituale... 83
j
Übung:
Ein Sabbatritual kreieren
Überlegen Sie sich zuerst ein geeignetes Motiv für Ihren Sabbat.
Feiern Sie die lahresfeste Ihrer räumlichen Umgebung angemessen.
So müssen in der südlichen Hemisphäre alle Feste im Vergleich zur
Nordhalbkugel um sechs Monate verschoben werden.
1. Vorbereitung auf das Ritual
Sie müssen sich selbst und auch den Ort, an dem Sie sich befinden, für
das Ritual vorbereiten. Reinigen Sie den Ort, und räumen Sie ihn auf.
Errichten Sie Ihren Altar, und legen Sie Ihre magischen Werkzeuge be-
reit. Dekorieren Sie den Altar der Jahreszeit entsprechend. Bereiten Sie
sich vor: Baden oder duschen Sie, und legen Sie Ihre Robe an. Sorgen
Sie dafür, dass das Telefon Sie nicht stört.
2. Eröffnung des Rituals
Zentrieren Sie sich, indem Sie Ihre Chakras öffnen oder, falls das Ritual
im Freien stattfindet, indem Sie einfach eine Zeit lang still sitzen und den
Naturgeräuschen lauschen. Eröffnen Sie dann das Ritual. Sprechen Sie zu
den Gottheiten, und erklären Sie Ihre Ziele. Formulieren Sie aus den
Bildern, die das Fest vor Ihrem inneren Auge aufsteigen lässt, ein Gebet.
84 ... Wicca
3. Ziehen des Kreises
Ziehen Sie jetzt den Kreis. Weihen Sie zuerst das Wasser. Nehmen Sie
Ihren Stab zur Hand, und leiten Sie aus Ihrem Solarplexus-Chakra
Energie hinein. Tauchen Sie die Spitze des Stabes ins Wasser, und
sprechen Sie einige Segensworte. Segnen Sie jetzt das Salz genauso.
Besprenkeln Sie den Boden um den Rand des Kreises mit Wasser.
Beginnen Sie im Norden, und schreiten Sie den Kreis im Uhrzeigersinn
ab, bis Sie wieder zum Ausgangspunkt kommen. Schreiten Sie an-
schließend den äußeren Kreisrand mit Räucherwerk ab.
4. Versiegeln des Heiligen Ortes
Jetzt müssen Sie eine Abgrenzung schaffen zwischen Ihrem Raum und
der Außenwelt. Nehmen Sie den Zauberstab, und gehen Sie zum
Nordpunkt des Kreises. Leiten Sie Energie in Ihre Hände und den
Zauberstab entlang. Visualisieren Sie ein strahlendes Licht an der
Spitze des Stabes. Halten Sie die Hand in Taillenhöhe, und zeigen Sie
mit dem Stab nach außen. Schreiten Sie den Kreis jetzt im Uhrzeiger-
sinn ab, und ziehen Sie eine Linie aus Licht und Energie durch die
Luft. Folgende Worte können beim Ziehen des Kreises gesprochen wer-
den: „Ich ziehe mit dem Stab des Kreises Rund, möge Liebe erstehen
und Macht tu sich kund. Bei der Macht der Mondin und Hernes Horn
sei dieser heilige Kreis geformt. So sei es."
Rituale ... 85
5. Anrufen der vier Richtungen
Nun müssen Sie die Elementarenergien in den vier Richtungen
anrufen, ihr Ritual zu beschützen. Bevor Sie die Richtungen anrufen,
sollten Sie eine Szene visualisieren, die zu dem Element passt.
Luft: Gehen Sie in den Osten des Kreises. Stehen Sie mit dem Gesicht
nach außen. Visualisieren Sie sich an einem hoch gelegenen Ort, der
Wind bläst Ihnen ins Gesicht. Sprechen Sie dann: „Ihr Mächtigen des
Ostens, Mächte der Luft, ich rufe Euch her, meinen Kreis zu schützen
und meinem Ritual beizuwohnen." Sobald Sie die Präsenz der
Elementarkräfte spüren, sagen Sie: „Seid gegrüßt und willkommen!"
Feuer: Gehen Sie danach im Uhrzeigersinn zum südlichen Punkt.
Stehen Sie mit dem Gesicht nach außen. Visualisieren Sie eine
glühend helle Sonne, die immer größer wird, bis sie Ihr ganzes
Blickfeld ausfüllt. Sie spüren die Hitze und die Flammen, die Sie
jedoch nicht verbrennen. Rufen Sie das Element wie bei der Luft.
Wasser: Gehen Sie nun im Uhrzeigersinn zum Westen. Stehen Sie
mit dem Gesicht nach außen. Visualisieren Sie ein blaugrünes Meer;
Wellen schlagen an den Strand. Rufen Sie den Westen, und heißen
Sie die Mächte willkommen wie bei Luft und Feuer.
Erde: Gehen Sie im Uhrzeigersinn zum nördlichen Punkt. Stehen Sie
mit dem Gesicht nach außen. Visualisieren Sie einen Menhir. Spüren
Sie den rauen, flechtenbewachsenen Stein. Riechen Sie den muffigen,
feuchten, satten Duft der Erde. Rufen Sie die Mächte der Erde.
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6. Erwecken der Macht
Wird die Hexenkunst im Coven ausgeübt, tanzt und singt der Coven
an dieser Stelle häufig, um die Energien für die magische Arbeit zu er-
wecken. Arbeiten Sie alleine, können Sie ebenfalls singen und im
Uhrzeigersinn um Ihren Altar tanzen. Möchten Sie nicht tanzen, können
Sie still chanten. Wer eine Trommel hat, kann trommeln.
7. Verehrung von Gottheiten
Vor jeder magischen Arbeit rufen wir Göttin und Gott an und bitten um
den Segen für unser Unterfangen, das im Einklang mit dem göttlichen
Willen stehen möge. Invokationen können Sie Büchern entnehmen
oder selbst schreiben. Visualisieren Sie zunächst ein Bild der Göttin,
wie Sie es in Ihren Meditationen entwickelt haben. Imaginieren Sie ihre
Präsenz zuerst schemenhaft, dann konkreter. Sobald Sie ihre Energie
spüren, sprechen Sie die Invokation.
8. Sprüche und magische Arbeit
Haben wir die Gottheiten um ihren Segen gebeten, führen wir das
magische Werk aus. Nicht alle Rituale dienen der Magie. Wir können
ein Ritual kreieren, das nur zur Verehrung und zum Feiern bestimmt ist.
9. Feier
Nach der Verehrung der Gottheiten und der Magie, ist es gut, bei
gesegnetem Kuchen und Wein zu feiern. Sie sind Symbol der physi-
schen und spirituellen Nahrung, die die Gottheiten uns geben. Bieten
Sie zuerst den Kuchen, dann den Wein Göttin und Gott dar, und bitten
Sie um ihren Segen. In der Gruppe werden die Opfergaben im Kreis
von einem zum anderen gereicht und der zeremonielle Gruß gespro-
chen „Sei gesegnet". Das letzte Stückchen Kuchen und die letzten
Tropfen Wein werden als Opfer auf die Erde verstreut und ausgegossen.
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10. Abschluss des Rituals
Zuerst sprechen wir ein Dankgebet an die Gottheiten für ihren Segen
und ihre Unterstützung. Dann sagen wir den vier Richtungen Lebewohl.
Die Elemente sind starke Mächte. Es ist wichtig, keine überschüssige
Energie zurückzulassen, die frei umherstreift. Gehen Sie dazu wie zu
Beginn in jede Richtung, beginnen Sie mit dem Osten und enden Sie
im Norden. Stehen Sie mit dem Gesicht nach außen, und sprechen Sie
zu den Richtungen.
Ihr Mächtigen des Ostens (Südens, Westens, Nordens),
Mächte der Luft (des Feuers, des Wassers, der Erde),
ich danke Euch für Eure Anwesenheit bei meinem Ritual,
und bevor Ihr nun in Euer wunderschönes Reich zurückkehrt,
entbiete ich Euch meinen Gruß und mein Lebewohl!
11. Schließen der Chakras
Der letzte Schritt ist das Schließen der Chakras. Innerhalb des Kreises
möchten wir für die Energien, die wir erweckt haben, so offen wie
möglich sein. Außerhalb des Kreises jedoch sollten wir kontrollieren
können, was auf unsere Psyche Einfluss nimmt.
„Das Ritual ist beendet!"
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Bis heute haben bereits viele dem Ruf der Göttin und des
Herrn der Wälder geantwortet und bauen mit an einer
neuen spirituellen Weitsicht für das kommende Zeitalter
Dieses Buch ist für sie, auch wenn ich nicht hoffen darf, ihre
Geschichte vollständig wiedergegeben zu haben Aber a le
die wir daran Anteil haben, werden sie in den kommender.
Jahren tanzen und singen und so Schritt für Schritt, Wort um
Wort, der Wahrheit immer näher kommen.
Denken Sie immer daran: Wicca ist eine Seinsweise eine
Lebensart, eine Kunst der Liebe, der Freude des Lachens
Wir akzeptieren, dass das Leben schmerzlich und hart sein
kann, und tun zugleich, was in unseren Kräften steht damit
es für andere wie für uns ein wenig schöner wird
Seid gesegnet, seid glücklich, seid weise,
lacht und liebt!
Dies ist der Weg der Göttin und des Gottes.
Seid gesegnet!
Religion der Hexerei
Wicca
ist uralte Kunst, Handwerk und