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Author: Brunner K.
Tags: linguistik deutsche sprache grammatik dialektik altenglische grammatik
Year: 1965
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Text
SAMMLUNG KURZER
GRAMMATIKEN GERMANISCHER
DIALEKTE
BEGRÜNDET VON WILHELM BRAUNE
FORTGEFÜHRT VON KARL HELM
HERAUSGEGEBEN VON
HELMUT DE BOOK
A. HAUPTREIHE NR. 3
KARL BRUNNER
ALTENGLISCHE GRAMMATIK
MAX NIEMEYER VERLAG TÜBINGEN 1965
KARL BRUNNER
ALTENGLISCHE GRAMMATIK
NACH DER
ANGELSÄCHSISCHEN GRAMMATIK
VON
EDUARD SIEVERS
DRITTE, NEUBEARBEITETE AUFLAGE
MAX NIEMEYER VERLAG TÜBINGEN 1965
E. Sievers, Angelsächsische Grammatik:
1. Auflage 1882
2. Auflage 1886
3. Auflage 1898
K. Brunner, Altenglische Grammatik:
1. Auflage 1942
2. Auflage 1951
©
Max Niemeyer Verlag Tübingen 1965
Alle Rechte vorbehalten. Prlnted in Gennany
Satz und Druck: Allgäuer Heimatverlag GmbH, Kempten/Allgäu
Einband: Heinr. Koch, Tübingen
VORWORT ZUR DRITTEN AUFLAGE
Tn Plan und Aufbau ist diese dritte Auflage meiner Neubearbeitung
des grundlegenden Werkes von Eduard Sievers den vorhergehenden
Auflagen gleich. Sie behandelt daher weiterhin nur die altenglische Laut-
end Flexionslehre. Daß ich dies im Titel nicht erwähne, entspricht der
Tradition des Buches. Im einzelnen wird aber der Benützer allerlei
Veränderungen finden. Nicht nur, daß ich die verschiedenen Versehen
der zweiten Auflage, auf die ich in Besprechungen und auch in Briefen
von verschiedenen sorgsamen Benützern aufmerksam gemacht worden
bin, wie ich hoffe, genau verbessert habe, ich habe auch den Text da
und dort geändert. Damit wollte ich betonen, daß die erwähnten Formen
aus den altenglischen Texten eben nur Schreibungen sind, bei denen man
oft genug nicht weiß, wie weit sie phonetisch oder phonologisch genau
sind. Die Grammatik von Sievers wollte ja von vornherein nur diese
Schreibungen erwähnen und damit die Grundlagen für weitere For-
schungen auf dem Gebiet der altenglischen Laut- und Flexionslehre
bieten. Daß ich die vielen mir zugekommenen Verbesserungen nicht im
einzelnen mit Namennennung hier erwähne, möge man mir verzeihen;
die Liste würde viel zu lang werden. Ich hoffe auch, neuere, seit dem
Erscheinen der zweiten Auflage der Neubearbeitung veröffentlichte
Untersuchungen verwertet und erwähnt zu haben, so weit sie mir wert-
voll für die Erkenntnisse der altenglischen Grammatik schienen. Deshalb
ist auch das Literaturverzeichnis völlig neu zusammengestellt worden.
So hoffe ich, daß das Buch trotz der genauen Grammatik von Alistor
Campbell, die mir bei allerlei Korrekturen ein wertvolles Hilfsmittel
war, auch wo ich dies nicht besonders erwähnt habe, ein nutzbringendes
Buch für das Studium des Altenglischen bleiben möge.
Herr Klaus Faiß (Engi. Seminar, Universität Tübingen) hat in genauer
und sorgsamster Weise die Vorkorrektur besorgt, wofür ich ihm meinen
aufrichtigen Dank ausspreche.
Innsbruck, im November 1964 Karl Brunner
INHALT
(Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf die §§)
Seite
Einleitung (1—3)................. . . 1
Schrift und Aussprache (4—5) . . . . 11
LAUTLEHRE
I. Abschnitt: Die Vokale
Kapitel I. Allgemeines (6-7)................ . . 14
Quantität (8-9).......................... . . 15
Kapitel II. Übersicht über die altenglischen Vokale .............17
I. Die Vokale der betonten Silben ..................17
1. Einfache Vokale (10-33)........................17
2. Die Gruppen ea, eo, io, ie (34-42) .......... 24
II. Die Vokale der minderbetonten und unbetonten Silben 29
1. Die Vokale der Stammsilben minderbetonter Wör-
ter (43).....................................29
2. Die Vokale der Ableitungs- und Endsilben (44) . . 31
Kapitel III. Verhältnis des ae. Vokalismus zu dem der verwandten
Sprachen.........................................................33
A. Das germanische und westgermanische Vokalsystem
(45-46).............................................. 33
B. Die Entsprechungen der westgermanischen Vokale im
Altenglischen (47-48)............................... 37
I. Die Vokale der Stammsilben......................38
1. Allgemeine Übersicht der Entsprechungen (49-78) 38
2. Übersicht über die speziellen Beeinflussungen be-
tonter Vokale durch Nachbarlaute.................52
a) Stellung vor Nasalen (79-82)............. 52
b) Die Brechungen (83-86)................... 54
c) Vokalentwicklung vor w (87-89) 59
d) Stellung nach Palatalen (90-92).......... 60
e) Die Umlaute (93-94) 68
1. Der i-Umlaut (95-107) 69
2. Der Velarumlaut (108-111) 80
f) Vokalentwicklung nach w (112—118)..........89
g) Besonderheiten vor Gaumenlauten ..........96
1. Die Ebnung (119-121) 96
2. Veränderungen vor ht, hs (hö) (122) . . . 102
h) Monophthongierung von ea nach Palatalen (123) 104
i) Die Lautfolge sei- (124) ................105
VIII
Inhalt
Seite
k) Veränderungen der Diphthonge (125-126) . . 106
1. Akzentumsprung........................106
2. Entstehung neuer Diphthongformen . . . 107
3. Hiatus und Kontraktionen (127-135)........ 108
4. Schwankungen der Quantität (136-138)...... 116
II. Die Vokale der Mittel- und Endsilben (139-168) . . 120
A. Vokalwechsel (140-142) .................... 120
B. Apokope auslautender Vokale (143-150) .... 123
C. Weitere Veränderungen des Wortendes infolge von
Vokalabfall (151-156)...........................129
D. Synkope von Mittelvokalen und Verwandtes (157
bis 162)........................................131
E. Entstehung sekundärer Vokale in betonten Silben
(163-166)...................................... 135
F. Behandlung auslautender Vokale in der Komposi-
tionsfuge (167-168)............................ 137
II. Abschnitt: Die Konsonanten
Kapitel I. Übersicht über die ae. Konsonanten (169-170)..... 139
A. Sonore Konsonanten ...........................140
1. Die sog. Halbvokale: w (171-174), j (175-177) . . 140
2. Die Liquiden: r (178-182), l (183) ........146
3. Die Nasale: m, n (184-188)................ 149
B. Geräuschlaute.................................152
1. Labiale: p (189), b (190-191), / (192-193), v (194) . 152
2. Dentale: t (195-196), d (197-198), <5, p (199-201),
B (202-204)................................... 157
3. Gaumenlaute: (205-206), c (207-210), 3 (211-216),
h (217-223)................................... 167
Kapitel II. Allgemeines über die ae. Konsonanten..............185
1. Veränderungen im Auslaut (224) 185
2. Gemination (225-231)......................... 186
3. Die Gruppen ft, ht, ss (232)................. 191
4. Der grammatische Wechsel (233-234) 191
FLEXIONSLEHRE
I. Abschnitt: Deklination
Kapitel I. Deklination der Substantiva ......................194
A. Vokalische (starke) Deklination...............194
1. Die idg. o-Deklination (235-237).......... 194
a) Reine idg. o-Stämme (238-245).......... 196
b) Idg. /o-Stämme (246-248)............... 200
c) Idg. wo-Stämme (249-250)............... 203
Inhalt IX
Seite
2. Dio idg. ä-Deklination (251).................. 205
a) Reine idg. d-Stämme (252-255)............. 205
b) Idg. /ä-St-ämme (256-258)................. 208
c) Idg. wä-Stämme (250-260).................. 210
3. Die »-Deklination (261)........................211
a) Maskulina und Neutra (262-267) 212
b) Feminina (268-269)........................ 217
4. Die u-Deklination..............................218
a) Maskulina (270-273)....................... 218
b) Feminina (274)............................ 220
c) Neutra (275).............................. 221
B. Die n-Stämme (schwache Deklination)..............221
1. ön-Stämme (276-279)........................... 221
2. »n-Stämme (280)............................... 225
C. Kleinere konsonantische Deklinationsklassen .... 226
1. Wurzelstämme (281-284)....................... 226
2. Stämme auf idg. -erl-or (285) 229
3. Stämme auf idg. -nt (286-287)................ 231
4. Stämme auf idg. -osj-es (288-289) 232
5. Stämme auf idg. -e£/-o£ (290) 235
Kapitel II. Deklination der Adjektiva (291)..................... 235
A. Starkes Adjektivum (292)....................... 236
1. Reine idg. o/ü-Stämme (293-296).............. 236
2. Idg. jo/ya-Stämme (297-299).................. 240
3. Idg. wo/u'ä-Stämme (300-301)................. 242
4. »-Stämme (302) .............................. 242
5. w-Stämme (303)............................... 243
B. Die schwache Deklination (304).................. 244
C. Deklination der Partizipia (305-306) ........... 244
D. Die Steigerung der Adjektiva (307-314)......... 245
Anhang: Bildung der Adverbia (315-323).............. 249
Kapitel III. Die Zahlwörter.......................................252
1. Kardinalzahlen (324-327) 252
2. Ordinalzahlen (328)............................. 256
3. Andere Zahlarten (329-331) 257
Kapitel IV. Pronomina............................................258
1. Persönliche ungeschlechtige Pronomina (332) .... 258
2. Reflexivum (333)................................ 259
3. Geschlechtiges Pronomen der dritten Person (334) . . 259
4. Possessiva (335-336)............................ 260
5. Demonstrativa (337-339)......................... 261
6. Relativa (340) 264
7. Interrogativa (341-342) ........................ 264
8. Indefinita (343-349)............................ 265
X
Inhalt
Seite
II. Abschnitt: Konjugation
Allgemeines (350-351)............................... 267
I. Die Endungen der Verba im allgemeinen (352-366) . 269
II. Die starken Verba...............................281
A. Die Flexion der starken Verba (367) ....... 281
1. Präsens (368-374)........................ 282
2. Präteritum (375-377)..................... 289
3. Partizipium Präteriti (378).............. 290
B. Die Tempusbildung der starken Verba . . . .291
1. Ablautende Verba (379-392)............... 291
2. Reduplizierende Verba (393-397).......... 305
III. Die schwachen Verba (398-399).................. 310
1. Erste schwache Konjugation...................310
a) Ursprünglich kurzsilbige Verba (400-402) . . 310
b) Ursprünglich langsilbige und mehrsilbige Verba
(403-406).................................... 312
c) Bildungen des Präteritums und Part. Prät. ohne
Mittelvokal (407)............................ 318
d) Andere Besonderheiten in der Stammbildung
(408)........................................ 321
e) Flexion (409-410) 326
2. Zweite schwache Konjugation (411-415) .... 329
3. Dritte schwache Konjugation (416-417) .... 338
IV. Kleinere Gruppen................................348
1. Verba praeteritopraesentia (418-425) 348
2. Verba auf idg. -mi (426-430)................ 352
Verzeichnis einiger Abkürzungen......................361
Literatur............................................363
Wörterverzeichnis....................................381
Ortsnamen zu erschließende ae. Mundartgrenzen vgl. § 62, Anm. 2 und § 85,
Anm. 1. Das mercische Reich umfaßte um 820 Gebiete, welche nicht zum alten
Siedlungsgebiet gehörten, ja nicht einmal zum englischen Gebiet, sondern zum
sächsischen, worüber § 2, Anm. 1 zu vergleichen ist. Auch das Westsachsen-
rnich hatte sich bereits stark vergrößert, so auf Kent, das mundartlich deutlich
vom Westsächsischen verschieden ist.
EINLEITUNG
ty 1. Unter Altenglisch (ae.) oder Angelsächsisch verstehen wir
<lio Sprache der germanischen Bewohner Englands von der Zeit der
Besiedlung bis gegen das Ende des 11. Jahrhunderts. Von da ab wird die
Sprache, welche sich durch lautliche Veränderungen, durch allmähliches
Aufgeber! der alten Flexionsformen und die Aufnahme zahlreicher
französischer Wörter von der Sprache der früheren Zeit stärker unter-
scheidet, Mittelenglisch genannt.
Anm. 1. Die ae. Schriftsteller nennen ihre Sprache stets en^lisc; lateinisch
Hohrcibende bezeichnen sie als lingua anglica oder auch als lingua saxonica.
Dio Bezeichnung Angli Saxones, vom 16. Jh. an Anglo-Saxones nach den
beiden germ. Hauptstämmen in England, kommt auf dem Kontinent zur
Bezeichnung des Volkes im Gegensatz zu den vetuli Saxones des Festlandes
nuf. Darnach bildete man auch in England das Wort Anyulseaxan, wenn
mim die beiden Hauptstämme zusammenfassend bezeichnen wollte (z. B.
An^ulseaxna cyninj für einen beide Stämme beherrschenden König), doch
iMt ansonsten zur Bezeichnung des Volkes An^elcynn, Anjeldeod, lat. Angli
üblicher und in späterer Zeit alleinherrsohend. Das Adjektiv lat. Anglo-
Hti,r<micu8, engl. Anglo-Saxon und darnach deutsch angelsächsisch zur Be-
zeichnung der Sprache ist eine Neuschöpfung des 17., 18. und 19. Jahr-
hunderts1. Man ist daher in neuerer Zeit so ziemlich allgemein dazu über-
gegangen, die älteste germanische Sprachform Englands als altenglisch
zu bezeichnen, während früher angelsächsisch bevorzugt und vielfach
die darauf folgende Sprachform, die wir heute mittelenglisch nennen, als
nltonglisch bezeichnet wurde. Von manchen wurde Altenglisch auch auf das
Nltcre Mittelenglisch (etwa die Sprache der Übergangszeit: 12. und 13. Jahr-
hundert) eingeschränkt. Der Ersatz der älteren Bezeichnung angelsächsisch
durch altenglisch entspricht demnach den jetzigen Gepflogenheiten und
betont außerdem, daß die Entwicklung der englischen Sprache durch die
normannische Eroberung nicht scharf durchbrochen wurde. Das Aufgeben
der Flexionsendungen ist in mittelenglischer Zeit allmählich erfolgt und
ist bereits in ae. Zeit vorbereitet. Die Aufnahme französischer (und in der
Folge lateinischer und anderer) Wörter betrifft den Wortschatz, aber nicht
den inneren Aufbau der Sprache.
Anm. 2. Das Ende der ae. Zeit läßt sich nur annähernd bestimmen. Auch
im 12. Jahrhundert hat man noch ae. Handschriften abgeschrieben und
sich des Ae. mindestens noch als einer Literatursprache bedient. Erst im
Laufe des 12. Jahrhunderts merkt man ein Aufhören des Verständnisses
für die ältere Sprachform. Aus gewissen Spuren ist jedoch zu schließen, daß
bereits vor 1050 die Volkssprache lautliche und flexivische Eigentümlich-
keiten angenommen hatte, die erst nach dem Aufhören der ae. Schreib-
gowohnheiten in den Handschriften deutlich zum Ausdruck kommen.
1 Vgl. Kemp Malone, RES V, 173ff.
2
§ 2. Die ae. Mundarten
Seiner Stellung nach bildet das Altenglische einen Zweig der sog.
westgermanischen Sprachen, d. h. derjenigen germ. Sprachgruppe,
der auch noch das Friesische, Altsächsische, Fränkische und Oberdeutsche
angehören. Seine nächsten Verwandten sind das Friesische, demnächst
das Altsächsische.
§ 2. Das Ae. läßt bereits in seinen ältesten Quellen mundartliche Unter-
schiede erkennen. Die Hauptmundarten sind das Nordhumbrische
im Norden, das Binnenländisohe oder Mercische im Innern, das
Sächsische im Süden und das Kentische im äußersten Südosten.
Sprachgeschichtlich bilden nordhumbrisch und mercisch zusammen
die Gruppe der anglischen Mundarten. Das Sächsische ist uns aus
dem westlichen Teile seines Gebietes (Wessex) am besten bekannt, und
man pflegt daher das Westsächsische als Hauptvertreter der Mund-
arten sächsischen Stammes hinzustellen. Die Sprache des dritten einge-
wanderten Volksstammes, der Jüten (lat. luti und lutae, ae. Eotan
und Ptos oder Pte) ist in der Literatur nur durch das Kentische ver-
treten, so daß der Stammesscheidung in Angeln, Sachsen und Jüten in
der Sprache die Dreiteilung: anglisch, sächsisch und kentisch entspricht.
Anm. 1. Die Bezeichnung mercisch ist herkömmlich, aber nicht ganz
richtig. Sie kommt von Rechts wegen bloß den westlichen Mundarten des
Gebietes zwischen dem Nordhumbrischen einerseits und dem Sächsischen
anderseits zu. Die mercischen Könige dehnten zwar im 7. Jahrhundert ihr
Herrschaftsgebiet auf Mittelanglien (mit dem heutigen Leicestershire als
Kernland, südlich und östlich davon bis ins heutige Hertfordshire reichend)
und auch bis ins heutige Lincolnshire aus, im 8. Jahrhundert vorübergehend
sogar auf das Sachsenland und Kent, doch gehörten diese Gebiete so wie
Ostanglien (das heutige Norfolk und Suffolk) nie zu den engeren mercischen
Siedlungsgebieten. Vgl. u. a. besonders Flasdieck, Beitr. 48, 376ff. - Die
Bezeichnung des dritten der nach Großbritannien eingewanderten Germa-
nenstämme als Jüten beruht auf ihrer lat. Bezeichnung luti (lutae) bei
Beda. Es handelt sich aber jedenfalls um einen Stamm, dessen Sprache
westgermanisch (anglo-friesisch) war und nicht nordgermanisch, wie die der
später in Jütland ansässigen Dänen (an. lötar, dän. Jyder). Da Beda die
festländische Heimat der luti nicht näher angibt, hat man auch einen
anderen Volksstamm, die Euten (lat. Sg. Euthio bei Venantius Fortunatus,
vielleicht auch Eutii in Saxonibus Eu[t]iis, Hs. aber Euciis, wenn dies nicht
bloß ein Beiname bestimmter Saxones ist, in einem Brief des Theodberht
an lustinian, 6. Jahrhundert) unter diesen luti vermutet. Vgl. H. M. Chad-
wick, The Origin of the English Nation (Cambridge 1907 u. 1924), S. 99ff.;
Hoops, Reallexikon der germ. Altertumskunde Art. ‘Jüten’ (Much); F. Kauff-
mann, Germ. Altertumskunde II, 136; Gösta Langenfeit, Engi. Stud. 66,
161ff. - Inwieweit die Gebiete der ae. Mundarten alten Siedlungsgrenzen
entsprechen, ist zwar tunstritten, doch kann als sicher angesehen werden,
daß die Hauptmundartgruppen durch die alten Stammesunterschiede be-
dingt sind. Hierbei zeigen die anglischen und kentischen Mundarten ge-
§ 2. Die ae. Mundarten
3
wisse gemeinsame Züge im Wortschatz und auch in der Lautform, durch
die sie näher zu den nordgerm. Sprachen stehen ah das Sächsische ander-
seits (s. Jordan, Eigentümlichkeiten des angl. Wortschatzes, Anglist. For-
schungen 17, 1906). Zur Frage der Grundlagen der ae. Mundartgrenzen vgl.
Artikel ‘Angelsachsen’ bei J. Hoops, Reallexikon der germ. Altertumskunde;
Luick, Hist. Gram. § 9; Brandl, Zur Geographie der ae. Dialekte.
Anm. 2. Für die Feststellung landschaftlicher Eigenarten sind die Schrei-
bungen in den auf die Zeit bis etwa 900 datierbaren Handschriften und Ur-
kunden besonders wertvoll. Eine Zusammenstellung dieser gibt Ivar Dahl,
Substantival Inflexion in Early Old English, S. 1-42. Gedruckt sind diese
vor allem bei Henry Sweet, Oldest English Texts (Early English Text Soc.,
Original Series 83, London 1885). Die ae. Urkunden sind gesammelt von
J. M. Kemble, Codex diplomaticus aevi Saxonici, 6 Bde., London 1839-48
und darnach hg. von B. Thorpe, Diplomatarium aevi Saxonici, London
1865. Urkunden bis 975 sind gedruckt bei W. de Gray Birch, Cartularium
Saxonicum, 3 Bde., London 1885-93; andere bei J. Earle, A handbook of
landcharters and other Saxon doouments, Oxford 1888. Spätere Ausgaben
sind: F. E. Harmer, Select English Historical Documents of the Ninth and
Tenth Centuries, Cambridge 1914; D. Whitelock, Anglo-Saxon Wffls, Cam-
bridge 1930; A. J. Robertson, Anglo-Saxon Charters, Cambridge 1939; F. E.
Harmer, Anglo-Saxon Writs, Manchester 1952. Faksimiles: E. A. Bond,
Facsimiles of ancient Charters in the British Museum, 4 Bde., London 1873-
78; W. B. Sanders, Facsimiles of Anglo-Saxon manuscripts, Southampton
1878-84; einzelne auch bei W. Keller, Ags. Palaeographie, Tafeln dazu
(Palaestra 93, Berlin 1906). Sprachliche Aufschlüsse geben auch die Königs-
namen auf Münzen, vgl. dazu C. F. Keary, A catalogue of English coins
in die British Museum, Anglo-Saxon series, London 1887-93.
Anm. 3. Unter den örtlich festlegbaren und damit für landschaftliche Be-
sonderheiten bezeichnenden Texten sind die aus dem Gebiet des Westsäch-
sischen wegen der reichen Überlieferung die wichtigsten. Die ältesten ws.
Texte sind in Handschriften aus der Zeit Alfreds des Großen erhalten. Die in
diesen erscheinenden Sprachformen werden als altwestsächsisch be-
zeichnet. Diese sind: Die ältesten Handschriften der Übersetzung der
Cura pastoralis des Papstes Gregor des Großen, C = Brit. Mus. Cotton. Tibe-
rius B. XI (1731 bis auf Bruchstücke verbrannt, erhalten in einer Abschrift
von Francis Junius aus der Mitte des 17. Jhs., Bodl. Oxford, Junius 53,
Summary Catalogue 5163) und H-Bodl. Oxford, Hatton 20, Sum. Cat. 4113,
beide Ende 9. Jh. (andere Hss. sind später), darnach hg. von H. Sweet,
EETS O.S. 45, 50 (1871-72), Faksimile von N. R. Ker, The Pastoral Gare
(Early English Manuscripts in Facsimile IV, Copenhagen-London-Baltimore
1956), enthält Ms. Hatton 20, die Fragmente von Cotton. Tiberius B. XI
und ein Fragment aus der Landesbibliothek in Kassel. Die Übersetzung
der Chronik des Orosius, Handschriften: Lauderdale (früher im Besitz
von Lord Tollemache, seit 1953 Brit. Mus. Additional Ms. 47.967), frühes
10. Jh., und Brit. Mus. Cotton. Tiberius B. I, 10. oder frühes 11. Jh., hg.
von H. Sweet, EETS O.S. 79 (1883); Faksimile von A. Campbell, The
Tollemache Orosius, Brit. Mus. Add. 47.967 (Early Engi. Mss. in Facsimile
III, Copenhagen 1953). Der älteste Teil der ae. (ws.) Chronik bis 891 in
der sog. Parker-Handschrift (Corpus Christi College Cambridge, 173), von
einem Schreiber (in Winchester ?) etwa 891-92 geschrieben, hg. C. Plummer,
4
§ 2. Die ae. Mundarten
Two of the Saxon Chronicles parallel, Oxford 1892 u. 1929 (die Parker-Hs.
als A bezeichnet); A. H. Smith, The Parker Chronicle, 832-900 (Methuen’s
Old English Library B. 1, London 1935). Faksimile: R. Flower and A. H.
Smith, The Parker Chronicle and Laws. EETS 208 (1937). Die in diesen
Texten vorkommenden Sprachformen sind genau verzeichnet bei P. J. Cosijn,
Altwestsächsische Grammatik. Sie sind zwar nicht ganz einheitlich, weil die
Schreibtradition anscheinend noch nicht ganz gefestigt war und König
Alfred eine Anzahl Mercier an seinen Hof gezogen hatte. Am meisten weist
auf solchen mercischen Einfluß die Übersetzung von Bedas Kirchen-
geschichte. Älteste Handschriften: T == Bodl. Oxford, Tanner 10, hg.T. Miller,
EETS O.S. 95, 96, 110, 111 (1890-98); O = Corpus Christi College Oxford,
279 pt. II (Anfang 11. Jh.) und B = Corpus Christi Coll. Cambridge 41 (An-
fang 11. Jh.), diese beiden hg. von J. Schipper, Bibi. d. ags. Prosa, Bd. 4
(1899). Die Hs. C = Brit. Mus. Cotton. OthoB. XI (10. Jh.) ist 1731 größtenteils
verbrannt, Hs. Ca = Univ. Bibi. Cambridge Kk. 3. 18 stammt erst aus der
zweiten Hälfte des 11. Jhs. Über Herkunft und Sprachformen vgl. T. Miller,
QF 78; J. Schipper, Geschichte und Stand der gegenwärtigen Forschung
über König Alfreds Übersetzung von Bedas Kirchengesohichte; M. Deutsch-
bein, Beitr. 26, 169-244 und 266; O. Eger, Diss. Leipzig 1910; F. Kiaeber,
Anglia 25, 257-315 und 27, 243-282 und 399-435; J. J. Campbell, JEGPh 50,
349-372; D. Whitelock, Proc. Brit. Academy XLVIII, 57-90.
Als beste Beispiele für das späte Westsächsische kann man die For-
men in den Texten der zahlreichen Werke des Abtes Aelfric ansehen (um
1000), so die Homilien, hg. B. Thorpe, The Homilies of the Anglo-Saxon
Church, 2 Bde., London 1844-46; Auswahl von H. Sweet, Selected Homilies
of Aelfric, Oxford 1885 u. o.; einige auch von B. Assmann, Ags. Homilien
und Heiligenleben, Bibi. d. ags. Prosa III (1889); die Hirtenbriefe, hg.
B. Fehr, Bibi. d. ags. Prosa IX (1914); die Heiligenlegenden, hg. W. W.
Skeat, EETS O.S. 76, 82, 94, 112 (1881-1900); die Abhandlung Libellus
de veteri testamento et novo und die Einleitung zur Genesis,
hg. S. J. Crawford, The Old English Version of the Heptateuch etc., EETS
O.S. 160 (1922); die Lateingrammatik, hg. J. Zupitza, Berlin 1880;
die Glossen zum lat. Colloquium, hg. am besten von G. N. Garmonsway,
Methuen’s Old English Library B, 2, London 1939. Da sich diese sprachli-
chen Ausdrucksformen im 10. und 11. Jh. dank der politischen und kul-
turellen Vorherrschaft Westsachsens und der von Westsachsen ausgehenden
Klosterreform dos späten 10. und 11. Jhs. auch in die Gebiete von Kent
und des mittleren und selbst nördlichen Englands als Art Schriftsprache
verbreiteten (‘Standard Old English’, vgl. C. L. Wrenn, Transactions Philol.
Soc. London 1933, S. 65ff.), finden sie sich, allerdings mehr oder minder
mit solchen, die aus anderen Gebieten stammen, vermischt in zahlreichen
anderen in dieser Zeit aufgezeichneten Texten.
Im folgenden wird als streng westsächsisch bezeichnet, was sich als
gemeinsame Eigenart der Texte aus dem Kreis um Alfred und der auf JElfric
zurückgehenden feststellen läßt. Hingegen sind solche, die sich in im allge-
meinen westsächsischen Texten finden, aber mit obigen nicht übereinstim-
men, als nicht streng ws. bezeichnet. Formen, die bestimmt aus anderen
Mundartgebieten stammen, sind als angl., kent., merc. oder nordh. beson-
ders gekennzeichnet, und es ist hinzugefügt, in welchen Texten sie sich
finden.
§ 2. Die ae. Mundarten
5
Anm. 4. Auch die ae. poetischen Denkmäler sind fast alle nur in Auf-
zeichnungen aus dem 10. und 11. Jahrhundert erhalten und zeigen daher
weithin die Sprachformen dieser späten ws. Schriftsprache. Doch finden sich
in ihnen verstreut allenthalben Formen und auch Wörter, die diesen nicht
entsprechen und daher, soweit man nicht mit einer traditionellen poetischen
Sprache rechnen kann, auf Entstehung in anderen Mundartgebieten und
dort entstandene frühere Aufzeichnungen schließen lassen. Manchmal lassen
sich auch ältere Sprachformen, die in den Niederschriften nicht bewahrt
sind, aus der Metrik erschließen, vgl. dazu Sievers, Beitr. 10, 209-314 und
451-545; Zu Cynewulf; Ceedmon und Genesis. Die ae. poetischen Texte sind
hg. bei C. W. M. Grein, Bibliothek der ags. Poesie, Cassel und Göttingen
1857—64, Neuausgabe von R, P. Wülker, 3 Bde., Cassel 1883-98, und in
der maßgebenden Sammlung von G. P. Krapp und Elliott van Kirk Dobbie,
The Anglo-Saxon Poetic Records, 6 Bde., New York u. London 1931-1953.
Die wichtigsten sind in vier Sammelhandschriften erhalten: 1. Brit. Museum,
Cotton. Vitellins A XV (‘Beowulf Hs.’) von etwa 1000. Beschreibung von
M. Förster, Die Beowulf-Handschrift, Berichte über die Verhandlungen der
sächs. Akademie derWissenschaften,phil.hist.Kl. 71. Leipzig 1919. Faksimile
des Beowulf: J. Zupitza, EETS O.S. 77 (1882), Neuausgabe von Norman
Davies, EETS 245 (1959); der gesamten Hk. Kemp Malone, Early English
Manuscripts in Facsimile XII, Copenhagen 1963. - 2. Bodl. Oxford, Junius
XI, Sum. Cat. 5123, etwa um 1000 geschrieben (sog. ‘Caedmon-Hs.’). Fak-
simile von I. Gollancz, The Caedmon-Ms. of Anglo-Saxon Biblical Poetry,
Oxford 1927. - 3. Kathedral-Bibl. von Exeter (‘Exeter Book’), geschrieben
etwa 970-990 in einem Kloster in Westengland, von Bischof Leofric (gest.
1072) mit anderen Büchern der Kathedralbibliothek geschenkt. Faksimile mit
genauer Beschreibung von R. W. Chambers, M. Förster und Robin Flower,
Bradford-London 1933. - 4. ‘Vercelli-Kodex’ (Vercelli-Book), Bibi, des Dom-
kapitels von Vercelli in Oberitalien, geschrieben in der zweiten Hälfte des
10. Jhs., enthält hauptsächlich Prosapredigten und einige geistliche Ge-
dichte. Beschreibung von M. Förster, Der Vercelli-Codex CXVII nebst Ab-
druck einiger altenglischer Homilien der Handschrift, Studien zur engl.
Philologie 50 (Festschrift für Lorenz Morsbach, Halle 1913), S. 20-179.
Faksimile: R. Wülker, Codex Vercellensis (enthält nur die Dichtungen),
Leipzig 1894; M. Förster, II Codice Vercellese con Omilie e Poesie in Lingua
Anglo-Sassone, Roma 1913.
Anm. 5. Die älteste Überlieferung des Altenglischen stammt aus nord-
humbrischem Gebiet, allerdings nur mit kleinen Denkmälern. Solche sind:
Einige Runeninschriften, von denen die wichtigsten sind: Die auf dem
aus Walroßzähnen geschnitzten Kästchen, das in Auzon bei Brioude, Dept.
Haute-Loire (südl. Clermont-Ferrand, daher Clermonter Kästchen) ge-
funden wurde und von dem drei Seiten und der Deckel durch einen Pariser
Händler 1857 in den Besitz von W. Franks gelangten, der sie 1867 dem
British Museum schenkte (daher Franks Casket), während die rechte
Seite von einem Sammler in Lyon erworben wurde und ins Nationalmuseum
in Florenz (Bargello) gelangte (Nachbildung davon im Brit. Museum). Es
wird sehr verschieden datiert, meist auf etwa 700, die Sprachformen stim-
men zum Nordhumbrischen, wie wir es aus anderen Quellen kennen. Der
Text ist oft wiedergegeben und transkribiert, z. B. E. Wadstein, The Cler-
mont Runic Casket (Skrifter utg. av k. Hum. Vetenskapssamf. i Uppsala,
6
§ 2. Die ae. Mundarten
7 (1900); W. Vietor, Das ags. Runenkästchen aus Auzon bei Clermont-
Ferrand, Marburg a. d. L. 1901; A. S. Napier, The Franks Casket, in: An
English Miscellany presented to Dr. Fumivall (Oxford 1900), S. 362-381;
Bruce Dickins, A System of transliteration for O. E. Runic inscriptions,
Leeds Studies in English I (1932), 15-19. Literaturangaben darüber sehr
vollständig bei K. Schneider, Zu den Inschriften und Bildern des Franks
Casket usw.» Festschrift f. Walther Fischer (Heidelberg 1959), S. 4-20 auf
S. 4 (die Ansicht des Verf., das Kästchen sei kontinentalen Ursprungs und
bereits auf etwa 550 zu datieren, ist aber kaum haltbar). Als etwas jünger
angesehen werden die Inschriften auf dem Steinkreuz von Ruthwell in
Dumfriesshire (zwischen Dumfries und Annan, jetzt in der Kirche aufbe-
wahrt), auf dem in Bewcastle, Northumberland (nördl. von Carlisle) und
einem in Urswick (Nord-Lancashire), dessen Schaft 1911 als Querbalken
eines Fensters der Kirche verwendet gefunden wurde. Hingegen dürfte die
Inschrift auf dem 1923 in der Kirche von Mortain (Normandie) gefunde-
nen Hostienkästchen eher mercischen Ursprungs sein (s. I. Dahl, Subst.
Inflexion, S. 27f.; über das Kästchen s. Maurice Cahen et Magnus Olsen,
L’inscription runique du Coffret de Mortain, Collection linguistique publiee
par la Soc. ling. de Paris, Nr. 32. Paris 1930; Text auch bei F. Mosse, Manuel
de 1’Anglais du moyen äge. Vieil-Anglais, I, S. 333). Die anderen kleineren,
auch meist aus nordhumbrischem Gebiet stammenden Runeninschriften
bieten sprachhistorisch nur manchmal in Einzelwörtern Aufschlüsse. Vgl.
dazu R, I. Page, Language and Dating of O. E. Inscriptions, Anglia 77
(1959), 385-406; weiter Wilhelm Vietor, Die Northumbrischen Runensteine,
Marburg 1895. Texte u. a. bei Sweet, Oldest English Texts, S. 127-130;
Bruce Dickins, a.a.O. (s. o.); Ralph W. V. Elliot, Runes. An Introduction,
Manchester 1959 (mit 24 Tafeln). Verzeichnis aller mit genauen Literatur-
angaben: H. Marquardt, Bibliographie der Runeninschriften nach Fund-
orten. I. Die Runeninschriften der Britischen Inseln. Abhandlungen d. Aka-
demie d. Wissenschaften in Göttingen, phil.-hist. Kl. III, Nr. 48, 1961.
Die ältesten handschriftlich überlieferten nordhumbrischen Texte sind:
die Eintragung von Caedmons Hymnus in den ältesten, lateinischen, in
Nordhumbrien entstandenen Handschriften der Historia ecclesiastica gentis
Anglorum von Beda, und zwar im ‘Moore-Ms.’ (Univ. Bibi. Cambridge Kk.
5. 16) und in der Hs. Leningrad, öffentliche Bibliothek Ms. Lat. Q. V. 1. 18,
beide bald nach 735 entstanden (zwei weitere Hss. aus dem 12. und 13. Jh.
enthalten den Hymnus auch noch nordhumbrisoh in ganz guten Abschriften),
dann die von Bedas Sterbespruch in einer kontinentalen Abschrift des
lat. Briefes des Abtes Cuthbert von Wearmouth an seinen früheren Mit-
schüler Cuthwine über die letzten Stunden Bedas in der Hs. Stiftsbibliothek
St. Gallen Cod. 254, S. 235 (9. Jh.), die metrische Übersetzung von Aldhelms
Rätsel “De Lorica” in der lat. Handschrift dieser Rätsel und anderer, Univ.
Bibi. Leiden lat. in Quarto 106 (Anfang des 9. Jhs.), das sog. Leidener
Rätsel. Diese Texte sind gedruckt bei Sweet, a.a.O. (s. Anm. 2), bei G. P.
Krapp and Elliott van Kirk Dobbie, Bd. VI (s. Anm. 4), von A. H. Smith,
Three Northumbrian Poems (Methuen’s Old English Library A, 1. London
1933). Zum Leidener Rätsel vgl. weiter R. W. Zandvoort, The Leiden Riddle,
English and Germanic Studies III (Birmingham 1949-50), S. 42-56 (auch
in Collected Papers, Groningen Studies in English V, Groningen-Djakarta
1954, S. 1-16). Über die Handschriften der beiden anderen Gedichte vgl.
§ 2. Die ae. Mundarten
7
eingehend E. van Kirk Dobbie, The Mss. of Caedmon’s Hymn and Bede’s
Death Song, Columbia Studies in English and Comparative Literature 128,
New York 1937.
Aufschlüsse über das Nordhumbrische des 8. Jhs. geben auch die Schrei-
bungen von Personennamen in den ältesten lat. Handschriften von Bedas
Kirchengeschichte (s. oben; die aus dem Moore-Ms. gedruckt bei Sweet,
Oldest English Texts, S. 131-152; vgl. dazu H. Ström, Old English Personal
Names etc.; zu denen im Leningrad Ms. O. S. Arngart, 0. E. Material in the
Leningrad Ms. etc.), dann die Namen in dem etwa 840 in Durham zusammen-
gestellten Verzeichnis von Wohltätern der dortigen Kathedrale, dem sog.
Liber Vitae Dunelmensis (Hs. Brit. Mus. Cotton. Domitian A VII),
in das auch solche aus einem bis ins 8. Jh. zurückgehenden, ebensolchen der
Kirche St. Cuthbert auf der Insel Lindisfarne übernommen worden waren.
Gedruckt bei Sweet, a.a.O., S. 153-166, dazu Kollationen von E. Björkman,
Angl. Beibl. 29 (1918), 243-247. Faksimile von A. H. Thompson, Surtees
Soc. Publ. CXXXVI (1923); vgl. dazu R. Müller, Untersuchungen über die
Namen des nordh. L. V.
Das späte Nordhumbrische ist zu erschließen aus der etwa in der Mitte
des 10. Jhs. von einem Aldred, der sich presbyter indignus et miserrimus
bezeichnet, in Durham oder Chester-le-Street eingetragenen ae. Interlinear-
glosse in dem lat. Evangelien-Kodex von Lindisfarne (Brit. Mus.
Cotton. Nero D IV) und aus der wahrscheinlich von demselben stammenden
in dem Ritual von Durham (Hs. Durham Cathedral A. IV. 19). Faksimile
des Lindisfarne-Kodex: Evangeliorum Quattuor Codex Lindisfamensis etc.,
2 Bde. (1. Bd. Faksimile, 2. Bd. Kommentare von T. D. Kendrick, T. J.
Miles, u. a., mit Index der lat. und ae. Wörter), Olten-Lausanne 1960. Aus-
gabe des Textes W. W. Skeat, The Holy Gospels in Anglo-Saxon, Nort-
humbrian, and Old Mercian Versions, 4 Bde., Cambridge 1871-1887. Glossar:
S. Cook, A Glossary of the Old Northumbrian Gospels, Halle 1894. Über
den Glossator N. R. Ker, Aldred the Scribe, Essays and Studies (Engi.
Association) XVIII (1942), S. 7-12. Zur Sprache s. verschiedene Abhand-
lungen im Literaturverzeichnis. Ritual von Durham: A. H. Thompson and
Uno Lindelöf, Surtees Soc. Publ. CXL (1927); Glossar dazu: Uno Lindelöf,
Wörterbuch zur Interlinearglosse des Rituale Ecclesiae Dunelmensis, Bon-
ner Beiträge zur Anglistik IX (Bonn 1901), dazu Verbesserungen auf Grund
einer neuen Kollation, ders. Angl. Beibl. 39 (1928), 145-151.
Ebenfalls nordhumbrisch, aber in der Sprachform verschieden, sind die
ae. Interlinearglossen im Evangelienkodex von Rushworth (jetzt
Bodl., Oxford, Auct. D. II. 19) zu den Evangelien Marcus (außer I bis II,
15), Lucas und Johannes (außer XVIII, 1-3), die in der zweiten Hälfte des
10. Jahrhunderts von einem Glossator Owun eingetragen wurden (sog.
Glosse Rushworth2). Sie stimmen im Wortlaut mit denen Aldreds im Lindis-
fame-Kodex im großen und ganzen überein, obwohl der lat. Text im Rush-
worth-Kodex, der im 8.-9. Jahrhundert von einem Iren MacRegol geschrie-
ben worden war, der in Irland üblich gewesene ist, im Lindisfarne-Kodex der
von diesem manchmal abweichende römische. Da die Glossen zum Evange-
lium Matthaeus (und die zu Marcus I bis II, 15 und zu Johannes XVIII
1—3) nach eigener Angabe von einem Glossator Farman “set harawudu”
eingetragen sind (das völlig überzeugend mit Harewood im West Riding
von Yorkshire, nördl. von Leeds, identifiziert werden kann) und eine andere
8 § 2. Die ae. Mundarten
(mercische) Sprachform zeigen (s. Anm. 6), Harewood nicht weit von der
nordhumbrisch-mittelländischen (mercischen) Mundartgrenze am Humber,
Wharfe bzw. Aire liegt und so wie auch der südliche Teil des West Riding
zur Diözese York gehörte, können beide Glossatoren an demselben Orte ge-
arbeitet haben, zumal Owuns Sprachformen solchen des nördl. und öst-
lichen Yorkshire entsprechen, also etwa von York selbst oder Ripon. Text hg.
von W. W. Skeat (s. oben); zu den Sprachformen Owuns vgl. Uno Linde-
löf, Die südnorth. Mundart d. 10. Jhs. Glossar: ders., Glossar zur alt-
north. Evangelienübersetzung in der Rushworth Hs., Acta Societatis Scien-
tiarum Fennicae XXII, 5 (Helsingfors 1897).
Anm. 6. Als mercisch sind anzusehen die Interlinearglossen in der aus
dem 8. Jh. stammenden lat. Handschrift der Psalmen und einiger Hymnen,
Brit. Mus. Cotton. Vespasian AI (sog. Vespasian-Psalter und Hymnen),
die im 9. Jh. eingetragen wurden. Sie wurden früher als kentiseh angesehen,
stimmen aber sprachlich als Vorstufe derart zu den Handschriften Oxford,
Bodley 34 (von etwa 1210, wahrscheinlich aus Herefordshire), anderen von
Legenden und Erbauungsschriften aus derselben Zeit oder etwas später (der
sog. “Katherine Group”) und Corpus Christi Coll. Cambridge 402 (Ancrene
Wisse), die aus dem westlichen Mittelland stammen, daß man sie als west-
mercisch ansehen muß. Ob sich die Handschrift zur Zeit der Eintragung
der Glossen in Lichfield befand oder etwa in Canterbury, wo die Eintragung
durch einen Mercier erfolgt wäre, ist zwar umstritten. Für Canterbury tre-
ten ein K. Sisam, Canterbury, Lichfield, and the Vesp. Psalter, RES New
Series VII (1956), 113-131; H. Gneuss, Zur Geschichte des Ms. Vesp. A. I.,
Anglia 75 (1957), 125—133; für Lichfield Sherman M. Kuhn, The Vesp.
Psalter and the Old English Charter Hands., Speculum XVIII (1943),
458-483; ders., From Canterbury to Lichfield, ebenda XXIII (1948), 591-
629 und Some early Mercian Mss., RES New Series VIII (1957), 355-374;
weiter R. M. Wilson, The Provenance of the Vesp. Ps. Gloss. Text gedruckt
bei H. Sweet, Oldest Engi. Texts, S. 183-420, Kollationen dazu R. Roberts,
A new collation of the Vesp. Ps. and Hymns, Leeds Studies in English I
(1932), 22f., und Sherman M. Kuhn, The Gloss to the Vesp. Ps., another
collation, JEGPh 40 (1941), 344-347. Glossar: C. Grimm, Glossar zum Vesp.
Psalter und den Hymnen, Anglistische Forschungen 18 (Heidelberg 1906)
und Paule Mertens-Fonck, A Glossary to the Vesp. Psalter and Hymns,
Part I: The Verb, Bibliotheque de la Faculte de Philosophie et Lettres de
rüniversite de Liege, fase. CLIV (Paris 1960). Zur Sprache: Rudolf Zeuner,
Die Sprache des kentischen Psalters. Dazu Besprechung von H. Sweet,
Göttinger gelehrte Anzeigen 1882, Nr. 38, S. 1186-1191.
Ferner ist jedenfalls mercisch die von Farman eingetragene Glosse zu den
Evangelien Matthaeus, Marcus I-II, 15 und Joh. XVIII, 1-3 (sog. Glosse
Rushworth1), s. Anm. 5. Die Schreibungen sind allerdings nicht einheit-
lich, was am ehesten dadurch zu erklären ist, daß die Tradition der merci-
schen lokalen Schreibungen nicht mehr ganz lebendig war und Farman be-
reits die ws. Schriftsprache kannte, deren Schreibungen er da und dort
übernahm oder auch in Verwechslungen falsch anwandte (vgl. dazu u. a.
§ 55, Anm.), wozu da und dort noch die Übernahme nordh. Formen aus der
Vorlage (Glossen im Lindisfarne-Kodex) gekommen sein mag; s. dazu R. J.
Menner, Anglia 58, 1-27 und bes. Sherman M. Kuhn, PMLA 60, 631-669.
Dies, zusammen mit der Lage von Harewood in der Diözese York und nahe
§ 2. Die ae. Mundarten
9
der Mundartgrenze (zu dieser s. A. H. Smith, The Place-Names of the West
Riding of Yorkshire VII, Engi. Place-Name Soe., vol. XXXVI, Cambridge
1962, S. 39-43; zu ihren mutmaßlichen Grundlagen s.ebenda und A. Brandl,
Zur Geographie der ae. Dialekte, S. 14f.), erklärt die auffallende Mischung
von Sprachformen und die Unregelmäßigkeiten wohl am leichtesten, die
Luick, Hist. Gram. § 24 und § 117, Anm. 1 noch als unklar bezeichnen
mußte. Text bei Skeat, a.a.O. (s. Anm. 5); Glossar: Emst Schulte, Glossar
zu Farman’s Anteil an der Rushworth Glosse, Bonn 1904; Zur Sprache vgl.
Edward Miles Brown, Die Sprache d. R.-Glossen usw. und The Language etc.
Zumindest in Grundlagen als mercisch werden auch die ältesten Glossare
angesehen, nämlich das von Spinal (Bibi. publ. Nr. 72, fol. 94-107, einem
Kodex mit lat. Predigten des hl. Augustinus in neuerer Zeit zugebunden)
aus dem 8. oder Anfang des 9. Jhs.; das etwas jüngere Corpus-Glossar
(Hs. Corpus Christi Coll. Cambridge CXLIV); das von kontinentalen (hoch-
deutschen) Schreibern aufgezeichnete von Leiden (Hs. Voss. Lat. in 4°,
69 der Univ. Bibi.) aus dem späten 8. Jh. und das von Erfurt (Hs. Amplo-
niana 42) aus der zweiten Hälfte des 9. Jhs., die auf gemeinsames älteres
Material zurückgehen, weil die Schreibungen oft sehr altertümlich sind.
Text bei H. Sweet, Oldest Engi. Texte, S. 35-121; W. M. Lindsay, The
Corpus, Epinal, Erfurt, and Leyden Glossaries (Publ. of the Philological
Society VIII), Cambridge 1921; 0. B. Schlutter, Das Epinaler und Erfurter
Glossar, I, Epinaler Glossar (Text und Facsimile), Bibi. d. ags. Prosa VIII,
1, Hamburg 1912; J. H. Hessels, Aneighth cent. Latin-Anglo-Saxon Glossary
preserved in the Library of Corpus Christi College Cambridge, Cambridge
1890; ders., A late eighth Cent. Glossary preserved in the Library of Leyden
Univ., Cambridge 1906; P. Placidus Glogger, Das Leidener Glossar, 3 Teile:
1 und 3, a, b, Programm des kgl. hum. Gymnasiums St. Stephan, Augsburg
1901, 1907, 1908; 2 Diss. München 1903; F. Holthausen, Die Leidener Glos-
sen, Engi. Studien 50 (1916-17), 327-340. Zu den Sprachformen: Ferdinand
Dieter, Über Sprache und Mundart der ältesten engl. Denkmäler usw.;
P. Romuald Sauer, Zur Sprache der Leidener Glossen; Sherman M. Kuhn,
PMLA 54, 1-19.
Einige kleinere mercische Texte sind noch: Die Glossen zu der Lorica
des Gildas (Hs. Cambridge Univ. Libr. LI 1. 10, das sog. ‘Book of Ceme’,
fol. 43, etwa um 900 eingetragen) und das von einer anderen, gleichzeitigen
Hand daselbst fol. 2a eingetragene Gebet (gedr. bei H. Sweet, Oldest Engi.
Texte, S. 171-174, als kentisch angesehen, doch bestehen Verbindungen der
Hs. mit Lichfield; von G. Leonhardi, Kleinere ags. Denkmäler, Bibi. d. ags.
Prosa VI, Hamburg 1905, S. 207ff. und S. 241); die Widmung in der
Evangelienhandschrift der kgl. Bibi. Stockholm (Codex aureus) wegen
des Namens des Widmers (gedr. bei Sweet, a.a.O., S. 175, auch als kentisch
angesehen) von etwa 870; die Glossen in der Hs. Brit. Mus. Cotton. Tibe-
rius C II (die Herkunft der aus dem 8. Jh. stammenden Hs. ist unbekannt,
die Glossen sind von zwei verschiedenen Schreibern Ende des 9. oder Anfang
des 10. Jhs. eingetragen, wurden lange als kentisch angesehen, sind aber
eher mercisch; gedr. bei Sweet, a.a.O., S. 180-182).
Die frühen, deutlich mercischen Urkunden (von 735-793/96, gedr. bei
Sweet, a.a.O., Nr. 9-16), die sich, von mercischen Königen ausgehend, auf
Land in Mercien beziehen, enthalten nur Namen, erst spätere von etwa
803 bis etwa 840 auch englischen Text (gedr. ebenda Nr. 46-48), andere
10
§ 2-3. Die ae. Mundarten
sind zwar von mercischen Königen ausgestellt, beziehen sich aber auf Dinge
in Kent, das damals unter mercischer Oberherrschaft stand, und es ist
daher unsicher, wo sie aufgezeichnet wurden und welche Sprach- bzw.
Schreibgewohnheiten sie enthalten.
Mercische Sprachformen, oder solche, die mercisch sein könnten, sind in
mehreren sonst westsächsischen Texten enthalten, am meisten in der ae.
Übersetzung von Bedas Kirchengeschiohte, aber auch in anderen Wer-
ken aus dem Kreis König Alfreds und in späteren (s. Anm. 4). Am deutlich-
sten sind sie in der Legende über den hl. Chad (einen mercischen Lokal-
heiligen) in der aus Worcester stammenden Hs. Oxford, Bodl. Hatton 116
(früher Junius 24) aus dem Anfang des 12. Jhs., hg. von A. Napier, Ein
ae. Leben des Heiligen Chad, Anglia 10 (1888), 131-156 und mit ausführ-
licher Einleitung über die sprachlichen Besonderheiten usw. von Rudolf
Vleeskruyer, The Life of St. Chad, Amsterdam 1953. Hier S. 51-62 über
andere Denkmäler mit mercischen Spracheigentümlichkeiten.
Anm. 7. Kentisch sind vor allem Urkunden, und zwar ältere aus der
Zeit von 679-770 (gedr. bei H. Sweet, a.a. 0., Nr. 4-6) und jüngere, die
außer Namen auch längere ae. Textstellen enthalten, von 803-868 oder 888
(gedr. ebenda Nr. 33-44). Sonst kommen nur in Betracht die Glossen zu
den Sprüchen Salomons (gedr. von J. Zupitza, ZfdA 21, 1877, 1-59,
Nachträge dazu ebenda 22, 1878, 223-226) und die metrische Übersetzung
des 50. Psalms und eines Hymnus (hg. am besten bei Krapp-Dobbie,
The A.-S. Poetic Records VI, 88-94) in der Hs. Brit. Mus. Cotton. Vespasian
D VI aus dem 9. Jh. Hingegen stammen die Abschriften der ws. Evange-
lienübersetzung in den Hss. Brit. Mus. Royal 1 A 14 und Oxford, Bodl.
Hatton 38, beide aus dem 12. Jh., eher aus ostsächsischem Gebiet (Essex
oder Middlesex), s. Jordan, Hb. d. me. Gram., S. 10.
Anm. 8. Bibliographische Angaben über die ae. Texte am besten bei F. W.
Bateson, The Cambridge Bibliography of Engi. Lit. (Cambridge 1940), I,
60-98 und V (Supplement, 1957), 11-12. Die wichtigsten auch bei W. L.
Renwick and Harold Orton, The Beginnings of English Literature to Skelton
1509. (2nd ed. London 1952), S. 154-260. Über die Handschriften ae. Texte
eingehend N. R. Ker, Catalogue of Manuscripts containing Anglo-Saxon,
Oxford 1957.
§ 3. Die Hauptkennzeichen des Westsächsischen gegenüber anderen
Mundarten sind die Vertretung des germ. äs (westgerm. a) durch äs
gegen e der angl. und kent. Mundarten; fe (später y) als i-Umlaut von
fix (an Stelle von und fo; mit dem Kentischen gemeinsam zeigt es
frühzeitige Entrundung von ö? zu S und Ersatz der Endung -u in der
1. Pers. Präs. Ind. Sg. durch -e. Die angl. Mundarten sind durch die
‘Ebnung’ (§ 119f.) gekennzeichnet, das spätere Nordhumbrische über-
dies durch die Rundung von S nach w zu durch die Unterdrückung
von auslautendem -n in Flexionsendungen (§ 188, 2) und durch die
starke Zerrüttung des Systems der Flexionsendungen überhaupt (§ 236,
Anm.); bemerkenswert ist ferner die häufige Bildung der 3. Pers. Sg.
und des PI. Präs. Ind. auf -s statt -J (§ 357). Das älteste Kennzeichen
§ 4. Schrift und Aussprache
11
des Kentischen ist Ersatz des palatalen 5 durch i (§ 126, 2), der Ersatz
des ae durch e (der auch einem Teil des Mercischen zukommt, § 52) und
der Übergang von y zu S (§ 31, Anm. 1).
Schrift und Aussprache
§ 4. Die Schrift in den ae. Handschriften ist die sog. Insulare, die
sich aus der irischen Halbunziale entwickelt hat, welche durch die
irischen Missionare in Nordengland bekannt geworden war. Die durch
die römischen Missionare von Canterbury aus auch in England bekannt
gewordene kontinentale ünzialschrift der lat. Kirchenschriften des
4. bis 8. Jhs. und die darnach entwickelte Kapitalschrift wurden
nur in lateinischen Handschriften verwendet. Im 10. Jh. wurde in
England die inzwischen in Frankreich entwickelte sog. karolingische
Minuskel bekannt, die vom 11. Jh. an in England immer mehr ver-
wendet wurde, aber nur für lateinische Texte. Bloß einzelne Buchstaben
dieser erscheinen vom 11. Jh. an auch in englischen Texten, erst im 12. Jh.
wird dies häufiger.
Die irische Halbunziale, und damit die englische Insulare, unter-
scheidet sich von der kontinentalen außer in der Art der Schrift, die
steiler und spitziger ist, auch in der Form einzelner Buchstaben, welche
zum Teil der späteren römischen Kursivschrift entstammen, so
besonders der e, g, f, s, r. Auch einige Ligaturen (so «) und Abkürzungen
wurden aus dieser übernommen und erscheinen daher in ae. Hand-
schriften.
Inwieweit die mit den einzelnen Buchstaben ae. verbundenen Laut-
werte der kontinentalen oder irischen Aussprache des Lateinischen ent-
stammen, läßt sich nicht leicht entscheiden, zumal die irische Aussprache
von der kontinentalen beeinflußt gewesen sein kann. Vom 8. Jh. an hat
sich dann in England eine mehr oder weniger einheitliche Verwendung
der Buchstaben entwickelt, welche sich zum Teil von der kontinentalen
unterscheidet und in manchem später für die Aufzeichnung der nordgerm.
Sprachen maßgebend wurde.
Solche engl. Besonderheiten sind: 1. Die Übernahme des Runen-
zeichens wynn zur Bezeichnung des unsilbischen ‘Halbvokals’ w an
Stelle von uu. u oder v im Lateinischen, welche in den ältesten ae.
Texten (den Glossaren, s. § 2, Anm. 6) und auch in den Glossen Aldreds
im Lindisfarne Kodex und im Ritual von Durham noch manchmal
verwendet werden (s. § 171, Anm. 1).
2. Die Bezeichnung des interdentalen oder postdentalen Reibelauts
mit d oder dem Runenzeichen ß (Rune ßorri) an Stelle von th oder im
12
§ 4. Schrift und Aussprache
Inlaut, wo Stimmhaftigkeit anzunehmen ist, d (s. § 199, Anm. 1) in den
ältesten Texten, das sonst den stimmhaften Verschlußlaut bezeichnet.
3. Die Verwendung des Buchstaben y für den germanischen gerundeten
Hochzungenvokal (ü')> die sich in den nordgerm. Sprachen bis heute
erhalten hat, an Stelle der älteren und kontinentalen Bezeichnung
mit ui.
4. Die Verwendung der Ligatur ee (manchmal auch ae oder § geschrie-
ben) für einen zwischen a und e stehenden palatalen Vokal, während a
einen velareren Vokal bezeichnete. Dies ist eine englische Besonderheit,
die auch in die nordgerm. Sprachen übernommen wurde. Irisch werden
se und e unterschiedslos verwendet, auch in der kontinentalen Aussprache
des Lateinischen wurde wohl kaum ein Unterschied gemacht, wie aus
der Entwicklung in den romanischen Sprachen hervorgeht.
5. Die Verwendung von / sowohl für einen stimmlosen wie einen
stimmhaften labiodentalen Reibelaut. In den ältesten Texten wird für
den stimmhaften Reibelaut allerdings auch b verwendet, s. § 191.
6. Die Verwendung von 5 (in der Form der Insulare bzw. irischen
Halbunziale, s. 0.) sowohl für einen (stimmhaften) Reibe- wie Verschluß-
laut, s. § 211.
7. Die Verwendung von h sowohl für den (anlautenden) Hauchlaut,
wie für den stimmlosen (palatalen und velaren) Gaumenreibelaut. In
den ältesten Texten wird für letzteren wie in kontinentalen Handschriften
noch ch bzw. vor t auch c (also ct für späteres fr/), letzteres wie im Irischen,
verwendet.
Anm. 1. Der Gebrauch von b, d, 3 sowohl zur Bezeichnung stimmhafter
Verschluß- wie Reibelaute entspricht dem Altirischen (s. Thurneysen, Hb.
d. Altir., § 27). Während es sich aber im Altirischen dabei um Stellungs-
varianten handelte, ist dies ae. nicht der Fall (s. § 190, § 197, § 206, 8).
Dies mag ein Grund dafür sein, daß man diese Bezeichnung außer bei 3
ae. später aufgab. Dafür unterschied man später im Ae. die stimmhaften
und stimmlosen labialen und dentalen Reibelaute nicht mehr (sowohl ö,p, s, f
bezeichnen ae. beiderlei Reibelaute), doch handelt es sich dann um Stellungs-
varianten, weil die stimmhaften nur im Inlaut zwischen Vokalen oder nach
Vokalen vor stimmhaften Verschlußlauten vorkamen. 3 blieb aber einheit-
hohe Bezeichnung für Verschluß- und Reibelaut, auch für die palatalen
und velaren Varianten (so wie c für letztere beide, s. § 207). Erst mit der
Einführung der karolingischen Minuskel führte man g für den Verschluß-
laut und, wie im Französischen, für die Affrikata dz ein. Soweit letztere als
Entwicklung aus der palatalen Geminata ae. schon bestand, wurde dafür
cj geschrieben (s. § 216, 3). Die Form 3 der Insulare wurde me. neben dem
g, eingeschränkt auf die Bezeichnung des stimmhaften Reibelautes (später
nur zur Bezeichnung des palatalen und in einzelnen Handschriften auch des
stimmlosen Reibelautes), beibehalten. Um anzudeuten, daß dieses Zeichen
§ 4-5. Schrift und Aussprache
13
keine me. Neuschöpfung, sondern eine Fortsetzung der ae. Form ist, wurde
wie in den früheren Auflagen 5 in diesem Buche in allen Fällen beibehalten,
obwohl sonst in modernen Drucken des Ae. dafür meist g verwendet wird.
Anm. 2. Das Runenzeichen wynn wurde hingegen durchwegs durch w wie-
dergegeben, wie dies in modernen Drucken ae. Texte meist üblich ist, zu-
mal eine Nachahmung des Runenzeichens überflüssig ist und zu Verwechs-
lungen mit p Anlaß geben könnte.
Anm. 3. Die Verwendung von y für den gerundeten ii-Laut an Stelle des
kontinentalen ui könnte sehr wohl auf den Erzbischof Theodor von Tarsus
(kam 669 nach Canterbury) und den Abt Hadrian, der aus Nordafrika stammte
und als Begleiter von Theodor nach Canterbury kam und dort Abt des
Klosters St. Peter und Paul wurde, zurückgehen. Beide sprachen Griechisch
als Muttersprache, und griechisch wurde u (in der Kapitale F) erst etwa
gegen Ende des 1. Jahrtausends n. Chr. entrundet, da und dort noch später
(s. E. Schwyzer, Griech. Grammatik, I, 2. Aufl. München 1953, S. 184). Auf
die Tätigkeit Theodors und Hadrians gehen die später berühmt gewordenen
Klosterschulen in England zurück. Über die Verwendung von y als ‘un-
festes’ y für altws. ie s. § 22, Anm. 2.
Anm. 4. Abkürzungen sind in den ae. Handschriften nicht sehr zahlreich,
bis auf sehr allgemeines 7 für and, ond und i (lat. vel) für odöe oder, die aus
den tironischen Noten stammen, m nach Vokalen wurde durch einen Strich
über dem Vokalzeichen abgekürzt (frö für jrom), er durch einen solchen über
dem vorhergehenden Konsonantenzeichen (sefl für aefter); ~ bezeichnet ne
nach n (don für öonne) oder ein ausgelassenes o nach / (wie fre für jore).
Manchmal wurden auch lat. Abkürzungen an Stelle englischer Wörter ge-
schrieben (wie dns = dominus für dryhten).
Anm. 5. Von den gemeingerm. Runenzeichen wurden einige wegen des ae.
Lautwandels in ihren Namen mit anderem Lautwert verwendet, außerdem
wurden einige neue Zeichen erfunden. Außer in den Inschriften (3. § 3,
Anm. 5) wurden Runenzeichen in Rätseln verwendet, manchmal auch zu
Abkürzungen oder zur Verdeckung eines Namens. In allerlei Handschriften
sind Runenalphabete hineingeschrieben. Noch gegen Ende der ae. Zeit ent-
stand das Runengedicht mit Erklärung der einzelnen Namen in alliterie-
renden Versen. Zu den ae. Runen s. H. Arntz, Handbuch der Runenkunde
(Hallo 1935, 2. Aufl. 1944), S. 145ff., 207 f.; über Aufzeichnung von Runen
in Handschriften ausführlich R. Derolez, Runica Manuscripta, The English
Tradition, Rijksuniversiteit te Gent. Werken uitgegeven door de Faculteit
van de Wijsbegeerte en Letteren, 118e aflevering, Brugge 1954.
Anm. 6. Über die ae. Schrift vgl. W. Keller, Ags. Palaeographie (Palaestra
93), Berlin 1906 und ders., Artikel ‘Ags. Schrift’ bei J. Hoops, Reallexikon
der germ. Altertumskunde, I, S. 98ff.; weiter N. Denholm-Young, Hand-
writing in England and Wales, Cardiff 1954.
§ 5. Da die genauen Lautwerte, die den einzelnen Buchstaben im Alt-
englischen zukamen, oft genug nicht feststellbar sind, wird im folgenden
von den Schreibungen ausgegangen und versucht, diese zu erklären.
LAUTLEHRE
I. Abschnitt
DIE VOKALE
Kapitel I
Allgemeines
§ 6. Zum Ausdruck der ae. Vokallaute dienen die sechs einfachen Zeichen
a, e, i, o, u, y, die Ligatur x und die Gruppen oe, ea (ia), eo, io und ie.
Von diesen bezeichnet oe einen gerundeten ö-Laut, die anderen Diph-
thonge oder Gleitlaute (s. § 34).
Anm. 1. Für x schreiben alte Hss. auch oft getrennt ae oder auch g, doch
sind diese Unterschiede rein graphischer Natur. - ia ist eine seltene und
spätere kent. (sö.) Form für ea, s. § 35, Anm. 2. - ei, ai (xi) kommen in ganz
alten und späten Hss. vor, s. § 126, 2; ei erscheint außerdem noch in Fremd-
wörtern, späte Hss. setzen dafür auch ej(e), wie scejö, Sweben für sceid,
Swein. - oi, ui sind alte, namentlich frühnordh. Schreibungen für spätere oe, y,
s. § 94, Anm. — Ganz selten ist au, das sich in Fremdwörtern wie caul (neben
cawl) Kohl, laurtreow Lorbeerbaum, clauster Kloster findet, weiter in späten
Hss. auch für aw(u) in saul Seele neben sawul, auht, nauht neben und statt
awuht, nawuht, s. § 126, 1. In ganz alten Hss. findet sich auch eu, iu für eo, io,
s. § 38, Anm. 1 und xa, xo für ea, s. § 75, Anm. 1.
Anm. 2. Für Vokale 4~ auslautendes w ist diphthongische Aussprache an-
zunehmen, s. § 126, 1. Alle anderen Vokalgruppen sind also stets zweisilbig,
also in zwei getrennte Vokale aufgelöst, auszusprechen, z. B. aidlian =
ä-ldlian, aurnan = ä-urnan, ayten = ä-ytan, beirnan = be-iman, ^eywed =
^e-ywed, ^eunnan = ^e-unnan usw. Auch oe ist manchmal möglicherweise
zweisilbig, s. § 429, Anm. 4. iu ist, soweit es nicht für den germ. Diphthong
eu steht (§ 78, Anm. 1), = ju, s. § 175, 1.
§ 7. Ihrer Artikulation nach entsprechen a, o, u velaren, x, e, i, oe, y
palatalen Vokalen (s. Sievers, Phonetik6, § 249). Die Gruppen ea, eo, io, ie
beginnen alle mit einem palatalen Laut.
Anm. Von den palatalen Vokalen gehören x — westg. a § 49f., x, e = west-
germ. ä § 62, e = westgerm. e § 54, ferner germ. e § 66, i, i und die Anfangs-
laute von ea, eo, io bereits der ältesten vorhistorischen Schicht des Altengl.
an. Dagegen sind x als i-Umlaut von a § 96, 3, x als i-Umlaut von ä § 97,
e als «-Umlaut von a, o vor Nasalen § 96, 5 und von o § 100, e als i-Umlaut
von ö § 101 sowie oe, öe und ‘festes’ y, y § 102, § 103 erst durch den «-Umlaut
ursprünglich velarer Vokale in einer etwas späteren, wenn auch gleichfalls
vorhistorischen Zeit entstanden. Es empfiehlt sich, diese beiden Gruppen als
Vokale: § 7. Allgemeines. § 8. Quantität
15
primäre und sekundäre Palatalvokale zu unterscheiden, e als »-Umlaut
von a? § 96, 1 bzw. ea § 104, ie, ie (bzw. ‘unfeste’ y, y § 41) als »-Umlaut von
ea, eo (io) § 104, § 107 gehören als Umlaute primärer Palatalvokale zu diesen.
Der Unterschied ist für die Spaltung vorhergehender Gaumenlaute in
palatale und velare (§ 205, § 206) wichtig.
Quantität
§ 8. Die Handschriften bezeichnen die Vokalquantität in der Regel nicht,
doch kommt besonders in älteren Hss. bisweilen Doppelschreibung von
Vokalzeichen (außer y) zur Bezeichnung der Länge von Monophthongen
vor, z. B. aa immer, breer Domstrauch, liim Mörtel, doom Urteil, muus
Maus und besonders oft $ood gut (zur Unterscheidung von jod Gott).
Die Ligatur <e wird nicht verdoppelt (vereinzelt <ee für Gesetz). In
manchen Hss. des 11. Jahrhunderts wird gelegentlich, besonders zur
Unterscheidung von nur durch Vokalquantität verschiedenen Wörtern,
das Kürzezeichen *, das die Form 3 erhält, verwendet, z. B. jod Gott
gegenüber jod gut.
Die in ae. Hss. mehr oder minder häufig verkommenden Akzente hat
man lange als Längezeichen angesehen, doch stößt die Ansetzung
von langen Vokalen auf Grund von ihnen auf allerlei Schwierigkeiten
in der Etymologie und Weiterentwicklung. Sie sind in Wirklichkeit.
Lesezeichen und dienen zur Hervorhebung von Wörtern oder Silben.
Besonders häufig sind sie auf kurzen Wörtern, von denen allerdings viele
lange Vokale haben (z. B. tld Zeit, bec Bücher, lif Leben, aber auch
da?j Tag, wej Weg usw.). Sie stehen daher auch oft auf Vorsilben, die
abgetrennt geschrieben werden (d, üp, ün usw.); manchmal dienen sie
auch zur Hervorhebung des Worttons oder von Satzemphase, oder sollen
nur auf deutlichere Aussprache hinweisen (z. B. in späterer Zeit von
Endungssilben). Auch reine Fehlschreibungen kommen vor (z. B. infolge
Verlesens des Abkürzungsstriches für m § 4, Anm. 2 als Akzent, der dann
bei Auflösung der Abkürzung beibehalten wurde).
Wir verwenden daher in diesem Buche dem jetzt herrschenden Gebrau-
che folgend den waagrechten Strich (-) als Längezeichen für etymologisch
lange Monophthonge und für Diphthonge, die auf gemein-germ. Di-
phthonge, auf lange Monophthonge oder auf Kontraktion zurückgehen.
Anm. 1. Die Klärung über die Bedeutung der Akzente in den Hss. brach-
ten Lorenz Schmitt, Die Akzente in altengl. Hss., Diss. Bonn 1907 (auch
Lautliche Untersuchungen zu der Sprache des L^ceböc, Bonn 1908, S. 29-65
u. 178ff.) und W. Keller, Über die Akzente in den ags. Hss. (Prager deut-
sche Studien, Heft 8, S. 97-120). Die früheren Ansichten (so in § 8 von
Sievers, Ags. Gram.3, 1898) sind demnach nicht mehr haltbar, ebensowenig
16
§ 8-9. Quantität
die Ansetzungen von Längen auf Grund der Akzente (so ebenda § 120-124,
doch s. Vorwort S. IX, und Bülbring, El. B. § 31). Die Auffassung der
Akzente als Längezeichen bezweifelte schon H. Sweet, History of Engi.
Sounds8, S. 381; weiter Vamhagen, Deutsche Lit. Zeitung 1890, S. 466;
Hulme, MLN 9, 22; R. A. Williams, Anglia 25, 511. Luick, Hist. Gram.
§ 54 und Sievers, Beitr. 51 (1927), 255, Fußnote 1, vertreten bereits die
oben vorgetragene Ansicht, doch kam Sievers (Braune-Festschrift ‘Aufsätze
zur Sprach- und Literaturgeschichte’. Dortmund 1920) auf Grund schall-
analytischer Untersuchungen unter Aufrechterhaltung der Ansicht, daß die
Akzente keine Längezeichen sind, zu dem Ergebnis, daß sie im Satzzusam-
menhang auszuzeichnende oder auffällige Hochtöne bezeichnen. Weil lange
Vokale häufig im Tiefton stehen und Abweichungen von diesem Durch-
schnitt den ae. Schreibern besonders wichtig erscheinen, stünden sie beson-
ders oft auf langen hochtonigen Vokalen.
Anm. 2. Die Akzente der Hss. sind von links unten nach rechts oben ge-
zogene Akute, manchmal mit einem kleinen Federstrich nach unten am
oberen rechten Ende. Sie stammen von den Apices, welche die römischen
Grammatiker zur Bezeichnung langer Vokale empfehlen, wenn Zweideutig-
keiten entstehen konnten. Diese hatten sich in Irland erhalten, als sie auf
dem Festlande bereits außer Gebrauch gekommen waren, werden aber schon
in Irland nicht mehr zur Bezeichnung von Längen allein verwendet. Die
häufigen Fehlschreibungen erklären sich z. T. wohl daraus, daß Akzente
nachträglich in die bereits fertigen Hss. eingetragen wurden.
Anm. 3. Über die Kürzezeichen s. Napier, Academy 1889 (No. 909), S. 221
und K. Sisam, Studies in the History of OE. Literature, S. 187.
Anm. 4. Die Verwendung des waagrechten Striches als Längezeichen hat
sich in Darstellungen des Ae. jetzt so ziemlich allgemein durchgesetzt (so auch
von Sievers in den letzten Werken verwendet). Früher verwendete man den
Akut oder auch den Zirkumflex.
Anm. 5. Bei den Buchstabengruppen bezeichnet das Längezeichen nicht die
Länge des ersten Gliedes, über das wir es aus drucktechnischen Gründen
gesetzt haben, sondern es soll andeuten, daß diese Gruppen auf Diphthonge
oder lange Monophthonge zurückgehen, und dient so zu deren Unterschei-
dung von den auf etymologisch kurze Vokale zurückgehenden mit der dem
Ae. eigentümlichen Schreibung von Gleitlauten.
Anm. 6. In historischer Zeit im Ao. eingetretene Dehnungen und Kürzungen
von Vokalen bleiben in diesem Buche für gewöhnlich uribezeichnet. Über
solche vgl. § 136 u. § 137.
§ 9. Für die ursprünglich langen Vokale gewisser Ableitungs- und End-
silben läßt sich Bewahrung der Länge für das Ae. kaum mehr erweisen;
alle Vokale von Ableitungs- und Endsilben haben im allgemeinen bereits
für kurz zu gelten.
Anm. Dies gilt wohl auch für die manchmal als lang angesehenen -e- in der
Ableitungssilbe -ere, wie in böcere, § 248, 1 und das i der schwachen Verba
II. Klasse, wie macian § 411, 1.
Einfache Vokale: § 10-13. a
17
Kapitel II
Übersicht über die altenglischen Vokale
I. Die Vokale der betonten Silben
1. Einfache Vokale
a
§ 10. Das kurze a kommt nur in bestimmten Stellungen vor und zwar:
vor einem a, o, u der Folgesilbe (auch wenn diese wegen späteren Laut-
wandels nicht mehr erhalten sind), z. B. habban haben, crabba Krabbe,
lappa Lappen (neben leeppa}, appla G. PI. zu asppel Apfel, mattuc Hacke,
assa Esel (und darnach auch ässe Eselin), cassuc, hassuc Binse, Riedgras,
PI. da$as zu Tag, atol schrecklich, nacod nackt, PI. fatu, fata, fatum
zu jset Faß, sadol Sattel, staöelian befestigen, nafela (neben nabula Corp.)
Nabel, macedon (neben macodori} machten, ebenso vor dem aus -öj- ent-
standenen -i- der schw. Vb. II. Kl. (§ 411, 1) macian machen, fadian
sich freuen, Öaccian streicheln usw. und bei Ausfall des ursprünglichen
Mittelvokals ^edaf{e)nian geziemen (neben sedafoniari), war(e)nian sich
hüten, ^ad(e)rian sammeln; weiter vor einem w, dem kein i oder j folgt,
z. B. G. D. Sg. clawe zu N. Sg. clea Klaue (§ 128, 1), awel (? äwel, s. § 63,
Anm. 2) Haken, ws. $esawen (? ^esäwen, s. § 391, Anm. 8) gesehen;
mit o wechselnd vor Nasalen, z. B. man mon Mann, nama und noma
Name, sträng stron^ stark (s. § 79) und in einzelnen Mundarten oder
Texten vor rr, r + Kons., II, l + Kons, (gegenüber ea anderer, s. § 84,
Anm. 1 und § 85), z. B. ald alt, warp -w&ri usw.
Anm. 1. Über a statt zu erwartendem ® durch Ausgleich zwischen ver-
schiedenen Flexionsformen s. § 50, Anm. 6.
Anm. 2. Über a statt zu erwartendem o s. § 59, Anm. 1.
§ 11. Das kurze a geht regelmäßig auf ein germ. got. a zurück, s. § 50.
§ 12. Langes ä erscheint gemeinae. entsprechend einem germ. ai,
z. B. hätan heißen, ^äst Geist § 73; außerdem entspricht es lat. a in
einigen Fremdwörtern wie säcerd (lat. sacerdos) Priester, calend (lat.
calendae), mä^ister (lat. magister), vgl. § 73, Anm. 3.
§ 13. Im Westsächs. steht langes ä auch, einem germ. &, got. e, westgerm.
ä entsprechend, vor w, dem kein i, j folgt, und vor r, l, Labial oder
Velar und a, o, u der Folgesilbe, z. B. släpan schlafen, PI. mä^as zu
m&s Verwandter, Prät. PI. lä$on sie lagen, N. A. PL schwach fiekt.
18
§ 13. a. § 14r-17. ®. § 18, § 19. e
s wär an, D. PI. swarum zu swaer schwer; N. A. PI. lala zu tael Verleumdung,
Prät. PL säwon sie sahen; täwian (schw. Verbum II. Kl.) bereiten, vgl.
§ 63.
Anm. Über ä in bläwan, cnäwan, säwan s. § 63, Anm. 2.
SB
§ 14. & ist die dem Ae. eigentümliche Bezeichnung eines zwischen a und
e stehenden Vokals (s. § 4, 4). Kurzes a? steht vor allem in einsilbigen
Wörtern vor oralen Konsonanten außer rr, r 4- Kons., II, l 4- Kons.,
h und w (§ 49): Tag, faet Faß, saßt saß; in mehrsilbigen Wörtern
nur, wenn in der Folgesilbe nicht ursprünglich a, o, u folgte (s. § 50, 3):
aecer Acker (got. akrs), fse^er schön (got. jagrs), G. Sg. da?jes, D. Sg.
zu ctej Tag.
§ 15. Das kurze ae ist Vertreter eines germ. got. a, § 49f.
Anm. Bisweilen steht ae für zu erwartendes e, s. § 55, Anm.
§ 16. Langes äe ist der entsprechende lange Vokal oder bezeichnet
einen offenen e-Laut.
§ 17. Das äe hat verschiedenen Ursprung. Gemeinae. ist es i-Umlaut zu
ae. ä = germ. ai, wie läeran lehren (got. laisjari) zu ae. lär Lehre; stäenen
steinern zu ae. stän Stein, § 97. Im Westsächs. entspricht es außerdem
1. germ. äe, got. e, westgcrm. ä, wie in dxd Tat (alts. ddd, ahd. tat), räed
Rat, mäel Mahl, (got. megs) Verwandter, oder 2. lat. ä wie in sträet
Straße § 62; oder spätws. 3. kurzem ae 4- 5 wie in $&d,e für säende sagte
u. ä. § 214, 3.
e
§ 18. Kurzes e ist einer der häufigsten Vokale des Ae. Inwieweit dem
verschiedenen Ursprung auch noch verschiedene Aussprachen (geschlos-
senere und offenere) entsprachen, läßt sich nicht ermessen. Die Weiter-
entwicklung (Dehnung zu geschlossenem e vor gewissen Kons.-Gruppen
§ 137) läßt zumindest für die Fälle § 19, 1 und 2 eine geschlossene
Aussprache annehmen.
§ 19. Das kurze e ist entweder
1. altes e, d. h. es entspricht einem germ. ahd. alts. e, got. i, wie in
stdan stehlen (ahd. alts. stelan, got. stilan) § 54, oder es ist
2. Umlaut-e und zwar entweder a) i-Umlaut von a, genauer von ae,
§ 19-21. e. § 22. i
19
wie in settan setzen (got. satjan), § 96, 1 oder b) »-Umlaut des a, o vor
Nasalen, wie in cennan kennen (got. kannjan), § 96, 5, oder c) »-Umlaut
von o (entrundet aus urspr. oe) wie in exen PI. zu oxa Ochse, § 100.
3. Kent und merc. (Vesp. Ps.) für ee (germ. a) der anderen Mundarten.
Anm. 1. Für Umlaut-e nach 2, b) steht in den ältesten Texten a?, ebenso
später in gewissen mundartlich gefärbten Texten, s. § 96, 5 nebst Anm. 8.
Anm. 2. Über se für zu erwartendes e in manchen Texten, s. § 55, Anm.
Anm. 3. Zur Bezeichnung des alten e verwenden wir, wo nötig, im Anschluß
an die von J. Grimm eingeführte Bezeichnung desselben im Deutschen, das
Zeichen e, während wir das Umlaut-e unbezeichnet lassen, doch soll dies
bloß ein etymologisches Hilfsmittel sein.
§ 20. Altes e fehlt nach § 45, § 81 vor m und Nasalverbindungen; weiter
wird sein Vorkommen eingeschränkt vor und nach w, § 88, § 113, § 115,
nach Palatalen, § 91, c, durch die Brechungen, § 83 ff. und den Velarum-
laut, § 110.
§ 21. Langes e ist ziemlich häufig und mehrfachen Ursprungs. 1. ent-
spricht es nämlich seltenem germ. got. e (e2), ahd. ea, ia, wie in her
hier § 66; 2. ist es unbekannten Ursprungs im Prät. gewisser ursprüng-
lich reduplizierender Verba, § 395. Weiter ist es 3. in den angl. und
kent. Mundarten Vertreter von germ. x, westgerm. ahd. as. ä (got. £*)
und steht gelegentlich 4. als »-Umlaut von ea, § 104; 5. für ea nach
Palatalen im späteren Ws. § 123; 6. für ea wegen ‘Ebnung’, § 119,
§ 121; 7. für älteres öe als »-Umlaut von ö, § 101.
§ 22. Man muß im Ae. zweierlei »-Laute unterscheiden. Der eine ist
gemeinae., hatte offenbar einen reinen (geschlossenen) Klang und wird
bis in die späte Zeit stets und in allen Mundarten mit i bezeichnet, nur
in manchen Stellungen und in einigen sehr späten Texten auch mit y
(s. Anm. 2). Wir wollen diesen Laut als ‘festes’ i bezeichnen. Das
Westsächsische hat daneben eine zweite Gruppe von i, die neben
ie steht und oftmals und schon früh auch mit y bezeichnet wird (vgl.
§ 41). Diese i wollen wir als ‘unfeste’ i von den anderen unterscheiden.
Diese Bestimmungen gelten gleichmäßig für die Kürze wie für die
Länge.
Anm. 1. Die geschlossene Qualität auch der kurzen ae. i geht aus der
Weiterentwicklung hervor (Dehnung zu i vor gewissen Konsonantenverbin-
dungen, § 137).
20
§ 22-24. i
Anm. 2. y für ‘festes’ i erscheint schon altws. manchmal in mycel groß
(vielleicht in Analogie zu. dem Bedeutungsgegensatz lytel), nach w (s. § 116),
nach und vor r wie äbrycö (expugnat, Cura past. Hs. C), sprycö (loquitur,
dsgl.), drync (für drinc Imp. trinke, Orosius), cyrice Kirche, jyrst Frist (dsgl.),
wohl auch byrnan brennen (Orosius, vgl. § 84, Anm. 3), nach l in clypian
(Cura past. Hss. C und H), endlich im Fron, dem öysses, Öys(a)um, öyane
(§ 338). In den späteren Texten sind solche y häufiger, so lybban leben
neben libban, hylpd er hilft, fyndan für findan finden, nyöer nieder und Ab-
leitungen; weiter besonders in satznebentonigen Wörtern wie hya, hyne,
hyre, hyra (Fron. pers. § 334), byst, byd bist, ist, ya ist u. ä. Außerdem steht
schon altws. y für i nach § 122 in ryht recht, spätws. oft in cnyht Knecht.
Nach Ausweis des Me. ist neben Labialen tatsächlich mit der Entstehung
eines gerundeten w-Lautes zu rechnen; in den Stellungen neben r und viel-
leicht in satznebentonigen Wörtern könnte eine Verschiebung der «-Artikula-
tion zur palato-velaren (vgl. Jespersen, Lehrbuch der Phonetik 9, 51) vor-
liegen, durch welche das i einen «-ähnlichen Klang erhält, da eine Rundung
vor r oder im Satznebenton doch sehr unwahrscheinlich ist. Manchen Schrei-
bungen mag auch Verwechslung wegen y neben i zur Bezeichnung des
‘unfesten’ i zugrunde liegen. In späten Hss. kann y für i umgekehrte Schrei-
bung wegen der gelegentlichen Entrundung des ‘festen’ y zu i sein, s. § 31,
Anm. 2. In solchen Hss. erscheint auch y für langes i, wie ysem eisern,
ydel eitel, lyfea, lyfe G. D. Sg. zu lif Leben.
Anm. 3. Altws., besonders in Hs. H der Cura past., steht öfters ie für
‘festes’ i. Dies könnten Verwechslungen in der Bezeichnung sein, weil oft
‘unfestes’ i für ie eintritt, könnten aber neben r, w und in satznebentonigen
Wörtern eine ‘getrübte’ (palato-gutturale) Aussprache des i darstellen, wie
die späteren Schreibungen mit y (s. oben Anm. 2 und S.T.R.O. d’Ardenne,
Engi. Studies 21, 150).
Anm. 4. i für ‘festes’ y (§ 31) in bestimmten Stellungen ist von obigem ‘un-
festem’ i zu unterscheiden, s. § 31, Anm. 2.
§ 23. Festes kurzes i entspricht: 1. gewöhnlich einem germ. i, gleich-
viel ob dieses auf indogerm. i oder auf germ. Entwicklung in bestimmten
Stellungen auf idg. e zurückgeht (§ 45, 1. 2); 2. ist es eine ae. (wie alt-
fries. und alts.) Sonderentwicklung eines germ. e vor wi, wie in niman
§81.
Unfestes kurzes i steht ws. neben ie, y (io, e in anderen Mundarten),
s. § 41, § 104, § 107.
§ 24. Festes langes i ist entweder 1. Vertreter eines germ. i, § 67,
oder 2. aus germ. i durch Konsonantenausfall, durch Kontraktion usw.
entstanden, s. § 46, § 67, § 130, Anm. 4.
Unfestes langes i steht ws. neben ie, y (io, e anderer Mundarten), s.
§ 41, § 104, § 107, § 130, 3.
Anm. Für wort- oder silbenauslautendes i setzen manche Hss. (doch kaum
die ältesten) öfter «j: &«j bei (auch in Kompositis wie bi^spel Beispiel,
§ 24. i. § 25-26. o. § 27. oe
21
dijjenja cultor), Ziij für hi sie, si^ für ai sei; ijje für ije fl. Kasus zu i(e)j
Insel, wijjend für wißend Kämpfer, Zijje für li^e D. Sg. Feuer, seltener vor
anderen Vokalen als e wie ijjud, ijjod Insel.
o
§ 25. Kurzes o ist in Stammsilben folgenden Ursprungs:
1. festes (geschlossenes) o entspricht germ. o (aus germ. u), got. u,
wie jod Gott, boda Bote usw., s. § 58. Dieses o fehlt nach § 82 vor Nasalen.
2. germ. e nach w vor einem u in der Folgesilbe streng ws. und
nordh., im Nordh. auch vor r + Kons., s. § 113.
3. mit a wechselndes o, entsprechend einem germ. got. a vor Nasalen,
wie in monn mann Mann, hona hana Hahn usw., s. § 79.
Anm. Die Hss. unterscheiden die nach 1. und 2. entstandenen o von den
nach 3. entstandenen nicht; es ist aber wohl anzunehmen, daß ein phoneti-
scher Unterschied da und dort bestand; später ist es aber zumindest in
einigen Mundarten mit dem anderen o zusammengefallen. Allgemein ein-
getreten ist dies in einigen satznebentonigen Wörtern, wie on an, from
von. — Die Bezeichnung des o nach 3. durch g, also mpnn, hgna gegen jod,
boda usw., geschieht da und dort aus etymologischen Gründen.
§ 26. Auch das lange ö ist mehrfachen Ursprungs, doch sind keine
Anzeichen dafür vorhanden, daß diese ursprünglich verschiedenen Laute
im Ae. nicht in einem (geschlossenen) Laut zusammengefallen wären.
Das lange ö ist: 1. gleich germ. got. o, wie in jöd gut, § 69; 2. gleich
germ. S (got. &, westgerm. ahd. a) vor Nasalen, wie in spön Spahn,
§ 80; oder 3. germ. (ursprünglich) nasaliertes ä vor h, wie bröhte brachte
(got. ahd. brdhta), § 45, 7 und germ. got. an vor Spiranten, wie jö<$
Gans, § 46.
Anm. Langes ö erscheint in Lehnwörtern aus dem Altnord, als Vertreter
von altnord. au (ou): PL öran Öre, landcöp Landkauf, lahcöp Rechtskauf,
brydlöp Hochzeit, röda der Rote, zu altnord. aurar, -kaup, -hlaup, raube;
doch finden sich auf Münzen auch Schreibungen wie Oubjrim, Aa^out, Ouat-
man wie in der älteren westnord. Orthographie.
oe
§ 27. oe und öe erscheinen regelmäßig nur in anglischen Texten, öe auch
noch vereinzelt in kent. Urkunden des 9. Jahrhunderts und älteren
westsächsischen Texten. Sie sind vor allem durch i-Umlaut aus o, ö ent-
standen, s. § 100, § 101 und später im Süden zu e, e entrundet. Im Nordh.
steht ö? außerdem noch für e, e nach w, s. § 115.
Anm. Selten wird für oe auch eo geschrieben, wohl aus Versehen; so beöc,
22
§ 27. oe. § 28-30. u. § 31. y
für böec, -meödren- Gen. Sg. für möedren zu mödor Mutter und auch feo für
zweisilbiges föe Opt. Praes. § 374. - Entrundung von kurzem oe zu e kommt
auch angl. vor (so Komp. seUa, sellra L, s. § 312, Anm. 1).
u
§ 28. Eine verschiedene Aussprache der u (offen und geschlossen) läßt
sich für das Ae. nicht erweisen. Die Weiterentwicklung (Dehnung der
kurzen u zu ü vor gewissen Konsonantenverbindungen, § 137, 3) läßt
eine geschlossene Aussprache auch der kurzen u als wahrscheinlich er-
scheinen.
§ 29. Kurzes u entspricht: 1. westgerm. u, § 60; 2. wie altfries. und
alts. einem germ. u auch vor einfachem Nasal (ahd. o), z. B. juma
(ahd. gomo) Mann, Öunor (ahd. donar) Donner, § 82; 3. nach w einem
germ. i vor r + Kons, oder Velarvokal der Folgesilbe, germ. e vor r -j-
Kons., jedoch nicht gemeinae., s. § 113, a; § 114.
§ 30. Langes u ist 1. gleich germ. ü, wie in hüs Haus, § 71; 2. entsteht
es durch Ausfall eines Nasals aus un (wohl über nasaliertes ü) vor
Spiranten, wie in müd Mund, § 46.
y
§ 31. Das Zeichen y drückt im Ae. einen gerundeten Vokal mit hoher
Zungenlage aus, also einen dem deutschen ü entsprechenden Laut,
konnte aber auch manchmal den klangähnlichen palato-velaren unge-
rundeten Vokal bedeuten (s. § 22, Anm. 2 und § 41).
Dieser ist: 1. durch ?’-Umlaut aus u, ü entstanden. Diesen in allen
Mundarten bis auf Sonderfälle (s. Anm. 1 u. 2) mit großer Regelmäßigkeit
mit y bezeichneten Laut wollen wir ‘festes’ y nennen. 2. Im späteren
Westsächsischen tritt er für älteres ie, wechselnd mit f als ‘unfestes’
y ein, worüber § 41 zu vergleichen ist.
Anm. 1. Im Kentischen wird von etwa 900 an ‘festes’ y zu S. Nach Ausweis
des Mittelenglischen (besonders der Ortsnamen) umfaßte das e-Gebiet außer
Kent auch andere Teile des Südostens, so Teile der Grafschaft Sussex, Middle-
sex, Essex und Suffolk und reichte vielleicht auch nach Cambridgeshire.
Al» ‘umgekehrte’ Schreibung erklären sich gelegentliche y für S (besonders
für e) in Hss. aus diesen Gegenden.
Anm. 2. i für ‘festes’ y findet sich vereinzelt bereits in den frühesten Texten
wie cisti^an munificare Ep. (aber cysti^an Cp. und uncystis Adj. fragens
Ep. Cp.), smijilas PI. cuniculas Ep. (aber smy^las Cp.), risel Cp. arvina
(aber ryeil axungia Ep., jedoch risil Erf.), wo Unsicherheit der Schreibung
vorliegen könnte; weiter nach Palatalen frühws. stets im Komp, jmjra,
§ 31-33. y
23
Sup. jinjes» zu jeonj jung (§ 92, 1 a) mit »-Umlaut (s. § 307) und so auch
im späteren Xordh., wo allerdings der Positiv jinj lautet (s. § 92), weiter
gelegentlich in scildi^ schuldig (Cura past.), im Opt. Präs, seile neben scyle
(s. § 423, 8); vor ht, wo h wohl wegen des t palatal gesprochen wurde, in
drillten Herr (so regelmäßig auch nordh. L, Rit., Ra, merc. in Royal Gl.
und neben dryhten in R1), 3enihtsu1nr.es Überfluß (Cura past., Orosius; Vb.
senihtsumnian zweimal auch R1); endlich vor dem wohl palatal gesproche-
nen n in cinins König (Orosius, kinin^ auch in R1) neben gewöhnlichem
cynin^. Spätws. ist dies häufiger, so vor Palatalen in hi^e Gemüt, bic3(e)an
kaufen, öinc(e)an dünken, fili3(e)an folgen, spinale Schwamm, Zwcj(e)an
denken, vor n in cinn Geschlecht (ne. kin), cinin^, hinjrian hungern, vor
ht in dem häufigen drihten und auch für y in dri^e trocken und wlscan für
wyscan wünschen. Hier muß man wohl an Entrundung denken.
Anm. 3. Auch ‘unfestes’ y erscheint selten vor Palatalen; man findet ws.
fast nur ci3(e)an rufen, Äij Heu, U3 Flamme, ä/?lj(e)an vertreiben, &»j(e)an
beugen, ic(e)an vermehren, smic Rauch, £»j(e)an binden und nur seltener
cyj(e)an, smyc, yc($)an, by$(e)an; altws. manchmal ie wie ciej(ß)an, iec(e)an. —
Ebenso ist y selten für altws. ie vor ht'. niht (§ 105, Anm. 1). - Nicht hier-
her gehören ryht und spätws. cnyht, s. § 22, Anm. 2.
Anm. 4. Manchmal steht als ungenaue Schreibung ie für ‘festes’ y (wegen
ie neben ‘unfestem’ y), z. B. Opt. stiele soll (Cura past., s. § 423, 8).
Anm. 5. Über die alte Schreibung ui für y s. § 94, Anm. - Vereinzelt scheint
auch iu für y zu stehen, doch sind die Falle nicht sicher, s. § 92, 2, a, § 114,
Anm. 1.
Anm. 6. Über y für ‘festes’ i s. § 22, Anm. 2.
Anm. 7. Altnord, ey entspricht ae. y in dem Lehnwort yre Sg. Öre (auch
ere nach Anm. 1 in einem Denkmal aus St. Edmundsbury; PI. öran nach
altnord. aurar, s. § 26, Anm.), s. M. Förster, Archiv 132, 397-399 und Der
Vercelli Codex (Stud. zur engl. Phil. 50), S. 153.
§32. Die etymologischen Entsprechungen des kurzen y sind: 1. Festes
y ist »-Umlaut von u, § 102; 2. unfestes y steht im späteren West-
sächsischen für (in älteren Texten belegtes oder vorauszusetzendes) ie,
§ 104 ff.
§ 33. Langes y erscheint 1. als festes y~, a) als »-Umlaut von ü, § 103;
b) durch Dehnung von y nach Ausfall von Konsonanten, wie in -hydi^
(für -hysdis) gesinnt, § 214, 3. — 2. als unfeiStes y im späteren West-
sächsischen neben i für altws. (belegtes oder vorauszusetzendes) ie, dem
ws. i-Umlaut von ea oder eo, § 104ff.
Anm. Zum unfesten y gehören auch die spätws. y für altws. ie durch Kon-
traktion (§ 130, 3 wie sy sei, hy sie, Öry drei für älteres sie, hie, örie).
24
§ 34. ea, eo, io, ie
2. Die Gruppen ea, eo, io, ie
§ 34. Bei den Gruppen ea, eo, io, ie muß man je nach dem etymolo-
gischen Ursprung unterscheiden:
1. Fälle, in denen sie gemeingerm. Diphthongen entsprechen. In
diesen bedeuten sie Diphthonge, deren Bezeichnung der besonderen
ae. Lautentwicklung entspricht und die bei späterer Monophthongie-
rung zu langen einfachen Vokalen werden.
2. Fälle, in denen sie auf ae. Kontraktion nach Ausfall eines zwischen-
vokalischen h zurückgehen (s. § 128-130). In diesen fallen sie in der
Weiterentwicklung mit den aus germ. Diphthongen entstandenen zu-
sammen.
3. Fälle, in denen sie für etymologische Monophthonge vor r, l, Ä
(sog. ae. ‘Brechung’, s. § 83-86), vor w (§ 87), oder vor einem velaren
Vokal in der Folgesilbe (sog. ‘Velarumlaut’, s. § 108-111) eintreten.
Hier handelt es sich um etymologisch kurze Monophthonge, nur vor h
manchmal um lange (s. § 86, 4, 5). Soweit nicht spätere Dehnung vor
bestimmten Konsonantenverbindungen eingetreten ist (s. § 137), hat
sich die Quantität der ursprünglichen Vokale nicht geändert, die Be-
zeichnungen stehen daher für kurze Laute. Die Schreibung muß somit
bloß einen Gleitelaut bezeichnen, der so deutlich hörbar war, daß man
es für richtig fand, ihn in der Schrift zum Ausdruck zu bringen.
4. Stellung nach palatalen Konsonanten (§ 90-92). Hier wird es
sich in den meisten Fällen auch um die Bezeichnung von Gleitelauten
handeln, die man auszudrücken für richtig fand. Der Ton lag aber
nicht auf diesen, sondern zumindest anfangs auf dem ursprünglichen
Monophthong. Manche Anzeichen sprechen dafür, daß später gelegent-
lich Umlegung der Akzentlage vorkam, also Verschiebung auf den
ursprünglichen Gleitelaut. In einigen Fällen, so vor ursprünglich velaren
und unbetonten Vokalen, können aber diese Schreibungen bloß dazu
gedient haben, die palatale Aussprache des vorhergehenden Konsonanten
anzudeuten, die in der ae. Schrift sonst nicht zum Ausdruck kam. In
diesen Fällen zeigt die Weiterentwicklung, daß die ursprünglichen
Monophthonge keinerlei Veränderung mitmachten. Diese Schreibungen
kommen sowohl bei ursprünglich kurzen wie langen Monophthongen vor.
Anm. 1. Zu dem diesen Gruppen zukommenden Lautwert vgl. § 35-42.
Die Ansicht von M. Daunt, Transactions Phil. Soc. London 1939, 108-137,
daß es sich in den Fällen unter 3 um Bezeichnung des velaren Charakters
der Folgekonsonanten handele, wie im Irischen, ist trotz der vorsichtigen
Übernahme durch Mosse, Manuel S. 31, nicht haltbar, zumal die altirischen
Schreibungen, die für das Ae. maßgebend wären, anders sind, s. Thumeysen,
§ 35. ea und eo
25
Handb. d. Altirischen, § 82-84. Vgl. dazu C. L. Wrenn, Transactions Phil.
Soc. London 1943, 31f. und M. L. Samuels, ebenda 1952, 15-47 (Entgeg-
nung von M. Daunt, ebenda, 48-54). Übersicht über die verschiedenen An-
sichten: Sherman M. Kuhn, Language 37, 522-538.
Anm. 2. Wo e oder i deutlich nur eine graphische Andeutung der palatalen
Aussprache der vorhergehenden Konsonanten ist, wird dies hier durch e
oder j kenntlich gemacht.
Anm. 3. Über die Fälle unter 4 vgl. Luick, Hist. Gram. § 177 und Sievers,
Metrische Studien IV, S. 102f. (§ 102). - Über Schreibungen, die deutlich
auf Akzentumsprung weisen, vgl. § 125.
ea und eo
§ 35. Der Unterschied zwischen ea und eo (außer in den Stellungen
nach Palatalen, s. § 34,4) liegt im Anfangslaut. Bei ea entsprach dieser
dem mit & bezeichneten Monophthong (s. § 14 und § 16), worauf die in
sehr alten Handschriften vorkommenden Schreibungen aeo und aea und
die Weiterentwicklung weisen. Die sehr umständlichen Schreibungen aeo
und aea hat man anscheinend aufgegeben und durch ea ersetzt, wie
denn dieses auch nach Palatalen geschrieben wird, obwohl hier der
ursprünglich betonte zweite Bestandteil oft einem & entsprach. Hin-
gegen ist für eo (außer nach Palatalen, wenn es für ehemaliges o oder u
steht, s. § 92) ein geschlossenerer e-Laut als Anfangslaut anzunehmen.
Dies ergibt sich aus dem späteren teilweisen Zusammenfall mit io (s. § 38)
und der me. Weiterentwicklung zu einem e-oder Ö-Laub.
Anm. 1. ea und eo, ea und eo sind nicht in allen Texten streng geschieden.
Dies mag damit Zusammenhängen, daß man eine bemerkbare Rundung
oder Entrundung des zweiten Bestandteils statt des Unterschiedes des ersten
Bestandteils zum Ausdruck bringen wollte. So steht oft eo statt ea (für
germ. au) im Cp. Gl. (reod rot, öreot Schar, ^ejreos fror neben read, öreot,
^efreas, der gew. ae. Schreibung). Weitgehend vermengt sind aber ea und eo
im späteren Nordh. und auch in den anderen angl. Denkmälern (Vesp. Ps.,
R1, vereinzelte Fälle finden sich auch in den poet. Texten). So steht in R2
für ea sehr häufig eo (beinahe in drei Vierteln der Belege); in L und Rit.
hingegen ist dies selten, ebenso im Vesp. Ps. (deode, heofud), in R1 kommt eo
für ea überhaupt nicht vor. In gleicher Weise ist bei Brechung (§ 83) zu
erwartendes ea in R2 normalerweise durch eo vertreten (eorm Arm, hweorf
warf), in L und Rit. aber bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht; im Vesp.
Ps. ist eo für Brechungs- und w-Umlaut-ea auf einige wenige Fälle beschränkt
(so PI. deorfan einmal neben häufigem öearfa, -an Armer, beom Kind zwei-
mal neben häufigem bearn, feodrutn D. PL, ^edeofeniad); manchmal steht eo
auch in alten Glossen, im Liber Vitae, in frühkent. Urk. und in poet. Texten
(so beom brannte Beow. 1880). Umgekehrt steht nordh. in L und Rit. ea
für eo aus germ. eu, wie dear teuer, leaf lieb, beada bieten, öeaf Dieb, lea Löwe,
öea Diener (aber stets treo Baum, s. § 77, Anm. 1), aber eo vor einem u (o)
in der Folgesilbe, z. B. leojust, leojost Sup. zu leaf lieb, 1. Sg. Präs. Ind.
bebeodu zu Inf. bebeada gebieten. Im südl. Nordh. (B2), im Vesp. Ps. ist dies
26
§ 35. ea und eo. § 36-37. ea
aber selten (in R2 stehen sechsmal soviel eo als ea, im Vesp. Ps. G. PI. deada,
neben öiada zu öeod, öiod Volk, fl. Part, praet. ästeapte orphani zu ws. ästiepan
berauben); in R1 fehlt es ganz. Ebenso ist eo durch Brechung (§ 83) in L
und Rit. oft ea (stearra Stern, fearra von fern, hearte Herz), selten in R2,
vereinzelt im Vesp. Ps. (earde, äfearra, müdheartnisse u. a.) und in R1 (Opt.
äwearpa, Imp. wearp, Opt. wearpe neben häufigen eo-Formen). Bei eo wegen
Velarumlaut (§ 110) steht in L ea nur bei a/o-Umlaut, nicht bei u-Umlaut
(daher eata essen, steala stehlen, aber seojo sieben, heofon Himmel), im Rit.
ist ea in allen Fällen ziemlich häufig, in Ra ist das Verhältnis ungefähr gleich
wie bei Brechungs-eo. Bei den Fällen mit Velarumlaut könnte man an eine
stärkere Rundung des Gleitelautes als Erklärung für die Schreibung mit eo
denken. In ihren späteren Entsprechungen sind aber ea und eo auch in die-
sen Mundartgebieten verschieden, so daß den ae. Schreibungen kein phone-
mischer Zusammenfall zugrunde liegen kann, ea und eo sind allerdings so
wie in der ne. Gemeinsprache zusammengefallen, doch wird dies wie in
letzterer auf späteren Erscheinungen beruhen. Die Ansicht von John W.
Watson Jr., Language 22, 19-25, dieser Zusammenfall sei wegen der Un-
regelmäßigkeiten der Wiedergabe bereits ae. gewesen, ist daher kaum halt-
bar.
Anm. 2. Kentisch findet sich schon früh (in Urkunden) io, auch ia und ea
für eo (z. B. hiofen, hiaben, heafen für heojon, wiarald für weorold, riahte für
reohte), ia und ea für io (z. B. wiada, weada für wiodu Holz), später sowohl
kentisch wie in Hss. mit sö. Einschlag aus dem 11. und 12. Jahrh. (Evang.
Übers., Eadwine Psalter) ia, ie, ye für ea (z. B. ciestyr für ceaster, bierme für
bearme, iert für eart, sielm für sealm; died für dead, iec für eac, jecies für
jeceaa, lies für leas, yem für eam u. a.).
ea
§ 36. Kurzes ea hat verschiedenen Ursprung. Es entsteht 1. durch
sog. Brechung aus germ. a (ae. &) vor gewissen Konsonanten und Kon-
sonantengruppen, wie earm arm, eall all, eahta acht, s. § 83ff.; 2. durch
sog. Velarumlaut aus germ. a (ae. &), z. B. ealu Bier, § 108ff.; oder
3. aus a (ae) nach Palatalen, wie jea/ gab, ceaf Spreu, sceal soll, § 91, a.
Anm. 1. $a aus velarem a nach j und sc ist von diesem ea zu scheiden,
s. § 92, c, d.
Anm. 2. se für ea nach Palatalen § 91, a, bei der Vorbedingung des Velar-
umlauts vor c und 3, § 109, Anm. 2 und 5, ist in früheren Hss. mundart-
lich, erst in spätws. Hss. des 11. Jahrhunderts als Zeichen der beginnenden
Monophthongierung anzusehen.
§ 37. Langes ea ist 1. Vertreter eines germ. au, wie beam Balken, eac
auch § 75; 2. entstanden durch Kontraktion von a (ea) mit anderen
Vokalen, wie in slean schlagen, ea Fluß § 128; oder 3. aus ie nach
Palatal entwickelt, wie in ^eafon gaben, jear Jahr § 91, b.
Anm. 1. eä für ä nach j und sc ist hiervon streng zu scheiden, s. § 92, 1, c
und 2, d.
§ 37. ea. § 38. eo, io
27
Anm. 2. S (ex) für ea und umgekehrte Schreibungen ea für x finden sich
zuerst in Hss. des 11. Jahrhunderts, s. Luick, Hist. Gram. § 356, Anm. 1.
eo, io
§ 38. Die beiden Diphthonge sind nicht in allen Mundarten und allen
Texten voneinander streng geschieden. Langes eo ist zunächst die Ent-
sprechung eines älteren eu, langes io die eines älteren iw, in gleicher
Weise geht kurzes eo auf älteres e, kurzes io hingegen auf älteres i zurück.
Die langen eo und io bleiben aber bloß im Nordh. bis ans Ende der ae.
Zeit im allgemeinen getrennt; im Mercischen tritt für io um etwa 800,
im Westsächs. etwas später in immer größerem Umfang eo ein, spätws.
sind keine io mehr erhalten. Im Kentischen hingegen erscheint io immer
mehr für eo; dieses ist im 10. Jahrhundert beinahe völlig durchgedrungen.
In anderen Mundarten ist io für eo selten. Ähnlich bleiben auch kurze
io und eo nur nordh. bis ans Ende der ae. Zeit getrennt (doch war hier
eo vielfach durch ea ersetzt worden, s. § 35, Anm. 1), im Merc. und Ws.
tritt für io etwa nach 800 eo ein, im Kentischen für eo weitgehend io
(auch ia) bereits vom Ende des 7. Jahrhunderts an. Im folgenden sollen
aus praktischen Gründen to und fo, soweit tunlich, nach ihrem etymolo-
gischen Werte unterschieden werden.
Anm. 1. Die ältesten Texte schreiben auch eu, iu, s. § 77, Anm. 4, § 78,
Anm. 1.
Anm. 2. Die etymologische Trennung von io und eo ist am reinsten be-
wahrt in Ra und in L. Ausnahmen sind häufiges freond Freund (aber stets
llond Feind), andere sind scheinbar, wie riordade redete R2 wegen ^iriorde
Rede, siofu Ra sieben neben seo/o(n) L wegen *8ibuni neben *seBwn (§ 45,
Anm. 1), liomia(n) lehren (und Formen) neben leomia(n) (und Formen) L
als alter e-Stamm (§ 417, Anm. 10), ebenso Hora und leora gehen L und viel-
leicht auch setreweö, -ad, jetreoudon, setreudon neben Imp. Sg. jetriu,
jetriuwe L. io für zu erwartendes eo steht ferner in ^iorne und ic bebiodo L.
Auch altws. ist die Trennung noch gut bewahrt, bis auf einige Fälle in Cura
past. mit io für eo, so ^ehioldon, G. PI. öioda und die § 84, Anm. 5, § 86,
Anm. 3 erwähnten. R1 und Vesp. Ps. haben nur wenige alte io oder io durch
Brechung erhalten, Vesp. Ps. auch nur wenige io durch Velarumlaut, wäh-
rend diese in R1 bewahrt sind; io ist sonst fast überall für to eingetreten.
S. Sievers, Zum ags. Vokalismus, S. 26ff. Zum Übergang von to zu io im
Merc. vgl. Flasdieck, Angl. Beibl. 41, 37ff. - Der Ersatz von io durch eo
und umgekehrt beruht gewiß auf lautlichem Zusammenfall und kann mit
Intonation Zusammenhängen, s. Sievers, Luick-Festschrift S. 72, § 29; För-
ster-Festschrift S. 66, § 27; Zur engl. Lautgeschichte S. 14, § 11. Genaue
Übersicht der Aufteilung bei Campbell, OE. Gram., § 293-97.
Anm. 3. Über ea, a für eo, io in mindertonigen Silben s. § 43, 2, a.
Anm. 4. In Hss. der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts findet sich auch yo
für eo, io, z. B. cnyowu Gl., nyoöewearde Hari. 585 (Läcnunja) u. a., wohl
als Besonderheit kent. Schreiber.
28
§ 39-40. eo, io. § 41-42. ie
§ 39. Dem Ursprünge nach sind kurze eo, io 1. Brechungen eines alten
e, i vor gewissen Konsonanten, wie in eorde, liomian (leomian), s. § 83ff.;
2. Velarumlaute derselben e bzw. i, wie in eofor, frioöu (freodu), § 108ff.
Anm. eo für o, u nach germ. j oder sc ist von den übrigen eo zu scheiden,
s. § 92.
§ 40. Langes eo, io entspricht 1. gewöhnlich germ. eu (iu) got. iu,
wie in beodan bieten § 77, stioran steuern § 78; oder es entsteht 2. durch
Kontraktion von e, i mit anderen Vokalen, wie in seon sehen, Öwn (öeon)
gedeihen, aus *sehan, *ßihan, vgl. § 129, § 130.
Anm. eö für ö nach germ. j oder (selten) sc ist von den übrigen eo zu schei-
den, s. § 92.
ie
§ 41. Die Gruppen ie und ie gehören zu den besonderen Eigentümlich-
keiten des älteren Westsächsischen; neben sie und an ihre Stelle treten
frühzeitig ‘unfeste’ i, i und später ?/, y, welche letztere für das spätere
Westsächsisch bezeichnend sind (vgl. § 22, § 31 und § 91, c, d, § 104,
§ 107).
§ 42. Kurzes ie ist 1. i-Umlaut von ea und eo (io), wie in eald alt - ieldu
Alter, weorpan werfen - 3. Sg. Präs. Ind. wierpö, § 104, § 107; oder
2. entstanden aus Palatal + e wie in ^iefan geben, ^ielpan prahlen § 91, c.
In anderen Mundarten entspricht im Falle 2. e, im Falle 1. dem i-Um-
laut von ea ein e (bzw. ae), § 104, während io (eo) unverändert bleibt,
§ 107.
Langes ie ist i-Umlaut 1. des ea, wie in heah - Sup. hiehsta § 106,
oder 2. des io (eo), wie in ceosan - 3. Pers. Sg. Präs. Ind. ciesd, § 107.
In den anderen Mundarten steht für ws. ie nach Punkt 1. e, nach Punkt
2. io (eo), s. § 104, § 107. Außerdem erscheint ws. ie als Ergebnis der
Kontraktion von i, i und e, ae, s. § 130, 3.
Anm. 1. Über jte, sien(a), 3tet(a) s. § 91, d.
Anm. 2. Über gelegentliches ws. io (eo) neben oder statt ie unter den Vor-
aussetzungen des i-Umlauts s. § 107.
Anm. 3. In der Hs. B des Boethius (12. Jahrhundert) wird So auch für
altws. fe als i-Umlaut von ea, ea geschrieben, so eormöa, eoldran, heoran,
neoten für altws. iermdu, ieldran, hieran, nieten; ebenso 380t für altws. jfet
Dies sind wohl Fehlschreibungen für das in diesen Fällen außerws. stehende
e, die sich durch die damals bereits einsetzende Monophthongierung der $0
zu ö, I erklären dürften.
Anm. 4. Altws. ie in siendun sind (Cura past. H, einmal auch C) ist wohl
nach § 22, Anm. 3 zu erklären; spätws. syndon, öyssum für sindon, Öissum
nach § 22, Anm. 2.
§ 43. Die Vokale der minderbetonten Silben
29
II.Die Vokale der minderbetonten
und unbetonten Silben
1. Die Vokale der Stammsilben minderbetonter Wörter
43. Hierher fallen insbesondere die Stammsilben der zweiten Glieder
von Kompositis, die beim Antreten von Endungen oder in dreigliedrigen
Bildungen in ihrem Nebenton stark geschwächt werden; weiter in
Kompositis, die nicht mehr deutlich als zusammengesetzt empfunden
werden; ferner gewisse pro- oder enklitische Wörtchen, die im Zusam-
menhang der Rede eines stärkeren Tones entbehren.
Dieser Mangel an stärkerem Akzent hat öfter umgestaltend auf den
Vokalismus auch der Stammsilben solcher Wörter eingewirkt. Die
wichtigsten Fälle dieser Art sind:
1. Verkürzung ursprünglicher Länge, besonders in den zahlreichen
Kompositis auf -lic, wie fullic voll, ryhtlic gerecht, woroldlic weltlich,
gegenüber ^elic gleich (mit Ton auf der Endsilbe).
Anm. 1. Die Kürze des i wird bereits für die ältesten Denkmäler durch
die Flexion erwiesen, Nom. Sg. f. und Nom. Acc. PI. n. fullicu, § 294; ferner
durch die weitere Schwächung zu e, § 43, 3. In der Poesie werden jedoch
die i in den flektierten Formen außer in denen auf u- gewöhnlich als Längen
gebraucht.
2. Veränderungen der Vokalqualität; namentlich erscheinen: a) eo,
io bisweilen als ea und weiter als a: sciptearo Schiffsteer, ifitfearo Epheu-
harz und sciptara, ifistara neben dem Simplex teoru Teer; waelhreaw
grausam neben älterem w&lhreow, laröeaw Lehrer (für *lärÖeow, gewöhn-
lich läreow, s. Anm. 4), lätöeaw Führer (so JSlfrio Hom., vgl. Glaeser,
§ 15: vgl. zu diesen Formen auch § 126, Anm. 2); andwlata Antlitz
neben älterem andwliota-, weiter Eigennamen auf -bearht, -barht für
•beorht in kent. Urk. des 9. Jahrhunderts (wie Werenbearht, Sebearht,
Deibearht, Cialbarht) - b) ea als a wie in häufigem onwald neben ^eweald
Gewalt, toward zukünftig, inneward inwendig, iörfeward Erbe (kaum
streng ws., Beda-Übers.) neben toweard usw.; ferner im zweiten Be-
standteil von Eigennamen auf -bald neben -beald, -wald neben -weald.
Nach Labialen steht auch -o- wie -word, twnefold und mit weitergehender
Schwächung auch des anlautenden w- (vgl. Anm. 4) in Hläford (auch
hläjwrd} Herr s. § 51.
3. Schwächung voller Vokale, namentlich zu e: a) Schwächung ur-
sprünglicher Kürze besonders in den zahlreichen Kompositis mit eem
Haus und -weard, wie hordern Schatzhaus, berern (und weiter verkürzt
30 § 43. Die Vokale der minderbetonten Stammsilben
zu beren. bem) Scheune (aus *beresern), beodem Speisezimmer, oder
andwerd gegenwärtig, towerd zukünftig, jor&werd vorwärts usw., ferner
in Eigennamen -freÖ für -frid. - b) Schwächung ursprünglicher Länge
findet sich oft und schon in alten Texten (z. B. Cura past.) in den flek-
tierten Formen der Komposita auf -lic (§ 43, 1) vor Endungen mit
velarem Vokal (-a, -an, -um, -or, -ost), wie misleca, mislecan, mislecum,
Komp, mislecor, Sup. mislecost. Später erscheint vor -o- (urspr. -u-) auch
-u- wie neodlucor, atelucost, swutelucost. Hierher gehören auch die ver-
schiedenen Formen des sonstigen jüngeren Vokalwechsels, § 142.
Anm. 2. Formen wie hordern begegnen schon in der alten Sprache; hin-
gegen ist -werd jünger, in der älteren Sprache steht noch -weard oder -ward,
-word. Die Scheidung richtet sich manchmal nach der Silbenzahl des Vorder-
wortes, so hat R1 nach zweisilbigemVorderwort (also unter stärkerem Neben-
ton) -weard, nach einsilbigem -ward; L hat beim Subst. -weard, -wserd nach
zweisilbigem, -ward, -word nach einsilbigem Vorderwort. Vgl. H. Weyhe,
Beitr. 30, 7 7 ff. - Kaum hierher gehören aber die Eigennamen auf -berht in
kent. ITrk. vom 8. und 9. Jahrhundert {^umbercti, ^thilberhtus, Hanberhti,
Eyiaberhti, SuiÖberht, Cyneberht). Diese Formen sind entweder latinisierende
Schreibungen (vgl. auch Bernhardi, Bemhaerdi ebenda) oder angl. Formen
nach § 120 wegen § 2, Anm. 6.
Anm. 3. Auch die Schwächung nach Pkt. 3, b ist durch den schwächeren
Nebenton auf den Mittelsilben gegenüber stärkerem auf Auslautsilben be-
dingt. Mittlere Bestandteile dreigliedriger Komposita zeigen sehr weitgehende
Abschwächungen, auch schon in frühen Texten, z. B. Hcumlic neben lic-
homa lebender Körper; rümedlice, rümodlice neben rüm-möd freigebig; seofo-
fullice, seofofallice (L, aus *seofofaldlice, s. § 330) siebenfältig, mihtelice aus
mihti^lice, hefelice aus hefi^lice schwierig; dyselic, dyslic neben dysi^lic töricht;
fracedlicum, fracedlecestran neben fracoölice verabscheuungswert. Vgl. B. Bo-
rowski, Zum Nebenakzent im ae. Nominalkompositum.
Anm. 4. Besonders weitgehende Veränderungen zeigen die zweiten Bestand-
teile einer Reihe von Kompositis, welche früh aufgehört haben, als solche
empfunden zu werden. Diese Abschwächungen gehören z. T. sicherlich be-
reits einer sehr frühen Zeit an, doch stehen manchmal in unserer Überliefe-
rung noch vollere Formen neben den gekürzten. So heißt es z.B. freols Frei-
heit für *fri‘hal$, hläford Herr für *hläf-weard; ferner furlon^, *furh-lanj
(ne. furlong) Längenmaß. Langes ä aus germ. ai liegt zugrunde in den End-
silben von eorod Reiterei aus *eoh-räd; beot Prahlerei aus *bi-hät, eofot, -ut
Schuld aus *ef-hät (vgl. ebhät Ep. Erf. Gl., = eobot Corp. Gl.), eofolsian
lästern (nordh. ebalsia, ebolsia, eojolsia L) aus *ef-hälsian; ferner öret Kampf
(nebst öretta Kämpfer, örettan kämpfen) aus *or-hät, önettan sich beeilen aus
*onhätjan und füllest Hilfe nebst fullestan (einmal fidlSstan Beow.) helfen
aus *ful-läst (ahd. folleist(i)) neben fylst, fylstan mit i-Umlaut wegen sehr
früher Verkürzung des zweiten Bestandteils; germ. & (westgerm. ä) in ws.
hired Familie aus westgerm. *hiwa-räd (angl. hiorod mit io nach § 130,
Anm. 2 und Suffixtausch nach § 141, Anm. 3), äwer, näwer usw. irgend-,
nirgendwo aus *(n)ä-hwier; ferner mit früher Kürzung frztwa, -e (Plur.)
Schmuck (vgl. got. (us)fratwian) aus westgerm. *fratäwo, seatwa, -e (Plur.)
§ 44. Dio Vokale dor Ableitungs- und Endsilben 31
Rüstung neben der vollen Form setäwa, -e; ae. y aus i-Umlaut von ü wahr-
scheinlich in zejest, sefst (Vesp. Ps. efest nach § 96, Anm. 5) Neid aus *a&-
unsti (J-Umlaut der ersten Silbe nach § 96, 3, d) und nordh. oefest Eile
(neben gemeinae. ojost, ofst ohne j-Umlaut) aus *obunsti (oder *ob-ansti;
vielleicht aber *ob-aist oder *ob-haisti, vgl. Holthausen, Idg. Forsch. 20,
320 und ae. etym. Wb.; O. Ritter, Engi. Stud. 54, 97-100). Ursprüngliches
langes i ist geschwunden in den Pron. hwelc, swelc, selc, ilca § 339, § 342,
§ 347 vgl. got. hwileiks, swaleiks. Langes ö ist verkürzt in oro3, oruö Atem
(später orö, dazu oreöian, oröian atmen) aus *or-öd für *uz-anß (§ 186, 1);
langes ü in jracoö Elend aus *jra-cüÖ, vgl. unforcüö. Aus ea entstanden ist
das u von fultum Schutz, fultumian schützen (Erf. Gl. noch fulteam und öfter
fultemian in älteren Texten), aus eo das u, o in nordh. lätuw Führer, läruw,
-ow Lehrer, Vesp. Ps. lädtow (ws. lätteow, läreow, spät läröeaw aus *läddeow,
★läröeow); nach Kluge auch das -o- in widbud, weojod Altar (nordh. wi^bed,
Vesp. Ps. wibed) aus *wih-beod, nach anderen aus *wih-bed. Vgl. hierzu
Sweet, Anglia 3, 151ff.; Kluge, Ztschr. f. vgl. Sprachforsch. 26, 72ff.; Beitr.
8, 527ff.; M. Förster in Stud. z. engl. Phil. 50, 167f.; A. S. C. Ross, Leeds
Studies III (1934), 2ff.
2. Die Vokale der Ableitungs- und Endsilben
§ 44. Die Zahl der hier auftretenden Vokale ist beschränkt durch die
Kürzung der ehemaligen Längen (§ 9) und durch das Fehlen der Diph-
thonge, die alle bereits zu Monophthongen geworden sind. Es erscheinen
also nur a, a?. e, i, o, u und von diesen begegnen as und i, abgesehen von
den Ableitungssilben -ic, -i^, -ihte, -isc, -nis, gewöhnlich nur in den ältesten
Denkmälern; später sind sowohl die a? wie die i gleicherweise durch e
ersetzt. Statt -u außer in der Endung -um steht später oft -o oder -a,
letzteres zuerst im Kentischen vom 9. Jahrhundert an, im Westsächsi-
schen etwa vom 10. Jahrhundert an.
Anm. 1. Wenn auch sämtliche alten Längen der End- und Ableitungssilben
ae. bereits gekürzt sind, so zeigt sich doch eine Verschiedenheit in der Be-
handlung ehemaliger Kürzen und Längen, bei den letzteren außerdem zwi-
schen idg. stoßtonigen und schleiftonigen (dreimorigen), s. § 149, § 150.
Anm. 2. Idg. a, o (= germ. a) und e waren im unmittelbaren Auslaut, germ.
a auch vor urspr. auslautendem z (westgerm. r) und vor Nasalen (die eben-
falls abgefallen waren) geschwunden, s. § 143, § 144.
Anm. 3. Von den übrigen ae. erhaltenen Vokalen gehen zurück:
1. a auf germ. a (idg. a oder o) vor einem derselben Silbe angehörigen
ae. erhaltenen n (d. h. eines, das nicht im unmittelbaren idg. Auslaut stand,
da es in diesem germ. abgefallen war) s. § 150, 3; germ. ö (idg. ä oder ö)
in ursprünglichen Mittelsilben außer vor m oder wenn die Endsilbe urspr.
ein -u enthielt, s. § 150, 3; urae. nasaliertes ä oder o, das durch Ausfall
eines n vor stimmlosen Spiranten (§186, Anm. 3) entstanden war, s. § 150, 3;
weiter schleiftoniges idg. 5 vor urspr. (aber germ. oder westgerm. abgefalle-
ncm) auslautendem n oder z, § 150, 1.
32
§ 44. Die Vokale der Ableitungs- und Endsilben
2. se auf germ. ai (idg. ai oder oi), auf germ. a (idg. a oder o) vor ae. er-
haltenen Konsonanten außer vor einem derselben Silbe angehörenden n (in
diesem Falle steht a, s. vorne) oder, soweit es auf idg. o zurüokgeht, noch
außer vor m oder in urspr. Mittelsilben, denen ein -u folgte (in diesen Fällen
steht u, s. unten), s. § 150, 1 und 3; weiter auf idg. stoßtoniges 6, d vor
urspr. (aber germ. oder westgerm. abgefallenem) auslautendem n oder z,
s. § 150, 2.
3. i auf idg. i und idg. e (dieses außer vor r, wo es erhalten blieb, s. § 140);
auf idg. (stoßtoniges oder schleiftoniges) i, s. § 147, § 150, 1 und 2.
4. u auf germ. ü und germ. u (auch das aus silbischem Nasal oder Liquida
entstandene), weiter auf urae. im Auslaut vokalisiertes -w (§ 174); endlich
auf germ. ö (idg. ö oder ä) im idg. Auslaut und in urspr. Mittelsilben vor
m oder wenn die Endsilbe urspr. ein -u enthielt, dann auch in der Ableitungs-
silbe -unj der Verbalabstrakta, s. § 150, 3, und auch auf idg. o vor m oder
in urspr. Mittelsilben, denen ein -u folgte (z. B. Dat. PI. ae. -um aus idg.
-*omis, Akk. Sg. brööur aus idg. *bhrätorm, griech. ipgavoga, urgerm. *brö-
Pururi).
Anm. 4. Für e vor einem r, z. B. Akk. Sg. ae. f&der, griech. naxega, kommt
früh auch & vor (vgl. Leid. Rätsel, Ep. ofxr, gemeinae. o/er, griech. inig,
obwohl sonst in den ältesten Quellen e steht).
Anm. 5. Durch i-Umlaut (§ 96ff.) werden die Vokale der Mittelsilben ebenso
verändert wie die der Stammsilben, doch tritt für y aus u (§ 102) durch
Entrundung i, gemeinae. e ein, z. B. ssedelin^ Verwandter, Neffe, as. gaduling.
Anm. 6. Altes i erscheint (außer in den obengenannten Ableitungssilben)
noch in den ältesten Urkunden aus dem Süden und mittleren England bis
etwa 740, nordh. länger, s. Sievers, Anglia 13, 11 und Storms, E. Studies
37, 104—110, später ist es e. Ebenso erscheint altes a? nur in den ältesten
Texten, aber nicht mehr durchwegs, in R1 aber noch in unbetonten Wör-
tern, s. S. M. Kuhn, PMLA 60, 663-669, gemeinae. steht e, jedoch ist die
Ableitungssilbe (germ. -ag) später -ij, z. B. huni; Honig, bodi^ Körper,
monis mancher. Der Unterschied in der alten Form der Silbe zeigt sich in
dem Unterbleiben oder Eintreten des i-Umlauts, vgl. § 95, Anm. 5, 4 und
§ 141, 4. Bezüglich der Unterscheidung der e verschiedenen Ursprungs (aus
a? und i) kommen für die Flexionslehre insbesondere in Betracht Formen
wie Urse Gen. Dat. Akk. Sg. und Nom. Akk. PI. fern. § 252, tun^as Nom.
Sg. fern. § 276, jödna? Akk. Sg. mask. § 293, saldx 1. 3. Sg. Prät. Ind. schw.
Vb. § 354, dömee Dat. Sg. mask. § 237, Anm. 2, jöda? Nom. PI. mask. § 293,
Sibten Part. prät. § 366, restsendi Part. Präs. § 363, 3, dörnaes Gen. Sg. § 238,
suilcae Adv. § 315; aber meri, ry$i Nom. Akk. Sg. mask. § 262, rici desgl.
§ 246, nimis -iö 2. 3. Sg. Ind. Präs. § 357f., neridse schw. Prät. Sg. § 401,
-id Part. Prät. § 402 usw.
Anm. 7. -u erhält sich in der Endung -um und der Ableitungssilbe -un$
bis ans Ende der ae. Zeit; im unmittelbaren Auslaut kommt spätws. zwar -o
und später auch -a vor, doch zeigt sich selbst noch spät Schwanken zwischen
u und -o; nach einem -u der Tonsilbe bleibt es überhaupt in der Regel be-
wahrt (z.B. wudu Holz, sunu Sohn, aber j(i)e/w, -o Gabe, hofu, -o PI. Höfe,
ricu, -o Reiche). Im Inlaut vor anderen Konsonanten außer -m und -nj ist
-o- im Ws. schon früh durchwegs durchgeführt, nur nach einem u der Stamm-
silbe steht vor einfachem Konsonanten -u-, daher munuc Mönch, du^uö
§ 44. Vokale der Ableitungs- und Endsilben. § 45. Das germ. Vokalsystem 33
Tugend, aber heafod Haupt, nacod nackt, tun^ol Stern usw. In den angl.
Texten ist auch hier -u- viel häufiger (heafud, wuldur usw.).
Anm. 8. Starkes Schwanken in der Bezeichnung der Vokale der Endsilben
zeigt das späte Nordh. (L, auch Rit. und R2) und R1. Hier stehen e, z, o
ziemlich unterschiedslos nebeneinander, wenn auch z etwas seltener ist;
daneben kommen aber auch noch u und i vor. Vor m steht neben w auch o,
vor sc, j, 8, d gewöhnlich i. Es ist wohl anzunehmen, daß bereits alle Vokale
außer vor sc, 5, s, Ö reduziertes a waren und daher die Bezeichnung schwankt,
s. M. Förster, Litbl. f. germ. u. rom. Phil. 23, Sp. 287 f. Ähnliche Abschwä-
chungen zeigt auch die Steininschrift von Kirkdale (1055-1065), s. M. För-
ster, Engi. Stud. 36, 44ff., noch weitergehende eine Urkunde aus Durham
von 1099-1128, s. Liebermann, Archiv 111, 283f. — Aus ebensolchen Ab-
schwächungen erklären sich einige spätws. Schreibungen, wie y für (reduzier-
tes) e, z. B. hzlynd, jzdyr, belocyn, wintrys, bityr für hselend, fzder, belocen,
wintres, biter usw., auch JElfryd, tädylmer für JEljred, sEdelmer in Urkunden
des 10. Jahrhunderts. Andere spätws. Schwankungen in der Bezeichnung
unbetonter Vokale sind u. a. Gen. Sg. -as für -es (§ 237, Anm. 1), Nom. PI.
-es statt -as (§ 237, Anm. 3), -on, -an im Opt. Prät. und Opt. Präs, für -en
(§ 361, Anm. 1; § 365, Anm. 2), -an, -en statt -on im Ind. Prät. PL, seltener
-en für -an im Inf. Vgl. die Zusammenstellung solcher Fälle aus südl. Hss.
des 10. Jahrhunderts von Kemp Malone, Curme Volume of Linguistic Stu-
dies, 110-117 und Albert H. Marckwardt in Philologica (Baltimore 1949),
S. 79-88. Man wird für das ausgehende 10., spätestens für die erste Hälfte
des 11. Jahrhunderts, in ganz England eine allgemeine Abschwächung der
Endungsvokale annehmen müssen, die aber wegen der weitgehenden Rege-
lung der spätws. Orthographie nur in gelegentlichen ‘Fehlem’ zum Ausdruck
kam.
Kapitel III
Verhältnis des ae. Vokalismus zu dem der verwandten Sprachen
A.Das germanische und. westgermanische Vokalsystem
§ 45. Wie in den anderen germ. (und idg.) Sprachen stehen die ae.
Vokale innerhalb einer Anzahl von Reihen, wobei die einer solchen
zugehörigen Vokale in den zu einer Wurzel gehörenden verbalen und
nominalen Ableitungen untereinander wechseln, aber nicht mit solchen
einer anderen Reihe. Diesen Wechsel innerhalb einer Reihe bezeichnet
man mit Ablaut, wobei man zwischen Hochstufen und Tiefstufen
(bei völligem Vokalschwund Schwundstufe) unterscheidet. Da die Ab-
lautreihen, deren nähere Behandlung der vergleichenden germanischen
bzw. indogermanischen Grammatik zukommt, in der Verbalflexion am
deutlichsten erscheinen, werden sie dort (§ 381 ff.) behandelt. Sie zeigen
sich aber nicht nur in dieser, sondern auch in nominalen Ableitungen
und auch in Ableitungssilben.
34 § 45. Daa germ. und westgerm. Vokalsystem
Das ae. Vokalsystem ist eine Entwicklung aus dem gemeingermani-
schen Vokalsystem, das in keiner der Einzelsprachen unverändert er-
halten ist, doch auf dem Wege der Vergleichung erschlossen werden
kann.
Dieses germ. System bestand aus folgenden Vokalen:
Kurze Vokale i1 (e2) e1 (i2) a (o2) u
Lange Vokale i e S (ü) ö ü
Diphthonge ai
i2u, eu au
Hierzu ist folgendes zu bemerken:
1. i1 und e2 einerseits, e1 und i2 wurden aus etymologischen Gründen
angesetzt, i1 und e2 entsprechen idg. (alten oder primären) i, e1 und
iz idg. (alten oder primären) e. Idg. i und e sind in den germ. Sprach-
gruppen in verschiedener Aufteilung in i und e gespalten. Ob man dabei
an einen ehemaligen phonemischen Zusammenfall und spätere ver-
schiedene Spaltung, oder an eine Veranlassung bzw. Verhinderung des
Überganges von i zu e und e zu i zu denken hat, läßt sich nicht ein-
deutig entscheiden.
2. Während got. in beiden Fällen regelmäßig vor r, h, h> ein e (ge-
schrieben al) erscheint (also parallel mit dem Übergang von u zu o,
geschrieben aü, s. Pkt. 5), sonst ein i, ist west- und nordgerm. in beiden
Fällen ein i nur vor einem i oder j der Folgesilbe und vor Nasal -f- Konso-
nant nachweisbar, e in anderen Stellungen, doch zeigen die Einzel-
sprachen manchmal eine andere Aufteilung (vgl. dazu für das Ae. Anm.
1-3 und § 81). Daraus erklärt sich z. B. ae. as. Inf. helpan, ahd. helfan
gegen got. hilpan, aber 3. Sg. Präs. Ind. ae. (ws.) hilpd, as. hilpid, ahd.
hilfit helfen hilft, hingegen got. as. ae. und ahd. Inf. bindan binden.
Anm. 1. Vor u ist der Übergang von e zu i nur ahd. und as., daher der
Unterschied zwischen ahd. metu und seltenerem mitu ae. (ws.) medu Met,
ahd. eibun ae. (ws.) seofon sieben, ahd. fihu ae. feo Vieh; doch ist in der
Lautfolge e-u-i der Wandel zu i-u-i auch für das Ae. anzunehmen. So er-
klärt sich aus Verallgemeinerung von Formen mit urspr. flexivischem i das
Nebeneinander von ae. siofon und seofon (erhalten in nordh. R2 aiofu, -o
und L seofo, -a) und ws. mioluc, angl. milc Milch neben st. Vb. melcan, viel-
leicht noch einige andere Formen, s. Weyhe, Beitr. 31, 60ff.
Anm. 2. Dieselbe Aufteilung findet sich auch noch in alten Lehnwörtern
aus dem Lateinischen, wie ae. pir^e Birnbaum neben pere, -u Birne (vlat.
peria, pero, klass. lat. plrea, pirutn), ae. minte Minze (lat. mentha), ae.
Edelstein (lat. gemma).
Anm. 3. e für i1 steht ae. weiter: a) in einigen Fällen vor einem a der Folge-
silbe, so in ae. ahd. wer Mann gegen lat. vir; ae. ahd. nest gegen lat. nidus
§ 45. Das germ. und. westgerm. Vokalsystem
35
aus *nizdos. Hingegen ist i in anderen Fällen desselben Typus enthalten,
so in ae. fisc Fisch zu lat. piscis (germ. a-Stamm); ae. (und alts.) steht hier-
bei i häufiger als ahd. (und altnord.), so in ae. Ufer (ahd. lebera), ae. liccian
lecken (ahd. l'eckon), ae. clifian kleben (ahd. kleben), ae. libban leben (ahd.
leben) u. a. Nebeneinander stehen ae. spec und spie Speck. Über einige andere
mutmaßlich hierher gehörige Fälle s. O. Ritter, Vermischte Beiträge S.
173f. - b) Wie im Altnord, vor einem z (westgerm. r, § 181, 2), das derselben
Silbe angehörte und auf das in der nächsten Silbe kein i folgte. Das r (aus
z) ist erhalten oder nach § 182 abgefallen, der Lautwandel gehört also in
die Zeit vor dem Abfall dieser auslautenden z. Hierher gehören ae. (angl. u.
poet.) meord Lohn (eo nach § 84), got. tnizdö, PI. heordan Werg, reord Spra-
che (aber ^eriorde, »-Stamm), leomian neben liornian lernen (wegen des
Wechsels im Suffix ehemaliger alter e-Verben, § 417, Anm. 10), weiter die
Pronomina ae. mir (got. mis), öS dir (ahd. dir), 3$ ihr, wir.
Anm. 4. Zu dem Unterschied zwischen den got. und nord- und westgerm.
Entsprechungen von idg. e und i vgl. die Übersicht über die vorgebrachten
Ansichten durch W. H. Bennett, Language 28, 339-342. Für ein diesen Unter-
schieden zugrunde liegendes einheitliches Phonem tritt ein James W. Mar-
chand, Language 33, 346-354. - Die Entwicklung in schwachtonigen Silben
ist von der unter dem Hauptton zu unterscheiden. Zu ersterer vgl. § 44
und § 140.
3. i2u ist eine aus der Weiterentwicklung zu erschließende Sonderent-
wicklung von idg. eu vor einem i oder j der Folgesilbe, s. § 77 und 78.
Gotisch steht einheitlich iu.
4. Germ, a setzt sowohl griech. lat. a wie griech. lat. o fort, z. B.
lat. ager, griech. got. akrs, ahd. ackar Acker und lat. octo, griech.
oxtco, got. ah ta u . ahd. as. ahto acht. Entsprechend sind idg. ai und oi
in germ. ai und idg. au und ou in germ. au zusammengefallen, z. B.
griech. atS-oi brenne, lat. aedes (klass. lat. ae für idg. ai) Tempel, ahd.
mhd. eit Scheiterhaufen; lat. haedus Bock, got. gaits, an. geit, ahd.
geiz Ziege (Geiß)undgriech. ol3a, -s, got. wait weiß; bzw.lat.augeo, -ere,
got. aukan, an. auka vermehren; griech. oft?, got. ausö Ohr.
5. o2 ist das neue, germ. aus u in gewissen Stellungen entstandene o.
Got. steht es nur vor einem r oder h (geschrieben aw), west- und nord-
germ. ist o stets für u eingetreten, außer vor Nasal und Konsonant und
vor einem i oder j in der Folgesilbe, z. B. nach a) ahd. gibuntan, ae.
gebunden gebunden, aber ahd. gihcljan, alts. giholpan, ae. ^eholpen ge-
holfen und b) alts. huggian, ahd. hucken, ae. (mit »-Umlaut nach § 102)
hyc^an denken, aber ae. hoyu Sorge. Das Got. hat hingegen stets u
außer vor r, Ä, so bundans, hulpans, hugjan. - Ae. (und altnord.) steht
weiter c) o auch vor einem z (westgerm. r) derselben Silbe, dem kein i
folgte, daher ae. (ws.) oreald uralt, orsäwle leblos, or-wena, got. us-wena
hoffnungslos, ae. (ws.) tor-ci(e)rre schwer zu drehen (vgl. got. tuz-wlrjan
zweifeln).
36
§ 45. Das germ. und westgerm. Vokalsystem
Anm. 5. Ob ein in den oben genannten Stellungen verhinderter Lautwandel
von u zu o stattfand, oder zuerst alle idg. u zu germ. (geschlossenem) o
wurden, das sich dann ebenso wie e zu i vor Nasal + Kons, oder i, j der
Folgesilbe zu u zurückentwickelte, ist umstritten. — Der Lautwandel von
i zu e und von u zu o wird in germ. Grammatiken oft als ‘Brechung’ be-
zeichnet. Die ae. Grammatik verwendet aber ‘Brechung’ bloß für die in
§ 83- 86 dargestellte Entwicklung von Gleitelauten vor h, r und l.
Anm. 6. Mit altem u sind zusammengefallen die aus indogerm. a2 ent-
wickelten u und die germ. vor ursprünglich silbischen n, m, r, l entwickelten
u, wie in ae. bunden, cuman, wurdon, wulf.
6. Mit e und ä? (meist als e2 und e1 bezeichnet) werden der Deutlich-
keit halber zwei Vokale getrennt, die zwar im Got. gleichmäßig durch
e ausgedrückt werden, doch altn. alts. als e und ä, ahd. als e (ea, ia)
und ä getrennt sind, vgl. got., alts. her, ahd. Mr, hear, hiar hier und
got. rnel Zeit, altn. alts. ahd. mäl. Im Ae. sind sie außer vor Nasalen im
Angl, und Kent, unter e zusammengefallen, im Ws. als e und ie getrennt;
vor Nasalen steht für S gemeinae. ö; in manchen anderen Einzelfällen
sicher im Ws. ä (s. § 63). Man hat daher einen gemeinwestgerm. Wandel
des ie zu ä wohl mit Recht anzunehmen.
Anm. 7. S entspricht indogerm. e, vgl. lat. edi, got. fr-et, alts. dt, altnord.
dt, ahd. dz, ws. St aß, e ist selten, gew. entspricht es dem indogerm. Lang-
diphthong ei. In den westgerm. Sprachen erscheint es auch im Prät. einiger
ursprünglich reduplizierender Verba, s. § 395.
7. Reines ä existierte germ. nicht mehr, da indogerm. ä zu ö ge-
worden war (vgl. z. B. lat. fräter mit got. brößar, ae. brödor, alts.
bröÖar, ahd. brdder, bruoder usw.). Germ, ö ist also zweifachen Ursprungs.
Dagegen sind sekundär einige ä bei Ausfall eines Nasals vor / gemein-
germ. entstanden, so in got. ßdhta, alts. thähta, ahd. dähta dachte, für
*paghta, zu got. ßagkjan u. a.; vgl. die Belege § 80, Anm. 1. Da aber
diesem ä im Ae. stets ö entspricht (so wie auch germ. ie, westgerm. ä
vor Nasalen, § 80 wie auch germ. an bei Ausfall des Nasals vor anderen
stimmlosen Spiranten, § 46), so ist zu schließen, daß es germ. noch
nasaliert war und die Nasalierung erst einzelsprachlich aufgegeben wurde.
Anm. 8. In ebensolcher Weise werden wohl auch die aus iqh, uijh entstan-
denen lh, uh (vgl. § 186, Anm. 4) ursprünglich nasaliert gewesen sein.
8. Der aus dem Griech. und Altlat. erschlossene Diphthong ei ist
bereits gemeingerm. über ein ii zu i geworden und daher mit vorgerm.
i zusammengefallen.
9. Es wechselten die Gruppen i + Vokal und j + Vokal so, daß die
erstere nach langer, letztere nach kurzer Wurzelsilbe stand; also z. B.
Stamm *rikia- reich, aber *badja- Bett, oder in Präsensstämmen der
§ 46. Das westgerm. Vokalsystem 37
te/io-Verba (1. Kl. der schwachen Verba, § 398, 1) Stamm *domia- oder
*nazja-.
§ 46. Zwischen dem germ. und ae. System liegen das gemeinsame System
des Westgermanischen und weiter gewisse Veränderungen, die dem
Ae. mit den am nächsten verwandten westgerm. Sprachen, dem Friesi-
schen und z. T. dem Altsächsischen, gemeinsam sind. Das westgerm.
Vokalsystem stimmt im allgemeinen mit dem zu erschließenden ger-
manischen überein, doch ist die Verwandlung der germ. S zu ä (§ 45, 6)
und vielleicht auch der eu zu iu (unter den § 45, 3 angegebenen Be-
dingungen), weiter die Neuaufteilung der e und i, u und o (§ 45,2 und 5),
die allerdings den westgerm. Sprachen mit den nordgermanischen ge-
meinsam ist, als Eigentümlichkeit des Westgermanischen aufzufassen.
Hierzu kommen noch eine Reihe von Einzelheiten in der Entstehung
von Diphthongen aus Vokal und folgendem, aus w entwickeltem u
(§ 174, 1) und einzelne Dehnungen ursprünglich kurz anzusetzender
Vokale (§ 137).
Als wichtigste dem Altenglischen und Altfriesischen gemeinsame Er-
scheinungen sind zu erwähnen: Die Spaltung des germ. a in einen
helleren (ae) Laut vor oralen Konsonanten (§ 49f.) und einen dunkleren
vor Nasalen (§ 79), z. B. ae. faet, afries. fei Faß aber ae. man, mon, ostfries.
mon Mann; die Entsprechung des westgerm. ä durch einen helleren
Laut vor oralen Konsonanten (§ 62) und durch ö vor Nasalen (§ 80),
z. B. ae. släepan slepan afries. slepa schlafen, aber ae. möna afries. möna
ahd. mäno Mond; Wiedergabe des (nasalierten) germ. ä vor h durch ö
(§ 80, Anm. 1), z. B. ae. bröhte, afries. brächte brachte; ebenso des west-
germ. ä aus an vor anderen Spiranten (§ 80, Anm. 1 und § 186,1), z. B.
ae. jös, afries. gös Gans; der Ausfall des nachvokalischen Nasals vor s,
ß und f (auch altsächs.), z. B. ae. afries. fif fünf, ae. cüö, afries. küth
kund, ae. jös, afries. gös Gans (§ 186, 1) und der Ausgleich der 1. und
2. Pers. Plur. der Verba zugunsten der 3. (auch altsächs.), s. § 360, § 361,
§ 364, 2 und § 365.
B. Die Entsprechungen der westgermanischen Vokale
im Altenglischen
§ 47. Die Umgestaltung, welche die germ. Vokale im Ae. erfahren haben,
ist entweder aus Veränderungen, die der Vokal unabhängig von seiner
Umgebung erfährt, oder aus einem bestimmenden Einfluß dieser Um-
gebung zu erklären. Zur ersten Art der Übergänge gehört z. B. die
Wandlung des germ. ai in ä, wie in hätan heißen, zu got. haitan, oder
38 § 47-48. Die westgerm. Vokale im Ae. § 49-50. Westgerm. a
die des germ. au zu ea, wie in lean Lohn, zu got. laun; zu der zweiten
Erscheinungen wie die verschiedenen Umlaute und Brechungen, Ver-
änderungen von Vokalen durch Nasale, Palatale und dgl.
In der folgenden Übersicht sollen sämtliche Veränderungen, denen
ein germ. Vokal im Ae. unterliegt, gleich bei der Bespiechung dieses
Vokales angeführt, doch nur die von der Umgebung des Vokals unab-
hängigen Wandlungen ausführlicher besprochen werden. Die Einflüsse
der Nachbarlaute werden dann zusammenhängend behandelt.
§ 48. Außer dieser Unterscheidung ist noch zu beachten, daß die Ent-
wicklung der Vokale in den betonten (Stamm-)Silben eine andere ist als
in den schwächer betonten Mittel- und Endsilben. Wir behandeln des-
wegen die Vokale dieser Silben getrennt.
I. Die Vokale der Stammsilben
1. Allgemeine Übersicht der Entsprechungen
a
§ 49. In einsilbigen Wörtern wird das kurze a normalerweise zu
ae, wo nicht besondere Umstände es verhindern: dae^ Tag, braec brach,
säet saß, waes war, haeft gefangen.
Anm. 1. Durch Anlehnung an mehrsilbige Flexionsformen mit a nach § 50, 1
steht meist a statt a? in den Imperativen der starken Verba VI. Ablaut-
reihe: far, sac, scaf (aber angl. auch f&r (fer), s. § 368, Anm. 2).
Anm. 2. a steht auch noch in einigen enklitischen Wörtern, wie ac, ah
aber, dann in was, nas war (war nicht), neben gewöhnlichem waes, naes.
Auch im zweiten Glied von Kompositis steht manchmal a statt zu erwarten-
dem ae, wie in herepad Heerstraße, siöjat Reise u. dgl.
§50. In mehrsilbigen Wörtern steht:
1. a regelmäßig, wenn die Folgesilbe einen der velaren Vokale a, o,
u enthält (oder ursprünglich enthielt). So lautet zu ctej der Nom. PI.
da^as, G. da^a, D. dajwn; zu faet Faß der Nom. Akk. PI. fatu, G. fata, D.
fatum-, zu hwaet kühn Dat. Sg. mask. und neutr. hwatum, der schwache
Nom. Sg. mask. hwaia \ beim Verbum Inf. jaran (§ 392), 2. 3. Sg. Ind.
Präs, faerest, faereö, PI. jarad u. ä. Ferner haben a Wörter wie atol schreck-
lich, nacod nackt, sadol Sattel, crabba Krabbe, lappa Lappen, assa Esel,
wascan, waxan waschen, oder das Fremdwort abbod Abt.
Anm. 1. Den a, o, u der Endsilben gleich stehen 1. das aus öj über ent-
standene i in der zweiten Klasse der schwachen Verba, also macian machen,
§ 50. Entsprechungen des westgerm. a
39
ladian einladen (vgl. § 411, Anm. 2); - 2. die ebenfalls aus urspr. velaren
Vokalen geschwächten e mancher Mittelsilben, auf welche noch ein velarer
Vokal folgt oder folgte; vgl. z. B. Wörter wie ßtadelian befestigen (zu staöol),
hacele Mantel, adela Kot, hafela (neben hajdla) Haupt, ^aderian (poet. auch
3&derian) sammeln, 3edafenian geziemen, hafeman halten, /aj(e)nian sich
freuen, war(e)nia/n sich hüten, adesa Beil (vgl. auch § 142).
Anm. 2. Dagegen steht a? in einer Reihe von Wörtern, in denen auf den
ursprünglich velaren Vokal der Mittelsilbe (u) ein i folgt oder folgte, also
Verwandter (alts. gaduLing), tedelin$ Edler, aus *apulin^ (altn.
0&lingr), lastemest der späteste, aus Vatumist (vgl. § 314); ist-, tö-jaadere zu-
sammen, aus *jad«ri (neben saderian schw. Vb. II. Kl., s. Anm. 1), sastemdse3
Sonnabend, zu Saturni dies und vielleicht htelfter Halfter aus *haluftri, und
haerfest Herbst aus *harubist. Dieser Übergang von a zu ae ist jünger als in
einsilbigen Wörtern (§ 49) oder vor e der Folgesilbe (§ 50, 3), denn das
dadurch entstandene (sekundäre) se bewirkt nicht die Palatalisierung vor-
hergehender c und 3 (§ 206, 1) und für diese se kommt auch nicht wie für
andere a? nach vorhergehenden Palatalen ea vor (§ 91, a). Sie sind daher
durch einen über die Mittelsilbe hinweg wirkenden i-Umlaut zu erklären,
s. § 96, 3, d.
Anm. 3. Über ea statt a wegen Velarumlaut s. § 108f.
Anm. 4. Soweit ein velarer Vokal auf urspr. h folgt, tritt Brechung der
dem h vorausgehenden a zu ea ein (§ 86, 1). Da die Brechung eine zumindest
sehr helle Aussprache der a voraussetzt (§ 86, Anm. 2), ist außer vor Nasalen
ein Übergang aller westgerm. a zu a? und eine Rückbildung zu a vor
velarem Vokal der Folgesilbe nach der Brechung anzunehmen (so Luick,
Hist. Gram. § 164).
2. a vor einem w, dem kein i folgte, so in G. D. Sg. clawe zum Nom.
*cl&a (§ 75) Klaue (im Nom. Sg. nicht belegt).
Anm. 5. Für diese Entwicklung fehlen (zufällig) außerws. Belege, sie ist
aber wohl gemeinae. - -awi- ergibt (durch i-Umlaut) -ewi-, -ewe-, s. § 96, 1.
3. ai vor ursprünglichem (d. h. nicht aus a, o, u entstandenem, s.
Anm. 1 und 2) e der Folgesilbe (in den ältesten Texten ae, s. § 44, Anm.
6) oder vor silbischen r, l, m, n und dem daraus entwickelten sekundären
e (§ 152ff.). Daher G. Sg. daa^es, D. dae^e, A. ctej; Gen. Sg. faetes, D. faete
zu fast; dann nae^l Nagel, hraefn Rabe, aecer (got. akrs) Acker, fae^er
(got. fagrs) schön usw.
Anm. 6. Schwanken zwischen a und se in Flexionsformen erklärt sich durch
Ausgleich, wie Gen. Sg. hwates, Instr. hwate zu hwset wegen des Dat. Sg.
hwatum und sw. Formen hwata, hwatan; Gen. Dat. Akk. Sg. sace neben szce
wegen des Nom. sacu; asce, axe neben lesce Asche nach dem Plur. ascan
axan-, ebenso flasce Flasche, masce maxe Masche. Schwanken zwischen a und
a? im Part. Prät. der starken Verba VI. Ablautreihe erklärt sich hingegen
wohl aus urspr. verschiedenen Formen der Endung (-an in urspr. unflek-
tierten, -am, hist, -en in flektierten Formen, s. § 44, Anm. 3, 1. 2 und § 368,
40
§ 51-53. Entsprechungen des westgerm. a
Anm. 4), daher faren neben fieren, hladen neben hlaeden geladen, grafen neben
yraefen gegraben, sZaejen neben Slawen geschlagen. Hingegen dürfte der Opt.
Präs, fare, ^rafe, faren, yrafen usw. dem Ind. angeglichen sein.
Anm. 7. Vor ursprünglichem i, j ist a in der Regel durch i-Umlaut weiter-
hin verändert, s. § 96.
§ 51. o steht für ehemaliges a in den proklitischen Präpositionen of
ab, on an, ot bei, gegenüber den betonten Adverbien «/-, an (on), aet;
ferner bisweilen in nebentoniger Stellung im zweiten Gliede von Kompo-
sitis, besonders wenn ein Labial vorausgeht: twiefold zweifach, Srimbold,
Oswold Eign., andsworu Antwort, hläford Herr (für *hläfwordy, im
Vesp. Ps. auch töword zukünftig, erfeword Erbe; weiter herepoÖ neben
-paö Heerstraße § 49, Anm. 2. Vgl. § 43, 2, b.
Anm. Die Form ot ist im Ws. fast ganz durch aet verdrängt; eine seltene
(meist kent. ?) Nebenform ist at. - In einigen Texten schwankt auch un-
betontes on nach an hin, vgl. darüber wie über einige ähnliche Fälle § 79,
Anm. 3.
§ 52. Im Kentischen und im merc. Dialekt des Vesp. Psalters tritt
für & nach § 49 und § 50, 3 e ein: de$ Tag, brec brach, -set saß, Imp. fer,
hre$l Kleid, Rüstung, G. dejes, D. de$e usw.; ähnlich in den kleineren
merc. Denkmälern (Royal GL, Chad). R1 hat aber fast stets ae wie das
Ws. und Nordhumbrische.
Anm. 1. In den altkent. Urkunden sind jedoch die ae noch oft oder gar
meist erhalten, es stehen also ae und e nebeneinander.
Der Vesp. Ps. hat ae regelmäßig nur in den Prokliticis aet bei, dast das(s),
sonst nur ganz vereinzelt.
Anm. 2. hweder neben oder statt hwaeder ist außer im Kent. (Vesp. Ps.
fehlen Belege) auch in R1 und im Nordh. (hier auch hwoeöer nach § 115)
und im Ws. (auch Alfred, Orosius und oft in spätws. Texten) häufig. Es ist
wohl an zwei durch Ablaut verschiedene Nebenformen zu denken (vgl. got.
tvajxir, ahd. hwedar).
Anm. 3. Ob merc. kent. e für ae der anderen Mundarten als ein phonetischer
ZiisammRnfa.il mit e anderer Herkunft zu deuten ist, kann fraglich sein.
Me. finden sich zwar südwestl. Schreibungen mit e bis ins 13., kent. bis
ins 14. Jh., Ortsnamen zeigen aber, soweit es sich feststellen läßt, keine Spur
eines Zusammenfalls mehr.
§ 53. Die Veränderungen, welche ursprüngliches a außer diesen Ver-
tretungen erfährt, sind folgende:
1. Vor Nasalen ist es a oder o, § 79; durch i-Umlaut wird dieses a,
o zu e (seltener ae), § 96, 5; bei Ausfall des Nasals vor stimmloser Spirans
(§ 45, 7 und § 46) ist es über nasaliertes ä zu ö geworden, § 80, Anm. 1,
dessen i-Umlaut ist öe, e, s. § 101.
§ 54-55. Entsprechungen des westgerm. e
41
2. Es erfährt Brechung zu ea vor r- und Z-Verbindungen und vor
h, § 83ff.; doch steht vor r- und /-Verbindungen auch a, § 84, Anm. 1;
§ 85; bei i-Umlaut steht dafür ws. ie (i, y), sonst e (ae), § 104.
3. Es wird durch t-Umlaut zu e (manchmal a?), § 96, soweit nicht
vorher Brechung eingetreten war.
4. Es wird durch Velarumlaut zu ea, § 108ff.
In einzelnen ae. Mundarten ist es weiter:
5. Nach Palatalen ea, mit i-Umlaut ie (i, y) oder e, § 91;
6. Ws. oft ä? bei Ausfall eines folgenden j, § 214, 3.
e
§ 54. Westgerm. e bleibt normalerweise erhalten: helan verhehlen, beran
tragen, heim Helm, helpan helfen, wefan weben, sprecan sprechen,
cweöan reden, zu alts., ahd. helan, beran, heim usw.
§ 55. Eingeschränkt wird das alte e durch:
1. den Übergang zu i vor m, § 81;
2. die Brechung zu eo vor r- und /-Verbindungen und vor h, s. § 83ff.;
3. Übergang zu eo vor w, § 88;
4. durch den Velarumlaut zu eo, § 108ff.;
in den einzelnen Mundarten durch
5. ws. zu ie (y, i) nach Palatalen, § 91, c;
6. Veränderungen nach vorhergehendem w, § 113, § 115;
7. ws. zu e bei Ausfall eines folgenden 5, § 214, 3.
Anm. ae für zu erwartendes e kommt in einigen Texten vor, so in L, sehr
oft in R1, seltener in Rit. und R2, vereinzelt in frühkent. Urkunden und
in spätws. Texten. Nicht alle diese Fälle werden einheitlich zu erklären sein.
In den kent. Texten könnten es Fehlschreibungen sein, weil kent. für alle ®
(und ä?) anderer Mundarten (bes. des Ws.) e und e eingetreten war (s. § 52,
§ 62, § 97, Anm. 1). Dasselbe ist für R1 anzunehmen, weil der Glossator
neben dem merc. Gebrauch (bes. Vesp. Ps.) den ws. und nordh. kannte und
daher ® und e nicht recht schied, s. S. M. Kuhn, Language 60, 631-669.
Auch in den nördlichen nordh. Texten (bes. L) findet sich x manchmal für
e, so im Plur. wazras Männer (8mal in L) neben waras und weras, Gen. PL
wsera neben wera und weara, wo Fehlschreibungen des ea bei Velarumlaut
(§ 35, Anm. 1) vorliegen könnten, dann auch bei st. Vb. der IV. und V. Ab-
lautreihe, wie 1. Sg. Präs, cuaeöo neben cueöo ich spreche, Inf. sprsecca neben
gew. spreca und Part. Präs, spr&cend neben sprecend, bei denen man eher
an Verwechslung mit den Formen des Prät. Sing, denken müßte, weil ea nur
bei a/o-Umlaut vorkommt. Spätws. heißt es oft dae^n (gemeinae. dejn) Krie-
ger; in diesem Fall könnte man an Vokalisierung des 3 (§ 126, 2) und an
42 § 56-57. Entsprechungen des westgerm. i. § 58. Westgerm. o
den beginnenden Übergang von ei in ai (der me. allgemein ist) denken. -
Gemeinae. ist a? in miesse Messe (lat. missa), was man durch Entlehnung des
lat. Wortes als messe (nach dem vlat.) ins Kent, und Merc. (messe belegt in
kent. Urk. und R1) und Lautersatz dieses kent. merc. e durch se in den
anderen Mrmdarten entsprechend merc. kent. e = gemeinae. ® aus west-
germ. a erklärt (so Luick, Hist. Gram. § 211, Anm. 1 nach Morsbach, Litbl.
f. germ. rom. Phil. 10, 89).
§ 56. Westgerm. i ist ae. normalerweise erhalten. Es steht daher in
Entsprechung a) von indogerm. i wie in bite Biß, wlite Gesicht, witan
wissen, Prät. wisse, wiste; ferner in der 2. Sg. Ind., dem PI. und Opt. Prät.
der starken Verba erster Ablautreihe, wie sti^e, PL sti^on, Opt. sti^e,
§ 382; b) von germ. i aus e: vor Nasal + Konsonant, wie in den Verben
bindan binden usw. § 386, 1, in blind blind u. a.; vor ursprünglich
folgendem i, j häufig in der 2. 3. Pers. Ind. Präs, der starken Verba der
in., IV., V. Ablautreihe, wie hilpö, bireÖ, iteö, ferner in /-Ableitungen
wie biddan bitten, sittan sitzen, lic^an liegen, dic^an nehmen, § 372.
Anm. 1. Über e für i s. § 45, Anm. 3.
Anm. 2. Lat. i ist als i übernommen in biscop, disc Tisch, trifot Tribut,
pipor Pfeffer, aber nach vulgärlat. e als e in pere Birne, sejn Zeichen (vlat.
segnu f. klass. signum).
§ 57. Das i wird eingeschränkt durch
1. die Brechung zu io (eo) vor r-, l-Verbindungen und h, bzw. zu
ws. ie (i, y) bei i-Umlaut, § 83ff.;
2. Übergang zu io (eo) vor w, § 88;
3. Kontraktion mit anderen Vokalen, § 130;
4. den Velarumlaut zu io (eo), § 108ff.;
5. Einwirkung vorhergehender w, § 114, § 116;
in einzelnen Mundarten auch
6. durch Dehnung zu i bei Ausfall eines folgenden 3, § 214, 3.
o
§ 58. Westgerm. 0 ist in der Regel erhalten, so boda Bote, jod Gott,
$old Gold, oxa Ochse, word Wort; sehr häufig im Part. Prät. der starken
Verba der zweiten, dritten und vierten Ablautreihe, § 384ff.
In einigen Wörtern steht, zumal in der Nachbarschaft von Labialen,
statt des zu erwartenden 0 ein u, z. B. full voll, wulf Wolf, wulle Wolle,
fu^ol Vogel, bucca Bock, cnucian stoßen, ufan oben, ufor höher hinauf,
§ 58-59. Westgerm. o. § 60. Westgerm. u
43
ufera der obere, lufu Liebe, lufian lieben, spura (neben spora) Sporn,
spurnan neben spornan spornen, murnan trauern, murcnian murren,
furöor weiter, furdum doch.
§ 59. Außerdem wird westgerm. o noch regelmäßig eingeschränkt:
1. durch den Übergang zu u vor Nasalen, § 82; der i-Umlaut dieses
u ist y, § 102.
2. durch den i-Umlaut zu oe, e, § 100.
Anm. 1. a für zu erwartendes o steht in angl. Mundarten (bes. merc.) in
marken (Dat. Sg. marne) Morgen (Vesp. Ps., Hss. der Beda Übers., Chad-
Leg.), Prät. warhte (Chad-Leg., sewarahtee Kästchen von Mortain, mit Se-
kundärvokal nach § 164), Part. Prät. ji-, jewarht (Chad-Leg., je einmal auch
Corp. Gl., Orosius und Beda-Übers.), walde wollte (in allen angl. Texten,
s. § 428, Anm. 4), scalde sollte (einmal in R1, regelmäßig in L), außerdem
einmal ^ewarden neben sonstigem geworden (Beda-Übers., s. Deutschbein,
Beitr. 26, 203). Zur Verbreitung s. Vleeskruyer, St. Chad, S. lOOf. (§22).
Sie finden (außer ^ewarden) ihre Fortsetzung im Me. (s. Jordan, Hb. d. me.
Gram. § 35, Anm. 1). Man könnte zur Erklärung dieser Formen außer scalde
an einen örtlich begrenzten (westmercischen) Lautwandel zwischen Labial
und Liquida denken, doch könnten sich auch alte Formen mit idg. o-Ab-
lautstufe (statt Schwundstufe) erhalten haben, so bzgl. marken das O. E. D.,
bzgl. walde, warhte, sewarht (vgl. auch as. giwarht, walda) Sievers, Beitr. 9,
562, bzgl. walde auch Flasdieck, Angl. 61, ISff. a vor r (statt ea wegen
‘Brechung’) wäre nach § 84, Anm. 1 zu erklären, scalde, das durch Laut-
wandel nicht erklärbar ist, müßte sich nach walde oder dem Präsens gerich-
tet haben, wenn nicht eine o-Ablautstufe zugrunde liegt (so Sievers, Beitr.
9, 562). - Auf verschiedene Ablautstufen dürften zurückgehen: nordh. dwala
(L) Irrtum neben gemeinae. dwola (so auch Rit. und manchmal L), merc.
sedweola (Beda-Übers., Elene) und schw. Vb. II. Kl. nordh. *dwalia (in
jedwaladon Rit.) neben gemeinae. (und nordh. gew.) dwolian (zu dieser
Wurzel vgl. Walde-Pokomy, Etym. Wb. I, 842. Ae. gehört noch dazu schw.
Vb. I. Kl. dwellan, Prät. dwealde; schw. Vb. I. Kl. ws. dwielman, st. Vb.
*dwelan, das nur im Part. Prät. ^edwolen erhalten ist, und das schw. Vb.
II. Kl. dwelian. Vgl. auch § 113, Anm. 10).
Anm. 2. Neben rodor Himmel (gew. PL rodoras, roderas) steht einigemal
rodor (Elene), vgl. alts. radur, altisl. rgöull.
Anm. 3. Über o in broden für bro^den vgl. § 214, Anm. 8.
Anm. 4. scöl Schule (lat. scola) hat ö jedenfalls nach der in England üblichen
Schulaussprache des Lateinischen.
u
§ 60. Westgerm. u erscheint normalerweise als u: Stadt, tust Lust,
sunu Sohn, hund Hund usw.; sehr oft in Präteritalformen der starken
Verba zweiter und dritter Ablautreihe, § 384ff.
Anm. 1. Über den Übergang zu o vor westgerm. r (aus z) wie in der Vorsilbe
or- zu got. us-, ahd. -ur s. § 45, 5.
44 § 60-61. w. § 62. Entsprechungen des westgerm. a
Anm. 2. Für sächs. kent. burh durch, steht merc. (Cp. Gl., Vesp. Ps. und
auch manchmal sonst, s. Vleeskruyer, St. Chad, S. 102, Fußnote 2) öorh,
nordh. Öerh. - Statt der negierenden Vorsilbe un- wird in späteren Hss.
nicht selten en- geschrieben und umgekehrt bisweilen un- für on- ent-, wie
unbindan entbinden.
Anm. 3. Vlat. p (klass. lat. ü, ö; 5 vor Nasal) wird ae. gewöhnlich durch u
wiedergegeben, wie in pund Pfund, munt Berg, munuc Mönch, nunne Nonne
(aus lat. pondo Abi., montem, monachus, nonna) oder must Most, scutel Schüs-
sel, cultur Pflugmesser (lat. müstum, scütula, cülter). Jedoch steht o in copor
Kupfer, box Buchsbaum, torr Turm (lat. c-üprum, büxus, türrem) und a, o
(§ 79) in fant font Taufbecken (lat. fontem).
§ 61. Verändert wird u durch:
1. i-Umlaut zu y, s. § 102;
und ws.
2. nach j geschrieben als eo, io, s. § 92, 1, a.
Anm. Über u, ü in fr-tinon, ^efrunen s. § 214, Anm. 8.
§ 62. Westgerm. ä aus germ. se (got. e1, § 45, 6 und § 46) ist im Ws. ie,
in den anderen Mundarten e, wie in reed red Rat, riedan redan raten, lietan
letan lassen, niedl nedl Nadel, miss mej Verwandter, sl&p slep Schlaf.
Den westgerm. ä schließen sich ä in frühen Lehnwörtern aus dem La-
teinischen an, wie in Street stret Straße, niep nep Rübe (lat. näpus),
außer in späten Lehnwörtern wie cäp Chorrock (vlat. cäpa für klass.
cappa, ne. cope), cäma Maulkorb (lat. cämu-s).
Anm. 1. Gegen die Annahme, germ. S habe sich ae. (angl. kent. unter
Verengung zu e) erhalten und die Entwicklung zu ä sei nur nordisch, nieder-
und hochdeutsch, nicht gemeinwestgerm. (auch die erhaltenen fries. Texte
haben e), spricht vor allem die Entwicklung zu ö vor Nasalen (§ 64) und die
Übernahme des lat. ä als », e, obwohl man bei diesen zur Not an Ersatz
durch den nächstverwandten Laut denken könnte. Die Ansicht, germ. ä?
habe sich zuerst gemeinwestgerm. zu ä entwickelt und dann erst wieder ae.
(und fries.) zu e, wird daher jetzt allgemein geteilt, trotz gegensätzlicher
Ansichten; s. Übersicht und Lit. Angaben bei H. Penzl, Anglistische Studien,
S. 167f.
Anm. 2. Obige Angabe, ie sei ws., e gelte in den übrigen Mundarten, ent-
spricht den Schreibungen der ae. Denkmäler. Von diesen haben die streng
ws. nur S, nicht streng ws., namentlich die poetischen auch gelegentlich e,
so stets in dem nur poetischen Wort mece Schwert (alts. mäki, aber ws.
m&ceflsc Schwertfisch, s. Luick, Hist. Gram. § 189, 1, Anm.). In nicht ws.
Texten ist » selten. Es fehlt ganz im Vesp. Ps. und steht nur vereinzelt in
Ep. Erf., in L und R2; etwas häufiger ist ® in Corp. und bes. in R1. Die
altkent. Urkunden haben oft ie neben e, aber auch S für e anderer Her-
§ 62, § 63. Entsprechungen des westgerm. ä
45
kunft (z. B. hier hier, § 66), ebenso schwankt äe und e für den i-Umlaut
von ae. ä (§ 97): die Schreiber waren anscheinend in der Bezeichnung der
identisch gewordenen Laute unsicher. Auf Grund von schallanalytischen
Untersuchungen hält Sievers e für eine zuerst im Steigton entwickelte Form
(Luick-Festschr. S. 71, § 23; Förster-Festsohr. S. 69, § 29 g). - Nach dem
Ausweis der späteren Sprachentwicklung (in Betracht kommen vor allem
die mit Striet- Stret- als erstem Bestandteil zusammengesetzten Ortsnamen,
bei denen wegen der allgemein eingetretenen Kürzung ae. S als me. a, ae. e
als me. e erscheint, z. B. Stratford neben Stretford, Stratton neben Stretton)
verläuft die Grenze zwischen te und e vom Wash längs der Grenze von Nor-
folk und Cambridgeshire quer durch dieses und Bedfordshire gegen Nor-
thampton, dann durch Warwickshire gegen den Nordrand von Worcester -
shire zum Severn und längs dieses Flusses; Kent gehört aber ins e-Gebiet.
Das »-Gebiet würde demnach das alte sächsische Siedlungsgebiet, Ost- u.
das südl. Mittelanglien umfassen. Zu dieser Grenze s. Pogatscher, Anglia.
23, 302; O. Ritter, Anglia 37, 268 und Verm. Beitr. S. 176ff.; A. Brandl,
Zur Geogr. der ae. Dialekte, S. 31ff. Da stellenweise die einschlägigen Orts-
namen spärlich sind, liegt die Grenze in Einzelheiten nicht ganz fest.
Anm. 3. Für gekürztes a? im zweiten Glied von Kompositis (§ 43, Anm. 4)
steht auch ws. e (wie für se in unbetonten Silben, § 44), so in hired Familie
(aus *hiw-rSd, ahd. hirät, angl. hwrod mit Suffixtausch, § 141, Anm. 3)
und den Adverbien (n)äwer, (n)öwer (n)irgendwo (neben ähwier, öhwigr) und
vielleicht auch in den Eigennamen dElfred (vgl. § 44, Anm. 8) und Eanfled
(neben EanflSd), doch könnte hier angl. Lautung vorliegen (vgl. ws. ielf
und § 96, Anm. 6).
Durch i-Umlaut wird ä?, e nicht weiter verändert.
Anm. 4. Ob ei statt e bei i-Umlaut in alten Glossen, wie breitibannae Erf.
(aber bredipannae Ep., brediponne Cp.), deid Tat (i-Stamm, s. § 269), auf
‘epenthetische’ Diphthonge weist, ist unsicher, weil in Cp. auch eil Aal vor-
kommt, wo kein i-Umlaut vorliegen kann. Vgl. dazu § 94, Anm.
§ 63. Abweichend von Obigem steht ä im Westsächsischen:
a) vor Liquida (r, l), Lippen- und Gaumenlauten und einem velaren
Vokal in der Folgesilbe, doch tritt analog zu verwandten Formen auch
hier oft ie ein. Derart erklärt sich PI. mä^as zu miej Verwandter (doch
auch m&sas nach dem Sg.), hräca Speichel, Schleim, die Prät. Plur.
üüjon, Öä^on, wä^on (st. Vb. Abi.-Reihe V) zu lic^{e)an liegen, Öics(e)an
empfangen, we^an wiegen (neben lie^on. die^on, wS^on und stets w&ron
waren, bieron trugen, stselon stahlen, brScon brachen, spi&con sprachen
wegen der zahlreichen Verba mit Dental wie sieten), släpan schlafen
(neben slxpan nach dem Subst. sliep Schlaf), PI. täte zum Sg. tsel Verleum-
dung (und dieser nach dem PI. auch täl), läcnian heilen (und liecnian
nach dem Subst. läece Arzt), äcumba Werg.
Anm. 1. Nicht ws. Texte haben in diesen Fällen fast stets e (slepan, le^on
usw.), doch steht in kent. Gl. auch einmal möjos N. PL, in R1 Prät. PI.
46
§ 63-65. Entsprechungen des westgerm. ä
säsun und sS^un neben sejun sahen und iära einst (ws. jeära, § 92, 1, c).
Letzteres Wort hat auch me. im ganzen Sprachgebiet die Entsprechungen
eines ae. ä (yare, yore). Poet, ssjon kann eine Angleichung des angl. se^un
an das Ws. sein, da die streng ws. Form säwon ist (s. unter b) und § 391, 2).
b) Vor w, dem kein i, j folgt, wie in der 2. Sg. Prät. Ind. säwe, PI.
säwon, Opt. säwe, säwen zu seon sehen (§ 391, 2; alts. säwi, säwun usw.;
angl. seje, sejun mit anderer Entwicklung des germ. jw, s. § 234, e),
^etäwe Ausrüstung und vielleicht auch in täwian bereiten (doch ist die
Quantität dieser Wörter unklar, s. Sievers, Beitr. 9, 297, Flasdieck,
Anglia 59, 51; vgl. got. Subst. tewa neben Vb. taujan, ahd. gizawa Gerät,
zouwen zurechtmachen) und in dem Fremdwort päwa Pfau.
Anm. 2. Ob in diesen Fällen ä nur ws. oder gemeinae. ist (wie bei kurzem
a, § 50, 2), läßt sich nicht entscheiden. Gemeinae. steht ä vor w im Präsens
und Part. Prät. der ehemaligen ‘Verba pura’ (mit vokalischem Wurzelschluß
auf idg. e, westgerm. ä, s. § 396, 3) bläwan blasen, cnäwan wissen usw., so
•bläva Rit., forbläuene Part. Prät. L, -cnäwa Vesp. Ps., L, R2 säwan sähen
und Formen dazu L, Vesp. Ps., cräwe Opt. Präs, zu cräwan krähen L, doch
könnte in diesen ä auf germ. ai zurückgehen, wenn man das Antreten eines
/-Suffixes vor dem des w-Suffixes annimmt (Luick, Hist. Gram. § 145,
Anm. 1, doch dagegen Jordan, Besprechung, Engi. Stud. 48, 130), zumal
sie as. und anscheinend got. ein solches, allerdings ohne w-Suffix, zeigen.
Auffallend wäre auch, daß die Verba pura auf -ö (z. B. ae. flöwan fließen,
gröwan wachsen u. a., s. § 396, 3) kein /-Suffix zeigen. Das as. /-Suffix
könnte daher stammen, daß diese Verba (bis auf einmaliges seu sähte,
Cotton.-Hs. des Heliand), wie später auch die Verba pura auf -ö im Nieder-
und Hochdeutschen, as. schwach flektiert werden. Die got. Formen sai(j)an,
waian werden verschieden erklärt, s. Braune-Hehn-Ebbinghaus, Got.
Gram.18, § 22. Zur Stammbildung dieser Verba vgl. Flasdieck, Anglia 60,
299-308. - In äwel Haken ist die Quantität des a unsicher. Me. südl. owel
weist auf Länge, ne. awl auf Kürze, könnte aber auf ae. sei Ahle zurück-
gehen.
Der i-Umlaut dieses ä ist ws. äj wie bei ä nach § 74, also läiwan ver-
raten (got. löwjan), selt&we vollkommen.
§ 64. Vor Nasalen geht westgerm. ä in ö über, s. § 80 und fällt mit
dem (nasalierten) ä aus an vor stimmlosen Spiranten (§ 45,7 und § 46)
und nach Aufgabe der Nasalierung mit germ. ö (§ 69) zusammen. Wie
dieses wird es bei i-Umlaut zu Öe, e (§ 101). Doch steht bei früher Kür-
zung a/o s. § 80, Anm. 3, bei i-Umlaut se, e, s. § 101, Anm. 3.
§ 65. Weitere Veränderungen des westgerm. ä sind:
1. Es wird durch Brechung vor Ä zu ea, eo, § 86, 4;
2. nach vorausgehendem Palatal steht ws. ea, § 91, b.
§ 66. Entsprechungen von westgerm. S. § 67-68. i. § 69. ö 47
e
§ 66. Das westgerm. e bleibt ae. unverändert, Äer hier, cen Kien, med
Lohn, lef gebrechlich, Wel-and Wieland; hierher gehören auch die e im
Präteritum ursprünglich reduplizierender Verba, wie slep schlief, § 395.
Anm. 1. Dem ahd. ziari (Abstr. zum Adj. zeri, ziari) entspricht ae. tir
Ruhm, ebenso ahd. wiara ae. wir Draht. Man könnte an verschiedene Ab-
lautstufen denken.
Anm. 2. Lat. e (oe), vlat. e wurde in frühen Lehnwörtern mit i, in lat. dritt-
letzter Silbe mit i übernommen, daher cipe Zwiebel (lat. cepa, aber oft
caepa geschrieben), aide Seide (lat. aeta), pin Pein (lat. poena), aber dinor
(lat. denäriua), aicor sicher (lat. secürus) und ti^ule Ziegel (lat. tegula) neben
titele (vielleicht mit vlat. Suffixtausch *tegilla) und t/i^le oder ti^le, s. § 159,
Anm. 3. In späten, besonders christlichen Lehnwörtern ist es aber als e,
bzw. e übernommen, wie creda Glaubensbekenntnis (lat. credo), bete Rübe
(lat. beta), fenix Phoenix (lat. Phoenix), bzw. rejoZ Klosterregel (lat. regula
Nebeneinander stehen cliroc und cleroc Kleriker (lat. dericue). Vgl. dazu
Pogatscher, Lehnworte § 11 und K. Luick, Archiv 126, 35ff. - Lat. i (ae)
wird als e und e übernommen, daher jefor oder fejor Fieber (lat. jSbris),
zur Quantität vgl. M. Förster, Der Flußname Themse, S. 574. Neben Grecos
Griechen (Elene, Sal. u. Saturn, Boethius Metra) steht auch Creacas (Wid-
sith, Orosius, Boethius Metra), am ehesten wegen angl. e, ws. ea vor c nach
§ 119 und 121, als Fehlschreibung, s. Flasdieck, Angl. Beibl. 40, 342f.
Anm. 3. Über Fälle von möglicher Diphthongierung von e zu ie nach Palatal,
s. § 91, d.
§ 67. Altes i erscheint fast durchgehends unverändert: hunl Zeit, min
mein, Öin dein, sin sein, wif Weib, rice reich; ferner im Präsens der
starken Verba der ersten Ablautreihe, § 382.
Mit altem i ist ehemals nasaliertes i aus i 4- Nasal vor Spiranten
nach Aufgabe der Nasalierung zusammengefallen, wie ftf (got. fimf)
fünf, s. § 186, 1 und weiter i aus ij in der Lautfolge -ijj-, z. B. Fri^
Freia (aus *frijjo~).
§ 68. Verändert wird i 1. bei Kontraktion mit folgenden Vokalen, § 130,
und 2. durch Brechung zu io, eo vor h, § 86, 5.
o
§ 69. Westgerm. ö bleibt im Ae. im allgemeinen erhalten, wie böc Buch,
jod gut, för fuhr, slö$ schlug usw.
Mit altem ö sind ö aus an vor Spiranten und ö aus westgerm. ä vor
Nasal zusammengefallen, s. § 64 und § 80.
48 § 69-70. Entsprechungen des westgerm. ö. §71-72. ü. § 73-74. ai
Auslautendes ö erscheint als ü in bü beide, cü Kuh und mit Ausfall
eines vorangehenden w (§ 173) in hü wie, tü zwei.
Anm. Der Unterschied zwischen ae. cü und as. cö, ahd. kuo dürfte auf
Verallgemeinerung des Lautstandes in verschiedenen Kasusformen zurück-
gehen. c geht auf einen idg. Labiovelar zurück, s. Walde, Auslautgesetze,
S. 81 f.; N. van Wijk, Idg. Forsch. 19, 393; G. S. Lane, JEGPh 35, 22. -
bü kann sich nach tü zwei gerichtet haben. - Daß in der Präposition tö
das ö erhalten ist, kann mit ihrer häufigen proklitischen Stellung Zusammen-
hängen, s. Walde, Auslautgesetze, S. 49 Fußnote.
§ 70. ö wird durch i-Umlaut zu öe, e, s. § 101.
ü
§ 71. Dem westgerm. ü entspricht regelmäßig ae. ü, so hüs Haus, tün
Stadt, brücan brauchen, lücan schließen und vor Vokal büan bauen.
Mit altem ü ist ehemals nasaliertes ü aus u -f- Nasal vor Spiranten
nach Aufgabe der Nasalierung zusammengefallen, z. B. üs uns, cüd
kund, düst Staub, hüsl Opfer, Prät. dühte zu dyncan usw.
§ 72. Durch i-Umlaut werden alle ü zu (festem) y, s. § 103.
ai
§ 73. Westgerm. ai ist ae. ä, z. B. äd Eid, stän Stein, hat heiß, sär Wunde,
hätan heißen, wät weiß, weiter im Prät. der starken Verba erster Ab-
lautreihe, § 383. Altem ai hat sich angeschlossen ai aus der Lautfolge
ajj-, z. B. (mit z-Umlaut § 97) «3 Ei (aus *ajja-}, Ton (aus *clajja-},
wie 3 Wand (aus *wajju-)> hnx^an wiehern (aus *hnajjari).
Anm. 1. Neben ä steht ö in ä, ö immer, je (got. aiw, mit Abfall des w nach
langem Vokal nach § 174, 3) und in den Zusammensetzungen öwiht neben
äwiht, öhwteöer, öwöer neben ähw&der, äwder (§ 346), was Pogatscher, Angl.
Beibl. 13, 15 durch Kürzung zu 0 im Nebenton und nachträglichen Aus-
gleich der Qualität erklärt. Ansonsten tritt ö für ä erst in Hss. des 12. Jahr-
hunderts auf, s. Kiaeber, Anglia 25, 270f. Einmaliges söri^ für säri^ (Cura
past. 227, 8, Hs. H) ist wohl ein Schreibfehler.
Anm. 2. Über wea, Obi. wean Wehe, Schmerz neben wä, wäwa (vgl. got.
wai Interjektion) s. § 128, Anm. 3.
Anm. 3. Langes ä für lat. ä in einigen späteren Fremdwörtern wie säcerd
Priester (lat. säcerdos), mä^ister, cälend Kalenden und wohl auch pälendse
Pfalz (lat. pälätium), tälenta u. ä. beruht wohl auf Bewahrung eines Neben-
tons auf der (lat. betonten) zweiten Silbe, s. § 137, Anm. 4 und Luick.
Hist. Gram. § 218, 2.
§ 74. ä wird durch i -Umlaut zu gemeinae. &, s. § 97.
§ 75-76. Entsprechungen des westgerm. au
49
au
§ 75. Westgerm. au ist ae. regelmäßig ea: eac auch, eaca Vermehrung,
fteaj Ring, heafod Haupt, ^eleafa Glaube usw.; dann in der 1. 3. Sg. Ind.
Prät. der starken Verba zweiter Ablautreihe (§ 384) ceos wählte, teah
zog usw.
Altem au (idg. au, ou, § 45, 4) hat sich angeschlossen au aus aw und
zwar 1. in der Lautfolge aww (über auw, § 173, Anm. 2) wie in ^leaw
klug (flekt. jZeawe usw.), Äeawan hauen, sceawian schauen, hneaw geizig
(schw. flekt. hneawa usw.) vgl. genau; 2. in der Lautfolge -awa (in der
•w nach Apokope des -a, § 143, in den Auslaut zu stehen kam), wie N.
Sg. *strea Stroh, *hrea roh, doch tritt bei diesen -w analog in den
endungslosen Kasus wieder an. Die flekt. Kasus lauten lautgesetzlich
*strawes, *hrawes usw.; diese Formen sind aus ae. strawberi^e neben
streaw- Erdbeere und den me. ne. Formen straw, raw zu erschließen;
von streaw sind sie ae. (zufällig) nicht belegt, hreaw führt den Diphthong
auch in ihnen analog durch (PI. hreawe usw., s. § 301), soweit ae. Formen
belegt sind; 3. in der Lautfolge -awu (mit Ausfall des w nach § 173) wie
in *clea Klaue (Gen. clawe, § 50,2) oder Nom. PI. neutr. fea, Dat. PI.
jeam (aus */awu, *fawum, gew. jeawe mit analogem w, § 301, Anm. 1);
4. mit i-Umlaut (nach § 104, § 106) in der Lautfolge -awj-, wie in ws.
ci(e)jan, außerws. cejan rufen (aus *lcawjari), ws. hi(e)5, außerws. Äej
Heu (aus *hawja), angl. *stre^an streuen, § 408, Anm. 12 (aus *strawjari),
ws. iej, Tj außerws. ej Insel (aus *aw/o; in lat. Beda-Hss. ei, nordh.
später e).
Anm. 1. In ganz alten Hss. wird statt ea auch Sa und So geschrieben
(vgl. § 35, Anm. 1), so in Eigennamen im Moore-Ms. von Bedas Kirchen-
geschichte (etwa 737, s. Sweet, Oldest Engi. Texts, S. 131ff.) ASodbaldum,
^Eodbaldo, jEanheri, .Eata, Eanfled (neben Formen mit Ea-)', im Liber
Vitae Eoateruini (neben Eo-); im Corp. Gl. ^enaeot Genosse. - Schallanaly-
tisch hat Sievers für sehr alte Texte eine sehr breite Aussprache des ersten
Bestandteils des Diphthongs erschlossen (Luick-Festschr. 8. 73, § 30; För-
ster-Festschr. 8. 65, § 26 a).
Anm. 2. Über nordh. eo für ea s. § 35, Anm. 1, über ew für eaw § 89, Anm. 3.
§ 76. Verändert wird ea:
1. durch i-Umlaut zu ws. ie (i, y), außerws. e, § 106;
2. durch Ebnung zu e, § 119, § 121;
3. durch vorausgehende Palatale spätws. zu e, § 123.
Anm. S, e für ea in anderen Stellungen erscheint zuerst in einigen Hss.
des 11. Jahrhunderts (so Sdi^, hSjde Haupt in Textus Roffensis, auch in
späteren Aälfric Hss., s. Luick, Hist. Gram. § 356, Anm. 1). Diese Schreibun-
50 § 77. Entsprechungen des westgerm. eu
gen weisen auf die beginnende Monophthongierung zu S. - ya für ea begegnet
in kent. Gl. des 9. Jahrhunderts vereinzelt, so tö smyagenne = tractanda.
eu
§ 77. Westgerm. eu (s. § 45, 3) erscheint regelmäßig als eo: beod Tisch,
deop tief, deor Tier, öeod Volk, leof lieb, seoc krank; ferner in den Präsen-
tien der starken Verba der zweiten Ablautreihe wie ceosan usw., § 384.
Altem eu hat sich angeschlossen eu aus ew in der Lautfolge eww (über
euw, § 173, Anm. 2) wie in hreowan reuen, treow Treue; weiter in der
Lautfolge -ewa (bei Abfall des auslautenden -a nach § 143) wie im N.
Sg. treo Baum (aus *trewa), cneo Knie (aus *cnewa), öeo Diener (aus
*$ewa) und in der Lautfolge -ewu (mit Ausfall des w nach § 173) wie N.
Akk. PI. treo Bäume (aus *tr'ewu), cneo Kniee (daneben Sg. und PI. treow,
cneow, deow mit Antritt eines w aus den Formen mit anderen Flexions-
endungen § 250, 2).
Weiter steht eo im Prät. der ursprünglich reduplizierenden Verba
Kl. II wie feol, heold, beot, bleow usw., s. § 396 und in dem etymologisch
unklaren Prät. eode ging (s. § 430, Anm. 1).
Anm. 1. Über nordh. ea für eo s. § 35, Anm. 1. Bei dem aus ew entstande-
nen eu ist nordh. ea nur dann eingetreten, wenn keine Formen mit -ewu
bestanden. Es heißt daher stets treo, cneo (neben trew, cnew nach § 89)
wegen des N. A. PI. trewu, cnewu, aber Öea, weil dieses Wort als Mask, keine
Formen auf -u hatte.
Anm. 2. Über nordh. ew, eu für eow s. § 89.
Anm. 3. Übergang von altem eo zu io ist außer im Kentischen (§ 38) selten.
Über einige Fälle in L, R1, Vesp. Ps. vgl. Sievers, Z. ags. Vokalismus S. 26ff.
Bei rhetorischer Überhöhung im Steigfallton stellte Sievers (Z. engl. Laut-
geschichte S. 16, § 14) io aus eo in der Cura past. schallanalytisch fest.
Anm. 4. Auf Grund schallanalytischer Untersuchungen hat Sievers in ganz
alten Texten noch die Aussprache eu im Fallsteigton festgostellt, hingegen
eo im einfachen Fallton (Förster-Festschr. S. 66, § 27 a). Die Schreibung
eu findet sich noch manchmal in ganz alten Aufzeichnungen, so steu/pfaedaer
Ep. Gl., Hreudjord Beda Hs., Eumer dsgl., Sceuticald Liber Vitae, treu Corp.
Gl.
Anm. 5. Unklar ist die Herkunft des eo in preost Priester. Das Wort wird
gewöhnlich (so wie hd. Priester und franz, prestre, pretre) von lat. griech.
presbyter hergeleitet, wobei man eine vlat. Umstellung des s (also zu *pre-
bester) annimmt. Der ae. Diphthong müßte dann durch eine (vlat. oder
engl.) Vokalisierung des b, v zu u erklärt werden (s. Pogatscher, Lehnworte,
§ 142; Martz, Bibi. Personennamen S. 62, Anm. 135). Andere Herleitungen,
so die von Lindstrom, Engl. Stud. 20, 147 f. von lat. praepositus (über ein
franz. *preosts als angenommene volkstümliche Form neben gew. franz, ge-
lehrterem prevost, ae. prafost, projost) oder von Varnhagen, Engl. Stud. 16,
154f. von lat. prior mit dem Superlativsuffix -ost passen in der Bedeutung
§ 78. Entsprechungen des westgerm. iu
51
nicht gut. Vgl. die Übersicht über die verschiedenen Ansichten bei MacGil-
livray, The Influence of Christianity etc. S. 70ff.
iu
§ 78. Westgerm. iu (aus eu, s. § 45, 3 und § 46) ist normalerweise zu
ae. io geworden, doch hat sich dieses io bloß im Nordh., von eo getrennt, bis
ans Ende der ae. Zeit erhalten, im Kent ist io auch für eo eingetreten
(s. § 38). In den merc. Texten (Vesp. Ps., R1) ist io selten und meistens
durch eo ersetzt. Im Westsächs. steht io nur manchmal im Altws. und
geht auch hier in eo über; in den meisten Wörtern ist es jedoch durch
i-Umlaut zu altws. ie bzw. ‘unfestem’ i und zu spätws. ‘unfestem’ y
weiterentwickelt, weil westgerm. iu vor einem i, j der Folgesilbe ent-
standen war. Beispiele sind: liode leode Leute; lioran leoran fortgehen,
Sesirion ^estreon Besitz; briosa breosa Stechfliege; stioran steoran steuern.
Mit altem iu aus eu hatte sich westgerm. vereinigt iu aus i + u bei
Übertragung der Flexionsendung -u, wie im Pron. dem. süo, seo die
(alts. siu), dios Öeos diese, in hio heo sie (Pron. pers.), drio Öreo drei
(neutr.). Ferner entstand iu aus der Folge -iju bei altem Schwund des
j wie in friond jreond Freund (nordh. gegen § 38 oft freond, wofür keine
befriedigende Erklärung gefunden ist, s. Sievers, Z. ags. Vokalismus,
S. 51; Luick, Hist. Gram. § 102, Anm. 1), fiond feond Feind, frio freo frei,
blio bleo Farbe (-iju- lag in diesen Fällen nur in einigen Kasus vor, wurde
aber verallgemeinert, s. van Helten, Beitr. 15, 463. Vor palatalen Vo-
kalen blieb ij- erhalten, daher Gen. Sg. fri^es, Akk. Sg. mask. fri^ne,
darnach auch Dat. PI. fri^um s. § 297, Anm. 2); weiter in der Lautfolge
-iwwj- durch Spaltung des -ww- in -uw- (§ 173, Anm. 2) in angl. niowe
neu (ws. niwe wegeta. i-Umlaut, s. § 107, Anm. 5), Alow ws. hiw Gestalt,
Gen. jKowes ws. ^liwes Freude; in dem poet. Prät. spiowde spie, und in
siouu Corp. Gl. ich nähe (s. § 408, Anm. 15).
Anm. 1. In den ältesten Texten steht statt io noch manchmal iu, so piustra
(yis. Öiestru nach § 107 und § 280) Dunkelheit, ^epiudde verband Corp. Gl.;
Liutfrith, Friumon Liber Vitae; jliu Freude Ep. Gl., Corp. Gl.; vor w
Biumdf Liber Vitae.
Anm. 2. Auf Grund schallanalytischer Untersuchungen stellte Sievers für
alte Texte iu im Steigfallton, io im einfachen Fallton fest; dieses geht dann
in eo über (Luick-Festschr. S. 72, § 29; Förster-Festschr. S. 66, § 27, d).
Anm. 3. Über nordh. iu, iw (auch eu, ew) für ww s. § 89.
Anm. 4. io, eo vertritt auch lat. ia in dem Lehnwort diofol, deofol diabolus.
Anm. 6. Über den Zeitpunkt des Überganges von io zu eo im Merc. vgl.
Flasdieck, Angl. Beibl. 41, 37f. Er setzt ihn auf etwa 800 an, Luick, Hist.
Gram. § 261 ‘im achten und neunten Jahrhundert (in einzelnen Unter-
dialekten zum Teil später)’.
52
§ 79. Stellung vor Nasalen
2. Übersicht über die speziellen Beeinflussungen betonier Vokale
durch Nachbarlaute
a) Stellung vor Nasalen
§ 79. Germ, a wird vor Nasalen nicht zu ae, sondern zu einem dunklen
a-Laut, der in den in frühws. Texten mit a neben o, in kent. des 9. Jahr-
hunderts und im Angl, meist mit o, im Ws. undKent. des 10. Jahrhunderts
zunehmend mit a, im späteren Ws. (JSlfric-Hss., ws. Evangelien) fast
ausschließlich mit a bezeichnet wird. Daher land lond Land, man(n)
mon(n) Mann, nama noma Name, camb comb Kamm, lamb lomb Lamm
usw.
Anm. 1. Von den ältesten Texten schreiben Ep. Gl. meist a, Erf. a und o
ziemlich gleich oft, Corp. öfter o als a; Leid. Gl. a und o fast gleich oft, die
ältesten nordh. Texte häufiger o als a, die späteren, auch Vesp. Ps., fast
nur o, R1 meist o. Die frühere Ansicht (Sievers, Ags. Gram.3 § 65, Bülbring,
El. B. § 123, Luick, Hist. Gram. § 110), daß vor Nasalen ein offener o-Laut
galt, über dessen Bezeichnung die Schreiber im unklaren waren und daher
bald a, bald o setzten, ist in dieser Form kaum völlig haltbar. Nach schall-
analytischen Untersuchungen von Sievers (Luick-Festsohr. S. 70, § 21; Zur
engl. Lautgeschichte S. 10) ist im Fallton mit einer dunkleren, im Steigton
mit einer helleren Variante des Phonems zu rechnen. Zwischen diesen hat
sich ein Ausgleich gebildet. Daraus könnte sich auch das Durchdringen von
o in Präpositionen wie on und jrom erklären. Da sich me. im Westen und
Südwesten fast nur o findet (das auch in den ne. Mundarten erhalten ist,
nur in mony mancher ist wie in den erwähnten Präpositionen o weiter ver-
breitet), könnte das Schwanken in den frühws. Texten auf merc. Einfluß
beruhen. Sonst hat sich a im ganzen Sprachgebiet durchgesetzt, s. Luick,
Hist. Gram. § 367; Jordan, Hb. d. me. Gram., § 30.
Anm. 2. Im Nordh. steht regelmäßig a in den Prät. der st. Verba Ablaut-
reihe III, 1 (§ 386), also jeband, jesan^, spranc, on^ann usw. Ws. galt auch
hier a neben o, daher auch bei späterer Metathese des r am orn rannte,
bam bom brannte, s. § 386, Anm. 2 u. 3.
Anm. 3. Außerhalb des Starktons ist a vor Nasalen fest in Endungssilben,
z. B. Inf. -an (§ 363, 1) und in den obl. Kasus der schwachen Subst. (z. B.
jwman usw. § 276). -on ist in diesen Fällen selten. Hingegen ist in den Akk.
öone den, hwone wen, Instr. don, hwon (§ 337, § 341) und den Adverbien
öonne dann, hwonne wann und der Präposition on (nicht in dem betonten
Adverb, das sich der allgemeinen Regel anschließt) o so ziemlich fest, am
ehesten findet sich noch an; dane, hwane steht öfters in spätws. Texten,
öanne, hwanne in R1, seltener in altws. Texten. Außerdem findet sich spät-
ws. und angl. auch Öaene, hwsene, die aus Analogie zu den Gen. dass, hwaes
und den Dat. öäem, hw&m erklärt werden können; weiter auch die Adv.
hwaenne, d&nne (neben angl. hwoenne nach § 115 und penne) und maeni^
menis als Formen mit i-Umlaut. Daneben stehendes manij, moni^ erklärt
sich aus dem ursprünglichen Suffix westgerm. -ag.
Anm. 4. end neben and ond und, Blickl. Hom., Corpus, Erf. Gl., kent. Urk.,
§ 80-81. Stellung vor Nasalen
53
Csedmon Hymn., Runenkästchen; aend Ep. GL geht auf eine Form mit
i-Umlaut (also germ. *andi) zurück, vgl. as. endi, ahd. enti, an. enn.
§ 80. Westgerm. ä (§ 45, 6; § 46) wird vor Nasalen zu ö (das mit anderen
ö zusammenfällt, § 69), daher möna Mond (got. mena), nömon sie nahmen
(got. nemun), mönad Monat (got. menöps), cwömun sie kamen (got.
q&nun), söna bald, spön Span, ^edön getan, bröm Reisig, wöm, wöma
Lärm, öm Rost, und nach § 92, 1, b ^eömor jammervoll.
Anm. 1. Ebenfalls zu ö wurde westgerm. nasaliertes ä bei Ausfall eines
Nasals vor Spiranten, also bei gemeingerm. Ausfall vor % in fön (got. fähari)
fangen, hön (got. hähan) hangen, drohte (got. brähta) brachte, Ööhte (got.
frühta) dachte, öö (Ep. noch thöhae, § 218, Anm. 5, got. pähö) Ton, wöh (got.
wahs) tadelhaft, öht (ahd. &hta) Verfolgung, töh (ahd. zdhi) Zehe und bei
anglofries. Ausfall eines Nasals vor p, s, f (§ 46 u. § 186, 1) in jöa Gans, höa
Schar, söö wahr, töö Zahn, ööer ander, söfte Adv. sanft, vgl. § 64 und § 69.
Anm. 2. Durch i-Umlaut wird dieses ö wie die anderen (§ 101) zu öe, e, so in
cwSn Frau (got. qens), wen Hoffnung (got. wen) secweme bequem (ahd.
biquämi), ^eseman versöhnen, jeieme (ahd. gizämi) u. a., vgl. die angl. Formen
cwöen, wöen, ^ecwöeme. Deshalb ist ben&man berauben, dazu ws. nlednSme,
nydnieme räuberisch, -nidnSm, nydneem Sb. Raub kaum zu erklären. Mit Bül-
bring, El. B. § 193, Anm. mit einer Sonderentwicklung vor -m- zu rechnen,
ist wegen der anderen, erwähnten Fälle nicht möglich, s. Bespr. von Luick,
Angl. Beibl. 14 (1903), 294. Für eine Stammform mit germ. ai (Sievers, Ags.
Gram., 3. Aufl., § 68, Anm. 1, darnach Luick a.a.O. und Hist. Gram. § 187,
Anm.) fehlen Parallelen in verwandten Sprachen. Am ehesten wird man an
Analogie zu Wörtern wie dsel Teil, ^edSlan teilen mit Björkman, Angl.
Beibl. 29, 338 denken können. Späteres ae. näm Sb. ist nordg. Lehnwort.
S. Holthausen, Etym. Wb.
Anm. 3. Neben altem som- halb zu griech. (wie in somcucu halblebendig
u. a.) erscheint später gewöhnlich sa/m-, das wohl auf Kürzung schließen
läßt. Unerklärt ist ^eamrins (einmal jemrunj) Jammer (‘gemitus’) Vesp.
Ps. Die Quantität des ea, e steht nicht fest, doch vgl. ws. ^eömor jammer-
voll, und ahd. jämar. Übrigens ist auch kurzes a vor Nasal im Vesp. Ps.
regelmäßig o. Morsbach, Angl. Beibl. 7, 326 und darnach Bülbring, El. B.
§ 192, Anm., § 299, § 300 denken an Erhaltung des westgerm. ä, ohne hier-
für Gründe oder ParaHelbeispiele angeben zu können, Luick, Hist, Gram.
§ 169, 3 an einen der im Vesp. Ps. seltenen Fälle von ea für eo (s. § 35,
Anm. 1), was am wahrscheinlichsten ist.
§ 81. Westgerm. e wird vor altem m zu i in niman nehmen (ahd. neman,
as. niman, afries. nima), jedoch nicht vor n, daher cwene Frau (ahd.
quena), und nicht vor mn aus fn wie emn eben (aus efn), stemn Stimme
(aus stefn) nach § 193, 2.
Anm. In niman könnte auch analoges i vorliegen, so van Helten, Beitr. 34,
124.
54 § 82. Stellung vor Nasalen. § 83. Die Brechungen
§ 82. Westgerm. o vor Nasalen wird zu u, bzw. u nicht zu o (§ 45, 5)
und zwar auch vor einfachem Nasal, nicht nur vor Nasal + Kons, wie
gemeinwestgerm., daher cuman kommen (ahd. coman), ^enumen ge-
nommen (ahd. ginoman), -numa Empfänger (ahd. -nomo), wunian
wohnen (ahd. wonen), dunor Donner (ahd. donar).
b) Die Brechungen
§ 83. Unter Brechung verstand J. Grimm im Ae. allgemein den
Übergang eines kurzen e in eo, a in ea (und i in io). Hier werden, wie
sonst in der ae. Grammatik, nur diejenigen dieser Übergänge damit
bezeichnet, welche durch den Einfluß eines nachfolgenden Konso-
nanten zu erklären sind (also nicht ea, eo, io aus ‘Velarumlaut4 vor
gutturalem Vokal der Folgesilbe § 108ff. und nicht die Diphthongierung
nach vorhergehenden Palatalen § 90ff.).
In Betracht kommt für diese Brechungen Stellung vor rr, r + Konso-
nant, ll, l Konsonant und vor einfachem h (/).
Anm. Keine Brechung tritt ein vor rj und vor dem aus Ij durch westgerm.
Konsonantengemination (§ 227) entstandenen ll(j), wie in nerian, tellan,
seUan, hell usw. Ansonsten behindert ein -i, -j der Folgesilbe die Brechung
im allgemeinen nicht, doch sind bei '-Umlaut Veränderungen der Brechungs-
diphthonge festzustellen (§ 104ff.). Nur im Angl, scheint die Brechung von
i vor rr, r + Kons, und folgendem i wenigstens teilweise zu unterbleiben,
z. B. nordh. firr ferner L, angl. afirra(n) entfernen, cirm Lärm Corp. Gl.,
dmel Kem Corp. Gl., hirtan ermutigen Vesp. Ps. (zu heorte Herz), vielleicht
auch die nordh. Formen von *stniran schmieren (§ 408, Anm. 5), die aller-
dings auch aus Formen mit Ausfall des w (§ 173, Anm. 1, § 408) erklärt wer-
den können. Corp. Gl. ^eswirwid könnte an solche angelehnt sein. Doch
heißt es regelmäßig angl. hiorde, heorde Hirte und iorre zornig (§ 107). Vgl.
Bülbring, Engl. Stud. 27, 85; El. B. § 187, Anm.; Luick, Hist. Gram. § 139, 2.
Ob Fälle mit i vor rc oder rht und folgendem i, j, wie angl. birce Birke und
birhtu Glanz, durch Unterbleiben der Brechung zu erklären sind, ist nicht
ganz sicher, s. § 120, Anm. 4. - Unklar ist ws. brerd Rand (neben brord
Spitze) neben nordh. breard, briord (§ 288, Anm.); vielleicht liegt i-Umlaut
von o vor.
Die Brechung muß früher begonnen haben als die Entwicklung der
Gleitelaute nach vorhergehenden Palatalen (§ 90ff.) und die Durch-
führung des »-Umlauts (§ 95ff.), weil die ws. Entsprechungen verschieden
sind, je nachdem ob Brechung vorliegen kann oder nicht (nach Palatalen
ws. ie, i, y für westgerm. e, bei Brechung eo, das nicht weiter verändert
ist, § 91, Anm. 7; bei »-Umlaut für westgerm. a bei Brechung ws. ie,
i, y, ohne diese e oder as). Der ‘Velarumlaut’ ist noch später wirksam,
weil auch durch »-Umlaut entstandene -e- davon beeinflußt werden
(s. § 110, Anm. 2).
§ 84. Die Brechungen 55
Die Formen der Brechung sind:
1. Vor r 4- Konsonant.
§ 84. Germ, a wird zu ea; germ. e zu eo; germ. i vorerst zu io, das aber
nur nordh. und kent. als solches erhalten bleibt, merc. in eo übergeht,
ws. (da es meist vor folgendem i, j stand, s. § 45, 2) wegen i-Umlaut zu
ie, später zu ‘unfestem’ i, y (§ 41) wurde. Daher earm arm, wearp warf,
weard ward (got. arms, warp, warp); heorte Herz, steorra Stern, eorde
Erde, weorpan werfen (alts. herta, sterro, ertha, werpari); nordh. hiorde
Hirt, iorre zornig (merc. heorde, eorre, ws. hierde, ierre; got. hairdeis,
airzeis).
Anm. 1. a statt ea vor rr, r + Kons, findet sich einigemal in den alten Glos-
sen, so ßuarm Bohrer Corp. (thuearm Ep.), uarras Schwielen Leid. Gl. (weorras
Corp. § 35, Anm. 1), sarwo List Corp. (neben searu), sparuua Wade Ep.
Erf. (spearwa Corp.), tharm neben Pearm Darm Corp., bisparrade versperrte
Corp. Weiter steht a einigemal im Altnordh., so tharf Bedarf Bedas Sterbe-
lied, uard Csedm. Hymn., barnum dsgl., (aber jeard Moore-Ms., $ard Lenin-
grad-Ms.), uarp Weberzettel Leid. Rätsel, baruae Akk. Sg. Hain, Farne
Eign. lat. Beda-Hss. Im späteren Nordh. steht a oft in L so ar$ arg, arm,
darr, darston wage, wagten, darf neben dearf Bedarf, aber stets eam Adler;
im Rit. in arm neben earm Arm, arm arm, PI. jarra Farren u. ä.; in R2 Prät.
am, warp, ward, darste; in harm-cwedun, Öarfa dürfen u. ä.; R1 hat einige
a nach w und j (/), so ward neben weard ward, iarwian neben jearwian be-
reiten. se steht in neddserje (neben neddarj) R2 und in pserf Vb. (und davon
bedaerfed, einmal bePerjed) R1, wobei es sich wie bei se für ea im Vesp. Ps.
um eine Vernachlässigung der Gleitelaute handeln kann (so S. M. Kuhn,
PMLA 60, 648). bam Kind steht einmal in frühkent. Urk. Selten ist ea in
den (schwächer betonten) zweiten Teilen von Kompositis, wie in -ward,
•hard, s. § 43, 2. ea fehlt auch meist in gelehrten Lehnwörtern, wie arce-,
serce- in arcebisc(e)op Erzbischof, in martrian martern, arc Arche (aber öfters
auch earc als älteres Lehnwort oder in Analogie), carcem Kerker (selten
cearcem). Da die Erklärung der Brechung eine hellere Aussprache des west-
germ. a voraussetzt, handelt es sich bei den Schreibungen mit a sicher nicht
um Unterbleiben der Brechung (außer in Lehnwörtern), sondern um weiter-
gehende Veränderungen in lokaler Aussprache oder durch die Tonlage. -
e statt eo vor r + Kons, kommt in den alten Glossaren vor, wie herth Herd
Ep. (sonst heord), huerb (später hweorja) Würfel Cp., dann in Bern- als
erstem Bestandteil von Eigennamen (später Beom-) in alten Urk. und lat.
Beda-Hss. Dies kann auf Vernachlässigung der Schreibung der Gleitelaute
beruhen.
Anm. 2. Die Brechungsdiphthonge erscheinen auch, wenn der zweite Kon-
sonant ausfällt, so Gen. jeores, dweores, meares zu jeorh Leben, dweorh quer,
mearh Roß. Über die Dehnung vgl. § 218, 1.
Anm. 3. Vor Verbindungen r -j- Konsonant, die erst durch Metathese des
r entstanden sind (§ 179), unterbleibt ws. und kent. die Brechung, angl.
kommt sie vor. Es heißt also ws. kent. berstan bersten, derscan dreschen,
56
§ 84, § 85. Die Brechungen
ferse frisch, ^sers Gras, bserst barst und am om lief, bam bom brannte (mit
a, o nach § 79), Subst. first Frist (i-Stamm), st. Verba biman brennen, irnan
laufen (§ 386, Anm. 2); angl. zwar nordh. Öersea Rit. und einmal Öserscende
Part. Präs. L (nach § 54 Anm., wenn es kein Schreibfehler ist, s. unten),
3®rs Gras L (neben ^ers-, Ra jers, daneben ohne Metathesis Dat. jrese, Dat.
PI. ^rasum), Prät. am lief (L, R8, mit dem Vokal von halp, s. Lindelöf, süd-
north. Mundart § 48), aber daneben gewöhnlich dearsca in L, bioma st.
Verbum brennen (Rit. R8) merc. beoman (Vesp. Ps., R1), ioma rennen (Rit.),
eoman (Vesp. Ps., R1) und auch schw. Verb, bema in L (mit e als t-Umlaut
von ea, § 104, s. Flasdieck, Angl. Beibl. 40, 343—345). Ws. fierst, biernan,
ieman (Cura past. H) sind wohl nach § 22, Anm. 3 zu erklären, wenn auch
spätws. fyrst, byman (schon Orosius) und yman vorkommt (auch me. urne
Rob. v. Gloucester, Lajamon, King Hom, doch kann dort u für eo stehen),
doch gehen auch diese y nicht notwendigerweise auf altws. ie zurück (s. § 22,
Anm. 2; anders Luick, Hist. Gram. § 136, Anm. 1 und § 262, der an Bre-
chung denkt). Ws. beam, eam (§ 386, Anm. 2) sind wohl Neubildungen nach
wearp. Durch i-Umlaut eines a, o vor Nasal und spätere Metathesis sind zu
erklären ws. schw. Verbum bseman brennen, seman rennen und vielleicht
auch sem Haus (Erf. ren- in ren-öe^n) und hsem Woge (Ep. hraen, Erf. raen),
wenn diese Wörter i-Stämme sind. Da aber sem got. razn, hsern got. *hrazn
(altn. Ärpnn) entspricht, wäre auch die Entwicklungsreihe razn * rsezn
rsenn (mit Assimilierung von zn zu nn) sem möglich, nur ist dann der Laut-
wandel a zu se vor dem Wandel von z zu westgerm. r anzusetzen (vgl. Luick,
Hist. Gram. § 186, Anm. 3, wo weitere Literaturangaben, dazu noch Weyhe,
Beitr. 30, 55 f.).
Anm. 4. Über hserfest vgl. § 50, Anm. 2 und § 96, 3, d und Anm. 4.
Anm. 5. In einigen alten Schreibungen steht iu für io, so lurminbur^,
lurmenric Liber Vitae, vielleicht uuiurthit wird, Bedas Sterbespruch, doch
ist in diesem Wort nach § 114 y (i-Umlaut von«) zu erwarten, ein Brechungs-
diphthong könnte nur analog zu Verben ohne anlautendes w stehen. - Über
nordh. ea für eo vgl. 35, Anm. 1. - io für eo und neben diesem steht in kent.
Gl. und Urk., dann auch manchmal im Altws. (Cura past. bes. H: ciorl
neben ceorl, fiorm Speise neben feorm, dazu fiormian, feormian, fiorr neben
feorr fern) und mehrfach in späteren Texten (poet. Texte, Übersetzung der
Soliloquia, des Boethius, Canterbury Psalter).
Anm. 6. Über Fehlen der Brechung vor rc, r$, rh im Angl. vgl. § 120. -
Über Veränderungen nach ws. § 112-114.
2. Vor l 4* Konsonant
§ 85. Vor l 4- Kons, stehen ea, eo nur in beschränktem Umfange. Sie
sind allgemein bei westgerm. a zu ea im Westsächsisohen und Kentischen,
im Anglischen steht in diesen Fällen a. Bei westgerm. e (und i) ist eo (io)
westsächs. und kent. nur vor Ih eingetreten, außerws. vor If. Es heißt daher:
ws. kent. feaUan fallen, eald alt, healp half, healf halb, aber angl. fallan,
ald, halp, half-, ws. kent. seolh Seehund, Gen. seoles (vgl. § 84, Anm. 2
und § 218, 1), eolh Elch; außerws. seolf selbst (ws. seif, bzw. silf, sylf nach
§ 85. Die Brechungen 57
§ 124), aber gemeinae. swellan schwellen, heim Helm, helpan helfen,
swellan sterben usw.
Anm. 1. a für ea vor l 4- Kons, kommt auch im Westsächs. und Kent,
besonders in älteren Texten oft vor, so bei ^Elfred und in den alten kent.
Urkunden, was auf merc. Einfluß beruhen wird (s. § 2, Anm. 7). Erst spät-
ws. und spätkent. ist ea allgemein durchgeführt. Auf Grund der Weiter-
entwicklung (bei me. Dehnung vor Id) stellt Ekwall, Contributions to the
history of Old English Dialects, fest, daß nördlich einer Linie Themse-Avon-
Bristol Kanal auch die Grafschaften Essex, Middlesex, Hertfordshire, Bed-
fordshire und Oxfordshire zum ea-Gebiet gehörten. Diese sind sächsisches
Siedlungsgebiet. — Wie bei a statt ea vor r + Kons. (§ 84, Anm. 1) handelt
es sich bei a statt ea vor ll, l + Kons, nicht um ein ‘Unterbleiben’ der Bre-
chung, sondern um einen mundartlichen weitergehenden Einfluß der Z-
Artikulation auf den vorhergehenden Vokal. Er muß aber bereits vor der
phonemischen Spaltung der Gaumenlaute vor diesen Vokalen liegen (s.
§ 206, 7), wie aus den Ortsnamenformen bes. mit cealc Kalk oder ceald kalt
als erstem Bestandteil deutlich hervorgeht, s. Ekwall, a.a. O. und Hallqvist,
Studies in OE. fractured ea. Hingegen ist die Schreibung eo für e sicherlich
durch die vor den Folgekonsonanten bedingte stärker velare Artikulation
der l bedingt.
Anm. 2. Über Veränderungen bei »-Umlaut s. § 96, 4 und § 104ff. Über
hselfter vgl. § 50, Anm. 2, § 96, 3 und Anm. 6; über .'Eljred (neben ws. ielf)
§ 96, Anm. 6; über -wald, -bald im zweiten Teil von Kompositis § 43, 2.
Anm. 3. Keine Brechung tritt ein in dem späten Lehnwort psell ‘pallium’.
Da vor einfachem l keine Brechung eintritt, fehlt sie vor Verbindungen
l +• Kons., die erst durch Synkope entstanden sind, so in fald Hürde (älter
falud Corp. und mit Suffixablaut nach § 141, Anm. 3, falaed Ep., Erf., Corp.;
die Synkope ist zuerst in den Kasus mit Flexionsendungen eingetreten, s.
§ 159, Anm. 8); vielleicht aus demselben Grund in balca Balken, dalc Spange,
wenn vor le nicht eine Sonderentwicklung anzunehmen ist; dann in ws.
selmihtis (kent. elinehtij § 52 und § 104) allmächtig (vgl. ahd. alamahtic,
Synkope nach § 167, a), aber in Anlehnung an das Simplex eall spätws.
auch eallmihti^. Im Angl, scheint vor einfachem l auch die Entwicklung
zu a eingetreten zu sein, so Vesp. Ps. hwalas Walfische, wyrtwalan Wurzeln,
palend singend, joZen gesungen (gegenüber e bzw. ea vor anderen Kons.,
s. § 52 und § 109), s. § 109, Anm. 6; nordh. allmectij Csedm. Hymn. Hs. C.,
alme.ttij Ruthw. Kreuz, allmxhti^ L, Rit.
Anm. 4. Da vor ll aus Ij keine Brechung eintritt (s. § 83, Anm.), heißt es
(mit »-Umlaut aus se, § 96) hell Hölle, tellan sagen, sellan übergeben (so Cura
past., spätws. syllan nach § 124; nordh. sealla ist wohl Velarumlaut, s.
§ 110, Anm. 2), aber mit Brechung vor urgerm. Geminata ws. kent. feallan,
eall, weallan.
Anm. 5. Beispiele für Brechung von i sind selten. In Betracht kommt bloß
ws. 3. Sg. Ind. Präs, fyli^ed für altws. *fielhÖ mit sekundärem i nach § 165, a
zu feolan (aus *jeolhari) haften.
Anm. 6. Unsicher ist, ob Brechung von e (?’) vor le vorkommt. Nach 8
scheint sie vorzuliegen in äseolcan (Genesis 2167, Hs. äsealcan nach § 35,
Anm. 1) erschlaffen. Hingegen sind nicht durch Brechung zu erklären: ws.
58
§ 85, § 86. Die Brechungen
tniolc, meolc (angl. milc) Milch, dazu miolcian, meolcian melken schw. Vb.
II. Kl. neben melcan st. Vb. (nicht *meolcan, wie manchmal wegen meolc^ende,
Blickl. Hom. angesetzt wird, welches zu meolcian gehört, s. Luick, Hist.
Gram. § 137, Anm. 3), weil aus *miluc mit Synkope und Velarumlaut ab-
zuleiten; ebenso jeofca Dotter (aus *jeoZoea), wahrscheinlich auch heolca
Reif (vgl. Weyhe, Beitr. 31, 47), doch kaum poet. -leolc red. Prät. zu läcan
spielen (s. § 394). Ebenso liegt Velarumlaut und Synkope, aber keine Bre-
chung vor in heolstor Schlupfwinkel (Ep. Gl. helustr), heoljor Blut (helabr
Gl. ed. Napier, 53, 19). jeoZwe PI. zu seolu gelb hat eo durch Velarumlaut
nach dem Sg. Vgl. Luick, Hist Gram. § 137, Anm. 1 und § 342.
3. Vor h (x)
§ 86. Vor h (/) ist die Brechung bei allen kurzen und langen primären
palatalen Vokalen (§ 7, Anm.) eingetreten, also von a? (westgerm. a)
zu ea, e zu eo, i zu io, wests. ie (westgerm. a) zu ea, e zu eo, < zu io, doch
erscheinen die Schreibungen angl. wegen ‘Ebnung’ (§ 119) nicht und
auch im Westsachs. und Kent, sind sie später vielfach aufgegeben
(s. § 121, § 122), abgesehen von den Veränderungen durch i-Umlaut
(§ 104ff.). Es steht daher bei
1. germ. a: ws. kent. eahta acht, medhte konnte, medht Macht, neaht
Nacht (gewöhnlich miht, niht mit i-Umlaut § 95, Anm. 7), feax Haar,
weaxan wachsen (vgl. got. ahtau, mdhts, nahts, fahs, ahd. wahsan), die
st. Prät. fünfte Ablautreihe ^efeah zu ^ejeon freuen, seah zu seon sehen,
und vor ausgefallenem h (§ 218, 2) slean (für *sleahan aus *slahan)
schlagen.
Anm. 1. Ohne Brechung erscheint gewöhnlich das Fremdwort trahtian ver-
handeln (lat. tractare), doch auch mit analogem Brechungsvokal treahtian.
Anm. 2. slean läßt sich am zwanglosesten durch Annahme der Brechung
vor dem ausgefallenen h erklären. Da dem h ein velarer Vokal folgte, ist die
Brechung auch bei a nach § 50, 1 eingetreten und dieses daher kaum ur-
sprünglich, vgl. § 50, Anm. 4. Über angl. Formen s. § 128, Anm. 4, § 129, 2
und § 130, 2.
2. germ. e: feoh Vieh, eoh Pferd, pleoh Gefahr, Imp. ^efeoh, seoh (zu
$efeon, seon, s. § 391, 2), jeohtan fechten.
Anm. 3. io für eo und neben diesem steht außer in kent. Urkunden (in die-
sen auch ia, wie D. Sg. riahte) auch manchmal altws. (Cura past. fioh neben
feoh, plioh neben pleoh, cnioht neben cneoht), dann im Canterbury Psalter,,
in der Boethius-Übersetzung (vgl. § 84, Anm. 5).
3. germ. i: tiohhian, teohhian anordnen, teoh Reihenfolge, miox, meox
Mist, dann in den Eigennamen Wioht Insel Wight, Piohtas, Peohtas
Pikten (kent. auch ia wie Piahtred Urk.).
4. westgerm. d, ws. «, angl. kent. e (§ 62): ws. neah nahe (got. neh-),
§ 86. Die Brechungen. § 87-88. Vokalentwicklung vor w
59
dazu mit h-Ausfall ws. near Komp, und ^enealaecan nähern; kent. nur
nlor belegt, angl. (Vesp. Ps.) neolScan.
Anm. 4. Für germ. e2 (§ 66) fehlen Belege.
5. germ. i: io ist nur selten belegt, so altws. Wiohstan Eigenn. und mit
Ä-Ausfall Inf. tion zeihen, Sion gedeihen, wrion bedecken, lion leihen,
sion seihen (§ 383, 1); Cant. Psalter betwioh (auch betwyoh) zwischen,
und mit h-Ausfall beiwion-, Imp. awrioh. Sonst steht eo nach § 38: leoht
leicht (got. leihts), betweoh, betweon, teon, öeon, wreon, leon, seon und die
Imp. leoh, teoh, Öeoh, wreoh. Weiter gehört hierher wohl auch weobud,
weofod Altar mit Ä-Ausfall, s. § 43, Anm. 4.
Anm. 5. Neben betweoh muß es auch eine Form mit gekürztem i gegeben
haben, wie aus ws. betwuh hervorgeht (§ 114, Anm. 4).
c) Vokalentwicklung vor w
§ 87. Westgerm. a und ä, letzteres zumindest, im Westsächs. (§ 63,
Anm. 2), sind vor w, dem kein i, j folgte, a, ä, s. § 50, 2 und § 63, b.
Anm. Für a vor w fehlen (zufällig) außerws. Belege, s. § 50, Anm. 5. -
Bei i-Umlaut wurde die Lautfolge -awi- zu -ewi-, -ewe-, s. § 96, 1, die Laut-
entwicklung ist also dieselbe wie bei i-Umlaut von westgerm. a — ae. ®
vor anderen einfachen Konsonanten, z. B. ewe Schaf, strewede streute (und
Präs, strewian mit Umbildung nach der II. Kl. der schw. Verba, § 408,
Anm. 15), cleweöa das Jucken. Wenn neben e in einigen dieser Wörter eo
erscheint, so ist dies eher durch Velarumlaut bei späterem Suffixtausch
(§ 110, Anm. 3) zu erklären, als durch w-Einfluß nach § 88, zumal in cleweöa,
bei welchem ein solcher Suffixtausch nicht eintreten konnte, nie Diphthonge
erscheinen (so Luick, Hist. Gram. § 230, nebst Anm. 1 gegen Bülbring, El. B.
§ 257). Gegen die Erklärung durch Velarumlaut spricht nur äbeowed (§ 408,
Anm. 15), doch könnte auch bei diesem eine Nebenform nach der II. Kl.
schw. Verba (*äbeowod) bestanden haben. — Westgerm. äwi wird bei i-Um-
laut ws. zu Sw(i), z. B. bri&w Braue (angl. brej mit anderer Entwicklung
von germ. gw, § 234, Anm. 3), ISwan verraten.
§ 88. e und i sind vor w zu eo, io geworden, daher hweowol Rad, Öeowian
dienen, Gen. cneowes, treowes, Öeowes zu cneo Knie, treo Baum, Öeo
Diener (§ 77, auch cneowes, treowes, Öeowes mit Länge nach dem Nom.);
niowol abschüssig, öriowa dreimal (später Öreowa), äseowen geseiht (nur
mit eo belegt).
Anm. 1. Wegen der Ähnlichkeit im Ergebnis rechnet Luick, Hist. Gram.
§ 133ff., diese Diphthongierung zur Brechung.
Anm. 2. Vor i (also in der Lautfolge -iwi-, § 45, 2) ist die Diphthongierung
nicht eingetreten, daher spiwe, spiweöa (aus *spiwi, *spiwiöa) das Speien,
niwel abschüssig (aus *niwil, neben niowol aus *niwal mit Suffixablaut,
§ 141, 3), siwian nähen, spiwian speien (urspr. schw. Vb. I. Kl. § 408, 3,
60
§ 88—89. Vokalentwicklung vor w
neben siotzrätn, spiowian wegen des Übertritts in die II. Kl.). In anderen
Fällen ist i analog für io eingetreten, so driwa dreimal nach drija, in den
Part. Prät. der st. Vb. I. Kl. aapiwen gespien, äaiwen (neben äaeowen) ge-
seiht, nach anderen Verben dieser Klasse (z. B. riden). Altws. sind die i
alleinherrschend geworden. — Anderseits finden sich analog io-Formen auch
vor i in der Folgesilbe, z. B. $eaiuwid, jesiowid genäht Corp. Gl. wegen
der nach schw. Vb. II. Kl. umgebildeten Formen; s. § 408, 3. - Unsicher
sind nordh. Schreibungen mit iu, iw neben iuw, iow wegen § 89.
Anm. 3. Keinen Diphthong zeigt ws. jesewcn gesehen Part. Prät. s. § 391, 2
und Anm. 8.
§ 89. Im Nordh. sind low und Zow weitgehend zu Iw, Sw vereinfacht
worden, wobei unsicher ist, ob es sich bloß um eine graphische Verein-
fachung oder um einen Lautwandel handelt. Es heißt daher für iow,
eow aus iu + w, eu + w (§ 77, § 78) niwe, niue neu, iwer iuer euer, iwih
(auch iwh, iuh) euch, iw euch, jefriwe getreu, triwleas treulos, und ebenso
in Formen von *^itriwa glauben (s. § 417, Anm. 10); fewer feuer vier,
treu trew Baum, cnew Knie (mit analog nach den flektierten Kasus
angetretenem w, § 250), trewufast getreu, -hreues 3. Sg. Ind. Präs, reut,
Setreweö glaubt; Prät. nach § 396, 2 sebläuu bließ, PI. -blewun, oncneu
(auch -cnäsw, cneaw nach § 35, Anm. 1) wußte, hrewun (auch hräeuun)
ruderten; für iow, eow nach § 88 oder durch Velarumlaut (§ 108ff.)
priuwa dreimal, 8iwa diua Dienerin, (PI. öiuwas, Dat. diowum), jiwija,
^iuia verlangen (Präs. Ind. PI. jejiamid, Part. jiwende, 3iuen.de, ^iu-
wende), 3. Sg. siuied näht (doch vgl. § 88, Anm. 2); Dat. Sg. Öeua Diener,
Dat. PI. Öa^wum; Dat. Sg. cne“o, cnew Knie, Dat. PI. cnewm, cneuum
(neben cneouum), Akk. PI. cnewa. Diese Schreibungen sind in L besonders
häufig, dann im Rit.; seltener sind sie in R2; sie kommen auch in R1
und Vesp. Ps. vor.
Anm. 1. Daher ist wohl auch Vesp. Ps. öiw^en Opt. PI. dienen (sonst Öio-
wian, deowian) derart zu erklären. Vereinzeltes Öiwen Diener fruhkent. Urk.
gehört aber eher zu § 88, Anm. 2.
Anm. 2. Über die Schreibung u, uu für w in den nordh. Texten vgl. § 171,
Anm. 1.
Anm. 3. Für eaw wird, wiewohl seltener, ebenfalls ew geschrieben; so in L
un^leu unklug, aceware Schauer, D. PI. inacewun^um ‘inspectionibus’, ewun^a
Adv. offenbar (für -sleaw, sceaware, -un^, Sawun^a, bzw. für das nordh. nach
§ 35, Anm. 1 dafür eingetretene -$leow usw.).
d) Stellung nach Palatalen
§ 90. Nach palatalen Konsonanten werden vor einfachen Vokalen oft
Gleitelaute geschrieben und manchmal erscheinen auch weitergehende
Veränderungen.
§ 90. Stellung nach Palatalen
61
In Betracht kommen:
1. Gleitelaute vor primären palatalen Vokalen (§ 7, Anm.) nach
germ. j und den in dieser Stellung palatal ausgesprochenen c (sc) und
5 (s. § 206, 1).
Diese Schreibungen sind vor allem westsächsisch, Spuren finden sich
auch nordhumbrisch. Es wird ae. as zu ea, e zu ie, ws. äs (westgerm. ä,
§ 62) zu ea, germ. e zu ie. * bleibt unverändert. Sa ist bei i-Umlaut ws.
weiter zu fe verändert, diese ie und die auf S zurückgehenden werden
ws. später zu ‘unfesten’ f, y (§ 41). Sa wird im späteren Ws. auch zu S
(§ 123).
2. Schreibungen vor velaren und sekundären palatalen Vokalen
(§ 7 nebst Anm.) nach germ. j und nach sc (§ 206, 4). Dies ist ebenfalls
vor allem ws., aber auch nordhumbrisch, und findet sich auch z. T. im
Kentischen, nirgends ganz regelmäßig durohgeführt, und bedeutete
wenigstens teilweise überhaupt keine Veränderung des Lautwertes.
Auf diese Weise steht für u: iu und eo, für o: eo, für ä: eä.
Anm. 1. Die Notwendigkeit der Unterscheidung dieser beiden Fälle ergibt
sich z. T. bereits aus den ae. Schreibungen, vor allem aber aus der Weiter-
entwicklung. Bei den palatalen Vokalen handelt es sich sicher zuerst um
Bezeichnungen von Gleitelauten, die sich vor den Vokalen entwickelt haben,
wobei bei ea dem zweiten Bestandteil, dem der Ton zufiel, die Qualität des
se bzw. & weiter zukam. Es waren also Bezeichnungen von Stellungsvarianten,
welche aber von den ebenso bezeichneten bei ‘Brechung’ oder ‘Velarumlaut’
verschieden waren. Da und dort ergab eich aber durch Verschiebung der
Betonung oder weitergehenden Einfluß des Palatals ein e (s. § 123), also
eine phonemische Abspaltung. Ws. ie wird ebenfalls einen Gleitelaut vor
e bezeichnet haben (also anders als bei Brechung mit i-Umlaut, §104—107),
doch bedeutet die Schreibung i, y gewiß einen weitergehenden Einfluß des
Palatals und damit eine phonemische Abspaltung und Zusammenfall mit
dem im letzteren Fall entstandenen ie (i, y). Bei den velaren Vokalen ist,
abgesehen von Sonderfällen (s. § 92, Anm. 1 und 2; § 92, 2 a), in der Weiter-
entwicklung der ursprüngliche Vokal erhalten. Wenn es eich in diesen Fällen
um Bezeichnung von Gleitelauten handelt, waren nur Stellungsvarianten
entstanden, die man me. und ne. nicht mehr bezeichnete, wie denn schon
die ae. Schreibungen schwanken, eo (io) für u nach germ. j ist wohl über-
haupt nur eine Graphik, weil eu ae. nicht üblich war und iu zu Lesefehlern
Anlaß geben konnte; vgl. die Transkription von lat. Jugurtha als SeoweorÖa
(Orosius), wobei das zweite eo als Fehlschreibung wegen des späteren wu-
für weo- (§ 113) erklärt werden kann.
Anm. 2. Der Unterschied zwischen 1. und 2. beruht auf der anglofries.
Spaltung der germ. Gaumenlaute in palatale und velare (§ 205). Da
ae. c, 5 (germ. g) vor velaren Vokalen velar blieben und diese Aussprache
sich auch bei späteren Veränderungen der folgenden Vokale (Entstehung
von sekundären Palatalen durch i-Umlaut) nicht änderte, werden nach c, 3
nur die primären Palatalvokale verändert. Germ, j hingegen war stets palata-
62
§ 90-91. Stellung nach Palatalen
ler Reibelaut und bei anlautendem sc hat sich vor allen Vokalen im Laufe
der ae. Zeit palatale Aussprache des fc entwickelt (s. § 206, 4). Nach diesen
werden daher auch vor velaren Vokalen und sekundären Palatalvokalen
Gleitelaute geschrieben bzw. e, i zur Andeutung der palatalen Aussprache
der Konsonantenzeichen.
§ 91. An Stelle der primären Palatalvokale steht demzufolge nach
§90, 1:
a) für ae. ae im Westsächs. ea: seaf gab, -^eat erwarb, seat Tor (aber
PI. satu), ^eatwe Rüstung, ceaf Spreu, ceaflas PI. Kinnladen, ceaster
Burg (lat. castra), sceal soll, sceajt Schaft, Geschöpf, sceatt Schatz,
Münze, sceabb Aussatz, scear 3. Sg. Ind. Prät. schnitt; dazu mit {-Um-
laut siest $ist $yst Gast, tiefes Kebse, ciele cyle Kühle, stieppan stippan
scyppan schöpfen, tietel cytel Kessel.
Außerhalb des Ws. steht gewöhnlich ae, bei {-Umlaut e, also $aef gab,
caester Burg, scaeft Schaft, vereinzelt nicht streng ws. auch scael soll; im
Nordh. steht aber in L und Rit. teilweise ea, so jea/ gab L, sealt Tor
neben $aet L, seet Rit., ceastre L, Rit. neben zweimal caestre L, sceafte
Dat. Sg., sceafia Gen. PI. L neben scaeftes G. Sg., scaeft, ^iscaeft Rit. In
L kommen auch Schreibungen mit ea? vor wie je®/ gab, -je®# erlangte.
R8 hat keine ea außer einmal in sceattas zu ws. sceatt Münze und einmal
sceacrum D. PI. zu ws. sceacere Räuber, die aber Velarumlaut nach § 109
oder ea für velares a nach sc nach § 92, 2, d haben könnten. Ebenfalls
unsicher ist sceal L R2, sceaU Rit. neben je einmal scael L, scal Rit., da
auch hier ea nach sc für a (§ 85, Anm. 3) vorliegen könnte. R1 hat
einige Formen mit ea wie ceastre neben caestre, seatt seate Tor und sceal
neben scal soll. Bei {-Umlaut steht außerws. überall e oder ae nach
§ 96, 2, also säest, jes#, cele, cefes, sceppend.
Anm. 1. Kent, und merc. (Vesp. Ps.) steht e statt ae nach § 52, also je/,
cester, scel, scet.
Anm. 2. Formen mit ae bzw. bei {-Umlaut mit e kommen auch in sonst ws.
Texten vor, sie sind aber nicht als streng ws. anzusehen, so auch sceppend
(Cura past. Hs. O neben stieppend und stippend) Schöpfer, und das bei
ASlfric gewöhnliche scedöan schädigen (nur die poet. Texte haben das spät-
ws. zu erwartende scyödan). In einigen anderen Fällen ist Analogiebildung
möglich, wie etwa im Imp. scaef, scaf neben sceaf (zum st. Vb. sc($)afan,
§ 368, Anm. 2 und § 392, Anm. 1). Außerdem fehlt ws. ea in spät aufgenom-
menen Fremdwörtern wie cseppe Kappe, csefester Halfter (von lat. cappa,
capistrum), wo c velar blieb. Das bei yElfric regelmäßige sesthüs kann nord.
Lehnwort sein.
Anm. 3. Auch ws. steht ea nur dann, wenn nach § 49 und § 50 se zu er-
warten ist; es heißt also jokm singen, calan frieren, janjan jonjan gehen,
§ 91. Stellung nach Palatalen
63
camp comp Kampf, weil c, 3 vor a, 0 velar waren; dazu mit »-Umlaut nach
§ 96, 3, d ssedelins Verwandter, &t-, tossedere zusammen.
b) Für ws. S (westgerm. ä, § 62) steht ea: jear Jahr, jea ja, ^eafon
gaben, -^eaton erlangten (diese beiden Prät. PI. mit Übertragung des
bloß im Sing, zu erwartenden palatalen 3 in den Plural, ^eafon außerdem
mit analogem S statt des vor velarem Vokal nach § 63, a zu erwartenden
ä), ceace Wange, sceap Schaf, onjedn wiederum (mit Ausfall des 3 und
Dehnung von % zu äe nach § 214, 3; nordh. -3^3», Vesp. Ps. nach § 52
-38371; über die Formen s. § 214, Anm. 8); vielleicht auch scearon schoren
(wenn analoges ä? nach § 63, a Ausgangslaut ist, sonst sceäron nach § 92).
Bei »‘-Umlaut steht ws. ie, y in *c»ese, cyse Käse (lat. Akk, cäseum).
Außerws. e für westgerm. ä bleibt als solches erhalten, auch bei »-Um-
laut, daher außerws. 3er, cece, scep und auch cese. Nur nordh. findet
sich stellenweise ie (je) und als weitere Veränderung i; wie j»e Rit., 3»,
3»ee L aber meist je (so stets R2) ja und scip L, Rit. R2 (einmal auch
R1, sonst scep) Schaf.
Anm. 4. Auch außerws. e als »-Umlaut zu ea (ws. ie, i, y, § 104) bleibt nach
Palatalen erhalten, wie nordh. ^ema hüten, jemnisse Sorge, jiceja rufen,
Dat. cepe Kaufmann, doch kommt nordh. (Rit.) jimunjo Hochzeit (R1
jemwnj, ws. jiemunj, jymunj) und dazu jwnwnjeZic hochzeitlich (R1 je-
munjZtc) und jimunjia heiraten vor, also mit derselben Entwicklung zu i
wie scip.
c) Für westgerm. e steht wests. ie (», y) wie ^iefan geben, yieju Gabe,
-jietan bekommen, ^ield Opfer, ^ieldan bezahlen, ^ieUan gellen, ^ielp
Prahlerei, $ielpan prahlen, sied Spruch, scield Schild, scieran scheren
bzw. ^ifan syjan, ^ildan syldan, ^ilpan sylpan, scild scyld, sciran scyran
usw.
Außerhalb des Ws. bleibt e erhalten; ea heißt also sefan, ^eldan,
-jetan, sceld usw.
Anm. 5. Spätws. steht gewöhnlich ‘unfestes’ y (§ 31), doch erscheint in dem
Verbum ‘geben’ fast stets i, so daß man bei diesem Wort an eine Verallge-
meinerung des i denken muß. Diese kann durch das Subst. j»/f bedingt sein
(Luick, Hist. Gram. § 172, Anm. 2), zumal in der 2. 3. Sg. Ind. Präs, i laut-
gesetzlich war (§ 45, 2, § 371). Daß die Verallgemeinerung des i von diesen
Formen allein ausgegangen wäre (so Bülbring, Angl. Beibl. 11, lOlf. und
El. B. § 306, Anm. 3), ist weniger wahrscheinlich, wenn auch eine solche bei
anderen Verben (Verbis contractis, s. § 129, Anm. 4) in angl. Mundarten
gelegentlich vorkommt. Außerhalb des Ws. steht ^ibaen Part. prät. Ep. Gl.,
Rit. und L haben stets e.
Anm. 6. Formen mit e kommen auch in’ sonst ws. Texten vor, sind aber
nicht als streng ws. anzusehen.
Anm. 7. Durch Brechung nach § 53ff. entstandenes eo wird nach Palatalen
64
§ 91-92. Stellung nach Palatalen
nicht weiter verändert. Es heißt also auch ws. ceorjan spalten, ceorl Mann,
jeom begierig, sceorjan schürfen.
Anm. 8. Bei Velarumlaut (§ 108ff.) steht ws. statt ie io (später eo) (s. § 111,
Anm. 8). Auf diese Weise ist am leichtesten zu erklären: ws. ^iofu $eofu
Gabe, siofol ^eofol freigebig, ceole Kehle (mit o/o-Umlaut in den flektierten
Kasus und Übertragung des io, eo auf den Nom.). Neben diesen Formen
kommen aber solche ohne Velarumlaut vor, so siful, sifol, Nom.ji/u (jiefu).
d) ie für ae. e (germ. e2, § 45, 6) dürfte vorliegen in ws. 3iet(a), jiJ(a),
3yt(a) noch (außerws. stets neben jert, letzteres wohl mit kurzem Vo-
kal anzusetzen) und dem poet. jien(a) noch, wieder, das angl. und poet.
gewöhnlich jen(a) lautet, dem eigentlichen Ws. aber fremd ist (Jordan,
Eigentümlichkeiten des angl. Wortschatzes S. 48ff.). Daneben steht
nordh. auch jeöna R2L, 3§äna L, die wohl zu § 92, 1, b gehören. Ety-
mologisch sind diese Wörter unklar. Außerdem findet sich ie für e manch-
mal in jle ihr, und zwar spätws. und gew. in L und Rit., selten in R8
(hier auch zweimal ji), doch ist die (außer in L und Rit.) vorherrschende
(altws. und merc. allein vorkommende) Form 3S.
§ 92. Vor velaren und sekundären palatalen Vokalen nach germ.
j und nach sc tritt auf:
1. Nach germ. j (geschrieben j oder i, § 175) kommt vor:
a) eo, altws. jo für ae. u in jjonj jung, sjogod Jugend, doch kommt
daneben auch u und ju vor, also itmj, iu^ud und jjwnj, j/mju J; spätws.
ist die gew. Form $o, also jeonj, jeojoJ. Kent, steht neben iun^ eben-
falls manchmal 3/0713, ebenso jjojod. Im Vesp. Ps. und R1 heißt es
stets jtmj, 3U3UÖ (iu^uÖ); nordh. (R2, L) 31713 und (R2, L, Rit.)
doch L Komp, jiunjra und Rit. einmal jiunj. Gelegentlich begegnet
31713 auch sonst, so Akk. mask. jinjne Elene 353, 975, Gen. PI. jmjra
Elene 159, Dat. Dan. 102 (doch daneben auch jeon^ Elene),
317136 PI. Chad-Leg. und schw. fl. 31713071 Blickl. Gl.
Anm. 1. Die nordh. Form jinj wurde früher als nach dem Komp, und Sup.
gebildet erklärt (vgl. § 307, § 310), in dem früh und allgemein Entrundung
des lautgesetzlichen y eingetreten war (vgl. § 31, Anm. 2; altws. allgemein
sin^ra, sinkest, Komp, jinjra Vesp. Ps., R2, Sup. jinjesta L; daneben
nach dem Positiv analog ohne i-Umlaut gebildet iun^ra, sun^ra Vesp. Ps.,
jiwnjra L), so Paul Beitr. 4, 42f., Sievers, Beitr. 9, 207, 566f.; Bülbring,
Angl. Beibl. 9, 99 und El. B. § 307, c. Da aber nordh. u auch nach sc manch-
mal als y und vielleicht als i erscheint (§ 92, 2 a) und jijod keinen i-Umlaut
haben kann, schlägt Sievers, Z. ags. Vokalismus S. 27, Fußnote 3 (und dar-
nach Luick, Hist. Gram. § 169, Anm. 4) weitergehenden Einfluß des voraus-
gehenden j vor (also eine Entwicklung vor iu über yu zu y und Entrundung
zu i). Die außerhalb des Nordh. begegnenden 3in$ ebenso zu erklären, wäre
möglich. Me. ist jinj auch außerhalb des nordh. Gebiets ziemlich verbreitet.
§ 92. Stellung nach Palatalen
65
Anm. 2. Vereinzelt begegnet auch jenj, so schw. fl. jenja Elene 464, Dat.
jenjwm Daniel 102; dies könnten Schreibfehler sein, wenn auch die mittel-
kent. Formen yeng (neben yong) und yegefre Jugend einen Übergang von y
zu e für das Kent, nach § 31, Anm. 1 als möglich erscheinen lassen.
b) Bei o und ö (verschiedener Herkunft) ist iS, eS ziemlich gemeinae.,
so ws. j/oc jeoc Joch, sjömrian ^eömrian jammern, ^eörnor jammervoll;
ebenso kent. 310c (neben ioc), sjömrian, nordh. jeocc L, aber iocc Rit.,
weiter nordh. $eöna noch R2L neben sgäna L, dieses wohl mit für
eö wegen ea für eo anderer Herkunft, s. § 35, Anm, 1.
Anm. 3. Über merc. (Vesp. Ps.) jeaznrinj ‘gemitue' vgl. § 80, Anm. 3.
Anm. 4. Nordh. jeonja gehen (L, Rit., neben jjonja Rit., einmal jfonja R2
wo sonst jonja; Opt. siunga, 1. Sg. Ind. jjwnjo L), dazu wohl Imp. Sg.
jeonj Beow. 2743 und Subst. jeonj Weg L, Rit. (auch in Kompositis wie
bi^eons Rit., inn^ong Rit., ymbgeons Rit., w£jeonj L u. a., hinions Bedas
Sterbelied entsprechend ws. heonen^an^} muß durch Eindringen eines
palatalen j aus dem Prät. (poet. jeonj, jionj) oder dem Part. Prät. (nordh.
^iead R3, L) erklärt werden, das mit germ. j nach § 206, 8 zusammengefallen
war. Vgl. Bülbring, El. B. § 492, Anm. 1; Luick, Hist. Gram. § 170; Flasdieck,
Anglia 60, 287.
Anm. 5. Die zum germ. Stamm */ana-, *janji- (in ahd. jener) gehörenden
beseondan Präp. und Adv. jenseits, jeond Präp. und verbale Vorsilbe, dazu
einmal tö seonre byrs Cura past. 423, 25, sind am leichtesten von der Stamm-
form *jana- (ohne i-Umlaut) mit o vor Nasal (§ 79) zu erklären, wobei aller-
dings auffallend ist, daß spätws. Formen mit a nicht belegt sind. Man
könnte Beeinflussung von jeond annehmen, das o in unbetonter Stellung
nach § 25, Anm. haben kann, eo wäre dann die übliche Schreibung nach germ.
j. Angl, steht auch beseondan, ^eond (R1), bejeonda (R1, L) bzw. jieond-
(Rit., in sieondjzer Imp. Sing, illustrare), aber einmal befände L, das wohl
am ehesten Schreibung mit ea statt eo wegen ea neben eo in anderen Stel-
lungen (s. § 35, Anm. 1) ist. Bülbrings Annahme von VeIar-(a/o)-Umlaut
von e als i -Umlaut einer Form von einem Stamm *janji- (Angl. Beibl. 9, 99
und El. B. § 249) ist kaum nötig, wenn auch Formen vorkommen, die auf
diesen zurückgehen müssen, so ws. jtend (Cura past., einmal Orosius),
bi^ienda L (zweimal, einmal beienda) und das spätere ws. sind, synd (am
ehesten als mit i, y für altws. ie). Auch kent. jend wird dazu gehören, obwohl
man ws. sind und einmaliges kent. sind' (in sinddrencan kGl 111) auch auf
einen Stamm *jin- (von idg. ablautendem *eno- statt *ono-) zurückführen
könnte. Die me. und ne. Formen yond, beyond weisen auf ae. ftejeondan,
Seond, das me. jend, bisende wird, soweit es kent. ist, auf ae. kent. jend
zurückgehen, ebenso nordh. auf entsprechende nordh. Formen, aber im
Westen (Lajamon u. a.) könnte auch Akzentumsprung und dann e aus ö
(für ae. eo) vorliegen, worauf Schreibungen wie jeond, biseonde in Hss. aus
dieser Gegend weisen könnten. Unerklärt ist da« da und dort vorkommende
me. yunder. Vgl. die Übersicht der vorkommenden Formen bei Sievers,
Beitr. 9, 567f.
c) eä für westgerm. ä vor gutturalem Vokal (§ 63, a) liegt vor in ws.
jeära einst, iära R1.
66
§ 92. Stellung nach Palatalen
Belege für andere Vokale nach j fehlen.
2. Nach sc ist die Schreibung eines Gleitelautes noch weniger weit
verbreitet und weniger regelmäßig durchgeführt. Im Kentischen und
Mercischen fehlt sie vollständig. Die einzelnen Vokale verhalten sich
wie folgt:
a) Ä ist altws. unverändert, erst spätws. erscheint neben bewahrtem
u auch eu und eo. Es heißt daher scÄa Schatten, sculdor Schulter, scucca
Verführer, scüfan schieben, scür Schauer und spätws. daneben auch
sceucca sceocca, sceoldor, scgüfan sceöfan, sceör.
Im Nordh. scheint (wie nach germ. j) hingegen zumindest in einigen
Beispielen Entwicklung über iu zu yu vorzuliegen, die bis zu y führte.
Bloßes u ist selten (scua Schatten L, scür R2), hingegen heißt es scyujon
Rit. schoben (Prät. PL), scyür L Schauer, scya Rit. Schatten ojerscyade
L überschattete, scyldrum R2 L Dat. PL Schultern. Weniger sichere
Fälle sind scylun sollen Csedm. Hymn. (Moore-Ms., aber sciulun Ms.
Dijon und Paris, scilun Ms. Leningrad), scilon L (neben sciolon, sciolun,
sciolo L, sciolon R2, wohl Formen mit Velarumlaut), weiter nach scr-:
^escriun^on verdorrten (Prät. PL), je-, forscriuncen, ^escryncan Part.
Prät. alle L und dazu Adj. unascryuncan (1. -anlic) ‘inmarcescibilis’
Rit., bei denen man an i-Umlaut (nach § 378, 2) denken könnte (vielleicht
mit der Schreibung iu für y). Zur Erklärung vgl. oben Anm. 1 zu nordh.
jinj und Sievers, Z. ags. Vokalismus, S. 27 entgegen früheren Ansichten.
b) o und ö sind altws. meist unverändert, spätws. ist eo, eö häufiger,
aber nicht allgemein; es heißt also ws. sc(e)ort kurz, sc(e)otian schießen,
sc(e)op Dichter, sc(e)öh Schuh, sc(e)öp schuf.
Im nördl. Nordh. (L, Rit.) ist die Schreibung eo sehr regelmäßig
durchgeführt, also sceort, jisceop; o ist selten (scortlice neben sceortlice,
Gen. PL scöe, wohl zweisilbig). Das südl. Nordhumbrische (R2) hat wie
das Merc. nirgends eo-Schreibungen.
Anm. 6. sceolde ist schon altws. häufiger als scolde, ebenso steht altws. oft
und spätws. ausschließlich sceolon PL Ind. sollen; vielleicht wurde in diesen
Wörtern das vor palatalem Vokal früh palatale sc aus sceall verallgemeinert.
- Einmaliges acewyrhtan ‘sutores’ neben acgöwyrhta (2Elfric, Colloquium) ist
wohl Schreibfehler.
c) Für a, o vor Nasal (§ 79) steht altws. ga, eo neben a, o; spätws. in
der Regel ea, seltener a: z. B. sc(g)omu sc($)amu Schande, sc(&)onca
sc(e)anca Schenkel, sc(e)omol sc(e)amol Schemel. Nordh. steht in L und
Rit. fast regelmäßig eo, also sceoma, sceondlic schändlich; o ist selten,
z. B. scomol L, scomu Rit. R2 hat aber stets o.-
d) ae. a (vor Velarvokal in der Folgesilbe, § 50, 1) ist ws. meist ea,
§ 92. Stellung nach Palatalen
67
seltener a, also sc(e)acan schütteln, sc(e)aÖa Feind, sc(e)alu Schale.
Nordh. (L, Rit. und auch R2) steht fast stets ea, also sceacca, sceada.
Ebenso ist ae. ä (germ. ai) im Ws. meist eä, selten ä; spätws. ist eä
noch häufiger als altws. Nordh. ist eä regelmäßig. Es heißt daher ws.
sc(e)ädan scheiden, sc(e)än schien; nordh. stets sceäda scheiden, sceän
schien. Ob eä in ws. scgäron schoren auf ws. ä vor Velarvokal der Folge-
silbe (§ 63, a) zurückgeht und demnach hierher gehört, kann fraglich sein,
da analoges ä? zugrunde liegen und demnach ea nach § 91, b stehen
könnte.
Anm. 7. Hierher gehört auch nordh. sceal L Rz, sceall Rit., da Rit. auch
scal hat. Ausgangspunkt wäre in diesem Falle ein a vor l nach § 85, Anm. 3.
Ebenso könnte hierher gehören Prät. scealdun R2 (s. § 423, Anm. 1). Hin,
gegen ist sceal in R1 eher eine ws. Form, sceada Feind R2 (neben sceoda nach
§ 35, Anm. 1 und einmal scspdo, wohl einer graphischen Ungenauigkeit,
s. Lindelöf, südnordh. Mundart S. 37), sceacca schütteln L könnten auch durch
Velarumlaut nach § 109 erklärt werden, doch ist dies weniger wahrscheinlich,
weil dieser nordh. nur in Ausnahmefällen vorkommt, s. § 109 nebst Anm. 3.
Hingegen ist ea in sceada Schädiger Ep. Erf., sceada Corp., sceadu Schatten
Ep. Erf. eher durch Velarumlaut zu erklären (so Luick, Hist. Gram. § 231,
Anm. 3), obwohl auch Formen mit a daneben vorkommen, so scalu Schale
Ep. Erf., scala Corp., scamu Ep., scadu Corp.
R1 hat viermal asceädep, asceädip schneidet neben einmal ascädep. Da eä für ä
sonst in R1 nicht vorkommt, ist wohl an Übernahme ws. Schreibung zu den-
ken, wie öfters auch sonst.
e) Bei sekundären, d. h. durch i-Umlaut entstandenen Palatalvokalen
erscheint: im Westsächsischen: für e als i-Umiaut von ajo vor Nasalen
ie, (i, y) in sciendan scindan scyndan schänden, doch steht daneben
manchmal auch scendan. In scenc Becher, scencan einschenken, steht
stets e. - Für a? als i-Umlaut von a (§ 96, 3, b) ea in sceaddi^ schädlich
(neben scseddi^ und sceddi$, letzteres wohl nach § 123 mit spätws. e für
ea nach Palatal). - Für ä? als i-Umlaut von ae. ä (westgerm. ai, § 97)
ea in scead Scheide (neben sceed), tosceat scheidet (3. Sg. Ind. Präs.,
neben loscht), vielleicht in jesceat/ Unterscheidung, Bescheid und
^esceadwis klug, doch könnten in diesen Wörtern auch umlautlose
Formen vorliegen und eä aus velarem ä nach sc (nach § 92, 2, d) zu
erklären sein, weil auch ^escäd, ^escädwis belegt ist. Im Nordhumbri-
schen bleibt e als i-Umlaut von a? (§ 96, 1) unverändert, daher sceppend
Schöpfer Rit. (neben scseppend) und Csedrn. Hymn. (doch s. Anm. 8); bin,
gegen ist S (i-Umlaut von ä, westgerm. ai) ea in scead L (neben sceied)
Scheide (aber sc&Ö Ra) und vielleicht in ^escead Bescheid (doch s. oben),
doch ist westgerm. *skainian nordh. -sc&na L.
Anm. 8. Statt sceppend anderer Hss. steht im Moore-Ms. in Caedmons Hymn.
scepen, das, wenn man es nicht auf ein westgerm. *skapinaz zurückführen
68 § 92. Stellung nach Palatalen. § 93-94. Die Umlaute
will (e. A. H. Smith, Three North. Poems, S. 39), nach § 286, Anm. 4 zu
erklären ist.
Anm. 9. Als Schreibung mit ‘unfestem’ y für je ist jedenfalls spätws. cßscy
Schuhwerk (zu scöh Schuh, also für *jeecje mit Gleitlaut nach sc vor e als
»-Umlaut von ö nach § 101, vgl. ^escöe Vesp. Ps.) anzusehen. - Ob hingegen in
einmaligem spätws. scyphyred (für -hyrde) statt sonstigem sce(a)phirde,
•hyrde Schafhirt mit Luick, Hist. Gram. § 255 durch -hvrde veranlaßter »-Um-
laut (also wie in *c»ese, cyse Käse, § 91b) anzunehmen ist, kann fraglich sein.
Es ist wohl eher eine Fehlschreibung, die vielleicht durch kent. e für sonstiges
y (§ 31, Anm. 1) veranlaßt wurde.
e) Die Umlaute
§ 93. Mit Umlaut werden diejenigen Veränderungen eines betonten
Vokals bezeichnet, welche durch einen Vokal in der Folgesilbe hervor-
gerafen werden. Je nach der Art des umlauterzeugenden Lautes sprechen
wir daher von »-Umlaut, w-Umlaut, a/o-Umlaut.
Wegen der Gleichheit der Erscheinungen kann man für die ae. Gram-
matik den u- und den a/o-Umlaut zusammenfassen und als Velarum-
laut bezeichnen, was im folgenden geschehen soll.
Anm. 1. Der Halbvokal j bewirkt dieselben Erscheinungen wie » in der
Folgesilbe; hingegen gehen die Erscheinungen vor Velarvokal vom Halb-
vokal w (soweit er nicht zu u vokalisiert worden war, s. §174) nicht aus.
Anm. 2. Die Zusammenfassung des a/o- und des u-Umlauts als ‘Velarumlaut’
stammt von K. Luick, Hist. Gram. § 220, Anm. 1. Sievers, Abriß3 (1904),
bezeichnete den a-Umlaut als Velarumlaut, den u-Umlaut phonetisch als
Labiovelarumlaut. Die praktische einheitliche Bezeichnung Luicks hat sich
seither in der ae. grammatischen Literatur weitgehend durchgesetzt (bei engl.
Grammatikern als ‘back-mutation’) und soll daher auch hier verwendet
werden. J. Grimm faßte den Velarumlaut als Unterart der Brechung auf;
diese Bezeichnung ist aber seit den grammatischen Arbeiten von Sievers
fast allgemein aufgegeben worden. Die Bezeichnung des »-Umlauts als
‘Palatalumlaut’ (was phonetisch richtig wäre) hat sich in der ae. Grammatik
nie recht durchgesetzt, zumal die ae. Grammatik mit Palatalumlaut eine
andere, von palatalen (oder vermeintlich palatalen) Konsonanten ausge-
hende Erscheinung bezeichnete, s. § 119, Anm. 1 und § 122, Anm. 7.
§ 94. Die Ergebnisse der Veränderung des Grundvokals sind im Ae.
beim »-Umlaut und beim Velarumlaut auch, ihrer Art nach verschieden.
Beim »-Umlaut erscheint (wie deutsch und altnord.) der ganze Vokal
in seiner Artikulationsstelle dem»’, j genähert (er wird palataler), während
beim Velarumlaut aus palatalen Vokalen Diphthonge mit einem velaren
Nachschlag entstehen.
Die Ergebnisse des »-Umlauts erscheinen in den Schreibungen der
ältesten ae. Texte bereits voll durchgeführt. Da unter den Voraussetzun-
gen des Eintretens von ‘Brechung’ bei gleichzeitigem i-Umlaut (§104-107)
§ 94. Die Umlaute. § 95. »-Umlaut
69
die Vokalbezeichnung von der ohne Vorbedingungen des »-Umlauts
meist verschieden ist, ist anzunehmen, daß die Erscheinungen der
Brechung bereits vor dem Durchdringen des »-Umlauts vorhanden
waren. Hingegen sind die Erscheinungen des Velarumlauts manch-
mal auch bei Vokalen zu bemerken, die auf »‘-Umlaut zurückgehen
(§ HO, Anm. 2), wenn durch Analogie oder Suffixtausoh velare Vokale
nach den durch »-Umlaut zu erklärenden, sekundären palatalen Vokalen
eintraten. Der Velarumlaut war daher nach der Durchführung des
»-Umlauts noch wirksam.
Anm. Daß bei »-Umlaut, ebenso wie bei Velarumlaut, zuerst Gleitelaute
nach den durch ihn betroffenen Vokalen entstanden waren, ist möglich,
wenn auch nicht sicher zu erweisen. Vgl. dazu Sievers, Festschrift f. Eugen
Mogk (Halle 1924), S. 16, für das Altnordische; ders., Luick-Festschrift, 8. 71,
und Förster-Festschrift, S. 67, § 28 für das Altenglische. Ob vereinzelte
Schreibungen mit ui für späteres y, oi für oe, ei für e durch »-Umlaut auf
solche Gleitelaute (epenthetische Diphthonge) weisen, kann fraglich sein.
ui für y findet sich in Thruidred (Eigenn., erster Bestandteil öryö Stärke)
im Moore-Ms. von Beda, Hist. eccl.; buiris (für byres) Bohrer und gruiit
(neben grytt) Plur. Grütze Cp. GL, dann noch in drui^e (neben drui und
dryje, -i) trocken L, fuil^endum Dat. Plur. Part. Präs, zu iyl^an folgen
(neben häufigen Formen mit -y-) L und suyndri^a neben syndri^e, -o und
sundnj, -e, -a (und sundor) einzelner L. Dies könnten ältere (wie auch
kontinentale) Versuche zur Darstellung des später mit y bezeichneten
Phonems (s. § 4, Anm. 3) sein, zumal in der Runenschrift die Rune für ü (ür)
durch die darunter gesetzte für i (is) in die für y (yr) verwandelt wurde.
oi für späteres oe ist häufig in dem Moore Ms. von Beda, Hist. eccl. (Coinred,
Coinualch, Coifi), vielleicht unter Beibehaltung dieser Schreibung Dat. Plur.
Moidum Widsith 84 für die Meder oder, nach Kemp Malone, Ausgabe 8. 183,
(2. Aufl., Copenhagen 1962) für die Bewohner der dänischen Insel M0n.
ei für § durch »-Umlaut (s. § 63, Anm. 4) steht in breitibanne Bratpfanne
Erf. Gl. (Ep. bredipannae), seic Leid. Gl. aber Ep., Erf. aejj, Cp. saecj)
Riedgras, neidjaerae Bedas Sterbespruch, St. Gallen-Hk. (zu ws. nied, nyd
Not), doch könnten dies Fehlschreibungen sein, weil eil Aal Cp. und ^ebreicon
L (Prät. Plur. zu brücan brauchen) auch vorkommen, wo kein »-Umlaut
vorliegen kann. Vgl. dazu M. Förster, Engi. Studien 56, 222f. und Anglia 59,
287-298.
1. Der »-Umlaut
§ 9o. Ursache des »-Umlauts ist ein ursprünglich der Tonsilbe folgendes
f oder j. Hierbei ist es gleichgültig, ob das f bereits indogermanisch vor-
handen war oder ob es erst eine germanische Umbildung von älterem e
bzw. ei ist (§ 45, 2, 8).
Im Laufe der weiteren Sprachentwicklung sind die umlauterzeugenden
f, j entweder unkenntlich geworden (durch Schwächung zu e, § 44)
oder ganz verlorengegangen (vgl. § 177). In den meisten Fällen lassen
sich daher die Ursachen des Umlauts nur durch Vergleichung der ver-
70
§ 95. »-Umlaut
wandten Sprachen feststellen, welche in der Erhaltung des i, j auf älterer
Stufe stehen als das Ae.
Anm. 1. Das zweite Glied eines Kompositums bewirkt in der Regel nicht
»-Umlaut im ersten Teil; das Eintreten des »-Umlauts ist also daran ge-
bunden, daß die zweite Silbe schwächer betont war als die erste. Doch be-
wirkt der zweite Teil eines Kompositums »-Umlaut, wenn der auf ihm
liegende Ton gemindert war, z. B. JdSfdi^e Herrin (neben Idäford Herr,
§ 43, Anm. 4), nordh. Sniht etwas, nieniht nichts, und mit Vokalkürzung
oder Synkope endleofan elf (aus *änlibön-), enetre enitre einjährig (aus *än-
wintri), oder das Fremdwort Wyrt^eorn aus Vor-tigem. Vielfach stehen For-
men mit und ohne »-Umlaut im ersten Glied nebeneinander, so ienlic neben
änlic einzig, Öyalic öyUic neben Öualic öullic solcher, dann Eigennamen,
deren zweiter Bestandteil -wini, -sila, -ric ist, so Cüthuini Liber Vitae,
Eaduini dsgl. aber Edwini in Beda Hss.; Cüp^ils Liber Vitae aber Eed^ila
dsgl., Hiemjila dsgl. und Beda Hss.; Edrlc aber Osric. Kein »-Umlaut ist
eingetreten in den belegten Formen der Eigennamen auf -friö und -awiö,
s. Sievers, Beitr. 27, 206ff.
Anm. 2. Umlaut in der ersten Silbe eines dreisilbigen Wortes durch ein »
in der Schlußsilbe tritt ein, wenn ein u in der Mittelsilbe steht, das nach
§ 44, Anm. 5 auch »-Umlaut erfuhr (über y, gemeinae. e). Hierher gehören
die § 50, Anm. 2 angeführten Wörter mit der Lautfolge a-u-i, wie jajdeZinj
Verwandter (aus *j®d»l»nj, *^adilin^, as. gadidiny, aber jeuduZinj Corp.
Gl. mit erhaltenem w und Entwicklung nach § 109) usw., weiter in der
Lautfolge ae. ä (westgerm. ai) -u-i in iemer^e Asche (aus *ämurjse, Smyr^an
PL Dialoge Gregors, ahd. eimurie), in der Lautfolge ws. ä (§ 63, a) -u-i in
ws. ®rende Botschaft (über *ärindi aus *ärundi, alts. drundi) und in der
Lautfolge o-u-i in nordh. oefest Eile (über *oflst, aus für *obunati-)
neben gew. of(o)at, s. § 43, Anm. 4.
Anm. 3. Hier und da greift der »-Umlaut auf das erste Glied eines Kom-
positums über, wenn das zweite Glied »-Umlaut in seiner Stammsilbe hat,
wie ws. Sni^e einäugig (neben ürneje, s. Anm. 9), ws. Snllepe, -13 neben
änliepe, -13 einzeln (nordh. änläpe, vgl. altnord. einhleypr), Srleat neben
arleast (s. Anm. 9) Ehrlosigkeit wohl auch aaemtinsea, aemiin^es neben aam-
tin^ea Adv. zusammen, endemea Adv. in gleicher Weise (für *aomtsen^ia,
*ändöSmis) u. a.
Anm. 4. Häufig unterbleibt der »-Umlaut im ersten Gliede eines Kom-
positums, das als Simplex (weil »-Stamm) »-Umlaut hat, so acultheta Corp.
Gl. (aber acyltfreca, -jvU, -leas), Cantware Kenter aber Cent Kent, in Zu-
sammensetzungen mit aam- aom- halb wie aamcucu halbtot (ahd. admiquec),
Eigennamen mit Sä- wie Säweard, Säberhtin^, Säberht (Simplex s® See),
dann nead^afol Tribut, nead^ild, -häd u. a. (Simplex ws. nied, nyd, doch
auch nead wohl nach den Zusammensetzungen). Seltener sind diese Fälle
bei kurzsilbigen »-Stämmen, doch immerhin hupbän, hupaeax neben hyp(e)-
bän, hypeaeax; selöeodis fremd (got. aljia) neben elöeodij, el(e)land. Diese
Formen sind entweder durch Ausfall des -» in der Kompositionsfuge vor
Eintreten des »-Umlauts (vor schwächerem Nebenton in flektierten Formen ?
B. Borowski, Zum Nebenakzent im ae. Nominalkompositum, § 35ff.) zu
erklären, oder die Bildungen ohne »-Umlaut sind überhaupt die älteren und
die mit »-Umlaut erst nachträgliche Umgestaltungen nach dem Simplex
§ 95. i-Umiaut
71
(Luick, Hist. Gram. § 305, Anm. 1). In einigen Fällen ist auch mit umlaut-
losen Formen der ehemaligen os/es-Stämme zu rechnen (§ 288f.).
Anm. 5. Bei Ableitungssilben mit -i-, wie -il, -ir, -in, -i^, -ins, ist zu be-
achten, daß 1. neben alten Ableitungen auch spätere standen, welche den
Vokal des Grundwortes beibehielten, wie etwa leominj das Lernen, folcisc
völkisch, Patronymica auf -ins wie Eafins, Eoppin^, Branding, Adverbia
auf -in^a wie eaUinsa neben eallunsa, Deminutiva auf -incel wie hüaincel
Häuschen u. a. (s. § 248, Anm. 4) und jüngere Bildungen auf -en (aus -in) von
Stoffadjektiven wie seolcen neben ailcen seiden, seolfren neben sylfren silbern,
stoccen, treowen usw., s. Sievers, Beitr. 27, 206-08; - 2. daß Suffixwechsel
nach § 141, Anm. 3 eintreten konnte; - 3. daß Angleichung an das Simplex
auch nachträglich möglich ist; — 4. daß -ij auch älteres -ej (aus -a?j, germ.
•aga) vertritt, § 44, Anm. 6 und § 141, 4 und in diesen Fällen kein i-Umlaut
eintrat, so huni$ Honig, bodi$ Körper, monij mancher, hälis heilig, doch
kommen bei Adj. auch Formen mit «-Umlaut vor wie nordh. hi&lis Rit.,
menis L (neben momj), nicht streng ws. (Boethius, Byrhtferth, Evangel.)
msenis, s. § 96, Anm. 8. In ws. mihiis neben meahtis, angl. mtehtis neben
mehtis kann auch Angleichung an das Subst. meaht, miht (angl. m&ht, meht)
vorliegen (vgl. auch die Formen von ws. selmihtis, § 85, Anm. 3).
Anm. 6. Keinen «-Umlaut bewirkt die Nachsilbe -i- der zweiten schw.
Konjugation, die aus -öj- entstanden ist, also in macian, löcian usw.
Anm. 7. Doppelformen mit und ohne i-Umlaut, welche dann verallgemeinert
werden können, entstehen durch das Nebeneinander von Flexionsformen
mit -i und anderen Vokalen, wie in neaht, nicht (niht, nyht) Nacht § 283f.;
durch das Nebeneinander von verschiedenen Ableitungssuffixen wie idg.
-tä und -ti (Kluge, Stammbildungslehre3, § 120, § 127f.), woraus wohl meaht
neben mieht (miht, myht) Macht zu erklären ist, oder bei den alten eslos-
Stämmen, § 288f. Andere Fälle ergeben sich durch Ausgleich zwischen nicht
umgelauteten Substantiven und schw. Vb. 1. Klasse, welche letztere i-
Umlaut hatten, z. B. Subst. hleahtor Gelächter, schw. Vb. ws. hliehhan, aber
nordh. hlschhan nach dem Subst.
Anm. 8. Vor der Ableitungssilbe -nc8, -nis (-nys) zur Bildung von Verbal-
und Adjektivabstrakten steht in den Grundwörtern im Südenglischen meist
kein «'-Umlaut, doch ist auch manchmal bei ihnen Umlaut sicher belegt,
so altws. met-, untrymnes Schwäche neben met-, untrumnes Cura past.,
tyrhtnes Oros. Furcht neben spätws. forhtnes, zu den Adj. trum, forht. Häu-
figer ist der Umlaut im Anglischen (wo die Ableitungssilbe in der Regel
-nis lautet). So hat Vesp. Ps. stets med-, untrymnis (neben trymenis zu dem
schon umgelauteten Verbum trymman) und jylnis plenitudo (neben de-
verbalem sefylnis consummatio zu fyllari); nordh. R2 untrymnisse, jyllnisse,
towyrpnisse (neben toworpnisse), L untrymnisse (neben deverbalem trymnisse),
fyllnise (neben deverbalem sefylnise), fyrhtnise, diopnise und wieder towyrpnise.
Auch R1 hat metrymnise, untrymnise. Sievers, Z. ags. Vokalismus, S. 31,
Fußnote. Über die Form des Suffixes (westgerm. -nassi, -nissi, -nussi) vgl.
Sievers, Beitr. 5, 140; Kögel, Beitr. 7, 181f. und OED unter -nes.
Anm. 9. «-Umlaut fehlt auch oft im zweiten Teil von Kompositis wie
änäaje einäugig statt und neben ws. ümeje, meteleast Nahrungsmangel neben
•liest und -lest, S-cnösle degener, or-leahtre tadellos, or-tudri effetum (Corp.
Gl.) twy-böte Doppelbuße habend, iyöer-föte {jeoöor-jöta, -o L R2) vierfüßig
72
§ 95-96. i-Unilaut
u. a. Vgl. Sievers, Beitr. 27, 208. Zur Erklärung mag man an Beeinflussung
durch das nicht umgelautete Simplex (eaje, leas) denken, so Luick, Hist.
Gram. § 199, 3 oder - da die zweiten Teile der Komposita gewöhnlich im
Fallton stehen — an ursprünglich wegen Fallton nicht umgelautete Formen,
die sich erhalten haben (so fürs Hochdeutsche Sievers, Braune-Festschrift =
Aufsätze zur Sprach- und Literaturgeschichte, Wilhelm Braune gewidmet,
Dortmund 1920, S. 157f.).
Anm. 10. Einige andere Formen ohne »-Umlaut in einfachen Wörtern fin-
den sich verstreut in alten Glossen, so unsmöfri Corp. neben unsmöeöi, dann
im Vesp. Ps. D. Sg. wöstenne neben sonstigem wöesten usw., spöde neben
sonstigem spöed usw., in L drü^i Akk. Sg. neben dry^e, drziije (s. § 94,
Anm.), Part. Präs, söcenda neben sonstigem söeca usw. suchen, u. a., s.
Förster, Engi. Stud. 56, 223 Fußnote, und Flußname Themse, S. 486. Da
die Fälle zu zahlreich sind, um sie alle als ungenaue Schreibungen aufzufas-
sen, wird man an Restformen alter Lautungen denken müssen.
§ 96. Das Ergebnis des »-Umlauts von germ. kurzem a ist teils e, teils &.
1. e steht regelmäßig vor ursprünglich einfachem Konsonanten:
Äen(j)cm loben, neri{$)an retten. Aere Heer, tellan zählen, settan setzen,
weccan wecken, tecjan legen = got. Äaz/an, naa/an, harjis, *taljan,
satjan, wakjan, lagjan usw. Ebenso in der Gruppe -awi- (§ 50, 2; § 87)
ewe Schaf (aus *awz-, vgl. lat. ovis), Prät. strewede streute, cleweda, das
Jucken.
Anm. 1. Über te statt e in einigen Wörtern wegen Ausgleichs zwischen
verwandten Formen s. Pkt. 3. - Über gelegentlichen Velarumlaut dieser
e zu eo s. § 110, Anm. 2.
2. Vor Konsonantengruppen steht normalerweise ae, doch kommt
in einigen Wörtern statt dessen e vor, in etlichen stehen ae und e neben-
einander. ae steht regelmäßig in: aesc Esche, ws. li^raesc Blitz, dwaescan
ersticken; aesp(e) Espe; faestan anheften, maestan mästen; h&ftan heften;
rzejsan tadeln; n&jlan nageln, brae^den listig; faöman umarmen u. ä.
Fast regelmäßig steht e in eft wieder, real Ruhe (nordh. auch raeat),
reatan ruhen, ej?e beschwerlich, eane Diener, stefn, stemn Stamm. Neben
ae findet sich gelegentlich e in aefnan efnan ausführen, st&fnan stefnan
leiten, außerws. in säest ^est Gast (ws. jiest nach § 105, b).
Anm. 2. Die Ursachen dieses Schwankens zu erklären ist schwer. Vielleicht
liegen satzmelodische Ursachen zugrunde (vgl. Sievers, Förster-Festschrift
S. 67, § 27, c).
Anm. 3. Im Kent, und Merc. des Vesp. Ps. steht in diesen Fällen stets e,
vgl. § 52. Es heißt also ^eheftan, befestan, real usw.
3. as steht in einigen Sonderfällen und zwar: a) in einigen Fremd-
wörtern, die anscheinend erst ins Ae. aufgenommen wurden, als der
urae. Lautwandel germ. a zu ee bereits vorbei war, so daß lat. a mit a
§ 96. i-Umlaut
73
übernommen und zu ae umgelautet wurde: laeden Latein, caefester Halfter,
mae fester Meister, aus latinum, capistrum, magister. - b) in einigen
Wörtern, in denen in verschiedenen Flexionsformen nach § 50, Anm. 6,
ae und a nebeneinander stehen, so daß nachträglich a an Stelle von se
eindringen konnte und durch i-Umlaut verändert wurde; so etwa in der
2. 3. Sg. Ind. Präs, von faran fahren faeresty), -ed aus urae. *faris, -iß
(statt urae. *feeris, -iß) nach der 1. Sg. faru, dem PI. faraö und dem Inf.;
saec^an sagen neben sec^an wegen der 3. Sg. Ind. sa^ad’, wreecc(e)a Ver-
bannter neben wecc(e)a wegen wracu Rache; steeppan gehen neben
steppan R1, stepa Rit. nach dem Subst. staepe § 261; saecc Streit wegen
des PI. sacu und ähnlich waecce Wache, paetföan gehen, staeÖÖan festigen,
maec^ Mann wegen majw Mann, nordh. hweelc welcher, swaelc welcher (ge-
meinae. hwelc, swelc oder hwilc, swilc § 342) nach hwä wer und swä so. -
c) Wenn wegen Suffixablaut (§ 140f.) Formen mit urspr. ae und urspr. a
nach § 50 nebeneinander standen und ausgeglichen wurden, z. B. haecid
Ep. Gl. Hecht aus *~hacid mit a nach hacod; nordh. ^aefel Tribut neben ws.
Safol, raeced Haus neben reced nach *rakud, haeleö Held nach*feaZu^, haecele
Mantel wegen *hakula, - d) in der Lautfolge a-u-i, in der zuerst Umlaut
des u in der Mittelsilbe (zu y) anzunehmen ist, das seinerseits dann das
a in der ersten Silbe umlautete, wie in ^aedelin^ Verwandter, aedelin^
Edler und den übrigen § 50, Anm. 2 angegebenen Wörtern.
Anm. 4. Über die Fälle unter d) vgl. Sievers, Z. ags. Vokalismus, S. 18ff.
Nicht hierher gehören Wörter mit germ. a in der Mittelsilbe. In diesen
ist nicht i-Umlaut, sondern ae in der ersten Silbe nach § 50, 3 anzu-
nehmen, weil sich das a der Mittelsilbe über ee zu e entwickelt hatte, also
meeseö Magd (vgl. ahd. magad) und dazu mee^den Mädchen, feeren froh
(alts. fagan), die Part. Prät. der st. Vb. sechster Ablautreihe feeren gefahren,
heefen gehoben u. ä. (daneben faren, hafen s. § 368, Anm. 4), eedele edel,
hee^tes Hexe, eelrnihtis allmächtig (ahd. alcimahtic),
Anm. 5. Auch in diesen Fällen ist kent. und merc. (Vesp. Ps.) der z-Umlaut e,
doch sind nur wenige Belege vorhanden, so Vesp. Ps. festen (ws. feesten)
Subst. das Fasten (vgl. ahd. fastunnia), kent. to^eddere.
4. Soweit in einzelnen Mundarten nach § 84, Anm. 1 und § 85 a an
Stelle des wegen Brechung zu erwartenden ea steht, ist der i-Umlaut
dieses a ebenfalls ae. In Betracht kommen vor allem angl. a vor l, wie
aeldu Alter, aeldra Komp, älter, maeltan schmelzen, faellan fällen usw.;
weiter nordh. und gelegentlich merc. a vor r, wie L weermde (aber R2
werma), Opt. hweerfa werfe, merc. R1 weerfende, aber Inf. huerfa L;
merc. R1 weer^aß usw. zu weer^an verfluchen, aber Vesp. Ps. werjan;
wohl auch Corp. faerd Heerfahrt, Ep. Erf. ee^il^aerd, Corp. se^il^rd,
Segelstange (ne. saityard), auuaerdid Ep. verderbt, haerwendlicae Erf.
verächtlich, ^euaerpte (zu ws. *gewierpan, ^ewyrpan) Corp. genas.
74
§ 96-97. t-Umlaut
Anm. 6. Ws. steht in diesen Fällen ie, i, y nach § 105, a; außerws. e soweit
wegen Brechung ea eingetreten war (§ 84, Anm. 1 und § 85), daher L cerra
neben cserra (ws. derrari) wenden, $erd Gerte. Angl, se vor l scheint trotz
der (außer in R1) einheitlichen Schreibung mit se in unseren ae. angl. Texten
da und dort als e oder diesem ähnlich gesprochen worden zu sein. Die Schrei-
bungen in R1 (im ganzen zehn, gegen 24 mit a?) könnten dies andeuten, wie
bel$ Balg, eldra älter, cwelman töten u. a., könnten aber auch auf der Un-
sicherheit der Scheidung zwischen se und e (s. § 55, Anm.) in dieser Glosse
beruhen. Deutlich wird dies erst aus den me. fast allgemeinen Schreibungen
mit e in Texten aus dem angl. Gebiet, dann auch aus Ortsnamenformen
mit ws. wiell(d), wiU(a), wyll(a), angl. wseU(a) Quelle, etlichen mit ws.
usw., angl. bsels Balg, ws. ielf usw., angl. seif Elf und ws. wielm, angl. w&lm
Wallung, bei denen Formen, die auf se zurückgehen, vor allem westmercisch
sind, während sonst solche, die auf e weisen, vorherrschen. Bei dem häufigen
well könnte man für das nordh. Gebiet allerdings (wie bei ws. wielm, angl.
wselm) an Rundung nach w (§ 115, Anm. 1) denken, vgl. dazu uoel L gegen
sonstiges uselle, -a, so daß me. Entrundung zu e vorauszusetzen ist. S. dazu
E. Ekwall, Contribution to the History of O. E. Dialects, S. 40-65 und
A. H. Smith, Engl. Place-Name Elements unter den einschlägigen Wörtern
(bes. wella, II, 250-53, dann welm, II, 253; bdg, I, 27; elf, I, 149). In kent.
Urkunden steht als T-Umlaut bei Brechung von germ. a vor r + Kons,
statt des zu erwartenden e manchmal se, doch könnten dies Fehlschreibun-
gen sein, weil kent. se öfters für e vorkommt, s. § 55, Anm. Ws. seif neben
ielf (so bes. in dem Eigenn. Alfred) könnte auf merc. Einfluß beruhen. -
Nicht hierher gehört hselftre, hserfeet, bei denen Synkope der ehemaligen
Mittelsilbe vorliegt, s. § 50, Anm. 2.
5. Der Umlaut des mit o wechselnden a vor Nasalen (§ 79) ist in
den ältesten Texten ee, später e: fremman vollbringen, men(n) Menschen,
sendan senden, stren^ra stärker, drencan tränken neben fram from vor-
wärts, Sg. man(n) mon(ri) Mensch, sträng stron^ stark, Prät. dranc dronc
usw.
Anm. 7. Das a? hat sich erhalten, wenn es durch spätere Metathese von den
n getrennt wurde; daher seman sprengen, bseman brennen = got. rannjan,
brannjan; vielleicht auch sem Haus, hsem Woge aus *ranni, *hranni, doch
vgl. § 84, Anm. 3.
Anm. 8. Außerdem steht se auch in späterer Zeit in gewissen mundartlich
(südöstlich?) gefärbten Texten, in diesen aber ziemlich regelmäßig, also
frsemman, msenn, $ sendan, Ösencan, senket usw. - Nach Sievers, Förster-
Festschrift S. 67, § 27, a ist se anscheinend im Fallton, e im Steigton zu
erwarten. Es ist daher möglich, daß e mundartlich nicht durchgedrungen
ist (so M. Förster, Der Flußname Themse, S. 471f.). — Über die Verbreitung
von me. Formen mit a, die auf ae. se zurückgehen, s. W. Heuser, Alt-London
mit bes. Berücksichtigung des Dialekts (Osnabrück 1914), S. 22ff.; Luick,
Hist. Gram. § 363, Anm. 2; M. Förster, a.a.O.
§ 97. Der i-Umlaut von ae. ä (aus westgerm. ai, § 73) ist S: hat Heil -
hselan heilen, lär Lehre - Iseran lehren, än ein - irgendein; dsel Teil,
§ 97-100. i-Umlaut
75
htel omen (i-Stämme); ebenso jän gehen, 2. 3. Sg. Ind. Präs, säest, säed
(§430).
Anm. 1. Kent, steht auch in diesen Fällen e: helan, leran, del, doch kommen
auch Schreibungen mit % vor, weil kent. auch sonst öfter se für e geschrieben
wird, s. § 55, Anm., § 96, Anm. 6. - Vereinzelt kommt e auch in angl. Texten
vor, so Vesp. Ps. lereö neben ISreÖ und anderen Formen mit S zu Heran
lehren, ^ebreded ausgebreitet neben ^ebrSded, äledde führte neben äliedde,
forörested zermalmt neben anderen Formen mit ie, einmal fiese neben son-
stigen fläesc Fleisch; weiter fiese L {fiSsc R2), ejder jeder von beiden L,
schwele R2 L, e^hwoelc L, Rit. (seltener Schwiele Rit.), elc jeder R2 {Sic L,
Rit.). Es handelt sich also um Stellungen vor Dental oder Palatal, in denen
nach Ausweis des Me. das ae. S in manchen Gegenden des angl. Gebietes
zu e geworden war.
Anm. 2. Bei Kürzung für dieses Umlauts-® sowie für kurzes a/o vor Nasal
steht in den späteren Texten e (§ 96, 5), daher enne (neben asnne oder Snne)
Akk. Mask, zu än ein, ws. enitre einwintrig (aus *Snwintri), en{d)le{o)fan
elf (got. ainlif), nordh. aber sellej L, flekt. seUejne Ra (s. § 325).
§ 98. Ws. S, außerws. e aus westgerm. ä (got. § 62) bleibt bei i-Um-
laut unverändert: daher ws. läece, außerws. Zece Arzt (got. l&keis), dSd
ded Tat (got. deps, i-Stamm), mSre mere berühmt (/o/;a-Stamm). Ebenso
ist westgerm. ä vor wj, wi im Ws. z.B. bräew Braue (i-Stamm), l&wan
verraten (got. l&wjari).
Anm. 1. Über poet. mece Schwert s. § 62, Anm. 2. - Nach Palatal steht ws.
ie, y in *ciese, cyse Käse (s. § 91, b), angl. e {cese).
Anm. 2. Germ, e (got. e2) wird durch i-Umlaut nicht weiter verändert:
^elejan schädigen (aus *-leibjan), lef schwach.
§ 99. Ein i-Umlaut von e existiert nicht, da bereits germ. alle e vor i, j
der Folgesilbe zu i übergegangen waren (§ 45, 2). Der Wandel von e zu
i in Gruppen wie etan itest ited, helpan hilpst hilpd, ae. rejn Regen und
rijnan (aus *ri^njan) rinan (§ 214, 3) regnen ist daher bereits vorae.
und von dem ae. i-Umlaut zu trennen.
§ 100. i-Umlaut eines o kann nur eintreten a) bei Übertragung eines
o aus nicht umgelauteten Formen desselben Wortes auf solche mit
einem i in der Folgesilbe; b) in Fremdwörtern; c) anscheinend in der
ersten Silbe dreisilbiger Wörter, deren letzte ein i enthielt nach § 95,
Anm. 2. In allen anderen Fällen stand vor einem i, j der Folgesilbe
germ. u (§ 45, 5), dessen i-Umlaut y ist (§ 102). Der i-Umlaut des o
führt über (angl. erhaltenes) oe zu e, z. B. nach a) D. Sg. dehter zu dohtor
Tochter, N. A. PI. exen zu oxa Ochse, efes Dachtraufe neben yfes (vgl.
ahd. obasa, got. ubizwa), bzw. angl. doehter. aber exen (? wegen des z);
76
§ 100-102. z-Umlaut
nach b) eie angl. und auch vereinzelt altws. oele öl (lat. oleum), cel(l)endre
Coriander; nach c) angl. oefest L Eile (s. § 95, Anm. 2), oefisti^a eilen,
ws. ejstan (aber ws. ofst, ofost Eifer, Eile).
Anm. 1. Hierher gehören wohl auch die nordh. Part. Prät. jecnoeden,
Zesuoreen, ^ewoerden, äwoerpen, § 378, Anm. 1.
Anm. 2. Angl, mserzen D. Sg. R1 gehört jedenfalls zu angl. mar z en (§ 59,
Anm. 1) nach § 96, 4. Für ws. D. Sg. merjen und darnach auch Nom. Sg.
merzen, D. Sg. mer^enne (poet.), N. Sg. menjen nach § 161, 1, Aelfric Hom.,
ist aber wohl von morzen auszugehen.
§ 101. Der i-Umlaut des ö ist südengl. e aus öe, das angl. erhalten ist,
s. § 27; z. B. a) altes ö (§ 69) döm Urteil - deman urteilen, böc Buch - PI.
bec, söhte suchte Prät. zu Inf. Präs, secan, $led Glut, sped Gedeihen
(i-Stämme); - b) ö vor Nasalen aus westgerm. ä, § 80, Anm. 2 cwen
Frau, wen Hoffnung usw. - c) ö aus nasaliertem ä vor Spiranten (§ 45,7;
§ 46) jö<s Gans - PI. jes, softe sanft Adv. - sefte Adj., fön fangen - 2. 3.
Sg. Präs. Ind. ws. fehst, fehö, Öht Verfolgung - ehtan verfolgen bzw.
angl. (nordh.) döema, böec, söeca usw.
Anm. 1. Vereinzelt kommen Formen mit öe auch in alten südl. Texten vor,
so söelest, böecum in kent. Urk. neben zerifa Aufseher, dann vereinzelt in
altws. Texten wie öedel neben edel Cura past. 2, 7, döe dst. für gew. dö Opt.,
das allerdings eher zweisilbig zu lesen ist (s. § 429, 1). Umgekehrt kommen
einige aus öe entrundete e in angl. Texten vor, so L Nom. Sg. suet, Akk. Sg.
u. PI. suueti neben D. Sg. suötf süß, doch könnte ue eine Schreibung für oe
sein, wie öfter oe in L für ue, s. § 172, Anm.; dann nach w in westiz, wenes,
in diesen Fällen vielleicht als ‘umgekehrte’ Schreibung, weil öe nach w
auch für e steht, s. § 115. Häufiger ist e in R1.
Anm. 2. Über ganz altes oi für oe vgl. § 94, Anm.
Anm. 3. Bei Kürzung ist der i-Umlaut von westgerm. ä vor Nasal a? oder e
wie der von kurzem a/o (§ 96, 5), daher brsembl, brembl Brombeerstrauch
neben ungekürztem bremel, s. § 138, 1.
§ 102. Der i-Umlaut von u ist y: wulle Wolle - wyllen wollen, gesund -
Zesynto Gesundheit, hun^or Hunger - hyngran, bur$ Burg - G. D. Sg.
N. A. PI. byr(i)z (§ 284) usw.; ferner Fremdwörter wie cymen Kümmel,
pyle Pfühl, pytt Brunnen, ynce Unze aus lat. cuminum, pulvinum, puteus,
uncia; weiter mit y neben o in nicht-umgelauteten Formen wegen o aus
u vor a (§ 45, 5): $old Gold - ji/lden golden, hold hold - hyldo Huld,
forht furchtsam - fyrhtu Furcht; jnorn (a-Stamm) und ^nym (z-Stamm)
Trauer usw. So auch in Fremdwörtern für lat. o wie in cycene Küche,
mynet Münze, mynster Münster aus lat. coquina, moneta, mlat. monisterium,
vgl. § 60, Anm. 3, dann auch mynecen(u) Nonne zu munuc Mönch aus
lat. monachus.
§ 102—105. i-Umlaut
77
Anm. 1. Die Beispiele für y aus u sind sehr zahlreich, aber es lassen sich
nur wenige Paare mit u und y nebeneinander anführen, weil außer vor
Nasal urgerm. u fast nur vor i, j erscheint (§ 45, 5) und daher fast stets Um-
laut erfahren mußte.
Anm. 2. Über ui für y s. § 94, Anm.
Anm. 3. Über kent. e für y vgl. § 31, Anm. 1. emb-, embe- für älteres ymb-,
ymbe- ist aber nicht nur kentisch, sondern auch spätws. und durch gemin-
derten Ton zu erklären (Sievers, Beitr. 9, 198).
Anm. 4. Über Entrundung von y zu i vgl. § 31, Anm. 2.
§ 103. Der i-Umlaut von ü ist y: a) altes ü\ brücan brauchen - 3. Sg.
Präs. Ind. ws. brycÖ (§ 371), tun Zaun - ontynan öffnen, bryd Braut
(i-Stamm); so auch in Fremdwörtern wie stryta Strauß (Vogel), plyme
Pflaume zu lat. strüthio, *prünea (daneben strüta ohne Umlaut und plüme
von lat. prünum); - b) ü aus un vor stimmlosen Spiranten, § 46: füs
bereit - fysan eilen, cüd bekannt - cydan künden, yö Woge (;a-Stamm)
usw.
Anm. Über kent. e aus ya. §31, Anm. 1; über ui für späteres y s. §94, Anm.
§ 104. Der i-Umlaut zu ea, ea ist: a) im Westsächsischen in den ältesten
Quellen gewöhnlich ie und ie, später der als ‘unfestes’ z bezeichnete
Laut (§ 22), welcher zunächst (schon altws. neben le) durch l, später
vorwiegend durch y ausgedrückt wird. Im 10. und 11. Jahrhundert
überwiegt das y durchaus, außer in gewissen Fällen, in denen ein Über-
gang zu f stattgefunden zu haben scheint (vgl. § 31, Anm. 3); - b) in
den übrigen Mundarten e und e. Diese Formen erscheinen gelegentlich
auch in sonst ws. Texten.
Anm. Über se als i-Umlaut des neben ea durch Brechung mundartlich er-
scheinenden a s. § 96, 4.
§ 105. Beispiele für i-Umlaut zu ea: a) durch Brechung entstandenes
ea (§ 84, § 85, § 86): ws. Formen: earm arm - iermdu Elend (Subst.),
iermins Elender, eald alt - ieldra Komp, ieldesta Sup., ieldu Alter;
weallan wallen - 3. Sg. wielö, wielm (i-Stamm) Wallung; wealh Welscher -
wzelisc (§ 218, 1); weaxan wachsen - 3. Sg. Ind. wiexö (ebenso sliehö,
Öwiehd zu slean schlagen, dwean waschen), hliehhan lachen (got. hlahjan),
stiehl Schlachten; bzw. irmöu yrmöu, ildra yldra, wilm wylm, wilisc
wylisc, htihhan, sliht (§ 31, Anm. 3); außerws. (und nicht streng ws.)
ermdu, erminy, kent. eldra, eldu, -o, welm; angl. nach § 96, 4 asldra,
seldu, waslm und nach § 95, Anm. 7 hlaehhan; - b) nach Palatalen (§ 91, a):
ws. scieppan schaffen (got. skapjari), tiefes Kebse (ahd. kebisa), ^iest
Gast (i-Stamm) bzw. stippan scyppan, cif es cyfes, ^ist ^yst\ außerws.
78
§ 105-107. j-LTmlaut
nach § 91, a und nicht streng ws. nach § 91, Anm. 2 sceppan, cefes, jsest
Anm. 1. In miht Macht und niht Nacht (§ 284) steht ws. im allgemeinen i,
vgl. § 31, Anm. 3. In scipe -schäft (§ 263, 1) neben sehr seltenem -sciepe
ist das i wahrscheinlich schon vorae., vgl. altsächs. -akipi (i-Stamm).
Anm. 2. Ws. *bier^an byr^an schw. Vb. I. Kl. § 403ff. (entsprechend alt-
nord. bergja) kosten, entspricht angl. *ber^an (belegt Präs. Ind. PI. Vesp.
Ps. R1 ber^aö, L jefeerjed). Daneben steht L je&trjad, -eö, Prät. je&irijde,
-don, das auf eine Bildung mit e-Ablautstufe, vielleicht urspr. ein st. Vb.
dritter Ablautreihe (vgl. L Prät. Sg. tnjebarj) zurückgehen muß. Zur Etym.
s. Holthausen, Et. Wb. und Idg. Forsch. 32, 340; Walde-Pokomy, Idg.
etym. Wb. II, 164.
§ 106. Beispiele für ea: ws. Formen: heah hoch - Komp, hiehra, Sup.
hiehst; heawan hauen - 3. Sg. Ind. hiewö, neat Tier - Diminutiv dazu
nieten, beacen Zeichen - biecnan ein Zeichen geben, jeZea/a Glaube - je-
liefan glauben; hieran hören; nied Not, lie^ Flamme (i-Stämme) usw.,
bzw. hihra, hihst, hyhra, hyhst, niten nyten, bicnan bycnan, ^elifan ^elyfan,
hiran, hyran, nid nyd, U3 (§ 31, Anm. 3). Hierzu die außerws. und gele-
gentlich ws. Formen heran, $defan, ned, IÖ3 usw.
Anm. 1. e ist ws. besonders häufig in de^les, de^lan (Curapast. und spätws.,
neben diente, di^ol § 141, 3 und Anm. 2), doch könnten diese Formen nach
§ 121 zu nicht umgelautetem dea^ol gehören.
Anm. 2. Die Formen mit e kommen besonders in den poet. Texten öfters
vor. Umgekehrt finden sich i-Formen vereinzelt in nicht ws. Texten
fugabit Kent. Gl., li^ed apostata dsgl., ^ehyrde dreimal in R1 neben sonstigen
heran, jeher de). Über nordh. ei vor 3 vgl. § 126, 2.
Anm. 3. Vor c und 3 ist spätws. y selten, vgl. § 31 Anm. 2. Über die Schrei-
bung 133 für 13 vgl. § 24, Anm. 2.
Anm. 4. In nebentoniger Silbe erscheint auch streng ws. e, e häufiger, ie, ie
selten, vgl. Bildungen wie eejwerdla Schade, meteleatu Speiselosigkeit usw.
§ 107. Der i-Umlaut zu io, io ist streng ws. ebenfalls ie, i, y bzw. ie, i,
y. Außerws. ist io, io unverändert, bzw. merc. eo, eo (§ 38). In verwandten
Formen ohne i-Umlaut steht entsprechend § 45, 2 und 3 eo, eo. - Bei-
spiele für ws. ie (i, y): jeom gern - jiernan begehren, feorr fern - äfierran
entfernen, weorpan werfen - wierpd 3. Sg., weord Wert Subst. - wierde
Adj.; ierre Zorn, zornig, hierde Hirt (70-Stämme), bzw. äfirran, wirpd,
wiröe, irre, hirde und äjyrran, wyrpÖ, wyrde, yrre, hyrde usw.; - b)
Beispiele für ws. ie (i, y): ceosan wählen - ciesö 3. Sg., hreowan reuen -
hriewö 3. Sg., leoht Licht - liehtan leuchten, ^estreon Besitz - strienan
erwerben, treow Treue - ^etriewe getreu, öiestre düster, bzw. cisd, hriwö,
lihtan, strinan, jetriwe, distre und cysö, hrywÖ, lyhtan, strynan, ^etrywe,
Öystre.
§ 107. t-Umlaut
79
Entsprechende außerws. Formen sind: für io: nordh. L jioma begehren,
hiorde Hirte, iorre Zorn, iorsi^a zürnen; merc. (Vesp. Ps.) heorde, eorre.
Für io: nordh. L diore, nicht streng ws. deore teuer (spätws. dyre), nordh.
Öiostre düster, merc. (Vesp. Ps.) Öeostre usw.
In einer Anzahl von Wörtern, aber nie in der 2. und 3. Pers. Sing.
Ind. st. Verba, steht schon altws. eo, selten io statt des wegen i-Umlauts
zu erwartenden ie, i, y. Diese von Sievers als ‘Halbumlaut’ bezeichnete
Erscheinung ist wegen der Regelmäßigkeit ihres Vorkommens nicht
durch angl. oder kent. Einfluß zu erklären, sondern am ehesten durch
Analogie zu verwandten Wörtern, in denen kein i-Umlaut zu erwarten
ist. Das Schwanken zwischen eo und ie (i, y) in einzelnen Wörtern läßt
sich auch am besten dadurch erklären. Solche sind ^edeode Sprache
(fern. i-Stamm) wegen deod Volk, elöeode Fremdvolk (aber elöeodi^
fremdländisch neben elSiedi^), ^edeodan -io- (schw. Vb. I. Kl.) neben
spätws. sedydan sich anschließen, stieran, -i-, -y- neben stioran, steoran
steuern und stiera, styra Steuermann, Leiter wegen steor Steuer. Von
leode, liode Leute sind Formen mit -ie-, -i-, -y- nicht belegt, wohl wegen
des Sing, leod und leodan Vb. führen.
Anm. 1. Die Formen mit io könnten, soweit nicht kent. Einfluß vorliegt
(so in spätws. Texten), auf Unsicherheit der Bezeichnung beruhen.
Anm. 2. Über wahrscheinliches Unterbleiben der Brechung von i vor rr,
r Kons, und i im Angl, (flrr, afirran usw.) s. § 83, Anm. - Auffällig ist das
e (und auch das i, § 111, Anm. 3) in sibun-, sifungterri Siebengestirn Ep.
Corp. Erf. Gl. Eine Erklärung ist noch nicht gefunden, s. auch Flasdieck,
Angl. Beibl. 41, 286. Sollte die Form nicht rein ae. sein ? — Hingegen ist
häufiges e für ie, y in den Blickl. Hom. (z. B. erre, werrestan, wercan, smerwan
und Formen dazu, s. § 408, Anm. 5) wohl durch kent. e für festes ‘y’ oder
merc. eo (für io) veranlaßt und daher eine Ungenauigkeit, s. Hardy, S. 18
und Bülbring, El. B. § 186, Anm.
Anm. 3. Ws. onsien, nordh. onsion Antlitz lautet auch im Vesp. Ps. onsien
(dazu Akk. onsiene Royal Gl. neben onseone). E. Björkman, Engi. Stud.
48, 115 ff. hält die Form für zweisilbig und für eine Neubildung nach Verbal-
abstrakten auf -en wie ws. Riemen Sorge, lufen Freude u. a. Auch andere
ie im Vesp. Ps. sind wohl zweisilbig, wie jeste, jesied, ^eglende zu seon sehen,
während $epiede G. PI. linguarum (zu sejfiode) Schreibfehler sein dürfte.
Anm. 4. Über angl. wyrsa, wyrregta gegen altws. wiersa, wierregta vgl.
§ 114, a. - Über angl. lihten, ws. liehtan kent. liohtan s. § 119.
Anm. 5. Bei io aus der Lautfolge -iw(w)j- steht schon im Altws. fast nur i,
selten ie, so in niwe neu, hlw Gestalt, sliw Freude (gegen jetriewe treu mit
i-Umlaut zu treow Treue) und demgemäß auch spätws. nicht y. Vielleicht
hat das nach § 130, Anm. 3 in manchen Kasus entwickelte i Einfluß genom-
men.
80
§ 108. Velarumlaut
2. Der Velarumlaut
§ 108. Vor folgenden vorhistorischen oder urae. u- und o-Lauten kann
altes a zu ea, altes und durch t-Umlaut entstandenes e zu eo, i zu io
werden. Diese Erscheinung ist namentlich in den außerwestsächsischen
Mundarten, in erster Linie im Mercischen und Kentischen wohl ausge-
bildet: im Ws. unterliegt sie dagegen vielen Einschränkungen. Einmal
zeigt das Ws. an sich eine viel geringere Einwirkung jener Vokale,
andrerseits sind viel häufiger analoge Verschiebungen eingetreten. Ins-
besondere ist im Ws. in der Flexion der Wechsel von Formen mit und
ohne Velarumlaut fast ganz ausgeglichen, und zwar meist zugunsten
der umlautlosen Formen. In den angl. Mundarten ist dieser Ausgleich
viel seltener; anders als im Ws. sind überdies Formen mit Velarumlaut
in solche übernommen worden, in denen sie lautgesetzlich nicht zu er-
warten sind.
Weiterhin ist zu beachten, daß die Wirkungen der urae. sich weiter
erstrecken als die der urspr. ö-Vokale. Dabei ist folgendes zu bemerken:
1. Zum w-Umlaut gehören alle die Fälle, welche als wirkenden Vokal
ein urae. ü aufweisen, unbekümmert um dessen Ursprung (ob aus urspr.
Ä oder einem andern germ. Vokal, namentlich ö entwickelt, vgl. § 44,
Anm. 3) und unbekümmert um ihre späteren Veränderungen (Schwächung
zu o, später auch zu a, und in Mittelsilben auch zu e).
Anm. 1. Außer dem u der w-Stämme (§ 270ff.), dem u des Nom. Sg. f. und
des Nom. Akk. PI. kurzsilbiger Neutra, § 253, § 238, dem u der wo- und wä-
Stämme, § 249f., § 259, dem -um des Dat. PI., § 237 usw., können als Ur-
sache des «-Umlauts namentlich noch gelten die Ableitungssilben -oe, -od,
•ot, -od, -or, -ol, -on, -um, älter (und so zum Teil noch überliefert) -uc, -ud, -ut
usw. Insbesondere gehören hierher auch die o im Prät. und Part. Prät. der
schwachen Verba zweiter Klasse, wie sealfode, älter -ude, § 413.
2. Das vorhistorische 6 (einerlei welchen Ursprungs) erscheint in
historischer Zeit, soweit es nicht in (oben Nr. 1) übergegangen oder
zu e abgeschwächt ist, regelrecht als a, und es kann zweifelhaft sein,
von welchem Lautwert des Vokals der Umlaut ausgegangen ist, ob von
der früheren Gestalt o oder von der späteren Gestalt a. Wir wollen daher
diesen Umlaut als o/a-Umlaut bezeichnen und damit andeuten, daß
er vor einem historischen a auftritt, das auf ein vorhistorisches o (aber
nicht auf ein älteres u, wie in Nr. 1) zurückgeht.
Anm. 2. Die a/o, welche diesen Umlaut erzeugen, gehören meist Flexions-
silben an und wechseln bei der Flexion des einzelnen Wortes oft mit andern
Vokalen, und zwar sowohl mit (se), e, i als mit u; vgl. z. B. Paradigmen wie
döm, -es, -e; -as, -a; -um oder hof, -es; -e; -u; -a, um, § 238, oder wie löcian,
ie; -as, -ad; -iad; -ude (-ode) und -ade, § 414. Es sind daher hier besonders
oft Ausgleichungen zwischen den zu erwartenden verschiedenen Formen
§ 108. Velarumlaut
81
desselben Paradigmas eingetreten, und zwar im allgemeinen zugunsten des
nicht umgelauteten Vokals, so daß sich für den tatsächlichen Eintritt des
o/a-Umlauts noch weniger feste Regeln ergeben als für den des u-Umlauts.
3. u- und o/a-Umlaut wirken in der Regel nur über einen einfachen
Konsonanten hinweg (einzelne Ausnahmen von dieser Regel sind unten
besonders angeführt), und diese Konsonanten verhalten sich dem Um-
laut gegenüber verschieden, teils fördernd, teils hemmend. Am häufigsten
erscheint die Schreibung des Velarumlauts vor den Liquiden (r, l),
etwas seltener vor Labialen (/, p) und noch seltener vor Dentalen (d, t,
Ö, s). Vor Gaumenlauten kommen sie nur kentisch regelmäßig vor, im
Ws. überhaupt nie, in den angl. Texten fast nie vor j, aber merc. (jedoch
nie nordh.) manchmal vor c (s. § 109, Anm. 5 und § 110, Anm. 1). In
den Stellungen vor h ist mit Brechung, nicht mit Velarumlaut zu rechnen
(s. § 63if.). Bei «-Umlaut ist die Schreibung des Velarumlauts durch-
wegs häufiger als bei a/o-Umlaut.
Anm. 3. Diese Verschiedenheiten hängen jedenfalls damit zusammen, daß
die Gleitelaute je nach den folgenden Konsonanten verschieden deutlich
erschienen, so daß man sie in der Schrift auszudrücken für nötig fand oder
nicht, örtliche Verschiedenheiten und Analogien spielen dabei gewiß auch
herein. Daß man diese Gleitelaute nur nach kurzen Vokalen schrieb, aber
nicht nach langen, hängt zweifellos damit zusammen, daß sie nach ersteren
deutlicher hörbar waren, wofür eine schlaffere Aussprache der kurzen Vokale
der Grund gewesen sein kann (s. Verf., Engi. Studios 34, 250f.). Das weit-
gehende Fehlen der Schreibungen des Velarumlauts vor Gaumenlauten und
die ‘Ebnung’ (§ 119) stehen daher sicher in einer gewissen Parallele, doch
lassen sich nicht alle Fälle des Fehlens der Velarumlautschreibungen durch
‘Ebnung’ erklären, wie dies Bülbring, El. B. § 202, § 204, § 205 und nach
ihm Campbell, OE. Gram. § 247, tut, zumal ws. Velarumlaut vor Gaumen-
lauten auch fehlt, die ‘Ebnung’ aber sonst nicht zu bemerken ist. Daher
lehnt Luick, Hist,. Gram. § 235, Anm. 3 diese Erklärung des Fehlens der
Velarumlautschreibungen vor Gaumenlauten in den angl. Texten (nach einer
privaten Mitteilung von Sievers) ab.
4. Nach vorausgehendem w ist unter den Vorbedingungen des Velar-
umlauts zum Teil eine Veränderung zu velaren Monophthongen zu be-
merken. Sie ist denen bei Brechung vor r 4- Kons, ähnlich, wenn auch
nicht ganz gleich. Vgl. dazu § 113-114. Da sie oft auch vor Folgekonso-
nanten erscheint, vor denen sonst Velarumlaut nicht vorkommt, könnte
sie älter sein als die Durchführung des Velarumlauts.
5. ea wegen Velarumlaut für westgerm. a findet sich nur in sehr be-
schränktem Umfang, s. § 109. Dies hängt jedenfalls damit zusammen,
daß gemeinae. westgerm. a vor einem a, o, u der Folgesilbe und ein-
fachem Konsonanten als a erscheint (s. § Ö0, 1 a) und der Velarumlaut
einen palatalen Vokal voraussetzt. Dies hat Luick, Hist. Gram. § 178
82
§ 108. Velarumlaut
und § 179, zu der Annahme einer ‘zweiten Aufhellung’ der gemeinae,
a für den merc. Dialekt des Vesp. Ps. geführt, die im Zusammenhang
mit e für gemeinae. se in diesem (aber nicht im Kent.) stünde (über-
nommen von Campbell, OE. Gram. § 164-169), s. § 52.
Anm. 4. Unbedingt nötig ist die Annahme dieser ‘zweiten Aufhellung’ aber
nicht. Vor velaren Vokalen könnte sich mundartlich eine hellere Aussprache
des westgerm. a erhalten haben, welche Voraussetzung der ea bei Velar-
umlaut wäre (und der Schreibung se vor Gaumenlauten, § 109, Anm. 5),
während gemeinae. a eine Weiterentwicklung wäre. Aufschluß könnte nur
die Entwicklung von c und 5 vor germ. a geben. Wenn diese in merc. Mund-
arten wie vor den durch »-Umlaut entstandenen sekundären Palatalvokalen
velar wären (s. § 206, 1), müßte man es auch bei dem sicher späteren Velar-
umlaut erwarten. Hierfür fehlen aber sichere Beispiele. Ws. safol Tribut
hat trotz alter Schreibungen wie ^eabul- Cp. Gl., ^eajol R1 (gew. aber ja?/eZ,
ebenso zweimal ^eafel L neben gew. ^aefel, s. § 109, Anm. 2) me. stets an-
lautendes ff, also Velar, doch ist bei diesem Rechtswort, das kelt. Ursprungs
ist (s. Pokorny, Idg. etym. Wb., S. 408), mit mlat. oder nordfranz. Einfluß
zu rechnen (mlat. gabellum, nordfranz. jedenfalls *gavelle für zentralfranz.
javelle Haufe; nicht franz, gabelte Salzsteuer, das anderer Herkunft und ein
späteres Lehnwort aus dem Provenzalischen ist, s. Gamillscheg, Etym. Wb.
d. franz. Sprache). Auffallend ist hingegen, daß ws. ^eat Durchgang, Tor,
Plur. satu, ne. gate in den westl. und nördl. Mundarten ne. sehr häufig mit
anlautendem y- vorkommt, ebenso in Ortsnamen, in solchen vor allem in
Westengland. Ne. gate kann das anlautende g- aus dem Plural (ebenso wie
den langen Vokal) übernommen haben, doch ist Einfluß von nordgerm.
gata Gasse auch möglich. Hingegen dürften die Mundartformen, die meist
kurzen Vokal haben, aus dem Sing, stammen, ebenso ist das bei manchen
Ortsnamen möglich, doch ist der Sing.-Vokal bereits altnordh. auch in den
Plural übernommen (L Sing, säet, manchmal jeaf, Plur. Nom. ^eatt, Rit.
Nom. Plur. s&tto, ^aeta), während im Vesp. Ps. der Sing, jei (nach § 52),
der Plur. Nom. $eatu, Gen. jeata, Dat. ^eatum (mit Velarumlaut) lautet, so
daß merc. die ne. Formen mit y- auch vom Plural stammen könnten. Frag-
lich kann sein, ob man für bes. poet. cearu Sorge, ws. caru, Velarumlaut an-
nehmen soll oder Übertragung von cear- aus Kasus mit anderer Endung
als -u (z. B. Akk. Sg. ceare usw.). cearu könnte eine merc. Form nach
§ 109 sein, wenn sie dafür auch eher zu häufig ist. Die Annahme von Camp-
bell, O. E. Gram. § 208, der Velarumlaut sei wie in ealu (§ 109, Anm. 4)
durch Übertragung des Vokals aus Formen mit anderen Endungsvokalen
zu erklären, ist wenig wahrscheinlich, weil dann auch das anlautende c als
palatale Variante übernommen worden wäre, wie sie in ae. ceari$ sorgsam,
ne. chary steht, caru zeigt aber bis auf einige nicht beweiskräftige me.
Schreibungen und ne. stets die velare Variante, die freilich auch nach dem
Verbum ae. carian durchgedrungen sein könnte. Das Wort ist daher für die
Annahme einer ‘zweiten Aufhellung’, vor der die velare Variante wie bei
»-Umlaut erhalten geblieben wäre, nicht beweiskräftig. - Über $earu, flekt.
searwe usw. s. § 19, Anm. 8. - Nicht hierher gehört jaZan schreien (erhalten
in ne. nightingale), weil vor Z auch im Vesp. Ps. -a- und nicht -ea- steht, s.
§ 109, Anm. 6.
6. Da von. den alten Glossaren Ep. und die auf ältere Vorlagen zurück-
§ 108-109. Velarumlaut
83
gehenden Erf. und Leid. Gl. keine auf Velarumlaut weisende Schrei-
bungen enthalten, das Cp. Gl. aber und ebenso das nordh. Liber Vitae
immerhin etliche, hat man angenommen, daß der Velarumlaut erst um
die Wende vom 7. zum 8. Jh. durchgedrungen sei. Es ist aber sehr gut
möglich, daß diese Schreibungen, erst damals aufkamen und sich erst
später durchgesetzt haben.
Anm. 5. Vgl. dazu Sievers, Anglia 13, 19; Bülbring, Angl. Beibl. 9, 67ff.;
S. M. Kuhn, PMLA 54, 14ff. - Daß die auf Velarumlaut zurückgehenden
Diphthonge zuerst bei bestimmter Intonation (gebrochenem Ton) deutlich
wurden, ist sehr wohl möglich; vgl. Sievers, Förster-Festschrift, S. 66, § 27c.
§ 109. a-ea. Der Velarumlaut von germ. a ist nur im merc. Dialekt des
Vesp. Ps. regelmäßig durchgeführt. Er fehlt hier bloß vor Gaumen-
lauten (s. Anm. 5), und es heißt daher stets: (mit w-Umlaut) earun sind,
heafuc Habicht, featu Fässer (Sg. fet, gemeinae. fast, § 52), jeatu Tore,
fearu ich fahre; ebenso vor Doppelkonsonant in eappul Apfel; weiter
(mit a/o-Umlaut) fearaö (Präs. Ind. PL) fahren (und auch aufs Part,
übertragen fearende), Imp. speara, PI. spearaö spare, sparen, Opt. ^leadie
exhilaret (von Formen mit a im Suffix übertragen) und vor Doppelkon-
sonant leappan Lappen (PL), hneappad Präs. Ind. er schläft ein, eascan
Asche (PL, aber auch escan nach dem Sg., § 52). Ebenso stehen Formen
mit ea in in Corp. GL, so ^eadulin^, cleadur Klapper, ^eabul Tribut (aber
auch ja&uZ und ebenso in anderen Wörtern, wie habuc, -laeppan).
Vereinzelt stehen Formen mit ea in altkent. Urkunden, wie teapor
Kerze, Eigennamen wie Heaöubald, HeaÖored (doch vgl. § 2, Anm. 5);
im nordh. Liber Vitae Eigennamen mit Heafiu-, Beadu- neben solchen
mit Hafiu-, Badu- als erstem Bestandteil; im späteren Nordh. (L, Rit.)
nur einzelne Sonderfälle (s. Anm. 3) wie jeadn'ja sammeln, stfeasfadon
commendaverunt, leassa weniger (und darnach Sup. leasest L), meassa
Messe. Ob R2 sceaöa Feind (neben sceoöa und sc&Öo), sceacca schütteln,
Dat. PL sceacrum, N. PL sceattas durch Velarumlaut oder nach § 92, 2 d
und Anm. 7 zu erklären sind, ist fraglich.
Gemeinae. ist ea nur in ealu Bier, Gen. Dat. Sg. ealoö neben seltenerem
aloÖ. Zur Erklärung s. Anm. 4.
In der ws. Prosa, im späteren Nordh. und Kent., steht ea sonst nir-
gends ; es heißt also nach § 50, 1 arod hurtig, darod Pfeil, apuldre Apfel-
baum, stapol Staffel, hajoc Habicht, saddl Sattel, atol schrecklich, fatu
Fässer, jaran fahren, sparian (und Formen dazu) sparen usw.
Anm. 1. In weniger streng ws. Texten sind die ea etwas häufiger; insbeson-
dere finden sie sich häufig in den poetischen Denkmälern, in denen sie aus
den Vorlagen (§ 2, Anm. 7) übernommen sein werden. In ihnen steht also
dearoö Pfeil, wearod Ufer, eajoö Kraft, eafora Nachkomme, heafoc Habicht,
84
§ 109. Velarumlaut
heajola Haupt, beadu Kampf (und darnach Gen. beadwe, § 260), eatol schreck-
lich, heaöu Kampf u. ä. neben darod, waroö, ajora, hafola, hajoc usw. Manch-
mal finden sich solche Formen mit ea auch in Flexionsformen, die ws. nach
den umlautlosen Formen ausgeglichen sind, wie PI. heaju zu hxf Meer,
treafu zu traef Zelt. Über cearu, caru Sorge s. § 108, Anm. 4.
Anm. 2. In den ältesten Glossen (Ep. Erf. Leiden Gl.) steht unter den Vor-
bedingungen des Velarumlauts oft a? (ae) oder e. Solche Schreibungen sind:
Ep. Gl. baeso purpurn (Erf. beoso, Corp. beoau, Ep. Erf. -besu, Leid, -baao); Ep.
claedur Klapper (Erf. cledr, Corp. cleadur; aber Ep. Erf. Corp. cladersticca);
Ep. Erf. Gl. jaebul (Corp. jeabul; daneben Gen. Sg. Erf. jeblea, Leid, jaebles
und Erf. N. Sg. sebil) Tribut; Erf. haera Hase (Ep. Corp. hara); Erf. -haebuc,
Leid, haefuc Habicht (Ep. -hebuc, Leid, hejuc; Corp. -äoäuc); Leid. Dat. PI.
apaedum (Ep. Erf. Corp. Nom. PI. apadan) Spaten; Erf. maefuldur (Schreib-
fehler / für p; Ep. Corp. mapuldur) Ahorn (aber Ep. Erf. Corp. apuldur
Apfelbaum); Ep. Gl. maettoc, Ep. Erf. Corp. mettoc, Corp. meottoc Hacke.
Da von den alten Glossaren nur Cp. den Velarumlaut von e und i häufiger
schreibt, könnten die ae und e eine Wiedergabe des für den Velarumlaut
vorauszusetzenden palatalen Vokals sein, wobei man an eine Schreibung
der Gleitelaute noch nicht dachte (so Bülbring, Angl. Beibl. 9, 67ff.) . -
R1 hat außer Akk. Sing, hea^e und jea/td (neben ^aefd) keine durch Velar-
umlaut zu erklärenden ea. Es hat entweder nach ws. Art a (also faran,
leohtfatu) oder nach nordh. a? (also neben s&fel auch feeran, sedaefnade Prät.
Sing.). Dies ist am ehesten auf Nichtbeachtung der Gleitelaute zurückzu-
führen, zumal auch bei Brechung diese nicht immer geschrieben werden
(s. § 84, Anm. 1 und S. M. Kuhn, PMLA 60, 648).
Anm. 3. Die nordh. Fälle mit ea sind nicht einheitlich zu erklären. In
Seadri^a dürfte a? aus -saedere in das lautgesetzliche 3ad(e)rian (aus *jadurö-
jan) übertragen sein (so Bülbring, Angl. Beibl. 9, 76), ebenso poet. jeador
zusammen; in ^efeaatadon kann ae aus dem Inf. stfaeata fasten, stammen,
der ae als Z-Umlaut vor mehrfacher Konsonanz (§ 96,2) hat; leaaaa (aus
*laiaizan, § 312) ist jedenfalls durch frühe Kürzung von Sa (Z-Umlaut von
ä aus ai, § 97) bedingt (Bülbring, Engi. Stud. 27, 88); meaaaa könnte zu
§ 110, 2 gehören und ea statt eo nach § 35, Anm. 1 haben; es wäre dann von
vlat. meaaa direkt abzuleiten, also anders als gemeinae. maeaae (s. § 55, Anm.).
Anm. 4. Gemeinae. ealu ist wegen der Verbreitung des Wortes kaum eine
Entlehnung aus dem Merc., sondern eher durch Angleichung des Stamm-
vokals an den Obliquus *aelip (aus *dhipi mit Z-Umlaut nach § 96, 3, d) zu
erklären (so zuerst Weyhe, Beitr. 31, 78).
Anm. 5. Vor 5 steht im Vesp. Ps. unter den Vorbedingungen des Velar-
umlauts normalerweise ae, also PI. dte^aa, dae^a, dae^um (aber auch dejas,
-a, -um nach dem Sing, dej, § 52; einmal dajunt), in den Royal Gl. aber a
wie im Ws. (dajas, nacodniaae). In anderen merc. Texten steht neben ae
manchmal auch ea oder a, so Corp. hae^uthom neben Äea(jo)-, Erf. haju-,
heju-, Ep. Äaejw- Hagedorn; Erf. Corp. sZaeju, Ep. sl^u Schlehe, Dat. PI.
heasoapinnum Lor. Gl. Wangen (ws. N. Sg. hajuspind); raju Ep. Erf. Corp.
Flechte, aber rea3ufi.n0 Corp. bariulus; R1 plea^ade spielte (aber PI. pla^adun;
Vesp. Ps. Präs. PI. plaejiad, Part, plse^iendra, Imp. PI. pla^iad, s. § 391, Anm. 1
und § 417, Anm. 11, b), R1 Aeaje Akk. Sg. Hag (sonst hat R1 auch vor
anderen Kons, keine ea durch Velarumlaut, s. Anm. 2. Vor c steht im Vesp.
§ 109-110. Velarumlaut 85
Ps. x in hraece (neben hraecx) Nom. Sing. Rachen (ws. hraca), aber hreacan
neben hraca Dat. Sing.; waecio 1. Sing. Präs. Ind., wqciaö Präs. Ind. Plur.
(zu ws. wacian wachen); cwaecun^ Sb., cwaecade und cwgcede Prät. (zu ws.
cwacian zittern); in alten Texten Öeaca Cp. Gl. thaca Erf. Ep., aber onseacan
detestare Cp. Gl. Den Ortsnamen Reculver (in Kent) schreibt das Moore-
Ms. von Beda, Hist, eccl., Racuulve, kent. Urk. Recuulf, Rxculjo and reacul-
vense Adj. Die Schreibung des Velarumlauts ist also vor c noch weniger
einheitlich als vor spirantischem 5, was mit der Deutlichkeit der Gleitelaute
Zusammenhängen wird.
Anm. 6. Vor l steht im Vesp. Ps. a wie in hwales Walfische, wyrtwalan
Wurzeln, palend singend, jaZen gesungen, wobei man wohl an einen Einfluß
des einfachen l (also wie sonst im Angl, von ll, l 4- Kons. § 85) zu denken
hat, s. § 85, Anm. 3.
Anm. 7. Velarumlaut von x als i-Umlaut von a/o vor Nasal (§ 96, 5) liegt
vor in jreamsum, -lice, -nis Vesp. Ps., vgl. Flasdieck, Angl. Beibl. 41, 283ff.
Anm. 8. Nicht hierher gehören Formen wie fealu fahl, bealu Übel (neben
falu, balu), bearu Hain, jearw bereit, nearu eng, earu schnell, in denen das
ea aus den mehrsilbigen Kasus (wie Gen. fealwes, bearwes usw. § 249f., § 300)
stammt, in denen nach § 83ff. Brechung eingetreten war. Ebenso gehört
nicht hierher ceajor Käfer (Stamm *kafra-), das ea nach palatalem c (§ 91,
l,a; vgl. ne. chafer) und Sekundärvokal nach § 153 hat; weiter ws. ceafu
PI. zu ceaf ne. chaff, ws. PI. jeata zu jeatf Tor, in denen ea und der anlautende
Palatal aus dem Sg. übertragen sind; ws. sceadu Schatten, ^esceapu Geschick,
sceada Räuber, sceacan zittern haben ea nach § 92, 2, d. Hingegen könnte
sceada Schädiger, sceaba Hobel, sceadu Schatten in Ep. Gl. durch Velar-
umlaut zu erklären sein, weil im Merc. und Kent, ea für a nach sc nicht
vorkommt, s. § 92, Anm. 7 und Luick, Hist. Gram. § 254, Anm. 2.
§ 110. e-eo. «-Umlaut und o/a-Umlaut sind je nach der Herkunft der
Texte und je nach den dem Stammvokal folgenden Konsonanten ver-
schieden durchgeführt.
1. «-Umlaut ist gemeinae. vor den Liquiden r und l, ebenso vor
Labialen, doch steht altws. meist e; hingegen vor Dentalen und
Nasalen nur anglisch und kentisch, nicht streng ws., vor c und 3 meist
nur kentisch. Es heißt also gemeinae. (vor Liquiden): heorot Hirsch,
smeoru Schmer, teoru Teer, poet. heoru- Schwert, heolor Waage; weiter
mit nachträglicher Synkope des « heolstor Schlupfwinkel (alt helwstras
PI. Ep. Gl.), doch ist das eo in der Flexion durch Ausgleichung beseitigt
in ws. Nom. Akk. PI. speru, Dat. sperum, Dat. PI. werum, welum, Nom.
Sg. peru nach dem Sg. spere Speer, wer Mann, wela Reichtum, dem Obi.
peran zu pere Birne, auch meist in melu (neben meolo) Mehl nach dem
Gen. melwes usw.; (vor Labialen) eojor Eber, heofon Himmel, beofor
Biber, poet. ^eojcm- Meer (neben stfen, jyjen nach § 91, 0 mit Suffixab-
laut, § 141, Anm. 3), sweofot Schlaf, eofot Streit (§ 43, Anm. 4), eofolsian
lästern, eojole eine Pflanze, lat. ebulus, aber altws. auch efor, hefon usw.
86
§ 110. Velarumlaut
Hingegen heißt es bloß angl. und kent. (vor Dentalen und Nasalen)
meotod Geschick, jeotor Fessel, meodu Met, heonu sieh da! gegen ws.
metod, fetor, medu usw. und nur kent. (vor c, 5) reo^ol Regel, breo^o
Herr, hweoyul Rad gegen ws. und angl. re$ol oder sprecol gesprächig.
2. o/a-Umlaut fehlt im Westsächsischen überhaupt, nur in weniger
streng ws. Texten kommen Formen mit eo vor Liquiden (r, Z) vor. In
den anderen Mundarten (angl., kent.) ist der o/a-Umlaut in demselben
Umfang wie der u-Umlaut durchgeführt. Es heißt also streng ws. stela
Stiel, fela viel, tela wohl, heran tragen, sefa Sinn, wefan weben, etan essen,
tredan treten, aber angl. kent. und manchmal nicht streng ws. steola,
feola, teola, beoran, angl., kent. seofa, weo/an, eotan, treodan usw., aber
nur kent. weo^as Wege, spreocan sprechen gegen angl. und streng ws.
we^as, sprecan.
Anm. 1. Weniger streng ws. Texte zeigen öfter Formen mit w-Umlaut vor
Dentalen oder c, 5 oder solche mit a/o-Umlaut, wie reojoZ Regel, eodor Hof,
meodo Met, jeotor Fessel, poet. breo$o Fürst, meotod Geschick, auch in der
Flexion PI. wie seseoto zu seset Wohnung, meoto zu met Maß u. dgl., heolan
heilen, beoran tragen, auch Part. Präs, beorende (nach dem Inf. und Präs.
Ind. PL), schw. Mask, wie weola Reichtum, seofa Sinn, Adverbia wie feola
viel, teola wohl. Solche kommen namentlich in den poet. Texten oft vor.
Vereinzelt steht feola neben gew. fela, heolan neben helan, weolan neben
welan (PL), auch einmal weolena G. PL in Cura past. Hs. H. Vor c und 3
ist in den poet. Texten der Velarumlaut seltener, weil er in diesen Stellungen
vor allem kent. ist, doch kommt er manchmal auch in angl. Denkmälern
vor, so in Ra spreoca Inf. und andere Präsensformen (aber häufig spreco
1. Sg. Ind. neben spreoco), erendwreoca, Akk. PL -wreacu (§ 35, Anm. 1)
Bote neben Akk. Sg. erendwracu als anderer Bildungsform nach Lindelöf,
südnorth. Mundart S. 55, oder eher wegen Abschwächung im Nebenton
(so Bülbring, EL B. § 422) nach § 43, 2, a (Vesp. Ps. Srendwreca), R1 ein-
mal spreocan neben gew. sprecan (obwohl vor anderen Kons, meist e wie
ws. steht, so etan, wesa Inf., cwefran neben cweofian, be^etan), Vesp. Ps.
spreocan (auch spreocu neben sprecu, spreocad, spreocende, aber Opt. sprece,
en), breocu, -ende brocho, -end, wreocu, -ende räche, -end, einigemal ^espreocu
Gespräch neben seltenerem ^esprecu, dreimal wea$as (§ 35, Anm. 1), einmal
weo^um neben 26mal we^as, we^um zu wej Weg. Hierbei hat man bei den
st. Vb. der IV. und V. Kl. an Analogie zu solchen mit anderen Konsonanten
nach dem Stammvokal -e- gedacht (so Bülbring, EL B., § 243; Luick, Hist.
Gram., § 228, Anm. 1), doch ist dies im Zusammenhang mit dem Schwanken
in der Schreibung des Velarumlauts in anderen Texten anzunehmen kaum
nötig.
Anm. 2. Auch durch i-Umlaut aus westgerm. a entstandenes e erfährt
Velarumlaut zu eo. Derart ist zu erklären merc. siollanne (Urk. v. 840-45,
Sweet, Oldest Engi. Texts, S. 454, mit ungewöhnlichem io für eo), nordh.
sealla (und Formen, neben solchen mit e) L, Rit., einmal seollad R2 (neben
gew. Formen mit e und einmal secdlanne) aus Formen mit flexivischem Velar-
vokal; weiter Wörter, bei denen durch Suffixtausch an Stelle des i ein velarer
Vokal getreten war, wie eosol Esel (lat. *asilus statt asinus, mit -ol statt -il
§ 110-111. Velarumlaut
87
nach § 141, Anm. 3), eowu Schaf (wegen Endungstausch im Ausgleich nach
den ä-Stämmen, § 258, 'Anm, 4) und darnach eowestre Schafstall, eow(e)de
Schafherde, meowle Mädchen (got. mawilö) nach *meowu (Luick, Hist. Gram.
§ 230), streowode streute durch Übertritt in Kl. II der schw. Verba (§ 408,
Anm. 15) und darnach auch streowede, Inf. streowian neben strewian, atrewede;
freomian nach dem Prät. jreomode (§ 400, Anm. 2) statt fremede oder nach
dem Subst. jreomu, jreomunj. Die Fälle vor w lassen auch die Erklärung
von e zu eo vor w (§ 88) zu, doch spricht cleweöa dagegen, s. § 87, Anm.
Anm. 3. Nach w steht ws. und nordh. unter den Bedingungen des «-Um-
lauts normalerweise o, so woruld, worold Welt usw., doch zeigt sich im ein-
zelnen vielfach Schwanken, besonders wegen Ausgleich mit Formen mit
Suffixablaut, so daß sowohl e wie auch (durch nachträglichen gew. Velar-
umlaut des in Formen mit «-Suffix übertragenen e) eo erscheint, wie in ws.
weorold. Nach w steht manchmal eo auch vor Konsonanten, vor denen sonst
kein Velarumlaut erscheint, so in ws. hweo^ol Rad, so daß an Analogien, z.B.
hweowol, § 88 u. § 141, Anm. 3, zu denken ist. Unter den Bedingungen des
o/a-Umlauts kommt o nach w nur nordh. in einigen Wörtern, wie woaa sein,
vor. S. § 113, b und c.
Anm. 4. Über nordh. ea für eo (L, Rit.) vgl. § 35, Anm. 1. In L ist ea bei
o/a-Umlaut von e besonders häufig, also beara tragen, eat(t)a essen.
Anm. 5. Neben streng ws. fela, tela und poet. und nicht streng ws. jeola,
teola steht in der spätws. Prosa oft jecda und vereinzelt teala (Blickl. Hom.).
Kluge, Stammbildungslehre3, § 182, Wroblewski, Diss. S. 24, Dieter, Laut-
und Formenlehre der altgerm. Dialekte, S. 526, Ross, Transactions Phil. Soc.
1954, 102 leiten feala von einer a-Ablautstufe (entsprechend griech. tioXv)
ab, doch sind dies eher Formen, die durch Abschwächung im Satznebenton
zu erklären sind, weil Velarumlaut von westgerm. a im Westsächs. nicht
vorkommt (s. Bülbring, Angl. Beibl. 15, 130f. und oben § 109), es sei denn,
es handele sich um nicht-ws. (kent.) Formen mit ea für eo (s. § 35, Anm. 2),
zumal einige Ortsnamen auf der Insel Wight einen Lautwandel von eo zu
ea vorauszusetzen scheinen, s. H. Kökeritz, The Place-Names of the Isle
of Wight (Uppsala 1940), S. XCIV f. Me. findet sich jede, vale für jeola in
verschiedenen südl. und südwestl. Texten, s. Jordan, Handb. d. me. Gram.
§ 73, Anm. 2.
§ 111. wo, merc. und ws. gew. eo (s. § 38), ebenso teilweise kentisch.
«-Umlaut und o/a-Umlaut ist gleichweit verbreitet. Er ist gemeinae.
vor Liquiden (r, l) und Labialen; vor Dentalen und Nasalen
anglisch und kentisch, in der Regel nicht westsächsisch, vor c und 5
nur kentisch. Es heißt also gemeinae.: sioluc Seide, siolufr Silber,
Prät. tiolode arbeitete zu tilian arbeiten, siojon sieben, siofoÖa siebenter,
*siofoöa Kleie, Prät. cliopode zu clipian rufen; Gen. Plur. hiora ihrer,
ondlioja, biliofa Speise, bzw. im späteren Ws. und Merc. und z. T. kent.
seoloc, seolfor, teolode, seofon, seofoÖa, cleopode, heora, blleoja usw.; jedoch
nur anglisch und kent. nioöor nieder, ^eflioton stritten, sionu Sehne,
jlioda Geier, piosan Erbsen, hionan hin, nioman nehmen gegen streng
ws. niöor, sefliton, sinu, jlida, pisan, hinan, niman; nur kentisch stio^ol
88
§111. Velarumlaut
Zaunstieg, neojon neun, stiocian (nach Formen wie stiocaö, stiocode,
-ade) stechen gegen ws. und angl. sti^ol, ni^on, stician usw.
Anna. 1. In der Flexion wird oft, besonders ws. und auch nordh., weniger
merc. und kent., zwischen i und io (eo) ausgeglichen. Es kommen daher
einerseits Formen wie teolian, deopian oder Prät. tilode, bifode (zu bifian
zittern) vor, oder Nom. Plur. clifu, Gen. clifa, Dat. dijum zu dif Klippe,
Prät. Plur. drijon, ^ripon, 2. 3. Sg. Präs. Ind. lifast, lifab neben liojast,
liojab, leojad, leofab. S. auch Flexionslehre.
Anm. 2. Vereinzelt kommen auch in streng ws. Texten Formen mit io, eo
vor Dental, Nasal oder c, h und 5 vor, so schon bei Alfred liomu, leomu
Glieder, siodo neben sido Sitte, niohor nieder, ^ewiota Zeuge, Mitwisser,
wiota, wiotum (Dat. Plur.) Ratgeber neben wita, witum; im späteren Ws.
sind Formen wie neobor, heonon, heonan von hier, neoban von unten,
beheonan diesseits neben den eigentlich streng ws. hinan, niban, nyban nicht
selten. Sehr häufig ist siobban, seobban neben sibban, sybban (siebban) aus
sibban mit Kürzung nach § 138, 3. Vesp. Ps. hat auch hier einige Velar-
umlautformen vor c und 5 im Prät. PI. von st. Verben der 1. KL: bisweo-
cun, steo^un. Vgl. § 110, Anm. 1.
Anm. 3. Ws. kent. mioluc, tneoluc und mit späterer Synkope (§ 159, Anm. 8)
meolc steht neben angl. milc, letzteres durch Verallgemeinerung von Formen
zu erklären, in denen ein urspr. flexivisches -i (im Gen. und Dat. Sg., § 281)
noch i-Umlaut des Mittelvokals bewirkte (§ 145, Anm. 1) und daher kein
Velarumlaut eintrat. Der Mittelvokal ist dann nach § 159, Anm. 4 synkopiert,
s. H. Weyhe, Beitr. 31, 43ff. - Hingegen ist in altws. siofon, nordh. R1
siofu, -0 (aus *sibuni, § 45, Anm. 1) Velarumlaut eingetreten, vielleicht weil
unflektiertes *sebun (nordh. seojo, -a L) daneben stand. Ob sibun- Corp.
sifun- Ep. Gl. rein ae. ist, kann fraglich sein (vgl. § 107, Anm. 2).
Anm. 4. Auf Synkope eines u (vgl. § 159, c) weist vermutlich der Akk. Sg.
biosne (später auch bisne, bysne, nach dem Nom.), also auf eine Grundform
? *pisuna, doch ist Übernahme des io aus dem Dat. öiosum auch möglich.
Anm. 5. Vor mehrfacher Konsonanz steht Velarumlaut in kent. siondon
sind (ws. sindon, aiendon Anm. 6, syndori), in nordh. yioster- L, poet. $eostra
(R2 ^estir, ws. ^iestran nach § 91, c) gestern; in nordh. ionna innen, bionna
binnen, ionnab Eingeweide Ra gegen inna, binna, innab L, bihionda R2 L,
bihianda L hinten.
Anm. 6. Altws. steht für i vor Dentalen unter den Bedingungen des Velar-
umlauts oft ie (so besonders Cura past. Hs. H) z. B. wieton wissen, niebemest
neben niöemest, niobemest der niederste, siendon sie sind. Dies sind am
ehesten die § 22, Anm. 3 erwähnten Besonderheiten der Schreibung dieser
und anderer altws. Hss. Ebenso ist das schon altws. gelegentliche und spät-
ws. häufigere y in diesen Fällen (bysum diesem, nybemest, hlyni^a neigen)
nach § 22, Anm. 2 zu erklären, soweit nicht Fehlschreibungen wegen y neben
‘unfestem’ i vorliegen können.
Anm. 7. Nach w steht unter den Bedingungen des u-Umlauts für i, io viel-
fach u, vgl. § 114, b.
Anm. 8. Durch Velarumlaut von ws. i (aus ie) nach Palatal (§ 91, c) zu io,
später eo sind am leichtesten zu erklären ws. $eolu gelb, $eoloca Eigelb
(ebenso außerws. doch mit Velarumlaut von e nach § 110, 1), ^eolstor Eiter
§ 111. Velarumlaut. § 112-113. Vokalentwicklung nach w
89
(vgl. s&lostr Ep. Gl. ohne Velarumlaut, wie stets in diesem Texte, s. § 108, 6)
auch *3iolostir mit Synkope (daneben silister, siUistre mit Suffixablaut),
3iofol (so bei /Elfred neben $ifol, siful) ^eofol freigebig, spätws. seofu Gabe
(altws. bei ^Elfred siefu, $ifu nach den obliquen Kasus), ceorian klagen
(nach der 2. 3. Sg. Präs. Ind. ceorast, ceoraö oder dem Prät. ceorode) und
ceole Kehle (nach den flekt. Kasus ceolan), weil ws. die Einwirkung der
Palatale älter sein kann als der Velarumlaut. Da allerdings außer bei ^iojol
Formen mit io nicht belegt sind, könnte man auch an Velarumlaut eines
e (§ 91, Anm. 6) denken und bei $iofol an weitergehende Veränderung nach
Palatal zu *jt/- (§ 91, Anm. 8). Bei ceole ist Velarumlaut einer Form mit
e nicht gut möglich, weil a/o-Umlaut von e im Westsächsischen nicht vor-
kommt. - Nordh. ist ebenso Velarumlaut eingetreten in Präs. PI. sciolon,
sciolun, s. § 92, 2, a und § 423, Anm. 1.
f) Vokalentwicklung nach t©
1. Bei den Vorbedingungen der Brechung
oder des Velarumlauts
§ 112. Westgerm. a vor r + Kons, erscheint in einigen anglischen
Texten (bes. nordh., dann R1, nicht Vesp. Ps.) nach Labialen öfters als
a (statt ea) besonders in den Prät. ward und warp. Da aber a vor r +
Kons, in diesen Texten auch gelegentlich in anderer Nachbarschaft vor-
kommt (vgl. § 84, Anm. 1), ist kaum mit einem besonderen Einfluß der
vorausgehenden Labiale zu rechnen.
§ 113. a) Westgerm. e vor r Kons., außer vor rc, r$, rh (s. § 120),
nach w erscheint im späteren Nordhumbrischen (L, Rit., R2) als o, so
in sword Schwert, worda werden, wordia ehren, word Wert, worpa werfen
(gemeinae. sweord, weordan, weordia, weord, weorpan).
Spätws. erscheint in diesen Fällen u, also swurd, wurdan, wurdian,
wurd, wurpan.
Die ae. Texte aus den übrigen Mundartgebieten und die älteren ws.
Texte zeigen eo; inwieweit eine Entwicklung zu o oder u auch anderswo
eingetreten ist, läßt sich aus den ae. Belegen nicht erkennen, doch
stehen einige u auch in den späteren Teilen der Peterborough-Chronik,
und die me. Entwicklung setzt u in Kent und im östlichen Mittelland,
im westlichen Mercischen u oder vielleicht o voraus.
Anm. 1. Abweichungen von obigen Veränderungen sind selten. Spätws.
worc (Evang. Übers.) ist am ehesten als Entwicklung im Nebenton (im
zweiten Teil von Kompositis) zu erklären (Luick, Hist. Gram. § 266, 2).
Ws. wordis Einhegung (einmal Cura past. H; Hs. C wecrdij, wie gew. im
Spätws. neben wwrdij) könnte Schreibfehler sein, vielleicht ist aber auch eine
Stammform mit o (neben einer mit e) möglich, vgl. kent. TomeworÖi^ (Orts-
name, Urkunde 50, Sweet, Oldest Engi. Texte), merc. woröi^na, -i^num
Vesp. Ps. und G. PI. worpana, Dat. PI. worpum (‘platea’) R1 (doch hat dieser
90
§ 113. Vokalentwicklung nach w
Text auch einmal worpadun ehrten, neben sonst regelmäßigem eo). Spätws.
worpan werfen (und Formen dazu, Evang. Übers.) ist vielleicht mit u zu le-
sen, weil diese Texte manchmal o für u und umgekehrt schreiben. Spätws.
swyrd ist umgekehrte Schreibung für swurd wegen des Lautwandels wyr- zu
wur- (§ 118). Die Schreibung Jeoweorda für Jugurtha (Orosius, s. § 90, Anm.
1) läßt darauf schließen, daß die Aussprache wur- bereits zur Zeit der Nieder-
schrift der Hs. (etwa 900) bestand, man aber die herkömmliche Schreibung
weor- beibehielt. Die Entwicklung führte kaum über wor-, da wor- anschei-
nend erst gegen Ausgang der ae. Zeit zu tour- wurde (s. § 117), sondern
eher über wör-, toür- zu wur- (vgl. auch den Übergang von ws. wyr- zu wur-,
§ 118)-
Anm. 2. Angl, fehlen Schreibungen von o, u nach w vor rc, rj, rh, so wie
dort vor diesen letzteren wegen ‘Ebnung’ auch sonst e eingetreten ist (s.
§ 120), doch kommt nordh. auch oe wegen Rundung nach w (s. § 115) neben
e vor. Es heißt daher Vesp. Ps. stets werc, jeuerc Werk, öuerh schlecht,
aber in L woerc (neben manchmal uerc und einmal waerc, wohl wegen Ver-
wechslung mit wserc Schmerz, s. § 120, Anm. 2) Arbeit (Rit. hat stets woerc,
Ra aber werc), weiter bei e wegen i-Umlaut von germ. a L woer^endum
Part. Präs., aber wer^aa 2. Sing. Präs. Ind. (zu ws. wier^an schw. Vb. ver-
fluchen), s. § 405, Anm. 2. Aber auch die spätws. Entwicklung zu u fehlt
vor rc, rj, rh. Es heißt daher ws. dweor$ Zwerg, Öweorh quer und gew. weorc
(neben worc, s. Anm. 1 und spätws. toure, das vielleicht durch Übernahme
des Vokals des Verbums spätws. wurc(e)an für gemeinws. wyrc(e)an nach
§ 118 zu erklären ist, s. Gabrielson, § 302). Flektiertes spätws. öwure, Öwuru
quer gehört zu b), s. Anm. 4.
Anm. 3. Frühnordh. steht noch ueorthae Bedas Sterbelied (alle Hss.). Spät-
nordh. ist die Entwicklung zu wor- regelmäßig durchgeführt, bis auf ver-
einzeltes (je einmaliges) weor da®, weordia», hweorje und Imp. wearda in R4,
die Schreibfehler sein können. Andere Ausnahmen sind wohl nur scheinbar.
So gehören nordh. (L) hwerja, hwterja (und verschiedene Formen dazu) zum
schw. Verbum ws. hwierjan, angl. hwerfafn) (mit i-Umlaut von ea nach
§ 104); ebenso wohl tow&rpaö zu einem dem altnord. varpa entsprechenden
schw. Verbum. Nordh. (L) ewem, coern (mit to-Schwund oder Schreibung
oe für we, s. Bülbring, Angl. Beibl. 10, 369ff.) Handmühle, dazu ewearne Ra
ist vielleicht von einer Stammform mit a abzuleiten (während ws. eweorn
eine mit e voraussetzt, s. Gabrielson, S. 178). Die von Bülbring, EL B.
§ 272, für das Nordh. angenommene Entwicklung zu a nach Labialen (wegen
nordh. ea neben eo, § 35, Anm. 1) ist nicht einwandfrei erweisbar, weil die
angeführten Fälle hwarfaö Rit. (für hwaerfaö schw. Verbum, nicht st. Ver-
bum, s. oben) dreht, und farra L, farr Rit. (gew. fearra, für ws. feorran)
fern, Schreibfehler sein können und anderseits farma (neben feerma) Mahl-
zeit (ws. feorm), auf einen Stamm mit a zurückgehen kann (s. Luick, Hist.
Gram. § 156, Anm. 3).
b) Westgerm. e nach w unter den Vorbedingungen des u-Umlauts
(§ 108, 1) erscheint im nördlichen Nordhumbrischen (L, Rit.) und im
streng Ws. als o. Es heißt also nordh. woruld Welt (auch mit Abschwä-
chung des u worold, woreld, und mit Synkope world), worud Schar, ws.
worold, swostor Schwester.
§113. Vokalentwicklung nach w
91
Anm. 4. Die Formen mit o sind bereits altws.; daneben vorkommende
Formen mit eo sind, soweit sie als streng ws. anzusehen sind, dadurch zu
erklären, daß manchmal wegen Suffixablaut (§ 140ff.) Formen mit e in der
Stammsilbe neben solchen mit o stehen konnten; bei nachträglichem Suffix-
tausch konnte dieses e in Formen mit suffixalem -u- eintreten und noch
durch gewöhnlichen Velarumlaut zu eo werden. So heißt es wests. werod
Schar, seltener weorod nach einer Form *wered; welor Lippe nach einem
*weler, manchmal auch weorold. In solchen Fällen scheint Velarumlaut auch
vor Konsonanten einzutreten, welche ihn sonst im Wests, verhindern, so
in sweoator, wenn diese Form streng ws. ist (sesweoator ist allerdings ws.
häufiger belegt als ^eswostor; sweoator ist aber seltener als swostor). eo konnte
in solchen Formen auch die spätws. Entwicklung zu u mitmachen (§ 113, a);
auf diese Weise dürfte zu erklären sein: spätws. swustor (auch swyster mit
falscher Schreibung, wegen des Zusammenfalls von wy- und wu- § 118),
wurold (Ev. Übers., Urk.) und wurlde (Ev. Übers. Hs. H), wohl auch spätws.
flekt. öwuru (nach flektierten Formen von öweorh, § 113, Anm. 2), awuru
Nacken, nach einer Form von sweora (so ws. neben swira, swyra, § 114,
Anm. 3) mit kurzem Vokal, wenn es sich bei letzteren Formen nicht um
Fehlschreibungen handelt. Spätws. swustor (so auch in R1) könnte auch
auf eine Stammform mit germ. -i- zurückgehen, die für einzelne Kasus mög-
lich ist (s. § 285, Anm. 1; vgl. an. systr, das auf eine Verallgemeinerung
dieser zurückgeht). Einmaliges swiostor (neben sonstigem sweoator und swo-
ator) Orosius ist am ehesten eine Schreibung mit io statt eo nach § 86, Anm. 3
und kaum streng ws., s. § 114, Anm. 6.
Anm. 5. Die Entwicklung zu o (Luick ‘gesteigerter Velarumlaut’) ist jeden-
falls älter als der gewöhnliche Velarumlaut; sie dürfte kaum über die Stufe
eo geführt haben, weil sonst das durch Brechung entstandene eo dieselbe
Entwicklung mitgemacht hätte. Dieses ist aber altws. erhalten und erst
spätws. u geworden. Die Formen mit o scheinen sich bis zum Ausgang der
ae. Zeit erhalten zu haben; erst me. erscheinen auch in diesen Fällen solche
mit u, s. § 117; soweit sie früher vorkommen, können sie auf die Neben-
formen mit eo zurückgehen (s. oben Anm. 4).
Anm. 6. Vor j, h ist ws. die Entwicklung zu o nicht eingetreten, doch
scheint das vorangehende w die Entwicklung des gewöhnlichen Velanunlauts
zu eo (wie oben vor ai in sweoator) begünstigt zu haben. Es heißt daher auch
ws. hweowol Rad, doch könnte diese Form nicht streng ws. sein (streng ws.
ist vielleicht hweol aus *hweohol nach § 129, 2; flekt. hweohles usw.). - Nordh.
scheint vor st kein Velarumlaut vorzukommen, daher mit Rundung nach
§ 115 L auoeater (auch soeater, ebenso Rit. mit Vernachlässigung des u nach
§ 115, Anm. 3), aber R2 sweater (R1 sw bester nach § 54, Anm.), doch könnten
diese Formen auch auf solche mit der Ablautstufe -e- statt -o- im Suffix
zurückgehen, s. § 285, Anm. 1. swuster R1 ist wahrscheinlich eine spätws.
Form, s. Anm. 4.
Anm. 7. In den anderen Mundarten kommt ae. die Entwicklung zu o nicht
vor; es heißt also (auch im südl. Nordh. R2) weorold usw. Doch setzt die
me. Überlieferung im kent. und merc. Gebiet ein wur- voraus, das eine spä-
tere Entwicklung aus weor- wie im Spätws. sein kann.
c) Unter den Vorbedingungen des o/a-Umlauts (§ 108, 2) ist der
Lautwandel we- zu wo- bloß eingetreten im Nordh. (L, Rit., R2) bei wosa
92
§ 113-114. Vokalentwicklung nach w
sein und in L teilweise bei cwoöa sprechen (gewöhnlich cwoeÖa, § 115,
ebenso cvoeÖa Rit., cweSa und cweoöa in R3). Daneben findet sich inL
und Rit. öfters auch wa- was-, was mit nordh. ea für eo (§ 34, Anm. 1)
in einem, vielleicht nur graphischen, Zusammenhang stehen kann, so
waras Männer L, Rit. (L auch w&ras), vala (f. wala) Reichtum Rit.
(L weala, aber G. PI. walana), Dat. PI. valerum und vselerum Rit. (zu
ws. weler, welor Lippe).
Anm. 8. Woaa und cwoöa erklärt Luick, Hist. Gram. § 222, durch Satz-
nebenton. Die 1. Sg. Ind. Präs., in welcher die Vorbedingungen des u-
Umlauts gegeben wären, lautet in L cuoeöo, cueöo (neben cuedo, cuoedo,
cuseöo), in Rit. cvoeöo und cviöo, letzteres wohl wegen Angleichung an die
2. 3. Sg.
Anm. 9. In den übrigen Mundarten ist unter den Vorbedingungen des o/a-
Umlauts we- entweder unverändert oder weo- durch gewöhnlichen Velar-
umlaut.
Anm. 10. Ob nordh. dwala Irrtum (L) neben gemeinae. dwola (so auch L
und Rit.), merc. sedweola (Beda-Übers., Elene) und dazu schw. Vb. II. Kl.
jidwalia (in gidwaladon Rit.), gemeinae. dwolian (so auch gew. L, Rit.)
hierher gehört, ist fraglich, weil Bildungen von verschiedenen Ablautstufen
vorliegen können, s. § 59, Anm. 1. Die nordh. Formen könnten übrigens
auch auf altnord. dvale Betäubung zurückgehen.
§ 114. a) Westgerm. i vor r + Kons, ist auf angl. Gebiet nach w zu w
geworden, das durch i-Umlaut noch zu y umgestaltet wurde. Der einzige
Beleg ohne i-Umlaut ist *sinhwurful (sinuurbul Ep., sinuulfur als
Schreibfehler Erf. Gl., mit i-Umlaut vor Suffix 41 sirihwyrjel Blickl.
Hom.); mit i-Umlaut heißt es daher angl. wyrsa (-e, -o) schlechter (ws.
wiersa, wirsa, wyrsa nach § 107), wyrde würdig, ^ewyrd wird R1. Die
angl. Formen sind daher den spätws. mit ‘unfesten’ y in der Schreibung
gleich.
Anm. 1. In den angl. Formen muß w schon so früh entwickelt gewesen sein,
daß es durch i-Umlaut noch zu y verändert worden war. Ob dieses u auf
eine Zwischenstufe mit einem Gleitelaut durch Brechung vor r 4- Kons,
zurückgeht, läßt sich nicht entscheiden, es sei denn, daß die Schreibung
uuiurthit wird, Bedas Sterbelied, Z. 1. St. Gallener-Hs., 9. Jh., und spätere,
einen solchen bezeichnet und auf die alte nordh. Vorlage zurückgeht. Viel-
leicht handelt es sich aber um eine alte Schreibung von iu statt y, die jedoch
ungenau wäre (iu statt ui, s. § 31, Anm. 2), wenn auch für e in uueorthae
Sb. (ebenda Z. 5) eo in allen Hss. steht, s. § 113, Anm. 3. Vgl. dazu R. Bro-
tanek, Texte und Untersuchungen zur ae. Literatur- und Kulturgeschichte,
S. 168; A. H. Smith, Three Northumbrian Poems, S. 30; M. Förster, Ae.
Lesebuch 3-5, S. 64; Campbell, OE. Grammar, § 149, Fußnote 5. Zur Form
als solcher vgl. § 371, Anm. 7. äwyrpeö wirft R1 neben gew. äweorped ohne
t-Umlaut (§ 371, Anm. 5) gehört auch hierher, wenn es nicht eine spätws.
Form mit ‘unfestem’ y ist. Letzteres ist jedenfalls der Fall in dem oben
zitierten sinhwyrjel Blickl. Hom.
§ 114. Vokalentwicklung nach w
93
Anm. 2. Inwieweit diese Entwicklung auch in anderen Mundarten einge-
treten ist, ist fraglich, wyrsa, wyröe ist zwar schon altws. häufiger als wiersa,
wieröe oder wirsa, wirde, doch handelt es sich dabei wohl um eine durch das
vorausgehende w bedingte Bevorzugung des ‘unfesten’ y. Die kent. Formen
werresta schlechtester und werde würdig, vielleicht auch äjerred entfernt,
dürften auf ein früheres y (mit kent. e für y, § 31, Anm. 1) hinweisen, doch
setzen die me. kent. Formen z. T. u voraus, das sich am ehesten aus dem
kent. normal durch Brechung zu erwartenden io (§ 107) entwickelt haben
kann (s. Gabrielson, § 265).
Anm. 3. Vor rc, rh (für rj fehlen Belege) bleibt angl. i erhalten, wie denn
auch in diesen Stellungen die Brechung fehlt (§ 84, Anm. 6, § 120). Es heißt
daher Vesp. Ps. stets wircan (abzuleiten von einer i-Ablautstufe wie alts.
wirkian, anders als gemeinae. wyrc(e)an, das zu got. waurkjan gehört,
s. § 407, Anm. 7), weiter swira Nacken (mit i nach § 218,1 von einem *swirhjö,
s. Kluge, Beitr. 9, 558, von dem auch ws. swira, swyra mit ‘unfestem’ i, y
wegen Brechung und A-Ausfall (§ 218,1) abzuleiten ist, während das daneben-
stehende ws. sweora wohl zu *swerhö gehört, s. Kluge a. a. O.). Über spätws.
swura vgl. § 113, Anm. 4.
Anm. 4. In der Lautfolge wih- erscheint u nur ws. und anscheinend nur bei
gemindertem Satz- oder Wortton; so in betwuh und dem daran angeglichenen
betwux zwischen (§ 329, Anm. 1), das wohl eine im Satznebenton neben
betweoh, betwix, betweox entstandene Form sein dürfte; ferner im zweiten
Bestandteil von Kompositen wie in fulluht (auch fulwuht, neben seltenerem
fulwiht) Taufe, näwuht, nöwuht nichts (selten näwiht, aber auch weiter
gekürzt zu näuht, naht, noht) und in dem wohl von diesem abgeleiteten
Simplex wuht Wesen. Sonst steht io, i, so in Wiohl, Wiht Insel Wight und
mit Dehnung wegen ^-Ausfall (§ 218, 2) in wiobod, weojod Altar (s. § 43,
Anm. 4). Die angl. Mundarten haben stets i, zumal in diesen wegen der
‘Ebnung’ (§ 119) auch keine Brechungsdiphthonge vor h vorkommen. Aus
dem Kent, fehlen ae. und auch me. Belege.
Anm. 5. Ebenfalls zu u entwickelt sich i vor und nach w in ws. tuwa zwei-
mal (aus *twiwa über *twuwa).
b) Westgerm. i unter den Vorbedingungen des u-Umlauts (§ 108, 1)
scheint gemeinae. zu u geworden zu sein, doch fehlen aus Kent ae. Bei-
spiele (s. Anm. 6). Anglisch ist vor c und 3 i erhalten (vgl. § 108, Anm. 3).
Es heißt daher ws. angl. wuluc Purpurschnecke, wudu Holz, c(w)udu
Harz, wuton wohlan, swutol klar; aber nur ws. wucu Woche, ewueu
lebendig, swu^ode schwieg (angl. wicu, cwicu, swiytde). Hierher gehört
außerdem vielleicht auch spätws. swustor, swuster (auch R1), s. § 113,
Anm. 4.
Anm. 6. Die kent. Formen zeigen ae. das durch gewöhnlichen Velarumlaut
entstandene io, so wiodu weadu Holz, bewiotian beobachten, vollführen,
Sesweotolian offenbaren, wiocu Woche, doch scheinen me. Formen (z. B.
woke Woche mit Schreibung 0 für u) zu zeigen, daß w auch in dieser Mundart
vorkam (Luick, Hist. Gram. § 221, Anm. 2). - Neben Formen mit u kommen
auch in anderen Mundarten sowohl solche mit erhaltenem i wie solche mit
io, eo durch (nachträglichen) gewöhnlichen Velarumlaut vor, vgl. dieselben
94
§ 114-115. Vokalentwicklung nach w
Verhältnisse bei e, eo neben o, § 113, Anm. 4. Erstere sind dadurch zu erklä-
ren, daß zwischen Formen mit u im Suffix und solchen mit anderen Vokalen
Ausgleich eintrat, so uuylocas (mit y für i) Erf. Gl. neben sonstigem wuluc
nach einem *wilic mit Suffixablaut (§ 140ff.); uuidu Holz Ep. Gl. nach For-
men mit der Endung -a (s. § 270), ebenso quidu Harz Ep. Gl.; oder das
häufige witon wohlan, nach dem Opt. wite, -en; ws. cwicu nach dem Sg. cwic
(§ 303, Anm. 1), swi/pu Peitsche nach den obliquen Kasus swipe (§ 252).
Formen mit io, eo in anderen Mundarten sind z. B. nordh. wiototlice L (neben
gew. wutedlice), altws. wioton (Cura past.), swiostor (Orosius), swiotol sweotol
(sweotol von einem Stamm *swetul abzuleiten, ist nicht nötig, denn die Form
swotol, welche in der Sievers, Ags. Gram.3, § 105, Anm. 1 dazu mit Annahme
der Entwicklung nach § 113, b Anlaß gab, ist erst in Hss. des 12. Jahr-
hunderts belegt, welche bereits nach me. Art wo- für wu- schreiben), ws.
weoloc und mit Synkope weolc (Weyhe, Beitr. 31, 47), swiopa, -um R2. Falls
wioton, swiotol, swiostor als streng ws. anzusehen sind, müßte dor Velar-
umlaut durch das vorausgehende w begünstigt worden sein, weil er sonst ws.
vor Dental nicht vorkommt (s. § 111 und vgl. § 113, Anm. 4). - Angl, widwe
(L, Rit. R2, Vesp. Ps.) neben ws. wuduwe Witwe ist durch frühe Synkope
zu erklären. Durch Ausgleich zwischen synkopierten und nicht synkopierten
Formen ist spätws. widuwe, wyduwe (mit y nach § 116) und weodowe (aus
•wiodwwe) mit gewöhnlichem Velarumlaut zu erklären.
c) Unter den Bedingungen des o/a-Umlauts kommt u für i nach w
im Nordh. und teilweise im Westsächsischen vor, so nordh. wutan wissen
und andere Formen dazu, wuta Ratgeber (ws. wita, nicht streng ws. wiota,
weota, § 111, Anm. 2), wuda PI. Holz (das allerdings vom Nom. Sg. be-
einflußt sein kann).
Anm. 7. Da u bereits in sehr alten Texten begegnet (so in derauuda ‘in silva
derorum’ lat. Beda Hss., uuluc, uudu Ep. Gl.), ist dieser ‘gesteigerte Velar-
umlaut’ (Luick) älter als der gewöhnliche und gehört der vorhistorischen
Zeit an.
2. Rundungen einfacher Vokale
§ 115. e und e jeder Herkunft sind im nördlichen Nordhumbrischen
(L, Rit.) nach w zu oe, öe gerundet. Die Schreibung oe ist bei der Kürze in
Rit. fast ausnahmslos durchgeführt, in L steht daneben auch e; bei der
Länge steht in beiden Texten öe neben e. Es heißt also woej Weg, Imp.
wo&s sei, woerc Werk (aus *werc nach § 120), cwoeda sprechen, $ecwoeden
gesprochen, swoester Schwester, swoefen Schlaf und mit Umlaut-e twoelf
zwölf, woenda gehen, hwoelc welcher, swoelc solcher, doch in L auch we$,
cuedo ich spreche, suefen usw.; weiter bei e wöepen Waffe neben wepen,
wöede Gewand neben wede, wöeron sie waren (L meist weron, Rit. nur
veron, aber Opt. vöere neben vere), cuöedon (seltener cuedori) sie sprachen,
hwöer (meist huer) wo usw.
Anm. 1. Im südl. Nordh. (R2) findet sich oe nur in woej Weg, awoe$ weg.
In anderen Mundarten fehlen diese Rundungen völlig. Nach schallanalyti-
§ 115-116. Vokalentwicklung nach w
95
sehen Untersuchungen von Sievers ist die Rundung nordh. teilweise allgemein
eingetreten (Csedmon, Förster-Festschr. S. 69, § 31), teilweise (bei Cynewulf)
nur im Fallton (Luick-Festschrift, S. 70, § 20). Die von Sievers bei dieser
Gelegenheit festgestellte Rundung von a? zu oe findet in Schreibungen bloß
im Prät. Sg. cwoed sprach, Ausdruck. Für dieses hatte Bülbring, Angl.
Beibl. 10, 368 Beeinflussung vom Plural und damit langen Vokal angenom-
men; man könnte aber auch an eine besondere Entwicklung im Satznebenton
denken. Diese Erklärung wäre auch für die von Sievers schallanalytisch fest-
gestellten woes war und hwoet was, (die Schreibungen haben hier durchwegs se)
möglich; ursprünglich satznebentonige Formen können dann auch auf be-
tonte übertragen worden sein. Von den anderen von Sievers a. a. O. be-
sprochenen Wörtern haben bloß woelreow grausam (für waelhreow) und
woelr&aj Beute (für waslreaf) sicheres se, das in den Schreibungen durchwegs
bewahrt ist.
Anm. 2. Über die gelegentlich (besonders L, R1, seltener Rit. R2 und in
anderen Texten) vorkommende Schreibung se für e nach w (und in anderen
Stellungen) s. § 55, Anm.
Anm. 3. In den Schreibungen in L fehlt manchmal das w vor oe (so soejen
Schlaf neben Dat. PI. euoefnum, soester neben suoester Schwester, coeöes
neben cwoedes spricht u. a.). Da w in L auch in anderen Stellungen oft mit o
wiedergegeben wird, sind diese Schreibungen zweideutig und können auch
ungerundetes e darstellen (vgl. das ebenfalls vorkommende suefnum, susefnee,
cuedes), da die Schreibung von zwei o hintereinander vermieden wird.
S. Bülbring. Angl. Beibl. 10, 370ff.
§ 116. i nach w wird gemeinae. zu y gerundet in den negierten Formen
nylle (bzw. PI. nyllad usw.) will nicht, nyton (bzw. Opt. nyte, Prät. nysse,
nyste) wissen nicht. In anderen Fällen findet sich y bereits einigemal
altws., so swyn^ean für swin^ean schlagen, nöwyht für nöwiht keiner,
wyhta für wihta PI. Wesen (creaturae), cwyde Rede für cwide\ außerdem
swyna, G. PI. zu swin Schwein, Oros.; spätws. ist dies häufiger, so in
wyllan wollen, hwylc welch, swylc solch, swyde (für swide mit Kürzung
von swlde,) sehr, wyö gegen usw. Nach Ausweis des Me. (Schreibung des
ü-Lautes mit u nach franz. Schreibgewohnheit) ist im Südwesten (also
auf ehemalig westsächsischem Gebiet) in solchen Fällen tatsächlich
Rundung der i eingetreten. Nicht so sicher ist dies für andere Mundart-
gebiete. Daher sind die Schreibungen wynstra L linke, wynn L Mühsal,
Arbeit, wynnad L arbeitet, wynnun^ L Unkraut, swyppa Peitsche Rit.,
neben denen auch i-Schreibungen stehen {winstra L, winnes Subst. Gen.
Sg. und Vb. 3. Sg. Ind. Präs. L, winnun^a N. PI. L, svippum Dat. PI.
Rit.), wohl eher als ‘umgekehrte’ Schreibungen wegen der im Norden
bereits beginnenden Entrundung der y zu i anzusehen (so Luick, Hist.
Gram. § 287; anders Bülbring, El. B. § 282, der an Rundung der i denkt).
Anm. Über y für ‘festes’ i in anderen Stellungen s. § 22, Anm. 2.
96 § 117-118. Vokalentwicklung nach w. § 119. Ebnung
§ 117. Ein. Übergang von wor + Kons, in wur- scheint vorzuliegen in
den spätws. Schreibungen wurd Wort, wurdlian reden, wursm, wumns
Eiter (Ev. Übers.) und sewurden (Beda Übers. Hs. B) für gemeinws.
word, wordlian (ahd. wortalön), worsm, worms, geworden. Sie finden ihre
Fortsetzungen in me. Formen mit u (wurd, wurßen geworden u. a.).
Anm. Obige spätws. Formen lassen allerdings vielleicht auch die Erklärung
aus ae. Formen mit wyr- nach § 118 zu, da neben word in Kompositis -wyrde
(z. B. andwyrde Antwort), neben worms auch ae. wyrms und das Verbum
wyrmsan eitern steht. Neben wordlian wäre auch ein *wyrdlian aus *wurdil6jan
(statt *wordalöjan) möglich. Jedenfalls gehört ein Übergang von wor- zu
wur- erst zu den spätesten ae. Erscheinungen.
§ 118. wyr + Kons, (sowohl ‘festes’ y wie ‘unfestes’ y, § 31) ist spätws.
(noch nicht bei ^Elfric) in wur- übergegangen, daher wurm, Wurm, älter
wynn, wurdwritere Geschichtsschreiber (älter wyrd-), wurtwdla, wurttruma
Wurzel (älter wyrt-) mit ‘festem’ y; wurde würdig, wursa, wursta schlechter,
schlechteste, ^ewurpan sich erholen, mit ‘unfestem’ y.
Anm. 1. Da weor -f- Kons, nach § 113, a spätws. auch zu wur- geworden
war, finden sich in späten Hss. auch Fehlschreibungen mit weor- für wyr-
und umgekehrt, wie weorm Wurm (für wyrm), cwym Handmühle (für cweom),
swyrd Schwert (für sweord), bwyre quer (flektierte Formen, für Öweore,
begünstigt durch das Verbum öwyrian), vgl. Glaeser, Disa. § 14.
Anm. 2. Nach der me. Weiterentwicklung ist dieser Übergang auch auf
westmerc. Gebiet eingetreten, außerdem teilweise im Norden, doch wurde
er im Norden durch die frühe Entrundung des y behindert. In Kent fehlt er
wegen des frühen kent. Überganges von y zu e (§ 31, Anm. 1).
g) Besonderheiten vor Gaumenlauten
1. Die Ebnung
§ 119. Vor c, j, Ä stehen in den anglischen Mundarten für die aus
germ. au, eu, iu entstandenen ea, eo, io und für die wegen ‘Brechung’
vor h (§ 86) zu erwartenden ea, eo, io, eo, io einfache Vokale, und zwar
e für ea und eo jeder Herkunft (für ea in ganz alten Texten aber ä?, s.
Anm. 5), i für io, a? für ea (bei i-Umlaut aber e, a. § 104), e für eo, i für io.
Solche anglische Formen sind demnach: (gemeinae. ea — westgerm.
au) becen Zeichen, ec auch, iej Seil, eje Auge, heh hoch, fleh fle^ flog
(entsprechend ws. beacen, eac, teaj, ea^e, heah, fleah); (gemeinae. eo =
germ. eu) sec krank, fle^e Fliege, fle^a(n) fliegen, leja(n) lügen, Öeh
Schenkel, leht Licht (entsprechend ws. seoc, fleo^e, fleo$an, leo^an, Öeoh,
leoht), ebenso im Prät. redupl. Verba wex wuchs (ws. weox)', (gemeinae.
io, eo bzw. ws. ie, i, y nach § 78 = westgerm. iu) lihta(n) leuchten, lixa(n)
leuchten, cicen (und cicceno L, Akk. PI. mit Kürzung nach § 138, 2 in
§ 119. Ebnung
97
flektierten Formen mit Synkope) Kücken (altws. liehtan, Hexan, *ciecen);
(ea aus westgerm. a vor Ä) ^esash sah, ^eSseht Gedanke, aahta acht, hl^htor
Lachen, nordh. tashher Trane, ashher Ähre (§ 228), mtehi Macht, neeht
Nacht und gew. msehti^ mächtig, doch mit i-Umlaut (selten) mehlig
und neht (entsprechend ws. jeseaÄ, jedeaÄt, edhta, hleahtor, meaht, neaht,
bzw. Kontraktion in den Formen mit einfachem h tear, ear und mit
i-Umlaut mihti^, miht, nihl), weiter vor x = hs waex Wachs, waaxan
wachsen (ws. weax, weaxari) aber wex, wexan in R1 R2, s. § 122, 3; (eo
aus westgerm. e vor h) seh Imp. siehe, feh Vieh, reht Recht, jehia{n)
fechten, sex sechs (ws. seoh, feoh, feohtan, aber riht ryht nach § 122, 1
und siex, six nach § 122, Anm. 2); (io, eo aus westgerm. i; ws. ie, i, y
wegen i-Umlaut oder nach § 122, 1) ^etihhian anordnen, ^esihd Gesicht,
rihtan richten, wiht etwas und vor x — hs mixen Misthaufen, wrixlan
wechseln (ws. jetiohhian -teohhian, ^esiehd, rihtan, wiht, mixen myxen,
wrixlari)’, (westgerm. ä mit Brechung ws. ea, s. § 86, 4) neh nahe (ws.
neah); (i mit Brechung, § 86, 5) lih Imp. leihe, liht leicht, betwih zwischen
(neben bituihn Corp. bituichn Erf. bituicn Ep. und mit h-Ausfall betwinum
Vesp. Ps.), wlh Götzenbild (altws. Iwh, lioht, betunon, gemeinws. weoh).
Anm. 1. Die Bezeichnung ‘Ebnung’ für diese Erscheinung wurde als Über-
setzung des von H. Sweet dafür gebrauchten engl. ‘smoothing’ von K. Bül-
bring, Angl. Beibl. 10, 3, in die deutsche grammatische Literatur eingeführt
und ist seither allgemein gebräuchlich geworden. Die frühere Bezeichnung
als ‘Palatalumlaut’ ist sachlich unrichtig, weil c, 5, h in diesen Fällen velar
und nicht palatal waren. Daher nennt sie schon Sievers, Ags. Grammatik8,
‘sogenannter Palatalumlaut’. Ihre Erklärung als Lautwandel bereitet aber
Schwierigkeiten, denn man müßte eine Absorption der durch Brechung
entstandenen Gleitelaute bzw. des zweiten Bestandteils der alten Diphthonge
vor den velaren Konsonanten annehmen. Die me. in allen Stellungen
erscheinende Aufgabe der Gleitelaute bzw. zweiten Bestandteile der Diph-
thonge ist in den ae. angl. Texten nicht nachweisbar. Man kann daher daran
denken, daß man in den angl. Texten die Bezeichnung dieser Gleitelaute
bzw. der zweiten Bestandteile der Diphthonge vor den velaren Konsonan-
ten unnötig fand, weil sie sich von selbst einstellten. Mit dieser Erklärung
würden manche Schwierigkeiten in der Ausdeutung einzelner Schreibungen
wegfallen. Vgl. dazu K. Brunner, Beitr. (Tübingen) 77, 67-70.
Anm. 2. Die ältesten nordh. Denkmäler zeigen bereits diese auf ‘Ebnung’
beruhenden Schreibungen, z. B. heh, öeh Leid. Rätsel, maecti Csedmon Hymn.
(Cambridge Ms., andere Hss. mehti, mechti mit i-Umlaut), fe^taß Runen-
kästchen, alme.ttis Ruthwell-Kreuz. In den alten Glossaren kommen
Schreibungen mit und ohne Ebnung vor, so Ep. leaj Lauge, fleah Floh u. a.
(im ganzen siebenmal) neben herebaecon (s. Anm. 5), öec, läec, l$c; Corp.
jeac neben jäec, doch ist äe gewöhnlicher, dann mit Ä-Ausfall h&alecas (s. un-
ten); Erf. andleac, beanc (Schreibfehler für beacn), gew. aber läec, j|c, ööej
usw. Ob dies auf ältere Unsicherheit der Schreibung oder Mischung von angl.
und anderen Schreibgewohnheiten zurückgeht, ist nicht zu entscheiden.
Hingegen sind die Unregelmäßigkeiten in R1 (dreimal ea^an neben sonstigen
98
§ 119. Ebnung
eje, -an, -um, fech neben feh Vieh, beseoh Imp. neben beseh) wie sonst durch
Einfluß des Ws. in dem sonst angl. Text zu erklären.
Durch ‘Ebnung’ zu erklärende Formen erscheinen nicht, wenn ein h vor
sonoren Konsonanten aufgegeben wurde (s. § 218, 2), z. B. in neoläecan
Vesp. Ps., neoleca(n) L, Rit. (e- nach § 97, Anm. 1), neolici^a(n) R2 nähern
neben näh (ws. neah) nahe und darnach nesta Sup. L, Rit.; eored Cp., Vesp.
Ps. Reiterei (zu ws. eoh Pferd, dieses angl. nicht belegt); heanisfse) und For-
men L, heonisse R2 Hoheit (zu heh, ws. heah hoch und nach diesem hehsedl L
Hochsitz, hehsäcerd L hoher Priester, ebenso nach dem Nom. Akk. Sg. hähne
R2, haehnisse Dat Sing. Cp.), vielleicht auch hweol Rad und Formen dazu Ep.,
Erf., Cp., Vesp. Ps., wenn dieses von *hweohl und nicht aus *hweohol mit
Kontraktion nach § 130, 2 abzuleiten ist, was wohl für ws. hweol der Fall
ist, weiter betwion, betweon R1, bitwion R2, wenn aus *betwihn (bitui(c)n Ep.,
bitwlhn Cp., bituichn R2) abzuleiten und nicht aus *bitwihun mit Kontraktion,
wie Luick, Hist. Gram. § 320, vorschlägt. Gewöhnlich erklärt man diese Schrei-
bungen durch Ausfall des h vor Eintreten der ‘Ebnung’ als Lautwandel und
damit Bewahrung der auf Brechung zurückgehenden Gleitelaute, doch wäre
es möglich, daß man die Schreibung nur dann unterließ, wenn h geschrieben
wurde. Dasselbe gilt für Fälle, in denen sicher Kontraktion nach Ausfall eines
zwischenvokalischen h eingetreten ist. Auch in diesen sind die Schreibungen
der auf Brechung vor diesen h zurückgehenden eo, io, ea anglisch (wie ws.) be-
wahrt, so daß man auch an Ausfall der h vor der ‘Ebnung’ denken müßte, wenn
man diese als Lautwandel auffaßt. Über diese Formen s. § 129 und § 130.
Anm. 3. In cicen liegt jedenfalls auch velares c vor, vgl. ne. chicken und
schon R1 ciken. Die velare Qualität ließe sich trotz des Ableitungssuffixes
germ. -in durch die im Angl, anscheinend häufige Synkope langer Vokale
in Mittelsilben (also in flektierten Formen) erklären (s. § 162), aus welchen
auch die Geminata (cicceno Akk. PI., L) nach § 228, Anm. 2, stammen wird,
wenn auch solche Formen ae. nicht belegt sind, c hätte vor dem Folge-
konsonanten trotz der ursprünglichen Stellung vor i velare Qualität erhalten,
s. § 206, Anm. 2. Die angl. Formen wären also durch Ebnung zu erklären,
während es sich in ws. cicen, cycen um ‘unfeste’ i, y nach § 107 handeln
würde. Daß sich die Formen mit k durchsetzten, könnte auf Dissimilation
(so Ritter, Anglia 21, 152, Fußnote), aber auch, wie der kurze Vokal der
ersten Silbe, auf dem häufigen Gebrauch im Plural beruhen. Ebenso kann
in angl. lihtan, lixan, ^esihö das h trotz des i-Umlauts velar gewesen sein.
Es ist daher kaum nötig, mit Luick, Hist. Gram. § 192, eine besondere Art
des «-Umlauts statt ‘Ebnung’ anzunehmen.
Anm. 4. Über das Unterbleiben des Velarumlauts vor Gaumenlauten, das
auch oft durch Ebnung erklärt wird, s. § 108, Anm. 3.
Anm. 5. An Besonderheiten sind zu beachten: a) In einigen alten Texten
(Erf. Corp. Gl.) steht ie (geschrieben ae s. § 6, Anm. 1) als Ebnung von ea
statt des e in späteren Texten, so in Sc auch, Z«c Lauch, Kuckuck,
biecun Zeichen, big 3 Ring usw. Im späteren Nordh. steht <e nur dann, wenn
Kürzung möglich ist, wie in Öaeh doch L, Rit. (neben Ö$h, Öah und vereinzelt
deah), sec auch (neben ec und eaec, eac L) und im Prät. st. Vb. II. Kl. flseh
floh, teeh zog (wohl in Anlehnung an sseh sah, vgl. me. nördl. flagh, flaw floh).
- b) Einige Fälle mit i statt e bei Ebnung sind durch Analogie zu erklären,
so Upende Part. Präs, lügend Vesp. Ps., R1 (neben lebende Vesp. Ps. und
Zeju 1. Sing. Präs. Ind. Vesp. Ps.) nach der 2. und 3. Pers. Präs. Ind. wie in
§ 119—120. Ebnung
99
einigen anderen Fällen, s. § 129, Anm. 4 und Luick, Hist. Gram. § 237,
Anm. 3, ebenso fll^u Vesp. Ps. (ich) fliege (aber ^eje Sb. und fixende Part.
Präs. Vesp. Ps., L und Rit. u. a.). amicende R1 (amecende L) rauchend wird
eine ws. beeinflußte Schreibung sein (ws. amlece, amice, amyce Sb. Rauch und
smican neben smeocan rauchen). Die Annahme einer palatalen Qualität des
c bzw. j vor der Endung des Part. Präs, bei Bülbring, El. B. § 323 und 513,
ist zur Erklärung unnötig, zumal sie für fU$u nicht zutreffen kann. - c) Schwer
zu erklären ist gelegentliches nordh. e für l vor h wie in leht L leicht (neben
Komp, lihtra) und in bituen L, Rit. zwischen. Am ehesten sind es Schreib-
fehler und zwar leht, das nur einmal vorkommt, weil das Wort mit nordh.
leht Licht (ws. leoht) vielleicht schon gleichlautend war, s. § 122, 2; bitwen
bitven rein graphisch durch Auslassen des i nach u, da die gew. nordh. Form
bitwien lautet, § 130, Anm. 4 und § 329, Anm. 1. - d) In angl. Texten außer
im Vesp. Ps. steht für e vor ht oft as, so in cnseht (regelmäßig in R2, in der
Regel in L und Rit., seltener in R1. L hat nur einmal läreneht, Rit. zweimal
cneht, dreimal cnseht, R1 cneht als gew. Form), weiter ^efaeht R1 und einigemal
in Rit. neben häufigeren Formen mit e, vereinzelt vor einfachem h b is seh
Imp. R2, ^isxh Ra L (daneben in Ra gew. -sih, in L -siÄ). Da die Folge-
entwicklung in diesen Wörtern von ae. e (bzw. vor ht von i nach § 122, 2)
ausgeht und nicht ae voraussetzt, ist kaum an eine wirkliche Lautform as zu
denken (etwa durch Ebnung von nordh. ea für gemeinae. eo, so Bülbring,
Angl. Beibl. 9, 70 und EI. B. § 70), sondern eher an einen Versuch, erhaltenes e
zu bezeichnen, da dieses nach § 122, 2 vor ht anscheinend oft zu i geworden
war, ohne daß dies im Schriftbild zum Ausdruck kam (so Luick, Hist. Gram.
§ 274). Über gelegentliches nordh. cnaihtas s. § 122, Anm. 5. - e) Die Prät.
rehte, wehte zu recca(n), wecca(n) neben seltenerem raehte, washte haben wie
im Ws. den Vokal des Präsens, s. § 123, Anm. 6 und § 407, Anm. 9. Die
Imp. nordh. sldh, dwäh haben den Vokal der übrigen Formen des Präsens,
s. § 128, Anm. 4 und § 374, Anm. 5. - f) Im späteren Merc. scheint a? vor h
in a überzugehen: Royal Gl. edmahti^ neben dem Simplex maehli^. - g) über
nordh. ei vor 3 s. § 126, 2. über nordh. e^hwelc s. § 97, Anm. 1.
Anm. 6. Anzeichen dafür, daß die Gaumenlaute bei ‘Ebnung’ im Laufe der
ae. Zeit nicht mehr rein velar gesprochen wurden, fehlen demnach. Nur vor
ha (geschrieben x) scheint sich eine palatalere Aussprache durchgesetzt zu
haben, s. § 122, 3. Auch die me. Weiterentwicklung zeigt dies, so scheidet
Orrm regelmäßig in seiner solche Unterschiede zum Ausdruck bringenden
Schreibung den velaren stimmhaften Reibelaut als 3/1 von dem palatelen
als 3 oder 33 (z. B. e^he Auge von wej^e Weg). Die angl. Ebnung ist daher
von dem südl. (spätws.) Übergang von ea zu e vor Gaumenlauten (§ 121)
und der südl. Entwicklung vor ht (§ 122) zu scheiden. Die Ansicht von
Girvan, Ags. Hb., § 91, die Ebnung hänge mit einer palataleren Aussprache
der Gaumenlaute zusammen, ist daher nicht haltbar. - Es ist aber möglich,
daß die Gleitelaute bei Brechung bzw. die zweiten Bestandteile alter Diph-
thonge je nach der Intonation (Steig- oder Fallton) verschieden deutlich
hörbar waren und dies auf ihre Bezeichnung oder deren Unterlassung Ein-
fluß hatte, vgl. dazu Sievers, Luick-Festschrift, S. 72, § 28 und Förster-
Festschrift, S. 69, § 30.
§ 120. In den anglischen Texten fehlen auch, anders als ws. und kent.,
die wegen ‘Brechung’ (§ 84) zu erwartenden ea für germ. a und eo für
100
§ 120. Ebnung
germ. e vor rc, r$, rh. Für germ. a steht in den ältesten Texten meist
se, in späteren e, germ. e bleibt unverändert. Es heißt daher angl.
merc Mark, Grenze (ws. mearc), merz Mark (ws. znearj), Äerj Hain (ws.
Äearj), derj L R2 Schwein (ws. ftearj), ferh Ferkel (ws. fearh) bzw. werc
Vesp. Ps. R2 (L, Rit. woerc nach § 115, ws. weorc, spätws. auch worc
nach § 113) Werk, dwerh quer (ws. Öweorh), berht glänzend (ws. beorht)
usw.
Dasselbe gilt für germ. e vor Ih, wie in seih Seehund (ws. seolh), elh
Elch (ws. eolh); germ. a vor le, I3, Ih ist aber angl. wie sonstiges germ. a
vor l + Kons, oder ll (§ 85) als a erhalten (ws. kent. ea), also calc Kalk
(ws. cealc), ^al^a Galgen (ws. jeaZja, aber ^al^a auch in anderen, nicht
streng ws. Texten); für ws. sealh, nicht streng ws. salh Weide fehlen
Belege in rein angl. Texten.
Anm. 1. In den alten Glossaren kommen wie bei ‘Ebnung’ (§ 119, Anm. 1)
manchmal Schreibungen mit ea und eo vor, so mearc Grenze Ep., Ucbeor^
Sarg Cp. (zu ws. fteorj Berg, Hügel). Meist steht aber für germ. a se, selten e,
germ. e ist unverändert, so Ep., Erf. Cp. faerh Ferkel (ws. fearh), maerj
Mark (Cp. auch merj) bzw. eich, elh Elch (ws. eolh), uuerci Instr. Sing. Werk,
ftaanje&erj Sarg (nur Cp.). Ebenso steht -berht als zweiter Bestandteil von
Eigennamen in den alten lat. Beda-Hss. Bei Ausfall eines h nach l oder r
werden aber zumindest vor velaren Vokalen der Folgesilbe die durch Bre-
chung entstandenen Gleitelaute geschrieben, wie Inf. aetfealan Vesp. Ps.
adhaerere (zu feolhan, ws. feolan) und in den flektierten Formen dueoru, -an
(aber unflektiert Öuerh, ws. dweorh) quer. Vor palatalen Vokalen der Folge-
silbe werden aber (wie bei Kontraktion, s. § 129, 2) einfache Vokale geschrie-
ben, wohl wegen früheren Ausfalls der h, so daß keine Brechung eintrat, so
Opt. Präs, feie Vesp. Ps. inhaeream.
Anm. 2. c, 3, h sind in diesen Fällen velar. Dies ist also eine der ‘Ebnung’
parallele Erscheinung und wird ähnlich zu erklären sein. Daher kann es sich
bei der späteren Schreibung mit e für germ. a nicht um eine ‘Palatalisierung’
handeln, sondern es muß, soweit den Schreibungen wirklich eine spätere
Lautveränderung zugrunde liegt, eine durch die Aussprache des r vor den
Velaren bedingte Veränderung vorliegen. - Stets steht a in marken Morgen,
warhte, jewarht wirkte, gewirkt, s. § 59, Anm. 1. - Nordh. wserc Schmerz L R2,
das dann auch in der spätws. medizinischen Literatur in verschiedenen
Zusammensetzungen zur Bezeichnung von Krankheiten und auch in dem Vb.
wasrcan schmerzen vorkommt, ist vielleicht ein zuerst nordh. Lehnwort aus
dem Nordgerm. (altisl. verkr, dän. verk aus germ. *warki-, also von der idg.
o-Ablautstufe, während ae. ws. weorc Sb. Arbeit bzw. das schw. Vb. ws.
wi(e)rcan, wyrcan auf die idg. e-Ablautstufe zurückgeht). In w&rc war das
c dann velar, wie in nordg. Lehnwörtern in allen Stellungen. Das Wort
braucht nicht als angl. Lehnwort in der spätws. Medizinliteratur bekannt
geworden zu sein, doch ist dies möglich (so Jordan, Eigentümlichkeiten des
angl. Wortschatzes, S. 51 f.); eine andere Erklärung der angl. Form ist un-
nötig (Versuche solcher bei Füchsel, Anglia 24, 25 und Luick, Hist. Gram.,
§ 238, Anm. 1). Gelegentlich spätws. Schreibungen wyrc sind wohl als Fehl-
schreibungen in Anlehnung an wyrc(e)an zu erklären. - In lat. Lehnwörtern
§ 120. Ebnung
101
ist a entweder erhalten, wie in carcern Kerker, oder durch se, e wiederge-
geben, wie aerc Arche L, Rit., aber erc R2. Ws. steht ea oder a, wie earc,
arc Arche.
Anm. 3. R1 hat einige Formen mit eo wie weorc Werk, die ws. sind, vgl.
§ 119, Anm. 2.
Anm. 4. i vor velarem rc, r$, rh ist nach § 45, 1 nicht zu erwarten, da i
nur vor einem (ehemaligen) i, j vorkam, vor denen die palatalen Varianten
der Gaumenlaute gesprochen wurden (s. § 206, 3). Daher sind angl. Formen
mit i in solchen Stellungen wie firr, cirm, cimel (§ 83, Anm.) jedenfalls mit
Luick, Hist. Gram., § 139, 2 nicht durch Ebnung, sondern durch Unter-
bleiben der Brechung zu erklären, während ws. ‘unfestes’ i, y (für altws. ie)
nach § 107 steht. Hierher gehört N. Sg. birciae Ep., Erf., birce Cp. Birke
(lat. pöpulus), gegen ws. birce (Akk. Sg. bircean), byrce (in byrc-holt), ne.
birch. Hingegen ist für angl. berc Ep. Erf. (132) für lat. beta, arbor und für
Cp. (298) berc für lat. betulus (d. i. betula) wohl eine Form mit velarem c,
also ohne j-Suffix, anzunehmen. Das in Wörterbüchern angesetzte beorc
Runenlied 18 stammt aus der Auflösung des dafür stehenden Runenzeichens
durch Hickes, Thesaurus (Oxford 1705), s. Derolez, Runica Manuscripta,
Plate II und S. 20-26. Woher Hickes diese Form hatte, ist nicht festzu-
stellen. In Erklärungen von Runenalphabeten aus dem 11. und 12. Jh.
wird das Runenzeichen als berc aufgelöst, das angl. sein könnte, doch ist
nicht nachweisbar, woher die Schreiber diese Form hatten, s. Derolez,
a.a.O. S. 8, 38, 62, 128 u. ö. Weiter könnte birhtu Vesp. Ps. splendor, claritas
schw. Fern, nach § 280, entsprechend ws. bi(e)rhtu, byrhto, hierher gehören
(und dazu Vb. ^ebirhtan Vesp. Ps., Prät. Sg. ^ebirhte declaravit), wenn nicht
Ebnung vor velar gebliebenem h in der Verbindung -rht- wie in lihtan (s.
§ 119, Anm. 3) anzunehmen ist.
Anm. 5. Hierher gehört jedenfalls auch nordh. Öerh durch (L, R2, einmal
auch Leid. Rätsel) von idg. e-Ablautstufe, anders als merc. Ep. Erf. Cp.
Gl. und Vesp. Ps. öorh und ws. öurh und berht als erster und zweiter Bestand-
teil von Eigennamen (entsprechend ws. beorht glänzend). Auch in diesen ist
velares h anzunehmen. Einmaliges fierih Leidener Rätsel und gelegentliches
beriht in Urkunden brauchen wegen ihrer Seltenheit nicht auf palatales h
zu weisen, so daß eine andere Erklärung nötig wäre (Unterbleiben der
Brechung und Ebnung im Satznebenton in Öerh bzw. wegen Konsonanten-
häufung in berht, so Luick, Hist. Gram. § 136, Anm. 1 und § 316, Anm. 2). -
berht als erster und zweiter Bestandteil von Eigennamen in kent. Urk. ist,
soweit diese Formen wirklich kentisch und nicht etwa doch anglisch sind
(s. § 2, Anm. 6), wohl (so bes. in den ältesten Urk.) als latinisierende Schrei-
bung anzusehen (so Bercuald, Bertualdo, Berhtuualdus in Urk. des 8. Jahr-
hunderts); im zweiten Bestandteil (so in Urk. des 9. Jahrhunderts SwiÖ-
berht, Cyneberht u. a.) könnte Entwicklung im Nebenton nach § 43, 2 vor-
liegen, zumal im ersten Bestandteil in späteren Urkunden die auch ws. Form
Beorht- (kent. auch Biarht-) vorherrscht (nur einmal Berhtsi^e Urk. aus
Surrey aus der Zeit Alfreds, Sweet, Oldest Engi. Texts S. 452, die aber
auch andere nicht ws. Formen enthält, wie SBllm^hti^ Z. 45, grfeward Z. 46).
Anm. 6. Nicht hierher gehört angl. milc als synkopierte Form, s. § 45,
Anm. 1 und § 111, Anm. 3 und darnach gebildetes nordh. ♦jemticija melken
(in ^ezmZcctdon Prät. PI. L), nordh. thrimilci Monat Mai (Beda, de temp.
102 § 120-121. Ebnung. § 122. Veränderungen vor ht, ha
ratione im lat. Text, Örymylce Chronik) = der Monat, in dem das Vieh
dreimal am Tage gemolken wird. Keine Brechung und daher auch keine
Ebnung ist wohl vor le eingetreten (s. § 85, Anm. 6), daher 3. Sg. Ind.
Präs, mücip Ep. (milcid Erf., -it Corp.) er milkt zu ws. melcan und bükettan
ausspeien R1.
Anm. 7. über nordh. *&erjan neben *bir^an (entsprechend ws. byr^an mit
‘unfestem’ y) vgl. § 105, Anm. 2. - Nordh. ylberhta, yibrehta declarare Rit.
(ws. je&terÄton), berhta glänzen R8 und rehta richten R8 sind an die Adj.
berht, breht und rehi angelehnt.
§ 121. Im späteren Westsächsischen steht # für ea vor h durch
Brechung, e für ea aus germ. au vor c, j, h und für ea durch Brechung
von wgerm. ä (§ 86, 4), so seh sah, sieh schlage Imp., ^enehhe reichlich,
für älteres seah, sleah, $eneahhe; neh nahe, teh zog, öeh doch, hehsta
höchster, nehsta nächster, eje Auge, Ring, becen Zeichen, ecu Ver-
mehrung, lec Prät. schloß, für älteres neah, teah, Öeah, heahsta, neahsta
(als analog nach dem Positiv gebildete Formen ohne i-Umlaut, s. § 307ff.),
eaje, bea$, beacen, eaca, l&ac. Sehr häufig bleibt jedoch auch in späteren
Texten, welche solche Monophthongierungen bereits zeigen, noch die
ältere Schreibung mit ea herkömmlicherweise bewahrt.
Anm. 1. Häufiges Öeh in Hss. aus der Zeit ASlfreds (Orosius) ist wohl durch
Kürzung zu erklären (s. § 119, Anm. 5, a).
Anm. 2. c, 3, h sind in diesen Fällen wenigstens ursprünglich velar gewesen,
also wie bei der angl. ‘Ebnung’, bei c ist die velare Variante bis heute erhalten
(vgl. ne. beacon), bei 3 und h weist die me. Entwicklung auf Übergang zu
palataler Aussprache. Der Unterschied gegenüber der angl. ‘Ebnung’ be-
ruht darauf, daß eo in diesen Stellungen ws. erhalten blieb, z. B. aeoh sieh,
aeoc krank. Es muß sich also um eine durch die folgenden Gaumenlaute
früher als in anderen Stellungen eingetretene Monophthongierung von ea
aus germ, au bzw. um Aufgabe der Gleitelaute bei ‘Brechung* handeln,
wobei anscheinend die Qualität des ersten Bestandteils verändert (geschlos-
sener) wurde, wenn den ae. Schreibungen zu vertrauen ist, denn vor c hat
sich die offene Qualität auch me. erhalten (vgl. beacon, wo ea auf me. offenes
g weist).
Anm. 3. Vor j (geschrieben 3, § 175) bleibt spätws. ea erhalten, so in smea-
3(e)an nachdenken und dreas(e)an drohen (s. § 415, d). Vereinzeltes sme-
$eanne Cura past. Hs. C und sme^an kent. Gl. (neben to amyajenne) sind
wohl Schreibfehler.
2. Veränderungen vor ht, ha (= x), (hö)
§ 122. 1. eo und io wurden im Westsächsischen schon vor der Zeit
^Elfreds vor obigen ^-Gruppen allgemein zu i, wenn kein Velarvokal
auf sie folgte, z. B. cniht Diener, riht recht, aber Plur. cneohtas (dann mit
Ausgleich auch cneoht, cnihtas), jeohtan fechten (aber 3. Sg. Präs. Ind.
§ 122. Veränderungen vor ht, ha
103
fiht nach § 107 bzw. § 45, 2); Wiht Insel Wight, Piht Pikte (aber PI.
Peohlas, neben Pihtas nach dem Sg.), wrixl Wechsel, ^ewiht(e) Gewicht.
Dieselbe Entwicklung ist im Kentischen, aber anscheinend etwas
später eingetreten. Die kent. Gl. haben riht, cniht, wiht Gewicht, die
älteren Urkunden noch eo, io (ia) wie rechte, Wioht, Wiahtred.
Anm. 1. ie oder y für solches i sind selten, ie begegnet vor allem in der
Hs. H der Cura past., entsprechend § 22, Anm. 3. y steht aber altws. häufig
in ryht und Ableitungen, spätws. ist riht vorherrschend. Zur Erklärung die-
ses y vgl. § 22, Anm. 2. Spätws. ist cnyht häufig, s. § 22, Anm. 2.
Anm. 2. Vor ha (= x) steht stets io, eo in miox, meox Dünger; anscheinend
hatte sich hier im Auslaut ha früh in ka verwandelt, so daß die Monophthon-
gierung unterblieb, während sich im Inlaut (wrixl) ha länger erhielt und
sich daher i entwickelte. Deshalb ist ws. aiex, aix sechs, nicht durch Wandel
von eo zu i zu erklären, sondern durch kUmlaut in flektierten Formen. Die
gewöhnliche Form ist altws. aiex, später ayx, nicht aix, wie bei dem Laut-
wandel von eo zu i zu erwarten wäre. S. über diese Fälle Luick, Hist. Gram.
§ 271, Anm. 1.
Anm. 3. Ws. byrht (für älteres beorht) als erster oder zweiter Bestandteil in
Eigennamen dürfte auch durch Lautwandel vor ht zu erklären sein, birht
ist allerdings selten, doch kann y in der Stellung zwischen Labial und r
entstanden sein, s. § 22, Anm. 2. Kaum hierher gehört aber spätws. öwyre
quer für öweore, flekt. Form zu dweorh, da h in diesem Worte nicht palatal
geworden sein kann (s. Anm. 7); es ist wohl wie in § 118, Anm. 1 vorgesohla-
gen zu erklären.
Anm. 4. eo hat sich wenigstens nach Ausweis der ae. Schreibungen vor ht
nicht verändert; es heißt ae. stets leoht licht und Licht, onleohtan erleuchten.
Die me. Formen setzen aber auch für eo eine Entwicklung zu i voraus (me.
light), vielleicht erst nach Kürzung der urspr. langen Diphthonge.
2. Auch e scheint sich vor obigen Gruppen außer vor Velarvokal zu
i gewandelt zu haben. In Betracht kommt kent. e durch i-Umlaut aus
ea (ws. ie, i, y § 105). Für dieses steht i in kent. Gl. wie hlihÖ lacht und
danach hlihe lache. Die me. Formen setzen dieselbe Entwicklung in
niht, mihi voraus. Angl, e durch Ebnung (§ 119) hat sich ebenfalls nach
Ausweis der me. Formen zu i gewandelt. Deutliche ae. Belege dafür
finden sich aber bloß in R1 (rihte, ^erihtes, unriht, unrihtnisse; ebenso für
e durch i-Umlaut niht neben meht) und in den merc. Glossen (Royal
2A20, ed. Zupitza) cniht (neben rehtwisnisse und D. Sg. n&hte ohne
?'-Umlaut); für angl. e (durch Ebnung § 119) in R1 einmal liht neben
leht, leoht Licht und nihata nächster (§ 313). Nordh. finden sich keine
Schreibungen, welche darauf schon in ae. Zeit schließen lassen, außer
vielleicht leht leicht L als ‘umgekehrte’ Schreibung, s. § 119, Anm. 5, c.
Vielleicht ist auch einmaliges reihtnias L neben sonstigem rehtnis- eine
Andeutung dieses Lautwandels.
104
§ 122. Veränderungen vor ht, hs. § 123. ea nach Palatalen
Anm. 5. Über die Erklärung der häufigen nordh. Schreibung cmeht für
cneht u. ä. als Anzeichen dieses Lautwandels s. § 119, Anm. 5, d. Vielleicht
sind auch cnaihtes L, cnaihtas R2 durch palatalere Aussprache des h vor t
zu erklären.
3. Sa ist vor obigen Gruppen spätws. S wie vor einfachem h, doch war
dieses velar, während es sich vor ht um palatal gewordenes h handelt,
s. Anm. 7. Vielleicht ist aber dieser Übergang vor ht usw. schon früher
erfolgt, denn mehte findet sich bereits im Orosius. Im späteren Ws. heißt
es dann ziemlich allgemein auch vor folgendem velarem Vokal ehta acht
(älter eahta), feht focht (älter feaht), hlehtor Gelächter (älter hleahtor),
exl Achsel (älter eaxl), fex Haar (älter feax), flex Flachs (älter fleax),
wexan wachsen (älter weaxan), eh-öyrel Fenster (älter ea^-öyrl, vielleicht
nach § 121).
Im Anglischen steht statt ae bei ‘Ebnung’ (§ 119) vor hs (= x) (aber
nicht vor ht) in R2 regelmäßig e (z. B. wexbredes Wachstafel, wexeö
wächst, Opt. jeweze), gewöhnlich auch in R1 (z. B. exlan Achseln, wexan
wachsen, 3. Sg. Präs. Ind. wexep, aber auch einmal wasxep und fleex
Flachs), seltener in anderen Texten (so Vesp. Ps. einmal wex neben je
einmal weex und w$x-, einige e in lat. Beda-Hss. wie Sexbaldi, Sexbur^
neben Saexbur^, Sexwuljum neben Saexwutf-, lex Lachs Erf. Gl., aber laex
Corp.; doch stets waexa wachsen L, waexa Rit., waexit er wächst Corp.
Gl., aex Achse Ep. Erf. Gl., vaex Wachs Rit.).
Anm. 6. In den Prät. lehte, rehte, Hstrehte steht schon altws. e (Hs. H der
Cura past.), das später durchgeführt wird. Es ist wohl eher durch Anlehnung
an das Präsens zu erklären, s. 407, Anm. 9. Ebenso steht im Anglischen in
diesen Formen e. In angl. neht Nacht (neben naeht), mehti^ (neben maehi) ist
i-Urnlaut nach § 104 anzunehmen.
Anm. 7. Diese Veränderungen sind jedenfalls dadurch zu erklären, daß die
ursprünglich velaren h vor den Dentalen zu palatalen h verschoben wurden.
Sie werden daher von Bülbring als ‘Palatalumlaut’ bezeichnet. Über sie vgl.
bes. Bülbring, Angl. Beibl. 9, 70ff. und 10, Iff.
Anm. 8. Es ist anzunehmen, daß dieselbe Verschiebung auch vor hö eintrat,
doch fehlen sichere ae. Beispiele (s. oben eh-öyrel).
h) Monophthongierung von ea nach Palatalen
§ 123. Im späteren Westsächsischen steht für ea und ea jeglicher
Herkunft (außer für ea für ae. ä nach § 92, 2 d) nach Palatalen (§ 206)
auch S, doch ist dies in den Schreibungen mancher Hss. nur teilweise
durchgeführt, in anderen fehlt es ganz oder ist selten. Soweit man nicht
mit Bewahrung alter Formen mit Sa aus Schreibtradition rechnen will,
muß man etwa an einen örtlich beschränkten oder an noch nicht er-
kannte Bedingungen (etwa lautmelodischer Art) geknüpften Lautwandel
§ 123. ea nach Palatalen. § 124. Die Lautfolge sei- 105
denken. Es steht also z. B. für ea durch Brechung: jeZZa Galle, cerf
Schnitt, celf Kalb für älter jeaZZa, cearf, cealf-, für ea nach Palatalen
(§ 91, a): jei Tor, formet vergaß, je/ gab, cester Lager, scel(l) soll, für älter
jeaZ, for^eat, jeaf, ceaster, sceal(l); für ea aus germ. au: jei goß, ces
wählte, scet schoß, für älter jed/, ceas, sceat; für ea nach Palatal (§ 91, b):
jer Jahr, for^eton vergaßen, on^en entgegen, sccp Schaf, für älter jear,
jor^eaton, on$ean, sceap; für ea aus ae. se (germ. ai mit i-Umlaut) nach
sc (§ 92, 2, e): sceö Scheide, ^esced Bescheid für älter scead, ^escead.
Anm. 1. Dieser Lautwandel scheint mit der Monophthongierung der ta im
Ws. vor velaren c, j, h (§ 121) und vielleicht auch mit der anscheinend
älteren vor ht (§ 122, 3) im Zusammenhang zu stehen, s. § 121, Anm. 2.
jer kommt schon im Orosius vor neben gew. jear, doch könnte es sich da
um eine nicht streng ws. Form (s. § 91, b) handeln, ebenso (mieten, sefe
(Opt. Prät.) Cura past. Die gew. Form ist auch in diesen Texten jear, jea/e,
-^eaten.
Anm. 2. Vor einem Velarvokal in der Folgesilbe kommt für westgerm. ä
(ws. ä?) die Schreibung mit e nach 5 und sc auch spätws. nicht vor, es heißt
also jeära einst, D. PI. ^gärum zu jear Jahr, G. PI. sceäpa, Dat. PI. sceäpum
zu sceap Schaf. Es wird sich hierbei um eine Andeutung der palatalen Aus-
sprache der 5 und sc vor einem nach § 63, a entstandenen ws. ä handeln.
i) Die Lautfolge sei-
§ 124. In einigen Schreibungen in merc. und kent. Urkunden aus der
Mitte des 9. Jahrhunderts, dann in L und Rit., erscheint statt der Laut-
folge sei- gelegentlich sil-, im späteren Ws. ist sil- und syl- in solchen
Fällen häufig, ja fast regelmäßig. Belege sind: merc. Urk. von etwa 840
(Sweet, Oldest Engi. Texts S. 454) sile gebe; L Rit. siled neben seleö
übergibt (aber Inf. sealla mit Velarumlaut, § 110, Anm. 2). R1 einmal
sylle Imp. Sg., viermal sylf (sonst seif) sind wohl spätws. Schreibungen;
ws. in der Zeit nach ^Elfred sylf, silf selbst (bei Alfred seif, außerws.
seolf), syllan, sillan übergeben, sylen Gabe, syllend neben seilend Geber,
syllic neben sdlic seltsam, und nach Kürzung des urspr. langen e in
sylra, sylla besser neben sSlra, stlla.
Anm. 1. Me. Formen setzen die Entwicklung zu syl- auch für ein merc.
Gebiet im Westen außerhalb des eigentlichen Ws. voraus {sullen für ae.
sellan Katherine-Gruppe); außerdem ein südwestl. (vielleicht ws.) ae.
*sicj(e)un, *syc^{e)an, doch sind diese Formen ae. nicht belegt. - Vor Id
ist e auch ws. erhalten, weil vorher Dehnung (nach § 137, 3) eingetreten ist,
z. B. seldan selten.
Anm. 2. Dieser Lautwandel wurde zuerst von Bülbring, Engi. Stud. 27,
87ff. festgestellt. Er ist durch die palatale Aussprache des s bedingt, also
der Einwirkung anderer palataler Konsonanten (§ 90ff.) gleichzusetzen, doch
tritt er erst viel später in Erscheinung.
106 § 124. Die Lautfolge sei-. § 125. Veränderungen der Diphthonge
Anm. 3. Vielleicht hat sich auch altws. sio- (durch Velarumlaut § 111) in
spätws. sy- gewandelt, so daß spätws. syfon sieben (altws. sio/on), syndon
sind (vgl. kent. siondon, § 427, Anm. 3), syddan (altws. sioddan, § 111,
Anm. 2) seitdem, sylfor Silber (altws. siolfor und siolufr) auf diese Weise
zu erklären sind (Luick, Hist. Gram. § 282); es ist aber fast wahrscheinlicher,
daß syndon und syddan nach § 22, Anm. 2 mit y für i zu erklären sind,
weil ws. vor Dental und Nasal gewöhnlich kein Velarumlaut eintritt. Soweit
altws. in diesen Wörtern Schreibungen mit ie auftreten, sind sie kaum als
Vorstufe des spätws. y aufzufassen, sondern gehören wohl zu § 22, Anm. 3.
syjon könnte ebenfalls y für i haben und auf eine (allerdings nicht belegte)
ältere Form *sifon, *sifen (aus flekt. *sibuni, vgl. § 45, Anm. 1) zurück-
gehen, sylfor vielleicht ebenso auf eine Form ohne Velarumlaut (vgl. altws.
silofr Cura past. Hs. H), zumal für sioluc, aeoluc (seolc) keine Formen mit y
belegt sind.
k) Veränderungen der Diphthonge
1. Akzentumsprung
§ 125. Bei den ae. Diphthongschreibungen, und zwar sowohl solchen,
die auf germ. Diphthonge zurückgehen, wie den durch Gleitelaute bei
‘Brechung’ und ‘Velarumlaut’ entstandenen, ist im späteren Nordh.
wie Ws. manchmal der erste Bestandteil vernachlässigt und nur der
zweite - da und dort mit Veränderungen (wie u statt o) - erhalten.
Dies ist jedenfalls durch Akzentumsprung zu erklären, also durch
die Verwandlung der ursprünglich fallenden Diphthonge in steigende
(wie im Altnordischen). Solche Schreibungen sind:
a) Unter dem Hauptton nach anlautendem s in nordh. sulfer Silber
N. Akk. Sg. L, Rit. (L Gen. Sg. seulfres; Rit. G. Sg. seolferea D. Sg.
seolfre)\ ws. sufon sieben, sufoda siebenter; nordh. sodda (R2, L neben
sidda) seitdem (für sioddan); solf R2 für seolf; nach sc in spätws. nicht
seltenem scäw-un^ Schauen, scäwian schauen (für sceaw-, vgl. ne. show);
nach palatalem j in spätws. vereinzeltem on$än gegen (altws. on^ean,
§ 91, b) und möglicherweise wegen einer Entwicklung der anlautenden
Folgen jea- jeo-, ea-, eo- zu ja-, jo- in spätws. ealla für ^ealla Galle,
eomlice für ^eomlice fleißig, ^earfode für earfode mühsam, $eode für eode
ging (wenn nicht zu jejun gehörig), vgl. § 212, Anm. 2.
Anm. 1. Aus dem Unterschied der Schreibung von sulfer L, Rit. und sodda
L, R8 auf verschiedenen Zeitpunkt des Akzentumsprungs zu schließen
(Grundlage iu in sulfer, io in sodda, Luick, Hist. Gram., § 265, Anm. 2)
und für seulfres L, seolferes, seolfre Rit. auf einen Stammvokal e statt i
(Campbell, OE. Grammar, § 213, Fußnote 1), ist bei der Unregelmäßigkeit
der Schreibungen dieser Glossen kaum zwingend. Es kann sich um Unregel-
mäßigkeiten der Darstellung handeln. - Ob spätws. sufon, sufoda (Ev. Übers.
Hs. Bodley 441, 11. Jh.) zu weitergehenden Schlüssen berechtigt, ist bei
§ 125-126. Veränderungen der Diphthonge 107
diesen vereinzelten Schreibungen gegen die reiche spätws. Überlieferung
auch zweifelhaft.
Anm. 2. Die me. Formen setzen Akzentumsprung in vielen Fällen voraus,
in denen der Diphthong vor w, nach 3, ch, sh oder im unmittelbaren Anlaut
stand. Man vgl. me. jo« und ae. eow euch, me. four und ae. feower vier, me.
aowen und ae. aeowian nähen, me. rowen und ae. hreowan reuen, me. strouwen
und ae. streowian streuen, me. ahawe, showe(n) und ae. sceawian schauen,
zeigen, me. yolke und ae. jeoZ(o)ca Eidotter, me. nordwestl. choose und ae.
ceosan wählen, me. shooten und ae. sceotan schießen, me. yode und ae. eode
ging.
b) Unter dem Nebenton (z. B. im zweiten Teil von Kompositis)
scheint der Akzentumsprung besonders stark verbreitet zu sein, und die
verschiedenen in § 43, 2 erwähnten Formen sind wohl auf ihn zurück-
zuführen.
2. Entstehung neuer Diphthongformen
§ 126. 1. Diphthonge auf -u entstehen bei analogem Antreten von -w
im Wortauslaut oder im Inlaut vor konsonantischen Endungen, wie
snäw Schnee für snä nach den flekt. Kasus wie Gen. snäwes usw., ebenso
brxw Braue, briw Brei, wew Möwe, stöw Stelle, deaw Tau, streaw Stroh;
2. 3. Sg. Präs. Ind. ws. cnSwst, cn&wÖ weißt, weiß, flewö fließt, hlewd
haut usw., vgl. § 173, Anm. 1, c und § 174,1 u. 3. Diese -w waren vokalisch
und bildeten mit dem vorausgehenden Vokal einen Diphthong bzw.
Triphthong.
Anm. 1. Ursprüngliches -w im Wortauslaut und wohl auch nachvokalisches
w vor Konsonanten war schon urae. vokalisch geworden und hatte mit
vorausgehenden kurzen Vokalen einen Diphthong gebildet, nach voraus-
gehenden langen Vokalen ist es ausgefallen, s. § 174. Daß der Ausfall nach
langen Vokalen nicht nur im Wortauslaut, sondern auch vor Konsonanten
stattfand, dürfte das vereinzelte ws. ^ecnSÖ er weiß, zeigen, doch wäre hier
auch Ausfall vor dem urspr. folgenden -i möglich, s. § 173, Anm. 1, c. Der
Antritt eines analogen -zu nach flektierten Kasus bzw. Flexionsformen mit
erhaltenem -w ist schon alt, so meu Möwe Ep. Gl., stöu Corp. Gl.
Anm. 2. Über die nordh. Vereinfachung der derart entstandenen Tri-
phthonge s. § 89. - Im späten Ws. erscheinen statt iew, ew oft eaw, eow, so
eaw- für -ä?w in breaw Braue, eaw-f&st fromm für SSw-fseat, hreaw Leiche für
hriew; -eow für -ew in fleowö fließt für flewö, speowd gelingt statt spewö. Da
diese Formen erst in Hss. des 11. Jahrhunderts auftreten, dürfte es sich am
ehesten um ungenaue Schreibungen handeln, die durch die abnehmende
lautliche Verschiedenheit von eaw und «w, eow und ew zu erklären sein
können (anders Luick, Hist. Gram. § 258, der an Ersatz der alten &w durch
ea, ew durch eo und Wiedereinführung eines analogen -w denkt). Aus dem-
selben Grunde könnte sich auch eaw für eow und umgekehrt im Silbenauslaut
in späten Schreibungen erklären (atreow für streaw Stroh, hreow reute für
hreaw).
108 § 126. Veränd. d. Diphthonge. § 127. Hiatus u. Kontraktionen
2. Diphthonge auf -i entstehen durch allmähliche Vokalisierung eines
nachvokalischen palatalen 5 (soweit dies nicht im Ws. unter Dehnung
der vorhergehenden Vokale ausgefallen war, s. § 214, 3) und durch Ent-
stehung von Gleitelauten vor ht.
Vokalisierung von auslautendem 5 zeigt sich in Schreibungen kent.
Urk. des 9. Jahrhunderts in dei Tag (kent. dej, § 52) und in kent. Gl.
derselben Zeit in wei Weg, wrei Imp. beschuldige (zu wrejan), meidhäd
Jungfräulichkeit (ws. mas^dhäd, kent. *me^dhäd nach § 52), sweid klingt
(zu swejan); für germ. j in kent. hei Heu (ws. Ätej § 247, Anm. 1); doch
kommen auch Formen mit 5 daneben vor. Im späteren Kentischen steht
«5 für 5 vor Vokalen, so D. Sg. deije Tage, mei'je Opt. möge, swei^as
Klänge. Im späteren Ws. steht ebenso manchmal ij und i für auslauten-
des 5 und 3 vor Kons, (soweit dieses nicht ausgefallen war, § 214, 3),
so schon in ^Elfric-Hss, des 11. Jahrhunderts weij Weg, Uei$ lag,
mag, seid sagt u. ä.; dasselbe findet sich vereinzelt im späten Nordh.:
deijn Krieger L, maiden meiden Mädchen L, jrai^na fragen L, tei^da,
teida, zehnter und ähnlich auch Rit. und R2, ebenso für j in Aei'j Heu L,
ceijde rief Rit. L (und R1), ceija rufen, drei 3a drohen R1, strei^dses,
strai^des L streut. Auf einen Gleitelaut vor ht (als Übergang zu me. i)
deutet vielleicht cnaihtes L, cnaihtas Rit. zu cn&ht, cneht Diener, s. § 122,
Anm. 5.
Anm. 3. Diese kent. Schreibungen des 9. Jahrhunderts scheinen ihre Vor-
läufer schon in Formen wie jra grau Ep. Gl., bodei Körper Ep. Gl., 3m,
popei Mohn (neben popae^) Corp. Gl. zu haben, neben welchen mit Un-
sicherheit der Wiedergabe in den Corp. Gl. auch jrwj, sei 371 steht. - Der
Übergang des auslautenden palatalen 3 in unsilbisches (reibungsloses) i hat
nach den schallanalytischen Untersuchungen von Sievers (Förster-Fest-
schrift S. 71. § 34, c) im Kentischen schon sehr früh begonnen; die Formen
mit i in den alten Glossen würden daher aufs Kentische weisen, s. § 2, Anm. 4.
Hingegen ist Meiwald, Meifrith (neben Mejwine, Meyuulj) im Liber Vitae
wohl latinisierende Schreibung wegen der engl. Schreibung von unsilbischem
i (?) mit 3, § 175.
Anm. 4. Aus dem Nebeneinander von ei und e vor 3 erklären sich einige
Fälle von ei für e an anderen Stellen in L als Fehlschreibungen, so L for-
leites verläßt, $ebreicon gebrauchten, aßen; seista sechster Rit. (neben For-
men mit e) u. a. Zu neidfaerae (Bedas Sterbelied) und ähnlichen Schreibungen
s. § 94, Anm. Gelegentliches nordh. heista, neista (die nach Ausweis der Metrik
dreisilbig sind, s. Sievers, Beitr. 10, 479) gehören nicht hierher, sondern sind
unkontrahierte Formen, s. § 129, Anm. 5, doch können diese Formen auch
Anlaß zu obigen Fehlschreibungen gewesen sein.
3. Hiatus und Kontraktionen
§ 127. Hiatus im Innern, eines Wortes ist im Ae. nicht häufig. Aus
betontem Vokal und folgendem vokalisiertem w hatten sich schon
§ 127-128. Hiatus und Kontraktionen
109
westgerm. Diphthonge gebildet. Wenn in der weiteren Sprachentwick-
lung, sei es durch Antreten vokalisch beginnender Flexionsendungen an
vokalisch schließende Stämme oder durch Ausfall von Konsonanten
(wie von h, seltener von w und ?) im Wortinnern, oder aus anderen Ur-
sachen betonter Vokal oder Diphthong mit unbetontem Vokal zusam-
mentrifft, tritt gewöhnlich Verschmelzung (Kontraktion) zu einem
Diphthongen oder einheitlichen langen Vokal ein.
Anm. 1. Keine Ausnahme von dieser Regel ist es, wenn in unseren Denk-
mälern vokalisch anlautende Flexionsendungen unversehrt neben vokalisch
ausgehendem Stamm erscheinen, wie in heaum Dat. Sg. von heah hoch,
Sweoum Dat. PI. von Sweon die Schweden. Hier zeigen kürzere Formen wie
heam, Sweom, welche fast überall daneben hergehen, an, daß in jenen län-
geren Formen die vollen Flexionsendungen erst später wieder nach dem
Muster konsonantisch ausgehender Stämme angefügt worden sind.
Anm. 2. Da innerhalb eines Paradigmas oft Formen mit und ohne Ver-
schmelzung zusammen stehen, so tritt nicht selten Ausgleich ein. So steht
z.B. dem Nom. Sg. *clea § 75 und § 128, 1 der nach den obliquen Kasus wie
Gen. Dat. Akk. Sg. dawe, neugebildete Nom. clawu zur Seite, und umge-
kehrt werden zu *dea auch Formen wie Nom. Akk. PI. dea (für *deae)
gebildet, so daß schließlich zwei volle Paradigmen, dea - dea und dauni -
dawe, nebeneinander hergehen u. dgl. (s. auch § 128, Anm. 1). Daher me.
d$ neben daw(e).
Anm. 3. Die durch alte Vokalisierung oder Ausfall eines w bewirkten Ver-
schmelzungen sind bereits urae., die durch Ausfall eines h hervorgerufenen
und einige andere gehören erst einer späteren Zeit an. Nicht nur weisen die
ältesten Texte hier vielfach noch unkontrahierte Formen auf, sondern solche
sind auch für die Dichtungen, wie die Metrik zeigt, in weitem Umfange noch
vorauszusetzen. Vgl. dazu Sievers, Beitr. 10, 475ff.
Anm. 4. Zusammenstoß von unbetontem + betontem Vokal wird nicht
durch Kontraktion, sondern durch Elision des ersteren beseitigt; so z. B.
unbetontes e in Formen wie b-seftan hinter, b-ufan oben, b-ütan außen, für
be-äsftan, be-üfan, be-ietan; ferner in den negierten Verben n-abban § 417,
Anm. lf., n-ellan, n-yllan § 428, Anm. 2, n-ytan § 420, 1, ferner in
nüchtern, zu wist Speise u. dgl.
2. Die den Verschmelzungen und Kontraktionen unmittelbar voraus-
liegenden Wortformen sind nicht immer mit voller Sicherheit zu er-
mitteln. Daher soll bei der folgenden Übersicht im Zweifelsfalle von der
germ. bzw. westgerm. Grundform des Anfangslautes der Hiatusgruppe
ausgegangen werden.
§ 128. 1. Urspr. a + u durch Ausfall eines w in der Lautfolge -awu wird
über vorae. au zu ea (s. § 75) wie drea Drohung (aus *ßrawu), *clea
Klaue (aus *klawu).
Anm. 1. In streaw Stroh (mit angetretenem w nach den flektierten Kasus)
ist au (ae. ea) aus aw durch Vokalisierung des w entstanden, da dieses durch
110
§ 128. Kontraktionen
den Abfall des ursprünglich auslautenden a in den Auslaut zu stehen kam,
s. § 174, 1. In sleaw usw. ist au in der Lautfolge aww- durch Vokalisierung
des ersten w entstanden. Diese Fälle gehören also nicht zu den Kontrak-
tionen im engeren Sinne. Über nordh. stre s. § 129, Anm. 2.
Anm. 2. Da w nur vor u ausfiel und vor anderen Vokalen erhalten blieb
(s. § 173), ist die ursprüngliche Flexion von *clea wie folgt anzusetzen:
N. Sg. clea, G. clawe usw. N. Sg. clawu und G. D. clea usw. sind analoge Bil-
dungen, s. § 127, Anm. 2. Der einmal (Phoenix 277) belegte Dat. PI. däm
ist am ehesten eine Fehlschreibung für clawum. Zu seiner Erklärung müßte
man mit Ausfall des w vor u und Aufgeben des u rechnen, was sonst nicht
nachweisbar ist. Der davon in Wörterbüchern abgeleitete Nom. Sg. clä ist
nicht belegt. Nom. PI. clea (Pariser Psalter, 68, 31) ist wohl eine Fehlschrei-
bung wegen § 126, Anm. 2. Da diese Schreibung vereinzelt ist, braucht man
zu ihrer Erklärung wohl nicht an einen Stamm westgerm. *kläwö- statt
*kläwö- zu denken. Ein analog nach dem obl. Kasus gebildeter N. Sg.
thrauu findet sich schon Ep. Gl. (thrauzio Corp., trafu Erf.). - Die urspr.
Flexion von Wörtern wie streaw ist anzusetzen als N. Sg. *strea, G. *strawes,
doch sind diese Formen (zufällig) nicht belegt und nur aus dem Komp.
strawberise, strea(w)beri^e Erdbeere und me. straw neben stre{w) zu erschlie-
ßen. Über Formen wie streow s. § 126, Anm. 2.
Anm. 3. Hierher gehört wahrscheinlich auch pea Pfau, das von urae.
obliquen Formen wie Akk. *pa(w)un aus lat. pävön(em) abgeleitet werden
kann, während die Parallelform päwa dem lat. Nom. pävo entsprechen
dürfte. - Etymologisch unklar ist wea Weh, Leid, neben wä (Subst. und
Interj.), wäwa (Subst.), Obl. wean (vgl. ahd. alts. we, Gen. wewes neben
Nom. wewo: got. Interj. wai). wea ist eher aus Kontraktion von westgerm.
ä + u entstanden, als aus einer solchen von ae. ä (aus westgerm. ai) + u,
da sich in letzterem Falle kaum mehr ein ea entwickelt hätte. Ausgangs-
form ist jedenfalls eine reduplizierte Form, wie ahd. wewö.
2. Urspr. ah + Vokal wird (vermutlich über eah durch ‘Brechung’
4- Vokal, s. § 86, Anm. 2) nach dem Ausfall des h zu ea. Hierher ge-
hören namentlich die Verba contracta lean, flean, slean, dwean § 392, 2
für *lahan usw., I. Sg. lea, slea für *lahu usw., Opt. lea, slea für *lahte
usw.; ferner die Subst. ^efea Freude (für *jifahu), ea Wasser (für *ahwu,
*ahu, vgl. got. aha), ear Ähre, tear Zähre (für *ahur, *tahur).
Anm. 4. Nordh. heißt es zwar ea Wasser L, Ra; neben tear L, Rit., teor R1
Träne steht L auch facher, teher, Rit. tehher; statt ear Ähre steht in Ra
adiher, L eher. Diese sind wohl durch Gemination in flektierten Formen
vor r (§ 228) zu erklären, deren Schreibung in L vernachlässigt wurde. -
Für ws. slean, dwean steht angl. (L, Ra und teilweise R1) slä und Öwä, deren
Erklärung fraglich ist. Angleichung an Verba der st. Kl. VI (Bülbring,
El. B. § 218, darnach Campbell, OE. Grammar, § 145, Fußnote 2) ist doch
unwahrscheinlich. Eher könnte man daran denken, daß angl. keine Bre-
chung vor zwischenvokalischem h stattfand (vgl. § 129, 2 und § 130, 2)
und das vor velarem Vokal der Folgesilbe zu erwartende a mit dem folgen-
den a zu ä kontrahiert wurde. Am ehesten sind es aber nordg. Lehnformen.
Vesp. Ps. hat slean, ebenso auch manchmal R1, das aber ws. sein kann.
§ 128-129. Kontraktionen
111
3. Westgerm. äh + Vokal ergibt bei Ausfall des h ws. (vermutlich
über eah + Vokal durch Brechung, § 86, 4) ea in nean aus der Nähe,
near näher (aber kent. neor, nior wegen westgerm. ä zu e, § 62). Angl.
Belege fehlen.
§ 129. 1. Urspr. e + u durch Ausfall eines w in der Lautfolge -ewu wird
über urae. eu zu eo (s. § 77) wie treo (N. PI. trewu) Bäume, cneo Knie,
doch tritt nach den Kasus mit flexivischem -e (in denen w erhalten blieb)
oft analog ein -w an, also treow, cneow (s. § 250, 2).
Anm. 1. ae. eo aus urae. eu entsteht auch in der Lautfolge -ewa durch Vokali-
sierung des w nach Abfall des -a, daher auch Nom. Sg. treo (aus *trewd),
cneo (aus *cnewa) und deo Diener (aus *pewa), s. § 77. Außerdem entsteht
eo aus urae. eu in der Lautfolge -eww, wie in hreowan reuen, treow Treue,
doch gehören diese Fälle nicht zu den Kontraktionen im engeren Sinne.
Anm. 2. In angl. Texten finden sich einige Wörter, in denen in der Laut-
folge -ewi- (aus -awi- mit ^-Umlaut) das w ausgefallen zu sein scheint, wäh-
rend es ws. erhalten blieb. Darauf weisen ede L Schafherde (gegen ws.
eow(e)de), stren Lager Vesp. Ps. (ws. streowen, wohl mit Velarumlaut nach
dem schw. Vb. 2. Kl. stre(p)wian, § 110, Anm. 2). - Hingegen scheint bei
den schw. Vb. 1. Kl. mit kurzem Stammvokal vor w dieses mit dem Vokal
einen Diphthong gebildet zu haben und j erhalten geblieben zu sein, wobei
i-Umlaut eintrat. Hierher gehört stre^an streuen (aus *strawjan, vgl. got.
straujan, alts. ströjan), einmal belegt Seefahrer 97 und dazu Prät. streidae
Erf., Cp. Gl. und das nach der Metrik zweisilbige Part. Prät. stred Beow.
2436 (Sievers, Altgerm. Metrik, S. 132: 8, Anm. 5) und vielleicht darnach
stren Lager (s. oben). - Für Vesp. Ps. ceö ruft, cede rief müßte man - anders
als für die entsprechenden ws. und nordh. Formen (s. § 408, Anm. 12) -
mit Ausfall des j und Kontraktion rechnen. - Nordh. tre Baum L (Nom.
Dat. Akk. Sing, neben seltenerem treo, treu, Gen. Sing, trees) müßte ebenfalls
durch w-Ausfall zu erklären sein (so Luick, Hist. Gram., § 243, c), und zwar
im Dat. Sing. {*trewi), doch könnten es Lehnformen aus dem Altnord,
sein (altisl. tre). — Der Nom. Sg. stre, Gen. Sg. strees L Halm (wohl gleich
ws. streaw Stroh) läßt sich wohl nur als Analogiebildung, etwa zu stren
Lager oder tre Baum, erklären.
Anm. 3. Unklar ist das Nebeneinander von ece ewig und seltenerem See.
Nach got. ajuk-dußs Ewigkeit wäre die Grundlage ein *ajuki, das, mit i-
Umlaut der ersten Silbe nach § 96, 3, d, ws. *sejici, See ergeben müßte,
nur merc. kent. könnte *ejici, ece stehen. Wenn man das häufige ws. ece
nicht als poet. Entlehnung aus dem Merc. oder Kent, ansehen will (wie
Luick, Hist. Gram. § 243, Anm. 2 vermutet), müßte man annehmen, daß
etwa wegen des j der i-Umlaut des a in der ersten Silbe auch ws. bis zu e
geführt habe. See könnte seinerseits von Swic (aus *aiwiki) beeinflußt sein.
2. Urspr. eh + Vokal wird (wohl über eoh durch ‘Brechung’, § 86)
ws.-kent. zu eo, doch steht im Altws. bei Verben oft io nach der 2. 3. Sg.
Präs. Ind., wo nach § 45, 2 im Stamm i stand.
Hierher gehören: die Verba contraota wie gemeinws. $efeon sich freuen,
112
§ 129. Kontraktionen
pleon wagen, seon sehen aus *fehan usw., 1. Sg. Präs. Ind. je/eo aus
*-/eÄu, Opt. je/eo aus ^-fehae usw.; ferner die Subst. feoh Vieh - Gen.
feos, Dat. feo usw., s. § 242, seo, Gen. seo Pupille, sweor Schwäher, teoda
zehnter, -teonti^ hundert aus *seha, *swehur, *tehu(n)]>o, *tehunti^ u. ä.
In den angl. Texten steht in diesen Pallen -eo- bzw. -ea- (s. § 35,
Anm. 1) nur dann, wenn der zweite Vokal velar ist, also R2, L, Rit.
4eanti^, R1 -feaniij und -teontij (wie ws.), Vesp. Ps. kein Beleg; Vesp.
Ps. sea Pupille. Für ws. teoda steht angl. te^eda und dgl. (s. § 328) mit
grammatischem Wechsel (s. § 234). Hingegen steht e, wenn der zweite
Vokal palatal ist, so L Gen. Sg. faees zum Nom. Akk. Sg. feh pecunia
(ws. feoh, G. feos) und in den verschiedenen Formen der Verba contracta
(s. die Zusammenstellung, § 374, Anm. 2-7), wobei die nordh. Texte
(L, Rit. und R2) eo nur schreiben, wenn der zweite Vokal u wäre, ea
wenn er a wäre. Im Vesp. Ps. und in R1 ist die Aufteilung nicht so genau,
z. B. Vesp. Ps. Inf. sean sehen, aber flekt. seonne, R1 seon, flekt. seonne
und seenne. Zur Erklärung wäre möglich anzunehmen, daß angl. zwischen-
vokalisches h so früh zum Hauchlaut wurde wie nordg., so daß keine
Brechung eintrat, oder daß ws. die Brechungsvokale verallgemeinert
wurden. Über angl. Formen mit l statt e s. Anm. 4. In einigen Fällen
kann man auch an andere Erklärungen denken. So könnte L Nom. Sg.
hwel Rad (und hwelum D. PI., ws. hweol) ein nordg. Lehnwort sein
(altisl. hwel). Dasselbe könnte bei L swer, suaer (und swöer nach § 115)
Schwiegermutter der Fall sein (altisl., altschwed. sv&ra), zumal in L
daneben auch sueyir, swoe^er vorkommt, das ws. swe^er entspricht,
während das dazu im gram. Wechsel stehende Mask. L N. Sg. sueor,
Akk. Sg. suear, Erf. Cp. Gl. sueor, PI. sueoras (Ep. ohne Kontraktion
suehoras) lautet, also wie ws. sweor.
Anm. 4. Die Verba contracta haben in den angl. Mundarten auch Formen
mit io, ia nach dem Vokal der 2. 3. Sg. Ind. Präs. (s. § 130, 2), wie Präs.
Plur. fliaö L; 1. Sg. jeszo, Plur. siad, siod, Inf. -sian Vesp. Ps. Auch im
Opt. kommt i, ie nach dem Ind.-Vokal vor, so jesi L, jetie R2. Weitere
Einzelheiten s. bei der Flexion der Verba contracta, § 374.
Anm. 5. In den angl. Mundarten ist e auch das Ergebnis der Kontraktion
des e aus germ. au mit «-Umlaut oder westgerm. ä vor h und einem palatalen
Vokal, so in den Komp, hera höher, Sup. hesta höchster (aus *hehira, *hehista,
e aus westgerm. au nach § 119), Sup. nesta nächster (aus *nehista, e Ebnung
aus westg. ä vor h, § 62 und § 119). Daneben stehen auch zweisilbige Formen
(so oft in L heista, neista neben hesta, nesta), in denen die Kontraktion nicht
durchgeführt ist. Solche setzt auch die Poesie voraus (Sievers, Beitr. 10,
479). Vereinzeltes hei^sta L dürfte eine Fehlschreibung sein. Im Ws. ist an-
scheinend die Synkope früher eingetreten und h blieb, weil nicht zwischen
Vokalen stehend, erhalten (altws. hiehra, hiehsta, niehsta), doch könnte im
Ws. h auch analog zum Positiv wieder eingeführt sein. - Weiter ist e Er-
§ 129-130. Kontraktionen
113
gebnis der Kontraktion zwischen e verschiedener Herkunft und i in Flexions-
endungen, vor dem ein 3 (/) ausgefallen sein kann (§ 176, Anm. 4). Auf diese
Weise sind wahrscheinlich zu erklären: angl. ced ruft, cede rief, vielleicht
auch Prät. strede streute (Erf. Corp. unkontrahiert streide), Part. Beow.
8tred (nach der Metrik zweisilbig), s. auch § 129, Anm. 2. Ws. ist hier das j
erhalten (czejö, ciejde, dijde § 408, Anm. 12).
Anm. 6. Ws. tien, tyn zehn, flekt. tiene, tyne erklärt sich durch i-Umlaut
in flekt. Formen; nordh. steht ohne t-Umlaut tea, teo mit n-Abfall (§ 188, 2).
Unklar ist Vesp. Ps. und nicht streng ws. ten, tene. Zur Erklärung s. O. Ritter,
Vermischte Beitr., S. 157ff. S. Zusammenstellung der Formen § 325.
§ 130» 1. Urspr. i + u (bei Antreten eines -u in Flexionsendungen an
i oder bei Ausfall des j in der Lautfolge iju) ergibt ae. io (aus iu), das
merc., spätws. und z. T. schon altws. eo wird: Beispiele: Pron. hio, sio,
gemeinws. heo, seo (aus *hi + u> *si 4- u durch Antreten der fern.
Endung -u); Nom. Akk. neutr. örio, Öreo drei § 324 aus *pri(j)u, friond
freond Freund, fiond jeand Feind, /reo frio frei, blio bleo Farbe (in welchen
Wörtern iju in manchen Kasus vorlag und verallgemeinert wurde, s.
van Helten, Beitr. 15, 463; 0. Ritter, Archiv 122, 98). Aus ija/o ist der
Kontraktionsdiphthong aber nur ws., kent. und R1 io, eo, im übrigen
Angl, ia, doch ist diese Scheidung nur im Vesp. Ps. deutlich erkennbar,
in den übrigen angl. Texten wird zwischen ia und io in verschiedenen
Flexionsformen oft ausgeglichen. Daher ws. kent. bio, beo Biene, biom
beom bin, blöd beoÖ sind, jrlod jreoö er befreit, fioÖ feod er haßt (durch
Antreten der Personalendung der IL schwachen (ö-) Klasse bei diesem
urspr. der III. schwachen (e-) Klasse angehörenden Verbum), aber angl.
(außer R1) bio neben bian, biom aber blad, Prät. fiode, jrlode aber 3. Sg.
flad, friad-, Akk. Sg. und N. Akk. PI. hia sie (neben hea), frea (für fria)
Vesp. Ps., dria dreimal.
Anm. 1. Aus der Lautfolge -ijju- entwickelt sich io, eo in freo Weib. Nicht
hierher gehört aber wohl das Prät. eode ging (trotz got. iddja), weil nordh.
io-Formen fehlen. S. § 430, Anm. 1. — Auf -ija- statt gewöhnlichem -iju-
könnte jiend Vesp. Ps. (je zweimal in fienda, fiendum neben häufigem feond,
fiond) und L (einmal Akk. Sg. neben sonstigem fiond) beruhen (Flasdieck,
Angl. Beibl. 41, 283ff.), wenn diese Formen keine Schreibfehler sind.
Anm. 2. iu, io aus germ. i + w liegt wohl auch in dem angl. hiorod Familie,
Tiowald (Eigenn. L. V.) vor aus westgerm. *hiwa-räd, *Tiwawaid, doch
handelt es sich hier nicht um eine Kontraktion im engeren Sinne, sondern
um Zusammentreten von i -f- w nach Abfall des auslautenden -a (§ 143).
Allerdings wäre nach § 174, 3 auch Abfall des w nach langem Vokal zu
erwarten, doch scheint sich dieses in der Kompositionsfuge erhalten zu
haben. Die durch Abfall des w entstandene Form scheint aber in ws. hired
(mit anderem Suffix, § 141, Anm. 3) vorzuliegen, dann auch in dem Simplex
Tiw, in diesem mit Antreten eines -w nach den übrigen Kasus (Gen. Tiwes
usw.).
114
§ 130. Kontraktionen
Anm. 3. In der Lautfolge -iwi- scheint sich w mit dem vorangehen-
den i- zu iu verbunden zu haben und j erhalten geblieben zu sein, worauf
t-Umlaut des iu zu ws. ie, i führte. Daraus wird sich die Form mj(e) für
gewöhnlich ws. ni(e)we neu erklären (manchmal auch ni- geschrieben, ent-
sprechend § 24, Anm.), die im ersten Teil von Kompositis belegt ist, wie
ni^cumene, nl^ecumene (daneben nicumen) PI. neugekommene, ni^bacene
neugebackene (Bibelübers.) u. a. Sie ist auch in Ortsnamen in Kent, Surrey,
Sussex, Hampshire, Wiltshire vorauszusetzen, s. A. H. Smith, Engl. Place-
Name Elements, II, 50 unter nije. Vor erhaltenen Flexionsendungen scheint
aber das •/ Gemination des w verursacht zu haben, so daß es nach dem neuen
Diphthong erhalten blieb, was dann auch auf den Nom. Akk. Sg. über-
tragen wurde, so im Simplex ws. ni(e)we neu (angl. R2 niowe, Vesp. Ps.
neowe nach § 107, L, Rit. aber niwe nach § 89). Ebenso in jZtj Freude (in
Sli^man, ^liman Sänger, jli^beam Harfe, sllyyrfBft Sangeskunst) gegen ^Uw
und $leoman Beowulf, Widsith, ^leodream, ^leobeam Beow. (mit merc. eo
für iu). Vgl. dazu § 173, Anm. 1; § 247, Anm. 1.
2. Urspr. zh 4- Vokal wird ws. kent. (vermutlich über tob wegen Bre-
chung § 86) zu io, das im späteren Ws. zu eo übergeht. Hierher gehören
die starken Verba contracta Abl.-Reihe I wie Hon teon zeihen, Sion deon
gedeihen, wrion wreon bedecken, lion leon leihen, sion seon seihen (vgl.
got. teihan, peihan, leihran, seifoan) und dazu die flekt. Formen 1. Sg.
Präs. Ind. teo, Seo usw. aus *tihu usw., ebenso Opt. teo aus *tihss; ferner
tweo Zweifel aus *twihö, dazu als Ableitungen tweonian und tweo^(e)an
zweifeln (aus *twihöjan), beot Drohung aus jreols Freiheit aus
*fri-hals.
Die Formen in den angl. Texten entsprechen denen mit eh -f- Vokal
(s. § 129, 2). Es steht also io, ia (Vesp. Ps. auch ea entsprechend eo für
io), ie je nach dem zweiten Vokal. Belege sind: wrean bedecken Vesp.
Ps., *wria (in wrianne flekt. Inf.) Rit. (neben wri^a L, wri^cin R1 mit aus
dem Prät. PI. und Part. Prät. übertragenem j), Opt. Sg. äwria L, Imp.
PI. äwriad L; scia Schienbein Erf. Corp. R2, scise R2, PI. sein (Dat. u.
Akk.) L; Präs, twias zweifelt R2, Prät. twiade, twiodun R2, tuiade, tuiaton,
Setwiedon L, ^etvieda Rit.; vielleicht auch betwion, betweon R1, bitwion
R2 (falls aus *betwihun, § 119, Anm. 2). Hingegen muß wohl L bitwien,
bituien aus einem Sproßvokal e (statt u wie in bitwion, betweon) erklärt
werden, der sich zwischen h und n (vgl. bitwihn Cp., bitwichn Ep. Gl.)
entwickelt hätte. Zweimaliges bitwen L, dreimaliges bitven Rit., ein-
maliges bitvin Rit. und auch bitwinum Vesp. Ps. sind wohl ungenaue
Schreibungen, andere Erklärungen sind kaum zutreffend (s. Campbell,
OE. Grammar, § 229, Fußnote).
3. Urspr. i + se, e ergibt nur im Ws. einen Diphthong ie, der wie
sonstiges altws. ie später y wird, so Opt. sie, sy sei (aus *siise) vermutlich
auch drie, öry drei mask. mit der adj. Pluralendung, hie hy sie Nom. PI.
§ 130—133. Kontraktionen
115
mask. und Akk. Sg. fern, mit den adj. Endungen. Im Angl, scheinen
zweisilbige Formen erhalten geblieben zu sein (sie ist in der Poesie
zweisilbig, Sievers, Beitr. 10, 77).
Anm. 4. ih + i ergibt im Angl, i, so 2. 3. Sg. Präs. Ind. jwi«, -sid Vesp.
Ps. L Ra, wrlä R2, während im Ws. das h wegen früher Synkope des Endungs-
vokals erhalten bleibt (siehst, siehÖ).
§ 131. Ae. ö + Vokal bleibt ö: scöh Schuh - Nom. Akk. PI. scös aus
*scöhas § 242, 2; die Verba contracta fön, hön (§ 373f.) aus *föhan,
*höhan (aus *fähan, *hähan mit nasaliertem ä nach § 45, 7), 1. Präs.
Ind. Opt. fö, hö aus Ind. *föhu, Opt. *föhse\ ferner öö Lehm (unkontra-
hiert thohse Ep. Gl.), höh Ferse - Gen. hös-, wöh böse - Gen. wös, Dat.
wöm, Nom. Sg. fern, wö § 295, Anm. 1 usw.
Anm. ö + i ergibt wegen i-Umlaut nach § 101 öe, e: 2. 3. Sg. Präs. Ind.
döes(t), dest, döeö, deö aus *döis(t), *döifr, vielleicht auch Part. Prät. den
aus *döin, wenn den nicht eine Fehlschreibung für zweisilbiges (analoges)
döen ist (Flasdieck, Angl. 61, 43ff.). Nordh. kommen auch unkontrahierte
(zweisilbige, mit analog zu anderen Verben angetretener Endung) Formen
vor, wie Inf. döa, föa höa, Präs. Ind. PI. döaö, döeö und stets bei föa (ws.
fön) und höa (ws. hön), s. § 374, Anm. 5 und § 429, Anm. 4.
§ 132. Urspr. Ä + Vokal bleibt unkontrahiert in scua Schatten neben
scuwa, meist in büan bauen und Ableitungen.
Anm. 1. Kontraktionen treten gelegentlich auf mit folgendem e oder u,
das Ergebnis ist ü: z. B. Gen. Sg. cü, cüs neben cüe (Gen. PI. cüa) Kuh
§ 284, örüm Dat. PI. zu Örüh Sarg § 284, Opt. Präs. PL bün, Part. Prät.
jebün neben je&üen.
Anm. 2. Über scu(w)a (gegen ahd. scuwo, got. skuggwa) vgl. § 173, Anm. 2. -
Wegen ‘grammatischen Wechsels’ steht wohl Nom. ruh neben Gen. rüwes
rauh, s. § 234.
§ 133. 1. Ae. y + i, e verschmilzt zu y, z. B. Gen. Dat. Sg. dr ys, dry
zu dry Zauberer aus *dryes, *drye-, 3. Sg. Präs., Prät., Part. Prät. schw.
Vb. I. Kl. öyd drückt, Syde drückte, tyd lehrt, tyde lehrte, s. Anm. und
§ 222, Anm.
2. Ae. yh 4- Velarvokal ergab gemeinae. eo, wie im Inf. öeon drücken
(neben Öyn, s. Anm.) aus *puhian (vgl. ahd. duhen), reo Decke (nach den
obl. Kasus oder PI. *ryhan, vgl. Nom. Sg. ryhae Ep. Erf. Gl. neben ryee
Ep. Gl.), vielleicht auch ceo Dohle (chyse Ep. Gl. für? *cyhas) nach
Bülbring, El. B. § 224 (anders 0. Ritter, Vermischte Beiträge S. 5f.).
Anm. Neben Öeon drücken steht häufiger der Inf. Öyn, welcher wie der
Inf. tyn lehren wohl nach der 2. 3. Sg. Präs. Ind. gebildet ist. Ausfall des
h und Kontraktion ist ws. den schw. Vb. I. Kl. eigentümlich, während
st. Vb. den Endungsvokal früh synkopieren und das h erhalten zeigen, s.
116 § 133-13Ö. Kontraktionen. § 136. Schwankungen d. Quantität
§ 222, Anm.; § 408, Anm. 17; § 410, Anm. 1. - Keine Kontraktion tritt ein
bei analogen Neubildungen wie N. PI. dryas Zauberer, Dat. PL dryum, b.
§ 127, Anm. 1.
§ 134. 1. Urspr. ai (ae. 5) + Vokal außer i verschmilzt bei Ä-Ausfall zu
a in ra Reh (für räha, so Corp. Gl.), je/ä Feind (für *3tfäha), slä Schlehe
(für *slähse), tä Zehe (für *täh&), dazu obl. Kasus rän, sefän, slän, tan
neben Neubildungen wie täan, täum usw. s. § 277, Anm. 2; § 278, Anm. 2.
Anm. 1. w ist nach ä gefallen, so snä Schnee, Leichnam, doch ist w
nach den flektierten Formen, in denen es erhalten blieb, auch oft in den
endungslosen Kasus wieder eingeführt, s. § 174, 3.
Anm. 2. Über wea Leid vgl. § 128, Anm. 3.
2. Urspr. ai (ae. ä) + i ergibt & durch i-Umlaut, so 2. 3. Sg. Präs. Ind.
gehst, geht, aus *^äis(t), *3äif>, s. § 430, und mit Ausfall eines
w, § 173, Anm. 1, äe Gesetz, sS See, hräe Leichnam, dazu Gen. Sg. s&s,
Dat. säe für *säees, *säee usw.
§ 135. Die Diphthonge ea, eo, io, einerlei welchen Ursprungs, absorbieren
folgenden Vokal. Außer den in § 128, 3 und § 130, 2 gegebenen Belegen
vgl. z. B. noch Fälle wie heah hoch, Gen. heas, Nom. PI. hea, Dat. hearn.
Nom. Sg. m. schwach se. hea, für *hea(h)es, *hea(h)e, *hea(h)um, *hea(h)a
usw.; oder die Verba contracta teon ziehen, fleon fliehen, § 384, aus
*teohan usw., 1. Sg. Ind. teo, fleo aus *teohu Ind., *teohie Opt. u. dgl.
Über Neubildungen wie heaum neben heam, smeaun^ das Denken,
dreaun^ Drohung, floun^, feoun^ Haß, neben älterem smean^, Örean^,
föons u. ä. vgl. § 127, Anm. 1.
4. Schwankungen der Quantität
§ 136. Es ist im vorhergehenden stillschweigend vorausgesetzt worden,
daß die Quantität der westgermanischen Vokale im Ae. bewahrt geblieben
sei, wo nicht etwa der Eintritt von Kontraktionen, Ausfall von Konso-
nanten u. dgl. zur Annahme einer Quantitätsveränderung führten.
Durch eine Vergleichung der späteren Entwicklung der Sprache ergibt
sich aber, daß bereits im Ae. eine Menge von Veränderungen der ur-
sprünglichen Vokalquantitäten (insbesondere Dehnungen) eingetreten
waren, die man sonst erst späteren Sprachperioden zuzuschreiben pflegte.
Zu einer genauen Feststellung dieser Verschiebungen der Quantität
im einzelnen fehlen uns die Mittel, da Quantitätsbezeichnungen in ae.
Hss. im allgemeinen fehlen (s. § 8). Erschwert wird die Ermittlung noch
dadurch, daß die betreffenden Vorgänge vielleicht in den verschiedenen
Mundarten zu verschiedener Zeit und in verschiedenem Umfange ein-
§ 137. Dehnungen
117
getreten sind. Bei dieser Sachlage müssen wir uns hier begnügen, bloß
das Wichtigste und das Allgemeinste mitzuteilen.
Anm. Über Dehnungen kurzer Vokale bei Ausfall eines folgenden 3 s.
§ 214, 3; über solche bei Ausfall von h § 218, 1.
a) Dehnungen
§ 137. 1. Ursprünglich auslautende oder durch Abfall des westgerm. r
(§ 182) in den Auslaut getretene kurze Vokale betonter einsilbiger
Wörter erscheinen als lang: nu nun, Öü du, bi bei, je ihr, se der; he er,
we wir, me mir, Öe dir (aus *he-r, *we-r, *me-r usw., got. is, mis), Öä da
(got. pe).
Anm. 1. Dies schließt indessen nicht aus, daß in der lebenden Sprache diese
Wörter bei geringerer Betonung im Satzzusammenhang auch noch mit
kurzem Vokal vorkamen. Daraus erklärt sich jedenfalls ae. be bei (aus bi,
§ 44, Anm. 6); weiter das Nebeneinander von sw£ (kent. und merc. sw$
nach § 52 oder § 62) und swä (mit Bewahrung des a im Satznebenton, vgl.
§ 49, Anm. 2), wobei ws. swie, außerws. swe auf Formen mit westgerm. ge-
dehntem ä nach § 62 zurückgehen, swä und außerws. durch nachträg-
liche Dehnung entstanden sein müssen. Vielleicht ist auch ae. hwä wer (got.
tvas) durch nachträgliche Dehnung zu erklären, doch kommen daneben keine
Formen mit Se, e vor.
Anm. 2. Über die Verteilung der Formen von swä vgl. Bülbring, El. B.
§ 103, Anm. Die gew. ws. Form ist swä, doch kommt altws. manchmal
auch swS vor; ebenso steht gewöhnlich swä in Rl und im späteren Kenti-
schen (neben seltenem sw&), stets swä hat Ra, sw8 ist merc. (Vesp. Ps. und
Royal Gl.) und kommt neben swS in den frühkent. Urk. vor. L und Rit.
haben gewöhnlich swS, seltener swä.
Anm. 3. Unklar ist die Vokalentwicklung in tö zu, da auslautendes ö zu
ae. ü geworden war (§ 69) und idg. *do, germ. *ta (vgl. ahd. za) geworden
wäre. Vielleicht ist von ö mit Kürzung im Satznebenton und späterer Deh-
nung in betonter Stellung auszugehen, s. § 69, Anm.
2. Kurze Vokale im Auslaut des ersten Bestandteils eines Kompositums
werden gedehnt, wenn der zweite Bestandteil seinen Akzent vermindert
bewahrte (A. Pogatscher, E. St. 25, 424). Daraus erklärt sich der lange
Vokal in ae. twijeald zweifach (gegen ahd. zwifach), Örijeald dreifach und in
anderen Bildungen mit twi- wie twiwintre zweijährig, fu£-ec je zweischneidig.
Anm. 4. Wahrscheinlich ist auch die Länge in der ersten Silbe von drei-
silbigen Lehnwörtern dadurch zu erklären, daß der im Lat. auf der zweiten
Silbe liegende Ton als starker Nebenton bewahrt blieb. So in »näjwfer,
jijantaa (A. Pogatscher, Lehnworte, S. 21-60). S. auch § 73, Anm. 3.
3. Etwa im 9. Jahrhundert trat eine Dehnung kurzer Vokale ein a)
vor Nasal oder Liquida und stimmhaftem, homorganem Verschlußlaut
(also in den Verbindungen mb, nd, n$, Id, rd) und b) vor r und homor-
118 § 137. Dehnungen. § 138 Kürzungen
ganen stimmhaften Lauten überhaupt (also rl, m; rd und rs vor Vokal).
Diese Dehnung ist erst aus der me. Lautentwicklung zu erweisen. Sie
ist später als der Velarumlaut (durch den nur kurze Vokale betroffen
werden, aber auch manchmal solche vor den oben genannten Kons.-
Verbindungen), gehört aber noch der ae. Zeit an, weil der Übergang von
e zu i in der Gruppe sei- (§ 124) vor diesen Kons.-Verbindungen unter-
bleibt (so in seid Sitz, Thron, und in seldum selten). Sie ist auch später
als der ws. Übergang von weor 4- Kons, zu ivur- (§ 113, a), da diese Ent-
wicklung an die Kürze des eo gebunden ist. Zu Ausgang der ae. Zeit ist
also Länge anzusetzen a) in cild Kind, feld Feld, %öld Gold, eald äld alt,
wörd Wort, hlerde hlorde Hirte, heard hart, cllmban klimmen, bindan
binden, ende Ende, länd lönd Land, sinjan singen, län$ lön^ lang, tün^e
Zunge und b) in eorl Graf, bearn Kind, cörn Korn, eorde Erde usw. Doch
unterblieb die Dehnung a) wenn auf die betreffenden Kons.-Verbin-
dungen unmittelbar ein dritter Konsonant folgte, also im Plur. cildru,
in en^lisc englisch, timbrian bauen, Komp, heardra härter, Prät. sendde
sandte usw., b) in einigen Wörtern mit geringerem Ton wie and und,
sceolde sollte, wolde wollte u. ä.
Anm. 5. Da die Dehnung durch unmittelbar folgende dritte Konsonanten
gehemmt wurde, ergeben sich in der Flexion Doppelformen mit langem
und kurzem Vokal, zwischen denen Ausgleich eintreten konnte. - Da die
Dehnung an stimmhaften zweiten Konsonanten gebunden ist, tritt sie vor
rd und rs nur dann ein, wenn ein Vokal auf diese Gruppen folgte; daher
Nom. Sg. weord, wurd Wert, aber Dat. Sg. weorde. Auch in diesen Fällen ist
Ausgleich möglich.
Anm. 6. Inwieweit in einigen Fällen Dehnungen kurzer Vokale vor ein-
fachen Konsonanten eintraten, ist nicht ganz klar. Auf solche scheinen
vereinzelte Doppelschreibungen von Vokalen in den ältesten Glossen zu
weisen, wie haam Hemd, fraam tüchtig, boor Bohrer, joor Dünger; weiter
vielleicht der Plural Nom. Akk. jefeZ (statt ^etelu § 238) bei rElfric und die
me. mehrfach anzusetzende Form wel wohl, die nach Sievers, Beitr. 51,
304f. auf Grund schallanalytischer Untersuchungen ae. allerdings nur auf
kent. Boden vorkam. Die früher auf Grund von Akzenten in Hss. ange-
setzten Längen (z. B. Bülbring, El. B. § 284) sind nicht haltbar, s. § 8.
b) Kürzungen
§ 138. Kürzungen ursprünglich langer Vokale sind im Verlaufe der ae.
Zeit eingetreten:
1. Vor drei Konsonanten, so deutlich in ^odspell Evangelium (aus ^öd
spell in Übersetzung von evayysXiov bona adnuntiatio), dann schon
früh bei Synkope eines Mittelvokals wie Plur. breemblas bremblas Brom-
beeren (zum Sg. bremel, westgerm. *brämil, der dann nach dem Plur. in
breembl, brembl umgestaltet wird). Diese Kürzung tritt auch vor den
§ 138. Kürzungen
119
Geminaten auf, die ae. vor r entstanden waren (§ 229), so in naeddre
Natter, bleeddre Blase, deoppra tiefer, hwittra weißer, riccra mächtiger
für älteres niedre, deopra usw.; weiter in Gen. Sg. attres Giftes, joddres
Futters, Plur. moddra Mütter, wonach auch unflektierte Formen wie
attor, foddor, moddor für ursprüngliches ätor, födor, mödor gebildet werden.
2. In drei- oder mehrsilbigen Formen in der ersten Silbe, wenn auf
diese zwei Konsonanten folgten. Hierher gehören samcucu halbtot,
samlaered halbgebildet und andere Zusammensetzungen mit sam- (aus
*sämi, vgl. ahd. sämiqueck sämquik; wenn die Länge ae. erhalten wäre,
müßte es *söm heißen, § 64), enlefan elf, enitre einjährig, zu än eins mit
i-Umlaut (mit en- für älteres izn); dann bledsian segnen (aus *bl6disdjan,
die Kürzung ist erwiesen durch merc. und nordh. Formen mit e, wo öe
durch Umlaut von ö als solches erhalten bleibt; allerdings kommen R1,
L auch Formen mit oe vor, Rit. nur solche), wohl auch blissian sich
freuen, hlammaesse (aus hläf-maesse) ne. Lammas (1. August), doch
kommen auch bliösian und hläfrnaesse noch vor; weiter in den flekt.
Formen twentije-s, usw. und darnach auch unflektiert twenii^,
fiftiS für twenti^,
3. Vor intervokalischer Geminata, soweit nicht verwandte Formen
analoge Bewahrung der Länge bewirkten, so in siÖÖan aus siÖ öon seit-
dem (Kürzung erwiesen durch Velarumlaut zu sioÖÖan), laessa (neben
nordh. leassa mit Velarumlaut) weniger, sella besser (spätws. sylla, § 124,
daher kurzes e), enne Akk. Sg. ein zu än (vgl. § 97, Anm. 2), reccean sich
kümmern, spätws. und angl. dritti^ dreißig, örinness Dreiheit,
weise u. a. Hingegen ist in den Prät. mette zu metan treffen, fedde zu
fedan füttern, cydde zu cyÖan künden, wahrscheinlich Länge nach dem
Präsens anzusetzen.
4. Vor sonstiger Doppelkonsonanz ist die Kürzung erst aus der me.
Lautentwicklung zu erkennen, doch dürfte sie in einigen Fällen schon
früh erfolgt sein, so in den Prät. öohte, brohte, sohte, dann in leoht (vgl.
die me., bei kurzem und langem io vor ht gleiche Lautentwicklung, § 122,
Anm. 4).
Anm. Frühe Kürzung vor ht vermutet Sweet, H. E. S. § 403. Sievers, Metr.
Studien IV, 1, § 104, 1 stellt sie schallanalytisch auch fest, außerdem noch
Kürzungen in Fällen wie Dat. Sg. PL lytlum und darnach auch lytel, wimman
für wijman, blisaad, schw. Adj. flekt. ÄaZjan, Sup. nextan (aber nehstan)
und in einigen Fällen vor einfachen Konsonanten, die geminiert wurden,
wie lett, $et, syt.
5. Kürzungen sind auch eingetreten in einigen oft im Satznebenton
stehenden Wörtern, wie Öeah, öara, öaera, Öaere, eom (mit analogem eo,
s. § 427, Anm. 1) u. a.
120
§ 139-141. Vokale der Mittel- und Endsilben
II. Die Vokale der Mittel- und Endsilben
§ 139. Hier sollen nur einige Haupterscheinungen behandelt werden,
die für das Verständnis der Flexionen in Betracht kommen. Das übrige
wird im einzelnen in der Formenlehre ausgeführt.
A. Vokalwechsel
§ 140. Alte Vokalwechsel. Die Vokale in den Suffixen standen be-
reits indogermanisch vielfach in einer gewissen Abstufung (Suffixablaut).
So begegnen wir namentlich häufig der Ablautreihe e : o : 0 (z. B. in
den beiden ersten Stufen in lat. genus, generis, griech. yevoq, yeveoQ
für *y6veao$ u. dgl.).
Im Germanischen sind die suffixalen e außer vor r zu i (§ 44, Anm. 3, 3),
die alten o wie unter dem Hauptton zu a (§ 45, 4) oder nach § 44, Anm.
3, 4 zu u geworden. An Stelle der Nullstufe erscheint (wie unter dem
Hauptton vor ehemals silbischen Liquiden oder Nasalen) häufig ein u
anstatt des ausgefallenen Vokals.
Im Ae. sind diese Abstufungen meist nicht mehr rein erhalten; ge-
wöhnlich ist eine Stufe durch alle Formen desselben Wortes durchge-
führt worden; nur hier und da weisen bestehende Doppelformen noch
auf das einstige Vorhandensein eines regelmäßigen Wechsels hin. Insbe-
sondere läßt sich aus dem i-Umlaut vorausgehender Wurzelsilben ein
Rückschluß auf einstiges Bestehen einer e-, i-Stufe machen.
§ 141. Die wichtigsten so erschließbaren Wechsel, von denen man im
Ae. noch Reste erkennen kann, sind folgende:
1. Vor ursprüngl. s (germ. z, westgerm. und daher ae. r, das im unmittel-
baren Auslaut ae. abgefallen ist) in dem neutralen subst. Suffix -os, -es (wie
in griech. ysvos, lat. genus), germ. -az, -iz', s. die Beispiele § 288. Die
i-Stufe liegt vor in Formen wie si^e Sieg, bere Gerste (älter *beri
aus *sigiz, *bariz nach § 147, a), oder in angl. döe^ aus *döjiz, nordh.
lemb aus *lambiz, angl. caelf Kalb aus *kalbiz. Die o-Stufe liegt dagegen vor
in si^or Sieg aus *siguz-, PI. dö^or aus *döguz-, den nicht umgelauteten
ws. Formen lamb, lomb aus *lambaz, cedit aus *kalbaz, dem Plur. nordh.
lombor.
2. Vor -n in dem Suffix -ono, -eno, germ. -ana, -ina des Part. Prät.
der starken Verba. Die t-Stufe zeigt sich noch in einigen Formen mit
i-Umlaut, so cymen § 378, ansonsten ist die a- (idg. o-) Stufe mit
ae. -en aus -sen (§ 366, 2) durohgeführt.
§ 141. Vokalwechsel
121
Anm. 1. Die Abstufung in dem Suffix germ. -in, -an, -un (aus idg. -en, -on,
-n) der subst. n- (schwachen) Deklination (§ 276) ist im Ae. fast ganz auf-
gegeben worden und bis auf Reste durchaus die a-Stufe durchgeführt.
Namentlich die i-Stufe, die im Got. (Gen. hanins, Dat. hanin) und auch im
Ahd. und Alts, noch deutlich ist, wurde ae. ganz verdrängt, s. § 276, Anm. 1
und § 277, Anm. 1.
3. Vor l in dem adj. Suffix -elo, -olo, -lo, germ. -ila, -ala, ula-, urae.
41, -sei, -ul, gemeinae. -el, -ol zeigt sich die alte Abstufung in Doppel-
formen wie dea^ol und ws. die^le (70-Stamm) dunkel, in wancol schwach
neben wencel Kind u. a.
Anm. 2. cZZejZe (dieselUce, di[e)^elnes) ist die altws. Form; daneben steht
schon altws. (Cura past.) mit Suffixtausch (Anm. 3) di^ol und später gew.
di^ol, difaol’, dea^ol ist anscheinend nicht streng ws. (häufig in der Beda-
Übers., Hs. Tanner 10); angl. de^ol, de^le (L, Vesp. Ps., manchmal auch
de^olnesse Beda-Übers. Hs. Tanner 10) entsprechen wohl ws. die^le mit
Z-Umlaut, § 106, oder nicht streng ws. dea^ol mit ‘Ebnung’ (§ 119). Ws.
dtojoZ (Cura past. Hs. Hatton 20) und gelegentliches deojoZ (ebenda, Elene
1093, Beowulf 275) sind wohl Fehlschreibungen, wegen ws. io, eo neben ie
(für germ. iu) oder wegen angl. eo für ea nach § 35, Anm. 1. Ableitung von
einer anderen Ablautstufe (Deutschbein, Beitr. 26, 225, Anm. 2) ist kaum
nötig anzunehmen und nicht wahrscheinlich.
4. Vor -3 in dem adj. Suffix germ. -iga (-iga), -aga (Kluge, Stamm-
bildungslehre3, § 204f.), bei dem sich der alte Ablaut in dem Nebenein-
ander von ae. Formen mit oder ohne Z-Umlaut zeigt, so moni^ manch,
nordh. daneben auch menij L, nicht streng ws. mseni^', hälij neben
nordh. hselis Rit.; sundri^ mannigfaltig neben syndri^, ws. gew.
neben meahti^, angl. maehti^ neben seltenerem mehti^, s. § 95, Anm. 5.
Hierbei ist zu beachten, daß ae. die Form des Suffixes -aej, -ej (aus germ.
-aga) nur selten und nur in den ältesten Quellen bei 'Substantiven er-
halten ist, sonst entweder durch Suffixtausch (Anm. 3) oder infolge
eines Lautwandels -ej zu -Z3 wegen des palatalen 3 stets als -Z3 erscheint,
s. § 44, Anm. 6. Formen mit -»3, -63 sind: hunse^ Ep. hunej Erf., aber
huni^ Corp. Honig; bodei Ep. Erf. bode$ Corp. Körper.
Anm. 3. Eine Folge solcher Doppelformen war, daß die Suffixstufen mit
verschiedenem Vokal wie urgerm. 41, -al, -ul oder -in, -an, -un u. ä. als
gleichwertig empfunden wurden und vielfach Vertauschungen vor kamen,
auch wenn gar kein ursprüngliches Ablautverhältnis vorlag. Dabei zeigt
das Ae. eine gewisse Vorliebe für die Suffixe mit dunklem Vokal (außer bei
-Zj, siehe oben), so daß -on auch für älteres -en (aus germ. -an, urae. -sen
vor vokalisch beginnenden Flexionsendungen, s. § 44, Anm. 3, 2) eintrat
oder -ol für -eZ (aus -al oder -ZZ). Auf diese Weise erscheint -ol auch nach
Z-Umlaut der Stammsilbe, der durch ehemaliges 41 bewirkt wurde, oder
eine Form mit Velarumlaut neben einer solchen mit Z-Umlaut, manchmal
auch Velarumlaut des durch Z-Umlaut entstandenen -e- (s. § 110, Anm. 2).
Derart erklären sich die Nebenformen ws. jyfen Meer (nach § 91, c) neben
122
§ 141-142. Vokalwechsel
poet. seofon (§ 110,1), vielleicht angl. hwel (§ 129,2) neben ws. hweol,
hweo^ol, hweowol (wegen des Wechsels von h, 3, w vgl. § 234), awol neben
awel Haken; ws. dijoZ (s. Anm. 2), hetol gehässig mit i-Umlaut vor ehemaligem
Suffix -il (vgl. got. hatia Haß); weiter mit anderen Suffixen ws. weojod
Altar gegenüber angl. tH(j)&ed, ws. hired gegen angl. hiorod (§ 43, Anm. 4),
ws. earfoö Mühsal für älteres earjed (aus *arbaiß), eorod Reiterei für eored
(aus *eh-raid), oder Ep. Gl. heecid Hecht neben gemeinae. hacod (urgerm.
*hakid hätte durch i-Umlaut *heced ergeben; h&cid ist durch spätere Über-
nahme des a aus hacud in die Form mit i-Suffix zu erklären, s. § 96, 3, wo
weitere ähnliche Fälle). Auch in Lehnwörtern kommt ein solcher Suffix-
tausch vor, wie in ae. feecele Fackel für lat. facula, e(p)sol Esel für lat. *asilu8
für asinus (wegen des Velarumlauts s. § 110, Anm. 2), peraoc Pfirsich für
lat. persicum, butor Butter für lat. butirum, münzte Mönch für lat. monachus
u. ä.
§ 142. Jüngerer Vokalwechsel. Neben diesen alten Abstufungen er-
scheinen im späteren Ae. (noch nicht in den ältesten Denkmälern,
dagegen einerseits bei ASlfred, anderseits im Vesp. Ps.) einige jüngere
Vokalwechsel, die vermutlich von der Stärke des Nebentons abhängen,
aber auch zum Teil durch die Vokale der Nachbarsilben bedingt sein
dürften, indem eine gewisse Abwechslung zwischen hellen und dunklen
Vokalen einzutreten scheint. Derart tritt für o, u in Mittelsilben e ein
(vermutlich den reduzierten Vokal a darstellend), wenn Endungen mit
a, 0, u antreten. So heißt es {e)afera Nachkomme, najela Nabel, adesa
Axt für älteres (e)a/ora, nabula (so Corp. Gl.), adosa; zu rodor Himmel,
heorot Hirsch, staöol Stütze heißt der Gen. Dat. Sg. zwar rodor es, -e,
heorotes, -e, stadoles, -e, aber der N. Akk. PI. roderas, heoretas, staöelas,
G. -a, Dat. -um-, die Gen. PI. der n-Substantiva enden auf -ena (z. B.
Sumena, tun^ena usw.) für älteres -ana; die Superlative enden auf -esta
für älteres -osta (z. B. heardesta); die Plurale Prät. der schw. Verba
Kl. II auf -edon gegen den Sing, auf -ade, -ode, wie Sing, löcode, -ade,
Plur. löcedon. Allerdings wird oft a oder o nach verwandten Formen bei-
behalten, so auch löcodon, -adon, angl. ^umana, Sup. heardosta. Die
einzelnen Schreiber scheinen hierin nicht gleichmäßig vorgegangen zu
sein. Manchmal findet sich anderseits die Reduktion zu e auch in Formen
ohne dunklen Folgevokal, so Verbum stadelian, Dat. Sg. stad eie, jubele,
ja auch N. Sg. staöel, fu^el für fu^ol. Ebenso tritt für -i- vor vokalischer
Endung manchmal -e- ein, so misleca, mislecan, mislecum, mislecost zu
mislic, mone^um zu momj; vor -u- auch u oder o wie neodlucor, swutelucor,
oder vor apokopiertem -u Nom. Akk. PI. neutr. micul, hefu^, monoj
s. § 43, 3 und § 296, Anm. 1, Anm. 2.
Anm. Vielleicht gehört auch der Wechsel zwischen den Abstraktsuffixen
-unj und -inj und -neas, -nisa, -nyss hierher, -wnj und -inj stehen zwar in
altem Ablaut (idg. *-nkä und *-enkä, germ. *-ungö und *-ingö), doch ist
§ 142. Vokalwechsel. § 143-145. Apokope auslautender Vokale 123
ihre Aufteilung in den verschiedenen germ. Sprachen ungleich (s. Kluge,
Nom. Stammbildungslehre3, § 158f.). Im Ae. scheint -inj bei den schw.
Verben I. Klasse, -wnj bei den schw. Verben II. Klasse weitaus vorzuherr-
schen (von starken Verben sind Bildungen auf -unj, -inj selten, doch herrscht
auch hier eher -wnj vor), so daß vielleicht an eine Veränderung des Suffixes
-unj nach dem stammbildenden j (also über -jun^ zu -inj, ähnlich wie bei
nordh. jinj, § 92, Anm. 1) gedacht werden kann. Die spätere Ausdehnung
des Suffixes -inj kann auch durch jüngeren Vokalwechsel vor Flexions-
endungen (z. B. -unjnm zu -enjum, -injum im Dat. PI.) begünstigt sein,
s. Sarrazin, ZfdPh. 30, 420f. Im Vesp. Ps. steht regelmäßig im Dat. PI.
-injnm, sonst -wnj, s. § 255, Anm. 1 (für den Gen. PI. fehlen Belege). Auch
vor anderen gewichtigeren Silben, z. B. in Kompositis, wird -inj bevorzugt,
so ws. bletaun^ Segen, aber bletain^böc Segenbuch, leornun$ Lernen aber
leornin^cild Schüler u. a., s. Sarrazin a.a.O., H. Weyhe, Beitr. 30, 86 und
ders., Zu den ae. Verbalabstrakten auf -nea, und -wnj, -inj, S. 34ff. Auch
-ness, -niaa -nyaa (später auch -neaae, -nisse, nyaae, s. § 258, 1) können in
altem Ablautverhältnis stehen (vgl. ahd. -naasi, -nuasi, -niaaa, s. Kluge,
Nom. Stammbildungslehre3, § 139), doch ist die ae. Aufteilung eher mund-
artlich und zeitlich bedingt (so altws. -nea, in ganz späten Texten auch -nia
und -nya, nordh. und Vesp. Ps. gew. -nia, R1 -nia neben -nes), wobei -nya
vielleicht eine späte Schreibung, wie bei anderen nachtonigen e (§ 44,
Anm. 8), ist.
B. Apokope, auslautender Vokale
§ 143. Indogerm. a, o (= germ. a) schwanden sowohl im unmittelbaren
Auslaut wie vor germ. z (westgerm. r, s. § 181, 2), das im Auslaut un-
betonter Silben westgerm. gefallen ist (§ 182), und vor ursprünglich
auslautenden, germ. geschwundenen Nasalen. Beispiele: ae. on (griech.
dvd), ae. sef, unbetont of ab (griech. äno), ivät ich weiß (griech. olda)
usw. Zahlreiche Beispiele liefern besonders die Nom. Akk. Sg. der
o-Stämme § 237, Grundform idg. -oz, -om.
§ 144. Spurlos und ohne Hinterlassung irgendwelcher Einflüsse auf den
Vokal der vorhergehenden Silbe schwindet auch das ursprünglich aus-
lautende -e. Die Hauptfälle sind: 1. Der Vok. Sg. mask. der o-Stämme
döm § 238, vgl. griech. Aoys; 2. der Imp. Sg. der starken Verba wie ber,
help, § 367, vgl. griech. (p^Qs; 3. die 3. Pers. Ind. Prät. der starken Verba
wie b&r § 367, wät § 420, vgl. griech. olde-
e vor germ. erhaltenen auslautenden Konsonanten wurde vermutlich
außer vor germ. r zu i, s. § 44, Anm. 3, 3, und teilte die Schicksale des
letzteren.
§ 145. Ursprüngliches -i war gemeingerm. abgefallen im unmittelbaren
Auslaut und vor -z nach unbetonten Silben (also in dritten und vierten
124
§ 145-146. Apokope auslautender Vokale
Silben von der betonten aus gezählt). Hierher gehören vor allem die -t-
in der Endung des Dat. Instr. Plur. der Subst. (ursprünglich -miz), im
Gen. Sg. und Dat. Sg. der n- (schwachen) Substantiva (ursprüngliche
Endung -niz, -ni) und in der 2. 3. Pers. Sg. und der 3. PI. des Ind. Präs,
(ursprüngliche Endungen -isi, -ißi, -anpi).
Anm. 1. Der frühe gememgerm. Abfall dieser -i ist dadurch erwiesen, daß
sie ae. keinen i -Umlaut mehr bewirkten. Hingegen ist -i nach betonten
Silben noch so lange erhalten geblieben, daß es i-Umlaut bewirkte, s. § 146.
Nur in einigen isolierten Fällen scheint die innerenglische Lautentwicklung
zu zeigen, daß -i in dritter Silbe nach kurzer betonter Silbe so lange erhalten
blieb, daß es noch i-Umlaut bewirkte, z. B. Gen. Sg. *milukiz, Dat. Sg.
*miluki Milch, wo wegen »-Umlauts des vorausgehenden u in den angl.
hiervon abzuleitenden Formen kein Velarumlaut eintrat, gegen ws. mioluc,
tneoluc von Formen ohne Endungen mit -i, s. § 111, Anm. 3. Ebenso in
*alupiz, *alupi- G. D. Sg. zu *alup Bier, s. § 109, Anm. 4 und die § 95,
Anm. 2 erwähnten Fälle. Über diese Frage s. Weyhe, Beitr. 31, 43ff.
Anm. 2. Ob auslautendes -u nach schwachtoniger Silbe ebenso behandelt
wurde, ist nicht zu erkennen, weil früherer oder späterer Abfall des -u keinen
Unterschied in der Lautentwicklung vorausgehender Vokale bedingte. Doch
ist altes kurzes -u nach schwachtoniger Silbe im hist. Ae. nirgends erhalten
(anders als -u aus germ. ö, s. § 149), also Akk. Sg. brödor aus *bröporum,
Akk. Sg. jzder aus *faderum.
§ 146. Nach betonten Silben sind ursprünglich i und u im Uralteng-
lischen noch durchgehends erhalten gewesen. Zu ihnen gesellten sich
noch sekundäre i und w, die teils durch Wechsel der Quantität ent-
standen waren (wie durch Kürzung der auslautenden Längen i und ö),
teils durch Wechsel der Qualität (wie i aus e vor Konsonanten, § 144),
teils endlich durch Vokalisierung aus konsonantischem j, w hervorge-
gangen waren. Diese urae. i und u wurden dann im Ae. zum Teil apoko-
piert, wobei für beide Laute in gleicher Weise die Quantität der vor-
ausgehenden Silbe maßgebend wurde. Soweit sie idg. kurz waren, ist
es auch gleichgültig, ob sie bereits im idg. Auslaut standen, oder erst
durch Abfall eines -z oder -n (-m) urae. in diesen gelangten. Ehemalige
Längen werden aber in letzteren Fällen anders behandelt, s. § 150, 2.
In ursprünglich zweisilbigen Wörtern schwindet nämlich nachtoniges,
unbetontes -i und -u nach langer Wurzelsilbe, doch hat -i noch vorher
den »-Umlaut bewirkt (§ 95ff.). Nach kurzer Wurzelsilbe sind sowohl
-i wie -u erhalten, -i in späterer Zeit als -e (s. § 44, Anm. 6). Für -u
wird später (doch nicht nach u in der Tonsilbe) -o geschrieben, gegen
Ausgang der ae. Zeit auch manchmal -a, s. § 44, Anm. 7.
Anm. -u nach langer Wurzelsilbe scheint einmal erhalten zu sein in • flödu
Nom. Sg. (Runenkästchen), s. § 273, Anm. 4.
§ 147-148. Apokope auslautender Vokale
125
§ 147. a) Urspr. -i lag vor z. B. im Nom. Akk. Sg. der i-Stämme (vgl.
griech. noAis, tioXiv) wie mit kurzer Stammsilbe wini wine Freund
§ 262, Adj. *bryci, bryce brüchig § 302, langsilbig wyrm Wurm § 265;
weiter im Nom. Akk. Sg. der kurzsilbigen 70-Stämme § 246, in denen
-i (-e) nach r in here und im Kompositum cynedom erhalten ist. Weitere
Fälle der Apokope liegen vor im Dat. Lok. Sg. der konsonantischen
Stämme wie fät, fet aus *föti § 281 (griech. 710dl), den pron. Dat. Plur.
dxm, twähn, Grundform *ßaimiz usw., den komparativischen Adverbien
wie len^ länger § 323, Grundform *langiz (vgl. lat. magis). Zum Abfall
des z s. § 182.
b) Urae. i aus -e lag vor im Nom. PI. konsonantischer Stämme wie
hnyte, styde § 282 und fet, mys § 281 aus *hnutiz, *hnules; *fötiz, *fötes
(vgl. griech. 7i6ösq)', im Nom. Akk. Sg. der neutralen -es Stämme, kurz-
stämmig bere Gerste (Grundf. *bariz), sije Sieg (got. sigis), langstämmig
nordh. merc. (Vesp. Ps.) c&lf Kalb, nordh. lemb Lamm usw. § 288f.
c) Urae. i aus ursprüngl. I lag wohl vor im Imp. Sg. der Verba mit
/-Suffix, § 372, § 398, 1 (vgl. got. hafei, nasei, sökei usw.), kurzsilbig ae.
hefe, nere usw. § 367, § 409, langsilbig ws. sec, hier usw. § 409; weiter im
Nom. Sg. der langsilbigen jä-Stämme wie ws. $ierd § 257.
Anm. 1. Nach kurzer Stammsilbe ist -i abgefallen in dem Adv. bet besser
(got. batts); nach langer erhalten in dem Adv. ymbe neben ymb,
Anm. 2. Kein i-Umlaut ist eingetreten in der 1. Sg. Ind. Präs. angl. döm
ich tue (Endung -mi) und dem Plur. döö (Endung -n^i), s. § 429, weiter in
dem ursprüngl. Lokativ häm (§ 237, Anm. 2) und ähnlichen Formen, wohl
im Ausgleich nach anderen Flexionsformen.
Anm. 3. Nicht hierher gehören die -i (-e) aus I mit ‘Schleifton’, s. § 150, 1.
Sie sind auch nach langer Stammsilbe erhalten.
§ 148. a) Urspr. u lag vor z. B. im Nom. Akk. Sg. der u-Stämme, wie
kurzstämmig Subst. mask. sunu Sohn, fern, duru Tür, neutr. feolu viel
§ 270, § 274f., Adj. ws. cucu (angl. cwicu § 114, b) § 303; langstämmig
Subst. mask. feld, fern. hand, hond § 272, § 274, Adj. heard § 303, Anm. 2.
Grundf. -uz, -u(m), vgl. got. sunus, -u, filu usw.
b) Urae. u aus germ. ö — idg. ä stand z. B. im Nom. Sg. der fern.
ä-Stämme, wie kurzstämmig $ifu, Adj. hwatu; langstämmig är, 3&d
§ 252 (vgl. griech. tf/j-tgä.); oder im Nom. Akk. PI. der neutr. o-Stämme,
wie kurzstämmig Subst. fatu, Adj. hwatu, langstämmig Subst. word,
Adj. 3öd § 238, § 293.
c) Urae. u aus germ. ö — idg. ö lag vor in der 1. Sg. Präs. Ind. der
thematischen Verba (vgl. griech. qdga)), doch ist bei diesen das -u auch
126 § 148-149. Apokope auslautender Vokale
bei den langstämmigen wohl analog zu den kurzstämmigen erhalten,
also neben beoru trage, faru fahre auch helpu, bindu. Im Ws. sind aber
diese -u bis auf wenige Reste durch die Endung -e ersetzt, s. § 355.
Anm. 1. Ursprünglich einem -u vorausgehendes j (§ 45, 9) verhindert die
Apokope nicht, also sibb § 257 usw. aus *sibbiu. Hingegen gilt das einem -w
nach § 45, 9 vorausgehende -i- als unbetonte Silbe, s. daher die Entwicklung
nach § 149, 2.
Anm. 2. Wie ursprünglich langsilbige Wörter werden auch solche auf
Muta + Liquida oder Nasal (§ 152ff.) behandelt. Auslautende -w fallen ab
und aus der silbischen Liquida oder dem Nasal entwickelt sich ein Sekundär-
vokal, also Nom. Sg. ädl, niedl, jröfor, wöcor, ceaster § 254, 2, Nom. Akk,
neutr. PI. wSpen, tungol, täcen § 243, 3; doch tritt bei den Neutris und be-
sonders bei den Adj. § 296 nach dem Muster der ursprünglich dreisilbigen
(§ 149) ein -u wieder an.
d) Urae. -u aus vokalisiertem w (§ 151, § 174, 2 und 3) lag vor im Nom.
Akk. Sg. der wo-Stämme, z. B. kurzsilbig bearu Hain, bealu Übel § 249,
jearu bereit § 300. Über die langsilbigen vgl. § 249, Anm. 5 und § 250.
Nicht hierher gehören die fern. wä-Stämme wie kurzsilbig beadu, lang-
silbig ws. mied, lies, § 259 f.; sie sind aus *bad{w)u, *mied(w)u mit u aus
ö nach § 148, b und Ausfall des w vor u nach § 173 zu erklären.
§ 149. Aus germ. ö (idg. ö und ä) entstandenes auslautendes ae. -u
(§ 44, Anm. 3, 4) ist in ursprünglich drei- und mehrsilbigen Wörtern
(also nach schwachtoniger Silbe) teilweise erhalten (während altes
kurzes -u stets abgefallen ist, s. § 145, Anm. 2). In der Regel ist es nach
kurzer Wurzel- und kurzer Mittelsilbe und nach langer Mittelsilbe apo-
kopiert, nach langer Wurzelsilbe und kurzer Mittelsilbe jedoch erhalten
und zwar auch dann, wenn die Mittelsilbe nach § 157 ff. synkopiert
wurde. Es gehören hierher vornehmlich folgende Fälle:
1. Nom. Sg. der fern. ä-Deklination (§ 252ff.). Hier fehlt das -u regel-
mäßig bei den reinen ä-Stämmen ohne Rücksicht auf die Quantität der
Wurzel- und Mittelsilbe, z. B. firen Verbrechen, säwdl Seele. Ebenso ist
das -u apokopiert bei den fern. jä-Stämmen. auf -en wie yyden Göttin,
ws. wyr^en Frevlerin, byrden Bürde, den Abstrakten auf nes (-nis, -nys)
wie häliynes usw., nur einige Ableitungen auf -et bewahren das -u wie
hymetu Hornisse, ws. i(e)lfetu Schwan u. a., s. § 258. Hingegen ist es
bei den Abstrakten auf ae. -du (got. -ipa) ohne Rücksicht auf die Quantität
der Wurzelsilbe wenigstens in der älteren Zeit stets erhalten, obwohl
die Mittelsilbe regelmäßig synkopiert wurde, z. B. -stren 3 du Kraft,
^esyntu Gesundheit usw., s. § 255, 3.
2. Nom. Akk. PI. der neutralen o-Stämme. Bei den reinen o-Stämmen
ist das -u nach langer Wurzelsilbe und kurzer Mittelsilbe in der Regel
§ 149-150. Apokope auslautender Vokale
127
erhalten (wie ws. heajodu, nietenu), bei denen mit kurzer Wurzel- und
kurzer Mittelsilbe apokopiert (reced, werod). Hingegen ist bei den jo-
Stämmen das -u bewahrt, und zwar sowohl bei mehrsilbigen, z. B.
westen(n)u, wie bei den später zweisilbigen wie Nom. Akk. PI. ricu Reiche,
weil bei diesen das später synkopierte -i- als kurze Mittelsilbe behandelt
wurde, s. § 246.
3. Nom. Sg. fern, und Nom. Akk. PI. neutr. der stark flektierten
Adjektiva. Bei diesen schwanken die mit kurzer Wurzelsilbe, wie mied,
moni^ und micelu, moniju s. § 296, Anm. 1; die mit langer Wurzelsilbe
haben das -u bewahrt, z. B. häl(i)^u, § 293; ebenso ist -u bei den jo/jä-
Stämmen bewahrt, z. B. jrenu, § 298.
Anm. Über Wörter auf Muta + Liquida oder Nasal s. § 148, Anm. 2.
§ 150. Ein Abfall anderer Endsilbenvokale als der angegebenen findet
im Ae. nicht statt. Insbesondere bleiben erhalten:
1. Auslautende -e (für älteres -i oder -®) und -a aus urgerm. Längen,
die auf idg. Längen mit Schleifton zurückgehen, sei es, daß sie im ur-
sprünglichen Auslaut standen oder vor einem germ. abgefallenen Nasal
oder einem westgerm. gefallenen -z. Hierher gehört: a) e für i aus schleif-
tonigem «: Instr. der mask. und neutr. o-Stämme wulje aus wulfl (der
i-Umlaut ist in der Regel nach den anderen Kasus aufgegeben, s. § 237,
Anm. 2); Nom. PL der i-Stämme wine älter wini (Endung urspr. -efes»
vgl. got. gasteis), liode, leode Leute, ewene Frauen; Opt. Prät. der st.
Verba bunde (mit i aus -je), § 365, über den eigentlich zu erwartenden
i-Umlaut § 377. b) e für ze aus idg. schleiftonigen ai, öi, germ. ai: Dat.
Sg. der o-Stämme wulfe, älter wultae aus *wulfäi (vgl. griech. Avxtp);
Dat. Sg. der fern. ä-Stämme älter yiejae aus *gebai (vgl. griech.
Nom. PI. der starken mask. Adj. jöde, älter ^ödse aus *gödai
(Endung a + pronominales -ai); Dat. Sg. der starken fern. Adj. jödre,
älter ^ödree aus *gödizai; 2. 3. Sg. Opt. Präs, helpe, älter helpas aus
*helpai (griech. Aswrotg, -oi mit langem oi). c) a aus idg. a, ö vor (ab-
gefallenem) Nasal oder germ. -z, im Nom. Sg. der mask. n-Stämme
^uma aus *gumö(n'), vgl. griech. Nom. PL der fern. ä-Stämme
Siefa aus *gebäz (idg. as aus äes); Gen. PL der Subst. daja, stäna usw.
aus -Ön (griech. -cov)- d) a aus germ. au für idg. schleiftoniges öu, so in
ws. eahia acht, got. ahtau aus *ahtöu, griech. facta) und im Gen. Sg. der
u-Stämme ae. suna, got. sunaus, idg. -aus aus -ou-es.
2. Auslautendes e für älteres i aus idg. stoßtonigem i vor (abgefallenem)
-n oder -z und für älteres se aus stoßtonigem idg. ä, ö (über germ. ö, a)
in denselben Stellungen. Hierher gehört mit stoßtonigem idg. i Gen. Dat.
128
§ 150. Apokope auslautender Vokale
Sg. strenge aus *8tranginiz, -ini § 280; mit idg. stoßtonigem ä Akk. PI.
der fern. ö-Stämme jie/e aus *gebönz (idg. -ans), Nom. Sg. der fern, und
neutr. n-Stämme tun^e, ea$e § 276, Gen. Sg. der starken fern. Adi. jödre
(Endung -aizöz oder -izöz).
Anm. 1. Umstritten ist, warum das auslautende -e (aus -i) des Nom. Akk.
Sg. der langsilbigen jo-Stämme (§ 246) erhalten ist. Wenn man mit Sievers,
Beitr. 5, 126f. annimmt, daß es auf das nach § 45, 9 entwickelte i zurück-
geht, müßte sich dieses vor dem urgerm. gefallenen -a, idg. -o- (in der Endung
-oz, -om) anders als im unmittelbaren Auslaut oder vor apokopierten Kon-
sonanten ae. erhalten haben. Streitberg (Urg. Gram. § 146, Anm. 3, § 173)
denkt daher an eine Kontraktion des idg. -jos, -jom zu (schleiftonigem) i
(daraus got. Nom. mask. andeie), Walde, Auslautgesetze, S. 134 und Hirt,
Handb. des Urgerm. II, § 41 an eine idg. Bildung -ijoa, -ijom. S. auch Luick,
Hist. Gram. § 297, Anm. 1.
3. Alle Vokale vor ae. erhaltenen auslautenden Konsonanten. In Be-
tracht kommen (s. auch § 44, Anm. 3 ff.): a) ae. a aus germ. a vor einem
ursprünglich derselben Silbe angehörigen, aber nicht im unmittelbaren
idg. Auslaut stehenden -n wie in dem Inf. bindan usw.; aus germ. ö
(idg. ä oder ö) in ursprünglichen Mittelsilben außer vor m oder vor
einem urspr. -w, wo ae. u steht, wie 2. 3. Sg. Ind. Präs, der schw. Verba
II. Kl. (§ 411, 1) löcast, löcaö, in den flekt. Kasus der n-Stämme wie
^uman, tun^an, in Suffixen wie mönad (got. mönöps) und vor -s im
Nom. Akk. PI. der o-Stämme wulfas usw. (s. § 234, Anm. 4); aus germ.
nasaliertem ö vor Spiranten wie im PI. Präs. Ind. der st. und schw.
Verba bindaö, fremmad usw. - b) ae. e, älter se (germ. a, idg. a oder o)
vor einem ursprünglich nicht derselben Silbe angehörigen -n wie in den
Part. Prät. der st. Verba bunden usw. (bes. § 366, Anm. 2), in Suffixen
wie in deoden Herr (Suffix germ. -and), oder vor anderen Konsonanten wie
im Gen. der mask. und neutr. o-Stämme wulfes, wordee (älter -ses, § 237,
Anm. 1) und in Suffixen wie in hune; Honig (später Äumj, s. § 141, 4),
mas^ed Mädchen; - c) ae. e, älter i (§ 44, Anm. 6) in der 2. 3. Sg. Ind.
Präs, berest, bered (doch s. Anm. 2) oder in Suffixen wie in yfel übel, firen
Sünde, stämen steinern; - d) ae. i in der Suffixsilbe -ij (s. § 44, Anm. 6
und § 141, 4) wie in huni^ Honig, bodi^ Körper, monitf manch, in den
Suffixen -isc, -nie s. § 44; - e) ae. u aus germ. u oder ö vor m wie im
Dat. PI. der Subst. wulfum, dömum usw., germ. u in dem Suffix -unj
z. B. leornun$ das Lernen, in anderen Stellungen später oft -o außer
nach einem u in der Stammsilbe, z. B. in Suffixen wie denen in nacod
nackt, heofon Himmel, heafod, angl. auch heajud Haupt, hunlod Jagd,
aber iu$ud Jugend, munuc Mönch.
Anm. 2. Eine Ausnahme bilden die 2. 3. Sg. Ind. Präs, der st. Verba und
schw. Verba I. Kl., welche im Südengi, oft ihren Vokal verlieren, s. § 358, 2.
§ 151-152. Weitere Veränderungen des Wortendes
129
C. Weitere Veränderungen des Wortendes
infolge von Vokalabfall
(Entstehung von Sproßvokalen)
§ 151. In den Auslaut tretendes w wird nach Konsonanten und Vokalen
zu -u vokalisiert. Mit vorausgehenden kurzen Vokalen bildet es dann
Diphthonge, nach langen und nach Diphthongen fallt es ab, wird aber
oft analog zu Formen mit inlautend erhaltenem w wieder angefügt,
s. § 174, 3. Über Abfall des so entstandenen -u nach langer Stammsilbe
s. § 148, d.
§ 152. Tritt Muta + Liquida oder Nasal in den Auslaut, wird die
Liquida oder der Nasal silbenbildend; z. B. die r, l, n, m in got. akrs,
fugls, taikns, maipms. Im Ae. entwickelt sich aber aus und vor diesen
silbenbildenden Liquiden und Nasalen häufig ein Sekundärvokal. So
lauten die den angeführten got. Formen entsprechenden ae. sscer, fu$ol,
täcen, mäöum. Der Sekundärvokal erscheint in den ältesten Belegen
nach einem i in der Tonsilbe oder nach j als i (hidir, didir lies Öidir,
huidir Leid. Gl., se^il Ep., Erf.), nach anderen palatalen Vokalen als i
oder e (tebel Ep. tebil, tefil Erf. Würfel, lebil Ep. Erf. Napf), später nach
§ 44, Anm. 6 in beiden Fällen als e (so schon hider Corp.); nach velaren
Vokalen erscheint er als u, o (thotur Erf. thotor Ep. Ball, ätur, ätor Gift,
so auch bei Ebnung becun Zeichen, R2, Inschriften von Thornhill (Yorks.,
W. Rd.), Urswick (N. Lanes.), Falstone (Northumberl.), Dewsbury
(Yorks.), becon R2, L, Rit.).
Die Sekundärvokale erscheinen in unseren Texten nicht in allen
Fällen; dies kann damit Zusammenhängen, daß ihre Entwicklung nicht
stets erfolgt ist, oder daß später Formen ohne Sekundärvokal aus Formen
mit Endungen abgeleitet wurden, in denen die Liquida oder der Nasal
nicht silbisch war und die daher keine Sekundärvokale entwickelten.
In späterer Zeit werden anderseits die Sekundärvokale auch in solche
Formen mit Flexionsendungen übertragen, s. § 160.
Anm. 1. In der Poesie werden Silben mit silbischem r, l, m, n häufig nicht
als volle Silben gerechnet, s. Sievers, Beitr. 10, 480ff.
Anm. 2. Manchmal steht bereits in früher Überlieferung nach i oder palatalem
Vokal ein u als Sekundärvokal, so bitur Vesp. Ps., später bitor neben biter,
*apid in apuldor Ep., später auch apidder Apfelbaum neben zeppel Apfel;
ebenso geht auf frühes -u als Sekundärvokal zurück beofor (mit Velarumlaut,
§ 110, 1) neben bebr Ep. Erf., bebir Erf. beber Corp. (aber bebor Leid. Gl.)
und mit a neben a? in der Stammsilbe nach § 50 ha^ol neben hse^el Hagel,
wacor neben w&cer. Im Spätws. ist or neben er nach palatalem Vokal häufig
(so ceafor neben ceafer Käfer, pypor neben piper Pfeffer, f&for neben fty&r
Fieber, wzestum Wachstum) und umgekehrt auch -er nach velarem Vokal
130
§ 152-155. Weitere Veränderungen, des Wortendes
(fu^el, hunger, hüael Opfer neben fu^ol, hun$or, hü&ul). Hierbei ist in den
Fällen mit u (o) nach palatalem Vokal wohl an Suffixtausch nach § 141,
Anm. 3 zu denken, weil neben Formen mit Sekundärvokal auch solche ohne
diesen standen und die beiden Formen daher als gleichwertig empfunden
wurden. Formen mit a in der Tonsilbe können nach § 50, Anm. 6 vor Endun-
gen mit velaren Vokalen entstanden sein, aus denen das a auf endungslose
Formen übertragen wurde, so daß sich in solchen der nach a in der Tonsilbe
zu erwartende Sekundärvokal u entwickelte. Formen mit Sekundärvokal e
nach velaren Tonvokalen können auf jüngerem Vokalwechsel (§ 142) be-
ruhen und auf Formen zurückgehen, in denen der Sekundärvokal auf For-
men mit Flexionsendungen übertragen worden war. Es könnte allerdings
auch möglich sein, daß sie darauf beruhen, daß es später üblich wurde,
silbisches r, l, m, n mit er, el, em, en zu bezeichnen (so Luick, Vietor-Fest-
schrift S. 260ff. und Hist. Gram. § 318). Wenig wahrscheinlich ist, daß die
Formen mit -u- nach palatalen Vokalen auf Formen zurückgehen, in denen
auf die Liquida oder den Nasal ein ursprüngliches -u in der Endung folgte
(so Luick, Hist. Gram. § 317), weil dieses vor Entwicklung des Sekundär-
vokals abgefallen sein mußte (§ 148, Anm. 2), bzw. dort, wo es erhalten blieb
(wie im Dat. PI. und im Dat. Sg. der Adj.), kein Sekundärvokal entstand.
Im einzelnen gelten für die Entwicklung der Sekundärvokale folgende
Grundsätze:
§ 153. Am regelmäßigsten erscheint der Sekundärvokal vor -r, z, B.
winter Winter, finger Finger, jse^er schön, tecer Acker, ceaster Stadt,
Lager; ätor Gift, födor Futter, hl/ülor klar, clüster Verschluß, hun^or
Hunger zu got. wintrus, figgrs, fagrs usw.
Anm. Formen ohne Sekundärvokal erscheinen nur in den ältesten Denk-
mälern, wie Ep. ätr, spaldr Asphalt, cefr Käfer (später ceajor, § 109, Anm. 8),
Corp. lebr Binse neben leber (ws. leefer), neben Ep. mapuldur Ahorn, ledir
Leder u. a. Es kann aber fraglich sein, ob diese Formen ohne Sekundärvokal
einen ursprünglichen Zustand darstellen oder bereits von flektierten Formen
abgeleitet sind, s. Luick, Hist. Gram. § 318, 1 und Vietor-Festschrift S. 260ff.
§ 154. Silbenbildendes l ist sehr häufig nach t und d; nxdl nedl Nadel,
spätl Speichel, setl Sitz, botl Gebäude, die fast nur in dieser Schreibung
vorkommen; dann nach s und palatalem 5 wie hüsl Opfer, eaxl Achsel,
nas^l Nagel, se$l Segel; nach anderen Konsonanten kommen Sekundär-
vokale vor, manchmal neben Formen ohne solche, wie seppel Apfel,
tempel Tempel, ju^ol (auch fu^d, s. § 152, Anm. 2) Vogel, leejel Napf,
tsefel neben teefl Würfel, Brettspiel (vlat. tdbla für tabula).
§ 155. Silbenbildendes -n ist nach kurzer Silbe gewöhnlich: hrsefn Rabe,
stejn Stimme, rejn Regen, dejn Held, wasyn Wagen, nur gelegentlich
kommen Schreibungen wie defen, hr&fen vor. Nach langer Silbe ist
hingegen Sekundärvokal vorherrschend, z. B. ws. Vesp. Ps. täcen, nordh.
§ 156. Veränd. d. Wortendes. § 157-158. Synkope v. Mittelvokalen 131
(L, Rit. R2) täcun täcon Zeichen, becun, -on Vesp. Ps. becen ws. beacen
Zeichen, ws. w&pen Waffe, nordh. (Rit.) ymmon Hymne, doch kommen
auch Formen mit silbischem n wie ws. beacn, täcn, wolcn vor.
§ 156. Vor m ist der Sekundärvokal selten; die gewöhnlichen Formen
sind z. B. frrosm Rauch, bösm Busen, feedm Umarmung, botm Boden,
w&stm, Wachstum, doch finden sich auch weestem u. ä., oft bösum und
in der Regel ma.öum Kleinod, selten mädm.
D. Synkope von Mittelvokalen und Verwandtes
§ 157. Als ‘Mittelvokale’ bezeichnen wir die Vokale derjenigen Silben,
welche zwischen Wurzel- und Endsilbe mehrsilbiger Wörter liegen.
Zahlreiche germanische Mittelsilben sind durch den Abfall der aus-
lautenden Vokale ae. zu Endsilben geworden. Soweit ae. Mittelvokale
blieben, sind sie ae. vielfach synkopiert worden. Ihre Erhaltung oder
Ausstoßung hängt ab 1. von der Anzahl der ursprünglich vorhandenen
Mittelvokale, 2. von der Qualität und Quantität der Mittelvokale und
3. von der Quantität der vorausgehenden Wurzelsilbe.
§ 158. Von zwei Mittelvokalen (also in urae. viersilbigen Wörtern)
wird ohne Rücksicht auf die Quantität der Wurzelsilbe der zweite syn-
kopiert, falls er kurz ist und nicht durch Position (d. h. durch zwei
Folgekonsonanten) geschützt ist; also z. B. Akk. Sg. mask. der st. Adj.
idelne, ws. dijoZne; atolne, swicolne; eowerne, unceme; fas^erne, ä^enne,
häli^ne usw. (germ. Endung -anön, also *tdelanön); Gen. Dat. Sg. fern,
der st. Adj. wie idelre (urspr. Endung -aizöz, -aizai oder -izöz, -izäi),
Gen. PI. idelra (germ. Endung -äizon).
Falls aber die zweite Mittelsilbe durch Position geschützt ist oder ur-
sprünglich lang war, hat sie einen starken Nebenton und bleibt erhalten,
z. B. ws. ^elieredesta der Gelehrteste, medemesta innerster, seftemesta
hinterster (wegen des Nebentons auch mit Anlehnung an den Superlativ
miesta meist eeftemiesta}, häedenisca heidnisch, sedelin^as Plur. Edle,
hunti(3)ende jagend; weiter in den schw. Verben 2. Kl. jultumian, jultum-
ode helfen, half; madelian, maöelode sprechen, sprach; dann vor der
Nachsilbe -ere wie julluhtere Täufer.
Anm. Bei Verben der 2. schw. Konjugation (§ 411 ff.) wird vor der neben-
tonigen Silbe oft die erste Mittelsilbe synkopiert, so ordian atmen zu orod
Atem, ejsian schneiden zu e/es Rand, firnian sündigen zu firen Verbrechen,
fultmian (neben ftdtumian, fultemian), -ode, serndian Botschaft bringen,
Sefulhtnian taufen zu fulluht Taufe; ebenso auch vor -ere in späterer Zeit,
wie fulhtere (f. julluhtere'). Der Abfall auslautender -a (§ 143) und -e (§ 144),
132
§158-159. Synkope von Mittelvokalen
der -i, -u nach unbetonten Silben (§ 145) ist älter als diese Synkope; Vokale
vor solchen bleiben daher erhalten (z. B. G. Sg. mask. neutr. swutolea, idg.
Endung -eao).
§ 159. In dreisilbigen Wörtern werden kurze Mittelsilben synkopiert
a) wenn sie altes -a- (auch aus urgerm. ai) oder -e- (durch i-Umlaut aus
•a- oder vor -r) sind, ohne Rücksicht auf die Quantität der ersten Silbe.
Z. B. nach langer erster Silbe: säwl, Gen. säwle Seele (got. saiwalcr, die
Endung des Nom. Sg. ae. -u ist nach § 149, 1 gefallen; später mit Sckun-
därvokal auch säwol), st. Adj. Akk. mask. ^ödne, Gen. PI. jödra, vielleicht
auch Gen. Dat. fern, jödre; Pass, hätte ich werde genannt (got. haitada,
s. § 367, 2); ferner in flektierten Formen wie ödres, ödre, zu öder ander,
ä^nes zu üjen eigen, deodnes zu deoden Herr.
Nach kurzer Silbe: sceajda scasfda Krätze, mae^den Mädchen; adj.
Endungen wie ^laedra, ^Itedne und vielleicht jtedre; flekt. Formen von
fassen gern wie fae^nes, -e, -a, usw., von niowel steil, wionij manch (Suffix
-ij für älteres -aj); weiter wit^a Zauberer, hse^tesse Hexe, aelmihti?
(ahd. alamahtic, s. § 85, Anm. 3).
Anm. 1. Wo dreisilbige und zweisilbige Formen nebeneinander standen,
wurde durch Ausgleich der Mittelvokal oft wieder eingeführt, daher moneje,
opene usw. Ob die Synkope in der Endung des G. D. Sg. fern, der st. Adj.
hierher gehört, ist unsicher (germ. Endung -aizöz, -aizai oder -izöz, -izäi).
b) Wenn sie altes 4- oder -u- waren, werden sie regelmäßig und schon
in der Zeit vor unserer Überlieferung nur nach langer Silbe synkopiert,
daher Akk. Sg. mask. ienne zu än einer, schw. Prät. döemde demde
urteilte, Komp. ws. ieldra, außerws. eldra älter; flekt. Formen wie en^les,
-e zu en^el Engel, edles, -e zu edel Erbgut; heafdes, -e -a zu heafod Haupt;
Gen. Dat. PL döyra, dö^rum zu döe^ Tag (§ 289, 1).
Anm. 2. Durch das Nebeneinander von zwei- und dreisilbigen Formen wird
der Mittelvokal manchmal in dreisilbige Formen eingeführt, wie en3el.es,
dolores; besonders häufig sind die Mittelvokale in den Formen mit auslauten-
dem -u (§ 149) wie heajodu (selten heafdu), ä^enu eigene, idelu eitle und in
den fern. /ü-Stämmen auf -t wie hymetu § 258, 1.
c) Nach kurzer Silbe tritt Synkope von altem 4- schon in den ältesten
Quellen außer zwischen Verschlußlauten ziemlich regelmäßig ein. Formen
mit erhaltenem Mittelvokal sind selten. Bloß zwischen d und l und germ.
P oder / (nicht idg. bh, § 192, 2) und l scheint die Synkope zu fehlen. Im
späteren Ws. sind aber Formen mit Mittelvokal (-e- aus -i-) sehr gewöhn-
Hch; sie sind nur z. T. durch Übertragung aus zweisilbigen Formen zu
erklären; in einigen Fällen (wie netele für netle Nessel) muß es sich um neu
entstandene Sekundärvokale handeln, die allmählich Verbreitung fanden.
§ 159. Synkope von Mittelvokalen
133
Synkope von altem -u- ist weit weniger verbreitet und tritt z. T. erst
in historischer Zeit ein. Soweit -u- erhalten ist, erscheint es gewöhnlich
als -o- oder nach § 142 als -e-.
Anm. 3. Beispiele für Synkope eines alten 4- sind: fetlum Dat. PL zu fetel
Fessel, nette Nessel, jaeötes Leid. Gl. ^ebles Ep., Erf. Gen. Sg. zu sebil (so
Erf.) Tribut (zum Vokal vgl. § 109, Anm. 2), yflaes Bedas Todesspruch zu
yjel übel, cryple L Dat. Sg. zu crypel Krüppel, heeda L Gewand {haecilae Ep.,
s. Anm. 4), mides Vesp. Ps., ebenso gew. altws. R1, Chad, nordh. zu micel
groß, Corp. ejZe Spitzmaus (ejZoe Ep. aber ejilae Erf.), hny^la, -e (PI. hnyslan)
Schnitzel, Abfälle, ti^le (wenn nicht ti^le} Ziegel, aber ti^ule Vesp. Ps., Cp.
(lat. tegula), s. § 66, Anm. 2, ws. Nom. PL cyslas, Dat. PI. cyslum zu cysd
(für cisd nach § 22, Anm. 2) Kiesel, ryslas, rysle zu rysd Fett, yrnle Zettel,
meowle Mädchen (got. mawil6, zum Vokalismus s. § 110, Anm. 2), byrle für
byrele Mundschenk, öyrle zu dyrel Loch. Spätws. finden sich aber vielfach
Mittelvokale also cytde zu cytel Kessel, netele Nessel, scytdum zu scytd
Spähne, besonders nach dem 10. Jahrhundert in den Formen von mied
auf -e (micele, myede) usw. Regelmäßig steht der Mittelvokal in free feie ver-
schlagen (ahd. frauali, aber wohl mit frühem Suffixtausch), seöele edel (alts.
adali, aber auch mit frühem Suffixtausch, vgl. aeöile Corp., eeppilee Kreuz
von Ruthwell), sweödas PI. Binden (G. PI. suaeöüa Corp., N. PI. suedilas
Ep. Erf.). Später werden die synkopierten Formen auch in die unflektierten
Formen übernommen, wenn die Konsonantenverbindung sich in einer Silbe
vereinigen läßt, so ein Elle (^Elfric), cyln Ofen, tnyln Mühle, aefst Eifer, mersc
Corp. Sumpf (aber merisc Erf.), erst im 10. Jahrhundert auch rl, wie Öyrl
Loch, oder m wie firn Sünde, aber frühangl. mile Milch (s. § 111, Anm. 3).
Anm. 4. Frühe Beispiele ohne Synkope sind: cyline Ofen Corp., ejide Egge
Corp. (gegen ejde, ejdae Ep.), ejiZe Spitzmaus Erf. (gegen e^lae Ep. Erf.
ejZe Corp. Leid. GL), faecilae Ep. faecile Erf. Fackel, jeezfae Ep. Corp.,
jeciüe Erf. Eiszapfen, haecilae Ep. haecile Corp. hecüe Erf. Mantel (hascla L),
stricilum Dat. PL Ep. Erf. Corp. zu ne. strickte, smi^ilas, smy^Has Erf.
unterirdischer Gang {smy^las Corp.), -tisüum Ziegel Corp.
Anm. 5. Aus dem Nebeneinander der Suffixe westgerm. 4Po, -uPo und -apo
erklären sich Nebenformen wie ws. sifeda Spreu (Suffix 4ßo) und nordh.
siföa (Suffix -apo mit Synkope nach Pkt. a); ws. sceafda angl. sceefda (Suffix
apo) und ws. sceafoöa (Suffix -upo) Krätze.
Anm. 6. Zwischen Verschlußlauten scheint keine Synkope von 4- statt-
zufinden ; die flektierten Formen von eced Essig und reeced, reced Haus u. ä.
haben stets Mittelvokal. Eine Ausnahme bilden die schwachen Prät. und
Part. prät. der Verba auf -i und -d, wie hwette zu hwettan wetzen, hredde zu
hreddan retten. Bei diesen kann Analogie zu den schwachen Verben mit
langem Stammvokal, wie lädan, oder zu alten Bildungen ohne Mittelvokal
wie ssette, messet zu settan (§ 407, 3) vorliegen, s. H. Weyhe, Beitr. 30, 89ff.
Anm. 7. Wahrscheinlich gehört auch die Synkope in der Endung der 2. 3. Sg.
Ind. Präs, der st. Verba und schw. Verba I. KL hierher, s. § 358, 2; vielleicht
auch die im G. D. Sg. fern, der st. Adj. (s. Anm. 1).
Anm. 8. Synkope von altem -u- ist gemeinae. nur zwischen bestimmten
Konsonanten eingetreten, so zwischen l und s in heolstr Corp. Versteck
134
§ 159-161. Synkope von Mittelvokalen
(gemeinae. heolator, flekt. heolatrea usw., aber Ep. heluatr), zwischen l und /
in gemeinae. seolfor Silber (^Elfred auch ailojr, flekt. aiolofres usw.) wohl nach
flekt. Formen wie seolfres usw., ebenso heolfor Blut (Gl. ed. Napier, S. 218
helabr), zwischen l und c in jeoZca Eidotter, und wie die in unflektierte For-
men übernommenen le zeigen, auch in ws. meolc Milch, aiolc seolc Seide,
vielleicht auch angl. leolc Prät. zu löcan spielen (§ 394), balca Balken, dalc
Spange (§ 85, Anm. 3) und zwischen l und d in fdld Hürde (älter falud Corp.,
neben falsed Ep. Erf. Corp.), zwischen s und n in Akk. Sg. dioane s. § 111,
Anm. 4. Ansonsten hält sich der Mittelvokal im Süden bis gegen Ende der
ae. Zeit; spätnordh. (L, R2) und manchmal im merc. R1 tritt allerdings
Synkope ein. Beispiele sind bitida Käfer, awutole flekt. Form zu swutol glän-
zend, cradole, -eie zu cradol Wiege, ^ajole zu gafol Abgabe, nafola nafela
Nabel, hacule hacele Mantel, jcwneta zu jamoZ alt usw., aber nordh. watla
L Akk. PI. zu watul tegula, aeatlaa L, seotlas R2 zu aeatul seoiul Sessel, re^laa
Regeln. Erst spät begegnen synkopierte Formen im Süden, so nafla Nabel
im 11. Jahrhundert; ebenso scheint später Synkope zwischen r und Dental
eingetreten zu sein, wie gelegentliche einsilbige Formen im Nom. Sg. zeigen,
z. B. heort Hirsch f. heorot, ord Atem f. orod, ward Ufer f. warod.
Anm. 9. Über die (regelmäßige) Synkope des Vokals im Komparativsuffix
der Adjektiva s. § 307.
§ 160. In ebensolcher Weise ist die Übernahme von Sekundärvokalen
ins Wortinnere üblich, welche aus silbischen Konsonanten nach § 152 ff.
entstanden waren. Sie erscheinen sehr selten nach langer Wurzelsübe: es
heißt also wintres, fin^res, temples, täcne-s. mädmes zu winter, finger,
tempel, täcen, mädum. Hingegen erscheinen sie häufiger nach kurzer
Wurzelsilbe, besonders vor r, seltener vor l oder vor Nasal und in diesen
Fällen eher, wenn es sich um velare Sekundärvokale handelt. Es heißt
daher faderes, wederes, wasteres, spätws. auch ju^olas (oder fu^elas nach
§ 142) aber altws. furios, hingegen fast immer series, nae^les, ^esetla
Ansiedler, setlun^ Siedlung, botlas Häuser, bytl{i)an bauen, ^eafle Gabeln,
scofle Plur. Schaufeln, hraefnes, Öe^nas.
§ 161. In Mittelsilben mit mehrfacher Konsonanz tritt in der Regel
keine Synkope ein, z. B. (Mittelvokal urspr. -a-) b&cestre Bäckerin,
hälettan begrüßen und andere Ableitungen auf -ettan (§ 403, Anm.),
auch wenn das ft nach § 231, 4, vereinfacht wird; (Mittelvokal -i-, -u-)
costin^a, -un^a Plur. Versuchungen, Superlative wie ws. ieldesta, Sresta;
Formen auf Doppelkonsonant wie condelle Gen. der Kerze, byröenne
Gen. zu byröen Last; doch ist zu beachten, daß st auch zur Folgesilbe
gezogen werden kann und dann Synkope eintreten konnte, wie in den
Superlativen ws. hlehsta, niehsta, wiersta.
Anm. In späterer Zeit ist Synkope in solchen Silben häufiger, wie spätws.
betata, yldata, len^ata, world f. worold, bem Scheune aus bere-aem (von den
flektierten Formen ausgehend). Früh und weitverbreitet ist die Synkope
§ 161-162. Synkope von Mittelvokalen. § 163-164. Sekundärvokale 135
in cynj für cynins, die zuerst in der zweisilbigen Form auftritt (bei zElfric
heißt es regelmäßig cyn^ neben cyne^as, -a, -um, Weyhe, Beitr. 30, 121), so
daß man an den Gebrauch des Wortes nach Eigennamen und daher in
minderbetonter Stellung, wie .-Edelbald cyns, als Erklärung denken muß.
Weitverbreitet ist in der späteren Sprache auch Synkope in Flexionsformen,
in denen ehemals Geminata entstanden war, sobald diese vereinfacht wurde,
wie Komparative eejtra neben eeftera aus tejterra', Gen. Dat. Sg. fern, ödre
Gen. PI. ööra aus ööerre, ööerra, oder spätws. deojlic neben deofeUic nach
§ 142 aus deojollic.
§ 162. Ursprünglich lange Mittelvokale wurden (außer im Komparativ
der Adj., s. § 307) in der Regel nicht synkopiert, sondern nur gekürzt.
Nach langer Wurzelsilbe hatten sie einen Nebenakzent, der in der Metrik
noch deutlich ist (Sievers, Beitr. 10, 461), wie löcäde, löci^an, fisc&re usw.
Synkope setzt eine Abschwächung dieses Nebenakzents bis zu seinem
Schwinden voraus; dies scheint in den angl. Mundarten eingetreten zu
sein, weil sich dort oft Synkope findet. Das Ws. hat den Mittelvokal ge-
wöhnlich bewahrt. Z. B. Vesp. Ps. Dat. PI. ^yldnum (zu yylden, Ab-
leitungssuffix -in), mönöes des Monats, in anderen angl. Texten netna
Gen. PI. Rinder, mse^dnes des Mädchens, aber ws. yyldene, m&denes,
doch auch mönde. Am besten hielt sich der Nebenakzent in den Formen
auf -u, die daher auch keine Synkope zeigen, wie PI. ticcenu Zicklein,
cicenu Küchlein, ws. nietenu, angl. netenu Rinder. Starkes Schwanken
zeigt das Suffix -?'j, da sich in ihm die Suffixe -ij und -aj vereinigt haben
(s. § 141, 4), nur häli^ (älter -a?j) hat meistens Synkope (halbes usw.).
E. Entstehung sekundärer Vokale in betonten Silben
§ 163. Wie in anderen westgermanischen Sprachen hat sich auch im
Altenglischen manchmal zwischen bestimmten Konsonantenfolgen,
welche betonte Silben beschließen, ein Vokal entwickelt. Dadurch ent-
stehen neue Silben; diese Erscheinung ist daher von der Entstehung von
Sekundärvokalen aus silbenbildenden Liquiden oder Nasalen (§ 152ff.)
zu scheiden.
§ 164. Bereits in den ältesten Texten erscheinen manchmal Vokale
zwischen l oder r und einem derselben Silbe angehörigen, nicht hom-
organen Konsonanten, besonders Gaumenlauten (velaren oder palatalen),
jedoch nur bei kurzem Vokal der Tonsilbe. Die Qualität des Sekundär-
vokals richtet sich nach dem vorhergehenden Vokal. Beispiele sind:
wylif für wylf Wölfin (Runenkästchen), Öerih neben Öerh durch Leid.
Rätsel, bearuj Schwein Ep. Corp. (fterj Leid. Gl.), -berij Berg (Runen-
kästchen), -fturuj, -bericht, Berecht (in Eigennamen, L. V.). Solche For-
136
§ 164-166. Sekundärvokal© in betonten Silben
men finden sich auch im späteren Nordh. (aber nicht im Mercischen
außer beli^es G. Sg. zu &e?j R1, doch s. derartige ws. Formen § 165),
z. B. öaroflicra Komp, neben Öarflic nützlich L, *Öoroj (im Gen. PL
dorofra) L ungesäuert (ws. Öeorf, in L mit Akzentumsprung nach § 125, a,
wenn kein Schreibfehler vorliegt), siduh Pflug R2 (ws. sulh), worohte
woruhte L arbeitete neben worhte, ebenso worohtee Stein v. Kirkheaton
in Yorkshire, warahtae (mit a nach § 59, Anm. 1) Kästchen v. Mortain,
wyrihia (neben Gen. wrihtes § 166) L Arbeiter, jyrihto neben jyrhto
Furcht L, äweri^don R2 äwoeri^don L verfluchten, buru^ D. Sg. und
byrij N. Akk. PL Burg R2, L, Rit., vielleicht auch arojnisse für ar^nisse
Ärgernis R2 (s. Lindelöf, südnorth. Mundart, § 112).
Im Anlaut findet sich ein solcher Sekundärvokal in beröpor Bruder
(zweimal, f. brödor) Inschrift auf dem Kreuz v. Brüssel (ws. mit nordh.
Restformen, 11. Jahrhundert), s. S. T. R. O. d’Ardenne, Engi. Studies
21, 140f.
§ 165. Im Ws. erscheinen Sekundärvokale in Tonsilben mit kurzen
Vokalen:
a) Zwischen r und einem folgenden westgerm. j vereinzelt schon bei
JElfred als i, z. B. heri^as PL zu here Heer, heri^an preisen, styri^an auf-
rühren; im späteren Ws. auch zwischen r und l und einem folgenden
palatalen 5 (§ 206), z.B. byri^en Grab, byri^an begraben, äwyri^an ver-
fluchen, byli^ Balg, jyli^an folgen; erst in ganz späten Texten auch
zwischen r und ht oder palatalem c wie jyrihto Furcht, wyrihta Arbeiter,
byric Birke, wyric(e)an arbeiten.
b) Schon vor der Zeit 2Elfreds zwischen r und l oder Dentalen und
folgendem w als u, manchmal als 0 und später abgeschwächt als e, z. B.
^earuwe ^earowe Plur. zu jearu bereit; swealuwe, swealowe, swealewe
Schwalbe, Gen. bealuwes zu 6eaZuÜbel, seatewa Rüstung, frastewa Schmuck,
beaduwa, -owa, -ewa Plur. zu beadu Kampf, seonuwa, -ewe Plur. zu seonu
Sehne. Gelegentlich kommt in späten Texten ein solcher Sekundärvokal
auch zwischen r und velaren 3, c, h vor, wie buruj, buruh Burg, weoruc
Werk, worohte wirkte, ^eworoht gewirkt.
§ 166. Im späteren nördl. Nordh. (L, Rit.) kommt neben Schreibungen
mit dem Sekundärvokal zwischen r und ht auch oft vor, daß der ur-
sprüngliche Tonvokal fehlt und damit Metathese des r erscheint (s.
§ 179, 2), z. B. ^eber(e)htni^a ^ebrehtni^a L erglänzen, berht L, breht Rit.
glänzend, berhtnise, brehtnis(e) L, Rit. Glanz, ^iberhta ^ibrehta Rit. glän-
zen, Gen. wrihtes L des Arbeiters, fyr(i)hto, fryhto L Furcht, forhti^a,
j(p)rohti^a L fürchten.
§ 167-168. Auslautende Vokale in der Kompositionsfuge
137
In anderen Mundarten kommt nur -breht (für -berht) und wrohte
arbeitete (so R2 und spätws. Plur. gewrohtan) vor.
F. Behandlung auslautender Vokale in der Kompositionsfuge
§ 167. Die Vokale in der Kompositionsfuge (d. h. im Auslaut des ersten
Bestandteils eines Kompositums) werden im allgemeinen nach, den
gleichen Grundsätzen behandelt wie die Vokale am Wortende (§ 143-150).
Es fallt also ab:
a) -a nach kurzer und langer Wurzelsilbe (§ 143) der mask. und neutr.
idg. o-Stämme, z. B. landfolc Landvolk, dse^lic täglich (ahd. tagallh),
nordh. dorword Türhüter (got. daurawards).
Anm. 1. Der Ausfall dieser -a ist nach der Brechung erfolgt, wie ae.
zeigt, in dem l und m erst nach dem Eintreten der Brechung zusammen-
gerückt sein können. Ahd. sind die -a noch erhalten, wie in alamahtic.
b) -i und -u nach langer Wurzelsilbe, wie dSlnimend Teilnehmer,
fl&scmadu Fleischmade, handcläÖ Handtuch.
Anm. 2. In der Regel ist der Abfall der -i nach Eintreten des »-Umlauts
erfolgt, doch gibt es auch Fälle ohne »-Umlaut im ersten Kompositionsglied,
s. § 95, Anm. 4.
c) Das aus -ön, -ön entstandene ae. -a oder -e der «-Stämme, z. B.
Sumcynn Menschengeschlecht (vgl. got. gumakunds), ws. eaytyrel, ehöyrel
Fenster (zu eaje Auge), heortcoöu Herzkrankheit, ciricböc Kirchenbuch,
nunmynster Nonnenkloster.
d) Das -u aus -ö bei den kurzstämmigen Subst. der ä-Dekl., z. B.
car^äst Sorgengeist, ^i(e)fstöl ‘Gabenstuhl’, Thron, ^i(e)fheal(l) Gaben-
halle.
§ 168. Hingegen blieben erhalten: die -i der kurzsilbigen i-, /o-Stämme
(in der ursprünglichen Form des Nom., s. § 246, Anm. 1), z.B. Winifrid,
Winefriö, cyni-, cynedom, Cyni-, Cyneumlf, herefeld Schlachtfeld und
anderer Komposita mit here- Heer; die -u der kurzsilbigen u- und wo-
Stämme, z. B. duruweard Türhüter, beadurinc Kämpfer.
Anm. 1. In Namensformen, deren hohes Alter durch die Metrik erwiesen
ist (Sievers, Beitr. 10, 463), zeigt sich vielfach Schwund von •» und -u-
nach kurzer Wurzelsilbe, wie Sigfrid, Hy^läc, CynwuLf (neben Si^ibed,
Hy^eläc, Cyneumlf) oder Haöberth, Badheard neben Hadubald, Badufriö
usw.).
Anm. 2. Auch bei langsilbigen jo- und /ä-Stämmen finden sich Komposita
mit erhaltenem Auslautsvokal (-»- bzw. -e-), wie Hüdibur^, Hildiöryö, hilde-
138 § 168. Auslautende Vokale in der Kompositionsfuge
leod Kampflied, oder hilderinc Krieger neben hildfruma Kriegsführer oder
Hilduini, hüdbed Todesbett. Soweit es sich um alte Bildungen handelt, ist
die Synkope vor zweisilbigem zweitem Kompositionsglied mit kurzer be-
tonter Silbe anscheinend früher eingetreten als vor einsilbigem mit langer
betonter Silbe (H. Weyhe, Beitr. 30, 70f.). Anderseits können in den Formen
mit Endvokal auch jüngere Bildungen mit dem Genitiv als erstem Bestand-
teil vorliegen, wie wohl in helle-deojol gegen hel-diobul Corp. Gl. Höllen-
teufel, oder helle-dor Höllentür neben hel-dor und anderen Kompositen mit
hell.
II. Abschnitt
DIE KONSONANTEN
Kapitel I
Übersicht über die ae. Konsonanten
§ 169. Die ae. Konsonantenzeichen in der lat. Schrift sind die des lat.
Alphabets, doch wurden gemeinae. einige besondere Zeichen hinzugefügt
(s. § 4) und einige dienen zur Bezeichnung verwandter, aber doch phone-
tisch verschiedener Laute. Letzteres ist zum Teil dadurch bedingt, daß
nicht genügend Zeichen zur Verfügung standen, aber auch dadurch,
daß es sich um Stellungsvarianten handelt, die ebenfalls in der kontinen-
talen oder irischen Aussprache des Lateinischen eingetreten waren und
für die eine gesonderte Bezeichnung daher auch bei der Niederschrift
des Ae. nicht üblich wurde. Manchmal handelt es sich um im Laufe der
ae. Zeit eingetretene Lautveränderungen, die man durch Bewahrung der
herkömmlichen Bezeichnung bei der Niederschrift nicht beachtete.
§ 170. Hiernach läßt sich für das gemeinae. Konsonantensystem ver-
mutungsweise folgende Gestalt feststellen (zur Einteilung vgl. Sievers,
Phonetik5, S. 73 ff.), wobei die in der ae. Schrift den Lauten entsprechen-
den Zeichen eingetragen sind (seltenere Bezeichnungen in Klammern).
Labiale Dentale Palatale Velare
rHalbvokale:
Sonorlaute: «Liquidae:
(Nasale:
{Verschluß- /stimmlos:
laute: [stimmhaft:
Spiranten:
[stimmhatt:
w —
- r, l
m n
P t
b d
f Ö, p, 8, 8C
f (u, b) Ö, p, 8
3 (»)
- n
c c
3>c3 3
h h
3 3
Phonetisch verschiedene Laute bezeichnen also: 1. /, d, p, s die stimm-
losen und stimmhaften Spiranten; 2. b den stimmhaften Verschlußlaut
und früh (s. § 191) auch den stimmhaften Reibelaut; 3. 5 den Halbvokal
j und den stimmhaften Reibe- und Verschlußlaut; 4. die Zeichen c, 5, h
sowohl palatale wie velare Gaumenlaute, worüber § 206 zu vergleichen
ist.
Anm. Über den für die Sprachentwicklung innerhalb des Ae. anzusetzenden
Übergang der palatalen Verschlußlaute 3 in dl, c in ts bzw. sc in 8 s. § 206, 8.
140
§ 171-172. Sog. Halbvokale: w
A. Sonore Konsonanten
1. Die sog. Halbvokale
w
§ 171. w, welches wir für das in den meisten Hss. gebräuchliche Runen-
zeichen P (wynn) einsetzen, drückt den Laut des engl. w aus, d. h. w ist
ein u in konsonantischer Funktion oder unsilbisches u.
Anm. 1. In den ältesten Hss. wie Ep. fehlt das wynn-Zeichen fast noch
ganz; es steht dafür gewöhnlich uu: uues Weg, clauuo Klaue, caluuer Quark
usw. oder auch u: sualuuae Schwalbe usw. u findet sich auch in den späteren
Glossen (Erf., Corp.) häufig und besonders auch noch spätnordh. (L, Rit.) wie
nord Wort, urit Schrift usw., sonst ist der Gebrauch des u für w meist auf
die Verbindungen § 172, 3 beschränkt. Bisweilen findet man auch die Schrei-
bung wu, so L wuriotto neben wrioto Schriften u. a., in L auch wo wie towoeard,
uo wie in jeduoa waschen, manchmal auch o wie sedoa, vielleicht auch in
oej Weg, soefen Schlaf, s. § 172, Anm. Rit. setzt sehr oft v für w.
Anm. 2. Die älteren deutschen Herausgeber und Grammatiker geben nach
J. Grimms Vorgang z. T. das Zeichen wynn durch v wieder. Dies ist deshalb
nicht zu empfehlen, weil dadurch die Möglichkeit verlorengeht, das w von
dem labiodentalen Spiranten v § 194 zu scheiden. Das wynn durch ein be-
sonderes der Runenschrift naehgebildetes Zeichen wiederzugeben, ist ganz
überflüssig, s. § 4.
Anm. 3. Lat. v wird nur in alten Lehnwörtern durch w wiedergegeben, wie
in win Wein, päwa Pfau (neben pea, § 128, Anm. 3), mealwe Malve aus
vlnum, pävo, malva.
§ 172. Das w erscheint anlautend 1. vor allen Vokalen: wat weiß, wer
Mann, wine Freund, word Wort, wund Wunde, wyrd Geschick; 2. in den
Verbindungen wr, wl: writan schreiben, wröt Rüssel, wlitan sehen, wlonc
Adj. stolz usw.; 3. in den Verbindungen cw, hw, dw, Öw, tw, sw: cwedan
sprechen, hwä wer, dweor^ Zwerg, öwean waschen, twä zwei, swejan
schlafen usw.
Anm. Abfall eines anlautenden w findet sich vor u (vgl. § 173) in uton
neben wuton und ebenso im Anlaut nebentoniger Silben in näuht (urspr.
wohl zweisilbig nä-uht, dann und zwar zuerst bei zElfred näht-, ebenso nöht,
zuerst Vesp. Ps. und JElfred aus nöwuht, nöwiht, s. § 344, 3 und § 348, 2).
Weiter fällt w in den mit der Negationspartikel ne zusammengesetzten
negierten Formen einiger Verba: nät, nytan, nysse § 420, 1; nyllan nellan
§ 428, Anm. 2, nws, nieron (neron) § 427, 3 und im Anlaut des zweiten Teils
eines Kompositums in ealnis (spät auch eallins, ealnins aus ealne we$
(ealnuwes Cura past.). - Nordh. L oej für wes bzw. woej (§ 115) erklärt
sich wohl eher aus der in L manchmal vorkommenden Schreibung von o
für w (s. § 171, Anm. 1) bzw. dem Bestreben, die Schreibung von zwei o
hintereinander zu vermeiden. Ebenso sind wohl Fälle mit inlautendem w
zu erklären wie soefen für swefen, swoefen. coed für cwed, cwoed sprach u. ä.
Vgl. auch § 115, Anm. 3.
§ 173. Sog. Halbvokale: w
141
§ 173. Inlautend ist w vor Vokalen außer vor u sowohl nach Vokalen
wie nach Konsonanten erhalten, z. B. blöwan blühen, mäwan mähen, Gen.
snäwes Schnees, Gen. beadwe Kampfes, ws. ^ierwan außerws. jerwan
bereiten, Gen. mask. neutr. ^earwes, Plur. jearwe zu jearu bereit.
Zwischen Konsonanten (vor in der Mittelsilbe synkopiertem a oder
e § 159, a, oder in ersten Mittelsilben viersilbiger Formen, § 158) wird w
vokalisiert und erscheint (wie unbetontes u vor erhaltenem Kons. § 150,
3, e) als -o-, z. B. Akk. mask. jearone, Gen. Dat. Sg. fern, jearore, Gen.
PL jearora, Komp, jearora zu ^earit bereit.
Vor u ist w geschwunden und zwar nach Konsonanten spurlos, z. B.
sund Schwimmen aus *swund zu swimman, sulh aus *swulh Pflug, beadu
aus *beadwu Kampf, bzw. mit nachträglichem Abfall des auslautenden
u nach langem Wurzelvokal (§ 146) ws. mäid aus *m&dwu Wiese (aber
Gen. m^dwe)-, ebenso vor dem aus auslautendem ö entstandenen ü (§ 69)
in tü zwei, hü wie (spät auch hwü mit analogem w nach hwä, hwy) und
im Laufe der ae. Sprachentwicklung vor dem nach § 114 aus i ent-
standenen u in cucu lebendig (aus cwucu, cwicu), betuh, betux zwischen
aus betwuh, betwux u. ä. Vorausgehende kurze Vokale bilden mit dem
auf w folgenden -u Diphthonge, die mit alten (germ.) Diphthongen zu-
sammenfallen, s. § 128.
Anm. 1. Nicht ganz deutlich ist, wieweit inlautendes w auch vor i ge-
schwunden ist. Schwund eines solchen w kann vorliegen: a) im Nom. Akk.
Sg. sS See aus *saiwi (i-Stamm), « Gesetz aus *aiwiz und hrS Leichnam
aus *hraiwiz (urspr. neutr. e^/os-Stämme, § 288), doch kann man diese
Formen auch durch Abfall des i nach langer Stammsilbe (§ 148) und nach-
träglichen Abfall des w (u) nach langem Vokal (§ 174) erklären, wobei
allerdings das w (u) anders behandelt wäre, als i vor u (in rlcu, § 149, 2).
Allenfalls könnte man auch an analogen Abfall des w nach langem Vokal
denken. - b) In einigen Formen der schw. Verba auf -rw-, -Iw- (ws. yierwan,
wielwan u. ä. § 408, 1) wie 3. Sg. ws. ^iered, wieleö, Prät. ^ierede, wielede
(Endung -ip, -idse), neben denen Formen mit -w-, -we- stehen (z. B. jejeruuid
Ep. Gl., jejerwid Corp. Gl., jejerwed R2; 3. Sg. Präs. Ind. ws. syrwö, Prät.
ws. syrwde, hyrwde). Die einzelnen Verba schwanken hierin sehr; jedenfalls
wäre bei einem lautgesetzlichen Ausfall des w mit frühem und weitgehendem
Ausgleich innerhalb des Flexionsschemas zu rechnen. Formen, bei denen
die vor rw zu erwartende Brechung fehlt, wie bei frühem Ausfall des w zu
erwarten wäre, sind spärlich und nicht ganz eindeutig; s. im einzelnen
§ 408, 1. - c) In denselben Formen der Verba mit w nach langem oder di-
phthongischem Stammvokal, wie cnäwan, l<ewan, ws. iewan, z. B. ws. (Cura
past.) 3. Sg. jecn^d, Prät. eetlede zeigte, nordh. (L, R2) bilede verriet. Ws.
ist das w gewöhnlich in allen Formen durchgeführt. In diesen Wörtern
könnte w nach langem Vokal vor Konsonanten ebenso gefallen sein, wie
sonst im Wortauslaut. - d) In der Lautfolge -iwi-, die im Nom. Akk. Sg.
mancher fo-Stämme (§ 247, Anm. 1) ursprünglich vorlag, während in den
anderen Kasus wegen Gemination des w vor j und durch Abspaltung des
ersten w der Diphthong iu entstand (Anm. 2). Formen mit w-Ausfall stehen
142
§ 173. Sog. Halbvokale: w
in den Kompositis ni-cenned, sliman (a. § 130, Anm. 3), wo sie sich erhalten
haben, während im Simplex das w nach den anderen Kasus wieder angefügt
wurde (angl. niowe, ws. niwe, G. ^liowes, ws. jZwes neben N. 3U3 s. § 176,
Anm. 3). Hingegen ist w erhalten in den schw. Part. prät. $iaiuuid genäht
Ep. Gl. - e) Nordh. in einigen Fällen der Lautfolge -em-, z. B. vielleicht ede
Schafherde, stren Lager, strede streute, während ws. das w erhalten ist
(sfreowen, eowede, s/rewede), s. § 129, Anm. 2. - f) In dem Fremdwort pyle
(neben pylwe) Kissen, lat. pulvinus. Stets ist w erhalten in eowic euch (nordh.
iuih, iuh nach § 89).
Anm. 2. Zwischenvokalisches -ww- (gemeingerm. Gemination nach kurzem
Stammvokal unter nicht aufgeklärten Bedingungen) spaltete sich in -uw-,
wobei die Silbentrennung zwischen u und w zu liegen kam und u sich mit
dem vorangehenden Vokal zu einem Diphthong verband; z. B. jieaw klug
(got. glaggwua), heawan hauen, hreowan reuen usw. s. § 75, § 77. - Ae. kurzes
u haben vor innerem w scuwa Schatten (neben scua), trotz Grundform
*skuw-wö, westgerm. *akuwö (ahd. scuwo, got. akuggwa), s. Sievers, Beitr.
10, 507, und truwian trauen, s. Luick, Hist. Gram. § 97, Anm. 3.
Nicht ganz klar ist, ob die westgerm. Gemination vor j (§ 227) auch in
der Lautfolge -wj- in allen Fällen anzunehmen ist. Beim Eintreten der
Gemination wäre, ebenso wie bei dem gemeingerm. geminierten -ww-, eine
Spaltung dieses in -uw- zu erwarten, wobei die Silbentrennung zwischen u
und w zu liegen kam und sich -u mit dem vorhergehenden Vokal zu einem
(langen) Diphthongen verband. Das w hingegen wäre erhalten geblieben
und stünde im Anlaut der zweiten Silbe, j wäre wie sonst nach der west-
germ. Geminata gefallen (§ 177, 3). Tatsächlich zeigen aber nur einige der
hierher gehörigen Wörter die zu erwartenden langen Diphthonge und zwar:
angl. niowe neu (ws. niwe, das nie mit ie, y erscheint und vielleicht von dem
nach Anm. 1, d im Nom. Akk. anzusetzenden *ni beeinflußt ist); weiter
Gen. Sg. sliowes, ^liwes zu 3U3 Freude; angl. hiow ws. hiew hiw Gestalt;
die Vb. hlywan hleowan erwärmen, ws. ^etriewan merc. treowan trauen und
ws. iewan zeigen; endlich einige vereinzelte Verbalformen wie poet. spiowde,
apeowde spie, bisludi Corp. Gl. benäht, bestickt und vielleicht 1. Sg. siouu
ich nähe Corp. Gl., Part, ^esiuwid ^esiowed Corp. Gl., aeowed Beow., wenn
diese Formen mit langem Vokal anzusetzen sind. In der Regel haben aber
die Verba siwian aiowian nähen, apiowian speien, atrewian streowian streuen,
kurzen Vokal vor w, wie ein solcher in der Lautfolge Vokal + wi (2.3.Sg. Präs.
Ind., Prät., Part, prät.) zu erwarten ist, s. § 408, Anm. 15. Eine Reihe anderer
Wörter haben zwar langen Diphthong, doch ist das j erhalten und kein w,
so daß in ihnen anscheinend Formen ohne Geminata (oder Silbentrennung
nach dem zweiten w) erhalten zu sein scheinen. Solche sind ws. Tüej außerws.
Äej Heu, ws. iej außerws. ßj Insel, ws. 3U3 Freude, das Vb. ws. cie^an
außerws. cejan rufen und vielleicht auch die angl. Prät. und Part. prät.
8tre{i)de 8tre(i)d streute, gestreut. S. § 129, Anm. 2, § 247, Anm. 1, § 408, 3.
Anm. 3. In Fällen mit w-Schwund vor auslautendem -u werden oft analog
zu Formen mit erhaltenem w (vor anderen Vokalen) neue Formen gebildet
wie Nom. Sg. clawu (nach den flekt. Kasus clawe usw.) oder Prät. PI. reowun
statt reon nach dem Sg. reow zu röwan rudern (§ 396, 2).
Anm. 4. Unerklärt ist der Ursprung des inlautenden -w- in liewede, lat.
laicua (? analog zum Verbum Iwwan verraten).
Sog. Halbvokale: § 173-174. w. § 175. /
143
Anm. 5. Nicht selten schwindet w im Anlaut zweiter Glieder von Kom-
positis, namentlich vor o und u, aber auch sonst durch Abschwächung ent-
sprechend § 43 wie in hläjord Herr, juUuht Taufe, in Eigennamen wie Hrö-
Öulf für Vdäjword, fullwuht (jidwiht), Hrööwulf-, ferner enitre einjährig aus
*Zenwintre, hwilendlic zeitlich aus *hwilwende -f- lic.
Anm. 6. Über w im ‘grammatischen Wechsel’ mit h und die dadurch zu
erklärenden Formen s. § 233, Anm. 2 und § 234.
§ 174. Im Wortauslaut wird w vokalisiert (u) und wie -u behandelt.
Es ist daher
1. Mit vorausgehenden kurzen Vokalen zu Diphthongen verbunden,
wenn es durch Abfall eines -a oder -e in den Auslaut zu stehen kam,
s. § 75, § 77, doch tritt meistens ein -w analog nach Formen, in denen
inlautendes w erhalten geblieben war, an, z. B. streaw Stroh, hreaw roh
(§ 75), freo(w) Baum, deo(u?) Diener, cneo(w) Knie (§ 77).
2. Nach Konsonanten und nach kurzer betonter Silbe als -u (-o, -a)
erhalten (§ 146, § 148, d), wie N. A. Sg. der wo-Stämme bearu Hain, searu
Rüstung (§ 249), Adj. jearu bereit (§ 300).
3. Nach langen vorhergehenden Silben (auch nach langen Vokalen)
abgefallen: z. B. jäd Mangel (§ 249, Anm. 5), ä, ö immer (got. aiw),
hrä Leiche (got. hraiw-), snä Schnee (got. snaiws), doch tritt nach Kasus
mit Flexionsdehnungen, in denen -w- erhalten blieb, oft auch -w an,
also snäw nach Gen. snäwes hräw usw.
Anm. Über Fälle wie breaw s. § 126, Anm. 2. - Über wea § 128, Anm. 3.
j
§ 175. Die Handschriften haben kein eigenes Zeichen für den Halbvokal
j (d. h. i in konsonantischer Funktion oder unsilbisches i), sondern be-
zeichnen ihn teils durch das Vokalzeichen i, teils durch 5, das auch den
stimmhaften (palatalen oder velaren) Reibe- und Verschlußlaut bedeutet
(s. § 170).
1. i wird im Anlaut fast nur in Fremdwörtern verwendet, wie Johannes,
lüdeas; in heimischen Wörtern selten und fast nur vor wie iü, iun^,
s. § 92. Im Inlaut ist i häufiger nach Konsonanten, wie heries, nerian
usw., doch ist hier das i vielleicht silbisch oder als ij aufzufassen, also
her-i-es oder her-ij-es, vgl. unter 2 und § 165, a.
Anm. Besonders dürfen, nach dem Ausweise des Metrums, als silbisch die
-i- der 2. Klasse schwacher Verba, § 411 ff., gelten, auch wenn kurze Silbe
vorangeht, wie in macian, wunian, und die -i- der analog umgebildeten
schwachen Verba 1. Klasse wie fremian, denian, § 400, Anm. 2.
144
§ 175-176. Sog. Halbvokale: /
2. 3 ist durchaus das gewöhnliche Zeichen. Anlautend steht es fast
nur vor i, e, y bzw. ea, eo, io, ie, außerws. auch vor ae, da für velare
Vokale (a, o, u) nach j in der Regel ea, eo (io), iu geschrieben wird, s. § 92,
1 (vereinzelt j«nj, jwjuJ Vesp. Ps., R1).
Inlautend steht 3 auch vor velaren Vokalen, z. B. heryas, her^um,
nerian neben dem nach 1. auch gebräuchlichen i. Statt des einfachen j
(bzw. i) wird aber auch oft (ej), vor a auch (i)je geschrieben: heri^es,
heri$as, her(i)^(e)as, ner(i)s(e)an', doch drückt diese Gruppe vielleicht ein
ij nach § 165, a aus, vgl. oben unter 1. Selten steht je vor u, wie ber^eum
racemis Gl.
Auslautend ist j selten und wird fast stets mit j bezeichnet; es
findet sich nur nach langem Vokal oder Diphthong: Ei, cä?j Schlüssel,
Lehm, ws. iej außerws. ej Insel, ws. Äiej außerws. Äej Heu, ws.
ciej rufe Imp. Vgl. auch § 24, Anm. über die Schreibung -ij für -t.
§176 . Erhalten ist germ. j:
1. Regelmäßig im Anlaut, z. B. iun^ ^eon^ jung, ws. jear außerws.
jer Jahr, ws. jeoc Joch, vgl. § 91, § 92, 1.
Anm. 1. Vor la, lo fehlt bisweilen in späten Hss. anlautendes 3, wie earon
Dat. PI. Jahren für jearum, eojod Jugend für jeojod s. § 125, a und § 112,
Anm. 2.
2. Im Inlaut nach r und vorangehender kurzer Wurzelsilbe: z. B.
nerian retten, herian preisen, werian verteidigen (vgl. got. nasjan, hazjan,
warjan); ebenso nach kurzer Mittelsilbe wie xmer^e Asche (ahd. eimurja),
uuellyryae sinus Ep. Erf. Corp. Gl. neben weitere in späteren Gl. und
wohl auch suhter^a fratuellis Corp. Gl. neben suhtri(^)a.
Anm. 2. Verba wie lemian, denian, helian § 400, Anm. 2 haben nicht altes j
erhalten, sondern i, j nach dem Muster von nerian eingeführt bzw. nach der
2. Klasse der schwachen Verba.
3. Im Inlaut zwischen Vokalen ist j erhalten: a) aus germ. jj wie
in den flektierten Formen von «3 Ei (aus *ajja-), wte$ Wand (aus
*wajja-), clx3 Ton (aus *clajja-), in hnx^an wiehern (aus *hnajjan) und
unter Verschmelzung des ersten j mit i zu i in Frij Freia (aus *frijjo,
*frijo); b) in einigen Wörtern mit der urspr. Lautfolge -aw(w)j- wie dem
Vb. ws. cie^an außerws. cejcm rufen und in den flekt. Formen von ws.
Äiej außerws. Äej Heu, ws. iej außerws. ej Insel (aus *aw(w)ja), während
in anderen Wörtern das w erhalten und das j ausgefallen ist, z. B. niowe
nlwe neu, Vb. hlywan hleowan erwärmen, ws. iewan offenbaren, s. § 173
Anm. 2.
§ 176-177. Sog. Halbvokale: j
145
Anm. 3. Neben ws. jliw, -wes Freude steht auch 3II3, -jes; die Entwick-
lung war anscheinend nicht einheitlich und die überlieferten Formen sind
durch Ausgleich entstanden. Vgl. dazu Dahl, Subst. Infiexion, S. 102-104.
Anm. 4. Vor folgendem 4 ist j auch in diesen Fällen gefallen, so in angl.
ceö er ruft, cede rief (s. § 129, Anm. 2). Ebenso wohl Prät. strede, streid-e,
Part. prät. stred, wenn hier mundartlich dieselbe Entwicklung eingetreten
ist, wie in ws. ciejan, außerws. cejan, sie also zu einem angl. stre^an gehören
(ws. lautet das Vb. 8tre(p)wian mit Übergang in Kl. II der schw. Vb., § 408,
Anm. 15). Ws. ist in ciejan das 3 in allen Formen durchgeführt, also c?ejd,
elende, entweder weil es wegen früher Synkope erhalten oder analog wieder
oingeführt ist. Solche Formen finden sich auch oft außerws., wie cejt), cejde.
4. Auslautendes j steht nach Vokalen in den endungslosen Formen
(wie Nom. Akk. Sg.) von ws. Ätej außerws. fcej Heu, ws. iej außerws.
ej Insel (doch altnordh. ei, e, vgl. § 129, Anm. 2), cl&s Ton, Wand,
Ei, Imp. ciej, cej rufe, doch kann fraglich sein, ob in diesen Formen
j nicht erst analog zu flektierten Formen wieder angetreten ist (wie w,
s. § 174,3). - Nach Konsonanten wurde j vokalisiert und wie auslautendes
i behandelt (nach betonter langer Silbe gefallen, nach kurzer als gemeinae.
e erhalten, s. § 146).
§ 177. Geschwunden ist j:
1. Nach i in der Lautfolge iju, ijajo, wobei Kontraktion des i mit dem
auf j folgenden Vokal eintrat (s. § 130, 1), weiter in ece ewig (aus *ajuki,
s. § 129, Anm. 3) und vor palatalen Vokalen in ws. Örie dry drei, sie sy sei.
Wenn in Formen wie Gen. Sg. fri^es, Dat. Nom. Akk. PI. frl^e
zu freo frei, § 297, Anm. 2, ein 3 erscheint, so ist dieses vielleicht nicht
ursprünglich, sondern als Gleitelaut in den zweisilbigen Formen im
Hiatus eingeführt worden.
2. In dem Suffix -öja- der schwachen Verba der II. Klasse (über *-eja-
zu *-lja-, -uz-, s. § 411), wie löcian, macian, doch tritt auch hier oft ein 3,
anscheinend als Gleitelaut, ein, s. § 412, Anm. 2ff.
Anm. 1. In den Verbis contractis dieser Klasse ist aber 3 regelmäßig er-
halten: tweo^an zweifeln, freo^{e)an lieben, smea^{e)an nachdenken, r$a$[e)an
schelten, s. § 415.
3. Vor vokalischer Endung nach Konsonanten außer nach r. Dies gilt
sowohl für die germ. j, die westgerm. nach kurzem Vokal der voraus-
gehenden Silbe Gemination des silbenschließenden einfachen Konsonan-
ten hervorriefen (s. § 227), wie für die germ. i, welche mit ihnen nach
§ 45, 9 nach langem Vokal der vorausgehenden Silbe wechselten. Soweit
nämlich diese 4- nicht durch Abfall des ursprünglich folgenden Vokals
(§ 143) in den Auslaut getreten waren und wie auslautende 4 nach § 146
146 § 177. Sog. Halbvokale: j. § 178-179. Liquiden: r
abfielen, wurden sie nach, § 159, b synkopiert. Beispiele: a) altes j nach
gemilderten Konsonanten: Verba wie sellan übergeben (got. saljan),
ws. scieppan schaffen (alts. sceppian), settan setzen (alts. settian), fremman
ausführen, Zecj(e)an legen (alts. leggiari); - b) altes -i- z. B. in Formen
wie ws. hier des, -das, -de, -dum; rices, -cu, -ca, -cum, ws. ^ierd, -a, -um;
in Verben wie deman für *hirdies, *rikies, *domian usw.
Anm. 2. Vor folgendem -i war j schon vor Eintreten der westgerm. Gemina-
tion (§ 227) gefallen bzw. hatte sich mit dem i verbunden; daher tritt in
der 2. 3. Sg. Präs. Ind. der Verba mit /-Suffix (§ 372 und § 398, 1) keine
Gemination ein. - Verschieden erklärt wird das -e aus -i im Nom. Akk. Sg.
der kurzsilbigen /o-Stämme (§ 246), das in here und in Kompositis wie
cynedom erhalten ist. Wenn / in diesen Kasus zur Zeit des Eintretens der
westgerm. Gemination nicht mehr als solches erhalten war, wäre die Ge-
minata in ae. Formen wie secj, cynn usw. aus den Kasus mit anderen Fle-
xionsendungen übertragen.
Anm. 3. Das einstige Vorhandensein von i, / zeigt sich ae. im i-Umlaut
der Wurzelsilbe, in der Palatalisierung vorhergehender Gaumenlaute (§ 206,
2) und das von / in der westgerm. Gemination (§ 227).
2. Die Liquiden
§ 178. 1. Das r des Ae. war wahrscheinlich cerebral, d. h. wurde mit
stark zurückgebogener Zungenspitze gesprochen, wie z. T. noch heute
im Englischen. Nur so erklärt sich nämlich phonetisch die Brechung vor
r, § 84.
2. Einfaches r kommt an-, in- und auslautend häufig vor; seltener ist
verdoppeltes rr. Diese Geminata ist entweder a) gemeingermanisch wie
in feorran fern, ws. afierran entfernen zu got. jairra; steorra Stern zu
ahd. st'erro; ws. cierran kehren u. a. - b) aus germ. rz entstanden (vgl.
§ 181, 2) wie in ws. ierre zornig zu got. *airzeis, Öyrre dürr zu got. paursus,
ws. mierran hindern zu got. marzjan, *durran wagen zu got. gadaursan. -
c) durch Synkope entstanden wie in waer-ra Komp, zu waer vorsichtig
u. dgl. - Der Verdoppelung vor / unterliegt das r nicht, s. § 227.
§ 179. Inlautendes r erfährt oft Metathese: 1. Vorvokalisches-r tritt
häufig und sehr früh hinter den Vokal, wenn diesem nn oder s folgt; so
ws. iman, angl. iorna eornan laufen aus *rinnan (vgl. got.), ws. biman,
angl. biornan beornan brennen (vgl. got. brinnari), burna Brunnen, waerna
(neben wrenna) Zaunkönig; hors Roß, cazrse Kresse, ^aers Gras, forsc
Frosch, ferse frisch, öerscan dreschen, berstan bersten, first Frist, forst
Frost, (hond)wyrst Handgelenk, PI. d&rstan Hefe; ferner asm Haus (Erf.
§ 179-180. Liquiden: r
147
Gl. ren-) zu got. razn, altnord. rann; haern Woge (Ep. Gl. hraen, Erf. raen)
zu germ. *hraznu, altnord. hrgnn (zur Lautform dieser Wörter s. § 84,
Anm. 3). - Vor einfachem n findet sich Metathese vielleicht in cornuc
Corp. Gl. Kranich, vor m in forma erster neben frurna Vorteil, doch
liegen in diesen Beispielen wahrscheinlicher Bildungen von verschiede-
nen Ablautstufen vor. - Spätnordh. findet sich Metathese auch in Silben
auf d wie birdas Vögel neben ws. briddas, dirdda dritter neben ws. Öridda;
ws. in nachtonigen Silben vor d in Eigennamen wie Hunferd, WSrferd
für -frid.
Anm. 1. Über Unterbleiben bzw. Eintreten der Brechung bei Metathese
vgl. § 84, Anm. 3.
Anm. 2. Ohne Metathese erscheinen gelegentlich frost Frost, srass Gras;
stets ohne Metathese ist rest Rast, brass Bronze u. a.
Anm. 3. Ganz unregelmäßig ist die spätws. Metathese in syrstandass gestern
für älteres Systran-.
2. Umgekehrt tritt spätnordh. ein r vor ht vor den Vokal in frohti^a
fürchten, fryhtu Furcht neben forhtija, fyrhtu; breht glänzend und Ab-
leitungen neben berht. In den übrigen Mundarten, so im Ws., scheint
diese Metathese nur in -breht, -briht, -bryht im zweiten Teil von kompo-
nierten Eigennamen vorzukommen, wie in Ceolbreht, Äldelbriht, -bryht
u. ä., weiter in wrohte arbeitete neben gew. worhte. Vereinzelt findet sich
sonst noch scruf neben scurf Schürf und wrums Eiter neben wurms
(vgl. § 166 und § 185).
§ 180. Das r ist im allgemeinen in allen Stellungen des Wortes fest.
Über silbisches r s. § 153. Vereinzelt findet sich Ausfall der r nach An-
lautskonsonanten in specan sprechen, spzec Sprache (zuerst anscheinend
kentisch, dann auch spätws., daher ne. speak, speech) für sprecan, spriec
(sprec), in päetis (spätws.) schlau neben prxti^ (ne. pretty), nordh. wixla
neben gew. wrixlian wechseln; im Innern des Wortes im Vesp. Ps.
yiendebyrdan ordnen, endebyrdnis Ordnung (Zeuner, S. 75f.), nordh.
Seendebrednia L gegen ws. onbryrdness onbryrdan, in sendian künden
neben aer(e)ndian (Fehlschreibung?, s. Kiaeber, Angl. Beibl. 32, 37)
u. ä. - Assimilation von Ir zu ll findet sich in sella Komp, neben selra
§ 312. Hingegen ist in liesset Komp. bzw. vereinfacht in wiersa, wyrsa
Komp. § 312 (got. wairsiza}, den pron. Formen disse dissa, § 338 wohl
entstanden, als germ. z noch nicht zu r geworden war (§ 181, 2), da bei
Assimilation von s und r sonst r entsteht, wie üre unser, wen Eisen (aus
*isren, Hirt, Hb. d. Urg. I, S. 122, Anm. 2), s. Luick, Hist. Gram. § 649,
Anm. 4, aber üsses, üssum aus *üsres § 336, Anm.
Anm. Über den Abfall des auslautenden germ. z s. § 182.
148
Liquiden: § 181-182. r. § 183. I
§ 181. Das ae. r ist zweierlei Ursprungs. Es entspricht:
1. Germ. idg. r, wie in rice, riedan, brin^an, beordern, wer entsprechend
got. reilci, garedan bzw. garaidjan, briggan, bairgan, wair. Dieses r er-
scheint unbeschränkt in allen Stellungen des Wortes.
2. Wie in den anderen westgerm. und nordgerm. Sprachen germ. z,
idg. s und z, welches im Got. teils als z erhalten, teils durch s vertreten
ist: mära größer, eare Ohr, herian loben, nerian retten entsprechend got.
maiza, ausö, hazjan, nasjan, ferner insbesondere im grammatischen
Wechsel mit s: ceosan, ceas, curon, coren § 233ff., auch in den Gruppen
rz, wie in ws. ierre usw. § 178, 2, b und zd: reord Sprache, bord Hort (vgl.
got. razda, huzd) usw.
§ 182. Dieses r aus z ist auf den Inlaut und Auslaut nach betonten
Silben beschränkt. Im eigentlichen Anlaut gab es im Germ, kein z; im
Auslaut nach unbetonten Silben ist es im Ae. wie in den übrigen
westgerm. Sprachen gefallen, sowohl wo es der Flexion, als auch wo
es der Wortbildung angehörte. Zur ersten Gruppe gehört z. B. das germ.
z, got. 3 des Nom. Sg. der Maskulina mit vokalischen Stämmen, wie ae.
d&3, wine, wyrm, sunu, deaÖ (got. dags aus germ. *dagaz, germ. *winiz,
got. waurms aus *wurmiz, got. sunus aus *sunuz, got. daußus aus *dau-
ßuz), das vieler Gen. Sing, und Nom. Akk. PL, das z der 2. Sing. Opt.
Präs, und Prät. und andere, worüber ein Vergleich der ae. Formen mit
den gotischen am leichtesten Aufschluß gibt. In Wörtern, welche bald
stark-, bald schwachtonig vorkommen, zieht das Ae. (und Fries, und
Alts.) die Formen mit geschwundenem z vor und verallgemeinert sie
(also anders als das Ahd.), z. ß. he er (got. is), we wir (got. weis), $e ihr
(got. jus), me mir (got. mis), de dir (got. ßus), hwä wer (got. h>as), öä die
(got. ßos). Nach stark betonter Silbe bleibt aber -r erhalten, z. B. ae.
deor Rotwild, got. dius. - Zur zweiten Gruppe gehören a) Komparativ-
adverbien wie mä mehr got. mais, bet besser got. batis, len$ länger (§ 323)
und b) die Nom. Sing, der osjes Stämme § 288ff., wie sije Sieg got. sigis,
bere got. bariz, lomb, cealf usw.
Anm. 1. In einigen Flexionsendungen steht ae. stimmloses -s an Stelle des
abgefallenen -z anderer westgerm. Sprachen; vgl. darüber § 234, Anm. 4.
Anm. 2. Wo an Stelle eines urspr. auslautenden -z ein r im Ae. auftritt,
ist es erst aus mehrsilbigen Formen wieder übertragen worden, so in si^or
neben si^e Sieg und in einigen anderen Substantiven, die ursprünglich zu
den es/os-Stämmen gehörten, s. § 289, 2.
1
§ 183. 1. Das ae. I muß eine dem ne. I ähnliche Aussprache gehabt haben,
§ 183. Liquiden: l. § 184-185. Nasale
149
die zumindest vor manchen Folgekonsonanten (z. B. h) so stark velar
war, daß nach vorhergehenden palatalen Vokalen Gleitelaute entstanden,
also ‘Brechung’ eintrat, s. § 85. Vor j war die Aussprache zumindest
eine Zeit lang palatal, da vor Ij die Brechung unterblieb, s. § 83, Anm.
2. Das l erscheint an allen Stellen des Wortes, auch oft geminiert,
und als silbischer Laut, s. § 154. Im allgemeinen ist seine Stellung fest,
doch erfährt es Metathese in folgenden Fällen: a) nach betonter Silbe
wird dl aus pi zu Id in den wohl westmerc. bald Gebäude, byldan bauen,
seid Sitz, späld Speichel, s. § 201, 3 und Anm. 4 ; - b) nach unbetonter
oder schwachbetonter Silbe werden sl, fl und pl bzw. dl zu Is, If, Id in
den Eigennamen auf -jife wie Cyneyils, Ead^ils aus *Cyni$isl usw., der
Ableitung -eis = ahd. -isal, wie in yyrdels Gürtel {yyrdisl neben yyrdils
Ep.), ws. riecels Weihrauch, -elfe -ilfe = altn. -yfli in innyfle, in(n)elfe,
Ep., Erf., Cp. Eingeweide und -eld -old (aus -apl) wie in j&reld
Fahrt usw., s. Kluge, Stammbildungslehre8, § 143.
Anm. Vereinzelt finden sich Metathese von auslautendem dl (aus pl, § 201,
3), jZ und fl auch in Wörtern, deren Form sonst feststeht: öZd Krankheit,
für ädl; jealhswile, cealfädl zu ^ea^las Gaumen, ceaflas Kiefer.
3. Die Nasale
m, n
§ 184. ni bezeichnet den labialen, n nach dem Vorbilde des Latein den
dentalen wie den velaren (bzw. palatalen) Nasal, letzteren aber nur, wo
es unmittelbar vor einem c, j steht; m und dentales n dagegen stehen
an allen anderen Stellen des Wortes; auch verdoppelt und silbisch, s.
§ 155f.
Anm. Früh- und spätws. wird bisweilen bloßes n für nj oder nc gesetzt,
wie strenö Stärke, <5en<5 denkt, für streng, Öencd.
§ 185. Metathese findet sich in Gruppen von Nasal und s, so in worms
(wurms, wyrms) Eiter, wyrmsan eitern, neben älterem worsm, teurem
bzw. toyrsman und in clSsnian (Vesp. Ps. cläsnian) reinigen neben häufi-
gerem clSnsian (nordh. cliensia) zu clSne rein (auch eine Mischform
clxnsnian begegnet). In einigen Texten findet sich auch öfter nc,
für auslautendes en, jn wie in tänc für täcn Zeichen, renj für re^n Regen,
den$ für Öeyn Mann, fren^ für fräsen fragte, doch ist in diesen Fällen
lautlich nicht von Metathese zu sprechen, da es sich nur um eine Be-
zeichnung des aus den Verbindungen cn, $n entwickelten velaren $
handelt (s. Sievers, Beitr. 9, 217; M. Förster, Anglia 67/68, 100 u. Fluß-
name Themse, S. 327f.)
150
§ 186. Nasale
§ 186. 1. Geschwunden sind die Nasale vor den stimmlosen Spiranten
f, ß, 8 unter urspr. Nasalierung und Dehnung des vorangehenden Vokals,
wobei altes a zu ö wird, s. § 80, Anm. 1. Das Ae. teilt diese Erscheinung
mit dem Altfriesischen und Altsächsischen, s. § 46. Beispiele: a) für m:
fif fünf (got. fimj); softe Adv. sanft, Komp, seft § 323 (ahd. samfto},
Ösle Amsel (ahd. amsala). - b) für n: 505, PI. jes Gans, hös Schar, öder
ander, söö wahr, töö Zahn, PL teö; est Gunst (i-Stamm); siö Weg; üs
uns, hüsl Opfer, düst Staub, cüÖ kund, cüÖe konnte, müÖ Mund, yst
Sturm, wyscan wünschen, entsprechend got. hansa, anßar usw.
Anm. 1. Die Länge des Vokals ist durch gelegentliche Doppelschreibung
festgestellt: Suutanglorwm Urk. v. 736, Cuutferthi Ork. v. 755-757, Cuutfert
Urk. v. 766, siith Urk. v. 805-831.
Anm. 2. Die nasalierte Aussprache des Vokals ist vielleicht noch in der
Schreibung Onswini für gemeinae. Oswine, Kreuz v. Collingham, Yorks.,
W. Rd., Mitte des 7. Jahrhunderts, angedeutet. Sonst zeigen die ältesten
Runeninschriften den Nasal nicht mehr.
Anm. 3. Der Ausfall des Nasals tritt auch in unbetonter Silbe ein, doch
wird an dieser Stelle der Vokal gekürzt und entsprechend § 44, Anm. 3
qualitativ verändert, z. B. PI. Ind. Präs, der Verba, Endung -aö wie beraö
§ 360, 1 aus *beranß(i) über *beröß § 145, § 80, Anm. 1; jeojuJ, -oö Jugend,
duyuö, -oö Tugend (Gen. PI. auch du^eöa, Dat. du^eöum usw.), oroö Atem
(später auch oreö, orö, dazu oreöian, oröian atmen) aus *jugunß-, *dugunß-,
*oranß usw.; Komposita wie fracoÖ elend, neben jorcud, oder otost Eifer
(dazu efstan eilen), eejest Neid usw., § 43, Anm. 4; auch in der Vorsilbe oö-
(aus *unß-) ent-, wie in odjdn^an entgehen, neben Adj. entgehend
usw.
Anm. 4. Auch vor h, dem gutturalen stimmlosen Spiranten, erscheinen ae.
keine Nasale (n bzw. $), doch ist ihr Ausfall in dieser Stellung gemein-
germanisch. Auch in dieser Stellung erscheint altes a (über nasaliertes ä
aus (Mjh) als ö, wie bereits § 45, 7 und § 80, Anm. 1 dargelegt. Beispiele für
ih, üh aus iyh, uyh sind das Verbum Öeon aus *ßlhan § 383, Part. prät.
Öun^en nach § 234; Prät. Öühte zu öyncan § 407, 1, ühta Morgendämmerung
(got. ühtwö).
Anm. 5. Ebenso gemeingermanisch ist der Ausfall von Nasalen im unmittel-
baren Auslaut unbetonter Silben, wobei vorausgehende Vokale meistens wie
solche im ursprünglichen. Auslaut behandelt wurden, vgl. § 143ff. Aus-
lautende Nasale sind germ. nur erhalten, wenn auf sie ursprünglich ein
Vokal folgte.
2. Erhalten bleibt aber der Nasal vor Spiranten a) in späteren analogen
Neubildungen wie 2. Sg. const, monst § 422f.; b) in erst im Laufe der ae.
Zeit übernommenen Fremdwörtern wie pinsian wiegen (lat. pensare),
mynster Kloster (mlat. monisterium für lat. -a-); c) in Wörtern, bei welchen
m, n und Spirans erst durch Synkope eines Vokals aneinander getreten
sind, wie örims eine Münze (ahd. drimissa), tvinsier, winester links (ahd.
§ 186-188. Nasale
151
winistar) und namentlich in den Ableitungen auf -sian, ahd. -isön, wie
yimsian wüten, cUensian reinigen, minsian vermindern.
§ 187. Auslautendes m in Flexionsendungen wird spätae. (aber ver-
einzelt schon Cura past.) durch n ersetzt, so im Dat. Flur, da$on für
da^um, im Dat. Sg. mask. neutr. der Adj. jö<Zon, -an für ^ödum, wobei
am ehesten an Ersatz der seltenen Endung -m durch das häufige -n
zu denken ist (s. Luick, Hist. Gram. § 697, Anm.). Außerdem steht
später auch dän für Öäm Pron. dem., s. § 337.
Anm. Für nymöe, nimöe, nemöe wenn nicht (poet., Vesp. Ps.) steht Vesp.
Hymn. einmal nyböe. Für Nimrod poet. Gen. 1628 Nebroöes und Sal. und
Sat. 213 Nebrondes (Genetiv), nach Förster, Kelt. Wortgut, S. 170, vom
Irischen beeinflußte Schreibungen.
§ 188. An Veränderungen des n sind etwa noch folgende zu erwähnen:
1. Silbenschließendes mn wird später oft zu mm, m (§ 231, 1) assimi-
liert: em eben, hrem, hrsem Rabe (auch flektiert hremmes usw.) für emn,
hremn aus efn, hreejn, § 193, 2; ähnlich oft wiepman Mann, Krieger,
für wäp(e)nman; vgl. auch gelegentliche Schreibungen mit Assimilation
vor 6 wie elmbo^a (auch verkürzt elbo^a), Hümberht, für elnbo^a Ellen-
bogen, Hünberht.
Anm. 1. Assimilation an l zeigt sich in gelegentlichen Formen wie seilef-
neben endleofan usw. elf, § 325, und dem späten ollunc entlang neben onlon$
aus älterem ondionj.
2. Auslautendes n fällt im Nordh. ab im Num. teo lea zehn, dann in
Flexionsendungen, wie der subst. n-Deklination § 276, Anm. 6, im
Infinitiv § 363, 1, im Opt. PI. Präs. § 361 und Prät. § 365, Anm. 2, aber
nicht im Ind. PI. Prät. § 364, Anm. 4, außer bei Präteritopräsentien,
§ 420ff., und nicht im Part. prät. der starken Verba, § 366, Anm. 3;
außerdem fällt es ab in Adverbien wie be^eonda, behianda, üta und im
Num. siofu sieben. Dieser Abfall ist spätnordh. voll durchgeführt; in
den frühen nordh. Texten (Ruthwell Kreuz, Caedmons Hymnus, Leidener
Rätsel) sind noch einige -n erhalten, andere abgefallen.
In den übrigen Mundarten fällt n im allgemeinen nur in der 1. 2. PI.
vor dem Pron. we, je ab, s. § 360, 2.
Anm. 2. Für wolcen, wolcn Wolke zeigt die ältere Sprache bisweilen die
Form wolc. Umgekehrt schreiben spätere Texte bisweilen wolcnread für
w(e)ol(o)cread purpurrot.
Anm. 3. Die Präposition on wird in Kompositis und bei Bildung fester
Formeln in späteren Texten oft zu a: adrsedan fürchten, afön empfangen,
für ondriedan, onföni abütan draußen, aman^ unter, awej fort, ariht richtig,
für onbütan, on jemon^, onwe^, onriht usw. Nur selten begegnet o: omiddan
mitten, oniht nachts, owöpe weinend.
152 § 188. Nasale. § 189. Labiale: p
3. Etwa im. 10. Jahrhundert fällt in dreisilbigen Formen mit i in der
Mittelsilbe, dem ein stammauslautender Nasal vorausgeht und ein n
folgt, dieses zweite n aus, so in enitre enet(e)re einjährig aus ienintre für
*&nwintre (§ 173, Anm. 5), ferner pene^as Pfennige aus penin^as, cyne^as
Könige für cynin^as, manchmal deni^man Dienstmann gegenüber Jenwnj
Dienst. Aus diesen Formen werden auch Singulare peni^, cyni- abge-
leitet.
Anm. 4. Silbisches n schwindet bisweilen zwischen 8 und l in ondryslic
schrecklich für ondrysnlic.
Anm. 5. Sehr spät schwindet bisweilen das n in den r-Kasus von min mein,
öln dein, än ein, wie Gen. Sg. fern, mire, dire, äre usw.
B. Geräuschlaute
Labiale
P
§ 189. p ist die labiale Tenuis; sie entspricht in germ. Wörtern idg. b.
Sie ist im Anlaut selten, dagegen häufig im Inlaut und Auslaut, auch oft
geminiert; z. B. anlautend: pseö Pfad, päd Hemd, ple^a Spiel; in- und
auslautend: helpan helfen, weorpan werfen, scearp scharf, ws. w&pen
Waffe; geminiert: up(p) auf, topp Scheitel, loppe Floh, aeppel Apfel,
ws. scieppan schöpfen.
In Fremdwörtern steht p wie im Lateinischen oft im Anlaut, z. B.
pund Pfund, pil Pfeil (lat. pilum), pytt Grube (lat. puteus), pic Pech
(lat. picern.) u. a.; im Inlaut nur in älteren Fremdwörtern wie copor
Kupfer (lat. cuprum), pipor Pfeffer (lat. piper), ebenso geminiert in
casppe Kappe (lat. cappa), cuppe Schale (lat. cuppd); auslautend in sinop,
senop Senf (lat. sinapis). Über Wiedergabe des lat. inlautenden p durch
/ s. § 192, 2.
Anm. 1. Wie hd. und nd. ist in ae. bisc(e)op Bischof (lat. epiacopus) das
erste p durch b ersetzt. Hier wird die Aussprache in den romanischen Spra-
chen mit stimmhaftem labialem Reibelaut hereingespielt haben, der anlau-
tend in den germ. Sprachen nicht vorkam und daher durch den stimmhaften
Verschlußlaut ersetzt wurde, s. Pogatschor, Lehnworte, S. 194—96 und Nach-
trag.
Das p bleibt überall unverändert; nur pn wird zuweilen zu mn in
ws. wxmn, wSmnian aus wiepen, wlepnian Waffe, waffnen. Wie deutsch
Knappe neben Knabe steht ae. cnappa neben cnafa (ne. knave).
Anm. 2. Über den Wechsel von p mit / vor t in germ. Bildungen s. § 232,
über die Metathese von sp zu ps § 204, 3.
Anm. 3. In s(e)alm Psalm, s(e)altere Psalter wird ae. nur selten und latinisie-
Labiale: § 189. p. § 190-191. b
153
rend auch ein p (ps(e)alm, pa(e)altere) geschrieben. Es wurde wohl nicht
gesprochen, weil ps im Anlaut nicht vorkam (wie ne. in psalm, psalter).
b
§ 190. b bezeichnet im Anlaut, im Inlaut und Auslaut nach dem homor-
ganen Nasal m und in der Geminata bb den labialen stimmhaften Ver-
schlußlaut, doch wird im Auslaut die Geminata nicht immer geschrieben,
s. § 231, 1. Der stimmhafte Verschlußlaut geht in diesen Fällen auf idg.
bh zurück. In den ältesten Texten bezeichnet aber b im Inlaut und ein-
fachen Auslaut auch den auf idg. bh in diesen Stellungen zurückgehenden
stimmhaften Reibelaut, der dann später mit / bezeichnet wird, das außer-
dem die Bezeichnung des stimmlosen, auf idg. p zurückgehenden Reibe-
lautesund des daraus nach dem Vemerschen Gesetz (‘grammatischenWech-
sel’, § 233f.) und im Inlaut zwischen sonoren Lauten entstandenen stimm-
haften Reibelauts ist (s. § 192, 2). Beispiele für b als Verschlußlaut sind:
anlautend: bindan binden, brin^an bringen, blöd Blut; inlautend und
auslautend nach m: lamb lomb Lamm, cumbol Feldzeichen, symbel Gelage;
in der Geminata: habban haben (aber ohne Geminata 2. 3. Sg. Präs.
Ind. hafast, hafaö), libban leben (aber 2. 3. Sg. Präs. Ind. liofast, liofaö),
web(b) Gewebe (aber wefan weben), sib(b) Sippe.
Anm. Vereinzelt steht im Auslaut nach m auch p statt b, wie lamp Lamm
kent. Gl. In der Vorsilbe ymb- emb- als erstem Bestandteil von Kompositis
wird vor Konsonanten b nicht geschrieben. - Für bb findet sich pb in Pypba
Eigenname (Genealogien, Hs. Cotton. Vesp. B VI).
§ 191. Die Bezeichnung des in- und auslautend idg. bh entsprechenden
stimmhaften Reibelautes mit b (statt später mit /) findet sich vor allem
im Ep. Gl., wie jZooö Handschuh, halbae D. Sg. Hälfte, (h)ebuc Habicht,
jibaen Part. Prät. gegeben, earbed Arbeit, salb Salbe. Immerhin steht
schon hier gelegenthch /, wie ofaer- über, sifun- sieben. Für den auf
idg. p zurückgehenden Reibelaut schreibt aber Ep. Gl. regelmäßig /,
auch wo im Inlaut bereits Stimmhaftigkeit vorauszusetzen sein wird,
z. B. wulfes G. Sg. zu wulf Wolf, hofr Höcker. In den späteren Glossaren
(Erf., Cp.) ist die Schreibung mit b schon seltener, findet sich aber im
Cp. Gl. noch 76 mal gegen 31 mal /, so oft in ober über (neben ofer).
Ö-Schreibungen finden sich noch in kent. Urk. von 831-832, so ^iaban
geben (dazu Opt. Präs. jeÖe), 516 wenn, ob Präp. (ne. of), sibun sieben,
Seröebum Dat. PI. zu ws. $erefa Graf (neben $iröefa, so auch Ep., Erf.
Gl.). Auch Cura past. heißt es noch neebre niemals (für sonst niefre) und
weobud Altar (später weofod, s. § 43, Anm. 4), poet. Gen. und Exodus
tiber Opfer (D. Sg. tibre, später tifor, flekt. tifre, -um, vgl. got. tibr, ahd.
zebar).
154
Labiale: § 191. b. § 192. /
Anm. 1. Über diese Schreibungen s. Sievers, Beitr. 11, 542-45, und Anglia
13, 15-16. Es wäre möglich, daß es sich bei der Schreibung mit b um einen
bilabialen Reibelaut handelte, der erst später durch den labiodentalen er-
setzt wurde, der vielleicht schon früher für den aus idg. p entstandenen
galt und mit f bezeichnet wurde (so Luick, Hist. Gram. § 658; Penzl, L&n-
guage XX, 84-87. Schallanalytische Untersuchungen dazu Sievers, Förster-
Festschrift, S. 70, § 34a, und Luick-Festschrift, S. 69, § 18c). Wahrschein-
licher ist aber, daß man den stimmhaften und stimmlosen Reibelaut bloß
als Stellungsvarianten auffaßte und dafür / verwendete, weil das Lateinische
kein eigenes Zeichen für den entsprechenden stimmhaften Reibelaut hatte
(u bzw. v bezeichneten den Vokal u auch in konsonantischer Verwendung,
also w). S. dazu Förster, Flußname Themse, S. 683. Vgl. auch § 4, Anm. 1.
Daraus läßt sich auch die Schreibung Libiua Cura past. für Livius und
afitatorea für habitatores, lat. Text des Runenkästchens, erklären, s. Penzl
a. a. O.
Anm. 2. Fraglich kann sein, ob jeher, Dat. Plur. jebrum L auch hierher
gehört, es könnte eine latinisierende Schreibung sein. Auch G. Sg. febbres
Cura past. könnte latinisierend sein, doch kann es die Kürze des Vokals an-
deuten, weil ff stimmloser Reibelaut wäre. Latinisierende Schreibungen sind
wohl auch diobul Cura past. (zweimal, sonst dioful), dlobul, diobol L, diobul,
flekt. diobl- Rit. (neben einmal diofies L). Hingegen könnte diowl, dlul L,
diovl, diovl-, divol Rit. (mit der hier üblichen Schreibung v für w) Vokalisie-
rung des stimmhaften Reibelautes vor dunklem Folgevokal andeuten, wie
dies in frühme. dul-e Teufel, dwiU Towneley Plays bzw. in ne. hawk Habicht
(ae. hafoc) vorliegt.
f
§ 192. Das Zeichen j bezeichnet gemeinae. die stimmlose und stimm-
hafte labiodentale Spirans, ne. / und v.
1. Stimmlose Spirans bezeichnet es im Anlaut, wie in faeder
Vater, findan finden; im Inlaut in der Gemination, wie ^affetwi^ Hohn,
woffian rasen, snoffa Erbrechen, wlseffetere Stotterer, pyffan puffen,
blasen, abyffan lispeln, lyffettan schmeicheln, den Eigennamen Offa,
Uffa, Wuffa. Es entspricht hier germ. /, idg. p. Weiter entspricht es
lat. ff in dem Fremdwort offrian opfern (lat. offerre) und steht in den
Verbindungen ft (§ 232) und fs (doch s. § 193, 2) wie in haeft gefangen,
gesceaft Geschöpf, Ep. Corp. r&fsan tadeln. Im Auslaut bezeichnet es
einen stimmlosen Laut zuerst nur dort, wo es ebenfalls einem germ. /
entspricht, wie in wulf Wolf, fif fünf, später aber auch, wo es aus der
stimmhaften bilabialen Spirans (idg. bh} entwickelt ist, wie in wlf Weib,
of Präp. von.
Anm. 1. Der Übergang von stimmloser Spirans zu stimmhafter im Anlaut,
welche nach Ausweis des Me. in den südl. und südwestl. Mundarten statt-
fand (kent., ws. und z. T. westmerc. Gebiet), gehört jedenfalls auch noch der
ae. Zeit und zwar dem 10. Jahrhundert an, weil ihn die später eingedrunge-
nen franz. Lehnwörter nicht mehr mitmachon. In der ae. Schrift kommt
§ 192. Labiale: f
155
er aber nicht zum Ausdruck, weil das Ae. für die stimmhafte Spirans um
diese Zeit kein eigenes Zeichen mehr hatte. Der älteste Beleg für diesen
Übergang ist uif fünf im Gildenstatut von Bedwyn, Wilts., Mitte 10. Jahrh.;
s. M. Förster, Flußname Themse, S. 790.
Anm. 2. Während in älteren lat. Lehnwörtern anlautendes lat. v wie in
den anderen germ. Sprachen mit w wiedergegeben wird, steht in späteren
dafür /, so in /ers Vers, jann Fächer, Getreideschwinge (lat. vannus), wie
ahd. in fers, frühnhd. feil Veilchen (lat. viola), entsprechend der späteren
lat. Aussprache des v als labialem Reibelaut, der stimmhaft im Anlaut ae.
nicht vorkam, und wie auch im späteren Altirischen, s. Thurneysen, Handb.
d. Altir., § 911; M. Förster, Anglia 66, 40, Fußnote.
Anm. 3. Wie in den anderen west- und nordgerm. Sprachen entspricht an-
lautendes fl- got. ffl-, daher fleon fliehen, got. pliuhan-, s. Prokosch, Comp.
Germ. Gram., § 29 D, S. 87, Braune-Helm-Ebbinghaus, Got. Gram.18, § 71,
Anm. 2.
2. Stimmhafte Spirans bezeichnet es dagegen im Inlaut außer
in den Verbindungen ff, fl, fs. Es entspricht hier teils einem germ. /,
got. /, ahd. /, v, das im Inlaut zwischen stimmhaften Lauten im Laufe
der ae. Sprachentwicklung stimmhaft geworden ist, wie in Gen. wulfes
zu wulf Wolf, ^erefa Graf, hofer Buckel (ahd. wolf, grävo, hovar), teils
aber dem idg. bh, das im Anlaut, im Inlaut in der Geminata und nach
m im Ae. durch b, got. und ahd. aber stets durch b vertreten ist, und dem
damit zusammengefallenen germ. 5 aus / (idg. p) wegen ‘grammatischen
Wechsels’ nach § 233; so in ofer über, ^i{e)fan ^efan geben, earfod Arbeit,
sealfian salben (ahd. ubar, geban, arbeit, salbdri}; endlich in Fremdwörtern
einem lat. b zwischen stimmhaften Lauten (entweder durch Lautersatz,
weil das Ae. kein inlautendes b besaß, oder nach der vlat. Aussprache
als Reibelaut), wie in teefl Tafel, trifot Tribut, fSfor Fieber, pröfian prüfen,
cyrfet Kürbis (aus tabula, tributum, febris, probare, cucurbita), lufesticce
Liebstöckel (lat. libysticum mit volksetymol. Umgestaltung des ersten
Teiles); einem lat. p im Inlaut zwischen Vokalen in einigen späteren
Lehnwörtern, welche erst nach dem vlat. (roman.) Wandel des p zu b
(oder dem bilabialen stimmhaften Reibelaut) in dieser Stellung ins
Englische übernommen wurden, wie in prafost profost Propst (lat.
praepositus) oder cufel Faß (lat. cupella); endlich einem lat. v wie in
cealfre aus calvaria, brefian kürzen aus breviare oder, in den ae. Auslaut
getreten, in Munt^jpf aus Montern Jovis. Über die Wiedergabe des lat.
zwischenvokalischen p als p in älteren Lehnwörtern s. § 189, über die
von lat. v durch w in älteren Lehnwörtern § 171, Anm. 3.
Anm. 4. Geminiertes ff geht stets auf germ. / zurück; dem idg. bh entspricht
in der Geminata bb (Verschlußlaut), s. § 190.
Anm. 5. Über die gelegentliche Schreibung v (u) für stimmhaftes f s. § 194. -
Ganz spät findet sich einigemal / für w, wohl als Fehlschreibung, die durch
156 Labiale: § 192-193. /. § 194. v
das Nebeneinander von f, v, u und iv bedingt ist, z. B. stänhifet Steinbruch,
Sleof glühte, blef Grabhügel für -hiwet, jleou-, hlähv.
§ 193. Abgesehen von der Schreibung b für die stimmhafte Spirans in
den ältesten Texten (§ 191) ist / im Ae. fast stets unverändert. Aus-
nahmen sind:
1. Für ft steht in den ältesten Quellen bisweilen pt: scaept Ep. Cp.
Schaft, edscaept Ep. Erf. palingenesia, ^idopta Ep. contubernalis für
sceaft, edsceaft, ^edofta, aber auch hier siftit siebt, nift Nichte usw. (vgl.
ct für ht § 221, Anm. 1), weiter auch bt als Fehlschreibung wegen b neben
f nach § 191 in cneoribt Cp. Knietuch.
2. fn (mit stimmhaftem f gleichgültig welcher etym. Herkunft) geht
besonders inlautend in den südlichen Mundarten manchmal schon altws.,
oft in mn über (vgl. pn zu mn § 189), so in emne eben, stemn Stimme,
stemn Stamm, hremn Rabe für efn, stefn, stefn, hraefn. Noch später steht
auch mm, m, s. § 188 1, so auch im spätae. wimman, PI. wimmen aus
vnfmon Weib.
Anm. 1. Den angl. Mundarten ist dieser Übergang fremd; die v-Formen
behalten auch später die Oberhand, vgl. ne. even, raven. Stets steht auch ae.
fn in swefn Schlaf, Traum und in den Verben tejnan, efnan und rsefnan aus-
führen. Vgl. dazu Flasdieck, Anglia 69, 135-171.
3. fs (mit stimmlosem s, § 203, Anm.) geht in ps über, so in waeps
Wespe (ahd. wefsa), rsepsan tadeln (ahd. refsan), doch finden sich in
den ältesten Denkmälern noch Schreibungen mit fs (Ep. Corp. waefs
und Part. prät. raebsid raefsed).
Anm. 2. Der Übergang ist in Verbalformen wie drifst du treibst zu drljan
oder ws. beliefst du glaubst zu ^eliefan nicht eingetreten, jedenfalls unter
dem Zwang der übrigen Flexionsformen.
§ 194. v, oder vielmehr in den Hss. u, drückt in spät aufgenommenen
Lehnwörtern den Laut v aus, welcher mit der ae. stimmhaften labioden-
talen Spirans identisch war, so Dauid, Eue, Leui, doch wird gelegentlich
auch Efe, Lefes usw. geschrieben (aber nie *Ewe). Ältere Lehnwörter
ersetzen aber v in solchen Fällen ziemlich regelmäßig durch f, s. § 192, 2,
bzw. in einer noch älteren Schicht durch w, s. § 171, Anm. 3.
In ae. Wörtern wird u auch als Zeichen für den Halbvokal w gebraucht,
s. § 171, Anm. 1; nur in Rit. steht dafür oft v. Der Gebrauch des Zeichens
u (v) für die stimmhafte labiodentale Spirans beginnt vereinzelt erst in
Hss. der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts, wie hliuade (Prät. zu hllfian
§ 194. Labiale: v. § 195-196. Dentale: t
157
hoch aufsteigen) Beowulf 1799, eauedun (zu eafoä Kraft) Andreas 142,
be^rauene (zu betrafen begraben) Elene 835 (beide Vercelli-Kodex).
2. Dentale
t
§ 195. t ist überall Zeichen für die dentale Tenuis und kommt in allen
Stellungen häufig vor, z. B. in germ. Wörtern, entsprechend idg. d:
töö Zahn, treo Baum, tien, ten zehn, etan essen, heorte Herz, wät weiß,
auch genliniert wie in sceat(t), sceattes Geld, settan setzen, hluttor lauter,
hätte heißt § 367, Anm., yrette Prät. zu ^retan grüßen. Über die Gruppen
ft, ht s. § 232, vgl. auch § 193, 1, § 221, Anm. 1.
In Fremdwörtern steht es für lat. t im Anlaut wie titele, tfyle Ziegel
(lat. tegula), tempel Tempel (lat. templum), torr Turm (lat. twrris), tumian
tyrnan drehen (lat. tomare), ebenso für lat. zwischenvokalisches t in
einigen älteren Lehnwörtern wie striet stret Straße, mynet Münze, sietem-
dee^ Samstag (lat. Saturnl-'}, vgl. aber § 197 über Wiedergabe des inter-
vokalischen lat. t durch d.
§ 196. Das t ist ae. fast ganz fest. An Ausnahmen sind zu bemerken:
1. Im Hatton Ms. der Cura past. steht für nicht anlautendes st oft sö,
namentlich in der Endung der 2. Sg. Präs. Ind. dü Riefest), hilpesö usw.,
dann aber auch in anderen Wörtern wie faesd fest, düsö Staub, w&sÖm
Wachstum, äÖisÖri^an verdunkeln, wäsö weißt, Superlativen wie miesä
meist, äeresd zuerst, für gew. Riefest, hilpest, fsest usw. Es handelt sich
hier wohl um eine durch den Übergang von sö zu st bedingte Schreibge-
wohnheit, s. § 201, 6.
2. Mit der Lautgruppe tj (sei es mit ursprünglichem j oder mit spiranti-
schem j, § 211) fällt palatales c' zusammen, wie aus den Schreibungen
mit 05, cc hervorgeht (s. § 206, 8), so Hs. H der Cura past. orc^eard
Garten (einmal, neben einmal ort^eard und stets ort^eard in Hs. C), im
11. Jahrhundert orcerd, ordceard; fecc(e)an holen (zuerst Mart., 2. Hälfte
des 9. Jahrhunderts) für fetian § 417, Anm. 13 und spätws. crsefca
Handwerker (auch crieftca und mit sekundärem Mittelvokal craeftica)
neben crieftca zu crseftij Adj. kunstreich und vereinzelt Munc^jü Wulfst.
für gew. Muntsfpj § 192, 2. Noch vor Ende der ae. Zeit war die Aus-
sprache wohl ts, s. § 206, Anm. 9.
Anm. 1. Über gemeinae. st aus sd s. § 201, 6; über t, tt aus tö, dd § 201, 4,
über ft aus öl § 201, 3.
Anm. 2. In Konsonantengruppen (namentlich nach h, s) fällt t bisweilen
aus, wie drohnian, örisnes, f&snian, senihsum für drohtnian, Örtstnes, faestnian,
^enihtsum, vgl. auch § 198, 4.
158
Dentale: § 196. t. § 197-198. d
Anm. 3. Umgekelirt wird, namentlich in der späteren Sprache, zwischen
3 und l bisweilen ein t eingeschoben, wie elmesilic mildtätig, ondrysüic
schrecklich und mistlic verschieden für aslmeslic, ondryslic (ondrysnUc § 188,
Anm. 4), mislic; ebenso wohl in masstlin^ Messing für mseslin^.
d
§ 197. d ist das Zeichen für die dentale Media; sie entspricht idg. aspi-
rierter Media dh, got. d, bzw. im Auslaut und vor s got. ß. Es kommt ae.
in allen Stellungen vor, auch geminiert: Tag, drljan treiben, dweor^
Zwerg, ws. kent. eald, angl. ald alt, eardian wohnen, biddan bitten usw.
Außerdem entspricht d der idg. Tennis t, germ. ß, soweit diese nach
dem Vernerschen Gesetz § 234 stimmhaft geworden war.
In Fremdwörtern entspricht d lat. d, z. B. disc Schüssel (aus lat. discus),
draca Drache (aus lat. draca), raedic Rettich (lat. radicem), ceder Zeder
(lat. cedrus), ^räd Grad (lat. gradus) und in einigen Wörtern auch lat.
zwischenvokalischem t nach der vlat. (roman.) Aussprache als d, wie
in abbod Abt (lat. abbatem), Iseden Latein (latinum), side Seide (seta), eced
Essig (acetum).
Anm. Über die Wiedergabe des d oder eines zwischenvokalischen t durch d
in einigen Fällen s. § 199, Anm. 3.
Nur in sehr alten Hss. ist d auch Zeichen für ö, ß, s. § 199, Anm. 1.
§ 198. Im allgemeinen ist d fest; doch ist folgendes zu bemerken:
1. d steht in grammatischem Wechsel mit ß, wo es germ. ß, idg. t
entspricht, s. § 234.
2. Id entspricht manchmal got. Id wie in ceald kalt, healdan halten,
teils ist es aber durch einen wg. Lautwandel aus Iß hervorgegangen;
ebenso geht ws. dl manchmal auf ßl zurück, s. § 201, 2, 3.
3. Idl wird zu ll in ws. sellic neben seldlic sonderbar, got. sildaleiks,
auch sonst gelegentlich nordh., wie ballice kühn, wiomj-, tui-, seofofallice
mannig-, zwei-, siebenfältig (für und neben bdldlice, faldlice), hehstallic
jungfräulich, usw.
4. Vor und nach stimmlosen Lauten wird d za t: a) z. B. in der 2. Sg.
Ind. Präs, wie bitst, Istst, bintst, stentst § 259, 2, zu biddan, läedan, bindan,
stondan', milts Mitleid, miltsian erbarmen (zu begehren,
bletsian segnen; auch in der Komposition, wie metsceat, antsacodon,
Sesuntfulnes Cura past. für med-, and-, gesund-. Doch wird auch oft
etymologisch geschrieben bindst, milds, mildsian (selten ws. tfdsian,
bledsian, doch stets bledsian im Vesp. Ps. und meist nordh. bloedsi^a
L, Rit. gegen bletsi^a R2), oder das d, t fällt nach Konsonanten aus:
Dentale: § 198. d. § 199. d, p
159
mite, miteian usw., bin st, stenst § 359, 2; über t aus dp s. § 201, 4; - b)
insbesondere den schwachen Präteritis und Part. Prät. langsilbiger
Verba wie scencte, ws. iecte § 405, 4.
5. Nach Konsonant — d. t geht d verloren, wie im Prät. sende, ehte
zu sendan, ehtan, s. § 405, 5.
Anm. 1. Zwischen n und l wird öfters ein d eingeschoben: endleofon elf
(got. ainlif), und namentlich in Adjektiven auf urspr. -enlic, wie ondrys-
endlic schrecklich usw. In der Lautfolge -ndj- ist d gefallen in ae. aynne
Sünde (as. sundea, ahd. suntea) und gelegentlich im Part. Präs. (s. § 363,
Anm. 4). Zur Erklärung s. Kemp Malone, Anglia 53, 335f.; E. Rooth,
Ekwall-Festschrift (Uppsala 1942), S. 76f.
Anm. 2. Auslautendes d ist geschwunden in proklitischem on- aus ond-
wie in onfö'n empfangen, ws. on^Utan verstehen, onsäcan widerstehen,
vgl. öndfen^a Empfänger, ondyiet Verstand, öndsaca Widersacher, usw.
In der späteren Sprache dringt betontes önd-, dnd- irrtümlich bisweilen
für betontes 6n-, än- (ahd. and) ein: ändweald Gewalt, dndwedlh integer,
ws. ändsyn Antlitz, für onweald, onwealj, änsien; ja selbst ändcleow Fuß-
knöchel, für öncleow (ahd. anchläo).
Anm. 3. Zum Übergang von d zu t (Verlust des Stimmtons) an anderen
Stellen s. § 224.
Ö.P
§ 199. 1. Die beiden Zeichen d und P drücken unterschiedslos die dentale
Spirans aus, welche im Engi, jetzt mit th bezeichnet wird (vgl. § 200).
Bei Herausgebern und Grammatikern ist es vielfach üblich, im Anlaut
p, im Innern und am Ende des Wortes aber d zu setzen; doch haben
Herausgeber bei Textabdrucken auch den willkürlichen Wechsel der
Handschriften beibehalten. Wir setzen hier nach dem Muster der besten
Hss. älterer Zeit (wie Cura past., Vesp. Ps., L., R2, ferner der
ältesten Urkunden), welche mehr oder weniger ausschließlich Ö ver-
wenden, beim Schreiben voller historischer Laut- und Wortformen im
allgemeinen Ö, gebrauchen aber daneben das P bei speziellen Zitaten
sowie bei der Ansetzung vorhistorischer Grundformen von Lauten oder
Wörtern.
Anm. 1. In den ältesten Quellen fehlen die beiden Zeichen noch fast gänz-
lich ; Ep. hat von beiden nur ganz wenige Fälle, ebenso die ältesten Urkunden.
Das älteste datierte Ö (paed) findet sich in einer Urkunde Wihträds von
Kent von 700-715, das älteste datierte p (JElfpryd) in einer Urkunde Coen-
wulfs von Mercia von 811, aber das ganze 9. Jahrhundert hindurch wird P
nur spärlich verwendet. - Eine vereinzelte Ausnahme für diese älteste Zeit
bildet Corp. mit häufigem p, und für die spätere Zeit die Lauderdalehs.
dos Orosius und R1, die sich durch regelmäßigen Gebrauch des P von der
Cura past. und R2 streng abheben.
Die ältesten Quellen gebrauchen anlautend meist th-. thom, thejn, sehr
160
§ 199-200. Dentale: d, p
selten d,'wie in gidopta Ep. 195, mod^idanc Hymnus Caedmons (aber T.^nin-
grad-MS sithanc), inlautend th und d, lotha, loda Ep., JEthil-, ^Sdil- Urk.
(für die Geminata thth, tht: eeththee Bedas Sterbelied, othte oder); auslautend
meist thi mearth, laath, hriosith, snluuith Ep., daneben auch t: siftit, fiehit,
stridit Ep., Cuutfert, Cuutferth, Sütangli Urk.
2. d, P entsprechen in germanischen Wörtern einem idg. t, germ. p
und kommen in allen Stellungen, auch geminiert, vor: Öin^ Ding, dri(e)
drei, dwin^an zwingen, weoröan werden, mord Mord,o<53e oder, sceÖÖan
schädigen, siÖÖan seitdem, oder ptin^, pri, weorPan, opße (oöpe) usw.
Anm. 2. Für öd steht hd in nordh. L mohde, mohda Motte; ws. moöäe.
Anm. 3. In Fremdwörtern steht manchmal d auch für lat. d und zwischen-
vokalisches t nach der roman. Aussprache, so in morad Würzwein (lat.
moratum}, s&derise Pflanzenname satureia, senoö Synode (lat. synodus}.
Anm. 4. Im urspr. idg. Auslaut unbetonter Silben war idg. -t (germ. P)
bereits urgerm. abgefallen. Daraus erklärt sich der Unterschied zwischen
der Endung im ae. Opt. Präs. feere (Endung idg. -t nach des 3. Pers.) und
3. Ind. Präs. ae. bird bered (idg. Endung -ti); Opt. PI. ae. beren (Endung
idg. -nt nach der 3. PI.) und Ind. PI. ae. berad (Endung idg. -nti in der
3. PI.); weiter der Nom. Sg. der «-Stämme (§ 290) wie ae. h&le neben den
obliquen Kasus wie haeled usw. Nach betonter Silbe ist aber germ. p erhalten,
wie in töd Zahn.
§ 200. Im Germ, war p stets stimmlose Spirans, und dieselbe Aussprache
ist auch für die ae. P, Ö ursprünglich vorauszusetzen. Doch hat sich der
Laut wohl bereits in früher ae. Zeit in einen stimmlosen und stimmhaften
Laut gespalten, wie die anderen urgerm. Spiranten (s. bzgl. / § 192,2, bzgl.
s § 203). Der stimmhafte Laut ist zwischen anderen stimmhaften Lauten
eingetreten. Dafür spricht 1. die Schreibung der ältesten Hss. mit in-
lautendem d, § 199, Anm. 1; 2. der Übergang von pl in dl (mit stimm-
hafter Media), § 201, 3; 3. das Fehlen von Assimilationserscheinungen
im Prät. der Verba auf Ö, wie cyöde, cydde zu cyöan, § 405, 2.
Anm. Der Übergang in einen stimmhaften Laut kommt in der Schreibung
im allgemeinen nicht zum Ausdruck (doch vgl. § 199, Anm. 1) und ist erst
aus der Folgeentwicklung, und zwar in der Regel erst aus dem Neuenglischen
zu erkennen, wenn auch nicht ausgeschlossen ist, daß sich später noch Ver-
änderungen ergaben, wie wenn ein ae. stimmhaftes d etwa im Laufe der
Sprachentwicklung in den Auslaut trat. Schallanalytisch hat Sievers (Metri-
sche Studien IV, 1, S. 100f.; Luick-Festschrift S. 66ff., Förster-Festschrift
S. 70) festgestellt, daß ae. der stimmlose Laut im Anlaut überall erhalten
blieb, außer in pronominalen Stämmen, die ne. stimmhaften Anlaut haben.
Bei diesen ist nach ihm der stimmhafte Laut bereits in den ältesten nordh.
Texten deutlich, außer bei starktonigem py dseje. Schwanken zeigt deah
doch. Ebenso steht der stimmlose Laut im Auslaut und in der Komposi-
tionsfuge (z. B. in eorpiican, söpiice). Im Inlaut stellt er den stimmhaften
Laut in stimmhafter Umgebung fest, und zwar auch in der Geminata (wie
in odde, siddan), doch findet er in den ältesten Texten (z. B. sog. Csedmon-
§ 200-201. Dentale: d, p
161
sehe Genesis) noch Wechsel in der Form, daß nach Steigton stimmloser,
nach Fallton stimmhafter Laut steht; außerdem findet er in den ältesten
ws. Texten inlautend vor Konsonanten noch in der Regel den stimmlosen
Laut (wie in öpres, öprum, ^ebröpra, cyPdon, ^emsepjode), nur in der Laut-
folge rdr den stimmhaften (z. B. Präs. PI. fyrdriad, Komp, unweordra). Bei
den fern. Abstrakten auf westgerm. -ipu findet Sievers in der Regel stimm-
losen Laut (so in ws. trywpe, mierpe, -u, ptejpe, myrhpe), aber stimmhaften
Laut in ^esieldu Glück. Aus der späteren Lautform ist auch in der Endung
-opa der Ordnungszahlwörter (ae. seofopa, eahtopa usw., ne. seventh usw.)
stimmloser Laut zu erschließen. Dies führt Luick, Hist. Gram. § 639, 2 zu
der Annahme, der stimmlose Laut sei nach urspr. unbetonten Silben er-
halten geblieben, doch führt diese Annahme zu Schwierigkeiten wegen ähn-
licher Formen mit inlautendem s- (s. § 203, Anm.). Anderseits schließt Luick
aus der Erhaltung von d in den synkopierten Prät. der Verba auf d wie
cyöde (§ 405, 2) und 3 wie ws. liesde usw. (§ 203, Anm.), daß die Spiranten
nach betonten Vokalen schon vor der Synkope der -i- stimmhaft geworden
waren. Die Schwierigkeiten lösen sich am einfachsten durch die Annahme,
der Übergang in den stimmhaften Laut liege nach der Synkope der -i-, die
Verba wie cyöde usw. hätten den stimmhaften Laut aus dem Präsens über-
nommen, die fern. Abstrakta zeigten den stimmlosen Laut wegen der häu-
figen und frühen endungslosen Formen (s. § 255, 3), während sesieldu die
vor vokalischer Endung zu erwartende Entwicklung zeigt.
§ 201. Über andere Veränderungen des germ. p ist zu bemerken:
1. p steht im grammatischen Wechsel mit d, s. § 234.
Anm. 1. <5 neben d steht in (h)r&ö, (h)rsed rasch, Adv. (h)rade, (h)rade.
Zu einigen anderen Fällen vgl. Anm. 3 und 7. Vereinzeltes eöcuide relatio
Corp., edwitia tadeln L, yöleecan k. Gl. für gewöhnliches ed- dürften Schreib-
fehler sein (vgl. edwitscipe Waldere 14).
2. Germ, ip ging - wohl zuerst im Inlaut - allgemein westgerm. in
Id über (über Id mit stimmhaftem d), z. B. wuldor Herrlichkeit (got.
wulpus), wilde wild (got. wiipeis), fealdan faldan falten (got. faiPan). und
wurde von flektierten Formen auch auf den Auslaut übertragen wie
beald bald kühn (got. baips), feld Feld, ^old Gold (got. guip#). Dieser Über-
gang fand vor der i-Synkope (§ 159, b u. c) statt, denn in synkopierten
Formen bleibt Ip bestehen, wie in ws. field fällt, ^esSlÖu Glück.
Anm. 2. Einige Schreibungen in sehr alten Quellen scheinen auf erhaltenes
Ip zu weisen, und zwar Bcdthh&a/rdi Urk. v. 732, Balthhardi Urk. v. 740,
-felth für -feld in Ortsnamen, lat. Beda-Hss., doch dürften dies Verwechs-
lungen von th und d wegen § 199, Anm. 1 sein. Ebenso sind wohl einige
Formen mit Id (Ith) für Id in den alten Glossen zu erklären, wie halö Ep.
(aber an anderer Stelle töhald), öhselöi Ep. pendulus, (aber an anderer Stelle
scytihalt, töhald). Erf. u. Corp. haben meist d, so häldi, öheldi, ohseldi, aber
spilth Zerstörung Ep. Erf. Corp.
Anm. 3. Trotz alter Synkope erscheint md für mö in ws. fremde gegen Vesp.
Ps. und nordh. fremde (vgl. ahd. fremidi, got. framaps), doch liegen hier
162
§ 201. Dentale: <5, ß
wohl zwei verschiedene Bildungen mit Suffixen vor, die in ‘grammatischem
Wechsel’ stehen (vgl. Kluge, Stammbildungslehre8, § 233).
3. Germ, ßl geht teils in dl, teils in tl über, teils bleibt es erhalten.
Hierbei ist dl jedenfalls über dl mit stimmhaftem d in Formen mit
Vokal nach l, tl noch vor dem Stimmhaftwerden des ß in Formen mit
silbischem l (§ 154) entstanden und dl ursprünglich in Formen mit
Sekundärvokal (§ 154) bewahrt geblieben. Daraus ergeben sich Aus-
gleichsformen, die z. T. mundartlich aufgeteilt sind. Im Ws. steht dl
vor allem nach langem Vokal, z. B. ädl Krankheit, niedl Nadel, wSdla
Armer, mldl Gebiß, widlian beschmutzen; tl steht vor allem in Neu-
tris, die oft endungslos vorkamen, z. B. botl Gebäude, setl Sitz, spätl
Speichel, aber auch bytla Erbauer, bytl(i}an bauen. In den anderen Mund-
arten ist die Entwicklung, so weit zu ersehen ist, nicht ganz einheitlich,
zumal die Formen der Ortsnamen mit denen der ae. Texte nicht ganz
parallel gehen, s. Anm. 4. Nordh. steht dl und dl, so ädl, nedl, undli^a
neben seltenerem ädl, uädli^a, weiter Dat. Sg. spädle, Gen. sedles, PI.
sedlo neben sedel L, R2, Dat. sedle Rit. (Hs. sedile mit durchgestrichenem
dydla Bauer (cultor). Mercisch steht Vesp. Ps. nur dl, so nedl, wedla,
ebenso hat die Beda Übers, ädl, wsedelnes Armut, sedles, bodl, nur Royal
Gl. 232 setl, das aber ws. sein kann. Die alten Glossare haben nöe/AZae
D. Sg. Ep., nethle Corp., D. PI. midlum Corp., daneben allerdings nedlae
Erf., N. Sg. netl (? netl} Corp. Immerhin scheint auch merc. einmal dl
bestanden zu haben, denn es findet sich Vesp. Ps., Chad-Leg. seid für
sedl, setl mit Metathesis nach § 183, 2, a und vielleicht sind poet. bylda,
byldan, seid, bold, späld (für ws. spätl} auch mercisch, s. Vleeskruyer,
St. Chad, § 41. Durch Synkope entstandenes ßl bleibt stets erhalten,
so in edel Erbgut (aus *ößil), Gen. edels, Hredel Eigenname, Gen. Hredles,
^enidla Feind u. ä.
Anm. 4. Dio ursprüngliche Quantität in bodl, botl ist unsicher. Der Orts-
name Bootle Cumberland, Lancashire weist auf Länge, Dunbottle Yorks.,
Newbottle Durham auf Kürze, die nach § 228 zu erklären sein kann. Vgl.
dazu Ekwall, Angl. Beibl. 28, 82-91. Nach der Verteilung in Ortsnamen ist
boöl nordhumbrisch, bottle hauptsächlich nördlich, bold vor allem mercisch,
s. A. H. Smith, Engi. Place-Name Elements I, 45 und Karte 8. - Nicht
sicher ist, ob nordh. seatul (flekt. seatlas, seatlum L, mit ea statt eo als Velar-
umlaut zu e) und sedl, sedel L, entsprechend sedl, setl, sedl und seid in Orts-
namen nicht schon auf alte Verschiedenheit im Dental (idg. d und dh)
zurückgehen, vgl. ahd. sezzel und sedal, sathal, s. Weyhe, Beitr. 30, 67ff.
und Holthausen, Etym. Wörterbuch, zumal in L seatul lat. cathedra und
sedel, sedl lat. sedes übersetzt. Die Verteilung in Ortsnamen stimmt auch
nicht ganz mit der von bodl, bold, bottle (bootle) überein, wie Seattle Lanes.,
Settle Yorks., West Riding, Sedlescombe Sussex, aber auch Kingsettle Dorset,
Somerset. Das Element ist in Ortsnamen freilich seltener.
Anm. 5. Poet, maedl Rede, msedlan reden haben stets dl, vielleicht als poet.
§ 201. Dentale: d, p
163
(angl.) Wörter, doch steht neben mteölan auch tnaöelian, in welchem Ö
lautgesetzlich erhalten sein muß.
Anm. 6. In einigen Fällen scheint <J vor l unter Dehnung des vorausgehen-
den Vokals gefallen zu sein, so in msel Rede, mäelan reden (neben mseöl,
m&dlari), stSlan einrichten, sti&lwierde dienstbar neben stadol Basis, stadolian
Festmachen. Hierfür ist noch keine zureichende Erklärung gefunden (s.
Luick, Hist. Gram. § 638, Anm. 5).
Anm. 7. Auf einen ebensolchen Lautwandel vor r scheint ws. äedr Ader
neben Vesp. Ps. eör (zu griech. t]Too Herz) zurückzugehon. - Nicht ganz
deutlich ist die Entwicklung vor m bzw. n, welche der vor l parallel gehen
könnte (s. Luick, Hist. Gram. § 638, § 673). Freilich könnten bei ae. ws.
botm Boden und me. bothme, bödme, bothom, welche in nördl. Texten über-
liefert sind, auch verschiedene Formen des Dentals zugrunde liegen, wie
auch in ae. bytme, byöme (neben bytne, aber bythne Cp. Gl.) Kiel. Vgl. dazu
Luick, Hist. Gram. § 638, Anm. 2. Erst spätae. findet sich Gen. mädmes,
N. Akk. Pl. mädmas, G. mädrna zu mäö(u)rn Kleinod, eadmöd demütig neben
eadmöd und j&dm Umarmung neben Im späten Nordh. (L, nicht R2)
steht dn für ön in den flektierten Formen von hseöen heidnisch, wie hiedna
neben hsöna.
4. Die Gruppen tp und dp ergeben tt, die letztere wohl, nachdem d vor
dem stimmlosen p selbst stimmlos geworden war. Im Auslaut und nach
Konsonanten wird die Geminata tt oft zu t vereinfacht. Daher: a) dsette
daß für deet de (auch in weniger eng zusammengehörigen Gruppen wie
gelegentlichem d&ttä, d&ttaet für Öeet Öä, daet Öaet), 3. Sg. Präs. Ind. bit,
it(t) für bitp, itp § 359, 3; - b) eadmetto Demut, ofermetto Übermut, weametto
Wehmut, lätteow Führer, brytojta sponsalia, mitty während, $esyntu Ge-
sundheit, sescentu Schande, Verbalformen wie bit, bint § 359, 3 aus
*eaPmedPu (zu eadmöd demütig), lädöeow, mid dy, ^esyndpu, *^escendpu
(§ 255, 3), *bidp usw. Daneben begegnet auch etymologische Schreibung
wie lätpeow, lädteow, namentlich ist sie da gewöhnlich, wo t, d und p
verschiedenen Wörtern angehören. Erst in frühme. Denkmälern, wie bei
Orrm, wird tt regelmäßig.
5. pd aus stimmhaftem d und d bleibt meistens erhalten und geht erst
spät in dd über, s. § 405, 2.
Anm. 8. Durch Synkope entstandenes pp bleibt erhalten und wird nur im
Auslaut wie andere Geminaten manchmal vereinfacht: cyöö, cyö Geschlecht
aus *kunpipu, liSdd(u) Beleidigung aus *laip>iPa.
6. sp wird schon früh zu st, wenn auch in etymologischer Schreibung
oft sd erscheint; so in der 3. Sg. Präs. Ind. von Verben wie ws. eiest,
wiext neben ciesd, wiexd § 359, 8; in Abstractis auf -du, wie mete-, rece-
liestu Speise-, Ruchlosigkeit; dann beim Zusammentritt von auslauten-
dem -s mit anlautendem d- in der 2. Sg. Ind. Präs, des nachgestellten
Pron. Pers, wie hilpestu, hafastu aus hilpis du, hafas du, woraus die
jüngeren Formen auf -st abstrahiert werden (s. § 356).
164 Dentale: § 201. ö, p. § 202-203. e
Anm. 9. Über sö für 8t im Hatton Ms. der Cura past. 8. § 196, 1.
7. ps (mit stimmlosem s) wird zu ss wie in bliss Freude, blissian freuen,
liss Sanftheit (mit kurzem Vokal?) für bllds, blldsian, llds, doch sind
letztere Formen als etymologische Schreibungen wegen bilde, Ilde Adj.
weit verbreitet. Ebenso cwist aus cwidest, cwidst du sprichst.
Anm. 10. In späteren Texten begegnet bisweilen hw- für pw-, namentlich
in Hpt. Gl., z. B. ^ehwierliecan für sepw&rliecan zustimmen u. a. (Napier,
Archiv 88, 185f.). Soweit es nicht Schreibfehler sind, muß Lautersatz vor-
liegen, der ähnlich in modernen engl. Mundarten vorkommt.
8
§ 202. s ist einer der häufigsten Konsonanten des Ae. und steht an allen
Stellen des Wortes, auch geminiert, z. B. sunu Sohn, sittan sitzen, sceal
soll, sprecan sprechen, standan stondan stehen, slxpan slepan schlafen,
sm&l klein, snottor weise, swellan sterben; oder in- und auslautend:
ceosan wählen, wesan sein, fisc Fisch, ^iest (s&st, ^est) Gast, cosp Fessel,
cyssan küssen, assa Esel usw. Mit vorausgehendem c und h wird es zu
x, s. § 209, § 221, 2.
§ 203. Ae. s entspricht dem germ. stimmlosen s und war anfänglich
sicherlich auch nur stimmlos, da der germ. daneben stehende stimmhafte
Laut (z) westgerm. zu r geworden war oder abfiel (s. § 181 f.). Im Laufe
der ae. Sprachentwicklung ist aber s, so wie andere ursprünglich stimm-
lose Spiranten, zwischen stimmhaften Lauten stimmhaft geworden. Dies
wird aus der Behandlung von Nachbarlauten deutlich, so aus den Prät.
ws. liesde zu llesan, rxsde zu rsesan mit d nach dem jedenfalls stimm-
haften s, gegen cyste zu cyssan mit t nach stimmlosem ss und bletsian
segnen; vgl. § 198, 4, § 405, 4.
Anm. Der Übergang vom stimmlosen zum stimmhaften Laut wird in der
ae. Schreibung nicht zum Ausdruck gebracht; das einheitliche Zeichen für
beide Laute ist 8. Er wird erst gelegentlich in me. Zeit durch Übernahme
der franz. Bezeiclmung z für den stimmhaften, c vor e und i für den stimm-
losen Laut deutlich, aber auch nicht immer, da s weiterhin für beide ver-
wendet wird. Die Qualität des Lautes hat sich aber — abgesehen von etwaigen
Verschiebungen durch Analogie - bis heute erhalten (vgl. ö, § 200, Anm.).
Darnach trat der stimmhafte Laut zwischen Vokalen und zwischen anderen
stimmhaften Lauten ein, soweit diese nicht durch frühe Synkope an
stimmloses 8 antraten und selbst stimmlos wurden. Stets stimmlos blieb
die inlautende Geminata (ae. cyssan, ne. hiss). Nicht ganz klar ist, wann
der Übergang in den stimmhaften Laut eintrat. Formen wie Prät. ws.
liesde, riesde (ebenso wie cyöde u. a. § 200, § 405, 2) scheinen zu zeigen, daß
der stimmhafte Laut bereits vor der Synkope der -i- vorlag. Es ist aber
wahrscheinlicher, daß in diesen Verbalformen der stimmhafte Laut aus dem
Präsens übernommen wurde, denn bletsian aus *blödisöjan, bliss aus *blipisi
§ 203-204. Dentale: s
165
zeigen Assimilationserscheinungen, die stimmloses s voraussetzen. Durch
die Annahme von Luick, Hist. Gram. § 639, 2, daß nach unbetonter Silbe
der stimmlose Laut erhalten blieb, sonst der Übergang aber der -i-Synkope
vorausgeht, bleiben dxnaian (ne. cleanse mit stimmhaftem s) und andere
Falle (s. Campbell, OE. Gram., S. 180, Fußnote 1) unerklärt. Ist aber der
stimmhafte Laut erst später eingetreten, wurde dieses Wort die zwischen
stimmhaften Lauten zu erwartende Entwicklung zeigen. Dies stimmt auch
zu schallanalytischen Untersuchungen, die Sievers an den ws. Gesetzen ge-
macht hat (Metrische Studien IV, 1, S. 102). Bei diesen fand er noch überall
stimmlosen Laut, und zwar Fortis im Anlaut, Auslaut und im Inlaut neben
Konsonanten (also in lieswian, rihtwzsra, älysde, m&rsude, hyrsumedon,
eorsian usw.), nur inlautend zwischen Vokalen eine druckschwächere Form
(stimmlose Lenis).
§ 204. An Besonderheiten über das s sind zu bemerken:
1. s steht in grammatischem Wechsel mit r, § 234.
2. Über die Gruppen germ. ss (st) aus Dental + t s. § 232; über st
für sd § 201, 6, über sd für st § 196, 1; über ss aus sr (sz) § 180; über ss
aus ps § 201, 7; über sei, sen, sem für sl, sn, sm § 210, 1.
3. Die Gruppe sp wird im späteren Westsächsischen zu ps metathe-
siert, z. B. aeps für sesp(e) Espe, cops für cosp Fessel, wlips für wlisp
stammelnd, cirpsian kräuseln, dazu cyrps kraus (dSlfric). Umgekehrt
wird ps zu sp in waesp aus waeps (§ 193, 3) Wespe.
Anm. 1. Da die Metathese auf ein kleines Mundartgebiet beschränkt ist,
gehen die me. und ne. Formen teils auf die Formen mit Metathesis, teils
auf solche ohne diese zurück (z. B. ne. wasp aber asp).
4. Die Gruppe sc wird im Westsächsischen (und in östlich an-
grenzenden Gebieten des Kentischen) etwa vom 9. Jahrhundert an im
Inlaut vor velaren Vokalen und im Auslaut nach velaren Vokalen zu
ks (gew. x, auch ks, hs geschrieben, s. § 202) metathesiert, z. B. inlautend
äxian (äcsian, ähsian) fragen aus *äsköjan, derxan für derscan dreschen,
waxan waschen, wöxon wuschen, Plur. axan Asche, Plur. fixas Fische,
Plur. ryxan rixan (mit i nach § 31, Anm. 2) Binsen, Plur. dixas Schüsseln
(lat. discus); auslautend: tux Stoßzahn, frox Frosch, und im Silbenaus-
laut vor Konsonant muxle Muschel, huxlic (/Elfric) schmählich (zu husc
Schande, frühme. hux Spott, bei Lajamon). Vor palatalen Vokalen und
im Auslaut nach solchen ist die Metathese nicht eingetreten, weil sc in
diesen Stellungen schon /<§/ war, s. § 206, daher Sing, fisc, -es, -e; disc,
•es, -e; fliese Fleisch, fiscere Fischer. Sie ist, soweit nicht überhaupt auf die
oben genannten Mundartgebiete beschränkt, sicherlich bloß südlich und
südwestlich, ahsadun, axsadun (neben ascadun), ^eaxast R1 können ws.
sein. Über die Schreibung x für ks, hs vgl. § 209, Anm. Schreibungen von
166
§ 204. Dentale: a
sc statt cs, x beruhen daher nicht auf einer umgekehrten Metathese,
sondern sind Fehlschreibungen, so -aesc für ws. <ex Axt Erf. Gl. (-%cus
Cp., aeces, acas L, Dat. PI. %ceswni Vesp. Ps.) und sesc Gesetze Ines, doch
könnte auch Verwechslung mit xsc Esche, Speer hereingespielt haben.
Anm. 2. Da in verschiedenen Formen des gleichen Wortes velare und palatale
Vokale in Flexionsendungen wechseln konnten, entstehen Ausgleichsformen,
wie Sg. fix, PI. fiscas, doch bewahren die besten Hss. auch spätws. die Flexion
z. B. von fisc (Sg. mit sc, PL mit x) genau bei. Andere Abweichungen ergeben
sich durch Verschiebungen innerhalb der Mundartgrenzen, so sind Formen
mit x sicherlich auch außerhalb des eigentlich ws. Gebietes verbreitet, vgl.
z.B. die Karten 15, 16 über die Verbreitung von ask und ax und in den
ne. Mundarten bei V. R. West, Der etym. Ursprung der ne. Lautgruppe [sl].
Die Klärung über den Umfang der ae. Metathese brachte H. Weyhe, Engl.
Stud. 39, 161-188. Die früher angenommene Rückmetathese von x zu sk
(Bülbring, El. B. § 520) ist zur Erklärung der Formen nicht nötig.
Anm. 3. Auffallenderweise steht stets sc in bisc(e)op Bischof, das auch später
stets S hat. Die überzeugendste Erklärung hierfür ist die von Luick, Hist.
Gram. § 691, Anm. 2, daß das Wort mit einem Nebenton auf der zweiten
Silbe gesprochen wurde und daher die Lautentwicklung wie im Anlaut (s.
§ 206, 4) eintrat. Vgl. dst. für andere Erklärungen. Auch Anlehnung an lat.
episcopus konnte die Metathese verhindert haben.
Anm. 4. Der Beginn der Metathese ist ins 9. Jahrhundert anzusetzen, da
bei ^Elfred die Formen ohne Metathese noch in Überzahl sind. Nur in
öefwix (zuerst in kent. Urk. v. 868, einmal Cura past., sonst betweox, betwux,
betux, und später betwyx, s. § 329, Anm. 1), vgl. as. twisk, ahd. zwisk{ön), sind
Formen ohne Metathese nicht nachweisbar; sie muß daher in diesem Wort
schon früh eingetreten sein (Luick, Hist. Gram. § 693, 2a., vielleicht wegen
vermindertem Satzton), wenn man an einen Zusammenhang mit der as.
und ahd. Form denken soll und nicht an ae. analoges Antreten der in ad-
verbialen Bildungen häufigen Endung -es des Gen. Sing, der Substantiva
(s. § 319) an betwih, ws. betweoh, das auch den Vokalismus beeinflußt hat,
s. § 329, Anm. 1.
5. Vereinzelt findet sich Metathese in der Gruppe ts, so in thrustfel Ep.
Erf. Corp. Ausschlag, Aussatz (vgl. got. prütsfill) und b&stere L Täufer
(neben basöcere L, bsecere Rit., baedzere, baszere R1), das wohl eine Ab-
leitung von *b&dsian baden mit Suffix -ere ist.
Anm. 5. Lat. c vor e, i wird in einigen jüngeren Lehnwörtern entsprechend
der franz. Aussprache durch ts wiedergegeben, während in älteren Lehn-
wörtern die Wiedergabe durch ae. c erfolgt (s. § 207), so in Profentse Pro-
vence, Ma^entse Mainz, yntse Unze Gewicht (aber ynce Zoll, aus dem das
y in yntse übernommen wurde); ebenso lat. te- in dracontse Drachenwurz
(dracontea, griech. ÖQan6vxiov), nordh. R8 plsetse (belegt in Akk. PI. plsetsa,
daneben Dat. PI. pl&sum, wohl ein Schreibfehler, s. Lindelöf, südnorth.
Mundart, § 132) Platz (platea), welches in L und Rit. als plsece (belegt L
im Gen. PI. pl&cene, L u. Rit. D. PI. plte(c)cum) erscheint: außerdem mit
ds\ palendse Pfalz (lat. palatium).
§ 204. Dentale: 8. § 205. Gaumenlaute
167
Anm. 6. Zwischen n und 8 fällt t manchmal aus, daher auch ynse, draconse
(s. Anm. 5) und in heimischen Wörtern in der Flexion binst für bintst bindest,
stenst für stentst zu stondan stehen; ebenso zwischen l und s in weist zu
wealdan (mit Vokalentwicklung nach § 104, b).
Anm. 7. Für ts, ds wird später manchmal auch z oder c (entsprechend
Anm. 5) geschrieben, z. B. Azur, Adzur neben Atsur Eigenname (altnord.
Qzurr), draconze neben dracontse, draconse, dann spätws. bezt für betet, milze
für miltse, flekt. Kasus von milts Milde; weiter beezere, biedzere R1 neben
biedcere, bsecere, biestere Täufer L, Rit., s. oben Pkt. 5, und in balzam neben
balsam Balsam, wo vielleicht ein d zwischen l und s entwickelt ist.
3. Germ. Gaumenlaute (Ae. Velare und Palatale)
§ 205. Die Zeichen c, j, h werden im Ae. sowohl für velare wie für
palatale Konsonanten verwendet. Das Germ, besaß dagegen vermut-
lich nur eine Klasse der entsprechenden Laute, denen man velare (oder
indifferente) Artikulation zusprechen muß. Die Spaltung führte zuerst
gewiß nur zu Stellungsvarianten in der Aussprache, erst mit dem Durch-
dringen des »-Umlauts (§ 95-107) zu verschiedenen Phonemen, die ohne
Rücksicht auf die Folgevokale nebeneinander vorkamen.
Anm. 1. Die späteren ae. Runen hatten für velare und palatale c und 5
getrennte Zeichen. Die gemeingerm. Zeichen für c oder (ae. cen Kien)
und für 3 X (ae. Gabe) wurden für die palatalen Laute beibehalten,
während für die velaren neue Zeichen erfunden wurden, und zwar für velares
c /h (ae. cweorn Handmühle), für 3 $$ (ae. jär Speer). Auf der Ruthwell-
Inschrift steht noch ein weiteres Zeichen ££ in cynin^, das wohl auch ein
velares c bezeichnet. Die Verschiedenheit der Runenzeichen geht jedenfalls
darauf zurück, daß nach dem Durchdringen des »-Umlauts velare c und 3
auch vor nun palatal gewordenen Vokalen standen. Die Lateinschrift hatte
außer der gelegentlichen Verwendung von k für die velare Form vor palatalen
Vokalen (s. § 206, 7d) keine Möglichkeit zur Unterscheidung (s. Penzl, Lan-
guage 23, 35), erst mit der Übernahme franz. Schreibgewohnheiten wurde
eine solche zum Teil üblich.
Anm. 2. In der älteren stabreimenden Dichtung werden Velare und Palatale
miteinander im Stabreim gebunden. Hierin spiegelt sich wohl alte Tradition
aus der Zeit, als der Unterschied der beiden Gruppen noch nicht phonemisch
war. Erst in der späteren Dichtung (so in der über die Schlacht bei
Brunanburh 937 und in Byrhtnoths Tod = Schlacht bei Maldon, entstan-
den bald nach 991) werden anscheinend die palatalen und velaren 3 ge-
schieden (s. Luick, Hist. Gram. § 696, Anm. 1).
Anm. 3. Die idg. Labiovelare hatten gemeingerm. die Labialisierung im
Anlaut und Inlaut vor Konsonanten (auch vor den idg. silbischen Sonanten
m, n, l, r = germ. um, un, ul, ur) und vor •Ö, dann auch im germ. Auslaut
verloren und sind mit den gew. Velaren zusammengefallen (Verlust der
Labialisierung vor idg. Ö ist unsicher, s. G. S. Lane, JEGPh 35, 17—26).
Soweit die Labialisierung erhalten blieb, steht für idg. kw ae. hw, für idg.
gw ae. cw (§ 208), z. B. ae. hw&t lat. quod-, ae. cwic{u) lebendig lat. vivus,
doch steht wie in den anderen germ. Sprachen für idg. kw manchmal /,
168
§ 205-206. Gaumenlaute
z. B. griech. got. umlfs, ae. antlf Wolf; griech. trievts lat. quinque,
got. ftmj, ae /?/. Idg. ghw ( — germ. gw) erscheint, soweit die Labialisierung
erhalten ist, als w, wenn der idg. Akzent nicht auf der unmittelbar vorher-
gehenden Silbe lag, daher stets im Anlaut (Sievers, Beitr. 5, 149), z. B. ae.
wearm (got. in warmjan), griech. ’&eoyoq lat. /ormw; (über andere vielleicht
hierher gehörige Beispiele s. F. A. Wood, Post-consonantal w, S. 103ff.).
Im Inlaut können bei allen idg. Labiovelaren wegen der Verschiedenheit
der Vokale in den Flexionsformen Doppelformen entstehen, zwischen denen
ausgeglichen wird, wobei das Ae. wie die übrigen westgerm. Sprachen, aber
anders als das Gotische und Nordgerm., die Formen ohne Labialisierung
durchführt (s. Luick, Hist. Gram. § 618, Anm. 2). Hieraus erklärt sich das
Nebeneinander von ae. nacod nackt und got. naqaps-, ae. sinjan singen und
got. siggwan, an. syngua-, ae. sincan sinken und got. gigqan; ae. stincan
stinken und got. stigqan, dann der regelmäßige Ersatz des inlautenden hw
durch h (§ 218) wie in seon sehen got. saiftan, leon leihen got. leihian, ea
Wasser got. afva (lat. aqua). Über die Entwicklung des intervokalischen gw
aus idg. ghw s. § 213, Anm. 1, bzw. bei grammatischem Wechsel aus idg. kw,
germ. hw § 233, Anm. 2. Reste der ehemaligen Labialisierung zeigen sich in
der Gemination von inlautendem h, § 228, Anm. 3, und wohl in der Be-
wahrung des Velars in dicce und mirce, § 206, Anm. 2. Auffallenderweise
ist w erhalten in nordh. ^enehwi^a (3. Sg. Präs. Ind. ^enehwaö, -as, Prät.
^enehuade L) nähern und neawunj Subst. Nähe L.
§ 206. Zur Entwicklung von getrennten Phonemen führte diese Spaltung
nur bei c und 5, nicht bei h. Bei diesem entstanden nur Stellungsvarianten
(wie im Neuhochdeutschen).
Für die Spaltung gelten im Ae. folgende Gesichtspunkte:
1. Im Anlaut wurdencundjzu palatalem c' und 3' vor den primären
Palatalvokalen (§ 7, Anm.) as (westgerm. a), 3s, e ( = westgerm. ä, § 62),
e, e, i, l und den daraus durch Brechung entstandenen Diphthongen ea,
ea, &>, weiter vor den Langdiphthongen ea (germ. au), eo, w; endlich
vor den daraus durch »-Umlaut entstandenen £, le (bzw. ‘unfesten’ f, y,
§ 41). Sie bleiben aber velar vor den velaren Vokalen a (vor velaren
Vokalen und w § 50, 1 und 2; vor Nasalen § 79; vor r oder l + Kons.
§ 84 und 85), ä (aus germ. ai), 0, ö, u, ü und den daraus durch »-Umlaut
entstandenen sekundären palatalen Vokalen se, &, (ft, (S), y (‘festem’
y, § 31), sowie vor Konsonanten. Daraus erklärt sich die Diphthon-
gierung der primären Palatalvokale und deren Umlaut § 90, 1, § 91.
Anm. 1. Unklar ist die Qualität von c und 3 vor dem durch Velarumlaut
entstandenen ea, s. § 108, Anm. 4.
2. Im Inlaut wurde 5 palatal zwischen primären palatalen Vokalen
(aber nicht, wenn nur auf einer Seite ein palataler Vokal stand), dann
nach solchen vor Konsonanten und vor solchen nach Konsonanten; c
aber nur zwischen vorhergehendem » und folgenden palatalen Vokalen,
§ 206. Gaumenlaute
169
weiter stets vor urae. i, j. Es behielt diesen Charakter auch bei, wenn
vorhergehendes i im Laufe der Sprachentwicklung ausfiel (z. B. ae.
cirice, ne. church) oder folgendes i, j schwand (§ 146, § 147, § 177, doch
s. unten Anm. 2) oder i zu e wurde.
Anm. 2. Es ist wohl möglich, daß auch c unter den gleichen Umständen
wie 5 inlautend einen leicht palatalen Charakter annahm, doch war der
Grad der Palatalisierung jedenfalls nicht so stark wie nach i oder vor i
oder j, wie sich aus der Folgeentwicklung (Pkt. 8) zeigt (Luick, Hist. Gram.
§ 367, Ende). — Wenn i durch Synkope in Mittelsilben ausfiel (§ 158, § 159b),
wurde vorausgehendes c, das dadurch vor Konsonanten zu stehen kam,
zxnn velaren Laut ruckgebildet (bzw. verlor die starke Palatalisierung, welche
zu der Entwicklung nach Pkt. 8 fülirte); j behielt aber nach den oben
angegebenen Regeln den palatalen Charakter bei. - Eine Rückbildung zum
velaren Laut scheint auch eingetreten zu sein, wenn nach Ausfall des j (i) c,
j nach n oder geminiertes j (cj, § 211) vor Flexionsendungen mit velarem
Vokal (a, u) zu stehen kam (Luick, Zur Palatalisierung, Anglia 59, 273ff.;
Hist. Gram. § 690), doch wurde oft, besonders im Süden, nach den Formen
mit erhaltenem palatalem Laut ausgeglichen. Ebenso ist eine solche Rück-
bildung bei Suffixtausch (§ 141, Anm. 2) oder bei Übertritt in eine andere
Deklinationsklasse, z. B. von i-Stämmen in die idg. o- (ä-) (germ. a-, ö-)
Klasse, möglich. Kein palatales c steht in Öicce (ne. thick) und mirce (ne.
mundartl. wirk') y wahrscheinlich weil hier c auf germ. kw zurückgeht, dessen
Labialisierung zur Zeit des Eintretens der Palatalisierung noch wirksam war
(Luick, Hist. Gram. § 637, Anm. 4).
Anm. 3. Vor e als Sekundärvokal (§ 152ff.) stehen velare c und j (also in
a?cer, finger usw.). Ebenso stehen velare Laute vor dem aus -öja- entstande-
nen -i- der 2. schwachen Konjugation, § 411.
3. Im urae. Auslaut (auch bei germ. Abfall ursprünglich auslautender
Vokale und Konsonanten) ist c palatal nach unmittelbar vorausgehendem
i; j ist palatal nach allen palatalen Vokalen.
Anm. 4. Auch hier ist eine leichte Palatalisierung des c nach allen palatalen
Vokalen wohl möglich, doch führte sie nicht zu den in Pkt. 8 dargelegten
weiteren Veränderungen (vgl. Anm. 2). Außerdem ist Ausgleich innerhalb
des Flexionsschemas möglich, wenn Formen mit auslautendem c, j mit
solchen wechselten, in denen Endungen mit velaren Vokalen folgten.
Anm. 5. Nach den Diphthongen ea, eo ist j ursprünglich velar, weil sie
auf einen velaren Vokal ausklangen. Doch ist anscheinend nach ea allmäh-
lich eine Umformung eingetreten.
4. sc- ist im Anlaut überall palatal geworden, jedoch zuerst vor pala-
talen Vokalen und erst später vor velaren (bzw. sekundären palatalen)
Vokalen und Konsonanten.
Anm. 6. In der Gruppe acr- scheint sc nur mundartlich palatal geworden
zu sein, s. V. R. West, Der etym. Ursprung der ne. Lautgruppe [«&], S.
65-102, wenn nicht Lautersatz im nordg. Siedlungsgebiet eintrat, s. Be-
sprechung von H. Koziol, Engl. Stud. 72, 93-97.
170
§ 206. Gaumenlaute
5. Im Inlaut ist sc nur vor velaren Vokalen nicht palatal geworden;
im Auslaut nicht nach velaren Vokalen.
Anm. 7. Dies ergibt sich daraus, daß in diesen Stellungen ws. Metathesis
zu ks (x) eintrat. S. § 204, 4.
6. Anlautendes h ist bloßer Hauchlaut und unterliegt als solcher keiner
deutlich hervortretenden Veränderung. Im Nachlaut war es dagegen,
wie die Brechungen zeigen (§ 86), ursprünglich überall velar. Im Laufe
der ae. Zeit ist aber in den Stellungen ht, hs, hd und anscheinend nach
Sa (zumindest im Ws.) eine Verschiebung zur palatalen Variante einge-
treten (s. § 121; § 122).
7. Aus dem Ae. selbst lassen sich für die Palatalisierung nur wenige
Kriterien gewinnen. Sie sind vor allem graphischer Natur. Deutlich
wird der Umfang der Palatalisierung erst aus der Weiterentwicklung ins
Me. Die aus dem Ae. zu gewinnenden Kriterien sind:
a) Für die Palatalisierung der anlautenden c, 5, sc zeugen die Diph-
thongierungen der primären Palatalvokale bes. im Ws., § 91; für die
jüngere Palatalisierung von sc vor velaren Vokalen die Schreibungen
mit Gleitelauten, § 92, 2; für die Palatalisierung von 5 im besonderen
die gleiche Bezeichnung von germ. j, § 211.
b) Die besonderen Zeichen in der ae. Runenschrift s. § 205, Anm. 1.
c) Zwischen inlautenden palatalen c', 5, sc' und folgendem velarem un-
betontem Vokal wird oft ein e oder i als graphisches Hilfszeichen einge-
fügt, und zwar vor a, o meist e (selten in alten Texten auch i), vor «
bisweilen i; z. B. Nom. Pl. l&ceas, G. l&cea zu ISce Arzt § 248, G. Pl.
ricea zu nee Reich § 246, Inf. secean suchen, reccean reichen, öencean
denken § 407, 1, fyl^ean folgen § 417, Anm. 7, lic^ean liegen § 372,
seejean sagen § 417; G. Pl. fl&scea zu fli&sc Fleisch § 267, a, G. D. Sg.
äiscean zu iesce Verlangen § 278 (Grundform germ. *aiskjan-), Inf.
ädwgscean auslöschen, ofÖryscean unterdrücken § 403 ff. neben Schrei-
bungen wie IScas, lieca, nca, secan. reccan, Öencan, jyl^an, licjan, secean,
fiSsca, sescan, ädwaescan, ojöryscan usw.; oder meni^eo Menge, stren^eo
Stärke, wlenceo Stolz § 280, PI. ^efylceo (neben sefylcio) zu sefylce Ge-
folgschaft, Pl. sticceo neben sticcio zu stycce, sticce Stück § 246, Anm. 5,
Superlativ andfen^eost zu andfen^e angenehm § 298, neben men i 50,
stren^o, wlenco, ^efylco usw. Außerdem nach sc mennescea schw. Adj.,
stark mennisc menschlich; D. Pl. drencium zu drenc Trank § 266, ecium
zu ece ewig, dry^ium zu dry^e trocken § 298 neben drencum, ecum,
dry^um usw.; nur selten wird vor u auch e gebraucht, also eceum, wascceum
zu wascce Wache § 278, riceu N. Akk. Pl. zu nee Reich (gew. riciu, D.
Pl. ncium § 246).
§ 206. Gaumenlaute
171
Anm. 8. Das Schwanken in der Schreibung kann mit dem Anm. 2 erwähnten
Ausgleich Zusammenhängen, doch ist aus dem Fehlen der e, i nicht unbe-
dingt auf velare Aussprache zu schließen. — Vor e wird kein Hilfszeichen
gebraucht, wohl haben aber die ältesten Texte bisweilen ein i vor te, § 44,
Anm. 6, z. B. birciae Ep. Birke, hrin^iae Ep. Spange.
d) Die Schreibung k für velares c, die in vielen Handschriften erscheint,
allerdings selten regelmäßig, am häufigsten vor y (kynin^, kyri) und dem
daraus entstandenen i (kin^). Ziemlich regelmäßig wird bloß in R1 k
im Anlaut vor a?, e, i verwendet, nicht so regelmäßig im Inlaut und Aus-
laut, s. Bülbring, Angl. Beibl. 9, 289ff.
8. Die velare und palatale Aussprache führt bei c und 5 noch zu weiter-
gehender Differenzierung. Der stimmhafte Laut (3) ist im Anlaut, wenn
velar, Verschlußlaut; wenn palatal, Reibelaut (/). Im In- und Auslaut
sind beide 3 Verschlußlaute nach n und in der Geminata, sonst Reibe-
laute. Der palatale stimmhafte Verschlußlaut (der also bloß in- und
auslautend nach n und in der Geminata vorkam) und das palatale c
(dieses bei voller Palatalisierung, s. Anm. 2 u. 4) sind endlich offenbar
noch im Laufe der ae. Zeit zu palatalen Affrikaten, d. h. annähernd
/c?z/ und /#/ wie in ne. edge und chin, geworden. Dies ergibt sich aus den
Schreibungen orceard für ort^eard (ne. orchard) und fecc(e)an für feiian
(ne. fetch, s. § 196, 2) und dei späteren (10.-11. Jahrhundert) Schreibung
mic^ern für mid^ern Fett, s. § 216, Anm. 2. Palatales sc hat sich zu /$/
entwickelt.
Anm. 9. Da fecc(e)an in einer Hs. aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhun-
derts (s. § 196, 2) begegnet, ist der Beginn dieses Überganges spätestens
im 9. Jahrhundert anzusetzen (vereinzeltes orc^eard, Cura past. H, ist zwar
älter, aber vielleicht noch nicht beweiskräftig). Damit ist allerdings nicht
gesagt, daß die Stufe jtS/, /di/ um diese Zeit schon völlig erreicht, und noch
weniger, daß sie bereits gemeinae. war, denn zuerst muß die palato-gutturale
Artikulation in die palato-dentale (also kj zu tj, gj zu dj) übergegangen sein.
Zu Beginn der me. Zeit war aber die Stufe jt§j, di/ jedenfalls bereits erreicht.
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts beginnen die Schreibungen ch
für /«£/ nach franz. Schreibgewohnheit und ebenso g, dg für /di/, die aller-
dings weiterhin zweideutig ist, weil g auch den stimmhaften Verschlußlaut
(§ 211) bedeutet. Anderseits ist der Übergang zur palato-dentalen Artikula-
tion nach der Rückbildung der palatal gewordenen c in velare (s. Anm. 2)
anzusetzen. Ältere Schreibungen von ch für c (so ziemlich häufig in R2)
sind kein Zeichen für eine geänderte Aussprache des c, denn sie finden sich
sowohl für palatales wie für velares c, so R2 sööliche, Gen. stenches, Opt.
brüche, 3. Sg. Ind. Präs, sibrüchea, drinched, Gen. Sg. folches', L michil neben
gew. micil, carchern neben carcem; chün Kühe, machede machte Eadwine
Ps.; lochi^e, bech Bücher Vesp. D XIV u. a. Inkonsequent wie sie auftreten,
sind sie auch kaum ein Versuch, velare Aussprache vor palatalen Vokalen
darzustellen, wie Bülbring, Angl. Beibl. 9, 75 annimmt. Der Übergang zu
[täf, /di/ ist gemeinenglisch, nicht nur südenglisch (dies nehmen Kluge in
172
§ 206. Gaumenlaute
Pauls Grdr.2, S. 844 und Bülbring, El. B. § 499 an), doch ist er im Norden
und Nordosten durch die Aufnahme zahlreicher altnord. Lehnwörter, welche
j velares k, g an Stelle des ae. /«$/, /dz/ hatten, gestört, s. O. Gevenich, Die
I engl. Palatalisierung von k zu t im Lichte der engl. Ortsnamen (Studien
z. engl. Philologie 57, Halle 1918), dazu Besprechung von E. Ekwall, Angl.
{ Beibl. 30, 224f.; Jordan, Handb. der me. Gram., § 179, Anm. 1; außer -
1 dem scheinen der Norden und Nordosten eine gewisse Vorliebe für k-, g-
Formen zu haben, wo solche nach Anm. 2 in Doppelformen vorkamen, s.
Luick, Angl. 59, 274ff. Nicht sicher ist, ob man für die Ortsnamen auf
-caster (statt -ehester bzw. -cester in anglofranz. Umgestaltung), wie Lancaster,
Doncaster (gegen Manchester, Chester usw.), Unterbleiben des Überganges
von palatalem jk'/ bis zu /t§/ für ein kleines Mundartgebiet annehmen soll
(so Ekwall, Angl. Beibl. 30, 222-225; Luick, Hist. Gram. § 685, 1), oder
Lautersatz durch nordg. Siedler. Weil sich -caster gerade in stark nordg.
besiedelten Gebieten findet, ist dies fast wahrscheinlicher (so Gevenich,
a.a.O. S. 84f. und darnach Jordan, Hb. d. me. Gram., S. 161; A. H. Smith,
Engl. Place-Name Elements, I, 86), zumal in solchen Gebieten velares k
in Ortsnamen auch vor e und i in Elementen vorkommt, die nordg. nicht
existieren, z. B. Keswick Cumberl., Yorks., W. Rd., Norfolk (erster Bestand-
teil angl. cese Käse, ws. eise, cyse) gegen Cheswick Northumberl., Chiswick
Essex, Middlesex (b. A. H. Smith, Engl. Place-Name Elements I, 91 unter
cese) oder in Kildwick Yorks., W. Rd. gegen Childwick Hertfords. u. a.
(erster Bestandteil ae. cild Kind, s. A. H. Smith, ebenda, I, 94), dann auch
bei anlautendem sc wie in Skipton Yorks., W. Rd. (erster Bestandteil angl.
scep, nordh. scip Schaf, s. A. H. Smith, ebenda, II, 101) oder Skelton Cumberl.
(erster Bestandteil ae. angl. scelf Abhang), gegen Shilton Berks, (von der
ws. Form. sci(e)lj, s. A. H. Smith, ebenda, II, 104-06). -wick in Ortsnamen
hat velares k, weil es meist auf den Dat. Plur. (ae. wicum), nicht auf den
N. Sg. oder PI. wie Bauernhaus zurückgeht {-wich ist selten, z. B. Droitwich
Worcesters.), es ist daher nicht örtlich beschränkt (s. A. H. Smith, ebenda,
II, 257-263) und die Ansicht von John W. Watson jun., Language 23,
43-49, es sei nördl., nicht haltbar.
Anm. 10. Die Entwicklung von sc zu /£/ muß vor Aufnahme der nordg.
Lehnwörter schon weit vorgeschritten gewesen sein, weil diese sk regelmäßig
bewahren, den Lautwandel also nicht mehr mitmachten. Außerdem muß
er auf ws. (und kent.) Gebiet in den Stellungen, wo keine Metathese zu ks
{x) stattfand (§ 204, 4), schon vor dem Auftreten der Metathese (9. Jahrh.,
s. § 204, Anm. 4) zu einem deutlichen Unterschied geführt haben. Wann
er zu einem tatsächlichen /&/ geführt hat und wie lange und wo etwa ein zwi-
schen jsk/ und /^/ liegender Laut (etwa /s'%'j, oder palatales /s’j) galt, läßt
sich nicht entscheiden. Über die verseh. Ansichten vgl. V. R. West, Der
etym. Ursprung der ne. Lautgruppe [«&], S. 3-67. Zur vermutlichen Zeit
des Überganges zu /§/ vgl. E. Slettengren, Stud. i modern spräkvetenskap
15, 45-50 (gegen F. Schubei, Ekwall-Festschrift, der den Übergang erst
für das 10. Jh. annimmt) und Flasdieck, Anglia 76, 343-410.
9. Von einer besonderen Bezeichnung der palatalen Aussprache (etwa
durch, diakritische Zeichen) ist im folgenden abgesehen worden.
§ 207-209. Gaumenlaute: c 173
c (k, q; x)
§ 207. c ist das Zeichen für die velare und palatale Tennis und auch für
die aus der letzteren im Laufe der ae. Zeit entstandene Affrikata, § 206, 8.
Über die Aufteilung zwischen velarer und palataler Artikulation s. § 206,
1-3. Es entspricht in germ. Wörtern der idg. Media g, germ. k. In Fremd-
wörtern steht es für lat. c im Anlaut und in den meisten Lehnwörtern
auch im Inlaut, doch vgl. § 204, Anm. ö und § 207, Anm. 2. Beispiele
für velares c: germ. Wörter: cosp Fessel, cüd bekannt, cennan zeugen,
cynn Geschlecht, sacan streiten, swicol betrügerisch, sacu Streit, secer
Acker, höc Hacken. Fremdwörter: cäsere Kaiser, copor Kupfer (lat.
cuprum, ne. copper), cöc Koch (lat. coquus, ne. cook), cyl(e)n Ofen (lat.
culina, ne. kiln), culter Pflugschar (lat. culter, ne. coulter), creda Credo,
cycene Küche (ne. kitchen), draca Drache (lat. draco); geminiert: <9a?c(c),
Gen. ssecces Sack (lat. saccus, ne. sack). Palatales c: germ. Wörter: ws. kent.
ceald kalt (angl. cald mit velarem c, ne. cold), ceosan wählen, kiesen (ne.
choose), cild Kind (ne. child), geminiert vor urspr. j: Öeccan decken (ne.
thatch); Fremdwörter: ws. *ciese (cyse, eise) angl. cese Käse (lat. cäseum,
ne. cheese), ws. ci(e)st angl. cest Kiste (lat. cista, ne. ehest), cetel Kessel
(lat. catillus', ne. kettle ist Lehnwort aus dem Nordischen, aber Chettle
in Eigennamen), celic Kelch (lat. calicem), pic Pech (ne. pitch), cycene
Küche (ne. kitchen), ynce Zoll (lat. uncia, ne. inch), pilece Mantel, Kleid
(lat. Adj. pellecia zu pellex), spice Gewürz (lat. species-, ne. spice ist
franz. Lehnwort), cirice Kirche (nach griech. nvoiaxa, ne. church).
Anm. 1. Über die Schreibung k für die velare Tenuis s. § 206, 7, d; über
cw s. § 208; über ct für ht § 221, Anm. 1; über ce, ci zum Ausdruck der
palatalen Tenuis (Affrikata) § 206, 7, c; über ch für c § 206, Anm. 9.
Anm. 2. Unsicher ist der Lautwert des lat. c vor e, i in einigen gelehrten
(nach dem Schriftbild übernommenen) Lehnwörtern, wie cruc (lat. crucem),
pumic (lat. pumicem), cilic (lat. cilicium), calic (lat. calicem), circul (lat.
circulus, -um), ceder (lat. cedrus). Vgl. über diese Entsprechungen Pogatscher,
Lehnworte, § 346 ff.
§ 208. kw wird mit cw, nicht wie im Lat. durch qu, wiedergegeben (in
alten Hss. auch durch cu), wie ewedan, cwic, cwömon, alt cueÖon, cuic,
cuömun; nur selten steht in den ältesten Texten, wie lat., qu, z. B. quidu
Ep. Gl., Quöenöryd Eigenn. Urk. v. 824 (ziemlich oft in Corp. GL).
§ 209. Für cs, welches erst durch Synkope eines Vokals oder durch
Metathese aus sc (§ 204, 4) entsteht, wird meist x geschrieben: rixian
herrschen, asx ^cesum D. Pl. Vesp. Ps., acas L) Axt; äxian fragen, axe
Asche, betweox zwischen, z. T. neben ricsian, äcsian usw.
Anm. Außer x und cs (letzteres ist besonders häufig in Wörtern wie
174
Gaumenlaute: § 209-210. c. § 211. j
rlcsian wegen ihres Zusammenhangs mit rice usw.) begegnen noch verschie-
dene Variationen der Orthographie: cx, hx, xs, cxs, hxs, hs: ricxian, ähxian,
axse, ancxsumnys, ähxsian, ähsian, rihsian, sehr selten 55, wie ajsian; vgl.
übrigens § 221, Anm. 3.
§ 210. An Besonderheiten sind über das c noch zu bemerken:
1. In den anlautenden Lautgruppen sl, sm, sn erscheint gelegentlich
ein c eingeschoben: sclät Corp. 433, scleacnes, äsclacad kent. Gl. 694, 696,
scme^ende Vesp. Ps. 118, 129, scnicendan Cura past. 155, 17, scluncon
Epist. Alex. 320, sclep Gen. Marg. usw. Vgl. K. Sisam, Archiv 131, 305.
Anm. 1. Diese Schreibungen sind nicht durch sporadische Entwicklung zu
/ S / zu erklären (so Bülbring, El. B. § 507, Anm.), da die spätere Entwicklung
diesen Laut nirgends zeigt. Es wird sich eher um Entstehung eines k als
Gleitelaut zwischen s und l, m, n handeln (Luick, Hist. Gram. § 650; ähn-
liches findet sich me., s. Jordan, Handb. d. me. Gram. § 209, Anm. 1; in
modernen engl. Mundarten, s. V. R. West, Der etym. Ursprung der ne.
Lautgruppe [>&], § 115ff., und auch ahd., s. Braune-Helm-Mitzka, Ahd.
Gram.8, § 169, Anm. 3).
2. Vor den Personalendungen der 2. 3. Sg. Ind. Präs, -st und -ö geht
im Spätws. c oft in h über, z. B. täehst t&hd usw. für tiecst teecS, s. § 359, 5.
Daher findet sich auch c für ä in solchen Fällen als umgekehrte Schrei-
bung, s. § 359, Anm. 6.
3. Auslautendes c in unbetonten Silben erscheint in spätnordh. Texten
(L Rit. R2) als ä, so Pron. ih ich (enklitisch auch 13, so sx^di^, for^eldi^
für sse^de ic, jor^eldo ic), meh, deh, üsih, iuih (iuh), manchmal auch als
ch (mech, usich) oder 3 {üsi^), dann auch in Nachsilben wie in hüli^ (für
hülic) wie beschaffen, rehtlih recht (gew. rehtlic nach den flektierten
Formen). In der Partikel ah (für ac) ist diese Schreibung weiter ver-
breitet (Vesp. Ps., R1, R2, L, Rit., Beda-Übers., Chad-Leg. und Blickl.
Hom.). Es handelt sich anscheinend um eine angl. Eigentümlichkeit, die
daher in streng ws. Texten nicht erscheint. Sie liegt aber der me. Weiter-
entwicklung des Pron. pers. 1. Pers. Nom. ae. ic, me., ne. I, dem Adjektiv-
und Adverbialsuffix ae. -lic, -lice zu -ly und von ae. bserlic Gerste zu
me. barly, ne. harlty zugrunde.
4. Für et steht im Spätws. ht in leah-tun Garten für leac-tun und in
leah-tric lactuca (aber leac-tro^ corimbus).
Anm. 2. Über c für 3 s. § 215; über Wechsel von cc mit hh vgl. § 220, Anm. 2.
3
§ 211. Das Zeichen 3 bezeichnet außer dem germ. Halbvokal j (§ 175, 2)
auch noch den stimmhaften Verschluß- und Reibelaut, welcher etymolo-
§ 211-212. Gaumenlaute: 5
175
gisch, einerseits dem idg. gh, anderseits germ. h bei ‘grammatischem
Wechsel’, § 233, entspricht. Er ist nach § 206, 1 in einen palatalen und
velaren Laut, nach § 206, 8 in den Reibe- oder Verschlußlaut bzw. die
palatale Afirikata gespalten.
Anm. Aus der Verwendung des Zeichens 3 für den Halbvokal /// (§ 175)
und für den palatalen und velaren stimmhaften Verschluß- und Reibelaut
läßt sich keineswegs auf eine ursprünglich einheitliche Aussprache schließen;
ebensowenig daraus, daß alle diese Laute zumindest in der älteren Stabreim-
tlichtung miteinander im Stabreim gebunden werden. Sie wurden eben als
ein Phonem empfunden. Eine phonemische Spaltung trat erst ein, als sich
der palatale Verschlußlaut nach n und in der Geminata zur Affrikata ent-
wickelt hatte. Daß die palatale Variante in diesen Stellungen Verschlußlaut
war, läßt sich nur aus der Entwicklung zur Affrikata erschließen; ebenso
ergibt sich aus der me. und ne. Weiterentwicklung, daß die velare Variante
(in den § 206, 1 genannten Stellungen) Verschlußlaut war, doch läßt sich
nicht feststellen, ob dieser ursprünglich war oder erst später entstand. Über
die von Sievers schallanalytisch erschlossenen phonetischen Werte s. Luick-
Festschrift, § 18, S. 69 und Förster-Festschrift, S. 71, § 31, b und c. Die
Schreibungen mit kontinentalem g nach Einführung der französischen Schrift
sind hierfür nicht ganz beweiskräftig, weil in frühen südwestl. Handschriften
g auch vorkommt, wo nach der sonstigen me. Schreibung Reibelaut zu er-
warten ist, s. N. Denholm-Young, Handwriting in England and Wales (Car-
diff 1954), S. 18. - Nicht beweiskräftig für den phonetischen Wert des ae.
anlautenden 3 ist auch die Schreibung Crecas bzw. Creacas Griechen (s.
§ 66, Anm. 2), wo nach der gewöhnlichen Annahme lat. G durch den stimm-
losen Verschlußlaut ersetzt wurde, weil ein stimmhafter, der dem lat. G
entsprechen würde, ae. im Anlaut nicht vorkam (wie u. a. für got. Kreks
angenommen wird, s. dazu die Literaturangaben bei Braune-Helm-Ebbing-
haus, Got. Gram.18, § 57, Anm. 2), zumal ae. auch 3recas, Srecisc, Sreacaa
vorkommt (Beda-Übers., ^Elfric, Gram., Orosius). Die Schreibungen mit
C könnten, so wie got. Kreks, anders zu erklären sein (s. Luick, Hist. Gram.
§ 663), auch Entlehnung aus dem Hochdeutschen wäre möglich (ahd. Kriah),
und, da es sich um ein eher aus Handschriften als mündlich übernommenes
Wort handelt, Verwechslung des G der Unziale kontinentaler Handschriften,
dem in der ae. Insulare 3 entspräche, mit dem in der Unziale dem G ähn-
lichen und auch in der Insulare gebräuchlichen C (s. § 4).
§ 212. Beispiele für den anlautenden velaren Laut sind: ^alan
singen, ^äst Geist, jotd Gold, pima Mann, yylden golden, ^Ued froh,
jnorn Trauer, yrafan graben, auch vor as als i-Umlaut von a (§ 96, 3) in
set^eed&re zusammen; dagegen für den palatalen jeldan gelten, jea/
gab, tfajon gaben (mit Übertragung aus dem Sg.), jeoton gießen,
Gabe, ws. jieldan übergeben usw.
Anm. 1. i für palatales 3 erscheint in iarwan neben ^earwan R1 » ws.
Sierwan nordh. ^earwia § 408, Anm. 3; weiter kent. ^thilizeardi Urk.
v. 732, Eaniardi v. 778, /Edelieard v. 805 für -^eard-, u. ä. Auch in jüngeren
(zumal kentischen) Texten kommt i für 3 bisweilen vor, wie in iemuns,
176
§ 212-214. Gaumenlaute: 3
biions, ieteld GL für jemwnj Hochzeit, &«j(e)onj Begang (§ 92, Anm. 4),
^eteld Zelt usw., gelegentlich auch iarcian bereiten (Benet) für ws. ^earcian
usw.
Für die Partikel je- erscheint in solchen Texten auch i, namentlich nach
un-: unilic ungleich, uniwemmed unbefleckt Hpt. Gl. usw. (so auch unij-
metes überaus Beow. 1792, aber un^ernete 2721, 2728).
Anm. 2. In späten Texten fehlt öfters das j vor Sa und So: ealla, eador,
ea^las, eom, eojo<5, eoc für 3ea.Ua Galle, jeador zusammen, jeajkw Kiefer,
jeom gern, jeojod Jugend, jeoc Hilfe, vgl. § 176, Anm. 1. Spätkent. er-
scheint umgekehrt bisweilen ein j vor ea, eo zugesetzt, ^earfode, $eade,
jeornest, ä^eode, jid^eode für earfoöe beschwerlich, eaöe leicht, eornest ernst,
äeode ging, juleode half. Beide Erscheinungen erklären sich wohl daraus,
daß wegen Akzentverschiebung, § 125, a, ea, eo mit jea, jeo zusammen-
fielen und daher auch graphisch nicht mehr streng geschieden wurden.
§ 213. Beispiele im In- und Auslaut nach Vokalen und r und l sind:
für den velaren Reibelaut: la^u Meer, beordern bergen, bel^an zürnen;
für den palatalen: rejn Regen, riynan regnen, d&s, dieses Tag, Tages.
Über die Schreibung je- für palatales J s. § 206, 7, c.
Anm. 1. Wechsel von inlautendem j und w ergibt sich bei idg. Labiovelaren,
weil diese einerseits vor idg. Ä die Labialisierung früh verloren, anderseits
das vor palatalen Vokalen (auch vor idg. ä = germ. ö) zu erwartende gw
zu w wurde, wenn idg. der Ton nicht auf der immittelbar vorhergehenden
Silbe lag. Über Doppelformen, die dadurch entstehen, vgl. Osthoff, Beitr. 8,
256-287. Es dürften hierher gehören: ae. maju Sohn, ma?j(e)Ö Mädchen
und meowle Mädchen, weiter ae. hni^an neigen gegen got. hneiwan, vielleicht
auch &mj Brei in den alten Glossaren gegen gew. ws. briw, vgl. aber § 250,
Anm. 2, ws. briew Braue gegen angl. (Vesp. Ps., Beda-Übers.) 6rej (aus der
Dehnstufe zu got. *&rafe, erhalten in Dat. brafva), spätws. hweo^ol, hweowol
Rad (neben hweol, hweohhol mit ‘grammatischem Wechsel’ nach § 234,
Anm. 3, bzw. Kontraktion nach § 129, 2), hiwan Genossen, Familie, Kloster-
brüder neben Aijan (nordh. Mju) und die Formen des Prät. Plur. und
Part. Prät. zu seon sehen, s. § 391. Nicht hierher gehören aber die Formen
der idg. -/o-Stämme mit wurzelschließendem -w- nach kurzem Stammvokal,
s. § 247, Anm. 1.
Anm. 2. Zwischen palatalem j und vorhergehendem r und l erscheint im
späteren Ws. nicht selten ein Sekundärvokal i, wenn die vorhergehende
betonte Silbe ein y, i oder e enthielt (s. § 165, a), so byrij § 284, Sbyli^ö
Zorn, myri^ö mirijÖ Freude, für to/rj, eebyl^b, myrjdu.ä., auch im Innern eines
Wortes wie jyli^an folgen, wyrijan verfluchen, merijen Morgen, für fyl^an,
wyr^an, merken. Seltener erscheint zwischen r und velarem j ein Sekundär-
vokal u, wenn in der betonten vorhergehenden Silbe ein u steht, so &urwj
für öurj, s. § 165, b.
§ 214. Weitere Veränderungen des spirantischen 3 zeigen sich in folgen-
dem:
1. Für velares j erscheint im Auslaut in späteren Texten mehr oder
weniger regelmäßig h (als Zeichen für den stimmlosen entsprechenden
§ 214. Gaumenlaute: 3
177
Reibelaut), z. B. jenöh genug, beah Ring, stäh stieg, beorh Berg, burh
Burg, sorh Sorge, bealh zürnte, ütlah Friedloser, ^etoh das Ziehen, für
jenöj, &eaj, stäj, beorj, burj, sor^, bealj, ütlaj, setoj; dann auch im
Auslaut des ersten Bestandteils von Kompositis wie lahbryce, slite
Gesetzesbruch, hohmöd sorgenvoll, hohful eingedenk. Zu unterscheiden ist
dieser Wechsel von 3 und h von dem grammatischen Wechsel dieser
beiden Laute, über den § 233f. zu vergleichen ist.
Anm. 1. rüh rauh neben seltenerem rüj gehört aber zu § 223, Anm. 1;
vgl. auch § 234, Anm. 1.
Anm. 2. Durch Übertragung eines velaren j aus anderen Formen desselben
Wortes erklärt sich gelegentliches h an Stellen, wo ursprünglich palatales j
stand, wie in atihst, atlhö steigst, steigt, atih steige wegen Inf. atijan und
Präs. PI. stijad, weh Imp. wiege, wseh Prät. wog wegen Inf. wejctn und Präs.
PI. wejad (letztere mit velarem j nach § 206, 2) oder in beh bog (§ 121) für
älteres beaj, beah, soweit nicht fehlerhafte (umgekehrte) Schreibungen vor-
liegen. In dem häufigen yrhöo Feigheit für yrjöu, -o wird wie in myrhö Heiter-
keit für myrjÖ wohl Assimilation an das stimmlose Ö (s. § 200, Anm.) vor-
liegen. Die spätnordh. Schreibungen Öritih, aextih, auinnih L für öritij, aextij,
aynnij können fehlerhafte Schreibungen sein, die durch -h für -ic nach un-
betontem -i- mitbedingt sind (s. § 210, 3).
Anm. 3. Seltener ist h für 5 im Silbenauslaut vor Konsonanten, also in
Formen wie ähnian besitzen, ählzeca Unhold, dihlan verbergen, fahnian sich
freuen, juhlas PI. Vögel statt ejniun, äjleeca, dijlan, fajnian, tujlas.
Anm. 4. Nur wenige Texte (so oft die Boeth.-Ubers.) gebrauchen h auch für
5 zwischen Vokalen: dahum Dat. PI. Tagen, mahan 3. PI. können, heretoha
Herzog, für dajum, majon, -toja.
Anm. 5. h 4- 3 wird öfter zu hh assimiliert in dem späteren und nordh.
(L) nehhebür (auch nehche-, nSchebür) und Ableitungen, für neahjebür (angl.
*nehjebür nach § 119) Nachbar.
Anm. 6. Als vermittelnde Schreibung begegnet hier und da auch jä: böjh
Bug, hnäjh neigte, slöjh schlug, deajhian färben, tötojhen zerrissen, oder
ftj: atähj stieg, Öwöhj wusch, wihja Kämpfer, onwrihjen enthüllt, angl.
brehje Dat. Braue (§ 234, Anm. 3), dihjlum Dat. finster, auch nach l, wie
onwealhje PL integri, und öfter nach r: burhj Burg, PI. Gen. burh ja, sorhjian
sorgen usw. - Nicht zu verwechseln mit diesen jh ist das feste jh in äejhwilc,
iejhwzeder u. ä. aus *ä-ji-hwilc usw., § 347, Anm. 3.
Anm. 7. Über auslautendes 3 für h s. § 223, Anm. 1.
2. Für silbenauslautendes palatales 3 steht zuweilen i. Dies ist speziell
kentisch und ein Hauptmerkmal dieser Mundart. Hierher gehören wohl
schon die Schreibungen yei, bodei Ep. Gl., yei, popei (und als ver-
mittelnde Schreibung jreij, seijn) Corp.; später meihanda kUrk. v. 831,
eihwelc, Deimund desgl. v. 832, dei desgl. v. 837, meidhad kGl. u. ä. für
jrej (ws. jrä'j), bode^, wej, ej-, dej, meidhad. In ähnlicher Weise findet
sich auch spätws. und spätnordh. oft tj für palatales 3: weij, dseij, mseij,
nordh. Öeijn L, maiden L usw.; vgl. auch § 126, 2.
178
§214. Gaumenlaute: 3
3. 5 nach palatalen Vokalen schwindet im Ws. oft vor d, d, n unter
Dehnung des vorausgehenden Vokals: mäeden Jungfrau, säede, $esäed
§ 416, Anm. 3, lede, ^eled § 401, bredan schwingen, stredan zerstreuen
§ 389, -hydis -gesinnt, für säende, le$de, bre^dan, stre^dan, -hy^di^ usw.;
tidian gewähren, für ti^dian; denian dienen, dinen Dienerin, frinan er-
fahren, rinan regnen, für de^nian, dienen, frijnan, ri^nan. Auch vor
silbenschließendem n findet sich dieser Ausfall, wie in wäen Wagen, ren
Regen, den Diener, für wae^n, re$n, dejn (doch sind diese Formen wohl
in Analogie zu den mehrsilbigen wie Gen. w&nes, renes, denes ent-
standen). Erst später begegnet auch hier und da Ausfall vonj vor l, wie
snäel für snse^l Schnecke; vereinzelt nordh. (L) mieden neben mae^den.
Anm. 8. Fast ausnahmslos ist 3 gefallen in ws. on^ean wieder, tö^eanes ent-
gegen § 91, b (nur einmal onjeajn Cura past. H); Vesp. Ps. hat nur onjejn,
R1 meist onj^jn, einmal onjäm, das Nordh. meist onjae^n, tö^ae^nes, selten
in L onj^n; die Poesie schwankt zwischen onjean und 0/1323«, tö^eanes und
iöjejnes.
Anm. 9. Nach velarem Vokal fehlt 3 oft im Prät. Plur. und Part. Prät.
frunon, ^efrunen zu friynan, fr'znan, in brudon, -broden zu brejdan, bredan
und Part. Prät. -stroden zu streydan, stredan (s. § 389). Ob in diesen Fällen
lange Vokale wegen Aufgabe des 3 anzusetzen sind, ist nicht sicher, weil
diese Verba außer bre^dan me. nicht mehr erhalten sind und von diesem
das Part. Prät. meist ibrouden lautet, also mit Vokalisierung des velaren
Reibelautes zu u, nicht mit langem ö. Es könnte sich daher bloß um zum
Präsens analoge Schreibungen handeln.
Anm. 10. In unbetonter Silbe ist 3 aufgegeben vor n und l in holen neben
hole^n Stechpalme, und finul, fmule neben seltenem altem finu^l (Ep. Erf.)
Fenchel.
Anm. 11. Zwischen Konsonanten fällt 3 aus in mornes, mome (tnerne) Gen.
Dat. Sg. zu morgen Morgen.
4. i^e aus wird öfter zu i kontrahiert: il Igel, Silhearwan Aethiopes,
list, lid liegst, liegt, ^elire Ehebruch, für i^el, Si^el-, li^est, li$ed, ^eli^ere;
so auch side Sense aus *sijiÖe.
5. Die Endung -tj verliert häufig ihr 5, zuerst im Inlaut, wie syndrie,
hefte, hun^rie für syndri^e, hefige, hun^ri^c, menio für meni30 Menge;
aber auch wort- und silbenauslautend äeni, msenifold, dysi, Akk. äenine
für äeni 5, maenijfeald, dysi^, Akk. äeniyne (häufig in jüngeren Texten
und vielleicht genauer mit gedehntem i anzusetzen, also äeni, äenine
usw.) und selbst in betonter Silbe, wie drie trocken Dat. drium usw.,
aflian vertreiben, blerla triefäugiger, für drije dryje (§ 31, Anm. 2),
a/föj(e)an, bler-i^{e)a.
Anm. 12. Ebenso wird für iy aus 3 nach § 213, Anm. 2 i geschrieben:
fylian, wyrian, merien für jyl^an, wyrian, merken, auch vor Konsonanten,
3. Sg. Ind. Präs, fyliö, Prät. fylide usw. Aus dem Übergang von -13 zu i
erklärt sich -13 für i, § 24, Anm., als ‘umgekehrte’ Schreibung.
§ 214-215. Gaumenlaute: 3
179
6. Ebenso steht für -tj im ersten Glied von Kompositis bisweilen z:
t-tiräp Steigbügel, stiwita, stiward Hausmeister, switima Schweigezeit, aus
disräp, -wita, -weard, swi^tima.
7. Anlautendes j vor ea, eo wird bisweilen in späteren Texten ausge-
lassen (s. § 212, Anm. 2) wie ealla für ^ealla Galle; fast stets spätws.
middaneard Welt, wineard Weinberg für middan-, toin^eard, wo Analogie
zu eard Heimat vorliegen kann.
8. Nach velaren Vokalen steht für 3 in ganz späten Hss. (11. und 12.
Jahrhundert) bisweilen w, namentlich nach u in suwian schweigen für
s(w)u^ian (für swi^ian nach dem Prät. und Part. Prät. swu^ode, swu^od,
§ 114, b), ädrüwian vertrocknen für ädrüwian', dann nach o in ^eswöwun^
Ohnmacht neben ^eswö^en ohnmächtig, bowa Bogen für &oja; nach a in
utlawa Geächteter für utlawa u. a.
§ 215. Die Verbindung nj bleibt meist unverändert, doch tritt dafür
im Auslaut (und zwar schon sehr früh) und auch im Inlaut vor stimm,
losen Konsonanten öfter -nc, -nc^, -n^c ein, z. B. Cymesinc Urk. v. 822,
Theodnin^c Urk. v. 779, Appinc^lond Urk. v. 811, Cillinc^ Urk. v. 814,
SeleberMin^clond Urk. v. 814, verschiedentlich brined bringt, sprincÖ
springt, strencö Stärke, lenden Frühling, anesum (anxum) bedrängt für
brin^Ö, spring, strenjd, lenkten (und lenten Vesp. Ps.), on^sum.
Manchmal wird diese Schreibung aus dem Auslaut auch auf den Inlaut
vor Vokalen übertragen, wie swulunc^a, ^esommunc^se Urk. v. 805-831;
auch in der Schreibung cjj in ^eddinc^um Urk. v. 825. Häufig sind
diese Formen im Nordh. (L, Rit., R2), wie Zencj, lesinc und inlautend
finc^er', weiter auch spätws. wie dznej, dinc^es, Öenuncj, onfenc$ Prät.
u. a.
Anm. 1. Diese Schreibungen mit nc, nc^ weisen am ehesten darauf hin,
daß zumindest in der Aussprache mancher Personen oder in manchen Ge-
genden ein Gaumenverschlußlaut nach n deutlich hörbar war, der vielleicht
im Auslaut stimmlos war, obwohl man mit einer genauen Unterscheidung
zwischen Tenuis und Media kaum rechnen darf. In der Weiterentwicklung
lag aber trotz der Schreibung mit cj (s. § 216, 1) in diesen Fällen nirgends
palataler Verschlußlaut vor, wie er bei westgerm. Gemination aus germ.
gj entstanden war (s. § 227).
In früheren und späteren ws. Texten kommt hingegen da und dort auch
die Schreibung von einfachem n für nj vor, so strenö Stärke (für strenjd),
die darauf hindeuten kann, daß nj einen velaren Nasal (ohne Verschluß-
laut) bedeutete und dieser vor Ö zum dentalen geworden war. Da und dort
kommt n auch für nc vor, wie dend denkt (für öencö) oder nj für nc, wie
drin^Ö trinkt (für drined), stin^d stinkt (für stined), wo man an Verlust des
Verschlußlautes und bei nj an velaren Nasal denken kann.
Anm. 2. Für ehemaliges n$i und n^j schreiben manche jüngere Texte, die
180
Gaumenlaute: § 215-216. 3. § 217. h
altes nj im Inlaut sonst regelmäßig durch nj wiedergeben, öfter ncj, z. B.
andfenc^e angenehm, punwenc^e Schläfe; jetincje beredt, apinc^e Schwamm;
landbi^enc^a Landmann; jZencjan schmücken, mencjan mengen usw. Hier
soll das cj (vgl. § 216, 1) wohl die palatale Aussprache, und zwar vielleicht
schon die Aussprache als Affrikata {dif ausdrücken.
§ 216. Gemildertes 3 ist zweifachen Ursprungs und hat demnach auch
zweifachen Lautwert.
1. Gewöhnlich ist es durch westgerm. Gemination, § 227, aus germ. 3/
entstanden und daher im Ae. sicher palatal. Geschrieben wird dafür
cj, welches im Auslaut nicht vereinfacht wird (§ 231); vor a (o) auch oft
cje, vor u auch cji (§ 206, 6, c): sec% Mann, hryc^ Rücken, Gen. Sg.
secjes, hryc^es, Nom. PI. secj(e)as, Gen. secj(e)a, Dat. secjum (secjium);
ferner Verba wie secj(e)an sagen, licj(e)an liegen usw.
Anm. 1. Selten steht, meist nur in älteren Hss., inlautend 55, auch wohl
3c oder jcj: hry^^e Dat. Sg., hy^ean denken, sejjan, sejcan und sejcjan
u. dgl.; häufiger ist C33, namentlich in älteren ws. Handschriften.
Anm. 2. Aus d$ ist entstanden das cj der Form des 10./11. Jahrhunderts
von miesem Fett, für *mid^ern (dazu von einem schw. Fern, midiman
Lorica Glossen 26 für lat. ex(s)ugiam), ahd. mittigami; vgl. dazu § 206, 8.
2. Nur in wenigen Wörtern ist Doppel-j nicht aus 3; entstanden; in
diesen wird meist 53, nicht cj, geschrieben: fro^a, Frosch, clu^^e Glocke,
<$«330 Bachstelze, doch kommt auch 03 vor wie doc^a Hund, froc^a,
flocjian emicare, sceac^a coma, earwic^a Ohrwurm. Trotz dieser Schrei-
bung mit cj war aber die Geminata in diesen Fällen velar, wie die
Weiterentwicklung zeigt.
3. Der sich allmählich durchsetzende Unterschied in der Bezeichnung
der palatalen Geminata mit 03 und der velaren mit 33 weist wohl auf
den deutlicher werdenden Unterschied zwischen beiden hin, also wohl
darauf, daß die palatale sich allmählich zu einem /dzj entwickelt hatte.
h (hs = x)
§ 217. Anlautendes h ist einfacher Hauchlaut. Es steht unbeschränkt
vor Vokalen, außerdem in den Verbindungen hl, hr, hn, hw, die vielleicht
nur als stimmlose l, r, n, w aufzufassen sind (wie z. T. engl. wh); hläf
Laib (Brot), ws. hliehhan lachen, hr&fn Rabe, Ärinj Ring, hni^an neigen,
hnutu Nuß, hwset was, hielt weiß.
Inlautend gewordenes, ursprünglich anlautendes h schwindet in ndbban
aus ne habban § 417, Anm. 1 (so auch nordh. L booflic neben behöflic
notwendig), im zweiten Glied einiger alter Komposita, wie ws. änliepe
einzeln (altn. einhlzypr), wzelreow neben w&lhreow grausam (dazu Formen
§ 217-218. Gaumenlaute: h
181
wie Z/tj Efeu, licuma Leichnam, ondettan bekennen, aus *i5Ä€j( ?), lic-homa,
*ond‘hätjan u. ä., vgl. § 43, Anm. 4 und die Pronomina § 346, § 348, 2)
und zusammengesetzter Eigennamen, wie Waldere, und später oft ^Eifere,
^Elfelm, Ealdelm für jElfhere, tälfhelm, Ealdhelm usw.
Anm. 1. Anlautendes h vor Vokalen oder w fehlt manchmal schon in älteren
Hss. und vereinzelt in der ganzen ae. Zeit. Außer in enklitischen Wörtern
ist aber sicher noch nicht mit Abfall des h zu rechnen, sondern bloß mit
ungenauen Schreibungen, so z. B. schon Ep. aesil für hzesil Hasel, ofr für
hofr Höcker; in späteren Texten z. B. sefde für hsefde, wset für hwzet, s. ws.
Beispiele bei Cosijn, Taalk. Bijdr. 2, 130; kent. bei Zupitza, ZfdA. 21, 12.
Umgekehrt wird bisweilen ein unberechtigtes h vor vokalischem Anlaut ge-
setzt, z. B. Ep. haam Spule (Corp. aa/m), Rit. hold f. ald alt, L häjen eigen
für äjen, hSlc jeder f. ielc. Verhältnismäßig häufig sind diese Unregelmäßig-
keiten in R1.
Anm. 2. In einigen jüngeren Texten beginnt das h vor Konsonanten (l, n, r)
zu schwinden, so oft im Spätnordh. (L, Rit., seltener R2), z. B. läjord, rin^,
reat für hläford, hrin.3, hreat; neappian Vesp. Ps. f. hneappian u. a. In jün-
geren Dichtungen (z. B. Judith) alliterieren hl, hr, hw, hn nicht mehr unter-
einander, wie in der älteren Dichtung, sondern nur mit sich selbst; gegen
Ende der ae. Zeit finden sich Stabreime von hr: r, hw: w (z. B. ähredde:
reöan; hwäm: wunderlic Ailfric). Vereinzelt trifft man auch Schreibungen
wie wh&t, ^ewhSde, rhi^^e für hwset, sehw&de, hryc^e.
§ 218. Inlautendes einfaches nachtoniges h (das westgerm. auch
für hw eintritt, s. § 205, Anm. 3) zwischen Vokalen und stimmhaften
Lauten schwindet. Dabei ergeben sich folgende Veränderungen:
1. Geht dem h ein Konsonant voraus, so wird bei dem Ausfall des h
der vorhergehende Vokal nach Ausweis der Metrik gedehnt; doch er-
scheint vielfach auch Kürze, so stets in Ortsnamen, s. A. H. Smith, Engi.
Place-Name Elements, II, 243, die nach Formen mit auslautendem und
daher erhaltenem h zu erklären wäre; also z. B. feorh Leben, mearh Roß,
Wealh Welscher u. ä. § 242, Gen. feores und feores, Nom. Akk. Pl. mearas,
Wealas und mearas, Wealas (so ws., kent.; angl. mit Monophthongen
nach § 120) oder 3. Sg. ws. filhÖ zum Inf. feolan haften § 387, Anm. 2
(angl. Vesp. Ps. /IZed, Inf. -fealan, § 120, Anm. 1), oder Öyrel und öyrel
Loch (vermutlich aus Öyrel - Öyrles für urspr. *pyrhil - *ßyrhles) usw.
Anm. 1. Stets Länge haben firas PI. Menschen (zu feorh) und anscheinend
swira, swyra Nacken (neben sweora § 114, Anm. 3, doch spätws. swura,
das anscheinend auf kurzen Vokal zurückgeht, s. § 113, Anm. 4), vgl. altn.
svira und firar Menschen. Ferner einige ebenso behandelte ursprüngliche
Komposita: öret Kampf, nebst Ableitungen, önettan eilen, § 43, Anm. 4
(daneben vereinzelt auch Formen wie orrettan, orretscipe), ifl^ Efeu (aus
*ib-hii3 ?). In eofot Schuld (aus *eb-hät, s. ebhät Ep. Gl.), eofolsian lästern
(aus *eb-hälsian), § 43, Anm. 4, weist hingegen das durch u-Umlaut ent-
standene eo (§ 110, 1) auf Kürze hin, weiter das erhaltene -u (s. § 146) im
182
§ 218. Gaumenlaute: h
N. Sg. fern, und N. Akk. PI. neutr. Öweoru zu öweorh quer, im N. Sg. moru
stf. Rübe und die Präsensformen des Verbums öwyrian (s. § 400, Anm. 1).
2. h nach Vokalen und vor stimmhaften Konsonanten (in Betracht
kommen besonders l, r, m, n) fällt unter Dehnung des vorangehenden
Vokals aus. Hierher gehören Öweal Bad (got. pwahl), ws. sti(e)le style,
außerws. stele Stahl (mit Brechung nach § 86 und /-Umlaut § 104; vgl.
alts. stehlt, westgerm. *stahtfa-), heia Ferse (aus *höh-ila), ws. flearn
Flucht (zu fleon, § 384, 2; alts. fliohari), leoma Licht (zu got. liuhap),
ws. ymest der oberste (got. auh(u)mists), läne vergänglich (alts. Ighni),
ws. 5esi(e)ne, -y-, außerws. jesene sichtbar (aus *sahnia- zu got. saifoan
sehen), ws. betweon(um) zwischen (zu got. tweihnai, doch vgl. § 119,
Anm. 2); ferner Flexionsformen der Adjektiva auf h, wie wöh krumm,
böse § 295, Anm. 1; Akk. Sg. wöne, Gen. Dat. Sg. fern, wöre, Gen. PL
wöra usw.; Komp. ws. hiera zu heah § 307 usw.
Anm. 2. Dieselbe Erscheinung findet sich oft bei Kompositis, vgl. z. B.
Bildungen wie healic hoch, semälic ungestüm, ws. nealic nahe, ws. nealiecan,
angl. neolScan, neoleca nahen, pleolic gefährlich, tölic zähe, wölic böse, zu
heah, s&mäh, neah, pleoh, töh, wöh; eorisc Binse, eorod Reiterei, Eomigr
Eigenn. zu eoh Pferd; heanis Höhe zu heah; neawest Nähe zu neah; äwer,
öwer § 321, Anm. 2; äwÖer, öwöer § 346 zu hwter, hwseöer; Pleowald Eigenn.
zu pleoh; Heaberht Eigenn., headeor, heador Hirsch zu heah; ähnlich rädor
Rehbock aus rah-deor; ws. wiobud, weobud Altar (weiter verändert weofud)
für *wlohbed (aber Vesp. Ps. R1 R2 ohne Brechung wibed, vgl. kPs. L Rit.
Beda-Übers. wi^bed, R1 auch wifod und weofud). - Vor / begegnet dieselbe
Ausstoßung in heajre, -u aus heahfore, -u, nordh. hehfora junge Kuh.
Anm. 3. Bei heah findet sich häufig Verdoppelung des n, r bei Ausfall des
h, wie Akk. Sg. mask. htanne, Gen. PI. hearra (vgl. § 295, Anm. 1), Komp,
ws. hierra § 307, und in der Ableitung heannes Subst. Höhe.
Anm. 4. Nicht selten wird in etymologisch durchsichtigen Formen das h
durch Analogiebildung wiederhergestellt, vgl. Formen wie heahne, ws. hiehra,
heahnis u. dgl.
3. Bei Ausfall eines h zwischen Vokalen erfolgt meist Kontraktion
nach § 127 ff.: feoh Vieh, Gen. jeos § 242; heah hoch PI. hea § 295, Anm. 1
usw. Vgl. feiner die Verba contracta § 373, wie seon sehen (got. saitvari)
u. ä.
Anm. 5. In den alten Glossaren ist h in allen drei Fällen noch öfter erhalten,
so Ep. Gl. furhum (ws. fürum zu jurh Furche); thuachl Ep. öhuehl Corp.;
bitui(c)n Ep. bitwihn Corp. bituichn Erf. Gl.; thohae (ws. <5ö) Ep., uiöhum
Ep. (ws. wlö(u)m), ryhae (ws. reo); manchmal findet sich dies auch noch
spätnordh., wie Gen. öuahles, fihles panni L. Dagegen liegen in späteren
Formen wie horhihte schmutzig neben älterem horwehte Neubildungen (nach
Nom. horh, § 242, Anm. 4) vor. Zwischenvokalisches h in nordh. seher, tseher
ist Vereinfachung von Geminata, s. xhher, teehher § 220. Über nordh. jeneh-
wi^a s. § 205, Anm. 3.
§ 219-221. Gaumenlaute: h
183
§ 219. Hingegen ist inlautendes h erhalten:
1. Vor dem Ton, wie in behindan hinten, ^ehieran erhören.
2. In der Geminata und vor stimmlosen Konsonanten. In diesen
Fällen ist anzunehmen, daß nicht der Hauchlaut, sondern gutturale
bzw. palatale stimmlose Spirans, wie deutsches ch in ach und ich, ge-
sprochen wurde.
§ 220. Gemildertes hh ist nicht häufig: ^eneahhe Adv. genug, häufig,
siohhe Seihe, tioh, Gen. tiohhe Reihenfolge, tiohhian anordnen, reohhe
ein Fisch ‘fannus’, ^eohhol (auch jeofa) Julmonat, c[e)ahhettan krächzen,
cohhettan husten, wuhhun^ Wut, pohha Tasche, crohha Krug, scocha Ep.
lenocinium, ws. hliehhan (§ 392, 4) lachen; nordh. ashher Ähre (§ 289, 2),
tsehher Zähre (vgl. § 228).
Anm. 1. Die Hss. setzen nicht selten einfaches h statt hh, so in jeneaZte,
Seohol, nordh. eher, seher (s. § 218, Anm. 5), hreohe, wuhun^, hlihan, weiter
auch ch wie in hreoche, hlichan (JElfric, Gram.) und namentlich in der älteren
Zeit oft hch, wie inJEhcha Urk. v. 700-715, tio(h)chian, pohcha Cura past.
Anm. 2. Neben pohha und crohha begegnen auch die Formen pocca und
crocca swm. (oder crocce swf.); zu ws. scocha vgl. scucca (sceocca) Verführer.
§ 221. Zu den alten Verbindungen ht (§ 232) und hs ist zu bemerken:
1. ht bleibt als solches erhalten: es ist häufig, z. B. ws. kent. eahta.
angl. ashta acht, ws. riht, ryht, angl. reht recht, ööhte dachte, und ähnliche
Präterita § 407, beorht glänzend usw.
Anm. 1. Die ältesten Texte schreiben, wie nicht selten auch altiriseh (s.
Thurneysen, Hb. d. Altir., § 26; Förster, Flußname Themse, S. 684, Anm.),
ct für ht: ambect, sifect, uuyrcta Ep., msecti, drycti Caedm. Hymn. Moore-Ms.,
ebenso auch noch spätnordh. öfters in L neben ht-, daneben findet sich auch
cht: ambechtae, sochtae Ep. und htt: Cyniberhttse Urk. v. 736, Eanberhttee
Urk. v. 755-757, manchmal auch noch in L und R1. Doch kommt auch
einfaches ht bereits zu Beginn des 8. Jahrhunderts in Urk. vor, dann mehti
Csedm. Hymn, Leningrad-Ms. (Mitte 8. Jahrhunderts). Sehr späte Texte
schreiben wieder manclimal cht: tsechte lehrte, aebnichtis allmächtig usw.,
auch trifft man jt wie for^tian fürchten, dokter neben dohter R1 und so auch
später, s. Brotanek, Texte und Untersuchungen, S. 81.
Über den Wechsel von ht und ct in Präteritis wie örycte und öryhte s.
§ 407, 2.
Anm. 2. Gelegentlich fällt h in Gruppen von drei Konsonanten aus, wie
fortian, wyrta für forhtian, wyrhta.
2. Für hs wird x geschrieben. Ein Lautwandel zu ks kann aber erst
nach der Brechung bzw. der angl. Ebnung oingetreten sein, bei inlauten-
dem hs erst nach der ws. Entwicklung eines i aus den urspr. Brechungs-
184
§ 221-223. Gaumenlaute: h
diphthongen (s. § 119, § 122 nebst Anm. 2), z. B. ws. feax Haar, weaxan
wachsen, ws. siex sechs, miox Mist, wrixlan wechseln, oxa Ochse, öxn
Achselhöhle, zu got. fahs, wahsjan, maihstus usw.
Wenn auf hs andere Konsonanten (auch j) folgen, ist h ausgefallen, so
in neos(i)an heimsuchen (got. *niuhsjan, alts. niusöri), Öisl, Öisle Deichsel
(neben altem dixl Erf., Corp. GL; ahd. dihsila), waesma Kraft (ahd.
wahsamo), w&stm Wuchs (zu weaxan), nordh. sesta, seista (§ 126, Anm. 4)
der sechste (aber ws. siexta nach dem Cardinale); jedoch bleibt x er-
halten in wrixlan.
Anm. 3. Auch für x = ha begegnen, die für x = cs § 209, Anm. besprochenen
Variationen der Schreibung, wie hx, xs, hs, z. B. weahxan, 3. Sg. Präs.
Ind. wihxö, Prät. weohx; meohx, oxsa, weahsan usw.
Anm. 4. Für hs, das erst durch Vokalsynkope entstanden ist (§ 222) oder
auf js (§ 214, Anm. 2) zurückgeht, erscheint x erst spätae., wie syxt (syxst
usw.) du siehst für siehst § 374; namentlich begegnet so ziemlich oft spätws.
nexta der nächste, § 313.
§ 222. Urspr. zwischenvokalisches h, das durch Vokalsynkope vor
stimmlose Konsonanten zu stehen kam, bleibt in der Regel erhalten.
Hierher gehören vor allem die Abstrakta auf ae. -du (germ. ipö) wie ws.
hiehöu Höhe, fiehdu Feindschaft § 255, 3; dann die ws. Superlative wie
hiehsta niehsta § 310 (wenn hier das h nicht analog zum Positiv wieder
eingeführt wurde; angl. ist h ausgefallen: hesta, heista); endlich im Ws.
und Kent, die synkopierten 2. 3. Sg. Präs. Ind. der starken Verba
contracta (§ 374), wie fehst, fehö zu fön (got. fähari) fangen, siehst, siehd
zu seon (got. saihfan) sehen. Auch hier haben die angl. Mundarten, in
denen keine Synkope eintrat, kein h und die nach Ausfall des zwischen-
vokalischen h zu erwartenden Kontraktionsvokale, s. § 129, Anm. 5
und § 130, Anm. 4.
Erst spät fällt in solchen Fällen das h nach r aus: ferÖ Leben statt
ferhö (dazu auch Formen mit ÖÖ, wie Gen. ferÖÖes).
Anm. Die schwachen Verba contracta haben auch im Ws. das h ausfallen
lassen und zeigen die dann entstandenen Kontraktionsvokale, wie 2. 3. Sg.
Präs. Ind. öyst, öyö zu öyn drücken, Prät. tyde zu tyn lehren. Vgl. § 408,
Anm. 17; § 410, Anm. 1. Der Unterschied zwischen den schwachen und
starken Verben (s. oben) kann nur auf spätere Synkope des Endungsvokals
in ersteren zurückgehen, wofür ein Grund freilich nicht zu finden ist, s.
Luick, Hist. Gram. § 244, Anm. und § 636, Anm.; Löfvenberg, Studia neo-
phil. 21, 258-265.
§ 223. Durchgehends erhalten bleibt endlich das h im Auslaut, feoh
Vieh, Geld, ws. kent. heah, angl. heh (§ 119) hoch, wöh böse, rüh rauh,
teoh zieh Imp.; nach Konsonanten sulh Pflug, Wealh Welscher, feorh
§ 223. Gaumenlaute: h. § 224. Veränderungen im Auslaut 185
Leben, furh Furche. Ebenso h für altes hw, wie in seah sah Prät. (got.
sa/y) usw. Erst in späteren Texten finden sich auch Formen wie sul,
Weal (oder sül, Weal, vgl. Sievers, Beitr. 9, 559), die nach dem Muster
der mehrsilbigen Formen, § 218, 1 gebildet sind.
Anm. 1. In den ältesten Texten steht für auslautendes h öfters ch, z. B.
t(h)rüch Truhe, töch zähe, eich Elch, solch Weide, thorch durch (merc. öorh,
ws. öurh, § 60); später findet sich hier und da j (als ‘umgekehrte’ Schreibung
wegen des Überganges von 3 zu h nach § 214, 1), so feor^, hör 3, mear^,
Jnir^ für jeorh, horh, mearh, öurh u. dgl. und wohl auch rüj für ruh, doch
vgl. § 234.
Anm. 2. Bisweilen erscheint ein unorganisches h am Wortende ursprüng-
lich vokalisch auslautender Subst. und Adj. wie spätws. jreoh frei, bleoh
Farbe für freo, bleo. Dieses h ist nach Muster solcher Paare wie feoh - Gen.
feos, heah - Gen. heas, § 218, 2, eingeführt worden.
Kapitel II
Allgemeines über die ae» Konsonanten
1. Veränderungen im Auslaut
§ 224. Stimmhafte Verschluß- und Reibelaute verlieren im Auslaut
manchmal den Stimmton. Sicher und in der ae. Schrift deutlich geworden
ist dies bei auslautendem velarem 3 nach Vokalen und r und l, s. § 214, 1.
Aus der Weiterentwicklung erkennbar ist dies bei der stimmhaften
bilabialen Spirans, § 192, 1. Weniger sicher ist der Übergang bei Ver-
schlußlauten. Hierzu vgl. die häufige Schreibung -nc für -nj, § 215, doch
handelt es sich hierbei vielleicht nur um Andeutung der Aussprache als
Verschlußlaut, da das Zeichen 3 auch den Reibelaut bezeichnete. Ziem-
lich häufig ist t für d (s. die Listen bei A. H. Marckwardt, Univ. of.
Michigan Publ. in Lang, and Lit. 13, lölff.), seltener p für b. In Betracht
kommen hauptsächlich Stellungen nach Konsonant und nach schwach-
oder nebentoniger Silbe; vielleicht lagen auch Doppelformen (mit stimm-
losem Laut vor stimmlosem Anlaut des Folgewortes oder in. Pausen-
stellung) vor. Es dürfte sich (wie im Neuhochdeutschen, s. Sweet, Hist, of
Engl. Sounds § 533) zuerst stimmlose Lenis entwickelt haben, stimmlose
Fortis wohl nur vereinzelt unter Emphase. Dies und die weitgehende
Vereinheitlichung der spätws. Orthographie sind wohl die Gründe,
warum der Übergang verhältnismäßig selten in den Schreibungen zum
Ausdruck kommt (W. Horn, LGRP 24/25, 371; Luick, Hist. Gram.
§ 653). Außerdem scheint der Übergang nach Ausweis des Me. und der
186 § 224. Veränderungen im Auslaut. § 225-227. Gemination
ne. Mundarten örtlich beschränkt besonders durchgedrungen zu sein
(nordh. Gebiet, westl. Mittelland und westl. Süden, s. Jordan, Handb.
der me. Gram. § 1Ö8, § 200, § 211; Luick, Hist. Gram. § 713). Ae. Bei-
spiele sind: lamp für lamb kGl., feit für feld Urk. v. 662-693. Wulfhät,
Peohthät für Urk. v. 794, hielsent, rsefsit Corp. Gl. für -end, -id; dann
schw. Part. Prät. wie sendet, ^ewoendet, ^elSdet, ^etractat, ^ecunnate u. a.
in L, wo auch sonst t ziemlich häufig ist wie heajut für heafod, löt für
läd, oder im Wortinnern heartlice für heardlice. Sehr verbreitet ist sint
für sind sind, § 427.
Anm. 1. Über die 3. Pers. Sg. und Plur. Präs. Ind. auf -t statt -d s. § 357,
Anm. 3; § 360, Anm. 1.
Anm. 2. Da sich in Hss., welche öfters t für d aufweisen, auch das umge-
kehrte d für t findet (z. B. dohdor Boethius, selusdfullad Vesp. Ps.), glaubt
Jiriczek, Idg. Forsch. 38, 196ff. an ungenaue Schreibungen unter dem Ein-
fluß der irischen Schreibung, welche p, t, c zur Kennzeichnung des Ver-
schlußlautes überhaupt verwendete, da b, d, 3 auch den Reibelaut bezeich-
neten. Die weite Verbreitung der Schreibungen mit p, t, c (fc) im Me. und die
stimmlosen Verschlußlaute in den ne. Mundarten erlauben aber jedenfalls
nicht, alle ae. Schreibungen als bloße Ungenauigkeiten zu erklären.
Anm. 3. Über die Behandlung der Geminaten im Auslaut s. § 231.
2. Gemination
§ 225. Im Ae. kommen alle Konsonanten außer j und w verdoppelt vor
(über cj für 53 s. § 216). Dem Ursprünge nach gehören diese Geminaten
teils dem Germanischen, teils dem Westgermanischen, teils erst dem
Ae. selbst an.
§ 226. Gemeingerm. Gemination kommt häufig vor bei ll (ws. kent. eall
angl. all all, ws. kent. feallan angl. fallan fallen, full voll), rr (steorra
Stern, feorran fern); nn (on^innan beginnen, man mannes Mensch), mm
(swimman schwimmen, hwam hwom, hwammes hwommes Winkel) und ss
(gewiss gewiß, wisse wußte, cyssan küssen, vgl. § 232); seltener bei kk
(bucca Bock, loc locces Locke, stoc stocces Stock), tt (sceat sceattes Münze)
und pp (crop croppes Kropf, top toppes Scheitel, hmep hnseppes Napf).
Der germ. Ursprung ist zweifelhaft bei pp in odöe oder (got. aippau, aber
alts. efdo, fries. ieftha) und moSSe Motte (nordh. mohda, -a). Expressive
bzw. dynamische Geminaten sind gemeingerm. ÄÄ; bb, dd, gg.
§ 227. Westgermanische Gemination vor j: Alle einfachen Kon-
sonanten außer r werden nach kurzem Vokal vor folgendem j in den
westgermanischen Sprachen geminiert. So entspricht dem got. saljan,
§ 227-228. Gemination
187
skapjan, satjan, rakjan alts. sellian, skeppian, settian, rekkian und ae.
mit Wegfall des j nach § 177, 3 sellan. ws. scieppan (§ 91, a), settan,
recc(e)an. Urspr. hj erscheint so als hh in ws. hliehhan lachen, urspr. ßj
als dd in ryöda Rüde, smidöe Schmiede, sceÖdan schädigen (got. skaßjari)
usw. (pseÖÖan gehen, stasddan festigen, haben möglicherweise bereits
germ. ßß). Die Geminata zu idg. bh ist bb (Verschlußlaut, s. § 190):
hebban heben zu got. hajjan, die zu 5 ist cj (Verschlußlaut, s. § 216, 1):
lecfajan zu got. lagjan. Dagegen heißt es ohne Gemination here, herbes
Heer, werian wehren, nerian retten, herian preisen = got. harjis, warjan,
nasjan, hazjan usw.
Anm. 1. Zahlreiche Beispiele für diese Verdoppelung bieten die Subst. der
idg. jo- und fö-Stämme, § 247, § 258, die Adj. der /o-//ä-Stämme, § 297, die
schwachen Verba der I. und III. Klasse, § 400ff., § 416ff.
Anm. 2. Über den Wechsel von Formen mit Geminata und einfachem Kon-
sonanten in der Flexion der idg. mit -j abgeleiteten Verba s. § 410.
Anm. 3. Eine Wiederholung derselben Erscheinung innerhalb der ae.
Sprachentwicklung setzt späteres fecc(e)an § 196, 2 für älteres jetian voraus,
da die Geminata ec als Vorstufe ein tt (also ein *fettjan) verlangt.
§ 228. Eine ähnliche Gemination von t, c, p, h zeigt sich im Ae. wie in
anderen westgerm. Sprachen in einigen Wörtern vor ursprünglich
folgendem r und l, doch stehen Formen mit einfachem Konsonanten
daneben, so: bittor neben bitor bitter, snottor neben snotor klug, w&ccer
neben wacor wachsam, nordh. aehher Ähre, taehher Zähre (neben ws. ear,
tear mit, Ausfall des einfachen h und Kontraktion nach § 128, 2), eeppel
Apfel neben apuldor Apfelbaum, vgl. got. baitrs, snutrs, ahs, tagr. t
Derselbe Vorgang wiederholt sich im Laufe der ae. Sprachentwicklung,
wenn durch frühe Synkope eines Mittelvokals (§ 159, a und c) r oder l
an Verschlußlaute herangetreten sind, wie im Komp, bettra neben
bet(e)ra besser (got. batiza). im Gen. miccles neben micles zu micel groß
(got. mikils), oder in spätws. hweohhol Rad.
Anm. 1. Das Schwanken erklärt sich daraus, daß die Gemination nur dann
eintrat, wenn auf r, l noch eine vokalisch beginnende Endung folgte, hin-
gegen nicht vor ursprünglich silbischem r, l, vor dem sich ein Sekundär-
vokal (§ 152ff.) entwickelte. Als ursprüngliche Flexion ist also anzusotzen:
Nom. Sg. z. B. bitur (biter), Gen. bittres usw. oder Nom. Sg. tear (aus *tahur,
*teahur), Gen. taehhres usw. Durch Ausgleich entstanden dann die Doppel-
formen bittur — bittres und bitur - bitres usw. Bei tear, ear wurde mundart-
lich verschieden ausgeglichen. - In gleicher Weise erklärt sich das Schwanken
in den Fällen mit urspr. Mittelvokal daraus, daß die Gemination nur bei
Synkope, also vor vokalisch beginnender Endung eintrat. In den ältesten
Texten fehlen Belege für diese Gemination, doch kann dies bei der geringen
Anzahl der einschlägigen Fälle Zufall sein. Die ältesten Belege sind bettre
Vesp. Ps., bettra bei JElfred.
188
§ 228-229. Gemination
Anm. 2. Die Voraussetzung für eine ebensolche Gemination vor n war
bei den Subst. der n-Dekl. in denjenigen Kasus gegeben, in denen nach der
urspr. Flexion n unmittelbar auf einen Geräuschlaut folgte (s. § 276, Anm. 1).
Es ist zwar möglich, daß die Geminata in cnotta Knoten, scucca sceocca
Verführer, Teufel, lappa Lappen, budda Käfer, ebba Ebbe, jro^^a Frosch,
hierher gehören, wobei die verschiedenen westgerm. Sprachen zwischen den
zu erwartenden Doppelformen verschiedentlich ausgeglichen haben (z. B. ae.
dropa aber hd. Tropfen, s. Kluge, Urgerm., in Pauls Grdr.8, S. 150, § 158).
Da aber in anderen Wörtern mit Geräuschlaut vor n keine Geminata vor-
kommt (z. B. wsecnan erwachen, hr&fn Rabe, öejn Diener, we^n Wagen),
sind diese Geminaten am besten expressiv (dynamisch) zu erklären. Vgl.
Luick, Hist. Gram. § 631, 4 und Anm. 2; F. A. Wood, Post-consonantal w,
S. 214 und bes. A. Martinet (s. Lit. Verz.).
Anm. 3. Gemination vor w mit nachfolgendem Ausfall des w zeigt sich nur
in wenigen Fällen sicher und zwar bei ursprünglichen idg. Labiovelaren, so
in ws. tiohhian, angl. tihhian anordnen aus *tihwöjan, ws. ceahhettan laut
lachen aus *kdhwatjan, ws. seohhe Seihe aus *aihwön, ws. kent. ^eneahhe
genug. Vielleicht ist so zu erklären der Unterschied in der Flexion zwischen
Nom. Sg. maju Knabe, Dat. PI. ma^um, Nom. Akk. PL ma^as neben mazcjas
(aus *ma3wös) und dem darnach neugebildeten Nom. Sg. meecj, dann Nom.
Sg. sacu Streit neben obl. Kasus sascce (so Kluge, Urgerm., in Pauls Grdr.8,
S. 72, § 55, doch hält Luick, Hist. Gram. § 631, Anm. 1, diese Erklärung für
fraglich). In anderen Fällen erscheint vor w keine Geminata wie in den
flekt. Formen beadwe zu beadu Kampf, sceadwe zu sceadu Schatten, sionwe
zu sionu Sehne, über andere mögliche Fälle vgl. F. A. Wood, Post-
consonantal w, S. 114ff.
§ 229. Nach langem Vokal findet eine solche Gemination vor r in den
ältesten Quellen nicht statt. Erst später (aber schon manchmal bei
/Elfrßd) findet sie sich besonders bei d und t, wahrscheinlich zugleich
mit Verkürzung des vorhergehenden Vokals. So werden &dre Ader zu
seddre, bliedre Blase zu blseddre, niedre Natter zu meddre, mödrie Mutter-
schwester zu moddrie, es wechseln ätor Gift mit attor, hlutor lauter mit
hluttor, tüdor Nachkommenschaft mit tuddor, jödor Futter mit fodder,
mödor Mutter mit moddor. Auch diese Formen sind zuerst in den Kasus
entstanden, in welchen r unmittelbar auf den Verschlußlaut folgte (wie
ätres usw.).
Erst später (spätws.) erscheinen solche Geminationen in Flexions-
formen, sie treten dann auch bei anderen als den dentalen Verschluß-
lauten auf. Derart steht Geminata in der Adjektivflexion ^oddre G. D.
Sg. fern, zu 3öd gut, widdre zu und weit, hwittre. zu hwit weiß, deoppre zu
deop tief, oder in Komparativen wie riccra zu rice reich, deoppra zu
deop tief, swettra zu swete süß usw.
Anm. 1. Spätae. findet sich diese Gemination auch vor l, so spätws. lyttle
(darnach ne. little) zu lytel klein, und spätnordh. L R2 lyttel, aber stets lytle
usw., vgl. Anm. 2.
§ 229-231. Gemination
189
Anm. 2. In einigen Wörtern steht Geminata nach urspr. langem Vokal ohne
erkenntlichen Grund, jedoch wohl auch bei Kürzung des vorhergehenden
Vokals. Hierher gehört das schon sehr alte recc(e)an sich kümmern (alts.
rokian), liccettan neben llcettan heucheln, weiter auch bereits altws. Akk.
Sg. mask. heanne, Komp, hierra zu heah hoch (neben heane, hiera), Subst.
heannes Höhe neben heanea und jüngerem heahnya (mit h nach heah), vgl.
§ 218, Anm. 3, Rit. Komp, herra', R1 Komp, nserra zu angl. neh nahe; end-
lich schon früh in Zusammensetzungen wie ondettan gestehen (aus and-
hätjan, s. § 217), öretta Kämpfer (vgl. ahd. w-heizo), onettan eilen (aus *an-
hätjan). Erst der späteren Sprache gehören Verdoppelungen an wie wiasian
weisen für älteres wiaian (vielleicht wegen wiss gewiß), ws. scynnes für
älteres acienea Verfügung, Örinnea für Örinea Dreieinigkeit, öreottyne drei-
zehn, Örittij dreißig für öreotyne, öriti^; dann auch in schwachen Prät. nach
kurzem Stammvokal wie forapillde, $efyUde für gemeinae. jorspilde, ^efylde
zu apillan, fyllen (§ 405, Anm. 6) und nach langem Vokal wennde zu wenan,
Itedde zu Isdan, yrette zu jreton und sogar tydde für tyde zu tyn lehren (Beda-
Übers.), s. Weyhe in ‘Germanica’, S. 316ff.
Anm. 3. Im späteren Nordh. (R2, L) findet sich oft Geminata für etymolo-
gisch einfache Konsonanten (bes. p, t, c und in, seltener d und s) nach kur-
zem Vokal, seltener nach Länge, und zwar in R2 häufiger im Auslaut, in
L häufiger im Inlaut zwischen Vokalen. Diese Gemination ist aber in keinem
der häufiger belegten Wörter regelmäßig durchgeführt. Derart steht Ra
ja?« Tor, L acipp Schiff, fsett Faß, eatta essen, brecca brechen, L, Rit. sibedd
Gebet, -^eatta erlangen (vgl. die Übersicht bei Luick, Archiv 102, 58ff.).
Da sonst (außer im Auslaut, s. § 231, 1) Geminaten und einfache Verschluß-
laute ae. deutlich geschieden blieben (s. Kurath, Language 32, 435ff.),
könnten diese Schreibungen bereits, wie später bei Orrm, bloß Kürze des
vorangehenden Vokals andeuten. Andere Erklärungen bei Lindelöf, süd-
north. Mundart, § 139, und bei Luick, Hist. Gram. § 391, Anm. 2 und § 670.
§ 230. Noch, andere Geminaten entstehen im Ae. durch Zusammen-
rücken zweier ursprünglich getrennter Konsonanten. Dahin gehören,
abgesehen von dem Zusammentreffen gleicher End- und Anfangskonso-
nanten bei Kompositis, namentlich die durch Assimilation entstandenen
tt aus tp, dp § 201, 4 und die tt und dd der schwachen Präterita § 404f.
§ 231. Vereinfachung von Gemination tritt namentlich in folgen-
den Fällen ein:
1. Gew öhnlich im Wortauslaut, vgl. Formen wie eal, feor, mon,
swim, sib, sceat, bed, ssec, teoh mit ealles. feorran, monnes, swimman, sibbe,
sceattes, beddes, saecce, teohhe; doch schreibt man oft auch eall, monn, upp,
<sibb, bedd, bliss u. dgl. Die einzelnen Denkmäler weichen hierin stark
voneinander ab. Das Aufgeben der Doppelschreibung im Auslaut kann
sehr wohl auf Vereinfachung der Geminaten zurückgehen, die gelegent-
lichen Doppalschreibungen wären dann aus den flektierten Formen über-
nommen (so Kurath, Language 32, 435).
190
§ 231. Gemination
cj bleibt im Auslaut, secj wie sec^es, § 216, es bedeutete wohl schon
die Affrikata Idzj.
2. Ebe nso meist im Silbenauslaut im Wortinnern: ealre, ealne,
midne, nytne zu eal(l), ealles, mid{d'), middes, nyttes; cyste Prät.
von cyssan. Doch findet sich auch hier oft edllre, edllne u. dgl.
3. Seh r oft nach Konsonanten in der Komposition, wie eorlic
männlich, emniht solstitium, feltün (für1 *jelttün aus *feldtün) Kloake,
Seomes Begierde, wildeor Wild, wyrtruma Wurzel, wyrtün Garten,
yerstapa Heuschreck, für eorl-lic, emn-niht, 3e0rnn.es, wild-deor, wyrt-
truma, wyrt-tün, ^eers-stapa.
Anm. 1. Außerhalb der Komposition tritt dieser Fall nur ein bei Metathese
eines r, wie in buma Brunnen, ws. birnan, merc. beornan, brennen, ws.
irnan laufen, hors Roß, Gen. horses usw., § 179. Hier ist Vereinfachung durch-
aus Regel, nur die ältesten Texte haben noch einige ganz vereinzelte For-
men wie burnna, irnn, horssum, cserssan (zu ceerse Kresse).
Anin. 2. Auch nach langem Vokal oder Diphthong findet sich gelegentlich
Vereinfachung, wie in rümodlic, rümedlic großherzig, für rümmödlic; spätws.
Seleaful gläubig, für ^eleafful.
4. In der späteren Sprache sehr gewöhnlich nach unbetonter Silbe,
z. B. in Fällen der Komposition wie atelic schrecklich, swutolic deutlich,
dt^elic heimlich, sin^älic fortwährend, für atollic, swutollic, dl^ollic,
sin^ällic. In der Flexion kommt dies besonders in Betracht für die Ab-
leitungen mit nn, ll, tt, rr, so für die Neutra wie westen und baernet § 248, 2
nebst Anm. 2, die Feminina wie condel und bryÖen § 258, 1 nebst Anm. 3,
die Verba wie öZiccettan § 403, Anm., Gen. tcesiennes, biernettes, condelle,
byrdenne und später westenes, b&rnetes, byrdene, Inf. bliccetan usw.; die
Komparative auf -erra, -era wie aefterra, &ftera § 314, Anm. 1, ferner für
den Akk. Sg. mask. der mehrsilbigen Adj. auf -en und der starken Part.
Prät., wie ^yldenne, ^eslae^enne, später jyldene, ^eslae^ene, und die r-Kasus
der mehrsilbigen Adjektiva und Pronomina auf -r und -er, wie Gen. PI.
jae^erra, öderra, eowerra, syferra-, später fa^era, ödera, eowera, § 296,
Anm. 3 u. dgl.
Anm. 3. Die Doppelschreibung wird in solchen Fällen traditionell vielfach
auch in den Zeiten fortgeführt, wo sicher bereits einfache Aussprache des
Konsonanten herrschte. Gelegentlich wird demnach auch irrtümlich Ge-
minata für ursprünglich einfachen Konsonanten gesetzt, wie in forenne
vorne, uienne von oben, ä^ennes Gen. eigenes, und namentlich oft im Akk.
Sg. m. von cucu lebendig, cuconne usw. § 303, Anm. 1, für forene, ufene,
äjenes, cucone usw.
§ 232. ft, ht, 88. § 233. Grammatischer Wechsel
191
3. Die Gruppen ft, ht, ss
$ 232. Die idg. Verbindungen irgendeines Lippen- oder Gaumen-
lautes mit t (bei Antreten eines i-Suffixes) ergaben idg. pt, kt, welche
germ. als ft, ht erscheinen. Verbindungen eines Dentals außer s mit t
ergaben im Italischen, Keltischen und Germanischen nach kurzem Vokal
ss, nach langem s. Diese ft, ht, ss (s) sind ae. nicht weiter verändert.
Beispiele sind: a) für ft: ws. scieppan schaffen - ^esceaft Geschöpf; ws.
jiefan geben (aus *geban, § 192, 2) - ^ift Gabe; öurfan dürfen - 2. Sg.
Präs. Ind. dearft, Prät. Sorfte, § 422, 6. - b) für ht: hyc^anhoffen-hyht
Hoffnung; äjan haben, besitzen (§ 420, 2) - 2. Sg. Ind. Präs, äht-, majan
können (§ 425) -2. Sg. Ind. Präs, meaht, miht, Subst. meaht, miht Macht;
namentlich aber die Präterita schwacher Verba nach § 407, 1. - c) für
ss, s: witan wissen - Prät. wisse, Part. Adj. $ewis(s); cwedan sprechen -
<mdcwis(s) Antwort; sittan sitzen - sess Sitz; etan essen - ws. izs Aas;
hätan heißen - hses Gebot. Soweit in solchen Fällen ae. (oder in anderen
germ. Sprachen) st erscheint, ist dies durch spätere Analogie zu erklären,
so 2. Sg. Präs, wäst zu 1. 3. Pers, wät durch Antreten des -t wie bei ande-
ren Präteritopräsentien (§ 418, 1), Prät. wiste neben wisse nach den
schwachen Verben; oder last Weg zu lidan gehen, hlsest Last zu hladan,
rüst Rost neben read rot durch Antreten eines -st Suffixes, s. R. Kögel,
Beitr. 7, 171-201; Brugmann, Idg. Forsch. 6, 102-104; H. Krähe, Beitr.
71, 241-245.
Diese Entwicklung gilt aber nicht, wo t oder irgendein anderer Dental
erst im Ae. selbst durch Synkope hinter einen Lippen-, Gaumenlaut oder
Dental tritt; vgl. z. B. die schwachen Präterita und Part. Prät. nach
§ 405, 4 und § 406, oder die Abstrakta auf -dw (got. -i£a), § 255, 3 u. dgl.
4. Der grammatische Wechsel
§ 233. Als ‘grammatischen Wechsel’ bezeichnet man den bereits in der
germ. Grundsprache ausgebildeten Wechsel zwischen den stimmlosen
Spiranten s, f, p, h und den entsprechenden stimmhaften z, 5, d, y,
welch letztere im Inlaut zwischen stimmhaften Lauten und im Auslaut
nach solchen überall dort eintraten, wo der vorhergehende Vokal nach
der ursprünglichen indogermanischen Betonung nicht den Hauptton trug.
Anm. 1. Die Erklärung dieses Wechsels wurde zuerst von K. Verner 1877
(Kuhn’s Zeitschrift 23, 97) gegeben, und das zugrunde liegende Lautgesetz
wird daher als ‘Vemersches Gesetz’ bezeichnet. Sievers hatte bereits 1874
die Zusammenhänge geahnt (Th. Frings, Berichte der Verh. d. sächs. Akad.,
85. Bd., S. 10; W. Streitberg, GRM 2, 580). Der Wechsel ist an die Stellung
192 § 233-234. Grammatischer Wechsel
zwischen stimmhaften Lauten gebunden, daher tritt er in den Gruppen
st, sp, sk, ft, ht nicht ein.
Anm. 2. Labiovelares hw müßte mit germ. yw wechseln, doch steht nach
§ 205, Anm. 3, für hw allgemein germ. im Auslaut und westgerm. im Inlaut
einfaches h; für yw steht bei frühem Verlust der Labialisierung vor idg.
ü ae. j, vor palatalen Vokalen aber nach § 205, Anm. 3 w. Durch Wechsel
der idg. Akzentlage und durch die Verschiedenheit der Endungsvokale ist
mit häufigen Nebenformen zu rechnen, die nebeneinander vorkommen oder
mundartlich verschieden vorherrschend geworden sind. Vgl. dazu § 234, d
und Anm. 1-3.
§ 234. Im Ae. sind die einzelnen Paare durch spätere Lautveränderungen
teilweise verschoben. Dem stimmhaften z entspricht westgerm. und
somit ae. r, soweit es nicht im Auslaut abgefallen ist (§ 181, 2), das Paar
erscheint daher als s - r\ das stimmhafte Ö (nicht zu verwechseln mit ae.
d = germ. stimmlosem p, § 200) ist zu d geworden, das Paar ist daher
ae. d - d; der dem stimmlosen f entsprechende stimmhafte Laut wird
in der ae. Schrift gewöhnlich auch durch / bezeichnet (§ 192, 2), der
Wechsel ist daher im Schriftbild nur in den ältesten Denkmälern zu
ersehen; h ist inlautend oft geschwunden, das ihm entsprechende y ist
ae. j, das je nach der Stellung velarer oder palataler Reibelaut bleibt,
nach n aber Verschlußlaut wurde; der grammatische Wechsel der Labio-
velare ist dadurch verdunkelt, daß der stimmlose Laut die Labialisierung
verlor oder durch h ersetzt wurde, der stimmhafte je nach dem Folge-
vokal als w oder 5 erscheint (§ 233, Anm. 2), es wechselt daher h (das
zwischen Vokalen ausfiel, soweit nicht Gemination nach § 228, Anm. 3
eintrat) mit w oder 3. Bei Ausfall eines n vor h (§ 186, Anm. 4) wechselt
h mit n.3. Beispiele sind: a) für s-r: 3I&S Glas - ^leeren gläsern; ceosan
wählen, Prät. Sg. ceas - Prät. Pl. curon, Part. Prät. coren § 384, Subst.
cyre Wahl; durran § 422, 7 wagen - dearst, dorste, Adj. ^edyrsti^ mutig. -
b) P~d: cwedan sprechen, Prät. Sg. cwseti - Prät. Pl. ws. cwäedon (§ 62),
Part. Prät. cweden (§ 391, 1), Subst. cwide Spruch; lidan gehen - lida
Gänger; - c) h-3: slean schlagen, 2. 3. Sg. Präs. Ind. ws. sliehst, sliehd -
Prät. slös, slö^on, Part. Prät. slse^en (§ 392, 2), Subst. sle^e Schlag,
sla^a Schläger; teon zehn aus *tehun (got. taihun) und in twenti^
usw.; weiter mit Ä-nj: Seon gedeihen, Prät. Sg. ääh - Part. Prät. dunjen
(§ 383, Anm. 3); - d) ehemalige Labiovelare: seon sehen (got. saihrari),
2. 3. Sg. Präs. Ind. ws. siehst, siehÖ. Prät. Sg. seah - Prät. Pl. mit ver-
schiedener Verallgemeinerung des je nach den Endungsvokalen zu er-
wartenden 3 und w ws. säwon, angl. se^un, ebenso Part. Prät. ws. ^esawen
und $esewen (zum Vokal vgl. § 391, Anm. 8), ang). ^ese^en-, weiter Part.
Prät. -siwen zu seon seihen, horh (auch hor^ nach § 223, Anm. 1) Schmutz,
Gen. Sing, horwes, holh Loch, Gen. Sg. holwes.
§ 234. Grammatischer Wechsel
193
Anm. 1. Nicht immer sind außerdem die alten Stufen ae. erhalten; oft ist
einer der beiden im Wechsel stehenden Konsonanten mehr oder weniger
verallgemeinert. Dies gilt besonders in der Substantivdeklination, in der
wegen des idg. Wechsels der Akzentlage zwischen Stamm und Endung auch
mehrfach grammatischer Wechsel zu erwarten wäre. Hier sind die oben
erwähnten Fälle eines Wechsels zwischen h und w bei ehemaligen Labio-
velaren die letzten Reste. Aber auch zwischen den Verbalstämmen findet
bereits Ausgleich statt, worauf bei der Darstellung der Konjugation hin-
gewiesen wird.
Anm. 2. Nicht zum grammatischen Wechsel gehören Formen mit w und 5,
die mundartlich verschieden verallgemeinert sind, s. § 213, Anm. 1. Ebenso
gehört nicht hierher der Wechsel zwischen w und 3 bei den idg. /o-Stämmen
mit kurzem Stammvokal, s. § 247, Anm. 1, und bei den Stämmen auf idg.
-Iwo-, germ. -iwa-, s. § 250, Anm. 2.
Anm. 3. Mundartlich haben sich Formen mit grammatischem Wechsel
öfters in verschiedener Verallgemeinerung erhalten. Derart ist zu erklären
ws. hweol Rad (mit A-Ausfall nach § 129, 2, neben hweohhol mit Gemination
nach § 228) und spätws. hweo^ol neben hweowol (§ 213, Anm. 1); poet. eoh
Eibe neben gew. iw, iow, eow (s. § 250, Anm. 2). Durch grammatischen
Wechsel wegen verschiedener idg. Betonung sind zu erklären ws. &weor
Schwäher (aus idg. *suekuro-) neben dem Fern, swejer (idg. *8uekrü-, deutsch
m Schwieger-), doch steht für dieses in L neben sueyir, 8uoe$er auch euer,
su&r und mit Rundung swöer, bei dem man statt Ableitung von ersterer
Form auch an Ausfall des 3 wie bei Verben (s. § 129, Anm. 2) denken kann.
Anm. 4. Im Ae. sind öfters stimmlose Spiranten im Auslaut von Flexions-
endungen erhalten, obwohl der idg. Akzent nicht in allen diesen Fällen
auf der unmittelbar vorhergehenden Suffixsilbe stand. Das Ae. weicht hierin
manchmal von den anderen germ. oder westgerm. Sprachen ab, geht aber
meistens mit dem Altfries, und Altsächs. zusammen. Hierher gehören das
gemeinwestgerm. -s des Gen. Sg. der mask. und neutr. idg. o-Stämme (§ 237),
das ae., altfries. und altsächs. -s im Nom. (Akk.) PL der mask. idg. o-Stämme
(§ 237), das gemeinwestgerm. -s der 2. Sg. Ind. Präs, aller Verba und der
2. Sg. Ind. Prät. der schwachen Verba (§ 356), das ae. und altfries., im PI.
auch altsächs. (im Sg. nur teilweise) ~p der 3. Sg. Ind. Präs, aller Verba.
Die Erklärung dieser Erscheinung ist umstritten. Für die Annahme einer
Endungsbetonung fehlen Parallelen, am ehesten wäre sie bei den Verbal-
ondungen anzunehmen. Für den Plural der mask. idg. o-Stämme denkt
man an eine Erweiterung der Endung durch Wiederholung (also idg. *-oses
statt ~Ö8 aus -oe«) und Synkope des zweiten Vokals. Zur Kritik dieser Ansicht
vgl. Prokosch, Comp. Germ. Grammar, S. 236; zum Gen. Sg. Gustav Must,
Language 29, 301-305.
FLEXIONSLEHRE
I. Abschnitt
DEKLINATION
Kapitel I
Deklination der Substantiva
A. Vokalische (starke) Deklination
1. Die idg. o- (germ. a-) Deklination
§ 235. Die idg. o-Deklination umfaßt ae. Maskulina und Neutra. Sie
entspricht der griechisch-lateinischen zweiten oder o-Deklination (Nom.
Sg. griech. mask. -o;, ntr. -ov, lat. -us, -um). Die zugehörigen Feminina
bilden die idg. o-Deklination.
Anm. Die o-Deklination ist im Germ, eine a-Deldination, weil das idg. o
im Germ, zu a geworden ist, ehe es abfiel (§ 143). Doch dürfte es zweck-
mäßig sein, der Namengebung diejenige Gestalt zugrunde zu legen, welche
der auslautende Stammvokal in der gemeinsamen idg. Grundsprache hatte.
Als Unterabteilungen der idg. o-Stämme sind aufzustellen: a) reine
o-Stämme; b) /o-Stämme; c) wo-Stämme, da die beiden letzteren Gruppen
in einigen Kasus von den reinen o-Stämmen abweichen.
§ 236. Die Endungen der Maskulina und Neutra sind ae. dieselben in
allen Kasus außer dem Nom. Akk. PI. Wir behandeln deshalb beide
Genera zusammen.
Anm. In L und Rit. (nicht in R2) ist das grammatische Genus bereits
weitgehend aufgegeben. Da die Flexionsendungen der hauptsächlichsten
Gruppen von Subst. schon weitgehend ausgeglichen sind (vgl. bes. die Aus-
dehnung der mask. und neutr. Gen. Endung -es auf Fern. § 252, Anm. 2,
des PI. auf -as, -es auf Neutr. § 237, Anm. 5 und auf Fern. § 252, Anm. 3,
der Endungen der o- und ü-Stämme auf die n-Stämme § 276, Anm. 6 bzw.
der Endung -a, -o der n-Stämme auf andere Gruppen), ist das gram. Genus
nur durch wenige Kennzeichen bestimmbar (bes. Pronomen, s. die Zusammen-
stellung von A. S. C. Ross, JEGPh 35, 322). Es zeigt sich aber eine deutliche
Neigung, Bezeichnungen männlicher und weiblicher Wesen nach dem natür-
lichen Geschlecht zu gebrauchen, auch wenn sie etymol. Neutra sind.
Anderseits werden Bezeichnungen geschlechtsloser Dinge oft als Neutra ge-
braucht, auch wenn sie etymol. Mask, oder Fern, sind; der Gebrauch etymol.
Fern, und Neutra als Mask, kommt in diesen Fällen zwar auch vor, ist aber
| 236-237. Die idg. o-Deklination
195
seltener; der Gebrauch etymol. Mask, und Neutra als Fern, nur dann, wenn
das zu übersetzende lat. Wort Femininum ist. Manchmal, aber nicht immer
wird - abgesehen von dem allgemeinen Ausgleich der Flexionsendungen -
auch die Flexion dem natürlichen Geschlecht angegliehen (z. B. Gen. Sg.
dsere mse^dne, melden etymol. Neutr.), s. A. S. C. Ross, JEGPh 35, 321ff. -
In anderen Denkmälern ist Genuswechsel selten und auf einige bestimmt^
Wörter beschränkt.
§ 237. Die Endungen der idg. o-Stämme im Ae. sind:
Singular
N. A. V. - (-e; -u, -o)
G. -es
D. -e
I. -e
Plural
mask.
-08
ntr.
-u, -
-a
um
Die eingeklammerten -e; -u, -o im Nom. Akk. Sg. sind die Endungen
der jo- und wo-Stämme, vgl. § 246, § 249.
Anm. 1. In den ältesten Quellen geht der Gen. Sg. regelmäßig auf -ass aus,
z. B. dömses usw. (also urgerm. -asa, idg. -oso; anders als got. dagis aus idg.
-eso). Im späteren Nordh., in R1, findet sich neben -es auch -ss und -as,
letzteres auch spätws. {heofnas, heojonas), spätws. auch manchmal -ys (sel-
tener -is), dies sind aber durch die allgemeine Abschwächung der Vokale
in Auslautsilben bedingte Formen, s. § 44, Anm. 8.
Über die Erhaltung des stimmlosen -s s. § 234, Anm. 4.
Der 4-Umlaut in dem altkent. Snes Adv. einmal und Gen. zu än erklärt
sich wohl aus Anlehnung an den Instr. eene (s. Anm. 2), s. van Helten,
Beitr. 36, 439.
Anm. 2. Dat. und Instr. sind in den meisten Texten zusammengefallen
(Endung -e), doch sind sie in den ältesten Texten noch geschieden. Der
Dat. geht dort auf -se aus (aus germ. -ai, idg. -öi mit Schleifton, s. § 150, 1),
der Instr. auf -i (wahrscheinlich ursprünglich ein Lokativ auf idg. schleif-
toniges -laus ei, vgl. lat. domi), also *dömse, *dömi (Sievers, Beitr. 8, 324ff.).
Im Instr. wäre ursprünglich i-Umlaut zu erwarten, doch wurde jedenfalls
nach dem umlautlosen Kasus ausgeglichen. Isolierte Formen mit /-Umlaut
sind: hwene ein wenig zu hwön Adj. klein, wenig; Adj. lene zu än ein § 324, 1;
vielleicht auch ws. merken (in on merken, tö merken), mser^en R1 zu angl.
marken, § 59, Anm. 1), obwohl ws. auch ein Nom. merken, meri^en ver-
kommt, der zu marken, morgen im Suffixablaut (germ. -an neben -in wie
im starken Part. Prät. § 141, 2) stehen könnte. Da aber der Dat. (Instr.)
älter und häufiger ist, der Nom. später und seltener, ist dieser vielleicht
erst nachträglich von dem Dat. (Instr.) abgeleitet. — Dat. Instr. auf -se in
späteren Texten (R1, Rit., L; Rit. und L auch -i, L auch -a) sind durch
Abschwächung der Endung zu -a zu erklären (§ 44, Anm. 8). Vereinzeltes
•y im Instr. {joley Textus Roffensis) ist wohl Fehlschreibung wegen kent. e
für y, s. § 31, Anm. 1.
Formen auf -a nach ®ne, «n(t)je u. dgl. (wie Sn(t)je din^a, lene siäa)
sind als (partitive) Gen. PI. aufzufassen, s. § 320.
196 § 237. Die idg. o-Deklination. § 238. Reine idg. o-Stämme
Endungslose Dat. (Instr.) Sg. liegen vor in häm (sehr selten käme} zu
häm Heim, in adverbialen Formeln wie jod öanc (2Elfric), nach Präpositio-
nen in formelhaften Ausdrücken wie tö dse^ heute (älter tö dse^e), on nön,
on d&3, tö morgen, tö merken (mit i-Umlaut, § 100, Anm. 2) morgen, tö iejen
abends, in der späteren Sprache auch eölce, hwilce, sume ööre d&3 u. ä. Es
handelt sich wahrscheinlich um idg. Lokative auf -e, das germ. abgefallen
war, die sich in mehr oder weniger festen Fügungen erhalten hatten (s.
Walde, Auslautgesetze, S. 3ff.; I. Dahl, Substantival Inflexion, S. 51ff., wo
auch andere Erklärungen besprochen werden).
Im Nordh. (L) sind endungslose Dative Sg. sehr häufig (in Rit. kommen
sie nicht vor, Ra und auch R1 haben nur einige Fälle).
Anm. 3. Im Nom. Pl. mask. steht im Nordh. (nur L, Rz, nicht Rit.) und
in R1 neben -as auch ass-, -ea wegen Reduktion des Endungsvokals nach
§ 44, Anm. 8. Auch spätws. steht manchmal bereits -es. Über das -s s.
§ 234, Anm. 4.
Außerdem nehmen nordh. (bes. L und Rit.) eine Reihe von Subst. die
Endung der n-Dekl. -o, -a (§ 276, Anm. 6) an, z. B. jäsio neben ^ästas usw.
In R1 erscheint manchmal -a, allerdings bis auf riftra (zu rifter Sichel) in
unsicheren Fällen; einmal steht -a in san^era Beda-Übers.
Anm. 4. Im Nordh. (L, Rit., R2) und in R1 wird der Gen. Pl. auch oft nach
den «-Deklinationen auf -ana, -ona, -ena gebildet, also da^ana, -ona, liomana
zu da?j, lim. L und R1 haben auch manchmal -e als Reduktionsvokal zu -a. —
Auch in späteren ws. Texten finden sich gelegentlich Gen. Pl. auf -ena, -ana. -
Selten ist -o für -a, so ws. leohtfato Kerzen; vereinzelt steht -o auch in L.
Anm. 5. Zur Endung -w des Nom. Akk. Pl. der Neutra (aus idg. ä) vgl.
§ 148, b und Anm. 2, § 149, 2. Soweit die Endung -u erhalten blieb, ist nach
§ 44, Anm. 7 -w die älteste Form, -o die jüngere, -a die jüngste Form (doch
kommt -a schon manchmal bei Alfred vor). Vesp. Ps. hat fast nur -u, R1
und R2 -u und -o, selten -a, R1 auch vereinzelt -e. L und Rit. haben gewöhn-
lich -o, seltener -a; alle diese Endungen kommen in L und Rit. auch bei
denjenigen Neutris vor, welche in den anderen Mundarten endungslos sind.
Außerdem kommt in L und Rit. manchmal auch die Endung des Mask.
-as, -es bei etymologischen Neutris vor.
Anm. 6. Das -um des Dat. Pl. geht später in -on, -an über, vgl. § 293, Anm. 2;
dies gilt für alle Deklinationsklassen.
a) Reine idg. o-Stamme
§ 238. Paradigmen der Maskulina: döm Urteil, Gericht, der Neutra: hof
Hof, word Wort.
Maskulina:
Neutra:
Sing. N. V. A. döm hof word
G. dömes hofes wordes
D. döme hofe worde
I. döme hofe worde
Pl. N. V. A. dömas hofu, -o word
G. döma hofa worda
D. dömum hofum wordum
§ 238-240. Reine idg. o-Stämme
197
Wie döm flektieren zunächst die einsilbigen Maskulina, wie hof die
einsilbigen Neutra mit kurzer, wie word die mit langer.Wurzelsilbe, s.
§ 146, § 148, b.
Anm. 1. In einigen spätws. Texten nehmen die langsilbigen Neutra im
Nom. Akk. PI. öfter die Endung der kurzsilbigen an; wordu, weorcu usw.,
ebenso spätnordh. (L, Rit., nicht R2).
Anm. 2. Die Wörter auf -eis, wie bridels Zaum, f&tels Beutel, syrdels Gürtel,
ws. riecels Weihrauch, sind gewöhnlich m., selten n.
§ 239. Zu dieser Deklination gehört im Ao. eine große Anzahl von
Wörtern, darunter nicht wenige, welche aus anderen Deklinationen in
sie übergetreten sind (namentlich langsilbige alte i- und ?z-StämTne, vgl.
§ 264f., § 273).
1. Vollkommen regelmäßig gehen nur diejenigen Wörter, welche un-
veränderlichen Endkonsonanten und einen (außer gegen den hier nicht
mehr in Betracht kommenden z-Umlaut) indifferenten Wurzelvokal
haben. Solche Wörter sind:
a) Fürs Maskulinum äÖ Eid, haeft Gefangener, heim Helm, hrin^
Ring, wulf Wolf, earm Aixa, eorl Mann, müd Mund, dream Jubel usw.
b) Fürs Neutrum a) kurzsilbige: col Kohle, dor Tor, jeoc (§ 92,
1, b) Joch, loc Verschluß, Hürde, hop Schlupfwinkel, lot Schlauheit, sol
Kotlache, spor Spur; b) langsilbige: bän Knochen, bearn Kind, deor
Tier, fyr Feuer, jöd Gut, lic Körper, wif Weib usw.
2. Wörter, deren Wurzelsilbe auf eine Geminata ausgeht, vereinfachen
diese in den endungslosen Kasus nach Maßgabe von § 231, 1, z. B. m.
weal(l) Wall, hwom(m) Winkel, n. ful(l) Becher, Gen. wealles, hwommes,
fulles usw.
Für die sonstigen hierhergehörenden Wörter gelten folgende Bestim-
mungen :
§ 240. Wörter mit a? vor einfachem Konsonanten, wie die Mask.
Tag, hwael Walfisch, paed Pfad, staaf Stab, die Neutra baec Rücken, baed
Bad, blaed Blatt, craet Korb, dael Tal, faec Zeitabschnitt, jaet Faß, fnaed,
fnaes Franse, haef Meer, saal Saal, ataeö Gestade, swseö Spur, scraef Höhle,
traaf Zelt, waad Meer, waal die im Kampfe Gefallenen, haben nach § 50, 1
im ganzen Plural a: daaj - da^as, da^a, dayum-, faet - fatu, fata, fatum\
nur selten und spät steht ae, hwaelas, staeöu, scraafu u. ä.
Anm. 1. Im Vesp. Ps. steht im Plural für diese a außer vor j meist ea
nach § 109, so featu, creatum usw., vor 3 meist ee {dse^as usw., doch einmal
da^um), s. § 109, Anm. 5. Ebenso steht ea häufig in der Poesie vor Endungen
mit u, 0, wie heafu, treafum usw., vgl. § 109, Anm. 1.
198
§ 240-242. Reine idg. o-Stämme
Anm. 2. Spätws. dringt das a des Plurals auch in die mehrsilbigen Singular-
kasus ein, so pseö - pades - paöe, fest - fates - jäte.
Anm. 3. jeat Tor (aus nach § 91, a) hat ws. im Plural gewöhnlich
3<atu, seltener ^eatu mit Übertragung des palatalen 5 aus dem Sing., bis-
weilen findet sich auch Gen. Dat. Sg. yites, säte nach dem Plural, vgl.
Anm. 2. In der Poesie herrscht ^eatu vor; im Vesp. Ps. lauten die Formen
Sing, jef nach § 52, Pl. ^eatu mit Velarumlaut. - Von ceaf Spreu scheint
sich im Plur. nur ceafu nach dem Sing, zu finden.
Gras (mit Metathese für ^reea § 179) hat im Plur. jraau.
Anm. 4. Ws. hat Verwandter im Plur. gewöhnlich möjoa nach § 63, a,
seltener mit Ausgleich nach dem Sing,
§ 241. Die Neutra mit e, i vor einfachem Konsonanten, wie ^ebed Gebet,
je&rec Lärm, je-sei Wohnsitz, ^esprec Gespräch, brim Wallung, clif Klippe,
hlid Deckel, lid Glied, lim Glied, scip Schiff, Wettstreit, ^enip
Dunkel, sewrit Schrift usw., haben im Plur. statt des e, i wegen u- (bzw.
o/a-) Umlaut eo, io, soweit dieser vor den folgenden Konsonanten zu
erwarten ist (§ 110, § 111): jebeodu, clioju, liodu, liomu usw.; in der ws.
Prosa verschwindet jedoch dieser Umlaut im allgemeinen ziemlich früh,
cliju, limu usw.
Anm. Am frühesten verschwindet das eo, io aus dem Gen. Pl. - Im Vesp.
Ps. und zum Teil auch nordh. erstreckt es sich auch auf die Mask., z. B.
Vesp. Ps. weoraa, weora, weoraa (meist wejas § 110, Anm. 1), nordh. weoraa,
wearas, waras, -a u. ä., § 35, Anm. 1; § 113, c.
§ 242. Wörter auf h verlieren dieses vor vokalischer Endung. Geht dabei
1. dem Ä ein Konsonant voraus, so wird bei dem Ausfall des h der Wurzel-
vokal vielleicht gedehnt, doch findet sich auch Kürze, s. § 218, 1; also
z. B. m. seolh - seoles und seoles Seehund, n. feorh - feores und feores
Leben. So gehen noch m. fearh Schwein, mearh Roß, ealh Tempel, eolh
Elch, healh Winkel, sealh Weide, wealh Welscher. - 2. dem h ein Vokal
vorher, so führt der Ausfall des h zu Kontraktionen nach § 128ff.: m.
eoh - eos Pferd, n. feoh - feos Geld, § 275 (nordh. feh, Gen. f&es L, feas
R2), öeoh - öeos Hüfte; ebenso m. fleah Floh (gew. flea swm. oder swf.
nach § 277, Anm. 2), höh Ferse (Pl. hös, höas, Dat. höm höum, spät hön),
scöh, sceöh (§ 92, 2, b) Schuh (Pl. scös, sceös, Dat. spät scön); n. fläh
Bosheit, pleoh Gefahr, slöh Sumpflache (auch m. und f.), wöh Böses, ÖrSh
Bosheit, vielleicht auch fleah weißer Fleck (daneben flio und umgelautet
föe).
Anm. 1. wöh bildet in der späteren Prosa die mehrsilbigen Kasus gewöhn-
lich mit 5, wö^es, wö^e, als ob das h des Nom. nach § 214, 1 aus 5 entstanden
wäre, also nach Mustern wie beah ~ bea^es. — Andererseits kommen auch
vereinzelte Nominativformen ohne h, wie m^ar für mearh Pferd, vor (§ 223).
Anm. 2. Die Wörter auf Vokal 4- h haben in der späteren Sprache (für die
§ 242-244. Reine idg. o-Stämme
199
ältere fehlen Belege) den Gen. PL auf -na nach der Art der n-Stämme, jeona,
Öeona, sceona (doch nordh. L scöe, sceöea).
Anm. 3. Zu holh n. Loch, scheint der PL holu zu lauten wie zu dem gleich-
bedeutenden kurzsilbigen hol.
Anm. 4. horh Schmutz (meist m., selten n.) bildet Gen. Dat. Sg. PL horwes,
horwe, horwa, hor(e)wum mit grammatischem Wechsel, § 234, d (selten Gen.
höre# usw.), aber Nom. Akk. PL horas (neben honvu n.); als Instr. Sg. er-
scheint horu in der Poesie.
§ 243. Für die mehrsilbigen Wörter dieser Deklination kommen
folgende Regeln in Betracht:
1. Ursprünglich (d. h. vor dem Eintritt des vokalischen Auslautge-
setzes, § 143 ff.) dreisilbige Neutra mit langer Wurzelsilbe, wie ws. nieten
Vieh, heafod Haupt, haben im Nom. Akk. PI. die Endung -u wie die
kurzsilbigen (und zwar zunächst ohne Synkope des Mittelvokals, § 244,
2): nzetenu, heafodu § 149, 2. Im Vesp. Ps. sind jedoch diese Kasus oft
endungslos, heafud neben heafudu, netenu usw.
2. Ursprünglich dreisilbige Neutra mit kurzer Wurzelsilbe sind im
Nom. Akk. PI. endungslos, reced Gebäude, werod Völker, § 149, 2, doch
heißt es gewöhnlich yflu (yfelu) Übel, neben yfel. Formen wie weredu
treten erst spät auf.
3. Ursprünglich zweisilbige wie ws. wäep{e)n Waffe, /wnj(o)Z Stern,
täc{e)n Zeichen, wund{p)r Wunder (St. germ. *wxpna-, *tun^la-, *taikna-,
*wundra-, vgl. § 152ff.) werden von Haus aus wie die übrigen langstäm-
migen Neutra, § 238, behandelt, d. h. sie haben endungslosen Nom.
Akk. PL, gleich dem Nom. Akk. Sg., s. § 148, Anm. 2; doch nehmen sie
z. T. schon ziemlich früh auch die Endung -u nach dem Muster der
dreisilbigen mit langer Wurzelsilbe an: ws. wxpen, tun^ol, täcen, wundor
und wSp{e)nu, tun^lu, täcnu, wundru. So auch weeter Wasser (St. germ.
*waZra-), PI. weeter und gewöhnlicher wxt{e)ru.
Anm. wolc(e)n n. Wolke, verliert in der älteren Sprache das n im Auslaut
bisweilen, Nom. Akk. Sg. wolc, aber Gen. stets wolcnes usw. (§ 188, Anm. 2).
Nur unsicher belogt ist ein umgelauteter PL welcnu. — Neben täc(e)n be-
gegnet auch tänc, neben beacen Zeichen, auch beanc, bene (§ 185). - Statt
des PL tun^lu erscheint spät ein schwacher PL tun^lan.
4. Die Gesetze über die Behandlung von Mittelvokalen, § 157f. Hier-
nach ergeben sich folgende Hauptfälle:
§ 244. 1. Wörter mit zweisilbigen Nom. Akk. Sg. und langer Stamm-
silbe haben vor vokalischer Endung keinen Mittelvokal, es sei denn,
daß er durch Position geschützt ist (§ 161). Dies gilt sowohl für alte
200 § 244-245. Reine idg. o-Stämme. § 246. Idg. /o-Stämme
Mittelvokale wie für solche, die analog zum Nom. Akk. Sg. eingeführt
wurden, wenn letztere ursprünglich silbische Liquida oder Nasale hatten
(§ 160). Es heißt also: en^el - enjles Engel, tun^ol - tun^les Stern, ätor -
ätres Gift, täcen - täcnes Zeichen, mädum - mäömes Kleinod, heafod —
heafdes Haupt, ieled - eeldes Feuer, morgen - mor^nes und mornes (§214,
Anm. 11) Morgen; aber henkest - hen^estes Hengst, ws. fäetels - fäetelses
Beutel usw.
2. Hingegen stehen vor der Endung -u des Nom. Akk. PI. neutr.
(§ 243, 1) alte Mittelvokale, also heajodu, ws. nietenu, cicenu, ticenu;
sekundäre Mittelvokale werden aber vor der (nach § 243, 3) analogen
Endung -u nicht eingeführt, also wäpnu, tun^lu. Dies gilt wenigstens für
die älteren Denkmäler, später werden auch alte Mittelvokale oft synko-
piert, z. B. heafdu usw.
§ 245. Wörter mit zweisilbigen Nom. Akk. Sg. und kurzer Stammsilbe
bewahren vor vokalischer Endung alte Mittelvokale; hingegen werden
bei ihnen keine sekundären Mittelvokale eingeführt, nur bei -er, -or im
Nom. Akk. Sg. aus ursprünglich silbischem -r werden sie meistens über-
nommen. Also: stapel — stapoles Säule, hamor - hamores Hammer, heofon -
heofones Himmel, daroö - darodes Pfeil, metod - metodes Gott, heorot -
heorotes Hirsch; aber ju^ol - fitstes Vogel (erst spät auch ju^oles, fu^eles)
und wieder le$er - legeres Lager, Öunor - öunores Donner, waeter - wasteres
(und waetres) Wasser usw.
b) Idg. jo-(germ. ya-) Stämme
§ 246. Paradigmen sind fürs Maskulinum here Heer, sec$ Mann, ende
Ende; fürs Neutrum cyn(n) Geschlecht, rice Reich, westen Wüste.
Sing. N.V. A. here sec3 ende cyn(n) rice westen
G. her(i)ses sec3es endes cynnes rices westennes
D. her(i)se sec3e ende cynne rice wes tonne
I. her(i)3e sec3e ende cynne rice westenne
PI. N.V. A. her(i)3(e)as sec3(e)as endas cyn(n) ric(i)u westen(n)u
G. her(i)3(e)a sec3(e)a enda cynna ric(e)a westenna
D. her(i)3um sec3(i)um endum cynnum ric(i)um westennum
here und <secj zeigen die Flexion der Maskulina, cyn(n) die der Neutra
mit kurzer Wurzelsilbe vor dem idg.- jo germ. -ja (Stamm germ. *harja-,
*sagja-, *kunja-), in denen der Schlußkonsonant der Wurzelsilbe, außer
wenn er r war, nach § 227 westgerm. geminiert wurde.
ende zeigt die Flexion der Maskulina, rice die der Neutra mit langer
Wurzelsilbe, in denen nach § 45, 9 an Stelle des j ein i stand und daher
§ 246-247. Idg. /o-Stämme
201
keine Gemination eintrat, i war später nach § 177, 3 bzw. § 159, b ge-
fallen.
westen zeigt die Deklination der Ableitungen auf ae. -en (westgerm.
•unnja, -innja, s. Kluge, Stammbildungslehre3, § 150).
Anm. 1. Das -e des Nom. Akk. Sg. setzt ehemaliges -i fort, das in den
ältesten Quellen als solches erhalten ist: *heri, *endi, *rici (Sievers, Beitr. 8,
326ff.). Der Ursprung dieses -i ist umstritten. Für die kurzsilbigen nimmt
Streitberg (Urg. Gram. § 146, S. 176) eine bereits idg. schwundstufige Endung
-iz, -im an; Hirt, Handb. des Urg. § 41, einen Ausgang idg. -joz, -iom, der
nach Ausfall des germ. a zu germ. -iz (westgerm. -i), -i(m) geworden wäre.
Beide Erklärungen führen zu dem Schluß, daß die Geminata im Nom.
Akk. Sg. nicht ursprünglich ist, wenn man nicht annehmen will, daß der
Ausfall der germ. -a- später erfolgte als die westgerm. Geminata vor /. Die
Geminata müßte daher aus den anderen Kasus auf den Nom. Akk. Sg.
übertragen worden sein, in denen sich das / vor Flexionsendungen mit nicht
ausgefallenen Vokalen länger erhielt. Dafür spricht auch die Form im Kom-
positum cynedom, s. § 168; § 177, Anm. 2. - Das -e im Nom. Akk. Sg. der
langsilbigen wird entweder durch Kontraktion des urspr. Ausgangs idg.
-ioz, -iom (so Streitberg, Urg. Gram. § 146, Anm. 3, § 173), oder aus einer
Bildung idg. -ijoz, ijom (Walde, Auslautgesetze S. 134; Hirt, Handb. des
Urg. II, § 41) erklärt, während Sievers, Beitr. 5, 126f., an ein Bewahren des
-i- vor der urspr. Endung idg. -oz, -om, germ. -az, -a(m) denkt. S. auch
§ 150, Anm. 1.
Anm. 2. Über Vereinfachung der auslautcnden Geminaten s. § 231.
Anm. 3. über die Erhaltung des -u im Nom. Akk. PI. neutr. der lang-
silbigen (ric(i)u) s. § 149, 2. Das urspr. -i- ist nach § 159, b bzw. § 177, 3
synkopiert. Das c ist nach § 206, 2 wohl durch Ausgleich nach anderen
Kasus (meistens) palatal, woraus sich die Schreibungen riciu, ^efylciu er-
klären. Manchmal begegnen auch Schreibungen wie ^ejylcio, riceo. Bei den
Subst. auf -en (und -et, s. § 248, 2) wäre im N. Akk. PI. Endungslosigkeit
wie bei cynn zu erwarten. Tatsächlich finden sich vereinzelt solche Formen.
Die Endung -u dürfte analog zu den reinen o-Stämmen auf -en (§ 243, 2)
übernommen sein, zumal die Geminata vor ihr verhältnismäßig selten ist
und wohl aus den anderen flektierten Kasus übernommen wurde. S. I. Dahl,
Subst. Inflexion, S. 93f.
Anm. 4. Von here finden sich auch oft Formen wie Gen. Sg. heres, Dat.
Instr. Sg. here, Nom. Akk. PI. heras wie von einem i-Stamm, § 262, wegen
der Gleichheit in der Bildung des Nom. Akk. Sg.
Anm. 5. ende hat vereinzelt einen Akk. Sg. endan (Beda-Übers.) nach der
n-Deklination. Über set^ieru Ep., Cp. Gl., s. § 257, Anm. 1.
§ 247. Weitere Beispiele für die Subst. mit urspr. kurzer Wurzelsilbe
sind: a) Mask.: hryc^ Rücken, wecj Keil, dyn(n) Lärm (s. § 263, Anm. 3),
hlyn{n) Lärm, hyl(l) Hügel; - b) Neutra: net Netz, flet Boden, bed Bett,
wed Pfand, ws. $ied Spruch (§ 91, c), neb Schnabel, wies Roß usw.
Anm. 1. Hierher gehören auch Subst. mit kurzem Stammvokal + w, wel-
ches vor dem /-Suffix wenigstens in einer Reihe von Fällen geminiert wurde
202
§ 247-248. Idg. /o-Stämme
(§ 173, Anm. 2). Von ihnen haben das / nach dem aus Vokal 4- w entstan-
denen Langdiphthong erhalten: ws. hie$, gew. hi$, außerws. Äej Heu (got.
hawi, St. germ. *hawja-), ws. jZij, G. slijes Freude (neben ^liwes s. unten
und § 176, Anm. 3), angl. /rej, spätws. Mj Tragbrett, ne. tray, wobei das
3 im Nom. Akk. Sg. vielleicht erst analog zu den Kasus mit Flexionsendungen
angetreten ist (§ 176, 3). Hingegen ist w erhalten und j wie nach anderen
Geminaten gefallen in ws. hiew hiw angl. hiow (nordh. hiu nach § 89) Gestalt
(in der Poesie auch heo mit eo für io nach § 38 und w-Abfall analog zu Subst.
wie treo § 174) und wird in allen Kasus durchgeführt (Gen. ws. hi(e)wes,
hiowes usw. - St. germ. *hiw{w)ja-, got. hiwi); ebenso Nom. Ep. sliu, poet.
jZeo, Gen. poet. selten sllowes usw. neben gew. sliwes (St. germ. *jWw(w)/a-)
Freude (neben ws. 3U3, slimes s. oben). Vgl. dazu Dahl, Subst. Inflexion,
S.95-109.
Anm. 2. / ist ausgefallen und hierauf Kontraktion eingetreten in dem Stamm
*blija- neutr. Farbe, s. § 78, wobei iu (ae. io, später eo), das in einzelnen
Kasus entstanden war, verallgemeinert wurde, so Nom. bleo (auch bleoh
mit unorganischem h, § 223, Anm. 2), Gen. bleos (spät auch bleo $88 nach
bleoh, vgl. § 242, Anm. 1), Dat. Pl. bleom bleoum (auch bleowum, mit w wohl
als Gleitelaut oder analog nach Subst. wie treo(w) § 174), Gen. Pl. bleo (später
auch bleoa und bleona nach § 242, Anm. 2); kent. mit erhaltenem io, blio
s. § 38.
§ 248. 1. Von den Subst. mit urspr. langer Wurzelsilbe vor dem idg.
-jo flektieren die Maskulina wie ende, z. B. esne Diener, ws. hierde, angl.
kent. Morde Hirt, leece Arzt, poet. mece Schwert und die zahlreichen
Nomina agentis auf -ere (nordh. auch oft -are) wie boeere Schriftgelehrter,
fiscere Fischer, Öröwere Dulder, denen sich auch das Fremdwort cäsere
Kaiser angeschlossen hat (spätws. auch bisweilen bloß -re, wie böcre,
cwelre Henker, drefre Betrübet, jZlwre Spielmann, rlmre Zähler, sceawre
Beschauer, so auch nordh. Pl. Sröwres L Dulder, G. Pl. ondelra Bekenner
Rit.; aber N. Sg. sceawere R2, sceware L, -Öröwer L, ondetre Rit.); die
Neutra wie rice, z. B. Becher, wite Strafe, ws. stiele, außerws. stele
Stahl, styc.ce Stück, cerende Botschaft, dann Bildungen mit der Vorsilbe
je- wie ws. ^ewxde Kleid, ws. ^emierce Grenze, ^elimbre Bauwerk, und
viele andere.
Anm. 1. Kontraktion nach Ausfall des h zeigt ws. *je«cie, jescy (§ 92,
Anm. 9), angl. ^escöe (Vesp. Ps., R2), gesceöe (L) Schuhwerk (ahd. alts.
gisköhi, Kollektivbildung mit gl- -ja, Kluge, Stammbildungslehre3, § 66),
Nom. Akk. Pl. ws. sescy', weiter wegen Ausfall des / wohl auch ^ecy Paar
Kühe (? Gen. Pl. jecy) zu cü, § 284.
2. Wie westen flektieren die Ableitungen auf -en, wie ws. Sfen, angl.
kent. e/en, spätnordh. efern (L) Abend (auch mask.), feesten Fasten, Feste,
und die auf -et (germ. -atja-, -itja-, s. Kluge, Stammbildungslehre3, § 144)
wie onielet Blitz, ws. li^et Blitz, ws. *nierwet, nyrwet Enge, rewet Rudern,
siewet Säen usw.
§ 248. Idg. 70-Stämme. § 249. Idg. wo-Stämme 203
Anm. 2. In den jüngeren Texten wird das nn, tt gewöhnlich vereinfacht,
westenes, bsemetes usw. § 231, 4, und selbst der vorausgehende Vokal bis-
weilen ausgestoßen, wie in Sjnes neben iefenes und Sfennes, Nom. Akk. PI.
westnu neben westenu und westennu. Umgekehrt wird zu merken (neben
morgen, § 237, Anm. 2) ein Dat. on merjenne (poet.) wie von einem ;o-Stamm
gebildet.
Anm. 3. westen erscheint selten auch f. und spät m., PI. westenas; ebenso
hat li^et zumal später bisweilen einen PL ll3et(t)as; daneben steht ein Fern.
li^etfu) nach § 258, 1.
Anm. 4. Vielleicht gehören hierher auch die Diminutiva auf -incel (ahd.
incli), wie bÖ^incel Zweiglein, cofincel pistrilla, öiowincel Diener, hseftincel
Sklave, hüsincel Häuschen, liöincel Gliedchen, räpincel Strickohen, scipincel
Schiffchen, sülincel kleine Furche, tünincel Gütchen, ws. wieUncel Sklave
usw. Diese synkopieren fast stets das e in der Flexion, also hüsincles usw.,
doch Nom. Akk. PI. öiowincelu Vesp. Hymn., sülincela Gl.
c) Idg. wo- (germ. u>g«) Stamme
§ 249. Paradigmen sind fürs Maskulinum nur bearu Wald, fürs Neutrum
searu Rüstung (St. germ. *barwa-, *sarwa-, über ea wegen Brechung s.
§ 109, Anm. 8).
Maskulina:
Sing. N. V. A. bearu, -o
G. bearwes
D. bearwe
I. bearwe
PI. N. V. A. bearwas
G. bearwa
D. bearwum
Neutra:
searu, -o
searwes
searwe
searwe
searu, -o
searwa
searwum
So gehen noch die Neutra b{e}alu Übel, me(p)lu (Gen. melwes, s. § 110,
1) Mehl, smeoru Schmer, teoru Teer, c{w)udu, cwiodu (§ 114, b) Harz.
Über eo, io im N. Akk. Sg. wegen Velarumlaut s. § 110, 1.
Anm. 1. Nach Ortsnamenformen scheint bearu im Südwesten nach der u-
Deklination (§ 270) flektiert worden zu sein (daher Obl. beara), doch fehlen
dafür ae. Belege, s. Hallqvist, S. 135-152. - Über Einschub eines u, o, e
zwischen Konsonanten und w in flektierten Formen, wie bealuwes, bealowes,
we, aber bealewa, bealewum vgl. § 165, b und § 260, Anm. 1.
Anm. 2. In späten Texten dringt das w auch in die endungslosen Formen
ein, smeoruw, meluw; dagegen findet sich in alter Zeit auch ein Dat. PI.
ohne w, smerum nach § 173.
Anm. 3. Der Nom. Akk. PI. der Neutra geht später auch auf -wu, -wa aus,
searwa usw.; vgl. auch horwu § 242, Anm. 4.
Anm. 4. Von dem Kompositum sciptearo (zu teoru) findet sich einmal Gen.
sciptearos', sonst flektiert dieses Wort schwach nach § 276.
Anm. 5. Von langsilbigen gehört hierher wohl das nur im Nom. belegte jöd
Mangel (got. gaidw), welches sein w (u) nach § 174 bzw. § 148, d verloren hat.
204
§ 250. Idg. wo-Stämme
§ 250. Die Wörter mit Vokal vor dem w zeigen verschiedene Abwei-
chungen :
1. Die ursprünglich langsilbigen Mask, snäw Schnee, <5eaw Sitte, deaw
Tau (auch n.), beaw Bremse; Ntr. *beow Gerste (altn. bygg-, nur Gen. Sg.
beouuas, Ep., beouaes Erf., beowes Cp., baeues Leid. Gl.), seaw Saft
(selten m.), oncleow Knöchel (Nom. Akk. PI. oncleow und oncleowu) und
die Bildungen mit je- wie ^ehreow Reue, ^ehlöw mugitus, zeigen das
w in allen Kasus, einzelne altertümliche Formen wie snä, sea, nach
§ 174, 3, ausgenommen.
Anm. 1. Ebenso geht hläw, hläiw m. Grabhügel (selten spät n., ursprünglich
wohl ein neutraler os-Stamm, § 288, Anm. 1). Dem got. hraiw Leichnam
(gleichfalls ursprünglich neutraler os-Stamm) entspricht hrSw, hräw (spät
auch hreaw, § 126, Anm. 2) und hrle, hrä n. (auch m., vgl. § 173, Anm. 1,
§ 174, 3), Gen. hriewea und hrses, Nom. Akk. PI. hree(w), hrä(w), hreaw und
hr&was usw., Gen. PI. alt hrä usw.
Anm. 2. Die Stämme auf -iwa haben im Ws. regelmäßig wie die übrigen
langsilbigen im Nom. Akk. Sg. das nach den anderen Kasus angetretene
-w, so mask. briw Brei, jiw, jtow Geier, sliw Schleie, Tiw Ziu (Eigenn.);
Gen. briwes usw. In Ep. Erf. Corp. Gl. erscheinen hingegen Formen mit i
oder ij: briij, 313, sll, TH3. Formen mit i könnten alte Formen ohne analog
angetretenes w sein, das 3 könnte nach § 24, Anm. zu erklären sein. Zu
briis, briw vgl. überdies Osthoff, Beitr. 8, 257f., der einen Stamm auf Labio-
velar vermutet (vgl. § 213, Anm. 1). Ein solcher erklärt wohl das Neben-
einander von iw (iow, eow) Eibe mask. und poet. (Runenlied) eoh (mit Bre-
chung nach § 86, 5 für *ioh aus *ih, s. Kluge-Götze-Mitzka, Etym. Wb. d.
deutschen Sprache unter ‘Eibe’). — hi(e)w und 3U3 gehören zu den -jo-
Stämmen, s. § 247, Anm. 1. Es konnten aber auch obige Wörter nach deren
Muster umgebildet sein.
2. Für die Flexion der Subst. mit ursprünglich kurzem Wurzelvokal
vor w wie Neutra streaw Stroh, treow Baum, cneow Knie und das Mask.
Öeow Knecht, nebst dessen Kompositis lätteow Führer, läreow Lehrer
(Stamm germ. *strawa-, *trewa-, *knewa-, ßewa-) sind § 75, § 77, § 87,
§ 88 zu beachten. In den endungslosen Kasus tritt w nach den übrigen
in der Regel an den aus Vokal 4- u (aus w) gebildeten Diphthong an,
dieser Langdiphthong dringt auch in die flektierten Kasus ein, in denen
urspr. a oder kurzes eo anzusetzen ist. Die Flexion ist daher im Ws.:
Sing. N. V. A. treo(w) PI. N. A. ftrSowu, treo(w)
(öSowas
G. trSowes G. treowa
D. treowe (treo) D. trgowum
I. treowe
Anm. 3. hleo Schutz (St. germ. *hl'ewa- m. oder n.), das nur im Sing, vor-
kommt, zeigt nur selten die Form hleow, sonst sind die auslautenden -w,
§ 174, 1, wests. meist durchgeführt. - Zu streaw (ws. nur Nom. Akk. Sg.
und ein PL strewu[ ?] belegt) vgl. das Komp. strea{w)-, 8trawberi3e Erdbeere
§ 250. Idg. wo-Stämme. § 251-252. Idg. ä-Deklination 205
s. § 128, Anm. 1. - Neben lätteow, läreow steht auch ein swm. ws. lätteowa,
läreowa, nordh. lätua, läru(u)a L, lärwa R2 nach § 276.
Anm. 4. Vielfache Abweichungen zeigt die Flexion dieser Wörter im Angli-
schon, a) Vesp. Ps. hat regelmäßig Mask, deow, diow (§ 39, Anm. 2), nur
1 <5eo, Gen. -es usw., dazu lädtow, Pl. -as; aber Neutr. Sg. Nom. Akk. treo(w),
triow, trew, Gen. tres, Dat. treo; Pl. Nom. Akk. treo, trew, cneow, Gen. trea; -
b) R1: Sg. Nom. Akk. -ßeuw, lätteuw, lar(e)uw, Dat. Öeuw, deow; Pl. Nom.
Akk. -ßeu (und Adj. -ßeuwe), läteuw, lätuwas, lätewas, lärewas, Neutr. Sg.
Nom. Akk. streu, kneu, treuw, treow, Gen. trSowes, treos, Dat. treo, Pl. Akk.
cnew, Dat. trtoumm; von den nordh. Texten hat - c) L Mask. Sg. Nom.
Akk. dea, Gen. öeas, Dat. dSua, Pl. Nom. Akk. deas, Gen. deana, Dat. ö&wum;
dazu Sg. Nom. Akk. lätuu, lätua, läruu, läruua, lärua, Gen. lärzias, Dat.
lärua, Pl. Nom. Akk. lätuas, läru(u)as, lärwas, Gen. läraua, Dat. lärwum,
läruum; Neutr. Sg. Nom. Akk. stre, trete), treo, treu, Gen. strees, trees, Dat.
trete), treo, cneuo, cnew, Pl. Nom. Akk. treo, treuo, cn&wa, Gen. trewna, treuna,
tr&uana, Dat. treum, trewum, cneum, cn&uum, cneoum; - d) R2: Mask. Sg.
Nom. Akk. lärow, forelätow, Pl. Nom. Akk. lärwas, Gen. lärwara, Dat. lär-
wum, -om; Neutr. Sg. Nom. Akk. treo, cneo, Dat. tree, Pl. Nom. Akk. treo,
Gen. treona, Dat. treoum, treum, cneom; - e) Rit. Mask. Sg. Nom. Akk. dea,
Gen. deas, Dat. dea, Pl. Akk. dea, Gen. deana, Dat. öeaum, dazu Sg. Nom.
Akk. lätwu, lär(w)u, Gen. lärwes, Pl. Nom. Akk. lärwas; Neutr. Sg. Nom.
Akk. tre(e), Pl. Gen. treona, Dat, cneum. Zu den Formen mit ea vgl. § 35,
Anm. 1; zu denen mit eu, ew § 89.
2. Die idg. a- (germ. ö-) Deklination
§ 251. Die idg. ä-Deklination enthält die Feminina, welche den Maskulinis
und Neutris auf idg. -o zur Seite stehen. Im Germ, ist sie, wegen des
Lautwandels von idg. ä zu germ ö, eine ö-Deklination.
Anm. Im Nordh. werden viele dieser Fern, auch als Neutra oder Mask, ge-
braucht und dann manchmal auch so flektiert (vgl. § 236, Anm.).
a) Reine idg. a-Stämme
§ 252. Paradigmen: a) für die kurzsilbigen ws. ^iefu (^ifu, syfu § 91, c)
Gabe, b) für die langsilbigen är Ehre.
kurzsilbige:
Sing. N. V. jiefu, -o
G. giefe
D. I. 3iefe
A. 3iefe
Pl. N. V. A. 3iefa; -e
G. 3iefa; (-ena)
D. 3iefum
langsilbige:
är
äre
äre
äre
ära; -e
ära; (-na, -ena)
ärum
Anm. 1. Die obliquen Kasus des Sing, gehen in den ältesten Quellen auf
-se aus. Dieses geht im Dat. auf idg. -äi, im Akk. auf idg. stoßtoniges -Am
206 § 252. Reine idg. ä-Stämme
(griech. tfcp, #aav) zurück. Der Gen. Sg. hatte idg. schleiftoniges -äs (vgl.
griech. &eäg) aus idg. ä 4- es los-, im Ae. wäre daher nach § 44, Anm. 3, 1
die Endung -a zu erwarten, doch wurde der Gen. anscheinend an den Dat.
Sg. angeglichen. Die alte Endung -a ist nur gelegenthch bei Abstrakten auf
-unj, aber nicht bei denen auf -tnj, erhalten. Bisweilen finden sich in alten
Texten Dat. Instr. auf -i (rödi Ruthwell Kreuz 11, ciestri Runenkästchen 2),
welche wohl der o-Deklination entstammen (s. § 237, Anm. 2).
Anm. 2. In späten Texten wird öfters das -u des Nom. Sing, durch alle
Kasus des Sing, durchgeführt, also racu, saju, talu, lufu usw. - Im Nordh.
(Ra, Rit., L) haben die kurzsilbigen im ganzen Sing, und Plural (außer dem
Gen. PI. und Dat. PI.) die Endung -0, seltener -u, im Plur. auch -a, -se und
-e; z. B. L: lufu, -0, -a; wrsecco, -e, wrac(c)o; seafo, seafa, sefo, sefe; sceoman;
Ra: acomu, -0, lufo, wraco, seofo, ^efe, snora; Rit.: lufu, seafa, acoma,
ondsvsere-, vereinzelt auch in R1 lufu, ^eofu usw., vgl. § 44, Anm. 8. Bei den
langsilbigen begegnen in L und Rit. R2, seltener in R1, auch endungslose
Dat. und besonders Akk. Sing. - Im Gen. Sing, gehen diese Fern, in L
und Rit. meist auf -ea (-aes) aus, wie die Mask, und Neutr., also rödea, säules,
aumnun^es, vgl. § 236, Anm. In Ra scheint dies nicht der Fall zu sein, doch
sind die Belege nicht zahlreich (je ein je/e, cseatre, hehatalde, nedle, säwle,
ein nedles, das vielleicht aus L abgeschrieben ist, s. Lindelöf, südnorth.
Mundart, § 157, § 158). Vereinzelt steht einmal woruldes neben sonstigen
-e in R1. Auch im Spätws. kommen Gen. auf -ea nicht selten vor, wie helpes,
sor^es usw., namentlich in gewissen formelhaften Wendungen und Kon-
struktionen bei vorausgehendem Genetiv ohne Artikel wie helpes biddan,
ädles yränuns, sybbea (§ 257) lufu und auch in Formeln wie sorjes and säres
u. dgl.
Anm. 3. Im Nom. Akk. PL ist -a die gewöhnliche Endung im Ws. und
späteren Kentischen, nur altws. finden sich noch einige Akk. auf -e, in den
alten kent. Gl. (ed. Zupitza, ZfdA. 21) Nom. auf -a, -e, Akk. bloß -e. Da-
gegen ist -e im Anglischen durchgeführt; -a fehlt im Vesp. Ps. (wie auch in
den alten Glossen, s. Anm. 1) und im Nordh. bis auf vereinzelte Fälle; nur
R1 und Beda-Übers. haben -a neben -e. Nach Sievers, Beitr. 17, 274, Fuß-
note, ist das Nebeneinander der -a, -e daraus zu erklären, daß -a die urspr.
Endung des Nom. war (aus idg. schleiftonigem -äs = ä 4- es, § 44, Anm. 3, 1),
•e die des Akk. (aus idg. stoßtonigem -äns, § 44, Anm. 3, 2), wobei die ver-
schiedenen Mundartgebiete später nach einer der beiden Formen ausgegli-
chen haben. Über die Aufteilung der Formen s. Kern, Beitr. 31, 272-276.
Zur Erklärung vgl. auch Flasdieck, Idg. Forsch. 48, 53 ff. - Im Nordh.
findet sich auch noch die der n-Deklination entlehnte Endung -o, bei lang-
silbigen in L auch einigemal -as nach den Mask. — Gewöhnlich -e hat auch
das Ws. im Nom. Akk. PI. der Pluralia tantum auf -wäre, wie in Römware
Römer, Cantware Kenter usw., daneben nur selten -wara und auch -waras
nach den mask. o-Stämmen und -waran nach der n-Deklination. -wäre könnte
Plural zu -waru Volk sein, doch ist dies unsicher, s. Dahl, Subst. Inflexion,
S. 164f.
Anm. 4. Im Gen. PL ist -a die eigentliche und häufigere Endung (vgl. got.
gibö, idg. schleiftoniges -öm, wie bei den o-Stämmen), -(e)na ist aus der n-
Deklination eingedrungen und findet sich ws. und kent. nur bei einigen kurz-
silbigen Subst. wie carena, fremena, yifena, lufena; ganz selten bei lang-
silbigen wie är(e)na, lär(e)na, sors(e}na. In Cura past. fehlt -(e)na noch
§ 252-255. Reine idg. <5-Stämme
207
ganz. - Über das Verhältnis von -na und -ena und über mundartliche Neben-
formen Vgl. § 276, Anm. 2ff.
§ 253. Als Beispiele für die kurzsilbigen können noch angeführt
werden caru (cearu, § 108, Anm. 4) Sorge, sceamu sceomu Scham, cwala
Tod, laöu Einladung, swadu Spur, sacu Verfolgung, dracu Kampf, wracu
Verfolgung, andswaru ondswaru Antwort, öeju Empfang, Scolu Schar,
luju Liebe usw.
Anm. Neben ^ifu, sytu erscheint spätws. auch ^eofu mit Velarumlaut, s.
§111, Anm. 8. - Vesp. Ps. scheidet regelmäßig zwischen je/e und seofum,
nordh. dringt die Form mit Velarumlaut auch oft in den Dat. Akk. Sg. und
Nom. Akk. PI. als ^eofu, seofo, -a ein, doch kommt anderseits auch im Nom.
Sg. je/o, je/e nach dem Gen. Dat. Akk. Sg. vor. - In den Kasus auf -e steht
nach § 50 neben dem -a- der Wurzelsilbe im Nom. Sg. ein as, doch wird oft
ausgeglichen, also sasce, drasce, wraece, Isede, awsede neben aace, lade, swade
usw.
§ 254. 1. Die Anzahl der langsilbigen ist sehr bedeutend; Beispiele
von einsilbigen Wörtern dieser Flexion sind: feoht Gefecht, för Fahrt,
jZö/ Handschuh, ws. kent. heall angl. hall Halle, lär Lehre, ws. kent.
mearc angl. merc (§ 120) Mark, sorj Sorge, stund Zeitraum, draj Zeit,
wund Wunde; dann mit Ableitungssuffix ädl Krankheit, ws. näd,l angl.
kent. nedl Nadel, fröfor Trost, wöcor Wachstum; weiter das Lehnwort
ceaster cssster (§ 91, a) Burg (lat. Castro).
2. Wie die langsilbigen werfen auch die ursprünglich dreisilbigen
mit kurzer Wurzelsilbe das -u des Nom. Akk. ab (s. § 149, 1): byden
Bütte, ws. tiefes Kebse, firen Sünde, (aber mit -u ausnahmsweise e^enu
Spreu = ahd. agana)-, ebenso auch die ehemaligen i-Stämme Ides Weib,
dujud Tugend, jwjuJ jeojoJ Jugend (s. § 269, Anm. 4) und das lang-
silbige säwol Seele (got. saiwala)', ferner alle Abstrakta auf -un^, -in^
wie manun^ monun^ Mahnung, leornun^ Gelehrsamkeit (s. über diese
auch § 255, 1).
§ 255. An Besonderheiten der Flexion sind noch zu bemerken:
1. Die Abstrakta auf -«nj haben im Gen. Sg., aber auch im Dat. und
selbst Akk. Sg., ws. kent. oft -un^a statt -unje: leornun^a, costun^a usw.
Im 11. Jahrhundert ist auch der Nom. Sg. auf -un^e häufig, ebenso be-
reits R1 und Beda-Übers.
Anm. 1. Im Vesp. Ps. besteht eine Abstufung des Suffixvokals, so daß der
Dat. PI. auf -in^um ausgeht, die übrigen Kasus aber -iznj- haben (Gen. PL
ist nicht belegt, Zeuner S. 58), vgl. § 142, Anm.
2. Zweisilbige Wörter mit langer Stammsilbe und einfachem End-
konsonanten synkopieren den Vokal der Schlußsilbe nach § 159 in den
208 § 255. Reine idg. ä-Stämme. § 256-257. Idg. fa-Stämme
obliquen Kasus, während kurzsilbige ihn behalten: säwol - säwle (säule)
Seele, fröfor - fröfre Trost, wöcor - wöcre Wucher; aber firen - firene
Sünde, ides - idese Weib usw.
3. Die ursprünglich dreisilbigen Abstrakta auf got. -ipa synkopieren
die Mittelvokale regelmäßig und haben im Nom. Sing, die Endung -u,
•o (§ 149, 1), daneben oft und schon altws. auch endungslose Formen
auf -S: cytföu und c$£(5) (ahd. cundida) Geschlecht, Verwandtschaft,
stren^Öu und stren^d (ahd. strengidd) Kraft, ^esyntu (ahd. gisuntidd)
Gesundheit, ea&rnettu Demut, ofermettu Übermut (ahd. *6tmuotida,
*ubarmuotidd), und weordmynt (urspr. *-mundißd) Ruhm. Beide Formen
dringen allmählich auch in die obliquen Kasus des Sing., namentlich in
den Akk, ein, welche ursprünglich der Regel folgend nur -e hatten.
Anm. 2. Dieses Übergreifen des -u ist vermutlich durch die Abstrakta auf
w § 279 veranlaßt worden.
4. Wörter auf h verlieren dieses vor vokalischer Endung, worauf
eventuell Kontraktionen eintreten (vgl. § 242, 2): leah - lea Wiese.
Anm. 3. leah hat spätws. oft Gen. Zedje usw. nach dem Muster der Wörter
auf 5, auslautend h, § 214, 1; daneben ist es später oft mask. lea, Gen. Nom.
Akk. PI. leas und seltener Gen. lea^es in zusammengesetzten Ortsnamen. -
Auch sl5h n. m. hat bisweilen Gen. Dat. Sing, slß f., § 242, 2.
Anm. 4. brü Braue, hat Nom. Akk. PI. brüa und brüwa, Dat. brüum (= brüm ?)
und brüwicm, Gen. brüna.
b) Idg. ja- (germ. jo-) Stämme
§ 256. Die ursprünglich kurzsilbigen sind durch die Gemination des dem
j vorausgehenden Konsonanten (§ 227) alle langsilbig geworden und
unterscheiden sich in der Flexion nicht mehr von den ursprünglich
langsilbigen. In Bezug auf die Endungen gilt alles in § 252 Bemerkte,
soweit nicht ausdrücklich unten anderes angegeben ist.
§ 257. Paradigmen für ursprünglich kurzsilbige: sib(b) Friede, für ur-
sprünglich langsilbige: ws. ^ierd (§ 91, c) Gerte.
Sing. N. V. sib(b) jierd
G. sibbe jicrde
D. sibbe jierde
A. sibbe jierde
PI. N. V. sibba; -e jierda; -e
G. sibba ßierda
D. sibbum jierdum
A. sibba; -e sierda; -e
Anm. 1. Die Endungslosigkeit des Nom. Sg. der langsilbigen (gegenüber
-u im Nom. Akk. PI. der neutr. jo-Stämme, § 246) ist, wenn nicht aus Analogie
zu den reinen ö-Stämmen (är, § 252), daraus zu erklären, daß in den -jä-
Stämmen verschiedene andere idg. Stammbildungen zusammengefallen
waren (so vor allem die idg. /e-Stämme), denen eine andere Bildung des
Nom. Sg. zukam, daher auch got. Nom. Sg. bandi gegen Nom. Akk. Plur.
§ 257—258. Idg. /ä-Stämme
209
neutr. reikja', vgl. dazu M. H. Jellinek, Geschichte der got. Spr. (Paul’s
Grundriß d. germ. Phil., 1/1, 1926), § 124, wo weitere Literaturangaben
dazu. Erhalten könnte das zu erwartende -u sein in aet^äeru Ep. Gl. Speer,
zumal das glossierte lat. Wort jramea Sing, ist, und ebenso aeijfro Cp. GL
828 für lat. falarica, während Cp. 167 aet^ä&re (ansatae) Plur. ist. Wenn
man aet^äeru Ep. als Plur. eines neutralen /o-Stammes ansieht, wie geschehen
ist, würde das einen Fehler des Glossators voraussetzen, s. dazu § 273,
Anm. 4 und zur Erklärung Dahl, Subst. Inflexion, S. 148. - Bei den kurz-
silbigen kann die Geminata vor dem urae. Ausgang -ju nach § 227 entstan-
den sein (vgl. got. sibja), da der Abfall der -u nach langer Silbe erst der
einzelsprachigen Entwicklung des Ae. angehört und damit nach der west-
germ. Gemination vor j erfolgte, also anders als bei den /o-Stämmen, § 246,
Anm. 1 (anders Jellinek, Beitr. 15, 296 und Streitberg, Beitr. 15, 501, die
ein urspr. *sije für den Nom. ansetzen).
Anm. 2. Ein Gen. Pl. auf -(e)ntz (§ 252, Anm. 4) findet sich bei den /ä-
Stämmen nur in L und R2 (nicht Rit., R1, Vesp. Ps. und nicht ws. und kent.).
- Über die in L, R1, R2 häufigen, im Rit. alleinherrschenden Gen. Sg. auf
-es vgl. § 252, Anm. 2.
Anm. 3. Von den reinen d-Stämmen unterscheiden sich die /ä-Stämme
durch den i-Umlaut der Stammsilbe und palatalen c im Auslaut (z. B.
spriec Sprache, ne. speech). Bei ihnen kommt auch ein Gen. Plur. auf -ena
nicht vor. Von den langsilbigen i-Stämmen (§ 269) unterscheiden sie sich
durch den Akk. Sg. auf -e (außer nordh., s. § 250, Anm. 2).
§ 258. 1. Wie sibb flektieren an einsilbigen Wörtern z. B. noch ben Todes-
wunde, brycs Brücke, cribb Krippe, ecj Schneide, fit Abschnitt eines
Gedichtes, hell Hölle, hen Henne, nyt Nutzen, sascc Streit, sec^ Schwert,
syll Schwelle. Hingegen zeigen die mehrsilbigen Ableitungen im Nom.
Sg. regelmäßig keine Gemination, wohl aber in den obliquen Kasus vor
der vokalisch beginnenden Endung. Zu diesen gehören: a) die movierten
Feminina auf -en (westgerm. Suffix -innjö), wie gyden Göttin, ws.
♦wierjen, wyr^en Frevlerin, ws. *scielcen, scylcen (zu sceaZc) Dienerin;
b) die Abstrakta auf -en (Suffix urspr. -ini, got. -eins, ae. in die /ä-Dekl.
übergetreten, s. Kluge, Stammbildungslehre3, § 149, Anm.) wie sae^en
se$en Behauptung zu secjan, seien sylen Gabe zu sellan syllan, byr^en
Begräbnis zu byrjan, byrden Bürde, -ri-eden Anordnung (in Kompositis
wie freondrSden Freundschaft usw.); c) Fern, auf -es, -is: cefes Kebse,
hcE^tes Hexe, iorle^is Ehebrecherin, Lindls Eigenname, die Landschaft
Lincoln; d) die Abstrakta auf -nes {-nis, -nys, s. § 142, Anm.), z. B.
hali^nes und viele andere; e) einige Ableitungen auf -et (Suffix westgerm.
-ittjö?, s. Kluge, Stammbildungslehre3, § 60, Anm. 1), doch haben diese
im Nom. Sg. die Endung -u nach einfachem Konsonanten (analog zu
den ä-Stämmen, s. van Helten, Beitr. 36, 459; vgl. § 149, 1) wie hyrnetu
Hornisse {himitu Erf., hurnitu Corp.), ws. i{e)lfetu Schwan (atlbitu Ep.,
Corp.), merc. le^itu Vesp. Ps., ws. li^etu neben neutr. li^et, (dazu N. Pl.
210 § 258. Idg. ja-Stämme. § 259. Idg. wo-Stämme
le^ette Blickl. Hom.) für *lie^et(u) Blitz. - Im Gen. Sg. usw. steht Gemi-
nata, also jydenne, wyr^enne, byr^enne, jreondr^denne, -n&sseusw., li^ette,
PI. hymetta, doch kommen auch Formen ohne Geminata vor, bes. bei den
Abstrakten auf -en, wie sae^ene, serene, selene, byr^ene, le^ite Vesp. Ps.
Anm. 1. Die Abstrakta auf -nes bilden oft einen Nom. Sg. auf -nesse, -niese,
-nysse nach den obliquen Kasus (einmal Cura past., Oros., dreimal Vesp.
Ps., Beda-Übers. u. spätws.; -nisse neben gew. -nis, selten -nes R1; -nisse,
-nesse neben -nis R2; -nise, -nisse L, Rit. neben -nia(s) L). - Ebenso kommen
solche Nom. Sg. auch bei Bildungen auf -et vor, wie spätws. yljette, hymette,
die dann durchgehend nach der n-Dekl. (§ 278) flektiert werden (ylfettan
usw.).
Anm. 2. Bei den Ableitungen auf -et finden sich später auch endungslose
Nom. Sg. wie hymet. Umgekehrt finden sich später Nom. Sg. auf -u bei den
movierten Fern, auf -en, wie yydenu Göttin, Öinenu, mennenu Dienerin,
mynecenu Nonne; daneben kommen auch bei diesen Fern. Bildungen nach
der n-Deklination vor, wie Nom. Sg. nefene Nichte, PI. jydenan.
Anm. 3. An die -etf-Bildungen schließt sich an das Fremdwort lampredu
Lamprete. Ebenso flektiert nach dem Muster dieser Fern, das Fremdwort
candel, condel, Gen. condeUe Kerze (lat. candel(l)a).
Anm. 4. Nach dem Muster der ä-Stämme bilden den Nom. Sg. auf -u
Öiowu, öeowu Dienerin (got. piwi, Stamm germ. *piujö-', nordh. diua L),
Rit. nach § 89, Akk. PI. Öiowas L, D. PI. Öiowum L, aber D. Sg. diven,
Akk. Sg. diven nach der n-Dekl. Rit.) und eowu Schaf (zu lat. ovis, i-Stamm,
germ. Stamm *awi- oder *awjö-; wegen des Velarumlauts s. § 110, Anm. 2);
daneben finden sich auch Bildungen nach der n-Dekl. wie deowan und N. Sg.
ewe, eowe (mit Übertragung des eo von eowu) und Gen. eowes, ewes nach
den Mask, und Neutr. der o-Dekl., s. § 252, Anm. 2.
Anm. 5. Die Geminata der Ableitungen werden in der späteren Sprache
oft vereinfacht, wie in -reedene usw., s. § 231, 4.
Anm. 6. Hierher gehört auch ws. cneoris, Gen. cneorisse Geschlecht (so
auch Vesp. Ps., R1, cneorisn Blickl. Hom.), nordh. lautet das Wort cneoresu,
cneuresu, -o, -a, -risso, -rise, auch -re&wu, -o, PL -reswo L, -reswo R8 usw.
2. Wie jierd flektieren z. B. eex Axt (Vesp. Ps. aeces, nordh. acas L),
hild Kampf, hind Hindin, hyö Beute, wylf Wölfin, yÖ Woge und einige
Ableitungen auf -s (Suffix -isi, Kluge, Stammbildungslehre3, § 146, b)
wie bilde, bliss Freude, lids lies Gnade, milde miUs Erbarmen.
Anm. 7. In ws. iej, i$, außerws. ej Insel (altnord. ey, eyjar) und Schlüs-
sel ist das ableitende j als j erhalten, s. § 173, Anm. 2. - Über bend s. § 266,
Anm. 1.
c) Idg. wä- (germ. wö-) Stämme
§ 259. Die wenigen Wörter mit ursprünglich langem Vokal oder nach
§ 173, Anm. 2 entwickelten Diphthongen zeigen das w des Suffixes
überall erhalten; der Nom. Sing, hat aber, anders als der Nom. Akk. Plur.
§ 259-260. Idg. wa-Stämme. § 261. Die i-Deklination
211
der neutralen wo-Stämme (§ 250, 2), keine Endung so stöw Ort,
hreow Reue, treow Treue, Gen. stöwe, treowe u. a.
Anm. Die Wörter mit kurzem -a vor w zeigen teils Entwicklung eines ea,
das dann in allen Kasus durchgeführt wird, teils -aw- nach der in den
obliquen Kasus zu erwartenden Flexion, so Örea Drohung (Nom. Plur. drea,
Dat. Plur. dream und daneben öreaum, oder auch als schwaches Mask. Gen.
Sg. drean nach § 277, Anm. 2 und 3), daneben aber thrauuo Cp. GL, thrauu
Ep. (trafu Ep.) und meist clawu Klaue in regelmäßiger Flexion wie ^ieju
(zu weiteren Formen s. § 128, Anm. 2), seltener clea. - Über ea Wasser
s. § 284, Anm. 4.
§ 260. Als Paradigmen der Wörter mit einem Konsonanten vor dem w
können dienen poet. (§ 109, Anm. 1) beadu Kampf, ws. mied Wiese:
Sing. N. beadu m®d I PI. N. beadwa, -e msd(w)a, -e
G. beadwe msed(w)e [ G. beadwa mjed(w)a
usw.
Wie beadu gehen die kurzsilbigen nearu Not, sceadu Schatten, sinu
(sionu) Sehne, und die PI. tant. jeatwe Rüstung, frsetwe Schmuck; wie
mied die langsilbigen ws. Ises Wiese, ws. blöd(e)lses Aderlaß, ws. rses
Ratschlag.
Anm. 1. Gelegentlich erscheint bei den kurzsilbigen ein Vokal vor dem w,
beadowe, nearowe, $eatewa, jrsetewum usw., vgl. § 249, Anm. 1.
Anm. 2. sceadu (daneben auch neutr. scead, PL sceadu) flektiert gewöhn-
licher, sinu ziemlich oft nach ^ieju § 255, Gen. sceade, sine usw. — Dasselbe
ist bei *hereseatu Rüstung (im Sing, kaum belegt) der Fall, so Dat. Sg.
here^eate, Nom. Plur. here^eate, Dat. PL -^eatum. Hingegen könnte Dat. PL
jeatum Leid. Rätsel 10 zwar ein lautgesetzlich entwickelter Dat. Plur. (Aus-
fall des iv vor u) sein, ist aber eher Schreibfehler, weil w in dieser Hs. meist
u geschrieben wird. - Über nordh. cneureso s. § 258, Anm. 6.
Anm. 3. Die langsilbigen haben im Nom. Sg. das -u regelmäßig aufgegeben
(doch begegnet ein neugebildeter Nom. blödlxswu neben blödlSs) und danach
schon in alter Zeit auch flektierte Formen ohne w entwickelt. - Von m&d
begegnet alt (kent. Urk.) im Dat meda wie von einem u-Stamm, § 274.
Anm. 4. Spätnordh. steht statt -u in der Regel -o. Über nordh. Gen. Sg.
auf -es s. § 252, Anm. 2.
3. Die i-Deklination
§ 261. Die i-Deklination umfaßte ursprünglich Mask., Fern, und Neutra,
doch sind im Ae. eine Reihe von Neutra zum Mask, übergetreten, z. B.
mere, mene, eie (und bere, e$e, hete, sije, s. § 263, Anm. 4) und manche
Feminina zum Neutrum, s. § 267, b.
Die Wörter dieser Deklination haben in der Wurzelsilbe normaler-
weise i-Umlaut, soweit sie umlautsfähig ist, bzw. germ. i für idg. e nach
212
§ 261-262. Die i-Deklination
§ 45, 2. Der i-Umlaut unterscheidet sie vielfach allein von solchen der
idg. o/ü-Deklination, mit denen die meisten Endungen identisch sind.
Eine Reihe von Wörtern, die Flexionsformen nach der i-Deklination
zeigen, haben keinen i-Umlaut (bzw. i aus e nach § 45, 2) in der Wurzel-
silbe. Solche sind: ehemalige Neutra der idg. -esj-os Stämme (§ 288 u.
§ 289), welche wegen der Suffixform -es in die i-Deklination umgeleitet
wurden, von denen aber Formen mit der Suffixform -os und daher ohne
i-Umlaut erhalten blieben (s. auch § 267, Anm. 1 und § 288, Anm.).
Weiter die Völkemamen auf -wäre (lat. -uarii, wie Hatuarii), s. § 252,
Anm. 3, und nach diesen wohl auch der Plural Seaxe Sachsen, während
andere Völkernamen, wie Bene, Mierce, Nordanhymbre, i-Umlaut haben.
Seaxe scheint sich nach diesen gerichtet zu haben, früher aber als schwaches
Subst. flektiert worden zu sein (Plur. Seaxan, s. Girvan, Ags. Handboek,
§ 280, Anm. 2); dann fern. Abstrakta wie ^esceaft {^escseft) Geschöpf,
Sedeaht Gedanke (Abstrakta auf -ti, s. Kluge, germ. Stammbildungslehre8,
§ 127, die wohl wegen anderer fern. Abstraktbildungen auf idg. -tä, s.
ebenda, § 120, Nebenformen nach diesen entwickelten, kaum als ehe-
malige idg. -es/-os-Stämme, wie van Helten, Beitr. 26, 502ff. vorge-
schlagen hatte, obwohl beide Wörter ae. auch als Neutra vorkommen).
Auch meaht Macht neben ws. mi(e)ht könnte derart zu erklären sein, doch
könnte auch die 2. Pers. Präs. Ind. und das Prät. von ma^an (s. § 425)
von Einfluß gewesen sein (kaum Pluralformen wie Gen. auf -a und Dat.
auf -um, wie Luick, Hist. Gram., § 194, Anm. 3 und § 199, Anm. 7, vor-
schlägt, weil in diesen Kasusformen bei allen anderen Subst. der i-Dekl.
der i-Umlaut bewahrt ist, obwohl sie bei solchen eher öfter vorkommen).
Hingegen könnten solche Formen (auch Nom. Akk. Pl. nach der o-Dekli-
nation) für staspe Schritt (§ 263) neben seltenerem stepe, poet. gelegent-
liches ^ast Gast neben gew. ws. $iest (außerws. ^eest, ^est) von Einfluß
gewesen sein, zumal diese öfter im Plural vorkommen.
Anm. 1. Zu ws. liode, leode vgl. § 107. - Ob -e- in spare Speer auf i-Umlaut
zurückgeht oder nicht, ist unklar; gelegentlich erscheinen im Plural Formen
mit Velarumlaut (speoru).
Anm. 2. Die Deklination der hierher gehörenden Mask, und Fern, war ur-
sprünglich in allen Kasus gleich, die der Neutra unterschied sich von ihr
bloß im Nom. Akk. Sg. und PL, vgl. lat. hostis, navis, mare.
a) Maskulina und Neutra
1. Kurzsilbige
§ 262. Paradigmen: Mask, wine Freund (urgerm. *wini-z), Neutr. spere
Speer.
§ 262—263. i-Deklination: Maskulina und Neutra
213
Mask. Neutr.
Sing. N. V. A. wine spere
G. wines speres
D. wine spere
I. wine spere
Mask. Neutr.
PI. N. V. A. wine; -as speru
G. wina, winij(e)a spera
D. winum sperum
§ 263. 1. Hiernach gehen an Maskulinis z. B. bere Gerste, eie öl,
hefe Gewicht, Äeje Hag, mene Halsschmuck, mere Meer, meie Speise,
sele Saal, stede Ort (daneben styde, bes. kentisch, aber auch ws.; nordh.
styd, Anm. 5), ws. ciele Kühle, hype Hüfte, hyse Jüngling, byre Sohn,
hy^e, myne Sinn, pyle Pfühl, ry$e Roggen, öyle Sprecher, dile Dill,
ile Fußsohle, wlite Gesicht; Dene PI. Dänen (Sing, im Kompositum
Healfdene), und eine große Anzahl von Verbalabstraktis, wie drepe
Schlag, ece Schmerz, eje Schreck, bete Haß, sle^e (slse^e) Schlag
(PL sle^eas nach § 206, 7, c), stsepe (vgl. § 261) Schritt (PI. st&pas usw.;
erst spät überliefert, aber dem ebenfalls alten Dat. PI. stapum nachge-
bildet auch stapas), bite Biß, blice Blick, cwide Rede, 51/ipe Griff, (eet-,
on-) hrine Berührung, scride Schritt, sice Seufzer, sije Sieg, slide Fall,
snide Schnitt, spiwe das Speien, slice Stich, sti^e das Steigen, stride
Schritt, swile (swyle) Geschwulst, ofti^e Weigerung, bryce Bruch, bryce
Brauch, bryne Brand, by^e Biegung (PL by^eas), byre, $ebyre Ereignis,
Gelegenheit, cyme Ankunft, cyre Wahl, drype Schlag, dryre Fall, dyne
Lärm, fly^e Flug, yryre Schreck, $yte Guß, hryre Fall, ly$e Lüge, lyre
Verlust, forenyme praesumptio, ryne Lauf, scyje Schub, scyte Schuß, sype
Trunk usw.; und die Abstrakta auf -scipe -schäft, wie freondscipe Freund-
schaft.
2. An Neutris gehören hierher noch sife Sieb, ofdele, ofdaele Abhang,
^edyre Türpfosten, ojersle^e Oberschwelle, ortete Schicksal, wlsece (mit se
nach § 96, 3, b wegen des Adj. wlacu, § 303) Lauheit, und wahrscheinlich
auch $edyne Lärm, ^ewile Wille, deren Genus zweifelhaft ist.
Anm. 1. -e im Nom. Sg. setzt ehemaliges -i fort, das in den ältesten Quellen
noch erhalten ist (wie bei den /o-Stämmen, § 246, Anm. 1); dasselbe gilt
für den Dat. Akk. Instr. Sg. Auch im Gen. Sg. wäre -e aus -i (aus *iz) zu
erwarten, doch wurde die Endung der idg. o-Stämme früh und allgemein
übernommen. Genetive auf -i von Eigennamen auf -wine (also -uini) in
Urkunden könnten lateinisch sein, einmaliges Eduine (nach regis) Hs.
Cotton. Tib. C II (8. Jh., s. Sweet, Oldest Engl. Texts, S. 136, Z. 93) könnte
fälschlich ein Nom. sein. Dreimaliges Eadwinis (Hss. der Beda-Übersetzung)
und einmaliges Folcuuinis (Urk. v. 765, s. Sweet, ebenda, S. 436, Nr.'8,
Z. 5) weisen kaum auf eine alte Endung -is, die Beda-Übers.-Handschriften
sind dafür zu spät, die Urk. könnte von dem noch ziemlich häufigen Nom.
auf -i beeinflußt sein, s. Dahl., Subst. Inflexion, S. 160f.
Anm. 2. Die eigentliche Endung des Nom. Akk. PL der Mask, ist -e (aus
-iz, § 150, 1, vgl. got. gasteis), die Endung -as stammt aus der o-Deklination,
214 § 263-264. i-Deklination: Maskulina und Neutra
ist aber häufiger als -e. - Im Gen. Pl. überwiegt durchaus die Form auf
bloßes -a, die ebenfalls aus der o-Deklination stammt. Die Endung -ia,
•i^{e)a (s. /o-Dekl.) ist nur bei D«nij(e)a, winij(e)a belegt. — Die urspr.
Endung des Dat. Pl. wäre -im (vgl. got. ahd.), doch ist das aus der o-Deklina-
tion übernommene -um allgemein und anscheinend sehr früh dafür eingetre-
ten. — Auch das -u des Nom. Akk. Pl. neutr. stammt aus der o-Deklination.
Anm. 3. Einige Wörter treten mehr oder minder in die /o-Deklination über,
indem sie den einfachen Konsonanten am Ende der Wurzelsilbe verdoppeln
(vgl. § 227 und § 246) und nach der dadurch lang gewordenen Silbe das -e
im Nom. Akk. Sing, fallen lassen. So bildet mete ws. regelmäßig den Plur.
metta (seltener einen Sing, mett, mettes), hyse hat Plur. hysas und hyssas
(auch im Sing. Gen. hysses usw.), ile Plur. illas und üas; neben dyne steht
dynn, dynnes, neben ofdele nordh. xfdeell-, neben jewile gewöhnlich sewill.
Ohne Geminata erscheint neben sewife Schicksal auch sewif, Pl. jew»(o)/u
und daneben jewe/ Gewebe neben sele (alter idg. es/os-Stamm, s. § 289,
Anm. 3) mask. auch sei neutr. und sa?l neutr., Plur. sein (vereinzelt Dat. Sg.
salore als Rest der os/es-Flexion).
Anm. 4. bere, e$e, hete, hy^e, sele, si^e und vielleicht noch einige andere
waren urspr. wohl Neutra auf idg. osies, § 288ff. (vgl. got. *bariz- in barizeins,
agis, hatis, sigis), welche aber wie Maskulina auf -i-z behandelt wurden; auch
die erhaltenen Neutra gehörten wahrscheinlich ursprünglich der idg. osjes-
Klasse an; dann wohl auch spere, welches in älterer Zeit in Kompositis als
spe{o)ru- erscheint.
Anm. 5. Im Nordh. sind die Nom. Akk. Sg. dieser Wörter, soweit die
wenig zahlreichen Belege erkennen lassen, in der Regel endungslos: wlit
Gesicht, met(t) Speise, Sieg, ly$ Lüge, styd n. Ort; als Pl. dazu begegnet
rnetas R2 und wie bei der o-Deklination, § 237, Anm. 3, meto metto, fore-
cuido L (daneben mett L, mete R2, wenn dies nicht Singularformen sind) und
styde. Auch in der Komposition verlieren diese Wörter im Nordh. ihr -e,
sijbej corona, si^ftest siegreich, stydiasst standhaft, unstydful abtrünnig,
metb&lz Speisesack, usw. In der älteren Sprache scheint jedoch die Ver-
kürzung auf die Wörter sije und hy^e beschränkt gewesen zu sein, vgl.
Eigennamen wie Si^red, Sigmund, Hy^berth, Hy^läc, oder Wulisis, Hünsi^
neben Aftfuini, Alduini, Sijuini, oder Hysiuulf, Hysimon, Uinibald, Uiniläc
u. dgl. (Lib. Vitae), s. § 168, Anm. 1.
Anm. 6. Von den kurzsilbigen jo-Stämmen wie Äere § 246 unterscheiden
sich die kurzsilbigen »-Stämme durch das gänzliche Fehlen des -i(j)- in
einigen Kasus des Sing, und Pl. (sowie teilweise durch die verschiedene
Endung des Nom. Akk. Pl.), von den langsilbig gewordenen wie secj § 246
durch das -e im Nom. Akk. Sing, und Plur. und den einfachen Konsonanten
am Ende der Wurzelsilbe.
2. Langsilbige
§ 264. Bei den langsilbigen Maskulinis sind nur dürftige Reste der
alten Flexion im Plural erhalten geblieben, vgl. das Paradigma En^le Pl.
Angeln (urgerm. Stamm *angli-).
Pl. N. V. A. En3Ie
G. Enjla
D. Enjlum
§ 264-266. i-Deklination: Maskulina und Neutra
215
So gehen noch einige Eigennamen wie Seaxe Sachsen (§ 261), ws.
Mierce Mercier, Dere Deiner, Beomice Bernicier, NorÖ(an)-, Südhymbre
Nordhumbrier usw., auch die fremden Ejipte, Crece, Perse usw. (neben
Crecas, Perseus), ferner finden sich die Plurale ws. ielde, ylde (nordh.
addu R2 asldo L, Rit.) Menschen, ws. ielfe Elfen, leode Leute (§ 261).
Selten findet sich in der Poesie auch -a für Nom. Akk. PL, wie ws. leoda,
nordh. lloda L, wohl nach den Fern.
Anm. Einige der Völkernamen, besonders Seaxe und Mierce, haben im
Gen. Plur. meist eine schwache Form auf -na: Seaxna, Miercna (selten -ena);
seltener findet sich schwache Flexion auch in anderen Kasus, so Nom. Akk.
Seaxan Hs. T der Beda-Übers.
§ 265. Die übrigen hierhergehörigen Maskulina haben ganz die Endung
der o-Deklination angenommen und sind von den o-Stämmen nur ety-
mologisch und durch den «-Umlaut der Wurzelsilbe (und durch die
Palatalisierung auslautender c und 5, § 206, 2) zu unterscheiden.
Paradigma wyrm Wurm (urgerm. *wurmi-z):
Sing. N. V. wyrm PI. N. V. wyrmas
G. wyrmes G. wyrma
D. wyrme D. wyrmum
A. wyrm A. wyrmas
I. wyrme
§ 266. Hierher gehören noch bend Bande, ws. bielj Balg, ws. briew Braue,
(angl. ferej, s. § 234, Anm. 3), dsel Teil, demm Schade, ent Riese, first
Frist, ws. fyrs Stechginster, ws. jiest, angl. jasst jest Gast, jlSm Glanz,
jylt Schuld, hyll Hügel, ws. liej Flamme, lyft Luft, rnSw Möwe, säel Zeit,
stenj Stange (PL stenjeas usw.), strenj Strang (PL strenjeas usw.), öyrs
Riese, wiej Woge, ws. wiell (will, wyll) Brunnen, und eine Reihe von
Verbalsubstantiven, wie bryjd Schwung, byrst Schaden, ws. cierr Wen-
dung, ws. cierm Klage, drenc, drync (drinc) Trunk (PL drenceas, Dat.
drencium usw.), dynt Schlag, fenj Griff, ws. fiell Fall, flyht Flug, hlyst Gehör,
hwyrft Wendung, hyht Hoffnung, lec Blick, ws. slieht Mord, ws. smiec
Geruch, stenc Geruch (PL stenceas usw.), ws. stiell Sprung, swej Lärm,
swenj Schwung, swijlt Tod, tyht Erziehung, Öyrst Durst, wrenc Drehung,
Ränke (PL wrenceas, Dat. wrencium und wrencum, s. § 206, 7, c und
Anm. 8), wyrp Wurf, xrist (äenstV} Auferstehung, äesprynj Quell, eefst
Neid (§ 43, Anm. 4), usw.
Anm. 1. bend hat Nom. Akk. PI. neben bendas auch (vorzüglich anglisch?)
benda, bende, wozu wahrscheinlich ein Sing, bend f. nach § 257 (got. bandi)
anzusetzen ist. Andere Wörter schwanken nach der Flexion der Feminina
§ 269, wie isrist, iesprynj, lyft (spät auch n., PI. lyftu), hlyst, siel u. a.
Anm. 2. sie Meer (got. saiws, germ. Stamm *saiwi, s. § 173, Anm. 1) flek-
tiert teils als Mask., Gen. stes, Dat. s®, Nom. Akk. PI. sies (Vesp. Ps. sSas),
216
§ 266-267. »-Deklination: Maskulina und Neutra
Gen. s&wa (?), Dat, sä>m (sSwum), teils als Fern., Gen. Dat. sie (Gen. auch
sses und sSwe), Nom. Akk. PI. sie usw. - Das Fremdwort dry Zauberer (aus
air. drui), hat Gen. drys (spät auch dryes), Dat. dry, Nom. Akk. PI. dryas,
Gen. dryra ( ?), Dat. dry um.
Anm. 3. Nordh. erscheinen oft endungslose Dat. Sg. wie siel, stenc usw.
wie bei den o-Stämmen (s. § 237, Anm. 2). Der Nom. Akk. PI. geht auch
auf -o, -a aus (d®Zo, crsefto, stenco, crsefta usw., s. § 237, Anm. 3). Vereinzelt
ist Dat. PI. dälum L ohne »-Umlaut (neben gew. dielwn).
Anm. 4. Über ws. briew (angl. örej § 234, Anm. 3) — breaw s. § 126, Anm. 2.
§ 267. Ursprüngliche Neutra dieser Klasse fehlen. Dagegen haben
einige Wörter, welche ursprünglich anderen Deklinationen angehörten,
im Ae. einen Flexionstypus entwickelt, der hierhergestellt werden kann,
insofern sie durchgehenden »-Umlaut und konsonantisch ausgehenden
Nom. Akk. Sing, haben, wie die entsprechenden langsilbigen Maskulina
und Feminina der »-Deklination.
Hierher gehören: a) ursprüngliche Neutra der idg. jo- und osjes-
Deklination wie fliese Fleisch, ws. flies Vlies (angl. *flios, fleos, alt fllus
Leid. Rats.), hiel Heil, hilf Schwertgriff, hred Ruhm (m. ?), ferner Bil-
dungen mit je-, wie jeftenn Bann, je/ej Fügung, ws. gehield (angl. ^ehseld)
custodia, observantia, ^ehlyd Lärm, ^eresp Tadel, ^eswinc Plage, ^ewed
Wut, ws. ^ewielc das Schlagen der Wogen, nordh. Rit. onwseld Gewalt
(neben ws. onweald, gewöhnlich m.); ^eswyrf (m. ?) Feilspäne, jejrynd
Grundstück, ^edwild Irrtum, ^ehnSst das Stoßen, auch wohl iecyrf Stück,
Abschnitt, felcyrf Vorhaut (m. ?). Dieselben flektieren wie cynn § 246
(Dat. PI. jesu-incium nach § 206, 7, c).
Anm. 1. Neben, diesen Formen begegnen zum Teil auch solche ohne »-Um-
laut, wie je&onn, je/Äj, ^ehedld, ^ehnäsi, ^ewealc, oder Restformen mit r, wie
hälor, hrööor (§ 289, Anm. 1 und 3); hiernach ist es wahrscheinlich, daß diese
Wörter ursprünglich zu den idg. os/as-Stämmen gehörten, s. § 288, Anm.
b) Ursprüngliche Feminina der »-Deklination, namentlich wieder
Bildungen mit je-; Beispiele: ^ebyrd Geburt, ^ecynd Geschlecht, ^ehy^d
Andenken, oferhy^d Übermut, ^emynd Andenken, ^enyht Genüge, ^e&yld
Geduld, ^ewyrht Tat, forwyrd Verderben, fulwiht, fulluht Taufe, jr»n
Schlinge, wiht, wuht Ding. Bei diesen ist weibliches Genus und demgemäß
Flexion nach § 269 noch oft, zum Teil überwiegend, erhalten; als Neutra
flektieren sie im allgemeinen wie cynn § 246 oder ward § 238, haben aber
im Nom. Akk. PL, soweit belegt, meist die Endung -u, -o, wie ^ehy^du,
ojerhy^du, ^ewyrhtu, yrlnu, wihtw, doch begegnen von einigen auch
endungslose Formen, wie $ecynd neben ^ecyndu.
Anm. 2. Ebenso erscheinen in neutraler Form die Pluralia tantum siftu
Hochzeit, ^edryhtu elementa, ^ehyrstu (neben ^ehyrste) Rüstung, die ur-
sprünglich Feminina sein müssen. In späten Texten nehmen gelegentlich auch
t-Deklination: § 267. Maskulina und Neutra. § 268-269. Feminina 217
noch andere Feminina der i-Deklination die neutrale Pluralendung -u an, z.B.
lyftu, wistu, samwistu zu lyft Luft, wist Schmaus, samwist Verbindung.
Auch das umlautlose ^esceajt, nach Ausweis der verwandten Sprachen
ursprünglich ein Fern. (vgl. § 261, § 269), daneben aber im Ae. auch n.,
bildet einen Pl. jescea/iu neben ^esceaite, -a nach § 252; über seöeaht s.
§ 261, § 269.
Anm. 3. wuht, wiht (§ 114, Anm. 4) in der Bedeutung ‘Wesen, Kreatur’
ist fast stets Fern, (doch Neutrum in Blickl. Hom.) und bildet den erwähnten
Pl. wihtu erst in später Zeit (vgl. Anm. 2); dagegen nimmt das Wort in der
verallgemeinerten Bedeutung von ‘Ding, etwas’ frühzeitig neutrales Genus
neben dem fern. an. Über die zusammengesetzten näwuht usw. s. § 348.
Anm. 4. Neben $ecynd f. n. bestehen noch zwei weitere, wahrscheinlich erst
aus dem Pl. ^ecyndu erschlossene Singularformen, nämlich jecynde n. nach
§ 246, und jecyndu, -o sw. f. nach § 280; ebenso ist neben $ebyrd auch ein
schwaches ^ebyrdu, -o entwickelt worden.
b) Feminina
1. Kurzsilbige
§ 268. Nur wenige unsichere Beispiele lassen sich allenfalls für diese
Klasse anführen: fremu Nutzen, denu (manchmal N. Sg. auch dene) Tal,
und vermutlich hylu Höhlung, -Zej« Hinlegung, Ende, und -neru Rettung,
in ealdor-, feorhleyu bzw. -neru, deren Nominative nicht belegt sind.
In der Flexion folgen diese Wörter ganz dem Paradigma der kurz-
silbigen ä-Stämme wie ^iefu § 252, oder aber dem der Abstrakta auf -u
wie stren^u § 280, zu denen einige vielleicht mit größerer Wahrscheinlich-
keit zu stellen sind als zur i-Deklination.
2. Langsilbige
§ 269. Paradigma: ws. ben (angl. böen, § 101) Bitte (urgerm. *böni-z).
Sing. N. V. ben PI. N. V. bene; -a
G. bene G. bena
D. bene D. benum
A. ben A. bene; -a
I. bene
Dieser Deklination folgen z. B. bene Bank, bryd junge Frau, ewen Frau,
dryht Schar, fyst Faust, hyd Haut, hyf Bienenkorb, hyrst Rüstung, lien
Lehen, lyft Luft, ws. nted (angl. kent. ned § 104; ws. auch nead nach
Kompositis, s. § 95, Anm. 4) Not, tid Zeit, Öryd Kraft, wen Hoffnung,
wiht, wuht Ding, wynn Wonne, wyrd Geschick, wyrt Kraut, Wurzel,
bysen Gebot (Gen. bysne usw.), Se{w) Gesetz, Ehe, und viele Verbalab-
strakta (mit dem idg. Suffix -ti), z. B. ws. dsed (außerws. ded) Tat, ws.
fierd Fahrt, jZed Glut, sped Gedeihen, scyld Schuld, ^ehy^d, ^emynd
218 § 269. »-Deklination: Feminina. § 270. Die «-Deklination
Gedenken, ^ewyrht Tat, ^edyld Geduld, ieht Besitz, meaht, miht Macht
(§ 95, Anm. 7 und § 261), est Gunst, wist das Sein, Lebensunterhalt, yst
Sturm, zirfet Auferstehung, u. a. Ohne Umlaut erscheint regelmäßig
jesceajt, ^escssft Schöpfung, Geschöpf, ^eöeaht Gedanke (beide auch n.,
vgl. § 261).
Anm. 1. Die Endungen dieser Deklination sind dieselben wie die der ä-
Deklination außer im Akk. Sg., welcher dort -e hat; auch diese Endung
dringt (früh und in weitem Umfange im Nordhumbrischen sowie in R1 und
zum Teil Vesp. Ps., später und anfangs seltener im Westsachs. und Kent.,
aber allg. spätws.) in die »-Deklination ein, z. B. tlde, cwene usw.
Anm. 2. Die älteste und eigentliche Endung des Nom. Akk. PI. ist -i (m&cti
me(c)hti Casdmons Hymn., vgl. got. mahteis), welches später zu -e wurde
(§ 44). Daneben findet sich aber schon früh auch -as nach der ä-Deklination
(uuyrdte Ep.); vgl. auch Anm. 4. - Ein Gen. Sg. auf -i ist uyrdi Ld. Rätsel
(wohl idg. -eis, nach § 150, 1, also anders als ahd. krefti, s. Streitberg, Urg.
Gram. S. 242, wenn die Form nicht auch urspr. ein Dat. (Loc.) auf -ei ist).
Anm. 3. ® ist im ganzen Sing, und Nom. Akk. PI. indeklinabel; daneben
bestehen Gen. Dat. Sg. ä?we, wozu auch ein Nom. Akk. iew gebildet wird;
einige Texte scheinen zwischen ® Gesetz, und Ehe, zu scheiden. - Uber
sie s. § 266, Anm. 2.
Anm. 4. lyft und ierist und einige andere sind auch mask., § 266, Anm. 1,
Secynd, sehy^d, ^emynd, ^ewyrht, wiht wuht usw. auch Neutra, § 267, b. -
dujud Tugend, jeojwd jujmÖ Jugend, und ides Weib, welche sonst der i-
Deklination angehören, folgen im Ae. der ä-Deklination, § 254, 2; sien (syn),
sion (seon) Gesicht, ws. merc. (§ 107, Anm. 3) onsien, nordh. onsion usw.
Anblick, Antlitz, hat ws. noch öfter Akk. Sg. seon, im Vesp. Ps. aber stets
-e nach der ä-Deklination onsiene; das Nordh. schwankt.
Anm. 5. Im Nordh. erscheinen viele dieser Feminina auch als Neutra, vgl.
§ 251, Anm. An besonderen Abweichungen der Flexion in L und Rit. sind
anzumerken der Gen. Sg. auf -es, -tides, dedes usw. (so auch vereinzelt
spätws., vgl. § 252, Anm. 2; aber nicht R2, das sowohl im Gen. Sg. wie
Nom. Akk. PI. -e hat) und der schwache Plural, wie Nom. Akk. tido. dedo
(s. § 252, Anm. 3), Gen. tidana, dedana usw.
4. Die u-Deklination
a) Maskulina
1. Kurzsilbige
§ 270. Paradigma sunu Sohn (urgerm. *sunu-z, got. sunus").
Sing. N. V. sunu, -o; -a PI. N. V. suna; -u, -o
G. suna G. suna
D. suna; -u, -o D. sunum
A. sunu, -o; -a A. suna; -u, -o
I. sima
§ 271-272. «-Deklination: Maskulina 219
§ 271. Die Zahl der derart flektierten Wörter ist gering. Sie wurden fast
alle in die o-Dekl. übergeleitet. Neben sunu wird nur wudu Holz so
flektiert; von me(o)du (§ 110, 1) Met, begegnet außer Nom. Akk. Sg.
noch ein Dat. meodu, -o, von maju Knabe ein Nom. Akk. PI. ma^as
neben meec^as (und danach Sg. wwcj). Nur im Nom. Akk. Sg. sind belegt
bre^u, -o (breojo) Herrschei, heoru Schwert, la$u See, sidu Sitte, spitu
Bratspieß. Die Wörter fri(p)Öu- Friede, und li(o)du- Glied (got. fripus,
lipus), erscheinen als «-Stämme nur noch im ersten Gliede von Kompo-
sitis; sonst gelten fn(o)£u f. (nach § 280) oder friÖ n. und HÖ n. nach
§239; ebenso nur cwiö m. Bauch, für got. qipus. Für got. skadus Schat-
ten, begegnet ebenso sceadu f. nach § 260 und scead (angl. scsed) n. nach
§ 240.
Anm. 1. Die Endung des Nom. Akk. Sg. entspricht altem -uz, -um, s.
§ 148, a; -o, -a tritt erst spät dafür ein, vgl. § 44, Anm. 7. - Die Endung
a des Gen. Sg. stammt aus idg. öus, s. § 150, l,d. Später tritt auch -es
nach der o-Deklination ein, wie wudes. — Der Dat. Sg. ißt wohl nach dem
Gen. gebildet. - Die Endung -a des Nom. PI. ist nach ihrer Entstehung
unklar, vielleicht liegt idg. o^tes vor, jedenfalls beruht sie auf einer anderen
Bildung als got sunjus; -u ist die lautgesetzliche Entsprechung der Endung
des Akk. PI. germ. -unz. Die beiden Kasus wurden wie in den anderen
Deklinationen einander angeglichen. Später dringt auch die Endung der
o-Deklination ein, also sunas, wudas. Von sunu begegnet später auch ein
Plur. nach der n-Deklination sunan, wohl wegen des späten Nom. Sg. auf
-a. - Die Endung des Gen. PI. stammt wohl aus der o-Deklination.
Anm. 2. Im Vesp. Ps. sind nur Nom. Akk. Sg. sunu, Gen. wuda, Dat. suna
belegt; R1 hat Nom. Akk. Sg. sunu, -e, Gen. sunu, -f, Dat. sunu, -se, PI.
Nom. Akk. sunu, -a, -se, -as, -es, Gen. sunu, -ena. Die nordh. Formen sind
in L: Nom. Akk. Sg. sunu (seltener -o, -a, -e), Gen. sunu, -se, -es, Dat. sunu,
-e, PL Nom. Akk. sunu, -o, -a, Gen. suna, -o, -ana, Dat. sunum; R8 Nom.
Akk. sunu, -o, -a, Gen. sunu, -o, Dat. suno; PL Nom. Akk. sunu, -o, Gen.
sununa, Dat. sunum, -om; Rit. hat nur sunu als Nom. Gen. Akk. Sg. und
Nom. PL
2. Langsilbige
§ 272. Die langsilbigen Wörter werfen nach § 146 bzw. § 148 im Nom.
Akk. Sg. das -u ab und geraten dadurch mit den o-Stämmen in Berüh-
rung, deren Flexion sie dann auch zum Teil angenommen haben. Als
Paradigma kann dienen feld Feld:
Sing. N. V. A. feld PL N. V. A. felda; -as
G. felda; -es G. felda
D. felda; -e D. feldum
I. felda; -e
Anm. Die an zweiter Stelle angeführten Formen sind nach der o-Deklination
gebildet.
220
«-Deklination: § 273. Maskulina. § 274. Feminina
§ 273. Reste dieser Flexion zeigen häufiger noch die Wörter feld Feld,
ford Furt, ws. weald Wald, und die mehrsilbigen sumor Sommer, winter
Winter, aeppel Apfel, seltener eard Wohnsitz, häd Person, Stand, Rang,
Wesen, ws. kent. hear^ Hain, seaö Brunnen. Die übrigen Wörter, welche
sonst der «-Deklination angehörten, sind ganz in die o-Deklination über-
gegangen, wie är Bote, deaö Tod, feorh Leben, flöd Flut, scield sceld
Schild, dorn Dom, hunjor Hunger usw. = got. airus, *daußus, fairivus,
flödus, skildus, paumus, hührus, und die zahlreichen Verbalsubstantiva
auf ae. -(n)od, -{n)aö = got. -ödus.
Anm. 1. Nordh. finden sich auch noch der Dat. deoöa R2 zu deaö, deoö
(§ 35, Anm. 1) Tod und der Gen. -won^a in neirxnawon^a (Dat. Sg. nercsna-
wons) L paradisus und selbst einige Beispiele von ursprünglichen o-Stämmen
wie Dat. Sg. binna zu binn Krippe.
Anm. 2. Der Gen. Sg. auf -a ist nur spärlich belegt (häda, Liccitfelda Beda-
tTbers., wintra), der Nom. Akk. PL, wie es scheint, nur durch das ziemlich
häufige Äearja und appla (Anm. 3). Dagegen ist der Dat. Instr. auf -a in
den älteren Texten noch häufig, doch wird es später auch durch das -e der
o-Deklination verdrängt.
Anm. 3. winter, welches im Sing., soweit dies erkennbar ist, stets männlich
gebraucht wird, hat im Nom. Akk. Pl. die neutralen Formen wintru und
winter. - eeppel flektiert im Sing, ganz nach der o-Deklination, hat aber im
Pl. neben tep(p)la gewöhnlicher ap{p)la, später auch sepplas und ap(p)lu,
welches wie wintru neutral gebraucht wird.
Anm. 4. Ob flödni Runenkästchen als Akk. Plur. mit nach der langen
Stammsilbe noch erhaltenem -w anzusehen ist (Dahl, Subst. Inflexion,
S. 148), ist nicht ganz sicher, es könnte auch auf falscher Abtrennung be-
ruhen (so Chadwick, Heroic Age, S. 69, Fußnote 4). - aet^äru Erf. Gl. für
aet^äeru Ep., Cp. Gl. (s. § 257, Anm. 1) ist am ehesten eine Fehlschreibung,
zumal Erf. Gl. &, ae oft unsicher wiedergibt (s. Chadwick, ebenda, S. 70).
Die Zugehörigkeit von jär Speer zur w-Dekl. ist nicht nachweisbar, das dafür
herangezogene Wiht^arabyr^, Ortsname, Chronik 530, 544, kann eine Fehl-
schreibung für Wihtwara- sein, in Analogie zu dem Personennamen Wiht^är,
s. dazu H. Kökeritz, Place-Names of the Isle of Wight (Uppsala 1940),
S. XLVII-LVI. Auch andere Fälle sind unsicher, s. Morsbach, Zur Datie-
rung des Beowulf-Liedes, S. 251-257.
b) Feminina
§ 274. Die meisten dieser flektieren nach der d-Deklination. Für er-
haltene Formen bieten Paradigmen: duru Tür, hond hand Hand. Ihre
Flexion ist die folgende:
Sing. N. V. A. duru hond
G. dura honda
I. D. dura; -u honda
Pl. N. V. A. dura; -u honda
G. dura honda
D. durum hondum
Wie duru geht noch nosu (altkent. nasu) Nase, wie hond noch flör Flur,
Boden, und cweorn Mühle.
u-Dekl.: § 274. Feminina. § 275. Neutra. § 276. ön-Stämme 221
Anm. 1. Seltenere Nebenformen sind Gen. Dat. Instr. Sg. dure, nose,, Dat.
dyru, dyre mit i-Umlaut vielleicht nach hnyte § 282, s. van Helten, Beitr.
36, 471 und Gen. Dat. hond. — flör hat im Gen. Dat. Sg. auch flöre (doch
Akk. Sg. stets flör) und wird außerdem auch als Mask, gebraucht (nach
§ 273). - cweorn folgt gewöhnlicher der ä-Deklination, Gen. Dat. Akk. Sg.
cweome; daneben besteht auch ein swf. cweome nach § 278.
Anm. 2. Vesp. Ps. hat Sg. Akk. duru, PI. dura, und hond, Sg. Gen. Dat.
und PI. Nom. Akk. Gen. honda, Dat. hondum; R1 Sg. Nom. Akk. Dat. dure
(auch m.), PI. Nom. dura, Dat. durum, und hond, Sg. Akk. hond, -e, -se, -a,
Dat. honda, PI. Nom. Akk. honde, -a, Dat. hondum.
Die nordh. Formen sind: a) von duru (auch m. und n.) in L: Sg. Nom.
duru, -a, Akk. duru, -o, -e, Dat. duru, -o, -a, -e, PI. Nom. duro, Dat. durum;
in R8: Sg. Nom. dura, Akk. dura, -o, Dat. dura, PI. Nom. duro, Dat. durum;
in Rit. Sg. Akk. duru, PI. Dat. durum; - b) von hond: in L: Sg. Nom. Akk.
hond, Dat. hond, -a, -e, PI. Nom. hond, Akk. hond, -a, -o, Gen. honda, -o,
Dat. hondum; in R2: Sg. Nom. hond, -a, Akk. honda, Dat. hond, -a, PI.
Nom. Akk. hond, -a, Dat. hondum; im Rit. Sg. Nom. Akk. hond, Dat. honde,
PI. Dat. hondum.
c) Neutra
§ 275. Eine selbständige u-Deklination des Neutrums gibt es im Ae. nicht
mehr. Der einzige Rest ist Vesp. Ps. nordh. feolu, feolo und ws. fela,
feola (§ 110, Anm. 5) viel, ersteres ein erstarrter Nom. Akk., letzteres
wohl erstarrte Form der übrigen Kasus. Got. faihu Vieh ist ws. kent.
feoh, angl. feh, welches ganz der o-Deklination folgt (§ 242).
B. Die n-Stämme (schwache Deklination)
1. ön-Stämme
§ 276. Die drei Genera unterscheiden sich in den Flexionsformen nur
im Nom. Vok. Sg., welcher bei den Mask, auf -a endet, bei dem Fern,
und Neutr. auf -e. Außerdem ist bei den Neutr. der Akk. Sg. dem Nom.
gleich. Als Paradigmen dienen: Mask, yima Mann; Fern, tun^e Zunge;
Neutr. ws. eaje Auge.
Mask. Fern. Neutr.
Sg. N. V. 3uma tun3e eaje
G. juman tun3an ea3an
D. I. suman tuirjan ea3an
A. 3uman tun3an ea3e
PI. N. V. A. 3uman tun3an ea3an
G. 3umena tun3(e)na eas(e)na
D. jumum tun3um ea3um
222 § 276. n-Deklination: on-Stämme
Anm. 1. Die Bezeichnung dieser Gruppe als ön-Stämme ist nach dem idg.
Nom. Sing, erfolgt. Dieser wurde durch Dehnung der idg. o-Stufe des Suffix-
vokals (also zu idg. und germ. ö, vgl. auch griech. i)y«/zd>v) ohne besonderes
Kasuszeichen gebildet. Der Unterschied in der ae. Endung dos Nom. Vok.
Sg. beruht darauf, daß beim Mask. idg. schleiftoniges -ön vorlag, beim Fern,
und Neutr. idg. stoßtoniges -6n, s. § 44, Anm. 3, 1 u. 2, § 150, 1 u. 2. Der
alte Ablaut (idg. e - o, ö - Schwundstufe; germ. i - a, ö - Schwundstufe)
in der Ableitungssilbe ist ae. in der normalen Flexion aufgegeben worden,
s. § 141, Anm. 1, doch ist vielleicht die bei manchen Substantiven verallge-
meinerte Gemination vor -n auf die Schwundstufe zurückzuführen, s. § 228,
Anm. 2. Außerdem mag die Synkope im Gen. PI. bei manchen Substantiven
(z. B. den Völkernamen wie Seaxna, Anm. 4, a, und bei oxna, § 277, Anm. 1)
noch auf die ehemalige Schwundstufe zurückgehen, während die Synkope
bei anderen langstämmigen Substantiven jünger sein wird. Auch die Endung
-um des Dat. PI. braucht nicht aus der Schwundstufe erklärt zu werden,
denn auch idg. -o- hat vor m in schwachtonigen Silben -u- ergeben, s. § 44,
Anm. 3, 1 u. 4. Die Ablautstufe germ. -in- (idg. -en) scheint dem Nom.
Akk. PI. oexen, exen zugrunde zu liegen, s. § 277, Anm. 1. - Vom Stand-
punkte der Wortbildung muß man on-, jön-, wön- und auch mön- und nön-
Stämme unterscheiden, doch ist deren Flexion in allen germ. Sprachen
gleich. Die alten /ön-Stämme sind ae. noch an dem »-Umlaut der Wurzel-
silbe kenntlich, z. B. dema Richter zu döm Urteil, und brytta Spender.
Anm. 2. Neben -an begegnet in einigen Texten auch -on.
Anm. 3. Die urspr. Form der Endung des Gen. PI. ist -ana, -ona aus idg.
-onöm, doch ist diese Form der Endung ws. nur selten, so in earana, welona
Cura past., -warana, ludana, 3otona Or.; in mundartlich gefärbten Texten
sind diese Formen etwas häufiger zu finden, s. Anm. 4, c.
Anm. 4. Über das Verhältnis der nicht synkopierten Form der Endung
-ena (-ana, -ona, Anm. 3) und der synkopierten Form -na (einschließlich
der ebenso gebildeten Gen. PI. der ^-Deklination, § 252, Anm. 4) gelten
folgende Grundregeln, doch schwanken die einzelnen Texte stark:
a) Fast regelmäßig steht die synkopierte Form in der ws. Prosa bei den
Völkernamen mit langer Wurzelsilbe, während die mit kurzer Wurzelsilbe
-ena haben, z. B. -seaxna Or., -seaxna, Francna, Lon^beardna, Miercna,
Sumursietna Chr. gegen Sotena (-ona), ludena (-ana) Or. Auch in der späteren
Sprache ist -ena bei den langsilbigen durchaus selten.
Ebenso steht in den poetischen Denkmälern bei den kurzsilbigen Subst.
-ena, bei den langsilbigen überwiegend -na, z. B. Mask, wilna, brosna, Fern.
ärna, lärna, sor^na, wisna, wreecna, Neutr. ühtna, eajna. -ena bei langsilbigen
ist selten wie Mask, demena, wreccena, Fern, tun^ena, Neutr. ea^ena; sie
sind offenbar ebenso als sekundär zu betrachten wie die gelegentlichen
Seatena, Fresena neben synkopierten Fresna, Francna. Stets steht -ena bei
langsilbigen nur nach Konsonantengruppen, die der Synkope hinderlich
sind; es heißt daher in der Poesie regelmäßig z. B. Mask, wit^ena, eldrena,
Fern. tgmnena.
b) In der ws. Prosa darf -ena als die Normalform gelten, sowohl für kurz-
silbige wie für langsilbige Wörter, also z. B. Mask, fonena, welena, witena,
Fern, wucena, wie Mask, cempena, tel^ena, Fern, blemena, n&drena, Neutr.
eajena, earena usw.; nur selten tritt bei langsilbigen Wörtern Synkope des
§ 276-277. n-Deklination, ön-Stämme
223
Mittelvokals ein, so Mask, wilna (zu willa), Fern, iunjna, Neutr. eajna'
(neben tun^ena und eajena) Cura past.
c) Von den anglischen Texten hat Vesp. Ps. konsequent -ena ohne Rück-
sicht auf die Quantität, z. B. Mask, dracena (drsecena), nomena, weolena,
wearena und buccena, steorrena, Fern, eoröena, wisena, Ntr. ejena usw.; Beda-
Übers. -ena, selten -ana, bloß bei Volkernamen meist -na; R1 hat im Mask,
selten -ana neben -ena: witjana neben wit^ena, scaPena, ^eröefena, im Fern,
nur -ana: nedrana, widuwana, uiperana. Im Nordh. endlich gehen -ena, -ana,
-ona (selten -una) stark durcheinander, auch findet sich bisweilen -a wie
in der starken Deklination.
Anm. 5. Vereinzelt finden sich für -(e)na spätws. auch -an, wie eastran,
cxjean (zu stf. Schlüssel), oder -enan, wie eajenan, und stark -a, wie
bsecistra, prica, nama; desgl. im Sing, starke Formen wie Gen. m^ltan^es
GL, eajes Scint., eares Ben., Dat. eaje Ben.
Anm. 6. Im Nordh. fehlen durchgehend, desgl. in R1 zum größeren Teil,
die auslautenden -n (außer in der Kompositionsfuge, wie middanjeard,
midden^eard L; vereinzelt D. Sg. cempä = -an L), und die Vokale der End-
silben schwanken vielfach.
Das Mask, hat in R1 im Nom. Sg. -a, -e, -se (-an), Obl. -a, -e, -u; -an,
Nom. Akk. PI. neben -a, -e, -u auch -an und starkes -as. Von den nordh.
Texten hat R2 im Nom. Sg. meist -a (vereinzelt -o), Obl. -a, seltener -o, -u,
Nom. Akk. PL -u, -o, selten -a, -e; — L: Nom. Sg. -a (-o, -e), Gen. -es, -ses,
-as, selten -a, -e, -o, Dat. Akk. -a, -o (-e), PL -o (-a, auch stark -as); - Rit.:
Nom. Sg. -a (-e), Gen. -a, -e, -o und -es, -ses, Dat. Akk. Sg. und Nom. Akk.
PL -a, -e, -o.
Noch stärkeres Schwanken herrscht im Femininum: R1 hat Nom. Sg.
meist -e, daneben -a, Obl. -e, -se, -a und -an, PL -a, -e und -an. Die nordh.
Formen sind: R2: Sg. -a, selten -e (doch stets in widwe), PL Nom. Akk.
-e, -a; - L: Sg. Nom. Dat. Akk. -a, -e, -o, Gen. -es, -ses, selten -a, -e, PL
Nom. Akk. -o, -a und -as; - Rit.: Sg. Nom. Dat. Akk. -e, -a, Gen. -es, selten
-a, -e, PL Nom. Akk. -o, -a und -as. Abweichend von den übrigen hat eoröu
Erde, nordh. meist -u, -o statt der übrigen angeführten Endvokale (auch
stets so im Nom. Sg.; schwankend eoröu und eoröe in R1). Zudem schwanken
die Fern, vielfach zum neutr. Genus hinüber.
Im Neutrum begegnen: In R1: Nom. Akk. Sg. eare (-a), eje (-ant),
won^e, Dat. e$e, PL eara(n), e(a)jan, -un, e$u, -e; -nordh.: R2: Nom. Akk.
PL earu, -o, -a, Nom. Akk. Sg. PL ejw, -o; L: Nom. Dat. Akk. Sg. eare,
PL earo, Nom. Akk. Dat. Sg. PL ejo; - Rit.: Sg. Nom. Dat. eare, eore, PL
Nom. Akk. earo, -a, Dat. earum und PL Nom. Akk. ejo, Gen. ejena, ejna,
Dat. ejum.
Über den Gen. PL s. Anm. 4, c.
1. Maskulina
§ 277. Wie suma geht eine große Anzahl von Wörtern, z. B. kurzsilbige
wie bana bona Mörder, cofa Koben, draca Drache, fana fona Fahne, hana
hona Hahn, nefa Neffe, nama noma Name, sceaöa (§ 92, 2, d u. Anm. 7)
Feind, sefa Sinn, wela Reichtum, wi^a Kämpfer, wita Weiser, PI. -waran
(s. § 252, Anm. 3) Bewohner; langsilbige wie brö^a Schrecken, bucca Bock,
224 n-Dekl., ön-Stämme: § 277. Maskulina. § 278. Feminina
cempa Kämpfer, creda Credo, dema Richter, ^öma Gaumen, hunta Jäger,
möna Mond, ^erefa Graf, steorra Stern, tel^a Zweig, teona Schade, wit^a
Prophet, wraeccea Verbannter usw.
Anm. 1. oxa Ochse hat im Nom. Akk. Pl. Vesp. Ps. oexen, Ra exen, vielleicht
als Rest der alten Suffixform germ. -iniz mit Ablaut, daneben steht auch
oxan\ Gen. Pl. oxna, Dat. oxum und selten oxnum, wohl nach dem Genetiv.
Das Pl. tantum hiwan, hl^an (nordh. hi^u) s. § 234, Anm. 3 Genossen,
Familie hat im Gen. Pl. hina neben hiyna und hzvma. Von nefa Neffe, Enkel
begegnet spät ein Dat. Pl. nefenum.
Anm. 2. Kontraktion des Vokals der Wurzelsilbe mit dem der Ableitungs-
silbe ist eingetreten in frea Herr (aus *frawön), je/ea Freude (aus *^ifahön),
ÖreaPlage (aus *ßrawön), ws. tweo Zweifel (aus *twehön; spätws., um 1200,
auch twy, flekt. t/wyn mit y wohl für i nach § 22, Anm. 2, vgl. nordh. tuia
L, Rit. nach § 130, 2), Sweon Pl. Schweden; sefä Feind, rä Reh (Corp. räha,
aus *raihön). Der Kontraktionsvokal geht in allen Kasus durch, also Gen.
usw. frean, Gen. Pl. ^efäna, Sweona, Dat. Sweom, ^etäm, doch kommen
auch Neubildungen wie Sweoum vor, s. § 127, Anm. 1. Ebenso flektiert das
Lehnwort leo (nordh. lea nach § 35, Anm. 1) Löwe (Dat. Pl. leom und leoum,
aber auch nach den lat. flekt. Kasus vereinzelt Dat. Sg. leone, leonan und
Dat. Pl. leonum).
Zweifelhaft ist die Zugehörigkeit von flea Floh, das auch Fern, sein könnte,
meo Socke, Schuh (PI. meori), *ceon Pl. Kiemen (cian Ep. Gl.), *sceo Schien-
bein {scla Erf. Corp. Gl., nordh. Pl. sciu L, sc%a, sczse R2).
Anm. 3. Neben frea steht auch seltener fri^ea (got. frauja)-, drea ist gew.
st. Fern, nach § 259, Anm.
2. Feminina
§ 278. Die Anzahl der Feminina, welche wie tun?e flektieren, ist geringer
als die der Mask. Beispiele von langsilbigen sind: ws. bieme Trompete,
eorde, folde, hrü-se Erde, heorte Herz, sunne Sonne, wise Weise, meowle
Jungfrau, ws. niedre Natter, ws. kent. swealwe Schwalbe, von kurzsilbigen
bune (büne ?) Krug, ws. ceole Kehle, cliöe, clife Klette, cwene Frau, cwice
Quecke, ws. miere (miere 1 vgl. § 218, 1) Stute, pise piose (§111 u. Anm. 1)
Erbse, von mehrsilbigen ws. wuduwe, angl. widwe Witwe (vgl. § 114,
Anm. 6), die Wörter auf -estre, wie b&cestre Bäckerin usw.
Anm. 1. Die meisten kurzsilbigen Wörter nehmen im Nom. Sg. bereits
ziemlich früh die Endung -u von den kurzsilbigen ä-Stämmen auf: cinu
Spalte, faöu Tante, hosu Hose (hosa m. ?), hracu Rachen, moru Möhre,
peru Birne, spadu Spaten, swipu swi.opu Geißel, Örotu Kehle, wucu Woche;
doch haben die ältesten Texte noch die alte Endung -e, throtse, -morse Ep.,
hrsece Vesp. Ps.; hrace und fade begegnen auch später noch vereinzelt.
Ebenso pflegen die Komposita das -e zu behalten: locbore Lockentragerin,
nihte^dle Nachtigall, sesc-, eofordrote (Pflanzennamen), usw.
lufu Liebe, flektiert im streng Ws. überwiegend (so in Cura past., und
ausschließlich so in Aelfrics Hom.) stark wie yiefu § 252, sonst meist schwach.
Vesp. Ps. hat auch hier einen alten schwachen Nom. lufe erhalten.
ön-Stämme: § 278. Feminina. § 279. Neutra. § 280. »n-Stämme 225
Anm. 2. Kontraktionen, wie § 277, Anm. 2, finden sich bei beo Biene (nordh.
bia, Vesp. Ps. PL bian), ceo Krähe (chyse Ep., das Erf., s. § 133, 2), peo
Hundsfliege (Vesp. Ps. pie), reo Decke (ryh& Ep.; daneben reowe und reowu),
seo Pupille, flä Pfeil, slä Schlehe (PL slän, daneben stark slä), slS slea ?
Weberkamm (slahte Corp.), tä Zehe, dä Rehkuh; dö Thon (thohse Ep.), Gen.
usw. beon, seon, flau usw.; tä hat Gen. usw. tän und täan, Dat. PL täum und jün-
ger tänum; flä wohl nur flänum, das freilich zu dem öfter neben flä vorkom-
menden flän stm., § 238, oder stf., § 252, gehören könnte. Die spätere Sprache
(jElfric) hat in ähnlicher Weise ein swf. tä aus dem stm. tän Stab, Zweig
entwickelt. Umgekehrt findet sich auch Nom. Sg. tän für tä Zehe.
Anm. 3. Unregelmäßige Endung hat eastron, -un (seltener -an) Ostern, wel-
ches meist als Plurale tantum erscheint: Gen. eastrena, -ana, auch eastran
und stark eastra. Neben dem schwachen eastron steht auch ein scheinbar
starkes eastru, eastro mit neutraler Endung, auch findet sich ein Nom. Sg.
eastre. — Nordh. lautet der Nom. Akk. eastro, eostro L, eostru, -o R2 (eastran
und eastra R1), Gen. eastres, eostres L, eastra, eostro, -ana, -una R2, Dat.
eastrse, eastro, eostro L, eostrum R2. In L wird das Wort als Ntr. Sing., in
Ra als Plural (dis eostro Luc. 22, 15 L, das eostru R2) gebraucht.
Anm. 4. Wie die Mask, flektieren jemazcca (jemaca) Gattin, $ebedda Bett-
genossin, ^eresta Witwe, und einige andere, die als generis communis ge-
braucht werden.
Anm. 5. Neben ws. wielle, wylle, angl. waelle, welle, kent. welle (nach § 96, 4
u. Anm. 6 und § 105) fern. Brunnen steht noch ws. wiella, willa wylla mask.
und ws. wiell, will, wyll nach der »-Deklination s. § 266. - Unklar ist das
Genus von ühte swf. oder ühta swm. (oder üht stm.) Morgendämmerung (got.
ühtwo swf.), welches im Nom. Sg. nicht belegt ist und fast nur in der alten
Formel on ühtan gebraucht erscheint (daneben selten Wendungen wie ühtna
jehwylce, päm ilcan ühte).
3. Neutra
§ 279. Wie eaje geht mit Sicherheit nur noch eare Ohr; heorte Herz ist,
anders als in den anderen germ. Sprachen, Fern.
Anm. 1. Starke Verwirrung zeigt die Flexion von won$e Wange infolge
von Vermischung mit Formen der gleichbedeutenden wen$e und öunwen^e
Schläfe, welche ursprünglich stn. nach § 248, 1 waren: Nom. Akk. Sg.
won$e - wen^e und Öunwen^e - dunwon^e; Dat. dunwen^an-, Nom. Akk. PL
won^an und dunwen^an neben dunwonjan und stark gebildetem dunwon^e,
•a; Gen. dunwon^ena und -wonjct.
Anm. 2. Spätws. finden sich vereinzelt auch die Genitive ea^es und eares,
und der Dat. eare (§ 276, Anm. 5).
Anm. 3. Uber die nordh. Deklination von eare und ejo s. § 276, Anm. 6.
2. in-Stämme
§ 280. Die fern. Abstrakta auf -in (got. managet, manageins usw.)
haben ae. im Nom. Sg. nach Analogie der Abstrakta auf got. -ißa die
Endung -u (§ 255, 3) angenommen. In den obliquen Kasus erhält sich
226 § 280. in-Stämme. § 281. Wurzelstämme, Mask. u. Neutra
die Endung -e, doch dringt auch in diesen -u, -o ein (wie bei den Stämmen
auf -ipa).
Hierher gehören u. a. br&du Breite, hSlu Heil, menju,
Menge, strenju Kraft, ws. ieldu, angl. seldu Alter. Der alte Ausgang -i(n)
zeigt sich in dem ständigen »-Umlaut der Wurzelsilbe sowie in der Palatali-
sierung vorausgehender c und 3: meni^eo, stren^eo, § 206, 7, c.
Die Flexion ist demnach:
Sg. N. I strengu, -o
G. I
D. I strenge; -u, -o
A. J
PI. N. A. strenge, -a; -u, -o
G. strenga
D. strengum
Anm. 1. Der Plural kommt nur selten vor. - Der Nom. Akk. Sg. ist manch-
mal auch endungslos nach den langsilbigen »-Stämmen (§ 269) z. B. ws. yld
Alter.
Anm. 2. Nordh. (L und Rit.) finden sich auch hier Genetive Sg. auf -es,
wie Beides, snytres (zu snyt{t)ru Weisheit).
C. Kleinere konsonantische Deklinationsklassen
1. Wurzelstämme
a) Maskulina und Neutra
§ 281. 1. Paradigma der Maskulina: föt Fuß.
Sing. N. A. V. föt Plur. N. A. V. föet, fet
G. fötes G. föta
D. föet, fet D. fötum
I. f öte, föet, fet
Ebenso werden flektiert: töd Zahn, PI. töeÖ, leö und mon(n), man{n),
PI. men(n). Die Formen mit öe sind angl. nach § 101.
Anm. 1. Der »-Umlaut im Dat. Instr. Sg. und Nom. PI. erklärt sich aus dem
unmittelbaren Antreten der Endung an den Stamm (Dat. Instr. Sg. -i, vgl.
griech nodl, Nom. PI. germ. -iz aus idg. -es, vgl. griech. Der Akk.
PI. (idg. Endung -ns, vgl. griech. n6dag) ist dem Nom. PI. angeglichen. Der
Gen. Sg. ist nach der o-Deklination gebildet.
Anm. 2. Neben monn besteht auch ein swm. monna, manna, welches nach
§ 276 flektiert, aber meist nur im Akk. Sg. vorkommt. Nordh. lautet der
Akk. meist monno (vereinzelt monnu, -e, monn) in L, mon(n), seltener monno,
-e in R2, monno neben aldortnonn in Rit.; in Rx heißt es monnu. Die mit
-mon zusammengesetzten Eigennamen scheinen regelmäßig stark nach § 238
zu flektieren, z. B. Dat. Colemanne, 3earomonne.
Wie mon flektiert auch das zusammengesetzte wifmon Weib (später oft
assimiliert wimman), nur daß dasselbe bisweilen als Fern, gebraucht wird.
Wurzelstämme: § 281. Mask. u. Neutra. § 282-284. Feminina 227
Anm. 3. Von töt, töö lautet der Nom. Akk. Pl. später (anglisch?) bisweilen
iötas, tööas (so schon einmal fötas Mart., tööas Vesp. Ps. neben öfterem töeö),
von töö der Dat. Sg. nordh. tööe, der Gen. Pl. tööana, töeöa neben tööa L.
In R2 begegnet ein Gen. Pl. föeta neben föta, in Rit. Gen. PL tööana und
Akk. Pl. föta-, in R1 ein Dat. Sg. top und monn neben gewöhnlichem menn.
Anm. 4. Zu dem sonst nur in Zusammensetzungen (erstem Bestandteil von
Eigennamen) und einmal als Runennamen (Runenlied) belegten ös Gott
steht ein Gen. Pl. esa (Zauberspruch gegen Hexenstioh) mit dem Vokalismus
des Nom. Pl. und der Gen.-Endung -a, s. ähnliche Bildungen Anm. 3.
2. D as einzige Neutrum dieser Gruppe ist scrüd Gewand. Dieses hat
im Dat. Sg. i-Umlaut scryd (neben analogem scrüde und scrüd), im Nom.
Akk. Plur. aber keinen i-Umlaut: scrüd, Gen. Pl. scrüda.
b) Feminina
§ 282. An kurzsilbigen gehören hierher hnutu Nuß, studu, studu Säule,
hnitu Niß. Als Paradigma kann dienen hnutu:
Sg. N. hnutu Pl. N. hnyte
G. hnute G. hnuta
D. hnyte D. hnutum
A. (hnutu) A. hnyte
Anm. 1. Der unbelegte Akk. Sg. hnutu ist nach dem Akk. studu, stuöu
angesetzt; im Gen. Pl. begegnet spät auch hnutena. - Von studu, stuöu
sind außer dem Nom. Akk. (daneben die endungslose Form feurstud in den
alten nordh. Bedaglossen, Sweet, Oldest Engi. Texts, S. 123, wofür später
wieder feorstufru erscheint, ähnlich durustod Türpfosten) noch die Dativformen
styde (styöe), stude und studa belegt, von hnitu außer dem Nom. Sg. noch
der Nom. Akk. Pl. hnite.
Anm. 2. über den i-Umlaut vgl. § 281, Anm. 1. Der Nom. Sg. ist analog
zu den kurzsilbigen ä-Stämmen gebildet (§ 252), ebenso der Gen. Sg.
§ 283. Die langsilbigen sind im Dat. Sg. und Nom. Akk. Pl. endungs-
los, haben aber i-Umlaut, wo er lautgesetzlich eintreten kann. Der Gen.
Sg. lautet entweder dem Dat. gleich oder wird nach der ä-Deklination
ohne Umlaut und mit der Endung -e gebildet. Paradigma böc Buch.
Sg. N. V. A. böc Pl. N. V. A. bec (angl. böec)
G. bec (angl. böec); böce böca
D. bec (böec) böcum
Anm. Dat. Sg. und Nom. Akk. Pl. haben i-Umlaut wie die Maskulina,
§ 281, Anm. 1, der Gen. Sg. wegen der ehemaligen (beim Mask, aufgegebe-
nen) Endung germ. -iz (idg. -is), falls er nicht an den Dat. Sg. angeglichen
ist.
§ 284. So gehen noch äc Eiche, jäi Geiß, bröc Hose, $ös Gans, angl. u.
poet. wlöh Saum, Franse, bur$ Burg, *dun^ unterirdisches Gemach, Ab-
228
§ 284. Wurzelstämme, Feminina
gründ ('?), furh Furche, sulh Pflug, turf Rasen, yrüt Grütze, lüs Laus, müs
Maus, örüh Korb, Sarg, cü Kuh, ea Wasser, neaht, niht Nacht.
Anm. 1. Doppelbildung des Gen. Sg. zeigen bec - böce (ersteres der älteren
Sprache eigen; Vesp. Ps. böec, nordh. und in R2 nicht belegt), byr(i)3 -
bur^e, fyrh — füre (auch ohne Umlaut furh)‘, von äc, jät, jös, müs scheinen
dagegen nur die Formen dce, jäte, jöse, müse vorzukommen, wie umgekehrt
von Örüh nur öryh. Nach Art der Mask, gebildet ist der Gen. säles zu sulh
(Anm. 3).
Anm. 2. Der Dat. Sg. erscheint bisweilen, namentlich in jüngeren Texten,
ohne Umlaut, äc, böc, bur^, furh, srüt, örüh (so auch nordh. böc L Rit. neben
böec L R2).
Anm. 3. Die Wörter auf h verlieren dasselbe vor vokalischer Endung nach
§ 218: furh, Gen. jure, PI. Gen. füra, -ena, Dat. fürum; sulh, Gen. süles
(Anm. 1), PI. Gen. sÖla, Dat. sulum; Örüh, Dat. PL örüm; später findet sich
auch Nom. Akk. sul (sül ?), Dat. syl (syl ?) ohne h.
Anm. 4. äc als Name einer Rune bildet Nom. Akk. PI. äcas. — böc ist selten
auch Ntr.; urkundlich (kent. v. 837) begegnet ein umgelauteter Dat. PI.
böecum. - wlöh ist nach dem nordh. PI. wlöeh L (Gen. w^löana ib.) hierher-
zustellen. - bur$ (burus) hat im Gen. usw. statt des alten und seltenen byr$
meist byri$ nach § 164 bzw. § 165, a; später flektiert das Wort auch ganz
wie ben § 269, nur ohne Umlaut: Gon. Dat. Sg. öurje, Nom. Akk. PL öwrje,
a. Rx hat Nom. Akk. PL 6urjos, das Nordh. meist Sg. Nom. Akk. buru.3,
seltener 6wrj (hrij), Gen. feurje R2, buru$, bur^e, -a, byri^ L, Dat. byri^ L
R2 Rit., und buru.3 L, R2, fturje R2, PL Nom. Akk. burjas L. - *dwnj ist
nach dem allein belegten Dat. Sg. piere din.3 Andr. 1272 und ahd. tung ver-
mutungsweise hierhergestellt worden. - Neben srüt besteht auch ein regel-
mäßig nach § 258, 1 flektierendes 3rytt. - Für Örüh erscheint bisweilen auch
im Nom. Akk. Sg. öryh mit Umlaut. - cü hat Gen. Sg. cü, cüe, cy, cüs, Nom.
Akk. PL cy, cye, Gen. cüa, cüna cyna. — ea hat nur selten im Gen. Sg., häu-
figer im Dat. Sg. ws. die Form le (Gen. auch eas); gewöhnlich flektiert es
im Sing, und stets im Plural nach der d-Deklination, Sg. ea, Plur. Nom.
Gen. Akk. ea, Dat. eam, eaum, vgl. § 259, Anm., ws. kent. neaht niht (§ 105,
Anm. 1), angl. n&ht (§ 119) hat im ganzen Sg. und im Nom. Akk. PL endungs-
lose und damit dem Nom. Akk. Sg. gleiche Formen, doch ist im Angl, die
gew. Form des Glon. Sg. neehtes, nur L einmal n&ht, Vesp. Ps. vereinzelt
wehte. Außerdem finden sich ws. Gen. Dat. Sg. nihte (neahte); ws. ein meist
nur adverbial gebrauchter Gen. Sg. nihtes (auch änes nihtes u. dgl.); angl.
R1, Royal GL Dat. Sg. wehte (neben niht, nseht), Vesp. Ps. Dat. Sg. nehte.
Im Angl, kommen vereinzelt Formen mit t-Umlaut vor, so Vesp. Ps. Nom.
Sg. neht; R1 hat die ws. oder nach § 122, 2 zu erklärende Form niht im
Dat. Sg. und Nom. Akk. PL (neben weht neht, Dat. Sg. auch wehte). Gen.
Dat. PL ist regelmäßig ws. kent. nihta, nihtum (neahta, neahtum), angl.
naehta, wehtum, soweit diese Formen belegt sind. Nordh. ist weht auch bis-
weilen Mask.
Anm. 5. Hierher gehört auch das zweisilbige ws. mioluc, miolc (meolc),
angl. milc (§ 111, Anm. 3 und § 45, Anm. 1), von welchem ws. neben Dat.
Sg. mioluc, meol(u)c und meol(u)ce auch eine scheinbar plurale Form miolcum
vorkommt.
§ 284. Wurzelstämme, Feminina. § 285. Stämme auf idg. -erf-or 229
Anm. 6. Die Frauennamen auf -öurj wie Eadbur^, Wlerburs flektieren
regelmäßig nach der ä-Deklination, Gen. Dat. Akk, -bur^e.
Anm. 7. Als konsonant. Feminina flektieren einige Länder- und Ortsnamen,
wie Cent, Cert, li Iona, Wiht, Gen. Wihte, Dat. Akk. Wiht usw. Die meisten
Ortsnamen fremden Ursprungs sind aber indeklinabel und lassen ein be-
stimmtes Genus nicht erkennen. Vereinzelt begegnen auch unflektierte For-
men, wie aet Ascanmynster, in to Escanceaster (Chron., Parker-Hs.), aet
Wynnefeld, ast Manneöorp, aet Folcstän (in Urk.) u. dgl., von einheimischen
Namen. S. Sievers, Beitr. 9, 251 f.
2. Stämme auf idg. -erf-or (Verwandtschaftsnamen)
§ 285. Die Verwandtschaftsnamen auf idg. -erf-or: ae. fseder Vater,
brööor Bruder, mödor Mutter, dohtor Tochter, swostor, sweostor (§ 113,
Anm. 4), swuster (§113, Anm. 4; § 114, b) Schwester (dazu die PI. tantum
^ebrödor Gebrüder, jesweoster Geschwister § 113, Anm. 4) flektieren im
Ws. und Kent, folgendermaßen (die angl. Formen s. Anm. 3):
Sg. N. V. A. feder brööor
G. feder, -(e)res brööor
D. feder breöer
mödor dohtor sw(e)ostor
mödor dohtor sw(e)ostor
meder dehter sw(e)ostor
PI. N. A. V. fed(e)ras
G. fed(e)ra
D. fed(e)rum
brööor, -ru (mödru),
mödra
brööra mödra
bröörum mödrum
dohtor,
tru, -tra
dohtra
dohtrum
sw(e)ostor
sw(e)ostra
sw(e)ostrum
Anm. 1. d in faeder, mödor gegenüber ö in brööor gegen lat. pater, mäter,
fräter ist nach dem Vernerschen Gesetz (§ 233f.) zu erklären. Der idg. Ton
lag in den einzelnen Kasus bald auf der Wurzel, bald auf der Suffixsilbe;
bei den einzelnen Wörtern wurde nicht nach denselben Kasus ausgeglichen.
sw(e)ostor, lat. soror aus *sy.ezor hat ein t zwischen 8 und r entwickelt, welche
in den Kasus mit schwundstufigem Suffix aufeinander folgten (s. unten).
t in dohtor steht nach § 232. - Statt -or steht altws. auch -ur, zuerst kent.
und manchmal spätws. auch -ar. Nicht selten findet sich in den oben mit
-or angesetzten Kasus im späteren Ws. und Kent, auch -er; im Ws. und
Kent, aber nie -or (-ur, -ar) in den oben mit -er angesetzten Kasus.
Zur Erklärung der Formen vgl. bes. van Helten, Beitr. 36, 490ff. Im
Nom. Sg. hatte das Suffix idg. Dehnstufe (vgl. griech. Tiar^p, pq^tcoq); im
Akk. Sg. und Nom. PI. stand idg. Hochtonstufe e oder Tieftonstufe o (vgl.
griech. rtarlQa, TiaregeQ), im Gen. Dat. Sg. und Gen. Dat. Akk. PI. Schwund-
stufe vor der betonten Endung (vgl. griech. narQÖg, nar^i, got. bröpre,
bröbrum, bröpruns), die ae. Vokale in diesen Kasus sind als Sekundärvokale
nach § 153, bzw. in den dreisilbigen Formen von faeder nach § 160 anzusehen.
{-Umlaut der Wurzelsilbe ist daher nur im Dat. Sg. zu erwarten (idg. Endung
i), nicht im Nom. PL, weil in diesem die idg. Endung -es, germ. -iz, vor
Eintritt des {-Umlauts abgefallen war, s. § 145. Im Gen. Sg. steht kein i-
Umlaut, wohl weil für das Ae. von der idg. Endung -os (wie im Griech.)
auszugehen ist, nicht von idg. -es (wie im Lat. und bei den ae. fern. Wurzel-
stämmen, § 283, Anm.). Im Dat. Sg. faeder steht ae durch {-Umlaut nach
230
§ 285. Stämme auf idg. -erj-or
§ 96, 2 oder nach § 96, 3 (wegen Eindringens von Formen mit a vor analogem
Suffix -or, -ur, vgl. die angl. Formen Anm. 3). sw(e)ostor hat den Dat. Sg.
an die übrigen Kasus angeglichen, doch kann die Form sunwfor auf das im
Dat. in der Stammsilbe zu erwartende -i- zurückgehen, s. § 114, b. Der
Akk. Pl. ist an den Nom. Pl. angeglichen; altws. brööru, mödru sind wohl
analog zu den neutralen o-Stämmen gebildet (wegen ^ebrööru) und nicht
vom alten Akk. Pl. (got. bropruns) abzuleiten, weil das auslautende -u ab-
gefallen wäre (vgl. § 145, Anm. 2 und § 148, Anm. 2). f&deres, fssderas sind
nach der o-Deklination gebildet, das analog nach § 160 eingeführte -e- fehlt
nur in älteren Texten, später ist es allgemein.
Anm. 2. Spätws. findet sich auch ein Gen. Sg. meder zu mödor und dehter
zu dohter, sie sind aus dem Dat. übernommen, einmal (Urk. v. 871-89,
Sweet, Oldest Engi. Texts, S. 432, Z. 32) rehtmeodrencynn, mit eo für oe.
Anm. 3. Die angl. Formen sind:
a) Vesp. Ps.: Nom. Akk. feder, Gen. feadur (mit Velarumlaut, § 109),
Dat. feder, Pl. Nom. Akk. fedras (feddras), Gen. fedra (feddra), Dat. feacbrum
(feodrum § 35, Anm. 1), fedrum; - Royal Gl.: Nom. Sg. feder, G. fzdor, D. Pl.
f&drum; - R1: Nom. Akk. Sg. feeder, fader-, fxderes, Dat. fzeder, Pl. Gen.
fxdera; — nordh. Ra: Nom. Aki?, faeder, je einmal feder, fador, Gen. fzedres,
je einmal fseder, fsedur, fador, faederes; Dat. feder, selten fieder, fzedre, Pl.
Nom. Akk. fsedras, Gen. fzedra, Dat. fzdrum; - L: Nom. Akk. fseder, fader,
Gen. fadores (fzedores), fad(e)res, fador, Dat. fseder, -ir, feder, fader, federe,
Pl. Nom. Akk. fadoras, fadero, Gen. fadora, Dat. fad(o)rum; - Rit.: Nom.
Akk. faeder, Gen. fadores {fsedor\ fzeder'), Dat. feder (fseder), Pl. Gen. fadora,
fsedera, Dat. fsedorum. - In der Poesie begegnet vereinzelt ein Dat. Sg.
fledere-, Csedm. Hymn. G. Sg. fadur.
b) Vesp. Ps.: Nom. Akk. brööur, Dat. bröeöer, Pl. Nom. Akk. brööur, Dat.
bröörum; - R1: Nom. Akk. Gen. Dat. bröper, Pl. Nom. Akk. bröper, bröpre,
bröepre, Dat. bröprum; - nordh.: R8: Nom. Akk. brööer, -or, Gen. brööer,
Dat. bröder, -or, Pl. Nom. Akk. brööer, -or, brööro, Dat. bröörum, -om; -
L: Nom. Akk. brööer, Gen. bröö(e)res, brööer, Dat. bröö(e)re, bröder, bröeder,
Pl. Nom. Akk. bröÖ(e)ro, bröÖ(e)ra, brööre, brööer, Gen. brööra. brööero, Dat.
bröörum; - Rit.: brööer, brööor, Pl. Nom. Akk. brööro, Dat. bröörum.
c) Vesp. Ps.: Sg. Nom. Akk. mödur, Gen. mödur, möeder; R1: Sg. Nom.
Gen. Dat. moder; — nordh.: Ra: Sg. Nom. Akk. moder, Gen. moder, -or,
möeder, Dat. möeder, einmal moder, Pl. moder; - L: Sg. Nom. Akk. moder, Gen.
möd(e)res, möeder es, moder, Dat. moder, möeder, Pl. Akk. mödero; - Rit.: Sg.
Nom. moder, Dat. möeder.
d) Vesp. Ps.: Sg. Nom. Akk. dohtur, Gen. doehter, Pl. Nom. Akk. dohtur,
Gen. dohtra; — R1: Sg. Nom. Akk. dohter; - nordh.: Ra: Sg. Nom. Akk.
dohter, Dat. doehter, Pl. Nom. dohter, Dat. dohtrum; - L: Sg. Nom. Akk.
dohter, Dat. dohter, doehter, Pl. Nom. dohtero, Dat. dohterum; - Rit.: Sg.
Akk. dohtor, Pl. Nom. dohtoro.
e) R1: Sg. Nom. swuster, Pl. Nom. swoester, swuster; - nordh.: R8: Sg.
Nom. Akk. Gen. swester, Pl. Nom. Akk. swester, swestro; - L: Sg. Nom. Akk.
suoester, soester (§ 115, Anm. 3), Gen. Dat. suoester, Pl. Nom. Akk. suoester,
suoestro, soestro; - Rit.: Pl. Dat. soestemum.
§ 286. Stämme auf idg. -ntf 231
3. Stämme auf idg. -nt
§ 286. Zu dieser Gruppe gehören die substantivierten Partizipia präsentis
(die Flexion der eigentlichen Partizipia s. § 305f.). Paradigmen der
Maskulina: freund Freund, kettend Hasser, Feind. Die ws. Flexion ist:
Sg. N. V. A. freond bettend ! PI. N. V. A. jfriend Jhettend,
G. freondes heftendes (freond (-de; -das
D. Jfriend 1, , G. freonda hettendra
(freonde j e en e f). freondum hettendum
I. freonde hettende
Anm. 1. Die Deklination dieser substantivierten Part. Präs, entspricht der
urspr. kons. der Partizipia (vgl. lat. ferens, -entis), doch sind einzelne Kasus
nach anderen Deklinationen gebildet. Die eigentlichen Partizipia sind ae.
in die adj. /o/yö-Deklination übergegangen. Aus der ehemaligen kons. Fle-
xion stammt der »-Umlaut der ae. einsilbigen Wörter im Dat. Sg. (Endung
-i) und im Nom. PI. (Endung germ. -iz, idg. -es). Der Akk. PI. ist dem Nom.
PI. nachgebildet (vgl. fet, § 281, Anm. 1). Der subst. o-Dekl. entstammen
der Gen. Sg. auf -es, Dat. Sg. auf -e (ohne Umlaut) und der Instr. Sg.; weiter
der Nom. PI. hettendas. Der adj. Dekl. entstammen der Nom. PI. heftende
und der Gen. PI. hettendra. Der Nom. Akk. PI. freond dürfte nicht streng
ws. sein.
Ebenso flektieren: 1. wie freond (altws. fnond nach § 38, Vesp. Ps. R1
freond, nordh. L R2 friond und freond, s. § 38, Anm. 2, Rit. fnond): ws.
fiond, feond Feind (Vesp. Ps. R1 fiond, feond, nordh. L R2 Rit. fiond),
PL ws. fiend, feond, Gen. PI. feonda, dazu die Plurale ws. ^efriend, he-
ftend gegenseitige Freunde bzw. Feinde, ^öddönd Wohltäter (PL ^öddend
EL 358). 2; wie hettend die zweisilbigen: so ä^end Besitzer, demend
Richter, heelend, nervend Heiland, ws. wealdend angl. waldend Herrscher,
wißend Kämpfer, Vok. PL feorbüend Beow. 254.
Anm. 2. Im Dat. Sg. finden sich die Formen friend, fiend (frind, find, spä-
ter frynd, fynd) in der ws. Prosa oft, auch noch in späterer Zeit, doch stehen
schon altws. die nach der o-Dekl. gebildeten freonde, feonde daneben. In
der Poesie sind letztere alleinherrschend, angl. ist nur einmal frionde L be-
legt. Von feond Ankläger findet sich nur der Dat. feonde. - Der Nom. PI.
lautet im Vesp. Ps. nach § 107 freond, feond, fiond-, diese Form findet sich
bisweilen auch in ws. Texten. R1 und das Nordh. bilden den Nom. Akk. PI.
nach der o-Deklination: R1 feondas, fiondas, R8 friondas, freondas, -e, L
freondas, friondas, freondo (§ 237, Anm. 3), R2 L und Rit. fiondas (L auch
fiondes)-, freondas, feondas findet sich auch öfters in der Poesie. Über verein-
zeltes fiend Akk. Sg. L, fienda, fiendum Vesp. Ps. s. § 130, Anm. 1.
Anm. 3. Bei den mehrsilbigen sind im Nom. Akk. PI. hettend und das adjek-
tivisch gebildete heftende die üblichsten Formen; in der Prosa nehmen einige
früh die Endung -as an, so wealdendas, lufiendas, sefterfyl^endas schon bei
JElfred; einige Formen dieser Art wie byr^endas, ehtendas finden sich auch
in der Poesie. - In späten Texten wird bisweilen der ganze Plural nach dem
Genetiv neu gebildet, wie wealdendras, wealdendra, wealdendrum.
232 § 286-287. Stämme auf idg. «nt. § 288. Stämme auf idg. -osf-es
Anm. 4. Im Nordh. fällt im Nom. Sg. der mehrsilbigen in L manchmal
das -d ab, so in hSSlen, Özerfen Bedürftiger, ebenso vielleicht scepen Ctcdm.
Hymn., a. § 92, Anm. 8; der Dat. Sg. ist in L manchmal endungslos (vgl.
§ 237, Anm. 2); der Nom. Akk. PI. hat meistens die Endung -o, -a, also
haldendo, buendo, wyrcendo, wyrcenda (vgl. § 237, Anm. 3).
§ 287. Feminina sind selten und mit Ausnahme von swel^end Strudel
wohl nur in der gelehrten Literatur zu finden, wie londbüend colonia,
Öeos wealdend Herrscherin, deos feond Feindin (in Übersetzung von haec
praesul, hostis), timbrend Erbauerin u. dgl. Über ihre Flexion läßt sich
nichts Sicheres ermitteln.
Anm. »weisend hat im Dat. Sg. swel^ende, ist also ganz in die a-Dekl. über-
getreten; in der späteren Sprache wird es auch als Mask, und Neutr. ge-
braucht.
4. Stämme auf idg. -osf-es
§ 288. Diese entsprechen den griech. Neutr. auf -o?, Gen. -eoq aus -*egoq
(z. B. y£vo~, yivsog, -ovo), lat. -us, -eris (genus, generis}. Nur wenige
hierher gehörende Substantiva haben im Ae. die alte Flexion ganz oder
in Restformen erhalten, da die meisten der ursprünglich hierhergehörigen
Wörter das -s (westgerm. -r) des Suffixes aufgegeben haben und darnach
in andere Deklinationen und zum Teil in anderes Genus übergetreten
sind.
Anm. Hierher gehörten ursprünglich wohl alle alten Neutra der ae. i-
Deklination, sowohl die kurzsilbigen wie sife, sedyre § 263, 2, als die lang-
silbigen wie flSsc, ws. flies flys, hiel, hilt (helt), ws. sehield usw. § 267, a;
ferner mit Genuswechsel die Mask, bere, e$e, hete, hyse, sele (neben ssel Neutr.),
s/'je (neben si$or § 289, 2), s. § 263, Anm. 4; die Iangsilbigenj«s£ (neben säst)
Geist, hleew (neben hläw) Grabhügel, hriew (neben hräw) Leiche; das Fern.
läen Verleihung. Diese haben mit der Suffixform idg.- ea, germ. -iz den Nom.
Akk. Sg. gebildet; nach dem lautgesetzlichen Schwund des auslautenden
westgerm. -r (aus germ. -z, § 182) erhielt sich das i des Suffixes bei den
kurzsilbigen als -i, -e, bei den langsilbigen ist es nach § 146 abgefallen.
Der Nom. Akk. Sg. wurde für die neue Deklinationsklasse maßgebend. Auf
den zweiten Suffixvokal, idg. -o-, germ. -a- bzw. -u- vor einem -u der ursprüng-
lichen Endung (§ 44, Anm. 3, 4) gehen Formen ohne /-Umlaut zurück, die
neben solchen mit /-Umlaut vorkommen, wie jöstf neben jSst, hläw neben
hl&w, hräw neben hräew, ssel neben sele, bzw. solche mit e neben anderen
mit i wie helt neben hilt und wohl auch nordh. breard (§ 35, Anm. 1) Rand
neben briord (Sievers, Z. ags. Vokalismus, S. 25), oder ^ebenn neben jebonn,
Sefes neben je/öj, jehield neben seheald, sehniest neben sehnäst, jew/eZc
neben jeweaZc, vgl. § 267, Anm. 1, und vielleicht spere Speer.
Einige ehemalige -os/-es-Stämme sind zu den u-Stämmen übergetreten,
so feoh Vieh, Um Glied, liöu Glied, sidu, seodu Seite, sceadu Schatten, haben
aber diese Deklinationsform im Ae. bis auf sidu nicht bewahrt, s. § 271 und
§ 275. Über diese Subst. vgl. bes. Weyhe, Beitr. 30, 78-90, W. von Ünwerth,
Beitr. 36, Iff.; W. van Helten, Beitr. 36, 495ff.
§ 289. Stämme auf idg. -osf-es
233
§ 289. Soweit sich Reste alter Bildungen im Ae. erhalten haben, kann
man zwei Gruppen von Wörtern unterscheiden:
1. Solche, die den lautgesetzlichen Unterschied zwischen dem Nom.
Akk. Sg. ohne -r (aus -z) und den anderen Kasus mit -r (vor urspr.
vokalisch beginnenden Endungen) wenigstens teilweise bewahren. Hier-
her gehören ws. cealf (nordh. ceelf mit »-Umlaut nach § 96, 4), lomb
(nordh. auch lemb) Lamm, nordh. doe^ Tag, hred Ruhm, S5 Ei (§ 73).
Die urspr. Flexion ist vor allem in angl. Texten, dann in der Poesie
z. T. erhalten und läßt sich trotz der mangelhaften Überlieferung noch
erschließen. In den meisten südl. Texten und z. T. auch im späteren
Nordh. sind aber die Formen mit erhaltenem -r auf den Plural beschränkt
und teilweise wird auch der i-Umlaut im Nom. Akk. Sg. zugunsten
umlautloser Formen aufgegeben. Auch analoge, an die r-Formen ange-
tretene Endungen kommen vor.
Die derart zu erschließende ehemalige Flexion ist:
Sg. N. A. cself Pl. N. A. calfur, -eru
G. calfur G. calfra
D. I. calfur D. calfrum
Die normale ws. Flexion ist hingegen:
Sg. N. A. lomb cealf ®3
G. lombes cealfes sejes
D. I. lombe cealfe &3e
Pl. N. A. lombru cealfru sejm
G. lombra cealfra se3ra
D. lombrum cealfrum ceyrum
Anm. 1. Die ehemalige Flexion ist aus folgenden Formen zu erschließen:
von cself: Sg. N. cadf Corp. (cücaelf Corp. Erf.), G. calfur Vesp. Ps., A.
c&lf Vesp. Ps.; Pl. N. calfur Vesp. Ps-, calferu Rit.; Gen. calfra Rit., A.
calfur neben calferu Vesp. Ps. Spuren eines südl. N. Sg. mit i-Umlaut schei-
nen vorzuliegen in den Flurnamen Cylfhongra, Cylfan tun, me. Chielf hyll
in Urkunden, s. Jordan, Ae. Säugetiemamen, S. 176. - Von lomb: Sg. N.
lemb Rit. (aber gew. lomb Rit. und stets so L R2), D. lomber poet. Guthlac,
Akk. bereits ohne i-Umlaut ceolborlomb Corp.; Pl. N. A. lombur, lomberu
Vesp. Ps., lombor R2 L, lombero lombro L, G. lombra Vesp. Ps. - Von hreö:
in poet. Texten: Sg. N. A. hreö, D. hrööor, hrööer und mit analoger Endung
h/rööre', Pl. G. hrööra. Ein alter G. Sg. ist vielleicht aus dem Kompositum
hrööorleas zu erschließen. - Von döe$: Sg. N. A. döe? L, G. dolores (mit
analog. Endung -es) Beow., D. dö^ore (mit analog. Endung -e, die Metrik
verlangt aber döjor) Beow., I. döjor Beow.; Pl. N. A. dö$or L, G. döjora,
dö^ra Beow., D. döyrum L Beow. Vgl. H. Weyhe, Beitr. 31, 78ff.
Anm. 2. Von der nach dem N. A. abgeleiteten Sg.-Flexion findet sich G.
Sg. cselfes, celfes in L, G. Sg. lombes Rit. Ra L. — Später werden auch Plural-
formen nach dem Sg. ohne -r gebildet, so N. A. lamb, Gen. lamba, D. lam-
bum; cealfas neben neutr. cealf N. Pl. bereits im 9. Jahrhundert.
234
§ 289. Stämme auf idg. -osl-ea
Anm. 3. Vereinzelt finden sich noch Formen mit -r von folgenden Subst.:
cild Kind flektiert im allgemeinen wie ward § 238, hat also N. A. PL cild
usw. (nordh. auch cüdo Rit., daneben auch mask. cildas, -es', G. neben cilda
auch cildena); bisweilen findet sich aber ein PI. cildru, -eru, Gen. cildra.
Spätws. steht in der Regel N. A. PI. cild (aber auch cildra, JSlfrio, Coll.),
Gen. cildra, Dat. cildum. Weitere: N. A. PI. breadru Brotstücke zu bread
Brot; hZmedru zu häsmed coitus; leower Gen. lewera zu leow (iZuw Urk.)
Schinken; Gen. PL spddra zu speld Fackel; Dat. PL mSdrum (zu unbelegtem
mied Maß ?); Dat. Sg. salore (Elene) zu ssel oder sde, Dat. Sg. hälor zu hSl,
häl; nordh. stZner L stZnere R2 zu stän mask. Stein; PL scerero, -oro, -oru
Ep. Erf. Corp. Schere zu scear Pflugschar, das sonst regelmäßig nach § 238
flektiert, und das PL tantum haeteru Gewand.
2. Eine zweite Gruppe führt das suffixale -r auch in den N. A. Sg. in
umlautlosen Formen ein. Diese Wörter flektieren dann im allgemeinen
nach der o-Dekl. (§ 238, § 244f.): Hierher gehören Erf. ej«r Corp.
‘dodrans’ Meeresflut, dazu poet. e(a)^or-here, ea^or-stream, ear-jrund,
ear-^ebland und anscheinend ohne suffixales -r ej- (eh-, eah-) stream,
aeyflota, -weard, hrider hryder Rind (dazu auch ein umlautloser Plural
hrüöeru und von dem alten endungslosen Nom. Sg. abgeleitete Kompo-
sita hrid-jald, angl. hriÖ-hiorde, Flurnamen Hrlö-deri), wildor Wild (auch
in volksetymologischer Umdeutung wilddeor, wildeor), ear Ähre (Dat.
Sg. nehher R2, eher L; Akk. PI. ehras, ehera L, aechir Rl), in späteren südl.
Texten dö^or Tag (Guthlac B, s. nordh. döe^ Pkt. 1 und Anm. 1) und
mit Genuswechsel mask. nicor Seeungeheuer, alor Erle, sijor (neben
je § 263, 1) Sieg.
Anm. 4. Das Genus von ea^or (Z^ur usw.) ist aus dem Ae. nicht festzustel-
len, es kann aus etymologischen Gründen als Neutrum angesehen werden.
Anm. 5. Von si^e ist wie von si^or die volle Flexion vorhanden, zu döjor
vgl. die Formen in Anm. 1. Sonst haben sich bei dieser Gruppe von den
endungslosen Nom. nur die oben angegebenen Restformen erhalten, wie um-
gekehrt die in Anm. 3 angegebenen vereinzelten Formen auf -r von sonst
nach dem Nom. Akk. Sg. umgebildeten Subst.
Anm. 6. Als Reste der alten Flexion finden sich einige endungslose Dat.
Instr. Sg. wie nordh. eher, eehher-, über dö^or s. Anm. 1.
Anm. 7. Vielleicht liegt auch eine -or-Form eines idg. os-/es-Subst. in^rondor-
leas frevelfrei Jul. 271 vor (gegen altnord. grand). Unsicher ist, ob höcor
Spott (belegt im Dat. Sg. mid höcere und in höcorwyrde) hierher gehört, weil
der Zusammenhang mit husc, hux Spott zweifelhaft ist, s. Weyhe, Beitr. 31,
S. 88, Anm. 1.
Anm. 8. Ob os-/es-Stämme, in denen sich das -s des Suffixes erhalten hat, ae.
vorkommen, ist unsicher. Ein solcher Stamm könnte mit Metathese vorlie-
gen in drüstfel Aussatz (Ep., Erf. und Cp. GL), vgl. got. prQiaflU, dann in
Ortsnamen mit hens als erstem Bestandteil (mit Kürzung aus *hens, vgl.
altnord. hoensln) Huhn), wie Hensbröc (belegt Urk. v. 770, Worcestershire,
jetzt Henbrook) und solchen mit der Ableitung Hensing- davon, s. Sievers,
Beitr. 9, 254, Ekwall, Concise Dict. of English Place-Names, unter Hen-
sington, und A. H. Smith, Engl. Place-Name Elements, I, 243 unter *hena.
§ 290. Stämme auf idg.-e£/-ot § 291. Deklination der Adjektiva 235
5. Stämme auf idg. -etf-ot
§ 290. Von den konsonantischen Stämmen auf idg. -t (germ. -ß) mit vor-
angehendem Mittelvokal idg. e-o-9 (germ. i-a-u) oder Dehnstufen, wie lat.
nepös, -ötis, haben sich ae. einige Reste alter Flexionsformen erhalten.
Im Nom. Sg. war der auslautende Dental nach der imbetonten Silbe
lautgesetzlich nach § 199, Anm. 4 abgefallen. Demgemäß steht der Nom.
Sg. haele Held, der auch bald auf den Akk. Sg. übertragen wurde, neben
dem Nom. Akk. PI. haeled (Ö vqt der Endung idg. -es, -ns, germ. -iz, -unz
erhalten), Gen. PI. hseleöa, Dat. heeleöum (Gen. Dat. Sg. sind nicht belegt).
Später erscheint auch ein nach dem PI. gebildeter Nom. Akk. Sg. hteleö
und vereinzelt auch ein Nom. Akk. PL heeleöas, einmal haelede (nach
§ 262). Über den Vokalismus s. § 96, 3, c.
Ebenso steht Nom. Akk. Sg. ealu neutr. Bier, neben Gen. Dat. Sg.
(e)aZod; Dat. Sg. auch einmal aelad (Prosa-Guthlac); Gen. PI. ealeöa
(andere Pluralformen nicht belegt); außerdem noch analog nach der
o-Dekl. gebildet Gen. Sg. altes Rit., spät vereinzelt Dat. Sg. ealode,
Akk. Sg. ealoÖ. Über den Vokalismus s. § 109, Anm. 4.
Weiter, mit Mittelvokal germ. -a und daher endungslosem Nom. Sg.
Jungfrau, Weib, Dat. Sg. mae^ed, PI. Nom. Akk. wi®j(e)J, Gen.
mae^äa, Dat. mee^öum, weiter nach den obliquen Kasus gebildet Nom.
Sg. mae^{e)S} Akk, mae^ed. Der alte Stamm ist wohl auch in dem Kompo-
situm mses&häd erhalten, s. H. Weyhe, Beitr. 31, 73ff.
Anm. 1. Hingegen ist bei mönad Monat (got. menoßs} früh eine Spaltung
in der Richtung eingetreten, daß der dentallose Nom. Sg. als möna Mond
in die n-Dekl. übergeht und (wegen des häufigeren Gebrauchs im Plural)
für Monat die Form mit Dental für den ganzen Sing, durchgeführt wird
(Sg. Gen. mön(a)öes, Dat. -(a)öe-, PI. Nom. Akk. mönaö). Auch hier er-
scheint der Dental noch in alten Kompositis wie mönaöfylen ‘Mondfülle’,
Vollmondzeit, mönadlic lunaris, mönaÖseoc mondsüchtig (neben mön(e)lic,
R1 tnönsec), s. H. Weyhe, Beitr. 31, 75ff.
Anm. 2. nefa Neffe ist nach dem Nom. Sg. in die n-Dekl. übergegangen.
Anm. 3. i-Umlaut erscheint bei diesen Wörtern weder im Gen. Dat. Sg.
noch im Nom. Plur., weil i nach der unbetonten Silbe schon vor der Zeit
des t-Umlauts abgefallen war, s. § 145.
Kapitel II
Deklination der Adjektiva
§ 291. Das Adjektivum hat im Germanischen eine zweifache Deklination,
die sog. starkeunddie schwache. Die letztere ist erst im Germanischen
neu gebildet worden, während die erstere ursprünglich mit der Deklina-
236 § 291. Deklination der Adjektiv». § 292-293. Starkes Adjektivum
tion der Adjektiv» und Substantivs in den verwandten Sprachen über-
einstimmte.
Die meisten Adjektivs werden sowohl stark wie schwach flektiert.
Die starken Formen stehen bei attributivem und substantivischem
Gebrauch fast immer ohne bestimmten Artikel oder Demonstrativ-
pronomen, dann nach dem Zahlwort än, das ae. allmählich auch als
unbestimmter Artikel verwendet wird, manchmal in prädikativem Ge-
brauch, doch wird als Prädikatsnomen oder als prädikative Ergänzung
meist die unflektierte Form (also Nom. Sg. mask., neutr.) verwendet.
Die schwachen Formen kommen in der Poesie, besonders in der älteren,
auch ohne Artikel vor, in der Prosa und der späteren Poesie aber nach
dem bestimmten Artikel (einem Demonstrativum), und zwar sowohl in
attributivem wie substantivischem Gebrauch. Vgl. dazu Lichtenheld,
ZfdA. 14, 325-393; B. Delbrück, Idg. Forsch. 26, 187-199: C. 0. Curme,
JEGPh 9, 430-482.
Anm. 1. Nur stark flektieren alle adjekt. Pronomina außer self(a) und
se Hca § 339, die Kardinalzahlen von 2 ab, soweit sie adjektivisch flektiert
werden (§ 324ff.), öder der zweite § 328, und eine Reihe von Adjektiven wie
eall all, jenöj genug, monij mancher, nur schwach die Komparative, die
Superlative auf -ma und die Ordinalzahlen von 3 ab.
Anm. 2. won, wona fehlend, und sewuna, gewohnt, sind bei meist nur prä-
dikativem Gebrauch gewöhnlich indeklinabel; doch finden sich einige For-
men mit starker Flexion.
A. Starkes Adjektivum
§ 292. Die starke Adjektivdeklination des Germ, hat sich von ihrer
ursprünglichen Form, welche mit der Substantivdeklination, wie be-
merkt, identisch war, vielfach durch Anschluß an die pronominale
Deklination entfeint. Hierdurch sind die Unterschiede der drei vokali-
schen Deklinationen, welche das Adjektiv wie das Substantiv einst besaß,
stark zerrüttet worden. Es ist nur noch eine vokalische Deklination deut-
lich ausgeprägt, die der idg. o- (germ. a-) Stämme (mit dem Fern, auf
idg. -ä (germ. -ö) wie beim Subst., § 235). Unterabteilungen bilden wieder,
wie beim Substantivum, die jo- und wo-Stämme. Von der i- und «-Dekli-
nation dagegen haben sich nur dürftige Reste, vor allem im Nom. Sg.,
erhalten, s. § 302f.
1. Reine idg. o-jä- (germ. a-lö)-Stämme
§ 293. Hier sind wieder kurz- und langsilbige sowie mehrsilbige
zu unterscheiden. Die Unterschiede ihrer Paradigmen sind bedingt durch
die Auslaut- und Synkopierungsgesetze. Als Paradigmen dienen: für
§ 293. Starkes Adjektivum: Idg. o-/<z-Stämme
237
die kurzsilbigen hw&t hurtig, scharf, für die langsilbigen ^öd gut, für die
mehrsilbigen hälis heilig. Die Abweichungen von der Substantivdekli-
nation sind durch Kursivdruck hervorgehoben.
1. Kurzsilbige
Mask. Neutr. Fern.
Sing. N. V. hwset hwset
G. hwates
D. hwatum
A. hw&tne hwset
I. hwate
hwatu, -o
hw&tre
hw&tre
hwate
Pl. N. A. V. hwate
G.
D.
hwatu, -o hwata, -e
hweetra
hwatum
2. Langsilbige
Mask. Neutr. Fern.
Sing. N. V. jöd 3öd jöd
G. jödes södre
D. ^ödum ^ödre
A. jödne 3öd 3öde
I. 3öde —
Pl. N. V. A. jöde 3öd 3öda, -e
G. ^ödra
D. södum
3. Mehrsilbige
Mask.
Sing. N. V. häli3
G. häljes
D. häl^um
A. hali^ne
I. hä^e
Neutr.
häli3
häli3
F em.
hälisu, -o; häl3u, -o; häli3
häli^re
häli^re
hä^e
Pl. N. V. A. hülse
G.
D.
JhäÜ3U, -o;
(hälju, -o; häli3
hülisra
häljum
häl3a, -e
Anm. 1. Das u im Nom. Sg. f. und Nom. Akk. Pl. n. der kurz- und mehr-
silbigen, hwatu, hälisu, ist im allgemeinen älter als das -o, hwato, häliso.
Anm. 2. Der Dat. Sg. m. n. geht in sehr alten (kent. ?) Quellen bisweilen
auf -em aus, minem usw. - Das -um desselben Kasus und des Dat. Pl. aller
Genera geht später in -un, -on, -an über, s^dan, hälsan usw., vgl. § 237,
Anm. 6.
238
§ 293-294. Starkes Adjektivum: Idg. o-/ä-Stämme
Anm. 3. Im Spätws. zeigen auch die langsilbigen im Nom. Akk. PI. n.
bisweilen die Endung gewöhnlich aber wird der Nom. Akk. PI. n. durch
die Formen des Mask, ersetzt, also hwate, söde, hat^e für hwatu, söd, häU^u,
hält 3.
Anm. 4. Die r-Kasus, Gen. Dat. Sg. f. und Gen. PL, haben auch bei kurz-
silbigen nach § 159 in der älteren Sprache meist keinen Mittelvokal. Im
Spätws. dagegen wird -ere, -era mehr und mehr Regel, und zwar ohne Rück-
sicht auf die Quantität, sumere, sumera wie jödere, jödera usw.; nur bei
den mehrsilbigen bleibt -re, -ra, daher häli^re usw.
Anm. 5. Im Nordh. ist der Nom. Sg. fern, bei den kurzsilbigen endungslos,
ebenso oft bei den mehrsilbigen, doch haben diese auch die Endung -0, -a,
e, -i (s. § 44, Anm. 8). Der Gen. Sg. aller drei Genera endet auf -es (selten
ses, -as in L), nur Rit. hat beim Fern, auch -re, -rse. Der Dat. Sg. hat im
Mask. u. Neutr. in L Rit. R2 neben -um auch die Endung -e (L seltener
auch -o, -oe, -a, -en), L hat auch ziemlich viel endungslose Formen; im Fern,
ist -re, -ra in Rit. und R2 (hier auch -er) durchwegs erhalten, L hat neben
•re, -ra häufiger -e, -a, -o und am häufigsten endungslose Formen. Der Akk.
Sg. ist mask. fern, häufig endungslos wie der Nom., daneben ist im Mask,
in etwa der Hälfte der Belege die Endung -ne, im Fern, in etwa einem Viertel
der Belege die Endung -e bewahrt. Der Instr. hat im Mask, und Neutr.
noch die Endung -e. Im PI. hat der Nom. Akk. in R2 mask. -e, fern, und
neutr. -e und -0; Rit. mask. und neutr. -o, -a, -e; fern. gew. -o; L -e, -o, -a
in allen drei Genera, daneben auch endungslose Formen. Der Unterschied
zwischen den kurz- und langsilbigen bzw. mehrsilbigen ist aufgegeben.
Gen. Dat. PI. wie im Ws.
Anm. 6. Vesp. Ps. hat die alten Endungen besser bewahrt. Sie sind denen
des Ws. gleich, nur im Dat. Sg. kommt neben -um auch -em und -e vor, im
Nom. Akk. PI. beim Fern, und Neutr. die Endung -e. R1 hat wie das Nordh.
im Akk. Sg. mask. fern, endungslose Formen neben solchen auf -ne bzw. -e,
ebenso Gen. Sg. auf -es (neben endungslosen Formen), im Dat. Sg. mask.
neutr. -e neben -um und auch endungslose Dat., fern, -re, -ra, -ae, -e. Im
Nom. Akk. PL fern, kommt nur die Endung -e vor, sonst ist die Flexion wie
im Ws.
§ 294. Wie hwaet flektieren die wenig zahlreichen kurzsilbigen Adjek-
tiva des Ae., wie til tüchtig, sum irgendein, hol hohl, dol toll, tarn tom
zahm, baer bar, blase schwarz, ^laed froh, hraed hurtig, last langsam, spät,
waer vorsichtig, sowie die zusammengesetzten auf -sum -sam und -lic
-lieh.
Anm. 1. hwaet zeigt gleichzeitig das Schwanken zwischen ae und o vor
Flexionsendungen nach § 50. Abweichend vom Substantiv steht o in offener
Silbe auch in der Regel vor der Endung -e, weil beim Adj. Endungen mit
velarem Vokal überwiegen, also hwates, hwate gegen dae^es, ixtea usw. Doch
findet sich auch beim Adj. verschiedentlich Schwanken: straec (neben strec',
oder straec 1) starr, hart und hraed, hraed hurtig, schnell haben in der Regel a?
auch vor velarem Vokal, also straecum. Anderseits hat blase in der späteren
Sprache oft a: blae, blacne, blacra, wenn dies nicht Formen von bläc bleich
sind. - Im Vesp. Ps. steht statt ae nach § 52 e, z. B. Nom. PL hrede.
§ 294-296. Starkes Adjektivum: Idg. o-/ä-Stämme
239
Anm. 2. Im Vesp. Ps. haben die Adj. auf -sum im Nom. Sg. fern, -sum,
nicht -sumu, s. Zeuner - § 138. - Neben -lic steht vor vokalischer Endung
oft -lec-, § 43, 3, b.
§ 295. Wie $öd flektieren die zahlreichen ae. Adjektiva mit langer
Wurzelsilbe, wie ws. kent. eald, angl. ald alt, häl gesund, heah (angl. he.h,
§ 119) hoch, röf tüchtig, fyrn (§ 22, Anm. 2) alt (alter i-Stamm, vgl. ahd.
firni) und viele andere.
Anm. 1. Wörter auf -Ä wie dweorh quer, $efearh trächtig (von der Sau),
*sceolh schielend (nur schwach sce-ola belegt), fäh feindlich, fläh hinterlistig,
jemäh ungestüm, heah hoch, hreoh wild, aceoh scheu, töh zähe, ^ewlöh ge-
schmückt, wöh krumm, böse, verlieren das h in den mehrsilbigen Formen
nach § 218; die mit Vokal vor dem h kontrahieren dann meist nach § 128ff.
Demnach dweorh - dweorea (vgl. § 218, 1 u. § 242), Vesp. Ps. dwerh nach
§ 120, aber Nom. Sg. fern, dweoru, schwach dweora s. § 120, Anm. 1; aber
wöh, Nom. Sg. fern, wö (für *wöhu), ferner wös, wö(u)m, wöne, wö, PI. wöra,
wö(u)m, fern, wöre usw. nach § 131. - heah hat im Akk. Sg. meist (schon alt-
ws.) heanne (? hSanne, Weyhe, Germanica, S. 316ff.), seltener heane, ganz
selten nach dem Nom, heahne, Gen. Dat. Sg. fern, hearre (? hearre), Gen. PI.
hearra (? hüarra) neben heare, heahre und heara, heahra nach § 218, 2; Dat.
heam neben analog, heaum § 127, Anm. 1; angl. heh nach § 119, aber Dat.
heam aus *hehum, Akk. heane, schwach hea, hean aus *heha, *hehan, auch
im Vesp. Ps., wo außer heh nur Formen mit ea belegt sind, vgl. § 129, 2. -
rüh hat Gen. rüwes usw. wegen gram. Wechsels, s. § 234, d.
In der späteren Sprache erscheinen statt der kontrahierten Formen sehr
häufig solche mit innerem 5, wie hea^es, hea^um, hea^e; wö^ea, wöjum,
wö^e, ebenso auch rü^es usw. für rüwes wegen des Nom. Sg. rüh (§ 234, d).
Dies ist nicht ein Fall grammatischen Wechsels (§ 234), sondern es hat eine
Umformung nach dem Muster von Adjektiven wie $enöh — senö^es statt-
gefunden, bei denen h nach § 214, 1 aus 5 eingetreten ist.
Anm. 2. Wörter auf Doppelkonsonanten, wie ^rimm grimmig, still still,
wann dunkel, dimm düster, deall berühmt, eall all all, vereinfachen diesen
nach § 231, 2 vor konsonantisch anlautender Endung und meist auch im
Auslaut: yrimim}, yrimre, yrimra, aber grimmes, yrimmum, stimme usw.
Jedoch bleibt ll auch oft vor Konsonanten, eallre, eallra, eallne usw.
§ 296. Zu den Mehrsilbigen, welche wie häli^ (nordh. auch hSli^, § 95,
Anm. 5) flektieren, gehören namentlich die Ableitungen auf -i’j (germ.
Suffix -iga und -aga, § 141, 4), wie eadi$ glücklich, fämij schaumig,
hremis lärmend, mani^ moni^ (nicht streng ws. auch nordh.
auch tnenij, § 95, Anm. 5); die auf -el, -ol (germ. -il, -al -ul') wie lytel klein,
micel groß, yfel übel, hnitol stößig, sticol stechend, swutol (swiotol) sweotol
§ 114, Anm. 6) deutlich, auf -en (germ. -Ina) wie hxSen heidnisch, jiZpen
prahlerisch, die Stoffadjektiva wie $ylden golden, Iren eisern, st&nen stei-
nern, die Part. Prät. der Verba (§ 306), endlich die Adjektiva auf Muta
4- r (germ. Suffix -ra), welche im Nom. Sg. Mask, und Neutr. einen
240 § 296. StarkesAdjektivum: Idg. o-/a-Stämme. § 297. Idg./o-//a-Stämme
Sekundärvokal nach § 153 entwickeln, wie Jaeger, fx^er schön, biter,
bitter (§ 228) bitter, snotor, snottor weise, und viele andere.
Anm. 1. Die kurzsilbigen Adjektiva dieser Gruppe, wie monij, micel, yfel
und viele Partizipia wie coren, boren, slse^en usw. bilden den Nom. Sg. fern,
und den Nom. Akk. Pl. neutr. meist ohne die Endung -u, doch herrscht
vielfach Schwanken, so daß auch moni^u, yfelu usw. vorkommt, und zwar
bereits in alten Denkmälern wie der Cura past. und namentlich im Vesp.
Ps., wo Formen mit -u häufiger sind als die endungslosen, s. auch § 149, 3.
Bei apokopiertem -u steht in der Ableitungssilbe statt -i-, -e- vereinzelt -u-,
wie N. A. Pl. neutr. micul groß, hefu^ schwer Cura past., bzw. -o- statt -u-
in /nonoj manch Orosius.
Anm. 2. Synkope der Mittelvokale i und u bzw. keine Übernahme von
Sekundärvokalen ist nach § 159, b u. o und nach § 160 zu erwarten bei
langer Wurzelsilbe, aber oft ist der Mittelvokal aus den nicht synkopierten
Formen wieder eingeführt, besonders vor der (bewahrten) Endung -u des
Nom. Sg. fern, und Nom. Akk. Pl. neutr., vgl. § 159, Anm. 2 und § 149, 3.
Es heißt also bes. in der älteren Sprache nur hali^u, lytelu (vereinzelt mit
Suffixtausch bzw. Vokalwechsel reotu^u weinend, lytulu); erst später finden
sich Formen wie eowru, hlütru, häly.i. In den anderen Formen mit vokalisch
anlautender Endung findet sich der Mittelvokal je später um so häufiger.
Am stärksten schwanken die Adjektiva auf -ij (vor vokalischer Endung
auch oft -ej, § 142). Die Partizipia auf -en haben am seltensten Synkope.
Nach kurzer Wurzelsilbe ist i oft synkopiert, so stets bei micel (micles usw.),
häufig bei yfel (yfles usw.), u (o) in der Regel erhalten (awutoles usw.), Sekun-
därvokale schwanken wie in faderes und /as^res (doch könnte fäeyres vorliegen,
vgl. nordh. L fe^erlice, unfe^emisse mit e nach § 62, s. A. S. C. Ross, Engi.
Stud. 67, 344-49).
Anm. 3. Auch an die Adj. auf -en tritt die Akk.-Endung -ne, an die auf -er
treten die Endungen -re, -ra unmittelbar an: syldenne, trenne, fae^erre,
snotterra usw. Gelegentlich, namentlich später, wird statt des nn, rr auch
einfaches n, r geschrieben, ^yldene, fcetera, ööera, § 231, 4. Bisweilen er-
scheint dies in der späteren Sprache auch bei Synkope des Mittelvokals
nach langer Wurzelsilbe, ööre, ööra u. dgl., § 161, Anm.
2. Idg. jo-jjä- (germ. ja-fjö-) Stämme
§ 297. Die ursprünglich kurzsilbigen, wie mid medius, nyt nützlich,
^esib verwandt (vgl. got. midjis, gasibjis), flektieren ganz wie die reinen
o-Stämme auf Doppelkonsonanten, § 295, Anm. 2: mid, Gen. middes,
f. midre usw.
Anm. 1. Ws. niwe (§ 107, Anm. 5), angl. niowe, neowe (§ 78), welches ur-
sprünglich hierher gehörte (vgl. got. niujis), hat im Nom. Sg. -e wie die
langsilbigen; das w steht auch vor Konsonanten: niwne, niwre, niwra bzw.
neowne usw.
Anm. 2. frio, freo frei, Vesp. Ps. frea (§ 130, 1), Stamm *frija- hat im Nom.
Sg. nach Ausfall des j Kontraktion des Wurzel- und Suffixvokals, in den
mehrsilbigen Formen steht hingegen 5 (s. § 177, 1); frio, Gen. frt^es, Dat.
§ 297-299. Starkes Adjektivum: Idg. ;‘o-//a-Stämme 241
PI. frl^e usw. Doch werden statt dessen auch oft (im Ws. fast regel-
mäßig alle) Formen direkt nach dem kontrahierten Nom. Sg. gebildet, so
Gen. Dat. fern, jriore, Gen. PI. friora, Akk. Sg. jrione, Nom. Akk. PI. mask.
frio usw. - Später findet sich nicht selten auch ein Nom. Sg. jreoh und ebenso
(un)sebleoh neben (wnjjedieo (miß)farbig (zum Stamm *blija-) nach dem
Muster der Wörter auf -h, § 295, Anm. 1.
§ 298. Die ursprünglich langsilbigen gehen im. Nom. Sg. m. n. auf
-e aus; im Nom. Sg. f. und Nom. Akk. PI. n. haben sie -u, -o, im übrigen
flektieren sie wie die reinen o-Stämme. Paradigma jrene grün.
Mask. Neutr. F em.
Sing. N. V. jrene 3rene 3renu, -o
G. 3tenes jrenre
D. 3renum jrenre
A. 3renne 3rene 3rene
I. 3rene
PI. N. V. A. 3rene 3renu, -o 3rena, -e
G. 3renra
D. 3tenum
Anm. 1. Über das -e im Nom. Sg. mask. und Nom. Akk. Sg. neutr. vgl.
§ 150, Anm. 1 und § 246, Anm. 1.
Anm. 2. Wörter mit Muta + Liquida oder Nasal vor dem -e, wie ^ifre gie-
rig, syjre sauber, fi&cne böse, schieben vor dem r, n einen Vokal ein, wenn
ein ungleicher Konsonant folgt: syferne, iscenre-, dagegen heißt es Akk. Sg.
mask. fiecne für *jiecnne, Gen. PL syfea für *ayfrra usw. Wörter auf -nne
wie sinne ausgedehnt, öynne dünn, nehmen im Akk. Sg. mask. kein weiteres
n an, also jinne, Öynne.
Anm. 3. Im Vesp. Ps. (und Beda-Übers.) ist der Nom. Akk. PI. neutr.
meistens dem Mask, angeglichen, also unclSne, neowe usw.; seltener ist die
Endung -o (cZ»no usw.).
§ 299. Diese Deklination ist im Ae. ziemlich stark vertreten. Beispiele:
bilde freundlich, breme berühmt, eene kühn, cyme zierlich, ws. dieme
dunkel, diore deore teuer, dry^e trocken, fiecne sündig, ji/re gierig, ws.
ierre erzürnt, sefte sanft, swete süß, syfre sauber; ferner Verbaladjektiva
wie jenje gang, die auf -ede (selten -ode, alts. -ödi), wie healede mit einem
Bruch behaftet, höcede hakig, haferede bucklig, und -ihte (sehr selten
-iht, später auch wie stxnihte stänihte steinig, Öyrnihte dornig,
und die zahlreichen auf ws. -biere -bar, wie wasstmbi&re fruchtbar.
Anm. 1. Einige Adjektiva schwanken zwischen dieser Deklination und der
der reinen o-Stämme, z. B. smolt und smylte ruhig, strons und sfrenje stark,
unläsd und unll&de arm, elend, vgl. § 303, Anm. 2. Neben sefte tritt spät
auch umlautloses söjte auf (im Anschluß an das Adv. söfee § 315, Anm. 3).
Anm. 2. Nicht wenige Adjektiva sind in diese Deklination erst aus der i-
oder u-Deklination übergetreten, s. § 302 f.
242 Starkes Adj.: § 300-301. Idg. wo-/u’a-Stämme. § 302. i-Stämme
3. Idg. wo-/wä- (germ. wa-[wö)- Stämme
§ 300. Die Wörter mit einfachem Konsonanten vor dem w vokalisieren
dieses im Auslaut zu silbischem ~u, -o, (-a), vor konsonantischer Endung
zu -o. Es gehören hierher z. B. earu schnell, jearu bereit, mearu zart,
nearu eng, calu kahl, falu fahl, salu schmutzig, jeolu, gelb, basu (Ep.
baeso, Erf. beoso, Corp. beosu) purpurn, hasu graubraun, auch wohl cylu
gefleckt. Ihr Paradigma ist
Mask. Neutr. Fern.
Sing. N. V. jearu, -o 3earu, -o 3earu, -o
G. jearwes jearore
D. jearwum 3earore
A. scarone 3oaru-, o 3earwe
I. 3earwe -
Pl. N. V. A. 3carwe 3earu-, o 5earwa, -
G. 3earora
D. 3earwum
Anm. Vor dem w steht ws. oft ein Mittelvokal, ^earuwe, ^earowe, ^earewum
usw., s. § 105, b. - Dio späteren Texte führen das w öfter durch: searuw,
^ear(u)wne, ^ear(u)wre, jear(u)wra usw. Vereinzelt finden sich außerdem
Formen wie baswere, basne, basum usw.
§ 301. Adjektiva mit etymologisch berechtigtem (§ 173, Anm. 2) oder
anolog angetretenem w (§ 174, 1 u. 3) nach Vokal oder Diphthong
im Nom. Sing, führen das w im allgemeinen in allen Formen durch;
sie weichen also von der Flexion der reinen o-Stämme nicht ab. Beispiele:
släw stumpf, ^edeaw tauig, jleaw klug, hneaw sparsam, hreaw roh, ^eseaw
saftig, reow wild, rauh, deow dienstbar (in deow man, meist schwach
flektiert), röw sanft, *unhleow (nur schw. Akk. Sg. -hleowan belegt)
kalt.
Anm. 1. Das Plurale tantum /euwe wenige (got. fawai) lautet in der Poesie
meistens, stets im Vesp. Ps. und der Chad-Leg., also wohl mercisch, jea,
dazu altws. jeawum neben jeam, Vesp. Ps. feam, aber Chad-Leg. jeawum,
Vesp. Ps. als Kompromißschreibung auch /eaum. Sonst ist das w erhalten,
also feawe usw., doch ist ws. der Nom. Akk. Plur. oft jeavsa (wohl in Analogie
zu fela, § 275), ebenso R1, doch kommt Chad-Leg. attributiv indeklinabel
mit einem Subst. im Dat. Sg. fea vor (näht jea tide für lat. non pauco tem-
pore). In L, R2 und Rit. fehlt das Wort.
Anm. 2. Sonst fehlt das w nur vereinzelt, wie im Akk. reone zu reow.
4. i-Stämme
§ 302. Nur wenige Reste kurzsilbiger Wörter sind erhalten: bryce zer-
brechlich, swice trügerisch, freme tüchtig, ^emyne eingedenk (neben
Starkes Adj.: § 302. »-Stämme. § 303. w-Stämme
243
jemun nach der o-Deklination). Ihre Flexion ist gleich der der ursprüng-
lich langsilbigen 70-Stämme, § 298, d. h. sie unterscheidet sich von der
der o-Stämme nur durch den Nom. Sg. mask. und Nom. Akk. Sing, neutr.
auf -e (aus -i). Von langsilbigen gehört hierher nur noch fym alt (fast
nur noch im adverbial gebrauchten Neutr. ‘ehemals’ verwendet) und
vielleicht lyt wenig (in lythwon ein wenig, Gen. lytes in den Adv. lytis-nä,
lytes-'nä, lytesne beinahe).
Anm. 1. Die übrigen langsilbigen »-Stämme, deren -i in den endungslosen
Formen abfallen sollte, sind in die Flexion der langsilbigen /o-Stämme über-
getreten, d. h. nehmen im Nom. Sg. mask. und Nom. Akk. Sg. neutr. ein
-e (ehemals -i, vgl. unbryci incommodus Ep. Gl.) an, z. B. bryce brauchbar,
bilde freundlich, ^edeje geziemend, jemjgne gemein, gwete süß, vgl. got. bräkg,
bleips, gadofg, gamaing; ahd. brähhi, blldi, gimaini.
Anm. 2. Als Besonderheit hat L einen Akk. PI. mask. suueti.
5. u-Stämme
§ 303. Die einzigen sicheren Reste der adjektivischen u-Deklination sind
wlacu lau, neben wl&c, von welch letzterem alle Kasus außer dem
Nom. Sing, (und Akk. Sing, neutr.) gebildet werden, und ws. cwucu, cucu
lebendig (§ 114, b), poet. cwic(u) neben seltenerem (ws.) c(w)ucu, angl.
Vesp. Ps. nur Nom. PI. cwice belegt, nordh. R2 L cwic.
Anm. 1. Die Form auf -w steht für den Nom. Sg. und PI. aller Genera,
auch Akk. Sg. f. und Akk. Sg. PI. ntr., und für den schwachen Nom. Sg.
Sonst finden sich ws. von der eigentlichen w-Flexion nur noch der Akk. Sg.
m. cucune, -one, auch cucunne, cuconne nach § 231, Anm. 3, und weiterhin
c(w)ucene, c(w)ucenne, auch (wohl nicht streng ws.) cwicen(n)e. Alle übrigen
Formen, und so auch öfter der Akk. Sg. m., worden wie von einem Nom.
ws. *c(w)uc bzw. (angl.) cwic gebildet; streng ws. überwiegen durchaus die
Formen mit innerem u nach § 114, b.
Anm. 2. Die langsilbigen w-Stämme sind ae. wie in den anderen westgerm.
Sprachen (s. Kluge, Stammbildungslehre3, § 179f.) teils in die jo-//ä-Dekl.
übergetreten, teils flektieren sie nach Abfall des auslautenden -u im Nom.
Sg. mask. und Nom. Akk. Sg. neutr. nach der o-/ä-Dekl. Z. B. ae. heard hart,
sleaw klug (§ 301), gegen got. hardus, glaggwug oder ae. e^le beschwerlich,
gegen got. aglus, ae. twdfwintre zwölfjährig, gegen got. twalibwintrug. Bis-
weilen finden Bich Doppelformen nach beiden Deklinationen wie ae. gmöö
sanft und smeöe, stron^ stark und gtren^e, jnead geizig und spätws. (poet.)
un^nyöe, wohl auch ws. hnesce zart, PI. Ra hnisca (wie Vb. jehnistun mollierunt
Vesp. Ps.), gegen L (k)negc, die wohl auf einen zu got. D. PI. hnasqjaim im
Ablautverhältnis stehenden Stamm zurückgehen, weil der »-Umlaut von
germ. a vor gc sonst stets se ist (s. § 96, 2). Ws. hnegee wäre dann eine Kon-
taminationsform zwischen hnege und hnisce (so Sievers, Beitr. 24, 383).
244 § 304. Schwache Adj.-Deklination. § 305. Dekl. d. Partizipia
B. Die schwache Deklination
§ 304. Die schwache Deklination der Adjektiva ist dieselbe wie die der
Substantiva; nur wird der Gen. Plur. fast stets durch die starke Form auf
ra ersetzt. Paradigma jöda der gute.
Mask. Neutr. Fern.
Sing. N. V. jöda 3öde 3öde
G. 3ödan
D. I. 3ödan
A. jödan 3öde 3ödan
PI. N. V. A. 3ödan
G. 3ödra, (-ena)
D. 3ödum
Anm. 1. Späte Texte haben vereinzelt im Nom. Sg. mask. die Endung -an
der obl. Kasus, wie se forman d&$, se teodan diel. Für -an steht in einigen
Texten auch -on, vgl. § 276, Anm. 2.
Anm. 2. Gen. PI. auf -ena (selten auch -ana, -na), $ydena usw., finden sich
frühws. in der gelehrten Übersetzungsliteratur wie Cura past. Daneben
finden sich vereinzelte Ansätze zu Bildungen auf -an (nach Analogie zu den
übrigen Kasus auf -an), oder auf -a (nach der vokal. Substantivdeklination).
Auch Mischformen wie hälijrana und hälisran begegnen ganz vereinzelt in
Urkunden.
Anm. 3. Im Dat. PI. erscheint frühzeitig oft -an statt -um: $ödan, liessan
usw., und zwar früher als im Dat. der starken Adjektiva und im Dat. PI.
der Substantiva, § 237, Anm. 6, § 293, Anm. 2 (z. B. schon überwiegend in
Cura past.). Man hat darin sicher eine Übertragung aus den übrigen Kasus
auf -an zu erblicken.
Anm. 4. In einigen Wörtern finden sich Kontraktionen; so hea, Gen. hean
zu heah, Dat. Sg. hreon zu hreoh', wö, wön zu wöh usw., vgl. § 295, Anm. 1.
Anm. 5. Die Abweichungen des Nordh. sind im wesentlichen dieselben wie
bei der schwachen Deklination der Substantiva, § 276, Anm. 6.
C. Deklination der Partizipia
§ 305, Das Partizipium Präsentia hat sich durchgängig der y'o-Deklination
der Adjektiva angeschlossen (s. § 286 und Anm. 1) und kann auch
schwach flektiert werden. Paradigma der starken Flexion ws. jiefende.
gebend:
Mask. Neutr. Fern.
Sing. N. V. jiefende jiefende
G. siefendes
D. jiefendum
A. jiefendne jiefende
I. jiefende
jiefendu, -o
jiefendre
jiefendre
3iefende
§ 305-306. Deklination der Partizipia. § 307. Steigerung d. Adj. 245
PI. N. V. A. jiefende jiefendu, -o jiefenda, -e
G. jiefendra
D. jiefendum
Anm. 1. Bei prädikativem Gebrauch steht das Part. Präs, gern in der un-
flektierten Form, jie/ende für jiejendu, yiefendne (andere Kasus als Nom.
Akk. kommen nicht in Betracht).
Dies gilt sowohl bei dem Gebrauch als Prädikatsnomen nach dem Ver-
bum substantivum, wie bei prädikativen Ergänzungen nach anderen Ver-
ben, z. B. Ic hine cüöe cniht wesende Beow. 372.
Anm. 2. Die Deklination der substantivierten Part. Präs. s. § 286f.
§ 306. Das Partizipium Präteriti flektiert stark und schwach wie ein
gewöhnliches Adjektiv, z. B. häten zu hätan heißen, äcoren zu äceosan
erwählen, ^enered zu nerian retten.
stark
schwach
m. häten
m. äcoren
m. jenered
m. äcorena
m. jenereda
n. häten
n. äcoren
n. jenered
n. äcorene
n. jenerede
f. hätenu
f. äcoren(u)
f. jenered(u)
f. äcorene
f. jenerede
Anm. 1. Die Form auf -u im Nom. Sg. f. und Nom. Akk. PI. ist selten und
kommt auch bei langsilbigen (§ 296 mit Anm. 1) meist nur in attributivem
Gebrauche vor. In prädikativer Verwendung steht dafür meist die endungs-
lose Form: häten, äcoren, jenered. Dies kommt auch bei appositioneller Ver-
wendung vor, z. B. Hirn öä ^e^iredan ... äd . . . unwäclicne, helm(um)
behon^en . . . Beow. 3139.
Anm. 2. Bezüglich der Synkope der Endsilbenvokale in mehrsilbigen For-
men vgl. § 402, 2, § 406.
D. Die Steigerung der Adjektiva
1. Komparativ
§ 307. Die Endung des Komparativs (got. -iza und -aza) ist ae. vor der
Flexionsendung stets synkopiert, erscheint also in der Form -ra, -ran
vsw., s. § 162.
Da der Stammvokal des Komparativs ae. meistens keinen i-Umlaut
zeigt, war -öza die weit häufigere Bildungsart: earm arm - eamra;
heard hart - heardw, ^laed froh - ^Isedra; feerer schön - fce^erra-, $earo
bereit - jearara (altws. auch jrarra, später auch ^earuwra, vgl. § 300,
Anm.).
Mit i-Umlaut, also mit der ehemaligen Endungsform -iza, bilden ae.
nur wenige Adjektiva ihren Komparativ, wie ws. kent. eald alt - ws.
i(e)ldra, später yldra, kent. eldra s. § 104, b (angl. ald - aaldra), yeat
groß - ws. jn(e)Jra, später yrytra, auch yryttra nach § 229; iunj,
246 § 307-311. Steigerung der Adjektiva
jeonj (§ 92, 1, a) - jtnjra (mit allgemeiner Entrundung des y, § 31,
Anm. 2) ws., R2, Vesp. Ps., aber iunyra, ^un^ra Vesp. Ps., jtunjra L;
*$ehleow sonnig - *$ehliewra, ^ehliura-, sceort kurz - scyrtra (§ 100),
auch, bräd breit - brSdra neben gewöhnlichem brädra; heah (angl. höh,
§ 119) hoch-ws.M(e)ra, hi(e)rra, hyrra (§ 218, 2 u. Anm. 3) neben hi(e)hra,
heahra mit h nach dem Positiv, spätkent. heyra, angl. Vesp. Ps. R2 L
hera, Rit. herra.
§ 308. Die Komparative flektieren als schwache Adjektiva, § 304.
Anm. Vereinzelt begegnet bei Kompositis Steigerung beider Teile: len^llfra
zu ZonjZt/e langlebig; mäfealdra zu moni^fedld mannigfaltig (über Komp.
Zenj- und mä- s. § 323; vgl. auch lenjtojran prolixiora Seint. und mäcrxjti^ra
neben mäcrzeitig in der Poesie).
2. Superlativ
§ 309. Der Superlativ hat endungslos meist das Suffix -ost (daneben
auch -ust, -ast) entsprechend got. -östs, vor dem kein Umlaut eintritt,
z. B. leof lieb - leofost, heard hart - heardost; hwset scharf - hwatost (§ 50,
1), rice reich - rtcost.
§ 310. Nur wenige Adjektiva haben im Superlativ wie im Komparativ
i-Ümlaut, da sie ihn mit dem Suffix -ist (got. -ists) bildeten. Das Suffix
erscheint im hist. Ae. als -est nach § 44, Anm. 6, z. B. eald - ws. i(e)ldest,
yldest (kent. eldest, angl. ald - meldest), lon$ lang - lenkest, stron^ (neben
strenge § 303, Anm. 2) - strengest (Vesp. Ps. auch strandest), junj 360113 -
jungest (Vesp. Ps. ^un^esta, L ^injesta neben ^iun^esta-, über das i s.
§ 31, Anm. 2 u. § 92, Anm. 1), sceort - scyrtest; heah - ws. hi(e)hst, hyhst
neben heahest heahst nach dem Positiv, spätws. auch höhst nach § 121,
vereinzelt auch hißest', spätkent. Äejasi; angl. höh - Vesp. Ps. hehsta
neben hesta, R2 hesta, L, Rit. gewöhnlich höist(a) nach § 129, Anm. 5,
daneben auch hesta, L auch hei^sta, heeist.
Anm. Auch bei diesen umgelauteten Superlativen kommt nach Analogie-
bildung das Suffix -ust, -ost vor, z. B. len just; später tritt auch Synkope
nach § 161, Anm. ein, wie yltst.
§ 311. Starke Flexion der Superlative beschränkt sich fast ganz auf die
endungslose Form auf -ost, -est, welche für den Nom. Vok. Sg. und Akk.
Sg. neutr. steht. Sonst sind starke Formen selten. Gewöhnlich folgt der
Superlativ der schwachen Deklination.
Vor den Flexionsendungen ist dabei das Suffix -osta häufig nach
§ 142 zu -esta geworden, z. B. heardost aber heardesta neben heardosla;
leofost aber leofesta neben löofosta. Die umgelauteten Formen haben ge-
wöhnlich das Suffix -esta, wie ws. i(e)ldesta, len^esta, jin^esta, erst später
§ 311-313. Steigerung der Adjektiva 247
auch mit Synkope yldsta, len^sta, ^in^-sta, stren^sta, doch mit früher Syn-
kope bereits altws. hi(e)hsta, ni(e)hsta (bzw. hyhsta, nyhsta od. heahsta, heh-
sta). Manchmal kommt auch -osta, -usta vor wie selosta § 312, leofusta R2,
-uste L, Rit.
3. Unregelmäßige Steigerung
§ 312. Bei einigen Adjektiven sind regelmäßige Steigerungsstufen un-
gebräuchlich und werden durch besondere Formen ersetzt, denen kein
Positiv zur Seite steht:
3öd gut Komp. bet(e)ra, bettra Superl. bet(e)st, fl. betsta
---- ,, selra, sella ., seiest, -a, selost, -a
yfel böse ws. wi(e)rsa, wyrsa ,, wi(e)rrest(a), wyrresta
„ (nach § 107) „ wi(e)rst(a), wyrst(a)
micel groß ,, mära ,, meest(a)
lytel klein ,, Isessa (aus *laisizö-) „ Isest(a)
Anm. 1. Zur Geminata in bettra s. § 228. Neben betest, best (letzteres die in
der ws. Prosa üblichste Form) begegnet auch betost, vgl. § 310, Anm. - Ws.
wi(e)rsa, wyrsa, wi(e)rsta, wyrsta entspricht nach § 114, a in R1 und nordh.
wyrsa, Vesp. Ps., R1 und nordh. wyrresta. - Zu mära gehört als substantivi-
sche (adverbiale) Form mä, zu selra, sella desgleichen sei (alt in Urk. und
angl. in L säet). In sZlra, s$lla scheint früh Kürzung eingetreten zu sein,
daher auch in L mit Entrundung sella, se.llra (und darnach einmal sei L) und
spätws. sylla nach § 124. misst ist ws. und merc.; kent. mest-, nordh. mäst(a},
maast (R2, L, Rit.), vgl. got. maista. Der Sup. seiest lautot alt (Urk. und
vereinzelt altws.) söelest (einmal mit Schreibfehler nach § 27, Anm. seolest).-
läissa ist gemeinae. (ws. und auch in Vesp. Ps., R2, L, Rit.); R1 hat aber
lessa, wohl mit Kürzung, in L steht daneben leassa, leasa, Rit. Iseassa mit
Velarumlaut wohl wegen früher Kürzung, s. § 109, Anm. 3. Statt des in
der ws. Prosa allein üblichen liest, liesta heißt es in R1 und nordh.. (R2, L)
und gelegentlich auch in der Poesie liesest, -a (R2, Rit.; L nur Dat. PI. liese-
stum belegt), in L auch leasest, leassest nach dem Komparativ. Einmal be-
gegnet ein altertümliches lieresta mit grammatischem Wechsel in den kent.
Gesetzen.
Anm. 2. Isolierte Komparativformen sind wahrscheinlich auch elra der
andere, elcra der letztere.
§ 313. In mehreren Fällen ist aus Adverbien und Präpositionen ein
adjektivischer Komparativ und Superlativ abgeleitet, ohne daß ein ent-
sprechender Positiv vorhanden ist:
(feor fern) Komp. ws. fi(e)rra, fyrra Superl. fi(e)rrest(a), fyrrest(a),
fyrst(a)
(neah nahe) „ ws. nearra „ ws. ni(e)hst(a), nyhst(a)
und (nicht bei jElfred) neahst(a)
(«er früher) „ icrra „ cerest(a)
(fore vor) ,, fyr(e)st(a) der Erste
(forö vorwärts) „ furöra,
nordh. (L) foröoro
248
§ 313-314. Steigerung der Adjektiva
Anm. In der Poesie wird feor auch einige Male als Adj. gebraucht; von
neah erscheint in Glossen einmal ein adj. Dat. PI. nea^um proximis. - Über
nordh. Komp, firr s. § 83, Anm. - "Über spätws. nehat(a'), next(a) s. § 121.
Die angl. Formen nest(a), L auch neista; R1 nihsta, nehsta, nexta (ni&hata
mit iS für e nach § 62, Anm. 2) sind wohl ws. — Manchmal findet sich auch
ohne i-Umlaut Sup. feorrest(a).
§ 314. Bei einigen Wörtern findet sich ein Superlativ mit einem »»-Suffix.
Dies ist in seiner einfachsten Form -ma nur in forma, der Erste, ineduma
der Mittelste, hindema, der Hinterste, Letzte, erhalten; die übrigen haben
die gewöhnliche Superlativendung -est angefügt, gehen also auf -mest
aus. Auch diese Bildungen sind meist aus Adverbien und Präpositionen
abgeleitet.
(sid spät)
(laet spät)
(inne innen)
(üte außen)
(ufan von oben)
(niodan von unten)
(fore vom)
(ford vorwärts)
(mid medius)
(nord nordwärts)
(süd südwärts)
(eaat ostwärts)
(weat westwärts)
Komp, aidra
,, l tetra
,, innerra
„ (üterra
{ yterra
„ ( yjerra
„ | ujerra
niderra
furdra (§ 313)
( norderra
( nyrdra
I süderra
( ayderra
easterra
Superl. Biöemest, aidest
„ Isetemest
,, innemest
„ üt(e)mest
„ yt(e)mest
„ yfemest
„ ufemeat
ws. ymest (got. auhumists,
§ 218, 2) der höchste
Superl. nidemeat, niodemeat
„ forma, fyrmeat, for-
meat(a) (Rs foermest)
„ nordh. forömeat (R2
foerdmest)
midmest
nordmest
südmest
Sastmest
weaterra „ weatmeat
Anm. I. Neben den Komparativen auf -erra erscheinen oft Formen mit
einfachem r, innera, ütera, ufera, nidera usw. und bei langer Wurzelsilbe
auch synkopierte Formen auf -ra, wie innra, üt(t)ra (yttra), seftra, noröra
usw., § 161, Anm. u. § 231, 4.
Anm. 2. Statt -mest im Superlativ (über -myst vgl. § 44, Anm. 8) tritt
später oft die Schreibung -msest (selten -mast) auf, welche durch Anlehnung
an den Superlativ misst zu deuten ist.
Anm. 3. ymest gehört etymologisch nicht zu yfemest, sondern zu got. auhu-
mista.
§ 315-318. Bildung der Adverbia
Anhang
249
Bildung der Adverbia
§ 315. Die Adverbia der Adjektiva haben die Endung -e (aus -ae, idg.
Ablativ -ed), z. B. heard hart - hearde, söd wahr - söde, nearo enge - near-
we, sweotul klar - sweotule, hlütor lauter - hlütre. wid weit - w-ide. Geht
das Adjektivum selbst schon auf -e aus, so lautet das Adverbium ihm
gleich: cläene rein, jedefe geziemend.
Anm. 1. So auch einige Adverbia auf -e, denen kein Adj. zur Seite steht,
wie xdre frühe, some ebenso, sneome schnell.
Anm. 2. Bei Adverbien zu Adjektiven mit ae als Stammvokal vor einfachem
Konsonanten zeigt sich Schwanken zwischen ae und a wie in den Flexions-
formen der betreffenden Adjektiva, s. § 294, Anm. 1; daher smsele neben
smale klein, hraste neben hrade schnell (neben raste, rate).
Anm. 3. Neben Adj. mit i-Umlaut (/o-//ü-Stämmen) stehen manchmal
Adverbia ohne diesen, nach welchen später auch Adjektiva gebildet werden,
so söfte Adv. neben sefte sanft Adj., swöte Adv. neben swete Adj. süß, mwrje
Adv. neben myr^e Adj. heiter, anje, onje Adv. neben enje, amje Adj. bang,
eate Adv. neben ws. Adj. yte leicht, und dann auch Adj. söfte, swöte, eaöe.
Umgekehrt steht h&dre Adv. neben hador Adj. heiter, aber auch hsedre Adj.
und hadre Adv. - Ähnlich ist das Adv. smoltlice (§ 316) neben smylte Adj.
ruhig zu erklären. — Zu jöd gut gehört als Adv. wel.
§ 316. Sehr häufig wird statt und neben dieser Bildung auch eine zu-
sammengesetzte Form auf -lice, -lice gebraucht: hearde und heardVlce,
söde und södlfce, sweotule und sweotulltce. Diese Bildungsweise nimmt
später immer mehr überhand.
§ 317. Einige Adverbia, zum Teil ohne begleitendes Adjektivum, gehen
auf -a (aus urg. -Ö, idg. Ablativ -öd im Ablaut zu -ed) aus; z. B. fela sehr,
jeüra ehemals, poet. $lena und (angl.) jena (neben jien, jen) noch,
wieder, ^eostra gestern, ws. tfieta, außerws. jeta noch (auch jiei, ^et),
sin^ala (auch sin^ale und sin^ales) immer, söna bald, tela. teala geziemend,
die Zahladverbia tuwa, driwa § 331 und nordh. edda, odda oder, wofür
sonst odde steht. Ob -hwe^a, § 344, Anm. 1, hierher gehört, ist zweifelhaft.
§ 318. Mittels der Endungen -unja, -mja, -enja werden Adverbia aus
Adjektiven, seltener aus anderen Wörtern, gebildet. Beispiele: dearnun$a
heimlich, eallun^a durchaus, eawunja öffentlich, eorrin^a, ws. ierrin^a
wütend, hölin^a heimlich, wenin^a vielleicht. Daneben stehen auch Bil-
dungen mit -lun^a usw., wie yundlun^a, -lin^a von Gründ aus, unmynd-
lun^a unerwarteterweise, u. dgl.
250
§ 318-320. Bildung der Adverbia
Anm. Die drei Endungen wechseln sehr häufig bei demselben Wort mit-
einander ab, ohne daß die Wurzelsilbe dadurch beeinflußt wird. Die meisten
zeigen gegebenenfalls w-Umlaut des Wurzelsilbenvokals; «-Umlaut der
Wurzelsilbe ist selten, wenn nicht das Grundwort schon den Umlaut hatte,
z. B. &ninja neben änun^a änin^a durchaus; semninja neben somnunja
plötzlich.
§ 319. Auch deutliche Kasusformen von Adjektiven dienen bisweilen als
Adverbien. Akkusativische Adverbia dieser Art sind z. B. lytel, lyt wenig,
^enöj genug, jyrn, sefyrn (mit y nach § 22, Anm. 2; s. auch § 295) ehe-
mals, full voll, sehr, heah hoch (dafür spät auch hea^e, vgl. § 295, Anm. 1),
un^emet (neben un^emete und Gen. un$emetes) außerordentlich, sehr, und
die auf -weard wie upweard, süöweard\ genetivische: ealles durchaus,
nealles (nalles, nalas), nältSs, nälas (nals) durchaus nicht, elles anders,
micles sehr, simbles, sin^äles immer, samten^es zusammen, ws. ^earlan^es
ein Jahr lang, da^jZanjes den Tag über, nihtlan^es die Nacht durch,
ungewisses imbewußt, endemes (später endemest) pariter, lytes- in lytesnä
(alt lytisnä, später lytestne) beinahe, und das pronominale hwsethu^unin-
$as usw., § 344, Anm. 2, etwas; ferner verschiedene auf -weardes -wärts,
wie upweardes, s-üöweardes, auch mit Präposition, wie töjejnes entgegen,
tömiddes in der Mitte; dativische sind miclum sehr, lytlum wenig; Instr.
Sg. sind von Adverbialbildungen nicht zu unterscheiden.
§ 320. Von Substantiven kommen vorzugsweise Genetive auf -es (auch von
Femininen) und der Instrumental Sing, und der Dat. Instr. Pl. in adverbi-
alem Gebrauche vor; der Genetiv z. B. in dee^es des Tages, nihtes des
Nachts, idse^es und spät pydse^es desselben Tages, (uri)öonces (un)freiwillig,
?odes öances von Gottes Gnaden, willes, selfwilles, unwilles (un)freiwillig,
^ewealdes aus eigner Macht, un^ewealdes ohne dafür zu können (diese
auch mit Adjektiven und Pronomen verbunden), neades, ws. niedes ge-
zwungen, weas zufällig, ööres healfes auf der andern Seite, instsepes (neben
Dat. insteepe) sofort, ferner in einigen Bildungen mit Präpositionen und
Adverbien, wie tö sefenes abends, tö nönes mittags, tö ühtes morgens,
tö seflites certatim, tö medes zum Lohn, tö ^ifes gratis; hü gerades wie,
jeÄw elles sonstwie, hü yeäres zu welcher Zeit des Jahres; der Gen. Pl.
z. B. in hü meta wie, hü nyta wozu, hüru Öinja praesertim, saltem, äen$e
din^a irgendwie, nwn^e, näne Öin^a durchaus nicht, Srest öin^a zualler-
erst; iene siöa einmal usw., § 331; der Instrumental z. B. in fäcne sehr,
säre (auch si&re mit «-Umlaut, vgl. § 237, Anm. 2) schmerzlich; Dat.
Pl. sind namentlich die Bildungen auf -mielum, wie dropm&lum tropfen-
weise, stundmäelum zeitweise, hwilum manchmal u. a.
Anm. Adverbial gebrauchte Fügungen aus Substantiven mit Präpositionen
gehören zur Syntax.
§ 321. Bildung der Adverbia
251
§ 321. Von den Ortsadverbien zur Bezeichnung der Ruhe an einem Orte,
der Bewegung nach, und der Bewegung von einem Orte her, sind die
wichtigsten folgende:
wo 1 wohin ? woher ?
ws. öser da, außerws. öer, § 62 ÖieÖer, Öider (nach hider) öonan
ws. hwser wo, außerws. hwer, 8 62 hwseöer, hwider hwonan
her hier hider hionan; hine
inne innen in(n) innan
üte außen üt ütan
uppe oben up(p) ( uppan ( ufan
- unten niöor nioöan
- vom forö foran
- hinten hinder hindan
- Osten Hast eastan
- Westen west westan
- Norden norö noröan
- Süden 8ÜÖ süöan
jeor(r) fern feor(r) feorran
neah nahe ws. near (kent. neor, nior, § 128, 3) nean
Als Ruheadverbien werden auch präpositionale Fügungen wie be-
niodan, be-foran, be eastan, on innan u. dgl. gebraucht.
Anm. 1. Neben den Adverbien auf -an begegnen auch solche auf -on und
in vollerer Form -ane, -one, wie ujon, ufane usw. (bei diesem Adv. auch noch
ufenan). Im Nordh. verlieren diese Adverbia ihr auslautendes n, daher öona,
hwona, ufa usw.
Anm. 2. Für <5ä?r, hwier erscheint spätws. ßär, hwär (vgl. unten öära, hwära;
vielleicht auch gekürzt par, hwar; nordh. hwar L). Zu hwier gehören noch
die Bildungen $ehwäer, ieshwser, ä^ehwier, (3e)welhwier, wel^ehwier überall,
ähwier, öhwier irgendwo, nähwier, nöhwiSr nirgends, mit den Nebenformen
äwSr, öwer usw. (vgl. § 43, Anm. 4, § 62, Anm. 3, § 218, Anm. 2, spater auch
äwdr usw.). Ähnliche Bildungen begegnen auch von hwider und hwonan,
wie B^hwider, se^hwonan und öhwonan (nordh. öuuana), usw.
Eine emphatische Nebenform von öier ist Öära (nach § 63a, oder öara),
desgleichen zu hwier, hwära (hwara) in hwsethwara ‘paulatim’.
Anm. 3. Neben Öider begegnet selten eine altertümliche Form öseder, neben
hider auch hider e. Ähnlich gebildet ist auch ofere desuper. Für ‘hin und her’
wird hider (ond, ne) Öider gebraucht, daneben auch hidrea ösedres (öidres,
vereinzelt hider öideres) mit genetivischer Endung; für ‘hüben’ und ‘drüben’
hidenojer und ^eonojer.
Nur ausnahmsweise findet sich eine Steigerung eines solchen Ortsadver-
biums in hideror oööe yyt beheonon als Übersetzung des lat. citerius.
252 § 322-323. Adverbia, Steigerung. § 324. Kardinalzahlen
Steigerung der Adverbia
§ 322. Gesteigert werden im allgemeinen nur die Adjektivadverbia, und
zwar gelten als Adverbia die endungslosen Formen der adjektivischen
Komparative und Superlative auf -or, -ost (germ. -Öz, -öst), z. B. heardor -
heardost, stron^or - stron^ost, leoflicor - leoflicosi.
Anm. seldan selten, hat Komp, seldor und seldnor, Sup. seldost. - Zu neah
lautet der adverbiale Komparativ ws. near, seltener mit ?’-Umlaut nyr-, angl.
Formen sind nicht belegt.
§ 323. Einige Adverbia bilden jedoch ihren Komparativ mit einer Endung
idg. -is (vgl. lat. magis)-, sie zeigen ae. eine einsilbige Form, die vom
Positiv normalerweise durch i-Umlaut geschieden ist. Die Endung -is
(germ. -iz) ist nach § 146, § 182 abgefallen. Derart sind gebildet: bet
besser, ws. wi(e)rs, wyrs, angl. wyrs schlechter, mä, mS mehr, lies weniger,
xr früher, sid später, ws. fierr, fyrr, nordh. firr entfernter, Zenj länger,
sei (alt und nordh. söel) besser, seft sanfter, ws. ieö, yÖ leichter, tylj ge-
neigter, end früher. Zum Teil fehlen die dazugehörigen Positive.
Anm. mä hat keinen i-Umlaut, wohl nach Analogie zu mära. - In bet ist
das -i (-e) abgefallen, wohl analog zu den langsilbigen, besonders wi(e)rs,
wyrs.
Kapitel III
Die Zahlwörter
1. Kardinalzahlen
§ 324. Die drei ersten Zahlen sind in allen Kasus und Genera deklinierbar.
1. än flektiert wie ein starkes Adj. nach jöd § 293, 2, hat aber im Akk.
Sg. m. gewöhnlich die Form amne (idg. Endung vgl. minino zu
min mein, Runenstein von Ktflevig, Norwegen, 6. Jh.); die Verkürzung des
Vokals in &nne aus Snne wird erwiesen durch die Schreibung enne Vesp.
Ps., R1 und R3, L, Rit.; doch auch &nne R1 und seltener L) neben späterem
änne. Der Instr. ist Sne (so auch Vesp. Ps., Rit.) neben jüngerem äne (so
auch R2, L).
Pluralformen finden sich in der Bedeutung ‘einzig’ und in der Formel
änra ^ehwilc ‘jeder einzelne’, schwache Flexion in der Bedeutung ‘solus’.
2. Mask.
ws. N. A. twejen
G.
D.
Neutr. Fern.
tü, twä twä
tw§5(e)a, twejra
twröm, twäm
Anm. 1. twe^en ist am ehesten eine Analogiebildung nach fcejen (Anm. 2),
so Holthausen, Beitr. 13, 372; angl. stehen Formen mit öe, so R1 twö^en
neben twe$e(n), twse^en (§ 62, Anm. 2); R8 twöe^e, twöe^; L twöe^e, tuöe^e,
seltener tue^e, tuoe^o, tuöej, tue^; Rit. tvöSsi, twöejo; Vesp. Ps. je einmal
§ 324—325. Kardinalzahlen
253
Zwejen, twöe^a Gen. (Hymn.); twöejen Runenkästchen; daneben vielleicht
als Fehlschreibungen R2 twö^e, L iuöje. In kent. Urkunden einmal twie^en,
twfäen (§ 62, Anm. 2).
tü entspricht germ. *twö, idg. *duö nach § 69; twä entspricht got. twai
(mask.). Nordh. stehen die beim Mask, angegebenen Formen auch für Fern,
und Neutr., bloß tü ist auch gebräuchlich, twä selten (Ra, nur einmal L,
dann Leid. Rätsel); außerdem kommt L auch ein twöe, tue, R2 tuö vor. R1
wie ws.
Gen. Zwej(e)a, twe^ra sind nach fwejen gebildet. Angl, stehen Formen
mit öe: Vesp. Ps. twöe 3a, R2 twöe^ra, L twöe^era, tuöera und auch twöe^e,
tuöe^e, tuöe; R1 hat twe$ra wie ws.
Dat. twi&m entspricht einem germ. *twaimiz (Instr.); twäm ist am ehesten
nach twä gebildet, könnte aber auch ein alter Dat. (germ. ? *twaimuz) sein.
Angl, kommt twäm nicht vor; neben twlöm (R1, R2, L) steht L auch twöem.
Vesp. Ps. und Rit. keine Belege.
Anm. 2. Wie twe^en usw. flektiert ws. &ejen beide (urgerm. *böjenö, Sievers,
Beitr. 18, 407; Holthausen, Et. Wb.; vgl. dazu auch Hom, Sprachkörper2,
§ 105), neutr. bü und bä, fern, bä-, angl. Nom. Akk. mask. böe$e R2 L, da-
neben böe^o L, fcejen, bä R1; fern, bä Rit.; neutr. bä Ruthwell Kreuz, bü
R1, Gen. böe^era Rit.; Dat. bi&m L. In kent. Urk. des 9. Jahrhunderts Gen.
be^a und böeja, Dat. bwm und böem.
Die einsilbigen Formen von bejen und twe^en werden oft zusammen ge-
braucht: z. B. bä twä mask. fern., bü tü neutr., Dat. bäm twäm (oft auch zu-
sammengeschrieben bütwü, bütä).
Neben feejen findet sich später bisweilen öejjen, was auf Verkürzung des
Vokals e schließen läßt.
3. Mask. Neutr. Fern.
ws. N. A. örie, öri, öry örio, öreo örio, öreo
G. öriora, öreora
D. örim (örim)
Anm. 3. Ws. örie, öry ist vermutlich durch Antreten der adj. Pluralendung
-e an öri zu erklären, öri ist anders als sonstiges ‘unfestes’ i (§ 22) schon bei
zElfred sehr häufig, demnach vielleicht eine ursprüngliche Form ohne
analoges -e. Fern. Neutr. örio, Öreo sind nach § 130, 1 durch Antreten der
fern, und neutr. Pl.-Endungen (also aus *prija, *Priju § 177, 1 u. § 293) zu
erklären. Angl, ist das Mask, durch das Fern, und Neutr. verdrängt; die
Formen sind: Vesp. Ps. nur Akk. mask. öreo belegt; R1 desgl. preo-, nordh.
R2 Örio, örla (§ 130, 1 aus *pri-a fern.); L örio, Öriu (urspr. neutr.), Öreo,
örea; Rit. örio, öria (Öri^a).
Der Gen. hat ws. die Endung der st. Adj.; nordh. steht mit subst. Endung
L Rit. Örea, L auch mit schw. Endung öreana.
Die Länge in dem Dat. örim ist nur für L durch gelegentliche Doppel-
Schreibung Öriim bezeugt (neben örim). Spätws. kommt auch prym, preom
vor.
§ 325. Die Zahlen von 4—19 werden bei attributivem Gebrauch in der
Regel nicht flektiert (zahlreiche Ausnahmen im Nordh.). Sie lauten:
254
§ 325-326. Kardinalzahlen
4. ws. feower, spätws. vereinzelt feowor, -ur; kent. Mart, fiower, merc.
Vesp. Ps. R1 feower-, nordh. Rs feower, L fe{o)wer, fe{o)uer, feuor, fewr,
feoer, feor, in der Zusammensetzung fear- (§ 35, Anm. 1) in fearfald vier-
faltig; Rit. feover, flekt. feoro, feoero-, dazu spätws. fyöer-, Vesp. Ps. feoöur-,
R2 L feodor- in Kompositis wie fyderföte vierfüßig usw. mit erhaltenem
Dental (vgl. got. fidwor).
5. /t/, allgemein, auch merc. und nordh. in R1, R2, L, Rit. belegt.
6. ws. siez, später syx, seltener six (s. § 122, Anm. 2), in späten Texten
auch seox, seax; altkent. siox- neben sex Urk., merc. nordh. sex R1, Ra, L,
Rit.
7. ws. siofon, -an, gemeinws. seojon, -an, spät auch syfon, -an, -en (§ 124,
Anm. 3), spätws. vereinzelt sufon (§ 125, a und Anm. 1); merc. Vesp. Ps.
seofen, R1 seofun, siofon; nordh. R2 sioju, -o, aber L seofo, -a (vereinzelt
seofon, sefo) s. § 38, Anm. 2; vgl. auch unter 70. Über sibun-Corp. sifun-Ep.
in sibun-, sifunsterri s. § 111, Anm. 3.
8. ws. eahto, spätws. ehto nach § 122, 3; angl. nach § 119 sehta in Vesp.
Ps. hundsehtatis, nordh. Ra sehtowe (vgl. ehtuwe Rätsel), L 2ehto, -u (einmal
eahtu, vielleicht Schreibfehler), ashtou, sehtuu, Rit. tehla, -o; vgl. auch unter 80.
9. ws. mjon, -an, auch ni$en (schon etwa 840 Ürk.), spät auch ni^un,
nyjon, -an, vereinzelt (kent. § 111) neo$an; merc. R1 nijon, nordh. flektiert
Ra nione (-io- für -iso-, vgl. § 214, 5), L nijona, -e; vgl. auch unter 90.
10. altws. tien, gemeinws. tyn und weniger streng ws. auch ten; ebenso
kent. merc. ten Urk., Vesp. Ps., RL; nordh. Ra ten, teo, tea, L, Rit. tea; vgl.
auch unter 100; zum Vokalismus § 129, Anm. 6.
11. altws. (Or.) en{d)lefan, gemeinws. endleofan, auch -lefan, -lifan, -lyfan,
-lufan, auch mit -un, -on am Schluß, oder mit een-, send- am Anfang; merc.
R1 enlefan, nordh. R2 flektiert sellefne, L zelle f. Zur Lautform s. § 97, Anm. 2;
§ 138, 2; § 188, Anm. 1; § 198, Anm. 1.
12. ws. trwelf; altkent. twelf, tuself Urk., merc. R1 twoelf, twelf, tw&lf (s.
§ 55, Anm.), nordh. R2 twelf, L tuelf, tuoelf, Rit. tvoelf.
13. altws. *Öriotiene, gemeinws. dreotyne, -tene, auch öreottyne u. ä.,
§ 229, Anm. 2, spät vereinzelt pryttene; kent. angl. nicht belegt.
14-19. feower-, fif-, siex-, siofon-, eahta-, ni^ontiene, -tyne, -tene usw. nach
Maßgabe der verschiedenen Formen für die einfachen Zahlen 4-9 und 10.
Stehen diese Zahlen allein, so bilden sie flektierte Formen nach der
i-Deklination, z. B. ws. Nom. Akk. jife, Ntr. /i/u -o, Gen. flfa, Dat.
jifum (Dat. eahtwm Beda-Übers.).
Anm. Im Vesp. Ps. sind solche Formen nicht belegt; R1 hat /i/e, tene,
twelfe, feowertene, Gen. siojuna; nordh. R2 flfe, siofune (-unee, -one), aehtowe,
nione, tene, sellefne, twelfe, fiftene neben sexu, -o, tenu, -o, Dat. sehtowum,
sellefnum, twelfum; L fewere, ni^one, tene neben seofona, -ana, ni^ona und
fe(p}wero (Jeuero), fifo, seofono, teno (-u), tuoelfo usw. (twel/o), feowerte.no,
Gen. twoelfa (tuelfa), Dat. feowrum, fifum, seofanum {seofonum, seofum),
tenum {teum, tewum), sellefnum, -om, twoelfum {twelfum) usw., fiftenum, Rit.
feoro, feoero, fifo, feoverteno.
§ 326. Die Zehner von 20-60 werden gebildet durch Verschmelzung der
Silbe -tis (= got. *tigu$ decade) mit der entsprechenden Einerzahl; die
§ 326-327. Kardinalzahlen
255
von 70-120 ebenso, aber mit Vortritt von hund (welches jedoch bis-
weilen schon frühws. fortfällt). Sie lauten:
20. ws. twentij oder twenti^; nordh. R2 twße^enti^, L tuöentij,
30. ws. öriti^, später oft dritti^ § 229, Anm. 2; merc. R öriti^, öritti^,
nordh. R2 dritis, L Örittij, -h, örit(e)ih, Rit. öritti^.
40. ws. feowerti^, so auch merc. Vesp. Ps. R1 und nordh. R2; in L feorti$,
•li, feuorti^, f^oerti^, feowerti^, Rit. feorti^, feovrti$, feoverti^.
50. ws. fiftij-, so auch R2, Rit.; in L fift(e}is, -t(e)ih.
60. altws. siexti^, später syxti$, sixti^ und weniger streng ws. auch sextiy,
merc. nordh. R1, R2 sexti^, L sext{e)i^, -tih, -di^, -deih.
70. altws. hundaiofonti^, -anti^, gemeinws. hundseojonti^, -ant-13, später
auch -syfontis u. ä. (bloßes seofonti^ bereits im Or. neben hundseofontis);
merc. Vesp. Ps. hundseojeriti^, R1 hundseofunti^, nordh. R2 hundsijordi^,
-sifuntis, L (h)undseofonti^, hundaeofuntitf, unae(o}funtis, unaeofonti^, Rit.
hundaeofonti^.
80. ws. hundeahtati.3 (daneben einfaches eahtati^ bereits Or.); merc. Vesp.
Ps. hundsehtati^, nordh. R2 hundaahteti^, L hundiehtati^.
90. ws. hundni^ontis, -nijantij, vereinzelt auch nicht streng ws. -ny^onti^,
nioyontis u. ä.; merc. R1 hundni^onti^, nordh. R2 hundnionti^ (vgl. nion
für mjon), L hundneanti^, -tih, hundneontij (analog zu -teanti^, -teonti^ 1,
vgl. § 129, 2).
100. ws. hun(d)teonti^; merc. R1 hundteanti^, -teonti^, nordh. R2 hun(d)-
teantij, L hun(d)teantis, -h, -tei^, Rit. hunteantig. Zu eo, ea s. § 129, 2.
110. ws. hund&lleftis Cura past., später hundendlyfti^, kündend-, -send-
heftig u. ä.
120. hundtwelftis; daneben später hundtwentij mit gleicher Bedeutung.
Diese Zahlen sind ursprünglich (neutrale) Substantiva und haben also
den Genetiv nach sich; doch treten sie bald auch in adjektivischem Ge-
brauch auf; sie bilden oft einen Gen. in singularischer Form auf -es,
dritti^es, flfti^es usw., haben aber sonst Gen. -te^a neben -ti^ra, Dat.
-te^um, -tijiim. In späten Texten werden sie zum Teil ganz indeklinabel.
Anm. 1. Vesp. Ps. hat an Flexionsformen hundsehtati^es und feower-, hund-
seofenti^um; R1 hundseofuntijum; R2 twöe^en-, jöewer-, fif-, hunteantijum,
L sextei^es, Öritti^es und tuöen-, fif-, unseofunti^um, Rit. hunteantises und
feovr-, fif-, hunteanti^um.
Anm. 2. Vortretende Einerzahlen stehen (soweit erkenntlich) in der Regel
im Neutrum und bleiben unflektiert, wie pära twä and twenti^ra manna;
nur die einsilbigen Dative twäm und drim sind auch in dieser Stellung ge-
wöhnlich.
§ 327. Neben hundteonti^ steht für 100 auch hundred neutr., nordh. aber
nur R2 neben hundred, Rit., L hundrad neben hundrxd, nach dem altnord.
hundrad. Einfaches hund ist zur Bezeichnung von 100 selten (kein Beleg
in L), gew. steht es nur in Verbindung mit anderen Zahlwörtern (auch
än hund}.
Die Zahlen 200-900 werden meist mit dem neutr. hund gebildet; tü
256 § 327. Kardinalzahlen. § 328. Ordinalzahlen
hund, Örio hund usw.; weniger gebräuchlich sind Verbindungen mit
hundteonti$ oder hundred.
1000 heißt düsend neutr., Gen. -des, Dat. -de; für mehrere Tausende
wird der Pl. Öüsendu (-o, -a, vereinzelt -e) verwendet, oft auch im Nom.
Akk. ohne Endung düsend-, Gen. -da (vereinzelt -dra), Dat. -dum.
A-Hycl. 1. hund hat nordh. auch einen Dat. hundum R2; im älteren Ws. wird
es aber singularisch flektiert: Dat. künde. Gewöhnlich ist es indeklinabel. -
Von hundred werden die Plurale hundredu und hundred gebildet, der erstere
jedoch nur bei absolutem Gebrauche.
Anm. 2. Auch diese Zahlen sind ursprünglich Substantiva mit substantivi-
scher Rektion, doch werden sie oft auch wie Adjektiva behandelt und in
der späteren Sprache vielfach als indeklinabel gebraucht.
Anm. 3. Zahlen, die über die Hunderttausende hinausgehen, werden im
Bedarfsfall durch Umschreibungen ausgedrückt, z. B. ten düsend sidum
hundfealde Püsenda = eintausend Millionen.
2. Ordinalzahlen
§ 328. Als Ordinale der Einzahl gilt forma (in Rit. daneben auch de
fruma) und formesta, fyrmest{a) (§ 314), für dieses R1 und L fordmest,
R2 foermest, foerdmest-, weiter fyrest[a) (§ 313) und subst. forwost L (in
R2 nur Dat. Pl. forwestum belegt); daneben auch äsresta (§ 313) und für
‘der erste von zweien’ komparativisch.es Srra.
Als Ordinale der Zweizahl gilt öder oder sefterra.
Die übrigen sind:
3. ws. dridda-, merc. R1 Pridde, -a und drydda; nordh. R2 L Rit. dirda,
L und Rit. auch Öirdda, L selten dridda.
4. ws. feorda, später auch feoweröa-, merc. R1 feorpa (belegt im Dat. Sg.
fern, feorpe und Akk. Mask. feorpan}, fiordan Lorica-Gebet (Akk. Sg.);
nordh. R2 L fearda, L auch feorda.
5. fifta (allgemein).
6. ws. siexta, syxta, sixta (sihsta); merc. R1 sexta und syxta-, nordh. R2 sesta,
sexta, L Rit. seista (§ 126, Anm. 4), sesta.
7. altws. siofoda und seofoda, gemeinws. seofoda, -eda; merc. R1 siofund(a);
nordh. R2 siofunda, L seojunda, -onda; spätws. sufoda (s. § 125, Anm. 1).
8. ws. eahtoda, -eda (ehtoöa nach § 122, 3), spätws. auch e{a)hteoda-, Beda-
Übers. eahte^eda; nordh. nach § 119 R2 eehtoda, L eehteda, -ade (einmal eahteda,
wohl als Schreibfehler).
9. ws. ni^oda, -eda (später auch Formen wie ni^eoda, nyjoda, neo^oda
u. ä.); merc. R1 nijopa.
10. ws. teoöa-, Mart., Beda-Übers. teo^eda, nordh. R2 -te^Öa, L tei^da,
teida (§ 126, 2).
11. ws. enlefta Or., später endlifta, -lefta, -leofia, -lufta, xn{d)lyfta usw.;
merc. R1 sellefta, ellefta; nordh. L sellefta.
12. twelfta.
§ 328. Ordinalzahlen. § 329. Andere Zahlarten
257
13-19 haben ws. -teoöa (man beachte spätws. öreotteoöa neben öreoteoöa
nach § 229, Anm. 2, und e(a)hteoöa neben e(a)htateoÖa); daneben erscheint
dialektisch -tej(e)<5a, -teos(e)Öa (eahtate$da Mart., feower-, fif., seofenle^Öa
neben eahtate^eöa jung. Mart., feower-, seofonteo^öa neben fifteo^eöa Beda*
Übers.), nordh. R2 fifte^eöa, L fifteiöa.
20-120 enden altws. auf -ti^oöa {-tio^oöa, -tejoöa, -teo^öa), später finden
sich neben -ti^oöa Formen wie -iijeöa, -te^eöa, -teo^oöa usw.: twenti^oöa
usw. (mit Synkope jeowerteo^pa Or.), daneben vereinzelt -teja, -ti^a (schon
feowerte^a Chron.) und spätws. öfter -teoöa (schon feowerteoöa Or.); daneben
dialektisch twente^öa Mart., twenti$Öa Beda-Übers.
Für hund, hundred und düsend fehlen die Ordnungszahlen; statt ihrer
werden Umschreibungen verwendet, wie se Öe byö on öäm twäm hundredum
seftemyst ducentesimus, se Öe biö seftemyst on öüsend jetele millesimus (Aelfric)
usw.
Bei zusammengesetzten. Zahlen wird entweder nur das letzte Zahl-
wort in die Ordinalform gesetzt: än, twä (so stets in neutraler Form),
drl ond twentijoda u. dgl., oder das Ordinale der Einerzahl steht voraus
mit folgendem eac und dem Dat. des Kardinale der Zehnerzahl: dridda
eac twentijum der 23te, siexta eac der 56te usw.
Die Flexion der Ordinalia (mit Ausnahme des stark adjektivisch
flektierenden öder) ist die der schwachen Adjektiva § 304; die Superlativ-
formen für die Einzahl schwanken nach § 311. Vorgesetzte Einerzahlen
werden (mit Ausnahme des einsilbigen Dativs twsem, twäm und vielleicht
drim) nicht flektiert.
3. Andere Zahlarten
§329. Von alten Distributivzahlen erscheinen im Ae. nur noch Reste.
Anm. 1. Zu dem got. tweihnai gehören die erstarrten poet. Formen twih
und tweonum in Fügungen wie mid une twih ‘unter uns beiden’, be sSm
tweonum ‘zwischen den Meeren’.
Zu dieser Form gehört auch das rein präpositionale, durch Verschmelzung
mit der Präposition be entstandene ws. betweoh (§ 86, 5), betwuh, betuh (§ 114,
Anm. 4), angl. betwih Vesp. Ps. R1 (hier auch betwihc, betwis), R2, bi-, betuih
L, büwth Rit. und ebenso in angl. gefärbten ws. Texten wie Beda-Übers.,
Ep. Alex., betwyh auch im Booth.; dazu von flekt. Formen ws. betweonum,
betweona, R1 betwion, betweon, R2 bitwion (§ 130, 2), Rit. L bitwien, L betwien
(§130, Anm. 4), Corp. bituihn, Erf. bitufchn, Ep. bitutcn, Vesp. Ps. betwinum
(in nicht streng ws. Texten später selten betwynum), Rit. bitvin, L bi tuen,
Rit. bitven (§ 130, 2), poet. betweon zwischen.
Daneben steht auch betwix (kent. Urk. von 868, einmal Cura past., R1
neben betwihs), betwyx (Boethius-Übers.), ws. auch betweoxtn), betwux(n),
betwuh (betuoxn, betwiux), welche Angleichung des Vokals an betweoh, betwuh
zeigen. Zum frühen Auftreten von x s. § 204, Anm. 4.
Anm. 2. Wahrscheinlich aus dem Nordischen entlehnt ist der einmal be-
legte Akk. PI. m. prinna ‘je drei’ (Ges. Ajj^elred).
258 § 329-331. Andere Zahlarten. § 332. Personalpronomina
Anm. 3. Sonst wird ‘singuli’ durch das Adj. ws. änliepi^e, merc. nordh.
adverbial änlepum R1, änläpum L wiedergegeben; für ‘bini, terni’ usw.
gelten die dativischen Formeln twiem ond twSm (auch adj. ^etwinne), örim
ond örim, feower ond feower, öüsendum ond öüsendum (auch ßüsendfealde) usw.
§ 330. Multiplicativa werden durch Komposition mit dem Adj. -feald
(angl. -fald) gebildet: änfeald, twie-, twyfeald -fold (§ 43, 2, § 51; später
auch twijeald, twl^feald), Örie-, Öryfeald (auch Örio-, Öreofeald u. ä.),
moni^feald usw.
Anm. 1. Im Vesp. Ps. ist belegt seofenfaldlice, in R1 än-, hundteantisfdld,
in R2 feoöorfdld, in L tum-, tuufald (dazu tuu-, tuifallice), fearfald, aeojojallice
-fullice, teafald, im Rit. tvifdllico, örifald (öriffald), seofafcdd, seojanjallice.
Anm. 2. twiefecdd und Öriefeald flektieren bisweilen im Dat. auch das erste
Glied: twämfealdum, Örimfealdum, örimfealdre usw. (vgl. auch twSmfseldum
‘duplo’ R1).
Von monijfeald begegnet ein doppelt gesteigerter Komparativ mäj&aldra,
§ 308, Anm.
§ 331. An einfachen Zahladverbien auf die Frage: ‘wievielmal’ be-
stehen nur Sne einmal (selten genetivisch &nes), tuwa {tuwwa, tua; auch
twiwa, twywa, tweowa und twu^a, twi^(e)a, spät auch twia, twie u. dgl.;
nordh. R2/wija, -e, Iitwi^a, -o) zweimal, und öriwa (öruwa, Öreowa; merc.
R1 priowa, priuwa, nordh. R2 öri^e, L öri^a, öria, Rit. dnja) dreimal.
Alles übrige, sowie auch Nebenformen zu den eben genannten, wird
durch Umschreibung mittels siö Gang, Weg, gebildet: &ne siÖa (später
erst siÖe) einmal, tw&m, Örim, fif, twenti^um siöum usw.; nordh. R2
siojo, tea siöum, huntea(n)tijum siÖa, L feor, tea siöum und se(o}fo (seofa),
undseofonti^, hun{d)teanti^ siÖa (hunteanti^ siÖo), oder auch on Henne siö
u. dgl.
Anm. ‘Zum ersten, zweiten usw. Male’ heißt forman, ööre, öriddan siöe usw.
Kapitel IV
Pronomina
1. Persönliche ungeschlechtige Pronomina
§ 332.
1. Person
2. Person
Sg. N. Ic
Gr. min
D. me
A. (mec)
Öu
öin
öS (öec)
§ 332-334. Personal- und Reflexivpronomina
259
Du. N. wit
G. uncer
D. unc
A. uno (uncit ?)
PL N. wö
G. üre (üser, Osser)
D. üs
A. üs (üsic)
3i‘
incer
inc
ine (incit)
38
lower, eower
iow, eow
iow, eow (eowic)
Anm. 1. Die hier gegebenen Formen sind die der ws. Prosa, außer den in
Klammem stehenden: diese finden sich statt oder neben den angeführten
Parallelformen nur in nicht streng ws. Texten. Die Genetivformen sind
eigentlich Possessiva.
Anm. 2. Neben ic steht verneintes nie, nicc in der Bedeutung ‘nein’.
Anm. 3. Für we, $e usw. steht die Länge des Vokals durch Doppelschreibung
in den Hss. fest; doch vgl. § 137, Anm. 1.
Anm. 4. Die angl. Formen sind a) erste Person: merc. Vesp. Ps. ic,
min, ml, mec (mic, ml), PI. wl, ür, üs, üsic (üs); R1 ic (nie), min, ml, mec,
(ml), Du. wit, unc, unc, PL wl (wie, w§), üre, üs, üsic (üs); nordh. R3 * * * * 8 ic
(ih), min, ml, mec, PI. wl, üser, üs, üsih; L ic (ih, ich), min, ml, mec (meh,
mech), PI. wl (woe, wie), üser, üs (üsic, -ij), üsic (-ich, -ih, -is), Rit. ic, -,
ml, mec (mehc), PI. wl, üser (üsra), üs, üsis; - b) zweite Person: merc.
Vesp. Ps. dü, din, dl (<5§), dec (dl; vereinzelt dsec), PL 3I, -, eow, eowic (eow);
R1 pü, pin, pi, pec (P&c; pl), Du. 31t, Dat. inc, PL 3I, eower eow, eowic (eow);
nordh. Ra dü, din, dl, dec (deh), Pl. 3I (jee, sie, ji), iower, (iowera, iowre),
Dat. Akk. promiscue iow, iowih (iowh, ioh); L dü, din, dl, dec (deh, dech), PL jie
(je, jee, 3ise, 3®), iuer (iwer; iurre, iuerra, -0), Dat. iuh (iouh usw., vereinzelt
iow, iw), Akk. iuih (iwih, iowih); Rit. dü, Dat. dl, Akk. dec, PL sie, Dat.
Akk. promiscue iuh, iuih (iwih, iwish). Zu eow vgl. Flasdieck, Anglia 57,
208-15.
Die Formen ml und mec, dl und dec werden in den nordh. Texten zwar
meist als Dat. und Akk. unterschieden, doch ist dies im Plural weniger
scharf; zu den Formen mit iw-, iu- usw. vgl. § 89.
2. Reflexivum
§ 333. Ein selbständiges Reflexivum besteht im Ae. nicht mehr. Statt
seiner werden die betreffenden Formen des geschlechtigen Pronomens
der dritten Person, § 334, gebraucht.
3. Geschlechtiges Pronomen der dritten Person
§ 334. Die ws. Formen sind:
Mask. Neutr.
Sing. N. h5 hit
G. his
D. him
A. hine, hiene hit
Fern.
hio, heo
hire, hiere, hyre
hire, hiere, hyre
hie, hi, hy
260 § 334. Personalpronomina. § 335. Possessiva
Plur. N. A. hie, hi, hy (urspr. mask. u. fern.); heo (urspr. neutr.;
altws. selten, später häufig)
G. hira, hiera, hyra; hiora, heora
D. him; heom (im 10. Jh. vereinzelt, vom 11. Jh. an häufig)
Anm. 1. Zur Erklärung von hie (Akk. Fern. Sg. und N. A. PI.) s. § 130, 3;
von hio, heo (N. Sg. Fern.) § 130, 1 und E. Kieckers, Idg. Forsch. 38, 214f. -
Die Formen mit te (hiere, hiene, hie, hiera) sind altws. häufiger als die mit
i; hiere, hiene, hiera verschwinden nach dem 10. Jahrhundert. Im späteren
Ws. treten die Formen mit y auf, die altws. noch nicht vorkommen; nach
§ 22, Anm. 2 erscheinen im späteren Ws. auch weitere Formen mit y (hyt,
hys, hym, hyne). - ie in hiere, hiene, hiera kann infolge Analogiebildung zu
hie eingeführt sein; es wäre aber auch möglich, daß diese Schreibung eine
im Satznebenton entstandene Trübung des i bezeichnet, die in dem späteren
y ihre Fortsetzung findet.
Anm. 2. Die anglischen Formen sind: merc. Vesp. Ps. m. n. h% bzw. hit,
his, him, hine bzw. hit, f. hie, hire, hie, PL hie (hio; h£?), heora (auch Royal
GL, wohl nach dem Dem. deara, § 337, Anm. 4), him; - R1 m. n. hS bzw.
hit, his, him (heom), hine (hinge) bzw. hit, f. hio (hiu, heo), hire, -se, hire, hio
(heo, hi&, hie), PI. hlee (hio, heo, hi$, hie, hye, hy, hi; täl), heora (hiora),
heom (him); - nordh. R2 m. n. h$ (hee) bzw. hit, his, him, hine bzw. hit,
fern, hio, hire (hir), hir, hia (hise), PI. hi& (hia, hie), hiora (hiara), him; -
L m. n. h$ (hee) bzw. hit, his (is), him, hine bzw. hit, f. hiu (hio, hia), hire
(hiree), hir (hire, -w), hia (hea), PL hia (hea, hie, hi$, hise, hi), hiora (hiara,
heora, heara), him; — Rit. m. Al, his, him, hine, f. Gen. hire (hir), Akk. hia,
PL hia, hiora (hiara).
4. Possessiva
§ 335. Die Possessiva werden von den Stämmen des ungeschlechtigen
Pronomens und des verlorenen Reflexivums gebildet: mln mein, din
dein, svn, sein, uncer unser beider, incer euer beider, üre unser, lower
(eower) euer.
Neben sin, welches sich auf alle Genera und Numeri zurückbeziehen
kann und meist nur reflexiv verwendet wird (wie lat. suus), treten auch
die Genetive des Pronomens der 3. Person, his, hire, PL hiera, in posses-
sivem Gebrauche auf.
Anm. üre ist die ws. Form (auch Rl, hier aber Akk. Sg. üserne); ihr ent-
spricht im Vesp. Ps. ür. Hingegen sind nordh. üser und usser und auch L
üsa (Gen. Sg. üses, Dat. üsum L, Rit. R2, Nom. PL üso L u. a.). üser ent-
spricht den Formen anderer germ. Sprachen wie got. unsar, ahd. unser,
üre ist schwer zu erklären, am ehesten wird man an Assimilation von -sr-
zu -r (wie in Iren Eisen) zu denken haben (s. § 180), doch führt diese
auch zu -ss- (vgl. ebenda und § 336, Anm.); Anlehnung an eower könnte
auch vorliegen, üsa entspricht altsächs. üsa, wäre also eine Ableitung vom
obliquen Stamm des Personalpronomens ohne Antreten von -er. Zur Er-
klärung und Verbreitung der Bildungen s. Th. Frings und E. Linke, West-
germ. Pronomen usw.
§ 335-336. Possessiva. § 337. Demonstrativs 261
Für eower (so auch Vesp. Ps. R1) hat das nordh. R2 iower, L iuer, iwer
usw. Rit. iuer (vgl. § 89).
§ 336. Die Flexion der Possessiva ist die der starken Adjektiva, doch
flektiert üre nach den /o-//ä-Stämmen (wie jrene § 298), zeigt aber keinen
i-Umlaut. Einmal lautet der Akk. Pl. (ws. Evang.-Übers. Matth. VI, 12,
Hs. Corpus Christi Coll. Cambridge 35, 11.-12. Jh.) ürne (ürne yyltas).
In den Kasus mit -r in der Endung steht oft einfaches r (Gen. Dat. Sg.
fern, üre, Gen. Pl. üra).
Anm. üser assimiliert gewöhnlich in den Kasus, welche Synkope des Mittel-
vokals haben müssen (§ 159; vgl. § 180), das germ. sr zu 88-, üsses, üssum
für *üsres, *üsrum usw., aber üseme', das Doppel-s dringt aber auch in die
nicht synkopierten Kasus ein, üsser, üsseme, üsserra. Das Nordh. kennt
diese Assimilationsformen nicht, daher Nom. Akk. Sg. fern, üsra L, üsera
R2. Über die nordh. Formen ohne -er s. § 335, Anm.
iuer bildet in L Rit. die flektierten Formen teils mit, teils ohne Mittel-
vokal; daher einerseits Formen wie iueres (iweres) neben iures usw., andrer-
seits in L auch solche wie Akk. Sg. m. iurrne, Gen. Pl. iur(r)a u. dgl.
Übrigens ist die Flexion von üser und iuer (iower) im Nordh. vielfach
äußerst unsicher, da die Glossatoren oft geradezu beliebige Formen hinge-
schrieben zu haben scheinen.
5. Demonstrativa
§ 337. Das ursprüngliche einfache Demonstrativpronomen sio, Ö&t
hat im Ae. meist nur noch die abgeschwächte Bedeutung des bestimmten
Artikels. Seine Flexion im Westsächs. ist:
Mask. Neutr. Fern.
Sing. N. sS ö®t sio, seo
G. Ö®s ösere
D. ösem (Öäm) öäsre
A. öone öset öä
I. öy; öon —
Pl. N. A. Öä
G. öära (öära)
D. d®m (däm)
Anm. 1. Die eingeklammerten Formen sind spraehgeschichtlich jünger und
finden sich in den älteren Quellen nicht oder nur selten. Sie sind im Vokal
anderen Kasus angeglichen. Der Nom. Sg. geht auf die idg. Wurzel *se!ao,
die anderen Kasus gehen auf *tejto zurück. Zur Erklärung der Formen vgl.
van Helten, Idg. Forsch. 26, 174—86; E. Kieckers, Idg. Forsch. 38, 213f.
Anm. 2. Für s% steht in sehr späten Texten seo wie im Fern. Noch später
tritt für se, seo mit Angleichung an die übrigen Kasus ßSo ein.
Neben ö&s steht spätws. manchmal das.
Für Öiere erscheint im älteren Ws. selten auch öäre (Kentizismus ?, s.
Anm. 3) und vereinzelt Özer als Dat. Sg. Späte Texte gebrauchen oft die
262
§ 337—338. Demonstrativs
Formen /iäre, p^ra und Gen. PL peora (nach heora, § 334) Chronik E (1086).
Im Verlauf der ae. Sprachentwicklung ist in diere, dsra, dära wohl Kürzung
des Vokals eingetreten, s. § 138, 5.
Neben done begegnet auch dame und dane, beide in späten Texten häufig.
Für däm steht spätws. dän, vgl. § 187.
Die Instrumentalform don (dan) erscheint in ablativischer Verwendung
in komparativischen Fügungen wie don mä ‘mehr als das’ und in adverbialen
Formeln wie for don, bi don deswegen, xfter don nachher u. dgl. (über sioddan,
syddan s. § 111, Anm. 2), s. I. Dal, Die germ. Pronominalkasus.
Anm. 3. Im Kent, stehen neben den Formen mit £ nach § 52 und § 62
auch solche mit S, wie det, des, dtre, dem; außerdem kommt neben dem
düsm auch däm vor, im Gen. Sing. Mask, und Neutr. auch das und neben
dSre auch däre, im Akk. dane neben done, im Instr. dan neben don, im Gen.
Pl. deara (§ 109) neben dära (d&ra).
Anm. 4. Die Flexionsformen des Angl, sind (mit Ausschluß der überall
gleich lautenden dy, don): merc. Vesp. Ps. m. n. st bzw. dset (det), des (1 dass),
diem, done, f. sie (1 seo), dtre, dtre, dä, Pl. dä, deara, diem; - R1 m. n. sl (pt)
bzw. Piet, pees (Pas), piem (1 dem), pone (pane, p&ne, pgne, Pene); f. sio (siu,
seo; sie), piere (päre, -a), piere (pära), pä, PL Pä, p&ra (pärie, päerae, -e), päem; —
nordh. R2 m. n. dS (1 das, selten st) bzw. dset, Öaes, diem (däm, däm), done
(dene, donne, don; diene, do), f. dio (fehlerhaft de, di), diere (dier, däre), dier
(der), dä (die), PL dä, dära (diera, -»), diem (1 dän); — L m. n. st (dt; sie,
dse) bzw. diet, d&s, diem (dien, dem), don(e) (diene, dene), f. sio (diu, dio,
dyu, dy; auch <3ä?), däire (diera, -se, äSr, dära), dSr (diere), dä (dio, diu, dy),
PL dä, dära (diera), diem; — Rit. st (dt), dies, diem, done, f. sio (dio, diu),
diere, dier, dä, PL dä, dära, diem.
Anm. 5. In einigen (südwestl. ?) Hss. der Evangel.-Übers. aus dem Anfang
des 11. Jahrh. findet sich manchmal p&^e (aus nordg. peir, mit Schreibung
a?j für sei nach § 126, 2 und Antreten der adj. Pluralendung -e) für demon-
stratives Pä, N. PL, in der Aufzeichnung des Reliquienschatzes von Exeter
(Mitte 11. Jahrh.) dieselbe Form als Relativum, s. M. Förster, Angl. Beibl.
52, 274ff.; 53, 86-87.
§ 338. Dem deutschen ‘dieser’ entspricht das zusammengesetzte Demon-
strativpronomen dts, f. dios (deos), n. dis. Seine älteste Flexion im West-
sächs. ist folgende:
Mask. Neutr. Fern.
Sg. N. öSb G. D. öis öis(s)es, öys(s)es öis(s)um, öys(s)um; öiosum öios, Öeos Öisse öisse
A. öisne, öysne bis öäs I. öys, Öls - PL N. A. Öäs G. öissa D. Öis(s)um, öys(s)um; öios(s)um
Anm. 1. Das y ist in den altws. Quellen auf die angegebenen Kasus be-
schränkt; später tritt es nach Maßgabe von § 22, Anm. 3 auch in den übrigen
Kasus statt i auf.
§ 338-339. Demonstrativs
263
Anm. 2. Im späteren Ws. lauten der Gen. Dat. Sg. f. pissere, der Gen. PI.
pissera, und bisweilen synkopiert pisre, pisra. — In späteren Texten (Blickl.
Hom., Wulfstan, Boeth.-Übers.) kommt ein (? merc.) A. Sg. fern, und
N. A. PI. piss vor.
Anm. 3. Im Kent, sind an abweichenden Formen belegt Dat. öis(s)em, Gen.
Dat. f. Öeosse, Gen. PI. öeassa Urk.
Anm. 4. Die anglischen Formen sind: a) merc. Vesp. Ps. m. n. des bzw.
Öis, dieses, öissum, Öeosne, f. öeos, öisse, öisse, dös, PI. dös, öissum (öeossum); —
R1 m. n. Pes (Pes; öeos, pios) bzw. pis, pisses, pissum, pisne (Peosne), f. peos
(Pios), pisse, pisse (Pissere), päs, PI. p>äs, pissa (-e, -g), pnssum (ein passum); —
b) nordh. R2 m. n. des {dass; dist) bzw. dis, dieses (Ösesses), Öissum (öassum),
Öiosne, Instr. öisse, f. Öios, Öisser (öisse, öasse), dieser (öaesser), dös (Öasse,
öios), PI. dös, öisra, Öissum (Öassum); - L m. n. des (dass; dis?) bzw. Öis
(<5a?s?), öis(8)ea, öis(s)um (öas(s)um), öiosne (Öionne), Instr. Öisse (Öissa, öiss),
f. öios (öius, öyus, öys), Dat. öis(s)er (öissser, äusser; Öis(s)a'l), Öäs (Öios,
Öius, düs, öis), PL öäs, Öisra (öassa), Öis(s)um (öas(s)um); Rit. m. n. des
bzw. öis, öisses (-ass, Öisis), Öis(s)um (Öassum), öiosne, f. öios, Öisser,
öäs (dass, öios), PI. Öäs, Öisra, öis(s)um,
Anm. 5. Ursprünglich wurde dieses Pronomen durch Anfügung einer Par-
tikel -si, -se (vgl. umord. sa-si, Jxd-si) an die Kasusformen des einfachen
Demonstrativums gebildet. Im Ae. ist dies mit Angleichung des Anlauts an die
übrigen Formen nur im Nom. Sing, öt-s, öios (vgl. nordh. öS, diu § 337,
Anm. 4) und im Plur öä-s erkenntlich, sonst wurden die adj. Flexions-
endungen an eine Stammform Öis angefügt. Zu dieser vgl. E. Kieckers, Idg.
Forsch. 38, 213f.
Anm. 6. Das Pronomen jener, got. jains, ist im Ae. so gut wie verschwunden;
nur findet sich ein vereinzeltes tö ^eonre byr$ Cura past. 443, 25; außerdem
gehören dazu die Adverbien bzw. Präpositionen jeond (sind, $iend) durch,
beseondan jenseits; zur Erklärung des Vokalismus s. § 92, Anm. 5.
§ 339. Pronomen der Identität (lat. idem) ist se ilca (für llca, aus
-an, l- derselbe, vgl. lat. is, erhalten in den Adverbien idae^es desselben
Tages, isides zu gleicher Zeit), in der Cura past. öfter illca, Vesp. Ps.
einmal fern, illce, L manchmal illca, in späten Texten bisweilen mit
jungem Mittelvokal ilica, yleca), welches wie ein schwaches Adjektivum
flektiert, nur spät auch gelegentlich starke Formen entwickelt.
‘Selbst’ heißt altws. seif, später gewöhnlich sylf (§ 124); kent. seif
kGl., kPs. neben seolf Urk.; merc. Vesp. Ps. seolf, R1 seolf, sylf, seif',
nordh. R2 solf (§ 125, a), L seolf (einmal Akk. Sg. mask. sulfne neben
häufigem seolfne), Rit. seolf', das Wort kann sowohl stark wie schwach
flektiert werden.
Anm. se selfa heißt in der älteren Zeit nur ‘eben dieser, hie ipse’; erst spät
findet es sich auch in der Bedeutung von ‘idem’.
264
§ 340. Relativa. § 341. Interrogativa
6. Relativa
§ 340. Das Ae. besitzt kein eigenes Relativpronomen. Relativsätze
werden entweder durch das einfache Demonstrativpronomen se, sio,
dast oder die Partikel di, sei es allein, sei es in Verbindung mit dem
demonstrativen Pronomen, eingeleitet.
Anm. sS, sio, öset kann sich natürlich nur auf eine dritte Person zurück-
beziehen. - steht verhältnismäßig selten allein; gewöhnlich weist es auf
ein vorangegangenes demonstratives se, sio, dset zurück. Häufig tritt dieses
Demonstrativum unmittelbar vor das öS (se de-, sio ds, ntr. alt öaette, später
auch öaet öe aufgelöst), bleibt aber in der Rektion des vorausgehenden
Satzes. Asyndetische Einfügung ist ae. selten.
Seltener ist die Verbindung mit einem persönlichen Pronomen,
welches dann dem di nachgesetzt wird: di hi qui, di his cuius, di him
cui usw.; auch kommen Doppelbildungen wie si di his usw. vor.
Bezieht sich das Relativum auf eine erste oder zweite Person, so steht
entweder einfaches di (ic . . . di, dü, ... di oder dü di usw.), oder es tritt
die letztgenannte Umschreibung ein: di ic ego qui, di wi nos qui, di
üsic nos quos usw.
7. Interrogativa
§ 341. Das einfache Interrogativum hwa, hwaet (= got. fv-as) hat nur
masc. und ntr. Sing, entwickelt. Das ntr. hwaet mit folgendem Genetiv,
z. B. hwaet monna, bedeutet ‘was für ein’.
hwset
Sing. N. hwä hwset
G. hwaas
D. hwiem (hwäm)
A. hwone hwset
I. - hwy, hwi
Anm. 1. Eine zweite Form des Instr., hwon (hwan), steht nur in adverbialen
Formeln wie tö hwon wozu, for hwon warum usw., eine dritte, hü, nur in
der rein adverbialen Bedeutung ‘wie’.
Anm. 2. Zur Flexion vgl. im allgemeinen § 337. Neben hwone (selten hwane)
kommt auch hwaene vor, namentlich in der späteren Sprache.
Anm. 3. Kent. Nebenformen sind hwet neben hwaet, § 52, Instr. hwe neben
hwi, § 31, Anm. 1. Der Vesp. Ps. hat hwet (ein hw$t), R1 hwaet (ein huat}. Nordh.
steht neben konsequentem hwaet R2 in L hwaet (hueet usw.) und huaed(d),
huaetd, huaedt, im Rit. nur hvaed(d), hvaetd.
Anm. 4. Das zusammengesetzte sehwä jeder, § 347, bildet in der älteren
Zeit Gen. Dat. regelmäßig sehwaas, sehwaem usw., auch wo es sich auf ein
Fern, bezieht; später wird auch eine neugebildete Femininform sehwaere,
Schwäre verwendet (vgl. Sievers, Beitr. 10, 485).
§ 342. Interrogativa. § 343-344. Indefinita
265
§ 342. Wie starke Adjektiva flektieren hwseäer (got. hraPar) welcher von.
beiden? und die ursprünglich zusammengesetzten hwelc welcher (vgl.
ahd. wallh, welih, alts. weite), hülic (bes. angl.) wie beschaffen ? und swelc
(got. swaleiks), das Korrelativum zu hwelc.
Anm. 1. Für gewöhnliches ws. hwseder heißt es kent. auch hweder nach
§ 52, doch kommt hweder auch ws. (Orosius, häufig spätws.) vor; merc.
Rl hat hw&Per und hwePer (Vesp. Ps. kein Beleg); nordh. R2 nur hweder,
T, neben hueder (bzw. hueoper nach § 115) auch hweeder. Es ist daher neben
einer Grundform mit altem a auch eine mit e (vgl. ahd. hwedar) anzusetzen,
s. auch § 52, Anm. 2.
Anm. 2. Neben hwelc erscheint auch hwilc. Während hwelc (wie die ahd.
und alts. Formen) auf eine Grundform *hwa-lik (hwa — lat. quod) zurück-
geht, entspricht hwilc dem got. hvileiks (Grundform *hwi-lik, hwi — lat.
quis). Altws. steht hwelc, spätws. meist hwilc und hwylc (nach § 116); kent.
hat hwelc neben hwylc Urk. und hwilc kGl.; das Merc. im Vesp. Ps. hwelc,
in R1 hwelc, hwaelc (§ 55, Anm.) und hwilc, hwylc-, das Nordh. in R2 hwelc,
in L huelc, hu&lc (§ 55, Anm.), huoelc (§ 115), im Rit. hvoelc (einmal
hveelc).
Anm. 3. swelc ist altws.; später erscheint auch swilc, swylc (mit dem Vokal
von hwilc). Kant, ist suelc, suselc (§ 55, Anm.) und suilc Urk.; merc. Vesp.
Ps. swelc (im Adv. swelce), R1 swilc-, nordh. R2 swelc, L suelc, suselc (§ 55,
Anm.), im Adv. suelce, suaslce und suoelce (§ 115), Cp. Gl. suilce und suelce.
8. Indefinita
§ 343. Das unbestimmte Pronomen ‘irgendein’ wird ausgedrückt durch
sum, welches stark adjektivisch flektiert. In Negativ-, Bedingungs- und
Fragesätzen können auch die Interrogativa hwä, hwaeder, hwelc indefinit
gebraucht werden. Die übrigen Indefinita werden meist durch Zusammen-
setzung gebildet.
§ 344. I. Das indeklinable ws. -hwu^u, -huyu, (außerws. -hwe^u, -hwi^u,
s. Anm. 1) bildet mit hwaet das substantivische hw^th[w)u^u ‘etwas’,
mit hwelc das substantivische und adjektivische hwelch(w)u^u ‘aliquis’.
Anm. 1. -hwu^u usw. ist etymologisch unklar, s. Hom, Sprachkörper und
Sprachfunktion, S. 82. Ws. -äwujw weist wie einige der außerws. Formen
auf eine Grundform mit -i- nach § 114, b, doch stehen angl. auch Formen
mit, -e-. Die überlieferten Formen sind streng ws. im allgemeinen -hwu^u,
huyu, daneben steht, zumal in Texten mit Einschlägen aus anderen Mund-
arten, auch -hwe^u, -o, -a und -hwi^a, -hwy^o, -u. Ep. Erf. hat -huuoe^a,
Corp. -hue^a; R1 -hwu^u wie ws.; nordh. R2 -hwoe^(n)u, -o, -hweojne, -hwoju,
L hwelc-, huoelchuoe^u, -o, -e (dazu Gen. huoelchuoejes) und huot-, huod-
huoe^u, -o, -huoyu, -o, -e. Zu den angl. Formen vgl. § 113, b, § 115, doch ist
die Lautentwicklung wohl wegen des Nebentons gestört.
Anm. 2. Gleichbedeutend mit hweeth(w)u^u ist altws. hwsethu^uninsas Cura
266
§ 344-347. Indefinita
past. Hs. H, -Ätüujunwnjea Hs. C und Boeth. neben -Äwej(a)nunjes, -Äweju-
mnjcw Boeth.
Das Nordh. gebraucht auch huelc-, huoelchuöene L für ‘aliquis*.
2. Dieselbe Bedeutung haben näthwä, näihwelc, eigentlich ‘nescio
quis’.
3. ‘Etwas’ wird auch durch äwuhi (äuht, später oft äht), öwuht {öht)
ausgedrückt.
Anm. 3. Formen mit i wie äwiht, öwiht sind kaum als streng ws., sondern
als angl. zu betrachten (in der Poesie sind sie häufig), vgl. § 114, Anm. 4
und R1 äwiht, öwiht (R2 nur öht), sowie § 348, Anm. 2.
§ 345. Verallgemeinernde Pronomina werden aus den Interrogativen
durch swä - swä entwickelt: swä hwä swä, swä hwseder swä, swä hwelc
swä wer auch immer usw. Daneben spätws. löcahwä, löchwä (vereinzelt
lähwä), löchwxder, löchwylc in gleicher Bedeutung (vgl. ahd. sihuuer,
sihuuelth). Über andere Ausdrucksformen an Stelle verallgemeinernder
Pronomina s. Kluge, Beitr. 8, 531 f.
Anm. 1. Für swä hw&Öer swä begegnet bisweilen swä hwaöer swä oder mit
Kontraktion swaöer, swaeöer, ebenso swilc für swä hwilc swä.
Anm. 2. Über die verschiedenen Formen von swä s. § 137, Anm. 1 und 2.
§ 346. Distributives ‘irgendeiner’ (ne. some one, lat. alteruter) heißt ae.
ähw&der (äwöer, äuder, äder, -or) und öhwseöer {öwder), die meist nur in
Negativsätzen gebraucht werden. Dasselbe gilt für ähwä, ähw&t, ähwylc
irgendwer, irgendwas.
§ 347. Kollektives ‘jeder’ heißt gewöhnlich Sic (aus ä immer und ^ihwilc,
s. Hom, Sprachkörper2, § 56), daneben auch schwele und mit vollem
erstem Bestandteil Schwele, ferner jeÄwdf (nur substantivisch, die
Flexion s. § 341, Anm. 4) und äjjÄwJ. ‘Jeder von zweien’ (lat. uterque)
ist ae. jeAuwder, auch ä?jÄwa?der (verkürzt ®3der, ne. either). Seltener
sind eethwä, samhwelc, welhwset, (je)weZÄzpeZc.
Für ‘alles’ dient außer eaU (angl. all, § 85) öfter die Umschreibung
Sic wuht, Slcuht, vgl. § 348, 2.
Anm. 1. Neben Sic steht kent. elc nach § 97, Anm. 1, ebenso elc in R2,
aber Sic in L und Rit. Vesp. Ps. hat yle (? oder yle), einmal öelc (aus *ö-ji-
hwüc).
Anm. 2. Den ws. Bildungen mit ä?j- entsprechen kent. solche mit ej-, ei-
neben Ss- {e^hwelc, eihwelc) nach § 97, Anm. 1 und § 126, 2, § 214, 2; angl.
steht auch meistens ej- (R2 e^hwa, e^hwelc, L e^huelc, -huoelc und ejöer,
ejÄder, nur einmal Sshuelc, Rit. e^hvoelc), vgl. § 97, Anm. 1. Daneben kom-
§ 347-349. Indefinita. § 350. Konjugation: Allgemeines 267
men merc. (?) Bildungen mit öej- vor, welche von abzuleiten sind,
so Vesp. Ps. Öeshwelc (einmal öjhwelc wohl als Schreibfehler), Ep. Erf.
Corp. öe^huuelc, öe^hwelc.
Anm. 3. Das entspricht dem got. aiw immer, ae. ä s. § 174, 3, neben
dem ae. nach § 73, Anm. 1 auch Ö steht. Es ist durch das folgende i von
ji- zu & (e), öe (e) umgelautet.
§ 348. 1. Dem lat. ‘ullus’ entspricht zeniy, für ‘quidquam’ begegnet
nordh. auch xniht R2 L (aus änwihi, § 95, Anm. 1; vgl. unten Anm. 2).
2. ‘Neuter’ ist nähweeder (näwöer, näuöer, näder) oder nöhwseder
(nöwder), ‘nullus’ nän oder nSni^, ‘nihil’ näwuht (näuht, näht) oder
nöwuht (nöht), auch nän wuht oder nänuht und nän f>in^ (spät näfcins).
Anm. 1. näwuht usw. ist im Sing, neutral und flektiert als Subst. (D. Sg.
tö nauhte Cura past.); es bildet auch einen PI. näuhtas und später als prä-
dikative Ergänzung nähte.
Anm. 2. Die in der Poesie häufigen Formen mit i wie näwiht, nöwiht sind
kaum als streng ws., sondern als anglisch zu betrachten; vgl. § 344, Anm. 3
und merc. Vesp. Ps. nöwiht (nöht), Ra näwiht (nauwiht; daneben neeht und
nöht), nordh. R2 L nöwiht (nöht) neben nsniht (vgl. oben 1).
§ 349. ‘Solcher’ ist gewöhnlich swelc (swilc, swylc usw.), vgl. § 342;
daneben begegnen auch ftyslic, äuslic (assimiliert auch Öyllic, dullic),
und ^äeeslic (im Adv. Öasslice taliter), aber nur in demonstrativer Be-
deutung, nie korrelativ.
II. Abschnitt
KONJUGATION
Allgemeines
§ 350. Das ae. Verbum besitzt folgende Formen:
1. Nur ein selbständig entwickeltes Genus, das Aktivum. Von dem
im Gotischen noch teilweise erhaltenen Mediopassivum besteht nur
noch die einzige Form hätte mit dem PI. hätten, § 367, 2. Das Passivum
wird sonst mit dem Hilfsverbum beon, wesan § 427 und mit weorÖan
umschrieben.
Anm. 1. Die einzelnen Texte schwanken im Gebrauch von beon, wesan und
weoröan stark. Der Unterschied zwischen dem Zustandspassivum (mit beon,
268 § 350-351. Konjugation: Allgemeines
weaan) und dem Vorgangspassivum (mit weordan) ist nur bei einigen Schrift-
stellern deutlich.
2. Zwei Tempora, ein Präsens und ein allgemeines Tempus der Ver-
gangenheit, das man Präteritum nennt. Das fehlende Futurum (über
beon s. § 427) wird meist durch das Präsens vertreten, in Übersetzungen
lat. Texte aber oft mit den Hilfsverben sculan, willan und rna^an und
dem Inf. wiedergegeben.
3. Zwei volle Modi, einen Indikativ und einen Optativ (häufig
Konjunktiv genannt), dazu einen auf das Präsens beschränkten
Imperativ.
4. Zwei Numeri, Singular und Plural.
5. Drei Verbalnomina, einen Infinitiv des Präsens, ein Partizipium
Präsentis mit aktiver, und ein Partizipium Präteriti mit intransi-
tiver oder passiver Bedeutung.
Anm. 2. Spät finden sich auch vereinzelt dem Lateinischen nachgebildete
Participia necessitatis, wie tö dönde faciendus, sowie in gleicher Bedeutung
gelegentlich Adjektiva auf -lic, wie dönlic faciendus, sendlic dirigendus. In
L dienen auch einfache Part. Präs, zur Wiedergabe der betreffenden lat.
Formen.
§ 351. Die germanischen Verba pflegt man nach der Bildung ihres
Präteritums in zwei Hauptklassen einzuteilen:
1. Starke Verba; diese bildenihr Präteritum teils durch sog. Ablaut
(§ 45), d. h. Wechsel des Wurzelvokals, wie got. binda ich binde, band
ich band (ablautende Verba); teils durch Reduplikation der
Wurzelsilbe, wobei gleichzeitiger Ablaut nicht ausgeschlossen ist, wie
got. haita ich heiße, haihait ich hieß; Uta ich lasse, lailot ich ließ (redu-
plizierende Verba).
2. Schwache Verba; diese bilden ihr Präteritum durch Zusatz der
Silbe -da, -ta am Ende (Dentalpräteritum), z. B. got. nasja ich rette,
baba ich habe, salbö ich salbe, Prät. nasida, hdbaida, salböda-, bugja ich
kaufe, Prät. fraufefa usw. Die schwachen Verba selbst zerfallen wieder
in drei Klassen, s. § 398.
Zu diesen beiden Hauptklassen kommen noch einige kleinere Gruppen,
über die weiter unten, § 418 ff., berichtet ist.
§ 352-353. Endungen der Verba
269
I. Die Endlingen der Verba im allgemeinen
§ 352. Die Endungen der starken Verba im Westsächsischen sind:
Indikativ
Sing. 1. -e
2. -(e)s, -(e)st
3. -(e)Ö
PL -aö
Präsens
Optativ
l e
-en, -an, -on
Imperativ
Sing. 2. -
PI. 1. -an
2. -aö
Infinitiv
-an
Partizipium
-ende
Präteritum
Indikativ
Sing. 1. -
2. -e
3. -
PL -un, -on, -an
Optativ
-e
•en, -an, -on
Partizipium
-en
Anm. Über die Passivformen s. § 367, 2.
§ 353. Die Endungen der schwachen Verba, Klasse I und II (die von
III s. beim vollen Paradigma, § 417) sind:
Präsens
Indikativ
I. II.
Sing. 1. -e -i(3)e
2. -(e)s, -(e)st -as, -ast
3. -(e)Ö -aö
PL -aö -i(3e)aÖ
Optativ
I. II.
-e >{i)öe
-en -i(3)en
Imperativ
I. II.
Sing. 2. -e, - -a
PL 1. -an -i(3e)an
2. -aö -i(3e)aÖ
Infinitiv
I. -an, II. -i(3e)an
Partizipium
I. -ende, II. -ifäjende
Präteritum
Indikativ
Sing. 1. -de
2. -des, -dest
3. -de
PL -dun, -don, -dan
Optativ
-de
-den, -dan, -don
270
§ 353-355. Die Endungen der Verba
Partizipium
I. -ed (-t), II. -od (-ad)
§ 354. Die Endungen der starken Verba und der I. Klasse der schwachen
sind im ganzen Präsens mit Ausnahme der 2. Sg. Imp. (vgl. § 362) die-
selben. Die II. Klasse der schwachen Verba zeigt dieselben Konsonanten,
aber abweichende Vokale. Ferner decken sich wieder die Endungen des
Ind. Plur. sowie des ganzen Opt. Prät. bei allen Verben, wenn man von
dem vorausgehenden d, t der schwachen Verba absieht.
Anm. 1. Über die Präteritopräsentia, welche ihr Präsens wie ein starkes
Präteritum, ihr Präteritum wie ein schwaches Präteritum flektieren, s.
§ 418ff.; die abweichende Flexion der Verba auf idg. -mi s. § 426ff.
Anm. 2. In den nordh. Texten ist die Flexion vielfach zerrüttet, sei es durch
Analogien, durch Schreibfehler, oder durch bloße Versehen der Glossatoren
in der Wiedergabe der lat. Formen der Vorlage. Manche Formen sind daher
nicht mit Sicherheit einer bestimmten Stelle des Paradigmas zuzuweisen
(z. B. kann es zweifelhaft sein, ob eine Form als Ind. oder Opt., als Sing,
oder PL gemeint ist, u. dgl.).
§ 355. Als ursprüngliche Endung der 1. Sing. Ind. Präs, der starken
und schwachen Verba ist für alle Mundarten -u (germ. idg. ö) bzw.
jüngeres -o anzusetzen, das auch nach langer Stammsilbe erhalten bzw.
durch Analogiebildung wieder eingeführt ist, s. § 148, c; also z. B. bindu,
neriu, döemu, löci(^)u oder bindo usw. Diese Form der Endung ist im
Anglischen (mit Ausnahme von R1, s. Anm. 2) in weitestem Umfang er-
halten. In den südlichen Dialekten ist sie dagegen frühzeitig durch -e
verdrängt worden, das für das Ws. und Kent, die Normalform ist: binde,
neri(3)e, deme, löci(^)e usw.
Anm. 1. Die Endung -e wird durch Übernahme der Optativendung (§ 361)
erklärt. Kritik der hierfür vorgebrachten Gründe bei C. E. Bazell, Neo-
philologus 24, 62-64. - -o ist bereits die gewöhnliche Schreibung im Cp.
Gl. (Ep. Gl. belegt bloß ^röetu). In südengl. Urk. der frühen Zeit (z. T. bis
ins 9. Jh.) kommt -o, seltener -u noch vor, Cura past. Hs. H hat noch ein-
mal cweöo.
Anm. 2. Von den merc. Texten hat Vesp. Ps. ganz überwiegend -u, bzw.
bei den schwachen Verben der II. Kl. -iu, seltener -o bzw. -io, daneben je
ein $ebidda, se^c^a und einige e-Formen, die wahrscheinlich Optative sein
sollen. Dagegen herrschen in R1 die Endungen -e bzw. -ije, neben seltenen
Ausnahmen auf -u, -o, -a, wie ä^eoju, depu; hi-elo, hälsio; öröwa, stec^a.
Anm. 3. Im Nordh. ist -o bzw. -ijo die eigentliche Normalform (R2 und
L haben noch einige -w); daneben begegnen auch gelegentliche -a, wie Ra
forUta, scomi^a, L döema, asdeaua, Öröwa, öola bzw. öröui^a, häl^i^a usw.,
Rit. söeca, bya bzw. ^idil^a, ^imyndja (vgl. auch § 361, Anm. 1),
ferner z. T. nicht ganz selten -e-Formen.
§ 355-357. Die Endungen der Verba
271
Anm. 4. Vor dem Pronomen ic wird der Endungsvokal bisweilen apokopiert,
namentlich in der Formel wenic ich glaube, für wene ic; nordh. jor^ddi^,
wiUic L für jor^eldo ic, willo ic usw., vgl. § 409, Anm. 2.
§ 356. Die 2. Sing. Ind. Präs, aller Verba sowie die 2. Sing. Ind.
Prät. der schwachen Verba geht ursprünglich auf s (idg. si mit er-
haltenem stimmlosem s wie in den anderen westgerm. Sprachen; s. § 234,
Anm. 4) aus; daher Formen wie Präs, bindes, demes (vgl. got. bindis,
domeis) oder löcas (vgl. got. sdlbds), Prät. neredes, demdes (vgl. got.
nasides, domides).
Diese Formen auf -s herrschen in den älteren Quellen oft noch fast
ausschließlich, später werden sie durch solche auf st verdrängt, dessen
t von dem nachgestellten Pron. pers. dü herrührt, wobei nach § 201, 6 sd
zu st wurde.
Anm. 1. Am frühesten setzt sich das st in den einsilbigen Formen der
Verba contracta § 373ff. und der Verba auf -mi § 427ff. fest; so begegnet
schon im Corp. ein ondest. Im Vesp. Ps. überwiegen die st bei diesen Verben
schon durchaus, während sie sonst ganz selten sind. Im Nordh. sind die st
bei den einsilbigen Formen wenigstens häufiger als bei den mehrsilbigen
Präsensformen. In L und Rit. zeigt außerdem das Prät. eine größere Vor-
liebe für die st als das Präsens. In R1 hat das st bereits in allen Fällen die
Oberhand gewonnen.
Von den südlichen Mundarten hält das Kent, die s-Formon länger fest
als das Ws. Während die s z. B. in kGl. noch häufig sind, hat die Cura past.
solche fast nur noch im Prät. und auch da nur ziemlich selten; sonst steht
bereits überall st (im Hatton-Ms. der Cura past. nach § 196, 1 auch sd,
also spriecsd, siehsö, eardasd usw. neben heetst, sihst, eardast).
Anm. 2. Im Nordh. steht wegen des Nebeneinanders von 8 und d in der
3. Sg. (§ 357) bisweilen auch das <5 der 3. Sg. in der 2. Sg., daher äw&ceö,
wyrcad R2, sdefed, stienaö L, jiseled, ^ilefed, ricsad Rit. (über die a s. § 358,
Anm. 2) als 2. Sg.; so auch einmal in R1 hazjefi.
Anm. 3. Bisweilen verschmilzt die 2. Sg. mit dem nachgestellten Pronomen
der 2. Person, namentlich öfter in den formelhaften wen(e)s£u, wensdu zu
wenan denken.
Anm. 4. Zur Erklärung der Endungen vgl. Flasdieck, Angl. 58, 113ff.
§ 357. Die 3. Sing. Ind. Präs, geht (wie der Pl. Ind. Präs, und die 2. Pl.
Imp.) normalerweise auf -ft, -d aus, das nach vereinzelten Schreibungen
mit -t (s. Anm. 2 und 3) und Erscheinungen bei Synkope (§ 359, 2, 3 u. 4)
stimmlos war, also anders als ahd. (s. § 234, Anm. 4), daher binded, demed,
löcad usw.
Im Nordh. wird -d oft (besonders in L und hier am öftesten in Matth.)
wie im Plural (s. § 360) durch s ersetzt: bindes neben binded usw. Sonst
ist -P, -d in allen Mundarten erhalten (doch vgl. Anm. 2, 3), außer wo
nach § 359 Verschmelzungen mit anderen Konsonanten u. dgl. eintreten.
272
§ 357-358. Dio Endungen der Verba
Anm. 1. Der Ersatz des -d durch -s wird meist durch Übernahme der
Endung der 2. Pers, in die 3. erklärt und damit der Endung -r der 3. Pers,
im Altnord, (seit dem Ende der Wikingerzeit) parallel gestellt, die vorher
auch nur der 2. Pers, zukam. Ae. (nordh.) wird aber anders als altnord. auch
das -d der Pluralendung durch -s ersetzt, und dies scheint häufiger der Fall
zu sein als in der 3. Pers. Sing. Auch für das Altnord, wäre die Übernahme
der Endung der 2. Pers, in die 3. etwas Außergewöhnliches. Es werden
also wohl andere Gründe maßgebend gewesen sein, so daß -<5 als Endungs-
morphem sonst nicht vorkommt, -s aber als solches sehr gewöhnlich ist,
z. B. im Plural und Gen. Sg. vieler Substantiva. Literatur dazu s. Brunner,
Engl. Sprache8, II, S. 177.
Anm. 2. Von den ältesten Texten schreibt Ep. meist -th (-p), seltener -d
und -t, wie c&lith, teblith, sinath (milcip) neben jremid, borettid oder sijtit,
feormat', in Corp. sind Formen auf -t wie lisit, wunat ebenso häufig wie solche
auf d, während -th und noch mehr -d (slid, styntid) zurücktreten.
Anm. 3. In den altws. Texten steht so gut wie ausschließlich -ö, (-P). Die
Cura past. hat daneben nur einige vielleicht verdächtige -d und in Hs. H
auch einige -t. Dagegen sind die -t neben -d häufig in kGl. (vielleicht gehören
sie überhaupt zu den Kennzeichen des Kentischen).
Vesp. Ps. hat neben -d auch ziemlich viele -d, vielleicht aber nur durch
nachlässige Schreibung; R1 hat neben -d, -p auch ein th (biddeth) und ver-
einzelte -d, -t (wie cymid oder söecet, swerat), aber keine s-Formen.
Auch das Nordh. zeigt in L neben -d, -s einige undurchstrichene -d, die
aber wegen ihrer Seltenheit wieder verdächtig sind. R8 hat auch einige -t,
wie fallet, ^iscinet, spiUet.
§ 358. 1. Der Vokal der Endung der 2. und 3. Sing. Ind. Präs, der
starken Verba und der ersten schwachen Konjugation ist ursprünglich i;
daher altae. Formen wie 2. Sg. bindis, neris, döemis (vgl. got. bindis,
nasjis, domeis), 3. Sg. bindiÖ, nerid, doemid (vgl. got. bindip, nasjip,
ddmeiP) usw.
Dieses i ist in den ältesten Texten noch oft erhalten, geht aber dann,
soweit es überhaupt erhalten bleibt (vgl. namentlich Pkt. 2), nach § 44
in gemeinae. geschwächtes e über. Also 2. Sg. bindes(t), neres{t), demes(t),
3. Sg. binded, nered, demeö usw.
Anm. 1. In Ep. herrscht noch ganz das i, während es in Corp. bereits zu
etwa einem Drittel durch e verdrängt ist. In den Urk. des 9. Jahrhunderts
(für das 8. fehlen Belege) ist das e schon fest, ebenso in den altws. und kent.
Texten sowie im Vesp. Ps., der neben -ed nur 2 -sed wie döemseä hat. In
R1 und im Nordh. finden sich dagegen noch vereinzelte i, wie ^esceädip,
cymid R1, cymid R2, wöenis, wyrcid L, ^iacildis, selid Rit. usw.
Anm. 2. Im Nordh. tritt neben dem gewöhnlichen e infolge von Vermischung
mit den Endungen der zweiten schwachen Konjugation auch a und seltener
in L Rit. auch se auf. Es stehen also nebeneinander Formen wie 2. Sg.
bindes und bindas, -ses (evtl, binded, -ad, -sed), 3. Sg. binded, -es und bindad,
-sed bzw. bindas, -ses. Auch R1 hat in der 3. Sg. -ad, -sed neben -ed.
§ 358. Die Endungen der Verba
273
2. Die volle Endung -es, -ed für die 2. 3. Sg. Ind. Präs, steht in den
angl. Mundarten fast durchgehend außer bei den Verba contracta auf* h,
bei denen nach Ausfall des h Kontraktion nach § 218, 2 bzw. § 128 ff.
eintrat. In den südl. Mundarten ist aber -e-, außer bei den je-/jo-Verben
mit kurzem Stammvokal vor r, meistens synkopiert (nach A. Walde,
Auslautgesetze, S. 125, Anm., von Formen mit nachgestelltem Personal-
pronomen ausgehend, s. § 159, Anm. 7). Dies ist ein wichtiges Keim-
zeichen der Mundart in dem Sinne, daß synkopierte Formen in den angl.
Mundarten (außer bei den Verba contracta, bei denen es sich aber um
Kontraktionsformen handelt) fehlen, während die südl. Texte im ein-
zelnen allerlei Schwanken zeigen.
Anm. 3. Auch die angl. Formen ohne Synkope sind kaum als direkte Fort-
setzungen der ursprünglichen westgerm. Formen anzusehen; sie haben den
bei den starken Verben in der 2. 3. Sg. zu erwartenden i-Umlaut (bzw.
i für e) meistens aufgegeben, während die südl. synkopierten Formen den
dadurch entstehenden Wechsel im Stammvokal bewahren.
Die folgenden Angaben beziehen sich auf den tatsächlichen Zustand der
Überlieferung.
Anm. 4. Synkope ist im streng Ws. und Kent, bei den langsilbigen starken
wie schwachen Verben die Regel, und Vollformen bilden daneben die Aus-
nahme. Nur bei den Verben auf Muta -j- Liquida oder Nasal stehen die
Vollformen auch streng ws. stets (vgl. § 404, Anm. 1); es heißt also auch
dort z. B. jrejrest, timbrest, dientest, biecnest, -ed zu frejran trösten, timbran
zimmern, die^lan verbergen, biecnan ein Zeichen geben usw. So auch altws.
meist nemnest, -ed zu nemnan nennen, neben spätws. nemst, nemd.
Anm. 5. Die kurzsilbigen Verben weisen streng ws. und kent. ebenfalls in
der Regel Synkope auf, schwanken aber im einzelnen:
a) Bereits in alter Zeit synkopieren fast regelmäßig die Verba auf p, t, c,
wie stsepd, set{t), drycd von stteppan gehen, sittan sitzen, settan setzen,
drycc(e)an drücken; auch wohl die auf s, h (ß), wie cnysd, hlihd von cnyssan
stoßen, hliehhan lachen.
b) Die Verba auf die stimmhaften Laute d, f (= b, § 192, 2) und 5 schwan-
ken in älterer Zeit noch öfter, wie bitt und bided, hefd und hefed, lejd und
le^ed zu biddan bitten, hebban heben, und lec^(e)an legen. Später ist auch
hier Synkope die Regel.
c) Die Verba auf die Liquidae und Nasale r, l, m, n haben in der Regel
keine Synkope: jered, dweled, jremeö, dened zu ferian gehen, dwellan hemmen,
täuschen, fremman vollbringen, dennan dehnen usw.; nur das Verbum aellan,
syllan § 407, 3, hat bereits altws. meist Synkope, seid (neben seled).
Anm. 6. Nicht streng ws. Texte zeigen allerlei Schwanken, was auf Über-
nahme der Schreibungen in (angl.) Vorlagen oder auf noch nicht festgelegte
Schreibtradition zurückgehen kann, zumal die spätws. Texte einheitlicher
sind. Sammlung des Materials bei J. Hedberg, The Syncope in OE. Present
Endings (dazu Besprechung von M. T. Löfvenberg, Studia neophilologica
22, 225-29 und ders., On the Syncope of the OE. Present Endings).
Anm. 7. Von den angl. Texten hat Vesp. Ps. nur wenige Formen mit Syn-
274 § 358-359. Die Endungen der Verba
kope, zweimal nach r, l, dreimal bei Verba contracta: äcers du, seid; ^efihd
($efiht), ^efoeht zu cerran, sellan, sefeon, fön; in R1 steht einmal cwid ‘dicit,
inquit, ait’, sonst begegnen nur einzelne Formen wie seid, cymd, sewyrö, bit
und slsehp, föehp zu sellan, cuman, weoröan, biddan, slean, fön. Noch gering-
fügiger und zweifelhafter sind die Spuren in den nordh. Texten (einmal
Rehers du ‘audis’, sehSt vel hast ‘imperat’ L).
3. In der zweiten schwachen Konjugation ist a der Normalvokal der
Endung, die also -as, -ad lautet. Weiteres hierüber s. § 412.
§ 359. Durch die Synkope treten die Konsonanten des Wurzelauslauts
in unmittelbare Berührung mit dem -s(t) und -p, -d der Endung. Dies hat
wieder eine Reihe besonderer Veränderungen der Wortform zur Folge,
die teils die Wurzelsilbe, teils die Endung betreffen. Die hauptsäch-
lichsten Fälle sind folgende:
1. Gemination am Schlüsse der Wurzelsilbe wird vereinfacht: winnan -
winst - wind; feallan - fielst - field; hliehhan - hliehst - hliehd; yppan -
ypst - ypd usw.
2. d wird vor dem -s(t) der 2. Person phonetisch zu t: biddan - bitst,
riedan - rietst, nach Konsonanten findan — fintst, stondan - stentst, weal-
dan - wieltst, andwyrdan - andwyrtst usw.; doch wird daneben oft in
etymologischer Schreibung d gesetzt: bidst, rSdst, findst usw. Nach
Konsonanten fällt das d in späteren Texten auch oft ganz aus: finst,
stenst, hylst ‘hältst’, ^ylst ‘giltst’ (zu healdan, jiddan) u. dgl.
Anm. 1. Auch altes t nach Konsonant schwindet bisweilen vor dem -s(t)
der 2. Sg., vgl. spätws. Formen wie ehst, tihst, efst neben ehtst u. ä. zu ehtan
verfolgen, tihtan mahnen, efstan eilen usw.
3. d und t verschmelzen mit dem p. d der 3. Sg. zu t, wofür nach
Vokalen namentlich in älterer Zeit auch öfter tt gesetzt wird: findan -
fint, berstan - birst, biddan - bit(t), bidan - bit(t), etan - it(t), schwach
sendan-sent, fasstan ~ fasst (altws. auch /«sdnach § 196,1), ^retan - ^ret(t),
hwettan - hwet(t) usw.
Anm. 2. Gelegentlich findet sich in älteren Texten auch in halb etymologi-
scher Schreibung dt, wie in bidt, oder bei Verben auf d auch einfaches d,
wie in hyd von hydan verbergen.
Anm. 3. bre^dan schwingen, § 389, 1, und das schwache stre^dan streuen,
haben in der 3. Sg. die Formen britt (bryt, bret) und stret(t).
4. 5 wird nach langem Vokal oder r, l nach § 214, Anm. 2 vor dem
-s(t) und -P, -d namentlich in jüngeren Texten häufig zu h: sti^an - sti^st,
stijd und stihst, stthd; swel^an - swiljst. swiljd und swilhst, swilhd (bzw.
swelhst, swelhd, § 371, Anm. 3; über Formen wie swylcd s. Anm. 6).
Anm. 4. Nach kurzem Vokal bleibt 3 auch spätws. in der Regel, und nur
vereinzelt finden sich Formen wie vrihö, wehd zu wejan.
§ 359-360. Die Endungen der Verba
275
Anm. 5. Für nj tritt spätws. nach § 215 nicht selten nc ein: brinjan —
bringst, brinyo und brincst, brincd u. dgl. Über umgekehrte nj für etymol.
nc s. § 215, Anm. 1.
5. c nach Vokal geht im späteren Ws. vor dem -s(t) und -ß, -d in h über,
doch fast nur in schwachen Verben: secan, tiiecan, dryccan, 2. Sg. sehst,
twhst, ßryhd usw.; gewöhnlich wird aber auch hier die etymologische
Schreibung cst, cd beibehalten.
Anm. 6. Daß dem geschriebenen cst, cd der späteren Sprache doch die
Aussprache hst, hö zukam, geht daraus hervor, daß auch für altes hd und
3<3 (vgl. oben Pkt. 4) bisweilen cd geschrieben wird, wie in ^eöicd, äfecd;
flicö, forswylcd zu jedeon gedeihen, onjön empfangen, flie^an in die Flucht
schlagen, swelyan verschlingen.
6. ß + ß wird nach Konsonanten stets, nach Vokalen meist verein-
facht: weordan - wierd, cwedan - cwid, cydan - cyd (cydd) u. dgl.
Anm. 7. Vor dem -s(t) der 2. Sg. kann das ß in t übergehen oder erhalten
bleiben (bzw. wiederhergestellt werden): sniöan - snitst und snidst usw.
In weordan werden, und cwedan sprechen, schwindet das d in der Regel,
wierst (wyrst), cwist; doch stehen daneben spätws. auch cwydst, cwedst neben
cwyst, cwest usw.
7. s, ss und st verschmelzen mit dem -s(t) der 2. Sg. zu einfachem st,
und entsprechend x (= hs, § 221, 2) + st zu xt: ceosan - eiest, cyssan —
cyst, restan - test, weaxan - wyxt u. dgl.
8. s 4- ß ergibt nach § 201, 6 lautgesetzlich st, wie in ceosan - eiest
usw.; daher auch Formen wie weaxan - wiext usw. Für dieses st (xt)
steht jedoch in gewissen altws. Texten auch sd (xd), ciesd, wiexd usw.
Wo sonst solche sd, xd auftreten, sind sie als etymologisierende Schrei-
bungen zu betrachten.
Anm. 8. Durch den Übergang von sß zu st werden bei den Verben auf 8,
ss, x und 8t die synkopierten Formen der 2. 3. Sg. gleichlautend: ceosan -
dü und he eiest; cyssan - dü und he cyst; weaxan - dü und he wiext; restan —
dü und he rest usw.
Anm. 9. Nach anderen Konsonanten als 8 tritt t für ß nur sehr spärlich
auf, am ehesten noch im Kent., wie in ojdrect, ^ehydl^ct kGL, fliht Boeth.,
drift, acyjt Metra, zu ws. dryccan drücken, edliecan wiederholen, fleon fliehen,
drifan treiben, scüjan schieben; doch hat auch Cura past. ein ypt zu yppan
eröffnen. Vgl. ferner angl. Vesp. Ps. sefiht, ^eföeht § 358, Anm. 7.
§ 360. 1. Alle drei Personen, des Ind. Plur. Präs, und die 2. Plur.
Imp. gehen ae. normalerweise auf -ad aus (unter Ausgleich nach der
3. PI. wie im Altsächs. und Altfries., also für *-anßi, *-öß § 186, Anm. 3
bzw. § 80, Anm. 1, mit ß, das wie in der 3. Pers. Sg. stimmlos war, s.
276
§ 360. Die Endungen der Verba
§ 234, Anm. 4; also anders als got. -and, ahd. -ant, die dazu im gramma-
tischen Wechsel stehen): bindaö, neriaö, demaö, löci(^)ad usw.
Das d dieser Formen ist in demselben Umfange erhalten wie in der
3. Sg. § 357; nur im Nordh. wird es auch hier durch -s ersetzt, also
bindas neben und statt bindaÖ, s. § 357, Anm. 1. Synkope des Vokals
kommt nicht vor.
Anm. 1. Selten und als Fehlschreibungen verdächtig sind vereinzelte -d
wie in Vesp. Ps. sellad, L -delfad. Etwas häufiger findet sich -t, wie in Corp.
teldat, flitat, Cura past. Hs. H lierat, bodiat, kGl. berefat usw., vgl. § 357,
Anm. 3.
Anm. 2. Das a der Endung ist in den südlichen Texten und im Vesp. Ps.
fest bis auf vereinzelte -e- wie rised kGl. todeled kGl. jeÄaZted Urk., sehäted,
3efealled Cura past. oder -o- in belimpod Urk.; dies sind wohl mindestens
zum Teil bloße Schreibfehler. Dagegen ist in L und in R1 e neben a sehr
häufig, seltener in R2 und Rit.; in L und R1 kommt außerdem noch -$p
bzw. -is&P vor.
2. Folgt bei invertierter Wortstellung auf eine beliebige 1. oder 2. Plur.
das zugehörige Personalpronomen wd, wit bzw. jt?, jit, so stehen öfters
an Stelle der vollen Personalendungen (-ad im Ind. Präs, und in der
2. Pl. Imp.; -en im Opt. Präs, und Prät., -un, -on im Ind. Prät., -an im
adhortativen Pl. Imp. 1. Pers.) verkürzte Formen auf -e, z. B. binde
wd, wit bzw. j£, $it als Ind. Opt. und Imp. Präs., bunde wS, j£als Ind.
Opt. Prät. In ebensolcher Weise stehen endungslose Formen bei den
Verba contracta, § 373 und den urspr. Verben auf -mi, § 426ff., wie dö
wd, $ usw.
Anm. 3. Diese gekürzten Formen sind vor allem im Süden weit verbreitet.
Die angl. Mundarten haben zwar zahlreiche Formen mit -e (neben -a, -o, -i,
s. Anm. 4) für -en, -an, -un (Präs, und Prät. Opt., adhortativer Imp., Prät.
Ind.), aber selten für -ad (Präs. Ind. und 2. Pl. Imp.), doch hat ausnahms-
weise R1 einen Ind. sitte we, und einmal R2 einmal Ind. forstonde
wl und liomi-3&, dazu je einmal ne habbon wl und nallon 3I als Imp.; L je
einen Ind. näbbo wl, walla wl, walli Etwas reichlicher sind Formen auf
-e im Rit. zur Glossierung lat. Ind. Präs, belegt.
Anm. 4. Die Endung dieser Kurzformen ist im Ws. in allen Fällen -e, nur
spätws. kommt bei Verben der 2. schwachen Konj. auch eine weitergehende
Verkürzung der 2. Plur. vor, wie /andi-j£, forhti-$ für und neben Formen
wie jandi^e 3I und jorhli^e. 3I1 ebenso forhti-3% R1, liorni-3% Ra. Zu beachten
ist, daß für den Ind. wl, 3I habbad die Inversionsform ws. h&bbe wl, 3I mit
dem Optativvokal ist (s. Anm. 5).
Auch im Merc. ist, soweit Kurzformen belegt sind, die Endung -e (vgl.
Formen wie R1 dürfe wl, scule 3I; im Vesp. Ps. ist nur adhort. wynswnie
wl zweimal belegt). Im Nordh. sind wegen des regelmäßigen Abfalls der
flexivischen -n (§ 188, 2) die Inversionsformen den Normalformen auf -n
gleich. Bezüglich der Endungen ist außerdem § 44, Anm. 8 zu beachten.
Die Endungen sind in Ra -a, -o, -e wie adhort. jonja wl, Ind. cunno 3I,
§ 360-362. Die Endungen der Verba
277
Prät. Pl. jiseje wS; in L -a (-ae), -u, -o, wie walla wS, wyrca (-a?) w&, leornada
(-a?) sie, masa sie oder nabbo w&, saldo s^> aru> nutu w& u. dgl.; vor 5 auch
i wie cunni, haefdi sie (dazu endungsloses oncnSu, oncneaw s^6)’ gewöhnlich
aber -e; das Rit. hat -e und -a.
Anm. 5. Diese Kurzformen sind auf die 1. 2. Pl. beschränkt. Bezüglich
ihrer Entstehung ist die naheliegendste Annahme, daß sie zuerst in den
Formen auf -n (also im adhortativen Plural auf -an, im Opt. Präs., beson-
ders bei seinem Gebrauch als verneinter Imperativ, § 362, 2, 3, im Opt.
überhaupt) entstanden sind und von diesen auf die Formen auf -ad über-
tragen wurden. Hierfür spricht vor allem ws. hsebbe we mit dem Stamm-
vokal des Opt., vgl. Anm. 4, dann Formen wie Ind. habbon we, nallon se
R2. Doch wäre auch die Entstehung aus dem Ind. wegen Schwund des
Endkonsonanten vor w, j möglich, s. Walde, Auslautgesetze, S. 125, Fuß-
note, und Luick, Engi. Stud. 56, 193ff. Gegen die Ansicht von Horn, Sprach-
körper, § 18, der Abfall sei durch die Funktionslosigkeit der Endungen be-
dingt, weil der Numerus im Pronomen ausgedrückt sei, vgl. Luick, Engi.
Stud. 56, 193ff. u. 58, 241 ff.
§ 361. Die älteste ae. Form der Endung des Optativ Präsens ist
im Sing. -ae (aus germ. -ai, -aiz, -ait, idg. -bim, -bis, -bit nach § 44, Anm. 3,
2; § 150, 1 bzw. § 182, § 199, Anm. 4); im Plur. -aen (aus germ. -aint,
idg. -öint, 3. Pl.), wofür später nach § 44, Anm. 6 gemeinae. -e bzw.
•en eintritt; binde, nerie, löci(3)e, Pl. -en usw.
Anm. 1. Diese -e, -en gelten durchaus im Altws, bis auf einige vereinzelte
-&n und -an. Das letztere wird später häufiger; auch dringt spätws. die
Endung -on, -un wie im Opt. Prät. aus dem Prät. Ind. ein (vgl. § 365),
was jedenfalls durch die allgemeine Abschwächung der Endungsvokale zu
erklären ist. Altws. finden sich auch Opt. Pl. Präs, auf -e mit voraus-
gehendem Personalpronomen, vgl. § 365, Anm. 2.
In den kGl. steht im Plur. ein -on gegen dort sonst vorherrschendes -an.
Vesp. Ps. hat neben gewöhnlichen gemeinae. -e, -en im Sg. einmal döa,
zweimal dö (sonst döe, s. § 429, Anm. 4); R1 Sg. meist -e, seltener -as (-g)
und -a, im Plur. fehlt das -n in etwa der Hälfte der Belege (wie im Nordh.);
die n-Formen sind meist -an, seltener -en (-on), die n-losen meist -e, seltener
•se, -a.
Im Nordh. schwindet das -n des Plurals regelmäßig (s. § 188, 2), so daß
Sing, und Plur. gleich werden; als Endung erscheint -a neben -e (in L
auch -ae).
Anm. 2. Über den Verlust des Plural-n vor dem Personalpronomen s.
§ 360, 2 nebst Anm. 3 ff.
§ 362. 1. Die 2. Sing, des Imperativs ist bei den starken Verben
endungslos (die idg. Endung -e ist gemeingerm. abgefallen, s. § 144),
außer bei den kurzsilbigen jo-Verben (s. § 372). Diese haben so wie die
ursprünglich kurzsilbigen Verba der I. schwachen Klasse gemeinae. die
Endung -e aus -i (aus -i, germ. -ji aus idg. -je, § 147, c), während die
218
§ 362-363. Die Endungen der Verba
langsilbigen Verba nach § 146 bzw. § 147, c wegen Abfall des -i endungs-
los sind (vgl. § 410, 3).
2. Die adhortative Form der 1. Plur. des Imperativs endet manch-
mal auf -an, meist ist sie durch die Form des Optativ Plural auf -en
ersetzt.
Anm. 1. Ob die Formen auf -an den got. auf -am (wie nimam) entsprechen
oder nach § 361, Anm. 1, zu erklären sind, ist fraglich. Siehe Braune, Beitr.
43, 327 ff.
3. Die 2. Plur. des Imperativs ist dem Ind. Plur. gleich, s. § 360, 1;
sie wird aber in negativen Sätzen oft durch den Optativ ersetzt (vgl.
§ 360, Anm. 5).
Anm. 2. Über Imp. Plur. auf -e vor dem zugehörigen Personalpronomen t
bei invertierter Satzstellung s. § 360, 2 nebst Anm. 3ff.
§ 363. 1. Die normale Endung des unflektierten Infinitivs ist -an (idg.
o-no-m, s. § 44, Anm. 3, 1): bindan, nerian, deman, lÖci(^)an usw. Diese
gilt für alle südlichen Mundarten einschließlich des Vesp. Ps. R1 hat
bereits Infinitive mit Abfall des -n. der in den nordh. Texten zur Regel
wird (s. § 188, 2).
Anm. 1. An Stelle von -an haben die altws. Denkmäler vereinzelte -on; in
den kGl. sind letztere etwas häufiger. Sie treten auch sonst sporadisch in
weniger streng ws. Texten auf. Erst sehr späte ws. Texte haben auch Inf.
auf -en neben gew. -an, was auf Abschwächung des Vokals weist. Im Vesp.
Ps. steht nur -an. In R1 stehen neben überwiegendem -an seltener -en, -on,
•un, daneben Formen ohne -n auf -e, seltener auf -a, -se. R2 L Rit. haben
meist -a, seltener -e, L auch gelegentlich -se-. binda (-se), binde usw.
2. Die ursprüngliche Endung des flektierten Infinitivs ist ver-
mutlich umgelautetes -enne gewesen (Flexion des unflektierten Inf als
jo- (germ. ja-) Stamm, vgl. altsächs. Inf. wie liagannia# u. dgl.). Doch
wird diese Form bald mehr oder weniger durch -anne verdrängt, welche
an den unflektierten Inf. angelehnt ist.
Anm. 2. Im Vesp. Ps. fehlen Formen auf -anne ganz, dagegen überwiegen
sie in den altws. Texten ebenso wie in R1 und im Nordh.
Neben -anne tritt altws. bisweilen auch -onne auf (vgl. dazu in Corp.
^elestunne ‘comitavere’). Auch wird das -nn- nach § 231, 4 hier und da ver-
einfacht, so daß Formen auf -ene, -ane entstehen (auch in R1 und nordh.).
Spätws. wird -enne wieder häufiger; ganz späte Texte haben auch -ende
nach dem Part. Präs.
Anm. 3. Selten steht in der Prosa nach to der unflektierte Inf. statt des
flektierten: tö bindan statt tö bindenne, -anne usw. Für die Poesie sind diese
kürzeren Formen, wie die Metrik zeigt, in weiterem Umfange anzusetzen.
3. Die gemeinae. Endung des Partizipium Präsentia ist -ende,
frühae. -sendi, -endi (so Ep., vereinzelt daneben htäeodrindi ‘increpitans’
§ 363-364. Die Endungen der Verba
279
Ep. zu hleoörian ertönen), das aus westgerm. -andi durch t-Umlaut ent-
standen ist: bindende, neriende, demende, löci{^)ende usw.
Anm. 4. In streng ws. Texten steht stets -ende, in weniger streng ws. Texten
kommt auch -ende vor; so auch einmal in kGl. säwondum (neben häufigem
ende), kent. Urk. du^unde. Gelegentlich kommt auch -enne vor, s. § 198,
Anm. 1.
Vesp. Ps. hat nur -ende, R1 neben -ende seltener -ande, -onde und -sende.
Nordh. steht -ende {-sende) neben umlautlosem (oder dem Altnord, naeh-
gebildetem) -ande, letzteres namentlich in L bei schwachen Verben der
II. Klasse, s. § 412, Anm. 10.
§ 364. 1. Die 2. Ind. Sing. Prät. der starken Verba geht regelmäßig
auf -e für altes -i (= alts. ahd. -i, germ. wahrscheinlich -iz, idg. -es) aus,
das auch nach langer vorhergehender Silbe (Kl. IV, V, VI und red.
Verba) erhalten bzw. analog wiederhergestellt ist; die der schwachen
Verba geht ursprünglich auf -dses, gemeinae. -des{t) aus (entsprechend
got. salbödes).
Anm. 1. Die Ableitung der Endung der 2. Sg. Ind. der st. Verba von idg.
es entspricht der zuerst von Fierlinger (Z. f. vgl. Sprachforsch. 27, 430ff.)
vertretenen und jetzt allgemein geteilten Ansicht, daß es sich bei der west-
germ. 2. Ind. Prät. der st. Verba um eine idg. augmentlose Aoristform han-
delt (anders als im Got. und Altnord, und bei den Präteritopräsentien). Da
diese Formen idg. den Akzent auf der Endung hatten, müßte -s erhalten
sein, außer man nimmt den Abfall von -s auch nach idg. betonter, germ.
unbetonter Silbe oder eine Analogie (wie im Opt., s. § 365) an. Die -e der
langsilbigen wären nach Analogie zu den kurzsilbigen eingeführt worden
(wie -u in der 1. Sg. Ind. Präs. § 355), es sei denn, daß die Endung nach dem
Opt. umgestaltet wurde. Vgl. über die Endungen ausführlich Flasdieck,
Angl. 58, 113ff.; Bazell, Neophilologus 24, 64-66. Über zu erwartenden
?’-Umlaut vgl. § 377, Anm.
Anm. 2. Hier und da fällt das -e der starken Verba unmittelbar vor dem
Pronomen dü ab: cöm dü, drunc dü, St dü, druh dü, ^ewic dü für cörne,
drunce, Sie, druje, $ewice dü.
Anm. 3. Im Nordh. dringt die Endung des schw. Prät. bei den red. Verben
auf -t ein. Die 2. Sg. Ind. Prät. endigt daher auf -es, -est-. hehtes, forleortes
(neben forleorte) L, ^ihehtest, ^ileortest Rit.; ebenso jorletes R1 (aber sewe,
jeseowe).
2. Die älteste Endung des Ind. Plur. Prät. ist -un, idg. -nt (ursprüng-
lich nur der 3. Pers, zugehörig, ebenfalls eine Aoristendung), wofür
später -on und -an eintreten.
Anm. 4. Von den ältesten Texten hat Ep. nur -un (1 -on ist unsicher be-
zeugt), Corp. dagegen bereits öfter -on neben überwiegendem -un.
In den altws. Texten ist -un bereits selten, namentlich im Or. Es herrscht
überall -on vor, daneben steht aber auch bereits -an, häufig im Or., selten
in der Cura past. und Chron. In kGl. und kPs. sind -on und -an annähernd
gleich stark vertreten.
280 § 364-366. Die Endungen der Verba
Im Merc. herrscht -un vor; der Vesp. Ps. hat daneben öfter -on, nament-
lich im schwachen Prät. und wiederum, zumal bei der II. Klasse, ganz
selten -an. In R1 treten die -an neben -un, -on etwas stärker hervor, ver-
einzelt finden sich auch -en und -sen. Auch die Beda-Übers. und einige
spätere ws. Texte haben, bes. bei st. Vb., einige -en.
Von den nordh. Texten hat R2 häufig -un, daneben -on; dagegen herrscht
-on in L und Rit.; L hat daneben einige -un (-an, -en), Rit. aber nur noch
je ein -an, -en.
Apokope des auslautenden -n findet nordh. in R2 L Rit. nicht statt außer
bei Präteritopräsentien § 420ff. (doch auch bism&rsedu, cwömu Ruthw.
Kreuz), s. § 188, 2.
§ 365. Der Opt. Prät. hat im Sing, die Endung -e (aus idg. ie, s.
§ 150, 1; der Endungskonsonant -s der 2. Sg. ist ae. anders als ahd. und
alts. wie im Opt. Präs, abgefallen, obwohl der Opt. Prät. idg. endungs-
betont war. In der 3. Sg, ist der Abfall des idg. Endungskonsonanten
-t gemeingerm.); im Plur. -en (aus -in(t), von der 3. PI. verallgemeinert),
vom Indikativ streng geschieden; also: bunde, -en, nerede, -en, demde,
-en, löcode, -en. Ziemlich früh dringt aber das -on, -an des Ind. PI. auch
in den Opt. ein (erst später erscheint auch -un).
Anm. 1. Die urspr. Endungen mit -i, PI. -in sind ae. nicht mehr belegt.
Anm. 2. Schon in den ältesten ws. Texten ist -an, -on im PI. nicht mehr
ganz selten. Daneben finden sich auch Formen auf -e in solcher Häufigkeit,
daß man nicht nur an Verderbnis denken kann; s. über diese L. Bloomfield,
JEGPh 29, lOOf. Sie sind häufiger als n-lose Formen im Präsens Opt. PI.,
s. § 361, Anm. 1.
Im Vesp. Ps. ist die Endung -en noch allgemein erhalten; in R2 dagegen
schwankt die Überlieferung zwischen -en, -an, -un (-on) und -e mit Verlust
des n wie im Nordh.
Im Nordh. ist -n nach § 188, 2 abgefallen, doch hat L häufig -on nach
dem Indikativ oder auch -o in teilweiser Angleichung an diesen.
Anm. 3. Rit. und auch südl. jüngere Texte haben bei schwachen Verben
in der 2. Sg. Opt. auch die Endung -est wie im Ind., z. B. neredest, demdest
usw,
§ 366. 1. Die Partizipia Präteriti der nicht bereits mit einer Präposi-
tion oder Partikel zusammengesetzten Verba werden gewöhnlich, mit
der Vorsilbe je- aus frühae, ji- gebildet, wie im Deutschen; also gebunden,
^enered, ^edemed, y.löcod usw. Doch finden sich daneben auch Formen
ohne je-.
Anm. 1. Die Vorsilbe ji-, je- hatte ursprünglich perfektivierende Bedeu-
tung, doch ist sie ae. (wie as.) bereits zum reinen Formprinzip geworden.
Anm. 2. Die gewöhnliche Form der Vorsilbe ist je-; ji- steht in den ältesten
Texten und später noch in R2 und meist auch im Rit., während L gewöhn-
§ 366. Die Endungen der Verba. § 367. Flexion der starken Verba 281
lieh je- hat. - je- wird vor vokalischem Anlaut nur vor e manchmal syn-
kopiert, z. B. ^eadmeded neben gew. seeadmeded.
2. Das Part. Prät. der starken Verba hat gemeinae. die Endung
-en, wie in (^e-)bunden u. dgl.; daneben tritt außerhalb des Ws. bisweilen
auch -an, -on, -un auf. Gegen Ende des 10. und zu Anfang des 11. Jahrh.
taucht -an, -on vereinzelt auch in sonst ws. Texten auf; gegen Ende des
11. Jahrh. ist dies häufiger.
Anm. 3. Das gemeinae. -en entspricht teils einem frühae. -aen aus germ.
an, idg. -on- unter Verallgemeinerung der in flektierten Kasus eingetrete-
nen Entwicklung (§ 44, Anm. 3, 2), teils einem frühae. -in (germ. -in aus
idg. -en-, das zu -on- im Suffixablaut, § 141, 2, steht). Die beiden Formen
kommen in den ältesten Texten noch nebeneinander vor, z. B. Corp. binu-
mine, Ep. forsle^inum neben Ep. ^ibaen, äsolcaen, jibeataen, äuunden usw.
an, -on, -un kann auf die endungslosen Formen der idg. Endung -on-
zurückgehen, doch findet sich diese Form der Endung auch in flektierten
Formen, wie Corp. je&orone, jetojone. In den späteren nordh. und südl.
Texten ist aber -an, -on statt -en wohl durch Unsicherheit der Schreibung
wegen Abschwächung der Endungsvokale zu erklären.
Anm. 4. -en ist streng ws. allein üblich, ebenso im Vesp. Ps. und im Nordh.
(bis auf einige nordh. -a?n); dagegen hat R1 neben -en auch -aen und -an,
-un, Ra -on-, -un- (^ibrocone, ^icorone, sinumune).
3. Über die Endungen beim schwachen Verbum s. § 402, § 406,
§ 414, § 415f.
II. Die starken Verba
A. Die Flexion der starken Verba
§ 367. Ws. Paradigmen.
L Regelmäßige Verba II. Verba contracta
1. Aktivum
Präsens
Indikativ
Ring. 1. binde fare helpe bidde teo teo seo slea fö
9 1 bindest, fser(e)st hilp(e)st bidest, tiehst tiehst siehst sliehst fehst
bintst bitst
n bindeö, fser(e)Ö hilp(e)ö bideö, tiehö tiehö siehö sliehö fehö
bint [bit
Pl. bindaö faraö helpaö biddaö teoö teoö seoö sleaö föö
282
§ 367-368. Flexion der starken Verba
Optativ
Sing. PI. binde binden fare faren helpe helpen bidde 1 bidden | teo teon teo teon seo seon slea slean fö fön
Sing. 2. bind far help Imperativ bide 1 teoh teoh seoh sleah föh
PI. 1. bindan faran helpan biddan teon teon seon slean fön
2. bindaö faraö helpaö biddaö | teoö teoö seoö sleaö föö
bindan faran helpan Infinitiv biddan | teon teon seon slean fön
Partizipium
bindende farende helpende biddende |
PI.
Sing.
PI.
Präteritum
Indikativ
Sing. 1.
2.
band, för healp bsed täh teah seah slö3,-h fen3
bond bunde före hulpe bsede tije tu^e säwe slö3e f§nje
band, för healp baed täh teah seah slö3,-h fen3
bond bundon föron hulpon bäedon ti3on tujon säwon slö3on
bunde före hulpe Optativ bade 1 tije tU36 säwe slö3e
bunden fören hulpe b jeden ti;en tujen säwen slö3en
bunden faren holpen Partizipi beden um ti^en to3en
2. Passivum
Sing. Ind. 1. 3. hätte
PI. 1.-3. hätton
Anm. hätte entspricht dem got. haitada ich heiße, vocor; der PI. hätton ist
nach dem Muster der schwachen Präterita gebildet.
Beide Formen werden sowohl mit präsentischer als mit präteritaler Be-
deutung gebraucht.
1. Präsens
Regelmäßige Verba
§ 368. Wie bindan, faran und helpan geht die ganze Menge der regel-
mäßigen starken Verba, sowohl die ablautenden wie die reduplizierenden.
1. An bindan schließen sich alle Verba an, deren Wurzelvokal weder
i- noch u- oder o/a-Umlaut erfährt, also von den ablautenden Verben
§ 368. Flexion der starken Verba: Präsens
283
Kl. I, § 382 (doch. s. Anm. 3), Kl. III, 1, § 386, 1, von den reduplizieren-
den die mit dem Wurzelvokal ws. « (angl. e) = germ. got. 4, § 395,
2, a.
2. Wie faran flektieren die starken Verba der VI. Ablautreihe, § 392,
soweit sie inneres a vor einfachem Konsonanten haben (also nicht die
/o-Stämme und die Verba contracta). Dieses a wechselt nach § 50, bzw.
bei i-Umlaut nach § 96, 3 mit ae.
Anm. 1. Im Ind. Präs, steht in der 2. 3. Sg. als i-Umlautform s. § 96, 3
und § 371, Anm. 2. Über entsprechende nordh. Formen s. § 371, Anm. 8;
aber den im Vesp. Ps. bei diesen Verben auftretenden Velarumlaut s. § 109
und § 370, Anm. 2; über scea- für scae- s. § 91, a, für sca- § 92, 2, d.
Anm. 2. Die 2. Sg. Imp. hat streng ws. den Vokal -a-, der analog zu den
mehrsilbigen Formen mit lautgesetzlichem -a- eingeführt ist, s. § 49, Anm. 1;
daher: far (so schon Cura past.), sac usw. Von ac(e)afan findet sich so acaf
neben scsef und aceaf nach § 91, a oder § 92, 2, d. Im Angl, stehen dagegen
die lautgesetzlich zu erwartenden Formen: Vesp. Ps. fer (nach § 52), R1,
R8, L, Rit. feer.
Anm. 3. Im Opt. Präs, und im Part. Präs, steht ws. ebenfalls a nach dem
Inf. und Ind. Präs., doch begegnen vereinzelte Part, mit ®, wie fierende
Orosius. Im Vesp. Ps. ist der Opt. nicht belegt (über das Part. s. § 370,
Anm. 2). In R1 und im Nordh. gilt im ganzen a?: R1 ondaaec^ und fierende,
R2 /a?re und fierende, stecende, L fiere, esecce (daneben ein dH hlada) und
fierende, dree^end, aceseccende, Rit. fiere und saeccende.
Anm. 4. Im Part. Prät. schwankt der Vokal zwischen a und ae, wohl weil
in Formen ohne Flexionsendung die urspr. Endung -an, in flektierten -een
war (s. § 366, Anm. 3 und § 50, Anm. 6), doch kann a auch aus dem Prä-
sens stammen. Im Altws. wird ae namentlich bei haefen gehoben (Präs.
hebban) und bei Verben mit innerem j bevorzugt, doch zeigt sich im einzel-
nen viel Schwanken: Cura past. ^edafen-, -faren, belaßen, -aacen (nur ver-
einzelt sedaefen-, -feeren), meist haefen, seltener hafen und nur alleren, dw&sen;
Or. hat stets faren, meist haefen, alleren, seltener hafen, ala^en und saecen
neben aacen; Chr. hat nur -alae^en. Streng ws. steht später meist a: faren,
calen, hafen, bacen, Slawen; weniger streng ws. Texte, namentlich auch die
poetischen, haben daneben auch oft ae. Nach ac gilt ws. allgemein ea: aceacen,
aceapen usw. (poet. acaecen weist auf angl. Vorlage).
In kGl. begegnen nur einige ähafen. Vesp. Ps. hat neben einem joZen nur
e-Formen (§ 52): scecen, ale^en, hefen, scepen; auch in R1 und nordh. fehlt a
ganz (abgesehen von dem Part.-Adj. ^efa^en L § 391, Anm. 7): R1 fieren,
haefen, alleren (neben umgelautetem wndwejen), R2 hiefen, alleren, dwiesen,
aiecen, L hiefen, alleren, aieccen (neben hefen, ducken), Rit. sinken, sc{e)aeccen,
aciepen (neben hefen).
Über Formen mit Umlaut-e und andere vereinzelte Abweichungen s.
§ 378, 2, § 392, Anm. 8.
3. Im übrigen, kommen die verschiedenen Regeln über die Brechung,
die Umlaute, die Einwirkung der Palatale und Gutturale usw. in Be-
tracht.
284
§ 369-370. Flexion der starken Verba: Präsens
§ 369. Verba mit Brechung, wie weorpan § 388, feaUan § 396, 1, a,
zeigen diese in allen Präsensformen, doch in der 2. 3. Sing. Ind. oft
modifiziert durch i-Umlaut; s. § 371.
§ 370. Velarumlaut (w- und a/o-Umlaut) ist lautgesetzlich zu erwarten
in 1. der 1. Sg. Ind. auf -u, -o; - 2. dem Inf. auf -an-, - 3. dem Pl. Ind.
und Pl. Imp. auf -ad. Streng ws. ist er aber analog zu nicht umgelauteten
Formen fast überall aufgegeben (vgl. § 108, Anm. 2; Ausnahmen siehe
unten Anm. 3); im Angl, und Kent, ist er ziemlich in vollem Umfange
bewahrt; in angl. Denkmälern, bes. Vesp. Ps., kommt auch Ausdehnung
der umgelauteten Formen auf solche vor, welchen lautgesetzlich kein
Umlaut zukommt. Übersicht über die Formen bei U. Lindelöf, Archiv
89, 129ff.
Anm. 1. Nicht lautgesetzlich bedingte Umlautdiphthonge finden sich ziem-
lich regelmäßig im Part. Präs, auf -ende im Vesp. Ps.; außerdem fast immer
niomende (-finde, -onde, nur einmal ^enimmende) L, ^etearende L, teorende
einmal in Rit., vereinzelt beorende Corp., niomende Lor. Gl.; Öfter in Ra,
so 2. Sg. cweodas, 3. Sg. Ind. niomaö (neben nimed, -es), cweodad, -as neben
cwedeö, -es, spreocaö, on^eotad; Opt. sinioma.
Anm. 2. Die Verba der VT. Ablautreihe mit innerem a wie faran, § 392, 1,
haben diesen Umlaut im Vesp. Ps. (vgl. § 109) fast konsequent durchge-
führt: 1. Sg. jearu, Pl. fearad, hleadaö, Part, fearende, neben ^alendra und
tösctecendes nach § 108, Anm. 3. R1 hat dagegen regellos a und & (vgl.
§ 371, Anm. 8) nebeneinander, 1. Sg. sace, s&ce, Inf. faran, jseran, Imp.
ascakeP, ferep.
Anm. 3. Für die Verba der IV. und V. Ablautreihe mit innerem e, wie
heran § 390, etan § 391 könnte man etwa folgende Normalparadigmen auf-
steilen:
wests. Vesp. Ps. nordh.
Inf. heran beoran beora, beara
Part, berende beorende berende
Ind. Sg. 1. bere beoru bero
2. bir(e)st bires beres
3. bir(e)ö bireö bereö, -es
Pl. beraö beoraö beoraö, bearaö, -as
Opt. bere bere bere
Imp. Sg. ber ber ber
Pl. beraö beoraö beoraö, bearaö, -as
Wo Formen mit eo, wie beoran, feeorad, öcorende in ws. Texten auftreten,
weisen sie auf weniger strengen Dialekt oder auf Einmischung hin. Ver-
einzeltes onjiotan Inf. (Cura past. Hs. H) neben gew. onji(e)tan nach § 91,c
ist, wenn nicht ein Versehen, nach § 111, Anm. 8 zu erklären, über die
Formen von witan s. § 420, 1.
Für das Kent, sind in Urk. belegt 1. Sg. jeofu, Inf. jeofan fjiobanj,
jeoton; dazu mit Übertragung des eo auch Opt. Präs, breoce, Pl. a^eofen;
§ 370-371. Flexion der starken Verba: Präsens
285
in kGl. begegnet Imp. PI. on^iotad. Inf. ^iofan Beow. 2972 ist wohl auch
kentisch.
Anm. 4. Im Vesp. Ps. sind die eo streng nach dem Paradigma durchgeführt,
auch bei Verben auf c, j, wie spreocu, -ad, -an, -ende (vgl. § 110, Anm. 1);
Ausnahmen bilden nur je ein sprecu und bi^etad. In R1 herrscht dagegen
starke Verwirrung, indem eo-Formen sehr durch solche mit einfachem e
ersetzt sind.
Anm. 5. Im Nordh. ist eo die Normalform des Umlauts für R8, das nur wenige
ea hat, dagegen ist ea die Norm für L und Rit., in denen das eo entsprechend
zurücktritt, s. § 35, Anm. 1; eo findet sieh bei Verben auf c und J öfter in R8,
aber nicht in L und Rit; einmaliges sespreaca Inf. neben mehrmals ^espreca
L ist vielleicht Versehen.
Anm. 6. Die 1. Sg. hat nordh. denUmlaut (der in R8 einige Male erscheint:
spreoco, cweodo) in Anlehnung an die e-Formen des Präsens aufgegeben.
Anm. 7. Dem ws. cwedan entspricht nordh. in R8 regelrecht cweoda (cweada,
einmal flekt. to cwedanne), in Rit. cvoeda, cvseda (1. Sg. Ind. auch cvido);
L hat gewöhnlich cuoeda (coeda), daneben seltener auch cueda, cueada,
cuo&da, cuoada und cuoda, cuada; für ws. wesan heißt es aber gleichmäßig
in R2 wosa, L woafe/a, Rit. voafsja, vgl. § 113, c, § 115, § 427, 3.
Anm. 8. Wie die e-Verba verhalten sich hinsichtlich des Umlauts auch die
i-Verba niman § 390, Anm. 3, ripan, *wisan und nordh. srioppa, § 382,
Anm. 3.
§ 371. t-Umlaut (einschließlich des alten Wechsels e:i, § 99) kommt
lautgesetzlich der 2. und 3. Sing. Ind. Präs, zu und ist in diesen
beiden Formen in den südlichen Mundarten in weitem Umfange erhalten,
namentlich soweit er mit Synkope des Endungsvokals (§ 358, 2) zu-
sammengeht. Oft aber hat sich auch der umlautlose Vokal der übrigen
Präsensformen eingedrängt; die einzelnen Mundarten gehen dabei weit
auseinander.
Anm. 1. Bei der Verdrängung der Umlautformen sind zwei Schichten zu
unterscheiden: eine ältere (bereits in den ältesten Texten vertretene und
namentlich für das Anglische charakteristische), bei der gleichzeitig die volle
Form der Flexionsendung -esftj, -ed erscheint (vgl. § 358, Anm. 3), und eine
jüngere (auf den Süden beschränkte), bei der synkopierte Formen den Umlaut
verlieren.
Anm. 2. Die ältesten streng wests. Texte zeigen den Umlaut aller über-
haupt dessen fähiger Vokale, bzw. i statt e in allen auf ursprüngliche Weise
gebildeten Formen; so bei den synkopierten Formen der langsilbigen Verba,
wie helpan — hilpd, weorpan — wierpd, weaxan — wiexd, feallan - field, stondan —
stent, cnäwan — cn^wd, hätan — hiet, flöwan — flewö, lücan - lycd, lütan — lyt,
heawan - hiewd, ceosan - ciesd usw. Ebenso bei den kurzsilbigen Verben,
mögen sie Synkope haben oder nicht: beran — bired und bird, etan - itt,
brecan - bricd, cuman - cymd usw. Nur ist bei letzteren zu beachten, daß bei
den Verben mit innerem e für i neben r bereits vereinzelt das im Spätws.
weiter verbreitete y (§ 22, Anm. 2) auftritt (byrd, brycd, spryed Cura past.
286
§371. Flexion der starken Verba: Präsens
Hs. C) und daß die Verba mit a im Inf. u. Pl. und mit a, o vor Nasal oft die
Umlautform as haben (vgl. § 96, 3, b u. 5): fser(e)ö, dree^Ö, ssecö, spasnö zu
faran, dra^an, sacan, sponan (hat doch Cura past. Hs. H auch je ein fereö
und spenö).
Neben diesen alten Formen treten jedoch auch altws. bei langsilbigen
Verben bereits einige neugebildete Vollformen ohne Umlaut auf, wie weorpeö,
häteö, flöweö usw. (ein kurzsilbiges heleö Cura past. wird zu helian § 400,
Anm. 2 gehören). Nur vereinzelt erscheinen Vollformen mit Umlaut (2. Sg.
hütest, wyröest Cura past.) und gekürzte Formen ohne Umlaut {hreowö,
weaxö, weoxö Cura past. Hs. H).
Anm. 3. Auch die jüngeren streng ws. Denkmäler bewahren den Umlaut
in der Regel, soweit sie den Vokal der Endsilbe synkopieren; nur zeigen die
Verba mit e und ia in der Wurzelsilbe im späteren Ws. öfter unveränderten
Vokal, heran - berst - berö, etan - etst - et, helpan - helpst - helpö, feallan —
fealst - fealö, weaxan - weaxö, wexö (§ 123), auch beatan - beatst. Sehr selten
sind andere synkopierte Formen ohne Umlaut, wie stant, flöwÖ, lücÖ, für
stent, flewö (oder spätws. fleowö nach § 126, Anm. 2), lycö. Daneben dauern
die umlautlosen nicht synkopierten Formen fort, namentlich in weniger
streng ws. Texten (vgl. § 358, Anm. 6).
Anm. 4. Da im Kent, altes eo und sein i-Umlaut fo als io, lo, la usw. zu-
sammenfallen (§ 107), so treten bei allen Verben mit innerem io scheinbar
umlautlose Formen für die 2. 3. Sg. auf: so in kGl. Formen wie weorÖ,
weorpö, siohö (zu § 374) oder blot, hreosö {hriosö), tiohö (zu § 374) zu weoröan,
weorpan, seon bzw. beodan, hreosan, teon (ausnahmsweise daneben einmal
fiiÖ zu fleon fliehen).
Analog beseitigt ist in den kGl. der alte Wechsel zwischen e und i bei
den Verben der III. Ablautreihe mit innerem e: selts, jelpö, swel{h)ö zu
jeldan, ^elpan, swel^an {tret ‘calcabit’ gehört eher zu dem swv. treddan).
Sonst besteht der Umlaut ungestört fort.
Anm. 5. Im Anglischen wird der Umlaut wie die synkopierten Endungen
weitgehend aufgegeben. Allgemein erhält er sich nur bei den Verba con-
tracta, § 373f., und bei den Verben auf -mi, § 426ff.
Anm. 6. Sonst kennt von den merc. Texten der Vesp. Ps. noch konsequent
den alten Wechsel von & (eo): i: beoran - bireö, cweoöan — cwiö, ^eldan —
Sildeö, strejdan - stri^deö (so auch feolan - fäep mit Ausfall des h, § 218, 1);
ferner den Umlaut in cuman — cymes, -eö, § 390, Anm. 3, und nach § 109
und § 96, Anm. 3, Wechsel von ea: e in fearan - fereö. Im übrigen gelten
umlautlose Formen ohne Synkope weorpeö, falleö, stonteö, cnäweö, flöweö,
lüceö, ceoseö usw.
R1 hat dagegen nur noch cuman - cym{e)P, ons&kep (zu ws. onsacan),
vereinzelt ^ewyrö zu weoröan {^ewyrfep demolitur?); auch der Wechsel von
e: i ist aufgegeben: hebpeö, berep, etep usw. (nur noch vereinzelt cwiö, § 358,
Anm. 7).
Anm. 7. Das Nordh. hat als Rest des Wechsels von e: i ein isoliertes
cuiöestu ‘inquit’ in L, ferner als Rest des i-Umlauts das Paar cuma — cymeö,
vielleicht uuiurthit Bedas Sterbespruch (s. § 114, Anm. 1) und den Wechsel
von a: se bei den Verben der VI. Ablautreihe wie tara- - fasreö (vgl. aber
Anm. 8). Doch heben sich die 2. 3. Pers. Ind. der Verba mit innerem e und
§ 371-374. Flexion der starken Verba: Präsens
287
i vor einfachem Konsonanten durch das Fehlen des u- und o/a-Umlauts
vom Inf. und den Pluralformen (§ 370) ab: beora, beara - bered, eota, eata -
eted, nioma - nimed usw., aber auch bei diesen ist Ausgleich eingetreten.
Anm. 8. Bei den Verben der VI. Ablautreihe ist das se der 2. 3. Sg. in R1
und nordh. vielfach verallgemeinert worden: R1 Inf. feeran neben faran,
Imp. Pl. ferep u. dgl., R2 Inf. fara, 1. Sg. feero, Opt. Sg. Pl. feere, Imp. Pl.
farad, L Inf. fara (feera), 1. Sg. feero, Imp. Pl. f serös, Opt. feere u. ä.
Anm. 9. Über Besonderheiten in der Flexion von cuman s. § 390, Anm. 3.
Verba auf idg. je-ffo’
§ 372. Wie biddan flektieren noch die Verba sittan, fricj(e)an, lic^(e)an
§ 391, 3, hebban, ws. hliehhan (Vesp. Ps. hleeh(h)an, nordh. hlaeh(h)a,
§ 95, Anm. 7), ws. scieppan (kent. angl. sceppan, § 92, 2, e und § 105, b),
steeppan (§ 96, 3, b, aber Rit. stepa, R1 steppari), sceddan § 392, 4, welche
das Präsens mit einem idg. je-ßo-Suffix bildeten.
Ihr Präsens entspricht daher ganz dem der schwachen Verba erster
Klasse (vgl. fremman, § 409), das Prät. und Part. Prät. aber dem der
anderen starken Verba der betreffenden Ablautreihen.
Von den anderen starken Verben mit je-fjo-Sxiffix im Präsens flektiert
swerian (§ 393, 4) so wie nerian (§ 409), zeigt also ws. keine Synkope in
der 2. und 3. Pers. Präs. Ind. Starke Verba mit je-fjo-SxLf&x. und langem
Stammvokal, wie wepan (§ 396, 2, b) und vielleicht hwesan (§ 396, Anm.
6), flektieren wie die entsprechenden schwachen Verba I. Kl., also deman
(§409).
Anm. Nordh. ist auch der Sg. Imp. der kurzsilbigen meist endungslos nach
den übrigen st. Verben: Ra sitt und eile, L $bidd, U3 neben euere, Rit. hef,
^ibidd neben ^ibidde. So auch in R1 hef, ewer neben bidde, lije, site. Vgl.
§ 410, Anm. 5.
Spätws. findet sich gelegentlich -a im Imp. swera zu swerian nach Analogie
der II. Klasse schwacher Verba (vgl. auch § 400, Anm. 3).
Verba contracta
§ 373. Als Verba contracta bezeichnet man die Verba auf Vokal oder
Diphthong h’> dieses ist nach § 218, 3 vor Vokalen ausgefallen, und
infolgedessen wurden die Nachbarvokale kontrahiert. Es gehören hierher
die Verba teon, deon, wreon, leon, seon abl. I, § 383, fleon, teon abl. II,
§ 384, 2, sefeon, pleon, seon abl. V. § 391, 2, flean, lean, slean, dwean abl.
VI, § 392, 2, und die reduplizierenden fön, hön § 395, 1.
§ 374. Das h bleibt im Wests, und Kent, erhalten in der 2. und 3. Sg.
Ind. Präs., welche i-Umlaut und gekürzte Endung haben, und in der
2. Sg. Imp. (vgl. das Paradigma § 367); im Anglischen jedoch regelmäßig
288 § 374. Flexion der starken Verba: Präsens <
nur im Imp. Sing. (vgl. § 129, 2; § 222 sowie § 358, Anm. 7). In den angl.
Mundarten bilden diese Verba die 1. Sg. Ind. oft auf -m nach dem Muster
der Verba auf idg. -mi (§ 426f.).
Anm. 1. Im Kent, finden sich gelegentlich auch Formen ohne h: kGl.
foreiod, äfliö zu seon, fleon neben färsiohö, siehst sl$hÖ, onjehö, oierurihö,
ättohö, ebenso jeZiÖ gewährt zu lion, Urk. aus Surrey, ca. 871-889.
Anm. 2. Die Formen des Vesp. Ps. sind: 1. Inf. wrean, Präs. 3. Sg. wriö,
Imp. Sg. wrih; — 2. Präs. 1. Sg. fleom, 3. Sg. tiö, PI. fleoÖ, Opt. PI. flen,
Imp. Sg. teh, Part, fleonde; - 3. Inf. sean, sian, fl. seonne, Präs. 1. Sg. sio,
sie; sefio, jefie, 2. Sg. sist, 3. Sg. siö, ^ejid (einmal je/ZÄö 20, 2 und ^ejiht
15, 9), PI. siaö, sead, sloÖ und sefiaö, ^ejead, ^efioö; Opt. Sg. se, je/ee. PI.
sen, sefen, Imp. Sg. seh, ^ejeh, PI. siaö; je/iaö, je/ioö, Part, sionde, siende; -
4. Präs. 1. Sg. slea; öwea, 2. Sg. sles, öwes, 3. Sg. sleö, öweö, PL slead, Opt.
Sg. sie, Imp. slseh, öu&; - 5. Inf. fön, Präs. 1. Sg. fö, feo (einmal föu mit
analog zu nicht kontrahierten Verben angetretenem u 115, 13), 2. Sg. föest,
3. Sg. föeö (einmal jöeht 47, 4); PI. fÖÖ, Opt. /öe, PI. föen, Imp. Sg. föh, PI.
/öd, Part, fände. Die Formen mit öe außer jöeht könnten auch zweisilbig mit
analog zu nicht kontrahierten Verben angetretener Endung sein.
Anm. 3. In R1 begegnen: 1. Inf. wrijan (mit j aus dem Prät. PI. und Part.
Prät. s. § 130, 2), Part, ästende, Präs. PI. wreop; - 2. Inf. PI. fleana, Part.
teonde, Präs. PI. fleap, fleop, Imp. fleoh, teoh, PI. fleoP; - 3. Inf. seon, fl.
seonne, seenne, Part, seonde, seende, seiende, Präs. 2. Sg. sis, se$s und sihst,
3. Sg. siö, seoP und sihp, PI. s&op seap, seeP, Opt. PI. seo(n), Imp. sih und
seoh, PI. eeop, seaep (= se&pT), und Präs. 3. Sg. und Imp. PL sefeap (vgl.
§ 391, Anm. 7); - 4. Inf. slä(ri) und slean, slieanne, Präs. 1. Sg. slie, 2. Sg.
sinkst, 3. Sg. slsp und sl&hp, PL slsp und sl&sP, sl&hP; thuäö, Opt. slie,
Imp. släj, pwäh.
Anm. 4. R2 hat folgende Belege: 1. Präs. 3. Sg. wriö, Imp. PL wriaö; —
2. Inf. tea, fl. flean(n)e, Präs. 3. Sg. fies, PL /leas', - 3. Inf. sea, fl. sean(n)e,
seana, Präs. 1. Sg. siom, 2. Sg. sis(t), 3. Sg. siö (sead), PL sead, seas und
sied, Opt. sii, sie, PL sü, sie, Imp. Sg. sih, sieh, Adh. yisea we, 2. PL seaö,
seas und Imp. je/^j, PL sefeaö (vgl. § 391, Anm. 7); - 4. Inf. slä(a), Öwä,
ÖwS, fl. släanne, Part, slisnde, Präs. 1. Sg. sliö, öwS, 2. Sg. slSs, öwiös, 3. Sg.
slxö, släö, PL släö, Opt. Sg. slie, diele, Imp. Sg. släh, öwäh, Adh. ojslä we.
Anm. 5. In L. sind belegt: 1. Inf. wrija, Präs. 3. Sg. tmjaö (mit 5
aus dem Prät. PL und Part. Prät. s. § 130, 2), Opt. wria, Imp. PL wriaö; -
2. Inf. flea, tea, fl. fleanne, Präs. 3. Sg. fliiö, PL fleaö, fleas, flias, Imp. Sg.
fleh, PL fleas; - 3. Inf. sea, ä. scanne, Part, seende, seiende (mit 3 aus dem
Prät. PL und Part. Prät.), Präs. 1. Sg. sium, seom (einmal seium, vielleicht
ein Schreibfehler für sium oder seum), 2. Sg. siis, siistu, sist, 3. Sg. siiö,
•s, seaö, PL seaö, -s, Opt. Sg. sii, sie, PL see, sea, sese, se$e (? Prät.), Imp.
Sg. sih, seh, sieh, sie^h, PL seaö, -s (die Formen mit ii sind vielleicht zwei-
silbige mit analog angetretener oder nicht kontrahierter Endung); - 4. Inf.
slaa, slae, sliS (slea, vielleicht Schreibfehler für slae, oder umgekehrt slae
Schreibfehler für slea) und öoä, öotiä, Part, sleende, slaende, slse^ende, stos-
sende (oe vielleicht Schreibfehler, 3 aus dem Prät. PL und Part. Prät.);
Präs. 1. Sg. slae, sl^; Öoä; 2. Sg. sl&s, slaes(t); Övoäs, d*oäs; 3. Sg. slaeö,
-es; doäÖ; PL sla(a)s, slaeö, -es, slSs, -ö; öwäs; Opt. Sg. slate, öoä; Adh.
Flexion der starken Verba: § 374. Präsens. § 375-377. Präteritum 289
ofslä we. (Die Formen mit ae sind doppeldeutig, sie könnten zweisilbig mit
analog angetretener Endung sein; die Formen mit se könnten ungenaue
Schreibungen dafür sein. Über uo, o für w {u, v) s. § 171, Anm. 1); - 5. Inf.
föa, -e, höa, fl. flöanne, -enne, höanne haben durchwegs unkontrahierte (oder
nach Analogie mit Antreten der gew. Endungen an fö-, hö- gebildete) For-
men: Part, föende, höende-, 1. Sg. /öe; 2. Sg. föses, 3. Sg. /öeö, -®ö, -ad, -es,
•ses, -as', Pl. /öaö, -seö, -ed, -as, -es, -ses; höaa; Opt. ähöa; Imp. föh, höh,
Pl. föaö, -as, höaö.
Anm. 6. Das Rit. hat: 1. Inf. $idia, fl. wrianne, Part, öiiende, Präs. Opt.
Sg. Pl. siöii, Imp. Pl. wrlaö; - 2. Inf. fl. fleanne, Part, fleende, Präs. 3. Sg.
fleeö, teö, Opt. Sg. flee, flii, Imp. Pl. fleas', - 3. Inf. sea, Präs. 1. Sg. sium,
2. Sg. siist, 3. Sg. sid, Pl. seaö, Opt. Sg. sii, Imp. sih, si^h, seh, Pl. seaö; -
4. Part, slxndum.
Anm. 7. Über nordh. schwaches ^efea^a s. § 391, Anm. 7, § 415, c.
2. Präteritum
§ 375. Die Präterita der Verba contracta weichen von denen der regel-
mäßigen nicht ab, da hier das h entweder im Auslaut steht (1. 3. Sg.
Ind.) oder wegen des grammatischen Wechsels durch 5 oder w vertreten
ist.
§ 376. u-Umlaut gebührt ursprünglich dem Ind. Pl. der starken Verba
der ersten Ablautreihe (§ 382), soweit er in den einzelnen Mundarten
eintritt. Doch sind diese Verhältnisse vielfach durch Ausgleichungen
gestört worden (vgl. § 111, § 114, b).
Anm. In den altws. Texten ist das umgelautete io bereits ganz verdrängt,
es heißt also sowohl seiviton (zu § 114, b), wie drijon, scrifon (zu § 111);
Formen mit io, eo finden sich daher nur vereinzelt in weniger streng ws.
Texten, namentlich öfter in der Poesie.
In kGl. ist nur ein ausgeglichenes ^ewiton belegt.
Im Vesp. Ps. ist dagegen eo (einmal io) konsequent durchgeführt, auch
bei den Verben auf 3 und e, wie steo^un, bisweocun, während R1 zwischen
eo, io und einfachem i schwankt.
Das Nordh. hat als Umlautform überall io (§ 38 und Anm. 2). In Ra folgen
die Beispiele, abgesehen von einem jordrijen mit abweichendem Endungs-
vokal, ganz den § 111 erwähnten Regeln: -driofun, -fliotun, -hrionun, -on,
äriosun gegen stiften, wri^un, L hat aber neben nach § 111 zu erwartenden
Formen wie biodon, driofon; sti^on, wri^on auch einige Formen mit i statt io,
wie jordrijon, ^ehrinon, äwritton. Im Rit. begegnen nur ä-, jirioson.
§ 377. i-Umlaut gebührt eigentlich der 2. Sg. Ind. und dem ganzen
Opt. (vgl. alts. Formen wie 2. Sg. Ind. bundi, Opt. Sg. 1. 3. bundi, Pl.
bündln); er findet sich aber fast nur noch in einigen Optativen der
Präteritopräsentia, §421-423 im regelmäßigen Verbum ist er aufgegeben.
Anm. Die wenigen umgelauteten Formen, die man etwa hierher stellen
290 Flexion der starken Verba: § 377. Prät.; § 378. Part. Prät.
könnte, sind sehr zweifelhaft. In R8 begegnet eine scheinbare 2. Sg. Ind.
dwöe^e als Übersetzung von ‘lavabis’; in einer Rubrik des Rit. 114 steht
der Opt. wyrde parallel dem Opt. Präs. >n®je; in der Cura past. 214, 7 ist
hli(e)pen dem Sinne nach als Opt. Präs, zu fassen, gehört aber wohl zu einem
swv. *hliepan aus *hlaupjan, ebenso ist für awylte (korrigiert aus swselte)
R1 22, 24 präsentische Bedeutung erforderlich, es gehört aber auch viel-
leicht zu einem sw.v. ^awyltan (s. Deutschbein, Beitr. 26, § 10, Anm. 2).
Dann bleiben nur noch einige Formen mit wyr- für wur-, die vielleicht nur
als umgekehrte Schreibungen zu beurteilen sind (nach Maßgabe von § 118
nebst Anm. 1): poet. hwyrfe, Dan. 221, R1 je ein wyrde, ^ewyrde ‘fieret’
(vgl. dazu R1 Ind. wyrdun, -on, wyröon, wyrpon für wurdun usw. und Ind.
Pl. äwyrpep für äweorpaP).
3. Partizipium Präteriti
§ 378. Der Vokalismus dieser Partizipia ist im ganzen fest. Nur ist
folgendes zu beachten:
1. Bei den Verben der VI. Ablautreihe wechseln a und faren - fairen
usw., § 368, Anm. 4.
2. Als Nachwirkung der alten Endung -in- (neben -aen, -en, § 366,
Anm. 3) tritt bei einigen Verben bisweilen i-Umlaut auf.
Anm. 1. Von den altws. Texten hat die Cura past. von solchen Formen
(abgesehen von dem durchstehenden seaewen, das kaum eine Form mit
i-Umlaut ist, s. § 391, Anm. 8) in Hs. C 2 -alesen gegen -alaesen Hs. H,
ebenso in Hs. H 1 -cymen, 2 -ÖrSwen gegen -cumen, -dräwen Hs. C. In den
altws. Gesetzen begegnen -sZejen, und -ty^en (neben -tosen, zu teon zeihen,
§ 383, Anm. 3), in späteren Texten öfter -cymen, -öwe^en, -alesen. Vgl. dazu
das Partizipialadjektiv »jen eigen, neben äjen, got. aiginat ahd. eigan.
Für den Vesp. Ps. fehlen sichere Belege (doch s. Anm. 2), da seine sZejen,
ähefen usw. nach § 52 beurteilt werden können; R1 hat unöwesen (neben
-alaesen usw.), R8 ein je&roecen, Rit. -hefan (neben -slsesen usw.); häufiger
sind die Umlaute in L; seacyfen (doch vgl. § 92, 2, a), jecnoeden, seauoeren,
Sewoerden, äwoerpen, -hefen, -dwejen, vielleicht auch seacryncan usw. § 92, 2, a
und § 386, Anm. 4; vgl. ferner Anm. 2.
Anm. 2. Fraglich ist die Bildungsart der angl. Part. Prät. mit öe, wie döen,
R8 L Rit. auch -föen, -höSn. Sie konnten auf *döin usw. zurückgehen und
einsilbig sein, oder sie sind zweisilbig mit analog angetretener Endung (s.
§ 131, Anm. und Flasdieck, Angl. 61, 43ff.). Die poet. Part, den, -jen müßten,
wenn man sich für Zweisilbigkeit der angl. Formen entscheidet, Fehlschrei-
bungen wegen des häufigen angl. Öe = ws. e sein. Zweisilbige Analogieform
ist wohl L -öuien gewaschen mit Fehlschreibung S für öe (daneben Dat. Pl.
due^enum, -suesnum, -öuenum, -Öweanum).
Anm. 3. Velarumlaut ist im Part. Prät. nicht zu erwarten. Kent. Urk.
Sewreotene hat ihn aus dem Prät. Pl. übertragen.
Anm. 4. Vor w fehlt im Part. Prät. das für i bzw. e nach § 88 zu erwartende
io, eo, daher äspiwen, äsiwen (und -aewen, s. Anm. 1). Es wird wohl Analogie
zu den anderen Verben dieser Reihen vorliegen.
Anm. 5. Neben dem Part. Prät. -witen kommt in Cura past. (zweimal Hs.
Starke Verba: § 378. Part. Prät. § 379-381. Tempusbildung 291
C und Hs. H) -wieten vor, dessen ie nach § 22, Anm. 3 zu beurteilen sein
wird. Häufiger ist ie im Inf. (fünfmal Hs. H, sechsmal C gegen achtmal
witan in H und dreimal in C, neben seltenem wwtan, weotan mit Velar-
umlaut).
B. Die Tempusbildung der starken Verba
1. Ablautende Verba
§ 379. Die Tempusstämme. Sämtliche Formen der ae. ablautenden
Verba lassen sich auf vier Stämme (Tempusstämme) zurückführen. Diese
sind: 1. der Präsensstamm; zu ihm gehören alle Formen des Präsens;
2. der erste Präteritalstamm; zu ihm gehören nur die 1. und 3. Sg.
Ind. Prät.; 3. der zweite Präteritalstamm; er umfaßt die 2. Sing.
Ind., den Plur. Ind. und den ganzen Opt. Prät.; 4. der Stamm des Part.
Präteriti, von dem nur dieses abgeleitet ist.
Als Vertreter dieser vier Stämme pflegt man anzuführen: 1. die 1. Sg.
Ind. Präs, oder den Inf., 2. die 1. Sg. Ind. Prät., 3. die 1. Pl. Ind. Prät.,
4. das Part. Prät.
§ 380. Der durch die idg. Akzentlage bedingte ‘grammatische Wech-
sel’ unterscheidet den 1. und 2. Stamm der starken Verba einerseits und
den 3. und 4. anderseits. Im 1. und 2. Stamm sind stimmlose Spiranten,
im 3. und 4. stimmhafte zu erwarten. Dies ist ae. im allgemeinen noch
erhalten, doch kommt wie in allen germ. Sprachen auch Ausgleich vor,
so besonders zwischen dem 2. und 3. Stamm (so regelmäßig im 3. Stamm
der Reihe VI, s. § 392, 2), oft auch im 3. und 4. Stamm nach dem 1. und
2., selten sind der 1. und 2. Stamm dem 3. und 4. angeglichen (z. B. ae.
findan finden, alts. flthan und findan, ae. drin^an dringen, got. preihari).
Vgl. dazu die einzelnen Ablautreihen.
§ 381. Die Ablautreihen. Der Wechsel der Wurzelvokale in den vier
Stämmen des Verbums bewegt sich innerhalb bestimmter Vokalgruppen
oder -reihen, die man Ablautreihen nennt (s. § 45). Solcher Reihen kennt
das germanische Verbum sechs. Sie haben, wenn wir sie nach der Reihen-
folge der vier Stämme ordnen, folgende Vokale:
1. Stamm 2. Stamm 3. Stamm 4. Stamm
1. I (idg. ei) ai i i
2. eu au u o
3. e, i a u u, o
4. e, i a ie o
5. e, i a ie e
6. a ö ö a
Anm. 1. Über den Wechsel von e und i, u und o s. § 45, 2 und 5.
292
Starke Verba: § 381. Ablautreihen; § 382. I. Ablautreihe
Das viel mannigfaltigere System der ae. Ablautreihen ergibt sieh aus
diesem germanischen durch Eintreten der Veränderungen, welche die
germ. Vokale im Ae. erfahren haben (§ 49ff.). Das einzelne hierüber geben
die folgenden Übersichten an.
Anm. 2. (zu § 380-381). Im Nordh., zumal in L, ist die starke Flexion bereits
in beginnender Auflösung begriffen. Dies geht aus zahlreichen Neubildungen
im Prät. und Part. Prät. hervor, die teils den grammatischen Wechsel,
teils den alten Ablaut verwischen, teils endlich auf Anlehnung an die schwa-
che Flexion beruhen. Das einzelne s. ebenfalls unten.
§ 382. Klasse I. Verba nach der ersten Ablautreihe i-ä-i (io, eo, § 111,
§ 376) -i (io, eo, § 378, Anm. 3), z. B. sripan, jräp, yipon (yriopun),
yripen greifen; mit grammatischem Wechsel im 3. und 4. Stamm Verba
wie snlöan, snäÖ, snidon, sniden schneiden.
Anm. 1. a) Wie ^ripan gehen noch ntpan dunkel werden, clifan kleben,
drifan treiben, belitan bleiben, scrijan vorschreiben, töslifan spalten, swijan
gleiten; bitan beißen, (je-)cMtan cacare, flitan wetteifern, hnitan stoßen,
scitan cacare, slitan zerreißen, besmitan beschmutzen, Öwitan hauen, sewitan
gehen, zetwitan schelten, ivlitan schauen, wrltan schreiben; bidan warten,
^lidan gleiten, jmdan, cnidan zerreiben (spätws. vereinzelt auch Prät.
forjnäö), hlidan bedecken, ridan reiten, slidan gleiten, stridan schreiten,
ivridan sprossen; blican glänzen, sican seufzen, anican kriechen, strican strei-
chen, swican verlassen, wican weichen; rösten (nur Part, äfi^en),
hni^an neigen, mi^an mingere, si^an sinken, ati^an steigen; cinan sich spal-
ten, äcwinan erlöschen (vom Feuer), dwinan, öwinan schwinden, yinan
klaffen, hrinan berühren, hwinan zischen, pfeifen, scinan scheinen (Prät.
aeän, aceän § 92, 2, d); aplwan speien; ärisan sich erheben; ^erisan geziemen,
midan meiden, wrldan drehen, winden; - b) wie aniöan noch lidan gehen,
scridan schreiten (doch Part. Prät. acriden Guthl. 1012); nur im Präs, ist
belegt (zet-)clidan anhängen. Über spätws. frinan, frän s. § 389, Anm. 3.
Anm. 2. Vereinzelt werden auch von schwachen Verben mit urspr. oder
späterem (nach § 214, 3) Präsensvokal i Präteritalformen analog zur Ab-
lautreihe I gebildet, so rän zu spätws. rinan (für riynan) regnen Blickl. GL,
oferawäö zu ojerswidan überwältigen (neben oferawidöe) ASlfric. Hom. und
sonst.
Anm. 3. Schwundstufige (Aorist-)Präsentia mit kurzem i im Präsens sind:
Angl. Vesp. Ps. Inf. reopan, R1 hriopan, L (h)rioppa ernten (ws. rtpan; die
angl. Formen setzen kurzes i wegen des Velarumlauts voraus, die Quantität
des f im Ws. steht nicht fest, weil ws. nach den Formen ohne Velarumlaut
ausgeglichen wird, s. § 370, vgl. Prät. Pl. riepon Chron. 1089 nach Kl. 5).
Hierzu noch folgende angl. Formen: Vesp. Ps. 3. Sg. Ind. Präs, riped, R1
1. 3. Sg. Ind. ripe, -es, R2 2. 3. Sg. Ind. Präs, ripea, -ed, Pl. riopad, Opt.
ripa, L 1. Sg. Ind. Präs, hrippo, 2. hri(p)pea, 3. hrioppad, Pl. hriopaö, riop-
pas. - Angl. L jejrioppa greifen (sw. Vb., s. Anm. 4), hierzu fl. Inf. jriop-
panne, 3. Sg. Ind. jejrippes, Opt. PL jejripa und (vielleicht, da möglicher-
weise Opt. Prät.) jejrioppo nach dem Inf. und anderen umgelauteten For-
men. - Unklar ist, ob das Part. Präs, töweosende vergehend, zu einem Schwund-
§ 382-383. Starke Verba: I. Ablautreihe
293
stufigen Präsens *wisan oder zum Verbum wesan (§ 427, 3) mit Velarumlaut
nach anderen Präsensformen zu stellen ist. Wenn das Part. Prät. jorweren
zu *wisan gehört, müßte man e für i nach § 45, Anm. 3 a annehmen, hin-
gegen müßte forweorone Part. Prät. PL, Ruine 7, wenn es ebenfalls zu *wisan
zu stellen ist, eo aus dem Präsens übertragen haben, wenn nicht eine Fehl-
schreibung (wie sicher in der Endung -one) vorliegt; vgl. § 384, Anm. 3.
Anm. 4. Nordh. Neubildungen nach der schwachen Konjugation sind: Ra
Prät. PI. äeUe^dun zu sti^an steigen mit dem Vokal des starken Prät. Sg.
und i-Umlaut, neben Prät. Sg. stä^, PI. sti^un; L Prät. jejrippde, jejrip-
pedon zu jrioppa, ws. yripan greifen (daneben starke Formen: Prät. Sg.
j'^räp, Opt. jejrioppo, mit dem Vokal des Ind. PL, doch ist dies vielleicht
eine Präsensform, s. Anm. 3, Part, jejrippen); L Prät. «Jljede, stijde, -ade
zu stöja(n) steigen und stä^ade zu stä^ian sw. Vb.; L forduinde zu fordwina(n);
Prät. hrin(a)don, Part, ^ehrinad zu (je)Ärina(n) berühren (neben st. Prät.
PL sehrinon). - Übertragung des Sg.-Vokals auf den Opt. Prät. erscheint
in stä^e L neben sti^e, Ind. PL sti^un zu sti^a\n).
§ 383. Die Verba contracta tion teon zeihen, Öion deon gedeihen, wrion
wreon bedecken (für *tlhan usw., vgl. got. teihan. peihari) zeigen folgende
Besonderheiten:
1. Im Ws. ist das h vor vokalisch beginnender Endung ausgefallen
und darauf Kontraktion eingetreten; in der 2. 3. Sg. Präs. Ind. ist aber
wegen früher Synkope des Endungsvokals h erhalten, s. § 374. Im Angl,
ist h auch in diesen Formen ausgefallen; ob stets kontrahiert wurde, ist
unklar, s. die Formen § 374, Anm. 2ff. Überall erhalten ist das (auslauten-
de) h des Imp. und Prät. Sing. - Im dritten und vierten Stamm tritt
für A wegen grammatischen Wechsels 5 ein, also ws. wrion, wreon - wräh -
wri^on - wri^en. - Zu ws. wrion lautet der Inf. angl. Vesp. Ps. wreon,
Rit. wrla‘, L und R1 aber wrl^a(n) mit 3 aus dem 3. und 4. Stamm.
2. Im Anglischen sind die Stammformen dieser Verba im wesent-
lichen rein erhalten geblieben; im Ws. sind aber diese Verba frühzeitig
in die zweite Ablautreihe übergetreten, da ihre Präsensformen mit den
Verba contracta der zweiten Klasse lautlich zusammengefallen waren;
sie bilden daher die Prät. wreah, wru^on, Part. wro$en wie teah, tu^on,
to$en zu teon ziehen, § 384, 2.
Anm. 1. Dieser Übertritt beginnt bereits altws. mit teah, tu^on zu tion
zeihen im Orosius gegen Part, jedijen Cura past.
Der angesetzte Infinitiv *tlhan ist nicht überliefert, sondern nur aus den
Formen anderer Sprachen und anderen Formen mit regelrecht erhaltenem
h (§ 374) wie 3. Sg. ws. tl{e)hö erschlossen.
Anm. 2. Bisweilen dringt das 3 des 3. und 4. Stammes auch in den 2. Stamm
ein: ddj, wrüj; in R1 L tmja(n) neben Rit. wria, § 374, Anm. 3 u. 5, auch
in den ersten.
Anm. 3. Öion, deon bildet neben Prät. PL öi^on, öu^on, Part, dtjen, dojen
294 § 383-384. Starke Verba: I. und II. Ablautreihe
auch noch ein Prät. Pl. dunjon, Opt. Öunse, Part. Prät. düngen nach Kl. III,
§ 386, welcher das Verbum ursprünglich angehört hat.
tion, teon zeihen, hat im Part. Prät. auch tygen mit i-Umlaut, § 378,
Anm. 1, neben tijen und iojen.
Anm. 4. Wie «ton, Zeon gehen in St. 1 und 2 auch Zion, Zeon leihen, «ion, seon
seihen (got. Zeifean, *aeüvan), Prät. läh, leah. Außerdem begegnet nur das
Part. Prät. äaiwen, daeowen (§ 88, Anm. 2, § 234, d und § 378, Anm. 4)
und kontrahiert biaeon.
§ 384. Klasse II. Verba nach der zweiten Ablautreihe eo-ea-w-o (got.
iu, au, u, u). Beispiele:
1. Für regelmäßige Verba: beodan, bead, budon, boden bieten, ceowan,
ceaw, cuwon, cowen kauen, oder mit grammatischem Wechsel im 3. und
4. Stamm: ceosan, cea-s, curon, coren wählen, seoöan, seaö, sudon, soden
sieden;
2. für Verba contracta: teon, leah, tugon, togen ziehen; ebenso fleon
fliehen (die angl. Präsensformen dieser Verba im einzelnen s. § 374).
Anm. 1. Ebenso flektieren: a) ohne grammatischen Wechsel creopan krie-
chen, dreopan tröpfeln, geopan in sich aufnehmen, cleojan spalten, *reofan
zerbrechen (nur Part, rofen, berofen); breotan brechen, fleotan fließen, jeotan
gießen, greotan weinen, hleotan (er)losen, neotan genießen, reotan fallen,
sceotan schießen (Part, acoten und acgoten, § 92, 2, b), Öeotan (neben Öütan
§ 385) heulen, äöreotan verdrießen, hrSodan schmücken (meist nur Part.
Prät. hroden), leodan wachsen, reodan röten (hierzu wohl auch Prät. reod
Corp. Gl. 1129 mit mundartl. eo für ea nach § 35, Anm. 1, s. Flasdieck, Angl.
60, 267); äbreoöan vergehen, entarten (Part, äbroöeri); reocan rauchen (nordh.
L *reca, Part. Präs, recende nach § 119), smeocan riechen (Part. Präs, nordh.
L amecendei zu RYamicende. und andere Fälle mit angl. i, s. § 119, Anm. 5, b),
dreogan erdulden, fleogan fliegen (Vesp. Ps. */Zejan, Part. Präs, ftigende
nach § 119, aber 1. Sg. Ind. fligu, wohl nach der 2. 3. Sg. Ind., nordh. flega
L, Ra, Rit.), leogan lügen (Part. Präs. Vesp. Ps. ligende neben legende, R1
ligende nach der 2. 3. Sg. Ind.), breowan brauen, hreowan reuen; - b) mit
grammatischem Wechsel: dreoaan fallen, freosan frieren, hreoaan fallen,
jorleoaan verlieren.
Anm. 2. Hierher gehört jedenfalls mit mundartlichem eo für ea das isoliert
überlieferte Prät. ähneop pflückte ab, Guthlac 819 (also zu einem Präs.
*ähneopan, nicht zu einem red. Vb. *ähneapan, vgl. got. diahniupan) und
wohl auch mit ebensolcher mundartlicher Schreibung das isolierte Prät. geneop
überwältigte, Exodus 475 (also zu einem Präsens *-neopan, nicht zu einem
red. Vb. *neapan oder *nöpan, s. Flasdieck, Anglia 60, 267). Hingegen
dürfte das Prät. heof klagte wegen des Pl. heajon, heofun (Sat., Ev. Übers.
Lucas) wohl zu einem im Präsens nicht überlieferten red. Vb. *heajan ge-
hören, neben dem ein anscheinend schw. Vb. I. Kl. ws. heofan mit ‘Halb-
umlaut’, § 107, Anm. 1, stand (dieses ist wahrscheinlicher als die Ansetzung
von heofan als st. Vb. II. Kl., wegen des Präs. Opt. Pl. hiofen Cura past.,
Part. Präs, hwfende Vesp. Ps. und Prät. ws. heofde) und außerdem ein schw.
Vb. II. Kl. ws. heofian. - Über spätws. hreow für hreaw s. § 126, Anm. 2. -
§ 384-385. Starke Verba: II. Ablautreihe
295
Zu reocan begegnet spät auch ein Prät. reohte. - Spätws. sind die Verba
fleon und fleo^an, deren Formen sich im Prät. und Part. Prät. berühren,
auch im Präs, durcheinander geraten, so daß Formen von fleon auch in der
Bedeutung ‘fliegen’, solche von fleo^an auch in der Bedeutung ‘fliehen’ ge-
braucht werden.
Anm. 3. Hierher gehört wohl auch das (nur angl. und poet.) Verbum leoran
gehen, doch sind von ihm an starken Formen nur poet. das Part. Prät.
jeZeorene Ruine 7 (Fehlschreibung für ^elorene, reimend mit forweorone,
§ 382, Anm. 3) belegt, s. J. E. Cross, Engl. and Germ. Studies VI, 104-106.
In der angl. Prosa flektiert das Verbum schwach (Prät. leorde, Part. jeZeored),
und neben ihm steht auch ein schwaches Verbum liora(n) mit io nach
§ 107 (belegt in verschiedenen Präsensformen).
Anm. 4. Nur im Präsens belegt ist sneowan eilen (zweimal Andreas), daneben
steht zweimal 3. Sg. snöweö (Andreas 504, Wunder der Schöpfung 62). Es
könnten Doppelbildungen von verschiedenen Ablautstufen (germ. Wurzel
*snew- ablautend mit *snöw-, letztere auch in dem altnord. snüa vorliegend)
sein und *snöwan, dessen Wurzelvokal lang ist, zu den red. Verben, § 396,
3, a gehören (so wie altnord. sntia, Prät. snera und snpra). - Ebenso stehen
im Präsens nebeneinander cneodan zuteilen (Beda) und *cnödan (Cura past.,
beide Hss., Präs. Ind. PI. cnödad 111, 3), hierzu noch ein Part. Prät. jecnöden
(Boeth. Metra I, 32), dessen Wurzelvokal nach der Metrik als lang anzu-
setzen ist (Sievers, Beitr. 10, 279). *cnödan gehört daher auch wohl zu den
red. Verben § 396, Anm. 6.
Anm. 5. Die nordh. Präterita speaft, speojt gehören, wenn nicht zu einem
schwachen Verbum *speoftian, zu dem red. Verbum spätan, s. § 394, Anm. 2.
Anm. 6. Bei den Verben auf c und j steht angl. im Präsens (s. oben Anm. 1)
und auch im Prät. Sing, e wegen ‘Ebnung’, § 119. In Betracht kommen
Prät. Sing, fleh Vesp. Ps., L, Rit., teh Vesp. Ps.
Anm. 7. Über nordh. Präsensformen mit ea statt eo s. § 35, Anm. 1. -
Ausgleich des 3. Stammes nach dem 2. zeigt nordh. Prät. PI. ceason, Opt.
cease L (neben curon, eure).
§ 385. Die Verba slüpan schlüpfen, süpan schmecken, trinken, düjan
tauchen, scüfan schieben, lütan sich neigen, hrütan schnarchen, Öütan
(neben deotan, § 384) heulen, strüdan rauben, brücan brauchen, lücan
schließen, sücan, sü^an saugen, büjan sich biegen, smüjan schmiegen,
haben im Präs., teilweise wie in den anderen germ. Sprachen, ü statt
eo (vgl. got. lükan), flektieren aber sonst wie die übrigen Verba dieser
Klasse: lücan, leac, lucon, locen.
Anm. 1. Hierher gehören jedenfalls auch die ae. im Präsens nur spärlich
oder gar nicht belegten Verba *crüdan drücken (3. Sg. Präs. Ind. cryded
Rätsel, vgl. ne. crowd) und *8prütan (ae. nur Part. Prät. äsprotene, Belege
aus dem Präs, erst frühme., vgl. ne. sprout) sprießen; vielleicht auch *scüdan
eilen (nur Part. Präs, scüdende Guthl., das aber auch zu einem schw. Vb. II
*scüdian nach § 412, Anm. 10 gehören könnte).
Anm. 2. Neben scüfan steht spätws. im Präs, nach § 92, 2, a sceüfan, sceöjan
oder sceofan, vgl. ahd. skiobari); das Part. Prät. ist ws. nach § 92, 2, b
296
§§ 385-386. Starke Verba: II. und III. Ablautreihe
neben scofen auch sceofen. Zu dem nordh. (Rit.) Prät. Pl. ofscyufon vgl.
§ 92, 2, a. Das nordh. Präs, äscyfad (Imp. Pl.) und ojacyjende (Part.) Rit.
und das Part. Prät. ^escyjen L können auch die § 92, 2, a angegebene Laut-
entwickhing von d zu y nach sc zeigen, im Part. Prät. auch durch i-Umlaut
nach § 378, Anm. 1 zu erklären sein.
Anm. 3. Angl. Prät. mit e statt ea wegen ‘Ebnung’ (§ 119) sind: Vesp. Ps.
lec, R2 L brec, &ej, weiter Rit. 2. Sg. Prät. lece, Opt. brece (dieser auch L)
mit dem Vokal des 2. Stammes.
Anm. 4. Ausgleich nach Stamm 2 zeigen Ra Prät. Pl. brecon, L bretijcon,
Opt. brece; Rit. 2. Ind. Sg. lece, Opt. brece, vgl. ähnliche Fälle § 384, Anm. 7. —
Neben dem Prät. Sg. seap steht L auch ein Pl. süpedon nach der schw.
Flexion.
§ 386. Klasse III. Verba nach der dritten Ablautreihe, germ. e (i), a,
u, o («); got. i, a, u, u. Diese Klasse zerfällt im Ae. infolge der Laut-
entwicklung je nach den Folgekonsonanten in drei Hauptunterabtei-
lungen:
1. Verba auf Nasal + Konsonant. Diese haben als Ablautreihe i
(§ 45, 2) - a, o (§ 79) - u - u (§ 45, 5), z. B. bindan, band bond, bundon,
bunden.
Anm. 1. So gehen noch findan finden, yrindan schleifen, hrindan stoßen,
swindan schwinden, öindan schwellen, windan winden, örintan schwellen,
sprintan (nur L ^isprant eructavit), (on-)jinnan beginnen, linnan aufhören,
sinnan denken, spinnan spinnen, winnan arbeiten, clin^an sich zusammen-
ziehen, crin^an, crincan fallen, sinnan singen, sprintan springen, stin^an
stechen, swin^an schwingen, Örintan dringen, tmnjan ausdrücken, -wrin-
gen, drincan trinken, äcwincan erlöschen, scrincan, scrincan verdorren,
sincan sinken, slincan kriechen, stincan riechen, swincan sich abmühen,
climban, climman klimmen, (^ejlimpan sich ereignen, (h)rimpan runzeln,
crimman einfügen, ^ritnman wüten, hlimman brüllen, scrimman schrumpfen,
swimman schwimmen.
Anm. 2. Hierher gehören mit Metathese des r (§ 179, 1) auch ws. iman
(ieman, yman), Vesp. Ps. R1 eoman, nordh. R2, L, Rit. ioma laufen und
ws. biman (biernan, byman), Vesp. Ps. R1 beornan, nordh. L *beoma, beama,
Rit. beorna, bioma brennen (intrans.) entsprechend got. rinnan, brinnan.
Zum Präs. vgl. § 84, Anm. 3. Prät. Sing, lautet ws. und Vesp. Ps. om, bom
(§ 79, Anm. 2), spätws. aber auch am, bam und earn, beam, letztere wohl
analog zu wearp § 388; R1 und nordh. L R3 am (in R2 auch einmal arun
mit Sekundärvokal nach § 164, falls nicht Schreibfehler), L bam, Rit. barm,
vgl. Anm. 3; aber einmal onbran Exod. 389. Einmaliges Prät. Pl. ornon
neben sechsmaligem umon R8 ist wohl Schreibfehler (s. Lindelöf, südnorth.
Mundart § 48; anders Bülbring, Angl. Beibl. 9, 97, der an eine Bildung
nach einem in R2 und nordh. nicht belegten Sing, om denkt).
Neben iman steht auch rinnan ohne Metathese ‘rinnen’ (von Flüssig-
keiten), namentlich in jerinnan gerinnen (doch Part. Prät. auch selten
jeumen).
Von swincan begegnet ein Part. Prät. sun^en mit w-Ausfall nach § 173.
§ 386-387. Starke Verba. III. Ablautreihe
297
Isoliert erhalten sind Prät. Pl. Öun^on, Opt. Öun^e, Part, dunjen zu Öion,
deon gedeihen (§ 383, Anm. 3), das als *ßihan (aus *ßinhan) aus der III.
in die I. Klasse übergetreten ist.
Von findan lautet der Sing. Prät. ws. meist funde nach dem Prät. Pl.
mit den Endungen der schwachen Prät.
Anm. 3. Von den angl. Texten hat Vesp. Ps. im Prät. Sg. stets o (also
dronc usw. und auch bei Metathese orn, bom, s. Anm. 2); R1 schwankt
zwischen a und o (hier auch am). Dagegen hat das Nordh. trotz sonstigem
o vor Nasal (§ 79) im Prät. dieser Verba stets a: band, dranc, ^elamp usw.,
und auch bei Metathesis am, bam (s. Anm. 2) offenbar in Anlehnung an
Prät. wie halp § 387, bzw. warp § 388, Anm. 4 (Formen mit u, wie *jund,
^drunc, *^elump, die sich in älteren Ausgaben finden, beruhen auf falscher
Lesung).
Anm. 4. Nordh. Neubildungen sind: in R2 Prät. ^ibinde neben $iband
(nach der schw. Konjugation?), drincon neben druncon; über ornon s.
Anm. 2; in L Prät. Pl. onjannon nach dem Sing., Part. Prät. Pl. on^indo
(neben Prät. Pl. on^unnon), Prät. Pl. ^edrin^don (schwach), Part, jedrinjed
(desgl., neben jedrwnjen), Prät. -suincjde, -suin^don (schwach), Part, be-
suinsen-, ^esuin{c)^ed (neben Prät. -auanj, Plur. -suun^un).
scrincan hat im Nordh. (L) das Prät. Pl. sescriun^on, Part, forscriuncen,
Sescriuncan, seacryncan, dazu noch das Adj. Rit. unascryuncan' (d. h. -anlic)
inmarcessibilis, vgl. § 92, 2, a.
Anm. 5. Neben Formen von Örintan steht das Part. Präs, drindende Rätsel;
neben dem Part. Prät. ddrunten auch ein Part, adrüten, das, wenn es kein
Schreibfehler (Auslassen des Abkürzungsstriches für n) ist, wohl zu einem
reduplizierenden Verbum (§ 396, Anm. 8) *drütan gehört, vgl. das schw.
Verbum II örütian und altn. ßrutinn Adj. geschwollen und Verbum ßrütna
anschwellen.
§ 387. 2. Verba auf l 4- Konsonant haben die Ablautreihe e - ws. kent.
ea, angl. a (nach § 85, doch s. unten Anm. 3) - u - o, z. B. helpan, healp
halp, hulpon, holpen helfen.
Anm. 1. Zu dieser Gruppe gehören noch delfan graben, bel^an zürnen,
swel^an verschlingen, beteldan bedecken, meltan schmelzen, sweltan sterben,
bellan bellen, swellan schwellen und melcan melken (hierzu 3. Sg. Präs. Ind.
mitciß Ep. milcid Erf. milcit Corp.; über den fälschlich oft angesetzten
Inf. *meolcan s. § 85, Anm. 6); weiter mit ws. ie, i nach Palatal (s. § 91, a
und c) bzw. i (y) aus e si(e)ldan (Prät. jeaM) bezahlen, ji(e)ZZan gellen,
ji(e)lpan prahlen und wahrscheinlich *sciellan (scyUan) tönen (ae. nur im
Präs, belegt).
Anm. 2. Brechung im Präsens haben nach § 85 wohl ws. äseolcan erschlaffen
(Genesis 2167, sonst nur Part. Prät. ä-, besolcen belegt), s. § 85, Anm. 6,
und sicher feolan haften (aus *feolhan nach § 218, 1), angl. Vesp. Ps. -fealan
wegen Ausfalls des h nach ‘Brechung’, s. § 120, Anm. 1, aber Opt. -feie,
Rit. -fela‘, 2. 3. Sg. ws. *fielhst, *fielhd, spätws. fyli~eÖ nach § 85, Anm. 6
und § 165, a, aber Vesp. Ps. /tZe3, vgl. got. filhan-, hierzu Prät. ws. jedlh,
Vesp. Ps. falh', Prät. Pl. selten ful^on, gew. ws. fölon, Vesp. Ps. felun nach
298
§ 387-388. Starke Verba: III. Ablautreihe
Klasse IV, § 390; Part. Prät. folen ebenso nach Kl. IV. Ein Inf. */eZjan,
der manchmal angesetzt wird, existiert nicht.
Anm. 3. R1 hat neben Prät. jaZd, await auch dself nach Prät. wie beer, § 390.
Anm. 4. sweltan bildet in L das Prät. schwach suelte, suoelte.
§ 388. 3. Verba auf h und r 4- Konsonant haben (ursprünglich) im
Präsens und Präteritum Sing, regelmäßige Brechung nach § 84 und
§ 86. Die Ablautreihe ist also ursprünglich eo - ea - u - o, doch sind für
die Verba mit w vor r + Konsonant die Besonderheiten der Lautent-
wicklung nach § 112 und § 113, a zu beachten, für die mit h -f- t § 122,
bzw. für das Anglische § 119, s. unten Anm. 2ff. Hierher gehören z. B.
weorpan, wearp, wurpon, worpen werfen und mit grammatischem Wechsel
weordan, weard, wurdon, worden werden; dann foohtan, feaht, fuhton,
fohlen fechten.
Anm. 1. So gehen noch ceorfon schneiden, deorfon sich abmühen, hweorfon
sich wenden, aceorfon schürfen, steorfan sterben, sweorfan abwischen, aceorpan
schrapen, beordern bergen, beorcan bellen, *sneorcan exeidere (nur Prät.
jesnerc Vesp. Ps.), aweorcan dunkeln, ameortan schmerzen (nur Part, jyra-
meortendum Or.), *ceorran knarren (nur Prät. PI. curron belegt).
Ob zu dem Prät. PI. zurron (Andreas 374, atrenzaa zurron die Segeltaue
knarrten) ein Inf. *zeorran (mit Brechung vor expressiv gerändertem rr,
ohne weitere Veränderung des eo nach dem palatalen Anlaut, § 91, Anm. 7)
anzusetzen ist, oder wegen ic zyrre ich schwätze (ASlfric, Gram.) ein *3ierran,
*5yrran (als je-/jo-Präsens), ist wegen des in diesem sehallnachahmenden
Wort möglichen Vokalwechsels zweifelhaft. - Nordh. aerd Imp. L gehört
wohl zu altnord. aerda moechari, s. Jordan, Angl. Beibl. 18, 36.
Isolierte Partizipia Prät. dieser Klasse sind noch äeworren crapulatus
(vgl. Subst. meteeweorra Übelkeit) und flohtenföt Füße mit Schwimmhaut
habend.
Anm. 2. über spätws. Formen mit u im Präsens (wuröan, wurpan) s.
§ 113, a.
Anm. 3. Vor h stehen angl. nach § 119 keine Diphthonge, daher Präs.
Vesp. Ps. fehtan, nordh. Ra L Rit. fohta (dazu Rit. Adj. unafohtenlic), Prät.
Rit. Ebenso fehlen Diphthonge vor rc, rs nach § 120 in bergan (ws.
beor^an) R1, Prät. Vesp. Ps. jeenere (s. oben Anm. 1).
Anm. 4. Ws. weorpan, weordan lauten nordh. nach § 113, a im Präs, worpa,
worda (aber Bedas Sterbelied ueorthae; vereinzelt steht weordaa und Imp.
wearda auch in R8, s. § 113, Anm. 3), im Prät. Sg. meist warp, ward Ra L
(vereinzelt wearp, wsearp, weard, weerd in L), im Prät. PI. steht in R8 ein-
mal äworpun (achtmal wurpon, wurpun, also vielleicht eine Fehlschreibung)
und einmal worpadun nach der schwachen Konj. - Das vereinzelte Präs.
3. Sg. Ind. töwserpad L stammt vielleicht von altnord. varpa. Über die
Part. Prät. zewoerden, äwoerpan Le. § 378, Anm. 1. - In R1 steht im Präsens
neben eo auch ea in dem vereinzelten Imp. wearp, Opt. äwearpa, wearße
und e im Imp. werp, Opt. werpe-, im Prät. ward neben weard; Prät. PI.
wyrde, z&wyrdde mit i-Umlaut vielleicht nach dem Opt.
§ 388-389. Starke Verba: III. Ablautreihe
299
Anm. 5. Über das Part. Prät. jewarden Beda-Übers. s. § 59, Anm. 1, zu
jewurden § 1L7.
Anm. 6. Zu ceorfan lautet das Prät. in L cea/rf, in R2 ceorf, vgl. § 35, Anm. 1.
§ 389. 1. Die lautgesetzlich bedingten Abweichungen zeigen die Verba
mit r vor dem Wurzelvokal und solche mit späterer Metathese dieses
r infolge des Fehlens der Brechungsdiphthonge (bei Metathese ws. und
kent., s. § 84, Anm. 3; angl. Formen sind spärlich belegt). Solche Verba
sind:
brejdan schwingen
strejdan streuen
berstan bersten
öerscan dreschen
frijnan (er)fragen
braajd brujdon brojden
stra^d strujdon stroßden
beerst burston borsten
Öeersc öurscon öorscen
frsejn frujnon frujnen
2. Einige Verba haben ein schwundstufiges Präsens (mit dem
Vokal u wegen germ. ur aus idg. f, bzw. o nach Formen mit folgendem a
nach § 45, 5):
murnan trauern meam murnon -
spurnan (spornan) treten speam spumon spornen
Anm. 1. bre^dan und streydan verlieren im Südengi, oft ihr 5 mit Dehnung
des vorausgehenden Vokals, bredan, brted usw., § 214, 3 nebst Anm. 9.
Von brejdan begegnet als Part. Prät. bre^den Phon. Blickl.
stre^dan ist nur im Vesp. Ps> und in R2 rein als stv. erhalten: Vesp. Ps.
Prät. stre^d, 2. Sg. stru$de, Opt. stru^de, Part, stro^den, R2 Prät. strse^d,
Part, strojden; R1 und nordh. mischen sich im Prät. auch schwache Formen
ein: R1 str&sde, Pl. strse^dun (kein *3trsejd), L Präs, ^streiyda, *3trse^da,
★straisda in 3. Sg. strei^dass, tostrai^des, -strse^dseö, Prät. strz^d und sfrwjde,
2. Sg. stroydes korr. aus stru^des, Rit. Prät. strseyd und strx^de, aber L Rit.
Part, sirojden. In der streng ws. Prosa scheint das Wort nur schwach vor-
zukommen: Präs. 3. Sg. str$t(,t) Cura past., Prät. stredde, Part, jesired,
jes/reded (für *stre^de usw.); vereinzelte Ausnahmen wie Prät. stree^d (ßtred)
Beda-Übers., Part, stro^den Blickl. Hom. sind wohl außerws.
Über die 3. Sg. britt, streit usw. s. § 359, Anm. 3.
Anm. 2. berstan (angl. im Präs, zufällig nicht belegt) und Öerscan stehen
mit Metathese für *brestan und * Örescan (§ 179). Formen ohne Metathese
sind ganz vereinzelt: brustsen Part. Prät. R1, prescenne fl. Inf. Hpt. Gl. -
Angl, ist Brechung (s. § 84, Anm. 3) im Präs, eingetreten in öearsca Inf. L,
aber nicht in Öersca Rit.; daneben Part. Ö&rscende (wohl ae für e nach § 55,
Anm.) L, aber Inf. öarsca R2 (? mit dem Vokal des Prät. Sg.). Prät. Sg.
ist zufällig nicht belegt.
Anm. 3. fri^nan (vgl. got. fraihnan) hat das -n- des ne-/no-Suffixes ae. wie
alts. in allen Stammformen durchgeführt. Ein Rest der alten Flexion ist
vielleicht im Prät. Pl. frujan R1 Mt. 12, 10 und Part, jefru^en erhalten,
während Part. Prät. ^efre^en (^efrae^en), ^ejri^en eher zu fricjean § 391,
Anm. 9 gehören.
Das Präsens hat i als Stammvokal im Ws. und im Vesp. Ps. als /-Prä-
300
§ 389-390. Starke Verba: III. und IV. Ablautreihe
sens oder nach fricn(e)an (kaum wegen des 3, Wright, Old Engi. Gr. § 501).
Nordh. und vereinzelt mercisch ist e bewahrt, doch kommen auch Formen
mit se vor, die durch Kontamination mit einem schw. Vb. II. Kl.
erklärt werden können (R1 fraennast, doch vgl. § 55, Anm., R2 Imp. Sg.
gtfr&sn, Pl. ^ifrse^nas neben 16 Formen mit e, L 1. Sg. frse^no neben gew.
fre^no, Inf. fl. fraesnanne neben unfl. jre^na, Part, frse^nende neben tren-
nende, hierzu noch Formen mit ai nach § 126, 2 wie 3. Sg. nefrainnas, Pl.
nefrainnas, -es, Part, frai^nende, Opt. $efraisna, Lmd Rit. Imp. Pl.
nifrainnad). Im Prät. und Part. Prät. stehen neben starken Formen (Ra
fr&nn, Pl. frunnon, -un und fr&nnun, Part, trennen, L Prät. frai^n,
Pl. frunnon, Part, fro^nen) auch schwache, die ebenfalls auf *frsennian wei-
sen können, so Chad j-re^naden (mit e nach § 52), L freunde und /r®jn(a)de,
frainnade.
Im Ws. schwindet das inlautende 5 in mehrsilbigen Formen nach § 214, 3;
jrinan, Prät. Sg. fr-senn. Dafür tritt spätws. nach dem Muster der I. Ablaut-
reihe frinan, trän ein, doch bleibt der Vokal der III. Reihe meist im Prät.
Pl. und Part. Prät. frunon, frunen (mit Ausfall des 3 nach § 214, Anm. 9),
obwohl auch frinon, frinen belegt ist. Sonstige seltenere Formen sind frin-
nan, Prät. frenn, PI. frunnon nach § 185.
Anm. 4. Zu murnan findet sich einmal ein schwaches Prät. mumde Andreas
37. Der bei Bosworth-Toller, Anglo-Saxon Dict., angesetzte Inf. *meornan
existiert nicht, die einzige Präsensform ist murnan.
Neben spuman kommt auch spontan als Präsens vor, s. § 58. Der bei
Bosworth-Toller, ebenda, angesetzte Inf. *speoman existiert nicht. Über
nordh. schw. Formen wegen Vermengung mit dem schw. Vb. *on(d)spyr-
n(in)a und *on(d)spum(in)a s. § 417, Anm. 9, g.
Anm. 5. Vielleicht gehört hierher noch mit schwundstufigem Präsensvokal
jorcwolstan verschlucken, von dem nur der Inf. belegt ist.
§ 390. Klasse IV. Verba nach der vierten Ablautreihe, (got. i, a, e, u),
wests. e - ae - ä? - o, kent. und Vesp. Ps. e, e (§ 52), e, 0, R1 und nordh.
e, ae (e), e (R1 auch se), o, z. B. beran, beer, bäeron, boten tragen. Zum Vokal
des Prät. Pl. s. § 63, a.
Anm. 1. Hierher gehören cwdan sterben, helan verhehlen, *hwelan tosen
(nur hwileö und hwelunn clangor belegt), stelan stehlen, ws. scieran, scyran
scheren (Prät. ws. nur scear, Pl. scearon, in den poetischen Texten auch
scaer, scieron), teran reißen, dweran (Butter)schlagen, brecan brechen; fer-
ner Präs. Ind. Pl. hlecaö, Part. Prät. tohlocene (zu *hlecan verbinden) und
das Part. Prät. jedwolen irrtümlich.
Anm. 2. Zu dweran gehört vielleicht das poet. Prät. $eduren geschmiedet
(Beow. 1285, Rätsel 91, 1), wenn nicht hierfür mit Sievers wegen der nicht
übereinstimmenden Bedeutung neörüen (s. Beitr. 9, 282) zu lesen ist, welche
Form Metra 20, 134 überliefert ist. 36 örüen ist allerdings wegen des metrisch
langen Vokals nicht leicht einzuordnen; es könnte kaum zu einem Verbum
der Ablautreihe II, sondern eher zu einem red. Verbum wie büan, § 396,
Anm. 8, gehören. In der Prosa ist das Part. Prät. zu dweran regelrecht
neöworen.
Anm. 3. Besondere Unregelmäßigkeiten zeigen:
§ 390-391. Starke Verba: IV. und V. Ablautreihe
301
niman nehmen nöm, nam nömon, nämon numen
cuman kommen c(w)öm c(w)ömon cumen (cymen)
Von cuman lautet der Opt. Präs, nicht selten mit »-Umlaut cyme, und
dieses y erscheint bisweilen auch noch in andern Präsensformen, nament-
lich im Anglischen. Hier gelten folgende Flexionen: a) Vesp. Ps.: Part.
cumende, Präs. Ind. Sg. 1. cumu, 2. 3. cymes, -ed, PI. cumad, Opt. cyme
(auch Royal Gl.), Imp. cym, PL cumad; - b) R1: Inf. cuman, -e, Part, cumende
(cymende), Präs. Ind. Sg. 1. cume, 2. cymest (cumest), 3. cymeP (cymap,
cymp), PI. cumap (cymep, -ed), Opt. cume (cyme), Imp. cym, cyme, cum, PI.
cumaP, -eP (cymeP); - c) R2: Inf. cuma, Part, cymende, Präs. Ind. Sg. 1. cymo,
2. 3. -es, -ed, PI. cumad, cymad, Opt. cyme, Imp. cym, PI. cumed, cymad, Part.
Prät. cumen; - d) L: Inf. cum(m)a, -se, cyme, Part. cym(m)ende (cummende),
Präs. Ind. Sg. 1. cym(m)o, 2. 3. cym(m)es, -ed, PL cymas (cumas), -ad, -es,
•ed, Opt. cymd, -e, Imp. cym(m), PL cym(m)ad (cumas), -ed, -ad, Part. Prät.
cum(m)en; - e) Rit.: das y steht durch das ganze Präs, durch, bis auf je
1 Inf. sicvma, cume (im Part. Prät. stets cum(m)en).
Das Prät. lautet altws. in der Cura past. und Or. meist cöm, in der Chron.
aber gewöhnlich cuöm. R2 hat nur cöm, Vesp. Ps. nur cwöm. PL cwömun,
aber bicömun, forecömun, R1 cwöm (1 cöm), L cwöm (1 cömse Opt.), Rit.
cvöm (eine früher oft angesetzte Pluralform *cwamon ist nirgends belegt).
Die Länge des ö in c(w)öm ist wie die des entsprechenden nöm von niman
durch Doppelschreibung gesichert. Sie ist durch Angleichung an den Plural
in Anlehnung an die Präteritalbildung der VI. Ablautreihe zu erklären (Sie-
vers, Beitr. 8, 87 ff.). Im Plural ist ö lautgesetzlich nach § 80. Zu den For-
men des Verbums s. Sievers, Beitr. 8, 80ff.
Im Angl, herrschen die Formen nöm, PL nömon ganz ausschließlich; im
Ws. ist daneben frühzeitig im Sing, die nach den Verben der III. Ablaut-
reihe (1) gestaltete Neubildung nam (Sweet, Angl. 3, 152ff.) eingetreten,
im PL das schwer zu erklärende nämon (Ep. naamon). Zur Erklärung dieser
Form Flasdieck, Angl. Beibl. 41, 287f. und M. Daunt, Year’s Work of Engl.
Studies 1930 (9), 71.
Anm. 4. Vielleicht gehört auch hierher noch *striman (oder striman zu
KL I) in-, obriti (nur im Part. strima(e)ndi GL belegt).
Anm. 5. Über das i im Präsens von niman s. § 81; über Präsensformen
mit se bei Verben dieser KL vgl. § 55, Anm. und § 391, Anm. 5; über Velar-
umlaut im Präsens § 370.
§ 391. Klasse V. 1. Verba nach der fünften Ablautreihe, germ. e, a,
äJ (westgerm. ä), e, got. i, a, e, i, ws. e-ie-ie (ä, § 63, a) - e (kent. und
Vesp. Ps. e, e, e, e, sonst angl. e, e, e, s. § 52, § 63, Anm. 1), wie ws.
metan, mast, mieten, meten messen, oder mit grammatischem Wechsel
wie cwedan, cwseS, cwiedon, cweden sprechen (nordh. Formen davon s.
Anm. 4.).
Anm. 1. So flektieren noch drepan erschlagen (Part. Prät. auch einmal
dropen nach Reihe IV, Beow. 2981), screpan schrapen, kratzen, swefan
schlafen, wefan weben, jetan fallen, cnedan kneten, tredan treten, sprecan
(ws. und. kent. auch specan, s. § 180) sprechen, wrecan verfolgen, we^an
302
§ 391. Starke Verba: V. Ablautreihe
tragen, lesan sammeln, jenesan genesen und mit grammatischem Wechsel
das defektive weean § 427, 3.
Isoliert steht das Part. Prät. nordh. forrepen reprehensus L.
Das Verbum ple^an spielen, tanzen, bildet nur im Präs, starke Formen
neben schwachen von plejian; angl. *plajia(n), pZa3jta(n), s. § 417, Anm.
11, b; zu letzterem das Prät. ws. ple^ode, R1 pZ(e)ajade, nordh. R2 pZa?j(e)de,
L plse3(e)de, plsejade (Vesp. Ps. nur Präsensformen belegt).
Anm. 2. Ws. ji(e)/an geben und si{e)tan erlangen, welche auch zu dieser
Klasse gehören, zeigen die durch den anlautenden Palatal bedingten Be-
sonderheiten des Stammvokals nach § 91, a, b, c, bzw. § 123; daher ws.
Präs. ji(e)/an, syfan, si{e)tan, sytan, Prät. Sg. seaf, Seat (spätws. je/,
sei), Pl. seafon, s$aton (spätws. sefon, -3eton), Part. Prät. ji(e)/en, syfen,
-ji(e)ten, -jyten. Kent, und angl. Präs, je/un, -jetan, Prät. Sg. kent. je/,
je«, aber nordh. auch -jene/, -jea/, -jeat L neben -säet, saet(t), Plural
3&jon (so auch mehrmals in der Poesie), -jeton, Part. Prät. seien, -^eten.
Über Präsensformen mit Velarumlaut s. § 370, Anm. 3.
Anm. 3. etan essen, fretan fressen haben im Prät. Sg. wie in allen germ.
Sprachen den Pluralvokal, daher ws. St, frist, R1 und nordh. et{t) (in Ra auch
ein jiee«) mit langem e nach § 62 (ein vereinzeltes set in L mag Neubildung
sein). - Von wejan lautet ws. der Prät. Pl. auch wä$on nach § 63, a, meistens
aber wS^on bzw. wejon (Byrhtnöp); bei den anderen Verben ist S überall
durchgeführt.
Anm. 4. Über den Velarumlaut im Präsens dieser Verba vgl. § 370. Es
heißt also angl. regelmäßig Inf. beoran, eotan bzw. nordh. auch beata, eat(t)a,
Präs. Pl. beoraö, eotaö (bearaö, eataö, bearas, eatas) und auch jeo/a(n), -jeoto(n)
bzw. jea/a, -jeu«(«)a usw. Über nordh. woe- für we- s. § 115; über nordh.
wosa § 113,c; über das nordh. Präsens von cwoeöa (ws. cweöan) § 370,
Anm. 7; das Prät. lautet in L neben cwteö {cuseö) auch oft cweö [cueö) und
cwoeö {cweö, coeö), s. § 115, Anm. 1, Plur. cuedon {cwedon) und cuöedon
{cwöedon), einmal cuSdon vielleicht als Fehlschreibung; im Rit. Sing. cvoeÖ
(einmal cwfl), Opt. cvöede.
Anm. 5. Im Präsens zeigen einige nördl. Texte bisweilen se statt e; so hat
R1 einmal stselan und oft cwseöan, L hsela, beerende, L Sg. wrseco u. ä., vgl,
§ 55, Anm.
Anm. 6. In R1 und nordh. findet sich im Prät. Sg. nicht selten auch e für
se: R1 sprec. cweö, R2 je/, L cweö (neben cwoeö, s. Anm. 4), spred, jef usw.
Dies mag, zumal in R1, zum Teil auf schwankender Lautbezeiohnung be-
ruhen (vgl. auch öfteres ® für e § 55, Anm.); für L, das sonst se und e genau
scheidet, dürfte eher Ausgleich nach dem Plur. usw. anzunehmen sein, also
eprec neben sprsec usw. Vgl. ähnliche Fälle, Anm. 11.
2. Die Verba ^ejion ^efeon sich freuen, ptton pleon wagen, 8ion seon
sehen zeigen Kontraktion nach Ausfall des h (also aus *-fehan, *plehan,
*seh(w)an, s. § 129, 2). Ihre Tempusbildung ist im Ws.:
jefeon jefeah jefä^on (jefaajen)
pleon pleah - —
seon seah säwon sewen, sawen (? säwen)
Anm. 7. Ein Inf. *^ejeohan existiert nicht; 3efse$en (nordh. L seja^en)
froh, ist wie fassen eigentlich Adjektivum, vgl. alts. fagan. Das Prät. lautet
§ 391-392. Starke Verba: V. und VI. Ablautreihe 303
merc. Vesp. Ps. ^efaeh nach § 119; Pl. Vesp. Ps. R1 ^efe^un, -on nach § 63,
a. Im Nordh. flektiert das Verbum meist schwach nach Kl. II: sifea^a, -e Ra
L, ji/ea(j)ia, ^ifea^e Rit. und andere Formen s. § 415, c; jedoch Rif.
je/ea L, sifea Rit., Imp. Sg. jefazj L wohl vom st. Vb. - Zur Flexion des
Präsens dieser Verba s. § 374.
Anm. 8. Prät. Sg. von seon lautet angl. nach § 119 sseh (in L auch saejh);
Prät. Pl. streng ws. säwon (§ 63, b), statt dessen in nicht streng ws. Texten,
namentlich in poetischen, auch sS^on (mit der Vokalentwicklung nach
§ 63, a, vgl. die übrigen Verba von Kl. IV und V), angl. se^un, -on (R1
auch sä^un und ss^un), Opt. angl. seje (über den Vokal vgl. § 63, Anm. I,
über den Kons. § 234, d). Ws. Part. Prät. säwen, wird wohl ö aus dem Prät. Pl.
haben, das daneben vorkommende sewen hat kaum i-Umlaut nach § 96, 1
und § 378, 2, sondern entspricht im Vokal der normalen Ablautform der
Verba der Kl. V, auch wie diese mit e (nicht eo vor w, § 88); angl. lautet
das Part. Prät. -aejen mit dem Kons, des Prät. Plur. Außerdem wird in
R1, Ra, L auch das Adj. ^esene sichtbar (§ 218, 2; in R1 ^eseanse, ^esSnse,
L jeseen) als Part. Prät. verwendet.
3. Die Verba biddan bitten, Uc^{e)an liegen, sittan sitzen, bilden ihr
Präsens im Germ, mit idg. -jo- (vgl. got. bidjan und § 372), sind aber
sonst regelmäßig, Prät. bsed, las^, säet, Part, beden, le^en, seien.
Anm. 9. /o-Präsentia zeigen auch Öic^{e)an nehmen, empfangen, und
/ricj(e)an erfahren. Zu Öic^(e)an lautet das Prät. Sg. namentlich in der
Poesie Öeah, aber auch däh nach Reihe I, Pl. dejon und düs^on, daneben,
besonders streng ws. wie es scheint immer, schwach Öi^ede, öi^de, § 400,
Anm. 1, b und § 401, Anm. 1. Ein starkes Part. Prät. liegt vielleicht in
äderen distentus Gl. vor. Von /ncj(e)an ist das Prät. nicht belegt; das Part.
Prät. ist ^efresen, ^efri^en und sefru^en, s. § 389, Anm. 3.
Anm. 10. Von lic^{e)an lautet der Prät. Pl. ws. manchmal lä$on nach
§ 63, a, häufiger jedoch iS^on. Außerws. lautet er lejon.
Anm. 11. Im Prät. Sg. steht e (? e) statt se in bed R1, Ra, L, sett R1, set
L neben Formen mit se, vgl. Anm. 6.
§ 392. Klasse VI. 1. Verba nach der sechsten Ablautreihe, got. a, 6,
ö, a. a,e. a - ö - ö - a, wie faran, för, föron, faren gehen; über Part. Prät.
mit ae, e s. Anm. 6.
Anm. 1. So gehen noch alan wachsen, calan frieren (fast nur Part, ofcalen),
Salan singen, ^rafan graben, sc(e)afan schaben, hladan laden, wadan gehen,
drajan ziehen, jnajan nagen, acan schmerzen (nur Präsensformen belegt),
bacan backen, sacan streiten, sc(e)acan schütteln, wascan, wsescan {waxan,
§ 204, 4) waschen.
Weiter gehören hierher die isolierten Part, sedafen (selten ^edsefen, vgl.
Anm. 6) geziemend, jeöracen stark, gedrungen; ferner vielleicht dawan
sculpere, dessen Prät. nicht belegt ist.
Anm. 2. Präsensbildung mit n hat wsecnan erwachen, Prät. wöc (auch
schwach Prät. wsecnede, Part, wsecned und bedeutungsgleich waecnian schw.
Vb. II).
304
§ 392. Starke Verba: VI. Ablautreihe
Anm. 3. Die Abweichungen von 8c(e)afan und 8c(e)acan, Prät. scöc, sceöc,
Part. sc(e)acan (poet. scjecen § 368, Anm. 4) erklären, sich, aus § 92, 2. Die
angl. Formen sind: Vesp. Ps. Part. Präs, scaecende, Part. Prät. scecen, R1
Imp. PI. äscakefr, R2 Imp. PI. sceecas, äsceacaö, L 8ceac(c)a u. ä. (Part, auch
sca?cende), Rit. Part. Prät. cwc(e)®cen.
Anm. 4. Altws. sponan, spanan verlocken (angl. nicht belegt), Prät. spön
bildet später das Prät. speon nach den reduplizierenden Verben, und in
jüngeren Texten auch ein entsprechendes Präs, spannan, vgl. § 396, 1, b.
Anm. 5. wascan, wsescan waschen bildet das Prät. wie in den anderen germ.
Sprachen in der Regel nach Klasse VI, also wösc (wöx), wöscon (wöxon),
doch kommt in Hss. der Beda-Übers. ein Prät. Plur. w&oscan (nach den re-
duplizierenden Verben, § 396) vor, das Flasdieck, Anglia 60, 343, für ur-
sprünglich hält und wegen des häufigen me. Prät. wesch weiter verbreitet ।
gewesen sein muß. — Zu weaxan wachsen (spätws. wexan nach § 122, 3,
auch R1 und Ra wexa) ist ein Prät. wöx nur nordh. (L &wöx, Plur. wöxon),
sonst lautet das Prät. nach den reduplizierenden Verben weox, weoxon (R1
wexon nach § 119), was die ursprüngliche Bildungsart gewesen sein wird.
Anm. 6. Im Part. Präs, wechselt nach § 368, Anm. 4 der Wurzelvokal te
mit a nach dem Präsens (bzw. ea nach sc); daneben stehen gelegentlich For-
men mit Umlaut-e, s. § 378, Anm. I.
2. Die Verba contracta ws. flean schinden, lean tadeln, slean schlagen,
öwean waschen (zu got. slahan, frwahan) behandeln ihr Präs, nach den
Regeln von § 374. Im Prät. ist der stimmhafte Konsonant des PI. regel-
mäßig in den Sing, eingedrungen: daher 1. 3. Sg. flö^, I03, siö 5, ÖWÖ3
mit 5 nach dem PI. lö-yon, slö^on. öwö^on (§ 380, die jüngeren Formen
mit h: löh, slöh, dwöh sind nach § 214, 1 zu beurteilen; vgl. übrigens auch
unten Pkt. 4 sceddan - sceöd). Ebenso steht der durch grammat. Wechsel
bedingte Kons, regelmäßig im Part. Prät.: ske^en, divae^en, befla^en,
belaßen usw., (nordh. Formen s. unten Anm. 7).
Anm. 7. Das Part. Prät. zu nordh. Öwä (die Präsensformen s. § 374, Anm.
4 u. 5) lautet als Neubildung nach dem Präs. L öuäm (vielleicht Öwäen,
zweisilbig), neben -Öuenum (Dat. PI.), -öueanum (vielleicht für Öwäenum)
und due^enum, öueynum, s. § 378, Anm. 2. - Spätws. heißt das Part. Prät.
jedwojen.
3. standan stondan stehen, hat die n-Erweiterung nur im Präs, und
Part. Prät.; also Prät. stöd, PI. stödon, aber Part, standen stonden.
4. Die Verba swerian (sweri^an, swerian usw.; nordh. in L <s«oen(j)a
neben sueri(3)a nach § 115) schwören, hebban heben, ws. hliehhan (hlihhan,
hlyhhan, angl. hleehhan) lachen, st&ppan (Rit. stepa) gehen, ws. scieppan
(scippan, scyppan, kent. angl. sceppan) schaffen, sceddan schädigen,
bilden ihr Präs, mit j, das den übrigen Formen fehlt (§ 372): Prät. swör
(im jung. Or. 89, 25 einmal sweor in Analogie zu § 396, wenn nicht ein
Schreibfehler), höf, hlöj (später hlöh; PI. hlöjon), stöp, scöp (sceöp), scöd
§ 392. Starke Verba: VI. Ablautreihe. § 393-394. Redupl. Verba 305
(sceöd; vgl. § 92, 2, b, wegen des d oben Pkt. 2), Part, hafen, hsefen,
sceapen (§ 91, a oder § 92, 2, d) usw.
Anm. 8. hebban bildet spätws. auch ein schwaches Prät. hefde und Part, hefod.
Neben sceddan findet sich auch neugebildetes sceadan ohne j, und um-
gekehrt neben scgöd auch ein schwaches Prät. sceöede, § 401, 2.
Zu swerian heißt das Part, sehr selten swaren, meist sworen (so auch
nordh. R2 L Rit. neben umgelautetem suoeren L); manchmal schwach
swerede.
Nordh. Neubildungen sind in L ähofen neben halfen, hefen.
2. Reduplizierende Verba
§ 393. Beim reduplizierenden Verbum kann man dieselben vier Stämme
aufstellen wie beim ablautenden Verbum, § 379, doch sind sie insoweit
nicht so scharf unterschieden, als die Vokale im 1. und 4. Stamm einer-
seits und die des 2. und 3. Stammes anderseits früh ausgeglichen wurden.
Grammatischer Wechsel, soweit er überhaupt vorkommt, erstreckt sich
auf den 2., 3. und 4. Stamm.
Das eigentliche Charakteristikum der reduplizierenden Verba liegt in
der Bildung ihres Präteritums.
§ 394. Im Ae. sind die ursprünglich zweisilbigen reduplizierten Präterita
(§ 351, 1) durchgehends zu einsilbigen Formen verkürzt, aber in zwei-
facher Weise:
1. Einige wenige Verba haben in den anglischen Mundarten und
in der Poesie noch Formen erhalten, welche anders als in den übrigen
westgerm. Sprachen noch deutlich auf die Bildung mit Reduplikation
zurückweisen. Solche Formen sind:
Inf.
hat an heißen
redan (ws. rjedan § 62) raten
läcan springen
ondredan (ws. ondreedan, § 62)
fürchten
letan (ws. Ijetan, § 62) lassen
Prät.
heht Vesp. Ps., R1, R2, Rit., L und
Poesie, Beda-Übers., Chad-Leg.,
Blickl. Hom.
reord Beda-Übers. Hs. T, Elene, Pl.
hreordun R1
leolc Poesie
ondreord Vesp. Ps., R1, Ra, ondreard
L
leort Vesp. Ps., R1, R2, Rit., L, Elene,
dreimal Beda-Übers.
Zu allen bestehen in den südl. Mundarten und zum Teil auch in angl.
Denkmälern Nebenformen nach Nr. 2.
Anm. 1. Zur Erklärung dieser Formen nimmt man meist Synkope des
Stammvokals nach der (betonten) Reduplikationssilbe an. reord ließe sich
306
§ 394. Reduplizierende Verba
dann durch Brechung vor rd erklären, hebt ohne diese wegen ‘Ebnung’ als
anglische Form. Ob dies für leolc zutreffen kann, ist fraglich, weil Brechung
vor Ic nicht vorzukommen scheint (s. § 85, Anm. 6), vor allem nicht, wenn
es sich um eine anglische Form handelt (s. § 120). Man müßte daher an
Velarumlaut (a/o-Umlaut, § 110, 2) vor ae. ä aus germ. ai vor der Synkope
denken. Analogie zu reord, leort, ondreord anzunehmen (Campbell, OE.
Gram. § 746), wäre nicht nötig. Aus Analogie erklärt Streitberg, Urgerm.
Gram., S. 327, r in leort und ondreord, doch könnte in leort auch Dissimilation
(von l zu r wegen des anlautenden l) vorliegen. P. Lehmann, Language 30,
202-210, denkt an idg. z-Perfekta, doch dagegen Polomö, Mossö-Gedächtnis-
schrift, S. 400f.
Anm. 2. Als Reste reduplizierender Formen werden meist auch erklärt die
Prät. speojt R2, speajt L, Plur. speojtun L, R2 zu *spätan speien (davon
Part. Präs, spätende L; ws. apStan schw. Vb.) und Prät. Plur. beafton L
zu beatan schlagen (in hondbeafton L, Luc. VII, 32, für lamentavimus,
bzw. in R2 (hondum) beoftun Luc. XXIII, 37), die man durch Velarumlaut
in der ehemaligen Reduplikationssilbe vor der Synkope des Stammvokals
erklären müßte, in speojt don Konsonanten durch Aufgabe des anlautenden
s und ft aus idg. pt nach § 232, in beoftun durch Aufgabe der Stimmhaftig-
keit des inlautend spirantischen b vor t, s. Jordan, E. St. 38, 28-34, W.
Schulze, Archiv 141, 176, Flasdieck, Anglia 60, 255-264. Wegen des Part.
Prät. sespeoftad L und hondbeaftadon L, Luc. XXIII, 37 hat man freilich
auch an zwar sonst nicht nachweisbare schw. Vb. II. Kl. *apeoftian und
*beoftian gedacht (Sievers, Beitr. 9, 279 und Feist, Beitr. 32, 596). - Hin-
gegen ist blefla Prät. Sg. L, Joh. XX, 22, das in der Glosse in $ebleou ver-
bessert ist (entsprechend $ebleuu Mk. VII, 33 und Plur. ^eblewun Mt. VII,
25, ^ebleuun Mt. VII, 27) sicher ein Schreibfehler, s. Fuchsei, Anglia 24, 75
und Sievers, Beitr. 26, 557.
Anm. 3. Über die Formen, die neben oder statt obigen vorkommen, s.
§ 395.
2. Gewöhnlich fehlen im Ae. wie in den anderen westgerm. Sprachen
alle Spuren einer früheren Reduplikation. Die Wurzelsilbe hat als Vokal
entweder e (§ 66), in einigen Fällen vielleicht e, oder den Diphthongen
eo, deren Erklärung umstritten ist. Z. B.
fön fangen fenj
hätan heißen het
feallan fallen feoll
hleapan springen hleop
fen^on
heton
feollon
hleopon
fonsen
häten
feallen
hleapen
Anm. 4. Das eo unterliegt den üblichen mundartlichen Wandlungen; daher
gelegentlicher Wechsel mit io (bos. kentisch, § 38) und namentlich nordh.
Wechsel mit ea (§ 35, Anm. 1).
Anm. 5. Unsicher ist die Zuteilung von *äblonjan erzürnen, von dem nur
ein Part. Prät. abloncjne indignati in L belegt ist; von blondan mischen,
Part. Prät. jeblonden, da das Prät. blend zu dem schw. Vb. *blendan (me.
blenden, ne. blend') gehören konnte (das spät - Vesp. AIII, 11. Jahrhundert -
überlieferte Prät. $eblond müßte, wenn es nicht eine späte Analogieform
oder ein Schreibfehler ist, eine reduplikationslose Bildung sein, s. Flasdieck,
§ 394—395. Reduplizierende Verba
307
Angl. 60, 288). Reduplikationslose Prät. dürften vorliegen in: ws. sceäd
neben sced zu scädan, sceädan scheiden, hierzu angl. Prät. R2 Ind. Sg.
to^isceode interpretabatur; L -sceädade, sceädde (sceadda), sceäde, PI.
sceäd(ad)on; Rit. 2. Sg. ^esceädest, PI. tosceädon, also wohl schwache For-
men; weiter im Prät. jcxnj Beow. zu janjan gehen, neben den poet. jeonj,
jtonj, welche zu § 396, 1 gehören dürften. In der ws. Prosa (und auch im
Angl.) steht dafür überall eode usw. § 430; in der Poesie kommt auch jenjde
zum (kausativen) schw. Vb. jenjan (Andr. 1097) vor. Über junj vgl. Krog-
mann, Angl. 57, 216 und Angl. 61, 356f.; Flasdieck, Angl. 60, 287. Über
die nordh. Formen des Präsens (jeonja L, jeonja, jtonja Rit., R3 gew.
jonju, einmal jeonja; Opt. 1. Sg. Ind. jiunjo L, letztere vielleicht
von einem schwundstufigen Präsens *3u?ijan) vgl. § 92, Anm. 4. Das Part.
Prät. jejonjen fehlt nordh. und ist durch $iead R2 L ersetzt. Prät. jien(3),
Opt. jenje in der aus dem Altsächs. umgesohriebenen Genesis B sind nicht ae.
§ 395. Den Vokal e (e) haben:
1. Einige Verba mit urspr. a vor n 4- Ä im Präsens, nämlich fön fangen,
hön hangen (zu got. fahan, hähan, aus germ. *fa^hant *ha%han § 80,
Anm. 1), Prät. mit grammatischem Wechsel /#nj, Äenj; Part, fon^en
(fanden), honten (hangen).
Anm. 1. Das e des Prät. dieser Verba ist im Ahd. und Altniederfränk.
konsequent lang, im Altsächs. und Altnord, bis auf einige altsächs. Sonder-
fälle kurz, im Altfries. sind wenige Belege, im spateren Fries, stehen Kürze
und Länge nebeneinander. Anscheinend galt urspr. im Sing. Kürze und im
Plur. Länge, zwischen denen früh Ausgleich eintrat. Ob ae. Kürze oder
Länge galt, ist nicht feststellbar, erst für die spätere Zeit ist Länge nach
§ 137, 3 anzusetzen, s. Flasdieck, Angl. 60, 288ff.
2. Einige Verba, deren Präsensstamm einfachen langen Vokal und
einfachen Konsonanten hat, und zwar:
a) solche mit westgerm. ä (westsächs. ä? bzw. ä nach § 63, a, angl. kent.
e): ws. (ori)driedan fürchten, rädan raten, lesen, l-etan lassen, släpan
(sliepan § 63, a) schlafen bzw. angl. kent. ondredan, rßdan, letan, slepan.
Anm. 2. Über dreord, reord, leort vgl. § 394, 1.
In der Beda-Übers. kommt let neben leort vor, R1 hat ein forleortun neben
gewöhnlichem let, aber nur dreord, reord; Vesp. Ps., L, Rit., R2 haben keine
Formen mit e.
rSdan ist ws. wegen Vermengung mit dem schwachen Verbum got. raidjan
darbieten, garaidjan anordnen, meist schwach flektiert: Prät. riedde, Part.
3&rSdd, doch kommen auch die dem redupl. Verbum (ahd. rätari) zuge-
hörenden Formen vor, wie Prät. PI. redon Gros., Part, rteden Blickl. Hom.
R1 hat nur Prät. PI. hreordun, R2 reddun, L redon korr. aus reddon und ein
Part. Prät. ^ereded. — Ebenso begegnet ws. ein schwach gebildetes (on}slä?pte,
ondriedde. In der angl. Prosa wird das Prät. zu slepan stets schwach gebildet:
Vesp. Ps. slepte, R1 slepte (slepade), L slepde (PL auch slepedon), Rit. slepte,
b) solche mit germ. ai, ae. ä, dem nicht ein w folgt oder vorausgeht
308 § 395-396. Reduplizierende Verba
(vgl. § 396, 3): hätan heißen, läcan springen, spielen, scädan (sceädan
§ 92, 2, d) scheiden.
Anm. 3. Über heht s. § 394, 1. In der ws. Prosa steht bloß het außer einem
heht in der Chr. In den Dichtungen steht hSi neben heht, auch in sicher süd-
engl., wie dem Einleitungsgedicht der Cura past. und den Metren des
Boethius. Wo heht in weniger streng ws. Prosatexten vorkommt, stammt
es aus angl. Mundarten. Die Beda-Übers. hat heht neben het, die rein angl.
Texte haben bloß heht.
Anm. 4. Über Prät. sceäd neben sced s. § 394, Anm. 5.
§ 396. Den Diphthongen eo erhalten im Präteritum die Verba: 1. mit
urspr. a vor l + Konsonant und einige mit n + Konsonant (bzw. II
und nri) im Präsens: a) ws. kent. jeallan, angl. fallan fallen, ws. weallan
wallen, fealdan falten, healdan halten, stealdan besitzen, wealdan walten,
sedltan salzen, wealcan walken (zum Präs. Vokal s. § 85) - b) bonnan
(bannari) bannen, sponnan (spannan) spannen.
Anm. 1. Die Quantität des eo im Prät. ist nicht direkt zu ermitteln. Aus
etymologischen Erwägungen wird es lang angesetzt (vgl. Flasdieck, Angl,
60, 283).
Über nordh. ea für eo s. § 394, Anm. 4. R1 hat neben Formen wie heold,
feollan (Prät. PL, auch feallan) auch Pl. fellun.
Anm. 2. Über die Formen von jonjan, janjan s. § 394, Anm. 5.
Anm. 3. Hierher gehört auch weaxan (spätws. und R1 wexan) wachsen,
Prät. weox, weoxon, s. § 392, Anm. 5, und nach Flasdieck, Anglia 60, 343
Prät. Plur. weoxan (Hss. der Beda-Übers.) zu wascan, wsescan waschen, s.
ebenda.
Anm. 4. Prät. spenn (so wie ji'enfj), Opt. jenje) in der aus dem Alts, um-
geschriebenen Genesis B ist nicht altenglisch.
2. mit dem Präsensvokal urspr. au = ae. ea und urspr. ö = ae. ö vor
einfachem Konsonanten: a) beatan schlagen, heawan hauen, hleapan
springen und wahrscheinlich *heafan klagen (bloß Prät. heof, heofon be-
legt), aber kaum auch Prät. jeneop, s. § 384, Anm. 2. - b) hröpan rufen,
hwöpan drohen, blötan opfern, wrötan aufwühlen (Prät. unbelegt), flöcan
plaudere (desgl.), swö^an rauschen (desgl.), äswöyin überwältigen, er-
sticken (dazu Part, jeswöjen ohnmächtig) und mit i-Umlaut (Präsens-
bildung mit je/jo, § 372) wepan weinen (Part. prät. jewöpen) und viel-
leicht hwesan ( Thwösan, s. Anm. 6) keuchen.
3. ursprüngliche Verba pura (mit vokalisch schließender Wurzel), die
ae. im Präs, und Prät. mit einem w-Suffix gebildet werden, dessen Ur-
sprung unerklärt ist (vgl. dazu Flasdieck, Anglia 60, 305ff.), und zwar
a) mit dem Präsensvokal ö: blöwan blühen, flöwan fließen, yröwan
wachsen, hlöwan brüllen, röwan rudern, spöwan gedeihen. - b) mit dem
§ 396-397. Reduplizierende Verba
309
Präsensvokal ae. ä (vgl. § 63, Anm. 2): bläwan blasen, cnäwan kennen,
cräwan krähen, mäwan mähen, säwan säen, Öräwan drehen, wäwan wehen.
Anm. 5. Ebenso bildet das Prät. mit eo: swäpan wegfegen.
Anm. 6. Zu 2, a) gehört noch das isolierte Part. Prät. eacen groß (vgl. got.
aukan vermehren) und eaden geboren, zu b) vielleicht *cnödan zuteilen
(Prät. nicht überliefert, bloß Part. Prät. jecnöden, s. § 384, Anm. 4), zu 3, a)
vielleicht snöwan eilen (bloß in der 3. Sg. Ind. snöweö belegt, s. § 384, Anm. 4),
zu b) räwan spalten (Part. Präs, $eräwende, Part. Prät. jer^wen mit i-
Umlaut). - Von hwesan, hwösan sind nur die 3. Sg. hwest und das Prät.
hweos belegt. Ob für den ae. Inf. daher i-Umlaut (und damit /o-Bildung)
anzusetzen ist, scheint fraglich, zumal ne. neben wheeze, das von an. hv£sa
abstammen kann, mundartl. auch hoose steht; s. NED unter wheeze.
Anm. 7. Über die Prät. (on)reod vgl. § 384, Anm. 1, jeneop, ähneop, heoj,
on § 384, Anm. 2. - Über speojt, -on, speajt und beojtun vgl. § 394, Anm. 2,
ebenso über blefla (verbessert zu jefeieou) zu bläwan.
Anm. 8. Zu dem starken Präs, büan wohnen, Part. Prät. je&ün, jeäüen
(selten ^ebyn) fehlt ein starkes Prät.; es wird durch büde, büede, nordh.
durch by{e)de von dem schw. Vb. nordh. bya, § 417, Anm. 9, ersetzt. - Zu
einem Verbum mit ebensolchem Vokalismus könnte das Part. Prät. ^eörüen,
§ 390, Anm. 2 gehören. - Zu einem Verbum mit ü vor Kons, gehört vielleicht
ädrüten, § 386, Anm. 5.
Anm. 9. Neben säwan begegnet in der Cura past. Hs. H auch umgelautetes
(nach der 2. 3. Sg. gebildetes) siewan (Inf. und Opt. Präs.).
Anm. 10. Bei den Verben auf w findet sich altws. und merc. im Prät. bis-
weilen e statt eo: Cura past. oncnew, -on, Opt. sewe, Oros. oncnewen; Vesp.
Ps. oncnew, -e, -un, R1 heu, 2. Sg. sewe, Pl. blewan.
Nordh. steht eaw, ew nach § 35 und §89 neben eow: R2 bleow, seow, Pl.
oncneowun, aber 2. Sg. s^we; L bleuu, bleouu (^ebleou verbessert für blefla,
s. Anm. 7 und § 394, Anm. 2), Pl. blewun, bleuun; oncnew, -cneu; cniSw,
-cneawu, Pl. cneawn, -cneaun, ohne -n nach § 360, Anm. 3 oncneu, -cnSu,
cneaw jie, Opt. cnewa; Opt. creawa; Pl. hrewun, hrSuun, hröwun (nach
abl. Vb. VI. Kl.) zu röwan; Ind. seaw(u), Pl. seawun (und schwach seawde,
sände); Opt. speua; Rit. 2. Sg. äbleawe, 3. Sg. siflSveft).
Im Prät. Pl. kann Kontraktion eintreten: poet. reon aus reowun von
röwan.
Anm. 11. Von nordh. wöepa, ^ewöepa — ws. wepan lautet das Prät. in R2
regelmäßig weop, in L weop, -weap, wesep, wöeap, -wiep (und schwach wäepde).
§ 397. Das Part. Prät. hat ursprünglich den, Vokal des Präsens (doch
steht äswopen R1 von swäpan § 396, Anm. 5). Grammatischer Wechsel
(und demgemäß keine Entwicklung des Nasalvokals und keine Kon-
traktion) findet sich nur in den Part, jon^en und honten zu fön, hön
§ 395, 1.
Anm. Neben L honten heißt das Part, dieser Verba nordh. in Ra L Rit.
föen und höen (dazu poet. -jen, vgl. § 378, Anm. 2), aber Vesp. Ps. nur
fon^en, R1 fon^en, honten.
310 § 398-399. Schwache Verba. § 400.1. Klasse: Kurzsilbige
III. Die schwachen Verba
§ 398. Die schwachen Verba sind meist abgeleitete Verba. Nach ihren
Ableitungssuffixen unterscheidet man drei Klassen:
1. Die idg. jo- (germ. ja-) Klasse. Ihr ursprüngliches Präsenssuffix war
indog. -e-jo; daraus entwickelte sich im Germ, über *-ija- nach kurzer
Wurzelsilbe -ja-, nach langer Wurzelsilbe -ia-, § 45, 9; bzw. aus der ab-
lautenden Form des Suffixes idg. -e-je germ. -iji-, -i-, wie in der 2. 3.
Sg. Ind. Präs.
2. Die idg. ä-, germ. ö-Klasse. Ihr Präsenssuffix war im Germ. -ö(j)a,
-ö(j)i (idg. -ä-io, -ä-id), § 411.
3. Die idg. S-Klasse, thematisch -eie-, -eio- Klasse, germ. -&j-, -ai-
Klasse, von der ae. nur Restformen erhalten sind, s. § 416, deren Er-
klärung so wie die derer in den anderen germ. Sprachen umstritten ist.
Vgl. dazu § 411, Anm. 1.
§ 399. An Stämmen sind bei der schwachen Konjugation nur drei zu
unterscheiden: der des Präsens, der des Präteritums und der des
Part. Präteriti. Die beiden letzteren berühren sich sehr häufig in
ihrer Form.
1. Erste schwache Konjugation
a) Ursprünglich kurzsilbige Verba
§ 400. Alle Formen der regelmäßigen Verba dieser Klasse haben i-Um-
laut.
Im übrigen zerfallen die Verba dieser Klasse (einschließlich auch der
zugehörigen Verba mit abweichender Stammbildung von § 407 u. § 408)
nach der verschiedenen Bildungsweise der Formen ihres Präsensstam-
mes in zwei Hauptabteilungen:
1. Verba auf r, wie nerian (nerian, neri^an, neri^ean usw., § 175, 2)
retten. Diese behalten in allen Präsensformen den einfachen Konsonanten
am Ende der Wurzelsilbe (§ 227) und, abgesehen von der 2. 3. Sg. Ind.
und der 2. Sg. Imp. (s. § 410), auch das ableitende j (§ 176).
2. Verba auf andere Konsonanten, wie fremman vollbringen, settan
setzen usw. Diese verdoppeln ursprünglich in allen Präsensformen außer
der 2. 3. Sg. Ind. und der 2. Sg. Imp. nach § 227 den wurzelauslautenden
Konsonanten, werden dadurch in diesen Formen langsilbig und ver-
lieren somit das ableitende j (§ 177, 3).
§ 400. Schwache Verba: I. Klasse: Kurzsilbige
311
Diese beiden Gruppen sind namentlich im Angl, noch wohl vonein-
ander geschieden; im Südenglischen wird dagegen das alte Verhältnis
vielfach durch Ausgleichungen und Neubildungen gestört.
Anm. 1. Wie nerian gehen z. B. noch berian schlagen, derian schaden, erian
pflügen, jerian gehen, herian preisen, ämerian läutern, ws. scierian anord-
nen, ws. ä-, bescierian trennen, berauben (§ 91, c), werian wehren, gewerian
bekleiden, eindämmen, byrian gebühren, onhyrian eifern, snyrian eilen,
spyrian fragen, styrian stören, und mit Ausfall von h auch spätws. dwyrian
adversari (für altws. *dwierian, aus *ßwiorhjan, § 218, Anm. 1).
Wie fremman bilden ihr Präsens ursprünglich;
a) Die Verba auf die Nasale m, n und die Liquida l, z. B. sremman er-
zürnen, temman zähmen, trymman befestigen; Öennan dehnen, wennan ge-
wöhnen, clynnan klingen, dynnan tosen, hlynnan brüllen; *he.Uan verbergen,
ws. äsciellan schälen, *syllan suhlen; dazu cwellan usw. § 407, 3.
b) Die Verba auf die Spiranten s, ß, f, 3 (geminiert bb, C3 nach § 190,
§ 216, 1), wie cnyssan stoßen, hrissan zittern; sceddan schädigen (auch stark,
§ 392, 4), sweddan umwinden, wreddan stützen; äswebban einschläfern, töten;
wec3(e)an bewegen, <5icj(e)an empfangen (auch stark, § 391, Anm. 9);
Zecj(e)cm legen, byc3(e)an kaufen, § 407, Anm. 1 u. 19.
c) Die Verba auf die Verschlußlaute d, t und c, wie hreddan entreißen,
retten, ätreddan erforschen; cnyttan knüpfen, hwettan antreiben, lettan hem-
men, settan setzen, spryttan sprießen; dazu cwecc(e)an usw. § 407, Anm. 2.
Anm. 2. Im Vesp. Ps. ist der Unterschied der beiden Bildungsweisen noch
ganz scharf durchgeführt, ebenso in R1 und nordh., wenn man von ge-
legentlichem Fehlen des j nach r in der ersten Gruppe absieht (vgl. § 409,
Anm. 1; Schwanken zwischen einfachem und doppeltem Konsonanten bei
Verben der zweiten Gruppe, § 410, Anm. 3, gehört nicht hierher). Auch die
Poesie zeigt das alte System gut erhalten.
Im Ws. halten die Verba mit Präteritalbildung ohne Mittelvokal nach
§ 407 im Präsens im allgemeinen den Typus der zweiten Gruppe fest (vgl.
jedoch § 407, Anm. 14). Bei den anderen Verben wird dagegen schon sehr
früh das Präsens nach nerian oder der II. Konjugation der schwachen
Verba gebildet, wenn sie auf einen Dauerlaut (Nasal, Liquida l, Spirans)
ausgehen. So hat bereits die Cura past. neben fremman, trymman, cnyssan
einige Formen wie trymian und ausschließlich solche wie ^remian, lemian,
temian, behelian, sylian, wredian; dazu Or. denian, spätws. bedian wärmen,
äscylian, hrisian usw. Bei den meisten Verben auf m, n, l, 8, ß sind also
Formen mit Gemination streng ws. überhaupt nicht belegt, nur fremman,
trymman, cnyssan halten sich auch spätws. (daneben jremian, trymian).
Die Verba mit bb und cj unterliegen dieser Neubildung seltener: swefian,
herian statt swebban, *hec$an einhegen.
Anm. 3. In jüngeren wests. Texten treten sodann sämtliche Verba auf
-ian, welche ursprünglich der /o-Klasse angehören, vielfach in die Flexion
der II. schwachen Klasse über: nerian, Präs, nerie, nerast, nerad, neriad,
Prät. nerode wie jremian, Präs, fremie, fremast, fremad; fremiaö, Prät. fre-
mode usw.
Anm. 4. Seltener werden einzelne dieser Verba, namentlich fremman und
trymman, wie ursprünglich langsilbige behandelt und Formen wie Part.
Sefremmed, ^etrymmed, Prät. trymde gebildet.
312 Schwache Verba: § 401-402.1. Klasse: Kurzsilbige. § 403. Langsilbige
§ 401. Bildung des Präteritums. 1. Die Verba auf die Verschluß-
laute d und t haben im Prät. die Endung -de bzw. -te mit Synkope des
ehemaligen Mittelvokals -i- nach § 159, Anm. 6: hreddan-hredde, lettanr-
lette (vgl. § 402, 2). Über settan und die Verba auf c s. § 407, 1 u, 3.
2. Die Verba, welche auf Dauerlaute (Liquida«, Nasale, Spiranten)
ausgehen, haben im Prät. die Endung -ede (aus altem -idae, § 44, Anm. 6)
und einfachen (nicht gemilderten) Konsonanten am Wurzelende, z. B.
nerian - nerede, fremman (fremiari) - fremede, (Sennan) denian - öenede,
cnyssan - cnysede, scedöan - sceöede, swebban - swefede § 190, wec_5(e)an-
wejede usw. (über lec^ean legen, s. § 407, 3 nebst Anm. 19).
Anm. I. Gelegentlich finden sich auch hier Formen ohne Mittelvokal, wie
wejde, di^de, cnysde, nordh. L sceöde, bisueddun-, später erst wird auch der
Doppelkonsonant des Präs, ins Prät. übertragen, cnyssede u. ä.
Anm. 2. Spätws. tritt für das -ede im Prät. sehr gewöhnlich -ode nach
Kl. II der schw. Verba ein, s. § 400, Anm. 3.
§ 402. Bildung des Partizipiums Präteriti. 1. Die Endung ist
im allgemeinen in den ältesten Texten -id, gemeinae. -ed (§ 44, Anm. 6);
der Endkonsonant der Wurzel erscheint wie im Prät. einfach: $enered,
^efremed, ^ecnysed, ^eswefp.d usw.
In den flektierten Formen bleibt der Vokal der Endung trotz § 159, c
regelmäßig erhalten, ^eneredes usw.
2. Besondere Abweichungen zeigen die Verba auf d und t (vgl. § 401,1).
Im Angl, haben sie die volle Endung -ed in der unflektierten Form und
vor konsonantisch anlautender Kasusendung, dagegen Synkope des
Endungsvokals in den flektierten Formen mit vokalisch anlautender
Endung, z. B. ^eseted (zu settan § 407, 3 u. Anm. 18), flektiert ^esettum
usw., aber wieder $esetedne, ^esetedre, -ra. Das streng Ws. führt dagegen
die Synkope ganz durch: ähred(d), 3&set[t), flektiert ^esettum und
^esetne, jesetre, -ra u. dgl., s. § 159, Anm. 6; weniger streng ws. Texte
schwanken.
b) Ursprünglich langsilbige und mehrsilbige Verba
§ 403. Bildung des Präsensstammes. Der ganze Präsensstamm der
zweisilbigen Verba hat i-Umlaut, wo der Wurzelvokal dessen fähig ist
(über Formen mit io, eo neben ws. le usw. s. § 107). Das ableitende j
fällt aus, außer nach Vokalen und Diphthongen, wie in ws. cle^an außer-
ws. cejan rufen, § 176, 3 und § 408, Anm. 12.
Beispiele für diese sehr stark vertretene Klasse s. § 404 ff.
Anm. Unter den mehrsilbigen Verben sind besonders die Ableitungen auf
-etttin (got. -atjan) zu bemerken, wie bliccettan blitzen, lic(c)ettan heucheln,
§ 403-405. Schwache Verba: I. Klasse: Langsilbige
313
roccettan rülpsen, sporettan spornen, ebenso die aus Kompositen entstandenen
ondettan bekennen, önettan, örettan kämpfen, § 43, Anm. 4. Diese haben
nach § 227 Gemination des ableitenden t, doch tritt dafür hier, nach schwa-
cher Silbe, auch oft einfaches t ein, § 231, 4.
§ 404. Bildung des Präteritums. Die Endung des Prät. ist -de,
welches im allgemeinen unmittelbar an die Wurzelsilbe antritt, da der
Mittelvokal nach § 159, b synkopiert wurde (vgl. Anm. 1); der i-Umlaut
bleibt; z. B. ws. hieran - hlerde, deman - demde.
Anm. 1. Das -de ist durch Synkope (nach § 159) aus vorhistorischem -ida
entstanden. Diese Synkope ist im ganzen sehr fest, nur schwanken die
Verba auf Muta + Liquida oder Nasal stark, welche im Prät. bei
regelmäßiger Bildung silbische Liquida oder silbischen Nasal entwickeln
würden (vgl. § 358, Anm. 4).
a) nemnan nennen, hat nemde mit Ausfall des n (so auch R1 L); daneben
spätws. nemnode (vgl. § 406, Anm. 4).
b) Auch bei den übrigen Verben mit kurzem Vokal vor Kons. + l, m, n
ist Synkope altws. die Regel: ejZ-an quälen, sellan, si^lan segeln, frrysman
ersticken, Prät. e^lde, se^lde, ßrysmde (vgl. poet. oferf&bmde von oferfssöman
umgreifen); ebenso später oft ejnan, rsefnan ausführen; daneben begegnen
aber auch Formen auf -ede, wie bytlede Cura past. zu bytlan bauen, si^elede
Chr., spätws. ejnede. Angl, sind hier nur Vesp. Ps. är ejnede, L jenajjtede
und ^eefnade belegt.
c) Bei den Verben mit langvokalischer oder geschlossener Silbe vor der
Konsonantengruppe steht altws. regelrecht -ede: symblan schmausen, wrixlan
wechseln, jrejran trösten, hynyan hungern, timbran zimmern, ojersylefran
versilbern, Prät. symblede, wrixlede, frefrede, hyn$rede, timbrede, ofersylefrede
(Ausnahme ein wyrsmde Cura past. Hs. C gegen wyrmsede Hs. H zu wyrs-
man, wyrmsan eitern, § 185); vgl. ferner die Verben wie ws. die^lan (angl.
de^lari) verheimlichen, ws. biecnan (angl. becnari) ein Zeichen geben, jor^len-
dran verschlingen usw. Später wird dieses -ede wie bei den kurzsilbigen
(§ 400, Anm. 3, § 401, Anm. 2) sehr gewöhnlich durch -ode ersetzt, und
ebenso werden dann auch Präsensformen nach Kl. II, wie frefrian, hynyrian
[hin^rian § 31, Anm. 2), timbrian usw. gebildet.
Von den angl. Texten hat der Vesp. Ps. hier stets -ade nach Kl. II, de^lade,
becnade, hynyade, timbrade, R1 mehrere hyn^rade neben einem hyn$rede;
Ra de^lde, de^elde neben becnede, hyncrede und becnade, fröefrade, timbrade;
L de^elde, hyn{c)^erde, timberde neben jröefrede, leörede (zu ws. *lieÖran salben)
und becnade, timbrade, ^lendrade (einiges andere ist zweifelhaft). Die Formen
mit -a- sind aber wenigstens im Vesp. Ps. streng auf das Prät. (bzw. Part.
Prät., § 406, Anm. 5) beschränkt und haben keinerlei Präsensflexion nach
Kl. II zur Seite.
Anm. 2. Über nordh. Formen auf -ede, -ade bei gewöhnlich langsilbigen
Verben s. § 406, Anm. 1 u. 6.
§ 405. Durch das Zusammentreffen des d der Endung mit dem End-
konsonanten der Wurzelsilbe ergeben sich bei gewissen Verben kleine
314 § 405. Schwache Verba: I. Klasse: Langsilbige
Variationen der Normalform., die sich aus den allgemeinen Lautgesetzen
ableiten. Folgendes ist zu beachten:
1. Ohne besondere Veränderung lassen die Endung -de antreten: a) die
Verba auf einfache Liquida oder einfachen Nasal (außer in der Folge
Muta 4- Liquida oder Nasal, s. § 404, Anm. 1), z. B. ws. hieran - hierde
hören, däelan - dxlde teilen, deman - demde richten, ws. cwielman -
cwielmde töten, wenan - wende erwarten, bzeman - baernde verbrennen,
usw.; - b) die Verba auf die einfachen Spiranten /, s, die auf 5 (einschließ-
lich nj) und die auf Vokal oder Diphthong + d, wie ws. ^eliefan -
^ellefde glauben, liesan - liesde lösen, fe^an - fe^de fügen, fyl^an - fylyte
folgen, liedan - Iwdde leiten usw.
Über die Verba auf w s. § 408, 1-3.
Anm. 1. Zu a) gehören z. B. noch jeran gehen, heran lehren, ws. stieran
stloran steuern; izlan in Brand stecken, celan kühlen, häslan heilen, t&lan
verfolgen; ws. flieman in die Flucht schlagen, ws. jieman sich kümmern,
hieman heiraten, benSman berauben, ryman räumen; ws. hienan höhnen,
Uenan belehnen, mäsnan klagen, ws. stnenan erwerben, ws. eernan sprengen,
ws. siernan begehren, ws. wiernan verweigern und viele andere.
Verba auf f und a sind z. B. noch driefan treiben, drefan trüben, liefan
übrig lassen, ws. äliefan erlauben, ws. hwierfan umwenden, oftyrfan steinigen;
beclysan umschließen, töcwysan erschüttern, fysan eilen, jZesan glossieren,
r&san stürmen, tiesan zupfen u. a.
Anm. 2. Die Verba auf Vokal oder Diphthong + 5 {— germ. g oder /) wie
ws. ölej(e)un beugen, dr^j(e)an trocknen, fe^(e)an fügen, ws. ä/hej(e)an ver-
folgen, /orj«3(e)an übertreten, awej(e)an tönen, wre^(e)an rügen usw. (über
die Verba mit 3 für germ. j, wie ws. ciej(e)un usw., s. § 408, 3) und die auf
nj (bzw. nej, § 215 nebst Anm. 2) wie 3len3(e)an schmücken, hrin3(e)an
klingen, ymbhrin3(e)an umringen, Zenj(e)an verlängern, menj(e)<zn mengen,
sprenj(e)an sprengen, /enj(e)an hineilen, sind regelmäßig.
Bei den Verben auf l, r + 3 wie fyl3(e,)an folgen, ®&t/Zj(e)an zürnen, ws.
*6ierj(e)ctn, öyrj(e)an, angl. bergan, bir^an (§ 105, Anm. 2) kosten, byrs(e)an
begraben, ws. äwier3(e)an, äwyr3(e)an, angl. äwerjan verfluchen, äwyr3(e)an
erwürgen usw. sind die das 3 betreffenden Veränderungen zu beachten (Ent-
stehung eines Gleitelautes vor 3, § 164, § 165, und demgemäß Schreibung
mit -tj- § 213, Anm. 2; Übergang in -i- § 214, 5 nebst Anm. 12), welche in
erster Linie das Prät. (und Part. Prät.), dann aber auch das Präsens be-
treffen. Daraus erklären sich Formen wie nordh. Prät. R2 jylijde folgte,
awerisdun, inberisde, nur einmal jyl^de, L feerijde (6mjde), äwoerijdon ver-
fluchten, äwuri3de erhängte, einmal tyle^don aber gew. fylsde, fylsede, -on,
bebyr3don, Part. bebyr3&d begruben, begraben, oder spätws. Prät. fyli3de,
wyri^de bzw. fylide, -wyride und fili(3)de, -wiri(3)de (§ 31, Anm. 2) und dazu
Präs. Inf. fyli(3)an, -wyri(3)an bzw. ftli(3)an, -wiri(3)an u. dgl.
Anm. 3. Auch die Verba auf d (die mit vorausgehendem Konsonanten s.
unten Pkt. 5), wie b&dan zwingen, ws. briedan braten, briSdan breiten, cidan
streiten, schelten, ws. diedan töten, eadmedan demütigen, fedan nähren,
gebären, 3&jredan wahrnehmen, lilydan lärmen, rufen, hydan verbergen, ws.
niedan nötigen, ws. r&dan raten, lesen (vgl. auch § 395, Anm. 2), acrydan
§ 405. Schwache Verba: I. Klasse: Langsilbige
315
kleiden, spr&dan ausbreiten, ws. seöiedan verbinden, ws. underöiedan unter-
werfen, wiedan kleiden, wedan wüten usw., sind meist ganz regelmäßig, nur
wird im Nordh. das dd des Prät. öfter vereinfacht, wie L jöede., Hede, PI.
brxdon, cidon usw., Rit. 2. Sg. jil^dest, für foedde. usw.
Anm. 4. Von Verben, die auf die Media & ausgehen (vgl. § 190), scheint nur
cemban kämmen, mit dem Prät. cemde, belegt zu sein.
2. Die Verba auf Ö sind in der älteren Sprache regelmäßig, ver-
wandeln aber spätws. das dd des Prät. meist in dd: cyöan künden, Prät.
cyöde, spätws. cydde (vgl. auch § 406, Anm. 3).
Anm. 5. Hierher gehören z. B. noch cläeöan kleiden, cwiöan klagen, ähyöan
zerstören, liiedan anklagen, hassen, nedan wagen, sedan versichern, ofer-
swiöan überwinden (vgl. § 382, Anm. 2), wräidan zürnen u. a.
3. Geminaten werden vereinfacht, z. B. fyllan - jylde füllen, ws.
äfierran - äfierde entfernen, wemman - wemde beflecken, cennan - cende
erzeugen, cyssan - cyste (das t nach Pkt. 4, b) küssen.
Anm. 6. So gehen z. B. noch ws. fiellan fällen, spillan verderben, stiUan
stillen, ws. cierran kehren, ws. mierran stören, nordh. cnylla Idopfen, nordh.
forestemma hindern u. a. (vgl. auch Pkt. 4, b).
Anm. 7. Gelegentlich wird die Geminata in etymologischer Schreibung auch
im Prät. festgehalten, zumal nordh., wie L jyllde, cerrde u. dgl.
4. Die Endung -de wird zu -le a) nach den Tenues p, t, c, wie in cepan -
cepte halten, yppan - ypte (zu Nr. 3) zeigen; yretan - ^rette grüßen;
scenc(e)an - scencte schenken, wysc(e)an - wyscte wünschen, ws. xec{e)an
(außerws. ecari) - iecte vermehren (über Ihte usw. s. § 407, 2); - b) nach
den stimmlosen Doppelspiranten ff und ss, welche ihrerseits nach Pkt. 3
vereinfacht werden, wie pyffan - pyjte puffen, cyssan - cyste küssen; -
c) nach x, wie in ws. liexan - liexte leuchten.
Anm. 8. So gehen z. B. noch mit p: ws. ciepan kaufen, bediepan eintauchen,
drypan befeuchten, hiepan häufen, berlepan rauben, ästiepan berauben;
clyppan umfassen, rempan eilen, scierpan schärfen, scierpan bekleiden,
wierpan sich werfen, cyspan fesseln, hyspan spotten usw.; mit t nach Vokal
(Kons. + t s. Pkt. 5): bgtan aufzäumen, betan büßen, fSian schmücken,
hgtan heizen, hwlian weißen, metan begegnen, n&tan quälen, retan erfreuen,
spietan speien, sw&tan schwitzen, wäetan benetzen usw.; mit c nach Kon-
sonanten (Vokal + c s. § 407, 1, 2): ädw&sc(e)an auslöschen, oförysc(e)an
unterdrücken; äcwenc(e)an auslöschen, drenc(e)an tränken, scenc(e)an ein-
schenken, 8crenc(e)an täuschen, senc(e)an senken, töstenc(e)an zerstreuen,
stvenc(e)an plagen, wlenc(e)an stolz machen usw.
wysc(e)an (spätws. wlscan nach § 31, Anm. 2) ersetzt spätws. im Prät.
bisweilen sc durch s: wiste neben wiscte, wyscte. Ähnlich steht im Vesp. Ps.
Sehnistun für sehnisctun zu hniscan mollire.
Anm. 9. Hierher gehören auch die Verba auf -ettan, § 403, Anm., wie
ondettan, Prät. ondette usw.
316 § 405-406. Schwache Verba: I. Klasse: Langsilbige
Anm. 10. Ganz vereinzelt erscheint spätws. in etymologischer Sclireibung
hier auch -de, wie ädwescdon 2®lfr. Hom., hyspdun Matth. 27, 44; vgl. auch
St^iscdae oppilavit Ep., refsde Corp. zu refsan tadeln.
Etwas häufiger ist diese Schreibung nordh. in L, zumal bei den neuge-
bildeten schwachen Präteriten zu starken Verben, § 381, Anm. 2, wie alepde,
^rippde, zu slepa, ^rioppa (ws. jrlpan, § 382, Anm. 3); aber auch Formen
wie ecde, screncde, s&nedlecde, 3emöStd(o)n und solche wie styltde, styldte,
stylde, ^eacyrdte, böedte, Pl. ^eticsdon von stylta erstaunen, zaudern (wenn
es daneben nicht auch ein *stylla gab; Jordan, Eigentümlichkeiten d. angl.
Wortschatzes, S. 26f.), scyrta kürzen, boeta büßen, f sesta fasten (zu Pkt. 5);
so auch Rit. sle-pde, yidrencde und das flektierte Part. Pl. ^isvöencdo.
5. Nach Konsonant + d, t geht das d derEndung ganz verloren:
sendan - sende senden, ^yrdan - yyrde gürten, ehtan - Shte verfolgen,
jaestan - feeste fasten, öyrstan - öyrste dürsten usw.
Anm. 11. Hierher gehören z. B. noch: a) mit Konsonant + d, byldan
bauen, -^yldan vergolden, ws. onhieldan neigen, behyldan schinden, ws.
ieldan aufschieben, scildan schützen, spildan verderben, ws. wieldan walten;
onbryrdan anstaeheln, syrdan gürten, ws. hierdan härten, ws. äwierdan ver-
derben, ws. ondwierdan antworten, $eendebyrdan einordnen; bendan beugen,
blendan blenden, lendan landen, pyndan eindämmen, ws. sciendan schänden,
tendan zünden, wendan wenden usw.; - b) mit Konsonant + t: ä$yltan sich
schuldig machen, ws. sieltan salzen, ws. wieltan wälzen, ws. hiertan ermutigen,
acyrtan kürzen, rnyntan denken; äcrseftan ersinnen, ^edxftan ordnen, hsejtan
heften; äfyrhtan erschrocken, hyhtan hoffen, ws. liehtan leuchten (germ.
*liuhtjan), erleichtern (germ. *lihtjan aus *liyhtjan), ryhtan richten, tyhtan
ermahnen; ej start eilen, jylstan helfen, ws. hierstan rösten, hliestan belasten,
hlystan lauschen, hyrstan rüsten, Isestan leisten, lystan lüsten, mseatan mästen,
nistan nisten, restan ruhen, jordrSstan zermalmen, äweatan verwüsten usw.
Anm. 12. Nur selten schreibt man etymologische Formen wie be^yrdde,
fsestte, hyhtte u. dgl.
§ 406. Die Endung des Partizipiums Präteriti ist wie bei den kurz-
silbigen Verben (§ 402) gemeinae. -ed aus älterem -id (§ 44, Anm. 6),
weshalb auch hier i-Umlaut eingetreten ist. Für die Anfügung der Endung
gelten dieselben Regeln wie für die kurzsilbigen (§ 402), soweit die un-
flektierte Form und die Kasus mit konsonantisch anlautender Endung
in Betracht kommen. Vor vokalisch anlautender Kasusendung wird
dagegen bei den langsilbigen von Hause aus stets synkopiert; dabei
kommen wieder die Regeln von § 405 zur Anwendung.
Beispiele für die verschiedenen Bildungstypen sind: ws. Inf. hieran,
Part, unflektiert ^ehiered, Akk. Sg. m. gehieredne usw., Pl. ^ehlerde § 405,
1; cydan - ^ecyöed, ^ecyöedne - ^ecyöde, später ^ecydde § 405, 2; fyllan -
^efylled, ^efylledne - ^efylde § 405, 3; scenc(e}an - ^escenced, sescencedne -
^escencte § 405, 4; ^retan - ^e^retied), ^e^ret^edjne - ^e^rette § 405, 4
nebst § 402, 2; sendan - ^esend^ed}, sesend(ed)ne - pesende; ehtan - ^eeht-
§ 406. Schwache Verba: I. Klasse: Langsilbige
317
(ed), ^eeht(ed)ne - ^eehte § 405, 5 nebst § 402, 2; nemnan - ^enemned,
^enemnedne - yenemde; timbran - yetimbred (-od), ^etimbredne (-odne) -
yetimbrede (-ode) § 404, Anm. 1.
Anm. 1. Die Regeln über die Synkope in den flektierten Kasus sind im
Vesp. Ps. noch streng eingehalten. Dagegen wird bereits altws. bisweilen,
sehr gewöhnlich aber in späteren Texten die volle Form -ed auf alle Kasus-
formen ausgedehnt, wie ^edemede, yefyllede u. dgl. So auch manchmal in
Rx (^ecerrede, äbxl^ede, äwoer^ede) und oft in R2 L Rit.
Anm. 2. Umgekehrt zeigen die Verba auf p und nc spätws. bisweilen Ver-
kürzungen in der unflektierten Form, wie beclypt, ^esyrt, ^ecypt, ädrenct,
lorscrenct, besenct, se&wenct, selten andere, z. B. for&wleld, ^ebaimd, ymbtymd,
je^len^d, yeiehyli^d (über ^ecydd s. Anm. 3); so auch R1 einmal forlierd.
Anm. 3. Bei den Verben auf d, t gelten die Synkopierungsregeln von § 402, 2;
es heißt also streng ws. ^el^d(d), ^e^yrd, pesend, Akk. ^eläidne, se^yrdne,
^esendne usw. Doch Anden sich auch altws. einige neugebildete Vollformen
auf -ed, wie ^elSded, be^yrded, yesended, ^ehsefted, äwested und namentlich
öfter underdleded, ^esciended. Im späteren streng Ws. sind solche Formen
(wie ojerbrSded, äwended Aüfr. Hom.) äußerst selten, während weniger streng
ws. Texte auch hier schwanken.
Spätws. schließt sich hier die Form jecyd(cZ) für älteres ^ecyöed an, die
wohl nach dem Muster von flektierten Formen wie PI. ^ecydde aus ^ecyöde
(vgl. § 405, 2) neu gebildet ist.
Von den anglischen Texten hat R1 ein paar isolierte Kurzformen in befest
und seaett (zu § 407, Anm. 18) neben dSded, -hyded, sended, -möeted, -wöested,
seted u. ä.
Anm. 4. Bei nemnan (vgl. § 404, Anm. 1, a) bleibt im Falle der Synkope
das n nur ganz ausnahmsweise erhalten: PI. ^enemnde Chr. Auch Anden
sich Formen wie ^enemnede Cura past. Or.
Anm. 5. Bei den Verben auf Muta + Liquida oder Nasal (vgl. § 404,
Anm. 1, b und c) treten anglisch auch im Part. a-Formen auf, wie Vesp.
Ps. ^ede^lad neben jröejred, timbred, L ^ede^lad neben de^led, timbred usw.
(R1 nur äfröefred, wepned, R2 ^ide^led, ^ijröefred, wepned-).
Anm. 6. In Rx und namentlich nordh. in L Rit. dehnen sich diese a auch
auf andere Verba aus; so stehen in Rx ^ejyllad, nemnad, wserjad neben
vielen -ed; nordh. besonders bei Verben auf d, t, wie L ^esendad, äwoendad,
^ewöedad; ^eböetad, ^emöetad, -fiestad, öehtad, ^eondetad, Rit. siscüdad,
^ivoendad, unäscendado; ^irihtad, ^iinlihtad, ^ehseftad, yiböetadum, aber auch
L ^ehwerfad, ^eceelcad, jedrenc^ad, ^eliorad, Rit. älesad, ^imen^adum usw.
Anm. 7. Bei den Verben auf d, t Anden sich nordh. an Stelle von flektierten
Kasusformen mit Synkope bisweilen auch Formen mit n, die an die starken
Verba angelehnt sind: L ymb^yrdeno, sesendeno usw., yewaslteno, ^eseteno
(insetna, onsetenum usw.), Rit. äwoerdeno, insetenum (R2 hat nur zwei
onseinum zu setta § 407, Anm. 18). Im Rit. geht diese Neubildung noch
weiter: ^ilejeno, sileseno für *yilejdo, *^ilesdo. Vereinzelt auch ws. ^epeoden-
dra (zu öiedan, Öeodan vereinigen).
318 § 407. Schw. Verba: I. Klasse: Prät. u. Part, ohne Mittelvokal
c) Bildangen des Präteritums und Partizipiums Präteriti ohne Mittelvokal
§ 407. 1. Einige Verba bilden bereits im Germ, oder im Westgerm. das
Präteritum und das Partizipium Präteriti auf 4 (statt -d, wahrscheinlich
nach dem idg. Nominalsuffix 46-), das ohne Mittelvokal an den Stamm
antritt . Deshalb fehlt auch ae. in diesen Formen der i-Umlaut, doch wurde
dieser in einigen Formen nach dem Präsens sekundär eingeführt. Hier*
her gehören Verba mit stammschließendem 3 und c, das im Prät. und
Part. Prät. nach § 232 vor t als h erscheint. Der Wurzel angehöriger
Nasal fällt vor diesem ht nach § 45, 7 nebst Anm. 8, bzw. § 186, Anm. 4
unter Nasalierung und Dehnung des vorangehenden Vokals aus. Hierher
gehören (ws. Formen):
byejean kaufen
oweccean schütteln
dreccean quälen
leccean benetzen
reccean erzählen
streccean strecken
öeccean decken
weccean wecken
laeccean ergreifen (s. Anm. 3)
rsecean reichen
tiecean lehren
reccean sich kümmern (s.Anm.3) röhte
secean suchen söhte
öencean denken ööhte
öyncean dünken öühte
wyreean arbeiten worhte
brinjan bringen (s. Anm. 8) bröhte
bohte
eweahte
dreahte
leahte
reahte
streahte
öeahte
weahte
lähte
rsehte, rähte
ttehte, tähte
3eboht
jeeweaht
jedreaht
jeleaht
jereaht
jestreaht
3eöeaht
3eweaht
jelseht (s. Anm. 4)
Serasht (s. Anm. 4)
jetseht, jetäht (s.Anm.4)
gesöht
3eööht
3eöüht
3eworht
3ebröht
Anm. 1. Von byejean ist das Prät. bohte, auch im Vesp. Ps., Rl, R2, L, das
Part. Prät. geboht auch im Vesp. Ps., R1, L, Rit. belegt.
Anm. 2. Die Verba mit -ecc- im Präsens haben in Cura past. im Prät. und
Part. Prät. noch stets wegen ‘Brechung’ ea: leahte, reahte, äst/reahte, äweahte,
Part, sereaht-, in Hs. H tritt aber dafür unter Anlehnung an den Vokal des
Präs. z. T. e ein: lehte, rehte, ästrehte, Part, ^ereht neben Prät. reahte, äweahte
und Part, äweaht-, im späteren Ws. ist e durchgeführt; s. § 122, Anm. 6.
Neben wecc(e)an gebraucht das Spätws. häufig auch wrecc(e)an vertreiben
(got. wrakjan verfolgen), so schon einmal in Cura past.
Im Angl, ist in diesen Verben im Prät. und Part. Prät. nach § 119 a? zu
erwarten, doch ist auch hier das e aus dem Präs, vielfach eingedrungen.
Nach w steht nordh. nach § 115 auch oe. Gelegentliche Präsensformen mit
ee sind nach § 55, Anm. zu beurteilen. In L wird außerdem weccan wecken
mit dem intrans. Vb. wseccan wachen (§ 417, Anm. 8) anscheinend ver-
mengt (während diese Verba sonst, auch in R8, genau geschieden sind), so
daß «-Formen auch dadurch entstanden sein können, s. Bülbring, Angl.
Beibl. 10, 369ff. Belegt sind: Vesp. Ps. Präs. 3. Sg. Ind. cweceö, Part. Zeccende;
Inf. fl. recenne und andere Formen, Prät. rehte, Part, sereht (einmal ^erseht);
Präs. Öeces, -ed, Prät. biöehton-, Präs. Opt. Sg. äwecce, Imp. Sg. äwece, Part.
§ 407. Schw. Verba: I. Klasse: Prät. u. Part, ohne Mittelvokal 319
äwecende, Prät. äwehte, äweehte und andere Formen, Part, äw&ht (nur ein-
mal belegt); in R1: Präs. 3. Sg. reeccet, Imp. ärecce, Part, ^ereht, bepxht;
nordh. in R2: Inf. äwecca und andere Formen, Prät. äwehte, Pl. äwsehtun,
ä-, ^iwehtun; in L: Prat. ^ecoecton (zu cwecca(n), s. § 172, Anm.), Part.
Prät. ^ecwoeccad; Inf. ärecjanne; Prät. undehton, Part, beöeht; Inf. äwecce,
äwoecce, äweecca und andere Formen dazu; Prät. -wehte, -woehte, -weehte;
aus dem Ritual belegt Lindelöf Part. Prät. cvoect, Prät. -woehte.
Anm. 3. Der kurze Vokal des Präs, von lsecc(e)an und recc(e)an (? zu germ.
rökjan) und die demnach eingetretene westgerm. Gemination ist nicht recht
zu erklären. Die für recc(e)an theoretisch zu erwartende Form *recean scheint
kaum sicher belegt zu sein (ein rece we in zElfr. Coll., Hs. 2. Hälfte des
11. Jahrhunderts; Adj. receleas neben recce-); nordh. R2 L ne rices Öü non
ad te pertinet Mc. 4, 38 weist eher auf Kürze, weil bei Länge nordh. öe
nach § 101 zu erwarten wäre.
Anm. 4. Die Verba auf -äic- haben im Prät. und Part. Prät. ws. fast stets
® in Anlehnung an das Präs., doch kommt im Oros. auch jeräÄte, betähte,
Part, betaht neben $eriehte, betiehte vor; außerdem tauchen in sehr späten
Texten wieder Formen wie tähte auf, die vielleicht urspr. aus anderen Mund-
arten stammen. Im Vesp. Ps. ist nur das Präs. Imp. belegt, in R1 Präs.
r&cep, set&ceP, Prät. ^etähte; nordh. steht rähte Rz L, betäht L stets, ebenso
R2 -Iahte zu leeccean.
Anm. 5. Das Präs, zu ws. sec(e)an hat angl. regelmäßig öe nach § 101 (Vesp.
Ps. R1 söecan, R2 L söeca usw.). Die den ws. gleichlautenden Formen des
Prät. hierzu und von öencean sind auch im Vesp. Ps. R1 R2 L belegt, söhte
auch im Rit., Part, -säht auch in Vesp. Ps. Ra L.
Anm. 6. Belege für das Prät. und Part. Prät. von öync(e)an (im Präs,
einmal ÖincaP R1, wohl nach § 31, Anm. 2) fehlen im Vesp. Ps. R1 R2 L
und Rit.
Anm. 7. Zu wyrc(e)an lautet das Prät. warhte, Part, ^ewarhte in der merc.
Chad. Leg.; Prät. sewarahtee nach § 164 auf dem Kästchen von Mortain;
das Part, ji-, ^ewarhte begegnet auch je einmal in Corp. GL, Oros. und Beda-
Übers. Hierzu vgl. § 59, Anm. 1. Nordh. (L) und spätws. findet sich auch
mit Sekundärvokal worohte, woruhte (§ 164, § 165), spätws. und in R2 auch
mit Metathese nach § 166 wrohte, $ewroht.
Das Kompositum forwyrc(e}an sündigen bildet spätws. das Prät. forwyrhte,
Part, jorwyrht.
Für wyrcan steht im Vesp. Ps. stets wircan (wyrctun, Vesp. Hymn. I,
bei Sweet, Oldest Engi. Texts, ist ein Lesefehler für wysctun, das lat. apta-
verunt übersetzt, das seinerseits ein Lesefehler für optaverunt ist, s. Sweet-
Onions, Anglo-Saxon Reader, lOth ed., 1946, und spätere Auflagen). Das i
ist am ehesten aus einer anderen Ablautstufe (entsprechend alts. wirkian)
zu erklären, s. § 114, Anm. 3. Vereinzelt stehen Formen mit i neben ge-
wöhnlichen mit y auch in R1 und in L; diese sind aber eher so wie spätws.
wircan nach § 31, Anm. 2 zu erklären. Prät. und Part. Prät. sind im Vesp.
Ps. nicht belegt, wohl aber als worhte, ^eworht in R1 R2 L Rit.; R2 hat da-
neben ein wrohte, L einige worohte nach § 164.
Anm. 8. Das Präs, brin^an gehört der starken Konjugation an; es herrscht
im streng Ws., auch in Vesp. Ps. und R1, bildet aber kein st. Prät. und
Part. Das schw. (zuerst iterative ?) Verbum 6renj(e)cm (alts. brengian), zu
320 § 407. Schw. Verba: I. Klasse: Prät. u. Part, ohne Mittelvokal
dem das Prät. bröhte, Part, ^ebröht gehören, ist auch altws. bisweilen belegt,
auch einmal in R1; es herrscht im Kent, und Nordh. (Ra L Rit., doch hat
L auch einmal brin^aö). Das Prät. und Part, ist überall bröhte, -bröht, nur
in der Poesie kommt auch das zu dem starken Verbum gehörige Part, örunjen
vor.
2. Nach dem Muster dieser Verba bilden auch die übrigen Verba auf
c an Stelle von regelmäßigen Formen das Prät. und Part. Prät. später
meist mit ht, behalten aber den i-Umlaut; daher z. B. altws. iec(e)an
vermehren, Prät. iecte, Part, ^eieced, Pl. ^electe, aber spätws. Prät. ihte,
yhte, Part, ^eiht, ^eyht, Pl. jei/de, seyhte usw.
Anm. 9. Hierher gehören z. B. noch örycc(e)an drücken, cnycc(e)an knüpfen,
wlecc(e)an erwärmen; bepiec(e)an betrügen (altws. nicht belegt), jewäjc(e)an
schwächen, ayc(e)an säugen, von mehrsilbigen Ölecc(e)an, ölicc(e)an preisen,
und die Komposita auf -?®c(e)an, wie nealSc(e)an sich nähern.
Anm. 10. Von den altws. Texten hat die Cura past. Prät. ölehte neben
ölecte, sonst noch regelmäßig Prät. örycte, i(e)cte, Part, -örycced, onwSced,
Pl. -örycte (-öryccede, § 406, Anm. 1); Or. hat nedliEhte neben jeieced; bei
x^lfric steht dagegen das ht durch: ihte (yhte), -}>rihte, bepäehte, sewishte,
aihte; öliehte (zum Präs. öl&can, angelehnt an die Verba auf -Ueceari), nea-
iShte, Part, seiht, sedyrst-, $eefen-, serihtlseht usw.; nur ausnahmsweise fin-
den sich bei ihm Formen wie Part, jedeced, serihÜSced zu dec(e)an beschmie-
ren, rihtliec(e)an rechtfertigen.
Zu wlecc(e)an sind belegt die Partizipialformen sewleced, sewleht und je-
wlaecced, sewltehi.
In der Beda-Übers. begegnet auch ein umlautloses Prät. äerendwreahte zu
*Srendwrecc(e)an eine Botschaft ausrichten.
Anm. 11. Von den angl. Texten hat Vesp. Ps. Prät. ecte, aber zu neo-,
nie-, nehliecan, neolicisa(n) das Prät. neo-, nio-, nialsehte; R1 hat Part,
jeeced, und zum Präs, neo-, nealicep, Part, seneleccende das Prät. -neolicte
neben -nealehte.
Nordh. sind belegt: in R2: Prät. ecte, Part, -eced (*neolicisa flektiert
nach Kl. II: 3. Sg. nedlicaö, -as, Prät. nedlicade, nealocade, Part, sineolicad);
- in L: Prät. sedryhton, Part, jecnt/Td neben Prät. töcnuicte (mit ui für y);
ferner ecde (auch ecte und ecade), Part, -eced (auch -ecad), und zu neoleca,
-laca das Prät. neolecde (selten -Iecte, -Hede, auch lecade, -lacede, -locedon;
nea-, nelecde); - in Rit.: Prät. -cnyhteat, Part, -cnyht, -öryht neben Prät.
Sineolecdest.
Anm. 12. Für einige isolierte Formen kann man nur vermutungsweise ein
volles Paradigma ergänzen. So gehört zu dem poet. Prät. aeyhte acihte ver-
führte, wohl ein Präs. *acycc(e)an (zu acucca Verführer), zu dem Part. jecZtÄf
geballt (v. d. Hand) (Scint.) wohl ein Präs. *clycc(e)an (hierzu noch Imp.
clyce beuge die Finger), zu ofhxhte hackte ab (zElfr. Ep. past.), bed&hte
tradidit (Hpt. Gl.) gehören die Präsentia *heecc(e)an, *da?cc(e)an (vgl. leeccean
oben Pkt. 1).
3. Einige Verba synkopieren den Mittelvokal vor der Endung -d-
im Prät. und Part. Prät. so früh, daß in diesen Formen kein i-Umlaut
erscheint. Hierher gehören Verba mit dem urspr. Wurzelvokal a (ae. e
§ 407-408. Schwache Verba: I. Klasse, Stammbildung 321
durch i-Umlaut) vor wurzelschließendem l (im Präsens nach § 400, 2
ae. -ll-), weiter noch Zecj(e)au legen und settan setzen. In jüngeren ws.
Texten und im Angl, zeigen diese Verba oft analoge Bildungen nach Art
der anderen jo-Verba.
Hierher gehören (ws. Formen):
jecweald
3edweald
jeseald
3esteald
jeteald
jeset(t) (s. Anm. 18)
3elejd (s. Anm. 19)
Prät. cwelede, L cwella,
cwellan töten
dwellan irreführen, hemmen
sellan übergeben
stellan stellen
tellan erzählen
settan setzen
lecjean legen
cwealde
dwealde
sealde
stealde
tealde
sette
le3de
Anm. 13. Für cwellan heißt es nordh. R2 cwella,
cwoella, Prät. cwoeZ(e)de, Part, -cwelled.
Anm. 14. Neben dwellan - dwealde tritt in jüngeren Texten auch dwelian -
dwelede, -ode nach § 400, Anm. 2, so daß dieses trans. Vb. mit dem intrans.
sw. Vb. II. Kl. dwelian irren, zusammenfällt. Angl. (L) ist nur Ind. Präs.
PI. seduellas ihr irrt, und Part. Präs, dwoelende. erroneae, belegt.
Anm. 15. Für altws. sellan haben die späteren ws. Texte syllan nach § 124.
Angl, erscheinen einige Präsensformen mit i, so sile 1. Sg. Ind. merc. Urk.
v. 840 (dst. auch Inf. siollanne mit Velarumlaut) und silo, sileö, -iö L, sila,
-8ÜeÖ, -id Rit., sonst überall Formen mit e bzw. in L auch Inf. sealla mit
Velarumlaut.
Das Prät. lautet angl. nach § 85 salde, das Part, sald; doch hat R1 da-
neben auch ein seelde und L einige sealde mit Anlehnung an das Präsens
sealla.
Anm. 16. Zu stellan begegnet im Or. ein vereinzeltes Part, onsteled (neben
ästeald); dazu nordh. Prät. ästelidee in Csedm. Hymn. (sonst angl. nicht
belegt).
Anm. 17. Ebenso begegnet auch zu tellan ein Part, jeteled im Or. und in
der Poesie (auch in Beda-Übers.). Vesp. Ps. hat Präs, feiest, -ed, Prät. talde,
Part, ^etatd, L Präs. Sg. 3. telles, Part. jeieled, Rit. Prät. yitelede.
Anm. 18. settan ist im Ws. ganz in die Flexion der regelmäßigen Verba,
§ 401, 1, § 402, 2, übergegangen und auch in den übrigen Mundarten finden
sich nur dürftige Spuren eines umlautlosen Prät. und Part. Vesp. Ps. hat
settan, Prät. sette, Part, ^eseted, PI. ^esette (vgl. hierzu § 52); R1 settan, Prät.
sette (einmal ssette), Part, -seted und -seti', nordh. R2 setia, Prät. sette (sete),
Part, -seted (setet, -setted), flekt. -setedo neben -set(t)e und onsetnum (§ 406,
Anm. 7), L setta, Prät. sette und ssette, Part. ^eset(t)ed, -t, daneben flekt.
Sesattedo und ^eseteno usw., Rit. Part, insetenum (s. zu R2).
Anm. 19. Über ws. Formen wie lede, $eled neben le^de usw. s. § 214, 3.
Angl, sind belegt: R1 Iw^de, -un, Part, äle^d-, Rs Präs. Opt. lecce usw., Prät.
le^dun, L Präs. PI. jeZecjas, Prät. leyion, Part, äleyd.
d) Andere Besonderheiten in der Stammbildung
§ 408. 1. Die Verba auf rw und Iw, wie ws. ^ierwan bereiten, sierwan
berücken, smierwan schmieren, *wielwan (wylwari) wälzen, verlieren vor
322
§ 408. Schwache Verba. I. Klasse, Stammbildung
dem urspr. i der 2. 3. Sg. Ind. Präs. (§ 358), der 2. Sg. Imp. (§ 410, 3),
des Prät. (§ 401) und des Part. Prät. (§ 402) nach. § 173, Anm. 1, b oft
das w, doch stehen schon in den alten Texten auch Formen mit (erhalte-
nem oder analog wieder eingeführtem) w daneben (s. Anm. 2). Die
einzelnen Verba schwanken hierin stark; bei einigen, wie ws. hierwan
verspotten, nierwan bedrängen, sind Formen ohne w überhaupt nicht
zu belegen; bei anderen werden auch Formen, in denen urspr. kein »
auf w folgte, ohne w gebildet. Bei manchen Verben kommen auch nach
§ 400, Anm. 2 Formen nach der II. Klasse der schwachen Verba vor, und
zwar sowohl solche mit wie solche ohne w.
Anm. 1. Wenn der Ausfall des w vor dem Eintreten der Brechung (§ 83)
erfolgt ist, sind bei Ausfall des w Formen ohne Brechung zu erwarten.
Solche sind aber nur bei ws. stnierwan und teilweise bei ws. sierwan zu be-
legen (s. Anm. 4 u. 5). Angl. Formen ohne Diphthong lassen übrigens auch
die Erklärung nach § 83, Anm. zu. Bei Stämmen mit urspr. a vor r ist angl.
kent. sowohl bei Eintreten der Brechung wie auch ohne diese e lautgesetz-
lich (s. § 96, 1 und § 104); nach 5 (in jierwan) ist ws. ie (y) ebenfalls in
beiden Fällen lautgesetzlich (s. § 91, a und § 104).
Anm. 2. Formen mit w erscheinen im unflektierten Part. Prät. bereits in
den alten Gl.: zizeruuid Ep., jejerwtd, ^esmirwid Corp. Auch in der Poesie
ist jejerwed neben jejered oft metrisch sichergestellt.
Anm. 3. zierwan, zyrwan bewahrt im Ws. meist den Unterschied in der
Stammbildung zwischen Formen mit flexivischem i und ohne solches; also
Inf. hierwan, Präs. Ind. Pl. ^ierwaö, aber 2. 3. Sg. Ind. Präs, gierest ziered,
Imp. Sg. ziere, Prät. zierede, Part, jijiered bzw. später mit y, doch finden
sich auch ein Part. ze5yrwed> Imp. jier und jieru>e Cura past. neben zyret
sowie selten und spät Formen nach der II. schw. Klasse wie 3. Sg. jyrad,
Opt. 5y™> Part, jyriende, endlich auch ein Part. ze5yrw°d-
Vesp. Ps. hat 1. Sg. jerwu, Part, jerwende, Prät. jerede (ebenso Chad
Leg.), Part, jejered. In R1 und nordh. finden sieh nur in der Bedeutung
‘kleiden’ einige zu dem schw. Vb. I. Kl. gehörige Formen: R1 Part. Präs.
Z&rwende (mit ® nach § 96, 4), Prät. Pl. unzeredun, Part. Prät. wnjejeradne;
R8 Part. Prät. jejewed, L Prät. Pl. je-, onjeredon, Rit. Prät. jtjeride; im
übrigen ist dafür das schw. Vb. II. Kl. jearwian, R1 jearwija (dazu Opt.
Pl. iarwan, Prät. iarwede, Part, iarwad), R8 jeorudja, L Rit. jearwija ein-
getreten (Inf. jejerwija, 3. Sg. jerwaÖ, jejerues, Part, jijerwad L beruhen
wohl auf Vermengung der Formen beider Verba).
Anm. 4. sierwan hat im Altws. den Unterschied der Formen ohne und mit
w gewahrt: Or. sierwan, Prät. si(e)rede, Part. Prät. je-, besi(e)red (später
auch jesyrwed). Ob die Formen ohne Diphthong durch Fehlen der Brechung
nach Anm. 1 oder als ‘unfeste’ i zu erklären sind, ist ungewiß. Daneben
stehen bereits im Oros. 3. PI. sieriad nach der II. KL, wozu später das
Prät. syrode (kent. Ps. beserode) neben serede begegnet. Spätws. wird ge-
wöhnlich das w in allen Formen durchgeführt: Präs. 3. Sg. syrwö, Prät.
syrwde, daneben nach der II. Kl. syrwian, Prät. Pl. syrwedon.
A.TLm. 5. Auch von smierwan sind im älteren und jüngeren Ws. noch zahl-
reiche Formen mit und ohne w nach der I. Kl. erhalten, wie Cura past.
§ 408. Schwache Verba: I. Klasse, Stammbildung 323
Präs. PL 8mi(e)rewaÖ (zum sekundären e zwischen r und w vgl. § 165, b),
Prät. smirede (ohne Diphthong, s. Anm. 1). Dazu tritt frühzeitig nach nerian
(§ 400, 1) oder nach Kl. II gebildetes smirian, smyrian (schon Imp. PL
smiriaö Cura past. Hs. H, später nach KL II auch 3. Sg. Präs, smyraö,
Imp. Sg. &myra, Prät. »myrode, Part. $esmyrod). In den Blickl. Hom. ste-
hen öfter Formen mit e nach § 107, Anm. 2: Inf. smerwan, smerian, Opt.
smeruwe, smeri^e, Prät. smerede. Angl, stehen Formen mit i, die entweder
von den w-losen Formen stammen oder nach § 83, Anm. zu erklären sind:
Vesp. Ps. 3. Präs. Ind. s?mreÖ; nordh. Ra Inf. smiranne, Prät. smiride, -ede,
PL -edun, L fl. Inf. smiriane, Prät. smiride, PL smiredon; daneben R1 Imp.
smere, Rit. Prät. seamirvad.
Anm. 6. Ws. hierwan und nierwan (angl. herwan Vesp. Ps. R1, nerwan
Vesp. Ps.) haben das w fast überall durchgeführt: ws. Präs. Sg. 3. hyrwö
(R1 herwep), Imp. hyrw, Prät. hyrwde (Vesp. Ps. herwdun), Part, ^ehyrwed
(Vesp. Ps. jenerwed, PL jenerwde) usw.; gelegentlich haben sie auch For-
men der II. Klasse angenommen, hyrwian, nyrwi-an, Prät. hyrwode, nyrwode
usw. Nur vereinzelt finden sich in der Poesie Inf. heri{$e)an (?), Prät.
nyrujde Blickl. Hom. (für *nyruwde, vgl. ebda. Prät. heruwde), Part, (sehr
spät) jeniered.
Anm. 7. Von *wielwan sind ws. Prät. uylede, Part, bewyled, ^ewylwed be-
legt, daneben Formen nach der II. Klasse wie Präs. Sg. 1. wylewise, Part.
Prät. bewylewud und Inf. wylian, Prät. wylode.
Anm. 8. jrsetwan schmücken hat im Prät. neben jr&twede, Part, ^ejrxtwed
(§ 404, Anm. 1, o) meist frxtwode, Part, ^ejrxtwod nach KL II; später finden
sich auch Präsensformen nach KL II.
Anm. 9. Weiterhin scheinen noch ä^Slwan erschrecken (Prät. ä^slwede
Oros., Part, ä^xlwed, ä^elwed Boeth. neben äj«Zed nachlässig, überwältigt)
und räiswan erwägen, vermuten (daneben rSsian, räeswode und rissode) die-
selbe Flexion gehabt zu haben.
2. Die Verba mit langem Vokal vor wurzelschließendem w führen
wenigstens ws. das w in allen Formen durch. Hierher gehören ws. l&wan
verraten und ws. forsläewan verzögern.
Anm. 10. Ws. liüwan entspricht nach § 62 angl. *Zewa(n), hierzu R2 das
Prät. bilede, L öeZeede mit Ausfall des w.
Anm. 11. Hierher gehört wohl auch Öijwan drücken, bedrängen (aus püw-
jan ?), Prät. dywde, Part. *jedywed, fl. ^eöywde. Daneben steht mit auffälligem
Vokalismus Prät. äpewde Oros., Part. PL ^eöewde poet. Die gewöhnlichen
Formen gehören zu dem Vb. contr. dyn, Anm. 17.
3. Die Verba mit urspr. kurzem Vokal vor w, welches nach § 173,
Anm. 2 wenigstens zum Teil westgerm. geminiert wurde und sich dann
in -uw- spaltete, wobei die Silbengrenze zwischen u und w zu liegen kam,
zeigen keine einheitliche Entwicklung. Bei einigen ist j (j) erhalten und
im allgemeinen auch in allen Formen durchgeführt, welchen es ursprüng-
lich nicht zukam (Prät., Part. Prät.); als Stammvokal erscheint der aus
dem kurzen Vokal -f- u (aus w) entstandene lange Diphthong; hingegen
324 § 408. Schwache Verba: I. Klasse, Stammbildung
ist das zu erwartende zweite w nicht erhalten (wenn überhaupt Gemina-
tion eingetreten ist). In einer zweiten Gruppe erscheint der bei der
Spaltung des -ww- zu -uw- in der ersten Silbe entstandene lange Diph-
thong als Stammvokal, nach ihm das in die zweite Silbe gezogene -w- der
Geminata, und zwar meistens auch auf die Formen übertragen, in denen
keine westgerm. Gemination eingetreten war; j (3) ist in ihr wie nach
anderen Geminaten abgefallen. In einer dritten Gruppe steht kurzer
Vokal (bzw. bei Übertritt dieser Verba in Kl. II nach § 400, Anm. 2
durch Velarumlaut entstandener Kurzdiphthong) vor erhaltenem w.
Solche Formen sind in der 2. 3. Sg. und im Prät. und Part. Prät. zu
erwarten, wo keine westgerm. Gemination eintrat, weil auf das w ent-
weder nie ein j folgte oder vor Eintreten der westgerm. Gemination vor
dem folgenden i der Endung ausgefallen war. Von Flexionsformen nach
der I. Klasse sind von dieser Gruppe aber nur einige Prät. und Part.
Prät. erhalten, doch ist diese Stammform für die nach der II. Klasse
(s. § 400, Anm. 2) umgeformten Verba weitgehend maßgebend geworden.
Vgl. hierzu Sievers, Beitr. 9, 289ff.
Anm. 12. Zur ersten Gruppe gehört das Verbum ws. ciejan, cz^an (cysan),
außerws. cejan rufen (Grundform *lcaw(w)jari). Ws. steht 5 in allen Formen:
Prät. ci(e)jde, Part. Prät. jeci(e)jed, Pl. jecKejyde usw. Im Angl, ist das 3
in manchen Formen nicht eingeführt worden oder nachträglich wieder ge-
fallen. Die angl. Formen sind: Vesp. Ps. cejctn, Prät. cede (§ 129, Anm. 2
und 5), R1 cejan, cäe^an, Prät. cejde, c&yde, einmal ceijc/e, Part. jecSjed;
nordh. R2 eeja (einmal Imp. ceij), Prät. cejde, selten cei^de und cede, Part.
^ice^ed, einmal ^iceed, Pl. jicejde; L ceija, Prät. cei^de, selten cei^ede,
Part, jeceijed, selten jecejed, -id; ^ecei^d, jeceid, seced, fl. 5eceäj(e)do; Rit.
cei^a, Prät. cei^de, -ceide, Part, jeceijed, fl. siceiyido, ^icei^do, ^iceido. Über
die Formen mit ei vgl. § 126, 2; über die Flexion des Präsens s. § 409 und
§ 410, Anm. 1.
Weiter gehören hierher das nur poet. Vb. he^an ausführen, vollenden
(St. *haw(w)ja-, altnord. heyja), Prät. hede, Part, ^ehed und stredan streuen
(Seefahrer 97), Prät. atreidse, -e Erf. Corp. Gl., Pl. stredun R2, Part. tffred
Beow. (lies *atreid}, vgl. § 129, Anm. 2.
Anm. 13. Zur zweiten Gruppe gehören: ws. zetriewan trauen (merc. Vesp.
Ps., Beda-Übers. treowan, nordh. R2 Präs. Ind. Sg. 3. triowaß, Pl. -aß, Rit.
Präs. Ind. 3. Sg. ^etrivad, L setrewaö, Pl. -ad, Imp. setriu, ^etriuwe, Pl.
^etreuaö; Prät. Pl. jetreoudon, ^etreudon', zu den merc. Formen s. § 107,
zu den nordh. § 89, doch weisen die nordh. Formen mit vielleicht auf
ein altes schw. Vb. III. Kl-, s. § 417, Anm. 10). — Ws. zewan ywan zeigen
(St. *aw(w)ja-), Prät. zewde, vereinzelt setiede, Part, seiewed, Pl. seiewde;
außerws.: kGl. 3. Sg. Präs. Ind. atewö, nordh. Inf. L sethewene, Präs. Ind.
3. Sg. adeuad, Imp. sedeew, Prät. eeteuwde, Part. Prät. zeteuwed (zum Vokalis-
mus vgl. § 107, doch könnten die nordh. Formen nach § 89 auch zu dem
nicht umlautenden eawan, Anm. 14, gehören). — Ferner wohl hlywan, hleowan
erwärmen (vgl. altnord. hlyja, St. *Mw(w);a-, Vokalismus nach § 107),
Prät. ws. hlywde, Part. fl. ^ehlywde neben Prät. hlyde, Part, ^ehlyd und in
§ 408. Schwache Verba: I. Klasse, Stammbildung 325
der Poesie ein Präs. Ind. PL Weod; dann vereinzelte Formen wie poet.
Prät. spiowde, speowde spie, fl. Part. Prät. bisludi (Instr.) bestickt, benäht
Corp. und vielleicht 1. Sg. Präs. Ind. aiouu ich nähe, Part. Prät. sesiuwid,
^esiowed Corp., seowed Beow., sofern diese Formen mit langem Vokal an-
zusetzen sind (s. Anm. 15). Die manchmal angesetzten Inf. *siowcm, *aeowan,
*splowan sind nicht belegt.
Anm. 14. Neben ws. iewan, ywan steht auch ein nicht umgelautetes Sawan,
vielleicht wegen Verallgemeinerung von Formen eines ursprünglich der
III. Kl. angehörenden schw. Verbums, s. § 417, Anm. 7 und Flasdieck,
Angl. 59, 64ff. Von diesem sind belegt: Präs. Ind. 3. Sg. eaweö Beow.,
Part. Prät. jeeawed, PI. jeeawde Cura past. Hs. H, weiter Prät. eawde bes.
in nicht streng ws. (angl.) Texten wie Beda-Übers. und rein angl., so Vesp.
Ps. Präs, oteawu, -ea, -ed, Imp. oteaw, Prät. oteawde, -on (je einmal oteowu,
oteowdun, die nach § 35, Anm. 1 zu erklären sind), R1 (eet)eawan, Prät.
eawde, eaude und eawade, Part, eawed und eawad (selten auch Prät. sedeadon
mit w-Ausfall und Swade), L und Rit. sedeawa, Prät. -eawde und eawade,
Part, sedeawd und sedeawad; eteaw Imp. Royal Gl. 148 und die Anm. 13
erwähnten nordh. Formen. Außerdem steht daneben ws. noch ein Vb.
eowian nach Anm. 15 (3. Sg. eowad, Prät. eowode, aber auch 3. Sg. eoweö
mit der Endung der I. Kl.; Cura past. auch iowan, iowad in einigen Fällen,
vielleicht als Schreibfehler für iewan oder eowad). ateowde ws. Ev. Übers,
ist wohl nach § 126, Anm. 2 zu erklären, da ein Inf. *eowan (von der Ablaut-
stufe *egu statt *oqu) sehr unwahrscheinlich ist, s. Walde-Pokomy, Idg.
Wb. I, 171.
Anm. 15. Restformen der dritten Gruppe mit der Flexion nach Klasse I
sind: flekt. Part. Prät. (Instr.) bisiuuidi benäht, bestickt Ep. (dazu un-
flektiert -siuuid Ep., das aber auch -aiuwid sein könnte) und Prät. strewede
Cura past. Mit Umgestaltung nach Kl. II (§ 400, Anm. 2) gehören hierher (mit
Stammvokal i) siwian siowian nähen, Prät. siowode; spiwian spiowian speien,
Prät. apiowode (hierzu noch mit der Endung der Kl. I Part. Prät. jesiuwid,
^esiowed Corp., seowed Beow. und 1. Sg. siowu Corp., wenn diese Formen
nicht mit langem Diphthong nach Anm. 13 anzusetzen sind); ferner (mit
Stammvokal e aus a mit «-Umlaut, § 87, Anm.) strewian streowian streuen,
Prät. streowode (und streowede mit der Endung nach Kl. I), vgl. got. strau-
jan, ahd. strewen (daneben auch ohne «-Umlaut, also von vornherein nach
Kl. II, wenn nicht nach dem Subst. streaw Stroh gebildet, strZawodon uElfric,
Lives of Saints, gestreawod und me. strawenn Orrm, strawe Chaucer) und
wohl auch eowian, eowode (s. Anm. 14) und das isolierte Part. Prät. ü-,
^ebeowed zerrieben (ahd. gibeuuit). Über von diesen Verben daneben belegte
Formen mit langem Diphthong s. Anm. 13, über solche mit j oder Ausfall
des w vor i Anm. 12.
4. Verba contracta (§ 373f.; § 415) zeigen wegen Ausgleichs
zwischen verschiedenen Formen eine Reihe von Abweichungen von der
lautgesetzlichen Entwicklung.
Anm. 16. Von den Verben mit urspr. vokalischem Auslaut der Wurzel-
silbe führt hnß^(e)an wiehern (aus *hnaijan), das 5 im Ws. in allen For-
men durch: 3. Sg. Än#jd, Prät. hn&yde usw. Hingegen finden sich zu *d«an,
*deon säugen, folgende Formen mit Ausfall des 5, der in der 2. 3. Sg. Ind.
326
§ 409. Schwach© Verba: I. Klasse, Flexion
(vor -i, § 177, Anm. 2) lautgesetzlich ist: Vesp. Ps. Part. Präs, milcdeondra,
R1 diendra, nordh. Part. Präs, diendra L (diese Formen wohl zweisilbig
und nicht kontrahiert); ebenso nnkontrahiert Prät. 2. Sg. ^edlides suxisti
L (in Ra verderbt dededes).
Anm. 17. Verba mit urspr. wurzelauslautendem h kontrahieren nach Aus-
fall des h Wurzel- und Endungsvokal in allen Stammformen. Solche Vb.
sind: hean erhöhen, Prät. heade, Part, head (sehead Beda-Übers., so Eger
S. 71 als richtige Lesart, ist eine ws. Form); tyn lehren, Prät. tyde, Part.
tyd, fl. tyde (Beda-Übers. auch tydde, s. § 229, Anm. 2; Boeth. Metra 13, 44
tede kent. nach § 31, Anm. 1); Öyn drücken (aus *pühia,n, ahd. dühen, daneben
deon und dazu Prät. öeode, Part. fl. deode s. § L33, 2 und Anm.; hierzu auch
dywan, § 408, Anm. 11), *dryn drücken, Prät. ^edryde expressit L, Part.
SeÖryd Gl.; ryn brüllen, *scyn antreiben (ahd. scühen). Hierzu kommen noch
isolierte Formen: Präs. 3. Sg. ^eweö depravat und dazu Prät. gewede (Inf.
*wöhjan, *wen). Zur Flexion des Präs. vgl. § 410, Anm. 1.
Unkontrahierte Formen finden sich in den ältesten Texten, wie Präs.
3. Sg. fShit (Prät. PI. fSdun) Ep. Erf. Corp. Gl. zu *faihjan malen; subst.
Part, scyhend Ep. scyend Corp. Gl. Verführer, Part. Prät. apryid expilatam
Corp. Gl. Später sind sie selten, so in R1 Präs. PI. scyaP; spätws. ic öy^e,
Prät. Öy^de zeigen wohl analoges j (nach ciejan).
e) Flexion
§ 409. In den folgenden Paradigmen stellen nerian und fremrnan die
Flexion der ursprünglich kurzsilbigen Verba dar, deman die der ur-
sprünglich langsilbigen (alle für das Präsens auch nach § 372 für die
starken 70-Verba). Beispiele für die kurzsilbigen § 400, für die lang-
silbigen § 403-§ 406ff. Zu ^ierwan vgl. § 408, 1, zu cle^an § 408, 3
nebst Anm. 12. Über die angl. Formen vgl. § 410. Über die Gestalt der
Endungen im allgemeinen sind § 354ff. zu vergleichen.
Präsens
Indikativ
Sing. 1. nerie 2. neres(t) 3. nereö PI. neriaö fremme fremes(t) fremeÖ fremmaö deme dem(e)st dem(e)ö demaö jierwe jierest , jiereö jierwaö ciege cie3(e)st Cie3(e)a ciegaö
Optativ
Sing, nerie fremme deme jierwe 01036
PI. nerien fremmen demen jierwen ciejen
Im perativ
Sing. 2. nere freme dem 3ierwe 0103
PI. 1. nerian fremman deman । gierwan ciegan
2. neriaö fremmaö demaö 3ierwaö ciejaö
§ 409-410. Schwache Verba: I. Klasse, Flexion
327
Infinitiv
nerian fremman | deman
Partizipium
neriende fremmende | demende
|| jierwan ciejan
| jierwende ciejende
Präteritum
Indikativ
Sing. 1. 2. 3. Pl. nerede neredes(t) nerede neredon fremede fremedes(t) fremede fremedon demde demdes(t) demde demdon jierede usw. ciejde usw.
Optativ
Sing, nerede fremede demde 3ierede eiende
Pl. nereden fremeden demden usw. usw.
Partizipium
Sing, nered fremed demed jier(w)ed ciejed
Pl. nerede fremede demde usw. usw.
Anm. 1. Über graphische Nebenformen von nerian usw., wie nerjan neri-
3(e)an usw. s. im allgemeinen § 175. Der Vesp. Ps. hat nur 5, wie in jederjan,
onstry^an, Präs. 1. Sg. Ind. her^u, -o, nerju, biscer^u, »wer 311, biwer^u, PI.
her^ad, jener yid, swerjad, Opt. nerje, herjen, Part, herjende, jenerjende,
swerjendan; in R1 begegnen Inf. swerije, »werje (und ein zweifelhaftes
swerijze, das wohl Opt. ist) und /erjanne. Nordh. sind belegt in Ra Inf.
»werija, fl. herjanne und smiranne (zu § 408, Anm. 5, vgl. auch § 400,
Anm. 2), Part, herjende und hörende (vgl. auch § 412, Anm. 10), in L Inf.
suoeri(3)a, sueri(j)a, suerije; jestyrije, -eje, fl. her janne und »miriane, Part.
eriende, herjende, herjiendü und herende, 3. Sg. Ind. Präs, »uerlas. Das Rit.
hat neben (ji)heriaÖ, jiherjaö auch 1. 3. Sg. Ind. Opt. Präs, jenere ohne j.
Über südengl. Formen wie secean, -ead, hnSjean, -ead usw. neben secan,
secad usw. s. § 206, 7, c; in Vesp. Ps. R1 R8 L Rit. fehlen diese -e- ganz.
Anm. 2. Vor dem Pronomen ic fällt im Nordh. öfter das -e- der 1. Sg. Ind.
Prät. aus, s&jdij L, eodij, cerdij Rit., für sfBjde ic, eade ic, cerde ic usw.,
vgl. § 355, Anm. 4.
§ 410. Die eigentlichen Flexionsendungen waren ursprünglich in beiden
Gruppen dieselben und sind es noch im Präteritum. Die tatsächlichen
Unterschiede in der Flexion des Präsens im Ae. sind folgende:
1. Das j des Suffixes -jo- blieb außer vor urspr. i bei den kurzsilbigen
auf r wie nerian erhalten (gelegentliche Ausnahmen durch Analogie im
Nordh. s. § 409, Anm. 1); bei den übrigen kurzsilbigen erzeugte es vor
seinem Ausfall (§ 177, 3) im Westgerm. nach § 227 Gemination des
wurzelauslautenden Konsonanten, wie in fremman; bei den langsilbigen
fiel es aus, ohne Gemination zu hinterlassen.
328
§ 410. Schwache Verba: I. Klasse, Flexion
Anm. 1. Verba mit urspr. wurzelauslautendem h verlieren, anders als die
starken Verba contracta (§ 374), auch ws. in der 2. 3. Sg. das h; das j ist
in allen Formen geschwunden: daher hean, tyn usw., Präs. 1. Sg. hea, ty,
2. Sg. heast, 3. heaö, työ, Pl. heaö, työ usw., vgl. § 222, Anm. Über Prät. s.
§ 408, Anm. 17.
Verba mit urspr. vokalischem Auslaut vor j behalten aber ws. das j (j)
in der Regel bei, wie ws. ciejan § 409. Einige andere Formen s. § 408, Anm. 16.
Angl, flektiert cejan im Vesp. Ps. Präs. Ind. 1. Sg. ceju, 2. nicht belegt,
3. ceö, Pl. cejad, Opt. ceje, Imp. ce, cejad, d. h. das / ist überall dort ge-
schwunden, wo die Endung den Vokal i enthielt. Dagegen hat R1 Präs. Sg. 3.
c&sep, Imp. nordh. R2 Präs. Sg. 3. (s^ce^eÖ, -es, -aö (einmal jiceed),
Imp. jicej; L Präs. Sg. 3. jeceijed, -es, -aö, Pl. jeceijas, -es, Imp. jeceij,
jeceije. Wo das 5 also vor Endungen mit ehemaligem i erscheint, dürfte es
analog zu anderen Formen mit erhaltenem 3 wieder eingeführt worden sein.
2. In den Formen mit dem Endungsvokal i, d. h. der 2. 3. Sing. Ind.
Präs, und der 2. Sing. Imp., fehlte das j des Suffixes bereits im West-
germanischen, es konnte daher hier auch keine Gemination erzeugen.
Daher zeigt das Präsens der ursprünglich kurzsilbigen von Hause aus
einen geregelten Wechsel zwischen gemildertem und einfachem Konso-
nanten.
Anm. 2. Besonders zu beachten sind bei diesem Wechsel die Bestimmungen
der § 190 u. § 216, wonach cj als Verdoppelung von 3 und bb als Verdoppe-
lung von / eintritt: Zecj(e)an — lejeö, swebban — swefeö usw.
Anm. 3. Der Wechsel schwindet bei der Umbildung der einschlägigen Verba
im Ws. nach § 400, Anm. 2. Da wo die Gemination erhalten bleibt, reißt
später z. T. Verwirrung ein: seiest und seilest, seleö und selleö u. dgl. Be-
sonders stark ist dies im Nordh. in L eingetreten.
3. Der Imp. Sg. der kurzsilbigen geht auf -e aus (germ -i, idg -je),
nere, freme, bei den langsilbigen wird dieses e nach § 146 stets apokopiert,
ws. dem, hier usw.
Anm. 4. Spätws. begegnen sehr gewöhnlich auch Formen mit e von lang-
silbigen Verben wie deme, hyre-, seltener Übernahme der Geminata bei ur-
sprünglich kurzsilbigen Verben wie teile. Von solchen finden sich auch ver-
einzelte Formen nach Art der langsilbigen, wie cwell. Über altws. 51er vmd
^ierwe usw. s. § 408, Anm. 3.
Anm. 5. Wahrend im Vesp. Ps. die Flexion des Imp. noch ganz rein er-
halten ist, herrscht in R1 und nordh. bereits ziemliche Verwirrung. Zwar
sind die endungslosen Formen der langsilbigen meist erhalten, doch finden
sich auch Formen auf -e, wie R1 $elese, ceje, L cez’je, jeÄere, -leöre, sende,
Rit. sirihte, 3-ivoende, ^einlihte (doch nicht in R2).
Bei den kurzsilbigen hat R1 Formen ohne -e wie swer, hef, sei neben sele,
äpene und mit Übertragung der Gemination seile, sette, ärecce, bebycje; nordh.
R2 sitt, sei neben site, sete, (bi)byse; L ^bidd, sitt, U3; by$, $ener, sei, onsett
neben stiere, senere (und -feri^ nach Art von § 412, Anm. 8); Rit. ^ibidd,
ähef; sei neben jinere und yibidde, ^itrymme.
Schwache Verba: § 410.1. Klasse, Flexion. § 411. II. Klasse 329
4. Über die Synkope in der 2. 3. Sing. Ind. Präs. s. § 358, 2 nebst
Anm. 3-5 und § 359.
5. Alle Verba, die im Ws. nach § 400, Anm. 2 u. 3 einen Inf. auf -ian
haben, bilden im Spätws. oft auch andere Präsensformen nach der
II. Klasse.
2. Zweite schwache Konjugation
§ 411. 1. Die Präsensformen dieser Klasse mit Ausnahme der 2. 3.
Sg. Ind. und der 2. Sg. Imp. werden mit einer (thematischen) Erweite-
rung des ursprünglichen Suffixes idg. -ä, germ. -ö gebildet, also auf idg.
-äjo, germ. -öja.
Im Ae. ist dieses -öja wohl über umgelautetes -eja-, -eja- zu -tja-, -ia-
geworden: daher z. B. Inf. löcian schauen, aus *lököjan, -ejan usw., Opt.
löci^e aus *lököjai, -ej& usw., 3. Pl. Ind. löciad aus *lököjanpi, -ejanpii),
•ejap, -ija£.
In der 2. und 3. Pers. Sing. Ind. und in der 2. Pers. Sing. Imp. steht
aber dieses Stammsuffix -i- nicht und vor der Endung steht -a- (bzw. im
Imp. -a allein), also Sing. Ind. 2. Pers, löcas, löcast (mit Antreten von
t, s. § 356), 3. Pers. Zöcad; Imp. Sing, löca (über Abweichungen in
einzelnen Texten s. § 412, Anm. 4-9).
Anm. 1. Ob man zur Erklärung dieses Unterschiedes an eine Vermengung
ehemaliger athematischer und thematischer Flexionsformen denken soll,
oder an frühen Ausfall des nach dem vorhergehenden langen Suffixvokal
bzw. deren Kontraktion zu einem idg. äi, germ. öi, ö, ist nicht zu entschei-
den, s. Krähe, Germ. Sprachwissenschaft, II, § 86. Zu den verschiedenen
Ansichten s. Cowgill, Language 35, 1-15.
Anm. 2. Das -i- in den Formen mit -ia-, -ie- ist jedenfalls erst so spät ent-
standen, daß es nicht mehr »-Umlaut des Wurzelvokals veranlaßte. Formen,
welche diesen Umlaut haben, gehören urspr. Verben der III. Klasse an,
welche in die II. Klasse übergetreten sind, vgl. § 416f., namentlich § 417,
Anm. 9. - Ebenso bloiben c und 5 vor diesem -i- velar, s. § 206, Anm. 3.
Anm. 3. Anderseits ist i so früh entstanden, daß Velarumlaut den Formen
mit ia, ie lautgesetzlich nicht zukommt; wo er trotzdem erscheint, wie in
cliopian, deopian usw. (§ 417, Anm. 12, d), ist er aus Formen ohne -i- (also
2. 3. Sg. Ind., Prät. oder Part. Prät.) übernommen.
2. Präteritum und. Partizipium Präteriti werden von dem
Stamm auf germ. -ö- gebildet. Dieses ö erscheint nach § 44, Anm. 3, 1
u. 4 ae. entweder als -a- oder als -u-, -0-, daher z. B. Prät. löcade oder
löcude, -ode; Part, löcad oder löcud, -od zu älterem *löködse, *lököd. Diese
Formen sind mundartlich verschieden aufgeteilt, s. § 413.
Anm. 4. -a- im Prät. und Part. Prät. ist lautgesetzlich vor se in der Folge-
silbe entstanden, also im Prät. Sg. und einigen Formen des flekt. Part., -w-,
•0- vor -u, also im Prät. Pl. und einigen Formen des flekt. Part.
330 § 411. Schwache Verba: II. Klasse
Anm. 5. Über das Eindringen von Formen der II. Klasse in die erste s.
§ 400, Anm. 3.
Anm. 6. Die Zahl der zu Kl. H gehörenden Verba ist sehr groß, zumal
von sehr vielen Nomina Denominativa nach dieser Klasse gebildet werden
können. Es gehören hierher z. B. von kurzsilbigen bodian verkünden,
ceorian klagen, dwolian irren, holian holen, hopian hoffen, laöian ein-
laden, lofian loben, lufian lieben, macian machen, rnonian mahnen, stician
stechen, warian beobachten; von langsilbigen äscian fragen, ceapian han-
deln, kaufen, costian versuchen, eahtian achten, eardian wohnen, earnian
ernten, endian enden, fondian nachforschen, fundian streben, ^eanvian be-
reiten, jräpian greifen, her^ian verheeren, hi^ian eilen, behöfian nötig sein,
hwearfian wandern, leanian lohnen, löcian schauen, loccian locken, mddian
melden, offrian opfern, sceawian schauen, somnian sammeln, tiohhian an-
ordnen, daccian streicheln, öoncian danken, wealwian sich wälzen, weoröian
ehren, wincian winken, wisian heimsuchen, wondrian wandern, wuldrian
verherrlichen, preisen, wundian verwunden, wundrian wundem, und viele
andere. Als besondere Gruppen sind hervorzuheben die Abteilung a) auf
-(e)cian, wie bedecian bitten, ästyfecian ausrotten, äswefecian ausrotten; ws.
ieldcian aufschieben, searcian machen; - b) auf -(e)j«zn, meist von Adjek-
tiven auf -£3 gebildet, wie dyse^ian töricht sein, 7ie/(e)jt-an beschweren,
tnet{e)sian mäßigen, weZ(e)jmn bereichern; hälyian heiligen, semynd^ian ge-
denken, sär^ian Schmerz empfinden, acyld^ian sich verschulden, syn^ian
sündigen, wer^ian ermüden, wityian prophezeien; — c) auf -(e)nian, wie
^edajenian (Vesp. Ps. sedeafenian, R1 ^edafnian und jedaz/nian, nordh.
Sedsejni^a) geziemen, fa^tejnian sich freuen, hafenian halten, op(e)nian öff-
nen, war(e)nian sich hüten; jsestnian festigen, läcnian heilen, wilnian ver-
langen, witnian strafen; - d) auf -(e)sian, wie ef(e)sian scheren, ej(e)s?an
erschrecken; bletsian segnen (§ 198, 4), bliösian, blissian sich freuen, clSnsian
reinigen (§ 185, § 186, 2), sitsian begehren, srimsian wüten, hreowsian be-
reuen, ws. iersian (außerws. iorsiari) zürnen, ws. mSr&ian bekannt machen,
miltsian erbarmen, ricsian, rlxian herrschen, unrötsian unfroh sein, untreow-
sian ungläubig sein usw.
Anm. 7. Viele Verba, die im Ae. ganz oder überwiegend nach der ö-Klasse
flektieren, gehören in anderen germ. Sprachen der e-Klasse an, so daß, zu-
mindest insoweit als sich auch noch ae. einige nach letzterer gebildete For-
men finden, mit einem Übertritt aus der e-Klasse in die 5-Klasse zu rechnen
ist. Bei manchen zeigt sich auch in anderen germ. Sprachen Schwanken
zwischen diesen beiden Bildungen (s. J. Schatz, Germanica, S. 353ff. fürs
Ahd.). Derart stehen nebeneinander ae. ärian ehren - ahd. eren, bifian,
beofian beben - ahd. biben, bismerian verspotten - ahd. bismeren und bis-
merön, capian pflücken - ahd. ka(p)f&n, diflan kleben - ahd. kleben, cunnian
versuchen - got. kunnan, Prät. -aida, druncnian betrunken werden - ahd.
trunkan&i, drüpian tropfen - altnord. drupa, earmian sich erbarmen - got.
ga-arman III. Kl., ahd. barmen, earnian verdienen — ahd. amen, fdl^ian
folgen - ahd. jolgen, ^anian gähnen - altnord. gana III. Kl., -^apian gaffen -
altnord. gapa III. KL, ahd. *gaffen, sinian gähnen - ahd. ginen, nordh.
j£(o)«dja verlangen - ahd. bair. einmal giwen neben gew. gewön, hatian
hassen - ahd. häten, hlinian lehnen - ahd. hlinen, hni^ian den Kopf neigen -
ahd. hnegen, leomian, nordh. auch lioma lernen — ahd. obd. Urnen, fränk.
lernen (s. Sievers, Z. ags. Vokalismus, S. 33f.), lician gefallen - ahd. liehen,
§ 411-412. Schwache Verba: II. Klasse
331
lütian lauern - ahd. luzen, ma^ian stark sein - ahd. mögen, meldian melden -
ahd. obd. melden, rärian brüllen — ahd. rer&n, römian streben - ahd. rämen,
rünian flüstern - ahd. rünen, sor^ian sorgen - got. saürgan III. Kl., ahd.
s{w)orgen, sparian sparen - ahd. obd. sparen, starian starren - ahd. star&n,
stician stecken bleiben - ahd. stecchen, ws. swi^ian schweigen (mit kurzem
Vokal, daher auch swu^ian mit Übertragung des nach § 114, b im Prät.
und Part. Prät. entwickelten u. Beide Formen stehen altws. nebeneinander,
spätws. gew. swujian neben su^ian, suwian und sweo^ian nach § 114,
Anm. 6. Angl, steht Länge des i metrisch fest, also wie ahd., alts. und alt-
fries.) - ahd. swtgSn, tilian tiolian teolian streben - ahd. obd. zilen, fränk.
zilön, öearfian darben - ahd. darben, öeowian dulden - got. fiiwan III. Kl.,
dolian dulden - ahd. dolen, dröwian dulden - ahd. dr-uoen, Öunian hervor-
ragen - ahd. donen, wacian wachen - ahd. ivahhen, wäfian staunen - alt-
nord. väja III. KL, warian wahren - altn. vara III. Kl. aber ahd. waron,
weardian warten — ahd. warten, weornian welken — ahd. wesanen, bewitian
beobachten - ahd. ge-, irwizzen, wunian wohnen - ahd. wonen, *^lotian
glotzen - altnord. glotta III. Kl. Hierzu kommen noch die zahlreichen Ab-
leitungen von Adjektiven wie acealdian erkalten, jestron^ian stark werden
usw. neben ahd. arcalt-en, strängen usw. Die Formen obiger Verba sind,
soweit sie mit denen der ö-Verba zusammenfallen, bei diesen mitberücksich-
tigt; Reste der e-Flexion, die sich bei einigen im Ae. erhalten haben, sind
in § 417, 2 zusammengestellt.
3. Das westsächs. Paradigma dieser Klasse ist:
Präsens
Indikativ
Sing. 1. löcije
2. löcas(t)
3. löcaö
Pl. löciaö
Optativ
jlöcije
löcijen
Imperativ
Sing. 1. löca
Pl. 1. löcian
2. löciaö
Infinitiv I Partizipium
löcian löciende
Indikativ
Sing. 1. löcode
2. löcodes(t)
3. löcode
Pl. löcodon
Präteritum
Optativ
jlöeode
löcoden
Partizipium
-löcod
Über die Endungen der einzelnen Formen vgl. die allgemeinen Regeln
von § 354 ff. Über Verba contracta s. § 415.
§ 412. Die Flexion des Präsens ist in den meisten Mundarten ziemlich
fest, namentlich im Westsächsischen. Über angl. Besonderheiten beim
332
§ 412. Schwache Verba: II. Klasse
flektierten Inf. und beim Part. Prät. s. Anm. 3. und 10. Sonst zeigt fast
nur das Nordh. (und z. T. R1) bedeutendere Abweichungen.
Anm. 1. Die ia, ie der Endung sind, auch nach Ausweis der Metrik und des
Me., zweisilbig (sie haben also silbisches i: lö-ci-an usw., nicht unsilbisches j,
*löc-fan oder *lö-cjan usw.). In einigen Texten finden sich auf dem i bis-
weilen Akzente, die wohl auf diese silbische Aussprache hindeuten; so schon
bei einem Schreiber der Cura past. Hs. H Formen wie Inf. jemialian, ge-
läcnisan, Pl. cliepiad, Opt. forivradien usw.
Nur ausnahmsweise findet sich bei alten ö-Verben (über alte e-Verba s.
§ 416, 2, § 417, Anm. 14) einsilbiges je für zweisilbiges ie, zumal in gewissen
jüngeren Texten, und zwar vermutlich als Kentizismus; vgl. z. B. Part,
wie jnomjende Blickl. Hom., Inf. Mdjenne, mötjenne Benet u. ä.; doch auch
schon in Cura past. Hs. H ein luj^e (^eliom^en s. § 417, Anm. 14).
Anm. 2. In den altws. Texten wird (wie im Paradigma angedeutet) meist
ia geschrieben, weit seltener -i^ea- oder (letzteres fehlt in Cura past.
Hs. C fast ganz); daneben steht ganz ausnahmsweise ea, wie ple^ean Cura
past., her^ean Or. Dagegen herrscht in der 1. Sg. Ind. und im Opt. durch-
aus -ije(n) vor und -ie, -ien treten zurück; im Part, überwiegt dagegen
wieder -iende über -inende (dazu vereinzeltes herzende Or., yöe^ende Cura
past.; vgl. dazu vereinzelte spätws. Parallelen wie ÄZeodrejendum, ma?jerejan
GL); im flekt. Inf. (vgl. Anm. 10) wechselt -ienne mit -ijenn-e.
Im späteren Ws. bleibt ia im ganzen vorherrschend; dazu tritt noch io
im Opt. Pl. wie lufion, leomion, Anm. 7 (nur ganz ausnahmsweise finden
sich Schreibungen wie wisaison, peni^eon). Bei ie herrscht Schwanken. In
yElfr. Hom. steht meist -ije, auch im flekt. Inf. und im Part., wie bodi^enne,
bodi^ende, während in zElfr. Gramm, das Part, wieder auffallend viele -iende
neben -inende zeigt, bei sonst meist durchstehendem -ije. Bei andern Texten
ist oft eine Regel überhaupt nicht zu entdecken.
Die kGl. gehen im ganzen mit dem Altws.: Konsequent ia, meist ije
{üfeatni^e, onacuni^e, ^etimbri^e, aber liomie), doch im Part, stets -iend(e).
Vesp. Ps. schreibt fast konsequent -iu (1. Sg.), sonst ia und ie (nur je ein
jearwiju, ondetti^ad, -i^en, senyhtaume^ende, ^edeafmeaÖ; über öiw^en s.
§ 417, Anm. 14), in R1 herrscht dagegen sowohl ije (doch ein wundriende)
wie -tja, -i^as (aber auch einige -ia und ein hälaio).
Von den nordh. Texten hat R2 stets ije, ijo und meist i^a, selten ia-,
in L Rit. stehen ije, tjo ebenfalls durch (bis auf verschwindende Ausnah-
men zugunsten von ie), dagegen ist hier ia neben i$a häufig.
Anm. 3. Eine Hauptdifferenz zwischen den angl. und den übrigen Mund-
arten zeigt sich beim flektierten Inf. und beim Part. Präs., s. Anm. 10.
Außerdem weisen R1 und das Nordh. (und innerhalb des letzteren besonders
L und Rit.) eine Menge von Neubildungen auf. Einerseits sind hier nämlich
die Formen mit und ohne -4(5)- vielfach durcheinander geraten (daher z. B.
in L Sg. luflas, Pl. lufaa u. ä. neben urspr. Sg. lufaa, Pl. lufias); anderer-
seits sind die a und ia, ie der Endungen zu Mischungen, geschrieben -aia-,
aje, -eja- usw., verbunden worden (daher z. B. in L Plurale wie loaaiad,
duolajea, eardejad neben dem alten loaijad usw.); oder aber es sind
selbständige Neubildungen nach dem Muster anderer Verba vorgenommen
(daher z. B. in L Formen wie 1. Sg. dröwa neben öröuijo, Imp. häl^i^
neben häl^a u. ä.).
§ 412. Schwache Verba: II. Klasse
333
Im folgenden sind diese Abweichungen bei den einzelnen Formen mit an-
geführt.
Anm. 4. Dem ws. kent. -ije der 1. Sg. Ind. entspricht im Vesp. Ps. -iu,
seltener -io, § 355, Anm. 2; R1 hat neben ähsise, somnise ein hälsio und
neugebildetes öröwa, pröwe (setimbre kann zu einem sw. Vb. I. KI. gehören,
vgl. § 404, Anm. 1, c). Nordh. überwiegt in R2 L Rit. -iso, wie fcodtjo,
somniso usw.; daneben stehen Formen wie R2 fulwo, sihalso, lufo, selten
scomisa; lu/a, milsa; in L Öröuisa, hälsisa, uuldria, uoröisei lufo, seniöro-,
lufa, öröwa, hälsa, milsa; im Rit. jinwsije; jimyndja, sidH^a.
Anm. 5. Das a der 2. und 3. Sg. Ind. ist im Ws. ganz fest (ein ofersceadoö
Cura past. Hs. C gegen -aö Hs. H ist verdächtig, in Boeth. Hs. C aber öfters
•ost, -oö neben -ast, -aö); die kGl. haben einige o, e: onscunoö, sep>afoÖ, ofsti-
coö; seßafeö, äreö; ein vereinzeltes edleaneö im Vesp. Ps. ist als Schreibfehler
verdächtig, ebenso ein vereinzeltes ädrüsiaö.
In R1 finden sich dagegen neben -ast, -ap usw. bereits ziemlich viele
e-Formen, wie endep, searwep, usw. (auch jearwa?/>) und ein paarmal -ia-,
äriaö, pröwiap. Nordh. herrscht in R2 in der 2. Sg. -as (ein siowestu zum
Inf. jiowijia begehren, § 417, Anm. 12, b), in der 3. Sg. meist -aö, neben
seltenem -eö (sisomneö, lufeÖ, sideefneö) und wieder etwas häufigerem -isaö,
-iaö, -ias, wie äjnijad, cl&nsias, wundriaö usw. In L sind für
die 2. Sg. belegt Formen wie löcas, somnas usw. (dies ist die Normalform);
lufxstu, ondsuxrcestu-, niv^as; woröias; in der 3. Sg. herrscht -aö, -as nebst
-eö, -es (und seltenem -eeö, -ass, wie lufseö, clioppses); daneben Neubildungen
namentlich auf -iaö, -ias, seltener solche wie somnisaö, -as, fsestniseö, woröi-
Ses, synnsieö; äsnesseö, deadases, uoröases, f&stnasiö, costaiö und sceomiasaö.
Das Rit. hat in der 2. Sg. neben -as (-ast) auch Formen wie eftnives, slaöias
(über solche wie ricsaö s. § 356, Anm. 2), in der 3. Sg. neben einigen -eö
auch Neubildungen auf -iaö neben vereinzeltem sihersumaiaö, similsaseö,
siärwyröiseö.
Über den konsonantischen Ausgang der 2. 3. Sg. s. § 356f.
Anm. 6. Im Ind. Pl. und der 2. Pl. Imp. ist die Endung -iaö usw. (vgl.
Anm. 2) fest im Ws., Kent, und Vesp. Ps.; in R1 stehen dagegen neben
dem gewöhnlichen -i(s)ap, -iap (vereinzelt auch scyldisat, lökis&P) neuge-
bildete Formen wie sesomnap usw. (vereinzelt auch solche wie hreordeP
‘redet’). Im Nordh. hat R2 meist -isaö, -isas neben seltenerem -iaö, -ias,
und im Ind. Neubildungen auf -aö, -as, wie sisomnaö, lufas. In L herrschen
noch die -iaö, -ias bzw. -isaö, -isas vor; dazu kommen einige -ijed, -ises
und ziemlich viele Neubildungen wie deadaseö, costases; äsnesaö, eardesas
(seltene Nebenformen: losaiaö, äsnasaö, lufasiaö, alda310,6, bodasseö, wor-
öaises, äsneses, setesöeses, cliopposaö, sceawsias), namentlich aber solche
wie sesomnaö, s (selten -es: behöfes). Auch das Rit. hat neben gewöhnlichem
-i{3)aö, -i(3)as einige Neubildungen wie seblöedsaö, äimersas, siföerscipeö.
Über den konsonantischen Ausgang des Ind. Pl. vgl. § 360, 1, über die
Verkürzung vor folgendem Pron. pers. § 360, 2 nebst Anm. 3-5.
Anm. 7. Der Opt. Sg. ist im Ws. und Kent, durchaus regelmäßig (einmal
lufse Cura past. Hs. H ist wohl Schreibfehler). Für den Pl. sind die allge-
meinen Regeln von § 361 nebst Anm. zu beachten. Für altws. -isen heißt
es also später auch -ian (so schon einmal äscian Or.) und dann spätws.
durchaus vorherrschend -ion usw., während in kGl. kPs. kHymn. -ian durch-
steht.
334
§ 412. Schwache Verba: II. Klasse
Der Vesp. Ps. hat regelmäßig Sg. -ie, Pl. -ien, R1 neben herrschendem
Sg. Pl. -Zje auch einige -ij» und Sg. fol^e, ^etriowe, Pl. iarwan. Das Nordh.
zeigt in R8 Sg. Pl. -«je, seltener -«ja; in L herrscht umgekehrt -tja, -ta neben
seltenerem Sg. -tje und Neubildungen wie Sg. jertxaje, Zosatje, deade^e und
jeberhtna, Pl. deadaje, Zw/a«ja, -e; im Rit. desgl. Sg. Pl. meist -ta, -tja (selten
•«je) und Neubildungen wie Sg. jttntZsaje, j««dZeje, jtwZtijeja und jemyndje,
Pl. ^ithonca^e und jteamtjo.
Anm. 8. Im Imp. Sg. ist die Endung -a fest im Ws., Kent, und im Vesp,
Ps. In R1 steht neben -a ziemlich häufig -e (auch -a? in Zöc®). Nordh. hat
R8 ein vereinzeltes löcco ‘siehe’ neben herrschendem -a; L und Rit. zeigen
neben -a auch einige -e und häufig eine Neubildung auf -«j, wie örij, sceaunj,
ÄäZjtj (vgl. auch § 410, Anm. 5; ein woröi^a ‘adora’ Rit. ist wohl als Inf.
verstanden, ein ^edreat L vielleicht nur verschrieben).
Über den Imp. Pl. s. Anm. 6.
Anm. 9. Im unflektierten Inf. ist -ian usw. (Anm. 2) im allgemeinen
fest im Ws., Kent, und Vesp. Ps., vgl. § 363, 1 nebst Anm. 1. R1 hat neben
tjan, -«an auch -tje (und ein anduefrtja) sowie neugebildetes stalle, tinter^a
für ws. ateallian stehen, tintre^ian quälen; in Ra herrscht -tja (vereinzelt
-ta) vor, daneben selten -tje; L hat meist -ta, -tja und -tje, daneben Neu-
bildungen auf -aje, -eja, -eje wie deadaje, wi/eja, äjneje (vereinzelte Neben-
formen lujayie, ^edreadtai^e, uundrai^e, hriorda^x, jelecnseje, ^ehoro^se) und
wie jereo/a, milaa, sehäli^a. Im Rit. scheinen sich nur die regelmäßigen -ia,
-tja sicher belegen zu lassen.
Anm. 10. Im flektierten Infinitiv und im Partizipium Präs, ist
zwischen Hauptton und Nebenton frühe Synkope des -ö- zu erwarten, wo-
bei das -j- dann nach langer Stammsilbe und nach zwei kurzen Silben ver-
lorenging, nach kurzer Silbe aber erhalten blieb. Die urspr. Endungen
waren also für den flekt. Inf. -enne und -jenne, für das Part. Präs, -ende
und -jende. Unter dem Einflüsse der übrigen Formen mit -i- wurde aber
•jenne durch -«'enne, -tanne und -jende durch -iende ersetzt und eine dar
beiden Formen ohne Rücksicht auf die Quantität und die Zahl der vorher-
gehenden Silben verallgemeinert. Der Ausgleich ist örtlich verschieden er-
folgt. S. H. Weyhe, Germanica, S. 313ff.; Flasdieck, Angl. 59, 3ff.
Der alte Zustand ist in den ältesten Gl. und in der Poesie (nach der Metrik,
nicht in den Schreibungen, s. Sievers, Beitr. 10, 482) gut bewahrt, so Corp.
Gl. langstämmige Part. Präs, jorher^end, sunfol^end, hleoprendi, torctendi,
preatende, täcnendi, hlaeyulendi und D. Sg. hlibendri (hliflan neben hliflan),
aber nach Kürze do&jendi, D. Pl. seob^endum, scun^endi, N. Pl. jeonjend«,
(Ep. fehlen Beispiele für kurzstämmige), aber bereits mit Ausgleich do&endi
Erf. dobend Leid. Gl. und vielleicht hlibendri Corp. (s. oben). In der Poesie
haben biftende, Ufoende, lifiende, hlin^endum, acamiende, wuniende metrisch
notwendiges -i-, hingegen jrymeZende, jnornende, sorgende, drüsende, ßeöm-
rende kein -i- (auch wenn sorgiende geschrieben ist).
Im Angl, hat Vesp. Ps. gew. -ienne, -iende, aber einige -enne, -ende bei
langstämmigen (earnenne, bliaaende neben bliaaiende), Beda-Übers. stets
-ianne, -ienne, im Part, zwar gew. -iende, aber einige -ende bei langsilbigen
(efnbliaaende, peartende, awt^ende, sorgende, jorher^ende, aber auch bliaaiende,
awfyiende in anderen Hss. als T). R1 hat stets i-lose Formen mit wenigen
Ausnahmen im Part, (wuniende, einmal wundriende neben einmal wundrende,
einmal clipijende neben zwei cliopande und einem dipende). Von den nordh.
§ 412-413. Schwache Verba: II. Klasse
335
Texten hat R2 überall -anne, -ende mit einigen Ausnahmen bei kurzsilbigen
(einmal bodi^anne gegen drei bodanne, zwei bodende; je ein wuni^anne,
wuniende gegen ein wunanne, je ein hlioni^ende, hlioniende gegen zwei
hlionende, ein hlin^endum). Rit. hat bei Langsilbem nur Formen ohne
bis auf ein ädliende und ein compi^ende; die kurzsilbigen schwanken: bodende
neben to bodian', wynsumende neben wyngumiende, teancwidende, ladende,
lufende, cliopende, polende, $iwende, Pajende neben ^ladiende, sceomi(3)ende,
wuni^ende, lifi(3)ende, lifi^iende. L hat bei den Langsilbern im flekt. Inf.
stets -anne, -enne bis auf dreimal wordianne (einmal wordenne, Part, worden-
dum), im Part, -ende, -ande und nur vereinzelte Ausnahmen mit -i- mit
Nebenformen ohne -i- {wundri^ende einmal neben einem wundrende, acht
wundrande, ein wuldrisendo neben einem wuldranne, zwei (h)nidriendo, ein
jeadnjende). Bei kurzsilbigen sind die Formen mit -i- häufiger, umfassen
aber doch nur etwa 40 % der Belege.
Im Ws. und Kent, sind die Formen mit -i- durohgeführt; im übrigen
gelten für den flekt. Inf. die allgemeinen Regeln von § 363, 2: also altws.
überwiegend -ianne, seltener d(j)enne, spätws. ziemlich häufig -i(j)enne;
im Kent, -ienne kGl., kPs. usw. Das Part, hat die Endung -iende, doch
findet sich im Part, und flekt. Inf. auch hier manchmal die Schreibung
mit 5 und ist fast nur auf diese Formen beschränkt (Material bei Sievers,
Beitr. 9, 296 und Angl. 13, 314).
Über einige Neubildungen ähnlicher Art bei alten jo-Verben s. § 409,
Anm. 1.
§ 413. Im Präteritum ist -ode aus älterem-uda?, -ude für gewöhnlich, im
Ws. verallgemeinert worden; -ade ist hier seltener, dafür aber im Kent,
und Angl, die Regel. Formen mit geschwächtem -ed- nach § 142 sind
überall seltener, finden sich aber in allen Mundarten.
Anm. 1. Von den ältesten Texten hat Ep. Formen wie äglacudx, suicudte
neben jerejnoda?, suomodun und ^enidradx, llthi/rcada?; in Corp. herrscht
•ade usw., nur vereinzelt finden sich semsercode, dröwode, tioludun, die z. T.
zu alten e-Verben gehören.
Anm. 2. Im Altws. ist -ude ziemlich selten und offenbar als altertümlich
zu betrachten; Pluralformen mit u fehlen hier ganz. Spätws. ist u (wohl wegen
o für w im Auslaut als umgekehrte Schreibung, s. § 44, Anm. 7), z. T. häu-
figer auch im PL, wie löcude, PI. löeudon usw.
Anm. 3. In der Cura past. ist Sg. -ude durch beide Mss. zugleich zweimal
bezeugt, sräpude, dröwude, desgl. -ade dreimal, denade, bignade, ^esyn^ade,
etwas öfter beide durch je eine Hs., namentlich H. Normalform ist -ode,
PI. -odon usw., doch steht neben letzterem auch bereits öfter -edon, das
fünfmal durch beide Hss. zugleich bezeugt ist, hi/rsumedon, bodedon, $eda-
fedon, wunedon, bismredon (also vorwiegend bei alten e-Verben); ein Sg. -ede
fehlt bis auf ein ojermöd^ede Hs. H.
Auch in der Chr. ist -ode, PI. -odon das gewöhnlichste, doch sind daneben
Sg. -«de und namentlich -ade, PI. -edon etwas stärker vertreten (dazu auch
ein PI. oferher^eadon).
Im Or. hat der Sg. meist -ade, der PI. -edon, doch auch nicht selten Sg.
-ode, PL -odon\ daneben außerdem 1 PL -adon, 3 Opt. PL -aden und 4 Sg.
-ede.
336
§ 413-414. Schwache Verba: II. Klasse
Anm. 4. Die Formen mit -ed- sind also offenbar zunächst im Pl. (Ind.
•edon, Opt. -eden usw.) aufgekommen. Dort bleiben sie auch spätws. neben
dem normalen. Sg. -ode, Pl. -odon (und seltenem -ade, -ude, Pl. -udon, vgl.
Anm. 2) einigermaßen üblich, während Sg. -ede durchaus zu den Ausnahmen
gehört.
Anm. 5. Das Kent, zeigt in kGl. onscunede (vgl. § 417, Anm. 9, c), jeda/ede,
offrede neben überwiegendem -ade, im kPs. lufedest neben zwei pin^ode und
einem beserode (zu § 408, Anm. 4).
Anm. 6. Im Angl, ist -ad- die Norm; -ud-, -od- ist durchaus selten, abge-
sehen von 5 cleopude, 8 lujude Vesp. Ps. (daneben oft auch -ade): je ein
duolude Vesp. Ps., hleonudun Rx, tru311.de, ondsuearudon L und sidreotodon
R2, ond&uorode, losodun, cliopodan L. Daß sich unter diesen eine Reihe alter
e-Verba befindet, ist wohl Zufall (Flasdieck, Angl. 59, 4).
Etwas häufiger ist in Vesp. Ps. und R1 -ed- (z. B. 1 cleopedun, 10 onscu-
nedun usw., neben denen kein Pl. -adun begegnet).
Im Nordh. begegnet in L -edon als Schwächungsform von -adon mehr-
fach, vgl. Beispiele wie liccedon, wortedun, ojivundredun u. ä., -ede im Sg.
findet sich aber nur bei alten e-Verben.
Anm. 7. Nach dem Muster von Verben, welche ursprünghch der III. Kl.
angehörten, findet sich in L das ohne Mittelvokal gebildete Prät. sceawde
(sceaude, sceode) zu sceawi^a (ws. sceawian) schauen (s. § 417, Anm. 16),
außerdem nach dem Inf. gebildete heafeyie zu heafi^a (ws. heoflan) klagen,
untrymi^don neben untrymade zu untrymi^a (ws. trymman, trymian) krank
sein, eJJötodejde, -ijde zu eJidiodija in die Fremde gehen.
Anm. 8. Über die Prät. trutvde, Öeowde s. § 417, Anm. 16.
§ 414. Die Endungen des Part. Prät. entsprechen im ganzen denen des
Prät.; es gilt also ws. meist -od, außerws. meist -ad usw., doch finden sich
im einzelnen mancherlei Abweichungen.
Anm. 1. In Ep. sind an hierhergehörigen Formen nur belegt fetod, seje-
todnse, äfälodan (alles von alten e-Verben, vgl. § 417, Anm. 13 und ahd.
fulen), in Corp. feotod, sefeotodne neben herrschendem -ad usw.
Anm. 2. In der Cura past. stehen neben dem normalen -od, flektiert -ode,
-oda usw. auch 12 unflektierte -ad, und je ein jeäjenudu (zu § 159, Anm. 2)
sowie ^ewundedan, forrotedan in beiden Hss. zugleich (un(^e)din3ed, 2 $ewin-
trede sind nach Kl.I gebildet); dazu kommen in C allein 4 -ude usw., 2 -edan,
in H allein 5 -ade, 4 -udne, -udan usw., 2 -edan usw. Die Chr. hat neben
13 -od, 4 -ode usw. auch 6 ^ejulwad, 2 jewundad, 1 ^eleapade und 1 sefulluhtud,
3 -horsude, -an. Im Or. gilt unflektiert meist -ad, demnächst -od (2 -ed),
flekt. -ade oder -ede (je ein je&rocode, ^ewundode).
Im Spätws. gehen die u. a, e etwa denen des Prät. parallel.
Anm. 3. Das Kent, hat in kPs. nur ^eclSnsod, in kGl. meist -ad, flekt.
•ade, aber auch wltnod, ^eliö^od, je^earwod, flekt. ^esamnode, ^emet^ode,
Sewitnodwn und (bei alten e-Verben) onscunede (§ 417, Anm. 9, c und 14),
$eefenedan (ahd. äbanderi).
Anm. 4. Anglisch gilt durchweg -ad, flekt. -ade usw. als Norm; doch hat
der Vesp. Ps. auch einige flektierte Formen wie ^esin^alede, $ewundedan,
-edra u. ä.» R1 ein flekt. ^esomnede neben mehreren unflekt. -ed, wie bewedded
§ 414-415. Schwache Verba: II. Klasse
337
(auch ein jejearwajd); R2 unflekt. sidsejned, loaed (altes e-Verbum, § 417,
Anm. 9, b) und L Rit. ziemlich oft unflekt. -ed, im Rit. auch ein flekt.
3iondvardedo. Dazu Neubildungen wie Rit. ^icoati^ed zum Inf. ^icoatia und
L ^eöreaten, (orbodan nach dem Muster der starken Verba (vgl. § 406,
Anm. 7) u. ä.
§ 415. Auch, unter den Verben der II. Kl. finden sich einige Verba
contracta. Bei diesen ist, wie bei den anderen Verben dieser Klasse,
in den mit -i(j)- gebildeten Präsensformen das -j- erhalten, bei den ohne
•»(j)» gebildeten meist Kontraktion des Vokals der Endung mit dem
Wurzelvokal eingetreten. Hierher gehören:
a) *böian, *bö^an prahlen (3. Sg. Ind. poet. böö, daneben spätws. nach
unkontrahierten Formen neugebildet bö^aö Scint.), *3öian klagen (Part.
Seiende, 3. Sg. Ind. Präs, 3öaö Beda-Übers.), *scöian, acö^an beschuhen
(1. Sg. Ind. Präs, scöje, sccöje, Opt. Pl. -scöje/i, Imp. Sg. aceö, Pl. seeöjead,
Part. Prät. acöd, aceöd, nordh. jescöed L, ^iacöed R2, diese wohl zweisilbig
mit analog gebildeter Endung nach Kl. I; Imp. siaceö Rit.); Grundform
*81cöhöjan usw.
b) tweo^{e)an zweifeln (aus *twihöjan, vgl. ahd. zwehön); Präa. twäo^e,
tweost, tweoö, Opt. tweo^e, Part, tweo^ende, poet. auch -tweonde nach § 412,
Anm. 10, Prät. tweode; merc. R1 Präs. Ind. Pl. twi^ap, Prät. Sg. 2. jeiwiode-
atu, Pl. tweodun (dieses auch Beda-Übers. Hs. T1); nordh. R2 Präs. Ind.
Sg. 3. twtas, Opt. funoje, Prät. twiode, Pl. twiodun', L Präs. Ind. Sg. 3. tu&a
(vielleicht Schreibfehler für *tuiaea, Lindelöf, vgl. R2), Opt. Sg. ^etui^a,
Prät. tuiade, Pl. tuiaton, ^etwiedon, Rit. Prät. Sg. ^itvieda (wohl mit analog
gebildeter Endung nach Kl. I).
c) Nordh. auch jefSaja usw. sich freuen (= ws. ^ejeon, § 391, 2 nebst Anm.
7): R2 Inf. je/eaja, -e, Präs.Ind. Sg. 1. 31(20, 3. ^ijead, Part. sifea{a)nde, jifeonde,
Prät. ^ifeade, 3i(eode, Pl. yifeadun; L Inf. je/eaje (neben sefea), Präs. Ind.
Sg. 1. sefeo, 3. je/eaö, -s, Opt. Sg. je/eaje, PI. sefeaö, Part. 34/eande, Prät.
3e(eade, Pl. jefeadon, Part. Prät. 3e(ead‘, Rit. Inf. 3ijea(3)ia, 3i(ea3e (neben
3ifea), Präs. Ind. Pl. sifeaö, Opt. Sg. 31(6036, Pl. 31(6030, Imp. PI. sijeaö,
Part. 3i(eande. Hiervon gehören Inf. 3e(ea L, sifea Rit. wohl zum st. Vb.,
ebenso Imp. Sg. je/azj L, s. § 391, Anm. 7. Präs. 1. Sg. Ind. 3&feo L, Pl.
3ejeoö L, 3ifeaÖ Rit. können auch zum st. Vb. gehören, aber auch Neubildun-
gen nach der 3. Sg. des schwachen Verbums sein; vgl. ebensolche unter d)
und f).
d) smeaj(e)an nachdenken, nachforschen (aus *smauhö(an, zum Adj.
swedj sich schmiegend, klug, s. Flasdieck, Angl. 59, 38ff.) und Örea3(e)an
drohen (zum Stamm *prau- mit Erweiterung wie an. pruga drohen, s. Flas-
dieck a. a. O.): ws. Inf. smeaj(e)an (einmal smejean Cura past. nach § 121),
<5reaj(e)an, flekt. amea3(e)anne, Örea3(e)anne (aber einmal öreanne Cura past.
Hs. H nach § 412, Anm. 10, s. unten die angl. Formen), Präs. Sg. 1. dreaje,
3. smeaö, öreaö, Pl. smeaj(e)ad (spätws. smeaö nach dem Sg.), dreaj(e)ad,
Opt. smeaje, -en, Örea3e, -en und amean Boeth. Hs. B nach dem Ind. Sg.,
ebenso Imp. Pl. smeap dsgl., Part, spätws. smeande nach § 412, Anm. 10,
Prät. smeade, öreade', - kent. Gl. Inf. «mejan, flekt. 3m.ya3er.ne nach § 35,
Anm. 2, Part, dreajende, Ind. Sg. 2. Öreast, 3. öreaö, smeaö, Part. Prät.
öread; - merc. Beda-Übers. Hs. T1 Opt. smeaje, flekt. Inf. smeasenne, Part.
338 Schwache Verba: § 415. II. Klasse. § 416. III. Klasse
smea^ende, Prät. smeade, Präs. Ind. PI. dreaj(e)ad, Opt. PI. smeaj(e)an;
Vesp. Ps. Präs. Ind. Sg. 1. dre^u (dreu), s-meju, 2. dreas(t), 3. dread, PI.
sme^aö, Opt. Sg. dre^e, sme^e, PI. sme^ad, Imp. Sg. prea, Part, drehende,
sme^ende, Prät. dreade, Part. Prät. smead; Corp. Gl. Prät. preade, Part.
Prät. smead-, R1 Inf. Örei^a (§ 126, 2), Part. Präs. smSande, Prät. smeade; —
nordh. in R2 Präs. Ind. Sg. 1. dria (wohl fehlerhaft, Lindelöf), 3. -dread,
smeoö, PI. smeosas, Imp. Sg. smeo^e, PI. smeo^as, Part. smea(n)dum, Prät.
dreade (dreode), smeode, PI. öreatun (dreodun), smeadun, in L Präs. Ind. Sg. 1.
Örea, 3. dread (dazu -dräd wohl fehlerhaft), smead, PI. smead, s, Imp. Sg.
Örea, smeade, PI. smeas, Part, smeande, Prät. Sg. dreade, smeade, PI. öreadun,
smeadun (sesmeawdon, ^esmeaudon, die schwierig zu deuten sind, vielleicht
Schreibfehler); im Rit. Präs. Ind. Sg. 3. -smead, PI. smead, Imp. PI. -dread,
Inf. -smea^a, flekt. smeanne, Part, -dreandum, smeande, wobei die Formen
ohne 5 im Nordh., soweit sie lautgesetzlich nicht berechtigt sind, durch
Ausgleichung entstanden sein dürften.
e) Angl. u. poet. *teo$an anordnen, bestimmen, schaffen (vgl. Deutsch-
bein, Beitr. 26, 242, Anm. 2; Jordan, Eigentümlichkeiten des angl. Wort-
schatzes S. 65f.), von dem belegt sind: flekt. Inf. tea^anne Beda-Übers.,
Präs. Ind. PI. teod, Prät. teode (tiadas Csedm. Hymn.), Part. Prät. -teod,
(-tead, -tiod) poet., Beda-Übers. und gelegentlich in nicht streng ws. Texten.
Gemeinws. steht daneben täwian zubereiten (mit unsicherer Quantität, vgl.
got. taujan sw. Vb. I. Kl. und Subst. tewa, s. Sievers, Beitr. 9, 297 und
Jordan a. a. 0.) und, ws. teohhian {^eteohode Beda-Übers.).
f) frio^(e)an, freo^{e)an befreien, poet. lieben (got. frijön) hat ws. Präs.
Ind. Sg. 3. jreod, PI. freo^ad (poet. auch freod nach dem Sg.), Opt. freo^e,
Imp. Sg. freo usw.; - merc. im Vesp. Ps. Präs. Ind. Sg. 1. fri$u, 2. -freas,
3. -fread (-friad, -freod), Imp. Sg. -frea (-fria), PI. -fri^ad, subst. Part, -fri^end,
Prät. -freode, freade (-friode, -frede). Part. Prät. -freod, -freod, -friad; in R1
Präs. Opt. ^efreo^e; - nordh. in R3 * * * * 8: Präs. Ind. Sg. 3. -friad, -friod, Imp. Sg.
fria, Part. Prät. -friad, PL -friode; in L: Präs. Ind. Sg. 3. friad, fri^ed (nach
unkontrahierten Formen), frewed (mit w im Hiatus als Gleitelaut), Imp.
-fris (nach unkontrahierten Formen), Inf. ^efrie^a (? Opt.), Part, friende
(zweisilbig mit analoger Endung), Prät. -fri^ade (nach unkontrahierten For-
men), Part. Prät. -friod, -freod, freo*ad (mit analoger Endung); im Rit.
Präs. Ind. Sg. 1. fria, Opt. frie, (zweisilbig mit analoger Endung), Imp.
fria, Prät. -friode, -friode, Part. Prät. -friad, -friod. Zur Lautform der angl.
Formen vgl. § 35, Anm. 1 und § 130.
3. Dritte schwache Konjugation
§ 416. Diese Konjugation umfaßt die wenigen Reste, die von der ur-
sprünglichen e-Klasse, § 398, 3, im Ae. übriggeblieben sind. Diese Verba
zerfallen in zwei Gruppen:
1. Die Verba der ersten Gruppe (s. § 417) haben in einigen Präsens-
formen (1. Sing, und dem Plural des Ind., Opt., Imp. Plur., Infinitiv
und Part.) Gemination des wurzelschließenden Konsonanten, was aus
dem thematischen Suffix mit früher Kürzung und folgender Synkope
des -e- des Suffixes erklärt werden kann, wenn nicht aus einer Schwund-
§ 416-417. Schwache Verba: III. Klasse
339
stufe desselben, oder aus Angleichung an die erste Klasse der schwachen
Verba. In den anderen Präsensformen liegen solche vor, welche der
zweiten Klasse der schwachen Verba entsprechen. Nur von libban, lifoan
kommen auch Formen vor, in denen der Suffixvokal vor -j- erst später
gefallen sein muß, weil sie keine Gemination, aber Erhalten des -j-
zeigen und damit solchen der zweiten Gruppe entsprechen (s. § 417,
Anm. 2). z-Umlaut ist in den Formen mit Geminata nur bei secj(e)an
und hyc^{e)an eingetreten, nicht bei habban (s. § 417, Anm. 1). Dies ist
wohl durch Angleichung an die nach der zweiten Klasse der schwachen
Verba gebildeten Formen zu erklären.
Außerdem finden sich von habban und secj(e)cm auch Formen der 2.
und 3. Pers. Sing. Ind. Präs, mit Synkope des Endungsvokals, aber ohne
z-Umlaut, die also solchen nach der ersten Klasse der schwachen Verba
nicht ganz entsprechen. Zu ihrer Erklärung müßte man an einen (syn-
kopierten) Endungsvokal denken, der keinen t-Umlaut veranlaßte (am
ehesten germ. -ai- aus idg. -e-j-). Hingegen entsprechen alle Formen von
hycs(e}an solchen der ersten Klasse schwacher Verba.
Die Formen des Präteritums und auch fast stets die des Part. Prät.
zeigen Synkope des Endungsvokals (beim Part. Prät. von flektierten
Formen oder nach dem Prät.), aber keinen i-L’mlaut, was wohl auch auf
einen Suffixvokal -ai- (s. § 159) zurückzuführen ist. Die Formen in den
verschiedenen Texten zeigen allerlei Besonderheiten, die, soweit es sich
nicht um Restformen handelt, durch Analogien zu erklären sein werden.
2. Die Verba der zweiten Gruppe werden fast durchwegs nach der
II. Klasse der schwachen Verba flektiert, doch zeigen einige Besonder-
heiten, die allerdings nur in vereinzelten Formen überliefert sind, ihre
ehemalige Zugehörigkeit zu der e-Klasse. Solche sind: Präsensformen mit
unsilbischem 5, i-Umlaut des Wurzelvokals, Präterita mit Synkope des
Endungsvokals. Vgl. dazu im einzelnen § 417, Anm. 6.
Anm. Zur Erklärung der Formen vgl. Krähe, Germ. Sprachwissenschaft
II, § 87, 91, 93; Campbell, OE. Grammar, § 766; und besonders Flasdieck,
Anglia 59, 1-192; außerdem H. Wagner, Die Herkunft der e-Verba in den
germ. Sprachen und W. H. Bennett, Language 38, 135-141, wo Literatur-
angaben zu der umstrittenen Erklärung.
§ 417. 1. Zur ersten Gruppe gehören namentlich die Verba habban haben,
libban leben, secj(e)aw sagen, hyc^(e}an denken, ferner wohl auch das
Verbum contractum /eoj(e)an hassen (westgerm. Stammformen *hdibja-:
*habai-, *f%ja: usw.). Als Paradigmen lassen sich aufstellen (in
Klammern stehen Formen, die sich streng ws. nicht oder nur seltener
finden):
340
§ 417. Schwache Verba: III. Klasse
Präsens
Indikativ
Sing. 1. haebbe J libbe t (bf3e) sec3e hyoje
[ (hafasft]) [ haefst liofas(t) | (sa3as[t]) sae3st fho3as(i) l hyj(e)st
3I ((hafaö) [haefö liofaö | ' (sa3aö) sae3ö f ho3aö l hy3(e)ö
PI. habbaö {libbaö 1 (lif3aö) sec3(e)aÖ hyc3(e)aö
Optativ
Sing. 1. haebbe (libbe l (lifte) sec3e hycje
usw. wie fremme § 409
Imperativ
Sing. 2. hafa liofa (sasa) sse3e f ho3a lhy3e
PI. habbaö f libbaö 1 (lif3aö) sec3(e)aö hyc3(e)aÖ
Infinitiv
habban f libban \ (lifjan) sec3(o)an hyc3(e)an
Partizipium
haebbende f libbende l (lif3ende) sec3ende hyc3ende
Präteritum
Sing. 1. haefde lifde sae3de ho3de
usw. wie demde § 409
Partizipium präteriti
3ehaefd 3elifd 3esae3d 3eho3od
Über die Formen von /eoj(e)an vgl. Anm. 5.
Anm. 1. habban. a) In den Formen mit Geminata bb ist als Vokal e zu er-
warten (vgl. die Formen von secjan); a? in der 1. Sg. Ind., Opt. und Part.
Präs, ist nach § 96, 3, b zu erklären; in den Inf. und Präs. PI. muß a erst
nach der Zeit des i-Umlauts übertragen worden sein (Bülbring, Angl. Beibl.
9, 93ff.).
b) Bei Negation verschmilzt habban mit ne zu nabban; ws. Präs. Sg. 1.
nasbbe, 2. (nafast) nssjst, 3. (najaö) n&fö, PI. nabbaö, Opt. nsebbe, Prät. nzefde,
Part, ^enxjd.
§ 417. Schwache Verba: III. Klasse
341
c) Die Formen hafas(t), hafad bzw. negiert nafas(t), nafad sind streng ws.
äußerst selten (in Cura past. je 1 hafas(t), nafad in beiden Hss., ein hafad
in Hs. H), in dialektisch gefärbten Texten können sie häufig sein. Sie sind
jedenfalls nach der II. schw. Kl. gebildet. Das Fehlen des Velarumlauts in
diesen Formen im Vesp. Ps. (siehe unter e) wird durch den Satznebenton
erklärt (Bülbring, El. B. § 454, aber einmal mit schlechter Schreibung fl.
Inf. hiobbanne, merc. Urk. v. etwa 840, Sweet, Oldest Engi. Texts S. 454).
In der angl. Dichtung herrschen diese Formen allein, im Süden steht dafür
wie in der streng ws. Prosa hsefst, hsefd mit Synkope wie bei den st. Verben,
§ 358, 2. Die Poesie hat außerdem auch die (angl.) 1. Sg. hafu, -o (-a),
vgl. unter f).
d) Im Ind. Pl. Präs, begegnen einige wenige hasbbad, nsebbad in Cura
past. Hs. H; dagegen ist se ws. Regel in dem verkürzten hsebbe we, 30, ebenso
in dem negierten nsebbe 30 (doch ein nabbe 3S Cura past. Hs. H). Spätws.
dringt das a des Ind. auch gern in den Opt. Pl. ein: Sg. hsebbe, Pl. habbon,
nach dem Muster des Ind.: Sg. 1. hsebbe, Pl. habbad.
e) Im Part. Prät. findet sich spätws. vereinzelt -hsefed (öfter in der Beda-
Übers. Hs. Ca).
f) Außerws. Formen: kent. ist eine 2. Sg. Ind. Präs, hefst kGl. (§ 52)
gegen hafest kHymn. belegt; - merc. im Vesp. Ps.: Präs. Ind. Sg. 2. hafast,
3. hafad, Pl. habbad, Imp. Pl. habbad, Part, negiert nabbende, Prät. hefde,
Pl. hefdun, Part. hefd (§ 52); - in R1: Präs. Ind. Sg. 2. hsefeat (hsefeft), 3.
hsefeft, nsefseft (hsefseft, hefseft; hsefd, nsefd), Pl. habhaft, nabbaft, habbewe, Opt.
hsebbe, Imp. haefe, Pl. habbaft, Inf. habbanne, Part, hsebbende, Prät. h&jde,
nsefde; - nordh. in R2: Präs. Ind. Sg. 1. hafo (hsefo, hsefe), 2. hsefes (hsefeat,
hsefestu, hsefed), 3. hsefed, -ea (sehabbad), Pl. habbad, -as, habbon we, Opt.
Sg. Pl. hsebbe, Imp. Sg. hsefe, Pl. habbad, -as, Inf. habba, flekt. habbanne,
Part, hsebbende, nsebbende; - in L: Präs. Ind. Sg. 1. hafo (hafu, hsefo, hsefic),
nafu, 2. hsefis, -es, -ed (hafis), 3. h&fed, -ea (hafed, -es), haefis, -id (habbad)
und nsefis, -ed, (zu den Endungen vgl. § 44, Anm. 8), Pl. habbad, -as (1 hseb-
bas), nabbad, -as, nabbo ue, Opt. Sg. Pl. hsebbe, Imp. Sg. hsefe, Pl. habbad,
as, Inf. habba (1 hsebbe), flekt. habbanne, Part, hsebbende, nsebbende, Prät.
hsefde, nsefde-, - im Rit.: Präs. Ind. Sg. 1. hafo, 2. hsefed, 3. hsefed, Pl. habbad,
habba ve, Opt. Sg. Pl. hsebbe, nsebbe, Imp. PI. habbad, Inf. habba, Part, hsebbende,
nsebbende, Prät. hsefdon, nsefde. Im Leid. Räts. begegnet eine 1. Sg. Ind.
Präs, hafse.
Anm. 2. libban, lifsan sind Doppelbildungen des Präsens nach § 416, 1 und 2.
a) libban ist nach § 416, 1 gebildet und ist die eigentlich streng ws. Form;
lifsan ist hingegen nach § 416, 2 gebildet und zeigt keine westgerm. Gemina-
tion, weil der Vokal vor f erst nach deren Durchführung ausgefallen war
(vgl. auch Bülbring, Angl. Beibl. 9, 108f.). Es ist keine Neubildung nach der
II. Kl., weil das 3 nicht silbisch ist (dies geht aus den Schreibungen im
Vesp. Ps. besonders deutlich hervor; hier steht stets lifsu, lifsad, während
die Verba der II. Kl. regelmäßig mit -iu, -iad geschrieben werden). Stellen-
weise erscheinen allerdings auch nach Kl. II. gebildete Formen wie lifian,
lifi3(e)an, leofian usw., hierüber siehe unter c) und d).
b) In der Poesie sind Formen mit bb (libban usw.) auf die südengl. Metra
des Boethius (und die aus dem Alts, übersetzte Genesis B) beschränkt.
Anderseits steht vereinzelt lifiendum in Cura past. Hs. H und stets lif sende
342
§ 417. Schwache Verba: III. Klasse
in Chr., wo überhaupt keine Formen mit bb vorkommen. Spätws. finden
sich beiderlei Formen auch in sonst streng ws. Texten.
c) Velarumlaut zeigt sich in den in Analogie zu Kl. II gebildeten Formen,
also in der 2. 3. Sg. Präs. Ind. und im Imp. Sg., doch findet sich altws.
einmal auch lifaö in Cura past. Hs. C und spätws. neben gewöhnlichem
leofaö auch lifaö, tyfaö usw. Spätws. wird auch das Prät. (und Part. Prät.)
gewöhnlich nach Kl. II, also leofode usw., gebildet, doch findet sich daneben
auch lyfode und vereinzelt lifede nach Kl. I (so Beda-Übers. Hs. Ca). In
mundartlich gefärbten Texten kommen auch die nach den umgelauteten
Formen gebildeten Inf. leofian, Präs. Ind. Pl. leofiaö vor.
d) Außerws. Formen sind: kent. im kPs. Part, Iif3en.de, tippende; in
Urk. Opt. lifise, Part. Zt&jende«, Prät. oferlifde; - merc. im Vesp. Ps. Präs.
Ind. Sg. 1. lifsu, 3. liofaö, leofaö (leafaö), PI. lifsaö, Opt. Ufse, Inf. lifsan,
Part, lifsende (ein lifiende), Part. Prät. lifd; - in Rx Präs. Ind. Sg. 3. leofap,
PI. lifsap, Part, lifsende, Prät. lifde; ebenso Beda-Übers. nirgends Formen
mit bb; - nordh. in R8: Präs. Ind. Sg. 1. Ufo, 3. lifeö, Pl. lifsas, Opt. lifse,
Inf. lifsa, Part. Zi/jende, Prät. lifde; - in L; Präs. Ind. Sg. 1. liofo, 3. liofaö,
-xö, -ed, lifeö, -es, Pl. lifias, hlifisaö, Opt. {h)lifise, Part. lift{s)ende (liflsiende,
hUf3iert.de usw.), Inf. lifisa, Prät. lifde; - im Rit.: Präs. Ind. Sg. 2. liofas
{aö), 3. liofaö, lifaö, lifeö, Pl. lifisaö, lifaö, liofaö, Opt. Sg. Pl. lip{s)a, Ufa,
Part. lift{s)ende, liflsiende.
Anm. 3. secj(e)an. a) Die altws. Flexion zeigt i-Umlaut und Geminata
im Präs. Sg. 1. secje, Pl. secj(e)ad, aber mit Synkope 2. fliesst, 3. 8X3Ö,
Prät. ssjde, Part, jesasjd (hierzu noch sSde, sesxd nach § 214, 3), doch
dringt das se (oder a nach § 96, 3, b) bisweilen auch in die mit -ja- gebilde-
ten Formen ein, -wie Inf. s»cj(e)an usw. Im Spätws. wird der Wechsel zwi-
schen e und se im Präs, ganz aufgegeben, und das Verbum flektiert dann
wie lecs{e)an Kl. I (§ 409, § 410 u. Anm. 2), also Präs. Ind. secje, ses{e)8t,
sej(e)d, Pl« secs{e)aö, Imp. seje, Pl. secj(e)a<5 (doch Prät. siede usw.). In
weniger streng ws. Texten, namentlich auch in der Poesie, finden sich dann
noch weitere Mischformen, wie unsynkopierte 2. 3. Präs. Ind. sagest, sajjed,
oder Imp. Sg. sa?je, oder die dem streng Ws. ganz fremden, der II. Kl.
nachgebildeten Formen sa^ast, sa^aö, Imp. sasa.
b) Außerws. stehen folgende Formen: kent. in kGI. Imp. ne se^e öu
(mit e nach § 52); - merc.: im Vesp. Ps. Präs. Ind. Pl. 1. 860311, -0 (ver-
einzelt 303030, 803311, -0, -883030), 2. <180308 (vgl. hafast Anm. 1, f), 3. sejed
(entspricht nicht hafaö, Anm. 1, f, sondern R1, nordh. sxseö, also von
*8agaip oder mit der Endung der Kl. I), Pl. secjad, Opt. Sg. aecje, Pl. -en,
Imp. Sg. seje (e nach § 52), Pl. «ecja<5, Inf. fl. sejjenne, Part, secjende,
Prät. sejde, Part. Prät. sejd; - in R1: Präs. Ind. 1. 8x030 {3x030, 80036, zum
Wechsel zwischen e und se vgl. § 55, Anm.), 2. 3x368t, 3. sasjeö, Pl. axcsafl
{86030p), Opt. Sg. Pl. 8x036, Imp. Sg. 3x3 (vgl. § 410, Anm. 5), 8x36, 8x030,
Pl. 8x030p, Prät. sxsde, Part. Prät. sxsd; - Beda-Übers. hat in den geminier-
ten Formen regelmäßig e (bis auf ein sxcsad T1 und überwiegend Inf.
8x03011 in T* und T6), 2. 3. Ind. Sg. aber sajast, sajad, Imp. Sg. 803a; -
nordh. in R8: Präs. Ind. Sg. 1. 8X30 {-e, nach der 2. und 3., aber einmal
8x030), 2. 8x303, 3. 8x300 (einmal 3x0306), Pl. 8x0300, -as {03x303), Imp.
3x36, Inf. 8x030 (-o, 8X30), flekt. sxcsanne, Prät. sxsde, Part, äsxsd; -
in L: Präs. Ind. Sg. 1. 8x30 (27mal, nur einmal 3x3030), 2. 8X368 {-eö), 3.
sxseö, -es {3x0308, -es), Pl. 8x0300, {-as, einmal -es, einmal 8x303), Opt. Sg.
§ 417. Schwache Verba: IH. Klasse 343
s»je, Imp. sse^, ste^e, PI. eaecjas, Inf. sa?cja, flekt. sx^c^anne, Part. Präs.
szc^ende, Prät. sa?jde, Part. Prät. ösa?jcZ (äesesed); - im Rit.: Präs. Ind.
Sg. 3. sse^ed, PL sa?cja<5, Opt. Sg. PI. aazcje, Imp. sse^i, -e, Part, sazcjende,
Prät. äsende.
Anm. 4. hyc^an. a) Bereits altws. wird das ganze Präsens überwiegend
wie von einem schw. Vb. I. Kl. (nach § 409, § 410, bes. Anm. 2) gebildet:
1. Sg. Ind. hyc^e, 3. hy^{e)ö (doch ein ho^aö Cura past. Hs. H), Imp. hi^e
(§ 31, Anm. 2, Boeth. Hs. C; aber -äojq nach Kl. II in Hs. B); im Prät.
steht neben ho^de auch ho^ode nach Kl. II, das später gewöhnlich ist. Für
das Part. Prät. ist bereits altws. nur -ho^od belegt.
Spätws. ist das Verbum in streng ws. Texten ganz in die Kl. II über-
getreten: Inf. ho^ian, Prät. ho$ode, Part. ho%od usw. Vereinzelt finden sich
aber später auch Prät.-Formen mit Übertragung des y aus dem Präs, nach
Kl. I, auch mit Synkope: -hy^de, -hys(e)de, -hi3(e)de und Formen dazu.
b) Außerws. Formen sind: merc. Vesp. Ps. Präs. Ind. Sg. 3. -ho^aÖ, PI.
-hyc^aö, Prät. -ho^de. R1 fehlt das Wort. Beda-Übers. hat dieselben Formen
wie das Altws., daneben Opt. Sg. forho^ie nach Kl. II.; — nordh. in Ra
Präs. Ind. Sg. 3. -hojad, Inf. -hyc^anne, Part, -hyccende; - in L: Präs. Ind.
Sg. 3. forho^ed (forojas, forhyc^ad), PL ho^ad, -as nach der II. Kl., Inf.
hyc^a, flekt. hyc^anne, Part, hyccende, Prät. PL -hojdan; - im Rit.: Imp.
PL Äojaö, Prät. Sg. ho^ade, PL -ho^don, Part. Prät. adj. PL biho^ode, also
bis auf ho^don nach Kl. II; - kent. kGl. Präs. Ind. Sg. 3. forheseß (e nach
§ 31, Anm. 1).
Anm. 5. fü>3(e)an, feo$(e)an (got. fijan, ahd. /ten) hat zwar ws. und mei-
stens auch außerws. nur Formen, die sich aus der Flexion der II. schw.
Klasse erklären lassen (vgl. die Flexion von friosfejan, freo3(e)an § 415, f),
doch könnten im Prät. fiede Vesp. Ps., in der nordh. 3. Sg. Präs. Ind. -fUd, -fled
(fiweö mit sekundärem w im Hiatus) Bildungen nach der III. KL vorlie-
gen, wenn dies nicht analog zu KL I gebildete Formen sind. Die außerws.
Formen sind: merc. im Vesp. Ps. Präs. Ind. 3. Sg. fiaö, PL /ijad (/iad),
Imp. PL fiaö, Part, fixende, Prät. jiode (feode, fiede, auch ein fedest, das wohl
Schreibfehler ist); - in R1 Präs. Ind. Sg. 3. fiaö, PL fiesaß, Opt. /fej®
(letztere beiden Formen sind, wenn sie nicht ungenaue Schreibungen sind,
schwer zu erklären, da ie sonst in R1 nicht vorkommt); - nordh. in R2
Präs. Ind. Sg. 3. fiaö (sefeöt), Inf. -/ioje, Prät. PL -fiadun; - in L: Präs.
Ind. Sg. 3. -fiiö, -fieö, -fiweö, Inf. PL -fiadon', im Rit. ist das Wort
nicht belegt.
2. Die übrigen, alten e-Verba beider Gruppen sind meist ganz oder bis
auf geringe Reste in die Flexion der II. Klasse übergegangen. Seltener
ist der Übertritt zur I. Klasse oder Doppelbildung nach beiden Klassen.
Anm. 6. Kennzeichen der urspr. e-Flexion bei sonst gemeinae. Flexion
nach der II. KL sind insbesondere: a) das Auftreten der westgerm. Gemina-
tion (vgl. Anm. 8); - b) das Auftreten von i-Umlaut und anderer durch i
oder e der Endung bedingter Veränderungen im Stammvokal (vgl. Anm. 9
bis 11); - c) das Auftreten von einsilbigem -ja-, -je- gegenüber dem zwei-
silbigen -ia-, -i(j)e- der II. Klasse (§ 412, Anm. 1), vgl. unten Anm. 14; -
d) das Auftreten von Prät. und Part. Prät. ohne Mittelvokal (vgl. unten
Anm. 16); - e) das Auftreten der Endungen -es(i), im Präs. Sg. Ind.
344
§ 417. Schwache Verba: III. Klasse
2. 3. Pers, und von -e im Imp. Sg. (vgl. die Flexion von habban und von
anderen Verben unter 1. und Anm. 1-5; - f) hingegen ist das Auftreten
von Part. Präs, auf -iende im Nordh. nicht besonders bezeichnend, weil es
sich in den Belegen um kurzsilbige Verba handelt, s. § 412, Anm. 10 und
unten Anm. 15.
Anna. 7. Ganz zur I. Klasse gehört im Ae. fsestan fasten (ahd. fasten). Neben-
einander stehen vielleicht als Doppelbildung fyl$(e)an - jyl^de und folyian -
tol^ode folgen (ahd. folgen), hingegen sind tellan - tealde (§ 407, 3) und
talian — talode zwei verschiedene Verba (vgl. ahd. zellen und zaldn).
fyl3(e)an und fol^ian stehen bereits altws. (z. B. Cura past.) gleichberech-
tigt und gleichbedeutend nebeneinander. Hingegen stehen im Vesp. Ps. und
in L nur Formen von jyl^an, -a nach Kl. I (Vesp. Ps. Präs. Ind. 3. Sg.
-fyl^ed, Imp. Sg. Opt. Sg. -fyl^e, Part. Präs, -/yljende; L Präs. Ind.
Sg. 1. fyl^o, 3. jyl^eö, -es, Pl. fyl^ad, -ged, -es, Opt. fyl^e, Imp. Sg. fyltf,
fyl^e, PL fyl^ed, -es, Inf. fyl$a, flekt. fyl$enne, -enna, Part. Präs, jyl^end,
Prät. fyl^ede, -on, fyl$de, -on, Part. Prät. -fylyed), ebenso in R2 und Rit.
abgesehen von je einem Imp. Sg. folya R4, Opt. Pl. folyiya Rit. Stärker sind
Formen von folyian in R1 vertreten (Inf. fdlyian, Opt. folye, Imp. Sg. folya,
Prät. folyade, Pl. -adun, -edun neben Präs. Ind. Sg. 3. jylyeß, Imp. fylye,
-®, Part, fylyende, -sende, Prät. fylyde, -ede).
Vielleicht ist auch ws. iewan, ywan neben bes. angl. lawan (s. § 408,
Anm. 13 u. 14) aus urspr. Zugehörigkeit zu Kl. III zu erklären (s. Flasdieck,
Angl. 59, 64ff.).
Anm. 8. Westgerm. Gemination (Anm. 6, a) neben Formen mit einf.
Konsonanten zeigen das isolierte poet. Part. Präs, w&ccende neben sonstigem
wacian wachen und das subst. Part, hettend Feind neben hatian hassen.
Zu wacian gehört mit normaler Lautentwicklung nach § 109, Anm. 5
Vesp. Ps. Präs. Ind. 1. Sg. wsecio, Pl. w^ciad, Part, wxcende, Prät. wascade.
Hingegen stehen in R1 und nordh. öfter Formen mit Geminata; R1 Inf.
äwteccan (1), Imp. Pl. wgeccas, wa?(c)eß, Part, wsecende; R2 Inf. yiwascca,
wsecce, Opt. Sg. wsecce, Imp. Pl. wasccas, Part. wsec(c)ende; L Inf. wsec(c)a,
yewseccas, fl. wasccenne, Imp. Pl. yewaccas, Part. wsec(c)ende, Part, jewaäte
(in L wird allerdings das Verbum mit dem trans. Vb. weccan zusammen-
geworfen, s. § 407, Anm. 2 und Bülbring, Angl. Beibl. 10, 369ff.); Rit.
Opt. Pl. yivascye, Part, vseccendo.
Anm. 9. i-Umlaut in einzelnen Formen neben solchen ohne Umlaut
(Anm. 6, b) neben anderen Kriterien zeigen: a) nordh. Ra Inf. jidoeZje, Präs.
Ind. Sg. 3. yiddla* (yidoelyas), Imp. Pl. jidoeZijaa; Rit. Opt. yidoeliya = ge-
meinae. öolian (L öoliya) dulden (ahd. dolen); - b) nordh. R2 Zoes(?)j<z neben
losiya (so L), lo&iye, flekt. losanne, Präs. Ind. Sg. 3. losaö, -as, -ed {loesiyaö,
losiyaö), Pl. loesiyad, -as, Opt. loes(i)ye, PL loesiye, Imp. losa, Part, losad neben
losed = gemeinae. losian verlorengehen; — c) angl. (pri)scynian usw. neben
gemeinae. onscunian scheuen (Vesp. Ps. meist Formen von -scunian, aber
zweimal Prät. scynedw, L Inf. scyniya, Präs. Ind. Sg. 3. L Rit. onscynaö',
in R1 R8 nicht belegt); - d) nordh. Ra c2ymja klopfen, das nur im Inf. be-
legt ist; - e) das isolierte Part, so^ry^ndi (d. h. soeryendi ?) Ep. zu soryian
sorgen, zu dem me. serwen, Orrm Inf. serryhenn, Präs. Ind. Pl. aerryheßß
zu vergleichen ist.
Hingegen ist die Zugehörigkeit folgender Verba, bei denen Formen
mit und ohne i-Umlaut nebeneinander stehen, zu Kl. III wenig wahr-
§ 417. Schwache Verba: III. Klasse 345
scheinlich (vgl. bes. Flasdieck, Angl. 59, pass.): f) nordh. bya neben
gemeinae. büan bauen usw. § 396, Anm. 8 (ahd. büen), das mit durch-
geführtem Paradigma nach Kl. I flektiert: R2 Inf. bya, Präs. Ind. Sg. 2.
byes, Part, byend, neben büend colonus, Prät. byede; L Inf. bya, fl.
byenne, Präs. Ind. Sg. 3. byeb, Pl. byes, -eb, Prät. byde, -on, byedon, Part.
unbyed, -id; Rit. Inf. bya, fl. byenna, Präs. Ind. Sg. 3. byaf>, Imp. bya, Opt.
bye, Part, byende. Vielleicht ist ein Rest einer Flexion nach Kl. III in dem
südl. Prät. büde, büede zu sehen, wenn dies nicht eine Neubildung zu dem
red. Vb. büan ist; - g) nordh. *on(d)spyrn{i3)a neben *on(d)spum(ij)a gegen
gemeinae. spurnan st. Vb. (§ 389, Anm. 4), von denen folgende Formen
nebeneinander stehen: R2 Präs. Ind. Sg. 3. -spymeb, -ab, -as und -spumeb,
Pl. -spumab, Opt. -spyrne und spymi^e, Part. Prät. spurnad, -spyrned
und -spymade-, Rit. Präs. Ind. Sg. 3. -spymas, Pl. -spymab-, L Präs. Ind.
Sg. 3. -spumab, -as, -spymeb, -ab, -as-, Opt. -spurne, -a, -spyrne, -i^e, -spyre-,
Part. Präs, -spumende, -spyrnende, -spyrendo, Prät. Pl. -spumedon, Part.
Prät. -spurnad, -edo, -spyrnad, -ed, -spyrede. Die Formen mit i-Umlaut kön-
nen, bis auf die mit -ij-Suffix, auf ein schw. Vb. Kl. I *spyrnan (vgl. alt-
nord. spyma, ahd. spurnan, mhd. spümeri) zurückgehen, die Formen mit
-ij-Suffix durch Vermengung mit einem schw. Vb. II. KI. (altnord. spoma,
ahd. spomön) entstanden sein. Vielleicht liegt auch direkter Einfluß des
altnord. spyma vor; - h) nordh. untrymmia krank sein neben gemeinae.
untrumian-. Vesp. Ps. Part. Prät. ^euntrumad, fl. -ade, -ede, aber R8 Prät.
untrymede, -ide, Pl. intrymedun neben Sg. untrumade, L Inf. untrymmia,
Part, untrymiende, Prät. untrymade, Pl. untrymi^don (vgl. § 413, Anm. 7)
könnte den (-Umlaut nach dem Adj. untrymis ‘infirmus’ L haben; - i)
nordh. Prät. Ra ^itry^ade = L tru^ude zu gemeinae. truwian (ahd. trüen,
zur Vokalquantität vgl. § 173, Anm. 2), bei dem man an Einfluß des Alt-
nord. (vgl. Adj. tryggr treu) denken kann (Flasdieck, Anglia 59, 53) oder an
ein *try^ian (Holthausen, Etym. Wb. 354). Rest einer Bildung nach Kl. III
kann aber altws. Prät. truwde sein (in fortruwdes bu, Cura past. Hs. H);
hingegen hat Imp. kGl. und spätws. trua wohl bloß w-Ausfall nach u als
ungenaue Schreibung; - k) aus Vermengung von Formen von drüjian schw.
Vb. H. Kl. trocken werden und d-ry^an schw. Vb. I. Kl. trocken machen
erklärt sich wohl L dry^eb aruit (= R8 drü^ab) neben dry^a Inf. und dry^de
Prät. zum Transitivum, anderseits jedrüjade exaestuavit und jordrü^ade
aruit, jedrüjad wses siccatus est, ^edrü^de aruit. Ind. Sg. 3. dry^eb und
Prät. ^edrü^de könnten allerdings Bildungen nach Kl. III sein.
Anm. 10. Aus dem wechselnden Vokalismus der Endungen der III. Kl.
erklärt sich der Wechsel von 80 und to in altws. leomian, selten liornian
(ahd. lernen, timen) und nordh. R2 liorni^a, L Präs. Ind. 2. leomas, 3.
liomes, Prät. leomade, -io-, Inf. leome^e, s. § 38, Anm. 2; weiter R2 leora
gehen und Hora, l?,ora L; außerdem vielleicht der Wechsel von nordh. io
und eo in L Ind. Präs. Sg. 3. ^elreweb, Pl. -ab, Prät. ^etreoudon, setreudon,
aber Imp. Sg. $etriu, ^etriuwe, Rit. Präs, ^itrivab, Prät. Pl. trivadon, Corp.
Gl. setreuuade und ^etriowad, s. § 408, Anm. 13. Zu diesen Fällen vgl. Sie-
vers, Zum ags. Vokalismus, S. 34f. Weiter dürfte hierher gehören beowian
dienen (got. piwan Kl. III), das im Vesp. Ps. im Präs. w-Formen hat (Ind.
Sg. 3. biowab, Pl. beowiab, biowiab, Opt. biowien), die im Verein mit Opt.
diw^en und den bindevokallosen Prät. beowdon beawde (allerdings neben
biowedun) Vesp. Ps. und beode, beodde, beowde, beowdon, beowde, bea(w)de
346 § 417. Schwache Verba: III. Klasse
Beda-Übers. Hs. T1, öeode, öeodde Hs. Ts (neben Öeowode, -on, -ade, -edon
in T1) auf alte e-Flexion weisen können. Die io-Formen könnten allerdings
an das fern. Subst. öiowu angelehnt sein.
Unsicher ist kGl. ätiara, tlorade Corp. Gl. zu teorian ermüden wegen kent.
io, ia für eo, § 38, doch vgl. Sievers, Beitr. 19, 442.
Anm. 11. Weiter weist das Auftreten von ae statt a in der Wurzelsilbe
öfters auf alte e-Flexion hin. (vgl. den Vokalismus von habban, secjan unter 1).
Derart dürften zu erklären sein: a) nordh. Rit. Inf. sp&ria, Prät. sispasrede
neben gemeinae. sparian sparen (ahd. sparen; Vesp. Ps. Präs. Ind. Sg. 3.
apearaö, Imp. speara, Prät. spearede nach § 109, vgl. § 411, Anm. 3); -
b) nordh. pZsejija tanzen usw. R8 Prät. plazjede, L plajjede, plae^ade, plx^de
(Vesp. Ps. Präs. Ind. PI. pl&siaö, Part, plxjiendra neben Imp. PI. plasiaö;
R1 plea3a.de neben PI. pla^adun gehören zu § 109, Anm. 5; vgl. § 391,
Anm. 1); - c) hingegen sind die nordh. Formen mit e von gemeinae.
ondsivarian, ondsworian (o wegen des Nebentones, s. Luick, Hist. Gram.
§ 113, 1) wohl durch Abschwächung im Nebenton oder Anlehnung an
swerian schwören zu erklären (L Inf. ondswaere^a, Präs. Ind. Sg. 2. ond-
suasriestu, PI. ondsuerijed, Part, ondsuserendum, Prät. on(d)suserede, $eond-
suaerde neben Präs. Ind. PI. ondeuari^ee, Opt. PI. ondeuari^a, Imp. PI.
ondsuareÖ, Part, ondsuarasnde, -ende, Prät. ondawarede, -ade, -aide, -suarde,
ondsuearede, -ade, PI. -adun, -vdon und ondsuorade, -ode; Rit. einmal ond-
swserisaß neben vielen u-Formen. Die Synkope im Prät. und Part. Prät.,
welche gelegentlich auftritt, dürfte jüngere Synkope in viersilbigen Wörtern
sein, s. § 162). - Ebenso gehören kaum hierher: einmaliges hneeppiaö Cura
past. und öftere «-Formen im Spätws. zu hnappian (ein)schlafen, weil Ver-
wechslung mit hnseppan schlagen vorliegen kann (im Vesp. Ps. stehen regel-
mäßige Formen nach § 109: Präs. Ind. Sg. 1. neapiu, 2. n&ppas (1 Schreib-
fehler), 3. hnep(p)aÖ, Prät. hneap(p)ade, PI. hneapedun, -on); die Formen von
hreppan berühren (schw. Vb. Kl. I), die anscheinend auf Umbildung nach
KI. II, s. § 400, Anm. 2 u. 3, beruhen (so Sievers, Beitr. 9, 289 und Flasdieck,
Angl. 59, 73): Inf. hreppan (vereinzelt hrepan und spät hrepian), Präs. Ind.
Sg. 1. hreppe, 2. hrepest, hrepaat, 3. hreped, hrepad, Opt. hreppe, Imp. Sg.
hrepa, Prät. hrepede, hrepode, hreopode, Part, hrepod.
Anm. 12. a) Von Verben mit innerem -i- gehören hierher: blflan beben
(daneben einmal bifade Reimlied, s. Sievers, Beitr. 11, 349), clifian kleben,
jinian gähnen, hlinian lehnen, tilian streben, arbeiten (zu ahd. biben, kleben,
gin&n, hlinen, zilen). Diese haben nach Maßgabe von § 111 in den Formen
mit u, o, a in der Endung Velarumlaut, also z. B. altws. Inf. tilian, Präs.
Ind. Sg. 1. tüie, 2. tiolast, 3. tiolaÖ, PI. tiliaö, Opt. tüie, Imp. Sg. tiola, PI.
Prät. tiolode, doch wird im Ws. schon früh das i verallgemeinert (so
Cura past. Hs. H tilaö, Hs. C tilode neben Formen mit io), während in angl.
Mundarten io, eo sein Gebiet ausdehnt; demgemäß steht in weniger streng
ws. Texten öfter auch beofian, deofian, seonian, hleonian usw. Spätws. steht
Öfters y wohl nach § 22, Anm. 2, wie in jynian, hlynian usw. (schon ein Opt.
Idyni^e Cura past. in beiden Hss.).
Reste alter Bildungen mit einsilbigem -je- usw. (Anm. 6, c) sind schon
in den ältesten Quellen belegt, so zu tilian Part. Präs, til^endum Ep., zu
hlinian Präs. Ind. Sg. 1, onhlin^u Corp., Part. Präs, widerhlinsendae Corp.;
später finden sie sich bes. in angl. Denkmälern und vereinzelt klingende poet.
Guthl.
§ 417. Schwache Verba: III. Klasse 347
Die angl. Flexionsformen dieser Verba sind: merc. R1 Part. Präs, bif-
Sende; Präs. Ind. Sg. 3. setdifaö, PI. hleonisap, Part, hlensendes. Prät. Sg.
hlionede, hleonede, Pl. hlionadun, hleonudun; - nordh. in R8 Prät. Pl. bi(/)-
Sedon; Präs. Ind. Sg. 3. -hlionaö, Pl. hlionigad, Imp. hliona (hlionisa), Part.
klin^endum (nach Lindelöf aus L abgeschrieben, weil dieses Vb. in R2 sonst
io im Präs, durchführt), ÄZwni(j)endum, hUonendra, -dum; - in L Part.
Präs. bifi(3)ende, Prät. PL bifsedum; Ptös. Ind. Sg. 3. -hlinaö, PI. ÄKmjad,
Imp. hlinis {Idina), Part, hlinsende usw. (Idinsindi hlinisendum, linijiendo),
hlino sende (lioniandra), Prät. hlinade (hlinade, -lionede), Pl. -lionodon, Part.
Sehlionad; - im Rit. Part, bib^iende.
b) Ferner gehört hierher nordh. L siusa begehren, verlangen
(wohl zu ahd. bair. einmal giwen neben gew. gewön das Maul aufsperren):
Präs. Ind. Sg. 2. jiues, -ad, -as, 3. jiueö, -eeö, -aö {-iaö, -ias), Pl. jiwijoa,
3iuaö, $iwas, Imp. jiuij, Pl. siuiaö usw., Part, siwi^ende, siuiende, siu-
Siende (siwende usw.), Prät. jiwde, jiuede, -ade, -ude, Pl. siuade, -siu{u)don,
Opt. siude, siuiade; in R2 lautet der Inf. siowi^ia, im Rit. jmja und das
Verbum flektiert regelmäßig nach der II. Klasse (einmal siowestu, § 412,
Anm. 5), also entsprechend ahd. gewön.
c) Zu got. witan, Prät. witaida stellen sich ferner das poet. biwitian beob-
achten usw. und das häufige Part. Prät. witod, weotod bestimmt (dazu das
Adv. witodlice, nordh. R2 wutudllce, einmal -witud-, L wutedlice usw. nach
§ 114, b).
d) Kaum hierher gehört clipian nennen, rufen. Es flektiert altws. ganz
wie tilian, s. oben unter a), nur hat es auch schon einige Formen mit eo wie
cleopian Inf. Cura past.; spätws. überwiegt clipian, ctypian, doch findet
sich auch cleopian. Auch in den angl. Texten flektiert das Verbum im gan-
zen nach der II. Klasse; im Vesp. Ps. ist der Wurzelvokal stets eo (cleopian
usw.), auffällig ist bloß, daß das Prät. Sg. nur 6mal auf -ade, 5mal auf
-ude und lömal auf -ede endet, das Prät. Pl. stets auf -edun, -edon; in R1
lautet Präs. Ind. Sg. 3. cliopaP, deopap, Prät. diopade, deopade usw., das
Part. Präs, aber clipisende neben dippende; nordh. lautet der Ind. Ra clio-
pi$a, L cliopia, die Flexion folgt ganz der II. Klasse.
Anm. 13. Mit innerem -e- gehört hierher das Verbum fetian holen, das
streng ws. über *fetjan nach § 196, 2 zu fecc{e)an geworden ist (-i- ist also
nicht silbisch). Die ws. Flexion ist Inf. fetian - feccan, Präs. Ind. Sg. 1.
fetise - fecce, 2. fetast, 3. jetaÖ, Pl. fetiaö - feccad, Opt. fetise — fecce, Imp.
Sg. feta, Pl. fetiaö - feccad, Prät. fette (auch fetode nach Kl. II), Part. Prät.
fett und fetod (Ep. fetod). Außerws. tritt nach § 110, 1 im Prät. und Part.
Prät. auch u-Lmlaut auf: Corp. feotod.. Nordh. ist bloß das Part. Prät. je-,
Sifotad je einmal L und Ra belegt, zu dem me. und ne. (mundartl. nord-
westl.) foch(en) zu vergleichen ist. Wenn die Form nicht ein Schreibfehler
in L ist (Luick, Hist. Gram. § 222, Anm. 1), der von R8 übernommen wurde,
ist sie am ehesten durch Akzentumsprung nach § 125, a zu erklären (kaum
durch eine Lautentwicklung nach f wie nach w, § 113, b, wie Bülbring,
Engi. Stud. 27, 73ff., vorschlägt). Daneben steht ein Verbum *fatian (*/oiija)
nach Kl. II, hierzu L fatas wifo duxit uxorem.
Anm. 14. Unsilbische -3- (Anm. 6, c) begegnen bei sicher alten e-Verben
mehrfach, vgl. oben Anm. 2 die Formen von libban und Anm. 12, a die
Formen von tilian usw. Weitere Formen dieser Art sind: anscun$endi zu
onscunian Corp., jeonjendi zu $inian Corp., dob^endi (zu ahd. toben toben)
348 § 417. Schw. Verba: III. Klasse. §§418-419. Praeteritopraesentia
Corp., «eobjendi zu seo/ian klagen Corp.; weiter vereinzelt Opt. Pl. jeliomjen
zu leornian Cura past. Hs. H., Öiwsen zu öeowian dienen Vesp. Ps., nordh.
jidoeZje, Zoesje usw. in Ra, s. Anm. 9.
Anm. 15. Die Belege für nordh. Part. Präs, auf -iende (Anm. 6, f) sind:
Ra wuniende, hlioni(^)endum, hlin^endutn (neben hlionendum), L wuni(s)&nde
(neben uuniande, wunande), bifl,(3)ende, hli(o)nsende usw., siwi^cnde {^iu-
Siende usw.) neben Formen wie siwende, Öolende usw., Rit. umnisende (lif-
Sende usw. s. Anm. 2, d). Entsprechend steht im flekt. Inf. R2 wunisanne
neben wunanne, L ein einziges tö wunian. S. auch § 412, Anm. 10.
Anm. 16. Präterita ohne Mittelvokal (Anm. 6, d) finden sich öfter im Nordh.,
so L se^raippde zu ws. jrflpian, seondaueerde, se°nsuarde zu ws. onswarian
(doch vgl. Anm. 11, c), jesMonde -streonde zum Inf. seatrionaise (3. Sg. Ind.
Seatnonaö, Part, seatrionend) gewinnen, und dann namentlich bei einigen
Verben auf j und w, wie zu ws. swijian, simijian (angl. mit langem i, s.
§ 411, Anm. 7) Ra und L awisde neben swi^ade (Vesp. Ps. und R1 swijade;
ws. regelmäßig nach Kl. II außer gelegentlichem Part. Präs, swisende);
drüsde L, s. Anm. 9, k, pleesde L, s. Anm. 11, b; zu truwian trauen Prät.
-truwde (neben truwode) Cura past. Hs. H, zu Öeowian dienen Prät. Beda-
Übers. öeowde, Vesp. Ps. öeawde, Pl. deowdun neben öiowedun, s. Anm. 10;
nordh. L siude zu jjwija, jiwja Anm. 12, b (und darnach als Neubildung
sceawde L, s. § 413, Anm. 7).
Anm. 17. Über die Endungen im Präs. (Anm. 6, e) vgl. im einzelnen die
Flexionsformen in Anm. 1-5.
IV. Kleinere Gruppen
1. Verba praeteritopraesentia
§ 418. Die Verba praeteritopraesentia des Germanischen sind ent-
sprungen aus ursprünglich starken Verben, deren altes Präteritum (Per-
fektum) präsentische Bedeutung erhalten hat (wie lat. meminl, növi,
coepi, griech. otÖa), während ein eigentliches Präsens fehlt. Ihre Formen
bestehen aus:
1. einem urspr. starken Präteritum mit präsentischer Bedeutung
(Perfektpräsens), dessen Flexion im allgemeinen der starker Präterita
entspricht, doch haben sich die ursprüngliche Form der 2. Sg. Perfekti
(Ablautstufe der 1. 3. Sg. und Endung idg. 4ha, griech. olo>9a, nach /
und h germ. nach § 232 -t, welches auch auf Verba mit anderem Stamm-
auslaut übertragen wird) und oft der i-Umlaut im Optativ erhalten.
2. einem nach § 407, 1 gebildeten Präteritum und Part. Prät. auf -t
mit präteritaler Bedeutung, das ganz der Flexion der schwachen Präterita
folgt.
§ 419. Die Praeteritopraesentia schließen sich im Bau ihres Perfekt-
§ 419-421. Praeteritopraesentia
349
präsens im allgemeinen an die Ablautreihen der starken Verba an. Hier-
nach ergibt sich folgende Übersicht:
§ 420. Erste Ablautreihe.
1. Präs. Ind. Sg. 1. 3. wät, 2. wäst, PI. witon (wioton, weoton § 111,
§ 114, Anm. 6, § 370), Opt. wite, Imp. Sg. wite, PI. witad, Inf. witan
(wiotan, weotan), Part, witende, Prät. wisse, unste (§ 232); Part. Prät.
$ewiten (daneben altes Part. Prät. gewiss als Adj. gewiß). Ebenso flek-
tiert ^ewitan.
Bei Negation mit ne verschmelzen diese Formen zu nät, näst, nyton,
nyte, nysse, nyste (§ 116).
Anm. 1. Neben PI. witon, Inf. witan, fl. witanne, Part. Prät. ^ewiten steht
Cura past. Hs. H und C oft wieton, wietan, wietanne, ^ewieten s. § 22, Anm. 3
und § 378, Anm. 5. - Außerws. stehen: Vesp. Ps. Präs, wät (nät, 1 wSt), wägt,
weotun (neoton), Opt. wite (nyte), Imp. wite, PI. weotaö, Part, weotendum,
Prät. wiste (nysse, nyste); - R1 wät, wäst, PI. witan, wutan (§ 114, b; niton,
nyton), Opt. Sg. u. PI. wite (nyte), Imp. PI. witad, wite je, Part, witende,
Prät. wiste, -on, Part. Prät. witen; - nordh. R2 wät (watt; 1 wist; nät, nätt),
wäst (wästu, nästu), PL wutun, wuton (§ 114, b), wutaö, -as, 1 wittas (nuttun,
nut(t)on), Opt. wito, -e, Imp. PL wutaö, -as, Inf. wuta (§ 114, c), Prät. wiste
(nyste); - L Präs, wät (nät), wäst (näst, naast), PL wutun, -on, wutton, wutas,
-aö, 1 witteö (nuton, nuuton), uutu we, ^ie, wuti ^e und auch sonst mit n-
Abfall § 188, 2: wuto, uu(t)to, (nutto, nutu, nuutu, nuti), Opt. Sg. witto, witte,
witta, PL witte, wita, witse, wittas (nyta, -e), Imp. Sg. ^ewit, Pl. wut(t)aö,
-as, wuteö; Inf. wut(t)a, jetrwfe, flekt. wut(t)anne, Part, wittende, witend,
Prät. wiste usw. (nyste usw.). Neben Schreibungen mit w begegnen oft
solche mit anlautendem u, s. § 171. Anm. 1. - Rit. wat, vast (§ 171,
Anm. 1), wuton (nuton), wutas jie (? Imp.), Opt. PL witto, Inf. unitta, Part.
witende, Prät. wiste (nyste).
2. Mit frühem Vokalausgleich zwischen Sg. und Plural äj (äh § 214, 1)
habe, 2. Sg. ähst, Pl. äjon (spätws. äjaö Scint.), Opt. üje, Imp.
äje, Inf. äjara, Prät. ähte, Part. Prät. ie^en, (§ 378, Anm. 1) und äjen
Adj. eigen; bei Negation nah, nä^on, nähte usw.
Anm. 2. Zur Zuteilung s. Braune-Helm-Ebbinghaus, Got. Gram.18, § 203, 13,
wo weitere Literaturangaben.
Anm. 3. R1 hat Inf. äjan, Präs. PL äjun, Prät. ähte, Adj. ä$ene; R2 äh,
Opt. äje; L äh, 2. Sg. äht, Pl. äjon, -an, Opt. äja, hä$e, Prät. ähte; Rit.
und R2 Adj. öjen. Im Vesp. Ps. sind Formen überhaupt nicht belegt, im
Rit. bloß das Adj.
§ 421. Zweite Ablautreihe.
3. deaj (deah § 214, 1) tauge, 2. Sg. unbelegt, Pl. dujon, Opt. altws.
dy$e, gew. du$e, Inf. du^an, Part, duzende (vereinzelt du^unde kent.
Urk. v. 805-31, Sweet, Oldest E. Texts, S. 444). Anglisch ist nur 3. Sg.
Präs. Ind. dej L (§ 119) belegt. Prät. dohte, -on.
350
§ 422-423. Praeteritopraesentia
§ 422. Dritte Ablautreihe.
4. on(n), an(n) gönne (dazu die Komposita jeonn gönne und ojonn
mißgönne), Pl. unnon, Opt. unne, Imp. unne, Inf. unnan, Prät. üöe,
Part. Prät. $eunnen.
Anm. 1. In Vesp. Ps. R1 Ra fehlt das Wort; L hat onn, Opt. (Inf. ?) jewunna;
Rit. Präs. Ind. Sg. 2. jiunne (giw(u)nne, givvnne), Opt. jiunne, -a, Imp.
jionn und jiunne, Inf. jiwunna, Part, unnende, Prät. jiüde (Hs. jevcfe).
5. con(n), can(n) kenne, verstehe (dazu das Kompositum onconn
klage an), 2. Sg. const, canst, Pl. cunnon, Opt. cunne, Inf. cunnan, Prät.
cüde, Part. Prät. oncunnen; daneben altes Part. Prät. cüd Adj. bekannt.
Anm. 2. Der Vesp. Ps. hat Präs. Pl. cunnun, Opt. cunne, Prät. Pl. cüdun;
R1 conn, const, Pl. cunnun, -an und -ad, -eß, Inf. jecunnan, Prät. cüpe,
Part. Prät. jecüd; nordh. Ra con, Pl. cunnun, -an, cunno je, Prät. cüde;
L conn (1 cann), Pl. cunnon, mit n-Abfall nach § 188, 2 cunno, 4, daneben
jecunnas, Inf. jiecunna, Prät. cüde; Rit. hat keine Belege außer Adj. cüd.
6. dearf bedarf (dazu das Kompositum bedearf}, 2. Sg. dearft, Pl.
durfon, Opt. alt dyrfe, gewöhnlich dürfe, Inf. durfan, Prät. dorfte-, da-
neben das Part, dearfende Adj. bedürftig (vereinzelt Pyrfendra egentum
Gl.).
Anm. 3. Vesp. Ps. hat 2. Sg. biöearft, Bl dearj, ßxrf (§ 84, Anm. 1), Pl.
durfun, dürfe we, Part, purfende, porfende; nordh. R8 3. Sg. bidorfed (auch
Pl. ?), Part, dorfende, L 3. Sg. dorfeed, Pl. we durfu und (be)dorfed, Part.
dürfende (auch dorfondo usw., ein adj. dürfen, vielleicht Schreibfehler), Rit.
Part, dorfende.
7. dear(r) wage, 2. Sg. dearst, Pl. durron, Opt. alt dyrre gewöhnlich
dürre, Prät. dorste (Inf. nicht belegt).
Anm. 4. Im Vesp. Ps. und Rit. fehlt das Wort. R1 hat Prät. durste und
dyste (lies dyrste); nordh. Ruthwellkreuz Prät. dorstx, Ra Prät. (ji)darste,
Pl. darstun, L darr, Prät. ji-, jedarste, Pl. darston.
§ 423. Vierte Ablautreihe.
8. sceal soll, spätws. oft sceall (nicht streng ws. scsel, kent. scel, § 91
nebst Anm. 1; spätws. scyl Scint., wohl nach dem Opt.), 2. Sg. sceall,
Pl. sculon und sceolon (spätws. auch scylon Scint.); Opt. altws. scyle und
seile (§ 31, Anm. 2), sciele (Cura past. Hs. H und C wegen y neben i als
ungenauer Schreibung, § 31, Anm. 4), später scule, sceole nach dem Ind.
und Inf.; Inf. scülan, sceolan; Prät. sceolde (seltener scolde, s. § 92,
Anm. 6), einmal sculdon Cura past.
Anm. 1. Im Vesp. Ps. fehlt das Wort. R1 hat sceal, scal (§ 92, Anm. 7,
bzw. § 85, Anm. 3), 2. Sg. scealt, scalt (§ 85), Pl. sculon, scule je; Opt. scyle,
Prät. sculde (einmal scalde wohl nach dem Präs, oder nach wajde, § 428,
Anm. 4, oder von einer anderen Ablautstufe, § 59, Anm. 1), -on, Opt. scylde;
§ 423-425. Praeteritopraesentia
351
nordh. Ceedm. Hymn. Ind. Pl. scylun Moore-Ms., scilun Leningrad-Ms. (s.
§ 92, 2, a), sciulun Ms. Dijon und Paris (am ehesten mit iu als Vorstufe
von y nach § 92, 2, a), Ra sceal (§ 91, a oder § 92, Anm. 7), Pl. sciolun (wohl
wegen Velarumlaut, § 111, Anm. 8), Opt. seile (§ 31, Anm. 2), Prät. Pl.
scealdun (s. oben R1); L sceal (einmal sceel), sceatt, Pl. sciolon, -un, scilon
(§ 92, 2, a), ein je sciolo, Opt. seile, -o, Prät. scealde; Rit. in Rubriken scal
neben sceall.
9. mon, man gedenke (ebenso die Komposita jemon, onmon), 2. Sg.
mon-st, manst, Pl. munon, Opt. alt myne, gewöhnlich, mune, Imp. je-,
onmun und (nach dem Opt.) jemyne, jemune, Inf. munan, Part, munende,
Prät. munde, Part. Prät. $emunen.
Anm. 2. Das Spätws. hat einzelne Neubildungen nach Art regelmäßiger
starker Präsentia, wie Präs. Ind. Sg. 1. jemwne, 2. semunst, Pl. Ind. und
Imp. ^emunaÖ, dazu den nach dem Opt. gebildeten Imp. Sg. ^emune, weiter
mit Antreten der regelmäßigen Endung 3. Sg. Ind. jemand jemand; außer-
dem vereinzelt einen nach Art der schwachen Verba I. Kl. gebildeten Opt.
Pl. jemunnen (einmal, Passio Beatae Margaretae, Assmann, Bibi. d. ags.
Prosa III, Z. 343).
Im Angl, sind Formen belegt, die zu einem schw. Verbum III. Kl. § 416ff.
gehören könnten (s. S. T. R. 0. d’Ardenne, An edition of pe liflade ant te
passiun of Seinte luliene, Liöge 1936, S. 163), so Vesp. Ps. Präs. Ind. Sg. 1.
Semunu, 2. ^emynes (wohl Ind., obwohl es lat. Konj. glossiert), Opt. Pl.
^emynen, Imp. Sg. jemyne, PL semunaö, Inf. semunan, Prät. 2. Sg. jeman-
des; R1 Präs. Ind. Sg. 2. ^emynest, Prät. ^emunde; nordh. mit Verallgemeine-
rung der Formen mit y: R8 Imp. Sg. ^imyne, Pl. -as, L Präs. Ind. Sg. 3.
jemynes, PL ^emynas, Imp. Sg. jemyne und jemona (oder Tnf. ?), PL ^emynas
korr. aus jemonas und (Opt.) jemyna jie, Prät. semyste (für *jemynste nach
§ 186, 1), Rit. Imp. Sg. jemyne.
10. be-, seneah es genügt (nur in der 3. Pers, üblich), Pl. -nu^on,
Opt. -nu^e, Prät. benohte (Inf. nicht belegt, anglische Belege fehlen über-
haupt).
Anm. 3. Zur Zuteilung dieses Verbtuns zu KL IV (nicht V wegen des Ab-
lautvokals in PL und Prät.) s. Streitberg, Got. EL-B. 5-6, § 220, 9, Anm. und
Braune-Helm-Ebbinghaus, Got. Gram.10, § 200, Anm. 3.
§ 424. Sechste Ablautreihe.
II. möt darf, 2. Sg. möst (§ 232), Pl. möton, Opt. möte, Prät. moste
(§ 232), Inf. nicht belegt.
Anm. Angl, belegt sind nur in R1 möt, Prät. PL möstun, in L möt, PL möto
we, Prät. PL möston.
§ 425. Mit unsicherer Zuteilung
12. mag 3 kann, 2. Sg. altws. meaht, spätws. mild (nach dem Prät. oder
dem Subst. mild), Pl. ws. ma^&n, selten mayrn nach dem Sg., Opt.
mee^e, Pl. -en (spätws. auch ma^e, -on nach dem Ind. Pl. und ganz spät
352 § 425. Praeteritopraes. '^§ 426. Verba auf idg. -mi. § 427. Verb, subst.
rauje), Inf. spätws. vereinzelt ma^an, Part, spätws. -malende, Prät. alt-
ws. meahte (mehte, § 122, 3), spätws. mihte entweder mit i-Umlaut, der
vom Opt. Prät. ausgegangen sein kann, oder nach dem Subst. mihi.
Anm. 1. Über die Zuteilung von wa?j vgl. Braune-Helm-Ebbinghaus, Got.
Gram.16, § 203, wo weitere Literaturangaben. Die früher übliche Zuteilung
zu KI. V ist wegen des Vokals des Pl. nicht haltbar; Zuteilung zu Kl. VI
nach Osthoff, Beitr. 15, 211 nur möglich, wenn man das Vb. nicht als Prä-
teritopräsens auffaßt.
Anm. 2. Die außerws. Formen sind: Präs.: Vesp. Ps. 3. Sg. wej (§ 52),
1. 2. nicht belegt, Pl. msjon, mctjon; - R1 Sg. 1. 3. ma?j, 2. mxht (§119),
Pl. ma^un, -on, Opt. mse^e; - nordh. Ra Sg. 1. 3. mxz (3. selten majje),
Pl. ma^un, -on, -an (einmal mx^un), Opt. mx^e; L Sg. 1. 3. mxs und mxje
(•x, -i, -o), 2. mxht, Pl. ma^on, mx^on, ma.30, -a (§ 188, 2), Opt. mx^e, Pl.
-o; Rit. Sg. mxs, Pl. rnxjon -o, ma^on, Opt. mxji (-e). Das Prät. lautet angl.
überall mxhte, -on (§ 119) Vesp. Ps., R1, Ra, L, Rit.
2. Verba auf idg. -mi
§ 426. Von den alten idg. athematischen Bildungen haben sich in den
germ. Sprachen (außer vielleicht in der 2. 3. Sg. und Imp. Sg. der schw.
Verba II. Kl., § 411, Anm. 1) nur wenige Reste erhalten. Insbesondere
ist die (athematische) Endung der 1. Sg. Präs. Ind. -mi fast ganz auf-
gegeben und durch die (thematische) Endung idg. -ö (vgl. griech Verba
auf -co und -/zt, wie yeoco und tI&thzl usw.) verdrängt. Diese Endung
haben germ. alle regelmäßigen starken und schwachen Verba; das dem
idg. -mi entsprechende -m erscheint nur sehr selten.
Im Ae. gehören hierher noch folgende Verba:
1. Das Verbum substantivum
§ 427. Das Verbum substantivum bildet seine Formen von den vier
idg. Wurzeln es und er, or (Ind. und Opt. Präs.), bheu (Ind. meist mit
futurischer Bedeutung, Opt. Präs., Infinitiv und Imperativ) und wes
(Infinitiv, Part. Präs, und Präteritum). Die Flexion ist folgende:
1. Wurzel es und er/or:
Präsens
altws.
Sing. 1. eom (? eom)
Indikativ
Vesp. Ps.
nordh.
2. eart
3. is
eam
earö
is
am
arö
is
Pl. I sint
’ sindon, -un
earun
sind
sindon, -un
aron, -un
sint
sindun, -o
§ 427. Verbum substantivum 353
Optativ
Sing. sie (si, sy) sie sie, se
Pl. sien (sin, syn) sien sie, sS
Durch Verschmelzung mit ne entstehen außerdem die negierten
Formen neam (nam), nard, naron (Anm. 4) und gemeinae. nis {nys,
Anm. 2).
Anm. 1. eom hat den Vokal wohl von beo(m) (s. unten unter 2); angl. eam,
am von der 2. Sg. eard, ard und dem Pl. earun, aron (Björkman, E. St. 48,
116). - eart hat die Endung der Praeteritopraesentia übernommen, angl.
eard, ard zeigt diese noch in der Form germ. ß ohne die Verallgemeinerung
des nach h, f lautgesetzlichen t (§ 418, 1). - Die Kurzform sind entspricht
got. sind, ahd. sint, idg. *senti. sint ist wohl eine zuerst im Satznebenton
entstandene Form mit Verlust des Stimmtons, § 224. sindon, -un haben die
Endung des Ind. Pl. der Praeteritopraesentia. Es ist kaum wahrscheinlich,
daß in den je einmal vorkommenden syd (Fehler für syd ?) Codex Winto-
niensis, sydun (desgl. f. sydunt) R1 Reste des aus einem idg. *s£nti zu er-
wartenden germ. siß vorliegen; es sind dies eher Schreibfehler durch Weg-
lassen des Striches über i (y) zur Bezeichnung des folgenden n. Ebenso sind
sind, synd Codex Wintoniensis wohl Schreibfehler für sind, synd. ~ Zu den
Opt. Formen s. § 130, 3; sie sind in der Poesie und auch wohl sonst in der
älteren Sprache zweisilbig (Sievers, Beitr. 10, 77); ws. sy hat die normale
spätere Entsprechung des ie nach § 41, ws. si, sin weist wohl auf sonstiges
‘unfestes’ i für ie (§ 22) und ist nicht eine Fortsetzung der urgerm. Formen
ohne analog angetretene Endung (entsprechend lat. sim, sint); nordh. st
kann eine im Satznebenton entwickelte Form sein, aus der se (see, Anm. 4)
durch nachträgliche Dehnung entstanden ist (Bülbring, El. B. § 454).
Anm. 2. Altws. findet sich vereinzelt einmal Ind. Sg. 1. iom Cura past.
Hs. H, einmal eam Orosius, sonst steht altws. und spätws. stets eom. -
Die 3. Sg. lautet spätws. oft ys (nys) nach § 22, Anm. 2; einmal his Cura
past. Hs. H, öfter hys ws. Ev. (§ 217, Anm. 1). — sind, sint sind südengl.
häufiger als sindon. Spätws. ist synd, synt (syndon) gewöhnlich und nach
§ 22, Anm. 2 zu erklären (kaum von einem urg. *sundi mit u aus der 1. 2.
PL); altws. Cura past. Hss. H und C öfters sient, siendon, -un mit ie nach
§ 22, Anm. 3. Vereinzelte spätws. seond, seondon sind Kentizismen, s. Anm. 3
(seondon bes. in poet. Texten), ebenso, wenn nicht Satznebentonformen,
gelegentliche send, sendon (mit e für y wegen § 31, Anm. 1). Vereinzelt be-
gegnen Formen mit ie auch noch spätws. Im spätesten Ws. findet sich auch
syn Opt. für den Ind. (Wulfstan Predigten). - Im Opt. ist sie, sien altws.
gewöhnlich, spätws. sy, syn; si, sin steht altws. Cura past., manchmal auch
spätws. Vom 11. Jahrhundert an wird sy, syn völlig durch beo, beon ver-
drängt. sio, seo (s. Anm. 3) findet sich gelegentlich in weniger streng ws.
Texten; sio einmal Cura past. Hs. H.
Anm. 3. Kent, ist belegt 2. Sg. Ind. eart kHymn.; der Pl. lautet in kGI.
sint (siont, sion; die Formen mit io wohl nach siondon); in kUrk. neben
sint häufiger si(o)ndon, -an, seondon (wohl mit Velarumlaut); im Opt. in
kGI. sio (seltener si), seo neben sie, sS (als satznebentonige Form oder als
Ersatz für ws. sy nach § 31, Anm. 1), PL sion neben sien. -io- ist wohl von
bio übernommen. Einmal steht in einer ostkent. Urk. earan Ind. Pl. (Re-
culver, etwa 825, Sweet, Oldest Engi. Texts Nr. 58).
354
§ 427. Verbum substantivum
Anm. 4. Angl. Formen sind: Im Vesp. Ps. außer den im Paradigma ange-
gebenen 1. Sg. Ind. negiert neam, 3. nw, Opt. Sg. neben sie auch je ein siem,
sion. Im Ind. Pl. ist sind die gewöhnlichste, earun die seltenste Form.
R1 hat: Ind. Sg. 1. eam (je ein nam, nsem), 2. eart (je ein ecw<5; arpu),
3. is {his, § 217, Anm. 1), nis, Pl. sindun, -on, (selten syndun, -on, sendun,
on) und seltener sint, ein arun; nordh. sind außer den im Paradigma an-
gegebenen Formen noch belegt: R2 2. Sg. Ind. is (selten, vgl. § 356, Anm. 2),
3. negiert nis; L 2. Sg. Ind. neben ard auch vereinzelt arst, his, Pl. mit
n-Abfall aru we, aro usw., selten auch sind; Opt. auch sie, s%, see, sie;
dazu negiert nam, nard, nis, naron, naro jje. Das Rit. hat am, ard, is, Pl.
aron (aro sie), sint, sind, sindon, Opt. sie, sS; negiert nam, nis, naro sie.
sint (sind) ist im Nordh. in der 3. PI. bevorzugt, arun, -on in der 1. und
2. Pl.
Die Formen eam, earö und earun begegnen vereinzelt auch in der Poesie.
2. Wurzel bheu:
Präsens
Indikativ
altws.
Sing. 1.
2. bist
3. biö
Pl. bioö, beoö
spätws.
beo
byst, bist
byö, biö
beoö
Vesp. Ps. nordh.
biom biom
bis(t) bist
biö biö
bioö, biaö biöun, -on, bioöun, -on, biaö
Sing. bio, beo
Pl. bion, beon
beo
beon
Optativ
(bia, bie)
Sing. bio, beo
Pl. bioö, beoö
Imperativ
beo bio, bia
beoö -
Infinitiv
bion, beon
beon bion (bian)
Partizipium
beonde
Partizipium Präteriti
3ebeon
Anm. 5. 1. Sg. Ind. ist altws. nicht belegt. Als 2. Sg. steht einmal (Cura
past. Hs. C) bis du. Part. beonde begegnet erst im 11. Jahrhundert, erst
Anfang des 12. Jahrhunderts vereinzelt Part. Prät. jeöeon. Über den Wechsel
von io und eo vgl. § 38. Im Pl. steht entsprechend § 360, 2 bio we, s^ beo
we, $e. Der Opt. ist altws., kent. und in der Poesie selten (meist sie usw.),
er ist spätws. und spätkent. häufiger.
Anm. 6. Das Kent, zeigt keinerlei sachliche Abweichung vom ws. Para-
digma (Inf. bian neben bion nach § 38, kUrk.).
§ 427. Verbum substantivum 355
Anm. 7. Anglische Formen außer den im Paradigma angegebenen sind:
Merc.: Vesp. Ps. Sg. 1. Ind. neben vielen blom auch ein beam, zwei beom
und ein blo; 2. Sg. einmal bis ohne -t (§ 356); Pl. einige blad neben vielen
blöd (bid dürfte nur verschrieben sein); Imp. Sg. gewöhnlich blo, einmal
bla; Opt. und Part, sind nicht belegt. - Die Flexion in R1 ist: Präs. Ind.
Sg. 1. beom, 2. bist, 3. bid, -p (auch zwei beop nach dem PL), Pl. beop, -d,
seltener biop, -d und einmal bidon, öfter mit Velarumlaut beopan', Opt.
Sg. beo, Pl. beon (kein sie usw.), Imp. Sg. beo, Pl. beop (bloP), Inf. beon. -
Nordh. steht in Ra neben 3. Sg. bid auch ein blad', im Pl. gewöhnlich biodun,
on (einmal biodo), blad ist selten. Opt. Imp. Inf. sind nicht belegt. - L
hat neben 1. Sg. blom öfter beom, auch ein blum; 3. Sg. neben bid auch
einmal bied, im Pl. neben zahlreichen bidon (zweimal bido) auch ein biodon
mit Velarumlaut, zwei blad. Der Opt. bla, ble und der Inf. blan sind nur je
einmal belegt (Opt. ist nordh. gewöhnlich sie, s£, Inf. wosa Anm. 10). Imp.
fehlt (stets wes). Im Rit. stehen Ind. Sg. blom, bist, bid, Pl. bidon. Der Pl.
blad steht auch im Leid. Rätsel (und in Corp.).
In der Poesie erscheinen die Formen beod, beon öfter an Stellen, wo das
Metrum zweisilbige Formen verlangt.
Anm. 8. Für die 2. 3. Ind. Sg. ist (trotz des etymologisch entsprechenden
lat. fls, fit) im Ae. bist, bid mit kurzem i anzusetzen. Dafür zeugt nicht
nur das spätws. sehr häufige byst, byd, sondern namentlich auch der nordh.
Pl. biodun, -on, dessen io nur u-Umlaut zu dem daneben stehenden bidun,
-on sein kann, dem wiederum der Sing, bid zugrunde liegt.
3. Wurzel wes (st. Verbum Kl. V).
Hiervon werden gebraucht:
Präsens
Inf. wesan (nordh. wosa)
Part. ws. wesende
Imp. Sg. ws. wes; Pl. ws. wesaö
Präteritum
Ind. Opt.
Sg. 1. 3. ws. wses; 2. wsere wjere
PL ws. wjeron weeren
Auch hier finden sich Verschmelzungen mit ne bei Negation: Prät.
Sg. nses, niere, Pl. neeron, Opt. niere.
Anm. 9. Für wies, nies begegnen auch die enklitischen Nebenformen was,
nas, § 49, Anm. 2 (altws. oft in Chr.). Vereinzelt ist ein Ind. Präs, wesed
3. Sg. Phoenix, wesad Pl. Blickl. Hom.
Anm. 10. Der Inf. und Imp. kommen altws. nicht vor. Poet, ist der Inf.
meist wesan, der Imp. beo und wes. Die Abweichungen der übrigen Mundarten
vom Ws. ergeben sich ohne weiteres aus den einschlägigen Lautgesetzen:
Corp. Part. Prät. xtweosendne mit Velarumlaut wohl aus dem Inf., der aller-
dings als wesan belegt ist. Vesp. Ps. Prät. wes (§ 52), were, werun (§ 62).
Vom Präs, ist nur der Imp. Sg. wes belegt. R1 Inf. wesa, Imp. Pl. wesap,
356
§ 427. Verbum substantivum. § 428. Verbum wollen
Prät. w&s (einmal was), were und wiere (§ 62, Anm. 2), Pl. werun, wierun,
Opt. Sg. und Pl. wiere, were. Nordh. lautet der Inf. R2 L und Rit. wosa
113,o (L auch wu08sa, wossa neben wosa, Rit. vosa, wossa, vossa). Die
übrigen Formen sind in R2 Imp. Sg. wes, Pl. wosao, Prät. w&8 (ein was),
were, Pl. werun, -on und wierun (§ 62, Anm. 2), Opt. were, negiert nees,
neron, Opt. nere; in L: Imp. Sg. wies (uses, ein wes, vgl. § 55, Anm.), Pl.
wosad, -as, Prät. wies (wsess), were, weron, wöeron (§ 115), seltener w^ron,
einmal ymbwieson, Opt. were, woere (seltener wiere), negiert mes(s), Pl.
neron (nieron), Opt. nere (nie re); Rit.: Imp. Sg. ves, voes, vxs, vo&s, Pl.
wosad, wossaö, Part. Präs, voesendwm (Dat.), Prät. Ind. Sg. vees, Pl. veron,
vöeron, Opt. vere, woere.
Anm. 11. Zur Verteilung der Formen der verseh. Wurzeln auf die Mund-
arten usw. vgl. Heidemann, Archiv 147, 30ff.; zur Bedeutung K. Jost,
Beon und wesan.
2. Das Verbum wollen
§ 428. Das Verbum ‘wollen’ besaß im Germ, vom Präsens ursprüng-
lich nur einen Optativ mit indikativischer Bedeutung; im Ae. sind dazu
ein neuer Optativ und ein (nur vereinzelt vorkom mend er) Imperativ
geschaffen worden. Außerdem kommen noch der Inf. und das Part.
Präs. vor. Das Präteritum wird schwach gebildet. Die Flexion ist im
Westsächsischen folgende:
Präsens
Indikativ
Sing. 1. wille
2. wilt
3. wile (wille)
Pl. wilUö
Optativ
wille (wile)
willen
Infinitiv
willan
Part,
willende
Präteritum
wolde
(Flexion wie nerede usw., s. § 409)
Anm. 1. Im Altws. ist wille (mit analogem ll) als 3. Sg. Ind. selten und eher
Opt., wile als Opt. spärlich belegt. Spätws. zeigen alle Präsensformen oft
den Vokal y, wylle, wylt usw. (§ 116).
Anm. 2. Mit vorausgehendem ne verschmilzt das Verbum willan fast
stets. Hierbei erscheint der Vokal entweder als y (§ 116, so bes. altws.)
oder als e (wohl nach der Partikel ne, so gewöhnlich spätws.). Die altws.
Formen der Cura past. sind: Präs. Ind. Sg. 1. nylle (in Hs. H auch nelle,
Or. nele), 3. nyle (Hs. H auch nylle, neZe, nile), Pl. nyUad (Hs. H und Or.
auch nellad), Opt. nylle, nyle (Hs. C auch ein nele), Pl. nyllen, Prät. nolde;
im späteren Ws. herrschen die e-Formen, nelle usw., vor.
Anm. 3. Kent. Belege sind: in kGl. Opt. Sg. wille, kPs. Ind. Sg. 1. wille,
Prät. wolde, in Urk. Ind. Sg. 1. wille und willa ic (aus willu ic, § 44), 3. wile,
wille, Opt. wille, Pl. willen,
§ 428. Verbum wollen. § 429. Verbum tun
357
Anm. 4. Einige Besonderheiten weist das Angl, auf: a) Merc.: im Vesp.
Ps.: Präs. Ind. Sg. 3. wile, PL willaö, Part, wellende, Prät. walde; negiert
Imp. Sg. nyl, Pl. nyllaö, Prät. nalde; Prät. walde in Resten auch Beda-
Übers. Hs. T u. Mart.; - in R1: Präs. Ind. Sg. 1. wille (ein ne wylle), 2.
wilt(u), 3. wile (wille), Pl. willaö, Opt. wille (wile), Prät. wolde, walde; negiert
Präs. Ind. Sg. 1. nyllic (neben ne wylle), 3. nyle (Opt.?), Pl. nyllefi, Imp.
PL ne wellaö, neUafi, Prät. nolde, PL noldan, naldun; — nordh.: in R2: Ind.
Sg. 1. wyllo, willo, 2. wylt, wüt, 3. wyl, wil, will, PL wallaö, -as, wallon we,
Opt. Sg. PL welle, Imp. PL wallaö, -as, Prät. walde; negiert Ind. PL nallan
we, Imp. Sg. nelle (eig. Opt.), PL nallaö, -as, nallon ^e; - in L: Ind. Sg. 1.
willo (wüle, willic; w&Uo, -e), 2. wüt (willt), 3. wil (will), PL wallaö, -as,
walla we, walli se (auch eine 3. PL uallon; ein sie wselle vultis ist eher Opt.),
Opt. wselle, -a, -e, welle, -se, (Imp. PL ne wallaö, ne wsellaö sie), Prät. walde
(3. Sg. Ind. u. Opt. auch wselde); negiert: Ind. Sg. 1. nuillic, nwülic (ui,
wi = y oder etym. Schreibung), 2. nuilt, PL nallad, -as, -es, nallo we; Imp.
Sg. nselle, nelle, PL nallaö, -as (-eö; nalle sie) und naellaö, -as (-ses, -eö, -es;
naelle sie), nellaö, -as, Prät. nalde; - im Rit.: Ind. Sg. 3. vil, PL vallaö, Opt.
vsüle, Prät. walde; negiert: Ind. Sg. 2. nylt, Imp. Sg. nselle, PL nsellaö, Prät.
PL naldon.
Anm. 5. Zur Erklärung der Formen s. bes. Flasdieck, Angl. 61, 18ff. Die
auf *wall zurückgehenden Formen entsprechen got. waljan wählen, sie sind
nordh. im Präs. Ind. PL, Opt. (mit i-Umlaut) und Prät. erhalten, merc.
nur im Prät. (Part, wellende Vesp. Ps. kann ein Rest davon sein), ws. kent.
durch Formen von will im Präs, und im Prät. durch (das sohwundstufige)
wolde verdrängt. Vgl. auch § 59, Anm. 1.
3. Das Verbum tun
§ 429. Das Verbum don tun (im Ablaut zu griech. tl3rnj,i) bildet seine
Formen in folgender Weise:
Präsens
Indikativ
wests. Vesp. Ps. Ra
Sg. 1. do döm döm
2. dest döest, -s döes
3. deö döeö döeö, -as
Pl. döö döö döaö, -as
Imperativ
Sg. 2. dö döa, dö döa, dö
PL 1. dön dön
2. döö döö döaö
Optativ
wests.
dö
dön
Vesp. Ps. R2
idöe ]
|(döa, dö) jdöe
döen, dön döe
Part. Präs.
dönde dönde döende
Infinitiv
fdön dön, döan döa
[fl. dönne dönne döanne
358
§ 429. Verbum tun
Präteritum
Indikativ
Sg. 1. dyde dyde dyde
2. dydes(t) dydes, -est dydes(tu)
3. dyde dyde dyde
PL dydon dydun ’On
Optativ
dyde dyde
dyden dyden
dyde
(dydon (? Ind.)
[dedun (? Ind.)
Part. Prät.
dön -döen -döen
Anm. 1. Im Ws. sind Abweichungen von obigem Paradigma äußerst selten.
Altws. findet sich in Cura past. Hs. C ein Opt. döe, der wohl zweisilbig auf-
zufassen ist, in Hs. H ein Part. Präs, weldöendum, das wohl auch eher zwei-
silbig ist, beide mit analoger Endung zu den regelmäßigen Verben. Spätws.
Ind. Sg. dyst, dyp (Hs. Durham von AEIfr. Gramm.) sind wohl Fehlschrei-
bungen irgendeiner Art, am ehesten wegen kent. & = ws. $ § 31, Anm. 1
(die Erklärungen von W. Krogmann, Angl. 61, 357-60 als i-Umlaut von u
und von Flasdieck, Angl. 61, 47 als satznebentonig sind weniger wahrschein-
lich). Das Prät. dyde, -on steht innerhalb der westgerm. Sprachen isoliert
(got. und nordgerm. kommt das Verbum nicht vor). Zur Erklärung hat
man an einen Optativ mit lautgesetzlichem i-Umlaut und einer schwund-
stufigen Wurzel mit germ. -u- aus idg. -9- gedacht, so Sievers, Beitr. 16, 235;
W. Krogmann, Anglia 56, 377-395; Flasdieck, Anglia 61, 43-54, doch ist
diese Ansicht nicht unwidersprochen geblieben, so vermutet Prokosch,
Comp. Germania Grammar, S. 222, eher Analogie zu Optativen der Prä-
teritopräsentien (acyle u. dgl.). Immerhin finden sich angl. (L und R8) neben
dyde und dydon auch mehrmals Prät. Plur. dedon, in denen die Quantität
des e allerdings nicht feststeht, die aber mit Kürze alts. 1. 3. Sg. deda, Plur.
dedun bzw. ahd. teta, mit Lange alts. Pl. dadun, ahd. tdtum usw. entsprechen
würden. Kent, dede, dedun (s. Anm. 2) könnten diesen entsprechen oder
kent. e für ws. y nach § 31, Anm. 1, zeigen. Dieselben Formen kommen
auch im metrischen (Pariser) Psalter und manchmal in der Poesie vor, wo
sie angl. oder kentisch sein können. Gelegentliches dä?de, dSdun in der
Poesie würde auf Länge weisen (Ersatz von angl. e durch ws. ä?); ob man
wegen deoden (Codex aureus, also merc.) auf Kürze schließen kann (eo
wegen Velarumlaut, so Campbell, OE. Grammar, S. 348), ist fraglich, weil
diese Widmung auch sonst fehlerhaften Gebrauch von eo zeigt (so beoc Bücher
neben bec, für angl. böec), vgl. § 27, Anm.
Anm. 2. Die kent. Flexion entspricht im allgemeinen der wests.: kGl.
3. Sg. deö, det, Imp. dö, Part. Prät. (on)dön, aber Prät. Opt. Sg. dede oder
dede entsprechend ws. dyde nach § 31, Anm. 1; kPs. 3. Sg. ^eded, Imp.
jedoo; kHymn. Imp. jedö, kUrk. Inf. dön, aber auch ^edöan (mit ana-
log. Endung wie im Nordh.), Opt. Sg. jedöe. PI. jedöen (ein je jedeo als
Schreibfehler, § 27, Anm.), einmal jeden.
Anm. 3. Im Vesp. Ps. ist die 2. Sg. döes ohne t nur einmal belegt; einmaliges
död 3. Sg. Ind. ist wohl Schreibfehler; hingegen ist dydes häufiger als dydeat.
Opt. Sg. döa begegnet nur einmal, dö zweimal; ob das gewöhnliche döe ein-
silbig (öe = i-Umlaut von Ö) aufzufassen ist oder zweisilbig (dö und analoge
Optativendung -e) ist fraglich, s. Anm. 4. Inf. döan ist nur einmal belegt.
§ 429. Verbum tun. § 430. Verbum gehen 359
Die Flexion in R1 ist: Ind. Sg. 1. döm (vereinzelt dö, döa), 2. döest, 3. dö&p,
Pl. döap und döp (einmal döeP), Opt. Sg. dö (einmal döa), Pl. döan, döa,
Imp. Sg. dö, Pl. döap, -eö, döö, Inf. döan, döa, fl. döanne, Part, dönde, döende,
Prät. dyde, 2. dydest, Pl. dydun, -on, Part. Prät. jedöan, einmal jedöen.
Das Nordh. hat in R2 neben den im Paradigma angegebenen Formen noch:
öfter döe als Übersetzung einer lat. 1. Sg. Ind., doch ist die Form wahr-
scheinlich ein Opt.; in der 3. Sg. einige döaö, im Pl. einige döeö, -es, im
Imp. Pl. ein unduaö, wohl eine Fehlschreibung. Im Imp. Sg. ist dö, im Prät.
Pl. dedun die seltenere Form.
Die Flexion in L ist: Ind. Sg. 1. döam, seltener doom, döm (auch döem
und dö, döa, döe, die vielleicht als Opt. aufzufassen sind), 2. döea, döas,
dötes, döeö (§ 356, Anm. 2), 3. döeö, döaö, -seö, -as, -es, Pl. döaö, -as, -eö, -es,
Opt. Sg. u. Pl. döe, döa, Imp. Sg. dö, doo, döa, Pl. döaö, -as (seö, -ed, -es),
Tnf. döa, döse, döe, fl. döan(n)e, döenne, Part, döende, Prät. Sg. dyde, Pl.
dydon, seltener dedon, Opt. dyde, Pl. dydon und seltener dedon (?). Part.
Prät. -döen.
Rit.: Ind. Sg. 1. döm, 2. döest (ein döst), 3. döeö, Pl. döaö, -eö, -seö, -as,
Opt. döe, Imp. Sg. dö, Pl. döaö, -eö, Inf. döa, Part, döende, Prät. dyde, dydon,
Part. Prät. jidöen.
Anm. 4. Die verschiedenen Formen mit oe sind zweideutig, weil die Hss.
zwischen einsilbigem öe («-Umlaut von ö, § 101) und etwaigem zweisilbigem
(ö 4- analog angetretener Endung) nicht unterscheiden. «-Umlaut ist zu
erwarten im Präs. Ind. (idg. Endungen -mi, si, -ti, -nti), zwar hat er sich
anscheinend nur in der 2. 3. Sg. erhalten (s. die südl. Formen dest, deö,
also ebenso wie bei den regelmäßigen st. Verben, § 371), doch verlangt das
Metrum angl. poet. Texte auch hier oft zweisilbige Formen (s. Sievers,
Beitr. 10, 477). In den anderen Formen ist er aufgegeben, wohl in Anleh-
nung an die starken Verba (kaum wegen frühen Abfalls des -i, wie Walde,
Auslautgesetze, S. 122, vorschlägt), in der 1. Sg. im Süden, aber nicht durch-
wegs im Norden auch das -m. Möglich wäre i-Umlaut vielleicht noch im
Opt. Präs. (vgl. Formen von jän, § 430, Anm. 3), doch ist hier wohl Zwei-
silbigkeit anzunehmen, weil zahlreiche Formen mit ö, öa neben denen mit
öe stehen. Das gleiche gilt für das Part. Präs. Unsicher ist auch die Bildungs-
art des nordh. Part. Prät. -döen, zumal in poet. Texten jeden, forden vor-
kommt, s. § 378, Anm. 2. Zu der ganzen Frage vgl. auch Flasdieck, Angl.
61, 43-64.
4. Das Verbum gehen
§ 430. Das Verbum jdn gehen (neben jonjan, janjan, § 394, Anm. 5)
hat in der 1. Sg. Präs, die Endung -m (aus idg. -mi) überall aufgegeben,
die 2. und 3. Sg. Präs. Ind. haben fast stets «-Umlaut (doch s. Anm. 3).
Die ws. Flexion ist: Präsens
Indikativ Sg. 1. 3ä Optativ Imperativ Sg. 2. 3ä
2. 3sest 3. 3äö |3ä Pl. 3äÖ
Pl. 3äö 3än Infinitiv 3än, fl. 3änne
360
§ 430. Verbum gehen
Präteritum
Indikativ I Optativ
Sg. 1. 2. eode | eode
(Flexion wie nerede usw. § 409)
Partizipium Präteriti
3e3än
Anm. 1. Ob und wie ae. eode und got. iddja Zusammenhängen, ist unklar.
Nordh. erscheinen nirgends Formen mit io, die bei einem direkten Zusam-
menhang zu erwarten wären, s. Luick, Hist. Gram. § 261, Anm. 3. Beide
Formen werden zwar wahrscheinlich auf die idg. Wurzel *ei- zurückgehen
(wie lat. eö, ire, griech. elpi usw.), sie sind aber keineswegs identische Bil-
dungen. Die von Holthausen, Idg. Forsch. 14, 342, vorgeschlagene Ableitung
von der idg. Wurzel *uädh- (wie in lat. vädö), der sich Luick, a. a. O. und
Flasdieck, Anglia 61, 54£f., angeschlossen hatten, wurde von Holthausen
selbst, Etym. Wörterbuch, S. 91, wieder aufgegeben. Über die verschiedenen
Erklärungsversuche vgl. W. Cowgill, Language 36, 483-86.
Anm. 2. An kent. Abweichungen vom wests. Paradigma ist höchstens das
Prät. iode nach § 38 zu erwähnen (auch sihiodun Ep.).
Anm. 3. In den angl. Texten finden sich folgende Formen: merc. Vesp.
Ps. stimmt im allgemeinen mit dem Ws. überein, nur steht 1. Sg. Präs.
Ind. einmal j<5n neben öfterem ja, jaa, vielleicht ein Schreibfehler; der
Opt. ist nur einmal als jüe belegt, das wohl zweisilbig mit analoger Endung
sein dürfte, obwohl im Opt. an und für sich Formen mit »-Umlaut möglich
wären und nordh. anscheinend vorherrschen. Als Part. Präs, erscheint jünde.
R1 hat: Ind. Sg. 1. jü, 2. pu, sätet, 3. 3SP, -ö (ein jüö), Pl. s&P (zwei-
mal jä7>, ein säep), Opt. Sg. jä, Pl. s&n (ein jän), Imp. Sg. jä (ein jde,
vgl. die Opt.-Form des Vesp. Ps.), Pl. s&P» seltener jä/, -Ö, Inf. jä, j®,
Prät. eode, -on, -un (dreimal eade); Part. Prät. fehlt (nur -jonjen).
Nordh.-. Ra: Ind. Sg. I. 3® (ein jaa), 2. j®si(u), 3. j®s, (jäes, jds,
Säö, saa8)’ Pl- (jcta®, 5«®); Opt- 3®, Jde, jaa; Imp. Sg. jaa, Pl. jä(a)d,
-s, Inf. jaa, jä, Prät. eode, seltener eade, Part. Prät. foresiead; - L: Ind.
Sg. 1. jöe, 3«, jä®, 2. jäa?s, jaas, 3®s£u, jästf, jäd (§ 356, Anm. 2), 3. jaad,
Saas, säeö, -8, s&ö, ~8, säö, säseö, sSeö, Pl. jaad, -8, säes, (s&ö, -8, säeÖ),
Opt. jäe, 3®, Pl. auch 3a®, Imp. Sg. jaa (säe, sä-, säse, säea), Pl. 30(0)#,
jaas, s^eö, -s, Inf. jaa, jS, säe, Prät. eade, seltener eode, Part. jeead; — Rit. :
Ind. Sg. 3® (? Opt.), 2. 3®s£, 3. 3®ö, Pl. 3«-ad, jdü (säs, 300s, seseö), Opt.
Sg. 3S, säe Pl. 3®, Imp. Sg. nicht belegt, PL 3«(a)d, Inf. jaa, Prät. eade.
Die Formen mit äe, S sind zweideutig, da die Hss. manchmal ae für die
Ligatur se schreiben, so daß auch die umgekehrte Schreibung se für zwei-
silbiges ae nicht ausgeschlossen wäre.
VERZEICHNIS EINIGER ABKÜRZUNGEN
ae. = altenglisch.
yElfr. Gramm., Hom. usw. = zElfrics Grammatik, Homilien usw., s. § 2,
Anm. 3.
AfdA. = Anzeiger für" deutsches Altertum und deutsche Literatur.
ags. = angelsächsisch.
ahd. = althochdeutsch.
air. = altirisch.
altn. = altnordisch.
alts. = altsächsisch.
angl. = anglisch.
Anglia = Anglia, Zeitschrift f. engl. Philologie.
Angl. Beibl. = Beiblatt zur Anglia.
Archiv = Archiv f. d. Studium d. neueren Sprachen.
Beitr. = Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur.
Benet = The Rule of S. Benet, ed. H. Logeman, E. E. T. S. 90, London 1888.
Beow. — Beowulf.
Blickl. Gl. = Bückling Glosses, bei Sweet, Oldest Engl. Texts, S. 122f.
Blickl. Hom. — Bückling Homilies, hg. Morris, E. E. T. S. 58, 63, 73, Lon-
don 1874-1880.
Bülbring, El. B. = K. D. Bülbring, Altengüsches Elementarbuch, s. Lit.-
Verzeichnis.
Chr. = Sachsenchronik, s. § 2, Anm. 3.
Corp., Cp. = Corpus Glossar, s. § 2, Anm. 6.
Cura past. = Cura pastoralis, s. § 2, Anm. 3.
Ekwall-Festschr. = A Philological Miscellany presented to Eilert Ekwaü
(Studia Neophilologica XIV u. XV), Uppsala 1942.
Engl. Stud. bzw. E. St. — Englische Studien, Organ f. engl. Philologie.
Engl. Studies = English Studies (Amsterdam).
Ep. = Epinaler Glossar, s. § 2, Anm. 6.
Ep. Al. = Epistolae Alexandri, hg. W. M. BaskerviUe, Anglia 4 (1881), 139ff.
und S. Rypins, E.E. T. S. 161, London 1921.
Erf. = Erfurter Glossar, s. § 2, Anm. 6.
germ. = germanisch.
Germ. = Prudentius Glossen, hg. von Holder, Germania N. F. IX.
Gl. = Glossen.
GRM = Germanisch-romanische Monatsschrift.
hd. = hochdeutsch.
Hpt. Gl. = Glossen zu Aldhelm, ZfdA. 9, 401 ff.
Hs(s). = Handschrift(en).
Idg. Forsch. = Indogermanische Forschungen.
JEGPh = Journal ofEngüsh and Germanic Philology.
jMart. ~ jüngeres Martyrologium (in Cockayne’s Shrine, London 1864ff.,
8. 44ff. und G. Herzfeld, E. E. T. S. 116, London 1900).
kent. = kentisch.
362 Abkürzungen
kGl., kHymn., kPs., kUrk. = kent. Glossen, Hymnus, Psalm, Urkunden,
s. § 2, Anm. 7.
KZ = Kuhn’s Zeitschr. (für vergleichende Sprachwissenschaft).
L = Lindisfarne Gospels, s. § 2, Anm. 5.
Leeds Studies = Leeds Studies in English and Kindred Languages.
LGRP — Literaturblatt für germ. und romanische Philologie.
Leid. Gl. = Leidener Glossar, s. § 2, Anm. 6.
Leid. Rats. = Leidener Rätsel, s. § 2, Anm. 5.
Luick, Hist. Gram. = K. Luick, Historische Grammatik der engl. Sprache,
s. Lit.-Verz.
Mart. = älteres Martyrologium, bei Sweet, Oldest Engl. Texte, S. 177f.
me. = mittelenglisch.
merc. — mercisch.
mlat. = mittellateinisch.
MLN = Modem Language Notes.
Mod. Phil. = Modem Philology.
nd. — niederdeutsch.
ne. = neuenglisch.
NED = A New English Dictionary, hg. v. J. A. H. Murray usw.
nordg. = nordgermanisch.
nordh. — nordhumbrisch.
Or. = Orosius, s. § 2, Anm. 3.
PMLA — Publications of the Modem Language Association of America.
QF = Quellen und Forschungen zur Sprache und Kulturgeschichte der
germ. Völker, hg. v. W. Scherer u. a.
RES = Review of English Studies.
R1, R8 = die beiden Teile der Rushworthglosse zu den Evangelien, s. § 2,
Anm. 5 u. 6.
Rit. = Das Ritual von Durham, s. § 2, Anm. 5.
Scint. — Defensor’s Liber Scintillarum, hg. v. E. W. Rhodes, E. E. T. S. 93,
London 1889.
stm., stf., stn., stv. = starkes Maskulinum, Femininum, Neutrum, Verbum.
swm., swf., swn., swv. = schwaches Maskulinum, Femininum, Neutrum,
Verbum.
um. = urnordisch.
Vb. = Verbum.
vlat. = vulgärlateinisch.
Urk. = Urkunden, a. § 2, Anm. 2.
ws. = westsächsisch.
ZfdA. = Zeitschrift für deutsches Altertum.
ZfdPh. = Zeitschrift für deutsche Philologie.
LITERATUR
Außer den für das Studium des Altenglischen wichtigen Grammatiken und
Wörterbüchern sind hier vor allem sprachliche Einzeluntersuchungen
aufgenommen, besonders solche, die im Text zitiert sind. In diesen Zitaten
sind sie abgekürzt genannt, so Zeitschriftenaufsätze bloß mit Verfasser-
namen, Band und Seiten der Zeitschriften. Hier sind sie genauer angeführt.
Nicht aufgenommen sind Ausgaben der einzelnen, für die Sprachgeschichte
wichtigen Texte und die dazu gehörenden Aufsätze und Spezialglossare.
Diese sind in § 2 und den Anmerkungen dazu verzeichnet.
1. Grammatiken
a) Altenglische, allgemein englische:
Bögholm, N., English Speech from an historical point of view. Copen-
hagen 1939.
Brunner, Karl, Die engl. Sprache, ihre geschichtliche Entwicklung. Zweite
Auflage: Bd. I: Tübingen 1960. Bd. II: Tübingen 1962 (Sammlung
kurzer Grammatiken germ. Dialekte, B. Ergänzungsreihe, Nr. 6).
Bülbring, Karl D., Altenglisches Elementarbuch, I. Teil: Lautlehre.
Heidelberg 1902 (Sammlung germanischer Elementarbücher I, 4).
Campbell, A., Old English Grammar. Oxford 1959.
Cosijn, P. J., Altwestsächsische Grammatik. I, Haag 1883; II, Haag 1886.
Dieter, Ferdinand, Altenglisch. In: Laut- und Formenlehre der altgerm.
Dialekte. Leipzig 1900. Dazu Besprechung von K. Bülbring, Angl.
Beibl. 9, 85—111.
Girvan, R., Angelsaksisch Handboek. Harlem 1931 (Oudgermaansche
Handboeken, vierde Deel).
Huchon, Rene, Histoire de la langue anglaise, tome I (des origines ä la
conquete normande). Paris 1923.
Luick, Karl, Historische Grammatik der englischen Sprache, Bd. I, 1. Abt.
Leipzig 1921; 2. Abt. hg. von Friedrich Wild und Herbert Koziol.
Leipzig 1940. Neudruck mit Wortindex von Richard Hamer: 2 Bde.,
in Vorbereitung.
Messe, Fernand, Manuel de l’anglais du moyen äge. I. Vieil-anglais, 2 Bde.
Paris 1950 (Bibliothöque de philologie germanique, VIII).
Quirk, Randolph, and Wrenn, C. L., An Old English Grammar. 3rd ed.
London 1960.
Wright, Joseph, and E. M., Old English Grammar. 3rd ed. Oxford 1925.
b) Allgemein germanische, anderer germ. und indogerm.
Sprachen:
Braune, Wilhelm, Gotische Grammatik, 10.-15. Aufl. bearb. von Karl
Helm, 16. Aufl. bearb. von Ernst A. Ebbinghaus. Tübingen 1961
(Sammlung kurzer Grammatiken germ. Dialekte, A, 1).
364
Literatur
-, Althochdeutsche Grammatik. Fortgeführt von Karl Hehn, 11. Aufl.
bearb. von Walther Mitzka. Tübingen 1963 (Sammlung kurzer Gram-
matiken germ. Dialekte, A, 5).
Hirt, Hermann, Handbuch des Urgermanischen. Heidelberg 1931 ff. (Indo-
germ. Bibliothek I, 1, 21, 1-2).
Jordan, Richard, Handbuch der mittelengl. Grammatik, I, 2. Aufl. bearb.
von H. Oh. Matthes. Heidelberg 1934 (Germanische Bibliothek, I, 1, 13).
Kluge, Friedrich, Nominale Stammbildungslehre der altgerm. Dialekte.
3. Aufl. bearb. von L. Sütterlin und E. Ochs. Halle 1926 (Sammlung
kurzer Grammatiken germ. Dialekte, Erg.-Reihe 1).
Geschichte der engl. Sprache, in Pauls Grundriß der germ. Philologie I,
2. Aufl. Straßburg 1901.
Krähe, Hans, Germanische Sprachwissenschaft. I, 5. Aufl. Berlin 1962.
II, 4. Aufl. Berlin 1961 (Sammlung Göschen, Bd. 238 und 780).
Prokosch, E., A Comparative Germanic Grammar. Philadelphia 1939.
Streitberg, W., Urgermanische Grammatik. Heidelberg 1896. 3. (unver-
änderte) Aufl., Heidelberg 1963 (Germanische Bibliothek I, 1).
-, Gotisches Elementarbuch, 5. u. 6. Aufl. Heidelberg 1920 (Germanische
Bibliothek I, 1, 2).
Sweet, Henry, History of English Sounds. 2nd ed. Oxford 1888.
Thurneysen, R., Handbuch des Altirischen. Heidelberg 1909 (Indoger-
manische Bibliothek I, 6).
2. Wörterbücher
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1882-1898, Neudruck Oxford 1954; dazu Supplement byT. N. Toller,
Oxford 1921, Neudruck Oxford 1955.
Grein, C. W. M., Sprachschatz der angelsächsischen Dichter, neu hg. von
J. J. Köhler und F. Holthausen. Heidelberg 1912-14 (Germanische
Bibliothek I, IV, 4).
Hall, J. R. Clark, A Concise Anglo-Saxon Dictionary, 4th ed. with a Supple-
ment by H. D. Meritt. Cambridge 1960 und 1962.
Holthausen, F., Altenglisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg
1934, 2. (ergänzte) Auflage von H. Ch. Matthes, 1963 (Germanische
Bibliothek I, IV, 7).
Smith, A. H., English Place-Name Elements. 2 vols. Cambridge 1956
(English Place-Name Society, XXV, XXVI).
Sweet, Henry, The Student’s Dictionary of Anglo-Saxon. Oxford 1953.
b) Indogermanische, etymologische:
Pokorny, Julius, Indogermanisches etymologisches Wörterbuch. 1. Bd.
Bem-München 1959.
Walde, Alois, Vergleichendes Wörterbuch der indogerm. Sprachen, hg. von
J. Pokorny. Berlin-Leipzig 1927-30.
3. Einzelunlersuchangen
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Runensteine. Angl. Beibl. 9 (1898-99), 65-78.
- , Besprechung von F. Dieter, Altenglisch. In: Laut- und Formenlehre der
altgerm. Dialekte. Angl. Beibl. 9 (1898-99), 85-111.
- , Was läßt sich aus dem Gebrauch der Buchstaben k und c im Matthäus-
Evangelium des Rushworth MS. folgern? Angl. Beibl. 9 (1898-99),
289-300. Hierzu Ergänzungen Angl. Beibl. 10 (1899-1900), 372f.
- , Altenglischer Palatalumlaut vor ht, hs, hp. Angl. Beibl. 10 (1899-1900),
1-12.
- , Zur altnordhumbrischen Grammatik. Angl. Beibl. 10 (1899-1900), 368-372.
- , Zur altengl. Diphthongierung durch Palatale. Angl. Beibl. 11 (1901),
80-119.
Über den Einfluß von Palatalen auf folgendes unbetontes i im Altnord-
humbrischen. Angl. Beibl. 12 (1902), 142-145.
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me. jofähe', über die Aussprache von ae. ff und fj und Verwandtes;
über einige dorso-alveolarpräpalatale Artikulationen ursprünglicher
Dentale im Alt- und Mittelenglischen). E. St. 27 (1900), 73-89.
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Dr. Furnivall in honour of his 75th birthday. Oxford 1901. S. 34-45.
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WÖRTERVERZEICHNIS
Die Zahlen beziehen sich auf die Paragraphen der Grammatik, für An-
merkung’ steht ‘A.’ ohne vorhergehenden Beistrich. Die Stichwörter sind in
der altwestsächsischen Form angesetzt, soweit eine solche im Text erwähnt
ist. Andere ws. Formen sind davon durch Beistriche getrennt, außerws.
Formen stehen in Klammern. Auf die wichtigsten dieser sind Verweisungen
aufgenommen worden, doch fehlen diese für leicht auf die altws. Formen
zurückzuführende Wörter, so insbesondere für a neben o vor Nasal (§ 79),
das unter o erscheint, für angl. a statt ws. ea vor l, r + Kons. (§ 84, Anm. 1;
§ 85), für lo neben So, das unter eo aufgenommen wurde, ö (und gleichbedeu-
tendes p, th) ist zwischen d und e eingereiht, v unter u, se als ae. Verba erschei-
nen unter dem Infinitiv, soweit ein solcher besteht oder zu erschließen ist;
normal gebildete Flexionsformen, besonders auch die Stammformen der
starken Verba, sind nicht eigens angeführt. Pronomina sind unter demNom.
Sg. (mask.) angeführt. Nicht besonders aufgenommen wurden mit un-
negierte Formen und Zusammensetzungen mit Vorsilben (besonders solche
mit se-, jt-), wenn die Grundwörter ebenfalls im Texte erwähnt sind. Statt
oe im Text erscheint oe.
ä, aa, ö Adv. 8. 73 A. 1.
174, 3.
äbselsan s. aebyljan.
abbod stm. 50, 1. 197.
äbeowod Part. Prät. 408
A. 15.
*äblon3an stv. 394 A. 5.
äbrecan stv., 3. Sg. Ind.
Präs. äbrycÖ 22 A. 2.
äbreoöan stv., Part.
Prät. äbroöen 384
A. 1, a.
äbrycÖ s. äbrecan.
abütan s. onbütan.
äbyffan swv. 192, 1.
ac, ah Konj. 49 A. 2.
210, 3.
äc kons. Fern. 284 u.
A. 1. 2. 4.
acan stv. 392 A. 1.
acas stf. s. aex.
äcealdian swv. 411 A. 7.
äceosan stv., Part. Prät.
äcoren 306 u. A. 1.
äcraeftan swv. 405 A. 11.
äcsian swv. s. axian.
äcumba swm. 63, a.
äcwinan stv. 382 A. 1, a.
äcwincan stv. 386 A. 1.
äcworren Part. Prät.
388 A. 1.
adela swm. 50 A. 1.
adesa swm. s. adosa.
ädl (äöl, äld) stf. 148
A. 2. 183 A. 201, 3.
252 A. 2. 254, 1.
ädlian swv. 412 Ä. 10.
adosa, adesa swm. 50
A. 1. 142.
adraedan s. ondraedan.
ädrenc(e)an swv. 406
A. 2.
ädrüjian, ädrüwian swv.
214, 8. 412 A. 5.
ädwäesc(e)an swv. 206,
7, c. 405 A. 8; Prät.
Pl. ädwescdon 405
A. 10.
Adzur Eign. s. Atsur.
äö stm. 73. 239, 1, a.
äöer s. ähwaeöer.
ä^ewde Prät. s. öywan.
äöiestrian, äöistri^an
swv. 196, 1.
ädl s. ädl.
äöor s. ähwaeöer.
äöreotan stv. 384 A. 1,
a.
äörüten Part. Prät. s.
*örütan.
ae, aew stf. 8. 134, 2. 173
A. 1, a. 269 u. A. 3.
./Eanfled Eign. 75 A. 1.
.iEanheri Eign. 75 A. 1.
^Eata Eign. 75 A. 1.
aebyljan (äbaelgan) swv.
405 A. 2. 406 A. 1. 2.
aebyl(i)3Ö stf. 31 A. 2.
213 A. 2.
äec s. eac.
sece s. ece.
aecer stm. 14. 50, 3. 152.
153. 207.
aeces stf. s. aex.
acchir s. ear.
äecnösle Adj. 95 A. 9.
aecyrf stmn. ? 267, a.
aeddre s. aedre.
aedeawan s. iewan.
äidij s. eadij.
^dil- s. ^Eöel-.
ä*dr(e), aeddre (eör) swf.
201 A. 7. 229.
äedre Adv. 315 A. 1.
^Eöel-, ^Ethil-, JSdil-
199 A. 1.
aeöele, aeöile (aeppilae)
Adj. 96 A. 4. 159 A. 3.
eeöelinj stm. 50 A. 2. 96,
3, d. 158.
jEöelmer, JEöylmer
Eign. 44 A. 8.
^Ethü- s. 2EöeL.
aeöile s. aeöele.
aeththae s. oööe.
aep^ile s. aeöele.
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W örter Verzeichnis
JEÖylmer s. ASöelmer.
aef- Adv. 61. 143.
sefdeell b. ofdele.
»fen (efen, efem) stm.
237 A. 2. 248, 2 u.
A. 2.
«f(e)nian swv. 414 A. 3.
«f(e)st (efest) stf. 43
A. 4. 159 A. 3. 186
A. 3. 192 A. 5. 266.
«fnan, efnan swv. 96, 2.
193 A. 404 A. 1, b.
ffifst s. «fest.
«ftemeesta, -mesta Sup.
158.
«fter Adv. Präp.;
Komp. «ft(e)ra, ®f-
terra 161 A. 231, 4.
314 A. 1. 328.
«fterfyljend kons.
Mask. 286 A. 3.
«fwerdla swm. 106 A. 4.
iej kons. Neutr. 73. 175,
_ 2. 176, _3 u. 4. 289, 1.
ffijöer s. asjwhaeöer.
«sen s. äsen.
«3-flota swm. 289, 2.
«shwä (ejhwä) Pron.
347 u. A. 2.
«3hw«öer, jejöer (§3-
öer) Pron. 97 A. 1.
214 A. 6. 347.
«3hw«r Adv. 321 A. 2.
«3hwelc, -hwilc (-hwcelc,
ejhwelc, -hwoelc,
eihwelc, cejhwelc)
Pron. 97 A. 1. 214,
2 u. A. 6. 347 u. A. 2.
«3hwider Adv. 321 A. 2.
«jhwilc s. schwele.
«3hwonan Adv. 321A. 2.
«3ur s. easor.
«3-weard stf. 289, 2.
zEhcha Eign. 220 A. 1.
«h(h)er s. ear.
ächt stf. 269.
«ht- Num. s. eaht-.
«I (eil) stm. 62 A. 4.
«Ian swv. 405 A. 1.
«Iaö s. ealu.
«Ibitu stf. s. ielfetu.
«Ic (elc, h«lc, celc, yle)
Pron. 43 A. 4. 97 A. 1.
217 A. 1. 347 A. 1;
«Ice d«3 237 A. 2.
«Idra, «Idest Komp.
Sup. s. eald.
«Ido, -u s. ieldu.
«lÖeodis s. elöeodij.
«led stm. 244, 1.
«lf s. ielf.
^Elföryö Eign. 199 A. 1.
2Elf(h)elm Eign. 217.
^Elf(hjero Eign. 217.
2Elfred, -ryd Eign. 44
A. 8. 62 A. 3. 96 A. 6.
ZElfuini Eign. 263 A. 5.
«]lef(ne) s. endleofan.
«llefta s. enlefta.
«Imeslie, elmestlic Adj.
196 A. 3.
«Imi(e)hti3 (almecti3,
allm«hti3, almahtij,
eallmihtij, elmehtis)
Adj. 85 A. 3. 96 A. 4.
119 A. 2. 5. 120 A. 5.
159, a. 167 A. 1. 221
A. 1.
«lt«we Adj. 63, b.
«merse swf. 95 A. 2.
176, 2.
«nd s. ond.
and- Num. s. end-,
«ndian s. «rndian.
«ne Instr., «nes Gen. s.
än.
«ne, «nes Adv. 331.
®n3el s. en3el.
äni(3) Adj. 97. 214, 5.
348, 1; äni3e Öin3a
Adv. 237 A. 2. 320.
«ni3e s. änie3e.
«iilefan s. endleofan.
änlic, änlic Adj. 95 A. 1.
änliepe, 43 s. än-.
£enne Akk. s. än.
«niht Pron. 95 A. 1.
_ 348, 1.
«nin3a, -uma, anin^a
Adv. 318 A.
«nlyfta s. enlefta.
Aüodbald Eign. 75 A. 1.
TEosteruini Eign, 75
A. 1.
«ppel stm. 10. 154. 189.
273 u. A. 2. 3.
«ps s. ®sp(e).
«r Adj. Adv. 313. 323.
«ree- s. arce-.
«rende stn. 95 A. 2.
248, 1.
«rendwreca (-wreoca,
-wreaca) swm. 110
A. 1.
®rest(a) Sup. 161. 196,
1. 313. 328; seiest
Öin3a Adv. 320.
«rfe s. ierfe.
«rist stmf. 266 u. A. 1.
269 u. A. 4.
«riest s. ärleast.
«m (ren) stn. 43, 3. 84
A. 3. 96 A. 7. 179, 1.
man swv. 84 A. 3. 96
A. 7. 405 A. 1.
«rndian swv. 158 A.
180.
«rra Komp. 313. 328.
«s stn. 232.
«sc stf. ‘Esche’ 96, 2.
«sc stf. ‘Axt’ s. «x.
»scörote swf. 278 A. 1.
«sce swf. ‘Asche’ s. axe.
«sce swf. ‘Verlangen’
206, 7, c.
«sil s. h«sel.
«spe swf., »sp, «ps
stfm? 96, 2. 204, 3.
«spryn3 stmf. 266 u.
A. 1.
«t Adv., Präp. 51. 52
A. 1.
»t Prät. Sg. s. etan.
«tcliöan stv. 382 A. l,b.
at3«dere Adv. 50 A. 2.
91 A. 3. 212.
«tyä-ru stf. 257 A. 1.
273 A. 4.
«thwä Pron. 347.
«tiede Prät. s. iewan.
«twltan stv. 382 A. 1, a.
«w s. «.
«w-f«st Adj. 126 A. 2.
aex, »sc («ces, acas)
stf. ‘Axt’ 204, 4. 209.
258, 2.
«x ‘Achse’ s. eax.
äfearra Imp. s. feorrian.
äfestnian s. fiestnian.
äfierran, äfirran, äfyr-
ran bwv. 83 A. 107.
178, 2. 405, 3.
äflian s. afli(e)3(e)an.
äfli(e)3(e)an, äflian swv.
31 A. 3. 214, 5. 405
A. 2.
afön s. onfön.
afora (eafora) swv. 109
A. 1. 142.
äfyrhtan swv. 405 A. 11.
äfyrran s. äfierran.
Wörterverzeichnis
383
ä3an Vb. prto.-präs. 232.
420, 2 u. A. 2. 3.
äjaelwan swv. 408 A. 9.
ajen, äsen Adj. 141, 2.
158. 159, a und A. 2.
217 A. 1. 231 A. 3.
378 A. 1.
äsend kons. Mask. 286.
äjeofan s. äsiefan.
äsehwser Adv. 321 A. 2.
ä3lfeca, ähkeca swm. 214
A. 3.
äsnese, -eö, -aö s. ä3-
nian.
äsnian, ähnian (äsnisan,
äsnese) swv. 214 A. 3,
412 A. 5. 6. 9. 414
A. 2.
ä3sian s. äxian.
äsyltan swv. 405 A. 11
ah s. ac.
ählieca s. ä3keca.
ähneopan stv. 384 A.
2.
ähnian s. äsnian.
ähsian s. äxian.
äht s. äwuht.
äht 2. Sg. Ind. Präs. s.
äsan.
ä-idlian swv. 6 A. 2.
ähwä Pron. 346.
ähwseöer, äwöer, äuöer,
äöer, äöor Pron. 73
A. 1. 218 A. 2. 346.
ähwser, äwär, äwer
Adv. 43 A. 4. 62 A. 3.
218A. 2. 321A. 2.
ähwset Pron. 346.
ähwylc Pron. 346.
ähxsian s. äxian.
ähyöan swv. 405 A. 5.
alan stv. 392 A. 1.
äld s. ädl.
aldasian s. ealdian.
aldormonn kons. Subst.
281 A. 2.
Alduini Eign. 263 A. 5.
älesan s. äliesan.
äliefan swv. 405 A. 1.
äliesan, älesan, älysan
swv. 406 A. 6.
allmaehtis, almahti3,
almechttis s. selmih-
ti3.
aloö Gen. Dat. Sg. s.
ealu.
alor stm. 289, 2.
älysan s. äliesan.
am s. eom.
äm (aam, haam) Subst.
217 A. 1.
aman3 s. onsemons.
ambect, ambeht stmn.
221 A. 1.
ämerian swv. 400 A. 1.
än Nurn., Gen. Mask.
eenes, Akk. senne,
enne, Instr. äne, G.
D. fern, äre 97 A. 2.
138, 3. 159, b. 188
A. 5. 237 A. 1. 2.
324, 1. eene siöa Adv.
237 A. 2. 320.
ancsum s. onssum.
ancxsumnys s. on3sum-
nes.
andfense, andfencse
Adj. 206, 7, c. 215
A. 2.
andsyn s. onsien.
andustri3a swv. 412
A. 9.
andwerd Adj. 43, 3.
andwliota, andwlata
swm. 43, 2.
andwyrdan swv. 359,
2.
anea3e s. aniese.
änfeald, -fald Adj. 330
u. A. 1.
äniese, änea3e, seni3e
Adj. 95 A. 3 u. 9.
änin3a s. senin3a.
änläpe, änläpum, änle-
pum s. änliepe.
änlic s. senlic.
änliepe, ien- (änläpe)
Adj. 95 A. 3. 217;
(änläpum, -lepum
Adv.) 329 A. 3.
änliepis, een- Adj.
95 A. 3. 329 A. 3.
änun3a s. senin3a.
apuldre stf., apulder, -or
stm. 109. 152 A. 2.
är ‘Bote’ stm. 273.
är ‘Ehre’ stf. 44 A. 6.
148, b. 252 u. A. 4.
276 A. 4, a.
arc, eare (erc) stmf. 84
A. 1. 120 A. 2.
arcebiscop, aerce- stm.
84 A. 1.
arö 2. Sg. Ind. s. eom.
ars Adj. 84 A. 1.
arsnisse, arosnisse stf.
164.
arn Prät. Sg. zu iman.
ärian swv. 411 A. 7. 412
A. 5. 8.
ariht s. onriht.
äriosun Prät. Pl. s.
ärisan.
ärisan stv., Prät. Pl.
äriosun 382 A. 1, a.
ärleast, serlest fern. 95
A. 3.
arod Adj. 109.
arosnisse s. arsnisse.
asce s. axe.
äscian s. äxian.
äsciellan, äscylian swv.
400 A. 1, a u. 2.
äsclacad Part. Prät. s.
äslacian.
äseyfeö 3. Sg. Präs. Ind.
s. scüfan.
äscylian s. äsciellan.
As3out Eign. 26 A.
äseolcan stv. 85 A. 6.
366 A. 3. 387 A. 2.
äseowen, äsiwen Part.
Prät. s. seon stv.
‘seihen’.
äslacian swv. 210,1. 413
A. 1.
assa swn. 10. 50, 1. 202.
ässe swf. 10.
ästee3un Prät. Pl. zu
•stisan.
ästeapte Prät. Sg. zu
ästiepan.
ästiepan swv. 35 A. 1.
405 A. 8.
ästrehte Prät. zu -strec-
c(e)an.
ästyfecian swv. 411A. 6.
äswö3an stv. 396, 2, b.
äswefecian swv. 411
A. 6.
at s. ot.
atelic, atelucost s. atol-
lic.
ätiara swv. s. teoran.
at(t)ol Adj. 10. 50, 1.
109 u. A 1. 158.
atollic, atelic Adj.; Sup.
atelucost 43, 3. 231,4.
ätor, attor, ätur, ätr
stn. 138, 1. 152. 153
u. A. 229. 244, 1.
384
Wörterverzeichnis
Atsur, Adzur, Azur
Eign. 204 A. 7.
attol s. atol.
attor, ätur s. ätor.
äuöer s. ähwseöer.
äuht s. äwuht.
ä-uman stv. 6 A. 2.
auuaerdid Part. Prät. zu
äwierdan.
äuunden Part. Prät. zu
äwindan.
äwär s. ähwier.
äwaerdan s. äwierdan.
äwöer s. ähwseöer.
awej s. onwej.
awel, awol (äwel) stf.
10. 63 A. 2. 141 A. 3.
äwer s. ähwser.
äwergan s. wierj(e)an.
äwerijdon Prät. Pl. s.
wierj(e)an.
äwestan swv. 405 A. 11.
406 A. 3.
äwierdan, äwardan
swv. 96, 4. 405 A. 11.
406 A. 7.
awiht s. äwuht.
äwcendad Part. Prät. s.
-wendan.
äwoerjede Prät. Sg.,
äwcerigdon Prät. Pl.
s. wier3(e)an.
awol s. awel.
äwuht, äwiht, äuht, äht
6 A. 1. 73 A. 1. 344, 3
u. A. 3.
axe, asce, aesce (Pl. eas-
can,escan)swf.‘Asche’
50 A. 6. 109. 204, 4.
209 u. A.
äxian, äcsian, äjsian,
ähsian, ähxsian, äh-
xian, äscian swv. 204,
4 u. A. 2. 209 u.
A. 411 A. 6. 412 A. 4.
a-ytan swv. 6 A. 2.
Azur s. Atsur.
bä s. bejen.
bacan stv. 368 A. 4.
392 A. 1.
Badheard Eign. 168
A. 1.
Badufriö Eign. 168 A. 1.
Badu- s. auch Beadu-.
bsec stn. 240.
baecere stm. s. biestere.
baecestre stf. 161. 276
A. 5. 278.
biecon s. beacen.
bcedan swv. 405 A. 3.
bsedzere s. btestere.
baeö stn. 240.
bseftan Adv. 127 A. 4.
b®3 s. be&3.
baer Adj. 294.
beerende Part. Präs. s.
heran.
baerlic stmn. 210, 3.
baman (bernafn]) swv.
84 A. 3. 96 A. 7. 405,
1. 406 A. 2.
baemet stm. 248 A. 2.
baeso s. basu.
baestere, baacere, baed-
zere, baezere stn. 204,
5 u. A. 7.
bäetan swv. 405 A. 8.
baezere s. baestere.
balca swm. 85 A. 3. 159
A. 8.
Balthhaeardi, -hardi
Eign. 201 A. 2.
ballice s. bealdlice.
balsam, balzam 204 A. 7.
balu s. bealu.
bän stn. 239, 1, b.
-barht s. -beorht.
bam Prät. Sg. s. birnan.
basu (baeso, beoso, beo-
su, besu, baso) Adj.
109 A. 2^300 u. A.
beacen, beacn, beanc
(becen, baecon, becon,
-un, bene) stn. 119 u.
A. 2. 5. 121. 152. 155.
243 A.
beada s. beodan.
Beadu-, Badu- 109.
beadu stf. 109 A. 1. 148,
d. 173; flekt. beadwe
usw., beadowe usw.
173. 228 A. 3. 260 u.
A. 1; Pl. auch beadu-
wa, -owa 165, b.
beadurinc stm. 168.
beaj, beah (beß, baes)
stm. 75. 119 A. 2 u. 5.
121. 214, 1.
beald (bald) Adj. 201,
2.
-beald (-bald) 43, 2.
bealdlice (baldliee, bal-
lice) Adv. 198, 3.
bealh Prät. Sg. s. bel-
3 an.
bealu (balu) stn.; flekt.
bealwes, bealowes,
beahiwes, Pl. bealewa
usw. 109 A. 8. 148,
d. 165, b. 249 u. A. 1.
beanc s. beacen.
beara stv. s. beran.
beat3, bearu3 (ber3)
stm. 120. 164.
-bearht s. -beorht.
bearma (bierme) swm.
35 A. 2.
beam (bam, beom) stn.
35 A. 1. 84 A. 1. 137,
3. 239, 1, b.
bearna s. birnan.
bearu stm. 109 A. 8.
148, d. 174, 2. 249 u.
A. 1.
bearus s. bear3.
beatan stv. 77. 366 A. 3.
371 A. 3. 396, 2, a;
(Prät. Pl. beoftun)
394 A. 2.
beaw stm. 250, 1.
beb(e)r, -ir s. beofor.
beblöd(e)sian swv. 410
A. 5
bec Pl. s. böc.
brecca s. brecan.
becen s. beacen.
beclysan swv. 405 A. 1.
becnan swv. s. biecnan.
becon, becun s. beacen.
bed(d) stn. 231, 1. 247.
bedffihte Prät. 407 A. 12.
bedecian swv. 411 A. 6.
beöian swv. 400 A. 2.
be eastan Adv. 321.
beforan Adv. 321.
bej s. bea3.
be3 Prät. Sing. s. bü3an.
be33en s. be3en.
be3en, bü, bä (böeje, -o,
bejjen) Num. 69. 324
A. 2.
bejeond, -a(n) (be-
jeanda, bijienda)
Adv. 92 A. 5. 188, 2.
338 A. 6.
behindan (behionda,
-ia-) Adv. 111 A. 5.
188, 2.
behöfian swv. 411 A.
6.
Wörterverzeichnis
385
behöflic (booflic) Adj.
217.
behyldanswv. 405A. 11.
belagen Part. Prät. s.
lean.
belg s. bielg.
belgan stv. 213. 214, 1.
387 A. 1.
belig, -es s. bielg.
belifan stv. 382 A. 1, a.
bellan stv. 387 A. 1.
ben stf. 258, 1.
ben (bcen) stf. 269.
benseman swv. 80 A. 2.
405 A. 1.
bene stf. 269.
bene s. beacen.
bend stmf. 266 u. A. 1.
bendan swv. 405 A. 11.
beneah Vb. prto-präs.
423, 10 u. A. 3.
beneoöan, benioöan
Adv. 321.
beo, bio (bia) swf. 130,
1. 278 A. 2.
beod stm. 77.
beodan (beada) stv. 35
A. 1. 38 A. 2. 40. 371
A. 4. 384, 1.
beodem stn. 43, 3.
beofian s. bifian.
beofor (bebr, bebir, be-
ber, bebor) stm. 110,
1. 152 A. 2.
beoftun Prät. Pl. s. bea-
tan.
beon, bion Vb. subst. 22
A. 2. 130, 1. 350, 1. 2.
427, 2 u. A. 5-8.
beora(n) s. beran.
beorcan stv. 388 A. 1.
-beorg (-bei3) 120 A. 1.
beor3, beorh (-beng)
stm. 164. 214, 1.
beorgan (bergan) stv.
181, 1. 213. 388 A. 1
u. 3.
-beorht (-berht, -beacht,
-barht, -birht, -byrht,
-bericht, Berecht) 43,
2 u. A. 2. 120 A. 1
u. 5. 122 A. 3. 164.
179, 2.
beorht (berht, breht)
Adj. 120. 166. 179,
2. 221, 1.
beorhtnian (geberht-
nia[n]) swv. 166. 412
A. 7.
beorhtnis (berhtnis,
brehtnis) stf. 166.
beom stn. s. beam.
beoman s. birnan.
Beornice Eign. Pl. 264.
beosu s. basu.
beot stn. 43 A. 4. 130,
2.
beow stn. 250, 1.
bepsec(e)an swv. 407
A. 9 u. 10.
beran (beorafn], beara)
stv. 54. 63, a. 110, 2
u. A. 1. 148, c. 150,
3. 186 A. 3. 199 A. 4.
296 A. 1. 370 A. 1
u. 3. 371 A. 2. 3. 6. 7.
390. 391 A. 4 u. 5.
berc stf. 120 A. 4.
berct s. beorht.
bere stm. 141, 1. 147,
b. 182. 261. 263, 1 u.
A. 4. 288 A.
Berecht s. -beorht.
berefan swv. 360 A. 1.
berern, bereu, bern stm.
43, 3. 161 A.
ber3 s. bearg.
-berg s. -beor3.
ber3an stv. s. beorgan.
bergan swv. s. biergan.
-berht s. -beorht.
berht Adj. s. beorht.
berhtnis s. beorhtnis.
berian swv. 400 A. 1.
-bericht s. -beorht.
berie swf.; D. Pl. ber-
3eum 175, 2.
beriepan swv. 405 A. 8.
berig s. bcor3.
bern s. berern.
bema(n) s. bsernan.
Bernhard, -haerd Eign.
43 A. 2.
berstan stv. 84 A. 3.179,
1. 359, 3. 389, 1 u.
A. 2.
besaeh Imp. s. seon
‘sehen’.
beserode Prät. s. sier-
wan.
besmitanstv. 382 A. l,a.
besu s. basu.
bet Komp. Adv. 147
A. 1. 182. 323 u. A.
betan (bceta) swv. 405
A. 8 u. 10. 406 A. 6.
bete swf. 66 A. 2.
betra, -est(a), -st(a),
-ost; bettra, bezt Adj.
Komp. Sup. 161 A.
204 A. 7. 228 u. A. 1.
312 u. A. 1.
betuih, betuh s. be-
tweoh.
betux s. betweox.
betweoh, -io-, bct(w)uh
(betwyoh, -twih) Adv.
Präp. 86, 5. 114 A. 4.
119. 173. 329 A. 1.
betweon (-a, -um), -io-
(bitvin, -tuen, bi-, be-
twien, -twinum, -tu-
ihn, -tuichn, -tuicn)
Adv. Präp. 86, 5.
119 u. A. 2. 130, 2.
218, 2 u. A. 5. 329
A. 1.
betweox, bet(w)ux
(•twix, -tw$x) Adv.
Präp. 114 A. 4. 173.
204 A. 4. 209. 329 A. 1.
beweddian swv. 414
A. 4.
bewitian (-wiotian) swv,
114 A. 6. 411 A. 7.
bezt s. betra, -est(a).
bi, big Präp. 24 A. 137,1.
bia swf. s. beo.
bicg(e)an s. bycg(e)an.
bicnan s. biecnan.
bidan stv. 201, 4. 359,
3. 376 A. 382 A. 1.
biddan stv. 56. 197. 198,
4. 201, 4. 355 A. 2.
357 A. 3. 358 A. 5,bu.
7. 359, 2 u. A. 2. 367,
1. 372 u. A. 391, 3 u.
A. 11. 410 A. 5.
bi(e)cnan (becnan) swv.
106. 358 A. 4. 404 A.
1, c.
bieg(e)an s. big(e)an.
bielg, byl(i)g (belg, belig-)
stm. 96 A. 6. 164. 165,
a. 266.
bieme swf. 276 A. 4, b.
278.
*bierg(e)an, byrg(e)an
(bergan) swv.; (bir-
gan) stv. 105 A. 2.
405 A. 2.
386
Wörterverzeichnis
bierhtu, birhtu, -o fern.
83 A. 120 A. 4.
bierme s. bearma.
bieman s. biman.
bifian, beofian swv. 111
A. 1. 411 A. 7. 412
A. 10. 417 A. 5 u.
12, a.
big ®* bi-
bis(e)an, bies(e)an,
bys(e)an swv. 31A.3.
405 A. 2.
bisensa, bissensa swm.
24 A.
bis(e)ons (biions) stm.
92 A. 4. 212 A. 1.
bisienda s. beseond(an).
bihionda, -ia- s. be-
hindan.
bilede Prät. s. Isewan.
bileofa, biliofas wm. 111.
bilkettan swv. 120 A. 6.
binteman swv. 80 A. 2.
bindan stv. 45, 2. 5 u. A.
6. 56. 79 A. 2. 137, 3.
148, c. 150, 1. 3. 190.
198, 4. 204 A. 6. 355.
356. 357. 358, 1 u. A.
2. 360, 1. 2. 361. 363,
1.3 u.A. 1.3. 365.366,
1. 2. 367, 1. 368, 1.
386, 1 u. A. 4.
binn stm. 273 A. 1.
binna(n) (bionna) Adv.
111 A. 5.
biorna s. biman.
birce (byric, birciae) swf.
83 A. 120 A. 4. 165, a.
206 A. 8.
bird stm. s. brid.
birgan s. biers(e)an.
-birht s. -beorht.
birhtu s. bierhtu.
biman, bieman, byman
(beoma[n], beama,
biorna) stv.; Prät.
bam, bom, bearn
22 A. 2. 35 A. 1. 79
A. 2. 84 A. 3. 179,
1. 231 A. 1. 386
A. 2. 3.
bisc(e)op stm. 56 A. 2.
189 A. 1. 204 A. 3.
biscerian swv. 409 A. 1.
bisiudi Part. Prät. s.
seowian.
bismerian, bismrian
swv. 411 A. 7. 413
A. 3; (Part. Prät.
bismsersedu) 364 A. 4.
bisnian swv. 413 A. 3.
bispel, bisspel stn. 24 A.
bitan stv. 201, 4. 382 A.
1, a.
bite stm. 56. 263, 1.
biter, bitter, bitor, -ur
Adj. 44 A. 8.152 A. 2.
228 u. A. 1. 296.
bituen, bitven, bituichn,
bituicn, bituihn s. be-
tweon.
bitmh s. betweoh.
bitulaswn. 119 A. 8.
bitwien, bitwion s. be-
tweon.
Biuuulf Eign. 78 A. 1.
blae, blaec Adj. 294 u.
A. 1.
blaed stn. 240.
blsedre, blaaddre swf.
138, 1. 229.
bläwan stv. 63 A. 2. 77.
396, 3, b; (Prät.
bleuu, blewun) 89.
396 A. 10; (blefla?)
394 A. 2.
bledsian s. bletsian.
blefla Prät. s. bläwan.
blendan swv. 405 A. 11.
bleo, blio, bleoh stn. 78.
130, 1. 223 A. 2. 247
A. 2.
bler-is(e)a, bler-ia Adj.
214, 5.
bletsian, bledsian (blced-
sija) swv. 138, 2. 198,
4. 203 A. 411 A. 6.
412 A. 6.
blewun Prät. Pl. s. blä-
wan.
blican stv. 382 A. 1, a.
blice stm. 263, 1.
blicet(t)an swv. 231, 4.
403 A.
bilde Adj. 299. 302 A. 1.
bliös, bllss stf. 201, 7.
203 A. 258, 2.
bliösian, blissian swv.
138, 2 u. A. 411 A. 6.
412 A. 10.
blind Adj. 56.
blöd stn. 190.
blöd(es)I®s, blödkeswu
stf. 260 u. A. 3.
blcedsija s. bletsian.
blondan stv. 394 A. 5.
blötan stv. 396, 2, b.
blöwan stv. 173. 396,
3, a.
böc, Pl. bec (biSc) kons.
Fern. 8. 27 A. 69. 101
u. A. 1.206A. 9. 283.
284 A. 1. 2. 4.
böcere, böere stm.
248, 1.
boda swm. 25, 1. 58.
bodei s. bodij.
bodian swv. 360 A. 1.
411 A. 6. 412 A. 2.
4. 6. 413 A. 3.
bodij (bodei, bodej) stn.
44 A. 6. 95 A. 5. 126
A. 3. 141, 4. 150, 3.
214, 2.
boöl s. botl.
bcec Pl. s. böc.
bcedte Prät. s. betan.
böe3o s. be3en.
bien. stf. s. ben.
bceta swv. s. betan.
bö3, bÖ3h stm. 214 A. 6.
bo3a, bowa swn. 214, 8.
bö3an swv. 415, a.
bösincel stn. 248 A. 4.
bold s. botl.
bona, bana swm. 277.
bonnan, bannan stv.
396, 1.
booflic s. behöflic.
bor Subst. 137 A. 6.
borettan swv. 357 A. 2.
bom Prät. s. biman.
bösm, bösum stm. 156.
botl (boöl, bold) stm.
154. 160. 183, 2, a.
201, 3u. A. 4.
botm stm. 156. 201 A. 7.
bowa s. bo3a.
box stm. 60 A. 3.
bräd Adj., Komp, brä-
dra, bräidra 307.
bräedan swv. ‘braten’
405 A. 3.
briedan swv. ‘breiten’
97 A. 1. 405 A. 3. 406
A. 3.
breedra Komp. s. bräd.
breed'panne (bredipan-
nae, breitipannae)
swf. 62 A. 4. 94 A.
brseduFem. 280.
Wörterverzeichnis
387
brsejden Adj. 96, 2.
breembl, brembl, bremel
stm. 101 A. 3. 138,
1.
brtes stn. 179 A. 2.
bräew (breaw, brej) stm.
87 A. 98. 126, 1 u.
A. 2. 213 A. 1. 214
A. 6. 266 u. A. 4.
Brandinj Eign. 95 A. 5.
bread stn., PL breadru
289 A. 3.
breard s. brerd.
breaw s. brsew.
brecan (brecca, breocan)
stv. 49. 52. 63, a. 110
A. 1. 366 A. 4. 370 A.
3. 371 A. 2. 378 A. 1.
390 A. 1.
bredan s. brejdan.
bredipannae s. br£d-
panne.
breer stm. 8.
brefian swv. 192, 2.
brej s. brsew.
bre3dan, bredan stv. 59
A. 3. 214, 3 u. A. 9.
359 A. 3. 389, 1 u. A.
1.
brega, -o (brec^o) stm.
110, 1 u. A. 1. 271.
breh3e s. brsew.
breht s. beorht.
brehtnis s. beorhtnis.
breitipannae s. brräd-
panne.
brembl s. brsembl.
breme Adj. 299.
bremel s. brsembl.
bren3(e)an swv. 407 A.
8; s. auch brin3an.
breocan s. brecan.
breo3o s. bre3U.
breosa, brfosa swm. 78.
breotan stv. 384 A. 1.
breowan stv. 384 A. 1.
brerd (breard, briord)
stmn. ? 83 A. 288 A.
bret 3. Sg. Präs. Ind. s.
bre3dan.
brid (bird) stm. 179, 1.
bridels stm. 238 A. 2.
-briht s. -beorht.
brii3 s. briw.
brim stn. 241.
brin3an etswv.; Prät.
bröhte 26. 80 A. 1.
181, 1. 190. 215. 359
A. 5. 407, 1 u. A. 8;
s. auch bren3(e)an.
briord s. brerd.
britt 3. Sg. Ind. Präs.
s. bre3dan.
briw (brÜ3) stm. 126, 1.
213 A. 1. 250 A. 2.
bröc kons. Fern. 284.
brocian swv. 414 A. 2.
broden Part. Prät. s.
bre^dan.
brööor, -er, -ur kons.
Mask. 44 A. 3. 4. 45,
7. 145 A. 2. 285 u. A.
1. 3, b.
brö3a swm. 276 A. 4, a.
277.
brord stm. ? 83 A.
brü; G. D. PI. brüa, -um
und brüwa, -um, stf.
255 A. 4.
brücan stv. 71. 103. 126
A. 4. 206 A. 9. 385 u.
A. 3. 4.
brudon Prät. PI. s.
bre3dan.
bryce stm. 263, I.
bryce Adj. ‘brüchig’
147, a. 302.
bryce Adj. ‘brauchbar’
302 A. 1.
bryc3 stf. 258, 1.
bryd stf. 103. 269.
brydlöp Subst. 26 A.
bry3d stm. 266.
bryne stm. 263, 1.
brytofta fern. Pl. 201, 4.
brytt 3. Sg. Präs. Ind.
s. bre3dan.
brytta swm. 276 A. 1.
bü s. be3en.
büan (bya) Vb. 71. 132
u. A. 1. 286. 355 A.
3. 396 A. 8. 417 A. 9.
bucca swm. 58. 226. 276
A. 4, c. 277.
budda swm. 228 A. 2.
bufan Adv. 127 A. 4.
bü3an stv. 214 A. 2. 385
A. 3.
buiris s. byres.
bune swf. 278.
burj, burh, buru3, bu-
ruh, auch byrij, byrj
kons. Fern. 60. 102.
164. 165, b. 213 A. 2.
214, 1 u. A. 6. 284 u.
A. 1. 2. 4.
burna swm. 179, 1. 231
A. 1.
butan Adv. 127 A. 4.
butor stm. 141 A. 3.
bya s. büan.
byc3(e)an, bicj(e)an
swv. 31 A. 2. 407, 1 u.
_A. 1. 410 A. 5.
bycnan s. biecnan.
byden stf. 254, 2.
bydla (bylda, bytla)
swm. 201, 3.
byöme s. bytme.
byje stm. 263, 1.
bys(o)an s. bi3(e)an.
bylda s. bydla.
byldan (bytl(i)an) swv.
160. 183, 2. 201, 3.
404 A. l,b. 405 A. 11.
byli3 s. biel3.
byröen stf. 149, 1. 161.
231, 4. 258, 1.
byre stm. 263, 1.
byrele s. byrle.
byres (buiris) stf. 94 A.
byr3, byrij s. burj.
byr3(e)an swv. ‘kosten’
s. biet3(e)an.
byr3(e)an, byri3(e)an
swv. ‘begraben’ 165,
a. 405 A. 2.
byr3en, byri3on stf. 165,
a. 258, 1.
-byrht 8. -beorht.
byrian swv. ‘gebühren’
400 A. 1.
byric s. birce.
byrle, byr(e)le stm. 149
A. 3.
byman s. birnan,
byrst stm. 266.
bysen stf. 269.
bytla s. bydla.
bytl(i)an swv. s. byldan
bytme (byt(h)nc, byö-
me) Subst. 201 A. 7.
Gasfester Subst. 91 A. 2.
96, 3.
0x3 stf. 175, 2. 258 A. 7.
276 A. 5.
cselca(n) swv. 406 A. 6.
cffilf s. cealf.
cseppe swf. 91 A. 2. 189.
caerra(n) swv. s. cierran.
388
Wörterverzeichnis
caerse swf. 179, 1. 231
A. 1.
caestre stf. s. ceaster.
calan stv. 91 A. 3. 357
A.2.368A. 4. 392 A.l.
cald s. ceald.
cälend stm. 12. 73 A. 3.
calfur G. Sg. N. Akk.
PI. s. cealf.
calic stm. 207 A. 2.
calu Adj. 300.
calwer (caluuer) m. 171
A. 1.
Cantware Subst. 95 A.
4. 252 A. 3.
carcem (cearcem) stn.
84 A. 1. 120 A. 2. 206
A. 9.
carjäst stm. 167, d.
caru, cearu stf. 108 A. 4.
252 A. 4. 253.
cäsere stm. 207. 248, 1.
cassuc stm. 10.
caul, cawl stm. 6 A. 1.
ceace, cece Fern. 91, b.
ceaf stn. 36. 91, a. 109
A. 8. 240 A. 3.
ceafer, -or (cefr) stm.
109 A. 8. 152 A. 2.
153 A.
ceafias stm. Pl. 91, a.
183 A.
ceahhettan swv. 220.
228 A 3
ceald (cald) Adj. 198, 2.
207.
cealf (ca?lf, celf); Pl.
calfur kons. Neutr.
123.141,1.147,b.182.
289, 1 u. A. 1. 2.
cealfädl stf. 183 A.
cealfre swf. 192, 2.
ceapian swv. 411 A. 6.
cearcem s. carcem.
cearian swv. 108 A. 4.
ceari3 Adj. 108 A. 4.
cearu s. caru.
ceaster (ceastre, caestre,
cester) stf. 35 A. 2. 91,
a u. A. 1. 123. 148
A. 2. 153. 206 A. 9.
252 A. 1. 254, 1.
cece s. ceace.
cede Prät.; ceö 3. Sg.
Präs. Ind. s. ciejan.
ceder stn. 197. 207 A. 2.
cefes s. ciefes.
cefr s. ceafor.
eejan, ceija s. ciejan.
celan swv. 405 A. 1.
cele s. ciele.
celf s. cealf.
celic stm. 207.
cel(l)ondre swf. 100.
cemban swv. 405 A. 4.
cempa swm. 276 A. 4,
b. 277.
cen stm. ? 66. 205 A. 1.
eene Adj. 299.
cennan swv. 19, 2. 207.
405, 3.
Cent Subst. 95 A. 4.
284 A. 7.
ceo (ciae, chyae) swf. 133,
2. 278 A. 2.
ceole swf. 91 A. 8. 111
A. 8. 278.
ceon (cian) swmf. ? Pl.
277 A. 2.
ceorfanstv. 91 A. 7. 123.
388 A. 1 u. 6.
ceorian swv. 111 A. 8.
411 A. 6.
ceorl, ciorl stm. 84 A. 5.
91 A. 7.
*ceorran stv. 388 A. 1.
ceosan stv. 35 A. 2. 42.
75. 77. 107. 125 A. 2.
181, 2. 201, 6. 202.
207. 234. 296 A. 1.
359, 7. 8 u. A. 8. 366
A. 4. 371 A. 2 u. 6.
384, 1; Prät. ces (cies)
35 A. 2. 123; (Prät.
Opt. cease, PI. ceason)
384 A. 7.
ceowan stv. 384, 1.
cepe stm. 91 A. 4.
cepan swv. 405, 4.
cerd Prät. s. cierran.
cerf Prät. s. ceorfan.
cerra(n) swv. s. cierran.
Cert On. 284 A. 7.
ces Prät. s. ceosan.
cese stm. s. ciese.
cest stf. s. ci(e)st.
cester stf. s. ceaster.
cetel s. cietel
chyae, eise s. ceo.
cian s. ceon.
cicen stn. 119 u. A. 3.
162. 244, 2.
cidan swv. 405 A. 3.
ci(e)fes, cyfes (cefes) stf.
91, a. 105. 254, 2.
258, 1.
cl(e)3an, cy3an (ce3an)
swv. 31 A. 3. 75. 91 A.
4. 126, 2. 129 A. 2. u.
5. 173 A. 2. 175, 2.
176, 3. 4 u. A. 4. 403.
408 A. 12. 409. 410
A. 1 u. 5.
ci(e)le, cyle (cele) atm.
91, a. 263, 1.
ei(e)pan swv. 405 A. 8.
ci(e)rm stm. 83 A. 120
A. 4. 266.
ci(e)rr stm. 266.
ci(e)rran (cerrafn], caer-
ra[n]) swv. 96 A. 6.
178, 2. 358 A. 7. 405
A. 6 u. 7. 406 A. 1.
409 A. 2.
*ci(e)se, cyse (cese) stm.
91, b. 98 A. 1. 206 A.
9. 207.
ci(e)st (cest) stf. 207.
ci(e)tel, cytel, cetel stm.
91, a. 159 A. 3. 207.
cifes s. ciefes.
cild kons. Neutr. 137, 3.
206 A. 9. 207. 289 A.
3.
cilic stm. 207 A. 2.
Cillincs Eign. 215.
cinan stv. 382 A. 1, a.
cininj s. cynin3.
cinn s. cynn.
cinu swf. 278 A. 1.
ciorl s. ceorl.
cipe swf. 66 A. 2.
circul stm. 207 A. 2.
ciricböc Fern. 167, c.
cirice, cyrice swf. 22 A.
2. 206, 2. 207.
cirm s. cierm.
cimel stn. 83 A. 120
A. 4.
cirpsian swv. 204, 3.
claxior, clader (claedur,
cleadur, cledr) stm.
109 A. 2.
claedur s. clador.
claeöan swv. 405 A. 5.
cl&3 stmf. ? 73. 175, 2.
176, 3. 4.
cläene Adj., Adv. 298 A.
3. 315.
cleensian, claensnian,
claesnian, cläsnian
Wörterverzeichnis
389
swv. 185. 186, 2. 203
A. 411 A. 6. 412 A. 5.
414 A. 3.
cläm D. Pl. s. clea.
cläsnian s. cläensian.
clauster 6 A. 1.
clauuo s. clea.
clawan stv. 392 A. 1.
clawu s. clea.
*clea (cleo), clawu stf.;
G. D. usw. clawe; 10.
50,2. 75.127 A. 2.128,
1 u. A. 2. 171 A. 1.
173 A. 3. 259 A.; D.
Pl. cläm 128 A. 2.
259 A.
cleadur s. clador.
cleo s. clea.
cleofan stv. 384 A. 1, a.
cleofian swv. s. clifian.
cleopian s. clipian.
cleweöa swn. 87 A. 96, 1.
cliöe swf. 278.
clif stn. 111 A. 1. 241.
clifan stv. 382 A. 1, a.
clife swf. 278.
clifian, cleofian swv. 45
A. 3. 411 A. 7. 417
A. 12, a.
climban, climman stv.
137, 3. 386 A. 1.
clinsan stv. 386 A. 1.
clipian, clypian, clio-
pian, cleopian swv.
111 u. A. 1. 411 A. 3.
412 A. 1. 3. 6. 10. 413
A. 6. 417 A. 12, d.
clu33e swf. 216, 2.
clüstor stn. 153.
clycc(e)an swv. 407 A.
12.
elyni3a swv. 417 A. 9, d.
clynnan swv. 400 A. 1,
a.
clypian s. clipian.
clyppan swv. 405 A. 8.
406 A. 2.
cnaeht s. cniht.
enafa s. cnapa.
cnaiht s. cniht.
cnapa, enafa swm. 189.
enäwan stv. 63 A. 2. 126
u. A. 1. 173 A. 1, c.
360 A. 4. 371 A. 2 u.
6. 396, 3, b; (Prät.
cneaw, cnsew, cneu,
cnew) 89. 396 A. 10.
cnedan stv. 391 A. 1;
(Part. Prät. ^ecnce-
den) 100 A. 1. 378 A.
1.
cneht s. cniht.
cneo s. cneo(w).
cneodan stv. 384 A. 4.
cneoht s. cniht.
cneoresu s. cneoris.
cneorift, -ribt stm. 193,
1.
cneoris, cneorisn (cne-
oresu, -o, -risso, -rise,
-reswu, cneuresu) stf.
258 A. 6.
cneo(w) stn. 38 A. 4. 77
u. A. 1. 88. 89. 129, 1
u. A. 1. 174, 1. 250,
2 u. A. 4.
cnidan stv. 382 A. 1, a.
cniht, cneoht, cnyht
(cnioht, cneht, cnaeht,
cnaiht) 22 A. 2. 86 A.
3. 119 A. 5. 122, 1. 2
u. A. 1. 5. 126, 2.
*cnödan stv. 384 A. 4.
396 A. 6.
enotta swn. 228 A. 2.
cnucian swv. 58.
cnycc(e)an swv. 407 A.
9. 11.
cnyht s. cniht.
cnylla swv. 405 A. 6.
cnyssan swv. 358 A. 5,
a. 400 A. 1, b u. 2.
401, 2 u. A. 1. 402, 1.
cnyttan swv. 400 A. 1, c.
cöc stm. 207.
coeö Prät. u. Imp.; coe-
öes 3. Sg. Präs. Ind.
s. cweöan.
coöa s. cweöan.
coern s. eweorn.
cofa swm. 277.
cofincel stn. 248 A. 4.
cohhettan swv. 220.
Coifi Eign. 94 A.
Coinred Eign. 94 A.
Coinualeh Eign. 94 A.
col stn. 239, 1, b.
Coleman(n) Eign. 281 A.
2.
cöm Prät. s. cuman.
comb, camb stm. 79.
comp, camp stn. 91 A. 3.
compi3an swv. 412 A.
10.
condel stf. 161. 231, 4.
258 A. 3.
con(n) Vb. prto.-präs.
s. cunnan.
copor stn. ? 60 A. 3.189.
207.
COpS 8. C08p.
com stn. 137, 3.
comuc stm. 179, 1.
cosp, cops stm. 202. 204,
3. 207.
costian swv. 411 A. 6.
412 A. 5. 6. 414 A. 4.
costinj, -unj stf. 161.
255, 1.
crabba swm. 10. 50, 1.
cradol stm. 159 A. 8.
craafca s. crasftja.
craeft stm. 266 A. 3.
craeftsa, craefca, creeftca,
craeftica swm. 196, 2.
craet stn. 240; D. Pl.
creatum 240 A. 1.
cräwan stv. 396, 3, b.
Creacas, -isc s. Crecas,
-isc.
creatum D. Pl. s. craat.
Crecas, Crece, Creacas
Eign. PL, -isc Adj.
66 A. 2. 211 A. 264.
creda awm. 66 A. 2. 207.
277.
creopan stv. 384 A. 1, a.
cribb stf. 258, 1.
crimman stv. 386 A. 1.
crincan stv. 386 A. 1.
crinjan stv. 386 A. 1.
crocca, crohha swm.;
crocce swf. 220 u. A. 2.
crop(p) stm. 226.
cruc Subst. 207 A. 2.
*crüdan stv. 385 A. 1.
crypel stm. 159 A. 3.
cü kons. Fern. 69. 132
A. 1. 284 u. A. 4.
cuaeöa s. cweöan.
cucu s. cwucu.
cudu s. cwudu.
cüö Adj. 71. 103. 186, 1.
207.
cüöe Prät. s. cunnan.
Cüöferö (-fert) Eign. 186
A. 1. 199 A. 1.
Cüjjjils Eign. 95 A. 1.
Cüthuini Eign. 95 A. 1.
cufel stn. 192, 2.
culter stm. 60 A. 3. 207.
390
Wörterverzeichnis
cuman stv. 45 A. 6. 80.
82. 208. 357 A. 3. 358
A. 1 u. 7. 364 A. 2. 4.
371 A. 2. 6. 7. 390 A.
3; Prät. Sg. cöm 364
A. 2. 390 A. 3.; Part.
Prät. cymen 141, 2.
378 A. 1.
curobol stn. 190.
cunnan Vb. prto.-präs.;
Präs, conn, cann
usw.; Prät. cüÖe usw.
186, 1. 2. 360 A. 4.
422, 5 u. A. 2.
cunnian swv. 224. 411
A. 7.
cvoeöa, cuoöa s. cweöan.
cuppe swf. 189.
Cuutfert, -ferth s. Cüö-
ferö.
cwaeöa(n) s. cweöan.
cwalu stf. 253.
cweaöa s. cweöan.
cweame s. cweorn.
cwecc(e)an swv. 400 A.
I, c. 407, 1 u. A. 2.
cweöan (cwceöa, cwseöa,
cwoöa, coöa, cweoöa)
stv. 54. 55 A. 113, e u.
A. 8. 115 u. A. 1. 3.
172. 201, 7. 208. 232.
234. 355 A. 1. 358 A.
7. 359, 6 u. A. 7. 370
A. 1. 7. 371 A. 6. 391,
Iu. A. 4. 5. 6.
cwelan stv. 390 A. 1.
cwellan (cwcella) swv.
400 A. 1, a. 407, 3 u.
A. 13. 410 A. 4.
cwelman swv. s. cwiel-
man.
cwelre stm. 248, 1.
cwen (cwöen) stf. 80 A.
2. 101. 150, 1. 269.
cwene swf. 81. 278.
cweoöan s. cweöan.
cweorn (cwom, cwym,
coem) stf., cweome
(cweame) swf. 113 A.
3. 118 A. 1. 205 A. 1.
274 u. A. 1.
cwern s. cweorn.
cwico swf. 278.
cwic(u) s. cwucu.
cwide, cwyde stm. 116.
234. 263, 1 u. A. 5.
cwiö stm. 271.
cwiöan swv. 405 A. 5.
cwielman (cwelman)
swv. 96 A. 6. 405, 1.
cwiodu s. cwudu.
cwoöa s. cweöan.
cwceöa s. cweöan.
cwcella s. cwellan.
cwöen s. cwen.
cwucu, cwicu, cucu Adj.
114, b u. A. 6. 148, a.
173.205 A. 3. 208.231
A. 3. 303 u. A. 1.
c(w)udu (cwiodu, quidu,
Gen. cwidwes usw.)
stn. 114, b u. A. 6.
208. 249.
cwyde s. cwide.
cwyrn s. cweorn.
cycene Fern. 102. 207.
cydde Prät. s. cyöan.
cyöan swv.; Prät. cyöde,
cydde; Part. Prät. je-
3yöd, 3ecydd, 3ecyöod
103. 138, 3. 200 u. A.
359, 6. 405, 2. 406 u.
A. 3.
cyö(ö), cyööu Fern. 201
A. 8. 255, 3.
cyfes s. ciefes.
cy3(e)an s. cie3an.
cyle s. ciele.
Cylfhonßra Eign. 289
A. 1.
cyline, cyl(e)n stf. 159
A. 3 u. 4. 207.
cylu Adj. 300.
cyme stm. 263, 1.
cyme Adj. 299.
cymen stm. 102.
cymen Part. Prät. s.
cuman.
Cymesinc Eign. 215.
cynedom stm. 147, a.
168.177 A. 2.246 A. 1.
Cynewulf, Cyni-, Cyn-
Eign. 168 u. A. 1.
cyn3 s. cynin3.
Cyniberhtt Eign. 221
A. 1.
cynin3, cining, cyn3,
cinj stm. 31 A. 2. 161
A. 188, 3. 205 A. 1.
206, 7, d.
cyn(n), cin(n) stn. 31 A.
2. 177 A. 2. 206, 7, d.
207. 246.
cyre stm. 234. 263, 1.
cyrfet stm. ? 192, 2.
cyrice s. cirice.
cyrps Adj. 204, 3.
cyse s. ciese.
cysel stm. ? 159 A. 3.
cyspan swv. 405 A. 8.
cyssan swv. 202. 203 u.
A. 226. 359, 7 u. A. 8.
405, 3.
eytel s. cietel
dä swf. 278 A. 2.
dsed (ded, deid) stf. 17.
62 A. 4. 94 A. 98. 269
u. A. 5.
doe3 (de3, dei), Pl. da3as
usw. stm. 8. 10. 14.
49. 50, 1. 2. 52. 109
A. 5. 126, 2. 150, 1.
182. 187. 197. 213.
214, 2 u. A. 4. 237 A.
2. 4. 240.
d»3es Adv. 320.
daejlanses Adv. 319.
daajlic Adj. 167, a.
Dsejmund (Deimund)
Eign. 214, 2.
dael stm. 240.
dsel (del) stm. 97 u. A. 1.
266 u. A. 3.
däelan (delan) swv. 360
A. 2. 405, 1.
daelf Prät. s. delfan.
dselnimend Adj. 167, b.
daerstan sw. Pl. 179, 1.
dafenian swv. 414 A. 4.
dajas usw. Pl. s. daej.
dalc stm. 85 A. 3. 159
A. 8.
daroö, dearoö stm. 109
u. A. 1. 245.
darr, darste (Prät.) s.
dearr.
Dauid Eign. 194.
dead (died) Adj. 35 A.
2.
deadian (deadija) swv.
412 A. 5. 6. 7. 9.
deaö stm. 182. 273 u.
A. 1.
deaf (deof) Adj. 35 A. 1.
deajian swv. 214 A. 6.
deagol s. diejle.
deah Vb. prto.-präs. s.
dujan.
deall Adj. 295 A. 2.
dear s. deor.
W örter Verzeichnis
391
dearoö s. daroö.
dearr (darr) Vb. prto.-
präs. 84 A. 1. 178, 2.
234. 422, 7 u. A. 4.
dearnunja Adv. 318.
deawstmn. 126,1.250,1.
dec(e)an swv. 407 A. 10.
ded s. dted.
dej s. dsej.
dejlan swv. s. diejlan.
dejle.dejolAdj.s.diejIe.
dehter D. Sg. s. dohtor.
dei s. doej.
deid s. deed.
Deimund s. Dsejmund.
delfanstv. 360 A. 1. 387
A. 1 u. 3.
dema swm. 276 A. 1. 4,
a. 277.
deman (doeman) swv.
101. 159, b. 177, 3.
355 A. 3. 356. 357.
358, 1 u. A. 1. 360, 1.
363, 1. 3. 365 u. A. 3.
404. 405, 1. 406 A. 1.
409. 410, 3 u. A. 4.
demend kons. Mask.
286.
demm stm. 266.
Dene Eign. Pl. 263, 1 u.
A. 2.
dene swf. 268.
denn stf. 268.
deoö s. deaö.
deof s. deaf.
deoflic s. deofollic.
deofol, diofol (diaful,
-ol, diowul, diobul,
diubol, diowl, diul,
diol) stn. 78 A. 4. 191
A. 2.
deofollic, deofellic, deof-
lic Adj. 161 A.
deojol s. die31e.
*deon, *dian swv. 408
A. 16.
deop Adj. 77. 138, 1.
229.
deopnise, diopnise stf.
95 A. 8.
deor (dear) stn. 35 A. 1.
77. 182. 239, 1, b.
deore, diore, dyre Adj.
107. 299.
deorfan stv. 388 A. 1.
depan s. diepan.
Dere Eign. Pl. 264.
derian swv. 400 A. 1.
diaful, -ol s. deofol.
died s. dead.
diedan swv. 405 A. 3.
diejlan, dijlan, dihlan,
(dejlan) 214 A. 3. 358
A. 4. 404 A. 1, c. 406
A. 5.
diejle, dejie, CH30I, dyjol
(deajol, diojol, deo-
jol, dejol) Adj. 106 A.
1. 141, 3 u. A. 2. 3.
158. 214 A.6.
diepan (depan) swv. 355
A. 2. 405 A. 8.
dieme Adj. 299.
dijelic, dijollicAdj. 231,
4.
dijol s. diejle.
dihtij s. dyhtij.
dile stm. 263, 1.
dimm Adj. 295 A. 2.
dm3 D. Sg. s. *dun3.
dinor stm. 66 A. 2.
diobul, dioful s. deoful.
diosol s. diejle.
diol, diovl, diowl, dio-
wul s. deofol.
disc Pl. dixas stm. 56
A. 2. 197. 204, 4.
diubol, diul s. deofol.
dixas Pl. s. disc.
döa Inf. s. dön.
dobend(i), dob3endi
Part. Präs. s. dofian.
doc3a swm. 216, 2.
d«3, Pl. dö3Or u. Sg.
dÖ3or kons. Mask.
141, 1. 159, bu. A. 2.
289, 1. 2u. A. 1. 5.
doehter D. Sg. s. dohtor.
d ceman swv. s. deman.
dofian swv. (Part. Präs.
dob3endi, dobendi)
412 A. 10. 417 A. 14.
dö3Or s. dcej.
dohtor, -ur, -er, dohdor,
dojter; D. Sg. dehter
(doehter) kons. Fern.
100. 221 A. 1. 224
A. 2. 285 u. A. 2. 3, d.
dol Adj. 294.
döm stm. 8. 44 A. 6.101.
150, 3. 237 A. 1 u. 2.
238. 276 A. 1.
dön (döa) Vb. 2. 3. Ind.
dest.deö (dcestjdceö);
Part. Prät. -dön
(döen, -den) 80. 101
A. 1. 131A. 147A. 2.
350 A. 2. 360, 2. 361
A. 1. 378 A. 2. 429 u.
A. 1-4.
dönlic Adj. 350 A.
doom s. döm.
dor stn. 239, 1, b.
dorste (Prät.) s. dearr.
dorword stm. 167, a.
draca swm. 197. 207.
276 A. 4, c.
draconse, dracontse,
draconze Fern. 204 A.
5. 6. 7.
draafan swv. 405 A. 1.
drasan stv. 368 A. 3.
371 A. 2. 392 A. 1.
dream stm. 239, 1, a.
drecc(e)an swv. 407, 1.
drefan swv. 405 A. 1.
drefre stm. 248, 1.
drenc, drinc, drync stm.
206, 7, c, 266.
drenc(e)an swv. 405 A.
10. 406 A. 6.
dreojan stv. 364 A. 2.
384 A. 1, a.
dreopan stv. 384 A. 1, a.
dreosan stv. 384 A. 1, b.
drepan stv. 391 A. 1.
drepe stm. 263, 1.
drie s. dryje.
drifan stv. 111 A. 1. 193
A. 2. 197. 359 A. 9.
376 A. 382 A. 1, a.
drije s. dryje.
drihten s. dryhten.
drinc Subst. s. drenc.
drincan stv. 22 A. 2.
206 A. 9. 215 A. 1.
364 A. 2. 386 A. 1. 3.
4.
dritan stv. 382 A. 1, a.
drohnian, drohtnian
swv. 196 A. 2.
dropa swm. 228 A. 2.
dropmielum Adv. 320.
drüji Adj. s. dryje.
drüjian swv. 417 A. 9,
k. 16.
drüije s. dryje.
druncnian swv. 411A. 7.
drüpian swv. 411 A. 7.
drüsian swv. 412 A. 10.
392
W örter Verzeichnis
dry stm. 133, 1 u. A. 266
A. 2.
dryctin s. dryhten.
dryje, drije (drüije, drü-
31, drie) Adj. 31 A. 2.
94 A. 95 A. 10. 206,
7, c. 214, 5. 299.
dry3(e)an swv. 405 A. 2.
417 A. 9, k.
dryht stf. 269.
dryhten, drihten (dryc-
tin) stm. 31 A. 2. 221
A. 1.
drync s. drenc.
drypan swv. 405 A. 8.
drype stm. 263, 1.
dryre stm. 263, 1.
düfan stv. 385.
dujan Vb. prto.-präs.
363 A. 4. 421.
dusuö stf. 44 A. 7. 186
A. 3. 254, 2. 269 A. 4.
*dun3 kons. Fern.; D.
Sg. dm3 284 u. A. 4.
duru stf. 148, a. 274 u.
A. 1. 2.
durustod stf. 282 A. 1.
duruweard stm. 168.
düst stm. 71. 186, 1.
196, 1.
dwascan swv. 96, 2.
dwala s. dwola.
dwalia s. dwolian.
*dwelan stv.; Part.
Prät. jedwolen 59 A.
1. 390 A. 1.
dwellan, dwelian swv.
59 A. 1. 358 A. 5, c.
407, 3 u. A. 14.
dweor3 stm. 113 A. 2.
172. 197.
dwielman swv. 59 A. 1.
dwinan stv. 382 A. 1, a.
dwola (dwala, 3cdweo-
la) stm. 59 A. 1. 113
A. 10.
dwolian (dwalia) sw.
59 A. 1. 113A. 10.411
A. 6. 412 A. 3. 413
_A. 6.
dyjol s. die3le.
dyne, dyn(n) stm. 247.
263, 1 u. A. 3.
dynnan swv. 400 A. 1, a.
dynt stm. 266.
dyre, dyru D. Sg. s.
duru.
dyre Adj. s. deore.
dysejian swv. 411 A. 6.
dys(e)lic Adj. 43 A. 3.
dysis, dysi Adj. 214, 5.
öä Adv. 137, 1.
öaccian swv. 10. 411
A. 6.
öaader s. öider.
ösedres Adv. 321 A. 3.
öseje Pron. dem. 337
A. 5.
ö®3n s. de^n.
Öseh s. Öeah.
ösencan s. öenc(e)an.
öeenne s. Sonne.
Öser (der), öär, öära Adv.
321 u. A. 2.
öaarf s. öurfan.
öaerfen(d) kons. Mask.
286 A. 4.
ötersca s. öerscan.
Öseslice Adv. 349.
ösette Konj. 201, 4.
ösewum D. Pl. s. öeowa.
öafian swv. 412 A. 5 u.
J0.
öäh s. Öeah.
öär s. Öger.
öar(o)flic Adj. 164.
öarsca s. öerscan.
öe rel. Part. 340 u. A.
öea s. öeo(w).
öead s. Öeod.
öeaf s. öeof.
öeah, Öeh (öseh, öah)
Konj. 119 A. 5. 121
u. A. 1. 138, 5. 200 A.
öearf s. öurfan.
öearfa swm. 35 A. 1.
öearfian swv. 411 A. 7.
412 A. 10.
öearsca s. öerscan.
öeaw swn. 250, 1.
öeccan swv. 207. 407, 1
u. A. 2.
öe3n, Öen3, öen (öeejn,
öeijn) stm. 55 A. 126,
2. 155. 185. 199 A. 1.
214, 3. 228 A. 2.
Öe3nian, öenian swv.
214, 3. 412 A. 2.
öe3nun3, öenun(c)3 stf.
188, 3. 215.
öe3u stf. 253.
öeh s. öeah.
öeh Subst. s. öeoh.
Öei3n, Öen s. öejn.
öenc(e)an (ö»ncan);
Prät. ööhte swv. 80
A. 1. 96 A. 8. 138,
4. 184 A. 206, 7, e.
215 A. I. 221, 1. 407,
1 u. A. 5.
öens s. Öe3n.
öenian, Öennan swv. 175
A. 176A. 2. 358 A. 5,
c. 400 A. 1, a u. 2.
401, 2. 410 A. 5. 413
A. 3.
öenian s. Öe3nian.
öeni3man kons. Mask.
188, 3.
öenun(c)3 s. öe3nun3.
öeo, ÖSow (öea) stm. 35
A. 1. 77 u. A. 1. 88.
129 A. 1. 174, 1. 250,
2 u. A. 4.
öeod, Öiod (öead) stf. 35
A. 1. 38 A. 2. 77.
-öeodan s. -öiedan.
öeoden stm. 150, 3.
159, a.
Theodninsc Eign. 215.
öeof (öeaf) stm. 35 A. 1.
Öeoh (öch) stm. 119 u.
A. 2. 242, 2.
öeon, öion stv. 40. 86, 5.
130, 2. 186 A. 4. 234.
359 A. 6. 373. 374
A. 6. 383 u.A. 1. 2. 3.
386 A. 2.
öeon swv. s. öyn.
öeorf (öorof) Adj. 164.
öeos Pron. dem. s. öes.
Öeostre s. öiestre.
öeotan, öütan stv. 384
A. 1, a. 385.
Öeow s. öeo.
öeow Adj. 301.
öeowa (Öowa; D. Pl.
Ö&wum) swm. 89.
öeowe, -u, öiowu (öiwa,
Öiua) swf. 89. 258 A. 4.
Öeowian, öiowian swv.
88. 89 A. 1. 411 A. 7.
417 A. 10. 14. 16.
öer s. öär.
Öerh, Öerih s. öurh.
öerscan (ösersca, öears-
ca, öarsca, öerxan,
fl. Inf. ^rescenne) stv.
84 A. 3. 179, 1. 204, 4.
389, 1 u. A. 2.
Wörterverzeichnis
393
öes, öios, öeos, bis usw.
Pron. dem. 22 A. 2. 42
A. 4. 78. 111 A. 4. 6.
159 A. 8.180. 338 u.A.
1-5.
öewa s. öeowa.
öhuehl s. öweal.
ölada G. Pl. s. öeod.
öicce Adj. 205 A. 3. 206
A. 2.
Öic3(e)an stswv. 56. 63,
a. 391 A. 9. 400 A. 1,
b. 401 A. 1.
dider (öidir, öseder) Adv.
152. 321 u. A. 3.
öid(e)res Adv. 321 A. 3.
-Öiedan, -öeodan, -ÖIo-
dan (Prät. jejjiudde)
swv. 78 A. 1. 107.
405 A. 3. 406 A. 3. 7.
öiefö(e) stf. 200 A._
Öiestre, öistre, öystre
(Öiostre, öeostre) Adj.
107.
Öiestru (J)iustra) swf. 78
A. 1.
dienen, öinen(u) stf.214,
3. 258 A. 2.
bin Pron. poss. 188 A. 5.
335.
öinc(e)an s. öync(e)an.
öindan stv. 386 A. 1.
öinen(u) s. öisnen.
öinj stn. 199, 2. 215.
öinjian swv. 413 A. 5.
-öiodan s. -öiedan.
öiostre s. öiestre.
öiowincel stn. 248 A. 4.
öird(d)a s. Öridda.
öisl(e) (Öixl) stswf.
221, 2.
öistre s. öiestre.
Jnustra s. öiestru.
öiwa s. öcowe, -u.
öiwen stm. 89 A. 1.
öixl s. öisl(e).
öö (thohae) swf. 80 A. 1.
131. 218 A. 5. 278 A.
2.
Öoä stv. s. Öwean.
öoöor (thotur) stm. 152.
thohae s. öö.
öolian (öolija, jiöcelja)
swv. 335 A. 3. 412
A. 10. 417 A. 9.
öona(n) Adv. 321.
öone stm. 237 A. 2.
öonces Adv. 320.
öoncian swv. 411 A. 6.
412 A. 7.
öonne, banne, ösen(n)e
(penne) Adv. 79 A. 3.
thorch s. öurh.
öorfte s. öurfan.
borh s. burh.
bom stm. 199 A. 1. 273.
borof s. öeorf.
thotur s. boöor.
öouä stv. s. öwean.
öracu, flekt. Öreeca stf.
253 u. A.
örrewen Part. Prät. s.
öräwan.
öräj stf. 254, 1.
thrauuo, thrauu s. Örea.
öräwan stv.; Part. Prät.
öräwen u. örjewen 378
A. 1. 396, 3, b.
örea (thrauuo, thrauu,
trafu) swm. stf. 128,
1 u. A. 2. 259 A. 277
A. 2 u. 3.
örea Num. s. örie.
Öreaj(e)an (öreisa) swv.
121 A. 3. 126, 2. 177
A. 1. 415, d.
Örean3, öreaimj stf. 135.
öreat (Öreot) stm. 35
A. 1.
öreatian swv. 412 A. 9.
10. 413 A. 6. 414 A. 4.
Öreaun3 s. Örean3-
Örei3a s. Örea3(e)an.
Öreo Num. s. Örie.
öreofeald s. öriefeald.
öreot s. Öreat.
breot(t)eoöa Num. 328.
ör§ot(t)yne, -tene, pryt-
tene Num. 229 A. 2.
325.
öreowa s. öriwa.
prescenne fl. Inf. s. öers-
can.
öri s. örie.
öria s. öriwa u. Örie.
öridda (pridde, örydda,
öirda, öirdda) Num.
179, 1. 328. 331 A.
Örie, öri, Öry, örio, öreo
(öria, Örea) Num. 33
A. 78. 130, 3. 177, 1.
199, 2. 324 u. A. 3.
326 A. 2. 329 u. A. 3.
öri(e)feald, öry-, örio-,
öreo- (Örif (f]ald) Num.
137, 2. 330 u. A. 1. 2.
Öri3e s. Öriwa.
prihte Prät. s. örycc(e)-
an.
thrimilci Subst. 120 A. 6.
örims stm. 186, 2.
örines, örinnes stf. 138,
3. 229 A. 2.
örinsan stswv. 380. 386
A. 1. 4.
prinna Num. 329 A. 2.
örinnes s. örines.
örintan stv. 386 A. 1. 5.
örio s. örie.
öriofeald s. Öri(e)feald.
öriowa s. öriwa.
örisnes, Öristnes stf. 196
A. 2.
brit(t)ij Num. 138, 3.
214 A. 2. 229 A. 2.
326 u. A. 1.
priuwa s. öriwa.
öriwa, öriowa, Öreowa
(priuwa, Öruwa, öri^a,
-e, öria) Num. 88 u.
A. 2. 89. 317. 331.
droh stn. 242, 2.
örosm stmn. 156.
örotu (throtee) swf. 278
A. 1.
örÖw(e)re stm. 248, 1.
öröwian (öröwija) swv.
355 A. 2. 3. 411 A. 7.
412 A. 3. 4. 5. 413
A. 1. 3.
brüh (t(h)ruch) kons.
Fern.; D. Sg. ötyh 132
A. 1. 223 A. 1. 284 u.
A. 1. 2.
Örustfel stn. 204, 5. 289
A. 8.
*örütan stv.; Part. Prät.
äörüten 386 A. 5. 396
A. 8.
öruwa s. öriwa.
öry s. örie.
örycc(e)an swv.; Prät.
Örycte u. prihte 358
A. 5, a. 359, 5 u. A. 9.
407 A. 9.10. 11.
örydda s. öridda.
öryö stf. 94 A. 269.
pryttene s. öreot(t)yne.
*öryn swv. 408 A. 17.
örysman swv. 404 A.
1, b.
394
W örterverzeichnis
öryfeald s. öri(e)feald.
öü Pron. pers.; öin, öe
öec (öeh); Pl. 30, eo-
wer, eow (eowic) usw.
45 A. 3. 89. 91, d. 125
A. 2. 137, 1. 182. 210,
3. 332 u. A. 1. 3. 4.
•öuäen, -öuean, -öuejen
Part. Prät. s. öwean.
öuahl s. öweal.
Thuidred Eign. 94 A.
öullic s. öyslic.
öunian swv. 411 A. 7.
öunor stm. 29. 82. 245.
öunwenje stn. 215 A. 2.
279 A. 1.
öurfan Vb. prto.-präs.;
Präs, öearf, öearft,
öurfon, Prät. öorfte
84 A. 1. 232, 360
A. 4. 422, 6 u. A. 3.
öurh (öorh, öerh) Prap.
60 A. 2. 120 A. 5. 164.
223 A. 1.
öösend Num. 327 u. A.
3. 329 A. 3.
öüsendfeald Num. 329
A. 3.
Öuslic s. öyslic.
öütan stv. s. öeotan
öwä, öwse vb. s. öwean.
öweal (thuahl, öhuehl)
stn. 218, 2 u. A. 5.
öwean (öwä, öwse, öoä,
Öouä); Imp. öwäh;
Part. Prät. öwasjen,
öwejen usw. stv. 105.
119 A. 5. 128, 2 u. A.
4. 171 A. 172. 214 A.
6. 368 A. 4. 373. 374
A. 2-5. 377 A. 378 A.
1. 2. 392, 2 u. A. 7.
öweorh, fl. öweoran
usw.; öwure, -u, öwy-
re (Öwerh) Adj. 84
A. 2. 113 A. 2. 118
A. 1. 120 u. A. 1.
122 A. 3. 218 A. 1.
295 A. 1.
öweran stv. 390 A. 1;
Part. Prät. seöuren u.
3eörüen ? 390 A. 2.
396 A. 8.
öwerh s. öweorh.
öwinan stv. 382 A. 1, a.
öwingan stv. 199, 2.
Öwitan stv. 382 A. 1, a.
öw®3e 2. Sg. Prät. zu
öwean.
öwure, -u, öwyre s.
öweorh.
öwyrian swv. 118 A. 1.
218 A. 1. 400 A. 1.
pydsejes Adv. 320.
Öyle stm. 263, 1.
öyllic s. Öyslic.
öynne Adj. 298 A. 2.
öyn, öeon swv. 133, 1. 2
u.A. 222 A. 408 A. 17.
öync(e)an, öinc(o)an;
Prät. öühte swv. 31
A. 2. 71. 186 A. 4.
215 A. 1. 407, 1 u.
A. 6.
öyr(e)l stn. 159 A. 3.
218, 1.
öyrnihte Adj. 299.
öyrre Adj. 178, 2.
öyrs stm. 266.
öyrst stm. 266.
öyrstan stv. 405, 5.
öyslic, öyllic, öuslic,
öullic Pron. 95 A. J.
349.
öystre s. öiestre.
öywan swv. 408 A. 11.
e s. 103.
ea kons. Fern. 37,2. 128,
2u. A. 4. 205 A. 3.284
u. A. 4.
eac (ec, sec) Konj. 35 A.
2. 75. 119 u. A. 2. 5.
eaca (eca) swn. 75. 121.
eacen Part. Prät. 396
A. 6.
Eadburj Eign. 284 A. 6.
eade Prat. s. jän.
eaden Part. Prät. 396
A. 6.
eadi3 (sedis) 76 A. 296.
eadmedan s. eaö-.
eadmöd s. eaömöd.
eador s. 3eador.
Eadwine (E’dwini) Eign.
95 A. 1. 263 A. 1.
eaöe (3&aöe) Adv. 212
A. 2.
eaömedan, ead- swv.
366 A. 2. 405 A. 3.
eaömettu, -o swf. 201, 4.
255, 3.
eaömöd, ead- Adi. 201
A. 7.
eafera s. afora.
Eafin3 Eign. 95 A. 5.
eafoö stn. 109 A. 1.
eafora s. afora.
ea3-öyr(e)l (eh-öyrel)
stn. 122, 3.
ea3e, 030 swn. 119 u.
A. 2. 150, 2. 276 u.
A. 4, a. b. c. 5. 6. 279
A. 2. 3.
ea3or- n. ? 289, 2 u. A. 4.
eah-stream s. Ö3-.
eahta, ehta (sehta, -o, -u,
•ou, ahtowe, ehtuwe)
Num. 36. 86, 1. 119.
123, 3. 150, 1. 221, 1.
325.
eahtatiene, -tyne, -tene
Num. 325.
eahtati3 (aehtytis, aehte-
ti3) Num. 326 u. A. 1.
eahtian swv. 411 A. 6.
eahtoöa, -eöa, -eoöa,
ehtoöa, -eoöa (eahte-
3eöa, aehtoöa, -eöa,
aöe) Num. 200 A.
328.
eald (ald); Komp. Sup.
i(e)ldra, -est, yldra,
-ost (eldre, -est, aeldra,
-est) Adj. 10. 42 u.
A. 3. 85. 96 A. 6. 105.
137, 3. 159, b. 161 u.
A. 197. 217 A. 1. 276
A. 4, a. 295. 307. 310
u. A. 311.
Eald(h)elm Eign. 217.
ealdian (aldi3an) swv.
412 A. 6.
ealdorle3u stf. 268.
ealdorneru stf. 268.
ealh stm. 242, 1.
eall (all) Adj. 36. 85 A. 4.
226.231,1.2.291 A.l.
295 A. 2.
ealla s. sealla.
ealles Adv. 319.
eallinsa s. eallunsa.
eallmihtis s. aelmi(e)hti3.
eallunsa, -in3a, ealnin3a
Adv. 95 A. 5. 318.
ealnH, eallin'z, ealnins
Ad^. 1^2 A.
ealu, G. D. Sg. (e)aloö,
aelaö kons. Neutr. 36.
109 u. A. 4. 290.
eam s. eom.
W örter Verzeichnis
395
eam (yem) stm. 35 A. 2.
Eanberht Eign. 221A. 1.
Eanfled, -flsed Eign. 62
A. 3.
ear (rehher, eher) stm.
119. 128,2u.A. 4.218
A. 5. 220 u. A. 1. 228
u. A. 1. 289, 2 u. A. 6.
earbed s. earfoö.
earo s. arc.
eard stm. 273.
eardian swv. 197. 356
A.1.411 A. 6. 412 A. 6.
earöe s. eoröe.
eare swn. 181, 2. 276
A. 3. 4, b. 5. 6. 279
u. A. 2. 3.
earfoö (earbed) stn. 141
A. 3. 191. 192, 2.
oarfoöe (jearfoöe) Adv.
125, a. 212 A. 2.
ear-jrund stm., -jebland
stn. 289, 2.
earm (arm, eorm) stm.
35 A. 1. 84 A. 1. 239,
1, a.
earm (arm) Adj. 36. 84
u. A. 1. 307.
eam stm. 84 A. 1.
eam Prät. e. irnan.
eamian swv. 411 A. 6. 7.
412 A. 7. 10.
eart s. eom.
earon s. jear.
earu Adj. 109 A. 8. 300.
earun s. eom.
earwicja swm. 216, 2.
eascan Pl. s. axe ‘Asche’,
east Adv. 314. 321.
eastan Adv. 321.
easterra, eastmest Adj.
Komp. Sup. 314.
eastre swf. (Pl. eastran,
-un, -on, -ru, -ro) 276
A. 5. 278 A. 3.
eata Inf. s. etan.
eatol s. atol.
eatta Inf. s. etan.
eawan swv. 408 A. 14.
417 A. 7; s. auch
iewan.
eaw-faest s. gew-feest.
eawun^a, ewunsa Adv.
89 A. 3. 318.
eax (sex) stf. ‘Achse’
122, 3.
eaxl, exl stf. 122, 3. 154.
ebalsia swv. s. eofolsian.
ebba swm. 228 A. 2.
ebhät s. eofot.
ebolsia s. eofolsian.
ec s. eac.
eca s. eaca.
ecan swv. s. iecan.
ece, sece Adj. 129 A. 3.
177, 1. 206, 7, c.
ecedstmn. 159 A. 6. 197.
ecs stf. 258, 1.
edcwide, eöcwide stm.
201 A. 1.
ede s. eow(e)de.
edlsecan (yöhecan) swv.
201 A. 1. 359 A. 9.
Edric Eign. 95 A. 1.
edsceaft (edscaept) stfn.
193, 1.
Edwine s. Eadwine.
edwitian (eöwitia) swv.
201 A. 1.
edwitscipe stm. 201A. 1.
eöcwide s. edcwide.
eööa s. oööe.
eöel (ceöel) stm. 101
A. 1_. 159, b. 201, 3.
eör s. 8sdr(e) swf.
eöwitia s. edwitian.
Eedjils Eign. 95 A. 1.
Efe s. Euo.
efen, efem s. Äfen.
efes, yfes stf. 100.
ef(e)sian swv. 411 A. 6.
ofest s. eef(e)st.
efn, emn Adj. 81. 188, 1.
193, 2.
efnan s. sefnan.
efor s. eofor.
efsian swv. 158 A.
ofstan (cefistija) swv.
100.186 A. 3.359 A. 1.
405 A. 11.
©3 s. 1’63.
e3Öe s. e3iöe.
e3Öer s. ö^hwseöer.
e$e stm. 261. 263, 1 u.
A. 4. 288 A.
030 swm. s. ea3e.
e3enu stf. 254, 2.
e3(e)sian swv. 411 A. 6.
ejhwelc, -hwcelc s. «3-
hwelc.
e3(i)öe stf. 159 A. 4.
O3ile s. e31e.
E3ipte Eign. Pl. 264.
e31an swv. 404 A. 1, b.
esle (e3ile, -ae) stf. 159
A. 3. 4.
esleAdj. 96, 2. 303 A. 2.
e3or- s. ea3or-.
e3sian s. e3esian.
e3-stream, eh-, eah-;
auch ääjflota, -weard
Subst. 289, 2.
e3ur- s. ea3or-.
eh-öyrel s. ea3-öyrel.
eher s. ear.
eh-stream s. Ö3-.
ehta s. eahta.
ehtan (cehta) swv. 101.
198, 5. 359 A. 1. 405.
5. 406 u. A. 6.
ehte Prät. s. Iecan.
ehteoöa, ehtoöa s. eah-
toöa.
ehtuwe s. eahta.
ei s. 103.
eihwelc s. ösjhwelc.
eil s. sei.
elbosa s. elnbosa.
elc s. Sie.
eich s. eolh.
elcra Komp. 312 A. 2.
eldra, -est Komp. Sup. s.
oald.
eldu, -o s. ieldu.
elöeodi3, -Öiodi3, -Öiedi3,
sei- Adj. 95 A. 4. 107.
413 A. 7.
elöiode Subst. Pl. 107.
eie (uele) stm. 100. 261.
263, 1.
el(e)land 95 A. 4.
elh s. eolh.
ellefta s. endlefta.
elles Adv. 319.
elmehti3 s. aelmi(e)hti3.
elmestlic s. aslmeshc.
ein stf. 159 A. 3.
elnbo3a, elbO3a stm.
188, 1.
elra Komp. 312 A. 2.
emb-, embe- s. ymb-,
ymbe-.
emn s. efn.
emniht stf. 231, 3.
end Adv. Komp. 323.
end Konj. s. ond.
ende stm. 137, 3. 246
u. A. 1. 5. 248, 1.
endebyrdnis stf. 180.
endemes(t) Adv. 95
A. 3. 319.
396
Wörterverzeichnis
endian swv. 411 A. 6.
S. auch aemdian.
endlefan s. endleofan.
en(d)lefta, -lifta, -leofta,
-lufta, aen(d)lyfta (sel-
lefta, ellefta) Num.
328.
en(d)leofan, -un, -on;
en(d)Iefan, sen(d)lefan
fellefne, aellef) Num.
95 A. 1. 97 A. 2. 138,
2. 188 A. 1. 198 A. 1.
325.
enetre, enitre Adj. 95
A. 1. 138, 2. 173 A. 5.
188, 3.
cnjel (senjel) stm. 96
A. 8. 159, b u. A. 2.
244, 1.
Enjle Eign. PI. 264.
en^lisc Adj. 137, 3.
enitre s. enetre.
enlefan s. en(d)leofan.
enlefta s. endlefta.
enne Akk. Sg. s. än.
ent stm. 266.
eobot s. eofot.
eoc s. jeoc.
eode Prät. s. jän.
eofole swf. 110, 1.
eofolsian (ebalsia, ebol-
sia) swv. 43 A. 4. 110,
1 218 A 1
eofor (efor) stm. 39.
110, 1.
eoforöroto swf. 278 A. 1.
eofot, -ut (eobot, ebhät)
stn. 43 A. 4. 110, 1.
218 A. 1.
cojoö s. 300300.
eoh stm. 86, 2. 242, 2.
eoh ‘Eibe’ s. iw.
eolh (eich, elh) stm. 85.
120 u. A. 1. 223 A. 1.
242, 1.
eom (eam, am), eart
(earö, ard, iert), is, ys,
sind(on) usw. (aron,
-un, earun), Opt. sie
usw. Vb. subst. 22 A.
2. 24 A. 33 A. 35 A. 2.
42 A. 4. 109. 111 A. 5.
6. 124 A. 3. 130, 3.
138, 5. 177, 1. 224.
360 A. 4. 427. 1 u. A.
_ 1-4.
Eomär Eign. 218 A. 2.
Eoppins Eign. 95 A. 5.
eoröe, eoröu (earöe) swf.
35 A. 1. 39. 84. 137, 3.
276 A. 6.278.
eorölic Adj. 200 A.
eored s. eorod.
eorisc stm. 218 A. 2.
eorl stm. 137, 3. 239,
1, a.
eorlic Adj. 231, 3.
eorm s. earm.
eormöa s. iermöu.
eom s. 3eorn.
eornan s. iman.
eornest (3eomest) Adj.
212 A. 2.
eomlice s. 3eornlice.
eorod, -ed stn. 43 A. 4.
119 A. 2. 141 A. 3. 218
A. 2.
eorre s. ierre.
eorrinsa, ierrin3a Adv.
318.
eorsian swv. 203 A.
eosol, esol stm. 110 A. 2.
141 A. 3.
eotan s. etan.
eow ‘Eibe’ s. iw.
eow Pron. pers. s. öü.
eowe stswf. s. eowu.
eow(e)de (ede) stn. 110
A. 2. 129 A. 2. 173
A. 1, e.
eower Pron. pers. s. öü.
eower (lower, iwer) Pron.
poss. 89. 158. 231, 4.
296 A. 2. 335 A.
336 A.
eowestrc stm. 110 A. 2.
eowian swv. 408 A. 14.
15.
eowic s. Öü.
eowu, eowe, ewe stf. 87
A. 96, 1. 110 A. 2. 258
A. 4.
erc s. arc.
ere s. yre.
erfeword stm. 51. 120
A. 5.
erian swv. 400 A. 1.
ermöu s. iermöu.
ermins s. ierminj.
erro s. ierre.
esa G. Pl. s. ös.
escan Pl. s. axe.
Escanceaster On. 284 A.
7.
esne stm. 96, 2. 248, 1.
esol s. eosol.
est stf. 186, 1. 269.
ctan (eotan, eat[t]a) stv.
35 A. 1. 45 A. 7. 56.
99. 110, 2. 195. 201,
4. 229 A. 3. 232. 359,
3. 364 A. 2. 370 A. 3.
371 A. 2. 3. 6. 7. 391
A. 3. 4.
Eue, Efe Eign. 194.
Eumer Eign. 77 A. 4.
ewe s. eowu.
ewun^a s. eawunja.
exen Pl. s. oxa.
exl s. eaxl.
fäcne Adv. 320.
fador s. feder.
faöe, -u swf. 278 A. 1.
fec stn. 240.
fecele swf. 141 A. 3. 159
A. 4.
fecne Adj. 298 A. 2. 299.
feder (feder, feadur,
fader, fedyr) kons.
Mask. 35 A. 1. 44
A. 4 u. 8. 145 A. 2.
192, 1. 285 u. A. 1.
3, a.
fedm s. feöm.
fedun Prät. Pl. 408
A. 17.
feöm, fedm stm. 156.
201 A. 7.
feöman swv. 96, 2. 404
A. 1, b.
fe3en Adj. 96 A. 4.
159, a.
fjeser Adj. 14. 50, 3. 153.
158. 160. 231, 4. 296
u. A. 2. 3. 307.
fehöu swf. 222.
fehlt 3. Sg. Ind. 199
A. 1. 408 A. 17; s.
auch fedun.
fellan s. fiellan.
felonPrät. Pl. s. feolan.
femne swf. 276 A. 4, a.
feran stv. s. faran.
ferd Subst. 96, 4.
fereld stn. 183, 2, b.
ferh s. fearh.
ferma s. feorm.
fesnian s. festnian.
fest Adj. 196, 1.
festan swv. 96, 2. 109
Wörterverzeichnis
397
u. A. 3.405, öu.A.10.
406 A. 3 u. 6. 417
A. 7.
fassten (festen) stn. 96
A. 5. 248, 2.
festnian, faesnian swv.
196 A. 2. 411 A. 6.
412 A. 2. 5.
faetan swv. 405 A. 8.
faetels stm. 238 A. 2.
244, 1.
faet(t), Pl. fatu usw.
(featu) stn. 10. 14.
50, 1. 3. 109. 148, b.
229 A. 3. 240 u.
A. 1. 2.
faj(e)nian, fahnian swv.
50 A. 1. 214 A. 3.
411 A. 6.
fäh Adj. 295 A. 1.
fahnian s. fa3(e)nian
falaed s. fald.
fald (falaed, falud) stn.
85 A. 3. 159 A. 8.
-fallice s. -fealdlice.
falu s. fealu.
fämig Adj. 296.
fann stf. ? 192 A. 2.
faran (fearan, ferafn]);
Imp. far, fer (fer);
Prät. för; Part. Prät.
faren u. faeren 49
A. 1. 50, lu. A. 6. 52.
69. 96, 3, b u. A. 4.
109. 148, c. 367. 368,
2 u. A. 2-4. 370 A. 2.
371 A. 2. 6. 7. 8. 378,
1. 392, 1.
farma s. feorm.
farra, farr s. feorra.
*fatian (*fati3a) swv.
417 A. 13.
fatu usw. Pl. s. faet(t).
fea Adj. s. feawe.
feadur s. feder.
feala s. fela.
fealan s. feolan.
-feald (-fald) Adj. Num.
330.
fealdan (faldan) stv.
201, 2. 396, 1.
•fealdlice (-faidlice, -fal-
lice) Adv. 198, 3.
fealh Prät. Sg. s. feolan.
feallan (fallan) stv. 77.
85 u. A. 4. 201, 2.
226. 357 A. 3. 359, 1.
360 A. 2. 369. 371
A. 2. 3. 6. 394, 2.
396, 1 u. A. 1.
fealu (falu) Adj. 109
A. 8. 300.
fearan s. faran.
fearöa s. feoröa.
fearfald Num. 325, 4.
330 A. 1.
fearh (ferh, ferh) stm.
120 u. A. 1. 242, 1.
fearra s. feorra.
featu Pl. s. fast.
feawe, fea Adj. Pl. 75.
301 A. 1.
feax stn. 86, 1. 221, 2.
feb(b)res G. Sg. s. fefor.
fecc(e)an s. fetian.
fedan (föedan) swv. 138,
3. 405 A. 3.
feder s. feder.
fefer, fefor (G. Sg. fe-
bres, febbres) 66 A. 2.
152 A. 2. 191 A. 2.
192, 2.
fe3(e)an swv. 405,1 u. A.
2.
feh s. feoh.
fehst, fehö 2. 3. Sg.
Präs. Ind. s. fön.
fehta(n) s. feohtan.
fela, feala (feola, feolu)
Neutr. 110, 2 u. A. 1.
5. 148, a. 275. 317.
feld stm. 137, 3. 148, a.
201 u. A. 2. 224. 272.
273.
feie Opt. Sg. s. feolan.
*fel3an s. feolan.
feltün stm. 231, 3.
felun Prät. Pl. s. feolan.
fen Part. Prät. zu fön.
fen3 stm. 266.
fenix stm. 66 A. 2.
feo stn. s. feoh.
feo Opt. Präs. s. fön.
feoöorfald Num. 330
A. 1.
feoöorfote, -a, -o s.
fyöer-.
feoer s. feower.
feo3(e)an, fioj(e)an
swv.; 3. Sg. Präs. Ind.
fioö, feoö (fiaö) 130,
1. 417, 1 u. A. 5.
feoh, feo (feh) stn. 86, 2
u. A. 3. 119 u. A. 2.
129, 2. 218, 3. 223.
242, 2. 288 A.
feoht stf. 254, 1.
feohtan (fehtafn]) stv.
86, 2. 119 u. A. 2. 5.
122, 1. 3. 388 u. A. 3.
feola s. fela.
feolan (fealan, *fel3an);
Präs. Ind. 2. 3.
*fielhst, -ö, fylijeö
(fileö); (Opt. feie);
Prät. Sg. fealh
(falh), Pl. fuhjon,
felon (felun); Part,
folen stv. 85 A. 5.
120 A. 1. 218, 1.
371 A. 6. 387 A. 2.
feolu, -o s. fela.
feond, fiond; D. Sg. u.
N. A. Pl. fiend kons.
Mask. Fern. 38 A. 2.
78. 130, 1 u. A. I. 286
u. A. 2. 287.
feonj (fiouns, feoun^)
stf. 135.
feor s. feower.
feoröa, feoweröa (fear-
öa) Num. 328.
feorh, feor3, fl. feores
stm. 84 A. 2. 218, 1.
223 u. A.1.242,1.273.
feorhle3u stf. 268.
feorhneru stf. 268.
feorm, fiorm (farma,
ferma) stswm. 84
A. 5. 113 A. 3.
feormian, fiormian swv.
84 A. 5. 357 A. 2.
feor(r), fior(r) Adv. 84
A. 5. 107. 231, 1. 313
u. A. 321.
feorran (fearra, farra,
farr) Adv. 35 A. 1.
113 A. 3. 178, 2. 226.
231, 1. 321.
feorrest(a) s. fi(e)rrest(a).
feorrian (Imp. fearra)
swv. 35 A. 1.
feorstupu (feurstud)
kons. Fern. 282 A. 1.
feortij, -ih s. feowertij.
feotor s. fetor.
feounj s. feonj.
feower, -or, -ur (fiower,
fewer, feuor, fewr,
feor) Num. 89. 125
A. 2. 325. 329 A. 3.
398
W örter Verzeichnis
feoweröa s. feoröa.
feowerteoöa (-tejfejöa)
Num. 328.
feowertiene, -tyne, -tene
Num. 325.
feowertij (feortij, -tih,
feuortijj Num. 326.
fer Imp. s. faran.
feran swv. 405 A. 1.
ferö s. ferhö.
-ferö s. -friö.
fer3an swv. 409 A. 1.
ferh s. fearh.
ferhö, ferö stm. 222.
ferian swv. 358 A. 5, c.
400 A. 1.
fers stn. 192 A. 2.
ferse Adj. 84 A. 3. 179,
1.
festen s. festen.
fetan stv. 391 A. 1.
fetor (feotor) stm. 110,1
u. A. 1.
fet Pl. s. föt.
fetel stm. 159 A. 3.
fetian, fecc(e)an swv.
196, 2. 206, 8 u. A. 9.
227 A. 3. 414 A. 1.
417 A. 13.
feuer, -or s. feower.
feuortij s. feowertij.
feurstud s. feorstujsu.
fewer, fewr s. feower.
fiaö 3. Sg. Präs. Ind. s.
feoj(e)an.
*fielhst, -ö s. feolan.
fiel! stm. 266.
fiellan (fellan) swv. 96,
4. 405 A. 6.
fiend D. Sg. u. N. A.
PL s. feond.
fierd stf. 269.
fierr, firr, fyrr Komp.
Adv. 83 A. 120 A. 4.
323.
fi(e)rra,-fyrra, firr Komp.
Adj. 83 A. 313 u. A.
fi(e)rrest(a), fyrrest(a),
fyrst(a) (feorresta)
Sup. Adj. u. Adv. 313
u. A.
fierst stm. s. first.
fif Num. 46. 67. 186, 1.
205 A. 3. 325.
fifta Num. 328.
fiftejöa (-te[o]3[e]öa,
-teiöa) Num. 328.
fiftiene, -tyne, -tene
Num. 325.
fift)3 Num. 138, 2. 326.
*fi3an stv. 382 A. 1, a.
fihl stmn. ? 218 A. 5.
fileö, filhö 3. Sg. Präs.
Ind. s. feolan.
fili(3)an swv. s. fy^an.
findan, fyndan stv. 22
A. 2. 192, 1. 359, 2.
3. 380. 386 A. 1. 2.
3.
finjer, fincjer stm. 153.
160. 215.
finu(3)l(a) stm., swf.
214 A. 10.
firas Pl. 218 A. 1.
fir(e)n stf. 149, 1. 159
A. 3. 254, 2. 255, 2.
firnian swv. 158 A.
firr s. fierr(a).
firrest(a) s. fierrest(a).
first, fierst, fyrst stm.
22 A. 2. 84 A. 3. 179,
1. 266.
fisc, fix stm. 45 A. 3.
202. 204, 4 u. A. 2.
fiscere stm. 162. 204, 4.
248, 1.
fit stf. 258, 1.
fix s. fisc.
flä swf. 278 A. 2.
fltesc (fiese) stn. 97 A. 1.
204, 4. 206, 7, c. 267,
a. 288 A.
fläesemaöu stf. 167, b.
fläh stn. 242, 2.
fiähAdj. 295 A. 1.
fiän stmf. 278 A. 2.
flasce, flaxe swf. 50 A.
6.
flea swmf., fleah stm.
‘Floh’ 119 A. 2. 242,
2. 277 A. 2.
flea stv. s. fleon.
fleah (flio, flie) stn.
242, 2.
fleam stm. 218, 2.
fiean stv. ‘schinden’ 128,
2. 373. 392, 2.
fleax, flex stn. 122, 3.
flejan stv. s. fleosan.
fiese Subst. s. fleoje,
fleojan (flejan; Prät.
Sg. flej, fleh) stv. 119.
384 A. 1 u. 2.
fleoje (fleje) swf. 119.
fleon (flion, flea; Opt.
Pl. flen; Prät. fleh,
fies, flaeh; 3. Sg. Präs.
Ind. fli3Ö,fliö) stv. 106
A. 2. 119 A. 5.
129 A. 4.135.192 A. 3.
359 A. 9. 371 A. 4.
373. 374 A. 1-6. 384,
_2 u. A. 2. 6.
fleos s. flies.
fleotan stv. 384 A. 1, a.
fleowö 3. Sg. Ind. Präs,
zu flöwan.
fiese s. fläesc.
flet stn. 247.
flewö 3. Sg. Präs. Ind. zu
flöwan.
flex s. fleax.
fliö 3. Sg. Präs. Ind. s.
fleon.
flie stn. s. fleah.
fließan swv. 359 A. 6.
flieman swv. 405 A. 1.
flies, flys, fleos (flius)
stn. 267, a. 288 A. 1.
flio stn. s. fleah
flitan stv. 111. 360 A. 1.
376 A. 382 A. 1, a.
flius s. flies.
flöcan stv. 396, 2, b.
floejian swv. 216, 2.
flöd stn. 146 A. 273 u.
A. 4.
flohtenföt Adj. 388 A. 1.
flör stf. 274 u. A. 1.
flöwan (3. Sg. Präs. Ind.
flewö, fleowö) stv.
126, 1 u. A. 2. 371
A. 2. 3. 6. 396, 3, a.
flyje stm. 263, 1.
flyht stm. 266.
fiys s. flies.
fnaed, fnaes stn. 240.
föa stv. s. fön.
födor, foddor stn. 138,
1. 153. 229.
föeda swv. s. fedan.
föen Part. Prät. s. fön.
feerömest s. forömest.
feermest s. formest(a).
feet Pl. s. föt.
folc stn. 206 A. 9. 237
A. 2.
folcisc Adj. 95 A. 5.
Folcstän On. 284 A. 7.
Folcuinis (Gen.) Eign.
263 A. 1.
Wörterverzeichnis
399
folde swf. 278.
folsian swv. 411 A. 7.
412 A. 7. 417 A. 7.
fön (föa) stv.; 2. 3. Sg.
Präs. Ind. fehst,
fehö; Part. Prät.
fon^en (föen, fen) 27
A.80A.1.101.131A.
188 A. 3. 198 A. 2.
215. 222. 358 A. 7.
359 A. 6. 367, 1. 373.
374 A. 1. 2. 5. 378
A. 2. 394, 2. 395, 1.
397 u. A.
fona, fana swm. 276
A. 4, b. 277.
fondian, fandian swv.
360 A. 4. 411 A. 6.
font, fant stm. 60 A. 3.
för stf. 254, 1.
foran Adv. 321.
forbodian swv.; Part.
Prät. forboden 414
A. 4.
forcüö Adj. 186 A. 3.
forcwolstan stv. 389
A. 5.
ford stm. 273.
fordwinan stswv. 382
A. 4.
forö Adv. 313. 314. 321.
forömest (fcerömest)
Sup. 314.
foröoro Komp. s. furöra.
forörsestan (-örestan)
swv. 97 A.1.405 A.ll.
foröwerd Adj. 43, 3.
fore Adv. 313. 314.
foren(n)e Adj. 231 A. 3.
forenyme stm. 263, 1.
forestemma swv. 405
A. 6.
forjä!3(e)an swv. 405
A. 2.
for^lendran swv. 404
A. 1, c.
forhradian swv. 412 A.
1.
forhtian, -ti3an (forohti-
3a) swv. 166. 179, 2.
221 A. 1. 2. 360 A. 3.
4.
forhtnes s. fyrhtnes.
forlesis stf. 258, 1.
forleosan stv. 384 A. 1,
b.
forma Adj. Sup. u. Num.
179, 1. 304 A. 1. 314.
328.
formest(a), fyrmest(a),
fyr(e)st(a) (fcermest)
Sup. u. Num. 314.
328.
f(o)rohti3a s. forhtian.
forrepen Part. Prät. 391
A. 1.
forrotian swv. 414 A. 2.
forsc stm. 179, 1; frox
204, 4.
forscriuncen Part. Prät.
s. scrincan.
forslsewan swv. 408, 2.
forst (frost) stm. 179,
1 u. A. 2.
forswselan swv. 406 A. 2.
*forweosan, Part. Prät.
-weren, -weoren, -wo-
ren 382 A. 3.
forwost Num. 328.
forwyrd stn. 267, b.
föt kons. Mask.; Pl. fet
(fcet) 147, a. b. 281,
1 u.A. 3.
fracoö Adj. 43 A. 4. 186
A. 3.
fracoölice Adj. 43 A. 3.
fraafele Adj. 159 A. 3.
*frae3nian (fre3na, frai3-
na) swv. 126, 2. 389
A. 3.
frsemman s. fremman.
frset(e)wa, -e stf. Pl. 43
A. 4. 165, b. 260 u.
A. 1.
frsetwan swv. 408 A. 8.
frai3na swv. s. fr^nian.
fram Adj. 137 A. 6.
frän Prät. Sg. s. fri3nan.
Francna Eign. Gen. Pl.
276 A. 4, a.
frea, fri3ea swm. 277 A.
2. 3.
frea Adj. s. freo.
freamsum Adj., -lice
Adv., -nis stf. 109
A. 7.
-freö s. -friö.
frefran, frefrian (frce-
fran) swv. 358 A. 4.
404 A. 1, c. 406 A. 5.
fre3na swv. s. freesnian.
fremde, fremde Adj. 201
A. 3.
freme Adj. 302.
fremman, fremian, freo-
mian (frsemman) swv.
96, 5 u. A. 8. 110 A. 2.
150, 3. 175 A. 177, 3.
358 A. 5, c. 372. 400,
2 u. A. 1-4. 401, 2.
402, 1. 409. 410, 1. 3.
fremu, freomu stf. 110
A. 2. 252 A. 4. 268.
frens Prät. Sg. s. fris-
nan.
freo stf. 130 A. 1.
freo, frio (frea); G. frijes
usw. Adj. 78. 130, 1.
177, 1. 223 A. 2. 297
A. 2.
freoö 3. Sg. Präs. Ind. s.
freojan.
freoöu s. friöu.
freO3(e)an, friO3(e)an;
3. Sg. freoö, frioö
(friaö) swv. 130, 1.
177 A. 1.415, f.
freols stn. 43 A. 4. 130,
2.
freomian s. fremman.
freomu stf. s. fremu.
freomun3 stf. 110 A. 2.
freond, friond; D. Sg. u.
N. A. Pl. friend,
frynd kons. Mask. 38
A. 2. 78. 130, 1. 286
u. A. 2.
freondrseden stf. 258, 1.
freondscipe stm. 263, 1.
freosan stv. 35 A. 1. 384
A. 1, b.
Fresna Eign. Gen. PI.
276 A. 4, a.
fretan stv. 391 A. 3.
friaö 3. Sg. Präs. Ind. s.
freo3(e)an.
fric3(e)an stv.; Part.
Prät. 3efre3en, -frisen
(-fragen) 372. 389 A.
3. 391 A. 9; s. auch
fri3nan.
friö(u) (frioöu, freoöu)
stmf. 39. 271.
-friö, -freö (-ferö) 43, 3.
179, 1.
Fri3 Eign. 67. 176, 3.
fri3ea swm. s. frea.
fri3es usw. G. Sg. usw.
s. freo Adj.
fri3nan, frinan stv.;
Prät. frae3n, fren3,
400
Wörterverzeichnis
frän; Pl. frujnon, fru-
non, frinon (frujan);
Part. Prät. 3efru3nen,
-frunen, -frinen, -fru-
3en (-frosnen) 185.
214, 3 u. A. 9. 389,
1 u. A. 3; s. auch
fric3(e)an stv. u.
*frae3nian swv.
friod 3. Sg. Präs. Ind. s.
freo3(e)an.
frioöu s. friö(u).
Friumon Eign. 78 A. 1.
frcefran s. frefran.
fröfor stf. 148 A. 2. 254,
1. 255, 2.
fro33a, frocsa swm. 216,
2. 228 A. 2.
frohti3a s. forhtian.
from Präp. 25 A.
frost s. forst.
frox stm. s. forsc.
fru3an Prät. Pl. s. fri3-
nan.
fruma swm. 179, 1. 328.
frunen Part. Prät.; fru-
non Prät. Pl. s. fri3-
nan.
fryhtu s. fyrhtu.
fu3ol, -el stm. 58. 152
A. 2. 154. 160. 214
A. 3. 245.
fuil3ende Part. Präs. s.
fyl3an.
ful3än Vb.; Prät. fuleo-
de, ful3eode 212 A. 2.
ful3on Prät. Pl. s. feo-
lan.
fulhtere s. fulluhtere.
fülian swv. 414 A. 1.
ful(l) stn. 239, 2.
full Adj. 58. 226; Adv.
319.
fulkestan s. fullestan.
füllest, fylst stfn. ? 43
A. 4.
fullestan, fullsestan
swv. 43 A. 4.
fullic Adj. 43, 1.
fulluht, fulwuht (ful-
wiht) stf. 114 A. 4.
158 A. 173 A. 5. 267, b.
fulluhtere, fulhtere stm.
158 u. A.
fulluhtian swv. 414 A. 2.
fultum (fulteam) stm.
43 A. 4.
fultumian, fult(e)mian
swv. 43 A. 4. 158 u. A.
fulwian swv. 412 A. 4.
414 A. 2.
fulwiht, -wuht s. fulluht.
fundian swv. 411 A. 6.
furöor Adv. 58; Komp.
furöra (foröoro) 313.
314.
furöum Adv. 58.
furh kons. Fern.; G. Sg.
fyrh, furh u. fure 218
A.5.223.284u.A. 1-3.
furlon3 stn. 43 A. 4.
füs Adj. 103.
fyöer-föte (feoöor-fota,
-o) Adj. 95 A. 9.325, 4.
fyl3an, fyli(3)an, fil(i)-
3(e)an swv. 31 A. 2.
94 A. 165, a. 206, 7, c.
213 A. 2. 214 A. 12.
405, 1 u. A. 2. 417
A. 7.
fyli3eö 3. Sg. Präs. Ind.
zu feolan.
fyllan swv. 229 A. 2.
405, 3 u. A. 7. 406 u.
A. 1. 6.
fylnis, -nisse, fyllnisse
stf. 95 A. 8.
fylst s. füllest.
fylstan swv. 405 A. 11.
fyndan s. findan.
fyr stn. 239 A. 1, b.
fyrörian swv. 200 A.
fyr(e)st(a) Sup. u. Num.
s. formest(a).
fyrhtnes, -nisse, fohrt-
nes stf. 95 A. 8.
fyrhtu, fyr(i)hto swf.
164. 165, a. 166. 179,
2.
fyrmest(a) s. formest(a).
fym Adj. Adv. 295. 302.
319.
fyrra Komp. s. fierra.
fyrrest(a) s. fiorrest(a).
fyrs stm. 266.
fyrst stm. s. first.
fyrst(a) s. fierrest(a).
fysan swv. 103. 405
A. 1.
fyst stf. 269.
jabul, jaebul s. jafol.
3äd stn. 174, 3. 249 A. 5.
3ad(e)rian (3acderian,
3e[a]dri3a[n]) swv. 10.
50 A. 1. 109 u. A. 3.
412 A. 10.
3®delin3 (3eadulin3)
stm. 44 A. 5. 50 A. 2.
91 A. 3. 95 A. 2. 96,
3, d. 109.
3sederian s. 3aderian.
3eefel s. 3afol.
3®rs, 3rass (3ers) stn. 84
A. 3. 179 u. A. 2. 240
A. 3.
3serstapa swm. 231, 3.
3sest s. 3iest.
3«st s. 3äst.
3®tt s. 3eat.
3affotun3 stf. 192, 1.
3afol (3aebul, 38efel, 30-
bil, 3eafol) stn. 96, 3.
108 A. 4. 109 u. A. 2.
159 A. 3. 8.
3alan stv. 85 A. 3. 91
A. 3. 108 A. 4. 109
A. 6. 212. 370 A. 2.
392 A. 1.
3al3a s. 3eal3a.
3amol Adj. 159 A. 8.
3än Vb.; 2. 3. Sg. Ind.
Präs. 3fest, 3teö; Prät.
eode (eade) 97. 125,
a u. A. 2. 130 A. 1.
134, 2. 212 A. 2. 409
A. 2. 430 u. A.
3anian swv. 411 A. 7.
-3apian swv. 411 A. 7.
3är stm. 205 A. 273 A.
4.
3ast s. 3iest.
3äst, 3sest stm. 12. 212.
237 A. 3. 288 A.
3ät kons. Fern. 284 u.
A. 1.
3atu Pl. s. 3eat.
3e ‘ja’_s. 3ea.
3ea (30, 3ie) Interj. 91,b.
3eabol s. 3afol.
3eac (3äec, 36c) stm. 119
A. 2. 5.
3eador, eador 109 A. 3.
212 A. 2.
3eadri3a s. 3ad(e)rian.
3eadulin3 s. 3sedelin3.
3eaöe s. eaöe.
3eafa, -o s. jiefu.
3eafa stv. s. 3iefan.
3eafol s. 3afol.
3ea31as stm. PI. 183 A.
Wörterverzeichnis
401
Sealja (salga) swm. 120.
jealhswile stm. 183 A.
jealla (jella, ealla) swm.
123. 12$, a. 214, 7.
jeamrinj (jemruns)
Sub. st. 80 A. 3.
3eäna Adv. s. jgöna.
3ear (3er) stn. 91, b. 123
u. A. 1. 2. 176, 1 u.
A. 1.
3eära (iära) Adv. 63 A.
1. 92, 1, c. 123 A. 2.
317.
3earcian (iarcian) swv.
212 A. 1. 411 A. 6.
-3eard (-ieard, -i®ard,
-iard) subst. Suffix
212 A. 1.
3earfoöe s. earfoöe.
3earlan3es Adv. 319.
3earomonne (D. Sg.)
Eign. 281 A. 2
3earu Adj.; flekt. jear-
wes usw. 3earowe,
-uwe, -ewe usw. 108
A. 4. 109 A. 8. 148, d.
165, b. 173.174,2.300
u. A. 307.
jearwan s. 3ierwan.
3earwian (iarwian, jear-
wisa, 3eorwi3a) swv.
84 A. 1. 408 A. 3.
411 A. 6. 412 A. 2. 5.
7. 414 A. 3. 4.
3iärwyrÖian swv. 412
A. 5.
3eat Eign.; G. Pl.-ena
276 A. 4, a.
3eat (30t, seett) stn.; Pl.
3atu, 3eatu 91, a. 108
A. 4. 109 u. A. 8. 123.
229 A. 3. 240 A. 3.
-3eata stv. s. -3ietan.
3eatwa, -e, 3etäwa stf.
Pl. 43 A. 4. 63, b. 91,
a. 165, b. 260 u.A. 1.2.
3ebed stn. 229 A. 3. 241.
jebedda swmf. 278 A. 4.
3ebenn, 3ebonn stn. 267,
a u. A. 1. 288 A.
3ebeowed Part. Prät.
408 A. 15.
3iberhta, sibrehta swm.
166.
3iberhta s. jebierhtan.
3eberhtni3a s. -beorht-
nian.
3ebierhtan (3iberhta, 3!-
brehta) swv. 120 A.
4. 7.
3ebil s. 3afol.
3ebleo(h) Adj. 297 A. 2.
3ebonn s. 3ebenn.
3ebrec stn. 241.
3ebreded Part. Prät. s.
bräedan.
3ibrehta swm. s. 3iberh-
ta.
3ibrehta swv. s. -je-
bierhtan.
3ebrehtni3a s. -beorht-
nian.
3ebrööor Subst. Pl. 200
A. 285.
3ebrcecen Part. Prät. s.
brecan.
3ebyrd stfn., 3ebyrdu
swf. 267, b u. A. 4.
3ecilae, -e s. 3iecel.
3ecliht Part. Prät. 407
A. 12.
3ecnoeden Part. Prät. s.
cnedan.
3ecweme (jecwöime)
Adj. 80 A. 2.
3ecwoeden Part. Prät.
s. cweöan.
3ecy stn. ? 248 A. 1.
3ecynd stfn., jecynde
stn., 3ecyndu, -o swf.
267, b. u. A. 4. 269
A. 4.
3edaefen s. 3edafen.
jedaefnian, -nißa s. 3eda-
fenian.
3edseftan swv. 405 A. 11.
3edafen, -daefen Part.
Prät. 368 A. 4. 392
A. 1.
3edaf(e)nian (jedeafe-
nian, 3edaefnian.
ni3a) swv. 10. 35 A.
1.411 A. 6. 412 A. 2. 5.
3edeaw Adj. 301.
jedefe Adj. 302 A. 1.
315.
3eder3an swv. 409 A. 1.
3idil3a swv. 355 A. 3.
412 A. 4.
3idopta s. seöofta.
jedrija s. jadfejrian.
3edryhtu stn. Pl. 267
A. 2.
3edwild stn. 267, a.
3edwolen Part. Prät. s.
*dwelan.
3edyne stn. 263, 2.
3edyre stn. 263, 2. 288
A.
3edyrsti3 Adj. 234.
3edyrstläecan swv. 407
A. 10.
jeöasht s. 3eöeaht.
3eöafian swv. 412 A. 5.
413 A. 3. 5.
3eöeaht (3eöaeht) stfn.
119. 261. 269.
3eöeode s. 3eÖiede.
3eöewde Part. Prät. s.
öywan.
3eöiede, *öiode, -öeode
stn. 107 u. A. 3.
3eöoä s. öwean.
3iöcelsa swv. s. öolian.
3eöofta, 3idopta swm.
193, 1. 199 A. 1.
jeöracen Part. Prät. 392
3eöreatian swv. 412 A. 9.
3eörüen, 3eöuren Part.
Prät. s. öweran.
jeöuoä s. öwean.
3eJ>wä!rlsecan, -hwaer-
swv. 201 A. 10.
3eöyld stn. 267, b. 269.
3eefenlfecan swv. 407
A. 10.
3eendebyrdan (3eende-
brednia[n]) swv. 180.
405 A. 11.
3efä swm. 134, 1. 277
3efae3en, 3efa3en Adj.
(Part. Prät.) 368 A. 4.
391 A. 7.
3efa3en s. 3efse3en.
3efan s. 3iefan.
3efe, -o Subst. s. 3iefu.
3efea swm. 128, 2. 277
A. 2.
3efea3a swv. s. 3efeon.
jefearh Adj. 295 A. 1.
3efeastadon Prät. Pl. s.
fiestan.
3ifect s. 3efeoht.
3efe3, 3efÖ3 stn. 267, a u.
A. 1.288 A.
3efeoht (3ifect) stn. 221
A. 1.
3efeon, 3efion stv. (30-
feaja swv.) 86, 1. 2.
402
W Örterverzeichnis
129, 2. 358 A. 7. 373.
374 A. 2-4. 391, 2 u.
A. 7. 415, c.
gefiend kons. Mask. Pl.
286.
3eflit stn. 241.
3ifcerscipia(n) swv. 412
A. 6.
3efö3 s. sefej.
3efr®3en Part. Prät. s.
fric3(e)an.
3efredan swv. 405 A. 3.
3efre3en Part. Prät. s.
fric3(e)an.
3efriend kons. Mask. Pl.
286.
3efri3en Part. Prät. s.
fric3(e)an.
3efru3en, 3efrunen Part.
Prät. s. fri3nan.
3efulhtnian swv. 158 A.
3efvlce stn. 206, 7, c.
246 A. 3.
3esiscan swv. 405 A. 10.
3e3rynd stn. 267, a.
3ehaeld s. sehield.
3eheald s. 3ehield.
3eheftan s. haeftan.
3ihersumia swv. s. hir-
sumian.
3ehield, 3eheald (30-
haald) stn. 267, a u.
A. 1. 288 A.
*3ehleow Adj. 307.
3ehlöw stn. 250, 1.
3ehlyd stn. 267, a.
3ehnäst, -hnaest stn. 267,
au. A. 1. 288 A.
3ehoro3aa s. horwian.
3©hreow stn. 250, 1.
3ehü elles Adv. 320.
3ehwä Pron. 341 A. 4.
347.
3ehwäede Adj. 217 A. 2.
3ehwaeöer Pron. 347.
3ehwaer Adv. 321 A. 2.
3ehwäerläecan s. 30-
jjwffirkecan.
3ehwelc Pron. 347.
3ehy3d stfn. 267, b. 269
u. A. 4.
3ehyrstu, -e stn. Pl. 267
A. 2.
3i-Idlian swv. 412 A. 7.
3einlihtan swv. 410 A. 5.
3eldan s. 3ieldan.
Seleafa swm. 75. 106.
3eleaf(f)ul Adj. 231 A. 2.
3eleaJ)ade Part. Prät. s.
laöian.
3eled Part. Prät. s.
Iec3an.
3elefan swv. s. 3eliefan.
3elic Adj. 43, 1.
3eli(e)fan, selyfan, 3ele-
fan swv. 98 A. 2. 106.
193 A. 2. 356 A. 2.
405, 1. 406 A. 7.
3eli3ere, 3ellre stn. 214,
4.
3elimpan stv. 386 A. 1.
3.
3elire s. 3eli3ere.
3ella s. 3ealla.
3elostr s. 3eolstor.
3elpan s. 3ielpan.
3elustfullian swv. 224
A. 1.
3©lyfan s. 3eliefan.
3emacca, semaecca s wmf.
278 A. 4.
3©maeöian swv. 200 A.
3emäne Adj. 302 A. 1.
3emaercode Prät. s.
mearcian.
3emäh Adj. 218 A. 2.295
A. 1.
Semalic Adj. 218 A. 2.
3ema(n) s. 3ieman.
jemersian s. mäersian.
jemidlian swv. 412 A. 1.
3emierce st. 248, 1.
*3emilci3a swv. 120 A.
6.
3emnisse stf. 91 A. 4.
3emrun3 s. 3eamrinj.
3emun Adj. 302.
3emun3, -Uc s. 3iemun3,
-lic.
3emynd stfn. 267, b.
269 u. A. 4.
3emynd3ian swv. 355
A. 3. 411 A. 6. 412
A. 4. 7.
3emyne Adj. 302.
3en(a) Adv. s. 3iena.
3end Adv. s. seond.
3eneah Vb. prto.-präs.
423, 10 u. A. 3.
3eneah(h)e, 3enehhe
Adv. 121. 220 u. A. 1.
228 A. 3.
3eneat stm. 75 A. 1.
3enehhe s. seneahhe.
3enehwi3a swv. 205 A. 3.
3eneop Prät. 384 A. 2.
3enesan stv. 391 A. 1.
3enj s. Jeong.
3en3an swv. 394 A. 5.
3en3e Adj. 299; Opt.
Prät. 394 A. 5.
3eniöla swm. 201, 3.
3enih(t)sum s. 3enyht-
sum.
3iniosi3a s. neosian.
3enip stfn. 241.
3enö3, 3enöh Adj. Adv.
214, 1. 291 A. 1. 319.
3enyht stfn. 267, b.
3enyhtsum, 3©nih(t)-
sum Adj. 196 A. 2;
-ian swv. 31 A. 2. 412
A. 2; -nes stf. 31 A. 2.
3eoc, 3ioc stn. 92, 1, b.
176, 1. 239, 1, b.
3eoc, eoc stf. 212 A. 2.
3eode f. eode s. 3än.
3eofa(n) s. 3iefan.
3eofol, 3iofol, 3ifol, -ul
Adj. 91A. 8. 111A. 8.
3eofon, 3ifen, 3yfen stm.
110, 1. 141 A. 3.
3eofu, -o, -a s. 3iefu.
300308 (00308), 3iu3u8,
310308, iu3uö (3U3U8,
31308) stf. 92, 1, a.
150, 3. 175, 2. 176 A.
1. 186 A. 3. 212 A. 2.
254, 2. 269 A. 4.
3eoh(h)ol stm. 220 u.
A. 1.
3öola swm. 220.
3eol(o)ca swm. 85 A. 6.
111A.8.125 A. 2.159
A. 8.
3eolstor, 3ilister, 3illistre
(3elostr) stmfn. 111
A. 8.
3eolu; G. 3eolwes usw.
Adj. 85 A. 6. 111 A. 8.
300.
3eömor Adj. 80. 92, 1, b.
3eömrian, 3iömrian swv.
92, 1, b. 412 A. 10.
3eon Pron. 92 A. 5. 338
A. 6.
3eöna, 3eäna Adv. 91, d.
92, 1, b.
3©ond, siend, sind, 3end
Präp. 92 A. 5. 338
A. 6.
Wörterverzeichnis
403
30003 stm. 92 A. 4.
3eon3, 3ion3, iun.3, 31103
(3in3, 3en3); Komp.
3in3ta (3iun3ra, 31013-
ra); Sup. 3in3est(a)
(3iun3est[a], 310130-
st[a]) Adj. 31A. 2.92,
1, au. A. 1. 2. 175, 1.
176, 1. 307. 310 u.
A. 311.
30003 Prät. s. 300300.
36003a s. 300300.
3eooiao s. 3inian.
3eonofer Adv. 321 A. 3.
3eopan stv. 384 A. 1, a.
3eoro, eom Adj. 91 A. 7.
107. 212 A. 2.
3eome, 3iome Adv. 38
A. 2.
3eoroes stf. 231, 3.
3eornest s. eomest.
jeomlice, eomlice Adv.
125, a.
3eorran s. *3ierrao.
3eorwi3a s. 3earwi3a.
3eostra s. 3iestran.
3§ot s. 3let.
-3eotao s. -3ietan.
jeotan stv. 123. 212.
384 A. 1, a.
3eoweoröa Eign. 90 A. 1.
113 A. 1.
3er stn. s. 3§ar.
3erd s. 3ierd.
3erefa (3ircefa) swm. 101
A. 1. 191. 192, 2. 276
A. 4, c. 277.
3ere3nian swv. 413 A.
1.
jereofa swv. s. reafian.
3eresp stn. 267, a.
3oresta swmf. 278 A. 4.
3oriorde stf. 45 A. 3.
3iröefa s. 3erefa.
jers s. 3«rs.
3esjelöu swf. 200 A. 201,
2.
3escäd, jescead, 3esced
stn. 92, 2, e. 123.
3escädwis, 3esceadwis
Adj. 92, 2, e.
3escseft s. jesceaft.
sesceaft (siscseft) stfn.
91, a. 192, 1. 232. 261.
267 A. 2. 269.
Sesceapu stn. 109 A. 8.
3esced s. 3escead.
3escentu swf. 201, 4.
jesceCe s. 3©scy.
3escöe s. 3escy.
3escriun3on Prät. Pl.,
3escryncanPart. Prät.
s. scrincan.
3escy (3esc[e]öe) Pl.
Subst. 92 A. 9. 248
A. 1.
3escyfen Part. Prät. s.
scüfan.
3eseaw Adj. 301.
Seseman swv. 80 A. 2.
3esene s. 3esiene.
3eset (Pl. 3eseoto) stn.
110 A. 1.241.
3esetla swm. 160.
3esib Adj. 297.
3csi(e)ne, -y-,3esene Adj.
218, 2. 391 A. 8.
3esihö stf. 119 u. A. 3.
3esiowid Part. Prät. zu
seowian.
3esomnun3 stf. 215.
3esprec, PL 3esprecu,
3espreocu stn. 110
A. 1. 241.
3est s. 3iest.
3estor s. 3iestran.
3estred, -streded Part.
Prät. s. stresdan.
3estreon, -strion stn. 78.
3estron3ian swv. 411
A. 7.
3esund Adj. 102.
3esweostor kons. Subst.
Pl. 285.
3esweotolian swv. 114
A. 6.
3eswinc stn. 267, a.
3eswö3en Part. Prät.
214, 8. 396, 2, b.
3eswöwun3 stf. 214, 8.
3eswyrf stn. 267, a.
3esyne s. ^esiene.
3esyntu stf. 102. 149, 1.
201, 4. 255, 3.
30t stn. s. 3eat.
38t Konj. s. 3let.
-3etan s. -3ietan.
3etäwa, -e s. 3eatwa, -e.
3etel stn. 137 A. 6.
3eteld (ieteld) stn. 212
A. 1.
3etimbre stn. 248, 1.
3etinc3e s. 3etyn3e.
3eto3, 3etoh stn. 214, 1.
3etriewan, 3etreow(i)an
(-triowan, -trewa,
-triwa) swv. 38 A. 2.
89. 408 A. 13. 412
A. 7. 417 A. 10.
3etriewe, 3etriwe, 3etry-
we 89. 107.
3etry3ade Prät. s. tru-
wian.
3etyn3e (3etinC3e) Adj.
215 A. 2.
3euaerpte Prät. s. 3ewier-
pan.
3ivcenda s. wendan.
3ewsec(e)an swv. 407
A. 9. 10.
3ew®de stn. 248, 1.
3ewarden Part. Prät. s.
weoröan.
3ewarht Part. Prät. s.
wyrc(e)an.
3ewealc s. 3ewielc.
3eweald stn. 43, 2.
3ewealdes Adv. 320.
3ewed stn. 267, a.
3ewef stn. 263 A. 3.
3ewelhwser Adv. 321
A. 2.
3ewelhwelc Pron. 347.
3ewielc, 3ewealo stn.
267, au. A. 1. 288 A.
3ewierpan, -y-, -u-
(Part. Prät. 3euserpte)
swv. 96, 4. 118.
3ewif(e), Pl. 3ewiofu stn.
263 A 3
3ewiht(e) stn. 122, 1.
3ewile, 3ewill stn. 263,
2 u. A. 3.
3©wintred Part. Prät.
414 A. 2.
3ewiss Adj. 226. 232.
3ewitan stv. 376 A. 382
A. 1, a.
jiwlitjian swv. 412 A. 7.
3©wlöh Adj. 295 A. 1.
jewcedad Part. Prät. s.
wsedan.
jowcendet s. wendan.
jewcerden Part. Prät. s.
weoröan.
jewreotene Part. Prät.
s. writan.
3ewrit stn. 241.
3ewuna Adj. 291 A. 2.
jewurpan swv. s. 3ewier-
pan.
404
Wörterverzeichnis
jewyrht stfn. 267, b.
269 u. A. 4.
jewyrpan swv. s. jewier-
pan.
31- s. 30-.
3iaban s. 3iefan.
3ib s. 3if.
3idsian s. 3itsian.
3ie Interj. s. 30a.
3iecel (jecile) stm. 159
A. 4.
3ied stn. 91, c. 247.
3iefan, 3ifan, 3yfan (50-
fan, 3eofan, 3eafa,
3iaban) stv.; Prät.
Sg. jcal' 3«>f). PL
3eafon (3efon); Part.
Prät. 3ifen (sibaen,
3efan) usw. 36. 42. 44
A. 6. 91, a. b. c u.
A. 1. 5. 123 u. A. 1.
191. 192, 2. 196, 1.
212. 232. 305 u. A. 1.
355 A. 2. 366 A. 3.
370 A. 3. 391 A. 2.
4. 6.
3i(e)fheal(I) stf. 167, d.
3i(e)fstöl stm. 167, d.
3i(e)fu, 3yfu, 3eofu, 3io-
fu stf. 44 A. 7. 91,
c u. A. 5. 8. 111 A. 8.
148, b. 150, 1. 2. 205
A. 1. 252 u. A. 2. 4.
253 A.
3ield stn. 91, c.
3ieldan, 3ildan, 3yldan
(3eldan) stv. 91, c.
212. 355 A. 4. 359, 2.
371 A. 4. 6. 387 A. 1.
3.
3i(e)llan stv. 91, c. 387
A. 1.
3ielp stmn. 91, c.
3ielpan, 3ilpan, 3ylpan,
(3elpan) stv. 42. 91,
c. 371 A. 4. 387 A. 1.
3ieman (3§ma[n]) swv.
91 A. 4. 405 A. 1.
3iemun3, 3ymun3 (31-
mun3o, 301x111113, ie-
mun3) stf. 91 A. 4.
212 A. 1.
•üemiurdic (-xe-, •zimun-
3elic) Adj. 91 A. 4.
3ien(a) (3en[a]) Adv. 91,
d. 317.
3iend Präp. s. 3eond.
3ien(3) Prät. 394 A. 5.
3ierd (3erd) stf. 96 A. 6.
147, c. 177, 3. 257.
3iernan (3iorna[n]) swv.
107. 405 A. 1.
*jierran, *3yrran stv.
388 A. 1.
3ierwan, 3yrwan (3er-
wan,iarwan, 3earwan,
3earwia) swv. 173 u.
A. 1, b. 212 A. 1. 408,
1 u. A. 1. 2. 3. 409.
3i(e)st, 3yst (38est, 3est,
3ast) stm. 91, a u.
A. 2. 96, 2. 105. 202.
261. 266.
3iestran ^ioster-,
3eostra, 3estor) Adv.
111 A. 5. 317.
3iestrandaJ3, 3ystran-
dee3 stm. 179 A. 3.
3>(e)t, 3yt (380t, 38t)
Konj. 42 A. 3. 91, d.
138 A. 317.
3ieta (3eta) Adv. 91, d.
317.
-3ietan, -3ytan (-3etan,
-3eotan, -3eatta) stv.
91, c. 123 u. A. 1. 229
A. 3. 370 A. 1. 3. 4.
391 A. 2. 4.
3if (31b) Konj. 191.
3ifan s. 3iefan.
3ifre Adj. 298 A. 2. 299.
jiftstf. 91A. 5. 212. 232.
3iftu stn. Pl. 267 A. 2.
3ifu s. 3iefu.
3iful, -ol s. 3eofol.
313 s. 3iw.
3i3antas stm. Pl. 137
A. 4.
31308 s. 300308.
3ildan s. 3ieldan.
3ilister, 3ÜIistr s. 3eol-
stör.
3ÜIan s. 3iellan.
3ilpan s. 3ielpan.
3ilpen Adj. 296.
-3ÜS Suffix 183, 2, b.
3im(m) stm. 45 A. 2.
3imun3, 3imun3elic s.
3iemun3, -lic.
3imun3ia swv. 91 A. 4.
3inan stv. 382 A. 1, a.
3ind Präp. s. 3eond.
3Ü13, -ra, -est s. 300^3.
3inian, 3ynian, 3eonian
swv. 357 A. 2. 411 A.
7. 412 A. 10. 417
A. 12, a. 14.
3inne Adj. 298 A. 2.
3ioma(n) s. 3ieman.
3ioster s. 3iestran.
31OW s. 31W.
3iowi3ia s. 3iwi3a.
3ist s. 3iest.
3lt s. 3let.
3itsian, 3idsianswv. 197,
4. 411 A. 6.
3iu3uö s. 300308.
3Üm3 s. 3eon3.
3iw (310W, 313) stm. 250
A. 2.
3iwi3a, 3iuia, 3iowi3ia,
3iu3a swv. 89. 411
A. 7. 412 A. 5. 10. 417
A. 12, b. 15. 16.
Sladian swv. 10. 109.
412 A. 5. 10.
31?ed Adj. 159, a. 212.
294. 307.
ßlsem stm. 266.
31aeren Adj. 234.
31aes stn. 234.
31eaw (mijleu) Adj. 75.
89 A. 3. 128 A. 1. 173
A. 2. 301. 303 A. 2.
31ed stf. 101. 269.
31en3(e)an swv. 215 A. 2.
405 A. 2.
3IÖ0 s. 3I13.
31eof, 3I00W Prät. s.
*31öwan.
31esan swv. 405 A. 1.
Slida (31ioda) swm. 111.
31idan stv. 382 A. 1, a.
3II3, 3ÜW (3IÖ0, 3Ü0W)
stn. 78 u. A. 1. 107
A. 5. 130 A. 2. 173
A. 1, d. 2. 176 A. 3.
247 A. 1. 250 A. 2.
3Ü3man, 3Üman kons.
Mask. 130 A. 3. 173
A. 1, d.
31ioda s. 31ida.
31iw s. 3I13.
31iwre stm. 248, 1.
31öf (3100b) stf. 191. 254,
1.
*31otian swv. 411 A. 7.
*3löwan stv. 192 A. 5.
3na3an stv. 392 A. 1.
3neaö Adj. 303 A. 2.
3nidan stv. 382 A. 1, a.
W örterverzeichnis
405
jnom stf. 102. 212.
jnornian swv. 412 A. 1.
10.
jnym stf. 102.
jod stm. 8. 25, 1. 58.
jöd stn. 239, 1, b.
jöd Adj. 8. 26. 44 A. 6.
69. 148, b. 150, 1. 2.
159, a. 187. 229. 293
u. A. 2-4. 304 u. A.
2. 3. 324,1.
jöddönd kons. Mask.
286.
jod(es) Öanc(es) Adv.
237 A. 2. 320.
jodspell stn. 138, 1.
*jöian swv. 415, a.
jold stn. 58. 137, 3. 201,
2. 212.
3öma swm. 277.
3on3an, 3an3a(n) stv.
(3eon3a, 3ion3a; Prät.
3an3, 3eon3, 3ion3)
91 A. 3. 92 A. 4.
360 A. 4. 394 A. 5.
3or stn. 137 A. 6.
30s; Pl. 3öS kons. Fern.
26. 46. 80 A. 1. 101.
186, 1. 284 u. A. 1.
3ota swm. Eign. 276
A. 3. 4, a.
3räd stm. 197.
3r®3 (3tei3, 3rei) Adj.
126 A. 3. 214, 2.
jreea s. 3sers.
jrafan stv.; Part. Prat.
3rafen, 3rsefen 50 A.
6. 212. 392 A. 1.
jräpian swv. 411 A. 6.
413 A. 3. 417 A. 16.
jreat Adj.; Komp.
3rl(e)tra, 3ryt(t)ra
307.
3recas Eign. PL, jrecisc
Adj. 211 A.
jrei, jreij s. jrsej.
jremman, jremian swv.
357 A. 2.400A.l,a.2.
3rene Adj. 149, 3. 298.
jreotan stv. 384 A. 1, a.
3retan (jrcetan) swv.
195. 229 A. 2. 355
A. 1. 359, 3. 405, 4.
406.
3rietra Komp. s. jreat.
3rimbold Eign. 51.
jrimm Adj. 295 A. 2.
3rimman stv. 386 A. 1.
jrimsian swv. 186, 2.
411 A. 6.
jrin stn. 267, b.
3rindan stv. 386 A. 1.
jripan (3rioppa) stv. 111
A. 1. 370 A. 8. 382 u.
A. 3. 4. 405 A. 10.
jripe stm. 263, 1.
3ritra Komp. s. 3reat.
3r cetan s. jretan.
jrondorleas Adj. 289
A. 7.
3röwan stv. 396, 3, a.
Stundlunja, -linja Adv.
318.
3rüt; D. Sg. jryt kons.
Fern. 94 A. 284 u.
A. 2. 4.
3rymett(i)an swv. 412
A. 10.
3ryre stm. 263, 1.
3ryt D. Sg. s. jrüt.
3rytt stf. 284 A. 4.
3ry(t)tra Komp. s.
jreat.
3U3UÖ s. 300300.
juma swm. 29. 150, 1. 3.
212. 276.
jumcynn stn. 167, c.
3unj s. 3eon3-
jurron Prät. PL s.
*3ierran.
3yden stf. 149, 1. 258, 1
u. A. 2.
3yfan s. 3iefan.
3yfen s. jeofon.
3yfu s. jiefu.
jyldan stv. s. jieldan.
-3yldan swv. 405 A. 11.
jylden Adj. 102. 162.
212. 231, 4. 296 u.
A. 3.
3ylpan s. jielpan.
3ylt stm. 266.
3ymun3 s. 3iemun3.
3ynian s. 3inian.
3yrdan swv. 405, 5 u.
A. 11. 12. 406 A. 3.
3yrdels, -ils, jyrdisl stm.
183, 2, b. 238 A. 2.
*jyrran s. *3ierran.
3yrwan s. jierwan.
3yst s. 3iest.
3ystrand®3 s. jiestran-
_da?3.
3yt s. siet.
•3ytan s. -jietan.
3yte stm. 263, 1.
habban, neg. nabban
swv. 10. 127 A. 4.
190. 201, 6. 217 u. A.
1. 356 A. 2. 360 A. 3.
4. 5. 417, 1 u. A. 1.
habuc s. hafoc.
hacele, -ule, hsecele
(hsecla, hecile) swf.
50 A. 1. 96, 3, c. 159
A. 3. 4. 8.
hacod (htecid) stm. 96,
3, c. 141 A. 3.
hacule s. hacele.
-häd Suffix 224.
häd stm. 273 u. A. 2.
hädian swv. 412 A. 1.
Haöberht Eign. 168A. 1.
Hapu- s. Heaöu-, -o-.
haebuc s. hafoc.
hsecele, hsecla s. hacele.
hsccid s. hacod.
hsedre Adv. 315 A. 3.
haeöen Adj. 201 A. 7.
296.
hceöenisc Adj. 158.
haef, PL heafu stn. 109
A. 1. 240.
häjfde s. heafod.
haeft stm. 239, 1. a.
hfeftan swv. 49. 96, 2 u.
A.3. 192, 1.405A. 11.
406 A. 3. 6.
hacftincel stn. 248 A. 4.
haefuc s. hafoc.
hsejel, hajol stm. 152
A. 2.
hffijtes stf. 96 A. 4. 159,
a. 258, 1.
hae3u|}om s. hajuöorn.
häfi (D. Sg. hälor) kons.
Neutr. 97. 267, a u.
A. 1. 288 A. 289 A. 3.
haela stv. s. helan.
hfölan (helan) swv. 97 u.
A. 1. 355 A. 2. 405
_A. 1. _
hselc s. sele.
hafie, hseleö kons. Mask.
96, 3, c. 199 A. 4.
290.
hälend, hälend kons.
Mask. 44 A. 8. 286 u.
A. 4.
hadfter stn. 50 A. 2.
406
Wörterverzeichnis
hälij s. hälij.
häslsend, -ent stm. 224.
h®lsija(n) swv. 355 A. 3.
412 A. 4.
hselu swf. 280.
häman swv. 405 A. 1.
hämed kons. Neutr. 289
A. 3.
Hämgils Eign. 95 A. 1.
här Adv. s. her.
haera swm. s. hara.
hserfest stm. 50 A. 2. 84
A. 4.
haarn (hraen, raen) stf.
84 A. 3. 96 A. 7.
179, 1.
haerwendlicae Adv.
96, 4.
hses stf. 232.
hsesel stm. 217 A. 1.
hätan swv. 405 A. 8.
haeteru stn. Pl. 289 A. 3.
hafela, -ola (heafola)
swm. 50 A. 1.109 A. 1.
hafenian swv. 50 A. 1.
411 A. 6.
haferede Adj. 299.
hafoc (heafoc, haebuc,
haefuo, hebuc, hefuc,
habuc) stm. 109 u.
A. 1. 2. 191.
hafola s. hafela.
ha^a swm. 109 A. 5.
hasol s. haejel.
hajuöorn (heaju-, hae-
3U-, heju-) stm. 109
A. 5.
hasuspind (D. Sg. hea-
30spinnum) stmn. ?
109 A. 5.
häl Adj. 97. 295.
halb s. healf.
hälend s. hjelend.
hälettan swv. 161.
hälsian (-hälija) swv.
355 A. 3. 411 A. 6.
412 A. 3. 4. 8. 9.
häÜ3 (hselis) Adj. 95
A. 5. 138 A. 141, 4.
149, 3. 158. 162. 293.
296 u. A. 2.
häli3nes stf. 149, 1.
258, 1.
hälor D. Sg. s. häl.
hälsian swv. 355 A. 2.
412 A. 2. 4.
ham stmn. ? 137 A. 6.
ham stm. 147 A. 2. 237
A. 2.
hamor stm. 245.
handcläö stm. 167, b.
hara (haera) swm. 109
A. 2.
hassuc stm. 10.
hat Adj. 73.
hätan stv.; Prät. het,
heht; Pass, hätte, -on
12. 73. 159, a. 195.
232. 306 u. A. 1. 350,
1. 356 A. 1. 358 A. 7.
360 A. 2. 364 A. 3.
367, 2 u. A. 371 A. 2.
394, 1. 2 u. A. 1. 395,
2, b u. A. 3.
hatian swv. 411 A. 7.
hätte, -onPass. s. hätan.
hS, heo, hio, hit usw.;
Pl. hie, hi, hy usw.
Pron. pers. 22 A. 2.
24 A. 33 A. 78. 111.
130, 1. 182. 334 u. A.
1. 2. 340.
Heaborht Eign. 218
A. 2.
heador, headeor stn.
218 A. 2.
Heaöu, -o, Hajni- 109.
168 A. 1.
heaöu m. 109 A. 1.
*heafan stv.; Prät. heof,
heofon 384 A. 2. 396,
2, a.
heafoc s. hafoc.
heafod (-ud, heofud,
hsefde) stn. 35 A. 1.
44 A. 7. 75. 76 A. 149,
2. 150, 3. 159, b u.
A. 2. 224. 244, 1. 2.
heafola s. hafela.
heafre, -u s. heahfore,
-u.
heafuc s. hafoc.
heaje Subst. s. haja.
heajO Adv. s. heah.
heajujoom s. hasuöom.
heajuspinnum D. Pl.
s. hasuspind.
heah (heh) Adj. flekt.
heajes usw.; Adv.
heah, heaje; Komp.
hi(e)hra (hera) usw.;
Sup. hi(e)hsta (hesta,
heista) usw. 42. 106.
119 u. A. 2. 121. 126
A. 4. 127 A. 1. 129
A. 5. 135. 161. 218,
2. 3 u. A. 3. 4. 222.
223. 229 A. 2. 295 u.
A. 1. 304 A. 4. 307.
310. 311. 319.
heahfore, -u, heafre, -u
(hehfora) swf. 218
A. 2.
heahnis s. hean(n)es.
heald (hald, halö, halt)
Adj. 201 A. 2.
healdan stv. 38 A. 2.
77. 198, 2. 396, 1 u.
A. 1.
healecas stm. Pl. 119
A. 2.
healede Adj. 299.
healf (half, halb) Adj.
85. 191.
healh stm. 242, 1.
healic Adj. 218 A. 2.
heall (hall) stf. 254, 1.
hean swv. 408 A. 17. 410
A. 1.
hean(n)es, -nis, heahnis
stf. 119 A. 2. 218 A. 2.
3. 4. 229 A. 2.
heard Adj. 137, 3. 148,
a. 303 A. 2. 307. 309.
311; -e Adv. 315. 316.
heardlice, heartlice Adv.
224. 316.
heardor, -ost Adv.
Komp. Sup. 142. 322.
hearj (herj) stm. 120.
273 u. A. 2.
hearte s. heorte.
heawan stv. 75. 106.
126, 1. 173 A. 2. 371
A. 2. 396, 2, a.
hebban stv.; Part. Prät.
hsefen, hafen, hefen
96 A. 4. 147, c. 227.
358 A. 5, b. 368 A.
4. 372 u. A. 392, 4 u.
A. 8. 410 A. 5.
hebuc s. hafoc.
hecile s. haeele.
hefe stm. 263, 1.
hef(e)jian swv. 411A. 6.
hefelice Adv. 43 A. 3.
hefij, -uj Adj. 142. 214,
5. 296 A. 1.
hefon s. heofon.
hefuc s. hafoc.
hefuj s. hcfij.
W örter Verzeichnis
407
h§3 s. hie3-
he3an swv. 408 A. 12.
he3e stm. 263, 1.
hejian swv. 400 A. 2.
he3upom s. hasuöorn.
heh s. heah.
hehfora s. heahfore, -u.
hehstald stf. 252 A. 2.
hehstallic Adj. 198, 3.
heht Prät. s. hätan.
hei(3) s. hie3.
heista Sup. s. heah.
heia swm. 218, 2.
helabr s. heolfor.
helan (heolan, hsela) stv.
54. 110 A. 1. 390 A. 1.
391 A. 5.
helan s. hielan.
hel-diobul s. helle-
deofol.
hel-dor s. helle-dor.
helian, *hellan swv. 176
A. 2. 371 A. 2. 400
A. 1 u. 2.
hell stf. 83 A. 85 A. 4.
258, 1.
*hellan s. helian.
helle-deofol (hel-diobul)
stn. 168 A. 2.
helle-dor (hel-dor) stn.
168 A. 2.
heim stm. 54. 239, 1, a.
306 A. 1.
help stf. 252 A. 2.
helpan stv. 22 A. 2. 45,
2. 5. 54. 85. 99. 148, c.
150, 1. 189. 196, 1.
367, 1. 368. 371 A. 2.
3. 6. 387, 2.
holt stn. s. hilt.
helustr s. heolstor.
hen stf. 258, 1.
hebest stm. 244, 1.
Hensbröc On. 289 A. 8.
heo Subst. s. hiew.
heofan swv. (? stv.),
heofian (heafija) swv.
384 A. 2. 413 A. 7; s.
auch *heafan stv.
heofon stm. 35 A. 2.
110, 1. 150, 3. 237 A.
1. 245.
heofud s. heafod.
heolan s. helan.
heolca swm. 85 A. 6.
heolfor (helabr) stn. ? 85
A. 6. 159 A. 8.
heolor stm. 110, 1.
heolstor (helustr) stm.
85 A. 6. 110, 1. 159
A. 8.
heonan, -on, hionan,
hinan Adv. 111 A. 2.
321.
heonen3an3 (hinion3)
stm. 92 A. 4.
heonu Interj. 110, 1.
heoran s. hieran.
heordan swmf. Pl. 45
A. 3.
heorde s. hierde.
heorot, heort stm. 110,
1. 142. 159 A. 8. 245.
heortcoöu stf. 167, c.
heorte (hearte) swf. 35
A. 1. 84. 195.278.279.
heoru- stm. 110, 1. 271.
her (häer) Adv. 21. 62
A. 2. 66. 321.
hera Komp. s. heah.
heran s. hieran.
here stm. 96, 1. 147, a.
165, a. 175, 1. 2. 177
A. 2. 227. 246 u. A. 1
u. 4.
herefeld stm. 168.
herepaO (herepoö) stm.
49 A. 2. 51.
heretosa, -toha swm.
214 A. 4.
hei3 s. hear3.
helian swv. ‘verheeren’
411 A. 6. 412 A. 10.
413 A. 3.
herian, hei^an (her-
3[e]an) swv. ‘loben’
96, 1. 165, a. 176,
2. 181, 2. 227. 400
A. 1. 409 A. 1. 412
A. 2.
herwan, heri3(e)an swv.
‘verspotten’ s. hier-
wan.
hesta Sup. s. heah.
hete stm. 261. 263, 1 u.
A. 4. 288 A.
hetol Adj. 141 A. 3.
hettend kons. Mask. 286
u. A. 1. 3. 417 A. 8.
hic3(e)an s. hyc3(e)an.
hidenofer Adv. 321 A. 3.
hider(e) Adv. 152. 321
u. A. 3.
hideror Adv. 321 A. 3.
hi(e)3 (he3, heis, hei)
stn. 31 A. 3. 75. 126,
2. 173 A. 2. 175, 2.
176, 4. 247 A. 1.
hiehöu stf. 222.
hiehra Komp, hiehsta
Sup. s. heah.
hienan swv. 405 A. 1.
hiepan swv. 405 A. 8.
hieran, hyran (heran,
heoran) swv. 42 A. 3.
106 A. 2. 147, c. 219,
1. 358 A. 7. 404. 405,
1. 406. 410, 3 u. A.
4. 5.
hierdan swv. 405 A. 11.
hi(e)rde, hyrde (hiorde,
-eo-) stm. 83 A. 84.
107. 137, 3. 177, 3.
248, 1.
hierstan swv. 405 A. 11.
hiertan swv. 405 A. 11.
hierwan, hyrwian (her-
wan, herifaelan) swv.
408, 1 u. A. 6.
hi(e)w (hiow, heo) stn.
78. 107 A. 5.173A.2.
247 A. 1. 250 A. 2.
hi3 Subst. s. hie3.
hi3an, -u swm. Pl. s.
hiwan.
hi3e s. hy3e.
hi3ian swv. 411 A. 6.
hihra, hihsta Komp.
Sup. s. heah.
hild stf. 258, 2.
hildbed stn., -fruma
swm., hildeleoö stn.,
-rinc stm. 168 A. 2.
Hildibur3, -öryö Eign.
168 A. 2.
hilt, helt stn. 267, a. 288
A.
hinan s. heonan.
hind stf. 258, 2.
hindan.hinder Adv. 321.
hindema Sup. 314.
hine Adv. 321.
hinsrian s. hynjrian.
hinion3 s. heonen3an3.
hiorde s. hierde
hiorod s. hired.
hiow s. hiew.
hirde s. hierde.
hired (hiorod) stm. 43
A. 4. 62 A. 3. 130 A.
2. 141 A. 3.
408
Wörterverzeichnis
hirnitu s. hyrnetu.
hirsumian, hyr- (jiher-
sumia) swv. 203 A.
412 A. 5. 413. A. 3.
hirtan swv. 83 A.
hiw s. hiew.
hiwan, hisan (hi3u)
swm. P1.213A. 1.277
A. 1.
hladan stv.; Part. Prät.
hladen u. hteden 50
A. 6. 232. 392 A. 1.
hliefdrje swf. 95 A. 1.
hlsesulianswv. 412 A. 10.
hlashhan. stv. s. hlieh-
han.
hlaehtor s. hleahtor.
hläeodrindi Part. Präs,
s. hleoörian.
hlaest stm. 232.
hlsestan swv. 405 A. 11.
hlsew (hlef), hläw stn.
192 A. 5. 250 A. 1.
288 A.
hläf stm. 217.
hläfmsesse s. hlam-
maesse.
hläford (hläfurd) stm.
43, 2. u. A. 4. 51.
95 A. 1. 173 A. 5. 217
A. 2.
hlammassse (hläfmaesse)
swf. 138, 2.
hläw s. hlsew.
hleahtor (hlfflhtor, hleh-
tor) stm. 95 A. 7. 119.
122, 3.
hleapan stv. 394, 2. 396,
2, a.
hlecan stv.; Part. Prät.
töhlocene 390 A. 1.
hlef s. hläew.
hlehtor s. hleahtor.
hleoörian (Part. Präs,
hläeodrindi) swv. 363,
3. 412 A. 2. 10.
hleonian s. hlinian.
hleotan stv. 384 A. 1, a.
hleo(w) stmn. 250 A. 3.
301.
hleowan swv. s. hlywan.
hlibendi Part. Präs. s.
hliflan.
hlidan stv. 382 A. 1, a.
hliö stn. 241.
hliehhan, hlih(h)an,
hlyhhan (hlsehhan)
stv. 95 A. 7. 105.
122, 2. 217. 220 u.
A. 1. 227. 358 A. 5, a.
359, 1. 372. 392, 4.
*hliepan swv. 377 A.
hliflan swv. 412 A. 10.
hlih(h)an s. hliehhan.
hlimman stv. 386 A. 1.
hlinian, hlynian (hly-
ni3a, hlionian, hleo-
nian) swv. 111 A. 6.
411 A. 7. 412 A. 10.
413 A. 6. 417 A. 12,
a. 15.
hlöwan stv. 396, 3, a.
hlütor, hluttor Adj. 153.
195. 229. 296 A. 2.
hlütre Adv. 315.
hluttor s. hlütor.
hlydan swv. 405 A. 3.
hlyhhan s. hliehhan.
hlyn(n) stm. 247.
hlynian, hlyni3a swv. s.
hlinian.
hlynnan swv. 400 A.
1, a.
hlyst stmf. 266 u. A. 1.
hlystan swv. 405 A. 11.
hlywan, hleowan swv.
173 A. 2. 176, 3.
408 A. 13.
hn»3(e)an swv. 73. 176,
3. 408 A. 16.
hneep(p) stm. 226.
hnseppan swv. 417 A.
11, c.
hnappian ([h]neappian)
swv. 109. 217 A. 2.
417 A. 11, c.
hneaw Adj. 75. 301.
hnesc(e), hnisce Adj.
303 A. 2.
hniörian s. niörian
hni3an stv. 213 A. 1.
214 A. 6. 217. 382
A. 1, a.
hni3ian swv. 411 A. 7.
hnisce s. hnesc(e).
hnitan stv. 382 A. 1, a.
hnitol Adj. 296.
hnitu kons. Fern. 282.
linutu kons. Fern.; Pl.
hnyte 147, b. 217.
282.
hny31a, -e swmf. 159
A. 3.
hnyte Pl. s. hnutu.
höa s. hön.
höc stm. 207.
höcede Adj. 299.
höcor stmn. 289 A. 7.
hof stn. 44 A. 7. 238.
hof(e)r stm. ? 191. 192,
2. 217 A. 1.
hoferede Adj. 299.
ho3(o)do Prät. s.
hyO3(e)an.
ho3u stf. 45, 5.
höh stm. 131. 242, 2.
hohful, -möd Adj. 214,1.
hol stn. 242 A. 3.
hol Adj. 294.
hole(3)n stm. 214 A. 10.
holh stn. 234, d. 242
A. 3.
holian swv. 411 A. 6.
hölin3a Adv. 318.
hön (höa) stv.; Part.
Prät. hon3en (höen)
80 A. 1. 131 u. A. 306
A. 1. 373. 374 A. 5.
378 A. 2. 395, 1. 397
u. A.
hona, hana swm. 25, 3 u.
A. 277.
hond, hand stf. 148, a.
274 u. A. 2.
hop stn. 239, 1, b.
hopian swv. 411 A. 6.
hord stn. 181, 2.
hordern stn. 43,3 u. A. 2.
hors, horh (G. horwes)
stmn. 223 A. 1. 234.
242 A. 4.
horhihte, horwehte Adj.
218 A. 5.
hors stn. 179, 1. 231
A. 1.
horsian swv. 414 A. 2.
horwehte s. horhihte.
horwes G. s. horj, horh.
horwian (3ehoro3ae) swv.
412 A. 9.
hös stf. 80 A. 1. 186, 1.
hosa ? swm., hosu swf.
278 A._l.
hrä s. hraew.
hräca swm. 63, a.
hrace, -u, hrtece swf. 278
A. 1.
(h)rade, (h)raöe, hrasöe
Adv. 201 A. 1. 315
A. 2.
hrie s. hräew.
W örter Verzeichnis
409
hrsece s. hrace, -u.
(h)rfed, (h)rseö Adj. 201
A. 1. 294 u. A. 1.
hragöe Adv. s. (h)rade.
hrsef(e)n, hremn, hrsem,
hrem stm. 50, 3. 155.
160. 188, 1. 193, 2.
217. 228 A. 2.
hro^l (hreji) stn. 52.
hrsem s. hrasf(e)n.
hraen s. hsern.
hrS(w), hrä(w), hreaw
stn. 126 A. 2. 134,
2 u. A. 1. 173 A. 1, a.
174, 3. 250 A. 1.
(h)reat Adj. 217 A. 2.
hreaw Subst. s. hrääw.
hreaw Adj. 75. 174, 1.
301.
hreddan swv. 159 A. 6.
400 A. 1, c. 401, 1.
402, 2.
hreö stmn. ? kons.Neutr.;
D. Sg. hrööor, -er,
hrööre, G. Pl. hrööra
267, a u. A. 1. 289, 1
u. A. 1.
Hreöel Eign. 201, 3.
hrosl s. hr®^!.
hrem(n) s. hraef(e)n.
hremij Adj. 296.
hreodan stv. 384 A. 1, a.
hreoh Adj. 295 A. 1. 304
A. 4.
(h)reoh(h)e swf. 220 u.
A. 1.
hreosan stv. 199 A. 1.
371 A. 4. 384 A. 1, b.
hreow stf. 259.
hreowan stv. 77. 89.
107. 125 A. 2. 126
A. 2. 129 A. 1. 173
A. 2. 371 A. 2. 384
A. 1, a.
hreowsian swv. 411 A.
6.
hrep(p)an, hrepian swv.
417 A. 11, c.
Hreudford Eign. 77
A. 4.
hrewun Prät. Pl. s. rö-
wan.
Hriö-den, hriö-fald,
•hiorde s. hriöer.
hriöer, hryöer; Pl. hrü-
Öeru kons. Neutr. 289,
2 (hierzu Hrlö-den,
hriöfald, -hiorde).
(h)rimpan stv. 386 A. 1.
hrinan stv. 376 A. 382
A. 1, a. 4.
hrindan stv. 386 A. 1.
hrine stm. 263, 1.
hnnj stm. 217 u. A. 2.
239, 1, a.
hrinje swf. (hrinjiae)
206 A. 8.
hrin3(e)an swv. 405 A. 2.
hriop(p)an stv. s. ripan.
hriordaja? swv. s. reor-
dian.
hrissan, hrisian swv. 400
A. 1, b. 2.
hrööor, -er, -öre, -öra s.
hreö.
HröÖ(w)ulf Eign. 173
A. 5.
hröpan stv. 396, 2, b.
hröwun Prät. Pl. s.
röwan.
hrüöeru Pl. s. hriöer.
hrüse swf. 278.
hrütan stv. 385.
hrycj stm. 216, 1 u.
A. 1. 217 A. 2. 247.
hryöer s. hriöer.
hryre stm. 263, 1.
hü (hwü) Adv. 69. 173.
320.
huelchu eene (hu celc -)
Pron. 344 A. 2.
-huju s. -hwu3u.
hülic, -i3 Pron. 210, 3.
342.
Hümberht, Hun- Eign.
188, 1.
hund stm. 60.
hund Num. 326. 327 u.
A. 1.
hundielleftij, -endlyf-
ti3, -endkeftij, -cend-
laeftij Num. 326.
hundred(-raö, -rasö, -reö)
Num. 327 u. A. 1.
hundteantijfald Num.
330 A. 1.
hune3 s. huni3.
hun3or, -er stm. 152
A. 2. 153. 273.
hun3ri3 Adj. 214, 5.
huni3, -63 stn. 44 A. 6.
95 A. 5. 141, 4. 150,
3.
Hünsi3 Eign. 263 A. 5.
hunta swm. 277.
huntian swv. 158.
huntoö stm. 150, 3.
hü nyta Adv. 320.
huoelc s. hwelc.
hup- s. hyp(e)-.
humitu s. hyrnetu.
hüru Öin3a Adv. 320.
hüs stn. 30. 71.
husc stn. 204, 4.
hüs(e)l, hüsul stn. 71.
152 A. 2. 154. 186, 1.
hüsincel stn. 95 A. 5.
248 A. 4.
-hu(u)®3a, -e, -o, -u s.
-hwuju.
huxlic Adj. 204, 4.
hwä, hwaet usw. Pron.
79 A. 3. 115 A. 1. 172.
182. 205 A. 3. 217
u. A. 1. 2. 341 u. A. 1.
2. 3. 343. 345.
hwseöer, hweöer (hwoe-
öer) Pron. 52 A. 2.
342 u. A. 1. 343. 345
u. A. 1.
hwaeJ, PL hwalas stm.
85 A. 3. 109 A. 6. 240.
hwadc s. hwelc.
hwfenne s. hwonne.
hweer, hwära, hwär
(hwer, hwöer) Adv.
115. 321 u. A. 2.
hwserfan s. hwierfan.
hwaet, fl. hwata, -u, -um,
-ost Adj. 50, 1 u.
A. 6. 148, b. 293 u.
A. 1. 3. 294 u. A. 1.
309.
hweeth(w)u3u (-nin3as,
-es) Pron. 319. 344, 1
u. A. 2.
hwearfian swv. 411 A. 6.
hweöer s. hwseöer.
-hwe3a s. -hwu3u.
hwel s. hweol.
*hwelan stv. 390 A. 1.
hwelc (hwselc, hucelc),
hwilc, hwylc Pron. 43
A. 4. 96, 3, b. 115.
116. 342 u. A. 2. 343.
344. 345. 347 u. A. 2.
hwelch(w)u3u Pron.
344, 1.
hwelunj stf. 390 A. 1.
hwene s. hwön.
410
Wörterverzeichnis
hweosol, -w-, hweol
(hwel), hweohhol stn.
88. 110, 1 u. A. 3.
113 A. 6. 129, 2. 141
A. 3. 213 A. 1. 228.
234 A. 3.
hweorfan stv. 35 A. 1.
113 A. 3. 377 A. 388
A. 1.
hwer s. hwaär.
hwerfa(n) s. hwierfan.
hwesan, hwösan stv.
372. 396, 2, b u. A. 6.
hwettan swv. 159 A. 6.
359, 3. 400 A. 1, e.
hwider Adv. 152. 321.
hwierfan (hwerfan,
hweerfan) swv. 96, 4.
113 A. 3. 405 A. 1.
406 A. 6.
-hwigu s. -hwuju.
hwil stf. 67.
hwilc s. hwelc.
hwilce dsej Adv. 237
A. 2.
hwilendlio Adj. 173 A. 5.
hwinan stv. 382 A. 1, a.
hwit, Komp, hwittra
Adj. 138, 1. 217. 229.
hwitan swv. 405 A. 8.
hwceöer s. hwjeöer.
hwoelc s. hwelc.
hwöer s. hwsr.
hwom(m), hwam(m)
stm. 226. 239, 2.
hwönAdj. (Instr.hwene)
237 A. 2.
hwona(n) Adv. 321.
hwonne, hwanne,
hwaenne (hwoenne)
Adv. 79 A. 3.
hwöpan stv. 396, 2.
hwösan stv. s. hwesan.
hwü s. hü.
-hwuju, -I1U3U (hweju,
-a, -ce-, -hwija,
-hwyßu) 317. 344, 1
u. A. 1.
hwylc s. hwelc.
hwyrft stm. 266.
hycj(e)an, hicßfejan
swv.; Prät. hO3(o)de
31 A. 2. 45, 5. 216 A.
1. 232. 417, 1 u. A. 4.
hyd stf. 269.
hydan swv. 359 A. 2.
405 A. 3. 406 A. 3.
hydi3 s. -hysdij.
hyö stf. 258, 2.
hyf stf. 269.
Hy3berht Eign. 263 A. 5.
-hysdis, -hydis Adj. 33,
1. 214, 3.
hy3e, hise stm. 31 A. 2.
263, 1 u. A. 4. 5.
288 A.
Hy3(e)läc Eign. 168
A. 1. 263 A. 5.
hyhra, hyhst(a) Komp,
hyht^tm'. 232. 266.
hyhtan swv. 405 A. 11.
hyldo swf. 102.
hyl(I) stm. 247. 266.
hylu stf. 268.
hyn3ran, hyn3rian,
hinsrian swv. 31 A. 2.
102. 404 A. l,c.
hype stm. 263, 1.
hyp(e)-bän, -seax; hup-
stn. 95 A. 4.
hyran s. hieran,
hyrde s. hierde.
hymet(u), hyrnette (hir-
nitu, humitu) swf.
149, 1. 159 A. 2. 258,
1 u. A. 1. 2.
hyrst stf. 269.
hyrstan swv. 405 A. 11.
hyrwian swv. s. hier-
wan.
hyse stm.; G. hysses
usw. 263, 1 u. Ä. 3.
Hysimon, -uulf Eign.
263 A. 5.
hyspan swv. 405 A. 8.10.
li On. (Iona) 284 A. 7.
-iseard s. -3eard.
iära s. 3eära.
iareian s. 3earcian.
iarwan s. 3ierwan.
iarwian s. searwian.
ic, Pl. we usw. Pron.
pers. 45 A. 3. 71. 137,
1. 182. 186, 1. 210, 3.
332 u. A. 1-4.
Ican s. iec(e)an.
id^jes Adv. 320.
jdel (ydel) Adj. 22 A. 2.
158. 159 A. 2.
ides stf. 254, 2. 255, 2.
269 A. 4.
ieard s. 3oard.
I(e)c(e)an, yc(e)an (ecan)
swv. 31 A. 3. 198,
4. 405, 4 u. A. 10.
407, 2.
ieÖ, yÖ Komp. Adv. 323.
i(e)3 (Ö3, ei, e) stf. 24 A.
75. 173 A. 2. 175, 2.
176, 4. 258 A. 7.
ieldan swv. 405 A. 11.
ieldcian swv. 411 A. 6.
ieldra, -est Komp. Sup.
s. eald.
ieldu, yldu (aeldu, eldu)
swf. 42. 96, 4. 105.
264. 280 u. A. 1. 2.
ielf, seif stm. 96 A. 6.
264.
i(e)lfetu, ylfette (selbitu)
swf. 149, 1. 258, 1 u.
A. 1.
iemun3 s. 3iemun3.
ierfeward stm. 43, 2.
i(e)rmöu, yrmöu (ermöu,
eormöa) stf. 42 A. 3.
105.
iermin3 (ermin3) stm.
105.
ieman stv. s. iman.
i(e)rre, yrre (iorre,
eorre, erre) stn., Adj.
83 A. 84. 107 u. A. 2.
178, 2. 181, 2. 299.
ierrinsa s. eorrin3a.
iersian (iorsian, -si3a)
swv. 107. 411 A. 6.
iert s. eom.
ieteld s. seteld.
iewan, ywan swv. 6 A. 2.
173 A. 1, c. 2. 176, 3.
355 A. 3. 408 A. 13.
417 A. 7; s. auch
eawan.
ifi3 stn. 217. 218 A. 1.
Ifi3tearo, -tara stn. 43,
2.
13 Pron. pers. s. ic.
13 stf. s. 103.
i3aö, -oö, i33aÖ, -oö
stm. 24 A.
i3el s. il.
ih Pron. pers. s. ic.
il, i3el stm. 214, 4.
ilca, illca, ilica, yleca
Pron. 43 A. 4. 291
A. 1. 339.
ildra, -est Komp. Sup.
s. eald.
Wörterverzeichnis
411
ile stm. 263, 1 u. A. 3.
ilica, illca s. ilca.
incer Pron. poss. 335.
-m3 subst. Suffix 142 A.
in3ebeorsan Btv.; Prät.
Sg. injebar3 105 A. 2.
in(n) Adv. 321.
innaö (ionnaö) stm. 111
A. 5.
inna(n), inne (ionna)
Adv. 111 A. 5. 314.
321.
innefle, innelfe, innilfe
stn. 182, 2, b.
inner(r)a, innra Komp.,
innemest Sup. 314 u.
A. 1.
nneward Adj. 43, 2.
nnjeons stm. 92 A. 4.
nstaape(s) Adv. 320.
Johannes Eign. 175, 1.
onna s. inna.
onnaö s. innaö.
orna(n) s. iman.
orte Adj. s. ierre.
orsian, -sija s. iersian.
ow stm. s. iw.
ren Adj. 296 u. A. 3.
rmöu s. iermöu.
iman, iernan, yrnan
(ioma, eoman); Prät.
arn, om, eam 6 A. 2.
79 A. 2. 84 A. 3. 179,
1. 231 A. 1. 386 A. 2.
3.
irre Adj. s. ierre.
-isc Suffix 150, 3.
isern, ysem Adj. 22
A. 2.
iu Adv. 175, 1.
lüdeas Eign. Pl. 175, 1.
276 A. 3. 4, a.
Ü13UÖ s. 300300.
iun3 s. 3eon3.
lurmenric Eign. 84 A. 5.
Iurmfnbur3 Eign. 84
A. 5.
iw, iow, eow (eoh) stm.
234 A. 3. 250 A. 2.
iwer s. eower.
k- s. c-.
lacan stv. (Prät. leolc)
85 A. 6. 159 A. 8.
394, 1 u. A. 1. 395,
2, b.
läcnian, laecnian, -ni3an
swv. 63, a. 411 A. 6.
412 A. 1. 9.
läd (lät) stf. 224.
lädteow s. latteow.
läö Adj. 199 A. 1.
laöian swv. 50 A. 1.
411 A. 6. 412 A. 10.
414A. 2.
laöu, flekt. heöe stf. 253
u. A.
Isec s. leac.
laeccean swv. 407, 1 u.
A. 3. 4.
laece (lece) stm. 98. 206,
7, c. 248, 1.
Isecnian s. läcnian.
läedan swv. 97 A. 1. 198,
4. 224. 229 A. 2. 405,
1. 406 A. 3.
laeden Adj. 96, 3, a. 197.
laeöan swv. 405 A. 5.
lieöö(u) stf. 201 A. 8.
Iseöe fl. Kasus s. laöu.
liefan swv. 405 A. 1.
laefel (lebil) stm. 152.
154.
befer (lebr, leber) stf.
153 A.
läsn stf. 269. 288 A.
lienan swv. 405 A. 1.
liene Adj. 218, 2.
laeppa s. lappa.
heran (leran) swv. 17. 97
u. A. 1. 158. 360 A. 1.
405 A. 1. 406 A. 2.
lieresta s. läest(a).
kes stf. 148, d. 260.
lies Adv. Komp. 323.
licsest(a) Sup. s. liest(a).
liessa (leas[s]a, lessa)
Adj. Komp. 109 u.
A. 3. 138, 3. 180. 304
A. 3. 312 u. A. 1.
liest(a) (liesestfa], leas-
[sjest, lieresta) 312
u. A. 1.
hestan (-lestan) swv.
363 A. 2. 405 A. 11.
laeswian swv. 203 A.
laet Adj. 294. 314.
lietan (letan) stv.; Prät.
let (leort) 62. 126
A. 4. 138 A. 355 A.
3. 364 A. 3. 394, 1 u.
A. 1. 395, 2, a u.
A. 2.
laetemest Sup. 50 A. 2.
314.
Itewan (*Iewa[n]) swv.
63, b. 87A. 98. 173 A.
1, c. 408, 2 u. A. 10.
liewede Adj. 173 A. 4.
laex s. leax.
laju stm. 213. 271.
lahbryce, -slite stm.
214, 1.
lahcöp stn. 26 A.
lähwä s. löcabwä.
lampredu stf. 258 A. 3.
lappa (laeppa; Pl. leap-
pan) swm. 10. 50, 1.
109. 228 A. 2.
lärstf. 17. 252 A. 4. 254,
1. 276 A. 4, a.
läröäaw, läreow (läruw,
-ow) stm.; läreowa
(läru[u]a, lärwa)
swm. 43, 2 u. A. 4.
250, 2 u. A. 3. 4.
last stm. 232.
lat s. läd.
lätpeow, -teow (lätuw)
stm.; lätteowa (lätua)
swm. 43, 2 u. A. 4.
201, 4. 250, 2 u. A.
3. 4.
laurtreow stn. 6 A. 1.
lea swm. s. leo.
lea stm. ‘Wiese’ s. leah.
leac (liec, l§c) stn. 119
A. 2. 5.
Ieac-tro3 stm. 210, 4.
leac-tün, leah-tün stm.
210, 4.
leaf s. leof.
leaj stf. ‘Lauge’ 119
A. 2.
leah stf.; flekt. Iea3e;
lea stm. ‘Wiese’ 255,
4u. A. 3.
leah-tric stm. 210, 4.
leah-tün s. leac-tün.
lean stm. 47.
lean stv. 128, 2. 368
A. 4. 373. 392, 2.
leanian swv. 411 A. 6.
leas Adj. 35 A. 2.
leas(s)a Komp. s. liessa.
leas(s)est Sup. s. liest(a).
leax (lex, laex) stm.
122 3
lebil s. Isefel.
lebr s. laefer.
412
W örterverzeichnis
lec stm. 266.
l?c s. leac.
lecc(e)an swv. 122 A. 6.
407, 1 u. A. 2.
lece s. Isece.
Iec3(e)an swv., Prät. leg-
de, Jede 96, 1. 177, 3.
214, 3. 227. 358 A. 5,
b. 400 A. 1, b. 407,
3 u. A. 19. 410 A. 2.
leöer (ledir) stn. 153 A.
lef Adj. 66. 98 A. 2.
les s. I13.
lesa(n) s. Ieo3an.
]e3er stn. 245.
leset(u) s. liset(u).
-Ie3u stf. 268.
leht s. leoht.
lemb s. lomb.
lemian swv. 176 A. 2.
400 A. 2.
lendan swv. 405 A. 11.
Ien3 Adv. Komp. s. km3.
Ien3(e)an swv. 405 A. 2.
lensest, Ien3sta, lernst,
Sup. s. km3.
lensten (lenten, lencten)
stm. 215.
Ien3tO3ra Komp. 308 A.
leo (lea) swm. 35 A. 1.
277 A. 2.
leodan stv. 107. 384 A.
1, a.
leode, liode stm. Pl. 78.
107. 150, 1. 261 A. 1.
264.
leof (leaf) Adj. 35 A. 1.
77. 309. 311.
leofian s. libban.
leoflicor, -ost Adv.
Komp. Sup. 322.
Ieo3an (lesafn]) stv. 119
u. A. 5. 384 A. 1, a.
leoht (leht, liht) stn. 107.
119 u. A. 5, c. 122, 2
u. A. 4. 138, 4.
leoht Adj. ‘licht’ 122 A.
4. 138, 4.
leoht, lioht (liht, leht)
Adj. ‘leicht’ 86, 5.
119 u. A. 5, c. 122, 2.
138, 4.
leohtfcet (Pl. G. leoht-
fato) stn. 237 A. 4.
leolc Prät. s. läcan.
leoma swm. 218, 2.
leomu Pl. s. lim.
leon, Hon stv.; Imp.
leoh, lioh (Hh) 86, 5.
119. 130, 2. 205 A. 3.
373. 383 A. 4.
leora(n), liora(n) stswv.
38 A. 2. 78. 384 A. 3.
406 A. 6. 410 A. 5.
417 A. 10.
leomian, liornian swv.
38 A. 2. 39. 45 A. 3.
360 A. 3. 4. 411 A. 7.
412 A. 2. 417 A. 10.
14.
leominj, -uns stf. 95
A. 5. 142 A. 150, 3.
254, 2. 255, 1.
leort Prät. s. läjtan.
leow (laeuw) kons. Neutr.
289 A. 3.
leran s. Iseran.
lesan stv. 357 A. 2. 391
A. 1.
lesinj (-inc) stf. 215.
lessa Komp. s. kessa.
letan s. Ißtan.
lettan swv. 400 A. 1, c.
401, 1. 402, 2.
Leui, G. LefesEign. 194.
*lewa(n) swv. s. kewan.
lex s. leax.
libban, lybban, lifßan
(leofian) swv. 22 A. 2.
45 A. 3. 111 A. 1. 190.
412 A. 10. 417, 1 u.
A. 2.
lic stn. 239, 1, b.
-lic adj. Suffix (deca,
-lecum) 43, 3.
liccian swv. 45 A. 3.
413 A. 6.
Liccitfeld On.; G.-da 273
A. 2.
Hcettan, liccettan swv.
229 A. 2. 403 A.
licj(e)an stv. 13. 56.
63, a u. A. 1. 126,
2. 206, 7, c. 214, 4.
216, 1. 372 u. A. 391, 3
u. A. 10. 410 A. 5.
lic-homa s. lieuma.
lician swv. 411 A. 7.
lieuma, lic-homa swm.
43 A. 3. 217.
licumlic Adj. 43 A. 3.
lida swm. 234.
liö (li[o]Öu-) stn. 241.
271.288 A.
liö 3. Sg. Präs. Ind. s.
licj(e)an.
liöan stv. 232. 234. 382
A. 1, b.
liöercian swv. 413 A. 1.
liösian swv. 414 A. 3.
liöincel stn. 248 A. 4.
llös, Hss stf. 201, 7. 258,
2.
lies s- ^3-
liehtan s. lihtan.
liesan, lysan (-lesan)
swv. 203 u. A. 405, 1.
406 A. 7. 410 A. 5.
lioxan s. lixan.
lif stn. 8. 22 A. 2.
hfer stf. 45 A. 3.
lifgan s. libban.
H3, lies (les) stm. 24 A.
31 A. 3. 106. 266.
Ii3ed stm. 106 A. 2.
lisende Part. Präs., I13U
1. Sg. Präs. Ind. s.
leosan.
liset (leset) stn.; liset(u),
G. lisette (lesitu
[-etu]) stf. 248, 2 u.
A. 3. 258, 1.
lisrsesc stf. 96, 2.
lih Imp. s. leon.
liht Adj. s. leoht ‘leicht’,
liht Subst. s. leoht.
lihtan, liehtan, lyhtan
swv. 107. 119 u. A. 3.
405 A. 11. 406 A. 6.
lim (Pl. liomu, leomu)
stn. 111 A. 2. 237 A.
4. 241. 288 A.
lim stm. 8.
limpan stv. s. selimpan
Lindis On. 258, 1.
linnan stv. 386 A. 1.
lioöu- s. liö.
Hss S. 1IÖS.
Liutfrith Eign. 78 A. 1.
lixan, liexan swv. 119 u.
A. 3. 405, 4.
loc, G. locces stm. 226.
239, 1, b.
löcahwa (löchwä, läh-
wä) Pron. 345.
locbore swf. 278 A. 1.
loccian swv. 411 A. 6.
löchwä s. löcahwä.
löchwseöer Pron. 345.
löchwylc Pron. 345.
löcian swv. 95 A. 6. 142.
Wörterverzeichnis
413
150, 3. 162. 177, 2.
355. 356. 357. 360,
1. 361. 363, 1. 3. 365.
366, 1. 411, 1. 2. 3 u.
A. 6. 412 A. 1. 5. 6.
8. 413 A. 2.
loöa (loda) swm. 199
A. 1.
Ices(i)3a s. losian.
lofian swv. 411 A. 6.
lomb, lamb (lemb); PL
lombru usw. (lom-
bur, -or) kons. Neutr.
79. 141, 1. 147, b.
182. 190 u. A. 224.
289, 1 u. A. 1. 2.
lond, land stn. 79. 137,
3; -bijensa swm. 215
A. 2; -büend kons.
Fern. 287; -cöp stm.
26 A.; -folc stn. 167,
a.
lonj, lan.3 Adj.; Adv.
Komp, lenj; Sup. len-
3(e)st(a), -ust 137, 3.
147, a. 161 A. 182.
215. 310 u. A. 311.
323.
Lon3beardas Eign. Pl.
276 A. 4, a.
knrjlife Adj.; Komp.
Ien31ifra 308 A.
loppe swf. 189.
losian (losi3a, lces[i]3a)
swv. 412 A. 3. 7. 413
A. 6. 414 A. 4. 417 A.
9, b. 14.
lot stn. 239, 1, b.
iücan stv.; Prät. Sg. leac
(l?c) 44 A. 8. 71. 121.
371 A. 2. 3. 6. 385
u. A. 3. 4.
lufe swf. s. lufu stf.
lufesticce swf. 192, 2.
lufian swv. 58. 411 A. 6.
412 A. 1-7. 9. 10. 413
A. 5. 6.
lufiend kons. Mask. 286
A. 3.
lufu stf., lufe swf. 58.
252 A. 2. 4. 253. 278
A. 1.
lüs; Pl. lys kons. Fern.
284.
hist stm. 60.
lütan stv. 371 A. 2. 385.
411 A. 7.
lybban s. libban.
lyffettan swv. 192, 1.
lyft stmfn. 266 u. A. 1.
267 A. 2. 269 u. A. 4.
ly3(e) stm. 263, 1 u. A.
5.
lyhtan s. lihtan.
lyre stm. 263, 1.
lystan swv. 405 A. 11.
lyt Adj. 302. 319.
lytosna, lytisna, lytestne
Adv. 302. 319.
lytel (lyttel) Adj. 22 A.
2. 138 A. 229 A. 1.
296 u. A. 2; Adv.
lytlum 319.
mä, mie Komp. Adv.
182.312A. 1.323u.A.
macian swv. 10. 50 A. 1,
1. 95 A. 6. 175 A. 177,
2. 411 A. 6.
mäcreeftij Adj. 308 A.
maöelian swv. 158.
mäö(u)m stm. 152. 156.
160. 201 A. 7. 244, 1.
mas s. mä.
msecefisc stm. 62 A. 2.
mascs stm. 96, 3, b. 228
A. 3. 271.
msecjas Pl. s. maju.
m®cti A. Pl. s. miht.
m®d, G. m®dwe usw.
stf. 148, d. 173. 260.
*mäid, D. Pl. m®drum
kons. Neutr. 289 A. 3.
nueden s. m®3den.
m®Öl, m®l stn. 201
A. 5. 6.
meeölan, meelan swv.
201 A. 5. 6.
maefuldur s. mapuldur.
m®3, m®3(e)ö stf. u.
kons. Fern. 96 A. 4.
150, 3. 213 A. 1. 290.
m®3 Vb. prto.-präs.;
Inf. ma3an; Prät.
meahte, mihte (meh-
te) 86, 1. 122, 3. 126,
2. 214, 2 u. A. 4. 232.
360 A. 4. 425 u. A.
1. 2.
mfej (me3), PL mä3as,
m^asst-m. 13. 17.62.
63, au. A. 1. 240 A. 4.
m®3den, mieden (mai-
den) stn. 96 A. 4.
126, 2. 162. 214, 2. 3.
236 A. 290.
m®3öhäd (meidhädj
stm. 126, 2. 214, 2.
m®3(e)ö stf. s. m®3.
m®3erian (m®3ere3an)
swv. 412 A. 2.
m®3ester stm. 96, 3, a.
m&jhand (meihand) stf.
214, 2.
m®ht s. miht.
meehti3 s. mihti3.
m®i3 s. m®3 Vb.
m®l stn. ‘Mahl’ 17.
m®l stn. ‘Rede’ s. m®Öl.
m®lan s. maeölan.
m®ltan s. mieltan.
mieltan3e swf. 276 A. 5.
m®nan swv. 405 A. 1.
m®m3 s. moni3.
maeni3feald, -fold Adj.
214, 5.
m®r£(u) stf. 200 A.
mäere (mere) Adj. 98.
maer3 s. mear3.
m®r3en s. mo^en.
meersian (jemersian)
swv. 203 A. 411 A. 6.
412 A. 6.
maaslin3, m®stlin3 stn.
196 A. 3.
maesso (messe, meassa)
swf. 55 A. 109 u. A. 3.
m®st(a), mäst(a)
(mest[aj) Sup. 196, 1.
312 u. A. 1.
maestan swv. 96, 2. 405
A. 11.
m®stlin3 s. m®slin3.
m®w (meu) stm. 126,
1 u. A. 1. 266.
mäfealdra Komp. s. mo-
ni3feald.
majan Inf. s. m®3 Vb.
prto.-präs.
mä3as Pl. s. m®3.
Majentse On 204
A. 5.
ma3ian swv. 411 A. 7.
mä3ister stm. 12. 73 A.
3. 137 A. 4.
ma3u stm. 96, 3, b. 213
A. 1. 228 A. 3. 271.
maiden s. m®3den.
Manneöorp On. 284 A. 7.
mapuldur (maefuldur)
stm. 109 A. 2. 153 A.
414
Wörterverzeichnis
mära Komp. 181, 2. 312.
marjenstm., D.Sg. mar-
ne s. morsen.
martrian swv. 84 A. 1.
masce, maxe swf. 50
A. 6.
mäst(a) s. maest(a).
mattuc stm. 10. 109
A. 2.
mäwan stv. 173. 396,
3, b.
meaht stf. s. miht
meaht 2. Sg. Ind.,
meahte Prät. s. maej.
meahtij s. mihtij.
mealwe swf. 171 A. 3.
mearc (merc) stf. 120
u. A. 1. 254, 1.
mearcian swv. 413 A. 1.
mearö stm. 199 A. 1.
mearj (merj, maerj)
stmn. ‘Mark’ 120 u.
A. 1.
mearh, -3, mSar stm.
‘Roß’ 84 A. 2. 218, 1.
223A.1.242, lu.A.l.
mearu Adj. 300.
meassa s. mcesse.
mec, mech Pron. pers. s.
ic.
mece stm. 62 A. 2. 248,
1.
me(c)hti A. Pl. s. miht.
med stf. 66.
medemesta Sup. 158.
meder D. Sg. s. moder,
medsceat, met- stm.
198, 4.
medu (meodu) stm. 45
A. 1. 110, 1 u. A. 1.
271.
meduma Sup. 314.
mej s. mäej.
Mejuine, -uulf Eign. 126
A. 3.
mehte Prät. s. maej.
mehti A. Pl. s. miht.
mehti3 s. mihtij.
meiöhäd s. maejdhäd.
Meifrith Eign. 126 A. 3.
meihand s. maejhand.
Meiwald Eign. 126 A. 3.
melcan stv. 85 A. 6. 120
A. 6. 357 A. 2. 387
A. 1.
meldianswv. 411 A. 6. 7.
meltan stv. 387 A. 1.
melu, meolu, meluw stn.
110, 1. 249 u. A. 2.
mene stm. 261. 263, 1.
men3(e)an swv. 215 A.
2. 405 A. 2. 406 A. 6.
men3u, menij(e)o, me-
nio swf. 206, 7, c.
214, 5. 280.
meni3 s. moni3.
men(n) Pl. s. mon(n).
mennenu stf. 258 A. 2.
mennisc Adj. 206, 7, c.
meo swmf. 277 A. 2.
meodu s. medu.
meohs s. meox.
*meolcan s. melcan.
meolcian, miolcian swv.
85 A. 6.
meol(o)c, miol(u)c (milc)
stf. 45 A. 1. 85 A. 6.
111 A. 3. 120 A. 6.
145 A. 1. 159 A. 3. 8.
284 A. 5.
meolu s. melu.
meord stf. 45 A. 3.
*meornan s. murnan.
meotod s. metod.
meowle swf. 110 A. 2.
159 A. 3. 213 A. 1.278.
meox, meohs, miox stn.
86, 3. 122 A. 2. 221,
2 u. A. 3.
merc s. mearc.
mere stm. 44 A. 6. 261.
263, 1. _
mere s. maere.
merj s. mear3.
mer3en, meri(3)en s.
mor3en.
mer(i)sc stm. 159 A. 3.
messe s. maesse.
met stn. 110 A. 1.
metan stv. 391, 1.
metan (jemcetan) swv.
138, 3. 405 A. 8. 10.
406 A. 3. 6.
metbaelj stm. 263 A. 5.
mete, met(t) stm., Pl.
met(t)as 263, 1 u.
A. 3. 5.
metecweorra swm. 388
A. 1.
met(e)jian swv. 411 A.
6. 414 A. 3.
meteliest(u), -lest(u),
-least stf. 95 A. 9. 106
A. 4. 201, 6.
metod (meotod) stm.
110, 1 u. A. 1. 245.
metrymnes, -nis(se),
-trumnes stf. 95 A. 8.
metsceat s. medsceat.
meu s. maew.
micel, mycel, G. micles
usw. Adj. 22 A. 2.
142. 149, 3. 159 A. 3.
206 A. 9. 228. 296 u.
A. 1. 2.
rnicjem s. midjem.
micles, miclum Adv.
mid(d’) Adj. 231, 2. 297.
314.
middanjeard (-eard)
stm. 214, 7.
midjem, micjem stn.
206, 8. 216 A. 2.
midl (D. Pl. midlum)
stn. 201, 3.
midime swf. 216 A. 2.
midmest Sup. 314.
miöan stv. 382 A. 1, a.
miölum D. Pl. s. midl.
mieht s. miht.
mieltan (meeltan) swv.
96, 4.
Mierce Eign. Pl. 264 u.
A.
mlere swf. 278.
mierran swv. 178, 2. 405
A. 6.
mijan stv. 382 A. 1, a.
miht, mieht, meaht
(maeht) stf. 86, 1. 95
A. 5. 7. 105 A. 1. 11»
u. A. 2. 122, 2. 221 A.
1.232. 261. 269u. A.2.
mihtelie Adj. 43 A. 3.
mihtij, meahtij (maeh-
tij, mehtij) Adj. 95
A. 5. 119 u. A. 5, f.
122 A. 6. 141, 4.
milc s. meol(o)c.
milde Adj. 198, 4.
mildheortnisse (-heart-
nisse) stf. 35 A. 1.
mil(d)s, milts stf. 198,
4. 204 A. 7. 258, 2.
mil(d)sian, mil(t)sian
swv. 198, 4. 411 A. 6.
412 A. 4. 7. 9.
min Pron. poss. 67. 188
A. 5. 335.
minsian swv. 186, 2.
W örter Verzeichnis
415
minte swf. 45 A. 2.
mirce Adj. 205 A. 3.
206 A. 2.
mirijö s. murjö.
mislic, misleca usw.,
mistlic Adj. 43, 3. 142.
196 A. 3.
mitty Konj. 201, 4.
mixen stn. 119.
moddor s. mödor.
moddric s. mödrie.
mödjeöanc (-jidanc)
stm. 199 A. 1.
mödor (-er, moddor), D.
Sg. meder (möeder)
kons. Fern. 27 A. 138,
1. 229. 285 A. 1. 2.
3, c.
mödrie (moddrie) swf.
229.
moööe (mohöa, -öe) swf.
199 A. 2. 226.
mohöa, -öe s. moööe.
möna swm. 80. 277. 290
A. 1.
mönaö Mask. 80. 150, 3.
162. 290 A. 1.
monian swv. 411 A. 6.
moni3, manis, mamij,
meni3 Adj. 44 A. 6.
79 A. 3. 95 A. 5. 141,
4. 142. 149, 3. 150, 3.
159, a u. A. 1. 291
A. 1. 296 u. A. 1.
monisfeald, Komp, mä-
fealdra 308 A. 330 u.
A. 2.
mon(n), man(n); Pl.
m®n(n), men(n) kons.
Mask. 10. 25, 3 u. A.
79. 96, 5 u. A. 8. 226.
231, 1. 281, 1 u. A.
2. 3.
monna, manna swm.
281 A. 2.T
monun3, manunj stf.
254, 2.
moraö stn. 199 A. 3.
mord stn. 199, 2.
morsen, mer(i)3en (mar-
3en, D. Sg. maerjen,
mame) stm. 59 A. 1.
100A. 2.213A.2.214
A. 11. 12. 237 A. 2.
244, 1. 248 A. 2.
moru swf. 218 A. 1. 278
A. 1.
möt Vb. prto.-präs. 424
u. A.
mötian swv. 412 A. 1.
müö stm. 30.186, 1. 239,
1, a.
munan Vb. prto.-präs.
186, 2. 423, 9 u. A. 2.
Muncjiü s. Muntsiöf.
munt stm. 60 A. 3.
Munt3iöf, Munc3iü
Eign. 192, 2. 196, 2.
munuc 44 A. 7. 60 A. 3.
141 A. 3. 150, 3.
murcnian swv. 58.
murjö, myrhö(e), my-
ri3Ö, miri3Ö stf. 200
A. 213 A. 2.214A. 2.
mur3e Adv. 315 A. 3.
muman stv. 58. 389, 2
u. A. 4.
müs, Pl. mys kons. Fern.
8. 147, b. 284 u. A. 1.
must stm. 60 A. 3.
muxle swf. 204, 4.
myln stm. 159 A. 3.
myne stm. 263, 1.
mynecen(u) stf. 102. 258
A. 2.
mynet stm. 102.
mynsterstn. 102. 186, 2.
myntan swv. 405 A. 11.
myrhö(e), myrijö s.
murjö.
mys Pl. s. müs.
nabban s. habban.
nabula s. nafela.
nacod Adj. 10. 44 A. 7.
50, 1. 150, 3. 205 A. 3.
nacodnisse stf. 109 A. 5.
näöer s. nähwscöor.
näpinj s. nän Öin3-
mehre s. näefre.
nseddre s. naedre.
needl (nedl, neöl) stf. 62.
148 A. 2. 154. 201, 3.
252 A. 2. 254, 1.
naedre, naeddre (nedre)
swf. 138, 1. 229. 276
A. 4, b. c. 278.
nÄfre (naebre) Adv. 191.
nae^l stm. 50, 3. 154.
160.
nae'dan swv. 96, 2. 404
A. 1, b.
naeht’s. niht.
nÄht s. näwuht.
näenje Adv. 320.
nsenij Pron. Adj. 348, 2.
näeniht s. näwuht.
mep (nep) stm. 62.
nserra Komp. s. neah.
naetan swv. 405 A. 8.
nafela, nafla, nafola (na-
bula) swm. 10. 142.
159 A. 8.
näht s. näwuht.
nähwaeöer, näwöer, nau-
öer, näöer Pron. 348,
2.
näläes, nälas, nals Adv.
319.
nallaö usw. s. willan.
nahes, nals s. nealles.
nam s. eom.
näm Sb. 80 A. 2.
nän Pron. Adj. 348, 2.
nän öinj, näpinj Pron.
348, 2.
näne öinja Adv. 320.
nän(w)uht Pron. 348, 2.
nas usw. s. wesan.
nasu s. nosu.
nät s. witan.
näthwä Pron. 344, 2.
näthwelc Pron. 344, 2.
nauht s. näwuht.
näwöer s. nähwaeöer.
näwer, nöwer Adv. 43
A. 4. 62 A. 3.
näwuht, nauht, näht
(näwiht, naeht, nae-
niht) Pron. 6 A. 1. 95
A. 1. 114 A. 4. 172 A.
348, 2 u. A. 1.2.
nead s. nied.
neades Adv. s. niedes.
neadjafol stn. 95 A. 4.
neadjild stn. 95 A. 4.
neadhäd stm. 95 A. 4.
neah (neh) Adv.; Komp.
Adj. nearra (naerra),
Adv. near, nyr (neor,
nior); Sup. ni(e)hst(a),
nyhst(a), neahst(a)
(nehst[a], nöxt [a], nes-
t[a], neistfa]) 86, 4.
119. 121. 122, 2. 128,
3. 138 A. 161. 221 A.
4. 222. 229 A. 2. 311.
313 u. A. 321. 322 A.
neahjebür (nehhebür)
stm. 214 A. 5.
neaht s. niht.
416
W örter Verzeichnis
nealaecan (neo-, -lecafn],
-licijan) swv. 86, 4.
119 A. 2. 218 A. 2.
405 A. 10. 407 A. 9.
10. 11.
nealic Adj. 218 A. 2.
nealles (nalles) Adv. 319.
neam s. eom.
nean Adv. 128, 3. 321.
neantij s. nisontij.
near(ra) Komp. s. neah.
nearu stf. 260 u. A. 1;
Adj. 109 A. 8. 300.
nearwe Adv. 315.
neappian s. hnappian.
neawest (neowest) stf.
218 A. 2.
neawinrj stf. 205 A. 3.
neb stn. 247.
Nebrod s. Nemrod.
ned s. nied.
nedl s. näedh
nedre s. niedre,
neöan swv. 405 A. 5.
neöl s. niedl.
nefa swm. 277 u. A. 1.
290 A. 2.
nefone swf. 258 A. 2.
neh s. neah.
nehhebür s. neah^ebür.
nehst(a) s. neah.
neht s. niht.
neidfaeae D. Sg. s. nied-
fier.
neirxnawon^a s. norcs-
nawonj.
neista Sup. s. neah.
nellan s. willan.
nemnan swv. 358 A. 4.
404 A. 1, a. 406 u. A.
4. 6.
Nemrod (Nebrod) Eign.
187 A.
neodlice; Komp, neodlu-
cor Adv. 43, 3. 142.
neoöan s. niöan.
neoöor s. niöor.
neogan, -on s. nijon.
neo^oöa s. nißoöa.
neoliecan, -leca(n),
-licija(n) s. nealiecan.
neontij s. ni30nti3.
neor Komp. s. neah.
neosian (jeniosija) swv.
221, 2. 412 A. 4.
neotan stv. 384 A. 1, a.
neoten s. nieten.
neowe s. niwe.
neowest s. neawest.
nep s. niep.
ner Komp. s. neah.
nercsnawonj, Gen.
neirxnawon3a stm.
273 A. 1.
ner3an s. nerian.
ner3endkons. Mask. 286.
nerian, ner(i)3an swv. 44
A. 6. 83 A. 96, 1. 147,
c. 175, 1. 176, 2. 181,
2. 227. 306 u. A. 1.
355. 356. 358, 1. 360,
1. 361. 363, 1. 3. 365
u. A. 3. 366, 1. 400, 1
u. A. 3. 401, 2. 402,
1. 409 u. A. 1. 410, 1.
3u. A. 5.
•neru stf. 268.
nerwan swv. s. nierwan.
-nes(se), -nis(se), -nys-
(se) Suffix (stf.) 142
A. 149, 1. 150, 3. 258,
1 u. A. 1.
nest stn. 45 A. 3.
nest(a) Sup. s. neah.
net stn. 247.
net(e)le stf. 159, c u. A.
3.
neten s. nieten.
n§xt(a) Sup. s. neah.
nialecan s. nealiecan.
ni-cenned, -cumen Adj.
(Part. Prät.) 130 A. 3.
173 A. 1, d.
nicor stm. 289, 2.
nid s. nied.
niöan, nyöan (nioöan,
neoöan) Adv. 111 A.
2. 314. 321.
niöanweard (neoöan-
weard, nyoöewearde)
Adv. 38 A. 4.
niöemest, nieöe-, nyöe-
(nioöe-)Adv. Sup. 111
A. 6. 314.
niöer(r)a Adj. Komp.
314 u. A. 1.
niöor, -er, nyöer (nioöor,
neoöor) Adv. 22 A. 2.
111 u. A. 2. 321.
niörian, hniörian swv.
412 A. 4. 10. 413 A. 1.
nied, nid, nyd, nead
(ned) stf. 94 A. 95 A.
4. 106. 269.
niedan swv. 405 A. 3.
niedes, neades Adv. 320.
nied-fier stm. (D. Sg.
neidfaerae) 94 A.
ni(e)dniem, nyd- stf.;
•näme Ädj. 80 A. 2.
nieöemest s. niöemest.
niehsta Sup. s. neah.
nieht s. niht.
nierwan, nyrwian (ner-
wan) swv. 408 A. 6.
*nierwet (nyrwet) stn.
248, 2.
nieten, niten, nyten (ne-
ten, neoten) stn. 42
A. 3. 106. 149, 2. 162.
243, 1.
nift stf. 193, 1.
nije s. niwe.
ni3OÖa (-eöa, -eoöa,
nysoöa, neojoöa)
Num. 328.
nijon, -en, -un, nyson,
-an (nijona, -ne, neo-
3an, -on, nione) Num.
111. 325 u.A.
nisontiene, -tyne, -tene
Num. 325.
•ni3onti3, -anti3, nio-
3onti3, ny30nti3
(nionti3, neontis,
neanti3) Num. 326.
nihst(a) Sup. s. neah.
niht, nieht, neaht (neht,
recht) kons. Fern. 31
A. 3. 86, 1. 95 A. 7.
105 A. 1. 119. 122, 2
u. A. 6. 284 u. A. 4.
nihte3ale swf. 278 A. 1.
nihtes Adv. 320.
nihtlanses Adv. 319.
niman (nioma[n]); Prät.
nöm, nömon, Part.
Prät. 3enumen stv.
23. 44 Ä. 6. 80. 81 u.
A. 82. 111. 366 A. 3.
4. 370 A. 1. 8. 371 A.
7. 390 A. 3. 5.
nioöan s. niöan.
nioöemest s. niöemest.
nioöor s. niöor.
nio3onti3 s. ni3onti3.
nioma(n) s. niman.
nione s. ni3on.
nionti3 s. ni3onti3-
nior Komp. s. neah.
niowo s. niwe.
W örter Verzeichnis
417
niowel, -ol s. niwel.
nipan stv. 382 A. 1, a.
•nis(se) s. -nes(se).
nistan swv. 405 A. 11.
nisti3 Adj. 127 A. 4.
niten s. nieten.
niwe (niowe, neowe),
ni3e Adj. 78. 89. 107
A. 5. 130 A. 3. 173 A.
1, d. 2. 176, 3. 297 A.
1. 298 A. 3.
niwel, niowol, -el Adj. 88
u. A. 2. 159, a.
•niwian swv. 412 A. 5.
nöht s. nöwuht.
nöhwseöer, no wöer Pron.
348, 2.
noma, nama swm. 10.
79. 276 A. 4, c. 5.
277.
norÖ Adj. 314; Adv. 321.
norÖan Adj. 321.
Norö(an)hymbre Eign.
Pl. 264.
noröerra, nyröra, noröra
Komp. 314 u. A. 1.
norÖmest Sup. 314.
nosu (nasu) stf. 274 u.
A. 1.
nöwöer s. nöhwfeöer.
nöwer s. näwer.
nöwuht, nöht (nöwiht)
Neutr. 114 A. 4. 116.
348, 2 u. A. 2.
nü Adv. 137, 1.
•numa swm. 82.
nunmynster stn. 167, c.
nunne swf. 60 A. 3.
nutu we usw. Pl. s.
witan.
nyböe Konj. s. nymöe.
nyd s. nied.
nydnäm, -nceme s.
nfednäsm, -nsme.
nyöan s. niöan.
nyöemest s. niöemest.
nyöer s. niöor.
ny3on, -an s. ni3on.
ny3oöa s. ni3oöa.
ny3onti3 s. ni3onti3.
nyhst(a) s. neah.
nyllan, -e, -aö s. willan.
nymöe, nyböe Konj. 187
A.
nyoöewearde s. niöan-
weard.
nyr Komp. s. neah.
nyröra s. noröerra.
nyrwet s. *nierwet.
nyrwian s. nierwan.
-nys(se) s. -nes(se).
nyst(a) Sup. s. neah.
nytan s. witan.
nyten s. nieten.
nyt(t) stf. 258, 1; Adj.
231, 2. 297.
ö Adv. s. ä.
ob Präp. s. of.
ober s. ofer.
oööe (othte, oööa, eööa,
aeththse) Adv. Konj.
199 2 u. A. 1. 200
A. 226. 317. 321 A. 3.
ööer Pron. Num. 80
A. 1. 159, a. 161 A.
186, 1. 200 A. 231, 4.
237 A. 2. 291 A. 1.296
A. 3. 328.
oö-3an3an stv. 186 A. 3.
ööre dse3 Adv. 237 A. 2.
ööres healfes Adv. 320.
othte s. oööe.
cefest s. ofost.
oe3 s. we3.
ce3hwelc s. äe3hwelc.
(Eie s. äelc.
of (ob) Präp. 51. 143.
191. 192, 1.
ofdele (-dsele, aefdeell)
stn. 263, 2 u. A. 3.
oförect s. öryecan.
oförysc(e)an swv. 206,
7, c. 405 A. 8.
ofer (ober) Präp. 44 A.
4. 191. 192, 2.
ofere Adv. 321 A. 3.
oferhy3d stn. 267, b.
ofermetto stf. 201, 4.
255, 3.
ofermöd3ian swv. 413
A. 3.
ofersceadwian swv. 412
A. 5.
*oferscyi3an swv.; Prät.
oferscyade 92, 2, a.
ofersle3e stn. 263, 2.
oferswiöan stswv. 382
A. 2. 405 A. 5.
ofersylefran swv. 404
A. 1, c.
Offa Eign. 192, 1.
offrian swv. 192, 1. 411
A. 6. 413 A. 5.
ofhaehte Prät. 407 A. 12.
of(o)st (cefest) stf. 43 A.
4. 95 A. 2. 100. 186
A. 3.
ofr s. hof(e)r.
ofscyfende Part. Präs.,
ofscyufon Prät. Pl. s.
scüfan.
ofti3e stm. 263, 1.
oftyrfan swv. 405 A. 1.
öhiolde (öhseldi, -Öi,
öheldi) Adj. 201 A. 2.
öht stf. 80 A. 1.
öht s. öwuht.
öhwaeöer, öwöer Pron.
218 A. 2. 346.
öhwser, öwör Adv. 218
A. 2. 321 A. 2.
öhwonan Adv. 321 A. 2.
ölecc(e)an, ölicc(e)an
swv. 407 A. 9. 10.
ollunc s. ondlon3.
on, an Adv. 51.
on Präp. 25 A. 51. 143.
onäelet stn. 248, 2.
onbryrdan swv. 180.
405 A. 11.
onbryrdnis stf. 180.
onbütan, abütan Adv.
188 A. 3.
oncleow, andcleow stm.
198 A. 2. 250, 1.
ond, and (aend, end)
Konj. 79 A. 4.
on dse3 Adv. 237 A. 2.
ondcwis(s) stf. ? 232.
ondetre stm. 248, 1.
ondettan (ondetti3an)
swv. 217. 229 A. 2.
403 A. 405 A. 9. 406
A. 6. 412 A. 2.
ondfen3a swm. 198 A. 2.
ond3iet stn. 198 A. 2.
ondleofa, -liofa swm.
111.
ondlon3, onlon3, ollunc
Adv. 188 A. 1.
ondön Vb. 356 A. 1.
ondräedan, a- (ondre-
dan); Prät. -dred
(•dreord) stv. 188 A.
3. 394, 1 u. A. 1. 395,
2, a u. A. 2.
ondrys(t)lic, -dry-
s(e)n(d)lic Adj. 188
A.4.196 A. 3.198 A.l.
ondsaca swm. 198 A. 2.
418
Wörterverzeichnis
ondsacan stv. s. onsa-
can.
ondswarian, and-, -swo-
rian (-swsereja) swv.
412 A. 5. 413 A. 6.
417 A. 11. 16.
ondswaru, andsworu
(ondsvaere) stf. 51.
252 A. 2. 253.
ondwierdan swv. 405
A. 11.
önettan swv. 43 A. 4.
218A. 1. 229A. 2. 403
A.
onjaajn, -jäsn s. ongean.
onse Adv. 315 A. 3.
onjean, -jen, -jän
(’3®3n, -3e3n, -3«n)
Adv. 91, b. 123. 125,
a. 214 A. 8.
on3emon3, aman3 Adv.
188 A. 3.
onsinnan stv. 79 A. 2.
226. 386 A. 1. 4.
on3sum, ancsum, anxum
Adj. 215.
on3sumnes, an3-, ancx-
sumnys stf. 209 A.
onhieldan swv. 405
A. 11.
onhyrian swv. 400 A. 1.
oninnan Adv. 321.
onleohtan swv. 122 A. 4.
onlon3 s. ondlon3.
on nön Adv. 237 A. 2.
onriht, ariht Adv. 188
A. 3.
onsacan, ond- stv. 198
A. 2. 368 A. 3. 371
A. 6.
onscunian (-scynian,
-scyni3e) swv. 412 A.
2. 5. 413 A. 5. 6. 414
A. 3. 417 A. 9, c. 14.
onsien, -syn (-sion,
-seone) stf. 107 A. 3.
198 A. 2. 269 A. 4.
onstyr3an swv. 409 A. 1.
Onswini s. Oswine.
ontynan swv. 103.
onw(e)ald stn. 43, 2. 198
A. 2. 267, a.
onwealj, andwealh,
ondwealh Adj. 198
A. 2. 214 A. 6.
onwe3, awe3 Adv. 188
A. 3.
onwreon stv. 214 A. 6.
open Adj. 159 A. 1.
op(e)nian swv. 411 A. 6.
öran Pl. s. yre.
orceard, orcerd, orc-
3eard, ordceard s. ort-
3eard.
orö s. oroö.
oreald Adj. 45, 5.
oreö s. oroö.
or(e)Öian swv. 43 A. 4.
158 A. 186 A. 3.
öret stm. 43 A. 4. 218
A. 1.
öretta swm. 43 A. 4. 229
A. 2.
örettan, orrettan swv. 43
A. 4. 218 A. 1. 403 A.
or-leahtre Adj. 95 A. 9.
orle3e stn. 263, 2.
orn Prät. s. irnan.
oroö, -uö, -eö, orö stn.
43 A. 4. 158 A. 159
A. 8. 186 A. 3.
orrettan s. örettan.
orretscipe stm. 218 A. 1.
orsäwle Adj. 45, 5.
ortseard, ordceard, or-
ceard, orcerd, orc-
3eard stm. 196, 2.206,
8 u. A. 9.
or-tudri Adj. 95 A. 9.
ös kons. Mask., G. Pl.
esa 281 A. 4.
ösle swf. 186, 1.
Osric Eign. 95 A. 1.
Oswine (Onswini) Eign.
186 A. 2.
üswold Eign. 51.
ot, at Präp. 51.
öwöer s. öhwseöer.
OuÖ3tim Eign. 26 A.
Oustman Eign. 26 A.
öwör s. öhwäer.
öwuht, -wiht, öht Neutr.
344, 3 u. A. 3.
oxa, Pl. exen (oexen)
swm. 19, 2. 58. 100.
221, 2. 276 A. 1. 277
A. 1.
päd stf. 189.
paaö stm. 189. 199 A. 1.
240 u. A. 2.
paeööan swv. 96, 3, b.
227.
psell stm. 85 A. 3.
psetis s. präti3-
pälendse swf. 73 A. 3.
204 A. 5.
päwa, pea swm. 63, b.
128 A. 3. 171 A. 3.
peni(n)3 stm. 188, 3.
peo, pie swf. 278 A. 2.
Peohtas Pl. s. Piht.
Perse, Perseas Eign. Pl.
264.
persoc stm. 141 A. 3.
peru swf. 45 A. 2. 56
A. 2. 110, 1. 278 A. 1.
Piahtred Eign. 86, 3.
pic stn. 189. 207.
pie s. peo.
Piht, Pl. Piohtas, Peoh-
tas Eign. 86, 3. 122, 1.
pil stm. 189.
pilece swf. 207.
pin stf. 66 A. 2.
pinsian swv. 186, 2.
Piohtas Pl. s. Piht.
piose s. pise.
piper, -or stm. 56 A. 2.
152 A. 2. 189.
pirse swf. 45 A. 2.
pise (piose)swf. 111.278.
plaece, plsetse, plaese
stswf. 204 A. 5.
plsB3ia(n), plae3i3a s. ple-
3ian.
plaese, plaetse s. plaece.
plasian s. ple3ian.
pleasade Prät. s. ple-
3ian.
ple3a swm. 189.
ple3an stv. 391 A. 1.
ple3ian (pla3ian, plae-
3ia[n]; Prät. Pl. pla3a-
dun, pleasadun) 109
A. 5. 391 A. 1. 412
A. 2. 417 A. 11, b. 16.
pleoh, plioh stn. 86, 2 u.
A. 3. 242 2.
pleolic Adj. 218 A. 2.
pleon, plion stv. 373.
391, 2.
Pleowald Eign. 218 A. 2.
plyme swf. 103.
pocca, pohha swm. 220
u. A. 1. 2.
popi3 (popei, popaes)
stm. 126 A. 3. 214, 2.
praeti3, päti3 Adj. 180.
prafost, profost stm.
77 A. 5. 192, 2.
W örter Verzeichnis
419
preost stm. 77 A. 5.
prica swm. 276 A. 5.
Profentse On. 204 A. 5.
pröfian swv. 192, 2.
profoat s. prafost.
ps(e)alm s. s(e)alm stm.
ps(e)altere s. s(e)altere.
pumic Subst. 207 A. 2.
pund stn. 60 A. 3. 189.
pyffan swv. 192, 1. 405,
4.
pyle, pylwe stm. 102.
173 A. 1, f. 263, 1.
pyndan swv. 405 A. 11.
pytt stm. 102. 189.
quidu s. cwudu.
Quöenöryö Eign. 208.
rä (räha) stn. 134, 1.277
A. 2.
racu stf. 252 A. 2.
rador s. rodor.
rädor s. rähdeor.
raebsid Part. Prät. s.
rsefsan.
räc(e)an swv. 407, 1 u.
A. 4.
raeced s. reeed.
ried (red) stm. 17. 62.
räidan (redan); Prät. red,
reedde (reord) stswv.
62. 181, 1. 359, 2.
394, 1 u. A. 1. 395, 2,
a u. A. 2. 405 A. 3.
-räeden stf. 258, 1 u. A.
5.
rsedic stm. 197.
raefnan swv. 193 A. 1.
404 A. 1, b.
rasfsan, raepsan (refsan)
swv. 96, 2. 192,1.193,
3. 405 A. 10.
raen s. hsem.
rrepsan s. raefsan.
räs stf. 260.
räesan swv. 203 u. A. 405
_A. 1.
rsesian swv. 408 A. 9.
raest stf. s. rest.
räeswan swv. 408 A. 9.
ra^u (reajii-) stf. 109
A. 5.
räha s. rä.
rähdeor, rädor stn. 218
A. 2.
rän Prät. s. ri3nan.
räpincel stn. 248 A. 4.
rärian swv. 411 A. 7.
räwan stv. 396 A. 6.
read (reod) Adj. 35 A. 1.
232.
reafian (jereofa) swv.
412 A. 9.
reaju- s. raju.
reat s. hreat.
*reca stv.; Part. Präs,
recende s. reocan.
recc(e)an, Prät. rehte,
rsehte swv. 119 A. 5.
122 A. 6. 138, 3. 227.
229 A. 2. 407, 1 u.
A. 2. 3. 410 A. 5.
*rec(e)an swv. s. re-
cc(e)an.
reced, reeced stn. 96, 3,
c. 149, 2. 159 A. 6.
243, 2.
receliestu swf. 201, 6.
Rocuulf On. 109 A. 5.
red s. raed.
redan s. rädan.
refnan s. rsefnan.
refsan s. rsefsan.
re3n, ren3, ren stm. 99.
155. 185. 213. 214, 3.
1030! (reosol) stm. 110,
lu. A. 1. 159 A. 8.
reht s. riht.
rehtnis (reihtniss) stf.
122, 2.
rempan swv. 405 A. 8.
ren s. aem.
ren, ren3 s. resn.
reo, reowe, röowu
(ryhae, ryse) swf. 133,
2. 218 A. 5. 278 A. 2.
reocan (*reca) stv. 384
A. 1, a.
reod s. read.
rcodan stv. 384 A. 1, a.
*reofan stv. 384 A. 1,
a.
reo3ol s. re30l.
reoht Adj. s. riht.
reon Prät. Pl. s. röwan.
reopan stv. s. rlpan.
reord stf. 45 A. 3.181, 2.
reord Prät. s. räedan.
reordian, riordian (hri-
orda3ae) swv. 38 A. 2.
412 A. 9.
reotan stv. 384 A. 1, a.
reoti3 Adj. 296 A. 2.
reow Adj. 301.
reowe, -u swf. s. reo.
rest (raest) stf. 96, 2. 179
A. 2.
restan swv. 44 A. 6. 96,
2. 359, 7 u. A. 8. 405
A. 11.
retan swv. 405 A. 8.
rewet stn. 248, 2.
rice stn. 44 A. 6.7.149,2.
206, 7, c. 209 A. 246
u. A. 3; Adj. 67. 138,
1. 177, 3, b. 181, 1.
229. 309.
ricxian s. rixian.
ridan stv. 382 A. 1, a.
riecels stm. 183, 2, b.
238 A. 2.
rifter stm. 237 A. 3.
ri3nan, rinan swv. 99.
213. 214, 3; Prät. Sg.
rän 382 A. 2.
rihsian s. rixian.
riht (reht) stn. 119. 122,
2; D. Sg. riahte 86
A. 3.
riht, ryht, reoht (reht)
Adj. 22 A. 2. 35 A. 2.
122, 1. 2 u. A. 1. 221,
1.
rihtan, ryhtan swv. 119.
120 Ä. 7. 405 A. 11.
406 A. 6. 410 A. 5.
rihtlsecan swv. 407 A.
10.
rihtlic, ryhtlic (rehtlic,
-lih) Adj. 43, 1.210,3.
rihtwisra Komp. Adj.
203 A.
rimpan s. hrimpan.
rimre stm. 248, 1.
rinan s. rijnan.
rinj s. hrin3.
rinnan stv. 386 A. 2.
rioppa stv. s. rlpan.
rlpan ([h]riop[p]a[n],
reopan) stv. 370 A. 8.
382 A 3
risan stv. 360 A. 2. 376
A. 382 A. 1, a.
risce, Pl. rixan s. rysce.
rixian, ricxian, rihsian
swv. 209 u. A. 356
A. 2. 411 A. 6. 412
A. 7.
roccettan swv. 403 A.
röd stf. 252 A. 1. 2.
420
Wörterverzeichnis
röda swm. 26 A.
rodor (rador) stm. 59
A. 2. 142.
röf Adj. 295.
römian swv. 411 A. 7.
Römware Eign. Pl. 252
A. 3.
röw Adj. 301.
röwan stv. (Prät. Pl.
hrewun, hröwun) 89.
173 A. 3. 396, 3, a u.
A. 10.
rÜ3 s. ruh.
rüh, rüß, G. rüwes usw.
Adj. 214 A. 1. 223 u.
A. 1. 295 A. 1.
rümedlice, rümodlice
Adj. 43 A. 3. 231 A. 2.
runian swv. 411 A. 7.
rüst stm. 232.
rüwes usw. s. rüh.
ryse s. reo.
ryööa swm. 227.
ryse stm. 44 A. 6. 263,1.
ryhae s. reo.
ryht s. riht.
ryhtan s. rihtan.
ryman swv. 405 A. 1.
ryn swv. 408 A. 17.
ryne stm. 263, 1.
rysce, risoe, Pl. ryxan,
rixan 204, 4.
rysel stm. 159 A. 3.
ryxan Pl. s. rysce.
Säberht, -tis Eign. 95
A. 4.
sacan stv. 207. 368
A. 3. 4. 371 A. 2. 392
A. 1.
säcerd stm. 12. 73 A. 3.
sacu; G. sace u. ssece,
saecce stf. 50 A. 6.
207.228 A. 3.253 u.A.
sadolstm. 10. 50, 1. 109.
säe stmf. 134, 2. 173
A. 1, a. 266 A. 2.
saecc stm. 96, 3, b. 207.
231, 1. 258, 1.
saecce G. usw. s. sacu.
ssec3an s. sec3(e)an.
säede Prät. s. sec3(e)an.
sseöerise stf. 199 A. 3.
saejen, segen stf. 258, 1.
ssel stn. s. sele.
sä?l stmf. ? 266 u. A.
1. 3.
saemtinses s. samtiges,
saendan s. sendan.
säere, säre Adv. 320.
saeterndaes stm. 50 A. 2.
195.
säewan stv. s. säwan.
säewet stn. 248, 2.
Saex- s. Seax-.
sa3u stf. 252 A. 2.
salb s. sealf.
salore D. Sg. s. sele.
salu Adj. 300.
samhwelc Pron. 347.
samtinjes, saem-, sem-,
samtenses Adv. 95
A. 3. 319.
samwist stfn. 267 A. 2.
sanjere stm. 237 A. 3.
sär stn. 73. 252 A. 2.
säre s. säere.
särjian swv. 411 A. 6.
säris (söris) Adj. 73
A. 1.
säul s. säwol.
säwan, säewan stv. 63
A. 2. 363 A. 4. 396,
3, b u. A. 9. 10.
Saweard Eign. 95 A. 4.
säwl s. säwol.
säwol, säwl, säul stf. 6
A. 1. 149, 1. 159, a.
252 A. 2. 254, 2.
255, 2.
scä-, scae- s. auch scea-.
-scäena swv. 92, 2, e.
scaeppend s. scieppend.
sceaba swm. 109 A. 8.
sceabb stm. 91, a.
sc(e)acan (sceacca) stv.
92, 2, d u. A. 7. 109
u. A. 8. 368 A. 3. 4.
392 A. 1. 3.
sceacere stm. 91. 109.
sceada swm. 216, 2.
scead (scaed) stn. 260 A.
2. 271.
sceada swm. 92 A. 7.
109 A. 8.
sc(e)ädan stv. 92, 2, d.
e u. A. 7. 358 A. 1.
394 A. 5. 395, 2, b u.
A. 4.
sceadu stf. 92 A. 7. 109
A. 8. 228 A. 3. 260 u.
A. 2. 271. 288 A.
sceaö, sceö (scäeö, sceaeö)
stf. 92, 2, e. 123.
sceada (scaeöo, sceoöa)
swm. 92, 2, d u. A. 7.
109 u. A. 8. 276 A. 4,
c. 277.
sceaöan stv. s. sceööan.
sceaööis (scaeööis, sceö-
Öi3) Adj. 92, 2, e.
sceäeö s. sceaö.
sc(e)afam stv. 91 A. 2.
368 A. 2. 392 A. 1. 3.
sceaf(o)öa (scaeföa) swm.
159, a u. A. 5.
sceaft (scaeft, sc®pt)
stm. ‘Schaft’ 91, a.
193, 1.
sceaft stfm. ‘Geschöpf’
91, a. 193, 1.
sceal Vb. prto.-präs. s.
sculan.
sc(e)alu stf. 92, 2. d u.
A. 7.
sceap (scep, scip, scyp)
stn. 91, b u. A. 4. 92
A. 9. 123 u. A. 2.
scear stn. 289 A. 3.
scearp Adj. 189.
sceat(t) stm. 91, a. 109.
195. 226. 231, 1.
sceaware, -were (acewaire)
stm. 89 A. 3. 248, 1.
sceawian, scäwian (scea-
wija) swv. 75. 125,
au. A. 2.411 A. 6.412
A. 6. 8. 413 A. 7.
sceawun3 (scewuns) stf.
89 A. 3. 125, a.
sceö s. sceaö.
sceööan, scyööan (scea-
öam) stv. 91 A. 2.
199, 2. 227. 372. 392,
4 u. A. 8. 400 A. 1, b.
401, 2 u. A. 1.
sceld s. scield.
scenc stm. 92, 2, e.
scenc(e)an swv. 92, 2, e.
198, 4. 405, 4. 406.
scendan s. sciendan.
*sceo (scia, sciae) swm. ?
130, 2. 277 A. 2.
sceocca s. scucca.
sceode Prät. s. sceawian.
sceoöa s. sceaöa.
sceöfan s. scüfan.
sc(e)öh stm. 92, 2, b.
131. 242, 2.
sceoh Adj. 295 A. 1.
sceola s. *sceolh.
Wörterverzeichnis
421
sceolan, sceolde s.
sculan.
sceoldor s. sculdor.
*sceolh, sw. sceola Adj.
295 A. 1.
sc(e)omian, sc(e)amian
swv. 355 A. 3. 412 A.
4. 5. 10.
sc(e)omol, se(e)amol
stm. 92, 2, c.
sc(e)omu, sc(e)amu stf.
92, 2, c u. A. 7. 253.
sc(e)onca, sc(e)anca
swm. 92, 2, c.
sceondlic Adj. 92, 2, c.
sc(e)op stm. 92, 2, b.
sceör s. scür.
sceorfan stv. 91 A. 7.
388 A. 1.
sceorpan stv. 388 A. 1.
sc(e)ort Adj. 92, 2, b;
Komp. Sup. scyrtra,
-est(a) 307. 310.
sceotan stv. 123. 125
A. 2. 384 A. 1, a.
sc(e)otian swv. 92, 2, b.
sceöwyrhta swm. 92
A. 6.
scep stn. s. sceap.
scepen s. scieppend.
sceppan s. scieppan.
sceppend s. scieppend.
Sceutwald Eign. 77A.4.
sceware s. sceaware.
scewun3 s. sceawuns.
scewyrhtas. sceöwyrhta.
scia, scise s. *sceo.
*soielcen, seylcen stf.
258, 1.
sci(e)ld, scyld (sceld)
stm. 91, c. 273.
♦sciellan, scyllan stv.
387 A. 1.
sci(e)ndan, scyndan
(scendan) swv. 92,2, e.
405 A. 11. 406 A. 3. 6.
scienes, scynnes stf. 229
A. 2.
-sciepe Suffix s. -scipe.
sci(e)ppan, scyppan
(sceppan) stv. 91, a.
92, 2, b. 105, b. 177,
3. 189. 227. 232. 368
A. 4. 372. 392, 4.
sci(e)ppend (sceppend,
scaeppend, scepen)
Part. Präs. u. kons.
(st.) Mask. 91 A. 2.
92, 2,’ e u. A. 8. 286
A. 4. '
sci(e)ran, scyran stv. 91,
a. b. c. 92, 2, d. 390
A. 1. 400 A. 1.
scierian swv. 400 A. 1.
scierpan swv. ‘schärfen’
405 A. 8.
scierpan swv. ‘beklei-
den’ 405 A. 8.
seihte Prät. s. *seyccan.
scild s. scield.
scildan swv. 358 A. 1.
405 A. 11. 406 A. 6.
scildis s. scyldij.
scinan stv. 92, 2, d u.
A. 7. 357 A. 3. 382
A. 1, a.
scindan s. sciendan.
sciolon, -un Pl. s. sculan.
scip stn. 229 A. 3. 241.
scip s. sceap.
-scipe, -sciepe Suffix 105
A. 1. 263, 1.
scipincel stn. 248 A. 4.
scippan s. scieppan.
scippend s. scieppend.
sciptearo, -tara stn. 43,
2. 249 A. 4.
sciran s. scieran.
scitan 382 A. 1, a.
sciu Pl. s. sceo.
sciulon Pl. s. sculan.
sei-, sem-, sen- s. sl-,
sm-, sn-.
sco- s. auch sc(e)o-.
scocha swm. 220.
scofl stf. 160.
scögan swv. 415, a.
seöl stf. 59 A. 4.
scolu stf. 253.
scraef stn. 240.
screnc(e)an swv. 405
A. 8. 10. 406 A. 2.
screpan stv. 391 A. 1.
scride stm. 263, 1.
scriöan stv. 382 A. 1, b.
scrifan stv. 376 A. 382
A. 1, a.
scrimman stv. 386 A. 1.
-scrincan, -scrinjan
(Prät. Pl. -scriun3en,
Part. Prät. -scriun-
cen, -scryuncan,
-scryncan) 92, 2, a.
378 A. 1. 386 A. 1. 4.
serüd kons. Neutr.
281, 2.
Beruf s. scurf.
scrydan swv. 405 A. 3.
scua, seuwa swm. 92,
2, a. 132 u. A. 2. 173
A. 2.
scucca, sceucca, sceocca
swm. 92, 2, a. 220
A. 2. 228 A. 2. 407
A. 12.
•scüdan stv., *scüdian
swv. 385 A. 1.
scüfan, sceüfan, sceöfan
stv. 92, 2, a. 359 A. 9.
378 A. 1. 385 u. A. 2.
sculan, sceolan, Vb.
prto.-präs.; Präs,
sceal (scal, scel, scael),
Pl. sculon (Bciulun,
sciolon, -un, scylon,
scilon); Prät. sceolde
(scealde) 31 A. 4.
36. 59 A. 1. 91, a u.
A. 1. 92, 2, au. A. 6.
7. 111 A. 8. 123. 137,
3. 202. 350, 2. 360
A. 4. 423, 8 u. A. 1.
sculdor, sceoldor (D.
Pl. scyldrum) 92, 2, a.
scultheta swm. 95 A. 4.
scür, segör (seyür) stm.
92, 2, a.
scurf, scruf stm. 179, 2.
scutel stm. 60 A. 3.
seuwa s. scua.
♦scyccan swv.; Prät.
seyhte, seihte 407 A.
12.
scyööan swv. s. sceö-
öan.
scyend s. seyhend.
seyfe stm. 263, 1.
seyhend, scyend kons.
Mask. 408 A. 17.
seyhte Prät. s. *scyccan.
seylcen s. *scielcen.
scyld ‘Schild’ s. scield.
scyld stf. ‘Schuld’ 269.
scyld3ian swv. ‘sich ver-
schulden’ 411 A. 6.
scyldi3 (scildis) Adj. 31
A. 2.
scyldi(3)an swv. ‘an-
klagen’ 412 A. 6.
scyldrum D. Pl. s. scul-
dor.
422
Wörterverzeichnis
soyllan s. *soiellan.
seyltfreca swm. 95 A. 4.
scyltful(l) Adj. 95 A. 4.
scyltleas Adj. 95 A. 4.
*scyn swv. 408 A. 17.
soyndan s. sciendan.
soynian s. onscunian.
scynnes s. scienes.
scyp s. sceap.
scyppan s. sci(e)ppan.
scyran s. scieran.
scyrta(n) swv. 405 A. 10.
11. 406 A. 2.
scyrtra, scyrteBt(a)
Komp. Sup. s. sceort.
scyte stm. 263, 1.
scyte! stm. 159 A. 3.
scyür s. scür.
s§, seo, sio, ö®t usw.
Pron. dem. 52 A. 1.
78. 79 A. 3. 130, 1.
137, 1. 138, 5. 147, a.
182. 187. 337 u. A.
2-5. 340 u. A.
sea s. seon ‘sehen’,
sea stmn. s. seaw.
seaö stm. 273.
sealf (salb) stf. 191.
sealfian swv. 108 A. 1.
192, 2.
sealh (salh) stm. 120.
223 A. 1. 242, 1.
sealla s. sellan.
s(e)alm, ps(e)alm stm.
35 A. 2. 189 A. 3.
sealtan stv. 396, 1.
s(e)altere, ps(e)altere
stm. 189 A. 3.
searu stn. 174, 2. 249.
seatul s. seotul.
sea(w) stmn. 250, 1.
seax Num. s. siex.
Seax- (Sex-, Sjex-) Eign.
122 3.
Seaxe Eign. Pl. 261. 264
_u. A. 276 A. 1. 4, a.
sec s. seoc.
sec(e)an (söecafn]) ;Prät.
söhte swv. 95 A. 10.
101. 138, 4. 147, c.
206, 7, c. 221 A. 1.
355 A. 3. 357 A. 3.
359, 5. 407, 1 u. A. 5.
secs stm- ‘Mann’ 177
A.2.216,1.231,1.246.
secs stmn. ‘Riedgras’
94 A.
sec3 stf. ‘Schwert’258,1.
sec3(e)an, ssec3(e)an;
Prät. Part. Prät.
S£e3d(e), ssed(e) swv.
17. 96, 3, b. 124 A. 1.
126, 2. 206, 7, c. 214,
3. 216, 1 u. A. 1. 355
A. 2. 409 A. 2. 416, 1.
417, 1 u. A. 3.
sedl(e) s. setl.
seöan swv. 405 A. 5.
seöel s. setl.
sefa (seofa) swm. 110, 2
u. A. 1. 277.
seft Komp. s. söfte.
sefte, söfte Adj. 101. 299
u. A. 1. 315 A. 3.
se3en stf. s. ssejen.
sejiljaerd stf. 96, 4.
setl, sexel, -il stmn. 152.
154. 160.
se31an, si31an swv. 404
A. 1, b.
se3n (seijn) stm. 56
A. 2. 126 A. 3.
sei3n s. se3n.
seista s. siexta.
sei (s<El) Adv., Komp.
312 A. 1. 323.
seid s. setl.
seldan Adv. 124 A. 1.
322 A.
seld(n)or Adv. Komp.
322 A.
seldost Adv. Sup. 322 A.
seldum Adv. 137, 3.
sele stm., sei, sael stn.
(D. Sg. salore) 240.
263, 1 u. A. 3. 4.
288 A. 289 A. 3.
Seleberhtin3clond On.
215.
seien, sylen stf. 124.
258, 1.
selest(a) (sSlest[a]) Sup.
101 A. 1. 311. 312 u.
A. 1.
seif, sylf, silf (seolf, solf)
Pron. 85. 124. 125, a.
291 A. 1. 339.
selfwilles Adv. 320.
seih s. seolh.
sella Komp. s. sSlra.
sellan, syllan, sillan
(sealla, seolla, siollan)
swv. 44 A. 6. 83 A. 85
A. 4. 110 A. 2. 124 u.
A. 1. 177, 3. 227. 356
A. 2. 358 A. 1. 5, c. 7.
360 A. 1. 4. 407, 3 u.
A. 15. 410 A. 3. 5.
sellic, syllic Adj. 124.
selra (sellra, sölla, sylra,
sylla)Komp. 124.138,
3. 180. 312 u. A. 1.
semninsa, somnunja
Adv. 318 A.
semtinges s. samtinjes.
senc(e)an swv. 405 A. 8.
406 A. 2.
sendan swv. 96, 5 u.
A. 8. 198, 5. 224. 405,
5. 406 u. A. 3. 6. 7.
410 A. 5.
sendlic Adj. 350 A. 2.
senoö stm. 199 A. 3.
senop s. sinop.
seo swf. 129, 2. 278 A. 2.
seoc (sec) Adj. 77. 119.
seodu stn. s. sidu.
seoöan stv. 384, 1.
seoööan s. siööan.
seofa swm. s. sefa.
seofafald Adj.; seofen-
faldlice, seofofallice,
-fullice Adv. 43 A. 3.
330 A. 1.
seofian swv. 412 A. 10.
417 A. 14.
seofoöa, -eöa, siofoöa,
sufoöa (seofunda, sio-
fund[a]) Num. 111.
125, au. A. 1. 328.
seofon, -io-, -an, syfon,
an, -en, sufon (sifun-)
Num. 35 A. 1. 38
A. 2. 45 A. 1. 107 A.
2. 111 u. A. 3. 124 A.
3. 125, a u. A. 1. 188,
2. 191. 325 u. A.
seofontiene, -tyne,
-tene Num. 325.
•seofontij, -io-, -antij
(-entij, -untij, sifon-
tis) Num. 326 u. A. 1.
seofunda s. seofoöa.
seohhe swf. 220.228 A. 3.
seolc s. seoloc.
seolcen s. silcen.
seolf s. seif.
seolfor, siolufr, siolfor,
silofr, sylfor stn. 111.
124 A. 3. 125, a u. A.
1. 159 A. 8.
W örter Verzeichnis
423
seolfren Adj. s. sylfren.
seolh, G. seoles (seih)
stm. 85. 120. 242, 1.
seolla swv. s. sellan.
seoloc, seolc, sioluc,
siolc stn. 111. 124
A. 3. 159 A. 8.
seon stf. s. sien.
seon, sion stv. ‘seihen’;
Part. Prät. äseowen,
äsiwen 86,5.88 u. A. 2.
130, 2. 234, d. 357
A. 2. 373. 378 A. 4.
383 A. 4.
seon, sion (sea, sian) stv.
‘sehen’; Imp. seoh
(seh); Prät. Sg. seah
(sseh), Pl. säwon (sä-
31m, ssegun, sejun);
Part. Prät. -sawen,
sewen (sagen) 10. 13.
40. 63, bu. A. 1.86,1.
2. 88 A. 3. 119 u.
A. 2. 5. 121. 129, 2 u.
A. 4. 205 A. 3. 213
A. 1. 218, 3. 221 A. 4.
222. 223. 234, d. 356
A. 1. 367, 1. 371 A. 4.
373. 374 A. 1-6. 378
A. 1. 4. 391, 2 u.
A. 8.
seonu stf., Pl. -uwa,
•owa, -ewa s. sinn.
seotul, Pl. seotlas (seat-
las) stm. 159 A. 8.
201 A. 4.
seowian, si(o)wian (*seo-
wan) swv. 78. 88 A. 2.
89. 125 A. 2. 173 A. 1,
d. 2. 408 A. 13. 15.
seox s. siex.
seröa(n) swv. 388 A. 1.
sess stn. 232.
sesta s. siexta.
sotl (seid, sedl[e], seöel)
stm. 137, 3. 154. 183,
2, a. 201, 3 u. A. 4.
setlunj stf. 160.
settan swv. 19, 2. 96, 1.
177, 3. 195. 227. 358
A. 5, a. 400, 2 u. A. 1,
c. 402, 2.406 A. 3 u. 7.
407, 3 u. A. 18. 410
A. 5.
Sex- s. Seax-.
sex Num. s. siex.
sian s. seon ‘sehen’.
sib(b), sybb stf. 148 A.
1. 190. 231, 1. 252 A.
2. 257.
sibunsterri s. sifun-.
sican stv. 382 A. 1, a.
sice stm. 263, 1.
sicor Adj. 66 A. 2.
side swf. 66 A. 2. 197.
sidu, -o (seodu, siodu,
o) stm. 111 A. 2.
271. 288 A.
siö stm. 186, 1 u. A. 1.
331.
siö Adv. 314. 323.
siööan, -ie-, -y- (sioööan,
-eo-, -o-) Konj. 111
A. 2. 124 A. 3. 125, a.
138, 3. 199, 2. 200 A.
siöe stm. 214, 4.
siöemest, siöest Sup.
314.
siÖfat stmn. 49 A. 2.
siöra Komp. 314.
sieööan s. siööan.
siellic Adj. 198, 3.
sieltan swv. 405 A. 11.
sien, syn (sion, seon) stf.
269 A. 4.
sierwan, syrwian swv.
408, lu.A. 4.413 A.5.
siex, six, syx (sex, seox,
seax, siox) Num. 119.
122 A. 2. 221, 2. 325.
siexta, sixta, syxta,
sihsta (sexta, sesta,
seista) Num. 126 A. 4.
221, 2. 328..
siextiene, -tyne, -tene
Num. 325.
siextij, sixtig, syxtig
(sextij, -tih) Num.
214 A. 2. 326 u. A. 1.
siföa s. sifeöa.
sife stn. 263, 2. 288 A.
sif(e)öa swmf. 159 A. 5.
siftan swv. 193, 1. 199
A. 1. 357 A. 2.
sifun Num. s. seofon.
sifontig, -untij s. seo-
fontij.
sifunsterri,sibun- Subst.
107 A. 2.
sijan stv. 382 A. 1, a.
sijbej stm. 263 A. 5.
5(30, sigor stm. 141, 1.
147, b. 182 u. A. 2.
261. 263, 1 u. A. 4.
5. 288 A. 289, 2 u.
A. 5. 6.
Sigel- s. Sil-,
sigfsest Adj. 263 A. 5.
Sigfriö Eign. 168 A. 1.
Sigibed Eign. 168 A. 1.
siglan s. seglan.
Sigmund, -red, -uini
Eign. 263 A. 5.
sigor s. si3e.
sihsta Num. s. siexta.
silcen, seolcen Adj. 95
A. 5.
silf s. seif.
Silhearwan, Sigel- Eign.
Pl. 214, 4.
sillan s. sellan.
silofr s. seolfor.
simbles Adv. 319.
sin Pron. poss. 67. 335.
sincan stv. 205 A. 3.
386 A. 1.
singala, -e, -es Adv.
317. 319.
singälian swv. 414 A. 4.
singäl(l)ic Adj. 231, 4.
sin3an stv. 137, 3. 205
A. 3. 386 A. 1.
sinhwyrfel (-uulfur,
-uurbul) Adj. 114,
a u. A. 1.
sinnan stv. 386 A. 1.
sinop, senop stm. 189.
sinu (sionu, seonu; Pl.
seonuwa, -owa, -ewa)
stf. 111. 165, b. 228
A. 3. 260 u. A. 2.
siodo s. sidu.
sioööan s. siööan.
siollan s. sellan.
sion stf. 8. sien.
sittan stv. 14. 49. 52.
56. 202. 232. 358
A. 5, a. 360 A. 3. 372
u. A. 391, 3 u. A. 11.
410 A. 5.
siwian s. seowian.
six s. siex.
slä (slsegu) stswf.
‘Schlehe’ 109 A. 5.
134, 1. 278 A. 2.
slä Vb. s. slean.
eise (elea ?, slahse) swf.
‘Weberkamm’ 278
A. 2.
slsege stm. s. sle3e.
slsegu s. slä ‘Schlehe’.
424
W örter Verzeichnis
slffip (slep) stm. 62. 63, a.
210, 1.
sleepan stv. s. släpan.
sla3a swm. 234.
slahte s. slä ‘Weber-
kamm’.
släpan, släepan (slepan)
stv. 13. 46. 63, a u.
A. 1. 66. 202. 395, 2,
au. A. 2. 405 A. 10.
släw Adj. 301.
slea swf. s. slä ‘Weber-
kamm*.
sleacnes stf. 210, 1.
slean (slä[n]) stv.; Part.
Prät. slajen, slaejen,
slesen 50 A. 6. 69.
86, 1 u. A. 2. 105.
119 A. 5. 121. 128, 2
u. A. 4. 214 A. 6. 231,
4. 234. 296 A. 1. 358
A. 7. 366 A. 3. 367, 1.
368 A. 4. 373. 374
A. 1-6. 378 A. 1. 392,
2.
slese, slseje stm. 234.
263, 1.
slep s. slffip.
slepan s. släpan.
sii s. sliw.
slidan stv. 382 A. 1, a.
slide stm. 263, 1.
sli(e)ht stm. 105. 266.
slincan stv. 210, 1. 386
A. 1.
slitan stv. 210, 1. 382
A. 1, a.
sli(w) stm. 250 A. 2.
slöh (flekt. siö) stmfn.
242, 2. 255 A. 3.
slüpan stv. 385.
smsel Adj. 202.
smsele, smale Adv. 315
A. 2.
smea3(e)an (sme3an)
swv. 76 A. 121 A. 3.
177 A. 1. 210, 1.
415, d.
smea(u)n3 stf. 135.
smecan s. smeocan.
smeöe (smöeöe) Adj. 95
A. 10. 303 A. 2.
sme3an s. smea3(e)an.
smeocan (smecan; Part.
Präs. smicende) 119
A. 5. 384 A. 1, a.
smeortan stv. 388 A. 1.
smeoru(w) stn. 110, 1.
249 A. 2.
smerian, smerwan s.
smierwan
smic s. smiec.
smicende Part. Präs. s.
smeocan.
smiööe swf. 227.
smi(e)c, smyc stm. 31
A. 3. 266.
smierwan, smirwan
(smerwan); smir(i)an,
smyrian (smerian)
swv. 83 A. 107 A. 2.
408, 1 u. A. 4. 5.
409 A. 1.
smi3il s. smy3el.
smir(i)an, smirwan s.
smierwan.
smöö Adj. 303 A. 2.
smolt, smylte Adj. 299
A. 1.
smoltlice Adv. 315 A. 3.
smyc s. smi(e)c.
smyjel, snmil stm. 159
A. 4.
smylte s. smolt.
smyrian s. smierwan.
snsesl, snäel stm. 214, 3.
snä(w) stm. 126, 1. 134
A. 1. 173. 174, 3.
250, 1.
sneome Adv. 315 A. 1.
*sneorcan stv. 388
A. 1. 3.
sneowan stv. 384 A. 4.
snican stv. 210, 1. 382
A. 1, a.
snide stm. 263, 1.
sniöan stv. 359 A. 7.
382 u. A. 1.
sniwan swv. 199 A. 1.
snoffa swm. 192, 1.
snoru stf. 252 A. 2.
snot(t)or Adj. 202. 228.
296 u. A. 3.
snöwan stv. 384 A. 4.
396 A. 6; s. auch
sneowan.
snyrian swv. 400 A. 1.
snyt(t)ru swf. 280 A. 2.
söö Adj. 80 A. 1. 186, 1.
315.
soööa s. siööan.
sööe Adv. 315. 316.
söölice Adv. 200 A. 206
A. 9. 316.
söeca(n) swv. s. sec(e)an.
scefen s. swefen.
scel s. sei.
soester s. swostor.
söfte Adj. s. sefte.
softe Adv.; Komp, seft
80 A. 1. 101. 186, 1.
299 A. 1. 315 A. 3.
323.
sol stn. 239, 1, b.
solf s. seif.
som- (cucu, läered), sam-
Adj. 80 A. 3. 95 A. 4.
138, 2.
some Adv. 315 A. 1.
somnian, samnian swv.
411 A. 6. 412 A. 4. 5.
6. 414 A. 3. 4.
somnunja s. semninja.
söna Adv. 80. 317.
sors, sorh stf. 214, 1.
252 A. 2. 4. 254, 1.
276 A. 4, a.
sorsian swv. 214 A. 6.
411 A. 7. 412 A 10.
417 A. 9, e.
sörij s. säris
spädle D. Sg. s. spätl.
spadu swf. 109 A. 2.
278 A. 1.
spräc s. spräec.
spaeria swv. s. sparian.
spsetan swv. 394 A. 2.
405 A. 8.
späld s. spätl.
spald(o)r stn. 153 A.
sparian (spaeria) swv.
109. 411 A. 7. 417
A. 11, a.
spätanstv. (Prät. speaft,
speoft) 384 A. 5. 394
A. 2.
spätl (späld, D. Sg.
auch spädle) stn.
154. 183, 2, a. 201, 3.
speaft Prät. s. spätan.
spec, spie stn. 45 A. 3.
specan s. sprecan.
sped (speed) stf. 95
A. 10. 101. 269.
speld stn. 289 A. 3.
spenn Prät. 396 A. 4.
speoft Prät. s. spätan.
*speoftian swv. 384
A. 5.
*speornan s. spurnan.
speowian, spi(o)wian
Wörterverzeichnis
425
*(spiowan) swv. 78.
88 A. 2. 173 A. 2.
408 A. 13. 15.
spere stn. 110, 1. 261
A. 1. 262. 263 A. 4.
288 A.
spie s. spec.
spice swf. 207
spild (spilth) stm. 201A.
2.
spildan swv. 405 A. 11.
spillan swv. 229 A. 2.
357 A. 3. 405 A. 6.
spineje s. spynje.
spinnan stv. 386 A. 1.
spitu stm. 271.
spiwan stv. 88 A. 2.
378 A. 4. 382 A. 1, a.
spiwe stm. 88 A. 2.
263, 1.
spiweda swm. 88 A. 2.
spiwian s. speowian.
spön stm. 26. 80.
sponan, spanan stv. 371
A. 2. 392 A. 4.
sponnan, spannan stv.
392 A. 4. 396, 1.
spor stn. 239, 1, b.
spora s. spura.
sporettan swv. 403 A.
spoman s. spuman.
spöwan stv. 126 A. 2.
396, 3, a.
sprsec, spsec stf. 180.
spraec(c)a s. sprecan.
sprsedan swv. 405 A. 3.
sprecan, specan (spreo-
ca[n], -ea-, spraec-
[c]a) stv. 22 A. 2.
54. 55 A. 63, a. 110,
2 u. A. 1. 180. 202.
356 A. 1. 370 A. 1.
4-6. 371 A. 2. 391
A. 1. 6.
sprecolAdj. 110, 1.
sprens(e)an swv. 405
A. 2.
spreoca(n) s. sprecan.
springan stv. 79 A. 2.
215. 386 A. 1.
sprintan stv. 386 A. 1.
*sprütan stv. 385 A. 1.
spryttan swv. 400
A. 1, c.
spura, spora swm. 58.
spuman, spoman stv.
(-spumisa, -spymija
swv.) 58. 389, 2 u.
A. 4. 417 A. 9, g.
spyn3e, spinc^e swf. 31
A. 2. 215 A. 3.
spyrian swv. 400 A. 1.
*spyman, -spymiga
swv. s. spuman stv.
staöelian, -olian swv.
10. 50 A. 1. 201 A. 6.
staöol stm. 50 A. 1. 142.
201A. 6.
stseö stn. 240.
stseööan swv. 96, 3, b.
227.
staef stm. 240.
staefnan (stefnan) swv.
96, 2.
stselan s. stelan.
stielan swv. 201 A. 6.
stäelwieröe Adj. 201A. 6.
stsenan swv. 356 A. 2.
stäenen Adj. 17. 296.
stfiner Pl. s. stän.
stäänihte, stänihte Adj.
299.
stsepe stm. 96, 3, b. 261.
263, 1.
stseppan, steppan stv.
96, 3, b. 358 A. 5, a.
372. 392, 4.
stalle swv. s. steallian.
stän (Pl. staener) stm.
17. 73. 150, 1. 289
A. 3.
standan s. stondan.
stänhiewet (-hifet) stn.
192 A. 5.
stänihte s. staenihte.
stapol stm. 109. 245.
starian swv. 411 A. 7.
steala s. stelan.
stealdan stv. 396, 1.
steallian (stalle) swv.
412 A. 9.
stearra s. steorra.
stede, styd(e) stm. 263,
1 u. A. 5.
stef(e)n, stemn stm.
‘Stamm’ 96, 2. 193, 2.
stef(e)n, stemn stf.
‘Stimme’ 81. 155.
193, 2.
stefnan s. stsefnan.
stela (steola)swm. 110,2.
stelan (stselan, stoala)
stv. 19, 1. 35 A. 1. 63,
a. 390 A. 1. 391 A. 5.
Stele s. stiele.
stellan swv. 407, 3 u.
A. 16.
stemn s. stef(e)n.
stenc stm. 206 A. 9. 266
u. A. 3.
sten-?; PL sten5(e)as
stm. 266.
steojun Prät. Pl. s.
stljan.
steola s. stela.
steopfeder (steupfae-
daer) kons. Mask. 77
A. 4.
steora s. stiera.
steoran s. stieran.
steorfan stv. 388 A. 1.
steorra (stearra) swm.
35 A. 1. 84. 178, 2.
226. 276 A. 4, c. 277.
steppan s. stseppan.
steupfaedaer s. steopfse-
der.
stice stm. 263, 1.
stician (stiocian) swv.
111. 411 A. 6. 7. 412
A. 5.
sticol Adj. 296.
stiele, style (stele) stn.
218, 2. 248, 1.
stiell stm. 266.
stiera, stiora, steora
swm. 107.
stieran, stioran, steoran
swv. 40. 78. 107. 405
A. 1.
sti^an stv. 56. 111 A. 2.
214 A. 2. 6. 359, 4.
376 A. 382 A. 1, a. 4.
stije stm. 263, 1.
stisol (stiojol) stf. 111.
stijräp, stiräp stm.
214, 6.
stigweard, stiward stm.
214, 6.
stijwita, stiwita swm.
214, 6.
still Adj. 295 A. 2.
stillan swv. 405 A. 6.
stincan stv. 205 A. 3.
215 A. 1. 386 A. 1.
stinjan stv. 386 A. 1.
stiocian s. stician.
stio3ol s. stisol.
stiora s. stiera.
stioran s. stieran.
stiräp s. sti3räp.
426
W örterverzeichnis
stiward s. stljweard.
stiwita s. stijwita.
stoc, G. stocces stm. 226.
stoccen Adj. 95 A. 5.
stondan, standan stv.
198, 4. 202. 204 A. 6.
359, 2. 360 A. 3.
371 A. 2. 3. 6. 392, 3.
stöw stf. 126, 1 u. A. 1.
259.
st rase, ’strsec (strec)
Adj. 294 A. 1.
strset (stret) stf. 17. 62
u. A. 2. 195.
strawberi3e s. streaw-
berije.
stre s. streaw.
streaw (streow, stre)
stn. 75. 126, 1 u.
A. 2. 128 A. 1. 2. 129
A. 2. 174, 1. 250, 2
u. A. 3.
streawberi3e, straw -
beri3e swf. 75. 128 A.
2. 250 A. 3.
strec s. strsec.
strecc(e)an, Prät. streb-
te swv. 122 A. 6. 407,
1 u. A. 2.
strede, -un Prät., -stred
Part. Prät. s. streo-
wian.
stredan s. stre3dan.
stredan swv. 129 A. 2. 5.
408 A. 12.
strejdan, stredan (2. 3.
Sg. Präs. Ind. strai-
des) stv. 126, 2. 214,
3 u. A. 9. 359 A. 3.
371 A. 6. 389, 1 u.
A. 1.
streide Prät. s. stre3an.
stren s. streowen.
stren3 stm. 266.
stren3Ö(u), strenö,
strencö stf. 149, 1.
184 A. 215 u. A. 1.
255, 3.
strenje Adj. s. stron3.
strensra, -est, -sta s.
stron3.
stren3u, strens(e)o swf.
150, 2. 206, 7, c. 280.
streowen (stren) stf. 129
A. 2. 173 A. 1, e.
streowian, strewian
(*stre3an); Prät. stre-
wede, streowode
(strede, streide) swv.
75. 87 A. 96, 1. 110
A. 2. 125 A. 2. 129
A. 2. 5. 173 A. 1, e. 2.
176 A. 4. 408 A. 15.
stret s. Street.
strican stv. 382 A. 1, a.
stricel stm. 159 A. 4.
stridan stv. 199 A. 1.
382 A. 1, a.
stride stm. 263, 1.
stri(e)nan, strynan (je-
strionaijO, Prät. 36-
strionde, -streonde)
swv. 107. 405 A. 1.
417 A. 16.
*striman (*striman)
stv. 390 A. 4.
strinan s. strienan.
stron3, stran3, strenje;
Komp, auch strenjra,
Sup. stren3(e)sta 10.
96, 5. 299 A. 1. 303
A. 2. 310. 311. 322.
strüdan stv. 385.
strynan swv. s. strl(e)-
nan.
stryta swn. 103.
studu, stuöu; Pl.
styde kons. Fern. 147,
b. 282.
stund stf. 254, 1.
stundmselum Adv. 320.
stycce stn. 206, 7, c.
248, 1.
styd(e) s. stede.
stydfest Adj. 263 A. 5.
style s. stiele.
*stylla(n), stylta(n)
swv. 405 A. 10.
styntan swv. 357 A. 2.
styrian, styrijan swv.
165, a. 400 A. 1. 409
A. 1.
suaeöila G. Pl. s. sweöel.
suaelce s. swelce.
sualuuae s. swealwe.
süö Adv. 314. 321.
Sudan Adv. 321.
süöerra, syöerra Komp.
314.
SüÖhymbre Eign. Pl.
264.
süömest Sup. 314.
süöweard(es) Adv. 319.
suedilas Pl. s. sweöel.
sufoöa s. seofoöa
sufon s. seofon.
su33a swm. 216, 2.
su3ian s. swi3ian.
suhterja, suhtri(j)a
swm. 176, 2.
suinnih s. synni3.
sul s. sulh.
sulfer s. seolfor.
sulh, sfil, suluh kons.
Fern. 164. 173. 223.
284 u. A. 1. 3.
sülincel stn. 248 A. 4.
suluh s. sulh.
sum Pron. 294. 343.
sume dsej Adv. 237 A. 2.
sumnun3 stf. 252 A. 2.
sumor stm. 273.
Sumursijete G. Pl.-tna
Eign. 276 A. 4, a.
suna s. sunu.
sund stn. 173.
sundri3 s. syndri3.
sunfo^ian swv. 412
A. 10.
sunne swf. 278.
sunu, -o, -a stm. 44
A. 7. 60. 148, a. 150,
1. 182. 202. 270. 271
u. A. 1. 2.
süpan stv. 385 u. A. 4.
Sütangli Eign. 186 A. 1.
199 A. 1.
suwian s. swijian.
swä, swffi (swä) Konj.
137 A. 1. 2. 345 u. A.
1. 2.
swaöu; fl. swfeöe, swaöe
usw. stf. 253 u. A.
swse s. swä.
swseö stn. 240.
swffiöe fl. Kasus s.
swaöu.
swaaöer = swä hwseöer.
swselc s. swelc.
swser, Pl. swäran usw.
Adj. 13.
swsester s. swostor.
swsetan swv. 405 A. 8.
swäpan stv. 396 A.5.397.
swäran Pl. s. sw®r.
swö s. swä.
swealwe, swealuwe,
-owe, -ewe (sualuuae)
swf. 165, b. 171 A. 1.
278.
swear s. sweor.
Wörterverzeichnis
427
swebban, swefian swv.
400 A. 1, b u. 2. 401,
2. 402, 1. 410 A. 2.
sweööan swv. 400 A. 1,
b. 401 A. 1.
sweöel (G. Pl. suaeöila,
N. Pl. suedilas) stm.
159 A. 3.
swefan stv. 172. 391
A. 1.
swef(e)n (swcefen, soe-
fen) stn. 115 u. A. 3.
171 A. 1. 172 A. 193
A. 1.
swefian s. swebban.
swej stm. 126, 2. 266.
swe3(e)an swv. 126, 2.
405 A. 2.
swejer (swer) stf. 129,
2. 234 A. 3.
swelc (swffilc, swcelc),
swilc, swylc Pron. 43
A. 4. 44 A. 6. 96, 3, b.
115. 116. 342 u. A. 3.
345 A. 1. 349.
swelce (suaalce, swcelce)
Adv. 342 A. 3.
sweljan stv. 359, 4 u.
A. 6. 371 A. 4. 387
A. 1.
sweljend kons. Fern.
287 u. A.
swellan stv. 85. 387 A. 1.
sweltan stv. 85. 202.
387 A. 1. 4.
swenc(e)an swv. 405
A. 8. 10. 406 A. 2.
swenj stm. 266.
sweofot stn. 110, 1.
sweojian s. swisian.
Sweon Eign. Pl. 127
A. 1. 277 A. 2.
sweor (swear) stm. 129,
2. 234 A. 3.
sweora, swira, swyra,
swura swm. 113 A. 4.
114 A. 3. 218 A. 1.
sweord, swurd, swyrd
(sword) stn. 113, au.
A. 1. 118 A. 1.
sweorfan stv. 388 A. 1.
sweostor s. swostor.
sweotol, -e, -Hee s. swu-
toi, -e, -llce.
swer stf. s. swejer.
swerian, swerjan, sweri-
3an (sucerija) stv. 357
A. 3. 372 u. A. 378
A. 1. 392, 4 u. A. 8.
409 A. 1. 410 A. 5.
swester s. swostor.
swete (suöt); Komp.
swettra Adj. 101 A. 1.
229. 299. 302 A. 1. 2.
swican stv. 111 A. 2.
376 A. 382 A. 1, a.
swice Adj. 302.
swician swv. 413 A. 1.
swicol Adj. 158. 207.
swlöe, swyöe Adv. 116.
swifan stv. 382 A. 1, a.
swi3ian, s(w)u3ian,
sweo3ian, suwian
swv. 114, b. 214, 6. 8.
411 A. 7. 412 A. 10.
417 A. 16.
swißtima, switima swm.
214, 6.
swilc s. swelc.
swile, swyle stm. 263,
1.
swimman stv. 173. 226.
231, 1. 386 A. 1.
swin, swyn stn. 116.
swincan stv. 386 A. 1.
swindan stv. 386 A. 1.
swin3(e)an, swyn3(e)an
stv. 116. 386 A. 1. 2.
4.
swiopu s. swipu
swiostor s. swostor.
swiotol s. swutol.
swipu, swiopu, swyppa
stf. 114 A. 6. 116. 278
A. 1.
swira s. sweora.
switima s. swi3tima.
sw cester s. swostor.
swö3an stv. 396, 2, b.
sword s. sweord.
swomian swv. 413 A. 1.
swostor, -er, sweostor,
swuster (swyster,
swiostor, swester,
swsester, sw cester,
soester) kons. Fern.
113, b u. A. 4. 6.
114, b u. A. 6. 115 u.
A. 3. 285 u. A. 1. 3, e.
swöte Adv. 315 A. 3.
swotol s. swutol.
swujian s. swijian.
swuhins stf. 215.
swura s. sweora.
swurd s. sweord.
swuster s. swostor.
swutol, swiotol, sweotol
(swotol) Adj. 114, b u.
A. 6. 296 u. A. 2.
swutole (sweotole) Adv.
315. 316.
swutol(l)ic, -el(l)ic Adj.;
Komp, -lucor 43, 3.
142. 231, 4.
swutulllce, sweotulllce
Adv. 316.
swyöe s. swlöe.
swylc s. swelc.
swyle s. swile.
swylt stm. 266.
swyltan swc. 377 A.
swyn s. swin.
swynjean s. swinj(e)an.
swyrd s. sweord.
swyre s. sweora.
sybb s. sibb.
syc(e)an swv., Prät.
sihte 407 A. 9. 10.
syööan s. siööan.
syöerra s. süöerra.
syfan s. seofon.
syfre Adj. 231, 4. 298
A. 2. 299.
sylen s. seien.
sylf s. seif.
sylfor e. seolfor.
sylfren, seolfren Adj. 95
A. 5.
sylian s. *syllan ‘suh-
len’.
syll stf. 258, 1.
sylla Komp. s. sSlra
*syllan, sylian swv.
‘suhlen’ 400 A. 1, a. 2.
sylian swv. ‘übergeben’
s. sellan.
syllic s. sellic.
sylra Komp. s. sSlra
Komp.
symbel stn. 190.
symblan swv. 404 A. l,c.
syn stf. s. sien.
syndrij, sundrij (suin-
drij, suyndrij, swin-
dri3) Adj. 94 A. 141,
4. 214, 5.
synjian swv. 411 A. 6.
412 A. 5. 413 A. 3.
synne swf. 198 A. 1.
synnij (suinnih) Adj.
214 A. 2.
428
Wörterverzeichnis
sype stm. 263, 1.
syx s. siex.
tä swf. ‘Zehe’ 134, 1.
278A. 2.
tä swf. ‘Stab’ s. tän stm.
täcen, täcn, tänc (tä-
cun, -on) stm. 152.
155. 160. 185. 243, 3
u. A. 244, 1.
täcnian swv. 412 A. 10.
täcon, -un s. täcen.
tjec(e)an swv.; Prät.
t®hte 210, 2. 221 A.
1. 359, 5. 407, 1 u.
A. 4.
taef(e)l (tefil, tebel, -il)
stf. 152. 154. 192, 2.
tseflan swv. 357 A. 2.
tseh(h)ers.tear.
tjel, täl stf. 13. 63, a.
tälan swv. 405 A. 1.
tffisan swv. 405 A. 1.
täl s. tsel.
tälenta swm. 73 A. 3.
talian swv. 417 A. 7.
talu stf. 252 A. 2.
tän stm., tä swf. ‘Stab’
278 A. 2.
tänc s. täc(e)n.
täwian swv. 13. 63, b.
415, e.
tea Num. s. tien.
tea stv. s. teon ‘ziehen’,
teaj, tej stf. 119.
teasan(ne) s. *teO3an.
teala s. tela.
teancwidian swv. 412
A. 10.
teantis s. teontij.
teapor stm. 109.
tear (taeh[h]er, teher)
stm. 119. 128, 2 u. A.
4. 218 A. 5. 220. 228
u. A. 1.
tearende Part. Präs, zu
teran.
tebel, -il s. tsef(e)l.
tefil s. tsef(e)l.
te3 s. tea3.
-te3a Num. s. -ti3OÖa.
te3Öa Num. Ord. s.
teoöa.
tesöia(n) swv. 412 A. 6.
-teseöa s. -teoöa u.
ti3OÖa.
te3OÖa s. -ti3OÖa.
teher s. tear.
tei3Öa, teiöa Num. Ord.
s. teoöa.
tela, teala (teola) Adv.
110, 2 u. A. 1. 5.
317.
teldan stv. 360 A. 1. 387
A. 1.
telsa swm. 276 A. 4, b.
277.
tellan swv. 83 A. 85
A. 4. 96, 1. 407, 3 u.
A. 17. 410 A. 4. 417
A. 7.
temian, temman swv.
400 A. 1 u. 2.
tempel stn. 154. 160.
195.
ten Num. s. tien.
tendan swv. 405 A. 11.
ten3(e)an swv. 405 A. 2.
teo Num. s. tien.
teode Prät. s. *teo3an.
teoöa (tec3[e]öa, te3[e]-
öa, tei3Öa, teiöa)
Num. 126, 2. 129, 2.
304 A. 1. 328.
*teo3an, tea3an[ne]),
Prät. teode (tiadse)
415, e.
teo3(e)öa Num. s. teoöa
u. -ti3oöa.
teoh(h), tioh(h) stf. 86,
3. 220. 231, 1.
teohhian, tiohhian (tih-
hian) swv. 86, 3. 119.
220 u. A. 1. 228 A. 3.
411 A. 6. 415, e.
teola s. tela.
teolian s. tilian.
teon, tion stv. ‘zeihen’;
Part. Prät. ti3en,
ty3en, tO3en 86, 5.
130, 2. 367, 1. 371
A. 4. 373. 378 A. 1.
383, 2 u. A. 1. 3. 4.
teon, tion stv. ‘ziehen’
75.119 A. 5.121. 135.
214 A. 6. 223. 366 A.
3. 367, 1. 373. 374
A. 1-6. 382. 384, 2 u.
A. 6.
teona swm. 277.
teond kons. Mask. 286
A. 2.
teontij (-ea-)Num. 129,
2. 326 u. A. 1.
teorian (-io-, -tiara) swv.
417 A. 10.
teoru stn. 43, 2. 110, 1.
249.
teran stv. 370 A. 1. 390
A. 1.
tiadaa Prät. s. *teojan.
tiber, tifer stn. 191.
ticcen stn. 162. 243, 2
tid stf. 8. 269 u. A. 5.
tiöian s. tijöian.
tien, tyn (ten, teo, tea)
Num. 129 A. 6. 188,
2. 195. 325 u. A.
tifer s. tiber.
tijöian, tiöian swv. 214,
3.
ti3(e)an swv. 31 A. 3.
-tijeöa Num. s. -tisoöa.
ti3ele (-ule), tl31e stswf.
66 A. 2. 159 A. 3 u. 4.
195.
-tisoöa, -eöa, -tk>3OÖa,
teO3(o)öa, -te3eÖa,
-te3a, -ti3a, -teoöa
(-te3Öa, -ti3Öa) Num.
328.
tihhian s. teohhian.
tihtan swv. 359 A. 1.
TÜ3 s. Tlw.
til Adj. 294.
tilian, tiolian, teolian
swv. 111 u. A. 1. 411
A. 7. 413 A. 1. 417
A. 12, a.
timbrend kons. Fern.
287.
timbr(i)an swv. 137, 3.
358 A. 4. 404 A. 1, c.
406 u. A. 5. 412 A. 2.
4.
tintrejian (tinter3a)
swv. 412 A. 9.
-tio3oöa s. -ti3OÖa.
tiolian s. tilian.
Tiowald Eign. 130 A. 2.
tir stm. 66 A. 1.
Tiw, TÜ3 Eign. 130
A. 2. 250 A. 2.
tö Präp. 137 A. 3.
tö äffen Adv. 237 A. 2.
tö jefenes Adv. 320.
töcwysan swv. 405 A. 1.
tö das3(e) Adv. 237 A.
2.
töö; Pl. teö kons. Mask.
80 A. 1. 186, 1. 195.
Wörterverzeichnis
429
199 A. 4. 281, 1 u.
A. 3.
tojsedere (tojeddere)
Adv. 50 A. 2. 91 A. 3.
96 A. 5.
togeanes (tögegnes) Adv.
214 A. 8. 319.
tö geflites Adv. 320.
tö gifes Adv. 320.
töh Adj. 80 A. 1. 223 A.
1. 295 A. 1.
tölie Adj. 218 A. 2.
tom, tarn Adj. 294.
tö medes Adv. 320.
tö mergen, tö morsen
Adv. 237 A. 2.
tömiddes Adv. 319.
tö nönes Adv. 320.
top(p) stm. 189. 226.
tor-ci(e)rre Adj. 45, 5.
torhtian swv. 412 A. 10.
torr stm. 60 A. 3. 195.
töslifan stv. 382 A. 1, a.
töstenc(e)an swv. 405
A. 8.
tö ühtes Adv. 320.
toweard, -ward, -werd,
-word Adv. 43, 2. 3.
51. 171 A. 1.
toworpnisse, -wyrpnisse
stf. 95 A. 8.
trsef, Pl. treafu stn. 109
A. 1. 240.
trafu stf. s. örea.
trahtian swv. 86 A. 1.
224.
tre s. treo(w) ‘Baum’,
tredan (treodan) stv.
110, 2. 391 A. 1.
treddan swv. 371 A. 4.
400 A. 1, c.
treg, trig stn. 247 A. 1.
treodan s. tredan.
treow stf. ‘Treue’ 77.
129 A. 1. 259.
treo(w) '(treu, trew, tre)
stn. ‘Baum’ 77 u. A.
1. 4. 88. 89. 129, 1 u.
A. 1. 2. 174, 1. 195.
250, 2 u. A. 4.
treowan swv. s. getrie-
wan.
treowen Adj. 95 A. 5.
treowfast (trewufast)
Adj. 89.
treu, trew s. treo(w)
‘Baum’.
trewufast s. treowfast.
trifot stn.? 56 A. 2.192,2.
triowan s. getriewan.
triwleas Adj. 89.
truwian (Prät. trusude,
3itrysade) swv. 173
A. 2. 413 A. 6. 417
A. 9, i. 16.
trymman, trymian (un-
trymisa) swv. 400
A. 1, a. 2. 4. 410 A. 5.
413 A. 7.
trywöe stf. Pl. 200 A.
tü Num. s. twegen.
tua s. tuwa.
tuself s. twelf.
tuddor, tüdor stn. 229.
tueg s. twegen.
tün stm. 71. 103.
tunge swf. 44 A. 6. 137,
3. 150, 2. 3. 276 u.
A. 4, a. b. 278.
tung(o)l stn. 44 A. 7.
243, 3 u. A. 244, 1. 2.
tünincel stn. 248 A. 4.
turf kons. Fern. 284.
tumian swv. 195.
tuufald s. twiefeald.
tuufallice, tui- s. twie-
feald.
tuw(w)a, tua, twiwa,
twywa, tweowa, twu-
3a, twi3(e)a, twia,
twie Adv. 114 A. 5.
317. 331.
tux stm. 204, 4.
twä Num. s. twegen.
twsem s. twegen.
twegen (twcegen, twce-
g(e), tueg, twöge); tü,
twä; D. twjem Num.
69. 147, a. 172. 173.
324 u. A. 1. 329 A. 3.
twelf (twcelf, tujelf)
Num. 115. 325 u. A.
twelfta Num. 328.
twelftig Num. 326.
twelfwintre Adj. 303
A. 2.
twentegöas. twentigoöa.
twentig (twöentig, twce-
gentig) Num. 138, 2.
326 u. A. 2.
twentig(o)öa, twentegöa
Num. 328.
tweo, twy swm. 130, 2.
277 A. 2.
tweog(e)an swv. 130, 2.
177 A. 1. 415, b.
tweonian swv. 130, 2.
tweonum s. twin.
tweowa s. tuwa.
twia, twie s. tuwa.
twiefeald, -fold, twy-
feald, twi-, twig-
(twufald, tuufald;
dazu tuufallice, tui-
fallice) Num. 43, 2.
51. 137, 2. 330 u. A.
1. 2.
twi3(e)a s. tuwa.
twin; D. tweonum
Num. 329 A. 1.
twiwa s. tuwa.
twiwintre Adv. 137, 2.
twflBgentig s. twentig.
twö3e s. twe3en.
twufald s. twiefeald.
twu3a s. tuwa.
twy s. tweo.
twy-böte Adj. 95 A. 9.
twyfeald s. twiefeald.
twywa s. tuwa.
ty3en Part. Prät. s. teon
‘zeihen’
tyht stm. 266.
tyhtan swv. 405 A. 11.
tylg Adv. 323.
tyn Num. s. tien.
tyn swv. 133 A. 222 A.
229 A. 2. 408 A. 17.
410 A. 1.
tyrnan swv. 195.
vala s. wela.
valerum, vaelerum D.
Pl. s. welor.
vosa s. wesan.
üögenge Adj. 186 A. 3.
ufa(n), ufenan, ufon
Präp. Adv. 58. 314.
321 u. A. 1.
ufemest s. yfemest.
ufenan s. ufa(n).
ufene, ufenne Adv. 231
A. 3.
ufer(r)a s. yfer(r)a.
Uffa Eign. 192, 1.
ufor Adv. 58.
üht stm., ühta swm.,
übte swf. od. swn.
186 A. 4. 276 A. 4, a.
278A. 5.
430
Wörterverzeichnis
Uinibald Eign. 263 A. 5.
Uiniläc Eign. 263 A. 5.
vipere swf. 276 A. 4, c.
unafehtenlic Adj. 388
A. 3.
uncer Pron. poss. 158.
335.
unöonces Adv. 320.
uns Suffix 44 A. 3, 4.
142 A. 150, 3. 252 A.
1. 254, 2. 255, 1 u.
A. 1.
unjeöinged Part. Prät.
414 A. 2.
un3emet(e), -es (uni3-
metes) Adv. 212 A. 1.
319.
un3ewealdes Adv. 320.
un3ewemmed (uniwem-
med) Part. Prät.
(Adj.) 212 A. 1.
un3ewisses Adv. 319.
unsleu s. 31eaw.
un3nyöe Adj. 303 A. 2.
♦unhleow Adj. 301.
uniwemmed s. un3e-
wemmed.
unläed(e) Adj. 299 A. 1.
unmyndlun3a Adv. 318.
unnan (3eunnan) Vb.
prto.-präs. 6 A. 2.
422, 4 u. A. 1.
unrötsian swv. 411 A. 6.
unstydful Adj. 263 A. 5.
untreowsian swv. 411
A. 6.
untrumian (untrym-
mia[n], -trymija) swv.
417 A. 9, h.
untrumnes s. untrym-
nes.
untrymi3a, untrym-
mia(n) s. untrumian.
untrymnes (-nis, -nisse),
auch untrumnes stf.
95 A. 8.
unwilles Adv. 320.
up(p) Präp. Adv. 189.
321.
uppan, uppe Adv. 321.
upweard(es) Adv. 319.
üre Pron. pers. s. ic.
üre (üser, üsser) Pron.
poss. 180. 335 u. A.
336 u. A.
üs, üser, üsser, üsic,
üsih Pron. pers. s. ic.
üser, üsser Pron. poss.
s. üre.
üt Adv. 321.
üta(n) Adv. 188, 2. 321.
üte Adv. 314. 321.
üt(e)mest, yt(e)mest
Adv. 314.
uter(r)a, üt(t)ra, yterra,
yt(t)ra Komp. 314 u.
A. 1.
ut3eonj stm. 92 A. 4.
ütlah stm. 214, 1.
ütmest s. ütemest.
uton s. wuton.
ütra, üttra s. üter(r)a.
uuellyr3ae s. wellere.
uuidu s. wudu.
uuiurthit 3. Sg. Präs.
Ind. s. weoröan.
uundrai3e s. wundrian.
uuylocas Pl. s. wuluc.
wä s. wea.
wacian swv. 411 A. 7.
417 A. 8.
wacor s. waec(c)er.
wadan stv. 392 A. 1.
waecce swf. 96, 3, b. 206,
7, c.
waecc(e)an swv. 407 A. 2.
417 A. 8.
wsec(c)er, wacor Adj. 152
A. 2. 228.
waecnan stv. 228 A. 2.
392 A. 2.
waecnian swv. 392 A. 2.
waed stn. 240.
wäed (wede, wöede) stf.
115.
wäedan (wedan, woedan)
swv. 405 A. 3. 406
A. 6.
wäedelnes, wäeöelnes stf.
201, 3.
waedla (weöla) swm.
201, 3.
wäeöelnes s. wäedelnes.
wsefs s. waeps.
w®3 stm. 73. 176, 3.
266.
waege stn. 248, 1.
waesn (waen) stm. 155.
214, 3.
waehte Prät. s. wecc(e)-
an.
wael stn. 240.
waelhreaw, -hreow,
•reow (wcelreow) Adj.
43, 2. 115 A. 1. 217.
waelle swf. s. wielte.
waelm s. wielm.
waelreaf (wöelreaf) stn.
115A. 1.
waelreow s. waelhreaw.
waeltan swv. s. wieltan.
waemn s. wäepen.
wäemnian s. waepnian.
waen s. waejn.
wäepen (wepen, wcepen),
waepn, wäemnstn. 115.
148 A. 2. 155. 189.
243, 3.
wäep(e)nman, wäpman
kons. Mask. 188, 1.
waepnian (wäemnian)
swv. 189. 406 A. 5.
waeps (waefs, waesp) stm.
193, 3. 204, 3.
waer (Komp, waerra)
Adj. 178, 2. 294.
waeras Pl. s. wer.
Waerburj Eign. 284 A. 6.
waerc stm. 120 A. 2.
waercan swv. 120 A. 2.
waere, -on Prät. s.
wesan.
♦waerjan s. wier3(e)an.
waerman, Prät. waermde
s. wierman.
waerna (wrenna) swm.
179, 1.
waerod s. werod.
waes Prät. s. wesan.
waescan s. wascan.
waesöm s. waestm.
wfflsma swm. 221, 2.
waesp s. waeps.
waest(e)m, waesöm
(waestum) stm. 152
A. 2. 156. 196, 1. 221,
2.
waestmbaere Adj. 299.
waestum s. waest(e)m.
waet s. hwaet.
wäetan swv. 405 A. 8.
waeter stn. 160. 243, 3.
245.
waex stn. s. weax.
waexan s. weaxan.
wäfian swv. 411 A. 7.
wä3On Prät. Pl. zu
wesan.
wala s. wela.
-wald s. -weald.
Wörterverzeichnis
431
walde Prät. s. willan.
waldend s. wealdend.
walla we s. willan.
wancol Adj. 141, 3.
waras Pl. s. wer.
warö stm. s. waroö.
ward Prät. Sg. s. weor-
öan.
wäre Suffix Pl. 252
A. 3. 276 A. 3. 277.
war(e)nian swv. 10. 50
A. 1. 411 A. 6.
warhte Prät. s. wyrc(e)-
an.
warian swv. 411 A. 6. 7.
wamian s. war(e)nian.
waroö (warö, wearoö)
stm. 109 A. 1. 159
A. 8.
warp Prät. Sg. s. weor-
pan.
was Prät. s. wesan.
wasean, waxan, wsescan
stv. 50, 1. 204, 4. 392
A. 1. 5. 396 A. 3.
wäst 2. Sg. Präs. s.
witan.
wat Vb. prto.-präs. s.
witan.
watul stn. 159 A. 8.
wäwa s. wea.
wäwan stv. 396, 3, b.
waxan s. wasean.
w§ Pron. pers. s. ic.
wea (wä, wäwa) swm.
128 A. 3.
weadu s. wudu.
weajas Pl. s. wej.
weala s. wela.
wealcan stv. 396, 1.
weald stm. 273.
•weald (-wald) Suffix
43, 2.
wealdan (waldan) stv.
204 A. 6. 359, 2.
396, 1.
wealdend (waldend)
kons. Mask. u. Fern.
286 u. A. 3. 287.
Wealh (WSal, Pl. WÖa-
las) stm. (Eign.) 218,
1. 223. 242, 1.
weal(l) stm. 239, 2.
weallan stv. 85 A. 4.
105. 396, 1.
wealwian swv. 411 A. 6.
weametto swf. 201, 4.
wearas Pl. s. wer.
-weard, -werd, -word
Suffix 43, 2. 3 u. A. 2.
weardian swv. 411 A. 7.
wearoö s. waroö.
weas Adv. 320.
weax (wex, weex) stn.
119. 122, 3.
weaxan (wexan, wsexan)
stv. 86, 1. 105. 119.
122, 3. 201, 6. 221, 2
u. A. 3. 359, 7. 8 u.
A. 8. 371 A. 2. 3. 392
A. 5. 396 A. 3.
web(b) stn. 190.
wecc(e)an (-woecce)
swv.; Prät. wsehte,
wehte (weehte) 96,
1. 119 A. 5, e. 356 A. 2.
407, 1 u. A. 2.
wecs stm. 247.
wec3(e)an swv. 400 A. 1,
b. 401, 2 u. A. 1.
wed stn. 247.
wedan swv. 405 A. 3.
wede s. w®d.
weder stn. 160.
weöla s. wäedla.
wefan (weofan) stv. 54.
110, 2. 190. 391 A. 1.
wej (wei3, wei, wee^,
oej); Pl. we3as (weo-
3as, wea3as) stm. 8.
110, 2 u. A. 1. 115 u.
A. 1. 119 A. 6. 126, 2.
171 A. 1. 172 A. 214,
2. 241 A.
wesan stv.; Prät. Sg.
was3, waeh, Pl. wä3on,
w£B3On 63, a. 214 A. 2.
359 A. 4. 391 A. 1. 3.
we3n stm. 228 A. 2.
wehte Prät. s. wec-
c(e)an.
wei3, wei s. wej.
wei Adv. 137 A. 6. 315
A. 3.
wela (weola, weala,
wala) swm. 110 A. 1.
113, c. 276 A. 3. 4, b.
c. 277.
Weland Eign. 66.
wel(e)3ian swv. 411 A.
6.
welsehwäer Adv. 321
A. 2.
welhwser Adv. 321 A. 2.
welhwset Pron. 347.
welhwelo Pron. 347.
welle swf. s. wielle.
wellere (uuellyr3ae)
Subst. 176, 2.
welm s. wielm.
welor (D. Pl. valerum,
vaelerum) stm.? 113,
c u. A. 4.
weist 2. Sg. Präs. Ind.
s. wealdan.
wemman swv. 405, 3.
wen (wöen) stf. 80 A. 2.
101. 269.
*wen swv. 408 A. 17.
wenan (wöenan) swv.
101 A. 1. 229 A. 2.
355 A. 4. 356 A. 3.
358 A. 1. 405, 1.
wencel stn. 141, 3.
wendan (woenda) swv.
115. 224. 405 A. 11.
406 A. 3 u. 6. 410
A. 5.
wen3e stawn. s. won-
3e swn.
weninja Adv. 318.
wennan swv. 400 A. 1,
a.
weodowe s. wuduwe.
weofod (-ud, weobud,
wifod wi[j]bed) stn.
43 A. 4. 86, 5. 114
A. 4. 141 A. 3. 191.
218 A. 2.
weojas Pl. s. wej.
weola swm. s. wela.
weol(o)c s. wuluc.
weolocread, wolcread,
wolcnread 188 A. 2.
weorc, wurc (worc, werc,
wcerc, weoruc) stn.
113 A. 1. 2. 115. 120
u. A. 1. 165, b. 238
A. 1.
weorö, wurö (worö) stm.
107. 113, a. 137 A. 5.
weoröan (woröa); Prät.
Sg. wearö (warö), Pl.
wurdon; Part. Prät.
-worden (-weerden,
-warden) 35 A. 1. 45
A. 6. 59 A. 1. 84 u.
A. 1. 5. 100 A. 1. 112.
113 u. A. 3. 114 A. 1.
117. 199, 2. 350, 1 u.
A. 1. 358 A. 7. 359, 6
432
Wörterverzeichnis
u. A. 7. 371 A. 4. 6. 7.
377 A. 378 A. 1. 388
u. A. 4. 5.
weoröian, wuröian,
(woröia[n], -ija swv.)
113, a u. A. 1. 2. 411
A. 6. 412 A. 4. 5. 6. 8.
10. 413 A. 6.
weoröij, wuröij (woröij)
Adj. 113 A. 1.
weordmynt stf. 255, 3.
weorm s. wyrm.
weomian swv. 411 A.
7.
weorod s. werod.
weorold s. worold.
weorpan, wurpan (wor-
pa[n]); Prät. Sg. wearp
(warp) stv. 10. 35 A.
1. 42. 84 u. A. 1. 3.
100 A. 1. 107. 112.
113, au. A. 1. 3. 114
A. 1. 189. 369. 371 A.
2. 4. 6. 377 A. 378 A.
1. 388 u. A. 4.
weoruc s. weorc.
weota swm. s. wita.
weotan s. witan.
weotod s. witod.
wepan (wcepa) stv. 372.
396, 2, b u. A. 11.
wepen s. waepen.
wer; Pl. weras (weoras,
wearas, waeras, waras)
stm. 45 A. 3. 55 A.
110, 1. 113, c. 172.
181,1.241 A.
werc s. weorc.
wercan s. wyrc(e)an.
werjian swv. 409 A. 1.
411 A. 6.
-werjan swv. s.
wierj(e)an.
werian swv. 176, 2. 227.
400 A. 1.
werod (waerod, weorod,
worud) stn. 113, b u.
A. 4. 149, 2. 243, 2.
werrest(a) s. wierrest(a).
wesan (wos[s]a) stv.,
Prät. waes, was (wces),
waeron (weron, wöe-
ron); negiert naes, nas,
nfiron (neron) 49 A.
2. 63, a. 113, cu. A. 8.
115 u. A. 1. 172 A.
202. 305 A. 1. 350, 1
u. A. 1. 370 A. 7. 382
A. 3. 391 A. 1. 427, 3
u. A. 9-11.
west Adv. 314. 321.
westan Adv. 321.
westan (wöestan) swv.
406 A. 3.
westen (wcesten) stm.
95 A. 10. 149, 2. 231,
4. 246. 248, 2u. A.2.3,
westerra, westmest
Komp. Sup. 314.
westis Adj. 101 A. 1.
wex s. weax.
wexan s. weaxan.
wiadu s. wudu.
Wiahtred Eign. 122, 1.
wie stn. 206 A. 9.
wican stv. 364 A. 2.
382 A. 1, a.
wicj stn. 247.
wicu s. wucu.
wid Adj. 229; -e Adv.
315.
widiian (widli^a, wiö-
lija) swv. 201, 3.
widwe, widuw s. wudu-
we.
wiö, wyö Präp. 116.
wiöliga s. widiian.
wieldan swv. 405 A. 11.
wielincel stn. 248 A. 4.
wlelisc, wylisc Adj. 105.
wi(e)ll, wyll stm. 266.
278 A. 5.
wi(e)lla, wylla swm. 278
A. 5.
wi(e)lle, wylle (wselle,
welle) swf. 278 A. 5.
wi(e)lm, wylm (welm,
waehn) stm. 105.
wieltan (wseltan) swv.
405 A. 11. 406 A. 7.
wielwan, wylwan, wy-
lian swv. 173 A. 1.
408, 1 u. A. 7.
wi(e)röe, wyröe, wurde
Adj. 107. 114, a u. A.
2. 118.
wicrj(e)an, -wyr(i)3an,
wyrian, -wiri(3)an
(waer3an, -wer3an,
-wcer3an) swv. ‘verflu-
chen’ 96, 4. 113 A. 2.
164. 165, a. 213 A. 2.
214 A. 12. 405 A. 2.
406 A. 1. 6.
*wier3en, wyr3en stf.
149, 1. 258, 1.
wierman (waerman) swv.
96, 4.
wieman swv. 405 A. 1.
wierpan swv. 405 A. 8.
wi(e)rrest(a),wyrrest(a),
wi(e)rst(a), wyrst(a)
(werrestfaj) Adj. Sup.
107 A. 2. 161. 312 u.
A. 1.
wi(e)rs, wyrs Adv.
Komp. 323 u. A.
wi(e)rsa, wyrsa, wursa
Adj. Komp. 114, a u.
A. 2. 118. 180. 312 u.
A. 1.
wietan s. witan.
wif stn. 67. 239, 1, b.
wifian (wife3a) swv. 412
A. 9.
wifmon, -man, wimman
kons. Mask. 138 A.
193, 2. 281 A. 2.
wifod s. weofod.
wi3a swm. 214 A. 6. 277.
wi(3)bed s. weofod.
wi3end, wi33end kons.
Mask. 24 A. 286.
wiht, wuht; Pl. wihta,
wyhta stfn. Pron. 114
A. 4. 116. 119. 267, b
u. A. 3. 269 u. A. 4.
Wiht, Wioht On. 86, 3.
114 A. 4. 122, 1. 284
A. 7.
Wiht3är Eign. 273 A. 4.
Wiht3arabyr3 On. 274
A. 4.
wilde Adj. 201, 2.
wild(d)eor, wildor stn.
231, 3. 289, 2.
willisc s. wielisc.
will stm., willa swm.,
wille swf. ‘Quelle’ s.
wiell, -a, -e.
willa swm. ‘Wille’ 276
A. 4, a. b.
willan Vb., wyllan, neg.
nyllan, nellan; Prät.
wolde (walde) 59 A. 1.
116. 127 A. 4. 137, 3.
172 A. 355 A. 4. 360
A. 3. 4. 428 u. A.
1-5.
willes Adv. 320.
wilm s. wielm.
W Örterverzeichnis
433
wilnian swv. 411 A. 6.
wimman, -mon s. wif-
man, -mon.
win stn. 171 A. 3.
wincian swv. 411 A. 6.
windan stv. 366 A. 3.
386 A. 1.
wine stm. 147, a. 150, 1.
172. 182. 262. 263
A. 1. 2.
wineard s. winjeard.
Winefriö s. Winifriö.
winester s. winster.
winjeard, wineard stm.
214, 7.
Winifriö, Wine- Eign.
168.
winn, wynn stn. 116.
winnan, wynnan stv.
116. 359, 1. 386 A. 1.
winnunj, wynmm.3 stf.
116.
winster, winester, win-
stra, wynstra Adj.
116. 186, 2.
winter stm. 44 A. 8.153.
160. 273 u. A. 2. 3.
wiobud s. weofod.
wiocu s. wucu.
wiodu s. wudu.
Wiohstan Eign. 86, 5.
Wioht s. Wiht.
wiota s. wita swm.
wiotan Inf. s. witan.
wiototlice s. witodlice.
wir stm. 66 A. 1.
wircan s. wyrc(e)an.
wiröe s. wieröe.
-wiri(s)an s. wiers(e)an.
wirs s. wiers.
wirsa s. wiersa.
wirst(a), wirrest(a) s.
wierrest(a).
wise swf. 276 A. 4, a. c.
278.
wisian, wissian swv. 229
A. 2. 411 A. 6. 412
A. 2.
wist stf. 267 A. 2. 269.
wita (wiota, weota,
wuta) swm. 111 A. 2.
114, c. 276 A. 4, b.
277.
witan, wietan, wutan;
Präs. 1. 2. Sg. Ind.
wät, wäst, neg. nät
usw.; Prät. wiste,
wisse Vb. prto.-präs.
56. 73. 111 A. 6. 114,
c. 116. 127 A. 4. 143.
144. 172 u. A. 195.
196, 1. 232. 360 A. 4.
376 A. 378 A. 5. 420,
1 u. A. 1.
wite stn. 248, 1.
wit3a swm. 159, a. 276
A. 4, a. c. 277.
wit3ian 411 A. 6.
witnian swv. 411 A. 6.
414 A. 3.
witod (weotod) Part.
Prät.; witodlice, wu-
tudlice, wutedlice
(wiototlice) Adv. 114
A. 6. 417 A. 12, c.
witon Interj. s. wuton.
witti3 Adj. 138, 3.
wlacu, wleec Adj. 303.
wlsece stn. 263, 2.
wlaeffetere stm. 192, 1.
wlecc(e)an swv. 407 A. 9
wlenc(e)an swv. 405 A.
8.
wlenc(e)o swf. 206, 7, c.
wlisp, wlips Adj. 204, 3.
wlit s. wlite.
wlitan stv. 172. 382 A.
1, a.
wlite (wlit) stm. 56. 263,
1 u. A. 5.
wlöh (Pl. wlöeh) kons.
Fern. 218 A. 5. 284 u.
A. 4.
wlonc Adj. 172.
wöcor stf. 148 A. 2. 254,
1. 255, 2.
-woecce swv. s. wecc(e)-
an.
wöede s. wäed stf.
wcedan s. wäedan.
wcelreaf s. waelreaf.
woelreow s. waelhreow.
wcepen s. wäepen.
woerc s. weorc.
wcedan swv. s.
wier3(e)an.
woffian swv. 192, 1.
wöh stn. 131. 242, 2 u.
A. 1.
wöh Adj. 80 A. 1. 218,
2. 223. 295 A. 1. 304
A. 4.
wolc, wolc(e)n stn. 155.
188 A. 2. 243 A.
wolcnread, wolcread s.
weolocread.
wölic Adj. 218 A. 2.
wöm(a) stswm. 80.
won(a) Adj. 291 A. 2.
wondrian swv. 411 A. 6.
wonse swn., wen3e stn.
279 A. 1.
wonn, wann Adj. 295
A. 2.
worc s. weorc.
word, wurd stn. 58. 117
u. A. 137, 3. 148, b.
150, 3. 171 A. 1. 172.
238 u. A. 1.
-word s. -weard.
wordlian, wurdlian swv.
117 u. A.
woröa s. weoröan.
woröia(n), woröisa s.
weoröian.
woröis s. weoröi3.
world s. worold.
worms s. worsm.
worold, woruld, weorold,
world. wur(o)ld stf.
35 A. 2. 110 A. 3. 113,
b u. A. 4. 7. 161 A.
252 A. 2.
woroldlic Adj. 43, 1.
worpa(n) s. weorpan.
worsm, worms, wurms,
worsm, wrums,
wyrms stn. 117 u. A.
179, 2. 185.
worud s. werod.
woruld s. worold.
wosa, wossa s. wesan.
wracu (wrac[c]o, wrsec-
co, -e), fl. wrsece stf.
96, 3, b. 252 A. 2. 253
u. A.
wräec stfn. ? 276 A. 4, a.
wrsecc(e)a swm. s. wrec-
c(e)a.
wrsecco, -e s. wracu.
wräeöan swv. 405 A. 5.
wrean s. wreon.
wrecan (1. Sg. Präs.
Ind. wreocu, Part,
wreocende) stv. 110
A. 1. 391 A. 1. 5.
wrecc(e)a, wrsecc(e)a
swm. 96, 3, b. 276
A. 4, a. 277.
wrecc(e)an swv. 407
A. 2.
434
Wörterverzeichnis
wreööan, wreöian swv.
400 A. 1, b. 2.
wres(e)an swv. 126, 2.
405 A. 2.
wrenc stm. 266.
wreima s. waema.
wreocu, -ende s. wrecan.
wreon, wrion (wrean,
wria, wrija[n]) stv.
86, 5. 130, 2 u. A. 4.
373. 374 A. 1-6. 376
A. 383, 1. 2 u. A. 2.
wria s. wreon.
wrldan stv. 382 A. 1, a.
wriöan stv. 382 A. 1, a.
wrijafn) s. wreon.
wrihta s. wyrhta.
wrinjan stv. 386 A. 1.
writ stn. 171 A. 1.
writan stv. 172. 376 A.
378 A. 3. 382 A. 1, a.
wrixl stn. 122 u. A. 2.
wrixlan swv. 119. 180.
221, 2. 404 A. 1, c.
wröt stf. 172.
wrötan stv. 396, 2, b.
wrums s. worsm.
wucu (wicu, wiocu)
swf. 114, b. 276 A. 4,
b. 278A. 1.
wudu (uuidu, wiodu,
wiadu, weadu) stm.
35 A. 2. 44 A. 7. 114,
b. c u. A. 6. 7. 271
u. A. 1. 2.
wuduwe, widuwe, wydu-
we, weodowe (widwe)
swf. 114 A. 6. 276 A.
4, c. 6. 278.
WuffaEign. 192, 1.
wuh(h)unj stf. 220 u.
A. 1.
wuht s. wiht.
wuldor, -ur stn. 44 A. 7.
201, 2.
wuldrian swv. 411 A. 6.
412 A. 4. 10.
wuldur s. wuldor.
wulf stm. 45 A. 6. 58.
150, 1. 3. 191. 192, 1.
2. 205 A. 3. 239,
1, a.
Wulfsis Eign. 263 A. 5.
wulle swf. 58. 102.
wuluc (weol[o]c,uuyloc-)
stm. 114, b u. A. 6. 7.
wund stf. 172. 254, 1.
wundian swv. 411 A. 6.
414 A. 2. 4.
wund(o)r stn. 243, 3.
wundrian (uundraije)
swv. 411 A. 6. 412
A. 2. 5. 9. 10. 413
A. 6.
wunian swv. 82. 175 A.
357 A. 2. 411 A. 7.
412 A. 10. 413 A. 3.
417 A. 15.
wurd s. word.
wurdlian s. wordlian.
wurdwritere s. wyrd-
writere.
wurö stm. s. weorö.
wuröan s. weoröan.
wuröe s. wieröe.
wuröian s. weoröian.
wurlde s. worold.
wurm s. wyrm.
wurms s. worsm.
wurold s. worold.
wurpan s. weorpan.
wursa s. wiersa.
wursm s. worsm.
wurtwala, -truma s.
wyrtwala, -truma.
wuta s. wita.
wutan s. witan.
wutedlice, wutudlice s.
witod.
wuton, uton, witon
Interj. 114, b u. A. 6.
172 A.
wyduwe s. wuduwe.
wyö s. wiö.
wyhta Pl. s. wiht.
wylf (wylif) stf. 164.
258, 2.
wylian swv. s. wielwan.
wylif s. wylf.
wylisc s. wielisc.
wyll, -a, -e s. wiell, -a, -e.
wylian s. willan.
wyllen Adj. 102.
wylm s. wielm.
wylwan s. wielwan.
wynn stf. 269.
wynn stn. s. winn.
wynnan s. winnan.
Wynnefeld On. 284 A. 7.
wynnunj s. winnunj.
wynstra s. winster.
wynsumian swv. 360
A. 4. 412 A. 10.
wyrc(e)an (wyric[e]an,
wircan, wercan);
Prät. worhto, wrohte
(worohte, warhte)
swv. 59 A. 1. 107
A. 2. 113 A. 2. 114 A.
3. 165, a. b. 166. 356
A. 2. 358 A. 1. 360 A.
4. 407, 1 u. A. 7.
wyrd stf. 172. 269 u.
A. 2.
wyrdwrltere (wurd-)
stm. 118.
wyröe Adj. s. wieröe.
wyrjan swv. ‘verflu-
chen’ s. wiers(e)an.
wyrjan swv. ‘würgen’
405 A. 2.
wyrjen s. *wierjen.
wyrhta (wyrihta,
wrihta) swm. 164.
165, a. 166.
wyrian s. wier3(e)an.
wyric(e)an s. wyrc(e)an.
wyrijan s. wierj(e)an.
wyrihta s. wyrhta.
wyrm. wurm, weorm
stm. 118 u. A. 1. 147,
a. 182. 265.
wyrms s. worsm.
wyrmsan s. wyrsman.
wyrp stm. 266.
wyrrest(a) s. wierrest(a).
wyrs 8. wiers.
wyrsa s. wiersa.
wyrsman, wyrmsan
swv. 185. 404 A. 1, c.
-wyrst stf. 179, 1.
wyrsta s. wierresta.
wyrt stf. 269.
Wyrtjeom Eign. 95
A. 1.
wyrttruma (wurt-) swm.
118. 231, 3.
wyrtün stm. 231, 3.
wyrtwala (wurt-) swm.
85 A. 3. 109 A. 6. 118.
wysc(e)an, wiscan; Prät.
auch wiste swv. 31
A. 2. 186, 1. 405, 4
u. 8.
yc(e)an s. iec(e)an.
ydele s. Idele.
yö stf. 103. 258, 2.
yö Komp. Adv. s. ieö.
yöian swv. 412 A. 2.
yölaecan s. edläecan.
Wörterverzeichnis
435
yem s. eam.
yfel stn. 243, 2.
yfel Adj. 159 A. 3. 296
u. A. 1. 2.
yfemest (ufemest) Sup.
314.
yfer(r)a (ufer[r]a)
Komp. 58. 314 u. A. 1.
yfes s. efes.
yhte Prät. s. iec(e)an.
ylc s. ielc.
yldra, -est, -sta s. eald.
yldu s. ieldu.
yleca s. ilca.
ylfette s. ielfetu.
ymb-, ymbe-, emb-, em-
be- Präfix 102 A. 3.
147 A. 1.
ymbseons stm. 92 A. 4.
ymbjyrdan swv.406 A. 7.
ymbhrin3(e)an swv. 405
A. 2.
ymbty man swv.406A. 2.
ymest Sup. 218, 2. 314
u. A. 3.
ymle stf. 159 A. 3.
ymmon stm. 155.
ynce swf. 102. 204 A. 5.
207.
yn(t)se swf. 204 A. 5. 6.
yppan swv. 359, 1 u.
A. 9. 405, 4. 406 A. 2.
yre (ere, Pl. öran) swf.
26 A. 31 A. 7.
JT3Ö0, yrhöo stf. 214
A. 2.
yrmöu s. iermöu.
yman s. iman.
yrre stn. u. Adj. s. ierre.
ysern s. isem.
yst stf. 186, 1. 269.
yt(e)mest s. üt(e)mest.
yterra, yt(t)ra Komp. s.
üter(r)a.
ywan s. iewan.
BERICHTIGUNGEN
Im Text sind folgende Versehen zu berücksichtigen: S. 23, Z. 7 v. o.:
Senihtsumian statt -sumnian; letzte Zeile: örie statt örie. — S. 31, Z. 10 v.
o.: elend statt Elend. — S. 40, Z. 10 v. o.: Oswald statt Oswald. — S. 43,
Z. 9 v. u.: Anm. 9 statt Anm. 8. — S. 46, Z. 3 v. o.: aä?jon statt sazjon;
Z. 7 v. o.: § 234, d statt § 234, e; Z. 12 v. u.: altn. dir statt ae. zel. — S. 50,
Z. 2 v. o.: smya^enne statt smyagenne. — S. 53, Z. 12 v. o.: zähe statt Zehe. —
S. 64, Z. 3 v. u.: von statt vor. — S. 65, Z. 14 v. o.: ym&jeonj statt ymb-
geon$. — S. 70, Z. 15 v. o.: Osric statt Osric; Z. 19 v. u.: Sni^e statt ä?m je —
S. 73, letzte Zeile: *^ewierpan statt *ge. — S. 74, vorletzte Zeile: heil statt
Heil. — S. 76, Z. 10 v. u.: hynjran statt hyngran. — S. 78, Z. 22 v. u.: Anm.
statt Anm. 2; Z. 10 v. u.: ergänze: a) vor Beispiele. — 8. 104, Z. 17 v. u.:
Anm. 2 statt Anm. 9. — S. 105, Z. 2 v. o.: schnitt (Prät. Sg.) statt Schnitt. —
S. 109, Z. 13 v. u.: be-'&tan statt be-ietan. — S. 114, Z. 4 v. o. und Z. 12 v. o.:
niwe statt ni(e)we. — S. 137, Z. 2 v. o.: ^ewrohtan statt gewrohtan; Z. 4 v.
u.: Haöberht statt -berth', letzte Zeile: Hildiöryö statt -ÖryÖ. — S. 145, Z. 8
v. u.: drohen statt schelten und Z. 9 v. u. örea^(e)an statt rea^(e)an. — S.
150, Z. 14 v. o.: Oswine statt Oswine. — S. 152, Z. 4 v. u.: cnapa statt
cnappa.— S. 153, vorletzte Zeile: tifer statt tifor. — S. 154, Z. 10 v. u.: ^esceajt
statt gesceaft. — S. 160, erste Zeile: ^idoptastatt gidopta. — S. 170, Z. 8 v. u.:
Anm. 3 statt Anm. 5. — S. 175, Z. 18 v. u.: gretisc statt Sretisc. — S. 177, Z.
21 v. o.: ahläeca statt -Zceca; Z.22v.o.: ä^lieca statt -Iseca; Z.4v.u.: meiöhäd
statt -had; Z. 3 v. u.: meiöhäd statt -had. — S. 190, Z. 16 v. u.: byröen statt
bryöen. — S. 202, Z. 9 v. u.: ^escece statt ge-. — S. 207, Z. 4 v. o.: cwalu statt
cwala. — S. 209, Z. 15 v. u.: $yden statt gyden.; Z. 9 v. u.: tiefes statt cefes. —
S.211,Z. 18 v. o.: blödfesjleas Blatt blöd(e)leas. — S.216, Z. 15v.u.: je/Öj statt
Sefös. — S. 231, Z. 20 v. u.: 2. statt 2; — S. 234, Z. 18 v. o.: Syflota statt
zes-flota; Z. 12 v. u: leas statt leas. — S. 239, Z. 2 v. o.: Zeuner, § 138 statt
Zeuner — § 138. — S. 241, Z. 9 v. o.: hoferede statt haferede. — S. 244, Z. 15
v. o.: $ödena statt gydena. — S. 248, Z. 4 v. o.: nach Formen füge ein: sind. —
436
Berichtigungen
S. 250, Z. 16 v. o.: (un)willea statt unwilles. — S. 264, Z. 4 v. u.: jeÄwd statt
sehwä. — S. 289, Z. 13 v. u.: j und c statt 5 und e. — S. 311, Z. 6 v.o.:
^ewerian statt geu-erian. — S. 317, Z. 10 v. o.: jescyrt statt ^esyrt; Z. 9 v. u.:
Siinlihtad statt ^iinlihtad. — S. 326, Z. 16 v. u.: ff. nach § 406 ist zu strei-
chen. — S. 328, Z. 7 v. u.: -leore statt ledre. — S. 331, Z. 18 v. o.: äcealdian
statt acealdian. — S. 332, Z. 7 v. 0.: ^emidlian statt semialian und selänl^an
statt ge-.