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Landeskunde von Ost-
und von Westpreußen
herausgegeben von
Dr. H . Lullies
Professor am Königl. Wilhelms»
Gymnasium zu Königsberg i. Pr.
Mit 43 Karten und Abbildungen
Siebente, neu bearbeitete Auflage
Ferdinand Hirt
Königliche Universitäts- und Verlagsbuchhandlung
Vreslau 1912


Vorwort des Verfassers zur siebenten Auflage. «Nachdem über zwanzig Jahre seit dem ersten Erscheinen dieser kleinen Landes- oll Kunde vergangen waren, hielten Verfasser und Verleger eine umfassendere Durcharbeitung und teilweise Neugestaltung für angezeigt. Die Abschnitte über die Entstehungsgeschichte des Bodens, über die Ostsee und die Nehrungen, über die Tier- und Pflanzenwelt (Moore) wurden erweitert, in dem zweiten Teile wurden die einzelnen „Landschaften" ausführlicher charakterisiert, alles möglichst sorgfältig auf den Ztandpunkt von 1912 gebracht. Von einer völligen Iusammenarbeitung der Ortschaftskunde mit dem allgemeinen Teil wurde Abstand genommen, weil bei der Kleinheit der einzelnen Landschaften vieles vom Klima, von den Flüssen, von der Entstehung des Bodens usw. mehrfach hätte wiederholt werden müssen. Die siebente Auflage bietet wie die früheren und im wesentlichen in der bis- herigen Anordnung den Lernstoff für verschiedenartige Bedürfnisse- sie wird es gleichwohl dem kundigen Lehrer leicht machen, das für seinen Unterricht Geeignete herauszufinden und benutzen Zu lassen. Außer dem Lernstosse wollte der Verfasser aber auch ein möglichst vollständiges Vild der beiden Provinzen geben und dadurch Interesse für die Heimat erwecken- deshalb die Betonung des Landschaftlichen, die Ausführlichkeit der geschichtlichen Abschnitte, die das Verständnis der vielfach eigen- artigen Bevölkerungsverhältnisse erleichtern werden, und deshalb endlich die vielen Zahlen. Diese sind natürlich nur in ganz beschränktem Maße zu erlernen, sie werden aber für Vergleiche u. a. m. unentbehrlich sein. Die eingehenden historischen Angaben bei Danzig und Königsberg werden bei den Zchülern dieser 5tädte sicherlich die Kenntnis der Topographie beleben und fördern, allerdings für Zchuler anderer Gegenden keinen besonderen Wert haben. Überhaupt stellt sich der Verfasser vor, daß nicht in allen Zchulen alle Teile der Provinzen in derselben Ausführlichkeit durchgenommen werden, wie die heimatliche Landschaft. Besonders werden auch Ost» und Westpreußen sich leicht sondern lassen. Zämtliche Iahlenangaben beruhen, soweit möglich, auf amtlichem Material. Die Einwohnerzahlen sind nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 revidiert. 5ie sind abgerundet außer in den Übersichten über die Kreise und in den Tabellen der Orte von mehr als 3000 Einwohnern am Ichlusse jeder Provinz, um für alle Fälle auch amtliche genaue Zahlen zu geben. Auf mehr- fachen Wunsch ist am 3chlusse eine Zeittafel zur Geschichte und eine Auswahl aus der landeskundlichen Literatur beigegeben. Für Berichtigungen und Verbesserungsvorschläge wird der Verfasser stets dank- bar sein. Königsberg, Ostern 1912. H. ÜUllies. Bemerkungen des Verlegers. tTXie Band- und Heftausgaben der E. von Zeydlitzschen Geographie sind bis» ^ her in rund 3 Millionen Exemplaren verbreitet worden; verhältnismäßig sehr stark sind diese in den verschiedenen Schulen Oft- und Westpreuhens eingeführt. Im Anschluß an die verschiedenen Ausgaben, wie auch als selbständiges Büchlein hat sich die vorliegende Landeskunde^ viele Freunde erworben. Den Herren Direktoren und Fachlehrern sowie den Lchuloorsteherinnen und Fach- lehrerinnen, die den Zendlitz behufs etwaiger Einführung zu prüfen wünschen, stelle ich gern ein Exemplar der in Betracht kommenden Ausgabe nebst der Landes- Kunde unberechnet zur Verfügung. Ich bitte aber dringend darum, bezügliche Wünsche unter Angabe der 5chulgattung entsprechend zu begründen, damit Verzögerungen durch Rückfragen vermieden werden. Für welche Anstalten die verschiedenen Aus. gaben der Leydlitzschen Geographie bestimmt sind, wolle man aus der Übersicht auf Leite 4 dieses Umschlages ersehen. Breslau, Ostern 1912. Ferdinand Hirt. ^- Alle Rechte vorbehalten. -^ -: l Diese Landeskunde wird auf Verlangen mit den Ausgaben <^ und N des „Zeydlitz", in deren Neubearbeitungen die Behandlung de» Stoffe« nach landschaftlichem Prinzip durchgefühlt wurde, zusammengebunden geliefert. Die Preise stellen sich alsdann wie folgt: Ausgabe ä (2eydlitz»Oehlmann, 24. Vearbeitung) 2.05 ^, Ausgabe ^ (Zeydlitz-Tronnier, 25. Bearbeitung) 2.05 ^, Ausgabe L (Seydlitz-Oehlmann. 22 . Vearbeitung) 3.8N ^, Ausgabe 8 (Leydlitz'Nohrmann. 24. Vearbeitung) 3.8U ^. Einzelpreis dieser Landeskunde kartoniert 8l> ^.
Landeskunde von Ost- und Westpreuhen von Dr. H . Lullies. Professor am Königl. Wilhelms-Vymnasium zu Königsberg i. Pr. Siebente, neu bearbeitete Auflage. Inhaltsübersicht. Allgemeiner Teil. seile 8 1. Lage und Grenzen 1 8 2. Größe und Einwohnerzahl... 2 8 3. Oberflächengestaltung 2 8 4. Entstehung des Vodens .... 3 8 5. Ostsee, Haffe, Nehrungen.... 7 8 6. Flüsse, Seen, Kanäle 11 8 7. Klima 19 8 8. Pflanzen- und Tierwelt. Moore. Wälder 20 8 9. Nutzbare Mineralien 24 8 10. Geschichtliches. Abkunft, Be- kenntnis, Verufstätigkeit der Vewohner 25 8 11. Eisenbahnen 32 8 12. Verwaltung der Provinzen . . 33 Landschafts- und Ortschaftskunde. H. Ostpreußen: I. Das Gebiet der Memel und des oberen Pregels (Litauen) 36 Leite II. Das Gebiet des unteren Pregels und der untern Alle (Samland, Natangen, Varten) 38 III. Das Ermland 42 IV. Das Oberland .43 V. Masuren 44 L. Westpreußen: I. Das Niederungsgebiet des Neg.- Vez. Danzig 46 II. Das Hochland des Reg. -Nez. Danzig (die Kaschubei) 50 III. Das Gebiet des Reg. -Vez. Marien» weider im Osten der Weichsel (Pomesanien und Culmerland) . . 51 IV. Das Gebiet des Neg. -Vez. Marien- werder im Westen der Weichsel (Süd-Pommerellen, Tuchler Heide) 54 Zeittafel 56 Landeskundliche Literatur 58 Vilderanhang 61 Ost- und Westpreußen gehören ihrer geographischen Beschaffenheit und teilweise auch ihrer geschichtlichen Entwicklung nach Zusammen. Vis 1878 bildeten sie die eine Provinz Preußen,- in diesem Jahre wurde das Land in die beiden Provinzen Ost- und Westpreußen geteilt. § 1. Lage und Grenzen. 5ie liegen im äußersten 1^0 des Deutschen Reiches ungefähr zwischen 53° und 56° nördlicher Vreite (etwa wie Schleswig-Holstein) und zwischen 16° und 23" östlicher Länge von Ereenwich. Vom Äquator sind unsere Provinzen rund 6000 km, vom Nordpol 4000 km entfernt. Luftlinien: Danzig - Verlin 400 km, Königsberg - Verlin 525 km, Königsberg - Cöln 1000 km, Königsberg-Eydtkuhnen 144 km.- Ostpreußen mißt von 1^ nach 8 3N0 km (Nimmersatt- Mlawka), von W nach 0 200 km (Frauenburg - Eydtkuhnen) ? Westpreußen von tt nach 3 200 km (Rixhöft-Thorn), von W nach 0 im 3 etwas über 250 km (Lautenburg —Schlappe), im » 120 km. Die von der Ostsee gebildete Nordgrenze besteht aus zwei Vogen, welche sich bei Vrüsterort treffen: der westliche, die Danziger Vucht, ist nach ll, der östliche, die Cranzer Vucht, nach I^VV geöffnet. Die 2üd- und Ostgrenzen bilden zusammen gleichfalls einen nach I^W offenen Vogen, der im >V von der Küste etwa 200 km entfernt bleibt, im KI mit ihr zusammentrifft. Im W grenzen unsere Provinzen an Pommern und auf einer kurzen Ztrecke auch an Brandenburg, im 3 an Posen und Rußland, im 0 an Rußland (Polen, Litauen). Ostpreußen hat nur Westpreußen und Rußland zu Nachbarn.
Größe und Einwohnerzahl. - Oberflächengestaltung. §2, 3. § 2. Eröhe und Einwohnerzahl. Ostpreußen 37 000^ qkm, 2,06 Mill. Einwohner, auf 1 qkm 56 Westpreußen 25 500 „ 1,70 „ „ „ „ 67 (Deutsches Reich 540000 „64,9 „ „ „ „120) (Königr. Preußen 350000 „40,2 „ „ „ „115) Größte Provinz des preußischen Staates: Schlesien: 40300 c>km, kleinste Hessen- Nassau: 15 700 qkm; die zahlreichste und auch dichteste Bevölkerung hat die Nhein- provinz: 7,1 Mill., 264 auf 1 qkm, die geringste Schleswig-Holstein: 1,5 Mill. Ost- preußen hat unter allen Provinzen die geringste Vevölkerungsdichtigkeit (genau 55,8 auf 1 qkm, Pommern 57). 8 3. Oberflächengestaltung. Ost- und Westpreußen gehören dem großen Norddeutschen Flachland an, welches allmählich in das noch größere Osteuropäische oder Russische Tiefland übergeht. Es fehlt aber nicht an ganz beträchtlichen Höhenunter- schieden. Wir haben westlich der Weichsel den pommerellischen, östlich der- selben den ostpreuhischen oder masurischen Höhenzug; der erste geht in den pommerschen Landrücken über, der letzte setzt sich weiter nach Rußland im <) bis zum Njemen, im 3 bis zum Tal des Narew und des Vobr fort. Früher nahm man eine langgedehnte Erhebung vom Ural bis nach Schleswig- Holstein an und nannte sie uralisch-baltischen Höhenzug. Neuere Messungen haben er- geben, daß in Nußland ein Zusammenhang der einzelnen Erhebungen nicht besteht, und daß man in Norddeutschland nur von einem mehrfach gegliederten baltischen Höhen- zug sprechen kann, zu dem auch die ost- und westpreußischen Erhebungen gehären. Außer dem Weichseltal und dem Weichseldelta liegt der westliche Teil West- preußens höher als 100 m, östlich der Weichsel verläuft die 100 Meter-Linie etwa von Marienwerder nach Eyotkuhnen. Nördlich dieser Linie finden sich nur östlich von Elbing, westlich von Pr. -Eylau, im Zamland und bei Tilsit nennenswerte Erhebungen. Das südliche Hochland wird durch drei bis auf etwa 100 m Meeres- höhe herabsinkende, von 51 nach 3 verlaufende Furchen in vier Abschnitte zerlegt. Die Furchen sind: 1. Weichseltal. 2 . oberes Drewenztal und Alletal von Euttstadt abwärts. 3. 2pirding-5ee, Talter Gewässer, Löwentin-2ee, Mauer-2ee, Angerapp. Verbindet man die zwischen diesen Furchen liegenden höchsten Erhebungen, so erhält man als 2treichungsrichtung 3W—»!(). Man darf aber an keinen größeren zusammenhängenden Höhenzug denken; es findet sich vielmehr in den höheren Teilen des Landes ein Gewirr spitzer oder kuppen- artiger Verge und langgezogener Rücken, dazwischen liegen mannigfaltig ge- staltete Vertiefungen, mit 2een oder Torflagern erfüllt oder ganz trocken. Nicht unpassend ist für diese Gegenden die Bezeichnung „buckelige Welt". I. Westlich der Weichsel hat der vommerellische Landrücken seine höchste Erhebung im Turmberg, welcher mit 331 m gleichzeitig die höchste Erhebung des Norddeutschen Tieflandes ist. Er liegt etwas östlich von dem Haupthöhenzug, fallt nach l^0 steil ab und be- steht aus grobem Sand und Grand mit vielen Steinen. Auf seiner etwa 60 Schritt im Durchmesser haltenden Platte ist die Temperatur bereits meßbar kühler als in dem 80 m niedriger liegenden Dorfe Schönberg. l Ohne die Haffe.
Oberflachengestaltung. Die höchsten Punkte der Wasserscheide zwischen den nach ll strömenden hinterpommerschen Küstenflüssen und den nach 30 sich zur Weichsel und Netze wendenden Gewässern liegen zwischen 220 und 270 m. Die Flüsse haben fast sämtlich ein starkes Gefalle,- die Wasserkraft dieser Flüsse ist bedeutend und wird bereits mehrfach ausgenutzt, so in den elektrischen Werken bei ätraschin und Ruthken an der Radaune und bei Ztocksmühle an der Ferse. Nach 30 dacht sich das vom 5 chwarzwasser und von der Vrahe durch- strömte Gebiet der Tuchler H eide allmählich zur Weichsel ab. Westlich der Vrahe wird das Land wieder höher, so daß man hier von einem südpommerellischen Höhenzug sprechen kann. Die Vauch-Verge an der Küddow südlich von Landeck erreichen 208 m. II. Zwischen der Weichsel und der erwähnten Furche von der oberen Drewenz über Osterode (100 m) Zur oberen Alle bei Guttstadt (90 m) liegt das Land im Mittel 100-130 m hoch, steigt aber südöstlich von Pr. Holland bis 198 m. III. Im 0 der oberen Drewenz, südlich von Osterode, liegt Ostpreußens bedeutendste Erhebung, die Kernsdorfer Höhe 313 m; nicht weit davon, in dem sogenannten Neidenburger Hochlande, finden sich noch mehrere Erhebungen von mehr als 200 m Höhe (die Goldberge 235 m). VI. Östlich der masurischen äeenfurche liegt das ausgedehnte Goldaper Hochland, das sich bis nach Polen hineinzieht, besetzt mit einer großen Zahl manchmal auffallend spitzer Verge? der höchste von ihnen ist der Seesker Verg zwischen Goldap und Oletzko, 309 m; der Goldaper Verg erreicht 272 m. Aus dem Tieflande, welches diesem höheren Teil unserer Provinzen vor- gelagert ist, steigen noch folgende vereinzelte Erhebungen auf: dicht an der pommerschen Grenze in der Zchwesliner Forst der Hohe Verg 183 m, am Putziger Wiek einige plateauartige, von Vrüchen umgebene Kämpen (die 2chwarzauer und Oxhöfter 50 m), die landschaftlich sehr schönen Trunzer Verge nordöstlich von Elbing bis 200 m, welche die Eisenbahn in einer weiten Ausbiegung nach 0 umgeht, der ötablack, eine Höhengruppe westlich von Pr.- Eylau, welche im Zchloßberge bei Wildenhof 216 m erreicht, das äamland, von 0 und 30 allmählich ansteigend und nach KIW steil ab- fallend mit dem Ealtgarben (111 m), bei Ragnit die Höhen von Ober- eisseln (63 m) links und die von Schreitlaugken (80 m) rechts der Memel und westlich davon der sagenberühmte Rombinus (75 m). Die 5eehöhe der preußischen Erhebungen ist nicht bedeutend, wohl aber hier und da (z. V. westlich von Danzig, nordöstlich von Elbing) ihre relative Erhebung; dadurch erinnern solche Gegenden an die schönen Hügellandschaften des mittleren Deutschlands. § 4. Entstehungsgeschichte des Bodens. Der Voden Ost- und Westpreußens verdankt ebenso wie das ganze nord- deutsche Flachland und das benachbarte Rußland seine heutige Gestalt und seine Zusammensetzung in der Hauptsache den Wirkungen und Folgen einer gewaltigen, von äkandinavien und Finnland ausgehenden Eisbedeckung. Diese trat ein in der sogenannten Diluvialzeit, der ersten Hälfte der jüngsten Entwicklungsperiode der Erde, der Quartärzeit. Auf das Diluvium folgte das Alluvium, zu welchem auch die Bildungen der Gegenwart gehören. Der 1*
4 Entstehungsgeschichte des Vodens. §4. Quartärzeit voran geht die Tertiärzeit, in der sich unter andern die Braun- kohlen und Vernstein führenden Schichten bildeten. Noch älter sind die Formationen der Kreide, des Jura, der Trias usw. Anstehend, d. h. an der Oberstäche oder an den Abbrüchen der Steilküsten zutage tretend, finden wir bei uns nur quartäre oder tertiäre Schichten, ältere sind nur durch Bohrungen erreicht. In Westpreußen, wo die tiefsten Bohrungen auf etwa 300 m hinabgehen, hat man bis jetzt ältere Schichten als Kreide nicht fest- gestellt. Im äußersten Norden Ostpreußens erreichte man in ähnlicher Tiefe weit ältere Schichten (Devon), aber nach 8 zu sinken sie bald hinab. In der Rich- tung von Heydekrug liegt unter dem Diluvium auch bereits Kreide. Das tiefste Bohrloch Ostpreußens bei Heilsberg geht 900 m tief hinab- hier fand man an der Oberstäche eine 18m mächtige, verschleppte Tertiärscholle, dann bis 68 m Diluvium, bis 225 m Tertiär, bis 562 m Kreide- und darunter Iuraschichten, die bei 900 m noch nicht durchsunken waren. Die Kreidc- formation ist im Untergrunde unserer Provinzen weit verbreitet in Gestalt einer stachgelagerten Platte. Das Tertiär fehlt vielfach unter dem Diluvium; größere Ausdehnung besitzt es z. B. im Samlande, zwischen Heilsberg und Allenstein, in der Umgebung von Danzig, Konitz und Thorn. Die vor- diluvialen Schichten scheinen in Ostpreußen und in dem größten Teil West- preußens wenig gestört zu sein; sie bilden den Westrand der großen „russischen Tafel". Die Westgrenze dieses Gebietes gegen das im Untergrunde viel mannigfaltiger gestaltete Schollenland des übrigen Norddeutschlands verläuft etwa von Schonen über Bornholm, Köslin, Pr. Friedland nach Bromberg, Hohensalza und weiter nach 30. Obgleich die Schichten im Untergrunde unserer Provinzen wenig gestört sind, gibt es hier doch zuweilen Erdbeben, z. B. ein ausgedehnteres im Oktober 1904, das aber seinen Ausgangspunkt in der Gegend um das Skagerrak hatte, und ein mehr lokales auf der Linie Gumbinnen — Tilsit um die Jahreswende 1908/09. In der ersten Hälfte der Tertiärzeit, als der Bernsteinfichtenwald wuchs, herrschte hier ein nahezu tropisches Klima, und in der späteren Braunkohlen- zeit eine Temperatur, die immer noch etwa 10° höher war als die jetzige, ungefähr wie heute im südlichsten Europa; das ergibt sich aus der Pflanzen- welt jener Zeiten. Am Ende der Tertiärzeit wurde es kühler, und die Eiszeit rückte heran, eine Erscheinung, die auf der ganzen nördlichen Halbkugel, eigentlich auf der ganzen Erde nachweisbar ist. Die Ursachen dieser Ab- kühlung kennen wir nicht; sie war nicht gerade übergroß; eine nur um 5 — 6° niedrigere Temperatur als die heutige würde genügen, um die Er- scheinungen der Eiszeit zu erklären. Damals trugen die höheren deutschen Mittelgebirge: Riesengebirge, Böhmer Wald, Schwarzwald, Vogesen ewigen Schnee, so daß hier Gletscher entstehen konnten. Besonders großartig war die Entwicklung der Gletscher in Skandinavien und Finnland. Langsam schoben sich die wachsenden Eismassen durch das Gebiet der heutigen Ostsee, dessen Niveauverhältnisse damals wahrscheinlich anders waren als jetzt, nach 3 und verbreiteten sich bis an den Fuß, ja bis in die Täler der deutschen Mittel- gebirge, alles mit einer zusammenhängenden Eisdecke verhüllend und Zustände schaffend, wie sie heute in Grönland oder vielleicht noch ähnlicher im Südpolar- Kontinent herrschen. Dabei füllte das Eis zuerst die tieferen Partien des.
Entstehungsgeschichte des Vodens. 5 Landes aus und überzog erst dann die höheren. Aus der Mächtigkeit der eis- zeitlichen Ablagerungen ergibt sich, daß vor der Eiszeit das 5amland, der l^O Ostpreußens, die Gegend um Heilsberg und die Gebiete rechts der Weichsel ganz im 3 unserer Provinzen verhältnismäßig hoch lagen; so spricht man von einem voreiszeitlichen litauischen, samländischen, ermländischen, pol- nischen 5ockel. Dazwischen und im untern Weichselgebiet befanden sich 5enken. Im westlichen Westpreußen sind diese Verhältnisse noch nicht klar festgestellt. Besonders der samländische 5ockel scheint die Bewegung des Eises beeinflußt zu haben. Das vorrückende Eis führte alle losen Gesteine der damaligen, von ihm überfluteten Erdoberfläche mit sich fort, so daß nach unseren Gegenden große Blöcke, Lteine und Gerölle transportiert wurden, die den geologisch älteren Gebirgen Skandinaviens und Finnlands, oder dem Boden der damaligen Ostsee und der Ostseeprovinzen entstammen. Die großen Blöcke bestehen fast stets aus Granit oder Gneis und sind skandinavischen oder finnischen Ursprungs, denn nur dort finden sich diese Gesteine in ähnlicher Zusammensetzung. Manche dieser „erratischen" oder „Irrblöcke" sind sehr groß (20-25 m Umfang, über 3 m Höhe), z. B . der Tatarenstein bei Neidenburg, der Teufelstein im Kr. Ichwetz! sie sollen als Naturdenkmäler erhalten bleiben. Vielfach wurden durch den gewaltigen Druck des Eises die Eesteinsblöcke aneinander geschrammt (Gletscherschliffe), oder es wurden die ächutt- und Veröllmassen an- einander oder am Untergrunde zerrieben und zermalmt und bilden nun die Grande und die lehm- und sandartigen Massen des Diluviums, aus denen unser Boden zum großen Teil besteht. Gelegentlich wurden auch größere, zusammengefrorene schollen der Tertiär- und Kreideformation aus dem Untergrunde losgerissen und mitgeschleppt und „schwimmen" dann in oder auf dem Diluvium. Wenn sie an der Oberfläche liegen, können sie den Anschein erwecken, als ob hier diese älteren Formationen anstanden. Bis jetzt hat man aber stets unter oberflächlichen Tertiär- und Kreideschichten Diluvium gefunden. Verharrte der Eisrand längere Ieit an derselben stelle, so häuften sich hier beim Abschmelzen die mitgeführten groben und feinen Gesteinsmassen zu mächtigen, aus großen und kleinen Blöcken und aus Grand, 3and und Lehm bestehenden Wällen auf, zu denen das nachrückende Eis immer neues Material heranschaffte - es bildeten sich die sogenannten Endmoränen (Bild 16). Je länger der Eisrand in seiner Lage verharrte, um so mächtiger mußte die Endmoräne werden. Der baltische Hauptmoränenzug erstreckt sich von Brandenburg und Pommern bis in das nord- westliche Westpreußen und bildet nördlich von Berent ein großes Endmoränen- gebiet mit dem Turmberg. Hier scheint ein zweiter großer Bogen anzusetzen, der Nach 30, dann nach O verläuft und nach I^lO umbiegt. Er bildet die Kernsdorfer Höhen, den masurischen Höhenzug, die Zeesker und Goldaper Berge. In Westpreußen liegen aber südlich von der Hauptmorane noch ver- schiedene, weniger mächtige Endmoränengebiete. Da der Eisrand wie bei den heutigen Gletschern niemals genau an derselben stelle lag, sondern bald etwas vorrückte, bald zurückwich, wurden auch die bereits bestehenden Endmoränen zerstört oder vorgeschoben, oder es bildeten sich hinter den schon vorhandenen Endmoränen neue. Öfter wurden auch die mit Wasser durchtränkten Boden- massen durch die Last des sich vorschiebenden Eises hoch emporgepreßt, und es entstanden so die „ötaumoränen", zu denen z. B. der Zug der Eoldaper
6 Entstehungsgeschichte des Bodens. §4. Verge gehört. Das Eis war wohl nur einige hundert Meter dick- höchstens in den 5enken erreichte es eine Mächtigkeit von 1000 m. Ob das Eis sich eine Zeitlang so weit zurückzog, so daß der Voden völlig eisfrei wurde und sich mit Pflanzen bedeckte, und dann abermals vorrückte, erscheint für Ost- preußen fraglich; in den westlicheren Gebieten scheint dieser Zustand mehrmals eingetreten zu sein; so spricht man von Interglazialzeiten (Zwischeneiszeiten). Am Ende der Eiszeit wurde es wärmer, das Eis schmolz ab und zog sich zurück, jedoch nicht immer gleichmäßig und gelegentlich hie und da länger liegen bleibend, neue Endmoränen und damit unruhige Vodenformen bildend. Da, wo der Rückgang des Eises gleichmäßig erfolgte, entstanden auch ebenere Gebiete, die „Grundmoränenlandschaften", gebildet durch die Grundmoräne und durch das gröbere und feinere Eesteinsmaterial, das in dem Eise selbst eingefroren war und beim Abschmelzen sich absetzte. Gelegentlich trat noch ein Ztillstand des zurückgehenden Eises ein, und dann bildeten sich hinter dem Hauptmoränenzuge neue Endmoränen, so der Zchreitlaugkener Höhenzug östlich von Tilsit und das Alk-Gebirge mit dem Galtgarben u. a . Höhenzüge im5amlande. Die verbreitetste Ablagerung des abschmelzenden Inlandeises ist derGeschiebe - mergel, eine ungeschichtete, recht feste, kalkhaltige, lehmartige Masse, in feuchtem Zustande blaugrau oder graurötlich, von Geschieben, d. h . Lteinen, der ver- schiedensten Größe durchsetzt. Dieser Geschiebemergel bildet z. V. die steilen Küstenlandschaften des 5amlandes und bei Adlershorst. Hat das kohlen- säurehaltige öickerwasser den Kalk ausgelaugt und in größere Tiefen geführt/, dann wird der Geschiebemergel zu Lehm, dessen Farbe durch Veränderung des Eisengehaltes graugelb bis rotgelb geworden ist. Daraus geformte Ziegel werden beim Vrennen rot. Ist der Lehm mit 5and gemischt, so bildet er recht fruchtbaren Voden? auch 3/4 5and- und ^4 Lehmgehalt ist dem Acker- bau noch günstig. Die Dicke der diluvialen Zchichten ist verschieden: z. V . im Norden Ostpreußens 15-70 m, bei Königsberg 45-80 m, bei Lätzen mehr als 180 m, in Westpreußen bei Konitz über 130 m, bei Karthaus über 140 m, bei Danzig 20 - 80 m, bei Graudenz etwa 50 m, bei Ztrasburg 8 - 25 m, bei Flatow 25 m. Die Ichmelzwasser führten aus dem Gelände vor den Eismassen vielfach die feineren, tonigen Vestandteile mit sich fort und ließen die gröberen, sandigen Zurück. 3o entstanden südlich von den Moränenzügen flach geneigte, sandige Ebenen, in Ostpreußen die sandigen Landschaften der Iohannisburger Heide, die 2andflächen bei Willenberg, und in Westpreußen die Tuchler Heide. Auch unter dem Eise entwickelten sich Zchmelzwasserströme, die in dem Untergrunde langgestreckte, aber nicht gleichmäßig tiefe Rinnen ausspülten; nach dem Rückgang des Eises blieben sie mit Wasser gefüllt zurück, und so entstanden die schmalen, langgestreckten oder reihenartig angeordneten „Rinnenseen". Als sich das Eis gleichmäßiger zurückzog, bildeten sich zwischen dem Hügel- wall der Endmoränen und dem Eisrand große „Ztauseen"; ging das Eis noch weiter zurück, so fanden sie ganz oder teilweise nach I>I Abfluß. In den tiefsten Ztellen der Grund- oder Endmoränengebiete sammelte sich das Wasser i Man kann die Grenze der Entkalkung leicht feststellen. Übergießt man eine Probe mit äalzsäure oder Essig, und erfolgt Aufbrausen, so wird dadurch einKalkgehalt angezeigt, indem die Kohlensäure des Kalkes durch diestärkere5äure ausgetrieben wird. Sonntag).
Ostsee, Haffe, Nehrungen. in weiten, nicht sonderlich tiefen Necken, und diesen Typus von 3een bezeichnet man als „Erundmoränenseen". Ihre Tiefenverhältnisse lassen erkennen, baß ihr Voden der Oberflächengestalt der umgebenden Landschaft entspricht. Endlich strudelte das in Eisspalten herabstürzende Wasser Vertiefungen aus, die nachher mit Wasser gefüllt blieben- auf diese Weise ist eine große Iahl kleinerer, mehr oder weniger kreisrunder, oft recht tiefer 5een entstanden. Man nennt sie mit einem aus Mecklenburg stammenden Worte „3ölle". Nach dem völligen Rückgänge des Inlandeises begannen die wasserreichen Urströme unserer jetzigen Flüsse das Gletscherland abzutragen und zu zerstören. Das Delta der Memel lag viel weiter im W, das des Pregels gleichfalls, mindestens im Gebiete des Frischen Haffes. Die Memel bildete östlich von den Zchreitlaugkener Höhen einen großen 2ee, den Iurasee, aus dem ein Arm nach W, ein anderer nach 3XV durch das Vett der heutigen Inster und den Unterlauf des Pregels abfloß. Die Weichsel strömte von Fordon ab nach W durch das sogenannte Thorn - Eberswalder Urstromtal, d. h. das Tal der Netze und Warthe und weiter in dieser Richtung zur Nordsee. Wahr- scheinlich durch eine recht junge öenkung im südlichen Ostseegebiete traten allmählich die heutigen Verhältnisse ein. Die Vöden der heutigen Flüsse wurden tiefer ge- legt, denn die oft aus Grand gebildeten Ablagerungen der Urströme erheben sich bis 20 m über dem Lpiegel der jetzigen Flüsse. Dazu kommen andere Ver- änderungen durch die Brandung der 5ee und die Wirkungen der 5ickerwasser besonders an den steilküsten, durch die Kraft des Windes (Nehrungen und Dünen) und durch die Tätigkeit der Pflanzen (Moore), der Tiere und Menschen. § 5. Ostsee. Haffe, Nehrungen. 5eit dem Zurückweichen des Inlandeises bis Skandinavien haben sich die Verhältnisse im Gebiete der Ostsee mehrfach geändert. Als ungefähr die heutigen Verbindungen der Oftsee mit der Nordsee ausgebildet waren, begann in den skandinavischen Ländern eine Hebung, an unsern Küsten eine 5enkung. Torf und Vaumstubben auf dem Meeresboden, z. V . bei Cranz, die doch auf dem Lande gewachsen sein müssen, sprechen dafür. Die Geologen nennen diese Ieit nach einer in der Nordsee und der westlichen Ostsee lebenden Zalzwasser- schnecke die Litorina-Ieit. Damals brach wohl die Weichsel von Fordon nach ^ Zur Danziger Vucht durch ^, die Küste beim Pregeldelta lag am Ostrande des Frischen, die beim Memeldelta am Ostrande des Kurischen Haffes. Die Nehrungen und die Landzunge Hela waren noch nicht vorhanden. Die Lenkung hörte dann wohl im ganzen auf, der Zalzgehalt der östlichen Oftsee wurde geringer, die bekannte 3andklaffmuschel (iVl^a) verbreitete sich, und damit war die Jetztzeit angebrochen. Die heutige Ostsee oder das Baltische Meer ist ein flaches Vinnen-Rand- meer. Auch noch in bedeutender Entfernung vom Lande würde ein mäßig hoher Kirchturm, auf den Meeresgrund gestellt, über ihre Oberfläche empor- ragen. Durchschnittstiefe 60-80 m, größte, nordwestlich der Insel Votland, i Da die Weichselwerder sich auf einer älteren Grundlage aus den öinkstoffen des Flusses gebildet haben, und man die Dicke der sich alljährlich absetzenden ächicht annähernd schätzen kann, hat man berechnet, daß der Weichseldurchbruch nach >I vor 6000 bis WU0 Jahren erfolgt sei. Das wäre eine erstaunlich Kurze Vergangenheit.
Ostsee, Haffe, Nehrungen. §5. etwa 420 m, östlich derselben 250 m. Die Danziger Bucht ist auffallend tief, Zwischen Hela und Brüsterort bis über 110 m. Größe der Ostsee 415 000 qkm. Der Meeresboden besteht an unseren Küsten meist aus Sand, ist stellenweise sehr steinig, besonders da, wo Steilküsten abgespült sind, und fällt sehr allmählich ab. Der Salzgehalt beträgt bei uns 0.66°/« (im offenen Ozean 3,5°/°), im XV ist er durch das in der Tiefe einströmende Nordseewasser größer, im 0, im Finnischen und Bottnischen Meerbusen, wegen der hier mündenden wasser- reichen Flüsse Schwedens, Finnlands und Rußlands geringer. Ebbe und Flut sind auch durch genaue Messungen kaum nachweisbar, jedoch können heftige Stürme das Wasser bedeutend aufstauen. Bei Ostwinden sind solche Sturmfluten im westlichen Teil der Ostsee manchmal furchtbar. Unsere etwa 400 km lange Küste ist meist flach, nur ^/z ist hoch und steil. Die Ufer sind besonders hoch bei Rixhöft (52 m), im W der Danziger Bucht bei Ox- höft und Adlershorstunda.d. Nordwestecke des SamlandesbeiKraxtepellen, Brüsterort und Warnicken. Zwischen beiden Orten ist der Wachtbudenberg bei Kl. Kuhren mit 60 m der höchste Punkt ^. Der Nordwestwinkel der Danziger Bucht, welchen die sandige Landzunge Heia (35 km lang, 300-2500 m breit), im ll von dem offenen Meere trennt, heißt Putziger Wiek. Die Küstenlinie scheint sich landeinwärts zu schieben, vor allem durch die abspü- lende Tätigkeit des Meeres, welche noch durch die auflockernde Wirkung des Frostes und des 5ickerwassers besonders an Zteilufern erleichtert wird. Ein wirkliches Zinken des Landes2, welches z. V. aus dem Vorhandensein von Vaumftubben und Torflagern auf dem Meeresgrunde gefolgert werden könnte, z.V . bei Cranz, ist gegenwärtig nicht nachgewiesen^ denn von 1826-79 hat sich die Lage der preußischen Ostseeküste gegen das Mittelwasser der Ostsee in Wirklichkeit nicht geändert. Mit dem Meere stehen durch schmale Wasserstraßen, welche Tief oder Vatt heißen, die Haffe in Verbindung? das sind Strandseen mit süßem Wasser, welche durch wenig breite Landzungen, Nehrungen genannt, oder durch Inseln vom Meere getrennt werden. Iu den größten derartigen Bil- dungen in Europa gehören das Frische und das Kurische Haff. Das Frische Haff ist ein von 3VV nach KIO verlaufendes, langgestrecktes Viereck, dessen Nordostspitze weit nach 0 vorspringt, 65 km lang, 9 — 22 km breit, 860 qkm groß (Bodensee 540 qkm), besonders im südlichen Teile stach, auch sonst nur 3- 5m tief. Für die Zchiffahrt war früher vonPillau nach der Pregelmündung eine reichlich 4 m tiefe Fahrrinne ausgebaggert. Da diese aber für Fahrzeuge mit größerem Tiefgänge schon lange nicht mehr genügte, ist 189N-19N1 mit einem Kostenaufwande von über 12 Mil- lionen Mark der Königsberger seekanal^ gebaut worden. Er führt von der Pregelmün- dung in der Nähe des nördlichen Ufers durchs Hass, ist 33 km lang, an der 5ohle im allgemeinen 30 m, oben 80 m breit, 6,5 m tief und wird auf der 2üdseite durch einen Damm, der mit mehreren Durchlässen für die Fischer versehen ist, gegen Verschlammen geschützt. 5o können jetzt auch große schiffe unmittelbar bis Königsberg gelangen (Ostsee - Pillauer Tief-Königsberg 46 km). l Lolche Küsten, die zwar steil aufsteigen, aber an ihrem Fuße einen stachen, ganz allmählich zu größeren Tiefen abfallenden Ztrand besitzen, heißen Kliffküsten, im Gegensatz zu den echten Lteilküsten, deren steile Böschung oft bis tief unter die Meeresoberfläche hinabreicht. ^ Da die Wirkung beim äteigen des Meeresspiegels ganz dieselbe wäre, und es sich kaum entscheiden lassen wird, ob dieses oder ein Zinken des Landes vorliegt, so hat man dafür den Ausdruck „positive Verschiebung der 5trandlinie" oder „Verkleinerung des Landes" vorgeschlagen. - « 2. Vilderanhang 5. 66 .
§5. Ostsee, Haffe, Nehrungen. Das Kurische Haff hat die Gestalt eines Dreiecks, dessen Spitze im N bei Memel liegt? die von W nach 0 verlaufende Grundlinie ist 45 km, die westliche 2eite 100 km lang, die östliche etwas kürzer. Im südlichen Teile ist es bis 5 m tief, im nördlichen viel flacher- Größe 1584 qkm. Die Nehrungen sind ganz junge Bildungen, deren Entstehung man sich folgendermaßen zu denken hat: bei uns herrschen Winde aus westlichen Richtungen vor? sie stehen aber selten senkrecht zur Küstenlinie,- deshalb laufen die Wellen meistens fchräge auf den 5trand auf und schieben den 3and, den jede von ihnen mit sich führt, vor sich her. Dadurch entsteht langsam, aber unwiderstehlich ein Zandstrom an der Küste entlang, ungefähr nach () gerichtet, von ätralsund nach Memel. Hier, wo die Küste von ll nach 3 verläuft, ebenso wie an der auch von l^ nach 8 gerichteten Westküste des äamlandes, kann diese „Küstenversetzung" nicht stattfinden, da der 5and meistens annähernd senkrecht zur Küste ausgeworfen wird und so auch wieder zurückrollt. Durch diesen Zandstrom hat die pommersche Küste ihren geradlinigen Verlauf erhalten? //^ c ltt -^ l —^ 1. Die Entstehung einer Nehrung (aus der E. von Seydlitzschen Geographie, Ausgabe I)). Cinsprünge sind abgedämmt, so der Iarnowitzer 5ee an der westpreußisch- pommerschen Grenze, der ursprünglich eine Förde war. Vei Rixhöft biegt die Küstenlinie scharf nach 30 und bald darauf bei Großendorf direkt nach 3 um. Hier setzte sich die nach 30 gerichtete Ztrömung in ihrer ursprünglichen Richtung weiter fort, und aus dem von ihr mitgeführten 5ande entstand eine schmale, langgestreckte Aufschüttung, ein „Haken", die 35 km lange Landzunge Hela, die bis zu bedeutender Tiefe nur aus Dünensand besteht und so weit vorwärts wachsen konnte, bis der Meeresboden schnell auf 40, 60 und mehr Meter Tiefe abfiel. Fand der von den Wellen bewegte öandstrom auf seinem Wege diluviale Inseln oder ähnliche Ansatzpunkte, so verband er sie durch schmale 5treifen? es entstanden die Nehrungen. Die Frische Nehrung beginnt eigentlich schon in der Gegend von Ioppot^ und schließt sich mit ihrem andern Ende bei Pillau an diluviale Gebiete an. Die Kurische Nehrung bestand wohl ursprünglich aus zwei Vogen: der südlichere reichte von Cranz bis Rossitten, wo Diluvial- Voden zutage tritt, und führte vielleicht einst bis zur Windenburger Ecke, der nördlichere, jetzt aber mit dem andern völlig verwachsene, von Rossitten nach Memel. » Der streifen an der Küste, östlich von Danzig bis zur eigentlichen Frischen Nehrung wird auch Nehrung genannt.
1l) Ostsee, Haffe, Nehrungen. Die beiden Nehrungen, besonders aber die Kurische, sind in vieler Beziehung merkwürdig. Diese ist noch immer auf weiten Ztrecken völlig wald- los und mit fliegendem 5ande bedeckt, der von den Winden leicht vorwärts getrieben wird- kleine Hindernisse, Pflanzenbüschel, 3teine, auch bloße 2and- wellen, halten ihn auf, es bilden sich kleine Erhebungen und werden, indem der 5and dahinter (im Windschatten) vorübergehend zur Nuhe kommt, die Kerne von größeren, den rundlichen Dünenhügeln. Die Winde treiben den 5and aber doch unaufhaltsam vorwärts, und da sie bei uns vorherrschend aus W wehen, wandern die Dünen nach O, unter ihren Landmassen Wälder und Dorfstätten begrabende Nach einiger Zeit müssen die verwehten Gegenstände wieder zum Vorschein kommen, die Dünen selbst stürzen schließlich ins Haff. Ihr jährliches Vorrücken betrug, als sie noch gar nicht festgelegt waren, auf der Kurischen Nehrung durchschnittlich 6 m, erfolgte aber nicht gleichmäßig. Der Westabhang ist sanfter als der östliche (Grund?). Mehrere früher be- wohnte Dörfer sind jetzt verschüttet, (die Bewohner konnten die Gebäude meistens noch abbrechen), oder ihre Trümmer feiern eine seltsame Auferstehung. Alleinigen 5chutz gegen die verheerenden Wanderdünen gewährt das Festlegen des Zandes durch Bepflanzend Das ist sehr mühsam, doch geht man seit einer Reihe von Jahren damit energisch vor, besonders auf der Kurischen Nehrung. Mo die Dünen gefährlich werden konnten, sind sie festgelegt. 5chon seit längerer Zeit ist dicht an dem 5eestrande die künstlich hergestellte Vordüne durchweg fertig bepflanzt, so daß nun neuer 5and aus dem Meere nicht mehr Zugeführt werden kann. Früher waren die Nehrungen viel mehr bewaldet als heute und deshalb auch dichter bewohnt. Man kann meistens mehrere Wälder übereinander unterscheiden i ihre Vöden sind erkennbar an Schichten braunen 5andes, deren Farbe von den verwitterten Vlättern, Nadeln und Holzteilen herrührt. Die ganz alten Wälder bestanden aus Laubbäumen, während jetzt auf dem 5andboden nur Nadelbäume fortkommen. Nei den Väumen der in neuerer Zeit verschütteten Wälder ist das Holz oft schneller verwittert als die Rinde, so daß man in diese, mit lockerem 3and erfüllten Röhren hineinfallen und gemissermaßen im 5anoe ertrinken kann. Nicht die Menschen allein sind schuld an dem Verschwinden der Väume und dem dadurch herbeigeführten Vorrücken der Dünen, wie vielfach behauptet wird. ächon im 16. Jahrhundert hatte man die Bedeutung des Waldes gegen die Versandung erkannt und erließ Verordnungen für seine Erhaltung. Wohl ist viel durch Menschenhand ausgerodet, aber viele Väume sind auch einfach verschüttet oder durch den beständigen Anprall der windbewegten, scharfen Sandkörner abgestorben. Diese Vorgänge mußten erleichtert werden, wenn das Land sich senkte. In der Tat haben Hebungen und Senkungen in der Umgebung des Kurischen Haffes abgewechselt. Daß Friedrich Wilhelm I. oder Friedrich d. Er. den Wald hätten ab- schlagen lassen, ist eine Fabel. Manche Gegenden der Nehrung am Fuße der Dünen sind gefährlich wegen des Triebsandes, das ist 5and, dessen Körnchen durch schwach empor- quellendes oder den 5and durchströmendes Wasser schwebend gehalten werden, so daß hier Menschen und Tiere rettungslos versinken können. Im 2ommer ist die Oberfläche solcher Ztellen manchmal ganz hart getrocknet und trägt einen Menschen. Mit den Dünen ändern auch die Triebsandstellen ihre Lage und verschwinden mit der Bepflanzung der Dünen. ' 5. Vilderanhang 5. 65. 2 3. Vilderanhang 3. 64.
Flüsse, 2een und Kanäle. 11 Die Dünen der Kurischen Nehrung gehören Zu den höchsten Europas, sie erreichen bei Pillkoppen, wo sie jetzt festgelegt sind, 60 m Höhe'. Die Dünenwelt der Nehrungen, besonders der Kurischen, mit ihrem weißen, vege- tationslosen 5ande, auf der einen Leite von dem Haff, auf der anderen von dem end- losen Meere begrenzt, macht in ihrer Öde einen großartigen Eindruck und rechtfertigt im yechen äonnenschein des Hochsommers die Bezeichnung „5ahara des Nordens". Aller- dings werden die eigentlichen Wüstengebiete durch die fortschreitende Vepsianzung allmäh- uch eingeschränkt; nuf der Frischen Nehrung gibt es eigentliche Wanderdünen kaum mehr. Das Frische Haff steht durch das Pillauer Tief, das Kurische durch das Memeler mit der Ostsee in Verbindung. Das erstere besteht seit etwa 4l)0 Jahren. Vorher gab es ein nördlicheres bei Lochstädt^, noch früher ein südlicheres gegenüber Valga^, und vor 900 Jahren bestanden wahr- scheinlich Tiefe auch im 3 der Nehrung bei Vogelsang und Kahlberg. Die alten Tiefe sind versandet, auch das jetzige bei Pillau muß stets aus- gebaggert werden. Ähnlich gab es früher zwischen dem Kurischen Haffe und der 5ee, z. V. bei 5arkau, mehrere Verbindungen, so daß die Nehrungen ursprünglich aus einer Reihe von Inseln bestanden. § 6. Flüsse, 5een und Kanäle. /^. Westpreußische Flüsse. 3ns Putziger Wiek mündet die Rheda. Zur Netze (Warthe, Oder) gehen die Lobsonka und Küddow, von 2chneidemühl an 15 km schiffbar. Die Weichsel entsteht durch Vereinigung dreier Quellen, welche auf den Veskiden bei dem Dorfe Wisla in Österreichisch-ächtesten, 659 m hoch entspringen. 5ie bildet auf einer kurzen strecke die Grenze der preußischen Provinz Zchlesien gegen Osterreich, strömt dann in einem großen, nach W geöffneten Bogen durch Galizien und Russisch-Polen und erreicht die Grenze Westpreußens nach einem Laufe von 900 km (Gesamtlänge etwa 1125 km). Vis zur Vrahemündung oberhalb Fordon strömt die Weichsel nach >I^V, hier biegt sie scharf nach IMO um. 3ie floß von hier in früheren Zeiten durch den Unterlauf der Vrahe, in der Richtung des Vromberger Kanals und durch das Tal der Netze weiter nach VV (s. 5 . 7). Ihr heutiger Unterlauf liegt zunächst in einer durch ihre aus- spülende Tätigkeit vertieften, aber früher schon vorhandenen Mulde; ihr Wasserspiegel liegt bei Thorn 34 m, in der Richtung von Marienwerder 11m hoch, im Delta wenig höher als der Meeresspiegel. Die Talgehänge sind bei Kulm, Graudenz und weiterhin bis Mewe vielfach steil und 60-?0m hoch (Vilderanhang 3. 72). Die Weichselmündungen haben im Laufe der Ieit bedeutende Veränderungen erfahren. Die Entwicklung in den letzten 100 Jahren war folgende: Bei der 1 5. Vilderanhang 5. 64. Ahnlich mächtige Dünen finden sich in Europa nur noch an der Westküste Iütlands, in den l^2ncle8 in öüdmestfrankreich am Vusen von Niscaya, im westl. Peloponnes. ^ Das Vorhandensein dieses Tiefes in geschichtlicher Ieit ist neuerdings wohl mit Unrecht bestritten. Es soll 1311 versandet und 1395 ganz verschüttet worden sein. 2 Mit „Valge" wird noch jetzt an der Nordseeküste eine Vertiefung bezeichnet, die auch zur geit der Ebbe voll Wasser bleibt.
12 Flüsse, Seen und Kanäle. Montauer 3pitze teilte sich die Weichsel^ der östliche Arm, die Nogat, ging und geht noch in nordöstlicher Richtung ins Frische Hass, während der andere Arm, der den Namen Weichsel beibehält, nach di bis zum Danziger Haupt weiterstießt, wo er sich abermals gabelt. Der östliche Arm, die Elbinger Weichsel, geht in mehreren Armen ins Frische Haff- der andere, westliche, die Danziger Weichsel, mündete bis 1840 unterhalb Danzig bei Neufahr- wasser in die Danziger Vucht. Im Januar 1840 hatte sich in diesem Arm bei Neufähr eine mächtige Eisstovfung gebildet, das Wasser staute sich da- hinter mehr und mehr auf und durchbrach in der Nacht zum 1. Februar die Düne zwischen Fluß und 5ee. 2o entstand eine neue Mündung. Das 2tück der Weichsel unterhalb Neufähr wurde abgedämmt und wurde so ein toter, aber durch eine Zchleuse bei Plehnendorf für Schiffe noch erreichbarer und benutzbarer Arm. Die Mündung bei Neufähr änderte sich und gewährte bei Eisgang und Hochwasser der Weichsel nicht immer genügend schnellen Abfluß. 5o blieben die Gegenden an den Weichselarmen alljährlich von schwerer Wassersnot bedroht. Unter dem Eindruck der furchtbaren Überschwemmung der Nogat im Frühjahr 1888 wurden 20 Millionen Mark bereitgestellt, um eine neue Mündung zu schassen, welche den Eis- und Wassermassen einen möglichst direkten Abfluß zum Meere ermöglichte. Die Nogat sollte völlig entlastet werden. Am 31. März 1895 wurde der 5trom in sein neues Mündungsbett geleitet. Er verläßt die bisherige Danziger Weichsel 1,5 km unterhalb der Abzweigungs- stelle der Elbinger Weichsel und führt in nördlicher Nichtung in die 5ee, 11 km östlich von Neufähr. Der neue Arm ist nur 7 km lang, und die Entfernung zwischen den einschließenden Dämmen beträgt 900 m, während der bisherige Mündungsarm von 5iedlersfähre bis Neufähr 17 km maß, und die ein- schließenden Dämme viel näher aneinander lagen. Am 25. Mai wurde dann der Zperrdamm durch das alte Weichselbett bei Vollenbude beendet, und damit schied die Danziger Weichsel aus der Reihe der Weichselmündungsarme. Etwa von der Mitte des neuen Armes sind nach dem Dorfe Einlage an der bisherigen Weichsel ein Flöß- und ein Schiffahrtskanal mit Schleusen angelegt, so daß die Wasserstraße nach Danzig nach wie vor besteht. Nach dem Durchbruch bei Neufähr strömte infolge des großen Gefälles der größte Teil des Weichselwassers durch die Danziger Weichsel, und die Elbinger Weichsel wurde für die Schiffahrt viel zustach,im Sommer lag ihr Vettstellenweiseganz trocken- deshalb wurde, um die Wasserverbindung zwischen Königsberg, Elbing und Danzig zu ermöglichen, 1845 — 5l) der Weichsel —Haff-Kanal erbaut. Dieser verläßt oberhalb des Danziger Hauptes bei Rothebude die Weichsel, führt nahe bei Tiegenhof vorüber und mit Benutzung de; Tiege- stusses und anderer Gewässer bei Stobbendorf ins Frische Haff. Nach Eröffnung der neuen Weichselmündung ist die Elbinger Weichsel kanalisiert und so wieder schiffbar geworden. Um die Gefahren des Hochwassers für die Niederungen neben der Nogat zu ver- ringern, wollte man den Fluß zwingen, mehr Wasser als früher durch die geteilte Weichsel abzuführen. Deshalb wurde 1847—53 die Nogat an der Montauer Spitze zugedämmt (kupiert) und 4 km unterhalb bei Pieckel fast rechtwinklig ein Kanal von der Weichsel zur Nogat gebaut, die beabsichtigte Wirkung wurde auch teilweise erreicht. Nach Er- öffnung der neuen Weichselmündung hoffte man, die Nogat beim Eisgang ganz zu entlasten. Da sich diese Erwartung nicht erfüllte, soll die Nogat 1912-14 gänzlich ab- gedämmt, aber als Wasserstraße erhalten und auf 1,5 m vertieft werden. Das Tal der Weichsel läßt sich innerhalb Preußens in drei Abschnitte gliedern: 1. von der Grenze bis Fordon, 2,5 — 3 km breit, vonstachenHöhen begleitet, 2. von Fordon bis Pieckel, 2,5-8, ja bis 12 km breit, mit oft steilen, von „Paromen" (Schluchten) durchschnittenen Talrändern, 3. das Weichsel-Nogat-Delta, wo sich das Tal fächerförmig zu
Flüsse, Seen und Kanäle. 13 weiten Niederung verbreitert. Durch dieses Tal windet sich der Fluß in wechselnder -Lreite und Tiefe, zahlreiche Inseln und Kämpen enthaltend. Vei Thorn beträgt der Unter- Ichled zwischen Hoch- und Niedrigwasser 8 - 9 m, bei Marienburg 10 -11 m. Im Sommer 1832 e^i? ^ Weichsel infolge zahlreicher Stromspaltungen stellenweise nur 40 cm tief, also selbst für Flößerei unbrauchbar? allmählich will man durch Regulierungen und besonders üurch Einengen des Strombettes die Tiefe des Fahrwassers auf mindestens 1^ m bring IitdEi idbchi d R isch d g f Fhss fs ^ ringen zur Ieit des Eisganges wird aber nach wie vor der ganze Raum zwischen den "ämmen, diestellenweisefast 3 km voneinander entfernt sind, von Wasser völlig gefüllt sein. Eine furchtbare Gefahr für die Bewohner der Niederungen bringen die Hochwasser und Eisgänge. Hochwasser treten ein zur Zeit der größten Niederschläge, Juni bis August, wenn die von den Karpathen kommenden Nebenflüsse, besonders derSan, infolge von Regengüssen im Gebirge der Weichsel große Wassermassen zuführen. Gefährlicher sind die bei Eisgängen Nch bildenden Eisstopfungen, bedingt durch die ganz eigenartige Natur der Weichsel. Der Fluß friert zu bei niedrigem oder mittlerem Wasserstande? die von oberhalb kommen- den Grundeismassen schieben sich nach dem Unterlauf und frieren hier zuerst zusammen - ^schreitet die Eisbildung stromaufwärts fort, und das Eis des Unterlaufes wird stärker als das des Oberlaufes? darum gerät bei Tauwetter das schwächere Eis des Ober- laufes früher in Bewegung. Dazu kommt, daß das Quellgebiet der Weichsel 5" südlicher "egt als die Mündung? so kann die Schneeschmelze in Polen manchmal schon eintreten, wenn sich das Eis der preußischen Weichsel noch in der Winterlage befindet. Dann schieben sich die herabschwimmenden Eismassen unter- und übereinander, oder sie kommen, wenn auch der ganze Strom aufgegangen ist, an scharfen Biegungen oder an besonders engen Stellen zum Stehen? sie füllen das ganze Flußbett aus, die Wassermassen stauen Nck) dahinter auf und Überstuten oder durchbrechen die Dämme. Besonders gefährlich war bis jetzt der Eisgang auf der Nogat, wo die Dämme manchmal nur 180 m, an anderen Stellen allerdings 2670 m voneinander entfernt sind. Das Nogateis gelangt ins Haff? dieses ist nur flach, seine Eisdecke liegt meistens länger fest als die der Nogat, und Zwischen Eisdecke und Haffgrund bleibt nur wenig Raum für das aus dem Fluß herantreibende Eis. Man hat deshalb die untere Nogat auf der linken Seite nur mit niedrigen Sommer- reichen versehen, deren Überfälle im Herbst abgetragen werden, so daß Eis und Wasser m einen Teil der Niederung bis zu höheren Dämmen und von da nach dem Haff ab- fließen können. Dieser Teil der Niederung heißt die Einlage. Nach der Abdämmung der Nogat werden diese Verhältnisse natürlich geändert sein. Wenn man den flachen, schleichenden Weichselstrom nur im Sommer gesehen hat, kann man sich nur schwer eine Vorstellung von dem großartigen Naturschauspiel machen, welches er zur Zeit des Eisganges, vielmal breiter, mit seinen gewaltigen, trüben, schäumenden, von krachenden Eisschollen erfüllten Wassermassen bietet. Die hauptsächlichsten Niederungen sind: 1. die Thorner, 2. die Culmer, 3. die Marienwerdersche, 4. die kleine Schmetzer, 5. die Schwetz-Neuenburger, 6. die Falkenauer, schon sehr niedrig, 7. das große Marienburger Werder, fast 600 qkm, zwischen Nogat, geteilter Weichsel und Elbinger Weichsel, entwässert durch die Tiege, einige andere Flüßchen (Lachen) und gegen 100 Schöpfwerke, 8. die rechtsseitige Nogatniederung oder das kleine Marienburgcr Werder? dazu kommt noch die Niederung am Drausen-See. Ein großer Teil dieser Niederung liegt tiefer als der Spiegel des Meeres und des Haffes und muß deshalb künstlich entwässert werden? Überschwemmungen sind hier wegen mangelnden Abflusses doppelt verhängnisvoll? 9. das Danziger Werder links der ge- teilten Weichsel, 10. die alte, 11. die neue Binnennehrung zwischen den Ostseedünen im I>I und der Elbinger und Danziger Weichsel im 3, getrennt durch die Mündung bei Neufähr. Zusammen bilden die Weichselniederungen ein Gebiet fruchtbarsten Landes von rund 2000 qkm (^ 5achsen°Koburg und Gotha). Das Eesamtstromgebiet der Weichsel beträgt gegen 200000 qkm und ist nächst dem des Nheines (225 000 qkm) das größte der norddeutschen Flüsse. Ihre bedeutenderen Nebenflüsse münden außerhalb Preußens: es sind Dunajec, 2an, Vug mit Narew. 3n den Narew strömen mehrere Flüßchen aus dem südlichen Ostpreußen (s. 5 .19).
14 Flüsse, Seen und Kanäle. §6. Nebenflüsse der Weichsel in Preuhen. ä. rechts: 1. Die Drewenz entspringt bei Hohenstein, flieht im Vogen um die Kernsdorfer Höhe, dann durch den Drewenz-2ee und mündet oberhalb Thorn fast genau unter 53°, 135 km lang, im Unterlauf schiffbar. Aus dem Drewenz-2ee kann man mittels des Oberländischen Kanals (s. unten) zu 2chiff nach Elbing gelangen. 2. Die Ossa entspringt westlich vom Eeserich-2ee und mündet nach einem Laufe von 50 km unterhalb Eraudenz. Aus ihr führt der 7,5 km lange, angeblich von Kopernikus angelegte Trinke-Kanal Nasser nach Graudenz. 3. Die Liebe, 85 km,stießtin großem, nach KI offenem Nogen bei Marienwerder vor- bei und mündet in den toten Arm der Nogat, der als Hafen benutzt wird. L. links: 1. Die Vrahe entspringt an der pommerschen Grenze aus einem kleinen 2ee, stießt durch den Iiethener, Müskendorfer und einige andere 2een nach 30 und 8 bis Vromberg und von da in östlicher Richtung in die Weichsel bei Deutsch-Fordon. Gefalle stark. Länge 150 km. Von Vromberg führt der 1773-74 erbaute, etwa 30 km lange Vromberger Kanal in die Netze und verbindet somit Weichsel- und Odergebiet. 2. Das Lchwarzwasser entsteht aus mehreren Vächen, die aus der hohen Gegend nordwestlich von Verent herkommen, stießt durch den Weit-3ee und durch die Tucheische Heide und mündet nach einem Laufe von 120 km bei 2chwetz. 3. Die Montau, 90 km, ein äpiegelbild der Liebe, mündet bei Neuenburg. 4. Die Ferse (mit der Fietze), 100 km, aus der Gegend von Verent, stießt mit starkem Gefalle bei Pr. ätargard vorüber und mündet bei Meme. 5. Die Mottlau, 45 km, entspringt westlich von Dirschau und mündet, tief aus- gegraben und einen Teil des Hafens bildend, in Danzig. Ihr Nebenstuß, die Nadaune, 80 km, kommt aus dem Kranze der Nadaune-2een westlich von Karthaus, trägt den Charakter eines Gebirgsflusses und mündet eigentlich oberhalb Danzig bei Krampitz. Von ihr wurde schon bald nach 1310 bei Praust ein Kanal, die „neue Nadaune", zum Treiben der Mühlen nach Danzig abgeleitet. Zum Weichselgebiet gehört eigentlich auch der schiffbare Elbing - er kommt aus dem Drausen-2ee und fließt langsam in einem 10 km langen Vette dem Frischen Haff zu. Die alte Nogat, in welche er früher mündete, ist verdämmt und dafür der 7 km lange Kraffohl-Kanal zwischen den beiden Flüssen gebaut. Der Elbing ist gewissermaßen das letzte 5tück des Elbing-Oberländischen Kanals: dieser verbindet mehrere der oberländischen 2een unter sich und mit dem Drausen-5ee und stellt eine Wasserstraße von 190 km Länge dar, darunter sind 40 km eigentliche Kanäle. Um die Niveau-Unterschiede zu überwinden, ist der Zpiegel einzelner 3een gesenkt, durch den tiefer liegenden Abisgar-5ee ein breiter Damm geschüttet und in diesem der Kanal ausgegraben, so daß der Spiegel des Kanals 2 m höher liegt als der 5ee, und schließlich sind wegen des bedeutenden Höhenunterschiedes von 106 m Zwischen Pinnau- und Drausen-5ee fünf geneigte Ebenen von 14-25 m Höhe angelegt^. Mit Benutzung von Wasserkraft werden auf stachen Wagen 2chiffe und Flöße über das Land bergauf und bergab befördert. Nur der Morris-Kanal in Nord- amerika (Pennsylvanien) hat eine ähnliche Einrichtung. Die bedeutendsten der verbundenen Leen sind: der Eeserich-, Abisgar-, Rötloff-, Samrodt-, Pinnau-5ee. Außerdem stehen der Schilling- und Drewenz-5ee durch den kanalisierten Liebefluß (nicht den Weichsel-Nebenfluß) mit dem Kanal in Verbindung. 2. Vilderanhang 2. 73. Die geneigte Ebene bei Canthen.
§6. Flüsse, Seen und Kanäle. 15 L. Ostpreußische Flüsse. I. Gebiet des Frischen Haffes. 1. Die Vaude entspringt bei Trunz und mündet 2 km nördlich von Frauenburg. Ein Teil des Flüßchens ist, angeblich von Kopermkus, nach Frauenburg abgeleitet und bildet den kleinen Hafen dieser Stadt. 2. Die Passarge, 170 km, entspringt unweit Hohenstein zwischen den Drewenz- und Allequellen und strömt Ziemlich geradlinig in steilrandigem Tal mit bedeutendem Gefalle unterhalb Vraunsberg ins Haff. An der Mündung ist ein kleiner Hafen angelegt, undsiachgehendeSchiffe können meistens bis Nraunsberg gelangen. Die Passarge nimmt außer einigen kleinen Flüßchen rechts die Walsch auf, deren Tal bei Mehlsack hohe landschaftliche Schönheiten besitzt. 3. Die Vahnau entspringt nördlich von Mehlsack. 4. Der Frischina ist der Abfluß des Iehlau-Vruches. eines großen Hoch- moores (s. 5. 22)- an der Mündung bei Brandenburg kleiner Hafen. Nebenfluß von links: der Pasmar (Kreuzburg) mit dem Stradick (Iinten), dessen Tal unweit seiner Mündung überraschend schön ist (die sogenannten Silberberge). 5. Der Pregel entsteht aus den drei Flüssen: a) Pissa, b) Angerapp, c) Inster. 3) Die Pissa, d.h. schwarzer Fluß, 120km lang, kommt aus dem Wystiter- ^ee, den sie bildet, die eigentliche Quelle liegt südlicher in Polen, und nimmt links, etwas oberhalb Gumbinnen, die Nominte auf (80 km), welche aus mehreren Vächen unweit Rominten (früher Theerbude) entsteht und in ihrem Oberlauf die ausgedehnten "tälder der Nominier Heide durchströmt. d) 7 km östlich von Insterburg vereinigt sich die Pissa mit der von 8 kommenden, 146 km langen Angerapp, d. h. Aalfluß; diese stießt aus dem Mauer-See mit großem gefalle in vielen Windungen durch ein meistens tiefes Tal nach KI und empfängt rechts die Eoldav. An der Angerapp liegen Angerburg und Darkehmen. Sie ist nicht uer natürliche Abfluß der masurischen Seen, da diese erst künstlich miteinander ver- bunden sind (s. S. 18). c) Unterhalb Insterburg strömt von ^0 in die vereinigte Pissa und Angerapp "le Inster l (95 km). Diese entspringt nicht weit von der russischen Grenze nordöstlich von Pillkallen, stießt zuerst nach W durch Wiesen und sumpfige Waldgegenden, um dann nach 3VV in ein bald sehr breit werdendes Wiesental einzubiegend Von der Mündung der Inster, 1 km unterhalb Insterburg, heißt der 3luß endgültig Pregel, fließt in breitem, von verhältnismäßig beträchtlichen Anhöhen begrenztem Wiesental nach W bei Wehlau und Tapiau vorüber und teilt sich 15 km oberhalb Königsberg in den alten (südlichen) und den neuen (nördlichen) Pregel, die durch flache Wieseninseln getrennt sind und sich in Königsberg an der Grünen Brücke vereinigen. Andere frühere Arme sind 1 Der litauische Name „Isra" erinnert an Isar, Iser, Isere. 2 Über die früheren Verhältnisse s. S . 7; bei den jetzigen Verhältnissen kann man schwanken, ob die Pissa oder die Angerapp der Hauptfluß des Pregels sei: der Nichtung des ganzen Tales nach müßte man die Pissa als den Hauptsiuß ansehen- sie wird auch in Gumbinnen schon vielfach Pregel genannt- aber die Angerapp ist wasserreicher und zwingt an der Vereinigungsstelle die Pissa sichtlich, ihr zu folgen. Von hier bis zur Instermündung (15 km) wird der Fluß fast ausschließlich Angerapp genannt.
16 Flüsse, 5een und Kanäle. §6. verschwunden. 7 km unterhalb Königsberg mündet der Pregel bei Holstein ins Frische Haff. 5eine Länge von der Instermündung bis zum Frischen Haff beträgt 125 km. (Über den Königsberger öeekanal s. 3. 8.) Die rechten Nebenflüsse des Pregels sind klein. Vei Tapiau Zweigt sich aus dem Pregel die Deime ab, die unterhalb Labiau ins Kurische Haff mündet. 5ie ist ein natürlicher, mehrfach korrigierter Wasserlauf. 5o rourde sie 1395 und 1415 erweitert und mit Lchleusen versehen. Diese sind jetzt schon lange überflüssig geworden. Von links mündet bei Wehlau in den Pregel die Alle, 260 km. Ihr Ursprung liegt bei dem Dorfe Lahna, wo die acht oder neun Quellen sich in einem tiefen Kessel- tale vereinigen- sie durchströmt einige Teiche und 3een, darunter den großen Lansker 5ee, und stießt nach KI oder 1^0 in vielfach gekrümmtem Lauf bei Allenstein, Eutt- stadt, Heilsberg, Vartenstein, Lchippenbeil, Friedland und Allenburg vorüber. 5ie ist schiffbar von der Mündung bis zur letztgenannten Ltadt, sonst wegen des starken Eefälles nur flößbar. Nebenflüsse rechts. ») Der Wadang aus dem gleichnamigen 5ee, in den die Abflüsse mehrerer anderer 5een münden, d) Die 5imser stießt durch ein liebliches Tal bei Heilsberg in die Alle. c) Die Euber entspringt nördlich von Rhein, stießt bei Rastenburg vorüber und mündet nach 60 km langem Lauf bei Zchippenbeil. cl) Die Omet, e) die 5wine münden bei Allenburg. ll. Gebiet des Kurischen Haffes. Die Memel (russisch Njemen) entspringt in Rußland, südlich von Minsk, stießt zuerst von 0 nach W, dann zwischen Grodno und Kowno von 3 nach ^ und von hier wieder nach XV. Vei Ichmalleningken erreicht sie preußisches Gebiet. Ober- halb Nagnit durchbricht sie in einem nach l< geöffneten Vogen die 5chreit- laugkener Höhen und teilt sich unterhalb Tilsit in die Ruh rechts und die Oilge links. Die Ruß teilt sich bei dem Flecken Ruß in Atmath rechts und 5kir- with links, von der sich rechts abermals ein in zwei Mündungen geteilter Arm abzweigt. Die Gilge, die etwa ^5 des gesamten Memelwassers führt, besitzt zwei Mündungen. Zwischen Ruß und Gilge verlaufen noch zahlreiche alte Memelarme, von denen nicht mehr alle mit den Hauptarmen in Verbindung stehen. Der Verkehr wird wie im 5pree° wald vielfach auf Kähnen oder im Winter über das Eis vermittelt. Die schlimmste Ieit für die Vewohner ift der ächacktarp, das ist der Zustand im Neginn und am Ende des Winters, wenn das Eis noch nicht oder nicht mehr genügend hält, um Personen zu tragen, und doch den Verkehr mit Vooten nicht zuläßt. Dann stockt oft wochen- lang der Verkehr. Die größeren Wasserläufe desstachenMemeldeltas sind eingedeicht, und 1896 ist der 30 km lange „Haffstaudeich" fertig geworden. Er beginnt unweit der Ruß nördlich von Akmenischken un5 verläuft 3 — 10 km vom Haffufer entfernt nach der Eilge, gegenüber der ötelle. uio der öeckenburger Kanal abgeht. Die neun Kreuzungs- stellen mit den alten Armen können beim Rückstau des Hasses geschlossen werden. 5echs große, elektrisch betriebene Lchöpfwerke helfen den künstlich abgeschlossenen Teil der Niederung entwässern, — die erste Anlage dieser Art in Deutschland. Doch ist die Vinnenentwässerung noch nicht völlig reguliert. Der Raum zwischen Ztaudeich und Hass ist nicht selten Überschwemmungen ausgesetzt und wird größtenteils von Wiesen, sumpfigen Wäldern und öden Mooren eingenommen. Hier haust noch, be- sonders im Bezirke der Oberförsterei Ibenhorst, südwestlich von Ruß, der Elch.
Flüsse, 5een und Kanäle. 17 Die Länge der Memel beträgt 880 km, davon in Preußen 110 km (Oder 940 km). Unmittelbar nach der Eiszeit waren die Zustände im Memeldelta anders als heute (s. 5 . 7). Allmählich erst haben sich die heutigen Verhältnisse gebildet. Nebenflüsse rechts. 1. Die Wilia ist der größte der in Rußland mündenden, ^ me Jura, kommt aus Rußland und mündet oberhalb Nagnit, flößbar, 3. die Minge, geht m die Atmathmündung. Links die Szeszuppe, das ist Amselfiuß, kommt aus Rußland, mündet östlich von Ragnit. Wohl ein alter Mündungsarm der Memel ist der südlich der Gilge ins Kurische Haff mündende, wasserreiche Nemonien, jetzt ein Lammelfluß der Niederung. Die Memel steht mit den russischen Flüssen des Dnjeprgebiets in Ver- bindung, so daß man zu Schiff von Tilsit ins Schwarze Meer gelangen könnte. Vis aus dem Gouvernement Orel kommt Holz auf dem Wasserwege nach Memel und Königsberg (Desna, Dnjevr, Pripet . . . Oginskischer Kanal, Memel). Durch umfangreiche Regulierungsarbeiten suchte man die Schiffahrt auf der Memel zu sichern und durch Kanalbauten den von Tilsit nach Memel oder Königsberg gehenden Schiffen und Flößen die bei Stürmen gefährliche 3ahrt über das Haff zu ersparen. Der Hauptschiffahrtsarm der Memel, die Atmath, steht zunächst durch den Tackgraben mit der Minge in Verbindung, und dann ist seit 1873 von der unteren Minge ziemlich parallel dem Haffufer bis Schmelz (südlich von Memel) der König-Wilhelms-Kanal erbaut, der besonders für die Flößerei wertvoll ist. 1613 — 16 wurde links der vielfach gekrümmten Gilge ein 17 km langer Kanal, die Neue Gilge. erbaut und die alte zugedämmt- 1688 wurde Zwischen Gilge und Nemonien der 5 km lange Kleine Friedrichsgraben angelegt und 1689-97 (durch die Gräfin Waldburg) zwischen dem Nemonien und der Deime bei Labiau der Grohe Friedrichsgraben, den 1712 der 2taat übernahm? 1833 — 36 wurde ungefähr im Laufe der Gilge (zwischen 2eckenburg und Marienbruch) der Neue Seckenburger Kanal und von hier zum Nemonien direkt gegenüber der Mündung des Großen Friedrichsgrabens der eigentliche öeckenburger Kanal gebaut. Damit wurde der Kleine 3nedrichsgraben überflüssig und deshalb abgedämmt^. Vei Memel geht ins Kurische Haff die Dange, die aus Rußland kommt, und deren breite und tiefe Mündung einen Teil des Memeler Hafens bildet. III. Die Flüsse im 8 Masurens s. bei den masurischen Seen. cstraße Königsberg-Tilsit ist also: Pregel bis Tapiau, Deime bis Labiau, quer über Nemonien zum Leckenburger Kanal, Neuer Kanal, Neue Gilge, Memel. ^sll i O, Aandezkunoe von Ost- und Westpreußen. 7. Aufl. 2
18 Flüsse, Seen und Kanäle. 5een. Ost- und Westpreußen sind sehr reich an 5een, und doch sind im Laufe der Zeit viele abgelassen, andere vertorft oder verwachsen? auch die alten Dorfteiche verschwinden mehr und mehr. Jetzt beträgt die Zahl der über 2 lia großen stehenden Gewässer in Westpreußen 1855, in Ostpreußen 1604, die Iahl der noch kleineren gegen 6000 in jeder Provinz. Über 50 lia groß sind in Westpreußen 291, in Ostpreußen 279 Zeen. In jener Provinz nehmen die 5een 2,5"/», in dieser 3,9°/» der Oberfläche ein (in den Kreisen Angerburg, Lötzen, äensburg 13-14°/«). Über die Entstehungsursachen der Seen s. 3. 6f. 1. 5een in Pommerellen. 1. Der Zarnowitzer 5ee, fast 15 qkm, bis 16m tief, an der pommerschen Grenze, 3 km von der Ostsee? 2. der 15 km lange, aber schmale Radaune-3ee, der mit mehreren anderen verbunden ist, westlich von Karthaus (über 10 qkm, bis 40 m tief)? 3. der vielverzweigte Weit-5ee ^ (über 14 qkm, bis 55 m tief, der tiefste mestpreußische 5ee)? 4. der Iietner (über 6 qkm, bis 16 m tief) und 5. der Müskendorfer 5ee (Vrahe), fast 14 km groß, über 30 m tief. 6 . Der Große Vöthin-3ee, westlich der Küddow, über 8 qkm, bis 34 m tief. ll. Nechts der Weichsel: 1. Die 5een des Culmerlandes und die ober- ländischen 5een, deren größte beim Oberländischen Kanal erwähnt sind. Der Draufen-5ee, südöstlich von Clbing, ist fast 18 qkm groß, sehr flach, nur 1,6 m über dem Meere, verwächst allmählich, reichte einst bis Pr. Holland. Der größie ist der Geserich-5ee, fast 34 qkm groß, bis 12 m tief. 2. Von den 5een des oberen Allegebietes ist der größte der Lansker 5ee, bis 57 m tief, 11 qkm, Grundmoränensee. 3. Östlich davon liegen die masurischen 5een, welche ihr Wasser teils nach KI zum Pregel, teils nach 3 in den Narem, also zum Weichselgebiet, teils nach beiden 3eiten hin entsenden. Von Wäldern und Hügeln umgeben, nicht selten von Inseln belebt, verleihen sie dem Masurenlande seine eigen- artigen 5chönheiten. Der größte ist der 5pirding-5ee, 117 m hoch, mit allen Verzweigungen 150 qkm groß, bis 25 m tief, der größte 5ee Norddeutschlands überhaupt^, ein Grundmoränensee. Im ^V des 5pirding und mit diesem verbunden zieht sich ein 40 km langer, schmaler, bei Nikolaiken sogar überbrückter Rinnensee von 3 nach 51 hin? der nördliche Teil heißt Rheinisches oder Talter Gewässer (nach der 5tadt Rhein oder dem Dorfe Talten), der südliche Veldahn-5ee (bis 51 m tief). Aus dem Talter 5ee führen mehrere kurze, schleusenlose Kanäle durch kleinere 5een in den 25 qkm großen, 12 km langen, 4 km breiten und bis 37 m tiefen Löwentin-5ee (an ihm Lötzen) und aus diesem der kurze Lötzener i 5. Vilderanhang 5. 72. — ^ Ohne Rheinischen, Veldahn- und andere Nebenseen 120 qkm, auch so einer der größten Norddeutschlands. (Die Müritz in Mecklenburg 133 qkm, Vierwaldstätter 5ee 113 qkm.) Der tiefste 5ee der vommersch-preußischen öeenplatte ist der Dratzig-5ee in Pommern mit 83 m.
Klima. 19 Kanal in den 100 qkm großen, über 38 m tiefen Mauer- oder Anger- burger 5ee (beides Grundmoränenseen), den die zum Pregel strömende Ängerapp verläßt. Besonders für den Transport des Holzreichtums von Masuren sind diese Wasserstraßen von großer Wichtigkeit. Da die Angerapp nicht mehr flößbar ist. oder doch zum Flößen nicht mehr be- nutzt wird. so wird das Holz jetzt von Lötzen ab mit der Vahn verschickt. In nächster oeit wird der „masurische Zchiffahrtskanal" gebaut werden, welcher von der Nord- westecke des Mauer-5ees zur unteren Alle nach Allenburg führen soll. Nach seiner Fallendung wird Ostpreußen einen Wasserweg von Königsberg bis zum äußersten 30 yaben. Der tiefste See Ostpreußens ist die Tiefe Kutte, östlich vom Mauersee, mit 63 m. 2>n den Veldahn-3ee (also eigentlich 5pirding) mündet von W her das "Wasser zahlreicher 5een, von O kommt in den 3pirding der Abfluß des Arys-3ees. Aus dem 5pirding führt nach 3 der Iohannisburger Kanal in den Nosch-5ee, aus welchem bei Johannisburg vorüber nach 3 der flößbare Pissek zum Narew strömt. So stehen Pregel- und Weichsel- gebiet hier in einer leicht herzustellenden, fast natürlichen Verbindung. Aus Rücksicht auf die Wasserführung des masurischen Kanals wird sie aber am Nosch-5ee abgeschlossen werden. Von anderen Flüssen, die zum Narew gehen, also zum Weichselgebiet gehören, merken wir hier 1. den Lyck-Fluß. der westlich von Marggrabowa aus einer Gruppe schöner 5een in der Nothebuder Forst entspringt und mehrere 3een bildet, darunter den 57 m tiefen Lycker 3ee bei LyäV. 2 . den Omuleff. an ihm Willenberg, 3. die Neide, an ihr Neidenburg und 3oldau, wo sie den Namen 5oldau-Fluß annimmt. §7. Klima. Unsere Provinzen gehören, abgesehen von den Gebirgslandschaften, zu den kälteren Gegenden Deutschlands. Je weiter man in Norddeutschland nach () geht. um so mehr nimmt der mildernde Einfluß des Meeres ab. und die Einwirkung des großen Osteuropäischen Tieflandes tritt hervor, in welchem die 5ommer viel heißer, die Winter viel kälter sind, als in den Gegenden des westlichen Europa unter derselben geographischen Vreite. Die Temperaturen folgender, zwischen 53" und 54" liegenden Orte werden das klarmachen'. Ort lkmden Stettin Konitz Klaußen bei Lyck Veogr. Länge 7° 12' 14° 34' 17° 34' 22° 7' Ecogr. Vreite 53« 22' 53° 25' 53" 43' 53"48' Jahr 8.4 8,4 6,7 6,1 Januar -^0.4 -52 — 5.1 Juli ^-16.9 ^18,3 4-17 .3 3n unseren Provinzen schwankt die mittlere Jahrestemperatur zwischen 6" und 7°, die des Januar zwischen - 2° und - 5", die des Juli zwischen 1?" und 18°. Besonders im Winter ist auch von Einfluß die Höhenlage. Auf den Höhen des nördlichen Pommerellen und des südöstlichen Ostpreußen ' 5. Vilderanhang 5. 69 . — 2 Alle Angaben sind in Graden des hundertteiligen Thermometers gemacht. 2*
20 Klima. - Die Pflanzen- und Tierwelt. 8 7.8. gibt es oft noch Schlittenbahn, während in den tieferen Landschaften der Schnee längst geschmolzen ist. Der Übergang vom Winter zum Sommer erfolgt meistens sehr schnell, so daß der Frühling nur kurz ist. Dafür ist der Herbst lang und schön. Genauere Angaben für Orte im 1^, in der Mitte und im 3 unserer Provinz enthält die folgende Tabelle: Ort Memel Tilsit Königsberg Klaußen b. Lnck Jahr >6.6 6.4 6.8 6,3 Januar —3.2 —4,3 — 3.2 -5,1 Juli - I-17.2 17,7 17.4 17.7 Ort Danzig Konitz Thorn Jahr ^7,6 6.6 7,8 Januar — 1.5 —3.2 -2,5 Juli ^17.9 17,3 18,1 Die Windrichtung ist vorherrschend westlich oder südlich. Die Nieder- schläge kommen uns naturgemäß durch westliche Winde und sind derart auf das Jahr verteilt, daß keine Jahreszeit trocken genannt werden kann; am reichlichsten sind sie im Hochsommer; ihre Höhe beträgt im Jahr etwa 60 cm: Ruß 75 cm, Tilsit 69, Königsberg 63, Klaußen 53. Konitz 54. Thorn 51. Die an sich gar nicht so bedeutenden Erhebungen erhalten, ähnlich wie die Gebirge, auffallend mehr Regen als die tiefer gelegenen Gegenden^. In Westpreußen beträgt im Culmerland und im Kr. Strasburg die Regen- höhe 45 cm, auf dem pommerellischen Landrücken 55 — 60, auf den Höhen nordwestlich von Karthaus und nördlich von Elbing über 70 cm. In Ostpreußen ist die Mitte, die Landschaft um Vartenstein, Rastenburg, Gerdauen, am trockensten, 53-55 cm; der größte Teil der Provinz südlich von Pregel und Inster hat 55-60 cm Regen; noch reichlicher fallen die Niederschläge in der Nähe des Meeres (aber nicht auf den Nehrungen). 60 — 65 cm; am meisten erhalten die höheren Gegenden: der 5tablack, die Höhen des 5amlandes. die 5eesker Höhe und die Landschaften im Delta und nördlich der Memel, 65- 70cm und mehr. In Danzig/ und Königsberg erfolgt das Aufblühen der Pflanzen durch- schnittlich 20 — 25 Tage, im hochgelegenen 5chönberg am Turmberg und bei Klaußen 25-30 Tage später als in der Oberrheinischen Tiefebene, der wärmsten Gegend Deutschlands, 15-18 bzw. 20 -22 Tage später als in Berlin. Der längste Tag dauert in Memel 17 5t. 21 Min., in Königsberg 17 St. 14 Min., in Danzig 17 5t. 9 Min., in Thorn 16 St. 52 Min. § 8. Die Pflanzen- und Tierwelt. Als das Eis unsere Gegenden verlassen hatte, trug die Tier- und Pflanzen- welt zunächst einen nordischen Charakter. Man findet noch Reste von Renntier und Mammut. Einige Pflanzen, die jetzt nach Skandinavien zurückgewandert sind, haben sich auf kaltgründigem Voden, vor allem auf Mooren, noch ge- halten, z. V. die Moltebeere im Iehlau-Vruch und am Kurischen Hass, ferner die nordische Iwergbirke als kleiner Bestand auf dem Moor von Neulinum (Kr. Culm); allmählich wanderten aber Tiere und Pflanzen eines gemäßigten l 5. die interessanten Regenkarten der Provinzen von Hellmann.
68- Die Pflanzen- und Tierwelt. 21 Klimas ein. Immerhin ist die Tier- und Pflanzenwelt unserer Provinzen dadurch merkwürdig, daß eine Reihe von Organismen, die im wärmeren Europa heimisch sind, hier ihre nordöstliche, und mehrere nordische Formen ihre südwestliche Verbreitungsgrenze erreichen. 5o dringt die echte Nachtigall von ^ nur bis zur Weichsel vor, östlich davon findet sich ausschließlich der 2prosser, bei uns auch Nachtigall genannt- in den südlichsten 5een des Haupt- moränenzuges gibt es noch die Sumpfschildkröte. Die Pflanzen sind, abgesehen von der Feuchtigkeit, besonders von der "uft- und Vodenwärme abhängig, und wieder mehr von der höchsten und niedrigsten, als von der mittleren Temperatur. In Königsberg sind zuweilen 35 ° (^ Kälte beobachtet. Das genügt, um alle zarteren Gewächse zu ver- nichten. Recht schädlich sind auch die häusigen Kälterückfälle vom 11. bis ^3. Mai (die gestrengen Herren). c- Vergebens versuchte man auf Friedrichs d. Er. Vefehl, Maulbeerbäume zur Äeldenraupenzucht anzupflanzen: als 1796 wieder gegen 70000 Väumchen durch Mai- sroste vernichtet wurden, gab man es auf. In der Ordenszeit wurde viel Wein gebaut und gekeltert, in Thorn noch 16841 jetzt erzieht man an Spalieren auch noch luhe Trauben, aber der Wein, den man daraus gewinnen würde, märe nicht recht trinkbar. Aus dieser Tatsache eine Verschlechterung des Klimas zu folgern, ist kaum angängig, da in anderen Ländern unter unserer geographischen Nreite nirgend Wein- . uau herrscht. Bezeichnend ist auch die Vuchengrenze, welche vom südlichen 5kan- oinavien zwischen Königsberg und Heiligenbeil nach 80 mitten durch Ostpreußen zum schwarzen Meere verläuft. Vei Elbing und Euttstadt bildet die Vuche noch herrliche Wälder, nördlich der Grenzlinie kommt sie nur vereinzelt vor. Das nördlichste ^uchenwäldchen ist der Pilzenwald bei Neuhäuser; auch noch nördlicher finden >lch in den Wäldern des Samlandes, z. V. westlich von Nledau, selbst bei Tilsit und m der Rominter Heide, stattliche Rotbuchen, aber nur vereinzelt oder in kleinen Gruppen. Moore. Weit ausgedehnt sind, besonders in Ostpreußen, die Moore. Moore und Torf bilden sich überall, wo reichlich Feuchtigkeit vorhanden ist, also in stehenden oder sehr schwach fließenden Gewässern, oder da, wo der Voden bei undurchlässigem Untergrund von viel Wasser durchsetzt ist. Je nachdem das Wasser reich oder arm ist an mineralischen Nährstoffen, vor allem an Kalk, entwickeln sich Pflanzen verschiedener Art, und erfolgt die Torfbildung w anderer Weise; so entstehen entweder Flachmoore oder Hochmoore. Die stehenden Gewässer enthalten meistens an Nährstoffen reiches Grundwasser,- ^ der stachen Uferzone entwickeln sich höhere Wasserpflanzen, Rohrgräser, Vinsen u. dgl. Ihre abgestorbenen Reste sinken zu Voden und vertorfen, d- h . sie verwesen nicht, da die Luft abgeschlossen ist, sondern sie verfallen einer langsamen Zersetzung, bei der der Kohlenstoff des Pflanzenkörpers immer vollständiger zurückbleibt. Durch diese Torfbildung wird das Wasser- becken vom Rande aus immer mehr verkleinert, so daß allmählich nur noch in der Mitte eine kleine Wasserfläche übrigbleibt, bis auch diese verschwindet und das Gewässer in ein „Flachmoor" umgewandelt ist. Dieses kann bereits eine ziemlich feste Decke besitzen, während sich darunter noch schlammige Massen befinden. Eine Menge von kleinen 5een und Teichen ist auf diese Weise verschwunden oder ver- wächst mehr und mehr. Vei der fortschreitenden Verlandung finden sich Erlen,
22 Die Pflanzen- und Tierwelt. §8. Pulverholz, Weiden, Brennesseln, Hopfen als charakteristische Pflanzen ein, und wenn sich ein solches Erlenbruch noch mehr erhöht, so können auch andere Waldbäume: Kiefern, Fichten, Moorbirken usw. auf ihm gedeihen. Aus dem Flachmoor ist ein „Übergangs- oder Iwischenmoor" geworden. Wenn sich dann der Torf mehr und mehr erhöht und verdichtet, und das zur Ernährung der Bäume nötige Grundwasser nicht mehr bis zu ihren Wurzeln emporsteigen kann, so beginnen sie zu kränkeln; denn das aus der Atmosphäre stammende Wasser, welches die oberflächlichen Zchichten trankt, enthält keine Nährstoffe, vor allem keinen Kalk. Es siedeln sich auf den Lichtungen die anspruchsloseren Moose, besonders 3phagnum-Arten an. Diese nehmen außerordentlich viel Wasser auf, nicht nur aus dem Boden, sondern auch aus der Luft. Ihre Massen gleichen riesigen, voll Wasser gesogenen Zchwämmen, überwuchern steine und die unteren Teile der Bäume und bringen den Bruchwald zum Absterben. Aus dem Übergangsmoor ist ein „Hochmoor" geworden. Der Name deutet an, daß sich ein solches Hochmoor in der Mitte uhrglasartig über seine Umgebung emporwölbt. Aber nicht bloß aus Flach- und Übergangs- oder Iwischenmooren entwickeln sich Hochmoore; Torf- moose siedeln sich auch überall da an, wo sich das kalkarme, atmosphärische Wasser auf undurchlässigem Boden nicht einziehen kann- sie wachsen nach oben weiter fort, wenn ihre unteren Teile längst abgestorben sind, wuchern nicht nur nach oben, sondern auch in die Breite, und überziehen 3teine, Bäume, Ackerland, bis ihrer Ausdehnung durch die Kultur Halt geboten wird; so kann ein solches Hochmoor nur klein bleiben, aber auch viele Quadrat- kilometer groß werden. Manche Hochmoore, z.B. das 23 qkm große Iehlau- Bruch, südwestlich von Tapiau, ist mit einem 6 —10 m hohen Wasserberg vergleichbar, dessen Wasser von Moosen locker durchsetzt ist und dadurch Zusammengehalten wird. Die Pflanzenwelt der Hochmoore ist sehr eigenartig. Von Bäumen gibt es eigentlich nur Krüppelkiefern, die sich aus vom Winde herangewehten Zamen entwickeln. Die Flachmoore liefern Brenntorf, der lockere Moostorf der Hochmoore wird zu Torfstreu, Torfmull u. dgl. verarbeitet. Durch Zusammenpressen Briketts aus ihm herzustellen, ist noch nicht gelungen. Man versucht auch, durch Entwässerung die Hochmoore urbar zu machen. Ostpreußen hat in seinem nördlichen Teile, besonders im Memeldelta, sehr ausgedehnte Hochmoore, das größte ist das Große Moosbruch östlich von Labiau, 120 qkm. In Westpreußen gibt es nur ein einziges größeres Hoch- moor, das mit den ostpreußischen verglichen werden könnte, das Bilawa« Bruch im Kr. Putzig. (Mehr Einzelheiten siehe bei Litauen.) Wälder. Unsere Provinzen machen keinen waldarmen Eindruck, doch erreicht die mit Wald bedeckte Fläche nicht den Durchschnitt Preußens (24°/») oder des Deutschen Reichs (26°/«); Ostpreußen hat 18°/«, Westpreußen 21°/« Wälder. Die Tuchler Heide, 100 km lang, stellenweise 40 km breit, in Westpreußen, und die Iohannisburger Heide in Ostpreußen mit 964 qkm sind die größten zusammenhangenden Waldgebiete der Monarchie, lichte, einsame Wälder, in denen die Kiefer (?inu8 8i!ve8tsi8), hier Fichte genannt, weit überwiegt.
Die Pflanzen- und Tierwelt. 23 kerzengerade steigen die 5tämme empor und tragen nur ganz oben eine kleine Krone, so daß der Vlick tief in den Wald eindringt. Wo der Voden feuchter ist, in der Nähe der 3een und an den Flüssen, tritt auch Laubwald auf. Die großen Wälder im 3 und 0 Oftpreußens sind die Überreste der sogenannten Wildnis, eines breiten Waldstreifens, den der Deutsche Orden absichtlich ver- wachsen und verwildern ließ, um eine undurchdringliche Grenze gegen Polen und Litauen zu bilden. Auch heute noch müssen diese meilenweiten Wälder vorrückenden Heeren Zchwierigkeiten bereiten. Die Venutzung des Vodens ergibt sich aus folgenden abgerundeten Zahlen: Ostpreußen Westpreußen Gärten und Äcker Preußischer Staat 350 000 37 000 20 000 54°/« 25 500 14 000 55°/« 177 000 50°/« Wiesen 4200 12°/, 1600 7°/« 33 000 9°/« Weiden 3500 10°/» 2700 11°/° Wald qkm 6500 18°/« 5600 21°/o 3? 000 83 000 11°/« ! 24°/« Wege und Gewässer 2200 6°/« 1300 6°/« 16 000 6°/» Für die Zugvögel führt eine wichtige Zugstraße über die Kurische Nehrung hm. Mf dieser finden sich im Frühling und Herbst ausruhend und rastend "ie seltensten Vögel als vorübergehende Gäste ein, deren eigentliche Heimat weit im ll oder KIO Zu suchen ist. Zum Studium dieses Durchzuges ist die Vogelwarte in Rossitten begründet. Einzelne Tiere, welche jetzt im allgemeinen in Deutschland verschwunden sind, hielten sich bei uns besonders lange oder kommen noch vor. Der letzte Vär ist 1804 in der Puppenschen Forst erlegt, der letzte Auerochs (wohl nchtiger Wisent) 1789 bei Labiau- 1901 wurde in der Oberförsterei Schorellen südöstlich von Ragnit noch ein Luchs geschossen, 1885/86 in Westpreußen noch fünf Wildkatzen? der Siber, der früher häufig war, scheint auch an der Weichsel verschwunden zu sein. Der im westlichen Europa ausgestorbene Elch kommt jetzt, sorgfältig gehegt, in der Abenhorster Forst im Memeldelta, südwestlich von Ruß, in einer Stärke von etwa 300 Stück noch vor und verirrt sich auch nach der Kurischen Nehrung, der Kauornischen Heide, dem Iehlau-Vruch. Einzelne Wölfe finden sich fast jeden Winter in den Erenz- landschaften als Überläufer aus Rußland ein. Unsere Flüsse und 5een waren ehemals viel fischreicher als heute- die Gesetzgebung und der Fischereiverein tun sehr viel zur Hebung der Fischzucht. Verühmt sind die Neunaugen der zum Kurischen Haff gehenden Gewässer und die Maränen der masurischen Seen. In diesen gibt es auch sehr viel Krebse, die weithin ausgeführt werden. Der Lachsfang in den Memelaimen hat aufgehört. Wichtig ist die Haff- und Seefischerei. Unter den Insekten besitzen unsere Provinzen, besonders in sonnigen oder einsamen Gegenden Ostpreußens, viele Seltenheiten. Für den Menschen am wichtigsten sind die Haustiere und Kulturpflanzen.
Nutzbare Mineralien. 8,9. Es gab am 1. Dezember 1909 in den Regierungsbezirken: Königsberg auf 100 Menschen kamen Gumbinnen auf 100 Menschen . . . Allenstem auf 100 Menschen . . . Danzig auf 100 Menschen. . . Marienroerder auf 100 Menschen. . . Pferde 197 992 22 160 589 26 112 891 21 91882 12 164 215 17 Rinder 505 436 55 371 644 61 288 849 53 234 856 32 468 420 50 Schafe Im preußischen 5taat auf 100 Menschen . 3 077 946 11763 161 30 198 457 22 96 587 16 116 000 21 79 048 11 372 429 40 Schweine 4 975 632 12 442 970 48 394 826 65 245 913 45 261 269 35 596 370 62 14 162 367 35 Diese Zahlen ergeben, daß die Viehzucht in unseren Provinzen einen größeren Umfang hat als sonst durchschnittlich im preußischen Staate. Und das ist natürlich? denn die Witterungs- und meistens auch die Bodenverhält- nisse sind derart, daß hier die Viehzucht lohnender ist als der Feldbau. Die Ernteerträge sind in Ostpreußen niedriger als in den anderen Provinzen Preußens außer Posen. Dafür gibt es in den Niederungen und in Litauen treffliche Niesen. 2o hat sich die Milchwirtschaft (Vutter- und Käsebereitung) in den letzten Jahren immer mehr entwickelt, und die Pferdezucht Ostpreußens, insbesondere Litauens, erfreut sich seit langer Ieit eines großen Rufes. 5chon die Ordensritter taten viel für die Veredelung des hiesigen Pferde- schlages,- in ausgedehntestem Maße aber wurde dafür durch die Regierung seit Friedrich Wilhelm I. gesorgt, welcher 1732 das weltberühmte Gestüt zu Trakehnen gründete. Ostpreußen besitzt von allen Provinzen die meisten Pferde und liefert den größten Teil der Remonten für das deutsche Heer. Die Iahl der Rinder und Zchweine hat bei uns verhältnismäßig schneller zugenommen als durchschnittlich im Ztaate, das ist für die Fleischversorgung der Bevölkerung wichtig, während sich die Iahl der Zchafe in den letzten Jahren außerordentlich verminderte, seit 1892 in Ostpreußen um etwa 520000, in Westpreußen um 500000 5tück,- denn die Wollschafzucht lohnt bei der Einfuhr australischer und argentinischer Wolle längst nicht mehr. Doch ist sie im Reg. -Bez. Marienwerder noch immer verhältnismäßig größer als in jedem anderen. Von der Gesamtackerfläche entfallen auf die einzelnen Getreidearten in: Ostvreunen Westpreußen Weizen 5°/» 5°/° Roggen 20«/, 25«/« Gerste 4>/2°/« 4'/2°/« Hafer 14'/, 10°/« Kartoffeln 7'/ °^ 12 °/«° § 9. An nutzbaren Mineralien besitzen unsere Provinzen außer dem Bernstein nur Lehm, Ton, Mergel, Grand, Block- und Pflastersteine, Wiesenkalk und Torf. Hier und da tritt wohl Braunkohle auf, wurde aber nur in Westpreußen vorübergehend ab- gebaut, z. B. am ötrande zwischen Rixhöft und Chlapau, bei Tuchel (die Olga-Erube lieferte 1893 für noch nicht 5000 Mark Kohlen), an der Küddow bei Tarnowke.
8 9,10. Geschichtliches. Abkunft, Bekenntnis, Verufstätigkeit der Bewohner. 25 Der Vernftem ist bekanntlich das fossile Harz einer jetzt ausgestorbenen Nadelholz- art, der Nernsteinsichte. Da er oft kleine Äste, Nadeln, Holzstückchen, die verschieden- artigsten Insekten usw. einschließt, können wir uns eine recht sichere Vorstellung von dem Aussehen des Nernsteinwaldes und seiner niederen Tierwelt machen. Vereinzelt findet sich Bernstein in vielen Ländern der Erde (im übrigen Norddeutschland, in Ruhland, ln Lizilien, Madagaskar, Nordamerika), massenhaft aber, allerdings ungleich verteilt, in unseren Provinzen, und hier wieder am reichlichsten an der Nordwestküste des Zamlandes. ^eine ursprüngliche Lagerstätte ist die sogenannte blaue Erde, eine rauchgraue, ins Nläu- Ä^ oder Gelbliche spielende, staub- oder sandartige ächicht, die man an der samländischen Küste vielfach durch Graben erreicht hat. 5ie muß weiterhin im tieferen Meere auf dem Grunde zutage treten. Heftige ätürme wühlen das Meer bis zum Grunde auf, die Vernsteinstücke werden losgespült und, wenn die Winde aus W oder I^VV wehen, ln Tang- oder öeegrasmassen besonders ans samländische Ufer getrieben. Man zieht die schwimmenden Tanghaufen ans Land und sucht den Bernstein heraus^. Oder man wartet stilles Wetter ab, fährt aufs Meer hinaus und holt vom Boote aus mit Haken und Käschern das wertvolle Mineral empor. Viel lohnender ist die Gewinnung durch graben auf dem Lande. 5chon 1782 wurde bei Er.- Hubnicken ein Bergwerk ange- legt und lieferte reichen Ertrag, bis es nach einigen Jahren ausgebeutet war und verfiel. Darauf begnügte man sich lange Ieit damit, durch Ztollen, die vom hohen "fer aus landeinwärts getrieben wurden, oder durch tiefe Gruben Bernstein zu ge- wmnen, bis in neuerer Ieit die Firma Ltantien K Becker bei Palmnicken ein großes ^ergwerk anlegte, dessen Ertrag im wesentlichen den Bedarf der ganzen Welt an fernstem deckt. Dieselbe Firma gewann auch seit 1862 große Mengen Bernstein durch Baggern im Kurischen Haff bei 5chwarzort- aber seit 1890 ist die Baggeret eingestellt. 1898 wurden die Nernsteinwerke von Palmnicken^ vom 5taate für rund U) Millionen Mark angekauft. Die Iahresausbeute hat einen Wert von etwa 2 Millionen Mark. Jetzt wird das Bergwerk in einen Tagebau umgewandelt, d. h. man will die oberflächlichen Erdmassen bis auf die Schicht der blauen Erde wegräumen und dann aus dieser den Bernstein heraussuchen. Nicht mehr auf seiner ursprünglichen Lager- stätte, sondern aus der blauen Erde durch Wasser zusammengespült, findet sich der fernstem an verschiedenen ätellen, meist in Nestern, z. B. bei Danzig, wo 1875 das gammeln und Graben am ätrande für 150000 Mark lieferte, im 8 Ostpreußens und sonst gelegentlich im Binnenlande, hierhin durch das diluviale Eis verschleppt^. Das größte 5tück wurde 1803 im Kreise Gumbinnen auf einer Wicse unter anderen steinen gefunden: es hat die Gestalt eines Brotes, ist 37 cm lang, 21 cm breit, 14 cm dick, wog fast 7 Kilogramm und wurde auf 120000 Mark an Wert geschätzt. Es befindet l'ch im Berliner Naturalienkabinett^. 8 IN. Geschichtliches. Abkunft. Bekenntnis. Verufstätigkeit der Bewohner. Die frühere Annahme, daß schon die Phönizier bis in die Ostsee gekommen seien und von unseren Küsten Bernstein geholt hätten, ist nicht richtig. Das Bernstein- land der Alten war wohl bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Ehr. das Küsten- gebiet der Nordsee. Erst als unter Kaiser Nero (54-68) ein römischer Ritter in das heutige Preußen gekommen war, erhielten die Mittelmeervölker von unseren Ländern genauere Kunde. Damals wohnten im unteren Weichsellande germanische 5tämme, oie Eyjen, nordöstlich davon die miteinander stammverwandten Völker der alten Preußen, Stauer, Kuren und Letten. Tacitus nennt sie Ästyer; jetzt faßt man sie unter dem "amen „Lettische oder Baltische Völker" zusammen. Zahlreiche Funde römischer Kaiser- münzen weisen auf einen ziemlich lebhaften Verkehr mit den Völkern des 3üdens hin. Die Goten zogen am Ende des 2. Jahrhunderts nach 3, an ihre 5telle rückten links oer Weichsel slawische Völker, während rechts der unteren Weichsel die alten Preußen, Litauer und Letten ungestört in ihren 5itzen blieben, die sie wahrscheinlich so lange be- wohnten, als es überhaupt hier Menschen gegeben hat, d. h. seit dem Ende der Eiszeit, fast unbeeinflußt durch andere Völker. 5ie werden noch bis ins 9. Jahrhundert als Ästyer bezeichnet, nur bei nordischen Chronisten erscheint der Name 5embi, d. i . 5amen (Zamland). ' 5. Bilderanhang S. 62. - ^ 5. Bilderanhang 5. 63 . - « Gesamtwert des in "st- und Westpreußen gefundenen Bernsteins jährlich etwa 2,5 Millionen Mark.
26 Geschichtliches. Abkunft, Bekenntnis, Verufstätigkeit der Bewohner. § 10. Der Name, aus dem das heutige „Preußen" entstanden ist, kommt seit dem Ende des 10. Jahrhunderts vor und lautet für das Volk: Pruzzi oder Prutheni, für das Land: Prucia, Pruscia oder Prussia. Der seit der Königskrönung 1701 amtlich gewordene Name Borussi ist zuerst im Anfang des 16. Jahrhunderts von einem Gelehrten ge- braucht, dem die „Borusker" des Ptolemäus vorschwebten. Wahrscheinlich ist Prutheni die einheimische, Pruzzi die polonisierte Form und mit dem litauischen protas, d. h . Verstand, in Verbindung zu bringen, so daß sich die alten Preußen anderen Völkern gegenüber als die „Wissenden", die „Verständigen" bezeichneten. 5ie gehören ihrer Zprache nach dem lettischen oder baltischen Zweige des indo- germanischen Sprachstammes an, sind also weder Germanen noch 5lawen, sondern nahe Verwandte der Litauer und Kuren. Die altpreußische Lprache ist zwar seit mehr als 200 Jahren ausgestorben, aber wir haben Wörterverzeichnisse und zwei Übersetzungen des Lutherschen Katechismus aus den Jahren 1545 und 1561, deren Verfasser das Alt- preußische allerdings auch nicht mehr recht gekannt zu haben scheint. AIs nach dem Aufblühen des Kalifenreiches von Bagdad arabische Handels- karawanen nach allen Richtungen auszogen, und für den Handel mit Nordeuropa Kiew der Hauptstapelplatz wurde, müssen auch die alten Preußen an demselben teilgenommen haben. Dafür sprechen die zahlreich gefundenen arabischen (kufischen) Lilbermünzen aus der Ieit von 750-1012. Jüngere arabische Münzen sind an der Ostsee nicht gefunden. Als die alten Preußen mit den westlichen Völkern in nähere Berührung kamen, zerfiel das Land östlich der Weichsel in folgende Gaue: 1. Culmer- land, zwischen Weichsel, Ossa, Drewenz, daneben die Landschaften Lübau und 5assen. 2 . Pomesanien, nördlich davon, zwischen der Weichsel und den ober- ländischen 3een. 3 . Pogesanien, um Elbing, Liebstadt bis über die Passarge. 4. Ermland, am Frischen Haff und die Passarge aufwärts. 5. Natangen, nördlich davon bis zum Pregel. 6 . 5amland, die Insel zwischen Ostsee, Deime, Pregel und den Hassen. 7 . Varten, um die mittlere und obere Alle bis gegen den Mauer-5ee im 0. 8 . ächalauen, zu beiden Zeiten der Memel. 9. Nadrauen, östlich von 2amland zu beiden Zeiten des oberen Pregel. 10. Galindien, südlich und südöstlich von Barten, die südöstlichste Land- schaft. 11. Östlich der Angerapv und der großen masurischen 5een bis weit nach dem heutigen Nußland hinein 3udauen. Einige dieser Namen sind noch gebräuchlich, doch in anderem Umfang als früher. Das heutige Ermland reicht weit nach 30 bis Heilsberg und Allenstein. Der Nordosten Ostpreußens von Memel bis über Darkehmen nach 3 heißt jetzt Litauen; südlich davon, aber im 3XV bis etwa an die Grenze Westpreußens sich er- streckend, liegt Masuren. Der Goldap-Fluß trennt ungefähr die beiden Landschaften. (5.36.) Von den alten Gauen waren keineswegs alle von Preußen bewohnt. Die Bevölkerung des Culmerlandes war polnisch, die von Nadrauen und Zchalauen litauisch, das Gebiet von Memel gehörte bis ins 14. Jahrhundert Zu Kurland, und die Ludauer, auch Jazwinger genannt, nahmen unter den lettischen Völkern eine besondere, noch nicht näher bestimmte Ztellung ein. Die ersten vergeblichen Bekehrungsversuche bei den heidnischen Preußen machten Adalbert von Prag, erschlagen 997 bei Tenkitten (?), und Bruno von Merseburg, s 1008. Mehr Erfolg hatte 200 Jahre später der Mönch Christian (meist fälschlich Chr. von Oliva genannt), welcher 1215 Bischof des Culmerlandes wurde. Es folgten lange Kriege mit Polen, in denen diese hart bedrängt wurden, so daß 1228 Herzog Konrad von Masovien' ' 5üdlich von Thorn und der Drewenz, nicht das heutige Masuren.
H W. Geschichtliches. Abkunft, Bekenntnis, Nerufstätigkeit der Bewohner. 27 den Deutschen Ritterorden zu Hilfe rief. Dieser kam, nachdem ihm das zu unterwerfende Land von Papst und Kaiser als Eigentum Zugesichert worden war. Mt Hilfe zahlloser Kreuzfahrerscharen, die aus allen Teilen Deutschlands herbeiströmten, eroberte er in 53 jährigem Kampfe, 1230-83, das Preußen- land und sicherte das Eroberte durch Anlegung zahlreicher Burgen an trefflich ausgesuchten Orten und durch Ansiedlung vieler Deutschen. Die Preußen mußten natürlich das Christentum annehmen. Von den Kreuzfahrern blieb ein Teil im Lande zurück, andere Einwanderer kamen aus Deutschland, be- sonders dem nordwestlichen, in großer Iahl herbei und ließen sich entweder als Landbauer oder in den im Zchutze der Burgen entstehenden 5tädten als Vürger nieder. 3o wurden in derselben Zeit, in welcher sich die Germani- sierung Brandenburgs und Schlesiens vollzog, durch deutsches Blut und deutsche Arbeit auch im äußersten diO Deutschlands germanisches Wesen und deutsche Kultur zur Herrschaft gebracht. 1309 verlegte der Hochmeister 2iegfried von Feuchtwangen seinen 2itz nach der Marienburg. Er und seine Nachfolger setzten den Ordens- vorschriften entsprechend den Glaubenskampf gegen die noch heidnischen Litauer fort- unaufhörlich zogen neue Kreuzfahrerheere herbei und halfen dem Orden seine Kriege führen und die deutsche Bevölkerung Preußens vermehren. 1310 kam Pommerellen, das Land links der Nogat und Weichsel, mit Danzig nach dem Aussterben seines Herzogshauses nicht ohne Widerstand der Polen an den Orden. Leine höchste Blüte erreichte der Orden unter Winrich von Kniprode, 1352-81, und seinen nächsten Nachfolgern, aber schon 1386 traten Zwei Ereignisse ein, welche seinen Untergang herbeiführten. Der Großfürst Iagello von Litauen trat mit seinem Volke zum Christentum über und ver- einigte durch seine Vermählung mit Hedwig, der Erbin Polens, Litauen und Polen. 2o waren die beiden heftigsten Feinde des Ordens verbunden — die Litauer erbittert durch die langen Kriege, die Polen durch die Besitznahme Preußens und Pommerellens durch den Orden - und, was das Empfindlichste war, nach dem Übertritt der Litauer zum Christentum blieben die Kreuzfahrer- Heere aus,- für zukünftige Kriege mußte der Orden Zöldner werben, und das kostete viel Geld, oder seine Untertanen aufbieten, und dadurch schädigte er den Wohlstand des Landes. Doch ließ der Krieg noch auf sich warten? das Gebiet des Ordens wuchs noch und erreichte 1402 durch den Kauf der Neumark seine größte Ausdehnung. Es umfaßte mit Livland 150 000 qkm init I Million Einwohner? der Hochmeister war fast so mächtig wie die Herrscher der kleineren Königreiche Europas. Aber im Innern regten sich bereits Zersetzende Kräfte. Die Zucht im en verfiel, die Untertanen mochten sich der Ordensherrschaft nicht mehr fügen. Als nun endlich 1410 der lang erwartete Krieg mit Iagello aus- brach, erfolgte am 15. Juli die furchtbare Niederlage von Tannenberg, von der sich der Orden nie mehr erholt hat. Die meisten Burgen fielen in die Hände der Polen, und der Orden mußte 1411 den 1. Thorner Frieden schließen. Er gab Zwar nur das Land 5zamaiten an der Grenze zwischen Tilsit und Memel auf? aber die Kriegsvorräte waren von den Polen fortgeführt, die 5ö'Idner drangen auf Bezahlung, die gefangenen Ritter sollten mit
28 Geschichtliches. Abkunft, Bekenntnis, Nerufstittigkeit der Bewohner. § 10.
8 10. Geschichtliches. Abkunft, Bekenntnis, Verufstätigkeit der Bewohner. 29 schwerem Gelde ausgelöst werden, die Kassen waren leer. Da mußten die Untertanen schwer belastet werden. Unzufriedenheit herrschte in den Reihen der Ordensbrüder und im Lande? die Zucht des Ordens löste sich mehr und mehr. Die 3tädte bildeten den preußischen Bund, der schließlich die Polen ins Land rief. Damit brach der greuelvolle 13jährige Krieg aus, 1454-66, der mit dem 2. Thorner Frieden endete. Der Orden verlor Westpreußen und das Crmland an Polen und behielt nur Ost- preußen, und auch dieses nur als polnisches Lehen. Die Residenz der Hochmeister wurde seit 1457 Königsberg. Auch nach dem Frieden gelangte das schwer heimgesuchte Land nicht zur Ruhe, weil der Orden sich seiner Lehnspflicht beharrlich zu entziehen suchte. Da wurde 1511 der junge Markgraf Albrecht aus dem Hohenzollernhause zum Hoch- meister gewählt. Auch er verweigerte anfangs dem Polenkönige den Lehnseid, sah aber allmählich das Vergebliche seines Widerstandes ein und erkannte, daß der Orden längst keine zeitgemäße Einrichtung mehr sei. Er trat 1525 aus dem Orden aus und erhielt Ostpreußen als Herzogtum von Polen zu Lehen. Seinem Beispiel folgten die meisten Ordensbrüder^. Gleichzeitig wurde ln Ostpreußen die Reformation eingeführt. Das Land fing an, sich langsam zu erholen. In den verödeten 3 Ostpreußens wanderten damals Zahlreiche Polen ein, die sich zur protestantischen Lehre bekannten. Mit Albrecht Friedrich, dem 5ohne Albrechts, erlosch die herzogliche Linie, und Ostpreußen fiel 1618 an die brandenburgischen Hohenzollern. AIs polnisches Lehnsland wurde Ostpreußen in den folgenden Kriegen Mischen Schweden und Polen schwer heimgesucht, so besonders 1656. Im 3rieden zu Oliva 1660 erlangte der Große Kurfürst endgültig den souve- ränen Vesitz Oftpreußens, und es begann nach der Unterdrückung des Widerstandes der 5tänoe eine ruhigere Zeit. Als der Große Kurfürst 1685 seine Länder den vertriebenen französischen Reformierten (Hugenotten) öffnete, siedelte sich ein Teil derselben in Königsberg an. Am 18. Januar 1701 setzte sich Kurfürst Friedrich III. in Königsberg die Königskrone aufs Haupt, - nunmehr König Friedrich I. -, erhob das Herzogtum Preuhen zum Königreich und gab diesen Namen seinem ganzen 2taat. Königsberg blieb Krönungsstadt der preußischen Könige und führt den Titel Königliche Haupt- und Residenzstadt 2. Vald wurde das Land wieder schwer heimgesucht. Die Pest raffte 1709 200000 Menschen (V? der Bevölkerung) dahin. In Litauen waren ganze Landstriche verödet. Durch Heranziehen deutscher Kolonisten aus dem Halber- städtischen, Nassauischen, aus Franken, Zchwaben, der ächweiz und Pfalz suchten Friedrich I. und besonders Friedrich Wilhelm I. diesen Verlust zu er- setzen. Letzterer, der auch sonst sehr viel für Litauen tat, siedelte außerdem hier gegen 10 000 3alzburger an, die um ihres Glaubens willen vertrieben waren (1732-34). 1758-62 hatten die Russen Ostpreußen besetzt? das l Nur wenige zogen sich grollend auf die deutschen Besitzungen des Ordens zurück. Hler, in Mergentheim an der Tauber, bestand der Orden weiter, bis er im Zeitalter "apoleons I. aufgehoben wurde. ^ Feierlich gekrönt sind in Königsberg nur Friedrich I. und Wilhelm I.,' bei den übrigen Königen bis auf Friedrich Wilhelm IV. fand die einfache Huldigung statt.
30 Geschichtliches. Abkunft, Bekenntnis, Verufstätigkeit der Bewohner. 810 Land war eine russische Provinz. Peter III. schloß sofort nach seiner Thron- besteigung Frieden mit Friedrich II. und gab Ostpreußen zurück. Vei der ersten Teilung Polens 1772 Kam Westpreuhen und das Erm- land an Preuhen, jedoch noch ohne Danzig und Thorn- diese beiden ätädte wurden erst bei der zweiten Teilung 1793 preußisch. Westpreußen hatte unter polnischer Herrschaft seit 1466 eine sehr unglückliche Zeit gehabt. Zwar war das Land nur in Personal-Union mit Polen getreten, und der König von Polen mußte erst die Gerechtsame der Provinz beschwören, ehe ihm gehuldigt wurde? auch sollten die Landesangelegenheiten nicht durch den polnischen Reichs- tag, sondern durch die preußischen Landtage besorgt werden, zu denen der König einen Gesandten schickte- doch wurden die dem Lande zugesicherten Rechte nicht immer geachtet, polnische Edelleute, polnische Zprache und Wirtschaft kamen ins Land- Vildung, Wohlstand und Deutschtum verfielen, und 1569 wurde Westpreußen eigentlich Polen einverleibt. (Reichstag zu Lublin.) Nur Danzig machte eine Ausnahme. Es nahm unter den polnischen Königen, welche den Wert des reichen Handelsplatzes wohl zu schätzen verstanden, die 3tellung einer freien 3tadt ein. 3eine Blütezeit fällt in das 16. und 17. Jahrhundert. Friedrich d. Gr. ließ dem heruntergekommenen Westpreußen seine besondere Für- sorge zuteil werden. Auch er rief Kolonisten, besonders Württemberger ins Land. In den Jahren 1807 — 14 hatten unsere Provinzen furchtbar zu leiden. 1807 betrugen die direkten Verluste durch Lieferungen von Getreide, Vieh usw. ohne die Eeldkontributionen fast 300 Millionen Mark, und die Folgen dieser Verluste durch Verminderung des Wirtschaftskapitals, der Arbeitskräfte usw. bedeuteten einen Ausfall von weiteren 160 Millionen? 1812-13 verlor das Land östlich der Weichsel 330 Millionen Mark. Noch nicht einbegriffen in diese riesigen Zahlen ist die Erhöhung der Zteuern und die Entwertung der Grundstücke. Die Bevölkerung verminderte sich 1805-12 um fast 190000 Menschen, das sind 14«/«. Und doch ging die Provinz Preußen bei der Erhebung gegen Napoleon ganz Deutschland voran, und das wird ihr unvergessen bleiben. Seit 1815 folgte eine stetige Entwicklung des Landes. Am 1. April 1878 trat die Teilung in Ost- und Westpreußen ein. Die Bevölkerung ist also aus den alten Preußen, Litauern, Polen und den ver- schiedensten ätämmen des deutschen Volkes hervorgegangen ^. Die deutschen Ein- wanderer sind aber trotz ihrer ursprünglichen Verschiedenheit in dem gleichen Ringen um ihr Dasein, in dem gemeinsamen Ertragen schwerer Zeiten und in der alle Unter- schiede in den Hintergrund drängenden Behauptung des Deutschtums gegen fremde Nationalitäten zu einem neuen, einheitlichen deutschen 3tamm verwachsen. Er besitzt manche Eigentümlichkeiten, die an die Eigenart der Bevölkerung europäischer Kolonien in fremden Ländern erinnern: hohes Selbstgefühl, eine gewisse Abgeschlossenheit, starkes Nationalbewußtsein. Die Bevölkerung Oftpreuhens ist fast zu ^5 deutsch. Im ^0, in den Kreisen Memel, Heydekrug, Tilsit, Ragnit, Niederung, Pillkallen, Labiau, gibt es noch Zahlreiche Litauer. Ihre Iahl betrug am 1. Dezember 1905 im Reg. -Vez. Königsberg fast 32000, im Reg. -Vez. Eumbinnen 65000. Im 3 Ostpreußens bewohnen die polnisch redenden Masuren, mit Deutschen gemischt, einen un- gefähr 40 km breiten Streifen, von der Grenze an gerechnet. 5ie sprechen einen besonderen polnischen Dialekt und sind evangelisch. Außerdem gibt es eigentliche Die eingewanderten Franzosen sind mit den Deutschen verschmolzen.
8 W. Geschichtliches. Abkunft, Bekenntnis, Verufstätigkeit der Bewohner. 31 Polen. Die Zahl der masurisch und polnisch Sprechenden war 1905 295000, und zwar im Reg.-Vez. Königsberg etwa 2400, Eumbinnen 15100, Allen- stein nicht ganz 277 000 (52"/«). Das Sprachgebiet der Polen und Litauer wird von Jahr zu Jahr kleiner. Anders ist es in Westpreußen. Hier wohnen im ll der Linie: obere ^rahe-Nekwarz Fluß bis nach Pommern hinein ziemlich geschlossen die Kaschuben (1905 fast 100000), die einen eigenen slawisch-wendischen Stamm bilden. Dann lst überwiegend polnisch der Süden der Provinz und der größte Teil des Kreises Ttuhm. Im Reg. - Vez. Danzig wohnten 1905 etwa 93000, im Reg. -Vez. Marienwerder über 375000 Polen; Kaschuben und Polen bilden ^ der Be- völkerung. Die Deutschen sind also auch in dieser Provinz in der Mehrzahl. Die westpreußischen Polen sind meistens katholisch. Die Konfesstonellen Verhältnisse waren am 1. Dezember 1910 folgende: Reg.- Vez. Katholische Baptisten, Mennoniten und andere Christen Juden Königsberg Gumbmnen Allenstein Di zig -"tarienwerder 773000, 84 °/n 585000, 9? «/« 382000, 70«/« 364000. 49°/., 425000, 44°/« 125000, 14«/<, 12300, 2°/« 154000, 28 °/o 362000. 48 °/« 520000, 54°/« 8800, 0.9°/« 5800, 0,9°/« 4800, 0,9°/« 11600. 1,6°/« 6100. 0,6 °/g 7100. 0 .8°/« 3100. 0,5°/« 2700. 0.5"/« 4600, 0.6"/« 9300, 1,0°/« 3m Neg.- Vez. Eumbinnen wohnen gegen 450 Philipponen. Diese, eine 5ekte ber griechisch-orthodoxen Kirche, wanderten, da sie in Rußland verfolgt wurden, seit 1824 in Preußen ein und gründeten in den Revieren Crutinnen und Nikolaiken der Iohannisburger Heide 10 Ortschaften, sie haben russische Tracht und Litten noch 3<emlich unverändert beibehalten. Die Verufstätigkeit der Bevölkerung ergibt folgende Tabelle: Von 100 Erwerbsfähigen trieben 1907: im Reg. -Nez. Königsberg Eumbinnen Allenstein Marienwerder l" Preuß. Staate Land- wirtschaft 44 59 58 40 56 28 Industrie u. Gewerbe 24 17 18 30 20 43 Handel 12 7 6 11 7 13 Hausdienst 2 2 2 2 2 2 Staatsdienst, freien Beruf 6 5 7 6 6 5 keinen bestimmten Veruf 12 10 9 11 9 9 Die Regierungsbezirke Eumbinnen und Marienwerder besitzen den größten Prozentsatz ackerbautreibender Bevölkerung des Preußischen Staates, auch Königsberg wird nur von wenigen anderen übertroffen; dementsprechend wohnt der größte Teil der Bevölkerung auf dem Lande oder in kleinen Orten unter 2000 Einw., nämlich im Neg. -Vez. Königsberg 65°/«. Eumbinnen 82°/«, Allen- stein 81°/«, Danzig 59«/«. Marienwerder 74°/« (im Preuß. Staat 50°/«).
32 Eisenbahnen. § 11. § n. Eisenbahnen. Das Eisenbahnnetz unserer Provinzen hat sich in den letzten Jahren außer- ordentlich verdichtet. Die älteste und für die Verbindung des Ostens mit Berlin wichtigste Eisen- bahn ist die Ostbahn. 5ie führte jahrelang von Berlin über Zchneidemühl, Bromberg, Dirschau, Elbing, Königsberg, Insterburg nach Eydtkuhnen, wo sich die russische Bahn nach 2t. Petersburg usw. anschließt; um den Winkel (Thorn -) Bromberg — Dirschau — Königsberg — Insterburg abzuschneiden, wurde die Thorn - Insterburger Vahn erbaut, und zur Verkürzung des Umweges von Dirschau über Bromberg nach Zchneidemühl die 5trecke Dirschau - Konitz - öchneidemühl; über diese geht der kürzeste Weg vom nördlichen Ost- und Westpreußen nach Berlin. Ostpreußen besitzt außerdem 2) die wichtige, jetzt staatliche Ostpreuhische öüdbahn, welche von Königsberg über Korschen (Kreuzung mit der Thorn — Insterburger Bahn) und Lyck nach Prostken an die Grenze führt; hier schließt sich die russische Bahn an, so daß die 2üdbahn die reichen Erzeugnisse des südwestlichen Rußlands nach Königsberg schaffen hilft und ein 3tück des großen öchienenweges zwischen dem Schwarzen Meere (Odessa) und der Ostsee (Königs- berg) bildet. 5ie ist über Königsberg nach Pillau weitergeführt. Diese ätrecke war vor Erbauung des äeekanals besonders im Winter für die Verbindung Königsbergs mit seinem Vorhafen wichtig. Bei Fischhausen zweigt sich eine Bahn nach dem Bernsteinbergwerk in Palmnicken ab. bj Eine Bahn von Insterburg über Tilsit nach Memel, die bis zur russischen Grenze bei Bajohren weitergeht, bringt den äußersten KIO mit den großen Verkehrsstraßen in Ver- bindung, c) Eine große Grenzbahn zieht sich in der Nähe der Grenze von Tilsit über Ragnit und Pillkallen nach ätallupönen und Goldav, dann (von Insterburg) nach Lyck, von da nach Allenstein, und von dieser 5tadt über Zoldau (Verbindungsbahn Neidenburg — Ortelsburg) nach Goßlershausen und weiter nach Westpreußen hin. Von Königsberg gehen nach () und 3 weitere Linien: ä) über Labiau nach Tilsit, ej über Löwenhagen, Gerdauen, Anger- burg, Voldap nach 3tallupönen, lj über Kobbelbude und Mehlsack nach Allenstein. Bei Iinten zweigt sich eine ötrecke über Heilsberg, Rothfließ, Bischofsburg, äensburg nach Rudczanny, bei Mehlsack eine nach Braunsberg und bei Wormditt eine nach Mohrungen und eine über Heilsberg, Rössel, Rastenburg nach Anger- burg ab. 3) Von Allenstein geht eine Bahn über Mohrungen und Christ- burg nach Marienburg mit einer Abzweigung von Maldeuten nach Gülden- boden an der Ostbahn und N) eine von Elbing über Osterode nach Hohenstein (an der Ztrecke Nllenstein - 5oldau). ij Von Königsberg an den samländischen 5trand führen die Cranzer- und die 5amland-Bahn, k) von Braunsberg über Tolkemit nach Elbing die Haffufer-Bahn. Andere Bahnen sind: Ij Angerburg — Lötzen — Arys — Iohannisburg; mj Lyck — Arys — Nikolaiken — Zensburg; n) Kruglanken-Marggrabowa? 0) Ortelsburg - Bischofsburg? p) Wehlau- Friedland — Bartenstein — Heilsberg? qj Angerburg — Darkehmen — Gumbinnen; r) Mohrungen — Liebemühl,- 8) Bergfriede — Gr. Tauersee. Außerdem verschiedene 5tichbahnen nach Orten an der russischen Grenze: Tilsit — Laugszargen, Gum- binnen — özittkehmen, Marggrabowa — Czymochen, Iohannisburg — Dlottowen.
§ 12. Verwaltung. 33 Außer Königsberg sind also Insterburg und Allenstein die wichtigsten Vahnknotenpunkte der Provinz. ^ Für Weftpreuhen sind außer den bereits erwähnten Lirecken der Ostbahn wichtig: gj die Vahn von Dirschau über Danzig nach Neufahrwasser, an welche sich bei Danzig die Hinterpommersche Vahn anschließt, und von der sich zwei kleinere Vahnen nach dem westlichen Hochland abzweigen: 1. Praust - Karthaus-Lauenburg, mit der Verbindung Karthaus - Verent, und 2. Hohen- stein - Verent - Livvusch - Vütow ^ Zchlawe. k) Die Marienburg-Mlawkaer Vahn, die sich nach Russisch-Polen fortsetzt und die kürzeste Ztrecke zwischen Danzig und Warschau bildet, mit den Abzweigungen Riesenburg - Freystadt und Deutsch Eylau - Ztrasburg. c) Die ostpreußische Grenzbahn ist von Eoßlershausen (früher Iablonowo) über Graudenz, Laskowitz, Tuchel und Konitz nach Neu- stettin weitergeführt, mit der Abzweigung Zchlochau — Rummelsburg. 6) Auf dem rechten Weichselufer verläuft die Weichselstädte-Vahn von Marienburg über Marienwerder und Graudenz nach Thorn mit den Abzweigungen: Marien- werder - Freystadt - Goßlershausen - Ztrasburg, Garnsee - Lessen, Graudenz - Goßlershausen.Kornatowo — Culm. e) Riesenburg — Marienwerder — 5targard — 2chöneck mit einer Abzweigung nach CzersK. ij Czersk — Laskowitz. ßj Zchwetz — Teresvol - Vandsburg - Flatow. n) Eine Vahn von Vromberg über Culmsee nach Zchönsee und Ztrasburg mit Abzweigungen nach Culm und Thorn über- schreitet die Weichsel bei Fordon auf einer 1325 m langen Brücke, i) Die 2trecke Nakel — Konitz ist bis Lippusch weitergeführt, kj Das Weichselwerder besitzt eine Vahn und I) der äußerste Westen Westpreußens die Ltrecken 5chneidemühl - Deutsch - Krone ^ Callies und Zchneidemühl — Neustettin. Für andere Bahnen sind die Vorarbeiten angeordnet. Die wichtigsten Vahnknotenpunkte für Westpreußen sind demnach: Dirschau, Marienburg, Thorn (und Ichneidemühl, welches aber schon zur Provinz Posen gehört). Außerdem sind in beiden Provinzen zahlreiche Kleinbahnen schon fertig oder im Vau. § 12. Einige Angaben über die Verwaltung. An der spitze jeder Provinz steht ein Oberpräsident, an der spitze eines Regierungsbezirkes ein Regierungspräsident. Der höchste Verroaltungsbeamte eines Kreises ist der Landrat. Zur Mitwirkung bei den Geschäften der allgemeinen Landesvermaltung besteht für jede Provinz ein ProvinZialrat, für jeden Regierungsbezirk ein Bezirks- ausschuß, für jeden Kreis ein Kreisausschuß (Kreistag). Die allgemeine Landesverwaltung, die Unterhaltung der Chausseen, die sorge für Geisteskranke und das Armenwesen u. dgl. ist der Selbstverwaltung der Provinzen überlassen. An der spitze der selbstverrualtungsbehörden steht in jeder Provinz der Landeshauptmann. (Provinzial-Landtag- Provinzial-Ausschuß.) In den Reichstag entsendet Ostpreußen 17, Westpreußen 12, zum Hause der Ab- geordneten Ostpreußen 32, Westpreußen 22 Vertreter. Die Angelegenheiten der evangelischen Kirche vermalten die Konsistorien in Königsberg für Ostpreußen und in Danzig für Westpreußen. Lulliez, Landeskunde von Ost» und Westpreußen. 7 . Aufl. 3
34 Landschafts- und Ortschaftskunde. ' § 12. Die römisch-katholischen Bewohner Ostpreußens, außer dem Dekanat Pomesanien, sowie die der westpreußischen Kreise Elbing, Marienburg und Ztuhm gehören zum Nistum Crmland, das übrige Westpreußen, jedoch ohne den Kreis Deutsch-Krone, und die ostpreußischen Dekanate Gilgenburg, Mohrungen, Neidenburg, äoldau, Ofterode (Pomesanien) zum Vistum Culm. Der Kreis Deutsch-Krone gehört zum Erzbistum Enesen. Die Provinzial-Lchulkollegien in Königsberg und Danzig beaufsichtigen das höhere Schulwesen: Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen, Progymnasien, Realpro- gymnasien, Realschulen, 5chullehrer-5eminare, Präparanden-Anstalten, die höheren ächulen für die weibliche Jugend (Lyzeen, Oberlyzeen)- die Regierungen, und unter ihnen die Kreis-Zchulinspektoren, die Mittel- und Volksschulen und die gehobenen Mädchenschulen. Die Rechtspflege wird ausgeübt in Ostpreußen von 71 Amts- und 8 Land- gerichten (Allenstein, Vartenstein, Vraunsberg, Insterburg, Königsberg, Lyck, Memel, Tilsit) und dem Oberlandesgericht in Königsberg; in Westpreußen von 4(1 Amts- und 5 Landgerichten (Danzig, Elbing, Eraudenz, Konitz, Thorn) und dem Oberlandes- gericht in Marienwerder. Für die Verwaltung der indirekten Steuern bestehen in Königsberg und Danzig Ober-Ioll-Direktionen; darunter stehen die Haupt-Zollämter, unter diesen die Zoll- ämter I und II. Die staatseisenbahnen Ost- und Westpreußens stehen unter den Eisenbahn» Direktionen in Königsberg, Danzig und Vromberg. Die Oberpostdirektionen in Königsberg und Eumbinnen umfassen das Gebiet Ostpreußens. Westpreußen gehört zu den Vezirken der Oberpostdirektionen in Danzig, Vromberg und Köslin. Die Truppen Ostpreußens, mit Ausnahme der Kreise Osterode und Neidenburg, gehören zum I. Armeekorps (Generalkommando in Königsberg), diese beiden Kreise und der größte Teil Westpreußens zum XVII. Armeekorps (Generalkommando in Danzig), die Kreise Flatow und Deutsch-Krone Zum II. Armeekorps (Generalkommando in stettin). Ein neues Armeekorps mit einem Generalkommando in Allenstein soll gebildet werden. Landschafts- und Ortschaftskunde. ^. Ostpreußen ist geteilt in die Reg.- Vez. Königsberg, 15 306 qkm, 914119 Einwohner mit 15 Kreisen, Vumbinnen, 10950 c>km, 606 587 Einwohner mit 14 Kreisen, und Allenstein. 1203? qkm, 543469 Einwohner mit 10 Kreisen. Die Kreise des Reg. -VeZ. Königsberg sind: 1. Memel, 2. 3tadtkr. Königs- berg, 3. Landkr. Königsberg, 4. Fischhausen, 5.Labiau, 6. Wehlau, 7. Gerdauen, 8. Rastenburg, 9. Friedland, 10. Pr.-Eylau, 11. Heiligenbeil, 12. Vraunsberg, 13. Heilsberg, 14. Mohrungen, 15. Pr. -Holland. Die des Reg. -Vez. Eumbinnen: 1. Heydekrug, 2. Niederung, 3. 5tadtkr. Tilsit, 4. Landkr. Tilsit, 5. Nagnit, 6. Pillkallen, 7. Stallupönen, 8. Eumbinnen. 9. Stadtkr. Insterburg, 10. Landkr. Insterburg, 11. Darkehmen, 12. Anger- burg, 13. Goldap. 14. Oletzko. Die des Reg. -Vez. Allenstein: 1. Lyck, 2. Lätzen, 3. Iohannisburg, 4. Sensburg, 5. Ortelsburg, 6. Rössel. 7. Stadtkr. Allenstein, 8. Landkr. Allenstein, 9. Neidenburg, 10. Osterode i. Ostpr.
. Ostpreußen. 35
36 Landschafts- und Ortschaftskunde. 5ie werden im folgenden nach natürlichen Gruppen behandelt. I. Litauen (das Memelgebiet unddasGebietdes oberenPregels) umfaßt die Kreise: 1. Memel 2. tzeydekrug 3. Niederung 4. Tilsit, Stadtkr. 5. Tilsit, Landkr. 6. Ragnit 7. Pillkallen 8. Insterburg, 2t. Größe qkm 842 805 893 31 785 1219 1061 44 Vevül 61972 43309 54417 39013 46372 55338 45560 31624 auf 1 qkm 74 54 60 — 60 45 43 — 9. Insterburg, Ld. 10. Gumbinnen 11. Ztallupönen 12. Darkehmen und zum Teil: 13. Labiau 14. Verdauen 15. Goldap Größe qkm 1159 729 703 759 1065 846 994 Bevölkerung 46110 51235 43453 31485 51057 33947 44186 1 qkm 40 70 62 42 48 40 45 Litauen entspricht etwa den beiden alten Landschaften Nadrauen und ächalauen- es umfaßt den l^IO Ostpreußens und reicht im 3 bis an den Goldap-Fluß, der die Grenze gegen Masuren bildet, und im W an die Linie Goldap-Fluß — Labiau und ans Kurische Haff. Die Grenze zwischen den einst von Litauern und den von alten Preußen bewohnten Gebieten läßt sich auch ganz gut aus den Formen der Ortsnamen feststellen: im Litauischen sind die Endungen -kehmen, -ischken, -kallen, -pönen sehr häufig, im Altpreußischen: -keim, -icken, -garben. Vor 60 Jahren wurde auch südlich des Pregels und der Pissa noch Litauisch gesprochen, jetzt hört man Litauisch südlich einer Linie von der mittleren Deime nach Pillkallen nicht mehr. Auch nördlich davon wird in den ötädten fast nur Deutsch gesprochen. Nördlich der Memel ist der Voden nicht besonders fruchtbar; im unteren Memelgebiet herrscht Wiesenwirtschaft, am Haff Fischerei vor,- die Kreise Pillkallen, Ztallupönen, Eumbinnen, Insterburg, Verdauen und Darkehmen, eine Erundmoränenlandschaft, haben im ganzen recht ertragreichen Voden, hier die bedeutendste Pferdezucht des Preußischen Staates. Im 30 unseres Gebietes, nach Goldap zu, beginnt eine weniger fruchtbare, abwechslungsreiche End- moränenlandschaft. Im Memeldelta und in seiner Umgebung liegen mächtige Moore, fast alles Hochmoore, so z. B. das Große Moosbruch östlich von Labiau, 120 qkm, das man seit längerer Zeit durch Entwässerung und künstliche Düngung zu kultivieren sucht, das Ibenhorster oder Vredzuller Moor links der unteren Ruß, in dessen bruchwaldiger Umgebung noch der Elch haust, und das Augstumal-Moor, nördlich von Heydekrug, 30 qkm, auch unter Kultur genommen. In den Kreisen Ragnit und Pillkallen liegen gleichfalls ansehnliche Hochmoore, so die Lchoreller und die Große Plinis (Plinis ^ moorige Ebene), 13 und 10 qkm, die Kakschener Valis (Valis ^ 5umvf ^ lateinisch: palug), 20 qkm, und das Pakledimmer Hochmoor nördlich von Trakehnen, 15 qkm. Im Osten Litauens dehnen sich große Wälder aus: nördlich der Izeszuppe auf dem meist sandigen Voden des ehemaligen Iurasees die größtenteils aus Kiefern bestehende, 130 qkm große Trappöhner Forst, nördlich davon, durch die Memel getrennt, die sich weit nach Rußland hineinziehende Iura- forst, südlich der Zzeszuppe die öchoreller (120 qkm) und die Weszkaller Forst, in dem Winkel zwischen Inster und Pissa die über 100 qkm große Tzulkinner
^. Ostpreußen. 3? 3orst. Im 30 Litauens liegt, von der Rominte durchflossen, die 240 qkm große, aus Nadel-, aber auch aus Laubholz bestehende Rominter Heide, reich an schönen Landschaften, das Jagdrevier unseres Kaisers (Vild 23). Litauen verdankt die Grundlagen seiner Kultur der Fürsorge Friedrich Wilhelms I. Nur Memel, Tilsit, Insterburg, Gerdauen und Nordenburg sind ältere Städte: alle anderen Städte erhielten ihre Stadtgerechtigkeit erst 1722-25. 1. Memel, nördlichste Stadt des Deutschen Reiches, 55° 22' 15" n. Vr.. 21500 Einwohner, an der Mündung der Dange in das Memeler Tief: die Memelburg 1225, die Stadt später erbaut: früher Festung. Landgericht, Gymnasium, Lyzeum mit Oberlyzeum, Lehrerseminar, Präparanden- anstalt, bedeutender Handelsplatz mit gutem Hafen. Ausgeführt: aus Rußland stammendes Holz (s. 2.17), Getreide, Flachs: eingeführt besonders Kohlen. Viele Sägemühlen, Eisen- gießerei, Ölmühlen, Schiffswerften. Handel und Reederei sind in den letzten Jahren sehr zurückgegangen. Geburtsort Simon Dachs. 180? residierten hier Friedrich Nil- Helm lll. und Luise. Nationaldenkmal zur Erinnerung an diese unglückliche Zeit. Neben der Stadt Vommelsvitte, D., 3000 Einwohner, dicht südlich Schmelz, D.l, 6000 Einwohner, Schiffahrt, Sägemühlen, Fischerei. Im ^ an der russischen Grenze Nimmersatt, gegenüber dem russischen Polangen, Deutsch- lands nördlichstes Dorf. Auf der Kurischen Nehrung Schwarzort, Seebad. Weiter südlich Nid den, D., Leuchtturm. 22 km südlich von Memel Prökuls, Mfl., an der Minge. 2. Heydekrug, Mfl.. 2300 Einwohner: (das daranstoßende Szibben ist ein- gemeindet): am Haff Windenburg, D., a. d . Windenburger Ecke,- links der Ruß, die sich hier mehrfach teilt, Ruß, Mfl., 2000 Einwohner,- Neunaugen- fang, große Holzniederlagen für Memel. 3. Heinrichswalde, Mst., Hauptort des Kreises Niederung, der keine Stadt enthält, 2400Einwohner: Kaukehmen, Mfl., a.d.AltenEilge. 2200Einwohner. 4. Tilsit, alte. aufblühende Hauptstadt von Preußisch-Litauen. fast 40 000 Ein- wohner, am Südufer der Memel, zweitgrößte Stadt der Provinz^. Gymnasium, Realgymnasium, Königin Luise-Schule, Taubstummenanstalt, Land- gericht, Pferdemärkte. Maschinen. lebhafter Holz- und Produktenhandel, sehr große Iellulosefabrik. An Stelle der alten Schiffbrücke ermöglicht seit 190? die stattliche Königin Lmsen-Vrücke (416 m lang) den Verkehr über die Memel zu jeder Jahres- zeit. Schon seit längerer Zeit führen drei große Eisenbahnbrücken über die Memel und ihre Arme, Zusammen über 1300 m lang. Geburtsort M. v . Schenkendorfs (Denk- mal). Friedensschlüsse am 7. und 9. Juli 1807. Denkmal der Königin Luise. 5. Im W Splitter, D.. Gefecht 1679. Im tt0 von Tilsit liegt die russische Stadt Tauroggen: zwischen dieser und der Grenze, aber noch auf russischer Seite, Poscherun. D ., hier schloß Vorck am 30. Dez. 1812 die berühmte Konvention. 6. Ragnit, St.. 5550 Einwohner, auf dem südlichen Memelufer. Lehrer- seminar: Holzhandel. Schiffahrt. 4 km stromauf Ober-Eyßeln in schönster Gegend des Memeltales. Veim Eintritt der Memel in Preußen der Grenzort Schmalleningken. 7. Pillkallen,St.,4350 Einwohner, Präparandenanstalt: östlicha. d . Szeszupve schirwindt, östlichste Stadt Preußens, 1150 Einwohner, schöne gotische Kirche. ' St. bedeutet Stadt. Mfl. Marktflecken, D. Dorf. - - 2. Vilderanhang 2. 70.
38 Landschafts- und Ortschaftskunde. 8. 9 . Insterburg. 5t. am Beginn des Pregels (Vereinigung von Pissa, Angerapp, Inster (s. S . 15), 32000 Einwohner (14400 1870). Aufblühender Ort, wichtiger Vahnknotenpunkt, Landgericht; Gymnasium verbunden mit Realgymnasium, Lyzeum mit Oberlyzeum, Volksschullehrerinnen°5eminar. Straf- anstalt. Landgestüt. Maschinenfabrik, Aktien°5pinnerei. Geburtsort Wilhelm Jordans. Im W Vubainen, D., Norkitten, D., Mittelpunkt der großen Dessauischen Güter, Gr. -Iägersdorf, Schlacht 1757. Östlich an der Pissa Karalene, Lehrerseminar. 10. Eumbinnen, Hauptstadt des Reg.-Vez.. a. d. Pissa, 14600 Ein- wohner, nach einem von Friedrich Wilhelm I. entworfenen Plane sehr regelmäßig erbaut. Gymnasium verbunden mit Realschule, Cecilienschule, Oberpostdirektion. Stattliches Regierungsgebäude, Denkmal Friedrich Wilhelms I., ,,Wiederher» steller Litauens, Gründer Eumbinnens". In der Umgebung große, wohlhabende Dörfer lNorutschatschen 3700 Einwohner), 18 km östlich Trakehnen. weltberühmtes Hauptgestüt, das größte des Staates, 1732 von Friedrich Wilhelm I. angelegt (Bild 24). In hochkultivierter Gegend liegen um das Hauptgestüt 11 Vorwerke. Für die Veredelung der preußischen Pferde ist Trakehnen von höchster Vedeutung. Hier stehen etwa 15 Hengste und 330 Mutterstuten edelster Rassen, und außerdem eine viel größere Zahl von Fohlen und von weniger wertvollen Pferden, im ganzen etwa 1500 Pferde (s. Vilderanhang S. 71). 11. Stallupönen, St., 5650 Einwohner, Realschule; Eydtkuhnen, Mfl.. 5550 Einwohner. Großer Grenzbahnhof. 12. Darkehmen, St. a . d . Angerapp, 3550 Einwohner. In diesem Kreise liegen mehrere durch Pferdezucht hochberühmte Güter. Landgestüt Eudwallen. Westlich von Darkehmen Veynuhnen, Schloß des f Herrn v. Farenheid, mit großartigen Kunstsammlungen. 13. Labiau, St. a . d . Deime, aus der hier der Große Friedrichsgraben abgeht, 6 km vom Kurischen Haff, 4600 Einwohner; Schiffahrt. Vertrag 1656. Am Friedrichsgraben langgestreckte Dörfer, viel Iwiebelbau. Nemonien, Mfl., an der Mündung des gleichnamigen Flusses, 3700 Einwohner. Eilge, Mfl., an der Mündung der Gilge, 1700 Einwohner. Moorkolonien. 14. Verdauen, St. a . d . Omet, 3000 Einwohner. In der Nähe große Güter. Östlich Nordenburg. St., 2150 Einwohner. 15. Goldap, St. am Eoldap-Fluß, 9500 Einwohner, Reform-Realgym- nasium; im 0 die große Rominter Heide. Vei Rominten (früher Theer- bude), das Kaiserliche Jagdhaus Rominten (s. Vilderanhang S. 71). II. Samland, Natangen, Varten das Gebiet des untern Pregels und der unteren und mittleren Alle) umfaßt die Kreise: 1. Königsberg, 5tadtkreis 2. Königsberg, Landkreis 3. Fischhausen 4. Labiau, w.Teil Größe — 1230 1346 1N65 Vevölkerr 245994 45054 52462 51057 ng auf — 37 40 48 5. Wehlau 6. Heiligenbeil 7. Pr. -Eylau 8. Friedland 9.Eerdauen,w.TeiI 10. Rastenburg Größe qkm 1063 908 1231 881 846 875 Neoälkeru 47179 43282 48746 41556 33947 47197 ng auf 44 49 40 48 40 54
^. Ostpreußen. 39 Das öamland, eigentlich die Insel zwischen Ostsee, den Haffen, Pregel und Deime, war einst der mächtigste Gau der alten Preußen. Nirgends finden sich so viele vorgeschichtliche Grabstätten in unseren Provinzen wie hier. 5eine westliche Hälfte, das „5amland" im engeren 5inne, ist reich an land- schaftlichen Zchönheiten, besonders in der Gegend des „Alkgebirges" (Galt- garben 110 m), eines Endmoränenzuges, und an den meist steilen Küsten. Dieses sind typische Kliffküsten (s.5 .8, Anm. 1). Die Ortschaften machen einen wohl- habenden Eindruck. Am Frischen Haff liegt der große Wald derKapornischen Heide, im ll dehnt sich die Narnicker und bei Er. Raum die Fritzensche Forst aus. In Natangen, südlich vom Pregel ist der Voden recht fruchtbar,- die Landschaft am untern Frisching, der aus dem interessanten Zehlau-Vruch kommt (s. 2 . 22), heißt die Huntau. Zwischen dem Iehlau-Vruch und dem Pregel liegt ein vielfach bruchiges Waldrevier, der Frisching. Auch das alte Varten ist ein frucht- bares Land,- berühmt ist der schwarze Voden der Gegend nach Rastenburg 3U? hier gibt es sogar viel Zuckerrübenbau. 1. Königsberg i. Pr., Hauptstadt der Provinz, Festung ersten Ranges mit zahlreichen weit vorgeschobenen Forts, 3. Residenz des Staates, Anfang 1912 250000 Einwohners Sitz der höchsten Vehörden der Provinz. Albertus-Universität, gegründet 1544 mit großen wissenschaftlichen Instituten: Sternwarte, 54° 42' 50" n. Br., 20° 29' 47" ö. L . v . Gr., botanischer Garten, zoologisches Museum, landwirtschaftliches Institut, große Kliniken, bedeutende Bibliothek mit etwa 270000 Bänden- Kunstakademie mitstädtischerGemäldesammlung,- geheimes Staats- archiv, Taubstummen- und Blinden-Unterrichtsanstalt- großes Königl. Waisenhaus (früher mit Progymn.) . 5 Gymnasien, 1 Realgymnasium, 2 Oberreal- und 2 Realschulen, zahl- reiche höhere Mädchenschulen, teilweise mit Lehrerinnenseminaren verbunden, Nau- gewerkschule, mehrere Mittel- und viele andere Zchulen. Als der Deutsche Orden die Eroberung des Samlandes begann, schickte ihm König Ottokai von Böhmen ein großes Kreuzfahrerheer Ende 1254 zu Hilfe. Auch er selbst kam nach Preußen, kann aber Samland nur ganz flüchtig besucht haben, denn er feierte das Neihnachtsfeft 1254 in Breslau und war am 6. Februar 1255 schon wieder in Troppau in Zchlesien. Der Orden erbaute angeblich auf seinen Rat 1255 an dem Vergwald Twangste, wahrscheinlich am heutigen Mühlenberg, eine hölzerne Burg und nannte sie Ottokar zu Ehren „Königsberg" 2. Im W dieser Burg entstand 1256 nach dem heutigen äteindamm zu eine besonders von Lübeckern gegründete Ansiedlung nebst Kirche, die dem heiligen Nikolaus geweiht war. Als Gründungsjahr der 5tadt gilt aber 1255. Etwas westlich von der alten Burg wurde 1257 eine steinerne er- baut- die alte ist längst verschwunden. Während eines großen Preußenaufstandes wurde 1261 die Burg vergeblich belagert, die junge Stadt aber zerstört. Nach Nieder- werfung des Aufstandes wurde die 5tadt wieder erbaut, aber jetzt zwischen Schloß und Pregel. So entstand die Altstadt-«, welche 1286 ihr Stadtprivileg erhielt. 1300 erhob sich östlich davon, jenseits der heutigen Katzbach, damals Lobe genannt, die Neustadt, die alsbald den Namen Üöbenicht erhielt, und 132? auf einer Insel Zwischen den Pregelarmen der Kneiphof. Diese drei ätädte bestanden bis 1724 1 Unter den deutschen Ztädten nimmt nach der Volkszählung von 1910 Königs- berg die 17. Stelle ein. Größer sind Berlin, Hamburg, München, Leipzig, Dresden, llöln, Vreslau, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Nürnberg, Hannover, Charlottenburg, Essen, Chemnitz, 5tuttgart, Magdeburg. 1805 war Königsberg mit 65 000 Einwohnern nach Berlin und Hamburg die drittgrößte Stadt im Gebiete des heutigen Deutschen Reichs. ^ 5o die landläufige Überlieferung. Der Orden hätte aber den König mehr geehrt durch den Namen „Ottokarsberg". Vielleicht wählte er den Namen Königsberg nach einer seiner Hauptburgen in Palästina „klont lio^al". Er liebte es, die Namen aus dem Heiligen Lande nach Preußen zu übertragen. Jerusalem 3. B . kommt mehrfach vor. 2 5. Bilderanhang S. 67.
40 Landschafts- und Ortschaftskunde. jede für sich, waren durch Mauern und Tore abgeschlossen, hatten ihre besonderen, noch erhaltenen Rathäuser' und führten sogar zuweilen miteinander Krieg. 5ie er- hielten im Laufe der Zeit große Vorstädte, sogenannte Freiheiten, zugewiesen, die Altstadt den Iteindamm, die üaak, Lastadie, den neuen Roßgarten, Lomse, Weiden- damm; der Löbenicht den Anger und einen Teil des Zackheims- der Kneiphof die Vorstadt mit dem Haberberg. Außerdem gab es noch einen vierten, landesherrlichen Teil der 3tadt mit dem 5chloß, der Vurgfreiheit, einem Teil des 5ackheims, der Königsstrahe (früher neue äorge), dem Roßgarten und Tragheim. Aus diesen Teilen und einigen neuerdings eingemeindeten Vororten ist die heutige ätadt erwachsen. 5ie liegt teils im 5amlande, teils in Natangen. Die sogenannten Verge sind der einseitige Abfall des 2amlandes zum Pregel. Durch Verbreiterung der 5traßen und moderne Neubauten hat sich das Äußere Königsbergs in den letzten Jahren vorteilhaft geändert. Wichtige Bauwerke: 1. Das Lchloß. Der nördliche Teil ist der älteste- die Ostseite ist in ihrer heutigen Gestalt 1532 erbaut, die Südseite 1551, die Westseite mit der Kirche und dem Mos- kowitei-äaal, einem der größten in Deutschland, 1584 — 94 von Grund auf neu. Den Anbau im 80, in welchem sich jetzt die königlichen Gemächer befinden, ließ Friedrich I. 1706-12 aufführen- die Russen haben 1758-62 nur umfangreiche Ausbesserungen und Neueinrichtungen vorgenommen Die äsiitze des 80 m hohen öchloßturms ist Anfang der sechziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts neu aufgebaut. 2. Der Dom, 1332 begonnen, jetzt von Grund auf wiederhergestellt i im Chor, den bedeutende Denkmäler schmücken, ruhen die letzten Hochmeister, Herzog Albrecht, seine Gemahlin, der Kurfürst Georg Wilhelm und andere fürstliche Persönlichkeiten, an der Nordseite in einer neu gebauten Kapelle Kant. 3 . Die neue Universität, erbaut 1844-62 . 4. Die neue Vörse. 5. Das Regierungsgebäude. 6. Die Post. Denkmäler: Friedrich Wilhelm III., Wilhelm I., Friedrich I., Friedrich Wilhelm I., Kant, Herzog Albrecht, Schiller, Vismarck, Obelisk für den ätaatsminister v. ächön, Kriegerdenkmal. Einen eigenartigen öchmuck besitzt Königsberg in dem gartenumrahmten, mitten in der ätadt gelegenen Ichloßteiche, einem durch einen Damm, auf dem die Französische ötraße steht, aufgestauten Wasserbecken, 11 m über dem Pregel. Der Zchloßteich steht mit dem 11 in höheren Oberteich in Verbindung, welcher durch den Landgraben gespeist wird, einen künstlichen, von den Rittern angelegten Wasserlauf, der mehrere Gewässer des 3amlandes sammelt. Königsberg ist vor allem Handelsstadt. Ausgeführt werden: Getreide, Flachs, Holz, die Erzeugnisse der Königsberger Industrie- eingeführt: Kolonialwaren, 5alz, Heringe, Zteinkohlen, Eisen, Tee. — Getreide, Flachs, Holz kommen größtenteils aus Rußland und werden nach andern, an Holz und Getreide armen Ländern (England) aus- geführt, so daß der Königsberger Handel im wesentlichen ein Zwischenhandel ist. Infolge der Zollpolitik der letzten Jahre und des Bestrebens der Russen ihren Überstuß nach russischen Häfen zu lenken, hat der Königsberger Handel gelitten. Das Eroß- gewerbe erzeugt: Maschinen, Lokomotiven, Waggons, Tabak, Leder, Zellstoff, Vier, öpirituosen, Vernsteinwaren usw. Große Walzmühle, — Die meisten Fabriken arbeiten nur für den Vedarf der 5taot und der Provinz. Königsberg verdankt seine Größe einmal seiner günstigen Lage an dem bis hierher für große ächisse ausreichenden Pregel, dann seiner Ltellung als Hauptstadt und als Mittelpunkt der Bildung für den deutschen Nordosten. Eine große Zahl bedeutender Männer hat hier gelebt und gewirkt- nur einige seien genannt: Kant, Hamann, Herbart, Fichte, Vessel, Lobeck, Rosenkranz. Vor dem Brandenburger Tor liegen der Nasse Garten, eine dorfähnliche Vor- stadt, die früheren Landgemeinden Ponarth und 5chönbusch mit großen Eisenbahn- werkstätten und Brauereien und der nur dem Güterverkehr dienende Kaibahnhof (Königsberg hat fünf Personenbahnhöfe), vor dem Zteindammer Tor die Vororte Hufen und Amalienau mit zahlreichen Villen und Vergnügungsgärten. In einem ' In dem mehrfach umgebauten Löbenichtschen Rathause befindet sich jetzt eine Abteilung der Hartungschen Druckerei.
^. Ostpreußen. 41 öer älteren Hufenhäuser wohnte zuweilen die königliche Familie 1807—09, in oem gegenüberliegenden schönen Park Luisenwahl hat die Königin Luise oft geweilt (Denkmal). Durch die Eingemeindung dieser und einiger anderer Vororte (Kalthof vor dem Königstore, Maraunenhof am Oberteich seien noch genannt) am 1. April 1905 hat Königsberg an Ausdehnung und Einwohnerzahl bedeutend gewonnen. Eine andere wichtige Veränderung der 5tadt erfolgt jetzt durch die Niederlegung der inneren Festungswerke. 2. Im Landkreise Königsberg, der vom Kurischen Haff bis zum Frisching reicht, liegen keine Städte. Südlich vom Pregel Wickbold, mit großer Vrauerei, im W Königsbergs Iuditten, Geburtsort Gottscheds, im 0 am Pregel Wald au, Lehrerseminar. 3. Der Kreis Fischhausen umfaßt die ganze Westhälfte des Samlandes und die südliche Hälfte der Kurischen Nehrung. Fischhausen. St., 2600 Ein- wohner, am Frischen Haff- früher Residenz der Bischöfe von Samland (^ Vischofshausen?). Südlich Lochstädt, alte Ordensburg, 1264 am ehemaligen Tief (s. Z. 11) erbaut, 1626 von den Schweden zerschossen. Heinrich Reuß von Plauen f hier 1429. Weiterhin Neuhäuser, Badeort,- schließlich Pillau, St. ,7100 Einwohner, Vorhafen von Königsberg, der aber seit Eröffnung des Königsberger 5eekanals an Bedeutung verloren hat und nur scheinbar infolge der Eingemeindung Alt-Pillaus gewachsen ist. Festung. Navigations- schule, Realschule, Präparandenanstalt. Im XV von Fischhausen Tenkitten, D., in der Nähe I' angeblich Adalbert von Prag 997. Die ehemalige Kapelle ist verschwunden. 3t. Adalbertskreuz. Nördlicher Palmnicken, großartiges Königl. Bernsteinbergwerk. Auf der Nordwestspitze 3amlands Brüsterort mit wichtigem Leuchtturm. Der entsprechende Leuchtturm auf der Westecke der Danziger Bucht steht auf Rixhäft. Am Nordufer des 3amlandes liegen die landschaftlich berühmtesten Punkte Ostpreußens, jetzt durch Bahnen leicht erreichbar: Er.-Kuhren^, Warnicken, der Glanzpunkt, 5teilufer hier 60 m hoch, das rasch aufblühende Rauschen, Neu-Kuhren,- gleichzeitig Bade- orte,- ganz im 0 der besuchteste Badeort Eranz^, 2600 Einwohner. Auf der Kurischen Nehrung an der breitesten 5telle Rossitten, 300 Einwohner. Vogel- warte (s. 3. 23). Dieses und das nördlichere Nid den entwickeln sich allmählich ZU 5eebadeorten. Bei Cumehnen der Ealtgarben mit einem Bismarck- turm. 20 km nördlich von Königsberg Rudau, D., 3chlacht gegen die Litauer 1370. Von dem an der Mündung unweit Cranz schiffbaren, sonst unbedeutenden Veek-Fluß Dampfschiffsverbindung über das Kurische Haff nach Memel. 4. Kreis Labiau s. bei Litauen 3. 38 . 5. Tapiau, St. am Austritt der Deime aus dem Pregel, 6000 Ein- wohner. In der ehemaligen Burg und mehreren später errichteten Gebäuden eine Besserungs- und eine Landespflegeanstalt. Eärtnerlehranstalt. Wehlau, St., am Einfluß der Alle in den Pregel, 5300 Einwohner, Realschule. Große Pferdemärkte. Vertrag zu W. 1657. Nahebei die Pinnau, große Mühlen- werke, welche durch die aufgestaute, aber mit einer 3chiffsschleuse versehene Alle getrieben werden. 2 km südöstlich die Irrenanstalt Allenberg,- 15 km südlich Allenburg. 5tadt a. d. Alle, 1700 Einwohner. l 3. Vilderanhang 5. 61. - ° 5. Vilderanhang 3. 62 .
42 2andschaft5- und Ortschaftskunde. 6. Heiligenbeil, St. a. d. Iarft, 4800 Einwohner. Mühlenwerke, Land- wirtschaftsschule. Auf hohem Vorsprung am Haff Valga, Mfl., mit den sehenswerten Überresten einer der ältesten Ordensburgen; ursprünglich stand hier die 1239 eroberte Heidenfeste Honeda. Brandenburg i. Ostpr., Mfl. a. d. Mündung des Frischina, 1600 Einwohner. Iinten, 5t. am 5tradick, 3400 Einwohner. 7. Preuhisch-Eylau, 5t. am Pasmar, 3270 Einwohner. Lehrerseminar. 5chlacht 7./8. Februar 1807. Denkmal. 5üdwestlich Landsberg i. Ostpr., 5t., 2400 Einwohner. Von Pr.- Eylau nordwestlich Kreuzburg i. Ostpr., 5t., 1730 Einwohner, östlich davon Tharau, D. („Ännchen v. Tharau".) 8. Friedland i. Ostpr.. 5t. a. d. Alle, 3030 Einwohner, unglückliche 5chlacht 14. Juni 1807. Vartenftein, 5t. a . d . Alle, 7350 Einwohner, 5itz des Landratsamts, Landgericht, Gymnasium, Lyzeum, Unteroffizier-Vorschule. Östlich Schippenbeil, 5t. am Einfluß der Guber in die Alle. 2400 Einwohner. Domnau, 5t., 1900 Einwohner. 9. Kr. Verdauen s. bei Litauen 5. 38 . 10. Im 3 nach Masuren hin Nastenburg, 5t. a . d . Euber, 11950 Ein- wohner, Gymnasium, Lyzeum, Zuckerfabrik. In der Nähe Karls Hof, Arbeiter- kolonie, Anstalt für Epileptische. Westlich Heiligelinde, Mfl., Wallfahrtsort, prächtige katholische Kirche- nördlich von Rastenburg Varten, 5t., 1220 Ein- wohner; östlich davon Drengfurt a. d . Omet, 5t., 1520 Einwohner. umfaßt die Kreise 1. 2. 3. 4. 5. III. DaZ Vraunsberg Heilsberg Rössel Allenstein, 5tadtkreis Allenstein, Landkreis Ermland Große qkm 946 1095 852 — 1356 Venölkerung 54613 51912 50472 33077 57919 auf 1 cMu 58 48 60 — 43 Das heutige Ermland entspricht nicht dem alten Preußengau dieses Namens, der am Frischen Haff viel breiter war, sondern dem Gebiet des Vistums Ermland. Die Bischöfe des Ermlandes standen dem Orden schon früh selbständig gegenüber und hielten zu Polen; 1466-1772 war das Land auch wirklich polnisch, darum ist es katholisch geblieben, während rings- umher in Ostpreußen die Reformation Eingang fand. Es bewahrte aber seinen deutschen Charakter; nur in den verödeten 5üden drangen Polen ein. 5o wird im Kreise Allenstein schon viel Polnisch gesprochen. Um Wormditt, Heilsberg, Guttstadt, 5eeburg herrscht ein mitteldeutscher Dialekt und noch manche Eigenart in 5itte und Tracht. Nur 9°/a der Einwohner sind evan- gelisch. Die früher sehr bedeutende Garnspinnerei und Leinwandweberei ist sehr zurückgegangen. Der Boden ist etwas weniger fruchtbar als in der vorigen Landschaft und nimmt von ll nach 8 an Güte ab. In keinem Teil Ostpreußens gibt es weniger große Güter. Die 5iedlungen sind meistens Bauerndörfer.
^. Ostpreußen. 43 1. Vraunsberg a. d. Passarge, ehemals Hauptstadt des Ermlandes und Hansestadt, 13 600 Einwohner. I^ceum I-1c>8ianum mit theologischer und philosophischer Fakultät, Priesterseminar, Lehrerseminar, Gymnasium, Land- gericht; nicht unerheblicher Handel; Mühlenwerke, Brauerei Bergschlößchen, Landgestüt. Westlich am Frischen Haff Frauenburg, 2520 Einwohner. Gegenwärtig Sitz des Bischofs von Ermland; an der Mündung des künst- lichen Baudearms (s. S. 15) kleiner Hafen. Auf einem Berge neben der 2t. der große Dom^, 1342 gegründet, mit vielen Kostbarkeiten und dem Grabmale des Kopermkus (1- 1543). Südöstlich von Braunsberg Mehlsack 2, 2t. an der Walsch, deren Tal hier besonders schön ist, 3900 Einwohner. Noch weiter südöstlich Wormditt, 5600 Einwohner, Leinwandmärkte; in der Gegend von Wormditt und Mehlsack nur noch wenig Flachsbau. 2. Heilsberg, St. am Einfluß der Simser in die Alle, 6100 Einwohner. Großes Schloß, früher Sitz der Bischöfe von Ermland, der bedeutendste Vurgenbau Ostpreußens aus der Ordenszeit. Liebliche Umgebung (der Kreuz- berg mit weiter Aussicht). Gefecht 10. Juni 1807. An der Alle aufwärts Vuttstaot, St., 5050 Einwohner. 3. Rössel, St., 4500 Einwohner, Gymnasium, Präparandenkursus, Taubstummenanstalt. Zwischen Rössel und Heilsberg Vischofstein, St., 3200 Ein- wohner; südwestlich Seeburg, St. an der Simser, 3000 Einwohner; südöstlich Vischofsburg, St., 5450 Einwohner, Sitz des Landratsamtes. 4., 5. Allenstein, aufblühende Hauptstadt des seit dem 1. November 1905 neugebildeten Regierungsbezirks; 1870 5500 Einwohner, 1885 11600 Ein- wohner, 1910 33100 Einwohner, wichtiger Bahnknotenpunkt, große Garnison (über 5100 Mann), Landgericht, Gymnasium, Oberrealschule, Lyzeum mit Oberlyzeum, rege Tätigkeit auf allen gewerblichen Gebietend Schöne Umgebung, ^n der Nähe die Irrenanstalt Kortau; nordöstlich Wartenburg i. Ostpr., 2t., 4400 Einwohner, Strafanstalt im ehemaligen Bernhardinerkloster. IV. Das deutsche Oberland umfaßt die Kreise: Bevölkerung^ qkm 1. Pr. -Holland 860 2. Mohrungen 1265 f 37755 44 51396 l 41 3. Osterode 1553 ! 74666 ! 48 Ein schönes, wohlhabendes Land, reich an Seen, bewohnt von deutschen Protestanten; der südliche Teil des Kreises Osterode jedoch greift schon weit in das polnische Oberland (Masuren) hinüber. 1 5. Nilderanhang S. 68. 2 Ihren sonderbaren Namen führt die 5t. nach einem alten Dorfe Malcekuke. « 2. Vilderanhang 5. 70. Auf der Vischofsburg Allenstein wohnte Kopernikus 1517-19 und 1521-24.
44 Landschafts- und Ortschaftskunde. 1. Preußisch-Holland, St., 1297 von Holländern gegründet, 4750 Ein- wohner,- Mühlhausen in Ostpr., 5t. am Ostabhang der Elbinger Höhen, 2400 Einwohner, schöne Umgebung,- östlich und südöstlich davon liegen die großen Güter der ursprünglich aus Sachsen stammenden Grafen zu Dohna- das Hauptgut ist Schlobitten: sein Besitzer ist in den Fürstenstand erhoben. 2. Mohrungen, 5t., 4150 Einwohner, Geburtsorts Herders (Denkmal) und Willamows: nordöstlich Liebstadt i. Ostpr., 5t., 1950 Einwohner. Im W der Kanalseen am Ewing-5ee Saalfeld i. Ostpr., St., 2600 Einwohner. 3. Osterode i. Ostpr., 5t. am Einfluß der Dremenz in den gleichnamigen 5ee, 14400 Einwohner (Osterode am Harz), Lehrerseminar, Gymnasium, Lyzeum. Nordöstlich Liebemühl, 5t., am Oberländischen Kanal, 2400 Einwohner, vorübergehend 5itz der Bischöfe von Pomesanien: südlich von Osterode Peters- walde, D., dabei die Kernsdorfer Höhe. Weiter südlich Oilgenburg, 5t. zwischen dem Großen und dem Kleinen Damerau-See, 1600 Einwohner- 10 km nordöstlich Tannenberg, D., Schlacht 15. Juli 1410. In der Nähe der Passargequellen Hohenstein i. Ostpr., St., 2800 Einwohner: Lehrerseminar. umfaßt die Kreise: V. Masuren 1. Neidenburg 2. Ortelsburg 3. äensburg 4. Lätzen 5. Angerburg Größe qkm 1633 1705 1234 894 925 auf 59416 69635 50097 41209 35635 1 qkm 36 40 41 46 38 6. Ioyannis- burg 7. Lyck 8. Oletzko Größe qkm 1682 1128 841 Veuölker 51399 55579 38850 ung 1 qkm 31 50 46 Auch die südlichen Teile der Kreise Osterode, Allenstein und Goldap gehören zur Landschaft Masuren. Dieser hochgelegene südliche Teil unserer Provinz ist nicht sehr fruchtbar. Der Ertrag des Landbaues in den Kreisen Neidenburg, Ortelsburg, Iohannis- burg ist gering^ die anderen Kreise, besonders Sensburg, teilweise auch Lötzen, Lyck und Angerburg, stehen besser. In manchen Gegenden ist wegen der vielen übereinanderliegenden Steine eine Veackerung unmöglich, z. V. zwischen Neidenburg und Soldau und auch sonst in den Endmoränenlandschaften: in anderen, wo die Schmelzwasser die feineren Bestandteile des Bodens fort- geführt haben, besteht der Boden meilenweit aus Heidesand, so in der Iohannis- burger Heide und bei Willenberg. Hier hat der Staat weite Ödländereien aufgekauft und läßt sie aufforsten. Viel Wald und Seen. Die Gewässer be- tragen im Kreise Sensburg 13"/o, in Iohannisburg 11"/u, in Lyck 8°/« der Gesamtstäche. Wald, Seen und Höhen verleihen manchen Landschaften (besonders in den Kreisen 3 — 6) eine hohe Anmut. Die größten Wälder sind die Rothebuder Forst östlich von Lötzen, die Iohannisburger Heide, mit 960 qkm eines der größten Waldgebiete des Staates, die sich westlich an- schließende Erünfließer Forst, früher Naviwodensche Forst genannt, und die Wälder im oberen Allegebiet. Das Klima ist rauh. Die Dichtigkeit der Bevölkerung ist gering, besonders auch wegen der vielen Wasserstächen und
^. Ostpreußen. 45 der ausgedehnten Wälder. Die Kreise Neidenburg und besonders Iohannis« bürg gehören zu den am wenigsten bevölkerten der Monarchie. Die Bewohner sprechen überwiegend Polnisch, sind aber evangelisch. Das Masurische ist das nicht weiterentwickelte Polnisch aus der Zeit der polnischen Einwanderung im 16. Jahrhundert. Es geht mehr und mehr zurück. 1. Neidenburg, St. a. d. Neide, 5100 Einwohner, Geburtsort des Historikers Gregorovius. Realprogymnasium. In der Nähe stattliches Schloß und ein großer Stein, der an die Belagerung durch die Tataren 1656 erinnert? südwestlich an der Soldau (Neide) Soldau i. Oftpr., St., 4750 Einwohner. Nach dem Gefecht am 26. Dez. 1806 wurde Soldau als erste ostpreußische Stadt von den Franzosen besetzt. 2. Ortelsburg, St., 5500 Einwohner, Lehrerseminar? dicht daneben Beutnerdorf, D., 3400 Einwohner. Passenheim, St., 2100 Einwohner, Rübenbau. Südlich von Ortelsburg am Omuleff Willenberg, St., 2500 Ein- wohner? südöstlich von Ortelsburg Friedrichshof, Mfl., 1100 Einwohner. 3. Sensburg, St. zwischen mehreren Seen, 6500 Einwohner? Nikolaiken^, St. an dem hier auch von der Eisenbahn überbrückten Talter See, 2300 Ein- wohner, Fischfang, berühmt sind die Maränen? südwestlich von N. in der Gegend von Alt-Ukta sind die Philipponen (s. S. 31) angesiedelt? ihr Hauptort Eckersdorf. Bei Alt-Ukta der schöne Crutinna-Fluß und weiter im 8^V des Kreises Sensburg bis nach dem Kr. Iohannisburg hinein die Glanzpunkte Masurens: Rudczanny und der Nieder See. 4. Lötzen, St. am Löwentin-See, 7000 Einwohner, Gymnasium? großer Holzhandel? Dampfschiffahrt. Im W die Festung Boyen, welche dic hier zwischen Löwentin- und Mauer-See vom 80 nach dem übrigen Ostpreußen hindurchführende Hauptstraße deckt. Die eigentümliche Anordnung der Seen gestattet, wenn man von der neuen Eisenbahnbrücke bei Nikolaiken über den Talter See absieht, erst viel weiter im 3 über Iohannisburg und Rudczanny ein Umgehen dieses Wasserpasses? südöstlich von LötzenWidminnen, Mfi., 1100 Ein- wohner. Rhein, St. am Nordende des Talter Sees, 1900 Einwohner? Straf- anstalt für weibliche Verbrecher in dem hochgelegenen ehemaligen Ordensschloß. 5. Ungerburg, St. an der Angerapp unweit ihres Austritts aus dem Mauer- See. 5800 Einwohner, Lehrerseminar, Taubstummen-Anstalt, Krüppelheim. Nicht unwichtiger Bahnknotenpunkt. Schiffahrt bis zum Nieder und Rosch-See. 6. Iohannisburg, St. am Ausfluß des Pissek aus dem Rosch-See, 4300 Einwohner? das früher wichtige Schloß liegt nordöstlich der Stadt, östlich von Iohannisburg Vialla i. Oftpr., St., 2150 Einwohner? nordöstlich Arns, St. am Abfluß des Arys-Sees, 2200 Einwohner, großer Truppen-Übungs- und Artillerie-Schießplatz. An der Nordostecke des Spirding-Sees Eckers- berg, D.? hier 1361 Kynstut gefangen. 7. Lnck, St., schön gelegen am Lyck-See und -Fluß 2, 13500 Einwohner. Wichtiger Mittelpunkt für den 30 Ostpreußens. Landgericht, Gymnasium, Lyzeum. Westlich Klaußen. D., meteorologische Station. Prostken, Mfl., 2700 Ein» wohner, Grenzbahnhof? 18. Oktober 1656 Sieg der Polen und Tataren, worauf eine furchtbare Verwüstung des Landes bis Angerburg und Hohenstein folgte. ' S. Vilderanhang 3. 68 . - - 5. Vilderanhang 5. 69 .
Landschafts- und Ortschaftskunde. 8. Oletzko^ oder Marggrabowa, 5t. am gleichn. See, 5400 Einwohner, Landwirtschafts- und Realschule? merkwürdig der 6 lia große Marktplatz. Nordöstlich Mierunsken, Mfl. am gleichn. See, 1350 Einwohner. In diesem Kreise die Seesker Höhe. Ostpreußische Orte mit mehr als 50N0 Einwohnern. (Am 1. Dezember 1910). Königsberg Tilsit NIlenstem Insterburg Memel Gumbinnen 245994 39013 33077 31624 21470 14540 Osterodei.Ostpr. 14 364 Vraunsberg Lyck Rastenburg 13601 13428 11945 Goldap Vartenstein Mau Lätzen Sensburg Heilsberg Schmelz Tapiau Angerburg Stallupönen 9496 7343 7079 6945 6492 6082 6016 5986 5754 5646 Z. Weftpreuken Wormditt Eydtkuhnen Ragnit Ortelsburg Vischofsburg Marggrabowa Wehlau Neidenburg Euttstadt 5559 5540 5535 5478 5428 5391 5288 5060 5039 ist geteilt in die Reg. -Vez. Danzig. 7957 qkm, 742619 Einwohner, mit 12 Kreisen, und Marienwerder, 17583 qkm, 960855 Einwohner, mit 17 Kreisen. Die Kreise des Reg. -Vez. Danzig sind (in der amtlichen Reihenfolge): 1. Stadtkr. Elbing, 2. Landkr. Elbing. 3. Marienburg. 4 . Stadtkr. Danzig, 5. DanzigerNiederung, 6. DanzigerHöhe, 7. Dirschau, 8. Pr.-Stargard, 9. Verent, 10. Karthaus, 11. Neustadt. 12. Putzig. Die Kreise des Reg.- Vez. Marienwerder: 1. 5tuhm, 2. Marienwerder, 3. Rosenberg, 4. Löbau, 5.Strasburg, 6. Vriesen. 7. Stadtkr. Thorn. 8. Landkr. Thorn, 9. Kulm, 10. Stadtkr. Graudenz, 11. Landkr. Graudenz. 12. Schwetz, 13. Tuchel, 14. Konitz, 15. Schlochau, 16. Flatow, 17. Deutsch-Krone. l. Das Niederungsgebiet des Neg. -Vez. Danzig umfaßt die Kreise: l. 2. 3. Danzig, Ltadtkreis Danziger Höhe (zum Teil) Danziger Niederung Große qkm 32 422 476 Bevölkerung 170337 53506 36345 auf 1 qkm — 127 78 4. 5. 6, 7. Dirschau (Z.Teil) Marienburg Elbing, Stadtkreis Elbing, Land- kreis (z. Teil) Große qkm 467 806 12 615 Bevölkerung 42723 62999 58636 38611 , auf l qkm 91 78 — 62 i Den Namen Oletzko trug früher nur das 3chloh. Die Ztadt heißt amtlich Marggrabowa, der Kreis Oletzko.
L. Westpreußen. 47 Die eigentlichen Niederungen des Weichseldeltas (s. 5 . 13) gehören zu den fruchtbarsten Gegenden Deutschlands. Das Land ist meistens völlig eben, von Zahllosen, mit gestutzten Weidenbäumen eingefaßten Gräben durchzogen. Da es tief liegt, sorgen zahlreiche Windschöpfmühlen und mit Dampf betriebene 2chöpfwerke für die Fortschaffung des Wassers. Viel Weizen- und Zucker- rübenbau. Ausgedehnte Viehzucht. Die erheblich dichte, wohlhabende Ve- völkerung (Vergleich mit den anderen Kreisen!) ist meistens evangelisch und deutsch. Einige Polen in den Kreisen Dirschau und Danziger Höhe. Die Mennoniten haben hier ihren Hauptsitz im Deutschen Reiche. 1. Danzig, Hauptstadt der Provinz, Festung ersten Ranges, zu beiden 2eiten der vertieften und verbreiterten Mottlau, dicht vor ihrer Mündung in die Danziger Weichsel. 1910: 170000 Einwohner, 55° 21' 18" n. Vr., 18° 39' 54" östl. L. v. Gr. (kleine Sternwarte). 3itz der obersten Behörden der Provinz, Landgericht, Technische Hochschule in Langfuhr, Navigations- und Kunstschule, 2 Gymnasien, Realgymnasium, Oberreal- schule, Viktoriaschule, mehrere Mittel- und viele andere Zchulen, städtische Bibliothek, im ehemaligen Franziskanerkloster städtische Gemäldegalerie und wissenschaftliche sammlungen. Naturforschende Gesellschaft. An der Weichselmündung mußte ein ätapelplatz für die Erzeugnisse des weiten Flußgebietes und für die von der 5ee nach demselben einzuführenden Waren entstehen. 2o ist der Ursprung Danzigs sehr alt- 955 wurde es zur Hauptstadt Oberpommerns oder Pommerellens erhoben. 997 landete Adalbert von Prag in „Gyddanizc" und fand hier schon viele Christen. 1107 wurde Pommerellen ein selbständiges Herzogtum und bas c»8trum Oclansk 5itz der Herzoge. Die älteste Danziger Urkunde enthält die 1178 hier vollzogene ätiftung des Klosters Oliva. Bald siedelten sich lübische Kaufleute in größerer Zahl hier an, und es entstand neben dem meist von 5lawen bewohnten „Hakelwerk" eine Gemeinde, die nach der Gründung der Rechtstadt die „alte 5tadt" genannt wurde. 131l) kam mit Pommerellen auch Danzig an den Deutschen Orden, und es begann für die Ztadt eine Ieit mächtigen Aufschwungs' die Ritter bauten das Herzogliche ächloß zu einer festen Burg aus, gründeten eine neue deutsche Ansiedlung auf dem südlichen Ufer der Mottlau, „die Rechtstadt", mit kulmischem Recht und führten eine Reihe großartiger Bauwerke (Ableitung der Radaune, Weichseldämme usw.) aus. Die reiche 5tadt wurde um 135l) Mitglied der Hansa. Nach der Zchlacht bei Tannenberg kam es zu erbitterten Streitigkeiten Zwischen Ztadt und Orden (Ermordung ber Bürgermeister Letzkau und Hecht durch den Komtur Heinrich Reuß von Plauen), bie 1454 den Anschluß Danzigs an Polen herbeiführten. Das Ordensschloh und die 1380 zum Lchaden der 3tadt angelegte Iungstadt wurden gründlich zerstört. 1466 kam Danzig mit Westpreußen unter die Herrschaft des Königs von Polen, war aber, da lhm das Münzrecht, eigene Gerichtsbarkeit, Iollfreiheit und die Entscheidung über Krieg und Frieden zustand, eigentlich eine freie 5tadt unter polnischem schütz. Es blieb auch unter polnischer Herrschaft ein festes Bollwerk des Deutschtums. Die Deformation fand früh Eingang. Die Glanzzeit Danzigs fällt ins 16. und 17. Jahr- hundert' aus dieser Ieit stammen auch die zahlreichen stattlichen Privatbauten. In uie Kriege Polens wurde die 5tadt oft genug verwickelt, aber es gelang, die dadurch herbeigeführten öchädigungen durch den aus dem Handel fließenden Reichtum immer wieder zu ersetzen. 5o belagerte 1577 Ztephan Bathory die ötadt' sie war am Schwedisch-Polnischen Erbfolgekrieg, am Nordischen und am Polnischen Erbfolgekrieg, wo sie für ätanislaus Lesczynski Partei nahm, beteiligt. 1734 hatte sie eine harte Be- lagerung durch die Russen zu bestehen (Russisches Grab). Als 1772 Westpreußen, aber noch ohne Danzig, preußisch wurde, verlor dieses durch seine isolierte Ltellung an politischer Bedeutung und als Handelsstadt furchtbar. Die Einwohnerzahl ihres Gebietes sank von etwa 60000 auf 36700 im Jahre 1793. Da wurde die Stadt preußisch und erholte sich schnell, bis der Unglückliche Krieg begann' 1807 wurde Danzig nach tapferer Verteidigung unter Kalckreuth am 27. Mai zur Ergebung gezwungen und hatte 20 Millionen Francs Kriegssteuer Zu zahlen? es wurde dann im Tilsiter Frieden zu
48 Landschafts- und Ortschaftskunde. einer freien Stadt erklärt mit einem Gebiet von zwei Meilen im Umkreise, mußte aber eine französische Besatzung unter Rapp aufnehmen und unterhalten. Die frei- staatliche Herrlichkeit kostete der Stadt 49 Millionen Mark, und als sie 1814 ihr Ende erreichte, waren noch fast 30 Millionen Mark Schulden zu tilgen. Die Leiden während der Belagerung durch die Preußen und Russen bis zum 28. Dezember 1813 waren entsetzlich gewesen. Ein Pfund Nutter kostete schließlich 18 Mark, ein Scheffel Getreide 120 Mark. Erst allmählich erholte sich die Stadt, 1860 hatte sie schon wieder ein Kapitalvermögen von 2 Millionen Mark. Eine neue Periode der Entwicklung beginnt 1863, als Geh. -Rat von Winter an die Spitze der Verwaltung trat. Die Anlegung der großartigen Wasserleitung und der damals in ihrer Art einzigen Kanalisation ist sein Werk' die Schulen hatten sich seiner besonderen Fürsorge zu erfreuen, und die Erhebung Westpreußens zu einer eigenen Provinz und Danzigs zu ihrer Hauptstadt ist im wesentlichen sein Verdienst. Durch seine Vauten ist Danzig eine der interessantesten Städte Deutschlands, es hat trotz mancher in der Neuzeit erforderlichen Veränderungen das altertümliche Gewand noch treulich bewahrt. Mit feinem Verständnis für die Schönheit der Bauformen früherer Zeiten hat man die großen öffentlichen Gebäude der Neuzeit im Stile des 16. und 17. Jahrhunderts aufgeführt und dadurch die Schönheit der Stadt gehoben. Wohl darf man sie mit Nürnberg und anderen Städten vergleichen, die berühmt sind, weil sie noch ihr Aussehen aus früheren Zeiten erhalten haben. A . v . Humboldt be- zeichnete Danzig als eine der schönsten Städte der Welt. Durch die Niederlegung der alten Vefestigungswerke hat die Stadt wieder viel gewonnen. 1878 wurde Danzig die Hauptstadt der neuen Provinz Westpreußen. Am Ende des 19. Jahrhunderts fielen die alten inneren Wälle. Hier entstand ein neuer schöner Stadtteil und der große Haupt- bahnhof. Der seit 1899 in Neufahrwasser fertiggestellte Freihafen und der 1904 er- öffnete Kaiserhafen haben den Handel wesentlich gefördert. Die Hauptteile Danzigs sind: die Recht-, Alt- und Niederstadt, ferner die Vorstadt im W des Hauptgrabens, die Speicherinsel zwischen den Armen der Mottlau und der üanggarten im 8. Der großartigste ist die vom Deutschen Orden begründete Rechtstadt. Sie enthält die Langgasse mit dem Rathause (Turm 85 m), den Langen Markt mit dem Artushofe (jetzt Börse) und dem Neptunsbrunnen ^, das Hohe Tor, das Zeughaus (1605) und vor allem die evangelische Oberpfarr- oder Marienkirche, 1343-1503 erbaut, wohl die größte protestantische Kirche Deutschlands, 112 m lang, 45 m breit, 31 m hoch, mit vielen Schätzen, darunter „Das jüngste Gericht", ein Gemälde! sie soll 25000 Menschen fassen. Grab des Martin Opitz. Eine der zu ihr führenden Straßen, die Frauengasse^, ist ganz unverändert geblieben und besitzt auch noch die „Beischläge", Plattformen vor den Häusern, zu denen Treppen von der Straße emporführen. Von neuen Gebäuden sind die großartigsten: die Regierung, das Landeshaus, die Sparkasse, die Oberpost- direktion, die Reichsbank. Iu ermähnen ist auch noch das den Langen Markt ab- schließende Grüne Tor, in dessen Bau sich die wertvollen Sammlungen des Westpreußischen Provinzial-Museums befinden, und die Katharinenkirche, die älteste der Stadt, 1185 gegründet, das Kaiser-Wilhelm- und das Krieger-Denkmal. Danzig ist der Geburts- ort mehrerer berühmter Männer, darunter Clüver, Fahrenheit (Thermometer), Archenholz, Chodowiecki, Schopenhauer, Rob. Reinick. Das Eroßgewerbe erzeugt: Bernsteinwaren, Papier, Spirituosen, Tabak, Leder, Maschinen. — Mühlenwerke, Brauereien; vor allem ist Danzig Handelsstadt; aus- geführt werden: Getreide, Holz, Eisenwaren; eingeführt: Kolonialwaren, Heringe, Kohlen, Petroleum. An der Weichsel abwärts Schiffswerften, darunter die große Kaiserliche Werft und die Schichausche, die zu den größten der Welt gehören. Von den Zahlreichen Vorstädten sind die wichtigsten: Langfuhr, 4 km nordwestlich, durch eine schöne Lindenallee mit Danzig verbunden; Realgymnasium, v. Conradisches Erziehungs-Institut (Conradinum) mit Realschule und Progymnasium; Lehrerseminar und Präparandenanstalt. Schidlitz im W, Neufahrwasser, 8 km nördlich, der Vor- hafen, links der Weichselmündung; gegenüber Weichselmünde (Festung) und der Bade- ort Westerplatte. 1 S. Vilderanhang 3. 77 . 2 2. Bilderanhang S. 77.
8. Westpreußen. 49 2. Die Umgegend Danzigs ist mit Recht wegen ihrer landschaftlichen Schönheit berühmt: in Frage kommen dabei die Orte im KIW am Rande der Danziger Höhen, die sich weiterhin nach dem Pommerellischen Höhenzug fortsetzen; Iäschkenthal bei Langfuhr; Oliva, Mst., 7000 Einwohner, 9 km nordwestlich von Danzig. Hier wurde 1178 ein Iisterzienserkloster gestiftet, dessen Mönche bald eine segensreiche Tätigkeit in den unteren Weichselgegenden begannen; die große Kirche desselben besitzt eine prachtvolle Orgel. Friede 1660. Das Haus der Äbte jetzt Königliches 2chloß mit herrlichen Gartenanlagen^; dicht dabei der Karlsberg mit weiter Aussicht. Am Meer der Vadeort Brösen; weiterhin goppot^, 2t., 15000 Einwohner, 13 km von Danzig, besuchtes 2eebad, viel großartiger als die samländischen Badeorte, Reform-Realgymnasium mit Realschule. Lüdlich von Danzig Ohra, stadtähnliches Dorf, 110N0 Einwohner, und weiterhin Praust, D., 2900 Einwohner, an der Radaune; große Baumschule. 3. In der Danziger Niederung links der Weichsel liegt eine Reihe wohl- habender Ortschaften. Rechts der Weichsel, auf der sogenannten Danziger Nehrung, Heubude, D., fast 3000 Einwohner, Rieselfelder, Flunderfang. Weichsel- münde, D., neben der Festung, 1500 Einwohner. Neufähr, D. (über die Weichselmündung s.S.ii f.). Stutthoff, D., 2500 Einwohner, an Mündungs- armen der Elbinger Weichsel. Auf der Frischen Nehrung Kahlberg, ein Vadeort; von der Höhe der Düne weite Aussicht über das Haff nach den Elbinger Höhen und bis Zum Frauenburger Dom; Leuchtturm. 4. Dirschau, 3t. am linken Weichselufer, 17 000 Einwohner, Reform-Realgym- nasium, Lyzeum; Zchiffahrt, Maschinen, Ziegeleien, Zuckerfabrik; großer Vahnhof. Die alte, 837 m lange Eisenbahnbrücke über die Weichsel, 1850—57 erbaut, war damals eine der größten Brücken der Welt. 3ie dient jetzt als Fahrbrücke. Eine neue, zweigleisige Brücke, dicht unterhalb der alten (sechs Öffnungen mit 129 m 2tütz- weite, im ganzen 785 m lang), ist 1891 vollendete Südlich Dirschaus Pelplin, D., 3500 Einwohner. 1274 gestiftetes gister- zienserkloster; 5itz des Bischofs von Culm; die prächtige Klosterkirche ist jetzt die Kathedralkirche. Priesterseminar. 5. Marienburg, 2t. am rechten Ufer der Nogat, 14000 Einwohner, war 1309-1457 Hauptstadt des Ordensstaates. 1457 mußte der Hochmeister Ludwig von Erlichshausen 2chloß und 2tadt wegen rück- ständiger Forderungen den böhmischen2öldnern unter Ulrich Czirwenkaüberlassen, diese lie- ferten sie den Polen aus. Zwar gewann der Bürgermeister Bartholomäus Blume die 2tadt noch einmal für den Orden, mußte sie aber 1460 wieder den Polen übergeben und wurde hingerichtet (Denkmal).— Lehrerseminar, Gymnasium, Landwirtschaftsschule, Lyzeum mit Oberlyzeum, Taubstummenanstalt, neue Eisenbahnbrücke; die alte dient als Fahrbrücke. Das berühmteste Bauwerk der 2tadt ist die Marienburg <; der erste Teil, das Hochschloß, wurde 1274—76 vom Landmeister Konrao von Thierberg angelegt, der Zweite, das Mittelschloß, entstand an der 5telle der ursprünglichen Vorburg nach 1309, als der Hochmeister seine Residenz nach der Marienburg verlegte, und zugleich eine neue, ausgedehnte, jetzt verschwundene Vorburg. 2ie sollte einmal das Haupthaus des halbmönchischen Ordens, dann die Residenz des Hochmeisters, der allmählich ein mächtiger Landesherr wurde, und schließlich eine feste Wehrburg sein. Um diesem Iweck zu genügen, wurde sie stark befestigt und laßt deshalb von außen nicht ahnen, welch herrliche Räume sie enthalt. Die Ritter wohnten im Hochschloß, der Hochmeister im Mittelbau, der wohl unter Winrich von Kniprode seine Vollendung erhielt. Die großen 2ale des Hochschlosses 5, die beiden Hochmeisterremter sind vollendete Meister- merke der gotischen Baukunst und haben mit ihren wundervollen Spitzbogengewölben, die auf schlanken Pfeilern ruhen, nur wenig Ebenbürtiges in der Welt. Unter der polnischen und im Anfang der preußischen Herrschaft verfiel die herrliche Burg; man hatte kein i 5. Bilderanhang S. 76. - - Schon im Kreis Neustadt. 5 . Bilderanhang 5. 74 . » 2. Bilderanhang 2. 73. - ^ 2. Bilderanhang 2. 78. - ^ 2. Biloeranhang 2. 78. Lullies, Landeskunde von Ost- und Westpreußen. 7 . Aufl. 4
50 Landschafts- und Ortschaftskunde. Verständnis für ihre Zchönheit, schlug die Gewölbe ein, zog gerade Balkendecken hindurch und benutzte die Räume teilweise als Getreidespeicher. Erst als man im An- fange des 19. Jahrhunderts auf die Herrlichkeiten der Marienburg aufmerksam wurde, und sich auch der spätere König Friedrich Wilhelm IV. dafür zu interessieren begann, fing man die Wiederherstellung 1824 an. In den letzten Jahren ist rüstig gearbeitet worden, und in einiger Ieit wird der stolze Vau in seiner früheren öchönheit wieder- erstanden sein. — Denkmal Friedrichs d. Er. In der fruchtbaren Umgebung und im Maiienburger Werder viele große, reiche Ortschaften. Zuckerfabriken. Neuteich, 5t. in der Mitte des Werdes, 2650 Einwohner? Tiegenhof, 5t. am Eintritt des Weichsel-Haff-Kanals in die Tiege, 2900 Einwohner, Realschule. 6. Elbing, 5t. am Elbingfluß: 1237 wurde die Vurg und zugleich von Lübeckern in der Nähe des alten Handelsortes Truso (Drausen-5ee) die 5tadt gegründet, 59 000 Einwohner. Durch seine Beziehungen zu Lübeck wurde Elbing früh Mitglied der Hansa und erlangte große Bedeutung. 1454 sagte es sich vom Orden los und nahm nach 1466 ähnlich wie Danzig die 5telle eines Freistaates unter polnischem Lchutze ein. Es trat früh zur Reformation über und erfreute sich, trotz mancher ätreitigkeiten mit Danzig, von einigen angesehenen Familien regiert, eines behaglichen Wohlstandes- es entstand neben der Altstadt ^ die. 5peicherinsel und die Neustadt. 1626 wurde Elbing von Gustav Adolf besetzt und befestigt (die Festungswerke sind später niedergelegt) i damit begann für die 5tadt, die unaufhörlich bei den polnischen Kriegen in Mit- leidenschaft gezogen wurde, eine harte Ieit. Erst 1772 wurde es anders, als Elbing an Preußen kam und, da Danzig noch selbständig blieb, auf Kosten dieser 5tadt von Preußen in jeder Beziehung gefördert wurde. Dieser Aufschwung dauerte aber nur bis zur Erwerbung Danzigs durch Preußen 1793. Im Unglücklichen Krieg hat Elbing schwer gelitten, hat sich dann aber wieder erholt und ist jetzt eine wichtige Industrie- stadt geworden. Weltberühmt ist die Maschinenfabrik und ächiffswerft von ächichau- seine Torpedoboote gelten als die besten der Welt. Ferner gibt es eine große Tabak- fabrik, Mühlenwerke, Webereien, Brauereien,Likörfabriken. — Landgericht, Gymnasium, Oberrealschule mit Reform-Realgymnasium, Lyzeum mit Oberlyzeum. — Durch den Oberländischen Kanal ist dem Elbinger Handel ein weites Hinterland erschlossen. 7. Östlich von Elbing die Kolonie Pangritz, 3000 Einwohner. Im llO Elbings die Trunzer Höhen, mit reizenden Landschaften. Vielbesuchte Orte sind: Vogelsang, Weingrundforst, Panklau (herrliche Vuchen) und weiterhin am Haff Eadinen" mit den Ruinen eines Vernhardinerklosters, kaiserliches Vesitztum? Majolikafabrik. 5chon jenseits der Höhen Tolkemit, 5t. am Haff, 3300 Einwohner, Fischerei, Töpferei. 5üdlich von Elbing die üppige, sehr tief liegende Elbinger Niederung (s. 5. 13). Östlich von Elbing Eüldenboden, D. II. Das Hochland des Neg. - Vez. Danzig, Nordpommerellen (die Kaschubei) umfaßt die Kreise: 1. Preußisch-5targaro 2. Verent 3. Karthaus 4. Neustadt 5. Putzig oße qkm 1055 1239 1398 852 582 Vevülkerrmg 65426 55976 69891 61620 26548 auf 1 qkm 62 45 50 72 46 Dazu gehören auch Zum Teil die Kreise Danziger Höhe und Dirschau. 5. Bilderanhang 3. 79. - ° 5. Bilderanhang 2. 76.
8. Westpreußen. 51 Diese Landschaft ist nicht sehr ergiebig. Katholiken überwiegen (gegen 70 °/o). Die größere Westhälfte wird von den Kaschuben bewohnt, einem besondern slawisch-wendischen Volksstamm. Die Kaschubei reicht nach 3 bis an die obere Vrahe, den Müskendorfer 3ee und den Nekwarz-Fluß, also bis in die Kreise Konitz und Schlochau hinein. Die Kaschuben sind noch in mancher Hinsicht rückständig geblieben- deshalb machen Gehöfte, Felder, Äcker und Leute einen ganz andern Eindruck als in den von Deutschen bewohnten Gegenden. - Im Gebiet der Radaune-Seen große Waldungen. 1. Preußisch - Stargard, St. an der Ferse, schon 1198 genannt, vom Deutschen Orden an ihre heutige Stelle verlegt, 10 500 Einwohner, Gymnasium. 2. Verent. 3t. an der Ferse, 6500 Einwohner, Lehrerseminar, Pro- gymnasium. Zwischen Verent und Dirschau Schöneck, St. an der Fietze, 3400 Einwohner. 3. Karthaus, Flecken in reizender, waldiger Gegend (Marienparadies) Zwischen Zwei Seen, 3250 Einwohner, ehemaliges Kartäuserkloster- 15 km lüdsüdwestlich von Karthaus liegt Schönberg i. Kr. Karthaus, Westpreußens höchstes Dorf, 250 m, dabei der Turmberg (s. 3 . 2). 4. Neustadt i. Westpr., St. unweit der Nheda, 9900 Einwohner. Gymnasium, Lehrerseminar, Irrenanstalt. Im 8 und 30 Neustadts überraschend schöne Gegend. In den Vächen, welche die waldigen Täler durchrauschen, Forellenfang: Eisen- und Kupferhämmer, südöstlich Neustadts Gdingen, D., unweit der Küste, hier häufig größere Flottenmanöver. 5. Putzig, St. am Putziger Niek, 2200 Einwohner, im 3 Rheda in Westpr., Dorf am gleichnamigen Fluß. Auf dem breiten Ende der Landzunge Hela der Flecken Hela, 400 evangelische Einwohner, ein alter, ebenso wie die vier anderen Dörfer der Halbinsel (diese mit polnischer, katholischer Ve- völkerung) ziemlich weltverlassener Ort, neuerdings Badeort geworden. Auf der Landspitze unweit der Wurzel der Landzunge der wichtige Leuchtturm Rixhöft. Auf der Halbinsel selbst stehen Leuchttürme in Heisternest und Heia. III. Das Gebiet des Reg.-Vez. Marienwerder im Osten der Weichsel (Pomesanien und Culmerlandj umfaßt die Kreise: I, 5tuhm Marienwerder Nosenberg üöbau 5trasburg Vriesen Eraudenz, Ltadtkreis qkm 641 958 1041 970 1061 706 19 Bevölkerung 36527 68462 54550 59037 62142 49506 40325 1 qkm 57 71 52 61 59 70 — 8. 9. 10. 11. Eraudenz, Landkreis Culm Thorn. Ztadtkreis Thorn, Landkreis qkm 779 724 — 903 Bevölkerung 48818 50069 46227 59317 1 qkm 63 69 — 66 Nach w und I>IW fallt es zu den Weichselniederungen ab, im 30 geht es in Masuren über. Der Voden Pomesaniens ist im ganzen fruchtbar. Größere Wälder im Kr. Nosenberg- das Culmerland, zwischen Ossa und Drewenz,
52 Landschllfts- und Ortschaftskunde. hat ausgezeichneten Weizenboden. Viel Zuckerrübenbau. Größere Wälder sind der Thorner 5tadtforst, der Drewenz- und der Iamminer Wald. Die Bewohner sind im 3 bis zur Ossa und im Kreise 3tuhm polnische Katholiken, in der Mitte und in der Weichselniederung evangelische Deutsche, im 30 wie im ostpreußischen Masuren Polnisch sprechende Evangelische. 1. ötuhm, 5t. Zwischen zwei 5een, 3100 Einwohner. Die Burg war früher sehr wichtig- große Torfstiche. 4 km südwestlich 5tuhmsdorf, dabei an der 5telle, wo 1635 der Waffenstillstand zwischen Polen und Schweden geschlossen wurde, der 5chwedenstein; östlich Christburg, 5t. a . d . 5orge, 3000 Einwohner. Die wichtige, 1248 unweit einer Heidenfestung angelegte Burg war 5itz des Ordenstrappiers und 5chauplatz vieler Kämpfe. In der Nähe sind bei Nachgrabungen in dem sumpfigen Tale der 5orge zwei große Moorbrücken gefunden worden, aus Eichenbohlen hergestellte 3traßendämme, die aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammen mögen. Die nördlichere ist 1231 m lang. 3ie dienten wohl der Zicherung des Verkehrs auf der großen Bernsteinstraße nach dem 3amlande. 2. Marienwerder. Hauptstadt des Reg.- Bez., auf dem Abhang einer Anhöhe an der Liebe, 13 000 Einwohner. Negierung, Oberlandesgericht' Gymnasium- Lyzeum mitOberlyzeum; Unteroffizier- schule; Landgestüt i große evangelische Domlnrche, in der drei Hochmeister und die Bischöfe von Pomesanien, welche hier anfangs residierten, begraben sind. 1440 wurde hier der Preußische Vund der ötädte und ätände gegen den Orden geschlossen. 1772 wurde Marienwerder die Hauptstadt Nestvreußens ^. — Die Eisenbahnbrücke über die Weichsel bei Marienwerder, die zugleich als Fahrbrücke dient, ist 1060 m lang. 3üdlich Garnsee, 5t., gegen 1000 Einwohner. Ein Teil des Kreises Marienwerder liegt links der Weichsel, darin Mewe, 5t. an der Mündung der Ferse in die Weichsel auf hohem Ufer, 3800 Einwohner, Realschule, 5trafanstalt. 3. Rosenberg i. Westpr., 5t. östlich von Marienwerder, 3200 Einwohner; nördlich 5chloß Finckenstein, Napoleons I. Hauptquartier im Frühjahr 1807; nordwestlich Riesenburg, 5t. auf einer Anhöhe an der Liebe, Realschule, 5050 Einwohner, 1276-1523 Residenz der Bischöfe von Pomesanien; südlich von Rosenberg Freystadt i. Westpr., 5t., 2600 Einwohner. Im 0 des Kreises Deutsch-Eylau, 5t. am Geserich-5ee, 10100 Einwohner, Kreuzungspunkt der Thorn^Insterburger und Marienburg^MIawkaer Bahn; Gymnasium; 5chiffahrt, Märkte, Getreidehandel,- südöstlich an der Ossa Vischofswerder, 5t., 2300 Einw. 4. Löbau i. Westpr., 5t., 5400 Einwohner, Lehrerseminar, Progymnasium; im () die Kernsdorfer Höhe. 5üdwestlich Neumark i. Westpr., 5t. an der Drewenz, 4150 Einwohner, 5itz des Landratsamts; Progymnasium; etwas oberhalb Neumark Maria-Lonk, Wallfahrtsort; südlich Kauernik, seit 1905 Landgemeinde, an der Drewenz, 850 Einwohner, Lager des Ordens- heeres vor der 5chlacht bei Tannenberg. 5. Strasburg i. Westpr., 5t. zu beiden 5eiten der Drewenz, 8000 Ein- wohner, Gymnasium. 5üdöstlich an der Grenze Gorzno, 5t., 1650 Einwohner; weiter nordöstlich Lautenburg, 5t., 4000 Einwohner. 6. Vriesen i. Westpr., 5t., 8200 Einwohner, Reform-Realprogymnasium; in der Landgemeinde Wittenburg i. Westpr. ein evangelisches Predigerseminar; l S. Vilderanhang 5. 79.
8. Westpreußen. 53 südlich davon Eollub, 2t. an der Drewenz, 3100 Einwohners südwestlich 3chönsee i.Westpr.(polnischKowalewo),FI.,3400 Einwohner, einst wichtige Vurg. 7. Graudenz> 5t. auf dem hohen rechten Ufer der Weichsel, schon zur Heidenzeit vorhanden, 40 000 Einwohner, Landgericht, Strafanstalt- Lehrer- seminar, Gymnasium, Oberrealschule, Lyzeum mit Oberlyzeum; lebhafte Gewerb- tätigkeit, Schiffahrt und Handel; große Eisenbahnbrücke, 1092 m lang (Trinke- Kanal s. 5. 14). Schöne Umgegend. 2 km nördlich die Feste Courbiere, hieß früher Festung Graudenz, von Friedrich d. Er. angelegt, 1807 von Courbiere tapfer verteidigt. 8. Südöstlich von Graudenz Rehden, St., aus dem heidnischen Radzin entstanden, 2000 Einwohner,- die Burgruine ist sehr sehenswert. Östlich von Graudenz Lessen, St., 2700 Einwohner. 9. Culm, St. auf dem hohen rechten Ufer der Weichsel, 2 km vom Strom, 11700 Einwohner. Der Ort bestand schon vor Ankunft des Deutschen Ordens, erhielt 1222 das erste preußische Vistum, das bis 1466 dem Erzbischof von Riga, dann dem Erzbistum Enesen untergeordnet war, und 1233 zu Weihnachten als erster Ort in Preußen vom Orden Ztadtrecht. Das Privilegium, welches die Rechte und Pflichten der Vürger mit Zugrundelegung des Magdeburgischen Rechtes enthält, ist die sogenannte Culmische Handfeste. Diese wurde später fast allen Ordensstädten verliehen, daher culmisches Recht, culmisches Maß usw. Unter der Ordensherrschaft stand Culm in hoher Vlüte, war Hansastadt, sank aber nach 1466 und hat seinen alten Rang nicht wiedererlangt. Cs stand ursprünglich beim Dorfe Althausen und ist 1250 an seine heutige 5telle verlegt worden. — Gymnasium, Realschule, Lyzeum. 10. Thorn, Stadt und Festung ersten Ranges auf dem rechten Ufer der bei Hochwasser fast 800 m breiten Weichsel, 46 300 Einwohner. Von hier aus begann der Orden die Eroberung Preußens; gleichzeitig mit Culm erhielt Thorn 5tadtrecht und wurde 1235 an seine heutige Ltelle verlegt. Es erhielt ätapelrecht, wurde Mitglied der Hansa und erlangte bald große Bedeutung. Es fiel 1454 zuerst vom Orden ab und blieb bis 1793 polnisch. Glücklich war diese Zeit für Thorn nicht. (1724 die Thorner Tragödie.) 5chon 1550 wurde die Reformation ein- geführt; 1807—13 gehörte Thorn zum Großherzogtum Warschau. Friedensschlüsse 1411 und 1466. — Landgericht, Gymnasium, verbunden mit Reform-Realgymnasium, Lyzeum mit Oberlyzeum, zwei Lehrerseminare und Präparandenanstcilten. — Lebhafter Handel mitHolz,Getreide,5leinkohlen, Kolonialwaren usw.; Zchiffahrt, Maschinen-, 5eife-, Tabakfabriken. Berühmt sind die Thorner Pfefferkuchen. - ätattliche Ztraßen, schönes Rathaus«, davor das Ztandbild des Kopernikus, der in Thorn 1473 geboren wurde, (leri-ao motor, 8nli8 cneliqu« 8tatol-. ) Große, fast 1 km lange Eisenbahnbrücke. - Nahebei nördlich der 1906 eingemeindete Vorort Mocker. 11. Südlich Podgorz, Fl., 3700 Einwohner, 8 km westlich von Thorn Alt-Thorn a. d. Weichsel; hier stand die Heidenburg Turno, welche der Orden verstärkte, und neben der Thorn ursprünglich lag. Nördlich Culmsee, St. an einem See, 10 600 Einwohner, zeitweise Residenz der Bischöfe von Culm; schöne Kirche mit der Grabstätte Siegfrieds von Feuchtwangen. Reform- Nealprogymnasium. Größte Zuckerfabrik Deutschlands. Südlich von Thorn Ottlotschin, links der Weichsel, Grenzbahnhof. ! Das gegenüberliegende polnische Dobrzyn war nicht der 5itz des Ritterordens von Dobrin, der sich bald mit dem Deutschen Orden vereinigte. Das Dobrzin, nach dem er sich nannte, liegt rechts der Weichsel, oberhalb der Drewenzmündung. 2 S. Vilderanhang 5. 80. - » 5. Vilderanhang S. 80 .
54 Landschafts- und Ortschaftskunde. IV. Das Gebiet des Reg. -Vez. Mariemverder im Westen der Weichsel (Südpommerellen; die Tuchler Heide) umfaßt die großen Kreise: 1. 2chwetz 2. Tuchel 3. Konitz 4. Lchlochau 1670 857 1417 2138 89712 54 33951 40 63723 45 67157 31 5. Flatow 1528 69186 ^ 45 6. Deutsch- Krone 2153 62182 29 Es ist eine wellige, nicht sehr fruchtbare, im V/ seenreiche Hochebene mit ausgedehnten Waldungen. Am größten ist das Waldgebiet der Tuchler Heide, an ihrem Nord- und Ostrande liegen etwa die Itädte Konitz, Pr.- Itargard, Ichwetz, Neuenburg, nach 3 erstreckt sie sich bis in die Provinz Posen. Ihre Länge beträgt bis 120 km, die Vreite 20^45 km. Einzelne Gestelle sind 90 km lang, ohne Unterbrechung. Der Voden besteht weithin aus Heidesand, indem die eiszeitlichen Ichmelzwasser die feineren, tonigen Vestandteile des Erdreichs fortführten; aber es finden sich auch kleinere, lehm- und geröllreiche Endmoränenzüge, auch Seen und Moore. Der Hauptbaum ist wie in der Iohannisburger Heide die Kiefer. Der Holzreichtum wird teils in zahlreichen Schneidemühlen verarbeitet (Ezersk), teils gelangt er auf der Vrahe und dem Ichwarzwasser oder auf den verschiedenen Eisenbahnen, die jetzt schon die Heide durchziehen, zum Versand. Durch Verieselungskanäle sind an verschiedenen Stellen ertragreiche Wiesen geschaffen. Der Kulturzustand der Heide steigt. Iwar erscheinen sehr weite Itrecken wenig reizvoll, aber es gibt auch interessante und landschaftlich schöne Partien, besonders in den Tälern des Ichwarzwassers und der Vrahe. Die Vevölkerungsdichtigkeit ist gering; an der Weichsel herrscht ebenso wie im XV von Ichiochau deutsche, am Ichwarzwasser und an der Vrahe polnische Bevölkerung vor. Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist Ziemlich gleich. 1. Schwetz, 5t. an der Mündung des Ichwarzwassers, 8050 Einwohner. Wegen seiner tiefen Lage litt der Ort durch Überschwemmungen und ist seit 1885 Zum Teil auf eine Anhöhe verlegt. Gymnasium, Irrenanstalt. In der Umgebung besitzen die hohen Weichselufer viel schöne Punkte. Westlich von Ichwetz Terespol, nördlich Laskowitz, wichtiger Vahnhof; östlich davon Gruppe, Mfl., großer Artillerieschießplatz, nördlich Warlubien. D., 2100 Einwohner, östlich Osche, D., 2700 Einwohner. Neuenburg i. Westpr., 3t. an der Mündung der Montau, in hoher Lage, letzte Besitzung des Ordens an der Weichsel, 5150 Einwohner. 2. Tuchel, 5t. unweit der Vrahe, im >V der Tuchler Heide, 4250 Ein- wohner, Lehrerseminar. 3. Konitz, St., zur Ordenszeit ein wichtiger Wassenplatz, 12 000 Einwohner, Landgericht, Gymnasium, Vahnknotenpunkt. Ostnordöstlich davon Czersk, D., 6100 Einwohner, bedeutende Holzindustrie.
L. Westpreußen, 55 4. öchlochau, 5t. zwischen zwei 5een, stand unter der Herrschaft des Ordens in hoher Vlüte, die es aber unter der polnischen Herrschaft gänzlich eingebüßt hat, 3600 Einwohner, Taubstummenanstalt; südwestlich davon Landeck i.Westpr., 5t. a . d. Küddow und der pommerschen Grenze, fast 800 Einwohner. Preuhisch- Friedland, 5t., 3900 Einwohner, Lehrerseminar, Progymnasium. Hammerstein, 5t., 3000 Einwohner, Artillerieschießplatz. Valdenburg, 5t. am gleichnamigen 5ee, 2500 Einwohner. In den zuletzt genannten 5tädten war früher die Tuchweberei sehr bedeutend, hat aber jetzt ganz aufgehört. 5. Flatow, 5t. zwischen mehreren 5een, 4300 Einwohner. Krojanke, 5t., 3500 Einwohner. Vei diesen beiden 5tädten liegen die großen Güter des Prinzen Friedrich Leopold. Zempelburg, 5t. an der Zempolna, 3800 Ein- wohner. Nördlich von Iempelburg Kamin i. Westpr., 5t., 1650 Einwohner. Nandsburg, 5t., 3200 Einwohner. 6. Deutsch-Krone, 5t. in der südwestlichen Ecke der Provinz, zwischen Amts- und Radun-5ee, 7700 Einwohner. Gymnasium, Lehrerseminar, Vau- gemerkschule. Nördlich gippnow, D., 2050 Einwohner. In 7-12 km Entfernung liegen um Deutsch-Krone mehrere große Dörfer. Iastrow, 5t., unweit der Küddow, 5500 Einwohner, große Pferdemärkte, öchloppe, 5t., 2000 Einwohner. Ganz im W der Provinz Märkisch-Frieoland, 5t., 2100 Einwohner; südlicher Tütz, 5t. zwischen drei 5een, 2100 Einwohner. Westpreuhische Orte mit mehr als 5000 Einwohnern. (Am 1. Dezember 1910.) Danzig Elbing Thorn Graudenz Dirschau Ioppot Marienburg Marienwerder Konitz 170337 58636 46 227 40325 16849 15015 14019 12983 12005 Culm Ohra Culmsee Pr.- 5targard Dt.- Eylau Neustadt Vriesen 5chwetz 5trasburg 11718 11029 10612 10419 10087 9 840 8174 8 042 7951 Dt.- Krone OIiva(i905) Verent Czersk (1905) Iastrow Löbau Neuenburg Riesenburg 7673 6896 6474 6087 5514 5365 5152 5 032
56 Zeittafel. Zeittafel zur Geschichte von Ost- und Westpreuhen. Etwa 6N —250 n. Chr. Römische Kaufleute kommen in das Vernsteinland Preußen. 98. Tacitus erwähnt in seiner Germania an der unteren Weichsel Voten, östlich davon die Ästyer. Um 15N. Der Geograph Ptolemäus nennt Sudauer und Ealmdier in den Gegenden, wo sie noch 1100 Jahre später sitzen. Um 4NN. Während der Völkerwanderung rücken in die Landschaften links der Weichsel slawische Völker- rechts der Weichsel bleiben die alten Preußen und Litauer ungestört. Um 88N. Der Angelsachse Wulfstan in Danzig und Truso am Ilfing (Elbing), gibt die ersten Nachrichten über das „Estenland". 997. Adalbert von Prag bei Tenkitten erschlagen. 1N08. Vruno von Merseburg -s- . 1107. Pommerellen selbständiges Herzogtum mit der Hauptstadt Danzig. 1178. Gründung des Klosters Oliva. 1215. Christian, Vischof des Culmerlandes. 119N. Stiftung eines deutschen Krankenpflegerordens von Akkon, 1198 entsteht aus diesem der Deutsche Ritterorden. 1226. Herzog Konrad von Masovien bittet den Deutschen Ritterorden um Hilfe gegen die Preußen. 1228. Stiftung des Ritterordens von Dobrin. 123N—83. Eroberung Preußens durch den Deutschen Orden. Hermann Nalk erster Landmeister. 1233. Culm und Thorn erhalten 2tadtrecht. 1237. Vereinigung des Deutschen und des Schwertbrüder-Ordens - Gründung Elbings. 1242—48. Erster Aufstand der Preußen, unterstützt durch Smantepolk von Pommerellen (regierte 1220—66). 1255. Gründung von Königsberg. 126N—74. Zweiter großer Aufstand. 13N9. Siegfried von Feuchtwangen verlegt den Hochmeistersitz nach der Marienburg. 131N. Erwerbung Pommerellens durch den Orden mit Danzig, Dirschau u. a . 1351—82. Winrich von Kniprode. (Goldenes Zeitalter des Ordens bis gegen 1410). 137V. Schlacht bei Nudau. — Danzig, Culm, Thorn, Elbing, Vraunsberg, Königs- berg werden als Mitglieder des Hansabundes genannt. 1386. Iagello von Litauen tritt mit seinem Volke zum Christentum über und vereinigt durch seine Heirat mit Hedwig Polen und Litauen. 1410. Ichlacht bei Tannenberg (15. Juli). — Verteidigung der Marienburg durch Heinrich Reuß von Plauen. 1411. Erster Thorner Friede. 1422. Friede am Lee Melno. Festsetzung der Grenzen Preußens gegen Polen und Litauen, wie sie bis jetzt bestehen. 144N. Preußischer Vund. 1454—66 . 13jähriger Krieg (1454 Schlacht bei Konitz). 1466. Zweiter Thorner Friede. Pommerellen, Culmerland, Teile von Pogesanien und Pomesanien und das Ermland kommen unter polnische Herrschaft, behalten aber noch eine gewisse Selbständigkeit' Ostpreußen wird pol- nisches Lehen. 1511—25. Albrecht von Brandenburg letzter Hochmeister und
Zeittafel. 57 1525—68 erster Herzog von Preußen. Ostpreußen seit 1525 weltliches Herzogtum. (Der Deutsche Orden besteht in Deutschland Mergentheim) weiter bis 1809.) 1473—1553. Nikolaus Kopernikus. 1544. Gründung der Universität Königsberg, Albertina. 1568—1618. Albrecht Friedrich. 1569. Reichstag zu Lublin. Westpreußen Polen einverleibt. 1618. Ostpreußen kommt an Brandenburg unter Johann Sigismund. 1619-4N . Georg Wilhelm, seit 1627 meistens in Ostpreußen. 1621—29. Gustav Adolf im Kriege mit Polen. 1605—35. Schwedisch-polnischer Erbfolgekrieg. Waffenstillstand zu Stuhmsdorf. 164N—88. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst. 1655—6ll. 2 . schwedisch-polnischer Erbfolgekrieg. 1656. Vertrag zu Labiau? Tatareneinfall. 1657. Vertrag zu Wehlau. 1660. Friede zu Oliva. Der Gr. Kurfürst souveräner Herzog von Preußen. 1678—79. Winterfeldzug des Gr. Kurfürsten in Oftpreußen. Gefecht bei Splitter. 1688—1701. Friedrich III,, Kurfürst. 1701. 18. Jan. Preußen wird Königreich. Krönung Friedrichs in Königsberg. 1701—13. König Friedrich I. 1713—40. Friedrich Wilhelm I. 1723. Thorner Vlutgericht. 1732. Aufnahme der Salzburger. Friedrich Wilhelms I. Sorge für Litauen. 1733—38 . Polnischer Erbfolgekrieg. Stanislaus Lesczynski von Russen und Sachsen in Danzig belagert. 1740—86. Friedrich II., der Große. 1757. Schlacht bei Gr. -Iägersdorf. 1758—62 . Ostpreußen von den Russen besetzt. 1772. Erste Teilung Polens: Ermland, Westpreußen ohne Thorn und Danzig werden preußisch. Friedrichs d. Gr. Sorge für Westpreußen, v. Domhardt und v. Vrenckenhoff. 1786—97. Friedrich Wilhelm II. 1793. Zweite Teilung Polens. Danzig und Thorn werden preußisch. 1797—1840. Friedrich Wilhelm III. 1806—07. Unglücklicher Krieg. 1807. 7 . u . 8 . Febr. Schlacht bei Pr.- Eylau. 27. Mai Danzig ergibt sich. Tapfere Verteidigung von Graudenz. 10. Juni Treffen bei Heilsberg, 14. Juni Schlacht bei Friedland. 9 . Juli Friede zu Tilsit. 1807—14 . Danzig ist ein Freistaat unter französischem Schutz. Thorn und Culm ge- hören zum Großherzogtum Warschau. Durchzug der Franzosen. 30. Dez. Konvention zu Tauroggen. Befreiungskriege. 3 . -5. Februar 1813 Oftpr. Landtag in Königsberg. Ostpreußen geht bei der Erhebung Preußens voran. 28 . Dez. 1813 Danzig ergibt sich den Preußen und Russen. Friedrich Wilhelm IV. Wilhelm I. Teilung Preußens in die Provinzen Ost- und Westpreußen. 9. März bis 15. Juni Friedrich III. Wilhelm II. 1813 1840 1861 Seit 1812. -15. -61. — 88. 1878. 1888. 1888.
58 Anhang. Anhang. Einige wichtige literarische Hilfsmittel für die Landeskunde von Ost- und Westpreuhen. Allg. Landesbeschreibungen, kunsthistor. Topographien, Schilderungen usw. A. E. Preuh. Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. 633 5. Königsberg 1835. (Vielfach veraltet, enthält aber noch immer viel Brauchbares.) E. Neumann. Das Deutsche Neich. 2 Vde. Nerlin 1874. (Noch immer sehr wich- tiges, vielseitiges und ausführliches Werk.) Ambrassat. Die Provinz Ostpreußen. 2. Aufl. Königsberg 1912, Geh. 7,50 Mk., gebd. 8,50 Mk. — Westpreußen. Danzig 1906. 3,50 Mk. A. gweck. Litauen, Stuttgart 1898. 8 Mk. - Masuren 1901, 7 Mk. - 5amland und das Pregeltal 1902. 4 Mk. A. Nludau. Oberland, Ermeland, Natangen und Varten. 8 Mk. Ostpreußen, herausgegeben vom Verein Zur Hebung des Fremdenverkehrs. 2 Aufl. Königsberg 1910. 1,50 Mk. Vehrke, Hecker und Preuh. Die Provinz Westpreußen in Wort und Vild. I. Teil: Heimatkunde, Danzig 1911. 3 Mk. ll. Teil! Heimatkundliches Lesebuch. Tetzner. Die Slawen in Deutschland. Veiträge Zur Volkskunde der Preußen, Litauer, Masuren und Philipponen .... der Kaschuben und Polen. Vraunschweig 1902. 15 Mk. Mit Karten und Literaturangaben. Die Vau- und Kunstdenkmäler der Provinz Westpreußen. — Die Vau- und Kunstdenkmaler der Provinz Oftpreußen. (Enthalten viele Abbildungen, topo- graphische Einzelheiten und wichtige Literaturnachweise.) H. VonK. Die Vurgen und Städte in Altpreußen (Ordensgründungen) in ihrer Be- ziehung zur Vodengestaltung. Königsberg 1895. Passarge^ Aus Baltischen Landen. Vlogau 1878. 551 5 . 2 Mk. (vergriffen). Hecht. Aus der deutschen Ostmark. Eumbinnen 1897. Üohmeyer. Geschichte von Ost- und Westpreußen. Vand I (bisher einziger). 3 . Aufl. Votha 1908. Physische Geographie und Geologie. Vludau. Die Oro- und Hydrographie der preußischen und pommerschen Seenplatte. Ergänzungsheft 110 zu Petermanns Mitteilungen. Eotha 1894. Ganz besonders wichtig, mit Höhenschichtenkarte in 1:500000. Die ötromgeoiete des Deutschen Reiches. Teil I, Gebiet der Ostsee. (Statistik des Deutschen Neiches. Neue Folge, Heft 39,) Wahnschaffe. Die Ursachen der Oberflächengestaltung des norddeutschen Flachlandes. (Forschungen zur deutschen Landes- und Volkskunde. VI, Heft 1.) 3. Aufl. Stuttgart 1909. A. Tornquist. Geologie von Ostpreußen. Verlin 1910. 11,50 Mk. 5onntag. Geologischer Führer durch die Danziger Gegend. Danzig 1910.
Anhang. 59 Statistik. Karten. Statistisches Jahrbuch für den Preußischen Staat und statistisches Jahrbuch für das Deutsche Neich; erscheinen jährlich. Generalstabskarte des Deutschen Reiches 1:100 VON. Hieraus sind zusammengestellt die Karten der einzelnen Kreise. Vogel. Karte des Deutschen Reiches 1:500000. Gotha 1891 ff. Vlatt 4, 5, 9, 10, 11. Habenicht. Atlas Zur Heimatkunde des Deutschen Reiches. Vlatt 20, 21, 22, 23, 24, 25 in 1:5000ll0 a 20-40 Pf., sehr zu empfehlen. Liebenow. SpezialKarte von Ost- und Westpreußen. 1:300000. Sicker. Karte von Ostpreußen (unter Mitwirkung von Iühlke, Vludau und Zweck). Stuttgart 1902. 1:300000. 10 Mk. Sehr gut! Einzelnes. Nordoftdeutsche Städte und Landschaften. Danzig, seit 1888. Erschienen: Ioppot, Danzig, Elbing, Königsberg, Samland, Kurisches Haff, Marienburg, Hela, Thorn, Oliva, Iäschkenthal, Cadinen, Karthaus a 1—1,50 Mk. Armstedt und Fischer. Heimatkunde von Königsberg. Königsberg 1895 (vergriffen). Schließlich sei hingewiesen auf das Verzeichnis der landeskundlichen Literatur der Provinzen Oft- und Westpreuhen. Herausgegeben von der Känigsberger Geo- graphischen Gesellschaft. Heft I. Königsberg, Hübner K Matz, 1892, auf die Be- richte über die neuere Literatur zur deutschen Landeskunde von A. Kirchhofs und Hassert. l . Vand (1896—99). Verlin 1901. II. (1900/01). Vreslau 1904. III. (1902/03). Vreslau 1906, und auf die Altpreußische Bibliographie, jährlich zusammengestellt im Auftrage des Vereins f. d. Gesch. von Ost- und Nestpr., in der Altpreußischen Monatsschrift.
I. H. Von's Verlag in Königsberg i. Pr., Paradeplatz 4. - Ferdinand Hirt in Vreslau. Die Provinz Ostpreußen. ^ ^Nmb!»f»7 vollständig umgearbeitete Auflage. Mit 147 Abbildungen und einer farbigen Tafel. Preis geheftet 7.50 ^, in Leinwandband 8.50 ^i. Zum Gedächtnis Adalberts. ^H^ Todestage des Märtyrers von Pfarrer C. Heger. Geheftet 50 .^. DieOrdensgeschichte Preußens. V^?^ der Wiedervereinigung Westpreußens mit der preußischen Monarchie von vs. E . Heine! und C. F . Üaudien. Mit einer Karte von Preußen zur Zeit des Deutschen Ordens. Geheftet 1 ^V, gebunden 1.60 ^. l>ltN^l>nKNckl> 6l<5N5N Ausgewählt und neu erzählt von Dr. Vl«^l rUD»,sU.)»5 ^ZU^^ll. Hermann Iantzen. Mit Buchschmuck von Hermann Wirth. Elegant gebunden 2^. Unsere mittelalterliche Oftmarkenpolitik. ,^ der Vesiedelung und Wiedereindeutschung Ostdeutschlands von Direktor vl. N . Sebicht. Geheftet 2.50 >H. 01<4lcko 6/»5»lo 2H" Geschichte und Bedeutung. Für das ^l"»"/^ <^u.,l^. deutscheVolkdargestelltvonTheodorLindner. Mit Titelbild, 72 Abbildungen im Text und einer Karte in Farbendruck. 4. Auflage. Geheftet 2.25 ^)l. In Veschenkband 3 .V. '" ^'"^" charakteristischen Zügen und seinen Beziehungen zu Geschichte und Leben der Menschen. Von Universitäts-Professor Nr. I. Kutzen. Fünfte, neu bearbeitete Auflage, herausgegeben von Nealgymnasial-Direktor Dr. Victor Zteinecke. Mit 179 Bildern und Figuren sowie 12 farbigen Tafeln und Karten. Geheftet 10.50 ^, gebunden 12.50 ^. Deutschlands Ehr' im Weltenmeer. ^"7 Flotte, ihr heutiger Ausbau und Skizzen aus dem Leben an Bord von Vize- admiral a. D. N .v. Werner. Neubearbeitung von Kontreadmiral z. D . E Holz- hauer. Mit 4 Kunstbeilagen nach Originalen von Prof. Willy Ltöwer undIohs. Gehrts, 105 Bildern und 2 farbigen Flaggentafeln. 6 . Auflage. Geheftet 4 ^H, in Eeschenkband 5 ^. Im Selbstverlag des Verfassers erschien: Der Regierungsbezirk Eumbinnen. 5.^«« Auf Anregung der Königlichen Regierung zu Gumbinnen verfaßt von Wilhelm Obgartel, Nektor in Insterburg. Mit einem doppelseitigen Titelbild und 71 Textbildern. In Leinwandband 6.75 ^5.
E.vonSe Neubearbeitung Gesamlverbreitu Ausgabe ^: Grundzüge der Geographie. Oberlehrer N.Tronmer. 25. Bearbeitung. Mit 32 Fig. u. Bildern im Text. 5 färb. Tafeln u. einem Anhang von 48 Bildern in Photographiedruck. Geb. 1,25 Mk. Ausgabe L: Kleines Lehrbuch der Geographie. Für höhere bearbeitet von Professor Dr. A . Äohrmann. 24. Bearbeitung. Mit 13? Bildern und Figuren im Text, 25 farbigen Tafeln und einem Anhang von 148 Bildern in Photographiedruck. Leinwandband 3 Mk. Neben diesen Neubearbeitungen bleiben die bisherigen Aearbeilungen bestehen: Ausgabe ^: Grundzüge der Geographie. Eine Vorstufe zu der Aus- gabe L. Kerausgegeb. von Dir. Or.E.Oehlmann. 24. Bearbeitung. Kart. 1,25 Mk. Ausgabe L: Kleines Lehrbuch der Geographie, herausgegeben von Direktor Dr. E . Oehlmann. 22 . Bearbeitung. Leinwandband 3 Mk. II. Kestausgaben: Ausg. 0: Für höhere Schulen Ausg. d: Für höhere Schulen mil wöchentlich zwei geographischen Unterrichtsstunden auf der Mittel- und Oberstufe. Bearbeitet von Professor 0,-, A. Äohrmann. Mi! mehr als 500 Bildern in Farben» und Photo. I.Keft: Quinta. 3',KeI!:Un!erler!ia,9llPl, 75 Ps. 75 Pf. 4. Kett: Obertertia. 90 Pf. 5. Keft: Unler!ekm,da,90 Pf. 7. Keft: Für die oberen Klassen. ! ,2ö Ml>. 75 Pf. mil wöchentlich einer geographischen Unterrichtsstunde auf der Nitlel- und Oberstufe. Bearbeitet von Professor Dr. A. Vohrmann. Mit mehr als 400 Bilder» in Farben» und Plww- graphiedrnck, Karten und Profilen. Kartoniert. Vorstufe: Sexta. 75 Pf. l.Keft: Quinta 75 Pf. 2. Keft: Quarta. 75 Pf, 2, fteft:Untertertia. 80 Pj. 5,5ef!: Un^rfekunda.kill M fl Pf Ergänzungbheft: Für die oberen kl.'üen. I Nik Ausgabe ll: Für Lyzeen und Höhere Mädchenschulen. In sieben Keften bearbeitet von Dir. Paul Gockisch. Mit mehr als 600 Bilden, in Farben- und Photographiedruck, Karten, Köhenquerschnitten und Figuren. I. Kef! VII, «laife, 75 Pf. L, Kef.: V,,5Uc>^. ! N!k. 3. Klft: V. Klaffü. 75 Pf. > 5. Keft: III Klaffe. ! Mk. ! 7. Kef!. - I. Klaffe. ! Ml>. 4. Kef!: IV. Klaffe. I . Nk. > 6. Keft: II. Kluffe. I Ml», j Eine gekürzte Form der Ausgabe T ist erschienen unter dem Titel: Gackisch-Üerche, Erdkunde für Üyzeen u. Höhere Mädchen- Mit Über 200 Bildern und Figuren im Text und 25 farbigen In drei Teilen. Kartoniert je 1,50 Mk ergänzung dient: 111-001952-00-0 ür die Oberstufe höherer Lehran!,allcn md Seminare. Kart. 1 .50 Mk. ^.^ Kerausgecieben von "Z Direktor Professor erläuternden Abbildungen in Pholo ?9 Tafeln in vielfachem Farbendruck. durchgesehener Neudruck. 1912. dbd. 6 .50 Mk.: Kalbfrzbd. 7.50 Mk. Wendler, Leipzig.