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ISBN: 0023-1290

Year: 2021

Text
                    VÖLLER & VOGTS Die Ex-Bundestrainer im Doppelinterview vor der EM

Österreich € 3,30, Schweiz 5,80 sFr., BeNeLux € 3,40, Frankreich € 3,90, Italien € 3,90, Portugal (cont.) € 4,20, Spanien (cont.) € 4,20, Kanaren (Luftfracht) € 4,50, Ungarn 1 470 Ft., Griechenland € 4,50, Dänemark 34,95 Dkr

RELEGATION

Bitteres Ende:
Kiel chancenlos
Alles Kopfsache:
Köln erstklassig

„Alle Spiralen
drehen sich
nach unten“
TRANSFERS IM ZEICHEN DER KRISE
Der Einbruch des Marktes.
Die Probleme der Bundesliga.
So reagieren die Macher.
Eberl im großen Interview.

Foto: Getty Images

CH A M P I ON S L E AG U E

Havertz
trifft,
Chelsea
holt den
Henkelpott

TEST GEGEN DFB-ELF

Poulsen und
die Vorfreude

Raum und 44
die Euphorie 3,00
U-21-EM

31. 5. 2021
22. WOCHE
¤



31. MAI 2021 EDITORIAL I N DI ES ER AU S G AB E Jörg Jakob Chefredakteur Eberl gibt mit Gladbach ein gutes Beispiel 6 Angespannt und heikel: Die Klubs sind auf dem Transfermarkt in die Defensive gedrängt. Serie, Teil 2 D ie erste komplette CoronaSaison hat weitreichende wirtschaftliche Folgen. Die in einigen Klubs bereits dramatischen Verhältnisse und die riesigen Herausforderungen für eine gesündere Zukunft schildern wir in einer Serie. Im zweiten Teil spricht Max Eberl im Interview mit Jan Lustig über „Finanzen & Transfers im Zeichen der Krise“. Der Sportdirektor und seine Kollegen steuern die Mönchengladbacher Borussia nachhaltig erfolgreich. Wenngleich der angestrebte sportliche Erfolg, die Europacupteilnahme, verpasst wurde, taugen die Gladbacher als sehr gutes Beispiel für vernünftiges Wirtschaften in der Bundesliga. 16 19 76 82 Emotional und erfolgreich: Jonas Hector und der 1. FC Köln in der Relegation gegen Holstein Kiel Erfolglos und einmalig: Schalke hat in seiner Horrorsaison 42 Spieler eingesetzt – Gründe und Hoffnungen. Gesprächig und zuversichtlich: Die Ex-Bundestrainer Rudi Völler und Berti Vogts über Löws EM-Kader DER SPORT steht im Mittelpunkt unserer aktuellen Sonderhefte. Mit allen relevanten Fakten und den Einordnungen der kicker-Experten begleiten wir Sie durch die EM. Die große Bundesliga-Bilanz kommt Ende dieser Woche in den Handel. 36 Bundesliga: Aktuelles aus den Vereinen Foto: von der Lage Wir wünschen eine schöne Woche! 52 International: Aktuelles aus aller Welt Gelogen und betrogen: Wie der Fußball beim Bundesliga-Skandal 1971 seine Unschuld verlor. Serie, Teil 1 57 2. Liga: Aktuelles aus den Vereinen 64 3. Liga: Aktuelles aus den Vereinen 72 Regionalliga: Aktuelles aus den Regionen kicker ist Mitglied im Verbund „EUROPEAN SPORTS MEDIA“. Dazu gehören: A Bola (Portugal), De Telegraaf (Niederlande), ELF (Niederlande), Fanatik (Türkei), La Gazzetta dello Sport (Italien), Marca (Spanien), Nemzeti Sport (Ungarn), So Foot (Frankreich), Sportal Korea (Südkorea), Sport-Express (Russland), Sport-Magazine (Belgien), Tipsbladet (Dänemark), World Soccer (England). 3
31. MAI 2021 KNIPSER Foto: Imago Images/Rafayat H. Khan 4 Vergebliche Liebesmäh M it 18-monatiger Verspätung ist in Asien die zweite Qualifikationsrunde für die WM 2022 in Katar fortgesetzt worden. Aber ganz egal, wie sehr sich die Greenkeeper im Stadion von Sylhet für die drei noch ausstehenden Heimspiele Bangladeschs gegen Afghanistan, Indien und den Oman auch plagen: die Mühe beim Mähen ist vergebens. Das Nationalteam ist Letzter der Gruppe E mit einem Punkt und 2:13 Toren. Und weil zudem in der Pandemie Sicherheit und Gesundheit Vorrang haben, finden die Gruppenspiele an einem zentralen Ort statt. In Doha.

6 31. MAI 2021 Transferausgaben der Bundesligisten 2016/17 645 Mio. Euro Der jeweils teuerste Zugang der Bundesliga in den jüngsten fünf Saisons: Mats Hummels, Corentin Tolisso, Abdou Diallo, Lucas Hernandez, Leroy Sané 2017/18 708 Mio. Euro 2018/19 540 Mio. Euro 2019/20 930 Mio. Euro
31. MAI 2021 7 Finanzen & Transfers im Zeichen der Krise (Teil 2) Die fetten Jahre sind vorbei Die Corona-Pandemie hat den T R A N SF ER MA R KT in weiten Teilen zum Erliegen gebracht – und die Klubs in die D E F E NSIV E gedrängt. Die Branche ist darauf eingestellt, dass der Sommer 2021 für sie noch schwieriger wird als der vor einem Jahr. 2020/21 369 Mio. Euro „No way“, ließ Oliver Mintzlaff den Antragsteller abblitzen, „keine Chance!“ Im August 2019 spielte sich das ab, zwei Wochen vor Schließung des Transferfensters. Und der Anlass war ein Angebot des FC Arsenal über 75 Millionen Euro für den damals 20-jährigen Dayot Upamecano, das der Geschäftsführer von RB Leipzig dankend ablehnte. Zum einen, weil er dem frisch verpflichteten Trainer Julian Nagelsmann nicht die größte Abwehrhoffnung des Vereins entziehen wollte. Zum anderen, weil er davon überzeugt war, dass ein Jahr später ein Klub kommen werde, der die dann festgeschriebenen 60 Millionen Euro bezahlen werde. Doch dann kam Corona und im Sommer 2020 eben kein Verein, der sich Upamecano leisten konnte und wollte. Erst in diesem Frühjahr schlug der FC Bayern zu – für „nur“ noch 42,5 Millionen Euro. Binnen zwei Jahren hatte sich der Wert des französischen Abwehrjuwels fast halbiert. Am Beispiel Upamecano lassen sich die drastischen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Profiklubs und ihre Personalpolitik beispielhaft ablesen. Nach Jahren des scheinbar unaufhaltsamen Umsatzwachstums und der immer neuen Rekordablösen brach der Transfermarkt schlagartig ein. Die Einnahmeverluste der Bundesligisten von insgesamt einer Milliarde Euro seit Ausbruch der Pandemie führten bei den meisten Vereinen zur Vollbremsung – und es ist nicht absehbar, ob und wann der Betrieb wieder jene Drehzahlen wie vor der Krise erreicht. „Der Markt ist eingebrochen. Und wenn man durch viele Netzwerkgespräche hört, was in vielen Klubs los ist und wie agiert wird, dann sage ich: Dieses Jahr wird es noch mal weniger“, glaubt Alexander Rosen. Hoffenheims Manager fügt hinzu: „Das Kapital im Markt ist so krass reduziert, dass es wieder wenig Bewegung geben wird.“ Bayern Münchens Vorstandsmitglied Oliver Kahn prophezeit: „In der kommenden Saison werden wir die Schleifspuren der Corona-Krise zu spüren bekommen.“ 9
8 31. MAI 2021 B U N D E S L I G AZ U G Ä N G E – 2 0 1 9 /2 0 UND 2 0 2 0 /2 1 I M V E R GL E I C H 78 2020/21 wurde viel seltener Ablöse gezahlt Zugänge, die Ablöse kosteten Der Absturz der Werte ist sehr auffällig. In den beiden Transferphasen der Saison 2019/20 zahlten die Bundesligaklubs für 78 Spieler eine Ablöse, in den beiden folgenden nach Ausbruch der Pandemie nicht mal mehr für halb so viele. Auch die Verkäufe mit Ablöse wurden weniger: 2019/20 brachten 57 Abgänge Transfereinnahmen, 2020/21 nur noch 39. 35 33 Zugänge mit mind. 10 Mio. Euro Ablöse 638,5 12 19/20 20/21 19/20 20/21 Gesamtsumme der Ablöse dieser Zugänge in Mio. Euro 230,5 19/20 20/21 Kadergrößen, Gehälter, Beraterhonorare, Ablösesummen – die Klubs nutzten und nutzen viele Stellschrauben, um ihre Personaletats einschneidend zu kürzen. Die Dimensionen werden sichtbar beim Vergleich der Ablösesummen in den vergangenen zwei Bundesligaspielzeiten. In der Saison 2019/20, als die Fans bis in den März hinein noch unbeschwert die Stadien füllen durften, standen den Transferausgaben von 930 Millionen Euro lediglich 683 Millionen Euro an entsprechenden Erlösen gegenüber. 2020/21 hingegen überstiegen die Transfereinnahmen die -ausgaben um zehn Millionen Euro – bei deutlich geringerem Volumen: 369 Millionen Euro wurden ausgegeben, 379 Millionen eingenommen. „Es gab Diese 45 Spieler kosteten 10 Millionen Euro oder mehr Emre Can, Hannes Wolf, Paco Alcacer und Martin Hinteregger waren bereits ausgeliehen, bevor die Kaufpflicht griff oder die Kaufoption gezogen wurde. Zum Teil ergibt sich die Ablöse aus Leihgebühr plus Kaufpreis. Die 12 teuersten Zugänge 2020/21 Die 33 teuersten Zugänge 2019/20 Ablöse in Mio. Euro Spieler 80 35 32 31 25,5 25 23 21 20 18 17 15 13 12 11 10 Lucas Hernandez Benjamin Pavard Kerem Demirbay Mats Hummels Thorgan Hazard Julian Brandt Nico Schulz Lucas Tousart Krzysztof Piatek Paco Alcacer Dodi Lukebakio Erling Haaland Dani Olmo Ademola Lookman Matheus Cunha Edmond Tapsoba Exequiel Palacios Moussa Diaby Ozan Kabak Christopher Nkunku Benito Raman Hannes Wolf Xaver Schlager Diadie Samassekou Munas Dabbur Santiago Ascacibar Michael Cuisance Breel Embolo Stefan Lainer Martin Hinteregger Djibril Sow Jacob Bruun Larsen Marin Pongracic von zu Atletico Madrid VfB Stuttgart TSG Hoffenheim Bayern München Bor. Mönchengladbach Bayer Leverkusen TSG Hoffenheim Olympique Lyon AC Mailand FC Barcelona FC Watford RB Salzburg Dinamo Zagreb FC Everton RB Leipzig Vitoria Guimaraes River Plate Paris St. Germain VfB Stuttgart Paris St. Germain Fortuna Düsseldorf RB Salzburg RB Salzburg RB Salzburg FC Sevilla VfB Stuttgart Bor. Mönchengladbach FC Schalke 04 RB Salzburg FC Augsburg Young Boys Bern Borussia Dortmund RB Salzburg Bayern München Bayern München Bayer Leverkusen Borussia Dortmund Borussia Dortmund Borussia Dortmund Borussia Dortmund Hertha BSC Hertha BSC Borussia Dortmund Hertha BSC Borussia Dortmund RB Leipzig RB Leipzig Hertha BSC Bayer Leverkusen Bayer Leverkusen Bayer Leverkusen FC Schalke 04 RB Leipzig FC Schalke 04 RB Leipzig VfL Wolfsburg TSG Hoffenheim TSG Hoffenheim Hertha BSC Bayern München Bor. Mönchengladbach Bor. Mönchengladbach Eintracht Frankfurt Eintracht Frankfurt TSG Hoffenheim VfL Wolfsburg Ablöse in Mio. Euro Spieler 49 26 25 24 20 15 11 10,5 10 Leroy Sané Patrik Schick Jude Bellingham Emre Can Alexander Sörloth Dominik Szoboszlai Jhon Cordoba Jeremie Frimpong Hannes Wolf Bouna Sarr Ridle Baku Baptiste Santamaria von zu Manchester City AS Rom Birmingham City Juventus Turin Crystal Palace RB Salzburg 1. FC Köln Celtic Glasgow RB Leipzig Olympique Marseille 1. FSV Mainz 05 Angers SCO Bayern München Bayer Leverkusen Borussia Dortmund Borussia Dortmund RB Leipzig RB Leipzig Hertha BSC Bayer Leverkusen Bor. Mönchengladbach Bayern München VfL Wolfsburg SC Freiburg Auch sie waren einem Bundesligaklub 2019/20 zwischen 10 und 25 Millionen Euro Ablöse wert: Nico Schulz, Ademola Lookman, Benito Raman, Michael Cuisance, Jacob Bruun Larsen
kaum mehr große Transfers“, sagt Bayern-Präsident Herbert Hainer, „da waren die Corona-Auswirkungen zu spüren.“ Der Branchenprimus blieb da im Trend, auch wenn er im Oktober kurz vor Transferende in einer Art Torschlusspanik für knapp 20 Millionen Euro mit Eric Maxim Choupo-Moting, Bouna Sarr, Marc Roca und Douglas Costa noch schnell vier neue Spieler holte, die – außer Lewandowski-Back-up Choupo-Moting – nicht halfen. Unterm Strich gab der FC Bayern in der abgelaufenen Saison 34,25 Millionen Euro mehr für Transfers aus als er einnahm, ein Jahr zuvor waren es 90,5 Millionen. Bei zehn Bundesligavereinen steht hinter dieser Saison ein Transferplus, das sind doppelt so viele Klubs wie in der Spielzeit 2019/20. Dass dies nicht zu Lasten der Qualität gehen muss, verkörperte kein Klub besser als Union Berlin. Die findigen Hauptstädter ergänzten sich ausnahmslos mit ablösefreien Spielern und kostengünstigen Leihgaben, mit denen eine sorglose Saison mit der Qualifikation für die Conference League als Krönung gelang. „Man merkt eindeutig, dass weniger Geld für Spieler im Topf ist und ausgegeben wird“, konstatiert Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball. Die Eisernen hatten zudem das Glück – oder die Spürnase –, Max Kruse ablösefrei an Land ziehen zu können, der mit seinem vorherigen Klub Fenerbahce Istanbul juristisch über Kreuz lag und gekündigt hatte. Einen Promi wie Ex-Nationalspieler Kruse hätte Union in dessen Zenit wohl kaum nach Köpenick lotsen können. Vergleichsweise glimpflich kam bislang RB Leipzig durch die Krise, und das nicht etwa, weil Klubgründer Dietrich Mateschitz unter Umgehung des Financial Fair Play extra unter die Arme gegriffen hätte. Gleich vier außerordentliche Effekte sorgten vielmehr auf der Einnahmeseite für Entlastung: erstens die im Januar 2020 – unmittelbar vor dem Corona-Ausbruch in Europa – für zusammen 30 Millionen Euro getätigten Verkäufe von Matheus Cunha (zu Hertha) und Diego Demme (nach Neapel); zweitens der Einzug ins Champions-League-Halbfinale im vergangenen August, der unerwarte- 9 te Millionengewinne abwarf; drittens der Umstand, dass sich die nun absolvierten fünf Bundesligaspielzeiten vollends in der Fünfjahreswertung bei der Verteilung des TV-Geldes niederschlagen; und viertens kommen RB die Transfereinnahmen für Timo Werner (2020 für 53 Millionen Euro zum FC Chelsea), Upamecano und Ibrahima Konaté, der für eine Sockelablöse von 40 Millionen Euro zum FC Liverpool wechselt, entgegen. „Wir“, sagt deshalb der Kaufmännische Leiter Florian Scholz, „fühlen uns in einer vergleichsweise komfortablen Situation.“ Das gilt auch für den VfL Wolfsburg, der mit der Inthronisierung von Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer (beide seit 2018 im Amt) schon vor Corona die „Der Markt ist eingebrochen. Dieses Jahr wird es noch mal weniger.“ Alexander Rosen, Manager TSG Hoffenheim „2021/22 werden wir die Schleifspuren der Corona-Krise zu spüren bekommen.“ Oliver Kahn, Vorstand FC Bayern Konsolidierungsphase einläutete – und im Angesicht der Pandemie erst recht Vernunft walten lässt. Der Wechsel der Philosophie, verstärkt auf junge und entwicklungsfähige Spieler zu setzen, zeigte sich auch im Sommer 2020: Ridle Baku (Mainz, 10 Mio. Euro) wurde zum Königs- und Toptransfer, mit Maxence Lacroix (Sochaux, 5 Mio.) und Bartosz Bialek (Lubin, 5 Mio.) wurden zwei große Talente verpflichtet, Maximilian Philipp kam als Leihspieler von Dynamo Moskau – der Plan ging mit Platz 4 voll auf. Volkswagen im Rücken zu haben ist dennoch umso mehr in Pandemie-Zeiten ein Faktor. Dass der VfL durch den mit VW geschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag – Verluste werden ausgeglichen, Gewinne müssen an den Konzern abgeführt werden – einen Marktvorteil in der Corona-Krise hat, bestreitet auch der Klub selbst nicht. „Wir sind relativ resistent“, hatte Schmadtke schon zu Beginn der 9 ANZEIGE 31. MAI 2021
10 31. MAI 2021 TR ANSFE R AUSGABE N DER TOPLIGEN „Wenn es ums Verkaufen geht, gibt es anscheinend kein Corona.“ Sven Mislintat, Sportdirektor VfB Stuttgart „Viele Klubs werden abwarten müssen, bis sie Einnahmen generieren.“ Michael Zorc, Sportdirektor Borussia Dortmund „Alle warten, dass das Ganze in einer Art Domino-Effekt losgeht.“ Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Union Berlin „Die nächsten zwei Jahre im Fußballgeschäft werden katastrophal.“ Uli Hoeneß, Aufsichtsrat FC Bayern (AC Mailand, 23 Mio.) und Dodi Lukebakio (Watford, 20 Mio.) wurden überteuert eingekauft. Heraus kamen zwei Spielzeiten am Rande des Abgrunds – und ein Transfer-Sommer 2020 zwischen Hektik und Verzweiflung. Auf den letzten Drücker kamen mit Matteo Guendouzi (Arsenal, 1,2 Mio. Leihgebühr), Omar Alderete (Basel, 6,5 Mio.) und Rückkehrer Eduard Löwen (Augsburg, Leihe vorzeitig beendet) Anfang Oktober noch drei Profis – da war der Saisonstart schon verpatzt und die Hoffnung erodiert, dass im Laufe des Sommers die Preise fallen. Dass Herthas Kasse gut gefüllt war, ließ die Forderungen vieler Klubs, deren Spieler für die Berliner interessant waren, in surreale Höhen klettern. Der FC Liverpool verlangte für den vorherigen Leihspieler Marko Grujic 20 Millionen Euro Ablöse, Olympique Lyon für den französischen U-21-Nationalspieler Jeff Reine-Adelaide über 30 Millionen. Grujic ging zum FC Porto, Reine-Adelaide nach Nizza – und der damalige Hertha-Trainer Bruno Labbadia sagte ernüchtert: „Der Markt ist nicht mehr gesund und überhaupt nicht richtig aufgegangen. Egal, bei welchem Spieler du anfragst – er kostet 10 oder 15 Millionen. Das ist nicht normal.“ Und Michael Preetz, damals Manager und Ende Januar wie Labbadia als Folge der verfehlten Kaderzusammenstellung geschasst, sagte mit Blick auf die aufgerufenen Preise lakonisch: „Wir sind mitten in der Pandemie. Aber davon spürst du auf dem Transfermarkt nichts.“ Diese Beobachtung hat man auch in Frankfurt gemacht. Eintracht-Finanzvorstand Oliver Frankenbach „muss immer ein bisschen mit dem Kopf schütteln, wenn ich die Diskussionen höre, wer wohin wechselt und welche Transferforderungen im Raum stehen“. Sein Fazit: „Irgendwie haben alle vergessen, dass wir Corona hatten und haben, und dass es Klubs gibt, die sich am Rande der Insolvenz bewegen. Die Summen, die durch die Gegend getrieben werden, halte ich aktuell für absolut unrealistisch.“ Viele Klubs wollen ihre Kader beisammenhalten, weil der Markt seit dem Frühjahr 2020 in weiten Teilen zum Erliegen gekommen ist – und wenn sie doch jemanden verkaufen, dann bitteschön für so viel Geld, dass damit ein Teil der Mindereinnahmen kompensiert werden kann. „Nicht gerade einfach“ findet Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat die aktuelle Situation: „Wenn es ums Verkaufen geht, gibt es anscheinend kein Corona. Wenn es ums Kaufen geht, schon.“ Die Umsatzrückgänge der Klubs; angepasste Gehaltsstrukturen; die eingebrochene Nachfrage auf dem Transfermarkt, in den zugleich etliche Profis neu gespült werden, weil das Gros der Vereine die Kader abspeckt und jede Vertragsverlängerung genauer abgewogen wird als früher; Leihen als das neue Kaufen – es ist eine für Klubs, Spieler und Berater äußerst anspruchsvolle Gemengelage, die bisherige Gewiss- 2,1 2,0 1,9 1,8 1,7 1,6 1,5 1,4 1,3 1,2 1,1 1,0 0,9 0,8 0,7 0,6 0,5 0,4 0,3 0,2 0,1 0 “infografik Pandemie gesagt, betonte aber auch: „Dennoch müssen wir vernünftig wirtschaften und überlegen, welche Investitionen möglich sind.“ Dass Liquidität auch in CoronaZeiten noch keine gelungene Transferpolitik garantiert, weiß man bei Hertha BSC ziemlich gut. Satte 374 Millionen Euro wird Investor Lars Windhorst mit seiner Tennor-Holding bis Ende Juni in den Klub, der in früheren Zeiten notorisch klamm war, gepumpt haben. Über 140 Millionen Euro flossen seit Windhorsts Einstieg allein in Ablösen für neues Personal – Profis wie Lucas Tousart (Lyon, 25 Mio.), Krzysztof Piatek Ausgaben in Milliarden Euro Die Klubs aller fünf Topligen in Europa gaben 2020/21, also in den zwei Transferphasen seit Ausbruch der Pandemie, weniger für Zugänge aus als in der Vorsaison. Die Bundesliga am wenigsten. 2016/17 17/18 18/19 heiten schnell torpediert. Verlängern oder verkaufen hieß es bislang in aller Regel bei Profis ein Jahr vor Vertragsende. Das ist vorbei. Immer mehr Klubs gehen bewusst mit Spielern ins letzte Vertragsjahr, ohne die Zukunft geklärt zu haben. Sie nehmen in Kauf, dass der Spieler nach Auslaufen des Vertrags ablösefrei wechselt – weil sie sich eine kostspielige Verlängerung aktuell nicht leisten können oder wollen. Niklas Süle (Bayern), Marcel Sabitzer, Marcel Halstenberg (beide Leipzig), Axel Witsel, Dan-Axel Zagadou, Thomas Delaney, Mo Dahoud (alle Dortmund), Niklas Stark und Dedryck Boyata (beide Hertha) – das sind namhafte Profis, deren Kontrakte 2022 enden. Man müsse „auf 19/20 20/21 den veränderten Markt mit veränderten Strategien reagieren“, unterstreicht Rosen. „Früher war es bei einer bestimmten Spielerkategorie ein Ausschlusskriterium, dass man in ein letztes Vertragsjahr geht.“ Jetzt nicht mehr. Mit Topstürmer Andrej Kramaric hat Rosen das perfekte Role model im eigenen Haus: „Man muss nicht immer jeden Spieler zu Geld machen. Wir haben für Andrej vor fünfeinhalb Jahren investiert (11 Mio. an Leicester City, d. Red.). Er ist längst abgeschrieben und hat doppelt und dreifach zurückgezahlt. Ich sehe die Summe nicht, die es für uns attraktiver machen könnte, ihn zu verkaufen, als es die Scorerpunkte wären, die wir dadurch verlieren.“ Vertragsende 2022: Verlässt Andrej Kramaric Hoffenheim? Und wenn ja, jetzt mit Ablöse oder in einem Jahr ohne?
Dass das Personalkarussell im anstehenden Transfer-Sommer früher oder stärker in Schwung kommt als vor Jahresfrist, glaubt in der Branche niemand. „Es ist noch immer sehr ruhig auf dem Transfermarkt – und zwar nicht nur, was Vollzugsmeldungen angeht, sondern auch, was die üblichen Anbahnungsprozesse von Wechseln betrifft“, sagt Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Er rechnet für diesen Sommer nur mit „wenigen wirklich großen Transfers“ und erklärt: „Viele Klubs werden abwarten müssen, bis sie Einnahmen generieren, um dann selbst zu investieren. Dadurch fällt die Planung schwerer. Es dürfte länger dauern, bis die Vereine ihre Kader final zusammengestellt haben.“ Der erste Stein muss fallen, damit der Markt – zumindest ein bisschen – in Bewegung kommt. An der Spitze der Nahrungskette stehen Topkräfte wie Kylian Mbappé, Harry Kane, Sergio Ramos, Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, die mit der Suche nach neuen Arbeitgebern dem Transfer-Sommer einen glamourösen Anstrich geben könnten. Das Problem: Die möglichen Ziele für die Superstars sind so begrenzt wie nie. Die beiden Klubs aus Manchester sowie Real Madrid und Paris Saint-Germain – niemand sonst dürfte sich angesichts der auch wirtschaftlich verheerenden Pandemie einen dieser Superstars leisten können, selbst wenn Messi und Ramos ablösefrei sind. Die Gehaltswünsche würden vielerorts die Budgets sprengen. Das aus Katar alimentierte PSG verlängerte zuletzt mit Neymar, dessen angeblicher Wunschklub FC Barcelona mit über einer Milliarde Euro Er will Tottenham verlassen: Aber wer kann sich Harry Kane leisten? 11 verschuldet ist. Besonders düster sieht es in Italien aus. Juventus steht mit 450 Millionen in der Kreide, 630 Millionen sind es bei Italiens Meister Inter Mailand, der Trainer Antonio Conte verlor, weil offenbar kaum Verstärkungen machbar sind. AC Milan gab ein Rekordminus von 195 Millionen für das Geschäftsjahr 2019/20 bekannt. Insgesamt sind die Klubs der Serie A mit fast drei Milliarden Euro im roten Bereich. Die Zeichen bei den Großen der Branche stehen auf Flaute. „Zum Wohle des Fußballs“ wollten sie eine Super League starten – dabei wäre es wohl vor allem darum gegangen, das eigene ruinöse Geschäftsmodell zu retten. In England bringt die Verlängerung des nationalen TV-Vertrags etwas Planungssicherheit, zwischen 2022 und 2025 kassieren die Klubs wieder rund 5,5 Milliarden Euro. Aber die fetten Jahre sind auch auf der Insel für den Großteil der Klubs vorbei. „Es ist nicht die beste Situation für den ganzen Planeten, warum sollte es für einen Fußballverein anders sein?“, fragt Jürgen Klopp rhetorisch. Auch sein FC Liverpool ist dem neuen Sparzwang unterworfen. Darum gab es im Winter keine große, teure Antwort auf die Verletzungskrise in der Abwehr, sondern man lieh sich Ozan Kabak von Schalke 04. Die Bundesliga schaut auf die anderen Märkte und sich selbst – und braucht Geduld. „Wir haben die EM“, sagt Frankfurts Finanzvorstand Frankenbach. „Es wird einen relativ langen Sommer geben.“ Schnell und schlau sein musste man immer schon – jetzt muss man auch warten können. „Alle“, sagt Unions Ruhnert stellvertretend für die Branche, „warten darauf, dass der erste große Transfer über die Bühne geht, damit das Ganze in einer Art Domino-Effekt losgeht.“ Aber klar ist auch: Selbst wenn der erste Stein gefallen ist, werden nicht annähernd so viele Steine folgen wie vor Corona. Bayerns Aufsichtsrat Uli Hoeneß entwirft angesichts der enormen Defizite der Klubs ein realistisch anmutendes Szenario: „Die nächsten zwei Jahre im Fußballgeschäft werden katastrophal.“ Auch Schwergewicht Bayern setzt am Markt deshalb auf kontrollierte Defensive. „Es wird keine großen Transfers geben“, sagt Hoeneß. „Das wurde zwischen dem Vorstand und dem Aufsichtsrat auf der letzten Sitzung so besprochen.“ Damit dürfte Innenverteidiger Upamecano Bayerns Topeinkauf im Sommer 2021 bleiben. OLIVER HARTMANN, STEFFEN ROHR ANZEIGE 31. MAI 2021
12 31. MAI 2021 Finanzen & Transfers im Zeichen der Krise (Teil 2) E r kennt den Transfermarkt mit all seinen Facetten wie kaum ein anderer: Max Eberl, seit 2008 Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach, spricht über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche, über Kaderverschlankungen und kreative Transfermodelle, über Ausstiegsklauseln für Trainer und Moralfragen – und auch über sein Festhalten an Marco Rose. Herr Eberl, erleben wir auf dem Transfermarkt gerade die Ruhe vor dem Sturm oder läuft es ähnlich wie im vergangenen Jahr auf ein vergleichsweise laues Lüftchen hinaus? mächtigen Fernsehvertrag sind klar im Vorteil und auf dem Transfermarkt das Zünglein an der Waage. große Palette an kreativen Transfermodellen erleben. Schon vor einem Jahr spürten wir die Auswirkungen von Corona, hatten aber auch die Hoffnung, dass die Normalität bald wieder zurückkehrt. Heute leben unsere Gesellschaft und der Fußball seit über ein Jahr mit der Pandemie. Die Stadien waren quasi eine ganze Saison lang leer. Das schlägt nun voll durch – und die Problematik des neuen Fernsehvertrags kommt für uns noch dazu. Ich rechne damit, dass die Vereine noch defensiver denken, mit noch mehr Vorsicht handeln. Nicht mehr ans Limit gehen, sondern Puffer einbauen. Oder sich im ersten Schritt Puffer erarbeiten. Bei den Vereinen sehr wohl, wir sehen unser Budget ja täglich schwarz auf weiß und damit auch, was alles in der Kasse fehlt. Was die Spieler- und Beraterseite angeht, ist mein Eindruck: Bei allen Spielern und allen Beratern ist noch nicht komplett durchgedrungen, was Corona für den Fußball wirklich bedeutet. Klar, in den Gesprächen ist Corona immer ein Thema. Aber wenn es dann konkret an die Zahlen geht, dann merke ich plötzlich nicht mehr, dass Corona noch eine Rolle spielt. Was läuft in diesem Sommer noch mal anders als 2020? Die Dimension von 2019 wird der Markt jedenfalls nicht erreichen. Die Vereine machen jetzt, da die Entscheidungen gefallen sind, erst einmal Kassensturz und wissen dann, was Werden Qualitätsspieler den möglich ist. Hinter uns liegen „Die Engländer finden Markt fluten, weil die Klubs ihre 15 Monate Corona mit gravierenKader verschlanken? die grüne Wiese vor. Sehr gut möglich, weil die Kaderden Mindereinnahmen. Hinzu kommt in Deutschland der neue Sie sind klar im Vorteil.“ verschlankung mit Sicherheit TV-Vertrag, der den Vereinen eine Reaktion auf die Pandemie an Einnahmen insgesamt 200 sein wird. Ich rechne auch mit Millionen Euro weniger beschert. Das sind zwei mehr Leihgeschäften. Und die Preise werden entscheidende Punkte, die in die Kalkulation natürlich andere, in der Regel niedrigere sein. einfließen. Es spricht viel dafür, dass die Klubs Leihen als das neue Kaufen: Verstärkt sich dieser eher auf Bewegungen reagieren und der gesamte Trend weiter? Markt erst spät Fahrt aufnimmt. Davon gehe ich aus. Allerdings muss man genau Wie schätzen Sie die Marktsituation generell ein? die Vor- und Nachteile abwägen. Leihen helIch sehe einen sehr kleinen Käufermarkt, bestefen kurzfristig. Die Kosten sind vergleichsweise hend aus Vereinen, die trotz Corona und finanziüberschaubar und das Risiko geringer. Aber es ellen Einbußen aktiv werden können. Und einen ist nicht der Ansatz, um nachhaltig Kaderpolitik extrem großen Verkäufermarkt. zu betreiben und damit auch Geld zu verdienen. Wie beurteilen Sie die Ausgangslage, wenn Sie die einzelnen nationalen Märkte durchgehen? In Frankreich gibt es noch gar keinen neuen Fernsehvertrag. In Italien stellt sich die wirtschaftliche Situation schon seit Jahren als sehr problematisch dar. Auch in Spanien ist es komplizierter geworden, und betrachtet man dort die großen Klubs Real Madrid und FC Barcelona, ist von Schulden die Rede, die an eine Milliarde Euro heranreichen. Stichwort Super League, die beide Vereine wollten. Bleiben nur die immer noch wohlhabenden Klubs aus England. Der Käufermarkt wird aus England kommen. Das wird letztendlich der Markt sein, der entscheidet, wann und in welchem Umfang es losgeht. Der Vorteil der Engländer ist: Sie finden einen sehr großen Verkäufermarkt vor und können in Ruhe entscheiden, was sie machen wollen. Die englischen Vereine sind bekannt dafür, dass sie erst sehr spät loslegen. Mit der Gewissheit, dass sie jetzt auch noch mit die Einzigen sind, die richtig agieren können, wird der Markt wohl erst nach der Europameisterschaft Schwung aufnehmen. Aber nicht auf breiter Front? Viele Vereine werden erst handeln können, wenn sie über Spielerverkäufe Transfererlöse erzielt haben. Falls überhaupt Geld zum Investieren übrig bleibt und es nicht komplett fürs Stopfen von Finanzlöchern verwendet werden muss. Baut also die Premier League ihre Vormachtstellung aus? Die englischen Vereine finden die grüne Wiese vor. Sie können auf fast jeden Verein zugehen in der Annahme, dass dieser Verein verkaufen muss und nicht groß pokern kann. Die Engländer mit ihrem Welche Folgen zeichnen sich noch ab? Anderen Modellen könnte eine größere Bedeutung zukommen, zum Beispiel dem Tausch von Spielern. Oder es wird ein Spieler auf ein Tauschgeschäft angerechnet. Ich denke, wir werden eine Wenn Sie in den Markt hineinhorchen: Bei wem ist die neue „Corona-Botschaft“ angekommen und bei wem noch nicht? War das nicht absehbar? Alle Beteiligten müssen sich bewusst werden, dass wir in einem Boot sitzen. Spieler reden von internationaler Perspektive, wollen wissen, wie der Kader aussieht, das Gehalt ist logischerweise Thema – aber sie müssen auch erkennen, wie sich die Finanzen der Vereine darstellen. Ich glaube, da muss mehr Akzeptanz, Bewusstsein und Klarheit geweckt werden, dass Corona für die Vereine eben Sparen bedeutet. Die Zeiten, in denen der Honig von den Bäumen floss, diese zehn Jahre, die sind vorbei. Wir haben diese hochintensive Zeit miterlebt. Aber jetzt heißt es wieder einen Schritt zurück. Einen Schritt zurück zu mehr Normalität. Daher kann Corona, mal rein auf den Fußball bezogen, eine Chance bedeuten. Auch in Bezug auf die Förderung unserer Talente. Der Sparzwang der Klubs trifft aber nicht alle Profis gleichermaßen. Es wird aber für sehr viele Spieler kleinere Verträge geben. Und weil die Klubs die Kader verkleinern, wird es auch mehr arbeitslose Spieler geben. Kleinere Vertragsangebote, mehr Arbeitslose – ich bin „Wenn es konkret wird, spielt Corona plötzlich keine Rolle mehr“ MAX EBER L (47) hat den Eindruck, dass noch nicht bei allen Spielern und Beratern komplett durchgedrungen ist, was Corona für den Fußball bedeutet. Ein Gespräch über die Folgen der Pandemie für den Transfermarkt.
mir sehr sicher, nach diesem Sommer haben noch mehr Spieler und Berater die neue Realität erkannt. Wie packen Sie das Thema bei der Borussia konkret an? Wir reduzieren das Gehaltsbudget. Das kann auf zwei Wegen geschehen: kleinerer Kader oder weniger Geld für alle. Wir in Gladbach werden den Kader verschlanken und dafür mehr eigene Talente einbauen. Verändert sich durch eine gravierendere Kaderumstrukturierung gleichzeitig das Anspruchsdenken? Die Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und realistischen Möglichkeiten darf nicht zu groß werden, sonst kann es schnell unruhig werden. Wenn wir gezielt den Kader verschlanken und verstärkt auf Eigengewächse setzen, dann ist das ein bewuss- „Es wird für viele Spieler kleinere Verträge geben. Und mehr Arbeitslose.“ ter Strategiewechsel, den wir so auch erklären werden. Er kann bedeuten, dass man auch mal einen Schritt zurückgeht, etwas aufbaut, um anschließend wieder etwas Größeres angreifen zu können. Warten wir mal ab, was im Sommer passiert. Wie kompliziert ist aktuell die Preisfindung zwischen Vereinen bei Verhandlungen um einen Spieler? Der verkaufende Verein fordert Vor-Corona-Preise, während der interessierte Klub bei seinem Angebot Corona berücksichtigt. Die Unterschiede sind gerade vielleicht etwas größer als in der Vergangenheit, aber das wird sich regulieren. Rechnen Sie mit einem Transfer im Bereich von 100 Millionen Euro? Wir werden Transfers in einer Größenordnung sehen, bei der uns allen schwindelig wird. Aber nicht mehr in dieser Vielzahl wie 2019 und früher. Wie steht die Bundesliga generell da – im Vergleich zu anderen Ligen? Stabiler, weil sich die Klubs hierzulande doch eher daran halten, nicht mehr auszugeben als sie einnehmen. In anderen Ländern sichern oftmals Investoren das Überleben der Vereine, auch das der ganz Großen. Ist die Demut, von der oft gesprochen wird, für Sie sichtbar? Es ist doch nicht so, dass wir in Deutschland keine Demut hätten. Natürlich müssen auch wir uns der Kritik stellen, die Zahlen sind in allen Bereichen sehr groß geworden, aber ich glaube schon, dass wir in Deutschland die Dinge realistisch betrachten und wissen, dass wir in einem sehr lukrativen Geschäft arbeiten. Wir laufen nicht wie die Großkopferten durch die Gegend. So zumindest empfinde ich es. Foto: picture alliance/dpa Sorgt die Pandemie trotzdem für ein anderes Bewusstsein? Themen wie Werte, Nachhaltigkeit und auch Haltung werden in Zukunft wieder eine große Rolle spielen. Vielleicht ist an manchen Stellen etwas verloren gegangen in den goldenen Jahren. Da lande ich direkt beim Thema Marco Rose. Inwiefern? Werte und Haltung – das heißt für mich, für etwas zu stehen als Verein. Einerseits wird von uns 9
14 31. MAI 2021 Gibt es bei der Borussia eine Pandemie-Klausel in den Verträgen? In den neuen Verträgen werden solche Klauseln eingearbeitet. Auf den Nachwuchs wird nicht nur in Gladbach stärker gesetzt. Reicht in Deutschland die Qualität der Eigengewächse, um die hohen Ansprüche zu erfüllen? Topqualität ist vorhanden, allerdings nicht mehr in der Fülle wie vor einigen Jahren. Deshalb balgen sich viele Klubs um die einzelnen Spitzenspieler. Ich sehe die aktuelle Situation als Chance. Der Zwang, gute Spieler selbst zu entwickeln, wird größer für die Klubs. Davon profitiert der Nachwuchs. Foto: Getty Images Demut gefordert. Auf der anderen Seite sollen dann aber Köpfe rollen, um ganz kurzfristig – vielleicht – mit neuen Personen Erfolg zu haben. Die meisten verbinden mit Nachhaltigkeit eine ökologische Bedeutung. Nachhaltigkeit bedeutet für mich auch der Umgang mit Menschen. Mit Spielern, mit Trainern, mit allen Mitarbeitern im Verein. Dafür steht Borussia Mönchengladbach. Auch in Zukunft. Schalke als Endspiel für Rose? „Im Falle einer Niederlage hätte man überlegen müssen, wie es weitergeht.“ Wie beurteilen Sie die Situation bei der Borussia? Genauso. In den vergangenen Jahren hatten wir einen Kader entwickelt, der es Talenten aus dem Nachwuchsleistungszentrum schwer gemacht hat, richtig Fuß zu fassen in der Bundesliga. Wir werden zur neuen Saison vier, fünf spannende junge Spieler dazu nehmen, die ihre Chance bekommen – und das Potenzial haben, sie auch zu nutzen. Der Kampf um die Toptalente, weltweit, wurde in den vergangenen Jahren mit sehr viel Geld geführt. Verschärft Corona sogar die Jagd auf die Juwelen, wird noch mehr Geld fließen? Alle Spiralen drehen sich nach unten, weil die Klubs in sämtlichen Bereichen mit ihrem Geld haushalten müssen. Am stärksten, vermute ich, geht die Spirale für Spieler im Bereich von 27, 28, 29 Jahren nach unten. Da wird nicht mehr das ganz große Geld ausgegeben. Die Pandemie hat die Qualität der Ausbildung massiv beeinträchtigt. Werden wir ein „Corona-Loch“ bei bestimmten Jahrgängen erleben? lichen Bereich. Warum sollte man ausgerechnet für ihn kein Geld bezahlen? Gute Trainer entscheiden, wie gut die Entwicklung deines Vereins ist. War das nicht immer so? Die Bedeutung des Trainers hat in den vergangenen Jahren ganz klar zugenommen. Er macht, im besten Fall, deine jungen Spieler besser, die Mannschaft insgesamt. Und auf das Wirtschaftliche bezogen: Dadurch erfahren die Investments des Vereins am Ende auch eine Wertsteigerung. Im Umkehrschluss ist es daher absolut okay, für Trainer auch Geld zu bezahlen. Ich gehe sogar so weit und sage: Eher verzichte ich auf einen Spieler und leiste mir dafür meinen Wunschtrainer. Der in der Regel woanders unter Vertrag steht. Das ist die andere Seite der Medaille. Im Optimalfall schadet man keinem anderen Verein, aber das lässt sich nicht immer vermeiden. An Ausstiegsklauseln für Trainer hat sich massiv Kritik entzündet. Definitiv. Was für unsere Kinder in der Schule gilt, gilt auch An diesen Ausstiegsklauseln für den Fußball. Es ist sehr sind wir Vereine gar nicht so „Eher verzichte ich viel wertvolle Ausbildungszeit unschuldig. Im Misserfolgsfall auf einen Spieler und verloren gegangen. Kaum oder werden die Trainer von den gar kein Mannschaftstraining, leiste mir dafür meinen Klubs, oft von der Erfolgsgier abgebrochene oder abgesagte getrieben oder auch mal rein aus Wunschtrainer.“ Wettbewerbe. Nachwuchsspieeinem populistischen Handeln ler in den älteren Jahrgängen heraus, teilweise blitzschnell haben den letzten Schliff nicht erhalten, sie havor die Tür gesetzt. Zu im Voraus vereinbarten ben sich eher sogar zurückentwickelt, weil die Modalitäten: Ich finde es legitim, wenn Trainer Spielpraxis fehlt. Ich befürchte, dass uns ein, zwei auch das andere Szenario berücksichtigt haben Jahrgänge verloren gegangen sind. wollen. Am Ende entscheidet doch der Verein, Eine ganz neue Dynamik entsteht auf dem Trainer- ob er eine Ausstiegsklausel akzeptiert oder nicht. Transfermarkt. Für Sie eine Überraschung? Ich bin der Überzeugung, dass das, was in Deutschland in diesem Jahr passiert ist, eine Ausnahme bleibt. Eine derartige Fluktuation werden wir kurzfristig nicht wieder erleben. Werden Millionen-Ablösen für Trainer zum Standard? Ich halte Ablösesummen für Trainer für eine normale Entwicklung, wobei ich nicht damit rechne, dass es sich in Bereichen von Julian Nagelsmann einpendeln wird. Der Trainer ist der wichtigste Mitarbeiter – nicht die wichtigste Person – im sport- Was ist mit der Vorbildfunktion von Trainern, der Moralfrage, die gerade auch bei Rose und Adi Hütter diskutiert wurde? Uns Vereinen muss doch die Moralfrage gestellt werden! Da werden Trainer nach drei Monaten entlassen oder schnell noch vor dem letzten Spieltag gewechselt. Wir führen gerade Moraldiskussionen über Trainer, die zwei oder sogar drei Jahre bei ihren Vereinen tätig waren, das sind in diesem Geschäft richtig lange Amtszeiten. Und vertragskonform handelten diese Trainer auch noch. Dem Druck, Marco Rose nach dessen Wechselankündigung zu entlassen, haben Sie widerstanden. Würden Sie nach diesem Saisonausgang die Entscheidung wieder so treffen? Marco Rose ist von einem Tag auf den anderen kein schlechterer Trainer geworden. Ich entscheide rational, nicht emotional. Ich war auch nicht stur oder beratungsresistent, ich habe nach Fakten bewertet und nach meiner Überzeugung gehandelt. Kann mir denn jemand belegen, dass wir mit einem anderen Trainer Platz 6 erreicht hätten? Dann hätte ich eine falsche Entscheidung getroffen. Ich war von Marco Rose am 1. Juli 2019 überzeugt. Und genauso im Februar 2021. Nach unseren Informationen war Schalke trotzdem eine Art Endspiel für Rose. Es war das achte Spiel nach seiner Ankündigung, die sieben zuvor gingen verloren. Ich muss kein Hehl daraus machen: Irgendwann brauchten wir schon ein Ergebnis. Bei aller Haltung, für die wir stehen, und aller Überzeugung, was die Qualität von Marco Rose als Trainer angeht. Im Falle einer Niederlage hätte man überlegen müssen, wie es weitergeht. Und nach diesem Sieg auf Schalke setzten dann auch die Erfolge wieder ein. Adi Hütter hat keine Ausstiegsklausel? Richtig. Er hat keine Ausstiegsklausel. Mussten Sie Überzeugungsarbeit leisten, damit er auf eine Ausstiegsklausel verzichtet? Es war kein Thema. Ich hatte in unserem Gespräch erwähnt, dass ich es gerne ohne Ausstiegsklausel machen möchte, und das war für ihn okay. INTERVIEW: JAN LUSTIG Finanzen & Transfers im Zeichen der Krise In Teil 3 dieser Serie, der in unserer kommenden Montagsausgabe (7. Juni) erscheint, legen wir auch auf die Sicht der Spieler einen Fokus – wie hat sich ihre Lage während der Corona-Pandemie entwickelt?

16 31. MAI 2021 42 SPIELER, EINE HORRORSAISON Mit Rekord zum AB TIEG Der VfL Wolfsburg setzte in einer Saison mal 36 Spieler ein, diese Marke hat SCHA LKE nun deutlich übertroffen. Ein Grund dafür ist die Zukunftsplanung des Zweitligisten. K eine 120 Sekunden sind regulär noch zu spielen, einen letzten Wechsel in dieser aus Schalker Sicht grauenvollen Saison will Trainer Dimitrios Grammozis beim Auswärtsspiel in Köln aber noch durchführen. Sein Landsmann Vasileios Pavlidis hatte während des Warmmachens schon ein paar Minuten Zeit, sich auf diesen Moment vorzubereiten – es ist ein denkwürdiger Moment für den jungen Griechen: Es ist sein Debüt als Bundesligaspieler. So freudig dieses Ereignis auch ist, schafft es gleichzeitig einen bitteren Fakt: Mit seinem Einsatz wird der 18-jährige Innenverteidiger automatisch auch zu einem Gesicht des Schalker Abstiegs, mit ihm sind es insgesamt nun 42. Rekord! Denn: Bei der Zahl der eingesetzten Spieler innerhalb einer Saison reichte bislang kein Verein an den VfL Wolfsburg heran, der einst 36 Akteure zum Zuge kommen ließ (2011/12). Diesen Wert überbot der FC Schalke bereits am 32. Spieltag beim 2:4 bei der TSG Hoffenheim durch den Startelfeinsatz von Florian Flick, noch in derselben Partie schraubte Grammozis den Rekord durch die Einwechslungen von Münir Levent Mercan und Jimmy Kaparos auf 39 hoch. Warum so viele verschiedene Spieler eingesetzt wurden? Nun, 9 W E R S ETZ T E W I E V I E L E E I N? Nur fünf Teams brauchten 30 oder mehr Wie groß soll ein Kader sein? Zwischen Finanz- und Sportchefs teilen sich die Meinungen. Doch Schalkes Rekord muss nicht unbedingt teuer gewesen sein. Verein FC Schalke 04 Hertha BSC 1. FSV Mainz 05 Bayer 04 Leverkusen TSG Hoffenheim VfB Stuttgart Bayern München 1. FC Köln 1. FC Union Berlin Eingesetzte Spieler 42 32 31 30 30 29 29 28 27 Verein Werder Bremen VfL Wolfsburg Arminia Bielefeld Borussia Dortmund Eintracht Frankfurt FC Augsburg RB Leipzig SC Freiburg Bor. Mönchengladbach Mehmet Aydin Timo Becker Spiele: 6 Minuten: 499 Spiele: 20 Minuten: 1641 Florian Flick Amine Harit Spiele: 4 Minuten: 360 Spiele: 28 Minuten: 2101 Jimmy Kaparos Sead Kolasinac Rabbi Matondo Henning Matriciani Goncalo Paciencia Vasileios Pavlidis Luca Schuler Suat Serdar Spiele: 1 Minuten: 18 Spiele: 3 Minuten: 219 Spiele: 15 Minuten: 749 Spiele: 17 Minuten: 1425 Spiele: 1 Minuten: 24 Spiele: 1 Minuten: 2 Eingesetzte Spieler 27 26 26 26 25 25 25 24 23 Spiele: 2 Minuten: 40 Spiele: 25 Minuten: 1954
Nabil Bentaleb Nassim Boujellab Can Bozdogan Kerim Calhanoglu Ralf Fährmann Matthew Hoppe Klaas Jan Huntelaar Spiele: 9 Minuten: 587 Vedad Ibisevic Spiele: 4 Minuten: 155 Blendi Idrizi Spiele: 3 Minuten: 238 Ozan Kabak Spiele: 14 Minuten: 1243 Ahmed Kutucu Spiele: 7 Minuten: 108 Michael Langer Spiele: 3 Minuten: 239 Kilian Ludewig Mikail Maden Omar Mascarell Hamza Mendyl Münir Levent Mercan Shkodran Mustafi Matija Nastasic Spiele: 15 Minuten: 1221 Bastian Oczipka Spiele: 27 Minuten: 1922 Benito Raman Frederik Rönnow Sebastian Rudy Spiele: 2 Minuten: 180 Salif Sané Spiele: 14 Minuten: 1071 Alessandro Schöpf Steven Skrzybski Benjamin Stambouli Malick Thiaw Mark Uth William Spiele: 9 Minuten: 547 Spiele: 22 Minuten: 1305 Spiele: 3 Minuten: 95 Spiele: 25 Minuten: 1248 Spiele: 13 Minuten: 419 Spiele: 12 Minuten: 604 Spiele: 1 Minuten: 6 Spiele: 11 Minuten: 945 Spiele: 24 Minuten: 1956 Spiele: 14 Minuten: 650 Spiele: 6 Minuten: 520 Spiele: 13 Minuten: 1038 Spiele: 19 Minuten: 1452 Spiele: 4 Minuten: 296 Spiele: 1 Minuten: 6 Spiele: 20 Minuten: 1493 Spiele: 22 Minuten: 1876 Spiele: 24 Minuten: 1764 Spiele: 19 Minuten: 944 Spiele: 8 Minuten: 473
18 31. MAI 2021 Zwei Hoffnungsträger: Florian Flick beim Torjubel (links) gegen Frankfurt; Matthew Hoppe, bester Torjäger, wird von Trainer Dimitrios Grammozis instruiert. zum einen ist das natürlich ein ben zwölf Spieler ihr Bundesligasicheres Zeichen dafür, dass in der debüt, davon allein acht in den abgelaufenen Saison einfach so elf Spielen von Grammozis: Negut wie gar nichts rund gelaufen ben Flick und Aydin auch Blendi ist beim FC Schalke 04. Ziemlich Idrizi, Kerim Calhanoglu, Hengut verdeutlicht das die Tatsache, ning Matriciani, Jimmy Kaparos, dass allein als Rechtsverteidiger Mikail Maden und Pavlidis, der insgesamt acht (!) verschiedene bei seiner Einwechslung in Köln Spieler ranmussten. Den Anfang bereits der 110. Teenager war, der machte Sebastiim Oberhaus für an Rudy, in dem den FC Schalke Acht von zwölf der damalige auflief. Kein anTrainer David Spielern debütieren derer Verein hat unter Grammozis. in der GeschichWagner den zu jenem Zeitpunkt te der Bundesliga geeignetsten auch nur annäRechtsverteidiger des völlig unhernd so viele verschiedene Akausgewogenen Kaders sah. Als teure unter 20 Jahren eingesetzt – sich Rudy Richtung TSG Hoffenes folgt der FC Bayern mit 81. heim verabschiedete, begann das „Wir sind sehr stolz, dass Wechselspiel. Kilian Ludewig, in dieser Saison so viele Spieler Alessandro Schöpf, Mehmet Ayaus der Knappenschmiede die din, Benjamin Stambouli, William Möglichkeit hatten, sich bei den und Malick Thiaw führten den Profis zu zeigen“, sagt Mathias Part mehr schlecht als recht aus, Schober, der Direktor Knappenam besten schlüpfte noch Timo schmiede und Entwicklung. Die Becker in diese Rolle. Er wurde vergleichsweise hohe Zahl an Deschlussendlich am häufigsten als bütanten unter Grammozis hängt Verteidiger auf der rechten Seite eng mit der Zukunftsplanung des eingesetzt (neunmal). FC Schalke zusammen. Talente Gewiss war auch die eine wie Flick, Aydin oder Calhanoglu oder andere Verletzung schuld sollen ein fester Bestandteil des daran, dass Schalke am Ende Zweitligakaders werden. Dass der auf 42 eingesetzte Spieler kam. eine oder andere das Zeug dazu Auffällig jedoch ist, dass die Zahl hat, ist durchaus eine Erkenntnis in der Schlussphase der Saison der vergangenen Wochen und exorbitant nach oben schnellte. Monate. Bei genauerer Betrachtung fällt Beispiel Flick: Der 21-Jährige auf: Im Verlauf der Spielzeit gawar vor der Saison aus seiner Hei- matstadt vom SV Waldhof Mannlässt sich feststellen: Hoppe, der heim gekommen, in der Schalker mit seinem Dreierpack beim 4:0 Regionalligamannschaft erargegen die TSG Hoffenheim im beitete er sich auf Anhieb einen Januar im kicker zum Spieler Stammplatz. Grammozis stellte des Tages wurde, mauserte sich den Leistungsträger der U 23 an mit insgesamt sechs Treffern zu den finalen vier Spieltagen jeweils Schalkes Toptorschützen der Abin die Startelf, beim spektakulästiegssaison. Nur zehn Spieler ren 4:3 gegen Eintracht Frankfurt können mehr Einsatzminuten im vorerst letzten Erstliga-Heimvorweisen als Hoppe (1305), an auftritt der Königsblauen erzielder Spitze steht Amine Harit te er sein erstes Bundesligator. (2101), wobei man hier anfügen Belohnt wurde er mittlerweile muss: Noch nie zuvor kam ein mit seinem ersten Profivertrag, Bundesligaspieler mit der meisden er vor wenigen Tagen unterten Einsatzzeit eines Teams so schrieb und der nun zwei Jahre wenig zum Zug. Den alten Rekord lang gültig ist hielt ebenfalls ein Schalker: Mike Während unter Grammozis Büskens war 1998/99 mit 2238 Miacht Spieler in der Bundesliga denuten der Mann mit den meisten bütierten, war es unter Christian Spielminuten. Gross nur einer – Weltmeister 441 Spieler hat der FC SchalShkodran Mustafi. Drei waren ke nun insgesamt in der Bunes unter Manudesliga einel Baum: Kilian Hoppe und Co. wollen gesetzt, nur Ludewig, Luca Eintracht Frankzu Gesichtern des furt kommt auf Schuler sowie Aufstiegs werden. mehr (444). Die einer, der zwar noch einen lanZahl der Gelsengen Weg gehen kirchener kann muss, ehe aus ihm ein ausgereifsich frühestens in 15 Monaten ter Bundesligastürmer wird, der weiter erhöhen – wenn es denn für Schalke in der 2. Liga aber eine klappt mit der direkten Rückkehr gute Rolle spielen könnte. in die Beletage. Hoppe, Flick und Die Rede ist von Matthew Co. sollen ihren Teil dazu beiHoppe. Baum beförderte die Retragen. Sie mögen jetzt zu den gionalliga-Teilzeitkraft zwar völGesichtern des Abstiegs zählen, lig unerwartet, aufgrund großer vielleicht gehören sie aber schon Personalnot aber aus gegebenem in einem Jahr zu den Gesichtern Anlass. Ein halbes Jahr später des Aufstiegs. TONI LIETO
31. MAI 2021 19 topthema Foto: Witters Geschafft! Trainer Friedhelm Funkel ist beim Kölner Jubel ganz vorn dabei. Leichter Sieg, schwere Zeiten Wieder einmal hielt der 1 . FC KÖ L N dem Druck stand, verbleibt ein weiteres Jahr in der Liga. Allerdings ohne Horst Heldt, der Geschäftsführer wurde am Sonntag vom Vorstand beurlaubt. Am Ende waren es über 250 WhatsApp-Nachrichten und mehr als einhundert SMS, die Friedhelm Funkels Smartphone zum Glühen brachten. Sein Vorgänger Markus Gisdol übermittelte ebenso Glückwünsche wie sein Nachfolger Steffen Baumgart. Hansi Flick war dabei, auch Jupp Heynckes und Peter Hermann „und“, so Funkel lachend, „viele Leute aus Düsseldorf“. Sein (vorerst) letztes Spiel als Trainer lässt ihn als Gewinner, ja: Retter abtreten. Ein Szenario, das sich Funkel gewünscht und zu dem er selbst eine Menge beigetragen hat. Der Routinier fand von Beginn an den Weg in die Köpfe der Spieler, fand für jeden Profi die richtige Ansprache, bis zum letzten Spiel in Kiel, wo er mit der gesamten Mannschaft schon am Abend vor der Partie Marco Höger (31) einen gefühlsbetonten Abschied bereitete, der dem scheidenden Mittelfeldspieler die Tränen in die Augen trieb. Funkel verzichtete am Freitag auf Videostudium und Taktiktafel, ging mit „meinen Jungs“ spazieren, hielt am Abend noch eine „sehr emo- tionale Rede“. Vor dem Spiel ließ er Jonas Hector und Ron-Robert Zieler im Kreis sprechen, als Schlusswort zitierte der Trainer dann die „Höhner“: „Wenn nicht wir, wer dann! Wenn nicht jetzt, wann dann!“ Der Rest ging unter im Gebrüll, auf dem Rasen setzte das Team vom ersten Augenblick um, was Funkel gefordert hatte: „Druck, Selbstvertrauen, Zielstrebigkeit.“ Nach der Pleite vom vergangenen Mittwoch hatte er sein Mantra noch verstärkt: „Die Relegation wird in Kiel entschieden.“ Diesen Mittelpunkt seiner Gedanken impfte er den Spielern ein. Als die Ernte eingefahren war, bedankte Funkel sich bei den Profis: „Von diesem Abschluss kann man nur träumen.“ Der letztlich leichte Sieg in Kiel ändert wenig daran, dass dem FC schwere Zeiten drohen. Auch die Tatsache, dass der Klassenerhalt die Einnahmen auf einem deutlich höheren Niveau hält, ändert nichts daran, dass beim FC Schmalhans Küchenmeister ist. Eine Summe zwischen 20 und 30 Millionen Euro muss – so die Vorgabe des Vorstands an die Geschäftsführer – 9
31. MAI 2021 in der aktuellen Transferphase erwirtschaftet werden. Dass dies bei Verkäufen von Spielern wie Sebastiaan Bornauw, Ondrej Duda oder Ellyes Skhiri nur zu weiterem sportlichen Substanzverlust und erneutem Abstiegskampf führen wird, scheint dabei keine gewagte Prognose. Wohin der Abstiegskampf wiederum diesen Verein und seine „Führungs“figuren führt, zeigt die Aktualität. Seit Sonntag steht fest, dass die weitere Kaderplanung nicht mehr Horst Heldt obliegt. Der Vorstand erlag den Verlockungen des Populismus und entband den 51-Jährigen von seinen Aufgaben. Damit treffen die ablösefrei verpflichteten Akteure Dejan Ljubicic (23, Mittelfeld, Rapid Wien) oder Marvin Schwäbe (26, Torwart, Bröndby) sowie der neue Trainer Steffen Baumgart (49) nicht mehr auf den Mann, der sie geholt hat. Dem Geschäftsführer Sport, vor Jahresfrist noch mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattet, wurde schon am Samstag nach dem Klassenerhalt schmallippig gratuliert. Selbst für den Fall, er hätte jeden einzelnen Fehler selbst zu verantworten – geht man so mit einem leitenden Angestellten um? F E RN S E HG EL D Wohl eher nicht. Heldts Aufgaben werden zunächst Vorstandsberater Dr. Jörg Jakobs und Ex-Torwart Thomas Kessler übernehmen. Als eines der großen Probleme des FC gilt, dass zu wenig miteinander gesprochen wird. Übereinander, das klappt gut, doch der konstruktive Ansatz, gemeinsam Lösungen für auftretende Probleme zu finden, ist komplett verkümmert. Was eine Menge damit zu tun hat, dass Erwartungshaltung und Realität nicht immer übereinstimmen. Wer den TransfermarktmiteinemPC-ManagerSpiel verwechselt, der verkennt die Realitäten. Und wer die Qualität eines Sportchefs an Fehleinkäufen festmacht, sollte sich umsehen in der Liga. Im Fußball gibt es keine Garantie, und da kann es passieren, dass ein 80-Millionen-Euro-Profi häufig auf der Bank sitzt. Oder ein Jahr benötigt, ehe er einschlägt. Oder sich verletzt. All dies kann passieren. In Köln ist es passiert. Hector, Andersson, Bornauw, Kainz – verletzte Führungsspieler im Viererpack. Aber: Am Ende steht der Klassenerhalt. Und diesen hat auch Horst Heldt zu verantworten. Trotz aller Fehler. Der Sportchef will mit dem begehrten Trainer Stövers Ziel: Neuer Nach einem gemeinsamen Essen ging es Samstagabend auseinander. Mit großer Enttäuschung. „Ich weiß, dass dieses Gefühl anhalten wird“, sagt Ole Werner, „bei einigen einige Tage, bei anderen vielleicht auch ein, zwei Wochen. Es gehört zum Sport, dass man sich mal jubelnd in den Armen liegt und eben auch negative Dinge verarbeiten muss. Das eine gibt es nicht ohne das andere.“ Große Worte und eine wohltuende Analyse des begehrten Trainers. Geht es nach Uwe Stöver, waren es nicht die Abschiedsworte Werners. Holsteins Sport-Geschäftsführer hat am Sonntag die Planung begonnen. „Jetzt, da die Ligazugehörigkeit feststeht, geht es richtig los.“ Mit dem 33-Jährigen als Fixpunkt. „Es gibt keine Anfrage und kein Angebot“, sagt Stöver und unterstreicht gegenüber dem kicker, dass er selbst eines unterbreitet. „Oles Vertrag läuft bis 2022, wir haben gegenseitig große Wertschätzung füreinander. Ole fühlt sich in Kiel sehr wohl und wir fühlen uns mit ihm sehr wohl. Daher war und ist es unser Ansatz, mit ihm auch über das Jahr 2022 hinaus zusammen zu arbeiten.“ Werner selbst hatte Fragen nach seiner persönlichen Zukunft mit Hinweis auf das Gefühl der großen Enttäuschung zunächst abgeblockt. „Wir werden uns mit ein, zwei Tagen Abstand zusammensetzen und einen Ausblick machen, was der Verein vorhat, was ich vorhabe.“ Das war einerseits kein klares Bekenntnis, andererseits aber auch keine Absetzbewegung. „Es geht darum, diese Analyse mit Abstand und nicht unter dem Eindruck der Enttäuschung zu machen.“ Und: Während seine Profis nun in den Urlaub gehen, verriet er, dass er die kommenden Tage noch bezüglich der Planung in Kiel sein werde. Um einen neuen Angriff zu starten? Deutliche Einbußen für 15 Klubs Darum profitiert nur Union D KIEL ie im Juni 2020 abgeschlossenen nationalen Fernsehverträge für die Saison 2021/22 bis 2024/25 bringen der DFL insgesamt 4,4 Milliarden Euro. Das sind 240 Millionen Euro weniger als in dem mit Abpfiff dieser Saison beendeten Vierjahresvertrag. Auch die internationalen Erlöse sind bei den Abschlüssen in Zeiten der Pandemie gesunken. Unter dem Strich werden in der kommenden Saison mit 1,1 Milliarden Euro etwa 300 Millionen Euro weniger ausgeschüttet als in der Spielzeit 2020/21 – nach einem neuen und recht komplizierten Verteilungsschlüssel. Am wenigsten betroffen von den gesunkenen Einnahmen ist Arminia Bielefeld, weil sich die Ostwestfalen in den beiden Fünfjahreswertungen als wichtigste von insgesamt drei Säulen innerhalb eines Jahres gleich um drei Ränge verbessert haben. Nicht zuletzt wegen der Abstiege von Werder Bremen und Schalke 04. Auch Union Berlin und der FC Augsburg rückten um jeweils drei Plätze vor; Union kassiert als einziger Bundesligaklub der Saison 2020/21 in der kommenden Saison sogar mehr Geld. Für die beiden Aufsteiger VfL Bochum und SpVgg Greuther Fürth klingelt es mit mehr als doppelt so hohen Einnahmen gegenüber der Zweitligasaison 2020/21 richtig in der Kasse. Die DFL wird erst im Juli die 36 Profiklubs über die exakte Verteilung der nationalen und internationalen Medienerlöse informieren. Der kicker hat die zu erwartenden Zahlungen an die 18 Bundesligaklubs hochgerechnet. R. F. D I E GE L DTAB EL L E Verein 2021/22 20/21 1. Bayern München 2. Borussia Dortmund 3. Bayer Leverkusen 4. RB Leipzig 5. Eintracht Frankfurt 6. Bor. M’gladbach 7. VfL Wolfsburg 8. TSG Hoffenheim 9. SC Freiburg 10. Hertha BSC 11. FSV Mainz 12. FC Augsburg 13. VfB Stuttgart 14. Union Berlin 15. 1. FC Köln 16. Arminia Bielefeld 17. VfL Bochum 18. SpVgg. Gr. Fürth 90,4 107,1 80,1 96,7 75,6 89,8 73,4 83,3 67,2 77,3 66,7 79,3 60,6 70,6 60,5 73,4 52,6 59,3 52,0 68,0 49,9 55,8 44,1 50,9 42,9 45,6 39,9 37,8 39,3 48,6 34,4 34,9 30,8 15,1 29,0 13,2 Alle Beträge in Millionen Euro DER EXPERTE Hector war ein vorbildlicher Kapitän A m Ende hat sich ist er auf dem Rasen als bestätigt, was vorbildlicher Kapitän aufviele vermutet getreten, hat mit seiner hatten und logisch Entschlossenheit und absehbar war: Die Kieler seinen Leistungen unter Markus Anfang mussten einer unheimBeweis gestellt, welchen Ex-Trainer Kiel und Köln Wert er für den FC besitzt. lich kräftezehrenden Saisonendphase mit Auch wenn in Kiel die Quarantänemaßnahmen Enttäuschung nach der und mehreren engliverpassten Chance jetzt schen Wochen Tribut zollen. Schon logischerweise erst mal groß ist, kann der erfolgreiche Kraftakt beim 1:0 ich mich nur wiederholen: Der Klub ist in Köln war ja überraschend. Im so stabil, dass er nicht abstürzen wird. Rückspiel reichte die Energie dann Dafür steht die Vereinsführung mit physisch und mental einfach nicht Wolfgang Schwenke, Steffen Schneemehr aus, um voll gegenzuhalten. kloth und Uwe Stöver. Gefühlsmäßig Die Kölner Leistung soll das nicht würde ich davon ausgehen, dass auch schmälern. Der FC ist sehr klar und Trainer Ole Werner an Bord bleibt. konsequent aufgetreten. GlückAber selbst wenn nicht: Holstein hat wunsch an Friedhelm Funkel und in solchen Fällen immer wieder gute sein Team! Mit Sebastian Andersson Lösungen gefunden. Der 1. FC Köln diesmal anders als im Hinspiel von bleibt in der 1. Liga, wo er vom eigenen Beginn an einen echten Stürmer Selbstverständnis und natürlich auch aufzubieten, war eine entscheimeiner Ansicht nach hingehört. Das Potenzial ist sicher da, 2021/22 eine dende Maßnahme. Ein besonderes stabilere Saison zu spielen. Einfach Lob hat außerdem Jonas Hector verdient. Über beide Spiele hinweg wird das aber auch weiterhin nicht. Markus Anfang (46), gebürtiger Kölner, stieg mit Kiel 2016/17 in die 2. Liga auf, scheiterte ein Jahr später in der Relegation zur 1. Liga an Wolfsburg. 2018/19 übernahm der heutige Darmstädter den 1. FC Köln, wurde nach 31 Spielen auf Platz 1 der 2. Liga entlassen. Fotos: Getty Images, nordphoto, imago images/MIS 20
31. MAI 2021 verlängern und orientiert sich an Heidenheim Vertrag für Werner Vor einigen Wochen hatte Stöver angekündigt, dass ein weiteres Zweitligajahr mit einer Etatkürzung verbunden sei. Nun soll genau darüber neu befunden werden. Weil die Verantwortlichen wissen, dass diese historische, aber ungekrönte Spielzeit neue Anforderungen mit sich bringt. „Wir müssen an die Jungs bei aller Enttäuschung heranführen, dass wir die beste Saison der Vereinsgeschichte gespielt haben, dieser Stolz muss sich mit Abstand durchsetzen“, erklärt Stöver. Dazu gilt es, schmerzliche Verluste zu kompensieren. Neben dem Abschied des am Samstag wegen Oberschenkelproblemen kurzfristig ausgefallenen Janni Serra Richtung Bielefeld steht jetzt auch der von Jae-Sung Lee endgültig fest. „Bei einem Aufstieg“, verrät Stöver, „hätte es vielleicht noch eine Möglichkeit gegeben, in der 2. Liga besteht diese leider nicht.“ Einen Abschied von den Ambitionen soll es nicht geben. „Wir werden jetzt mit dem Trainer intensiv die Köpfe zusammenstecken und sehen, dass wir Qualität dazuholen.“ Sandhausens Angreifer Kevin Behrens ist ein möglicher Kandidat, wird jedoch auch von Bremen umworben. Stöver orientiert sich dennoch mutig an dem im Vorjahr in der Relegation gescheiterten Zweitligisten. „Heidenheim ist es auch gelungen, trotz einiger Abgänge und der Enttäuschung wieder eine gute Saison zu spielen.“ Holstein Kiel – 1. FC Köln 1:5 1:4 Gelios 4 Neumann 6 Wahl 5 21 TRAINER: Werner Lorenz 6 i Komenda 5 i Meffert 5 Mühling 6 B Lee 3 Bartels 5 Porath 5,5 G i Reese 4 i B B Andersson 1 i Kainz 1 Duda 1,5 i J. Horn 3 G i Wolf 2 i B Hector 1 B Skhiri 2 B Czichos 2 Bornauw 4,5 G i Ehizibue 2,5 T. Horn 3 G TRAINER: Funkel EINGEWECHSELT: 46. Mees (5) für Lorenz und Girth (5) für Porath, 63. Kirkeskov (–) für Komenda, 80. Awuku (–) für Reese – 46. Jakobs (3) für J. Horn und Jorge Meré (3) für Bornauw, 63. Meyer (–) für Duda, 72. Thielmann (–) für Wolf, 76. Drexler (–) für Andersson – RESERVEBANK: Dähne (Tor), Reimann (Tor), Dehm, Ignjovski, Sterner – Zieler (Tor), Schmitz, Höger, Özcan TORE: 0:1 Hector (3., Kopfball, Vorarbeit Duda), 1:1 Lee (4., Kopfball, Porath), 1:2 Andersson (6., Kopfball, Kainz), 1:3 Andersson (13., Kopfball, Kainz), 1:4 Czichos (39., Linksschuss, Hector), 1:5 Skhiri (84., Rechtsschuss, Thielmann) – CHANCEN: 1:17 – ECKEN: 2:8 SR-TEAM: Aytekin (Oberasbach – Assistenten: Dietz, Sinn – Vierter Offizieller: Badstübner – Video-Assistent: Brand), Note 1, souverän und klar, handelte bei Jannes Horns Foul gegen Bartels (44.) im Ermessensspielraum. – ZUSCHAUER: 2334 – GELBE KARTEN: Porath – Bornauw, J. Horn, T. Horn, Thielmann – SPIELNOTE: 2, von Beginn an ein Spektakel und Chancenfestival – wenn auch recht früh sehr einseitig. “ ANALYSE ES BERICHTEN Frank Lußem und Sebastian Wolff Köln vergibt sogar einen zweistelligen Sieg die Begegnung, weil der FC prompt zurückschlug und zu keiner Phase Zweifel aufkommen ließ. Schon mit dem dritten, spätestens dem vierten Treffer, war die Partie entschieden. Die Umstellung von Kiels Coach Werner nach der Halbzeitpause, hinten mit Dreierkette zu verteidigen und die beiden Spitzen Girth und Mees durch Bartels und Reese zu flankieren, verpuffte wirkungslos. FAZIT: Am Ende war es wie Bundesliga gegen Regionalliga – der 1. FC Köln war in allen Belangen turmhoch überlegen und vergab einen zweistelligen Sieg. SP I E L E R DE S SP I E L S Sein frühes 1:0 war ein Signal, das vierte Tor bereitete JONAS HECTOR vor. Mit seiner Körpersprache strahlte er über die gesamte Spielzeit puren Willen und Entschlossenheit aus. Daten: opta Ø-Note Ø-Alter Teamlaufleistung (km) Laufstärkster Spieler (km) Meiste Ballkontakte KIEL 4,96 26,71 110,1 Meffert 11,23 102 Wahl KÖLN 2,27 26,32 115,6 Skhiri 12,82 60 Kainz Ballbesitz 50+50 60+40 Trost und Enttäuschung: Ole Werner, mit dem Kiel weitermachen möchte, leistet Hauke Wahl Beistand. Und der Rest der Truppe verabschiedet sich nach einer starken Saison ohne Krönung von 2334 Zuschauern. Der Bundesligist setzte gegenüber dem Hinspiel-0:1 mit Ehizibue, Jannes Horn, Kainz und Andersson anstelle von Schmitz, Katterbach, Özcan und Jakobs nicht nur personell auf die jeweils offensivere Variante, sondern setzte auch auf dem Platz vom Anpfiff weg voll auf Angriff. Ein Schlüssel dabei: Dudas aggressives Anlaufverhalten gegen Meffert. Der andere: Flanken über die rechte Defensivseite der Holsteiner, wo Neumann komplett neben sich stand. Die Lufthoheit der Kölner im Zentrum war überdeutlich und letztlich spielentscheidend. Nicht mal der schnelle und kurzzeitige Ausgleich durch Lee veränderte 60 % 55 40 % 56 Gewonnene Zweikämpfe
Mal in Serie ein deutscher Trainer die Champions League. Im August 2020 war Tuchel, selbst verletzt, noch traurig und auf Krücken am Pokal vorbeigehumpelt. Nun rannte er stolz mit dem Pott über den Rasen von Porto. Bei PSG hatte man ihm nicht mehr zugetraut, das Ensemble der Egos zu dirigieren und feuerte ihn vor Weihnachten. Bei Chelsea hat er in kurzer Zeit ein Team geformt, das ihm bedingungslos folgt. Dabei hatte Tuchel auch in London einige Härtefälle wie Hakim Ziyech oder Christian Pulisic zu moderieren, die im Finale nicht in der Startelf standen. Auf seine drei deutschen Nationalspieler kann er ohnehin vertrauen. Antonio Rüdiger wandelte sich unter ihm vom Tribünenhocker zu einem Anführer des Teams sowie zu einem der aktuell weltbesten Innenverteidiger. Auch Kai Havertz hatte Tuchel im wichtigsten Spiel des Jahres wieder gebracht. Und der Über das CL-Finale berichten Thomas Böker, Martin Gruener, Manfred Münchrath und Keir Radnedge Champions-League-Triumph des FC Chelsea, der zweite nach 2012, vor allem ein Werk des 47-jährigen Deutschen. Nicht nur, dass er im Endspiel den verehrten Kollegen Pep Guardiola in den Schatten stellte. Schon im Halbfinale hatte er Zinedine Zidane und Real Madrid alt aussehen lassen. Seit Tuchel im Januar von Frank Lampard übernommen hatte, ging es steil nach oben bei den Blues. Jetzt sitzt Tuchel auf Europas Thron. Nach Jürgen Klopp und Hansi Flick gewinnt zum dritten Der ganz große Wurf 1:0 im Finale über ManCity – Thomas Tuchel und seine drei deutschen Profis feiern mit dem FC CHEL SEA . Beim Gegner aber braucht nun ein Landsmann Trost. Fotos: Getty Images (2), imago images, Witters CHAMPIONS LEAGUE Es gibt schlimmere Orte für ein Kennenlernen. Thomas Tuchel und sein Team waren gerade voll im Partymodus, da stand auch schon der Chef neben ihm. „Auf dem Rasen habe ich das erste Mal mit Roman Abramovich gesprochen“, erzählte der Trainer später. Und Chelseas Eigner habe nicht nur aufs Herzlichste gratuliert, sondern auch gleich Geschäftliches mit Tuchel geregelt. „Ich bin zwar nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, jetzt habe ich einen neuen Vertrag.“ Verwundern wird das niemanden, schließlich ist dieser
31. MAI 2021 Ex-Leverkusener suchte sich nach einem halbgaren ersten Jahr in England den besten Moment aus für sein erstes Champions-League-Tor im blauen Trikot. Sein Treffer wurde nicht nur durch einen feinen Steilpass von Mason Mount ermöglicht, sondern auch durch einen Sprint von Timo Werner. Der frühere Leipziger, zuvor eher ungeschickt bei zwei Möglichkeiten, spurtete mit perfektem Timing nach links samt Ruben Dias im Schlepptau, sodass der Weg für Havertz frei war. Der brauchte zwar auch etwas Glück, dass der Ball unter City-Torwart Ederson durchflutschte, ehe er einschob, doch danach konnte er das Erreichte kaum in Worte fassen. „Von diesem Moment habe ich schon als Kind geträumt“, sagte Havertz überglücklich. Zuvor hatte er noch seinen Nationalelf-Kollegen Ilkay Gündogan getröstet, der nach 2013 (mit dem BVB gegen Bayern) erneut ein Henkelpott-Finale verlor. Der entscheidende Mann in einem Finale und damit in den Geschichtsbüchern wie Mario Götze bei der WM 2014 oder Kingsley Coman beim FC Bayern 2020, das ließ auch den sonst so schüchtern wirkenden Havertz selbstbewusster auftreten. „I give a f*** shit“, erwiderte er auf die Bemerkung eines Fragestellers, dass er ja der teuerste Einkauf der Klubgeschichte sei. Da kam auch schon direkt Kapitän Cesar Azpilicueta hinzu und lobte den deutschen Kollegen nicht nur für sein Tor, sondern auch für die Arbeit nach hinten. „Das ist Teamwork! Kai hat uns die Champions League geschenkt!“ Mit Chelsea gewann allerdings auch just der Verein, der im vergangenen Sommer mit rund einer Viertelmilliarde Euro am meisten Geld für neue Spieler ausgab. Allein die Ab- MEINUNG Thomas Böker Redakteur Tor zum Triumph: Kai Havertz zieht an Ederson vorbei Richtung 1:0. Später feiert er mit Timo Werner und Antonio Rüdiger sowie natürlich dem Henkelpokal. löse für Havertz dürfte von anfangs 80 Millionen nun bereits geschätzte 95 Millionen erreicht haben, darum feierte man auch in Leverkusen kräftig mit. Auch in der nun anstehenden Transferperiode dürften teure neue Leute kommen (siehe Seite 25). Denn nicht vergessen ist auch, dass eine D EU TSCH E S I EG E R I M AU S L A N D Drei Trainer plus neun Spieler Seit Einführung der Champions League 1992 waren zwölf Deutsche mit ausländischen Klubs erfolgreich. Jahr Verein Spieler/Trainer 2021 FC Chelsea FC Chelsea FC Chelsea FC Chelsea FC Liverpool Real Madrid Real Madrid Real Madrid FC Barcelona Real Madrid FC Liverpool Real Madrid Real Madrid Real Madrid Olympique Marseille Thomas Tuchel Timo Werner Antonio Rüdiger Kai Havertz Jürgen Klopp Toni Kroos Toni Kroos Toni Kroos Marc-André ter Stegen Sami Khedira Dietmar Hamann Bodo Illgner Jupp Heynckes Bodo Illgner Rudi Völler 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2005 2000 1998 1993 23 Trainer sind gefettet Wieder nicht gewonnen: Ilkay Gündogan verlor sein zweites Endspiel. Woche vor dem Finale sogar Platz 4 in der Premier League kurz futsch war. Tuchel legte mit seinem Team einen Balanceakt Richtung Gipfel hin. Über allem stets die Aussicht, dass Abramovich ihn womöglich kalt abservieren wird, wenn es nicht so blendend laufen sollte. Man frage nach bei Roberto di Matteo, dem Coach des Siegerteams von 2012 in München, der im November desselben Jahres schon wieder Blues-Geschichte war. Tuchel soll das freilich nicht passieren. Während er den Erfolg nun einige Tage genießen kann, geht es für Rüdiger, Werner, Havertz sowie den unterlegenen Gündogan am 3. Juni weiter mit der Vorbereitung auf die EM. „Dieser großartige Erfolg wird unsere Nationalspieler noch einmal stärken“, erklärte Bundestrainer Joachim Löw in Seefeld mit Blick auf sein Chelsea-Trio. Und Gündogan „werden wir in unserem Kreis wieder aufbauen“. Geklärt scheint auch, dass die vier vor den Gruppenspielen in München keine Corona-Quarantäne absolvieren müssen. Am 6. Juni will der DFB-Tross nach Deutschland reisen – mit den England-Legionären. Die Chelsea-Profis waren am Sonntag nur kurz mit dem Team zum Feiern nach London geflogen, und das wird laut DFB als Durchreise gewertet. Dieser Hattrick ist kein Zufall V on Bert Trautmann über Jürgen Klinsmann bis hin zu Michael Ballack – deutsche Spieler waren in England schon immer beliebt und hoch im Kurs. Bei Trainern sah das lange etwas anders aus. Bis auf Felix Magath in Fulham 2014 schaute sich die Premier League gerne woanders um. Doch dann, 2015, kam Jürgen Klopp, er wurde nicht nur in Liverpool zum Helden, sondern verlieh dem englischen Fußball eine, seine eigene Note. Verdienter Lohn: der Champions-League-Sieg 2019. Zwei Jahre später nun ist Thomas Tuchel im Olymp. Er hat dreimal in den vergangenen zwei Monaten Pep Guardiola besiegt, zudem auf dem Weg ins Finale auch Zinedine Zidane und Diego Simeone ausgeschaltet. Tuchel stehen nun bei Chelsea alle Türen für eine langfristige Zukunft offen. Er arbeitet akribisch, geradlinig, erfolgreich. TUCHEL KOMPLETTIERTE nun einen deutschen Trainer-Hattrick. Er und Klopp rahmen Hansi Flick ein, der 2020 mit Bayern in der Königsklasse triumphierte. Flick wird nun bekanntlich Bundestrainer und nährt große Hoffnungen, weil er ebenso wie Klopp und Tuchel für eine stilbildende Arbeit steht. Auch er war im Ausland auf Wunschlisten wie bei Real und in Barcelona. Der gute Ruf dieser Trainer hallt in die Welt, das ist eine willkommene Werbung für den deutschen Fußball insgesamt. Der dreifache Erfolg in der Königsklasse ist also kein Zufall. Und wenn man bedenkt, dass ein absoluter Fachmann wie Ralf Rangnick bisher nicht in einer Top-Liga im Ausland arbeitete, scheint das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.
24 31. MAI 2021 Gefangen im Ich KOLUMN ISTEN-K REI S Auch Pep Guardiolas Plan trug dazu bei, dass M ANCHEST ER CIT Y verlor. Was dachte er sich dabei und warum? Wie geht es nun weiter? Erik Meijer Sky-Experte Natürlich wäre es zu einfach, diese Finalniederlage nur Pep Guardiola anzulasten. Doch der Trainer Manchester Citys hatte, wie im Vorfeld angedeutet, mal wieder eine Eingebung. Eine Idee, die ihn einen Plan ohne etatmäßigen Sechser und mit drei Flügelstürmern entwerfen ließ, von denen Phil Foden erst Achter, dann Neuner spielte. Damit verunsicherte er seine Mannschaft mehr, als Chelsea unlösbare Rätsel aufzugeben. Der Coach hatte durchaus recht, wenn er sagte, dass Warum Havertz mir immer besser gefällt C helsea hat verdient gewonnen. Das mal vorneweg. Denn die Blues haben es taktisch stark gemacht, haben an ihre Stärken geglaubt, waren aber zugleich sehr variabel beim Besetzen der Räume. Und Manchester City? Tja, Pep Guardiola hatte mal wieder einen besonderen Einfall. Ich habe nicht verstanden, warum Rodrigo draußen saß, warum Raheem Sterling von Beginn an spielte. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass er jetzt bei den Cityzens infrage gestellt wird. Schließlich ist er überzeugend Englischer Meister geworden. Aber er sollte einfach mal über sich selbst nachdenken, ob seine Herangehensweise in großen Spielen so passt. BEI THOMAS TUCHEL stimmte alles, Gratulation! Sein Stellenwert ist bei Chelsea um ein Vielfaches gestiegen. Er hat in den ersten Monaten mit dem Klettern auf Platz 4 und nun dem Triumph in der Champions League einen unglaublichen Eindruck hinterlassen. Sein Vertrag läuft noch bis 2022, nun wird Chelsea ihn sicher lange binden wollen. Trotzdem sei an dieser Stelle auch an Frank Lampard erinnert, der in der Gruppenphase Chelseas Trainer war und diesen Kader mit zusammengestellt hat. Beeindruckend, wie in der Königsklasse sowohl bei ihm als auch dann bei Tuchel die Defensive funktionierte. In der Liga lief es für Lampard nicht, dort hatte ich Chelsea eigentlich schon 2020/21 als Meister auf der Rechnung. Das wurde bekanntlich nichts, aber nun darf man die Londoner zu den Titelanwärtern zählen. nert. Damals brachte Guardiola sein Team mit drei Innenverteidigern aus dem Rhythmus, diesmal mit einer zu offensiven Aufstellung. Warum tat er das? Guardiola zweifelte wieder mal daran, ob es denn reichen würde, sein Team wie immer aufs Feld zu schicken. Dieses Vertrauen hätten sich seine Jungs durchaus angesichts des souveränen Durchmarschs in der Liga und in der Königsklasse verdient gehabt, doch der Coach war wieder gefangen im eigenen Ich. „Der Feind in seinem Kopf“, wie der kicker vor einigen Monaten bei einem Porträt über ihn geschrieben hatte, schlug wieder zu. Mit Guardiolas Rauswurf ist nicht zu rechnen. Foto: Getty Images/Atkins AUCH DANK DER deutschen Spieler. Toni Rüdiger ist ein echter Kerl, wie er verteidigt, ist enorm stark. Timo Werner ist fleißig, aber muss natürlich noch seine Chancen nutzen. Und Kai Havertz wird immer besser, weil er in so wichtigen Spielen das Vertrauen bekommt, weil er sich wohlfühlt in der Rolle auf halbrechts, wenn er nach innen ziehen kann. Alle drei Spieler fahren nun mit Rückenwind zur EM, Rüdiger wird gesetzt sein, die beiden anderen werden sich bestmöglich im Trainingslager empfehlen. Der kicker-Kolumnistenkreis: Gerald Asamoah, Sergej Barbarez, Giuseppe Bergomi, Fredi Bobic, Marco Bode, Helen Breit, Didier Deschamps, Eduard Geyer, Thomas Helmer, Bernd Heynemann, Bodo Illgner, Jürgen Kohler, Erik Meijer, Uli Stein, Joachim Streich, Olaf Thon, Rudi Völler Ilkay Gündogan diese Rolle kenne und über Jahre gespielt habe, nämlich 103-mal in Dortmund, 38-mal in Manchester. Und dass er schnelle und wendige Offensivkräfte brauchte. Doch es gab zwei Denkfehler dabei: Gündogan spielte als Achter eine brillante Saison, torgefährlich wie nie, wurde dieser Stärke beraubt. Und Sterling, der für einen der Stabilisatoren Rodrigo oder Fernandinho in die Startelf rückte, ist schnell, hat aber an Torgefährlichkeit eingebüßt, sinnbildlich sei an seine vergebene Chance beim Aus gegen Lyon 2020 erin- Niemand muss einen Gedanken an einen Rauswurf Guardiolas verschwenden, es sei denn, es entstünde eine negative Eigendynamik im Binnenklima zwischen Coach und Spielern. Damit ist nicht zu rechnen. Aber es war ein missglückter Versuch Guardiolas, so zu agieren wie Ajax im Finale 1995 gegen Milan (1:0), im 3-4-3 mit Raute bei eigenem Ballbesitz. Trainer Louis van Gaal hatte damals mit Frank Rijkaard als Sechser deutlich mehr Balance im Spiel. Wie formulierte es Sky Sports England? „Der vermeintliche Überdenker hat jetzt einen Sommer, um darauf herumzukauen.“ Derweil hofft Kevin De Bruyne, dass er trotz seines Augenhöhlen- und Nasenbeinbruchs für Belgien bei der EM starten kann. Nicht zu fassen: Das Star-Ensemble von Pep Guardiola verlor.
31. MAI 2021 Nach dem Finale ist vor den T RA N S FER S . Zwischen Chelsea und ManCity steht nun das nächste Duell an – um Englands Topstürmer. Bis 2023 soll der neue Trainervertrag von Thomas Tuchel laufen, inklusive der Option auf ein weiteres Jahr. Das wurde mit Roman Abramovich offenbar bereits in der Jubelnacht von Porto so verabredet. Der Triumph in der Königsklasse dürfte dem Deutschen auch deutlich stärkeren Einfluss auf die künftige Transferpolitik seines Vereins bringen. Und bei einer Personalie steht gleich das nächste Duell mit Pep Guardiola an. Harry Kane will Tottenham nach 17 Jahren ohne Trophäe verlassen – und sowohl Chelsea als auch Manchester City werben um Englands Mittelstürmer Nummer eins. Tuchel hat in seinen gut vier Monaten bei den Blues längst durchblicken lassen, dass die beiden vorhandenen Alternativen im Kader nicht seine erste Wahl sind. Sowohl Olivier Giroud (34) als auch Tammy Abraham (23) sahen nicht nur das Finale gegen City von draußen, sondern auch die meisten anderen Spiele. Weil Timo Werner (noch) zu viele Chancen liegen ließ, könnte Kane eine neue Qualität in den Abschluss bringen. Günstig zu haben ist der 27-Jährige freilich nicht, was die Zahl der Anwärter in Corona-Zeiten noch mehr einschränkt. Doch sowohl Chelsea als auch City wären bereit und vor allem finanziell in der Lage, mehr als 100 Millionen Euro in ihn zu investieren. Ein Wechsel innerhalb Londons würde bei den Spurs-Fans sehr schlecht ankommen, nicht nur deshalb gilt City derzeit als erste Adresse für Kane. Die Skyblues lassen mit Sergio Aguero (32) den treffsichersten Stürmer ihrer Geschichte Richtung Barcelona ziehen. Also gäbe es außer dem eher leichtgewichtigen Gabriel Jesus kaum Konkurrenz in der Sturmmitte, wo Guardiola zuletzt vor allem Kevin De Bruyne als falsche Neun DIE NÄCH STE SA I S O N Der Kampf um Kane Wohin? Tottenhams Harry Kane hätten beide Finalisten gern. Preiswert wird er nicht. aufgestellt hatte. Das hatte gereicht für die Meisterschaft, aber eben nicht für den Henkelpokal. Weil Co-Kapitän Fernandinho Anfang Mai seinen 36. Geburtstag feierte, ist auch im Mittelfeld bald wieder eine Lücke zu schließen. Auf den Flügeln hat man das 2020 nach dem Abgang von Leroy Sané zum FC Bayern versäumt. Aber vielleicht bedient man sich hier ja ausgerechnet bei Chelsea. Denn der erst vorigen Sommer aus Amsterdam geholte Hakim Ziyech (28) und auch Cullum Hudson-Odoi (20) haben unter Tuchel wenig Spielzeit und damit eine ungewisse Zukunft. Nur DAZN und Amazon übertragen live – Auswärtstorregel vor dem Aus Foto: imago images/PA Images Dortmund dank Chelseas Sieg im zweiten Lostopf Wie gerne sich Thomas Tuchel an seine Zeit in Dortmund erinnert, wissen wir nicht. Aber bei der Borussia freuten sie sich sehr für ihren Ex-Trainer, wenn auch nicht nur aus Gründen der Zuneigung, sondern auch des Eigennutzes. Durch Chelseas Sieg liegen die Dortmunder bei der Gruppenauslosung der Champions League 2020/21 in Topf 2. Bei einer Finalniederlage wären die Blues anstelle des BVB dort gelandet – und Russlands Meister Zenit St. Petersburg in Topf 1, der nun in den dritten Topf wandert. Die Einteilung ergibt sich aus einer Mischung von Länderkoeffizienten, von denen die Meister der 25 bestplatzierten Ligen für Topf 1 profitieren, und von Klubkoeffizienten, die ab Topf 2 greifen. Das steht bisher fest, sofern die UEFA die Initiatoren der Super League, Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin, gegen die ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, nicht ausschließt: Topf 1: Chelsea, Villarreal, Bayern, ManCity, Atletico Madrid, Inter Mailand, Sporting Lissabon, Lille Topf 2: Real Madrid, Barcelona, Juventus, Paris SG, ManUnited, Liverpool, FC Sevilla, Dortmund Topf 3: FC Porto, Ajax Amsterdam, Leipzig, Atalanta Bergamo, St. Petersburg und drei weitere Topf 4: AC Mailand, Wolfsburg und sechs weitere Abhängig davon, welche sechs Teams sich noch qualifizieren, werden Besiktas, Club Brügge und Dynamo Kiew verteilt. Während hier also vorerst noch Fragen offen bleiben, ist geklärt, dass die Königsklasse in den kommenden drei Jahren von DAZN und Amazon (über seinen Streamingdienst Prime Video) übertragen wird – nur das Finale läuft auch beim ZDF. DAZN zeigt 121 der 137 Spiele, Amazon die restlichen Partien, darunter immer das Topspiel vom Dienstag. Sky, das seit 21 Jahren die Champions League übertrug, hatte den Rechtepoker verloren. Eine wichtige Neuerung könnte auch den Modus betref- fen. Die 1965 eingeführte Regel, nach der bei Torgleichstand nach zwei Spielen der Klub weiterkommt, der auswärts mehr Treffer erzielt hat, steht vor dem Aus. Die Änderung für alle Europacup-Wettbewerbe dürfte das Exekutivkomitee auf einer seiner nächsten Sitzungen beschließen. FRAGE DER WOCHE Soll die Auswärtstorregel abgeschafft werden? Stimmen Sie auf kicker.de ab.
26 31. MAI 2021 Top: N’golo Kanté ließ nicht nur ManCitys Bernardo Silva stehen. vor allem vertikal. Die im Vorfeld thematisierten Zwischen- und Halbräume, die City so gerne und gut bespielt, wurden immer wieder effektiv geschlossen oder taten sich erst gar nicht auf. Zudem fanden die Skyblues so keine Tiefe. Während Chelsea also nur zwei Torchancen zuließ, war Englands Meister hier wesentlich großzügiger und eröffnete, auch in Ermangelung eines echten und vor allem defensiv denkenden Sechsers, unfassbar viele Schnittstellen. Mount nutzte eine große dankbar vor dem Treffer. Folgt nun eine gute EM, ist Kanté ein Kandidat als Weltfußballer. Der Eroberer Taktisch gab es zwei Knackpunkte: Chelseas Pressing war schlauer – und N’GO LO KA NT É (30) omnipräsent. Kann er Weltfußballer werden? Pressing und Gegenpressing sind zwei Elemente, die beide Finalisten in ihrem jeweiligen Portfolio haben. Schon vorher war klar, dass jenes Team gute Karten haben würde, welches effizienter pressen würde. Es war ganz klar: Chelsea. Die Blues bauten nicht aus einer Dreier-Abwehrreihe heraus auf, sondern mit Thiago Silva und Antonio Rüdiger innen und dem rechts leicht vorrückenden Cesar Azpilicueta sowie mit dem links etwas höher positionierten Ben Chilwell. Reece James suchte direkt Tiefe. Dies hatte zur Folge, dass sich zunächst Kevin De Bruyne in 1:2-Situationen, und selbst mit den unterstüt- S CH I ED S R I CH T ER zenden Riyad Mahrez und Raheem Sterling in 3:4-Unterzahl wiederfand. Hinzu kam, dass Phil Foden und Bernardo Silva Schwierigkeiten hatten, sich richtig zu positionieren, sodass Chelsea sich immer wieder befreite und gleichzeitig City in 1:1-Defensivsituationen zwang, so auch beim 1:0. Chelsea indes wählte eine kluge Mischung aus Angriffs- und Mittelfeldpressing, entweder liefen Masont Mount, Kai Havertz und Timo Werner punktuell und mit variabler Aggressivität an, oder, gerade im zweiten Durchgang, ließen sie die Innenverteidiger im Spielaufbau gewähren, standen dafür dann aber in der eigenen Hälfte umso kompakter, nicht nur horizontal, sondern Buchstäblich mittendrin: N’golo Kanté. Wieder mal. Schon in den Halbfinalduellen mit Real war der Mittelfeldspieler der Blues top, nun ragte er wieder heraus. Ob als nerviger Schatten Ilkay Gündogans, als antreibender Achter, als Räume zulaufender Sechser – dank seiner unglaublichen Zweikampfstärke, seiner Präsenz und seiner hohen Spielintelligenz dominierte er das Mittelfeld, defensiv wie offensiv. Er eroberte Bälle, bei denen andere nicht mal einen Versuch starten hinzukommen. Die Zeit schrieb im Vorfeld über ihn: Der Mann, der Bälle frisst. Das trifft es sehr gut. Apropos sehr gut: Natürlich stehen bei der Wahl zum Weltfußballer traditionell große Offensivkünstler wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder zuletzt eben Toptorjäger Robert Lewandowski zu Recht ganz oben auf dem Treppchen. Doch wenn Kanté, für Chelsea von unermesslichem sportlichen Wert, nun auch noch mit Frankreich bei der EM nun so auftrumpfen sollte wie bei der erfolgreichen WM 2018, dürften manche Experten mehr als einen Gedanken daran verschwenden, ihn in die engere Wahl mit einzubeziehen. Der Spruch, nach dem 70 Prozent der Erde mit Wasser bedeckt seien und den Rest decke Kanté ab, kann man seit diesem Samstag weiterdrehen: Auf dem Spielfeld scheint es, als würde der Kilometerfresser und permanent auch noch offensiv anspielbare Kanté, der keineswegs nur ein Zerstörer ist, annähernd 100 Prozent in Beschlag nehmen. Ohne ihn wäre Chelsea nicht ins Finale gekommen, hätte wohl den Pott nicht geholt. Und hätte, da sind wir wieder bei der Taktik, weder seinen Spielaufbau noch sein Pressing so gut gestalten können. Denn dazu brauchte es einen, der Lücken beim Gegner reißt und einen, der sie im eigenen Gebilde stopft. Einen wie Kanté eben. Spanier Mateu Lahoz mit praktisch tadelloser Leistung E in souveräner Auftritt war es diesmal, nur vor dem Spiel und am Ende gab es Ungewöhnliches, was aber wiederum mit Blick auf Antonio Mateu Lahoz gar nicht so ungewöhnlich ist: Der dritte Spanier, der ein Champions-League-Finale leitete, liebt bekanntlich die große Geste, oft wird ihm daher auch pfauenhaftes Auftreten nachgesagt. Im Dezember 2020 etwa hatte er in der Gruppenphase bei Leipzigs 3:2 über ManUnited einen rabenschwarzen Tag, kicker-Note 6. Am Samstag umarmte der Mann aus Valencia vor dem Endspiel in alter Freundschaft Pep Guardiolas Co-Trainer Juanma Lillo. Uiuiui, dachte man. Zumal der Referee Pep 2018 wegen Meckerns auf die Tribüne geschickt hatte. Doch Bedenken waren unberechtigt, es folgte eine tolle Leistung, nach dem Match zeigte sich Lahoz den Tränen nahe, legte eine Hand aufs Herz. Ein wenig Geste muss sein beim 44-Jährigen. In seiner Heimat war er einst umstritten, weil er Stars nicht über Gebühr schützte, was bei Barca und Real für Schnappatmung sorgte. Hat sich gegeben. Foto:s 2021 Getty Images, 2021 UEFA Anders als in Leipzig nichts zu kritisieren
31. MAI 2021 EI N Z E L K R I T I K Kyle Walker 3,5 Engagiert, aber nicht immer stellungssicher und mit allerlei Fouls. Viel in der Defensive gebunden, nur selten mit Vorstößen. FC Chelsea Ruben Dias 3,5 Nicht so souverän wie sonst, ließ sich vor dem 0:1 von Werner aus dem Zentrum locken. So gut wie keine Impulse in der Spieleröffnung. Antonio Rüdiger 1,5 Ließ Citys Offensivkräften keine Luft zum Atmen, schaltete sich, wenn möglich, auch in den Aufbau ein. Mit perfekter Grätsche blockte er Manchesters beste Chance durch Foden. Ilkay Gündogan 3,5 Ungewohnt als Sechser eingesetzt, mit zu wenigen Anspielstationen nach vorn und oft mangelnder Unterstützung bei der Abwehrarbeit. Erst als Fernandinho kam, offensiv präsenter. Reece James 3 Im positiven Sinne mit einer Durchschnittsleistung: ließ defensiv nichts anbrennen, versäumte es aber, mehr anzuschieben. N’golo Kanté 1 Überragender Mann auf dem Platz (s. Seite 26 und Spieler des Spiels). Bernardo Silva 5 Nach vorne unsichtbar, defensiv oft zu viel Abstand zu den Gegnern. Jorginho 2 Hat seine Schwäche von einst, Räume hinter sich zu früh zu öffnen, beeindruckend in den Griff bekommen. Passsicher, guter Partner von Kanté. Phil Foden 4 Hatte eine Großchance, die Rüdiger gerade noch abblockte (27.), sonst in der Regel gut abgeschirmt. Ben Chilwell 4 Offensiv stärker als defensiv, wo er zu viel zuließ, weil auch gedanklich zuweilen zu langsam. Riyad Mahrez 3,5 Bei der Hereingabe von Walker knapp zu spät (29.). Blieb bei Dribblings häufig an einem Gegner hängen. Kai Havertz 1,5 Ganz starker Laufweg und Vollendung beim Tor des Tages. Auch in der zweiten Halbzeit mit guten Pässen und schlauem Pressingverhalten. Kevin De Bruyne 4,5 Erst falsche Neun, dann Zehner. Arge Probleme mit der engen Bewachung im Zentrum, so gut wie keine Bindung zum Spiel, später von Rüdigers Schulter ausgeknockt. Mason Mount 2 Spielte einen Zuckerpass vor dem 1:0, defensiv zuweilen in der Achterrolle, auch da sehr engagiert und griffig. Raheem Sterling 4,5 Vermasselte sich die erste Chance des Spiels mit schwacher Ballannahme. Danach selten im Tempo und so enttäuschend wie seine ganze Saison. Timo Werner 4 Fleißig, lauffreudig. Gut, wie er Ruben Dias vor dem Tor aus dem Zentrum zog. In seiner Kernkompetenz jedoch schwach, vergab eine Großchance und trat einmal über den Ball. Gabriel Jesus 4,5 Agierte nicht als der dringend benötigte Mittelstürmer, sondern blieb mit seinen Läufen Richtung Flügel eine Einwechslung ohne Effekt. Andreas Christensen 2,5 Fügte sich nahtlos in den starken Defensivblock ein, nur einmal nicht gut, als er einen Schnittstellenpass zu Sterling zuließ. TRAINER: Guardiola Stones 4,5 Ruben Dias 3,5 Gündogan 3,5 G Bernardo Silva 5 i Mahrez 3,5 Cesar Azpilicueta 3 Zuweilen mit Fehlpässen im Aufbau, aber mit großer Zweikampfstärke, Präsenz und Ausstrahlung unterwegs. Thiago Silva 2,5 Organisierte vorm verletzungsbedingten Ausfall die Abwehr bis auf kleine Ausnahmen mit Auge und Klasse. Oleksandr Zinchenko 4,5 Im Mittelfeld und als Linksverteidiger gefragt, aber fast ohne Wert fürs eigene Team bei Ballbesitz. Ließ Havertz vor dem Tor aus den Augen. Walker 3,5 Edouard Mendy Note 3 Aus dem Spiel heraus fast beschäftigungslos, wichtiges Element im Aufbau, leitete mit einem Chipball auf Chilwell das einzige Tor ein. John Stones 4,5 Mehrfach Probleme bei der Orientierung, beim Gegentor völlig im luftleeren Raum unterwegs. 0:1 Ederson 4 Zinchenko 4,5 Foden 4 De Bruyne 4,5 i Sterling 4,5 i Werner 4 i Mount 2 i Chilwell 4 B Havertz 1,5 Jorginho 2 Rüdiger 1,5 G Kanté 1 Thiago Silva 2,5 i James 3 Azpilicueta 3 Mendy 3 TRAINER: Tuchel EINGEWECHSELT: 60. Gabriel Jesus (4,5) für De Bruyne, 64. Fernandinho (–) für Bernardo Silva, 77. Aguero (–) für Sterling – 39. Christensen (2,5) für Thiago Silva, 66. Pulisic (–) für Werner, 80. Kovacic (–) für Mount – RESERVEBANK: Carson, Steffen (beide Tor), Aké, Garcia, Joao Cancelo, Laporte, Mendy, Rodrigo, Ferran Torres – Kepa, Willy Caballero (beide Tor), Emerson, Marcos Alonso, Zouma, Gilmour, Ziyech, Giroud, Hudson-Odoi TOR: 0:1 Havertz (42., Linksschuss, Vorarbeit Mount) – CHANCEN: 2:5 – ECKEN: 3:1 SR-TEAM: Mateu Lahoz (Assistenten: Cebrian Devis, del Palomar – Vierter Offizieller: del Cerro Grande – Video-Assistent: Hernandez Hernandez/alle Spanien), Note 1,5, sehr souveräne Vorstellung in einem weitgehend fairen Spiel, hätte Fernandinho Gelb geben können. – ZUSCHAUER: 14 110 (in Porto) – GELBE KARTEN: Gündogan, Gabriel Jesus – Rüdiger – SPIELNOTE: 2, vor der Pause ein taktisch und technisch hochklassiges Spiel, im zweiten Durchgang wurde Tempo herausgenommen, es blieb jedoch bis zum Schluss spannend. “ ANALYSE City ohne Mittel gegen Chelseas Defensive Beide Mannschaften verzichteten auf eine Abtastphase, sondern suchten schnell das Heil in der Offensive. Werner hätte für eine frühe Chelsea-Führung sorgen können, vergab jedoch zwei Chancen. Bei Manchester rückte Zinchenko bei Ballbesitz ins Mittelfeld neben oder leicht vor Gündogan und erweiterte bei Ballverlust die Abwehrkette zum Viererverbund. Nach gut 20 Minuten wurde Foden, mit Ball erst Zehner in einer Raute, von City-Trainer Guardiola in die Sturmspitze beordert, De Bruyne rückte dafür auf die Spielmacherposition, was dem Team eine leichte Dominanz einbrachte. Chelsea machte jedoch die Räume clever eng, stand kompakt, ohne sich einzuigeln, ließ keine Chancen zu und konnte sich immer wieder freispielen. In dieser Phase fiel etwas überraschend die Führung durch Havertz nach großartigem Pass von Mount. Mit zunehmender Spieldauer drängte Manchester immer stärker, wirkte dabei jedoch ideenlos, erst in der Nachspielzeit gelang Mahrez der erste gefährliche Schuss in Richtung Tor. Chelseas Abwehrbollwerk hielt bis zum Schluss stand. FAZIT: Dank des Chancenplus und der großartigen Defensivleistung ein verdienter Sieg für Chelsea. City fand über 90 Minuten kein Mittel gegen die gut organisierten Blues. SP I E L E R DE S SP I E L S Wieder einmal war an N’GOLO KANTÉ kein Vorbeikommen. Omnipräsent auf dem Platz, intelligentes Umschaltverhalten und großes Spielverständnis: eine absolute Weltklasse-Leistung des französischen Weltmeisters. Ø-Note Ø-Alter Meiste Ballkontakte Daten: opta Ederson Note 4 Hatte wenig zu halten, sein langer Ball führte zur ersten Chance. Nicht resolut beim Rauslaufen vor dem 0:1. 0:1 MANCITY 4,13 28,04 109 Zinchenko CHELSEA 2,50 26,85 80 James Ballbesitz 50+50 60+40 Manchester City Manchester City – FC Chelsea 27 60 % 57 40 % 58 Gewonnene Zweikämpfe
28 31. MAI 2021 Rekorde, Rekorde, Rekorde Haaland, Moukoko, Giroud, Neymar, Bayern: Sie alle haben 2 020 /21 in der Königsklasse neue Bestmarken aufgestellt. Eine Auswahl besonderer Werte. 3 Dortmunds YOUSSOUFA MOUKOKO debütierte am 8. Dezember 2020 beim 2:1 bei Zenit St. Petersburg im Alter von 16 Jahren und 18 Tagen in der Königsklasse und ist damit jüngster Spieler der CL-Geschichte. Er löste Anderlechts Celestine Babayaro ab, der 1994 mit 16 Jahren und 86 Tagen für die Belgier debütiert hatte. 3 Chelseas OLIVIER GIROUD erzielte am 5. Spieltag beim 4:0 in Sevilla im Alter von 34 Jahren und 63 Tagen vier Tore. Mit diesem Viererpack löste er zugleich auch Claudio Pizarro, der mit 34 Jahren und 35 Tagen im November 2012 dreifach für Bayern gegen Lille getroffen hatte, als ältesten Dreierpacker der CL-Geschichte ab. 3 NEYMAR ist der erste Spieler, dem je 20 Treffer für zwei Vereine gelangen: Für Barcelona hatte er 21-mal getroffen, für Paris nun 20-mal. 3 City-Coach PEP GUARDIOLA erreichte zum achten Mal ein CL-Halbfinale und zog damit mit Rekordhalter José Mourinho gleich. 3 Kiew-Trainer MIRCEA LUCESCU ist der älteste Trainer der CL-Geschichte. Beim letzten Gruppenspiel der Ukrainer war er 75 Jahre und 132 Tage alt. Er löste Jupp Heynckes ab, der 2018 mit 72 Jahren und 357 Tagen Bayern in der Königsklasse coachte. 3 Zum ersten Mal in der CL-Geschichte erreichten vier Trainer einer Nation, DEUTSCHLAND, das Viertelfinale: Edin Terzic (BVB), Jürgen Klopp (Liverpool), Thomas Tuchel (Chelsea), Hansi Flick (Bayern). D I E BE ST EN TO R JÄG ER Dortmunds Haaland hängt alle anderen Topstürmer ab Tore Spieler Verein 10 8 6 6 6 6 6 6 6 Erling Haaland Kylian Mbappé Karim Benzema Youssef En-Nesyri Olivier Giroud Alvaro Morata Neymar Marcus Rashford Mohamed Salah Bor. Dortmund Paris St. Germain Real Madrid FC Sevilla FC Chelsea Juventus Turin Paris St. Germain Manchester United FC Liverpool 3 MANCHESTER CITY feierte 2020/21 elf Siege in einer Saison – seit im aktuellen Format mit nur einer Gruppenphase gespielt wird, also seit 2003/04, gelang das sonst nur Real 2013/14, Barcelona 2014/15 und Bayern 2019/20. Im Gegensatz zu den drei vorigen Vereinen konnten die Engländer die Champions League jedoch nicht gewinnen. 3 MANCHESTER CITY erzielte 18 Tore in Folge, ohne dass die Gegner ein einziges Mal treffen konnten – die längste Serie dieser Art in der CL-Geschichte. Die Serie endete erst mit Marco Reus’ Treffer bei Manchesters 2:1-Sieg gegen Dortmund. 3 Vor dem 1:1 bei Atletico Madrid am 5. Spieltag hatte der FC BAYERN 15 Spiele hintereinander gewonnen – die längste Serie der CL-Geschichte. Vorige Rekordhalter mit je zehn Siegen: Bayern selbst (2013) und Real Madrid (2014 – 2015). 3 Seit 18 Auswärtsspielen ist der FC BAYERN in der Königsklasse ungeschlagen – eine solche Serie gelang zuvor noch keinem Verein in der Champions League. Voriger Rekordhalter war Manchester United mit 16 Auswärtsspielen ohne Niederlage (2007 – 2010). Die CL-Elf der Saison Benzema Real Madrid Mbappé De Bruyne Paris SG ManCity Kanté Chelsea Chelsea Mahrez ManCity Jorginho Rüdiger Haaland Dortmund Chelsea Marquinhos Paris SG Ruben Dias ManCity Mendy Chelsea 3 Der FC BARCELONA war vor dem 0:3 gegen Juventus Turin am 6. Spieltag der Gruppenphase 38 Heimspiele in Serie ungeschlagen geblieben – das gab es zuvor noch nie. Bis dahin lag der Rekord bei 29 Heimspielen ohne Niederlage, aufgestellt vom FC Bayern von 1998 – 2002. 3 OLYMPIQUE MARSEILLE stellte einen neuen Negativrekord auf: 13 Niederlagen in Serie. So viele mussten die Franzosen vor dem 2:1-Sieg gegen Olympiakos am 5. Spieltag der Gruppenphase hintereinander einstecken. Damit überboten sie den vorigen Rekordhalter Anderlecht um ein Spiel (12 Niederlagen in Folge von 2003 – 2005). Jüngster Debütant und jüngster Torschützenkönig: Moukoko und Haaland Foto: imago images 3 ERLING HAALAND (20) ist der jüngste Torschützenkönig der Champions League, zuvor war das Lionel Messi, der sich 2008/09 mit 21 Jahren die Krone aufsetzte. Zudem ist der Dortmunder der Profi mit den wenigsten Spielen, um auf 20 CL-Treffer zu kommen (14). Hier löste er Harry Kane ab (24).
31. MAI 2021 Der Ex-Präsident wies schon 2020 auf Kochs Wissen in der WM -A FFÄ RE hin. Doch die Ermittler schweigen. Allerlei Merkwürdigkeiten in der Generalinventur, die der DFB an die Berliner Firma Esecon vergeben hat, kommen nach und nach ans Tageslicht. Etwa, dass sich DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch im Besitz des internen Arbeitspapiers zum Gespräch zweier Esecon-Ermittler mit Ex-Präsident Reinhard Grindel befand. Dieses als „streng vertraulich“ markierte Dokument nahmen Steuerfahnder bei ihrer Razzia am 7. Oktober 2020 aus Kochs Privaträumen in Poing, Oberbayern, mit. Nun bestätigt Grindel dem kicker: Es gab ein zweites Treffen mit Esecon, am 27. Mai 2020 in Rotenburg. Und in diesem teilte er den internen Ermittlern einen für Koch heiklen Sachverhalt mit: „Bei dem zweiten Gespräch habe ich angeregt, im Rahmen der ,Generalinventur‘ aufzuklären, ab wann Rainer Koch von der Sommermärchen-Recherche des Spiegel wusste und ob dem DFB Schaden entstanden ist, weil er dem Präsidium sein Wissen nicht mitgeteilt hat. Insofern habe ich schon vor einem Jahr Hinweise für interne Ermittlungen gegeben und bin damit nicht erst jetzt in Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen an der DFB-Spitze gezielt ins ZDF gegangen, wie Rainer Koch mir unterstellt hat.“ Grindel hatte diesen Vorwurf gegenüber Koch öffentlich erstmals am 30. April 2021 geäußert. Koch tat dies am 7. Mai 2021 im Aktuellen Sportstudio als „nicht zutreffend“ ab und erweckte den Eindruck eines Rachefeldzugs gegen sich: „Reinhard Grindel hat in den letzten Wochen mehrfach gezeigt, dass er offensichtlich mit mir gebrochen hat.“ Glaubt man nun Grindel, wies er bereits vor einem Jahr auf Kochs angebliches Vorwissen hin, und zwar diskret, um den internen Ermittlern die Chance zur Aufklärung zu geben, ohne öffentlich Porzellan zu zerschlagen. Hat Koch, der den Verband nach dem Rücktritt von Fritz Keller derzeit interimistisch mit Peter Peters S CH I E D S R I C HT ER Grindels Verdacht 29 Grindel erfuhr erst aus den Gerichtsakten, dass die Inhalte des ersten Gesprächs von Esecon überhaupt zu Papier gebracht wurden. „Ich habe das nie gesehen oder gar autorisiert. Die mir in diesem Schriftstück zugewiesenen Aussagen sind teilweise falsch und oftmals unvollständig. Nachdem mir das Schriftstück bekannt geworden war, hatte ich gegenüber Esecon verlangt, dass über unsere beiden Treffen von mir autorisierte Protokolle erstellt werden“, schildert er. „Das hat Esecon mit der Begründung abgelehnt, dass keine meiner Aussagen aus dem Januar und Mai 2020 Eingang in den Abschlussbericht finden werden und eine Autorisierung „Ich habe Zweifel an der Unabhängigkeit der Untersuchung.“ Reinhard Grindel, Ex-DFB-Präsident führt, auch von diesem zweiten Gespräch mit dem für seine Person brisanten Inhalt ein Protokoll erhalten? Fragen dazu beantwortet der DFB nicht. Dass dem Multifunktionär überhaupt ein internes Arbeitspapier von Esecon vorlag, erklärt man beim Verband damit, dass Koch Ansprechpartner für Esecon war. „Einflussnahmen auf den objektiven Gang der Untersuchungen waren mit der Beantwortung solcher Fragen von Esecon zu keinem Zeitpunkt verbunden.“ Nur: Esecon hat hier keine Fragen gestellt, sondern ein Papier weitergegeben. Ex-Präsident Keller wurden derartige Details augenscheinlich nicht zuteil, anderen Präsidiumsmitgliedern offenbar ebenso wenig. insofern nicht nötig sei.“ Erstaunlich. Grindel gab im Januar Hinweise zu Ausschreibungen und im Mai nach eigener Darstellung Hinweise zu Insiderwissen des selbst ernannten Chefaufklärers Koch in der Sommermärchenaffäre – das soll keine Rolle spielen im Abschlussbericht der Generalinventur? Eine kicker-Anfrage zu dem zweiten Grindel-Gespräch beantwortet Esecon nicht. „Angesichts der Beziehungen zwischen Esecon und Herrn Diekmann (Medienberater, d. Red.), der dem DFB nachweislich schweren Schaden zugefügt hat und mit Herrn Koch in enger Verbindung stand, habe ich Zweifel an der Unabhängigkeit der Untersuchung“, kritisiert Grindel. Mirjam Berle, erst am 1. Oktober 2020 als Kommunikationsdirektorin angetreten, und der DFB trennen sich nach nur acht Monaten. Berle kritisiert „fassungslos“ wiederholte „Indiskretionen“, nun auch in ihrem Fall. BENNI HOFMANN Nur noch 24 Erstliga-Referees – Schlager für internationalen Lehrgang gemeldet Reduzierter Kader mit Reichel und Jöllenbeck Foto: imago images/Schroedter W as der kicker bereits am Mittwoch berichtet hatte, wurde am Freitag offiziell bestätigt. Den Unparteiischen Manuel Gräfe, Guido Winkmann und Markus Schmidt gewährt der DFB keine Ausnahmeregelung von der bestehenden Altersgrenze von 47 Jahren – trotz heftigen Widerstands aus den Profiklubs mit Blick auf Gräfe, der sich zudem den Klageweg offenhält. Da Bibiana Steinhaus-Webb ihre aktive Karriere bereits im September 2020 beendet hat, reduziert sich das Aufgebot der Bundesliga-Schiedsrichter im Vergleich zum Vorjahr von 26 auf 24. Neu dabei sind Tobias Reichel (35, Stuttgart) und Matthias Jöllenbeck (34, Freiburg), die bereits 2020/21 jeweils fünf Probeeinsätze im Oberhaus absolvierten. Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich bekundete in einer DFB-Mitteilung seine Freude darüber, dass Schmidt und Winkmann wie zuvor Steinhaus-Webb das Angebot angenommen haben, als VAR weiterzumachen. Gräfe, mit dem die Schiri-Führung seit einiger Zeit in verschiedenen Punkten über Kreuz liegt, erwähnte er dabei nicht. Veränderungen dürfte es bald auch bei den zehn deutschen Plätzen auf der FIFA-Liste geben, die derzeit die beiden EM-Fahrer Felix Brych und Daniel Siebert sowie Deniz Aytekin, Felix Zwayer, Sascha Stegemann, Harm Osmers, Marco Fritz, Christian Dingert und Bastian Dankert einnehmen. Das letztgenannte Trio wird zwar als VAR geschätzt und agiert in dieser Funktion bei der EM, bekam zuletzt aber kaum internationale Einsätze auf dem Rasen. Nach der EURO ist zudem mit dem Ende von Brychs FIFA-Karriere zu rechnen. Laut Fröhlich meldete der DFB nun Daniel Schlager (31) für den 2020 coronabedingt ausgefallenen UEFA-Perspektivlehrgang CORE (Centre of Refereeing Excellence). Sven Jablonski (31) und Robert Schröder (35) sind weitere Anwärter aufs begehrte FIFA-Abzeichen. CARSTEN SCHRÖTER-LORENZ
N AT I O N A L M A N N S C H A F T TH OM AS M Ü L L E R und M ATS H U M M E L S sind Foto: firo zurück und wichtig. Sie geben den Ton an. Die Heilsbringer Nach 36 Minuten wurde der Auftritt entierung und Stabilität verleihen. Und sie von Thomas Müller (31) am Sonntag sollen maßgeblich dazu beitragen, dass die bei der digitalen Pressekonferenz in Mannschaft wieder jene „Gewinner-MentaliSeefeld beendet – nicht etwa, weil es keine tät“ entwickelt, die für eine erfolgreiche TurFragen mehr gegeben hätte, sondern weil Mats nierteilnahme Grundvoraussetzung ist. Dass Hummels (32) ins Bild drängte, um seinen dies alles nötig ist, bestätigte auch Müller mit Kollegen für einen anderen Termin abzuholen. Hinweis auf den zwölften Platz im FIFA-RanDie beiden Rückkehrer sind omnipräsent in king. „Die Weltrangliste lügt nicht, sie zeigt an, diesen ersten Tagen der EM-Vorbereitung, was die vergangenen Jahre passiert ist. Da haund genau das ist auch eine ben wir als Deutschland underihrer Aufgaben. „Beide geben performt“, so sein Urteil. Müller über die in ihren Vereinen den Ton an, Mit dem Testspiel am Weltrangliste: neben dem Platz und auf dem Mittwoch gegen Dänemark soll „Sie lügt nicht.“ Platz. Das ist, was wir von ihdie Wende eingeläutet werden, nen auch hier erwarten“, forselbstredend mit Hummels muliert Bundestrainer Löw und Müller in der Startformadie Ansprüche an die beiden Weltmeister, tion. Eine Einsatzgarantie fürs ganze Turnier die vor zweieinhalb Jahren beim 2:2 gegen hat der Bundestrainer den beiden Routiniers die Niederlande letztmals für die Nationalelf in den Vorgesprächen zwar logischerweise aufgelaufen waren und im März 2019 von Löw nicht erteilt, ihnen wohl aber ihre Wichtigkeit ausgebootet wurden. versichert. Auch in seiner Eingangsansprache Jetzt hat er sie als Heilsbringer zurückgean die derzeit 20 anwesenden Berufenen hatte holt. Mit ihrer Erfahrung von zusammen 170 Löw diesbezüglich klare Worte gewählt: „Ich Länderspielen und neun Turnierteilnahmen habe der Mannschaft gesagt: Ich musste nicht sollen Hummels und Müller dieser in den über meinen Schatten springen, ich mache das vergangenen Monaten allzu anfälligen und aus Überzeugung. Sie können der Mannschaft wankelmütigen DFB-Auswahl wieder Orientscheidend weiterhelfen.“ Dass vor der Rückkehr mehrere Telefonate vonnöten waren, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Zukunft abzustecken, schilderte Müller am Sonntag. „Es waren Gespräche, die durchaus ihre Intensität hatten, aber man hat auch gespürt, dass beide das Gleiche wollen: nämlich den maximalen Erfolg“, berichtete der Münchner, der in der abgelaufenen Saison mit 41 Scorerpunkten in 44 Pflichtspielen den Bundestrainer wieder überzeugt hatte, dass er unverzichtbar ist. In der Mannschaft genießen die beiden Weltmeister ohnehin höchste Wertschätzung. „Jeder weiß, welche Erfolge sie schon gefeiert haben. Ihre Erfahrung und ihre fußballerische Klasse helfen jedem Team weiter. Wir sind froh, dass sie dabei sind“, sagte Leroy Sané im kleinen Kreis. Ob es mit Hummels und Müller nach der EM im Nationalteam weitergeht, bleibt indes offen. Gerade Müller genießt bei Hansi Flick hohes Ansehen, der künftige Bundestrainer verhalf ihm bei Bayern zu alter Stärke. Dennoch gab sich der Offensiv-Allrounder betont zurückhaltend. Der Blick über die EM hinaus „ist nullkommanull aktuell in meinen Gedanken“. OLIVER HARTMANN
31. MAI 2021 DE UTSC HL AND 31 Standards im Trainingsfokus Löw setzt jetzt auf ein notwendiges Übel N Die EM im Visier: Mats Hummels und Thomas Müller zeigen sich sehr präsent. Deutschland – Dänemark Mittwoch, 02. 06., 21.00 Uhr in Innsbruck (live bei RTL) Neuer TRAINER: Löw Bayern München 35 Jahre/98 Länderspiele Klostermann RB Leipzig 24/12 Ginter Hummels Kimmich Can Bor. Mönchengladbach 27/38 Borussia Dortmund 32/70 Bayern München 26/53 Gosens Atalanta Bergamo 26/5 Borussia Dortmund 27/33 Müller Sané Volland Bayern München 31/100 Bayern München 25/28 AS Monaco 28/10 Gnabry Bayern München 25/20 Braithwaite FC Barcelona 29/48 Höjbjerg Tottenham Hotspur 25/40 Maehle Atalanta Bergamo 24/8 TRAINER: Hjulmand Wind Poulsen FC Kopenhagen 22/6 Eriksen Inter Mailand 29/106 Vestergaard FC Southampton 28/21 RB Leipzig 26/52 Delaney Borussia Dortmund 29/52 Kjaer AC Mailand 32/105 Wass FC Valencia 32/28 Schmeichel Leicester City 34/63 RESERVEBANK: Leno 29/8 (FC Arsenal), Trapp 30/5 (Eintracht Frankfurt/beide Tor), Günter 28/1 (SC Freiburg), Halstenberg 29/8 (RB Leipzig), Koch 24/7 (Leeds United), Süle 25/29 (Bayern München), Hofmann 28/2 (Bor. Mönchengladbach), Musiala 18/2 (Bayern München), Neuhaus 24/5 (Bor. Mönchengladbach) – Lössl 32/1 (FC Midtjylland), Rönnow 28/8 (FC Schalke 04/beide Tor), Christensen 25/40 (FC Chelsea), Andersen 25/4 (FC Fulham), Boilesen 29/18 (FC Kopenhagen), Jörgensen 31/34 (FC Kopenhagen), Stryger Larsen 30/34 (Udinese Calcio), Christiansen 30/3 (Malmö FF), Damsgaard 20/2 (Sampdoria Genua), Jensen 25/5 (FC Brentford), Nörgaard 27/4 (FC Brentford), Skov 25/9 (TSG Hoffenheim), Cornelius 28/27 (Parma Calcio), Dolberg 23/24 (OGC Nizza), Skov Olsen 21/5 (FC Bologna) SR-TEAM: Weinberger (Assistenten: Heidenreich, Kolbitsch – Vierter Offizieller: Muckenhammer/alle Österreich) ein, er werde jetzt nicht zu einem neuen Menschen oder gar zu einem neuen Trainer, bloß weil er vor seinem letzten Turnier stehe, versicherte Joachim Löw bei seinem ersten Auftritt im DFB-Trainingslager in Seefeld. Eine pointierte Schwerpunktsetzung in der Trainingsarbeit erlaubt sich der Bundestrainer vor seiner Abschieds-EM allerdings sehr wohl. Plötzlich ist wieder en vogue, was Löw jahrelang so sehr schätzte wie einen Zahnarztbesuch: Standardsituationen waren trotz ihres wichtigen Beitrags zum WM-Titel 2014 ein notwendiges Übel, Freude zog der Fußballfeingeist daraus nicht. Jetzt aber sagt er, er wolle mit seiner Mannschaft „konsequent“ Ecken und Freistöße üben, denn das Verhalten dabei sei zuletzt „total ausbaufähig“ gewesen. Nanu! Das klang dann zumindest ein Stück weit dann doch nach einem neuen Löw. Auch die Mannschaft lernte die modifizierten Schwerpunkte bereits kennen. Schon in der ersten Ansprache in Tirol thematisierte Löw ausgiebig, dass das kollektive Defensivverhalten dringend verbessert DÄNE MAR K werden müsse – Standards explizit eingeschlossen. Defensiv wie offensiv. „Gerade in so einem Turnier“, sagt Rechtsverteidiger Lukas Klostermann, „können sie extrem wichtig sein – etwa als Dosenöffner, um überhaupt in ein Spiel reinzukommen.“ Der Leipziger findet es deshalb „gut und richtig“, dass der Fokus auf dem Platz und im Schulungsraum darauf gerichtet werde – und musste für diese Aussage keinen Widerspruch innerhalb des Kollegiums befürchten. Mats Hummels und Emre Can etwa, die einzigen beiden Dortmunder im deutschen Aufgebot, wurden mit der Borussia in dieser Saison erst dann erfolgreich, als die Arbeit gegen den (ruhenden) Ball verbessert wurde. „Wir haben es in der Vergangenheit manchmal vermissen lassen, als Mannschaft zu verteidigen, und vor allem auch nach Standards zu viele Tore kassiert“, sagt Can mit Blick auf die zurückliegenden DFB-Auftritte. „Doch bei einem Turnier ist es die Basis, wenig Gegentore zu bekommen.“ Daran scheint sich auch der neue, alte Löw erinnert zu haben. MATTHIAS DERSCH Hjulmand gönnt Christensen eine Pause Das beste Team seit 1992 Die Erwartungen an das Nationalteam sind in diesen Tagen ungewöhnlich hoch in Dänemark. Und das betrifft beileibe nicht nur das Testspiel gegen Deutschland, sondern insbesondere auch die EM-Endrunde. Die allgemeine Meinung ist, dass Trainer Kasper Hjulmand (Foto) über die beste Mannschaft der letzten 30 Jahre verfügt – also seit dem sensationellen EM-Triumph 1992. Und deshalb träumen die Fans davon, das „Danish Dynamite“ auch in diesem Jahr mal wieder so richtig zündet. Zumal ja auch die drei Gruppenspiele daheim in Kopenhagen stattfinden. Das Jahr 2021 ließ sich bislang gut an. In den drei WM-Qualifikationsspielen im März gewannen die Dänen gegen Israel, Österreich und die Republik Moldau mit einer Torbilanz von 14:0. Vor allem der 4:0-Erfolg in Österreich war eine beeindruckende Demonstration der Leistungsfähigkeit dieser Auswahl. Das Vorbereitungsspiel gegen die DFB-Elf soll ein echter Härtetest werden und zeigen, wo die Mannschaft steht. Am kommenden Sonntag wartet dann noch Bosnien-Herzegowina für die Generalprobe. Größere Experimente sind nicht zu erwarten, die Stammelf soll sich einspielen. Allerdings wird Chelseas Andreas Christensen nicht in der Innenverteidigung stehen, sondern bekommt nach dem ChampionsLeague-Finale eine Pause. „Er hatte mit Verletzungen zu kämpfen, und wir werden es mit ihm ruhig angehen lassen, wenn er hier angekommen ist“, so Hjulmand. Beunruhigt war der Trainer beim Aufstiegsspiel in die englische Premier League – als nämlich Brentfords Mathias Jensen nach einer harten Attacke verletzt am Boden lag: „Da bin ich etwas nervös geworden.“ Doch der Mittelfeldmann konnte weitermachen und der Coach aufatmen. MARTIN DAVIDSEN
32 31. MAI 2021 „Wir haben eine geile Truppe“ Nach dem letzten Bundesligaspiel bei Union Berlin ging es für Leipzigs Stürmer Yussuf Poulsen zurück in die Heimat. Mit der dänischen Nationalmannschaft bereitet sich der 52-malige Nationalspieler (7 Tore) auf die Europameisterschaft vor, diesen Mittwoch folgt in Innsbruck die Standortbestimmung gegen die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw. Für Y USSUF PO UL SEN (26) ist das Spiel gegen die deutsche Nationalelf die ideale Vorbereitung auf die EM. Ein Gespräch über einen Underdog, die Fans und Torquoten. Nach der Bundesliga ist vor der Europameisterschaft, die für Sie die erste in Ihrer Karriere ist. Haben Sie noch genug Körner im Tank, Herr Poulsen? Wir hatten in den letzten Jahren viele Spiele gegen Gegner, die auf unserem solch eine Top-Nation zu spielen, ist für uns vor der EM eine ideale Vorbereitung. Warum? Ist so eine EM in zwölf Ländern in Pandemiezeiten überhaupt sinnvoll und angemessen? Level waren oder ein bisschen darunter. Aber wir hatten nicht viele Spiele auf allerhöchstem Niveau. Wir brauchen mehr von diesen Spielen, um als Nationalmannschaft den nächsten Schritt zu machen. Habe ich, mehr als genug. Ich freue mich riesig, erst recht, weil zu unseren drei Heimspielen Zuschauer zugelassen werden. Das wird ein Fußballfest in Kopenhagen und ein tolles Erlebnis. Ich bin einfach froh, dass ich in einem Jahrgang geboren wurde, der es mir ermöglicht, zumindest eine halbe Heim-EM zu spielen. Kleine Saison-Rückschau: Vizemeister, Pokalfinalist. Welches Gefühl überwiegt: etwas erreicht oder etwas verpasst zu haben? Klar hätte man sich gerne mehr gewünscht, aber im Fußball ist es eben Sie sprechen die Gruppenspiele gegen Finnland, Belgien und Russland an, für die jeweils 14 500 Zuschauer zugelassen werden sollen. Timo Werner nicht adäquat ersetzt? „Sehe ich überhaupt nicht so.“ Das ist schon ein Riesenvorteil, zu Hause spielen zu dürfen. Ihr Journalisten liebt ja die Statistik: Wenn man vergleicht, wie viele Heimsiege es vor und während Corona gab, dann kann man schon erkennen, welch großen Anteil Fans an den Ergebnissen haben. Wenn Zuschauer auf den Rängen sind, bekommt man noch ein bisschen mehr Adrenalin, und dann ist es auch egal, wie viele Körner noch im Tank sind. so, dass Spiele durch Kleinigkeiten entschieden werden. Wir waren im Pokalfinale nicht die bessere Mannschaft auf dem Platz. Was die Effizienz angeht, war Dortmund an diesem Tag einfach abgezockter. Und Bayern war über die 34 Spieltage auch konstanter als wir. Trotzdem können wir stolz und zufrieden sein, weil wir das für uns Maximale erreicht und eine geile Saison gespielt haben. Dänemark spazierte ungeschlagen durch die EM-Qualifikation, wurde in der Nations League Gruppenzweiter vor England und Island. Kann Dänemark zum Geheimfavoriten werden? Der gesamte RB-Sturm mit Ihnen, Sörloth, Kluivert und Hwang kommt zusammen auf 13 Saisontore. Muss man sich eingestehen, Timo Werner nicht adäquat ersetzt zu haben? Ja genau, so haben wir es geplant: Deutschland ist nicht gut drauf, wir können auch mal einen Großen schlagen und dann sieht es gut aus für die EM. (lacht) Ne, ne, Deutschland ist ein Top-Gegner, und gegen Fotos: Getty Images (2), imago images Das Favorit-Wort will ich nicht in den Mund nehmen. Ich würde uns einen Underdog nennen, der vielleicht auch mal gewinnen kann. Wir haben eine geile Truppe, die sehr gut performt hat. Wir haben in den letzten drei Jahren nur zwei Spiele verloren – jeweils gegen Belgien, die Nummer eins der Welt. Im Testspiel gegen Deutschland wartet ein zuletzt von Spanien vorgeführter und sogar von Nordmazedonien bezwungener Gegner. Der richtige Aufbaugegner? Ich weiß nicht, ob ich so entschieden hätte, wenn ich die finale Entscheidung hätte treffen müssen. Aber ich finde, man kann es so machen. Wir sehen ja alle, dass das normale Leben wieder ein bisschen zurückkommt und die meisten Länder wieder aufmachen. Diese EM wird schon sehr lange geplant, da wurden sehr viele Vorbereitungsstunden investiert, davon hängt für die Länder auch wirtschaftlich viel ab. Und da keine Auswärtsfans zugelassen werden, gibt es auch keinen grenzüberschreitenden Reiseverkehr von Fußballfans. Nein, das sehe ich überhaupt nicht so. Wenn immer von Quoten und Statistiken gesprochen wird, würde ich gerne mal eine Statistik darüber sehen, wie oft wir Stürmer tatsächlich in einem torgefährlichen Raum waren, und wie oft andere Spieler von uns im torgefährlichen Raum waren. Wenn Sie das miteinander vergleichen, bekommen Sie ein besseres Bild, als wenn Sie nur die Stürmertore zusammenzählen. Sie haben die entsprechenden Daten doch bestimmt erhalten. Ja. Es hängt sehr stark damit zusammen, wie wir Fußball gespielt haben und taktisch aufgestellt waren. Wir haben sehr oft ein System gespielt, in dem der Stürmer dann den Platz frei-
31. MAI 2021 33 nur sagen, dass wir Julian natürlich gerne länger hiergehabt hätten. Aber die Entscheidung ist getroffen. Wir freuen uns jetzt auf die nächste Saison mit Jesse Marsch und wünschen Julian beim FC Bayern – (schmunzelt) nicht zu viel Erfolg. Sie kennen Jesse Marsch aus der Saison 2018/19 als Co-Trainer von Ralf Rangnick. Eine gute Wahl? Freud und Leid: Während Poulsen mit Dänemark ungeschlagen durch die EM-Qualifikation spazierte, reichte es mit RB Leipzig trotz fünf Toren im DFB-Pokal-Wettbewerb nach der 1:4 Finalpleite gegen den BVB nur zu Platz 2. gemacht hat, damit beispielsweise unsere Flügelspieler zu Torchancen kommen. Bei den Torquoten unserer Außenspieler besteht zwischen aktueller und letzter Saison ein Riesenunterschied. Deswegen: Es geht mehr darum, wer kommt wohin in welchen Situationen. Erklärt das auch Ihre Trefferquote? Meine Quote bei fünf Toren ist im Vergleich zur Saison 2018/19, als ich 15 Tore in der Bundesliga erzielte, genau gleich oder sogar besser. Ob das die Anzahl der Spielminuten im Vergleich zu Toren und Vorlagen betrifft oder die Effizienz von Toren aus den Torabschlüssen, die ich hatte. Sie hatten mit fünf Toren maßgeblichen Anteil am Einzug ins Pokalfinale. Wie bitter war es da, zunächst draußen sitzen zu müssen? Es war eine Entscheidung des Trainers, die ich natürlich akzeptiere. Da kann ich noch so unzufrieden oder sauer sein, das ist aber egal, weil es in einem Finale nicht um einzelne Spieler geht, sondern ums Gewinnen. Ich habe mir gesagt, dass ich alles geben muss, wenn ich eingewechselt werde. Das war dann in der Halbzeit, als RB schon 0:3 zurücklag und Sie und Christopher Nkunku reindurften. Es waren zwei Wechsel, die das Spiel an diesem Tag schon verändert haben. Leider hat es aber nicht mehr gereicht, um die Wende zu schaffen. Sie haben immer die Nähe zu den Fans gesucht, standen nach Trainingseinheiten für Selfies und Autogramme zur Verfügung, sind auch deshalb Publikumsliebling. Ist nach über einem Jahr Pandemie und monatelangen Geisterspielen noch eine Bindung zu den Fans da? Grundsätzlich ja, aber wir haben die Fans ein Jahr nicht gesehen. Trotzdem fehlen sie uns sehr. Wir vermissen es, dass sie im Training zuschauen, dass wir sie auch mal in der Stadt treffen, dass sie uns in den Spielen anfeuern. Als zum letzten Saisonspiel bei Union Berlin 2000 Fans zugelassen wurden, haben sich alle riesig darauf gefreut, obwohl das nicht mal zehn Prozent der Stadionkapazität war. Glauben Sie, dass es nach Corona wieder so werden wird, wie es davor war? sind und mit Nagelsmann noch stärker werden? Sie waren auch nicht so schlecht mit Hansi Flick. (lacht) Da haben sie auch sehr viel erreicht, und sie haben auch in den Jahren davor immer die Meisterschaft gewonnen. Ich glaube, es wird nächste Saison genauso schwierig. Wir wissen aber auch, dass wir die Qualität haben, um lange dran zu bleiben. Für uns geht es darum, dass wir die entscheidenden Momente, die wir diesmal nicht auf unsere Seite ziehen konnten, beim nächsten Mal nutzen. Das hängt in erster Linie davon ab, wie viele Fans ins Stadion dürfen, und ob sie auf den Rängen genauso enthusiastisch sein dürfen wie zuvor. Wenn das der Fall ist, dann glaube ich, dass es vielleicht noch wilder werden Wie beurteilen Sie die zwei Jahre unter könnte als zuvor. Für uns Spieler Nagelsmann für Sie und den Klub? ist es leider Alltag geworden, ohne Es waren insgesamt zwei brutal erZuschauer zu spielen. Wir werden folgreiche Jahre. Wir haben uns in uns dann erst einmal wieder daran der Champions League etabliert mit gewöhnen müssen, dass wir wegen dem Halbfinale im letzten Jahr und der Lautstärke dem 30 Meter entferndem Achtelfinale in dieser Saison. ten Mitspieler keine Anweisungen Wir haben gesehen, dass wir mit mehr geben könden Top-Klubs nen. (schmunzelt) „Ich freue mich riesig der Welt mitspieWar diese Sailen können. Diese son besonders auf Jesse Marsch. Er letzten Schritte anstrengend und passt sehr gut zu RB.“ zu gehen, um belastend, weil oben mitspielen der Terminkalenzu können, sind der eng wie nie war und es von den die schwierigsten. Und da haben Rängen aus keine Motivationshilfen wir unter Julian einen sehr großen geben konnte? Entwicklungsschritt gemacht. Wir Die Motivation zieht zunächst jeder werden von diesen Jahren auch in aus sich selbst. Wir wären nicht so der Zukunft sehr profitieren, weil weit gekommen, wenn wir nicht alle viele Spieler fußballerisch so viel Gewinner wären. Aber richtig ist, dass Neues gelernt haben. die vielen Spiele in so kurzer Zeit Haben Sie Verständnis für seinen Entanstrengend waren, wir nur einen schluss? Hätten Sie ihn als Klubchef kurzen Sommerurlaub und keine zum direkten Konkurrenten ziehen Winterpause hatten. Und richtig lassen? ist auch, dass Fans dafür sorgen, Ich kann nicht sagen, ob ich es so oder dass man noch ein bisschen mehr so gemacht hätte, weil ich nicht in der Adrenalin im Körper bekommt und Position bin und auch nicht den Einein Spiel dann auch mal weniger blick habe, den die Vereinsführung anstrengend wirkt. hat. Ich habe nicht die InformatioMuss man sich dauerhaft mit Platz 2 nen, die ich brauche, um eine solche begnügen, weil die Bayern zu stark Entscheidung zu treffen. Ich kann Ja, er ist ein geiler Trainer und ich freue mich riesig auf ihn. Als er hier als Co-Trainer war, hat man schon gemerkt, dass er eigentlich eher ein zweiter Cheftrainer ist. Ich glaube, er passt sehr gut zum Verein. Er kennt schon viele Spieler. Er weiß, was wir können und was er von uns verlangen kann. Ich glaube, dass es sehr spannend sein wird und wir auch sehr, sehr erfolgreich sein können mit Jesse als Cheftrainer. Sie sind schon seit acht Jahren in Leipzig, stürmten schon in der 3. Liga für RB, haben bis 2024 verlängert. Hatten Sie nie den Wunsch, mal was anderes auszuprobieren? Ich mache mir nicht so gerne diese Was-wäre-wenn-Zukunftsgedanken. Ich mag das, was ich hier habe. Und so lange ich damit erfolgreich bin, mich gut fühle und immer noch gefordert werde, so lange muss ich nichts anderes probieren. Ich habe ein gewisses Standing im Klub, das müsste ich aufgeben. Ich habe ein gut funktionierendes Privatleben, das müsste ich ändern. Erst wenn zu viele dieser Faktoren in die andere Richtung gehen, dann sollte ich mir Gedanken über Veränderungen machen. Es denken ja einige Kollegen und Identifikationsfiguren von RB Leipzig wie Sie: Auch Willi Orban, Peter Gulacsi und Emil Forsberg haben zuletzt verlängert. Darunter sind Spieler mit Kindern, die auch Entscheidungen im Sinne der Familie treffen müssen. Emil ist bald 30, Pete schon darüber, die spielen keine zehn Jahre mehr. Da Planung und Sicherheit für die nächsten Jahre zu haben, ist auch etwas wert. Wenn man irgendwo glücklich und zufrieden ist, dann muss auch erst einmal ein Angebot kommen, dass das alles noch toppt. Was kommt nach der EM. Holen Sie endlich Ihre Hochzeit nach, die Sie im letzten Sommer wegen Corona verschoben haben? Nein, die haben wir erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Diese Hochzeit soll ein richtiges Fest werden, das schönste und größte Fest unseres Lebens. Und auch wenn die Pandemie jetzt in die richtige Richtung läuft, sehe ich den Zeitpunkt noch nicht, wann man ein solches Fest mit Umarmungen ohne Bedenken und Mundschutz feiern kann. INTERVIEW: OLIVER HARTMANN
34 31. MAI 2021 Happy mit Löw Die WU N S C H E L F D E R FA NS bestätigt den Bundestrainer: 39 621 haben mitgemacht auf kicker.de und befürworten die Rückkehr von Hummels und Müller. N och bevor Joachim Löw sein Aufgebot für die EM bekannt gab, fragte der kicker die Fans: Welche Mannschaft wünscht ihr euch? 39 621 haben abgestimmt, und im Nachhinein lässt sich sagen: Der Bundestrainer hat den Geschmack der Leute vorzüglich getroffen! In der Fan-Elf gesetzt sind die Rückkehrer Mats Hummels und Thomas Müller. Bei ihrer Zusammenstellung waren mehrere Varianten denkbar: Würde Kimmich nach rechts hinten gehen, wäre im Mittelfeld Platz für Kroos (55,1 %). Ginter ist außen nicht ideal aufgehoben, bekam aber mehr Stimmen als Süle (30,6 %) oder die Rechtsverteidiger Baku (20,8 %), Klostermann (18,2 %), Kehrer (3,2 %) und Henrichs (2,3 %). Auch Linksverteidiger Halstenberg (15,2 %) schnitt mäßig ab. In einem 4-2-3-1 mit Müller als Zehner wäre vorne Platz für Werner (48,5 %) oder Havertz (42,9 %). Und sonst? Auch Boateng (27,3 %), Can (19,7 %) und der von Löw tatsächlich nominierte Volland (11,4 %) kamen auf zweistellige Werte. Ter Stegen (23 %) und Reus (18,5 %) mussten die EM absagen. Der Fitmacher: Auf 184 Seiten stellen wir im EM-Sonderheft alle Teams ausführlich vor. FRAGE Wer wird Europameister? Gnabry Müller 77,7 % Sané 71,8 % 62,9 % Gündogan 36,7 % Deutschland 16,3 % Belgien 13,8 % England 13,3 % Spanien 8,4 % Wie weit kommt die deutsche Elf? Goretzka 69,3 % Frankreich 75,6 % Kimmich 86 % Aus in der Gruppenphase 23,6 % Bis ins Achtelfinale 12,6 % Bis ins Viertelfinale 29,5 % Bis ins Halbfinale 16,8 % Bis ins Finale 3,1 % Sie holt den Titel 32,3 % Hummels Rüdiger 62,1 % 38,2 % Neuer 73,9 % Finden Sie es gut, Fans zu EM-Spielen zuzulassen? Ginter 35,7 % “infografik Gosens 14,4 % Ja 51,2 % Nein 48,8 % 39 621 Teilnehmer www.kicker.de
35 Nmecha: „Wir schaffen das schon“ An diesem Montag wird es für die U 2 1 ernst mit dem EM-Viertelfinale gegen Dänemark. Da erhielt der Kader der deutschen U 21 am Wochenende noch mal einen Extraschub Aufwind und Euphorie, ehe das DFB-Team gegen Dänemark in die Endrunde der EM in Ungarn und Slowenien startet. Denn drei der vier zuletzt noch in Relegationsspielen mit ihren Klubs beschäftigten Nachrücker stießen mit frischen Erfolgserlebnissen zur Mannschaft. So feierten die beiden Kölner Ismail Jakobs und Salih Özcan den Klassenerhalt, zudem schaffte in England Vitaly Janelt mit dem FC Brentford den Aufstieg in die Premier League. Nur Kiels Janni Serra blieb gleich doppelt auf der Über die U-21-EM berichten Michael Pfeifer und Carsten Schröter-Lorenz Strecke: Der Stürmer verpasste wegen einer Oberschenkelverletzung nicht nur das Rückspiel gegen Köln (1:5) und den Aufstieg, sondern auch die K.-o.-Phase der U-21-EM. An seiner Stelle wurde Düsseldorfs Shinta Appelkamp nachgemeldet, der wie Bochums Armel Bella Kotchap schon prophylaktisch am Trainingslager in Südtirol teilgenommen hatte. Für die Startelf gegen die Dänen werden die noch vor zwei E N D RUN D E U -2 1 - E M VIERTELFINALE Montag, 31. Mai (18 Uhr): Niederlande – Frankreich Spanien – Kroatien Montag, 31. Mai (21 Uhr): Dänemark – Deutschland Portugal – Italien HALBFINALE Donnerstag, 3. Juni (18 Uhr): Spanien/Kroatien – Portugal/Italien Donnerstag, 3. Juni (21 Uhr): Niederlande/Frankreich – Dänemark/Deutschland ENDSPIEL – 6. JUNI, LJUBLIJANA, 21 UHR Foto: imago images/Revierfoto U-21-EM 31. MAI 2021 „Man muss einfach stark im Kopf sein“: Lukas Nmecha erzielte zehn Tore in 17 U-21-Einsätzen. Tagen Beanspruchten nicht infrage kommen. Özcan, der in Kiel ohne Einsatz blieb, aber eben auch die EM-Vorbereitung verpasste, ist laut Trainer Stefan Kuntz zumindest eine Option. Wie der gelbgesperrte Sechser Niklas Dorsch hoffen die Spätankömmlinge auf einen Erfolg und weitere Bewährungschancen im Halbfinale und womöglich gar im Endspiel. Es wäre die dritte deutsche Finalteilnahme nacheinander (Titelgewinn 2017). Lukas Nmecha ist jedenfalls optimistisch: „In der Videoanalyse haben wir Möglichkeiten gesehen, wie wir sie gut schlagen können. Wenn wir fokussiert bleiben und den Matchplan umsetzen, schaffen DÄ N EMA RK wir das schon“, sagt Deutschlands erfahrenster und treffsicherster Spieler mit zehn Toren in 17 U-21-Länderspielen. Nach der langen Saison setzt Nmecha, der für Anderlecht 21 Tore in 41 Pflichtspieleinsätzen erzielte, auf mentale Stärke: „Wenn es um so etwas geht, denkt man nicht so viel über den Körper nach, man muss einfach im Kopf stark und fokussiert sein.“ Kuntz betont: „Es ist wichtig, unsere defensive Stabilität aus den Gruppenspielen wiederzufinden. Zudem haben wir offensive Abläufe trainiert, die Jungs vorne sind gut.“ Dazu zählt Leverkusens Jungstar Florian Wirtz, der während der Gruppenphase beim A-Team weilte. Christensen Carstensen Nelsson Hausner Poulsen Lindström Nartey Kofoed Andersen Bruun Larsen Faghir Isaksen DÄNEMARK DEUTSCHLAND Nmecha Wirtz Baku Stach Maier Raum Schlotterbeck Pieper Vagnoman Dahmen Berisha Schiedsrichter: Cuadra Fernandez (Spanien) Montag, 21 Uhr, live bei Pro 7, in Szekesfehervar (Ungarn) Makellose Bilanz im März für Bruun Larsen und Co. Offensiv – nicht nur auf dem Platz Drei Siege, sechs Treffer, kein Gegentor. So liest sich die starke Bilanz der dänischen U 21 in der EM-Gruppenphase, sie ließ Top-Nation Frankreich (1:0) hinter sich, schlug auch Russland (3:0) und Island (2:0). Zwei Monate später geht fast dasselbe Aufgebot an den Start, nur Mads Bech Sörensen (Brentford), Torschütze gegen Island, und Victor Jensen (Nordsjaelland) wurden durch Simon Graves Jen- sen (Randers) und Victor Kristiansen (FC Kopenhagen) ersetzt. Die meisten Spieler sind in der heimischen Superliga aktiv. Der wohl bekannteste, der von Hoffenheim verliehene Jacob Bruun Larsen, versucht im belgischen Anderlecht, sein beim BVB angedeutetes Potenzial konstant abzurufen. Neben dem Offensivmann zählen Kapitän und Innenverteidiger Victor Nelsson (Kopenhagen) sowie Keeper Christensen zu den Schlüsselakteuren eines selbstbewussten Teams, das für geradlinigen und druckvollen Angriffsfußball steht. Sandhausens Nikolas Nartey und der Ex-Gladbacher Andreas Poulsen haben gute Startelfchancen. Auch wenn die Dänen gegen die U 21 des DFB bei den EM-Turnieren 2015 (0:3), 2017 (0:3) und 2019 (1:3) verloren, sagt Trainer Albert Capellas: „Es wird schwierig für Deutschland, uns zu schlagen.“ MARTIN DAVIDSEN
Der Top-Transfer ist längst getätigt. Jetzt geht es für den FC BAY ERN darum, das Team zu komplettieren. Dafür braucht es auch Soforthilfen. Nachdem die Bundesligasaison nun komplett beendet wurde und sich die Nationalspieler bei ihren EM-Teams aufhalten, geht es für die Klubs darum, den Kader für die neue Saison zu basteln. Das kontinentale Sommer-Turnier bietet sich da logischerweise noch mal an, um potenzielle Neuzugänge zu beobachten. Denn: Wie die Vereinsführung des FC Bayern schon mehrmals betont hatte, könne der Rekordmeister in diesem Sommer keine großkalibrigen Deals mehr vollziehen. Das heißt nach der 42,5 Millionen Euro teuren Verpflichtung von Dayot Upamecano und den 15 Millionen Euro plus x für Neu-Coach Julian Nagelsmann auch, dass alle weiteren Transfers gut durchdacht sein müssen, da der bayerische Sparkurs kaum Experimente zulässt. Gut möglich also, dass die Münchner ihren Kader mit Leihgeschäften auffüllen. Zumal dieses Modell dem Klub häufig mehrere Optionen offenlässt. Sportlicher wie monetärer Art. 2019 holte der FCB Philippe Coutinho, Ivan Perisic und Alvaro Odriozola; 2020 waren es Douglas Costa und Thiago Dantas. Zwar wurden alle fünf Profis nach einem Jahr wieder an ihren Stammverein zurückgegeben, allerdings gelang es den Münchnern so in der Triple-Saison Soforthilfen unter Vertrag zu nehmen. Da blieb mit Blick auf den Kosten-Nutzen-Faktor das Risiko auf Bayernseite absolut überschaubar. Bei Spielern wie etwa dem 23-jährigen Omar Richards, der – wie der kicker bereits im Februar vermeldete – vom englischen Zweitligisten FC Reading an die Isar kommt, zählen andere Parameter. Der als Back-up für Alphonso Davies eingeplante Linksverteidiger gehört zur Kategorie Weiterbildung. Er wird erst an das Profiteam herangeführt werden müssen. Spekulationen dieser Form werden sich die Münchner wohl nicht zu viele erlauben. Der Kader für die Saison 2021/22 ist gerade Foto: imago images/Sven Simon BUNDESLIGA Die Krux der Kaderplanung Setzen die Bayern erneut auf Leihgeschäfte? Hasan Salihamidzic (l.) und Oliver Kahn könnten somit wirtschaftliche Risiken minimieren. nach den Abgängen von David Alaba, Jerome Boateng und Javi Martinez in der Defensive eher dünn besetzt. Hinzu kommt, dass die Zukunft von Niklas Süle noch nicht endgültig geregelt ist und mit Corentin Tolisso (beide können bei der EM für sich werben) ein zentraler Mittelfeldspieler, bei entsprechendem Angebot, ebenfalls noch gehen könnte. Da wäre deutschen Dauerchampion bereit. Wohl wissend, dass die finanziellen Einbußen, die selbst beim FC Bayern in Zeiten der globalen Pandemie beträchtlich ausfallen, die Kaderplanung gewiss nicht Auch die Ablöse für Trainer Nagelsmann schränkt das Transferbudget ein. ein Profi mit nachgewiesenen Qualitäten und wenig Anlaufzeit gewiss ein gewinnbringendes Element. Die für die abgelaufene Spielzeit verliehenen Joshua Zirkzee, Michael Cuisance, Lars Lukas Mai, Chris Richards, Adrian Fein und Christian Früchtl zählen da (noch) nicht dazu. Vielleicht hält die EM ja auch noch eine Überraschung für den einfacher gestalten. Und der Klub mit Alaba, Boateng und Martinez gleich drei verdiente Spieler und zweimalige Triple-Sieger zum Nulltarif ziehen ließ. Der Österreicher hat inzwischen seinen neuen Verein gefunden. Er wechselt zu Real Madrid, wie die Königlichen über ihre Klub-Medien offiziell verkündeten. Dort unterschreibt der 28-Jährige einen Fünfjahresvertrag. Bei Boateng und Martinez, die beide nicht zur Europameisterschaft fahren, ist die Zukunft hingegen nach wie vor ungeklärt. Der Spanier möchte gerne zurück in sein Heimatland, könnte dort dann gegen Alaba spielen. Und Boateng erhofft sich das Interesse eines Champions-League-Klubs. Beide Profis sind ablösefrei, also verhältnismäßig leicht zu haben. Wenngleich es durch die EM sicherlich noch etwas dauern könnte, bis Bewegung in den Markt kommt. Gewiss ist jedenfalls, dass der Deutsche Meister seinen Umbruch weiter vorantreibt. Das Team wird stetig verjüngt, mit Nagelsmann übernimmt ein ebenso enorm junger Trainer ab 1. Juli 2021 die sportliche Leitung an der Säbener Straße. Zudem brechen mit Hermann Gerland und Miroslav Klose Persönlichkeiten um die Mannschaft herum weg. Viele Neuerungen mit Blick auf die kommende Saison. GEORG HOLZNER SAI SON 20 2 1/2 2 Wann startet welcher Wettbewerb? 3 In der Bundesliga beginnt die neue Saison am 13. August, mit dabei sind dann auch die Aufsteiger Bochum und Fürth. 3 Die 2. Liga startet am 23. Juli – mit der geballten Powertradition von Schalke, Werder, Hamburg, Düsseldorf, Hannover, Nürnberg, St. Pauli, Dresden, Rostock und noch mehr. Auch in der 3. Liga geht es am 23. Juli wieder los. 3 Im DFB-Pokal finden die Spiele der 1. Runde eine Woche vorm Bundesligastart statt: vom 6. bis 9. August. 3 Für die Gruppenphase der Champions League (ab 14. September) sind Bayern, Leipzig, Dortmund und Wolfsburg gesetzt, für die der Europa League (ab 16. September) Frankfurt und Leverkusen. Und dann startet noch die neue Europa Conference League, für deren Gruppenphase sich Union Berlin über die Play-offs (19./26. August) qualifizieren kann.
31. MAI 2021 Bobic legt los 37 Pal Dardai bleibt Trainer – und der neue Geschäftsführer startet diesen Dienstag. Beide haben bei H E RT H A B S C viel Arbeit vor sich. Foto: Witters Hertha hatte Michael Preetz in den Ruhestand verabschiedet, Nachfolger Fredi Bobic sollte den Klub in die Champions League schießen – und landete mit Hertha 2003/04 im Abstiegskampf. Die Erfahrung, wie weit Erwartung und Realität bisweilen auseinanderklaffen, wird Bobic (49) in seinem neuen Job gewiss helfen: Er kehrt als neuer Geschäftsführer (Vertrag bis 2024 plus Option) zu Hertha zurück und folgt wieder auf Preetz. Offiziell legt Bobic diesen Dienstag los, bei Weichenstellungen – etwa der Frage nach dem Verbleib von Trainer Pal Dardai (45, Foto) – war er schon involviert. Nach fünf erfolgreichen Jahren in Frankfurt soll Bobic mit Hertha wiederholen, was ihm bei der Eintracht gelang: einen kriselnden Traditionsklub in den Europacup zu führen. An Arbeit mangelt es nicht. TRAINER: Dardai, der Hertha unter komplizierten Umständen gerettet hat, bleibt wie erwartet im Amt. Bei der digitalen Mitgliederversammlung des Klubs am Sonntag sagte Carsten Schmidt, der Vorsitzende der Geschäftsführung: „Wir haben mit keinem anderen Trainer gesprochen. Es gab niemanden, in den wir mehr Überzeugung haben als in Pal Dardai und sein Team.“ Seit Dardais erstem Abschied 2019 hatte Hertha nie Kontinuität auf dieser Schlüsselposition: Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri waren Fehlbesetzungen, Bruno Labbadia rieb sich an den Umständen und dem falsch zusammengestellten sowie schwierig zu führenden Kader auf. Dass Dardai, der einer irrlichternden Elf Halt und Struktur gab, weitermachen darf, ist nur logisch. Er und Bobic schätzen sich seit den gemeinsamen Hertha-Zeiten. Bobic landete mit Adi Hütter bei der Trainer-Akquise in Frankfurt einen Volltreffer, zuvor bildete er mit Niko Kovac eine schlagkräftige Einheit. Fortan soll er in Berlin die Fluktuation auf diesem Posten stoppen. Der Trainer-Verschleiß war – abgesehen von den Jahren unter Jos Luhukay (2012 bis Februar 2015) und Dardai (erste Amtszeit Februar 2015 bis 2019) – Preetz’ größte Angriffsfläche. SPORTDIREKTOR: Arne Friedrich, der wie Dardai einst mit Bobic zusammenspielte, überlegt noch, ob er bleibt. Bobic, Schmidt und Präsident Werner Gegenbauer werben um ihn. „Wir sind in guten Gesprächen mit Arne und hoffen, dass wir bald zu einem Ergebnis kommen“, sagte Schmidt am Sonntag. „Aber wir brauchen noch ein bisschen dafür.“ Der frühere Hertha-Kapitän Friedrich, von Jürgen Klinsmann im November 2019 als Performance-Manager in seinen Stab geholt, später Teammanager, seit Sommer 2020 Sportdirektor, übernahm im Januar Preetz‘ Aufgaben – und war für Dardai eine wichtige Hilfe. Friedrich hat Spaß an seinem Job, aber er ist auch jemand, der persönliche Freiheit schätzt. Seine Domizile in Kalifornien und Frankreich gab er nie auf. Ob mit ihm oder ohne ihn: Das Organigramm wird sich verändern, Hertha stellt sich deutlich breiter auf. Am 1. Juli steigt Dirk Dufner als Kaderplaner ein. Aus Frankfurt bringt Bobic Sebastian Zelichowski (Referent des Sportvorstands, zuvor Leiter Analyse), Thomas Westphal (Teammanager) und Matthias Borst (Leiter Spielkonzeption) mit. Vom VfL Wolfsburg soll Pablo Thiam, dort Sportlicher Leiter des Nachwuchses, kommen. MANNSCHAFT : Der seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst im Sommer 2019 für mehr als 140 Millionen Euro aufgerüstete Kader ist unausgewogen besetzt. Der zu große Umbruch im Sommer 2020 erwies sich als Bumerang. Bobic, der in Frankfurt mit spektakulären Ein- und Verkäufen (u. a. Jovic, Haller, Rebic, Silva) für Aufsehen sorgte und speziell bei Leihgeschäften viel Kreativität bewies, soll mit seinem Netzwerk und seinem Gespür den Kader nach und nach umbauen. „Die sportliche Leistung der letzten Saison muss schonungslos hinterfragt werden“, so Schmidt. „Da nehmen wir auch Spieler mit einem hohen Leistungsvermögen nicht heraus.“ Die Botschaft gilt Profis wie Matheus Cunha, Dodi Lukebakio und Krzysztof Piatek, die zur Disposition stehen. Dardai will Erfahrung und Torgefährlichkeit fürs zentrale Mittelfeld und mehr Optionen auf den Flügeln. MENTALITÄT: Hertha schien sich über Jahre im Mittelmaß recht bequem eingerichtet zu haben. Seit Schmidts Amtsantritt am 1. Dezember ist es damit vorbei. Der langjährige Sky-Frontmann, der Bobic einst als TV-Experte zu seinem Sender holte, schaut genau hin und handelt – wie bei der Trennung von Preetz und Labbadia – im Zweifel eher zügig. Schmidt will ein neues Erfolgsdenken verankern. Der notorisch ehrgeizige Bobic ist da ein wichtiges Puzzlestück. Er erreichte als Spieler (Europameister 1996, mit Stuttgart Pokalsieger 1997, EuropacupFinalist 1998) und Verantwortlicher (DFB-Pokalsieg 2018, Europa-League-Halbfinale 2019 mit Frankfurt) mehr, als ihm viele zutrauten. Künftig soll er bei Hertha Aufwand und Ertrag in die Balance bringen und zusammen mit Dardai dem Team den Hang zur selbstverliebten Genügsamkeit austreiben. „Bei der Mentalität der Mannschaft“, räumte Klub-Boss Gegenbauer vor den Mitgliedern ein, „wurden Fehler gemacht. Da verdienen wir Kritik.“ AUSSENDARSTELLUNG: Während Preetz in der Öffentlichkeit auf viele oft defensiv und farblos wirkte, gilt Bobic als zupackend und geradlinig. Er weiß, was er will – das haben sie in Frankfurt bei Bobics eigenmächtiger und öffentlicher Anmoderation des Abgangs zuletzt schmerzhaft zu spüren bekommen. Für Preetz, der als Spieler und im Management fast ein Vierteljahrhundert für Hertha wirkte, war der Klub eine Lebensaufgabe, für den bekennenden New-York- und Berlin-Liebhaber Bobic ist er das nächste spannende Projekt. STEFFEN ROHR
38 31. MAI 2021 Planungssicherheit im Kasten G REGO R KO B E L (23) eine langfristige Lösung zwischen den Pfosten sein. An die pittoreske Aussicht in Bad Ragaz wird sich Gregor Kobel diesen Sommer gewöhnen dürfen. Aktuell weilt der Schlussmann seit Donnerstag mit der Schweizer Nationalmannschaft im Kurort am Rande des Taminatals, in der Sommervorbereitung dürfte er mit seinen neuen Mitspielern bei Borussia Dortmund erneut in den Kanton St. Gallen reisen. Die offizielle Verkündigung stand am Sonntag noch aus und soll Anfang der Woche folgen, Zweifel am Gelingen des Transfers gibt es aber keine mehr: Kobel wird die neue Nummer 1 in Dortmund und setzt die jüngste Tradition Schweizer Keeper beim BVB fort. Rund 15 Millionen Sockelablöse bekommt der VfB Stuttgart für seinen Schlussmann, dieser in Dortmund einen Vertrag bis 2026 (siehe auch Seite 40). Die Hoffnung beim BVB ist, mit Kobel über Jahre hinweg Planungssicherheit im Kasten zu haben. Der 23-Jährige steht noch am Beginn seiner Karriere U N IO N und hat viel Potenzial. Dortmund bekommt einen ruhigen, modernen, bei den Grashoppers Zürich und der TSG Hoffenheim bestens ausgebildeten Keeper, der neben seinen Qualitäten im Torwartspiel auch als erster Spielmacher agiert. In Stuttgart leitete er oft mit schnellen Abwürfen von der Strafraumkante die Gegenstöße ein, auch mit dem Fuß war er vergleichsweise häufig ins VfB-Aufbauspiel eingebunden. Gemessen am kicker-Notenschnitt von 2,86 war Kobel vergangene Spielzeit hinter Manuel Neuer, Manuel Ortega und Rafal Gikiewicz zusammen mit Koen Casteels der viert- beste Stammkeeper. Nun kann er sich erstmals auch in der Champions League beweisen, internationale Erfahrung hat er bislang nur als Junioren-Nationalspieler. Trotz seines für einen Torhüter jungen Alters ist Kobel ein Lautsprecher, der auf dem Platz und in der Kabine seine Meinung sagt. Es wird spannend sein, zu sehen, wie sich der Schweizer in Dortmunds Teamgefüge einordnet, die Hierarchien in Stuttgart sind flacher. Auch der Druck und die mediale Aufmerksamkeit werden eine neue Herausforderung, die Kobel aus Hoffenheim, Augsburg und Stuttgart so nicht kennt. Für seinen Landsmann Roman Bürki bedeutet der Transfer die endgültige Gewissheit, dass er keine Zukunft mehr bei Borussia Dortmund hat. Der 30-Jährige sucht nach einer enttäuschenden Spielzeit einen neuen Arbeitgeber, aller Voraussicht nach im Ausland. Nummer 2 der Schwarz-Gelben bleibt wie zu Beginn der vergangenen Saison Marwin Hitz, der noch einen Vertrag bis 2023 besitzt und nach Bürkis Verletzung und dessen folgender Degradierung auf die Bank eine ordentliche Rückrunde spielte (kicker-Notenschnitt 3,34). PATRICK KLEINMANN Foto: imago images/Weber Als Dortmunds Nummer 1 soll Auf dem Sprung zum BVB: Der Schweizer Gregor Kobel hütete zuletzt in Stuttgart, Augsburg und Hoffenheim das Tor. Ob die Berliner einen neuen Keeper verpflichten, hängt auch von einem Eigengewächs ab Die Torwartfrage: Wer wird der dritte Mann? Wenn der 1. FC Union am 28. Juni mit den medizinischen Tests in der Charité in Berlin-Mitte in die Vorbereitung einsteigt, soll die Frage idealerweise geklärt sein. Die Frage, mit welchen drei Schlussmännern die Eisernen in die Saison 2021/22 gehen, nachdem der in der abgelaufenen Saison vom FC Liverpool ausgeliehene Loris Karius zu seinem Stammklub zurückgekehrt ist. Stand jetzt sind zwei der drei Positionen besetzt: Mit Andreas Luthe (34, Vertrag bis 2022), der zuletzt als Nummer 1 laut Geschäftsführer Profi- fußball Oliver Ruhnert „alles das, was wir uns erhofft haben, am Ende auch erfüllt hat“, aber auch einige Wackler hatte. Und mit dem Dänen Jakob Busk (27, Vertrag bis 2022), der weiterhin die Nummer 3 sein soll. Eine Position ist also noch frei, und das Profil für diese umreißt Ruhnert: „Wir suchen einen Torhüter, der in der Lage ist, Bundesliga zu spielen und auch um die Nummer 1 zu konkurrieren.“ Interesse hat Union nach kicker-Informationen am zuletzt von Bremen an Sandhausen ausgeliehenen Stefanos Kapino, der 27 Jahre alte Grieche hat aber eher die Ambition, bei Werder die neue Nummer 1 zu werden. Die Entscheidung , wer bei Union der neue dritte Mann in der Torhüter-Riege wird, hängt indes auch von einem Eigengewächs ab: von Lennart Moser. Der 21-Jährige war zuletzt für ein halbes Jahr an Austria Klagenfurt ausgeliehen und schaffte mit dem Klub in der Relegation gegen St. Pölten (4:0, 1:0) den Aufstieg in die österreichische Bundesliga. Allerdings bestritt Moser wegen einer Handverletzung inklusive Operation insgesamt nur drei Pflichtspiele. Bei Union hält man von dem 1,96 Meter großen Tor- wart sehr viel und hegt laut Ruhnert „null Zweifel“, dass Moser das Anforderungsprofil erfüllen würde. Jetzt, so der Geschäftsführer Profifußball weiter, „müssen wir mal abwägen, was für ihn das Beste ist“. Es könne aber sein, „dass er zu uns zurückkommt“. Laut Ruhnert fände man es auch „sehr charmant, wenn Lennart bei einer möglichen weiteren Leihe viel Praxis sammeln kann, um dann zurückzukehren“. Moser selbst präferiert nach kickerInformationen eine erneute Leihe. Anfragen gibt es, auch Klagenfurt ist dem Vernehmen nach wieder eine Option. ANDREAS HUNZINGER
31. MAI 2021 DI E GR OSSE BI L ANZ 39 Sonderheft zur Saison 2020/21 Rekorde, Aufreger, Jubel D Integratives Element: Josuha Guilavogui ist hoch angesehen. WOLFS B URG Schäfer vor der Vertragsverlängerung Foto: regios24/Simka Lob für Guilavogui: „Ich ziehe den Hut“ Wie hart diese Saison für ihn war, verrät Josuha Guilavogui bei Instagram. „Die schwierigste in meiner Karriere“, schreibt der Wolfsburger Kapitän, dessen Anteil am Einzug in die Königsklasse auf dem Spielfeld arg überschaubar war. 20 Partien absolvierte er, nur siebenmal stand er in der Startelf. Seine Einsatzzeit brach im Vergleich zu Vorsaison dramatisch ein. Lediglich 748 Minuten verbrachte der 30-Jährige auf dem Rasen, 1315 Minuten weniger als im Jahr zuvor. Bei keinem anderen VfL-Profi ist die Differenz so groß wie beim Anführer. Der betont dennoch: „Die Qualifikation zur Champions League ist für mich als VfL-Kapitän das Wertvollste. Seit Beginn meiner Karriere habe ich immer das Kollektiv an die erste Stelle gesetzt.“ Eine Einstellung, die VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke zu würdigen weiß. „Es war schwer für ihn“, weiß der Wolfsburger Geschäftsführer, „dennoch hat er getan, was er als Kapitän zu tun hat. Ich ziehe den Hut vor ihm.“ Obwohl Guilavogui unter Ex-Trainer Oliver Glasner sportlich praktisch keine Rolle mehr spielte, wurde er außerhalb des Platzes seiner Rolle gerecht. „Vorangehend“, so Schmadtke, „als integratives Element in der Mannschaft, leistungsstark, wenn er gespielt hat. Und das alles, obwohl seine persönliche Situation nicht perfekt war.“ Aus sportlicher Sicht zu Teilen nachvollziehbar, schließlich war der VfL auf der Doppelsechs mit Maximilian Arnold und Xaver Schlager optimal besetzt. Dennoch hätte sich Guilavogui mehr Einsätze, mehr Vertrauen von Glasner gewünscht, der seinen Kapitän am letzten Spieltag in der weitgehend bedeutungslosen Partie gegen Mainz (2:3) 90 Minuten auf der Bank schmoren ließ. Wie geht es weiter mit Guilavogui, seit 2014 beim VfL, dessen Verhältnis zum nach Frankfurt gewechselten Österreicher sichtbar abgekühlt war? Der Franzose schließt seinen Instagram-Post mit dem Satz: „Jetzt ist es Zeit, sich auszuruhen und zu sehen, was die Zukunft bringt …“ Guilavoguis Vertrag beim VfL läuft bis 2023, mit dem Trainer Glasner wäre eine Zukunft in Wolfsburg wohl ausgeschlossen gewesen. „Er hat sich in den Urlaub verabschiedet und keinen Hinweis gegeben, dass er sich verändern möchte“, sagt Schmadtke. „Ich gehe davon aus, dass er bei uns bleibt.“ Eine entscheidende Rolle dürften ein Gespräch und die Pläne des künftigen Trainers mit Guilavogui spielen. In dieser Woche, voraussichtlich am Mittwoch, soll Mark van Bommel als neuer VfL-Coach bekanntgegeben werden. Parallel dazu treibt der Klub auch die Planungen auf der Führungsebene voran: Sportdirektor Marcel Schäfer steht vor der Verlängerung seines 2022 auslaufenden Vertrags. „Wir sind in Gesprächen“, bestätigte Schmadtke am Sonntag. THOMAS HIETE ie letzten Seiten sind am Sonntagmorgen fertig geworden, einige Stunden, nachdem sich Köln in der Relegation gegen Kiel gerettet hatte. Nun wird gedruckt, und ab 5. Juni ist es überall im Handel: unser Sonderheft „Die große Bilanz“. 164 Seiten geballte Rückblick-Power auf die Saison, die so viel zu bieten hatte: Rekorde von Robert Lewandowski und Youssoufa Moukoko, Stress um Marco Rose und Adi Hütter, Tränen auf Schalke und in Bremen, Jubel bei Union und den Arminen. Ebenfalls im Heft: die Top-Spieler und die Elf der Saison. Die zusammenzustellen war nicht leicht, nein, es war sauschwer! War Manuel Neuer wirklich besser als Stefan Ortega? Nach kicker-Noten nur um 0,01 Punkte! Noch kniffliger war die Frage nach Erling Haaland: 27 Tore – und nicht drin? Ja, weil André Silva bessere Werte hat (Tore, Assists, Noten, Elf des Tages) und wir das Team mit drei Stürmern plus Thomas Müller nicht zu offensiv aufstellen wollten. Deshalb blieb zum Beispiel Joshua Kimmich als zweiter Sechser drin. Die Infos und die Storys dazu – alles im neuen Sonderheft. Die große Bilanz der Saison 2020/21: Unser Sonderheft ist ab 5. Juni erhältlich. kicker-Elf der Saison André Silva Frankfurt Robert Lewandowski München Thomas Müller München Silas Wamangituka Stuttgart Angelino Leipzig Leon Goretzka Joshua Kimmich München Willi Orban Leipzig München Matthias Ginter Marvin Friedrich Gladbach Manuel Neuer München Union
Dreimal Am 1. Juni tritt MA RKUS KR Ö SCH E (40) zum Dienst an. Auf den Sportvorstand wartet eine knifflige Wechselperiode. Die Eintracht steht vor einem ähnlich spannenden Transfersommer wie 2019. Damals sorgten die Hessen europaweit für Aufsehen, als sie bis ins Halbfinale der Europa League stürmten und erst im Elfmeterschießen beim FC Chelsea den Kürzeren zogen. Der Fluch des Erfolgs ließ nicht lange auf sich warten: Luka Jovic (Real Madrid), Sebastien Haller (West Ham United) und Ante Rebic (AC Mailand) sagten Frankfurt Adieu. 57 der 91 Pflichtspieltore hatte die „Büffelherde“ erzielt, was zur großen Frage führte: Wie bloß will die Eintracht diesen Substanzverlust kompensieren? Zwei Jahre später könnte die SGE auf eine vergleichbare Situation zusteuern. „André Silva ist ganz sicher einer der heißesten Stürmer im europäischen Markt“, glaubt Vorstandssprecher Axel Hellmann. Angesichts der 28 Saisontreffer des portugiesischen Nationalstürmers ist das keine allzu gewagte These. Der 25-Jährige wird mit etlichen internationalen Top-Klubs in Verbindung gebracht. Doch auch Linksaußen Filip Kostic (4 Tore, 17 Assists) und Zehner Daichi Kamada (5 Tore, 15 Assists) dürften angesichts ihrer Qualitäten und Torbeteiligungen Begehrlichkeiten wecken. Zudem gilt der hochtalentierte Innenverteidiger Evan Ndicka als potenzieller Wechselkandidat. Ob es tatsächlich zum Ausverkauf der Spitzenkräfte kommen wird, lässt sich derzeit nicht seriös prognostizieren. Zumal die Verantwortlichen mit einem langen Transfer-Sommer rechnen (siehe Seite 11). „Wenn du Spieler besser gemacht und weiterentwickelt hast, geht die Botschaft in den Markt: Hier ist ein attraktiver Spieler“, weiß Hellmann. Der Vorstand gibt sich Dost und Silva kamen spät und benötigten viel Anlaufzeit. gleichwohl betont gelassen: „Wir müssen niemanden verkaufen und hängen deswegen Preisschilder hinter unsere Top-Spieler, die erfüllt werden müssen. Es ist ein großer Vorteil, dass wir keine Notverkäufe machen müssen. Wir können den Markt und die Entwicklung abwarten.“ Diese Sichtweise ist einerseits nachvollziehbar, sie hat aber auch einen Haken. Wenn es aus dem Sommer 2019 eine wichtige Lehre gibt, dann diese: Sollten Schlüsselspieler transferiert und Nachfolger verpflichtet werden, muss das so früh wie möglich geschehen und nicht erst irgendwann im August. Vor zwei Jahren kam der vermeintliche Königstransfer Bas Dost (Sporting Lissabon) in einem desolaten körperlichen Zustand am 26. August, gar erst am letzten Tag der Transferperiode ging Rebic im Tausch mit Silva nach Mailand. Der Portugiese brauchte rund ein halbes Jahr, bis er endlich zündete. Dost war erst nach dem Re-Start im Mai 2020 richtig fit. Auf ein solches Vabanquespiel sollte sich der neue Sportvorstand Markus Krösche, der am 1. Juni seinen Dienst offiziell antritt, lieber nicht einlassen. Das oberste Ziel sollte lauten, dem neuen Trainer Oliver Glasner frühestmöglich Gewissheit zu verschaffen, mit welchen Schlüsselspielern er planen kann. Denn dem 46-Jährigen bleibt im Grunde nur die Vorbereitung, um der Mannschaft seine Spielphilosophie zu implementieren. Durch die Teilnahme an der Europa League tanzt Frankfurt ab September auf drei Hochzeiten, intensive taktische Feinarbeit wird dann erst wieder im Trainingslager im Januar möglich sein … Wenn nach der Rückkehr der EM-Teilnehmer die heiße Phase der Vorbereitung beginnt, sollte klar sein, auf wen Glasner wirklich zählen kann. JULIAN FRANZKE Die von Corona und Verletzungen arg gebeutelten Hoffenheimer könnten einige Schwachpunkte der abgelaufenen Saison durchaus auch mit dem vorhandenen Personal beheben. ZWEIKÄMPFE Mit nur 47,3 Prozent gewonnener Zweikämpfe stellte die TSG das schwächste Team der Liga. Das Hoffenheimer Selbstverständnis liegt von jeher eher auf spielerischen Ansätzen, jedoch büßte das Spiel auch durch die langwierigen Ausfälle gerade robuster Spieler wie Kapitän Benjamin Hübner, Ermin Bicakcic, Dennis Geiger, Pavel Kaderabek, Konstantinos Stafylidis, Havard Nordtveit oder Kevin Akpoguma viel Körperlichkeit ein. STUT TGART Hoffenheim Was Kobels Diese Personalie bestimmte viele Wochen die Schlagzeilen des Transferfensters im vergangenen Sommer rund um den VfB. Hoffenheim forderte für den an Stuttgart verliehenen Gregor Kobel und dessen geplante fixe Weiterverpflichtung rund fünf Millionen Euro. Geld, das der VfB direkt nach dem Aufstieg und mit Blick auf die finanziellen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nicht zahlen wollte und kaum konnte. Am Ende einigten sich beide Klubs auf eine Ablöse von rund vier Millionen, die sich durch eine Reihe verschiedener in den Verträgen verankerter Boni erhöhte. So floss mindestens eine weitere Million, u. a. für den schwäbischen Klassenerhalt, an die TSG, die sich jetzt über noch Foto: Imago Images Die Lehren aus dem Sommer 2019 Unabhängig von Verstärkungen muss sich HO F FE NH E IM in bedeutenden Komponenten des Spiels verbessern.
31. MAI 2021 Schlusslicht EFFIZIENZ Umgekehrt erspielten sich die Kraichgauer mit 195 Torchancen die fünftmeisten der Liga, ließen aber überdurchschnittlich viele ungenutzt. Im Mittel benötigten sie 3,8 Gelegenheiten für einen Treffer und lagen damit im letzten Ligadrittel. TORGEFAHR 39 der 52 Saisontore wurden von nur vier Spielern geschossen: Andrej Kramaric ( 20), Ihlas Bebou (9), Christoph Baumgartner (6), Munas Dabbur ( 4). Eine Konzentration auf so wenige Schützen bei vergleichbarer Trefferzahl wurde in der Liga zuletzt vor sieben Jahren registriert, damals in Gladbach. Zudem ist die Abhängigkeit von Toptorjäger Kramaric, der 39 Prozent der Tore schoss, enorm. Auffällig auch, dass in Hoffenheim von der Abteilung direkt hinter den Offensivkräften kaum Torgefahr ausgeht. Ob Sebastian Rudy, 16 Gegentore nach Kontern – kein anderer Klub bekam mehr als 10. Mijat Gacinovic, Florian Grillitsch, Dennis Geiger oder Diadie Samassekou, alle haben ihre Vorzüge in anderen Disziplinen. Deshalb mangelt es an Torgefahr aus der zweiten Reihe. AUFMERKSAMKEIT Auffällig häufig geriet die TSG gleich zu Beginn eines Spiels zumindest ins Hintertreffen oder gar gleich auf die Verliererstraße. Mit zehn Gegentoren in der Anfangsviertelstunde zählt sie mit Köln und Frankfurt hier zu den Schlusslichtern der Liga. In einer nur nach den ersten Halbzeiten errechneten Tabelle rangiert die TSG auf Platz 15. Foto: imago images Sollten mehr dieser Säulen in der kommenden Saison wieder stehen, wird auch das Gesamtgebilde automatisch an Stabilität gewinnen und die enorme Anfälligkeit sinken. Nur 3,04 Chancen reichten den Gegnern im Schnitt um zu treffen, nur Köln (2,97) und Schalke (3,00) verzeichnen noch schlechtere Werte. Allerdings bleibt gerade bei den Langzeitverletzten wie Hübner oder Bicakcic abzuwarten, ob und wie schnell diese Zweikämpfer ihr einstiges Niveau wieder erreichen können. Da steht ein kniffliger (Transfer-)Sommer an. Letzter in der Nahkampfstatistik: Mit nur 47,3 Prozent gewonnener Zweikämpfe war Hoffenheim das schwächste Team der Liga. KONTERSICHERUNG Allein 16 der insgesamt 54 Gegentreffer kassierte die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß nach Konterattacken der Gegner und landet damit im Ligavergleich weit abgeschlagen auf dem letzten Platz. Kein anderer Bundesligist kassierte mehr als zehn Kontertore. Zwar schafften es die Hoffenheimer regelmäßig, den Gegner in dessen Hälfte zu drängen, doch das Ballbesitzspiel war oft zu anfällig, zudem die Tiefenstaffelung defizitär und das Umschaltverhalten nach Ballverlusten generell zu träge. MICHAEL PFEIFER partizipiert am Wechsel des Keepers zum BVB BI E L E FE L D Transfer den VfB kostet Tore mit Serra – und Klos einmal rund 2,2 Millionen Euro freuen darf. Eine Summe, die im Zuge des bevorstehenden Transferabschlusses bei Kobels Wechsel zu Borussia Dortmund fällig wird. In den Ablösemodalitäten zwischen der TSG und dem VfB ist eine Beteiligung am Weiterverkauf des 23-jährigen Torhüters enthalten, die nach kicker-Informationen bei 20 Prozent liegt. Vom Differenzbetrag ausgehend, der sich aus dem Kaufpreis 2020 und dem aktuellen Preis errechnet. Auf Basis von 15 Millionen Euro, die die Schwaben vom BVB erhalten, werden die 2020 gezahlten vier Millionen an die TSG abgezogen. Von den restlichen elf Millionen fließen also genannte 20 Prozent, rund 2,2 Millionen Euro, in den Kraichgau. Selbstredend lassen sich die Stuttgar- 41 ter ihrerseits Erfolgsprämien für Einsätze und Titel, sowohl nationaler wie internationaler Natur, sowie eine Weiterverkaufsbeteiligung an künftigen Transfererlösen für den Schweizer Jungstar zusichern. Für die Kobel-Nachfolge befassen sich die Stuttgarter bereits mit Florian Müller. Die Gespräche laufen und waren bei Druckbeginn dieser Ausgabe auch noch nicht abgeschlossen. Knackpunkt ist, wie schon im Vorjahr bei Kobel, die Ablöse. Dem FSV Mainz schwebt eine Transfersumme vor, die eine Sechs vor sechs Nullen abbildet. Die den Schwaben allerdings angesichts des im Juni 2022 auslaufenden Vertrags des Keepers zu hoch erscheint. Außerdem wird auch hier um diverse Bonuszahlungen und Beteiligungen gerungen. GEORGE MOISSIDIS Vasiliadis da, Voglsammer offen, Yabo weg Verkündet hat Arminia nun die Verpflichtung von Sebastian Vasiliadis aus Paderborn. Der derzeit an einem Syndesmoseriss laborierende Mittelfeldspieler kommt ablösefrei und bindet sich bis 2024, also genauso lang wie sein designierter Bielefelder Nebenmann Manuel Prietl, dessen Vertragsverlängerung kurz zuvor vermeldet worden war. Mit Janni Serra dürfte die nächste offizielle Bestätigung einer länger bekannten Personalie bevorstehen. Der Kieler, der ebenfalls wegen Verletzung (Oberschenkel) auf die U-21-EM verzichten muss, gilt als wesentlicher Faktor bei den Bemühungen um mehr Tempo und Tore im Team von Trainer Frank Kramer. Neben weiteren Transfers spielen hierbei auch zwei bekannte Gesichter eine Rolle. So kehrt das hoffnungsvolle Sturmtalent Sebastian Müller (20) nach seiner eher mittelmäßig erfolgreichen Ausleihe an Zweitliga-Nachbar VfL Osnabrück zurück. Und: Bei Kapitän und Kultfigur Fabian Klos deutet alles auf eine Verlängerung des auslaufenden Vertrages um voraussichtlich ein weiteres, womöglich letztes Jahr als Aktiver bei den Ostwestfalen hin. Prietl, dazu wahrscheinlich Klos – somit bliebe aus dem Trio der „Aufstiegs- und Klassenerhaltshelden“, deren Verträge 2021 auslaufen, nur noch Andreas Voglsammer übrig. Dessen Verbleib in Bielefeld erscheint allerdings in diesen Tagen alles andere als Formsache. Vor geraumer Zeit bereits hatte Arminia dem 29-Jährigen, den 2020 gleich zwei Mittelfußbrüche beeinträchtigt hatten, ein neues Angebot vorgelegt, freilich begleitet von der seinerzeit noch ungewissen sportlichen Zukunft des Klubs. Voglsammer hatte zwischenzeitlich öffentlich betont, gerne in der 1. Liga bleiben zu wollen, und nicht unterschrieben. Seither herrscht offenbar Funkstille. Nicht ausgeschlossen ein Abschied, wie ihn jetzt Reinhold Yabo trotz Vertrages bis 2022 wegen anhaltender Knieprobleme generell vom Profifußball nehmen musste. MICHAEL RICHTER
42 31. MAI 2021 Führungslos? In der Krise fehlten B AY E R die Leader. Ein Vakuum, das der Klub nach dem Karriereende der Benders nicht nur aus den eigenen Reihen füllen kann. Als Bayer in der Rückrunsieren. Von diesem Quartett werden de in die Krise schlitterte, zur neuen Saison nach dem Karrierewurde in den leeren Stadiende der Benders nur noch Keeper en offensichtlich, welches Hradecky und Baumgartlinger übrig Problem die Werkself plagte: Fühsein. Wobei Hradeckys Einfluss auf rungslosigkeit. Auf dem Platz war dem Platz mit der Rückkehr der Fans von den Profis kaum ein Wort zu höaus akustischen Gründen noch mal ren. Leader, die auch sinken dürfte. Und verbal die Richtung Rolfes sucht Neue welche Rolle Baumvorgeben, Mitspieler gartlinger einnehmen besonders für pushen und lenken? wird, ist fraglich. dieses Profil. Fehlanzeige. „Es ist Besitzt der Kapitän für keine Mannschaft der österreichischen leicht, FührungsspieNationalmannschaft ler zu ersetzen. Vor allem in der Phadoch trotz hoher Verlässlichkeit keise, die wir in der Rückrunde hatten“, ne Lobby im Klub. Auch wenn Sporterklärt Rechtsverteidiger Lars Bender direktor Simon Rolfes sagt: „Julian im Rückblick. 2021 fehlten Bayer ist ein wichtiger Faktor.“ solche Säulen über weite Strecken. Bayer muss in jedem Fall ein Abwehrchef Sven Bender fiel Loch in seiner Teamhierarchie schliehäufiger aus, begann nur sechsmal. ßen. Von dieser war schon im SomDer frühere Kapitän Lars Bender mer 2020 mit Kevin Volland eine (Meniskusschaden) und Sechser Schlüsselfigur in dieser Hinsicht Julian Baumgartlinger (Operation nach Monaco transferiert worden. am Kreuzband) waren ab Ende JaEin in Kauf genommener Verlust nuar verletzt. Und zwischenzeitlich an Führungskraft, der sich zuletzt musste auch Lukas Hradecky mit niederschlug. Auch der nach Chelsea einer Achillessehnenverletzung pauverkaufte Kai Havertz fehlte als Fix- L E I PZI G Führungsspieler mit Fragezeichen: Charles Aranguiz (l.) fehlt seit geraumer Zeit die Form, Julian Baumgartlinger die Lobby im Klub. punkt, der er wegen seiner exponierten Qualität war. Ist Bayer kommende Saison also erneut führungslos? Ob Charles Aranguiz noch mal als Anführer reüssieren kann, bleibt abzuwarten. Verbal war dies der chilenische Nationalspieler nie. Den schweigsamen Sechser 2020 zum Kapitän zu bestimmen, war ein Fehler. Hinter Aranguiz stehen Konaté der größte Transferdeal der RB-Geschichte – 100 Millionen Euro Foto: imago images Scholz verspricht: „Wir werden Ab zu Klopp: Ibrahima Konaté wechselt zum FC Liverpool. Es ist nicht die Rekordablöse, aber der größte Transferdeal der Klubgeschichte. Für festgeschriebene 40 Millionen Euro wechselt Ibrahima Konaté zum FC Liverpool, weitere sechs Millionen Euro könnten durch Bonuszahlungen dazukommen. In absoluten Zahlen bedeutet dies zwar nur Platz 4 hinter den Transfers von Naby Keita (2018 für 60 Mio. nach Liverpool), Timo Werner (2020 für 53 Mio. nach Chelsea) und Dayot Upamecano (2021 für 42,5 Mio. zum FC Bayern). Doch anders als bei diesem Trio zahlte RB bei Konatés Verpflichtung keine zweistellige Millionensumme, sondern holte ihn 2017 ablösefrei vom FC Sochaux. Und anders als bei Keita, Upamecano und Werner, bei denen deren Ex-Vereine RB Salzburg und VfB Stuttgart kräftig am Weiterverkauf partizipierten, hübscht diesmal die volle Summe die RB-Bilanz auf. Aus sportlicher Sicht verlieren die Leipziger in Upamecano und Konaté einen Leistungs- und einen Hoffnungsträger, doch Florian Scholz hält entgegen: „Der wirtschaftliche Gegenwert ist immens, sodass wir weiterhin sehr handlungsfähig sind.“ Der Kaufmännische Leiter Sport, der nach der Trennung von Sportdirektor Markus Krösche dessen Aufgaben teilweise mitübernommen hat, betont: „Wir haben uns frühzeitig um Alternativen gekümmert, da beide Spieler Ausstiegsmöglichkeiten hatten.“ Scholz sagt dies mit dem Hinweis auf die bereits verpflichteten Abwehrspieler Josko Gvardiol (19) und Mohamed Simakan (21). Der für 18 Millionen Euro von Dinamo Zagreb verpflichtete Gvardiol stimmt sich derzeit mit Kroatiens Nationalteam auf die EM ein. Simakan, für 15 Millionen Euro von RC Straßburg geholt, bereitet sich indes schon seit Wochen auf sein Engagement bei RB Leipzig vor. Der Franzose, der sich Mitte Januar einer Knie-OP unterzogen hatte, absolviert in Absprache mit Straßburg die Reha im Red Bull Athlete Performance Center in Thalgau (Österreich). Er liege voll im Zeitplan, heißt es aus Leipzig, zum Trainingsauftakt am 5. Juli soll Simakan wieder voll belastbar sein.
Fragezeichen nach einer Saison, von der der 32-Jährige große Teile mit Achillessehnenproblemen verpasste, nach starkem Comeback gegen den BVB am 19. Januar nie zu alter Form fand und sogar seinen Stammplatz verlor. Die Stimmen mehren sich, dass die Zeit von Aranguiz vorbei sei. Da zudem Baumgartlingers Vertrag 2022 endet, würde es nicht überraschen, wenn Bayer jetzt einen Sechser holt, um diesen aufzubauen. Auch wenn die Position keine Priorität besitzt. Schalkes Suat Serdar (24), mit Bayer in Verbindung gebracht, passt nicht ins Profil. Dieser Spielertyp steht fast schon zu oft im Kader. Sicher ist: Bayer braucht neue Führungsfiguren. Ohne neue Köpfe sind Bayers hohe Ambitionen kaum umsetzbar. „Junge Spieler bei uns müssen den Schritt nach vorne machen“, sagt Rolfes zwar, „aber wir müssen auch bei den Spielern , die wir holen, schauen, welche Profile wir dazunehmen.“ Innenverteidiger Jonathan Tah, zwischenzeitlich Kapitän, und Achter Exequiel Palacios traut man intern diese Rolle zu. Wobei bei Tah offen ist, ob er bleibt. Und Palacios nach über einem Jahr Leidens- und Wartezeit sich erst endgültig als Stammkraft etablieren muss, um in die Aufgabe hineinwachsen zu können. Sich darauf zu verlassen, dass sich neue Leader aus dem aktuellen Kader entwickeln, wäre auch gewagt. Schließlich sollte der Klub nicht im dritten Jahr in Folge die Champions League verfehlen – um damit seinen Status als idealer Entwicklungsort für Toptalente nicht zu gefährden. STEPHAN VON NOCKS Einnahmen durch Ablösen noch aktiv“ Ob dieses Duo die Abwehrlücke tatsächlich schließen kann, wird sich zeigen. Möglicherweise rüstet RB in der Defensive auch noch auf. „Wir schauen in allen Mannschaftsteilen, wo es Verstärkungen für uns geben könnte“, sagt Scholz und verspricht: „Wir werden auf dem Transfermarkt auf jeden Fall noch aktiv.“ Inklusive der Ablöse für Julian Nagelsmanns Wechsel zum FC Bayern (bis zu 25 Mio.) haben die Leipziger bereits rund 100 Millionen Euro eingenommen und damit reichlich Mittel, um vor allem den benötigten Torjäger zu holen. Auch hier ist Scholz zuversichtlich: „An der Aussage, dass wir sehr angriffslustig nächste Saison agieren, hat sich nichts verändert – ganz im Gegenteil.“ OLIVER HARTMANN Spätlese 43 Mit Verzögerung entfaltet R O L A ND SA LL A I (24) sein Potenzial und könnte bald dem DFB-Team wehtun. Wenn sich der viel beschäftigte Freiburger Sportdirektor und Chefscout eine seiner seltenen Pausen gönnt, dient ihm oft ein spezieller Ort für den Stressausgleich. „Ich besitze ein kleines Stück Reben. Nach 70 Telefonaten bin ich froh, wenn ich dort in völliger Ruhe an den Reben rumschnipseln kann“, erzählte Klemens Hartenbach im Februar 2018 im kicker-Interview. Das Ziel dabei: Den Weintrauben beste Bedingungen zum Gedeihen bereiten. Im übertragenen Sinne verfolgt sein Hauptjob einen ähnlichen Zweck. Wobei er und Sportvorstand Jochen Saier vor allem die passenden Spieler auszuwählen haben, die unter Trainer Christian Streich bestmöglich reifen sollen. Der Gradmesser sind am Ende Menge und Qualität des Weines – oder eben Leistungsbilanzen der Profis und die Abschlusstabelle. Ob 70 Telefonate im Sommer 2018 ausreichten, um Roland Sallai zu verpflichten, darf bezweifelt werden. Hartenbach und Saier lieferten sich mit diversen Akteuren von APOEL Nikosia einen zähen Poker, gewannen ihn erst kurz vor Ende der Transferperiode zum Preis von etwa 4,5 Millionen Euro. Zuvor hatte der SC erst zweimal mehr Ablöse gezahlt. War es das wert? Zu dieser Kernfrage lagen seitdem unterschiedliche Antworten nahe. Nach dem ersten Tor des ungarischen Nationalspielers nach nur sieben Bundesliga-Minuten und weiteren Startelfeinsätzen gab es eine klare Tendenz zum Ja. „Roland ist ein Draufgänger. Das belebt unser Spiel“, lobte Hartenbach im November 2018 vor allem die Dynamik des zentral und außen einsetzbaren Offensivspielers. Doch wenig später bremsten den 1,82-Meter-Mann Adduktorenprobleme aus, die Anfang März 2019 eine Leisten-OP erforderten. Zehn Einsätze, zwei Tore, null Vorlagen stehen unter seiner Premierensaison. Auch 2019/20 fällt die Ernte mit Blick auf Sallais Potenzial deutlich zu karg aus: zwei Treffer und eine Vorlage in 21 Einsätzen. Den hohen Anforderungen in puncto taktischem (Defensiv-) Verhalten und professionellem Umgang mit dem Körper wurde er nicht immer gerecht, oft agierte er zu wild und überhastet. Ein unerfülltes Versprechen, zum Etikett Fehleinkauf fehlte nicht viel. Auch in der abgelaufenen Spielzeit hatte Sallai schwächere Phasen und beging Fehler, er Die Königsdisziplin wartet: noch mehr Konstanz zeigen wurde im Oktober von Streich wegen seines Anteils an einem Union-Treffer kritisiert. Einige Wochen später bemängelte der Trainer unangebrachtes Wegdrehen bei gegnerischen Schüssen, das zwei Punkte gekostet habe. Insgesamt verkörpert Sallai 2020/21 jedoch eine mit zwei Jahren Verzögerung ausgereifte Spätlese, die den geduldigen Verantwortlichen besonders süß schmeckt. „Es hat lange gedau- ert, um ihn stabil zu kriegen“, sagt Streich. Der Lohn: acht Tore und sieben Assists in 28 Einsätzen. „Roland hat seine Wildheit und Energie behalten, setzt sie aber zielführender ein, er hat nun oft auch die nötige Ruhe in den Aktionen“, lobt Saier. Und: „Er ist im Eins-gegen-eins sehr unangenehm zu verteidigen.“ Der SC offeriert deshalb im März eine Vertragsverlängerung, Sallai willigt ein in der Überzeugung, „sich in diesem Umfeld nochmals weiterentwickeln zu können“. Es wartet die Königsdisziplin: noch mehr Konstanz zeigen. Zuvor hat er in gut drei Wochen nun die Chance, dass ihn Fußball-Deutschland noch besser kennenlernt. Mit Ungarns Auswahl, in der er mit dem Mainzer Adam Szalai die Doppelspitze bildet – beide trafen im März beim 3:3 gegen Polen – fordert er im dritten EM-Gruppenspiel das DFB-Team heraus. Sollte er diesem und SC-Mitspieler Christian Günter die Tour vermasseln, geht Hartenbach vielleicht Reben schnipseln. Zum Frustabbau. CARSTEN SCHRÖTER-LORENZ Fotos: imago images/Schroedter Foto: Getty Images/Schüler 31. MAI 2021 Feste Größe: Nach 22 Einsätzen, vier Toren und zwei Vorlagen ist Sallai in Ungarns Nationalmannschaft für die EM im Sturm gesetzt.
44 31. MAI 2021 G L A DB ACH Unterschiedliche Situation bei den verliehenen Spielern – Wendts Abschied als Chance für Poulsen? Rückkehrer Benes bleibt im Fokus des FCA Offiziell finden zur neuen Saison die verliehenen Laszlo Benes, Andreas Poulsen, Moritz Nicolas und Keanan Bennetts den Weg zurück nach Gladbach. Aber wie geht es für das Quartett weiter? Der kicker beleuchtet die Situation. zeigen. Poulsens Chance: Durch den Abschied von Dauerbrenner Oscar Wendt (ablösefrei zu IFK Göteborg) wird auf der Linksverteidigerposition der Platz hinter dem gesetzten Ramy Bensebaini frei. Poulsen ging Anfang Moritz Nicolas: Die Hoffnung auf eine Februar zu Austria Wien und stand bei den Österreichern regelmäßig in der Startelf (insgesamt zwölf Einsätze). Durch die Teilnahme an der U-21EM im März sammelte er zusätzliche Wettkampfpraxis. Nummer-1-Position erfüllte sich für den 23-jährigen Torhüter weder bei Union Berlin noch zuletzt beim VfL Osnabrück. Für Union stand Nicolas (Vertrag bis 2023) in der Saison 2019/20 in einem Bundesligaspiel zwischen den Pfosten. Ein Einsatz wurde es in der abgelaufenen Zweitligasaison auch für Osnabrück. Zwar verlängerten die Borussen den auslaufenden Vertrag von Max Grün nicht, doch die drei Torhüterpositionen für die neue Saison dürften an Yann Sommer, Tobias Sippel und Nachwuchsmann Jan Olschowsky vergeben werden. Tendenz: Zwecks Spielpraxis soll Nicolas wieder verliehen werden. In Gladbach ist man nach wie vor vom Potenzial seines Eigengewächses überzeugt. Laszlo Benes: Erst steht für den slowa- Andreas Poulsen: Neuer Trainer, neu- es Glück, das gilt auch für Poulsen (Vertrag bis 2023). Der 21 Jahre alte Däne ist zunächst voll eingeplant und soll sich Hütter in der Vorbereitung AU GS B UR G Keanan Bennetts: Der pfeilschnelle Offensivspieler (Vertrag bis 2022) versuchte sein Glück in der abgelaufenen Saison beim englischen Drittligisten Ipswich Town und verbuchte wettbewerbsübergreifend 30 Pflichtspieleinsätze (1 Tor). Tendenz: Trifft für den 22-Jährigen eine Offerte ein, wäre die Borussia gesprächsbereit. JAN LUSTIG Foto: picture-alliance/dpa kischen Nationalspieler die Europameisterschaft auf dem Programm, dann wird Benes (Vertrag bis 2024) zurück im Borussia-Park erwartet. Durch den Trainerwechsel von Marco Rose zu Adi Hütter könnte sich die Perspektive für den Mittelfeldspieler wieder verbessern. Aber: Auch der FC Augsburg bleibt bei Benes am Ball und ist grundsätzlich an einer Weiterverpflichtung des Linksfüßers interessiert (siehe Story unten). Beim FCA sammelte der 23-Jährige die erhoffte Spielpraxis und kam im vergangenen Halbjahr auf zwölf Einsätze (ein Tor). In Gladbach wartet auf Benes nach wie vor eine sehr leistungsstarke Konkurrenz, auf allen Mittelfeldpositionen. Und: Durch den Wegfall der Dreifachbelastung nimmt der Rotationszwang in der nächsten Saison ab, das dürfte den Kampf um die Plätze verschärfen. Welches Trikot trägt er nach der EM? Laszlo Benes war zuletzt an den FCA ausgeliehen. Die Kaderplanung läuft an – Aus der Akademie des FC Bayern kommt Talent Günther Interesse an Nürnberger als Khedira-Nachfolger Aus seiner Wertschätzung für Rani Khedira macht Markus Weinzierl auch heute noch kein Geheimnis. Gerne hätte Augsburgs Trainer den Mittelfeldspieler weiterhin als Fixpunkt seiner Team-Achse gesehen. Doch bevor er in Amt und Würden zurückkehrte, hatte der ablösefreie Abschied des 27-Jährigen zu Union bereits festgestanden. „Das ist nicht zu ändern“, so Weinzierl, der zur Suche nach einem Nachfolger aufgerufen hat. Ein Kandidat ist Nürnbergs Fabian Nürnberger (Foto). Mit Carlos Gruezo und Tobias Strobl haben die bayerischen Schwaben zwar zwei Kan- didaten, die in den taktischen Vorstellungen Weinzierls für die Doppelsechs eine wichtige Rolle spielen. Doch den kleinen Ecuadorianer sieht er besser auf der Achter-Position postiert. Den 21-Jährigen aus Nürnberg, der variabel im Mittelfeld einsetzbar ist und 45 Zweitligaspiele (3 Tore) für den FCN bestritten hat, könnten sie sich beim Bundesligisten dagegen gut sehr im Zentrum vorstellen. Die Chance, aus Nürnberger einen Augsburger zu machen, wäre angesichts einer Ausstiegsklausel über rund zwei Millionen Euro gegeben. Der Kontrakt des Mittelfeldmannes hat eine Laufzeit bis Ende Juni 2023. Ablösefrei hat der FCA dagegen Lasse Günther aus der Akademie des FC Bayern geholt. Beim Rekordmeister hätte man den 18-Jährigen mit den flinken Beinen zwar gerne weiter an sich gebunden. Doch der Flügelspieler, der von der U 16 bis zur U 18 bisher 13 Partien im DFB-Trikot absolvierte, in der UEFA Youth League für die U 19 der Bayern zum Einsatz kam und in der vergangenen Saison auch fünf Drittligaspiele bestritt, entschied sich für den FCA, aus dessen Jugend er einst nach München gezogen war. „Wir trauen ihm den sofortigen Schritt in unsere Bundesliga-Mannschaft zu“, sagt Manager Stefan Reuter, der sich freut, internationale Bewerber wie zum Beispiel den FC Liverpool und Everton ausgestochen zu haben. Günther, der bis 2025 (plus einjährige Option) unterschrieben hat, soll der Offensive Schwung verleihen. Eine Aufgabe, die Weinzierl auch Laszlo Benes anvertrauen würde. Doch der Slowake, der nach seiner Leihe und der EM-Teilnahme nach Gladbach zurückkehrt (siehe oben), könnte schwer zu bekommen sein. „Ein sehr interessanter Spieler mit einem starken linken Fuß, guten Standards und vor allem einem guten Charakter“, so Weinzierl, der diese Wertschätzung hinterlegt hat. Diesmal vielleicht noch rechtzeitig. GEORGE MOISSIDIS
31. MAI 2021 45 Bauer und der rasante Aufstieg Foto: Zink Von der Teilzeitkraft zur festen Größe im F Ü RT H ER Abwehrzentrum: Der Youngster spielt in den Planungen eine wichtige Rolle. Eine Woche ist es nun her, dass sich Mannschaft, Trainer und Verantwortliche einen Tag nach dem zweiten Bundesligaaufstieg der Vereinsgeschichte ins Goldene Buch der Stadt Fürth eintragen durften. Viel Zeit, den Triumph auszukosten, blieb Sportgeschäftsführer Rachid Azzouzi und Trainer Stefan Leitl in den vergangenen sieben Tagen aber nicht. Schließlich gilt es, möglichst schon bis Ende Juni/Anfang Juli – also zum Start der Vorbereitung – einen schlagkräftigen Kader für die Mission Klassenerhalt zusammenzustellen. Obwohl Leitl bisher ein klares Bekenntnis zu seiner Zukunft in Fürth vermieden hat, geht Azzouzi weiter zu „100 Prozent“ davon aus, dass der 43-Jährige seinen bis 2023 gültigen Vertrag auch 2021/22 beim Kleeblatt erfüllen wird. Kommt es so, wird Leitl aller Voraussicht nach auch im Oberhaus auf Stürmer Havard Nielsen setzen können. Die Verhandlungen mit dem 27-Jährigen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, sind nach kicker-Informationen weit B OCH UM vorangeschritten, sodass wohl schon zeitnah der Verbleib des Norwegers verkündet werden kann. Ob auch Sturmpartner und Kapitän Branimir Hrgota (28), der ebenfalls ablösefrei zu haben ist, bleibt, ist weiter offen. An genügend Interessenten mangelt es nach 16 Toren und 9 Assists in der Aufstiegssaison jedenfalls nicht. Das weiß-grüne Trikot auch in der neuen Spielzeit definitiv tragen wird Maximilian Bauer. Der 21-Jährige, seit seinem Profidebüt im August 2018 maximal Teilzeitkraft, ist in der abgelaufenen Saison eindrucksvoll durchgestartet: In 29 Ligaspielen stand das Eigengewächs, seit 2014 im Verein, auf dem Platz – davon 25-mal in der Startelf – und sicherte mit zwei Last-Minute-Toren zum 2:2 in Würzburg und zum 1:0 in Heidenheim zudem vier wichtige Aufstiegspunkte. In den Planungen für die neue Saison spielt der kopfball- und zweikampfstarke Innenverteidiger mit einem Vertrag bis 2022 also eine wichtige Rolle. Fest steht aber auch: Fürth braucht dringend noch Verstärkung fürs Abwehrzentrum: Nach den Durchgestartet: 1,89-Meter-Mann Maximilian Bauer ist nicht nur kopfball- und zweikampfstark, sondern auch torgefährlich. Abgängen von Paul Jaeckel (Union Berlin) und Mergim Mavraj, der wie der erst im Januar aus Frankfurt geholte Mittelfeldspieler Marijan Cavar keinen neuen Vertrag erhält, gibt es mit Abdourahmane Barry (21) aktuell nur einen zweiten Innenverteidiger im Kader. Auch wenn Sechser Hans Nunoo Sarpei (22) diese Rolle aushilfsweise bekleiden kann, sollen auf jeden Fall noch zwei Neue für die Abwehrmitte kommen. FABIAN ISTEL Zweiter Versuch bei Bröndby-Verteidiger Jung – Auch Ganvoula ein Wechselkandidat Keeper Drewes: Nachschlag als Riemann-Back-up Die ersten Pflöcke sind eingeschlagen. Der Vertrag von Flügelstürmer Danny Blum verlängert sich durch den Aufstieg um ein Jahr, auch das Arbeitspapier von Milos Pantovic läuft nun bis 2022; der Mittelfeldmann hat mit 31 die erforderliche Zahl an Pflichtspielen erreicht. Auch der erste Zugang ist perfekt, aus Paderborn kommt Flügelstürmer Christopher AntwiAdjei. Nicht weiter geht es für Mittelfeldmann Thomas Eisfeld, dessen Vertrag ausläuft. Ansonsten mahnt Sebastian Schindzielorz zur Ruhe. Vier, fünf neue Spieler sollen den Kader des Aufsteigers ergänzen und verstärken; möglich, so der Sportchef, dass noch bis August Planstellen frei gehalten werden, um die Entwicklung am Markt abzuwarten. Das ist umso mehr geboten, als sich nun die Hoffnung auf zusätzliches Geld zerschlug. Wäre Holstein Kiel aufgestiegen, hätte Bochum etwa zwei Millionen mehr an TV-Geldern einstreichen können als beim Kölner Klassenerhalt. Klar war aber ohnehin, dass der VfL seinen knallharten Sparkurs weiter verfolgen muss, auch wenn nach dem Aufstieg statt zwölf nun 22 oder 23 Millionen für die Lizenzspielerabteilung verplant werden können. Eine überraschende Wende bahnt sich bei der Besetzung ei- ner Torhüterposition an. Patrick Drewes war eigentlich nicht weiter eingeplant, nun aber hat sich der Vertreter von Stammkeeper Manuel Riemann auf der Zielgeraden empfohlen, als die Nummer 1 wegen eines Handbruchs ausfiel. Gut möglich also, dass auch in der Bundesliga Riemann und der 2019 aus Würzburg gekommene Drewes das Gespann bilden werden; entsprechende Gespräche mit Drewes über einen Nachschlag laufen bereits. Dagegen möchte der VfL aber auch Personal abbauen in Form von Spielern, für die die Bundesliga eine Nummer zu groß sein dürfte und die auch schon im Aufstiegsjahr eher Randfiguren waren. Raman Chibsah, Baris Ekincier und Tom Weilandt würde der Klub sicher keine Steine in den Weg legen. Unklar ist auch der Verbleib von Stürmer Silvere Ganvoula, ebenfalls eine Randfigur im Aufstiegsjahr. Denkbar ist, dass durch den Aufstieg das Interesse an Anthony Jung (29) von Bröndby IF wieder aufflammt. Der Links- und Innenverteidiger war schon Anfang 2020 ein Wunschkandidat, doch der Wechsel scheiterte damals an der geforderten Ablöse von 750 000 Euro. Der vielseitige Abwehrmann, der unter anderem bei Eintracht Frankfurt ausgebildet wurde, ist mittlerweile ablösefrei zu haben. OLIVER BITTER
46 31. MAI 2021 kurz bündig Fünf Wechsel bleiben Die Corona-Ausnahmeregel von fünf möglichen Auswechslungen im Fußball bleibt bis 31. Dezember 2022 gültig. Das beschlossen die Regelhüter des International Football Association Board am Freitag. Damit dürften Trainer auch bei der WM in Katar Ende 2022 fünf Spieler im Spiel austauschen. Die Anwendung der Regel in den Wettbewerben obliegt den jeweiligen Organisationen, der DFL in Deutschland und der UEFA im Europapokal. VfB pflanzt 10 000 Bäume Kohr bleibt, auch ohne Kaufoption Und täglich eine neue Vertragsunterschrift Bevor Christian Heidel am Samstag in das Flugzeug Richtung Mallorca stieg, um nach dem Klassenverbleib endlich wieder einmal zur Familie und zum Zweitwohnsitz zu fliegen, war die vierte Unterschrift perfekt: Eintracht Frankfurts Leihgabe Dominik Kohr bleibt bis Sommer 2022 am Bruchweg. Auf Leihbasis, eine Kaufoption oder -pflicht sieht der Vertrag mit dem Bundesliga-Nachbarn nach kicker-Informationen nicht vor. Zuvor hatte der Sportvorstand von Mainz 05 in Zusammenarbeit mit Sportdirektor Martin Schmidt im täglichen Rhythmus Arbeitspapiere besiegelt, nämlich die Verlängerungen mit Karim Onisiwo und Leandro Barreiro sowie die Verpflichtung von Anderson Lucoqui. Das Trio ist nun bis 2024 an den FSV gebunden. Im Fall von Kohr kam die Unterschrift überraschend, den Rheinhessen waren keine großen Chancen auf eine Weiterbeschäftigung eingeräumt worden. Der 27-Jährige, der 2019 für neun Millionen Euro Ablöse zur Eintracht wechselte, beabsichtige nach dem Wechsel von Trainer und Sportvorstand in Frankfurt einen Neustart zu versuchen, hieß es aus dem Spielerumfeld. Unter der neuen sportlichen Leitung am Main rechnete sich Kohr Einsatzchancen aus an der Seite der Stammspieler Djibril Sow, Sebastian Rode und Makoto Hasebe. Durch das Erreichen der Europa League benötigt Frankfurt einen größeren Kader. In Mainz zu bleiben war für Kohr wohl auch eine Bauchentscheidung. Seit seiner Ankunft am 18. Januar ging es für den Edelreservisten der Eintracht am Bruchweg quasi nur bergauf. „Ich habe von der ersten Sekunde an großes Vertrauen in mich gespürt und wurde von meinen Teamkollegen großartig aufgenommen“, blickte Kohr zurück. Mit der Weiterverpflichtung des Mittelfeldabräumers setzt der FSV ein Zeichen gegen die These, die Mannschaft könnte auseinanderfallen. Trainer Bo Svensson hatte angekündigt, dass er wegen der geringen Fluktuation vor einem Jahr in diesem Sommer stärkere Veränderungen erwarte, stufte dieses jedoch sofort als „einen ganz normalen Prozess“ ein. Zumal der Klub den Anspruch habe, den großen Kader „ein Stück weit zu verkleinern“. Bei Stammspielern, die noch unter Vertrag stehen, ist Mainz 05 allerdings nur gesprächsbereit, „wenn irgendeiner Zahlen hinlegt, bei denen uns schwindlig wird“, stellte Heidel unmissverständlich klar. MICHAEL EBERT Neue Erfahrung: Sami Khedira arbeitet bei der EM fürs TV. Meier nun bei der U 17 „Kultfigur“ Alex Meier arbeitet ab der neuen Saison als Co-Trainer an der Seite von Eintracht Frankfurts U-17-Coach Ervin Skela. Zuletzt war der 38-Jährige in gleicher Funktion in der U 16 und U 19 tätig. „Step kickt!“ ein Erfolg Die Stiftung der DFL und die ClevenStiftung haben bei einer digitalen Schritte-Tour zahlreiche Kinder zu mehr Bewegung und besserer Ernährung animiert. In nur einer Woche wurden bei „step kickt!“ insgesamt 4299 Kilometer oder umgerechnet 6 448 284 Schritte gesammelt. Kurator ist Eckart von Hirschhausen, prominent unterstützt wurde die Aktion auch von Dunja Hayali, Britta Heidemann und Maria Höfl-Riesch. An dem gemeinsam mit elf Klubs von der 1. bis zur 3. Liga entwickelten Programm nehmen mehr als 1600 Schülerinnen und Schüler aus 3. und 4. Klassen teil. Als Belohnung erhalten 17 Schulen ein zusätzliches Bewegungspaket für den Schulalltag. Khedira bei ESPN Experte Sami Khedira wird Fußball-Experte im Fernsehen. Der Weltmeister von 2014 gehört während der Europameisterschaft (11. Juni bis 11. Juli) zu den insgesamt zehn Analysten des US-Fernsehsenders ESPN. Fußball LIVE MONTAG 16.00 Uhr DAZN: FC Morecambe – AFC Newport County (Quali League Two, Finale) 18.00 Uhr Pro Sieben Maxx: Niederlande – Frankreich (U-21-EM, Viertelfinale) 21.00 Uhr Pro Sieben: Dänemark – Deutschland (U-21-EM, Viertelfinale) DIENSTAG 18.00 Uhr DAZN: Fünf Testspiele, u. a. Nordmazedonien – Slowenien 20.45 Uhr DAZN: Polen – Russland (Testspiel) MITTWOCH 18.00 Uhr DAZN: Zwei Testspiele, u. a. Bosnien-Herzegowina – Montenegro 19.00 Uhr DAZN: Norwegen – Luxemburg (Testspiel) 20.45 Uhr DAZN: Zwei Testspiele, u. a. Niederlande – Schottland 21.00 Uhr RTL: Deutschland – Dänemark (Testspiel) 21.00 Uhr DAZN: Zwei Testspiele, u. a. England – Österreich Foto: imago images/Laage MAINZ Foto: picture-alliance Unter Dach und Fach: Sportdirektor Martin Schmidt (li.) hat mit Vorstand Christian Heidel auch Dominik Kohr weiter gebunden. Der VfB Stuttgart hat erfolgreich an der CSR/Nachhaltigkeits-Zertifizierung sustainClub teilgenommen. Nach der Prüfung aller relevanten Nachweise erhalten die Schwaben mit 119 von 194 möglichen Punkten die silberne sustainClub-Auszeichnung. Als Bestandteil des Themenblocks Ökologie (Mobilität) wurden auch die CO₂-Emissionen der Reisen des Profiteams in der abgelaufenen Saison gemäß des sogenannten Greenhouse Gas Protocols durch die DEKRA verifiziert. Die Emissi- onen der Mannschaftsreisen beliefen sich auf 91,46 Tonnen CO₂. Die Emissionen der VfB-Profis werden durch Baumpflanzaktionen kompensiert. Hierfür unterstützt der VfB Klimaschutzmaßnahmen in Kenia. Die erste Pflanzaktion soll in der ersten Juni-Woche erfolgen. Die gesamte Pflanzaktion für die 10 000 Setzlinge wird im September 2021 abgeschlossen sein.
31. MAI 2021 47 Lieber impfen statt ständig testen: Viele Profis nehmen das Angebot gerne an. B Wann kommt der Piks für die Profis? undesländer wie der Freistaat Bayern haben die Impfpriorisierung bereits aufgehoben, deutschlandweit gilt dafür der 7. Juni als Stichtag. Automatisch stellt sich die Frage, wie die 36 Profiklubs mit dem Thema umgehen, wann die Spieler den Piks zum Schutz gegen COVID-19 erhalten. Während die Vereine Kreuzbandrisse und Muskelverletzungen mehr oder weniger offen kommunizieren, verweisen hier viele auf die Privatsphäre der Spieler. Aufgrund der Priorisierung, die im Bundesland Hessen gilt, hat zum Beispiel Eintracht Frankfurt ebenso wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der DFB an alle Spieler ein Impfangebot mit Johnson & Johnson gegeben. Nach Auskunft des Klubs haben die meisten SpieIM P F EN ler dies nach dem letzten Saisonspiel angenommen. Der Vorteil dieses Impfstoffs: Ein Piks genügt, eine Zweitimpfung ist nicht nötig. liert auf Johnson & Johnson, zumal kation Christian Arbeit. Der MannZweitligist Jahn Regensburg bot allen bei Biontech häufig von Reaktionen schaftsarzt gilt nach dieser Logik als Mitgliedern des Profistabs ebenfalls beim zweiten Piks berichtet wird, der Betriebsarzt. Johnson & Johnson an, Termin war wiederum in die Vorbereitungszeit Keinesfalls wollen die Klubs wie beim 1. FC Nürnberg unmitauf die neue Saison fallen könnte. den Eindruck „Impfdrängler“ erwetelbar vor dem UrBeim Karlsruher SC cken, das Image des Profifußballs ist laubsstart. „Nahezu „Dankbar haben fast erhielten Spieler schließlich ramponiert genug. „Wir alle Akteure haben und Betreuer daher warten das Ende der Priorisierung ab, dieses Impfangebot alle angenommen.“ bereits am 17. Mai die da wir keine Sonderrolle einnehmen dankbar angenom- Jahn Regensburg zum Impfangebot erste Impfung, die wollen“, verlautbart der VfL Bochum. men“, heißt es aus zweite folgt vor dem Mitaufsteiger Greuther Fürth hat seiJahn-Kreisen. Dieser Vorbereitungsstart nem Profitross ein Angebot mit dem Zusatz ist insofern wichtig, als die am 20. Juni, sodass der Tross im freigegebenen Astra-Zeneca unterKlubs ihre Spieler nicht zwingen könJuli durchgeimpft ins Trainingslager breitet. Der 1. FC Köln folgt wie Borusnen, wie bei Otto Normalverbraucher nach Österreich reisen kann. sia Mönchengladbach den Regeln des ist die Impfung freiwillig. Möglichst bis zum TrainingsLandes Nordrhein-Westfalen und will Auch der SC Paderborn arbeitet start will auch Union Berlin durch erst dann ein Angebot machen, wenn an einem Impfplan, erst zwei Akteusein. „Betriebsärzte, auch dazu die Priorisierung gefallen ist. re sind aufgrund ihres häuslichen zählen wir, können impfen“, sagt Bayer Leverkusen hatte mit Umfelds geimpft. Der SCP spekuUnions Geschäftsführer KommuniTapsoba, Sinkgraven, Wendell, Foto: imago images Das Motto der 36 Profiklubs: Bloß nicht drängeln, dennoch möglichst bald möglichst alle gegen COVID-19 . Demirbay, Amiri und Diaby einige COVID-19-Fälle, die erst sechs Monate nach der Infektion geimpft werden müssen. Andere haben die Spritze bereits bekommen, weil die Ehefrauen schwanger sind oder waren, es Pflegepersonen im Umfeld gibt oder sie Asthmatiker sind. Interessant: Es gab Spieler, die sich bei der Impfaufklärung sehr ablehnend gezeigt haben. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch der EM-Kader der Niederlande, wo 6 der 26 Spieler verzichteten. Stichwort EM und Nationalteams. Dort ergibt sich derzeit die Möglichkeit zur Impfung, Weltfußballer Robert Lewandowski und seine polnischen Mitspieler bekamen vergangene Woche den Piks. Bei der deutschen Nationalmannschaft habe ein Großteil des 90-köpfigen Trosses bereits vorher die Erstimpfung erhalten, berichtete Teamarzt Tim Meyer zu Beginn des Trainingslagers in Seefeld. Geschlossene Impfungen wie bei Italien oder Belgien seien nicht vorgesehen, auch keine einzelnen während des Turniers. „Ich halte das für zu gefährlich angesichts der denkbaren Nebenwirkungen“, sagte Meyer. Die DFL empfiehlt eine Impfung. Kein Wunder bei 217 CoronaInfektionen in den beiden höchsten Ligen in der abgelaufenen Saison. Nahezu alle Fälle hatten asymptomatische Verläufe oder mit geringen Symptomen, in zwei Fällen war ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Die vergleichsweise hohe Zahl an Fällen erklärt die DFL durch die dauerhafte Testung, wodurch es keine Dunkelziffer an nicht erkannten Fällen geben konnte. FRANK LINKESCH
Panther, Wolf, Kater E s ist und bleibt wohl eine der am häufigsten erzählten Anekdoten aus der an Histörchen so prall gefüllten Schatztruhe des deutschen Fußballs. Eine jener kleinen Storys, derer man als erfahrener Fußballfan nicht überdrüssig wird. Weil sie so viel erzählt von den Beteiligten. Sepp Herberger hier, Hans Tilkowski da und Wolfgang Fahrian mittendrin. Der „Chef“, der vor der Weltmeisterschaft 1962 im fernen Chile seine Nummer 1, Hans Tilkowski, im Glauben lässt, er würde diese WM spielen. Der Keeper, der genau davon ausgeht und als es anders kommt, vor Wut höher springt als jemals im Training. Der (vergeblich) seinen Reisepass einfordert und heimfliegen will, der vor lauter Wut einen Stuhl durch sein Zimmer brettert, heftiger als jemals einen Ball. Weg aus diesem nasskalten Chile, ab nach Deutschland. Und dann ist da Wolfgang Fahrian, der 21-jährige Ulmer, der Nachwuchstorhüter aus der Regionalliga, mit gerade einem Länderspiel auf dem Buckel. Der seit Tagen Bescheid weiß, dass er spielen wird und trotzdem die Klappe hält. Kein Wort zur Presse, keins zur Familie daheim, schon gar keines zu Tilkowski. Diese Zuverlässigkeit und Verschwiegenheit gehören zu Wolfgang Fahrians Charakter ebenso wie seine Lebenslust und sein Ehrgeiz. Dies alles hilft ihm während seiner aktiven Karriere und noch mehr viele Jahre später beim Start in die zweite Laufbahn nach dem Fußball. Es werden „nur“ zehn Länderspiele für den nahe Ulm Geborenen, mit dem Bonbon einer Weltmeisterschaft vorweg. In den vier Spielen, die der deutschen Mannschaft in Chile beschieden sind, glänzt er durchgehend. Dennoch kann er das Aus im Viertelfinale gegen Jugoslawien nicht verhindern. „Trotzdem, es war der Höhepunkt“, sagt Fahrian – der bis zur A-Jugend als linker Verteidiger auflief und erst mit 18 Jahren ins Tor wechselte – heute noch. Es folgt der Wechsel von den Ulmer „Spatzen“ in die Bundesliga, und weil die Unterschrift bei der Hertha ein schönes (aber eben verbotenes) Handgeld beinhaltet, wird er für ein Jahr gesperrt, später wird die Strafe um die Hälfte der Zeit reduziert. Eine Jugendsünde. Fahrian ist damals aber nur einer von sehr vielen Profis, die sich zu dieser Zeit so das Salär aufbessern lassen. Es folgen Wechsel nach München zu den Löwen, nach Düsseldorf, schließlich 1969 zur Fortuna nach Köln, wo der Gemütsmensch seine Heimat findet. Bis heute lebt er mit seiner Frau Karola in der wunderschönen Jugendstil-Villa im Kölner Osten, genießt die Kinder um sich he- rum, schon lange nicht mehr nur die eigenen, sondern die Enkel Vanessa (34), Larissa (32), Laura (29), Sandro (28), Fabio (28), Jana (21), Joel 7, dazu die Urenkel Thiago (7) und Chiara (1). Mit nun 80 Jahren kann Fahrian das Leben bequem auskosten, das ihn in den vergangenen Jahrzehnten nicht selten auf die Überholspur führte. Nach dem Ende seiner Profilaufbahn 1976 steigt der Mann mit dem markanten Lockenkopf nach und Nach einem Herzinfarkt kämpft sich Fahrian zurück ins Leben. nach in das noch junge Geschäft mit der Spielerberatung ein, eine Branche, die sich zu dieser Zeit gerne in der Grauzone aufhält, aus der sie unter anderem Wolfgang Fahrian herausholt. „Er hatte den großen Vorteil, dass man sich auf ihn und sein Wort zu einhundert Prozent verlassen konnte“, sagt Reiner Calmund, der als Manager von Bayer Leverkusen eine Menge Verhandlungen führte mit Fahrian: „Er tat nie etwas hinter dem Rücken des Klubs.“ Mit den Jahren weitet er sein Geschäft aus, transferiert Spieler ins Ausland und holt von dort Verstärkungen wie etwa den Brasilianer Carlos Dunga zum VfB. Der wurde in seiner Stuttgarter Zeit 1994 als Kapitän Weltmeister mit Brasilien. Als die Märkte zu groß und zunehmend unübersichtlich werden und die One-Man-Show beginnt, den Einzelkämpfer aufzufressen, eröffnet er nach der Jahrtausendwende das Kölner Büro von ROGON, bleibt aber in jeder Phase sein eigener Herr. Seit Ende 2009 ist es ruhiger geworden um Fahrian, und der Grund ist kein angenehmer. Ein versteckter Herzinfarkt im Urlaub auf seiner Lieblingsinsel Ischia haut den Bär von einem Mann nach der Rückkehr um, er fällt ins Koma, wacht erst Wochen später auf und es beginnt die lange Zeit der Reha – 234 Tage liegt er in der Klinik, bekommt jeden Tag Besuch von seinen Töchtern Andrea, Susanna und Michaela, von seiner Karola sowieso. Es wird ein Fest, als er nach fast acht Monaten wieder heimkommt. Geschwächt zwar („Ich hatte Beine wie ein Storch.“), aber aufrecht. Seit damals weiß er, wie schnell es zu Ende gehen kann und dass Arbeit nicht alles ist. Der Fußball lässt ihn bis heute nicht los, aber die Anspannung ist weg. Und wenn die Urenkel da sind, wird der Mann, den man einst als Spieler den „Schwarzen Panther“ nannte, dann als Berater den „Grauen Wolf“, liebend gern zum zahmen Kater. FRANK LUßEM Foto: Horstmueller 1962 in Chile war WOLFGANG FAHR IAN der deutsche WM-Torwart. Ein damals junger Kerl, der diesen Montag seinen 80. Geburtstag feiert.
31. MAI 2021 49 KICKERKULISSE Notiert von Thomas Hiete DER HÖRNERJUBEL des ehemaligen Kölner Stürmers Anthony Ujah mit Maskottchen Hennes VIII. rief vor sechs Jahren schon einmal die Tierschutz-Organisation PETA auf den Plan, nun gibt es den nächsten Anlauf, den Geißbock aus dem FC-Stadion zu bekommen. „Von dem völlig veralteten Brauch, ein Tier als Glücksbringer zu missbrauchen, muss sich der 1. FC Köln endlich trennen“, fordert die Biologin Yvonne Würz. „Der Verein sollte seinen Erfolg in der Relegation als Chance für einen Neustart betrachten und aufhören, Geißböcke ins Stadion zu zwingen.“ Die Begründung: Tiere würden in voll besetzten Arenen einem immensen Stress ausgesetzt. Wegen der Pandemie war Hennes IX. (Foto) zwar schon lange nicht mehr im Stadion, geht es nach Würz, kehrt das FC-Maskottchen dorthin auch nicht mehr zurück. Sie liefert sogar einen Alternativvorschlag: „PETA hilft gerne dabei, eine geeignete Unterbringung für Hennes IX. und ein passendes Maskottchen-Kostüm zu finden.“ WO DIE KARRIERE von Rafael van der Vaart (Foto) 2018 endete, dort beginnt sie nun für seinen Sohn Damian. Beim dänischen Erstligisten Esbjerg fB unterschrieb der 15-Jährige seinen ersten Vertrag. „Ich bin unglaublich stolz“, postete der Papa, dessen Laufbahn einst jedoch eine Nummer größer begann – bei Ajax Amsterdam. SEINE KARRIERE beendet hat vor zwei Jahren Fernando Torres, ein vermeintliches Comeback des früheren spanischen Torjägers entpuppte sich nun als PR-Gag. „Ich verstehe das Leben nur auf eine Art: spielen“ hatte der 37-Jährige gepostet und hinzugefügt: „Ich habe mich entschlossen, zurückzukommen.“ Viele Fans träumten von der Rückkehr von „El Nino“ auf den Rasen, stattdessen aber enthüllte Torres wenige Tage später den Hintergrund seiner nebulösen Andeutungen: Er schloss einen Werbedeal mit einem spanischen Spielehersteller ab. Was Friedhelm Funkel nach fast 50 Jahren im Geschäft beim 1. FC Köln noch lernen durfte D ass Karl Lauterbach und der gemeine Fußball-Fan noch einmal gedanklich zusammenkommen während dieser so nervigen wie gefährlichen CoronaPandemie darf überraschen. Der Vorschlag des Politikers in der Bild am Sonntag, die Spiele der Europameisterschaft durchaus gemeinsam mit mehreren Personen anschauen zu können, lässt hoffen. Zwar rät Lauterbach vom klassischen Public Viewing ab. Aber zehn Fans gemein- Frank Lußem sam im Außenbereich einer Kneipe oder eines Restaurants, das kann er sich gut vorstellen. EBENSO VORSTELLEN KANN er sich, dass der Gastronomie zusätzliche Außenbereiche „unbürokratisch“ zur Verfügung gestellt werden und die Öffnungszeiten über 22 Uhr hinaus verlängert werden, um auch die späten Spiele zeigen zu können. Der Vorstoß des Kölners – der bekanntlich nicht für barocke Lebensfreude steht – macht Mut und Hoffnung, seine Trefferquote während der Pandemie war ordentlich, seine aktuelle Forderung klingt deshalb verlockend und vernünftig: „Die Menschen brauchen nach den harten Monaten Momente der Entspannung.“ ENTSPANNT ZURÜCKLEHNEN durften sich am Samstag in Porto und Köln übrigens die Video Assistant Referees in den dortigen Übertragungsstätten. In den beiden Spielen fielen sieben Tore, kein einziges musste „gecheckt“ werden. Zwei unglaublich wichtige Spiele und kein VAR-Ärger – das gab es wohl lange nicht und zeigt uns: Fußball kann so einfach sein. Und noch schöner machte diese Spiele und die Treffer, dass sie bejubelt (oder betrauert) wurden von „echten“ Fans, die Einlass fanden in die Stadien. Das wird auch die nun anstehende EM aufwerten, die eine Menge Menschen skeptisch sehen, bei der Veranstalter und Fans beweisen können, dass man in der Lage ist, schwierige Situationen mit Ruhe und Bedacht zu bewältigen. Als paneuropäisches Fußballfest kann das Turnier über den Fußball hinaus einiges bewirken. OB FRIEDHELM FUNKEL am Samstag sein letztes Spiel als Trainer gemacht hat? Der alte Fuchs will sich nicht festlegen. Corona machte dem 67-Jährigen einen Strich durch die „DolceVita-Rechnung“, als ihm daheim die Decke auf den Kopf fallen wollte, kamen die Kölner gerade rechtzeitig. Ob es aus und vorbei sei nun mit der Karriere, wurde er am Sonntag gefragt. „Vorbei ja“, lautete seine Antwort, „aus aber nicht unbedingt.“ Kann also sein, dass er noch einmal zurückkehrt. Dass einer wie er immer zu gebrauchen ist, bewies er in Köln eindrucksvoll. IMMERHIN LERNTE FUNKEL nach knapp 50 Jahren Profifußball etwas Neues hinzu. Kurz nach Dienstbeginn Mitte April bekam er einen kurzen Anruf vom Präsidenten, ansonsten gab es keinen persönlichen Kontakt mit der Klub-Führung. „Das habe ich noch nie erlebt, ich kann es mir auch nicht erklären“, so Funkels verblüffte Reaktion, dem „ein kurzes persönliches Hallo“ ja schon gereicht hätte. Berührungsängste zwischen dem Vorstand und dem, der den Klub retten soll – das dürfte ein Novum darstellen.
FRAUEN Die unglaubliche Serie geht weiter Der VfL Wolfsburg gewinnt zum siebten Mal den DFB- POKAL , setzt sich aber erst in der Verlängerung gegen Frankfurt durch. Das Finale gewonnen, die unfassbare Serie bleibt: Mit einer Energie- und Willensleistung gewann der VfL Wolfsburg zum siebten Mal in Folge den DFB-Pokal und ist damit seit 2015 in diesem Wettbewerb ungeschlagen. „Pure Freude!“ empfand Wolfsburgs Angreiferin Svenja Huth nach dem Abpfiff der Verlängerung. „Wir sind einfach nur glücklich. Wir hatten viel mehr Ballbesitz und haben uns gute Chancen herausgespielt. Wir sind der verdiente Sieger.“ Den ersten Titel in der laufenden Saison, in der auch Über das DFB-Pokal-Finale der Frauen in Köln berichten Jim Decker und Gunnar Meggers noch der Gewinn der Meisterschaft möglich ist, sicherte sich das Team von Trainer Stephan Lerch aber erst nach einem nervenaufreibenden Geduldspiel. Überhaupt Lerch: Bemerkenswert ist auch die Serie des nach der Saison zur TSG Hoffenheim wechselnden 36-Jährigen. Seit seinem Amtsantritt 2017 verlor er kein einziges Pokalspiel mit seiner Mannschaft. Nun geht er mindestens mit einem Titel 2021 in der Vita. Im Kölner Stadion entwickelte sich diesmal eine Partie, in der die Wolfsburgerinnen die reguläre Spielzeit deutlich dominierten. Immer wieder stießen die Stürmerinnen Ewa Pajor und Fridolina Rolfö zwar gefährlich bis an den Fünfmeterraum vor, sie brachten aber trotz überlegenen Ballbe- sitzes nur selten Bälle auf das Tor der aufmerksamen Merle Frohms. Die Frankfurterinnen setzten vor allem lange Bälle auf Laura Prasnikar und die deutsche Nationalspielerin Laura Freigang dagegen, die aber wirkungslos blieben. So entwickelte sich eine ruppige Partie, in der die Hessinnen erbitterte Gegenwehr gegen den Favoriten aus Niedersachsen leisteten, aber auch Glück hatten. Nach 66 Minuten hätte die Unparteiische Mirka Derlin nach einem Handspiel Sophia Kleinhernes im Strafraum auf Elfmeter entscheiden müssen, ließ aber weiterspielen. Nach 90 Minuten pfiff Derlin dann ab – Verlängerung! Und diese hatte es in sich. Denn einen langen Pass der umsichtigen Sjoeke Nüsken erlief Prasnikar, die rüde von VfL-Torfrau Almuth Schult umgerammt wurde. Die Rote Karte für die Nationalkeeperin war eine der wenigen korrekten Entscheidungen des Schiedsrichter-Gespanns, das zuvor diverse falsche getroffen hatte. Das spielerische Übergewicht der Wolfsburgerinnen ging in Unterzahl zwar nicht verloren, Frankfurt kombinierte sich nun aber immer öfter und näher an das Tor von Schult-Ersatz Friederike Abt. Doch die Entlastung blieb ohne große Wirkung. Ein Solo der starken Pajor konnten die Eintracht-Verteidigerinnen dann nicht mehr aufhalten, Frohms blieb gegen den Abschluss der 24-Jährigen machtlos. „Wir haben die Mentalität und die Fitness. Wir haben gezeigt, dass wir den Pokal mitnehmen woll- ten“, sagte Nationalspielerin Huth, die ihren Kolleginnen nach dem Platzverweis eine „absolute Willensleistung“ bescheinigte. Die Frankfurterin Laura Feiersinger erlebte dagegen einen „ziemlich bitteren“ Nachmittag. Denn zusätzlich schockierte die Verletzung der Kapitänin Tanja Pawollek das Team. Die 22 Jahre alte Mittelfeldspielerin musste in der ersten Halbzeit mit Verdacht auf Kreuzbandriss auf einer Trage vom Feld gebracht werden. „Ein paar Mädels sind schon ziemlich niedergeschlagen“, sagte Feiersinger über die Stimmung nach der knappen Niederlage. Zuletzt stand 2015 der Vorgängerverein 1. FFC Frankfurt im Pokalfinale. Diesmal schnupperte die Mannschaft von Trainer Niko Arnautis 118 Minuten lang am Titelgewinn, sie hätte letztlich aber wohl etwas mehr offensive Durchschlagskraft für den Sensationssieg gegen die Wolfsburgerinnen benötigt. Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg FRANKFURT Leticia Santos 4 Feiersinger 4,5 Rolfö 4 i Rauch 3,5 WOLFSBURG Frohms 3,5 Kleinherne 4,5 G Störzel 3,5 i Nüsken 3 Pawollek 3,5 i Freigang 5 Prasnikar 3,5 B Pajor 2 i Blomqvist 4 i 3,5 Oberdorf G Engen 3 Janssen 3 Schult 5 R Doorsoun 3 n.V. 0:1 0:0, 0:0 TRAINER: Arnautis Küver 3,5 i Dunst 4 i Huth 3,5 Wedemeyer 4 i TRAINER: Lerch EINGEWECHSELT: 40. Johannsdottir (3,5) für Pawollek, 91. Hechler (–) für Küver, 95. Kirchberger (–) für Störzel, 106. Martinez (–) für Dunst – 49. Blässe (3) für Wedemeyer, 65. Wolter (3) für Blomqvist, 98. Abt (–) für Rolfö, 120. Jakabfi (–) für Pajor – RESERVEBANK: Bösl (Tor), Mauron, Panfil – Dickenmann, Goeßling, van de Sanden TOR: 0:1 Pajor (118., Rechtsschuss, Vorarbeit Huth) – CHANCEN: 3:6 – ECKEN: 3:19 SR-TEAM: Derlin (Bad Schwartau – Assistentinnen: Arlt, Herrmann – Vierte Offizielle: Kunkel), Note 4,5, hätte bei Kleinhernes Handspiel im Strafraum Elfmeter pfeifen müssen (66.), übersah auch noch ein weiteres Handspiel; berechtige Rote Karte für Schult in der Verlängerung. – ZUSCHAUER: keine (in Köln) – GELBE KARTEN: Trainer Arnautis, Kleinherne – Oberdorf, Jakabfi – ROTE KARTE: Schult (96., Notbremse an Prasnikar) – SPIELNOTE: 4, zerfahrene Partie, Wolfsburg konnte seine spielerische Überlegenheit gegen kampfstarke Frankfurterinnen lange nicht in Tore umsetzen. – SPIELERIN DES SPIELS: Ewa Pajor, die schnelle Stürmerin sorgte immer wieder für Gefahr und schoss das Tor des Tages.
31. MAI 2021 51 Jubel in letzter Minute: Ewa Pajor (2. von links) erzielte das entscheidende Tor für Wolfsburg. BUNDESLIGA-TABELLE 1. Bayern München 2. VfL Wolfsburg (M, P) 3. TSG Hoffenheim 4. Turbine Potsdam 5. Bayer Leverkusen 6. Eintracht Frankfurt 7. SC Freiburg 8. SGS Essen 9. Werder Bremen (N) 10. SC Sand 11. SV Meppen (N) 12. MSV Duisburg 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 21 78:9 63:17 51:22 39:34 32:38 43:25 25:35 28:35 23:59 20:53 16:47 14:58 58 56 41 38 33 30 27 24 19 15 14 7 22. SPIELTAG SONNTAG, 6. JUNI Sand Freiburg Duisburg Potsdam Wolfsburg München FRANKFURT Dietrich fehlt seit Wochen Endspiel ohne Macher Fotos: imago images D er Mann ist Macher, Manager, Sportdirektor und Initiator der Fusion zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem großen Nachbarn Eintracht im vergangenen Jahr, außerdem Vorsitzender des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesligen. Am Sonntag saß Siggi Dietrich allerdings nicht auf der Tribüne des Rhein-Energie-Stadions in Köln, um seine Eintracht zu unterstützen. Der umtriebige „Mister Frauenfußball“ musste aus gesundheitlichen Gründen passen. Er fehlt der Eintracht schon seit mehreren Wochen. Dietrich hat sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist weiterhin unklar. „Siggi hat schon 13 PokalEndspiele erlebt, bei diesem wird er leider nicht bei uns sein können“, sagte ein trauriger Eintracht-Trainer Niko Arnautis in der vergangenen Woche. „Wir werden auch für ihn spielen und für ihn einen Schritt mehr gehen.“ Dieses Versprechen ihres Coaches setzten die Spielerinnen um. Dietrich wird vor es vor dem Fernseher mit Stolz verfolgt haben – trotz der Niederlage. Die Pokal-Bilanz der Frankfurterinnen ist herausragend: Der Vorgängerverein 1. FFC Frankfurt gewann zwischen 1999 und 2008 siebenmal in Berlin den Pokal. In Köln war der 1. FFC immerhin zweimal erfolgreich: 2011 sowie 2014. Mr. Frauenfußball aus Frankfurt: Siggi Dietrich fehlte in Köln. WOL FSBUR G 14.00 UHR (1:2) (1:0) (0:7) (2:1) (5:1) (1:0) Leverkusen Meppen Hoffenheim Essen Bremen Frankfurt Jakabfi beendet ihre Karriere Glücklicher Abschied E s war schon ihr achtes DFB-Pokal-Finale mit dem VfL Wolfsburg. Jedes Mal hat Zsanett Jakabfi gewonnen. Eine unglaubliche Serie! Und Jakabfi konnte noch kurz mitwirken: In der letzten Minute der Verlängerung wurde sie für Torschützin Ewa Pajor eingewechselt. „Es ist immer ein tolles Gefühl, diesen Pokal zu gewinnen“, erzählte die Ungarin. Es war für sie der letzte Pokaltitel, denn das Finale in Köln war das vorletzte Spiel ihrer Profikarrierre. Am Sonntag nach der Partie gegen Werder Bremen ist endgültig Schluss. Die Meisterschaft ist auch noch möglich. Im Januar machte Jakabfi ihr Karriereende öffentlich. Zwölf erfolgreiche Jahre mit sechs Meisterschaften, zwei Champions League-Titeln und den acht Triumphen im DFBPokal liegen hinter ihr. 2009 wechselte die Offensivakteurin, die von allen nur „Jay“ genannt wird, vom MTK Budapest FC nach Wolfsburg. Dort wurde sie schnell heimisch. „Einen Grund, den Verein zu wechseln, habe ich nie gehabt“, verrät Jakabfi. Die Entscheidung, ihre Karriere zu beenden, hatte sie schon im Sommer getroffen. „Ich kann es schwer erklären, warum ich aufhöre. Es ist einfach ein Gefühl“, erzählt die in dieser Saison torgefährlichste Wolfsburger Spielerin, die nicht mehr zum Stammpersonal zählt. Erfolgreichste Wolfsburger Torschützin in dieser Saison: Zsanett Jakabfi
I N T E R N AT I O N A L D er Meistertrainer von Inter Mailand setzte ein Zeichen. Da der seit Monaten fordernde Antonio Conte (51) keine Transferzusagen von seinem chinesischen Präsidenten Steven Zhang (29) bekommen hatte, beendete der Coach die Zusammenarbeit trotz Vertrag bis 2022. Und setzte sich damit auf ein Trainer-Karussell, das in Windeseile Fahrt aufgenommen hat. Mit dabei sind namhafte Trainer wie Zinedine Zidane (Real Madrid) oder auch Max Allegri, der nach zwei Jahren Pause wieder bei Juventus Turin anheuerte. Aber nicht nur in der Serie A dreht sich das Karussell, sondern auch in Spanien und Frankreich. An ITALIEN Allegri, Inzaghi, Spalletti: In der Torschlusspanik ging alles sehr schnell über die Bühne. Schließlich haben Klubs und Trainer drin- genden Handlungsbedarf in puncto Saisonplanung. Etwas überraschend gerierte sich lediglich Inters Engagement von Simone Inzaghi – Luciano Spallettis Verpflichtung in Neapel (drei Millionen Euro pro Saison bis 2023) und Max Allegris Rückkehr zu Juventus hatten sich bereits abgezeichnet. Allegris zweite Anstellung ließ sich die Juve neun Millionen Euro bis 2025 kosten, damit der 53-Jährigen für Turin und gegen Inter oder Real Madrid votierte. Er hatte die alte Dame bereits zwischen 2014 und 2019 trainiert und fünf Scudetti gewonnen. In den letzten drei Jahren wechselte Juventus nun dreimal den Coach, ein sehr deutliches Anzeichen für eine teils wenig durchdachte Arbeit der Führungsetage. Der fiel auch Sportchef Fabio Paratici zum Opfer, der erheblichen Anteil an den personellen Irrtümern der vergangenen Jahre hatte. Angefangen mit der Ausbootung von Allegri und Manager n Zi C is hr to ph a eG lti er ed in i eZ da ne to n C io on te Auf dem Karussell Viele namhafte und dekorierte T R AINER sind auf Jobsuche. Einige fanden einen neuen Klub, bei etlichen wird noch um die weitere Zukunft spekuliert. M ax le Al gr i Si n mo eI a nz gh i
31. MAI 2021 M au io ric Po Ra e ch ul tt i no 53 dine Zidane vor ihm) bei Reals FRANKREICH drittklassiger B-Elf Castilla Praxis Unai Emery triumsammelt und in dieser Saison um phiert im Finale der den Aufstieg gespielt hatte, erEuropa League, Thomas Tuchel klärte nach Gerüchten, er könnte stemmt den Henkelpott der in die Bundesliga wechseln: „Real Champions League. Die beiden Madrid ist mein Zuhause, hier letzten Trainer von Paris St. Gerwill ich bleiben.“ main schwimmen auf der ErDass er nach dem Abgang folgswelle – vielleicht waren sie Zidanes aber jetzt schon auf gar nicht so schlecht, vielleicht dem Chefsessel landen könnte, ist das Problem in der Hauptstadt ist unwahrscheinlich. Aus dem nur das Starensemble mit seinen Klub dringen ausgeprägten Eiderweil die NaParis wundert sich genwilligkeiten, men Mauricio das nicht mal Pochettino und über die Erfolge von die TitelverteiAntonio Conte. Emery und Tuchel. digung in der Dass beide KanLigue 1 schaffte. didaten für unDer 49-jähterschiedlichen Fußball stehen, rige Coach Pochettino hat imwäre kein Hindernis. Auch Xabi merhin schon mal den TraiAlonso, der die B-Elf San Sebasningsauftakt zur neuen Spielzeit tians (Sanse) in die 2. Liga führte, geplant. Treffpunkt Camp des wird als Kandidat genannt. Der Loges. Auch wegen der EM, der frühere Königliche und Bayer Copa America und des olympischloss sich allerdings selbst aus: schen Fußballturniers ist keine „Ich fühle mich wohl bei Sanse, Weltreise vor der Saison avisiert. das ist jetzt mein Platz und genau Die Frage scheint aktuell nur, das Richtige für mich.“ ob Pochettino den Saisonauftakt Beim FC Barcelona sitzt überhaupt noch in Paris erlebt. derweil Ronald Koeman weiSo meldeten englische ter zwischen den Stühlen. PräQuellen, auch wegen der wesident Joan Laporta kündigte nig gedeihlichen Zusammenkürzlich „das Ende einer Ära“ arbeit mit dem brasilianischen an, ein personeller Umbau des PSG-Sportdirektor Leonardo, Teams scheint bei dem hochschon die Rückkehr des Argenverschuldeten Klub allein schon tiniers nach Tottenham. Pochetaus finanziellen Gründen unvertino wäre wohl nicht abgeneigt. meidlich – vor allem, wenn man Spurs-Präsident Daniel Levy Superstar Lionel Messi halten habe wohl Kontakte bestätigt. will. Aber ob Koeman flexibel Unterdessen ist auch PSG-Präz genug ist, aus einer zu erwarsident Nasser Al-Khelaifi nach s o rB tenden bunten Mischung von einem Danzig-Besuch, wo er den e t Pe Forderungen wie Nachwuchsleuten wie Ronald Erfolg seines Ex Unai Emery mitunter Conte sind Araujo, Oscar Mingueza und Eric erlebte, nach London gejettet … nicht zu erwarten. Ganz Garcia, dazu vorhandenen und Spekuliert wird auch, dass im Gegensatz zum Eheschluss ablösefreien Routiniers wie GePochettino ein Kandidat für die zwischen Spalletti und Napolirard Piqué, Sergio Busquets und Nachfolge von Zidane bei Real Hotzenplotz Aurelio de LaurenSergio Aguero ein Siegerteam sein könnte. Im Tausch mit dem tiis. Der Filmproduzent trieb um Messi zu zimmern, das der Weltmeister? Charmant der Geletztlich noch jeden Coach der Argentinier erwartet, ist fraglich. danke, schließlich könnte mit letzten Jahre Laporta „ZZ“ auch Kylian Mbappé eher (wie Carlo Ancehat sich deshalb zum Bleiben animiert werden. Zwei, die nicht lotti, Rafa Benigerüchtehalber Aber der Gedanke scheint abwekompatibel sind: tez und Gennaro von Koeman gig: Gebürtig aus Marseille könnAllegri und CR7. Gattuso) in den zwei Wochen te Zidane nicht nach Paris gehen Irrsinn. Bedenkzeit er– wegen der extremen Rivalität. beten, kein guEin neues Kapitel möchte SPANIEN tes Zeichen. Andererseits sagte auch Meistertrainer Christophe Geht es nach den alten Laporta: „Koeman passt in unser Galtier (Lille) aufschlagen. Erst Schwergewichten, wäre Profil, wir müssen aber nachdenbei Neapel im Gespräch, sagte er die Trainerfrage bei Real Madken.“ Zumal die Abfindung von Lyon als designierter Nachfolger rid schnell geklärt. „Die Zukunft rund zehn Millionen Euro, die der Rudi Garcias ab. Den Marsaillais heißt Raul“, so der frühere Spiebis 2022 vertraglich abgesicherte zieht’s zu OGC Nizza. Dort baut ler, Trainer und Generaldirektor Koeman bei einem Rauswurf zu man auf das Geld des englischen Jorge Valdano. Und Predrag Mierwarten hätte, Barca schmerzen Eigners Jim Ratcliffe, CEO des jatovic, der 1998 beim Gewinn würde. Alternativen? FußballChemieunternehmens Ineos. Imder Königsklasse Reals das 1:0 im direktor Mateu Alemany verfügt merhin durfte dadurch in Lyon Champions-League-Finale gegen allerdings über beste Kontakte der Niederländer Peter Bosz Juventus erzielt hatte, erklärte: und die nötige Diskretion. Namen (Ex-Leverkusen) aufspringen – „Mir würde Raul gefallen.“ wie Pep Guardiola und Thierry wenn auch nur als zweite Wahl. Henry, die aus dem Umfeld drinOLIVER BIRKNER , LAURENT MALTRET, Der frühere Schalker, der aktuell (wie auch schon Zinegen, sind eher Träumereien. PETER SCHWARZ-MANTERY Beppe Marotta bis hin zur Verpflichtung Cristiano Ronaldos, die das Gefüge von Juventus erschütterte, und den Klub finanziell in Probleme brachte. In Allegris Kalkül der Renovierung spielt CR7 keine Rolle, denn ihm missfiel schon 2019, das komplizierte Paralleluniversum des Portugiesen in den Turiner Alltag funktional zu integrieren. Auch Ronaldo machte nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegen Allegri. Die Nachricht, Allegri an Juve verloren zu haben, trieb Inter-Manager Marotta zum postwendenden Handeln. Am Mittwoch noch sprach Simone Inzaghi mit Lazio-Patron Claudio Lotito über eine Vertragsverlängerung, tags darauf war der 45-Jährige bei Inter schon Nachfolger von Antonio Conte. Eine intelligente Entscheidung von Marotta, denn Auseinandersetzungen und
54 31. MAI 2021 Zum Double auch noch den Rekord Am letzten Spieltag ging da es keinen Absteiger gegeben hates in Tschechiens Liga nur te. Jetzt müssen Zbrojovka Brünn, noch um das Wie. Schon Pribram und Opava runter. Wochen vor Saisonschluss „Wir haben es geschafft, unstand Slavia Prag den gesamen Monat geschlagen zu bleiben“, freute sich Mai über als Meister fest. Für den Trainer Jindrich Trpisovsky. „Wir Erzrivalen Sparta blieb nur Platz 2, haben zudem das Double geholt, distanziert um zwölf haben in der Europa Der Meister Punkte. Mit dem 2:1 League das Viertelfiüber Budweis schrieb nale erreicht und stelSlavia am Samstag solen die Basis für die gar Geschichte, blieb Nationalelf.“ Was er ungeschlagen und holte bei 26 Siegen nicht sagte: Slavia ist saisonübergreiund acht Remis 86 Punkte. fend seit 46 Spielen in Tschechiens Ähnliches gelang Sparta zuletzt Liga ungeschlagen. Die vorerst letzte in der Spielzeit 2009/10. Aber bei Niederlage datiert vom März 2020 bei damals nur 30 Spieltagen kam Sparta Slovacko. Ein Rekord, den es nicht auf 16 Siege und 14 Remis. 2020 dann mal in der Vorkriegsliga gab. war die Liga wegen der Pandemie von Mit dem 24-jährigen Jan Kuchta 16 auf 18 Klubs aufgestockt worden, stellt Slavia auch den erfolgreichsten SLAVIA PRAG POLEN Trainerfuchs R UMÄNI EN Foto: Slavia Praha In TS CH EC H I E N ist der Klub aus der Hauptstadt weiter dominant. Selbst Sparta bleibt da nur das Nachsehen. Schampuslaune: Ausgelassen feiern Trainer Jindrich Trpisovsky (li.) und seine Spieler Slavias dritte Meisterschaft in Folge. Torjäger der Liga. Doch seine 15 Tore egalisierte am Wochenende noch Spartas Adam Hlozek (18) dank vier Toren binnen 23 Minuten beim 6:1 über Brünn. Der Jung-Nationalspieler war einer der wenigen Lichtblicke Spartas, das sich unter Sportdirektor Tomas Rosicky (Ex-Dortmund) frühzeitig dem Lokalrivalen geschlagen geben musste. „Slavia gehört zu den Topteams in Europa, wir haben da- Trainererbe UNGAR N gegen noch viel Arbeit vor uns“, lobt der seit Februar amtierende SpartaCoach Pavel Vrba, der im vergangenen Jahrzehnt Viktoria Pilsen zu drei Meisterschaften geführt und auch die Nationalelf trainiert hatte. Mit ihm will Sparta wieder angreifen. Aktuell aber gibt Slavia, das den dritten Titel in Folge und den siebten seit der politischen Wende holte, den Ton an. VIT CHALUPA Trainerfrage Michniewicz mit der Erfolgstaktik Sohn Edward wie Vater Iordanescu Bleibt Rebrov? Kommt gar Stöger? Wer sonst als Legia? Aber auch der siebte Titel in den letzten zehn Jahren stellt Präsident Dariusz Mioduski nicht zufrieden. Kontinental sollte Legia mitmischen, scheiterte aber erneut in den Play-offs zur Europa League an Qarabag Agdam. Da war Trainer Aleksandar Vukovic bereits durch Czeslaw Michniewicz abgelöst. Der 51-Jährige gilt als Der Meister Taktikfuchs. Zum Rückrundenstart gegen den schärfsten Konkurrenten Tschenstochau spiegelte der Coach dessen 3-4-3-Taktik – mit Erfolg. Seit dem 2:0-Sieg wurden die Außenbahnspieler Josip Juranovic und Filip Mladenovic (Ex-Köln) zu den entscheidenden Faktoren. Mit sieben Toren und sechs Assists wurde Mladenovic zum besten Spieler der Saison gewählt. Seine beste Saison erlebte der tschechische Torjäger Tomas Pekhart (32). Mit 22 Toren trumpfte der EM-Spieler, der auch in Nürnberg und Ingolstadt am Ball war, auf. Pekhart ist mit Torwart-Oldie Artur Boruc (41) der Topverdiener. Legia-Fan Boruc spielte bis 2005 für seinen Klub, kickte dann für Celtic, Florenz, Southampton, Bournemouth und kehrte 2020 zurück. Jetzt hat er verlängert, um Europa zu erobern. ROMAN KOLTON Schon zum vierten Mal in Folge sicherte sich CFR Cluj den Meistertitel in Rumänien. Das Team aus Transsilvanien feierte einen Erfolg der Erfahrung, immerhin sind fast 20 Spieler des Kaders älter als 30 Jahre. Und erstmals setzte sich eine Mannschaft durch, die nach Ablauf der regulären Saison nur auf Rang 2 hinter FCSB Bukarest (ehemals Steaua) lag. Der Meister CFR erreichte den siebten Titel und wandelte dabei einen Punkt Rückstand in den Play-Offs in neun Punkte Vorsprung um. Und während Vater Anghel Iordanescu von 1987 bis 1989 und 1993 mit Steaua vier Titel holte, triumpnierte dessen 42-jähriger Sohn Edward, im Dezember angetreten, nun mit Cluj. Mit ruhiger Hand führte Iordanescu jr. sein Multikulti-Team zur Meisterschaft. Außer den 17 Rumänen laufen Profis aus Litauen, Polen, Portugal, Brasilien, Bosnien, Frankreich, Tunesien, Island, Venezuela und Kroatien für CFR auf. Der eingebürgerte portugiesische Kapitän Mario Camora, der auch in Rumäniens Nationalelf spielt und selbst 34 ist, meinte: „Wir haben gezeigt, dass wir nicht zu alt sind. Für unsere Leistung sollte man uns mehr Respekt zollen.“ PAUL ZAHARIA Zum dritten Mal in Folge gewann Ferencvaros Budapest den Titel in Ungarn. Keine besondere Zahl im internationalen Vergleich, aber für „Fradi“, wie der Klub genannt wird. Nur einmal, zwischen 1909 und 1913 gelang den Grün-Weißen eine bessere Serie – damals holten sie fünf Meisterschaften am Stück. Der Erfolg ist auch Verdienst des Der Meister ukrainischen Trainers Serhiy Rebrov, der 2018 die Nachfolge von Thomas Doll antrat. Rebrov und Sportdirektor Tamas Hajnal (Ex-Schalke und Ex-Dortmund) stellten ein Team zusammen, das längst das Maß der Dinge ist und sich auch in der Champions League bewährt hat. Fünf Akteure (Gergö Lovrencsics, der Deutsche Marcel Heister, Aissa Laidouni, Somalia, Myrto Uzuni) wurden in die Elf der Saison gewählt. Bei der EM stellt Fradi das größte Kontingent Ungarns, mit dem Slowaken Robert Mak (einst Nürnberg) und dem Ukrainer Oleksandr Zubkov kommen weitere Grün-Weiße dazu. Fraglich nur, ob Coach Rebrov bleibt. Sein Ex-Klub Dynamo Kiew und Fenerbahce buhlen um ihn. Favorit auf die Nachfolge ist Peter Stöger von Austria Wien, einst in Köln und Dortmund tätig. ATTILA MONCZ LEGIA WARSCHAU CFR CLUJ FERENCVAROS
Nummer 50 im 10. Anlauf 31. MAI 2021 55 Am Samstag stand der Westen Londons kopf. Zumindest diejenigen, die sich in diesem Teil der britischen Hauptstadt überdurchschnittlich für Fußball interessieren. Denn nicht genug damit, dass Chelsea am späten Abend die Champions League gewann – drei Stunden zuvor hatte schon der FC Brentford, gerade mal ein paar Kilometer westlich die Themse hinauf gelegen, den Aufstieg in die Premier League geschafft. Zuletzt hatte der kleine Klub vor 74 Jahren in der höchsten englischen Liga gespielt. Insgesamt neunmal war Brentford seitdem in den Aufstiegsspielen gescheitert. Doch nun, dank des 2:0-Sieges über Swansea City im Finale der Playoffs in Wembley, werden die Bienen, so der Spitzname Brentfords, der 50. Klub der Premier League seit ihrer Gründung 1992. Zwei frühe Tore durch Ivan Toney (10., Elfmeter) und den dänischen Junioren-Nationalspieler Emiliano Marcondes (20.) entschieden die Partie frühzeitig zugunsten des Außenseiters. Der 25-jährige Toney kam zu Beginn dieser Saison als Ersatz für den zu Aston Villa abgewanderten und nun in Englands EM-Kader stehenden Ollie Watkins für die Vereinsrekordsumme von 6,6 Millionen Euro und erzielte 31 Treffer. Und dass Marcondes in Brentford spielt, ist auch kein Zufall. Trainer Thomas Frank ist Däne und insgesamt stehen acht Landsleute im Kader – ein Schwede und ein Finne ergänzen die skandinavische Phalanx. Und auch ein deutscher Profi trug wesentlich zum Aufstieg bei: Der 23-jährige Vitaly Janelt kam im vorigen Oktober für 600 000 Euro vom VfL Bochum und etablierte sich schnell als absolute Stammkraft im defensiven Mittelfeld. Frank, der erste dänische Trainer in der Premier League, ließ seinen Tränen nach dem Erfolg freien Lauf. Nicht zuletzt in Erinnerung an das Drama des Vorjahres. Damals hatte man sich im Halbfinale ebenfalls gegen Swansea durchgesetzt, war aber dann im Endspiel erst nach Verlängerung mit 1:2 an Fulham gescheitert. „Die Reise, auf der dieser Klub war, ist unglaublich. Wenn du hart arbeitest, eine klare Strategie und ein Gemeinschaftsgefühl hast, ist alles möglich in dieser Welt“, freute sich Frank. Brentford, das dem ausgebildeten Mathematiker und professionellen Buchmacher Matthew Benham gehört, stieg 2009 in die 3. Liga und 2014 in die 2. Liga auf. Jetzt wartet die größte Herausforderung. Der Aufstieg bringt zwar 210 Millionen Euro, weshalb diese Play-off-Partie oft als wertvollstes Spiel der Welt auf Klubebene bezeichnet wird. Dennoch gilt Brentford als erster Abstiegskandidat. Aber auf Überraschungen versteht man sich ja im Westen Londons. KEIR RADNEDGE/mm EU R O PA L EAGUE Foto: imago images/Action Plus Neunmal scheiterte der FC B R E N T FO R D in den Play-offs. Ein dänischer Trainer führt den Klub in die Premier League. Aufstieg geschafft: Vitaly Janelt (Mitte, mit Trophäe) bejubelt mit seinen Teamkollegen Brentfords Play-off-Sieg über Swansea. De Geas Elfmeter-Negativserie Wunschkandidat: Oblak Vor einem Jahrzehnt wechselte David de Gea für die damals durchaus spektakuläre Ablösesumme von rund 25 Millionen Euro von Atletico Madrid zu Manchester United. Der damals 20-Jährige galt als eines der Toptalente unter den Torhütern, ein Jahr zuvor war er mit Atletico bereits als Stammkeeper Sieger der Europa League geworden. In Spanien dachten manche schon, es sei nur eine Frage der Zeit, bis er, wie sein Landsmann Iker Casillas von Real Madrid, Welttorhüter würde. Es kam dann anders. Zwar legte de Gea eine veritable Karriere hin, agierte und parierte nicht selten spektakulär, wurde viermal Uniteds Spieler der Saison und, vor allem, 2013 mit den Red Devils Meister und 2016 Pokalsieger. Auch Nationaltorhüter wurde de Gea. Unumstritten ist der Spanier aber seit vielen Jahren wieder im Klub noch in der Seleccion, wozu in unschöner Regelmäßigkeit immer wieder teils haarsträubende Patzer beitrugen. Am Mittwoch war es im Endspiel der Europa League just de Gea, der im Elfmeterschießen den 22. Elfmeter vergab. Zuvor hatten alle 21 Akteure getroffen, direkt vor ihm Villarreals Keeper Geronimo Rulli. Dann trat de Gea an und sein Gegenüber parierte. De Gea selbst hat nun 40 Elfmeter in Folge nicht pariert seit 2016, 32 im Klub, acht in der Nationalelf. Und so könnte sein Schuss am Mittwoch in Danzig sein letzter im Dress von ManUnited gewesen sein, zumal er mit dem 24-jährigen Dean Henderson, der im November auch in Englands Nationalelf debütierte, teamintern Konkurrenz bekommen hat. Wichtiger aber: Trainer Ole Gunnar Solskjaer ist von keinem der beiden richtig überzeugt, im Klub denkt man über einen einen möglichen Tausch mit de Gea und Jan Oblak nach, der seit Jahren einer der Erfolgsgaranten bei de Geas Ex-Klub Atletico ist. Die Frage ist allerdings, warum sich die Madrilenen darauf einlassen sollten. Oblak selbst hat (noch) keine Wechselabsichten angekündigt. K. R. Nachtrag vom Mittwoch Villarreal – ManUnited i.E. 11:10 (1:1, 1:1) Villarreal: Rulli (1,5) – Foyth (4; 88. Mario Gaspar/3,5), Raul Albiol (3,5), Pau (3,5), Alfonso Pedraza (4,5; 88. Alberto Moreno/4) – Pino (3,5; 77. Paco Alcacer/4,5), Capoue (4; 120./+3 Dani Raba/–), Parejo (2,5), Manu Trigueros (4; 77. Moi Gomez/4) – Gerard (3), Bacca (4,5; 60. Coquelin/4) – Trainer: Emery ManUnited: de Gea (3,5) – Wan-Bissaka (3,5; 120./+3 Mata/–), Bailly (3,5; 116. Tuanzebe/–), Lindelöf (5), Shaw (4) – McTominay (3,5; 120./+3 Alex Telles/–), Pogba (3; 115. James/–) – Greenwood (3; 100. Fred/–), Bruno Fernandes (4,5), Rashford (4,5) – Cavani (2) – Trainer: Solskjaer Tore: 1:0 Gerard (29., Rechtsschuss, Parejo), 1:1 Cavani (55., Rechtsschuss, McTominay) – Elfmeterschießen: 1:0 Gerard, 1:1 Mata, 2:1 Dani Raba, 2:2 Alex Telles, 3:2 Paco Alcacer, 3:3 Bruno Fernandes, 4:3 Alberto Moreno, 4:4 Rashford, 5:4 Parejo, 5:5 Cavani, 6:5 Moi Gomez, 6:6 Fred, 7:6 Raul Albiol, 7:7 James, 8:7 Coquelin, 8:8 Shaw, 9:8 Mario Gaspar, 9:9 Tuanzebe, 10:9 Pau, 10:10 Lindelöf, 11:10 Rulli, de Gea scheitert an Rulli – Chancen: 1:2 – Ecken: 7:3 – SR: Turpin (Frankreich), Note 2, im besten Sinne unauffällig, ohne gravierende Fehler. – Zuschauer: 9500 (in Danzig, ausverkauft) – Gelbe Karten: Capoue, Foyth – Bailly, Cavani – Spielnote: 4,5, eide Teams wirkten nach einer langen Saison müde und ohne Esprit. Heraus kam eine zerfahrene Partie mit nur wenigen Torchancen, immerhin war es spannend bis zum Schluss und das Elfmeterschießen sogar spektakulär. – Spieler des Spiels: Geronimo Rulli
56 31. MAI 2021 Zurück nach zehn Jahren kurz Neymar wehrt sich gegen Nike Der Sportartikelhersteller Nike hat die Trennung von Neymar im Zuge einer Anschuldigung mit einem angeblichen sexuellen Übergriff begründet. Der PSG-Spieler habe sich bei der Untersuchung des Vorwurfs einer Mitarbeiterin gegen ihn unkooperativ verhalten, so der Konzern. Bei den Untersuchungen gehe es um einen Vorfall von 2016, der dem Unternehmen 2018 angezeigt worden sei. Neymar weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Ende der Tingeltour? Trainer P ET ER PACULT (61) ist mit Austria Klagenfurt in Österreichs Bundesliga aufgestiegen. WM-Qualifikation Asien 2. Runde, Gruppe A: Guam - China 1. Syrien 2. China 3. Philippinen 4. Malediven 5. Guam 2. Runde, Gruppe F: Japan - Myanmar 1. Japan 2. Tadschikistan 3. Kirgisistan 4. Myanmar 5. Mongolei Österreich 0:7 15 10 7 6 0 5 5 5 5 6 14:4 20:2 8:8 6:10 2:26 6 6 5 6 7 10:0 37:0 18 9:8 10 10:5 7 5:23 6 2:27 3 Länderspiele Türkei - Aserbaidschan Italien - San Marino Schweden - Finnland Mexiko - Island Malta - Nordirland Schweiz - USA 2:1 7:0 2:0 2:1 * * England Aufstieg Premier League, Endspiel: FC Brentford - Swansea City 2:0 Italien Aufstieg Serie A, Endspiel, Rückspiel: FC Venedig - AS Cittadella (1:0) 1:1 (In Klammern Hinspielergebnis) Frankreich Relegation: FC Toulouse - FC Nantes FC Nantes - FC Toulouse 1:2 * Portugal Relegation: FC Arouca - FC Rio Ave FC Rio Ave - FC Arouca Hause mit 4:0 und am Samstag auswärts mit 1:0 gewann. Das passt zum Comeback des schillernden Pacult, der nach seinem Wechsel 2011 zu Leipzig und der Folgestation Dresden viele Jahre tingelte: Floridsdorf, Zavrc, Cibalia, Radnicki Nis, Kukesi oder Titograd hießen die Stationen in Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Albanien und Montenegro, 2020 war Pacult erneut als Aufsichtsrat bei Floridsdorf tätig. Seit diesem Jahr nun coacht er in Klagenfurt, wo der Deutsche Harald Gärtner (Ex-Ingolstadt) Geschäftsführer ist. Die Hoffnung dort, wonach sich Pacults gebündelte Erfahrung aus vielen Höhen und Tiefen seines Trainerdaseins in der prekären Situation rechnen würde, ist aufgegangen. Der Aufstieg trägt vor allem auch seinen Namen. Es gilt als ausgemacht, dass Pacult die Kärntner auch in der Bundesliga betreut. 3:0 * Play-offs Europa Conference League, Endspiel: Austria Wien - Wolfsberger AC 3:0 Wolfsberger AC - Austria Wien 1:2 Relegation, Rückspiel: St. Pölten - Austria Klagenfurt (0:4) 0:1 (In Klammern Hinspielergebnis) Dänemark Play-off Europa Conference League: Aarhus GF - Aalborg BK i.E. 3:1 Tschechien SFC Opava - Viktoria Pilsen 1:3 Sparta Prag - Zbrojovka Brünn 6:1 Banik Ostrau - MFK Karvina 1:1 1. FC Slovacko - FK Zlin 2:0 FK Teplice - 1. FK Pribram 2:2 Slavia Prag - Dyn. Budweis 2:1 Slovan Liberec - Sigma Olmütz 1:2 Mlada Boleslav - Bohemians Prag 3:1 FK Pardubitz - FK Jablonec 0:1 Abschlusstabelle: 1. Slavia Prag (M) 34 85:20 86 2. Sparta Prag (P) 34 82:43 74 3. FK Jablonec 34 59:33 69 4. 1. FC Slovacko 34 58:33 63 5. Viktoria Pilsen 34 60:45 58 6. Slovan Liberec 34 44:32 52 7. FK Pardubitz (N) 34 41:42 52 8. Banik Ostrau 34 48:38 49 9. Sigma Olmütz 34 40:40 45 10. Bohemians Prag 34 40:37 43 11. FK Mlada Boleslav 34 49:54 39 12. MFK Karvina 34 37:49 39 13. Dynamo Budweis 34 33:47 38 14. FK Zlin 34 30:50 32 15. FK Teplice 34 34:66 30 16. Zbrojovka Brünn (N) 34 33:57 26 17. 1. FK Pribram 34 26:65 25 18. SFC Opava 34 23:71 17 Pacult hat seinen aktuellen Aufstieg aber auch dem Fall eines Mannes zu verdanken, den er einst bei 1860 München trainierte: Daniel Bierofka verlor mit Wacker das Fernduell um den Relegationsplatz. HUBERT WINKLBAUER Ungarn öffnet für EM-Fans Foto: imago images/GEPA pictures Austria Klagenfurt ist zurück. Elf Jahre war der Traditionsverein, der mit dem Wörthersee-Stadion die drittgrößte Arena Österreichs hat, weg aus der Bundesliga. Die Rückkehr nun unter dem seit Januar amtierenden Trainer Peter Pacult ist so glücklich wie fulminant. Auch für den mittlerweile 61-jährigen Pacult bedeutete der Aufstieg nach einem Jahrzehnt die Rückkehr in Österreichs Oberhaus. 2011 war er nach fünf Jahren als Coach von Rapid nach Leipzig gewechselt. Glücklich war nun die Rückkehr für Klagenfurt, weil man erst durch das Straucheln von Wacker Innsbruck am letzten Spieltag der 2. Liga Dritter wurde und so erst zu den Duellen mit St. Pölten antreten konnte, das nun nach fünf Jahren wieder abstieg. Fulminant war die Rückkehr, weil man die Relegation zu Großer Erfolg, verhaltene Freude: Klagenfurts Trainer Peter Pacult Zypern Abschlusstabelle: 1. Omonia Nikosia 36 2. Apollon Limassol 36 3. AEL Limassol 36 4. Anorthosis Famagusta 36 5. AEK Larnaka 36 6. Olympiakos Nikosia 36 7. Pafos FC 40 8. APOEL Nikosia 40 9. Ethnikos Achnas 40 10. Doxa Katokopia 40 11. Nea Salamina 40 12. Ermis Aradippou 40 13. EN Paralimni 40 14. Karmiotissa PP 40 55:17 68:30 58:34 44:37 44:40 38:51 58:38 48:39 48:56 46:43 48:61 40:61 35:61 36:98 79 74 68 57 50 47 63 60 52 51 43 38 34 24 Schweiz Relegation: FC Thun - FC Sion FC Sion - FC Thun 1:4 2:3 Griechenland Relegation, Rückspiel: Panetolikos Agrinio - AO Xanthi (1:2) (In Klammern Hinspielergebnis) * Schweden Pokal, Endspiel: Hammarby IF - BK Häcken Rumänien i.E. 5:4 Abschlusstabelle Meisterschaftsrunde: 1. CFR Cluj (M) 40 15:5 54 2. FCSB Bukarest (P) 40 13:14 45 3. Universitatea Craiova 40 9:11 41 4. Sepsi OSK 40 11:8 40 5. Academica Clinceni 40 10:15 33 6. FC Botosani 40 13:18 31 Abstiegsrunde: 1. Chindia Targoviste 39 7:3 36 2. UTA Arad (N) 39 7:9 32 3. Gaz Metan Medias 39 15:10 32 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Viitorul Constanta Arges Pitesti (N) Dinamo Bukarest FC Voluntari FC Hermannstadt Astra Giurgiu FC Politehnica Iasi bündig 39 39 39 39 39 39 39 Ausländische Fans können für die EM im Juni nach Ungarn reisen, wenn sie ein Ticket für eines der drei geplanten Spiele der Gruppe F in Budapest oder das Achtelfinal-Spiel haben. Sonst sind touristische Reisen nach Ungarn derzeit nicht möglich. In der Puskas-Arena finden die drei Vorrundenspiele der „Deutschland“-Gruppe statt, die nicht in München ausgetragen werden: Ungarn - Portugal, Ungarn - Frankreich und Portugal - Frankreich. Als einziges EM-Austragungsland hat Ungarn volle Ränge zugesichert. Ausländische Fans müssen sowohl bei der Einreise als auch am Stadioneingang einen negativen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden ist. 9:4 10:7 11:8 6:7 6:9 6:12 7:15 32 31 31 28 26 24 20 Liechtenstein Der Pokal-Wettbewerb wurde abgebrochen und der FC Vaduz für den Europapokal gemeldet. Luxemburg Abschlusstabelle: 1. CS Fola Esch 30 89:35 68 2. F91 Dudelange 30 70:29 66 3. Swift Hesperange (N) 30 72:30 65 4. RFC Union 30 47:29 54 5. Progres Niederkorn 30 48:30 53 6. FC Differdange 03 30 51:48 45 7. FC Wiltz 71 (N) 30 45:42 44 8. Jeunesse Esch 30 41:43 43 9. US Hostert 30 47:56 37 10. FC UNA Strassen 30 44:65 35 11. US Mondorf-les-Bains 30 33:56 28 12. FC Rodange 91 30 27:52 28 13. Victoria Rosport 30 37:67 27 14. RMB Hamm (N) 30 33:48 26 15. Etzella Ettelbrück 30 32:57 24 16. Union Titus Petange 30 23:52 21 Der Pokal-Wettbewerb wurde abgebrochen. Armenien Abschlusstabelle: 1. Alashkert Erewan 24 25:15 2. FC Noah (P) 24 35:20 3. Urartu Erewan 24 28:19 4. Ararat Erewan 24 34:18 5. FC Ararat-Armenia (M)24 32:17 46 41 41 40 38 6. 7. 8. 9. 10. FK Van (N) Pjunik Erewan Lori Vanadzor Schirak Gjumri Gandzazar Kapan 24 25:30 31 24 20:18 25 24 16:44 23 24 19:53 13 zurückgezogen Bosnien-Herzegowina Pokal, Endspiel: Borac Banja Luka - FK Sarajevo i.E. 1:4 Republik Moldau Pokal, Endspiel: Sheriff Tiraspol - Sfintul Gh. Suruceni * Nordirland Abschlusstabelle: 1. FC Linfield 2. FC Coleraine 3. FC Glentoran 4. FC Larne 5. FC Cliftonville 6. FC Crusaders 7. FC Glenavon 8. Ballymena United 9. FC Portadown 10. Warrenpoint Town 11. Carrick Rangers 12. Dungannon Swifts 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 83:38 57:35 65:32 64:41 59:42 62:50 72:65 67:44 50:78 38:74 35:92 22:83 78 73 71 64 60 54 62 61 36 36 23 17 Montenegro Pokal, Endspiel: Buducnost Podgorica - Decic Tuzi * Andorra Pokal, Endspiel: UE Sant Julia - AC d’Escaldes *) bei Redaktionsschluss nicht beendet Weitere Tabellen finden Sie auf unserer Website unter www.kicker.de/tabellen-international *
2. LIGA Die neue Achse Simon Terodde und Co. sollen die Hierarchie auf SCH A LKE verändern und dabei auch junge Spieler führen. Schon am 14. Juni treffen sich die Schalker erstmals nach dem Abstieg wieder, am 17. ist das erste Training auf dem Rasen angesetzt. Dann werden alle dabei sein, die entsprechende Arbeitspapiere besitzen – auch die Profis, die sich der Klub nicht leisten kann. Sportlich könnten gestandene Erstligaspieler wie Sebastian Rudy, Mark Uth, Amine Harit, Matija Nastasic, Ozan Kabak, Omar Mascarell oder Salif Sané sicher beim Bestreben, sofort in die Bundesliga zurückzukehren, behilflich sein. Aber weil ihre sehr gut dotierten Erstliga-Verträge ebenso wie die von Hamza Mendyl oder Rabbi Matondo auch für die 2. Liga gültig sind (was für ein Missmanagement in der Vergangenheit!), muss gleich in mehreren Fällen eine Lösung gefunden werden. „Es ist eine absolute Herausforderung, da brauchen wir nichts zu beschönigen“, sagt Rouven Schröder. Schalkes neuer Sportdirektor muss Uth und Co. verkaufen – am besten nicht nur für viel Geld, sondern auch schnell, damit frische Millionen für Zugänge reinkommen. Die Not des Absteigers ist in der Branche bestens bekannt, Schröder betont aber: In Transfergesprächen will der Sportdirektor Stärke zeigen. „Wir werden uns nicht ausnutzen lassen!“ In den Verhandlungen müsse der Verein eine „gewisse Stärke“ zeigen. Schröder, der sich mit dem bisherigen Mainzer André Hechelmann als neuem Chefscout tatkräftige Unterstützung hinzugeholt hat, weiß natürlich, dass jetzt noch „ein unausgewogenes Kaderbild“ vorherrscht. „Aber das Grundgerüst steht.“ Das Ensemble Grammozis setzt auf ein 3-5-2 Terodde ? ? ? Palsson Foto: Witters ? COACH: Dimitrios Grammozis ? Latza Kaminski ? ? wird hauptsächlich zugeschnitten auf die Vorstellungen von Trainer Dimitrios Grammozis, der am liebsten auf ein 3-5-2 setzt, ohne sich zu sehr daran zu klammern. Teure Spieler, die bleiben, weil sich keine Lösung findet, werden sich unterordnen müssen. Schalke will die Hierarchie klar verändern. Simon Terodde (33, zuvor HSV), Danny Latza (31, Mainz), Victor Palsson (30, Darmstadt) und Marcin Kaminski (29, Stuttgart) wurden schon verpflichtet – vor allem diesen erfahrenen Kräften trauen die Königsblauen tragende Rollen zu. „Wir brauchen eine klare Achse mit einer gewissen Erfahrung“, sagt Schröder und ergänzt: „Stabile Spieler, die druckerprobt sind und die Gruppe, vor allem aber auch junge Spieler führen können.“ Schalke muss auch vielen Talenten eine Chance geben. Schröder spricht von einer „gesunden Mischung“. Sie soll der Schlüssel zum direkten Wiederaufstieg sein. Auf das erforderliche Konditionsniveau soll der von Aufsteiger VfL Bochum abgeworbene Jörn Menger die Spieler bringen – er übernimmt den Posten „Leiter Athletik“. Einen Stammtorwart gibt es noch nicht. Ralf Fährmann darf zwar grundsätzlich bleiben, der 32-Jährige, der zuletzt immer wieder Knieprobleme hatte, wird sich aber womöglich gegen einen noch zu verpflichtenden Herausforderer mit Nummer-1-Anspruch durchsetzen müssen. Markus Schubert könnte erneut verliehen werden, Michael Langer gilt als idealer dritter Torwart und niveauvoller Trainingspartner. In der Abwehr setzt Schalke auf Linksfuß Kaminski, auch Spieler wie Malick Thiaw oder Timo Becker gelten als Kandidaten für viele Einsatzminuten. Im Mittelfeld sollen Palsson und Latza das Herzstück bilden, Florian Flick, der einen Profivertrag unterschrieben hat, ist einer der Talente mit rosiger Perspektive im Pott. Was Schalke noch zwingend braucht, sind ein Spielmacher sowie Fachkräfte für beide offensive Außenbahnen. Ebenso auf der Liste: ein Sturmpartner für Terodde. Hier allein auf Spieler wie Matthew Hoppe (20) zu setzen, wäre zu riskant. TONI LIETO AU FTA KT Schalke legt als Erster los Verein Erstes Mannnschaftstraining Werder Bremen Schalke 04 Holstein Kiel Hamburger SV Fortuna Düsseldorf Karlsruher SC Darmstadt 98 1. FC Heidenheim SC Paderborn FC St. Pauli 1. FC Nürnberg Erzgebirge Aue Hannover 96 Jahn Regensburg SV Sandhausen Dynamo Dresden Hansa Rostock FC Ingolstadt noch offen 14. 06. noch offen 16. 06. 15. 06. 20. 06. 19. 06. 23. 06. noch offen 17. 06. 21. 06. 21. 06. 21. 06. 20. 06. noch offen noch offen 17. 06. noch offen
58 31. MAI 2021 Wunschlösung Anfang Dass bis zu 13 Personen an der Trainersuche des SV Werder Bremen beteiligt waren und sind, macht in etwa deutlich, dass bei diesem Prozess so gar nichts dem Zufall überlassen werden soll. Selbst ein Sportpsychologe und ein Kommunikationsexperte waren in das mehrstufige Auswahlverfahren mit „teils speziellen Aufgaben“ involviert, um das Bild der Kandidaten „rund zu machen“, wie Sportchef Frank Baumann erklärt. Als Wunschlösung unter den drei verbliebenen Optionen gilt dabei: Markus Anfang, aktueller Trainer vom SV Darmstadt 98. Bis Mitte der Woche soll laut Baumann Klarheit herrschen bezüglich dieser „wichtigsten Personalie im Verein“; noch geht es jedoch um die Umsetzung einer Verpflichtung. Dabei spielt auch der noch bis 2022 laufende Anfang-Vertrag in Darmstadt eine Rolle. Werder wäre zwar grundsätzlich bereit eine Ablöse zu zahlen, allerdings nur in „überschaubarer Höhe“, wie Baumann gegenüber dem kicker sagt: „Eine Million wird das definitiv nicht sein.“ Unter Trainer Anfang hat der SV Darmstadt gerade erst die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte (33 Punkte) gespielt. Zuvor stellte der 46-Jährige bereits beim 1. FC Köln unter Beweis, dass er einen abgestiegenen Traditionsklub wieder direkt auf Aufstiegskurs bringen kann. Davor gelang ihm mit Holstein Kiel sogar fast der Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga, der erst in der Relegation scheiterte. Auch mit jungen Spielern arbeitete Anfang schon erfolgreich, wurde als U-17-Coach mit Bayer Leverkusen Deutscher Meister und trainierte dabei über längere Zeit einen gewissen Kai Havertz. DA R MSTA DT Foto: Ulrich/Huebner Bis Mitte der Woche soll der neue Trainer in B RE M E N feststehen. Baumann schließt eine Millionen-Ablöse aus. Die Nummer eins unter den verbliebenen drei Kandidaten: Darmstadts Coach Markus Anfang Anfang steht für spektakulären Offensivfußball, wie 63 Tore in 34 Zweitligaspielen mit Darmstadt, 76 Tore in 31 Spielen mit Köln und 71 Tore in 34 Spielen mit Kiel belegen. Das sind mehr als 200 Treffer in drei Spielzeiten. Drei unterschiedliche Profis wurden unter Anfang zudem Torschützenkönig in der 2. Liga: Serdar Dursun (Darmstadt), Simon Terodde (Köln) und Marvin Ducksch (Kiel). Bei Werder warten nun auch einige Profis noch auf einen Vollzug in der Trainerfrage, bevor sie über ihre persönliche Zukunft entscheiden wollen. Trotz der bekanntlich begrenzten finanziellen Mittel in Bremen habe Baumann während der Trainersuche bislang „ein sehr großes Interesse“ bei vielen Kandidaten gespürt. Dass Florian Koh- feldt in Bremen in dreieinhalb Jahren zum zweitdienstältesten Trainer der Bundesliga wurde, sei ebenso ein schlagkräftiges Argument gewesen wie die nach wie vor enorme „Strahlkraft als Verein“. Viele Trainer hätten die Chance gesehen, „hier wieder etwas aufzubauen“, so der Werder-Sportchef, „und einen Neuanfang zu starten“. Baumann hatte sich jedoch auch zwei, drei Absagen eingehandelt, als sich der erweiterte rund zehn Trainer umfassende Kandidatenkreis bildete. Laut Bild ist der 58-jährige Peter Zeidler vom FC St. Gallen aus der Schweiz noch unter den letzten drei Optionen verblieben. Der ebenfalls gehandelte Holstein-Coach Ole Werner (Seite 20) soll seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag in Kiel hingegen nun sogar verlängern. TIM LÜDDECKE Der Präsident will nach dem Abgang wichtiger Spieler nicht auch den Trainer verlieren Fritschs Dilemma: Eine satte Ablöse wäre wichtig Torjäger Serdar Dursun geht, Defensivleader Victor Palsson ist schon weg, Immanuel Höhn ebenso, und auch die beiden Leihspieler Nicolai Rapp (Union Berlin) und Lars Lukas Mai (Bayern München) kehren zumindest zunächst zu ihren Vereinen zurück – Darmstadt 98 verliert seine gesamte Achse von der Abwehr bis zum Sturm und steht wieder einmal vor einem Umbruch. Und nun kommen dazu noch die Spekulationen über einen vorzeitigen Abgang von Trai- ner Markus Anfang. „Wir haben hier einen Toptrainer, mit dem wir sehr zufrieden sind“, stellte Vereinspräsident Rüdiger Fritsch vergangene Woche klar. Anfang habe einen Vertrag bis 2022, man werde weitermachen wie bisher und solle ihn nicht mit Anfragen behelligen, sagte Fritsch sichtlich genervt. Aber auch bei den Lilien gibt es eine finanzielle Schmerzgrenze, die je nach sportlichen und finanziellen Aspekten unterschiedlich ausfällt. Bei Dursun lehnte der Verein in den vergange- nen Jahren Angebote im Bereich von einer Million Euro ab. Der Deutsch-Türke wurde Torschützenkönig und verlässt den Verein nun ablösefrei. Bei Palsson entsprach man dagegen dem Wechselwunsch des Spielers zu Schalke und nahm die Ablösesumme von rund 500 000 Euro für den 30-Jährigen mit, der noch ein Jahr Vertrag hatte. Dass der Verein aber grundsätzlich nur begrenzte Möglichkeiten hat, wenn ein Trainer unbedingt wechseln will, hat Fritsch 2016 beim Abgang von Dirk Schuster zum FC Augsburg selbst erlebt. Die Aufgabe in Darmstadt kommende Saison ist herausfordernd: Der Umbruch muss mit beschränktem Budget vorangetrieben werden. Im vergangenen Jahr wurde mehrfach deutlich, dass der ehrgeizige Anfang gerne anders auf dem Transfermarkt agiert hätte. Für die kommende Spielzeit erwartet Fritsch bis zu fünf Millionen Euro weniger Einnahmen. Da stünde dem Verein eine ordentliche Ablöse gut zu Gesicht. STEPHAN KÖHNLEIN
Der neue Coach der FO RT U N A kommt ohne Profi-Erfahrung. Er lernte bei Klopp und Streich. Der Juni ist eng getaktet. Am 12. Juni steigt die letzte, die 42. Regionalliga-Partie, im Mösle-Stadion, wenn die U 23 des SC Freiburg gegen TuS Koblenz antritt. Drei Tage später steht bei Fortuna Düsseldorf der Laktattest an, gefolgt von den ersten Athletikeinheiten, zuvor natürlich Kennenlernen der Mannschaft und einiger Mitarbeiter, kurze Eingewöhnung, Wohnungssuche. Was man halt so macht in neuer Umgebung. Ein strammes Programm erwartet Christian Preußer, wenn er vom Badischen an den Rhein übersiedelt. Nachdem bekannt geworden war, dass der gebürtige Berliner beim Zweitligisten übernimmt, „stand mein Handy 24 Stunden nicht still“, erzählt der 37-Jährige. Er wird sich an größeren Rummel gewöhnen müssen, mehr – auch mediale – Aufmerksamkeit – als im beschaulichen Freiburg, hohe Erwartungen. „Europaweit“, so Klaus Allofs, habe man gesucht und Kontakte genutzt, bis man in Freiburg fündig geworden sei. Hannes Wolf schien zunächst interessant, zu Miroslav Klose gab es Kontakt. Warum also Preußer? Fortuna geht zweifellos einen mutigen Weg. Friedhelm Funkel, hierzulande erfahren wie kaum ein anderer in der Trainerbranche, prägte den Klub jahrelang, Uwe Rösler brachte internationale Erfahrung aus England, Norwegen und Schweden ein. Preußer steht für einen ganz anderen Ansatz, gewiss für neue Ideen und Schwung. In Freiburg hat er bewiesen, dass er junge Spieler entwi- AU E Von Freiburg II zur Fortuna: Christian Preußer Darum Preußer ckeln kann, wie etwa die Bundesligaspieler Nico und Keven Schlotterbeck sowie Mohamed Dräger (Olympiakos Piräus). Mehr als 20 Spieler schafften in seinen fünf Jahren in Freiburg den Sprung in den Profifußball. Mangelnde Erfahrung, wie Skeptiker anmerken? Mit 37 blickt er immerhin schon auf über 20 Jahre als Coach zurück. Früh beendete er seine eigene Karriere, übernahm schon mit 15, 16 als Trainer eine Mannschaft, war bei RW Erfurt erst Co-, dann Cheftrainer, zuvor Coach der U 19 und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Er absolvierte ein Praktikum beim BVB und sah Jürgen Klopp über die Schulter, in Freiburg erlebte er Christian Streich aus der Nähe. „Gerade in den ersten zwei Jahren in Freiburg“, erzählt Preußer, „war ich ganz nah an den Profis dran.“ Preußer also – ein interessanter Weg. „Flexibel“ wolle er spielen lassen, sagt der neue Mann, der meist sehr emotional an der Seitenlinie agiert, „das heißt aber nicht, dass wir jede Woche unser System umschmeißen“. Ein 3-4-3 bevorzugt der neue Fortuna-Coach, insgesamt einen offensiven Ansatz; gerade im Angriffsspiel, das weiß er, soll und muss er den Hebel ansetzen. „Wir müssen uns klarmachen: Was ist in der 2. Liga gefragt, wie können wir die Aufgaben am besten lösen?“ Da wird ihm auch Co-Trainer Thomas Kleine, langjähriger Experte, wichtige Hinweise liefen können. „Er kennt den Verein und die Liga. Nach zwei Minuten“, so Preußer, „haben wir gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen.“ Zuvor will Preußer noch „Vereinshistorisches“ schaffen, den Drittliga-Aufstieg mit Freiburg II. Gelingt der vorzeitig, sind vielleicht doch noch ein paar Tage Urlaub für ihn drin. OLIVER BITTER Vertrag trotz 1,3 Punkten pro Spiel vorzeitig aufgelöst – Gesucht wird der elfte Trainer seit 2011 Foto: imago images/Hoffmann Vrabec ist der Top-Favorit als Schuster-Nachfolger Inzwischen ist es amtlich: Dirk Schuster ist nicht mehr Trainer in Aue. Sein bis 2022 gültiger Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen vorzeitig aufgelöst. Er war im August 2019 als Nachfolger von Daniel Meyer gekommen, schaffte zweimal relativ mühelos den Klassenerhalt, obwohl die beiden Rückrunden mau waren. In seinen 62 Spielen holte er 81 Punkte, macht einen Schnitt von 1,3 Zählern pro Partie. Für Aue nicht schlecht. „Trotz allem besteht aus Sicht der Vereinsführung mit Hinblick auf die kommende, extrem anspruchsvolle Saison die Notwendigkeit, neue sportliche Impulse zu setzen“, begründet Vereinsboss Helge Leonhardt die Trennung. Es folgt ein Satz, der aufhorchen lässt: „Der Verein dankt Dirk auch für seine Bereitschaft, diesen Weg mitzugehen, indem er bereit ist, den Vertrag vorzeitig aufzulösen.“ Also wollte der 53-Jährige in der Tat das auch selbst so. Das deutet Schuster in seinem Statement selbst an. Ihm habe die Arbeit mit dem Team immer viel Spaß gemacht, „wenn man jedoch auf Führungsebene unterschiedliche Ansichten in sportlichen Fragen hat, ist es nur konsequent, sich zu trennen“. Das Aus von Schuster hatte sich bereits angedeutet, zu offensichtlich waren die Risse zwischen Trainer, Mannschaft und Vereinsführung. Spätestens, nachdem sich Schuster und sein Co-Trainer Sascha Franz nach dem 3:8-Debakel gegen Paderborn krankgemeldet hatten, war klar, dass eine gemeinsame Zukunft nicht mehr möglich war. Jetzt ist der Weg frei für einen neuen Trainer, den elften seit 2011. Es wird wohl nicht lange dauern, bis der Verein Schusters Nachfolger bekannt gibt. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um mit Mister X das neue Team zu formen, das frisches Blut braucht, denn in acht Wochen steht der 1. Spieltag der neuen Saison an. Als Top-Favorit gilt laut Vereinskreisen immer noch Roland Vrabec, der zuletzt den SC Progres Niederkorn in Luxemburg trainierte. Er soll aber nicht der einzige heiße Kandidat sein. THOMAS NAHRENDORF
60 31. MAI 2021 H A NNOVE R Klare Hierarchie im Tor mit alten Hasen statt jungen Hüpfern – Weinkauf soll gehen Die Schatten der jüngeren Vergangenheit werden den künftigen Trainer Jan Zimmermann sicher noch so manches Mal einholen – im Tor tun sie es auf jeden Fall schon. Nach dem Wirbel im vergangenen Jahr steht der von Ex-Trainer Kenan Kocak nicht mehr erwünschte und als Leihgabe nach Köln ausgewichene Ron-Robert Zieler nach jetzigem Stand wieder auf der Matte, kraft seines Vertrages bis 2023. Doch nimmt Zieler tatsächlich nach seinem Aufstieg zum Nationaltorhüter in den Jahren 2010 bis 2016 und dem bösen Absturz nach seiner Rückkehr 2019/20 zum dritten Mal Anlauf in Hannover? Hier träfe der Weltmeister von 2014 auf jenen Mann, dem er zuletzt seinen Platz überlassen musste: Michael Esser. Dritter Mann im Bunde wäre der Däne Martin Hansen. Angeleitet werden sollen die Schlussleute künftig von Michael Ratajczak, der nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn bei den Niedersachsen auf den Torwarttrainerposten wechseln soll. Zimmermann wünscht sich dem Vernehmen PA D E RB O RN Foto: imago images/Huebner Nimmt Zieler zum dritten Mal Anlauf? Stand jetzt wieder bei 96: Die Leihe von Torhüter Ron-Robert Zieler, hier im November 2019 im Hannover-Trikot, zum 1. FC Köln ist vorbei. nach zur neuen Saison eine klare Hierarchie im Kasten. Offen, wie diese dann aussehen wird. Alte Hasen statt junge Hüpfer – so könnte eine sich abzeichnende Neuformation tituliert werden, wenn sich das künftige Trio tatsächlich aus Zieler (32 Jahre), Esser (33) und Hansen (30) bildet. Bereits verabschiedet wurde nach seinem ersten Einsatz im letzten Zweitligaspiel gegen den FCN (1:2) Marlon Sündermann. Bei dem 23-jährigen Eigengewächs, noch 2020 mit einem einjährigen Profivertrag bedacht, führt der Weg Kaufoption sorgt für Verbleib eventuell Richtung 3. Liga. Von dort kehrt eigentlich Leo Weinkauf nach zweijähriger Ausleihe an den MSV Duisburg zurück. Der 24-Jährige, ausgebildet bei Werder und dem FC Bayern und hinter Rostocks Markus Kolke nach kicker-Noten zweitbester Keeper der abgelaufenen Drittligasaison, war von 96 einst 2018 perspektivisch als künftige Nummer 1 verpflichtet worden. Weinkauf besitzt einen Vertrag bis 2023 (wie Esser und Hansen) und könnte nun erneut anderswo „geparkt“ oder ganz abgegeben werden ... Denn zum Thema Weinkauf machte Martin Kind via Neue Presse bereits öffentlich: „Wir haben ihm empfohlen, dass er sich einen anderen Verein sucht.“ Interpretierbar ist die Aussage des Profibosses über Zieler: „Wir glauben ja, dass er mit der Rolle auf der Bank nicht zufrieden ist.“ Motivation für den Spieler, sich beim Klub seines Herzens noch einmal ins Zeug zu legen? Oder eher die Empfehlung, erneut das Weite zu suchen? Für Spannung scheint vor dem Trainingsauftakt am 21. Juni auch hier bestens gesorgt. MICHAEL RICHTER KAR L SR UHE Eichner will Goller behalten Führich bindet Kapital Heise vor Unterschrift In Paderborn ist eine wichtige Personalentscheidung gefallen. Der SCP hat die Kaufoption für Chris Führich gezogen. Der Angreifer von Borussia Dortmund hatte in der abgelaufenen Saison auf Leihbasis für die Ostwestfalen gespielt und dabei überzeugt. Der 23-Jährige kam in 34 Zweitligapartien zum Einsatz, schoss 13 Tore und bereitete weitere sieben Treffer vor. Führich bewies dabei seine Vielseitigkeit. Er ist handlungsschnell, kann auf den Außenbahnen Tempo ins Spiel bringen sowie auch im Strafraum ins Dribbling gehen. Gemeinsam mit seinen Sturmkollegen Dennis Srbeny (16 Tore/5 Assists) und Sven Michel (7 Tore/7 Assists) hatte er großen Anteil am stabilen Auftreten des SCP. Vier Leihspieler hatte der KSC in der abgelaufenen Saison unter Vertrag. Xavier Amaechi (20) konnte nicht für sich werben. Der offensive Außenbahnspieler kehrt zum HSV zurück. Kevin Wimmer (28) indes hat mit seinen Auftritten überzeugt, doch der KSC konnte den Österreicher nicht halten. Der Abwehrspieler unterschrieb bei Rapid Wien einen Vertrag bis 2023. Trainer Christian Eichner, einst Wimmers Teamkollege beim 1. FC Köln, ist ob dieser Entwicklung enttäuscht. Leihspieler Nummer drei: Philip Heise. Der hat bei Norwich City zwar einen Vertrag bis 2022, doch ein Wechsel zum KSC ist wahrscheinlich. Der bald 30 Jahre alte Linksverteidiger hat sich wohl mit Norwich auf eine Abfindung Über die Höhe der Ablösesumme ist Stillschweigen vereinbart worden. Sie dürfte sich im Bereich zwischen 700 000 und einer Million Euro bewegen. Das ist für Paderborn viel Geld. Die Entscheidung besitzt eine große Tragweite für die angesichts des schmalen Etats nicht immer einfache Kaderplanung. Der Spielraum für weitere Transfers ist eingeschränkt. „Wir sind der festen Überzeugung, dass Chris Führich bei uns den nächsten Entwicklungsschritt machen und seine Rolle als sportlicher Taktgeber weiter ausbauen wird“, so SCP-Geschäftsführer Sport Fabian Wohlgemuth. Wenn das passende Angebot kommt, ist auch ein Weiterverkauf Führichs noch in diesem Sommer nicht ausgeschlossen. JOCHEM SCHULZE geeinigt, könnte also einen Vertrag im Wildpark signieren. Heise kam in 29 Ligaspielen zum Einsatz, war stark in der Offensive, agierte defensiv hin und wieder unkonzentriert. Der vierte im Leih-Quartett ist Benjamin Goller. Der 22-Jährige, der sich auf dem rechten Flügel am wohlsten fühlt, kehrt nach dem Ende seiner Leihe zu Werder Bremen zurück. Seine Zukunft beim Bundesliga-Absteiger ist unklar. Vieles hängt davon ab, ob der neue Trainer mit Goller plant. Eichner würde den Außen, der 2020/21 beim KSC 27-mal eingesetzt wurde (kicker-Notenschnitt 3,48), gerne behalten, ist von dessen Fähigkeiten angetan. „Er kann auf engem Raum gut dribbeln, hat Geschwindigkeit und einen guten Abschluss.“ PETER PUTZING
31. MAI 2021 61 Wer folgt noch alles auf Hunt? Die erste Personalentscheidung unter T IM WA LT ER (45) ist getroffen, es könnten weitere namhafte HSV-Profis gehen. Das Bemühen um Hofmann wird konkret. Grundsätzlich, hatte Tim Walter bei seinem Antrittsbesuch in Hamburg erklärt, wolle er erst mal den Menschen hinter dem Profi kennenlernen. Ebenso grundsätzlich aber hat der neue HSV-Trainer auch eine klare Spielphilosophie, in die bestimmte Spielertypen hervorragend passen und andere wieder nicht. Mit Aaron Hunt steht seit dem Ende der vergangenen Woche ein erster prominenter Abgang fest. Und es gibt weitere Kandidaten, für die es zumindest schwer werden könnte unter dem Ex-Stuttgarter. Beim VfB und in Kiel hatte der 45-jährige Coach einen mutigen Spielaufbau von ganz hinten heraus eingefordert, das erfordert Ballsicherheit und Passqualität sowohl des Torhüters als auch der Innenverteidiger. Zwangsläufig wirft das Fragen nach der Rolle von Sven Ulreich auf. Der Ex-Münchner hat in seinem Kerngeschäft keine überzeugende Saison gespielt, kommt auf einen mäßigen kicker-Notenschnitt von 3,34, hat auch die ihm zugedachte Leader-Rolle nicht im erhofften Maß ausgefüllt. Vor allem aber hat er fußballerische Defizite nicht kaschieren können. Mit dem Ball am Fuß gilt der für ihn zur Nummer 2 degradierte Daniel Heuer Fernandes als der deutlich bessere Torwart – der Ex-Darmstädter aber sollte und wollte sich in diesem Sommer eigentlich verändern. Folgt angesichts ST. PAUL I von Walters Vorstellungen nun ein Umdenken bei allen Beteiligten? Dass der neue Trainer seinem früheren Kieler Schützling David Kinsombi keinen Persilschein ausstellt, sondern in Bezug auf den intern kritisch beäugten Mittelfeldmann anmerkt, es gehe vor allem darum, dass Spieler inneren Antrieb und Bereitschaft mitbringen, zeigt, dass er auch den Königstransfer des Sommers 2019 hinterfragt. Für Walter geht es jedoch nicht allein um ein Ausdünnen des Ka- ders, sondern auch um qualitatives Aufwerten. Kein einfaches Unterfangen angesichts des Wegfalls von 23-Tore-Stürmer Simon Terodde. Bereits vergangenen Montag hatte der kicker berichtet, dass Karlsruhes Philipp Hofmann der Wunschkandidat neben dem viel umworbenen Serdar Dursun sei. Der 28-Jährige, um den sich der HSV schon vor einem Jahr intensiv bemüht hatte, ist zwar noch ein Jahr an den KSC gebunden, passt aber hinsichtlich seiner Gehaltsvorstellungen eher als Dursun. Bislang ist bei den Badenern das Interesse des HSV hinterlegt, ebenso hat Hofmann wie im Vorsommer seinen Wechselwunsch hinterlegt. Seinerzeit lagen die finanziellen Vorstellungen zwischen beiden Klubs zu weit auseinander, außerdem hatte Hamburg mit Terodde bereits einen Mittelstürmer unter Vertrag – nun gilt es, einen adäquaten Ersatz zu bekommen. Der Beginn des Pokers um den auch mit Walter abgestimmten Wunschkandidaten ist somit eingeläutet. SEBASTIAN WOLFF Vergangenheit: Aaron Hunt steht auf der Liste der HSV-Abgänge – Nebenmann David Kinsombi könnte folgen. Präsident gibt sich sehr ambitioniert und kündigt „ehrgeizige Budgetplanung“ an Foto: Witters/Horky Kein Spardiktat – Göttlich will angreifen Das Ziel, die beste Zweitligarückrunde der Vereinsgeschichte zu spielen, wurde durch drei Niederlagen zum Saisonausklang verfehlt, die Blicke gehen dennoch nach oben. Schon im April hatte Sportchef Andreas Bornemann im kicker erklärt, dass sich St. Pauli zwei Vorjahres-Aufsteiger zum Vorbild nehmen wolle, die ihren Höhenflug mit starken Rückrunden im Jahr vor der Bundesliga-Rückkehr begonnen hatten. „Wir orientieren uns natürlich an Vereinen wie Bielefeld oder Bochum. Solche Entwicklungen sind erstrebenswert.“ Vereinspräsident Oke Göttlich unterstrich diese Ambitionen am Wochenende nun in seiner Saisonbilanz. Der Musikunternehmer räumt ein, dass St. Pauli pandemiebedingt Umsatzeinbußen im zweistelligen Millionenbereich hinnehmen musste, verweist aber auf solide Kalkulationen, durch die sein Verein im Vergleich zu vielen Zweitligakonkurrenten nun nicht zum Sparen gezwungen sei. Im Gegenteil: Er stellte Bornemann und Timo Schultz einen unveränderten Etat in Aussicht. „Sportchef und Trainer dürfen sich freuen, dass wir mit Sicherheit eine sehr ehrgeizige Budgetplanung aufstellen werden.“ Durch die wirtschaftliche Vernunft in der Vergangenheit steht St. Pauli trotz der Auswirkungen von Corona gesund da – ein Wettbewerbsvorteil in diesem Sommer? „Wir sind ehrgeizig und ambitioniert und nehmen uns vor, in maßvollem Umgang mit allen Ressourcen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“, sagt Göttlich. Das bedeutet: Der Klub kann inzwischen auch mal Nein sagen. In der jüngeren Vergangenheit wurden durch Mats Möller Daehli und Christian Conteh rund drei Millionen Euro Ablöse erzielt. Aktuell ist vor allem Daniel-Kofi Kyereh begehrt (der kicker berichtete), die ehrgeizigen Aussagen von Göttlich aber deuten an: Gezwungen zu einem Verkauf des noch bis 2023 gebundenen Offensivmannes ist St. Pauli nicht. Am Ende entscheidet die sportliche Leitung über die Zukunft begehrter Profis – die wirtschaftliche Lage lässt diesen Abwägungsprozess inzwischen zu. SEBASTIAN WOLFF
62 31. MAI 2021 D RE S D E N Ex-Kapitän bereits verabschiedet R OSTOC K Überraschendes Aus für Türpitz Hintertür für Hartmann Schröter macht viel Sinn Acht Spieler hat Dynamo am vergangenen Dienstag verabschiedet. Einer der Profis, deren Verträge nicht verlängert wird, ist Marco Hartmann. So wurde es zumindest in einer Pressemitteilung kommuniziert. Eine Verabschiedung ohne Fans und aufgrund einer komplizierten Sehnenverletzung im Knie, die er sich im Dezember 2020 zugezogen hatte, ohne einen letzten Auftritt auf dem Feld. Nun scheint es, als sei die Tür für den Publikumsliebling doch noch nicht gänzlich geschlossen. Dem 33-Jährigen soll das Angebot unterbreitet worden sein, die Saisonvorbereitung mitzumachen. Dies soll allerdings nicht dazu dienen, um seine fußballerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die sind bei dem Defensivallrounder hinlänglich bekannt. Vielmehr soll der langjährige Dynamo-Kapitän zeigen, ob sein Knie nach seiner Operation im März wieder voll belastbar ist. Sollte sich dies abzeichnen, könnte der gebürtige Thüringer in die von ihm anvisierte finale Saison mit seinem Herzensverein starten. Auch bei Außenverteidiger Niklas Kreuzer, der ebenfalls verabschiedet wurde, scheint sich Dynamo eine Option offenhalten zu wollen. Klar ist in diesem Fall jedoch, dass der Spieler nicht ewig auf eine An- Dass Hansa die auslaufenden Verträge von Nils Butzen, Max Reinthaler, Erik Engelhardt, Korbinian Vollmann nicht verlängert, ist zu erwarten gewesen. Überraschend kommt nun auch Philip Türpitz hinzu. Der 29-Jährige kam erst im Winter aus Sandhausen und erzielte in 14 Partien für Hansa drei Siegtore. Allerdings schwankten seine Leistungen stark, weil ihm die Fitness fehlte. Leihgabe Lion Lauberbach kehrt zu Holstein Kiel zurück. Offen bleibt, wie es für Aaron Herzog weitergeht, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft. Der 23-Jährige kam im Sommer 2020 von Mönchengladbach II aus der Regionalliga. Nach Anpassungsproblemen nahm der technisch starke Mittelfeldspieler eine gute Entwicklung und kam noch auf 13 Drittliga-Einsätze, davon zehn in der Rückrunde. Zweimal stand Herzog in der Startelf und bereitete zwei Tore vor. Gut möglich, dass die Rostocker ihn weiter binden. Bislang hat Hansa 22 Spieler unter Vertrag, darunter drei Torhüter. Allerdings könnten noch Akteure mit geringen Einsatzchancen abgegeben werden. Kandidaten dafür sind die Mittelfeldspieler Luca Horn, Gian Luca Schulz und Tobias Schwede, die die Erwartungen nicht erfüllten. Als Neuzugänge gehandelt werden vor allem Morris Schröter (25, Zwickau) R EG EN S B U R G Saisonvorbereitung als Chance: Ex-Kapitän Marco Hartmann Keller hat einige Angreifer im Visier SANDHAUSE N und Yannick Deichmann (26, Lübeck), deren Verträge auslaufen. Mit Ersterem arbeitete Trainer Jens Härtel schon in Magdeburg zusammen. Dort verhalf er dem damals 18-Jährigen im August 2014 zum Profi-Debüt. In Zwickau entwickelte sich Schröter zum torgefährlichen Außenbahnspieler, in der abgelaufenen Saison kam er in 36 Einsätzen auf zehn Treffer und acht Vorlagen. Er bringt das von Härtel gesuchte Tempo fürs Konterspiel mit, das Hansa forcieren will. TOMMY BASTIAN Foto: imago images Foto: imago images frage warten wird. Zu prägnant sind bei ihm die Erinnerungen an seine vereinslose Zeit, die der 28-Jährige zwischen Juli 2020 und Ende Januar 2021 erleben musste. Bei einem weiteren Akteur, dessen Kontrakt ausgelaufen ist, scheint die Trennung endgültig. Verteidiger Leroy Kwadwo, den Dynamo im Winter aus Würzburg geholt und dem nur wenige weitere absolvierte Spiele zur automatischen Vertragsverlängerung gereicht hätten, wird nicht mehr für Dresden spielen. LUCAS BÖHME Würde viel Tempo mitbringen: Zwickaus Morris Schröter Eine halbe Mannschaft ist zu ersetzen Vrenezi ist der Nächste Klarheit in der Trainerfrage Offiziell verabschiedet hat der Jahn mit Sebastian Stolze, Jan-Marc Schneider und HSV-Leihgabe Aaron Opoku zum Saisonabschluss ein Trio. Oliver Hein, der nach 14 Jahren beim Jahn aufhört, soll Mitte Juli noch einen größeren Rahmen bekommen. Neben Stolze, der künftig für den Ligakonkurrenten Hannover aufläuft, wird die Regensburger mit Albion Vrenezi noch ein weiterer Flügelflitzer verlassen. „Wir haben uns darauf geeinigt, fortan in unterschiedliche Richtungen zu gehen“, erklärt Geschäftsführer Christian Keller. Der Offensivmann war mit Schwung von der Leihe aus Würzburg zurückgekommen, nach guter Hinrunde baute er leistungstechnisch aber ab. Ob Keeper Kevin Kunz, die Nummer 3 hinter Alexander Meyer und Alexander Weidinger, und Routinier Der SV Sandhausen macht aus seiner Interims- eine Dauerlösung: Die Zusammenarbeit mit den beiden Trainern Gerhard Kleppinger und Stefan Kulovits wird fortgesetzt. Der 63-jährige Routinier aus OberRamstadt und der 38-jährige Novize aus Wien unterschrieben einen bis zum Sommer 2022 gültigen Vertrag. Alles andere wäre auch eine große Überraschung gewesen. Es sei die logische Konsequenz mit diesem Duo als Cheftrainer-Team in die kommende Spielzeit zu gehen, erklärte Jürgen Machmeier. „Beide kennen den SV Sandhausen nach vielen gemeinsamen Jahren in- und auswendig und identifizieren sich zu 100 Prozent mit dem SVS“, sagte der Präsident, „sie haben es sich nach der sportlichen Rettung absolut verdient, das Team weiter zu coachen.“ Markus Palionis bleiben, ist dagegen noch offen. Auch im Trainerteam gibt es einen Abschied. Reha- und Athletiktrainer Andreas Gehlen, der großen Anteil daran hatte, dass der Jahn zu den laufstärksten Teams der Liga zählte, sucht eine neue Herausforderung im Profifußball. Keller bastelt intensiv am Kader für die kommende Saison. Vor allem Offensivspieler genießen Priorität. Die Regensburger sollen – wie auch andere Ligakonkurrenten – Angreifer Aygün Yildirim vom Drittligisten Verl ins Visier genommen haben. Auch Goalgetter Fabian Schubert vom österreichischen Zweitliga-Meister Blau-Weiß Linz, sowie Mittelfeldspieler Konrad Faber (Freiburg II) und Rechtsaußen Fabio Kaufmann (Braunschweig) sollen auf dem Zettel stehen. FELIX KRONAWITTER Das Gespann hatte die Mannschaft am 15. Februar von Michael Schiele auf dem Relegationsplatz übernommen. Für Sandhausen war es bereits der zweite Trainerwechsel in einer Saison. Ende November hatte Uwe Koschinat gehen müssen. Die beiden schafften es trotz einer 14-tägigen Corona-Quarantäne Mitte April und trotz eines sehr schweren Restprogramms, das Team auf den rettenden 15. Tabellenplatz zu führen. Kleppinger ist der ruhende Pol, während Kulovits als Macher gilt, der die Ansprachen hält, und offenbar auch der heimliche Chef ist. Die beiden alten und neuen Trainer müssen einen gewaltigen Umbruch meistern. Von 14 Spielern hat sich der SVS nach der sportlich enttäuschenden Saison getrennt. Eine halbe Mannschaft muss ersetzt werden. CLAUS WEBER
31. MAI 2021 63 Schlanker Kader? Noch weit weg! Der Kader des 1. FCN für die kommende Saison gleicht einem Puzzle, dessen vollständiges Bild sich erst am Ende der Transferperiode ergibt. Den bisher fünf Abgängen Margreitter, Behrens, Mühl, Früchtl und Lukse stehen die fünf Neuzugänge Schindler, Hübner, Tempelmann, Duman und Fischer gegenüber, dazu kehrt Lukas Schleimer nach einem Leihjahr beim 1. FC Saarbrücken vorerst zurück. Eigengewächs Mario Suver (21), der zuletzt häufiger im Spieltagskader auftauchte, unterschrieb am vergangenen Donnerstag einen Profivertrag. Stand jetzt wären dies 30 Profis, noch ohne den benötigten zweiten Torhüter. Eine Größe, die der Aussage von Robert Klauß widerspricht, der vor dem letzten Spieltag sagte: „Wir wollen den Kader klein halten. Wir wollen dem Nachwuchs eine Chance geben, Plätze für unsere NLZ-Spieler bereit halten.“ In der Vorsaison nutzten Erik Shuranov, Tim Latteier und Linus Rosenlöcher ihre Chance, Suver gesellt sich nun hinzu. Ein weiterer Punkt: „Wir wollen Spieler haben, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind“, sagt Klauß. Kilian Fischer, 20-jähriger Neuzugang von Türkgücü München, passt voll ins Profil, er kann in der Viererkette rechts wie links außen verteidigen, ebenso im defensiven Mittelfeld spielen. Um auf eine vernünftige Kadergröße zu kommen, muss sich aufseiten der Abgänge etwas tun. Fabian Schleusener würde der FCN ziehen lassen. Die Fischer-Verpflichtung ist das klare Signal an Oliver Sorg, dass Klauß nicht mehr mit ihm HEIDENHEIM Foto: Zink Momentan hat der 1 . FC N 30 Profis – und es fehlt noch ein zweiter Torhüter. Die Vorstellungen des Trainers Klauß sehen anders aus. „Wir wollen den Kader klein halten“: FCN-Coach Robert Klauß und seine Wunschvorstellung plant. Und die eine oder andere Transfereinnahme würde in Corona-Zeiten selbstverständlich guttun, doch wer außer Robin Hack und Fabian Nürnberger weckt bei zahlungswilligen Klubs ernsthaft Interesse? Schon im vergangenen Sommer waren Sportvorstand Dieter Hecking weitgehend die Hände gebunden. Er weiß, dass weitere zwei Transferperioden nötig sein werden, um den Kader endgültig nach Vorstellung der amtierenden sportlichen Leitung umzubauen. „Verträge hat man zu akzeptieren“, sagt Hecking mit Blick auf Spieler, die künftig keine große Rolle mehr spielen sollen, aber vermutlich schwierig von der Gehaltsliste zu bekommen sind. Im Sommer 2022 bietet sich die große Chance, den eingeleiteten Umbruch abzuschließen. Dann laufen die Verträge von Sörensen, Knothe, Valentini, Handwerker, Sorg, Geis, Krätschmer, Schleimer, Dovedan und Schleusener aus, dazu jene der von RB Leipzig ausgeliehenen Krauß und Borkowski. Die wenigsten dieses Dutzends dürften darüber hinaus eine Zukunft beim FCN haben, einige können sich noch empfehlen. Unnötig frühe Vertragsverlängerungen wären in diesen Zeiten dagegen so unnötig wie falsch. FRANK LINKESCH Kader steht bereits zu 80 bis 90 Prozent – Abrutschen auf Platz 8 schmerzt Sanwald entspannt: Mal kein großer Umbruch Sommerzeit ist seit Jahren auch Umbruchzeit beim 1. FC Heidenheim. Marc Schnatterer, Maximilian Thiel und Oliver Steurer sind bereits weg, dazu die Nachwuchsschlussleute Diant Ramaj und Kevin Ibrahim. Der Unterschied zum vorangegangenen Sommer: Bei diesen Spielern hat der FCH selbst entschieden und musste nicht auf den Lockruf anderer Klubs reagieren. Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald jedenfalls geht in diese Sommertransferperiode im Gegensatz zu der des vergangenen Jahres ganz entspannt. „Ich gehe nicht davon aus, dass uns ein ähnlich großer personeller Umbruch bevorsteht. Ein 3. Platz wie in der Saison davor weckt in der Regel einfach mehr Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen als ein 8., weil die Spieler sich in einen noch größeren Fokus spielen“, sagt Sanwald. Das Stichwort 8. Platz ist für den FCH wie auch seine Spieler ein schmerzhaftes. Nicht nur, dass die Prämien vergleichsweise dürftiger ausgefallen sind: Das Abrutschen vom 6. auf den 8. Platz kostet den Klub rund eine Million Euro an TV-Geldern – und dies nach einer Geisterspielsai- son, wenn jeder Cent wichtig ist. „Zum Saisonende ist uns mit nur einem Sieg aus den letzten fünf Spielen leider die Luft ausgegangen, sodass wir den 6. Platz noch verspielt haben. Das ist natürlich ärgerlich“, so Sanwald. Vor der abgelaufenen Saison hätte man diesen 8. Platz mit Blick auf das Scheitern in der Relegation und dem großen Aderlass noch mit Freude unterschrieben, ergänzt der Vorstandsvorsitzende. Handlungsfähig sei man auf jeden Fall, versichert er, viel müsse aber auch gar nicht gemacht werden. „80 bis 90 Prozent unseres Kaders stehen be- reits, insofern gibt es momentan nicht so viel Veränderungsbedarf. Ob das so bleibt, wird die aktuelle Transferphase zeigen“, sagt Sanwald, der beim angedachten Rücktransfer von Stürmer Tim Kleindienst aus Gent noch keinen Vollzug melden kann. Wo der FCH zudem noch tätig werden muss: in der Innenverteidigung sowie auf den Außenbahnen. Was für Sanwald bereits jetzt feststeht: Man werde ob der Corona-Pandemie und ihrer Folgen mehr Geduld aufbringen müssen, die Transfertätigkeiten würden sich in jedem Fall nach hinten verschieben. TIMO LÄMMERHIRT
64 31. MAI 2021 Auf Messers Schneide Am Ende brachen alle Dämme, Freudentränen und Gefühlsausbrüche der Erleichterung sorgten dafür, dass der FC Ingolstadt nach einem Wellenbad der Gefühle kollektiv aufatmen konnte. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn nachdem Osnabrücks Marc Heider mit einem Doppelschlag nach 20 Minuten das 2:0 für Osnabrück herausschoss, stand blankes Entsetzen in den Ingolstädter Gesichtern. Erst Filip Bilbijas Anschlusstor zum 1:2 (31.) sorgte für Entspannung und dass die dritte Relegation von Erfolg gekrönt wurde. Ein weiteres Mal wurde die Auswärtstorregel den Oberbayern wie gegen Wehen Wiesbaden 2019 und gegen den 1. FC Nürnberg 2020 nicht zum Verhängnis. Obwohl es in der Schlussphase noch einmal eng wurde, da der VfL das 3:1 durch Etienne Amenyido erzielte (81.), reichte der Drei-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel, und die 1:3-Niederlage am Sonntag beim VfL Osnabrück vor 2000 Zuschauern fiel somit nicht ins Gewicht. FCI-Trainer Tomas Oral schien diesen drama- Foto: picture-alliance R E L E G AT I O N In der dritten Relegation in Folge setzt sich ING O L STADT erstmals durch, muss aber lange um den Aufstieg bangen. Kollektiver Jubel nach einem harten Stück Arbeit: Der FCI bejubelt den Aufstieg in Liga 2. Hinspiel Rückspiel FC Ingolstadt 04 – VfL Osnabrück 2:0 Buntic 3 INGOLSTADT Heinloth 2 G Paulsen 2,5 TRAINER: Oral B Schröck 1,5 Krauße 3 Stendera 2 Gaus 3 i 1,5 B Kaya G i Bilbija 3 i Kutschke 2,5 i Santos 5 i Amenyido 4,5 i Kerk 4 Wolze 5 Trapp 4 OSNABRÜCK 3:0 Franke 3 Reis 3 Multhaup 4 i Beermann 5 G Ajdini 5 G Taffertshofer 4 Kühn 3,5 TRAINER: Feldhoff EINGEWECHSELT: 53. Eckert Ayensa (2) für Kaya, 83. Elva (–) für Bilbija und Caiuby (–) für Kutschke, 90. Röhl (–) für Gaus – 67. Heider (–) für Multhaup, 79. Schmidt (–) für Amenyido, 86. Müller (–) für Santos – RESERVEBANK: Jendrusch (Tor), Antonitsch, Kotzke, Beister, Butler – Nicolas (Tor), Engel, Gugganig, Blacha, Henning, Klaas TORE: 1:0 Schröck (2., Rechtsschuss, Vorarbeit Krauße), 2:0 Kaya (35., Rechtsschuss, Bilbija), 3:0 Eckert Ayensa (81., Rechtsschuss, Stendera) – CHANCEN: 6:1 – ECKEN: 4:5 SR-TEAM: S. Stegemann (Niederkassel – Assistenten: Assmuth, Schiffner – Vierter Offizieller: Reichel – Video-Assistent: Dr. Kampka), Note 3,5, zeigte eine ordentliche Leistung, nur bei den Gelben Karten war keine einheitliche Linie erkennbar. – ZUSCHAUER: 250 (ausverkauft) – GELBE KARTEN: Kaya, Heinloth –Ajdini, Beermann – SPIELNOTE: 2,5, Ingolstadt war den Osnabrückern in einem einseitigen Spiel in allen Belangen überlegen. Es war ein Klassenunterschied, und das Ergebnis spiegelt das Kräfteverhältnis wider. – SPIELER DES SPIELS: Tobias Schröck, legte mit seinem Blitztor in der 2. Minute den Grundstein zum klaren Sieg des FCI und bildete mit Paulsen ein unüberwindbares Abwehrbollwerk. VfL Osnabrück – FC Ingolstadt 04 OSNABRÜCK Ajdini 3,5 i Gaus 4 i Franke 4 INGOLSTADT Engel 3 i Kühn 3 Gugganig 3 i 3:1 2:1 Trapp 4 Taffertshofer 3 Reis 2,5 G 3 B Amenyido G B B Heider 1,5 Kerk 2,5 Kaya 4,5 i Kutschke 4 i Stendera 4 Krauße 4,5 G i Schröck 4,5 Buntic 3 Paulsen 3 TRAINER: Feldhoff Wolze 4 i B Bilbija 3,5 i Heinloth 4,5 TRAINER: Oral EINGEWECHSELT: 57. Multhaup (4,5) für Engel, 69. Schmidt (–) für Ajdini, 78. Müller (–) für Wolze und Beermann (–) für Gugganig – 54. Kotzke (3,5) für Krauße und Eckert Ayensa (3,5) für Kaya, 70. Elva (–) für Gaus, 79. Beister (–) für Kutschke und Röhl (–) für Bilbija – RESERVEBANK: Nicolas (Tor), Blacha, Henning, Klaas, Santos – Jendrusch (Tor), Antonitsch, Caiuby, Butler TORE: 1:0 Heider (6., Rechtsschuss, Vorarbeit Ajdini), 2:0 Heider (20., Linksschuss, Kerk), 2:1 Bilbija (31., Kopfball, Kutschke), 3:1 Amenyido (81., Rechtsschuss, Schmidt) – CHANCEN: 9:4 – ECKEN: 5:3 SR-TEAM: Stieler (Hamburg – Assistenten: Gittelmann, Thielert – Vierter Offizieller: Ittrich – Video-Assistent: Welz), Note 3,5, keine spielentscheidenden Fehler, allerdings zu großzügig in der Zweikampfbewertung einer kampfbetonten Partie; hätte außerdem die Verzögerungen des FCI konsequenter unterbinden müssen. – ZUSCHAUER: 2000 (ausverkauft) – GELB: Amenyido, Reis, Müller – Krauße – SPIELNOTE: 3, kampfbetontes, schnelles Spiel, das dank der nie aufsteckenden Osnabrücker bis zuletzt spannend war. Die Ingolstädter hatten Glück, dass ihnen kurz nach dem Osnabrücker Blitzstart der schnelle Anschlusstreffer gelang. – SPIELER DES SPIELS: Marc Heider, riss wieder einmal mit seinem leidenschaftlichen Einsatz Team und Zuschauer mit, belohnte sich mit zwei schönen Toren und hatte zwei weitere gute Abschlüsse.
31. MAI 2021 tischen Spielverlauf zu erahnen, denn schon nach dem Abpfiff des Hinspiels hatte er eindringlich gewarnt „die Hingabe beizubehalten und demütig zu bleiben“. Diese Vorsicht mag aufgrund der glänzenden Ausgangsposition übertrieben gewirkt haben, doch wer den Coach kennt, weiß, dass er die Relegationswunden der Vergangenheit noch nicht vergessen hatte. Nach dem Schlusspfiff lobte der Coach sein Team: „Die Mannschaft hat es mehr als verdient. Es Henke verspricht einen sehr guten Zweitligakader. war eine unglaubliche Atmosphäre mit Zuschauern, der Gegner war bärenstark und wir haben uns mit allem gewehrt. Ich bin megastolz auf die Truppe.“ Den Grundstein zum Aufstieg legten die Schanzer dank eines magischen „Schröck-Moments“ aber bereits beim 3:0-Heimsieg im Hinspiel nach zwei Minuten. Der variable zentrale Defensivakteur stieß mit seinem Blitztor am Donnerstag die Tür zur Rückkehr in die von den Namen OSNAB RÜCK her am stärksten besetzte 2. Liga aller Zeiten auf. Für Ingolstadts Sportdirektor Michael Henke und den Technischen Direktor Florian Zehe beginnt nun eine heiße Phase, in der es darum geht, einen zweitligatauglichen Kader zusammenzustellen. Obwohl der Großteil der Leistungsträger bereits einen Vertrag für die kommende Spielzeit in Liga 2 hat, oder sich das Vertragspapier durch eine Option automatisch verlängert hat, geht es darum, die letzten Unklarheiten zu beseitigen. Henke ist guter Dinge, schon bald in Sachen Neuzugänge Vollzug vermelden zu können. „Wir arbeiten, wie schon öfter betont, im Hintergrund daran und so viel kann ich sagen: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Stand heute können wir mit gutem Gewissen sagen, dass wir mit einem sehr guten Kader in die Zweitligasaison starten werden.“ Die Vorfreude demnächst Hochkaräter wie Schalke 04, Werder Bremen und den Hamburger SV im Sportpark begrüßen zu dürfen, stand allen Schanzer Verantwortlichen nach dem Abpfiff an der Bremer Brücke ins Gesicht geschrieben. BERND KÖNIG FC I NGOL STADT 65 Der Trainer plant langfristig Oral: Auch in der 2. Liga will er ein Jäger sein M it dem Schrei „Jagen“ von Tomas Oral ist vieles erklärt. Diesen rief der FCI-Coach von der Seitenauslinie aus vollem Hals seinem Kapitän Stefan Kutschke und Linksverteidiger Dominik Franke in der 33. Minute des Hinspiels zu, um am gegnerischen Strafraum einen Osnabrücker Abwehrspieler zu einem Ballverlust zu zwingen. Dieses Kommando wie ein Donnerhall beschreibt genau, wie leidenschaftlich der Trainer in seiner dritten Relegation mitgeht. Der Ruf des 48-Jährigen hat ein paar Schrammen abbekommen, was auch seinem Verhalten in der Coachingzone und seiner mitunter deftigen Wortwahl geschuldet ist. Dazu kommt, dass der gebürtige Ochsenfurter mit unorthodoxen Motivationstricks in seiner Trainerlaufbahn für Aufsehen gesorgt hat. Erworben hat er sich den Ruf in der Saison 2014/15, als er vor dem letzten Spieltag den FSV Frankfurt auf Rang 16 übernahm und seine Spieler durch eine Auto-Waschstraße schickte. In Ingolstadt dagegen zählten bisher nur Motivationssprüche auf weißen Armbändchen zum Repertoire des streitbaren Geistes. Oral hat mit seiner Besessenheit in den letzten drei Spielzeiten der Schanzer Großes geleistet und wurde am Ende belohnt. Sein trotzig formuliertes Saisonziel Aufstieg, das er zu Saisonbeginn aussprach, hat der Wirbelwind – und wie sollte es auch anders sein – stilgerecht über die Relegation erreicht. Oral fühlt sich beim FCI wohl, möchte langfristig etwas aufbauen und sieht sich als Jäger auch eine Klasse höher noch nicht am Ziel. BERND KÖNIG Nach dem siebten Zweitliga-Abstieg beginnt das Stühlerücken – Feldhoff geht, Schmedes auch? Foto: Getty Images/Rose Eine fatale Wiederholung der ganzen Saison Der VfL Osnabrück muss den siebten Abstieg aus der 2. Liga verkraften. Seit 2000 versucht er sich somit vergeblich in der Zweitklassigkeit. Zwar ließen die Lila-Weißen ihrer blutleeren Vorstellung beim 0:3 in Ingolstadt eine engagierte wie ansehnliche Leistung und ein verdientes 3:1 folgen, doch letztlich war es auf die gesamte Relegation gesehen zu wenig. Da nutzte es auch nichts, dass die 2000 Zuschauer, die aufgrund eines vom Land Niedersachsen genehmigten Modellprojekts ins Stadion durften, die Mannschaft leidenschaftlich mitrissen. Nach dem 2:0-Blitzstart war die Mannschaft zwar drauf und dran, die Wende zu schaffen, scheiterte aber am Ingolstädter Kampfgeist – und zweimal auch noch am Pfosten (Heider und Kerk). „Wir haben das Gesicht gezeigt, das man in der gesamten Relegation hätte zeigen müssen“, sagte Trainer Markus Feldhoff, „jetzt sind wir am Boden zerstört. Es traurig, dass der Verein es nicht schafft, sich in der 2. Liga zu etablieren.“ Eine Erklärung Blankes Entsetzen: Osnabrücks Trainer Markus Feldhoff tröstet seine Spieler Timo Beermann (li.) und Keeper Philipp Kühn. für den Kontrast zu dem erbärmlichen Auftritt am vergangenen Donnerstag hatte der Fußballlehrer nicht. Seine Zeit in Osnabrück ist nach drei Monaten zu Ende, das bestätigte er nach dem Schlusspfiff. Möglicherweise verabschiedet sich auch noch Benjamin Schmedes, der erst Anfang des Jahres zum Geschäfts- führer Sport befördert worden ist und seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat. Doch eine Ausstiegsklausel ermöglicht ihm einen Wechsel; im Gespräch ist Hannover, das auch an VfL-Topscorer Kerk interessiert ist. Schon vor zwei Jahren hatte sich 96-Boss Martin Kind für den gebürtigen Hannoveraner Schmedes interessiert. So könnten Präsident Manfred Hülsmann und der im Januar 2021 von Mainz 05 gekommene Finanz-Geschäftsführer Michael Welling die einzigen Konstanten in der VfL-Führung sein, die den siebten Abstieg aus der 2. Liga nach 1984, 1993, 2001, 2004, 2009 und 2011 verarbeiten und korrigieren müssen. Und aufzuarbeiten gibt es eine Menge. In den Monaten zuvor hatte die Mannschaft zwar immer wieder ihr Potenzial angedeutet, rief aber unterm Strich die im Abstiegskampf benötigten Tugenden zu selten ab – so gesehen hat die Relegation die ganze Saison widergespiegelt. Einer Saison, in der der VfL nach sieben Spieltagen ungeschlagener Zweiter war und nach dem Jahresauftakt mit dem 2:1 in Kiel mit 22 Punkten auf der vermeintlich sicheren Seite stand. Am Ende steht für die schlechteste Rückrundenmannschaft, die zudem mit unglaublichen 13 Niederlagen an der Bremer Brücke am Stück einen neuen Negativrekord in Liga 2 aufstellte, zu Recht der Abstieg. HARALD PISTORIUS

67 Kruppke wird befördert Nach dem Abstieg aus der 2. Liga gilt es in BRAU N S C H WE I G auch, neue Strukturen im Verein zu schaffen. Daniel Meyer ist bei Eintracht Braunschweig Geschichte. Am Donnerstag gab der Zweitliga-Absteiger die wenig überraschende Trennung vom Trainer bekannt. Meyer besaß zwar noch einen gültigen Vertrag bis Sommer 2022, doch spätestens nachdem das Ziel Klassenerhalt in den letzten Saisonspielen auf so bittere Art verpasst wurde, galt der 41-Jährige als Gesicht des nun anstehenden Neuaufbaus nicht mehr vermittelbar. Wer dafür nun als neuer Chefcoach die Hauptverantwortung übernehmen soll, ist noch nicht geklärt. Die Eintracht diskutiert über einige Kandidaten. Als einer der Favoriten hat sich dabei Christian Neidhart herauskristallisiert. Der 52-Jährige hat in Meppen und nun auch bei RotWeiss Essen gute Arbeit geleistet und besitzt als gebürtiger Braunschweiger sowie als ehemaliger Jugendspieler der Eintracht das Potenzial, als neue Identifikationsfigur für die enttäuschte Anhängerschaft zu dienen. Dass es darauf neben fachlicher Kompetenz bei den Löwen im Zuge der Neustrukturierung verstärkt ankommt, zeigt die Beförderung von Dennis Kruppke vom Nachwuchschef zu einer Art Kaderplaner bei den Profis. Der Ex-Kapitän der Blau-Gelben soll als Ergänzung zu Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann agieren, der nach dem Abstieg stark in der Kritik steht, aber dennoch weitermachen soll. Als eine der ersten Handlungen für den Neustart in der 3. Liga konnte Vollmann nun die Vertragsverlängerung von Torwart Jasmin Fejzic bis Sommer 2023 bekannt geben. „Jasmin ist ein wichtiger Rückhalt für die Mannschaft und wird als Führungsspieler in der neuen Saison weiterhin eine wichtige Säule sein“, sagt Vollmann. Fejzic ist Profi Nummer zehn, den die Braunschweiger für die nächste Spielzeit bereits unter Vertrag haben. Ein großer Teil des aktuellen Kaders besitzt dagegen keinen gültigen Kontrakt mehr und wird den Klub verlassen. KA I S E R S L AU T E R N Foto: imago images/Hübner 3. LIGA 31. MAI 2021 Der Ex-Kapitän als Kaderplaner: Dennis Kruppke bekommt nach dem Abstieg ein neues Aufgabengebiet in Braunschweig. Wie genau sich das Aufgebot der Braunschweiger aufstellt, wird entscheidend auch vom neuen Cheftrainer abhängen. Neben Neidhart werden auch Alois Schwartz sowie Markus Kauczinski gehandelt. Die größten Chancen auf den Posten werden aktuell allerdings Neidhart eingeräumt, der aller- dings noch ein Jahr bei Regionalligist Essen unter Vertrag steht und mit Rot-Weiss theoretisch auch noch den Aufstieg schaffen kann. Sollte dieses Vorhaben nicht gelingen, könnte er in der nächsten Saison trotzdem in der 3. Liga an der Seitenlinie stehen – dann aber in seiner Heimatstadt Braunschweig. DANIEL MAU Kommt Mittelfeldspieler Klingenburg von Viktoria Köln? Antwerpen fordert künftig mehr Disziplin 95 Gelbe, vier Rote und vier Gelb-Rote Karten: Im Sammeln von Verwarnungen und Platzverweisen machte den Spielern des 1. FC Kaiserslautern in der abgelaufenen Saison niemand etwas vor. Das soll sich in der kommenden Spielzeit nicht wiederholen, machte Marco Antwerpen beim SWR klar. „An dieser Thematik müssen wir arbeiten“, forderte der Trainer. „Wir müssen definitiv ein besseres Zweikampfverhalten an den Tag legen und auch Disziplinlosigkeiten dürfen in dieser Form nicht mehr stattfinden.“ Alleine in der heißen Phase im Abstiegskampf schwächte sich der FCK Anfang April gleich in drei aufeinanderfolgenden Spielen selbst . Derweil will sich Antwerpen nach einem halben Jahr in der Pfalz für ein längerfristiges Engagement beim Traditionsverein einrichten. Wohnte der 49-Jährige bisher noch im Hotel, will er im Juni eine Wohnung beziehen. Mit einem aus seiner Sicht hoffentlich anderen Ausgang als bei seinem Fünf-Spiele-Intermezzo bei den Würzburger Kickers im Herbst 2020. „Ich hatte vier Tage eine Wohnung und konnte danach wieder ausziehen. Gott sei Dank bin ich aus dem Mietvertrag wieder rausgekommen“, erzählte Antwerpen. Nach seinem Umzug könnte er zum Trainingsauftakt wieder auf einen alten Bekannten treffen: René Klingenburg. Der Mittelfeldspieler wird Viktoria Köln nach kicker-Informationen verlassen und soll sich mit dem FCK und seinem früheren Trainer bereits einig sein. Klingenburg, der in einem Jahr in der Domstadt nicht überzeugte, war in der Saison 2018/19 unter Antwerpen beim damaligen Drittligisten Preußen Münster gesetzt, erzielte neun Tore und steuerte vier Vorlagen bei. Der 27-Jährige könnte für die Lauterer im zentralen Mittelfeld, offensiv wie defensiv, und auf der Acht zum Einsatz kommen. MORITZ KREILINGER
68 31. MAI 2021 54 TE I L N E H M E R an der 1. Runde stehen fest. Auch Magdeburg hat sich sportlich qualifiziert, muss aber noch bangen. M AG D EB U R G Der Kampf um den Die erfolgreiche Klage des Achtligisten Abtsdorf sorgt für Unruhe Erfolgreicher Saisonabschluss für Magdeburg: In einem dramatischen Duell mit dem Ligakonkurrenten und Dauerrivalen Halle setzten sich die Elbestädter in Halberstadt mit 3:2 durch. Kai Brünker und Florian Kath – jeweils auf Vorarbeit von Baris Atik – sowie Stipe Vucur per Eigentor in der 86. Minute trafen für den FCM, die Treffer des HFC erzielten Julian Derstroff und der eingewechselte Jan Shcherbakovski. Ob Magdeburg am ersten August-Wochenende nun aber tatsächlich in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals mitspielt, ist nach dem glücklichen Erfolg vom Samstag noch nicht endgültig ausgemacht. Seit der coronabedingten Aussetzung des Landespokalwettbewerbs gibt es Querelen zwischen dem Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) und einigen Amateurvereinen, und die beschäftigen die FSA-Gremien und Gerichte. Dabei geht es den unterklassigen Vereinen neben der Kritik am sogenannten „Qualifikationsspiel“ zur Ermittlung des DFB-Pokalstarters zwischen den H A LLE beiden Drittligisten Magdeburg und Halle vor allem ums Geld. Zuletzt hatte Achtligist SV Graf Zeppelin Abtsdorf geklagt und am vergangenen Freitag in zweiter Instanz zumindest zum Teil Recht bekommen. Nun will der FSA das Schiedsgericht als letzte sportgerichtliche Instanz anrufen. Bis 1. Juli ist der Starter an den DFB zu melden, ansonsten wären die 175 000 Euro Startgebühr, an denen auch kleine Vereine mit 25 Prozent partizipieren sollen, verloren. „Sportlich haben wir jetzt die Entscheidung, was auch unser Ziel war. Jetzt muss das Schiedsgericht noch angerufen werden und eine Entscheidung treffen, inwieweit das, was der Verbandsvorstand entschieden hat, bestätigt wird“, erklärte FSA-Geschäftsführer Frank Pohl im MDR. Unterdessen haben Team und Trainer sich nach dem letzten Saisonspiel in den Urlaub verabschiedet. Trainer Christian Titz berichtete, er und Sportdirektor Otmar Schork hätten sich abgesprochen: „Ich denke, er wird jetzt richtige und gute Entscheidungen treffen.“ HANS-JOACHIM MALLI Foto: GettyImages Warten auf das Schiedsgericht Was für ein Drama: Ein Eigentor des Hallensers Stipe Vucur (weiße Spielkleidung) bringt den 3:2-Siegtreffer für den 1. FC Magdeburg. Erste Derby-Niederlage dieser Saison liefert den Nachweis: Es besteht Handlungsbedarf Auf drei Positionen braucht der HFC Verstärkung Trotz starker Moral hat der Hallesche FC den dritten Derbysieg dieser Saison verpasst: Mit 2:3 verloren die Rot-Weißen am Samstag das Qualifikationsspiel für den DFB-Pokal gegen den 1. FC Magdeburg, unglücklich besiegelt durch ein Eigentor von Abwehrchef Stipe Vucur kurz vor Schluss. Entscheidend für die Niederlage waren Schwächen im Mittelfeldzentrum, wo dem HFC mit Antonios Papadopoulos eine Stütze fehlte, der gebürtige Stutt- garter war aus privaten Gründen nicht dabei. „Da hatten wir nicht die Balleroberungen wie zuletzt, konnten das Spiel der Magdeburger nicht gut stören“, analysierte Trainer Florian Schnorrenberg, der zwei Tage vor dem Spiel erwartungsgemäß einen neuen Vertrag bis 2023 unterschrieben hatte. Dazu kamen fatale Konzentrationsschwächen. In der ersten Halbzeit spielte Vucur direkt nach dem 0:1 einen Fehlpass, Magdeburg gelang so der Doppelschlag zum 0:2. Und nach Jan Shcherbakovskis verdientem Ausgleichstor in der 85. Minute war der HFC in seiner Euphorie ungeordnet und geriet direkt wieder in Rückstand. Zuvor hatte Julian Derstroff in der 70. Minute verkürzt. „Der Ballverlust vor dem 0:2 hat uns richtig wehgetan, wir haben gebraucht, um uns davon zu erholen“, sagte Schnorrenberg. „Die Mannschaft ist dann aber stark zurückgekommen. Bitter, dass es nach dem 2:2 direkt wieder klingelt, weil das Momentum eigentlich für uns gesprochen hat.“ So endete eine solide Saison, in der unter anderem zwei Derby- siege in der 3. Liga gelangen, mit einer Enttäuschung. Viel Zeit für Frust bleibt aber nicht. Schon in zweieinhalb Wochen, am 18. Juni, startet die Vorbereitung. Bis dahin wollen Schnorrenberg und der neue Sportchef Ralf Minge den Kader verfeinern. Verträge von Stammkräften wie Vucur und Papadopoulos laufen aus. Dazu zeigte der Samstag erneut, dass Handlungsbedarf besteht: Für die Außenbahnen, sowohl defensiv wie offensiv, und das Mittelfeldzentrum müssen Verstärkungen her. FABIAN WÖLFLING
31. MAI 2021 69 DFB-Pokal: Die Auflösung V ERAND S P O KA L- E N D S P I E L E Saarbrücken scheitert Wurtz wirbelt für Wehen Wiesbaden rei der vier Drittligisten, die es gelang Andreas Schön mit dem 2:1 am Samstag in den Endspienoch Ergebniskosmetik. Anschlielen um die Verbandspokale ßend, bei einer internen Saisonabmit unterklassigen Gegnern zu tun schlussfeier, verabschiedeten die hatten, wurden ihrer Favoritenrolle Mannheimer zehn Spieler, darunter gerecht und sind in die 1. Hauptrunde mit Markus Scholz der dienstälteste des DFB-Pokals eingezogen. Nur der Spieler der Mannheimer. Der 33 Jahre 1. FC Saarbrücken strauchelte, muss- alte Torhüter stand seit 2015 beim te sich dem Regionalligisten SV ElSVW unter Vertrag und erlebte drei versberg mit 0:1 geschlagen geben. Niederlagen in den Aufstiegsspielen Somit ist der FCS – im Frühjahr zur 3. Liga, einen Aufstieg und zwei 2020 noch DFB-Pokal-Halbfinalist Kreuzbandrisse. Ob Scholz dem Klub (0:3 gegen Leverkusen) – in der zweiin einer anderen Funktion erhalten ten Saison in Folge nicht dabei, im bleibt oder seine Laufbahn bei einem Vorjahr war er am anderen Verein FC Homburg gefortsetzt, ist derBisher ist erst ein scheitert. Das Tor zeit noch unklar. Klub von unterhalb des Tages für die Olaf Janßen von Horst Steffen der Regionalliga dabei. freute sich dietrainierten Elbisch über das 2:0 versberger erzielte seines FC Viktoria Eros Dacaj in der 76. Minute, nachKöln gegen Alemannia Aachen: „Wir dem die SVE bereits zuvor zahlreiche haben rundherum verdient gewonHochkaräter vergeben hatte. nen und das Spiel jederzeit im Griff Beim 3:0 des SV Wehen Wiesbagehabt“, sagte der Trainer nach dem den gegen Regionalligist Steinbach insgesamt souverän herausgespielerzielte Johannes Wurtz einen lupenten Erfolg gegen den Regionallireinen Hattrick. Damit deutete der gisten. Die Tore schossen Jeremias Offensiv-Allrounder an, dass für die Lorch und Kapitän Mike Wunderlich. Hessen in der zurückliegenden SaiAußer diesen Drittliga-Klubs son vielleicht mehr möglich gewesen sind am Samstag – neben der SV Elwäre, wenn er nicht die halbe Spielversberg sowie Preußen Münster zeit verletzungsbedingt verpasst hätund den Sportfreunden Lotte (waren te. Derweil meldeten die Hessen neue beide bereits qualifiziert) – sieben Personalien: Torwart Arthur Lyska weitere Viertligisten der kommenden verlängerte bis 2022, aus der A-JuSaison für den DFB-Pokal qualifiziert, gend rückt Lucas Becker auf (Vertrag auch Drittliga-Absteiger SV Meppen. bis 2022). Verabschiedet wurden neDie Emsländer hatten gegen den ben Moritz Kuhn und Phillip Tietz SV Drochtersen/Assel früh mit 0:2 auch Stefan Aigner, Marvin Ajani, in Rückstand gelegen (Tore: Sören Michael Guthörl, Matthias Hamrol, Behrmann und Oliver Ioannou), Michel Niemeyer und Benedikt RöChristoph Hemlein per Foulelfmecker sowie die Leihspieler Maurice ter und Luka Tankulic glichen aus, Malone und Tim Walbrecht. Für zwei einen weiteren Strafstoß verschoss weitere Jahre fest verpflichtet wurde Hemlein. Im Elfmeterschießen setzte Kevin Lankford, bislang von St. Pauli sich Meppen mit 4:3 durch. nur ausgeliehen. Der bisher klassentiefste VerDer SV Waldhof hatte gegen ein im DFB-Pokal ist Fünftligist den Regionalligisten FC-Astoria Greifswalder FC. Nachdem der PoWalldorf durch Tore von Kapitän kal-Wettbewerb in Mecklenburg-VorMarcel Seegert und Joseph Boyamba pommern abgebrochen worden war, zur Pause einen 2:0-Vorsprung herwurde der Oberliga-Klub vom Lanausgeschossen, in der Nachspielzeit desverband nominiert. nic Foto: picture-alliance D Gut in Schuss: Johannes Wurtz, der von Oktober bis Februar verletzt gefehlt hatte, erzielte alle drei Treffer für Wiesbaden. FI NALTAG DE R AMATE U RE Berlin: Mittelrhein: Niederrhein: Westfalen: Baden: Hessen: Rheinland: Saarland: Sachsen: Württemberg: Brandenburg: Niedersachsen: Sachsen-Anhalt: BFC Dynamo – Berliner AK 07 2:1 FC Viktoria Köln – Alemannia Aachen 2:0 Wuppertaler SV – SV Straelen 2:1 Sportfreunde Lotte – Preußen Münster 0:1 Waldhof Mannheim – FC-Astoria Walldorf 2:1 TSV Steinbach Haiger – SV Wehen Wiesbaden 0:3 TuS Rot-Weiß Koblenz – VfB Linz 6:1 SV Elversberg – 1. FC Saarbrücken 1:0 1. FC Lokomotive Leipzig – Chemnitzer FC n. V. 1:0 TSG Balingen – SSV Ulm 1846 Fußball 0:3 FSV Union Fürstenwalde – SV Babelsberg 03 0:2 SV Drochtersen/Assel – SV Meppen 2:2, Elfmeterschießen 3:4 Hallescher FC – 1. FC Magdeburg 2:3 Für den DFB-Pokal qualifizierte Klubs in Fettdruck. Drittligisten 2020/21 in blau. So ist der Stand in den übrigen Landesverbänden In Bayern, Schleswig-Holstein, Südbaden, Südwest und Thüringen soll der Wettbewerb bis Ende Juni sportlich beendet werden. Die Meldungen für die 1. DFB-Pokal-Hauptrunde müssen bis 1. Juli erfolgen. Bremen: Sollte es nicht möglich sein, den Wettbewerb bis Ende Juni sportlich zu beenden, wird der FC Oberneuland als ranghöchster Bremer Verein (Regionalliga) gemeldet. Hamburg: Ein Verbandstag am 4. Juni soll über den Abbruch des Wettbewerbs entscheiden. Mecklenburg-Vorpommern: Der Wettbewerb wurde am 19. Mai abgebrochen. Da Hansa Rostock bereits über die 3. Liga für den DFB-Pokal qualifiziert ist, rückt der Greifswalder FC als zweitbeste Mannschaft nach. Besonderheiten Dynamo Dresden, Hansa Rostock, der FC Ingolstadt 04 und der TSV München 1860 haben die Teilnahme an der 1. DFB-Pokal-Runde 2021/22 bereits über die Endplatzierung in der 3. Liga sicher. Bayern, Niedersachsen und Westfalen dürfen je zwei Teilnehmer melden. In Bayern qualifiziert sich neben dem Landespokalsieger der Sieger des erstmals ausgespielten Ligapokals. Aktuell sind noch sieben Mannschaften im laufenden Wettbewerb. In Niedersachsen gibt es neben dem Pokal für die Dritt- und Regionalligisten (siehe oben) noch einen für die Klubs ab Oberliga abwärts. Hier sind noch elf Vereine im Wettbewerb. Westfalen vergibt dieses Jahr den zweiten Startplatz an die bestplatzierte westfälische Mannschaft in der Regionalliga (Preußen Münster). Somit stehen beide Finalisten bereits als Teilnehmer am DFB-Pokal 2021/22 fest.
70 31. MAI 2021 Mit Ziegner zurück zu alten Werten T ÜRKGÜ CÜ Das Chaos war groß: Ein Jahr 2. Liga hat bei den WÜR ZBUR G ER KICKER S viele Scherben hinterlassen. Foto: imago images/VIADATAOLAY Da sind sie wieder, die Würzburger Kickers. Nicht einmal zwölf Monate dauerte der Ausflug in die 2. Liga. Hinter den Unterfranken liegt ein Jahr voller Irrungen und Wirrungen. Der vermeintliche Aufbruch in die globale Fußballwelt endete geradewegs in der Sackgasse. Mit dem Abstieg ist das im Januar 2020 gestartete Projekt Global Soccer des Investors Flyeralarm mit Felix Magath an der Spitze beendet worden. Es ist krachend gescheitert. Was bleibt, sind viele Scherben. Vier verschiedene Trainer und eine abenteuerlich anmutende Transferpolitik haben das Grundvertrauen in den Klub und seine Entscheidungsträger erschüttert. Es braucht, das haben sie in Würzburg verstanden, einen Neuanfang. Die Kickers wären gerne bald wieder das, was sie vor Magath waren: Ein Klub, der für kontinuierliche Arbeit steht, bei dem sich Talente entwickeln können. So wie damals, als Michael Schiele drei Jahre lang als Trainer im sportlichen Bereich fast alle Fäden zog und Daniel Sauer als Präsident und Vorstandsvorsitzender den Verein führte, wird es freilich nicht mehr werden. Sauer wird den Klub Ende Juni verlassen. Sein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender, Christian Förster, kommt vom nicht mit den Kickers verbandelten Vermarkter Sportfive und soll für wirtschaftliche Kompetenz stehen. Den sportlichen Neuaufbau soll Sebastian Schuppan organisieren. Der Ex-Kapitän, der bereits im vergangenen Herbst als Vorstand Sport vorgestellt wurde, stand bei der Trainersuche vor seiner ersten Herausforderung. Die Kickers, so hieß es, wollten sich in Zukunft als Ausbildungsverein definieren. Der neue Trainer solle Spieler weiterentwickeln können. Christian Preußer galt als der Mann, der perfekt zu diesem Profil passen würde. Nur interessierte sich plötzlich auch Fortuna Düsseldorf für den Coach des SC Freiburg II, Er soll es jetzt richten: Torsten Ziegner ist der neue Trainer der Würzburger Kickers. und Würzburg war aus dem Rennen. So lautet die Botschaft nach der Trainerfindung nun: keine Experimente. Mit Torsten Ziegner soll ein Coach, der in Zwickau und Halle reichlich Drittliga-Erfahrung gesammelt hat, dafür sorgen, dass der Verein sich in der kommenden Saison schnell stabilisiert und nicht weiter ins Trudeln gerät. „Der ideale Trainer für den Neustart“, findet Schuppan, der glaubt, dass Ziegner für die nötige Aufbruchsstimmung sorgen könne. Mickels kommt aus Duisburg UE R DI NGE N Als Neuzugänge verpflichtet wurden bislang nur Nachwuchsspieler. 13 Akteure aus dem Zweitligakader wurden verabschiedet. Eine feste Achse soll bleiben. Torhüter Hendrik Bonmann oder die Abwehrspieler Lars Dietz und Tobias Kraulich haben in der 2. Liga wertvolle Erfahrungen gesammelt. Wie die Zukunft von Patrick Sontheimer, dem einzigen Kickers-Spieler, der in der vergangenen Saison immer gesetzt war, aussieht, ist noch ungeklärt. FRANK KRANEWITTER Kaderplanung und Trainerfrage Ein Duo verlängert Es droht wieder Hektik So holprig die erste Saison im Profifußball auch war, so sehr scheint Türkgücü München derzeit bemüht, künftig ein etwas stimmigeres Bild abzugeben. Während der Abgang von Co-Trainer Andreas Pummer, der den Verein von der Landes- in die Regionalliga geführt hatte und in der abgelaufenen Saison zweimal als Interimscoach eingesprungen war, noch überraschte, waren die Vertragsverlängerungen von Geschäftsführer Max Kothny und dem Sportlichen Leiter Roman Plesche gute Zukunftssignale. Der erst 24-jährige Kothny ist bereits seit 2017 im Verein tätig, seit März 2020 als Geschäftsführer. Zeit- Am 23. Juli wird der Ball in der 3. Liga wieder rollen. Plant man eine ordentliche Vorbereitung über fünf Wochen ein, müsste auch der KFC Uerdingen irgendwann Mitte Juni das Training wieder aufnehmen. Doch immer noch stellt sich die Frage: Wer wird die Mannschaft anleiten? Und vor allem: Wer wird diesem Team angehören? Auch am Wochenende war nichts zu erfahren, was der neuen Klubführung um den armenischen Investor Roman Gevorkyan vorschwebt. Auch die neuen KFC-Gesellschafter lassen wie ihr Vorgänger Mikhail Ponomarev Öffentlichkeit und Fans nicht gleich trat auch der 34-jährige Plesche seine Stelle als Kaderplaner an. An Arbeit wird es ihnen nicht mangeln. Bis zum Vorbereitungsbeginn am 15. Juni soll dem neuen Trainer Petr Ruman ein wettkampftaugliches Team zur Verfügung gestellt werden, aktuell stehen gerade einmal zwölf Spieler unter Vertrag. Darunter auch Sercan Sararer, dessen Zukunft weiter offen ist. Nicht mehr mit an Bord ist Kilian Fischer, der zum 1. FC Nürnberg wechselt. Stattdessen schließt sich Offensivspieler Leroy-Jacques Mickels zur neuen Saison den Münchnern an. Der 25-Jährige kommt vom MSV Duisburg. MATTHIAS HORNER an ihren Überlegungen teilhaben, verkünden nur Entscheidungen. Es droht eine hektische Kaderzusammenstellung wie im Vorjahr, als Spieler noch weit in die Saison-Vorbereitung hinein verpflichtet wurden, das Team lange brauchte, um sich zu finden. Das Insolvenzverfahren soll in den kommenden Tagen zugunsten der Lizenzierung abgeschlossen werden. Gespannt darf man sein, ob sich der Klub dann erklärt. Zuletzt hatte Teamchef Stefan Reisinger anklingen lassen, dass er sich mehr Verantwortung wünsche. Ob und in welcher Rolle er aber künftig in Uerdingen zu sehen sein wird, steht ebenfalls nicht fest. ANDRÉ LERCH
31. MAI 2021 DUISBURG 71 Der Torhüter soll bleiben Als Rekordtrainer der 3. Liga hat Pavel Dotchev schon viel erlebt, im Zuge seines Engagements beim MSV Duisburg ist der 55-Jährige nun aber um einige Erfahrungen reicher. „Ich hatte einige schlaflose Nächte“, gesteht der Coach. Der Klassenerhalt war kein Selbstläufer, bis zum Schluss mussten die Zebras um ihn kämpfen. In der nächsten Saison will der Deutsch-Bulgare etwas ruhiger schlafen. Dazu beitragen soll eine bessere Kaderplanung als im Vorjahr. „Die Mannschaft muss stärker werden, damit uns das nicht noch einmal passiert“, sagt Dotchev. Die letzten Saisontage haben Spuren bei ihm hinterlassen. „Wir sind sogar mit Eiern beworfen worden. Das war ein Tiefpunkt für mich. Dabei denke ich, dass wir schon etwas erreicht haben.“ Der Trainer mahnt aber zur Geduld. Er will keine Schnellschüsse. „Es macht keinen Sinn, den Kader aufzufüllen, nur um früh fertig zu sein“, so Dotchev. Da die 2. Liga später in die Saison startet, erwartet der Trainer, dass noch Spieler auf den Markt kommen, die es bei ihrem Stammklub V ERL nicht geschafft haben. Als erste Neuzugänge sind der frühere Bochumer Abwehrspieler Felix Bastian und Mittelfeldmann Yannick Deichmann (26, Lübeck) im Gespräch. Der MSV hat bereits acht Akteure verabschiedet, weitere Abgänge werden folgen. Auch bei Mittelfeldspieler Wilson Kamavuaka (31), bei dem der MSV eine Option ziehen könnte, und bei Stürmer Aziz Bouhaddouz (34) stehen die Zeichen eher auf Trennung. Winterzugang Federico Palacios (26) würden die Duisburger gerne halten. Der Mittelfeldspieler war aber als Leihspieler bei den Zebras am Ball und steht noch beim SSV Jahn Regensburg unter Vertrag. Mit Marlon Frey (25), der im Winter vom SV Sandhausen gekommen war, haben die Zebras hingegen bis 2023 verlängert. Der defensive Mittelfeldspieler trug entscheidend zum Klassenerhalt bei. Auch Innenverteidiger Stefan Velkov, der ebenfalls zur Rückrunde gekommen war, bleibt. Der 24-Jährige, der bis 2022 verlängerte, spielte aber verletzungsbedingt keine Rolle. Um Leo Weinkauf kämpft der MSV noch. Der Torhüter kam Der Torhüter kommt vom SC Freiburg Foto: imago images/Team 2 Walds Argumente für Weinkauf Umworbener Torhüter: Leo Weinkauf hat sich in den Blickpunkt mehrerer Vereine gespielt. Präsident Ingo Wald hofft, dass er trotzdem in Duisburg bleibt. vor zwei Jahren auf Leihbasis vom Zweitligisten Hannover 96. Das Leihgeschäft läuft nun aus, die Niedersachsen signalisierten dem 24-Jährigen allerdings bereits, dass sie ohne ihn planen. Weinkauf spielte sich in der abgelaufenen Saison in den Fokus. Mit einem kicker-Notenschnitt von 2,76 erreichte der Oldenburger den zweitbesten Wert aller Spieler der Liga hinter dem Rostocker Keeper Markus Kolke (2,67). Mehrere Zweitligisten haben ein Auge auf den 24-Jährigen geworfen – aber nicht als Nummer 1. „Bei uns wäre er als Stammtorhüter gesetzt“, sagt MSV-Präsident Ingo Wald (63), der hofft, dass Weinkauf in Duisburg die beste sportliche Perspektive für sich sieht. DIRK RETZLAFF V I K TOR I A BE R L I N Olympiastadion als Lösung Thiede ist der Siebte Pinckert ist der Erste Der Finaltag der Amateure bescherte Raimund Bertels einen trüben Moment. In der Sportclub-Arena fand das Endspiel um den Westfalenpokal statt, Verl war nur Gastgeber. „Ich habe nicht gerne zugeschaut“, gab der SCV-Präsident zu, dessen Mannschaft im Halbfinale mit 0:3 an Preußen Münster gescheitert war. Immerhin war Neuzugang Joel Grodowski an der Entscheidung beteiligt, ein Foul an ihm führte zum Elfmeter, durch den Münster mit 1:0 gegen Lotte gewann. Der Stürmer steht in der nächsten Saison zusammen mit Niclas Thiede im Verler Kader. Der 22-jährige Torhüter kommt Für die Verantwortlichen des designierten Aufsteigers Viktoria Berlin ist Durchatmen angesagt. „Nach intensiven wie kräftezehrenden Wochen sind alle Verträge unterschrieben, und alle nötigen Unterlagen für die Lizenz beim DFB eingereicht. Damit haben wir unsere Schuldigkeit getan“, sagt ein erleichterter Geschäftsführer Peer Jaekel, wobei das Problem des Aufsteigers bisher die fehlende Heimstätte war. Nun hat eine Vereinbarung mit dem Berliner Senat, der die Kosten für die Nutzung des Olympiastadions übernimmt, es möglich gemacht, „dass wir“, so Jaekel, „entspannt auf einen positiven auf Leihbasis für ein Jahr aus Freiburg. Für den SC absolvierte Thiede 2019 sogar ein Bundesligaspiel. Ansonsten wurde er hauptsächlich in der U 23 eingesetzt, die wohl in die 3. Liga aufsteigt. Thiede ist der siebte Neuzugang, von denen sechs aus der Regionalliga und einer aus der Oberliga kommen. Weiter offen ist, wo Verl in der nächsten Saison seine Heimspiele austrägt. Bertels hofft immer noch auf eine Ausnahmegenehmigung für die Sportclub-Arena vom DFB. Ansonsten müsste im 70 Kilometer entfernten Lotte gespielt werden. Auch dort würde Bertels nicht gerne zuschauen. WOLFGANG TEMME Bescheid aus Frankfurt warten können“. Als erster Neuzugang wurde die Verpflichtung von Lukas Pinckert bekannt. Der 21-Jährige kommt vom Hamburger SV II, wo er alle Nachwuchsstationen durchlaufen hat und zuletzt in der Regionalliga Nord für die zweite Mannschaft als Innenverteidiger auflief. „Ich plane mit ihm aber für das rechte Mittelfeld“, so Viktorias Coach Benedetto Muzzicato: „Mit seiner Art Fußball zu spielen, aber auch mit seiner Mentalität, passt er genau in unsere Philosophie.“ Allerdings gilt Pinckerts Vertrag nur bei Drittklassigkeit. Doch daran zweifelt bei Viktoria niemand mehr. MARTIN EISEN
72 31. MAI 2021 Mister Zuverlässig tritt ab 18 6 0 MÜN C HE N 275 Einsätze hat JU LIUS R E INH AR DT (33) in der 2. und 3. Liga absolviert. Jetzt mach der Zwickauer Schluss. Foto: Picture Point Mister Zuverlässig verlässt die große Fußballbühne! Nach 275 Einsätzen in der 2. und 3. Liga macht Julius Reinhardt Schluss. „Es ist keine Entscheidung von heute auf morgen“, betont der Mittelfeldmann, der zuletzt beim FSV Zwickau nicht mehr spielte: Reinhardt leidet aktuell am Pfeifferschen Drüsenfieber. Das letzte Jahr verlief nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. „Ich war nicht richtig zufrieden mit mir. Meine eigenen Ansprüche liegen höher“, sagt der 33-Jährige. Dass er nicht mehr zu alter Leistungsstärke fand, lag an einer Sprunggelenk-Operation im Sommer. „Ich habe die letzten Wochen der vergangenen Saison nur noch unter Schmerzen gespielt und hätte die OP früher machen müssen. Aber ich wollte mich in den Dienst der Mannschaft stellen und den Abstieg verhindern“, blickt Reinhardt zurück. In einem Herzschlagfinale hielt er mit Zwickau die Klasse. „Wir waren nach der Niederlage in Münster schon abgestiegen und haben es doch noch geschafft. Mental und körperlich waren diese Wochen eine riesige Herausforderung“, meint Reinhardt. Es war die Zeit, in der seine Tochter geboren wurde und die Gedanken an das mögliche Karriereende stärker wurden. Dass seit Monaten keine Fans mehr im Stadion waren, hat ihm den Abschied etwas leichter gemacht: „Ich habe kürzlich ein paar Videos von mir angeschaut mit Spielen von früher. Unfassbar, wie gigantisch die Stimmung mit Zuschauern war. Seit Corona ist es in den Stadien trist und traurig.“ Jetzt ist Schluss: Nach über einem Jahrzehnt in Deutschlands Profiligen hört Julius Reinhardt auf. Reinhardt wurde beim Chemnitzer FC ausgebildet. Als er 2010 im Landespokal gegen Dynamo Dresden zwei Treffer erzielte und im anschließenden Finale beim 3:2 gegen Erzgebirge Aue ebenfalls erfolgreich war, öffneten sich die Tore in die weite Fußballwelt für ihn. Trainer Torsten Lieberknecht holt den damals 22-Jährigen zu Eintracht Braunschweig. Ein Jahr später stieg er mit den Niedersachsen in die 2. Liga auf. Dieses Kunststück schafft Reinhardt im Jahr 2014 auch mit dem 1. FC Heidenheim unter Trainer Frank Schmidt. Doch es gab nicht nur Höhen. „Ich habe in Offenbach und Chemnitz zwei Insolvenzen miterlebt. Das waren die Tiefpunkte“, verrät Reinhardt, der 2016 zu seinem Heimatverein zurückkehrte und 2018 mit dem CFC abstieg. Für Reinhardt ging es trotzdem in der 3. Liga weiter. In Zwickau fand er das, was er zuvor in Chemnitz schmerzlich vermisst hatte: „Ein unheimlich schönes Miteinander, Harmonie, Gemeinschaft. Der FSV hat mir den Spaß am Fußball zurückgebracht.“ Auch Mittelfeldspieler Felix Drinkuth (26) geht, sein zum 30. Juni auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Drinkuth ist bereits der neunte Spieler, der den Verein verlässt. OLAF MORGENSTERN Der Verein und der Investor feiern ein denkwürdiges Jubiläum Ismaik: Weitere zehn Jahre Leidenschaft pur Rosenhochzeit statt Rosenkrieg. In der Ehe zwischen dem TSV 1860 und Hasan Ismaik war gestern ein virtueller Strauß Blumen fällig: Exakt zehn Jahre ist es her, dass der Münchner Kultverein 60 Prozent seiner Anteile an den jordanischen Geschäftsmann verkaufte (davon elf Prozent stimmlos). Was mit Dauerstreit und zermürbenden Machtkämpfen begann, wirkt noch immer nicht uneingeschränkt harmonisch, aber zunehmend professionell. Ismaik nahm das Jubiläum zum Anlass, via Facebook zurückzublicken. „Es gab schöne Momente, aber auch sehr herausfordernde Ereignisse“, schrieb der Mehrheitsgesellschafter der Löwen: „Wir haben Erfolge gemeinsam gefeiert und auch gemeinsam gelitten. Aber vielleicht ist diese Mischung genau das, was diesen wunderbaren Traditionsverein ausmacht: Leidenschaft pur!“ Am Tiefpunkt, nach dem Doppelabstieg 2017, änderten beide Seiten ihre Strategie. Die früher im Streit ausgelebte Leidenschaft wird nun besser kanalisiert. Ismaik schluckt die Schuldenbremse des Vereins, die ihn eines Druckmittels beraubt, sendet aber eine klare Botschaft aus: Aufgeben wird er seine Anteile nie – egal was seine Kritiker anstellen. Sämtliche Versuche des Vereins, Ismaik loszuwerden, sind gescheitert. Der Investor handelt nach dem Motto: Wenn du deine Gegner nicht besiegen kannst, dann umarme sie. Im Schluss- wort seines Jubiläums-Posts geht Ismaik weiter auf die Investoren-Skeptiker zu. Für die nächsten zehn Jahre wünsche er sich „eine kontinuierliche sportliche Weiterentwicklung, eine professionelle Außendarstellung sowie ein friedliches und produktives Miteinander“. Der Anfang sei gemacht: „Jetzt liegt es an uns allen, die Geschichte weiterzuschreiben und etwas zu schaffen, das der Tradition unseres Klubs gerecht wird.“ Er jedenfalls wolle „keinen Tag missen“. ULI KELLNER
73 Jabiri denkt an das Jahr 2015 Der FC 05 kämpft nun gegen den TSV Havelse um den Drittliga-Aufstieg. Für den Routinier würde damit ein großer Traum in Erfüllung gehen. Adam Jabiri hat schon viel erlebt in seiner Karriere. An diesem Donnerstag wird der Torjäger des FC Schweinfurt 05 37. Seine Karriere neigt sich also dem Ende zu – in Bayreuth hat er allerdings noch einmal Großes geleistet: Jabiri war an allen vier Treffern der Nullfünfer beim 4:0Sieg über die SpVgg beteiligt und hat sein Team damit maßgeblich zum Gewinn der Meisterschaft geführt. Das bedeutet auch: in die Relegation zur 3. Liga. Allzu gerne würde sich der Architekt mit dem Aufstieg einen großen Traum erfüllen: „Dann wäre ich mit beiden großen Vereinen der Region in den Profifußball aufgestiegen. Das würde mich unglaublich stolz machen.“ Im Jahr 2015 war ihm das bereits mit den Würzburger Kickers gelungen. Damit der Traum nun Realität wird, gilt es am 12. Juni zu Hause im Willy-Sachs-Stadion und am 19. Juni gegen den Nord-Vertreter TSV Havelse zu bestehen – eine Mannschaft, die seit dem 25. Oktober kein Pflichtspiel mehr bestritten hat. Und gegen die der FC 05 nach dem gemeinsamen Zweitliga-Jahr 1990/91 erst einmal gespielt hat: Im Trainingslager im Februar 2020 gewannen die Schweinfurter, noch personell anders aufgestellt, mit 1:0. Die sportlich bedeutungslose Partie zwischen dem FC 05 und B AY R EU T H Foto: imago images/HMB-Media F U S S B A L L I N B AY E R N 31. MAI 2021 Will zum zweiten Mal nach 2015 den Aufstieg in die 3. Liga schaffen: Schweinfurts Adam Jabiri Viktoria Aschaffenburg am Dienstag soll stattfinden, nicht zuletzt, weil der Bayerische-Fußball-Verband (BFV) da die Schweinfurter offiziell zum Meister ernennen will. Womöglich vor 250 Zuschauern. „Es ist unser Anspruch, die Runde mit zwölf Punkten abzuschließen und die Chance auf den DFB-Pokal aufrechterhalten zu wollen, auch wenn wir personell rochieren werden“, sagte Trainer Tobias Strobl. Jabiri wird wohl nicht auflaufen. „Ich spüre es schon, wenn ich ständig 90 Minuten spiele.“ Er bevorzugt am Samstag die Relegations-Generalprobe in der Ligapokal-Trostrunde gegen den TSV Aubstadt: „Klar, gegen Christopher Bieber“ – den ehemaligen Kickers-Mitstreiter. Derweil fordert Geschäftsführer Markus Wolf für das Hinspiel in der Relegation, dass Zuschauer im Willy-Sachs-Stadion zugelassen werden. Eine Ausnahmegenehmigung für 3000 bis 5000 Fans unter strengen Hygieneauflagen halten sie für realistisch angesichts der gesunkenen Inzidenz in der Stadt und im Landkreis. MICHAEL BAUER Bayreuth – Schweinfurt 0:4 (0:2) Bayreuth: Kolbe – Messingschlager, E. Schwarz, St. Eder (46. Moos), Götz (74. Kaymaz) – C. Wolf, Lippert (60. Weimar) – Danhof, Knezevic (60. Makarenko) – Maderer (46. Nollenberger), Ziereis – Trainer: Rost Schweinfurt: Zwick – Grözinger (88. Cekic), Billick, Rinderknecht, Haas – Fery (87. Yarbrough), Böhnlein, Adlung (80. Ph. Maier), Thomann – Suljic (67. Marinkovic), Jabiri (80. Pieper) – Trainer: Strobl Tore: 0:1 Jabiri (13.), 0:2 Jabiri (26.), 0:3 Götz (53., ET), 0:4 Marinkovic (79.) – SR: Haslberger (St. Wolfgang) – Zuschauer: 500 (ausverkauft) – Bes. Vorkommnis: Kolbe hält FE von Marinkovic (70.) Illertissen wartet im Ligapokal-Halbfinale – Es fehlt ein zweiter Sechser Rost bleibt nicht viel Zeit zum Wunden lecken Lange Zeit, die Wunden zu lecken, bleibt bei der SpVgg Bayreuth nicht. Nach der 0:4-Pleite und dem Ende der Aufstiegsträume wartet im Ligapokal-Halbfinale der FV Illertissen. Und auch Trainer Timo Rost wollte sich nicht allzu lange mit der Partie gegen Schweinfurt beschäftigen. „Mein Dank gilt den Fans“, richtete er seine Worte an die 500 treuen Anhänger, die auf den Rängen eine ähnlich starke Leistung ablieferten wie die Gäste auf dem Feld. Hiermit konnten die Bayreuther nicht Schritt halten. Ähnlich wie im Hinspiel kontrollierten die nicht ganz so forsch auftretenden Schnüdel das Geschehen und bestraften zwei Bayreuther Fehler eiskalt. Sebastian Kolbe legte Adam Jabiri den ersten Treffer auf, den zweiten servierte Steffen Eder. Rost haderte derweil mit zwei hochkarätigen Chancen nach der Pause. Es wurde deutlich, was den Altstädtern fehlt: Im zentralen Mittelfeld spielte nach dem Ausfall von Christopher Kracun (Knieoperation) mit Dennis Lippert bereits der vierte Akteur neben Chris Wolf als Sechser. Vollends überzeugen konnte dort kein einziger: Die Außenbahnspieler Lippert und Patrick Weimar sowie Ivan Knezevic fühlen sich anderswo wohler, Edwin Schwarz überzeugte auf der Manndeckerposition. NIK KORZENDORFER LIGA POKA L Nur drei Tage nach der 0:4-Play-off-Niederlage gegen den 1. FC Schweinfurt 05 treten die Bayreuther an diesem Dienstag im heimischen Hans-Walter-Wild-Stadion im Ligapokal-Halbfinale gegen den FV Illertissen an (18.30 Uhr). Der Gewinner dieser Partie trifft dann im Ligapokal-Finale um einen Startplatz im DFB-Pokal auf den VfB Eichstätt.
74 31. MAI 2021 AS CH A FF E N B UR G R EGI O N AL L IG A S ÜD WEST Seitz läutet den Urlaub ein Nach Clay Verkaj (Innenbandanriss) und Ugurtan Kizilyar (Zerrung) erwischte es bei der Pokalpleite in Burghausen auch Philipp Beinenz (Muskelfaserriss). Daher sah Trainer Jochen Seitz das 1:2, bei dem er seine Elf auf acht Positionen geändert hatte, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir wären gerne weitergekommen, aber es ist auch gut, dass die Tortur jetzt vorbei ist.“ Soweit möglich, sollen die Spieler schon in Urlaub fahren, damit sie zum Vorbereitungsbeginn am 14. Juni wieder zur Verfügung stehen. Mit dabei ist dann auch Roberto Desch (28), der seinen Vertrag um ein Jahr verlängert hat. KLAUS GAST kurz bündig VfB Eichstätt Der VfB Eichstätt steht im Finale des Ligapokals. Top-Torjäger Fabian Eberle traf beim 2:1 über den TSV Buchbach zweimal per Elfmeter (34. und 45.). Die Gäste-Führung hatte zuvor Mittelfeldmann Christian Brucia (25.) erzielt. REGIONALLIGA NORD GRUPPE NORD 1. SC Weiche 08 9 18:6 24 2. Eintr. Norderstedt 9 14:11 16 3. SV Drochtersen/A. 9 14:8 15 4. Phönix Lübeck (N) 9 11:11 15 5. Teut. Ottensen (N)10 17:13 16 6. FC St. Pauli II 10 15:15 16 7. Hamburger SV II 10 19:12 15 8. LSK Hansa 9 10:11 12 9. Holstein Kiel II 10 10:19 9 10. Heider SV 8 4:19 4 11. Altona 93 7 5:12 3 GRUPPE SÜD 1. Werder Bremen II 8 15:5 20 2. TSV Havelse 9 22:6 20 3. BSV Rehden 9 17:10 17 4. VfB Oldenburg 8 12:8 14 5. SSV Jeddeloh II 8 13:13 12 6. Hannover 96 II 9 14:16 13 7. VfV Hildesheim (N) 9 9:15 11 8. Oberneuland (N) 10 9:15 12 9. VfL Wolfsburg II 9 12:15 9 10. HSC Hannover 10 14:24 6 11. Delmenhorst (N) 7 5:15 2 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Kein Auf- und Abstieg in die Regionalliga. Nach dem Verzicht von Weiche Flensburg und Werder II nimmt der TSV Havelse an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga teil. Die Spiele finden am 12. Juni in Schweinfurt und am 19. Juni in Havelse statt. REGIONALLIGA NORDOST 1. 2. 3. 4. 5. 6. FC Viktoria 1889 11 VSG Altglienicke 11 Chemie Leipzig 13 Carl Zeiss Jena (A) 12 Berliner AK 07 12 BFC Dynamo 11 26:9 29:14 25:12 24:16 25:21 26:17 33 25 24 21 20 18 VfB Stuttgart II – FK Pirmasens 3:1 (0:0) Stuttgart II: Schock – Rios Alonso (61. Sökler), Badstuber (46. Reutter), Kober (59. Meyer) – Kudala, Weil, Michel, Kleinhansl Alberico (76. Kastanaras), Hottmann (46. Grimm), Münst – Trainer: Fahrenhorst Pirmasens: Reitz – Grünnagel, Grieß, Zimmer (69. Frisorger), Hammann – D. Bohl, Becker – Cissé (72. Neufang), Chessa, Eichhorn (69. Schmitt) – Krob (90. Bürger) – Trainer: Fischer Tore: 0:1 Krob (52.), 1:1 Sökler (82.), 2:1 Kastanaras (90./+2), 3:1 Kastanaras (90./+5) – SR: Herbert (Nüsttal) – Zuschauer: keine Bahlinger SC – Mainz 05 II 2:1 (1:0) Bahlingen: Geng – F. Schmid (78. Bachmann), Lokaj, Gutjahr, Klein, Alihoxha (63. Wehrle) – Köbele (75. Torres), Häringer – Pepic, Fischer (78. Bektasi), Probst (63. Falahen) – Trainer: Siefert Mainz II: Manthe – Akoto, Modica, Gans – Fichtner (70. Stich) – Rösch, Petö (81. Müller), Rupil, Bohnert – Hermes, Curci (60. Quirin) – Trainer: Gaul Tore: 1:0 Probst (14.), 1:1 Modica (48.), 2:1 Fischer (67.) – SR: Bergmann (Erbach) – Zuschauer: 250 Großaspach – VfR Aalen 3:2 (1:1) Großaspach: Nreca-Bisinger – Held (46. Santoro), Gipson, Gehring, Brändle – Schiek, Owusu (86. Ziegler), Sadler, Sirigu – Widemann (90. Leist), Karatas (86. Özdemir) – Trainer: Scharinger Aalen: Layer – Volz, Arslan, Arh Cesen, Merk – Knipfer, Abruscia, Herrmann, Müller – Bux (58. Ramaj), Barini – Trainer: Wolf 7. Lok Leipzig (M) 12 20:17 19 8. Un. Fürstenwalde 11 22:20 16 9. En. Cottbus 13 18:19 18 10. Chemnitzer FC (A) 13 20:17 17 11. SV Babelsberg 03 13 18:20 17 12. Hertha BSC II 11 12:15 14 13. Lichtenberg 47 13 15:20 16 14. Luckenwalde (N) 13 14:22 15 15. VfB Auerbach 12 18:26 11 16. TeBe Berlin (N) 10 15:20 9 17. Germ. Halberstadt 13 12:18 11 18. ZFC Meuselwitz 13 14:22 11 19. Optik Rathenow 13 15:25 11 20. Bischofswerda 08 12 12:30 7 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Der FC Viktoria 1889 Berlin steigt in die 3. Liga auf, Bischofswerda 08 steigt ab. Aus den Oberligen rücken Tasmania Berlin (Nord) und der FC Eilenburg (Süd) auf. REGIONALLIGA WEST 41. SPIELTAG M’gladbach II 3:1 1:1 Wegberg-B. Dortmund II 2:2 0:1 Homberg Lippstadt 1:0 0:0 Bg. Gladbach Düsseldorf II 1:1 1:0 Rödinghsn. Fort. Köln 4:1 2:0 Schalke II DIENSTAG, 1. JUNI 18.00 UHR Bonn (1:3) Aachen DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Ahlen (1:1) Straelen spielfrei: Wuppertaler SV 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. Bor. Dortmund II 38 Rot-Weiss Essen 39 Pr. Münster (A) 39 Fortuna Köln 39 1. FC Köln II 39 Fort. Düsseldorf II 39 Rödinghausen (M) 39 89:29 88:28 68:36 65:44 66:54 65:48 48:38 87 87 78 66 61 56 56 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. Tore: 1:0 Karatas (14.), 1:1 Merk (33.), 2:1 Schiek (76.), 3:1 Karatas (78.), 3:2 Barini (81.) – SR: Rau (Nidderau) – Zuschauer: keine Hoffenheim II – FSV Frankfurt 1:0 (0:0) Hoffenheim II: Klein – Görlich, König, Haider, Beyreuther – Erb (67. Amade), Szarka – Butler (87. Geschwill), Sahin (60. Khan Agha), Monteiro-Mendes (67. Boutakhrit) – Skenderovic (87. Kölle) – Trainer: Herdling Frankfurt: Mujezinovic – Kunert (67. Williams), Sierck (83. Muhic), Nothnagel, von Schroetter – Sejdovic (67. Mangafic), Bazzoli (74. Lüders) – Kelati, Güclü, Straub – Hirst (74. Alawie) – Trainer: Brendel Tor: 1:0 Skenderovic (72.) – SR: Wacker (Backnang) – Zuschauer: 63 SC Freiburg II – FC Homburg 0:1 (0:0) Freiburg II: Atubolu – Kammerknecht, BraunSchumacher, Ezekwem – Faber (84. Bacher), Flum (58. Nieland), Herrmann (90./+2 Tauriainen), Weißhaupt (84. Furrer) – Schade, Boukhalfa, Burkart (58. Kehrer) – Trainer: Preußer Homburg: Salfeld – Stegerer, Di Gregorio (24. Reuss), Sachanenko, Scholz – Hingerl (90./+2 Plattenhardt), Lienhard – Hoffmann, Dulleck, Schuck (78. Weiss) – Marceta (78. Carl) – Trainer: Wenzel Tor: 0:1 Marceta (72.) – SR: Schlosser (Stahlhofen) – Zuschauer: 100 Bayern Alzenau – Hessen Kassel 0:1 (0:1) Alzenau: Zabadne – Kummer (73. Brauburger), Bergmann, Crljenec, Mazagg (65. Haritonov) – Wilke – Martin, Kalata (46. RW Oberhausen 39 Wiedenbrück (N) 39 Bor. M’gladbach II 39 Schalke 04 II 39 Wuppertaler SV 39 Alemannia Aachen 39 SV Straelen (N) 38 Spfr. Lotte 39 SV Lippstadt 08 39 Wegberg-B. (N) 38 VfB Homberg 38 RW Ahlen (N) 38 Bonner SC 38 Berg. Gladbach 38 59:50 53:48 49:53 56:54 56:60 35:47 40:57 45:70 36:60 35:59 39:71 44:67 37:66 30:64 56 55 55 54 54 45 44 43 40 38 34 32 32 30 NACHHOLSPIELE 32., 39. Spieltag DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Homberg (0:1) Wegberg-B. Dortmund II (3:0) Bg. Gladbach 42. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Oberhausen (1:1) M’gladbach II Schalke II (1:1) Münster Rödinghausen (2:3) Fort. Köln Bg. Gladbach (2:5) Düsseldorf II Straelen (1:1) Lippstadt Homberg (1:5) Ahlen Wuppertal (0:3) Dortmund II Bonn (1:1) 1. FC Köln II Lotte (0:0) Wiedenbrück Wegberg-Beeck (2:3) Essen spielfrei: Alemannia Aachen REGIONALLIGA SÜDWEST 40. SPIELTAG Stuttgart II 3:1 Bahlingen 2:1 Großaspach 3:2 Hoffenheim II 1:0 Freiburg II 0:1 Alzenau 0:1 Gießen 5:0 0:0 Pirmasens 1:0 Mainz II 1:1 Aalen 0:0 Frankfurt 0:0 Homburg 0:1 Kassel 1:0 Schott Mainz DIENSTAG, 1. JUNI Offenbach (0:0) Balingen (2:3) Steinbach (2:2) Ulm (3:0) 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. FC Gießen – Schott Mainz 5:0 (1:0) Gießen: Löhe – Weiß, Boras, Markovic, Takehara (18. Starostzik) – Fink (70. Erkilinc) – Trkulja (65. Münn), Mohr (70. Hofmann) – Korzuschek (65. Daghfous), Ibrahimaj – Arcalean – Trainer: Cimen Schott Mainz: Hinke – Kern, Raltschitsch, Müller, Rinker, Schlosser – Fring, Mairose – Hahn, Auletta (60. Gansmann), Portmann (60. Assibey-Mensah) – Trainer: Meeth Tore: 1:0 Korzuschek (35., FE), 2:0 Raltschitsch (58., ET), 3:0 Ibrahimaj (64.), 4:0 Markovic (82.), 5:0 Arcalean (85.) – SR: Digeser (Korb) – Zuschauer: 150 – Rote Karte: Schlosser (35., Notbremse) TORSCH Ü TZE N Tore 23 (–) 22 (1) 19 (–) 18 (–) 18 (–) 17 (–) 17 (–) Spieler Marquet (TSV teinbach Haiger) Fischer (Bahlinger SC) Cuni (SGS Großaspach) Koffi (SV Elversberg) Suero Fernandez (SV Elversberg) Mustafa (RW Koblenz) Fetsch (Kickers Offenbach) In Klammern Zahl der am Spieltag erzielten Tore 19.00 UHR Walldorf Koblenz Elversberg Stadtallendorf SC Freiburg II 40 SV Elversberg 39 Kickers Offenbach 39 SSV Ulm 1846 39 Steinbach Haiger 39 FSV Frankfurt 40 FC Homburg 40 VfB Stuttgart II (N) 40 Bahlinger SC 40 RW Koblenz 39 Hessen Kassel (N)40 VfR Aalen 40 1. FSV Mainz 05 II 40 FC Gießen 40 TSG Hoffenheim II 40 FK Pirmasens 40 TSG Balingen 39 FC-Ast. Walldorf 39 Großaspach (A) 40 Schott Mainz (N) 40 Bayern Alzenau 40 Stadtallendorf (N) 39 41. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI Bahlingen (2:2) Schott Mainz (1:8) Stadtallendorf (1:1) Kassel (2:1) Homburg (2:2) Elversberg (1:1) Koblenz (1:2) Frankfurt (1:0) Walldorf (0:3) Aalen (2:0) Mainz II (0:0) Ljubicic), Ferukoski – Teklab (79. Grünewald), Kang – Trainer: Bäcker Kassel: Gröteke – Schwechel (73. Mißbach), Allmeroth, Urban – Najjar, Bravo Sanchez, Meha (35. Kahraman), Durna (57. Mogge) – Saglik – Schmeer (74. Iksal), Fischer – Trainer: Damm Tor: 0:1 Schmeer (7.) – SR: Hardt (Altendiez) – Zuschauer: 250 92:37 92:40 71:31 72:33 79:39 55:43 68:53 71:52 63:72 53:55 53:67 45:56 58:71 46:49 53:69 39:58 46:58 59:69 50:72 53:97 47:88 36:92 89 81 78 78 73 69 62 59 58 53 50 49 49 47 47 46 45 44 40 38 25 16 14.00 UHR Pirmasens Stuttgart II Gießen Ulm Alzenau Freiburg II Steinbach Balingen Hoffenheim II Offenbach Großaspach REGIONALLIGA BAYERN 1. Aschaffenburg 25 51:27 50 2. SpVgg Bayreuth 25 53:28 49 3. 1. FC Nürnberg II 25 61:32 49 4. Schweinfurt 05 23 48:29 44 5. TSV Aubstadt (N) 25 43:41 39 6. VfB Eichstätt 26 46:32 37 7. TSV Buchbach 25 32:29 35 8. Greuther Fürth II 26 31:33 36 9. FC Augsburg II 25 44:35 34 10. SV Schalding-H. 24 34:45 32 11. Wack. Burghausen 25 36:35 33 12. FV Illertissen 25 37:51 31 13. TSV Rain/L. (N) 25 26:41 30 14. SV Heimstetten 25 44:54 26 15. FC Memmingen 22 18:30 20 16. 1860 Rosenheim 25 30:61 21 17. VfR Garching 20 21:52 13 Die Saison 2019/21 wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Die Relegation entfällt. Der VfR Garching steigt ab. Aus den Bayernligen rücken der SC Eltersdorf (Nord) und der FC Pipinsried (Süd) auf. Der Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga gegen den TSV Havelse wird in einer Play-off-Runde mit Hin- und Rückspielen ermittelt. PLAY-OFF-RUNDE Bayreuth 0:4 0:2 Schweinfurt 1. Schweinfurt 05 2. SpVgg Bayreuth 3. Aschaffenburg 3 8:1 3 5:6 2 0:6 9 3 0 DIENSTAG, 1. JUNI 19.00 UHR Schweinfurt (2:0) Aschaffenburg SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Aschaffenburg (0:4) Bayreuth
IHRE 31. MAI 2021 MEINUNG 75 L e s e r f o r u m @ k i c k e r. d e Offenbar wurden keine anderen Kandidaten in Betracht gezogen Betr.: „Fundament auf neuen Füßen“ – Frankfurt verpflichtet Oliver Glasner Betr.: „Ein Kopf mit vielen Kompetenzen“ – Flick unterschreibt beim DFB. % Nr. 43 % Nr. 43 Ich finde die Taktik der EintrachtEntscheidungsträger, einen scheinbar hinters Licht zu führen, indem man vorher sagte, Glasner wäre aus dem Fokus geraten, und ihn nun stolz der Öffentlichkeit präsentiert, eher albern. Das glauben nur ganz naive Fans. Und das Bäumchen-wechseldich-Spiel der Bundesligatrainer ist erbärmlich und zeugt von null Identifikation mit den Vereinen. Wetten, dass die Eintracht unter dem temperamentlosen Glasner, der mehr auf die Defensive bedacht ist, nicht mehr so viele Tore schießen wird, wie unter Hütter? Eintracht Frankfurt steht für Emotionen und Leidenschaft und hätte einen Trainertyp gebraucht, der bei allem Fußballwissen Spieler und Anhänger von Anfang an mitreißt. Nachdem Joachim Löw seinen Abschied für die Zeit nach der Europameisterschaft verkündete, wurde bekannt, dass Hansi Flick seinen Vertrag in München nicht erfüllen will. Da muss man kein Hellseher sein, dass zu diesem Zeitpunkt mit Bierhoff und Co. wohl schon ausgekungelt war, dass Flick Bundestrainer wird. Von einem Auswahlverfahren kann hier wohl keine Rede sein. Andere Kandidaten (zum Beispiel Rangnick) wurden nie ernsthaft in Betracht gezogen, weil insbesondere Bierhoff um seine Allmacht beim DFB fürchtete. Ein Neuanfang beim DFB und der Nationalelf wäre nur mit einer komplett neuen Führung inklusive Trainer- und Betreuerteam glaubwürdig gewesen. Marc Hairapetian, Berlin Joachim Schliecker, Lichtentanne Günter Güttler bei vier Vereinen in der Bundesliga aktiv, feiert seinen 60. Geburtstag. D I E N S TA G , 1 . J U N I MITTWOCH, 2. JUNI Trainer Karl-Heinz Feldkamp 87, Hans-Bert Matoul (3 A DDR) 76, Arnold Mühren (23 A Niederlande, EM 1988) 70, Oliver Baumann (360 BL Freiburg, Hoffenheim) 31. D O N N E R S TA G , 3 . J U N I Ulrich Peters (Kanusport, WM 1975) 70, Rüdiger Wenzel (300 BL Frankfurt, Düsseldorf, St. Pauli) 68, Thomas Flach (Segeln, OS 1988, 1996, WM 1992) 65, Luigi di Biagio (31 A Italien, Nationaltrainer 2018) 50, Lukasz Piszczek (66 A Polen) 36, Mario Götze (63 A, WM 2014) 29, Lukas Klostermann (12 A) 25. Ich hätte erwartet, dass Lewandowski gegen Augsburg nicht mehr aufläuft und es bei 40 Treffern belässt. Das wäre eine Geste gewesen. So aber schoss er mit Glück in der 90. Minute das 41. Tor. Peter Paulik, Grafenwiesen Die Tinte ist trocken: Hansi Flick ist nun für drei Jahre Bundestrainer. Ohne Verletzung hätte Lewandowski vielleicht sogar 50 Tore erzielt % Nr. 42 M O N TA G , 3 1 . M A I Bernhard Steffen (2 A) 84, Caspar Memering (3 A, EM 1980) 68, Werner Günthör (Schweiz, Leichtathletik, 3 x WM Kugelstoßen) 60, Stefan Böger (4 A DDR) 55, Stefan Minkwitz (2 A DDR) 53. Eduard Mühlenhoff, Brakel Betr.: „Ich bin als Mensch gewachsen“ – Interview mit Rekordtorjäger Lewandowski HERZ L I CH E N G LÜ C KW U N S C H! Wolfgang Fahrian (10 A) wird 80 Jahre, Gerd Weber (35 A DDR, OS 1976) 65, Günter Güttler (234 BL FC Bayern, Nürnberg, Waldhof, Schalke) 60, Ralf Weber (9 A) 52, Marco Reus (44 A) 32. den Hut vor seiner Leistung ziehen. Aber auch wenn Gerd Müller diesen Rekord jetzt verloren hat, bleibt seine gesamte Leistung unerreicht, und er ist der größte Torjäger aller Zeiten!! Foto: imago images Die Taktik bei Glasner ist albern, die vielen Wechsel sind erbärmlich F R E I TA G , 4 . J U N I Klaus Urbanczyk (34 A DDR) 81, Trainer Hanspeter Latour (Schweiz) 74, Jürgen Sparwasser (53 A DDR) 73, Trainer Hermann Gerland 67, Norbert Nachtweih (325 BL Frankfurt, FC Bayern) 64, Lukas Podolski (130 A, WM 2014) 36 . S A M S TA G , 5 . J U N I Helmut Benthaus (8 A) 86, Hartmut Heidemann (3 A) 80, Richard Golz (453 BL Hamburg, Freiburg) 53, Fernando Meira (54 A Portugal) 43. S O N N TA G , 6 . J U N I Dr. Theo Zwanziger (DFB-Präsident 2004–12) 76, Björn Borg (Schweden, Tennis, WCT-WM 1976, 3 x ITFWorld-Champion, 2 x Masters-Sieger, Davis-Cup-Sieger 1975) 65, Tony Yeboah (59 A Ghana) 55. Ich möchte Robert Lewandowski zu seinem historischen Rekord in der Bundesliga ganz herzlich gratulieren, er hat etwas Einzigartiges geschafft. Ich bin mir sicher, dass er ohne Verletzungspause vielleicht sogar die 50-Tore-Marke geknackt hätte. Auch mit diesem Rekord kann man nur Das Bilanz-Sonderheft ist eine unverzichtbare Quelle am Saisonende % Sonderhefte Ich möchte Ihnen ein Lob aussprechen für Ihre Sonderhefte. Im Besonderen für die nun kommende Ausgabe Bilanz. Das ist am Schluss jeder Saison eine unverzichtbare Quelle, um die Saison abzuschließen und Revue passieren zu lassen. Holger Herfert, Marburg Redaktion kicker-sportmagazin, Leserforum, Badstraße 4 – 6, 90402 Nürnberg, Fax: 0911 / 2 16 - 22 52, Mail: leserforum@kicker.de facebook.com/kickeronline
76 31. MAI 2021 D ie Hall of Fame bildet das Herzstück des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund. Hier sind sie verewigt, die Helden des deutschen Fußballs. Auch die Weltmeister Berti Vogts und Rudi Völler gehören seit Kurzem zum elitären Kreis dazu. Der kicker traf die früheren Weltklassespieler und Bundestrainer im Taktikraum des Museums zum exklusiven Gespräch über die eigenen Helden, den Fußball in Pandemiezeiten und die Chancen der deutschen Elf bei der bevorstehenden EM. VOGTS Herr Völler, Herr Vogts, was bedeutet Ihnen die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Fußballs? Berti Vogts Es macht einen sehr stolz, wenn man zu den besten Fußballern in Deutschland gehört. Ich empfinde das als eine sehr große Ehre. Rudi Völler Ich gehe eigentlich sehr sparsam mit dem Begriff Stolz um, aber diesmal trifft er mein Empfinden. Deutschland ist eine Fußballnation, wir haben über viele Generationen Weltklassespieler hervorgebracht. Jetzt schon dazugehören, ist etwas ganz Besonderes. Zu einer Zeit, in der bislang nur sehr wenige in die noch relativ junge Hall of Fame aufgenommen wurden. Spaß gemacht, mal wieder auf alte Bekannte zu treffen. Rudi beispielsweise kenne ich schon, seit er ein Jugendspieler war. Das Wiedersehen macht immer riesige Freude. Deshalb meine ich auch, dass sich beim DFB einiges ändern muss im Umgang mit den früheren Nationalspielern. Das war in der Vergangenheit nicht fair. Ich hoffe, dass das in Zukunft besser wird und künftig jemand in der Verantwortung steht, der wirklich aus dem Fußball kommt. Welche Idole hatten Sie, als Sie mit dem Kicken anfingen, Herr Völler? Völler Berti war damals ja mein Trai- ner bei der U 21, es war seine erste Trainerstation, ich war noch ein ganz junger Spund. Ich habe viel gelernt von ihm. Er war – wie alle aus der Weltmeistermannschaft von 1974 – mein Held. Zu ihnen habe ich aufgeschaut, als ich mit 14 Jahren vor dem Fernseher saß. Besonders natürlich zu Gerd Müller, ich war ja auch von Anfang an Stürmer. Ich kann mich auch noch gut an das Finale erinnern. Das Spiel lief, anders als es heute ist, nachmittags. Nach dem Abpfiff bin ich sofort runtergerannt und habe mit den Kumpels selbst gekickt, bis Foto: Schütze, Gilliar, picture-alliance Wie schön war es für Sie, sich auch mal wieder physisch zu treffen? Vogts Mir hat es unheimlich viel EM VÖLLER es zu dunkel wurde. Das werde ich nie vergessen. Dachte der Trainer Vogts früher über den Spieler Völler: Das ist einer für die Geschichtsbücher? Vogts In den Geschichtsbüchern habe ich ihn so früh noch nicht gesehen, aber ich wusste sofort, dass ich da ein sehr, sehr großes Talent in meiner Mannschaft hatte. Die Art und Weise, wie er gespielt hat, wie er Tore, Tore, Tore schießen wollte. Das war außergewöhnlich. Aber es war auch nicht immer ganz einfach mit ihm. Ab und an musste ich ihn bei einem Spaziergang daran erinnern, dass er den Ball manchmal auch abspielen muss. (lacht) Was Rudi und die Spieler seiner Generation auszeichnete: Sie waren unheimlich bescheiden und zurückhaltend, aber wollten dennoch immer noch das zweite Tor, wenn sie mal 1:0 führten. Und sie wollten etwas lernen. Diese Kombination gibt es heute in meinen Augen kaum noch. Und wie hat der Stürmer Völler den Abwehrspieler Vogts wahrgenommen? „Als Bundestrainer musst du die Besten aufstellen“: Thomas Müller und Mats Hummels
31. MAI 2021 „Die Jüngeren schauen zu Müller auf, Hummels macht die Nebenleute besser“ Die früheren Bundestrainer BERT I VO G TS (74) und RU D I VÖ L L E R (61) bewerten den EM-Kader von Joachim Löw positiv – und trauen der deutschen Nationalmannschaft den Titel zu. Völler Berti war damals einer der Pub- likumslieblinge in den Stadien. Dank der Art, wie er verteidigt hat. Schon damals war es so, dass man nur mit einer Mannschaft aus Gerd Müllers nicht Weltmeister werden konnte, du musstest auch Tore verhindern. In Sepp Maier hatten wir einen Top-Torwart. Davor war Berti in einer Weltklasse-Verfassung. Es war kein Zufall, dass er im WM-Finale 74 Johan Cruyff in Manndeckung nehmen musste. Vogts Ich möchte übrigens noch mal betonen, dass ich ihn damals nicht gefoult habe – das war der Uli Hoeneß. Obwohl er das bis heute nicht zugegeben hat. (lacht) Völler Damals gab es nur eine Wiederholung, da konnte man das nicht so gut erkennen. Aber dieses Foul, Berti, hättest du ja auch nie begangen. Dafür warst du als Abwehrspieler viel zu clever. (lacht) Herr Vogts, Sie haben gerade davon gesprochen, was Rudi Völler auszeichnete. Welche Werte waren damals wichtig – und sind es heute noch? Vogts Jetzt muss ich aufpassen, denn über dieses Thema ärgere ich mich regelmäßig. Mir missfällt es, wie in den Akademien beispielsweise mit den Trainern umgegangen wird. Man sagt ihnen, sie sollten auf Flexibilität achten. Aber man kann aus einem Rudi Völler keinen Mittelfeldmann machen, der 90 Minuten nur unterwegs ist. Jeder Spieler hat etwas Besonderes, das ich individuell schulen muss. Heute wird einem Linksfuß gesagt, sein rechter Fuß müsse genauso gut werden. Aber das geht nicht. Da laufen wir im Moment in meinen Augen in eine falsche Richtung. Das hat man beim DFB noch immer nicht erkannt, wenn Sie mich fragen. Man kann nicht alle gleich behandeln. Man muss stattdessen die Stärke, die ein Spieler besitzt, weiter forcieren. Herr Völler, Sie sind bei Bayer Leverkusen in der Verantwortung. Wie stehen Sie zu den Thesen von Berti Vogts? Völler Ich würde da gerne noch einen Schritt zurückgehen. In der jetzigen Zeit ist es am wichtigsten, dass wir die Kinder überhaupt wieder zum Kicken bringen. Durch die Corona-Pandemie konnten die Nachwuchsspielerinnen und -spieler ganz lange nicht trainieren, stattdessen saßen viele nur 77 vor der Playstation. Die müssen wir wieder auf die Straße bekommen, auf die Plätze, dann auch in die Vereine, um sie dann dort auszubilden. Vogts Ich gehe oft mit meinem Hund spazieren, dann sehe ich ganz oft Schilder: Ballspielen verboten. Das ärgert mich maßlos. Völler Die gab es zu unserer Zeit aber auch schon, Berti. Wir haben trotzdem gekickt. (lacht) Wir haben die Pandemie gerade bereits angerissen. In Kürze startet die EM 2020, coronabedingt ein Jahr später als geplant, und weiterhin mit Einschränkungen. Welche Erwartungen haben Sie an das Turnier? Vogts Ich glaube schon, dass sich auch in diesem Jahr eine EM-Atmosphäre entwickeln kann. München ist für mich die Fußballstadt Nummer eins. Wenn die deutsche Mannschaft dort einen tollen Einstieg ins Turnier findet, dann kann sie sich in die Rolle des Favoriten hineinspielen. Dann wird auch die Stimmung im Land steigen. Völler Ich sehe das etwas skeptischer. Ich habe schon bei der Bekanntgabe der Spielorte der EM gesagt, dass ich es für eine Schnapsidee halte, das Turnier auf dem ganzen Kontinent austragen zu lassen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ja, es gab gute Gründe dafür, weil man das 60-jährige Bestehen des Wettbewerbs auf diese Art feiern wollte. Eine Endrunde muss aber in einem Land stattfinden, vielleicht auch mal in zwei oder drei Ländern, weil die Austragung immer komplizierter wird. Aber nicht verteilt auf ganz Europa. Vogts Das Problem sind doch die vielen Teilnehmer. Die Turniere werden immer größer, entsprechend viele Stadien benötigt man. Das können nur ganz wenige Länder alleine stemmen. Ich halte das für keine „Zu Gerd Müller habe ich aufgeschaut.“ Rudi Völler, Weltmeister von 1990 gute Entwicklung, weil man dadurch viele fußballbegeisterte Nationen ausschließt, die nicht die nötige Infrastruktur besitzen. Und es kommt ja noch etwas dazu: In Katar werden 2022 vier Spiele hintereinander ausgetragen. Wer guckt sich das denn bitte alles im Fernsehen an? Völler Wir – weil wir fußballverrückt sind. (lacht) Aber Berti hat recht: Die Überlegungen, die Wettbewerbe immer weiter auszudehnen oder beispielsweise alle zwei Jahre 9
31. MAI 2021 Völler Ich glaube, das sollte man nicht auszutragen, sorgen dafür, dass es beliebig zu werden droht. Ich nenne als Beispiel mal den Handball. Da habe ich manchmal das Gefühl, es sei alle vier Monate ein Turnier, weil so oft eine EM oder WM ist. Hinzu kommt dann noch das olympische Turnier. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Den Teams dürfen pandemiebedingt diesmal 26 Spieler angehören. Auch da kann man als Trainer schon mal durcheinanderkommen, oder? Vogts Für mich wäre es definitiv ein Nachteil gewesen. Wie soll man denn 26 Spieler bei Laune halten, gerade wenn man vielleicht nur drei Spiele hat. So viele Friseure kann man ja gar nicht einfliegen lassen. (lacht) Im Ernst: Wie bewerten Sie den deutschen Kader, Herr Völler? Völler Ich finde, dass wir aktuell noch eine Top-Nationalmannschaft haben. Die Mischung stimmt zwischen erfahrenen Profis und jüngeren Spielern mit viel Talent, etwa Kai Havertz. Kritischer wird es dagegen in vier, sechs oder acht Jahren. Da kann man jetzt schon in den U-Mannschaften sehen, dass es qualitativ dünner wird. Die Routiniers Thomas Müller und Mats Hummels wurden von Bundestrainer Joachim Löw wieder eingeladen. Die richtige Entscheidung? Vogts Ja, das denke ich schon. Ich habe vor der WM 1998 ähnlich gehandelt – und würde heute wieder so entscheiden. Mit einem Unterschied: Ich hätte früher reagieren müssen, nicht erst zum Turnier. Aber Hummels und Müller haben ja noch zwei Testspiele, bevor es losgeht. Von daher: Top, dass sie zurück sind. Völler Als Nationaltrainer musst du die Besten aufstellen. Das ist das oberste Gebot. Es gab nachvollziehbare Gründe, nach der WM 2018 einen Schnitt zu machen, um den Jüngeren eine Chance zu geben. Das haben Berti und ich damals auch gemacht. H AL L OF FAME DE S DE UTSC HE N FUSSBAL L S Die nächsten Legenden ziehen ein Das Deutsche Fußballmuseum hat mittels einer Jury aus Sportjournalisten unter Mitwirkung des kicker zehn Neuzugänge (Jahrgänge 2019 und 2020) in die Hall of Fame aufgenommen. Wegen Corona fand die Zeremonie, bei der Jürgen Klinsmann zugeschaltet und Hans-Jürgen Dörner gesundheitlich verhindert war sowie Helmut Schön posthum geehrt wurde, im engsten Kreis statt. RTL strahlt die feierliche Aufnahme am Mittwoch ab 23.20 Uhr aus. Männer, Jahrgang 2018 (Gründungself): Sepp Maier (Tor), Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Andi Brehme (Abwehr), Günter Netzer, Lothar Matthäus, Fritz Walter, Matthias Sammer (Mittelfeld), Uwe Seeler, Gerd Müller, Helmut Rahn (Angriff), Sepp Herberger (Trainer) Männer, Jahrgang 2019: Oliver Kahn (Tor), Hans-Jürgen Dörner (Abwehr), Wolfgang Overath (Mittelfeld), Jürgen Klinsmann (Angriff), Helmut Schön (Trainer) Neben Hummels und Müller gehört auch Kevin Volland zum Kader. Herr Völler, Sie kennen ihn noch gut aus gemeinsamen Zeiten in Leverkusen, war seine Nominierung richtig? Völler Ja, Kevin hatte auch aus Verlet- zungsgründen ein schwieriges letztes Jahr bei uns, hat es dann aber in dieser Saison toll gemacht in Monaco. Er kann auf verschiedenen Positionen spielen: als Spitze, als hängende Spitze, auch mal über außen. Kevin ist noch dazu auch ein gu„Klopp könnte später ter Einwechselspieler. Ich halte das für eine sehr gute auf Flick folgen.“ Idee, ihn zum Team geholt zu haben. Vogts, Weltmeister von 1974 Aber wenn die Leistungen weiter stimmen, dann musst du sie wieder zurückholen. Vogts Im EM-Kader sind viele jüngere Spieler dabei, die zu einem Müller aufschauen. Man hört ihn permanent auf dem Platz, das gibt Halt. Auch Hummels führt, gibt Kommandos. Das ist wichtig, denn so nah kommt der Trainer von der Außenlinie nicht an seine Spieler ran. Foto: Schütze 78 Herr Vogts, reicht Hummels aus, um die zuletzt oft wackelige Abwehr zu stabilisieren? Vogts Mats wird das Wort ergreifen und seine Nebenleute dadurch besser machen. Beispielsweise indem er Niklas Süle, der doch noch einige taktische Fehler macht, korrigierende Kommandos zuruft: Geh einen Meter zurück, orientier’ dich weiter nach links – so etwas ist extrem wichtig. Viele Spieler heutzutage agieren nur ballorientiert, aber man muss Männer, Jahrgang 2020: Berti Vogts (Abwehr), Michael Ballack, Andreas Möller (Mittelfeld), Klaus Fischer, Rudi Völler (Angriff) Frauen, Jahrgang 2019 (Gründungself): Silke Rottenberg (Tor), Steffi Jones, Doris Fitschen, Nia Künzer (Abwehr), Renate Lingor, Silvia Neid, Martina Voss-Tecklenburg, Bettina Wiegmann (Mittelfeld), Inka Grings, Birgit Prinz, Heidi Mohr (Angriff), Tina Theune (Trainerin) auch seine Position im Blick haben. Hummels kann das. Aber natürlich kommt einer allein irgendwann an seine Grenzen. Die Mannschaft muss der Star sein, das Team als Ganzes funktionieren. Nur so wurden wir beispielsweise 1996 Europameister. Das Wort Abwehrblock kommt ja nicht von ungefähr: Es muss gerade in der Defensive alles Hand in Hand gehen. Wo sehen Sie noch Schwächen im deutschen Team, Herr Völler? Völler Wie Berti schon sagt: An den Abläufen muss sicherlich noch gearbeitet werden bis zum Turnierstart. Aber das ist ganz normal. So etwas kommt durchs gemeinsame Training. Und die Qualität der einzelnen Spieler, die ist definitiv da. Deshalb bin ich auch sehr optimistisch, was die deutschen Chancen bei diesem Turnier betrifft. Trotz der schweren Gruppe mit Frankreich und Portugal, die ich sogar noch stärker einschätze als vor fünf Jahren. Löw hört nach der EM auf. Kann seine Entscheidung und die frühzeitige Kommunikation der Trennung Einfluss auf die Leistung des Teams haben? überschätzen. Berti und ich kennen beide Seiten. Wir wissen: Als Spieler interessiert es dich eigentlich nicht, ob nach dem Turnier ein neuer Trainer kommt. Du willst gute Leistungen zeigen. Für Jogi hingegen macht das schon einen Unterschied. Er musste viel Kritik einstecken, da wirkte seine Ankündigung wie eine Befreiung. Er kann sich jetzt komplett auf die EM fokussieren, kann dort freier agieren, weil er nicht mehr im Blick haben muss, was danach passiert. Wo landet die DFB-Auswahl am Ende dieser Endrunde? Völler Wenn die deutsche Mannschaft die großen Herausforderungen in der Gruppe erfolgreich übersteht, dann ist alles drin. Auch der Titel. Vogts Mit Deutschland ist immer zu rechnen, auch diesmal. Und wer sind Ihre Topfavoriten auf den Titel? Vogts Neben Portugal und Frankreich sicher auch Spanien, Italien, England und Belgien. Völler Bei Spanien würde ich mich nicht wundern, wenn sie diesmal Probleme bekommen. Viele Stars haben ihre Topzeit hinter sich, von unten kommt auch nicht so viel nach. Frankreich dagegen hat eine absolute Topmannschaft. Man muss sich nur die U 21 anschauen: Die ist so gut und prominent besetzt, die könnte problemlos auch beim A-Turnier mitspielen. Und ich habe auch die Italiener als Geheimtipp auf dem Zettel, auf die ich immer besonders schaue. Sie sind diesmal gefährlich, auch wenn sie keine richtig großen Namen im Team haben. Nach der EM übernimmt Hansi Flick die DFB-Elf. Eine gute Wahl? Völler Ich halte das für eine Top- Lösung. Beide Seiten kennen sich seit Jahren und wissen genau, was sie bekommen. Vogts Ich denke auch, dass Flick eine gute Wahl ist, zunächst bis zur HeimEM 2024. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass auf ihn später einmal Jürgen Klopp als Bundestrainer folgt. Blicken wir zum Abschluss noch einmal weiter in die Zukunft: Welcher Spieler von heute hat das Zeug dazu, später in die Hall of Fame aufgenommen zu werden? Vogts Manuel Neuer, ganz klar. Völler Ja, das stimmt, aber ich möchte auch noch eine Lanze brechen für einen aus der älteren Generation, der mir noch fehlt in der Hall of Fame: Karl-Heinz Rummenigge. Kalle war einer der weltbesten Stürmer seiner Zeit. INTERVIEW: MATTHIAS DERSCH

80 31. MAI 2021 „Mit diesem Fürther Willen ist Nach dem Aufstieg ist vor der EM. DAV ID R AUM (23) will mit der U 21 eine denkwürdige Saison jetzt noch krönen, ehe in Hoffenheim der nächste Karriereschritt ansteht. Manchmal braucht es keine Scouts. Dann drängen sich Neuzugänge an Ort und Stelle auf. Wie David Raum im Dezember bei Fürths PokalCoup in Hoffenheim. Nur ein bemerkenswertes Detail in einer Saison, in der dieser zum Linksverteidiger umgeschulte Angreifer zu einem der begehrtesten seines Fachs, zum U-21-Nationalspieler und gleich zweifach in die Bundesliga aufstieg. Werden denn Aufsteiger im Kreis der U 21 mit einer La-Ola-Welle empfangen, Herr Raum? Das nicht, hier sind ja einige Spieler, die ihre jeweiligen Saisonziele erreicht haben. Mergim Berisha und Karim Adeyemi sind mit Salzburg sogar Meister und Pokalsieger geworden, da graU -21-EM tuliert man sich gegenseitig, das war eine sehr angenehme Zusammenkunft. Viertelfinale Dänemark –Deutschland Montag, 31. Mai, 21 Uhr live bei Pro Sieben und im Ticker auf kicker.de Können Anton Stach, Paul Jaeckel und Sie den Fürther Siegeswillen auf die U 21 übertragen? Dieses Adrenalin nimmt man mit. Wir spüren auf jeden Fall diesen Rückenwind und diese Euphorie, das werden wir ins Team einbringen und wollen auch mit der U 21 eine besondere Geschichte schreiben. Was ist möglich bei der EM mit der Fürther Mentalität? uns zukommt. Ich schaue mir meine jeweiligen Gegenspieler immer noch mal genau an, um zu wissen, was sie gerne machen. Wir werden alles reinschmeißen. Was bedeutet es einem gebürtigen Nürnberger, mit Fürth aufzusteigen? Gute Frage, mir bedeutet das alles. Fürth ist natürlich mein Ausbildungsverein, bei dem ich Profi geworden bin und dem ich viel zu verdanken habe. Ich komme ursprünglich aus Nürnberg, aber es war nie ein Thema, beim Lokalrivalen zu spielen. Mit der Zeit bin ich über die 15 Jahre auch ein Fürther Junge geworden, deshalb war das auch für die Fans nie ein Problem. Es war unbeschreiblich, so einen Abschied zu haben bei dem Verein, der mir so am Herzen liegt. Der aber nun vor einem ziemlichen Umbruch steht. Machen Sie sich ein wenig Sorgen um die Spielvereinigung in der Bundesliga? Sorgen auf keinen Fall. Der Klub ist Umbrüche gewohnt, wir hatten auch in diesem Jahr eine megajunge Truppe. Ich glaube, keiner hatte damit gerechnet, dass diese Saison so einen Verlauf nimmt. Selbst Sie nicht? Weil uns diese Gruppenphase extrem gestärkt hat. Zudem haben viele danach ihre Ziele im Verein erreicht und wichtige Erfahrungen gesammelt. Die EM müssen wir als zusätzliche Belohnung sehen, um diese tolle Saison noch zu krönen. Auch ich musste mir viel anhören, nach dem Motto: Holt ihr noch Verstärkungen? Ihr seid so jung und unerfahren. Aber das hat uns nur noch mehr angespornt. Ich muss sagen, so eine Gruppe habe ich auch noch nie erlebt. Viele im gleichen Alter, viele sogar noch jünger als ich, ich musste gleich eine ganz andere Rolle einnehmen. Es war eine große Truppe von Freunden. Das wird eine schwere Aufgabe, aber wir sind sehr gut vorbereitet vom Trainerteam und wissen, was auf Genau, in der Halbzeit gegen Düsseldorf in Rückstand und in Unterzahl haben wir uns gesagt: Für Anton Stach, der vom Platz flog, bügeln wir das jetzt noch aus. Dieser Wille und Geist hat am Ende diesen Aufstieg Mit diesem Willen ist alles möglich. Warum ist das DFB-Team jetzt noch stärker als in der Gruppenphase? An diesem Montag steht das Viertelfinale gegen Dänemark mit Ihrem künftigen Teamkollegen Jacob Bruun Larsen an, wie stehen die Chancen? Die im Ernstfall mehr bewegen kann? ermöglicht, wir haben uns das hart erarbeitet. Das hatte uns wohl kaum jemand zugetraut. Jetzt gehen Sie nach Hoffenheim, ablösefrei. Quält Sie ein bisschen das schlechte Gewissen? gutes Spiel abgeliefert. Noch am selben Abend kam die Anfrage. Ich habe mich riesig gefreut, der Verein ist mir sehr sympathisch, und ich wollte sofort die Verantwortlichen kennenlernen. Wie liefen denn die Vorgespräche mit Manager Alexander Rosen und Trainer Sebastian Hoeneß? Ich hatte kurz drauf einen Videocall mit Alexander Rosen, wir haben uns sofort sehr gut verstanden, ich habe gleich viel Ehrlichkeit und Wärme gespürt in diesem Gespräch. Und nach dem Call mit Trainer Hoeneß habe ich aufgelegt und zu meinem Berater gesagt: Das wird es. Das hat sich alles gut und richtig angefühlt. Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht, besser als mit dem Aufstieg konnte ich mich nicht verabschieden, ich hinterlasse etwas und habe auf jeden Fall für den Verein etwas geleistet. Das tut mir für mein Ge- Obwohl viele Klubs Schlange standen. „Als es hieß Verteidiger, war das wirklich ein Schock für mich.“ Sehen Sie sich als linker Verteidiger oder eher als linker Joker, wie sie den Außenspieler in Hoffenheim nennen? wissen gut. Das Thema belastet das Verhältnis zum Klub und zu Sportdirektor Rachid Azzouzi überhaupt nicht, es gab viele gute Gespräche. Am Ende ist es eben so. Mir war wichtig, im Guten zu gehen und mich zum Abschied noch beim Team und den Trainern bedanken zu können. Denn den Schritt, den ich jetzt gehe, schafft man nur mit der entsprechenden Unterstützung. Freuen Sie sich schon auf die Duelle mit Fürth oder ist da eher ein mulmiges Gefühl? Ich habe mir schon einige Sprüche von den Mitspielern anhören müssen, sie wüssten ohnehin, wie man gegen mich spielen muss, das wird lustig. Ich freue mich schon, in die alte Heimat in den Ronhof zurückzukehren. Und ich hoffe, ich werde auch von den Fans gut empfangen, die dann hoffentlich wieder erlaubt sein werden. Sie waren ziemlich umworben. Wann und warum fiel die Entscheidung für Hoffenheim? Wir hatten ja im Dezember ein gutes Pokalspiel, das wir bei der TSG gewonnen haben, ich habe da ein Es kamen wirklich viele Anfragen, ich war eben auch ablösefrei. Auf der Position gibt es auch nicht so viele Spieler auf dem Markt. Ich habe bei vielen ins Profil gepasst. Jetzt freue ich mich auf die Aufgabe bei der TSG. Ich sehe mich, wie ich vom Trainer gesehen werden will. Mir ist egal, wie man das nennt, Hauptsache ich kann auf der linken Seite marschieren. (lacht) Sie wurden vom Flügelstürmer umgeschult auf die defensivere Rolle. Damit hat Robert Skov bei der TSG dann doch gefremdelt, warum Sie nicht? Weil ich diesen Umbruch schon hinter mir habe. Ich muss ehrlich sein: Als es in Fürth hieß, sie wollen mich zum Verteidiger machen und mir diese Rolle beibringen, war das ein Schock für mich. Kein Offensivspieler sagt gerne, okay, jetzt höre ich eben auf, Tore zu schießen und auf die Kiste zu ballern und fange an zu verteidigen. Das war wirklich ein Schock. Aber ich wurde sehr gut an die Hand genommen, mir wurden meine Vorteile auf dieser Position aufgezeigt, mein starker linker Fuß, meine Dynamik, meine Flanken. Nach und nach bin ich zu einem ganz guten Linksverteidiger gereift, ich kann die Position und die ganze linke Schiene gut spielen. Das war ein wichtiger und der richtige Schritt in meiner Karriere. Ich bin sehr froh und dankbar, die Ratschläge so angenommen zu haben und stolz, was daraus geworden ist.
31. MAI 2021 alles möglich“ Woran und an wem orientiert man sich bei diesem Prozess? Zunächst habe ich mir viel von meinem damaligen Kollegen Maximilian Wittek abgeschaut im Defensiv- und Verschiebeverhalten. Aber es gibt ja schon einige frühere Offensivspieler, die jetzt weiter hinten spielen, etwa Münchens Alphonso Davies. In den ganz oberen Regionen ist für mich Liverpools Andrew Robertson ein Vorbild. Er hat die Champions League gewonnen und ist Kapitän der schottischen Nationalelf. Von seiner Spielart erkenne ich schon einige Parallelen zu mir, ein Spieler zu dem ich aufschaue und an dem ich mich orientiere. Ich schaue mir gerne seine Spiele an und versuche, viel mitzunehmen. Sie sind zum Stammspieler und in die Bundesliga aufgestiegen als bester Vorbereiter der 2. Liga – ein Jahr wie im Traum? Es ist alles noch schwer zu greifen. Denn ich hatte auch schon sehr schwierige Momente, in denen ich kurz davor war zu sagen, das läuft alles in die falsche Richtung. Hatten Sie Zweifel, den Durchbruch als Profi zu schaffen? Grundsätzliche Zweifel nicht, aber Phasen, in denen ich wenig gespielt habe und es nicht voranging. Ich war lange genug geduldig, wenn man das ist als junger Spieler, kommt irgendwann die Zeit, in der man sich zeigen kann. Ich habe dann zur richtigen Zeit performt. Ich bin total froh, so eine Saison gespielt zu haben. Und trotzdem ist als Neuling auf dieser Position noch Luft nach oben? Wenn man sagt, es gibt keine Luft mehr nach oben, hört man auf, an sich zu arbeiten. Ich sehe noch viel Potenzial in mir. Ich schaue mir nach jedem Spiel zuerst die Dinge an, die ich hätte besser machen können, erst dann die guten. Ich hatte auch schon gute Gespräche mit Trainer Hoeneß, da wird noch viel an mir gearbeitet werden. Woran genau? Ich werde auch weiter an meinen Stärken feilen, meine Flankenläufe sind schon ganz gut. Aber jeder umgeschulte Offensive hat defensiv seine Defizite. Da hat man nie ganz ausgelernt, vor allem im Eins-gegen-eins, Kleinigkeiten, die es zu verbessern gilt. Überwiegt die Vorfreude oder der Respekt, wenn demnächst Kaliber wie Serge Gnabry oder Jadon Sancho auf Sie zudribbeln? Meine Vorfreude ist riesig. Ich habe mir die Chance erarbeitet, gegen solche Topspieler zu spielen, zu denen ich früher aufgeschaut habe. Der Respekt ist da, aber letztlich werde ich sie behandeln wie jeden anderen Gegenspieler. Sind Sie sogar im Vorteil, weil Sie als früherer Stürmer ahnen, was die Gegner vorhaben? Das ist in der Tat ein wichtiger Aspekt, der wirklich helfen kann. Ich hoffe, ich kann auch den Gegnern in der Bundesliga das Leben schwer machen. Haben Sie auch die A-Mannschaft schon im Blick? Fotos: imago images, Zink Damit habe ich mich wirklich noch gar nicht befasst. Vor einem Jahr war gar nicht an die U 21 oder Hoffenheim zu denken. Ich konzentriere mich voll auf die nächste Aufgabe und denke nicht so weit voraus. Ich werde weiter geduldig an mir arbeiten, dann sehe ich, was dabei herauskommt. Das nächste Ziel: David Raum greift mit Deutschlands U 21 bei der EM an Was wäre aus David Raum ohne den Durchbruch als Profi geworden? Ich bin ein sehr sozialer Mensch, vielleicht wäre Grundschullehrer was für mich gewesen. Aber ich habe Gedanken, dass es mit der Profikarriere vielleicht nichts werden könnte, erst gar nicht zugelassen. INTERVIEW: MICHAEL PFEIFER 81
82 31. MAI 2021 Bier, Schnittchen und ein Tonbandgerät. Auf der Gartenparty von OFC-Präsident H O R ST- G R EG O R IO CA NELL AS nimmt am 6. Juni 1971 das bislang dunkelste Kapitel der Bundesliga seinen Lauf. Wie der deutsche Fußball seine Unschuld verlor. Serie, Teil 1. H ätte Helmut Schön an diesem Sonntag Anfang Juni 1971 jemand prophezeit, dass er nur ein Jahr später anlässlich der EM 1972 die beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten betreuen und drei Jahre später den WM-Pokal küssen würde – der Bundestrainer hätte ihn wohl damals zum Teufel gejagt. Denn an diesem 6. Juni brach für Schön eine Welt zusammen, wie für viele andere Menschen auch, die sich in Deutschland mit Fußball beschäftigten. Seinen 50. Geburtstag, der ausgerechnet auf den Tag nach dem Abstieg seines Vereins Kickers Offenbach aus der Bundesliga fiel, nahm der damalige OFC-Präsident Horst-Gregorio Canellas zum Anlass, einen Skandal aufzudecken, der den deutschen Fußball in seinen Grundfesten erschütterte. Es war gegen Mittag, als er die Wiedergabetaste seines Tonbandgerätes drückte. Die Anwesenden, die dachten, er wolle ein Geburtstagsgeschenk präsen- tieren, sahen sich getäuscht. Der Südfrüchtehändler befand sich in einem tiefen Zwiespalt. Einerseits wusste er, dass er Dreck am Stecken hatte und dies nun sichtbar würde. Andererseits war ihm nach dem Abstieg seines OFC – es ging am Ende um ein Tor – klar, dass er damit nicht 50 JAHRE BUNDESLIGA SKANDAL alleine war. Also spielte er die Rolle des „Agent Provocateur“, der die Öffentlichkeit darüber informierte, was für Schweinereien aktuell im Profifußball passiert waren. Dies ging ungefähr drei Stunden gut Als die Party beendet war, begann auch bald für Canellas der Ernst des Lebens. Sein Doppelspiel als betrogener Betrüger, der gleichzeitig Verhandlungen um Schmiergelder führte und diese Telefonate aufnahm, um den Skandal nach dem Abstieg auffliegen zu lassen, gelangte nach und nach an die Öffentlichkeit, plötzlich hieß es nur noch: „Rette sich, wer kann!“ Wilfried Straub, damals 32 Jahre alt, arbeitete erst seit zwei Jahren beim DFB als Referent im Liga-Sekretariat, und geriet ungewollt in eine Schlüsselrolle. Im Juli 2012 gab der 2016 verstorbene Straub dem kicker ein Interview über diesen Skandal, der dem Fundament der gerade einmal acht Jahre alten Liga tiefe Risse zufügte. Straub war tatsächlich nicht ganz uninformiert, als er an diesem Tag nach Obertshausen fuhr, wohin Canellas eingeladen hatte. Der OFCChef hatte ihn und DFB-Generalsekretär Hans Paßlack angerufen, eine Woche vor dem letzten Bundesligaspieltag: „Da läuft etwas schief in der Bundesliga, kümmert 9 Fotos: imago images, picture alliance Der betrogene Betrüger
31. MAI 2021 Perfekte Inszenierung: Der Offenbacher Präsident Horst-Gregorio Canellas lässt am 6. Juni 1971 auf seiner Geburtstagsparty ein Tonband laufen, das den Betrug in der Bundesliga aufdeckt und diese in den größten Skandal ihrer Geschichte führt … Im Laufe der Aufarbeitung saßen dann auch die Schalker Herbert Lütkebohmert, Klaus Fichtel, Jürgen Wittkamp, Reinhard „Stan“ Libuda, Rolf Rüssmann und Klaus Fischer (von vorne links) auf der Anklagebank. 83
84 31. MAI 2021 euch darum“, so die Aufforderung des Funktionärs. Kein Wort darüber, was dies sein könnte. Weshalb Straub die Füße stillhielt: „Ich sagte Herrn Canellas: »Wenn Sie etwas haben, dann kommen Sie bitte zu uns.« Er kam nicht und er hat nichts geliefert.“ Aktiv um Aufklärung zu bitten, das kam für Straub nicht in die Tüte: „Ich war bereit, auch nach Absprache mit Richter Dr. Hubert Claessen, der damals Vorsitzender des Kontrollausschusses war, den letzten Bundesligaspieltag abzusetzen. Ich hatte schon alles organisiert, dass der Spieltag abgesetzt wird. Aber nachdem er nicht mit Fakten gekommen war, war das nicht möglich. Canellas stellte mir damals die Frage: Sind die Beweise am Montag nach dem letzten Spieltag nichts mehr wert? Ich sagte: Natürlich sind sie etwas wert, aber sie müssen sie erbringen.“ Das tat der Mann und er löste damit ein Erdbeben aus, das den Verantwortlichen des DFB förmlich die Schuhe auszog. Drei Jahre vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land überschattete ein Skandal von offenbar ungeheuren Ausmaßen den deutschen Fußball. „Da brannte der Baum“, schilderte Zeitzeuge Straub D I E S KA N DA L SA I S O N Die historische Tabelle hat weiterhin Bestand Über die Hälfte der Klubs war damals in den Bestechungsskandal verwickelt. Die betroffenen Spiele werden aber noch immer in den offiziellen Statistiken geführt, die Abschlusstabelle hat weiter Bestand. Beim DFB jedoch mit dem Zusatz, dass Bielefeld die Lizenz entzogen wurde und der sportlich eh abgestiegene OFC zwangsabsteigen musste. TABELLE 1970/71 1. Bor. Mönchengladbach 2. Bayern München 3. Hertha BSC 4. Eintr. Braunschweig 5. Hamburger SV 6. FC Schalke 04 7. MSV Duisburg 8. 1. FC Kaiserslautern 9. Hannover 96 10. Werder Bremen 11. 1. FC Köln 12. VfB Stuttgart 13. Borussia Dortmund 14. Arminia Bielefeld 15. Eintracht Frankfurt 16. Rot-Weiß Oberhausen 17. Kickers Offenbach 18. Rot-Weiss Essen 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 34 77:35 74:36 61:43 52:40 54:63 44:40 43:47 54:57 53:49 41:40 46:56 49:49 54:60 34:53 39:56 54:69 49:65 48:68 50-18 48-20 41-27 39-29 37-31 36-32 35-33 34-34 33-35 33-35 33-35 30-38 29-39 29-39 28-40 27-41 27-41 23-45 die Zeit direkt nach den Enthüllungen, die einflussreiche Funktionäre verschiedener Klubs am liebsten unter den Teppich gekehrt hätten. Straub setzte schließlich im Ligaverband durch, diesen Skandal aufzuarbeiten. Während Schön fluchtartig die Party verlassen hatte – in der Gewissheit, dass seine Nationalspieler Bernd Patzke und Manfred Manglitz auf jeden Fall in den Skandal verwickelt waren – hörte sich Straub das Elend weiter an. Nacheinander reimte er sich zusammen, wer da alles in den Sumpf der Bestechung geraten war: „Dass Berlin involviert war, war klar nach den Enthüllungen von Canellas. Es gab das Gerücht, dass auch Schalke verstrickt sei. Das ganze Ausmaß der Bestechungen wurde dann erst im Verlauf der Ermittlungen deutlich.“ Diese Ermittlungen peitschte man im Rekordtempo durch. Es galt von Beginn an, die WM 1974 zu schützen. Keinen Schmutz durfte dieses epochale Ereignis abbekommen. Nach dem Motto: Wenn das große Menü aufgetischt wird, darf kein Flecken das Tafelsilber entstellen. Es wurde verhört und verhandelt, dass es eine Wonne war. Der DFB hatte seine Lektion gelernt, kein Wunder bei einer Nation, die sich Freitag für Freitag 97 Folgen der Serie „Der Kommissar“ reinzog und später etwa dreimal so viele Episoden von „Derrick“. Straub hätte fast selbst zum „Verhör“ gemusst angesichts der Zeit, die der DFB-Funktionär fortan außer Haus verbrachte: „In dieser Zeit gingen die Vernehmungen gelegentlich bis in den Morgen um fünf Uhr, anfangs noch im DFB-Haus in der Zeppelinallee, später im Parkhotel oder im Airport Hotel in Frankfurt. Meine Frau argwöhnte deshalb, ich hätte womöglich eine Freundin. Eines Tages tauchte sie im Hotel auf, saß bis nachts um zwei Uhr an der Bar, sah dann, dass ich noch in Vernehmungen war. Damit war dieses Thema vom Tisch.“ Unangenehm wurde es für die Familie dennoch. Keine zwei Wochen nach Canellas Enthüllungen saß Straub beim Endspiel um den DFB-Pokal im Stuttgarter Neckarstadion zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Köln, da sprach ihn in der Halbzeit ein Polizist an: „Er sagte mir, er habe den Hinweis, ich würde in der Nacht überfallen werden. Man riet mir, umgehend nach Hause zu fahren.“ Straub alarmierte sofort seine Frau, trug ihr auf, nicht zu reagieren, sollte jemand klingeln. Dann raste er heim nach Dreieich, rückgeben!“ „Er“ war Torhüter Dieter Burdenski, der sich prompt anraunzen lassen musste: „Mensch Budde, geh‘ mal zur Seite.“ Burdenski hatte bei der entscheidenden Besprechung gefehlt, als es um die Verteilung des Geldes ging, wusste zwar Bescheid, tat aber so, als wisse er von gar nichts. Später zeigte er sich geständig, wurde lediglich für drei Monate gesperrt. Auf dem Weg zur lebenslangen Bielefeld gewann dieses Spiel mit 1:0. Sperre: Kölns Manfred Manglitz Berlin, Schalke, Oberhausen, Offenbach, Köln, Duisburg, Bielefeld, Stuttgart, Braunschweig, Frankfurt – nur wenige Kilometer entfernt von über die Hälfte aller 18 Klubs war Offenbach. Er brachte Frau und Tochirgendwie in den Skandal verstrickt, ter zu Nachbarn, blieb allein in der der eine mehr, der andere weniger. Drei-Zimmer-Wohnung: „Ich hatte Bittere Ironie des Schicksals: Nachecht Fracksausen. Anschließend weislich nicht beteiligt war Essen, der wurde ich über ein halbes Jahr unter Klub stieg als Tabellenletzter ab. WiePolizeischutz gestellt. Das alles war dergutmachung gab es keine, weil schlimm für meine Familie.“ nicht nachgewiesen werden konnte, Der Skandal entpuppte sich dass der Klub ohne die Manipulatials Sumpf, der seltsame Blüonen der Konkurrenz nicht ten trieb. „Mein Pech war, auch auf einem Abstiegsplatz dass wir gegen alle Teams gelandet wäre. Und auch, spielten, die unten standen“, weil die Ergebnisse zweierklärte Manglitz später mit felsfrei verschobener Spiele der ihm eigenen vom DFB nicht Larmoyanz. Der Als Liga-Sekretär und annulliert wurden, Nationaltorwart sondern ganz nordes 1. FC Köln Aufklärer stand Straub mal in die Wertung gefiel sich als unter Polizeischutz. einflossen. Schlüsselfigur der Ein mieses traurigen AngeleDrehbuch also für genheit, beschrieb den kompletten die Essener, das ohnehin mit heutiIrrsinn mit folgendem Satz nahezu gen Augen wirkt wie eine Klamotte perfekt: „Man brauchte eigentlich nur aus dem Bauerntheater. Holzschnittganz normal zu spielen, von irgendartige Figuren beherrschten die Szewem kam automatisch Geld. Entwenerie, hier der windige Canellas, da der Siegprämie oder weil man verloder wie ein Lude auftretende Mangren hatte.“ Tatsächlich zahlten Klubs litz, hier die verhuschten Patzke oder auch Geld, wenn man sich gegen den Wild, die kleinen Jungs glichen, die Konkurrenten ganz besonders ins verbotenerweise ins Glas mit den Zeug legte, eine Art der Motivation, Bonbons gegriffen hatten. Dummheit die übrigens nicht verboten war, mound Arglosigkeit feierten fröhliche ralisch aber höchst fragwürdig und Urständ‘ in diesem Skandal, der nie leicht umzukehren, wie folgendes orchestriert wirkte, sondern von BeHistörchen zwischen Canellas und ginn an wie improvisiert. Manglitz belegt: Im Laufe der ErmittMan traf sich auf Autobahnrastlungen stellte sich heraus, dass Kölns stätten, an Tankstellen, in FriseursaTorhüter vom OFC-Boss 25 000 Mark lons oder im Kabinengang. Mal schob gefordert hatte, andernfalls würde man die Scheine blanko rüber, dann er im Spiel gegen Rot-Weiß Essen wieder im Schuhkarton, auch mal im absichtlich „ein paar Dinger durchGeldköfferchen, kleinere Summen lassen“. Canellas zahlte, Köln gewann im Briefumschlag. Mal wurde quit3:2, Manglitz hielt überragend. tiert (!), mal nicht. Es gab Spieler, Am Ende waren so viele Akdie das für die Mannschaft gezahlte teure in die Betrügereien verstrickt, Geld behielten und anschließend dass es ein Wunder gewesen wäre, zurückgaben, abzüglich „der Spesen“. wäre nichts ans Tageslicht gedrunDie Summen, um die es ging, muten gen. Auf dem Rasen entwickelte dabei heute eher lächerlich an. Rund sich eine Flüsterpost, die bis heute eine Million Mark sollen geflossen jeder Beschreibung spottet. So rief sein – insgesamt. Die Spieler des ein Spieler von Arminia Bielefeld FC Schalke beispielsweise kassierten den Schalker Kollegen zu: „Er hält von Bielefeld pro Nase 2300 Mark wie ein Weltmeister. Wenn nicht bald und wollten sich jahrelang partout was passiert, müsst ihr das Geld zuan nichts mehr erinnern. Das brachte
Fotos: Horstmueller (4), imago images Tatort Glückauf-Kampfbahn: Der Bielefelder Gerd Roggensack erzielt gegen Dieter Burdenski & Co. das Skandaltor zum 1:0, S04-Präsident Günter Siebert zeigt später die eidesstattlichen Erklärungen der Schalker, nicht betrogen zu haben … DFB-Sportgericht Frankfurt: Die beiden Herthaner Bernd Patzke (links) und Tasso Wild (rechts) beraten sich 1971 mit ihrem Anwalt Horst Sandner. Landgericht Essen: Die Schalker Rolf Rüßmann und Klaus Fischer (rechts) sitzen auch im September 1975 immer wieder auf der Anklagebank. ihnen eine Klage wegen Meineids vor sitzender des DFB-Kontrollausschusdem Landgericht Essen ein und den ses“ für Aufklärung sorgen musste. wenig schmeichelhaften Spitznamen Der Richter aus Stuttgart geriet zur „FC Meineid 04“. Bis 1975 zog sich die Schlüsselfigur aufseiten der „Guten“, Prozessserie, erst dann wurde den was ihm ernstzunehmende Morddroendlich geständigen Profis eine dicke hungen einbrachte. Seine ErmittlunGeldstrafe aufgebrummt. Spieler wie gen litten darunter nicht. Er verfolgte Rolf Rüßmann oder Klaus Fischer die Sünder mit unnachgiebiger Härte, verpassten dank dieser Eselei großer Entschlossenheit und viele Länderspiele, erst Jahre dem unbändigen Willen, jede später ließ der DFB Gnade Verfehlung aufzuklären. Was vor Recht ergehen und die nicht ganz einfach war, weil Schalker für Deutschland nach Canellas Enthüllungen spielen. Stan Lizunächst jeder jebuda, den legenBundestrainer Schön den beschuldigte, dären Kapitän der von Missverständ„Knappen“, koste- zeigte sich angewidert nissen sprach und te der Skandal die von den Vorgängen. nun mehr oder weKarriere. Der DFB niger behutsam sperrte ihn – wie dazu gebracht viele andere Profis auch – auf Lewerden musste, vor dem Sportgericht benszeit, erteilte allerdings Freigaben zurückzurudern. für das Ausland. Libuda wechselte Doch schon am 24. Juli, also zu Racing Straßburg, wurde wie die nicht einmal zwei Monate nach Cameisten anderen Spieler begnadigt, nellas Erst-Enthüllungen, wurden in kam aber leistungsmäßig nicht mehr Frankfurt die ersten Urteile gefällt: auf die Beine. die Berliner Wild (vier Jahre Sperre) Hans Kindermann hieß der und Patzke (zehn Jahre gesperrt) sobedauernswerte Jurist, der als „Vorwie der von Köln entlassene Manglitz (25 000 Mark Geldstrafe und lebenslange Sperre) traf der Bannstrahl als erste. Am Ende konnten 53 Profis, zwei Trainer (Bielefelds Egon Piechaczek und Oberhausens Günter Brocker) sowie sechs Funktionäre zweifelsfrei von Kindermann überführt und vom Sportgericht verurteilt werden. Den Klubs Arminia Bielefeld und Kickers Offenbach entzog der DFB 1972 die Lizenz für die Bundesliga. Wie bei Libuda & Co. wurden die meisten Urteile früher oder später in Begnadigungen umgewandelt. Der DFB hatte sein wichtigstes Ziel erreicht. Die schnelle Aufarbeitung verhinderte zwar nicht, dass die Zuschauerzahlen in den nächsten Spielzeiten einbrachen (von 20 661 im Schnitt 1970/71 auf 17 932 in der folgenden Saison und auf 16 387 in 1972/73), dem deutschen Fußball blieb aber nachhaltiger Schaden erspart. Im Sommer 1973 konnte Kindermann stolz verkünden: „Wir haben den Skandal zu fast 100 Prozent aufgeklärt.“ Auf die WM im eigenen Lande würde kein Schatten fallen, dies war sicher. Die neuen Stadien für das Turnier sorgten dann auch für wieder steigende Zuschauerzahlen. Und Helmut Schön? Der Bundestrainer zeigte sich „angewidert von diesen Vorgängen“, kommentierte sie aber nicht. In den Skandal verwickelte Spieler überging er lange Jahre konsequent. Immerhin: Entschädigt wurde er reichlich als Europameister 1972 und Weltmeister 1974. Aber: Als Schön die Einladung zu Canellas Gartenparty wahrnahm, wusste er, dass etwas in der Luft lag. Im seinem Buch Spieltage erzählt Autor Ronald Reng, dass Canellas Schön in der Woche vorher angerufen und über die betrügerischen Absichten sowohl von Manglitz als auch der Hertha-Spieler um Patzke in Szene gesetzt hatte. Dem langen Sachsen flog fast die Mütze weg, verzweifelt bat er den OFC-Chef, ihn aus dem Spiel zu lassen, er habe eine Reputation zu verlieren. Canellas hielt dicht. Wenigstens dieses eine Mal. FRANK LUßEM Teil 2 am kommenden Montag: „Wer nicht zahlt, steigt ab!“ – so lief damals der große Bluff
86 31. MAI 2021 kickerbusiness Gestrichen: Langanhaltende Proteste der Fußballfans hatten schließlich Erfolg. Ab der kommenden Saison gibt es keine Montagsspiele mehr. L I V E- SP I E L E UND KONFE R E NZ E N Samstag komplett bei Sky, Freitag und Sonntag bei DAZN Mit dem Slogan „Alle Spiele, alle Tore“ kann Sky nur noch in der 2. Bundesliga werben. In der Bundesliga erwarb der Sender die Übertragungsrechte für alle Spiele am Samstag. Am Freitagabend und am Sonntag (mit bis zu drei Spielen) laufen die Live-Übertragungen ab der kommenden Saison bei DAZN. Freitag 1 Spiel Bundesliga 1 Spiel 2.Liga Sonntag und 1 Spiel Bundesliga 2 Spiele 2. Liga 1 Spiel Bundesliga Insgesamt 10 sogenannte Entlastungsspiele in Europacupwochen. Dann am Samstag nur 4 Spiele um 15.30 Uhr bei Sky. 1 Spiel Bundesliga 5 Spiele Bundesliga 1 Spiel Bundesliga Insgesamt 10 sogenannte Entlastungsspiele am Sonntag (bei DAZN) in Europacupwochen. Dann nur 4 Spiele am Samstag bei Sky. Dazu alle Spiele am Dienstag und Mittwoch bei SKY. 3 Spiele 2. Liga Besonderheit: 3 Spiele 2. Liga Saisoneröffnungsspiel (Freitag), Freitagsspiel am 17. Spieltag, Rückrundenauftakt (Freitag), Saisoneröffnung 2. Liga, Relegationsspiele Bundesliga – 2. Liga und 2. Liga – 3. Liga, Supercup. Insgesamt neun Spiele bei Sat.1. 3 Bundesliga 3 2. Liga “infografik 20.30 20.00 19.30 19.00 18.30 18.00 17.30 17.00 16.30 16.00 15.30 15.00 14.30 14.00 13.30 Samstag
Olympia-Verlag GmbH Badstraße 4 – 6, 90402 Nürnberg info@olympia-verlag.de Spielfrei in die Woche, das hat seinen Preis Das Ende der Montagsspiele bringt zur Saison 2021/22 N EU E A N STO SSZ E I T E N und den 36 Profiklubs Verluste. D ie Abschaffung der Montagsspiele gilt als einer der größten Erfolge von zeitweise gewaltigen Fan-Protesten. Im November 2018 beugte sich die Bundesliga dem Druck, Anfang Dezember folgte der Beschluss der 2. Liga. Umgesetzt werden konnten diese Entscheidungen erst nach Abschluss der neuen Fernsehverträge zum Start in die kommende Saison der 2. Liga (23. Juli) und der Bundesliga (13. August). Die Streichung der Montagspartien hat Auswirkungen auf die Spielansetzungen in den kommenden vier Jahren. Um in Corona-Zeiten überhaupt respektable Medienverträge bis zum Abpfiff der Saison 2024/25 mit einem Gesamtvolumen von ZU SA M M E NFASS U N G Zeitversetzte Berichterstattung Uhrzeiten für den jeweils frühestmöglichen Sendebeginn. Bundesliga Samstag Sonntag 2. Liga Freitag Samstag Sonntag ab 18.30 Uhr ab 21.15 Uhr ab 22.30 Uhr ab 18.30 Uhr ab 21.15 Uhr Foto: imago images/Eibner Bundesliga und 2. Liga Samstag ab 21.45 Uhr Bundesliga und 2. Liga Sonntag ab 6.00 bis 15.00 Uhr 4,4 Milliarden Euro aus der nationalen Vermarktung der Rechte abschließen zu können, musste DFL-Boss Christian Seifert im Ausschreibungsverfahren neue Anstoßzeiten schaffen. Die Abschaffung der Montagsspiele hat ihren Preis. Eine Steigerung der Erlöse für die kommenden vier Jahre auf mindestens 5,2 Milliarden Neuer Vertrag bedeutet 240 Millionen Euro weniger als bisher. Euro hatten sich die 36 Profiklubs erhofft; tatsächlich brachte der neue Abschluss 240 Millionen Euro weniger als das bisherige Werk. Um den Poker mit Fernsehsendern und Streamingdiensten nicht mit einer deutlichen Reduzierung der Übertragungen von Einzelspielen zu eröffnen, kommt es ab der Saison 2021/22 zu folgenden Änderungen: 3 Am Ende einer Saison werden nur noch am 34. Spieltag die jeweils neun Spiele in beiden Ligen zeitgleich um 15.30 Uhr angepfiffen. Am 14. Mai 2022 in der Bundesliga, 24 Stunden später in der 2. Liga. Am 33. Spieltag wird nach dem Regelspielplan mit Spielansetzungen am Freitag, Samstag und Sonntag verfahren. Aus Wettbewerbsgründen und in den Fragen nach Meister und Absteigern wurden im deutschen Fußball über Jahrzehnte an den beiden letzten Spieltagen alle Partien zeitgleich angepfiffen. Eine Ausnahme gab es bereits in dieser Saison. Coronabedingt fand das DFB-Pokal-Finale am 13. Mai (Donnerstag) statt, die Endspielgegner Borussia Dortmund und RB Leipzig bestritten ihre Bundesligaspiele an diesem 33. Spieltag erst am folgenden Sonntag. 3 In den vergangenen Jahren wurden in der Bundesliga sogenannte Entlastungsspiele unter Beteiligung von Teilnehmern an den europäischen Wettbewerben am Sonntag um 13.30 Uhr (5 Spiele) und am Montag um 20.30 Uhr (5 Spiele) ausgetragen. Nach Abschaffung der Montagsspiele finden künftig insgesamt zehn Spiele pro Saison am Sonntagabend erst ab 19.30 Uhr statt. Das hat Auswirkungen auf weitere Spiele am Sonntag. Da werden das erste Bundesligaspiel um 15.30 Uhr (wie bisher) und das zweite Spiel um 17.30 Uhr (bisher 18.00 Uhr) angepfiffen. 3 Das Topspiel der 2. Bundesliga an einem Montagabend wurde erstmals am 18. Oktober 1993 (FC St. Pauli – VfL Bochum) ausgetragen. Sport1, das damals noch unter DSF lief, hat die Abschaffung dieser Spiele nach knapp einem Vierteljahrhundert sehr bedauert. „Dass wir die Übertragungsrechte am Montagabend verloren haben, tut weh und schmerzt den Sender“, sagte Geschäftsführer Olaf Schröder nach der Vergabe der neuen Verträge. Sport1 bleibt mit Spannende Frage: Spielen die Fans am Samstagabend mit? dem Topspiel der 2. Liga am Ball – in der neuen Saison mit einem neuen Sendetermin am Samstagabend um 20.30 Uhr (parallel auch bei Sky). Ein spannendes Unterfangen. Fußballanhänger, die ihren Verein zu Auswärtsspielen begleiten, kommt das mit Sicherheit entgegen. Ob allerdings die Fernsehzuschauer an einem Samstagabend in Konkurrenz zu Familiensendungen, Serien oder Freizeitunternehmungen da mitspielen werden, sei dahingestellt. Samstags beginnen die Spiele in der 2. Liga um 13.30 Uhr (bisher 13.00 Uhr). RAINER FRANZKE Direktwahl für Redaktion: +49 911 216 22 42 Abonnement: +49 911 216 22 22 Anzeigen: +49 911 216 22 13 FAX: +49 911 216 22 52 FAX: +49 911 216 22 30 FAX: +49 911 216 27 39 Gegründet 1920 durch Walther Bensemann (†) Chefredakteure: Jörg Jakob, Rainer Franzke, Alexander Wagner Chefredaktion/Ltg. Kooperationen: Klaus Smentek Art Direction: Dieter Steinhauer, Sabine Klier (Stv.) Chefreporter: Karlheinz Wild, Oliver Hartmann Printredaktion Nürnberg: redaktion@kicker.de Axel Heiber (Ltg.), Marcus Lehmann (Stv.), David Riedel (Stv.), Manfred Ewald (Sonderaufgaben), Manfred Münchrath (Ltg. 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Das Print-Abonnement umfasst die Montag- und DonnerstagAusgabe und kostet im Inland monatlich € 19,20, für Studenten € 9,60 (Nachweis erforderlich). Auslandspreise auf Anfrage. Eine Kündigung ist sechs Wochen vor Ablauf des berechneten Zeitraums schriftlich mitzuteilen. Die Preise für eMagazine sind abrufbar unter www.kicker.de/abo Vermarktung Print und Digitale Medien: Martin Schumacher (Ltg. Gesamt), Otto Hofbeck (Anzeigenleiter, verantwortlich für Anzeigen), Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 52 vom 01.01.2021 anzeigen@kicker.de Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos, Dias, Bücher usw. keine Haftung. Die gesamte Zeitschrift einschließlich aller ihrer Teile ist urheberrechtlich geschützt, soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetz und sonstigen Vorschriften nichts anderes ergibt. Jede Verwertung ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags unzulässig. 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88 31. MAI 2021 Wer im Land eines Rekordweltdas mal keine Anspielung auf die 44 Hamiltons meisters groß wird und Rennfahrer ist ... Norris verweigert bislang jeden Kommentar, werden möchte, der hat es wahrwas er sich bei der Wahl gedacht hat: „Die geheimlich nicht leicht. In Deutschland lautet die Frage nisvolle Geschichte dahinter ist nur die, dass es für die nächste Generation immer noch: „Der kein Geheimnis gibt.“ Breites Grinsen. Denn nanächste Schumacher?“ In Großbritannien heißt türlich taugt in seinem Fall auch die Nicht-Aussage es: „Ist er der nächste Hamilton?“ Die Schumaschon wieder zu neuer Publicity. Ein ganzes Team cher-Frage wird in naher Zukunft von Mick, seivon Experten vermarktet den jungen Rennfahrer, nem Sohn, beantwortet. Was Hamilton angeht, das erinnert nun wirklich stark an Hamilton. haben die Briten zwei Möglichkeiten: George Scheu vor großen Namen kennt Norris keine, Russell und Lando Norris. Der eine als Mercedesob sie Valtteri Bottas (31) oder Charles Leclerc (23) Junior bei Williams, der andere beim Mercedesheißen. In Monte Carlo verteidigte er seinen zweiKundenteam McLaren. Russell ist 23 Jahre alt, ten 3. Platz in dieser Saison erfolgreich gegen Norris erst 21, dieses Rennen wird also noch ein den heranstürmenden Routinier Sergio Perez (31) Weilchen dauern. Aktuell mit klaren Vorteilen für im Red-Bull-Honda. Seinem Renningenieur verden jüngsten Fahrer im Formel-1-Feld: Vor dem ordnete er für die entscheidende Phase des RenGroßen Preis von Aserbaidschan diesen Sonntag in Baku liegt Norris auf dem dritten Platz der Fahrer-Weltmeisterschaft. Dritter war er auch beim Großen Preis von Monaco und sorgte so zusammen mit Max Verstappen und Carlos Sainz jun. für das zweitjüngste Podium in sieben Jahrzehnten Königsklasse. Ein Kronjuwel. Jüngster britischer Formel-1-Fahrer war er schon bei seinem Debüt im Frühjahr 2019, als er gleich im zweiten Rennen in Bahrain in die Punkte fuhr. Sein Rookiejahr beendete er immerhin auf Rang 11. Der deutsche TeamL A NDO NO R R IS chef Andreas Seidl (45) verspricht sich viel von Norris, vor dem Prestige-Rennen in Monte Carlo wurde der Vertrag mit seinem Schützling gleich um mehrere Jahre verlängert, Norris bestätigte das Vertrauen umgehend mit nens Funkstille. Konzentriert und ungestört, das ist einer fehlerlosen Leistung bei der anspruchsvolNorris im Cockpit. Frech und lustig, so präsentiert len Hafenrundfahrt. „Mit ihm werden wir noch er sich außerhalb seiner Dienstwagen. Auch diese viel Freude haben“, glaubt der ehemalige PorSpäße werden meist für den digitalen Auftritt sche-Stratege. Auch in der Planung von Formel-1inszeniert, Norris zeigt sich aber auch schlagChef Stefano Domenicali (56) spielt er eine große fertig in der direkten Auseinandersetzung mit Rolle: Norris ist nicht nur in den sozialen Medien seinen Kontrahenten. Da wächst eine neue Boyschon eine große Nummer mit allein 3,1 Millionen group heran. Followern bei Instagram, er ist wie Russell auch Das Generationen-Duell läuft auch innerin den eSports-Serien höchst aktiv – und wird so halb der McLaren-Truppe. Daniel Ricciardo ist zum Bindeglied zwischen dem zehn Jahre älter als Norris und echten und virtuellen Renngehat in etwa fünfmal so viele „Mit Lando werden schehen. Gelegentlich kommt Formel-1-Rennen bestritten. wir noch viel Freude es dabei zu kuriosen GegenDer Australier kämpft noch haben.“ sätzen: In der Formel 1 sind mit der Eingewöhnung bei Verstappen und er Gegner, seinem neuen Team, ähnlich Andreas Seidl, McLaren-Teamchef auf der Plattform iRacing.com wie der viermalige Champion haben sie schon erfolgreich Sebastian Vettel (33) bei Aston gemeinsame Sache bei der Martin. Norris aber zeigt bisSimulation eines 24-Stunden-Rennens gemacht. lang keinerlei Schadenfreude gegenüber dem Lando Norris, der wie Verstappen eine belRoutinier, er bescheinigt ihm öffentlich Respekt. gische Mutter hat, als Grenzgänger zwischen den Mit despektierlichen Aussagen über Konkurrenten, Welten. Die populäre Gaming-Plattform Twitch mit denen er am Anfang seiner Karriere aufgefallen beispielsweise nutzt er als erster der Toprennist, hält er sich auch besser zurück. fahrer für sich, die Resonanz ist groß. Aus dem Im Fall von Ricciardo ahnt er, was seinen Kreis der Simulator-Fans rekrutiert sich auch Teamkollegen plagt: „Ihm fehlt noch das, was der Zuschauernachwuchs für die Formel 1. Ein ich habe – das absolute Vertrauen in mein Auto." Trend, der auch bei den Quoten des deutschen Mental stark zu sein, das ist einer der wichtigsBezahlsenders Sky mehr und mehr zu spüren ist. ten Faktoren in einer Formel-1-Karriere. Norris, Dementsprechend hat sich Norris einen Kampfaus einem Multimillionär-Haushalt stammend, namen gegeben, der auch zum Markenzeichen scheint offenkundig wenig Probleme mit seinem taugt: #L4NDO. Die Vier als Startnummer, wenn Selbstbewusstsein zu haben. Er hat aber, auch Der nächste Hamilton? Er steht für einen neuen Typ des Formel-1-Fahrers. (21) zeigt Stärke auf und neben der Piste, erinnert auch an den Rekordchampion.
31. MAI 2021 89 hier ähnelt er wieder Hamilton, keine Scheu davor, auch Schwächen oder gar Ängste öffentlich einzugestehen. Wenn der Druck im Grand-PrixZirkus zu groß zu werden droht, taucht Norris per Meditations-App in seine eigene Welt ab. Das mag gar nicht zum sonst so extrovertierten Auftritt passen, der eher seinem Idol entspricht, dem italienischen Motorradpiloten und neunfachen Weltmeister Valentino Rossi (42). Gegensätze, die offenbar stark leistungsfördernd wirken. „Eine seiner Stärken ist es, dass er kaum Fehler macht“, sagt Seidl, „er hat schon als Neuling beeindruckt und entwickelt sich „Zur Stelle sein, seither deutlich.“ Schon wenn andere Fehler in seinem ersten Jahr machen.“ zeigte er sich furchtlos, hätte mit etwas Glück Lando Norris, Jungstar schon eine Pole-Position erzielen können und ging keinem Radan-Rad-Duell aus dem Weg. Offenbar verfügt er über die ausgeprägte Fähigkeit, sich rasend schnell an neue Gegebenheiten zu gewöhnen. Das bringen wohl die vielen unterschiedlichen Nachwuchsserien mit sich, in denen er während seiner Ausbildungsphase parallel und quer über den Globus unterwegs war, von Neuseeland bis Nordeuropa. Das Familienleben und die Schulausbildung wurden dabei den Zielen auf der Rennstrecke untergeordnet. Der jüngste Erfolg in Monte Carlo gibt der Ausrichtung recht. „Dieses Rennen ist für mich der Beweis dafür, dass wir Fortschritte machen. Es ist eine tolle Motivation für das ganze Team“, sagt Norris. Er kennt die Möglichkeit, die sein Rennstall und er nutzen müssen: „Zur Stelle sein, wenn andere Fehler machen. Diese Leistung müssen wir jetzt auch auf anderen Strecken abrufen. Das wird die schwierigere Aufgabe.“ Aber er wirkt dabei nicht wie jemand, der sich fürchtet. Vielmehr ist es eine große Chance, die sich ihm bietet. Lando Norris scheint bereit, sie zu nutzen. Und dann mal sehen, was als Nächstes kommt. ELMAR BRÜMMER FOR ME L-1 -WM Norris unterwegs im Spitzenfeld Nach fünf Grands Prix rangiert der McLaren-Pilot in der Fahrerwertung auf dem starken 3. Rang. Besonders wertvoll: Lando Norris ist stolz auf seinen 3. Platz beim Prestige-GP in Monte Carlo. Foto: Sutton Platz Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Max Verstappen (NED) Lewis Hamilton (GBR) Lando Norris (GBR) Valtteri Bottas (FIN) Sergio Perez (MEX) Charles Leclerc (MON) Carlos Sainz jun. (ESP) Daniel Ricciardo (AUS) Pierre Gasly (FRA) Esteban Ocon (FRA) Sebastian Vettel (GER) Lance Stroll (CAN) Fernando Alonso (ESP) Yuki Tsunoda (JPN) Antonio Giovinazzi (ITA) Punkte 105 101 56 47 44 40 38 24 16 12 10 9 5 2 1
90 31. MAI 2021 FALLrückzieher Jung und alt: Der DFC Prag – der deutsche Vizemeister von 1903 und lange Zeit ein europäisches Topteam – wurde vor fünf Jahren neu gegründet. Der Klub, wie seine Spieler, steckt noch in den Kinderschuhen. Wenn an das erste Endspiel um die deutsche Fußball-Meisterschaft erinnert wird – immer zu den großen Jubiläen, dem 50. oder dem 75. Jahrestag zum Beispiel –, dann ist allermeistens nur vom VfB Leipzig die Rede, dem Sieger. So wie in der kicker-Ausgabe vom 5. Juni 2003, kurz nachdem sich dieses Finale zum 100. Mal gejährt hatte. 7:2 für die Leipziger endete das Duell mit dem Deutschen Fußball-Club Prag vor 118 Jahren, am 31. Mai 1903, in Altona, das seit 1938 zu Hamburg gehört. Vom DFC Prag jedoch liest man nie etwas. Das ist kein Wunder: Den Verein gab es gar nicht mehr. Als der DFC vergangenen Freitag vor 125 Jahren (28. Mai 1896) von, laut Homepage, „deutschnational gesinnten Juden“ gegründet wurde, da gehörte Prag noch zu Österreich. Dennoch durfte der Verein an der ersten deutschen Meisterschaft teilnehmen, denn der DFB hatte damals, drei Jahre nach seiner Gründung, drin- Von klein auf 1903, vor 118 Jahren, spielte der D FC P R AG um die erste deutsche Meisterschaft. 1938 wurde er verboten, aber nun ist er zurück. gend Mitglieder gesucht. Als der DFB aber 1904 der FIFA beitrat, war dies nicht mehr erlaubt. Fortan kickte der DFC im Österreichischen Verband und ab 1918 in der neu gegründeten Tschechoslowakei. Seinerzeit war er eines der besten Teams Europas, absolvierte Freundschaftsspiele unter anderem in Italien und Spanien – und wurde am 19. Dezember 1923 beim Umsteigen auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof von kicker-Gründer Walther Bensemann begrüßt, der für die damals drei Jahre junge Fußball-Fachzeitschrift Fotos schoss. Als im März 1939 die Deutschen in der Tschechoslowakei einmarschierten, wurde der DFC von den Nazis als „jüdischer Verein“ verboten. Das war das Ende, glaubte man. Doch nun ist der DFC Prag wieder da, seit fünf Jahren schon. Und steckt noch in den Kinderschuhen – im wahrsten Wortsinne. Schuld daran ist die „Initiative 1903 e.V.“, die sich um „Wahrung und Pflege traditioneller Werte im Fußballsport“ kümmert und sporthistorische Projekte in ganz Europa begleitet. Mitte des vergangenen Jahrzehnts bestritt dieser Verein mit seiner Hobbykicker-Mannschaft Freundschaftsspiele bei allen Klubs, die 1903 in der Endrunde dabei waren. Nur: Den DFC Prag gab es ja nicht mehr. Also kontaktierten sie Thomas Oellermann. Der Sporthistoriker, der schon zehn Jahre lang in Prag lebte und dort für die Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet, stellte tatsächlich eine Mannschaft aus Tschechen und Deutschen auf die Beine. Sie lief am 13. September 2015 als DFC Prag auf. Erstmals nach 76 Jahren stand wieder DFC Prag auf einem Spielplakat. Und es endete wie damals – 2:7. Das Medienecho war beachtlich („Die Legende kehrt zurück“), und auch die Reaktionen der Menschen in der 1,3-Millionen-Stadt, in der
ab 91 PFIFF M it dem Aufstieg des VfL Bochum 1848 ist endlich ein elfjähriger Betriebsunfall namens 2. Liga repariert. Nun gilt es, die Mannschaft punktuell zu verstärken. Und da steht nun wieder einer zur Verfügung, auf den man in den letzten Jahren nicht zurückgreifen konnte. Wenn wir bei minus 5 Grad vor gerade mal 8000 Zuschauern 0:3 gegen Aue zurücklagen, erflehten die Menschen nicht selten die Hilfe des einzigen Fußballgottes, und der heißt Ata Lameck: „Ata, lass dich einwechseln!“ Doch Ata sprach: „Ich spiel’ nicht 2. Liga!“ Hat er noch nie. 518-mal Liga 1, so sieht’s aus! Ata Fußballgott Eine kicker-Seite vom 5. Juni 2003: Den Rückblick auf die erste deutsche Meisterschaft dominiert der VfB Leipzig. rund 25 000 Deutsche leben, waren Eine Heimstätte indes fehlt freundlich. Also beließ es Oellermann noch. „Das ist ein Riesenproblem“, nicht bei diesem einen Spaß-Kick. berichtet Oellermann. Erst mietete Neun Monate später, am 9. Juni 2016, sich der Klub beim FK Meteor ein, hoben er und sieben weitere Grünnun wird auf dem Kunstrasenplatz der den Deutschen Fußball-Club einer Grundschule trainiert. Wie die Prag neu aus der Entwicklung des Taufe, seither ist ganzen Klubs wird Dr. Israng, der Oellermann im auch der Aufbau deutsche Botschafter, von MannschafVorstand zustänist Ehrenmitglied. ten – notgedrundig für Geschichte, Werte und Ethik. gen – von klein auf Der neue alte Klub, betrieben. Derzeit der eng mit den drei deutschen Schutrainieren knapp 60 Jugendliche unlen in Prag zusammenarbeitet, sieht ter der Anleitung von Trainer René sich den Werten seines berühmten Drtina (54). Die seit Jahren gewachseVorgängers verpflichtet und will ne aktuelle U 12 spielt in der Stadtliga „einen Beitrag zum toleranten MitPrag Ost, zur kommenden Saison einander und zur Freundschaft zwisoll eine zweite Mannschaft für den schen deutschen und tschechischen Ligabetrieb gemeldet werden. OellerKindern und Jugendlichen“ leisten. mann: „Wir sind absolut zufrieden.“ Er erhält Förderungen vom Prager Wenn es so weiter geht, dann Fußballverband, als Geschäftsstelle wird man Ende Mai 2028, wenn sich fungiert eine Rechtsanwaltskanzlei das erste Endspiel um die deutsche in der Altstadt, und der deutsche Meisterschaft zum 125. Mal jährt, Botschafter in Prag, Dr. Christoph auch wieder etwas über den DFC Prag Israng, ist Ehrenmitglied. lesen können. PETER NICKEL NEULICH war ich beim Bäcker meines Vertrauens. Als ich den Laden wieder verließ, gewahrte ich auf dem Parkplatz daneben zwei Männer, die sich mit einem Auto abmühten, das nicht anspringen wollte. Der eine saß am Steuer, der andere versuchte, den Wagen das leicht ansteigende Gelände hinaufzuschieben. Ich legte mein Brot auf einem dekorativ in einem gemulchten Beet geparkten Findling ab und half. Wir kamen ins Keuchen, wir kamen ins Schwitzen, doch beim Anrollen gelang es dem Fahrer nicht, den Motor in Gang zu setzen. DA STIEG ATA, der Einzige, aus einem anderen Auto. Er winkte kurz herüber und verschwand in der Bäckerei. Wir schoben den Wagen ein zweites Mal hügelan, mit dem gleichen Ergebnis. Mittlerweile hatte Ata die Bäckerei wieder verlassen und sah uns zu. In der Hand hielt er eine Plastiktüte mit drei Scheiben süßen Stutens. „Der ist gut“, japste ich. Ata nickte. „Bisschen Marmelade drauf – lecker! Kriegt ihr das mit dem Auto nicht hin? Versuch’ noch mal!“ Der andere Schieber und ich stemmten uns wieder gegen die Vorderseite des Wagens, schoben ein paar Meter, und plötzlich stand Ata neben uns und half mit. Eigentlich legte er nur eine Hand auf die Motorhaube, aber mit einem Mal ging es wie von selbst. Mit Hilfe der Hand Gottes schoben wir das Auto doppelt so weit wie vorher, und selbstredend klappte es dann auch mit dem Anrollen. Der Mann am Steuer versprach zu Ehren des Einzigen ein Rauchopfer darzubringen und die Fahne eines beliebigen anderen Vereins zu verbrennen. ATA HATTE diese Aktion nicht einen Tropfen Schweiß gekostet, während es mir praktisch in die Schuhe lief. „Ata“, sagte ich, „der VfL ist doch jetzt aufgestiegen, das heißt, du kannst wieder eingewechselt werden.“ „Frank“, sprach Ata Lameck Fußballgott, „ich hab’ die Schuhe schon geputzt!“ Der kicker-„abpfiff“ wird im wöchentlichen Wechsel von externen Autoren verfasst: FRANK GOOSEN ist Kabarettist und Fußballfan. Informationen zu seinen Programmen und Terminen in Zeiten von Corona unter www.frankgoosen.de


31. MAI 2021 73 FUSSBALL IM OSTEN Auf Tour durch die 2. Liga: Der Mannschaftsbus von Hansa ist der neue Arbeitsplatz von Axel Rietentiet (r.u.). „Jeder Junge hat einen Traum“ Busfahrer statt Trainer: Ex-Spieler AXEL R IET ENT IET (51) nennt die Gründe für seinen ungewöhnlichen Jobwechsel bei Hansa Rostock. Foto: imago images/Jan Huebner, imago/objectivo Einen besonderen Rollentausch gibt es bei Zweitliga-Aufsteiger Hansa Rostock: Dort übernimmt der bisherige U-23Coach Axel Rietentiet das Steuer des Mannschaftsbusses. Rietentiet kam 1982 zu Hansa und gehörte zum Meisterteam in der letzten DDR-Oberliga-Saison 1990/91, das die Qualifikation für die Bundesliga schaffte. Sein Nachfolger bei der FCH-Reserve wird Kevin Rodewald, der bisherige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Kind hat doch jeder Junge einen Traum: Er will Kapitän, Pilot, Lokführer und eben Busfahrer werden. Nach meiner Spielerkarriere habe ich eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolviert und 17 Jahre in der Branche gearbeitet. Das war eine lehrreiche, gute Zeit. Als Trainer beim FC Hansa oder beim FC Schönberg 95 habe ich immer rechts vorn gesessen und angefangen, mich für das Busfahren zu interessieren. Und wie ging es weiter? Eines Tages, während meiner Zeit in Schönberg, hat es mich sehr Herr Rietentiet, wie kommt es zum genervt, dass wir auf langen Reiüberraschenden Rollentausch? sen immer eine Dreiviertelstunde Neben dem Fußball ist das BusfahPause machen mussten, weil der ren eine meiner großen LeidenBusfahrer seine Lenk- und Ruheschaften. Für den FC Hansa fahren zeiten einhalten muss. Da habe zu können, ist großartig und die ich 2016 für mich entschieden, perfekte Verbindung von beidem. den Bus-Führerschein zu machen. Die Arbeit als Trainer und mit Außerdem wollte ich mich mit meiner Manneinem zweiten schaft hat mir Standbein ab„Als Kind hat unheimlich viel sichern. Es war doch jeder Junge Spaß gemacht, immer mein einen Traum.“ ich freue mich Ziel, mit 60 nicht allerdings schon noch viermal die riesig auf meine Woche auf dem neue Aufgabe als Hansa-BusfahTrainingsplatz zu stehen. rer, die sich zeitlich einfacher mit Wo sitzt Coach Jens Härtel im Bus? meinem Job bei der Bundeswehr Auf dem ersten linken Platz, und dem Familienleben vereinquasi hinter mir. Jens und ich baren lässt. kennen uns schon eine Zeit, haSeit wann besteht die Leidenschaft ben früher als Trainerkollegen fürs Busfahren? mehrfach gegeneinander gespielt Es mag albern klingen, aber als und schätzen uns sehr. Wir hatten schon viele gute Gespräche auf den langen Rückfahrten, in denen es nicht nur um Fußball geht. Das Gute ist, ich kenne die Abläufe und die Gedanken eines Trainers vor und nach dem Spiel und mache zum Beispiel die Musik mal leiser oder lauter. Wie schwer fällt Ihnen der Abschied als Coach? Das wird die stärkste 2. Liga, die es jemals gab. Es wird brutal schwierig. Unsere Mannschaft wird gezielt verstärkt und alles dafür geben, um drinzubleiben. Als Busfahrer beginnen Sie den dritten Job bei Hansa nach dem als Spieler und Trainer. Was war Ihr größter Moment „Als Trainer konnte im Fußball? Einen besonders ich überall meine schönen Erfolg Es war eine sehr Ziele erreichen.“ schöne Zeit. Ich hervorzuheben, bin stolz auf meifällt mir sehr ne Trainerkarrieschwer. Es gab re, habe ganz unten angefangen viele schöne Momente als Spieund einige Erfolge erreicht. Ich ler und Trainer. Egal wo ich als hätte auch weitermachen können. Trainer gearbeitet habe, überall Es war mein eigener Wunsch, als konnte ich meine Ziele erreichen, Trainer aufzuhören und das Lenkdarauf bin ich sehr stolz. Das größrad zu übernehmen. Meine Mannte Erlebnis war allerdings nicht im schaft gebe ich in gute Hände. Sport, sondern die Geburt meiner Worauf freuen Sie sich als Busfah- Tochter. rer am meisten? Auf hoffentlich erfolgreiche Fahrten mit der Mannschaft durch die 2. Liga, auf geile Stadien mit vielen Zuschauern. Wie haben Sie den Aufstieg vor gut einer Woche erlebt? Das war ein schönes Gefühl und ein tolles Erlebnis im Ostseestadion. Als Trainer bin ich mehrfach aufgestiegen, unter anderem 2015 mit Schönberg in die Regionalliga. Allerdings ist das eine ganz andere Nummer mit Hansa Rostock und seinen vielen Fans. Schafft Hansa den Klassenerhalt? Stichwort Spielerlaufbahn: Sie sind mit Hansa 1991 ins Oberhaus eingezogen. Warum haben Sie nach der Wende nicht dauerhaft den Sprung in den Profibereich geschafft? Meine Karriere als Profi war leider sehr kurz. Ich musste sie aufgrund einer schweren Verletzung früh beenden. Nachdem ich mir 1990 im Testspiel gegen Karlsruhe mehrfach den Knöchel gebrochen hatte, fiel ich monatelang aus. Anschließend schaffte ich nicht mehr den Sprung in die erste Mannschaft und verließ Hansa 1994. INTERVIEW: TOMMY BASTIAN
74 31. MAI 2021 Kapitän Garbuschewski geht – Brandt kehrt zurück NOFV BFC DYNAMO Keine Absteiger aus den Oberligen Etwas Schönes aus einer blöden Zeit REGIONALLIGA NORD GRUPPE NORD 1. SC Weiche 08 9 18:6 24 2. Eintr. Norderstedt 9 14:11 16 3. SV Drochtersen/A. 9 14:8 15 4. Phönix Lübeck (N) 9 11:11 15 5. Teut. Ottensen (N)10 17:13 16 6. FC St. Pauli II 10 15:15 16 7. Hamburger SV II 10 19:12 15 8. LSK Hansa 9 10:11 12 9. Holstein Kiel II 10 10:19 9 10. Heider SV 8 4:19 4 11. Altona 93 7 5:12 3 GRUPPE SÜD 1. Werder Bremen II 8 15:5 20 2. TSV Havelse 9 22:6 20 3. BSV Rehden 9 17:10 17 4. VfB Oldenburg 8 12:8 14 5. SSV Jeddeloh II 8 13:13 12 6. Hannover 96 II 9 14:16 13 7. VfV Hildesheim (N) 9 9:15 11 8. Oberneuland (N) 10 9:15 12 9. VfL Wolfsburg II 9 12:15 9 10. HSC Hannover 10 14:24 6 11. Delmenhorst (N) 7 5:15 2 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Kein Auf- und Abstieg in die Regionalliga. Nach dem Verzicht von Weiche Flensburg und Werder II nimmt der TSV Havelse an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga teil. Die Spiele finden am 12. Juni in Schweinfurt und am 19. Juni in Havelse statt. REGIONALLIGA NORDOST 1. 2. 3. 4. 5. 6. FC Viktoria 1889 11 VSG Altglienicke 11 Chemie Leipzig 13 Carl Zeiss Jena (A) 12 Berliner AK 07 12 BFC Dynamo 11 26:9 29:14 25:12 24:16 25:21 26:17 33 25 24 21 20 18 Für Regionalligist BFC Dynamo geht es in eine kurze Sommerpause. Dies verkündete BFC-Trainer Christian Benbennek (48) nach dem 2:1-Finalsieg im Berliner Landespokal gegen Ligakonkurrent Berliner AK. Am 14. Juni starten die Hauptstädter demnach mit der Vorbereitung auf die Saison 2021/22. „Dann haben wir sechs Wochen Zeit, um fit zu werden“, so Benbennek, für den der Pokalsieg ein wahres „Happy End“ war. „Somit können wir aus der blöden Zeit noch etwas Schönes rausziehen. Wie viele andere haben wir die Kurzarbeit am eigenen Leib erfahren. Das Team hat Charakter und Herz.“ Nun blickt man beim einstigen DDR-Rekordmeister aber nach vorne, stellt sich personell für die nächste Spielzeit auf. Benbennek, der 2019 beim BFC anheuerte, wird die Mannschaft auch nächste Saison trainieren. Nicht mehr dabei sein wird dann aber Kapitän Ronny Garbuschewski (35), der den Verein nach drei Jahren verlässt. Dagegen vermeldete der Klub bereits 7. Lok Leipzig (M) 12 20:17 19 8. Un. Fürstenwalde 11 22:20 16 9. En. Cottbus 13 18:19 18 10. Chemnitzer FC (A) 13 20:17 17 11. SV Babelsberg 03 13 18:20 17 12. Hertha BSC II 11 12:15 14 13. Lichtenberg 47 13 15:20 16 14. Luckenwalde (N) 13 14:22 15 15. VfB Auerbach 12 18:26 11 16. TeBe Berlin (N) 10 15:20 9 17. Germ. Halberstadt 13 12:18 11 18. ZFC Meuselwitz 13 14:22 11 19. Optik Rathenow 13 15:25 11 20. Bischofswerda 08 12 12:30 7 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Der FC Viktoria 1889 Berlin steigt in die 3. Liga auf, Bischofswerda 08 steigt ab. Aus den Oberligen rücken Tasmania Berlin (Nord) und der FC Eilenburg (Süd) auf. REGIONALLIGA WEST 41. SPIELTAG M’gladbach II 3:1 1:1 Wegberg-B. Dortmund II 2:2 0:1 Homberg Lippstadt 1:0 0:0 Bg. Gladbach Düsseldorf II 1:1 1:0 Rödinghsn. Fort. Köln 4:1 2:0 Schalke II DIENSTAG, 1. JUNI 18.00 UHR Bonn (1:3) Aachen DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Ahlen (1:1) Straelen spielfrei: Wuppertaler SV 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. Bor. Dortmund II 38 Rot-Weiss Essen 39 Pr. Münster (A) 39 Fortuna Köln 39 1. FC Köln II 39 Fort. Düsseldorf II 39 Rödinghausen (M) 39 89:29 88:28 68:36 65:44 66:54 65:48 48:38 87 87 78 66 61 56 56 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. RW Oberhausen 39 Wiedenbrück (N) 39 Bor. M’gladbach II 39 Schalke 04 II 39 Wuppertaler SV 39 Alemannia Aachen 39 SV Straelen (N) 38 Spfr. Lotte 39 SV Lippstadt 08 39 Wegberg-B. (N) 38 VfB Homberg 38 RW Ahlen (N) 38 Bonner SC 38 Berg. Gladbach 38 die Neuverpflichtungen der Stürmer Justin Engfer (18, zuletzt SC Staaken U 19) und Pelle Hoppe (21, Germania Halberstadt) sowie des Außenspielers Darryl Geurts (26, Union Fürstenwalde). Zudem kehrt Mittelfeldspieler Niklas Brandt (29, vereinslos) zurück. „Wir sind in unserer Kaderplanung schon gut dabei“, sagt der Coach, der sich zusätzlich über zahlreiche Verlängerungen aus dem aktuellen Kader freuen kann. Jubel nach dem Pokalerfolg: BFC-Coach Christian Benbennek, der nach zwei Abbrüchen auf eine komplette Spielzeit hofft. 59:50 53:48 49:53 56:54 56:60 35:47 40:57 45:70 36:60 35:59 39:71 44:67 37:66 30:64 56 55 55 54 54 45 44 43 40 38 34 32 32 30 NACHHOLSPIELE 32., 39. Spieltag DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Homberg (0:1) Wegberg-B. Dortmund II (3:0) Bg. Gladbach 42. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Oberhausen (1:1) M’gladbach II Schalke II (1:1) Münster Rödinghausen (2:3) Fort. Köln Bg. Gladbach (2:5) Düsseldorf II Straelen (1:1) Lippstadt Homberg (1:5) Ahlen Wuppertal (0:3) Dortmund II Bonn (1:1) 1. FC Köln II Lotte (0:0) Wiedenbrück Wegberg-Beeck (2:3) Essen spielfrei: Alemannia Aachen REGIONALLIGA SÜDWEST 40. SPIELTAG Stuttgart II 3:1 Bahlingen 2:1 Großaspach 3:2 Hoffenheim II 1:0 Freiburg II 0:1 Alzenau 0:1 Gießen 5:0 Bisher haben neun Spieler neue Verträge unterschrieben. So ist auch Mittelfeldspieler Philip Schulz (28) weiter dabei, der seit 2017 bereits im Verein ist und damit dienstältester Spieler ist. „Um eine Zielsetzung für die nächste Saison herauszugeben, ist es jetzt noch zu früh“, sagt Benbennek, der mit dem BFC in den beiden Vorjahren jeweils auf Tabellenplatz 6 in der Endabrechnung landete. MATTHIAS SCHÜTT Foto: imago images Am Donnerstag hat das Verbandsgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) die Abstiegsregelung in der Oberliga wieder aufgehoben. Ursprünglich waren nach einem Präsidiumsbeschluss nach dem coronabedingten Abbruch der Saison 2020/21 aus den beiden Oberliga-Staffeln vier Mannschaften zu Absteigern erklärt worden. Neben dem FC Strausberg, der sein Team freiwillig zurückzieht, waren das der Brandenburger SC Süd, Wacker Nordhausen und Carl Zeiss Jena II. Der BSC Süd und Nordhausen hatten daraufhin Beschwerde beim Verbandsgericht eingereicht. Man werde das Urteil wohl akzeptieren, teilt NOFV-Präsident Hermann Winkler mit. Da der BSC Süd, Nordhausen und Jena II nun doch nicht absteigen, geht die NOFV-Oberliga in der neuen Saison mit zwei 19er-Staffeln an den Start. Auswirkungen auf die Regionalliga Nordost hat das Urteil nicht. Zwar könnte nun wohl auch der Bischofswerdaer FV darauf pochen, nicht abzusteigen, darauf werde man aber verzichten, sagte BFV-Präsident Jürgen Neumann. ANDREAS KRÜHLER 0:0 Pirmasens 1:0 Mainz II 1:1 Aalen 0:0 Frankfurt 0:0 Homburg 0:1 Kassel 1:0 Schott Mainz DIENSTAG, 1. JUNI Offenbach (0:0) Balingen (2:3) Steinbach (2:2) Ulm (3:0) 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 19.00 UHR Walldorf Koblenz Elversberg Stadtallendorf SC Freiburg II 40 SV Elversberg 39 Kickers Offenbach 39 SSV Ulm 1846 39 Steinbach Haiger 39 FSV Frankfurt 40 FC Homburg 40 VfB Stuttgart II (N) 40 Bahlinger SC 40 RW Koblenz 39 Hessen Kassel (N)40 VfR Aalen 40 1. FSV Mainz 05 II 40 FC Gießen 40 TSG Hoffenheim II 40 FK Pirmasens 40 TSG Balingen 39 FC-Ast. Walldorf 39 Großaspach (A) 40 Schott Mainz (N) 40 Bayern Alzenau 40 Stadtallendorf (N) 39 41. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI Bahlingen (2:2) Schott Mainz (1:8) Stadtallendorf (1:1) Kassel (2:1) Homburg (2:2) Elversberg (1:1) Koblenz (1:2) Frankfurt (1:0) Walldorf (0:3) Aalen (2:0) Mainz II (0:0) 92:37 92:40 71:31 72:33 79:39 55:43 68:53 71:52 63:72 53:55 53:67 45:56 58:71 46:49 53:69 39:58 46:58 59:69 50:72 53:97 47:88 36:92 89 81 78 78 73 69 62 59 58 53 50 49 49 47 47 46 45 44 40 38 25 16 14.00 UHR Pirmasens Stuttgart II Gießen Ulm Alzenau Freiburg II Steinbach Balingen Hoffenheim II Offenbach Großaspach REGIONALLIGA BAYERN 1. Aschaffenburg 25 51:27 50 2. SpVgg Bayreuth 25 53:28 49 3. 1. FC Nürnberg II 25 61:32 49 4. Schweinfurt 05 23 48:29 44 5. TSV Aubstadt (N) 25 43:41 39 6. VfB Eichstätt 26 46:32 37 7. TSV Buchbach 25 32:29 35 8. Greuther Fürth II 26 31:33 36 9. FC Augsburg II 25 44:35 34 10. SV Schalding-H. 24 34:45 32 11. Wack. Burghausen 25 36:35 33 12. FV Illertissen 25 37:51 31 13. TSV Rain/L. (N) 25 26:41 30 14. SV Heimstetten 25 44:54 26 15. FC Memmingen 22 18:30 20 16. 1860 Rosenheim 25 30:61 21 17. VfR Garching 20 21:52 13 Die Saison 2019/21 wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Die Relegation entfällt. Der VfR Garching steigt ab. Aus den Bayernligen rücken der SC Eltersdorf (Nord) und der FC Pipinsried (Süd) auf. Der Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga gegen den TSV Havelse wird in einer Play-off-Runde mit Hin- und Rückspielen ermittelt. PLAY-OFF-RUNDE Bayreuth 0:4 0:2 Schweinfurt 1. Schweinfurt 05 2. SpVgg Bayreuth 3. Aschaffenburg 3 8:1 3 5:6 2 0:6 9 3 0 DIENSTAG, 1. JUNI 19.00 UHR Schweinfurt (2:0) Aschaffenburg SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Aschaffenburg (0:4) Bayreuth
73 Abschied vom Abstiegskampf Die wichtigste Personalie ist geklärt: Markus Unger heißt der neue Trainer des VfV 06 Hildesheim. Mit dem 39-jährigen A-Lizenz-Inhaber wollen die Hildesheimer nun den nächsten Schritt machen. Der Aufsteiger schaffte unter Ex-Trainer Benjamin Duda den Klassenerhalt in der Abbruchsaison und hat sich wieder zu einer seriösen Adresse in der Regionalliga entwickelt. Das zeigte sich auch darin, dass bei den Verantwortlichen etliche Bewerbungen für den Trainerposten eingingen. „Es waren einige interessante Kandidaten dabei“, erzählt Präsident Michael Salge. In der kommenden Saison möchten die Hildesheimer mit Unger noch besser abschneiden als zuletzt. „Wir arbeiten gerade an unseren Strukturen und wollen damit die Basis für ein noch besseres sportliches Abschneiden schaffen“, sagt der Vorsitzende Achim Balkhoff. Gemeinsam mit Unger stellen die Hildesheimer gerade den Kader für die neue Spielzeit zusammen. Unger, der in der vergangenen Saison als Co-Trainer der U 23 beim VfL Wolfsburg gearbeitet hatte, setzt dabei auf das Gerüst der Mannschaft. „Ich kenne die Mannschaft und hoffe, dass wir viele Spieler überzeugen können, zu bleiben.“ Balkhoff wird da schon etwas kon- HSV I I Neuer Coach und besserer Kader: Der V F V 0 6 H ILDESH EIM will sich zukünftig höhere Ziele stecken. Foto: Gaube FUSSBALL IM NORDEN 31. MAI 2021 Auf der Suche nach neuen Spielern: Markus Unger arbeitete in der vergangenen Saison als Co-Trainer des VfL Wolfsburg II. kreter. „Ich gehe davon aus, dass zehn bis zwölf Akteure ihre Verträge verlängern.“ Bislang stehen aber nur Abgänge fest: Abwehrspieler Steffen Suckel zieht es zum Oberligisten MTV Wolfenbüttel, die Offensiv- spieler Cedric Jahnel (Landesligist Bavenstedt) und Leon Heesmann (Kreisligist Borsum) wollen in unteren Ligen wieder mehr Spielpraxis bekommen. Den 3. Torwart Lyon Raeck zieht es zum Bezirksligisten Blau-Weiß Neuhof. Der 40-jährige Ersatztorwart Sven Kiontke, der seine Karriere beenden wollte, überlegt gerade, ob er einen Rücktritt vom Rücktritt wagt. „Die Suche nach neuen Spielern läuft parallel“, berichtet Unger. Insgesamt planen die Hildesheimer mit 22 Spielern und drei Torhütern. „Wir wollen jetzt zügig die Planungen abschließen, brauchen natürlich auch frisches Personal, um die Mannschaft weiterzuentwickeln“, meint Balkhoff, der sich aber mit Unger darüber einig ist, eventuell noch drei Plätze im Kader auch nach dem Trainingsstart am 28. Juni freizuhalten. „Wir wissen, dass gerade die Spieler aus den Nachwuchsleistungszentren abwarten und in Richtung 3. Liga schielen. Da brauchen auch wir Geduld“, sagt Unger. „In Hildesheim haben die Jungs die Möglichkeit, unter normalen Bedingungen vor 1000 oder mehr Zuschauern zu spielen.“ Spieler sind das eine, ein Trainerstab und sportlich Verantwortliche das andere. „Auch auf dieser Ebene führen wir Gespräche“, erklärt der neue Coach. Aktuell beschäftigen sich die Hildesheimer mit der Stellenbesetzung eines Sportlichen Leiters. Der fehlte zuletzt beim VfV. All das macht deutlich, dass sich der Klub zukünftig nicht mehr mit dem Abstiegskampf zufriedengeben will. STEPHAN GAUBE Fortschritte vor Tabellenplatz – Trainer Reimers bekommt keine Vorgaben Meißner wird zum Vorbild für die Talente Nach seinem kurzfristigen und erfolglosen Intermezzo bei den Profis kann sich Horst Hrubesch wieder seiner Kernaufgabe beim HSV widmen: der Nachwuchsarbeit. Der 70-Jährige sendete selbst deutliche Zeichen, indem er in allen seiner drei Zweitligapartien Robin Meißner auf den Platz schickte. Der 21-Jährige war zuvor gemeinsam mit Cemal Sezer (FC St. Pauli II) mit sechs Treffern Torschützenkönig in der Nord-Staffel der Regionalliga geworden. Unter Hrubesch traf er dreimal und empfahl sich damit für einen Profivertrag. Nur so kann es in Zukunft beim ehemaligen „Dino“ funktionieren, der nach drei 4. Plätzen in der nächsten Saison wahrscheinlich ein ganz normaler Zweitligist sein wird. Die Vorbilder sind dann nicht mehr Weltstars wie Rafael van der Vaart, Ruud van Nistelrooy oder Felix Magath, sondern heißen Josha Vagnoman und Stephan Ambrosius – oder eben Meißner. Sie schafften den Sprung über die Regionalligamannschaft zu den Profis, Vagnoman aktuell sogar zur U-21-Europameisterschaft. In Meißners Fußstapfen soll nun Pingdwinde Beleme treten, der vom FC St. Pauli zu den Rothosen wechselt. Bei den Braun-Weißen wurde der schnelle Angreifer zum U-20-Nationalspieler Burkina Fasos, erzielte nach seinem Wechsel vom ETV zwei Regionalliga-Tore. Ebenfalls neu beim HSV ist Moses Otuali (18), der vom VfL Wolfsburg kommt. Auch er wurde einst beim ETV ausgebildet, kehrt nun in die Hansestadt zurück. Trainer Pit Reimers (37) soll die Talente nach oben führen. Im Gegensatz zu manch anderem inzwischen ausgetauschten Nachwuchstrainer traut ihm Hrubesch die Aufgabe zu, Spieler zu entwicklen. Der Fußballlehrer geht in seine 15. Saison beim HSV, hat allerdings keine Vorgabe in Sachen Tabellenplatz. Zwar hatte der HSV die Lizenzierungsunterlagen für die 3.Liga eingereicht, echte Ambitionen hat die Mannschaft allerdings auch in der neuen Saison nicht. „An erster Position stehen die Fortschritte der Spieler mit Perspektive für den Profikader“, weiß Reimers, „aber natürlich steht auch der Ehrgeiz im Mittelpunkt, in der Tabelle die bestmögliche Platzierung zu erreichen.“ Nicht mehr dabei helfen wird Rechtsverteidiger Lukas Pinckert, der zu Viktoria Berlin in die 3. Liga wechselt. HARALD BORCHARDT
74 31. MAI 2021 kurz bündig R EGI O N AL L IG A WEST FC Oberneuland Mit Clemens Schoppenhauer (29) verzeichnet der FCO einen prominenten Abgang. Der Innenverteidiger war erst im vergangenen Sommer vom Chemnitzer FC nach Bremen gewechselt, wird seine Fußballkarriere nun aber beenden und sich um die berufliche Zukunft kümmern. Ansonsten wird der aktuelle Kader weitgehend erhalten bleiben. Es liegen bereits zahlreiche Zusagen vor. Eintracht Norderstedt Die Mannschaft hat spontan drei Wochen vor dem geplanten Start das Training wieder aufgenommen. Hintergrund ist das vom Verband angekündigte Entscheidungsspiel gegen Teutonia 05 um die Teilnahme am DFB-Pokal. Teutonia 05 Als vierter Torhüter wurde Luca Bruß (19) unter Vertrag genommen. Er spielt bereits seit der D-Jugend an der Kreuzkirche und rückt nun in den Ligakader auf. Altona 93 Nach Niklas Bär (18) kommen vier weitere Spieler aus der U 19 des Eimsbütteler TV, die in der Bundesliga spielte: Djavid Abdullatif (18), Diego Berendsohn, Peer Mahncke und Jurek Stoeck (alle 19). REGIONALLIGA NORD GRUPPE NORD 1. SC Weiche 08 9 18:6 24 2. Eintr. Norderstedt 9 14:11 16 3. SV Drochtersen/A. 9 14:8 15 4. Phönix Lübeck (N) 9 11:11 15 5. Teut. Ottensen (N)10 17:13 16 6. FC St. Pauli II 10 15:15 16 7. Hamburger SV II 10 19:12 15 8. LSK Hansa 9 10:11 12 9. Holstein Kiel II 10 10:19 9 10. Heider SV 8 4:19 4 11. Altona 93 7 5:12 3 GRUPPE SÜD 1. Werder Bremen II 8 15:5 20 2. TSV Havelse 9 22:6 20 3. BSV Rehden 9 17:10 17 4. VfB Oldenburg 8 12:8 14 5. SSV Jeddeloh II 8 13:13 12 6. Hannover 96 II 9 14:16 13 7. VfV Hildesheim (N) 9 9:15 11 8. Oberneuland (N) 10 9:15 12 9. VfL Wolfsburg II 9 12:15 9 10. HSC Hannover 10 14:24 6 11. Delmenhorst (N) 7 5:15 2 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Kein Auf- und Abstieg in die Regionalliga. Nach dem Verzicht von Weiche Flensburg und Werder II nimmt der TSV Havelse an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga teil. Die Spiele finden am 12. Juni in Schweinfurt und am 19. Juni in Havelse statt. REGIONALLIGA NORDOST 1. 2. 3. 4. 5. 6. FC Viktoria 1889 11 VSG Altglienicke 11 Chemie Leipzig 13 Carl Zeiss Jena (A) 12 Berliner AK 07 12 BFC Dynamo 11 26:9 29:14 25:12 24:16 25:21 26:17 33 25 24 21 20 18 Wiedenbrück – 1. FC Köln II 1:1 (1:1) Wiedenbrück: Beermann – Hüsing, Zech, Pudel, Latkowski, Geller – Brosowski (61. Demming), Beckhoff (61. Tabaku), Szeleschus (83. Thomas) – Osawe (61. Maier), Kaptan – Trainer: Brinkmann 1. FC Köln II: Friedsam – Islamovic, Laux, Voloder – Olesen (64. Ksiouar), Petermann, Wydra (78. J. A. Jansen) – Futkeu (46. Zorn), Akalp (75. Klump) – Musculus – Lemperle – Trainer: Zimmermann Tore: 0:1 Lemperle (40.), 1:1 Szeleschus (42.) – SR: Visse (Recke) – Zuschauer: 130 M’gladbach II – FC Wegberg-B. 3:1 (1:1) M’gladbach II: Olschowsky – Müller, Lieder, Pazurek – Wentzel (61. Kurt), Lockl – Niehues, Benger (86. Arslan) – Quizera, Schroers (84. Pia), Steinkötter (56. Adigo) – Trainer: Vogel Wegberg-Beeck: Wille – Hühne, Wilms, Leersmacher – Hoffmanns, Kühnel, Mandt, Fehr – Hasani (63. Merl), Bach (75. Geerkens), Mause – Trainer: Zeh Tore: 0:1 Mause (11.), 1:1 Benger (27., FE), 2:1 Pazurek (57.), 3:1 Niehues (61.) – SR: Severins (Gütersloh) – Zuschauer: 145 Bor. Dortmund II – VfB Homberg 2:2 (0:1) Dortmund II: Unbehaun – Thaqi, Dams, Finnsson – Bah-Traore (54. Makreckis), Pfanne, Osterhage (46. Wanner), Bakir – Raschl – Tachie (86. Knauff), Tigges – Trainer: Maaßen Homberg: Gutkowski – Antonaci, Kogel, Koenders, Walker, Marcinek – Lorch, Nowitzki (90./+2 Yesil), Asare (70. Kayaoglu), Harouz (81. Hirschberger) – Rankl (87. Palla) – Trainer: Acar 7. Lok Leipzig (M) 12 20:17 19 8. Un. Fürstenwalde 11 22:20 16 9. En. Cottbus 13 18:19 18 10. Chemnitzer FC (A) 13 20:17 17 11. SV Babelsberg 03 13 18:20 17 12. Hertha BSC II 11 12:15 14 13. Lichtenberg 47 13 15:20 16 14. Luckenwalde (N) 13 14:22 15 15. VfB Auerbach 12 18:26 11 16. TeBe Berlin (N) 10 15:20 9 17. Germ. Halberstadt 13 12:18 11 18. ZFC Meuselwitz 13 14:22 11 19. Optik Rathenow 13 15:25 11 20. Bischofswerda 08 12 12:30 7 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Der FC Viktoria 1889 Berlin steigt in die 3. Liga auf, Bischofswerda 08 steigt ab. Aus den Oberligen rücken Tasmania Berlin (Nord) und der FC Eilenburg (Süd) auf. REGIONALLIGA WEST 41. SPIELTAG M’gladbach II 3:1 1:1 Wegberg-B. Dortmund II 2:2 0:1 Homberg Lippstadt 1:0 0:0 Bg. Gladbach Düsseldorf II 1:1 1:0 Rödinghsn. Fort. Köln 4:1 2:0 Schalke II DIENSTAG, 1. JUNI 18.00 UHR Bonn (1:3) Aachen DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Ahlen (1:1) Straelen spielfrei: Wuppertaler SV 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. Bor. Dortmund II 38 Rot-Weiss Essen 39 Pr. Münster (A) 39 Fortuna Köln 39 1. FC Köln II 39 Fort. Düsseldorf II 39 Rödinghausen (M) 39 89:29 88:28 68:36 65:44 66:54 65:48 48:38 87 87 78 66 61 56 56 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. Tore: 0:1 Finnsson (38., ET), 0:2 Rankl (52.), 1:2 Wanner (63.), 2:2 Raschl (80.) – SR: Koj (Wegberg) – Zuschauer: 500 SV Lippstadt – Berg. Gladbach 1:0 (0:0) Lippstadt: Balkenhoff – Sansar, Steringer, Schubert, Heiserholt – Evers – Karimani (77. Henneke), Hoffmeier, Liehr, Heinz (90. Schneider) – Kaiser (87. Meier) – Trainer: Bechtold Bg. Gladbach: Lohmann – McCormick (46. Fragapane), Dal, Spiegel, Heider – Durgun – Hirsch (69. Wüstenberg), Odagaki, Mamutovic (87. Kuhbier), Friesdorf – Lunga (79. Hill) – Trainer: Hohl Tor: 1:0 Karimani (74.) – SR: Scheer (Essen) – Zuschauer: 500 – Rote Karte: Hoffmeier (4., grobes Foulspiel) Düsseldorf II – Rödinghausen 1:1 (1:0) Düsseldorf II: Wiesner – Montag, Touglo, Oberdorf, Siadas – Gül (85. Kummer), Köther – Schaub, Sieben (52. Lofolomo), Könighaus (76. Heric) – Meuer – Trainer: Michaty Rödinghausen: Schönwälder – Arkenberg, Flottmann, Riemer (46. Schuster) – Kurzen (73. Lee), Kunze, Haut, Derflinger, Langer – Wirtz (42. Buckmaier), Simakala (42. Ibrahim) – Trainer: Drube Tore: 1:0 Gül (31.), 1:1 Langer (47., FE) – SR: Fuchs (Odenthal) – Zuschauer: 500 Fortuna Köln – Schalke 04 II 4:1 (2:0) Fort. Köln: Rauhut – Ochojski (83. Özden), Löhden, Rumpf (77. Baba), Poggenberg – Hölscher, Kegel (58. Brandenburger) – Ubabuike, Salman, Owusu (74. Nadjombe) – Najar – Trainer: Ende RW Oberhausen 39 Wiedenbrück (N) 39 Bor. M’gladbach II 39 Schalke 04 II 39 Wuppertaler SV 39 Alemannia Aachen 39 SV Straelen (N) 38 Spfr. Lotte 39 SV Lippstadt 08 39 Wegberg-B. (N) 38 VfB Homberg 38 RW Ahlen (N) 38 Bonner SC 38 Berg. Gladbach 38 59:50 53:48 49:53 56:54 56:60 35:47 40:57 45:70 36:60 35:59 39:71 44:67 37:66 30:64 56 55 55 54 54 45 44 43 40 38 34 32 32 30 NACHHOLSPIELE 32., 39. Spieltag DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Homberg (0:1) Wegberg-B. Dortmund II (3:0) Bg. Gladbach 42. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Oberhausen (1:1) M’gladbach II Schalke II (1:1) Münster Rödinghausen (2:3) Fort. Köln Bg. Gladbach (2:5) Düsseldorf II Straelen (1:1) Lippstadt Homberg (1:5) Ahlen Wuppertal (0:3) Dortmund II Bonn (1:1) 1. FC Köln II Lotte (0:0) Wiedenbrück Wegberg-Beeck (2:3) Essen spielfrei: Alemannia Aachen REGIONALLIGA SÜDWEST 40. SPIELTAG Stuttgart II 3:1 Bahlingen 2:1 Großaspach 3:2 Hoffenheim II 1:0 Freiburg II 0:1 Alzenau 0:1 Gießen 5:0 0:0 Pirmasens 1:0 Mainz II 1:1 Aalen 0:0 Frankfurt 0:0 Homburg 0:1 Kassel 1:0 Schott Mainz DIENSTAG, 1. JUNI Offenbach (0:0) Balingen (2:3) Steinbach (2:2) Ulm (3:0) 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. TOR SCHÜTZ EN Tore Spieler Engelmann (Rot-Weiss Essen) Tigges (für Borussia Dortmund II) Koruk (SV Berg. Gladbach 09) Prokoph (Fortuna Köln) Meuer (Fortuna Düsseldorf II) Kaiser (SV Lippstadt 08) Kreyer (RW Oberhausen) Simakala (SV Rödinghausen) Beckhoff (SC Wiedenbrück) Duman (Borussia Dortmund II) Langlitz (Preußen Münster) Ceka (FC Schalke 04 II) Tachie (Borussia Dortmund II) Salman (Fortuna Köln) L. Demaj (Spfr. Lotte) Grote (Rot-Weiss Essen) Rankl (VfB Homberg) Lemperle (für 1. FC Köln II) Ibrahim (SV Rödinghausen) Kader (SV Straelen) Ametov (Wuppertaler SV) Königs (Wuppertaler SV) 28 20 19 15 14 14 14 14 13 12 12 12 11 11 11 10 10 10 10 10 10 10 19.00 UHR Walldorf Koblenz Elversberg Stadtallendorf SC Freiburg II 40 SV Elversberg 39 Kickers Offenbach 39 SSV Ulm 1846 39 Steinbach Haiger 39 FSV Frankfurt 40 FC Homburg 40 VfB Stuttgart II (N) 40 Bahlinger SC 40 RW Koblenz 39 Hessen Kassel (N)40 VfR Aalen 40 1. FSV Mainz 05 II 40 FC Gießen 40 TSG Hoffenheim II 40 FK Pirmasens 40 TSG Balingen 39 FC-Ast. Walldorf 39 Großaspach (A) 40 Schott Mainz (N) 40 Bayern Alzenau 40 Stadtallendorf (N) 39 41. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI Bahlingen (2:2) Schott Mainz (1:8) Stadtallendorf (1:1) Kassel (2:1) Homburg (2:2) Elversberg (1:1) Koblenz (1:2) Frankfurt (1:0) Walldorf (0:3) Aalen (2:0) Mainz II (0:0) Schalke II: Wienand – Halbauer, Hanraths, Matriciani, Frölich – Kaparos – Balouk (46. Ceka), Matter (80. Awassi), Berisha (46. Weschenfelder Scienza) – Schuler, Krasniqi (64. Kankam Kyerewaa) – Trainer: Fröhling Tore: 1:0 Salman (10.), 2:0 Salman (23.), 3:0 Rumpf (59.), 4:0 Ubabuike (73.), 4:1 Ceka (79.) – SR: Gansloweit (Dortmund) – Zuschauer: keine – Bes. Vorkommnis: Rauhut hält FE von Schuler (77.) 92:37 92:40 71:31 72:33 79:39 55:43 68:53 71:52 63:72 53:55 53:67 45:56 58:71 46:49 53:69 39:58 46:58 59:69 50:72 53:97 47:88 36:92 89 81 78 78 73 69 62 59 58 53 50 49 49 47 47 46 45 44 40 38 25 16 14.00 UHR Pirmasens Stuttgart II Gießen Ulm Alzenau Freiburg II Steinbach Balingen Hoffenheim II Offenbach Großaspach REGIONALLIGA BAYERN 1. Aschaffenburg 25 51:27 50 2. SpVgg Bayreuth 25 53:28 49 3. 1. FC Nürnberg II 25 61:32 49 4. Schweinfurt 05 23 48:29 44 5. TSV Aubstadt (N) 25 43:41 39 6. VfB Eichstätt 26 46:32 37 7. TSV Buchbach 25 32:29 35 8. Greuther Fürth II 26 31:33 36 9. FC Augsburg II 25 44:35 34 10. SV Schalding-H. 24 34:45 32 11. Wack. Burghausen 25 36:35 33 12. FV Illertissen 25 37:51 31 13. TSV Rain/L. (N) 25 26:41 30 14. SV Heimstetten 25 44:54 26 15. FC Memmingen 22 18:30 20 16. 1860 Rosenheim 25 30:61 21 17. VfR Garching 20 21:52 13 Die Saison 2019/21 wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Die Relegation entfällt. Der VfR Garching steigt ab. Aus den Bayernligen rücken der SC Eltersdorf (Nord) und der FC Pipinsried (Süd) auf. Der Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga gegen den TSV Havelse wird in einer Play-off-Runde mit Hin- und Rückspielen ermittelt. PLAY-OFF-RUNDE Bayreuth 0:4 0:2 Schweinfurt 1. Schweinfurt 05 2. SpVgg Bayreuth 3. Aschaffenburg 3 8:1 3 5:6 2 0:6 9 3 0 DIENSTAG, 1. JUNI 19.00 UHR Schweinfurt (2:0) Aschaffenburg SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Aschaffenburg (0:4) Bayreuth
73 „Mehr Druck als sonst“ Auch wenn für diese Trophäe nur zwei Siege notwendig waren, kosteten die Preußen-Profis den 1:0-Sieg im Westfalenpokal-Endspiel gegen die SF Lotte voll aus. Spätestens mit dem Abpfiff war spürbar, dass sich die Mannschaft auf dieses eine verbliebene Saisonziel verständigt hatte. Schon mit dem goldenen Tor kurz vor Schluss (Elfmeter von Gerrit Wegkamp) fiel eine Last von allen ab. Anschließend startete eine große Party, erst vor der Kabine in Verl, später verordnungskonform im größeren Rahmen am Stadion. „Es war ein krönender Abschluss dieser Halbserie“, sagte Sportchef Peter Niemeyer. Interessant war die Wertung der Partie, in der der SCP auch etwas Glück benötigte, nicht nur, weil das Chancenplus eher für den Gegner sprach. „In der Kabine hat die Mannschaft eine Anspannung gezeigt, die ich so nicht kannte“, meinte Coach Sascha Hildmann. „Es war ein sehr guter mentaler Test, in den vergangenen Wochen konnten wir sonst befreit aufspielen“, sagte Wegkamp. Auch Abwehrchef Simon Scherder, der in dieser Woche seinen Vertrag verlängert hatte, räumte ein: „Wir haben uns diesmal mehr Druck gemacht als sonst.“ In Münster regiert die Zuversicht, dass die vielen Erfahrungen der langen Saison dem Team in der nächsten Spielzeit zugutekommen. Einer, der beim Angriff A AC HE N Statt Liga-Alltag ging es für P R EUSSEN M ÜN STE R am Wochenende um den Einzug in den DFB-Pokal. Foto: Wedel FUSSBALL IM WESTEN 31. MAI 2021 Grund zum Jubel: Der SCP gewinnt den Verbandspokal gegen die Sportfreunde Lotte. auf die 3. Liga nicht mehr dabei sein wird, ist Joel Grodowski. Der 23-Jährige wechselt zum SC Verl, er holte als Joker nach gerade überstandener Verletzungspause den entscheidenden Strafstoß heraus. „Es war die ganze Zeit mein Ziel, dass ich hier noch mal auflaufen kann. Dass es dann so läuft, ist natürlich das i-Tüpfelchen“, verriet Grodowski glücklich. Die Bilanz einer schwierigen Saison Er und Lukas Frenkert sind die beiden Stammkräfte, die den SCP nun verlassen. Verstärkung wird vor allem für die Außenpositionen gesucht. Niemeyer weiß, dass er an der kommenden Transferperiode gemessen wird, nachdem sein Wirken bislang nur positiv aufgenommen wurde. Am Samstag spielte das jedoch bei der Feierei keine Rolle. THOMAS RELLMANN WUP P E RTAL Belohnung für „überragende Serie“ Baders „Steine im Weg“ Mehnerts „Krönung“ Diese eine Szene war sinnbildlich für Alemannias verkorkste Saison: Als der Regionalligist das Verbandspokalfinale gegen den Drittligisten Viktoria Köln in der 88. Minute per Elfmeter noch einmal spannend hätte gestalten können, versagten Schütze André Wallenborn die Nerven. Sein Schuss geriet zur Rückgabe. Der Favorit gewann verdient mit 2:0. „In dieser Saison lagen uns einige Steine im Weg“, bilanziert Aachens Sportdirektor Martin Bader, „und einer davon lag wohl auch am Elfmeterpunkt.“ Mit diesem einen Spiel wollten die Aachener eine Saison retten, die am Dienstag mit dem Nachholspiel beim Bonner SC bestenfalls auf Platz 13 enden wird und den Alemannen zwar keine Zuschauer, dafür aber einen Spieleraufstand plus Trainer- und Managerwechsel gebracht hat. Der Versuch scheiterte, wie schon so vieles zuvor. Doch Bader lässt sich davon nicht unterkriegen: „Ich freue mich auf die neue Saison, wenn wir die große Chance haben, den Staub dieser Spielzeit abzuschütteln.“ Man habe einige interessante Ideen parat, sagt er und spricht von einem kleinen, jungen Kader, der mit Ex-Nationalspieler Patrick Helmes von einem neuen Trainer angeleitet wird. Der verpasste Einzug in den DFB-Pokal falle da nicht weiter ins Gewicht. „Wir haben jetzt nicht weniger Geld zur Verfügung, weil wir mit Einnahmen aus dem DFB-Pokal gar nicht gerechnet haben.“ Und neue Spieler, die nur zum Tivoli gekommen wären, wenn man dort auch im DFB-Pokal hätte spielen können, habe er auch nicht auf seiner Liste. HOLGER RICHTER Björn Mehnert geriet ins Schwärmen. „Das ist die Krönung unserer überragenden Rückserie“, meinte der Cheftrainer des Wuppertaler SV nach dem 2:1-Endspielsieg im Niederrheinpokal in Duisburg gegen den Ligakonkurrenten SV Straelen. Für den WSV war es am „Finaltag der Amateure“ der erste Titelgewinn und damit auch die erste Qualifikation für den DFB-Pokal seit 2007. „Wenn mir das jemand bei meinem Amtsantritt gesagt hätte, ich hätte es nicht geglaubt“, gab Mehnert freimütig zu. Als der 44-jährige Ex-Profi Anfang Dezember zum WSV zurückkehrte, schwebte der Traditionsklub schließlich in akuter Abstiegsgefahr. Diese wurde dank einer starken Rückrunde mit einem durch acht Winterzugänge umformierten Kader souverän gebannt. Jetzt gelang durch drei Pokalerfolge (zuvor 3:1 gegen den VfB Homberg und 6:2 gegen Drittligist MSV Duisburg) der große Coup. „Für den Verein, die Stadt und vor allem für die WSV-Fans bedeutet es unheimlich viel, wieder bundesweit im DFB-Pokal vertreten zu sein“, so Mehnert. Das weiß auch Peter Neururer (66), der sich seit wenigen Tagen als Vorstandsmitglied beim WSV engagiert. „Durch den Pokalsieg ergeben sich plötzlich Möglichkeiten für den Verein, sich neu aufzustellen“, sagt der Kulttrainer. „Wir sind dabei, eine professionelle Führung zu schaffen. Auf diesem Weg hat die Mannschaft dem Verein einen sehr großen Dienst erwiesen.“ Neben der bundesweiten Medienpräsenz spült der DFB-Pokal schließlich auch einen sechsstelligen Betrag in die Vereinskasse. PETER HAIDINGER
74 31. MAI 2021 Wiedenbrück – 1. FC Köln II 1:1 (1:1) Wiedenbrück: Beermann – Hüsing, Zech, Pudel, Latkowski, Geller – Brosowski (61. Demming), Beckhoff (61. Tabaku), Szeleschus (83. Thomas) – Osawe (61. Maier), Kaptan – Trainer: Brinkmann 1. FC Köln II: Friedsam – Islamovic, Laux, Voloder – Olesen (64. Ksiouar), Petermann, Wydra (78. J. A. Jansen) – Futkeu (46. Zorn), Akalp (75. Klump) – Musculus – Lemperle – Trainer: Zimmermann Tore: 0:1 Lemperle (40.), 1:1 Szeleschus (42.) – SR: Visse (Recke) – Zuschauer: 130 M’gladbach II – FC Wegberg-B. 3:1 (1:1) M’gladbach II: Olschowsky – Müller, Lieder, Pazurek – Wentzel (61. Kurt), Lockl – Niehues, Benger (86. Arslan) – Quizera, Schroers (84. Pia), Steinkötter (56. Adigo) – Trainer: Vogel Wegberg-Beeck: Wille – Hühne, Wilms, Leersmacher – Hoffmanns, Kühnel, Mandt, Fehr – Hasani (63. Merl), Bach (75. Geerkens), Mause – Trainer: Zeh Tore: 0:1 Mause (11.), 1:1 Benger (27., FE), 2:1 Pazurek (57.), 3:1 Niehues (61.) – SR: Severins (Gütersloh) – Zuschauer: 145 Bor. Dortmund II – VfB Homberg 2:2 (0:1) Dortmund II: Unbehaun – Thaqi, Dams, Finnsson – Bah-Traore (54. Makreckis), Pfanne, Osterhage (46. Wanner), Bakir – Raschl – Tachie (86. Knauff), Tigges – Trainer: Maaßen Homberg: Gutkowski – Antonaci, Kogel, Koenders, Walker, Marcinek – Lorch, Nowitzki (90./+2 Yesil), Asare (70. Kayaoglu), Harouz (81. Hirschberger) – Rankl (87. Palla) – Trainer: Acar Tore: 0:1 Finnsson (38., ET), 0:2 Rankl (52.), 1:2 Wanner (63.), 2:2 Raschl (80.) – SR: Koj (Wegberg) – Zuschauer: 500 REGIONALLIGA NORD GRUPPE NORD 1. SC Weiche 08 9 18:6 24 2. Eintr. Norderstedt 9 14:11 16 3. SV Drochtersen/A. 9 14:8 15 4. Phönix Lübeck (N) 9 11:11 15 5. Teut. Ottensen (N)10 17:13 16 6. FC St. Pauli II 10 15:15 16 7. Hamburger SV II 10 19:12 15 8. LSK Hansa 9 10:11 12 9. Holstein Kiel II 10 10:19 9 10. Heider SV 8 4:19 4 11. Altona 93 7 5:12 3 GRUPPE SÜD 1. Werder Bremen II 8 15:5 20 2. TSV Havelse 9 22:6 20 3. BSV Rehden 9 17:10 17 4. VfB Oldenburg 8 12:8 14 5. SSV Jeddeloh II 8 13:13 12 6. Hannover 96 II 9 14:16 13 7. VfV Hildesheim (N) 9 9:15 11 8. Oberneuland (N) 10 9:15 12 9. VfL Wolfsburg II 9 12:15 9 10. HSC Hannover 10 14:24 6 11. Delmenhorst (N) 7 5:15 2 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Kein Auf- und Abstieg in die Regionalliga. Nach dem Verzicht von Weiche Flensburg und Werder II nimmt der TSV Havelse an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga teil. Die Spiele finden am 12. Juni in Schweinfurt und am 19. Juni in Havelse statt. REGIONALLIGA NORDOST 1. 2. 3. 4. 5. 6. FC Viktoria 1889 11 VSG Altglienicke 11 Chemie Leipzig 13 Carl Zeiss Jena (A) 12 Berliner AK 07 12 BFC Dynamo 11 26:9 29:14 25:12 24:16 25:21 26:17 33 25 24 21 20 18 SV Lippstadt – Berg. Gladbach 1:0 (0:0) Lippstadt: Balkenhoff – Sansar, Steringer, Schubert, Heiserholt – Evers – Karimani (77. Henneke), Hoffmeier, Liehr, Heinz (90. Schneider) – Kaiser (87. Meier) – Trainer: Bechtold Bg. Gladbach: Lohmann – McCormick (46. Fragapane), Dal, Spiegel, Heider – Durgun – Hirsch (69. Wüstenberg), Odagaki, Mamutovic (87. Kuhbier), Friesdorf – Lunga (79. Hill) – Trainer: Hohl Tor: 1:0 Karimani (74.) – SR: Scheer (Essen) – Zuschauer: 500 – Rote Karte: Hoffmeier (4., grobes Foulspiel) Düsseldorf II – Rödinghausen 1:1 (1:0) Düsseldorf II: Wiesner – Montag, Touglo, Oberdorf, Siadas – Gül (85. Kummer), Köther – Schaub, Sieben (52. Lofolomo), Könighaus (76. Heric) – Meuer – Trainer: Michaty Rödinghausen: Schönwälder – Arkenberg, Flottmann, Riemer (46. Schuster) – Kurzen (73. Lee), Kunze, Haut, Derflinger, Langer – Wirtz (42. Buckmaier), Simakala (42. Ibrahim) – Trainer: Drube Tore: 1:0 Gül (31.), 1:1 Langer (47., FE) – SR: Fuchs (Odenthal) – Zuschauer: 500 Fortuna Köln – Schalke 04 II 4:1 (2:0) Fort. Köln: Rauhut – Ochojski (83. Özden), Löhden, Rumpf (77. Baba), Poggenberg – Hölscher, Kegel (58. Brandenburger) – Ubabuike, Salman, Owusu (74. Nadjombe) – Najar – Trainer: Ende 7. Lok Leipzig (M) 12 20:17 19 8. Un. Fürstenwalde 11 22:20 16 9. En. Cottbus 13 18:19 18 10. Chemnitzer FC (A) 13 20:17 17 11. SV Babelsberg 03 13 18:20 17 12. Hertha BSC II 11 12:15 14 13. Lichtenberg 47 13 15:20 16 14. Luckenwalde (N) 13 14:22 15 15. VfB Auerbach 12 18:26 11 16. TeBe Berlin (N) 10 15:20 9 17. Germ. Halberstadt 13 12:18 11 18. ZFC Meuselwitz 13 14:22 11 19. Optik Rathenow 13 15:25 11 20. Bischofswerda 08 12 12:30 7 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Der FC Viktoria 1889 Berlin steigt in die 3. Liga auf, Bischofswerda 08 steigt ab. Aus den Oberligen rücken Tasmania Berlin (Nord) und der FC Eilenburg (Süd) auf. REGIONALLIGA WEST 41. SPIELTAG M’gladbach II 3:1 1:1 Wegberg-B. Dortmund II 2:2 0:1 Homberg Lippstadt 1:0 0:0 Bg. Gladbach Düsseldorf II 1:1 1:0 Rödinghsn. Fort. Köln 4:1 2:0 Schalke II DIENSTAG, 1. JUNI 18.00 UHR Bonn (1:3) Aachen DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Ahlen (1:1) Straelen spielfrei: Wuppertaler SV 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. kurz R EGI O NA L L I GA W EST Bor. Dortmund II 38 Rot-Weiss Essen 39 Pr. Münster (A) 39 Fortuna Köln 39 1. FC Köln II 39 Fort. Düsseldorf II 39 Rödinghausen (M) 39 89:29 88:28 68:36 65:44 66:54 65:48 48:38 87 87 78 66 61 56 56 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. Schalke II: Wienand – Halbauer, Hanraths, Matriciani, Frölich – Kaparos – Balouk (46. Ceka), Matter (80. Awassi), Berisha (46. Weschenfelder Scienza) – Schuler, Krasniqi (64. Kankam Kyerewaa) – Trainer: Fröhling Tore: 1:0 Salman (10.), 2:0 Salman (23.), 3:0 Rumpf (59.), 4:0 Ubabuike (73.), 4:1 Ceka (79.) – SR: Gansloweit (Dortmund) – Zuschauer: keine – Bes. Vorkommnis: Rauhut hält FE von Schuler (77.) TOR SC HÜTZ E N RW Oberhausen 39 Wiedenbrück (N) 39 Bor. M’gladbach II 39 Schalke 04 II 39 Wuppertaler SV 39 Alemannia Aachen 39 SV Straelen (N) 38 Spfr. Lotte 39 SV Lippstadt 08 39 Wegberg-B. (N) 38 VfB Homberg 38 RW Ahlen (N) 38 Bonner SC 38 Berg. Gladbach 38 56 55 55 54 54 45 44 43 40 38 34 32 32 30 NACHHOLSPIELE 32., 39. Spieltag DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Homberg (0:1) Wegberg-B. Dortmund II (3:0) Bg. Gladbach 42. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Oberhausen (1:1) M’gladbach II Schalke II (1:1) Münster Rödinghausen (2:3) Fort. Köln Bg. Gladbach (2:5) Düsseldorf II Straelen (1:1) Lippstadt Homberg (1:5) Ahlen Wuppertal (0:3) Dortmund II Bonn (1:1) 1. FC Köln II Lotte (0:0) Wiedenbrück Wegberg-Beeck (2:3) Essen spielfrei: Alemannia Aachen REGIONALLIGA SÜDWEST 40. SPIELTAG Stuttgart II 3:1 Bahlingen 2:1 Großaspach 3:2 Hoffenheim II 1:0 Freiburg II 0:1 Alzenau 0:1 Gießen 5:0 0:0 Pirmasens 1:0 Mainz II 1:1 Aalen 0:0 Frankfurt 0:0 Homburg 0:1 Kassel 1:0 Schott Mainz DIENSTAG, 1. JUNI Offenbach (0:0) Balingen (2:3) Steinbach (2:2) Ulm (3:0) 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. Alemannia Aachen Drei Spieler verlassen die Alemannia: Stipe Batarilo-Cerdic (27) wechselt zu Fortuna Köln, Muja Arifi (20) schließt sich dem FC Wegberg-Beeck an, und Steven Rakk (22) kehrt zu Hessen Kassel zurück. 19.00 UHR Walldorf Koblenz Elversberg Stadtallendorf SC Freiburg II 40 SV Elversberg 39 Kickers Offenbach 39 SSV Ulm 1846 39 Steinbach Haiger 39 FSV Frankfurt 40 FC Homburg 40 VfB Stuttgart II (N) 40 Bahlinger SC 40 RW Koblenz 39 Hessen Kassel (N)40 VfR Aalen 40 1. FSV Mainz 05 II 40 FC Gießen 40 TSG Hoffenheim II 40 FK Pirmasens 40 TSG Balingen 39 FC-Ast. Walldorf 39 Großaspach (A) 40 Schott Mainz (N) 40 Bayern Alzenau 40 Stadtallendorf (N) 39 41. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI Bahlingen (2:2) Schott Mainz (1:8) Stadtallendorf (1:1) Kassel (2:1) Homburg (2:2) Elversberg (1:1) Koblenz (1:2) Frankfurt (1:0) Walldorf (0:3) Aalen (2:0) Mainz II (0:0) Flügelspieler Ansgar Knauff (19) kam trotz eines Bänderanrisses im Fuß zu einem Kurzeinsatz gegen den VfB Homberg. Marco Hober (25) fehlte hingegen. Gegen den SV Rödinghausen (0:0) am Mittwoch hatte er einen Schlag auf den Spann bekommen. Ob beide in den letzten zwei Ligaspielen eingreifen können, ist noch unklar. Für Abwehrspieler Pierre Fassnacht (25) ist die Saison beendet: Beim 1:3 in Münster sah er die Rote Karte und wurde nun für zwei Spiele gesperrt. Das bedeutet, dass er auch im ersten Spiel der nächsten Saison noch nicht spielen darf. + + + Nach sieben Jahren verlässt Offensivspieler Raphael Steinmetz (26) zum Saisonende die Kleeblätter. Der Oberhausener will sich beruflich umorientieren, bleibt dem Fußball aber als Trainer (und demnächst wohl Spielertrainer) seines Heimatvereins, des Bezirksligsten Schwarz-Weiß Alstaden, erhalten. Engelmann (Rot-Weiss Essen) Tigges (für Borussia Dortmund II) Koruk (SV Berg. Gladbach 09) Prokoph (Fortuna Köln) Meuer (Fortuna Düsseldorf II) Kaiser (SV Lippstadt 08) Kreyer (RW Oberhausen) Simakala (SV Rödinghausen) Beckhoff (SC Wiedenbrück) Duman (Borussia Dortmund II) Langlitz (Preußen Münster) Ceka (FC Schalke 04 II) Tachie (Borussia Dortmund II) Salman (Fortuna Köln) L. Demaj (Spfr. Lotte) Grote (Rot-Weiss Essen) Rankl (VfB Homberg) Lemperle (für 1. FC Köln II) Ibrahim (SV Rödinghausen) Kader (SV Straelen) Ametov (Wuppertaler SV) Königs (Wuppertaler SV) 59:50 53:48 49:53 56:54 56:60 35:47 40:57 45:70 36:60 35:59 39:71 44:67 37:66 30:64 Borussia Dortmund II Rot-Weiß Oberhausen Tore Spieler 28 20 19 15 14 14 14 14 13 12 12 12 11 11 11 10 10 10 10 10 10 10 bündig 92:37 92:40 71:31 72:33 79:39 55:43 68:53 71:52 63:72 53:55 53:67 45:56 58:71 46:49 53:69 39:58 46:58 59:69 50:72 53:97 47:88 36:92 89 81 78 78 73 69 62 59 58 53 50 49 49 47 47 46 45 44 40 38 25 16 14.00 UHR Pirmasens Stuttgart II Gießen Ulm Alzenau Freiburg II Steinbach Balingen Hoffenheim II Offenbach Großaspach REGIONALLIGA BAYERN 1. Aschaffenburg 25 51:27 50 2. SpVgg Bayreuth 25 53:28 49 3. 1. FC Nürnberg II 25 61:32 49 4. Schweinfurt 05 23 48:29 44 5. TSV Aubstadt (N) 25 43:41 39 6. VfB Eichstätt 26 46:32 37 7. TSV Buchbach 25 32:29 35 8. Greuther Fürth II 26 31:33 36 9. FC Augsburg II 25 44:35 34 10. SV Schalding-H. 24 34:45 32 11. Wack. Burghausen 25 36:35 33 12. FV Illertissen 25 37:51 31 13. TSV Rain/L. (N) 25 26:41 30 14. SV Heimstetten 25 44:54 26 15. FC Memmingen 22 18:30 20 16. 1860 Rosenheim 25 30:61 21 17. VfR Garching 20 21:52 13 Die Saison 2019/21 wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Die Relegation entfällt. Der VfR Garching steigt ab. Aus den Bayernligen rücken der SC Eltersdorf (Nord) und der FC Pipinsried (Süd) auf. Der Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga gegen den TSV Havelse wird in einer Play-off-Runde mit Hin- und Rückspielen ermittelt. PLAY-OFF-RUNDE Bayreuth 0:4 0:2 Schweinfurt 1. Schweinfurt 05 2. SpVgg Bayreuth 3. Aschaffenburg 3 8:1 3 5:6 2 0:6 9 3 0 DIENSTAG, 1. JUNI 19.00 UHR Schweinfurt (2:0) Aschaffenburg SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Aschaffenburg (0:4) Bayreuth
73 Aufstiegsentscheidung vertagt Die Enttäuschung über die vertagte Aufstiegsentscheidung war dem SC Freiburg II nach dem Schlusspfiff anzumerken, obwohl der Vorsprung des Tabellenführers weiter komfortabel ist. Nach 14 ungeschlagenen Spielen unterlag die U 23 dem FC Homburg mit 0:1. Dabei war der SCF zum Zeitpunkt des Gegentores durch Damjan Marceta deutlich besser im Spiel, vergab durch Kevin Schade und David Nieland aber seine Großchancen. Ab der 25. Spielminute war Trainer Christian Preußer, der in der neuen Saison den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf übernehmen wird, dennoch „zufrieden mit dem Spiel, aber mit dem Ergebnis natürlich nicht“. Obwohl die Routiniers Johannes Flum (nach Gelbsperre) und Sandrino Braun-Schumacher (nach Verletzung) wieder dabei waren, zeigte sich die junge Mannschaft in der Anfangsphase nervös. Da half es auch nur wenig, dass Freiburger Fans kurz G I E SS E N Foto: Seeger Nach 14 Spielen ohne Niederlage hat Tabellenführer SC F R EIBUR G II ausgerechnet sein Matchball-Spiel gegen den FC Homburg verloren. Aufstieg auf dem Sofa? Sollte Elversberg in Steinbach verlieren, steht Freiburg II mit Trainer Christian Preußer als Meister fest. vor dem Anpfiff außerhalb des Möslestadions Raketen gezündet hatten, und sich auch während des Spiels immer mal wieder mit Sprechchören bemerkbar machten. Drinnen feuerten zudem Familien und Freunde die Spieler von der Tribüne aus an – die Corona-Lockerungen in Freiburg machten es möglich. „Das ist Korzuschek vor dem Absprung Burgio wechselt zum FC Pünktlich zur Rückkehr von 150 Fans feierte der FC Gießen seinen höchsten Saisonsieg: „Schön, dass wir den Zuschauern fünf Tore schenken konnten“, sagte Trainer Daniyel Cimen, dessen Fokus jedoch längst auf der Kaderplanung für die kommende Saison liegt. Mit den Verpflichtungen des regionalligaerfahrenen Stürmers Giuseppe Burgio (32, von Astoria Walldorf) und des körperbetonten Außenbahnspielers Dennis Owusu (20, Greuther Fürth II) hat der FC in den letzten Tagen weitere Zeichen ausgesendet. Fragen zur Finanzierung beantwortet Cimen so: „Wir wissen, was wir den Spielern anbieten können. Das ist nichts Utopisches. Wir trainieren auch nächste Saison um 17 Uhr, sodass die Spieler sich vorher etwas nebenher verdienen können.“ 13 Spieler stehen aktuell für die neue Saison unter Vertrag: Die Torhüter Frederic Löhe und Vladan Grbovic, die Verteidiger Hendrik Starostzik und Marco Boras, die Mittelfeldakteure Michael Fink (ab kommender Saison spielender Co-Trainer), Nikola Trkulja, Louis Münn, Donny Bogicevic, Ali Ibrahimaj, Nejmeddin Daghfous und Dennis Owusu sowie die Stürmer Giuseppe Burgio und Aykut Öztürk. Zudem strebt der FC eine Vertragsverlängerung mit Tolga Sahin, Ryunosuke Takehara und Niclas Mohr an. Gießens bester Torschütze Tim Korzuschek (zehn Treffer) wartet auf ein passendes Angebot, um „den nächsten Schritt nach oben zu machen“. Weiterhin werden die Geschicke von dem als Notvorstand agierenden Rechtsanwalt Turgay Schmidt geleitet – er erklärte zuletzt, die Schulden des Vereins von 2,18 Millionen (Stand Oktober 2020) auf rund 270 000 Euro gesenkt zu haben. SVEN NORDMANN eine gute Erfahrung für die Jungs, dass die Aufmerksamkeit und das Drumherum ein bisschen anders ist, wenn es richtig um was geht“, sagte Preußer. „Wir hätten uns natürlich einen anderen Ausgang gewünscht, aber das können wir gut erklären und besprechen.“ Die Homburger hielten sich an das, was Trainer Timo Wenzel schon zuvor versprochen hatte: dass es für sie „keineswegs eine Kaffeefahrt“ sei und man alles dafür tun wolle, „den Aufstieg der Breisgauer zu verschieben“. Die ehemaligen SC-II-Spieler Ivan Sachanenko, Marco Hingerl und Patrick Lienhard hatten großen Anteil daran, dass die Freiburger ihre erste Niederlage seit dem 6. März (2:3 beim Bahlinger SC) kassierten. „Matchball hin oder her, wir werden das gut nachbereiten und haben eine komplette Woche, um uns auf Elversberg vorzubereiten“, gab sich Preußer aber schon kurz nach dem Schlusspfiff wieder kämpferisch. DANIELA FRAHM bündig kurz FUSSBALL IM SÜDWESTEN 31. MAI 2021 SV Elversberg Sinan Tekerci (27, Mittelfeld) erhält einen neuen Vertrag bis 2023. TSV Steinbach Haiger Rechtsverteidiger Tino Bradara (23) hat um ein Jahr verlängert. FC Homburg Die Verträge der Innenverteidiger Stefano Maier (28) und Ivan Sachanenko (23) sowie von Mittelfeldspieler Serkan Göcer (27) wurden bis 2022 verlängert. +++ Verteidiger Philipp Schuck (22) hat bis 2023 unterschrieben. Bahlinger SC Die Verteidiger Walter Adam (29, Achillessehnenprobleme), Maximilian Faller (25, Augenverletzung) und Jonas Siegert (22, muskuläre Probleme) sowie Mittelfeldspieler Ivan Novakovic (24, Fußverletzung) sind zurück im Mannschaftstraining. +++ Mittelfeldspieler Manolo Rodas (24, Schleimbeutelentzündung im Fuß) pausiert weiterhin. KSV Hessen Kassel Steven Rakk (22, Mittelfeld) kehrt von West-Regionalligist Alemannia Aachen zum KSV zurück bei dem er bereits von 2014 bis 2018 spielte. +++ Brian Schwechel (22, Mittelfeld) hat einen neuen Einjahresvertrag unterschrieben. +++ Alban Meha (35, Mittelfeld) musste in Alzenau (1:0) mit Problemen im Sprunggelenk ausgewechselt werden. VfR Aalen Tim Schmidt (18, Abwehr) kommt vom 1. FC Heidenheim U 19. FK Pirmasens Dennis Chessa (28, Mittelfeld) verlässt den FKP im Sommer. TSG Balingen Laurin Curda (19, Abwehr) kommt von der U 23 des SV Sandhausen, die abgemeldet wird.
74 31. MAI 2021 TOR SCHÜTZ EN REGIONAL L I GA S ÜD W EST VfB Stuttgart II – FK Pirmasens 3:1 (0:0) Stuttgart II: Schock – Rios Alonso (61. Sökler), Badstuber (46. Reutter), Kober (59. Meyer) – Kudala, Weil, Michel, Kleinhansl Alberico (76. Kastanaras), Hottmann (46. Grimm), Münst – Trainer: Fahrenhorst Pirmasens: Reitz – Grünnagel, Grieß, Zimmer (69. Frisorger), Hammann – D. Bohl, Becker – Cissé (72. Neufang), Chessa, Eichhorn (69. Schmitt) – Krob (90. Bürger) – Trainer: Fischer Tore: 0:1 Krob (52.), 1:1 Sökler (82.), 2:1 Kastanaras (90./+2), 3:1 Kastanaras (90./+5) – SR: Herbert (Nüsttal) – Zuschauer: keine Bahlinger SC – Mainz 05 II 2:1 (1:0) Bahlingen: Geng – F. Schmid (78. Bachmann), Lokaj, Gutjahr, Klein, Alihoxha (63. Wehrle) – Köbele (75. Torres), Häringer – Pepic, Fischer (78. Bektasi), Probst (63. Falahen) – Trainer: Siefert Mainz II: Manthe – Akoto, Modica, Gans – Fichtner (70. Stich) – Rösch, Petö (81. Müller), Rupil, Bohnert – Hermes, Curci (60. Quirin) – Trainer: Gaul Tore: 1:0 Probst (14.), 1:1 Modica (48.), 2:1 Fischer (67.) – SR: Bergmann (Erbach) – Zuschauer: 250 Großaspach – VfR Aalen 3:2 (1:1) Großaspach: Nreca-Bisinger – Held (46. Santoro), Gipson, Gehring, Brändle – Schiek, Owusu (86. Ziegler), Sadler, Sirigu – Widemann (90. Leist), Karatas (86. Özdemir) – Trainer: Scharinger REGIONALLIGA NORD GRUPPE NORD 1. SC Weiche 08 9 18:6 24 2. Eintr. Norderstedt 9 14:11 16 3. SV Drochtersen/A. 9 14:8 15 4. Phönix Lübeck (N) 9 11:11 15 5. Teut. Ottensen (N)10 17:13 16 6. FC St. Pauli II 10 15:15 16 7. Hamburger SV II 10 19:12 15 8. LSK Hansa 9 10:11 12 9. Holstein Kiel II 10 10:19 9 10. Heider SV 8 4:19 4 11. Altona 93 7 5:12 3 GRUPPE SÜD 1. Werder Bremen II 8 15:5 20 2. TSV Havelse 9 22:6 20 3. BSV Rehden 9 17:10 17 4. VfB Oldenburg 8 12:8 14 5. SSV Jeddeloh II 8 13:13 12 6. Hannover 96 II 9 14:16 13 7. VfV Hildesheim (N) 9 9:15 11 8. Oberneuland (N) 10 9:15 12 9. VfL Wolfsburg II 9 12:15 9 10. HSC Hannover 10 14:24 6 11. Delmenhorst (N) 7 5:15 2 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Kein Auf- und Abstieg in die Regionalliga. Nach dem Verzicht von Weiche Flensburg und Werder II nimmt der TSV Havelse an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga teil. Die Spiele finden am 12. Juni in Schweinfurt und am 19. Juni in Havelse statt. REGIONALLIGA NORDOST 1. 2. 3. 4. 5. 6. FC Viktoria 1889 11 VSG Altglienicke 11 Chemie Leipzig 13 Carl Zeiss Jena (A) 12 Berliner AK 07 12 BFC Dynamo 11 26:9 29:14 25:12 24:16 25:21 26:17 33 25 24 21 20 18 Tore Aalen: Layer – Volz, Arslan, Arh Cesen, Merk – Knipfer, Abruscia, Herrmann, Müller – Bux (58. Ramaj), Barini – Trainer: Wolf Tore: 1:0 Karatas (14.), 1:1 Merk (33.), 2:1 Schiek (76.), 3:1 Karatas (78.), 3:2 Barini (81.) – SR: Rau (Nidderau) – Zuschauer: keine Hoffenheim II – FSV Frankfurt 1:0 (0:0) Hoffenheim II: Klein – Görlich, König, Haider, Beyreuther – Erb (67. Amade), Szarka – Butler (87. Geschwill), Sahin (60. Khan Agha), Monteiro-Mendes (67. Boutakhrit) – Skenderovic (87. Kölle) – Trainer: Herdling Frankfurt: Mujezinovic – Kunert (67. Williams), Sierck (83. Muhic), Nothnagel, von Schroetter – Sejdovic (67. Mangafic), Bazzoli (74. Lüders) – Kelati, Güclü, Straub – Hirst (74. Alawie) – Trainer: Brendel Tor: 1:0 Skenderovic (72.) – SR: Wacker (Backnang) – Zuschauer: 63 SC Freiburg II – FC Homburg Freiburg II: Atubolu – Kammerknecht, BraunSchumacher, Ezekwem – Faber (84. Bacher), Flum (58. Nieland), Herrmann (90./+2 Tauriainen), Weißhaupt (84. Furrer) – Schade, Boukhalfa, Burkart (58. Kehrer) – Trainer: Preußer Homburg: Salfeld – Stegerer, Di Gregorio (24. Reuss), Sachanenko, Scholz – Hingerl (90./+2 Plattenhardt), Lienhard – Hoffmann, Dulleck, Schuck (78. Weiss) – Marceta (78. Carl) – Trainer: Wenzel Alzenau: Zabadne – Kummer (73. Brauburger), Bergmann, Crljenec, Mazagg (65. Haritonov) – Wilke – Martin, Kalata (46. Ljubicic), Ferukoski – Teklab (79. Grünewald), Kang – Trainer: Bäcker Kassel: Gröteke – Schwechel (73. Mißbach), Allmeroth, Urban – Najjar, Bravo Sanchez, Meha (35. Kahraman), Durna (57. Mogge) – Saglik – Schmeer (74. Iksal), Fischer – Trainer: Damm Tor: 0:1 Schmeer (7.) – SR: Hardt (Altendiez) – Zuschauer: 250 FC Gießen – Schott Mainz 5:0 (1:0) Gießen: Löhe – Weiß, Boras, Markovic, Takehara (18. Starostzik) – Fink (70. Erkilinc) – Trkulja (65. Münn), Mohr (70. Hofmann) – Korzuschek (65. Daghfous), Ibrahimaj – Arcalean – Trainer: Cimen Schott Mainz: Hinke – Kern, Raltschitsch, Müller, Rinker, Schlosser – Fring, Mairose – Hahn, Auletta (60. Gansmann), Portmann (60. Assibey-Mensah) – Trainer: Meeth Tore: 1:0 Korzuschek (35., FE), 2:0 Raltschitsch (58., ET), 3:0 Ibrahimaj (64.), 4:0 Markovic (82.), 5:0 Arcalean (85.) – SR: Digeser (Korb) – Zuschauer: 150 – Rote Karte: Schlosser (35., Notbremse) Tor: 0:1 Marceta (72.) – SR: Schlosser (Stahlhofen) – Zuschauer: 100 7. Lok Leipzig (M) 12 20:17 19 8. Un. Fürstenwalde 11 22:20 16 9. En. Cottbus 13 18:19 18 10. Chemnitzer FC (A) 13 20:17 17 11. SV Babelsberg 03 13 18:20 17 12. Hertha BSC II 11 12:15 14 13. Lichtenberg 47 13 15:20 16 14. Luckenwalde (N) 13 14:22 15 15. VfB Auerbach 12 18:26 11 16. TeBe Berlin (N) 10 15:20 9 17. Germ. Halberstadt 13 12:18 11 18. ZFC Meuselwitz 13 14:22 11 19. Optik Rathenow 13 15:25 11 20. Bischofswerda 08 12 12:30 7 Die Saison wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Der FC Viktoria 1889 Berlin steigt in die 3. Liga auf, Bischofswerda 08 steigt ab. Aus den Oberligen rücken Tasmania Berlin (Nord) und der FC Eilenburg (Süd) auf. REGIONALLIGA WEST 41. SPIELTAG M’gladbach II 3:1 1:1 Wegberg-B. Dortmund II 2:2 0:1 Homberg Lippstadt 1:0 0:0 Bg. Gladbach Düsseldorf II 1:1 1:0 Rödinghsn. Fort. Köln 4:1 2:0 Schalke II DIENSTAG, 1. JUNI 18.00 UHR Bonn (1:3) Aachen DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Ahlen (1:1) Straelen spielfrei: Wuppertaler SV 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 0:1 (0:0) Bayern Alzenau – Hessen Kassel 0:1 (0:1) Bor. Dortmund II 38 Rot-Weiss Essen 39 Pr. Münster (A) 39 Fortuna Köln 39 1. FC Köln II 39 Fort. Düsseldorf II 39 Rödinghausen (M) 39 89:29 88:28 68:36 65:44 66:54 65:48 48:38 87 87 78 66 61 56 56 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. RW Oberhausen 39 Wiedenbrück (N) 39 Bor. M’gladbach II 39 Schalke 04 II 39 Wuppertaler SV 39 Alemannia Aachen 39 SV Straelen (N) 38 Spfr. Lotte 39 SV Lippstadt 08 39 Wegberg-B. (N) 38 VfB Homberg 38 RW Ahlen (N) 38 Bonner SC 38 Berg. Gladbach 38 59:50 53:48 49:53 56:54 56:60 35:47 40:57 45:70 36:60 35:59 39:71 44:67 37:66 30:64 56 55 55 54 54 45 44 43 40 38 34 32 32 30 NACHHOLSPIELE 32., 39. Spieltag DIENSTAG, 1. JUNI 19.30 UHR Homberg (0:1) Wegberg-B. Dortmund II (3:0) Bg. Gladbach 42. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Oberhausen (1:1) M’gladbach II Schalke II (1:1) Münster Rödinghausen (2:3) Fort. Köln Bg. Gladbach (2:5) Düsseldorf II Straelen (1:1) Lippstadt Homberg (1:5) Ahlen Wuppertal (0:3) Dortmund II Bonn (1:1) 1. FC Köln II Lotte (0:0) Wiedenbrück Wegberg-Beeck (2:3) Essen spielfrei: Alemannia Aachen REGIONALLIGA SÜDWEST 40. SPIELTAG Stuttgart II 3:1 Bahlingen 2:1 Großaspach 3:2 Hoffenheim II 1:0 Freiburg II 0:1 Alzenau 0:1 Gießen 5:0 0:0 Pirmasens 1:0 Mainz II 1:1 Aalen 0:0 Frankfurt 0:0 Homburg 0:1 Kassel 1:0 Schott Mainz DIENSTAG, 1. JUNI Offenbach (0:0) Balingen (2:3) Steinbach (2:2) Ulm (3:0) 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. Spieler Marquet (TSV Steinbach Haiger) Fischer (Bahlinger SC) Cuni (SGS Großaspach) Koffi (SV Elversberg) Suero Fernandez (SV Elversberg) Mustafa (RW Koblenz) Fetsch (Kickers Offenbach) Burkart (SC Freiburg II) Saglik (Hessen Kassel) Brandstetter (1. FSV Mainz 05 II) Güclü (FSV Frankfurt) Schnellbacher (SV Elversberg) Sökler (VfB Stuttgart II) Dürholtz (SV Elversberg) In Klammern Zahl der am Spieltag erzielten Tore R L B AYER N SpVgg Bayreuth – Schweinfurt 0:4 (0:2) Bayreuth: Kolbe – Messingschlager, E. Schwarz, St. Eder (46. Moos), Götz (74. Kaymaz) – C. Wolf, Lippert (60. Weimar) – Danhof, Knezevic (60. Makarenko) – Maderer (46. Nollenberger), Ziereis – Trainer: Rost Schweinfurt: Zwick – Grözinger (88. Cekic), Billick, Rinderknecht, Haas – Fery (87. Yarbrough), Böhnlein, Adlung (80. Ph. Maier), Thomann – Suljic (67. Marinkovic), Jabiri (80. Pieper) – Trainer: Strobl Tore: 0:1 Jabiri (13.), 0:2 Jabiri (26.), 0:3 Götz (53., ET), 0:4 Marinkovic (79.) – SR: Haslberger (St. Wolfgang) – Zuschauer: 500 (ausverkauft) – Bes. Vorkommnis: Kolbe hält FE von Marinkovic (70.) 19.00 UHR Walldorf Koblenz Elversberg Stadtallendorf SC Freiburg II 40 SV Elversberg 39 Kickers Offenbach 39 SSV Ulm 1846 39 Steinbach Haiger 39 FSV Frankfurt 40 FC Homburg 40 VfB Stuttgart II (N) 40 Bahlinger SC 40 RW Koblenz 39 Hessen Kassel (N)40 VfR Aalen 40 1. FSV Mainz 05 II 40 FC Gießen 40 TSG Hoffenheim II 40 FK Pirmasens 40 TSG Balingen 39 FC-Ast. Walldorf 39 Großaspach (A) 40 Schott Mainz (N) 40 Bayern Alzenau 40 Stadtallendorf (N) 39 41. SPIELTAG SAMSTAG, 5. JUNI Bahlingen (2:2) Schott Mainz (1:8) Stadtallendorf (1:1) Kassel (2:1) Homburg (2:2) Elversberg (1:1) Koblenz (1:2) Frankfurt (1:0) Walldorf (0:3) Aalen (2:0) Mainz II (0:0) 23 (–) 22 (1) 19 (–) 18 (–) 18 (–) 17 (–) 17 (–) 16 (–) 16 (–) 16 (–) 15 (–) 14 (–) 14 (1) 13 (–) 92:37 92:40 71:31 72:33 79:39 55:43 68:53 71:52 63:72 53:55 53:67 45:56 58:71 46:49 53:69 39:58 46:58 59:69 50:72 53:97 47:88 36:92 89 81 78 78 73 69 62 59 58 53 50 49 49 47 47 46 45 44 40 38 25 16 14.00 UHR Pirmasens Stuttgart II Gießen Ulm Alzenau Freiburg II Steinbach Balingen Hoffenheim II Offenbach Großaspach REGIONALLIGA BAYERN 1. Aschaffenburg 25 51:27 50 2. SpVgg Bayreuth 25 53:28 49 3. 1. FC Nürnberg II 25 61:32 49 4. Schweinfurt 05 23 48:29 44 5. TSV Aubstadt (N) 25 43:41 39 6. VfB Eichstätt 26 46:32 37 7. TSV Buchbach 25 32:29 35 8. Greuther Fürth II 26 31:33 36 9. FC Augsburg II 25 44:35 34 10. SV Schalding-H. 24 34:45 32 11. Wack. Burghausen 25 36:35 33 12. FV Illertissen 25 37:51 31 13. TSV Rain/L. (N) 25 26:41 30 14. SV Heimstetten 25 44:54 26 15. FC Memmingen 22 18:30 20 16. 1860 Rosenheim 25 30:61 21 17. VfR Garching 20 21:52 13 Die Saison 2019/21 wurde abgebrochen und nach Quotientenregelung gewertet. Die Relegation entfällt. Der VfR Garching steigt ab. Aus den Bayernligen rücken der SC Eltersdorf (Nord) und der FC Pipinsried (Süd) auf. Der Teilnehmer an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga gegen den TSV Havelse wird in einer Play-off-Runde mit Hin- und Rückspielen ermittelt. PLAY-OFF-RUNDE Bayreuth 0:4 0:2 Schweinfurt 1. Schweinfurt 05 2. SpVgg Bayreuth 3. Aschaffenburg 3 8:1 3 5:6 2 0:6 9 3 0 DIENSTAG, 1. JUNI 19.00 UHR Schweinfurt (2:0) Aschaffenburg SAMSTAG, 5. JUNI 14.00 UHR Aschaffenburg (0:4) Bayreuth