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Text
Lesestoff für Anfänger
DIE ZWILLINGE
(nach E. Kästner)
Moskau /Ä\ Vyssaja
1982 \KI7/ skola
BBK81.2 HeM-9
B 69
Pei{eH3eHT:
kclhö. (puAOA. HatjK E. B. JKypadAeda
AaanTaiiHH, KOMMeHTapuft h cjioßapb
B. B C a Be.ibeBoP
BjiH3Heubi (no 3. Kecraepy): Yqe6. nocoßne/
B 69 Coct. CaBejibeBa B. B, (Yqe6. nocoßne ajia Haqajib-
noro qTeHHfl). — Ha hcm. hs. — M.: Bbicui. iiiKOJia,
1982 — 96 c.
Ha TUT. ji. 3arJl.: Lesestoff für Anfänger. Die Zwillin-
ge (nach E. Kästner).
25 k.
Ue/ib nocoÖHH — nOMO^b CTyAeHTaM b pasBHTHH HaBiPKOB 6ec-
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H3 H<H3HH 3THX ACBO^eK I<HHra HanHCaHa XCHBblM paSTOBOpHblM J>3bIKOM.
c 4602010000—153
B 001(01)-82----184~82
BBK 82.2 HeM-9
4 H(HeM>
© AjianTaiiHH, KOMMenTapHÜ h cvioßapb. H3aarenbCTBü
«Bbicuian uiKona», 1982
Erstes Kapitel
Kennt ihr Seebühl1, das Gebirgsdorf am Bühlsee? Nein?
Dann kennt ihr natürlich auch das Kinderheim Seebühl nicht,
das bekannte Ferienheim für kleine Mädchen. Schade. Aber
es macht nichts.1 2 3 Kinderheime ähneln einander wie Brote
oder Gräser; wer eines kennt, kennt sie alle. Wer an ihnen
vorüberspaziert, hört Gelächter und Geschrei; der spürt etwas
vom Kinderglück und Frohsinn.
Freilich abends haben die kleinen Mädchen oft Heim-
weh s, manche von ihnen weinen sogar.
Aber am Morgen ist das Heimweh vergessen. Dann klap-
pern die Milchtassen; dann plappern die kleinen Mädchen
um die Wette4 und rennen in den grünen See hinein, plan-
schen und kreischen, schwimmen oder tun doch wenigstens
so.
So ist es auch in Seebühl am See, wo die Geschichte an-
fängt, die hier erzählt wird. Eine etwas verzwickte Ge-
schichte. Ihr müßt manchmal gut aufpassen, um alles genau
zu verstehen. Zu Beginn ist alles noch ganz gemütlich.
Vorläufig baden alle Mädchen im See, und am wildesten
spielt ein kleines neunjähriges Mädchen mit lockigem I-hcr.
Sic heißt Luise, Luise Palfy. Aus Wien.
Da ertönt vom Hause her ein Gongschlag. Noch einer und
ein dritter. Die Kinder und die Helferinnen, die noch baden,
steigen ans Ufer.
„Der Gong gilt für alle!6“ ruft Fräulein Ulrike. „Sogar
für Luise.“
„Ich komme ja schon!“ schreit Luise. Und dann kommt
sie tatsächlich.
1 Seebühl — ßeedioJib (H33B3Hne ropHofi AepeßyiiiKH)
2 Aber es mscht nichts. — Ho sto Himero.
3 Heimweh hsben — tockobstb
1 um die Wette pkppern — 3d.: 6ojit3tb des yMOJiKy
5 Der Gong gilt für slle! — fonr A3ctch am Bcex!
3
Punkt zwölf Uhr wird zu Mittag gegessen; und dann war-
ten alle neugierig auf den Nachmittag. Warum?
Am Nachmittag werden zwanzig „Neue“ erwartet. Zwan-
zig kleine Mädchen aus Süddeutschland. Werden ein paar
Angeber und Klatschbasen dabei sein? Vielleicht „uralte
Damen“ von dreizehn oder schon vierzehn Jahren? Werden
sie interessante Spielsachen mitbringen? Hoffentlich auch
einen großen Gummiball! Trudes Ball hat keine Luft mehr.
Und Brigitte gibt ihren Ball nicht heraus. Sie hat ihn im
Schrank eingeschlossen, damit ihm nichts passiert.
* * *
Am Nachmittag stehen also Luise, Trude, Brigitte und
die anderen Kinder an dem großen, weitgeöffneten Tor und
warten gespannt auf den Autobus, der die Neuen von der
nächsten Bahnstation abholen soll. Wenn der Zug pünkt-
lich ankommt, dann ... Da hupt es schon! „Sie kommen!“
Der Autobus fährt vorsichtig in die Einfahrt und hält.
Der Chauffeur steigt aus und hebt ein kleines Mädchen
nach dem anderen aus dem Wagen, dann auch Koffer und
Taschen und Puppen und Körbe und Tüten und Teddys und
Roller und Schirmchen und Thermosflaschen und Regen-
mäntel und Rucksäcke und Bilderbücher — eine bunte
Fracht1.
Zum Schluß steht in der Wagentür noch als zwanzigste ein
ernstaussehendes kleines Mädchen. Als ihr der Chauffeur
helfen will, schüttelt sie energisch den Kopf. „Danke, nein!“
sagt sie höflich und steigt ruhig und sicher aus dem Auto-
bus. Unten blickt sie sich verlegen um. Plötzlich macht sie
große, erstaunte Augen. Sie starrt Luise an! Nun reißt auch
Luise die Augen auf1 2 und blickt der Neuen erschrocken ins
Gesicht.
Die anderen Kinder und Fräulein Ulrike schauen ebenfalls
verwundert von einer zur anderen. Weswegen denn?. Luise
und die Neue sehen sich zum Verwechseln ähnlich3! Zwar
hat die eine lange Locken und die andere Zöpfe — aber das
ist auch wirklich der einzige Unterschied!
Da dreht sich Luise um und rennt, wie von Löwen und
Tigern verfolgt, in den Garten.
„Luise!“ ruft Fräulein Ulrike. „Luise!“ Dann zuckt sie
1 eine bunte Fracht — ^ero TaM tojibko Her
2 die Augen aufreißen — BbiTapamHTb maaa ot yAHBJieHHA
3 sich zum Verwechseln ähnlich sehen — 6bitb noxoaciiM Apyr
Apyra KaK Aße KanJiw boabi
4
die Achseln1 und bringt die zwanzig Neuen ins Haus. Als
letzte geht langsam und verwundert das Zopfmädchen.
* * *
Frau Holzmann, die Leiterin des Kinderheims, sitzt in
ihrem Büro und bespricht mit der alten Köchin den Speise-
zettel für die nächsten Tage. Da klopft es, und Fräulein Ul-
rike, tritt.ein.. Sie meldet, daß die Neuen gesund, munter
und vollzählig angekommen sind.
„Freut mich. Danke schön.“
„Aber da ist noch etwas zu sagen ...1 2“
„Ja?“ die vielbeschäftigte Heimleiterin blickt kurz hoch.3
„Es handelt sich um Luise Palfy“, beginnt Fräulein Ul-
rike zögernd. „Sie wartet vor der Tür ...“
„Was hat sie denn wieder angestellt?“
„Diesmal nichts“, sagt die Helferin, „nur ...“
Sie öffnet die Tür und ruft: „Kommt herein, ihr beiden!“
Nun treten zwei kleine Mädchen ins Zimmer.
Während Frau Holzinann die Kinder erstaunt ansieht,
sagt Fräulein Ulrike: „Die Neue heißt Lotte Körner und
kommt aus München.“
„Seid ihr miteinander verwandt?“
Beide schütteln kaum erkennbar den Kopf.
„Sie haben sich bis heute noch nie gesehen!“ sagt Fräu-
lein Ulrike. „Seltsam, nicht wahr?“
„Wieso seltsam?“ fragt die Köchin. „Wie können sie sich
gesehen haben, wenn die eine aus München kommt und die
andere aus Wien?“
Frau Holzmann sagt freundlich: „Zwei Mädchen, die sich
so ähnlich sind, werden sicher gute Freundinnen sein. Kommt,
gebt euch die Hand!“
„Nein!“ ruft Luise und versteckt die Hände auf dem
Rücken.
Frau Holzmann zuckt die Achseln, denkt nach und sagt
schließlich: „Ihr könnt gehen!“
Luise läuft zur Tür, reißt sie auf und rennt hinaus. Lotte
grüßt und will langsam aus dem Zimmer gehen.
„Noch einen Augenblick, Lottchen,“ sagt die Leiterin.
Sie schlägt ein großes Buch auf. „Ich will gleich deinen Na-
1 die Achseln zucken — noxHMarb njienaMH
2 Aber da ist noch etwas zu sagen. — 3d.: Mue uyxHO eme wti.-to
CKaaaTb.
3 kurz hochblicken—3d.: na MrHOBeHbe oipMBaeTcw ot ßywar
5
men eintragen, und wann und wo du geboren bist. Und wie
deine Eltern heißen.“
„Ich habe nur noch eine Mutti“, flüstert Lotte.
„Zuerst also deinen Geburtstag!“
* * *
Lotte geht durch den Korridor, steigt die Treppen hin-
auf, öffnet eine Tür und steht im Schrankzimmer. Ihr Kof-
fer ist noch nicht ausgepackt. Sie fängt an, ihre Kleider,
Hemden, Schürzen und Strümpfe in ihren Schrank zu legen.
Durch das offene Fenster hört sie fernes Kinderlachen.
Lotte hält die Fotografie einer jungen Frau in der Hand.
Sie schaut das Bild zärtlich an und versteckt es dann sorg-
fältig unter den Schürzen. Als sie die Tür schließen will,
sieht sie einen Spiegel an der Tür. Ernst und aufmerksam
betrachtet sie sich. Plötzlich wirft sieTHe Zöpfe nach hinten
und'Tiämmt ihr Haar, bis es dem Lockenkopf von Luise
Palfy ähnlich ist.
* * *
Luise sitzt mit ihren Freundinnen auf der Gartenmauer
und überlegt.
„Ich wäre nicht einverstanden,“ sagt Trude, ihre Wiener
Klassenkameradin, „wenn eine andere mit meinem Gesicht
herumläuft?1“
„Was soll ich denn machen?“ fragt Luise böse.
„Zerkratze ihr das Gesicht!“ schlägt Monika vor.
„Das beste wird sein, du beißt ihr die Nase ab!“ rät
Christine.
„Sie hat mir die ganzen Ferien verdorben!“ sagt Luise
ärgerlich.
„Sie kann doch nichts dafür!1 2“ erklärt Steffi.
Da ertönt der Gong. Und die Mädchen springen von der
Mauer.
* * *
Frau Holzmann sagt im Speisesaal zu Fräulein Ulrike:
„Unsere kleinen Doppelgängerinnen sollen nebeneinander
sitzen. Vielleicht hilft das!“
1 Ich wäre nicht einverstanden wenn eine andere mit meinem
Gesicht herumläuft — 3d,: H 6bi hh 3a hto ne noTepneJia, nwöbi KaKaa-To
jipyraa pasryjiHBajia c mohm jihlxom
2 Sie kann doch nichts dafür! — Ona »e ne BHHOBaTa!
6
Die Kinder kommen lärmend in den Saal und gehen zu
ihren Plätzen. Die Mädchen, die Dienst haben, tragen die
Schüsseln mit der heißen Suppe zu den Tischen. Andere füllen
die Teller.
Fräulein Ulrike tritt hinter Luise und Trude, legt Trude
die Hand auf die Schulter und sagt: „Du setzt dich neben
Hilde Sturm!“
Trude dreht sich um und will etwas antworten. „Aber ...“
„Kein aber!1“
Trude zuckt die Achseln und steht beleidigt auf.
Die Löffel klappern. Der Platz neben Luise ist leer, und
alle Blicke richten sich darauf. Dann gehen — wie auf Kom-
mando — alle Augen zur Tür1 2. Lotte ist eingetreten.
„Da bist du ja endlich!“ sagt Fräulein Ulrike. „Komm,
ich will dir deinen Platz zeigen.“ Sie bringt das stille, ernste
Zopfmädchen zum Tisch. Luise blickt nicht hoch, sondern
ißt wütend ihre Suppe. Lotte setzt sich gehorsam neben
Luise und nimmt ihren Löffel, obwohl ihr der Hals wie zu-
geschnürt ist3.
Die anderen kleinen Mädchen sehen gespannt zu dem
merkwürdigen Paar. Die dicke Steffi sitzt mit offenem Mund
da.
Luise kann und will sich nicht länger beherrschen. Mit
aller Kraft tritt sie unter dem Tisch gegen Lottes Bein.
Lotte zuckt vor Schmerz zusammen, sagt aber kein Wort.
♦ * *
Am Tisch der Erwachsenen sagt die Helferin Gerda kopf-
schüttelnd: „Es ist nicht zu glauben!4 Zwei völlig fremde
Mädchen und eine solche Ähnlichkeit!“
Frau Holzmann blickt nachdenklich zu dem Tisch, an
dem die beiden Mädchen sitzen. Dann sagt sie: „Lotte Kör-
ner bekommt das Bett neben Luise Palfy! Sie müssen sich
aneinander gewöhnen.“
* * *
1 Kein aber! — HwKaKHx BoapajKeHHÜ!
2 Dann gehen ... alle Augen zur Tür — H TyT Bee B3opti oöpamaioTCfl
k ABepn
3 obwohl ihr der Hals wie zugeschnürt ist — 3d.: xoth b ropjie y
nee kom ctoht
4 Es ist nicht zu glauben! — 3d.: Aa>Ke ne BepuTcn!
7
Es ist Nacht. Bis auf zwei schlafen alle Kinder.1 Diese
zwei liegen Rücken an Rücken und tun, als würden sie fest
schlafen.1 2 Sie liegen aber mit offenen Augen und starren in
die Dunkelheit.
Luise blickt böse auf die silbernen Kreise, die der Mond
auf ihr Bett malt. Plötzlich horcht sie auf. Sie hört leises
Weinen.
Lotte preßt die Hände auf den Mund. Was hatte ihr die
Mutter beim Abschied gesagt: „Ich freue mich sehr, daß du
ein paar Wochen mit vielen fröhlichen Kindern Zusammen-
sein wirst! Du bist zu ernst für dein Alter, Lottchen! Viel
zu ernst! Du bist zu viel allein.3 Wenn ich von der Arbeit
nach Hause komme, bin ich müde. Und du hast inzwischen
nicht gespielt wie andere Kinder, sondern abgewaschen, ge-
kocht, den Tisch gedeckt. Komm bitte aus den Ferien mit
lachenden Augen zurück!4“
Nun liegt sie hier neben Luise, die ihr böse ist, weil sie
ihr ähnelt. Lotte seufzt und weint leise.
Plötzlich streichelt eine kleine fremde Hand über ihr
Haar! Lottchen erschrickt, aber Luises Hand streichelt vor-
sichtig weiter.
Der Mond schaut durch das große Schlafsaalfenster und
wundert sich. Da liegen zwei kleine Mädchen nebeneinander
und haben nicht den Mut, sich anzusehen5. Lottchen, die
eben noch weinte, sucht jetzt mit ihrer Hand langsam die
streichelnde Hand von Luise.
„Na, gut“, denkt der alte silberne Mond. „Da kann ich
beruhigt untergehen!“ Und das tut er dann auch.
Zweites Kapitel
Lotte und Luise hatten am nächsten Morgen nicht den
Mut, sich anzusehen, als sie aufwachten, als sie in weißen
1 Bis auf zwei schlafen alle Kinder. — Bee acth cn«T 3a HCKJiio'ie-
HHeM Aßyx.
2 Diese zwei liegen Rücken an Rücken und tun, als würden sie fest
schlafen. — 9th Aßoe JieHtaT OTBepHyBiuncb Apyr ot Apyra, AeJian bha,
KaK öyATO 6bi ohh KpenKo cnnT.
8 Du bist zu viel allein. — Tbi cjihiukom mhoto BpeneHH npoBOAumb
OAha.
4 Komm bitte aus den Ferien mit lachenden Augen zurück! — B03-
BpamaücH noejie KanHKyji aomoh BeceJioii!
5 nicht den Mut haben, sich anzusehen — ne peiuaTbcn B3rjiHHyTb
Apyr na Apyra
8
langen Nachthemden in den Waschsaal liefen, sich anzogen
und frühstückten. Sie sahen sich auch noch nicht an, als
sie gemeinsam am See entlang liefen, als sie Lieder sangen,
tanzten und Blumen pflückten. Einmal kreuzten sich ihre
raschen Blicke, aber nur ein einziges Mal.
* * *
Während Fräulein Ulrike auf der Wiese sitzt und liest,
spielt Luise mit ihren Freundinnen Ball. Aber sie ist sehr
unaufmerksam. Oft schaut sie sich um, als ob sie jemanden
sucht und nicht finden kann.
Trude fragt: „Wann beißt du denn nun endlich der Neuen
die Nase ab, hm?“
„Sei nicht so dumm!“ sagt Luise.
Christine blickt sie überrascht an: „Nanu! Ich denke,
du bist wütend?“
„Ich kann doch nicht jedem, auf den ich wütend bin, die
Nase abbeißen“, sagt Luise kühl. Und sie setzt hinzu: „Außer-
dem bin ich gar nicht wütend!“
„Aber gestern warst du es doch!“ sagt Steffi.
„Und wie wütend du warst!“ ergänzt Monika. „Beim
Abendbrot hast du sie unter dem Tisch so stark getreten, daß
sie beinahe aufgeschrien hätte1!“
„Na, bitte!1 2“ stellt Trude zufrieden fest.
Voller Wut3 ruft Luise: „Wenn ihr nicht gleich aufhört,
trete ich euch allen ans Bein!“ Damit wendet sie sich um
und läßt die Mädchen stehen.
„Luise weiß nicht, was sie will!“ meint Christine und
zuckt die Achseln.
* * *
Lotte sit^t- allein auf der Wiese. Sie hat einen Blumen-
kranz im Hä'ar4 und ist damit beschäftigt, einen zweiten
Kranz zu flechten. Da fällt ein Schatten über ihre Schürze.
Sie blickt hoch.
Luise steht verlegen vor ihr. Lotte lächelt unmerklich,
und Luise lächelt erleichtert zurück.
1 daß sie beinahe aufgeschrien hätte — mto ona HyTb ne BCKpHK-
nyjia ot 6ojih
a Na, bitte! —3d,: Bot BMAHiub!
3 Voller Wut — Bne ceön ot rneßa
4 Sie hat einen Blumenkranz im Haar — Ha ro.TOBe y nee bchok E3
UBCTOB
9
Lotte hält den Kranz hoch und fragt leise: „Willst du
ihn haben?“
Luise setzt sich zu ihr und sagt erregt: „Ja, aber nur,
wenn du ihn mir aufsetzt!“
Lotte setzt ihr den Kranz auf das Haar. Dann nickt sie
und sagt: „Schön!“
Nun sitzen die beiden ähnlichen Mädchen gemeinsam auf
der Wiese, schweigen und lächeln sich vorsichtig an.
Dann fragt Luise: „Bist du mir noch böse?1“
Lotte schüttelt den Kopf.
Luise sieht zu Boden und sagt schnell: „Es kam so plötz-
lich! Der Autobus! Und dann du! So ein Schreck!“
Lotte nickt. „So ein Schreck!“ wiederholt sie.
Luise beugt sich vor: „Eigentlich ist es doch sehr lustig!“
Lotte blickt ihr erstaunt in die leuchtenden Augen:
„Lustig?“
Dann fragt sie leise: „Hast du Geschwister?“
„Nein!“
„Ich auch nicht“, sagt Lotte.
sj» Sfc sfi
Beide sind heimlich in den Waschsaal gegangen und stehen
vor einem großen Spiegel. Lotte ist mit großem Eifer dabei1 2,
Luises Locken mit Kamm und Bürste zu bearbeiten.
Luise schreit: „Au!“ und „Oh!“
„Willst du endlich ruhig sein!“ schimpft Lotte und macht
ein strenges Gesicht. „Höre auf zu schreien, wenn dir deine
Mutti die Haare kämmt.“
„Ich habe doch gar keine Mutti!“ brummt Luise. „Deswe-
gen bin ich auch ein so lautes Kind, sagt mein Vater.“
„Ist dein Vater sehr streng? Bestraft er dich manchmal?“
fragt Lotte interessiert, während sie Luises Haare kämmt.
„Ach, nein! Dazu hat er mich viel zu lieb!3 Und außerdem
ist er sehr beschäftigt.“
Dann sind Luises Zöpfe fertig, und nun schauen die Kin-
der mit neugierigen Augen in den Spiegel. Ihre «Gesichter
1 Bist du mir noch böse? — Tbl BCe eine na Mena cepÄHiubca?
2 Lotte ist mit großem Eifer dabei — Jlorra c öojibuiHM ycepjmeM
CTapaerca
3 Dazu hat er mich viel zu lieb! — 3d.-. Oh mchh cjihujkom chjibho
JlfOÖHT, HTOÖbl HaKa3blBaTb
10
strahlen. Zwei völlig gleiche Mädchen sehen in den Spiegel,
und zwei völlig gleiche Mädchen blicken aus dem Spiegel
heraus.
„Wie zwei Schwestern!“ flüstert Lotte begeistert.
Der Mittagsgong ertönt.
„Das wird lustig!“ ruft Luise. „Komm!“ Sie laufen aus
dem Waschsaal und halten sich an den Händen.
* * *
Die anderen Kinder sitzen schon lange. Nur Luises und
Lottes Stühle sind noch leer.
Da öffnet sich die Tür und Lotte kommt herein. Sie setzt
sich sofort auf Luises Stuhl.
„Du, das ist Luises Platz! Denk an sein Bein!“ warnt
Monika. Das Mädchen zuckt die Achseln und beginnt zu essen.
Die Tür öffnet sich wieder und — nanu!? — Lotte kommt
noch einmal herein. Sie geht mit unbeteiligtem Gesicht zu
dem leeren Platz und setzt sich.
Die anderen Mädchen am Tisch sind sprachlos. Jetzt
schauen auch die Kinder von den Nebentischen herüber.
Sie stehen auf und umringen die beiden Lottchen.
Die Spannung legt sich erst1, als die beiden zu lachen
anfangen. Bald darauf ertönt im Saal ein vielstimmiges Kin-
dergelächter.
Frau Holzmann ist ärgerlich, und mit strafendem Blick
fragt sie: „Warum macht ihr soviel Lärm?“ Sie steht auf
und geht zum Kreis der Mädchen. Als sie dann die beiden
Zopfmädchen sieht, muß sie lachen: „Also, welche von euch
ist nun Luise Palfy und welche Lotte Körner?“
„Das verraten wir nicht!“ sagt das eine Lottchen. Und
wieder lachen alle Mädchen im Saal.
„Ja, was sollen wir nun machen?“ ruft Frau Holzmann
ratlos.
„Vielleicht“, schlägt das zweite Lottchen vergnügt vor,
„findet es doch jemand heraus?“
„Ich weiß etwas“, ruft Steffi. „Trude geht doch mit Luise
in dieselbe Klasse! Trude muß es raten!“
Trude tritt langsam in den Vordergrund1 2, blickt aufmerk-
sam von der einen Lotte zur anderen und schüttelt ratlos
den Kopf. Dann lacht sie vergnügt und zieht das eine Lott-
1 Die Spannung legt sich erst — 3d.: Bceoömee BO3Öy>KAeHwe \\ier-
Jiocb JiHiiJb Toraa
2 in den Vordergrund treten — BbiHTii BnepeA
11
chen am Zopf — und im nächsten Augenblick bekommt sie
eine Ohrfeige!
Trude legt die Hand an ihre Backe und ruft begeistert:
„Das war Luise!“ Jetzt lachen alle Mädchen, Frau Holz-
mann und die Helferinnen laut und vergnügt.
♦ * ♦
Luise und Lotte haben die Erlaubnis erhalten, ins Dorf
zum Fotografen zu gehen, um Bilder vom „doppelten Lott-
chen“ machen zu lassen1 und sie dann nach Hause zu schicken.
Zu Hause werden sich alle darüber wundern.
Der Fotograf, ein gewisser Herr Kramer, ist zuerst sehr
erstaunt, macht dann aber 6 verschiedene Aufnahmen; In
zehn Tagen sollen die Bilder fertig sein.
Als die Mädchen gegangen sind, sagt er zu seiner Frau:
„Weißt du was, ich werde ein paar schöne Fotos an eine
Illustrierte1 2 schicken. Vielleicht interessiert sich die Redak-
tion dafür!“
Vor dem Geschäft macht Luise ihre „dummen“ Zöpfe
wieder auf, denn die stören sie. Und als Luise ihre Locken
wieder schütteln kann, kehrt auch ihr Temperament wieder
zurück. Sie lädt Lotte zu einem Glas Limonade ein. Lotte
will nicht mitgehen, aber Luise sagt energisch: „Sag’ nicht
nein! Mein Vater hat mir vorgestern wieder Taschengeld
geschickt. Also los!“
Sie spazieren zum Waldgasthaus hinaus, setzen sich in
den Garten, trinken Limonade und plaudern. Wenn zwei
kleine Mädchen Freundinnen geworden sind, gibt es viel
zu erzählen, zu fragen und zu beantworten.
Die Hühner laufen gackernd zwischen den Gasthaustischen
hin und her. Ein alter Jagdhund beschnuppert die beiden
kleinen Gäste und legt sich dann beruhigt hin.
„Ist dein Vater schon lange tot?“ fragt Luise.
„Ich weiß es nicht“, sagt Lotte. „Mutti spricht niemals
von ihm, und ich möchte sie nicht fragen.“
Luise nickt. „Ich kann mich an meine Mutti gar nicht
mehr erinnern. Früher stand auf Vatis Flügel ein großes
Bild von ihr. Einmal kam er ins Zimmer, als ich es mir
ansah. Am nächsten Tag war das Bild fort. Wahrscheinlich
hat er es in seinem Schreibtisch eingeschlossen.“
1 um Bilder vom „doppelten Lottchen“ machen zu lassen — htoöw
3aKa3aTb 4>°T°rpa<J>HH «ÄBOÜHOft JIOTTOHKH»
2 Illustrierte — H^jnocTpnpoBaHHbift jKypnaJi
12
Die Hühner gackern. Der Jagdhund schläft. Ein kleines
Mädchen ohne Vater und ein kleines Mädchen ohne Mutter
trinken Limonade.
„Du bist doch auch neun Jahre alt?“ fragt Luise.
„Ja.“ Lotte nickt. „Am 14. Oktober werde ich zehn.“
Luise zuckt zusammen. „Am 14. Oktober?“
„Am 14. Oktober.“
Luise beugt sich vor und flüstert: „Ich auch!“
Lotte wird steif wie eine Puppe1.
Hinterm Haus kräht ein Hahn. Der Jagdhund schnappt
nach einer Biene1 2, die in seiner Nähe summt. Aus dem offenen
Küchenfenster hört man die Wirtin ein Lied singen.
Die beiden Kinder schauen sich wie hypnotisiert in die
Augen. Lotte fragt aufgeregt: „Und — wo bist du geboren?“
Luise antwortet leise: „In Linz an der Donau.“
Lotte fährt sich mit der Zunge über die Lippen3. „Ich
auch!“
Im Garten ist es ganz still. Nur die Baumwipfel bewegen
sich.
Lotte sagt langsam: „Ich habe ein Foto von ... von meiner
Mutti im Schrank.“
Luise springt auf. „Zeig’s mir!“ Sie zieht Lotte vom
Stuhl und aus dem Garten.
„Nanu!“ ruft die Wirtin empört. „Was sind das für neue
Moden? Limonade trinken und nicht zahlen?“
Luise erschrickt. Sie sucht mit zitternden Fingern in
ihrem kleinen Geldbeutel, drückt der Frau einen Geldschein
in die Hand und läuft zu Lotte zurück.
„Ihr bekommt noch Geld zurück!4“ schreit die Frau.
Aber die Kinder hören sie nicht. Sie rennen schnell davon.
* * *
Lotte kramt in ihrem Schrank. Unter dem Wäschestapel
holt sie eine Fotografie hervor und hält sie der zitternden
Luise hin.
Luise schaut ängstlich auf das Bild. Dann hängen ihre
auf leuchtenden Augen an dem Frauengesicht.
Lotte schaut erwartungsvoll auf die andere. Überglück-
1 steif wie eine Puppe werden — saMepeTb (ot yAHBJieHHH)
2 nach einer Biene schnappen — nbrraTbca cxßaTHTb Mopaoft nueJiKy
3 Lotte fährt sich mit der Zunge über die Lippen. — JIoTTa hshkom
oöjinsajia ryöbi.
4 Ihr bekommt noch Geld zurück! — BaM nojiaraetcfl cAaua!
13
lieh blickt Luise hoch, drückt das Bild fest an sich und flü-
stert: „Meine Mutti!“
Lotte legt den Arm um Luises Hals. „Unsere Mutti!“
Zwei kleine Mädchen umarmen sich. Dieses Rätsel ist ge-
löst, aber neue Rätsel, andere Geheimnisse warten auf
sie.
Der Gong tönt durch das Haus. Kinder rennen lachend und
lärmend die Treppe hinunter.
Luise will das Bild in den Schrank zurücklegen. Lotte
sagt: „Ich schenke es dir!“
* * *
Fräulein Ulrike steht im Büro vor dem Schreibtisch der
Heimleiterin und hat ein ganz rotes Gesicht.
„Ich kann nicht schweigen!“ sagt sie hastig. „Ich muß
mich Ihnen anvertrauen. Ich weiß nicht, was wir tun sol-
len!“
„Na. na!“ sagt Frau Holzmann. „Warum sind sie denn so
aufgeregt, meine Liebe!“
„Wegen Luise Palfy und Lotte Körner! Ich habe im Auf-
nahmebuch nachgeschlagen. Beide sind am selben Tag in
Linz geboren. Das ist bestimmt kein Zufall!“
„Wahrscheinlich ist es kein Zufall, meine Liebe. Ich habe
auch schon darüber nachgedacht.“
„Sie wissen es also?“ fragt Fräulein Ulrike und holt tief
Luft1.
„Natürlich! Nach ihrer Ankunft fragte ich die kleine
Lotte nach ihren Daten. Ich trug sie ein und verglich sie mit
Luises Geburtstag und Geburtsort. Beide stimmen überein.“
„Ja, ja. Und was geschieht nun?“
„Nichts!“
„Nichts?“
„Aber ..."
„Kein Aber! Die Kinder wissen nichts. Sie waren heute
beim Fotografen und werden die Bilder nach Hause schicken.
Wenn sich dadurch das Rätsel löst, ist es gut. Wir werden
jedoch nichts unternehmen. Ich danke Ihnen für Ihr Ver-
ständnis./Und jetzt rufen sie, bitte, die Köchin.“
Fräu/ein Ulrike kann nichts verstehen, als sie das Büro
verläßt.
1 tief Luft holen — rjryöoKO B3/ibixaTb
14
Drittes Kapitel
Die Zeit vergeht.
Haben die zwei kleinen Mädchen ihre Fotos bei Herrn
Kramer im Dorf abgeholt? Schon längst! Hat sich Fräulein
Ulrike neugierig erkundigt, ob sie die Bilder nach Hause
geschickt haben? Schon längst! Haben Luise und Lotte diese
Frage mit ja beantwortet? Schon längst!
Und ebensolange liegen dieselben Fotos, in kleine Stücke
zerrissen, auf dem Grunde des grünen Bühlsees bei Seebühl.
Die Kinder haben Fräulein Ulrike angelogen. Sie wollen ihr
Geheimnis nicht verraten! Sie wollen es gemeinsam verber-
gen und vielleicht gemeinsam enthüllen! Und wer ihr Ge-
heimnis erraten will, wird rücksichtslos beschwindelt. Sogar
Lottchen hat keine Bedenken1.
Die beiden Mädchen sind nun unzertrennlich. Trude,
Steffi, Monika, Christine und die anderen sind manchmal
böse auf Luise, eifersüchtig auf Lotte. Was soll man da ma-
chen? Gar nichts. Wo’sollen wir sie jetzt wieder suchen?
Sie sind im Schrankzimmer. Lotte holt für sich und die
Schwester zwei gleiche Schürzen aus dem Schrank und sagt:
„Die Schürzen hat Mutti beim Krause gekauft.“
„Aha,“ meint Luise, „das ist das Geschäft auf der Neu-
hauser Straße, beim ..., wie heißt das Tor?“
„Karlstor.“
„Richtig, beim Kaistor!“
Die Mädchen wissen gegenseitig schon viel über die Le-
bensgewohnheiten, die Schulkameradinnen, die Nachbarn,
die Lehrerinnen und Wohnungen. Für Luise ist ja alles wich-
tig, was mit der Mutter zusam.menhängt, und Lotte will
von der Schwester alles über den Vater erfahren. Tag für
Tag sprechen sie von nichts anderem, und noch abends flü-
stern sie stundenlang in ihren Betten.
Ein anderes Geheimnis beschäftigt sie sehr: Warum sind
die Eltern nicht mehr zusammen?
„Erst haben sie natürlich geheiratet“, erklärt Luise zum
hundertsten Male. „Dann haben sie zwei kleine Mädchen
bekommen. Und weil Mutti Luiselotte heißt, haben sie das
ejne Kind Luise und das andere Lotte genannt. Das ist doch
sehr nett! Damals haben sie sich noch geliebt, nicht wahr?“
„Bestimmt!“ sagt Lotte. „Aber später haben sie sich
1 Bedenken haben — coMHeBaTbc«, KOJieöaTbcn
15
sicher gezankt. Und sind voneinander fortgegangen. Und sie
haben uns so geteilt wie vorher Muttis Vornamen!“
„Warum haben sie uns nicht gefragt, ob sie uns halbieren
dürfen?“
„Damals konnten wir ja noch gar nicht sprechen!“
Die beiden Schwestern lächeln ratlos. Dann umarmen
sie sich und gehen in den Garten.
* * *
Es ist Post gekommen. Überall, im Gras, auf der Mauer
und auf den Gartenbänken sitzen kleine Mädchen und lesen
Briefe.
Lotte hält die Fotografie eines Mannes von etwa fünfund-
dreißig Jahren in den Händen und blickt zärtlich auf den
Vater. So sieht er also aus! Es ist schön, einen wirklichen,
lebendigen Vater zu haben!
Luise liest vor, was er ihr schreibt: „Mein liebes, ein-
ziges Kind!“ — „So ein Schwindler!1“ sagt sie und blickt
zur Schwester hoch. „Er weiß doch genau, daß er Zwillinge
hat!“ Dann liest sie weiter: „Hast du denn ganz vergessen,
wie dein Vater aussieht, daß du unbedingt noch zum Ferien-
schluß eine Fotografie von ihm haben willst? Erst wollte
ich dir ein Kinderbild von mir schicken. Aber du schreibst,
daß es unbedingt ein ganz neues Bild sein muß! Na, da bin
ich gleich zum Fotografen gelaufen, obwohl ich gar keine
Zeit hatte, und habe ihm erklärt, warum ich das Bild so
schnell brauche. Ich habe ihm gesagt, daß du mich sonst auf
dem Bahnhof nicht wiedererkennst. Das hat er zum Glück
verstanden. Und so bekommst du das Bild noch rechtzeitig.
Es grüßt und küßt dich tausendmal
dein Vater“
„Schön!“ sagt Lotte. „Und lustig ist er! Dabei sieht er auf
dem Bild so ernst aus!“
„Wahrscheinlich wollte er vor dem Fotografen nicht la-
chen“, antwortet Luise. „Vor anderen Leuten macht er immer
ein strenges Gesicht. Aber wenn wir allein sind, kann er sehr
lustig sein.“
Lotte hält das Bild ganz fest. „Und ich darf es wirklich
behalten?“
„Natürlich“, sagt Luise, „deshalb habe ich den Vater
doch darum gebeten.“
1 So ein Schwindler! — Hy h oßMaHinHK!
16
♦ ♦ ♦
Steffi sitzt auf einer Bank, hält einen Brief in der Hand
und weint. Sie weint ganz leise. Die Tränen laufen ohne Pause
über das runde Kindergesicht. Trude spaziert vorbei, bleibt
neugierig stehen, setzt sich daneben und schaut Steffi an.
Christine kommt hinzu und setzt sich auf die andere Seite.
Luise und Lotte nähern sich und bleiben stehen.
„Was ist mit dir?“ fragt Luise. Steffi weint leise weiter.
Plötzlich senkt sie die Augen und sagt leise: „Meine Eltern
lassen sich scheiden1.“
„So eine Gemeinheit!1 2“ ruft Trude. „Dich schicken sie
erst in die Ferien und dann tun sie inzwischen so etwas!“
„Der Papa liebt, glaube ich, eine andere Frau“, sagt
Steffi.
Luise und Lotte gehen schnell weiter. Was sie eben gehört
haben, beschäftigt sie sehr stark.
„Unser Vater“, fragt Lotte, „hat doch aber keine neue
Frau?“
„Nein“, antwortet Luise. „Das würde ich wissen.3“
„Vielleicht eine, mit der er nicht verheiratet ist?“ fragt
Lotte langsam.
Luise schüttelt den Lockenkopf. „Bekannte hat er natür-
lich. Auch Frauen. Aber du sagt er zu keiner!4 * Aber wie ist
das mit Mutti? Hat Mutti einen — einen guten Freund?“
„Nein“, sagt Lotte. „Mutti hat mich und ihre Arbeit,
und sonst will sie nichts vom Leben, sagt sie.“
Luise blickt die Schwester ratlos an. „Ja, aber warun
sind sie denn dann geschjgden?“
Lotte denkt nach. „Vielleicht waren sie gar nicht auf dem
Gericht. So wie Steffis Eltern das wollen?“
„Warum ist Vater in Wien und Mutti in München?“ fragt
Luise. „Warum haben sie uns halbiert?“
„Warum“, überlegt Lotte und" spricht weiter, „warum
haben sie uns nie erzählt, daß wir gar nicht allein, sondern
eigentlich Zwillinge sind? Und warum hat Vater dir nichts
davon erzählt, daß Mutti lebt?“
„Und Mutti hat dir nicht gesagt, daß Vati lebt!“ Luise
ist empört. „Schöne Eltern haben wir!8 Na warte, wenn
1 sich scheiden lassen — pasBOAHTbcn
2 So eine Gemeinheit! — Bot sto no^JiocTb!
3 Das würde ich wissen. — H 6bi sto 3Ha;ia.
4 Aber du sagt er zu keiner! — Ho oh hh c KeM Ha tm!
6 Schöne Eltern haben wir! — Hy n poAHTeJiH y Hac!
17
wir den beiden einmal unsere Meinung sagen! Sie werden
staunen!“
„Das dürfen wir doch gar nicht“, sagt Lottchen schüch-
tern. „Wir sind doch nur Kinder!“
„Nur?“ fragt Luise und wirft den Kopf zurück.
Viertes Kapitel
Die Ferien gehen zu Ende1. Die Mädchen sind traurig,
daß sie das Kinderheim verlassen müssen, aber gleichzeitig
freuejn sie sich auf das Wiedersehen mit ihren Eltern und
Geschwistern.
Frau Holzmann plant ein kleines Abschiedsfest. Der
Vater eines Mädchens, ein Kaufmann, hat eine große Kiste
mit Lampions, Girlanden und vielen anderen Dingen ge-
schickt. Nun schmücken die Helferinnen und die Kinder
die Veranda und den Garten. Sie tragen Leitern von Baum zu
Baum, hängen bunte Laternen und Girlanden in die Zweige und
bereiten eine Tombola vor1 2. Andere schreiben auf kleine
Zettel Losnummern. Der erste Hauptgewinn: ein Paar Roll-
schuhe.
„Wo sind denn die ,Locken und die Zöpfe*?“ fragt Fräu-
lein Ulrike. (So nennt man jetzt Luise und Lotte.)
„Ach die!“ meint Monika. „Die sitzen wieder irgendwo
im Gras und halten sich an den Händen, damit der Wind
sie nicht auseinanderweht3!“
* * *
Die Zwillinge sitzen nicht irgendwo im Gras, sondern im
Garten des Waldrestaurants. Sie halten sich auch nicht an
den Händen — dazu haben sie keine Zeit. Vor ihnen liegen
kleine Hefte, und die Mädchen halten Bleistifte in der Hand.
Im Augenblick diktiert Lotte, und Luise schreibt: „Am lieb-
sten ißt Mutti Nudelsuppe mit Rindfleisch. Das Rindfleisch
kaufst du beim Fleischermeister Huber.“
Luise hebt den Kopf. „Fleischermeister Huber, Max-
Emanuel-Straße“, sagt sie schnell.
Lotte nickt zufrieden. „Das Kochbuch liegt im Küchen-
schrank, im untersten Fach ganz links. Und in dem Buch
liegen alle Rezepte, nach denen ich kochen kann.“
1 zu Ende gehen — KOHvaTbca
2 eine Tombola vorbereiten — noAroTOBHTt jioTepeio
3 damit der Wind sich nicht auseinanderweht — htoöei BeTep He
pa3BeHji hx
18
Luise notiert: „Kochbuch ... Küchenschrank ... unterstes
Fach ... ganz links.“ Dann legt sie die Arme auf den Tisch
und sagt: „Vor dem Kochen fürchte ich mich am meisten.
Aber wenn es in den ersten Tagen nicht gut geht, kann ich
vielleicht sagen, daß ich es in den Ferien verlernt habe.“
Lotte nickt und überlegt. „Du kannst mir ja gleich schrei-
ben, wenn etwas nicht gut geht. Ich laufe jeden Tag zum
Postamt und frage, ob ein Brief angekommen ist!“
„Ich auch“, sagt Luise. „Schreibe mir recht oft! Und du
mußt im Restaurant Imperial viel essen! Vati freut sich
immer, wenn es mir schmeckt.“
„Schade, daß du gerade Eierkuchen am liebsten ißt!“
sagt Lottchen ärgerlich. „Ich esse lieber Kalbsschnitzel und
Gulasch.“
„Wenn du gleich am ersten Tag drei Eierkuchen ißt, oder
vier oder fünf, kannst du danach sagen, daß du Eierkuchen
nicht mehr sehen kannst!“
„Das ist möglich“, antwortet die Schwester, obwohl ihr
schon bei dem Gedanken an fünf Eierkuchen schlecht wird.“
Dann lesen beide wieder in ihren Heftchen und fragen
sich gegenseitig die Namen der Mitschülerinnen, die Gewohn-
heiten der Lehrerin und den genauen Schulweg ab.
„Der Schulweg ist für dich leichter als für mich“, meint
Luise. „Du sagst Trude ganz einfach, sie soll dich am ersten
Tag abholen. Das macht sie manchmal. Dann läufst du ruhig
neben ihr her und merkst dir die Straßen!“
Lotte nickt. Plötzlich erschrickt sie. „Das habe ich dir
noch gar nicht gesagt, — vergiß ja nicht, — Mutti einen
Gutenachtkuß zu geben1, wenn du schlafen gehst.“
Luise blickt vor sich hin. „Das brauche ich mir nicht
aufzuschreiben. Das vergesse ich bestimmt nicht!“
* * *
Merkt ihr, was hier geschieht? Die Zwillinge wollen den
Eltern nicht erzählen, daß sie alles wissen. Sie wollen nicht,
daß sich Vater und Mutter entscheiden müssen. Und sie fürch-
ten, daß die Eltern ihr Geschwisterglück sofort und endgültig
beenden. Das darf aber nicht geschehen. Deshalb haben sie
einen geheimen Plan voller Phantasie und Abenteuerlust.
Er sieht so aus: Die beiden wollen die Kleider, die Frisuren,
die Wohnungen und das ganze Leben tauschen. Luise will —
mit Zöpfen wie Lotte — zur Mutter fahren, von der sie nur
1 Gutenachtkuß geben — noue^oßaTb h noxeJiaTt. cnoKoflHofi hohh
2» 19
eine Fotografie kennt. Und Lotte wird — mit Locken und
so lustig und lebhaft wie Luise — zum Vater nach Wien
fahren.
Die Mädchen haben sich auf die bevorstehenden Aben-
teuer gründlich vorbereitet. Ihre Heftchen sind voller No-
tizen. Die Schwestern werden sich postlagernd schreiben1,
wenn unerwartete Ereignisse eintreten.
Vielleicht gelingt es den beiden zu erraten, warum die
Eltern getrennt leben, und vielleicht werden sie dann eines
schönen, eines wunderschönen Tages miteinander und mit
beiden Eltern ... doch daran wagen sie nicht zu denken1 2 ...
* * *
Das Gartenfest am Vorabend soll die Generalprobe sein.
Lotte kommt als lockige lustige Luise. Luise erscheint mit
Zöpfen als brave Lotte.Und beide spielen ihre Rollen ausge-
zeichnet. Keiner merkt den Tausch. Auch Trude nicht, Lui-
ses Schulkameradin aus Wien! Es macht beiden großen Spaß3,
einander laut beim eigenen Vornamen zu rufen4 5. Lotte schlägt
vor Freude Purzelbäume8. Luise verhält sich so ruhig und
still, als könnte sie kein Wässerchen trüben6 *.
Die Lampions leuchten in den Bäumen. Die Girlanden
schaukeln im Abendwind. Das Fest und die Ferien gehen zu
Ende. Die Gewinne aus der Tombola werden verteilt. Steffi
gewinnt den ersten Preis, die Rollschuhe. (Besser ist ein
schwacher Trost als gar keiner!)
Die Schwestern schlafen schließlich nach ihren neuen Rol-
len in den vertauschten Betten und träumen vor Aufregung.
Lotte zum Beispiel träumt, daß sie auf dem Bahnhof in Wien
eine große Fotografie des Vaters erwartet, und daneben steht
ein Hotelkoch in einer weißen Mütze mit einem Wagen voller
warmer Eierkuchen — brrrl
♦ * ♦
Schon sehr früh am nächsten Morgen fahren in der Bahn-
station von Seebühl zwei Züge ein. Sie kommen aus entge-
1 postlagernd schreiben — nncaib äo BocTpeöoßaHHfl
2 doch daran wagen sie nicht zu denken — ho 06 stom ohh Aaate h
AyMaTb öoflTca
3 großen Spaß machen — AocTaBJiflTb orpoMHoe HacjiajKAeime
4 einander laut beim eigenen Vornamen zu rufen — rpoMKo Ha3H-
BaTb Apyr Apyra HacToamnM HMeneM
5 Purzelbäume vor Freude schlagen — KyBbipKaTbca ot paAocrn
6 als könnte sie kein Wässerchen trüben — öyATo ona n boäbi He
3aMyTHT
20
gengesetzten Richtungen. Dutzende kleine Mädchen klettern
in die Abteile. Lotte beugt sich aus dem Fenster. Aus einem
Fenster des anderen Zuges winkt Luise. Beide lächeln sich
zu und machen sich damit Mut1. Die Aufregung wächst.
Wer weiß? Vielleicht möchten die kleinen Mädchen im letz-
ten Augenblick doch noch.
Aber nein, der Fahrplan hat das Wort. Der Stationsvor-
steher gibt das Signal und beide Züge fahren gleichzeitig ab.
Kinderhände winken.
Lotte fährt als Luise nach Wien.
Und Luise als Lotte nach München.
Fünftes Kapitel
München Hauptbahnhof, Bahnsteig 16. Die Lokomotive
steht still und ruht aus. Im Strom der Reisenden bilden sich
kleine Gruppen. Heimkehrende Mädchen umarmen ihre glück-
lichen Eltern. Beim ersten Erzählen vergißt man sogar, daß
man erst auf dem Bahnhof und noch nicht zu Hause ist!
Allmählich wird der Bahnsteig aber doch leer. Zum
Schluß wartet nur noch ein einziges Kind, ein kleines Mädchen
mit Zöpfen und Schleifen. Bis zum gestrigen Tag trug es
Locken. Bis zum gestrigen Tag hieß es Luise Palfy.
Das Kind setzt sich—mutig und ängstlich zugleich —
auf seinen Koffer. Es ist nicht leicht, im Bahnhof einer
fremden Stadt auf seine Mutter zu warten, die man nur von
einer Fotografie her kennt, und die nicht kommt!
Frau Luiselotte Palfy, geborene Körner, nennt sich seit
sechseinhalb Jahren (seit ihrer Scheidung) wieder Luiselotte
Körner.
Sie arbeitet als Bildredakteur einer Wochenzeitschrift.
Sie wurde im Verlag aufgehalten, weil im letzten Augenblick
noch aktuelles Material eintraf.
Endlich hat sie ein Taxi gefunden. Endlich hat sie eine
Bahnsteigkarte gelöst. Endlich hat sie in schnellem Lauf den
Bahnsteig 16 erreicht.
Der Bahnsteig ist leer!
Nein! Ganz hinten sitzt ein Kind auf einem Koffer! Die
junge Frau läuft so schnell sie kann über den Bahnsteig!
Dem kleinen Mädchen auf dem Koffer zittern die Knie.
Ein unerwartetes Gefühl ergreift das Kinderherz. Diese junge,
glückliche, diese wirklich lebendige Frau ist ja die Mutter!
1 sich damit Mut machen — odoApaTb ceön sthm
?!
„Mutti!“
Luise rennt der Frau entgegen und legt ihr stürmisch die
Arme um den Hals.
„Mein Liebling“, flüstert die junge Frau und weint.
„Endlich, endlich habe ich dich wieder!“
Der kleine Kindermund küßt leidenschaftlich ihr Gesicht,
ihre Augen, ihre Lippen, ihr Haar — ja sogar das Hütchen!
* * *
Sowohl im Restaurant als auch in der Küche des Wiener
Hotels „Imperial“ sind Stammgäste wie Angestellte fröh-
lich und aufgeregt, denn ihr Liebling, die Tochter des Opern-
kapellmeisters Palfy, ist wieder dal
Lotte, — Verzeihung! — Luise sitzt wie gewöhnlich auf
ihrem Stuhl mit den zwei hohen Kissen und ißt mit größter
Überwindung gefüllte Eierkuchen.
Die Stammgäste kommen, einer nach dem anderen, zum
Tisch. Sie streicheln das kleine Mädchen und fragen, wie es
ihm im Ferienheim gefallen hat. Zugleich legen sie kleine
Geschenke auf den Tisch wie Schokolade, Pralinen und
Buntstifte. Dann nicken sie dem Kapellmeister zu und
gehen an ihre Tische zurück. Heute wird ihnen das Essen
endlich wieder richtig schmecken!
Am besten schmeckt es freilich dem Herrn Kapellmeister.
Obwohl er immer glaubte, daß eine „wahre Künstlernatur“1
im Leben einsam bleiben muß, und seine Ehe daher ein Feh-
ler war, wird ihm warm ums Herz, als die Tochter schüchtern
seine Hand ergreift.
Ach, da kommt der Kellner Franz schon wieder mit einem
neuen Eierkuchen.
Lotte schüttelt den Kopf. „Ich kann nicht mehr!“
„Aber Luise!“ sagt der Kellner erstaunt. „Es ist doch
erst der fünfte!“
Nachdem Herr Franz den Eierkuchen betrübt in die Kü-
che zurückgetragen hat, sagt Lotte: „Weißt du was, Vati,
ab morgen esse ich immer das, was du ißt!“
„Nanu“, ruft der Herr Kapellmeister erstaunt. „Was ist
denn geschehen?“
Und dann erscheint der alte Herr Strobel mit Peperl.
Peperl ist sein Hund. „Schau, Peperl!“ sagt er lächelnd, „wer
wieder da ist! Geh hin und sag Luise guten Tag.“
1 wahre Künstlernatur — hcthhhhh xyaokhhk
22
Peperl wedelt mit dem Schwanz1 und läuft an Palfys Tisch,
um Luise, seiner alten Freundin, guten Tag zu sagen.
Am Tisch beschnuppert Peperl das kleine Mädchen, läuft
aber grußlos zu seinem Herrn zurück. tj(Was ist denn los?“
ruft Herr Strobel. „Erkennst du deine beste Freundin nicht
wieder! Bloß weil sie ein paar Wochen auf dem Lande war?
Und da reden die Leute immer vom sicheren Instinkt der
Tiere!“
Lottchen aber denkt: „Ein Glück, daß die alten Herren
nicht so klug wie der Peperl sind!“
* * *
Der Herr Kapellmeister und seine Tochter sind mit den
Geschenken der Stammgäste, dem Koffer und der Puppe
zu Hause in der Rothenturmstraße eingetroffen. Resi, die
Haushälterin, zeigt große Wiedersehensfreude.
Aber Lotte weiß von Luise, daß Resi unaufrichtig ist1 2.
Vater merkt natürlich nichts. Männer merken nie etwas!
Er nimmt eine Theaterkarte aus der Brieftasche, gibt sie
der Tochter und sagt: „Heute abend dirigiere ich Humper-
dincks „Hänsel und Gretel“3. Resi bringt dich ins Theater
und holt dich nach Schluß wieder ab.“
„Ohl“ Lotte strahlt. „Kann ich dich von meinem Platz
aus sehen?“
„Natürlich!“
„Und siehst du manchmal zu meinem Platz?“
„Na selbstverständlich!“
„Und darf ich dir dann winken?“
„Ich werde sogar zurückwinken, Luise!“
Dann klingelt das Telefon. Am anderen Ende hört man
eine Frauenstimme. Der Vater antwortet ziemlich einsilbig.
Dann legt er den Hörer auf und hat auf einmal keine Zeit
mehr. Er muß noch ein paar Stunden allein sein um zu kom-
ponieren. Denn schließlich ist er nicht nur Kapellmeister,
sondern auch Komponist. Und komponieren kann er nicht
zu Hause. Nein, dafür hat er sein Atelier in der Ringstraße.
„Also, auf Wiedersehen morgen mittag im .Imperial1!“
„Und ich darf dir in der Oper zuwinken, Vati?“
„Natürlich, Kind. Warum denn nicht?“
1 mit dem Schwanz wedeln — noMaxuaaTb xboctom
2 unaufrichtig sein — öhtb ueHCKpeHHHM
2 Humperdincks „Hänsel und Gretel“ — onepa TyMnepÄHHKa «Fen-
aeJib h fpere^b»
23
Der Vater küßt die Tochter auf die Stirn, setzt den Hut
auf und schlägt die Tür zu.
Das kleine Mädchen geht langsam zum Fenster und denkt
bekümmert über das Leben nach. Die Mutter darf nicht zu
Hause arbeiten. Der Vater kann nicht zu Hause arbeiten.
Aber Lotte gibt diese Gedanken bald auf1. Dank der müt-
terlichen Erziehung ist sie ein energisches und praktisches
Persönchen. Sie nimmt ihr Heft mit den Notizen und beginnt,
die Zimmer der schönen Wohnung für sich zu entdecken.
Dann setzt sie sich an den Küchentisch, auf dem das Haus-
haltsbuch liegt. Wie sie es von zu Hause gewöhnt ist, rechnet
sie die Ausgaben nach* 2.
Dabei fällt ihr folgendes auf: Erstens hat sich Resi, die
Haushälterin, fast auf jeder Seite verrechnet. Und zweitens
hat sie sich immer zu ihrem Vorteil verrechnet3.
„Was machst du denn da?“ Resi steht in der Küchentür.
„Ich habe in deinem Buch nachgerechnet“, sagt Lotte leise,
aber bestimmt.
„Was sind denn das für neue Moden?“ fragt Resi böse.
„Du sollst nicht hier, sondern in der Schule rechnen!“
„Ich werde jetzt immer bei dir nachrechnen“, erklärt
das Kind ruhig und springt vom Küchenstuhl. „Wir lernen
in der Schule, aber nicht für die Schule, hat die Lehrerin
gesagt.“
Damit marschiert Lotte aus der Küche, und Resi blickt
ihr erstaunt nach.
* * *
Jetzt ist es Zeit, von Luises und Lottes Eltern zu berich-
ten, und warum sie geschieden sind.
Der Herr Kapellmeister Ludwig Palfy ist ein Künstler,
und Künstler sind bekanntlich seltsame Lebewesen. Viele
tragen Hüte mit einem breiten Rand und wehende Krawatten.
Herr Palfy aber ist ordentlich gekleidet, sauber und faot
elegant. Aber sein Innenlebenl Das ist kompliziert! Wenn
ihm eine neue Melodie einfällt, muß er allein sein, um sie
sofort niederzuschreiben. Das passiert manchmal auch in
einer großen Gesellschaft. „Wo ist denn Palfy?“ fragt dann
der Hausherr. Und irgendjemand antwortet: „Ihm ist wahr-
scheinlich wieder eine Melodie eingefallen.“ Der Hausherr
% die Gedanken aufgeben — nepecTaßaTb ayMaTb (o hcm-ji.)
2 die Ausgaben nachrechnen — noACHHTbißaTb pacxo^bi
3 hat sie sich immer zu ihrem Vorteil verrechnet — ona Bcer/ia 06-
CHHTblBajiaCb B cboio nojibsy
24
lächelt zwar sauersüß1, denkt aber: „So ein unhöflicher
Mensch!“ Man kann doch nicht einfach weglaufen. Doch
der Kapellmeister Palfy, der kann esl
Er lief auch aus der eigenen Wohnung fort, als er noch
verheiratet war. Er war damals noch ganz jung, verliebt,
ehrgeizig, glücklich und zugleich auch verrückt 1
Doch zu Hause schrien dann die kleinen Zwillinge Tag
und Nacht. Deshalb zog er mit seinem Flügel in ein Atelier
in der Ringstraße, als die Wiener Philharmoniker sein erstes
Klavierkonzert uraufführten1 2.
Und da er nun ganz in der Welt der Musik lebte, kam er
nur noch sehr selten zu seiner jungen Frau und den schrei-
enden Zwillingen.
Luiselotte, Palfy, die damals kaum zwanzig Jahre alt
war, fand das nicht sehr schön. Außerdem erzählte man ihr,
daß ihr in seinem Atelier nicht nur Noten malte, sondern
mit Opernsängerinnen Gesangsrollen studierte. Deshalb bean-
tragte sie die Scheidung3.
Nun konnte der Kapellmeister soviel allein sein, wie er
wollte. Für Luise sorgte ein tüchtiges Kindermädchen. In
seinem Atelier in der Ringstraße kümmerte sich um ihn —
wie er es selbst gewollt hatte — kein Mensch.
Das gefiel dem Kapellmeister aber auch nicht.
O diese Künstler! Sie wissen wirklich nicht, was sie wol-
len! Doch er komponierte und dirigierte fleißig und wurde
von Jahr zu Jahr berühmter. Und wenn er mit sich unzufrie-
den war, konnte er in seine andere Wohnung gehen und mit
seinem Töchterchen Luise spielen.
Immer wenn in München in einem Konzert neue Werke von
Ludwig Palfy aufgeführt wurden, kaufte sich Luiselotte
Körner eine Eintrittskarte. Sie saß dann mit gesenktem Kopf
in einer der letzten, billigen Reihen und hörte aus der Musik
ihres geschiedenen Mannes, daß er nicht glücklich war. Trotz
seiner Erfolge und trotz seiner Einsamkeit.
Sechstes Kapitel
Frau Körner hat ihre Tochter schnell in die kleine Woh-
nung in der Max-Emanuel-Straße gebracht. Dann mußte sie,
1 sauersüß lächeln — 3d.: BbiHyjKßeHHo yjibiöaTbca
2 als die Wiener Philharmoniker sein erstes Klavierkonzert urauf-
führen — Koraa bchckhw cHMtjjoHiniecKHfi opKeCTp BnepBHe ncnojiHHJi
ero nepBbifi ^opTenHaHHbifi KOHuep?
3 die Scheidung beantragen — noaaBaTb Ha pa3Boa
25
sehr ungern und sehr eilig wieder in den Verlag fahren. Ar-
beit wartete auf sie. Und die Arbeit darf nicht warten.
Luise — ach nein! — Lotte hat sich zuerst in der Woh-
nung umgesehen. Dann hat sie die Schlüssel, das Portemon-
naie1 und ein Netz genommen. Und nun macht sie Einkäufe.
Beim Fleischer Huber kauft sie ein halbes Pfund Rindfleisch
und Wurst. Und jetzt sucht sie das Lebensmittelgeschäft
der Frau Wagenthaler, um Gemüse, Nudeln und Salz einzu-
kaufen.
Und Anni Habersetzer wundert sich sehr, daß ihre Mit-
schülerin Lotte Körner mitten auf der Straße intensiv in
einem Heftchen sucht.
„Machst du auf der Straße Schulaufgaben?“ fragt sie neu-
gierig.
„Heute sind doch noch Ferien!“
Luise starrt das andere Mädchen erstaunt an. Es ist ja
auch zu dumm, wenn dich jemand anspricht, den du genau
kennen mußt, obwohl du ihn noch nie im Leben gesehen
hast.
Schließlich sagt sie entschlossen und vergnügt: „Kommst
du mit? Ich muß zur Frau Wagenthaler, Gemüse einkaufen.“
Dann nimmt „Lotte“ das Mädchen bei der Hand — von
dem sie nicht weiß, wie es heißt — und so gehen sie gemein-
sam zum Laden der Frau Wagenthaler. Dabei merkt das
Mädchen gar nicht, daß „Lotte“ den Weg nicht kennt.
Frau Wagenthaler freut sich natürlich, daß Lottchen
Körner mit so roten Backen aus den Ferien zurückgekehrt
ist. Nach dem Einkauf erhalten die Mädchen von ihr Bon-
bons und den Auftrag, Frau Körner und Frau Habersetzer
zu grüßen.
Luise ist erleichtert. Endlich weiß sie, daß die andere
die Anni Habersetzer sein muß. (Im Heftchen steht: „Anni
Habersetzer, ich war ihr dreimal böse, sie schlägt kleinere
Kinder, besonders die Ilse Merck, die kleinste in der Klasse.“)
Nun, das ist schon ein Anfang.
Beim Abschied vor der Haustür sagt also Luise:
„Bevor ich es vergesse1 2, Anni: Dreimal war ich dir schon
böse, wegen der Ilse Merck und so ... Das nächste Mal bin ich
dir nicht nur böse, sondern ..." Dabei macht sie eine ein-
deutige Handbewegung und läuft davon.
,Das werden wir ja sehen', denkt Anni wütend. .Gleich
1 Portemonnaie, lies, [portmo'ne:] — nopTMOHe, KomeJieK
2 Bevor ich es vergesse — noKa a ne aaöbwia
26
morgen werden wir das sehen! Die ist wohl in den Ferien
verrückt geworden!1*
* * *
Luise kocht. Sie hat eine Schürze von Mutti umgebunden
und rennt zwischen dem Gasherd, auf dem Töpfe stehen, und
dem Tisch, auf dem das Kochbuch liegt, aufgeregt hin und
her. Immer wieder hebt sie die Topfdeckel hoch. Wenn ko-
chendes Wasser überläuft, erschrickt sie. Wieviel Salz muß
sie für das Nudelwasser nehmen? Einen halben Eßlöffel.
Und dann: „Muskatnuß reiben!“ Wo steckt die Muskat-
nuß? Wo ist das Reibeisen?
Das kleine Mädchen sucht in den Schubfächern, steigt auf
Stühle, sieht in alle Büchsen und Dosen, blickt auf die Uhr
an der Wand, springt vom Stuhl herunter, nimmt eine Gabel,
hebt einen Deckel hoch, verbrennt sich dabei die Finger,
sticht mit der Gabel in das Rindfleisch — nein, es ist noch
nicht weich!
Plötzlich bleibt sie mit der Gabel in der Hand stehen.
Was wollte sie suchen? Ach richtig! Die Muskatnuß und das
Reibeisen. Nanu, was liegt denn da neben dem Kochbuch?
Das Suppengrün! Das muß man doch putzen! Das muß doch
in die Suppe hinein! Sie legt also die Gabel weg und nimmt
ein Messer. Ob das Fleisch jetzt weich ist? Luise wäscht das
Suppengrün unter der Wasserleitung und schabt die Möhre.
Dabei schneidet sie sich in den Finger! Au! Und wenn das
Fleisch weich ist, muß sie es aus dem Topf nehmen. Und in
einer halben Stunde kommt Mutti! Und zwanzig Minuten
vorher müssen die Nudeln in das kochende Wasser! Und wie
es in der Küche aussieht! Und die Muskatnuß! Und das Reib-
eisen! Und... Und... Und...
Luise setzt sich erschöpft auf den Küchenstuhl. Ach Lott-
chen! Es ist nicht leicht, deine Schwester zu sein! Hotel
Imperial... Der alte Herr Strobel ... Peperl ... Herr Franz ...
Und Vati ... Vati ...
Und die Uhr tickt!
In neunundzwanzig Minuten kommt Mutti! — In achtund-
zwanzig und einer halben Minute! — In achtundzwanzig!
Luise steht entschlossen auf und geht wieder zum Herd.
Doch das Kochen ist eben schwierig. Entschlossenheit
genügt vielleicht, um von einem hohen Turm zu springen.
1 Die ist wohl in den Ferien verrückt geworden! — Ona hto, c yMa
coujjia hto-jih Ha KaHHKyjiax!
27
Aber um Nudeln mit Rindfleisch zu kochen, braucht man
Kochkenntnisse.
Als Frau Körner müde von der Arbeit nach Haus kommt,
findet sie kein lächelndes Gesichtchen vor. Ihre kleine Tochter
ist völlig erschöpft und unglücklich. Fast weinend sagt sie:
„Schimpf nicht, Mutti! Ich glaube, ich kann nicht mehr ko-
chen!“
„Aber Lottchen, Kochen verlernt man doch nicht!“ ruft
die Mutter verwundert. Aber sie hat Zeit, sich zu wundern.
Sie muß Kindertränen trocknen, die Suppe abschmecken,
Teller und Bestecke aus dem Schrank holen und vieles mehr.
Als sie endlich im Wohnzimmer unter der Lampe sitzen
und die Nudelsuppe essen, tröstet die Mutter das kleine Mäd-
chen und sagt: „Es schmeckt doch eigentlich sehr gut, nicht
wahr?“
„Ja?“ Ein schüchternes Lächeln erscheint auf dem Kin-
dergesicht. „Wirklich?“
Die Mutter nickt und lächelt still zurück. Luise atmet
auf, und nun schmeckt ihr die Nudelsuppe so gut wie noch
nie im Leben! Trotz Hotel Imperial und Eierkuchen.
„In den nächsten Tagen werde ich kochen“, sagt die Mut-
ter. „Du wirst dabei genau zusehen. Dann kannst du bald
wieder kochen wie vor den Ferien.“
Die Kleine nickt eifrig. „Vielleicht sogar noch besser!“
sagt sie.
Nach dem Essen waschen sie gemeinsam das Geschirr ab.
Und Luise erzählt, wie schön es im Ferienheim war. (Aller-
dings erzählt sie nichts von dem Mädchen, das genauso aus-
sieht wie sie.)
* * *
.Zur gleichen Zeit sitzt Lottchen in Luises schönstem
Kleid in einer Loge der Wiener Staatsoper. Sie blickt mit
großen Augen zum Orchester hinunter, wo Kapellmeister
Palfy die Ouvertüre von „Hänsel und Gretel“ dirigiert. Sie
denkt: ,Wie wundervoll Vati im Frack aussieht! Und wie die
Musiker ihm gehorchen, auch die ganz alten Herren. Wenn
er ihnen mit dem Stock droht, spielen sie, so laut sie können.
Und wenn er will, spielen sie auch ganz leise. Sicherlich haben
sie vor ihm Angst! Aber mir hat er vorhin vergnügt zuge-
winkt.*
Die Tür geht auf, und eine elegante junge Dame kommt
in die Loge. Sie setzt sich neben das Kind und lächelt ihm zu.
28
Lotte wendet sich schüchtern ab und sieht wieder zu, wie
Vati dirigiert.
Die junge Dame holt ein Opernglas hervor. Und eine Kon-
fektschachtel. Und ein Programm. Und eine Puderdose. Bald
sieht die Brüstung der Loge wie ein Schaufenster aus.
Als die Ouvertüre zu Ende ist, applaudiert das Publikum
begeistert. Der Herr Kapellmeister Palfy verbeugt sich einige
Male. Als er wieder den Dirigentenstab hebt, sieht er zur
Loge empor.
Lotte winkt schüchtern mit der Hand. Vati lächelt noch
zärtlicher als vorhin.
Da merkt Lotte, daß nicht nur sie mit der Hand winkt,
sondern auch die Dame neben ihr!
Die Dame winkt Vati zu? Hat Vati vielleicht ihretwegen
so zärtlich gelächelt? Und gar nicht wegen seiner Tochter?
Ja, und wieso hat Luise nichts von der fremden Frau erzählt?
Kennt Vati sie noch nicht lange? Warum darf sie ihm so ver-
traulich zuwinken? Lotte wird heute noch an Luise schreiben
und anfragen, ob sie etwas über die fremde Frau weiß. Mor-
gen wird sie noch vor Schulbeginn zum Postamt gehen und
den Brief nach München aufgeben.
Auf der Bühne beginnt das Spiel von Hänsel und Gretel,
das Lottchen immer stärker berührt. Sie vergleicht das
Schicksal von Hänsel und Gretel mit ihrem eigenen Schicksal
und dem der Schwester.1 Im Märchen wie im Leben lieben
die Eltern ihre Kinder. Warum aber trennen sie sich dann
von ihnen? Die Eltern von Hänsel und Gretel hatten kein
Geld, um Brot für ihre Kinder zu kaufen. Warum aber haben
ihre Eltern sich und die Kinder getrennt? Im Märchen wie
im Leben sind die Eltern nicht böse, aber was sie tun, ist
bösel
Lottchen ist sehr aufgeregt und in ihre Gedanken ver-
tieft. Deshalb erschrickt sie, als sich Fräulein Irene Gerlach
(so heißt die elegante Dame) ihr zuwendet und ihr Konfekt
anbietet. Sie blickt auf und sieht das Frauengesicht vor sich.
Dabei stößt sie unbeabsichtigt an die Konfektschachtel, und
unten im Parkett regnet es plötzlich Pralinen.1 2 Köpfe wen-
1 Sie vergleicht das Schicksal ... mit ihrem eigenen Schicksal und
dem der Schwester. — Ona cpaBHHBaeT cyni>6y ... co CBoeft coßcTBeHHoft
h cyÄbßofi CBOefl cecrpbi.
2 Dabei stößt sie unbeabsichtigt an die Konfektschachtel, und un-
ten im Parkett regnet es plötzlich Pralinen. — üpu btom ona cJiyHaÜHO
aaÄeßaeT KopoÖKy c KoncjjeTaMH, u ohh BÄpyr äojkäcm naÄaioT (ctin-
jiiotcs) bhM3 Ha napKeT.
29
den sich nach oben. Leises Lachen mischt sich in die Musik.
Fräulein Gerlach lächelt verlegen und ärgerlich.
Das Kind erschrickt bis ins Herz1!
„Entschuldigen Sie vielmals“, flüstert Lottchen. Die Dame
lächelt verzeihend. „O, das macht nichts1 2, Luise.“
* * *
Luise liegt zum ersten Mal in München im Bett. Die Mut-
ter sitzt bei ihr und sagt: „So, mein Lottchen, nun schlaf
und träume gut!“
„Gehst du auch bald zu Bett, Mutti?“ fragt das Kind.
An der Wand gegenüber steht ein größeres Bett. Auf der
Decke liegt Muttis Nachthemd.
„Gleich“, sagt die Mutter, „aber erst, wenn du schläfst.“
Das Kind umarmt sie und gibt ihr einen Kuß. Dann noch
einen. Und einen dritten. „Gute Nacht!“
Die junge Frau drückt das kleine Mädchen an sich. „Ich
bin so froh, daß du wieder zu Hause bist“, flüstert sie. „Ich
habe ja niemanden außer dir!“
Der Kopf des Kindes sinkt ermüdet auf das Kissen.
Luiselotte Palfy, geborene Körner, horcht noch eine Weile
auf die Atemzüge ihrer Tochter. Dann steht sie vorsichtig
auf und geht leise ins Wohnzimmer zurück.
Unter der Stehlampe liegt die Aktentasche. Frau Körner
muß noch viel arbeiten.
* * *
Auch Lotte ist schlafengegangen. Resi hat sie ins Bett
gebracht.
Dann ist aber Lotte heimlich wieder aufgestanden und hat
den Brief geschrieben, den sie morgen früh zum Postamt
bringen will. Dann hat sie sich wieder leise in Luises Bett
gelegt. Bevor sie das Licht ausschaltete, hat sie das Kinder-
zimmer noch einmal in Ruhe betrachtet.
Es ist ein großer, hübscher Raum mit Märchenbildern an
den Wänden, mit einem Spielzeugschrank, mit einem Bücher-
regal, mit einem Schreibtisch für die Schularbeiten, mit einem
großen Kaufmannsladen, einem Puppenwagen, einem Pup-
penbett — nichts fehlt in diesem Zimmer — außer der Haupt-
sache!
1 bis ins Herz erschrecken — äo CMepra HcnyraTbcs
2 das macht nichts — HHMero
30
Hat sie sich nicht manchmal — ganz heimlich, damit
Mutti nichts merkt — so ein schönes Zimmer gewünscht?
Jetzt hat sie so ein Zimmer. Und doch fühlt sie sich nicht
glücklich. Sie denkt an ihr kleines, einfaches Schlafzimmer,
wo jetzt die Schwester liegt, an Muttis Gutenachtkuß, an
den Lichtschein aus dem Wohnzimmer, wo Mutti noch ar-
beitet. Sie erinnert sich, daß leise die Tür aufgeht, daß sie
hört, wie Mutti an ihrem Bett stehen bleibt, dann zum eige-
nen Bett hinübergeht, das Nachthemd anzieht und sich schla-
fen legt.
Warum steht nicht hier Vatis Bett im Nebenzimmer?
Vielleicht würde er schnarchen, aber er wäre in der Nähe.1
Aber er schläft nicht nebenan, sondern in einem andern
Haus. Vielleicht schläft er überhaupt noch nicht, sondern
sitzt mit dem eleganten Fräulein in einem großen, hellen
Saal. Vielleicht trinken sie Wein, lachen und tanzen. Viel-
leicht nickt er ihr zärtlich zu, wie heute abend in der Oper,
ihr, und nicht dem kleinen Mädchen.
Lotte schläft ein. Und im Traum verbindet sich das Mär-
chen von Hänsel und Gretel mit den aufregenden Erlebnissen
der Zwillinge in München und Wien.
Siebentes Kapitel
Wochen sind seit jenem Tag und jener ersten Nacht in der
fremden Welt und unter fremden Menschen vergangen. Wo-
chen, in denen jeder Augenblick, jeder Zufall, jede Begeg-
nung die Gefahr der Entdeckung enthielt1 2. Wochen mit sehr
viel Aufregung, und mit postlagernden Briefen, in denen
sich die Schwestern gegenseitig immer neue Auskünfte ga-
ben.
Es ist alles gut gegangen. Die Mädchen hatten auch ein
bißchen Glück. Luise hat das Kochen „wieder“ gelernt. Die
Lehrerinnen in München haben sich daran gewöhnt, daß die
kleine Körner seit den Ferien weniger fleißig, ordentlich
und aufmerksam, aber viel lebhafter ist.
Und ihre Wiener Kolleginnen haben sich daran geyvöhnt,
daß die Tochter des Kapellmeisters Palfy besser aufpaßt und
besser rechnen kann.
1 Vielleicht würde er schnarchen, aber er wäre in der Nähe. — Mo-
ste? 6HTb, OH 6bl H Xpanen, HO OH 6bIJI 6h TyT pflÄOM.
2 die Gefahr der Entdeckung enthielt — t3hjih 6h onacHOCTb 6uTb
oöHapyxeHHbiMH
31
Sogar Peperl, der Hund des alten Herrn Strobel, sagt seit
einiger Zeit wieder dem kleinen Mädchen am Tisch des Herrn
Kapellmeisters .guten Tag*. Er hat sich daran gewöhnt,
daß diese Luise anders als früher riecht. Bei den Menschen
ist so vieles möglich, warum nicht auch das? Außerdem ißt
jetzt die liebe Kleine nicht mehr so oft Eierkuchen, dafür
aber mit großem Vergnügen Fleischgerichte. Eierkuchen ha-
ben bekanntlich keine Knochen, Fleisch dagegen sehr viele.
Deshalb kann man leicht verstehen, daß der Hund sein Ver-
halten änderte.
Auch Resi, die Haushälterin ist ein ganz anderer Mensch
geworden. In ihrem Wesen war sie vielleicht gar nicht unehr-
lich und faul; aber ihr fehlte jemand, der alles kontrofliert
und sieht.
Seit Lotte im Haus ist und alles prüft, alles entdeckt und
alles über Küche und Haus weiß, arbeitet Resi sehr gut.
Außerdem erhält Resi das Geld für ihre Einkäufe von
Lotte, die jetzt das Wirtschaftsgeld verwaltet. Abends wird
am Küchentisch gewissenhaft abgerechnet.
Dem Vater ist schon aufgefallen, daß der Haushalt früher
teurer war. Flerr Palfy gibt jetzt weniger Wirtschaftsgeld,
trotzdem stehen immer frische Blumen auf Tisch, sowohl
in der Wohnung als auch im Atelier. Sehr gemütlich ist es
gewordenl
Auch Fräulein Irene Gerlach ist aufgefallen, daß Herr
Palfy jetzt öfter zu Hause ist. Sehr vorsichtig — denn Künst-
ler sind empfindlichl — hat sie ihn nach dem Grund gefragt.
„Ja, weißt du“, hat er gesagt, „als ich neulich nach Hause
kam, sah ich Luise am Klavier sitzen und spielen. Und dazu
sang sie ein kleines Liedchen. Ich war glücklich, denn früher
wollte sie nie ans Klavier gehenl“
„Na und?“ hat Fräulein Gerlach leicht verärgert ge-
fragt.
„Was heißt hier ,Na und?1“, Herr Palfy lachte. „Seitdem
gebe ich ihr Klavierunterricht! Es macht uns beiden große
Freude.“
Fräulein Gerlach blickte verächtlich und erklärte spöt-
tisch: „Ich dachte, du bist Komponist und nicht Klavier-
lehrer für kleine Mädchen!“
Ludwig Palfy hat nur gelacht und gerufen: „Aber ich
habe ja noch nie im Leben so viel komponiert, wie gerade
jetzt? Und noch nie so etwas Gutes!“
„Was komponierst du denn?“
„Eine Kinderoper“, antwortete er.
32
* * *
In den Augen der Lehrerinnen hat sich Luise verändert.
In den Augen des Kindes haben sich Resi und Peperl verän-
dert. In den Augen des Vaters hat sich die Wohnung verän-
dert. So vieles hat sich in Wien verändert.
Und in München hat sich natürlich auch manches verän-
dert. Die Mutter hat gemerkt, daß Lottchen nicht mehr so
häuslich und in der Schule nicht mehr so fleißig ist, daß sie
aber viel lebhafter als früher ist. Da hat sie zu sich selbst
gesagt: „Luiselotte, du hast aus einem Kind eine kleine Haus-
hälterin gemacht. Seit sie ein paar Wochen mit anderen Kin-
dern zusammen war1, im Gebirge und am See, ist sie ganz
anders geworden. Sie ist ein lustiges, sorgloses kleines Mäd-
chen. Du bist zu egoistisch gewesen. Freue dich, daß Lott-
chen heiter und glücklich ist. Es macht nichts, wenn sie
beim Abwaschen einen Teller zerschlägt! Oder wenn sie von
der Lehrerin einen Brief mitbringt: .Lotte ist nicht mehr so
aufmerksam und fleißig. Die Mitschülerin Anni Habersetzer
hat von ihr gestern schon wieder vier Ohrfeigen erhalten.*
Eine Mutter muß vor allem1 2 dafür sorgen, daß ihr Kind
nicht zu früh das Paradies der Kindheit verläßt.
So hat Frau Körner zu sich selber gesprochen und eines
Tages schließlich auch zu Fräulein Linnekogel, Lottes Klas-
senlehrerin. „Mein Kind“, hat sie gesagt, „soll ein Kind und
nicht ein kleiner Erwachsener sein. Es ist besser, sie wird
ein lebhaftes, fröhliches Mädchen, auch wenn sie nicht Ihre
beste Schülerin bleibt!“
„Aber früher konnte sie doch beides vereinen“, hat Fräu-
lein Linnekogel erklärt.
„Warum sie es jetzt nicht mehr kann, weiß ich nicht. Als
berufstätige Frau weiß ich zu wenig von meinem Kinde.
Es hängt wahrscheinlich mit den Sommerferien zusammen.
Aber ich weiß und sehe: Sie kann es nicht mehr, und das ist
entscheidend!“
Darauf entgegnete Fräulein Linnekogel energisch: „Ich,
als Erzieherin und Lehrerin Ihrer Tochter, habe andere Ziele.
Ich muß und werde versuchen, die innere Harmonie des Kin-
des wieder herzustellen.“
„Finden Sie wirklich, daß ein bißchen Unaufmerksamkeit
1 seit sie ein paar Wochen mit anderen Kindern zusammen war —
C Tex nop KaK OHa napy HeaeJib npoöbiJia c ApyrnMH ÄeTbMH
2 vor allem — npe>KAe Bcero
33
in der Rechenstunde und ein paar Tintenkleckse im Schreib-
heft ..."
„Ein gutes Beispiel, Frau Körner! Das Schreibheft! Ge-
rade Lottes Schrift zeigt, daß sie ihr seelisches Gleichgewicht
verloren hat. Aber wir wollen nicht über die Schrift sprechen!
Finden Sie es richtig, daß Lotte ihre Mitschülerinnen prü-
gelt?“
„Mitschülerinnen?“ Frau Körner hat die Endung absicht-
lich sehr betont. „Ich weiß nur, daß sie die Anni Habersetzer
geschlagen hat.“
„Nur?“
„Und diese Anni Habersetzer hat die Ohrfeigen verdient.
Jemand muß ihr die Ohrfeigen ja schließlich geben!“
„Aber Frau Körner!“
„Diese große, dicke Anni schlägt heimlich die Kleinsten
der Klasse.“
„Wie bitte? Wirklich? Davon weiß ich ja gar nichts!“
„Dann fragen Sie nur die arme kleine Ilse Merck! Viel-
leicht erzählt sie Ihnen einiges!“
„Und warum hat mir Lotte nichts gesagt, als sie bestraft
wurde?“
„Dazu fehlt ihr wohl das seelische Gleichgewicht — um
mit Ihren Worten zu sprechen“, erwidert Frau Körner leicht
ironisch. Dann eilt sie in den Verlag und nimmt ein Taxi,
um pünktlich zu sein.
* * *
Am Sonnabendmittag hat Mutti plötzlich den Rucksack
gepackt und gesagt: „Zieh die festen Schuhe an! Wir fahren
nach Garnisch1 und kommen erst morgen abend zurück!“
Luise hat ein bißchen ängstlich gefragt: „Mutti, wird
das nicht zu teuer?“
Frau Körner war betroffen. Dann hat sie gelacht. „Wenn
das Geld nicht reicht, verkaufe ich Dich unterwegs.“
Das Kind hat vor Freude getanzt. „Fein! Wenn du dann
das Geld hast, laufe ich wieder weg und komme zu dir zu-
rück! Und wenn du mich drei bis viermal verkauft hast,
haben wir viel Geld und du mußt einen ganzen Monat nicht
arbeiten!“
„So teuer bist du?“
1 Garnisch — fapHHiii (HaasaHne wecTeMKa)
34
„Dreitausend Mark und elf Pfennige! Und die Mundhar-
monika nehme ich auch mit!“
Das war ein herrliches Wochenende! Sie wanderten über
Berg und Tal mit Mundharmonika und fröhlichem Gesang.
Dann gingen sie durch hohe Wälder bergab. Walderdbeeren
fanden sie und schöne, geheimnisvolle Blumen, auch kleine
Alpenveilchen, die süß dufteten. Abends gerieten sie in ein
Dorf, das Gries hieß. Dort nahmen sie ein Zimmer mit einem
Bett, da sie wenig Geld hatten. Nach dem Abendbrot lagen
sie zusammen in dem Bett. Von draußen, von den Wiesen
hörten sie die kleine Nachtmusik der Grillen.
Am Sonntagmorgen wanderten sie weiter durch Dörfer
und in die Berge hinauf, deren Spitzen in der Sonne silbern
glänzten. Auf einer Wiese, inmitten von Millionen Feld-
blumen, aßen sie gekochte Eier und Käsebrote, und danach
schliefen sie ein Weilchen.
Später stiegen sie zum See hinunter und badeten natürlich.
Auf der Hotelterrasse spendierte Mutti Kaffee und Kuchen.
Und dann mußten sie schon zurückmarschieren.
Sie saßen im Zug, waren vergnügt und von der Sonne
braun gebrannt. Der nette Herr gegenüber wollte nicht glau-
ben, daß das junge Mädchen neben Luise die Mutti und außer-
dem eine berufstätige Frau war.
Zu Hause fielen sie müde in ihre Betten. Zuletzt sagte das
Kind: ,Mutti, heute war es schön — so schön wie nichts
auf der Welt!“
Die Mutti konnte noch nicht sofort einschlafen. Soviel
Freude hatte sie ihrem kleinen Mädchen bisher vorenthalten.
Nun, es war noch nicht zu spät, sie konnten noch alles nach-
holen.
Das Kind war verändert. Und nun begann sich auch die
junge Frau zu verändern.
Achtes Kapitel
Lottchen kommt mit dem Klavierspiel nur langsam vor-
wärts. Ihre Schuld ist es nicht. Aber der Vater hat in den
letzten Wochen wenig Zeit fürs Stundengeben. Vielleicht
ist er so sehr mit der Kinderoper beschäftigt? Das ist schon
möglich. Oder? Nun, kleine Mädchen fühlen, wenn etwas
nicht in Ordnung ist. Wenn Väter von Kinderopern reden
und über Fräulein Gerlach schweigen ... Kinder spüren wie
kleine Tiere, woher Gefahr droht.
35
* * *
Lotte tritt in der Rothenturmstraße aus der Wohnung und
klingelt an der gegenüberliegenden Tür. Dort wohnt ein
Maler, der Gabele heißt. Er ist ein netter, freundlicher Herr,
der gern einmal ein Bild von Lotte zeichnen möchte, wenn
sie Zeit hat.
Herr Gabele öffnet. „Oh, die Luise!“
„Heute habe ich Zeit“, sagt sie.
„Einen Augenblick“, ruft er und rennt in sein Arbeits-
zimmer. Dort nimmt er ein großes Tuch vom Sofa und hängt
damit ein Bild zu, das auf der Staffelei steht. Er malt gerade
ein historisches Bild, das nicht für Kinder bestimmt ist.
Dann führt er die Kleine herein, setzt sie in einen Sessel,
nimmt einen Zeichblock in die Hand und beginnt zu skiz-
zieren.
„Du spielst ja gar nicht mehr so oft Klavier!“ meint er
dabei.
„Hat es Sie sehr gestört?“
„Gar nicht! Im Gegenteil! Ich vermisse dein Spiel!“
„Vati hat nicht mehr so viel Zeit“, sagt sie ernst. „Er
komponiert eine Oper. Es wird eine Kinderoper sein.“
Herr Gabele freut sich darüber. Dann wird er ärgerlich.
„Diese Fenster!“ schimpft er. „Man kann gar nichts sehen.
Ich brauche ein Atelier!“
„Warum mieten Sie sich denn dann kein Atelier, Herr
Gabele?“
„Weil’s keine freien Ateliers gibt. Ateliers sind selten!“
Nach einer Pause sagt das Kind: „Vati hat ein Atelier.
Mit großen Fenstern. Und Licht von oben.“
Herr Gabele brummt.
„In der Ringstraße“, erklärt Lotte. Und nach einer neuen
Pause: „Zum Komponieren braucht man doch gar nicht so
viel Licht wie zum Malen, nicht wahr?“
„Nein“, antwortet Herr Gabele.
Lotte denkt nach. Dann sagt sie: „Eigentlich kann doch
Vati mit Ihnen tauschen! Dann hätten Sie1 größere Fenster
und mehr Licht zum Malen. Und Vati hätte1 2 seine Woh-
nung, wo er komponiert, hier, neben der anderen Wohnung!
Wäre das nicht sehr praktisch?3“
1 Dann hätten Sie ... — Toraa y Bac 6bian 6t>i ...
2 Und Vati hätte ... — A y nanbi 6buia 6bi ...
3 Wäre das nicht sehr praktisch? — 3d.: 3to 6buio 6u oneHb yaoöHo,
He TaK jih?
36
Herr Gabelle könnte manches gegen Lottes Pläne einwen-
den1. Er kann aber mit dem Kind nicht über alles sprechen,
darum erklärt er lächelnd: „Ja, das wäre wirklich praktisch.
Es ist aber noch eine Frage, ob dein Papa ebenso denkt.“
Lotte nickt. „Ich werde ihn fragen! Sofort!“
$
Herr Palfy sitzt in seinem Atelier. Er hat Besuch.1 2 Fräu-
lein Irene Gerlach mußte „zufällig“ ganz in der Nähe Ein-
käufe machen, und da hat sie sich gedacht: ,Ich will mal
schnell zu Ludwig hinaufgehen...1
Der Ludwig hat die Partiturseiten, an denen er kritzelt,
beiseite gelegt und plaudert mit der Irene. Erst ärgert er
sich ein bißchen, denn er kann es nicht leiden, wenn man
ihn unangemeldet besucht und bei der Arbeit stört. Aber
allmählich glättet sich seine Stirn. Es ist ja doch so ange-
nehm, mit dieser schönen Dame zusammenzusitzen.
Irene Gerlach weiß, was sie will. Sie will Herrn Palfy
heiraten. Er ist berühmt. Er gefällt ihr. Sie gefällt ihm.
Große Schwierigkeiten stehen also nicht im Wege. Zwar
weiß er noch nichts von seinem künftigen Glück. Aber sie
wird ihm diesen Gedanken schonend beibringen.3 Schließlich
wird er sich einbilden, daß er selbst auf die Idee mit der Hei-
rat gekommen ist.
Ein Hindernis ist allerdings noch da: das Kind! Aber wenn
Irene ihrem Ludwig erst ein, zwei Kinder geschenkt hat4,
dann wird alles gut werden. Irene Gerlach wird doch mit.
fliesetn ernsten scheuen Mädchen fertigwerden!
Es klingelt.
Ludwig öffnet.
Und wer steht an der Tür! Das ernste, scheue Mädchen!
Es hat einen Strauß in der Hand, knickst und sagt: „Guten
Tag, Vati: Ich bringe dir frische Blumen!“ Dann spaziert
es ins Atelier, knickst vor der Dame, nimmt eine Vase und
verschwindet in der Küche.
1 könnte manches ... einwenden — Mor 6m Koe-mo BO3pa3HTb
2 Er hat Besuch. — y Hero rocTb.
3 Aber sie wird ihm diesen Gedanken schonend beibringen. — Ho 3Ty
Mbicjib ona BHyuiwT eMy o^enb octopojkho.
4 Aber wenn Irene ihrem Lugwig erst ein, zwei Kinder geschenkt
hat — 3d.: Ho Korjia Hpena nojiapHT CBoeMy JIioABHry ojiHoro hjih ÄByx
MaJiHinefi
37
Irene lächelt ironisch. „Wenn man dich und deine Tochter
sieht, hat man den Eindruck, daß du unter ihrem Pantoffel.
stehst1.“
Der Herr Kapellmeister lacht verlegen. „Sie ist in der
letzten Zeit so energisch, und außerdem ist das, was sie tut,
so richtig — da kann man nichts machen1 2!“
Fräulein Gerlach zuckt mit den schönen Schultern.
Lotte erscheint wieder. Erst stellt sie die frischen Blu-
men auf den Tisch. Dann bringt sie Geschirr herbei und sagt,
während sie die Tassen auf den Tisch stellt, zu Vati: „Ich
koche nur rasch einen Kaffee. Wir müssen doch deinem Gast
etwas anbieten.“
Vati und sein Gast sitzen erstaunt da. ,Und ich habe die-
ses Mädchen für scheu gehalten3, denkt Fräulein Gerlach.
,0 wie dumm war ich!“
Nach kurzer Zeit taucht Lotte mit Kaffee, Zucker und
Sahne auf, schenkt ein, schiebt dem Gast die Sahne und den
Zucker hin, setzt sich dann neben ihren Vati und meint
freundlich: „Ich trinke zur Gesellschaft einen Schluck mit.4 *“
Der Papa schenkt ihr Kaffee ein und fragt lächelnd: „Wie-
viel Sahne, meine Dame?“
Das Kind kichert. „Halb und halb8, mein Herr.“
„Bitte sehr, meine Dame!“
„Vielen Dank, mein Herr!“
Man trinkt. Man schweigt. Schließlich sagt Lotte: „Ich
war eben bei Herrn Gabele.“
„Hat er dich gezeichnet?“ fragt der Vater.
„Nur ein bißchen“, meint Lotte. Noch einen Schluck
Kaffee, dann fügt sie hinzu: „Er hat zu wenig Licht. Vor
allem braucht er Licht von oben. So wie hier ..."
„Dann soll er sich ein Atelier mit Oberlicht mieten“,
bemerkt der Herr Kapellmeister sehr treffend und ahnt nicht,
daß er dahin steuert, wohin Lotte ihn haben will6 *.
„Das habe ich ihm auch schon gesagt“, erklärt sie ruhig.
„Aber"sie sind alle vermietet, die Ateliers.“
1 hat man den Eindruck, daß du unter ihrem Pantoffel stehst —
co34aeTcn BnenaTJieHHe, hto tbi y nee noji KaöjiyKOM
2 da kann man nichts machen — TyT yxc HHqero ne nojieJiaeiiib
3 habe ... für scheu gehalten — cHHTajia ... öohsjihboh
4 Ich trinke zur Gesellschaft einen Schluck mit. — H Bbinbio BMecre
C B3MH TJIOTOK K0(|)e.
6 Halb und halb —3d.: FIojmaniKH K0(|)e, nojmamKW cjihbok
6 daß er dahin steuert, wohin Lotte ihn haben will. — 3d.: hto oh
KaK pa3 saroBopHJi o tom, o qeM JIoTTa caMa coÖHpaJiacb roBopHTb.
3R
,So ein kleines BiestI1 denkt Fräulein Gerlach. Denn sie
weiß nun schon, was das Kind beabsichtigt. Und wirklich ...
„Zum Komponieren braucht man eigentlich kein Ober-
licht, Vati. Nicht?“
„Nein, eigentlich nicht.“
Das Kind atmet tief, blickt lange auf seine Schürze und
fragt, als fiele ihm diese Frage eben erst ein1 2: „Willst du
nicht mit Herrn Gabele tauschen, Vati?“ Gott sei Dank,
jetzt ist es heraus!3 Lotte blickt den Papa an. Ihre Augen
bitten furchtsam.
Der Vater schaut halb ärgerlich, halb belustigt4 von dem
kleinen Mädchen zu der eleganten Dame, die wieder ironisch
lächelt.
„Dann wird der Herr Gabele ein Atelier haben“, sagt das
Kind, und die Stimme zittert ein wtenig. „Mit soviel Licht,
wie er braucht. Und du wohnst direkt neben uns. Neben Resi
und mir. Dann bist du allein, genau wie hier. Und wenn du
nicht allein sein willst, kommst du bloß über den Flur und
bist da. Du brauchst nicht einmal einen Hut aufzusetzen.
Und mittags können wir zu Hause essen. Wenn das Essen
fertig ist, klingeln wir dreimal an deiner Tür. — Wir kochen
immer, was du willst. — Und wenn du Klavier spielst, hören
wir’s durch die Wand ..." Die Kinderstimme klingt immer
zögernder5 6 ...
Fräulein Gerlach steht rasch auf. Sie muß schnellstens
nach Hause. Wie die Zeit vergeht! Es waren ja aber auch
sooo interessante Gespräche!
Herr Kapellmeister begleitet seinen Gast hinaus. Er küßt
die duftende Frauenhand. „Auf heute abend also!8“ sagt er.
„Vielleicht hast du keine Zeit?“
„Wieso, meine Liebe?“
Sie lächelt. „Vielleicht ziehst du gerade um!“
Er lacht.
„Lache nicht zu früh! Soviel ich deine Tochter kenne,
hat sie bereits die Möbelpacker bestellt!“ Wütend eilt die
Dame die Treppe hinunter.
1 so ein kleines Biestl — Bot MajieHbKan öecTual
2 als fiele ihm diese Frage eben erst ein — KaK öyjrro 6bi efi (Jlorre)
TOJIbKO HTO npHIIIJia B TOJIOBy 3T3 MbICJIb
3 Gott sei Dank, jetzt ist es herausl — Qiaßa 6ory, ona BbicKaaa-
jiacb!
4 halb ärgerlich, halb belustigt — nojiycepÄHTO, nojiymyTJiHBO
5 Die Kinderstimme klingt immer zögernder — JUtckhm rojioc 3By-
hht Menee yßepeHHo.
6 Auf heute abend also!" — Ht3K, äo ßenepal
39
Als der Kapellmeister ins Atelier zurückkommt, hat Lotte
schon begonnen, das Kaffeegeschirr abzuwaschen. Er schlägt
ein paar Takte auf dem Flügel an.1 Er geht mit großen Schrit-
ten in dem Raum auf und ab. Er starrt auf die Partitursei-
ten...
Lotte bemüht sich, nicht mit den Tellern und Tassen zu
klappern. Als sie alles abgetrocknet und in den Schrank
zurückgestellt hat, setzt sie ihr Hütchen auf und betritt
leise das Atelier.
„Auf Wiedersehen, Vati ... Kommst du zum Abendessen?“
„Nein, heute nicht.“
Das Kind nickt langsam und streckt ihm zum Abschied
schüchtern die Hand hin.
„Hör, Luise, — ich hab’s nicht gern, wenn sich andere
Leute für mich den Kopf zerbrechen, auch meine Tochter
nicht! Ich weiß selber, was ich brauche!“
„Natürlich, Vati“, sagt sie ruhig und leise. Noch immer
hält sie die Hand zum Abschied ausgestreckt.1 2
Er drückt sie schließlich doch und sieht dabei, daß dem
Kind Tränen in den Augen stehen. Ein Vater muß streng
sein. Also tut er, als sähe er nichts3, sondern nickt kurz und
setzt sich an den Flügel.
Lotte geht schnell zur Tür, öffnet sie leise — und ist ver-
schwunden.
Der Herr Kapellmeister fährt sich übers Haar4. Kinder-
tränen, das fehlte noch! Dabei soll man nun eine Kinderoper
komponieren! Es ist schrecklich, wenn so einem kleinen Ge-
schöpf Tränen in den Augen stehen...
Seine Hände schlagen einige Töne an. Er neigt lauschend
den Kopf. Er spielt die Tonfolge noch einmal. Es ist die
Mollvariation5 6 eines fröhlichen Kinderliedes aus seiner Oper.
Er ändert den Rhythmus®. Er arbeitet.
O diese Künstler! Gleich wird er Notenpapier nehmen und
Noten malen. Und schließlich wird er sich hochbefriedigt
1 Er schlägt ein paar Takte auf dem Flügel an. — Oh 6eper Ha pon-
Jle HeCKOJlbKO TaKTOB.
2 Noch immer hält sie die Hand zum Abschied ausgestreckt. — Ona
Bee eme ÄepjKHT pyKy npoTSHyroft Ha npomaHHe.
3 Also tut er, als sähe er nichts — man, oh ae-iaer bh«, KaK 6yxTO
6bi HHHero He saMenaer
4 ... fährt sich übers Haar — ... npoBOAHT pyKoft no BOJiocaiw
8 die Mollvariation — BapuauHH b MHHope
6 Rhythmus lies: ['rytmus] phtm
40
zurücklehnen und die Hände reiben, weil ihm ein so wun-
derbar trauriges Lied in c-moll1 gelungen ist.
* * *
Wieder sind Wochen vergangen. Fräulein Irene Gerlach
hat die Szene im Atelier nicht vergessen. Sie hat den Vor-
schlag des Kindes, die Wohnung in der Ringstraße gegen
die Wohnung des Malers Gabele zu tauschen, richtig ver-
standen: Es war eine Kampfansage.1 2 Eine richtige Frau —
und Irene Gerlach ist (obwohl Lotte sie nicht leiden mag3)
eine richtige Frau, — die läßt sich nicht lange bitten4 5. Sie
kennt ihre Waffen und weiß, sie zu gebrauchen.8 Alle ihre
Pfeile hat sie auf die Zielscheibe, das Künstlerherz des Ka-
pellmeisters, abgeschossen. Alle Pfeile haben ins Schwarze
getroffen.6 Jetzt sitzen sie im Herzen des geliebten Mannes
fest. Er kann sich nicht mehr wehren.
„Ich will, daß du meine Frau wirst“, sagt er. Es klingt
wie ein zorniger Befehl.
Sie streichelt sein Haar, lächelt und meint spöttisch:
„Dann werde ich morgen mein bestes Kleid anziehen, Lieb-
ling, und bei deiner Tochter um deine Hand bitten.“
Wieder sitzt ein Pfeil in seinem Herzen? Und diesmal ist
der Pfeil vergiftet.
* * *
Herr Gabele zeichnet Lotte. Plötzlich legt er den Blei-
stift hin und sagt: „Was hast du denn heute, Luise?7 Du
siehst ja aus wie sechs Tage Regenwetter!8“
Das Kind atmet schwer. „Ach, es ist nichts Besonderes!“
„Hängt’s mit der Schule zusammen?“
Sie schüttelt den Kopf. „Das wär’ nicht so schlimm.9“
Herr Gabele legt den Block weg. „Weißt du was? Wir
1 in c-moll — b ao-MWHope
2 Es war eine Kampfansage. — 3to 6liji bh3ob.
3 obwohl Lotte sie nicht leiden mag — xoth Jlorra ee h He blihocht
4 die läßt sich nicht lange bitten — He 3acTaBJineT ce6» AOJiro JKßaTb
5 Sie ... weiß, sie zu gebrauchen. — Ona ... yMeeT c hhm oöpamaTbcn
6 Alle Pfeile haben ins Schwarze getroffen. —Bee CTpeJibi nonajin
b uejib.
7 Was hast du denn heute, Luise? — Hto c toöoh cerojiHH, JlyH3a?
8 Du siehst ja aus wie sechs Tage Regenwetter! — Y tcöh TaKofi
nenaJibHbifi bha!
9 Das wär’ nicht so schlimm. — 3to 6biJio 6h He TaK njioxo.
41
wollen für heute Schluß machen!“ Er steht auf. „Geh spazie-
ren. Das bringt den Menschen auf andere Gedanken!1“
„Oder vielleicht spiele ich ein bißchen auf dem Klavier?“
„Noch besser!“ sagt er. „Das höre ich durch die Wand.
Da hab’ ich auch was davon.1 2“
Sie gibt ihm die Hand, knickst und geht.
Er schaut gedankenvoll hinter der kleinen Person her. Er
weiß, wie schwer Kummer auf ein Kinderherz drücken kann.
Er war selber einmal ein Kind und hat es (im Gegensatz zu
den meisten Erwachsenen!3) nicht vergessen.
Als aus der Nachbarwohnung Klavierspiel ertönt, nickt
er zufrieden und beginnt, die Melodie mitzupfeifen. Dann
zieht er mit einem Ruck die Decke von der Staffelei, nimmt
Palette und Pinsel zur Hand, betrachtet das Bild und beginnt
zu arbeiten.
* * *
Herr Ludwig Palfy kommt in die Rothenturmstraße. Er
hängt den Mantel und den Hut an einen Garderobehaken.
Luise spielt Klavier? Nun, sie muß eben jetzt ihr Spiel un-
terbrechen und ihm eine Weile zuhören. Er zieht das Jackett
straff4 5, dann öffnet er die Zimmertür.
Das Kind schaut von den Tasten hoch6 und lächelt ihn
an. „Vati? Wie schön!“ Sie springt vom Klavierstuhl. „Soll
ich dir einen Kaffee machen?“ Sie will sofort in die Küche
laufen. Er hält sie fest. „Danke, nein!“ sagt er. „Ich muß
mit dir sprechen. Setz dich!“
Sie setzt sich in den großen Sessel, in dem sie klein wie
eine Puppe aussieht, und blickt erwartungsvoll zu ihm hoch.
Er räuspert sich nervös, geht ein paar Schritte auf und
ab6 und bleibt vor dem Sessel stehen.
„Also, Luise“, fängt er an, „es handelt sich um eine
wichtige und ernste Angelegenheit7. Seit deine Mutter nicht
mehr — nicht mehr da ist, bin ich allein gewesen. Sieben
1 Das bringt den Menschen auf andere Gedanken.— 3d.: 3to Teöa
pa3BeeT.
2 Da hab’ ich auch was davon. — Toma h MHe hto-to nepenaaeT.
3 im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen — b oTJinnne ot 6ojil-
UIHHCTBa B3pOCJIblX
4 Er zieht das Jackett straff. — Oh nonpaBJineT >KaBeT.
5 Das Kind schaut von den Tasten hoch. — PeöeHOK oTpbißaeT
B3TJIHA OT KJiaBHUI.
6 auf und ab — B3aA h Bnepeji
7 es handelt sich um eine wichtige und ernste Angelegenheit — aeJio
KacaeTcn Ba?KHoro h cepbe3Horo Bonpoca
42
lahre lang. Natürlich nicht ganz allein, ich hab’ ja dich ge-
habt. Und ich hab’ dich ja noch!“
Das Kind schaut ihn mit großen Augen an.
,Wie dumm ich rede!“ denkt der Mann. Er hat eine Wut
auf sich.1 „Kurz und gut1 2“, sagt er. „Ich will nicht länger
allein sein. Es wird sich etwas ändern. In meinem und da-
durch auch in deinem Leben.“
Ganz still ist’s im Zimmer.
Eine Fliege summt, sie versucht durch die geschlossene
Fensterscheibe ins Freie zu fliegen.
„Ich habe mich entschlossen, wieder zu heiraten!“
„Nein!“ sagt das Kind laut. Es klingt wie ein Schrei.
Dann wiederholt es leise: „Bitte nein, Vati, bitte nein, bitte,
bitte nein!“
„Du kennst Fräulein Gerlach bereits. Sie hat sich sehr
gern. Und sie wird dir eine gute Mutter sein.“
Lotte schüttelt in einem fort3 den Kopf und bewegt dabei
lautlos die Lippen. Wie ein Automat, der keine Ruhe findet.
Es sieht beängstigend aus.
Deshalb blickt der Vater wieder weg und sagt:„Du wirst dich
schneller, als du glaubst, an die neue Lage gewöhnen. Böse
Stiefmütter kommen nur noch in Märchen vor. Also, Luise,
ich weiß, daß ich mich auf dich verlassen kann. Du bist der
vernünftigste kleine Kerl, den es gibt.4“ Und schon ist er
aus der Tür.
Das Kind sitzt wie betäubt.
Herr Palfy drückt sich in der Garderobe den Hut5 6 7 aufs
Künstlerhaupt. Da schreit das Kind im Zimmer. „Vati!“
Es klingt, als ob jemand ertränke*.
,In einem Wohnzimmer ertrinkt man nicht*, denkt Herr
Palfy und geht. Er hat es sehr eilig.’ Denn er muß ja mit
dem Sänger Luser arbeiten!
Lotte ist aus ihrer Betäubung erwacht.8 Sie zwingt sich
ruhig zu überlegen. Was ist zu tun?9 Denn daß man etwas tun
1 Er hat eine Wut auf sich. — Oh sjihtch Ha ceön.
2 Kurz und gut — Kopone roßopn
3 in einem fort — HenpepbiBHO
4 Du bist der vernünftigste kleine Kerl, den es gibt.—3d,: Tbi
caMbifi paayMHbiH peöenoK Ha CBeTe.
5 Herr Palfy drückt sich ... den Hut — TocnoAMH Ilajib^H naxjio-
öyHHJi ... uwinny
6 als ob jemand ertränke — 3d,: KaK KpHK yTonaiomero
7 Er hat es sehr eilig. — EMy oneHb HeKoraa.
8 Lotte ist aus ihrer Betäubung erwacht. — Jlorra oHHyjiacb ot
CBoero oueneneHMH.
9 Was ist zu tun? — Hto aeJiaTb?
43
muß, ist klar. Niemals darf Vati eine andere Frau heiraten,
niemals. Er hat ja eine Frau! Auch wenn sie nicht mehr
bei ihm ist. Niemals wird Lotte eine neue Mutter dulden,
niemals! Sie hat ja ihre Mutter, ihre über alles geliebte Mutti1!
Mutti darf es nicht wissen. Sie darf das ganze große Ge-
heimnis der beiden Kinder nicht wissen, und vor allem nicht,
daß der Vater dieses Fräulein Gerlach zur Frau nehmen will!
So bleibt nur noch ein Weg. Und diesen Weg muß Lott-
chen selber gehen.
Sie holt das Telefonbuch. Sie blättert mit zittrigen Fin-
gern. „Gerlach“. Es gibt nicht sehr viele Gerlachs. „Ger-
lach, Stefan. Generaldirektor. Koblenzallee 43.“ Vati hat
neulich erzählt, daß Fräulein Gerlachs Vater Restaurants
und Hotels gehören, auch das Hotel „Imperial“, wo sie
täglich zu Mittag essen. „Koblenzallee 43“.
Nachdem Resi erklärt hat, wie man zur Koblenzallee
fahren muß, setzt sich das Kind den Hut auf, zieht den Man-
tel an und sagt: „Ich gehe jetzt weg. “
„Was willst du denn in der Koblenzallee?“ fragt Resi
neugierig.
„Ich muß jemanden sprechen.1 2“
„Komm aber bald wieder!“
Das Kind nickt und macht sich auf den Weg.3
* * *
Ein Stubetimädchen tritt in Irene Gerlachs elegantes Zim-
mer und lächelt. „Ein Kind möchte Sie sprechen, gnädiges
Fräulein. Ein kleines Mädchen.“
Das gnädige Fräulein hat sich gerade die Fingernägel
frisch gelackt. Sie schwenkt die Hände durch die Luft4, damit
der Lack schneller trocknet. „Ein kleines Mädchen?“
„Luise Palfy heißt’s.“
„Ah!“ sagt das gnädige Fräulein. „Führe sie herauf!“
Das Stubenmädchen verschwindet. Die junge Dame erhebt
sich und wirft einen Blick in den Spiegel. Sie ist mit sich
zufrieden.
Als das Kind ins Zimmer tritt, befiehlt Fräulein Gerlach
dem Stubenmädchen: „Mach’ uns Schokolade! Und bringe
1 ihre über alles geliebte Mutti — cbok> MaMy, KOTOpyio ona jiioöht
öojibuie Bcero Ha CBeTe
2 Ich muß jemanden sprechen. — Mne Hy>KHo Koe c KeM neperoBo-
pHTb.
3 Das Kind ... macht sich auf den Weg. — 3d.: PeöeHOK ... yxo/nrr.
4 Sie schwenkt die Hände durch die Luft — Ona paawaxHBaeT py-
K3MH
44
Waffeln!“ Dann wendet sie sich freundlich an ihren Gast:
„Wie nett, daß du mich besuchen kommst! Da sieht man es,
wie unaufmerksam ich bin. Ich hätte dich längst schon ein-
mal einladen sollen!1 Willst du nicht ablegen?“
„Danke“, sagt das Kind. „Ich will nicht lange bleiben.“
„So?“ Irene Gerlach verliert ihre gönnerhafte Miene kei-
neswegs. „Aber zum Hinsetzen wirst du hoffentlich Zeit
haben?1 2“
Das Kind setzt sich auf den Rand eines Stuhles und wen-
det kein Auge von der Dame.
Die Dame findet, daß die Situation allmählich lächerlich
wird. Doch sie beherrscht sich. Es steht immerhin einiges
auf dem Spiel.3 Auf dem Spiel, das sie gewinnen will und
gewinnen wird. „Bist du hier zufällig vorbeigekommen?“
„Nein, ich muß Ihnen etwas sagen!“
Irene Gerlach lächelt bezaubernd. „Ich bin ganz Ohr.4
Was ist es denn?“
Das Kind rutscht vom Stuhl, steht nun mitten im Zimmer
und erklärt: „Vati hat gesagt, daß Sie ihn heiraten wollen.“
„Hat er das wirklich gesagt?“ Fräulein Gerlach lacht auf.
„Hat er nicht vielmehr gesagt, daß er mich heiraten will?
Aber das ist wohl Nebensache. Also: Ja, Luise, dein Papa
und ich, wir wollen uns heiraten. Und du und ich, wir werden
gewiß sehr gut miteinander auskommen. Davon bin ich fest
überzeugt. Du nicht? Paß auf, wenn wir erst einige Zeit zu-
sammenwohnen, werden wir die besten Freundinnen sein.
Wir wollen uns beide Mühe geben.5 Nicht wahr?“
Das Kind weicht zurück und sagt ernst: „Sie dürfen Vati
nicht heiraten!“
„Und warum nicht?“
„Weil Sie es nicht dürfen!“
„Das ist keine sehr befriedigende Erklärung“, meint das
Fräulein scharf. „Du willst mir verbieten, die Frau deines
Vaters zu werden?“
„Ja!“
1 Ich hätte dich längst schon einmal einladen sollen! — H y»<e
AaBHo AOJDKHa 6biJia 6bi npHrjiacwTb tcöh!
2 Aber zum Hinsetzen wirst du hoffentlich Zeit haben? — Ho npH-
cecTb-To y Teöfl Haw/ieTCH BpeMH?
3 Es steht immerhin einiges auf dem Spiel. — Bee >Ke 3/iecb MHoroe
nocTaßjieHO Ha KapTy.
4 Ich bin ganz Ohr. — H cjiyuiaio Teön.
5 Wir wollen uns beide Mühe geben. — Mbi o6e AOJDKHbi npuJiOÄHTb
k 3TOMy cTapaHHe.
45
„Das ist wirklich allerhand!1“ Die junge Dame ist auf-
gebracht. „Ich muß dich bitten, jetzt nach Hause zu gehen.
Ob ich deinem Vater von diesem merkwürdigen Besuch er-
zähle, werde ich mir noch überlegen. Auf Wiedersehen!“
An der Tür wendet sich das Kind noch einmal um und
sagt: „Lassen Sie uns so, wie wir sind! Bitte, bitte...“
Dann ist Fräulein Gerlach allein.
Sie denkt nach. Die Heirat muß man beschleunigen. Und
dann muß man dieses Kind in ein Internat stecken! Sofort!
Hier kann nur die strengste Erziehung noch helfen.
„Was wollen Sie denn?“ Das Stubenmädchen steht mit
einem Tablett da. „Ich bringe die Schokolade und die Waf-
feln. Wo ist denn das kleine Mädchen?“
„Scheren Sie sich zum Teufel!1 2“
* * *
Der Herr Kapellmeister kommt, da er in der Oper diri-
gieren muß, nicht zum Abendbrot. Resi sitzt, wie in solchen
Fällen immer, mit dem Kind am Tisch.
„Du ißt ja heute gar nichts“, bemerkt Resi vorwurfs-
voll. „Was hast du denn?3“
Lotte schüttelt den Kopf und schweigt.
Die Haushälterin ergreift die Kinderhand. „Du hast ja
Fieber! Gleich gehst du ins Bett!“ Dann trägt sie das völlig
apathische Geschöpf ins Kinderzimmer, zieht es aus und
legt es ins Bett.
„Nichts dem Vati erzählen!“ murmelt die Kleine. Ihre
Zähne klappern. Resi türmt Kissen und Decken übereinan-
der.4 Dann rennt sie zum Telefon und ruft den Hofrat Strobl
an.
Der alte Herr verspricht, sofort zu kommen. Er ist genau
so aufgeregt wie die Resi.
Sie ruft in der Staatsoper an. „Gut!“ antwortet man ihr.
„In der Pause werden wir es dem Herrn Kapellmeister aus-
richten.“
Resi rennt wieder ins Schlafzimmer. Das Kind schlägt
um sich und stammelt unverständliche Worte. Die Decken
und Kissen liegen am Boden.
1 Das ist wirklich allerhand! — 3to yx cjihihkom!
2 Scheren Sie sich zum Teufel! — yönpaftTecb k nepry!
3 Was hast du denn? — Uto c toöoü?
4 Resi türmt Kissen und Decken übereinander. — Pesu HaßaJiHBaeT
noflyuiKH n OAestJia.
46
Wenn bloß der Herr Doktor käme!1 Was soll man machen?
Kompressen? Aber was für? Welche? Kalte? Heiße? Nasse?
Trockene?
* * *
In der Pause sitzt der Kapellmeister Palfy in der Gar-
derobe der Sopranistin. Sie trinken einen Schluck Wein und
reden vom Theater. Die Leute vom Theater reden immer vom
Theater. Das ist nun einmal so.1 2 Da klopft es. „Herein!“
Ein Angestellter tritt ein. „Endlich finde ich Sie, Herr
Kapellmeister!“ ruft der alte Mann aufgeregt. „Man hat
uns aus der Rothenturmstraße angerufen. Das Fräulein Toch-
ter ist plötzlich krank geworden. Der Herr Hofrat Strobl
ist schon bei dem Kind.“
Der Herr Kapellmeister sieht blaß aus. „Danke schön“,
sagt er leise. Der Angestellte geht.
„Hoffentlich ist es nichts Schlimmes“, meint die Sän-
gerin. „Hat die Kleine schon die Masern gehabt?“
„Nein“, sagt er und steht auf. „Entschuldige!“ Als sich
die Tür hinter ihm geschlossen hat, rennt er aus allen Kräf-
ten. Wo ist ein Telefon? Er telefoniert: „Hallo, Irene!“
„Ja, Liebling? Ist denn schon Schluß? Ich bin noch nicht
fertig zum Ausgehen.“
Er berichtet hastig, was er eben gehört hat. Dann sagt
er: „Ich fürchte, wir können uns heute nicht sehen!“
„Natürlich nicht. Hoffentlich ist es nichts Schlimmes.
Hat die Kleine schon.die Masern gehabt?“
„Nein“, antwortet er ungeduldig. „Ich rufe dich morgen
früh wieder an.“ Dann legt er den Hörer auf.
Ein Signal ertönt. Die Pause ist zu Ende. Die Oper und
das Leben gehen weiter.
* * *
Endlich ist die Oper aus! Der Kapellsmeister rast in der
Rothenturmstraße die Treppe hinauf.
Resi öffnet ihm. Sie hat noch den Hut auf, weil sie in
der Nachtapotheke war.
Der Hofrat sitzt am Bett.
„Wie geht’s ihr denn?3“ fragt der Vater flüsternd.
1 Wenn bloß der Herr Doktor käme! — Ecjih 6h tojibko npHiueJi
rocnoAHH aoktop!
2 Das ist nun einmal so. —3d.: TaK y>K boahtca.
3 Wie geht’s ihr denn? — KaK ona ceö« qyBCTByeT?
47
„Nicht gut“, antwortet der Hofrat. „Aber Sie können
ruhig laut sprechen. Ich habe ihr eine Spritze gegeben.“
Lottchen liegt im Bett. Ihr Gesicht glüht, sie atmet
schwer. Sie hat das Gesicht verzogen, als tue ihr der künst-
liche Schlaf sehr weh.1
„Masern?“
„Keine .Spur1 2“, brummt der Hofrat.
Resi kommt ins Zimmer und schluchzt leise.
„Nun nehmen Sie endlich den Hut ab!“ sagt der Kapell-
meister nervös.
„Ach ja! Entschuldigen Sie!“ Resi nimmt den Hut ab
und behält ihn in der Hand.
Der Hofrat schaut die beiden fragend an. „Das Kind
macht offenbar eine schwere seelische Krise durch“, meint
er. „Wissen Sie davon? Haben Sie wenigstens eine Vermu-
tung?3“
Resi sagt: „Ich weiß freilich nicht, ob das damit verbun-
den ist, aber ... Heute nachmittag ist sie ausgegangen. Weil
sie jemanden sprechen mußte! Und ehe sie ging, hat sie ge-
fragt, wie sie am besten zur Koblenzallee kommt.“
„Zur Koblenzallee?“ fragt der Hofrat und schaut zu dem
Kapellmeister hin.
Palfy geht rasch zum Apparat und telefoniert. „War
Luise heute nachmittag bei dir?“
„Ja“, sagt eine Frauenstimme. „Aber wieso erzählt sie
dir das?“
Er gibt darauf keine Antwort, sondern fragt weiter: „Und
was wollte sie?“
Fräulein Gerlach lacht ärgerlich. „Sie kann dir das selbst
erzählen!“
„Antworte, bitte!“
Ein Glück, daß sie sein Gesicht nicht sehen kann!
„Sie kam, um mir zu verbieten, deine Frau zu werden!“
erwidert sie gereizt.
Er murmelt etwas und legt den Hörer auf.
„Was fehlt ihr denn?4“ fragt Fräulein Gerlach. Dann
merkt sie, daß das Gespräch getrennt ist. „So ein kleines
1 Sie hat das Gesicht verzogen, als tue ihr der künstliche Schlaf
sehr weh. — JIhu.0 ee HCKaxeHo, KaK Oynro 6u HCKyccTBeHHbifi coh npn-
VHHJieT eil 6ojib.
2 Keine Spur—ad.: Hnvero noÄOÖHoro
3Haben Sie wenigstens eine Vermutung? — Ho bm, no KpaftHeft
Mepe, MTO-HHÖyÄt npeflnojiaraere?
4 Was fehlt ihr denn? — Hto c Heft raKoe?
48
Biest“, sagt sie halblaut, „kämpft mit allen Mitteln! Legt
sich hin und spielt krank.1“
* * *
Der Hofrat verabschiedet sich und gibt noch einige An-
weisungen. Der Kapellmeister hält ihn an der Tür zurück.
„Was fehlt dem Kind?“
„Nervenfieber. Ich komme morgen früh wieder. Gute
Nacht wünsche ich.“
Der Kapellmeister geht ins Kinderzimmer, setzt sich
neben das Bett und sagt zu Resi: „Ich brauche Sie nicht mehr.
Schlafen Sie gut!“
„Aber es ist doch besser...“
Er schaut sie an.
Sie geht. Sie hat den Hut noch immer in der Hand.
Er streichelt das kleine, heiße Gesicht. Das Kind er-
schrickt im Fieberschlaf und wirft sich wild zur Seite.
Der Vater sieht sich im Zimmer um. Der Schulranzen liegt
fertiggepackt1 2 auf dem Pult. Daneben sitzt Christi, die Puppe.
Er steht leise auf, holt die Puppe, löscht das Licht aus
und setzt sich wieder ans Bett.
Nun sitzt er im Dunkeln und streichelt die Puppe, als
wäre sie das Kind3. Ein Kind, das vor seiner Hand nicht
erschrickt.
Neuntes Kapitel
Der Chefredakteur der illustrierten Zeitschrift, Herr Ber-
nau, stöhnt laut. „Schwere Zeit, meine Liebe! Wo sollen wir
ein aktuelles Titelbild hernehmen?“
Frau Körner, die an seinem Schreibtisch steht, sagt:
„Man hat uns Fotos von der neuen Meisterin im Brustschwim-
men geschickt.“
„Ist sie hübsch?“
Die junge Frau lächelt. „Fürs Schwimmen reicht es!4“
Herr Bernau kramt auf dem Tisch. „Ich habe neulich von
einem Dorffotografen mehrere Fotos gekriegt. Zwillinge wa-
ren darauf!“ Er wühlt zwischen Mappen und Zeitungen.
1 Legt sich hin und spielt krank. — «JIojkhtch b nocrejib h npHKH-
ÄMBaeTCH ÖOJIbHOH.
2 fertiggepackt — 3d.: c KHHraMH h TeTpa^HMH
3 als wäre sie das Kind — KaK öy/pro 6h bto 6hji peöenoK
4 Fürs Schwimmen reicht es! —3d.: Rjih Macrepa cnopTa no njia-
BaHHK) Bnojine xopouia!
49
„Zwei reizende kleine Mädchen! Zum Schiefen ähnlich!1 He,
wo seid ihr denn, ihr kleinen Mädchen? So etwas gefällt dem
Publikum immer. Eine nette Unterschrift dazu. Wenn wir
schon nichts Aktuelles für das Titelbild finden können, dann
sollen es eben diese hübschen Zwillinge sein!1 2 Na endlich!“
Er hat das Kuvert mit den Fotos entdeckt, schaut die Bilder
an und nickt zufrieden. Dann reicht er Frau Körner die
Fotos.
Nach einiger Zeit blickt er schließlich hoch, weil seine
Mitarbeiterin nichts sagt. „Nanu!“ ruft er. „Körner! Was
ist mit Ihnen? Vielleicht ist Ihnen schlecht geworden?“
„Ein bißchen, Herr Bernau!“ Ihre Stimme schwankt.
„Es geht schon wieder.3“ Sie starrt auf die Fotos. Sie liest
die Absenderanschrift: „Josef Kramer, Fotograf, Seebühl
am See.“
In ihrem Kopf dreht sich alles.
„Vielleicht sollten wir das Foto doch nicht bringen4“,
sagt sie.
„Und warum nicht, hochgeschätzte Kollegin?“
„Ich denke, die Aufnahmen sind nicht echt.“
„Zusammenkopiert, was?5“ Herr Bernau lacht. „Da tun
Sie dem Herrn Kramer zu viel Ehre an.6 So geschickt ist er
nicht. Also, rasch ans Werk! Dichten Sie eine nette Unter-
schrift bis morgen.“ Er nickt und beugt sich über neue Arbeit.
Sie tastet sich hinüber in ihr Zimmer7, sinkt in ihren
Sessel, legt die Fotos vor sich hin und preßt die Hände an
die Schläfen.
Die Gedanken fahren in ihrem Kopfe Karussell.8 Ihre bei-
den Kinder! Das Kinderheim! Die Ferien! Natürlich! Aber,
warum hat Lottchen nichts davon erzählt? Warum hat Lott-
chen die Bilder nicht mitgebracht? Oh, die beiden haben ent-
deckt, daß sie Geschwister sind! Und dann haben sie be-
1 Zum Schießen ähnlich! — IlopasHTeAbuo noxowne!
2 Wenn wir schon nichts Aktuelles für das Titelbild finden können,
dann sollen es eben diese hübschen Zwillinge sein! — Ecjih yw mm He
CMOMeM HaÜTH HHHero aKTyaJibHoro aah oöjiowkh, to yw nycrb Gyayr
3TH XOpOIIieHbKHe (.aeBOMKH) 6jIH3HeU.M!
3 Es geht schon wieder. — Mne ywe jiyMme.
4 Vielleicht sollten wir das Foto doch nicht bringen. — Mower ömth,
HaM He cjieÄyeT Bce-raKH noMemaTb 4>oTorpa<j)HK>
8 Zusammenkopiert, was? — OororpatjiHMecKHü TpioK, Aa?
6 Da tun Sie dem Herrn Kramer zu viel Ehre an. — Bm OKa3MBaere
rocnoflHHy KpaMepy cjihuikom mhofo Meern.
’ Sie tastet sich hinüber in ihr Zimmer — Ona omynbio AoOnpaercn
Ao CBoefi KOMHaru
8 Die Gedanken fahren ... Karussell. —3d.: Mhcjih nyraioTCH ...
50
schlossen, nichts darüber zu sagen. Mein Gott, wie sie einan-
der ähnlich sind! Nicht einmal das vielgepriesene Mutter-
auge... Oh, ihr meine beiden, beiden Lieblinge!
Über ihr Gesicht strömen Tränen, Tränen des Glücks und
Tränen des Schmerzes. Wie gut, daß Herr Bernau in diesem
Augenblick den Kopf nicht durch die Tür steckt.
Frau Körner reißt sich zusammen.1 Gerade jetzt heißt
es, den Kopf oben zu behalten1 2. Was soll geschehen? Was
wird, was muß geschehen? ,Ich werde mit Lottchen reden!*
denkt sie.
Eiskalt durchfährt es die Mutter!3 Ein Gedanke schüt-
telt wie eine unsichtbare Hand ihren Körper hin und her:
Ist es denn Lotte, mit der sie sprechen will?
* * *
Frau Körner hat Fräulein Linnekogel, die Lehrerin, in
der Wohnung aufgesucht.
„Das ist eine mehr als merkwürdige Frage, die Sie an
mich stellen“, sagt Fräulein Linnekogel. „Ob ich für möglich
halte4, daß Ihre Tochter nicht Ihre Tochter, sondern ein
anderes Mädchen ist? Erlauben Sie, aber...“
„Nein, ich bin nicht verrückt“, sagt Frau Körner und
legt eine Fotografie auf den Tisch.
Fräulein Linnekogel schaut das Bild an. Dann die Besu-
cherin. Dann wieder das Bild.
„Ich habe zwei Töchter“, sagt die Besucherin leise. „Die
zweite lebt bei meinem ehemaligen Mann in Wien. Das Bild
kam mir vor einigen Stunden durch einen Zufall in die Hände.
Ich wußte nicht, daß sich die Kinder in den Ferien begegnet
sind.“
Fräulein Linnekogel macht den Mund auf und zu wie ein
Karpfen auf dem Ladentisch. Kopfschüttelnd schiebt sie die
Fotografie von sich weg. Endlich fragt sie: „Und die beiden
haben bis dahin5 nichts voneinander gewußt?“
Die junge Frau schüttelt den Kopf. „Nein. Mein Mann
und ich haben es damals so beschlossen. Wir dachten, daß
es so am besten ist.“
1 Frau Korner reißt sich zusammen. — Opay Kepnep öepeT ceön
b pyKH.
2 den Kopf oben zu behalten — ne TepnTb tojiobli
3 Eiskalt durchfährt es die Mutter! — Ee (MaTb) öpocaeT b Apo>Kb!
4 06 ich für möglich halte — AonycKaio Jin n Mbicjib
5 bis dahin — j\o 3Toro
51
„Und auch Sie haben von Ihrem Mann und Ihrem anderen
Kind nie wieder gehört?“
„Nie.“
„Hat er wieder geheiratet?“
„Ich weiß es nicht. Ich glaube kaum. Er meinte, daß er
sich nicht fürs Familienleben eignet.“
„So eine Geschichte“, sagt die Lehrerin. „Sind die Kinder
wirklich auf die Idee gekommen, einander auszutauschen?
Wenn ich an Lottchens charakteristische Wandlung denke...
Und dann die Schrift, Frau Körner, die Schrift! Das erklärt
manches.“
Die Mutter nickt und schaut starr vor sich hin.
„Nehmen Sie mir meine Offenheit nicht übel1“, meint
Fräulein Linnekogel. „Ich war nie verheiratet, ich bin Er-
zieherin und habe keine eigenen Kinder, aber ich meine
immer: Die verheirateten Frauen nehmen ihre Männer zu
wichtig?1 2 3 Dabei ist nur eines wichtig: das Glück der Kin-
der!“
Frau Körner lächelt schmerzlich. „Glauben Sie, daß meine
Kinder glücklicher geworden wären, wenn ihre Eltern sich
nicht getrennt hätten8?“
Fräulein Linnekogel sagt nachdenklich: „Ich mache Ihnen
keinen Vorwurf. Sie sind noch heute sehr jung. Sie waren,
als Sie heirateten, fast ein Kind. Sie werden Ihr Leben lang
jünger sein, als ich jemals gewesen bin. Was für den einen
richtig wäre4 *, kann für den anderen falsch sein.“
Frau Körner steht auf.
„Und was werden Sie tun?“ meint die Lehrerin.
„Wenn ich das wüßte!8“ sagt die junge Frau.
♦ * *
Luise steht vor einem Münchner Postschalter. „Nein“,
sagt der Beamte für die postlagernden Sendungen6 *. „Nein,
Fräulein Vergißmeinnicht, heute ist wieder nichts für Sie.“
1 Nehmen Sie mir meine Offenheit nicht übel — He oömKaÄTecb
H3 MeHfl 33 OTKpOBeHHOCTb
2 Die verheirateten Frauen nehmen ihre Männer zu wichtig! — 3a-
My»HHe HteHmHHbl CJIHUIKOM HOCHTCH CO CBOHMH My»bHMH!
3 daß meine Kinder glücklicher geworden frären, wenn ihre Eltern
sich nicht getrennt hätten — uto moh a^th ömjih 6m cnacTJiHBbie, ecjiH 6m
HX pO^HTeJIH He pa3OIHJIHCb
4 Was für den einen richtig wäre — Hto ömjio 6m npaBHjibHMM
AJiH OÄHoro
8 Wenn ich das wüßte! — Eohh 6h h Morjia sto 3HaTb!
6 der Beamte für die postlagernden Sendungen — (Miy>KamHH, bh-
AaioiUHH nncbMa ao BoerpeöoBaHHH
52
Luise blickt ihn unschlüssig an. „Was kann das nur be-
deuten?“ murmelt sie bedrückt.
Der Beamte versucht zu scherzen. „Vielleicht ist aus dem
Vergißmeinnicht ein .Vergißmich* geworden?1“
„Das kann nicht sein“, sagt sie. „Ich frage morgen wie-
der nach.“
„Bitte sehr“, erwidert er lächelnd.
* * *
Frau Körner kommt nach Hause. Brennende Neugier und
kalte Angst streiten in ihrem Herzen, daß es ihr fast den Atem
nimmt1 2.
Das Kind ist in der Küche. Topfdeckel klappern.
„Heute riecht’s aber gut!“ sagt die Mutter. „Was gibt’s
denn?“
„Schweinebraten mit Sauerkraut und Kartoffeln“, ruft
die Tochter stolz.
„Wie schnell du das Kochen gelernt hastl“ sagt die Mut-
ter, scheinbar ganz harmlos3.
„Nicht wahr?“ antwortet die Kleine fröhlich. „Ich hätte
nie gedacht4 *, daß ich ..." Sie bricht entsetzt ab und beißt
sich auf die Lippen. Jetzt nur die Mutter nicht ansehen!
Die Mutter lehnt sich an die Tür und ist bleich. Bleich
wie die Wand.
Das Kind steht am offenen Küchenschrank und nimmt Ge-
schirr heraus. Die Teller klappern wie bei einem Erdbeben.
Da öffnet die Mutter mühsam den Mund und sagt: „Lui-
se!“
Krach!
Die Teller liegen in Scherben auf dem Boden.6 Luise dreht
sich um. Ihre Augen sind vor Schreck geweitet.
„Luise!“ wiederholt die Frau sanft und öffnet die Arme
weit6.
„Mutter!“
Das Kind hängt der Mutter am Halse und schluchzt lei-
denschaftlich.
1 ... ist aus dem Vergißmeinnicht ein ,Vergißmich* geworden? —
3d.: H3 neaaßyÄKH ciajia «3a6yAKa»?
2 daß es ihr fast den Atem nimmt — mto ona ayrt ah ne sajitixaeTca
3 scheinbar ganz harmlos — BHeume coßepiueHHo cnoKofino
4 Ich hätte nie gedacht — H HHKor.ua He AyMajia
8 Die Teller liegen in Scherben auf dem Boden. — Ha noJiy Jie>KaT
TapeJiKH, paaÖHTHe BApeCearn.
• ... öffnet die Arme weit — ... rnnpoKo pacKpusaeT oÖihthh
53
Die Mutter sinkt in die Knie1 und streichelt Luise mit
zitternden Händen. „Mein Kind, mein liebes Kind!“
Sie knien zwischen zerbrochenen Tellern. Auf dem Herd
brennt der Schweinebraten an. Wasser läuft zischend1 2 aus
den Töpfen in die Gastflammen.
Die Frau und das kleine Mädchen merken von alledem
nichts.
* * *
Stunden sind vergangen. Luise hat geredet, und die Mut-
ter ihr zugehört. Es war eine lange, wortreiche Geschichte,
und es war eine kurze, wortlose Freisprechung — ein Blick,
ein Kuß, mehr war nicht nötig.
Jetzt sitzen sie auf dem Sofa. Das Kind hat sich eng,
ganz eng an die Mutter geschmiegt. Ach, ist das schön, end-
lich darf man die Wahrheit sagen!
So leicht ist einem zumute!3 Man muß sich an der Mutter
festklammern, damit man nicht plötzlich davonfliegt!
„Ihr seid zwei schlaue kleine Mädchen!“ meint die Mut-
ter.
Luise kichert vor lauter Stolz.4 (Ein Geheimnis hat sie
allerdings immer noch nicht verraten: daß es da in Wien,
wie Lotte ängstlich geschrieben hat, neuerdings ein gewisses
Fräulein Gerlach gibt!5
Die Mutter seufzt.
Luise schaut sie besorgt an.
„Nun ja“, sagt die Mutter. „Aber was soll jetzt werden?
Können wir tun, als sei nichts geschehen?6“
Luise schüttelt entschieden den Kopf. „Lottchen sehnt
sich sicher sehr nach dir. Und du sehnst dich doch auch nach
ihr, nicht wahr, Mutti?“
Die Mutter nickt.
„Und ich ja auch“, gesteht das Kind. „Nach Lottchen
und...“
„Und nach deinem Vater?“
1 Die Mutter sinkt in die Knie — MaTb onycKaeTcn na KOJienn
2 zischend — rnnnn
3 So leicht ist einem zumute! — KaK cTajio JierKo na Ayuie!
4 Luise kichert vor lauter Stolz. — 3d.: Jlynaa yKpaßKon nocMen-
BaeTcn ot cHacTbfl
6 daß es ... neuerdings ein gewisses Fräulein Gerlach gibt — hto
...c ne/iaBHero BpeMenn noHBHjiacb neKaa (ppcftJienH TepJiax
6 Können wir tun, als sei nichts geschehen? — Mo>KeM jih mu oc-
TdBHTb BCe T3K, K3K ÖyATO 6bl HHUCrO He npOH3OIUJIO?
54
Luise nickt. Eifrig und schüchtern zugleich. „Und wenn
ich nur wüßte1, warum Lottchen nicht mehr schreibt?“
„Ja“, murmelt die Mutter. „Ich bin recht in Sorge.1 2“
Zehntes Kapitel
Lottchen liegt apathisch im Bett. Sie schläft. Sie schläft
viel. „Schwäche“, hat Hofrat Strobl heute mittag gesagt.
Der Herr Kapellmeister sitzt am Kinderbett und blickt
ernst auf das kleine, schmale Gesicht hinunter. Er kommt
seit mehreren Tagen nicht mehr aus dem Zimmer. In der
Oper vertritt ihn ein anderer Dirigent. Man hat im Zimmer für
ihn ein zweites Bett aufgestellt. Nebenan läutet das Telefon.
Resi kommt auf Zehenspitzen3 ins Zimmer. „Ein Fern-
gespräch aus München!4“ flüstert sie.
Er steht leise auf und befiehlt ihr, bei dem Kind zu blei-
ben. Dann schleicht er ins Nebenzimmer. München? Wer
kann das sein? Wahrscheinlich die Konzertdirektion. Ach,
sie sollen ihn gefälligst in Ruhe lassen5 6!
Er nimmt den Hörer und meldet sich „Hier Palfy!“
„Hier Körner!“ ruft eine Frauenstimme aus München.
„Was?“ fragt er verblüfft. „Wer? Luiselotte?“
„Ja!“ sagt die ferne Stimme. „Entschuldige, daß ich
dich anrufe. Doch ich bin wegen des Kindes in Sorge®. Ich
hoffe, es IsT nicht krank?“
„Doch.“ Er spricht leise. „Es ist krank!“
„Oh!“ Die ferne Stimme klingt sehr erschrocken.
Herr Palfy runzelt die Stirn: „Aber ich verstehe nicht,
wieso du...“
„Wir hatten so eine Ahnung7, ich und ... Luise!“
„Luise?“ Er lacht nervös. Dann lauscht er verwirrt und
schüttelt den Kopf. Fährt sich aufgeregt durchs Haar.8
Die ferne Frauenstimme berichtet hastig, was man in
solch einer Hast sagen kann.
1 Und wenn ich nur wüßte! — H ecjm 6h a ro/ibKo 3Hanal
2 Ich bin recht in Sorge. — $1 onenb oöecnoKoena.
3 auf Zehenspitzen — Ha uunouKax
4 Ein Ferngespräch aus München! — Bac BH3HBaer MioHxeH!
5 sie sollen ihn gefälligst in Ruhe lassen! — 3d.: Xotb 6h ohh He
ßecnoKOMH ero ceiinac!
6 ... ich bin wegen des Kindes in Sorge — ... h öecnoKOiocb 3a pe-
öeHKa
7 Wir hatten so eine Ahnung — y Hac 6n.no raxoe npeflnyBCTOHe
8 Fährt sich aufgeregt durchs Haar. — (Oh) b3bO4hob3hho npoßo-
äht pyKoii no BOJiocaM.
55
„Sprechen Sie noch?“ erkundigt sich das Fräulein vom
Amt1.
„Ja, zum Donnerwetter!1 2“ Der Kapellmeister schreit es.
Man kann sich seinen Zustand einigermaßen vorstellen.
„Was fehlt denn dem Kind?3“ fragt die besorgte Stimme
seiner geschiedenen Frau.
„Nervenfieber“, antwortet er. „Die Krise ist vorbei, sagt
der Arzt, aber die körperliche und seelische Erschöpfung
sind sehr groß.“
„Ein tüchtiger Arzt?“
„Aber gewiß! Hofrat Strobl. Er kennt Luise schon von
klein auf4 *. Ach, entschuldige, es ist ja Lotte! Er kennt
sie also nicht!“ Er seufzt.
Drüben in München seufzt eine Frau. Zwei Erwachsene
sind ratlos. Ihre Zungen sind gelähmt. Und ihre Gehirne,
scheint es, ihre Gehirne auch.
In dieses gefährliche Schweigen hinein klingt eine wilde
Kinderstimme. „Vati! Lieber, lieber Vati!“ schallt es aus der
Ferne. „Hier ist Luise! Vati, sollen wir nach Wien kommen?
Ganz schnell?“
Das erlösende Wort8 ist gesprochen. Die eisige Beklem-
mung der Beiden Erwachsenen schmilzt. „Mein Liebling!
Guten Tag!“ ruft der Vater. „Das ist ein guter Gedanke!“
„Nicht wahr?“ Das Kind lacht glücklich.
„Wann könnt ihr denn hier sein?“ fragt er.
Nun ertönt wieder die Stimme der jungen Frau. „Ich
werde mich gleich erkundigen, wann morgen früh der erste
Zug fährt.“
„Nehmt doch ein Flugzeug!“ schreit er. „Dann seid ihr
schneller hier!“ — ,Wie kann ich nur so schreien!* denkt er.
,Das Kind soll doch schlafen!*
Als er ins Kinderzimmer zurückkommt, steht Resi von
ihrem Platz am Bett auf und will Weggehen.
„Resi!“ flüstert er.
Sie bleiben beide stehen.
„Morgen kommt meine Frau.“
„Ihre Frau?“
„Pst!6 Nicht so laut! Meine ehemalige Frau! Lottchens
Mutter!“
1 das Fräulein vom Amt — TeJie4>ouucTKa
2 Ja, zum Donnerwetteri—Jfa, vepT bo3bmh!
3 Was fehlt denn dem Kind? — Hto c peßeHKOM?
4 von klein auf — c Majibix jict
6 Das erlösende Wort — CnacwreJibHoe cjiobo
8 Pstl — Turne!
56
„Lottchens?“
Er winkt lächelnd ab.1 Woher soll sie’s denn wissen?
„Luise kommt auch mit!“
„Wieso? Da liegt sie doch, die Luise!“
Er schüttelt den Kopf. „Nein, das ist der Zwilling.“
„Zwilling?“ Die Familienverhältnisse des Herrn Kapell-
meisters wachsen der armen Frau über den Kopf.1 2
„Sorgen Sie dafür, daß wir etwas zu essen haben! Über
andere Fragen sprechen wir noch.“
Der Vater betrachtet das schlafende Kind. Er trocknet
ihm die feuchte Stirn mit einem Tuch ab.
Das ist nun also die andere kleine Tochter! Sein Lott-
chen! Welche Tapferkeit und welche Willenskraft erfüllten
dieses Kind, bevor Krankheit und Verzweiflung es nieder-
warfen3! Vom Vater hat es diesen Heldenmut wohl nicht.
Von wem?
Von der Mutter?
Wieder läutet das Telefon.
Resi steckt den Kopf ins Zimmer. „Fräulein Gerlach!“
Herr Palfy schüttelt den Kopf, ohne sich umzuwenden.
* * *
Frau Körner erhält vom Herrn Bernau wegen „dringender
Familienangelegenheiten“4 5 Urlaub. Sie telefoniert mit dem
Flugplatz und bekommt für morgen früh zwei Flugplätze.
Dann packt sie einen Koffer. Sie nimmt nur das Notwendigste
mit.
Die Nacht scheint endlos.6 Aber auch Nächte, die endlos
scheinen, vergehen.
* * *
Als am nächsten Morgen der Herr Hofrat Strobl, von Pe-
perl begleitet, vor dem Haus in der Rothenturmstraße an-
kommt, fährt gerade ein Taxi vor.
Ein kleines Mädchen steigt aus dem Auto — und schon
springt Peperl wie besessen an dem Kind hoch6. Er bellt, er
dreht sich wie ein Kreisel, er springt wieder hoch.
1 Er winkt lächelnd ab. — Y^bidancb, oh MameT pyKofi.
2 ... wachsen der armen Frau über den Kopf — 3d,: rojioßa y öejiHOH
>KeHmHHbi njjeT KpyroM ot ...
3 bevor Krankheit und Verzweiflung es niederwarfen — nona 6o-
jie3Hb h oTHaflHHe He cjiomhjih ero (peöeHKa)
4 wegen „dringender Familienangelegenheiten“ — no ceMeÜHbiM jje-
jiaM, ne TepnamHM oTJiaraTeJibCTBa
5 Die Nacht scheint endlos. — KanteTcn, hto hohh ne öyjieT Konna.
• ... springt Peperl wie besessen andern Kind hoch — ... IlenepJib
npbiraeT, KaK ojiepJKFMbiH, BOKpyr peöeHKa
57
„Guten Tag, Peperl! Guten Tag, Herr Hofrat!“
Der Herr Hofrat vergißt vor Verwunderung, den Gruß zu
erwidern. Plötzlich läuft er auf das Kind zu und schreit:
„Bist du denn völlig verrückt? Marsch ins Bett!“
Luise und der Hund sausen ins Haustor.
Eine junge Dame steigt aus dem Auto.
„Das Kind kann sich ja den Tod holen!1“ schreit der
Herr Hofrat empört.
„Es ist nicht das Kind, das Sie meinen“, sagt die junge
Dame freundlich. „Es ist die Schwester.“
* * *
Resi öffnet die Korridortür. Draußen steht Peperl mit
einem Kind.
„Guten Tag, Resi!“ ruft das Kind und stürzt mit dem
Hund ins Kinderzimmer.
Die Haushälterin steht wie angewurzelt da und schlägt
ein Kreuz.1 2
Dann kommt der alte Hofrat die Stufen empor. Er kommt
mit einer bildhübschen Frau, die einen Reisekoffer trägt.
„Wie geht es Lottchen?“ fragt die junge Dame hastig.
„Etwas besser, glaub’ ich“, meint die Resi. „Darf ich
Ihnen den Weg zeigen?“
„Danke, ich kenne den Weg!“ Und schon ist die Fremde
im Kinderzimmer verschwunden.
„Mutti!“ flüstert Lotte. Sie kann ihre Augen von der
Mutter nicht abwenden. Die junge Frau streichelt wortlos
die heiße Kinderhand. Sie kniet am Bett nieder und nimmt
das zitternde Geschöpf in die Arme.
Luise schaut blitzschnell zum Vater hinüber, der am
Fenster steht. Dann tritt sie an Lottchens Bett, klopft die
Kissen3, wendet sie um. Jetzt ist sie die kleine Hausfrau.
Sie hat’s ja inzwischen gelernt!
Der Herr Kapellmeister mustert die drei mit einem ver-
stohlenen Seitenblick.4 Die Mutter mit ihren Kindern. Seine
Kinder sind es ja natürlich auch! Und die junge Mutter war
vor Jahren sogar einmal seine Frau! Versunkene Tage5, ver-
1 Das Kind kann sich ja den Tod holen! — 3d,: PeöenoK Mo>KeT
CMepTeJibHo aaöojieTb!
2 Die Haushälterin steht wie angewurzelt da und schlägt ein Kreuz.
— 3K0H0MK3 CTOHT K3K BK0HaHH3H H KpeCTHTCfl.
3 klopft die Kissen — B3ÖHBaeT no/iyuiKH
4 Der Herr Kappeilmeister mustert die drei mit einem verstohlenen
Seitenblick. — Tochoahh Kane^bMekcTep yKpa/iKofi norjiH/jtiBaeT 3a
HHMH.
5 Versunkene Tage — yiiie/umie ahh
58
gessene Stunden tauchen vor ihm auf. Lang, lang ist’s her.1
Peperl liegt wie vom Donner gerührt1 2 am Fußende des
Bettes und blickt immer wieder von dem einen kleinen Mäd-
chen zum anderen. Da klopft es.
Die vier Menschen im Zimmer erwachen wie aus einem
seltsamen Schlaf. Der Herr Hofrat tritt ein. Am Bett macht
er halt. „Wie geht’s dem Patienten?“
„Gu-ut“, sagt Lottchen und lächelt müde.
„Haben wir heute endlich Appetit?“ brummt er.
„Wenn Mutti kocht“, flüstert Lottchen.
Mutti nickt und geht ans Fenster. „Entschuldige, Ludwig,
daß ich dir erst jetzt guten Tag sage!“
Der Kapellmeister drückt ihr die Hand. „Ich danke dir
vielmals, daß du gekommen bist.“
„Aber ich bitte dich!3 Das war doch selbstverständlich!
Das Kind...“
„Freilich, das Kind“, erwidert er. „Trotzdem!“
„Du siehst aus, als hättest du seit Tagen nicht geschla-
fen4“, meint sie.
„Ich werde es nachholen. Ich hatte Angst um ... um das
Kind!“
„Es wird bald wieder gesund sein“, sagt die junge Frau.
„Ich fühle es.“
Am Bett wispern die Kinder. Luise beugt sich dicht an
Lottchens Ohr. „Mutti weiß nichts von Fräulein Gerlach.
Wir dürfen’s ihr auch nie sagen!“ Lottchen nickt ängstlich.
Der Herr Hofrat kann das Gespräch nicht hören, weil er
das Thermometer prüft.
„Die Temperatur ist fast normal,“ sagt er. „Du bist überm
Berg!5 6 Herzlichen Glückswunsch, Luise!“
„Danke schön, Herr Hofrat“, antwortet die richtige
Luise.
„Oder meinen Sie mich?®“ fragt Lottchen und lacht vor-
sichtig. Der Kopf tut dabei noch weh.
„Ihr seid mir ein Paar Intriganten!“ knurrt er. „Sogar
meinen Peperl habt ihr an der Nase herumgeführt!7“ Er
1 Lang, lang ist’s her. — 3to 6hjio TaK a3bho.
2 wie vom Donner gerührt — cjiobho nopaweHHbiH rpoMOM
3 Aber ich bitte dich!—3d.: noMHjiyii.: noMHJiyfi!
4 als hättest du seit Tagen nicht geschlafen — KaK öy/rro 6h th
He.cnaji hcckojibko hohch
5 Du bist überm Berg! — Th cnacena!
6 Oder meinen Sie mich? — Momct 6htb, bh HMeere b Bit/iy Mena?
7 Sogar meinen Peperl habt ihr an der Nase herumgeführt! — Äa/Ke
Moero IlenepjiH npoBejm bh!
59
hustet energisch, steht auf und sagt: „Komm, Peperl, reiß
dich von den beiden Mädchen los!“
Peperl wedelt mit dem Schwanz. Dann schmiegt er sich
an den Hofrat, der soeben dem Herrn Kapellmeister Palfy
erklärt: „Eine Mutter, das ist eine Medizin! Die kann man
nicht in der Apotheke holen!“ Er wendet sich an die junge
Frau: „Werden Sie solange bleiben können, bis Luise — Ver-
zeihung! — bis Lottchen wieder völlig gesund ist?“
„Wahrscheinlich, Herr Hofrat, und ich möchte es auch.“
„Na, also“, meint der alte Herr. „Der Herr Exgemahl
wird sich damit schon abfinden.1“
Palfy öffnet den Mund.
„Lassen Sie nur“, sagt der Hofrat spöttisch. „Das Künst-
lerherz wird Ihnen natürlich bluten.1 2 Soviel Leute in der
Wohnung! Aber nur Geduld, bald werden Sie wieder ganz
allein sein.“
Er hat’s heute in sich3, der Hofrat! Die Tür öffnet er so
rasch, daß Resi, die draußen horcht, am Kopf eine Beule
kriegt4 *.
„Mit einem sauberen Messer drücken!6“ empfiehlt er.
„Ist schon gut. Der Ratschlag kostet nichts“, antwortet
Resi.
* * *
Der Abend hat sich auf die Erde herabgesenkt. In Wien
wie anderswo auch. Im Kinderzimmer ist es still. Luise
schläft. Lotte schläft auch.
Frau Körner und der Kapellmeister haben bis vor wenigen
Minuten im Wohnzimmer gesessen. Sie haben manches be-
sprochen, und sie haben noch mehr „beschwiegen“. Dann ist
Palfy aufgestanden und hat gesagt: „So! Nun muß ich ge-
hen!“ Dabei ist er sich etwas komisch erschienen. Er flieht
ja aus der eigenen Wohnung!
Sie bringt ihn bis zur Korridortür.
Er zögert. „Wenn es wieder schlimmer wird — ich bin
im Atelier.“
1 Der Herr Exgemahl wird sich damit schon abfinden. — Focno-
ähh öbiBinHH cynpyr BbiHyameH öy/ieT npHMHpHTbca c sthm.
2 Das Künstlerherz wird Ihnen natürlich bluten. — Barne apTHCTH-
necKoe cepÄixe, kohchho, oöoJibeTC» KpoBbio.
3 Er hat’s heute in sich. — Oh ceroAHH b y/iape.
4 daß Resi ... am Kopf eine Beule kriegt — hto y Pe3H ... Ha tojio-
Be 3CK3KHBaeT niHmKa
6 Mit einem sauberen Messer drücken! — npHjiojKH hhcthh hojk!
60
„Mach dir keine Sorgen!“ sagt sie zuversichtlich. „Vergiß
lieber nicht, daß du viel Schlaf nachzuholen hast1.“
Er nickt. „Gute Nacht!“
„Gute Nacht!“
Während er langsam die Treppe hinabsteigt, ruft sie
leise: „Ludwig!“ Er dreht sich fragend um.
„Kommst du morgen zum Frühstück?“
„Ich komme!“
Als sie die Tür verschlossen und die Kette vorgehängt
hat, bleibt sie noch eine Weile1 2 stehen. Er ist älter geworden.
Fast sieht er schon wie ein richtiger Mann aus, ihr ehemaliger
Mann.
Dann wirft sie den Kopf zurück und geht, den Schlaf
ihrer und seiner Kinder mütterlich zu bewachen3.
* * *
Eine Stunde später steigt, vor einem Haus in der Kärt-
nerstraße, eine junge, elegante Dame aus einem Auto. Sie
spricht mit dem mürrischen Portier.
„Der Herr Kapellmeister?“ brummt er. „Ich weiß nicht,
ob er im Atelier ist.“
„Im Atelier ist aber Licht“, sagt sie. „Also ist er da!
Hier!4 *“ Sie drückt ihm Geld in die Hand und eilt, an ihm
vorbei, zur Treppe.
Er betrachtet den Geldschein und geht in seine Wohnung
zurück.
„Du?“ fragt Ludwig Palfy oben an der Tür.
„Erraten!6“ bemerkt Irene Gerlach böse und tritt ins
Atelier. Sie setzt sich, zündet sich eine Zigarette an und
betrachtet den Mann prüfend. Er sagt nichts.
„Warum kommst du nicht zum Telefon?“ fragt sie. „Fin-
dest du das sehr geschmackvoll?“
„Ich war nicht fähig, mit dir zu sprechen. Mir war nicht
danach zumute.® Das Kind war schwer krank.“
„Aber jetzt geht es ihm wohl besser. Sonst wärst du doch
in der Rothenturmstraße.7“
1 daß du viel Schlaf nachzuholen hast — wo Teöe ny>KHo xopo-
meubKo oTocnaibca
2 eine Weile — HeKoTopoe BpeMH
3 den Schlaf ihrer und seiner Kinder mütterlich zu bewachen —
ad.'. no-MarepuHCKH oxpamiTb coh ee h ero Aerefi
4 Hier! — BotI
6 Erratenl — YraASJil
6 Mir war nicht danach zumute. — Mue 6bUio He ao stoco.
7 Sonst wärst du doch in der Rotenturmstraße. — Unave th 6ha
6bi Ha PoTeHTypMUiTpace.
61
Er nickt. „Ja, es geht ihm besser. Außerdem ist meine
Frau dort.“
„Wer?“
„Meine Frau. Meine ehemalige Frau. Sie kam heute mor-
gen mit dem anderen Kind.“
„Mit dem anderen Kind?“ fragt die junge, elegante Frau.
„Ja, es sind Zwillinge. Erst war Luise bei mir. Seit Fe-
rienschluß dann das andere Mädchen. Doch das hab’ ich
gar nicht bemerkt. Ich weiß es erst seit gestern.“
Die Dame lacht böse. „Deine Geschiedene hat das listig
organisiert.“
„Sie weiß es auch erst seit gestern“, sagt er ungeduldig.
Irene Gerlach verzieht ironisch die Lippen. „Die Situa-
tion ist pikant, nicht wahr? In der einen Wohnung sitzt eine
Frau, mit der du nicht mehr verheiratet bist, und in der
anderen Wohnung — eine Frau, mit der du noch nicht ver-
heiratet bist.“
Ihn packt der Ärger.1 „Es gibt viel mehr Wohnungen,
wo Frauen sitzen, mit denen ich noch nicht verheiratet bin!“
„Ohl“ Sie erhebt sich. „Witzig kannst du auch sein?“
„Entschuldige, Irene, ich bin nervös!“
„Entschuldige, Ludwig, ich auch!“
Bums! Die Tür ist zu, und Fräulein Gerlach ist gegangen.
Nachdem Herr Palfy einige Zeit auf die Tür gestarrt hat1 2,
wandert er zum Flügel, blättert die Noten zu seiner Kinder-
oper durch und setzt sich vor die Tasten.
Eine Weile spielt er vom Blatt. Dann moduliert er. Und
langsam, ganz langsam entsteht eine neue Melodie. Eine
Melodie, so einfach und herzgewinnend!
Elftes Kapitel
Die Zeit, die, wie man weiß, Wunden heilt, heilt auch
Krankheiten. Lottchen ist wieder gesund. Sie trägt auch
wieder ihre Zopfe und Zopfschleifen. Und Luise hat wie einst
ihre Locken, und sie schüttelt sie nach Herzenslust3.
Sie helfen der Mutti und Resi beim Einkäufen4 und in der
Küche. Sie spielen gemeinsam im Kinderzimmer. Sie singen
1 Ihn packt der Ärger. — Ero oxßaTbiBaeT 3JiocTb.
2 Nachdem Herr Palfy einige Zeit auf die Tur gestarrt hat — 3d.\
PocnoÄHH naJib(|)H HeKOTopoe BpeMH HeAoyMeHHo cmotpht Ha Aßepb,
3areM
3 nach Herzenslust — CKOJibKO eft 3axoHeTca
4 beim Einkäufen — jjeJiaTb noKynKH
62
zusammen, während Lottchen oder Vati am Klavier sitzt.
Sie besuchen Herrn Gabele in der Nachbarwohnung. Oder
sie führen Peperl aus, wenn der Herr Doktor Sprechstunde
hat1.
Und manchmal, ja, da schauen sich die Schwestern ängst-
lich in die Augen. Was wird werden?
* * *
Am 14. Oktober haben die beiden Mädchen Geburtstag.
Sie sitzen mit den Eltern im Kinderzimmer. Zwei Geburts-
tagskuchen stehen da, jeder mit zehn brennenden Lichtern1 2.
Vati hat einen wunderschönen „Geburtstagsmarsch für Zwil-
linge“ gespielt. Nun dreht er sich auf dem Klavierschemel
herum und fragt: „Warum durften wir euch eigentlich nichts
schenken?“
Lottchen holt tief Atem und sagt:3 „Weil wir uns etwas
wünschen wollen, was man nicht kaufen kann!“
„Was wünscht ihr euch denn?“ fragt die Mutti.
Nun ist Luise an der Reihe, tief Atem zu holen.4 Dann
erklärt sie, aufgeregt: „Lotte und ich wünschen uns von euch
zum Geburtstag, daß wir von jetzt ab immer zusammenblei-
ben dürfen!“ Endlich hat sie das ausgesprochen.
Die Eltern schweigen.
Lotte sagt ganz leise: „Dann braucht ihr uns auch nie
im Leben wieder etwas zu schenken!5 Zu keinem Geburts-
tag mehr.“
Die Eltern schweigen noch immer.
„Ihr könnt es doch wenigstens versuchen!“ Luise hat Trä-
nen in den Augen, „Wir werden bestimmt gut folgen.6 Noch
viel mehr als jetzt. Und es wird überhaupt alles viel, viel
schöner werden!“
Lotte nickt. „Das versprechen wir euch!“
1 wenn der Herr Doktor Sprechstunde hat — Kor^a y rocnoAHHa
AOKTopa npneMHbie liacbi
2 jeder mit zehn ... Lichtern — Ha k3>kaom no agchtb ... CBeneft
(B pnAe CTpaH npHHHTo b achl po>KAeHHH yKpaiuaTb npasAHHHHbiH nHpor
3a>KeHHbiMH CBenaMH. Kojihhcctbo CBenen cooTBeTCTByeT Bospacry a^h-
Horo JiHira).
3 Lottchen holt tief Atem und sagt — Thjkc^o B3A0XHyB, JIottxch
TOBOpHT
4 Nun ist Luise an der Reihe, tief Atem zu holen. — Tenepb Hacra-
jia onepeAb Jlynsbi thjkcjio B3AbixaTb.
5 Dann braucht ihr uns auch nie im Leben wieder etwas zu schen-
ken! — TorAa BaM HHKorAa b jkhshh He Hy>KHo 6yAeT HaM HTO-HHÖyAb
AapHTb!
6 Wir werden bestimmt gut folgen. — 3d.: Mbi BcerAa öyAew nocnyni-
HHMH.
63
„Unser Ehrenwort“, fügt Luise hastig hinzu.
Der Vater steht vom Klaviersessel auf. „Hast du nichts
dagegen1, Luiselotte, wenn wir ein paar Worte miteinander
sprechen?“
„Nein, Ludwig“, erwidert seine ehemalige Frau. Und nun
gehen die zwei ins Nebenzimmer. Die Tür schließt sich hin-
ter ihnen.
„Daumen drücken!1 2“ flüstert Luise aufgeregt. Vier kleine
Daumen werden von vier kleinen Händchen fest gedrückt.
„Wir dürfen nicht an uns denken, sondern an die Kinder“,
sagt jetzt Palfy nebenan und schaut dabei auf den Fußboden.
„Zweifellos wäre es besser3, die Kinder nicht zu trennen.“
„Bestimmt“, meint die junge Frau.
Er schaut noch immer auf den Fußboden. „Wir haben
vieles gutzumachen.4 *“ Er räuspert sich. „Ich bin also damit
einverstanden, daß du ... daß du beide Kinder zu dir nach
München nimmst.“
Sie greift sich ans Herz.
„Vielleicht“, fährt er fort, „erlaubst du, daß sie mich
im Jahr vier Wochen besuchen?“ Als sie nichts erwidert,
meint er: „Oder drei Wochen? Oder vierzehn Tage wenigs-
tens? Denn obwohl du es nicht glauben wirst, ich habe die
beiden sehr lieb.“
„Warum soll ich dir denn das nicht glauben?“ sagt sie.
Er zuckt die Achseln. „Ich habe es zu wenig bewiesen!“
„Doch! An Lottchens Krankenbett!“ sagt sie. „Und woher
willst du wissen, daß die beiden glücklich würden8, wenn
sie ohne Vater aufwachsen?“
„Ohne dich ginge es doch erst recht nicht!6“
„Ach, Ludwig, hast du wirklich nicht gemerkt, wonach
sich die Kinder sehnen7 und was sie nur nicht aussprechen?“
„Natürlich hab ich’s gemerkt!“ Er tritt ans Fenster.
„Natürlich weiß ich, was sie wollen! Sie wollen, daß auch
du und ich zusammenbleiben!“
1 Hast du nichts dagegen...? — Th HHtero He HMeernb npoTHB ...?
2 Daumen drückenl — floxejiaeM ycnexa! (ßyice. saxMH b JiaAOHb
6ojibuiofi najieu,!)
8 Zweifellos wäre es besser — Bhc bchkofo comhchhh, 6hjio 6h
Jiy<uue
4 Wir haben vieles gutzumachen. — HaM Hy»HO MHoroe HcnpaBHTb.
8 daß die beiden glücklich würden — vto o6e ohh öyayT cuacTJiHBH
8 Ohne dich ginge es doch erst recht nicht! — 3d.: Bea Te6a 6hjio
6h coBceM njioxo!
’ wonach sich die Kinder sehnen — o veM MemaraT äbth
64
„Vater und Mutter wollen sie haben, unsere Kinder! Ist
das unbescheiden?“ fragt die junge Frau forschend.
„Nein! Aber es gibt auch bescheidene Wünsche, die nicht
erfüllbar sind!“
Er steht am Fenster wie ein Junge, der in die Ecke ge-
stellt wurde und der aus Trotz nicht wieder hervorkommen
will.
„Warum nicht erfüllbar?“
Überrascht wendet er sich um! „Das fragst du mich? Nach
allem, was war?“
Sie schaut ihn ernst an und nickt, kaum merklich. Dann
sagt sie: „Ja! Nach allem, was war!“
Luise steht an der Tür und preßt ein Auge ans Schlüssel-
loch? Lotte steht daneben und hält beide kleinen Fäuste
weit von sich.
„Oh, oh, oh!“ murmelt Luise. „Vati gibt Mutti einen
Kuß!1 2“
Lottchen schiebt, ganz gegen ihre Gewohnheit, die Schwe-
ster unsanft beiseite und starrt selbst durchs Schlüsselloch.
„Nun?“ fragt Luise. „Noch immer?“
„Nein“, flüstert Lottchen und richtet sich strahlend hoch.
„Jetzt gibt Mutti Vati einen Kuß!“
Da fallen sich die Zwillinge jauchzend in die Arme.3 4
Zwölftes Kapitel
Herr Benno Grawunder, ein alter erfahrener Beamter im
Standesamt Wiens, nimmt eine Trauung vor. Diese Trauung
bringt ihn ein bißchen aus der Fassung? Die Braut ist die
ehemalige Frau des Bräutigams. Die beiden zum Verwech-
seln ähnlichen zehnjährigen Mädchen sind die Kinder des
Brautpaars. Der eine Trauzeuge, ein Kunstmaler namens
Anton Gabele, hat keinen Schlips um5. Dafür hat der andere
Zeuge, Doktor Strobl, einen Hund! Und der Hund hat im
Vorzimmer, wo er eigentlich bleiben sollte, einen solchen
1 Luise ... preßt ein Auge ans Schlüsselloch. — Jlynsa ... no^mn-
AblBaeT B 3aMOHHyiO CKBaJKHHy.
2 Vati gibt Mutti einen Kuß! — Ilana ue/iyeT yawy!
3 Da fallen sich die Zwillinge jauchzend in die Arme. — 3d.: W
6.iH3Heubi, JiHKya, öpocaiOTCH Apyr Äpyry b o6i>hthh.
4 Diese Trauung bringt ihn ... aus der Fassung. — 3to öpaxocoue-
Tanne npHBOAWT ero ... b pacTepHHHOCTt.
5 Der eine Trauzeuge ... hat keinen Schlips um — 3d.: Oahh
CBHAeTeJien ... npncyrcTByeT 6e3 raJicTyKa
65
Lärm gemacht, daß man ihn hereinholen mußte1. Und so
nahm auch er an der standesamtlichen Trauung teil. Ein
Hund als Trauzeuge! Nein, so was!1 2
Lottchen und Luise sitzen auf ihren Stühlen und sind
glücklich wie die Schneekönige. Und sie sind nicht nur
glücklich, sondern auch stolz! Denn sie selber sind ja an dem
herrlichen, unfaßbaren Glück schuld!3 Es war gar nicht leicht,
dieses Glück zu erkämpfen. Abenteuer, Tränen, Angst, Lügen,
Verzweiflung, Krankheit — alles war gewesen!
Nach der Zeremonie flüstert Herr Gabele mit Herrn Palfy.
Dabei zwinkern die beiden einander geheimnisvoll zu.4 Aber
warum sie flüstern und zwinkern, weiß außer ihnen niemand.
Palfy wendet sich an seine Frau und sagt: „Ich habe eine
gute Idee! Weißt du was? Wir fahren zunächst in die Schule
und melden Lotte an!“
* $ &
Herr Kilian, der Direktor der Mädchenschule, ist sehr
erstaunt, als Kapellmeister Palfy und seine Frau eine zweite
Tochter anmelden, die der ersten aufs Haar gleicht5. Aber
er hat als alter Schulmann manches erlebt, was nicht weniger
merkwürdig war.
Er hat die neue Schülerin ordnungsgemäß in ein großes
Buch eingetragen, dann lehnt er sich gemütlich im Schreib-
tischsessel zurück und sagt: „Als ich ein junger Lehrer war,
passierte mir einmal eine interessante Geschichte. Ich muß
Ihnen und den beiden Mädchen das erzählen! Da kam im
Frühling ein neuer Bub in meine Klasse. Ein Bub aus einer
armen Familie, aber blitzsauber und, wie ich bald merkte,
sehr fleißig. Er hat gut gelernt. Im Rechnen war er sogar
in kurzer Zeit der Beste von allen. Das heißt: nicht immer!
Erst dachte ich bei mir6: ,Wer weiß, woran’s liegen mag7!‘
Dann dachte ich: ,Das ist doch seltsam! Manchmal rechnet
1 daß man ihn hereinholen mußte — hto ero npmiwiocb BnycTWTb
B 33JI
2 Nein, so was! — HeT, noAVMaTb tojibko!
3 Denn sie selber sind ja an dem herrlichen, unfaßbaren Glück
schuld! — 3d.: FIoTOMy hto hmchho ohw — BWHOBHWUbi stofo OesipaHWH-
hofo cHacTbfl!
4 Dabei zwinkern die beiden einander geheimnisvoll zu. — FIpii
3tom o6a MHoro3HaHWTeJibHo noAMiiniBaiOT jipyr jipyry.
8 die der ersten aufs Haar gleicht — KOTopan KaK Aße Kanjiw boam
noxo>Ka Ha nepsyio
• Erst dachte ich bei mir — BiiaHajie h Aywaji npo ce6n
7 woran’s liegen mag — hto Cbi sto mofjio 3HaHWTb
66
er wie am Schnürchen1 und macht keinen einzigen Fehler,
andere Male geht es viel langsamer bei ihm.'“
Herr Kilian macht eine Pause und zwinkert Luise und
Lotte wohlwollend zu.1 2 „Endlich verfiel ich auf eine selt-
same Methode. Ich merkte mir in einem Notizbuch an, wann
der Bub gut und wann er schlecht gerechnet hatte. Und da
stellte sich ja nun etwas ganz Verrücktes heraus.3 Montags,
mittwochs und freitags rechnete er gut. — Dienstags, don-
nerstags und sonnabends rechnete er schlecht.“
„Nein, so was!“ sagt Herr Palfy. Und die zwei kleinen
Mädchen rutschen neugierig auf den Stühlen.
„Sechs Wochen beobachtete ich das“, fährt der alte Herr
fort. „Es änderte sich nie! Montags, mittwochs, freitags —
gut! Dienstags, donnerstags, sonnabends — schlecht! Eines
schönen Abends ging ich in die Wohnung der Eltern und
teilte ihnen meine rätselhafte Beobachtung mit. Sie schauten
einander halb verlegen, halb belustigt4 an, und dann meinte
der Mann: ,Das was Sie, Herr Lehrer, bemerkt haben, ist
richtig!“ Dann pfiff er auf zwei Fingern. Und schon kamen
aus dem Nebenzimmer zwei Jungen. Zwei, gleich groß und
auch sonst vollkommen ähnlich! ,Es sind Zwillinge“, mein-
te die Frau. ,Der Sepp ist der gute Rechner, der Toni — ist
der andere.“ Nachdem ich mich einigermaßen erholt hatte5,
fragte ich: „Ja, liebe Leute, warum schickt ihr denn nicht
alle beide in die Schule?“ Und der Vater antwortete mir:
,Wir sind arm, Herr Lehrer. Die zwei Buben haben zusam-
men nur einen guten Anzug!““
Das Ehepaar Palfy lacht. Herr Kilian schmunzelt. Luise
ruft:
„Das ist eine Idee! Das machen wir auch!“
Herr Kilian droht mit dem Finger.
* * *
Als das Ehepaar mit den Zwillingen durch den Schulhof
geht, ist gerade Frühstückspause. Hunderte kleiner Mädchen
drängen sich heran. Man bestaunt Luise und Lotte.
1 wie am Schnürchen — 3d.: ÖJiecTniue
2 Herr Kilian ... zwinkert ... wohlwollend zu — Tccno/inH KmiwaH
... noAMwrwBaeT Ao6po?KeJiaTeJibHo ...
3 Und da stellte sich ... etwas ganz Verrücktes heraus. — H TyT
BblHCHWJIOCb ... HeHTO HeBOOÖpa3WMOe.
4 halb verlegen, halb belustigt — nojiycMymeHHO, nojiymyTJiHBO
6 Nachdem ich mich einigermaßen erholt hatte — npwA« hcckojibko
b ceöfl
67
Endlich gelingt es Trude, sich bis zu den Zwillingen durch-
zuboxen1. Schwer atmend blickt sie von einer zur anderen.
„Nanu!“ sagt sie. Dann wendet sie sich gekränkt an
Luise: „Erst verbietest du mir, hier in der Schule drüber
zu reden, und nun kommt ihr so einfach hierher.“
„Ich hab’s dir verboten“, berichtigt Lotte.
„Jetzt kannst du’s ruhig allen erzählen“, erklärt Luise.
„Von morgen an kommen wir nämlich beide!“
Dann schiebt sich Herr Palfy wie ein Eisbrecher durch
die Menge und führt seine Familie durchs Schultor. Trude
wird inzwischen das Opfer der allgemeinen Neugierde. Sie
teilt der lauschenden Mädchenmenge alles mit, was sie weiß.
Es läutet. Die Pause ist zu Ende.
Die Lehrerinnen betreten die Klassenzimmer. Die Klas-
senzimmer sind aber leer. Die Lehrerinnen treten an die
Fenster und starren empört auf den Schulhof hinunter. Der
Schulhof ist überfüllt. Die Lehrerinnen dringen ins Zimmer
des Direktors, um im Chor sich zu beklagen.
„Nehmen Sie Platz, meine Damen!“ sagt er. „Der Schul-
diener hat mir soeben die neue Nummer der illustrierten
Zeitschrift gebracht. Das Titelblatt ist für unsere Schule
recht interessant. Darf ich bitten?1 2 3“ Er reicht ihnen die
Zeitschrift.
Und nun vergessen auch die Lehrerinnen, genau wie im
Schulhof die kleinen Mädchen, daß die Pause längst vorüber
ist.
* * *
Fräulein Irene Gerlach steht, elegant wie immer, in der
Nähe der Oper und starrt betroffen auf das Titelblatt, wo
zwei kleine bezopfte Mädchen abgebildet sind^. Als sie hoch-
blickt, starrt sie noch mehr. Denn an der Verkehrskreuzung
hält ein Taxi, und in dem Taxi sitzen zwei kleine Mädchen
mit einem Herrn, den sie gut gekannt hat, und einer Frau,
die sie nie kennenlernen möchte4.
Lotte zwickt die Schwester. „Du, dort drüben’“
„Aua! Was denn?“
1 sich bis zu den Zwillingen durchzuboxen — npoöpaTbca k 6jih3-
HeixaM
2 Darf ich bitten? — 3d.: flpoiuy Bac!
3 wo zwei kleine bezopfte Mädchen abgebildet sind — Ha KOTopoft
H3OÖpaJKeHbl ABe ACBOHKH C KOCHHKaMH
4 die sie nie kennenlernen möchte — c KOTopon ona HHKorAa 6m
ne xoTeaa 6mtb 3H3komoh
68
Lotte flüstert, daß es kaum zu hören ist1: „Fräulein Ger-
lach!“
„Wo?“
„Rechts! Die mit dem Hut! Und mit der Zeitschrift in
der Hand!“ Luise schielt zu der eleganten Dame hinüber.
Am liebsten möchte sie ihr triumphierend die Zunge heraus-
cfrpckpn 2
„Was habt ihr denn?“1 2 3
Verflixt! Nun hat die Mutti wohl doch etwas gemerkt.
Da beugt sich, zum Glück, aus dem Auto, das neben dem
Taxi wartet, eine alte Dame herüber. Sie hält der Mutti
eine illustrierte Zeitschrift hin und sagt lächelnd: „Darf
ich Ihnen ein passendes Geschenk machen?“
Frau Palfy nimmt die Zeitschrift, sieht das Titelbild,
dankt lächelnd und gibt die Zeitschrift ihrem Mann.
Die Autos setzen sich in Bewegung.4 Die alte Dame nickt
zum .Abschied.
Die Kinder klettern neben Vati auf den Wagensitz und
bestaunen das Titelbild.
„Dieser Herr Kramer!“ sagt Luise. „Uns so hineinzule-
gen!5“
„Wir dachten doch, daß wir alle Fotos zerrissen haben!“
sagt Lotte.
„Er hat ja die Platten!“ erklärt die Mutti. „Da kann er
noch Hunderte von Bildern abziehen!“
„Wie gut, daß er euch angeschmiert hat6“, stellt der
Vater fest. „Ohne ihn wäre Mutti nicht hinter euer Geheim-
nis gekommen.7 Und ohne ihn wäre heute keine Hochzeit
gewesen.“
Luise dreht sich plötzlich um und schaut zur Oper zurück.
Aber von Fräulein Gerlach ist weit und breit nichts mehr
zu sehen.8
1 Lotte flüstert, daß es kaum zu hören ist — Jlorra uiermeT eßßa
CJIblUlHO
2 Am liebsten möchte sie ihr triumphierend die Zunge heraus-
strecken. — 3d.: C K3KHM TOp>KeCTBOM OH3 nOK333JI3 6bl efl H3blK.
3 Was habt ihr denn? — Hto c b3Mh?
4 Die Autos setzen sich in Bewegung. — AßTOMauiiiHbi oTteaniaioT.
6 Uns so hineinzulegen! — TaK Hac noAßecTu!
6 Wie gut, daß er euch angeschmiert hat — KaK xopouio, mto oh
Bac noAßeJi
7 Ohne ihn wäre Mutti nicht hinter euer Geheimnis gekommen. —
Be3 Hero MaMa He pa3ra/iajia 6bi Barnen TaüHbi.
8 Aber von Fräulein Gerlach ist weit und breit nichts mehr zu
sehen. — 3d.: Ho (jjpenjieHH fep/iax h cjiea npocTbiJi.
69
Lotte sagt zur Mutti: „Wir werden dem Herrn Kramer
einen Brief schreiben, und uns bei ihm bedanken!“
* * *
Das Ehepaar klettert in der Rotenturmstraße mit den
Zwillingen die Treppe hinauf. In der offenen Tür wartet
schon Resi in ihrem sonntäglichen Kleid und überreicht der
jungen Frau einen großmächtigen Blumenstrauß.
„Ich danke Ihnen schön, Resi“, sagt die junge Frau.
„Und ich freue mich, daß Sie bei uns bleiben wollen!“
„Bitte schön!“ Resi reißt die Tür auf.
„Moment!“ sagt der Herr Kapellmeister. „Ich muß erst
einmal in die andere Wohnung!“
Alle außer ihm erstarren. Schon am Hochzeitstag will er
wieder ins Atelier in die Kärtnerstraße?
(Nein, Resi erstarrt ganz und gar nicht! Sie lacht vielmehr
lautlos in sich hinein.1)
Herr Palfy geht zu Herrn Gabeles Wohnungstür, holt
einen Schlüssel aus der Tasche und schließt ganz ruhig auf!
Lottchen rennt zu ihm. An der Tür ist ein neues Schild
angebracht, und auf dem neuen Schild steht der Name „Pal-
fy!“
„O Vati!“ ruft sie überglücklich.
Da steht auch schon Luise neben ihr, liest das Schild
und beginnt mit der Schwester zu tanzen.
„Nun ist’s genug!“ ruft schließlich der Herr Kapell-
meister. „Jetzt geht ihr mit Resi in die Küche und helft
ihr!“ Er schaut auf die Uhr. „Ich zeig’ der Mutti inzwischen
meine Wohnung. Und in einer halben Stunde essen wir.
Dann klingelt ihr!“ Er nimmt die junge Frau an der Hand.
An der gegenüberliegenden Tür macht Luise einen Knicks
und sagt: „Auf gute Nachbarschaft1 2, Herr Kapellmeister!“
* * *
Die junge Frau legt Hut und Mantel ab. „Was für eine
Überraschung!meint sie leise.
„Eine angenehme Überraschung?“ fragt er.
Sie nickt.
„Es war schon lange Lottchens Wunsch. Dann wurde es
1 Sie lacht ... lautlos in sich hinein. — Ona nocMeHBaeTCH npo
ceöfl.
2 Auf gute Nachbarschaft! — IlpHHTHoro coceACTBa!
70
auch mein Wunsch“, erzählt er zögernd. „Gabele hat den
Feldzugsplan bis ins kleinste1 ausgearbeitet.“
„Deswegen also mußten wir erst noch in die Schule?“
Sie treten ins Arbeitszimmer. Auf dem Flügel steht die
Fotografie einer jungen Frau aus einer vergangenen, unver-
gessenen Zeit. Er legt den Arm um sie.1 2 „Im dritten Stock
links werden wir zu viert3 glücklich sein, und im dritten
Stockwerk rechts ich allein, aber mit euch Wand an Wand.“
„Soviel Glück!“ Sie schmiegt sich an ihn.
„Jedenfalls mehr, als wir verdienen“, sagt er ernst.
„Aber nicht mehr, als wir ertragen können.“
„Ich hätte nie geglaubt4 *, daß es das gibt!“
„Was?“
„Daß man verlorenes Glück nachholen kann.“
Er deutet auf ein Bild an der Wand. Aus dem Rahmen
schaut, von Gabele gezeichnet8, ein kleines, ernstes Kinder-
gesicht auf die Eltern herab. „Jede Sekunde unseres neuen
Glücks“, sagt er, „verdanken wir unseren Kindern.“
* * *
Luise steht mit einer Küchenschürze auf einem Stuhl und
heftet das Titelblatt der illustrierten Zeitschrift an die Wand.
„Schön“, sagt Resi andächtig. Lottchen, gleichfalls in
einer Küchenschürze, arbeitet am Herd.
Resi tupft sich eine Träne aus dem Augenwinkel und
fragt dann, noch immer vor der Fotografie stehend: „Welche
von euch beiden ist denn nun eigentlich welche?“
Die kleinen Mädchen schauen einander betroffen an. Dann
starren sie auf die Fotografie. Dann blicken sie erneut einan-
der an.
„Also...“ sagt Lottchen zögernd.
„Ich saß, als uns der Herr knipste, — glaub ich, — links“,
meint Luise nachdenklich.
Lotte schüttelt den Kopf. „Nein, ich saß links. Oder?“
„Ja, wenn ihr’s selber nicht wißt, welche welche ist!1
schreit Resi außer sich und beginnt zu lachen.
„Nein, wir wissen’s wirklich selber nicht!“ ruft Luise
begeistert. Und nun lachen alle drei, daß ihr Gelächter bis
in die Nebenwohnung hinüberdringt.
1 bis ins kleinste — bo Bcex /jeTa/mx
2 Er legt den Arm um sie. — Oh oÖHWwaeT ee.
3 zu viert — BneTBepoM
4 Ich hätte nie geglaubt — HwKoma 6bi ne noBepmia
Ä von Gabele gezeichnet — HapwcoBaHHbift faöeJie
71
Dort drüben fragt die Frau, fast erschrocken: „Wirst du
denn bei solchem Lärm arbeiten können?“
Er geht an den Flügel und sagt, während er den Deckel
öffnet: „Nur bei solchem Lärm!“ Er spielt seiner Frau aus
der Kinderoper das Duett vor, das bis in die Küche der Nach-
barwohnung dringt.
Als das Lied verklungen ist, fragt Lottchen verlegen:
„Wie ist das eigentlich, Resi? Wo nun Vati und Mutti
wieder mit uns zusammen sind, können Luise und ich doch
noch Geschwister bekommen1?“
„Ja, freilich!“ erklärt Resi zuversichtlich. „Wollt ihr
denn welche haben?“
„Natürlich“, meint Luise energisch.
„Buben oder Mädels?“ erkundigt sich Resi angelegent-
lich.
„Buben und Mädels!“ sagt Lotte.
Luise aber ruft aus Herzensgrund: „Und lauter Zwil-
linge!“1 2
1 ... können Luise und ich doch noch Geschwister bekommen —
Beat y Jlyusbi h y mchh MoryT noHBHTbca öpaTba h cecrpbi
2 Luise aber ruft aus Herzensgrund : „Und lauter Zwillinge!“ —
A JIyH3a pajjocTHo BocK.nmaeT: «H tojibko 6;iH3Heiibi!»
Alphabetisches Wörterverzeichnis
A
abbeißen (biß ab, abgebissen) ot-
KycbißaTb
abbilden H3o6pa>KaTb
abbrechen (brach ab, abgebro-
chen) OÖpblBaTbCH, 3aMOJIK3Tb
(o penn)
Abendbrot m -s yjKWH
Abendessen n -s yjKWH
abends BeuepoM
Abenteuer n -s, - npHKjnoqemie
Abenteuerlust f - JKajKßa npw-
KjnoneHHH
abfinden, sich (fand sich ab,
sich abgefunden) npwMiipflTb-
ch
abfragen paccnpamiiBaTb
abholen saxßaTbißaTb; 3a6npaTb;
33XOAHTb
ablaufen (lief ab, abgelaufen)
OKaHHHBaTbCH
ablegen CHMuaTb (najibTo)
Abreise f -, -n oTtesA
Abschied m - (e)s npomamie;
beim Abschied Ha npomanwe
Abschiedsfest n -es, -e npomajib-
HblH npa3AHHK
abschießen (schoß ab, abgeschos-
sen) BbiCTpejiHTb; BbinycKaTb
(cTpejiy)
abschmecken npoöoßaTb (nwmy)
Absenderanschrift f -, -en a/ipec
OTnpaBWTejifl
absichtlich HapouHO, c HaMepe-
HweM
absolut aöcojiiOTHbiw, öesycjioß-
HblH
Abteil n -s, -e Kyne, otacji
ab trocknen BbiTiipaTb
abwaschen (wusch ab, abgewa-
schen) MblTb, CMblBaTb
ab wehren 0Tpax<aTb, OTÖwßaTb
abwenden, sich (wandte sich ab,
sich abgewandt) OTBopauMßarb-
CH
abziehen (zog ab, abgezogen) ot-
nenaTbiBaTb
Achsel f -, -n njieno
ahnen noAO3peßaTb, AorajbiBaTb-
CH
ähneln noxoAMTb Ha (Koro-AHöo)
ähnlich noxo>KHH (Ha Koro-nnöo)
Ähnlichkeit f -, -en cxoactbo
Aktenmappe f -, -n nanKa c 6y-
MaraMii
allein oahh
allerdings npaßAa; xoth
allgemein o6mnfi, Bceo6mnii
allmählich nocTeneHHbifi, nocTe-
neHHo
Alpenveilchen n -s, - a.ibnHH-
cKan cjHianKa
als Korjia
also snamiT, iiTaK, cTa.io öbitb
Alter n -s, - ßospacT
anbieten (bot an, angeboten)
npeanaraTb; yromaTb
anblicken B3rjiHHyTb Ha (Koro-
.th6o, hto-jimöo)
anbrennen (brannte an, ange-
brannt) nojropaTb
andächtig GjiaroroBeftHO
ander Apyroft
ändern MeHHTb, n3MeHHTb
anders miaue, no-jipyroMy
an fangen (fing an, angefangen)
HaUHHaTbCH
angebracht yMecTHbifi, ne.iecoo6-
pa3Hbifi
angelegentlich iiacTofiuiiBO
angenehm npiiHTHbiH
angeschmiegt Tecno npHJKaBmncb
Angestellte tn -n, -n cjiy>KamHfr
Angst f -, Ängste cTpax
ängstlich GonsnuBbin, poöKnif
anhalten (hielt an, angehalten}
HaCTaB.IHTb. npilCTaBJlHTb
ankommen (kam an, angekom-
men) npnöbiBaTb, npHe3>KaTb
an lächeln, sich y/ibiöaTbCH Apyr
ap\ ry
73
an lügen (log an, angelogen) 06-
AiaHbiBaTb
anmclden sanwcbißaTb b uiKOjiy
anmerken OTMenaTb, saMenan»,
noxienaTb
anrufen (rief an, angerufen) 3bo-
HHTb no Tejie(j)OHy
anschauen CMOTpeTb Ha Koro-
JIHÖO, H3 HTO-JIHÖO
anschlagen (schlug an, ange-
schlagen) y^apHTb no KnaBH-
UI3M
anschmieren noABOAHTb kofo-jih-
60
ansehen (sah an, angesehen) cmo-
TpeTb Ha Koro-jiHÖo
ansprechen (sprach an, ange-
sprochen) 3aroßapHBaTb c KeM-
jihöo; oöpamaTbca k KOMy-
J11160
anstarren ycTaßHTbCH Ha Koro-
□1160
anstellen HaTBopMTb; anstellen,
Sich npHTBOpHTbCH
Antwort f -, -en otbct
anvertrauen AOßepnTb
Anweisung f -en yicasaHMe,
HacTaßjieHiie
anziehen, sich (zog sich an, sich
angezogen) vt oaeBaTbca
Anzug m -(e)s, Anzüge koctiom,
oje>KAa
anzünden 3ax<nraTb; 3aKypMBaTb
ärgerlich cepAHTbiu, 3jioü
ärgern, sich 3JiHTbcn, cepAHTbcn
Arm m -es, -e pyna
Atelier (lies: [ate'lie: ]) n -s, -s
aTe.ibe
Atemzug m -es, Atemzüge Abi-
xaHiie, bsaox
atmen AbimaTb
aua! — oü! (ßocKJiuuaHMe)
auf und ab Ty^a h cKua
aufatmen oöJierneHHO bsaox-
HyTb
aufblicken B3rjiHuyTb ßßepx
aufeinander Apyr na ^pyra
auffallen (fiel auf, aufgefallen)
öpocaTbCH b rjiasa
auf führen HcnojiHHTb
auf geben (gab auf, aufgegeben)
OTKa3blBaTbCH OT HCFO-JIHÖO
aufgebracht sein öbiTb pas^pa-
JKCHHblM
aufgeregt sein öbiTb bsbojiho-
BaHHblM
aufhalten, sich (hielt sich auf,
sich aufgehalten) saAepjKM-
B3TbCH
auf heben (hob auf, aufgehoben)
nOAHHM3Tb
aufhören nepecTaßaTb
auflachen paccMeaTbca
auf legen KjiacTb
auf lösen pa3BH3biBaTb
aufmerksam BHHMaTejibHbiü
Aufnahme f -, -n chhmok
Aufnahmebuch n -(e)s, Aufnah-
mebücher KHHra yqeTa nocTy-
naiomMx
aufpassen BHHMaTejibHo cjie/iMTb
Paß auf! riocnyuiaü-Ka!
Aufregung f -, -en BO36yjKAeHue,
Bon Heime
aufreißen (riß auf, aufgerissen)
1. BbrrapamMTb (rjiasa) 2. pßa-
HyTb; pacnaxHyTb (Aßepb)
aufschauen noAHHTb rjiasa, cmot-
peTb Bßepx
aufschlagen (schlug auf, aufge-
schlagen) pacKpbißaTb
aufschließen (schloß auf, auf-
geschlossen) OTnupaTb
aufschreien (schrie auf, aufge-
schrien) BCKpHKHBaTb
aufsetzen HaaeßaTb (ronoBiion
yöop)
aufsperren paseßaTb (pot); Bbi-
nymiTb (rjiasa)
aufspringen (sprang auf, aufge-
sprungen) BCKaKHBaTb
aufstehen (stand auf, aufge-
standen) BCTaßaTb, noAHHMaTb-
CH
aufs teilen nocTaBHTb
aufsuchen OTbicKiißaTb
auftauchen noHBjiHTbca, ßcn.ibi-
B3Tb
Auftrag m -(e)s, Aufträge nopy-
neHHe
auf wachen npocbinaTbcn (ot cHa)
aufwachsen (wuchs auf, aufge-
wachsen) BbipacTaTb
Augenblick m (e)s, -e MHHyTa,
MOMCHT
Augenwinkel m -s, - yronoK
ma3a
aus sein OKaHHHBaTbcn
ausarbeiten BbipaöaTbiBaTb
auseinanderwehen pa3BenTb b
pa3Hbie CTOpOHbl
74
ausfragen paccnpamwBaTb, Bbic-
npamiiBaTb
ausführen BbiBojiiTb
Ausgabenspalte f -, -n rpa^a
pacxoAOB
ausgehen (ging aus, ausgegangen)
BblXOAHTb
ausgezeichnet OTnimHbiH, npeßoc-
xojHbiii
aushändigen BbiAaiiaTb Ha pyKH
auskommen (kam aus, ausge-
komnien) jiaAHTb, yjKWBaTbCH
Auskunft f -, Auskünfte CBe/ie-
hhh
auslöschen racriTb, TymiiTb
ausrichten nepe^aBaTb
ausschalten BbncnonaTb
aussehen (sah aus, ausgesehen)
BblF/UWTb
außer Kpowe, CBepx, 3a hckjiio-
HeHiieM, BHe
außerdem Kpoue Toro
aussprechen (sprach aus, ausge-
sprochen) npOH3HOCHTb
aussteigen (stieg aus, ausgestie-
gen) BblXOJHTb, CXOJUlTb
ausstrecken pac™ rußaTb, npoTH-
rwßaTb
austauschen o6.MeHHTb(cn)
ausziehen (zog aus, ausgezogen)
pa3ACBaTb
B
Backe f -, -n meica
Badematz ni -es, Bademätze Ky-
naiomuHCH Majibiui
Bahnhof m -s, Bahnhöfe BOK3aj
Bahnstation f -, -en cTamudfl
(>k.-a.)
Bahnsteig m -(e)s, -e neppoH,
nnaTifiopMa
Bahnsteigkarte f -, -n neppoHHbiw
öwjieT
Balance (lies: [ba'lä.s] f -, -n
paBHOBecwe
bald BCKope
baumeln öojiTaTb (Horawu)
Baumwipfel m -s, - KpoHa ae-
peßa
Beamte tn -n, -n cjiyjKamnfi,
HHHOBHHK
beängstigen cTpamiiTb, öecnoico-
HTb
beantworten OTBeqaTb (Ha Bon-
poc)
bearbeiten oöpaöaTbißaTb
bedanken, sich ÖJiarojjapMTb
bedeuten 3uaiiHTb
bedrückt noAaBJieHHbiü
Befehl ni -(e)s, -e npHKas
befriedigen yAOBjieTBopnTb
befriedigend yAOBjieTBopuTe/ib-
Hbiii
Begegnung f -, -en BCTpena
begeistern BocxumaTb, baoxhob-
jihtb
begleiten npoBO>KaTb, conpo-
BO>KjaTb
behalten (behielt, behalten) oc-
TaBJiHTb, Aep>KaTb
Behältnis n -ses, -se cocyA; 6aH-
Ka
beherrschen, sich B.na/ieTb coöofi
beide 06a, oöe
beinahe oohth, qyTb He ...
beiseite b CTopoHy
beißen (biß, gebissen) KycaTb
Bekannte m -n, -n 3naKOMbiü
bekanntlich KaK hsbcctho
beklagen, sich HcanoBaTbCfl (Ha
hto<iu6o)
Beklemmung f -en ckob3h-
HOCTb
bekümmern, sich saöoTiiTbcn (o
KOM-n , o iieM-ji.)
bekümmert rpycTHbiii, osaöo-
qeHHbiii
bellen nasiTb
bemerken 3aMeqaTb, cnasaTb
bemühen, sich CTapaTbca
benehmen, sich (benahm sich,
sich benommen) bccth ceön
Benehmen n -s, 6es pl noßeAe-
HHe, oöpameHMe
beobachten HaöjnoAaTb
Beobachtung f -, -en naönioAeHHe
beraten (beriet, beraten) oöcvjk-
A3Tb
bereiten npHroTOBJiHTb
bereits y>Ke
bergab no,i ropy, c ropbi
berichten paccKa3bißaTb, cooö-
maTb
berichtigen nonpaß/iHTb
berufstätig paöoTaiomMw; HMeio-
mnfi caMocTOHTejibHbiii 3apa-
ÖOTOK
beruhigen ycnoKaiißaib
berühmt 3HaMeHHTblÜ, H3BCCT-
HblH
beschäftigen samiMaTb
75
bescheiden cKpoMHbift
beschleunigen ycKopnTb
beschließen (beschloß, beschlos-
sen) pemaTb
beschnuppern oömoxHßaTb
beschweigen (beschwieg, be-
schwiegen) oöxoahtl MO.ma-
HHCM
beschwindeln oÖMaubiBaTb
besonders ocoölih; ocoöchho
besorgt c TpeBorofi
besprechen (besprach, bespro-
chen) o6cy>KAaTb
bestaunen CMOTpeTb c yAHBne-
HneM ua...
bestrafen HaK33biB3Tb, uiTpacpo-
B3Tb
Beste m -n, -n HaHny<miHH
Besteck n -(e)s, -e npnöop (k eje)
bestellen 3aKa3biB3Tb, Hauu-
M3Tb
bestimmen npeAHasuauaTb
bestimmt naBepnoe, onpe/ie/ieH-
HO
Besucherin f -, -nen noceTirre/ib-
HHLia
betäuben omejiOM/isiTb, or/iy-
inaTb
betonen noAliepKHyTb
betrachten paccM3TpnB3Tb, cmo-
TpeTb H3 KOrO-JIHÖO, H3 HTO-
jhöo
betreten (betrat, betreten) bxo-
autb (b aom), BCTynaTb na
hto-jihöo
betroffen sein ölitl yAHB/ieu-
HblM, CMymeHHbIM
betrübt sein oropqaTbcn
betrügerisch jijkhbhä
Bettkante f -, -n Kpaft KpoBaTu
beugen uaKjioHHTb
bevor paubuie, npe>KAe new, no-
na ne
bewegen, sich ABHraTbCH
beweisen (bewies, bewiesen) ao-
K33blB3Tb
bezaubernd oöBopoHCHTenbHo
bezopft C K0CHHK3MH
biegen (bog, gebogen) cßopami-
B3Tb
Biene f -, -n rmejia
Bienenstock m -(e)s, Bienen-
stöcke ynefi
Biest n -(e)s, -er öecTun
bilden ^opNiynupoBaTb, oöpaso-
BblB3Tb
Bilderbuch n -(e)s, Bilderbücher
(AeTCKan) K*HH>KKa c KapTHH-
K3MH
bildhübsch ouapoBaTeAbHbift
Bildredakteur m -s, -e xyAO-
HCeCTBeUHblÜ peA3KTOp
billig AemeBbiH
bißchen; ein bißchen hcmhohcko,
qyTOHKy
Bissen m -s, - KycoK
bitten (bat, gebeten) npocim»
blaß öjieAHbiü
blättern nepenncTbiBaTb
bleich ÖJie/iHbin
Blick m -(e)s B3op, B3rjiHA
blicken CMOTpeTb, EiHACTb. B3rna-
nyTb
blitzen cBepnaTb
blitzsauber cBepKatoiunü que-
totoh
bloß TOJlbKO
Blumenkranz ni -es, Blumen-
kränze BCHOK H3 UBCTOB
Blumenstrauß m -es, Blumen-
sträuße ÖyKCT UBCTOB
blutjung oneHb mojioaoh
Boden m -s, Böden 3cmjih
brauchen nyacjiaTbCH
Braut f -, Bräute ueßecTa
Bräutigam m -s, -e »cemix
Brautpaar n -s /Kenux c ueBec-
TOÜ
brennen (brannte, gebrannt) ro-
peTt, cropaTb (HeTepneuueM,
HcejiaHueM)
brennend ropnuruu, Hcryqnu
Brieftasche f -, -n 6yM3>KHHK
(nopTMOne)
bringen (brachte, gebracht) npu-
hochtl; npoßOHtaTb
brummen BopnaTb, ryAeTb
Brustschwimmen n -s njiaßaHue
cthacm «öpacc»
Brüstung f -en nepoa, 6a-
niocTpaAa
Bube m -n, -n MajimnuiKa
(AacKam.)
Bücherständer m -s, - KHHHcnaa
nojnca
Buchstand m -(e)s, Buchstände
KHHHCHblÜ KHOCK, JiapeK
Bühne f -, -n cuena
bums! 6ax!
bunt necTpbifi, ubcthoh, pa3-
HOO6p3 3llblii
76
Buntstift tn -(e)s, -e ubcthoh
Kapanjiaiii
Büro n -s, -s KOHTopa, Kanuejin-
pua, öiopo
Bürste f -, -n meTKa
C
Cafe (lies: [ka'fe: ]) n -s, -s Kacjje
D
dabei npn 3tom
dadurch sthm, önarojiapH 3TOMy
dafür 3a 3to, 3a to, bmccto stoto
dagegen npoTHB stoto
dahin Ty^a
dahinschmelzen (schmolz da-
hin, dahingeschmolzen) yjie-
TyqHTbca, pacTaflTt; pacnjia-
BHTbCH
damals b to BpeuH
damit c tcm, htoöbi
Dampf tn -(e)s, Dämpfe nap
dampfend AbiunmnncH
danach 33tcm, uotom, nocjie 3to-
ro
daneben BO3jie, TyT >Ke, okojio
Dank m -(e)s, 6e3 pl öjiarojiap-
HOCTb, npH3H3TeJIbHOCTb
dank ö.naroAapn
daran 06 stom
darauf na 3tom, BCJieji 3a sthm
darüber h3a 3thm
darunter cpeAH hhx
Dasein n -s o6pa3 >km3hh, öbiTne
dauern mhtbch, npojioji>KaTbCH
dauernd nocTOHHHbift, to h acjio
davon ot stoto
'davonfliegen (flog davon, da-
vongeflogen) yneTaTb
dazu 3TOTO, K TOMV
Deckbett n -es, -en nepuna
Decke f -, -n noKpbißajio, oachjio
Deckel m -s, - KpbiuiKa
decken H3KpbiB3Tb, noKpbißaTb
denn pa3Be, t3k k3k
deshalb noTOMy, nosTofi npHMHHe
deswegen noTOMy, nosTOMy, no
3Toü npumine
deuten yK33biB3Tb na hto-jiuöo
dicht BnnoTHyio
dichten comhhhtb
dick TOJicTbift
Dienst m -es, -e cjiy>K6a;
Dienst haben Ae/KypnTb
dienstags no BTopnuKaM
dieselbe Ta >Ke caMan
diesmal na stot pa3
Ding n -(e)s, -e Bemb
Diplomingenieur (lies: [di'plo:m
inse'nioir]) m -s, -e Annno-
MHpOB3HHblfi HHHCenep
direkt nenocpeACTBeHHO, npnwo
Dirigentenstab tn -(e)s, Dirigen-
tenstäbe najioHKa Mpuacepa
dirigieren jnpnatupoBaTb
doch OAH3KO, Bce-T3KH, HO
Donau f JJynan
donnerstags no qeTBepraM
Doppelgängerin f -, -nen jiboh-
HHK
Dorffotograf zn-en, -en cejibCKiift
(jjOTorpacj)
dort T3M
dösen ApexiaTb
draußen cnapyacH
drehen, sich BepTeTbcn
dressieren /ipeccHpoBaTb
dringen (drang, gedrungen) npo-
HHK3TB
drohen yrpo/KaTb, rpo3HTb
drohend rpo3Hbiü, yrpoHcaiouuiü
dröhnen rpexieTb, pa3MB3TbCH
drüben no Ty cTopony
drücken npHHiuxiaTb; no>KHMaTb;
COB3T5
duften naxnyTb, ÖJiaroyxaTb
duftend AymHCTbiü, 6/iaroyxa-
ioihhü
dulden TepneTb, nepenociiTb,
CTpaMTb
dumm TJiynbiü, Äypam<HH
Dunkel n -s, 6e3 pl tcmhot3
Dunkelheit f -, 6e3 pl tcnuot«
durchmachen nepe>KHBaTb, hc-
nblTblB3Tb
Dutzend n -s, -e Äio>KHHa
E
eben tojibko hto
ebenfalls TaKHce
ebenso t3k >Ke
ebensolange TaK »<e aojto
echt H3CTOHIHHÜ, nOMHHHblfi
egoistisch aroHCTHHHbiH
ehe npejKjie mcm
Ehe f -, -n 6paK, cynpy>KecTßo
ehemalig öbibiuhh
Ehepaar n -s, -e cynpyni
Ehrenwort n -s, -e necTHoe cjiobo
ehrgeizig MecTOjnoÖHBbiH
77
Eierkuchen m -s, - omjct, hhh-
Hima
eifersüchtig peBHHBbiü
eifrig c fotobhoctbio; nopbiBHCTo
eigen coöcTBeiiHbift, cboh
eigentlich coöctbchho roßopn
eignen, sich foahtbch, noAXO-
AHTb
Eile f nocneniHOCTb; in aller
Eile nacnex, nacKopo
eilen cnemiiTb, ToponnTbca
eilig cneniHbiti, cpoHHbifi; no-
cneniHO
einander apyr Apyra
einbilden Boo6pa»<aTb
Eindruck m -(e)s, Eindrücke Bne-
HaTjieHue, cjica, OTnenaTOK
einfach npocToft, necjiOHCHbiü
einfahren (fuhr ein, eingefahren)
noAiesHcaTb
Einfahrt f -, -en Bopcrra, bbcsa
Einfall m -(e)s, Einfälle baox-
HOBeHHe
einigermaßen ao HeKOTopoü cre-
neHH
Einkauf m -(e)s, Einkäufe no-
KynKa, 33KynKa
einladen (lud ein, eingeladen)
npHTJiamaTb, 3B3Tb
einsam oahhokhh
Einsamkeit f - OAinionecTBo,
yeAHiieHHocTb
einschenken najiHBaTb
einschlafen (schlief ein, einge-
schlafen) 3acnyTb, ycinTb
einschließen (schloß ein, cinge-
schlossen) sanupaTb
einsilbig oAHOcjiohXHbiu
einst OAHa>KAbi, kofab-to
eintragen (trug ein, eingetra-
gen) 33HOCHTb, peFHCTpupO-
B3Tb
eintreffen (traf ein, eingetrof-
fen) npnöbißaTb
eintreten (trat ein, eingetreten)
BXOAHTb, nOflBAHTbCfl
Eintrittskarte f -n bxoahoü
öhjict
einverstanden sein öbitb corjiac-
HblM
einwenden (wandte ein, einge-
wandt) BO3pa»<aTb
einzig eAHHCTBennbiH
Eis n -es jica
Eisbärenfell n -s, -e iiiKypa 6e-
jioro MeAßeAfl
Eisbrecher m -s, - jicaokoji
eisig neAHHoft
elegant hshiuhbih, ajieraHTHbift
empfehlen (empfahl, empfohlen)
A3B3Tb COBCT, peKOMCHAOBaTb
empfindlich o6ha4hbhh; hvb-
CTBHTCJIbHblH
empor BBepx, KBepxy
empört sein BO3MymaTbca
emporsehen (.sah empor, empor-
gesehen) cMOTpeTb BBepx
endgültig OKOHHaTejibHbiü
endlich naKoneu
Endung f -, -en oKonnaHHe
energisch aHepruHHbiH
entdecken oTKpbiBaTb (Tafiny),
o6napy>KHBaTb
Entdeckung f -, -en pacKpbinie,
pasoöjia nenne
entgegengesetzt npoTHBonojionc-
Hblft
entlang baojib
entscheiden (entschied, entschie-
den) peuiaTb hto-jihöo
entschieden peuiHTejibHo
entschließen, sich (entschloß
sich, sich entschlossen) pe-
UiaTbCH
Entschlossenheit f - pemwMocTb
Entschluß m -sses, Entschlüsse
peuienne, HaMepenne
entschuldigen hsbhhhtb
entsetzt b yntace
entstehen (entstand, entstan-
den) npOHCXOAHTb, BO3HH-
K3Tb
entweichen (entwich, entwichen)
yAajiHTbca
entziehen (entzog, entzogen) chh-
M3Tb; .TH III 3Tb
Erdbeben n -s 3eMJieTpHccHne
Ereignis n -ses, -se nponciuecT-
Bue, coöbiTHe
erfahren (erfuhr, erfahren) yana-
BaTb (panee Hen3BecTiioe)
erfahren onbiTHbiü, CBeAymim
Erfolg m -(e)s, -e yenex
erfüllbar 'fcbinojiHHMO
erfüllen oxßaTbiBaTb, nanojiHsiTb
ergänzen AonojiHHTb, AoöaBjiflTb
ergreifen (ergriff, ergriffen) xßa-
T3Tb
erhalten (erhielt, erhalten) no-
jiynaTb, coxpannTb, coAep-
H<aTb
78
erheben; sich (erhob sich, sich
erhoben) BcraBaTb
erholen, sich OT^bixaTb, nonpaB-
JHTbCH
erinnern, sich BcnoMunaTb, noM-
HHTb
erkämpfen 33BoeBbiB3Tb
erkennen (erkannte, erkannt) y3-
HaBaTb (panee hsbccthoc)
Erklärung f -, -en o6*bncHeHHe
erklingen (erklang, erklungen)
pa3AaB3Tbcn, 3ByqaTb
erkundigen, sich ocBejioMJiHTbCH,
cnpauiHBaTb
Erlaubnis f -, Erlaubnisse pa3-
peuienne
erleben ncnbiTbiBaTb, nepe>KH-
B3Tb
erleichtern oöjierqaTb
ernst cepbesHbifi
erraten (erriet, erraten) oTrajbi-
B3Tb
erreichen AocTHraTb
erscheinen (erschien, erschienen)
nOHB^HTbCH, HBJlHTbCfl
erschöpfen HCTomaTb. vtom-ihtb
Erschöpfung f - HCTomenne
erschrecken (erschrak, erschrok-
ken) licnyraTbCH
erschrocken Hcnyranno
erst cnepßa, tojibko, jiuuib
erstaunen yAHBjiHTbca, ii3yM-
JlHTbCfl
erstaunlich y^HBUTejibno; nopa-
3HTCJIbHO
erstaunt yÄHBjieHHo; yAUBnen-
HblH
erstarren ocTOjiöeneTb, 3acTbiTb
erstens Bo-nepßbix
erstemal: zum erstenmal b nep-
Bbifi pa3
ertönen pa3Ä3B3TbCH, 3a3ByM3Tb
ertragen (ertrug, ertragen) nepe-
HocuTb, TepneTb
ertrinken (ertrank, ertrunken)
TonyTb
erwachsen B3pocjibifi
Erwachsene m -n, -n B3pocjibifi
erwarten >KÄaTb, o>KHÄaTb
erwartungsvoll noJiHbifi o>KHÄa-
HHH
erwidern oTBeqaTb, BospaacaTb
Erzieherin f -, -nen BoenuTa-
TejibHHiia
Erziehung f - BocnnTaHne
Eßlöffel m -S, - CTOJIOB3H JIOJKK3
etwas hto-to, hcckojibko, ne-
MHOrO
Exgemahl m -s öbibiuhh cynpyr
F
fähig cnocoÖHbifi; fähig sein öbiTb-
B COCTOHHHH
fahren (fuhr, gefahren) bccth,.
npoßecTH
Fahrplan m -s, Fahrpläne pac-
nHcanne äbhhcchhh noes^OB
Fall m -(e)s, Fälle cjiyqafi
fast noMTH, qyTb ne
faul aeHHßbiü, thhjioh
Faust f -, Fäuste KyjiaK
Fehltritt m -(e)s, -e ouiHÖKa
fein tohkiih
Feldzugsplan m -es njian Aew-
CTBHH
Fell n -s, -e uiKypa, wex
Fensterscheibe f -, -n okohhoc
CTCKJIO
Ferienheim n -(e)s, -e naucnonar
fern ßajieKHH
Ferne f -n jiajib
fertigwerden cnpaßjinTbcn
Fest n -es, -e npa3AHHi<, Top-
HCeCTBO
fest KpcnKO-uaKpenKo, npouno
festklammern yuenuTbcsi
feststellen ycTanaBnuBaTb, koh-
CT3THpOB3Tb
feucht BJia>KHbiü
Feuerwehr f - no>KapHan ko-
M3HA3
Fieber n -s BbicoKan TeMnepa-
Typa
Fieberschlaf rti -s jiHxopajioH-
HblH COH, O3HOÖ
Filmstar m -s, -s KHHO3Be3Aa
Fingernagel m -s, Fingernägel
HoroTb nanbua pyKM
Firme f Firmen (pupya
flechten (flocht, geflochten) njie-
CTH
Fleck m -(e)s, -e uhtho
Fleischspeise f -, -n mhch3H nu-
ma, MHCHoe öjiioao
Fleiß m -es, 6e3 pl npujioKanne,
ycepAHe
Fliege f -, -n Myxa
Flügel m -s, - poajib
Flur f -, -en nojie, hhb3
Flur m -es, -e nepejiHHa; JiecT-
HHHH3H KJICTK3
79
flüstern merrraTb
Folge f -, -n nocae^oBaTejib-
hoctl, cepHH
folgend cneaytouriin
folgsam nocjiyuiHbifi
forschend ncnbiTyiomnn, nbiTJin-
Bbiii
fortfahren (fuhr fort, fortgefah-
ren) npo/iODKaTb
fortlaufen (lief fort, fortgelau-
fen) yöeraTb, npo/ioj/KaTbCfl,
ripocnipaTbcn, TnnyTbcn
Fotogeschäft n -es, -e c|)OToaTe-
nbe
Frack tn -s (jjpaK
Freie ti npocwp;
ins Freie na npocwp, na cße-
/KJift BO3/iyx
freilich npaß^a
Freisprechung f - onpaBAanne
freitags no iiHTHwuaM
freuen, sich pa^oBaTbcn
freundlich Apy>KecTBeHHo; Jiac-
KOBbll’l
friedlich MiipHbiü
frisch CB6/KMH
Frisur f -, -en nppmecKa
froh pajocTHbiü, Becenbifi
fröhlich ßecejibifi, pa^ocTHbifi
fühlen qyBCTBOBaTb, namynbi-
B3Tb
fül!en nanojiHHTb, najiHBaTb
furchtbar yxtacno
fürchten ÖosiTbcn, onacaTbcn
furchtsam poöKwn, 6on3jiHBbin,
TpycjiiBbiir
Fußboden tn -s, Fußböden noji
G
Gabel / -, -n BHjKa
gackern KyaaxTaTb
ganz Becb, uejibiü, coßepiueHHO,
eoßcc'i
gar rqeHb, BOBce; gar nicht BOBce
He ...
Garderobe f -, -n KOCTiOMepnan
(b rearpe)
Garderobehaken m -s, - ßeiuajiKa
Garten m -s, Gärten ca;i
Gartenfest m -es, -e npa3AHHK
b cajy
Gartenmauer f -, -n caAOßan
cTena
Gasherd tn -(e)s, -e raaoßan
na HTa
Gast tn -es, Gä-ste toctb
Gasthaustisch tn -es, -e ctojihk
B K3(j)e
gebären (gebar, geboren) poAHTb
Gebirge n -s, - ropbi
geboren yp Grennan
Geburtstag m -(e)s, -e ächb ponc-
AeHHH
Gedächtnis n -ses naMHTb
gedämpft npnrayuieHHo; c^ep-
HCaHHblH
Gedanke m -ns, -n Mbicjib, hach
gedankenvoll 3aAyMaßinncb
Geduld f - Tepnenne
Gefahr f -, -en onacnocTb
gefährlich onacHbifi
gefallen (gefiel, gefallen) npa-
BMTbCH
geflochten 3anjieTeHHbift
Gefühl n -s, -e qyBCTBO, omyme-
Hue
gefüllt C H3HHHK0M
gegen npoTHB
gegenseitig B3aHMHbiH, oöoioa-
Hblft
gegenüber nanpoTHß
gegenüberliegend npoTHßojie>Ka-
IIXHH
Geheimnis n -ses, -se Tanna
geheimnisvoll TanHCTßeHHbin
Gehirn n -s, -e mo3t
gehorchen cjiymaTbcn, noßMHO-
B3TbCH
gehören npnHaAJienoTb
gehorsam nocjiyuiHO
Gekicher n -s xnxnnaHbe
gekränkt c oömaom
Gelächter n -s cMex
gelähmt napajiH3OB3H(Hbin)
gelangen AoernraTb, aoxoamtb
Geldbeutel m -s, - KomejieK
Geldschein tn -es, -e AenoKHbin
3H3K (öyMancHbni)
Geliebte rn -n, -n; f -n, -n bo3-
jnoöjieHiibin; BO3jno6aeHHan
gelingen (gelang, gelungen) y^a-
B3TbCH
Gemahl m -(e)s, -e cynpyr
Gemeinheit f -, -en HnsocTb,
noAaocTb
gemeinsam oöuinn, Bwecre
gemütlich yiOTHo; yAOÖHo; cno-
KOHHblft, AOöpo/iyiiiHbiü
genau ToqHbin, TOHb-B-TOHb, Toq-
HO
genauso tohho t3K nee
80
Generalprobe f -, -n renepajib-
naa peneTHmia
genieren (lies: [5e'ni:ran]), sich
CTeCHHTbCH
genügen ÖbiTb AocTaTOHHbiM, xßa-
TaTb
gerade npaMo, KaK pas
geraten (geriet, geraten) nonacTb,
oqyTHTbca
geräumig npocTopnuH
gereizt pasApaxceHHbiä
Gesang m -(e)s, Gesänge nenne
Gesangsrolle f -, -n cojibnaa
napTHa (Mya.)
geschehen (geschah, geschehen)
nponcxoAHTb, cjiyaaTbca
gescheit pasyMUbin, yMHbift
Geschenk n -s, -e no^apoK
geschieden pa3BeAeHHbin
Geschiedene f - ÖbiBiuaa >Kena
Geschirr n -(e)s, -e nocyjia
geschlossen saKpbiTun
geschmackvoll co BKycoM
Geschöpf n -es, -e cymecTBo
Geschrei n -s KpuK
geschweige: geschweige (denn)
tcm Öojiee, ne roBopa y»<e o ...
geschwind cKopun, ÖucTpun
Geschwister pl öpaTba n cecrpbi
Gesellschaft f -, -en oßmecTBO,
KOMnanna
gesenkt onymennbin
gespannt c jnoßonniTCTBOM, c ne-
TepnenneM
Geste f -, -n jkcct
gestehen (gestand, gestanden)
npnanasaTbca
getrennt pasoßmennmn; oTAejibHo
Gewinn tn -es, -e Bbinr-
pbim
gewinnen (gewann, gewonnen)
BbiarpbiBaTb
gewiß HaBepnaKa, tohho; ein
gewisser hckhh
Gewissen n -s coßecTb
Gewissensbisse pl yrpbiaeHHa co-
BeCTH
gewöhnen, sich npußbiKaTb Cnpyr
k Apyry); npaMapaTbca
Gewohnheit f -, -en npuBbiHKa
Girlande f -, -n rnpjiHHAa
glätten, sich pasrjiaxcuBaTbca
glauben BepuTb, nojiaraTb
gleich ceaaac, TOTaac xce; oah-
HaKOBblH
Gleichaltrige m -n, -n poBecHftK
gleichfalls paBHbiM oÖpaaoM,
TaK>Ke
gleichzeitig oAHOBpeMeHHbiü, oa-
HOBpeMeHHO
Glückwunsch tn -es, Glückwün-
sche noajipaBjieHHe
glühen ropeTb, nbiJiaTb
gnädig MHJiocTHBbia;
gnädiges Fräulein! CyAapbina!
(oöpatqeHtie)
gönnerhaft noKpoBHTejibCTBen-
Hblß
Gott tn -es, Götter 6or
greifen, sich (griff sich, sich
gegriffen) xßaTaTbca
großmächtig BejiHKOAyuiHbifi;
koji occa/ibH bin
Grün n -s, 6e3 pl aejieHb
Grund ni -es, Gründe aho
gründlich ocnoBaTejibHbiH
gucken rjiaAeTb
Gummiball m -s, Gummibälle
pe3HHOBbin Maa
Gutenachtkuß tn -sses nouejiyft
nepeA chom; einen Gutenacht-
kuß geben nouejiosaTb nepeA
CHOM
H
Hahn m -(e)s, Hähne neTyx
Haken tn -s, - KpiOK; KpioaoK
halb nanojioBHHy, nojioBnna
halblaut Bnojirojioca
hallen 3ByaaTb
Hals tn -es, Hälse uiea
halten (hielt, gehalten) ocTanaB-
AHBaTbca; Aep>xaTb
haltmachen ocTanaBjiHBaTbca
Handbewegung f -, -en abhjkc-
mie pyKoft; eine drohende
Handbewegung machen rpo-
3HTb KyjiaKOM
hängen BeuiaTb
Harmonie f rapMOHHa
hassen nenaBHAeTb
Hast f - cneuiKa
hastig ToponjiHBbift; nocneuiHo
Hauptbahnhof tn -s, Hauptbahn-
höfe UeHTpaJIbHHH BOK3aJI
Hauptgewinn tn -(e)s, -e naß-
Hblft BbIHrpblUI
Hausfrau f -, -en xoanuKa AOMa
Haushalt m -es AOMaumee xo-
3HHCTBO
Haushälterin f -, -nen 3kohomk3
81
Haushaltsbuch ti -es, Haushalts-
bücher KHHra AOMaiuHJix pacxo-
AOB
Hausherr m -n, -en xoshhh aomb
häuslich AOMauiHHH
Haustor n -s, -e napajmoe
heben (hob, gehoben) noAHHMaTb
heften npaKpenaaTb, npaKOjioTb
heilen saxuiBaTb; jieaaTb
heimkehren BO3BpamaTbca ao-
MOH
Heimleiterin f -, -nen aaBejiy-
lomaa nancHonaTOM
heimlich TaÜHo, yKpaAKoft
Heirat f -, -en 6paK, >xeHHTb6a,
3aMy>KecTBO
heiraten >xeHHTbca, BbixoAHTb 3a-
My>K
heiter Becejibiä, acHbift
Heiterkeit f - Becejibe
Heldenmut tn -es repoH3M
Helferin f -, -nen BocnHTaTejib-
HHua
hell HCHbiH, CBeTjibin; sbohkhh
her cioAa
herabsenken, sich cnycKaTbca
herandrängen, sich TonnHTbca
heraufführen npoBOAHTb Haßepx
herausblicken BbirviaAbiBaTb
herausheben (hob heraus, her-
ausgehoben) BbiABHraTb, bm-
zieJlHTb, BHHHMaTb
herausnehmen (nahm heraus, her-
ausgenommen) BblHHMaTb
herbei ciojia
Herd tn (e)s, -e njiHTa
Herde f -, -n cTajio
herein BHyTpb, cio^a
hernehmen (nahm her, herge-
nommen) B3HTb, AOCTaTb
herrlich npeßocxoAHbift, pockoui-
Hblfi, BejIHKOJienHblH
herrschen rocnoACTBOBaTb, ua-
puTb
herschauen CMOTpeTb Ha...
herstellen BoccTaHaßjiHBaTb, yc-
TanasjiHBaTb
herüber ciOAa, Ha 3Ty cTopony
herüberdringen (drang herüber,
herübergedrungen) npoHHKaTb
herumdrehen, sich KpyTHTbca,
noßopa^HBaTbCH
herumlaufen (lief herum, herum-
gelaufen) pasryjiHBaTb
herunter bhh3
herunterspringen (sprang herun-
ter, heruntergesprungen) cnpbi-
rHBaTb, npbiraTb bhh3
herunterzerren TanyTb bhhs
hervor Bnepeji, Hapy>xy
hervorholen AocraßaTb
hervorkommen BbixoAHTb
hervorstoßen (stieß hervor, her-
vorgestoßen) BOCKJIHLiaTb
herzgewinnend noKopaa cepjma
herzig MHJibift, ayAecHbiH
hierher aojia, ao chx nop, nona
HTO
hilflos ÖecnoMoniHbiÄ
hin TyAa; hin und her TyAa h
ciOAa
hinauf Bßepx, Kßepxy
hinaufsteigen (stieg hinauf, hin-
aufgestiegen) noAHHMaTbca (no
jiecTHHiie)
hinaus Hapyacy
hinausstürmen BbiÖeraTb napy-
>xy
Hindernis n -ses, -se npenaT-
cTBae, noMexa
hineinblicken 3arjiaAbiBaTb
BHyTpb
hin legen nojio>KHTb
hinschieben (schob hin, hinge-
schoben) noABHraTb (no na-
npaßjieHHio k qeMy-jiaöo)
hinstrecken npoTarHBaTb (pyKy)
hinten no3aAH, c3aAH
hinter no3aAH
Hinterkopf m -es 3aTbiJioK
hinüber no Ty cTopony
hinüberbeugen, sich HaKjioHaTb-
ca
hinüberdringen (drang hinüber,
hinübergedrungen) npoHHKaTb
hinunter bhh3
hinuntersteigen (stieg hinunter,
hinuntergestiegen) cnycKaTb-
ca
hinzu k 3TOMy
hinzufügen AoÖaßjiaTb
hochbefriedigt yAOBjieTBopeHHbiä
hochblicken rjiaAeTb Bßepx, noA-
HHMaTb rjiaaa
hochgeschätzt ysaxaeMbiH
höchst BblCUIHH, BHCOqaHUIHH,
KpaÜHe;
es ist die höchste Zeit yace
nopa
hochstrecken npoTarHBaTb
82
Hochzeitstag tn -es, -e Aehb CBa^b*
6h
hocken ycaxtHBaTbca; cH^eTb na
KOpTOHKaX
hoffen HaAeHTbCH
hoffentlich mojkct ÖHTb
höflich bokjihbo
Hofrat tn -s, Hofräte cobcthhk
Höhepunkt tn -s, -e Bbicuian toh-
Ka, KyjIbMHHaUHOHHHH FiyHKT
holen AOCTaßaTb; noKynaTb
horchen noACjiyuiHBaTb
Hörer tn -s, - TejiecjjoHHaa Tpy6-
Ka
hübsch xopouienbKHH, mhjiobha-
HblH
Huhn n -s, Hühner Kypmia
hupen ryAeTb, CHrnajiHTb
hüpfen cocKaKHBaTb
huschen npoMejibKHyTb; uiMbir-
nyTb
husten KauijiHTB
I
ihretwegen H3-3a nee, H3-3a hhx
immerhin Bee >xe
indessen tcm BpeMeneM
inmitten cpejm, nocpejiHHe
innen BHyTpn
Innenleben n -s BHyTpeHHHH
>KH3Hb
Insel f -, -n octpob
inzwischen Me>KAy tcm; tcm Bpe-
MeneM
irgendjemand KTo-HHÖyjib
irgendwer kto-to
irgendwie Koe-KaK
irgendwo nie-HHöyAb
ironisch HpoHHnecKHH
J
Jagdhund tn -es, -e oxoTHHHba co-
6axa
jedenfalls bo bchkom cjiynae
jedesmal bchkhh (Kalbin) pa3
jemand KTo-HHÖyjib
jene Ta, Ty
K
Kaffee m -s, 6e3 pl Kocjje
Kalb n -s, Kälber tcjichok
Kalbsschnitzel tn -s, - tcjihhuh
UIHHUeJIb
Kamm tn -(e)s, Kämme pacnec-
Ka, rpeÖemoK
kämmen, sich nprfqecbiBäTbca
Kante f -, -n Kpaft
Kapitel n -s, - rjiaBa
Karpfen tn -s, - Kapn
Käsebrot n -s, -e ÖyTepÖpoA c
CbipOM
Kaufhaus n -es, Kaufhäuser Ma-
ra3HH
Kaufmanns laden tn -s, Kauf-
mannläden Mara3HH
kaum e#Ba, jinuib tojibko
kehren noBopa^HBaTb
keineswegs hhkohm oÖpasoM,
HHqyTb
Kellner tn -s, - ocjjHunaHT
Kette f -, -n uenonKa
kichern xnxHKaTb
Kinderbild n -es, -er AeTCKaa
KapTOHKa
Kinderheim n -es, -e actckhü
nancuoHaT
Kindheit f - actctbo
Kissen n -s, - no^yuiKa
Kiste f -, -n hiiihk
klappen jia^HTbCH
klappern cTynaTb
klatschen xJionaTb; paa/iaBaTbcfl
Klavier n -s, -e (JjopTenbHHo,
pOHJIb
Klavierlehrer m -s, - yqnTejib
nrpbi na poajie
Klavierunterricht tn -(e)s, 6e3
pl ypoKH nrpbi na poajie
Kleine f -, -n MajieHbKaa, Ma-
JIHUIKa
Klette f -, -n penefi
klettern BjieaaTb, B36npaTbCH
klimpern öpeHqaTb
klingeln 3BOHHTb
klopfen CTyqaTb, noxJionHBaTb
klug yMHHH
Knicks tn -es, -e peBepanc
knicksen AejiaTb peBepanc
Knie n -s, - kojicho
knien onycKaTbca na kojichh
knipsen (JjoTorpatjjiipoBaTb
Knochen tn -s, - koctb
Kochbuch n -es, Kochbücher Ky-
jiHHapnaH KHnra
kochen roTOBHTb, BapuTb, crpa-
naTb
kochend khuhiiihh
Köchin f -, -nen KyxapKa
Koffer tn -s, - hcmoahh
Kollege tn -n, -n Kojijiera, to-
Bapnm
83
Kommando n -s, -s KowaHjia,
npuKaa
komplizieren ocjiomhatb
kompliziert cjiokhmö
komponieren coaHHHTb MyawKy
Komponist tn -es, -en komho3h-
TOp
Kompresse f -, -n KOMnpecc
Konfektschachtel f -, -n ko-
pOÖKa KOHCpeT
Konzertdirektion f - KomiepTHoe
6iopo
kopfschüttelnd noKa^HBaa rojio-
BOH
Korb tn -es, Körbe Kopsuna
Körper tn -s, - tcjio
körperlich $H3HqecKHH
kosten ctohtb
krach! 6au!
Kraft f Kräfte CHjia
krähen neTb (o neryxe)
kramen nepeßnpaTb, pHTbca
kränken oropqaTb, oÖHJxaTb
Kranz tn -es, Kränze bchok
kratzen, sich nonecuBaTb
Krawatte f -, - rajicTyK
Kreis tn -es, -e Kpyr
kreischen npoH3HTejibHo KpnqaTb
Kreisel tn -s, - rojia
kreisrund no Kpyry; KpyrjibiH
kreuzen, sich nepeceKaTbca,
BCTpenaTbCH
kriegen nojiyqaTb
Krise f -, -n KpH3HC
kritzeln nncaTb KapaKyjiHMH, ua-
panaTb
Küche f -, -n KyxHH
Kuchen tn -s, - nnpoxiHoe, TopT
Küchen lei ter f -, -n KyxoHHaa
jiecTHHua
Küchenschrank tn -es, Küchen-
schränke KyxoHHbifi 6y4)eT
kühl npoxJiaAHbifi, xojioahmh
Kummer tn -s, 6e3 pl rope, ne-
najib, CKopÖb
kümmern, sich 3a6oTHTbca, 06-
pamaTb BHUManne
künftig ÖyjiyiiiHH; Bnpejib
Künstler tn -s, - apTHCT
Künstlerherz n -ens, -en cepjme
apTHCTa
Künstlernatur f -, -en apTHCTH-
qecKaa Ayina
Kunstmaler tn -s, - xyaojKHHK
küssen uejiosaTb
Kuvert n -s> -e kohbcpt
Künstlerhaupt tn -s rojiosa ap*
THCTa
L
lächeln yjibiÖaTbca, ycMexaTb-
CH
Lächeln n -s, 6e3 pl yjibiÖKa
lächelnd yjibiöaacb
Lachen n -s, 6e3 pl cmcx
lächerlich cmcuihoh
laden (lud, geladen) npnrjia-
UiaTb, 3BaTb
Ladentisch tn -es, -e npujiaBOK
Lage f -, -n nojiojxeHHe
Lampen fieber n -s boji nenne ne-
peA BbixoAOM Ha cueny
Lampion n -s, -s (JjonapnK
lang AaBHo; ajihhheih
langsam thxo, mcajichho
längst AaBHo
Lärm tn -(e)s, 6e3 pl inyM, cy-
MaToxa
lärmend rnyMHHH, inyMjiHBbiH
lassen (ließ, gelassen) ocraBjiHTb
Laterne f -, -n ({jonapb
Laub n -(e)s jincTBa
Lauf tn -es, Läufe 6er, npoöer
lauschen npHCjiyuiHBaTbCH
läuten 3BOHHTb
lautlos 6e33ByqHHH, 6c3mojib-
Hblft
lebendig khboh
Lebensmittelgeschäft n -es, -e
npoAOBOjibCTBeHHaa jiaBKa
Lebewesen n -s, - jkhboc cymecr-
BO
lebhaft khboh, Öohkhü, o>khb-
JieHHblH
leer nycTofi, nopo>KHHH
legen oacTb
lehnen, sich npHCjioHHTbca
leiden (litt, gelitten) TepneTb,
BblHOCHTb
leidenschaftlich CTpacTHHÖ; 3a-
xjieöbißaacb
leider k coKajieHHio
leise thxhh, e/ißa cjihuiho, ne-
rpoMKo
Leiter f -, -n JiecTHHua (npHcraB-
naa), cTpeMHHKa
Leiterin f -, -nen pyKOBOAHTejib-
HHua, 3aBeAyK)maa
Letzte tn -n, -n nocneAHHii (noc-
jieAHaa, nocjieAHee)
Licht n -(e)s, -e cbct
84
Lichtschein tn -es, -e jiyq cßeTa
lieb mhjihh, uoporoft
Lieblingsspeise f -n jnoÖHMoe
6jikw)
Lippe f -n ry6a
listig xHTpo
Locke f -n jiokoh (mh. KyApn)
lockig KyApHBblH
Löffel tn -s, - jio>KKa
löffeln qepnaTb •
Logentür f -, -en ABepb b jio>xy
Lokomotive f -, -n napoßoa, jio-
KOMOTHB
lösen: eine Fahrkarte lösen no-
KynaTb (npoesAHofi) öhjict
Losnummer f -, -n HOMep jiotc-
peHHoro ÖHjieTa
losreißen, sich (riß sich los, sich
losgerissen) oTpbiBaTbca
Lüge f -, -n jio>Kb
Lupe f -, -n jiyna
Lust f - pa^ocTb, yjioBOjibCTBHe
lustig Becejibiu, saöaßHbiH
M
Mädel n -s, - jjeßonKa
Magen tn -s, - jxejiyjioK
Mal n -(e)s, -e pa3
malen pucosaTb, nncaTb Kpac-
KaMH
Maler tn -s, - xyjio>KHHK, >khbo-
nHceii
manch hhoh, HeKOTopbifi
manchmal nHorna, ne pa3
manierlich yqTHßbifi
Mappe f -, -n nanica, nopTcfjejib
Märchenbild n -(e)s, -er $aHTac-
THqecKaa KapTHHKa
Masern pl Kopb
Matz m -es, -e Majiwui
Mauer f -, -n crena, orpajia (Ka-
MeHHan)
mehr Öojibiue; nicht mehr yx<e
He ..., öojibine He ...
meinen nojiaraTb, AyMaTb, noji-
pa3yMesaTb
Meinung f -, -en mhchhc
Meister tn -s, - MacTep cnopTa
melden cooömaTb, uoKjia/ibiBaTb
Melodie f -, -n mcjioahh
Menge f -, -n Tojina
merken saMenaTb, oßpamaTb bhh-
MaHne
merklich saMeTHbiü
merkwürdig cTpaHHbifi
Metzger tn -s, - mhchhk; koji-
ÖaCHHK
mieten cHHMaTb, HaHHMaTb
Mi Ich fasse f -, -n qauiKa ajih
MOJIOKa
mischen, sich BMeniHBaTbca, npH-
MeiHHBaTbCH
Mitarbeiterin f -, -nen coTpyji-
HHua
mitbringen (brachte mit, mit-
gebracht) npHBO3HTb C COÖOH
miteinander cobmcctho, Apyr c
ApyroM
mitpfeifen (pfiff mit, mitge-
pfiffen) nOACBHCTHBaTb
Mitschüler tn -s, - TOBapum no
uiKOjie
mittags b nojiACHb
mitteilen cooßmaTb
Mittel n -s, - cpejicTBo, cnocoö;
jieKapcTBo
mitten nocpeÄH
mittwochs no cpejiaM
Möbelpacker tn -s, - paöonHH
no nepeBO3Ke MeÖejiH
modulieren nepeßojiHTb b jipy-
ryK) TonajibHocTb (My3.)
möglich B03M0>KHbIH
Möhre f -, -n MopKOBb
Mond tn -es, -e mcchu, Jiyna
montags no noHejiejibHHKaM
müde ycTajibifi
Mühe f -, -n ycHjiHe;
sich Mühe geben npHjio>KHTb
cTapaHHe
mühsam c ÖojibuiHM TpyjiOM
Mund tn -es, Münder poT, ycra
Mundharmonika f -, -ken ryö-
Han rapMOHHKa
munter Öoaphh, BecejiHft, >kh-
boh
murmeln ÖopMOTaTb
murren öypqaTb
mürrisch BopqjiHBbiH
Muskatnuß f -, Muskatnüsse Myc-
KaTHbiü opex
Mut tn -(e)s My>xecTBO, jiyx
mütterlich no-MaTepHHCKH
Mutti f -, -s MaMOHKa
Mütze f -, -n inanKa, (J)ypa>KKa,
KOjinaK
N
nach nocjie
Nachbar tn -n, -n coceji
nachdem nocjie Toro, KaK
85
nachdenken (dachte nach, nach-
gedacht) jiyMaTb, pa3Mbiuwi5iTb
nachdenklich aa/iyMHMBbiii
nachher nocjie Toro, hotom
nachholen HasepcTbiBaTb
nach lassen (ließ nach, nachge-
lassen) ocTaBjiBTb (nocjie ceöa)
Nachmittag m -(e)s, -e nocjie-
oöeueHHoe BpeMH
nachrechnen nepecnwTbiBaTb
nachschlagen (schlug nach, nach-
geschlagen) cnpaBjiBTbCB
nächst öjiwjKaiiiiiMii
nachstarren CMOTpeTb bcjica
Nachtapotheke f -, -n Ae>Kyp-
Haa anieKa
Nachthemd n -es, -en HOHHaa
pyöainKa
Nähe f -, 6e3 pl 6jm3OCTb
näher 6jin>Ke
nahgelegen 6jiM3jie>KamMM
namens no mmchm
nämlich tot, Ta, a mmchho, to
ecTb
nanu! Hy h Hy!
naß MOKpblH, BJia>KHblH
natürlich kohchho, paayMeeTca
nebenan BO3jie, phaom, y, okojio
nebeneinander pflAOM, Apyr BO3jie
Apyra
Nebensache f -, -n BTOpocreneH-
Hoe aejio, mcjiohb
Nebenzimmer n -s, - coceAHHH
KOMHaTa
neigen cKjioHHTb, HaooHiiTb
Nervenfieber n -s HepBHaa jihxo-
pa/iKa
nervös HepBHbiü
nett MHjibiii
Netz n -es, -e ceTKa, cyMKa
Neue m -n, -n hobhhok
neuerdings HeaaBHo
Neugier f -, 6e3 pl jnoöonbiT-
CTBO
neugierig c jnoöonbiTCTBOM; c He-
TepneHHeM
neulich HeaaBHO, Ha ahhx
Neuling m -s, - hobhhok
nichts HHnero
nicken KHBaTb (tojioboh)
nie(mals) HMKorjia
niederlassen, sich (ließ sich nie-
der, sich niedergelassen) ca-
AHTbCH, OnyCTHTbCH
niederschreiben (schrieb nieder,
niedergeschrieben) aanncbiBaTb
noch immer Bee eme
Note f -n HOTa, OTMeTKa, no-
MeTKa
notieren OTMenaTb, aanncbiBaTb
nötig Hy>KHO
Notiz f -, -en 3aMeTKa, noMeTKa,
OTMeTKa, 3anncb
Notizbuch n -es, Notizbücher 3a-
nHCHafl KHMJKKa
Nudel f -, -n jianma
Nudelsuppe f -, -n cyn c jianmoii
0
ob JIM
oben Hasepxy, BBepxy
Oberlicht n -es cbct, HaaaiomMM
csepxy
obgleich xoth, HecMOTpa Ha to,
hto
obwohl XOTH, HeCMOTpfl Ha TO,
HTO
offen OTKpbiTbiü, pacKpbiTbiü
offenbar oneBMAHbiü
Ohrfeige f -, -n nomenMHa
Omnibus tn -ses, -se aBTodyc
Opernglas n -es, Operngläser
ÖMHOKJIb
Opernsängerin f -, -nen cojincTKa
onepbi
Opfer n -s, - >KepTBa
ordnungsgemäß b cootbctctbmm
C yCTaHOBJieHHblM nOpMAKOM
Ouvertüre f -, -n ysepTiopa
P
paar napHbiü; ein paar HecKOJibKo
packen ynaKOBbisaTb, yKjiaAbi-
saTb
Packer tn -s, - ynaKOBiiiMK
Palette f -, -n najiMTpa
Paradies n -es, -e paü
Parkett n -s, -e napKeT; napTep
(nepeAHMe psi ah)
Partiturseite f -, -n CTpaHnua
napTMTypbi
passend noAxoAHiUMÜ
passieren npOMcxoAMTb, cjiynaTb-
C5I
pausbäckig tojictohickhm
Pause f -n nepepbiB, nayaa,
aHTpaKT
Person f -, -en jimuo, hcjiobck
Persönchen n -s, - ocoöowa
pfeifen (pfiff, gepfiffen) CBMCTeTb
86
Pfeil tn -s, -e cTpejia
Pfennig m -s, -e ncpeHHHr (mo-
HeTa)
Pferdeweide f -, -n nacTÖwme
pflücken paaTb, cpbißaTb
Pfund n -es, -e (pyHT
Philharmonie f - (pnjiapMOHMH
pikant nwKaHTHbiii (oneHb hhtc-
pecHbifi)
Pinsel tn -s, - kmctb
planen njiamipoBaTb, npoeKTM-
posaTb
planschen njiecKaTbc«, nwienaTb
no BO/ie
plappern rapaTopMTb, Tpemaib
Platte f - HeraTMB
plaudern bcctm jierKwii paaro-
Bop; öojiTaTb
plötzlich Bapyr, BHeaanHO
Portier tn -s, -s uiBeüuap
Postamt n -s, Postämter non-
TaMT
postlagernd 40 BocTpedoBamm
Postschalter m -s, - okho (hcl
noume)
praktisch npaKTMHHbiü
Praline f -, -n inoKOjiaAHaa koh-
cpeTa
Preis m -es, -e ueiia, npM3, Ha-
rpa/ia
pressen npM>KMMaTb
prügeln öhtb, kojiotmtb
Puderdose f -, -n ny/ipeHMua
Pult n -(e)s, -e momiTp
Punkt: Punkt 3 Uhr tohho b Tpn
naca
Puppe f -, -n Kyoa
Puppenwagen m -s, - KyKOJibHaa
KOJIBCKa
putzen HMCTHTb
R
Rahmen m -s, - paMa, jmepb
Rand m -es, Ränder nojie (uijih-
nbi)
Ranzen m -s, - paneii, cyMKa
rasch öbicTpbiü, cKOpbiü
rasen MHaTbca
raten (riet, geraten) coseTOBaTb;
oira/ibiBaTb
ratlos pacTepBHHo; öecnoMom-
Hblft
Ratschlag m -es, Ratschläge co-
bct
Rätsel n -s, - Tafina
rätselhaft 3araAO4Hbiii, HenoHHT-
HblÜ
Raubtier n -es, -e xwiiiHoe >km-
BOTHOe
Raum m -es, Räume npocTpaH-
ctbo, KOMHaia, noMememie
räuspern, sich OTKainjiMBaTbca
Rechenstunde f -, -n ypoK apw(j)-
MCTMKM
Rechnen n -s, 6e3 pl apn(j)MeTMKa
rechnen cnwTaTb, BbiHMCJiHTb
Rechner m -s, - MaieMaTHK
recht oneHb; aobojibho
rechtzeitig BOBpeM«
reden roßopwTb, öece/iOBaTb
Regenmantel m -s, Regenmäntel
miam
Reibeisen n -s, - TepKa
reiben (rieb, gerieben) TepeTb,
noTMpaTb
reichen no^asaTb; xsaiaTb (öbiTb
40CT3T0HHblM)
Reigen m -s, - xopOBOA
Reihe f -, -n pn/i
Reisekoffer tn -s, - Äopo/KHbiü
neMO/iaH
Reisende m -n, -n nacca>KMp
reißen (riß, gerissen) psaib
reizend npejiecTHbiii
rennen (rannte, gerannt) 6po-
caTbCH CTpeMrjiaB
Restaurant (lies: [resto'ra.]) n
-s, -s pecTopaH
richten HaBO^MTb, HanpaBJiHTb
richten, sich pyKOBOÄCTBOBaTb-
ch, oöpamaTbCH
Richtung f -en HanpaBjieHne
riechen (roch, gerochen) nax-
HyTb
riesengroß rnraHTCKMii
Rind n -es, -er KpynHbiw po-
raTbift ckot
Rindfleisch n -es roBHAMHa
Rolle f -, -n pojib
rollen KaTMTbca
Roller tn -s, - caMOKa?
Rollschuh tn -es, -e pojiwKOBbiw
K0H6K
Roman tn -s, -e poMaH
Rücken n -s, - cnwHa
rufen (rief, gerufen) KpunaTb,
3B3Tb
rund KpyrjibiH
runzeln MOpmuTb (jioö), xwy-
pMTb (ÖpOBM)
rutschen ep3aTb; cocKajibßbißaTb
87
s
Sache f -, -n npe/iMe?, jjejio, 06-
CTOflTejIbCTBO
sachlich no-jjejiOBOMy
Sahne f - cjihbkh
Salz n -es, -e cojib
Samtbrüstung f -, -en öapxaT-
Haa 6ajnocTpa.ua, nepwjia
Sanft KpOTKHÜ, MflrKHH, He>K-
HblH
Sauerkraut n -es KHCJiaa Kanyc-
Ta
sauersüß npWHy>K,neHHO
säuseln niejiecTeTt; nienTaTb
sausen MnaTbca
schaben cKOÖjiWTb
schade >Kajib
scharf pe3Ko; aopKwfi
Schatten tn -s, - TeHb
schauen CMOTpeTb
Schaufenster n -s, - BHTpuHa
schaukeln Kanaib, KanaTbca
Scheibe f -, -n okqhhoc ctckjio
scheiden (schied, geschieden) pa3-
BOÄWTb, OTJjejIBTb
Scheidung f -, -en pa3B0A
Schein tn -(e)s, -e achokheiw
3HaK (GyMaotctibitT)
Schemel m -s, - TaöypeTKa
schenken jjapwTb
scheu 6ofl3jiWBbifi, nyrjiHBHH
scheuen wsöeraTb, öoflTbca
schicken nocbijiaib
schieben (schob, geschoben) toji-
KaTb; (sich) npoTHCKHBaTbca
schielen KOCHTb rjiasaMH
Schild n -es, -er BbisecKa
schimmern MepuaTb, öjiwcTaTb
schimpfen pyraib
Schirm m -(e)s, -e 3oht
Schirmchen n -s, - sohthk
Schlaf tn -es, 6e3 pl coh
Schläfe f -, -n bhcok
schlaftrunken sacnaHHbiir, b no-
jiycne
schlagen, sich (schlug sich, sich
geschlagen) ÖHTbca (BOKpyr ce-
6b)
schlau xHTpbiö
schleichen, sich (schlich sich,
sich geschlichen) npoöpaTbca
THXO; TafiKOM
schleppen TauiHTb, hccth
schließen (schloß, geschlossen)
3aKpbiBaTb
schließlich »aKoneu, b kohuc
kohuob
schlimm njioxo
schlingen (schlang, geschlungen)
OÖBHBaTb
schluchzen pbijjaTb, Bcxjiwnbi-
Ba?b
Schluck tn -s, -e tjiotok
schlüpfen niMbirHyTb, lopKHyTb
Schluß m -sses, -sse ko Heu;
Schluß machen KouqaTb
Schlüssel tn -s, - om
schmal ocyHyBmwficfl
schmecken HpaBHTbc« (no BKycy)
schmelzen (schmolz, geschmol-
zen) njiaBHTb, pacTanjiHBaib
Schmerz tn -es, -en 6ojib
Schmetterling m -(e)s, -e 6a-
6oHKa
Schmetterlingsnetz n -es, -e ca-
HOK AJIH jiobjih 6a6o<ieK
schmiegen, sich npuncuMaTbCH,
jiacKaTbcfl
schmücken yKpamaTb
schmunzeln yxMbijiflTbCfl
schnappen >KaAHO xsaiaTb (3y-
6aMw)
schnarchen xpaneib
Schneekönig tn -s, -e chokhmh
KOpOJIb
schon y>Ke
schön npeKpacHHH
Schrank tn -(e)s, Schränke inKatj)
Schrankzimmer n -s, - rapjjepoö-
Ha$L
Schreck 'm -(e)s, -e y>Kac, cipax
schrecklich y>KacHbiH, >KyTKwfi
Schrei m -(e)s, -e KpwK
Schreibpult n -es, -e nwcbMeH-
hhP ctoji (naptna)
Schreibtisch m -es, -e nwcbMeH-
Hblfi CTOJI
Schreibtischsessel m -s, - xpecjio
K nWCbMCHHOMy CTOJiy
schreien (schrie, geschrien) Kpw-
<iaTb
schreiten (schritt, geschritten)
maraTb
Schrift f -, -en nonepK
Schritt tn -es, -e mar, nociynb
Schubfach n -es, Schubfächer bh-
ÄBWJKHOfi 5III1HK (cmOAa)
Schubkarren tn -s, - jiotok; Tan-
Ka
Schublade f -, -n bhabhjkhoü
5HIIHK
88
schüchtern HepeniHTejibHo; po6-
KWfi
Schuld f - BHHa; jjojir
schuld sein ÖHTb bhhobhhm
Schuldiener tn -s, - niKOjibHbifi
cjiyjKamHW
Schulhof tn -s, Schulhöfe niKOjib-
HHH ABOp
Schulmann tn -es, Schulmänner
HIKOJIbHHH paÖOTHHK
Schulranzen tn -s, - paneii, cyM-
Ka
Schulter f -, -n njieno
Schultor n -s, -e mKOjibHHe bo-
poia
Schürze f -n (papiyK
Schüssel f -n MHCKa, öjiiojio
schütteln KanaTb, TpacTW
Schwäche f - cjiaöocTb
schwanken Apo>KaTb, KOJieöaTbca
Schwanz tn -es, Schwänze xboct
schweigen (schwieg, geschwiegen)
MojmaTb
Schweinebraten m -s jKapeHaa
CBMHHHa
Schwierigkeit f -, -en TpyAHOCTb,
3aTpyAHeHne
Schwindler tn -s, - oÖMaHmHK
See tn -s, -n oaepo
seelisch AyxoBHbiw; AymeBHbm
sehnen, sich TocKOßaTb
seinerzeit b csoe BpeMfl, b to
BpeMfl
seit c, ot
seitdem c Tex nop, c Toro BpeMe-
HH
selber caM, caMa, caMO
selbstverständlich caMO coöofi pa-
3yMeeTCfl
selten pejjKHH
seltsam cTpaHHWH
Sendung f -, -en OTnpaBjieHwe,
nocbuiKa
senken onycKaib, norpy>KaTb
Sessel tn -s, - Kpecjio
setzen ca>KaTb
seufzen B3jibixaTb
sicher HaßepHHKa, ysepeHHo
silbern cepeöprsiHbiH
sinken (sank, gesunken) onyc-
KaTbCfl
Situation f -, -en odcraHOBKa,
cHTyauHfl
skizzieren jjejiaTb HaöpocoK (sc-
KH3)
SO TaK, Ta KOB, TaKOH
soeben tojibko hto
sooft BCBKWfi pa3 KaK
Sofa n -s, -s jjHBaH, KymeTKa
sofort HeMejuieHHO
sogar jia>Ke
solch Ta KOH
sommersprossig BecHynmaTbift
Sonnabendmittag tn -s, -e cyö-
ÖOTHHfi nOJIACHb
sonnabends no cyööoTaM
sonntäglich socKpecHbin
Sonntagsmorgen m -s, - ßocKpec-
Hoe yTpo
sonst a to, HHane
Sopranistin f -, -nen conpano
(neBHita)
Sorge f -, -n saöora, Tpesora
sorgen saöoTHTbca, xjionoTaTb
sorgfältig cTapaTejibHHH, Tma-
TejibHbifi
soviel cTOJibKO, TaK mhofo
sowie TaK>Ke KaK h, KaK tojibko
sowohl... als auch KaK ..., TaK h
spannen HanparaTb, HaTHrHBaTb
spannend yßjieKaTejibHbifi
spät no3AHo
spazieren nporyjiHßaTbca
Speise f -, -n KymaHbe, öjiioao
Speisesaal tn -s, Speisesäle cto-
jiOBaa
Speisezettel m -s, - mchio
spendieren yromaTb, jjapHTb
Spiegel m -s, - 3epKajio
Spiel n -e(s), -e Hrpa
Spielsache f -, -n HrpyniKa
Spielzeugschrank m -(e)s, Spiel-
zeugschränke iuKa(|) /um Hrpy-
ni eK
spitz ocTpbift; ejjKO
spöttisch HacMenijiHßo; HpOHH-
HeCKHH
springen (sprang, gesprungen)
npHraTb, cKaKaTb
Spritze f -, -n yKOji
spüren qyßCTBOßaTb
Staatsoper f -, -n rocyaapcTBeH-
Haa onepa
Staffelei f -, -en MOjiböepT
Stall tn -s, Ställe xjicb
stammeln öopMOTaTb
Stammgast tn -es, Stammgäste
3aßcerjiaTaH
Standesamt n öiopo 3anHCH aK-
tob rpajKjjaHCKoro coctohhhh
(3ArC)
89
Stapel tn -s, - crona
starren npwcTajibHo CMOTpeTt; yc-
TaBHTbCfl
Stationsvorsteher m, -s, - na-
HajIbHHK CTaHUHH
staunen nopajKaTbca
stecken HaxoÄHTbca, öbiTb, TOp-
qaib
stecken noMemaib, cosaTb
Stehlampe f -, -n Topuiep
steigen (stieg, gestiegen) iioähh-
MaTbCfl
Stiefmutter f -, Stiefmütter
Manexa
Still THXO, 6e3MOJlBHbIW
Stimme f -, -n rojioc
Stimmung f -, -en HacTpoeHwe
Stirn f -, -en jio6
Stock tn -(e)s, Stöcke najiKa,
CTepjKeub; 3?a>K
Stockwerk n -es, -e 3?a>K, apyc
Stoffhund tn -es, -e HrpynienHaa
coöaKa
stöhnen cTOHaib
stolz ropAbift
stolzieren b3>kho hath
stopfen niTonaTb
stören MeinaTb, öecnoKOHTb
stoßen (stieß, gestoßen) TOJiKaTb
strafen HaKasbisaTb
strahlen cwflTb, ÖJiwcTaTb
sträuben, sich npOTHBHTbCH, co-
npOTHBJIBTbCfl
Strauß tn -sses, Sträuße öyKeT
streben cTpeMHTbca, AOÖHBaTbca
streicheln rjia/iWTb pyKoft, jiac-
Kaib
streiten (stritt, gestritten)cnopWTb
streng cTporwii, cypoBbift
Strom m -es, Ströme noTOK, Te-
qeHwe
strömen Te<ib, cTeKaTbca, Hanpas-
JIBTbCfl
Stubenmädchen n -s, - ropHHHHasi
studieren H3yqaTb; yqwTbCH (b
HHCTHTyTe)
stundenlang qacaMH
stürzen najjaTb, BajiHTbca
summen >Ky>K>KaTb
Suppengrün n -s, 6e3 pl se/ienb
(npHnpasa) ajib cyna
süß cjiaAKHÜ
Süßigkeit f -en cnaAOCTb
(MH. H.); CJiaCTH
Szepter n tn -s, - cKwneTp;
das Szepter führen ynpasjiHTb
T
Tablett n -s, -e no/inoc
täglich ejKejiHeBHO
Tal n -(e)s, Täler aoahha
Tapferkeit f - cMejiocTb
Tasche f -, -n cyMKa
Taschengeld n -es KapMaHHbie
AeHbrw
Taste f -n oaBHma (pofljifl)
tatsächlich AeftcTBHTejibHbiH, na
caMOM jjejie
tauchen norpy>KaTb
tauschen MeHHTb(cfl)
tausendmal Tbicsmy pa3
Taxi n -s, -s takch
teilen AeJiHTb
teilnehmen (nahm teil, teilge-
nommen) ynacTBOBaib
Telefonbuch n -es, Telefonbücher
aÖOHCHTHafl KHH>KKa
Teiler tn -s, - Tape/iKa
teuer Aoporoft (no ctohmocth)
Thermosflasche f -, -n TepMoc
ticken THKaib
Tier n -(e)s, -e 3sepb, jkwbothoc
Tintenfaß n -sses, Tintenfässer
nepHHjibHHua
Tintenklecks tn -es, -e qepHHjib-
Hoe nflTHO
tippen AOTparwBaTbCB, cjierKa
npHKacaibCfl
Titelbild n -(e)s, -er HJiJiiocTpa-
uhb na oöjio>KKe (>KypHajia)
Titelblatt n -es, Titelblätter
HJIJIIOCTpHpOBaHHafl OÖJlO>KKa
(>KypHajia)
Tombola f -, -len BemeBaa jiotc-
pea
Tonfolge f -, -n mcjioahh
Topf m -(e)s, Töpfe KacTpiojifl
Topfdeckel tn -s, - KpuuiKa ot
KaCTpKMH
Tor n -(e)s, -e Bopoia
Träne f -, -n cjiesa
träumen BHjjeTb bo cne, CHHTbca
traurig nenajibHuft
Trauung f -, -en öpaKOconeTa-
Hwe,
eine Trauung vornehmen 3a-
omaTb öpaKoconeTaHwe
Trauzeuge tn -n, -n CBHjjeTejib
npw öpaKOconeTaHHH
treffend MerKHfi
treiben (trieb, getrieben) rnaTb
Treppe f -, -n jiecTHHiia
90
treten (trat, getreten) bxoahtl,
noAxoAHTb; HacTynaTb
triumphieren TopacecTBOBaTb
trocken cyxofi
Trost tn -es yTenieHHe
trösten yreinaTb
Trotz tn -es, 6e3 pl ynpHMCTßo
trotz HecMOTp« Ha, BonpeKH
Tuch n -es, Tücher nojioTHO, no-
KpbiBajio, nJiaTOK
tüchtig AeJibHbifi, cTapaTejibHbifi;
0CH0B3TeJIbH0
tun (tat, getan) jjejiaTb; ncnoji-
HHTb; npH^HHHTb
tupfen BbiTHpaTb; AOTparHßaTbcn
Turm tn -(e)s, Türme öaniHH,
TeMHima
Tüte f -, -n KyjieK
U
über H3A, Bbime, qepea
überall noßciony, Bea^e
überfüllen nepenoiHHTb
überglücklich öeawepHO c^acT-
JIHBblH
überhaupt ßooöme
überlaufen (lief über, übergelau-
fen) jiHTbCH 4epe3 Kpaü
überlegen oöjjyMbiBaTb; nojjyMaTb
überraschen 3axB3TbiBaTb ßpac-
njiox, nopaH<aTb
Überraschung f -, -en hcojkh-
AaHHOCTb, CK)pnpH3
überreden yroBapHBaTb, yöe>K-
A3Tb
überreichen nepejjaßaTb
überwachen HaöjnojiaTb 3a kcm-
JIHÖO
überzeugt sein öbiTb yßepeHHbiM
übrigens ßnpo^eM
Ufer n -s, - öeper
umarmen oÖHHMaTb
umbinden (band um, umgebun-
den) OTBH3blB3Tb, nepCBH3bl-
B3Tb
umdrehen noBopammaTb,
sich oöopaqHBaTbCH, nepeßep-
HyTbCH
umringen 0Kpy>KaTb
umschauen, sich 03HpaTbcn bo-
Kpyr
umsehen, sich (sah sich um,
sich umgesehen) orjifljibiBaTbCfl
BOKpyr
umwenden, sich (wandte sich um,
sich umgewandt) oöopannBaTb-
csi
umziehen (zog um,' umgezogen)
nepee3>KaTb (Ha jjpyryio Kßap-
THpy)
unangemeldet 6e3 npeflßapHTejib-
HOft AOrOBOpeHHOCTH
unaufhörlich öecnpepbißHbiü
unaufmerksam HeßHHMaTejibHO
Unaufmerksamkeit f - HeßHHMa-
TCJIbHOCTb
unbedingt oönaaTejibHo, öeayc-
JIOBHO
unbescheiden HecKpoMHo
unerwartet HeojKHflaHHbifi
unfaßbar HeyjioßHMbifi, HenocTH-
JKHMblfi
ungeahnt Heo>KmiaHHbiii, Hem-
BeCTHblfi
Ungeduld f -, 6e3 pl HeTepneHHe
ungeduldig pa3jjpa>KeHHo
ungern hcoxotho
unglaublich HeßepoHTHbiü
ungnädig HejjoBOJibHO
unsanft rpyöo, pe3K0
unschlüssig HepeiUHTejibHbiü
unsichtbar HeßHAUMbiH
unterbrechen (unterbrach, unter-
brochen) npepbißaTb
unterdrücken cjiep>KHBaTb, no-
AaßJiHTb
untergehen (ging unter, unter-
gegangen) 33XOAHTb
Unterschied tn -(e)s, -e pasjiH^ne
Unterschrift f -, -en noanncb
unterwegs b jjopore
untrüglich öeaoniHÖo^HbiH
unvergessen HeaaöbißaeMbiH
unverständlich HenoHHTHbiü
unvorhergesehen HenpejiBmieH-
HblH, HeOJKH/iaHHbin
uralt oqeHb ApeßHHÜ
urauf führen craBHTb, ncnojiHHTb
(nbecy) ßnepßbie
Urlaub m -(e)s, -e omycK
V
Vase f -, -n Basa
Vati tn -s, -s nano^Ka (jiacKam.}
verächtlich npeapHTejibHbiü
verändern, sich H3MeHHTbCH, ne-
peMeHHTbCH
verbeugen, sich KjiaHHTbCfl
verbieten (verbot, verboten) 3a-
npemaTb
91
verbinden (verband, verbunden)
CBH3blB3Tb, COeAHHHTb
verblüfft yjjHBjieHHO, oaajjaqeH-
HO
verbrennen (verbrannte, ver-
brannt) oö>KHraTb
verbringen (verbrachte, ver-
bracht) npOBOAHTb (BpeMfl)
verdanken öbiTb oönaaHHbiM
verderben (verdarb, verdorben)
nOpTHTb
verdienen 3apa6aTbiB3Tb; 3acjiy-
JKHBaTb
verdutzt oaajiaqeHHbin, cMymen-
Hbiii
vereinen coBMemaTb; coejjHHHTb
verfallen (verfiel, verfallen) 06-
Hapy>KHBaTb; auf den Gedan-
ken verfallen nanacTb Ha
MblCJIb
verflixt! ax! KaK HenpHHTHo!
vergangen npomeAuiHfi
vergehen (verging, vergangen)
npoxoAHTb (o BpeMeHn)
vergessen (vergaß, vergessen) 3a-
öbißaTb
vergiftet OTpaßjieHHbin
Vergißmeinnicht n -(e)s, -e He-
3a6yAKa
vergleichen (verglich, verglichen)
CpaBHHBaTb
Vergnügen n -s yAOBOJibCTBue
vergnügen, sich 3a6aBJiHTbCH
vergnügt Becejibiü, ÄOBOJibHbin
verheiraten, sich BCTynaTb b
6paK
verheiratet HceHaTbiü, 33My>KHflfl
verkaufen npoAaßaTb
Verkehrskreuzung f -, -en nepex-
peCTOK
verklären, sich npeoöpaHOTbcn,
npOHCHHTbCH
verklingen (verklang, verklun-
gen) yMOJiKHyTb, OT3ByqaTb
Verlag tn -(e)s, -e H3jiaTejibCTBO
verlassen (verließ, verlassen) oc-
T3BJlHTb, nOKHASTb
verlegen cMymeHHbifi
verlernen paay^HTbcn, 3a6biTb
verliebt BjnoÖJieHHbiü
verlieren (verlor, verloren) Te-
pHTb, JiHUiaTbCfl; npOHrpbi-
B3Tb
vermieten cjjaBaTb (b HaeM)
Vermutung f -, -en npejinojio>Ke-
Hue
vernünftig paayMHbiü
verraten (verriet, verraten) bm-
A3B3Tb
verrechnen, sich oöc^HTaTbcn,
oiuHÖHTbCfl (b pacMerax)
verrückt cyMacmeAuiHÜ
verschieden paajiHHHbifi
verschließen (verschloß, ver-
schlossen) 33nHpaTb
verschwinden (verschwand, ver-
schwunden) Hc^eaaTb
Verschwörung f -, -en 3aroBop
versprechen (versprach, verspro-
chen) oöemaTb
verständig paayMHbiß
verständlich noHHTHbifi, flocryn-
Hblfi
verstecken npHTaTb, cKpMBaTb
verstehen (verstand, verstanden)
noHHMaTb
versuchen npoöoßaTb, nbiTaibCH
vertauscht oöMeHeHHbifi
verteilen paajiaBaTb, pacnpejje-
JIHTb
vertiefen, sich norpyacaTbca
vertraulich hmthmhuh, (J)aMHjib-
HpHblfi
vertreten (vertrat, vertreten) 3a-
MemaTb
verwandt sein öbiTb b pojjcTBe
verwechseln nepenyTbiBaTb
verwickeln 3anyTbiB3Tb
verwirrt oaajjaqeHHO
verwundern, sich yjjHBjiflTbCfl
Verwunderung f - yjjHBJieHHe
verzeihen (verzieh, verziehen)
H3BHHHTb, npOUiaTb
Verzeihung! W3bhhhtc!
verziehen (verzog, verzogen)
CKpHBHTb
Verzweiflung f -, 6e3 pl onaa-
Hue
verzwickt 3anyTaHHbifi
vielbeschäftigt 33HHTbiH
vielgepriesen xßajieHbiü
vielleicht mojkct öbiTb, noaca-
jiyfi
vielmals mhofo pa3
vielmehr cKopee
viermal qeTbipex<AM
völlig coßceM, coBepmeHHO
vollkommen coBepuieHHbifi
vollzählig b nojiHOM cocraBe
Vorabend tn -es, -e KanyH
voran Bnepejj, BnepejjH
92
vorbei mhmo
vorbereiten noAroTOBjiflTb, npH-
TOTOBJIHTb
Vorbereitung f -, -en npHroTOB-
jieHHe, nojiroTOBKa
vorbeugen HaooHHTb BnepeA (ro-
jioßy, TyjiOBHme)
vorfahren (fuhr vor, vorgefah-
ren) noAi>e3H<aTb
vor finden (fand vor, vorgefun-
den) 3aCT3BaTb
vorgehen (ging vor, vorgegan-
gen) npOHCXOÄHTb
vorgestern TpeTbero ahh
vorhängen BemaTb hto-jihöo
vorher nepeA tcm, aapanee
vorhin npe>KAe, HeAaBHO
Vorkommen (kant vor, vorge-
kommen) BCTpe^aTbCH, cjiy-
qaTbca; KaaaTbc«
vorläufig nona hto
vor lesen (las vor, vorgelesen)
HHTaTb BCJiyX
Vomame m -ns, -n hmh
vornehmen (nahm vor, vorge-
nommen) npejinpHHHMaTb
Vorschlag m -(e)s, Vorschläge
npejvio>KeHHe
vorschlagen (schlug vor, vorge-
schlagen) npejviaraTb
vorsichtig ocTopo>KHO
vorspielen npoHrpHBaTb
vorüber mhmo
Vorwurf m -s, Vorwürfe ynpex
vorwurfsvoll c ynpeKOM
vorziehen (zog vor, vorgezogen)
npejinoHHTaTb
Vorzimmer n -s, - nepeAHHJi
W
Waffe f -n opyncne
Waffel f -, -n Badjin
Wagen tn -s, - aBTOMoÖHjib
wagen oTBajKHTbca Ha, phcko-
B3Tb
Wagensitz tn -es, -e cHjjeHbe b
aBTOMOÖHJie
wahr HCTHHHblH, HaCTOHJUHH
während b to BpeMH, KaK; noxa;
BO BpeMH
wahrscheinlich BepoHTHO
Waldcafe n -s, -s Kac|)e b Jiecy
Walderdbeere f -, -n jiecHaa 3eM-
JIHHHK3
wandern nyTemecTBOBaTb, cTpan-
CTB0B3Tb, OTnpaBJIHTbCH
Wandlung f -, -en H3MeHeHHe
Wange f -, -n mena
warnen npeAOCTeperaTb „
warten acjiaTb
warum noneMy, 3aqeM
Wäsche f -, -n öejibe
Wäschestapel tn -s, - cwnKa
öejibfl
Waschsaal tn -s, Waschsäle yMH-
BajIbHH
Wasserleitung f -, -en BOAonpo-
BOA
wedeln BHjiHTb xboctom
Weg tn -s, -e Aopora, nyTb;
sich auf den Weg machen
OTnpaBJIHTbCH B nyTb
wegen paAH, H3-33
wegschieben (schob weg, weg-
geschoben) 0TTajIKHB3Tb
wehen pasBeBaTbcn
wehren, sich aamumaTbCfl, con-
pOTHBJIHTbCH
weiblich jkchckhh
weich MHTKHH
Weile f -, 6e3 pl BpeMH, Aocyr
Wein tn -e(s), -e bhho
weinen njiaxaTb
Weinen n -s njian
weiten pacwnpHTb
weiter Aajibme
weitgeöffnet umpoKo OTKpbiTbifi
welch KOTOpblH, K3K0H
wenden otboahtb
wenden, sich (wandte sich, sich
gewandt) (an+i4^.) oöpa-
maTbefl; oöopaqHBaTbCH
weniger MeHbme
wenigstens no KpaHHefi Mepe
werfen (warf, geworfen) 6po-
C3Tb, KHA3Tb
Werk n -(e)s, -e acjio, npoH3Be-
AeHHe
Wesen n -s, - cymecTBo, cyTb
Aejia
weswegen? H3-3a qero?
Wette f -, -n napH, 3aKjiaA;
um die Wette Hanepeöofi hto-
jihöo AeJiaTb
Wichtig B3>KHblH, BajKHO
wiedererkennen (erkannte wie-
der, wiedererkannt) y3H3BaTb
Wien n -s Bena
Wiener tn -s, - ypojKeHeii BeHbi
Wiese f -, -n jiyr
93
wieso KaK TaK, kbkhm oßpaaoM
Wild ÄHKHfi, ÖyHHblfi
wildfremd coßepuieHHO 4y>Koü
Willenskraft f - cmia bojih
winken MaxaTb, jjejiaTb 3HaK
Wipfel m -s, - BepxymKa, Ma-
KyniKa
wirklich jieücTBHTejibHbifi, Ha-
CTOHJUHfi
Wirt tn -(e)s, -e xoshhh
Wirtin f -, -nen xo3HÜKa
wispern menTaTb(cfl)
wittern ^yHTb
witzig ocTpoyMHbin
wohl 3AOpOBblfi, XOpOUJO
woh Iwo 1 lend 6jiaro>KejiaTejibHO
Wohnzimmer n -s, - jKHjiaa kom-
H3T3
womöglich no Bcefi BepoHTHoeTH
wonach nocjie qero, o qeM
wortlos MOjmajiHBbifi
wortreich MHorocjioBHbifi
wozu ajifl ^ero, k qeMy
wühlen pbiTbc«
Wunde f -, -n pana
wunderbar nyaecHbiii, yjjHBH-
TeJIbHHÖ
wundem, sich yjjHBjiHTbCH
wunderschön npeKpacHbifi
wundervoll qyaecHbifi
Wunsch m -es, Wünsche jKejiamie
wünschen acejiaTb
Wut f 6e3 pl flpocTb, 3jio6a
wütend HpocTHbiü, paccBHpeneB-
U1HH
Z
Zahn tn -s, Zähne 3yö
zanken, sich öpaHHTbca
zärtlich ne>KHbin
Zehenspitze: auf den Zehenspit-
zen Ha ubino^Kax
zeichnen pucoßaTb
Zeichenblock tn -s, Zeichenblöcke
aJIbÖOM flJIH pHCOBaHHfl
Zeitlang: eine Zeitlang hckoto-
poe BpeMH
zerbrechen (zerbrach, zerbro-
chen) jiOMaTb (rojioßy)
zerbrochen paaÖHTbifi
zerkratzen pacuapanaTb, ncixa-
panaTb
zerreißen (zerriß, zerrissen) nop-
B3Tb, pa3OpB3Tb
zerren pfcatb, jjepraTb
zerstören paapymaTb
zerstreuen pacceHBaTb, paaöpa-
CblB3Tb
zerstreut pacceHHHbifi
Zettel tn -s, - aanncKa, jihctok
Zeuge tn -n, -n cBHjjeTejib
ziehen (zog, gezogen) THHyTb,
TamuTb
ziehen, sich (zog sich, sich ge-
zogen) THHyTbCH
Ziel n -s, -e uejib
Zielscheibe f -, -n MHweHb
ziemlich jjOBOjibHo
Zieraffe tn -n, -n Booöpa>Kajia
zittern ApOH<aTb
zittrig ÄpOHcamnü
zögern MejvmTb, KOjieöaTbcn
Zopf tn -(e)s, Zöpfe Koca (bojio-
Cbl)
Zopfschleife f -, -n öaHT
zornig FHeBHbiü
zucken noaepniBaTb, no>KHMaTb
zücken pacKouiejiHTbca (uiytnA.)
Zucker tn -s caxap
zuerst cnepßa, BHaqajie
Zufall tn -(e)s, Zufälle cjiynafi,
cjiyqaÜHOcTb
zufällig cjiyqafiHo
zufrieden sein öbiTb aoBOJibHMM
zugleich OAHOBpeMeHHO
zuhören cjiymaTb
zukommen (kam zu, zugekom-
men) HaABHraTbCH Ha ...
zukünftig öyAymHH
zu lächeln yjibiöaTbcn (KOMy-jiH-
60)
zunächst npe>Kjie Bcero, öjihjkc
Bcero
zünden 3a>KHraTb
Zunge f -, -n H3MK
zunicken KHBaTb
zurechtkommen (kam zurecht,
zurechtgekommen) npHxojjHTb
BOBpeMH
zurückkehren BO3BpamaTbCH
zurücklächeln OTBeqaTb Ha yjibiö-
Ky
zurück lehnen, sich OTKjioHHTb-
CH H333A
zurückweichen (wich zurück, zu-
rückgewichen) OTnpHHyTb
zusammenfallen (fiel zusammen,
zusammengefallen) coBnajjaTb
Zusammenhang tn -(e)s, Zusam-
menhänge CBH3b
94
Zusammenhängen (hing zusam-
men, zusammengehangen)
HMeTb CBH3b C qeM-JIHÖO
zusammenzucken B3AparnB3Tb
zuschieben (schob zu, zugescho-
ben) nOÄOÄBHHyTb
Zuschlägen (schlug zu, zuge-
schlagen) 3axJionbiB3Tb (jjBepb)
Zustand m -es, Zustände coctoh-
une
zuversichtlich c yßepeHHOCTbio
zuwinken KimaTb, aaBatb snaK,
nO43bIB3Tb
zwar npaBjja, xoth
Zweig m (e)s, -e BeTBb
zweitens Bo-BTOpbix
zwicken ymnnHyTb
Zwilling tn -(e)s, -e 6jiH3Heu
zwingen (zwang, gezwungen)
npHHy>KÄaTb
zwinkern MOpraTb
zwischen Me>My; cpejjH
INHALTSVERZEICHNIS
Erstes Kapitel .............................. 3
Zweites Kapitel ............................. 8
Drittes Kapitel ............................. 15
Viertes Kapitel ............................. 18
Fünftes Kapitel ............................. 21
Sechstes Kapitel ............................ 25
Siebentes Kapitel ........................... 31
Achtes Kapitel ............................. 35
Neuntes Kapitel ............................ 49
Zehntes Kapitel ............................. 55
Elftes Kapitel .............................. 62
Zwölftes Kapitel ............................ 65
Alphabetisches Wörterverzeichnis ... 73
BJIH3HEUH
Ha HeMeitKOM jnbixe
coeraBHTejib BuKTopun BuKTOpoöHa Caeejibeea
PeaaKTOp H. A. H/ibUHa. Xyaojkhhk B B. Kopenee. XyAOxcecTBenHuft peaaK- i
top C. r. AöeAUH. TexHHMecKHA peAaKTop P. C. Podtmeea. KoppeKTOp
T. ß. PadneHKo
HB Ns? 3754
H3A. N° H-325. CAano b naöop 18.12.81. IIOAn. b nenarb 25.02.82. cPopMar 1
84X108V32. ByM. thii. Nfe 1. TapHHTypa jinTepaTypnafl. rie^ai-b BbicoKa«. O6i>eM
5,04 ycji. neM. ji. 5,36 yc;i. Kp.-orr. 6,17 yH.-H3A. Ji. Tupaxc 35000 3K3. 3aK. i
N° 845. Uena 25 koit.
UsAareJibCTBO «Bbicniafl niKOJia>, MocKsa, K-51, HerjiHHHan yji., a- 29/14.
OpAena TpyAOBoro KpacHoro 3H3MeHH MocKOBCKa« THnorpa^H« Xe 7 «Hcxpa I
peBOJ»oiiHH> «CoK)3no;iHrpa4)npoMa> TocyAapcTBeHHoro KoMHTera CCCP no
AeJiaM H3AaTe;ibCTB, najiHrpatfjHH n khhjkho# ToproBJin. MocKsa, 121019, nep.
ÄKcaKosa, 13.