/
Text
I
JAMES BOWEN
GARRY JENKINS
GERALD KELLEY
der Streuner
Das ist
meine
Geschichte
Bob und James sind beste
Freunde: Bob begleitet James
auf Schritt und Tritt.
Doch was geschah mit dem kleinen
Kater, bevor er James fand?
Hier erzählt Bob seine Geschichte,
wie sein Leben plötzlich auf den
Kopf gestellt wurde und er auf die
Suche ging nach einem neuen
Zuhause und jemanden,
EINE HERZERWÄRMENDE GESCHICHTE
ÜBER DEN BEGINN
EINER WAHREN FREUNDSCHAFT
ÜBER BOB UND JAMES
Im März 2007 fand der Straßenmusiker James Bowen im
F lur seines Wohnhauses im Norden von London einen ver-
letzten roten Kater. Er nahm den obdachlosen Streuner bei
sich auf und gab das meiste von seinem wenigen Geld für
Medikamente aus, um die Wunden des Katers zu heilen.
James pflegte den struppigen Streuner gesund und wollte
ihn eigentlich wieder freilassen. Doch Bob, wie James ihn
nannte, hatte andere Pläne. Er fing an, James überallhin zu
begleiten. Eines Morgens sprang er sogar in den Bus, als sein
neuer Freund zur Arbeit nach Covent Garden aufbrach.
Schon bald wurden die ungleichen Freunde eine stadtbe-
kannte Attraktion auf den Straßen Londons. Die Menschen
blieben stehen, um mit James zu sprechen und ihm etwas
Geld oder Geschenke für Bob zuzustecken. Auch James war
einst obdachlos gewesen und versuchte gerade, sich ein neues
Leben aufzubauen. Bob und James halfen sich gegenseitig:
Gemeinsam fanden sie nicht nur das Glück wieder, sondern
auch die Hoffnung.
2012 erschien „Bob, der Streuner ', ein Buch über ihre
ungewöhnliche Freundschaft, das James mit meiner Hilfe
geschrieben hat. Es wurde auf der ganzen W elt zu einem
Bestseller. Heute leben die beiden noch immer in London,
wo sie an weiteren Büchern arbeiten und Geld für Wohltätig-
keitsorganisationen verdienen, die Obdachlosen und Tieren
in Not helfen. Es gibt Pläne, ihre Geschichte zu verfilmen.
MIT ILLUSTRATIONEN VON
GERALD KELLEY
JAMES BOWEN
& GARRY JENKINS
der Streuner
Das ist meine Geschichte
Darf ich mich vorstellen?
Ich heiße Bob, und ich
bin ein Streuner.
Soll ich euch
meine Geschichte erzählen?
Dann kommt mit ...
Ich war nicht immer ein Streuner.
früher lebte ich bei einer liebevollen alten
Dame in einem hübschen Haus. Sie kümmerte
sich gut um mich. Und sic hatte mich gern, so
wie ich sie gernhattc. Ich liebte es, mich auf ihrem
gemütlichen Sessel zusammenzurollen und ihrem
wunderschönen Klavierspiel zu lauschen.
Ich war der glücklichste kleine Kater der Welt.
Eines Pages wurde die alte Dame krank.
Weil ich wollte, dass es ihr schnell wieder
Eines Tages kam ein Krankenwagen und brachte die alte Dame fort.
Ich war sehr traurig und hatte große Angst um sie. Ich beschloss,
sie nicht alleine zu lassen, und folgte dem Krankenwagen.
Ich rannte und rannte
und versuchte mitzuhalten.
Ich sprang in einen Bus, weil ich dachte,
er würde ihr folgen. Doch stattdessen
nahm er mich mit auf seiner
langen Reise in die große Stadt.
Als mich der Busfahrer entdeckte, warf er mich hinaus. Die Straßen
waren voll und laut - die Leute hetzten nur so an mir vorbei.
„Ich wünschte, ich könnte einfach wieder nach Hause gehen“,
sagte ich mir. /Aber ich hatte kein Zuhause mehr.
>
Ich versuchte, mir aus einem der Mülleimer
etwas zu fressen zu angeln, aber da kamen
gleich ein paar andere Straßenkatzen
und fauchten mich an.
V
Ich rannte und rannte durch die überfüllten
Straßen und hatte keine Ahnung, wo ich war.
Als es dunkel wurde, versteckte ich mich in einem Pappkarton vor
einem Laden. Dort war es warm und gemütlich, und ich musste an
mein Zuhause denken. ( )h, wie gerne würde ich jetzt in meinem
Sessel liegen, dachte ich. Ich vermisste mein Zuhause so sehr!
Am nächsten Morgen weckte mich ein großer Mann.
„Hau ab?“, schrie er und schüttelte mich aus dem Karton.
Schnell suchte ich das Weite.
Die läge vergingen.
Wo auch immer ich hinkam,
jagten mich die Leute fort.
Die Wochen vergingen.
Ich schlich umher und
versteckte mich.
Und dann, eines Morgens,
hörte ich eine freundliche
Stimme: „Hallo, kleines
Kätzchen, möchtest du
mit mir nach Hause
kommen?“ „Ja, bitte“,
schnurrte ich zurück.
Ich war so glücklich,
dass mich jemand
haben wollte.
In einer Pfütze erblickte ich mein Spiegelbild. Ich erkannte mich gar
nicht wieder. Mein Fell war so struppig und dreckig, als ob ich mich
ein Jahr lang nicht gewaschen hätte. Ich fror und hatte Hunger, und ich
war so müde, dass ich es nicht mal mehr schaffte, mich zu säubern.
Ob ich wohl jemals wieder ein Zuhause finden würde?
Es wurde Winter, doch in meinem Leben hatte sich
Aber mit dem Frühling kam das Glück zu mir zurück ...
Eines lages hörte ich Musik! Wunderschöne Musik.
Ich folgte der Melodie und sah einen Mann,
der auf seiner Gitarre spielte.
Also folgte ich ihm bis nach I lause
und wartete dort aut ihn.
stürzte sich das Wesen
auf mich.
Die Nacht brach herein,
und plötzlich sah ich ein glühendes
1
Augenpaar in der Dunkelheit,
|’ das mich beobachtete. Ich hatte Angst.
dass ich mich in den Hausflur schleppte und
mich neben die Treppe setzte. Vielleicht entdeckt
mich der Mann hier, hoffte ich. Vielleicht hilft er mir.
Da hörte ich ein Geräusch ...
„Hallo, Kumpel. Du siehst
hungrig aus‘\ sagte der
Mann. „Möchtest du mit
hochkommen? Ich hätte
Milch und Thunfisch
für dich.
Der Mann war sehr freundlich zu mir. Er streichelte mein Fell
und verarztete mein verletztes Bein. „Keine Sorge, bei mir bist du in
Sicherheit“, sagte er. Ich fühlte, dass ich ihm vertrauen konnte und dass
er mein Freund werden könnte. „Ich heiße JamesU erklärte er mir.
„Und dich werde ich Bob nennen.“
Als mein Bein wieder verheilt war, gingen James und ich
nach draußen, um Musik zu machen. Die Menschen auf
den Straßen lächelten uns zu und guckten uns hinterher.
1 lier kamen James - und Bob, der Streuner!
W ahrend James auf seiner Gitarre spielte, saß ich vor ihm und hörte
ihm zu. Ich war der glücklichste kleine Kater der W eit, so wie damals.
Seit diesem Tag
gehören wir beide zusammen — und so
wird es immer sein.