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Beck’sche Schwarze Reihe
Band 211
Digitized by the Internet Archive
in 2022 with funding from
Kahle/Austin Foundation
https://archive.org/details/wiesagtmaninbayeOOOOwolf
ROLAND A. WOLFF
Wie sagt man in Bayern
EineWortgeographie für
Ansässige, Zugereiste und Touristen
VERLAG C.H.BECK MÜNCHEN
Mit 62 Karten des Autors
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Wolff, Roland A.:
Wie sagt man in Bayern: e. Wortgeographie
für Ansässige, Zugereiste u. Touristen/
Roland A. Wolff. - München: Beck, 1980.
(Beck’sche Schwarze Reihe; Bd. 211)
ISBN 3 406 06011 0
ISBN 3 406 06011 0
Einbandentwurf von Rudolf Huber-Wilkoff, München
© C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung (Oscar Beck), München 1980
Satz und Druck: C.H. Beck’sche Buchdruckerei, Nördlingen
Printed in Germany
Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der Abkürzungen
Abgekürzt zitierte Literatur
Einleitung
1. Allgemeine Vorbemerkungen
2. Zur Anlage des Buches
3. Zur Geschichte und zu den Entwicklungstendenzen im regionalen
Wortgebrauch Bayerns 14
4. Anmerkungen 21
5. Literaturhinweise 22
L Wörterbuch
1. Essen, Trinken, Mahlzeiten
Abendmahlzeit, Berliner Pfannkuchen, Bonbon, Bratkartoffeln, (ein) Brot,
Brötchen, Brotkrumen, Brotrinde, Brotscheibe, (Fleisch)Brühe, Eis, Eisbein,
Endstück des Brotes, Essen/essen, Frikadelle, Getränk (gemischt aus Bier und
Limonade), Kartoffelbrei, Kartoffelpfannkuchen, Kloß, Lutscher, Mehl¬
klümpchen (in der Soße), Mehlschwitze, Nachtisch, Napfkuchen/Topfku-
chen, Negerkuß, Quark, Rindfleisch, Sahne, Sauermilch, Zweites Frühstück,
Zwischenmahlzeit am Nachmittag (am Arbeitsplatz), Zwischenmahlzeit am
Nachmittag (in der Familie)
a
2. Pflanzen, Früchte, Gemüse
Apfelrest, Apfelsine, Blumenkohl, Grünkohl, Gurke, Heidelbeere, Holunder,
Kartoffel, Meerrettich, Möhre, Pilz, Porree, Preiselbeere, Roggen, Rotkohl,
Weißkohl
3. Tiere, Insekten 34
Huhn, Hund, Marienkäfer, Maulwurf, Motte, Pferd, Stechmücke, Ziege
4. Haus, Haushalt; Straße, Nachbarschaft 36
aufwischen, Ausguß (an der Kaffeekanne), Auto, Bierlokal, Bindfaden, Bord¬
stein, Bürgersteig, Dachboden, Decke, Dose/Büchse, Flaschenkorken, Gar-
5
dine, Handbesen, Harke, Hausflur, Kehrschaufel, Klingel, es klingelt, ko¬
chen, Lumpen, nach Hause, Nachttopf, (die Zimmer) reinigen, Scheuertuch,
Scheune, Straße, Streichholz, Teesieb, Topf, Treppe, zu Hause
5. Der Mensch (einschließlich Körper, Benehmen usw.) 41
Absicht, artig, aufgeregt, Augenlid, Backe/Wange, Backenzahn, Bein/Fuß/
Knochen, sich bemühen, Beule, dumm, sich erkälten, Ferse, Fuß, Gesicht,
Hand, Junge, kneifen, Knochen, Kuß/küssen, Mädchen, Mut, Nase reinigen,
Ohrfeige, sich prügeln, Pustel, Schluckauf, Schmerzen, unverschämt
6. Arbeit, Schule 44
arbeiten, Beil, fegen, Fleischer, Handwerker (der Wasserrohre repariert),
Konditor^ Putzfrau, Schneeschaufel, Schnee schaufeln, Schomstein(feger),
Schulranzen, Tischler, Traktor
7. Zeit (die Uhr, Tage, Jahreszeiten usw.) 46
dieses Jahr, Frühling, fünf Uhr fünfundvierzig, heute morgen, Samstag/Sonn-
abend, sechs Uhr fünfzehn
8. Feste, Grüße 47
Abschiedsgruß unter guten Freunden, Festzeit vor dem Aschermittwoch, gu¬
ten Tag, Jahrmarkt, Weihnachtsbaum, Weihnachtsmann
9. Kinderspiele, Sport 50
Fangen, Kreisel, Murmeln, radfahren, Rutschbahn/rutschen auf dem Eis,
Springseil, Steinschleuder
10. Kleidung 52
sich anziehen, Blue Jeans, Hemd, Krawatte, Mütze, Schnürsenkel
11. Verschiedenes 53
andernfalls, (Äpfel) aufheben (-lesen), denken an, eben, (die) Ecke, eher, sich
erinnern an, es gibt, festhalten, genau, gewiß, guck, hell, ihr, meinetwegen,
nicht wahr, oben, Peitsche, schnell, schrecklich/häßlich, teurer werden, ver¬
kaufen für
12. Syntax, Aussprache, Morphologie 55
bißchen, -chen/-lein, China (Aussprache des Ch-), (der) erste (Aussprache),
gehauen, Giraffe (Aussprache des G-), ich habe gesessen/gestanden, Kaffee
(Betonung), (der) letzte (Aussprache), Leute/Leut’, nicht (Aussprache), nicht
mehr/nimmer, sang/hat gesungen, (er) schläft, Tabak (Betonung), der/das
Tunnel (Artikel und Betonung), (die) Wagen (Pluralform), wir (Aussprache)
6
U. Wortkarten
Vorbemerkung
1. Abendmahlzeit 2. Bonbon 3. (Ein) Brot 4. Brötchen 5. Endstück
des Brotes 6. Frikadelle 7. Kartoffelbrei 8. Kartoffelpfannkuchen
9. Kloß 10. Lutscher 11. Mehlklümpchen 12. Sauermilch 13. Zwei¬
tes Frühstück 14. Apfelrest 15. Heidelbeere 16. Porree 17. Marienkä¬
fer 18. Ausguß (an der Kaffeekanne) 19. Bierlokal 20. Bindfaden
21. Dachboden 22. Flaschenkorken 23. Handbesen 24. Kehrschaufel
25. Klingel 26. Es klingelt 27. Scheuertuch 28. Scheune 29. Streich¬
holz 30. Sich erkälten 31. Kneifen 32. Mädchen 33. Schluckauf
34. Arbeiten 35. Handwerker, der Wasserrohre repariert 36. Schnee¬
schaufel, ~ schaufeln 37. Schornstem(-feger) 38. Schulranzen
39. Heute Morgen 40. Sechs Uhr fünfzehn 41. Abschiedsgruß unter
guten Freunden 42. Festzeit vor dem Aschermittwoch 43. Jahrmarkt
44. Fangen 45. Murmeln 46. Rutschbahn auf dem Eis 47. Rutschen
auf dem Eis 48. Springseil 49. Steinschleuder 50. Krawatte
51. Schnürsenkel 52. (Äpfel) aufheben, -lesen 53. Guck 54. Nicht
wahr? 55. Verkaufen für 56. -chen/-lein 57. China (Aussprache des
Ch-) 58. Ich habe gesessen, gestanden 59. Nicht (Aussprache)
60. Nicht mehr/nimmer 61. (Er) schläft
III. Wortregister
Verzeichnis der Abkürzungen
ags.
angelsächsisch
mlat.
mittellateinisch
adt.
altdeutsch
mnd.
mittelniederdeutsch
aengl.
altenglisch
nd.
niederdeutsch
ahd.
althochdeutsch
nhd.
neuhochdeutsch
arab.
arabisch
nl.
niederländisch
dän.
dänisch
norddt.
norddeutsch
dt.
deutsch
norw.
norwegisch
engl. *
englisch
ostd.
ostdeutsch
frz.
französisch
pers.
persisch
fries.
friesisch
poln.
polnisch
germ.
germanisch
russ.
russisch
got.
gotisch
schwed.
schwedisch
gr-
griechisch
slaw.
slawisch
hebr.
hebräisch
span.
spanisch
it.
italienisch
südd.
süddeutsch
jid.
jiddisch
tschech.
tschechisch
lat.
lateinisch
türk.
türkisch
mgr.
mittelgriechisch
vulgärarab.
vulgärarabisch
mhd.
mittelhochdeutsch
vulgärgr.
vulgärgriechisch
westdt.
westdeutsch
* rekonstruierte Form (eines Wortes)
Abgekürzt zitierte Literatur
Duden Etymologie
DWA
Eichhoff I bzw. II
Eichhoff DIAS
Grimm
Kretschmer
Küpper
Prause
Schmeller
Seibicke
Trübner
Wolff
Duden Etymologie. Herkunftswörterbuch der deut¬
schen Sprache (Der Große Duden Bd. 7). Günther
Drosdowski, Paul Grebe u.a. Hrsg., Mannheim 1963.
Deutscher Wortatlas. Hrsg, von Walther Mitzka und
Ludwig E. Schmitt. Bd. Iff., Gießen 1951 ff.
Jürgen Eichhoff: Wortatlas der deutschen Umgangs¬
sprachen. 2 Bde., Bern: Bd. I (1977) und Bd. II (1978).
Jürgen Eichhoff (Wissenschaftliche Bearbeitung und
Text zum) Beiblatt zur Bildreihe R 2030 ,,Deutsche
Sprachgeographie'1 des Instituts für Film und Bild,
München 1971.
Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch.
Bd. Iff., Leipzig 1854ff.
Friedrich Kluge und Alfred Götze: Etymologisches
Wörterbuch der deutschen Sprache 17. Aufl. Hrsg.
Walther Mitzka. Berlin 1957.
Paul Kretschmer: Wortgeographie der hochdeutschen
Umgangssprache. Göttingen 21969 (1. Aufl.: 1918).
Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangs¬
sprache. 5 Bde. 3. Aufl. Hamburg 1963.
Karl Prause: Deutsche Grußformeln in neuhochdeut¬
scher Zeit. Breslau 1930.
Johann Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch.
2. Aufl. Aalen 1966.
Wilfried Seibicke: Wie sagt man anderswo? (Duden Ta¬
schenbücher Bd. 15) Mannheim 1972.
Trübners deutsches Wörterbuch. Hrsg, von Alfred Göt¬
ze und Walther Mitzka. Berlin 1939-1957.
Roland Wolff: Feldforschungen zur bayrischen Wort¬
geographie im Sommer 1971 (siehe S. 22) bzw. ergän¬
zende briefliche Forschungen aus dem Jahre 1978.
Einleitung
1. Allgemeine Vorbemerkungen
In seinem Roman Buddenbrooks beschreibt Thomas Mann die (für den
Leser!) lustige Situation einer nach Bayern umgezogenen Lübeckerin, die
sich mit ihrer bayrischen Köchin zu verständigen versucht: . Wenn ich
,Frikadellen4 sage, so begreift sie es nicht, denn es heißt hier ,Pflanzer?;
und wenn sie ,KarfioL sagt, so findet sich wohl nicht so leicht ein Chri¬
stenmensch, der darauf verfällt, daß sie Blumenkohl meint; und wenn ich
sage: ,Bratkartoffeln4, so schreit sie so lange ,Wahs!‘, bis ich ,Geröhste
Kartoffeln4 sage . . (Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Berlin 1932,
S. 351). Von ähnlichen Erfahrungen konnte mancher Deutsche - und Aus¬
länder - berichten, denn jedem, der in den deutschsprachigen Ländern
aufmerksam umherreist, wird auffallen, daß der Wortschatz der täglichen
Umgangssprache eine Unzahl regionaler Varianten aufweist. Solche Ver¬
schiedenheit gibt es übrigens nicht nur in ein paar bekannten Fällen wie
Samstag/Sonnabend und Guten Tag/Grüß Gott, sondern für sehr viele all¬
tägliche Begriffe und Sachen wie Lebensmittel (z.B. norddeutsch Kloß,
süddeutsch Knödel), Pflanzen und Tiere (norddeutsch Weißkohl, Ziege,
süddeutsch Weißkraut, Geiß), Haus und Haushalt (norddeutsch Schorn¬
stein, süd- und südwestdeutsch Kamin, ostmitteldeutsch Schlot) u.a.m.
Vor sechzig Jahren bemerkte der Sprachforscher Paul Kretschmer (Wort¬
geographie der hochdeutschen Umgangssprache. Göttingen 1918), daß die Um¬
gangssprache in der Tat ,,von der Einheit des Wortschatzes weit entfernt
ist, . . . viel weiter, als denen zum Bewußtsein kommt, die sich von der
heimischen Scholle nie dauernd und weit entfernt haben44 (Kretschmer,
S. 1). Diese Bemerkung stimmt noch heutzutage trotz der wesentlich ein¬
heitlichen Sprache der Schulen und der Massenmedien - und trotz der
Mobilität der Menschen im deutschen Sprachgebiet. Die geographische
Verschiedenheit im Wortschatz der deutschen Umgangssprache ist haupt¬
sächlich Resultat historisch-politischer Faktoren. Um wieder Kretschmer
zu zitieren (S. 58): ,,Die Ursache dieser auffälligen Erscheinung ergibt
sich, wenn wir die deutschen Sprachverhältnisse mit den französischen
und englischen vergleichen, wo derartige wortgeographische Unter¬
schiede nicht bestehen: dem deutschen Sprachgebiet fehlt ein sprachliches
Zentrum, wie es Frankreich in Paris, England in London besitzt. Die
Einheit der Literatursprache reicht nicht aus, um auch für die Gegenstände
und Angelegenheiten des täglichen Lebens, die in der Literatur selten oder
gar nicht erwähnt werden, Einheitlichkeit des Ausdrucks zu erzielen.“
11
Merkwürdigerweise hat diese Sache bis jetzt nur wenig wissenschaftli¬
ches Interesse erregt. Wer sich dafür interessiert, hat nur beschränkte In¬
formationsquellen, und diese bereiten sowohl praktische als auch theoreti¬
sche Schwierigkeiten. Die Informationen in den verschiedenen deutschen
Wörterbüchern (z.B. in dem bekannten Deutschen Wörterbuch der Brüder
Grimm) sind oft unzuverlässig und unzureichend. Andererseits sind die
Daten in den umfassenden Arbeiten (wie in dem Deutschen Wortatlas, hrsg.
von Walther Mitzka und Ludwig E. Schmitt, Gießen 1951 ff., und in
Kretschmers schon erwähnter Wortgeographie) für den Nicht-Sprachfor¬
scher äußerst wissenschaftlich und kompliziert dargelegt. Sie sind heute
auch nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand.1 Dem allgemein interes¬
sierten Leser steht also so gut wie keine handliche, verläßliche Datenquelle
zur Verfügung, um sich über den heutigen umgangssprachlichen Wortge¬
brauch in den verschiedenen Teilen des deutschen Sprachgebiets zu infor¬
mieren. Dem möchte dieser Band Wie sagt man in Bayern? abhelfen. Er
bietet übersichtliche und zuverlässige Informationen zu den in Bayern
geläufigen Ausdrücken für über 200 alltägliche Dinge und Begriffe.
Die Sprachebene, mit der wir uns hier beschäftigen, ist die der alltägli¬
chen Umgangssprache. Wir verstehen unter Umgangssprache die unter den
Einheimischen eines beliebigen Ortes im alltäglichen Leben verwendete
Sprachform. Diese Definition mag angesichts der Diskussion über die
Bedeutung der Termini Umgangssprache, Verkehrssprache, Normalsprache
usw. ungebührlich vereinfachend klingen, da aber eine eingehende Be¬
sprechung der Terminologie außerhalb des Rahmens unserer Darstellung
liegt, wird der interessierte Leser auf die S. 22ff. verzeichnete Literatur
verwiesen. Wichtig ist allerdings, daß die Daten in diesem Buch haupt¬
sächlich für den umgangssprachlichen Gebrauch in den größeren Ort¬
schaften Bayerns mit mindestens 10000-15000 Einwohnern gelten. Im
Dorf auf dem Lande herrscht nämlich heutzutage noch ein örtlich be¬
schränkter, ausgeprägt mundartlicher Sprachgebrauch, der für den Leser
(z.B. für den Touristen) wohl nicht so interessant und wichtig ist wie die
Umgangssprache der Städte.
Zur Auswahl des Materials muß betont werden, daß nur solche Sachen
und Begriffe behandelt werden, die im alltäglichen Sprechen und Leben
eine Rolle spielen und für die man in Bayern Ausdrücke verwendet, die in
anderen Teilen des deutschen Sprachgebiets entweder nicht verwendet
werden oder nicht üblich sind.
Die Daten in diesem Buch basieren zum größten Teil auf meinen Inter¬
views aus dem Sommer 1971 mit gebürtigen Informanten in den folgen¬
den Städten Bayerns:2 Amberg, Ansbach, Aschaffenburg, Augsburg, Bad
Tölz, Bamberg, Bayreuth, Cham, Coburg, Dachau, Deggendorf, Do¬
nauwörth, Erlangen, Freising, Fürth, Fürstenfeldbruck, Füssen, Gar¬
misch-Partenkirchen, Gemünden, Heidenheim, Hof, Ingolstadt, Kauf¬
beuren, Kelheim, Kempten, Kulmbach, Landsberg, Landshut, Marktred¬
12
witz, Memmingen, Mühldorf, München, Neu Ulm, Nördlingen, Nürn¬
berg, Passau, Regensburg, Rosenheim, Schweinfurt, Straubing, Traun¬
stein, Weiden, Weißenburg, Wertheim, Würzburg.
Als wichtige Quellen für die Bestimmung der geographischen Verbrei¬
tung und des umgangssprachlichen Gebrauchs der Wörter dienen fer¬
ner die ab S. 22 aufgezeichneten Werke, besonders aber Jürgen Eichhoffs
Wortatlas der deutschen Umgangssprachen, Paul Kretschmers Wortgeographie
der hochdeutschen Umgangssprache und Wilfried Seibickes Wie sagt man an¬
derswo?
2. Zur Anlage des Buches
Der erste Teil des Bandes, das Wörterbuch, enthält zwölf nach Sachberei¬
chen aufgestellte Kapitel. (Eine Übersicht findet sich im Inhaltsverzeichnis
S. 5). Innerhalb der einzelnen Kapitel findet man die besprochenen Sachen
und Begriffe je nach dem standardsprachlichen Stichwort alphabetisch aufge¬
führt, darunter dann eine Diskussion der in Bayern geläufigen Ausdrücke.
Man findet also z.B. die regionalen Wörter Knödel und Nockerl in Kapi¬
tel 1 (,,Essen, Trinken, Mahlzeiten“) unter dem Stichwort Kloß, die Aus¬
drücke Schlips und Selbstbinder in Kapitel 10 (,,Kleidung“) unter dem
Stichwort Krawatte usw.
Wir befassen uns in dieser Studie mit den regionalen Unterschieden im
Wortgebrauch Bayerns. Deshalb sind nichtstandardsprachliche Lautungen
hier meistens unberücksichtigt geblieben. Was uns interessiert, ist, ob man
in einer gewissen Gegend z.B. Samstag oder Sonnabend sagt, Geiß oder
Ziege - nicht aber, ob die Aussprache Samstag oder Samstog, Geiß oder
Goaß, Göß, Gäß lautet. (Eine kurze Einführung in die Phonologie der
Mundarten Bayerns findet sich im Kapitel 12 des Wörterbuchs S. 55.)
Etymologisches und Kulturgeschichtliches sowie Bemerkungen zum um¬
gangssprachlichen Gebrauch (u.a. zu den Entwicklungstendenzen) findet
man in den Artikeln des Wörterbuchs nach der Angabe der geographi¬
schen Verbreitung der Wörter.
Im zweiten Teil des Buches findet man die Wortkarten zu 61 der im
Wörterbuch besprochenen Ausdrücke. Es gibt keine Karten in den Fällen,
wo die bayrischen Ausdrücke in ganz Bayern geläufig sind (z. B. bei dem
Terminus Metzger ,Fleischer4) und auch keine in den Fällen, wo es schwie¬
rig wäre, eine klare geographische Einteilung der in Bayern geläufigen
Ausdrücke anzugeben (z.B. für das Gemüse ,Grünkohl4; eine Bestim¬
mung der geographischen Verbreitung der Bezeichnungen Grünkohl,
Krauskohl und Winterkohl ist wegen der relativ seltenen Verwendung die¬
ses Nahrungsmittels in Bayern sehr schwierig).
Im dritten Teil des Bandes, dem Wortregister, findet man sowohl die
standardsprachlichen Stichwörter als auch die regionalen Ausdrücke des
13
Wörterbuchs alphabetisch aufgeführt. Wer zum Beispiel die bayrischen
Ausdrücke für einen Begriff sucht, kann entweder direkt oder mit Hilfe
des Registers unter dem standarddeutschen Stichwort im zugehörigen Ka¬
pitel des „Wörterbuchs“ nachschlagen; wem ein vermutlich regionaler
Ausdruck begegnet, der kann dem Wortregister entnehmen, ob und unter
welchem Stichwort des „Wörterbuchs“ der Ausdruck erläutert wird.
Im Bundesstaat Bayern wird nicht nur Bairisch gesprochen, sondern auch
Fränkisch (im Norden) und Schwäbisch (im Westen). Deshalb heißt unser
Buch Wie sagt man in Bayern, also in dem heutigen Gebiet Bayerns, und
nicht Wie sagt man auf bairisch. Denn das eigentliche Bairische wird nur in
dem südöstlichen Teil des Bundeslandes (und auch in Österreich) gespro¬
chen. Hier geht es jedoch nicht um eine Dialekt-Studie, sondern um eine
praktische Wortgeographie zur städtischen Umgangssprache.
3. Zur Geschichte und zu den Entwicklungstendenzen im regionalen Wortge¬
hrauch Bayerns
Warum findet man in Bayern Wörter und Ausdrücke, die in anderen
Teilen des deutschen Sprachgebiets nicht verwendet werden? Warum gibt
es überhaupt solche starken regionalen Unterschiede im deutschen Wort¬
gebrauch? Warum sagt man in Norddeutschland Sonnabend, Ziege, Kohl,
Schornstein, im Süden dagegen Samstag, Geiß, Kraut, Kamin bzw. Schlot?
In unserer Einleitung (S. 11) erwähnten wir Paul Kretschmers Antwort
auf diese Frage: Die Ursachen der starken regionalen Verschiedenheit im
deutschen Wortschatz findet man in der Tatsache, daß es jahrhundertelang
kein eigentliches „Deutschland“ im national-politischen Sinne des Wortes
gab, daher auch kein anerkanntes politisches, kulturelles oder sprachliches
Zentrum für den gesamten deutschen Raum, von dem aus sich normalisie¬
rende Einflüsse auf die Sprache der verschiedenen Territorien hätten aus¬
wirken können. Erst mit der Reichsgründung im Jahre 1871 wurde aus
den zahlreichen Königtümern, Grafschaften und anderen Ländern em ver¬
einigtes Deutschland. Aber Kretschmers Bemerkung erklärt nur, warum
die sprachlichen Unterschiede, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwik-
kelten, nicht aufgegeben wurden, sie erklärt aber nicht, wie diese Unter¬
schiede überhaupt erst zustande gekommen sind.
Nicht haltbar ist die Annahme, daß die vom standardsprachlichen
Wortschatz abweichenden regionalen Bezeichnungen als „falsche“ Neu¬
prägungen entstanden sind, daß man in diesen Gebieten die „ursprüngli¬
chen“, „richtigen“ Bezeichnungen der Standardsprache verlernte und da¬
für neue, nicht-schriftsprachliche und deshalb geringzuschätzende Wörter-
und Ausdrücke erfinden mußte. Ebensowenig kann man die deutschen
Mundarten mit ihrer lautlichen und syntaktisch-morphologischen Vielfalt
als „abgesunkene“ oder „verdorbene“ Hochsprache ansehen. Das Gegen¬
14
teil ist der Fall: Unsere heutige deutsche Standard- oder Schriftsprache ist
eine relativ neue Erfindung, die sich im Laufe der letzten Jahrhunderte
hauptsächlich auf der Basis der ostmitteldeutschen (thüringisch-obersäch¬
sischen) Mundarten allmählich - und zum großen Teil ,,künstlich“ - ent¬
wickelt hat. Die Standardsprache basiert auf diesen Mundarten, weil Mar¬
tin Luther, der sogenannte Vater der neuhochdeutschen Standardsprache,
aus diesem Gebiet stammte und die Mundarten seiner Heimat in seiner
Bibelübersetzung und in seinen anderen sprachlich maßgebenden Schrif¬
ten verwendete. Aus diesem Grunde gibt es heute viele geographisch
mehr oder weniger beschränkte, nicht-standardsprachliche Wörter und
Ausdrücke, die ursprünglich im ganzen deutschen Raum galten, die aber
dann in relativ neuer Zeit durch die aus dem Ostmitteldeutschen stam¬
menden und deshalb als standardsprachlich anerkannten Termini ersetzt
wurden. Wichtige Beispiele sind die Wörter Roß und Geiß, die zunächst in
ganz Deutschland galten (vgl. engl. horse, goat), dann aber durch die im
ostmitteldeutschen Raum geltenden Pferd und Ziege verdrängt wurden.
Aber wie kam es ursprünglich überhaupt zu solchen wortgeographi¬
schen Gegensätzen wie Samstag/Sonnabend, Ziege/Geiß, Pferd/Roß/Gaul?
Die höchst interessanten Antworten auf diese Frage findet man sowohl in
der Kulturgeschichte als auch in der Sprachgeschichte Deutschlands.
Wortgeographische Unterschiede sind zunächst hauptsächlich auf fol¬
gende Weise entstanden:
1. Entlehnung aus anderen Sprachen. Das Wort Metzger, das auf lat. matiä-
rius ,Wurstmacher4 zurückgeht, finden wir gerade in dem Teil des deut¬
schen Sprachgebiets, wo die frühen germanischen Stämme mit der römi¬
schen Kultur in engster Beziehung standen: im Süden. Der norddeutsche
Ausdruck Fleischer ist dagegen eine deutsche Prägung. Ähnlich ist es bei
den Termini für den letzten Tag der Woche. Ursprünglich gab es in
Deutschland drei Bezeichnungen: Satertag aus lat. saterni dies »Tag des
Saturn4 am Niederrhein, wo man das Wort in der Frühzeit aus der Sprache
der dort ansässigen römischen Provinzialkultur entlehnte; Samstag (vor¬
mals sambqztag), das auf vulgärgriechisch ★sämbaton (ursprünglich auf
hebr. sabbath) zurückgeht und das durch die Mission der arianischen Go¬
ten nach Südostdeutschland, durch das römische Christentum nach Süd¬
westdeutschland gebracht wurde; und das relativ neue Wort Sonnabend,
dessen Gebrauch durch die angelsächsische Mission angeregt wurde und
das dann im Laufe der Jahrhunderte das als ,,heidnisch“ angesehene Wort
Satertag in dessen früherem Verbreitungsgebiet (also Norddeutschland)
allmählich verdrängte.
2. Frühe Siedlungen. Das Wort Sahne, das zunächst in den Niederlanden
üblich war, brachten mittelalterliche Siedler aus diesem Gebiet nach
Osten, wo das Wort dann in den Mundarten des Kolonialraumes heimisch
wurde, von dem aus es als ,,Lutherdeutsches“ Wort in die Hochsprache
gelangte und heute regionale Ausdrücke wie Rahm verdrängt.
15
3. Wirtschaft und Kommerz. Der Gegensatz norddt. Apfelsine/südd.
Orange ist darauf zurückzuführen, daß diese Frucht nach Norddeutschland
direkt durch den Osthandel gebracht wurde; deshalb nannte man sie im
Norden appelsina ,Apfel (aus) China4 (Sina galt früher allgemein für
,China4), im Süden übernahm man mit der Frucht auch die damalige frz.
Form des it. Namens arancia.
4. Nicht nur kulturgeschichtliche, sondern auch sprachliche Faktoren in¬
nerhalb des deutschen Raumes selbst haben zu wortgeographischen Unter¬
schieden geführt. In altdeutscher Zeit gab es überall im deutschen Sprach¬
gebiet die Formen magad und thiorna ,Mädchen, Jungfrau4. Aber thiorna,
die zu mhdt. dierne und endlich zu nhd. Dirne wurde, hat sich einer Bedeu¬
tungsverschlechterung zu ,Hure, Prostituierte4 unterzogen, doch nicht im
Südoste»; hier behielt das Wort seine ursprüngliche Bedeutung »Mäd¬
chen4, deshalb gibt es den heutigen Gegensatz norddt.-westdt. Mädchen,
MJde//bairisch-österr. Dirndl.
5. Bei alledem spielte immer auch die politische Zerrissenheit Deutschlands
eine wichtige Rolle. Sprachliche Entwicklungen und Neuerungen gelang¬
ten oft nicht leicht über die Territorialgrenzen, auch die Entwicklung des
Handels und des Kommerz - und die damit verbundene Möglichkeit zum
sprachlichen Ausgleich auf diesen Gebieten - litt unter der politischen
Zersplitterung. Dazu kam im 16. Jahrhundert die protestantische Refor¬
mation, die das Reich (das sich seit der Zeit Karls des Großen nie wieder zu
einem politisch einheitlichen Organismus hatte aufbauen können) in zwei
einander feindselig gegenüberstehende Teile aufspaltete. Darauf folgten
im 17. Jahrhundert der Dreißigjährige Krieg und, was für die politische
und sprachliche Entwicklung Deutschlands viel wichtiger war, der West¬
fälische Friede (1648), der die Kleinstaaterei der vorhergehenden Jahrhun¬
derte bestätigte. In der Geschichte Deutschlands sieht man also vorwie¬
gend kulturelle, politische und linguistische Faktoren, die zu sprachlichen
Regionalismen führen, aber fast gar keine Einflüsse, die dem Deutschen zu
sprachlichem Ausgleich hätten verhelfen können. Nur einen solchen Ein¬
fluß gab es: die allmähliche Übernahme der auf Luthers ostmitteldeut¬
schen Mundarten basierenden standarddeutschen Schriftsprache. Diese
Standardsprache übernahm man aber im Norden viel früher und auch viel
gründlicher als im Süden - früher, weil die Norddeutschen als Protestanten
die Sprache des Reformators bereitwilliger übernahmen als die katholi¬
schen Süddeutschen, die diese Sprache lange Zeit als ,,Lutherdeutsch44
geringschätzten; und gründlicher, weil die sprachlichen Unterschiede zwi¬
schen den norddeutschen Mundarten und dem Standarddeutschen so groß
waren, daß man die Schriftsprache im Norden wie eine Fremdsprache
völlig neu erlernen mußte. Deshalb hört man heute im Norden das ,,rein¬
ste44 - d. h. von den Mundarten am wenigsten beeinflußte - Deutsch, und
aus demselben Grunde findet man in der Umgangssprache Norddeutsch¬
lands meist diejenigen Wörter und Ausdrücke, die auch standardsprach-
16
lieh anerkannt sind. Dagegen spricht man im Süden - daher auch in Bay¬
ern - eine Sprache, die in Lautung und Wortschatz durch die heimischen
oberdeutschen Mundarten viel stärker beeinflußt geblieben ist.
Die Sprache in Bayern ist also „konservativer“ als die im Norden (der
Bayer würde wohl „echter“ sagen!), d. h. man findet hier einen Sprachge¬
brauch, der in die deutsche Sprachgeschichte oft weiter zurückreicht als
der des Standarddeutschen. Beispiele davon aus unserem Buch sind: Bein
(im Sinne von ,Knochen4), Bube, daheim, Dult, Gasse, Gaul, Geiß, Geißel,
heben (in der Bedeutung ,festhalten4), heim, heuer, Lauch, licht (,hell4),
Metzger, Pfeid, Rahm, Roß, zwicken, die Aussprache des G- in Giraffe, die
Betonung von Kaffee und Tabak u.a.m.
Aber wie sieht es in Zukunft aus? Inwiefern wird sich der umgangs¬
sprachliche Wortschatz Bayerns zugunsten nicht-einheimischer standard¬
sprachlicher Bezeichnungen verändern?3 In seinem Aufsatz Entwicklungs¬
tendenzen des heutigen Deutsch (in: Moderna Spräk, L [1956], S. 213-235)
bespricht Hugo Moser die in der deutschen Sprache der letzten Jahrzehnte
festzustellende „Tendenz zum landschaftlichen Ausgleich“. Er erklärt die¬
ses Phänomen wie folgt (S. 230): „Alle sozialen Schichten und Gruppen
haben heute in ungleich größerem Maße als noch vor 100 Jahren Anteil an
den Gütern der Hochkultur, auch an der Hochsprache, die seit der Einfüh¬
rung der allgemeinen Schulpflicht von allen mehr oder weniger vollkom¬
men erlernt wird und allen in Zeitung, Buch und Rundfunk ständig entge¬
gentritt. Der allgemeinen Tendenz zur Einheitskultur entspricht eine sol¬
che zur Einheitssprache.“
Moser weist diese Tendenzen in Richtung auf geographische Einheit¬
lichkeit in der Phonologie und der Syntax überzeugend nach, jedoch ist
eine solche Entwicklung zur Einheitlichkeit im Wortschatz der heutigen
deutschen Umgangssprache viel weniger deutlich. Wie wir in dieser Ar¬
beit zeigen werden, besteht die von Paul Kretschmer schon vor sechzig
Jahren aufgewiesene regionale Verschiedenheit noch in der heutigen Um¬
gangssprache in starkem Maße fort. Obwohl gewisse normierende Ten¬
denzen sichtbar werden, gibt es keine allgemeine Entwicklung in Rich¬
tung auf eine geographische Einheitlichkeit des umgangssprachlichen
Wortschatzes. Kretschmers Bemerkung (S. 58), daß die „Einheit der Lite¬
ratursprache . . . nicht ausreicht, um auch für die Gegenstände und Ange¬
legenheiten des täglichen Lebens Einheitlichkeit des Ausdrucks zu erzie¬
len“, könnte hier erweitert werden: Die Einheitlichkeit der in den Schulen,
in der Presse und im offiziellen Leben verwendeten standarddeutschen
Gemeinsprache hat keine Entsprechung im Wortschatz der Umgangsspra¬
che zur Folge gehabt. Die regionalen Bezeichnungen werden trotz des
normierenden Einflusses der standarddeutschen Schriftsprache in überra¬
schend hohem Maße beibehalten. Es kann jedoch ebensowenig behauptet
werden, daß diese sprachliche Situation unverändert geblieben sei. Ein
Vergleich unseres Befundes z.B. mit dem von Kretschmer zeigt, daß
2 BSR211
17
gewisse Änderungen wohl stattgefunden haben, aber wahrscheinlich in
geringerem Maße, als man gemeinhin annimmt.
Einer der wichtigsten hier zu berücksichtigenden Faktoren ist das Ver¬
hältnis der verschiedenen nicht-standardsprachlichen Varianten zur Stan¬
dardsprache. Hugo Moser meint in seinem Aufsatz ,,,Umgangssprache4.
Überlegungen zu ihren Formen und zu ihrer Stellung im Sprachganzen“
(Zeitschrift für Mundartforschung XXVII (1960), S. 215-232) über die land¬
schaftlichen Ausgleichstendenzen im heutigen Deutsch, diese Ausgleichs¬
tendenzen begünstigten ,,zumeist die nördlichen (d.h. norddeutschen)
Formen“. Doch man darf dabei nicht übersehen, daß ,,die nördlichen
Formen“ in den meisten Fällen auch die Formen sind, die standardsprach¬
lich gelten (siehe S. 16). Es sind also die mit den norddeutschen Formen
identischen schriftdeutschen Formen, die einen normierenden Einfluß auf
den süddeutschen Umgangswortschatz ausüben. Unsere Daten zeigen in
der Tat mehrere Beispiele, wie standarddeutsche Formen (,,norddeutsche
Formen“) süddeutsche nicht-standardsprachliche Varianten verdrängen.
Die nach Kretschmers Angaben (S. 292) früher nur im nördlichsten Bay¬
ern gebräuchliche schriftdeutsche Bezeichnung Kloß hat den einheimi¬
schen Ausdruck Knödel in der Zwischenzeit aus großen Teilen seines frü¬
heren Verbreitungsgebietes mehr oder weniger verdrängt (siehe S. 29).
Ähnlicherweise wird der hauptsächlich altbairische Ausdruck Kre(n) of¬
fensichtlich durch Meerrettich verdrängt, und Geiß (aber nur allmählich!)
durch Ziege. Andere Beispiele werden wir später besprechen.
Den Einfluß der standarddeutschen Schriftsprache sieht man vielleicht
noch deutlicher auf einer anderen Ebene. Der Sprecher in Bayern zeigt
eine passive Vertrautheit mit standarddeutschen Bezeichnungen, die um¬
gangssprachlich aber selten verwendet werden und die die traditionellen
süddeutschen Ausdrücke deshalb wahrscheinlich zunächst nicht ersetzen
werden. Beispiele: standarddeutsch Brot (in Bayern geläufige Varianten
Laib, Kipf, Wecken, Stollefn]); Krümel (Brösel); Bindfaden (Schnur, Spagat);
Weihnachtsbaum (Christbaum); Mädchen (Mädel, Dirndl); nach Hause (heim);
nicht wahr (gell); eben (halt) u.a.m.
Eine interessante und hier noch nicht zu beantwortende Frage ist die
folgende: Inwieweit werden diese standarddeutschen Formen (die jetzt
umgangssprachlich nicht sehr viel verwendet werden) die einheimischen
Varianten schließlich verdrängen? Jan Goossens (Strukturelle Sprachgeogra¬
phie. Eine Einführung in Methodik und Ergebnisse. Heidelberg 1969, S. 81)
bemerkt: ,,Synonymie scheint die Sprache schlecht ertragen zu können.“
Diese Synonymenfurcht und der kommerzielle und kulturelle Drang zugun¬
sten der schriftdeutschen Bezeichnungen werden bei einigen der genann¬
ten Beispiele zum Verschwinden der regionalen Bezeichnungen beitra¬
gen.4 Aber das Ergebnis hängt in jedem Fall von zahlreichen Faktoren ab.
Zum Beispiel wird der ursprünglich norddeutsche Ausdruck Brot im Sü¬
den jetzt mehr und mehr in der Bedeutung von Laib, d.h. ,rundes Brot‘,
18
verwendet. Man darf annehmen, daß Schriftdeutsch Brot die einheimische
Benennung Laib in den nächsten Generationen ganz verdrängen mag.
Aber wird Brot auch die Bedeutungen von Kipf (,langes, spitzes Brot‘),
Wecken (,langes Brot‘) und Stolle(n) (,langes Brot‘) übernehmen und somit
auch diese Bezeichnungen verdrängen? Um die Frage anders zu stellen: In
manchen Fällen konkurriert ein standarddeutscher Terminus mit mehre¬
ren einheimischen Ausdrücken (z.B. Brot mit Laib, Kipf, Wecken, Stol-
le(n); Schluckauf mit Schnackler, Hecker, Hätscher; Ohrfeige mit Schelle, Fot¬
zen usw.); wird der standarddeutsche Ausdruck in solchen Fällen alle
einheimischen Varianten verdrängen oder nur die, die ihm semantisch
am nächsten stehen? Diese wichtige soziolinguistische Frage kann man
ohne weitere Feldforschungen mit Sicherheit leider noch nicht beant¬
worten.
Auch andere Faktoren beeinflussen die Übernahme schriftdeutscher Be¬
zeichnungen aus dem passiven Wortschatz in die tägliche Umgangsspra¬
che. Ob ein Begriff im Alltag eine Rolle spielt, ist für die umgangssprach¬
liche Festigkeit der einheimischen Bezeichnungen ein entscheidendes Kri¬
terium. Die süddeutsche Variante Bulldog tritt jetzt im städtischen Ge¬
brauch hinter dem Traktor zurück, und die Ursache dürfte mindestens
zum Teil in der für den normalen Sprecher abnehmenden Wichtigkeit des
fast ausschließlich landwirtschaftlichen Begriffs ,Traktor* liegen. In den
Fällen dagegen, wo der Begriff im Alltag eine große Rolle spielt, ist es
höchst wahrscheinlich, daß die schriftdeutschen Benennungen die einhei¬
mischen süddeutschen Varianten in der Umgangssprache nicht ersetzen
werden, sondern auf stilistisch höhere Sprachebenen beschränkt bleiben
(wie z.B. Mädchen gegen Mädel, Dirndl; nach Hause und zu Hause gegen
heim und daheim; nicht wahr gegen gell usw.).
Unsere Daten zeigen, wie nichtsprachliche kulturelle Entwicklungen
die umgangssprachliche Geltung schriftdeutscher Benennungen fördern
können. Ich habe oben angedeutet, daß die einheimischen Varianten hinter
den weiter verbreiteten hochsprachlichen Bezeichnungen oft schnell zu¬
rücktreten, wenn der Begriff im Alltag eine geringere Rolle spielt (Trak-
tor/Bulldog). Dasselbe gilt z.B. für den Begriff ,Putzfrau*. Vor fünfzig
Jahren meldeten Kretschmers Informanten eine große Zahl regionaler
Ausdrücke, darunter Aufwärterin, Aufwartefrau, Monatsfrau, Aushilfefrau,
Aushilfsfrau, Eingeherin, Zuspringerin, Lauferin und Lauffrau (Kretschmer,
S. 96). Seitdem der Begriff weniger alltäglich wird, läßt sich eine deutliche
Tendenz zu Einheitlichkeit in der Bezeichnung feststellen: Unsere Infor¬
manten melden heute fast nur Putzfrau und Zugehfrau, und die Angaben
deuten an, daß der Ausdruck Putzfrau - der auch Schriftdeutsch verbreitet
ist - bald als einzige umgangssprachlich gültige Bezeichnung auftreten
wird. In ähnlicher Weise zeigen unsere Forschungen, daß der Schrift¬
deutsch weit verbreitete Ausdruck Sauermilch die einheimischen Bezeich¬
nungen gestandene Milch und gestockte bzw. gestöckelte Milch allmählich
2*
&
verdrängt, weil Sauermilch wegen technologischer Entwicklungen im
Haushalt eine immer geringere Rolle spielt (siehe S. 31).
Technologische Entwicklungen können die Geltung standarddeutscher
Formen auch auf andere Weise fördern. Ein Beispiel: Das ursprünglich
norddeutsche Wort Klingel wird in der Bedeutung ,,elektrische Türklin¬
gel“ in Süddeutschland immer häufiger verwendet. In der Tat scheint
Klingel die süddeutschen Glocke und Schelle (ursprüngliche Bedeutung:
einfach ,Glocke*) in der oben erwähnten Bedeutung zu verdrängen. In die¬
sem Fall erkennt man die durch eine sozio-technologische Entwicklung -
den zunehmenden Gebrauch der elektrischen Türklingel - verursachte
Steigerung des umgangssprachlichen Wertes eines nichteinheimischen
schriftdeutschen Wortes zuungunsten der traditionellen Ausdrücke (vgl.
S.39). *
Es wurde oben bemerkt, daß die regionalen Varianten hinter den
schriftdeutschen Bezeichnungen in den Fällen zurücktreten, in denen der
Begriff im Alltag eine immer geringere Rolle spielt. Dem entspricht: Die¬
jenigen nicht-schriftdeutschen Varianten, die (a) vertraute Dinge bezeich¬
nen oder (b) in der normalen Umgangssprache häufig vorkommen, wer¬
den durch die standardsprachlichen Äquivalente normalerweise nicht ver¬
drängt. Beispiele von (a) sind die süddeutschen Varianten Bub(e) und
Mädel, die durch Junge und Mädchen nicht ersetzt werden, Beispiele von (b)
sind die umgangssprachlich wichtigen Wörter gell, heim und daheim, die
große Widerstandskraft zeigen gegen das Vordringen von nicht wahr, nach
Hause und zu Hause.
Es scheint ein umgekehrtes Verhältnis zu bestehen zwischen der um¬
gangssprachlichen Stabilität der regionalen Bezeichnungen und deren
Vielfalt in bezug auf einen Begriff. Die vielen süddeutschen Varianten für
den Handwerker, der im Haus die Wasserrohre repariert (Blechner, Flasch¬
ner, Spengler, Spangier), werden in der städtischen Umgangssprache durch
den relativ neuen und weiter gültigen Terminus Installateur allmählich
verdrängt. In ähnlicher Weise mag die Vielfalt der Benennungen für Bür¬
gersteig* der Tendenz zu größerer Einheitlichkeit in der Bezeichnung die¬
ses Begriffs zugrunde liegen. Andererseits braucht der im ganzen Süden
populäre Ausdruck Metzger mit keiner anderen einheimischen Bezeich¬
nung um umgangssprachliche Geltung zu konkurrieren und hält wohl
eben deshalb stand gegen das Vordringen des schriftdeutschen Fleischer -
und dies trotz starken offiziellen Dranges zugunsten des standarddeut¬
schen Ausdrucks: Im Juli 1971 wurde nämlich ein Erlaß, die Münchner
Berufsschule für Metzger in Berufsschule für Fleischer umzubenennen, im
Münchner Stadtrat zu Fall gebracht („Den Metzger nicht ans Messer ge¬
liefert“, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 163 vom 9.7. 1971, S. 13). Der
Versuch, die regionale Variante Metzger für offizielle Zwecke durch den
schriftdeutschen Fleischer zu ersetzen, ist „wohl darauf zurückzuführen,
daß der Gesetzgeber im Hinblick auf die EWG eine möglichst einheitliche
20
Sprachregelung anstrebte“ (,,Der Fleischer darf sich Metzger nennen“, in:
Deutsche Handwerkszeitung, Nr. 15/16 vom 31. 8. 1966, S. 1). Aber was
auch immer von offizieller Seite geschehen mag, im Süden bleibt der
Ausdruck Metzger ohne Zweifel der Umgangssprache erhalten.
Zum Schluß muß angemerkt werden, daß eine wirklich eingehende
Untersuchung über den Einfluß des Standarddeutschen auf die regionalen
Varianten im Wortschatz der bayrischen Umgangssprache weiterer Feld¬
forschung bedarf. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die ausgleichenden
Einflüsse der Schulen, der Massenmedien und der Mobilität im deutschen
Sprachgebiet das Verschwinden regionaler Varianten zugunsten der wei¬
ter geltenden standarddeutschen Formen zur Folge haben wird.
84
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4. Anmerkungen
1
*4
3?
&
S
2
3
4
Als Beispiel der Komplexität des Deutschen Wortatlas diene die Karte für Sauerklee
(Bd. XVII, Karte 10) mit über hundert verschiedenen Bezeichnungen und daher
ebenso vielen verschiedenen Kartensymbolen (wir sprechen hier übrigens nur von
den lexikalischen Varianten; rechnet man die zahlreichen phonologischen Varianten
hinzu, so hat man für diese eine Karte über fünfhundert verschiedene Formen -
und natürlich genauso viele Symbole). Und in den letzten fünfundzwanzig Jahren
hat sich die sprachliche Situation so geändert, daß die im Deutschen Wortatlas zu
findenden Daten, die sich ohnehin auf den Wortschatz der Landesmundarten bezie¬
hen, als Informationsquelle zum Wortschatz der heutigen städtischen Umgangsspra¬
che nicht mehr als zuverlässig gelten können. Kretschmers Wortgeographie bietet
ähnliche Probleme, vor allem durch die Tatsache, daß eine vor sechzig Jahren
vollendete Studie für heutige Zwecke veraltet sein muß, d.h. durch die sprach¬
lich-sozialen Änderungen eines halben Jahrhunderts erscheint eine 1918 vollendete
Arbeit schlechthin überholt.
Diese Forschungen habe ich mit Unterstützung der Staatsuniversität Wisconsin
betrieben. Die von mir gesammelten Daten dienten als Grundlage meiner Dok¬
torarbeit Regional Lexical Variants in the Urban Spoken German of Bavaria and Baden-
Württemberg und als Beitrag zu Jürgen Eichhoffs Wortatlas der deutschen Umgangs¬
sprachen (siehe S. 22 dieses Buches).
Siehe meinen Aufsatz ,,Regionale Varianten im Wortschatz der städtischen Um-
angssprache in Bayern und Baden-Württemberg. Stabilität und Wandel unter
hochsprachlichem Einfluß“ in: Muttersprache LXXXV (1975) S. 325-334; mit Ge¬
nehmigung des Verlags hier teilweise nachgedruckt.
Meine Informanten in Bayern merkten 1971 an, daß die folgenden Wörter, die
Schriftdeutsch alle weiter verbreitet sind als die eingeklammerten süddeutschen
Varianten, im Geschäft und im kommerziellen Bereich im Süden immer häufiger
verwendet werden: Dose (traditionelle Bezeichnung im Süden: Büchse); Installateur
und Klempner (süddeutsch: Blechner, Flaschner, Spengler, Spangier); Klingel
(Glocke, Schelle); Kloß (Knödel, Nockerl); Meerrettich (Kre(nj); Kohl (Kraut); Sauer¬
milch (gestandene Milch, gestockte Milch, gestöckelte Milch); Traktor (Bulldog); Ziege
(Geiß).
'S«
!4
•4
21
5. Literaturhinweise
5.1. Primärquellen
Als wichtigste Quellen für die Bestimmung der geographischen Verbreitung und
des umgangssprachlichen Gebrauchs der Wörter dienten die folgenden, darunter
besonders a) meine eigenen Feldforschungen in Bayern im Sommer 1971 (siehe
Wolff, Roland: Regional Lexical Variants . . .), b) Eichhoffs Wortatlas der deutschen
Umgangssprachen (an dem ich als Doktorand mitarbeitete), c) Paul Kretschmers Wort¬
geographie . .d) Wilfried Seibickes Wie sagt man anderswo? und e) der DWA (Deut¬
scher Wortatlas).
Birlinger, Anton: Schwäbisch-Augsburgisches Wörterbuch. Wiesbaden 21968
(1. Aufl.: 1864).
Dornseiff,*Franz: Der deutsche Wortschatz nach Sachgruppen. 7. Aufl., Berlin 1970.
Duden Bildwörterbuch der deutschen Sprache (Der Große Duden Bd. 3). 2. Aufl.,
Mannheim 1958.
Duden sinn- und sachverwandte Wörter (Der Große Duden Bd. 8). Mannheim
1972.
Duden vergleichendes Synonymwörterbuch (Der Große Duden Bd. 6). Mannheim
1964.
DWA = Deutscher Wortatlas; hrsg. von Walther Mitzka und Ludwig E. Schmitt;
Bd. Iff, Gießen 1951 ff.
Eichhoff, Jürgen: Wortatlas der deutschen Umgangssprachen; bis jetzt 2 Bde., Bern
1977 (Bd. I) und 1978 (Bd. II).
Fischer, Hermann: Schwäbisches Wörterbuch. Bd. Iff, Tübingen 1901 ff.
Grimm, Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Bd.lff, Leipzig
1854 ff.
Kretschmer, Paul: Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache. Göttingen
21969 (1. Aufl.: 1918).
Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl., bearb. von Werner Betz, Tübin¬
gen 1966.
Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch. 2. Aufl. Aalen 1966.
Seibicke, Wilfried: Wie sagt man anderswo? (Duden Taschenbücher Bd. 15). Mann¬
heim 1972.
rmann. 7. Auü. Wiesbaden
Sprachbrockhaus. Deutsches Bildwörterbuch für jede
1970.
Trübners deutsches Wörterbuch; hrsg. von Alfred Götze und Walther Mitzka; Ber¬
lin 1939-1957.
Wahrig, Gerhard: Deutsches Wörterbuch. Sonderaufl. Gütersloh 1970.
Wolff, Roland: Regional Lexical Variants in the Urban Spoken German of Bavaria
and Baden-Württemberg; Dissertation, University of Wisconsin 1973.
Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache; hrsg. von Ruth Klappenbach und
Wolfgang Steinitz. Bd. Iff, Berlin 1964ff.
5.2. Zur Etymologie
Duden Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen
den Bd. 7). Günther Drosdowski, Paul Grebe u.a. Hrs
Sprache (Der Große Du-
Mannheim 1963.
22
Kluge, Friedrich und Alfred Goetze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen
Sprache. 17. Aufl. Hrsg. Walther Mitzka. Berlin 1957.
51
5.3. Zur deutschen Wortgeographie
DWF = Deutsche Wortforschung in europäischen Bezügen. Untersuchungen zum
Deutschen Wortatlas. Hrsg, von Ludwig Erich Schmitt. Bd. Iff, Gießen 1958ff.
Eichhoff, Jürgen, a.a.O.
Goossens, Jan: Strukturelle Sprachgeographie. Eine Einführung in Methodik und
Ergebnisse. Heidelberg 1969.
Kretschmer, Paul, a.a.O.
Martin, Bernhard: ,,Deutsche Wortgeographie,“ in: Teuthonista 1 (1924/25),
S. 65-70, 186ff, 227 ff; 2 (1925/26), S. 64-67, 134-136; 3 (1926/27), S. 63ff,
310-314.
Mitzka, Walther: ,,Grundzüge der deutschen Wortgeographie,“ in: Wirkendes Wort
1 (1950-51), S. 12-23.
Mitzka, Walther: ,,Stämme und Landschaften in deutscher Wortgeographie,“ in:
Deutsche Wortgeschichte; hrsg. von F. Maurer und F. Stroh, 2. Auf!., Berlin
1959, Bd. 2, S. 561-613.
Mudrak, Edmund: ,,Gesamtdeutsche Einheit und landschaftliche Unterschiede in
der Gemeinsprache,“ in: Muttersprache 72 (1962), S. 8-13.
Prause, Karl: Deutsche Grußformeln in neuhochdeutscher Zeit. Breslau 1930.
Schrader, Edda: ,,Sprachsoziologische Aspekte der deutschen Wortgeographie,“ in:
Zeitschrift für Mundartforschung 34 (1967), S. 124-136.
Seibicke, Wilfried, a.a.O., bes. S. 147-159.
Wolff, Ludwig: „Landschaftliche Unterschiede in der deutschen Hoch- und Um-
angssprache,“ in: Muttersprache 70 (1960), S. 105-116.
Wolff, Roland, a.a.O., bes. S. 1-38, 197-210.
Wolff, Roland: ,,Regionale Varianten im Wortschatz der städtischen Umgangsspra¬
che in Bayern und Baden-Württemberg: Stabilität und Wandel unter hochsprach¬
lichem Einfluß,“ in: Muttersprache 85 (1975), S. 325-334.
S4
«4
Ä?
5.4. Zum Begriff „Umgangssprache“
'-4
Bichel, Ulf: Problem und Begriff der Umgangssprache in der germanistischen For¬
schung. Tübingen 1973 (mit zahlreichen weiteren Literaturhinweisen).
Cordes, Gerhard: ,,Zur Terminologie des Begriffs .Umgangssprache,4“ in: Fest¬
gabe für Ulrich Pretzel; hrsg. von Werner Simon, Wolfgang Bachofer und Wolf¬
gang Dittmann; Berlin 1963, S. 338-354.
Kretschmer, Paul, a.a.O., S. 10-20.
Moser, Hugo: ,,,Umgangssprache.* Überlegungen zu ihren Formen und ihrer Stel¬
lung im Sprachganzen,“ in: Zeitschrift für Mundartforschung 27 (1960),
S.215-232.
Porzig, Walter: Das Wunder der Sprache. Bem 31960, S. 250ff.
Radtke, Ingulf: „Die Umgangssprache. Ein weiterhin ungeklärtes Problem der
Sprachwissenschaft,“ in: Muttersprache 83 (1973), S. 161-171 (mit zahlreichen
weiteren Literaturhinweisen).
Trier, Jost: „Alltagssprache,“ in: Die deutsche Sprache im 20. Jahrhundert. Göttin¬
gen 1966, S. 110-133.
Wolff, Roland, a.a.O. (1973, S. 1-5).
•4
23
5.5. Zwr deutschen Sprachgeschichte und Mundartkunde
Bach, Adolf: Deutsche Mundartforschung. 2. Aufl., Heidelberg 1950.
Bach, Adolf: Geschichte der deutschen Sprache. 8. Aufl., Heidelberg 1965.
Duden Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache (Der Große Du¬
den Bd. 7). Mannheim 1963.
Hirt, Hermann: Geschichte der deutschen Sprache. 2. Aufl., Münster 1929.
Kluge, Friedrich und Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen
Sprache. 17. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, Berlin 1957.
Mackensen, Lutz: Reclam etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache.
Stuttgart 1966.
Martin, Bernhard: Die deutschen Mundarten. 2. Aufl., Marburg/Lahn 1959.
Maurer, Friedrich und Friedrich Stroh: Deutsche Wortgeschichte. Bd. 1-3. 2. Aufl
1959-1960.
Moser, Hfugo: Deutsche Sprachgeschichte. 6. Aufl., Tübingen 1969.
Reichmann, Oskar: Deutsche Wortforschung (Sammlung Metzler Bd. 82). Stutt¬
gart 1969.
Reis, Hermann: Die deutschen Mundarten. Berlin und Leipzig 1912.
Schirmer, Alfred und Walther Mitzka: Deutsche Wortkunde. Kulturgeschichte des
deutschen Wortschatzes (Sammlung Göschen Bd. 929). Berlin 1965.
Schirmunski, Viktor M.: Deutsche Mundartkunde. Vergleichende Laut- und For¬
menlehre der deutschen Mundarten, hrsg. u. übers, von Wolfgang Fleischer.
Berlin 1962.
• >
•4
•4
•4
Schwarz, Ernst: Die deutschen Mundarten, Göttingen 1950.
Seiler, Friedrich: Die Entwicklung der deutschen Kultur im Spiegel des deutschen
Lehnwortes. 2. Aufl., Bd. 1-6, Halle/Saale 1921-25.
Sperber, Hans und Peter von Polenz: Geschichte der deutschen Sprache (Sammlung
Göschen Bd. 915). Berlin 1966.
Weithase, L: Zur Geschichte der gesprochenen deutschen Sprache. Bd. 1, Tübingen
1961.
Wörterbuch
1. Essen, Trinken, Mahlzeiten
Abendmahlzeit (Karte 1). Am
weitesten verbreitet ist das hoch¬
sprachliche Abendessen. Im nörd¬
lichen Bayern beginnt das Gebiet
von Abendbrot, das hauptsächlich
auf Norddeutschland beschränkt
ist, und zwar aus kulturgeschichtli¬
chem Grunde: Mehr als im Süden
bestand die traditionelle Abend¬
mahlzeit im Norden aus kalten
Speisen, häufig aus belegtem oder
unbelegtem Butterbrot, daher also
,Abendiror.‘ Das schwäbische
Wort die Vesper (aus lat. vespera
,Abend‘) bezeichnet nicht nur die
Abendmahlzeit, sondern auch die
kleine Zwischenmahlzeit am
Nachmittag (siehe S. 31), und in
der Bedeutung ,Zwischenmahlzeit4
wird Vesper im schwäbischen Ge¬
biet auch auf das zweite Frühstück
übertragen (S. 31).
hoff I, Karte 38)
(Wolff;
Eich-
Berliner Pfannkuchen. In Bay¬
ern der Krapfen (auch in Öster¬
reich, aber dort auch mehrfach Fa¬
schingskrapfen) . Das Wort Krapfen
bezeichnet in Bayern sowohl den
gefüllten als auch den ungefüllten,
in heißem Fett gebackenen und -
besonders früher - meist zu Fast¬
nacht gegessenen Kuchen aus He¬
feteig (aus ahd. krapfö ,Haken, ge¬
bogene Klaue, Kralle4). (Wolff;
Eichhoff II, Karte 61)
Bonbon (Karte 2). Die süddeutsch
volkstümlichen Bezeichnungen für
das Bonbon sind Diminutivbildun¬
gen zu ,gut‘, also das Guatl, Guts¬
ehen (ausgesprochen Guts-chen),
Gu(a)tsl(e). Ähnlichen Ursprungs
ist die standardsprachliche Bezeich¬
nung Bonbon (aus frz. bonbon »gut¬
gut4), die umgangssprachlich
hauptsächlich in Norddeutschland
üblich ist, die aber jetzt auch weit
ins Süddeutsche vorgedrungen ist,
z. B. in Nordbayern und Württem¬
berg. (Eichhoff II, Karte 63)
Bratkartoffeln. In Bayern hört
man sowohl den neuen, ursprüng¬
lich norddeutschen Ausdruck Brat¬
kartoffeln als auch die heimischen
Bezeichnungen Geröhste Kartof¬
feln und Röstkartoffeln. Es
scheint aber, daß diese letzteren
durch Bratkartoffeln allmählich ver¬
drängt werden, denn nach Kretsch¬
mer (S. 430) sagte man Bratkartof¬
feln vor sechzig Jahren nur in
Norddeutschland, heutzutage ist
das Wort jedoch im ganzen Süden
geläufig. (Wolff)
(Ein) Brot (Karte 3). In Bayern
wird auch nach der Form des Bro¬
tes unterschieden, also: A) Für das
Brot von runder Form: Laib in
ganz Bayern. B) Für das Brot von
länglicher Form: Kipf in West-und
Zentralbayern (aus lat. cippus
,Pfahl4); Wecken in Süd- und Ost¬
bayern (aus ahd. wecki ,Keil‘);
Stollen in Nordwestbayern (aus
27
ahd. stollo ,Stütze, Pfosten4). Das
standardsprachliche Wort Brot ver¬
wendet man in Bayern immer
mehr - vor allem im Laden - in der
Bedeutung ,rundes Brot‘, auch
volkstümlich als Gattungsbezeich¬
mehr im Norden und Westen übli¬
chen Ausdruck Kruste (aus lat. cru-
sta ,das durch Gerinnen fest gewor¬
dene4 - zu cruor ,Blut4). (Wolff;
Eichhoff II, Karte 56)
nung
mehr“)
vgl. unten.
Karte 55)
haben kein Brot
auch ,Brotscheibe4
(Wolff; Eichhoff II,
Brotscheibe. In Bayern sagt man
einfach Brot (vor allem in Zusam¬
mensetzungen
wie
belegtes Brot)
und Stück Brot, im Südosten
auch Stückl Brot. (Wolff)
Brötchen (Karte 4). Das Brötchen
nennt man die Semmel in ganz
Süd- und Mittelbayem (südlich der
Donau nur Semmell), nördlich der
Donau der Wecken, der Weck, das
Weckle, das Kipfl, das Laabla
(,Laiblein4) und - nur vereinzelt! -
Brötchen. Zur Etymologie siehe
(ein) Brot oben. Zu unterscheiden
sind nicht nur die geographischen
Verbreitungen der Termini, son¬
dern auch deren Bedeutungen:
Semmel (aus lat. simila ,feinstes
Weizenmehl4) heißt sowohl das
ovale, einfach eingekerbte als auch
das runde, fünffach eingekerbte
Brötchen; Weck/Wecken/Weckle be¬
zeichnet das ovale und auch das
einfache runde, Kipfl hauptsächlich
das runde (eigtl. in der Form einer
Rose) fünffach eingekerbte Bröt¬
chen. (Eichhoff II, S. 13; Karte 59)
(Fleisch)brühe. In Bayern sagt
man Suppe zu Hause und Bouil¬
lon (aus dem Frz.) im Restaurant.
Eis (zum Essen). Neben Eis sagt
man in Südostbayern auch Ge¬
frornes. (Wolff)
Eisbein. Die hochsprachliche Be¬
zeichnung Eisbein ist umgangs¬
sprachlich ursprünglich nord¬
deutsch, wird heute aber auch im
Süden
ehört neben heimischem
Schweinshaxen in Nordbayern
und Schweinshaxl bzw. Surhaxn
in Südbayern. (Wolff)
Endstück des Brotes (Karte 5).
Die in Bayern geläufigsten Aus¬
drücke sind die Diminutive Scher-
Brotkrumen. In ganz Bayern
Brösel (Variante von Brösaml(ein),
Diminutivbildung zu Brosame, aus
germ, ★brösem ,Krume, Bröck¬
chen4). (Wolff; Eichhoff II, Karte
58)
Brotrinde. In ganz Bayern gilt
Rinde, aber man hört vereinzelt
(und allmählich immer mehr) den
z(e)l, Kipf(e)l (zu Kipf , [langes]
Brot‘), Knetzla, Knörz(e)l (zu
Knorz), Ränft(e)l, Kruste bzw.
Krüstchen, Knörzche(n) und
Knäusle. Dazu gibt es auch zahl¬
reiche örtlichere Benennungen,
darunter z.B.: Adeckele: Schwein¬
furt; Gickel: Donauwörth, Au
bürg; Gnahtsle: Weißenburg; Kant:
Coburg; Kante: Bayreuth; Koppe-
la: Hof; Kopple: Coburg, Bam-
28
berg; Rinkele: Nördlingen; Stüzle:
Würzbure.
(Wolff; Eichhoff II,
Karte 57)
Essen. In der Umgangssprache
Südbayerns hört man neben Essen
auch noch das Verbum speisen
und das Nomen Speise, die in
Norddeutschland und in der Stan¬
dardsprache als gehoben empfun¬
den werden {Speise aus ahd. spisa
aus mlat. spe(n)sa ,Ausgabe, Auf¬
wand4 aus expensa pecunia »ausgege¬
benes Geld1). (Seibicke 42-43,
Kretschmer 469)
Frikadelle (Karte 6). Im bairischen
Dialektraum ist Fleischpflanz(r)l
seit jeher die übliche Bezeichnung
für den gebratenen, flachgedrück¬
ten Kloß aus zerkleinertem Fleisch.
Im Norden und Westen Bayerns
hat Fleischküchle das italienische
Lehnwort Frikadelle seit Kretsch¬
mer - also seit Anfan
des Jahrhun¬
derts - fast restlos verdrängt. Das
sehr kleine Frikadelle-Gebiet im
Nordwesten ist eben der südöstli¬
che Teil eines größeren Frikadelle-
Gebiets, das die ganze Bundesrepu¬
blik außer Bayern und Baden-
Württemberg einschließt. Ähnlich
sehen wir in Nordostbayern den
südlichen Rand des Fleischklöß-
chen-Gebiets Thüringens. (Wolff;
Eichhoff II, Karte 65)
Getränk, gemischt aus Bier und
Limonade. Zu diesem Begriff
gibt es keinen standardsprachlich
akzeptierten Ausdruck (das Ge¬
tränk ist auch nicht im ganzen
deutschen Sprachgebiet bekannt).
In Bayern hört man Radlermaß
(ausgesprochen Rahlemoß) einfach
Radler (Rahle) oder auch Radler¬
halbe (Rahlehoibe), wenn man
zwischen einem vollen Liter (-maß)
und einem halben Liter (-halbe)
unterscheiden will (zu Radler Rad¬
fahrer4). In Norddeutschland nennt
man das Getränk Alsterwasser oder
Fliegerbier, in der DDR auch Potsda¬
mer. (Wolff; Eichhoff II, Karte 73)
Kartoffelbrei (Karte 7). Kartoffel¬
brei sagt man in ganz Bayern. Für
die geographische Verbreitung der
anderen Bezeichnungen Kartof¬
felpüree, Kartoffelstampf und
Stopfer siehe Karte. (Wolff; Eich¬
hoff II, Karte 67)
Kartoffelpfannkuchen (Karte 8).
Der Reiberdatschi hört man in
Südbayern (vereinzelt in Mittel¬
bayern), die einfache Form Dotsch
vereinzelt in Ostmittel- und Nord¬
bayern (beide zu dätscheln , [etwas
Weiches, z.B. Teig] drücken, nie¬
derdrücken4 [Grimm II, 826]), der
Backe(r)s im Gebiet Bamberg-
Nürnber
94
Kartoffelpuffer im
9
Westen und Nordosten und Kar¬
toffelpfannkuchen in Nordwest¬
bayern. (Wolff; Eichhoff II, Karte
68)
Kloß (Karte 9). Seit Anfang dieses
Jahrhunderts ist das norddeutsche
(und schriftsprachliche) Wort Kloß
weit nach Süden vorgedrungen
94
und ist jetzt in fast ganz Bayern zu
hören. Südlich und südöstlich von
Nürnberg aber sagt man auch der
Knödel und das Nockerl, unter¬
schieden wird aber nach der Art,
daher (Leber)knödel neben (Gries)-
29
nockerl (Herkunft von Nockerl ist
unklar). (Wolff; Eichhoff II, Karte
66)
Lutscher (Karte 10). In fast ganz
Bayern nur Lutscher, dazu aber
auch Lecker im Nordosten (Bam¬
berg, Bayreuth, Coburg, Hof) und
vereinzelt der Schlotzer an der
westlichen Grenze, z.B. Nördlin¬
gen (Herkunft des Wortes ist un¬
klar). (Auf der Karte sehen wir den
östlicher* Rand des hauptsächlich
südschwäbischen Schlotz er- Ge¬
biets.) (Eichhoff II, Karte 64)
Mehlklümpchen (in der Soße)
(Karte 11). Batzen, Batzel(n) (zu
batzen ,weich, klebrig sein4) in fast
ganz Bayern, im Nordwesten
(westlich von Würzburg-Schwein¬
furt) auch Klumpen und die Di¬
minutive Klümpchen, Klümple.
Obgleich das unverschobene -p-
den niederdeutschen Ursprung
vom Klumpen bzw. -chen, -le be¬
weist, gelten diese Bezeichnungen
seit langem in Süddeutschland,
auch in den Mundarten, denn
Schmeller meldet sie in seinem
Bayerischen Wörterbuch, Fischer in
seinem Schwäbischen; man sieht al¬
so in dem Klumpen-, -chen-, -le-Ge-
biet in Nordwestbayern nicht den
Einfluß der Schriftsprache. Im
westlichen Randgebiet sagt man
auch Bollen (mit Ball etymolo¬
gisch verwandt). (Wolff; Eich¬
hoff II, Karte 70)
Mehlschwitze. Die Einbrenne
(zu einbrennen ,bräunen4) in ganz
Bayern. (Wolff; Eichhoff II, Karte
Nachtisch. In Bayern - wie auch
in Obersachsen! - vielfach Nach¬
speise (s. oben unter Essen).
(Wolff)
Napfkuchen bzw. Topfkuchen.
Die in ganz Bayern gültige Be¬
zeichnung für den in der Form ge¬
backenen Kuchen aus Hefeteig ist
der Gugelhupf (Gugel ,Kapuze4
aus lat. cuculla + Hupf zu hüpfen-
hier in der Bedeutung ,sich he¬
ben4). In Bayern hört man auch den
anderswo unbekannten Ausdruck
Gesundheitskuchen, doch ist der
Unterschied zwischen den zwei
Wörtern kein wortgeographischer,
sondern ein semantischer: Der Gu¬
gelhupf wird mit Hefeteig ge¬
macht, der Gesundheitskuchen dage¬
gen mit Backpulverteig; er ist ein
billigerer Kuchen, der oft die Rosi¬
nen, Zitronenschale usw. nicht
enthält, die im Gugelhupf sind.
(Wolff; Eichhoff II, Karte 60)
Negerkuß. Diese Leckerei (aus ge¬
schlagenem Eiweiß, auf einer Waf¬
fel, mit Schokolade überzogen)
nennt man in Bayern meistens
Mohrenkopf, doch hört man auch
hier immer mehr die ursprünglich
norddeutsche Bezeichnung Neger¬
kuß, die auch häufiger auf den Pak-
kungen steht. (Eichhoff II, S. 15;
Karte 62)
Quark. In Bayern - vor allem im
Südosten - sagt man der Topfen,
im Westen (an der württembergi-
schen Grenze) hört man auch den
alemannisch-schwäbischen Aus¬
druck Bibeleskäs(e) (zu Bibele
Junge Hühner4, die man früher
30
mit dem Molkenquark gefüttert
hat; Seibicke S. 87, Kretschmer S.
559). Das standardsprachliche und
auch umgangssprachlich weit ver¬
breitete Wort Quark (aus dem
Slaw., vgl. poln., russ. tvarog,
tschech. tvaroh) hört man in der
Umgangssprache hauptsächlich in
Nordbayern. (Wolff)
Rindfleisch. Das Wort Rindfleisch
hat in der Standardsprache wie
auch in der Umgangssprache
Nordbayerns den neutralen Sinn
,Fleisch des Rindes4; aber in der
Umgangssprache Südostbayerns
versteht man darunter das weniger
wertvolle Fleisch von Rindern (et¬
wa von Jungrindern, Kühen, Stie¬
ren), das gute, mürbe Fleisch des
kastrierten und gemästeten
Schlachttieres nennt man dort da¬
gegen Ochsenfleisch. (Wolff;
Kretschmer 388-389)
Sahne. In Südbayern, wie in gro¬
ßen Teilen des Südens überhaupt,
sagt man der Rahm (das Wort galt
früher auch im Norden des deut¬
schen Sprachgebiets, wurde dort
aber in der Umgangssprache durch
die Bezeichnung Sahne verdrängt,
die wegen deren Geltung im ,,Lu¬
therdeutschen“ zum standard¬
sprachlich anerkannten Ausdruck
wurde). Für , Schlagsahne4 hört
man in Südbayern sowohl Schlag¬
sahne als auch Schlagrahm.
Sauermilch (Karte 12). In Bayern
gibt es für die saure bzw. dicke
Milch die volkstümlichen Bezeich¬
nungen gestöckelte Milch, ge¬
stockte Milch, Dickmilch oder
dicke Milch und gestandene
Milch. Bemerkenswert ist aller¬
dings, daß der Schriftdeutsch weit
verbreitete und bedeutungstrans¬
parente Ausdruck Sauermilch die
einheimischen Bezeichnungen in
Bayern allmählich verdrängt, weil
Sauermilch wegen technologischer
Entwicklungen im Haushalt eine
immer geringere Rolle spielt (we¬
gen der Pasteurisierung kann man
Sauermilch nicht mehr aus gekauf¬
ter Milch herstellen, ohne das Bak¬
terium lactobacillus aus Joghurt
oder Buttermilch hinzuzufügen,
deswegen wird Sauermilch zu
Hause immer seltener hergestellt
und eher im Geschäft gekauft, ge¬
wöhnlich unter der Bezeichnung
Sauermilch oder saure Milch).
(Wolff; Eichhoff II, Karte 72)
Zweites Frühstück (kleine Mahl¬
zeit im Laufe des Vormittags, am
Arbeitsplatz) (Karte 13). In Bayern
Brotzeit, im westlichen Randge¬
biet und im Nordwesten Bayerns
auch die Vesper (dieser Ausdruck -
der auf lat. vespera ,Abend1 zurück¬
geht - bedeutete ursprünglich nur
,Abendmahlzeit4 [siehe S. 27], spä¬
ter auch ,Zwischenmahlzeit am
Nachmittag4, und dann im allge¬
meinen Sinne von Zwischenmahl¬
zeit4 wurde Vesper auch auf das
zweite Frühstück übertragen).
(Wolff; Eichhoffl, Karte 35)
Zwischenmahlzeit am Nach¬
mittag (am Arbeitsplatz). In Bay¬
ern verwendet man für die Zwi¬
schenmahlzeit am Nachmittag die¬
selben Bezeichnungen wie für die
31
Zwischenmahlzeit am Morgen:
Brotzeit in ganz Bayern und die
Vesper in Bayrisch-Schwaben
(vgl. Zweites Frühstück oben).
Norddeutsches und auch standard¬
sprachliches Kaffee (trinken) ist für
diesen Begriff in Süddeutschland
nicht üblich (aber siehe Zwischen¬
mahlzeit am Nachmittag - in der Fa¬
milie - unten). (Wolff; Eichhoffl,
Karte 36)
Zwischenmahlzeit am Nach¬
mittag (in der Familie). Heute hört
man in Bayern neben dem volks¬
tümlichen Ausdruck Brotzeit im¬
mer mehr das ursprünglich nord¬
deutsche Kaffee(trinken), das
s
Brotzeit in den nächsten Jahren
wohl verdrängen wird. In Bay¬
risch-Schwaben Vesper neben
Kaffee(trinken). (Wolff; Eichhoffl,
Karte 37)
e
2. Pflanzen, Früchte, Gemüse
Apfelrest (das Innere mit den Ker¬
nen, das man dann wegwirft) (Kar¬
te 14). In fast ganz Bayern sagt man
der Butze(n) (Grundbedeutung:
,Wertloses, Klumpen, Schlacke4),
im Nordosten der Griebs bzw.
Gribs (aus mhd. grübiz Kernge¬
häuse4) und im Nordwesten der
Krotze(n) (aus frz. crotte ,Dreck4).
(Wolff; Eichhoff II, Karte 97)
Apfelsine. In fast
anz Bayern wie
in der südlichen Hälfte des deut¬
sehen Sprachgebiets Orange (mit
den Lautvarianten Oransch, Or-
angsch, Orahsch usw.). Die Bezeich¬
nung Apfelsine, die im allgemeinen
auf den Norden Deutschlands be¬
schränkt ist, hört man in Bayern
hauptsächlich in den fränkischen
Städten (Schweinfurt, Coburg,
Hof, Kulmbach, Bayreuth, Erlan¬
gen). Der heutige Gegensatz nord¬
deutsch Apfelsine / süddeutsch
Orange läßt sich kulturgeschichtlich
erklären. Südchina ist die Urhei¬
mat der Apfelsine, sie wurde erst
im 18. Jahrhundert nach Deutsch¬
land gebracht, und zwar auf zwei
Wegen: nach Norddeutschland di¬
rekt durch den Osthandel, deshalb
hieß sie im Norden appelsina ( =
,Apfel [aus] China, chinesischer
Apfel1 - Sina galt zu der Zeit allge¬
mein für ,China4); und nach Süd¬
deutschland aus Frankreich bzw.
Italien; im Süden übernahm man
also die Bezeichnung orange, eine
französische Form des it. Namens
arancia (ursprünglich aus pers. na-
rang ,bittere [Orange]4). (Wolff;
Eichhoff II, Karte 95; Etymologie:
Kluge 25, 524)
Blumenkohl. Neben Blumenkohl
hört man in Bayern - besonders im
Südosten - der Karfiol (aus it. ca-
volfiore - cavolo ,Kohl4 4- fiore , Blu¬
me4). (Kretschmer 131)
Grünkohl. Der Grünkohl bzw.
Winterkohl (Brassica oleracea) wird
in Süddeutschland, Österreich und
der Schweiz wenig gegessen, und
viele Leute in diesen Gegenden
kennen ihn einfach nicht. Aber bei
denen, die diese Gemüseart in Bay¬
ern essen, heißt sie Grünkohl,
32
Krauskohl oder Winterkohl. Ei¬
ne Bestimmung der geographi¬
schen Verbreitung der Bezeichnun¬
gen ist wegen der relativen Selten¬
heit der Sache in Bayern schwierig.
(Eichhoff II S. 27; Karte 94)
Gurke. In fast ganz Bayern Gurke,
an der westlichen (württembergi-
schen) Grenze dazu auch schwä¬
bisch die Kukumer (aus lat. cucu-
mer), im Norden auch der Küm¬
merling (Fortbildung von Kum¬
mer, aus Kukumer; Seibicke 54).
Das slaw. Lehnwort Gurke (ur¬
sprünglich aus mgr. agauros un¬
reif, weil die Gurken oft unreif ge¬
erntet werden - Duden Etymolo¬
gie 240) gelangte aus dem Nord¬
osten ins Deutsche, das auf Latei¬
nisch basierende Kukumer dagegen
aus dem Südwesten, daher der heu¬
tige Gegensatz nord- bzw. ostd.
Gurke / (süd)westdt. Kukumer.
(DWA XVII)
Heidelbeere (Vaccimum myrtil-
lus) (Karte 15). Schwarzbeere
sagt man in Bayern nördlich der
Donau und etwa östlich einer Linie
Ansbach-Coburg, sonst Heidelbee¬
re. (Wolff; Eichhoff II, Karte 96)
Holunder. In Bayern hört inan
meistens die zusammengezogenen
Formen Holler oder Holder (zu
Holunder aus ahd. holuntar). (Sei¬
bicke 59)
Kartoffel. Für dieses im 15./16.
Jahrhundert aus Amerika nach Eu¬
ropa gebrachte Nahrungsmittel
gibt es in der Standard- wie auch in
der Umgangssprache heutzutage
die Bezeichnung Kartoffel (aus it.
tartufolo ,Trüffelpilz‘ - wegen der
Ähnlichkeit der Form der Kartoffel
mit dieser eßbaren Pilzart). Der
Reisende in Bayern sollte aber
nicht überrascht sein, wenn er da¬
für auch Erdapfel, an der würtem-
bergischen Grenze vielleicht auch
Grummbir (aus Grundbirne) hört.
Diese beiden Lehnübersetzungen
des frz. pommes de terre ,Äpfel des
(Erd) Bodens4 gelten aber heute als
ländlich und mundartlich und wer¬
den in der städtischen Umgangs¬
sprache nur noch von älteren Leu¬
ten gebraucht. (Wolff)
Meerrettich. Der Kren (aus mhd.
ehren, kren aus slaw. chrenu ,Meer¬
rettich4) in fast ganz Bayern. Meer¬
rettich hört man im Nordwesten -
etwa westlich von Würzburg -
sonst nur vereinzelt in Bayern. Es
scheint dennoch, daß der bayrisch¬
österreichisch volkstümliche Aus¬
druck Kren durch standardsprachli¬
ches Meerrettich in Süddeutschland
allmählich verdrängt wird, minde¬
stens in der Öffentlichkeit, denn
Kren hört man zwar zu Hause, auf
dem Markt dagegen immer häufi¬
ger Meerrettich. (Wolff; Eichhoff II,
Karte 90)
Möhre. In Bayern (und auch in
Baden-Württemberg und Hessen)
heißt diese Gemüseart nur gelbe
Rübe, umgangssprachlich ausge¬
sprochen gelbe Ruabm, gell Ruam.
(Wolff; Eichhoff II, Karte 89)
Pilz. In Bayern nennt man
alle Pilze umgangssprachlich der
Schwamm bzw. die Schwam¬
merl, die eßbaren, die gezüchtet
3 BSR211
33
werden oder in der Natur wachsen,
auch Champignons (aus dem
Frz.). (Wolff)
Porree (Karte 16). Porree in der
östlichen, der Lauch in der westli¬
chen Hälfte Bayerns. Interessanter¬
weise ist das Wort Lauch, das heute
auf den Südwesten des deutschen
Sprachgebiets beschränkt ist, die
ursprüngliche gemeingermanische
Bezeichnung für den Porree (vgl.
engl. leek, schwed. -lök aus germ.
★lauk). Porree dagegen, das heute
als standardsprachlich anerkannt
wird, ist ein neueres französisches
Lehnwort. (Wolff; Eichhoff II,
Karte 91)
Preiselbeere. Preiselbeere (aus
tschech. bruslina ,Abstreifbeere‘)
sagt man in Bayern wie im ganzen
deutschen Sprachgebiet südlich des
Ruhrgebiets. Im Norden sagt man
dafür Kronsbeere, was Reisenden
manchmal Schwierigkeiten macht.
Roggen. In Bayern wie in großen
Teilen Süd- und Mitteldeutsch¬
lands nennt man den Roggen oft
einfach Korn, daher auch Kornbrot
für Roggenbrot usw. Wir sehen hier
die Tendenz in der Sprache, ur¬
sprünglich ganz allgemeine Be¬
zeichnungen auf besonders wichti¬
ge Einzelgegenstände zu übertra¬
gen. Eine ähnliche Situation gibt es
übrigens im amerikanischen Engli¬
schen: das engl. Wort corn, das wie
Korn ursprünglich einfach , Getrei¬
dekorn4 bedeutete, verwendet man
in den Vereinigten Staaten nur für
die wichtigste Getreideart, den
Mais; vgl. Bibel, aus gr. biblia Bü¬
cher4, im Laufe der Jahrhunderte
auf die Bedeutung nichtigstes
Buch4 eingeengt. (Wolff; Eichhoff
DIAS, 8)
Rotkohl. Blaukraut in Bayern
(süddeutsch Kraut = norddeutsch
Kohl; vgl. unten Weißkohl/Weiß-
kraut). (Wolff; Eichhoff II, Karte
93)
Weißkohl. In Bayern nur Wei߬
kraut, im täglichen Sprechen auch
einfach Kraut, bes. wenn es nicht
nötig ist, zwischen Rot- und Wei߬
kohl zu unterscheiden. (Wolff;
Eichhoff II, Karte 92)
3. Tiere, Insekten
Huhn. In Bayern heißt das Huhn
meistens die Henne, und zwar am
häufigsten in der Verkleinerungs¬
form Hendl, z.B. Brat-, Backhendl
(die eigentliche Form wäre übri¬
gens ★Henl, das -d- ist bloß Über¬
gangslaut zwischen -n- und -l-, wie
es in den bairischen Mundarten
häufig vorkommt - vgl. Dirndl aus
★Dirnl ,Dimlein, Mädchen4).
(Wolff)
Hund. Im bayrischen Dialektraum
(etwa südöstlich von Nördlingen -
Bayreuth) nennt man einen kleinen
(netten!) Hund das Zamperl (zu
zampen ,zappeln4). (Seibicke 60)
34
Marienkäfer (Karte 17). In Bayern
gibt es für den kleinen roten Käfer
mit den schwarzen Punkten ver¬
schiedene Bezeichnungen, darunter
am häufigsten: Marienkäfer(l) (in
ganz Bayern), Junikäfer(l) (am
häufigsten in Nordbayern, aber
auch im Süden) und Maikäfer(l)
(im Südosten). Dieser landwirt¬
schaftlich wichtige Käfer - sowohl
die Larven als auch die reifen Käfer
fressen Blattläuse und andere
schädliche Insekten - galt im Mit¬
telalter als Lieblingstier der Mutter
Gottes, unter deren Schutz er
stand; vgl. die Benennungen in den
anderen europäischen Sprachen,
wie z.B. engl. ladybug ,Käfer der
Jungfrau1, span, mariquita eigtl.
»kleine Maria4 daher ,Käferchen der
Jungfrau4, frz. bete de la vierge »Kä¬
fer der Jungfrau1 usw. (Eichhoff II,
Karte 102)
»verfaulen4 eigtl. »zu Erde wer¬
den4). Im Laufe des Mittelalters ist
das adt. Wort molt seinerseits auch
ausgestorben, moltwurf hat sich ei¬
ner weiteren volksetymologischen
Umgestaltung unterzogen, diesmal
zu Maulwurf ,(Tier, das die Erde
mit dem) Maul wirft bzw. schiebt.'
(Wolff; Etymologie: Kluge 468)
Motte. Das Insekt, das Wollstoffe
im Kleiderschrank zerstört und das
in der Standardsprache wie auch in
der norddeutschen Umgangsspra¬
che Motte heißt, nennt man in den
größten Teilen Bayerns die Scha¬
be. Nur im Norden Bayerns (am
Main) hört man das ursprünglich
niederdeutsche Wort Motte. (Schabe
zu schaben »abkratzen, nagen4 - ur¬
sprünglich bedeutete Schabe die
Mottenlarve sowie andere schädli¬
che Insekten wie z.B. die Küchen¬
schabe; in den oberdeutschen
Maulwurf. Neben Maulwurf hört
man in Bayern auch Schermaus
oder einfach Scher (eigtl. Bedeu¬
tung ,Maus, die durch die Erde
schneidet'). Die Geschichte des
Wortes Maulwurf bietet ein interes¬
santes Beispiel der Volksetymolo¬
gie: Das Wort hieß ahd. zunächst
müwurf ,Haufenschieber4 (aus mü
»Haufen4 + wurf »Schieber, Wer¬
fer4). Schon in spät-ahd. Zeit war
mü als selbständiges Wort ausge¬
storben, das erste Glied von zu¬
sammengesetzten Wörtern wie
müwurf wurde deshalb nicht mehr
verstanden, und solche Wörter
wurden volksetymologisch umge¬
staltet, in diesem Falle zu moltwurf
,Erdschieber4 von ahd. molt ,Erde4
(vgl. engl. mold »Erde4 und molder
Mundarten erhielt das Wort erst
später die heute noch gültige Be¬
deutung »Motte4.) (Wolff)
Pferd. In den Landesmundarten
Bayerns gibt es immer noch drei
wortgeographisch unterschiedene
Bezeichnungen für den neutralen
Begriff »Pferd4: im Südosten Roß
(aus ahd. hros - in der germani¬
schen Zeit auch im Norden gültig,
vgl. engl. horse), in Mittel- und
Nordostbayem Gaul (Herkunft
des Wortes ist unklar) und im
Nordosten das hauptsächlich nord¬
deutsche Wort Pferd (ursprünglich
aus mlat. paraveredus »Postpferd auf
Nebenlinien4). Da der Begriff
»Pferd4 im alltäglichen Stadtleben
keine so wichtige Rolle mehr spielt
3*
35
wie auf dem Lande, findet man in
der städtischen Umgangssprache
Bayerns heutzutage immer weni¬
ger die alte wortgeographische Eintei¬
lung der drei Bezeichnungen und
immer mehr die standardsprachli¬
che stilistische Differenzierung zwi¬
schen Pferd (allgemeiner Begriff
,Pferd4), Gaul (der abwertende
Ausdruck) und Roß (,edles Pferd4).
(Wolff; Eichhoff II, Karte 96)
Stechmücke. Die Schnake in
ganz Bayern. Im Südosten - etwa
an und südlich von der Donau -
auch das mundartlichere Femini¬
num Staunz(e[n]) (Herkunft des
Wortes ist unklar). Das Wort
Muck (nicht: Mücke) hört man
auch vereinzelt in Südostbayern
und in Nordbayern. In Schwaben
heißt die Stechmücke Schnake (wie
in Bayern), aber das Wort Mücke
wird in Schwaben nur in der Be¬
deutung ,Stubenfliege4 verwendet.
In Teilen Nord- und Nordost¬
deutschlands (z.B. in Obersachsen)
heißt die Stechmücke zwar Mücke,
aber das Wort Schnake bezeichnet
dort nur die großen, schmerzhaft
beißenden Bremsen. (Das Wort
Schnake geht übrigens zurück auf
eine gemeingermanische Wurzel
mit der Bedeutung ,Beißer1, vgl.
engl. snake ,Schlange4). (Wolff;
Eichhoff II, Karte 101)
Ziege. Die Geiß (mit deren vielen
Lautvarianten wie Goaß, Goß) sagt
man in ganz Bayern, doch hört
man auch die standardsprachliche
und hauptsächlich norddeutsche
Bezeichnung Ziege immer mehr in
der Umgangssprache, vor allem in
den größeren Städten, wo dieses
Tier und auch andere landwirt¬
schaftliche Begriffe für den ge¬
wöhnlichen Stadtbewohner nicht
mehr so wichtig sind wie im klei¬
nen Dorf auf dem Lande. Interes¬
sant ist allerdings, daß die Bezeich¬
nung Geiß, die in den Mundarten
und in der Umgangssprache auf
Süddeutschland, Österreich und
die Schweiz beschränkt ist, zu¬
nächst den gesamten deutschen
Sprachraum einnahm, denn die
Angelsachsen nahmen ihre nieder¬
deutsche Form des Wortes nach
England mit (engl. goat geht zu¬
rück auf aengl. gät aus germ.
★gait), und das Tier heißt im NI.
geit, im Dän. gjed usw. Das in den
ostmitteldeutschen Mundarten üb¬
liche und deshalb von Luther in sei¬
nen Schriften verwendete Wort
Ziege hat sich durch den protestan¬
tischen Norden verbreitet und ge¬
hört seither zur Standardsprache.
(Wolff; Eichhoff II, Karte 100;
Eichhoff DIAS, 7)
4. Haus, Haushalt; Straße, Nachbarschaft
Aufwischen (den Fußboden mit
dem Scheuertuch naß reinigen). In
ganz Bayern wischen und putzen
(weniger: aufputzen). (Wolff;
Eichhoff II, Karte 81)
Ausguß (an der Kaffeekanne)
(Karte 18). In ganz Süd- und Ost¬
mittelbayern sagt man Schnabel
(wegen der Ähnlichkeit mit dem
Schnabel des Vogels), in Mittel-
36
bayem die Schnaube, nördlich und
westlich des Schnaube-Gebiets die
Schnauze, in der nordöstlichen
Ecke Bayerns die Schneppe (ein
mit Schnabel verwandtes Wort; wir
sehen hier den südlichen Teil eines
Sr/zneppe-Gebiets in der DDR) und
in Nordwestbayem die Zutt(e)
bzw. Zott(e) (diese zwei Bezeich¬
nungen, die auf ahd. zota , Schna¬
bel4 zurückgehen, hört man vor¬
wiegend in Rheinland-Pfalz und in
Südhessen). (Wolff; Eichhoff II,
Karte 78)
Auto. Ein altes, klapperiges Auto
nennt man in Südbayern das
Schnauferi (,kleiner Schnarcher4
zu schnaufen, Variante von schnau¬
ben aus mhd. snüben ,schnarchen4).
Bierlokal (Karte 19). Für das klei¬
ne, gemütliche (doch vielleicht
nicht immer so ganz saubere) Bier¬
lokal ist die traditionelle Bezeich¬
nung im oberdeutschen Raum die
Beize (aus jid. bajis ,Haus‘ - Küp¬
per, Bd. V, S. 46) mit den mund¬
artlichen Lautvarianten Boiz
(schwäbisch) und Boazen (bai¬
risch), aber das ursprünglich nord¬
deutsche Wort Kneipe ist seit Be¬
ginn des Jahrhunderts weit nach
Süden vorgedrungen, wo es heimi¬
sches Beize, Boiz, Boazen allmäh¬
lich zu verdrängen scheint, bes. im
schwäbischen und im fränkischen
Raum (Kneipe, Neubildung zu älte¬
rer Kneipschenke ,schlechte, gemei¬
ne Schenke4, von Kneip ,enger, be¬
klemmender Raum4 zu kneipen
,klemmen, kneifen4). (Wolff; Eich¬
hoff I, Karte 32)
Bindfaden (Karte 20). Die jetzt in
ganz Bayern gültige Bezeichnung
Schnur ist heute verbreiteter als
vor sechzig Jahren, denn Kretsch¬
mers Informanten meldeten Schnur
damals fast nur im Norden des
Landes, in der südlichen Hälfte
eher der Spagat (Kretschmer 120).
Es scheint also, daß Schnur das älte¬
re Spagat und auch Strick (siehe
Karte) in Bayern verdrängt. Es be¬
steht aber auch heute noch der
Bedeutungsunterschied
zwischen
Schnur und Spagat, wonach Schnur
einen leichter zerreißbaren Bindfa¬
den bezeichnet, Spagat dagegen ei¬
nen dünnen, aber sehr starken -
vgl. den Ursprung dieses Wortes ,
it. spaghetto ,dünner Bindfaden4. Im
Nordwesten Bayerns sieht man
den südöstlichen Rand des mittel-
und rheinfränkischen Kordel-Ge¬
biets (die Kordel aus lat. corda
,Darm, Darmsaite, Fessel4).
(Wolff; Eichhoff II, Karte 74)
Bordstein. Randstein in ganz
Bayern, wie im ganzen Süden, aber
auch gelegentlich Bordstein (der
aber als vorwiegend norddeutscher
Ausdruck gilt). (W'olff; Eichhoffl,
Karte 31)
Bürgersteig. Nach den Angaben
unserer Informanten ist ersichtlich,
daß der traditionelle süddeutsche
Ausdruck (französisches Lehn¬
wort) das Trottoir, obgleich im¬
mer noch populär, durch Gehsteig
allmählich verdrängt wird, denn
dieser wird von den Informanten
als die unter der jüngeren Genera¬
tion beliebtere Bezeichnung gemel¬
det, Trottoir dagegen als etwas
37
„altmodisch, veraltet“. Gehweg
und Fußweg sind, wie Trottoir,
weniger üblich als Gehsteig. (Wolff;
Eichhoff I, Karte 30)
Dachboden (Karte 21). In ganz
Bayern außer dem Norden und
dem Nordosten sagt man Spei¬
cher, ein Wort, das zunächst den
Raum in der Scheune bezeichnete,
wo das Getreide aufbewahrt wurde
(Speicher geht zurück auf lat.
spicärium ,Raum, wo die Ähren
[lat. spTcae] aufbewahrt werden4).
Im Westen Bayerns hört man den
in dem Sinne von ,Dachboden1
hauptsächlich schwäbischen Aus¬
druck Bühne (aus ahd. ★bum
,Brettergerüst mit waagrechter
Fläche, über den sonstigen Boden
erhöhte Bretterlagen4 - Kluge 110).
Auch Boden bzw. Dachboden hört
man in ganz Bayern außer dem
westlichen ßw/me-Gebiet, doch
scheint es, daß (Dach)Boden jetzt
durch Speicher allmählich ver¬
drängt wird (siehe Kretschmer
132-135). (Wolff; Eichhoffl, Karte
24)
Wort) gilt als der „bessere“ Aus¬
druck, den man also eher im Ge¬
schäft hört, Büchse mehr zu Hause.
(Wolff; Eichhoff II, Karte 84)
Flaschenkorken (Karte 22). Der
volkstümliche Ausdruck in Bayern
ist der Stöpsel bzw. Stöpsel, doch
werden diese Bezeichnungen seit
Beginn des Jahrhunderts durch die
im deutschen Raum weiter aner¬
kannten der Korken / Kork immer
mehr verdrängt (Kork[en] aus nd.
aus span, aus lat. cortex »Baumrin¬
de4). Das kleine Stoppen-Gebiet
im Nordwesten Bayerns ist die
südöstliche Ecke eines größeren
Stoppen-Gebiets im Rheinland und
in Hessen. (Wolff; Eichhoff II,
Karte 76)
Gardine. Für die (meist weiße,
durchsichtige) Fenstergardine sagt
man in Nordbayern Vorhang, in
Südbayern verwendet man dage¬
gen eher das frz. Lehnwort der
Store, PI. Stores. (Wolff)
Handbesen (Karte 23). In Bayern
sind am weitesten verbreitet Bese
Decke. In Bayern südlich von
Nürnberg hört man neben Decke
auch das alte französische Lehn¬
wort der Plafond, das aber heute
vor Decke an umgangssprachli¬
chem Boden verliert. (Wolff)
Dose / Büchse (z.B. für Gemüse¬
konserven). In Bayern hört man
am häufigsten Büchse, aber diese
volkstümliche Bezeichnung tritt
vor dem neueren Terminus Dose
allmählich zurück, denn Dose (ein
ursprünglich niederländisches
und Handbesen, vereinzelter sind
Kehrbesen, Kehrichtbesen und
Besele. Beserl hört man ziemlich
oft im Osten (etwa südöstlich von
Regensburg) und der Kehrwisch -
eigentlich ein badisch-schwäbi¬
scher Ausdruck - nur in einem
kleinen Gebiet um und westlich
von Ansbach. (Wolff; Eichhoff II,
Karte 83)
Harke. In der ganzen südlichen
Hälfte des deutschen Sprachgebiets
(südlich einer Linie Bonn-Meißen)
38
gilt der Rechen, nur im Norden
Deutschlands die Harke. (Wolff;
Eichhoffl, Karte 13)
Hausflur (der Raum in der Woh¬
nung, von dem links und rechts die
Zimmer abgehen). Gang (seltener
Hausgang) sagt man in ganz Bay¬
ern. Den hochsprachlichen Aus¬
druck Flur hört man hier nur ver¬
einzelt, auch seltener das italieni¬
sche Lehnwort der Korridor. Be¬
merkenswert ist, daß das vor sech¬
zig Jahren von Kretschmer gemel¬
dete Wort die Ern in der heutigen
Umgangssprache so gut wie gar
nicht mehr zu hören ist. (Wolff;
Eichhoff I, Karte 25)
Kehrschaufel (Karte 24). In fast
ganz Bayern Schaufel (vereinzelt
Kehr-, Kehricht-, Dreckschaufel), nur
im Nordwesten (westlich von
Würzburg) Schippe bzw. Dreck¬
schippe (hier sehen wir den südöstli¬
chen Rand des (Dreck) Schippe-Ge¬
biets in Rheinland-Pfalz, Hessen
und zum Teil in Nordrhein-West¬
falen - man vgl. auch (Schnee)
Schaufel und -schaufeln, S. 45). In
Westmittelbayern beginnt das
schwäbische Kutterschaufel-Ge¬
biet (Kutter zu Kot »Schmutz,
Dreck4). (Wolff; Eichhoff II, Karte
82)
Klingel (elektrische Türklingel)
(Karte 25). Glocke in ganz Bayern
außer dem Nordwesten, wo man
hauptsächlich Schelle hört. Doch
wird die Geltung standarddeut¬
scher Formen durch technologi¬
sche Entwicklungen gefördert: Das
ursprünglich norddeutsche Wort
Klingel in der Bedeutung elektri¬
sche Türklingel4 scheint die süd¬
deutsche Glocke und südwestdeut¬
sche Schelle (ursprüngliche Bedeu¬
tung: einfach ,Glocke4) zu verdrän¬
gen. (Wolff; Eichhoffl, Karte 26)
(Es) klingelt (die elektrische Tür¬
klingel) (Karte 26). Es läutet (mit
vielen Lautvarianten wie es leitet, es
leit) etwa in der östlichen Hälfte
Bayerns, es schellt hauptsächlich
im Westen (westlich einer Linie
Hof-Nümberg-Kaufbeuren); aber
Begriff »Klingel4 hört man in Bay¬
ern seit der Einführung der elektri¬
schen Türklingel immer häufiger
das ursprünglich norddeutsche
Verbum klingeln (es klingelt).
(Wolff; Eichhoffl, Karte 27)
Kochen (den Siedepunkt errei¬
chen). Sieden sagt man in Südbay¬
ern. Das Verbum kochen ist in die¬
sem Sinne umgangssprachlich
hauptsächlich norddeutsch, wird
aber immer mehr im Süden gehört,
besonders in Ausdrücken wie z.B.
»Eier, Obst kochen4. (Seibicke 69;
Kretschmer 300)
Lumpen.
bei der Sache
»Scheuertuch1 (siehe S. 40) hört
man neben Lumpen und der Lap¬
pen auch noch in Südostbayern das
immer mehr als mundartlich ange¬
sehene Wort der Hadern. (Wolff;
Eichhoff II, Karte 80)
Nach Hause. In Bayern verwen¬
det man den in der ganzen südli¬
chen Hälfte des deutschen Sprach¬
gebiets gültigen Ausdruck heim
39
(aus ahd. heim, adverbial verwen¬
dete Akkusativform des Nomens
heim ,Haus, Heimat4). Heim geht
übrigens in die deutsche Sprachge¬
schichte viel weiter zurück als der
verhältnismäßig jüngere und in der
Umgangssprache nur im Norden
verwendete Ausdruck nach Hause.
(Wolff; Eichhoffl, Karte 28)
Nachttopf. In Bayern - besonders
in der südlichen Hälfte des Landes
- sagt njan das Nachthaferl (zu
Hafen ,Topf4 - siehe S. 41) oder die
Nachtscherbe(n) bzw. Scherbe(n)
(zu Scherbe »Topf; die Formen mit
-n sind übrigens Singular, nicht
Plural, vgl. Fersen S. 42). Nur im
Norden (am Main) sagt man Nacht-
Reinigen (die Zimmer ~). In Bay¬
ern sagt man meistens putzen, sel¬
tener saubermachen und nur ver¬
einzelt wischen. (Wolff; Eichhoff
I, Karte 17)
Scheuertuch (Karte 27). In fast
ganz Bayern sagt man dafür (Putz)
Lumpen, seltener der Putzlap¬
pen; in Ostbayern (etwa östlich ei¬
ner Linie Mühldorf-Regensburg-
Erlangen-Kulmbach) auch häufig
der Hadern, ein Wort, das immer
mehr als mundartlich angesehen
wird und deshalb vor Putzlumpen
zurückweicht. (Eichhoff II, Karte
80)
Scheune (Karte 28). In Bayern ist
der übliche Ausdruck der Stadel,
nur in den westlichen bzw. nord¬
westlichen Randgebieten verwen¬
det man das hauptsächlich ale-
manmsch-rheinfränkische
Scheuer. Auch hört man in der
städtischen Umgangssprache Bay¬
erns immer mehr die standard¬
sprachliche Bezeichnung Scheune -
ein von Haus aus norddeutsches
Wort - da die Sache , Scheune4 (und
deshalb auch deren volkstümliche
Benennungen) für den heutigen
Stadtbewohner nicht mehr so
wichtig ist wie früher auf dem Lan¬
de. (Eine ähnliche Tendenz zur An¬
nahme der nicht-einheimischen
standardsprachlichen Bezeichnun¬
gen findet man bei anderen in der
Landwirtschaft bedeutsamen Be¬
griffen wie Pferd (S. 35), Traktor
(S. 46), Ziege (S. 36) usw.) (Wolff;
Eichhoff I, Karte 33)
Straße. Für den ganz allgemeinen
Begriff , Straße4 sagt man in Süd¬
bayern neben Straße auch Gasse -
ein Wort, das der Standardsprache
nur in der Bedeutung ,schmale, en¬
ge Straße4 bekannt ist. Gasse galt
zunächst im ganzen germanischen
Sprachraum (vgl. norw. schwed.
gata; dän. gade; engl. gate ,Gitter4),
Straße ist dagegen ein späteres
Lehnwort (mhd. sträze, ahd. sträza
aus lat. strata (via) gepflasterter
(Weg)4). (Wolff; Kretschmer
491-503)
Streichholz (Karte 29). Streich¬
holz bzw. -hölzl hört man vor¬
wiegend im Norden und im Wre-
sten Bayerns, Zündholz, -hölzl
haupsächlich im Südosten. Die
geographische Verbreitung der
Wörter hat sich seit Beginn des
Jahrhunderts wahrscheinlich nicht
geändert, denn auch Kretschmer
40
fand dieselbe Verbreitung wie
heute, und er bemerkte, daß die
geographischen Verteilungen der
beiden Ausdrücke auch zu seiner
Zeit vielfach durcheinandergingen
(Kretschmer 503). (Wolff; Eichhoff
II, Karte 75)
stiege. Der standardsprachlichen
semantischen Differenzierung -
Treppe
besonders aus Stein, Stie-
aus Holz, steil, schmal - ent¬
Teesieb. Der Seiher in ganz Bay¬
ern. (Wolff; Eichhoff II, Karte 79)
Topf. In Bayern verwendet man in
der Umgangssprache meistens die
gemeinsüddeutsche Bezeichnung
der Hafen, die der Norddeutsche
vor allem mit der Bedeutung pa¬
fett für Schiffe4 verbindet. Diese
spricht eine in der Umgangsspra¬
che wortgeographische (dasselbe gilt
für Pferd/Gaul/Roß, die in der
Hochsprache verschiedene Bedeu¬
tungen haben, in den Mundarten
und zum Teil in der Umgangs¬
sprache dagegen alle drei in geo¬
graphisch verschiedenen Gegenden
einfach ,Pferd4 heißen; siehe
(Wolff;
Seibicke
112-113;
zwei verschiedenen Bedeutungen
gehen auf ein
;emeingermanisches
Wort ★haf- ,Behälter4 zurück; vgl.
Haft, verhaften und andere Wörter
mit der Kernbedeutung ,halten4.
(Wolff)
Treppe. In Bayern, vor allem im
Süden des Landes, sagt man eher
Kretschmer 537)
Zu Hause. In Bayern wie in der
ganzen südlichen Hälfte des deut¬
schen Sprachgebietes sagt man da¬
heim (aus mhd. da heime, für älte¬
res mhd. heim(e) aus ahd. heime
Dat. von heim ,Haus, Heimat4).
Der süddeutsche Ausdruck ist viel
älter als der in Norddeutschland
und in der Schriftsprache übliche
zu Hause. (Wolff; Eichhoffl, Karte
29)
5. Der Mensch (einschließlich Körper, Benehmen usw.)
Absicht. (Etwas) mit Absicht/Willen
(tun) heißt in Bayern mit Fleiß,
im Südosten auch zu Fleiß.
(Wolff; Seibicke 20)
Artig. In Bayern dafür brav, auch
- besonders im Südosten - vielfach
stad (ursprüngliche Bedeutung:
,still, leise4). (Wolff)
Aufgeregt bzw. zornig. Für auf¬
geregt bzw. zornig sein sagt man in
Bayern Praß haben (aus mnd.
bras(t), ,Lärm, lärmender Aufzug,
Gepränge4) und auch - vor allem
im Südosten Bayerns - schiech
sein (Herkunft
des Wortes ist un¬
klar). (Wolff)
Augenlid. In ganz Bayern wie
überhaupt im Süden des deutschen
Sprachgebiets umgangssprachlich
Augendeckel. (Wolff)
Backe/Wange. In Bayern hört
man Backe, und zwar oft als Mas¬
kulinum: der Backen. (Wolff)
41
Backenzahn. In Bayern wie im
Süden überhaupt eher Stockzahn.
(Wolff)
Bein/Fuß/Knochen. Besonders
in Südbayern verwendet man viel¬
fach die Wörter Bein, Fuß und Kno¬
chen mit standardsprachlich nicht
üblichen Bedeutungen: hier meint
Fuß oft das ganze Bein, Bein dage¬
gen den Knochen überhaupt (diese
Anwendung von Bein ist übrigens
die germanisch ursprüngliche -
vgl. engl. bone ,Knochen4, ahd.
Denkmäler wie die Merseburger
Zaubersprüche des 10. Jahrhun¬
derts mit der Formel ben zi bena
,Knochen zu Knochen4 und hoch¬
sprachlich bekannte Wörter und
Redewendungen wie durch Mark
und Bein, Schienbein, Elfenbein
usw.); Knochen verwendet man in
Bayern dann in der Bedeutung von
,Knöchel4. (Wolff)
(Sich) bemühen. In Südbayern,
Österreich und Württemberg
trachten z.B. „Ich werde trach¬
ten, es heute zu tun“ (aus lat. trac-
täre , verrichten, leisten4 - nach Klu¬
ge (785) „[ursprünglich] im Be¬
reich der gelehrten Schule entlehnt,
zunächst als Fachwort für das
Nachdenken über eine zu beant¬
wortende Frage . . .“).
Kretschmer 113-114)
(Wolff;
Beule. Neben Beule - die aller¬
dings als standardsprachlich gilt -
sagt man besonders in Südostbay¬
ern der Bingl bzw. Binkl (zu Binge
,Krater, Vertiefung [in einer Ober¬
fläche]4). (Wolff; Seibicke 28,
DWA V)
Dumm. Neben dumm hört man
verschiedene mundartlich-um¬
gangssprachliche Ausdrücke in
Bayern wie: dalket (zu dalken »un¬
geschickt, kindisch reden4), dep-
pet (Herkunft unklar, vgl. aber
engl. dippy ,albern, einfältig4), da¬
misch (aus mhd. toum, doum
,Qualm, Dunst4) u.a.m. Eine
dumme, einfältige Person nennt
man u.a. einen Depp oder Dalk.
(Wolff; Seibicke 38)
(Sich) erkälten (Karte 30). In
Bayern ist der übliche Ausdruck
sich verkälten, viel seltener hört
man das standardsprachliche, aber
umgangssprachlich auf Nord¬
deutschland beschränkte sich erkäl¬
ten. Sich verkühlen, ein haupt¬
sächlich österreichischer Ausdruck,
wird auch in Nordbayern (etwa
nördlich von Nürnberg) verwen¬
det. (Wolff; Eichhoffl, Karte 6)
Ferse. In Bayern hört man auch die
Laut- und Formvarianten Fersche
und, besonders in Südostbayern,
Fersen. Diese letzte ist keine Plu¬
ralform, sondern ein Beispiel der in
den bairischen Mundarten zahlrei¬
chen schwachen Feminina, in de¬
nen das ursprüngliche (alt- und
mittelhochdeutsche) -n der abhän¬
gigen Fälle auf den Nominativ
analogisch übertragen worden ist
(andere Beispiele: die Lampen
[ausgesprochen Lompm], die Zun¬
gen, die Fragen [ausgesprochen
Frogwg] usw.). (Wolff; Eichhoff I,
Karte 3)
Fuß. Siehe Bein / Fuß / Knochen,
oben.
42
Gesicht. In Bayern hört man auch
den vulgären Ausdruck das Ge-
frieß, zu fries ,kraus, gekräuselt*
. man könnte, weil der frost
kräuselt, ... dabei an friesen [ =
frieren] denken“ Grimm Bd. IV,
Abt. I, 1. Hälfte, S. 203). (Wolff)
Hand. In Südbayern sagt man oft
die Tatsche (dazu die Verben tat¬
schen, tätscheln von Datsch,
Tatsch, schallnachahmende Bil¬
dung zum Schlag mit der flachen
Hand); die Pratze bedeutet eine
große, kräftige Hand (durch Kärn¬
ten aus it. braccio aus lat. brachium
,Arm‘), die Tatze dagegen ein stra¬
fender Schlag auf die Hand (vgl.
deren Grundbedeutung ,Pfote des
Raubtieres*). (Wolff; Seibicke 56)
Junge. In ganz Bayern Bub(e)
bzw. Bua. Das Wort ist gemein¬
germanischen Ursprungs, vgl.
engl. boy ,Knabe*, baby, fries, boi
,Knabe* usw. In der Umgangs¬
sprache hört man in den nordbayri¬
schen Städten neben Bube auch das
standardsprachliche Wort Junge,
aber in der Bedeutung Jugendli¬
cher, Teenager'. (Wolff; Eichhoff
I, Karte 1)
Kneifen (mit den Fingern) (Karte
31). Zwicken in ganz Bayern,
pfetzen bzw. petzen (Herkunft
unklar) in Nordwestbayern (hier
sehen wir die östliche Ecke eines
Pf/)etzen-Gebiets, das sich durch
Baden, Nordwürttemberg, die
Pfalz und Südhessen erstreckt).
Das Verbum zwicken ist wieder ein
Beispiel dafür, daß viele Wörter,
die heute auf den süddeutschen
Raum beschränkt sind, früher im
ganzen deutschen Sprachgebiet
galten; denn die Angelsachsen nah¬
men im 5. Jahrhundert ihre nieder¬
deutsche Form des Wortes nach
England mit - vgl. engl. tweak
,kneifen, klemmen* aus ags. twic-
cian = zwicken. (Wolff; Eichhoff I,
Karte 10)
Knochen. In Bayern sagt man für
,Knochen* vielfach Bein, für
,Beinl sagt man dann Fuß, und das
Wort Knochen verwendet man in
der Bedeutung ,Knöchel* (siehe
Bein/Fuß/Knochen, S. 42).
Kuß/küssen. Umgangssprachlich
weit verbreitet in Bayern sind das
Nomen Busse(r)l und das Verbum
busseln (aus der Kindersprache,
ein Schallwort). (Wolff)
Mädchen (Karte 32). Mädl(e),
Madl in ganz Bayern, Madia im
Nordosten (siehe -chen/-lein, S. 57).
In Südostbayern hört man auch
Dirndl (, Dirnlein* - Dirne =
,Magd‘), aber dieses mundartliche
Wort wird in der letzten Zeit in
der städtischen Umgangssprache
durch Mädl(e)/Madl(a) immer
mehr verdrängt und gilt heute
als ein ländlicher, etwas altmodi¬
scher Ausdruck für ,Mädchen*
(Dirndl verwendet man jetzt im¬
mer mehr nur in der Bedeutung
,Dirndlkleid*).
(Wolff;
Eichhoff I,
Karte 2)
Mut. In Bayern oft die bzw. der
Schneid, wie in dem Ausdruck
,,Er hat keine(n) Schneid (nicht).“
(Wolff; Seibicke S. 80)
43
Nase reinigen (mit dem Taschen¬
tuch). In ganz Bayern wie über¬
haupt in der südlichen Hälfte des
deutschen Sprachgebiets schneu¬
zen bzw. schneizen. Das Verbum
geht zurück auf das Nomen
Schnauze ,Nase‘ (aus germ, ★snüt,
vgl. engl. snout, snoot und auch snot
,Rotz‘); Schneuzen bedeutet also ei¬
gentlich ,(sich) nasen‘. Den nord¬
deutschen Ausdruck Nase putzen
hört man in Bayern nur bei sehr
formelle^ Anlässen, nicht in der
täglichen Umgangssprache.
(Wolff; Eichhoffl, Karte 7)
Ohrfeige. Die Schelle (gekürzt
aus Maulschelle ,schallender Schlag
auf den Mund‘) und die Wat¬
sche^) (aus ahd. was ,scharf*) sagt
man in ganz Bayern, dazu auch die
Fotze(n) in Südostbayem. Fot-
ze(n) gilt aber als bäuerlicher, vul¬
gärer Ausdruck (in den bairischen
Mundarten heißt Fotze(n) unter
anderem „das Maul von Tieren
und [immer verächtlich] von Men¬
schen . . . [auch] ein Schlag auf das
Maul, Maulschelle . . .“ - Schmel-
ler 1-782).
Karte 4)
(Wolff;
Eichhoff I,
(Sich) prügeln. Sich raufen in
Bayern wie auch in Österreich.
(Seibicke 86)
Pustel. In Bayern außer dem Nor-
den/Nordwesten sagt man das
Wimmerl (zu wimmeln, weil der
Eiter darin ,wimmelt*), im fränki¬
schen Raum - nordwestlich einer
Linie Nördlingen-Nürnberg-Bay¬
reuth - die Kaute (zu Kaute , Gru¬
be, Loch*). (Wolff)
Schluckauf (Karte 33). Neben
zahlreichen regionalen Varianten
gibt es in Bayern fünf Hauptaus¬
drücke für den Schluckauf: der
Schnackler im Südosten, der
Hecker und der Hetscher in Mit¬
telbayern, der Schlucker im Nor¬
den und der Schluckser im Nord¬
westen. Meine Informanten melde¬
ten 1971 jedoch noch andere, ver¬
einzelte Bezeichnungen in Bayern,
darunter: Schluckauf (den standard¬
sprachlichen Ausdruck), Schlucken,
Schluckern, Flicker, Hicking, Hä¬
scher, Schnackei, Schnackle u.a.m.
(Wolff; Eichhoff I, Karte 5)
Schmerzen. In Zusammensetzun¬
gen wie Bauch-, Kopf-, Zahnschmer¬
zen sagt man in Bayern eher -weh,
also Bauchweh, Kopfweh, Zahnweh.
(Wolff)
Unverschämt. Umgangssprach¬
lich hört man ausg(e)schamt, vor
allem im Südosten Bayerns. (Sei¬
bicke 114)
6. Arbeit, Schule
Arbeiten (Karte 34). In Zentral-
und Ostbayern arbeiten, im Westen
und zum Teil im Norden dagegen
schaffen. Das Wort schaffen ist
zwar in ganz Bayern üblich, aber
nur im Westen in der Bedeutung
von ,arbeiten*, sonst heißt es be¬
fehlen, bestellen*. Das Schaffen ( =
,arbeiten‘)-Gebiet
umfaßt
bayern, Baden-Württemberg, die
44
Schweiz, Hessen und Rheinland-
Pfalz. {Schaffen aus ahd. scaffön ,be¬
wirken, ordnen, tun‘, Arbeit(en)
aus ahd. arabeit ,schwere körperli¬
che Anstrengung, Mühsal*.)
(Wolff; Eichhoffl, Karte 11)
Beil. Für das Beil sagt man in Bay¬
ern die Hacke(n), vor allem im
Südosten. (Zum -n in Hacken vgl.
Fersen, S. 42.) (Wolff)
Fegen (mit dem Besen). In Bayern
heißt ,fegen* kehren. (Wolff; Eich¬
hoff I, Karte 16)
Fleischer. Im ganzen Süden ge¬
braucht man den sehr alten Termi¬
nus Metzger (aus mhd. metzjaere
aus lat. matiärius ,Wurstmacher* zu
matia ,Darm‘); dazu auch süd¬
deutsch Metzgerei, metzgen
(,schlachten*). (Wolff; Eichhoffl,
Karte 19)
Handwerker, der Wasserrohre
repariert (Karte 35). Das neue frz.
Lehnwort Installateur, das etwa
um 1900 ins Deutsche eingeführt
wurde und das jetzt in ganz Süd-
und Mitteldeutschland geläufig ist,
verdrängt allmählich die älteren,
einheimischen Bezeichnungen
Spengler (zu Spange , [eiserne]
Klammer*) und Flaschner (früher
wurden blecherne und zinnerne
Flaschen von diesem Handwerker
hergestellt). (Der im Norden des
deutschen Sprachgebiets und auch
in der Schriftsprache anerkannte
Klempner ist in der bayrischen Um¬
gangssprache nicht üblich.) (Wolff;
Eichhoffl, Karte 21)
Konditor. Umgangssprachlich
hört man in Südbayern vielfach
Zuckerbäcker, auch Zuckerbäcke¬
rei. (Wolff)
Putzfrau (die Frau, die ein- oder
zweimal in der Woche ins Haus
kommt, um die Zimmer zu reini¬
gen). Putzfrau in ganz Bayern, das
ältere Wort Zugehfrau heute nur
noch vereinzelt gehört. Vor sech¬
zig Jahren meldeten Kretschmers
Informanten eine große Zahl popu¬
lärer regionaler Ausdrücke, darun¬
ter Auf wär ter in, Aufwartefrau, Mo¬
natsfrau, Aushilfefrau, Eingeherin,
Zuspringerin, Lauferin, Lauffrau
u.a.m. (Kretschmer 96). Seitdem
der Begriff weniger alltäglich wird,
läßt sich eine deutliche Tendenz zu
Einheitlichkeit in der Bezeichnung
feststellen. (Wolff; Eichhoffl, Kar¬
te 18)
Schneeschaufel (Karte 36). In
Bayern ist die verbreitetste Be¬
zeichnung Schneeschaufel, im Nord¬
westen hört man aber meistens
-Schieber und -schippe, in Süd-
und Mittelbayern auch -räumer.
(Wolff; Eichhoffl, Karte 14)
Schnee schaufeln (Karte 36). Die
Verbreitung der in Bayern übli¬
chen Verben (Schnee) schaufeln,
schieben, schippen und räumen
deckt sich mit der der entsprechen¬
den Nomina. (Wolff; Eichhoff I,
Karte 15)
Schornstein(feger) (Karte 37). In
Bayern verwendet man zwei ver¬
schiedene Bezeichnungen für den
Schornstein: im Norden das ger¬
45
manische Wort der Schlot (aus
mhd., ahd. slät, mit mhd. släte
,Schilfrohr* verwandt) und im Sü¬
den das lat. Lehnwort der Kamin
(lat. caminus ,Feuerstatt, Herd*).
Umgangssprachlich kommt das
schriftsprachliche Schornstein fast
gar nicht vor. Zu den Termini für
den Handwerker: In Bayern sagt
man kehren für ,mit dem Besen fe¬
gen*, daher hört man Kaminkeh¬
rer in Südbayern. Die Ausdrücke
Kaminfeger in Westmittelbayem
und Schlotfeger in Nordbayern
bedeuten eigentlich , Schornstein¬
remter* (bairisch fegen = schrift¬
sprachlich ,reinigen*, nicht: ,fe¬
gen*). (Wolff; Eichhoff I, Karten 22
u. 23)
Schulranzen (Karte 38). Neben
Schulranzen bzw. Ranzen in ganz
Bayern hört man auch Bücherta¬
sche im Norden (Nürnberg, Er¬
langen, Würzburg, Schweinfurt)
und Schulpack (ein österreichi¬
scher Ausdruck) vereinzelt im Süd¬
osten. (Wolff; Eichhoff II, Karte
88)
Tischler. In Bayern wie in der
ganzen Bundesrepublik südlich
von Dortmund heißt der Tischler
Schreiner (zu Schrein ,Kiste, Lade,
Schrank*); die amtliche Bezeich¬
nung Tischler hört man nur im
Norden der Bundesrepublik, in der
DDR und in Österreich. (Eich¬
hoff I, Karte 20)
Traktor. In ganz Bayern der Bull¬
dog, nur selten Traktor. Die ur¬
sprünglich engl. Bezeichnung Bull¬
dog (,Bulldogge, Bullenbeißer*)
wurde 1921 als Firmenname des
von der ehemaligen Heinrich-
Lanz-Firma (Mannheim) herge¬
stellten Traktors eingeführt und in
Süddeutschland auf alle Traktoren
übertragen. Es scheint jedoch, daß
diese volkstümliche Bezeichnung
im städtischen Gebrauch vor dem
ebenfalls englischen Lehnwort
Traktor zurücktritt, wohl wegen
der für den normalen Sprecher ab¬
nehmenden Wichtigkeit des fast
ausschließlich in der Landwirt¬
schaft bedeutsamen Begriffs .Trak¬
tor' (vgl. Stadel/Scheune, S. 40).
(Wolff; Eichhoff I, Karte 12)
7. Zeit (die Uhr, Tage, Jahreszeiten usw.)
Dieses Jahr. In ganz Bayern, so¬
wohl in der städtischen Umgangs¬
sprache als auch in den Mundarten,
sagt man heuer (aus mhd. /rmreaus
ahd. hiuru, hiu idru ,in diesem Jahr*;
vgl. heute aus ahd. hiu tagu ,an die¬
sem Tag‘). (Wolff; Eichhoff I, Kar¬
te 42)
Frühling. In der Umgangssprache
Südbayerns häufig Frühjahr.
(Wolff)
Fünf Uhr
fünfundvierzi
Bayern, Baden-Württemberg,
Hessen, Österreich und der DDR
Dreiviertel sechs im Gegensatz zu
dem in Nordwestdeutschland und
in der Schweiz üblichen Viertel vor
sechs. (Wolff; Eichhoffl, Karte 39)
46
Heute morgen (Karte 39). Heu-
t(e) früh hört man in ganz Bayern,
heut in der Früh(e) im Südosten,
etwa südöstlich der Lech-Donau-
Linie. Es scheint, daß sich die geo¬
graphische Verbreitung der regio¬
nalen Ausdrücke für ,heute mor¬
!4
en: im Laufe der letzten Jahrzehn¬
te nicht geändert hat, denn wir fin¬
den heute wie die Forscher für den
Deutschen Wortatlas vor dreißig Jah¬
ren heute morgen in Baden-Würt-
temberg und im nördlichen Drei¬
viertel der Bundesrepublik sowie
in der nördlichen Hälfte der DDR,
heut(e) früh in Bayern und im thü¬
ringisch-obersächsischen Raum,
heut in der Früh(e) im bairischen
Dialektraum (also in Südostbayern
und in Österreich) und hüüt am
Morge in der Schweiz. (Wolff;
Eichhoff I, Karte 34; DWA XVI)
Samstag/Sonnabend. In Bayern,
wie überhaupt im südlichen Zwei¬
drittel des deutschen Sprachge¬
biets, sagt man Samstag (aus mhd.
samztac aus ahd. sambaztag aus got.
★sambatö aus vulgärgr. sämbaton aus
hebr. sabbäth ,Ruhetag, Sabbat4).
Das Wort gelangte sehr früh nach
Süddeutschland durch die Mission
der arianischen Goten (donauauf¬
wärts) und auch vom Südwesten
her durch das römische Christen¬
tum. Das jüngere, im nördlichen
Drittel der Bundesrepublik und in
der DDR übliche
Wort Sonnabend
galt ursprünglich nur für den
Abend vor dem Sonntag, erst spä¬
ter für den ganzen Tag. Es ist
schwer zu sagen, welche der zwei
Bezeichnungen die standardsprach¬
liche ist. Obgleich Samstag von der
Mehrheit der Sprecher im deut¬
schen Sprachgebiet verwendet
wird - sowohl in der Hoch- und
Umgangssprache als auch in den
Mundarten - wird man in der
deutschen Literatur wohl eher
Sonnabend finden, auch in den
Werken der Schweizer Schriftstel¬
ler, deren Heimat im Samstag-Ge-
biet liegt. (Wolff; Eichhoffl, Karte
41; Eichhoff DIAS, 6)
Sechs Uhr fünfzehn (Karte 40).
Umgangssprachlich sehr beliebt
sind in Bayern die Ausdrücke
Viertel sieben im Norden und
Viertel nach sechs im Süden, doch
scheint das mundartlich gefärbte
Viertel über sechs im Aussterben
zu sein (vor sechzig Jahren fand
Kretschmer diesen Ausdruck in
Südostbayern sehr weit verbreitet,
in neueren Forschungen wird er
dagegen nur in wenigen Orten ge¬
meldet, und dann immer als
Zweitmeldung). (Wolff; Eichhoff I,
Karte 40)
K.
8. Feste, Grüße
Abschiedsgruß unter guten
Freunden (Karte 41). In Bayern
sind die traditionellen Abschieds¬
grüße unter guten Freunden Ade
und Pfüeti (Gott), die neueren, un¬
ter den jungen Leuten beliebteren
Servus und Tschüß. Da der Ab¬
schiedsgruß nicht nur geographi-
47
sehe Variationen bietet, sondern
auch Unterschiede zwischen den
Generationen innerhalb eines belie¬
bigen Gebietes, ist eine kurze Dis¬
kussion der Ausdrücke am Platze.
Ade, Tschüß: Zu Kretschmers
Zeit, zu Beginn des Jahrhunderts,
galt das frz. Lehnwort adieu (ur¬
sprünglich aus lat. ad Deum ,[ich
empfehle dich] der Gottheit*) als
der gebräuchlichste Abschiedsgruß
in der deutschen Umgangssprache
- nur irp bairischen Dialektraum,
d. h. in Südostbayern und in Öster¬
reich, wurde der Ausdruck selten
verwendet. Nach Meinung unserer
Informanten gilt Adieu heutzutage
als altmodisch und wird wohl als
städtischer umgangssprachlicher
Ausdruck in den nächsten Jahren
aussterben und durch zwei Aus¬
drücke französischen Ursprungs
ersetzt: Ade und Tschüß. Der Ter¬
minus Ade (mittelfranzösisch für
adieu), der während des 12. Jahr¬
hunderts ms Deutsche entlehnt
wurde, blieb mehr als vierhundert
Jahre ein beliebter Abschiedsgruß
in den deutschsprachigen Ländern.
Aber mit der Aufnahme (um 1600)
des ,,vornehmeren“ französischen
Ausdrucks adieu ist der ältere Gruß
Ade allmählich außer Gebrauch ge¬
kommen (Karl Prause). Unsere
heutigen Daten zeigen jedoch, daß
sich der umgangssprachliche Ge¬
brauch der beiden Termini Adieu
und Ade in den letzten sechzig Jah¬
ren umgekehrt hat: Ade gilt heute
als einer der beliebtesten Grüße in
Südwestdeutschland (also in Nord¬
bayern,
und in
könnte
in Baden-Württemberg
Südhessen). Aber Ade
durch Tschüß verdrängt
werden. Der Ausdruck Tschüß (<
wallonisch adjus), der zu Kretsch¬
mers Zeit nur im niederdeutschen
Raum verwendet wurde, ist heute
der unter den jüngeren Leuten be¬
liebteste Abschiedsgruß in der gan¬
zen nördlichen Hälfte des deut¬
schen Sprachgebiets (also nördlich
von Frankfurt a.M.), aber zuneh¬
mend auch in Baden-Württemberg
und im Westen und Norden Bay¬
erns. Pfüeti (Gott): Den volks¬
tümlichen Ausdruck Pfüeti (Gott)
(bairisch für ,,Behüte dich Gott“)
hört man im ganzen bairischen
Dialektraum, d.h. in Südostbayern
und in Österreich. In Bayern ist
Pfüeti (Gott) von jeher sowohl in
der städtischen Umgangssprache
als auch in den ländlichen Mundar¬
ten ein gebräuchlicher Abschieds¬
gruß. Andererseits galt der Aus¬
druck zu Anfang des Jahrhunderts
in Österreich als ausgesprochen
ländlich: In der städtischen Um¬
gangssprache sagte man damals lie¬
ber Ich habe die Ehre. Aber dieser
Ausdruck, der heutzutage geziert
und aristokratisch klingt, ist fast
ausgestorben und meistens nur
noch in entlegenen Orten zu hören.
Wie in Bayern sagt man jetzt auch
in den österreichischen Städten
Pfüeti (Gott). Servus: Der aus der
Studentensprache stammende latei¬
nische Gruß Servus (,,[IhrJ Die¬
ner“) war zu Anfang des Jahrhun¬
derts unter den jüngeren Leuten in
Österreich sehr beliebt, stand aber
damals in starker Konkurrenz mit
dem ebenfalls populären Ausdruck
Heil!, der von Studenten aus
Deutschland nach Österreich ein¬
geführt worden war. Aus unseren
48
Daten ist ersichtlich, daß der Gruß
Heil! inzwischen völlig ver¬
schwunden ist, wahrscheinlich we¬
gen der Assoziation mit den Aus¬
drücken der Hitlerzeit (z.B. Sieg,
heil!, Heil Hitler!). Aber der Ter¬
minus Servus, den Kretschmer nur
in Österreich fand, hört man jetzt
auch in Bayern (und in Baden-
Württemberg), wo er unter den
jungen Leuten sogar gebräuchli¬
cher ist als die traditionellen Grüße
Pfüeti (Gott) und Ade. Auf Wie¬
dersehen: Das in der Literatur, in
den Medien und als sozial ^korrek¬
ter“ Ausdruck angesehene schrift-
sprachliche Auf Wiedersehen hört
man unter guten Freunden in Bay¬
ern so gut wie gar nicht. (Wolff;
ders.. ,, Regionale
Varianten der
• 5
Abschiedsgrüße in der deutschen
Umgangssprache,“ in: Zeitschrift
für Dialektologie und Linguistik
XLIV (1977), S. 80-84; siehe auch
Eichhoff I, Karte 48)
Festzeit vor dem Aschermitt¬
woch (Karte 42). In ganz Bayern
sagt man Fasching (aus mhd.
★fastschanc ,Ausschenken des Fa¬
stentrunks4), in Nordbayern (am
Main) und in Westbayern (Donau¬
wörth, Nördlingen) hört man auch
Fasnacht, Fastnacht (zu fasten).
(Wolff; Eichhoff I, Karte 43)
Guten Tag (Gruß beim Betreten
eines Geschäftes am Nachmittag).
In ganz Bayern (wie auch in Öster¬
reich und Württemberg) immer
Grüß Gott (aus mhd. got grüeze
dich ,,,Gott möge dich freundlich
anreden4 . . . sicher in kirchlichen
Kreisen entstanden, galt anfangs als
hochfeierlich, verlor aber bereits
im Mhd. durch häufigen Gebrauch
dieses Gepräge“ - Prause 54).
(Wolff; Eichhoffl, Karte 47)
Jahrmarkt (Karte 43). Für den
»Jahrmarkt“ finden sich nicht nur
in verschiedenen Gegenden unter¬
schiedliche Bezeichnungen, sondern
auch der gemeinte Inhalt der Be¬
zeichnungen variiert: Von Stadt zu
Stadt ist der Jahrmarkt eben nicht
dasselbe, in einigen Ortschaften hat
er noch heute den traditionellen
Charakter einer Verkaufsmesse, in
den meisten Städten dagegen ist er
jetzt hauptsächlich Vergnügungsfest.
Die in Bayern üblichen Bezeich¬
nungen sind: Volksfest: In Bayern
am weitesten verbreitet, bedeutet
hauptsächlich ein Vergnügungs¬
fest, z.B. das Donauwörther
Volksfest, das alljährlich Ende Ju¬
ni, Anfang Juli stattfindet (Dauer:
7 Tage, großes Fest- und Bierzelt
für fast 3500 Personen, Rummel¬
platz, Blaskapellen, Unterhal¬
tungskünstler von Funk und Fern¬
sehen, großes Feuerwerk). Die
Dult (aus got. dulths ,Fest4): In In¬
golstadt, Dachau, Mühldorf und
München ist die Dult hauptsächlich
Verkaufsveranstaltung, anderswo
vielfach Vergnügungsfest (Kluge
146: „Dult . . . vor allem bairisch,
berühmt die Auer Dult, ein Markt
mit Trödelwaren und Altertümern
in der Münchner Vorstadt“). Die
Kirchweih bzw. Kerbe, Kirbe;
die Kirmes (aus Kirchmesse); die
Messe (aus lat. missa »kirchliches
Fest4; die ursprüngliche Bedeutung
von missa ist natürlich »Gottes¬
dienst4 lat. missa = »geschickt, ge-
4 BSR211
49
sandt‘, vgl. Mission): in den Be¬
zeichnungen läßt sich die frühere
Verbindung des Festes mit den
kirchlichen Feiern erkennen. Alle
diese Ausdrücke bedeuten heute
meistens ,Vergnügungsfest4. Jahr¬
markt: vereinzelt in Bayern. Dazu
gibt es in vielen Städten einen be¬
sonderen Namen für den in der
spezifischen Ortschaft stattfinden¬
den Jahrmarkt, wie z.B.: Bergkirch¬
weih: Erlangen. Frühlingsfest: Er¬
langen, München. Heimatfest: Ge¬
münden. Kiliansfest: Gemünden.
Markt: Augsburg. Plärrer: Donau¬
Christbaum und Weihnachtsbaum zu
seiner Zeit „nicht ganz streng ge¬
schieden sind, sondern zum Teil
neben einander liegen“. Da dies
heute nicht mehr der Fall ist (unse¬
re Informanten melden im Süden
fast ausnahmslos Christbaum),
müssen wir annehmen, daß das
Wort Weihnachtsbaum, trotz dessen
Gültigkeit in der Schriftsprache, in
den letzten Jahrzehnten durch
Christbaum fast vollständig ver¬
drängt worden ist. (Wolff; Eich¬
hoff I, Karte 45)
wörth, Bad Tölz.
(Wolff;
Weihnachtsmann. Hier haben
hoffl, 31-32)
Weihnachtsbaum. In Bayern
Christbaum (vgl. südd. Christkind
im Gegensatz zu norddt. Weih¬
nachtsmann). Interessanterweise
kann man nicht annehmen, daß
Christbaum wegen dessen heutiger
Popularität im Süden die ursprüng¬
lich süddeutsche Bezeichnung sei,
denn Trübner (Bd. II, S. 7) nennt
Christbaum „ein von Hause aus
mitteldeutsches Wort . . . Weih¬
nachtsbaum ist zuerst in Südwest-
deutschland nachzuweisen“; und
Kretschmer (557) berichtet, daß
seine Informanten vor sechzig Jah¬
ren sowohl Weihnachtsbaum als
auch Christbaum im Süden melde¬
ten und daß die Bezeichnungen
wir keinen wortgeographischen,
sondern einen kulturgeschichtli¬
chen Unterschied: Im protestanti¬
schen Norden Deutschlands wer¬
den den guten Kindern zu Weih¬
nachten die Geschenke vom Weih¬
nachtsmann gebracht, im katholi¬
schen Süden (und deshalb auch in
Bayern) dagegen vom Christkind
bzw. Christkindl(e). Obgleich
der Begriff (und der Ausdruck)
Weihnachtsmann durch Reklame
und Geschäft wohl überall bekannt
geworden ist, bleibt Christkind mit
seinen Form- und Lautvarianten
fast im ganzen Süden ausnahmslos
üblich
(nur in
Westschweiz
hört man neben Christkindli auch
gelegentlich Weihnachtskindli).
(Eichhoffl, S. 32; Karte 46)
9. Kinderspiele, Sport
Fangen (Kinderspiel) (Karte 44).
Fangamandl, Fangermandl,
Fangeri, Fangsterl im Süden
Bayerns,
mehr im Norden, Nachlauf(en) in
der nordwestlichen Ecke. Auf der
50
Karte nicht eingetragen sind eine
große Anzahl anderer wohl örtlich
beschränkter Ausdrücke, darunter:
Abklopfen: Kaufbeuren. Derfange-
les: Landshut. Fang: Weißenburg.
Fangelens: Nürnberg. Fangelings:
Gemünden. Fangeies: Passau. Fan-
geluns: Augsburg. Fangerlens:
Nürnberg, Weißenburg. Fanger-
lets: Erlangen. Fangerlings: Nörd¬
lingen. Fängerin: Regensburg. Fan¬
go: Heidenheim. Fanguus: Bam¬
berg. Fangkuß: Füssen. Fangmich:
Fürstenfeldbruck. Fangstel: Passau.
Fangus: Augsburg. Verfang: Am¬
berg. Verfangles: Kulmbach. Ver¬
fangeies: Ingolstadt. (Wolff; Eich¬
hoff I, Karte 49)
Kreisel. Neben Kreisel hört man in
Nordbayern auch Tanzbär, in
Südbayern eine Anzahl mundartli¬
cher Wörter wie der Drendler (zu
drehen), der Dral(l)a (zu drall
,schnell, heftig4 - Grimm II, 1332)
und Damischer Hansl (damisch =
,verrückt, dumm4); an der würt-
tembergischen Grenze auch der
Dilldapp (das Wort bedeutet eigtl.
»ungeschickter, dummer Kerl4, das
erste Glied der Zusammensetzung
ist nach Grimm (II, 1151) das Wort
Diele in der Bedeutung ,Flur4, das
zweite Glied [Tap bzw. Tapp,
Dapp] abzuleiten von tappen, dap-
pen ,plump und ungeschickt um¬
herlaufen4; Dilldapp heißt also „ein
roher und ungeschlachter Mensch,
der auf der Flur springt und tobt,
andere dadurch belästigt44). (Wolff;
Seibicke S. 72)
Murmeln (aus Glas) (Karte 45).
Schusser (zu schießen) in fast ganz
Bayern, Klicker im Nordwesten,
Glugger bzw. Glucker im Süd¬
westen (Klicker und Glugger/-ck-
aus ahd. ★klucul, klucli »Kugel-
chen4).
(Wolff;
Eichhoff I,
Karte
Radfahren. In Südbayern radeln
(daher Radler »Radfahrer' und auch
Radlermaß »Getränk aus Bier und *
Limonade4 s. S. 29). (Wolff)
Rutschbahn/rutschen auf dem
Eis (Karten 46, 47). Die Rutsch¬
bahn nennt man in Bayern Rutsch¬
bahn, Rutsche, Eisbahn, Hetschel-
bahn (zu hetscheln »ziehen, gehen4),
Schleife, Schleifbahn. Für das
Verbum sagt man rutschen, het¬
scheln, schleifen, schleifern. (Wolff;
Eichhoff I, Karte 53)
Springseil (Karte 48). In Nord¬
bayern (etwa am Main entlang)
Hüpfseil, im Südwesten Hupf¬
seil, im ganzen Gebiet südlich von
Nürnberg Strick und im Süden
(neben Strick) vielfach Seil. (Eich¬
hoff I, Karte 51)
Steinschleuder (Karte 49). Schleu¬
der (seltener Steinschleuder) sagt
man in ganz Bayern außer dem
Osten/Nordosten, wo Zwistei
(oder Zwiestel, Zwiesel) vor¬
herrscht (aus mhd. zwisele aus ahd.
zwisila »zweiteiliger, gegabelter
Ast4 zu zwei). (Wolff; Eichhoffl,
Karte 52)
4*
51
10. Kleidung
(Sich) anziehen. In Bayern hört
man den Ausdruck sich etwas an¬
legen, auch antun, aber diesen
letzteren besonders unter älteren
Leuten. (Wolff)
Blue Jeans. In ganz Bayern ver¬
wendet man die im deutschen
Sprachgebiet weit verbreitete Be¬
zeichnung Blue Jeans bzw. Blue
Jean, Jeans. Diese Art Hose ist nach
dem 2. Weltkrieg von Amerika
nach Deutschland gebracht wor¬
den, die Bezeichnung selbst geht
zurück auf engl. blue + jean (fus¬
tian) genuesischer Barchent4 (da
diese Art geköperte Baumwolle
zunächst in Genua hergestellt wur¬
de). Die Sache ,Blue Jeans4 ist hier
hauptsächlich deshalb zu erwäh¬
nen, weil man dafür in anderen
zwischen dem westlichen Krawat¬
te-Gebiet und dem östlichen
(Selbst)binder-Gebiet. In Nord¬
bayern hört man vereinzelt der
Schlips, ein ursprünglich nieder¬
deutsches Wort. (Das Schlips-Ge¬
biet erstreckt sich durch die nördli¬
che Hälfte des deutschen Sprachge¬
biets.) In Bayern ist (Selbstbinder
der volkstümliche Ausdruck, das
Lehnwort Krawatte (aus frz. la cra-
vate ,Halsbinde auf kroatische Art4)
dagegen die Bezeichnung, die we¬
gen ihrer standardsprachlichen
Geltung immer häufiger im Ge¬
schäft verwendet wird. (Wolff;
Eichhoff II, Karte 85)
Mütze. In Bayern sagt man Kap¬
pe, Haube - besonders für die
Kindermütze (z.B. Pudelhaube,
Teilen des deutschen Sprachgebiets
manchmal auch andere Bezeich¬
Wollhaube).
(Wolff;
Kretschmer
nungen benützt wie Nietenhose im
Norden (neben Blue [Jeans]), Niet¬
hose in der DDR und Cowboyhose,
Texashose, Amihose und Levis ver¬
einzelt im Süden und im Rhein¬
land. (Wolff; Eichhoff II, Karte 86)
Hemd. Veraltet, aber in intimen
Sphären immer noch vereinzelt zu
hören ist das sehr alte germanische
Wort die Pfeid, dazu auch Pfeidler
,Hemdenmacher4. (Seibicke 58)
Krawatte (Karte 50). In Bayern
bildet die Linie Rosenheim-Nürn¬
berg-Hof die ungefähre Grenze
Schnürsenkel (Karte 51). Schuh¬
bändel bzw. -bandel, -band ist der
heimische Ausdruck in Bayern,
obgleich man heute auch den stan¬
dardsprachlichen (und in der Um¬
gangssprache hauptsächlich nord¬
deutschen) Ausdruck Schnürsenkel
immer mehr hört, besonders in
den größeren Städten und im Ge¬
schäft; dazu auch die Mischbildung
Schnurbändel, besonders in
Nordbayern (Nürnberg, Schwein¬
furt, Coburg). (Wolff; Eichhoff II,
Karte 87)
52
11. Verschiedenes
Andernfalls. In Bayern wie auch
in Österreich und der Schweiz an¬
sonsten). (Seibicke 21)
Aufheben, -lesen (z.B. Äpfel)
(Karte 52). Klauben, zusammen¬
klauben in fast ganz Bayern, in
Nordbayern (am Main) auflesen,
nern auf (vgl. oben denken an/auf).
(Kretschmer 8, 598)
«4
Es gibt. Im Westen Bayerns (Ell¬
wangen, Nördlingen) hört man oft
den alemannischen Ausdruck es
hat: ,,Es hat hier viele Bäume“.
(Eichhoff II, Karte 106)
zusammenlesen.
hoff II, Karte 98)
Festhalten. In der Umgangsspra¬
che der südlichen Teile des deut¬
Denken an (etwas, jemanden). In
Südbayern sagt man auch denken
auf (vgl. unten sich erinnern an/
auf). (Wolff)
Eben (wie z.B. in dem Satz: ,,Es
regnet, da müssen wir eben war¬
ten“). In der ganzen südlichen
Hälfte des deutschen Sprachgebiets
(etwa südlich einer Linie Trier-
-Marburg-Hof) sagt man halt (aus
ahd. halto ,sehr‘), das in der Stan¬
dardsprache gültige eben hört man
nur in Norddeutschland. (Wolff;
Eichhoff II, Karte 103)
81
(Die) Ecke. In Bayern wie im Sü¬
den überhaupt umgangssprachlich
oft das Eck (zunächst galt das
Wort nur als Femininum, erst
mhd. kommt das Ecke neben ur¬
sprünglicher die Ecke vor). (Wolff)
Eher. In Bayern umgangssprach¬
lich wie auch mundartlich eh(e)n-
der. (Seibicke 38)
(Sich) erinnern an (etwas, jeman¬
den). In Bayern auch sich erin-
schen Sprachgebiets verwendet
man für den Begriff ,festhalten4 das
Verbum heben; dies bereitet dem
Norddeutschen nicht nur Schwie-
84
rigkeiten, sondern kann, etwa am
Arbeitsplatz, auch gefährlich wer¬
den, denn der Nicht-Süddeutsche
versteht unter heben nur ,aufheben,
in die Höhe heben4 (Seibicke
S. 147). Interessanterweise ist die
nicht-standardsprachliche süddeut¬
sche Verwendung von heben =
,festhalten4 die ursprüngliche: sie
geht zurück auf eine indogermani¬
sche Wurzel ★kapjo- mit der Bedeu¬
tung ,greifen, festhalten4 (vgl. ety¬
mologisch verwandte Wörter wie
lat. capio ,ich greife, nehme4, engl.
haft »Griff4, dt. Haft, verhaften
usw.). (Wolff)
84
Genau. In Südostbayern hört man
noch akkurat (im 17. Jahrhundert
aus lat. accurate »sorgfältig4), wie
z.B. ,,Es ist akkurat so!“, ,,Akku¬
rat das hab’ ich gemeint.“
Seibicke 51).
Gewiß. In Südbayern umgangs¬
sprachlich oft schier: ,,Er kommt
53
schier nicht“ = ,,Er kommt gewiß
nicht.“ (Seibicke 52)
Guck (wie in dem Satz, „Guck
einmal, ob er noch da ist!“) (Karte
53). In fast ganz Bayern wie auch
in Österreich schau (von schauen
,sehen'), im Norden und im We¬
sten Bayerns aber auch guck (ur¬
sprünglich aus der Kindersprache
in Norddeutschland). In Südwest¬
bayern hört man gelegentlich den
hauptsächlich schweizerdeutschen
Ausdruck lug (vgl. engl. look »se¬
hen, gucken, schauen'). (Eichhoff I,
Karte 8)
Hell. In Bayern licht: ,,Es wird
jetzt licht“ = „Es wird jetzt Tag“
(Seibicke 58). Diese Verwendung
von licht geht auf das Germanische
zurück, vgl. das engl. Adjektiv
light ,hell'. (Wolff)
Ihr (2. Person Plural). Im Bairisch-
Österreichischen hört man in der
Umgangssprache immer noch die
alten Dualformen (heute aber nur
mit pluraler Bedeutung) ös, es »ihr'
und enk ,euch' (ös, es aus germ.
★it, jut ,ihr zwei' aus ★ju ,ihr‘ +
★t(wai) ,zwei‘; die Herkunft von
enk ist unklar, vgl. aber got. ing-
quiz ,euch zwei'). (Wolff)
Meinetwegen. In Bayern weit
verbreitet ist der Ausdruck von
mir aus („Von mir aus kannst du
es machen“). (Kretschmer 334)
Nicht wahr? (Karte 54). In ganz
Bayern sagt man gell, im Südosten
auch die Lautvarianten gäi, gä, goi,
göi, gö. Alle gehen zurück auf das
Verbum gelten; gell am Ende eines
Satzes heißt also „. . ., gilt/stimmt
das nicht?“. Den standardsprachli¬
chen Ausdruck nicht wahr (ausge¬
sprochen nit wohr bzw. nit) hört
man in der Umgangssprache Bay¬
erns hauptsächlich im Nordwe¬
sten. (Wolff; Eichhoff II, Karte
104)
Oben. In Bayern umgangssprach¬
lich vielfach droben: „Er wohnt
droben“ (aus dar 4- oben). (Seibicke
82)
Peitsche. In Süd- und Mittelbay¬
ern (etwa südlich von Nürnberg)
sagt man meistens die Geißel (ger¬
manische Herkunft), weiter nörd¬
lich Peitsche (im 14. Jahrhundert aus
dem Slaw. entlehnt). (Wolff)
Schnell. In Bayern hört man am
häufigsten g(e)schwind. (Wolff)
Schrecklich, häßlich. In Bayern
(außer dem Nordwesten) sagt man
grauslich bzw. grauslich, greis-
lich. (Seibicke 102)
Teurer werden. In Südbayern
aufschlagen („Die Kartoffeln ha¬
ben diese Woche aufgeschlagen“).
(Seibicke 112)
Verkaufen für (Karte 55). Ver¬
kaufen um ist der heimische Aus¬
druck in ganz Bayern außer dem
Nordwesten, wo man verkaufen für
sagt. Unter Einfluß der Standard¬
sprache hört man immer mehr ~
für auch im ~ wm-Gebiet; ~ um ist
übrigens ein fast ausschließlich
schwäbisch- bzw. bairisch-öster¬
reichischer Ausdruck. (Eichhoff II,
Karte 117)
54
12. Syntax, Aussprache, Morphologie
Vorbemerkung
Obgleich sich dieses Buch mit dem regionalen Wortschatz Bayerns befaßt,
ist dennoch eine kurze Einführung in die Lautstruktur der Mundarten
Bayerns am Platze, besonders als Hilfsmittel für den Nicht-Bayern. Es
folgt dann eine Auswahl syntaktischer, phonologischer und morphologi¬
scher Besonderheiten der Umgangssprache Bayerns (die meisten aus Eich-
hoffs Wortatlas der deutschen Umgangssprachen).
Im heutigen Bundesstaat Bayern gibt es drei Hauptmundarträume:
1. im südöstlichen Zweidrittel des Landes das Bairische (nördlich der Do¬
nau Nordbairisch, südlich der Donau Mittelbairisch genannt); 2. im Norden
und im Nord westen das Fränkische (hauptsächlich Ostfränkisch, westlich
von Gemünden aber beginnt das Rheinfränkische)’, und 3. im Süd westen
das Schwäbische. Im folgenden die wichtigsten lautlichen Eigenschaften der
verschiedenen Mundartgruppen:
Das Bairische
1. den standardsprachlichen langen Vokalen i, ü und ü entsprechen im
Bairischen ia, uo und ia, also: liap ,lieb,* Bluot ,Blut,‘ Briada ,Brüder*;
2. die kurzen Umlautvokale ö und ü werden ohne Rundung ausgespro¬
chen, wie z.B. in: mecht ,möchte,* hipsch ,hübsch*;
3. der Diphthong ei wird meistens entweder ei oder oa ausgesprochen,
je nachdem, ob er auf mhd. i oder ei zurückgeht, also sagt man mein Goaß
,meine Geiß* (mhd. min geiz);
4. langes ä spricht man ungefähr wie das o in Gott, Motte aus, aber viel
länger, wie in Tog ,Tag,* hob ,habe‘;
5. die Endung -e läßt man häufig weg (ich mecht, mein Goaß);
6. den Diphthong oi (geschrieben eu, äu) spricht man oft ei aus: Heisa
,Häuser*;
7. südlich der Donau spricht man -al- wie -oi- aus, also: -hoibe ,-halbe.*
Das (Ost)Fränkische
1. der Diphthong ei wird entweder ei oder ä ausgesprochen, je nach¬
dem, ob er auf mhd. i oder ei zurückgeht, also mein Säl ,mein Seil* (mhd.
min seil), Laabla, Labia ,Brötchen* eigtl. ,Laiblein* (siehe S. 28);
2. den Diphthong -oi- (geschrieben eu, äu) spricht man oft -d-aus, also:
heit ,heute*;
3. in einigen Wörtern hört man -ü-, wo man im Standarddeutschen -ü-
erwarten würde, z.B.: Rübe, Ru(b)m ,Rübe‘;
55
Mundartliche Großräume Bayerns
Bairisch (die Grenze zwischen dem Nord- und dem Mittelbairischen
verläuft ungefähr an der Donau)
Ostfränkisch
Rheinfränkisch
Schwäbisch
56
■«4
4. die Endung -e läßt man häufig weg (z.B.: das heiß Wasser);
5. -al-, -all-, -alt- spricht man oft -aw-aus, z. B.: au .alt*, kau ,kalt‘, gefaun
.gefallen*;
6. -un-, -an- spricht man oft -on- aus, z.B.: on ,und‘, Mo(n) ,Mann‘;
7. -n läßt man oft weg; in betonten Silben nasalisiert man dann den
vorhergehenden Vokal, also: Mo ,Mann‘ (das Symbol-bezeichnet Nasali¬
sierung, d. h. daß der Vokal mit offenem Nasalweg ausgesprochen wird).
Das Schwäbische
1. standardsprachlichem ü entspricht häufig schwäbisches ua: guat ,gut4;
2. Umlautvokale werden oft ohne Rundung ausgesprochen, also: scheen
,schön/ frih ,früh‘ usw.;
3. -st wird -seht ausgesprochen, z.B. ischt ,ist4;
4. -n fällt oft weg: nei ,hinein/ brocha ,gebrochen1;
5. ge- fällt oft weg (brocha ,gebrochen/ komma ,gekommen4), sonst wie
k- ausgesprochen knomma ,genommen4;
6. eu wird wie ei ausgesprochen: nein Heiser ,neun Häuser.4
&
Bißchen. Entsprechend dem Ge¬
gensatz norddt. -chen/südd. -lein
(siehe unten) hört man in Bayern
wie im ganzen Süden biß(e)l, biß-
1(e) usw. (Wolff)
bekannten norddeutsch-süddeut¬
schen Gegensätze wie Mädchen/Mä¬
del, -la, Käferchen/Käferl u. a.) (Eich¬
hoff II, Karte 121)
-chen/-lein (Diminutivendung)
(Karte 56). Obgleich beide Diminu¬
tivendungen in der Schriftsprache
vorkommen, besteht in den Mun¬
darten und in der städtischen Um-
angssprache immer noch eine ver¬
hältnismäßig strenge Trennung
(Saarbrücken-Mannheim-Erfurt-
Dresden) zwischen norddeutschem
-chen und süddeutschem -lein (mit
ihren vielen Laut- und Formvarian¬
ten). In Bayern hört man im Süden
und Osten die Endung -(e)l, im We¬
sten aber meistens -le, im Nord¬
osten (etwa nordöstlich von Nürn¬
berg) -la und südöstlich der Donau-
Lech-Linie auch -erl. (Deshalb die
«4
S4
«4
China (Aussprache des Ch) (Kar¬
te 57). In ganz Bayern ausgespro¬
chen wie Kina; weit im Nordwe¬
sten
(Aschaffenburg,
Wertheim)
neben Kina auch Schina. Nach
Kretschmer (S. 3) wäre „das Rich¬
tige . . . hier eigentlich Tschina, . . .
da ch hier nur englische Schreibung
von tsch (c) ist“. (Eichhoff II,
Karte 112)
(Der) erste (Aussprache). In Bay¬
ern gibt es drei Gebiete, deren
Grenzen aber nicht
anz streng ge¬
schieden sind: ein erschte-Gebiet,
das (hauptsächlich) zwischen Do¬
nau und Main liegt, und zwei erste-
Gebiete, das eine im Norden (am
57
Main vor allem westlich von
Schweinfurt), das andere im Süd¬
osten (an und südöstlich von Do¬
nau-Lech). (Eichhoff II, Karte 113)
Gehauen (Partizip des Perfekts
von hauen). Gehaut sagt man in
Bayern außer dem Nordwesten
(Aschaffenburg, Gemünden), wo
man meistens gehauen hört. In ahd.
Zeit galt hauen als starkes Verbum
(houwan/hieb/gihouwan), schon
mhd. sowohl stark (houwen/hiep/
gehouwen) als auch schwach (hou-
wen/houte/gehout); in dem heutigen
standardsprachlichen Gebrauch
sind die Formen auch gemischt, al¬
so gewöhnlich hauen/haute/gehauen
(neben haute gilt schriftsprachlich
auch das alte starke Präteritum
hieb, aber gewöhnlich nur, wenn
man von Waffen spricht: ,,Er hieb
mit dem Schwert11). (Eichhoff II,
Karte 124)
Giraffe (Aussprache). In Südbay¬
ern spricht man das G dieses Wor¬
tes oft ,,italienisch“ aus, also
Dschiraffe, während es im Nor¬
den wie das G in Gipfel ausgespro¬
chen wird. (Das Wort ist ins Deut¬
sche aus dem Italienischen entlehnt
worden (it. giraffa, ausgesprochen
dschiraffa), geht aber ursprünglich
auf vulgärarab. dschräfa zurück.)
Ich habe gestanden/gesessen
(Karte 58). Ich bin gestanden/ge¬
sessen, seltener ich war gestanden/
gesessen sagt man in fast ganz Bay¬
ern wie auch in Baden-Württem¬
berg, Österreich und der Schweiz
(ich habe gestanden/gesessen sagt man
nur um Aschaffenburg). Der süd¬
deutsche Gebrauch (,ich fein gestan¬
den/gesessen4) ist der ursprüngli¬
che, denn im Adt. galt sein 4- Part,
des Perfekts für alle intransitiven
Verben, haben 4- Part, des Perfekts
nur für transitive. Der heutige
standardsprachliche und nord¬
deutsch umgangssprachliche Ge¬
brauch: sein 4- Part, des Perfekts
nur für Verben, die eine Orts- oder
Zustandsänderung anzeigen, haben
für alle anderen ist eine verhältnis¬
mäßig neue Entwicklung. (Eich¬
hoff II, Karte 125)
Käffee/Kaffee (Betonung). In
Bayern hört man sowohl Kaffee,
die hauptsächlich norddeutsche Be¬
tonung, als auch Kaffee, die süd¬
deutsche Form (in Österreich sagt
man nur Kaffee). Das Wort ist im
17. Jahrhundert aus dem Französi¬
schen entlehnt worden (frz. cafe aus
it. caffe aus türk, kahve aus arab.
gahwa ,Wein, Kaffee4); die ur¬
sprüngliche Betonung im Deut¬
schen wäre also Kaffee, die stan¬
dardsprachliche Betonung Kaffee
ist eine spätere Entwicklung
(wahrscheinlich in Analogie zu den
deutschen Wörtern germanischen
Ursprungs, die auf der Stammsil¬
be, meistens der ersten Silbe, be¬
tont werden). (Eichhoff II,
Karte 110)
(Der) letzte (Aussprache). Inter¬
essanterweise stimmen die Grenzen
der erste/erschte-Gebiete in Bayern
nicht mit denen der letzte/letschte
überein: die Aussprache letschte
kommt in Bayern weniger häufig
vor als erschte und (hauptsächlich)
58
im Südwesten, während erschte
meistens in Nordbayern zu hören
ist (vgl. S. 57). (Eichhoff II,
Karte 114)
Leute/Leut‘. In ganz Bayern wie
überhaupt in der südlichen Hälfte
des deutschen Sprachgebiets hört
man die Form ohne -e, also Leut
(bzw. Leit); dasselbe gilt für viele
Pluralformen wie auch für die
-c-Endung an Verben und Adjek¬
tiven (siehe S. 55). (Eichhoff II,
Karte 118)
Nicht (Aussprache) (Karte 59).
Net, ned in ganz Bayern (viel sel¬
tener und vereinzelter nit, nid).
Nich(t) bzw. nisch(t) hört man
weit im Nordwesten (Aschaffen¬
burg, Wertheim), im Südwesten
(Memmingen, Kaufbeuren, Füs¬
sen) auch die geographisch be¬
schränkte Dialektform it (aus
[n]it). (Eichhoff II, Karte 116)
Nicht mehr (Karte 60). Nirn-
me(r) in ganz Bayern. Im Nord¬
westen (um Aschaffenburg) hört
man auch häufig nicht mehr (eigent¬
lich ni[t] mehr, ne[t] mehr), in West¬
mittelbayern auch den schwäbi¬
schen Ausdruck nemme. (Eich¬
hoff II, Karte 105)
Sang / hat gesungen (1./2. Ver¬
gangenheit). Die Umgangssprache
Süddeutschlands und daher auch
Bayerns zeigt eine ausgesprochene
Vorliebe für die zweite Vergangen¬
heit (Perfekt), also „Sie hat gesun-
gen/gesprochen“ findet sich eher
als „Sie sang/sprach.“ Bemerkens¬
wert ist, daß es in vielen oberdeut¬
schen Landesmundarten keine erste
(einfache) Vergangenheit mehr
gibt, hier würde man ,,Sie sang/
sprach“ als vollständig gekünstelt,
fremdsprachlich empfinden.
(Wolff)
(Er) schläft (Karte 61). In Bayern,
etwa südlich von Nürnberg, ver¬
wendet man meistens eine umlaut¬
lose Form schlaft bzw. schloaft,
im Norden (im Maingebiet) dage¬
gen ausschließlich schläft. (Dasselbe
gilt zum großen Teil für andere
starke Verben wie z.B. fallen [er
fällt/fallt], fahren [er fährt/fahrt eigtl.
fohrt] usw.) (Eichhoff II, Karte 123)
Täbak/Tabäk (Betonung). Man
hört in Bayern sowohl die haupt¬
sächlich norddeutsche Form Tabak
als auch die süddeutsche Tabak.
Ebenso wie bei Kaffee/Kaffee
(S. 58) ist die vorwiegend süddeut¬
sche Betonung Tabak die ur¬
sprüngliche, das Wort geht zurück
auf span. tabäco. (Eichhoff II,
Karte 109)
(Der/das) Tünnel/Tunnel (Ge¬
nus und Betonung). Wie auch bei
der Betonung von Kaffee (S. 58)
und Tabak (s. oben) gibt es bei
Tunnel regelmäßig norddt. Tunnel
gegen südd. Tunnel; in Bayern sagt
man meistens Tunnel, und zwar als
Neutrum: das Tunnel (als Masku¬
linum der Tunnel kommt das Wort
in Schwaben und in Österreich
häufig vor, in Bayern so gut wie
gar nicht). Das Wort ist im
19. Jahrhundert aus dem Engli¬
schen entlehnt worden, die Beto¬
nung wäre im Deutschen also zu¬
59
nächst Tunnel (engl. tunnel ausge¬
sprochen tännel), die südd. Beto¬
nung Tunnel ist eine spätere Ent¬
wicklung in Analogie zu anderen
Fremdwörtern wie eben z.B. Kaf¬
fee, Tabak. Im standardsprachli¬
chen Gebrauch gilt Tunnel vorwie¬
gend als Maskulinum. Das Ge¬
schlecht ist aber willkürlich ge¬
wählt, da es im Engl. kein gram¬
matisches Genus gibt. (Eichhoff II,
Karte 111)
(Die) Wagen/Wägen (Pluralform).
In Bayern hört man sowohl (die)
Wagen als auch Wägen, letzteres
aber immer häufiger, besonders in
den großen Städten. Ursprünglich
galt Wagen in Norddeutschland,
Wägen mehr im Süden, heute ver¬
läuft die Grenze nicht mehr so ein¬
deutig. (Man hört die umgelaute¬
ten Pluralformen von solchen No¬
mina wie Bogen, Kragen, Wagen -
Bögen, Krägen, Wägen - in der
deutschen Umgangssprache immer
mehr; der Umlaut in diesen Plural¬
formen ist von Wörtern wie Väter,
Gärten usw. analogisch übertra¬
gen, die ursprüngliche Pluralform
jener Wörter war ohne Umlaut.)
(Eichhoff II, Karte 119)
Wir (Aussprache). In der Um¬
gangssprache Bayerns wie auch in
Österreich, der Schweiz und in
Deutschland südlich der Linie Düs¬
seldorf-Magdeburg hört man fast
ausschließlich mir als Pronomen
der ersten Person Plural (Lautva¬
riante zum standardsprachlichen
wir). (Eichhoff II, Karte 120)
II.
Wortkarten
V orbemerkung
Die folgenden Karten (wie die vorhergehende Studie überhaupt) basieren
zum größten Teil auf meinen Interviews aus dem Sommer 1971 mit ge¬
bürtigen Informanten in den auf S. 12 aufgezeichneten Städten Bayerns.
Einige der Karten - zu Sachen und Begriffen, die ich in meinen Feldfor¬
schungen nicht behandelte, vor allem aus dem Sachbereich ,,Syntax, Aus¬
sprache, Morphologie“ - basieren auf den Daten in Eichhoffs Wortatlas der
deutschen Umgangssprachen (siehe S. 22).
Die Wortkarten müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Wegen der
Mobilität der Menschen im deutschen Sprachgebiet gibt es in der heutigen
Umgangssprache der Städte nicht mehr die scharfen, klaren Wortgrenzen
wie in den Landesmundarten. Es gibt keine absoluten Wortgrenzen, d.h.
man darf nicht meinen, daß eine bestimmte Bezeichnung nur in dem ange¬
gebenen Gebiet zu hören sei oder daß nur sie dort verwendet werde. Die
Karten zeigen bloß, welche Wörter in welchen Gebieten üblich sind, oder
um es genauer zu sagen, in welchen Gebieten die interviewten Informan¬
ten die verschiedenen Wörter meldeten. Der Wortgeograph nimmt dann
eben an, daß das auf solchen Meldungen beruhende Kartenbild der wirkli¬
chen geographischen Verbreitung der Wörter entspricht. Und in den mei¬
sten Fällen verhält es sich so; wir können z.B. mit ziemlicher Sicherheit
sagen, daß die in der 1. Wortkarte dargestellten Bezeichnungen für die
Abendmahlzeit dort üblich sind, wo es die Karte zeigt: Abendessen in ganz
Bayern, Abendbrot im Norden und Vesper im Westen. Andererseits muß
man sehr vorsichtig sein, wenn die Karte eine große Zahl verschiedener
Wörter aufweist, deren angegebene Verbreitungen zufällig oder verwir¬
rend scheinen, wie etwa bei Karte 4 (Brötchen) und Karte 5 (Endstück des
Brotes). In solchen Fällen muß man mit der Möglichkeit rechnen, daß
mindestens gelegentlich der auf der Karte dargestellte Wortgebrauch nicht
genau das wirkliche geographische Vorkommen der verschiedenen Wör¬
ter angibt, sondern eher nur die vielleicht zufällige Verbreitung der Mel¬
dungen der Informanten.
Glücklicherweise ist die Zahl solcher problematischen Fälle hier nur
gering. In den meisten Fällen bieten unsere Wortkarten klare, zuverlässige
Bilder von dem üblichen Wortgebrauch in der Umgangssprache Bayerns.
63
Karte 1
Würzburg '| ■
\ «Nürnberg
• I
Regensburg
Augsburg /
JMünch
Abendmahlzeit
Abendessen
Abendbrot
Vesper . .
in ganz Bayern
5 BSR211
65
Karte 2
Bonbon
Bonbon (oft: Bombom)
Guatl
Gu(a)tsl(e)
Guts-che(n)
in ganz Bayern
(nach Eichhoff II, Karte 63)
66
Karte 3
(Ein) Brot
• ••
Ma
tat
• ••
ata
••
::
• ••
i Nürnberg
Regensburg
Augsburg
Für das Brot von runder Form:
Laib in ganz Bayern
außer dem Nordwesten, wo Laib ,langes Brot‘ bedeutet (siehe unten)
Für das Brot von länglicher Form:
Wecken
Kipf
Stollen
Laib
- und sonst vereinzelt in Bayern
67
Karte 4
Brötchen
Semmel
Weck
Wecken
Kipfl
K K
Weck(e)le
Laabla
Brötchen
ww
L L
B 8
(nach Eichhoff II, Karte 59)
68
Karte 5
o 0 0 0
°°oo
X
0
Würzburg
X
x X
X X
x xx
X
X X X
i. X X
> X x
X
R \
R /? <
R R R\
FRR\
R R RR
RRR
R
°n
oog
X X
X
• Nürnberg 'n
X X X X
z ^Regensburg
• Augsbur
1 1
Endstück des Brotes
• •
Scherz (e)l
Kipf(el)
Knetzla
Ränftl
0 0
XX
RR
Kruste, Krüstchen, Knörz-
che(n)
Knorz (e)l
Knäusle
11
Karte 6
Münch
Frikadelle
Regensburg
Augsburg
Fleischpflanzl
Frikadelle
Fleischküchle
Fleischklößchen
70
Karte 7
ürzburg
Nürnberg
I II < ys
Regensburg
2
I
H
<
»
I
9
Augsburg
■
4
X,
S3
• • • «Äj
Münch
55?
» I
/
Kartoffelbrei
Kartoffelbrei . .
Kartoffelpüree
Kartoffelstampf
Stopfer
in ganz Bayern
71
Karte 8
Kartoffelpfannkuchen
Reiberdatschi
Dotsch
Backe(r)s
•••••• •••
Kartoffelpuffer
Kartoffelpfannkuchen
B B
Kp
72
Karte 9
Nürnberg
Münch
A
Kloß
Kloß
Knödel/Nockerl
Knödel/Nockerl und Kloß (aber vorwiegend Knödel/Nockerl)
Dffl!
E83
73
Karte 10
Würzburg
• Nürnberg
e
Regensburg
Augsburg
Münch
Lutscher
Lutscher
Lecker .
Schlotzer
in ganz Bayern
(nach Eichhoff II, Karte 64)
74
Karte 11
• • .
a a •
■ ’-a .*
• w r .
• • a
• /
• a a * a
• ■ •
• • •
w I
V
* •
• - L
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• •. •
4
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B
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• • ' - •
a a . a
Würzburg
%
• Nürnberg
Regensburg
Augsburg
Münch
Mehlklümpchen (in der Soße)
Batzen, Batzel(n)
Bollen
Klumpen, Klümpchen
75
Karte 12
e
• Nürnberg
Regensburg
Münch
9 9 \
9 99
''9L9 9
Sauermilch
gestöckelte Milch . . . .
gestockte Milch
Dickmilch, dicke Milch
gestandene Milch . . . .
Sauermilch, saure Milch
9 9
in ganz Bayern,
umgangssprachlich immer gebräuchlicher
76
Karte 13
ürzburg
• Nürnberg
Regensburg
Augsburg
Münch
Zweites Frühstück
Brotzeit
Vesper
77
Karte 14
Apfelrest
Butzen
Gri(e)bs
Krotz (e), Krotze(n)
in ganz Bayern
78
Karte 15
Regensburg 1
Münch
Heidelbeere
i
Heidelbeere .
Schwarzbeere
79
Karte 16
e
Regensburg
Augsburg
-•••Illi
Münch
Porree
Lauch
Porree
keine
strenge Grenze
80
Karte 17
Nürnberg
Regensburg
Münch
Marienkäfer
Marienkäfer in ganz Bayern
Junikäfer
Maikäfer ~~j
(nach Eichhoff II, Karte 102)
6 BSR211
81
Karte 18
z z
4
Augsburg
Nürnberg
■
Illi' Re9ensbur9
Münch
Ausguß
(der Kaffeekanne)
Schnabel
Schnaube
Schnauze
Zutt(e), Zott(e)
82
Karte 19
Bierlokal
Kneipe
Beize (Boazen, Boiz)
6*
83
Karte 20
Bindfaden
Schnur . .
Strick . . .
Spagat . .
Kordel . .
in ganz Bayern
ss
84
Karte 21
Regensburg
Auqsburg AXv
Dachboden
Boden, Dachboden
Speicher
Bühne
in ganz Bayern außer dem Bühne-Gebiet
SS
Hl
85
Karte 22
e
I
Würzburg
• Nürnberg^
(((
(
Regensburg
Münch
Flaschenkorken
Korken, Kork .
Stöpsel
Stöpsel
Stoppen . . . .
in ganz Bayern
86
Karte 23
Münch
Regensburg
Handbesen
Handbesen, Besen
Beserl
Besele
Kehrwisch . . . .
Kehrbesen . . . .
in ganz Bayern
0
Kehrichtbesen
vereinzelt in der östlichen Hälfte Bayerns
87
Karte 24
Kehrschaufel
Schaufel (vereinzelt Kehricht-, Dreckschaufel)
Kutterschaufel
Schippe, Dreckschippe
in ganz Bayern
88
Karte 25
1
<
Regensburg
Augsburg /
/Münch
Klingel
Glocke
Schelle
Klingel
in ganz Bayern außer dem Schelle-Gebiet
und vereinzelt im Südwesten
in ganz Bayern, neben Glocke und Schelle; Klingel
hört man immer mehr im Süden in der Bedeutung ,elektrische Türklingel1
89
Karte 28
Scheune
Stadel . .
Scheuer .
Scheune
und vereinzelt in den Stadel- und Sc/iewer-Gebieten
92
Karte 29
ünch
ugsburg
N
ensbur
• •
Streichholz
Streichholz
Zündholz, -hölzl
keine strenge Grenze
93
Scheune
Stadel .
Scheuer
Scheune
und vereinzelt in den Stadel- und Scheuer-Gebieten
92
Karte 31
Regensburg
zwicken
■*
pelzet^ pfetzen
Augsburg
Munch
Kneifen
I
95
Karte 32
Mädchen
Mädl(e), Madl
Madia
Dirndl
Mädche(n) . . .
in ganz Bayern außer den Madia- und Mädchen-Gebieten
96
Karte 33
He He
He
He
He
e
He
He He
Ho
Schluckauf
Schnackler
Hets ch er
Hecker
Häscher
He
Hö
Schluckauf
Schlucker
Schluckser
7 BSR 211
97
Karte 34
Arbeiten
arbeiten
schaffen
98
Karte 35
ürzburg
• Nürnberg
Regensburg
Augsburg
Münch
■
Handwerker,
der Wasserrohre repariert
Installateur
Spengler .
Flaschner.
in ganz Bayern
7*
99
Karte 36
ürzburg
• Nürnberg
Regensburg
A u g s b u rgjlllllll
(Schnee)Schaufel, schaufeln
•W
•a\-a
•T«•••
(Schnee)Schaufel, schaufeln
(Schnee)Räumer, räumen
(Schnee)Schteber, -Schippe, schieben, schippen
in ganz Bayern
100
Karte 37
Nürnberg
Regensburg
Augsburg
Schornstein,
Schornsteinfeger
Kamin, Kaminkehrer
Schlot, Schlotfeger
Kamin, Kaminfeger
101
Karte 38
Würzburg
Nürnberg
Regensburg
Augsburg
Schulranzen
Schulranzen . .
Schulpack . . .
Büchertasche
Münch
102
Karte 39
Illlllllllll
Regensburg
Heute morgen
heut (e) früh
heut in der Früh(e) (neben heute früh)
103
Karte 40
Sechs Uhr fünfzehn
viertel sieben
viertel nach sechs
104
Karte 41
Nürnberg
Regensburg
T T
T T T
A
A A
A A
AÄ
rz
A
• •
Augsburg
VMünch
%
Abschiedsgruß
unter guten Freunden
Servus
Servus und Pfüeti (Gott)
Ade
Tschüß
und auch anderswo in Bayern, besonders unter jungen Leuten
105
Karte 42
Würzburg
• Nürnberg
e
Regensburg
Augsburg
Münch
Festzeit vor dem Aschermittwoch
Fasching
Fastnacht
in ganz Bayern
106
Karte 43
Regensburg
Augsburg
Nürnberg
Münch
*
Jahrmarkt
Volksfest
Kirchweihbzw. Kerwe, Kirbe
Messe (seltener: Kirmes) . . .
Dult
in ganz Bayern
Rummel und Jahrmarkt
9
vereinzelt, selten in Bayern
107
Karte 44
Fangen (spielen)
Fange(r)les, seltener Fangen
Fangamandel, Fangermandel
Fangeri
Nachlauf(en)
Fango
Fang(k)us
Fangst erl
. vereinzelt in Südostbayern
108
Karte 45
Würzburg
Nürnberg
Regensburg
Augsburg
Münch
Murmeln
Schusser
Murmeln
Glugger, -ck-
Klicker
K K
109
Karte 46
Wurzburg H H
HHHH
\ uHHhh
\ /'/"•Nürnberg
V hhh
e
9
Regensburg;
Münch
r
Rutschbahn (auf dem Eis)
Rutschbahn, Rutsche
Eisbahn
Schleifbahn, Schleife
Hetschelbahn ....
in ganz Bayern
HH
110
Karte 47
Würzburg H H” '
Hhh^
V HHHH
\ i-i ^/«Nürnberg
kx HHHH
Regensburg
'm X
Augsburg
Münch
Rutschen (auf dem Eis)
rutschen .
schleifen .
hetscheln .
in ganz Bayern
HH
111
Karte 48
Würzburg
Nürnberg
e
Regensburg
Augsburg
Münch
Springseil
Strick
Hüpf-, Hupf seil (ohne Umlaut mehr im Süden Bayerns) [ml!
Seil (seltener: Springseil) . . in ganz Bayern, aber mehr im Süden als im Norden
(nach Eichhoff I, Karte 51)
112
Steinschleuder
Schleuder (seltener: Steinschleuder)
Zwistei, Zwiesel
Karte 50
Krawatte
Krau/a tie
Binder, Selbstbinder
ScM'Ps vereinzelt in Nordbayern
114
Karte 51
SS
SS
SS
S SS
SSSS
• Nürnber
sss
Regensburg
►
Augsburg
Münche
Schnürsenkel
Schuhbänd(e)l [
Schuhband(e)l [g
Schuhband |||| ||| |||
Schnürbändl s s
Schnürsenkel immer mehr in Bayern, hauptsächlich im Geschäft
8*
115
Karte 52
Würzburg
• *
< Nürnberg
e
Regensburg
Augsburg
Münch
(Äpfel) aufheben, auflesen
(zusammen)klauben
auflesen, zusammenlesen
116
Karte 53
Tg-j s,
Illi
lllllll
J
• Nürnberg
Augsburg
Münch
Guck
schau
guck
lug
LLL
(nach Eichhoff I, Karte 8)
117
Karte 54
Würzburg
\
• Nürnberg
e
Regensburg
Augsburg
Münch
Nicht wahr?
gell
gä(i),-o-,-ö-
nicht, nicht wahr (eigtl. nit, nit wohr)
in ganz Bayern
118
Verkaufen für
verkaufen um
verkaufen für
(nach Eichhoff II, Karte 117)
119
Karte 56
Nürnberg
Regensburg
» l
Augsburg
Münch
* •» •» •
-chen/-lein
-le
~(e)l
-la
-erl
-che(n)
□
er/
(nach Eichhoff II, Karte 121)
120
Karte 57
Regensburg
Münch
China
(Aussprache)
wie Kina
wie Schina
(nach Eichhoff II, Karte 112)
121
Karte 58
Münch
Ich habe
gestanden/gesessen
Ich bin
Ich war (neben ich bin)
Ich habe
in ganz Bayern
(nach Eichhoff II, Karte 125)
122
Karte 59
Regensburg
Münch
Nicht
(Aussprache)
nit, net
nich(t), nisch(t)
it
(nach Eichhoff II, Karte 116)
123
Karte 58
Münch
Ich habe
gestanden/gesessen
Ich bin
Ich war (neben ich bin)
Ich habe
in ganz Bayern
(nach Eichhoff II, Karte 125)
122
Karte 59
Regensburg
Münch
Nicht
(Aussprache)
nit, net
nich(t), nisch(t)
it
(nach Eichhoff II, Karte 116)
123
in. Wortregister
Das Register enthält die standardsprachlichen Stichwörter des ,,Wörterbuchs“ (in
kursiver Schreibweise) wie auch die unter diesen Stichwörtern behandelten regiona¬
len bayerischen Ausdrücke (in normaler Schreibweise). Die kursiv gesetzten Seiten¬
zahlen beziehen sich auf die entsprechenden ,,Wortkarten“.
Abendbrot, -essen, -mahlzeit s. Abend¬
mahlzeit 27, 65
abklopfen s. Fangen 50, 108
Abschiedsgruß 47, 105
Absicht 41
Ade s. Abschiedsgruß 47, 105
Adeckele s. Endstück des Brotes 28, 69
adieu s. Abschiedsgruß 47, 105
akkurat s. genau 53
Alsterwasser s. Getränk, gemischt aus Bier
und Limonade 29
Amihose s. Blue Jeans 52
andernfalls 53
(sich etwas) aniegen, -tun s. anziehen 52
ansonsten s. andernfalls 53
(sich etwas) anziehen 52
Apfelrest 32, 78
Apfelsine 32
arbeiten 44, 98
artig 41
aufgeregt bzw. zornig 41
aufheben, -lesen 53, 116
aufputzen s. aufwischen 36
aufschlagen s. teurer werden 54
Auf Wiedersehen s. Abschiedsgruß 47.
105
aufwisehen 36
Augendeckel, -lid s. Augenlid 41
ausg(e)schamt s. unverschämt 44
Ausguß 36, 82
Auto 37
Backe/Wange 41
Backenzahn 42
Backe(r)s s. Kartoffelpfannkuchen 29, 72
Backhendl s. Huhn 34
Batzel(n), Batzen s. Mehlklümpchen 30,
75
Bauchschmerzen, -weh s. Schmerzen 44
Beil 45
Bein s. Bein/Fuß/Knochen 42
Beize s. Bierlokal 37, 83
(sich) bemühen 42
Bergkirchweih s. Jahrmarkt 49, 107
Berliner Pfannkuchen 27
Besele, Besen, Beserl s. Handbesen 38,
87
Beule 42
Bibeleskäs(e) s. Quark 30
Bierlokal 37, 83
(ich) bin (gestanden/gesessen) s. (ich)habe
(gestanden/gesessen) 58, 122
Binder s. Krawatte 52, 114
Bindfaden 37, 84
Bingl, Binkl s. Beule 42
bißchen 57
biss(e)l, bißle, -la s. bißchen 57
Blaukraut s. Rotkohl 34
Blumenkohl 32
Blue Jeans 52
Boazen s. Bierlokal 37, 83
Boden s. Dachboden 38, 85
Boiz s. Bierlokal 37, 83
Bollen s. Mehlklümpchen 30, 75
Bonbon 27, 66
ordstein 37
Boullion s. (Fleisch)Brühe 28
Brathendl s. Huhn 34
Bratkartoffeln 27
brav s. artig 41
Brösel s. Brotkrumen 28
Brot s. (ein) Brot 27, 67 und Brotscheibe
28
Brötchen 28, 68
Brotkrumen 28
Brotrinde 28
127
Brotscheibe 28
Brotzeit s. Zweites Frühstück 31, 77,
Zwischenmahlzeit am Nachmittag (am
Arbeitsplatz) 31 und Zwischenmahlzeit
am Nachmittag (in der Familie) 32
Brühe s. (Fleisch)Brühe 28
Bua, Bub(e) s. Junge 43
Büchertasche s. Schulranzen 46, 102
Büchse s. Dose/Büchse 38
Bühne s. Dachboden 38, 85
Bulldog s. Traktor 46
Bürgersteig 37
Busse(r)l, busseln s. Kuß/küssen
Butze(n) s. Apfelrest 32, 78
43
Champignon s. Pilz 33
-chen/-lein 57, 120
China (Aussprache des Ch-) 57, 121
Christbaum s. Weihnachtsbaum 50
Christkind(l(e)) s. Weihnachtsmann 50
Dachboden 38, 85
daheim s. zu Hause 41
Dalk(et) s. dumm 42
damisch s. dumm 42
damischer Hansl s. Kreisel 51
eben 53
Eck(e) s. Ecke 53
eh(e)nder s. eher 53
eher 53
Einbrenne s. Mehlschwitze 30
ein Brot 27, 67
Eis 28
Eisbahn s. Rutschbahn/rutschen auf dem
Eis 51, 110 und 111
Eisbein 28
-el s. -chen/-lein 57, 120
Endstück des Brotes 28, 69
enk s. ihr 54
Erdapfel s. Kartoffel 33
(sich) erinnern an, ~ auf s. (sich) erinnern
an 53
(sich) erkälten 42, 94
-erl s. -chen/-lein 57, 120
Em s. Hausflur 39
„erschte“ (Aussprache von erste) s. erste
57
erste (Aussprache des -s-) 57
es s. ihr 54
es gibt 53
es hat s. es gibt 53
Essen 29
Decke 38
denken an, ~ auf s. denken an 53
Depp(et) s. dumm 42
Derfangeles s. Fangen 50, 108
dicke Milch s. Sauermilch 31, 76
Dickmilch s. Sauermilch 31, 76
dieses Jahr 46
Dilldapp s. Kreisel 51
Dirnd(e)l s. Mädchen 43, 96
Dose s. Dose/Büchse 38
Dotsch s. Kartoffelpfannkuchen 29, 72
Dral(l)a s. Kreisel 51
Dreckschaufel, -schippe s. Kehrschaufel
39, 88
dreiviertel sechs s. fünf Uhr fünfundvier¬
zig 46
Drendler s. Kreisel 51
droben s. oben 54
„Dschiraffe" (Aussprache von Giraffe)
s. Giraffe 58
Dult s. Jahrmarkt 49, 107
dumm 42
Fang s. Fangen 50, 108
Fangamandl s. Fangen 50, 108
Fangelens s. Fangen 50, 108
Fangeies s. Fangen 50, 108
Fangelings s. Fangen 50, 108
Fangeluns s. Fangen 50, 108
Fangen s. Fangen 50, 108
Fangeri s. Fangen 50, 108
Fangerlens s. Fangen 50, 108
Fangerles s. Fangen 50, 108
Fangerlets s. Fangen 50, 108
Fangerlings s. Fangen 50, 108
Fängerin s. Fangen 50, 108
Fangermandl s. Fangen 50, 108
Fango s. Fangen 50, 108
Fangkuß s. Fangen 50, 108
Fang mich s. Fangen 50, 108
Fangste(r)l s. Fangen 50, 108
Fangu(u)s s. Fangen 50, 108
Fasching s. Festzeit vor dem Aschermitt¬
woch 49, 106
128
Faschingskrapfen s.
27
erliner Pfannkuchen
Fas(t)nacht s. Festzeit vor dem Aschermitt¬
woch 49, 106
fegen 45
Fersche, -se, sen s. Ferse 42
festhalten 53
Festzeit vor dem Aschermittwoch 49, 106
Flaschenkorken 38, 86
Flaschner s. Handwerker, der Wasserrohre
repariert 45, 99
(Fleisch)Brühe 28
Fleischer 45
Fleischklößchen, -küchle, -pflanzerl s.
Frikadelle 29, 70
(etwas mit) Fleiß (tun) s. Absicht 41
Fliegerbier s. Getränk, gemischt aus Bier
und Limonade 29
Flur s. Hausflur 39
Fotze(n) s. Ohrfeige 44
Frikadelle 29, 70
Frühjahr s. Frühling 46
Frühling 46
Frühlingsfest s. Jahrmarkt 49, 107
fünf Uhr fünfundvierzig 46
Fuß s. Bein/Fuß/Knochen 42
Fußweg s. Bürgersteig 37
ä(i) s. nicht wahr 54, 118
Gang s. Hausflur 39
Gardine 38
Gasse s. Straße 40
Gaul s. Pferd 35
Gefneß s. Gesicht 43
Gefrorenes s. Eis 28
gehauen 58
gehaut s. gehauen 58
Gehsteig, -weg s. Bürgersteig 37
Geiß s. Ziege 36
Geißel s. Peitsche 54
gelbe Rübe, ~ Ruabm s. Möhre 33
■ gell s. nicht wahr 54, 118
gell Ruam s. Möhre 33
genau 53
geröhste Kartoffeln s. Bratkartoffeln 27
g(e)schwind s. schnell 54
Gesicht 43
gestandene Milch s. Sauermilch 31, 76
gesto(ö)ck(el)te Milch s. Sauermilch
31, 76
Gesundheitskuchen s. Napfkuchen/Topf¬
kuchen 30
Getränk, gemischt aus Bier und Limonade
29
gewiß 53
Gickel s. Endstück des Brotes 28, 69
Giraffe (Aussprache des G-) 58
Glocke s. Klingel 39, 89
Glucker, -gg- s. Murmeln 51, 109
Gnahtsle s. Endstück des Brotes 28, 69
Go(a)ß s. Ziege 36
go(ö)(i) s. nicht wahr 54, 118
gra(ä)uslich s. schrecklich, häßlich 54
greislich s. schrecklich, häßlich 54
Gn(e)bs s. Apfelrest 32, 78
Grummbir s. Kartoffel 33
Grünkohl 32
Grüß Gott s. Guten Tag 49
Gu(a)t(s)l(e) s. Bonbon 27, 66
guck 54
Guglhupf s. Napfkuchen/Topfkuchen 30
Gurke 33
Guten Tag 49
Guts-chen s. Bonbon 27, 66
(Ich) habe gestanden/gesessen 48, 122
Hacke(n) s. Beil 45
Hadern s. Lumpen 39 und Scheuertuch
40, 91
Hafen s. Topf 41
Halbe s. Getränk, gemischt aus Bier und
Limonade 29
halt s. eben 53
Hand 43
Handbesen 38, 87
Handwerker, der Wasserrohre repariert 45,
99
Harke 38
häßlich s. schrecklich, häßlich 54
(er) hat (gesungen) s. sang/hat gesungen
59
Haube s. Mütze 52
hauen s. gehauen 58
Hausflur 39
Hausgang s. Hausflur 39
heben s. festhalten 53
Hecker s. Schluckauf 44, 97
9 BSR211
129
Heidelbeere 33, 79
heim s. nach Hause 39
Heimatfest s. Jahrmarkt 49, 107
hell 54
Hemd 52
Hendl, Henne s. Huhn 34
Hetschelbahn s. Rutschbahn/rutschen auf
dem Eis 51, 110 u. 111
hetscheln s. Rutschbahn/rutschen auf dem
Eis 51, 110 u. 111
Hetscher s. Schluckauf 44, 97
heuer s. dieses Jahr 46
heut(e) früh s. heute morgen 47
heute morgen 47
heut in der Früh(e) s. heute morgen 47
Hicking, -er s. Schluckauf 44, 97
Hoibe s. Getränk, gemischt aus Bier und
Limonade 29
Holder, Holler s. Holunder 33
Holunder 33
Höscher s. Schluckauf 44, 97
Huhn 34
Hund 34
Hu(ü)pfseil s. Springseil 51, 112
ihr 54
Installateur s. Handwerker, der Wasser¬
rohre repariert 45, 99
it s. nicht 59, 123
Jahrmarkt 49, 107
Jean(s) s. Blue Jeans 52
Junge 43
Junikäfer(l) s. Marienkäfer 35, 81
Käffee/Kaffee (Betonung) 58
Kaffee(trinken) s. Zwischenmahlzeit am
Nachmittag (in der Familie) 32
Kamin(kehrer, -feger) s. Schornsteinfe¬
ger) 45, 101
Kant(e) s. Endstück des Brotes 28, 69
Kappe s. Mütze 52
Karfiol s. Blumenkohl 32
Kartoffel 33
Kartoffelbrei 29, 71
Kartoffelpfannkuchen 29, 72
Kartoffelpuffer s. Kartoffelpfannkuchen
29, 72
Kartoffelpüree, -stampf s. Kartoffelbrei
29, 71
Käute s. Pustel 44
Kehrbesen s. Handbesen 38, 87
kehren s. fegen 45
Kehrichtbesen s. Handbesen 38, 87
Kehrichtschaufel s. Kehrschaufel 39, 88
Kehrschaufel 39, 88
Kehrwisch s. Handbesen 38, 87
Kerbe s. Jahrmarkt 49, 107
Kiliansfest s. Jahrmarkt 49, 107
,,Kina“ (Aussprache von China) s.
China (Aussprache) 57, 121
Kipf s. ein Brot 27, 67
Kipf(e)l s. Brötchen 28, 68 und Endstück
des Brotes 28, 69
Kirbe s. Jahrmarkt 49, 107
Kirchweih s. Jahrmarkt 49, 107
Kirmes s. Jahrmarkt 49, 107
klauben s. aufheben, -lesen 53, 116
Klicker s. Murmeln 51, 109
Klingel 39, 89
(es) klingelt 39, 90
Kloß 29, 73
Klümpchen s. Mehlklümpchen 30, 75
Klumpen s. Mehlklümpchen 30, 75
Klümple s. Mehlklümpchen 30, 75
Knäusle s. Endstück des Brotes 28, 69
kneifen 43, 95
Kneipe s. Bierlokal 37, 83
Knetzla s. Endstück des Brotes 28, 69
Knochen s. Bein/Fuß/Knochen 42 und
Knochen 43
Knochen 43
Knödel s. Kloß 29, 73
Knörzchen, -(e)l s. Endstück des Brotes
28, 69
kochen 39
Konditor 45
Kopfschmerzen, -weh s. Schmerzen 44
Koppela s. Endstück des Brotes 28, 69
Kopple s. Endstück des Brotes 28, 69
Kordel s. Bindfaden 37, 84
Kork(en) s. Flaschenkorken 38, 86
Korn(brot) s. Roggen 34
Korridor s. Hausflur 39
Krapfen s. Berliner Pfannkuchen 27
Krauskohl s. Grünkohl 32
Kraut s. Weißkohl 34
130
Krawatte 52, 114
Kreisel 51
Kre(n) s. Meerrettich 33
Kronsbeere s. Preißelbeere 34
Krotzen s. Apfelrest 32, 78
Krüstchen s. Endstück des Brotes 28, 69
Kruste s. Endstück des Brotes 28, 69 und
Brotrinde 28
Kukumer s. Gurke 33
Kümmerling s. Gurke 33
Kuß, küssen 43
Kutterschaufel s. Kehrschaufel 39, 88
-la s. -chen/-lein 57, 120
Laabla s. Brötchen 28, 68
Laib s. ein Brot 27, 67
Lappen s. Lumpen 39
Lauch s. Porree 34, 80
(es) läutet s. (es) klingelt 39, 90
-le(in) s. -chen/-lein 57, 120
Lecker s. Lutscher 30, 74
(es) leit(et) s. (es) klingelt 39, 90
„letschte“ (Aussprache von letzte) s.
(der) letzte 58
(der) letzte (Aussprache) 58
Leut(e) 59
Levis s. Blue Jeans 52
licht s. hell 54
lug s. guck 54, 117
Lumpen s. Lumpen 39 und Scheuertuch
40, 91
Lumpen 39
Lutscher 30, 74
Mädchen 43, 96
Madl(a), Mädl(e) s. Mädchen 43, 96
Maikäfer(l) s. Marienkäfer 35, 81
Marienkäfer 35, 81
Marienkäfer(l) s. Marienkäfer 35, 81
Markt s. Jahrmarkt 49, 107
Maß s. Getränk, gemischt aus Bier und Li¬
monade 29
Maulwurf 35
Meerrettich 33
Mehlklümpchen 30, 75
Mehlschwitze 30
meinetwegen 54
Messe s. Jahrmarkt 49, 107
metzgen s. Fleischer 45
Metzger(ei) s. Fleischer 45
mir s. wir 60
Möhre 33
Mohrenkopf s. Negerkuß 30
Moß s. Getränk, gemischt aus Bier und Li¬
monade 29
Motte 35
Mu(ü)ck(e) s. Stechmücke 36
Murmeln 51, 109
Mut 43
Mütze 52
nach Hause 39
Nachlaufen s. Fangen 50, 108
Nachspeise s. Nachtisch 30
Nachthaferl s. Nachttopf 40
Nachtisch 30
Nachtscherbe(n) s. Nachttopf 40
Nachttopf 40
Napfkuchen/Topfkuchen 30
Nase putzen s. Nase reinigen 44
Nase reinigen 44
ned s. nicht 59, 123 und nicht wahr 54,
118
Negerkuß 30
nemme s. nicht mehr 59, 124
net s. nicht 59, 123 und nicht wahr 54,
118
ne(t) mehr s. nicht mehr 59, 124
nich(t) s. nicht 59, 123
nich(t) mehr s. nicht mehr 59, 124
nich(t) wahr, ~ wohr s. nicht wahr 54,
118
nid s. nicht 59, 123
nimme(r) s. nicht mehr 59, 124
nisch(t) s. wic/il 59, 123
nit s. nicht 59, 123
ni(t) mehr s. nicht mehr 59, 124
nit (wahr, wohr) s. nicht wahr 54, 118
Nockerl s. Kloß 29, 73
oben 54
Ochsenfleisch s. Rindfleisch 31
Ohrfeige 44
Orange, Orahsch usw. s. Apfelsine 32
ös s. ihr 54
Peitsche 54
Pfeid(ler) s. Hemd 52
9*
131
Heidelbeere 33, 79
heim s. nach Hause 39
Heimatfest s. Jahrmarkt 49, 107
hell 54
Hemd 52
Hendl, Henne s. Huhn 34
Hetschelbahn s. Rutschbahn/rutschen auf
dem Eis 51, 110 u. 111
hetscheln s. Rutschbahn/rutschen auf dem
Eis 51, 110 u. 111
Hetscher s. Schluckauf 44, 97
heuer s. dieses Jahr 46
heut(e) früh s. heute morgen 47
heute morgen 47
heut in cfer Früh(e) s. heute morgen 47
Hicking, -er s. Schluckauf 44, 97
Hoibe s. Getränk, gemischt aus Bier und
Limonade 29
Holder, Holler s. Holunder 33
Holunder 33
Höscher s. Schluckauf 44, 97
Huhn 34
Hund 34
Hu(ü)pfseil s. Springseil 51, 112
ihr 54
Installateur s. Handwerker, der Wasser¬
rohre repariert 45, 99
it s. nicht 59, 123
Jahrmarkt 49, 107
Jean(s) s. Blue Jeans 52
Junge 43
Junikäfer(l) s. Marienkäfer 35, 81
Käffee/Kaffee (Betonung) 58
Kaffee(trmken) s. Zwischenmahlzeit am
Nachmittag (in der Familie) 32
Kamin(kehrer, -feger) s. Schornsteinfe¬
ger) 45, 101
Kant(e) s. Endstück des Brotes 28, 69
Kappe s. Mütze 52
Karfiol s. Blumenkohl 32
Kartoffel 33
Kartoffelbrei 29, 71
Kartoffelpfannkuchen 29, 72
Kartoffelpuffer s. Kartoffelpfannkuchen
29, 72
Kartoffelpüree, -stampf s. Kartoffelbrei
29, 71
Kaute s. Pustel 44
Kehrbesen s. Handbesen 38, 87
kehren s. fegen 45
Kehrichtbesen s. Handbesen 38, 87
Kehrichtschaufel s. Kehrschaufel 39, 88
Kehrschaufel 39, 88
Kehrwisch s. Handbesen 38, 87
Kerbe s. Jahrmarkt 49, 107
Kiliansfest s. Jahrmarkt 49, 107
,,Kina“ (Aussprache von China) s.
China (Aussprache) 57, 121
Kipf s. ein Brot 27, 67
Kipf(e)l s. Brötchen 28, 68 und Endstück
des Brotes 28, 69
Kirbe s. Jahrmarkt 49, 107
Kirchweih s. Jahrmarkt 49, 107
Kirmes s. Jahrmarkt 49, 107
klauben s. aufheben, -lesen 53, 116
Klicker s. Murmeln 51, 109
Klingel 39, 89
(es) klingelt 39, 90
Kloß 29, 73
Klümpchen s. Mehlklümpchen 30, 75
Klumpen s. Mehlklümpchen 30, 75
Klümple s. Mehlklümpchen 30, 75
Knäusle s. Endstück des Brotes 28, 69
kneifen 43, 95
Kneipe s. Bierlokal 37, 83
Knetzla s. Endstück des Brotes 28, 69
Knochen s. Bein/Fuß/Knochen 42 und
Knochen 43
Knochen 43
Knödel s. Kloß 29, 73
Knörzchen, -(e)l s. Endstück des Brotes
28, 69
kochen 39
Konditor 45
Kopfschmerzen, -weh s. Schmerzen 44
Koppela s. Endstück des Brotes 28, 69
Kopple s. Endstück des Brotes 28, 69
Kordel s. Bindfaden 37, 84
Kork(en) s. Flaschenkorken 38, 86
Korn(brot) s. Roggen 34
Korridor s. Hausflur 39
Krapfen s. Berliner Pfannkuchen 27
Krauskohl s. Grünkohl 32
Kraut s. Weißkohl 34
130
Krawatte 52, 114
Kreisel 51
Kre(n) s. Meerrettich 33
Kronsbeere s. Preißelbeere 34
Krotzen s. Apfelrest 32, 78
Krüstchen s. Endstück des Brotes 28, 69
Kruste s. Endstück des Brotes 28, 69 und
Brotrinde 28
Kukumer s. Gurke 33
Kümmerling s. Gurke 33
Kuß, küssen 43
Kutterschaufel s. Kehrschaufel 39, 88
-la s. -chen/-lein 57, 120
Laabla s. Brötchen 28, 68
Laib s. ein Brot 27, 67
Lappen s. Pumpen 39
Lauch s. Porree 34, 80
(es) läutet s. (es) klingelt 39, 90
-le(in) s. -chen/-lein 57, 120
Lecker s. Lutscher 30, 74
(es) leit (et) s. (es) klingelt 39, 90
,,letschte“ (Aussprache von letzte)
(der) letzte 58
(der) letzte (Aussprache) 58
Leut(e) 59
Levis s.
licht s. hell 54
lug s. guck 54, 117
Lumpen s. Lumpen 39 und Scheuertuch
40, 91
Lumpen 39
Lutscher 30, 74
Mädchen 43, 96
Madl(a), Mädl(e) s. Mädchen 43, 96
Maikäfer(l) s. Marienkäfer 35, 81
Marienkäfer 35, 81
Manenkäfer(l) s. Marienkäfer 35, 81
Markt s. Jahrmarkt 49, 107
Maß s. Getränk, gemischt aus Bier und Li¬
monade 29
Maulwurf 35
Meerrettich 33
Mehlklümpchen 30, 75
Mehlschwitze 30
meinetwegen 54
Messe s. Jahrmarkt 49, 107
metzgen s. Fleischer 45
Metzger(ei) s. Fleischer 45
mir s. wir 60
Möhre 33
Mohrenkopf s. Negerkuß 30
Moß s. Getränk, gemischt aus Bier und Li¬
monade 29
Motte 35
Mu(ü)ck(e) s. Stechmücke 36
Murmeln 51, 109
Mut 43
Mütze 52
nach Hause 39
Nachlaufen s. Fangen 50, 108
Nachspeise s. Nachtisch 30
Nachthaferl s. Nachttopf 40
Nachtisch 30
Nachtscherbe(n) s. Nachttopf 40
Nachttopf 40
Napfkuchen/Topfkuchen 30
Nase putzen s. Nase reinigen 44
Nase reinigen 44
ned s. nicht 59, 123 und nicht wahr 54,
118
Negerkuß 30
nemme s. nicht mehr 59, 124
net s. nicht 59, 123 und nicht wahr 54,
118
ne(t) mehr s. nicht mehr 59, 124
nich(t) s. nicht 59, 123
nich(t) mehr s. nicht mehr 59, 124
nich(t) wahr, ~ wohr s. nicht wahr 54,
118
nid s. nicht 59, 123
nimme(r) s. nicht mehr 59, 124
nisch(t) s. nic/tf 59, 123
nit s. nicht 59, 123
ni(t) mehr s. nicht mehr 59, 124
nit (wahr, wohr) s. nicht wahr 54, 118
Nockerl s. Kloß 29, 73
oben 54
Ochsenfleisch s. Rindfleisch 31
Ohrfeige 44
Orange, Orahsch usw. s. Apfelsine 32
ös s. ihr 54
Peitsche 54
Pfeid(ler) s. Hemd 52
9*
131
Pferd 35
p(f)etzen s. kneifen 43, 95
Pfüeti (Gott) s. Abschiedsgruß 47, 105
Pilz 33
Plafond s. Decke 38
Plärrer s. Jahrmarkt 49, 107
Porree 34, 80
Potsdamer s. Getränk, gemischt aus Bier
und Limonade 29
Praß (haben) s. aufgeregt bzw. zornig 41
Pratze s. Hand 43
Preißelbeere 34
(sich) prügeln 44
Pustel 44
putzen s 5 reinigen 40
Putzfrau 45
Putzlappen, -lumpen s. Scheuertuch 40,
91
Quark 30
radeln s. radfahren 51
radfahren 51
Radler(halbe, -maß) s. Getränk, gemischt
aus Bier und Limonade 29 und radfahren
51
Rahle(hoibe, -moß) s. Getränk, gemischt
aus Bier und Limonade 29
Rahm s. Sahne 31
Randstein s. Bordstein 37
Ränftl s. Endstück des Brotes 28, 69
Ranzen s. Schulranzen 46, 102
(sich) raufen s. (sich) prügeln 44
Rechen s. Harke 38
Reiberdatschi s. Kartoffelpfannkuchen 29,
72
reinigen (die Zimmer ~) 40
Rinde s. Brotrinde 28
Rindfleisch 31
Rinkele s. Endstück des Brotes 28, 69
Roggen 34
Roß s. Pferd 35
Röstkartoffeln s. Bratkartoffeln 27
Rotkohl 34
Rutschbahn, -e, -en s. Rutschbahn/rut¬
schen auf dem Eis 51, 110 u. 111
Sahne 31
Samstag s. Samstag/Sonnabend 47
sang s. sang/hat gesungen 59
sauber machen s. reinigen 40
Sauermilch 31, 76
saure Milch s. Sauermilch 31, 76
Schabe s. Motte 35
schaffen s. arbeiten 44, 98
schau s. guck 54, 117
Schaufel s. Kehrschaufel 39, 88 und
Schneeschaufel 45, 100
schaufeln s. Schnee schaufeln 45, 100
Schelle s. Ohrfeige 44 und Klingel 39, 89
(es) schellt s. (es) klingelt 39, 90
Scherbe(n) s. Nachttopf 40
Scher(maus) s. Maulwurf 35
Scherz(e)l s. Endstück des Brotes 28, 69
Scheuer s. Scheune 40, 92
Scheuertuch 40, 91
Scheune 40, 92
schieben, Schieber s. Schneeschaufel,
Schnee schaufeln 45, 100
Schippe, schippen s. Schneeschaufel,
Schnee schaufeln 45, 100
schiech (sein) s. aufgeregt bzw. zornig 41
schier s. gewiß 53
,,Schina“ (Aussprache von China) s.
China 57, 121
Schippe s. Kehrschaufel 39, 88 und
Schneeschaufel 45, 100
(er) schla(ä)ft s. (er) schläft 59, 125
Schlagrahm, -sahne s. Sahne 31
Schleifbahn s. Rutschbahn/rutschen auf
dem Eis 51, 110 u. 111
Schleife s. Rutschbahn/rutschen auf dem
Eis 51, 110 u. 111
schleife(r)n s. Rutschbahn/rutschen auf
dem Eis 51, 110 u. 111
Schleuder s. Steinschleuder 51, 113
Schlips s. Krawatte 52, 114
schloaft s. (er) schläft 59, 125
Schlot(feger) s. Schornsteinfeger) 45, 101
Schlotzer s. Lutscher 30, 74
Schluckauf 44, 97
Schlucke(r)n s. Schluckauf 44, 97
Schluckser s. Schluckauf 44, 97
Schmerzen 44
Schnabel s. Ausguß 36, 82
Schnack(e)l(e(r)) s. Schluckauf 44, 97
Schnake s. Stechmücke 36
Schnaube s. Ausguß 36, 82
132
Schnauferi s. Auto 37
Schnauze s. Ausguß 36, 82
Schnee räumen s. Schneeschaufel bzw.
Schnee schaufeln 45, 100
Schneeräumer s. Schneeschaufel bzw.
Schnee schaufeln 45, 100
Schneeschaufel s. Schneeschaufel bzw.
Schnee schaufeln 45, 100
Schnee schaufeln s. Schneeschaufel bzw.
Schnee schaufeln 45, 100
Schnee schieben s. Schneeschaufel bzw.
Schnee schaufeln 45, 100
Schneeschieber s. Schneeschaufel bzw.
Schnee schaufeln 45, 100
Schneeschippe s. Schneeschaufel bzw.
Schnee schaufeln 45, 100
Schnee schippen s. Schneeschaufel bzw.
Schnee schaufeln 45, 100
Schneid (haben) s. Mut 43
schneizen s. Nase reinigen 44
schnell 54
Schneppe s. Ausguß 36, 82
schneuzen s. Nase reinigen 44
Schnur s. Bindfaden 37, 84
Schnurbändl s. Schnürsenkel 52, 115
Schnürsenkel 52, 115
Schomstein(feger) 45, 101
schrecklich, häßlich 54
Schreiner s. Tischler 46
Schuhba(ä)nd(l) s. Schnürsenkel 52, 115
Schulpack s. Schulranzen 46, 102
Schulranzen 46, 102
Schusser s. Murmeln 51, 109
Schwamm(erl) s. Pilz 33
Schwarzbeere s. Heidelbeere 33, 79
Schweinshaxl, -haxn s. Eisbein 28
sechs Uhr fünfzehn 47, 104
Seiher s. Teesieb 41
Seil s. Springseil 51, 112
Selbstbinder s. Krawatte 52, 114
Semmel s. Brötchen 28, 68
Servus s. Abschiedsgruß 47, 105
sieden s. kochen 39
Sonnabend s. Samstag/Sonnabend 47
Spagat s. Bindfaden 37, 84
Speicher s. Dachboden 38, 85
Speise, speisen s. Essen 29
Spengler s. Handwerker, der Wasserrohre
repariert 45, 99
Springseil 51, 112
stad s. artig 41
Stadel s. Scheune 40, 92
Staunz(e(n)) s. Steckmücke 36
Stechmücke 36
Steinschleuder 51, 113
Stiege s. Treppe 41
Stockzahn s. Backenzahn 42
Stollen s. ein Brot 27, 67
Stopfer s. Kartoffelbrei 29, 71
Stoppen s. Flaschenkorken 38, 86
Sto(ö)psel s. Flaschenkorken 38, 86
Store s. Gardine 38
Straße 40
Streichholz 40, 93
Streichhölzl s. Streichholz 40, 93
Strick s. Bindfaden 37, 84 und Springseil
51, 112
Stück(l) Brot s. Brotscheibe 28
Stüzle s. Endstück des Brotes 28, 69
Suppe s. (Fleisch)Brühe 28
Surhaxn s. Eisbein 28
Täbak/Tabäk 59
Tanzbär s. Kreisel 51
Tatsche s. Hand 43
ta(ä)tsche(l)n s. Hand 43
Tatze s. Hand 43
Teesieb 41
teurer werden 54
Tischler 46
Topf 41
Topfen s. Quark 30
Topfkuchen/Napfkuchen 30
trachten s. (sich) bemühen 42
Traktor 46
Treppe 41
Trottoir s. Bürgersteig 37
tschüß s. Abschiedsgruß 47, 105
(der/das) Tünnel/Tunnel 59
unverschämt 44
Verfang((e)les) s. Fangen 50, 108
Vergangenheitsformen s. sang/hatgesun¬
gen 59
(sich) verkälten s. sich erkälten 42, 94
verkaufen für/um 54, 119
(sich) verkühlen s. sich erkälten 42, 94
133
In Vorbereitung
Gertrud Ronde
Die bayerische Mundart
Gerhard W. Baur
Die schwäbisch-alemannische Mundart
Maria Hornung
Die österreichische Mundart
Roland Ris
Die schweizerische Mundart
Eberhard Wagner
Die fränkische Mundart
Hans Friebertshäuser
Die hessische Mundart
Walter Hoffmann/Klaus J. Mattheier
Die rheinisch-moselfränkische Mundart
Jürgen Meier
Die niederdeutsche Mundart
Verlag C. H. Beck • München
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Der Tourist, der sich über einen
regionalen Ausdruck wundert, der
Ansässige, der sich fiir die Eigen¬
tümlichkeit seiner Alltagssprache
interessiert, - sie und alle Sprach¬
liebhaber finden in diesem Nach¬
schlagewerk eine übersichtliche
und zuverlässige Information zu
den baierischen, fränkischen und
schwäbischen Ausdrücken fiir über
200 alltägliche Dinge und Begriffe.
62 Wortkarten zeigen auf einen
Blick die Verbreitungsgebiete der
jeweiligen Ausdrücke. Aucji Kul-
turgeschichtliches und Etymologi¬
sches zum regionalen Worte¬
brauch im Bundesstaat Bayeil^.
kommt zur Sprache.
Roland A. Wolff, der selbst Feld-
forschung in Bayern und Baden-
Württemberg betrieben hat, ist
Assistenzprofessor fiir Deutsche
Sprache an der Universität in Fort
Collins, Colorado.
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